CA.T.A. К 1885. Gb 2620 GA 2620 مرن PTPT Und er nahm das Brod, dank. to und brachs etc. Betrachtungen und Gebete bey der Beichtund Abendmahlsfeyer, gesammelt aus den vorzüglich ern neuen Communionbüchern. Nebst Morgen- und Abendandachten auf jeden Tag der Woche. Zwickau, in der Höferschen Buchdruckeren. 20 Univ.- Biel. Giessen Inhalt. Morgengebet am Lage, da man beichten will. S. 1 Vorbereitung vor der Beichte. 5 15 tt. 21 I. Betrachtung über das heilige Abendmahl. II. Selbstprüfung und Gewissensprüfung. III. Erkenntniß gänzlicher Unwürdigkeit der Gnade Gottes, und der Nothwendigkeit einer göttlichen Erlösung. IV. Betrachtung über die Wichtigkeit des Konfirmationstages. V. Anleitung zur Selbstprüfung für junge Christen, welche zum erstenmale an der Abendmahlsfeyer Theil nehmen. 24 und herrschender Sünden bewußt ist. XIII. Gebet vor der Beichte in der Kirche. XIV. Betrachtung über Beichte und Absolution. XV. Demüthige Bitte an Jesum. 29 VI. Anleitung zur Selbstprüfung für Jünglinge. VII. Anleitung zur Selbstprüfung für Jungfrauen VIII. Anleitung zur Selbstprüfung für Ehegatten, Hausväter und Hausmütter. IX. Anleitung zur Selbstprüfung für das Gesinde. 52 X. Bitte um Vergebung der Sünden. XI. Gebet um Versöhnlichkeit. XII. Gebet eines Menschen, der sich wissentlicher 342 45 49 52 4 57 61 6 7 71 60 54 66 67 XVI. Ge Inhalt. XVI. Gebet, wenn man zum Beichtstuhl treten will. XVII. Einige Beichtformeln. XVIII. Dankgebet nach empfangener Absolution. XIX. Gebet um neuen Gehorsam. IV XX. Nach der Beichtandacht zu Hause. XXI. Abendgebet am Tage, da man zur Beichte gewesen. I. Morgengebet am Communiontage. II. Betrachtung, daß das heil. Abendmahl ein Er innerungsfest an unsere Erlösung sey. Nothige Vorbereitung zu Hause, wenn man -zum heil. Abendmahle gehen will. 73 74 VIII. Betrachtung zur nähern Vorbereitung IX. Fortgesetzte Betrachtung. X. Gebet, wenn man zum Altare des Herrn treten will. 77 79 80 XI. Gebet beym hinzugehen zum Empfange des heiligen Abendmahls. 83 Beym Empfange des gesegneten Brodes. Beym Herumgehen um den Altar. II. Warnung an sich selbst für den unwürdigen Genuß des heiligen Abendmahls.¹ IV. Nochmalige Prüfung vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 102 V. Gebet zur Vorbereitung auf den Genuß des heiligen Abendmahls. VI. Lieder zur Unterhaltung der Andacht. 87 91 Vor dem Genusse des Abendmahls in der Kirche. VII. Vorbereitung, wenn man in die Kirche gekommen ist. 97 105 109 112 115 117 124 126 127 127 Beym Inhalt. 128 Beim Empfange des gesegneten Kelchs. Nach dem Genusse des gesegneten Ketchs. XII. Dankgebet nach empfangenem heil. Abendmahle. 129 128 Dankbare Beschäftigungen des Christen nach dem Genusse des heil. Abendmahls zu Hause. I. Dankopfer für die Wohlthaten, die uns durch den Genuß des heil. Abendmahls geschenkt worden. II. Preis Gottes für Jesu Erlösung. III. Dankbare Verehrung Jesu. IV. Erweckung aus Jesu Erlösung zur beständigen Fortsetzung der Heiligung. X. Lieder zur Unterhaltung der Andacht. XI. Abendgebet am Communiontage. V Bey Haus und Kranken- Communion. S I. Nachdenken eines Kranken über das heilige Abendmahl. V. Gebet um die Regierung des heiligen Geistes VI. Ermunterung zur Liebe Jesu Christi. VII. Gebet um aufrichtige Liebe zu unserm Nächsten. 158 VIII. Ermunterung zur Nachfolge Christi. IX. Gebet um Treue im Berufe. 162 131 135 140 Die sieben Bußpsalmen. Anhang von Morgen- und Abend- Andachten allgemeinen und besondern Inhalts. 146 153 155 165 167 A 170 175 II. Gebet eines Kranken vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 184 III. Dankgebet eines Kranken nach der Communion. 187 189 196 Ans VI Inhalt. Anhang einiger Lieder. I. Bußlieder eines erweckten Sünders zu Unterhal tung der Andacht zu Hause vor der Beichte. 254 II. Lieder bey dem Genusse des heil. Abendmahls. 256 Anhang einiger Gebete, wenn man sich der allgemeinen Beichte bedienet, und sogleich communiciret. 272 Morgengebet am Tage, daman beichten will. Gott Lob, ich lebe noch, und freue mich der Wohlthat, daß mir mein himmlischer Vater mein Leben bis auf diesen Tag des Heils gefristet. Wo ich hinsehe, auf meinen Leib oder aufmeine Seele, da erblicke ich dich, den Gott der Liebe; den Vater, der da reich ist an Barmherzigkeit und Gnade. Dank sey dir dafür! Dank für die erquickende Nuh, die du mir verliehen! Dank für das Leben, dessen ich mich aufs neue freuen kann! Ach, lieber himmlischer Vater, erbarme dich ferner über mich, und laß besonders den heutigen Tag einen Tag des Segens für meine Seele werden, und verleihe mir deinen mächtigen Beystand zu dem wichtigen A Vor Betrachtungen und Gebete Vorhaben, wozu ich mich in deinem Namen entschlossen habe. Ich will mich morgen bey dem Gedächtnißmah. le des Leidens und Todes meines Er lösers einfinden, und mich schon heute dazu vorbereiten, damit ich mir den Segen davon versprechen darf, den er allen seinen treuen Bekennern verhei ßen hat. Ich weiß, daß ich mir die herrlichen Früchte seines Todes und die tröstlichen Verheißungen, die Gott mit demselben verbunden hat, nicht zueignen darf, wenn ich in Sicherheit oder in herrschenden Sünden lebe. Ich will also heute über meinen Seelenzustand nachdenken, ich will meine Sünden erkennen, ja ich will heute öffentlich in deinem Tempel dich um Vergebung mei ner Sündenbitten. Ach! dir, Allwif sender, ist bekannt, wie unvermögend ich bin, mich selbst zu bekehren, wieun. gern ich daran gehe, meine Fehler und Sünden zu erforschen. Troßig und be trügerisch ist unser Herz, wer kann es er2 vor der Beichte. 3 ergründen? Bekehre du mich also, so werde ich bekehrt. Gieb mir den Zustand meines Herzens recht zu erkennen, prüfe mich und lehre mich einsehen, ob ich auf rechtem Wege bin, und leite mich auf den dir wohlgefälligen Weg, der zum Himmel führet, erwecke in meiner Seele einen rechten Abscheu vor der Sünde, und einen ungeheuchelten Vorsatz, dir zu dienen. Gieb daher, daß ich alles, was ich von deinem Diener höre, recht ernstlich überlegen möge, damit dadurch gute, fromme Gesinnungen in meinem Herzen erweckt und unterhalten werden. Laß mich aber auch bey dem Bewußtseyn meiner Vergehungen nicht untröstlich seyn, sondern bedenken, daß du ein unendlich barmherziger Gott bist, bey dem Gnade und viel Vergebung ist, der auch dem größten Sünder alles zu verzeihen theuer versprochen hat, wenn er mur mit reuevollem und gläubigem Herzen deine Gnade sucht, und frömmer 22 zu 4 Betrachtungen und Gebete zu werden sich ernstlich bemühet. O! stårke in mir dieses Vertrauen auf dei ne Gnade, und diese Hoffnung aus dem Leiden meines Erlösers. Lege dei nem Diener solche Worte in den Mund, die nicht allein mein Herz rühren, son dern mich auch zum wahren Gefühle meiner Sünden kommen lassen, und ein demüthiges und gläubiges Vertrauen auf Jesum in mir erwecken. Laß mich die trostvolle Versicherung: Dir sind deine Sünden vergeben! mit gläubigem Vertrauen vernehmen, da mit das Gemüth fröhlich werde, wel ches durch meine begangenen Sünden betrübet und geångstiget ist. O! wie Herrlich ist dann mein Gewinn, wenn ich den Trost habe, daß meine Missethat vergeben ist. Schenke mir währe herzerhebende Andacht zu meinem Be ten, Gnade und Segen zu meiner Beichte. Wende alles ab, was mich stören und bei einer so heiligen Handlung beunruhigen kann. Erbarme dich anch vor der Beichte. auch aller derer, die mit mir beichten, mit mir das Abendmahl deines Sohnes genießen werden. Ach! Vater, laß uns alle wohlgefällig vor dir erscheinen, damit Freude sey im Himmel über viele Sünder, die Bußethun. Erhöre dieß demüthige Gebet um Jesu, deines Sohnes, unsers Mittlers willen. Amen. 5 Vorbereitung, wenn man zum Beichtstuhl gehen und Vergebung der Sünden erbitten will. I. Betrachtung über die Absichten, in welchen Jesus Christus das heilige Abendmahl eingeseßzet hat. Joh. 13, 1. Luc. 22, 15. 16. 19. 20. Vor dem Fest aber der Offern, da Jesus erkannte, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Va= ter; wie er geliebet hatte die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er fie bis ans Ende.-Und er sprach zu ihnen: A 3 Mich 6 Betrachtungen und Gebete Mich hat herzlich verlanget, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon effen werde, bis daß erfüllet werde im Reiche Gottes.Und er nahm das Brod, dankete und brach es, und gab es ihnen, und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, das thut zu meinem Gedächtniß. Deffelbigen gleichen auch den Kelch nach den Abendmahle, und sprach: Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergoffen wird. Zum letztenmal saß Jesus Christus mitten unter seinen Jüngern. In vollem Gefühle, daß die Zeit seines Abschieds und die Trennung von den Seinen herans rückte; da er wußte, daß er sein Leben nun bald enden werde, und die letzte Mahl. zeit mit seinen Jüngern effe, nahm er voll Wehmuth das Brod und den Kelch, reichte ihnen beydes, und gab ihnen mit dem letzten Brode, und mit dem letzten Becher Wein, das schönste Denkmahl seiner Liebe, seines Lebens, seines Leidens und seines Todes. Dieses Denkmahl sollte ihnen so theuer seyn, als das Andenken, das uns cinsterben: vor der Beichte.. 7 bender Freund und Bruder hinterläßt. Es follte ein Mittel seyn, wodurch sein Andenken, auch nach seinem Tode, in ihren Herzen erhalten werden sollte. Deßwegen verknüpfte er damit die Bitte eines scheidenden Freundes: Das thut, sagt er, zu meinem Gedächtniß. Erinnert euch da bey meiner, wenn ich nicht mehr sichtbar unter euch seyn werde; vergesset meiner Liebe zu euch nicht, von der ihr bald den höchsten Beweis erhalten sollt, indem ich für euch sterben werde, und lasset eure Liebe zu mir in euren Herzen nie erkalten. Wiederholet zu dem Ende die Handlung, die ihr mich jetzt hat verrichten sehen, und gedenket dabey meiner, als eures Freundes und Wohlthäters, der euch innig ge liebt hat bis an sein Ende, und der auch bestándig fortfahren wird, euch zu lieben, wenn ihr meine Gebote haltet, und meiner nicht vergeßt. Jeder wiederholte Genuß dieses Abendmahls sollte die Erinnerung an sein Leben in ihren Herzen erneuern. Er hattte sein Leben zum Wohl der Menschen, seiner Brüder, verwendet, und es aufgeopfert, ihr Glück in dieser und jener Welt zu befestigen. Sein großer Beruf, A4 zu 8 Betrachtungen und Gebete zu suchen, und selig zu machen, das verloren war, schwebte ihm beständig vor Augen, und er suchte denselben auf das eifrigste zu erfüllen. Er that Gutes wo er konnte, im Stillen, ohne Lohn dafür auf Erden zu erwarten; er wußte, sein Lohn war ihm im Himmel bereitet. Er ward der Stifter einer göttlichen Lehre, welche die ficherste Führerin durch das ganze Leben, und die beste Trösterin im Leiden und im Tode ist. Er bestätigte durch sein Leben und Beispiel die Wahrheit dessen, was er lehrte, und versiegelte durch seinen Tod die Hoffnung unsrer Versöhnung mit Gott. Jest stand er am Rande seines Lebens, und stiftete für seine bald verwaisten Junger das schönste Andenken, das sie nach seinem Tode an ihn erinnern sollte; an ihn, der einst lebte, und ihr Vorbild war, dem sie nachfolgen sollten in treuer Erfüllung ihres Berufs, in unerschütterlichem Glauz ben an Gott, und in stiller, gelassener Erges bung in den Willen seines himmlischen Vaters, im Leiden und Tode. Das thut, spracher, zu meinem Gedächtniß. Gedenfet daben, als meine Freunde und Junger, an alles das, was ihr von mir gesehen und gehöret habt, an meine Thaten, und vor der Beichte. 9 und folget meinem Beyspiele nach. Vorzüglich sollte der Genuß des Abendmahls ein beständiges Denkmahl seines Todes für sie werden, den er auch ihnen, so wie allen Menschen zu gute, leiden würde. Nehinet, effet, sprach er, das, was ich euch mit dem gesegneten Brode darreiche, ist mein Leib, der für euch in den Tod gegeben wird; trinket diesen Wein, das, was ich euch mit demselben gebe, ist mein Blut, es wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden, es ist der Kelch des neuen Bundes, der durch mein Blut bestätiget wird. Ein neuer Bund der Gna: de, der Zuversicht und des Trostes, wird euch mit meinem Tode gestiftet, und mit diesem Genusse versichert. Bey jedem Genusse des Abendmahls sollten sie sich an den Tod, an die Ursa: chen und seligen Folgen desselben erinnern, sich dadurch unter einander zur Liebe ermuntern, beruhigen, trösten, Bewegungsgründe daraus nehmen, sich im Guten zu befestigen, und als eine heilige Gemeine desjenigen leben, der für sie starb. Dieß fordert auch Paulus 1 Cor. 11, 26: So oft ihr von diesem Brode effet, und von dem A 5 Kel: 10 Betrachtungen und Gebete Kelche des Herrn trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen. Konnte Jesus wohl ein rührenderes Denkmahl seines Todes stiften; konnte er sich wohl mit allem, das er that und litte, seinen Geliebten bis zur Wiederkunft un vergeßlicher in die Seele drücken; sich ihnen, auch wenn er erhöhet war, gegenwärtiger mittheilen, als in diesem feyerlichen Gedächtnißmahle seiner Liebe, in dem einfachen Genusse des Brodes und Weines, seiner letzten Mahlzeit mit ihnen, das ihnen das heiligste Linterpfand seiner uns sichtbaren Gegenwart seyn sollte? Konnte er sich fester mit ihnen verbin den, sich ihnen inniger mittheilen, als durch diese Stiftung, wodurch er sich selbst, seinen Leib und Blut, ihnen zur Speise reichte, sich bey seinem Abschiede den Seinen vermachte, und sich ihnen zurückließ? Konnte er sich wohl inniger mit feinen Jüngern verbinden, als durch dieses wiederholte Gedächtnißmahl, wo sie alle sich als Glieder Eines Leibes, dessen Haupt der Unsichtbare, Ewigliebende ist, betrachten sollten? Das Gedächtnißmahl ihres Herrn sollte ihnen auch Trost und Erquickung geben, wenn vor der Beichte. wenn sie künftig in Leiden und Widerwär tigkeiten gerathen würden. Seine letzten Reden nach diesem Abendmahle entdeckten ihnen so viel, als sie jetzt zu tragen ver: mochten, nämlich das traurige Schicksal, das ihm und ihnen bevorstand. Er versicherte sie aber doch dabey seines göttlichen Beystandes, und tröstete ihr trauriges Herz mit der fröhlichen Hoffnung des Wiedersehens, und des schönsten Lohnes in einer andern Welt. Das erneuerte Andenken an ihn, der um ihretwillen ähnli che Leiden trug, und erst nach vielen ausges standenen Martern zu seiner Herrlichkeit eingehen konnte, sollte sie stärken und trosten, wenn sie um seinetwillen leiden und sterben würden. Es sollte dadurch in ihren gequälten, matten Herzen die Hoffnung gestärkt werden, daß ihnen in der Ewigkeit ihre Leiden reichlich würden vergolten werden. Sie sollten dadurch zur Lleberzeugung gelangen, daß sie nach dem Tode in ein ewiges Leben eingehen, und bey Christo, ihrem Herrn, seyn würden allezeit. 11 Sie sollten hier lernen, daß Jesus, der für sie starb, hingegangen sey, ihnen die Stätte zu bereiten. Sie sollten hier ermuntert werden, einen guten Kampf des Glan: Betrachtungen und Gebete Glaubens zu kämpfen, um den Lauf treulich zu vollenden, wie ihn Jesus Christus, ihr Herr, vollendete. 12 Was nun, nach dem Willen Jefu, das heilige Abendmahl für seine Apostel seyn follte, das soll es auch noch jetzt für uns seyn, nämlich: ein feyerliches Denkmahl seiner Liebe, seines Lebens, Leidens und Todes. Wir sollen uns hier seines ewigen Verdienstes um das ganze menschliche Geschlecht erinnern, wir sollen hier unser unruhiges Gewissen trösten, unsern Glauben an ihn stärken, und immer frommer und gottseliger leben lernen. Es soll uns ein heiliges Unterpfand seiner unsichtbaren Gegenwart und Gottes: Kraft, ein Sie: gel der Hoffnung unserer Linsterblichkeit und des ewigen Lebens seyn. Sobald also die Handlung aus bloßer Gewohnheit unternommen wird, ist sie unnüß und wird entweihet. Eben so unnük aber ist das Vertrauen auf den bloß leiblichen Genuß. Essen und Trinken, sagt Lus ther, thut es freylich nicht. Und es wäre die größte Thorheit, wenn ein lasterhafter Mensch sich einbilden wollte: der leibliche Genuß des Abendmahls könne ihn vor Gott ge= vor der Beichte. 13 gerecht machen, und von den Strafen der Sünden befreyen, von denen er sich doch nicht losmachen will. Er iffet und trinket unwürdig, und wer das thut, der iffet und trinket sich selber das Gericht, darum, daß er den Leib des Herrn nicht von einer gemeinen, irdischen Mahlzeit unterscheidet. Nein, das heilige Abendmahl soll ein feyerliches, heiliges Denkmahl der Liebe Jesu Christi, der einst sein Leben auch für uns gelassen bat, für uns seyn, und daher uns zur innigsten Gegenliebe ermuntern. Auch wir sollen uns daher lebhaft an sein ehemaliges Leben erinnern, bedenken, daß er uns in demselben das schönste Vorbild gegeben hat, dem wir immer nachfolgen sollen, und zwar in Reinigkeit des Herzens, in treuer, uneigennüßiger Erfüllung unsers Berufs, im Glauben an Gott, in einem heiligen frommen Wandel, und in thätiger Menschenliebe. Besonders sollen wir aber hier an sein Leiden und an seinen Tod denken, erwágen, daß er für unsere Sünden gestorben, mit seinem Blute in das Heiligthum Gottes eingegangen ist, und dadurch für uns eine ewige Erldsung gefunden hat. Dies Betrachtungen und Gebete Diese Erinnerung an seinen Tod und dessen Ursache wird nothwendig eine Prús fung unsers Lebens veranlassen, und Ges finnungen der Reue über verschwendetes Leben, gemißbrauchte Kräfte, und begangene Sünden in uns erregen. Empfin= dungen der Wehmuth wird sie in uns über erregtes Mißfallen Gottes an uns, und über Bernachlässigungen, die vielleicht in dieser Welt nie wieder nachzuholen sind, wirken; und Schmerz über Bedrückung des Nächsten, der über uns seufzet, und durch uns elend geworden ist. Aber auch festen Vorsatz: dieß alles, was eigentlich die Quelle unsers Unglücks ist, ernstlich zu meiden; das Linrecht zu vergüten; das Versäumte nachzuholen, und durch Treue, Aufrichtigkeit und Frömmigkeit würdige Jünger desjenigen zu werden, der für uns starb. Alsdann wird auch sein Tod die hohe Hoffnung in unsern Herzen befestigen, daß uns Gott unsere Sünden vergeben habe, weil wir durch Leiden und Tod seines Sohnes wieder mit ihm versöhner find; denn noch jetzt soll und kann jedes über seine Sünden trauernde Herz die Früchte seines Todes genießen, wodurch die Hoffnung der Vergebung derselben versiegelt, und 14 vor der Beichte. 15 und ihm eine frohe Aussicht in eine andere Welt eröffnet wird. So will ich denn auch das Gedächtniß des Todes Jefu im heiligen Abendmahle in dieser Absicht fevern; mit herzlichem Danke für alles, was er auch mir zu gute gethan und gelitten hat; mit dem festen Vorsatze, ihm zu Ehren zu leben, und seinem Beyspiele nachzufolgen; mit vollem Vertrauen auf seine Verheißungen. Es soll mich immer inniger mit ihm verbins den, in Erfüllung der Pflichten meines Berufs mich stärken, im Leiden trösten, und im Tode erquicken. Gieb du mir, Ers Idser der Welt, deine Gnade, Daß mir zur Stärkung meiner Treu Dein Abendmahl gesegnet sey. II. Selbstprüfung. Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben seyd, prüfet euch selbst. 2 Cor. 13, 5. Allwiffender Gott! der du aller Menschen Herzen und auch mich aufs genaueste kennest, ich will jetzt mein Innerstes crforschen, und eine ernstliche Lintersuchung über meine bisherige Denkungsart und über 16 Betrachtungen und Gebete über meinen Lebenswandel mit mir an stellen. Ich will mich selbst richten, damit ich nicht vom Herrn gerichtet und wegen meiner Sünden gestraft werde. Ich bin ein Mensch.- Habe ich diesem Vorzuge nachgedacht? Habe ich auch im mer als ein vernünftiger Mensch gehandelt? meine Vernunft gehörig angewens det, und meine tobenden Leidenschaf ten unter ihre Herrschaft gebracht? Habe ich sie angewendet, den großen Schöpfer und Erhälter der Welt in seinen Werken zu erkennen, und ehrfurchtsvoll ihn zu vers ehren? Habe ich allezeit mit besonderer Rührung daran gedacht, daß Gott auch mein Schöpfer und mein Gott ist? Habe ich es als eine Wohlthat erkannt, daß Gott mein Leben vor so mancherley Gefährlichkeit bewahret?-Genieße ich seine Wohlthaten mit dankbarem Herzen, oder bleibe ich bey der unzähligen Menge derselben kaltsinnig und undankbar? Ich bin ein Chrift, dem sich Gott durch sein Wort so deutlich geoffenbaret hat; wie habe ich diese Wohlthat geschätzt? Halte ich es für eine wahre Glückseligkeit, einen vernünftigen Gottesdienst zu haben? Habe ich vor der Beichte. 17 ich aber auch bedacht, daß es nichts hilft, sich zu seiner Lehre zu bekennen, wenn nicht auch Herz und Wandel gereiniget sind? Thue ich das? Befleißige ich mich, nach den Vorschriften Jefu zu wandeln? Ich fühle eine starke Neigung, mir die Trd: stungen des Verdienstes Christi zuzueignen; allein, habe ich mich etwa durch eine falsche Ruhe eingeschläfert, als könnte ich mir Jesu Verdienst zueignen ohne einen lebendigen Abscheu gegen meine Sün den? Habe ich jede Gelegenheit, Gutes zu thun, freudig ergriffen, oder sie nachläs sig versäumt? Suchte ich in der Erkenntniß meiner Religion, in der Erkenntniß Gottes und meiner Pflichten immer weis ter zu kommen? Die Sünde ist schrecklich in ihren Folgen; habe ich das bedacht?- mich gehütet, etwas Böses zu thun? oder gedacht, daß es mit der Sünde nicht viel zu bedeuten habe? Ist nicht irgend eine Lieblingssünde, wozu mich meine Begierden reizen, eine lasterhafte Neigung in meinem Herzen übrig, die ich mit Wohle gefallen dulde, und der ich Nahrung gebe? Ach! spreche ich vielleicht zu mir selbst: Du hast doch noch sonst viel Gutes an dir, die einzige Schwachheit wird Gott so ge= B nau 18 Betrachtungen und Gebete nau nicht nehmen; da doch eine einzig vorsägliche Sünde, eine einzige verbotene Begierde, die mit Wissen unterhalten wird, meine ganze Tugend vor Gott verwerflich macht; denn er siehet das Herz an, und fordert mein ganzes Herz. Aber es ist nicht genug, die Sünde zu meiden; man soll auch Gutes thun. Habe ich mich bemühet, christliche Tugenden an den Tag zu legen? Gott, mein Vater, ist der höchsten Liebe werth. Habe ich ihn von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von allen Kraften geliebet? Ist es meine Freude, Gottes Willen zu thun? That ich alles, was ich that, aus Liebe, nicht aus Stolz oder Eigennut? Ach! kann ich sagen, daß Gottes Liebe in mir wohnet, wenn ich das Gute so ungern thue, wenn mir die Stunden der Andacht zur Last sind, wenn ich ungern bete, wenn ich mich nicht überwinden will, meinen liebsten Neigungen etwas zu versagen, und strenge gegen mich selbst zu seyn, wo es Gott und meine Seligkeit verlanget? Gottes Gegenwart begleitet mich auf allen meinen Wegen;. habe ich mich findlich gescheuet, ihn auch in der Einsamkeit zu beleidigen? Wie verhielt ich mich in den Leiden und Wider war: - 19 vor der Beichte. wärtigkeiten, die Gott mir zuschickte? Trug ich mit Geduld, was er mir auflegte, und erkannte ich, daß er aus váterlicher Liebe gezüchtiget? Oder war ich unzufrieden, ungeduldig und verfündigte mich durch mürrisches Betragen an Gott und meinen Nebenmenschen? Habe ich mein Vertrauen auf Gott durch die herrlichen Verheißungen seines Wortes gestärkt, oder nahm ich, meine Limstände zu verbessern, zu verbotenen Mitteln meine Zuflucht? Ich bin ein Gast auf Erden. War es meine vornehmste Sorge, zu dem rechten Baterlande, das droben ist, zu gelangen? Sorgte ich daher mit allem Fleiß für die Besserung meiner Seele? Oder glaubte ich, es sey genug, ein äußerlich ehrbares Leben zu führen? Thue ich nie aus Gefälligkeit gegen Menschen etwas, das mich einmal in Ewigkeit gereuen könnte? So lange ich auf Erden lebe, habe ich noch einen Nächsten um mich, dem ich herzliche Liebe erzeigen soll; wohnet wahre Menschenliebe, das echte Kennzeichen des wahren Christenthums, in mir? Diene ich meinem Nächsten gern, und geschiehet es aus redlicher Dienstbegierde oder Eitelkeit? Erkenne ich gern seine Vorzüge, B2 fchi 20 Betrachtungen und Gebete schäße und verehre ich ihn deßwegen, oder suche ich gern die meinigen über die seinigen zu erheben? Eigne ich mir Vorzüge zu, die ich nicht besige? Bin ich friedfertig gegen jedermann? Sanftmüthig gegen Irrende? Nachgebend und leutselig im Umgange? Bin ich willig, meinem Feinde und Beleidiger zu vergeben, den zu segnen, der mir flucht, dem wohlzuthun, der mich verfolget?-Doch ich soll auch für die geistliche Wohlfahrt meines Nächsten beforgt seyn. Gebe ich ihm ein gutes Beyspiel? Habe ich nie etwas geredet, gethan, wodurch ich unschuldige und schwache Gemüther geärgert, und zum Bösen gereizt habe? Habe ich in meinem Stande und Berufe meine Handlungen so eingerichtet, daß ich niemand anstößig gewor den bin? Meide ich auch den Schein des Bösen? Ist mein ganzes Betragen Redlichkeit oder Heucheley? Laß ich mein Licht leuchten vor den Leuten, daß sie durch mein eignes gutes Betragen angetrieben werden, ebenfalls Gott durch gute Werke zu preifen? - Erforsche dumich, o mein Gott! unders fahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ichs meyne. Sieh, ob ich auf bösem We vor der Beichte. Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Amen. 21 Kürzere Gewissensprüfung. Laß es dir, o mein Herz! einen rechten Ernst seyn, dich je länger je besser zu ergründen; denn nur, wenn du dich selber richtest, und strenge gegen dich selbst bist, wirst du nicht gerichtet werden. Dieß sagt Paulus eben da, wo er mit den corinthi: schen Christen vom heiligen Abendmahle redet. Wenn könnte ich denn nachdrückli: cher erweckt werden, in der Untersuchung meiner Tugend, und also auch meines Gnadenstandes, recht auf den Grund zu gehen, als da, da ich mich von neuem für einen Gläubigen und Bekenner Jesu beym heiligen Abendmahle angeben soll und will? Haben mich nun meine Sünden jemals anhaltend und stark betrübt, daß ich sie herzlich bereuet, und um ihre Tilgung und Ablegung mit allem Ernst, mit Hintenansetzung aller andern Sorgen bekümmert gewesen bin? Habe ich den Fehlern und Lastern, zu welchen ich nach meiner Gemüthsstimmung, nach meinem Alter und Stande, die meiste Versuchung habe, am stärksten widerstanden? Lind wie weit habe B3 ichs 22 Betrachtungen und Gebete ichs darinnen gebracht? Ist es mir ein wahrer Ernst; diese Sünden los zu werden? Thue ich das Gute, was ich thue, auch deswegen, und in der Absicht, weil es Gottes Wille ist, weil mich der Weltrichter für meine Handlungen belohnen oder bestrafen wird, weil ich ein Erlöster Jefu bin- aus Liebe zu meinem Heilande? Erinnere ich mich dieser Stücke oft und gern, um mich zum Guten zu ermuntern? Strebe ich den verschiedenen Arten der Tugenden nach, die Gottes und meines Erlösers Wort von mir fordert? 3. B. Wie ist meine Ehrfurcht, meine Liebe, mein Vertrauen gegen Gott beschaffen? Bete ich oft und herzlich? Bete ich anhaltend und mit kindlichem Vertrauen meinen Gott und Heiland an? Ist bey meinem Gebet der Hauptinhalt die wahre Befferung? Wie habe ich den öffentlichen Gottesdienst abgewartet, und welchen Nußen habe ich von meinem Kirchengehen wahrgenommen? Wie schicke ich mich in Glück und böse Tage? Wie halte ich mein Versprechen? Bin ich mäßig, keusch? Meide ich auch heimliche Sünden? Bin ich unverdrossen und munter zu meinen Verrichtungen? Kann ich auch, ohne daß mir mein T vor der Beichte. 23 mein Gewissen widerspricht, von mir selbst sagen, daß ich mir angelegen seyn lasse, gesinnet zu seyn, wie Jesus Christus auch war, und so unschuldig, gutmüthig, wohlthätig, zum Leiden um der Gerechtigkeit willen so bereitwillig zu wandeln, daß ich behaupten könne: Ich lebe nicht so sehr mir, als vielmehr dem, der für mich gestorben und auferstanden ist? Ist gar kein unrechtes Gut unter dem meinigen? Wie betrage ich mich gegen Feinde und Beleiz diger? Suche ich mich bey meinen noch mir anhangenden Fehlern ohne Tücke zu beruhigen? Verstehe ich auch, wozu Jesus das heilige Abendmahl eingesetzt hat, welchen NuBen diejenigen davon haben, die es recht gebrauchen, und was ich dabey zu überlegen und zu thun habe? Habe ich ein auf richtiges Verlangen, durch diese Gedächt= nißfeyer des Todes Jesu mich im Glauben, und in der Liebe und in seiner Nachfolge zu stärken? Was mir zu meinem Heil noch fehlet, Mein Vater, das entdecke mir; Hab' ich der Wahrheit Weg erwählet, So gieb, daß ich ihn nicht verlier, 34 Ach 24 Betrachtungen und Gebete Ach leite mich mit deinem Licht, So täuschen mich Verführer nicht. Bin ich noch fern vom rechten Wege, Der mich zum ew'gen Leben führt: So bringe mich zurück vom Stege, Der ins Verderben sich verliert. Gieb mir zur Bessrung Lust und Kraft; Du bist's, der beydes in uns schafft. Amen! III. Erkenntniß gånzlicher Unwürdigkeit der Gnade Gottes, und der Nothwendigkeit einer göttlichen Erlösung. Kann doch ein Bruder niemand erldsen, noch Gott jemand verföhnen; denn es kostet zu viel, ihre Seele zu erlösen, daß er es muß lassen abstehen ewiglich. Pf. 49, v. 8. 9. Meine bisherige Prüfung belehret mich, wie sehr weit ich von dem Guten, und wenn ich auch dazu das Wollen haben möchte, doch von dessen Vollbringung entfernt sey. Sie überzeuget mich, daß der Mangel an wahrer Tugend, an Liebe gegen Gott, gegen den nächsten und mich selbst, mich als ler der Belohnung unwürdig mache, welche vor der Beichte. che den Gottseligen auf Zeit und Ewigkeit verheißen ist, und daß ich statt ihrer, sowohl hier, als dort, die Strafe meines Ungehorsams wider das mir vorgeschriebene Gesetz zu erwarten hätte. 25 Aber ich bin auch zugleich aus dem deut lichen Inhalte der heiligen Schrift überzeugt, daß doch eine Rettung für mich und alle Sünder vorhanden sey. Sie sagt mir, daß Jesus Christus gekommen sey in die Welt, die Sünder selig zu machen; sie unterrichtet mich, daß er unsere Krankheit getragen, und unsere Schmerzen auf sich geladen habe, daß er um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen worden sey, daß die Strafe auf ihm liege, damit wir Friede hätten, und durch seine Wunden heil würden; sie sagt mir, daß Gott die Menschen so sehr geliebet, daß er ihnen seinen eingebornen Sohn gegeben, damit alle, die an ihn glauben würden, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben sollten. Sie sagt mir, daß ich zwar als ein Sün der mit allen übrigen Sündern des Ruhms mangele, denich an Gott haben sollte; daß ich aber mit ihnen ohne Verdienst gerecht werde, aus seiner Gnade, durch die ErldB5 fung 26 Betrachtungen und Gebete sung, so durch Jesum Christum' geschehen ist; daß in keinem Andern Heil, auch kein anderer Name den Menschen gegeben sey, darin wir sollen selig werden; daß die Gerechtigkeit, welche vor Gott gilt, auch mir dargeboten werde, aber allein durch den Glauben an Jesum; und daß ich aufsehen folle auf ihn, als auf den Anfänger und Vollender des Glaubens. Zwar kann ich mich schon aus der natürlichen Erkenntniß Gottes überzeugen, daß, was sich nur Gutes denken läßt, von Gott, als dem vollkommensten Wesen, auf das reinste gedacht werden, daß folglich auch die Liebe desselben gegen seine Geschöpfe die größte, die reinste, die vollkommenste seyn müsse. Aber den Umfang diefer göttlichen Vollkommenheit kannte ſie nicht; sie wußte nicht, daß die Liebe Got tes gegen uns durch Sendung seines eingebornen Sohnes in die Welt, damit wir durch sie leben sollen, erschienen sey). Nun weiß sie es, nun ist sie im Stande, mit Hülfe der Offenbarung sich von der großen Wahrheit zu überzeugen, und nun verehrt sie das göttliche Geheimniß. Allmächtiger Bater, wenn ich bedenke, daß das Werk meiner und meiner Brüder Ere Univ.- Bial. Giessen vor der Beichte. Erldsung die Sendung deines eingebornen Sohnes erfordert hat; so stellt meine Verschuldung in ihrer ganzen Größe sich mir vor Augen. Ich werfe mich in den Staub, und schäme mich, und scheue mich, meine Augen aufzuheben zu dir, mein Gott; denn meine Missethat ist über mein Haupt gewachsen, und meine Schuld ist groß bis in den Himmel. Gehe nicht ins Gericht mit deinem Kinde; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Ich habe nichts, worauf ich mich berufen kann, als auf den Namen dessen, welcher genannt ist: Herr, unsere Gerechtigkeit, und auf seine göttliche Verheißung, daß, wenn ich glaube, ich das ewige Leben habe, und nicht ins Gericht kommen soll. Dieses war die Hülfe, welche deine unendliche Liebe mir bestimmt hatte. Nur meine eigene Schuld wäre es, wenn ich dennoch hilflos bleiben würde. 27 Ewiger Sohn des ewigen Vaters, der du als Mensch zum Mittler zwischen Gott und Menschen dich selbst gegeben hast, für alle zur Erlösung, daß es zu seiner Zeit geprediget würde. Auch mir ist dieses Evangelium geprediget. Auch mich hast du so oft schon aufgefordert, daß ich zu dir kominen 28 Betrachtungen und Gebete men möge; aber mühselig und beladen, als ein Kranker, und nicht als ein Starter, der des Arztes nicht bedarf. Ja, mein Heiland, ich komme, ich komme zu dir; nicht mehr im stolzen Dunkel eigner Wür: de, sondern im Bewußtseyn des mich zur Erde drückenden Sündenelends; nicht im Vertrauen auf mein Verdienst, sondern in demüthiger, gläubiger Zueignungdder nur durch dich, nur durch deine Genug: thuung mir erworbenen Gerechtigkeit. Ich glaube; hilf meinem Linglauben, mein Herr und mein Gott. Hilf, daß ich in dies sem Glauben dir getreu sen bis in den Tod, damit ich dereinst, wenn du als Richter über Leidende und Tode erscheinst, in freu diger Zuversicht die Krone des Lebens zu erhalten, mit unter denen vor dich treten könne, welche du als Gesegnete deines Baters zu dir rufen wirst. Heiliger Geist, göttlicher Tröster, der in alle Wahrheit leitet, der unserer Schwachheit aufhilft, und wenn wir nicht wissen, was wir beten sollen, wie sichs gebühret, selbst mit unaussprechlichem Seufzer uns vertritt. Durch deinen Beystand ist das Werk meiner Buße angefangen. Durch deinen Beystand wird es zum Heil meiner Seele voll: vor der Richte. 294 vollführet werden. Hi! daß ich mich von ganzem Herzen bekehre daß es mir fünftig ein Ernst sey, Gottz dienen; daß ich mich täglich meines Berfs zur Heiligung erinnere, daß ich allen Seiß anwende, in meinem Glauben Tugen in der Tugend Bescheidenheit, in der Bicheidenheit Máfigkeit, in der Mäßigkeitßeduld, in der Geduld Gottseligkeit, in er Gottseligkeit brüderliche Liebe, in der brderlichen Liebe gemeine Liebe darzureichen, daß ich mit gutem Kampfe meinen Laupellende, und daß ich bis ans Ende Gauben halten möge. Amen. VI. Betrachtung über die Wichtigkeit Seymir gesegnet, du feyerlicher Tag, an welchem ich öffentlich in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen werde! Heute bekenne ich mich aus eigener, fester Lieberzeugung zu der Lehre, zu der ich schon in den ersten Tagen meines Lebens durch die heilige Taufe eingeweihet worden bin. Heus te lege ich ein öffentliches Zeugniß ab, daß ich die Wahrheiten der Lehre Jesu mit dem Vers Betrachtigen und Gebete Verstande gefaßsabe. Heute verspreche ich feyerlich vor em Allwissenden: So lange ich lebewillich als ein Christ denken und hndeln, und meiner Ueberzeugug von der Göttlichkeit der Lere Jesu nie untreu werden. Hoe ich auch die Wichtigkeit dieses Versprchens sorgfältig überleget? Christlich denn, christlich handeln, sind wenig Worte, die aber sehr viel in sich fas sen. Ich verpreche damit nichts weniger, als: ich will on nun an, ohne Ausnahme, jede Pflicht ggen mich selbst, gegen meis nen Nächsten und gegen Gott, gewissens. haft und aus der edelsten Absicht erfüllen. Ich will eben sowohl gerecht gegen Andere, als gegen mich selbst seyn. Ich will Gu tes wirken, so wie es Jesus that. Ich will Gott, den Urheber meines Lebens, durch treue Erfüllung meiner Pflichten, durch kindliche Liebe, durch Dankbarkeit, Zufriedenheit, Demuth, Geduld und Vertrauen verehren. Und diese Gesinnungen sollen selbst mit meinem Tode nicht in meinem Herzen verlöschen. Sie sollen mich über das Grab hinaus begleiten. Gott, wichtig, überaus wichtig ist dieß Versprechen. Aber ob es gleich schwer zu erfüllen ist, 30 31 vor der Beichte. ist, so ist es darum doch nicht unmöglich; beständige Aufmerksamkeit auf mich selbst, beständige, lebhafte Erinnerung an dich, o Heiliger und Allwissender, wird mir ges wiß die Erfüllung dieser feyerlichen Zusage erleichtern. Ich verspreche heute feyerlich: so lange ich lebe, will ich meiner Lieberzeugung, daß Jefu Lehre göttlich sey), treubleiben. Aber kann sich nicht vielleicht meine Lieberzeugung hierinnen ändern? Diese Bedenklichkeit würde mir dann gegründet seyn, wenn ich nicht so glücklich gewesen wäre, das Christenthum in seiner schönen Gestalt kennen zu lernen. Die Lehre Jesu Christi enthält ewige Wahrheiten, die nur dann aufhören könnten, Wahrheiten zu seyn, wenn die allgemeine Vernunft des Mens schen aufhören könnte, nach den ewigen Gesetzen der Wahrheit zu denken, nach welchen sie jetzt denket. Gott und Un sterblichkeit, das sind die beyden Hauptwahrheiten, worauf die ganze Religionslehre Jefu gebaut ist. Wie wäre es möglich, daß der Glaube an diese Wahrheiten und an alle andere Lehren des Christenthums, welche mit diesen Hauptwahrheiten in unzertrennlicher Verbindung stehen, jemals 32 Betrachtungen und Gebete mals in meinem Herzen erlöschen könnte? Ohne bange Furcht des Herzens kann ich also das Bekenntniß ablegen: ich will der Lehre Jesu ewig treu bleiben. Ich will nicht nur das thun, was sie mir vorschrei: bet, sondern auch das unterlassen, was sie mir verbietet. Ich will Lebenslang das glauben, was ich als Christ glauben soll; denn Eines kann nicht vom Andern getrennet werden. Aber an diesem feyerlichen Tage soll es auch eine meiner wichtigsten Beschäftigungen seyn, nochmals die Wahrheiten des Christenthums in mein Herz zurück zu rufen, um mich vom Neuen an die Gründe zu erinnern, die mich von seiner Göttlich: keit überzeuget haben. Ist sie nicht der Vernunft und dem Herzen des Menschen ganz angemessen? In welcher andern Religionslehre herrschen die würdigen Begriffe von Gott, von seinen Werken, seiner Regierung, von seinem Verhältniffe gegen die Menschen und von seinein Willen, die in der Lehre des reinen Christenthums angetroffen werden? Wo finden sich so helle Aufschlüsse über die beyden wichtigen Fragen: Was soll ich thun? was darf ich hoffen? als sie die Lehre Jesu giebt? Durch vor der Beichte. 