ув 2845 XP SP SP mataminin fot you un poraing 19 AMERECINA COELORUM! Katholisches Missionsbüchlein, oder Anleitung zu einem christlichen Lebenswandel. Herausgegeben von der Versammlung des allerheiligsten Erlösers. Neunte Auflage. Wien, 1835. Druck und in Commission der Mechitaristen- CongregationsBuchhandlung 284-5 Univ.- Bibl. Giessen Vorrede an eine jede christliche Seele, die eines guten Willens ist. Ullerliebste Seele in Jesu Christo unserm göttlichen Erlöser! Dieses Büchlein, das dir hiermit übergeben wird, foll für dich eine gedruckte Mission seyn: das heißt: es soll dich, wenn du so unglücklich wärest, durch die Sünde von Gott getrennt zu seyn, wieder zu ernsten, bußfertigen und heiligen Gesinnungen zurückführen. Bist du aber so glücklich in der Gnade Gottes zu seyn, so soll dieses Büchlein hier, dir hels fen, dich in der Gnade Gottes zu befestigen, damit du sie nimmermehr verlierest, sondern deinem Gott getreu bleibest, und einstens im Himmel von Ihm gekrönt werdest. Dieses Büchlein enthält in sich die nothwendigsten und schönsten Gebethe, als da sind: das Morgens und Ubendge beth, die heiligen Meßgebethe, die Beicht und Communiongebethe, wie auch die zwey sehr nüglichen und herzerhebenden Undachten: nähmlich die Besuchung des allerheiligsten Sacramentes des uitars und der übergebenedeyten Jungfrau und Mutter Gottes Muria. Du findest auch in diesem Büchlein einen gründlichen Unterricht über das ganze heilige Buß- Sacrament, besonders aber über die sogenannte Generalbeicht und einen ausführlichen und deutlichen Beichtspiegel. Was würde dir aber dieß alles nügen, wenn du in die vorigen Sünden zurückfallen, und dich auf's neue in die schreckliche Gefahr begeben würdest: ewig verdammt zu wer den. Darum ist es nicht genug, daß du durch eine wahrhafte Buße dich zu deinem lieben Gott bekehrest, sondern du mußt auch in Zukunft in diesem glücklichen Zustande verharren. Darum, o meine, durch das Blut eines Gottmenschen so kostbar erkaufte Seele! bleibe doch einmahl beständig! Hierzu kann dir dieses katholische Missionsbüchlein dies nen, weil es zugleich eine Unleitung zum seligen Leben ist. denn es enthält nebst einer christlichen Tagesorde nung, die schönsten und nothwendigsten Lebensregeln. wie du deine eigene Seele, und auch die Seelen derer, die IV bir anvertraut sind, in Sicherheit bringen kannst. Du findest auch in diesem Büchlein heilsame Gedanken, welche dir zur täglichen oder sonst öfteren Betrachtung dienen können, um dich vor dem so gefährlichen Rückfall in die vo rigen Sünden zu bewahren. Du findest auch einen deutlichen Unterricht über das, was das heiße betrachten, und wie man nüglich und leicht betrachten soll. Endlich, damit du es nicht vergesfest und es auch die Deinigen zu lehren im Stande wärest, was ein katholischer Christ zur Seligkeit nothwendig wissen soll, so findest du auch in diesem Büchlein einen kurz zen Katechismus in Fragen und Antworten, worin alles enthalten ist, was dir und den Deinen zur Seligkeit zu wisz fen nothwendig ist. Ja, damit du es nie vergessest, daß dieses dein größtes( Blück sey, ein katholischer Christ zu seyn, und damit du dich selbst und die Deinigen vor den gottlosen Frr thümern unserer Zeit zu bewahren wissest, so findest du auch einige Blätter, aus denen dein aufrichtiges Geistes- Auge er= sehen wird, daß die heilige katholische Kirche die einzig wahre und allein feligmachende Kirche JEfu Christi fey. Gebrauche dich also dieses Büchleins sorgfältig zu deis nem ewigen Heile. Gebrauche es für Jene auch, die dir vielleicht anvertraut sind, auf daß du auch Undere rettest von dem allgemeinen Verderben. Viele Seelen sind durch so ein Büchlein von dem Wege des Verderbens abgewendet zu Gott busfertig zurückgekehrt, viele schon bekehrte auf dem rechten Wege der christlichen Gottseligkeit fest erhalten worden. Eben das wird auch ben dir eintreffen, christliche Seele, die du eines guten Willens bist, und mit aufrichtigem Herzen das Büchlein liefeft. So oft du aber selbes gebrauchest, so gedenke auch unserer im heiligen Gebethe, so wie wir dir auf der andern Seite versprechen deiner am Ultare des HErrn besonders eingedenk zu seyn. Es lebe JEsus und Muria, unsere Liebe, stets in unfern Herzen! S Unterricht vom Gebethe. Bereite deine Seele vor dem Gebethe, und sey nicht wie ein Mensch, der Gott versucht. Syrach 18. Bethen, heißt fein Gemüth zu Gott erheben Eine der Hauptpflichten eines wahren Christen ist das Gebeth. 3u einem guten und Gott gefälligen Gebethe wird erfordert: 1.) Ein reines Herz, oder wenigstens die aufrichtige Begierde, ein reines Herz durch die Buße zu erlangen. Der 5Err ist fern von den Gottlosen, das Gebeth aber der Gerechten ( oder derer, die gerecht werden wollen) hört Er an. Sprichw. 28. 2.) Ein wahrer, lebendiger Glaube. Ohne Glaube ist es unmöglich Gott zu gefallen. Hebr. 11. 3.) Ein kindliches und festes Vertrauen auf Gott, daß Er uns erhören werde, wenn es zu unserm Seelenheile zuträglich ist. Er bitte, aber im Glauben, und zweifle nicht; denn wer zweifelt, der ist den Wellen des Meeres gleich, welche vom Winde bewegt und herumgetrieben werden; Sarum gedenke ein solcher Mensch nur icht, daß er etwas von dem HErrn erangen werde. Jacob 1. 4.) Innerliche und äußerliche Deuth. Er( Gott) hat das Gebeth der Demů 2 thigen angeſehen, und hat ihr Flehen nicht verachtet. Psalm 101. 5.) Aufmerksamkeit des Geistes auf dasjenige, was man bethet. Ich habe aus mei nem Serzen gerufen: erhöre mich, o 5Err! Psalm 118. 6.) Ausdauernde Geduld. Man muß vom Bethen nicht nachlaffen, wenn man auch nicht gleich erhört wird. Das anhaltende Ge beth eines Gerechten vermag viel. Jacob 5. 8 Morgenandacht. Der Weise wird sein Herz erheben, und früh des Morgens zu dem HErrn wachen, Der ihn erschaffen hat, und er wird vor dem Ungesichte des Ullerhöchsten flehentlich bitten: er wird seinen Mund zum Gebethe aufthun, und seiner Sünden wegen um Verzeihung bitten. Syrach 30, Unterricht. Wenn du den Tag heilig zubringen willst, so mußt du ihn heilig anfangen. Sobald du erwachest, und es bereits Zeit zum Aufstehen ist, so erhebe dein Gemüth also= gleich zu Gott, mache das heilige Kreuz, kleide dich ohne zu säumen an, und alsdann falle vor dem dir gegenwärtigen Gott auf deine Knie nieder, und fange zu bethen an: 1.) Danke Gott, daß Er dich neuerdings den Tag hat erleben lassen, und daß Er dich diese Nacht vor allen Ulebeln beschützt hat. 2.) Bitte Ihn mit kindlichem Vertrauen, daß Er dich diesen heutigen Tag vor jeder Sünde und allen andern llebeln behüthen möge. 3.) Opfere Ihm alles auf, was du diesen Tag durch denken, reden, handeln und leiden wirft, und vereinige es mit dem Leiden und Sterben JEfu Chrifti. 4.) Mache einen kräftigen Vorsatz, diesen Tag keine Sünde zu begehen. Besonders nimm dir vor, dich vor jener Sünde am meisten zu hüthen, zu der du am meis sten geneigt bist. 1* Morgengebeth. Betrachte alle Gefahren und Gelegenheiten zur Sünde, die dir etwa aufstoßen könnten, und denke auf Mittel, wie du diesen Gefahren und Gelegenheiten entgehen könntest; nimm die's kräftig vor, daß du allen Anreißungen der Sünde standhaft widerstehen willst, und bitte dazu Got um Seine Gnade. 4 Dieß alles kannst du innerlich in deinem Herzen verrichten; willst du es aber auch mündlich thun, so kannst du folgende Gebethe sprechen. Morgengebeth. 1. Danksagung. Im Nahmen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott, Schöpfer und Erhalter aller Dinge! Ich falle vor Dir auf meine Knie nieder, und danke Dir aus dem Grunde meines Herzens, daß Du mich diese Nacht vor aller Sünde und allem Uebel gnädig bewahret hast. 2. Bitte um die nöthige Gnade. Gütigster Vater! Ich bitte Dich demüthig, verleihe mir nach Deiner großen Barmherzigkeit die Gnade, daß ich Morgengebeth. 5 den heutigen Tag und alle Tage meines Lebens ohne Sünden zubringen möge. Beschüße mich wider die Nachstellungen und Versuchungen des bösen Feindes, und bewahre mich vor allen Uebeln der Seele und des Leibes. 3. Gute Meinung. Alles, was ich heute denken, reden, handeln und leiden werde, will ich Dir zu Liebe, o mein Gott! denken, reden, handeln und leiden. Ich opfere Dir alle meine Gedanken, Worte und Werke auf, sie sollen nur zu Deiner Ehre gereichen. Ich vereinige sie mit dem Leiden und Sterben Deines göttlichen Sohnes, unseres HErrn und Heilandes JEsu Christi. 4. Vorsatz. Ich nehme mir ernstlich vor, diesen Tag keine, auch nicht die geringste Sünde zu begehen. Aber, o HErr! was vermag ich ohne Deine Gnade? Komme mir zu Hülfe, unterstüße meine Schwachheit, kräftige meinen schwachen Willen; damit ich dasjenige, 6 Morgengebeth. was ich mir jetzt mit Deiner Gnade vornehme, genau halte. Jetzt denke nach, was du dir vornehmen willst. lleberlege, wie du deine Geschäfte zur Ehre Gottes und zum Heile des Nächsten verrichten willst. Erinnere dich an die sonst dabey begangenen Fehler, an die Gefahren und Gelegenheiten zur Sün= de, und nimm dir kräftig vor, dich an diesem Tage vor jeder Gefahr und Gelegenheit zur Sün= de sorgfältigst zu hüthen. Sprich zu Gott mit einem aufrichtigen Herzen: Mein Gott! diese Sünde verlange ich besonders zu meiden, vor dieser bösen Gelegenheit will ich mich sorgfältigst hüthen. Hierauf empfiehl dich der Fürbitte MAriä, allen Heiligen und deinem heiligen Schußengel. Heiligste Maria, Mutter Gottes! und alle ihr lieben Heiligen Gottes! bittet für mich bey Gott, daß ich Ihn mit keiner Sünde heute beleidige. O Du heiliger Schußengel! Du bist mir von Gott zu einem Beschirmer gegeben, beschübe mich, daß ich diesen Tag wissentlich in keine Sünde falle. 21sdann bethe das Vater unfer, den englischen Gruß, den Glauben, mit möglichster Andacht und Aufmerksamkeit, und erwecke Morgengebeth. 7 die brey göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Uebung des Glaubens. Ich glaube alles fest, was mir die katholische Kirche zu glauben vorstellet, weil Du es, mein Gott! Der Du die untrügliche Wahrheit bist, geoffenbaret hast. Insbesondere glaube ich, daß Ein Gott ist, dreyfach in Personen: Vater, Sohn und heiliger Geist. Ich glaube, daß der Sohn Gottes durch Mitwirkung des heiligen Geistes Mensch geworden, und aus MAria der Jungfrau geboren worden ist; daß Er gelitten hat und am Kreuze für uns gestorben ist; daß Er am dritten Tage von den Todten auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist; daß Er am Ende der Welt kommen werde zu richten die Lebendigen und die Todten, daß Er den Guten die ewige Herrlichkeit ertheilen, die Bösen aber mit den ewigen Peinen der Hölle bestrafen werde. Dieses alles glaube ich fest, und in diesem Glauben will ich leben und sterben. Morgengebeth. Uebung der offnung. Mein Gott! weil Du allmächtig und unendlich gütig und barmherzig bist, darum hoffe ich durch die unendlichen Verdienste des Leidens und Sterbens JEsu Christi, die Verzeihung meiner Sünden, die Gnade in diesem Leben, und in dem andern Leben die ewige Seligkeit, weil Du es mir versprochen hast, wenn ich ein christliches Leben führe, welches ich mit Deiner Gnade zu führen verspreche. 8 Uebung der Liebe. Mein Gott! weil Du das höchste und allervollkommenste Gut bist, darum liebe ich Dich aus meinem ganzen Herzen und über alles: und aus Liebe zu Dir liebe ich auch meinen Nächsten, und will ihn allezeit wie mich selbst lieben. Mein Gott! weil Du das höchste Gut bist, und ich Dich über alles liebe; darum schmerzt es mich von ganzem Herzen, daß ich Dich jemahls beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, mit Deiner Gnade nicht mehr Art und Weise, den Zag heilig zuzubringen. 9 zu sündigen und jede nächste Gelegenheit zur Sünde zu meiden. Pabst Benedict der Vierzehnte hat den 11. December 1754 denjenigen, die diese drey göttlichen Tugenden erwecken, so oft sie dieses thun, einen Ablaß von sieben Jahren und eben so vie len Quadragenen( das ist: sieben Mahl vierzig Tagen) verliehen. Wer aber dieselben durch einen ganzen Monath täglich erweckt, und in diesem Monathe beichtet und communicirt, gewinnt einen vollkommenen Ablaß. Anmerkung. Personen, denen es ihre Ges schäfte erlauben, sollten nach dem Morgengebethe wenigstens eine viertelstündige Betrachtung ma= chen. Sie sollten sich dazu irgend eines Betrachtungsbuches bedienen, oder ein Capitel aus dem berühmten Buche der Nachfolge Christi von Thomas von Kempen lefen, und selbes auf sich und auf ihre besonderen Umstände anwenden, In Ermanglung dieser Bücher, sollen sie das Leiden Christi sich vorstellen, oder eine von den, in diesem Büchlein befindlichen Betrachtungen reiflich erwägen, und auf sich anwenden. Art und Weise, den Tag heilig zuzubringen. 1.) Wandle in der Gegenwart Gottes, und gedenke, daß Gott, der überall gegenwärtig 10 Urt und Weise, den Tag heilig zuzubringen. ist, dich überall sieht und auch deine geheimsten Gedanken weiß. 2.) Alle deine Verrichtungen fange mit einer guten Meinung an. Ihr möget essen oder trinEen, oder etwas anderes thun, fo thut alles zur Ehre Gottes; also lehrt uns der heilige Apostel Paulus 1. Cor. 10, 31. Daher wenn du arbeiten sollst, so gedenke, daß Gott diese Arbeit von dir verlange, und sprich: Diese Arbeit geschieht Dir zu Liebe, Dir zur Ehre, mein Gott! Geheiliget werde Dein Nahme durch alle meine Schritte und Tritte! Fällt dir deine Arbeit zu schwer, oder stoßt dir etwas Widriges zu, so rufe zu Gott: Gott! habe Ucht auf meinen Schuß! HErr, eile mir zu helfen! Nimm dein tägliches Kreuz gleichsam aus den Händen JEsu an, und sprich: HErr! nicht mein, sondern Dein Wille geschehe! Wenn du dem Nächsten etwas Gutes thust, so gedenke, daß es Gott befohlen hat, den Nächften zu lieben und ihm Gutes zu erweisen. Gibst du Almosen, so denk dabey, daß Chris stus dasjenige, was man auch dem Mindesten der Seinigen thut, so ansieht, als wäre es Ihm Selbst geschehen. 3.) Wenn dich böse Gedanken oder andere Versuchungen zur Sünde überfallen, so sprich: Art und Weise, den Eag heitig zuzubringen. 11 Cher will ich sterben, o mein Gott! als Dich beleidigen! Geh' hinweg, Satan, mit allen Versuchungen des Leibes und der Seele! JEsus und Märia beschüßet mich! 4.) Erhebe öfters des Tages dein Gemüth zu Gott, ynd erinnere dich des Vorsatzes, den du in der Frühe bey der Morgenbetrachtung gemacht haft, und suche ihn ja bey allen vorkommenden Gelegenheiten in Ausübung zu bringen. 5.) Bethe täglich zu Ehren der Reinigkeit MAriä, der seligsten Jungfrau: drey Ave MAria, alsdann sprich: O Jungfrau Muria! meine Mutter und meine Hoffnung! Ich begebe mich in Deinen Schuß, ich will dort leben und sterben! Befreye mich von der Sünde! 6.) Mache dich immer auf ein Kreuz gefaßt; schau öfters des Tages dein Crucifir mit Liebe an, und erwäge ernsthaft, daß du nicht in diese Welt gekommen bist, um gute Tage zu haben, fondern um zu leiden, nicht um deinen, sondern. um Gottes Willen zu thun. Wann der englische Gruß geläutet wird. Bey dem Glockenzeichen in der Frühe, zur Mittagszeit und des Abends, gedenke an das große Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes, und berhe Folgendes: 12 Art und Weise, den Tag heilig zuzubringen. 1. Der Engel des HErrn brachte MAriä die Bothschaft, und Sie empfing von dem heiligen Geiste. Gegrüßet seyst Du Maria, u. s. w. 2. Siehe, ich bin eine Magd des. HErrn, mir geschehenach Deinem Worte. Gegrüßet seyst Du Maria, u. s. w. 3. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet. Gegrüßet seyst Du Maria, u. s. w. V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerinn! R. Auf daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Gebeth. Wir bitten Dich, o HErr! daß Du Deine Gnaden in unsre Herzen eingießest, damit wir, die wir, durch des Engels Bothschaft, Christi Deines Sohnes Menschwerdung erkannt haben, durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführet werden, durch Denselben Christum unsern HErrn. Amen. So Jemand den englischen Gruß während des Glockengeläutes alle Tage, durch einen ganz zen Monath bethet, und in diesem Monathe Ein Zischgebeth. 13 Maht beichtet und communicirt, derselbe erlangt einen vollkommenen Ablaß. Benedict XIII. Tischgebeth. Vor dem ffen. Aller Augen harren auf Dich, 0 HErr! Du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit, Du öffnest Deine Hand und erfüllest alles, was da lebt, mit Segen. Die Ehre sey dem Vater, u. s. w. HErr, erbarme Dich unser. Christe, erbarme Dich unser. HErr, erbarme Dich unser. Vater unser, u. ſ. w. HErr! segne uns und diese Deine Gaben, die wir von Deiner Freygebigkeit empfangen werden; durch Christum unseren HErrn. Amen. Der König der ewigen Glorie laffe uns an Seinem Tische im Himmel Theil nehmen. Amen. Nach dem Effen. HErr! alle Deine Werke danken Dir, und Deine Heiligen segnen Dich Die Ehre sey dem Vater, u. s. w. A bendandacht. Wir danken Dir, allmächtiger Gott! für alle Deine Gaben. Der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Vater unser, u. s. w. HErr, gib allen unsern Wohlthätern, um Deines Nahmens Willen das ewige Leben. Amen. Laß auch die abgeschiedenen Seelen der Christgläubigen im Frieden ruhen. Amen. Abendandacht. HErr, bleib bey uns, denn es wird abend, der Tag hat sich schon geneiget. Luc. 24, 29. Unterricht. Wie du den Tag heilig anfangen sollst, so follst du ihn auch heilig schließen. Denke, daß du wieder um einen Tag der Ewigkeit näher bist. Wer weiß, ob Gott nicht noch diese Nacht deine Seele vor Seinen Richterstuhl fordern wird. Das gemeinschaftliche Gebeth, wenn es in einer frommen Familie verrichtet wird, bringt einen großen Segen in's Haus. Wo Zwey oder Drey in meinem Nahmen versammelt sind, spricht JEsus Christus, da bin Jch mitten unter ihnen. Sollte uns ein so liebreiches Versprechen unfers HErrn nicht zur gemeinschaftlichen Andacht vereinigen können? Abendgebeth. 15 Dein Abendgebeth soll wenigstens aus folgenden Stücken bestehen: 1.) Du sollst für alle dir an diesem Tage er wiefenen Wohlthaten Gott danken. 2.) Bitte den heiligen Geist um die Erleuchtung deines Gewissens; damit du die Sünden, die du diesen Tag begangen hast, erkennen, bereuen und beffern könneft. 3.) Erforsche fleißig dein Gewissen, befinne dich, wie du die Zeit vom Morgen bis auf den 2lbend zugebracht, worin du gefehlt hast, wie alle deine Gedanken, Worte und Werke beschaf fen waren; besonders denke nach, wie du deine des Morgens gemachten Vorsätze in Ausübung gebracht hast. 4.) Erwecke Reue und Leid über deine Sün den, und über deine Nachlässigkeit in der Haltung der gemachten Vorsätze. 5.) Mache auf's neue einen kräftigen Vorsatz, dich zu beffern, und bitte Gott dazu um Seine Gnade, Verrichte dieses alles so, als wenn dieß der letzte Abend deines Lebens wäre. Abendgebeth. 1. Danksagung. Im Nahmen des Vaters, u. s. w. großer und allgewaltiger Gott! Ich falle vor Dir auf meine Knie, und 16 Abendgebeth. danke Dir aus meinem ganzen Herzen für alles was Du mir diesen Tag durch Gutes erwiesen hast; für Speise und Trank, für die Gesundheit, und alle Kräfte meines Leibesund meiner Seele, für alle Deine heiligen Einsprechungen und Erleuchtungen, für Deinen Schuß und Schirm, und für alle andern Gnaden, die ich nicht genug einsehe und begreife. Ich danke Dir dafür, o himmlischer Vater! durch JEsumChristum, Deinen Sohn, unsern HErrn. 2. Bitte um die Erleuchtung. O allwissender Gott! Der Du stets auf meinen Wandel Acht hast, und alle meine Tritte zählest, vor Dem kein Gedanke verborgen ist, erleuchte meinen Verstand, daß ich genau erkenne, was ich heute Böses gethan, oder Gutes unterlassen habe; bewege meinen Willen, daß ich es herzlich bereue und mich ernstlich bessere. 3. Erforschung des Gewissens. Wie habe ich mich heute verhalten: beym Aufstehen in der Frühe? beym MorgengebePR Abendgebeth. 17 the? bey der heiligen Messe?- bey der Arbeit? beym Tische?- im Umgange mit dem Nächsten, mit dieser oder jener Person?- bey dieser oder jener Gelegenheit?- in jener Gefahr, Betrübniß und Anfechtung?- SUMMON Habe ich nicht gefündigt: Mit Gedanken? Habe ich mich niemahls in unkeuschen, hoffärtigen, neidischen, rachgie: rigen, argwöhnischen, kleinmüthigen Gedanken freywillig aufgehalten, oder in felbe eingewil ligt? wie oft? Mit Worten? Habe ich nicht unreine Ge spräche geführt, Verwünschungen, Lügen, Fluch: und Scheltworte ausgestoßen? Ist dieß unver: sehens oder mit Bedacht geschehen?- Mit Werken? War ich nicht faut, träg, ungeduldig in meiner Arbeit? Habe ich nichts Unehrbares ausgeübt? War ich nicht ausge laffen in der Gesellschaft? War ich nicht gegen meine eltern oder Vorgesetzten grob, mürrisch, ungehorsam? War ich nicht gegen meinen. Nächsten hart, troßig, feindselig, unbarmherzig, ungerecht? Habe ich nicht meinem Nächsten feine Ehre genommen? Habe ich ihm nicht irgend einen Schaden zugefügt? - - - 1 - Mit Unterlassung? Habe ich nicht unterlaffen, meinen Nächsten zu ermahnen, zu be lehren, von der Sünde abzuhalten? Habe ich für das Seelenheit meiner Untergebenen, meis ner Kinder gesorgt? Habe ich nicht gute Werke 2 - 18 bendgebeth. zu thun unterlaffen? Habe ich nicht vielleicht gar das Bethen unterlaffen?- Mit fremden Sünden? Habe ich kein Wohlgefallen gehabt an der Sünde des Nächsten? Habe ich niemand andern Gelegenheit zur Sünde gegeben, besonders meinen Kindern und Dienstleuten? Habe ich die Sünde eines Ans dern verhindert, wo ich konnte, und sollte?- Endlich erforsche dich ganz besonders, wie du den des Morgens gemachten Vorsatz gehalten hast, wie oft du ihn gebrochen, und wie oft du dich überwunden hast. Denke reiflich nach, was die Ursache deines Falles war, und suche die Mittel auf, dich fünftighin vor dem Falle zu bewahren. Wisse, daß von dieser fleißigen Untersuchung mit dir selbst, deine ganze christliche Vollkommenheit abhängt. - - - 4. Reue und Leid. O unendlich gütiger Vater! ich habeDich heute wieder beleidiget! Ist dieß der Dank, den ich Dir für so viele und so große Wohlthaten schuldig bin? Ach! ich erkenne meine Schuld, ich bin nicht werth Dein Kind zu heißen. Du aber, o Vater! Du bist unendlich gütig und barmherzig; darum kehre ich mit Vertrauen zu Dir zurück, und bitte Dich fußfällig und mit Thränen um Verzeihung aller meiner Sünden, die ich so Abendgebeth. 