33 Durch welche Religions Lehre wird die Würde der Menschen in ein so helles Licht gesetzt, als durch die Lehre Jesu? Wo findet sich eine so vortreffliche Anweisung, diese Würde zu erhöhen, als eben in ihr? Ja, ist sie es nicht auch, welche in den Stunden des Unglücks ihren Bekennern die kraftigste Beruhigung gewähret? Mit diesen und ähnlichen Betrachtungen soll sich an dem heutigen Tage meine ganze Seele beschäftigen, damit es auch für mich ein wichtiger und feyerlicher Tag werde. Nun, o Allwissender! du hörest das feyerliche Gelübde, welches ich heute vor der öffentlichen Versammlung meiner Mitchristen thue. Du kennest die mannigfaltigen Versuchungen, welche auch mir in Zukunft drohen werden. Laß mich den Verführern nicht Ohr und Herz und Zutrau'n gönnen; Laß, o Vater, mich, aus Pflicht, Was ich glaube, auch bekennen: Daß die Pflicht der Christentreu Meinem Herzen heilig sey. Dein guter Geist sey mein Begleiter auf der Bahn des Lebens. Dann werde ich 34 Betrachtungen und Gebete ich sie gewiß glücklich vollenden. Das hilf mir, um deiner Liebe willen. Amen. V.. Anleitung zur Selbstprüfung für junge Christen, welche zum erstenmale an der Abendmahlsfeyer Theil nehmen. Zurückgelegt ist nun der erste Theil meines Lebens; entflohen sind nun die Jahre meiner Kindheit. Ich trete nun in das ju gendliche Alter ein. O wie wichtig ist nicht diese Veränderung meines Lebens! Bisher waren meine Eltern und Lehrer stets meine Aufseher und Rathgeber; aber von nun an werde ich mehr meiner eigenen Führung überlassen. Groß sind die Ver suchungen, die meiner Linschuld und unerfahrnen Jugend drohn. Werde ich auch stark genug seyn, ihnen zu widerstehen, oder werde ich vielleicht ein Opfer der Verfüh rung werden, und dann zu spåt den Verlust meiner Unschuld und der Ruhe meis nes Lebens beseufzen müssen? Ach, was fühlt mein Herz, wenn ich mir das recht lebhaft vorstelle! Lind doch ist dieses leicht mög: vor der Beichte. 35 möglich, wenn ich nicht sorgfältig über mich wache! Nein, o Gott, so tief will ich nicht fallen! Nie sollen die guten Lehren, welche ich in der Schule meinem jungen Herzen eingepräget habe, daraus verdränget werden. Laß sie, o gütigster Vater, mit neuer Kraft in mir erwachen, so oft die Sinnlichkeit oder die Verführung Anderer mir gefährlich werden will. Jetzt soll sich mein Nachdenken vorzüglich mit der Frage beschäftigen: wie habe ich meine Schuljahre angewandt? Prüfen will ich mich, ob ich nicht bloß am Altar, sondern auch, nach dem Muster Jesu, an Weis heit und Gnade bey Gott und Menschen zugenommen habe. Oft und frühe genug hört ich es ja von meinen Lehrern, daß ich dich, meinen lieben himmlischen Vater, über alles lieben und ehren müsse, und daß es daher die erste meiner Pflichten sey, dir kindlichen Gehorsam zu leisten. Ich wurde ja oftmals gewarnt, doch ja nicht blindlings den Begierden meines eigenen Herzens, oder den Lockungen anderer bösen Kinder zu folgen, sondern jedesmal zuerst zu untersuchen, ob das, was ich thun wolle te, auch recht sey vor dir. Wie oft ers mahnte man mich außerdem zum Gehors € 2 sam 36 Betrachtungen und Gebete sam gegen die Eltern, zur Treue, Dienstfertigkeit und Aufrichtigkeit gegen meinen Nächsten. Dieß alles, o Gott, ist geschehen. Habe ich nun auch alles gethan? Habe ich nicht etwa durch leichtsinnigen Mißbrauch deines Namens mit Fluchen und Schwören, wodurch ich es leichtsinnigen Erwachsenen gleich thun wollte, mich verfündiget? War mir es lieb, Gottes Wort zu lernen? Habe ich meine Eltern geliebet? Sie nie beleidiget und durch Lingehorsam zum Zorn gereizet? Keinem Menschen Schaden an seinem Leibe, an seiner Gesundheit, oder an seinem Gute zugefüget? Habe ich nie etwas Böses geredet, oder meines Gleichen durch ein böses Beyspiel zum Bösen verleitet? Oder reget sich nicht schon Neid, Mißgunst, Rachsucht, Schadenfreude und niedriger Eigennuß in meinem jungen Herzen? Verdiene ich noch jetzt den schönen Namen eines Unschuldigen? Oder habe ich schon durch of fenbar böse Absichten und Handlungen mich desselben verlustig gemacht? Bin ich noch eben so aufrichtig, als ich es in den ersten Jahren meines Lebens war? Oder verstehe ich schon die gefährliche Kunst, mich zu - vor der Beichte. 37 zu verstellen, und durch Heucheley andere Menschen zu hintergehen? Mit welchen Empfindungen kann ich jetzt an meine Lehrer denken? Habe ich ih= re Anleitung zur Bildung meines Verstandes und Herzens so benußet, als sie es wünschten? Bin ich in den Stunden des Unterrichts aufmerksam oder zersireuet gewesen? Oder habe ich sie nicht oft hintergangen? Habe ich mich vielleicht nur vor ihren Augen stille und sittsam betragen, in ihrer Abwesenheit aber das Gegentheil gethan? Können meine Lehrer von mir sagen: Wir freuen uns, so oft wir deiner gedenken? Oder hat sie mein Leichtsinn, meine Luachtsamkeit, mein unanständiges Betragen zu manchen gerechten Klagen, veranlaßt? Wie betrug ich mich gegen meine Mitschüler? War ich vielleicht oft, statt ihnen mit Freundlichkeit zu begegnen, unfreunds lich gegen sie? Machte es mir vielleicht Freude, wenn einer oder der andere einen Fehler begangen hatte und darüber gestraft ward? Oder ging ich mit ihnen liebreich und freundschaftlich um? Bewies ich mich immer diensifertig und gefällig gegen fie? 38 Betrachtungen und Gebete Konnte ich ihnen im Fleiße, in der Ordnungsliebe und überhaupt in einem anständigen Betragen zum Beyspiele dienen, oder habe ich vielleicht gar manche durch ein böses Beyspiel zur Liebertretung der Pflicht gereizt? Dachte ich, wenn ich von einem oder dem andern beleidiget worden war, auf Rache, oder war ich zum Verzeihen bereitwillig? Wie habe ich bisher meine Pflichten gegen meine Geschwister erfüllet? Habe ich mich so liebreich, so dienstfertig und nach fichtig gegen sie betragen, als es die Verbindung fordert, in welche mich Gott mit ihnen gesetzt hat? Oder habe ich vielmehr das Gegentheil gethan? Außer meinen Eltern, Lehrern, Mit: schülern und Geschwistern stand ich aber auch noch mit andern Menschen in Verbindung. Was können diese mit Wahrs heit von mir urtheilen? Gab ich ihnen Veranlassung, mich für einen untreuen, uns höflichen, undienstfertigen Menschen zu halten? Oder zeigte ich mich gegen sie ge recht, höflich, bescheiden, dienstfertig? Und warum that ich dieß? Ach Gott! je mehr ich über mein bisheri ges vor der Beichte. 39 ges Verhalten nachdenke, desto mehr Ur: sache finde ich, mich aufs tiefste zu demůthigen, und die Sünden meiner Jugend mit Reue vor dir zu bekennen. Nicht nur aus Unwissenheit habe ich gesündiget, auch nicht blos aus kindlichem Leichtsinne, wie wohl auch der nicht zu entschuldigen ist; nein, mein Gewiffen sagt es mir, daß ich auch oft wider besser Wissen gehandelt habe. Bald ward ich von Ändern verführt, bald von der bösen Lust gelockt, die in mir wohnet. Und weil ich dich, o Gott, nicht vor Augen hatte, und der fündlichen Regung nicht früh und ernstlich genug Widerstand that; so fiel ich in Thorheit und Sünde. Dieß alles weißt du, Allsehender. Ja, deine Augen entdecken gewiß noch manches Strafbare, was mir selbst verborgen ist. Was soll ich nun thun? Zu wem soll ich mich wenden, um BVergebung für meine begangenen Sünden zu suchen? Ach treuer, lieber Vater! an dir habe ich gefündiget, zu dir flehe ich: Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend- nimm mich wieder zu deinem Kinde an. Siehe, hier stehe ich vor dir voll herzlicher Reue über meine begangenen Thorheiten, voll Vertrauen auf das, was Jesus für mich ge€ 4 than - 40 Betrachtungen und Gebete than hat, voll des festen Vorsatzes, mein Herz und Leben nach deinem heiligen Worte zu bessern, dir künftig immer ge= horsamer und folgsamer zu seyn. Was schon bey meiner Taufe dir gelobet wurde, daß ich dein Kind seyn, und als ein solches dir gehorchen und auf dich hoffen sollte; das erneuere ich jego hier wissentlich und mit eigner freyer Wahl. Ich schwöre und will es halten, daß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit, deine heiligen Gebote, halten will. Jegt will ich zum erstenmale an der Feyer des Abendmahles Antheil nehmen. Ben dieser heiligen Handlung thue ich das Gelübde vor dir und meinem Gewissen, daß die edeln Grundsätze der Pflicht und Religion nie aus meinem Herzen ausgetilget werden sollen. Und so oft ich es wiederhole, will ich auch meine Gelübde wiederholen, und noch stärker befestigen. Ja, ich will mich täglich dieses Gelübdes erinnern, täglich zu dir flehen, so wie ich jetzt dich bitte: Stärke mich, Herr, in meinen guten Vorsägen! Herr, lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Auch dir, liebreicher, theurer Erlöser, erges vor der Beichte. 41 ergebe ich mich aufs neue. Ich bin auch dein Eigenthum, das du dir theuer erkaufet hast. Habe ich bisher aus Linverstand oder aus Verblendung meine Pflicht oft= mals vergessen, so ist es doch mein völliger Ernst, mich dieses Verbrechens nicht ferner schuldig zu machen. Du bist ja darum gestorben, und wieder auferstanden, damit ich armes Kind den Trost der Vergebung der Sünde und die Hoffnung des ewigen Lebens erlangen möchte. Nein, ich soll nicht verloren werden, ich soll ewig selig seyn, wenn ich an dich glaube; das ist, wenn ich dich auch als meinen Erlöser von Her zen annehme, deinen Geboten folge, und auf deine Verheißungen traue! Das vers sichert mich dein Wort, das lerne ich auch bey der Feyer des Abendmahles, da ich deinen Leib und Blut zum Pfande nehme, und mir dein Leiden und Tod zueigne; wenn ich zugleich im Geiste zu dir hinauf blicke, zu dir, der du todt warest, aber nun lebest; der du gekrönet bist mit Preis und Ehre, und nun selig machen kannst immerdar, alle, die durch dich zu Gott kommen wollen, O! habe Dank für deine Liebe, Leiden und Lod. C 5 Nic 42 Betrachtungen und Gebete Nie komm' es mir aus meinem Sinn, Was ich, mein Heil, dir schuldig bin, Damit ich mich, in Liebe treu, Zu deinem Bilde stets erneu'. Amen. VI. Anleitung zur Selbstprüfung für Jünglinge. Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Diese Frage foll meine ganze Aufmerksamkeit beschäf tigen, so lange ich noch in den frohen Jahren des Jünglingsalters, in den Jahren der Vorbereitung auf das männliche Allter stehe. Wie viel habe ich schon jetzt in dieser Absicht gethan? Habe ich mir einen Schaß von nüßlichen Kenntnissen zu er werben gesucht, ohne welche ich weder meiner Bestimmung als Mensch, noch als Glied der bürgerlichen Gesellschaft Gnüge leisten kann? Habe ich jede böse Neigung, che sie zur Leidenschaft und Gewohnheit ward, standhaft besieget; oder ließ ich mich, auch noch als Jüngling, oft durch kindischen Leichtsinn von meiner Pflicht abhalten? Habe ich mir keine Linmäßigkeit im Ge nuffé sinnlicher Freuden zu Schulden kommen 43 vor der Beichte. men laffen? keines niedrigen Eigennußes bey meinen Geschäften? Habe ich alle meine Geschäfte mit gewissenhafter Treue und mit Lust, oder gewissenlos und mit Widerwillen verrichtet? Welches ist die schwache Seite meines Herzens? Zu welchen Fehlern spüre ich den stärksten Hang in mir? Ist es Gewinnsucht? Spielsucht? Hang zu Zerstreuung? Oder Stoiz? Rechthaberey? Rachsucht? Bequemlichkeitsliebe? oder irgend ein anderer Fehler? Welche Gedanken und Bilder der Einbildungskraft zerstreuen mich am meisten? Was für Umgang habe ich bisher gesucht und geliebt? Was für Einfluß hat er auf mich gehabt? Habe ich auch den verbotenen Limgang mit Personen vom andern Geschlechte vorsichtig vermieden? Wie habe ich mich gegen ältere Personen betragen? Habe ich Hochachtung gegen sie bewiesen, oder has be ich sie verachtet? nnd mich klüger und besser zu seyn gedünkt? Wie war mein Verhalten gegen meines Gleichen? Gab ich durch mein Betragen zu erkennen, daß ich den Werth und die Vorzüge anderer ehre, oder bemerkte ich sie vielmehr mit Neid und Mißgunst? War ich bey den Fehlern meiner schwächern Brüder nachsichtsvoll, oder 44 Betrachtungen und Gebete oder übereilte mich Zorn und Rache? Has be ich mich bemühet, andern durch freundschaftlichen Rath, durch ein gutes Beyspiel in der Ordnung und Treue, und in der Erfüllung mehrerer anderer Pflichten müßlich zu werden? Gehöre ich wohl gar zu der Zahl derjenigen Jünglinge, in deren Herzen wollüstige Neigungen, unkeusche Begierden zu früh und zu heftig rege wurden? Habe ich wohl gar durch böses Beyspiel oder durch zweydeutige Scherze das Gift der Verführung in ein unschulbi: ges Menschenherz gestreuet? Bin ich nie unzufrieden mit meinem Schicksale gewesen? Habe ich den Werth und die reinen Freuden der Andacht, die Freuden eines lebhaften Andenkens an Gott ganz empfunden, oder habe ich sinnliche Freuden höher geachtet? Gott, du erforschest mich, Dir kann ich nichts verhehlen; Du siehest jede That, Das Innerste der Seelen. Ich nahe mich zu dir, Voll Demuth bitt' ich dich: Gieb Selbsterkenntniß mir, Daß ich nicht täusche mich. All vor der Beichte. Allwissender, wer kann, Wie oft er fehlet, merken? O Vater, du nur kannst Mein Herz zum Guten stärken. Auch mir, auch mir wirst du Zum Guten Kraft verleihn. O laß nach Christi Sinn Mich dein Verehrer seyn! Dieß, o Vater, ist der aufrichtige Wunsch meines Herzens. Aber auch ich will nicht dabey unthätig seyn, sondern heute anfangen, an meiner Besserung zu arbeiten. Laß zu dem Ende auch die Feyer des Todes Jesu im heiligen Abendmahle ein Mittel der Belebung und Befestigung dieses Entschlusses werden. 45 Ja, Vater, meine Besserung Wird mir durch dich gelingen; Ich werde nach der Heiligung Mit Muth und Eifer bringen. Rein wird dann meine Tugend seyn, Ich werde jedes Laster scheun, Gestärkt durch Jesu Lehre. VII. Anleitung zur Selbstprüfung für Jungfrauen. Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, che 46 Betrachtungen und Gebete ehe denn die bösen Tage kommen, und die Jahre herzutreten, von welchen du wirst sagen: sie gefallen mir nicht. Pred. Sal. 12,1. Was läßt sich Schöneres und Vortreffli cheres für einen vernünftigen Menschen denken, als ein aufgeklärter Verstand, und ein gutes frommes Herz. Nach welchen Gütern und Vorzügen könnte auch wohl eine Jungfrau mehr streben, als nach die sen? Denn Vergånglich, ach vergänglich sind. Der größten Schönheit Farben, Und gleich den Blumen, die geschwind Bald nach dem Lenze starben. Da nur, wo sich mit Edelmuth Der Jungfrau Stirne schmücket, Und Tugendlieb' in voller Gluth Schön aus den Augen blicket; Wo auf der Wange Sittsamkeit, Wie neben Rosen, stehet; Wo Weisheit und Bescheidenheit Die Anmuth ganz erhöhet: Da, da ist Schönheit, Trefflichkeit, Und Lieb' und Wohlgefallen; Nur da gefällt man allezeit, Nur da gefällt man Allen! Ha: 47 vor der Beichte. Habe ich nun bisher jede Gelegenheit benußt, wo ich meinen Verstand ausbilden, und mein Herz veredeln konnte? Wie ha= be ich die mütterlichen Belehrungen, der ersten Freundin meines Lebens, benußt? Wie habe ich die Pflichten erfüllet, die eine dankbare Tochter ihren Eltern zu erweisen schuldig ist? Gewöhnte ich mich schon in meinem gegenwärtigen Alter zu einer fittlichen Eingezogenheit? Oder fühlte ich einen Hang zu einem müßigen Leben? Bemühte ich mich, nüßliche, häusliche Arbeiten zu erlernen, oder vergaß ich über der Beschäftigung mit Putz und andern Kleinigkeiten die wichtigern? Wie betrug ich mich gegen meine Geschwister, sanft und gefällig, oder auffahrend und undienstfertig? Wie war mein Betragen gegen andere Menschen überhaupt beschaffen? Suchte ich mich durch Bescheidenheit bey guten Menschen beliebt zu machen, oder zog ich mir durch Unbescheidenheit ihr Mißfallen zu? War ich in der Freude máBig, und sorgte ich im Genusse derselben für meine Gesundheit? Habe ich jede Gelegenheit, die mich gegen Unschuld und weibliche Schamhaftigkeit gleichgültig machen konnte, sorgfältig vermieden? Floh ich 48 Betrachtungen und Gebete in solche Gesellschaften, in welchen der Keuschheit Hohn gesprochen, und über die Unschuld gespottet wird? Waren meine Neigungen und Wünsche so beschaffen, daß ich sie jedem Menschen, dem Ünschuld und Tugend heilig ist, entdecken konnte, ohne dabey zu erröthen? Hat etwa Jäh: zorn, Unmuth, Mißgunst, Spott und Tadelsucht, oder irgend eine andere böse Neigung mich zu pflichtwidrigen Handlun: gen verleitet? War ich fest entschlossen, aus Liebe zu Jesu allen Sünden zu entsagen, und mich ihm ganz zu widmen? Welchen Einfluß hatte seine Lehre auf meine Gesinnungen und Gefühle? Kurz, habe ich jede Gelegenheit benugt, meine Ems pfindung zu veredeln, um mich mit al ler Treue auf die so wichtigen Verhältnisse meines Geschlechtes und Standes vorzubereiten? Gott! wie traurig müßte die Jungfrau seyn, die, nach angestellter Prüfung, sich hierüber Vorwürfe machen müßte! Wie unglücklich wäre sie, wenn sie schon in der Morgenrothe ihres jungen Lebens die verlorne Linschuld, die Krone weiblicher Schönheit, und die verlorne Ruhe des Herzens beweinen müßte! Aber mit welchem vor der Beichte. 49 chen frohen Gefühlen kann diejenige Jungs frau zu Gott aufblicken, die ihr Herz von diesen Vorwürfen fren spricht. Erblicke ich auch in jenem traurigen Gemälde nicht mein eigen Bild: so will ich es doch nicht vergessen, wie leicht ein schwaches Geschöpf fallen kann. Ich will es meinem Herzen mit jedem Morgen vom Neuen zurufen: Erzittre vor dem ersten Schritte, Mit ihm sind schon die andern Tritte Zu einem nahen Fall gethan! Saget mir mein Herz, daß ich schon auch nur durch einen Schritt mich von dem Ziele meiner Bestimmung entfernt habe: so will ich noch heute umkehren, und den Pfad der Tugend nie wieder verlassen. Stärte mich dazu, o Gott, auch durch die Feyer des Abendmahls Jesu, und befestige in mir den Entschluß, seinem Vorbilde nachzufolgen, und ihm treu zu seyn bis an mein Ende. Amen. VIII. Anleitung zur Selbstprüfung für Ehegatten, Hausváter und Hausmütter. Verhalte ich mich gegen meinen Ehegatten so liebreich, billig, nachsichtsvoll und D fried Betrachtungen und Gebete friedfertig, wie ich wünsche, daß er sich ge gen mich verhalten möchte! Beurtheile ich seine Fehler mit Schonung, und suche ich ihn mit Sanftmuth zurecht zu weisen? Trage ich das Meine zur Erhaltung des Friedens bey, oder gebe ich selbst Anlaß zu Bank und Verdruß? Habe ich gelernt zu rechter Zeit zu reden und zu schweigen? Liegt mir daran, die Ehre und den guten Namen meines Ehegatten zu retten und zu erhalten? 50 Bin ich mit meinem Stande und Schicks fale zufrieden? Unverdrossen und treu in meinem Berufe? Verzeihe ich gern Belei: digungen, biete ich gern die Hand zur Ver söhnung? Habe ich die schuldige eheliche Treue gewissenhaft bewahret, und nie durch freyen Umgang mit andern Personen, durch unanständigen Scherz und unüber: legte Reden Anlaß zu bösem Verdachte gegeben? Habe ich nie als Hausvater mein Ansehen gemißbraucht, sondern mich so ver: halten, daß ich auf die Liebe der Meinigen gegründeten Anspruch machen konnte? Oder habe ich durch gebieterisches Wesen, Grobheit und Ungestüm ihr Gemüth mir abgeneigt gemacht? War ich sorgfältig auf vor der Beichte. auf das Wohl meiner Familie bedacht, oder habe ich mich durch Nachläffigkeit, Unordnung und Verschwendung an derselben verfündigt? 51 Wie crziehe ich meine Kinder? Laß ich mir es angelegen seyn, sie zu nüglichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft, zu frommen Christen, zu Erben des Himmels zu bilden? Gewohne ich sie zu einem willigen Gehorsam? Bin ich darauf bes dacht, ihnen frühzeitig Liebe und Ehrfurcht gegen Gott, liebreiches Betragen gegen alle Menschen einzuprágen? Halte ich sie fleißig zur Schule und zu dem öffentlichen Gottesdienste an? Entferne ich sie vom Müssiggange, und gewöhne ich sie bey Zeiten zu müßlicher Thätigkeit? Beobachte ich beym Strafen die nöthige Klugheit? Gehe ich ihnen mit einem guten Beyspiele voran? Wie verhalte ich mich gegen mein Gee finde und gegen meine Lintergebenen? Betrachte ich sie als meine Miterlöften Bin ich billig, gerecht und gütig gegen sie? Gebe ich ihnen gehörige Kost und Lohn zu rechter Zeit und ohne Abbruch? Fordere ich von ihnen nicht zu viel? Nehme ich mich ihrer in Krankheiten liebreich an? D2 Era Betrachtungen und Gebete Ermahne ich sie zur Gottesfurcht, und ge: be ich ihnen Zeit zur Abwartung des öffent: lichen Gottesdienstes? Suche ich ihre Feh: ler bald mit Liebe, bald mit Ernst zu bes fern? Habe ich auf ihre ganze Aufführung ein wachsames Auge? Denke ich daran, daß ich auch einen Herrn im Himmel ha be, dem ich einmal von meinem Verhal ten gegen sie werde Rechenschaft geben müsſen? 52 Diese und ähnliche Fragen beantworte dir nach deinem besten Wissen und Gewiß fen. Sie sind wichtig, und aus dem Ver halten gegen die Deinigen kannst du erken: nen, ob deine Denkungsart christlich ist, oder nicht. Denn wenn du nicht durch dein Beten, Abwarten des Gottesdienstes, Beicht und Abendmahlgehen besser wirst, so ist dein ganzer Gottesdienst vergeblich. IX. Anleitung zur Selbstprüfung für das Gesinde. Erweise ich meiner Herrschaft die schuldi ge Achtung und willigen Gehorsam? Ver: richte ich die mir anbefohinen Geschäfte mit Eifer und Gewissenhaftigkeit? Bedenke ich aber auch dabey, daß man Gott mehr ge: vor der Beichte. 53 gehorchen muß als den Menschen? und laffe ich mich nicht zu lasterhaften Handlungen aus Gefälligkeit gegen meine Herrschaft verleiten? Beobachte ich meine Pflichten gern, oder gezwungen, aus ei: gennüßigen oder redlichen Absichten? Habe ich meinen Gott und Erlöser stets vor Augen; bedenke ich, daß er alle meine Ges danken weiß, und mich dereinst nach meinem Herzen richten wird? Bin ich nur unter den Augen meiner Herrschaft fleißig, oder verrichte ich als Christ meine Arbeiten auch dann gewissenhaft, mit Lust und Munterkeit, wenn mich niemand sieht, lobt und nach Verdienst belohnt? Verhüte ich den Schaden meiner Herrschaft, und suche ich ihren Vortheil zu befördern, so viel mir möglich ist? Betrachte ich jede liftige Betrügerey, jede heimliche Entwendung als einen Diebstahl, und bedenke, daß die Diebe das Reich Gottes nicht ererben werden? Bin ich treu und verschwiegen? Suche ich meine Herrschaft zu entschuldigen, wo ich kann, oder mache ich mir eine Freude daraus, sie zu verkleinern und zu beschimpfen? Nehme ich Verweise bescheiden an, suche ich Fehler abzulegen? Trage ich das Meinige dazu bey, 23 Frie 54 Betrachtungen und Gebete Friede und Eintracht im Hause zu erhal ten, oder mache ich denen, die im Hause leben, Verdruß und Aergerniß? Dein ganzes Christenthum ist nichts, du haft keinen Segen weder hier noch dort zu erwarten, wenn du mit Wiffen und Vor: satz deine Schuldigkeit nicht thust, oder wohl gar sie aus Bosheit hintenan fetest, und nur Berdruß und Schaden anrichtest. Ja, wenn dir deine Fehler und Süuden nicht einmal leid sind, wenn du dir nicht vorgenommen hast, dich zu beffern: fo kannst du nicht würdig zum heiligen Abend: mahle gehen. Du haufest nur Sünden auf Sünden, und bringest dich ben fortgeset ter Bosheit in zeitliches und ewiges Lin glück. Erforsche also dein Herz, bekenne Gott deine Fehler, demüthige dich vor ihm in wahrer Reue, erneuere und befestige rechtschaffene Befferung, damit du dir den Trost der Vergebung der Sünden aus Je fu Leiden und Sterben mit zuversichtlicher Gewißheit mögest zueignen können. X. Bitte um Vergebung der Sünden. Herr, Herr Gott! gehe nicht ins Gericht mit mir, deinem unnüßen Knechte, denn wenn du wol: vor der Beichte. 55 wollest ins Gericht gehen mit deinem Knech. te, Herr! wer würde vor dir bestehen? Vor dir, der in die Tiefen des Herzens schauet, und vor dem die Himmel auch nicht rein sind. Mein Gewissen ist ein schneller Zeuge gegen mich. Ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, und darf meine Augen nicht mehr zu dir aufheben. Ich habe die Reinheit und Unschuld meines Herzens, des Menschen höchsten Schaß, verloren, durch Sünden mich elend gemacht, den Gang meines Lebens verrückt und verderbet, und bin auf Abwege gerathen, deren Ende Verderben ist. Ich habe das Buch meines Lebens mit solchen Thaten beschrieben, die mich in dieser und jener Welt unglücklich machen werden. Die Folgen derselben gehen unaufhaltsam fort, ich kann sie nicht zurück nehmen, das Geschehene nicht ungeschehen machen. Owehe, daß ich gesündiget habe! Aber, o Herr, du hast keinen GefalD4 len 56 Betrachtungen und Gebete len am Tode des Sünders; sondern du willst, daß er sich zu dir bekehre, und lebe. Du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, daß er sey ein Arzt der kranken und verwundeten Gewissen, ein Führer der verirrten und verlornen Kinder, und ein Retter und Heiland unglücklicher Herzen. Das ist ja je ge wißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Jesus Christus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen auch ich bin, daß mir Barmherzigkeit widerfahre. Er rufet auch mir zu: Ich tilge deine Uebertretung um meinet willen, und ges denke deiner Sünde nicht. Darum fliehe ich auch jetzt zu ihm, der meine Sünden getragen, und dafür genug gethan hat, und bitte mit demüthigem Herzen: Vater, ich habe gesündiget, im Himmel und vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; aber um meines Jesu willen, um seiner Un schuld, seines Blutes und Todes wil len, vor der Beichte. 57 len, sey mir armen Sünder mådig, und vergieb mir alle meine Eünde, und nimm mich, dein verlornes Sind, wieder zu Gnaden an! Rufe das Wort des Trostes in mein gebeuses Herz: Sey getrost, deine Sünd sind dir vergeben. Ja! Mein Abba schaue Jesum an, Den Gnadenthron der Sünder; Der für die Welt genug gethan, Durch den wir Gottes Kinder Im gläubigen Vertrauen. sind: Der ist's, bey dem ich Ruhe find, Sein Herz ist ja gutthätig, Ich fasse ihn, und laß ihn nicht, Vis mir dein Herz mitleidig bricht. Gott, sen mir Sünder gnädig! XI. Gebet um Versöhnlichkeit. Sey willfährig deinem Wiedersacher bald, weil du noch bey ihm auf dem Wege bist. Matth. 5, 25. Du haft, gerechter Gott und barmherziger Vater im Himmel! mir nur D5 a[ 8 58 Betrachtungen und Gebere alsdant Vergebung meiner Sünden verheßen, wenn ich denen, die sich an mirersändigt haben, herzlich vergebe, Veröhnlichkeit beweise gegen meinen Nchsten, und die Barmherzigkeit, die irvon dir erbitte, auch ihmerzeige. Sie das Zeichen der Aufrichtigkeit meier Bekehrung, und also die Bedingung, unter welcher ich Vergebung meiner Sünden von dir erlangen kann. Daher hat auch dein Sohn Jesus Christus die Versöhnlichkeit zu einer der ersten Pflichten seiner Bekenner gemacht, und hat sie durch sein eignes Beyspiel befestiget, indem er noch sterbend sei nen Feinden vergab, und mit versöhntem Herzen am Kreuze betete: Vater, vergieb ihnen, sie wissen nicht, was sie thun. Bewahre mich, daß ich nicht mit unversöhntem, rachgierigem Herzen gegen meinen Widersacher hinzu gehe, und dadurch das Denkmahl der Liebe und Versöhnung Jesu Christi ent wei vor der Beichte. 59 weihe. Sichest du, daß in mir Groll und Feindschaft gegen meinen Nächsten sey: so rühre mein Herz, daß ich mich noch heute mit ihm versöhne, weil ich noch bey ihm auf dem Wege bin. Rufe den Gedanken in meine Seele zurück, daß wir beyde Wanderer und Pilgrime hier sind, die nur einen kurzen Weg mit einander zu gehen haben, und nicht wissen, wie bald wir von einander scheiden müssen, wenn mein oder sein Weg sich schließt. Wie wehe würde es mir thun, wenn er plötzlich sterben sollte, ohne daß ich mich mit ihm versöhnet hätte, und ich ihm das angethane Unrecht nie wieder vergů. ten könnte! Wie würde der Gedanke mich quälen: deine Feindseligkeit und Härte hat einen armen Menschen, dem vielleicht der Freuden wenige beschie den waren, noch die letzten Tage seines Lebens erschweret! Sein letzter Seufzer war Seufzer über dich.- Ünd wie sollte ich, Vater im Himmel, vor dir 60 Betrachtungen und Gebete dir erscheinen, wenn du mich plößlich zu dir riefest, und ich mit unversöhnlichem Herzen aus der Welt ginge! Wie beschämt würde mein erstes Erwachen in einer andern Welt seyn, wenn ich das Bewußtseyn der Unversöhnlichkeit und Härte gegen meinen zurückgelassenen Bruder in mir trüge! Welche Barmherzigkeit und Verzeihung könnte ich von dir erwarten, wenn ich keine gegen ihn bewiesen hätte! Ach darum will ich keinen Augenblick versäumen, mich mit meinem Widersacher zu versöhnen, weil ich mich noch mit ihm versöhnen kann. Befesti ge, o Gott! selbst in mir diesen Vorsatz, und rotte in meinem Herzen aus allen Haß und Härte gegen den, der mich beleidigte. Laß mich nicht vergessen, daß auch selbst das Böse, was meine Feinde mir zuzufügen gedachten, von dir auftausend ungesehenen Wegen gut ge macht wurde, und Wohlthat für mich werden mußte; und dieser Gedanke ma vor der Beichte. 61 mache mir es leicht, daß ich ihm zuerst die Hand biete, und mich mit ihm versöhne, damit ich auch von dir Barmherzigkeit und Vergebung meiner Vergehungen erhalten möge. Laß mich nach deinem Ebenbild, Seyn liebreich, gütig, fanft und mild; Dieß bitt' ich herzlich, Amen. XII. Gebet eines Menschen, der sich wissentlicher und herrschender Sünden bewußt ist. Mit innigster Beschämung und Reue nahe ich mich zu dir, o Gott! und bekenne dir meine großen Sünden, womit ich mich bisher an dir, und an meiner eigenen Wohlfahrt vergangen habe. Ich schäme mich, und scheue mich, meine Augen zu dir aufzuheben. Vater und Wohlthåter meines Lebens! Dir habe ich mein Leben, meine Erhaltung und tausend, tausend Wohlthaten zu verdanken! Du bist für mein zeitUnis, Bist Glessen Betrachtungen und Gebete zeitliches und ewiges Glück auf das zärtlichste besorgt, und hast mir von Jugend auf gezeigt, was zu meinem Frieden dienet. Ich wußte, was gut und böse, recht und unrecht ist. Ich bin oft genug auf meine Pflicht erinnert, oft genug dazu ermuntert worden, Wohlthaten und Züchtigungen håtten mich aufmerksam machen können; aber das alles habe ich nicht ge achtet, daß ich wider besser Wissen und Gewissen dein Gebote übertreten habe, und zu meinem eigenen Schaden davon abgewichen bin. Mein Ge wissen macht mir manche Vorwürfe; aber habe ich sie auch geachtet? Ach da habe ich mich nun von meinen sündlichen Begierden dahin reißen lassen, das zu begehen, was meine Vernunft sowohl, als das Christenthum mißbilligen mußte. Da habe ich nicht daran gedacht, wie viel du an meine Seligkeit gewendet, und wie viel Jesus ge than, wie viel er gelitten hat, um meine See62 vor der Beichte. Seele zu retten und ewig zu beglücken. O! wie konnte ich doch so hart, so fühllos, so blind und thöricht seyn, und alle die vielen Beweise deiner våterlichen Güte verschmähen! Wie konnte ich doch so sehr mein Feind seyn, und dem entgegen arbeiten, was duzu meinem Glücke thatest! Ich erkenne, wie unbedachtsam und strafbar mein bis heriges Verhalten gewesen ist. Ich spreche mit innigster Beschämung: Vater, ich habe gesündiget, und bin nicht mehr werth, daß ich dein Kind heiße. Ach! was habe ich gethan! So viel Gutes hätte ich thun, so manchen Menschen Freude machen können; und ich habe Böses gethan, meinen Nebenmenschen geärgert, geplagt, oder wohl gar verführt und zu Sünden verleitet. Ich hätte meine eigene Wohlfahrt befördern können; aber ich habe mir selbst an meiner Ehre, Gesundheit und Ruhe geschadet, bin im Guten zurück geblieben, und kann alles Ver63 Betrachtungen und Gebete Versäumte in Ewigkeit nicht wieder einbringen. Das Andenken an meine Thorheiten werd ich nie ganz vertil gen können; sondern ich werde mich derselben ewig zu schämen haben. Und wie schmerzt es mich, daß ich mich so sehr durch niedrigen Undank an dir, mein Gott, vergangen habe! Ach! ich håtte tausendmal verdienet, daß du deine Hand von mir abzögest; aber nein- noch rufest du mich zur Buße, noch giebst du mir Zeit zu meiner Bes serung. Auch heute hast du mein Ge wissen gerührt, und mich zur Erkennt niß gebracht, daß ich die Schåndlichkeit der Sünde, und vornämlich derjenigen, der ich bisher ergeben war, lebhaft einsehe. Ach! Bater, schone, und gehe nicht mit mir ins Gericht. Verzeihe mir das Vergangene um Je su willen, durch den du uns Gnade verheißen hast. Ich habe mich nun fest entschlossen, ein ganz anderes Leben anzufangen, die Sünde, durch deinen Bey 64 vor der Beichte. 65 Beystand, zu fliehen und zu hassen, und mich dir ganz zu übergeben. Die sen Vorsaß erneuere ich hiermit, und will ihn morgen an der Tafel meines Heilandes wiederholen. Möchte ich doch mein Versprechen erfüllen! Stehe mir bey, du guter Gott, und verleihe mir die Gnade deines Geistes, daß ich, eingedenk der großen Liebe, die du mir durch deinen Sohn erwiesen hast, mit Freuden den Weg deiner Ge bote wandle, daß ich nie in die vorigen Sünden zurückfalle, sondern immer bedenke, wie theuer ich erkauft, und wie sehr ich verpflichtet bin, dich am Leibe und Geiste zu preisen. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, und laß meinen Glauben, meine Liebe und Hoffnung immer fester werden, bis ich, von der Sünde ganz befrent, dich ewig lieben, und in deiner Verehrung ewig selig seyn werde. Amen. & XIII. - 66 Betrachtungen und Gebete XIII. Gebet vor der Beichte in der Kirche. Herr, Herr Gott! barmherzig, gnå dig, geduldig und von großer Güte und Treue gegen alle, die sich von ganzem Herzen zu dir bekehren und deinen Namen fürchten. Dein Mund sprach das tröstliche Wort: Wer seine Mis sethat bekennt und läßt, der soll Barmherzigkeit erlangen. Ich habe mein Herz im Verborgenen vor dir ausgeschüttet, und dir meine Sünde nicht verhehlt; jetzt erhebe ich mein gebeugtes Herz zu dir in deinem Hause, und will an dem Orte, wo du zu uns kommen und uns segnen willst, dir meine Sünden bekennen, damit ich Barmherzigkeit von dir erlange. Erfülle mein Herz mit Ehrfurcht vor deiner alles erfüllenden Gegenwart; bewahre mich, daß ich mich nicht leichtsinnig dem Beicht stuhle nahe, und durch Heucheley mich ſelbſt nach der Beichte. 67 selbst betrüge. Laß mich nicht verges sen, daß du mein Herz durchschauest, prüfest und richtest, und meine verborgensten Gedanken im hellsten Lichte siehest. Gieb, daß jedes Wort meines Beichtgebetes aus dem Innersten meiner Seele gesprochen sey, und sende mein Gebet, daß ich an dieser Ståtte um Vergebung meiner Sünden zu dir thun werde, mit Erhörung gesegnet Hernieder. Laß die Versicherung der Vergebung meiner Sünden auch vor dir gewiß seyn, und mich gerechtfertiget in mein Haus gehen, um Jesu Christi willen, Amen. XIV. Betrachtung über Beichte und Absolution. So wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergiebt, und reiniget uns von aller Untugend. 1 Joh. 1, 9. Mit zärtlicher Liebe trägst du, Vater im Himmel, deine gefallenen, verlornen Kinder; mitleidig siehst du sie, die Ver€ 2 irra 68 Betrachtungen und Gebete irrten und doch Geliebten, auf Wegen des Verderbens einhergehen; dein Baterherz wallet ihnen entgegen, du öffnest ihnen deine Arme, und bittest ihnen Verzeihung ihrer Vergehungen, und Leben und Seligkeit an, wenn sie nur aufrichtig zu dir kommen, und mit Kindeseinfalt ihre Sünden bekennen. Warum aber knüpfte Gott Verzeihung und Vergebung der Sünden allein an auf richtiges Bekenntniß der Sünde? Eben deswegen, weil dieß der einzige Weg ist, auf welchem ein Mensch Vergebung seiner Sünden finden kann, die ausschließend der lautern Aufrichtigkeit verheißen ist. Wer seine Sünden nicht bekennen will, sie wegzuläugnen, oder zu beschönigen sucht, der will sich nicht losmachen von ih nen, der will sie nicht vergeben haben; son: dern nur der Strafe derselben los seyn, und daher ist es Gott unmöglich, sie ihm zu vergeben. Wer aber aufrichtig seine Suns den erkennt, und sie, voll Vertrauen auf Ehristum, seinem Vater mit kindlichem Herzen gestehet, der giebt dadurch den Be weis der Aufrichtigkeit seiner Bekehrung, und daher wird Gott alle seine Sünden ihm geen verzeihen, vergeben, und selbst die schlim vor der Beichte. schlimmen Folgen seiner bösen Handlun gen wieder gut machen. Diese Wahrheit zu befestigen, ist die Beichthandlung zur Vorbereitung auf den Genuß des heiligen Abendmahls verordnet. Wir bekennen da vor unserm Beichtvater unsere Sünden, werden von ihm erinnert, getröstet, und erhalten durch ihn die Versicherung, daß unsere bekannten und bereucten Sünden vor Gott vergeben seyn. Das letzte heißt Absolution. 69 Hüte dich also, daß du der Beichthandlung und Absolution keine Zauberkraft zutraueft, und glaubest, der Prediger werde und könne dir die Sünden vergeben, die du nicht als solche erkannt, vor Gott bekannt, und herzlich bereuet haft. Dein Beichtvater ist dein innigster Freund, dem du dich völlig anvertrauen kannst. Er soll und kann dein Führer seyn durch's Leben; aber er kann dir nicht in dein Herz sehen, und deinen Werth oder Unwerth richtig bestimmen. Der allwis sende Gott allein kennt dich durch und durch, sein untrügliches Urtheil allein be stimmt den Werth oder Unwerth deiner Buße, und vor seinem Gerichte kannst du nur alsdann losgesprochen seyn, wenn du € 3 deine 70 Betrachtungen und Gebete deine Sünden bekannt, aufrichtig bereuet, und dich des Verdienstes Jesu Christi gläubig getröstet haft. Der Lehrer der Religion Jesu Christi hat das Amt, das die Versöhnung prediget, und kann nicht mehr thun, als dir die Vergebung deiner Sünden zusichern, wenn du es werth bist. Giebt dir also dein Gewissen das Zeugniß, daß du deine Sün den deinem Gott aufrichtig bekannt hast, fie innig bereuet, und den herzlichen Vor satz gefaßt, sie nie wieder zu begehen; hast du dein festes Vertrauen aufGottes Barmherzigkeit gesetzt, die er dir durch deinen Erlöser, Jesum Christum, verheißen hat; und glaubest du gewiß, daß er um seinetwillen dir deine Sünden vergeben werde: so kannst du den Verheißungen des Evangelii, die der Lehrer der Kirche dir an kündiget, fest vertrauen, und gewiß seyn, deine Sünden sind dir vergeben vor Gott im Himmel. Zeuget aber dein Gewissen gegen dich, hast du noch Gefallen an der Sunde: so ist sie dir nicht vergeben, und deine Beichthandlung wird dir mehr Schas den thun, weil du damit Gott betrügen wollen, und deinen Spott mit ihm gehabt haft. Be= vor der Beichte. 71 Bedenke ferner, daß du in der Beichte dein Herz zu Gott, dem allsehenden Richter, erhebest, der dich genau prüfet und richtet, den du weder durch glatte Worte, noch durch erheuchelte, äußerliche Geberden, zu täuschen vermagst: das wird dir Bewegungsgrund genug seyn, andächtig, aufrichtig und demüthig dein Beichtgebet darzubringen. Hast du eine gelernte Formel, so siehe zu, daß du das, was du sagst, verstehest, und mit Leberzeugung von dir sagest. Außerdem wird ein Spruch, oder ein Vers, der sich auf deinen Zustand schicket, genug seyn, deine Sünden dem Gott zu bekennen, der das Herz ansiehet, und nicht nach Worten, sondern nach unsern Gefinnnngen uns richtet, Bete zu deinem Gott, daß er dir ein reines Herz schaffe, und einen gewissen Geist gebe: Verwirf mich nicht, o Gott! von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Amen. XV. Demüthige Bitte an Jesum. Du, v göttlicher Freund aller Men schen, einziger Mittler und Heiland € 4 der 72 Betrachtungen und Gebete der Sünder! hast gesagt: Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinaus stoßen! und du gedenkest auf dem Throne deiner Herrlichkeit, wo du ewig lebest und herrschest, noch daran, was du hier auf Erden uns zum Troste geredet hast. Mein Herz hålt dir vor dieß dein gnädiges Wort. Siebe, hier liege ich zu deinen Füßen, und flehe zu dir: Allerbarmherzigster, gieb meiner Seele Leben! Ich bin dieser Gnade nicht würdig. Wenn aber dein erbarmun svolles Herz immer Vergnügen daran fand, Berlorne zu retten, Mühselige und Beladene zu er quicken: so kannst du dieß Vergnügen jetzt auch bey mir finden. Dir übergebe ich mich mit vollem Vertrauen. Auf dich allein baue ich meine Hoffnung in Zeit und Ewigkeit. Vor dir ist alles Verlangen meiner Seele, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Du siehest meinen Entschluß, so gesinnt zu werden, wie es deine göttliche Lehre erfor vor der Beichte. 73 erfordert. Mache du selbst aus mir einen solchen Menschen, wie du mich haben willst. Deines Heils will ich mich freuen, dir will ich mich ewig weihen! Amen. XVI. Gebet, wenn man zum Beichtstuhle treten will. So gehe ich denn hin, dir, o Gott, meine Sünden zu bekennen. Gieb mir lebhaft zu erkennen, daß ich nicht bloß vor das Angesicht eines sterblichen Menschen, sondern vor dich, den Allwissenden, trete. Rühre, o guter Geist, bey diesem feyerlichen Bekenntnisse, mein Inneres, und gieb, daß meine Gedanken zu dir mögen erhoben seyn, damit ich wahren und bleibenden Nußen von dieser heiligen Handlung an meinem Herzen erfahre, und von dir mit Trost und Ruhe erquickt zurückkehre. E 5 Be= Betrachtungen und Gebete Beschämt erkenn' und fühl ich meine Sünden; Laß, Vater, mich Erbarmung vor dir finden. Willst du auf Schuld und Uebertretung sehen, Wer will bestehen? 74 Bey dir allein, Herr, steht es zu vergeben, Du willst nicht tödten, nein, wir sollen leben; Uns soll die Größe deiner Liebe lehren, Dich treu zu ehren. Verzeihe mir, Herr, alle meine Fehle! Dein harret, Vater, meine müde Seele! Laß Trost und Ruh, um des Versöhners willen, Mein Herz erfüllen. XVII. Einige Beichtformeln. 1. Heiliger und gerechter Gott! Ich habe gefündiget im Himmel und vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; aber du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Auf dieses dein Wort komme ich auch jetzt vor dein Angesicht, bekenne dir meine Mis fethat, und bete: Gott, sey mir armen Sünder gnädig! Mein Glaube hält sich an dein Wort, und an Jesum Christum, der auch meine Sünde getragen hat; um seiz netwillen schone, mir nicht nach Sünden loh: vor der Beichte. 75 lohne! Ich habe den festen Vorsatz, in Zu kunft vor dir zu wandeln, und fromm zu seyn. Befestige du selbst, o Gott, diesen Borsag in meinem Herzen! Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Amen. 2. Vor dir, o Gott! habe ich gefündiget und Ulebels gethan. Das weißt du, Allwissender, der du alle meine Gedanken und Wege siehest. Siehe aber auch meine Betrübniß, die ich darüber in meiner Seele empfinde, in Gnaden an, und laß dir meinen aufrichtigen Vorsatz der Bes ferung, den ich hier vor deinem Angesichte faffe, wohlgefallen. Vergieb mir alle meine Abweichungen von deinen heiligen und guten Geboten um Jesu Christi willen, den du auch mir zu meinem Heilande und Erldser verordnet hast, und schenke mir deinen guten Geist, daß ich von nun an frommer und gewissenhafter vor dir wandeln möge. Amen. 3. Pf. 51, 3.6. und 11-14. Gott, sey mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner groBen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl vonl 76 Betrachtungen und Gebete von meiner Mifsethat, und reinige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missethat, und meine Sünde ist im mer vor mir. An dir allein habe ich ge fündiget, und übel vor dir gethan. Verbirg dein Antlitz von meinen Sünden, und tilge alle meine Miffethat. Schaffe in mir, Gott! ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröfte mich wieder mit deiner Hülfe, und der freudige Geist enthalte mich. Amen. 4. Mit Reu und Buße fret ich vor den Gnadenthron. Da meine Sündenschuld bis an den Himmel steiget; da meinen Wegen sich ein naher Abgrund zeiget; da Zeit und Ewigkeit mit ihren Strafen drohn. Doch Jesus Christus spricht durch sein Verdienst mich ledig, in dieser Zu versicht, Gott, sey mir Sünder gnädig! Ich will, dein guter Geist wird mir die Kraft verleihn, ganz dir, und deinem Dienst mein künftig Leben weihn. Oder: Mühselig und beladen Komm ich zum Stuhl der Gnaden, Durch nach der Beichte. Durch Trost erquickt zu seyn. O Gott, um Jesu willen, Laß mich den Trost erfüllen: Ich sey von Sünden rein. 7.7 0937 XVIII. Dankgebet nach empfangener Absolution. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünde vergiebet, und heilet alle deine Gebrechen. Barmherzig und gnådig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sunden, und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. O wie ist die Barmherzigkeit des Herrn so groß, und låsset sich gnädig finden denen, so sich zu ihm bekehren! Herr! ich bin nicht werth der Barmherzigkeit und Treue, die du mir, deinem verlornen Kinde, erwie 78 Betrachtungen und Gebete wiesen hast. Du hast dich meiner Seele angenommen, daß sie nicht verdürbe; meine Sünde hinweg genommen, meine Missethat vertilget, und mir zurufen lassen: Sey getrost, deine Sün den sind dir vergeben. Mit frohem Herzen kann ich meine Augen wieder zu dir aufheben; du bist nun wieder mein gnädiger Gott und Vater, und ich dein durch Christum versöhntes Kind. Ich habe wieder Friede mit dir, meinem Gott, da ich bin gerecht geworden durch Jesum Christum. Ach wie soll ich dir, Herr! vergelten das Gute, das du an mir gethan hast? Ich will dir meine Gelübde bezahlen, und deinen Ruhm verkündigen. Das soll meine Freude seyn, daß ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht sehe auf den Herrn Herrn, daß ich verkündige alle dein Thun. Dazu gieb mir, o Gott, deine Gnade, um Christi willen. Amen. XIX. nach der Beichte. XIX. Gebet um neuen Gehorsam. Siehe zu, du bist gesund geworden, fündige fort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Joh. 5, 14. 79 So rufest du, meinErlöfer! auch mir jetzt zu, da du mein verwundetes Gewissen geheilet, und mir wieder Friede gegeben hast. Schreibe diese Worte tief in mein Herz, und laß sie nie aus demselben verlöschet werden. Ich habe vor dem allsehenden Auge meines Gottes gelobt, mein Leben zu bessern und frömmer zu werden, und dieses mein Wort würde mich richten, wenn ich wieder zu meinen vorigen Sünden zurückkehren wollte, würde mir zu desto größerer Verantwortung gereichen, und es würde alsdann schlimmer mit mir werden, dennvorhin. Ach darum verlaß mich nicht, Herr, mein Gott! und ziehe deine Hand nicht ab von mir, daß ich mein Herz zu dir neige, und 80 Betrachtungen und Gebete und nach denien Geboten wandle. Laß mich wachsam seyn über mich selbst, damit ich nicht in meine vorigen Sünden zurück falle, durch sie deine Liebe verliere, und mich unglücklich mache. Gieb, daß ich vorsichtiglich wandle mein gutes Gewissen bewahre, und treulich meinen Lauf vollende, damit ich einst mit Freudigkeit stehen möge vor des Menschen Sohn. Ach leit und führe mich, so lang ich leb auf Erden; Laß mich nicht ohne dich durch mich geführet werden. Führ ich mich ohne dich, so werd ich bald verführt; Führst du mich aber selbst, thu ich, was mir gebührt. XX. Nach der Beichte zu Hause. Wenn du mein Herz tröstest, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Pf. 119, 32. D barmherziger Gott und Vater! ich preise dich von Grund meines Her zens für die erfreuliche Gewißheit, die du mir von deiner Gnade und Versöhnlichkeit in dem Evangelio deines Soh vor der Beichte. 81 Sohnes ertheilet hast, wofern ich meine Sünde reuig erkannt, und einen redlichen Vorsatz der Besserung gefaßt habe. Ohne diesen Trost müßte ich unter den Martern meines Gewissens vergehen; ich könnte keine freudige Stunde haben, und müßte mich beständig vor den traurigen Folgen meiner Thorheit fürchten und ångstigen. So aber, da du mich als einen aufrichtig zu dir umkehrenden Sünder begnadigest, und mich von meiner Wiederaufnahme bey dir durch Jesum Christum so gewiß versichert hast, da kommt wiederum Ruhe und Freudigkeit in meine Seele; ich kann mich von meiner Niedergeschlagenheit aufrichten, und dich als meinen versöhnten, liebevollen Bater mit kindlichem Vertrauen anrufen. Da kann ich also auch wiederum meines Lebens auf Erden froh werden, und einmal selbst dem Ende desselben ohne Zittern und Zagen entgegen blicken. Hätte ich nicht jenen Trost, dugnåF diger 82 Betrachtungen und Gebete diger Gott! daß du meiner Sünden nicht gedenken, und mich die unglücklichen Folgen derselben nicht ewig fühlen lassen wolltest: o! da müßte mir ja auch ferner aller Muth zu meiner Besserung entfallen; meine noch so guten Entschließungen, ein anderer Mensch zu werden, müßten da unter dem verzweifelnden Gedanken, daß ich nun doch einmal verloren sey, entkräftet und vereitelt werden; da ich hingegen jetzt, bei meiner vollkommenen Leberzeugung von deiner Bereitwilligkeit zum Vergeben, mich aufs stärkste auf gemuntert fühle, mich aus dankbarer Liebe an dich zu ergeben, und alles Bö se forthin gewissenhaft zu meiden, so viele Kämpfe mit meinen sündlichen Neigungen und Gewohnheiten das auch kosten möge. D! mache du mich selbst von Tage zu Tage immer erkenntlicher für die gro ße Wohlthat deiner Begnadigung. Gieb, daß ich dich dafür nicht bloß mit mei nach der Beichte. 83 meinen Lippen, sondern besonders mit meinem ganzen künftigen Leben preisen möge. Laß meinen Lauf auf dem Wege deiner Gebote hinführo desto munterer und unverdrossener seyn, je mehr Freudigkeit des Geistes du mir durch die Vergebung meiner Sünden, durch die gründliche Beruhigung meines Gewissens verliehen hast. Geh mir, wo ich bin und wandle, Immerfort mit Hülfe nach, Daß ich als ein Christ stets handle, Und wird meine Tugend schwach, O so hilf mir liebreich auf, Daß ich in dem frommen Lauf Nimmer wanke, nie ermüde, Stets erquicke mich dein Friede. XXI. Abendgebet am Tage, da man zur Beichte gewesen. Ewiger, gütiger und barmherziger Gott, habe ich irgend an einem Abend rühmen können: Die Güte des Herrn ist es, daß wir nicht gar aus sind, seine F2 Barm Betrachtungen und Gebete Barmherzigkeit hat noch kein Ende; so habe ich es gewiß an diesem Abend Ursache, an dem ich mich nochmals der großen Wohlthaten erinnere, die du heute meiner armen Seele erwiesen hast. Als ein begnadigter Christ, mit der Versicherung der Vergebung meiner Sünden, kann ich zu Bette gehen, wenn mein Vorsaß redlich ist.O mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue sich! Ja, alles, was um und an mir ist, rühme, und sage: Der Herr hat sich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Der Herr warf alle meine Sünde hinter sich zurück. Nun werde ich nicht sterben, sondern leben, und des Herrn Werk verkündigen. Wie leicht ist mir jetzt mein Herz, und wie wohl ist mir! Möchte ich doch so sorgfältig seyn, und diese Ruhe meiner Seele immer zu bewahren suchen! Möchte ich doch niemals wieder mit vorsäßlichen Sünden mein Herz beschwes 84 - nach der Beichte. 85 schweren, und mir selbst dadurch muthwilliger Weise bångliche Stunden, verdrießliche Tage, und oft auch schlaflose Nächte machen! Wie übel ist doch dem zu Muthe, dessen Gewissen nicht rein ist, und dem immer seine verübten Bosheiten und wissentlichen Sünden im Gedächtnisse liegen! Aber wie wohl ist nicht dem, dem der Herr die Sün den vergeben hat! Wie sanft werde ich nun diese Nacht ruhen und schlafen, wie ein gehorsames Kind, das dem Vater seine Beleidigungen abgebeten, und von ihm für diese kindliche Aufführung den våterlichen Segen bekommen, und die gütige Hand noch einmal umfaßt und geküßt hat. Aber vielleicht hat mich mancheSunde schon wieder übereilet! das soll mir zur Demüthigung dienen, nicht zuviel auf mich selbst und auf meinen guten Willen zu bauen. Dieß soll mich erinnern, mich sogleich vor meinem Gott zu demüthigen, und ihn um gnädige F 3 Ver Betrachtungen und Gebete Vergebung zu bitten, damit sie nicht etwa sich wieder unvermerkt in meiner Seele einschleiche, und von neuem Wurzel fasse. Indessen, mein Gott, behüte mich und alle die Meinen diese Nacht vor allem Uebel und aller Ge fahr. Laß mich morgen nach deinem Willen gefund wieder erwachen, und das heilige Abendmahl zur Stärkung meines Glaubens an Jesum, und zur Belebung meines Tugendeifers genie ßen. Gieb, daß ich nicht nur den morgenden, sondern auch alle folgende Tage meines Lebens zu deiner Ehre zu bringe, bis ich dereinst nach glücklich vollendetem Laufe in die Wohnungen des Himmels aufgenommen werde, wo ich dich für alle deine Wohlthaten rühmen und loben will in Ewigkeit. Amen. 86 Laß mich, Herr, von dir nicht wanken, In dir schlaf ich sanft und wohl. Gieb mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll; So vor dem heil. Abendmahle. So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für; Bis die Morgenroth angehet, Und man von dem Bett aufstehet. 87 Nöthige Vorbereitung, wenn man zum heiligen Abendmahle gehen will. I. Zu Hause. Morgenandacht am Communiontage. So oft ihr von diesem Brode esset, und von diesem Kelche trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen. 1 Corinth. 11, 26. Himmlischer Bater! mein erster Ge danke in dieser Frühstunde bist du, und meine erste Empfindung nach meinem Erwachen sey dir geheiliger! Du hast dich auch in der vergangenen Nacht wiederumals mein gnädiger Beschüßer an mir verherrlicht, und mich das Licht dieses Tages gesund erblicken lassen. F4 Nimm 88 Betrachtungen und Gebete Nimm dafür meinen gerührten Dank an, und laß dir die Lobopfer meines Mundes wohlgefallen. Heute soll aber auch meiner Seele vorzüglich Heil von dir widerfahren: ich soll an der herrlichen Stiftung Theil nehmen, die dein Sohn Jesus Christus zum Andenken seines Leidens und Sterbens für seine Bekenner gemacht hat. Daß ich das darf, daß ich dieser hohen Ehre und dieses unschäßbaren Glücks gewürdiget werde, das ist auch deine Gnadenanstalt, himmlischer Va ter! Denn ohne dich und deine Verfü gung wäre ich ja kein Christ, oder leb te nicht unter der Gesellschaft derer, die sich ihrer Gemeinschaft mit Christo öffentlich rühmen. Was kann also wohl mir zunächst mehr am Herzen lie gen, als die Pflicht der Erkenntlichkeit gegen dich, der du auch mich zum Erb. theile der Heiligen im Lichte berufen hast, und mich heute zu dem Mahle der Liebe meines Erlösers einladest. Ich vor dem heil. Abendmahle. 89 Ich rufe dich aber auch inbrünstig an, laß mir allen den Segen, den du mir mit der Feyer des Nachtmahles in Gnaden zugedacht hast, auch wirklich zu gute kommen. Schenke mir ein Gemüth, das ganz zur Andacht und zu frommen Empfindungen aufgelegt sey. Bewahre mich vor allen Zerstreuungen und Verwickelungen meiner Gedanken und Begierden ins Irdische, und laß mich an diesem Tage meinen Heiland, der sich so großmüthig um meinetwil len aufopferte, in seinem Leiden und Sterben recht gegenwärtig vor Augen haben. Gieb aber auch, daß diese lebhafte und anschauliche Erinnerung mir zu einer starken Erquickung diene, mich immer mehr an dich zu ergeben, da du mir in der Dahingebung deines Sohnes so große Barmherzigkeit bewiesen hast. Laß mich am Altare kräftige Ent schließungen fassen, das, was ich noch nach deinem heiligen Rath und Willen hienieden zu leben habe, im Glauben F5 an 90 Betrachtungen und Gebete an den zu leben, der mich bis in den Tod so herzlich geliebet hat. Laß auch rechtschaffene Bruderliebe zu allen, die mit mir Eines Brodes und Weines theilhaftig werden, mein Herz beseelen und mich zu menschenfreundlichen Thaten der Hülfs- und Dienstbegierde mächtig antreiben. Gieb endlich, daß ich bey der feyerlichen Verkündigung des Todes Jesu lerne, wie ich auch einmal, wenn du mich rufen wirst, diese Welt mit frommer Ergebung meines Herzens an dich verlassen, und im Vertrauen auf die Erlösung meines Heilandes, mit der gläubigen Hoff nung einer andern und bessern Welt, die er bereitet hat, selig von hinnen scheiden möge. Dann ist dieser Tag wahrhaft gesegnet für mich, und er wird es noch einmal in der Ewigkeit für mich seyn, da ich dich mit reinen Lippen für deine Gnade und Freundlichkeit ohne Ende rühmen werde. Amen. II. vor dem heil. Abendmahle. II. Betrachtung, daß das heilige Abendmahl ein Erinnerungsfest an unsere Erlösung sey. 91 Mit Recht verehren wir Jesum Chriftum als unsern Erlöser. Denn er gab fe in Leben hin zur Erlösung für Viele. Daß wir Gott als den allmächtigen, heiligen, gerechten, allweisen und allgütigen Weltregierer verehren, daß wir ihn, ohne bange Furcht, als unsern ewig guten Vater betrachten können, wem anders haben wir dieß zu verdanken, als Jesu Christo? Schon dadurch, daß Jesus Christus diese Wahrheit zuerst ans Licht brachte, hat er uns von der Unwissenheit, Irrthum, Linglauben und Aberglauben frei gemacht. Schon dadurch, daß ihn, während seines ganzen Lebens, ein unerschütterliches Vertrauen auf die Vorsehung belebte, daß er Diese Uleberzeugung durch die That zu erkennen gab, hat er uns von Irrthum, Unwiffenheit und Aberglauben erlöset. Schon darum, daß weder Tod noch Grab dielleberzeugung von Gottes ewiger Vaterliebe in ihm wankend machen konnte, ja, daß er selbst zur Bestätigung der Wahrheit diefer 92 Betrachtungen und Gebete fer himmlischen Lehre starb, müssen wir ihn als unsern Erlöser verehren. Welche Religionsfeyerlichkeit kann uns aber lebhafter an diese Wahrheit erinnern, als die Feyer des Todesmahles Jesu? Erinnert uns nicht der Genuß des Brodes und Weines an jene merkwürdigen Worte, die der Stifter dieser Feyerlichkeit mit gerührter Seele aussprach: Auch für euch wird mein Leib in den Tod gegeben, auch für euch wird mein Blut vergossen? und die ser Gedanke sollte uns nicht die Wahrheit lebhaft in die Seele rufen, daß Jesus Chris stus durch seine Lehre, durch sein Beyspiel und durch seinen Tod auch unser Erlöser von Unwissenheit, Irrthum und Aberglauben ist? Ist es aber möglich, daß ein Mensch, der seine Pflichten nicht kennt, sie erfüllen kann? Ist es möglich, daß ein Mensch, der nicht an Gott, als den Schö pfer, Erhalter, Regierer, Gesetzgeber und Richter der Welt glaubt, ihn im Geist und in der Wahrheit mit Nachdenken und mit frommen Gesinnungen verehren kann? Waren wir nicht in einem Lande geboren, darinnen die Lehre Jesu bekannt ist; wdren wir nicht von christlichen Eltern geboren, und in den Wahrheiten des Christens thums vor dem heil. Abendmahle. 93 thums unterrichtet worden, ach, dann hät: ten wir gewiß nicht die richtigen Erkennt: nisse von unsern Pflichten, die richtigen Begriffe von Gott und seiner Verehrung! Und wie wäre es dann möglich, so rechts schaffen und gut zu werden, als wir jetzt werden können, da wir wissen, daß nur wahre Gottes- und Menschenliebe, daß nur Frömmigkeit und Herzensgüte uns einen wahren Werth giebt? Ach, dann hielten wir uns vielleicht schon für gute, fromine Mena schen, wenn wir nur von groben Lastern frey wären; dann setzten wir vielleicht un fere ganze Tugend in die Ausübung gewiss ser Gebrauche, in Fasten und Beten; dann glaubten wir vielleicht schon alles gethan zu haben, wenn wir nur zu bestimmten Zei: ten uns in Einem Tempel versammelten, und dort einige gedankenlose Gebete her: sagten; dann hielten wir es vielleicht nicht für Unrecht, unlautere Neigungen und Bes gierden in unserer Seele zu unterhalten. Aber wohl uns, durch Jesum Christum belehrt, können wir jetzt auf der Bahn der Tugend wandeln. Sein erhabenes Beyspiel leuchtet uns auf dieser schönen Bahn voran, und die Erinnerung an seinen Tod kann und soll unsern Muth beleben, 94 Betrachtungen und Gebete ben, die Bahn der Tugend, auf welcher er uns voran ging, nimmermehr zu verlassen. Jesus Christus ist aber auch unser Ers Idfer von der Sünde und deren Schuld und Strafen. Und könnten wir wohl sein Abendmahl feyern, ohne uns auch an diese Wohlthat zu erinnern? Mit Dank und Preis wollen wir also das Ge dächtnißmahl Jesu als ein Erinnerungs fest unserer Erlösung feyern. Aber können wir uns wohl dieser Erlösung durch Jesum freuen, wenn wir nicht nach seiner Anweisung, nach seinem Beispiele leben? wenn wir nicht durch Vernunft über unsere sinnlichen Neigungen herrschen wol len? Sollten wir, sagt der Apostel, die da suchen durch Christum ge recht zu werden, auch noch selbst als Sünder erfunden werden: so wäre Chriftus ein Sündendiener. Das sey ferne! Auf uns selbst kommt es vornehmlich an, ob wir uns durch Chris stum wollen erlösen lassen. So laffet euch nun versöhnen. Das ist eine wichtige Aufforderung, welche Paulus auch an uns thut. Wie könnten wir aber wohl bey der Feyer des Abendmahles das Andenken an vor dem heil. Abendmahle. 95 Jesum erneuern, und uns an seine wohlthätige Absicht erinnern, für die er lebte, duldete und starb; an seine wohlthätige Absicht, alle Menschen zu erlöfen, alle von dem Sklavendienst der Sünde zu befreyen, ohne daß in dem Herzen eines jeden der feste Vorsatz erweckt und belebt würde: Auch ich will jedem Reize zum Bösen mit festem Muthe widerstehen; ich will jede unedle Neigung meines Herzens in ihrem ersten Entstehen ersticken; ich will mit jedem Ta= ge meines Lebens mich immer mehr von der Herrschaft der Sünde losreißen, und will täglich besser, und dadurch Gott wohlgefälliger zu werden suchen. Durch solche Vorfäße wird für uns die Feyer des heiligen Abendmahles ein Ermunterungsmittel zur christlichen Besserung. So oft wir diese feverliche Religions: Handlung wie derholen, werden frohe Gefühle unsere ganze Seele erfüllen. Wir werden das Abendmahl als ein Freudenfest, als ein Fest zur dankbaren Erinnerung an unsere Erlösung feyern, und bey jeder Feyer des selben neue Vorsäge zum christlichen Leben faffen, und zu ihrer Ausführung stärken. O wie froh werden uns dann die Tage unsers Erdenlebens verfließen! Wie wird uns 96 Betrachtungen und Gebete uns der Gedanke: wir thaten unsere Pflicht, wir handelten so, wie Christen handeln sollen, jedes Erdenleiden erleichtern. Mit welchen seligen Gefühlen können wir dann hinauf zu Gott blicken, bey dem Bewußtseyn, daß wir seine guten Kinder sind! Und wem haben wir auch diese Ruhe, diese Erdenseligkeit zu verdanken? Jesus Christus, unser Erldser, deffen Abendmahl wir feyern, hat sie uns erwor ben. Er lebte, er lehrte, er litt und duldete, er starb auch für unser Wohl! Sein Tod ist uns der sicherste Beweis von Got: tes Vaterliebe! Woher entsprang bey ihm die Ruhe, die Festigkeit des Gemüthes, mit der er seinen Geist in die Hände seines Vaters empfahl? Entsprang sie nicht aus der Leberzeugung: Bater, ich habe das Werk vollendet, daß du mir aufgetragen hast? Ich habe für Wahr: heit, Tugend und Menschenglück gelebt, geduldet; jetzt will ich auch, nach deinem heiligen Willen, für Wahrheit, Tugend und Menschenglück sterben. O wie berus higend muß für uns, wenn wir unsere Pflicht thun, der Gedanke an Jesum und seinen Tod seyn. Ihm haben wir auch uns fere Erlösung von den Folgen der Sünde, von vor dem heil. Abendmahle. 97 von der Unruhe des Herzens, von der Furcht vor Gott und vor der Ewigkeit zu danken. Was erinnert uns aber lebhafe ter an diese Wahrheit, als die Feyer des Abendmahles? Wohl uns, ja ewig wohl uns, daß wir es auch als das Fest unserer Erlösung feyern können! Ist der ein Christ, der dieses Heil Nicht schäßt und liebgewinnet? O nimm an Jesu Wohlthat Theil Und werd' ihm gleich gesinnet. Wer nicht, wie er, gesinnet ist, Der ehrt ihn nicht, der ist kein Chrift! Wer ihn mit treuem Herzen ehrt, Der darf sich seiner trösten; Von ihm beglückt, von ihm belehrt, Lobsingt ihm, ihr Erlösten! Durch Jesum Christum sind auch wir Erlöset. Vater, Dank sey dir! III. Warnung an sich selbst vor unwürdigen Genuß des heiligen Abendmahls. Welcher unwürdig von diesem Brode isfet, oder von dem Kelche des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn. 1 Cor. 11, 27. Be= Betrachtungen und Gebete Bedenke, o Seele! die Wichtigkeit deines Vorhabens. Du willst heute das letzte Denkmahl der Liebe, des Leidens und des Todes Jesu Christi, der einst Mensch war, wie du, für dich starb, und wiederkommen wird, die Welt zu richten, auch dich zu richten, durch den Genuß des heiligen Abendmahles in deinem Herzen erneuern. Als warnender Engel stehet das Wort vor dir: Wer unwürdig iffet und trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn. Er begehet gleiche Lintreue anihm, als der untreue Jünger, der seinen Freund verrieth; er nimmt es zu feinem Gerichte. 98 Hüte dich also, daß du nicht leichtsinnig hinzu gehest, oder den würdigen Genuß darein fetest, auf einige Tage einen kur zen Stillestand in deinem gewohnten Leben zu machen, in diesen Tagen eine Traus rigkeit über deine Sünden zu erzwingen, angstliche Vorsätze zur Besserung zu fas fen, die alle, wenige Tage nach gehaltenem Nachtmahle, so rein wieder weggeschwun den sind, daß auch keine Spur mehr von ihnen zu sehen ist. Du würdest unwürdig hinzugehen, und es zu deinem Gerichte nehmen. vor dem heil. Abendmahle. 99 Es sind so viele unter denen, die sich zu Christo bekennen, die auf solche Weise das feyerliche Denkmahl des Todes Jesu Chris sti entweihen. Sie wenden etliche Tage der Woche vorher, ehe sie nach Gewohnheit ihrer Kirche kommuniziren wollen, das zu an, sich von ihren gewohnten Sünden zurück zu ziehen, und zwingen sich, verträglich, ehrbar, fleißig und treu zu seyn, und trösten sich, wenn ihnen die ungewohnte Llebung des Guten schwer wird, mit der Hoffnung, nach etlichen Tagen dieses beschwerlichen Zwanges wieder überboben zu seyn. Sie besuchen fleißiger die öffentlichen Gottesdienste, und lesen, bey ihren jetzt angestellten häuslichen Andachtsübuns gen, in ihrer Bibel und in ihren Erbauungsbüchern. Sie erzwingen eine Traus rigkeit und Reue über ihre Sünden, die, wenn's hoch kommt, aus bloß knechtischer Furcht vor der Strafe Gottes entstehet; wünschen ängstlich, der Strafe los zu wers den, aber nicht der Sünden; suchen Vergebung ihrer Sünden, die sie doch noch herzlich lieben; eigentlich aber suchen sie nichts, als Wegnehmung der, verdienten Strafe, und nehmen nun das Abendmahl, bringen den Tag strenger und andächtiger 62 zu, 100 Betrachtungen und Gebete zu, als irgend einen andern, und trösten sich, daß sie nun nichts mehr zu fürchten haben, weil nun alles wieder gut gemacht fen. Und nun sind sie froh, daß die ihnen so lästige Arbeit überstanden, und der Tag abermal vorbey sey, wo sie ihre Abrech: nung mit Gott gehalten haben. Sie fans gen nun gerade wieder da an, wo sie es die Woche zuvor gelassen haben, und fündigen in Sicherheit auf das nächste Nachtmahl los, mit dem Vorbehalte, zu seiner Zeit schon wieder durch Abendmahl: Gehen zu zahlen. Ach, wem dein Abendmahl, Jesus Christus, eine Last ist, wer es zum Kiffen braucht, um desto sanfter in seinen Sünden dem ewigen Tode entgegen zu schlummern, der mißbraucht es auf die schnödeste Weise, entweiht schändlich das heiligste Denkmahl deines Todes, und iffet und trinket ihm selber das Gericht. Eben so sehr hute dich, daß du die würdige Zubereitung nicht allein in den äußerlichen Anstand seßeft, mit welchem du er scheinest. Fasten und leiblich sich bereiten, sagt Luther, ist wohl eine feine äußerliche Zucht. Anständig in Kleidung zu erscheinen, ist die Pflicht eines jeden gefitteten Menschen, und Enthaltung von nahrhaften vor dem heil. Abendmahle. 101 ten Speisen vor dem Genusse des Abendmables, kann unsere Andacht mehr erhdhen; beydes aber ist so wenig wesentlich nothig zum würdigen Genusse, daß das letze tere sogar unter gewissen Umständen, zum Beyspiel im hohen Alter und Schwach heit, sehr überflüssig und unrecht ist. Die äußerliche Ehrerbietung ist offenbar bei eis ner so feyerlichen Religionshandlung, als das heilige Abendmahl ist, höchst nothwendig, und wird sich sicher ben jedem finden, der von der Würde der Handlung in seis ner Seele gerührt ist; aber doch ist sie nicht hinreichend zum würdigen Genusse, Nur alsdann genießest du es würdig, wenn du es in der rechten Absicht, und mit den dazu erforderlichen Gesinnungen genießest: nämlich zum Gedächtniß Jeſu Christi, mit inniger Ehrerbietung gegen ihn; mit herzlichem Danke für alles, was er uns Menschen zu gute gethan und gelitten hat; mit dem festen Borsage, ihn da: für herzlich zu lieben, und aus Liebe zu ihm seine Gebote zu halten; eben so gesinnet zu seyn, wie er gefinnet war; seinem Beyspiele in treuer Erfüllung deines Be rufs, in Liebe zu deinem Nächsten, im Glauben und Vertrauen auf Gott zu fol G3 gen, 102 Betrachtungen und Gebete gen, und mit dem festen Vertrauen auf seine Verheißungen. Das nennnet Luther, Glauben haben an diese Worte:„ Für euch gegeben und vergoffen zur Vergebung der Sünden," und mit diesen Gesinnungen, mit diesem Glauben und Vertrauen kannst du gewiß seyn, daß du das heilige Abendmahl würdig genießest. Dazu gieb mir, o Gott! deine Gnade um Jesu Christi willen. Laß mich bußfertig stets zu deinem Tische kommen, Und würdig allemal, bis du mit allen Frommen Mich in den Himmel rufft, daß ich soll ben dir seyn; So geh' ich dort vergnügt zu deinen Freuden ein. IV. Nochmalige Prüfung vor dem Ge musse des heiligen Abendmahles. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brode, und trinke von diesem Kelche. 