19 wohl heute, als auch sonst in meinem ganzen Leben begangen habe. Sie reuen und schmerzen mich von ganzen Herzen! und dieß nicht nur, weil ich Deine Belohnung verloren und Deine Strafe verdient habe; sondern weil ich Dich dadurch, o mein Gott! Du höchstes und liebenswürdigstes Gut! beleidigt habe. O könnte ich es wieder gutmachen! O daß ich doch niemals Dich beleidigt hätte, 5. Vorsa th. Ich nehme mir ernstlich vor, alle meine Sünden aufrichtig und bald zu beichten, alle Gelegenheit zur Sünde zu meiden, alle meine Pflichten vollkommen zu erfüllen, und lieber zu sterben, als Dich, meinen liebsten Gott, durch eine Sünde wissentlich zu beleidigen. Zum Beweise meines aufrichtigen Willens, will ich alsogleich meine Besserung anfangen; besonders will ich jenen Hauptfehler- in mir auszurotten recht bemühet seyn. Verzeihe mir, barmherzigster Vater! gleichwie ich aus Liebe zu Dir allen 2* 20 Abendgebeth. meinen Feinden von ganzem Herzen verzeihe. Verleihe mir Deinen mächtigen Beystand, daß ich fromm lebe, und Dir bis in den Tod getreu verhärre. Hierauf empfieht dich in den Schuß MAriä und aller Heiligen Gottes. Wir bitten Dich, oHErr! suche diese Wohnung heim, und vertreibe aus derselben alle Nachstellungen des bösen Feindes; laß Deine heiligen Engel darin wohnen, damit sie uns im Frieden beschüßen, undDeinSegen sey über uns allezeit, durch JEsum Christum, Deinen Sohn, unsern HErrn, Der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Seligste Jungfrau! die Du nach Gott unsere größte Hoffnung bist, heiliger Schußengel, heilige Patronen und alle lieben Heiligen! bittet für uns die ganze Zeit unsers Lebens, und in der Stunde unsres Absterbens. Amen Bethe für die Lebenden und Abgestorbenen. Segne, oHErr! alle meine Verwandten und Bekannten, Gutthäter, Freun Abendgebeth. 21 de und Feinde. Beschüße alle meine geistlichen und weltlichen Borgesetten und Obrigkeiten. Stehe bey den Armen, Gefangenen, Betrübten, Reisenden, Kranken und Sterbenden; bekehre die Sünder und Irrgläubigen: erleuchte die Heiden und ungläubigen. O Gott der Barmherzigkeit! sey gnädig auch den armen Seelen im Fegfeuer; endige ihre Schmerzen, und führe sie in die ewige Ruhe. Amen. Alsdann bethe das Vater unser, den englifchen Gruß und den Glauben mit mög lichster Undacht. Erwecke die drey göttlichen Tugenden, wie beym Morgengebeth. Gehe mit heiligen Gedanken oder mit kurzen h. Liebesseufzern zu Bette, und verharre darin bis zum Einschlafen. Wenn du in der Nacht er wachest, so richte alsogleich die Gedanken zu Gott, und lasse keinem bösen Gedanken den Zutritt in dein Gemüth, sondern rufe alsogleich: O JEsu! o MAria! Nein! Nein! lieber sterben als so etwas denken, wünschen oder gar thun. Im Nahmen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. 2** 22 Andacht bey der heiligen Messe. Vom Uufgange der Sonne bis zum Niedergange ist mein Nahme groß unter den Heiden; an allen Orten werden Meinem Nahmen Opfer gebracht, und wird ein reines Opfer geopfert; denn Mein Nahme ist groß unter den Heiz den; also spricht der HErr der Heerscharen. Malach. 1, 11. Unterricht. Unter allen Gütern und Schäßzen, welche JEsus Christus Seiner heiligen Kirche hinter= laffen hat, ist das heilige Meßopfer das größte, kostbarste und heiligste Gut. Die heilige Meffe ist das Opfer des Leibes und Blutes JEfu Chrifti, das auf unsern Altären unter den Gestalten des Brotes und des Weines dem himmlischen Vater dargebracht wird, um das Opfer JEsu Christi, welches am Kreuze blutiger Weise geschah, hier auf dem Altare, auf eine unblutige, geheimniß: volle Weise darzustellen und fortzusetzen. JEsus Christus hat Sich Seinem himmlischen Bater für uns am Kreuze sterbend aufgeopfert; Er hat durch Sein vergoffenes Blut, und durch Seinen schmerzhaften Tod unsere Sünden getilat und uns mit einem himmlischen Vater versöhnt. Um uns aber ein immerwährendes Denkmahl dies fer Seiner großen Liebe zu hinterlaffen, nahm Er beym letzten Abendmahle, das Er mit Seinen Jüngern den Abend vor Seinem Leiden genoß, das Brot in Seine heiligsten Hände, dankte Gott, brach es, und gab es ihnen zu effen, indem Er sprach: Dieß ist mein Leib, Der für euch Unterricht über die heilige Messe. 23 hingegeben wird; dieß thut zu meinem Andenken. Deßgleichen nahm Er auch den Kelch, und sprach: Dieß ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blute, Das für euch wird vergoffen werden.( Luc. 22, 19-20.) Durch diese Worte: Dieß thut zu meinem Andenken, gab JEsus Christus Seinen Aposteln und ihren Nachfolgern, den Bischöfen, und durch diese den Priestern die Gewalt, das Brot in Seinen allerheiligsten Leib, und den Wein in Sein allerheiligstes Blut zu verwandeln. Der Priester fegnet, wie es Christus that, Brot und Wein, er spricht diefelben Worte darüber aus, die Chris stus sprach, und so wird am Altare, Brot und Wein, wie beym leßten Abendmahle, in den Leib und das Blut JEfu Chrifti verwandelt. So wie nun JEfus Christus am Kreuze Sich Seinem himmlischen Vater für unsere Sünden aufopferte, fo opfert Er Sich hier am Altare durch die Hände des Priesters Demselben himmlischen Vater auf. Das Opfer der heiligen Meffe ist also ganz gleich dem Opfer des Kreuztodes JEfu Chrifti; nur was dort am Calvarienberge sichtbarer Weise ge= fchah, geschieht hier am Altare unsichtbarer Weife; was dort blutiger Weise geschah, geschieht hier unblutiger Weise. Am Kreuze hat Sich JEsus Christus ohne Dazwischenkunft eines Priesters ge= opfert; am Altare aber wird Er durch die Hände des Priesters aufgeopfert. Nach der Wandlung, welche durch dieselben Worte des Priesters geschieht, wie sie JEsus Chris stus beyin letzten Abendmahle über das Brot und 24 Unterricht über die heilige Messe. den Wein gesprochen hat, ist nicht mehr Brot und Wein auf dem Altare, sondern der lebendige wahrhaftige Jesus Christus, Gott und Mensch zugleich, aber unter den Gestalten des Brotes und des Weines. Der Priester opfert JEsum Christum dem himmlischen Vater, im Nahmen der heiligen ka: tholischen Kirche auf, und das Gebeth der Kirche fammt den frommen Wünschen und Bitten der rechtgläubigen Seelen wird mit diesem heiligsten Opfer vereinigt. JEsus Christus Selbst ist es, Der auf dem heiligen Altare für uns bittet und Sich aufopfert, und wir können mit Zuversicht hoffen, daß, was wir allein durch unsere Bitten bey Gott nicht erlangt hätten, wir bey der hei ligen Messe erlangen werden, wo JEsus Christus Selbst für uns und mit uns bittet. Wohne demnach, wenn du kannst, täglich diesem allerheiligsten Opfer bey, von dem der heiligste Augustinus fagt: Wer andächtig die heil lige Messe hört, wird in keine Todsünde fallen, und Verzeihung der läßlichen Sünden erhalten. Stelle dir vor, als ständest du neben dem Heifande, da Er das letzte Abendmahl mit Geinen Jüngern hielt; oder, als ständest du auf dem Calvarienberg unter dem Kreuze, auf dem Sich der Heiland für die Sünden der Welt Seinem Vater aufgeopfert hat. Die beste und nüßlichste Weise, die heilige Meffe mit Andacht anzuhören, ist, wenn man feine Meinung mit der Meinung des Priesters vereinigt, und Folgendes dabey beobachtet: Unterricht über die heilige Messe. 25 1.) Den himmlischen Vater und JEsum Christum anbethet. 2.) Des Leidens und des Todes JEfu Christi sich dankbar erinnert, die Größe seiner Sünden daraus erkennt, und dieselben bereuet, da sie ein so großes, ein so furchtbares Opfer zu ihrer Versöhnung erheischten. 3.) Dem himmlischen Vater Seinen göttli chen Sohn vorstellt, Ihm Denfelben mit auf: opfert, und durch Seine Verdienste um die Vergebung der Sünden bittet. 4.) Gott für alle empfangenen Wohlthaten danker, besonders für die Wohlthat der Erlösung. 5.) Seine eigenen und der Seinigen geistlichen und leiblichen Anliegen Gott vorträgt. 6.) Sich der Verstorbenen erinnert, und für sie bethet. 7.) Den Leib des HErrn entweder mit dem Priester empfängt, oder wenigstens geistlicher Weife communicirt. Um der Verdienste des Opfers der heiligen Messe theilhaftig zu werden, muß man entweder auf die Handlungen des Priesters, besonders auf die drey Haupttheile: Opferung, Wandlung und Commu nion Acht haben, oder man kann sich frommer Meßgebethe bedienen, oder eine Betrachtung über das Leiden Christi anstellen, oder den Rosenkranz bes then, oder sonst eine dem Gemüthe gerade zusas gende Andachtsübung vornehmen, und dabey, doch ohne sich anzustrengen, und ohne nach der heiligen Messe darüber ängstlich zu seyn, ob man es gethan 26 Meßgebethe. habe oder nicht, auf oben genannte drey Haupttheile Acht geben. Meßgebethe. Gebeth vor der heiligen Mesſe.** O unendlich großer, heiliger Gott! Ich armer Mensch erscheine vorDeinem Altare, dem unendlichen Opfer der hei ligen Messe beyzuwohnen. DiesesOpfer ist allein Deiner unendlichen Majeſtät würdig, weil es Dein eingeborner, ewiger Sohn Selbst ist, Der da geopfert wird. In Vereinigung mit jerrer vollkommensten Meinung, mit der Sich Dein geliebtester Sohn zu einem Opfer für uns dargegeben hat, opfere ich Dir diese heilige Messe auf, zur Unbethung und VerherrlichungDeines allerheiligsten Nahmens zur Danksagung für alle mir bis jetzt erwiesenen Gnaden, zurGenugthuung für alle meine begangenen Sünden, zürErlangung aller mir nothwendigen Gnaden, besonders dieser ( Hier kannst du dir eine besondere Gnade vorstellen, um die du heute Gott bitten willst) zur Hülfe und zum Troste derjenigen, für welche ich zu bethen besonders schul Univ.- Bibl. Giessen Meßgebethe. dig bin, besonders dieser Lebenden und dieser Verstorbenen Bereite, o Gott! mein Herz, reinige meinen Geist, lösch' aus meine Sünden! damit ich bey diesem heiligsten Opfer würdig erscheine! Wenn der Priester unten am Altare die hei lige Messe anfängt, so mache das heilige Kreuz, bedenke furz deine Sünden, bereue sie, und bitte Gott um Verzeihung derfelben, sprechend: Ich bekenne Gott dem Allmächtigen, Mariä der seligsten Jungfrau, dem seligen Erzengel Michael, dem seligen Johannes dem Zäufer, den beiligen Aposteln Petrus und Paulus und allen Heiligen, daß ich viel gefündiget habe mit Gedanken, Worten und Werken; dieß durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine größte Schuld: daher bitte ich die selige Jungfrau Maria, den seligen Erzengel Michael, den seligen Johannes den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, und alle Heiligen, daß sie für mich bey Gott unserm HErrn bitten mögen. Amen. Der allmächtige Gott erbarme Sich unser, und vergebe uns unsere Meßgebethe. Sürden, und führe uns zum ewigen Leben. Amen.-Der allmächtige und barmherzige HErr verleihe uns die Vergebung, Lossprechung und Nachlassung unserer Sünden. Amen. 28 3um Kyrie eleison sprich diese fremden Worte in deutscher Sprache: HErr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! HErr, erbarme Dich unser! Zum Gloria sprich den englischen Lobgefang: Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir bethen Dich an, wir verherrlichen Dich, wir danken Dir wegen Deiner großen Herrlichkeit, HErr, Gott, himmlischer König! Gott, allmächtiger Vater! HErr Jesu Christe, Du eingeborner Sohn! HErr, Gott, Du Lamm Gottes, Sohn des Vaters! Der Du hinwegnimmst die Sündender Welt, erbarme Dich unser! Der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm an unser Gebeth! Der Du fibest zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! denn Du allein bist heilig, Meßgebethe. 29 Du allein bist HErr, Du allein bist der Allerhöchste, JEsu Christe, mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters! Amen. Nach dem Gloria wendet sich der Priester zum Volke, und spricht den Gegenswunsch: Do minus vobiscum! der HErr sey mit euch! der Ministrant spricht anstatt des Volkes: Et cum fpiritu tuo! Und mit deinem Geiste! Der Priester bethet: Oremus! Laßt uns bethen! Dadurch gibt uns die heilige Kirche zu verstehen, daß wir unsere Meinung mit der Meinung des Priesters vereinigen sollen. Darauf folgt das Gebeth, welches die Collecte beißt, das ist, SammIung, weil der Priester die Wünsche und Bitten aller Anwesenden zusammennimmt, und sie als ein Abgeordneter im Nahmen aller Rechtgläubigen Gott vorträgt. Du kannst folgendes Gebeth dabey sagen: Allmächtiger, ewiger Gott! erhöre das Gebeth Deines Volkes, und wende Dein heiligstes Angesicht nicht von uns ab wegen unserer Sünden. Erhöre gnädig das Gebeth Deines Dieners, des Priesters, der für das Heil Deines Volkes bittet, und gib, daß wir dasjenige, was wir mit Vertrauen von Dir begehren, von Deiner Barmher 30 Meßgebethe. zigkeit erlangen, durch JEsum Christum, unsern HErrn, Amen. Darauf folgt die Epistel, sie enthält gewöhnlich ein Stück aus den Schriften der Propheten oder Apostel. Du kannst während derselben folgen= des Gebeth sprechen: O mein Gott! ich bethe Deinen heiligen Geist an, Welcher aus den Propheten und den Aposteln geredet hat, und jetzt noch immer durch die heilige Kirche redet. Ich nehme mit Ehrfurcht und Demuth alle Lehren und Unterweisungen an, die mir die heilige Kirche durch ihre Priester gibt. Verleihe mir, o Gott! daß ich alle ihre Lehren und Unterweisungen befolge, und nach denselben lebe, durch JEsum Christum, unsern HErrn. Amen. Wenn der Priester das Evangelium liest, sprich folgendes Gebeth: Göttlicher Heiland! wie groß war Deine Liebe, daß Du Selbst auf die Erde als Lehrer kommen wolltest, um uns den Weg des Himmels zu zeigen. Gib mir die Gnade, daß ich jene Wahrheiten, die Du geprediget hast, mit Demuth anhöre, erleuchte meinen Ver Meßgebethe. 31 stand, daß ich sie erkenne, erneuere mein Herz, daß ich sie liebe und genau befolge. Verleihe mir Deinen göttlichen Beystand, daß ich mich Deines heiligen Evangeliums niemahls schäme, sondern dasselbe sowohl mit Worten als durch Werke bekenne. Der Du lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. Wenn der Priester das Credo bethet, so kannst du das apostolische Glaubensbekenntniß bethen: Ich glaube an Gott u. f. w. Beym Offertorium( Opferung) wird Brot und Wein, welches in den allerheiligsten Leib und in das Blut unsers Erlösers verwandelt werden soll, durch die Hand des Priesters Gott dar= gebracht. Sprich dabey folgendes Gebeth: Nimm an, o unendlich heiliger Vater, allmächtiger und ewiger Gott! dieses Opfer, welches Dir der Priester für uns darbringt. Ich glaube fest und unbezweifelt, daß es in den wahren Leib und in das wahre Blut Christi werde verwandelt werden. Nimmdieses Opfer an, o himmlischer Vater! zur Verherrlichung Deines heiligsten Nahmens, zur Versöhnung meinerSünden, zurDante Meßgebethe. sagungfür allemirverliehenen Gnaden, zur Erlangung neuer Wohlthaten, und besondersder Mittel, die mir zurSeligkeit nothwendig sind. So auch für alle geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, für Freunde und Feinde, für alle lebenden und abgestorbenen Christen. Amen. 32 Der Priester wendet sich zum Volke und spricht: Orate fratres! Bethet meine BrüSer! er verlangt, daß die Anwesenden mit ihm bethen möchten, damit Gott dieses Opfer genehmige. Sprich dabey: Der HErr wolle dieses Opfer von deinen Händen zum Lobe und zur Verherrlichung Seines Nahmens, wie auch zu unserem und Seiner heiligen Kirche Nußen annehmen. Die Práfation ist gleichsam der Eingang in den Canon, oder die stille Messe. Der Priester spricht mit lauter Stimme: Per omnia facula, faculorum; dadurch drückt er das Verlangen aus, Gott in Ewigkeit loben zu können. Er ruft dann zum Volke: Dominus vobiscum! Der Err fey mit euch! Und der Ministrant antwortet an statt des Volks: Et cum spiritu tuo! Und mit deinem Geiste! Darauf spricht der Priester: Sur fum corda! Erhebet eure Serzen! Und es er: folgt die Antwort: Wir haben sie zum HErrn erhoben! Der Priester spricht ferner: Laßt uns Meßgebethe. 83 Gott unserm 5Errn danksagen. Die Antwort folgt: Es ist würdig und billig. Dann spricht der Priester folgendes Lob- und Dankgebeth: Es ist höchst billig und recht, pflicht mäßig und heilsam, daß wir zu allen Zeiten und an allen Orten Dich dankbar preisen, heiliger HErr! allmächtiger Bater! ewiger Gott! durch JEsum Christum, unsern HErrn, durch Welchen die Engel Deine Majeſtät loben, die Himmelsfürsten Sie anbethen, die Mächte vor Ihr zittern, die Himmel und die Kräfte des Himmels fammt den seligen Seraphim insgesammt mit Frohlocken preisen. Mit diesen laß auch unsere Stimmen zu Dir ges tangen, die wir mit tiefster Ehrfurcht bekennen und rufen: Heilig! heilig! heilig ist der HErr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind Seiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! gebenedeyt sey, Der da kommt im Nahmen des HErrn, Hosanna in der Höhe! Zum Canon nach dem Sanctus bethe Fol gendes, es sind beynahe die Worte des Priesters: Wir bitten Dich inständig, o gütig 34 Meßgebethe. ster Bater! wirflehen zu Dir durchJEsum Christum, Deinen Sohn, unsern HErrn, daß Du diese Gaben, diefe Geschenke, diese heiligen, unversehrten Opfer gnädig annehmen und segnen wollest. Wir bringen sie Dir vorzüglich dar für Deine heilige, katholische Kirche, damit Du sie auf dem ganzen Erdboden im Frieden erhalten, beschüßen, vereinigen und regieren mögest, mit Deinem Diener unserm Pabste N-, unserm Bischofe N-, und mit allen rechtgläubigen Bekennern des katholischen und apostolischen Glaubens. Erinnere Dich, o HErr! Deiner Diener und Dienerinnen N. N.( Hier denke an jene lebenden Personen, die du besonders heute in dieses heilige Meßopfer einschließen willst) und aller hier Gegenwärtigen, deren Glauben und Andacht Dir bekannt ist, für welche wir Dir dieses Opfer bringen, oder welche Dir dieses Lobesopfer felbst darbringen, für sich und für alle die Ihrigen, zur Erlösung ihrer Seelen, zur Stärkung der Hoffnung ihres Heils und Wohlseyns, und um Dir, Meßgebethe. 35 dem lebendigen, wahren und ewigen Gott ihre Wünsche vorzutragen. Wir ehren gemeinschaftlich das Andenken der glorreichen allzeit unversehrten Jungfrau Maria, Gebärerinn Gottes und unsers HErrn JEsu Christi; dann Deiner seligen Apostel und Märtyrer: Petri und Pauli, Undreä, Jacobi, Johannis, Thomä, Jacobi, Philippi, Bartholomäi, Matthäi, Simonis und Thaddäi, Lini, Eleti, Clementis, Xisti, Cornelii, Cypriani, Laurentii, Chrysogoni, Johannis und Pauli, Cosmä und Damiani, und aller Deiner Heiligen. In Rücksicht ihrer Verdienste und ihrer Bitten laß uns in allem Deinen Schuß und Beystand angedeihen, durch Denselben Christum, unsern HErrn. Amen. Wir bitten Dich also, o HErr! daß Dudiese Opfergaben von uns Deinen Dienern und Deiner ganzen Familie gnädig annebmest, unsere Tage durch Deinen Frieden beseligest, uns vor der ewigen Verdammniß bewahrest, und der Zahl Deiner Auserwählten beygesellest, durch Christum, unsern HErrn. Amen. 36 Meßgebethe. Laß, o Gott! dieses Opfer in allem gesegnet, genehmigt und Dir wohlgefällig seyn, damit es zu unserm Heile verwandelt werde in den Leib und das Blut Deines geliebten Sohnes, unsers HErrn JEsu Christi. Wenn es zur Wandlung kommt, so stelle dir lebendig JEfum Christum vor, wie Er beym leßten Abendmahle das Brot genommen, es ge fegnet und gesprochen hat: Dieß ist mein Leib, Der für euch gegeben wird, und wie Er über den Kelch mit dem Weine gesprochen hat: Dień ist der Kelch Meines Blutes. Halte fest den Glauben, daß JEsus Christus, Der für dich am Kreuze gestorben ist, in der Hostie und in dem Kelche ganz, wahrhaftig und lebendig als Gott und Mensch gegenwärtig sey, wenn der Priester darüber die h. Einfeßungsworte gesprochen hat. Mit festem Glauben und mit fester Demuth bethe dann deinen Heiland an, wann die heilige Softie aufgehoben wird, und sprich: Ich glaube, o JEsu! daß Du hier unter den Gestalten des Brotes, als Gott und Mensch wahrhaft gegenwärtig bist; ich bethe Dich an als meinen HErrn und Gott mit tiefsterEhrfurcht. O JEsu! Dir lebe ich! o JEsu! Dir sterbe ich! o JEsu! Dein bin ich, todt und lebendig! Meßgebethe. 37 Beym Aufheben des Kelches bethe also: Ich glaube, o JEsu! daß Du Selbst, daß Dein kostbares Blut, Welches einst als Versöhnungsopfer für uns Menschen am Kreuze vergossen wurde, unter den Gestalten des Weines in diesem Kelche wahrhaftig und lebendig gegenwärtig ist. Ich bethe Dich an, o heiligstes Blut meines Erlösers! wasche und reinige mich von allen Sünden! Nach der Wandlung bethe mit dem Priester: Wir erinnern uns, o HErr! an Christum, Deinen Sohn, unsern HErrn, an Sein beseligendes Leiden, an Seine Auferstehung von den Tod ten, an Seine glorreiche Auffahrt in den Himmel, und bringen vor den Thron Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben, ein heiliges, reines, unbeflecktes Opfer, das heilige Brot des ewigen Lebens, und den Kelch des immerwährenden Heils. Würdige Dich mit versöhntem und geneigtem Angesichte aufSie herab zu sehen, und Sie wohlgefällig anzunehmen, wie Du mit Wohlgefallen aufge= 3 38 Meßgebethe. nommen hast die Geschenke Deines Dieners, des gerechten Abels, das Opfer unseres Erzvaters Abraham, und das heilige Opfer und die unbefleckte Gabe, welche Dir Dein oberster Priester Melchisedech dargebracht hat. Wir bitten Dich flehentlich, allmächtiger Gott! laß Dir diese Opfergaben durch die Hände Deines heiligen Engels auf Deinen erhabenen Altar, vor Deine göttliche Majestät bringen, damit wir Alle, die wir durch die Theilnahme an diesem Altare den heiligsten Leib und das heiligste Blut Deines Sohnes genießen, mit allem himmlischen Segen und mit Gnade erfüllet werden; durch Denselben Christum unsern HErrn. Amen. Gedenke, o HErr! Deiner Diener und Dienerinnen, welche uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen sind, und im Frieden ruhen.( Hier nenne jene Verstorbenen, die du besonders der göttli chen Barmherzigkeit empfehlen willst, damit ihre Schmerzen gelindert, oder sie aus dem Orte der Qualen in den Wohnsiß der ewigen Seligkeit ge-. führt werden.) Berleihe, daß diese und Meßgebethe. 