1 Cor. 11, 28. Prüfe dich selbst, o Seele! mit welchem Herzen, und mit welchen Gesinnungen du das Abendmahl deines Erlösers feyern willst. Fühlst du eine göttliche Traurigkeit über die Sünden, für die er ein Opfer ward, hast du einen herzlichen Abscheu gegen sie, und 103 vor dem heil. Abendmahle. und den ernstlichen Vorsatz, sie in Zukunft zu meiden? Ist es dir ein Ernst, aus Liebe zu deinem Erlöser, ein besserer, fromme: rer Mensch zu werden, als du bisher gewesen bist? Seinem Vorbilde nachzufol gen, in treuer Erfüllung deines Berufs und in aufrichtigem Wandel? Hast du Gefinnungen der brüderlichen Liebe in deinem Herzen? Kannst du aufrichtig deinen Feinden vergeben, und erlittene Krankungen vergessen? Willst du angethanes Linrecht vergüten, und unrecht erworbenes Gut seinem rechtmäßigen Besizer wieder erstatten? Hast du den vollen Glauben, daß Jesus Christus auch für dich gelebt und gelitten habe, und für dich gestorben fey? Fühlst du dich vom Danke und Liebe zu Jesu Christo, deinem Erlöser, durchdrungen, und willst du deine Liebe zu ihm dadurch beweisen, daß du ihm zu Ehren lebst, und mit Paulo sagen kannst: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir? So gehe mit frohem Herzen hinzu, iß von diesem Brode, und trinke von diesem Kelche, und du wirst Leben und Geligkeit in diesem Genusse des Leibes und Blutes deines Herrn erhalten, und den 64 vol: 104 Betrachtungen und Gebete vollen Segen des heiligen Abendmahles empfangen. Friede und Trost wirst du dadurch in deinem Gewissen erhalten, und die gewisse Versicherung, daß alle deine Sünden dir vergeben sind, und dein Gott wieder mit dir versöhnt ist. Befestigung wird dir das Abendmahl geben, in dem gefaßten Vorsage, gut und fromm zu seyn, und deinen Beruf zu erfüllen. Das Andenken an Jesum Christum wird deine Kräfte und deinen Muth, alles zu vollenden, uns terstügen; denn seine Kraft ist in den Schwachen machtig. Labsal und Erqui ckung wird es dir geben in den Tagen deis ner Leiden. Er hat gelitten, und ist ge= prüfet worden, wie wir alle, damit er könnte Mitleiden haben auch mit deiner Schwachheit. Er wird, er kann, er darf dich nicht verlassen, du bist in seine Hand gezeichnet. Freudigkeit wird er dir geben in der Stunde deines Todes. Wenn in der stillen, schauervollen Stunde deines Abschieds dich alles verläßt, da wird er, der für dich starb, dir Trost und Friede geben ins brechende Herz, und dir zurufen: Fürchte dich nicht; ich habe dich erldset, ich habe dich bey deinem Namen ge 105 vor dem heil. Abendmahle. rufen, du bist mein. Er wird die frohe Hoffnung einer andern Welt, wohin er dir vorangegangen ist, und wo er er auch die eine Stelle bereitet hat, in dir versiegeln; froh kannst du sagen: Jesus, er, mein Heiland, lebt, ich werd' auch das Leben schauen, Seyn, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? V. Gebet zur Vorbereitung auf den Genuß des heiligen Abendmahls. Hier demüthige ich mich nun, o liebevoller, himmlischer Vater! du mein versöhnter Vater in Christo Jesu! vor dem Throne deiner Gnade. Noch lebe ich durch dich- und ich kann, ich soll mich deiner freuen. Aber wie könnte ich mich dieses irdischen Lebens freuen, wenn du, o Gott! mir nicht zu einem unendlich bessern, zum ewigen Leben 65 Necht 106 Betrachtungen und Gebete Necht und Hoffnung gegeben hättest! Wenn mir nicht dein Sohn, mein Erlöser, durch seinen eigenen Opfertod und durch sein Evangelium den neuen Weg zu diesem ewig herrlichen Leben wieder angewiesen und mich gelehret håtte! O wie danke ich dir für dieses theure Evangelium! Hier sind die großen Verheißungen: auch mir zu gute! und mein Herz hofft auf dieses dein eigenes Wort. Ich ſuche, o Herr, dein Antlitz! laß mich dadurch genesen! Heute will ich, o Gott, ein Zeuge seyn, wie du auch mich in deinem Sohne Jesu so besonders liebest. Ich werde zu seiner Gnadentafel eingeladen; da soll ich das Gedächtniß seines Kreuzestodes feyern, und bedenken, daß er mir dadurch ewiges Leben errungen hat. Du rufest mich, Herr, ich komme! Meine Sünden, ach meine vielen Sünden, vergieb sie mir doch alle, o Gott! nach deiner Güte! Ich erkenne, ich bekenne sie dir alle; ich vor dem heil. Abendmahle. 107 fühle meinen großen Jammer, und se he mich elend. Aber nun sehen meine Augen zu dir hinauf, der du mein gnädiger Erretter und mein Heiland bist. O stårke meinen Glauben; den Glauben an den Versöhnungstod Jes su, deines Sohnes, daß ich durch ihn alle Sünden, alle Zweifel und alle Hindernisse, ja Welt und Hölle überwinde. Laß mir diesen meinen gestärkten Glauben von nun an immer mehr Licht, Leben, Kraft, Weisheit und Freude geben. Stärke und befestige mich, du Gott der Stärke, in der Treue und im Gehorsam gegen dich und meinen Hei land. Rüste mich aus mit Kräften, meinen Erlöser freudig an seinem Tische- und dann alle Tage meines Lebens freymüthig und fröhlich zu beken. nen. Und so laß mich dann endlich das Ende meines Glaubens erreichen, die selige Unsterblichkeit, das ewige Leben! Und du, mein theurer, ewig angebe 108 Betrachtungen und Gebete beteter Erlöser! du willst dich mir zu meinem Heile schenken; du willst dich zu meinem ewigen Troste und Segen mir offenbaren, und dich mit mir vereinigen. O ich will wieder der Deine seyn! Das will ich von mun an für mein höchstes Glück schäßzen, daß ich dir angehöre; das soll allein mein Ruhm seyn, dir anzugehören und nur deinen Willen zu thun. Derfülle mein ganzes Herz mit deiner göttlichen Liebe, und stärke mich, dir hier lebenslang aufrichtig und treu zu dienen, und was du mir zu meiner Prüfung auflegen wirst, geduldig zu tragen. D wohl mir, wenn ich dich habe; wenn ich deinen Sinn von dir lerne; wenn du mein Erlöser und mein Lehrer bist! Besiegele diesen Trost in meiner Seele! Meine Hoffnung stärke du, bis ich dich ewig zu schauen, ewig mich deiner zu freuen, und dich ewig zu lieben gewürdiget werde. VI. 109 vor dem heil. Abendmahle. VI. Lieder zur Unterhaltung der Andacht. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Tag, den mir der Herr gemacht, sey gefegnet, Tag der Freude! Du erhellst des Kummers Nacht, und erquickest mich im Leide. Heil und Leben schenkst du mir; Gott, wie dank ich dir dafür! 2. Widerspenstig feinem Ruf, hab' ich meinen Gott betribet, ihn, der mich zum Glück erschuf, und mich stets so treu geliebet; bin gewichen von dem Pfad, den sein Wort gezeichnet hat. 3. Der ich kühn sein Recht entehrt, der ich seine Macht verkennet; ach! ich bin es nicht mehr werth, daß er noch sein Kind mich nennet. Ich verdiene Fluch und Tod, die sein Mund den Sündern droht. 4. Dennoch nimmt der Güt'ge mich wieder auf zu seinem Kinde. Heut vergißt er våterlich seines Zorns und meiner Sünde; giebt durch seiner Bos ten Hand mir der Liebe füßes Pfand. 5. Tag der Wonne, heilig's Mahl, ewig will ich Dein gedenken. Meines Jesu Todesqual soll mir Troft im Leiden schenken, und mein Leben soll als lein seinem Ruhm gewidmet seyn. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du. Nach dir verlangt, o Mittler! meine Seele; mein Gott, den ich zum Heile mir erwähle. Dir zur Vers klärung kamst du, Herr, vom Bösen mich zu erlösen. 2. Daß, Heiland, die, die mich verderben wollen, sich meines Falles nicht erfreuen sollen, das hoff ich mit dem freudigsten Gemüthe von deiner Güte. 3. Wen 110 Betrachtungen und Gebete 3. Wen hat noch sein Vertraun zu dir géreuet? Wen, der dich anrief, hast du nicht erfreuet? Ach Deine Menschen machst du gern aus Sündern zu Gottes Kindern! 4. Du heißest: Gott mit uns, und nicht verges bens: ach, führe mich, mein Heil, den Weg des Lebens! Du kennst allein den Weg zum Vater, zeige mir diese Steige! 5. Gedenke nicht, als Richter, meiner Sünden! Laß mein geångstigt Herz Vergebung finden! Du bist das Lamm vom Anbeginn erwürget, für uns verbürget. 6. Du bist so gut, o Herr! so voll Erbarmen, und lockst mit freundlich ausgestreckten Armen zu dir die Sünder, in den Tod gegeben, damit sie leben. 7. Du bist vom Himmel, Herr! zu uns gekome men, der Sünder Arzt zu seyn, und nicht der Frome nien; und hast, daß Gläubige dein Blut entsündigt, uns selbst verkündigt. 8. Ach! gingen wir nur deines Bundes Pfa de; denn alle deine Wege sind voll Gnade, sind Licht, und führen( gieb, daß ich sie walle,) zum Leben alle. 9. Erbarmer! Laß denn mich auch Gnade finden, und mache mich auch rein von meinen Sünden; ach, sie sind groß! doch größer, als mein Schade, ist deine Gnade. Mel. Es ist das Heil uns kommen. Ich preise dich, o Herr! mein Heil, für deine To desleiden; hab' ich an ihren Früchten Theil, was fehlt dann meinen Freuden? Du warst ein Opfer auch 111. nach dem heil. Abendmahle. auch für mich, o gieb, daß meine Seele sich deß ewig freuen möge. 2. Was kann mein Geist durch deinen Tod nicht noch für Segen finden! Erlösung aus der Todesz noth, Vergebung aller Sünden, Gewissensruh, zur Behrung Kraft, das hast du, Herr, auch mir verschafft, da du am Kreuze starbest. 3. Dein Mahl ist mir ein Unterpfand von dieser großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! O stårke mein Gemüthe zum gläubigen Bertraun auf dich, daß ich, so lang ich lebe, mich an deine Gnade halte. 4. Ich fühle, Herr! voll Neu und Schmerz die Last von meinen Sünden. Laß mein vor dir gebeugtes Herz den großen Trost empfinden, daß du, aus Gottes Baterhuld, auch mir Vergebung meiner Schuld auf Buße haft erworben. 5. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, werd ewig mir zum Segen. Er stärke mich mit neuer Kraft auf allen meinen Wegen, nur das zu thun, was dir gefällt, und alle Furcht und Lust der Welt standhaft zu überwinden. 6. Die Liebe, die du mir erzeigt, ist gar nicht zu ermessen. O mache selbst mein Herz geneigt, sie nimmer zu vergessen; daß ich aus echter Gegentreu dir bis zum Tod ergeben sey, und dir zu Ehren lebe. 7. Laß deines Leidens großen Zweck mit stets vor Augen stehen. Nimm alle Hindernisse weg, die eb'ne Bahn zu gehen, die mir dein heilig Vorbild weis't, und die einst den erlösten Geist zu deiner Freude führet. 8. Zum ew'gen Leben hast du dich für mich dahin geges 112 Betrachtungen und Gebete gegeben. Dein Abendmahl erwecke mich, mit Ernst darnach zu streben. Herr! mache mich dazu ges. schickt, und werd' ich einst der Welt entrückt, so sey dein Tod mein Leben. VII. In der Kirche. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Vorbereitung, wenn man in die Kirche gekommen ist. Ich will in dein Haus gehen auf deine große Güte, und anbeten gegen deinen heiligen Tempel, in deiner Furcht. Pf. 5, 8. Nun ist die Stunde des Abendmahls für mich vorhanden. Ich bin dazu geladen; ich soll kommen und alles bereit finden. Sollte auch wohl jego mein Gewiffen mir sagen, daß ich verstummen müßte, wenn ich die Frage hörte: Freund, wie bist du herein gekommen, und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Nein, keine Furcht, keine Betrübniß wegen meines Linvermögens, wegen meis ner Schwachheit und Blöße, soll mich niederdrücken. Ich freue mich vielmehr im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in mei: vor dem heil. Abendmahle. 113 meinem Gott. Denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rocke der Gerechtigkeit bekleidet. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldi gen? Gott ist hier, der da gerecht machet. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auf erwecket ist; welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Diese zuversichtliche Vorstellung bringe ich in die Borhöfe des Herrn mit, aber auch zugleich den unverbrüchlichen Vorsaß, daß mein ganzes Denken und Betragen hier also beschaffen seyn soll, wie es der hohen Würde des Geschäfts gemäß ist. Andacht, Ehrerbietung, Erinnerung der göttlichen Allgegenwart, Aufmerksamkeit und lebhafter Antheil an allem, was der Gottesdienst mit sich bringet, sollen meine Seele erfüllen. Weder Kaltsinn, noch Aberglaube foll sich bey mir eindringen, und meine Mitchriften sollen weder von Uinempfindlichkeit noch von Heucheley ein übles Beyspiel an mir sehen. In gelaffener Sehnsucht, und mit gläubigem Vertrauen will ich des Heils warten, welches mir nahe ist. O möchte über dasjenige, was ich aus $ dem 114 Betrachtungen und Gebete dem göttlichen Worte hören werde, das Herz in mir entbrennen, so wie den Jungern, mit denen der Heiland auf dem Wege redete, und ihnen die Schrift öffnete! Möchte es dadurch zur vollkommenen feurigen Liebe gegen Gott und den Nächsten immer mehr entzündet werden! Möchte ich allezeit, wie jego, mit dem festen Vorfage einer wahren Gottseligkeit und Frommigkeit in den Tempel gehen! Und möchte ich selbst in meinem ganzen Leben be ständig als ein Tempel des heiligen Geis stes erfunden werden! Herr, auch dazu bedarf ich deines Beystandes. Hilf, daß der Saame deines heiligen Wortes ben mir auf ein gutes Land falle, und hundertfältige Frucht bringe. Laß es an meiner Seele wirken, wie ein Feuer, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißet. Segne es besonders zur Belebung und Befestigung meines Glaubens, vermittelft deffen ich allein des herrlichen Segens des heiligen Abendmahls theilhafe tig werde. Ja, Herr, zeige mir deine Wege, und lehre mich deine Steige. Leite mich in deiner Wahrheit, und lehre mich. VIII. vor dem heil. Abendmahle. VIII. - 115 Betrachtung zur nähern Vorbereitung. Nun ermuntre dich, o Seele! und denke jetzt mit inniger Rührung und Stille an ihn, deinen großen Erldser! Jetzt verkündigest du seinen Tod! O betrachte ihn jetzt mitten in seinen Leiden! Auch für dich, auch für dich hat er ja das alles gelitten. O vergiß es nie, erinnere dich, nicht allein heute, sondern dein ganzes Leben lang so lebhaft daran, als du kannst; ermuns tere dich immer aufs neue zur Liebe, zum Gehorsam, zum Danke. O denke auch nun eben jetzt mit stillem, heiligem Ernste daran. Mein göttlicher Erlöser, was haft du für mich gelitten! Was muß deine Seele gelitten haben, als du auf der Erde dort in Gethsemane niedersankft, und mit Todesschrecken zu deinem Vater um Linderung der Angst riefst; da dein Schweiß wie Blutstropfen auf die Erde fiel, und du mit dem Tode rangst! Ach ich habe ich dir nicht diese Seelenangst ausgepresfet? Duldetest du nicht diese Schrecken, damit ich nicht ewig erschrecken und gar verzagen inschre? Lind was littest du, als H2 jene 116 Betrachtungen und Gebete jene boshaften Sünder dich banden, dich verspotteten, schmäheten, lästerten, schalten? Und da stehest du, o mein Erlöser! wie ein Missethäter, in Fesseln; und alles leidest du stille und geduldig. Dein unges rechter Richter verurtheilet dich; des Kreuzestodes sollst du sterben. Gebunden wirst du, von unbarmherzigen Feinden gegeis selt, und dein unschuldiges Blut fließet von deinem Leibe. Nun wird eine Dornenkrone auf dein Haupt eingedrückt: das Kreuz, woran du sterben sollst, mußt du selbst tragen; blutend gehest du daher, hin gen Gol gatha, da werden dir deine Hände und Füße durchgraben, und so wirst du an das Kreuz geheftet. Welche Leiden, welche Schmerzen hast du da erduldet! Nacht und Dunkel wird es um dich her- alles wird finster; auch die Sonne verlieret ihren Schein. Ach, wie du da klagest: Mein Gott- mein Gott! höre ich dich rufen, warum hast du mich verlaffen! Und endlich rufest du noch mit lauter Stimme: Es ist vollbracht! So herrlich hast du es vollendet, das große Werk der Versöhnung, und o! hast du es nicht auch für mich vollendet? Otheurer Erlöser! auch für mich bist du gestorben! Nun werde ich, wegen meis vor dem heil. Abendmahle. meiner vielen Sünden und Verbrechen, nicht in ewigen Banden und Fesseln, Qualen und Strafen leiden, nun werde ich nicht eines ewigen Todes sterben müssen! Du, du hast mich befreyet. Dustarbst für mich, und o wie segensvoll und preiswürdig ist mir dein Tod! Nun werde ich nicht verloren seyn, sondern ich habe ewiges Leben! O ich bete dich nun, mein Erlöser! demithig hier im Staube an; und danke, und danke es dir, so gut ichs kann. Du, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Herrlichkeit und Lob; verdienst alle meine Anbetung! Mit deinem eigenen Blute hast du mich dir erkauft. Ich bete dich freudig an! O möchte ich dich ewig, ewig in deinem Himmel anbeten können! IX. 117 Fortgeseßte Betrachtung. Erhebe dich, meine Seele! eben in dem jetzigen Zeitpunkte, hier, vor dem Angefichte Gottes, faffe dich! Herr! stärke meinen Glauben! Ja, mein lieber himmlischer Bater! mit meinem Vertrauen ehre ich dich ja am meisten. Und was will ich anders können?-In Jesu, deinem Sohne, und meinem Erlöser, soll ich dir alles 3 Gute 1 118 Betrachtungen und Gebete Gute zutrauen, ja das Beste von dir. erwarten, das willst du selbst!- Voll Vertrauen also stelle ich mich auf diesen Grund, und sehe in die ewig helle Sonne deiner Gnade und Güte. Ewige Liebe erblicke ich nun in deinem Antlike, o du, mir innig Naher, mir Allgegenwärtiger! wie göttlich finde ich mich nun schon wieder getrdstet! O wie bete ich dich an tief im Staube! Deiner Liebe, oBater! und deiner Liebe, o Jesu! zu Ehren, will ich jetzt das heis lige Nachtmaht feyern, und mich deiner freudig erinnern. Heil und Leben strömet um mich her! O diesen Tag, den will ich mir lebenslang auszeichnen. Der Sünde, sie heiße wie sie wolle, will ich von nun an muthig entsagen, und mich eines stillen, frommen, rechtschaffenen Lebens ernstlich befleißigen! Recht thun, in meinem Herzen und Gedanken immer mehr der Reis nigkeit und Unschuld mich nähern; gern und fleißig Gottes Wort lesen; oft ernstlich beten; für die reine Erkenntniß und Ausübung alles göttlichen Willens immer eifriger und herzlicher sorgen; über mich selbst, besonders über meine Gedanken, Worte und Werke wachen; nüchtern und mäßig, demüthig, liebreich, wohlthätig, gu vor dem heil. Abendmahle. 119 gütig, gelinde, fanft, keusch, ganz redlich und aufrichtig und so überhaupt nach allem Willen Gottes und nach dem Einne Jesu leben, und immer beffer, weiser, gerechter und frömmer werden, das foll von nun an meine größte, meine mir wahre Lust und Freude seyn! Und darauf freue ich mich nun schon. Schwören und feverlich angeloben will ich es heute dem Herrn, meinem Gott, daß ich ihm allein von nun an dienen, ihn über alles lieben, die Tugenden des Himmels mir angewöhnen, und in denselben zunehmen und verharren will, so lange ich lebe. So kann, so darf ich also mit dieſem meinen neuen, nach Gottes Willen allein eingerichteten Sinne in meine künftige Lebensreise getroft und heiter hinsehen. Es komme, was wolle, es gehe immer, wie es gehe, der Herr, mein Gott, ist versöhnet ist mein Vater er ist mit mir! Ich will nun nicht mehr sagen, daß ich schwach sey; denn stärken will ich mich, und immerhin stärker werden in dem Gott meis nes Heils! O wie will ich mich von heute an und besonders jetzt bey der heiligen Tafel stärken! Nun will ich nicht mehr glauben, daß seine Gebote mir traurig oder $ 4 schwer - i 120 Betrachtungen und Gebete schwer sind. Onein, ich will ihm treu seyn, und mich nun in seiner Liebe stärken, dann wird keines seiner Gebote mir zu schwer wers den, dann wird mein Glaube alle Hindernisse überwinden, bis zum ewigen Siege. Abero! nur Lauterkeit; nur reinen, redlichen, festen, neuen Himmelsfinn- Auf richtigkeit des Herzens, o Vater! die dir so angenehm ist- und dann vor allem Treue, vollendete Treue- die erflehe ich hier demüthigst und ernstlich von dir. Er halte mich auf geradem ebenem Wege! Bewahre mein Herz, o Vater! allewege, bey dem Einen, daß ich deinen Namen, dein Antlig kindlich fürchte, und deinen Willen fröhlich thue! Laß diese guten Empfindungen und Entschließungen nicht wie der ohne Segen vorüber gehen. Nie müsse ich ihrer vergessen! O gieb, gieb es doch, Vater in den Himmeln! daß sie mir immer, gleichsam wie ein ewiges Denkmal, vor meinen Augen gegenwärtig bleiben! Und einst, in meiner wichtigen Todesstunde- da stärke mich dann aufs neue, o mein göttlicher Erlöser! daß ich mich dann noch besonders diefer meiner heiligen Gelübde, dieser Empfindungen, dieser Wonne meines Herzens mit Freuden erinnern kön= 121 vor dem heil. Abendmahle. könne; daß ich dann den Segen erfahre, den ich von diesem meinem Abendmahlge= ben genoffen habe. Und so lange, bis du mich dann hinüber bringest in dein ewiges herrliches Reich, so lange sey du nur mein getreuer Herr, mein Erlöser aus meinem Elende, mein Schuß, mein Schild, mein Lohn auf Ewigkeit! Dieß alles siehest und hörest du, o mein Heiland! du, dessen Tod ich jetzt verkündigen will. Lind freuest du dich nicht schon über mich verlornes und wieder zurechtgebrachtes und wiedergefundenes Schaaf? Und freuet sich nicht schon der Himmel, und freuen sich nicht Engel über mich? Nun, du guter und getreuer Hirte meiner Seele! so weide mich und führe mich zuden Wassern des ewigen Lebens. Und dein Lebensgeift erquicke und tröste und stärke und heilige mich!-Ich komme zudir. D Herr Jesu! kommzumir! Ja, du kommst!-Undwel= che selige, trostvolle Offenbarung! Welche innige Gegenwart! Lind nun wirst du mir täglich nahe seyn! und ich, o mein Erbarmer, mein Erlöfer, ich will dich lieb behalten; will dir treu bleiben; will auf dein Reich, das einst im vollen Glanze und ewiger Herrlichkeit kommen wird, und auf 15 deie 122 Betrachtungen und Gebete deine Erscheinung mit stillem Vertrauen und Hoffen und Dulden und Freuden warten. Herr, ich warte deiner. Amen. Mach' dich auf, erlöste Seele, Nach dem freundlichen Befehle Deines Königs, der voll Gnaden Dich zu sich hat eingeladen! Auch für dich hat er sein Leben Zur Erldsung hingegeben; Sein Gedächtniß sollst du feyern, Deinen Bund mit ihm erneuern. Eil' ihm glaubensvoll entgegen, Und nimm Theil an seinem Segen. Komm getrost; es ist sein Wille, Schöpf' aus seiner Gnadenfülle. Komm mit herzlichem Verlangen, Seinen Frieden zu empfangen. Trau' auf ihn, der gern vergiebet! Herr, ich freue mich mit Beben, Laß mich Gnad' empfahn und Leben! Hier willst du mich mit den Deinen, Du dich, Herr, mit mir vereinen! Meiner Schuld nicht mehr gedenken; Dich, dich selbst mir ewig schenken! Deine Huld ist unermeßlich, Herr, sie sey mir unvergeßlich! Gott vor dem heil. Abendmahle. Gottmensch, laß mich würdig nahen, Heil und Leben zu empfahen. Ach, du wirst auch meinen Zähren Deine Tröstungen gewähren! Ach, nach dir, dem Lebensfürsten, Siehe meine Seele dürsten; Laß, Holdseligster, mich nahen, Heil und Leben zu empfahen! Du, dem die verklärten Schaaren, Die, wie wir, auch Sünder waren, Dank und Preis und Jubel singen, Daß sie hier dein Mahl empfingen. Sohn des Vaters, Licht vom Lichte, Lamm, dem tödtenden Gerichte Hingegeben, Heil der Sünder, Retter, Todesüberwinder; Du auch meines Flehns Erhörer, König, Hoherpriester, Lehrer, Auferstandner, Hocherhöhter! Mittler, Richter und Vertreter, Hier fall' ich zu deinen Füßen; Laß, laß würdig mich genießen Diese, deine Himmelsspeise, Mir zum Heil und dir zum Preise. Zum Gedächtniß deiner Leiden Und zum Vorschmack jener Freuden, Welche du auch mir erstrittest, Als du unaussprechlich littest; 123 Als 124 Betrachtungen und Gebete Als du rangst in Todesschweißen, Mich dem Fluche zu entreißen; Als du blutetest und starbest, Mir Unsterblichkeit erwarbest. Deines Heils will ich mich freuen, Dir will ich mich ewig weihen; Eng ist deine Lebenspforte, Noch schau' ich im dunkeln Worte. Einst werd' ich ihn ganz erkennen, Ganz in deiner Liebe brennen; Laß sie mich auch hier empfinden, Hilf mir, hilf mir überwinden. X. Gebet, wenn man zum Altare des Herrn tritt. Mit gerührter Seele erscheine ich jetzt vor dir, Versöhner der Welt, Jesus Christus, und will dein Abendmahl genießen, wodurch du mich der Vergebung meiner Sünden versicherst, die du mir durch Leiden und Tod erworben hast, mein verwundetes Gewissen heilest, die Hoffnung meiner Auferste hung und meiner Seligkeit befestigest, und nach dem heil. Abendmahle. 125 und dich so innig mit mir verbindest. Stärke meinen Glauben, damit ich, ohne in das kindlich große Geheimniß, wie Gott im Fleische offenbaret sey, mit menschlicher Vernunft zu forschen, allein auf deine göttlichen Worte bauen möge: Esset, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut, welches vergossen wird zur Vergebung der Sünden, und auf deine BVerheißung: Wer mein Fleisch isset, und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in ihm; der hat das ewi ge Leben, und ich will ihn auf erwecken am jüngsten Tage. Mit festem Glauben daran laß mich und alle, die mit mir deinen Leib und Blut genießen wollen, mit Freudigkeit zu deiner Gnadentafel nahen, und aus der Fülle Gnade um Gnade nehmen, um mit dir auf ewig verbunden zu bleiben. Dir sey mit dem Vater und heiligen Geiste Lob, Ehre, Preis 126 Betrachtungen und Gebete Preis und Anbetung dafür in EwigFeit! Amen. XI. Gebet beym hinzugehen zum Empfange des heiligen Abendmahls. Herr Jesu! so komme ich denn zu dir mit demüthigem Herzen, das sich aber deiner freuet und tröstet, und will in dem Genusse deines Leibes und Blutes das Gedächtnißmahl deiner Liebe erneuern. Ich fühle meine Unwürdigkeit und Schwachheit; aber auf dein Wort: Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen! gehe ich getrost hinzu, und bitte: Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und laß mich Gnade finden vor dir. Erwecke selbst in mir Andacht und Glauben, und laß mich es würdig genießen zur Stärkung meines Glaubens, zum Trost in mei nem Gewissen, und zum Unterpfande meiner ewigen Seligkeit. Amen. Beym 127 vor dem heil. Abendmahle. Beym Empfange des gesegne. ten Brodes. Ich danke dir, Jerr Jesut, daß du deinen Leib für mich willig geopfert, und dein Leben für alle meine Sünden in den Tod gegeben hast. Er stärke mich in meinem Glauben und in der Treue, und erhalte mich zum ewigen Leben. Beym Herumgehen um den Altar. P₁ Preis, Lob und Dank sey dir, o Jesu! für deine Liebe, daß du nicht nur meine Sünden an deinem Leibe auf dem Holze geopfert, und mir Be freyung von den verdienten' Strafen derselben erworben; sondern mich auch jetzt damit, daß du mir deinen für mich geopferten Leib unter dem gesegneten Brode geschenket, der so großen Wohlthat, daß nun nichts Verdamm liches an mir sey, aufs stärkste versichert hast. Hilf mir nun auch durch die 123 Betrachtungen und Gebete die Kraft deines Geistes, daß ich mich aus dankbarer Liebe dir wiederum mit Leib und Seele zum Opfer dargebe, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey. Beym Empfange des gesegne. ten Kelches. Sey gelobt, mein Herr Jeſu, daß du auch mir zu gute dein Blut zur Vergebung meiner Sünden vergossen hast. Es reinige mich von allen Süntden und bösen Werken, und stärke und erhalte mich im wahren Glauben zu dem ewigen Leben. Nach dem Genusse des geseg neten Kelches. Auch deines Blutes, o Jesu! hast du mich nunmehro unter dem gesegne. ten Weine theilhaftig gemacht. Laß mich durch dasselbe rein seyn von den todten Werken der Sünde; mache mich aber auch dadurch tüchtig, dir nach vor dem heil. Abendmahle. nach deinem Evangelio in Heiligkeit und Gerechtigkeit lebenslang zu die. nen! 129 XII. Dankgebet nach empfangenem heiligen Abendmahle. Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes meines Heilandes, denn um Trost war mir sehr bange; aber Gott hat sich meiner Seele angenommen, daß sie nicht verdürbe, und gedenket meiner Sünde nicht. Ich habe wiederum am Tische des Herrn von dem gesegneten Brode gegessen, und von dem Kelche des neuen Testaments, das Jesus Christus durch sein Blut bestätiget hat, getrunken, und bin dadurch der völligen Vergebung aller meiner Sünden, und der Gnade und Liebe meines Gottes aufs neue versichert worden. Wer will mich nun verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist; er bleibet in I mir, 130 Betrachtungen und Gebete mir, und ich in ihm. Ich kann mit frohem Herzen wieder zu dir hinauffe. hen, denn ich habe Friede mit dir, meinem Gott. Dafür lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Nimm gnädig an, lieber Vater im Himmel! den Dank, den ich dir mit gerührtem Herzen jetzt darbringe, und laß mein künftiges Leben beweisen, daß ich deine Gnade nicht vergeblich empfangen ha be. Segne den Genuß dieses heiligen Abendmahls an meiner Seele, und stårke mich in dem Vorsaße, dir treu zu bleiben, und dem zu leben, der für mich gestorben und auferstanden ist. Hilf du mir selbst meine Zusage erfül len, und den erneuerten Bund eines guten Gewissens mit dir und deinem Sohne, meinem Erlöser, treulich halten, damit mich nichts von deiner Lie be scheiden möge, die in Christo Jesu ist, meinem Herrn. Herr, nach dem heil. Abendmahle. Herr, deß ich ewig bin, Gieb mir den festen Sinn, Das alles stets zu meiden, Was mich kann von dir scheiden; So leb' ich dir und erbe Den Himmel, wenn ich sterbe. 131 Dankbare Beschäftigungen eines Christen nach dem Genusse des heil. Abendmahls zu Hause. I. Erneuertes herzliches Dankopfer für die Wohlthaten, die uns durch den Genuß des heiligen Abendmahls geschenkt worden. Gott! Vater der Erbarmung und ewiger Liebe! wie gerührt bin ich über deine unverdiente, unbegreifliche Liebe gegen mich! Die Liebe, die du mir heute an deiner Bundestafel auf eine so sonderbare Weise bewiesen hast. Wie hast du mich gestårket, belebet und erquicket! O ich freue mich, mein himmlischer Vater! in dir- freue 32 mich 132 Betrachtungen und Gebete mich deiner Liebe, deiner Treue. O laß mir diese himmlische Speise und Trank, welche ich heute zu genießen bin gewürdiget worden, laß sie mir ei ne neue Nahrung und Stärkung in meinem wahren thätigen Christenthu me seyn, daß ich dir, o mein Gott! von nun an recht wohlgefällig diene im Geiste und in der Wahrheit. So stårke mich denn, und erhalte mich, daß ich, auf der mir vorgeschriebenen Laufbahn, muthig streiten, siegen und völlig überwinden möge. O du mein theurer Heiland! wie danke ich dir für deine Liebe!- Aufs neue habe ich sie heute in meiner Seele empfunden; und da habe ich mich aufs neue im Glauben mit dir verbunden. O bewahre du mich doch nun, mächti ger Erlöser! daß ich dieses Glück durch eigene Schuld nicht wieder verliere; daß ich in deiner Liebe bleiben möge! Stärke in mir immer mehr die gu ten Triebe, mich dir ganz zu heiligen, und nach dem heil. Abendmahle. 133 und so gesinnt zu werden, wie du. Ja, Herr Jesu! aufs neue schwöre ich dir heute den aufrichtigsten Dank, Liebe und Gehorsam zu. Odir, nur dir allein will ich leben. Dir will ich getreu bleiben, und mit dir streiten wider alles, was dir mißfällt, wider alle Sünden. O stårke mich! Schenke mir tåglich neue Siege! Laß mich machtig werden durch dich, und völlig überwinden. Und dann laß mich nach treu vollendetem Kampfe und Siege aus deinen Händen, o du mein göttlicher Erlöser, die Krone der Gerechtigkeit und des ewigen Lebens erlangen. Amen. Erlöser! fich, mit Ruh und Freuden Ging ich von deinem Mahl zurück; Hier dank' ich dir für deine Leiden, Für meiner Seele Ruh und Glück, Das du auch mir am Kreuz erwarbst, Da du für meine Sünden starbst. Ich kam, Vergebung meiner Sünden, Erquickung, Stärkung, Trost und Ruh An deiner Tafel dort zu finden; J 3 Und Betrachtungen und Gebete 134 Und gnädig riefest du mir zu: Ich bin's! Ich stärke deinen Muth! Für dich floß auch mein theures Blut. Durch dich, Versöhner meiner Sünden, Durch deinen Tod, Herr Jesu Christ! Wie selig kann ich's nun empfinden, Daß Gott mein Gott und Vater ist! Was hast du doch an mir gethan! Wie nahmst du mich so gnädig an! Dort, in den segensreichen Stunden Hat mich mit meinen Brüdern hier Ein Mahl der Liebe fest verbunden, Wir alle, alle danken dir! Und ich o stille bet' ich an, Und geh' gestärkt der Tugend Bahn. - Den neuen Bund, den ich beschworen, O den vergesse nie mein Herz! Dann geh ich wahrlich nicht verloren; Mein ganzer Sinn geht himmelwärts. Es soll hinfort mein Leben dein, Nicht mehr der Welt und Sünde seyn. Die ganze Frucht von deinem Sterben Ist mein, o Segen! ewig mein. Durch dich soll ich den Himmel erben, Und ew'ger Seligkeit mich freun. Anbetung dir vor deinem Thron! Wie freu' ich mich hier deiner schon! II. nach dem heil. Abendmahle. 135 II. Preis Gottes für Jesu Erlösung. Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Luc. 1, v.46.47. Wenn ich bedenke, welche mächtige Hülfe mir mein Gott durch Jesum Christum bereitet hat, von den Unordmungen der Sünde frey, vor ihm gerecht und ewig glücklich zu werden; so habe ich alle Ursache, mein Herz den Empfindungen einer wahren Freude zu öffnen, und mit innigem Danke Gott anzubeten, daß er sich meiner so gnådig angenommen hat. Ich kann es mir doch mun einmal nicht läugnen, daß ich mannigfaltig von Gottes heili gen Vorschriften abgewichen bin; und so demüthigend, es auch immer für meine Eigenliebe seyn mag, so sehe ich mich doch in meinem Gewissen gedrungen, es mit tief beschämtem Herzen vor 34 Gott 136 Betrachtungen und Gebete Gott zu bekennen: Ich bin ein sündiger Mensch, deiner Begnadigung und Hülfe zur Besserung bedürftig! Wie übel würde ich daran seyn, wenn ich das, was mir zu meinem Heile so no. thig ist, nicht erlangen könnte! Dann wäre es um die Ruhe meiner Seele ge schehen, und ich auf immer zu einem zufriedenen Leben in dem Reiche Got tes untüchtig. Aber Gott Lob! daß dieß mein Loos nicht seyn darf. Auch meiner hat Gott in Barmherzigkeit gedacht, da er den gnadenvollen Rathschluß faßte, eine fündige Welt durch seinen Sohn zu er lösen. Wie groß nun auch meine Verschuldungen seyn mögen: so kann ich doch noch Vergebung derselben vor Gott finden, und von einem bösen Ges wissen los werden. Wie stark auch bey mir immer der Hang zum Unrechte ge worden seyn, und wie sehr ich auch im mer gereizt werden mag, mich ihm zu überlassen: so kann ich doch noch Stärke genug nach dem heil. Abendmahle. 137 genug gewinnen, ihn zu überwinden, und den guten Befehlen meines Gottes von Herzen gehorsam zu werden. Denn Jesus, der sich für Alle nach dem Willen Gottes zur Erlösung dahin gegeben, hat sich auch für mich dahin gegeben, daß er mein Gewissen von Sünden reinigte, und mir Tüchtigkeit zur Liebe und Uebung des Guten verschaffte. Könnte ich denn wohl gegen eine Anstalt gleichgültig seyn, die mit so vieler Gnade zu meinem Heile gemacht ist? Ich müßte wahrlich mein wahres Beste nicht verstehen, oder alles Gefühl für das Nüßliche verloren haben, wenn ich mich nicht von ganzer Seele darüber freuen und mit dem innigsten Danke Gott dafür preisen wollte. Es ist ja schon meiner innigsten Freude werth, wenn ich aus seiner Fürsorge, auch nur wider das kleinste Ulebel, das mich drückt, Hülfe für mich finde. Wie viel mehr verdient es nicht meinen freudigsten Dank, daß seine Barmherzig35 keit 138 Betrachtungen und Gebete keit für mich Rath geschafft hat, um von der Sünde, dem größten unter al len Ulebeln, die je mich drücken können, frey zu werden. Und wie hoch muß nicht mein Dank gegen ihn stei. gen, wenn ich bedenke, welch einen großen Aufwand seine Liebe gemacht hat, mir eine solche Befreyung zu besorgen! Seines eigenen Sohnes hat er daben nicht geschont; ihn, der ihm der Theuerste und Nächstewar, den hat er in die mühseligsten Umstände kommen lassen, damit mir von dem, was mein höchstes Elend ausmacht, zu dem besten Glück geholfen würde. Also hat mein Gott auch mich geliebt; auf eine so ausnehmende Weise hat er auch für mein Heil gesorgt; und ich sollte ihn nicht mit erfreuter Seele darüber an beten? Ja, mein Gott, du bist würdig auch von mir den demüthigsten Dank dafür zu nehmen; und den bringe ich dir mit einem, von deiner unendlichen Lie nach dem heil. Abendmahle. 139 Liebe innigst gerührtem Herzen. Auch zu meiner Rettung vom Verderben hast du deinen Sohn dahin gegeben; auch mir durch ihn Leben und Heil bereitet. Owas bin ich fündiger Mensch, daß du auch meiner dich mit einem solchen Reichthume von Barmherzigkeit angenommen haft! Und wie soll ich dir die Wohlthat vergelten, die du eben dadurch an mir gethan haft? Mein Herz ist fröhlich über deine Güte, und mein Geist freuet sich deiner, o Gott, der du mein Heiland bist. Nie müsse mir die Hülfe gleichgültig werden, die du durch Jesum Christum mir zu meinem ewigen Glück so liebreich besorgt, und an seiner Gnadentafel so gnadenvoll versichert hast. Lehre mich ihren unschätzbaren Werth in seiner ganzen Größe je mehr und mehr einsehen, und laß sie mich so zu Herzen nehmen, daß ich sie mir auch in einer thätigen Dankbarkeit auf die Art zu Nuße mache, wie es deine gnädige Absicht erfor 140. Betrachtungen und Gebete erfordert. So oft ich daran gedenke, wie viel du in Christo an mir gethan haft: so gieb, daß ich durch solches Andenken aufs neue zu deinem Lobe dergestalt ermuntert und gestårket werde, daß nicht nur mein Mund, sondern auch mein ganzes Leben dich durch einen dir gefälligen Wandel preisen möge. Dir, der du so gern hilfft, sey Ehre und Anbetung in Ewigkeit. Amen. III. Dankbare Verehrung Jesu. Was ich im Fleische lebe, das lebe ich im Glau ben des Sohnes Gottes, der mich geliebet, und sich selbst für mich dargegeben hat. Gal. 2, 20. Wahrlich! ich bin meinem Erlöser die dankvollste Hochachtung schuldig; denn er hat sich um meine Wohlfahrt unendlich verdient gemacht. Daß mir die Erkenntnisse nicht fehlen, die mich zur Seligkeit weise machen können; daß nach dem heil. Abendmahle. 141 daß ich der Schande und dem Elende der Sünde entronnen, so gut und rechtschaffen noch werden kann, als mein wahres Wohlseyn erfordert; daß ich, im Frieden mit Gott, dieß vergångliche Leben ruhig hinbringen, und auf ein unvergångliches und vollkommen glückliches Leben nach dem Tode mit Freuden warten kann, das habe ich obustreitig auch der großmüthigsten Bereitwilligkeit zu verdanken, mit welcher der Sohn Gottes den Nath seines ewigen Vaters zum Heile der Menschen erfüllet hat. Und wie viel hat er sich nicht dieß große Werk kosten lassen! Er, der an der höchsten Herrlichkeit seines Vaters Theil hatte, konnte in einem fortwährenden Ge nusse derselben beständige Freude haben. Aber aus eifrigem liebevollen Verlangen, ein gefallenes unglückli ches Geschöpf zu retten, ließ er sich zu einem irdischen Leben, von Mühseligkeit und Beschwerde, willig herab. Er fab 142 Betrachtungen und Gebete sah alle das Bittere vorher, das ihm begegnen würde; aber anstatt demselben auszuweichen, ging er mit Standhaftigkeit alle dem entgegen, was davon auf ihn wartete. Er duldete sogar das Krenz mit aller der Schmach und Schande, mit aller der Angst und Marter, die damit verknüpft war; und das alles nur in der Absicht, um Heil und Leben den Verlornen zu erwerben. So weit ging seine Liebe zu den Menschen; und so sehr hat er auch mich geliebt! Auch für mich hat er sich in Leiden und Tod dahin gegeben, mir meine Zeit und meine Ewigkeit erfreu lich zu machen. Und er sollte mir bey dem allen, was er für mich gethan oder gelitten hat, gleichgültig seyn? Seine großmüthige Aufopferung für das Beste des Menschen würde ihn schon meiner innigsten Verehrung werth machen, wenn sie auch mich selbst nicht im geringsten anginge. Ich wür nach dem heil. Abendmahle. 143 würde in ihm auch dann schon den erhabenen Menschenfreund hochschätzen müssen, der Edelmuth und Größe des Geistes genug gehabt, seine eigenen Vortheile gern zu verläugnen, um ei ner Menge von Elenden Rettung und Glückseligkeit zu verschaffen. Aber ich habe noch stårkere Ursachen dazu, daer in dem allen auch mein höchster Wohlthäter geworden ist. Auch um meinet. willen hat er sich bis zum Tode am Kreuze erniedrigt; auch für mich hat er eine ewige Erlösung von Sünde und Verderben besorgt. Für diese unschätzbaren Beweise von Mitleiden und Gü te, für diese theure Erwerbung meines ewigen Heils, für diese willige und liebevolle Aufopferung um meinetwillen, o wahrlich, dafür gehört ihm die ganze Zuneigung und Ergebung meiner Seele. So will ich sie denn ihm auch mit einem strafbaren Undanke nicht entzie hen. Nie will ich es vergessen, wie viel er 144 Betrachtungen und Gebete er an mir gethan, und wie hoch er sich um meine wahre Glückseligkeit ver dient gemacht hat. Gern und oft will ich mein Gemüth mit dem Andenken daran beschäftigen, damit er in mei nem Herzen beständig lebe, und sein Name mir allezeit theuer bleibe. Mit freudiger Ehrfurcht will ich ihn vor der Welt bekennen, und bey aller Ge legenheit zeigen, daß er mir als mein Herr und mein Heiland unendlich werth ist. Wie kann ich das aber bef ser und thåriger zeigen, als wenn ich von dem Glauben an ihn mein Herz und meinen ganzen Wandel regieren lasse; wenn ich die Erlösung, die er für mich bereitet hat, mir so zueigne und zu nuße mache, wie er es mir in seinem Evangelio anweiset; und wenn ich überhaupt dem folge, was er selbst mehrmals versichert hat: Wer mich) liebet, der wird mein Wort halten. Eben damit werde ich ihn in der That ehren; und dann wird er auch mich für nach dem heil. Abendmahle. 145 für den Seinen erkennen. Ich werde fein Heil genießen, mich seiner freuen, und meine Freude wird immer vollkommener werden. Was ich also noch in dieser zerbrechlichen Hütte meines Leibes zu leben habe, das will ich im Glauben an den Sohn Gottes leben, der mich geliebet, und sich für mich dargegeben hat. Herr, mein Erlöser, du weißt alle Dinge, du weißt es, daß dieß der aufrichtige Entschluß meiner Seele ist. Mache ihn fest bey mir, und ziehe mich mit meinem Herzen so ganz zudir, daß ich in deiner Liebe leben und sterben möge. Auch deiner mitleidigen Güte bin ich, so wie der barmherzigen Veranstaltung deines Vaters, meine Nettung vom Verderben, meine Erhaltung zum ewigen Leben schuldig. D wie herzlich hast du dich meiner mit Uebernahme der sauersten Mühe und der bittersten Empfindungen angenommen! Du hast mehr an mir ge K than, 146 Betrachtungen und Gebete than, als ich empfinden und ausspre chen, mehr, als ich dir jemals vergelten kann. Nimm auch die unvollkommenen Regungen meines demüthigen Dankes in Gnaden an, und bringe mich auf dem Wege des Glaubens und der Gottseligkeit dahin, wo ich einmal mit vollkommenem Lobe denReichthum deiner Erbarmung und Liebe ewig preisen werde. Denn dir, der du für mich dich tödten lassen, nun aber auch in der Majestät und Herriichkeit lebest, dir gebühret Ehre und Preis bis in Ewigkeit. Amen. IV. Erweckung aus Jesu Erlösung zur beständigen Fortseßung der Heiligung. Daß wir, erloset aus der Hand unserer Feinde, Gott dieneten ohne Furcht unser Lebenlang in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Luc. 1, 74.75. So weit ich es auch immer in der Liebe und Lebung des Guten gebracht haben mag; so muß ich es doch gestehen, daß ich da: 147 nach dem heil. Abendmahle. damit noch nicht am Ziele, und bey weis tem nicht vollkommen bin. Ich finde noch so manches in meiner Gesinnung und in meinem Betragen zu bessern; und wann werde ich je damit fertig werden? Solans ge ich auf Erden lebe, werde ich wohl immer Anlaß haben, jene Ermahnung des Apostels an die Christen zu üben:„ Laffet uns fortfahren mit unserer Heiligung in der Furcht Gottes." Und eben so lange wird es auch immer eine ernstliche Anges legenheit für mich seyn müssen, dieser Ermahnung eingedenk zu seyn, wenn ich anders meiner Erldsung durch Christum mich gemäß bezeigen will. Denn eben das zu bin ich ja theuer erkauft, nicht etwa auf eine gewisse Zeit; sondern mein Lebenlang Gott in Heiligkeit und Gerechtigkeit, das ist, in einer wahren Liebe und Liebung des Guten zu dienen. Würde das aber auch von mir geschehen können, wenn ich bey dem Anfange von Gottseligkeit und Tugend, den ich etwa gemacht habe, stehen bleiben und nicht nach immer weiterm Fortgange darinnen streben wollte? Alsdann wäre meine Verschlimmerung unvermeidlich, und ich in Gefahr, nach und nach von der guten Gesinnung wieder abK 2 zu= Betrachtungen und Gebete zukommen, dazu ich durch Gottes Gnade gelanget bin. Mit allen Dingen in der Natur, die der Abwechslung unterworfen sind, ist es ja so beschaffen: völliger Stille: stand, ohne Aenderung zum Beffern oder Schlechtern, ist bey ihnen unmöglich. Sobald eine Pflanze nicht mehr wächst, so nähert sie sich ihrem Verwelken; sobald die Kräfte meines Körpers nicht mehr zu nehmen, so sind sie in der Abnahme. Lind gerade so ist es auch mit der Gemüthsver: faffung eines Menschen beschaffen. So bald die nicht besser wird, so wird sie schlechter; und sobald Lust und Kräfte zuin Gu: ten nicht mehr bey mir zunehmen, so stehe ich auch auf dem Punkte, mich unfehlbar zu verschlimmern, sollte es auch im Anfange mir selbst unmerklich seyn; so seze ich mich in die Gefahr, nach und nach die gute Richtung zu verlieren, darein mein Gemüth unter Gottes Beystand gebracht worden. Sosehr es demnach meine Pflicht ist, daß ich als ein Erlöster Jesu lebens. lang und beständig mit einem reinen Hers zen Gott diene; eben so sehr muß auch mei ne Sorge seyn, daß ich im Guten zuneh: me, und daß mein Herz immer reiner, und immer mehr mit Liebe zu dem, was recht 148 nach dem heil. Abendmahle. 149 recht ist, erfüllet werde. So bringet es meine Erlösung mit sich; und so fordert es auch mein eigenes Beste. Ist das einmal mein einziges wahres Glück, daß ich in dem durch Liebe des Guten thätigen Glauben Gott gefalle; so kann ich von dies fem unschäßbaren Glücke nie zu viel haben. Kann ich kein Freund und Thäter des Guten bleiben, wenn ich es nicht immer mehr zu werden suche; so ist es auch nothwendig, daß ich meine Besserung, so lange ich lebe, fortsege. Das erfordert nun freylich von meiner Seite viel Ernst und Fleiß. Es ist allerdings dazu nöthig, daß ich, in einem fleiBigem Limgange mit meinem Gewissen, immer genauer meine Fehler erkennen lerne, und mich selbst darüber bestrafe und demüthige, so viel sich auch immer meine Eigenliebe dawider sträubet. Es ist nöthig, daß ich auf mein eigen Herz sorgfältig Acht habe, und daß ich mit jedem Gedanken, jeder Begierde, die in mir aufsteiget, und mich zu dem, was unrecht ist, hinziehen will, mit Ernst widersege, damit sie nicht bey mir aufkommen, und mein Gemüth einnehmen. Es ist nöthig, daß ich vorsichtig eine jede Gelegenheit meide, wo eine K 3 straf 150 Betrachtungen und Gebete strafbare Leidenschaft bey mir erregt wer: den könnte, so bald ich sie nur vermeiden kann; daß ich aber auch einer jeden unausweichlichen Versuchung dazu männlich widerstehe. Es ist nöthig, daß ich mich oft selbst im Stillen mit Erhebung meines Herzens zu Gott, durch die Betrachtung seines Wortes zur Verabscheuung des Bo sen, und Liebe des Guten ermuntere; und daß ich dann auch den mannigfaltigsten Anlaß, den mir Gott in den Umständen meis nes Lebens giebt, bald dieß, bald jenes Unrecht zu unterlaffen, forgfältig anwende, und auf diese Weise meine Kräfte im Guten übe, und durch Llebung stärke. Lauter Beschäftigungen, welche Mühe und Anstrengung von meiner Seite era fordern; aber sollte ich darum ein mir so nöthiges Geschäft, als die Fortsetzung meiner Besserung ist, unterlassen? Ich kann auch dabey mit Zuversicht von Gott hoffen, daß er mit mir seyn, und durch sei nen mächtigen Beystand mir die Mühe, die es mir macht, ihm und der Gottselig keit treu zu seyn, auf alle Weise erleichtern werde. Eben dafür ist mir die Erlös fung Bürge, welche er durch Christum für mich veranstaltet hat; denn er veranstal tete nach dem heil. Abendmahle. 151 tete sie gewiß nicht nur auf eine kurze Zeit, sondern um mich auf immer von dem Dienste der Sünden frey, und ihm auf ewig ergeben zu machen. Ihm kann ich es also auch um deßwillen so viel mehr zutrauen, daß er mir bey dem fortgesetzten Fleiße meiner Heiligung den Fortgang in derselben leicht machen, und immer mehr Kraft geben werde, das, was mir dabey zu schwer fallen wird, glücklich und mit wahrem Gewinn für meine Seele zu überwinden. Denn es mag auch immerhin mühsam seyn, im Guten beständig zuzunehmen; so führet doch eben diese Mühe zu der seligsten Zufriedenheit. Je williger ich sie übernehme, desto sicherer kann ich seyn, daß ich auf dem Wege mich befinde, auf welchem ich Gott wohlgefalle, und einem vollkommen glücklichen Zustande entgegen gehe. Und wie viel ist das nicht werth? Dieß wissen, und dabey zugleich immer freyer von Fehlern, immer fleißiger im Guten werden, das giebt schon hier der Seele eine Freude, die des Himmels Vorschmack ist; das zieht aber auch gewiß Wonne nach sich, die ewig währet, und von keiner beschwerlichen Mühe mehr ge schwächt werden wird. K4 So 152 Betrachtungen und Gebete So will ich denn auch, eingedenk der großen Pflicht, wozu ich durch die Erldfung meines Herrn berufen bin, mit meis ner Heiligung eifrig und unabläffig fort: fahren. Keine Mühe, die dabey zu übernehmen, keine Beschwerde, die damit ver knüpft ist, soll mich davon abhalten. Wie er, mein Erlöser, in dem nicht ermüdete, was er zur Besorgung meines Heils wahrs zunehmen hatte: so will ich auch an meis nem Theile nicht müde werden, an meiner zunehmenden Besserung zu arbeiten, bis mein Lauf in dieser Welt, und mit demselben auch der Kampf vollendet ist, der hier noch erfordert wird, um im Guten zu wachsen, und darinnen fest zu werden. Stärke du diesen Vorsatz in mir, mein Gott, mehre mir dazu den Muth und die Kräfte, und laß es mir in dem Fleiße meiner Besserung gelingen. Gieb, daß mein Herz immer reiner, und mein Wandel immer erfüllter von Früchten der Gerechtigkeit werde, die dir zum Lobe und mir zum Heile gereichen durch Jesum Christum. Hilf mir über alles siegen, was mich daran hindern will, daß ich, so lange ich hier bin, dir so diene, wie es dir wohlgefällt, und dereinst mit dem Preis der nach dem heil. Abendmahle. 153 der Ehre und Glückseligkeit von dir gekröz net werde, die du denen vorbehalten hast, welche mit Geduld und Beständigkeit in guten Werken darnach trachten. Das thue, mein Gett, um deiner ewigen Treue willen. Amen. V. Gebet um die Regierung des heiligen Geistes. Gütiger Gott und Vater! du fichest, daß ich mit aufrichtigem Herzen vor deinen Augen den Bund ewiger Treue erneuert, und bey dem feyerlichen Genusse des heiligen Abendmahls den ernstlichen Vorsaß gefaßt habe, der Sünde abzusterben, und hingegen mein ganzes Leben dir zu Ehren zu führen. Allein ich fühle meine Ohnmacht und Schwachheit, und fürchte, daß die Verführung zur Sünde mein Herz besiegen, meine guten Vorsäßze vertilgen, und mich wieder zum Bösen verleiten möchte. Wollen habe ich wohl, bare Vollbringen des Guten finde ich K 5 ohne 154 Betrachtungen und Gebete ohne dich nicht. Ach darum bitte ich dich demüthiglich! Gieb mir deinen heiligen guten Geist, der mich leite auf einer ebenen Bahn, und mein Führer sey durch mein ganzes Leben. Er be wahre mich vor jedem Fehltritte, und stårke mich in jeder Bersuchung zum Bösen, daß ich nicht unter ihrerliege, und mich wieder zu Sünden und bösen Gewohnheiten hinreißen lasse, die mich von dir entfernen, und zeitlich und ewig unglücklich machen würden. Er bewahre meine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und meine Lippen, daß sie nicht trügen, und mein Herz, daß es nicht durch Sünden verunreiniget werde. Er mache mich aufmerk sam auf die Stimme meines Gewis sens, sie bey jedem Reize zur Sünde zu hören, und ihr mit willigem Herzen, als der Stimme meines Gottes, zu fol gen, die als warnender Engel zu mir spricht, und mich vom Bösen und meinem Unglücke abzuhalten suchet, damit ich nach dem heil. Abendmahle. 155 ich beständig dich, meinen Gott, vor Augen und im Herzen habe, und mich hüte in keine Sünde zu willigen, und wieder deine Gebote zu thun. Laß meinen Gang gewiß seyn, und unsträflich vor dir, daß ich nicht zu Schanden werde, und meinen guten Namen verliere; sondern vorsichtiglich wandle, und mich beständig übe, zu haben ein unbeflecktes Gewissen, bey de gegen dich, meinen Gott, und gegen meinen Nächsten. Gieb, daß ich hier mit Christo lebe, und seinem Vorbilde nachfolge, daß ich auch einst mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werde, Amen. VI. Ermunterung zur Liebe Jesu Christi. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. 1 Joh. 4, 19. Aus Liebe zu mir tratest du einst, mein Erlöser! in den Kreis deiner gelieb 156 Betrachtungen und Gebete liebten Menschen auf Erden, haft menschliche Leiden gefühlt, und mensch lichen Kummer getragen, alles haſt du aufgeopfert, mein Glück in dieser und in einer andern Welt zu gründen; selbst dein Leben hast du für mich ge geben, und mir eine ewige Erlösung erfunden. Niemand hat größere Liebe, denn daß er sein Leben läßt für sei ne Freunde; größer noch war deine Liebe, daß du für uns starbst, da wir deine Feinde waren, und in der Irre gingen als verlorne Schaafe. Laß jetzt das Andenken an deine Liebe durch den Genuß des heiligen Abendmahls in meinem Herzen befestiget werden, damit ich nie vergesse, was du an mir gethan hast, und daß ich dadurch bewogen werde zur reinsten Gegenliebe gegen dich, und zur herrlichsten Liebe gegen meinen Nächsten, die durch gu te Thaten und aufrichtigen Wandel sich wirksam erweise. Gieb, daß ich aus Liebe zu dir die Sünde und alles Bose nach dem heil. Abendmahle. 157 Böse ernstlich hasse; hingegen das Gu te, so dir gefällig ist, gern und willig vollbringe, und den schönsten Lohn, das Bewußtseyn in mir habe, mein Glück, aus Liebe zu dir, in dieser und in einer andern Welt gegründet zu haben. Laß mich aus Liebe zu dir, dir nachfolgen, mein Kreuz willig auf mich nehmen, und Geduld beweisen, wenn ich um der Wahrheit und des Guten willen leiden soll. Das Andenken an den gemeinschaftlichen Genuß deines Leibes und Blutes verbinde unser Aller Herzen mit dem Bande der Liebe und des Friedens, daß wir Alle aus Liebe zu dir, als Kinder Eines Vaters, als Brüder Eines Erlösers wandeln, und von dir den hohen Lohn der stillen Thaten der reinen Menschenliebe erhalten mögen. Amen. VII. Betrachtungen und Gebete VII. Gebet um aufrichtige Liebe zu unserm Nächsten. 158 Dabey wird jedermann erkennen, daß ihr meine Junger send, so ihr Liebe unter einander habt. Joh. 13, 35. Ich habe mich, mein Gott und Vater, aufs neue zur innigsten brüderlichen Liebe gegen meinen Nächsten bey dem Genusse des letzten Denkmahls der Liebe Jesu Christi verbindlich gemacht, und aufs neue gelobt, ihm in thätiger Bruderliebe nachzufolgen; das Glück meines Nächsten als mein eigenes zu suchen, und uns Alle als Glieder Eines Leibes, dessen Haupt Jesus Christus, dein Sohn, ist, anzusehen. Stärke doch durch dieses heilige Abendmahl in mir die Gesinnung einer aufrichtigen dir wohlgefälligen Liebe zu meinem Nächsten, daß ich mit leidig, brüderlich, barmherzig und lieb reich gesinnt sey gegen jeden Menschen. schen. nach dem heil. Abendmahle. 159 Rotte aus meinem Herzen alle Lieblosigkeit, Hårte, Unversöhnlichkeit, allen Neid und Eigenmuß. Bewahre mich, daß ich mich nie über einen andern erheben, und voll Stolz den Geringern verachten möge.-Reinige mein Herz, daß ich nie durch Falschheit meinen Nebenmenschen hintergehe, oder seinen guten Namen verlästere, und ihn zu Schanden und Spott mache.- Entferne von mir jeden Gedanken, meinen Nächsten zu bevortheilen, und ihn um das Seine zu bringen. Behüte mich, daß ich nie so tief sinke, die Unschuld zu verführen, und meinen Nächsten zu Sünden zu verleiten, wodurch ich mich fremder Sünde würde theilhaftig machen. Dagegen befestige, durch das letzte Denkmahl der Liebe meines Erlösers, das Band des Friedens und der brüderlichen Eintracht recht fest in meinem Herzen, daß ich willfährig sey nach allen meinen besten Kräften jedermann Gutes zut 160 Betrachtungen und Gebete zu thun, wie es mein Erlöser mir ge than hat. Gieb, daß ich durch sein Beyspiel gestärkt, auf alle Weise das Glück meiner Mitmenschen befördere, auch da, wenn es mir Aufopferung kostet, und schwer wird. Das Andenken an dich, mein Erlöser, befestige in mir den Vorsatz, mit Freuden mich des Verlassenen anzunehmen, und den Leidenden zu unterstüßen, und wo ich dazu zuarm, oder zu schwach bin, ihn wenigstens durch Theilnahme und Trost aufzurichten, damit jedermann erkenne, daß ich dein Jünger sey. Ja, Herr Jesu! dir gelobe ich jetzt aufs neue: Ich will mich über meines Näch sten Wohlfahrt freuen; an seinem Kummer mitleidig Theil nehmen, und ihn trösten. Ueber mich soll keine Thräne eines durch mich elend Gewor denen fließen, und kein Seufzer eines über meine Ungerechtigkeit und Hår te klagenden Armen gehört werden. Ich nach dem heil. Abendmahle. 161 Ich will dem Hungrigen mein Brod brechen, den Verlassenen aufnehmen, den Traurigen trösten, den Gebeugten aufrichten, und Gutes an Andern thun, wo ich Gutes thun kann, ohne die Vergeltung in dieser Welt zu erwarten, damit der Thränen und Seuf zer unter uns, deinen Bekennern, weniger werden, und sie sich alle in Hochgesänge des Dankes und der Freude verwandeln mögen. Gieb mir hierzu deine Gnade, und hilf mir meinen Vorsatz vollbringen. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann. Ohn' Eigennuk und Heuchelschein, Und wie du mir erwiesen, Aus treuer Lieb' allein. L Gresse VIII. Betrachtungen und Gebete VIII. Ermunterung zur Nachfolge Christi. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß ihr follet nachfolgen seinen Fußstapfen. 1 Petr. 2, 21. 162 In deinem ganzen Leben, mein Herr und mein Erlöser, hast du mir das schönste Beyspiel gegeben, dem ich nachfolgen soll. In deinem unschul digen Wandel; in deiner Treue; in Erfüllung deines Berufs; in deiner thätigen Menschenliebe, die im Ver borgenen Gutes that, ohne Vergel tung zu hoffen; in deinem unerschüt terlichen Glauben und Vertrauen auf Gott, deinen Vater! in deiner stil len Geduld, mit welcher du, als das schweigende Lamm Gottes, deinen schweren Beruf vollendetest, und dich für das Wohl meiner Menschen auf opfertest, sehe ich das lehrreichste Vorbild meines Lebens. Be nach dem heil. Abendmahle. 163 Befestige durch dein heiliges Abendmahl das Andenken an dein ganzes Leben in meinem Herzen, und stärke dadurch in mir den Vorsaß, dir nach allen meinen Kräften nachzufolgen, auch da, wenn es mir schwer wird, und Aufopferung kostet. Laß mich aufrichtig wandeln vor Gott und vor der Welt, über die Reinheit und Unschuld meines Herzens, als meinen höchsten Schaß wachen, und meinen Glauben und gutes Gewissen bewahren bis an mein Ende. Dein Vorbild lehre mich erlittenes Unrecht zu vergeben, und zugefügte Beleidigungen nicht zu rächen, wenn ich sie rächen könnte; sondern Boses mit Gutem zu vergelten, und mich mit Wohlthun an meinen Feinden zu rächen, froh, wenn ich das Gefühl meiner Unschuld in mir trage, die du zu seiner Zeit ans Licht bringen wirst.- Dein Beyspiel stärke mich in der schweren Stunde der Prüfung, wenn ich zur Sünde versucht werde, £ 2 daß 164 Betrachtungen und Gebete daß ich nicht unter ihr erliege, sondern, wie du, mich fest an Gottes Wort halte, damit ich jede Versuchung zum Bösen überwinde, und den Sieg behalte.- Das Andenken an dich gebe mir Genügsamkeit und Zufriedenheit mit dem Loose, das mir dein Vater hienieden beschieden hat, und befestige den Gedanken in meiner Seele: daß auch der Knecht, der über wenig gesetzt war, wenn er nur treu erfunden wird, nicht unbelohnt blei ben werde. Es sey mir beständig Er munterung, Gutes im Stillen zu thun, Glauben zu halten, und meinen Lauf zu vollenden, wie du den deinen vollendet hast, damit ich das Ziel erreiche, und die Krone der Eh ren von dir empfange. Ja, mein Er löser! du gingst den Weg, der zum ewigen Leben führet, voran. Hilf, daß ich dir auf der Bahn der Gottse ligkeit und Treue unverrückt nach wand. nach dem heil. Abendmahle. 165 wandle, und einst zu deiner Herrlichkeit erhoben werde. IX. Gebet um Treue im Berufe. Vater ich habe vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich es thun sollte. Joh. 17, 4. - Mit frohem Herzen legte mein Erlöser sein Amt nieder in deine Hände, o Vater! er hatte alles vollendet, und ging freudig wieder zu dir, um den Lohn seiner Treue von dir zu erhalten. Auch mir hast du, lieber Vater im Himmel! meinen Beruf in dieser Welt angewiesen, und mein Tagewerk beschieden, daß ich es vollenden soll. Du forderst Fleiß und Treue in Erfüllung dieses meines Berufs, hast mein gauzes Glück in dieser und der zukünftigen Welt darauf gegründet, wenn ich mein Werk hienieden vollende, und getreu erfunden werde, und wirst einst mich richten, nicht nach meinen Worten, £ 3 sons 166 Betrachtungen und Gebetesondern nach deinen Thaten, und alles, was ich in meinem Berufe und Stande vernachlässige oder verumtreue, von meinen Händen fordern. Laß doch das Abendmahl an Jesum Christum, der mir auch hierinnen das höchste Vorbild gewesen ist, mich zu ähnlicher Treue ermuntern! Es befe stige in mir den Vorsaß, meinen Beruf nach allen meinen Kräften getren zu erfüllen! Es stårke mich, wenn er mir schwer wird, und ich die Last und Hiße des Lebens tragen muß! Die Er innerung an dich, mein Erlöser, bewahre mich, daß ich in meinem Amte und Stande nichts veruntreue oder vernachlässige, was ich vielleicht nie wieder nachholen kann; sondern mit Freuden hier alles vollenden soll, und nach deinem Beyspiele in treuer, uneigennüßiger Erfüllung meines Be rufs das Glück meines Lebens suche, und es auch finde. Laß mich dir treu bleiben bis an mein Ende, und das red. nach dem heil. Abendmahle. 167 redlich besorgen, was du mir hier anvertrauet hast, damit ich auch einst am Abend meines Lebens, wie du, mein Erlöser, sagen kann: Vater, ich habe vollendet das Werk, das du mir gegeben haft! Und den schönen Lohn der Treue aus deinen Händen er. halte, über mehr gesetzt werde, und eingehe zu deiner, meines Herrn, Frende. Hilf, daß ich thu' mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein Befehl In meinem Stande führet; Gieb, daß ich's thue bald, Zu der Zeit, da ich soll, Und wenn ich's thu', so gieb, Daß es gerathe wohl. X. Lieder zur Unterhaltung der Andacht. Mel. Jesus, meine Zuversicht. Nühme, Seele! dein Gesang triumphire, rühme, finge! Gieb ihm Flügel, daß dein Dank bis zum Throne Gottes dringe; in der Engel jauchzend Chor hebe fich dein Flug empor. 2. Meine Sünden drohten mir schon mit meinem Un24 Betrachtungen und Gebete Untergange; ich erbebte, Gott! vor dir; um Erquickung war mir bange. Ewigkeit, Gesetz und Grab schreckten mich;-und Gott vergab. 168 3. In der feyerlichsten Nacht rang für's fündige Geschlecht Jesus Christ, zum Fluch gemacht, daß der Richter schonen möchte. Und der feyerlichsten Nacht hat der Richter, Gott, gedacht. 4. Sen getrost; vergeben sind, wenn du glau best, deine Sünden; ewig bist du Gottes Kind. Wer vermag das zu empfinden? Welche Seligkeit und Ruh!-Gott, wo ist ein Gott, wie du! 5. Ich empfing ihr adttlich Pfand, ſeinen Leib, für mich gegeben, und sein Blut ich nahm's und fand in dem Blute Heil und Leben. Preis der feyerlichsten Nacht! Ewig werde dein gedacht! 6. Mittler, auserwählter Freund, Ursprung als ler meiner Freuden! Du hast dich mit mir vereint; nichts soll mich von dir jetzt scheiden! Ewig, ewig bist du mein; ewig, ewig bin ich dein. 7. Jch, entzückt in meiner Brust, will auf deine Stimme merken; hohe, himmelvolle Lust flammt mich an zu guten Werken. Furcht vor Gott und Heiligkeit sey mein Schmuck und Ehrenkleid. 8. Jch, ein Fremdling, strecke mich nach dem Kleinod an dem Ziele; sicher, daß ich bald durch dich Gottes Seligkeiten fühle, da, wo stets dein Lob erschallt; komm, Herr Jesu, komme bald! Mel. Christus, der uns selig macht. Sollt ich jetzt noch, da mir schon deine Güt' erschie nen, dich verlassen, Gottes Sohn, und der Sün de dienen? Mit den Lüsten dieser Zeit wieder mich befle: nach den heil. Abendmahle. 169 beflecken, und nicht mehr die Süßigkeit deiner Lie be schmecken? 2. Hab' ich doch allein bey dir meine Ruh' gefunden! Mittler, heiltest du doch mir alle meine Wun den! Und ich sollte dein Gebot, wie die Sünder, hassen, und mein Recht an deinem Tod wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib' ein Christ, halt auf Deine Lehren, lasse mir nicht macht und ist meinen Glauben wehren. Fielen Tausend ab; nicht ich! Mag's die Welt verdrießen! Sie wird mein Vera traun auf dich mir doch gönnen müssen! 4. Hat sie solch ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden? Den Bedrångten Trost und Ruh, Sündern Gottes Frieden? Giebt sie mir die Zuversicht, daß ich, trok dem Grabe, deiner Ewigkeiten Licht zu erwarten habe? 5. Rettet sie mich, wenn vor Gott einst die Vol ker stehen, und das Leben und den Tod ihm zur Seite stehen? Wenn der Sichre nun zu spät aus dem Schlaf erwachet, und der Spotter, der hier schmäht, glaubt, und nicht mehr lachet? 6. O wie thöricht! wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße; da ich weiß, auf wessen Wort ich die Hoffnung gründe, daß auch ich ohnfehlbar dort Gnad' und Leben finde. 7. Weder Leben, weder Tod, Trübsal oder Freuden, mein Erlöser und mein Gott, soll mich von dir scheiden! Welt und Sünd', und Eitelkeit, und des Fleisches Triebe; alles überwind ich weit, Herr! durch deine Liebe! XI. 25 170 Betrachtungen und Gebete XI. Abendgebet am Communiontage. Du, Herr, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; laß deine Güte und Treue mich allewege behüten. Pf. 40, 12. Bey ey dem Beschlusse dieses für mich so feyerlichen Tages fühle ich mich in meiner Seele aufs stärkste gedrungen, dir, o himmlischer Vater, meinen innigen Dank für alles das Gute darzubringen, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Große Dinge hast du heute an mir gethan; deß bin ich fröh. lich, und von dem Lobe und Preise desselben foll auch noch jetzt mein Mund, in dieser spåten Unterhaltung meines Herzens mit dir, übergehen. Du hast mich der hohen Gnade gewür diget, ein Theilnehmer und Genosse des Tisches Jesu Christi zu seyn; ich habe den Leib meines Heilandes unter dem gesegneten Brode genossen, und ſein nach dem heil. Abendmahle. 171 sein Blut unter dem gesegneten Wei ne zur Versicherung seiner auch für mich gestifteten Erlösung getrunken. O gelobet seyst du, o Gott, für alle die guten Gedanken, die dabey dein Geist in mir wirkte, für die frommen Rührungen meiner Seele, die ich während dieser heiligen Handlung empfand, und für die kräftigen Aufmunterungen zu einem rechtschaffenen dir gefälligen Sinn und Wandel. Meine demüthige und inbrünstige Bitte an dich geht nun vornehmlich dahin: Du wollest deine Barmherzigkeit, von welcher du mir eine so rührende Probe aufs neue gegeben hast, nie von mir wenden; du wollest sie noch ferner mein ganzes künftiges Leben hindurch in der Heiligung meines Herzens und Wandels verherrlichen; du wollest das gute Werk, welches du zu meiner sittlichen Besserung in mir anfingst, und heute bey der heiligen Communion so merklich fördertest, auch 172 Betrachtungen und Gebete auch vollführen bis auf den großen Tag, an welchem eben der Jesus, def sen Todesgedächtniß ich festlich beging, wiederkommen wird, um mich daß Ziel meines Glaubens an ihn, der Seelen Seligkeit, erlangen zu las sen. Gott! ohne deinen Beystand käme ich sicherlich wieder in der guten Verfassung meines Gemüthes zurück, und es würde da nichts aus allen mei nen noch so ernstlich gefaßten Vorså ßen der Frömmigkeit und Tugend. Deine Gnade ist darum der größte und angelegentlichste Inhalt meines Gebets zu dir. Sie müsse mich in Ge fahren der Gottseligkeit schüßzen, und vor allem Uebel bewahren! Sie müsse mich vollbereiten, stårken, Fräftigen und gründen. Ist dieser allerwichtigste Wunsch meiner Seele erfüllt, dann, himmli scher Vater! kann ich dir alles andere, im vollkommenen Vertraun zu deiner Güte und Treue, gånzlich anheimstel. len nach dem heil. Abendmahle. 173 len. Du wirst auch alsdann gewiß mein leibliches Wohl dir empfohlen seyn lassen, wirst mein Schirm und Schild seyn, und mich auch in der bevorstehenden Nacht vor Schanden und Unglück bewahren, daß ich an dem morgenden Tage errettet, ganz fröh lich dich rühmen und preisen könne. Deiner gnädigen Obhut übergebe ich denn mit kindlicher Zuversicht mich und alle die Lieben, mit welchen du mich durch die Bande des Blutes und der Freundschaft so nahe verbunden hast; auch alle, welche heute mit mir ge meinschaftlich den Tod unsers Herrn im Nachtmahle verkündigten; ja, alle Menschen, meine Brüder und Schwestern in der Nähe und Ferne. Sey unser aller Gott und Vater um Jesu Christi willen. Amen. Abendlied am Communiontage. Mel. Vater unser im Himmelreich. Mit froher Seele dank ich dir, dir, Heiland, denn du haft an mir so große Dinge heut gethan, daß ich fie 174 Betracht. u. Geb. n. d. heil. Abendm. fie nur bewundern kann, nimm alles, was ich hab und bin, zum Danke für dein Wohlthun hin. 2. Du wecktest mich vom Schlummer auf, ich prüfte meinen Lebenslauf, mein eignes Herz ver dammte mich, der höchste war mir fürchterlich; ich fühlete, daß Missethat Gewissensangst zur Folge hat. 3. Jch beichtete Dir meine Schuld, und du vers gabst sie mir aus Huld! Wo ist ein Heiland, wie du bist, der, wie du, die Versöhnung ist! Der nicht des Sünders Tod bekehrt, der froh ist, wenn er wiederkehrt! 4. Du gabst( kann größ're Liebe seyn?) dich mit heut unter Brod und Wein; du wurdest mein, du höchstes Gut, dein wahrer Leib, dein heilig Blut erquickte, labte, stårkte mich. Für diese Liebe lieb' ich dich. 5. So bin ich denn, mein bester Freund, mit dir aufs feligste vereint, du und dein ganzes Heil sind mein, aus Pflicht und Liebe bin ich dein; dein, Heiland, bin ich in der Zeit, dein bin ich in der Ewigkeit. 6. Wie heilig ist der Tag vollbracht! Wie felig hast du mich gemacht! Vergiß den Tag, o Seele nicht! Beschließ ihn mit der Zuversicht, daß Jesus, der getreue Hirt, den, den er liebt, beschützen wird. Bey 175 Bey Haus- und KrankenCommunion. I. Nachdenken eines Kranken über das heilige Abendmahl. Als Jesus schon von bangen Vorgefühlen seines nahen, mit so vielen Martern verknüpften Todes, ergriffen war, und mit seinen Jüngern das letztemal das Osterlamm aß, zeichnete er diese Mahlzeit durch eine Stiftung aus, die seinen Bekennern heilig bleiben wird, bis er zum Gerichte kommt, durch die Anordnung feines Abendmahls. Sie ist als eine rührende Todtenfeyer zu betrachten. Denn das Brod, das er brach, sollte seine Freunde erinnern an seinen Leib, der bald am Kreuze sterben sollte; der Kelch, den er ihnen reichte, an das Blut, das bald würde vergoffen werden. So oft sie nun von diesem Brode effen, und von diesem Kelche trinken würden, sollten sie es thun zu sei nem Gedächtnisse, oder nach den Worten des Apostels: zur Verkündigung seines Todes. Wer Ben Haus- und Wer kann aber an den schattervollen Tod Jefu denken, wer kann sich seiner insonderheit bey der Feyer des heiligen Abendmahls erinnern, ohne tiefgerührt, und in eine Stimung versetzt zu werden, wo der Gedanke an den Tod nicht in ihm erwachen, wo er nicht seine eigene Sterb lichkeit zu fühlen anfangen sollte? Ich will dahero diesen Gefühlen, in meinen gegen: wärtigen Umständen, auch nicht ausweis chen, sondern sie vielmehr durch das Abend: mahl des Herrn in meiner Seele beleben, und erwägen, daß die Erinnerung an meis nen Tod, welche ich mit einer würdigen Feyer dieser Handlung verbinde, die nas türlichste, für meinen Verstand die lehrreichste, für mein Herz die beruhigendste, für mein Le ben die fruchtbarste, und für mei ne Hoffnung die erfreulichste Er innerung sey. 176 Natürlich muß die Erinnerung an den Tod seyn, wenn sie einen Werth ha: ben soll; Umstände, die gleichsam von felbst auf sie hinführen, müssen sie veran lassen. Denn wollte man unabläffig an den Tod denken: so würde das nicht nur allen frohen Lebens: Genuß hindern, son: dern Kranken Communion. 177 dern auch zu allen Geschäften unfähig machen. Und wollte man nie an den Tod denken: so würde ich ja leichtsinnig dahin leben, nicht fromm und tugendhaft were den, nicht wirklich froh und glücklich seyn können. Wo wird aber die Vorstellung des Todes natürlicher geweckt, wo fühlt man sich stärker veranlaßt, an sein eigenes Ende zu denken, als bey einer würdigen Feyer des Abendmahles Jesu? Könnte ich also wohl auch diese Stiftung feyern, ohne an den heiligen Stifter derselben zu dens ken in der Nacht, wo die Hand seiz nes Verräthers mit ihm über Tische war, wo ihn nur noch wenige Stunden von seinem Tode trennten? Könnte ich von dem gesegneten Brode effen, und vom gesegneten Kelche trinken, ohne den Leib, der auch für mich am Kreuze hing, ohne das Blut, das auch für mich vergos sen wurde, gleichsam mit Augen zu sehen? Weckt schon der Anblick eines jeden Sterbenden das Gefühl meiner eigenen Sterbe lichkeit; erinnert mich meine gegenwärtis ge Krankheit daran, daß der Mensch hier keine bleibende Stätte hat: so soll mich der merkwürdigste Tod, der je erduldet worden, an meine eigene Hinfälligkeit erinnern, 178 Bey Haus und nern, so will ich bedenken, daß auch ich, so wie mein Erldser, durch den Tod voll: endet werden muß. Eine würdige Feyer des heiligen Abend: mahls macht ferner die Erinnerung an den Tod lehrreich für den Verstand. Fassen wir bey Todes- Betrachtungen nichts weiter in die Augen, als die Vers änderung selbst, die beym Sterben mit uns vorgehet, nebst den Folgen, welche sie in der äußern Welt und in unsern Ver: hältniffen haben wird: so ist es der Mühe nicht werth, solche Betrachtungen anzu stellen, ja sie können wohl gar zu tausend falschen und beunruhigenden Vorstellun: gen führen. Auch lehrreich für den Verstand wird die Erinnerung an den Tod, wenn man dadurch sterben lernt, wenn sie uns zeigt, wie man denken, empfinden und Handeln soll, um die Erde mit christlicher Faffung verlassen zu können. Lind wo kann ich das leichter, beffer und vollständiger lernen, als beym Abendmahle des Herrn? Da sehe ich den in seinen leg ten Stunden, der heilig, unschuldig, unbefleckt, und von den Sündern abgesondert war, wie er dem Tode zwar mit tiefem Gefühle, aber auch mit mann: Kranken Communion. 