39 Alle, die in Christo ruhen, an den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens gelangen mögen; durch Denselben Christum unsern HErrn. Amen. Auch uns Sündern, Deinen Dienern, die wir auf die Größe Deiner Erbarmnisse vertrauen, gib einen Antheil an der Gesellschaft Deinerheiligen Apostel und Märtyrer: des Johannes und Stephanus, Matthias, Barnabas, Jg= natius, Alexander, Marcellinus, Petrus, derFelicitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia, und aller Deiner Heiligen. Laß uns in ihre Gesellschaft kommen nicht aus Rücksicht auf unsere Verdienste, sondern durch Deine Gnade, durch Christum unsern HErrn, durch Den Du, o Gott! alles dieses Gute schaffest, heiligest, belebest, segnest und uns austheilst. Durch Ihn, mit Ihm und in Ihm sey Dir, Gott, allmächtigem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes alle Ehre und Herrlichkeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zum Pater Noster bethe mit dem Priester das Vater unser. Darnach sprich folgendes Gebeth: 3* 40 Meßgebethe. Wir bitten Dich, o HErr! befreye uns von allen vergangenen, gegenwär tigen und zukünftigenuebeln und durch die Fürbitte der seligen, glorreichen und unversehrten Jungfrau und Gottesge= bärerinn Maria, der heiligen Apoſtel Petrus und Paulus, Andreas und aller Heiligen, gib gnädig den Frieden in unsern Tagen; damit wir durch den Beystand Deiner Gütigkeit unterstüßt, von der Sünde immer frey, und gegen alle Beunruhigung gesichert bleiben. Durch Denselben Christum unsern HErrn, Deinen Sohn, Der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Wann der Priester die heilige Hoftie bricht, und einen kleinen Theil derfelben in den Kelch fallen läßt, sprich mit ihm: Die Vermischung des heiligen Leibes und Blutes unsers HErrn JEſu Christigereicheuns, die wir daranTheil nehmen, zum ewigen Leben. Amen. Zum Agnus Dei klopfe drey Mahl an die Brust, und bitte JEsum, das unschuldige Lamm Gottes, um Verzeihung deiner Sünden, und sprich drey Maht: Meßgebethe. 41 O Ou Lamm Gottes, Welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Das dritte Mahl sprich statt: Erbarme Dich unser: Gib uns den Frieden! Dann betbe wieder: HErr JEfu Christe! Der Du zu Deinen Aposteln gesprochen haft: Ich hinterlasse euch den Frieden, Ich gebe euch meinen Frieden; sich nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben der Kirche, und erhalte sie nach Deinem Willen in Frieden und in Einigkeit; Der Du als Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. HErr JEsu Christe! Sohn des lebendigen Gottes! Der Du nach dem Willen des Vaters, und durch Mitwirkung des heiligen Geistes durch Deinen Tod das Leben der Welt gegeben haft; befreye mich durch Deinen allerheiligsten Leib und durch Dein allerheiligstes Blut von allen meinen Sünden und von allen Uebeln. Gib, daß ich immer Deinen Gebothen nachlebe, und laß mich niemahls von Dir trennen. Der Du mit Demselben Gott Vater und dem 42 Meßgebethe. heiligen Geifte gleicher Gott lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. Wenn du während der heiligen Messe, oder nach der heiligen Messe communicirst, so kannst du mit dem Priester noch folgendes Gebeth ſprechen: HErr JEsu Christe! laß den Genuß Deines Leibes, Den ich Unwürdiger zu empfangen wage, mir nicht zum Gericht und zur Verdammniß gereichen, sondern, daß Er mir nach Deiner Gütigkeit zum Schutz für Seele und Leib und zum Heilmittel gereiche, Der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. So will ich denn das himmlische Brot kosten, und den Nahmen des HErrn anrufen. Dann sprich drey Maht mit dem Priester: HErr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach; sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Klopfe dabey drey Mahl mit Demuth an deis ne Brust. Wenn du aber nicht communicirst, so kannst du die geistliche Communion verrichten; siehe Meßgebethe. 43 hierüber den Unterricht, der weiter zurück nach den Communion- Gebethen vorkommt, Seite 78. Nach der Communion bethet der Priester die Collecte; du sprich also: el Allmächtiger, ewiger Gott! ich danke Dir aus meinem ganzen Herzen für alle mir erwiesenen Gnaden und Wohlthaten, vorzüglich aber dafür, daß Du uns Deinen Sohn zum Versöhnungsopfer, und Seinen Leib und Sein Blut zur Nahrung unserer Seelen gegeben hast. Behüthe mich gnädigst, daß ich nie unwürdig dem heiligsten Meßopfer beywohne, und dieſe allerheiligste Speise niemahls unwürdig genieße durch Denselben Christum unsern HErrn. Amen. Zum Ite Missa est und dem Segen des Priesters sprich: Laß Dir, o allerheiligste Dreyfaltigkeit, den vollbrachten Dienst des Priesters gefallen, und nimm das Opfer, DaswirDir dargebracht haben, gütig an, damit Es uns Allen, für die Es dargebracht worden ist, zur Verföhnung und zum Heile gereiche durch Christum unsern HErrn Amen.- Es 44 Meßgebethe. segne uns der allmächtige Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist. Amen. Zum letzten Evangelium sprich: JEsu! ewiges Wort des Vaters! Du würdest Mensch aus Liebe zu uns. Ich bethe Dich an, ich vertraue auf Dich, ich liebe Dich! Du kamst auf die Welt, um uns den Weg des ewigen Lebens zu zeigen. Leite mich, Du wahres Licht der Welt! daß ich in den Finsternissen dieses Lebens nicht irre, sondern nach Deinem Lichte heilig les be und selig sterbe. Gebeth nach der heiligen Meffe. Gütigster Gott! ich danke Dir, daß Du mich an diesem beiligsten Opfer hast Antheil nehmen lassen. Verzeihe mir alle dabey begangenen Fehler der Lauigkeit und der Zerstreuung. Ich fasse den festen Entschluß keine Sünde mehr zu begehen, und in Gedanken, Worten und Werken so behutsam zu seyn, daß ich die Früchte des heiligen Mesopfers nicht verliere. Segne mich, allmächtiger, ewiger Gott! zu meiner Vom Unhören der Predigt. 45 Arbeit. O JEsu und MAria! meine Liebe in Ewigkeit! Amen. Vom Anhören des göttlichen Wortes. Wer aus Gott ist, der höret Gottes Wort. Joh. 8. 47. Ein wichtiger Gegenstand des christlichen Gottesdienstes ist: das Unhören der Predigt, oder des göttlichen Wortes. Niemand dünke sich so weise und so gelehrt, daß er das gepredigte Wort Gottes entbehren könnte. Die Predigt ist das von Gott bestimmte Mittel, durch welches Gott zu unserm Herzen reden will. Wer also die rechtmäßigen, von der katholischen Kirche gefand ten Prediger nicht hören will, der verstopfet seine Ohren gegen die Stimme Gottes, der verachtet JEsum Christum, Welcher gesagt hat: Wer euch hört, der höret mich, wer euch verachtet, der verachtet mich. Aber du sagst: Ich kann ja das Wort Gottes felbst in der Bibel lesen, wozu brauche ich die Predigt? Wie, du mit deinem erschaffenen und beschränkten, armseligen Verstande getrauest dich zu sagen, daß du den Sinn des ewigen Gottes verstehest?- Unglücklicher! du machst deinen eigenen Sinn zum Sinne Gottes. Nur die heilige Kirche Gottes, welche vom heiligen Geiste Selbst erleuchtet und geleitet wird, sie nur er kennt den wahren Sinn der heiligen Schrift, -- WWW.KAL 46 Vom Unhören der Predigt den Sinn Gottes- auf eine unfehlbare Weise. Sie läßt uns aber die wahre Lehre JEsu Chrifti durch die Bischöfe und ihre Mitarbeiter, die Priester, verkündigen, und diese sind es, die man hören muß, wenn man nicht als ein hoffärtiger Geist den größten Irrthümern Preis gegeben wers den will. Du sagst mir aber: Ich habe selbst zu Hause gute Erklärungen der Evangelien und andere gute Erbauungsbücher, diese dienen mir anstatt der Predigt. Darauf antwortet dir schon der heilige Shomas von Villanova:» Sage mir nicht: ich bin gelehrt, ich habe zu Hause die Werke des Augustinus, Bernhardus u. s. w. Der Buchstabe ist todt, die Stimme ist lebendig. Der Prediger ist die lebendige Stimme Gottes,« Er ist die Stimme des Rufenden in der Wüste. Der Buchstabe tödtet, der Geist ist's, der lebendig macht, spricht JEsus Christus. Und wie ist die Welt be= kehret worden, als durch das verkündigte, göttliche Wort der heiligen Apofteln? Höre demnach die Predigt mit frommem und demüthigem Geiste an, beurtheile den Prediger nicht, fuche nicht schöne Worte, deute die Predigt nicht auf andere Leute, sondern auf dich selbst, betrachte die Worte des Predigers als eine Stimme Gottes, die zu dem Ohre deines Herzens ertös net, damit du dich bekehrest. Wiederhohle daher in deinem Herzen vor und während der Predigt öfters die Worte des heiligen Samuels: Rede, o 5Err! denn Dein Diener höret! 47 Vom Anhören der Predigt. gi Gebeth vor der Predigt. cons Komm heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe, Der Du die Völker aller Zungen in Einigkeit des Glaubens versammelt hast. O Gott! Der Du die Herzen Deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret hast; gib, daß wir in demselben Geiste das, was Recht ist, verstehen, und Seines Trostes uns allezeit erfreuen mögen. Durch Christum unsern HErrn. Amen, Gebeth nach der Predigt. O HErr JEsu Christe! ich danke Dir, daß Du heute den Samen Deines göttlichen Wortes in meiner Seele ausgefäet hast. Gib nicht zu, o HErr! daß dieser gute Same von dem bösen Feinde aus meinem Herzen weggenommen, oder von der Hiße unreiner und irdischer Begierden verbrannt, oder von den Dornen zeitlicher Sorgen er= stickt werde: sondern verleihe, daß Dein Wort durch Deinen Segen in 48 Beichtgebethe. m mir hundertfältigeFrüchte zum ewigen Leben hervorbringe. Amen. Andachtsübungen zur heiligen Beicht. ( Aus den Schriften des feligen Alphons Liguori.) Stelle dir vor, als wenn diese Beicht die letzte deines Lebens wäre. Bereite dich dazu so vor, als wie ein Mensch, der sich im Krankenbette, dem Tode sehr nahe, schon am Rande des Grabes befindet. Bitte Gott um die Gnade, deine Ges wissenserforschung gut anzustellen, und um das nöthige Licht des Verstandes zu erhalten, deine Sünden recht zu erkennen. Zu diesem Ende sprich: Gott und Vater der Lichter! Der Du alle Menschen erleuchtest, die in diese Welt kommen, sende in mein armseliges Herz einen Strahl des hei ligen Lichtes der Liebe und Reue, daß ich im Stande sey, die Sünden, die ich wider Dich begangen habe, recht zu erkennen, zu bereuen und zu bekennen. Du aber, o Gebärerinn meines Gottes! Die Du so liebevoll bist gegen die Sünder, welche wahrhaft ihre Sünden zu bereuen verlangen, stehe mir bey mit Deiner alles vermögenden 49 Beichtgebethe. Huld und Gnade, Du meine geliebteste Hoffnung! Maria! Mein heiliger Schußengel! hilf mir durch Deinen Beystand alle die Beleidigungen erkennen, deren ich mich wider meinen Gott schuldig gemacht habe. Alle Heiligen und Auserwählten des Himmels! bittet für mich, damit ich würdigeFrüchte der Buße wirke. Amen. Nachgehends kannst du die Gewissenserfor: schung anstellen. Bey Personen, die eines ängstlichen Gewiffens sind, und die öfters die beiligen Sacramente empfangen, muß diese Erfor, fchung furt, nicht ängstlich und ehne Scrupel feyn. Es ist hinlänglich für solche Seelen, daß sie einen vernünftigen und aufmerksamen Blick auf jene Fehler und Unvollkommenheiten werfen, in die sie gewöhnlich zu fallen pflegen. Sie sollen mehr besorgt seyn, das Sacrament der Buße mit vollkommener Zerknirschung, Liebesreue und Andacht zu empfangen, woran sie sonst durch un nüße Furcht und leere Angst am meisten gehindert und gestört werden. Wer hingegen selten zu beichten pflegt, der wende zur Gewissenserforschung so viele Zeit an, als man vernünftiger Weise für so ein wichtiges Geschäft für hinlänglich erachten kann, um die Gattung und Zahl der schweren Sünden, so viel es feyn kann, in's Gedächtnis zu rufen. Nach vollendeter Gewissenserforschung mache 50 Beichtgebethe. die nachstehenden drey kurzen Betrachtungen, um dich zur wahren Reue über deine Sünden zu bewegen. I. Betrachtung über die Größe einer Sünde. Erwäge, daß alle Sünden, so klein sie immer seyn mögen, Gott auf's höchste mißfallen. Sie entehren alle unendlichen Vollkommenheiten Gottes, Der in Sich Selbst unendlich vollkommen, und folglich unendlich geliebt zu werden würdig ist. Wenn du sündigest, so verursachst du Demjenigen ein Mißfallen, Der dich auf das zärtlichste liebet. Ist dieß nicht eine Grausamkeit, und eine Sache wider alle Vernunft?Ach! dieß werden wir nicht eher begreifen, als bis wir einst im Himmel sind. Nein, in diesem Leben werden wir es nicht genug erkennen, was die Sünde für ein Uebel sey, und welche Züchtigung derjenige verdiene, der sie begehet. Act der Reue. O mein Gott! o unendlich liebenswürdigerGott! ich bekenne es, daß mei Beichtgebethe. 51 neSünden sich vermehrt haben über die Zahl der Haare meines Hauptes und derSandkörner an den Ufern des Meeres, und wenn ich auch nur eine einzige begangen hätte, so hätte ich dennoch mit dieser einzigen alle Deine unendlichenVollkommenheiten beleidigt. Ach! warum bin ich doch nicht mit unendlicher Reue und Abschen durchdrungen, da ich doch unendliche Ursachen dazu habe. Ich habe ein nichtiges Geschöpf, ein wenig eitle Ehre, ein schmußiges Vergnügen, einen elenden Eigennus Deiner allerhöchsten Majestät vorgezogen, Die ich anbethen, Der ich dienen, Die ich ehren sollte. Ach mein HErr und mein Gott! durch die ewige Liebe, womit Du Dich Selbst liebest, verzeihe mir meine Sünden. Ounbegreifliche Güte, o unendliche Schönheit! wie habe ich mich entschließen können, Dich zu hassen, Dich zu verachten? Aber es schmerzt und reuet mich dieser wilde und vernunftwidrige Haß. Nein- ich will Dich nicht mehr beleidigen; lieber will ich tausend Mahl meine Güter, 52 Beichtgebethe. Ehre, Gesundheit, ja selbst mein Leben verlieren, als einem so guten Gott, wie Du bist, zu mißfallen. II. Betrachtung über die Wohlthaten des, durch unsere Sünden beleidigten Gottes. Betrachte, wie Gott der allerhöchste Wohlthäter ist, der uns tauſend Wohlthaten im Allgemeinen, Millionen aber derselben im Besonderen erwiesen hat. Er hat uns aus Nichts hervorgebracht! Er hat uns nachSeinem Ebenbilde, Sich Selbst ähnlich, erschaffen, -ohne unseres Daseyns nöthig zu haben;-Er hat uns erlöst mit dem Blute Seines Sohnes; Er hat uns zuChristen gemacht, indeß Er Millionen anderer, uns ähnlicher Menschen in der Nacht des Unglaubens gelassen hat; Er hat uns bis auf diesen Augenblick, sogar in unsern Sünden und Lastern geduldet; Er hat uns so viele und so leichte Mittel gegeben, um die Seligkeit zu erlangen: und wir wir erwieberten Ihm - - Bettgeberhe. alles dieses mit unserer Undankbarkeit! Er hat alle Geschöpfe für uns erschaffen, und wir brauchen dieselben, um Ihn beleidigen! modonhe wir ge HOVER stolid Act der Reue. 53 zu Univ.- Bibl. Giessen $ 4 O welch eine gräßliche Undankbarkeit! Nein- es ist und kann keine ähnliche mehr unter der Sonne seyn. Ja, mein liebenswürdigsterHeiland! dieß ist der Lohn, mit dem ich mich gegen Dich erkenntlich gezeigt habe, weil Qu mich aus nichts hervorgezogen hast, in welchem ich ohne Dich bis auf diesen Augenblick geblieben wäre.- Uch! soso habe ich bis jeht das kostbarste Blut Deiner Adern geschätzt, Welches Dumit so vielLiebe und mit so vielen Schmerzen zu meinem Besten vergossen hast! SichUndankbarer! Wer gibt genug Seufzer meinem Herzen und Thränen meinen Augen, um den Tod meiner Seele zu beweinen, und den Verrath, dessen ich mich an meinem Gott schuldig gemacht habe, würdig zu bereuen? Ach! HErr voll der Güte! erbarme 4 54 Beichtgebethe. Dich meiner! Ich habe ein aufrichtiges Verlangen, ich mache den festesten Borsab, Dich nicht mehr zu beleidigen. Ach! war es wohl billig und gerecht, daß, nachdem ich geboren wurde und zahllose Wohlthaten von meinem Gott empfing, ich Ihn so oft und so schwer beleidigte, wie es leider durch mich geschehen ist? Mußte ich deßwegen, als ich in dem Schooße meiner Mutter von Deiner unsichtbaren allmächtigen Hand gebildet wurde, mit Händen, Füßen, mit Sh ren und mit einem Herzen versehen werden, um mich aller Sinne, als eben so vieler Werkzeuge zur Mißhandlung und Entheiligung Deiner allerhöchsten Majestät zu gebrauchen? Ach, unselige Augen! unglückliche Hände! treulofes Herz! ihr! ihr seyd durch eure Vergehungen Schuld an allen Mühseligkeiten, an allen Qualen, und an dem grausamen Tode, dem der Sohn Gottes am Kreuzesstamme unterliegen mußte. 55 Beichtgebethe. III. Betrachtung über die Gegenwart Gottes, vor deren Augen der Mensch fündigt. nday 90 Bedenke, daß die allerheiligste Dreyeinigkeit, der Vater, der Sohn und der heilige Geist, der alleinige und der allmächtige Gott überall zugegen sey; daß Er alles sieht, alles kennt, alles hört, und jeden innersten und geheimsten Gedanken unseres Herzens mit Seiner vollkommensten Er kenntniß und Wissenschaft durchdringet. Vor dieserschreckbaren Majeſtät, vor Der die erhabensten Seraphim zittern, haben wir die Kühnheit zu fündigen, und solche Dinge vor Ihren Augen zu thun, zu reden, zu denken, die uns gewiß mit Schande bedecken würden, wenn wir sie in Gegenwart des elendesten und geringsten Menschen dieser Welt begehen würden! Erwäge ferner, daß dieser Gott unser allerhöchster Richter ist, Der ganz gewiß und ohne allen Zweifel in der Stunde unseres Todes ein strenges Gericht über alle unsere Gedanken, Worte und Werke halten wird. 4* Beichtgebethe. Act der Reue. Allerhöchster und gerechter Richter der Lebendigen und Todten! Der Du alles siehst, und mit Deiner vollkommensten Erkenntniß bis auf den Grund meines Herzens dringest, ist es möglich, daß ich es wage, vor Dir zu erscheinen, nachdem ich Dir so ungetreu gewesen bin? Aber was soll ich thun? Wohin kann ich vor Dir fliehen, wohin mich verbergen, da Deinen allsehenden Augen nichts verborgen bleibt? Ach! war es nicht ein unerträglicher Muthwille von mir, daß ich mich nicht geschämt habe vor Deiner höchsten Majestät, vor Welcher die Seraphim aus Ehrfurcht ihr Angesicht mit ihren Flügeln bedecken, das zu thun, was ich im Angesichte des allergeringsten und verächtlichsten Menschen nicht gethan haben würde? mein Gott! Erbarmung! Erbarmung! mein Gott und mein Alles! Ich verabscheue von ganzem Herzen aus Liebe zu Dir, Der Du das höchste liebenswürdigste Gut bist, meine Sünden. Nach vollendeter Gewissenserforschung und ges 56 Beichtgebethe. 57 höriger Vorbereitung verfüge dich zu dem heiligen Richterstuhle der Beicht. Mit einem Anstans de, der einer solchen Person geziemt, die sich des Lasters der beleidigten allerhöchsten Majestät schuldig gemacht hat, mit Demuth, mit Einfalt des Herzens, mit innerlicher Ruhe und festem Bertrauen, ohne dich zu ängstigen, wenn etwas von der Erforschung deinem Gedächtnisse entfal= len sollte, verrichte vor dem anwesenden Gewisa sensrichter deine Selbstanklage, und merke mit gelebrigem Herzen auf die Ermahnungen des Beichtoaters. Siehe in ihm nur JEsum Christum, und betrage dich, so lang du mit ihm redest, gerade so, als ob du mit Christo Selbst redetest. Hast du dich etwa einer Sünde anzuklagen, in die du wieder zurückgefallen bift, so mache einen ganz besonderen Vorfaß, nicht mehr darein zu fallen, mit dem ernsten Versprechen, auch die Gelegenheit zu meiden, und die dir vom Beichtvater verordneten Mittel, oder diejenigen, die du als die wirksamsten zu deiner Besserung er: achtest, gewiß anzuwenden. 1 Gebeth nach der heiligen Beicht. Mein liebster JEsu! wie sehr bin ich Dir verbunden! Durch die Verdienste Deines Blutes hoffe ich heute Verzeihung zu erhalten. Ich danke Dir über alles. Ich hoffe einst in den Himmel zu kommen, und dort Deine Barmherzigkeit ewig zu preisen. Mein Gott! 4 58 Von der heiligen Communion. habe ich Dich auch bis jetzt so oft verloren, so will ich Dich doch künftighin nicht mehr verlieren. Von heute an will ich mein Leben aufrichtig bes sern. Du verdienst alle meine Liebe, ich will Dich auch wahrhaft lieben, und will mich nie mehr von Dir ge= trennt sehen. Ich habe es schon versprochen, doch ich wiederhohle abermahl mein Versprechen, daß ich lieber sterben, als Dich mehr beleidigen will. Ich verspreche auch jede Gelegenheit der Sünde zu fliehen, und um nicht mehr zu fallen, dieses Mittel zu ergreifen.( Hier bestimme, welches Mittel.) Allein Du kennst, mein JEsu! meine Schwachheit; gib mir die Stärke, daß ich Dir bis zum Tode treu verharre. O MAria! Du bist die Mutter der Beharrlichkeit! sey meine Helferinn, denn auf Dich ist meine Hoffnung nach Gott gerichtet. Von der heiligen Communion. Unterricht. ( Uus den Schriften des seligen Alphons Liguori gezogen.) Unter allen heiligen Sacramenten ist das Altarssacrament das heiligste, vortrefflichste und Von der heiligen Communion. 59 vornehmste. Die andern heiligen Sacramente ent= halten die Gnaden und Gaben Gottes, das heis ligste Sacrament des Altars enthalter Gott Selbst. Daher sagt der englische Lehrer Thomas von Aquin: Die andern Sacramente sind von JEsu Christo dazu eingesetzt, um den Menschen entweder zum Empfange oder zur Ausspendung dieses allerheiligs sten Sacraments fähig zu machen, Welches die Vollendung des geistlichen Lebens ist; da von dies sem heiligen Sacramente alle Vollkommenheit un serer Seelen herkommt. Denn die ganze Vollkoms menheit des Menschen besteht: in der Vereini gung mit Gott; es ist aber kein kräftigeres Mita tel, uns mit Gott zu vereinigen, als die heilige Communion, durch welche die Seele mit JEfu Christo gleichsam Eines wird, wie Er Selbst be zeugt, indem Er spricht: Wer Mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Jch in ihm.( Joh. 6, 57.) Die vorzüglichste Wirkung dieses allerheiligs ften Sacraments ist: daß es dem Menschen das Leben der Gnade ertheilet. Deswegen wird es Brot genannt; weil, so wie das irdische Brot das Leben des Leibes erhaltet, eben so erhaltet dieses himmlische Brot das Leben der Seele, wel: ches die Gnade Gottes ist. Es ist nach dem Ausspruche des Tridentinifchen Kirchenrathes das träftigfte Arzneymittel, welches: uns von unsern täglichen Fehlern und Mängeln befreyt, und vor der Todfünde bewahret.( Trid. Seff. 13. 2.) Vor allem flößt die heilige Communion uns. 60 Von der heiligen Communion. die Liebe gegen Gott ein. JEsus Christus hat es ausdrücklich bezeugt, daß Er aus keiner andern Ursache auf die Welt gekommen sey, als um das Feuer Seiner göttlichen Liebe in unsern Herzen anzuzünden. Ich bin gekommen, ein Feuer auf Erden zu senden, und was will Ich anders, als daß es angezündet werde? ( Luc. 12, 49.) cher Was ist aber auf Erden, was das Feuer der göttlichen Liebe in dem menschlichen Herzen mehr entzünden könnte, als das heiligste Altarsfacra= ment, wo der göttliche Heiland Sich uns ganz und gar schenket? Dieß lehret uns auch die heilige Kirche durch den heiligen Kirchenrath von Trient, welcher sagt: unfer Heiland habe in die fem Sacramente alle Schårze Seiner Liebe gegen uns ausgegoffen.( Seff. 13. 2.) Was sollen also die Menschen wohl mehr und inniger verlangen, als JEfum Christum so oft als es ihnen nur möglich ist, in der heiligen Com munion zu empfangen? Es ist bekannt, daß die ersten Christen, wie es der heilige Lucas bezeugt, täglich zum Tische des HErrn gingen. Sie verharrten täglich einmüthig in dem Tempel, und brachen das Brot in den Säusern. ( Act. 2, 46.) Unter dem Brote verstehen insgesammt alle rechtgläubigen Schriftausleger die heilige Com munion. Es ist ferner bekannt, daß die heilige Kirche im Tridentinischen Kirchenrathe wünscht. daß die Gläubigen, die dem Opfer der heiligen Messe beywohnen, nicht nur geistiger, sondern Von der heiligen Communion. 61 auch wirklicher Weise communiciren möch ten.( Seff. 22. 6.) Es ist auch bekannt, daß die größten Heili gen sich der öfteren heiligen Communion als des Fräftigsten Mittels bedienten, um in der Fröme migkeit und Tugend große Fortschritte zu machen. Was soll man also zu jenen Christen fagen, welche dem Wunsche JEfu Christi und Seiner heiligen katholischen Kirche nicht entsprechen, und den heiligen Seelen nicht nachfolgen wollen? Ach!- ich weiß es, sie entschuldigen sich mit der Fahlen Ausrede: Wir sind nicht würdig, so oft zum Tische des HErrn zu gehen. D, mein Gott! wenn man auf die Würdigkeit sehen wollte, wer ist denn wahrhaft würdig zu communiciren? JEfus Christus wäre allein nur würdig gewesen zu com: municiren, weil Gott nur allein würdig ist, Gott zu empfangen. Ich fage dir aber, mein lieber Christ: daß, jemehr du dich von der Communion entfernest, du um so mehr unwürdig seyn wirft, sie zu empfangen; denn je seltener du zum Tische des HErrn gehst, desto zahlreicher werden deine Fehler seyn, weil dir das Haupthülfsmittel, wel: ches eben die heilige Communion ist, mangelt, um deine Fehler recht zu beffern. Aber du sagst wieder: ich weiß nicht, ob ich in der Gnade Gottes bin, darum getraue ich mich nicht zur heiligen Communion zu gehen. Sage mir aber: was erwartest du, damit du wissen kannst, ob du in der Gnade Gottes feyst oder nicht? Erwartest du vielleicht, daß ein Engel vom Himmel komme, und es dir fage? Soll es dir 62 Von ber heiligen Communion. nicht genügen, wenn es dein Beichtvater dir era laubt? Wiffe, daß, wenn es dein Beichtvater dir erlaubt, so kannst du dich mehr darauf vers laffen, als wenn alle Engel es dir fagten; indem uns Jesus Christus nicht an die Engel, sondern an die Priester, als Stellvertreter Gottes, anges wiefen hat. D Aber, was werden die Leute sagen, sprichst du, wenn sie mich so oft communiciren sehen? Sie werden es entweder für eine Entheiligung ansehen und tadeln, oder mich gar verspotten und für einen Narren halten. Ich antworte dir darauf: So oft du mit Wiffen deines Beichtvas ters communicirst, und du die gute Absicht hast, in der Tugend größere Fortschritte zu machen, fo communicire nur, und laß die Leute sagen, was sie wollen! Der berühmte Johannes Avila sagt: daß diejenigen das Amt des Teufels vertreten, welche Andere tadeln, daß sie öfter coms municiren; und du wolltest so thöricht seyn, und ihnen folgen? warum du Höre, was der heilige Franciscus von Sas les sagt:» Wenn dich die Weltkinder fragen, oft communicirfst, fo antworte ih: nen: Zwey Gattungen der Menschen müssen oft communiciren: die Vollkommenen nähmlich und die Unvollkommenen; die Vollkommenen, damit sie sich in der Vollkommenheit erhalten, die Un= vollkommenen, damit sie zur Vollkommenheit gelangen. Die Starken, damit sie nicht schwach werden, und die Schwachen, damit sie stark wer den. Die Kranken, damit sie gefund werden, Bon ber heiligen Communion. 63 die Gefunden, damit sie nicht krank werden. Und was dich anbelangt, so mußt du als eine Unvollkommene, Kranke und Schwache öfters communis ciren.«( S. Franc. Sales. Intr. ad vit. div.) O mein Gott! was nüßen alle kahlen Ausflüchte und Entschuldigungen? Sage die Wahrs heit, fage sie aufrichtig:- Deßwegen willst du nicht öfters zur heiligen Communion gehen, weil du dann die Eitelkeiten und fündhaften Vergnüs gungen der Welt verlaffen müßtest; deßwegen liebst du nicht diese Speise der Engel, weil du noch die Geschöpfe mit einer unordentlichen Neis gung liebest; deßwegen trauest du dich nicht JE. fum Christum oft zu empfangen, weil du die Vorwürfe fürchtest, die dir Jesus Christus, dein Heiland, wegen deines noch unordentlichen und fündhaften Lebenswandels machen möchte, wenn du Ihn öfters im heiligsten Sacramente empfangen würdest. Nimm dich aber wohl in Ucht, daß deine sündhafte Lauigkeit dich nicht auf ewig ins Verderben stürze. Fürchte nicht, daß du auf dem Sterbebette dir werdeft jene Communionen vorwerfen müssen, die du mit gebührender Undacht empfangen haft; fondern fürchte dich, daß du esach vielleicht zu spät!- bereuen wirft, daß du dich so vieler Gnaden beraubt haft, die du durch den öftern würdigen Genuß der heiligen Communion hättest erlangen können. Communicire demnach oft, mein lieber Christ, so oft als es dir dein Beichtvater erlaubt. Vernachlässige wenigstens an den größeren Festtagen nicht, die heilige Communion zu empfangen. Von der heiligen Communion. Lebe aber so, daß du täglich communiciren Fönntest, also fagt es der heilige Augustin, also wünscht es die heilige katholische Kirche. 64 Von der Vorbereitung zur heiligen Communion. Wenn man zum Tische des HErrn geht, muß man: 1.) Im Stande der heiligmachenden Gnade feyn. Wehe dem, der es wagen würde, mit einem durch die Todsünde besudelten Gewissen zu dem allerheiligsten Tische des HErrn zu gehen. Einen gräuelvollen Gottesraub, gleich dem Verräther Judas, würde ein folch frevelhafter Christ bege= hen; denn von diesem Unglücklichen steht gefchries ben: Nachdem er den Bisfen( die heilige Come munion) genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Darum ruft uns der heilige Paulus mit ernsten und ermahnenden Worten zu: Es prüfe sich der Mensch selbst, bevor er von diesem Brote ist, und von diesem Kelche trinkt, denn wer uns würdigißt und trinkt, der ist und trinkt sich felbst das Gericht hinein, weil er den Leib des HErrn nicht unterscheidet.( 1. Cor.11,28.) si Dieß bedeutet eben fo viel, als: wer unwürz dig communicirt, der begeht die gräulichste Miß: handlung des Leibes und Blutes JEfu Chrifti, und macht sich der Strafe der Blutschuld schuldig, wie die Juden, die JEfum Christum getödtet has ben.( Siehe des heiligen Chrysostomus 60. und 83. Homil. über Matth.) Von ber heiligen Communion. 65 2.) Man muß mit seinen Nächsten in Liebe und Eintracht leben. Communion heißt Vereiz nigung, weil sie das Sinnbild der vollkommes nen Einigkeit und brüderlicher Liebe aller Gläuerlicher Li bigen in Chrifto ist. Jesus Christus lehrt, daß man seine Orfers gabe nicht auf den Alltar bringen sollte, wenn man sich erinnert, daß unser Nåchster etwas wider uns habe; um wie viel mehr also darf man sich nicht zum Tische des HErrn nahen, wenn man selbst noch eine Feindschaft wider den Nächsten im Hers zen trägt. Man muß sich also früher mit seinem Feinde verföhnen. 3.) Am Vorabende der heiligen Communion foll man sich schon dazu vorbereiten durch from mes Gebeth, durch das Lesen eines andächtigen Buches u. f. w., und sich aus Ehrfurcht vor dem heiligsten Sacramente der lärmenden und zers streuenden Beluftigungen enthalten. 4.) Man muß den Leib Christi nüchtern empfangen, das ist: von Mitternacht an, muß man gar nichts gegessen oder getrunken oder verkostet haben. Davon sind aber die Kranken, die dieß heiligste Sacrament als eine Wegzehrung empfan gen, frey gesprochen. 5.) Man soll am Tische des HErrn eingezo gen, ebrbar gekleidet, und ohne allen eitlen oder gar frechen Aufpug erscheinen. 66 no 38 Andachtsübungen zur heiligen Communion. ( Aus den Schriften des seligen Alphons Liguori gezogen.) Vorbereitung zur heil. Communion.. I. Uebung des Glaubens. Wohlan dann meine Seele! be= reite dich JEfum zu empfangen; bereite dein Herz erstlich durch den Glauben. Sage zu Ihm: Ach mein. Heiland und mein Erlöser! so wirst Du denn nach wenigen Augenblicken Selbst zu mir kommen. Du verborgener und von dem größten Theile der Menschen verkannter Gott! ich glaube an Dich, ich bekenne Dich, ich bethe Dich an in dem heiligsten Sacramente als meinen HErrn und Heiland. Zur Bestätigung dieser Wahrheit woll te ich gern mein Leben hingeben. Du kommst zu mir, um mich mit Deinen Gnaden zu bereichern, und um Dich mit mir ganz zu vereinigen. O wie groß soll mein Vertrauen auf diese Deine so liebreiche Ankunft seyn. 38 S.HIERONYMUS. Lecop Burchart geft, in start. Bun m 67 Communion- Gebethe. II. Uebung der offnung. Erweitere dein Herz, meine Seele! Dein JEsu kann dich mit allen Gütern erfüllen! Und weil Er dich so unbegreiflich innig liebt, so hoffe große Dinge von diesem deinen HErrn, der von Liebe angetrieben, ja ganz in Liebe verwandelt zu dir kommt. Ja mein liebster JEsu! meine Hoffnung! Ich setze all mein Vertrauen auf Deine Güte, daß Du an dem heutigen Tage, da DuDich mir schenkest, die angenehme Flamme Deiner heiligenliebe in meinem armen Herzen entzünden, und daß Du ein wahrhaftes Verlangen, nur einzig Dein Wohlgefallen zu suchen, mir verleihen werdest, damit ich von nun an, künftighin nichts anderes wolle und begehre, als nur dasjenige, was Dir gefällt. III. Uebung der Liebe. Uch, Du einziger und wahrer Liebhaber meiner Seele! Dumein Gott und mein Heil! was konntest Du noch mehr thun, um von mir geliebt zu werden? Für mich zu sterben, Du Gebiether 68 Communion- Gebethe. meiner Seele! war Dir nicht genug; Du hast dieses Sacrament einsehen wollen, um Dich mir ganz zu geben, und Dein Herz mit dem Herzen eines so elenden, undankbaren Menschen, als ich bin, vereinigen und enge verbinden zu können. unendliche Liebe! o unbegreifliche Liebe! o unermessene Liebe! Ein Gott will Sich mir ganz schenken, will Sich mir ganz zur Speise geben! Meine Seele, glaubst du dieses? Und wenn du es glaubst, was thust du, was sagst du dazu? Ach mein Gott! o mein gütigster Gott! o unendlich liebenswürdiges, selbstständiges Wesen! Du einziger Gegenstand, würdig, daß Dir der Himmel und die Erde mit Liebe buldige! Ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen! Ich liebe Dich über alles! O könnte ich es bewirken, daß Dich aller Menschen Herzen so liebten, wie Du geliebt zu werden verdienst. Ich liebe Dich, o liebenswürdigster Gott! Ich vereinige mein armseliges Herz mit den heiligen Seraphim, mit dem liebevollen Herzen der allerseligsten Jungfrau ▼ Communion- Gebethe. Muria, und mit dem allerheiligsten Herzen JEsu, Deines allerliebsten Sohnes. Nun liebe ich Dich demnach, o unendliche Güte! mit aller der Liebe, mit welcher Dich alle Heiligen, MAria und JEsus lieben. Ich liebe Dich allein darum, weil Du würdig bist über alles geliebt zu werden. 69 IV. Uebung der Demuth. Meine Seele! du gehst nun hin dich mit dem allerheiligsten Fleische JEsu zu speisen, bist du aber desſen auch würdig? O mein Gott! wer bin ich, und wer bist Du? Mein Gott! ich erkenne Deine allerhöchste Majeſtät, und zugleich mein äußerstes Elend. Ich möchte gern aus Ehrfurcht mich von Dir entfernt halten; allein wenn ich mich von Dir entferne, wohin soll ich gehen? zu wem meine Zuflucht nehmen? was wird aus mir werden? Nein, mein Gott und mein HErr! niemahls will ich von Dir weichen. Ganz gedemüthigt und wegen meiner Sünden mit Schamröthe bedeckt, komme ich diesen 70 Communion- Gebethe. Morgen zu Dir. Bey alle dem aber bin ich voll des festen Vertrauens auf Deine Güte und unbegrenzte Liebe, die Du gegen mich zu tragen Dich würdigest. V. Uebung der Reue. O Gott meiner Seele! wie schmerzet es mich, daß ich Dich bisher nicht geliebt, ja vielmehr, anstatt Dich zu lieben, meine Lüste und unordentlichen Neigungen befriediget, und Deine unendliche Güte so oft betrübt und beleidiget habe. Ich hasse und verabscheue über alles alle Beleidigung, so wohl die großen, als auch die kleinen, die ich Dir zugefügt habe, weil Du dadurch bist beleidiget wor den, Der Du die unendliche Güte Selbst bist. Ich hoffe zwar, o mein Gott! daß Du mir meine Missethaten schon verziehen hast; sollte dieses aber nicht geschehen seyn, so bitte ich Dich mit verdemüthigtem und zerknirschtem Herzen, laß mir die Gnade Deiner väterlichen Verzeihung zukommen, ehe ich Dich noch empfange; wasche zuvor mit Deinem Blute meine Seele ab, in Communion- Gebethe. 71 welche Du nun bald eingehen willst, um darin zu wohnen. VI. Uebung des Verlangens. So erhebe dann deine Begierden, meine Seele! jene glückseligste der Stunden deines Lebens ist angerückt, in welcher dein JEsus kommen will, um in deinem Herzen aufgenommen zu werden. Sieh, der König des Himmels! sieh, dein Gott und Erlöfer kommt wirklich schon zu dir; stehe bereit, Ihn mit Liebe aufzunehmen; rufe und seufze nach Ihm mit heftigem Verlangen; sage Ihm: Komm, o mein JEsu! komm in meine Seele! denn sie verlangt nach Dir. Ehe aber Du Dich mir schenkest, will ich Dir ein Geschenk und ein Opfer von meinem armseligen Herzen machen; siehe, ich übergebe es Dir wirklich. Nimm von mir diese, zwar geringe, aber dennoch meine allerbeste Gabe an; komm und säume nicht, Besit davon zu nehmen. O allerheiligste Jungfrau und meine Mutter Muria! sieh, ich nähere mich schon dem Altare, Deinen allerliebsten * 13 72 Communion- Gebethe. Sohn zu empfangen. Ach könnte ich Deine Reinigkeit und Liebe haben, mit welcher Du Jhn in diesem Sacramente empfangen hast. O Mutter der Barmherzigkeit! reiche mir diesen Morgen Deinen Sohn JEsus, so, wie Du Ihn einstens den Hirten und den Weisen aus dem Morgenlande dargereicht bast. Aus Deinen allerreinesten Hän den will, begehre und verlange ich Ihn heute zu empfangen. SageIhm, daß ich einer aus Deinen Dienern sey; dann bin ich versichert, daß Ermich mit weit liebreicheren Augen ansehen, und mich weit inniger bey Seiner Ankunft mit Sich vereinigen werde. Wann der Priester die heiligste Hostie zeigt, so sprich mit ihm folgende Worte, drey Mahl: O HErr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird gefund meine Seele. Dann schlage die Augen sittsam nieder, öffne den Mund, halte die Zunge etwas weniges heraus, empfange darauf, ohne hastige Bewegung mit dem Munde, das allerheiligste Sacrament, und, ohne zu beißen, bloß mit Hülfe der Zunge lasse die heiligste Hostie hinab. Communion Gebethe. 78 Von der Danksagung nach der heilis gen Communion. Es ist kein Gebeth, das Gott angenehmer und unsern Seelen nüßlicher wäre, als jenes Gebeth, welches man als Danksagung nach der heiligen Communion verrichtet. Christus, unfer Heiland, bleibt in uns so lange, bis die Gestals ten verzehrt sind. Man kann sich vorstellen, als hörte man aus dem Munde JEsu Christi Selbst jene Worte, die Er ju Seinen Jüngern gespro= chen hat: mich aber habt ihr nicht immer bey euch. Man soll nicht alsogleich nach der heiligen Communion in einem Buche lesen; es ist weit besser, wenn man sich wenigstens eine kurze Zeit nach der heiligen Communion in heiligen Anmus thungen und Liebesfeufzern übet, und einige Alugenblicke in einem einsamen und vertraulichen Ges spräche mit JEfu Christo zabringt, der eben Selbst im Herzen gegenwärtig, und als Gott und Mensch jugegen ist. O was für Schätze der Gnaden kann eine fromme Seele erhalten, wenn sie nach der heiliz gen Communion, wenigstens eine halbe Stunde sich mit dem guten JEfu im Geiste anterhaltet! Die übrige Zeit des Tages soll eine fromme Geele oft an jenen großen Gast denken, Den sie in der Communion empfangen hat. 5 74 Communion Gebethe. Danksagung nach der heiligen Communion. I. Ulebung des Glaubens. unbegrenzte Güte! o uneingeschränkte Barmherzigkeit! o unendliche Liebe! Ein Gott kommt, um Sich mit mir zu vereinigen, um mich ganz Sein zu machen. Meine Seele! die du jest mit JEsu so enge verbunden und mit Ihm Eins geworden bist, was wirst du thun? wirst du Ihm nichts sagen?- wirst du dich mit deinem Gott nicht unterreden? Bedenke, daß dich unzählige Engel umgeben, und ihren Gott, Der jetzt in deinem Herzen wohnt, anbethen. So bethe auch du diesen deinen HErrn in dir an, ziehe dich in dich selbst zurück, versammle deine Geisteskräfte, vertreibe alle fremden Gedanken aus deinem Herzen. 1 II. Uebung der Begrüßung. Mein JEsu! mein Gebiether! mein unendliches Gut! mein Alles! gelobt und gebenedeyet sey von mir und von allen Deinen GeschöpfenDeine Ankunft in die armselige Hütte meiner Seele! Communion Gebethe. H 75 III. Uebung der Danksagung. Mein Gott und mein HErr! ich danke Dir für die Gnade, die Du mir diesen Morgen erwiesen, daß Du Dich gewürdigt hast, zu mir zu kommen, und in meinem Herzen zu wohnen. Ich wünschte Dir eine, der Größe Deiner mir erzeigten Gnade würdige und angemessene Dankbarkeit zu erstatten, aber wie kann ich Armseliger Dir jemahls würdig genug danken? IV. Uebung der Aufopferung. Ich opfere und übergebe Dir heute, mein göttlicher Heiland! alles, was ich habe, und alles, was ich bin: meine Anmuthungen, meine innern und äußern Sinne, meine Gedanken, meine Begierden, mein Vergnügen, meine Neigungen, meine ganze Freyheit, die Glieder meines Leibes, jeden Tropfen meines Blutes. Kurz alles, Leib und Seele lege ich als ein Opfer zu Deinen allerheiligsten Füßen nieder. Komm, o verzehrendes Feuer! o göttliche Liebe! und verzehre alles in 5* 76 Communion Bebethe. mir, was mein ist, und Deinen allerreinesten Augen mißfällt; damit ich von heute an Dir ganz angehöre, und nur darum lebe, um nicht nur allein Deine Gebothe und Deine Räthe, sondern auch alle Begierden Deines göttlichen Herzens, und Dein heiliges Verlangen zu befolgen und zu erfüllen. Amen. 4 V. Uebung der Bitte. Meine Seele! die gegenwärtigen Augenblicke der Zeit sind die allerköstbarsten in der Reihe deines Lebens. Laß keinen vorübergehen, ohne ihn nüßlich angewendet zu haben. Keine Gnade ist in dem unübersehbaren Schaße der Reichthümer Gottes zu finden, die du nicht jett erhalten könntest. Siehe, wie freundlich der ewige Vater auf dich herabblickt, indem Er in dir Seinen geliebten Sohn sieht diesen allerangenehmsten Gegenstand Seiner allmächtigen Vaterliebe. JEsus Selbst spricht zu dir: Was verlangst du, das Ich dir erweisen soll? Ich bin gekommen, um dir von meinen Reichthümern mitzutheilen, und deine Bedürfnisse zu befriedigen. Begeh Communion Gebethe. 77 re von Mir mit Vertrauen, du sollst sicher alles erhalten, was du verlangst. ( Halte ein wenig still, und begehre von JEsu eine besondere Gnade, besonders aber jene, daß du deine Hauptleidenschaft überwindest. Ver= giß nicht um die Bekehrung der Sünder, und um die Erlösung der Seelen im Fegfeuer zu bitten). * - Ewiger Vater! JEsus Christus, Dein eingeborner Sohn, hat uns Selbst mit diesen Worten versichert: Wahrlich, wahrlich sage Ich euch, so ihr den Vater in Meinem Nahmen um etwas bitten werdet, so wird Er es euch geben.( Joh. 16.) Aus Liebe gegen diesen Deinen Sohn, Den ich jetzt in meinem Herzen trage, erhöre meine Bitte, ertheile mir und Allen, für welche ich heute mein Gebeth vor Dir ausgieße, dasjenige, was ich von Dir begehre. Amen. JEsus und Maria! Ihr angenehmen Gegenstände meiner Liebe! aus Liebe für Euch will ich leiden, und aus Liebe zu Euch will ich sterben. O daß ich doch Euch ganz angehören und keinen Theil an mir selbst haben möchte! Hochgelobet und gebenedeyet sey zu 78 Von der geistlichen Communion. allen Zeiten das allerheiligste Sacrament des Altars, und gebenedeyet sey die heiligste und unbefleckte Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Muria! Von der geistlichen Communion. Die geistliche Communion, welche unglücklicher Weise unter den Christen unserer Tage so sehr außer llebung gekommen ist, ist ein so vortrefflicher Schatz der Andacht, daß sie nach der Meinung mehrerer Heiligen gewisser Maßen eben dieselben Gnaden in der Seele hervorbringen kann, wenn sie gut verrichtet wird, als der wirkliche Genuß des heiligsten Altars facraments, wenn nätalich derselbe dem gottliebenden Herzen nicht möglich ist. Ilm die heilige Communion geistlicher Weise zu empfangen: ist nichts weiter nothwendig, als daß man den fehnlichsten Wunsch im Herzen erwecke, sie wirklich, wenn es seyn könnte, zu em pfangen. Der heilige Thomas von Aquin lehrt: daß die geistliche Communion in einem brennen: den Verlangen JEfum Christum im heiligsten Sa: cramente zu empfangen, und in einer liebevollen Umarmung im Geiste, als wenn man Ihn wirklich empfangen hätte, bestehe. Der heilige Kirchenrath von Trient erhebt die geistliche Communion mit ganz besonderen Lob Von der geistlichen Communion. 