179 männlicher Faffung entgegen ging. Von ihm lerne ich, welche Vorkehrung man treffen, welche Ordnung man seinen Angelegenheiten geben, mit welcher Besonnenheit man alles Nöthige abthun muß. Von ihm lerne ich, wenn ich bedenke, wie er sich gegen seinen Berräther benimmt, und wie er gegen seine Jünger gefinnet ist: daß man verzeihen, ein versöhnliches Herz haben, daß man lieben und die Menschen mit Wohlwollen umfassen muß, daß man insonderheit für alle, die uns theuer sind, mit zärtlicher Vorsicht sorgen, daß man Freund und Wohlthäter seiner Brüder bis an den letzten Hauch bleiben muß, wenn man getroft scheiden und sich seinen Tod versüßen will. Von ihm lerne ich da, welche Gesinnungen man haben, in wel ches Verhältniß mit Gott man sich segen muß, wenn man mit Faffung und Würde sterben will. Die Erinnerung an den Tod wird sodann bey einer würdigen Feyer des heiligen Abendmahls beruhigend für das Herz. Schädlich ist jede Todesbetrachtung, welche die Schrecken des Todes nicht vermindert, sondern vermehret. Denkt man nur mit Zittern und EntseM2 gen 180 Bey Haus- und ten an den Tod, so macht eine solche Betrachtung elend, die Folge davon ist, daß man durch Furcht des Todes im ganzen Leben ein Knecht seyn muß. Verbindet man aber die Erinne: rung an den Tod mit der Feyer des Todes Jesu im heiligen Abendmahle: so weicht alle bange Furcht, so lernt man ihn gelaf sen und mit einer Fassung betrachten, die dem Herzen wohlthut. Man söhnt sich mit dem Geseße der Natur aus, und un terwirft sich ihm leichter, wenn man sieht, daß der Sohn Gottes selbst keine Ausnah: me verlangt, sondern das Loos seiner sterblichen Brüder willig getheilt hat. Un fälle, die den Tod begleiten, qualvolle Krankheiten, die ihn herbeiführen, kön nen nicht in Furcht und Schrecken segen, wenn wir bedenken, wir leiden, was er gelitten hat, er, der die Angst des Todes felbst empfunden, aber uns auch bey sei: nem Abendmahle so rührend daran erin nert, er sey unfer Freund und Retter, er werde uns in den letzten Augenblicken nicht verlassen. Nichts macht aber wohl den Tod fürchterlicher, als das Bewußt seyn unserer Sünden; der Sta chel des Todes, sagt der Apostel, ist die Kranken- Communion. 181 die Sünde. Aber am Altare des Herrn verliert der Tod auch dieses Schrecken. Denn da feyern wir das Andenken des großen Opfers, das der Sohn Gottes für die Sünden der Welt dargebracht hat, da empfangen wir mit dem Kelche des neuen Bundes das Blut, das vergoffen worden ist, zur Vergebung der Sünden; da hören wir ihn gleichsam uns zurufen: Ich bin das lebendige Brod vom Himmel kommen, wer von diesem Brode essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Ge troft kann ich also meinen Tod ins Auge faffen, denn ich weiß, Jesus hat ihm die Macht genommen, und Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht. Bey der Feyer feines Abendmahles verschwinden seine Schrecken; Jesus erscheinet mir da als ein freundlicher Retter, der mich allem Jammer der Erde entreißt, und mir die Pforten des Himmels öffnet. Doch die Erinnerung an den Tod foll uns nicht gleichgültig gegen das Leben, nicht verdroffen zu den Geschäften desselben machen, sondern sie soll aucb frucht= bar für das Leben seyn. Denn wie M 3 man 182 Bey Haus und man gelebt, wie man seine Zeit auf Erden angewendet haben muß, um getrost schei den zu können, das läßt sich nirgends bes ser lernen, als am Altare Jesu. Denn da verkündiget man den Tod deffen, der es für seine Pflicht hielt, zu thun den Willen deß, der ihn gesandt hatte, zu vollenden sein Werk; der den Grundsak hatte: ich muß wir ken, weiles Tag ist, es kommt die Nacht, da niemand wirken kann, der aber auch eben darum am Schluffe feiner Laufbahn getrost zu seinem Vater sagen konnte: Ich habe dich verkli: ret auf Erden, und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast. Und eben so muß ich mich auch zu meinem Abschiede vorbereiten. Treumuß ich mei ne Pflichten erfüllen, damit mir mein Gewissen einft keine Vorwürfe mache: eif rig muß ich jeden Augenblick meiner Zeit benußen, damit noch so viel Gutes als möglich zu Stande komme; anhaltend und muthig muß meine Thätigkeit seyn, damit ich mein Haupt einst desto getroster zur Ruhe legen, und mein Tagewerk desto freudiger beschließen könne. Denn auf diese Weise wird die Erin ne: Kranken- Communion. 183 nerung an den Tod beym Tische Jesu auch die erfreulichste für unsere Hoff nung. Hier erscheint er mir als ein Bote des Friedens, hier sehe ich ihn in einen Engel Gottes verwandelt. Mag er mich auch mitten in meinen Geschäften stören, und tausend wohlthätige Plane vereiteln, mit denen ich noch umging: so werden sie eben so wenig wirklich vereis telt seyn, als der neue Bund vernichtet wurde, da der Tod den Richter desselben hinwegriß. Der Regierer der Welt hat Werkzeuge genug, die meine Stelle erfeBen und wohl noch mehr leisten werden. Ich kann also gelassen scheiden. Mag ferner der Tod die zartesten Verbin dungen zerstören, mag er mich auch von denen trennen, die mir auf Erden als les waren, die ich wohl gar unberathen und hilflos zurücklaffen muß. Jesus schied ja auch aus dem Kreise seiner Apostel, als er sein Abendmahl stiftete, und doch verlor er keinen von ihnen, doch blieben sie alle in ihm, und brachten viel Frucht. Getroft und mit frohen Hoffnungen verlaffe ich also euch, ihr Theuern, und empfehle euch ihm und seiner Gnade. ich endlich auch unter noch so M4 Mag traurigen 184 Ben Hanss und rigen Umstånden eine Beute des Todes werden; trauriger als die, un ter welchen Jesus starb, können sie uminóg. lich seyn. Und doch stieg er vom Kreuze zum Throne Gottes empor, und kann nun selig machen immerdar alle, die durch ihn zu Gott kommen. Und er sollte nicht auch mich aus der Angst und dem Gerichte hinweg nehmen? Ich sollte die Pfänder feiner Liebe, die er mir ben seinem Abendmahle reicht, vergeblich empfangen? Nein, an seinem Tische kann mich der Tod nicht schrecken, hier, wo mich die heilige Gegenwart dessen umgiebt, der den Tod überwunden hat, hier kann ich mit freudigen Hoffnungen ausrufen: Der Tod ist verschlungen in den Sieg, und Gott sey Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unfern Herrn Jesum Christum. Amen. II. Gebet eines Kranken, vor dem Genusse des heiligen Abendmables. In der letzten Nacht deines irdischen Lebens hast du, mein Erlöser, das Ge Kranken- Communion. 185 Gedächtnißmahl deines Leidens und Todes gestiftet, damit ich mich mit allen deinen Bekennern recht lebhaft daran erinnern möchte, wie viel du es dich hast kosten lassen, daß ich erlöset bin. Ich soll an deinem Tische mit dem Troste erfüllet werden: daß alle sich bessernde Sünder von dir die gewisse Vergebung ihrer Sünden und ewiges Glück versprechen dürfen. Ich soll aber auch an dein Leiden denken, mit innigstem Danke, mit herzlicher Gegenliebe, mit gänzlicher Ergebung an dich, mit dem redlichen Wünsche und Vorsaße, dich in deiner Menschenliebe, Geduld, Versöhnlichkeit, in der Unterwerfung unter den Willen des himmlischen Vaters und in allen deinen großen Tugenden, so viel als möglich nachzuahmen. Und mit diesen Gesinnungen will ich denn auch jetzt deinen Tod verkündigen. Erbarme dich über mich, in meinen gegenwärtigen Umstånden. Laß mich den Trost leb. M 5 haft 186 Bey Haus- und haft empfinden, daß du auch für mei ne Sünden gestorben bist, und daß ich Vergebung derselben erlangen werde, wenn ich sie auf die Art suche, wie du es vorgeschrieben hast. Laß mich im Geiste den Himmel offen sehen, wo du von allen Engeln bereits angebetet wirst, wo alle deine Gläubigen in dei ner Liebe und Verehrung ewig froh und selig seyn werden. Gieb, daß ich durch die Hoffnung jener himmlischen Herrlichkeit in meinem gegenwärtigen Leiden getröstet werde, und mich in christlicher Geduld dem Willen meines himmlischen Vaters ganz unterwerfe, und so wie du, sage: Bater, nicht mein, sondern dein Wille ge schehe. Soll ich von dieser Krankheit genesen und länger leben; so sollen alle meine künftigen Lebenstage dir und der Tugend gewidmet seyn. Hier haft du meine Seele. Ich gelobe es dir, bey deinem Leibe und Blute, dir ewig treu zu bleiben. Verleihe mir die Gina Kranken- Communion. 187 Gnade deines heiligen Geistes zur Erfüllung dieses heiligen Gelübdes. Gieb, daß ich dir lebe, damit ich auch in deiner seligen Gemeinschaft sterbe, und dich dort im Himmel mit allen Frommen ewig preise. Amen. III. Dankgebet eines Kranken nach der Communion. Dank sey dir, mein Erlöser, für die große Gnade, die du mir jetzt erwiesen hast. Nun bin ich getrost. Ich habe nun die Versicherung der Vergebung der Sünden meines bisherigen Lebens. Gott ist mein versöhnter Bater, der sein Kind nicht verlassen wird. Er gehe mit mir zum Leben oder zum Sterben, ich weiß, ich bin in der Hand Gottes, der mich ewig beglücken kann und will. habe Dank, mein Erlöser, für diesen großen Trost, womit du mich erfreuet haft. Gieb mir nun auch solche GeUng, BA Gerson 188 Bey Haus. und Kranken, Communion. Gesinnungen, die ich haben muß, damit ich ihn nicht wieder verscherze. Soll ich wieder von meiner Krankheit genesen und långer leben, so bewahre mich vor allen vorsätzlichen Sünden, und stårke mich zur gewissenhaften Be obachtung aller meiner Pflichten. Soll meine Krankheit noch schmerzlicher werden: so gieb mir Geduld und Ge lassenheit. Nahet die letzte Stunde heran: so verkürze mir die Todes schmerzen, stehe mir im letzten Kam pfe ben, und nimm meine Seele zu dir, bis du auch meinen Leib wieder erwe cken, und mich mit Leib und Seele in dein ewiges Reich einführen wirst. Dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. Amen. Die Die sieben Bußpfalmen. Die sieben Bußpsalmen. Der 6. Pfalm. Ach, Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Herr! sey mir gnadig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken. Und meine Seele ist sehr erschrocken; ach du, Herr, wie so lange! Wende dich, Herr, und errette meine See le; hilf mir um deiner Güte willen. Denn im Tode gedenket man deiner nicht, wer will dir in der Hölle danken? Ich bin so mude von Seufzen, ich schwems me mein Bette die ganze Nacht, und netze mit meis nen Thrånen mein Lager. Meine Gestalt ist vers fallen vor Trauern, und ist alt geworden; denn ich allenthalben geångstiget werde. Weichet von mir, alle Ulebelthäter; denn der Herr hört mein Weinen. Der Herr höret mein Flehen, mein Gebet nimmt der Herr an. Es müssen alle meine Feinde zu Schans den werden, und sehr erschrecken, sich zurück Eeh ren, und zu Schanden werden plöglich. 189 Der 32. Psalm. Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist. Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet, in deß Geift kein Falsch ist. Denn da ichs wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tagliches Heulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie 190 Die sieben Bußpfalmen. wie es im Sommer dürre wird, Sela. Darum bekenne ich dir meine Sünde, und verhehle meine Missethat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Ulebertretung bekennen; da vergabst du mir die Missethat meiner Sünden, Sela. Dafür wer den dich alle Heilige bitten zur rechten Zeit; darum, wenn große Wasserfluthen kommen, werden sie nicht an dieſelben gelangen. Du bist mein Schirm; du wollest mich vor Angst behüten, daß ich errettet ganz fröhlich rühmen könne, Sela. Ich will dich unters weisen, und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Seyd nicht wie Rosse und Mäuler, die nicht verständig find, welchen man Zaum und Gebiß muß ins Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen. Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfangen. Freuet euch des Herrn, und send fröhlich, ihr Gerechten, und rühmet alle, ihr Frommen! Der 38. Pfalm. Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züch tige mich nicht in deinem Grimm. Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drücket mich. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Drohen; und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Meine Wunden stinken und eis tern vor meiner Thorheit. Ich gehe krumm und sehr gebückt, den ganzen Tag gehe ich traurig. Denn meine Lenden verdorren ganz, und ist nichts Gesun Des Die sieben Bußpsalmen. 191 des an meinem Leibe. Es ist mit mir ganz anders, und bin sehr zerstoßen; ich heule voll Unruhe meines Herzens. Herr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Mein Herz bebet, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist nicht ben mir. Meine Lieben und Freunde stehen gegen mir, und scheuen meine Plage, und meine Nächsten treten ferne. Und die mir nach Der Seele stehen, stellen mir; und die mir übel wollen, reden, wie sie Schaden thun wollen, und gehen mit eitel Listen um. Ich aber muß seyn wie ein Tauber, und nicht hören; und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut. Und muß seyn wie einer, der nicht höret, und der keine Widerrede in seinem Munde hat. Aber ich harre, Herr, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst erhören. Denn ich denke, daß sieja sich nicht über mich freuen; wenn mein Fuß wankte, würden sie sich hoch rühmen wis der mich. Denn ich bin zu Leiden gemacht, und mein Schmerz ist immer vor mir. Denn ich zeige meine Missethat an, und sorge für meine Sünde. Aber meine Feinde leben, und sind måchtig; und die mich unbillig haffen, sind groß. Und die mir Ars ges thun um Gutes, feßen sich wider mich; darum, daß ich ob dem Guten halte. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott! sey nicht ferne von mir. Eile mir beyzustehen, Herr, meine Hülfe. Der 51. Pfalm. Gott, fey mir gnådig nach deiner Güte, und tilge meine Sünde nach Deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige 192 Die sieben Bußpfalmen. nige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missethat, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündiget, und übel vor dir gethan, auf daß du recht behalteft in deinen Worten, und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst. Siehe, ich bin aus sündlichem Saamen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Siehe, du hast Lust zur Wahrheit, die im Verbor genen liegt; du låsfest mich wissen die heimliche Weis heit. Entsündige mich mit sop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Laß mich hd ren Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Verbirg dein Antlit vor meinen Sünden, und tilge alle meine Misferhat, Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirfmich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Trdste mich wieder mit deiner Hülfe, und der freudige Geist enthalte mich. Denn ich will die Ulebertreter deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekehren. Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Hei land bist, daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. Herr, thue meine Lippen auf, daß mein Mund dei nen Ruhm verkündige. Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir es sonst wohl geben; und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geångsteter Geist, ein ge ångstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. Thue wohl an Zion nach deiner Gnade, und baue die Mauern zu Jerusalem; dann werden dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brand Die sieben Bußpfalmen. 193 Brandopfer und ganzen Opfer; dann wird man Farren auf deinem Altare opfern. Der 102. Psalm. Herr, höre mein Gebet, und laß mein Schreyen zu dir kommen. Verbirg dein Antlig nicht vor mir in der Noth, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald. Denn meine Tage find vergangen wie ein Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand. Mein Herz ist ges schlagen, nnd verdorret wie Gras, daß ich auch vers geffe mein Brod zu essen. Mein Gebein klebet an meinem Fleische, vor Heulen und Seufzen. Ich bin gleich wie ein Rohrdommel in der Wüste; ich bin gleich wie ein Kauklein in den verstörten Städten. Ich wache, und bin wie ein einfamer Vogel aufdem Dache. Täglich schmähen mich meine Feinde, und die mich spotten, schwören ben mir. Denn ich effe Asche wie Brod, und mische meinen Trank mit Weinen, vor deinem Drohen und Zorn, daß du mich aufgehoben und zu Boden gestoßen hast. Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorte wie Gras. Du aber, Herr, bleibest ewiglich, und dein Gedächtniß für und für. Du wolleft Dich aufmachen und über Zion erbarinen; denn es ist Seit, daß du ihr gnädig seyst, und die Stunde ist ges kommen. Denn deine Knechte wollten gern, daß sie gebauet würde, und sähen gern, daß ihre Steine und Kalk zugerichtet würden, daß die Heiden den Namen des Herrn fürchten, und alle Könige auf Erden deine Ehre; daß der Herr Zion bauet, und erscheinet in seiner Ehre. Er wendet sich zum Gebet N der 194 Die sieben Bußpsalmen. die Verlassenen, und verschmåhet ihr Gebet nicht. Das werde geschrieben auf die Nachkommen, und das Volk, das geschaffen foll werden, wird den Herrn loben. Denn er schauet von seiner heiligen Höhe, und der Herr siehet vom Himmel auf Erden, daß er das Seufzen der Gefangenen höre, und los mache die Kinder des Todes; auf daß sie zu Zion predigen den Namen des Herrn, und sein Lob zu Je rusalem; wenn die Volker zusammen kommen, und die Königreiche, dem Herrn zu dienen. Er demüthi get auf dem Wege meine Kraft, er verkürzet meine Tage. Ich sage: mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Deine Jahre wäh ren für und für. Du hast vorhin die Erde gegrün det, und die Himmel sind deiner Hånde Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibeft; sie werden alle veralten, wie ein Gewand; sie werden verwandelt, wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibest, mie du bist, und deine Jahre nehmen Fein Ende. Die Kinder deiner Knechte werden blei ben, und ihr Saame wird vor dir gedeihen. Der 130. Psalm. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme; laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens. So du willst, Herr, Sun de zurechnen; Herr, wer wird bestehen? Denn bey dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern. Ifrael hoffe auf den Herrn; denn bey dem Herrn ist die Gnade und Die sieben Bußpfalmen. 195 und viel Erlösung ben ihm. Und er wird Israel er lösen aus allen seinen Sünden. Der 143. Pfalm. Herr, höre mein Gebet, vernimm mein Flehen um deiner Wahrheit willen; erhöre mich, um deiner Gerechtigkeit willen. Und gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knecht, denn vor dir ist kein Lebendiger ges recht. Denn der Feind verfolget meine Seele, und zerschlåget mein Leben zu Boden; er leget mich ins Finstere, wie die Todten in der Welt. Und mein Geist ist in mir geångstet; mein Herz ist mir in meinem Leibe verzehret. Ich gedenke an die vorigen Zeiten, ich rede von allen deinen Thaten, und sage von den Werken deiner Hånde. Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürftet nach dir, wie ein durres Land, Sela. Herr, erhdre mich bald, mein Geist vergehet; verbirg dein Antlitz nicht von mir, daß ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Laß mich frühe hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich. Thue mir kund den Weg, daraufich gehen soll; denn mich verlanget nach dir. Errette mich, mein Gott, von meinen Feinden, zu dir habe ich Zuflucht. Lehre mich thun nach deinem Wohlges fallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Herr, erquicke mich um deines Namens willen; führe meine Seele aus der Noth, um deiner Gerechtigkeit willen. Und verstore meine Feinde, um deiner Güte willen, und bringe um alle, die meine Seele ångstigen; denn ich bin dein Knecht. № 2 An, 196 Anhang von Morgen- und Abend Andachten, deren sich der Chrift zu seiner tåglichen Erbauung bedienen kann. Tägliches Morgengebet, all gemeinen Inhalts. Von ganzem Herzen danke ich dir, Herr mein Gott, daß du mich in dieser Nacht so gnådig erhalten, und vor alle dem Un glücke bewahret hast, welches mir in der: felben hátte zustoßen können. Dank sey dir für die Erquickung, welche du mit durch den Schlaf geschenket haft, und für die Gesundheit, mit welcher ich wieder er wacht bin. Ich weiß, daß meine ganze Wohlfahrt von die kommt; daß ich mich nicht selbst vor so vielen Gefahren beschi: gen kann, daß ich aber sicher ruhe, wenn du mich beschirmst. Auch zu diesem ange fangenen Tage brauche ich nun deinen Beystand und Segen, wenn anders meine Arbeit gut gerathen, und mein Wan del Tägliche Morgenandacht. 197 del dir wohlgefallen foll. Ich komme das her in dieser Morgenstunde vor deinen Thron, und suche in Demuth das bey dir, was ich mir nicht selbst zu geben vermag. Du bist ein gütiger Bater, das weiß ich. Du befiehlst mir zu beten, und giebst mir Verheißungen, die mich dazu aufimuns tern können. Ich darf also nicht mit Furcht und Jittern vor dir erscheinen, sondern wie ein Kind vor seinem Vater, mit getrostem Herzen, voll Hoffnung und Vertrauen zu dir. Zuvörderst bitte ich dich um deine Gnas de, die mir mehr werth ist, als alle Gůter der Welt. Ich bin ein fündiger Mensch, der deine Gebote nicht immer gehalten hat, und noch viel weniger etwas von dir verdienen, oder für solche Schuld genug thun kann. Was wäre ich, wenn du mit mir ins Gericht gehen, und mir nach dem Verdienste meiner Werke vergelten wolltest? Darum bitte ich dich, vergieb mir, o Vater, meine begangenen Sünden. Stärke mich dagegen durch deinen heili gen Geist, daß ich heute als ein rechtschaffener Christ im Glauben an deinen Sohn mit fröhlicher Willigkeit wandle, allen Versuchungen zur Sünde ernstlich widerN3 Frebe, 198 Tägliche Morgenandacht. stehe, und das Gute und jede meiner Pflichten mit wachsamer Sorgfalt erfülle. Siehe, ich erneuere an diesem Morgen meinen Taufbund, und gelobe dirs feyer: lich, daß ich als dein Eigenthum auch vor dir leben, und deinen Geboten, nicht aber meinen Lüften und bösen Gewohnheiten, folgen will. Mache mich dazu tüchtig, der du der Anfanger und Vollender eines je den guten Werkes bist. Warne mich durch die Stimme meines Gewissens, wenn ich leichtsinnig werden und in thörichte Hand: lungen willigen will. Erinnere mich an meine Pflicht, so oft ich Gelegenheit habe etwas Gutes zu thun, und gieb mir Muth und Kraft, es auch zu vollbringen. Sey mir allezeit gegenwärtig, ich mag allein oder in Gesellschaft seyn, ich mag ruhen oder arbeiten; deine Furcht leite meine Schritte, wo ich nur hingehe. O wie sicher werde ich dann wandeln, wenn ich dich al lezeit vor Augen behalte; wenn ich fleißig auf deinen Sohn, meinen Erlöfer, hin sehe, und von ihm lerne, wie ich dich eh ren, und meinen Nächsten lieben soll. Infonderheit gieb mir Gnade, treu und fleißig in meinem Berufe zu seyn, Zeit und Kräfte zu meinem und meiner Familie Wohl: Tagliche Morgenandacht. 199 Wohlergehen gut anzuwenden; aber auch mit meinem Nächsten so aufrichtig umzugehen, daß ich mich auch nicht der kleinsten Betrügeren oder Heucheley schuldig mas che. Bielmehr sey dieß meine Freude, wenn ich Andern mit Rath und That dienen, oder einem Elenden eine Wohlthat erweisen kann. Stärke mich hierzu, du Gott meines Heils, damit ich nie aus der Acht lasse, was ich dir jegt gelobet habe. Bewahre mich aber auch vor Ausschweis fungen des Zorns, der Rachgier, und Wollust, und vor allen andern Fallstricken der Verführung, von welcher Art fie auch seyn mögen. Und sollte ich gleichwohl aus Unwissenheit oder Ulebereilung straucheln, so trage Geduld mit meiner Schwachheit; hilf mir wieder auf, und lehre mich richtiger wandeln. Ben dem allen erfülle mein Herz mit Vertrauen und Hoffnung. Was kann mir schaden, wenn du, o Gott, mein unsichtbarer, aber allmächtiger und gütiger Führer bist. Und wie viel darf ich mir dagegen versprechen, wenn du deine wohl. thuenden Hände zum Segen über mich ausbreitest! Ein Recht habe ich zwar nicht, dieß von dir zu fordern, aber doch die Era № 4 laub 200 Tägliche Abendandacht. laubniß, dich jetzt und täglich zu bitten, daß du meine Berufsgeschäste, und alle nüßliche Unternehmungen mit deinem Segen begleiten wollest. Wache du über mein Haus und über meine Gesundheit, über meine Angehörigen und Freunde. Gedenke in Gnaden an alle diejenigen, für welche du zu beten befohlen hast. Hilf al len Elenden und Verlaffenen, sey ein Va ter der Witwen und Waisen, erbarme dich aller Menschen. Sofange ich diesen Tag in deiner Furcht an; so hoffe ich ihn durch deine Gnade zu vollenden. Das soll meine Freude seyn, daß ich mich zu Gott halte, und meine Zu versicht auf dich segze, der du Himmel und Erde geschaffen Hast. Hilf mir, o Herr, um deines Namens willen! Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. Amen. Tägliches Abendgebet, allge meinen Inhalts. Bey dem Schluffe dieses Tages erscheine ich mit demuthigem Herzen vor dir, mein gütiger Vater, und danke dir für alle die Wohl Tägliche Abendandacht. Wohlthaten, welche du mir an demselben erzeiget hast. Unter deiner Aufficht habe ich sicher gelebt, bin vor vielen Ulebeln be= wahret geblieben, und habe Gesundheit und Leben erhalten. Du hast mir Speise und Trank mit milder Handbescheeret, haft mich gefattigt und erquickt, und auch für andere Bedürfnisse treulich geforgt. Unter deinem Beystande habe ich meine Berufsgeschäfte treiben können, und deis nem Segen verdanke ichs allein, wenn sie glücklich gerathen find. Jeder günstige Zus fall, der mir heute begegnet ist, jede Freude, die ich dadurch geschmeckt habe; kurz, alles Gute, das mir widerfahren ist, es sen groß oder klein, sehe ich als ein Ges schenk von deiner Baterhuld an, und preise für das alles deinen Namen mit kindlicher Dankbarkeit. O Gott, ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan haft. Mit jedem Tage, den ich zuruck lege, steigt meine Verbindlichkeit ges gen dich, denn die Summe deiner Wohls thaten wird immer größer. Lind doch bin ich oft so träge zu deinem Lobe, so falt ges gen deine Gite, so nachlässig in Erfüllung meiner Pflichten. Auch an diesem Tage babe ich lange nicht alles gethan, was ich N5 zu 201 202 Tägliche Abendandacht. zu thun schuldig war. Ich bin also in vieler Absicht ein unwürdiger Knecht, der so wenig auf sein eigen Verdienst sich stüßen darf, daß er vielmehr die dringendste Ursa: che hat, sich vor dir zu demüthigen, und be schämt zu bitten: Here, handle nicht mit mir nach meinen Sunden. Ja, mein guter treuer Vater, ich bekenne mich auch an diesem Abend als ein Sünder vor dir, nehme zu deiner Gnade, die du im Na men deines Sohnes aller Welt verkündi: gen läffest, meine Zuflucht, tröste mich im Glauben dieser deiner theuern Verhei: Bung, und erwarte die Erfüllung derselben auch an mir. Vergieb mir alle Lebertre: tungen meines ganzen Lebens; vergieb mirs infonderheit, daß ich auch an diesem Tage auf mancherley Weise wider dich ge: fündiget habe. Lehre mich es immer besfer erkennen, worinnen ich noch fehle; gieb mir aber auch mehr Weisheit und Kraft, als dein Kind im willigen Gehorsam ge gen deine Gebote und im frohen Bertrauen auf deine väterlichen Zusagen zu wandeln. Ich weiß doch, daß es der beste Dank ist, den ich die für deine vielen und großen Wohlthaten darbringen kann, wenn ich mit redlichem Ernste nach deinem Willen lebe, Tägliche Abendandacht. lebe, und als ein Christ in die Fußstapfen meines Erlösers trete. Unterstüße mich dazu mit dem kräftigen Beystande deines heiligen Geistes. 203 Sey denn auch, gütiger Gott, in der dunklen Nacht, die jetzt herein gebrochen ist, mein Schuß und mein Retter. Schens te mir eine sichere Ruhe zur Erquickung meines Lebens, damit ich am morgenden Tage zur Fortsetzung meiner Geschäfte ge= stärkt sey. Wende die Gefahren ab, die mich bey der nächtlichen Finsterniß auf ala len Seiten umgeben, daß sich kein Unfall meiner Wohnung nahe, und kein böser Mensch meine Ruhe unterbreche. Ist es deinem heiligen Rathe nicht zuwider; so erhalte mein Leben, und laß mich des Tas ges Licht gefund wieder sehen. Ich habe zwar kein Recht, solches von dir zu for: dern, aber doch die Erlaubniß, alle gute Gaben, und also auch die Verlängerung meiner Gnadenzeit und die Erhaltung meis ner Gesundheit bey dir zu suchen. Doch mache mich auch willig und gefaßt, alle die Verhängniffe ruhig zu erwarten, und ges laffen zu ertragen, die nach deiner weisen Güte über mich ergehen sollen, scheinen fie auch gleich noch so hart und schrecklich zu 204 Morgenandacht am Sonntage. zu seyn. Mit dieſsem Gedanken schließe ich meine Augen. Gedenke nicht weniger an alle diejeni: gen, für welche ich zu bitten schuldig bin. Verherrliche dich durch deine Gute an al len Menschen, besonders an meinen Freun: den und Angehörigen. Beschirme den Ort, deffen Einwohner ich bin, und wache über alle Bewohner desselben. Laß uns alle sicher schlafen, und im Frieden erwachen. Und wenn ich dann meine Augen wieder öffne, so sey mein erstes Geschäft, für die Erhörung meiner Bitte deinem Namen mein Dankopfer zu weihen. Erhöre mich, o Gott, nach deiner großen Barmherzig: keit, um Jesu Christi willen. Amen. Morgenandacht am Sonntage. Deiner Güte danke ich es, du treuer Vater im Himmel, daß ich aufs neue erwacht bin. Mit gerührtem Herzen erkenne ich es, und mache es zu meinem ernsten Geschäft, dich dafür zu preisen. Heilig und gesegnet sev mir besonders der heutige Tag. Es ist der Tag deiner feyer lichen Verehrung, der Ruhe und Erholung von irdischen Geschäften, und der gró: Morgenandacht am Sonntage. 205 größern Thätigkeit für unsern unsterb lichen Geist. An diesem Tage kann ich mich mit allen deinen Verehrern vereinigen, dich anzubeten, mich deiner Borsebung, deiner gnädigen Veranstaltungen Zum Heil der Menschen zu freuen, dir für deine Wohlthaten zu danken, mich im Vertrauen auf dich zu starken, und mir neuen Segen, neue Kraft, neuen Muth zur Fortsetzung meiner irdischen Laufbahn zu erbitten. An diesem Tage kann ich insbesondere Jesum Christum, als den Sohn des Allerhöchsten, unsern Ers retter von der Sünde und dem Tode, den Wiederhersteller des Lebens und der Seligkeit, unfern Herrn und König, mit seinen Bekennern öffentlich verehren, fein großes Verdienst um unser Geschlecht be: trachten, mich imit ihnen im Glaubent an ihn stärken, zur Befolgung seiner Gebote erwecken, und zur Nachahmung seines Beyspiels ermuntern. Und das foll meine feligste Beschäftigung an dem heus tigen Tage seyn. Ich will den Ort deis ner öffentlichen Verehrung nicht ohne Noth verabfáumen; ich will mich dafelbst vor aller Linachtfainkeit und allen frem den Gedanken hüten; ich will genau auf alles 206 Morgenandacht am Sonntage. alles merken, was mir in deinem Na men gesagt wird; ich will mich hûten an dern anstößig zu werden; ich will mit An dacht für mich und andere beten; ich will zu Hause über das Gehörte nachdenken, und es in einem guten Herzen bewahren; ich will mir es aber auch tief einprägen, daß deine wahre Verehrung in der treuen Erfüllung alles dessen besteht, was Amt, Stand, Lebensart, Beruf und meine Nebenmenschen von mir fordern. Ich will mirs deutlich zu machen suchen, daß alles Kirchengehen dir nicht gefällig ist, wenn ich dadurch nicht aus Liebe zu dir und Jesu edler denken und beffer handeln lerne, und diese Gesinnung will ich in allen meinen Geschäften und in meinem Betragen diese Woche hindurch zeigen. Laß, guter Vater, diesen Vorfatz geseg net seyn. Segne mich und alle deine Vera ehrer mit Licht und Kraft, mit Troft und Hoffnung des ewigen Lebens. Segs ne alle Lehrer der Religion, und laß ibre Vorträge nicht ohne Nutzen seyn, daß Erkenntniß, Weisheit, Glaube, Tu gend, Freude und Glückseligkeit verbreiz tet und reicher Saame auf jenen großen Tag der Erndte ausgestreuet werde. Dein Name Morgenlied. 207 Name werde unter uns geheiliget, dein Geist regiere uns alle, und dein Wille geschehe von allen, wie er im Himmel geschiehet. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sey mit uns allen! Amen. Morgenlied. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du. Dir, Jefu, dir sey dieser Tag geweihet! Ihn feyert gern, wer deines Heils sich freuct. D laß auch mich mit Freuden vor dich treten, dich anzubeten. 2. Dich preist der Lobgesang der Himmelsheere; auch unser Tempel schall von deiner Ehre; auch una fer Dank und unsers Geistes Flehen soll dich erhöhen. 3. Wie freu ich mich die Ståtte zu begrüßen, wo Dürstenden des Lebens Bäche fließen, und wo dein Heil von der Erlösten Zungen froh wird besungen! 4. Vergebens lockt die Welt zu ihren Freuden. Mein Geist soll sich auf Gottes Auen weiden. Sein heilig Wort, das seine Boten lehren, das will ich hören. 5. Mit Andacht laß mich heute vor dich treten. Ich weiß, du liebst, die kindlich zu dir beten. Der Thoren Glück, die sich der Sünde freuen, kann nicht gedeihen. 6. laß auch heute deinen Geist mich lehren, vom Weg, der dir mißfällt, mich abzukehren. Res giere mich, daß meine ganze Seele zum Troft dich wähle. 7. Dein 208 Abendandacht am Sonntage. 7. Dein Tag sey mir ein Denkmal deiner Güte. Er bring' mir Heil, und lenke mein Gemüthe auf jenen Trost, den du der Welt erworben, als du gestorben. 8. Dich ber ich an, du Codesüberwinder! An diesem Tag hast du zum Heil der Sünder, die fern von Gott in Todesschatten saßen, Dein Grab vers laffen. 9. Dein Siegstag ist ein Tag des Heils der Er den. Als Sabbath muß er mir stets heilig werden! Lob sey, Erldser, deinem großen Namen auf ewig. Amen. Abendandacht am Sonntage. Wie könnte ich, Bater und Erbarmer deiner Menschen, den Tag beschließen, den dein Sohn, Jesus Christus, durch seine Auferstehung geheiliget hat, und der von seinen ersten Bekennern zu deiner befon: dern Verehrung bestimmt wurde, ohne dir demüthigen und herzlichen Dank für alle die Wohlthaten zu sagen, die du mir heute erzeiget bast; ohne es noch einmal zu überlegen, wie glucklich ich bin, daß ich dich kenne und verehre. Ja, in deiner Erkenntniß und Verehrung finde ich alles, was mich erleuchten, bessern, bea ruhigen und befeligen kann. In dir finde ich einen Bater, an den ich mich wie ein Kind Abendandacht am Sonntage. 209 Kind halten, und von dem ich stets das Beste erwarten kann. In Jesu finde ich einen Mittler, einen Erretter, einen Hel: fer, einen Herrn, einen Geligmacber, zu dem ich ben jeder Veranderung meines Zustandes meine Zuflucht nehmen, von dem ich alles in dieser und jener Welt hofs fen und erwarten kann. In deinem Geis ste finde ich einen Führer auf dem Wege zum ewigen Leben, der meiner Schwach. heit aufhilft, und mich zu jeder Tugend stärket. An alles das bin ich heute erinnert worden. Möchte ich doch diesen Tag recht nach deinen Absichten gefeyert haben, und dadurch wirklich verständiger und bes ser geworden seyn! Verzeihe mirum Jesu willen, wo ich Unrecht gethan, Pflichten versäumet, oder nur halb vollbracht habe; hilf mir die erkannten Mangel vermeiden, und flöße mir mehr Eifer zu deiner Verehrung, mehr Lust zur Betrachtung deines Wortes und mehr Wachsamkeit über mich selbst ein. Laß die Erkenntniß deines Wortes sich immer mehr verbrei ten, daß Friede und Freude im heiligen Geist, Glaube, Tugend und Glückselig= feit immer allgemeiner werden. Steure dem Aberglauben und Linglauben, der D Sun 210 Abendandacht am Sonntage. Sunde und Lasterhaftigkeit, der Trofilo: sigkeit und Linglückseligkeit, und laß im: mer mehr Menschen in deiner Berehrung die Glückseligkeit genießen, wozu du uns alle erschaffen, erlöset und berufen hast. Von dir erfreuet und gestärket gehe ich nun der Ruhe der Nacht entgegen, und erwarte von deiner Liebe für mich und die Meinigen und für alle Menschen lauter Gutes. Segne alle deine Verehrer, und laß das Gute, das sie heute gehört, reiche Früchte in ihrem Herzen und Leben her: vorbringen. Rüste alle Regenten, alle Lehrer und Freunde des Christenthums mit Weisheit, Muth und Kraft aus. Erleuchte die Unwissenden, bekehre die Sünder, stärke die Schwachen, tröste die Verzagten und Kleinmüthigen. Erbar me dich der Armen und Verlassenen, der Witwen und Waisen, der Eltern und Kinder. Erquicke die Muden, erleichtre allen Kranken ihre Beschwerden, erfreue die Sterbenden mit frohen Aussichten in jenes beßre Leben, und bringe uns alle da hin, wo wir dich beffer erkennen und ver: ehren, und in deiner Erkenntniß und Ber ehrung ganz und vollkommen felig seyn werden durch Jesum Christum, Amen! Abends 211 Abendlied. Mel. Sey Lob und Ehr dem. Auf, Seele! um nun noch einmal des heil gen Tages Segen, den du mit frommer Christen Zahl gefei'rt, zu überlegen! Sein Segen fließt durch diese Zeit, schafft Seelenruh und Seligkeit dem, der ihn treu benußte. 2. Wohl mir, Gott, daß dein guter Geist mich zur Gemeinde führte, wo dich vereinte Andacht preist, sie und dein Wort mich rührte. Mein Herz empfing da Unterricht, Erinn'rung, Warnung, Troft und Licht, Entschlossenheit zur Tugend. 3. Von Weltgeschäften frey, stellt ich mich prue fend vors Gewissen. Erweckt zum Guten, fleht ich dich: Gott, mache mich beslissen, nicht blos beym Wiffen zu beruhn; hilf mir erkannte Pflichten thun, entdeckte Fehler beffern. 4. Und so, voll heiliger Andacht voll, spürt ich ers freut die Gaben an mir, die jeder Fromme soll von deinem Geiste haben; den Frieden Gottes, Seelens ruh, zum Guten Lust und Kraft dazu, Trost, Freudigkeit und Liebe. 5. Da that ich das Versprechen dir, die Gaben treu zu nuten. Ich bat, den Vorfat stets in mir mit Kraft zu unterstügen. Mein Tugendfleiß foll sich erhöhn, nicht bloß beym Guten stille stehn, nein, nach dem Besten streben. 6. So hab ich diesen Tag vollbracht; jetzt leg ich mich zur Ruhe. Verleih, daß ich, was ich bedacht, auch forthin redlich thue. Ja; was dein Wort durch deinen Geist mich glauben, thun und hoffen heißt, laß tåglich mich bedenken. 02 Mors 212 Morgenandacht am Montage. So gehe ich denn, durch die Ruhe des gestrigen Tages und durch den erquicken: den Schlaf dieser Nacht gestärket, mit Freuden wieder an meine Arbeit. Dank sey dir, gütiger Gott und Vater im Him mel, daß du mir Kráfte dazu verliehen, und Gelegenheit verschafft hast, sie zu brau chen. Deine Weisheit und Güte hat den Menschen nicht zur Trägheit und Unthätigkeit, sondern zur Geschäftigkeit be stimmt; so wie alles in der ganzen Natur stets wwirksam ist, und so wie du selbst, unser Schöpfer, Erhalter und Regierer, stets wirkest, so wie auch dein Sohn, Jesus Christus, unser Erlöser, stets zum Be sten der Menschen wirkt. Und das ist denn auch der beste, dir wohlgefälligste Dank, wenn ich die mir wiedergeschenkten Kräf te zur Thätigkeit in meinem Berufe an wende. Wenn ich), mit dem Gedanken an dich, treu und redlich thue, was mir befohlen ist, so bin ich dein wahrer Ver: ehrer, so wird jeder Tag für mich auch großer Gewinn für das ewige Leben seyn, dazu du mich geschaffen hast. Mein er: stes Morgenandacht am Montage. 213 stes Geschäft sey also heute, daran zu denken, daß du mein unermüdeter Wohlthäter seyst, daß alles von deiner Güte herrührt, daß ich ohne deinen Beystand niemals zufrieden und glücklich werden kann, daß deine Gnade das höchste Gut sey, wornach der Mensch streben kann. Ja, ohne sie kann alle Ehre, aller Reichthum, alle Freude der Erde nicht glückselig machen. Alles ist unbeständig, alles flichtig, alles verläßt uns im Tode, nur deine Gnade bleibt; sie kann uns nie entriffsen werden, sie tröstet uns im Leiden, und machet uns ewig glücklich. Damit ich nun diese Gnade nicht verliere, so soll mich heute bey allen meinen Berufsgeschäften der Gedanke begleiten, daß du auf alles mein Denken, Reden und Thun merkest; er soll mich antreiben, stets in kindlicher Furcht vor dir zu wandeln, er soll mich regieren, daß ich Gewiffenhaftigkeit und Treue bey allen meinen Arbeiten beweise. Dann hoffe ich von dir, bester, gütigster Bater, der du mir zu arbeiten befohlen hast, daß du ihren Anfang, Fortgang und ihr Ende durch deine weise Borsehung begunstigen, und sie weder für mich noch für andere ganz unnüß seyn 93 U Messe 214 Morgenlied. seyn laffen werdest. Segne auch alle, die an diesem Tage mit redlichen, dir ergebe: nen Herzen arbeiten werden, und laß ihre Arbeit in Zeit und Ewigkeit reiche Früchte bringen. Mit Vertrauen und Hoffnung gehe ich dem Tage dieser Woche entgegen, ob ich gleich nicht weiß, was mir begegnen kann. Du hast mich in deine väter: liche Vorsorge eingeschloffen; was du mir zuschickst, muß doch für mich das Beste feyn, wenn mir auch zuweilen die Absich: ten deiner Führungen unbegreiflich blei: ben. Sendest du Leiden, so verleihe Ge: duld; lässest du mich Glück und Freude ge nießen, so gieb mir Dankbarkeit und. Demuth. Erhöre mein findliches Flehen, und schenke mir zur Ausführung meiner Entschließungen deines Geistes Beystand um Christi, meines Erlösers, willen. Amen. Morgenlied. Mel. Wer nur den lieben Gott. Ein neuer Tag, ein neues Leben geht mit der neuen Woche an! Gott will mir heut aufs neue geben, was mir sonst Niemand geben kann; denn hått ich seine Gnade nicht, wer gåbe mir sonst Trost und Licht? 2. Ich grüße diesen lieben Morgen, und küsse Gots Abendandacht am Montage. 215 Gottes Vaterhand, die diese Nacht so manche Sorgen in Gnaden von mir abgewandt. Ach Herr! wer bin ich Armer doch? Du sorgft für mich, ich lebe noch. 3. Nun, das erkennet meine Seele, und giebt sich selbst zum Opfer hin; doch weil ich noch in dies fer Höhle mit Noth und Tod umgeben bin, so weich auch heute nicht von mir, denn meine Hülfe steht bey dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche soll nur in Deinem Namen blühn. Ach laß mich nicht am Sündenjoche mit meinem Fleisch und Blute ziehn; gieb deinen Geist, der mich regiert, und nur nach deinem Willen führt. 5. Soll ich mein Brod mit Kummer effen, so laß es doch gesegnet seyn; und was du mir haft zugemess fen, das richte mir zum Besten ein. Jch bitte keinen Ueberfluß, nur, was ich nöthig haben muß. 6. So thue nun, mein Gott, das Deine, und laß mich auch das Meine thun. Behüte beyde, Groß und Kleine, daß sie auf deiner Huld beruhn; und daß ein Jedes diesen Tag mit mir vergnügt beschließen mag. Abend andacht am Montage. Gütiger Gott, wie getroft und zufrieden kann ich mein Tagewerk beschließen, wenn ich es in deinem Namen angefangen babe! Wie wichtig muß mir jede Arbeit D 4. wer: 216 Abendandacht am Montage. werden, wenn ich fie als ein von dir auf: getragenes Werk betrachte! Wie leicht und angenehm muß sie mir werden, sollte sie auch mit noch so viel Beschwerden ver bunden feyn! Ja, wie gesegnet wird sie für meinen Geist seyn, wenn ich auch nicht immer im Irdischen die gehofften Vor: theile davon haben sollte! Denn wenn ich aus Pflicht und Gehorsam gegen dich are beite, dann habe ich dein gnädiges Wohl, gefallen und die gewisse Versicherung dei ner besondern Borsorge für mein Wohl. Dann habe ich hierinnen eine beståndige Lebung im Glauben, in der Liebe zu dir und meinen Nebenmenschen, in der Nach: folge Jesu, in der ganzen christlichen Tu: gend, in der Vorbereitung auf ein ewiges Leben. Denn wer im Geringsten treu ist, den wirst du über viel seßen. forgfältiger wir hier die Geschäfte unsers Berufs ausrichten, desto wichtigere Geschäfte wirst du uns dort auftragen. Je besser wir hier die Kräfte brauchen, die du uns geschenkt hast, desto mehr Kräfte wirst du uns dort verleihen; und je mehr wir in dem Wirkungskreise, darein du uns hier gesetzt hattest, Gutes zu thun bemüht waren, einen desto größern wirst Je du Abendlied. 217 du uns dort anweisen. Wer reichlich fäet, der wird auch reichlich erndten! Wie glücklich wäre ich, wenn ich den heutigen Tag so ganz nach deinem Willen anges wendet hätte! Verzeihe mir alles, wo ich Unrecht gethan habe, um Jesu willen, und gieb, daß ich täglich besser und vollkommner werde; starke mich in der bevorste= henden Nacht zu den Geschäften des mora genden Tages mit neuer Kraft, und laß mich immer Gutes thun und nicht müde werden, damit ich einst erndten möge ohne Aufhören. Alle die Meinen, alles, was mein ist, alle meine Mitmenschen, besonders alle Leidende, empfehle ich deis ner Obhut. Segne und behüte uns alle. Amen Abendlie d. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Herr, es gescheh' dein Wille! Der Körper eilt zur Ruh; es fallen in der Stille die můden Augen zu. Erlaß mir Schuld und Strafe, daß ich, von Sünden rein, zum Tode, wie zum Schlafe, bereitet mdge seyn. 2. La fern von Schreckensbildern und bösen Träumen frey die Seele sich nichts schildern, was ihrer unwerth sey! Laß fern von eitlen Sorgen mich wieder auferstehn, und an die Arbeit morgen mit reuen Kräften gehn. 05 3. Doch, 218 Morgenandacht am Dienstage. 3. Doch, wenn mit festem Schlummer des To des bange Nacht den Freuden sammt dem Kummer ein schnelles Ende macht: so stark mich, wenn das Schrecken der letzten Stunde droht; mein Gott wird mich erwecken; ein Schlaf ist nur mein Tod. 4. Dein Heil hab ich gesehen; im Frieden fahr ich hin, weil ich beym Auferstehen in deinem Reiche bin. Wohl dem, der bis ans Ende sich als ein Christ beweist! Mein Gott, in deine Hånde befehl ich meinen Geist. Morgenandacht am Dinstage. Mit neuen Kräften bin ich jetzt erwacht. Ich sehe mich noch in dem Wirkungs Freise, und in dem Berufe, darein mich deine Weisheit, o Gott, gesetzt hat, ich sehe noch alle das Meine um mich herum. Dafür danke ich dir, lieber himmlischer Bater. Aber dieser neue Tag fordert mich auch auf, die neuen Kräfte, die du mir geschenket hast, in diesem meinem Be rufe so zu brauchen, wie es dein heiliger Wille fordert, um sie zu deiner Ehre und zu meines Náchsten Nußen anzuwens den. Dazu will ich mich denn auch durch das Andenken an Jesum, meinen Herrn und Vorgänger, ermuntern laffen. Sein Wandel auf Erden foll mir zur Nachahmung Morgenandacht am Dienstage. 219 mung dienen. O! wie schwebte ihm immer das große Werk vor Augen, das du ihm aufgetragen hattest! Wie opferte er ihm nicht alle Zeit, alle Kräfte auf; wie überwand er nicht alle Schwierigkeiten, die sich ihm entgegen stellten! Wie fand er nicht sein inniges Vergnügen in der Erfüllung deines Willens! Meine Speise, sprach er, ist die, daß ich thue den Willen deß, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. Ich muß wirken die Werke deß, der mich gesandt hat, weil es Tag ist, weil ich Gelegenheit habe; es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann. Wohlan! so will ich auch denken und handeln, will meis nen Stand und Beruf betrachten als ein Werk, das du mir aufgetragen hast, und will mit aller Treue und allem Fleiße das Meinige thun; will alles Unangenehme und Berdrießliche, das mit meinem Stande verbunden ist, standhaft übers winden; will jeden Tag, jede Stunde, jede Minute aufs beste anwenden; jede Gelegenheit, Gutes zu thun, frob ergreifen, überzeugt, daß ich auf diese Weise deinen Willen thue. Ja, das ist mein ernstlicher Vorsa; dein Geist stärke und unterstüge mich, daß ich ihn ausführe, und 220 Morgenlied. und dann zufrieden sen mit dem Segen, den du mir in meinem Stande darreichst. So werde ich diesen Tag, so werde ich mein ganzes Tagewerk, wenn der Tod mir Feyerabend gebietet, wohl schließen, und froh mit Jefu ausrufen können: Es ist vollbracht. Ich empfehle die Meinen, und alles, was ich habe, deiner väterli: chen Vorsorge und Obhut. Verfüße ei: nem jeden treuen Arbeiter seinen fauern Fleiß; laß die Treue, die jeder in seinem Berufe anwendet, nicht unbelohnt, und die, von Krankheit niedergeworfen, nicht arbeiten können, laß froh auf ihre Ar: beit zurück sehen, und sich dessen freuen, was sie einst thaten. Meine Sorgen und Kümmernisse werfe ich auf dich, du wirst alles wohl machen, wenn ich mich an dich balte und meine Zuversicht auf dich sege. Amen. Morgenlied. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. Angenehme Morgenblicke, die mir Gottes Auge macht, ich gedenke noch zurücke an die nun vergang: ne Nacht, die mit ihren Finsternissen hat der Sons ne weichen müssen, 2. Ach, wie lag ich tief begraben in dem Schlaf, als in dem Tod; jetzt kann ich mich wieder laben, daß 221 Abendandacht am Dienstage. daß ich lebe, macht mein Gott. Ach, Herr über Tod und Leben! sollt' ich nicht dein Lob erheben? 3. Gieb mir heut ein neues Leben, das nicht todt in Lastern sey, laß mich nicht nach Eitlem streben, mache mich vom Dienste frey, der das Joch der Hölle tråget, und der Sünden Dienste heget. 4. Niemand kann zwey'n Herren dieren; ach so gieb mich dir allein! Laß den Tag, der mir erschies nen, einen heil'gen Tag mir seyn, daß ich dir zu Ehren lebe, und des Glaubens Früchte gebe. 5. Dein Herz sen mit meinem Herzen, deine Hand mit meiner Hand. Macht mir deine Ruthe Schmerzen, wird ein Kreuz mir zugesandt: ach! so gieb Geduld im Leiden, nach dem Leiden wieder Freuden. 6. Laß Gedanken, Wort und Werke heilig und gesegnet seyn, und des guten Geistes Stårke mir so Kraft und Trost verleihn. Diesen Führer laß mich führen, diesen Beystand nicht verlieren. 7. Nun, du wirst am besten machen, denn auf dich kommt alles an; drum vollführe meine Sas chen, daß ich klüglich handeln kann. Morgen, Mittag, Abend müssen nichts als lauter Gnade. wissen. Abend andacht am Dienstage. Auch dieser Tag ist vollbracht! Er war ein Geschenk von dir! o Vater der Mens schen, und ich empfing ihn in der Absicht, daß 222 Abendandacht am Dienstage. daß ich an demselben Gutes thun, und nüzlich werden sollte. Habe Dank, lieb: reicher Vater, daß ich ihn zurück gelegt habe; Dank für das Gute, das ich heute empfing, für die Kräfte, die du mir er: halten, für den Segen, den du mir gege: ben, für die Mittel zur Erhaltung meis nes Leibes und meiner Seele, für den Schuß, den du mir haft angedeihen las sen, und für die Abwendung so mancher Gefahr, welche im Verborgenen mir drohte. Möchte ich nur diesen Tag so an: gewendet haben, als ich sollte, und als ich dir heute versprach. Habe ich, wie Jefus, meine Kräfte gebraucht? Habe ich alle Gelegenheit wohl benutzt, welche mir zum Guten dargeboten worden? Er: füllte ich die Pflichten meines Standes, wie Jesus, mit Freuden, aus Liebe und Gehorsam gegen dich? Habe ich alles so gut gemacht, als ich konnte, und nichts unterlassen, was ich håtte thun können? Betrachtete ich diesen Tag als einen sol chen, von dessen Anwendung ich einst Rechnung ablegen muß, und suchte ich bey allen meinen Handlungen ein gutes Gewissen zu bewahren? Vergaß ich nicht vielleicht bey meinen irdischen Geschäften die Abendandacht am Dienstagé. 223 die Sorge für meine unsterbliche Seele? War ich zufrieden mit dem, was du mir reichtest, oder herrschte Neid und Un= zufriedenheit in mir? habe ich auch heute Jedermann ein gutes Beyspiel gegeben, und Niemanden geärgert? Guter Bater im Himmel, ich finde bey dieser Unterfus chung so manches, wo ich mit mir unzufrieden seyn muß; wie vielmehr wirst du mit mir unzufrieden seyn, o Heiliger und Gerechter! Vergieb mir um Jefu willen, wo ich wider dich gefehlt habe. Siehe nicht auf meine Schulden, nicht auf die Unvollkommenheit meiner Tugend. Erwecke mich, künftig sorgfältiger über mich zu wachen, und besonders las mich immer eingedenk seyn, daß ich ohne dich nichts vermag, und bey dir die Kräfte fuchen muß, das Gute aufrichtig zu wollen, und treu zu vollbringen. Stärte mich also tågs lich mehr, jeder Versuchung zur Sünde zu widerstehen, und ein gutes Gewiffen allen irdischen Vortheilen vorzuziehen. Ich lege mich nun, von deinem Schuße bedeckt, vor allem Unfall gesichert, zur Ruhe. Erweckt mich deine Güte aufs neue, so hilf, daß ich meine Zeit wohl ans wende; soll ich nach deinem Willen ster= ben, 224. on Abendlied. ben, so gicb mir um Jesu willen ein se: liges Ende. Vater! in deine Hände be fehle ich meinen Geist, die Meinen und alle Menschen. Erbarme dich unser, und sen uns allen gnádig! Amen. Abendlie d. Mel. Nun ruhet auf den Feldern. Tag mit seinen Liedern entfloh zu seinen Brüs dern ins Meer der Ewigkeit. In himmelblauer Ferne stehn tausend goldne Sterne und preifen Got tes Herrlichkeit. Der Der 2. Bald ladet alle müden der Schlaf zu fanftem Frieden, zur Stärkung und zur Ruh; bald deckt mit ihrem Schleyer die Nacht in heil'ger Fever die Freuden und die Leiden zu. 3. Eh' wir zur Rub uns legen, laß uns für seis nen Segen dem Vater dankbar seyn; der unfre Herzen lenkte, und frohe Hoffnung schenkte, ihm wollen wir ein Loblied weihn. 4. Gott, der uns heut aufs neue, voll Huld und Vatertreue, mehr, als wir baten, gab, du sabst die Noth der Deinen, du sahst die Armuth weinen, und trocknetest die Thrånen ab. 5. Du sprichst uns, wenn wir fehlten, den rech ten Weg nicht wählten, von Schuld und Fehlern los; du willst nicht Menschenfschwächen, als stren ger Richter, råchen; denn du bist im Vergeben groß. 6. Gefundheit nur hienieden, und jedem Herzen Frieden wollst du uns, Herr, verleihn; in dieser Belt Morgenandacht an der Mittwoche, 225 Welt voll Mångel, hier sollen wir nicht Engel, wir follen gute Menschen seyn. 7. Damit wir menschlich handeln, den Weg der Tugend wandeln, erflehn wir deinen Rath. Verföhne unsre Feinde, gieb uns bewährte Freunde, und Sinn für jede gute That. 8. Wir preifen deinen Namen, und sprechen herzlich: Almen! das Tagwerk ist vollbracht. Du, Vater, wirst auch morgen für deine Kinder sorgen; Herr, schenk uns eine gute Nacht! Morgenandacht an der Mittwoche. Erhalter meines Lebens, Regierer meiner Schickfale, Geber alles Guten! Zu dir erhebt sich mein Geist in dieser Mor genstunde mit frohem Danke und findlichem Bertrauen. Ich danke dir für die Ruhe der Nacht, für den erquickenden Schlaf, für die Erhaltung meines Lebens und für die Stärke meiner Kräfte. Alles kommt von dir, ist ein Geschenk deiner unermeßlichen Güte, ist Beweis, daß du mich liebst, für mich sorgest, und nie aufhörest mein Bestes zu befördern. Dieser Gedanke erfüllt mich mit Hoff nung und Zuverficht auf den heutigen Tag. Du wirst auch heute mit mir seyn, wirst mich gnadig erhalten, weise regieren, P mach: 226 Morgenandacht an der Mittwoche. mächtig beschützen und mich reichlich fegnen durch Chriftum. Ich weiß nicht, was mir gut ist, und was ich im Irdischen von dir erbitten soll; du allein weißt am besten, was mir von den Gütern dieser Welt nüt lich und heilsam ist; deiner Weisheit über laß ich mich mit kindlicher Zuversicht. Aber um geistlichen und himmlischen Segen, um Weisheit und Verstand, um Stärke im Glauben und in der Tugend, um Kraft, deinen Willen zu thun, und mich in allen Dingen zu beweisen als einen Dies ner Jesu Christi, um deine Gnade, um ein gutes Gewiffen, um den Trost der Vergebung der Sünden, um die Hoffe nung des ewigen Lebens, darum bitte ich dich, und das, gütiger Vater, wirst du mir nicht versagen. Ich weiß nicht, was mir heute begegnen wird; aber das weiß ich: Es kann mir nichts geschehen, als was du hast ersehen, und was mir selig ist. Darum überlaffe ich mich und alle meine Schicksale deiner Führung; dein Wille soll mein Wille seyn; den Weg, den du mich gehen heißest, will ich getrost gehen; den Zustand, in welchen du mich setest, will ich stets als den besten vereh: ren; das zu thun, und mit willigem Her zen Morgenlied. 227 zen zu thun, was du befiehlst, und das zu leiden, was du mir auflegst: das soll der Ruhm seyn, nach welchem ich strebe. Willst du, daß ich länger leben soll, so laß mich immer weiter im Guten fortgehen, nie verdrossen werden, treu seyn in meinem Berufe und Gutes thun, so lange ich noch Zeit habe. Willst du, daß ich meinen Lauf bald vollende, so hilf mir denselben vollenden, daß ich meines Ziels nicht verfehle, und laß mich den treuen Knechten gleich fenn, die der Herr stets mit seinem Dienst beschäftiget, und zur Ablegung der Rechenschaft bereit findet. Kommt dann die letzte Stunde meines Lebens, so stärke mich mit deiner Kraft, und nimm mich auf in dein himmlisches Reich. Erhöre mich, und sey mir und den Meinen gnás dig um Jesu Christi, meines Herrn und Heilandes willen. Amen. Morgenlied. Mel. Aus meines Herzens Grunde. Du Ausgang aus der Höhe, du Glanz der Herrs lichkeit, durch deine Gnade gehe ich aus der Dunkelheir, den hellen Tag zu sehn; ach! laffe seine Strahlen mir recht vor Augen malen, wie wohl mir ist geschehn. 2. Jch lag in sanftem Schlummer, in der verP2 gang: 228 Abendandacht an der Mittwoche. gangnen Nacht, und dacht an keinen Kummer, der Andre traurig macht. Da mich das Licht anblickt, fo leb' ich gleichfalls wieder, und habe meine Glies der mit neuer Kraft erquickt. 3. Nun, Herr! von deinem Sorgen kommt al les Wohlergehn. Der Abend und der Morgen muß deinen Ruhm erhöhn. Ach halte ferner an, daß im Berufsgeschäfte der neuen Lebenskräfte ich wohl genießen kann. 4. Erfüll mit deiner Gnade mein Herze früh und spar, daß mir kein Uebel schade; gieb bendes Rath und That. Erhalt in Lieb und Leid ein ruhiges Ge wissen. Soll ich mein Leben schließen; mach mich dazu bereit. Abendandacht an der Mittwoche. Liebreicher Gott, barmherziger Vater! Mit herzlicher Dankbarkeit und Freude über alle Wohlthaten, die du mir auch heute an Leib und Seele erwiesen hast, beschließe ich nun diesen Tag. Ob ich an demselben so gelebt und gewandelt habe, wie ich gefollt håtte; ob ich mich durch Deine Wohlthaten zur Liebe gegen dich bewegen ließ, und diese durch Liebe und Gütigkeit gegen meine Nebenmenschen an den Eag legte: das ist dir, Allwiffender, genau bekannt. Ob ich mit meinen Ne ben: Abendandacht an der Mittwoche. 229 benmenschen ehrlich und aufrichtig, oder falsch und heuchlerisch umgegangen bin; ob ich gerecht und billig gehandelt habe; ob ich friedfertig und gefällig; ob ich nach: sichtsvoll bey den Fehlern Anderer gewes sen bin; ob ich mich, nach meinen Kräf ten, des Bekümmerten und Dürftigen erbarmet: das alles weißt du, der du Hers zen und Nieren prüfest. Ob meine Reden und Handlungen Jemand verführt und zum Bösen gereizt haben, das alles hast du gesehen. Möchte mich doch niemand anklagen, daß er von mir etwas unchristliches gesehen und gehöret, daß ich ihn gekränkt, seine Erdenlast schwerer gemacht, oder sie ihm nicht, wie ich wohl gekonnt, erleichtert habe. Vergieb mir, guter Bas ter im Himmel, wo ich heute mit Vorsatz oder aus Schwachheit und Lebereilung gefehlet habe. Hilf mir künftig vorsichti ger und rechtschaffener vor dir und allen Menschen wandeln, und alles ablegen, was nicht mit dem übereinstimmt, was mich Jesus gelehrt hat; damit ich das große Glück eines guten Gewissens und die Versicherung deiner Gnade nicht verliere. Laß mich stets recht lebhaft erkennen, daß ich nur dann mein wahres Wohlergehn in P3 Zeit 230 Abendlied.c Zeit und Ewigkeit befördere, wenn ich ge gen alle Menschen gerecht und billig, auf richtig und redlich, dienstfertig, friedlich, versöhnlich, barmherzig und wohlthätig bin; wenn ich allen so begegne, wie ich wünsche, daß man mir begegnen soll. Laß mich das erhabene Muster Jefu immer vor Augen haben; und wird es mir schwer in seiner Nachfolge, so erinnere mich an den großen Lohn, der Jesu Nachfolgern dort zu Theil wird. Ich befehle meinen Leib und meine Seele deinem allmächtis gen Schuße. Alles, was ich habe, alle bekannte und unbekannte Senschen beschirme mit deiner Allmacht. Erbarme dich aller, welche Kummer und Krankheit niederdrückt, nimm dich aller Sterbenden an, und sey uns allen mit deinem Beystande gegenwärtig um Christi willen. Amen. Abendlied. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. Wer unter deinem Schirme ruht, o Gott, von dir bewacht, der trott mit unerschrocknem Muth dem Grauen dunkler Nacht. 2. Umringt von stiller Finsterniß, sing ich dir, Herr, ein Lied. Mein Herz frohlockt, und ist ge wiß, daß mich dein Auge sieht. 3. Der Tag ist schnell dahin geeilt, und deine Ba Morgenandacht am Donnerstage. 231 Baterhand hat mir viel Gutes zugetheilt, viel Bo fes abgewandt. 4. Auch in der Noth, und wenn ich litt, nahmst du dich meiner an; und so ist nun ein neuer Schritt zur Ewigkeit gethan. 5. Gott! wie ist deiner Huld so viel! du machst Die Prüfung leicht. Die Tage fliehn; bald ist mein Ziel der Pilgerschaft erreicht. 6. Doch dir befehl ich meine Zeit; so lang' es dir gefällt, o Vater der Barmherzigkeit, leb ich in dieser Welt. 7. Ich trau auf dich, und zittre nicht, kein Unfall wird sich nahn; denn du bist meine Zuversicht von meiner Jugend an. 8. Mit Finsterniß umringt, schließ ich die Augen betend zu; doch du, mein Vater, bist um mich, und segnest meine Ruh. Morgenandacht am Donnerstage. Daß du, Allgegenwärtiger, mir allenthalben nahe bist, mich überall siehest und kenneft, ist für mich höchst tröstlich und erfreulich; aber auch die schönste Ermunterung, alles Böse zu meiden, und mit aller Treue und Redlichkeit das zu thun, was ich als Mensch und Christ, was ich in meinem Stande und Berufe thun soll. Auch diese Nacht warst du bey mir! Was wäre ich, wenn du nicht um mich gewesen, wenn P4 du 232 Morgenandacht am Donnerstage. du mich nicht mit deinem allmächtigen Schuße bedeckt hättest! Daß ich noch lebe und gesund bin, daß ich mich der Meinigen und alles dessen, was du mir sonst anvertrauet hast, noch freuen kann, daß kein Linfall mich getroffen hat, das danke ich deiner schüßenden Gegenwart. Ja, ich preise dich, und lobsinge deinem heiligen Namen, denn du hast mich mit deinem Schilde bedeckt; und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht und Hülfe gefunden. Der Gedanke an deine Allgegenwart und Allwissenheit sey aber auch heute mein Begleiter, mein Führer, mein Trost und meine Freude. Du erforschest mich und kennest mich; ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von ferne; ich gehe oder liege, so bist du um mich, und sichest alle meine Wege, meine Unternehmungen und Handlungen. Wohlan, so will ich heute so wandeln, daß ich mich nicht vor deiner Gegenwart fürchten darf; und wo ich Ge legenheit habe, Böses zu thun, wo solches vor der Welt verborgen bleiben könnte, will ich mich doch erinnern, daß du bey mir bist. Im Umgange mit meinen Nebenmenschen will ich mich der Ehrlichkeit und Morgenandacht am Donnerstage. 233 und Treue befleißigen, sie nie bevortheilen oder betrügen, denn du, Allwissender, fiehest ins BVerborgene. Ich will mich vor al len unnüten und fündlichen Reden hüten, will kampfen wider meine Lüste und Begierden, und immer nur das denken, was dir gefällig ist, denn du kennest meine Ges danken. Immer will ich vor dir wandeln und fromm seyn, und in meinem Berufe alle Treue anwenden, denn du siehest und beobachtest mich; auch kann ich gewiß seyn, daß, wenn ich redlich handle, du mich mit Wohlgefallen beobachtest, und meine Arbeit nicht ohne Segen lasfen wirst. Auch wenn ich heute auf meinen Berufswegen in Gefahr kommen sollte, so tröstet mich Deine Berheißung: Furchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Und ich fage getrost: Ob ich schon wandere im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bey mir, dein Stecken und Stab troften mich. Du ken= neft, Allwissender, alle meine Wünsche, und meine Seufzer sind dir nicht verborgen; du kennest meine heimlichen Anliegen, den Kummer, der mich naget, die Noth, die mich drückt. Wohlan, ich will mich mit meinen Wünschen an dich wenden; P5 234 Morgenlied. den; du bist ja nahe allen, die dich anrufen, allen, die dich mit Ernst anrufen; du wirst mich gewiß, wenn du mich eine Zeitlang geübet hast, aus der Unruhe her: ausreißen, und mir alles gewähren, wo von du weißt, daßß es mir wirklich gut ist. Unter deiner Aufficht gehe ich der Arbeit entgegen. Verlaß mich und die Meinen heute nicht, und sey mit allen, welche deine Hülfe bedürfen, daß wir uns alle beym Schlufse des Tages freuen können, daß du mit uns gewesen bist, und deine Gute uns beschützet hat, Amen. Morgenlied. Mel. Gott des Himmels und der. Gott, du wohnst in einem Lichte, dahin Niemand kommen kann; doch dein helles Angesichte schaut uns alle Morgen an, daß uns ein solch Licht umfaßt, welches du geschaffen hast. 2. Da der Vorhang aufgezogen, den die Nacht um uns gehüllt, und die Träume hingeflogen, die mit Schrecken angefüllt, sehen wir mit Freuden an, was du, Hherr, an uns gethan. 3. Deinen Schild, der uns bedecket, falben wir mit Dankbarkeit. Deine Hand, die uns gewecket, küffen wir, und sind erfreut, daß du noch an uns gedenkst, und ein neues Leben schenkſt. 4. Unser wäre långst vergessen, unser Bette längst ein Grab; doch du wachtest unterdessen, bis der Schlaf Abendandacht am Donnerstage. 235 Schlaf sich wegbegab; und so ist, als stünden wir neugeboren hier vor dir. 5. O du hochgepriesner Schöpfer, laß nicht deis ner Hände Werk. Wir sind Thon, du bist der Töpfer; wir voll Schwachheit, du voll Stark. Hast du uns ans Licht gebracht, schütz' uns auch durch deine Macht. 6. Schreib du das, was wir verrichten, in das große Segensbuch. Unser Reden, Thun und Dich ten sen vor dir ein Wohlgeruch, daß die angewandte Müh viel Gedeihen nach sich zieh. 7. Lock uns stets mit deinem Himmel, schreck uns mit der Hölle ab; zeig uns bey dem Weltgetümmel, was zuletzt noch folgt, das Grab, daß man an das Ende denkt, und das Herz auf Klugheit lenkt. 8. Folgt der Tod uns auf dem Fuße; ach! so scharf uns täglich ein, wie man immer in der Buße seiner muß gewärtig seyn, daß uns auch auf diesen Tag kein Unglück begegnen mag. Abend and acht am Donnerstage. Barmherziger Gott, du Herr meines Lebens, ich komme beym Schluffe dieses Tages wieder mit Gebet vor dich, den du mir bis hieher geholfen, und auch heute fo viele Wohlthaten erwiesen hast. Du hast mich vor so vielem und manchem Unglück bewahret, daß mich hätte treffen können, und wohl manchen meiner Mitmen: 236 Abendandacht am Donnerstage. menschen getroffen hat. Du hast mir meine Gesundheit und Kräfte erhalten, mir Muth und Freudigkeit zu meinen Berufs: pflichten gegeben, meine Geschäfte gedeiHen lassen, und alle Umstånde so gelenkt, daß sie mir zum Nußen gereichten. Und vielleicht hast du auch heute den Grund zu manchem Guten gelegt, das ich erst künfe tig sehen und genießen soll. Jede Freude und Erquickung, die ich heute genoffen habe, hast du mir geschenkt. Auch die füße Ruhe des Schlafes, der ich mich über: laffen will, ist deine Wohlthat und deine Einrichtung. Herr, überall sehe ich Be: weise deiner liebreichen Borsorge, und habe es Ursache mich zu freuen und dir zu danken, daß du allen Menschen und auch mir so viel Gutes erweisest. Ja, mein Gott, ich will dir danken, und deinem Namen lobsingen, der du so gnädig bist. Hätte ich nur auch den ganzen Tag so angewendet, daß ich mit ruhigem Herzen und gus tem Gewisfen vor dir erscheinen könnte! Du weißt, o Gott, wo ich gefehlt habe. Laß mich nur auch mein Unrecht erkennen, und es herzlich bereuen. Vergieb um Jesu willen mir alle, auch die verbor: genen Fehler. Hilf aber auch, daß die Empfins Abendandacht am Donnerstage. 237 pfindung meiner Schuld mir ein desto stárkerer Antrieb zur Behutsamkeit in meinem Verhalten und zum größern Eis fer in meiner Besserung sey, und laß mir den guten Borsatz, immer beffer zu werden, durch den Beystand deines heiligen Gei: ftes gelingen. Dent wer weiß, wie viel Zeit mir noch zum Wachsthum im Guten übrig seyn mag! Laß mich dieses ernstlich bedenken, damit ich auf die unbekannte Stunde meiner Rechenschaft bereit seyn möge. Erinnere mich, wie leicht jeder Tag für mich der letzte seyn könne, damit ich die Sorge für meine Seele nie aufschiebe, sondern, weil es noch Zeit ist, allen Fleiß daran wende. Im Bertrauen auf deine Barmherzigkeit und Gute begebe ich mich zur Ruhe. Du, Allmächtiger, wachest über mir und nimmst mich in deine Aufsicht und in deinen Schuß. Ja, das hoffe ich von dir. Wende Gefahr, Schrecken und Unglücksfälle von mir und den Meinen, von diesem Orte und von allen Menschen ab. Laß mich durch einen fanften Schlaf erquickt werden, und dann morgen mit neuem Danke gegen dich, mit neuen Entschließungen zur christlichen Rechtschaffenheit und mit neuer Willigkeit und 238 Abendlied. und Kraft zu meiner pflichtmäßigen Arbeit erwachen. Deine Gnade sey mit uns um Chrifti willen. Amen. Abendlied. Mel. Nun sich der Tag geendet. Schnell, wie ein Strom entflieht die Zeit; ein Tag ist wieder hin! Wohl mir, wenn auf die Ewigkeit ich mehr bereitet bin! 2. du, mein Geist, erforsche dich im Stillen noch vor Gott! Lebt ich unsträflich, fromm; hab ich gethan, was er gebot? 3. Hab ich vom Bösen mich entfernt; die Tus gend stets geliebt? Was hab ich Gutes heut ges lernt? Was Gutes ausgeübt? 4. Folgt ich dem Rath, den man mir gab, und floh ich die Gefahr? Bat ich voll Neu den Fehler ab, wenn er begangen war? 5. Kann mein Gewissen ruhig seyn? Wo war ich, war ich todt? Könnt' ich mich meines Daseyns freun? Mich freun in meinem Gott? 6. Wer fromm gelebt, und jede Pflicht mit Treu und Luft vollbracht, der scheut die schärfste Prüfung nicht, der fürchtet feine Nacht. Morgenandacht am Freytage. Heilig fey mir der Tag, du mein und aller Menschen Erlöser, an dem du dich für mich und Alle dahin gabst! Wie könnte ich Morgenandacht am Freytage. 239 ich diesen deinen Todestag beffer heiligen, als wenn ich recht darüber nachdenke, wie viel es dich gekostet hat, daß ich erlöset bin! Ach, ich danke dir, mein Heiland, für alle deine Leiden, für deine Schmach, für deinen Kreuzestod, wodurch du auch mich erlöset, und mir die gewiffe Hoffnung zur Vergebung meiner Sünden und zu einer ewigen Glückseligkeit erwora ben haft. Wie troslos, wie elend würde ich ohne diese Hoffnung seyn! Ja, du bist die Versöhnung für meine und der ganz zen Welt Sünde, du hast dich selbst für mich gegeben, und dein Blut für mich vers goffen, du bist eingegangen in das Heilige durch dein Blut, und hast uns allen eine ewige Erlösung erfunden! Dieß sind die ausdrücklichen Erklärungen deines Wortes, an diese will ich mich halten; darauf will ich leben und sterben, und nichts foll mir den Trost deines Versöhnungstodes rauben! Wenn ich reuevoll die Größe meiner Verschuldungen fühle; und ohne diesem Trost in meinem Elende verzagen müßte; so schaue ich glaubensvoll auf deinen Versöhnungstod, und sage: Wer will verdammnen? Christus ist hier, der ge= storben ist. Bewahre mich aber auch vor dem 240 Morgenandacht am Freytage. dem gefährlichen Gedanken, daß ich mich deiner Erldsung getröften könnte, wenn ich noch immer in Sünden fortfahren, und nicht aus Liebe und Dankbarkeit gegen dich den ernstlichen Vorsatz fassen wollte, deinem Beyspiele ähnlich zu werden. Ach ja, mein Heiland, wie könnte ich noch der Sünde dienen, da dir meine Versöhnung so sauer geworden ist? Wie sollte ich noch den Lüften fröhnen, da du mich erkauft hast, daß ich dir lebe, und dir diene in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heilige feit? Wie könnte ich mit dir vereiniget zu werden hoffen, und meine Seligkeit durch dich erwarten, wenn ich dir in dei: nem Sinne und Wandel undhnlich wåre? Bon nun an soll dieß mein tägliches Be streben seyn. Ich bekenne es mit Wehmuth meines Herzens, daß mir noch viel fehlet. Ich muß noch immer wachsen an Erkenntniß und Tugend. Noch immer berrschen Leidenschaften und Begierden in mir, die ich bekämpfen muß; noch immer ist meine Liebe zu Gott nicht so innig, als sie seyn sollte; noch fehlt es mir an der Geduld und Gelassenheit, an der Zufriedenheit und Unterwerfung un ter den Willen deines Vaters, welche dein Morgenlied. 241 dein göttliches Leben schmuckte; noch im mer bin ich nicht so dienftfertig, versöhnlich, fanftmüthig, barmherzig und aufrich tig, als ich seyn muß, wenn ich dir ähnlich seyn will. Dieß bekenne ich mit Reue und Wehmuth! Aber es ist mein ernstlis cher Vorsag, deinen Tod durch Besserung des Lebens zu preisen. Auch heute will ich über mich selbst wachen, daß ich in meinen guten Vorsätzen nicht gehindert werde; ich will aus allen Kräften streben, allen meinen Pflichten treu zu seyn. Hilf du mir selbst dazu, du treuer Versöhner, und lenke meine Lebensumstände so, daß ich oft durch deinen Geist daran erinnert werde. Schenke auch allen Christen Trost aus deinem Tode; aber auch das Wollen und Vollbringen, immer mehr deinem Sinne und Verhalten nachzustres ben. Dir, der für uns sich opferte, sen und Preis und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Morgenlied. Mel. Lobt Gett, hr Christen. O Morgen, schöner Morgen sen auch uns, auch uns gegrüßt; Preis unserm Gott, durch dessen Treu du uns erschienen bist. 2. Wir flehn dich, Herr, um Frömmigkeit und ach 242 Abendandacht am Freytage. echten Tugendsinn; dieß nur giebt uns Zufriedenheit, führt uns zu dir einst hin. 3. Wir flehen zum Beruf um Kraft, um neuen Fleiß dich an; treu, redlich und gewissenhaft sey, was wir thun, gethan. 