79 sprüchen, und muntert alle Gläubigen dazu auf, besonders bey der heiligen Messe; wenn sie nicht wirklicher Weise communiciren. Wer demnach von Gott große Gnaden empfangen will, wer JEsum Christum, den liebvollsten Heiland, gern in der Wirklichkeit empfan= gen möchte, und oftmahl nicht kann, der ver= richte die geistliche Communion. Man kann sie sehr oft, zu jeder Stunde, jeden Augenblick und an allen Orten verrichten. Man kann sie verrichten ohne von Jemanden bemerkt zu werden, ohne nüchtern feyn zu müssen, ohne die Erlaubniß des Beichtvaters dazu zu haben. Nur muß man noch bemerken, daß derjenige, der in einer Todsünde wiffentlich sich befände, diese heilige llebung vergeblich verrichten würde, ja es wäre sogar eine schwere Sünde für ihn, eine Art von Gotte$ raub, wenn er sich erfrechen wollte, in einem solchen Zustande geistlicher Weise JEfum Christum empfangen zu wollen. Daher ist es sehr rathsam, jedes Mahl eine vollkommene Reue über feine Sünden zu erwecken, ehe man geistlicher Weife communicirt. Ein ganz besonderes Wohlgefallen wirst du JEfu Christo, unserm liebenswürdigsten Heilande, verursachen, wenn du Ihn oft mit heiliger An dacht und reiner Inbrunst des Herzens an jenem Orte besuchest, wo Erim heiligsten Altarssacramente unter der geheiligten Brotsgestalt zugegen ist. Hier folgt eine Besuchung des heiligsten Altarssacraments, und die Form der geistlichen Com munion. Beydes ist entlehnt aus dem allgemein 80 Besuchung des allerheiligsten Altarsfacraments. geschätzten Buche: Besuchungen des heilis sten Altarssacraments vom[ eligen la phons Liguori. Besuchung des heiligsten Altarssacraments. Wo findet ein von Widerwärtigkeiten gebeugtes, von Kummerzerrissenes, und von Verfolgungen betrübtes Herz süßern Trost, mehr Erquickung und gewissere Erleichterung, als da, wo es sich vor einem aufrichtigen Freunde ganz ausschütten kann; und uns, die wir hier im Thale der Thränen und der Betrübniß, in dem Lande der Verweis sung wohnen, uns sollte es nicht tröstlich seyn, die Gesellschaft des allerbes sten, des aufrichtigsten und unwandelbarsten Freundes zu genießen, Der uns alles Gute erweisen kann, eines Freundes, Der uns so herzlich, so ins brünstig liebet, daß Er unaufhörlich unter uns Sich aufhalten will? Sehet, wir können uns mit Jesu in dem allers heiligsten Altarssacramente nach Be Besuchung bes allerheiligsten Mtarssacraments. 81 lieben unterreden; wir können vor Ihm unser ganzes Herz ohne alle Zurückhaltung ausgießen; wir können Ihm unser Anliegen, was es immer für eines seyn möge, vortragen, unsere Bedürfnisse eröffnen, unsere Bitten anbringen und um Gnade anhalten. Mit Einem Worte, wir können mit bem höchsten Könige des Himmels und der Erde hier in den geheimnisvollen Gestalten mit aller Bertraulichkeit, ohne mindeste Scheu Umgang pflegen. Wie glücklich warehemahls Joseph, ei ner der zwölf Söhne des Erzvaters Jacob, da Gott, wie die Schrift bezeuget, mit Seiner Gnade zu ihm in die Eisterne, wohin der Neid seiner Brüder, und dann wieder in den Kerker, wohin die Bosheit des Weibes seines Herrn ihn geworfen hatte, herabgestiegen ist, um ihn darin nicht ohne Trost zu lassen. Sie, die Gnade der ewigen Weißheit, hat den Gerechten nicht verlassen, da er verkauft wurde, sondern ihn von der Sünde errettet. Sie ist auch mit ihm in die Grube hinabgestiegen, und hat ihn in den Banden nicht verlassen, bis Sie ihm den Reichszepter und die 82 Besuchung des allerheiligsten Altarsfacraments. Gewalt über diejenigen gab, welche ihn unterdrückt haben."( Buch der Weisheit 10, 13-14). Wie weit glücklicher sind wir, da wir unsern vermenschten Gott in diesem Jammerthale allezeit bei uns haben, Welcher mit Seiner wesentlichen Gegenwart alle Tage unsers Lebens mit unbegreiflicher Liebe und herzlichem Mitleide uns beysteht! Welcher Trost für das Herz eines unglücklichen Gefangenen, einen aufrichtigen Freund gefunden zu haben, der ihm täglich im Kerker Gesellschaft leiſtet, Trost zuspricht, seine Hoffnung auf richtet, seine Bedürfnisse aus eigenen Mitteln befriedigt, und bedacht ist, ihn aus der harten Gefangenschaft zu befreyen, oder dieselbe wenigstens zu erleichtern? Sehet, einen so aufrichtigen Freund haben wir an dem liebenswürdigsten JEsu, Welcher in diesem Sacramente zu uns kommt, um uns Trost zu ertheilen, und immer neu aufzumuntern, indem Er spricht: Sehet, Ich bin alle Tage bey euch.( Matth. 28) Ich bin in dieses euer Gefängniß Besuchung des allerheiligsten Ultarssacraments. 83 vom Himmel herabgekommen, bloß um euretwillen, um euch darin zn trösten, euch zu helfen, und aus eurem Elende zu retten. Nehmt mich also auf, ihr Seelen! die Ich mit Meinem Blute erkaufet habe; bleibt Mir zugethan; werfet euch in Meine Arme; haltet und drücket euch fest an Mich: und ihr werdet bey einem solchen Verhalten in eurem Elende, in eurer Verweisung, in eurer Gefangenschaft nicht sinken, alsdann werdet ihr mir in Mein Reich folgen, wo Ich euch vollkommen glücklich machen will. O gütigster Gott! o unbegreifliche Liebe! Du bist so gütig mit uns, Du erniedrigst Dich so sehr, daß Du sogar den Himmel verlassest, und auf unsere Altäre herabsteigest, um mit uns einen vertraulichen Umgang zu pflegen, und immer persönlich nahe bey uns zu seyn. So will ich von nun an Deinen heiligsten Absichten zu ent sprechen mich befleißen. Ich will mich künftighin öfter bey Dir einfinden; ich will mich nach allen Kräften bemühen, Deiner Gegenwart zu genie: 81 Besuchung des allerheiligsten liars sacraments. ßen, so oft es mir nur immer mög lich seyn wird, jener entzückenden Gegenwart, welche die Fülle der Glückseligkeit der Auserwählten im Himmel ausmacht. O könnte ich alle Augenblicke meines Lebens in Deiner Anbethung zubringen! Weil aber die Hinfälligkeit meiner Kräfte es nicht zuläßt, daß ich dich unaufhörlich ehre, und Dir mündlich die Betheurung meiner Liebe erneure; so wecke Du, o Gott meines Herzens! meine Seele, so oft sie durch Trägheit, durch Lauigkeit, oder durch weltliche Geschäfte verleitet, Dich zu besuchen unterlassen sollte. Gib, daß ich in der genauen Befolgung der Pflichten meines Standes, meines Amtes und meines Berufes Deiner Majestät eine immerwährende Anbethung leiste, und auch durch die Erfüllung der, allen Menschen gemeinen, und sonst gleichgültigen Handlungen Dir wohlgefällig diene. Entzünde in mir das Verlangen, allezeit nahe bey Dir im hochwürdigsten Sacramente zu seyn, und leite mein Gedächtniß, daß es sich auch damahls mit Deiner Gegen- Geistliche Communion, 85 wart beschäftige, wenn der Verstand und die Glieder des Leibes den Berufsund Standesgeschäften obliegen. Ach, liebvoller JEsu! hätte ich Dich allzeit geliebet! hätte ich jeder Zeit auch in meinen Arbeiten Dein Wohlgefallen gesucht! Ach wie viel hätte ich bis jetzt gewinnen können, wie vieles für den Leib und wie vieles für die Seele, wie vieles für die Zeit und wie vieles für die Ewigkeit! Ich tröste mich damit, daß ich aus Deiner Gnade noch Zeit haben werde, meine Nachlässigkeit zu verbessern. Ich will alles ersehen; ich will Dich wahrhaft lieben, Dich, mein allerhöchstes Gut, mein kostbarer Reichthum und mein Alles! Mein Gott, hilf, daß ich Dich liebe! Form der geistlichen Communion. Unbethungswürdiger JEsu! ich glaube fest, daß Du in dem heiligsten Sacramente des Altars wesentlich zu 86 Verehrung der allerseligsten Jungfrau. ich nicht mehr fündigen. gegen bist.- Ich liebe Dich über alles.- Aus Liebe zu Dir bereue ich alle meine Sünden. In Ewigkeit will Meine Seele verlangt Dich zu empfangen. Weil ich Dich aber gegenwärtig wesentlich im Sacramente nicht empfangen kann, so komme geistlicher Weise, und kehre mit Deiner Gnade in mein Herz ein. ( Hier erwecke die Begierde, JEsum im heilig: sten Sacramente zu empfangen.) Ich umarme Dich, o JEsu! als schon wirklich gegenwärtig! Ich vereinige mich ganz mit Dir, lasse nicht zu, daß ich mich jemahls von Dir trenne! - Von der Andacht zur seligsten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes. 1. Maria hat uns JEfum Christum, unfern Heiland, geboren; Sie ist also eine wahrhafte Mutter Gottes. Bedenke, mein Christ, nur dieß eins zige Wort recht: Maria ist die Mutter Gottes! Fönnte Ihr Gott wohl noch einen höhern Nahmen und eine größere Würde geben? Und mit welchen Augen wird JEsus einst diejenigen anschauen, wel Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. 87 che Seine allerheiligste Mutter nicht ehren wolls ten, Der Er Selbst eine so große Ehre erwies. Gibt es wohl ein Geschöpf, welches von Gott mehr geliebt wird als Maria, und du wollteft Jene nicht lieben, Die Gott so besonders liebt? 2. Maria ist unsere Hoffnung. Die heilige ka: tholische Kirche grüßet Sie: Unsere Soffnung sey gegrüßt. Ihr versagt Gott nichts, wenn Sie um etwas bittet, weil Er Ihr Sohn ist. Sie wird auch uns nichts versagen, wenn wir Sie um etwas bitten, weil Sie unsere Mutter ist. JEsus gab Sie uns zur Mutter mit den Worten: Weib sieh Deinen Sohn! Sie ist die zärtlichste, eifrigste, mitleidvollste und liebvollste unter allen Müttern. Bist du ein großer Sünder, o so verzweifle nicht an deinem Heile, bitte Maria, die Zuflucht der Sünder, und du wirst in den stürmischen Wellen dieses Lebensmeers nicht untergehen. Willst du in der Tugend wach= sen, bitte Maria, die Königinn der Heiligen, und Sie wird dir die Gnade dazu gewiß erbitten. Bist du betrübt, rufe MAria an, die Trösterinn der Betrübten, und du wirst sicher erheitert werden. Erinnere Dich, o mitleidige Jungfrau! daß es in der Welt nicht erhört worden, daß Jemand seine Zuflucht zu Dir genom men, und von Dir wäre verlassen wor den! so ruft der heilige Augustinus. 3. Die heilige Kirche Gottes lehrt dich selbst die Undacht zu Maria. Wie viele Kirchen und 21täre hat sie nicht zu Ihrer Ehre errichtet, wie viele Feste zu Ihrer Verherrlichung eingesetzt, wie viele 88 Berehrung der allerfeligsten Jungfrau. Bruderschaften, und selbst geistliche Orden unter Jh. ren Nahmen versammelt, wie viele Gnadenschäge und Ablässe mit der Verehrung Mariä vereinigt? Hat nichtGott unzählige Wunder auf Ihre Fürs bitte gewirkt, wie es noch so viele Gnadenorte bes zeugen? Haben nicht Könige und Fürsten ihre Staas ten Ihrem mächtigen Schuße übergeben? Erheben nicht auch jetzt alle wahren Verehrer JEfu Chris sti ihre Stimmen zur Verehrung MAriens? Denn wie kann man den Sohn ehren, wenn man die Mutter verachtet? Bemühe dich demnach, mein lieber Christ, mit der Besuchung des allerheiligen Altarsfacraments die Begrüßung der allerfeligsten Jungfrau und Mutter Gottes MAria zu vereinigen. Du kannst felbe vor einem Bilde der Mutter Gottes, entwes der in der Kirche oder zu Hause verrichten, und fey versichert, daß Maria demjenigen große Gnas den erbittet, der Ihr den geringsten, auch den unbedeutendsten Dienst leistet. Begrüßung der heiligsten Jungfrau MAria. ( Gebeth des heiligen Ephraim, eines Cyriers, im drits ten Jahrhundert; gezogen aus seiner vortrefflichen Rede vom Lobe der göttlichen Mutter). O überselige und ganz unbefleckte Jungfrau, Mutter meines Gottes! Königinn des Lichts! Du bist sehr mächtig und gütig; erhabener als alle Verehrung der allerfeligsten Jungfrau. 89 englischen und menschlichen Geister, reiner als die Strahlen der Sonne, ehrwürdiger als die Seraphim; ohne Vergleich glorreicher als alle Chöre des Himmels. O beilige Frau! Du Hoffnung der Altväter, Du Verlangen der Propheten, Du Zierde der Apostel und Ehre der Märtyrer, Du Freude der Gerechten, Du Krone der Jungfrauen! Durch Dich, o erhabne Fürstinn des Himmels und der Erde! durch Dich sind wir mit der schreckbaren Majestät der ewigen Gerechtigkeit Deines und unsers Schöpfers ausgeföhnt worden. Göttliche Mutter! nimm uns auf, und bewahre uns durch Deine Güte und durch Deinen Schub. Erbarme Dich unser, die wir elende Sünder, und mit dem Unflathe unserer Laster, womit wir JEsum Christum, unsern Gott und Richter beleidigt haben, besudelt sind. Nach Gott, unserm Heilande, haben wir keine andere Hoffnung als auf Dich, o heiligste Jungfrau! Du bist unser allersicherster Hafen unter dem Sturmgewitter dieses 6 90 Verchrung der allerfeligsten Jungfrau. Lebens! Du bist unsere Schußwehre und unser Zufluchtsort, wo wir gefahrlos ruhen können. Mit inbrünſtiger Begierde unserer Herzen und benetten Wangen werfen wir uns zu Deinen Füßen, Dich um Beystand anzufleben, um durch Deine Fürbitte von JEsu Christo, Deinem Sohne, Der der Urheber unseres Lebens ist zu erhalten, daß Er uns unserer Sünden wegen nicht verstoße. O MAria! Du Ursache unserer Fröhlichkeit, bitte für uns! Gebeth, um den mächtigen Schutz und die Fürbitte der göttlichen Mutter zu erhalten. Heiligste, unbefleckte Jungfrau, meine geliebteste Mutter MAria! Du bist die Mutter meines HErrn und Heilandes! die Königinn der Welt! Fürsprecherinn, Hoffnung und Zuflucht der Sünder! Zu Dir eile ich heute meine Zuflucht zu nehmen, ich- der armse ligste unter allen Sündern. Vor Deinen Füßen, große Königinn! lege ich mit gebührender Ehrfurcht meine demüthigste Huldigung ab, und mi Verehrung ber allerfeligsten Jungfrau. 91 innigstem Gefühle meiner Seele danke ich Dir für so viele bis auf diese Stunde mir erwiesenen Gnaden, be sonders aber dafür, daß Du mich durch Dein liebevolles Verwenden von der, wegen meiner Sünden so oft verdienten Hölle errettet hast. Dich liebe ich, o liebenswürdigste Frau und Herrscherinn! und aus reinster Liebe zu Dir mache ich den ernstlichen Vorsab, Dir allezeit zu dienen, und nach Möglichkeit zu verschaffen, daß Dir auch Andere dienen. Auf Dich sehe ich nach JEsu, Deinem Sohné, alle meine Hoffnung, das ganze Heil meiner Seele. Nimm mich zu Deinem Diener auf, o Mutter der Barmherzigkeit! und behalte mich in Deinem mächtigen Schube. Weil ich weiß, daß Du bey Gott altes vermagst, darum seufze ich zu Dir, und rufe mit beängstigtem Herzen: rette mich von allen Versuchungen, oder erhalte mir wenigstens hinlängliche Stärke, über sie, bis an mein Lebensende immer zu siegen. Von Dir begehre ich eine wahre Liebe zu JEsu! Durch Dich 6* 92 Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängnis. hoffe ich auch einstens selig zu sterben. O meine liebreicheste Mutter! ich bitte Dich durch Deine Liebe zu Gott: stehe mir allezeit bey, besonders aber in dem letten, alles entscheidenden Augenblicke meines Lebens. Verlaß mich nicht, so langeDu mich noch nicht unter den Seligen im Himmel siehst;- dort werde ich Dich preisen, dort werde ich Deiner Barmherzigkeit ewiges Lob singen. Also hoffe ich, also sey es! Die Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß der allerfeligsten Jungfrau. I.( Zum Matutinum.) Gegrüßet feyst Du, Maria!( Die Du, über alle Geschöpfe, zur höchsten Freude erhoben bist!) Du bist voll der Gnade, der HErr ist mit Dir zc. 2. Eja, von meinen Lippen nun ertöne, R. Der reinsten Jungfrau Herrlichkeit und Schöne. V. O Jungfrau, fey zur Hülfe mir bereit! R. Beschirme mich in meiner Feinde Streit! Die Ehre sey dem Vater 2c. Hymnus. Weltgebietherinn, gegrüßet Seyft Du, Jungfrau der Jungfrauen, Königinn des Himmels, süßer Morgenstern, zu dem wir schauen! Sey gegrüßt in Gnadenfülle, Und vom Himmelslicht verkläret, - Zagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß. 98 Uller Welt sey Deine Hülfe, Große Herrscherinn gewähret.- Schon vom Anfang hat der Vater Seinem Wort, Ihm eingeboren, Wodurch alle Ding' erschaffen, Dich zur Mutter auserforen. Drum Er herrlich Dich geschmücket, Und als Braut Dich hoch geehret, Daß allein von Udams Sünde Frey Du bliebst und unversehret. 1 Antiphon. Der Allerhöchste hat Seine Woh nung geheiligt, der HErr ist in Ihr, Sie wird nicht erschüttert werden.( Pf. 45.) 2. Wie schön bist Du, Meine Freundinn, wie schön bist Du: R. Deine Augen sind gleich den Augen der Taube. Gebeth. Heilige Maria, Königinn der Himmel, Mutter unseres HErrn JEfu Christi und Gebietherinn der Welt. Die Du Niemanden verläsfest und Niemanden verachtest: wende gnädig auf mich Dein gütiges Auge, und erlange mir ben Deinem geliebten Sohne die Nachlaffung aller Sünden; damit ich, der ich heute Deine makellose Empfängniß inniglich verehre, den Preis der ewigen Seligkeit erstreite. Durch unfern HErrn JEfum Christum, Den Du als Jungfrau geboren, und Der mit dem Vater und dem heiligen Geiste ewiglich lebet und waltet. Amen. V. Jungfrau, bringe vor den HErrn mein Gebeth. R. Und lasse mein Rufen zu Ihm gelangen. V. Laffet den HErrn uns loben. 6** 94 Zagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß. R. Dank und Ruhm sey Gott. 2. Und der Gläubigen Seelen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. R. Amen. ( II. Zur Prim.) Gegrüßet feyst Du, Maria!( Die Du, in jungfräulicher Hoheit, allen Chören der Engel und Menschen vorangehst!) Du bist voll der Gnade zc. B. O Jungfrau sey zur Hülfe mir bereit zc., wie oben. Hymnus. Sey gegrüßt. o weise Jungfrau! Haus, dem Höchsten eingeweihet, Mit dem Opfertisch und Säulen Siebenfältig angereihet; Von der Erbschuld gift'gem Keime Durch die Vorsicht ausgenommen, Schon im Mutterschooß geheiligt, Eh' Du auf die Welt gekommen; Pforte zu dem Heiligthume, Stern, aus Jacobs Haus erschienen, Aller der Lebend'gen Mutter, Fürstinn, Der die Engel dienen; Schrecklich unserm Feind und furchtbar Wie ein Heer in festen Reihen! Sichern Port und offne Zuflucht Mögst den Christen Du verleihen! - Antiph. Wer ist Diese, Die hervortritt gleich der aufgehenden Morgenröthe, schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnetes Kriegsheer?( Hohel. 6.) 2. Ganz schön bist Du, Meine Freundinn: R. Und keine Makel ist an Dir.( Hohel. 4.) Gebeth und das Ulebrige wie oben. Zagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß. 95 III.( Zur Terz.) Gegrüßet seyst Du, Maria!( Die Du, einer Sonne gleich, mit dem Lichte Deiner Glorie den Himmel erfreuest!) Du bist voll der Gnade ic. V. O Jungfrau zc. wie oben. Hymnus. Sey gegrüßt, Thron Salomonis, Und belebte Bundeslade, Flammend Dorngesträuch von Horeb, Himmelsbogen, Bund der Gnade, Aronsstab mit grünem Keime, Gedeons Bließ am Segensorte, Honigrof, Samsons Geheimniß, Stets verschloss'ne Gottespforte! Denn wohl ziemt es dem erhabnen Sohn, Der Deine Brust gesogen, Vor der Makel Dich zu wahren, Die uns Eva zugezogen; Drum Er Dich, die Er zur hohen Gottgebärerinn erwählet, Daß kein Uebel in Dir wohne, Ganz mit Gnade hat beseelet. Antiph. In die Sonne hat Er Seine Woh: nung gefeßt, und Er gehet hervor, wie ein Bräutigam aus Seiner Kammer.( Pſ. 18.) V. In den höchsten Räumen ist Meine Wohnung: R. Und Mein Thron in der Wolkensäule. ( Eccl. 24.) Gebeth u. d. llebr. wie oben. IV.( Zur Sert.) Gegrüßet feyst Du, Maria!( Die Du von allen Uleberirdischen als Mutter Gottes und Köni 96 Zagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängnis. ginn des Himmels geehret wirst!) Du bist voll der Gnade zc. V.Jungfrau zc. wie oben. Hymnus. Sey gegrüßt, Jungfrau und Mutter, Tempel Gottes, des Dreyeinen, Sig der makellosen Tugend, Luft der Engel und der Reinen; Troft für allen Gram hienieden, Luftgefild in Edens Mitte, Palme der Geduld, des Friedens, hohe Geder keuscher Sitte; Erdreich, wunderbar gesegnet, Land der priesterlichen Würde, Ganz geheiligt, unbeschweret MU Von der Erbschuld harter Bürde; Stadt des HErrn, des Ullerhöchsten, Pforte, die gen Aufgang führet! Dir vor Ullen einz'ge Jungfrau Uller Gnaden Preis gebühret. ww Antiph. Die Grundfesten Sion's sind auf den heiligen Bergen: der HErr liebet die Thore Sion's, mehr denn alle Wohnungen Jacobs. ( Pf. 86.) 2. Herrliche Dinge, o Stadt Gottes, find von Dir gesagt: R. Der Allerhöchste hat Sie gegründet. ( Pf. 86.) Gebeth u. d. Ullebr. wie oben. V.( Zur Non.) Gegrüßet seyft Du, Maria!( Die Du måchtig bist, durch Deine Fürbitte alles zu erlangen!) Du bist voll der Gnade zc. V. O Jungfrau zc. wie oben. Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß. 97 pymnus. Sey gegrüßt, o 3ufluchtstätte, Davids Thurm auf Felsengrunde, Mit den Zinnen wohl versehen, - Und mit Waffen in der Runde! Du, o Jungfrau sonder Makel, Ganz in Gotteslieb' entzücket, Haft die Macht des alten Drachen Nieder in den Staub gedrücket. Starke Frau und Zier des Weltalls, Heldinn Judith, unbeweget, und holdselige Ubisai, Die den wahren David pfleget! Rachels Sohn war von der Vorsicht Für Aegyptens Heil erforen; Der die ganze Welt erlöset Aus Muria ward geboren. 1 - Antiph. Du bist die Ehre Jerusalems, Du bist die Freude der Auserwählten, Du bist die Glorie unseres Volkes.( Judith 15.) V. Wie eine Lilie unter den Dörnern: R. So ist meine Freundinn unter den Töchtern.( Hohel. 2.) Gebeth u. d. llebr, wie oben. VI.( Zur Veſper.) Gegrüßet feyst Du, Maria!( Die Du allen Deinen Verehrern eine Führerinn zur Glorie seyn willst!) Du bist voll der Gnade zc. B. O Jungfrau 2c. wie oben. Hymnus. Sey gegrüßt, o Stundenzeiger, Wo die Sonne rückgegangen Um zehn Linien ihres Kreises, Als der Gottmensch ward empfangen!- Um den Menschen aus dem Abgrund Zu dem Höchsten zu erschwingen, 98 Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß. Will der Höchste eine Stufe Unter Engel Sich verringen. Und mit neuem Glanz verschönet Durch der Gnadensonne Strahlen Schimmerst Dù als Morgenröthe Ueber dunklen Erdenthalen. Du, die Lilie unter Dörnern, 1 Hast des Drachen Haupt zertrümmert. Wie der Mond, so Deine Schönheit Dem Verirrten hülfreich schimmert. Antiph. Ich werde Feindschaft setzen, sprach der HErr zur Schlange, zwischen dir und dem Weibe; und Sie wird dein Haupt zertreten. ( Gen. 3.) 2. Gebenedent bist Du unter den Weibern: R. Und gebenedeyt die Frucht Deines Leibes. ( Luc. 1.) Gebeth u. d. lleb, wie oben. VII.( Zur Complett.) Gegrüßet seyft Du, Maria!( Deren Vereh rung auf Erden beständig wachsen und zunehmen wird!) Du bist voll der Gnade 2c. V. Durch Deine Fürbitte, o Jungfrau, verföhnet, bekehre uns Dein göttlicher Sohn: R. Und wende Seinen Zorn von uns ab. V. Jungfrau 2c. wie oben. Hymnus. Sey gegrüßt, o reinste Mutter, Jesse's 3weig mit Himmelsblüthe, Mit dem Sternenkranz umwund'ne Königin der Mild' und Güte! Frei von jeder Makel stehest Du in goldenen Gewanden, Ueber alle Engel herrlich, Zu des Königs rechten Handen.- Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß. 99 Gnadenmutter, süße Hoffnung Uller, die vom Weg geschritten, Lichter Stern auf Meereswogen, Port für die, so Schiffbruch litten; Himmelthor, für uns erbauet, Heil und Helferinn der Kranken! Hilf uns Deinen Sohn einst schauen, Ewig Seiner Gnade danken! Umen. Antiph. Bey Mir ist alle Gnade des Wegs und der Wahrheit; bey Mir ist alle Hoffnung des Lebens und der Tugend.( Eccl. 24). V. Tretet zu Mir, Alle, die ihr nach Mir verlanget: R. Und ersättiget euch an meinen Früchten. Gebeth u. d. Ueb. wie oben. Beschluß. Dieses Lob in Demuth wir Dir, o Jungfrau, bringen, Deiner Hoheit für und für Ruhm und Preis zu singen. Auf dem fernen Pilgergang Mütterlich uns leite, Schirm' uns unser Leben lang, Und im legten Streite. Von dem betrachtenden Gebethe. Die Betrachtung der ewigen Wahrheiten ist eines der kräftigsten Mittel, wodurch die Seele im Guten gestärkt und vor der Sünde bewahrt wird. O wie Viele von den Verdammten wären selig geworden, wenn sie sich dieses leichten Mittels zur Seligkeit bedient hätten! Wie viele Sünder würden ein frommes Leben ergreifen, wenn sie betrachten wollten. Gedenke an deine letzten Dinge,( o Mensch!) sagt die heilige Schrift: und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen.( Eccl. 7, 40.) Der heilige Upostel Paulus ermahnet uns auch: daß wir allezeit im Geiste bethen sollen.( Eph. 6, 18.) Sft dir nun, mein geliebter Christ! dein Seelenz heil wirklich lieb, willst du dich vor dem Rückfalle in die Sünde wirklich verwahren, willst du ernstlich, christlich und fromm leben, o so fasse den Entschluß, we= nigstens alle Zage eine halbe Stunde, oder wenn es dir deine Geschäfte gar nicht zulassen, wenigstens eine Viertelstunde der Betrachtung zu widmen. Durch diese heis lige Uebung wirst du das Geseß Gottes besser kennen lernen, du wirst deine Fehler in demselben, wie in eis nem Spiegel anschauen und erkennen, besonders aber deine Hauptleidenschaft, die dir auf dem Wege der Zugend am meisten im Wege steht, unterdrücken lernen; ja du wirst auch in der Betrachtung die Gefahren deines Seelenheils und die tauglichsten Mittel dagegen entdecken, und von Gott Licht und Stärke ema pfangen, Seine Gebothe besser halten zu können. Das Betrachten ist keine so schwere Sache, als man sich es gewöhnlich vorstellt. Kannst du über deine welt= lichen Geschäfte Betrachtungen anstellen, so kannst du über deine ewigen Engelegenheiten auch ein paar Uugenblicke nachdenken. Du kannst auf folgende Weise be trachten: 101 Art und Weise zu betrachten. Art und Weise zu betrachten. 1.) Rufe den heiligen Geist um Seine Erleuchtung inbrünstig an; erwecke dann den Glauben, daß Gott ben dir gegenwärtig ist, oder schaue JEsum Chriftum im Glauben lebendig an, ver Seiner allerheiligsten Gegenwart sprich dann zu Ihm mit kindlichen Vera trauen: Rede o Err! denn Dein Knecht höret! Lies dann langsam und mit Aufmerksamkeit einen Punct der Betrachtung. 2) Darauf bleibe still, und befinne dich in heiligem Ernste, ob du das Gelesene wirklich glaubest. Ist dein Glaube an diese Wahrheit stark, so danke Gott für diese Gnade, und bitte Ihn innigst um die Beharrlichkeit. Ist dein Glaube an diese Wahrheit schwach, so erneuere ihn auf der Stelle öfter, und bitte alsogleich mehrere Mahle vom Innersten des Herzens: HErr! vermehre meinen Glauben. 3.) Hast du auf diese Art deinen Glauben an die Wahrheit des gelesenen Punctes gestärkt, so befrage dich: Was soll ich thun? Warum soll ich es thun? Wie soll ich es thun? Wann soll ich es thun? Was wird erfolgen, wenn ich es thue? Was wird erfolgen, wenn ich es nicht thue? Oder befrage dich folgender Maßen: Was lehrt mich diese Wahrheit? Was kann ich mir Lehrreiches daraus ab: nehmen? Welche besondere Tugend kann ich daraus lernen? Wozu kann mich diese Wahrheit aufmuntern? Wie stimmt denn mein bisheriges Leben mit dieser Wahrheit überein? Erforsche dich dann weiter: Warum bin ich so schwach in dieser Tugend? Welche Sauptleidenschaft hindert mich noch meistens daran? Art und Weise zu betrachten. Welcher ist mein Hauptfehler, in den ich am oftesten zu fallen pflege? Darf ein Christ, der an eine solche geoffenbarte Wahrheit glaubt, diefen Hauptfehler begehen? 102 3. B. Der gelesene Punct der Betrachtung wäre: JEsus Christus ist für dich, o Sünder! gestorben; so stelle dann folgende Fragen an dich: Was lehrt mich der Tod JEsu Christi, den Er für mich Sünder erlitten hat? Ein Gett stirbt des schimpflichsten Todes, um uns Sünder zu retten. O wie schrecklich, wie abscheulich muß nicht die Sünde seyn, weil sie einen Gott ans Kreuz schlug! Was lehrt mich also der Tod JEsu Christi?- Den Haß der Sünde. Habe ich denn aber bisher die Sünde recht gehaffet? Habe ich, Unglückseliger! sie nicht vielleicht gar geliebt? besonders die und die( hier erwäge deine Hauptleidenschaft oder deinen Hauptfehler, den auszurotten der einzige Zweck deiner Betrachtung seyn soll). Thut das ein Christ, welcher glaubt, daß sein Gott für ihn am schmählichsten Kreuzesstamme des schmerzenvollsten Todes starb?- welch eine undankbarkeit, o welch eine Beschämung! ein Gott stirbt wegen meiner Sünden; die ganze Natur weint, und ich Elen= der, ich kann noch fortsündigen; besonders durch diese Sünde JEsum auf's neue kreuzigen? Nimmermehr, o mein JEsu! u. s. w. 4.) Erwecke dann alsogleich in deinem Herzen innige Reue und Leid über diesen deinen bisherigen Hauptfehler, und mache alsogleich in deinem Gemüthe einen kräftigen Vorsak dich zu bessern, diesen deinen Hauptfehler immerwährend zu bekämpfen; erneuere im Gedanken diesen deinen guten Vorsag öf= ter und bedenke zugleich, wie du heute Gelegenheit haben wirst, diesen deinen Borsak ins Werk zu sehen, und welche Hindernisse dir dabey aufstoßen werden, und welche Mittel du anwenden willst, um den Borsag nicht so leicht zu brechen. Mache den Vorsag immer auf eine einzelne, besondere Handlung, 1 - - Art und Weise zu betrachten. 103 in der du dich überwinden willst, oder wie du in diesem oder jenem besonderen Falle deine Hauptleidenschaft bekämpfen willst, und laß dich ja nicht mit einem allgemeinen Vorsak begnügen. 3. B. dein Hauptfehler wäre die ungeduld; so wäre dir wenig damit geholfen, wenn du nur im Gedanken zu dir sagtest: Ich will nicht mehr ungeduldig seyn; sondern du mußt im Gedanken den Vorsatz also machen und zu dir sprechen: Diesen oder jenen überlästigen Menschen, wegen dem ich am meisten in die Ungeduld zu fallen pflege, will ich mit Geduld übertragen, ja heute noch, wenn er zu mir kommt, will ich ihm viele sanfte Worte geben, ihm ein freundliches Gesicht zeigen u. s. w. 5.) Kräftige deinen Vorsag durch die Vorstellung, wie nüklich, wie vortrefflich, wie angenehm, wie nothwendig diese deine Selbstüberwindung in diesem einzelnen besonderen Falle sey. - Sehr gut wirst du auch thun, wenn du zur BeEräftigung deines Vorsages kurze Unmuthungen Stoßgebethlein- und Liebesseufzer zu Gott öfter erweckest, wenn du Ihn dann recht inständig um Seine Gnade bittest, und wenn du dabey deinen Vorsag öfter erneuerst. Du wirst eine gute Betrachtung machen, wenn du mehr auf die Bewegung des Willens, als auf Süßigkeit in der Empfindung, und auf schöne Gedanden des Verstandes bedacht bist. 6.) Kannst du den ersten Punct der Betrachtung nicht recht passend für dich brauchen, so nimm den zweyten punct der Betrachtung vor. 7.) Sey nicht ängstlich, und fürchte dich nicht viel vor der Zerstreuung; denn wenn du dich eine Zeit lang in Betrachtung wirst geübt haben so wird dir das Bes trachten leicht und angenehm vorkommen. 8.) Endige deine Betrachtung mit einem andächti= gen Vater unser und Ave Maria, und mit der Bitte zu Gott, daß dir deine Betrachtung gute Früchte bringe. Behalte den ganzen Tag irgend einen Spruch aus der Betrachtung im Gedächtnisse; erinnere dich unter deinen Tagesgeschäften öfter dieses kleinen Spruches, und zu 104 Art und Weise zu betrachten. gleich deines gefaßten guten Vorsages. Laß diesen deis nen guten Vorsat ja nicht allein in Worten bestehen; sondern suche ihn bei jeder Gelegenheit auch wirklich auszuüben. Bedenke mit Ernst, was dein Heiland sagt: Nicht ein Jeder, welcher sagt: 5Err! 5Err! wird eingehen in das Himmelreich; sondern nur der, welcher den Willen Meines Vaters thut. 9.) Merke es dir auch, daß du nicht bloß betrach= teft um des innern Trostes Willen; sondern wenn dies ser dir auch ganz mangelt, so unterlasse die Betrachtung nicht. Trage das heilige Kreuz mit JEsu auch im Gebethe, unt du wirst große Schritte auf dem Wege der christlichen Vollkommenheit machen. 10.) Solltest du so unglücklich seyn, in deinen Haupts fehler wieder zu fallen, so verliere den Muth nicht; bes reue auf der Stelle zu den Füßen des Gekreuzigten deinen Rückfall, und erneuere abermayt deinen guten Vorsah, und bitte Gott um so inniger um Seinen Beystand. Bertraue standhaft auf Gott, mißtraue auf dich felbst, und werde nicht verzagt, wenn es nicht gleich vorwärts geht: denn jede Tugend kostet Streit und Mühe, und wird nur durch anhaltendes Gebeth und ftäte uebung erlangt. Die kürzeste Urt zu betrachten ist in folgenden 4 Fragen enthalten. Man ruft den h. Geist an, liefet in einem guten Betrachtungsbuche etwas, und fragt sich dann ernsthaft: 1.) Was sagt mir hier der heilige Glaube? 2.) Was soll ich also nach diesem heiligen Glaus ben thun? 3.) Was habe ich aber bisher gethan? 4.) Was will ich aber von jegt an in der Zukunft thun? Dann ruft man Gott durch MAriam um Seinen Beystand, an, und erneuert beym Kreuze JEsu Chrifti öfter den gemachten Vorsag. 105 Betrachtungen auf alle Tage der Woche. ( Uus den Schriften des seligen Ulphons Liguori übersetzt.) Betrachtung für den Sonntag. Von dem Ziele des Menschen. I. Betrachte, meine Seele, wie dir Gott dieses Daseyn, welches du hast, gegeben, indem Er dich nach Seinem Ebenbilde, ohne dein Verdienst erschaffen, und dich durch die heilige Taufe an Kindesstatt angenommen hat. Er hat dich mehr geliebt als ein Vater, und dich erschaffen, da= mit du Ihn liebeft, und Ihm in diesem Leben dienest, um dann Seiner im Paradiese ewig zu genießen. So bist du nun nicht geboren, und mußt nicht leben, um hier zu genießen, um dich reich und mächtig zu machen, um nur zu essen, zu trinken und zu schlafen, wie die Thiere; fon= dern allein, um deinen Gott zu lieben, und ewig felig zu werden. Und die erschaffenen Dinge hat dir der HErr zum Gebrauche gegeben, damit sie dir helfen, dein großes ewiges Ziel zu erreichen. Oich Unglücklicher! der ich an alles andere* ( z. B. an das oder das- hier erforsche dich) gedacht habe, nur nicht an mein einziges Ziel. Mein Vater! um der Liebe JEfu Willen, ma= che, daß ich ein neues, ganz heiliges und Deinem göttlichen Willen ganz gleichförmiges Leben anfange**.( Hier erwecke die innigste Neue, und mache den kräftigsten Vorfag- besonders an 11 106 Betrachtungen. dieses oder jenes schlechte und eitle Ziel nicht mehr zu gedenken, sondern vielmehr ans Gegentheil.) * 2nmerkung. Wo ein Sternlein ist, dort erforsche beinen Hauptfehler. Wo zwey Sternlein** find, dort erwecke eine innige Reue, und mache einen kräftigen Vorsak wie beym ersten Punct. II. Betrachte, wie du im Augenblicke des To: des große Gewissensbiffe empfinden wirst, wenn du nicht darauf bedacht warst, Gott zu dienen. Welche Pein, wenn du am Ende deiner Tage sehen wirst, daß dir in jener Stunde von allen den Reichthümern, Ehren, Herrlichkeiten und Wollüsten nichts übrig bleibt, als eine Handvoll Staub! Du wirst staunen, wie du für Eitelkeis ten und nichtige Dinge die Gnade Gottes und deine einzige, unsterbliche Seele verloren hast, ohne das llebel mehr gutmachen zu können, und es wird für dich auch keine Zeit mehr seyn, den guten Weg einzuschlagen*. Q Verzweiflung! o Marter! Du wirst alsdann sehen, wie viel die Zeit werth ist, aber zu spät; du wirst sie mit deinem Blute erkaufen wollen, aber- o lin= glücklicher! du wirst es nicht mehr können. O bitterer Tag für denjenigen, der Gott nicht gedient und Ihn nicht geliebt hat**! III. Betrachte, wie man dieses große Biet vernachlässiget. Man denkt daran, Reichthämer aufzuhäufen, man denkt daran, zu essen, Unter: haltungen anzustellen, und sich einen guten Tag anzuthun: Gott zu dienen, daran denkt man aber nicht. Man ist gar nicht darauf bedacht, feine Seele zu retten, und das ewige Ziel hält man nur für eine Kleinigkeit. Und, o Mensch! - - Betrachtungen. 107 wie viel bemühest du dich, um verdammt zu wers den; und willst nichts thun, um selig zu were den? Und so rennt der größere Theil der Chris sten schmausend, singend, tanzend und spielend der Hölle zu. O wenn sie doch wüßten, was die Hölle sagen will. O Mensch! wie viel bemühest du dich um verdammt zu werden; und willst nichts thun, um selig zu werden. Es starb der Geheimschreiber eines Königes, und sagte sterbend: Ich Elender! ich habe so viel Papier verbraucht, und habe nicht ein eins ziges Blatt verwendet, um mich meiner Sünden zu erinnern und Ein Mahl eine gute Beicht abzulegen. - - 2lber wozu dienen alsdann diese Seufzer, dieß Wehllagen? Sie dienen meistens nur zur grö Beren Verzweiflung. O lerne du, durch Anderer Schaden klug gemacht, um dein ewiges Heil bekümmert leben, wenn du nicht in Verzweiflung fallen willst. Und wisse, daß alles, was du au Ber dem Wohlgefallen Gottes thust, sagst und denkst, verloren ist*. - Wohlan, schon ist es Zeit, daß du dein Le= ben änderst. Wie? willst du den Zeitpunct des Todes erwarten, um aus deiner Täuschung an den Pforten der Ewigkeit, am Rande des höllischen Abgrundes zu erwachen? Da ist nicht mehr Zeit, noch Gelegenheit, den Irrthum zu verbesfern. Mein Gott, verschone mich! Ich liebe Dich über alles. Es reuet mich mehr als alles Uebel, Dich beleidiget zu haben. Muria, meine Hoffnung! bitte JEsum für mich**! Betrachtungen. Betrachtung für den Montag. Bon sr Wichtigkeit dieses Bieles. I. Bet achte, o Mensch! wie viel daran ge legen ist, daß du dein großes Ziel erreichest. Es liegt alles daran; denn wenn du es erreichest, so bist du gerettet, wirst ewig felig seyn, und an der Seele und am Leibe alles mögliche Gute ewig genießen: wenn du es aber verfehlest, wirst du Seele und Leib, das Paradies und Gott verlieren, wirst ewig elend,- wirst auf immer verdammt seyn. Dieses ist also das Geschäft al= ler Geschäfte, das einzig wichtige, das einzig nothwendige Geschäft: Gott dienen, und seine Seele retten. Sage daher nicht mehr, mein. Christ: jetzt will ich nach meinen Lüsten leben, hernach werde ich mich Gott schenken, und hoffe doch selig zu werden. Diese falsche Hoffnung, o wie Biele hat sie schon in die Hölle gestürzt, welche eben so sprachen, und nun verdammt sind und jetzt ist keine Rettung mehr für sie. Welcher Mensch wollte denn jemahls gern verdammt wers den? Aber Gott verflucht denjenigen, welcher fündigt in der Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit. Verflucht ist der Mensch, der in der Soff= nung fündigt. Du sagst: ich will diese Sünde thun, und sie dann beichten. Und wer weiß, ob du Zeit dazu haben wirst? Wer versichert dich, daß du nicht gleich nach der Sünde sterben wirst? Unterdeffen verlierst du die Gnade Gottes, und was wird werden, wenn du sie nicht mehr fin dest? Gott erzeiget Barmherzigkeit demjenigen, der Ihn fürchtet, nicht aber dem, der Ihn vers 108 Betrachtungen. 109 achtet. Und Seine Barmherzigkeit ist für diejenigen, die Ihn fürchten. Luc. 1. Sage nicht mehr: es ist gleichviel, ob ich zwey oder drey Sünden beichte; nein, denn zwey Sünden wird dir Gott verzeihen, aber drey vielleicht nicht.- Gott erträgt lange, aber Er erträgt nicht immer. In der Fülle der Sünden wird Er strafen. 2. Mach. 6. Wenn das Maß voll ist, verzeiht Gott nicht mehr, sondern strafet den Sünder plößlich mit dem Tode und mit der Verwerfung, so daß er von einer Sünde zur andern, bis in die Hölle gehet, eine Strafe, welche ärger ist, als der Tod selbst. D mein Bruder! merke doch auf das, was du jetzt lie: fest. Höre endlich auf, ergib dich Gott!- Fürchte, daß nicht vielleicht dieses die leßte Warnung sey, welche dir Gott zuschicket. Genug an dem, womit du Ihn bereits beleidigt haft, Er hat dich lange genug übertragen. Zittere, daß nach der ersten Todsünde, die du begehen wirst, Gott dir nicht mehr verzeihen werde. Siehe, es handelt sich um deine Seele, es handelt sich um die ganze Ewigkeit. Wie viele hat der große Gedanke der Ewige keit bewogen, der Welt ganz zu entfagen, und in Klöstern, in Wüsteneyen und in Höhlen zu leben. Dich Elender! der ich so viele Sünden schon bes gangen habe. Das Herz ist betrübt, die Seele beschwert, die Hölle verdient, Gott verloren! Ach mein Gott und Bater! verbinde mich mit Dir durch Deine Liebe**! II. Betrachte, mie dieses einzige Hauptge: fchäft am meisten vernachlässiget wird. An alles denket man, nur nicht daran, selig zu werden. 7 110 Betrachtungen. Für alles hat man Zeit, nur nicht für Gott. Sage einem Weltmenschen, daß er die Sacramente öfters gebrauchen, daß er eine halbe Stunde des Tages eine Betrachtung machen soll, wird er dir nicht antworten: Ich habe Kinder, ich habe Verwandte, ich habe eine Wirthschaft, ich habe Ges schäfte. mein Gott! Hast du aber nicht auch O eine Seele? Gebrauche deine Reichthümer, berufe. deine Kinder und Verwandte- werden sie dir wohl benstehen, in der Stunde des Todes, oder; dich aus der Hölle reißen, wenn du darein verdammt bist? Schmeichle dir nicht, du werdest Gott und die Welt, das Paradies und die Sünde mitfams men vereinigen können. Das Geschäft deines Heils ist nicht eine Sache, die du nach Belieben, wie es dir gefällt, abthun kannst; du mußt dir Gez walt anthun, wenn du die Krone der Unsterblich keit gewinnen willst*. Ach! wie viele Christen schmeichelten sich, daß sie noch in der Zukunft Gott dienen, und selig werden würden, und jetzt sind sie bereits in der Hölle! Welche Thorheit! immer nur an das zu denken, was so bald ein Ende hat, und so gar wenig an das, was niemals enden wird. O Christ! gedenke an dein wahres Haus; geden= ke, daß du bald aus dieser Erde auswandern, und in das Haus der Ewigkeit eingehen wirst. O wie elend, wie arm wirst du seyn, wenn du verdammt wirst! Siehe, dann ach! dann kann dir nicht mehr geholfen werden**. - -- III. Betrachte, o Christ! und sprich: Ich habe eine einzige Seele, wenn ich diese verliere, habe ich alles verloren. Ich habe eine einzige un Betrachtungen. 111 sterbliche Seele, wenn ich zum Schaden dieser una sterblichen Seele eine ganze Welt gewinne, was nüßt es mir? Wenn ich ein großer Mann wer: de, und meine einzige Seele verliere, was hilft es mir? Wenn ich Reichthümer aufhäufe, wenn ich mein Haus vergrößere, wenn ich meine Kin= der gut versorge, und dabey meine einzige Seele verliere, was hilft es mir? Was haben die Herrlichkeiten, die Unterhaltungen, die Eitelkei= ten so Vielen geholfen, die in der Welt lebten, die jetzt Staub in einer Grube, und ein Raub der Hölle sind? Wenn also die Seele mein ist, wenn ich eine einzige Seele nur habe, welche, wenn ich sie Ein Mahl verliere, für immer und immer verloren ist; so muß ich wohl mit Ernst dar= an denken, felig zu werden. Dieß ist ein Gegenstand, an welchem ungemein viel gelegen ist. Es handelt sich darum, entweder ewig selig, oder ewig unglückselig zu seyn. O mein Gott! ich bekenne es, ganz von Scham durchdrungen, daß ich bisher wie ein Blinder gelebt habe, und ferne von Dir ge= wandelt bin*. Ich habe nicht daran gedacht, dieſe meine einzige Seele zu reiten. Rette mich, o mein Bater! um JEfu Christi Willen. Ich bin zufrie den, wenn ich auch alles verliere, wenn ich nur Dich nicht verliere, o mein Gott!- Maria, meine Hoffnung! rette mich durch Deine Fürbitte**! - - Betrachtung für den Dinstag. Von der Todsünde. I. Betrachte, daß dich Gott erschaffen hat, 7* 112 Betrachtungen. damit du Ihn liebest; du aber hast dich mit einer böllischen Undankbarkeit gegen Ihn empört; du haft Ihn als einen Feind behandelt; du hast Seine Gnade und Seine Freundschaft verachtet. Du wuß: test, daß du Ihm durch jene Sünde ein Mißfal= len verursachest, und du hast sie doch begangen, Was thut derjenige, welcher fündigt? Er kehrt Gott den Rücken zu; er verliert die Ehrfurcht vor Ihm; er hebt gleichsam die Hand auf, um Ihm einen Schlag zu geben; er betrübet das Herz Got= tes: Und sie haben Seinen heiligen Geist bes trúbet. If. 63. Wer fündigt, sagt zu Gott, durch die That:» Entferne Dich von mir, ich will Dir nicht gehorchen, ich will Dir nicht dienen, ich will Dich nicht als meinen HErrn anerkennen, ich will Dich nicht für meinen Gott halten. Die Wollust dieser Vortheil, dieses oder jenes Ding, fell gleichsam mein Gott seyn.« So sprachst du in deinem Herzen, als du das Geschöpf deinem Gott vorgezogen hast. Die heilige Maria Magdalena von Pazzis konnte nicht recht glauben, daß ein Christ mit offenen Augen eine Todsünde begehen könne. Und du, der du dieß liefest, was sagst denn du dazu? Wie viel hast du deren schon begangen*? Mein Gott! verzeihe mir, und habe BarmherzigFeit mit mir. Ich habe Deine unendliche Gute be= leidigt; ich haffe meine Sünde; ich liebe Dich, und es reuet mich, Dich beleidigt zu haben, o unendlich liebenswürdiger Gott**! bu II. Betrachte wie Gott zu dir fagte, als du fündigtest:» Mein Kind! Ich bin dein Gott, Der dich aus dem Nichts erschuf, und dich mit meinen Betrachtungen. 113 Blute erkaufte. Ich verbiethe dir diese Sünde zu thun, unter der Strafe Meiner Ungnade.« 2ber du fagtest zu Gott, als du fündigtest:» HErr! ich will Dir gehorchen, ich will mir dieses Vergnügen verschaffen, und es liegt mir nichts daran, daß es Dir mißfällt, und daß ich Deine Gnade verliere.« Du hast gesprochen: ich will nicht dienen. Ach mein Gott! und dieses habe ich öfters ge= than*. Wie hast Du mich ertragen können? O wäre ich doch eher gestorben, bevor ich Dich beleidigte! ich will Dir kein Mißfallen mehr verursachen; ich will Dich lieben, o unendliche Güte! Gib mir die Beharrlichkeit! Gib mir nur Deine heilige Liebe**! III. Betrachte, wie die Sünden, wenn sie eine gewisse Zahl erreichen, es ben Gott bewirken, daß Er den Sünder verläßt. Der HErr wartet geduldig, damit Er, wann der Tag des Gerichtes herangekommen ist, in der Fülle der Sünden strafe. 2. Mach. 6. Wenn du also, mein Bruder, neuerdings versucht wirst zu fün: digen, so fage nicht mehr:» ich werde es schon wieder beichten.« Wie, wenn dich Gott sterben ließe? wenn Gett dich ganz verläßt? was wird aus dir werden durch die ganze lange Ewigkeit? -2ch! auf diese Weise sind schon Viele zu Grunde gegangen! Auch sie hoffren auf die Berzeihung, aber die Stunde des Todes kam, und sie wurden verdammt. zittere, daß dir nicht das Nähmliche widerfahre. Derjenige verdient keine Barmherzigkeit mehr, der sich der Güte Gottes nur bedienen will, um Ihn zu be - - 11 - 114 Betrachtungen. leidigen. So viele Sünden hat dir Gott bereits verziehen*. Du mußt also mit Recht fürchten, daß dir Gott die nächste Todsünde, die du begehen wirst, ach! vielleicht nicht mehr verzeihen werde. Danke Ihm, daß Er bisher so gnädig auf dich ge wartet hat, und faffe in diesem Stücke einen festen Entschluß, daß du eher den Tod leiden, als eine neue Sünde mehr begehen willst. Von heute angefangen, fage immer: HErr! es ist genug! daß ich Dich so sehr beleidigt habe. Es ist genug; ich will das Leben, welches mir übrig ist, nicht mehr dazu verwenden, Dir wieder zu mißs fallen; nein, das verdienst Du nicht. Ich will es allein dazu verwenden, Dich zu lieben, und die Belei= digungen zu beweinen, die ich Dir schon angethan habe. Ich bereue sie von ganzem Herzen. Mein JEsu! Dich will ich lieben, gib mir Kraft! Maria, meine Mutter! gib mir Kraft, und hilf mir!- Amen**. Betrachtung für die Mittwoche. Von dem Tode. I. Betrachte, daß dieses Leben einmahl enden muß. Schon ist das Urtheil ergangen:» Du mußt sterben,« Der Tod ist gewiß, aber du weißt nicht wann? Wie viel braucht es, um zu sterben? Ein Tröpflein, das dir in das Herz fällt; eine Alder, die in der Brust zerspringt; ein Ersticken am Husten; ein heftiger Blutsturz; ein giftiges Thierchen, welches dich beißt; ein Fieber, ein Stich, eine Wunde, eine lleberschwemmung, ein Erdbeben, ein Bliß ist hinreichend dir auf der Stelle das Le= ben zu nehmen. Der Tod wird dich überfallen, Betrachtungen. 115 und wenn du es am allerwenigsten gedenkest. Wie Viele haben sich Abends schlafen gelegt, und sind des Morgens todt gefunden worden? Kann dieß nicht etwa auch dir widerfahren? So Viele, welche plößlich gestorben sind, dachten gar nicht, daß sie auf eine solche Art sterben würden; aber sie sind auf eine solche Art gestorben, und wenn sie sich in der Sünde befanden, wo sind sie jetzt? wo werden sie durch die ganze Ewigkeit seyn? Aber dem sey, wie ihm wolle, so viel ist gewiß, daß einst eine Zeit kommen muß, wo es für dich Nacht wird, und kein Tag mehr für dich anbricht, oder es wird der Tag für dich anbrechen, und du wirst die darauf folgende Nacht nicht mehr sehen. Ich werde kommen, wie ein Dieb, unvers fehens und in geheim, sagt JEsus Christus. Er warnet dich bey Zeiten, weil Er dein Heil liebt. Entsprich dem gütigen Gott; benüße die Warnung; bereite dich vor, gut zu sterben, bevor noch der Tod kommt. Seyd bereit! Denn alsdann ist es nicht mehr Zeit, sich vorzubereiten, sondern man muß schon bereit seyn*. Es ist gewiß, daß du sterben mußt. Das Schauspiel dieser Welt muß für dich enden, und du weißt nicht wann?- Wer weiß, ob du binnen einem Jahre, binnen einem Mona, the, wer weiß, ob du morgen noch leben wirst? Mein JEsu, erleuchte mich, und verzeihe mir**! - Univ- Bibl. Glessen - II. Betrachte, wie du in der Stunde des Todes dich befinden wirst; auf ein Bett hingestreckt; wie ein Priester dir beysteht, der dir die Seele auss fegnen wird; die 2eltern zu deiner Seite, welche dich beweinen werden; das Crucifir bey deinem 116 Betrachtungen. Haupte; die Kerze zu deinen Füßen, und schon nahe daran, in die Ewigkeit zu gehen. Du wirst deinen Kopf voll Schmerzen fühlen, die Augen vers dunkelt, die Zunge verbrannt, die Kehle geschloffen, die Brust beschwert, das Blut erkaltet, das Fleisch abgezehrt, das Herz durchbohrt. Alles wirst du verlassen, und arm und nackt wirst du in eine Grube geworfen werden, um darin zu verfaulen. Dort wer= den die Würmer und Infecten all dein Fleisch zer= nagen, und von dir wird nichts anders übrig blei: ben, als verdorrte Gebeine, und ein wenig Staub, und sonst weiter nichts. Deffne ein Grab, und sie he, was aus diesem Reichen, aus diesem Geißigen, aus diesem eitten Weibe geworden ist? So endet das Leben! In der Stunde des To: des wirst du dich umgeben sehen von böfen Geistern, welche dir alle feit deiner Kindheit begangenen Sünden vorhalten werden. Jest verdecket und ent= schuldiget der Teufel deine Schuld, um dich zum Sündigen zu verleiten; er fagt zu dir: daß diese Eitelkeit, diese Wolluft, diese Vertraulichkeit, dies fer Groll keine große Sünde sey; daß du bey diesem Umgange keine schlechte Absicht hast: aber im Tode wird er die ganze Schwere deiner Sünden aufdecken*. Und beyin Lichte der Ewigkeit, in welche du eingeben wirst, wirst du erkennen, welch ein Ulebel es war, einen unendlichen Gott beleidigt zu haben. Jeßt, gleich, ben Zeiten noch, da du noch kannst, heile das llebel, weil es später nicht mehr Zeit feyn wird**. III. Betrachte, wie der Tod ein Augenblick ist, von welchem eine ganze Ewigkeit abhängt. Da liegt Betrachtungen. 117 der Mensch, schon nahe dem Tode, und folglich nahe Einer von den zwey Ewigkeiten, einer feligen oder einer unglückseligen Ewigkeit; und sein ewiges Loos hängt an dem letzten Athemzuge, nach wel. chem die Seele entweder für immer selig oder verdammt seyn wird. O letztes Ende! o letzter Athemzug! o letter Augenblick! von welchem eine Ewigkeit abhängt; eine Ewigkeit der Glorie, oder eine Ewigkeit der Pein; eine immer glückfe= lige, oder eine immer unglückselige Ewigkeit; eine Ewigkeit voll der Freuden, oder eine Ewigkeit voll der Verzweiflung; eine Ewigkeit alles Guten, oder eine Ewigkeit alles llebels; eine Ewigkeit im Paz radies, oder eine Ewigkeit in der Hölle. Das alles heißt: wenn du in diesem letten Augenblicke felig wirst, wirst du kein Peid mehr haben, du wirst immer zufrieden und glückselig seyn; aber wenn du dein Heil verfehlest und verdammt wirst, wirst du immer unglückselig seyn, und voll der Verzweiflung, und das so lange, so lange Gott - Gett feyn wird. Im Tode wirst du erkennen, was das sagen will: Himmelreich, Hölle, Sün de, ein beleidigter Gott, Verachtung des Gefe: Bes Gottes, im Beichtstuhle verschwiegene Günden, ein nicht zurückgestelltes Gut. O ich Elender! wird der Sterbende sagen: so muß ich nun in wenigen Augenblicken vor Gott erscheinen? und wer weiß, welches Urtheil mich treffen wird? Wohin werde ich kommen, in das Paradies oder in die Hölle? Werde ich mich mit den Engeln erfreuen, oder mit den Verdammten brennen? Werde ich ein Kind Gottes oder ein Sclave des - - 118 Betrachtungen. Teufels seyn? Wehe mir! bald werde ich es wiss sen, und wo ich das erste Mahl wohnen werde, dort werde ich auch in Ewigkeit bleiben. Ach! was wird in wenigen Stunden, in wenigen Augenblicken aus mir werden? Was wird aus mir wer: den, wenn ich nicht dieses Alergerniß gut mache? Wenn ich nicht dieses fremde Gut, diefen guten Nahmen zurückstelle? Wenn ich nicht von Herzen meinen Feinden verzeihe? Wenn ich nicht gut beichte? Alsdann wirst du tausend Mahl jenen Tag verfluchen, an welchem du fündigtest, jenes Vergnügen, jene Rache verwünschen, welche du ausübtest, aber zu spät, und ohne Nußen, weil du es aus bloßer Furcht vor der Strafe, ohne Liebe zu Gott thun wirst. Uch HErr! siehe- von diesem Augenblicke an bekehre ich mich zu Dir; ich will nicht erst den Tod erwarten, von jetzt an liebe ich Dich! Ich umarme Dich, und in Deiner Um= armung will ich sterben!- Meine Mutter MUria! laß mich unter Deinem Schutzmantel ster ben: hilf mir in jenem Augenblicke! Amen**. - Betrachtung für den Donnerstag. Von dem Ießten Gerichte. I. Betrachte, wie die Seele, kaum als sie vom Körper ausfährt, alsogleich vor den Richter: stuhl Gottes geführt werden wird, um gerichtet zu werden. Der Richter ist ein allmächtiger, von dir mißhandelter, auf's höchste erzürnter Gott. Die Ankläger sind die bösen Geister, deine Feinde. Der Gegenstand des Gerichts deine Sünden. Das Urtheil ist unwiderruflich. Die Strafe eine Betrachtungen. 119 Hölle. Dort hast du keine Gefährten, Feine Aeltern, keine Freunde mehr, du wirst allein seyn, und Niemand zwischen dir und Gott sehen. Alisdann wirst du die ganze Abscheulichkeit deiner Sünden gewahr werden, und wirst sie nicht mehr entschuldigen können, wie du es jetzt thust. Es werden untersucht werden alle Sünden der Gedanken, der Worte, des Wohlgefallens, der Werke, der Unterlaffung und des Aergernisses*. Alles muß gewogen werden auf jener großen Wage der göttlichen Gerechtigkeit, und wofern du in einem einzigen Stücke schuldig befunden wirst, wirst du ewig verloren seyn.- Mein JEfu und mein Rich ter! verzeihe mir, bevor Du mich richtest**! II. Betrachte, wie die göttliche Gerechtigkeit alle Völker im Thale Josaphat richten wird, wann am Ende der Welt die Leiber auferstehen werden, um zugleich mit der Seele die Beloha nung oder die Strafe, je nachdem ihre Werke beschaffen sind, zu empfangen. Erwäge, daß, wenn du verdammt wirst, du diesen deinen Leib wieder annehmen wirst, welcher zum ewigen Ges fängnisse der unglücklichen Seele dienen wird. Ben dieser bitteren Begegnung wird die Seele den Leib, und der Leib die Seele verfluchen! fo daß Leib und Seele, welche jeßt sich im Auffu= chen verbethener Lüste vereinigen, nach dem Tode mit Gewalt sich vereinigen werden, um sich einander selbst zu martern. Im Gegentheile, wenn du selig bist, wird dieser dein Leib ganz schön, des Leidens ganz unfähig und glänzend auferstehen, und an der Seele wie am Leibe wirst du würdig - 120 Betrachtungen. seyn des ewigen Lebens; und so wird der Schauplaß dieser Welt enden. Alsdann werden alle Herrlichkeiten und Freuden und die Pracht dieser Erde ein Ende nehmen, alles ist auf immer ge= endigt; dann bleiben nur zwey Ewigkeiten, eine Ewigkeit der Herrlichkeit, die andere der Strafe; eine felige, und eine unglückselige Ewigkeit, eine Ewigkeit der Freuden und eine Ewigkeit der Peinen. Im Paradiese sind die Gerechten,- in der Hölle die Sünder*. Armfelig ist dann derjenige, welcher die Welt geliebet, und für die elenden Lüfte dieser Erde alles verloren hat, Alles, die Seele, den Leib, das Paradies und Gott**. - - 1 - III. Betrachte den ewigen Urtheilspruch. Christus als Richter wird Sich gegen die Verworfe: nen wenden, und zu ihnen sagen:» Es ist aus mit euch, ihr llndankbaren! es ist aus! Meine Grunde ist schon gekommen, die Stunde der Wahrheit und der Gerechtigkeit, die Stunde des Zer: nes und der Nache. Hinweg ihr Lasterhaften! ibr habet den Fluch geliebet, er komme nun über euch. Seyd verflucht jetzt und die ganze Ewigkeit! Ge het fort aus meinem Ungesicht! gehet, beraubet aller Güter, und mit allen Peinen beladen in das ewige Feuer.« Gehet hinweg von mir, ihr Verfluchten! in das ewige Feuer. Matth. 5.* Dann wird JEsus Sich zu den Auserwählten wenden. und sprechen:» Kommet, Meine gefegneten Kin der, kommet, das Himmelreich zu besitzen, welches euch zubereitet ist; kommet, nicht mehr das Kreuz Mir nachzutragen- fondern zugleich mit mir die Krone zu tragen. Kommet, um Erben Mei Betrachtungen, 121 ner Reichthümer, Gefährten Meiner Herrlichkeit zu seyn! kommet, Meine Barmherzigkeit in Ewig= keit zu preifen, kommet aus der Verbannung in's Vaterland! kommet vom Elende zur Freude! kommet von den Thränen zur Fröhlichkeit! koms met von den Peinen zur ewigen Ruhe!« Kommet, ihr Gebenedeyten Meines Vaters, besitzet das Reich, welches euch zubereitet ist. Mein JEfus! ich hoffe auch Einer dieser Gebenedeyten zu seyn. Ich liebe Dich über alles!- segne mich von dieser Stunde an, und segne auch Du mich), meine Mutter Maria**. Betrachtung für den Freytag. Von der Hölle. I. Betrachte, wie die Hölle ein höchst unglücks feliges, mit Feuer angefülltes Gefängniß ist, wo die Verdammten ewig gepeiniget werden. In dies fes Feuer sind die Verdammten, wie in einen See, ganz versenkt. Alle Sinne haben ihre ei gene, nahmenlose Qual, und das in Ewigkeit. Daher weinen, heulen, zähnklappern und verzweifeln diese ewig eingekerkerten Unseligen, von allen Qualen ewig und nahmenlos gereinigt; - aber es ist Niemand; es wird Niemand seyn, der sie ihnen je erleichterte, oder sie je tröstete. DHölle! Hölle! Einige wollen dich nicht glau ben, bis sie selbst in dich hineinfallen.- Was sagest denn du, der du dieses liefeft*?- Wenn du jeßt sterben müßtest, wohin würdest du koma men? Du getrauest dich nicht einen Funken auf deiner Hand zu tragen, und du willst dich 13 122 Betrachtungen. getrauen in einem ganzen Feuer See zu wohnen, welcher dich aufzehrt, und wo du ganz trostlos und verlassen von allem seyn wirst durch eine ganze endlose Ewigkeit**! II. Betrachte nun die Qual, welche die See: lenkräfte ausstehen werden. Das Gedächtniß wird immer von Gewissensbiffen gemartert werden; dieß ist jener Wurm, welcher immer an dem Verdammten nagen wird, indem sich dieser vorstel: let, daß er so freywillig für einige Augenblicke Wollüste verdammet worden ist. Gott! wie werden ihm dann jene Augenblicke der Lust vors kommen nach hundert, nach tausend Millionen Jahren der Hölle? Dieser Wurm wird ihn an die Zeit erinnern, welche Gott ihm zum Heil ge= geben hat; an die Gelegenheiten, welche Er ihm verschafft hat, felig zu werden; an die guten Beyfpiele seiner Freunde, an die gemachten, aber nicht ausgeführten Vorfäße*. Und alsdann wird er sehen, daß es kein Mittel mehr gibt, ihm aus feinem ewigen Untergang zu helfen. O Gott! O Gott! welche doppelte Hölle wird dieses seyn!- Dem Willen wird immer widersprochen werden, und er wird nichts je von dem haben, was er wollen wird, und immer wird er dasjentge haben, was er nicht wollen wird, nämlich alle nur möglichen Qualen. Der Verstand wird das große Gut erkennen, das er verloren hat, nämlich das Paras dies und Gott! O Gott! O Gott! verzeihe mir um der Liebe JEfu Chrifti Willen**! III. Sünder! der du jeßt unbekümmert bist, ob du das Paradies und Gott verlierest, oder Betrachtungen. 123 nicht, du wirst deine Blindheit erkennen, wenn du die Geligen triumphiren, und im Himmelreiche sich erfreuen sehen wirst; du aber wirst gejaget werden aus diesem seligen Vaterlande, von dem schönen Angesichte Gottes, aus der Gesellschaft MAriä, der Engel und der Heiligen Gottes. Als= dann wirst du ganz rasend schreyen: o Paradies! o Ort der Freuden! o Gott! Du unendliches Gut, Du bist nicht für mich, wirst auch niemahls für mich seyn! Thu also Buße! ändere auf der Stelle dein Leben*, warte ja nicht, auf daß nicht auch für dich keine Zeit mehr seyn möchte! -Schenke dich ganz Gott. Fange an, Ihn wahrhaft zu lieben. Bitte JEsum, bitte Mariam, daß Sie Sich deiner erbarmen möchten**! - Betrachtung für den Samstag. Von der Ewigkeit der Strafen. I. Betrachte, wie die Hölle kein Ende nimmt; man leidet dort alle Peinen, und alle ewig. Es werden hundert, es werden tausend Jahre in diesen Peinen vergehen, und die Hölle fängt erst an. Es werden hundert tausend, hundert Millionen und tausend Millionen von Jahren und Jahrhunderten vergehen, und die Hölle wird erst von neuem anfangen. Wenn in dieser Stunde ein Engel ei nem Verdammten die Nachricht brächte, daß Gott aber wann? ihn aus der Hölle befreyen wolle, höre! wann fo viele Millionen Jahrhunderte vers gangen seyn werden, als Tropfen im Wasser, Zweige an den Bäumen, Sandkörner im Meere und - 124 Betrachtungen. auf der Erde sind; du würdest darüber erschrecken: aber doch ist es wahr, daß diese Nachricht dem Verdammten eine größere Freude verursachen würde, als du hättest, wenn du die Nachricht er: hieltest, daß du König eines großen Reiches ge= worden bist; denn der Verdammte würde sagen: Es ist wahr, daß viele, viele Jahrhunderte ver: gehen werden, aber es muß doch endlich einmahl ein Tag kommen, an welchem sie enden werden. Ja wohl werden alle diese Jahrhunderte einmahl vergehen, aber die Hölle wird nur wieder von neuem anfangen; alle diese Jahrhunderte werden sich so viel Mahl vervielfältigen, als Sandkörner, Tropfen, Zweige sind, und die Hölle wird nun von neuem wieder anfangen. Jeder Verdammte, wenn es möglich wäre, würde mit Gott diesen Vertrag schließen: HErr! vermehre, so viel es Dir gefällt, meine Pein! HErr! verlängere sie, so lange es Dir gefällt: es ist mir genug, daß Du einmahl ein Ende festgesetzt hast, und ich bin damit zufrieden.« Aber nein, dieses Ende wird niemahls eintreten,-niemahls!- 2ber vielleicht wird wenigstens der arme Verdammte sich selbst täuschen und schmeicheln können, indem er bey sich sagte: Wer weiß, vielleicht wird Gott Sich doch eines Tages meiner erbarmen, und mich aus der Hölle befreyen;- nein, der Verdammte wird immer vor seinem Gesichte das Urtheil seiner ewigen Verdammniß geschrieben sehen, und sagen: Ach! niemahls werden also alle diese Peinen, welche ich jetzt leide, dieses Feuer, diese Traurigkeit, dieses Verzweiflungs Geschrey enden! nimmer, - Betrachtungen. 125 nimmer, o nimmer! O Ewigkeit! O Hölle! Wie ist es nur möglich, daß der Mensch an dich glaus be, und doch fündige*, und doch fortfahre in der Sünde zu leben**? II. Mein Bruder! merke auf und bedenke, daß die Hölle auch für dich da ist, wenn du fündigest. Schon brennt unter deinen Füßen dieser schauerliche Ofen, und ach! in diesem Augenblicke, da du dieß liest, ach! wie viele Seelen fallen hinein. Bedenke es, daß du einmahl dorthin gelan= geft, wohin du es verdienst, und von dannen nimmermehr berauskommen kannst. Und wenn du nur Ein Maht schon die Hölle verdient hast, o so danke Gott, daß Er dich noch nicht dahin vers stoßen hat, und gleich, gleich mache die Sache gut so viel du kannst; beweine deine Sünden, und wende so viel es dir nur möglich ist, die tauglichsten Mittel an, um selig zu werden. Beichte oft; lies täglich etwas aus diesem oder jenem geists lichen Buche; und wenn es seyn kann, so bethe täglich einen Rosenkranz zu Ehren Mariå, er= greife die Undacht zu Ihr, und fafte Ihr zu Eh= ren jeden Samstag; widerstehe in den Versuchuns gen, indem du oft JEsum und Mariam anrus fest. Fliehe die Gelegenheit zu fündigen, und wenn Gott dich beruft, sogar die Welt zu verlaffen, o so thue es! thue es! Ach! alles, was man thut, um eine Ewigkeit von Peinen zu vermeiden, ist zu wenig, ist ja fast nichts: Es gibt keine allzus große Sicherheit, wo man wegen der Ewige keit in Gefahr steht. So spricht der h. Berne hard. Um sich für die Ewigkeit sicher zu stel 8 126 Betrachtungen. len, gibt es keine Vorsicht, welche hinreichte. Siehe, wie viele Einsiedler, um der Hölle zu entfliehen, in Höhlen und Wüsteneyen gegangen sind, um allda zu leben! Und was thust du? was thust du? nachdem du so vielmahl die Hölle verdient haft? Was thust du*? Siehe zu, daß du nicht verdammt wirst. Schenke dich einmahl Gott, und fage Ihm: HErr! sieh, ich will alles das thun, was Du von mir willst. O MAria! steh mir bey**! Pflichten und Verhaltungsregeln für einige besondere Stände. 1. Von der Schuldigkeit der Eheleute. Wie sollen sich christliche Eheleute gegen einander betragen? 1.) Da ein jeder Mensch von Gott darum erschaffen ist, damit er Gott erkenne, Jhm diene, Ihn lobe, und damit er selig werde: so sind auch die Eheleute in den Ehestand getreten, um Gott mit einander zu dienen, zu loben, und ewig felig zu werden. Sie sollen alfo Sorge tragen, daß sie einander mit Worten und durch gute Beyspiele zum Lobe Gottes, zur Haltung Seiner Gebothe, zum Frieden, zu jeglicher Tugend und zur Gerechtigkeit aufmuntern. 2.) Der Ehemann betrachte seine Ehefrau als feine Gebülfinn, und nicht als seine Dienstmagd. Er ist zwar das Haupt des Weibes, aber so wie das Haupt den übrigen Leib niemahls beschädigt, fo, foll auch der Mann seinem Weibe nie Unrecht thun, noch weniger sie schlagen, oder sonst auf eine andere Art grausam mit ihr verfahren. Mann und Weib find Lin Leib; Niemand aber hat iemahls sein eigenes Fleisch gehaffet. lleberdieß stellt ja der Mann im Ehestande die Person JEfu Christi vor, JEfus Christus aber vergleicht sich mit einem Lamme. Der Mann foll also seine Ehegattinn fanftmüthig behandeln, er 8* 128 Verhaltungsregeln. soll sie lieben, wie Christus Seine Braut, die Kirche, geliebet hat. Und wir wissen, daß JEfus Christus für Seine Kirche die mühseligsten Ars beiten, die bittersten Schmerzen, ja den Tod felbst, den schimpflichen Tod des Kreuzes ausgestanden hat. 3.) Die Ehefrau soll hingegen ihrem Ehemanne in allem Guten gehorsam seyn. Die Weiber sollen ihren Männern unterthänig seyn, wie dem Serrn; denn der Mann ist des Weibes Saupt, so wie Christus das Haupt der Kirche ist. Gleichwie aber die Kirche Christo unterworfen ist, also follen auch die Weiber ihren Männern in allen Din gen unterworfen seyn. Ephef. 5, 22- 23. ( Merket es euch wohl, ihr, christlichen Frauen: in allen Dingen sollet ihr euren Männern unterworfen seyn, versteht sich von selbst, die Süns de ausgenommen.) Wem ist es unbekannt, daß die heilige Kirche viele Kreuze und Trübfale, ja die blutigsten und grausamsten Verfolgungen für ihren göttlichen Bräutigam JEfum Christum gelitten hat, und jetzt noch leidet? Eben also soll auch das Weib alle Widerwärtigkeiten dieses Lebens, bis in den Tod für ihren Mann mit christlicher Geduld ertragen. 4.) Beyde christlichen Eheleute sollen einan der aufrichtig lieben, gut von einander denken und reden. Eines soll des Andern Handlungen nicht viel ausforschen, sondern immer dieselben lieber gut auslegen, und ja keinen Argwohn im Herzen zulaffen, besonders aber sollen sie alle Zu Verhaltungsregeln. 129 träger und Ohrenblåser als giftige Schlangen flies hen, und denselben in ihr Haus keinen Eingang ge: statten. Spott- und Schimpfwörter sollen im Ehe= stande nie gehört werden. Alles soll in der christlis chen Güte und Sanftmuth verrichtet werden; denn ein zorniger Mensch, wenn er auch Wunderwerke verrichten würde, ist Gott nicht wohlgefällig. Der Mann wird sein böses Weib leichter durch freundliche Worte, als mit Schlägen und Fluchen bessern. Das Weib wird den böfen Mann eher mit Stillschweigen und Geduld, als mit 3anken und bissigen Worten überwinden. Sieht man, daß man durch einen Verweis das Ulebel noch ärger machen würde, so warte man ab, bis der andere Theil wieder ein ruhiges Gemüth hat, dann erst gebe man ihm eine liebvolle christliche Ermahnung. Und weil von dem Frieden und der Einigkeit der Segen Gottes, und die theure Erbschaft JEfu Christi abhängt, so soll eines dem Andern Friedens halber gern weichen, und nachgeben, Eines des Undern Gebrechen und Fehler mildiglich tragen, mit christlicher Standhaftigkeit bis zum Tod in dem heiligen Ehestand verharren, und jur Zeit der Trübsale gedenken:» Gott sieht das unordentliche Leben meines Mannes( oder meines Weibes), und bleibt geduldig, ich bin ja doch nicht mehr als Gott. Gott leidet mich als Sünder schon so viele Jahre in der Welt,- ep fo will ich denn auch alle Gebrechen meines Mannes( meines Weibes) geduldig ertragen! JEsus Christus hat die Welt erlöset mit der Geduld, also will auch ich selig werden durch die Geduld le 8* 130 Berhaltungsregeln. 