4. Wir flehn um sanften Brudersinn, um Lieb' in unser Herz. Des Bruders Glück sey uns Ges winn, fein Schmerz sey unfer Schmerz. 5. Wie Jesus Christus, laß uns, Herr, vor dir gefinnet feyu; so gehn wir einst, Beseliger, zu deis nen Freuden ein. 6. Dann, wenn nicht Grab mehr ist, und Tod, dann laß beym Auferstehn des ew'gen Tages Morgenroth uns auch so freundlich sehn! Abendandacht am Freytage. Nach überstandenem Leiden kamst du, mein Heiland, zur Ruhe, und nach voll: brachter Arbeit zum Lohne der Seligen; Gott, dein Vater, hat für deine Verdienste um die Menschheit dich gekrönet mit Preis und Ehre, und weil deine Seele gearbeitet hatte, folltest du an den Früchten deiner Arbeit in Ewigkeit deine Luft sehen. So war für dich der Tod ein Eingang zur Ruhe, ein Llebergang zum Lohne und zur Seligkeit; ein Schlaf auf kurze Stunden; denn du bist aufers stan: Abendandacht ani Freytage. 243 standen von den Todten, und lebeft nun ewig ben Gott. Und so hat durch deinen Tod auch der meinige cine ganz andere Gestalt gewonnen. Durch deinen Tod er: löset von der Strafe der Sünde, fürchte ich im Tode kein Unglück, hoffe nichts als Gutes, hoffe Gnade und Vergebung wes gen des Vergangnen, erwarte durch dich den Gnadenlohn des Himmels. Gericht und Ewigkeit schrecken den nicht, der dich kennt, an dich glaubt, und seine Zuflucht zu dir nimmt. Du wirst, wenn alle menschliche Hülfe mich verläßt, mich mit deiner Hülfe im Tode nicht verlaffen; wirst, da du selbst den Kampf des Todes gekampft hast, auch meinen Kampf era leichtern, und durchs finstere Thal des Todes hinüber führen zur Freude und Seligkeit, die kein Ende hat. Welche frohe Aussicht! Getrost kann ich nun die Welt verlassen, denn durch dich, mein Heiland, weiß ich, wohin ich gehe. Du bist hinges gangen, und willst deine Bekenner zu dir nehmen, auf daß sie sind, wo du bist. Getroft kann ich nun meinen Leib dein kühlen Schooß ber Erde auvertrauen, denn wie fanft wird sichs nach der Mühe des Lebens ruhen, und wie froh kann ich dem Q2 Mor= 244 Abendlied. Morgen der Auferstehung entgegen sehen. Du bist gestorben, aber auch auferstanden von den Todten, und sprichst: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Doch nur dann kann ich ruhig im Tode entschlafen, wenn ich, wie du, gearbeitet, wie du auf Erden gewandelt, wie du meine Zeit wohl ange: wendet, zum Beften der Menschen gelebt, und täglich immer besser zu werden mich bestrebt habe. Im Vertrauen auf dich und deine Lehre, im Vertrauen auf deine Verheißungen und dein Verdienst schlafe ich einst ruhig ein, und erwarte von dir den Gnadenlohn der Ewigkeit. Auch jego hoffe ich um deines Todes willen Verge: bung, wo ich heute wider deine heiligen Gebote gefündiget habe, hoffe Schuß und Beystand auch in dieser Nacht für mich und alle die Meinen, hoffe ein frohes Erwachen für den morgenden Tag. Wenn aber auch in dieser Nacht mein Auge sterbend brechen sollte: so werde auch mir mein Tod, wie der deinige, ein fanfter Schlaf, und mein Grab mein Schlafges mach um deines Todes willen. Amen. Abendlied. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. Auf, o Seele; sey noch munter! Gottes Lob ist Deine Abendlied. 245 Deine Pflicht! Seine Sonne geht zwar unter, aber feine Gute nicht. Heut auch hat sie mich genährt, heut auch Freud und Trost gewährt; vor Ge fahren mich beschüßet, meine Schwachheit un terstützet. 2. Angebetet, hoch gepriesen, fen mein treuer Gott von mir; was du Gutes mir erwiesen, dankt mein ganzes Leben dir. Du hast, war ich's schon nicht werth, dennoch mein Gebet erhört, das ich heut, als ich erwachte, dir in Jesu gläubig brachte. 3. Gott, da ich voll Dank erzähle, wie so groß dein Wohlthun war; stellen sich auch meiner Seele die begangnen Sünder dar. Ihre Zahl ist gar nicht flein. Denn nicht Wort und Werk als lein: nein, Gedanken und Geberden können mir zur Sünde werden. 4. Doch von ernster Reu' durchdrungen, wag' ich's, Gott, mich dir zu nahn. Sieh nicht die Bes leidigungen, sieh den Tod des Mittlers an. Sprich mich frey von Straf und Schuld; schenk mir wies der deine Huld! laß Vergebung aller Sünden mich durch meinen Mittler finden. 5. Gieb nun bis zum frühen Morgen meinem Leibe fanfte Ruh. Durch dich schlaf ich ohne Sorgen. Wenn ich schlafe, wachst ja du, Seel und Leib befehl ich dir. Walt allmächtig über mir. Sen auch du der Gott der Meinen, zähl' sie alle zu den Deinen. 6. Ach, laß uns kein banges Schrecken, Räuber nicht, nicht Feuersgluth, plöglich aus dem Schlafe wecken. Halt uns fest in deiner Hut. Hilf, wenn Krankheit oder Tod uns im sichern Schlafe droht; Q.3 schickst 246 Morgenandacht am Sonnabend. schickst du aber schnelles Sterben, so gescheh's nicht zum Verderben. 7. Höre, Vater! ach erhöre, was dein Kind von dir begehrt. O Sohn Gottes! dir zur Ehre werd' es mir durch dich gewährt. Heil'ger Geist! laß mit Bertraun auf des Mittlers Tod mich baun. Hor', Dreyeiniger, mit Flehen. Amen, ja, es wird geschehen. Morgenandacht am Sonnabend. Gütiger Bater, ich erscheine in dieser Morgenstunde mit einem dankbaren Ge: müthe vor dir, und preise dich, daß du mich die vergangene Nacht so liebreich bes schützer und vor allem Ulebel bewahret hast. Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkeft, und das Menschenkind, daß du dich sein annimmst? Deine Güte reichet, so weit der Himmel ist; und deine Wahr: heit, so weit die Wolken gehen. Was würde ich jetzt seyn, wenn du mich nicht von meiner Kindheit an sováterlich beschüs Bet hättest? Wie vielen Gefährlichkeiten bin ich in der Welt ausgesetzt, welchen ich långst hätte unterliegen müssen, wo du mich nicht so machtig bewahret hätteft? Du haft mein Leben våterlich erhal ten, Morgenandacht am Sonnabend. 247 ten, mir bis jetzt Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften geschenkt, und mich von so mancher Noth befreyet, aus welcher mich kein Mensch retten konnte. Ach! sey gepriesen für diesen machtigen Schuß! Oft war ich in Gefahr, in grobe Sünden und Laster zu gerathen; aber du hast mich mit Kraft gestärkt, die Reizungen zum Bösen zu überwinden. Viele Sünden würde ich vielleicht ohne Scheu begangen haben, wenn ich so viele Gelegenheit als Andere dazu gehabt, oder wenn mich nicht deine Vorsehung in folche Umstände gesetzt hätte, daß ich davor wäre bewahret wor den. Für diese und so viele andere Wohl thaten, die ich nicht záhlen kann, sage ich dir kindlichen, demüthigen Dank, und spreche fröhlich: Herr, du bist meine 3uversicht von meiner Jugend an. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Guade und Barmherzigkeit. Deinem Q4 mach: Morgenlied. mächtigen Schuße empfehle ich mich nun ferner mit allem, was ich habe. Stehe ferner mir und den Meinen bey, und, wenn du sonst nicht aus weisen Ursachen ein anderes beschlossen hast, so bewahre und beschüße uns, daß uns kein Ulebel begegne, und keine Plage sich zu uns nahe. Hat aber dein weiser Wille etwas anderes beschloffen, soll uns manches Widrige begegnen, nun so bleibe uns nur der Trost eines guten Gewissens und die Versicherung deiner väterlichen Liebe. Schenke mir auch heute Kraft und Gelegenheit, in meinem Berufe recht viel Gutes zu wirken; bewahre mich, daß ich mich nie vor fäßlich und verwegen in Gefahr stürze; laß mich aber auch nicht zagen, wenn ich für meine Pflicht etwas wagen soll, und segne den Schweiß meines Angesichts zu meinem und der Meinen Besten und zum Nugen meines Nachsten, daß ich am Schlußfe dieses Tages mit Zufriedenheit auf diesen und auf alle Tage in der Woche zurücksehen möge. Amen! 248 Morgenlied. Mel. Wer nur den lieben Gott låst. Noch wall' ich Pilger dieser Erden, und Tausende bedeckt das Grab! Auch ich muß Staub, wie sie, einst Abendandacht am Sonnabend. 249 einst werden; bald leg' ich diese Hülle ab. Vielleicht ist dieser Tag nur mein, und ach! ich sollte ihn entweihn? 2. Nein, Pflicht ists, gan; ihn auszukaufen für mich, den letzten Wochentag; den Weg zur Heili gung zu laufen, ihm, meinem großen Führer, nach, der vormals felbft durch Wort und That den Weg mir vorgezeichnet hat. 3. Gesegnet sey mir dieser Morgen, der noch zu meinem Heil begann! Ich will für meine Seele for gen, weil ich noch heute sorgen kann. Vielleicht eh' noch der Tag vollbracht, umschattet mich des To des Nacht. 4. Wohl mir, wenn ich am letzten Tage, wenn sich mein Pilgerlauf beschließt, nicht rroftlos mit den Thoren flage, daß er umsonst verschwendet ist! Wohl mir, wenn in der Ewigkeit mein Herz sich dieses Morgens freut! 5. Ach! ihr, die ihr auf einem Wege mit mir durch dieses Leben eilt, flieht heute noch des Lafters Stege, wo euer Fuß so gern verweilt; und kehrt zu eurer Seele Glück, zum schmalen Tugendpfad zurück. Abendandacht am Sonnabend. Auch diese Woche ist wieder dahin, o du ewiger und unveränderlicher Gott! Ich habe darinnen unzählige Wohlthaten aus deinen Hånden empfangen, das erkenne ich mit dem demüthigsten Danke vor dir. Q5 Aber 250 Abendandacht am Sonnabend. Aber ich habe auch einen neuen Beweis von der Flüchtigkeit meines Lebens erhaten; ich bin älter geworden und dem Tode und der Ewigkeit náher gekommen. Ich weiß auch nicht, wie nahe oder fern mein Ziel noch ist, und ob ich noch viel Zeit vor mir haben werde, mich auf das künftige Leben vorzubereiten. Nur das sagt mir dein Wort deutlich genug, daß ich von der Anwendung meines irdischen Lebens vor dir Rechenschaft ablegen muß, und daß jeder Mensch einmal erndten wird, je nachdem er hier gut oder schlecht gehandelt hat. Billig bedenke ich dieß auch an diesem Abend, o Gott; billig prüfe ich mich aufs neue vor dir, wie ich bisher gelebt habe, ob ich als dein gehorsames Kind dein Wort immer vor Augen gehabt, mich vor Simden gehütet, und dagegen mich ernstlich bestrebt habe, als ein Christ in den Fußstapfen meines Erlösers einher zu gehen, und von ihm zu lernen gerecht und gottselig zu leben. Denn es ist ja dein Wille, daß ich mit je dem Tage weifer und frömmer, auch immer fertiger und fleißiger in guten Werken werden soll. Ich soll dich mit meinem Geiste und mit meinem Leibe preifen, und alle Abendandacht am Sonnabend. 251 alle meine Kräfte und jeden Tag meines Lebens nach deinem Willen anwenden. Das ist mein Beruf, das ist der Dank, den ich dir für deine große Güte schuldig bin. Ach Gott, wie muß ich mich vor dir demüthigen, wenn ich dieß alles sorgfäl tig erwage! Wie viel habe ich noch versäumt, was ich hätte thun können! Wie oft habe ich mich an dir verfündigt, bald aus Unwissenheit und Leichtsinn, bald auch mit mehrerer Leberlegung! Wie oft habe ich mich von meinen unordentlichen Begierden hinreißen lassen! Wehmüthig bekenne ich es vor dir, daß manche Stunden und Tage meines Lebens so gut als verloren sind, und daß ich nicht bestehen kann, wenn du deßwegen mit mir ins Gericht gehen willst. Aber du bist ein barmherziger Gott, der nicht den Tod des Sünders will; sondern daß er sich bekchre und lebe. Du verheißest durch Chris stum deine Gnade allen denen, die ihr Unrecht erkennen und an ihrer Besserung ernstlich arbeiten. Auch jetzt komme ich zu dir und flehe: Gedenke nicht, o Gott, meiner vorigen Llebertretungen, meines Leichtsinns, meiner Trägheit und Un treue; gedenke auch dessen insonderheit nicht, 252 Abendandacht am Sonnabend. nicht, was ich in dieser zurückgelegten Woche strafbares begangen habe. Ja, mein Vater, es ist auch an diesem Abend mein überlegter Vorsatz, mich immer mehr zu beffern, und jeden Tag so anzu wenden, daß ich die seligen Früchte davon in der Ewigkeit wieder finden kann. Verleihe mir hierzu deines Geistes Beystand, und stärke mich bey den vielen Versuchun: gen, denen ich in der Welt ausgesetzt bin. Erinnere mich oft an die Flüchtigkeit meis ner Tage. Lehre mich bedenken, daß ich sterben, und alles Irdische verlaffen muß, und erwecke mich auch dadurch zur rechten Treue in meinem Christenthume. O! lehre mich so weislich wandeln, daß ich an jedem Tage zum Tode fertig sen. Dir, mein treuer Gott, empfehle ich auch aufs neue alle meine Sorgen und Angelegenheiten. Bewahre mich vor al len Gefahren, auch in der bevorstehenden Nacht, ja in meinem ganzen künftigen Leben. Gedenke auch an die Meinigen, und alle meine Mitmenschen, thue ihnen Gutes, und führe uns einst alle nach über: standner Prüfungszeit zur seligen Ruhe der Ewigkeit. Amen. Abend: 253 Abendlied. Mel. Ver deinem Thron tret. Unwiederbringlich schnell entfliehn die Tage, die uns Gott geliehn. Auch diese Woche eilet schon unwiederbringlich schnell davon. 2. Dank, unserm Vater, unserm Gott, für seis nen Beystand in der Noth, für tausend Proben seiner Treu; denn feine Huld war tåglich neu. 3. Wenn unser Herz, von Schuld befreyt, sich mancher guten That erfreut: weß war die Kraft? Wer gab Gedeihn? Dir, Herr, gebührt der Ruhm allein. 4. Oft fehlten wir, und merkten's nicht; verzeih uns die verletzte Pflicht! Dusiehst, Erbarmer, uns re Treu, um Christi willen sprich uns frey. 5. Wir eilen mit dem Strom der Zeit stets nå her hin zur Ewigkeit. Du hast die Stunden zus gezählt: die letzte weislich uns verhehlt. 6. Du låßt, uns långer zu erziehn, uns Stuns den, Tage, Jahr' entfliehn; doch an dem Ziel der Pilgerschaft kommt unsre große Rechenschaft. 7. Herr unsers Lebens, mache du uns selber recht geschickt dazu, daß nicht, indem wir sicher sind, der Tod uns unbereitet find't. 8. Ist einst die Zahl der Stunden voll, die uns fer Loos entscheiden soll, so führ uns aus der Ues bungszeit zu deiner frohen Ewigkeit. 9. Da sind wir unsers Heils gewiß; da wechseln Licht und Finsterniß nicht mehr, wie hier. Du ew's ges Licht, Herr, unser Gott, verlaß uns nicht! Ans 254 Anhang einiger Lieder. I. Bußlieder eines erweckten Sünders, zu Unterhaltung der Andacht zu Haufe vor der Beichte. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. Herr, an dir hab' ich gesündigt! Dein gerechter Urs theilsppruch, Allerheiligster, verkündigt jedem Uebers treter Fluch. Und was kann vor deinem Schrecken, Richter aller Welt, mich decken? 2. Kann ich deinem Arm entfliehen? Du bist als lenthalben nah. Flöh' ich, die mich zu entziehen, Himmel an, so bist du da. Stürzt' ich in die Tiefe nieder; deine Rechte faßt mich wieder. 3. Herr, ich flieh' in deine Hände! Außer dir ist keine Ruh. Dein Erbarmen hat kein Ende; wer ist gnådiger als du? Du bist Gott, und kannst vers geben; ach vergieb, und laß mich leben! 4. Groß sind meine Sündenschulden, ihre Last ist mir zu schwer. Ja, wenn länger mich zu duk den, deine Langmuth müde wär': müßt ich, würs dest du nur winken, in des Todes Nacht versinken. 5. Mich für straflos zu erklären, reichet nicht blos Reue zu, und zerflöß mein Herz in Zahren, fånd ich darum doch nicht Ruh. Können eines Sünders Thränen dich, o Heiliger, versöhnen. Ganun 6. Gottverföhner, dein Erbarmen, dein für mich vergoßines Blut, und dein Tod erlöst mich Armen, heilet Anhang einiger Lieder. 255 heilet mich, und giebt mir Muth. Dein Verdienst ist, was mich decket, wenn mich dein Gerichtstag schrecker. 7. Rette mich von meinen Sünden, schaff ein reines Herz in mir, laß bey dir mich Ruhe finden, zieh mich immerdar zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, mein Erlöser, dir zu leben. Mel. Ein Lämmlein geht und trågt die Schuld. Erbarm dich, Herr! mein schwaches Herz, geneigt zu Eitelkeiten, läßt bald durch Freude, bald durch Schmerz sich auf den Irrweg leiten. Gleich einem Robr, vom Wind bewegt, wenkt auch, von Leis denschaft erregt, oft meine schwache Seele. Wann komm ich zu der wahren Ruh, daß ich recht feste Tritte thu, und nur das Gute wähle. 2. Laß doch mein Herz nicht fernerhin in feiner Neigung wanken. Stark' meinen ungewissen Sinn zu festeren Gedanken. Wenn von der Lust zur Eis telkeit mich deines Geistes Kraft befreyt: wie will ich dir lobsingen! Mich ganz zu deinem Dienst zu weihn, soll stets mein ernster Wille seyn. Gieb da zu das Vollbringen. 3. Und wenn ich auf der Tugend Pfad bisweilen gleitend walle; so schüße du durch deine Gnad' mich vor dem nahen Falle. Wenn böse Luft in mir auf steigt, und ich zum Weichen bin geneigt; ſo lenke meinen Willen. Erhebe meinen schwachen Muth, daß ich der Leidenschaften Wuth durch dich, Herr, môge stillen. 4. Mein Gott, mein Gott, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend. Wie hart schien mir oft meis 256 Anhang einiger Lieder. meine Pflicht! Wie rauh die Bahn der Tugend! Und doch trugst du mich mit Geduld. Laß, Vater, laß mich diese Huld nicht undankbar verachten. Dir folgen ist mein wahres Heil; o laß mich's, als mein bestes Theil, auch immerfort betrachten. 5. Ich bin ein Mensch; du kennest mich. Wie schwach sind meine Kräfte! Doch meine Seele hofft auf dich; du wirst zu dem Geschäfte der Heiligung mir Kraft verleihn, und mich mit deiner Hülf' er freun, vor dir gerecht zu leben. Ich, dein erkauftes Eigenthum, will dadurch deines Namens Ruhm in Ewigkeit erheben. Mel. Liebster Vater, ich, dein Kind. Gott, mein Vater, ich, dein Kind, falle vor dir nieder. Siehe, was mein Herz empfind't, und ers barm dich wieder. Groß ist meine Sündenschuld, die mich innigst reuet; größer deine Baterhuld, die mich noch erfreuet. 2. Zwar ich bin nicht werth zu dir kindlich auf zusehen; doch du bleibst ein Vater mir, du vers nimmst mein Flehen, kennst mein Herz, ermuns terst mich, es vor dir zu stillen. Du erhörst mich våterlich noch um Chrifti willen. 3. Du bist meine Zuversicht. Außer dir ist keiner. Dein Geschöpf verwirfst du nicht; Gott, dich jams mert meiner, der du deinen Sohn für mich in den Tod gegeben. Sein Erldser bin auch ich, theu'r erkauft zum Leben. 4. Dieß, dieß soll, in jedem Schmerz, mein Vertraun erwecken. Vor der Sünde soll mein Herz, nicht vor dir erschrecken. Trauen, Vater, will Anhang einiger Lieder. 257 will ich dir, stets die Sünde haffen, nie vergessen, daß du mir so viel Schuld erlassen. 5. Preis sey dem Allgütigen, der mein Seufzen kennet, der den Gnadensuchenden freyen Zutritt gone net. Sing es, Seele, vor dem Herrn, fließ von Freuden über! Gott, dein Gott, verstößt nicht gern, er begnadigt lieber. 6. Ewig bist du so gesinnt, Schöpfer meiner Seele! Ach! wenn ich, dein strauchelnd Kind, noch aus Schwachheit fehle; so gedenkst du, der du weißt, daß mein Herz dich ehret: ich sey Staub; und du verzeihst dem, der wiederkehret. Aus tiefer Noth ruf ich zu dir, der du ins Herz fannst sehen. Entzieh nicht dein Erbarmen mir; Gott, laß mich Gnad' erflehen: Ach, siehest du als Richter an, was wir nicht recht vor dir gethan; werr fann vor dir bestehen? 2. Vor dir gilt nichts, denn Gnad allein, dem Sünder zu vergeben; nie ist Der Mensch von Fehs lern rein, auch bey dem besten Leben. Und, Herr, was ist er ohne dich? Wie darf der Staub, der Sünder, sich des Ruhms vor dir erkühnen? 3. Drum will ich nur allein auf dich, auf mein Verdienst nicht bauen; auf dich verlassen will ich mich, und deiner Güte trauen. Sie sagt mir zu dein theures Wort; sie ist mein Trost, und immere fort will ich mich ihrer rühmen. 4. Sind gleich bey uns der Sünden viel, bey Gott ist doch mehr Gnade; sein Arm zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sey der Schade. Er ist als lein der gute Hirt, der wieder bringt, was sich verirrt; er hilft aus allen Nöthen. R II. 258 Anhang einiger Lieder. II. Lieder bey dem Genusse des hei: ligen Abendmahles. Mel. Etraf mich nicht in deinem 3orn. Tretet her zum Tisch des Herrn, Jesu Christi Brůs der; feyert sein( Gedächtniß gern, ihr des Hauptes Glieder, mit Andacht nehmt in acht, was er euch wird geben: volle Gnug' und Leben. 2. Kommt in wahrer Neu und Leid über eure Sünden, Demuth und Gottfeligkeit laffet bey euch finden; schlagt die Brust, der bewußt, was ihr habt begangen, wollt ihr Gnad erlangen. 3. Fallet nieder, betet an tief gerührt im Staube; eure Herzen himmelan hebe froher Glaube. Jesu Hand reicht das Pfand nie gehörter Liebe; nehmt's mit heißem Triebe. 4. Eft und trinkt recht würdiglich von dem Brod und Weine, daß mit Trost euch gnådiglich unfer Herr erscheine; danker Gott, bis in Tod lebt als fromme Kinder, werdet nicht mehr Sünder. Mel. OKönig! dessen Majestát. Ich komme, Herr, und suche Dich, mühselig und beladen. Gott, mein Erbarmer, wird'ge mich des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deis nem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh; ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder. Du hast die Handschrift aufgethan, und Anhang einiger Lieder. 259 und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht, und an dein Wort: Es ist volls bracht! Du hast mein Heil verdienet. Du haft für mich dich dargestellt. Gott war in dir, und hat die Welt in die mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir, er tilget deine Sünden, und läßt an seiner Tafel hier dich Gnad' um Gnade finden. Du rufft, under erhört dich schon, spricht liebreich: Sen getroft, mein Sohn! die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinem Tod getauft, und du wirst dem, der dich erfauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Glück der Seligkeit; bewahr es. hier im Glauben, und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; ich bin der Weinstock, bleib an mir: so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich; und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot; ich. will es treu erfüllen, und bitte dich, durch deinen Tod, um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig seyn, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn, und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besse: rung dir und der Welt erweisen. Mel. Wer nur den lieben Gott låst. Dank, ewig Dank sey deiner Liebe, erhöhter Mittler, Jesu Christ. Gieb, daß ich deinen Willen übe, der du für mich gestorben bist; und laß die Größe deiner Pein mir immer in Gedanken seyn. R 2 2. Heil 260 Anhang einiger Lieder. 2. Heil mir! mir ward das Brod gebrochen; ich trank, Herr, deines Bundes Wein. Voll Freude hab' ich dir versprochen, dir treu bis in den Tod zu feyn. Ich schwur's in meinem Herzen dir; gieb Kraft, den Schwur zu halten, mir. 3. Laß, Herr, mich dankbar stets ermessen, was Du für mich gelitten haft, und deine Liebe nie vers geffen, die so viel Segen in sich faßt! Laß meinen Glauben thätig seyn, und mir zum Guten Kraft verleihn. 4. Hilf mir das Bdse überwinden, und stårke mich zu jeder Pflicht. Bewahre mich vor neuen Sünden, verlaß mich in Versuchung nicht; und dein für mich vergoßnes Blut fschenk mir im Todeskampfe Muth. 5. Und sie, Herr, deines Leibes Glieder, die auch dein Mahl, wie mich erfreut, laß mich sie lieben stets, als Brüder, als Erben Einer Seligkeit. Wir alle aßen ja Ein Brod, verkündigten, Herr, Deinen Zod. 6. So soll denn weder Spott noch Leiden, noch Ehre, Gut und Lust der Welt, mich, Herr, von deiner Liebe scheiden, die selbst im Tode mich erhält. Ja, ewig will ich dir mich weihn, und deiner Liebe würdig seyn. An: Anhang 261 einiger Gebete, wenn man sich der allgemeinen Beichte bedienet, und sogleich communiciret. Ich habe mir heute vorgenommen, mich bey der heiligen Stiftung desjenigen einzufinden, der in die Welt kam, daß er unser Lehrer, unser Versöhner mit Gott, unser Vorbild im Guten, unser Führer durch dieses Leben, und der Erwerber unserer ewigen Glückseligkeit werden sollte. Ich will durch diese Handlung mich aufs neue im Glauben stärken, daß du, o Gott, ein Vater der Menschen feyst, der sich der reuevollen und sich beffernden Sünder annimmt, und ihnen ihre Sünden vergiebt. Denn ach! dieser Glaube ist mir ja zu meiner Beruhigung in meinem ganzen Leben unentbehrlich. Ich fühle es, ich habe oft unrecht gethan; ich sehe es ein, daß auch ich mich unter die Anzahl der Sün der stellen muß, und daß kein Tag vergeht, an 262 Anhang einiger Gebete. an welchem ich nicht neue Schulden mache; immer bin ich vor dir, dem Heiligsten, strafwürdig, und ich wüßte kein Mittel, mich deiner Gnade zu versichern, wenn du mir es nicht selbst durch deinen Sohn, meinen Erldser, bekannt gemacht háttest. Ja, wüßte ich nicht, daß du vergiebst, wie konnte ich dich denn lieben, wie hatte ich Muth das zu thun, was vor dir recht ist? Aber hier bey dem Tische Jesu wird der Glaube gestärket, daß du nicht mein Feind seyst, daß du mir meine Sünden vergeben, und Geduld mit mir haben werdest; denn du hast ja deinen Sohn für mich gegeben, der für mich gestorben ist, und dessen Blut zur Vergebung meiner Sünde floß. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist. Ach! ich habe so manche Kümmernisfe, so manches Leiden, das mich drückt, ich bedarf Trost und Erquis ckung unter der Last der heimlichen oder bekannten Sorgen, die mich nagen; aber wenn ich zu dem Tische meines Erldsers komme, und mir ihn in seinem Leiden und in seiner tiefen Erniedrigung vorstelle; wenn ich ihn aber auch im Geiste erhdhet und mit Preis und Ehre gekrönet sebe: so wird meine Seele stille, und ich füh: Anhang einiger Gebete. 263 fühle das tröstliche in den Worten: Das ist je gewißlich wahr, dulden wir mit, so werden wir mit herrschen. Mir wird es oft sauer im Kampfe der Tugend; ich werde trage und nachläffig in der Erfüllung meiner Pflichten; ich lebe in der Welt, wo es an bösen Beyspielen nicht fehlt, und in mir selbst wohnet noch immer der Trieb zum Bösen, der sich der Vernunft und den Befehlen der Religion widersetzt; aber ich eile zum Altare des Herrn, und finde da neue Antriebe zum Guten, und rufe sie wieder lebhaft in meine Seele zurück. Ich sehe ihn ats das Vorbild der reinsten Tugend, höre ihn liebevoll mir zurufen: Folge mir nach, nimm auf dich mein Joch, und lerne von mir. Und wie könnte ich noch die Sünde lieben, da Jefus fich um der Sünde willen aufgeopfert hat? Denn er ist ja deswegen gestorben, daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Ich fühle mich träge in der Liebe gegen meine Nebenmenschen, mein Herz ist oft undienstfertig, feindselig ohne Theilnahme bey Anderer Wohl und Wehe. Hier sehe ich im Geiste Jesu Blut fließen für alle; hier sehen wir dich, den Gott der Liebe, der seinen Sohn für alle da 264 Anhang einiger Gebete. dahin gab hier werden wir alle Eines Brodes theilhaftig, und trinken alle aus Einem Kelche des Heils- vereinigen uns alle als Brüder, als Familie eines Vaters; sollte nun nicht die verlöschende Liebe auss neue in meinem Herzen auflodern, und sollte sie nicht so inbrünstig, so thätig, so uneigennüsig seyn, als die Liebe Jesu gegen mich war? Jch bedarf endlich Muth bey dem Andenken an Zod, Grab, Ge richt und Ewigkeit. Hier an seinem Tische vereinige ich mich mit Jesu, meinem Haupte, nehme Theil an den Früchten seiner Erlösung, fehe ihn im Geiste in seis ner Hoheit, und höre ihn mir zurufen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn; ich lebe, und ihr sollt auch leben. Wie gesegnet ist mir diese Handlung, und wie ist der Genuß dieses heiligen Mahles wahre Speise für meine Seele! Wie der Wein erfreuet des Menschen Herz, und das Brod des Menschen Herz stärket, so giebt das Andenken an seinen Tod meinem Geiste Nahrung und Erquickung. Aber sollte ich leichtsinnig zu dieser Tafel hingehen? Ohne Vorbereitung erscheinen? Welche Verantwortung würde ich mir zuziehen! Ernst: - Anhang einiger Gebete. Ernsthaft will ich über meinen Seelenzustand nachdenken.- Ich will mit meinen Brüdern mich als einen Sünder vor dir darstellen, gemeinschaftlich mit ihnen mein Sündenbekenntniß ablegen, und dich um Vergebung anflehen. Ich will mit Andacht und Anwendung auf mich das anhören, was mir von dem Diener der Religion ges sagt werden wird. Aber es sey auch mein ernstlicher Vorsatz, meine gewohnten Fehler abzulegen, an meiner Besserung gewiss senhaft zu arbeiten, in meinem Stande die Pflichten des Menschen und Christen treu zu erfüllen, und so der Ewigkeit, wo ich ben ihm, meinem Heilande, seyn werde, getroft entgegen zu gehen. Dein Geist aber, der alles Gute wirkt, unterstüße meine Religionsübung, und segne meine Andacht, damit diese heilige Handlung meiner Seele nützlich sey, und ich diesen Tag, als einen Tag des Heils für mich, einst noch spat segnen möge. Amen. 265 Nachdenken über das heil. Abendmahl, nach der allgemeinen Beichte. Wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Belt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Joh. 13,1. Die 266 Anhang einiger Gebete. Dieser Ausspruch Johannis bestätigt sich unter andern als wahr, durch die Stife tung des heiligen Abendmahls, wodurch Jesus allen seinen Bekennern den schöns sten Beweis der zårtlichsten Liebe gab, und wodurch er auf die wohlthätigste Weise für unsern Glauben an ihn, für unsere Liebe zu ihm, und für unsere Hoffnung sorgte. Denn was kann wohl unserm Glauben in den Stunden der Anfechtung mehr Nahrung geben, als die trostvolle Verstcherung: Gott sey unser versöhnter Vater! Ö, wenn sich unser Herz an diese Versicherung halten, und sich ganz auf dies selbe verlaffen darf: so find wir auch heis tern und getrosten Muthes unter den Trübfalen dieses Lebens. Wo erhalten wir aber wohl mehr Versicherung davon, Gott verzeihe unsere Fehler, und sey unfer gnädiger Vater, als wenn wir uns zu dem Tische Jesu nahen? Es ist uns ja ein fortwährendes und versinnlichtes Denk zeichen dessen, was Jesus für uns that und litt. Da erinnern wir uns feines Todes am Kreuze, und hören die Stimme der Wahrheit und des Trostes: Gott ist versöhnt in Christo. Je Anhang einiger Gebete. 267 Jefus sorgte aber auch durch sein Abendmahl für unsere Liebe zu ihm. Denn jene feyerliche Handlung, die er ben dem leszten Effen mit seinen Jungern uns ternahm, und die in der Stiftung seines Abendmahles bestand, ist für uns und alle fünftig lebende Christen ein bleibendes Denkmahl seiner duldenden, thátigen und ausharrenden Liebe, und ermuntert uns aufs stärkste zur dankbaren Gegenliebe. O, wer kann die Worte beym Abendmahle hören: Christi Leib ist für uns am Kreuze geopfert, sein Blut für uns vergoffen," und dabey ohne Liebe bleiben? Wenn uns denn sein Gedächtniß theuer ist; wenn wir sein für uns gestiftetes Mahl zum Andenken an seine uns erwiesene Liebe empfangen; wenn wir recht ernstlich für den Bes fit eines reinen Herzens sorgen; wenn die untadelhaften Gesinnungen Jesu Einfluß auf unser Leben haben, und uns immer vertrauter mit wahrer Frömmigkeit und Tugend machen: so lieben wir Jesum, wie er von uns geliebt zu werden verdient, und von uns geliebt seyn will; ja, wir ståre ken uns recht beym Genusse feines Abendmahls in dieser anbefohlenen Liebe. Endlich sorgte auch Jesus durch sein Ge 52 Docht= Anhang einiger Gebete. dächtnißmahl für unsere Hoffnung. Wie gestärkt muß unsere Hoffnung werden, wenn wir sie bey der Feyer des Abendmahles darauf gründen können, daß uns daffelbe ein herrliches Versicherungszei: chen seyn soll, es werde einst eine Zeit für uns eintreten, in welcher wir neue Freu den in der nähern Verbindung mit dem vollendeten Erlöser einerndten und genies ßen werden. Wenn seine Verheißung in Erfüllung gehen wird: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Ge wächse des Weinstocks trinken, bis an den Tag, da ichs neu mit euch trinken werde, in meines Ba ters Reich. Herrliche Verheißung, se lige Aussicht bey Jesu Altare! Einst kommen wir dahin, wo Jesns bey seinem Bater lebt und unaussprechliche Freuden genießt, und wo wir auf ewig mit ihm leben, und diese Freuden mit ihm theilen sollen! 268 Dank sey dir, mein Erlöser, für die wohlthätige Stiftung deines Abendmah: les! Laut will ich auch heute, als ein durch dich begnadigter Sünder, ben demselben deinen großen Namen bekennen, und dir mit meinen Brüdern feyerlich danken für alle deine liebevollen Arbeiten um mein wah. Anhang einiger Gebete. 269 wahres Glück. Willig will ich deiner Anweisung zur Tugend folgen, da ich weiß und glaube, daß du mein Herr und Erlöser bist; dich will ich von nun an inniger lieben, und es dann fröhlich von dir hof: fen, du werdest deine theure Zusage auch an mir erfüllen. Dann wird auch mir zu seiner Zeit der schöne Tag anbrechen, der mich näher mit dir vereinigen, und mich neuer Freuden in deinem Reiche theilhaftig machen wird; der schöne Tag, wo wir das Abendmaht mit dir halten werden, und du mit uns. Dankgebet nach der Communion. Ich danke dir, mein Heiland, für den Trost und die Wohlthaten, die du meiner Seele jetzt aufs neue hast widerfahren las sen. Du hast mir nicht allein auf mein Sündenbekenntniß Vergebung und Gnade durch den Diener der Religion verkundigen lassen, sondern du hast mir auch im heiligen Abendmahle das heiligfte Linterpfand davon geschenkt. Hilf nun auch, daß ich die Frucht davon an mir zeige, mich vor jeder Art der Verfündigung hüte, und in allen rechtschaffenen Gesinnungen dir ähnlich zu werden trachte. Das ist jetzt mein 270 Anhang einiger Gebete. mein ganzer Ernst, und wiesollte ers nicht feyn bey dem so lebhaft erneuerten Andenken deiner Liebe und Treue gegen uns fündige Menschen? Aber dieses Andenken wird in den Zerstreuungen und Verwir rungen des Lebens wieder schwächer werden, und der selige Eindruck davon kann verlöschen. Darum bitte ich dich, stärke mich durch die Kraft deines Geistes, daß ich es künftig meine vornehmste Sorge seyn laffe, mir oft vorzustellen, was du, größter Menschenfreund, erduldet hast, um Seelen zu retten, und allen Freunden des Guten Freudigkeit zu Gott, Trost des Gewissens, Hoffnung der Seligkeit zu erwerben. Daran will ich stets mit dankbarer Liebe denken, und es mir einen machtigen Antrieb seyn lassen, ein gutes Gewissen zu bewahren. Wie wohl wird mir dann ſeyn bey dem Frieden des Gewissens, den kein irdisches Glück gewähren kann! Wie freudig wird dann mein Hoffen seyn, auch einmal dahin zu gelangen, wo Freude die Fülle ist ewiglich. Jest ist noch nicht erschienen, was auch ich seyn und werden soll, und mein Glaube sagt mir, daß hier noch nicht der ganze Rath Gottes von meiner Seligkeit vollendet sey. Aber Anhang einiger Gebete. 271 Aber das weiß ich, daß, wenn es erschei nen wird, es denen nicht anders als wohl gehen kann, die dir, Herr Jesu, gleich gefinnt zu seyn, mit allein Ernst sich bestrebt haben. So wandle ich denn auf der Bahn der Tugend mit gestärktem Eifer fort. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er wird mir Weisheit und Kraft verleif: n, wenn ich sie aufrichtig fuche, er wird mir Trost und Freude ins Herz geben, so viel ich nöthig habe; er wird mir vergelten nach seiner Güte. Der du uns mit deinem Blute dir zum Eigenthum erwarbst, und uns Sündern, uns zugute, schmache voll an dem Kreuze starbst! Ach, wie viele deiner Christen dienen, Herr, noch bösen Lüsten, und vers geffen dein Gebot, deine Schmach und deinen Tod! 2. Ach, wann werden wirs erkennen, wozu du gestorben bist? Wann uns nicht blos Christen nennen, sondern thun, was christlich ist? Wann, um deines Todes willen, Jesu, dein Gebot erfüllen, und den Lüsten widerstehn, weil sie deine Leiden schmåhn? 3. Wer dich sieht von Gott verlassen, in der tiefe ften Traurigkeit, dich, Erldser, sieht erblassen, nach vollbrachtem schweren Streit; und läßt doch zum Dienst der Sünden seine Lüfte sich entzünden, der hat nicht an deinem Heil, nicht an Gottes Gnade Theil. 4. Mei 272 Anhang einiger Gebete. 4. Meiden könnt' er sein Verderben; Hülfe giebt ihm Gott genug. Aber seht, er selbst will sterben; denn sein Glaub' ist Wahn und Trug. Er beken net deinen Namen, ohne doch dir nachzuahmen, rühmet seines Glaubens sich, und sein Thun vera läugnet Dich. 5. Ach! wenn uns die Lust zur Sünde reizet wis der unsre Pflicht, Heiligster, so überwinde uns der Hang zur Sünde nicht: Lehr uns muthig ihn bes kampfen, und die Macht der Lüste dåmpfen! Steh uns in Versuchuug ben, und erhalt uns dir getreu! 6. Auf dich laß uns glaubig schauen, uns besieg' die Sünde nie; laß dein Beyspiel uns erbauen, und uns stårken wider sie! O, die Absicht deiner 1: Schmerzen pråge tief in unsre Herzen; daß wir, von der Sünde rein, Heiligster, dir ähnlich seyn! Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 111310 ¹6 7 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8