5.) Wofern Gott den Eheleuten keine Kin der beschert, oder diefelben wieder aus der Welt nimmt, so sollen sie nicht unmäßig trauern, sons dern sich standhaft mit dem Willen Gottes vers einigen. Was Gott thut, ist recht gethan, 5Err, Dein Wille geschehe! Es ist besser keine Kinder haben, als solche, die statt zum Troste der Neltern, nur zu ihrer großen Betrübniß auf, wachsen würden.- 6.) Endlich sollen sie als Christen die Ehe nie zum ergerniffe Anderer, am allerwenigsten zum ergerniffe ihrer eigenen Kinder mißbrauchen: Es soll bey ihnen der Ehestand ehrbar seyn, und das Ehebett unbefleckt. Hebr. 13, 4. Es soll auch Eines dem Andern in der ehelichen Schuls digkeit gehorsam seyn. Den ehelichen Stand fol= len sie aber nie anders gebrauchen, als nur nach der Anordnung Gottes. Weh ihnen, wenn sie das heilige Ziel, zu dem der Ehestand hauptfächlich eingesetzt ist, nämlich die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes, sogar zu verhindern fuchen würden! In der heiligen Schrift nennt der heilige Geist einen Mann( er hieß Onan), der dieses that: ein Bösewicht, und strafte ihn mit dem augenblicklichen Tode. Die vor Gott so feyerlich versprochene Treue sollen sie gegen einander bis in den Tod unverleßt erhalten. Denn gleichwie Christus nur eine einzige Braut, die Kirche, die Kirche aber nur einen einzigen Bräue tigam, nähmlich JEsum Christum, hat: so soll auch im heiligen Ehestande ein christlicher Ehegatte nur allein den andern Ehegatten lieben. Ein - - Verhaltangsregeln. 131 wahrhafter Ehebruch ist es also schon, sobald man einer anderen Person das Herz zuwendet, oder mit unreiner Luft ibrer( wenn auch nur innerlich im Gedanken) begehrt. Die Surer aber und die Ehebrecher wird Gott richten! Hebr. 13, 4. II. Von der Schuldigkeit der Hausvåter, der hausmütter und aller Berren und Frauen. Wie soll der Hausvater das Gute in feinem Hause befördern? Ein christlicher Hausvater soll die Jugend in feinem Hause aus dem Katechismus, oder aus diesem Büchlein hier ausfragen. Er soll seine ihm untergebenen Leute an den Sonn- und Feyertas gen fleißig jur heiligen Messe und zur christlichen Lebre schicken. So aber Einer oder der Andere, um das Haus zu hüthen zu Hause bleiben müßte, so sell denselben der Hausvater ein anders Mahl mit sich in die Kirche und zur Christenlehre mits nehmen. Zur Zeit des Gottesdienstes soll Keiner etwas verkaufen, damit Niemand von dem Lobe Gettes und von der Anhörung des göttlichen Wortes abgehalten werde. Wenn er so zuerst das Reich Gottes fucht, so wird ihm seine ganze Wirth. fchaft von Gott gesegnet werden. Matth. 6, 33. Dieses sollen beherzigen alle Wirthe, Ausschenker, Fleischhacker, Handwerksleute, Handelsleute und Krämer, besonders aber alle Obrigkei= ten, weil sie am Tage des Gerichtes insbesondere deßhalb dem gerechten Nichter eine strenge Re: 132 Berhaltungsregeln. chenschaft werden ablegen müssen. Sie sollen für gewiß glauben, daß jener Gewinn ganz unglück: felig fey, den man zur Zeit des Gottesdienstes zum Verderben unsterblicher Seelen sammelt. Es ist auch ein lobwürdiger Gebrauch in manchen christlichen Häusern, daß sie an Sonn- und Feyertas gen vor dem Mittagessen die Epistel und das Evan gelium von einem ihrer Kinder sich vorlesen lassen. Ein christlicher Hausvater pflegt die Seinigen zu fragen, was sie in der Predigt oder Christenlehre gehört haben. Er wiederholt mit ihnen, was sie von ihren Seelsorgern gehört haben. In einem wahrhaft christlichen Haufe pflegt man auch an Sonn- und Feyertagen Nachmit: tags ein geistreiches, frommes, katholisches Buch zu lefen, andächtige Lieder zu singen, und from me Gespräche zu führen. Ein folches Leben zieht häufigen Segen Gottes nach sich, laut dem gött lichen Versprechen: An einem jeden Orte, wo das Andenken Meines Nahmens seyn wird, will Ich zu dir kommen, und dich segnen.( Erod. 20, 24.) Der christliche Hausvater lehre auch seine Kinder, Dienstbothen, oder sonst Untergebene folgende kurze christliche Acte: 1.) Vor allem das Zeichen des heiligen Kreuzes, und dann: JEsus, Muria, Joseph! Luch schenke ich mein Herz und meine Seele. 2.) Mein Gott, ich glaube Dich mir ge genwärtig, ich bethe Dich an, und liebe Dich aus ganzem Herzen; ich danke Dir für alle Wohlthaten, die Du mir verlie Verhaltungsregeln. 133 hen hast. Ich opfere Dir auf alle Gedanten, Worte und Werke dieses Tages. 3.) Ich nehme mir vor alle heiligen Ablässe zu gewinnen, die ich heute gewinnen kann, und opfere sie zur größeren Ebre Gottes auf. 4.) Drey Ave Maria zu Ehren der Reinigkeit der seligsten Jungfrau; und als: dann: Jungfrau Muria, meine Mutter und meine Soffnung! ich begebe mich unter Deinen Schutzmantel, und will dort leben und sterben. Befreye mich von der Sünde, und gib mir Deinen heiligen Segen.( Eben dasselbe Abends.) 5.) Nachdem man sich zu Bette gelegt hat, so sprich mit kreuzweiß über einander gelegten Armen: Ich muß sterben, und weiß nicht wann, und weiß nicht wie, und weiß nicht wo. 6.) Wann Einer dem Undern begegnet, der be kannte schöne Gruß: Gelobt seyJesus Christus, oder auch: Gelobt fey JEfus und Maria. 7.) Im Augenblicke des Zornes: Verflucht fey die Sünde; oder: Mein 5Err JEsu Christe! gib mir die Geduld;- oder: Meine Mutter Maria! behúthe meine Zunge. 8.) Bey bösen Gedanken und unreinen Berfuchungen rufe alfegleich: JEfus und Maria! ( und wann es seyn kann, so besprenge dich mit dem heiligen Weihwasser.) 9.) Bor jeder Verrichtung, oder wenn die 11hr schlägt: Mein 5Err! alles geschehe für Dich. Mein Jesu! alles geschehe für Dich. 134 Verhaltungsregeln. -Vor dem Tisch: Mein 5Err! fegne diefe Speise und mich armen Sünder.- Nach Tisch: 5Err! ich danke Dir für diese Speise, die Du mir, Deinem undankbarsten Geschöpfe gegeben hast. 10.) Vor dem Schlafengehen erforsche bein Gewissen, bereue die Sünden, und bitte Gott um Verzeihung derselben. Bethe auch gern für die armen Seelen! - Der christliche Hausvater ermuntere auch die Seinigen zu einer immerwährenden Verehrung des heiligen Kreuzes. Ist in dem Orte oder in der Kirche ein heiliger Kreuzweg, so ermuntere er die Seinigen zu dieser schönen, und an heiligen Abläss fen so fruchtbaren Andacht des heiligen Kreuzwe ges.- Wenn aber auch im Orte oder in der Kirs che kein heiliger Kreuzweg wäre, so ist doch in eis nem jeden Ort, in einer jeden Kirche, ja in einem jeden christlichen Hause ein heiliges Crucifir, ja so: gar auf den Feldern oder Straßen sieht man öf ters ein heiliges Kreuz. Er ermuntere also die Geis nigen nach einem jeden Fehltritte, oder in einer Trübfal, wo uns unser Kreuz zu schwer wird, ges schwind auf das heilige Kreuz zu sehen, sich durch JEfum den Gekreuzigten wieder zu trösten und zu stärken. Darum würde es eine eben so schöne als heilsame Gewohnheit seyn, wenn der Hausvater felbst hierin mit einem guten Beyspiele Allen vors anginge, und täglich vor einem heiligen Kreuze spräche: O mein, aus Liebe zu mir gekreuzig ter Jesu! auch ich will Dir zu Liebe mein tägliches Kreuz gern tragen, weil es der eins 135 Verhaltungsregeln. zige Weg zu Dir ist.- mein gekreuzigter Jesu! ich will diesen oder jenen Vorsatz künftighin beffer halten. Befestige ihn nur an Deinem heiligen Kreuze.- O mein ges kreuzigter Jesu! Dir zu Lieb keine- keine Sunde mehe!-O mein gekreuzigter JLfu! Dir zu Lieb will ich gern leiden.- Eine schöne und nüßliche Andacht ist es, zu Ehren der heiligen fünf Wunden JEsu Christi: fünf Vater unser und fünf Ave Maria recht ans dächtig vor einem Kreuze bethen. Wie soll ein christlicher Hausvater das Böse in seinem Hause ausrotten? Ein christlicher Hausvater muß selbst mit einem guten Beispiele den Seinigen vorangehen. Wenn du felbst eine böse Gewohnheit, z. B. die des Fluchens an dir hast, wie wirst du die Deinigen beffern kön nen, wenn sie an dir selbst noch dieselben Fehler feben, die du an ihnen bessern willst?- Hast du also selbst eine böse Gewohnheit an dir, so mußt du dir selbst so lange eine kleine Buße, z. B. ets was zu bethen, aufgeben, bis du dir diese böse Gewohnheit wieder abgewöhnt hast. Selig ist der Hausvater, der die Seinigen bes redet, auf daß sie monathlich Ein Mahl beichten und communiciren, so auch alle hohe Fest- und Feyers tage, weil dieses das kräftigste Mittel ist, alle La= ster und bösen Sitten in seinem Hause auszurotten. Er soll zusehen, ob Alle ihr Morgengebeth vers richten, und wenn die Arbeit sehr dringend wäre, lieber ein kurzes, als gar keines. Das Abendgebetg 136 Verhaltungsregeln. aber sollen Alle zusammen verrichten, und ihr Ges wiffen dabey erforschen, wie sie nähmlich den Tag zugebracht haben. Es soll ja Keiner ohne eine wahre Reue und Leid über seine Sünden zur nächtli chen Ruhe sich begeben. Das Gebeth vor und nach dem Effen geschehe zusammen.- Es ist ein schöner christlicher Gebrauch, der den Segen Gottes herabzieht, alle Samstage und an Vorabens den vor Mutter Gottes- Festen nebst dem Abendge: bethe die Lauretanische Litaney und den heiligen Nosenkranz zu bethen, und ein frommes Lied zu singen. wo? Ein christlicher Hausvater soll die Seinigen oft väterlich ermahnen:» wie wir alle einstens sterben müssen; daß es niemand wisse wann? und in welchem Stande?« Er ermahne ferners:» wie die gegenwärtige Zeit uns nur dazu von Gott bestimmt fey, um unser ewiges Heil zu wirken und wie schnell diese Zeit vergehe, und daß wir sogar von einem jeden unnüßen Wor te,( geschweige erst von einem unkeuschen!) ja ven einem jeden schlecht verwendeten Augenblicke ftrens ge Rechenschaft werden ablegen müssen.« Er soll ihnen oft diese ewige Wahrheit vor Augen stellen: wie so gar abscheulich die Sünde sey, daß es beffer ist, tausend Mahl zu sterben, als mit einer einzigen, auch nur läßlichen Sünde den heis ligsten Gott freywillig zu beleidigen. Und wie man seine Sinne, besonders 2lugen, Ohren, und die Zunge recht im Zaume haben müsse, um nicht in eine Sünde zu fallen; wie herrlich aber derje: nige werde gekrönet werden, der herzhaft allen bösen Einsprechungen auf der Stelle widerstehet.« - - -- Verhaltungsregeln. 137 Das müßige Herumlaufen, das Schwäßen vor dem Hause, besonders des Abends, soll er den Seinigen nicht gestatten. Er soll wissen, wer sein Haus besucht, mit wem er redet, und was er in seinem Hause zu schaffen habe. Bey nächtlicher Ruhe foll er nicht gestatten, daß zwey oder meha rere beysammen liegen und schlafen, auch nicht Kindern, sobald sie das achte oder zehnte Jahr er: reichen; auch Brüdern und Schwestern nicht. In einem wahrhaft christlichen Hause soll kein, den guten Sitten gefährliches Spiel und Tanz ge= duldet werden. Die Tochter soll nie ohne ihre Mutter, oder eine verlässige und bejahrte Person auf die Hochzeit gehen, und von einer jeden er= laubten Luftbarkeit zeitlich zurückkommen. Sie soll auf keine Weise von einem Mannsbild zur Nachtzeit nach Hause begleitet werden. Zu sittengefähr: lichen, gauklerischen Spielen lasse er die Geinigen nicht hingehen. Der Hausvater verbanne aus seinem Hause alle kegerischen und abergläubischen Bücher, No: mane, Liebesbriefe, unfläthige Gemählde und Statuen. Er soll die Seinigen vor allem Uberglauben warnen, und keine abergläubischen Mit: tel dulden. Er soll in seinem Hause keine Sünde wiffentlich leiden, als nähmlich: den Müßiggang, das Fluchen, Schwören, Ulebelnachreden, unzüchtige Gespräche u. f. w. Er soll überall nachsehen, oder wenigstens Jemand haben, auf den er sich verlaffen kann; er foll gegen Alle im Haufe ganz liebreich seyn, aber nicht zu fremden Günden fchweigen: nur ein solcher Hausvater wird bey 138 Verhaltungsregeln. dem strengen Gerichte Gottes sicher bestehen können. Er soll keine Feindschaften unter den Seiz nigen dulden; vielmehr soll er bemüht seyn, daß sie die Liebe stets unter einander behalten. Wenn christliche 2eltern ihren Sohn oder ihre Tochter verehlichen wollen, so sollen sie mehr auf die christliche Tugend und den echten Glauben der Braut oder des Bräutigams sehen, als auf ihre Reichthümer.-Nie sollen sie es erlauben, daß die Verlobten vor der geschloffenen Heirath zusammenwohnen, oder allein ohne die Gegenwart der Uels tern zusammenkommen. Die Mütter oder die Säugammen sollen niemahls die kleinen Kindlein in ihr Bett nehmen, damit sie durch eine solche Un= vorsichtigkeit nicht vielleicht die Schuld an ihrem Tode haben. -- Wie soll sich der christliche Hausvater gegen die Dienstbothen verhalten? Er soll das nächtliche Auslaufen auf keine Wei se bey ihnen gestatten, noch auch, daß sie mit per: fonen des andern Geschlechtes allein zusammens wehnen, oder zusammenkommen. Er soll auf die Nacht das Haus wohl verschließen, und die Schlüf> fel zu sich nehmen. Er soll die Dienstbothen, welche den Nebendienstbothen, oder den Kindern des Haufes gefährlich odevzam Uergerniffe werden könn ten, aus dem Hause entfernen. Der Hausvater oder die Haußmutter sollen manchmaht bey der Nacht nachsehen, ob alle Dienstbothen, der erwachs fene Sohn, die erwachsene Tochter, der Gesell, und überhaupt alle ihre Untergebenen zu Hause Verhaltungsregeln. 139 sind. Sie seyen hierin lieber etwas zu strenge, als nachsichtig, und gestatten überhaupt kein nächtliches Herumschwärmen. Denn in diesem Falle ist jede Nachsicht ein Schwert, welches unsterbliche Sees len ermordet. O wie viele Kinder werden ihre Nels tern, und wie viele Dienstbothen ihre Herren und Frauen ewig in der Hölle verfluchen, weil sie gegen sie in diesem Puncte zu nachsichtig gewesen sind. Der christliche Hausvater behandle alle seine Untergebenen mit gleicher Liebe, verfahre mit Allen als ein Vater, und nicht als ein Tyrann. Er halte sie nicht so übermäßig streng zur Arbeit an, daß er ihnen weder Morgens und Abends zu bez then, noch an Sonn- und Feyertagen das Wort Gottes zu hören vergönne. Er sorge in ihrer Kranks heit für sie wie ein Vater. Gib ihnen, immer zu der Zeit, als es ihnen gehört, ihren ausbedunges pen Lohn, gib ihnen hinreichende Speise, und was sonst ihnen nothwendig ist; sey überhaupt hierin mehr freygebig, als zu karg, so wirst du dich ima mer getreuer Dienstbothen zu erfreuen haben. Endlich soll auch ein christlicher Haußvater bey den Seinigen dahin trachien, daß sie den heil. Ablaß hochschäßen, und denselben den armen See: len im Fegefeuer gern zueignen; daß sie die kathos lischen Priester in JEfu Christo ehren, und von ihren Seelsorgern eine heilsame Ermahnung willig annehmen. Zuletzt endlich, daß sie die heili ge, katholische, allein wahre, und allein feligma= chende Kirche als ihre theuerste Mutter lieben, und eher sterben, als ihrer heiligen Mutter un 140 Verhaltungeregeln. getreu werden, die unser HErr JEsus Christus sterbend zum Testamente ihnen hinterlassen hat. Wie soll sich der christliche Hausvater gegen seine Nachbarn verhalten? Er menge sich nicht ohne Noth in ein fremdes Geschäft, was ihn nicht angeht. Er zeige gegen feinen nothleidenden Nächsten ein mitleidiges Herz, und erzeige Allen dasselbe, was er sich und den Geinigen selbst wünscht. Er trachte immer den Frieden zu erhalten, und gebe immer nach, so lang es nur möglich ist; er vergleiche sich gern mit feinem Widerfacher, laffe lieber etwas fahren, und vermeide so viel möglich alle Processe. Wie soll sich ein christlicher Hausva: ter gegen sich selbst betragen? Zähme alle deine unordentlichen Reigungen und Begierden. Glaube nicht halsstärrig deinem eigenen Kopf und deiner eigenen Meinung. Berathe dich in zweifelhaften oder in wichtigen Dina gen mit einem erfahrnen und frommen Manne. Liebe nicht das Spiel und den Trunk; vermeide so viel möglich das Wirthshaus, sonst bringst du dein ganzes Haus in Schaden und Verwirs rung. Sen in deinem Thun und Wandel herzhaft und beständig; laß dich von deiner Arbeit, die du lobwürdig angefangen hast, durch keine Beschwer niffe abschrecken. Liebe das Gebeth. Arbeite, bethe, leide gern aus Liebe zu Gott für dein und der Deinigen Heil, und der Segen des Himmels wird mit dir seyn. - 141 Verhaltungsregeln. Wie soll sich eine christliche Hausmuts ter gegen ihre Kinder verhalten? 1.) Als eine christliche Hausmutter mußt du für das zeitliche und ewige Wohl deiner kleinen Kin= der besorgt seyn. Du mußt ernstlich besorgt seyn, daß die Frucht, die du unter deinem Herzen tragst, zur heiligen Taufe gelange. In dem Zustande der Schwangerschaft hebe keine schwere Last auf, bes wege, dich nicht unmäßig, iß und trink nicht, was dir schaden könnte, enthalte dich von aller heftigen Gemüthsbewegung, als: des Zorns, Traurigkeit u. f. w. und bedenke, daß es sich um die Erhaltung eines Menschen handelt, der zur ewigen Seligkeit von Gott erschaffen ist. Die kleinen Kinder nimm nicht in das Bett zu dir, wenn du schlafen willst. Wie viele Mütter haben es durch ihr ganzes Leben beweint, daß sie ihr kleines Kind zu sich in das Bett genommen, und dadurch an dessen Tode Schuld geworden sind. Die bereits etwas erwachsenen Kinder laß bey dir nicht im Ehebette liegen; denn folches geziemet sich für dieses Alter auf keine Weise. Laß auch die kleinen Geschwister, so= bald sie über sieben und acht Jahre alt sind, nicht zusammen liegen; dadurch wirst du vorbeugen, daß deine Kinder keinen Unfug mit einander treiben. Sieh' auch öfters heimlich nach, was die Kinder in den Kammern, Ställen und andern heimlichen Winkeln machen, damit du durch diese Sorgfalt manches Böse verbinderst. 2.) Sobald du ein Kind zur Welt geboren hast, fage Gott Dank dafür, und opfere es Gott auf, 142 Verhaltungsregeln. und versprich Gott, daß du es chriftlich zu Seinem Dienste erziehen wollest. Legst du das Kind in die Wiege, oder hebst es von derselben auf; fo bezeichne es mit dem hei: ligen Kreuze, und besprenge es mit dem heiligen Weihwasser. Sobald das Kind zu reden anfängt ,. so fange auch an, es bethen zu lehren. Lehre es das heilige Kreuz machen, das Vater unser und den englischen Gruß bethen. Lehre es;» daß nur Ein Gott sey in drey Personen; daß der Sohn Gottes für uns Mensch geworden ist, und uns durch Seinen Tod erlöset hat. Daß Gott ein ge= rechter Richter sey, der das Gute belohnt und das Böse bestraft.« Sorge als eine chriftlich fromme Mutter, daß deine Kinder beym Aufstehen und Schlafengehen, vor dem Essen und nach dem Essen bethen. Fübre fie früh und zeitlich in die Kirche, und gestatte ihnen dort kein unanständiges Betragen. Sage ihnen oft vor, was die heilige Köni ginn Blanca ihrem kleinen Sohne Ludwig gesagt hat:» Mein Kind! ich wollte dich lieber sterben fehen, als daß du Gott mit einer Sünde beleidigtest.<< 3.) Sind deine Kinder boshaft, ungehorsam, balsstärrig, o so fluche und schimpfe nicht wider sie; damit sie nicht von dir das Fluchen und das 3ürnen lernen: fondern ermahne sie mit Ernst, und beffern sie sich nicht, so strafe sie mit der Ruthe, aber nicht im Zorne, sondern wann du im Gemüthe ganz ruhig geworden bist. Wer die Ruthe spart, der liebt sein Kind nicht; dieß lehrt Gott in der h. Schrift, Wirst du deine Kin= der in der Furcht Gottes und in guter Zucht Verhaltungsregeln. 143 auferziehen, so werden sie zu deinem Troste, zur Ehre Gottes und zur Freude der heiligen Engel aufwachsen. 4) In der Erziehung deiner erwachsenen Kin der mußt du deinem Manne helfen, und gewiss senhaft benstehen. Erlaube deinen Töchtern keine Bekanntschaf ten mit Personen des andern Geschlechtes, keine Ausgänge zur Abend- oder Nachtzeit, keine Spaziergänge auf einsamen Wegen, laffe sie niemahls mit Mannspersonen allein, und suche ihnen jede Gelegenheit zum Bösen abzuschneiden. Erziehe deine Töchter nicht zur Eitelkeit, und wenn du sie auch sauber und ihrem Stande gemäß kleideft: fo gestatte ihnen doch niemahls einen frechen und 2ergerniß gebenden Anzug, wodurch du an der Verführung deiner Kinder und an dem Untergange vieler anderer Seelen Schuld seyn könnteft. Du mußt deiner Tochter nie gestatten, daß sie mit einer Mannsperson ohne dein Wissen ein Eheversprechen eingehe. Hat aber deine Tochter einen Bräutigam, den sie mit deinem Wissen und Willen heirathen will, so gestatte nie, daß deine Tochter mit ihrem Bräutigam ganz allein zusammenkomme. Was du gegen deine Töchter zu befolgen hast, ist auch von den Dienstmägden zu verstehen. Du mußt über sie ein sehr wachsames Auge haben und ihnen nichts gestatten, was ihren Seelen schädlich feyn könnte. Uleberhaupt geliebte Hausväter und Hausmüts ter, 2eltern und Vorgeseßte! merkt es euch wohl: So viele Seelen als eurer Aufsicht anvertraut 144 Verhaltungsregeln. find, für so viele Seelen müßt ihr wachen und forgen, und einst Rechenschaft ablegen bey Gott: also lehrt der h. Apostel Paulus an die Hebråer ( 13, 17.) Ihre Seelen sind erkauft durch das theure Blut JEfu Christi. Kann eine Verant: wortung größer seyn als die ist: sich verantworten müffen über den Mißbrauch des theuren Werthes des Blutes JEfu Christi? III. Von den Pflichten der Kinder gegen ihre Aeltern. Ehre Vater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden, also spricht Gott. ( Exod. 20, 12.) 1.) Du bist als Kind deinen Ueltern die kindliche Ehrfurcht schuldig. Kein Stand, kein Amt, in dem du stehst, kann dich von dieser Pflicht entschuldigen. Gib deinen Weltern immer gute und höfliche Worte, auch wenn sie ungerecht gegen dich handeln, fahre sie niemahls mit groben, tros Bigen, murrenden Reden an, gib ihnen nie Spottnahmen, verachte sie nicht, schäme dich nie ihrer Unwissenheit, oder ihrer Armuth, oder ihres geringen Standes. Hat Sich ja doch der Sohn Gottes Seiner armen Mutter und Seines armen Nährvaters nicht geschämt, warum solltest du dich deiner armen eftern schämen oder sie gar verachten? 2.) Du bist deinen Weltern den punctlichsten Gehorsam und zwar in allen Dingen schuldig, die nicht wider den Willen Gottes sind. Folge ihnen ganz besonders, wenn sie dir befehlen, was Verhaltungsregeln. 145 für dein Seelenheil gut ist, und dir verbiethen, was deiner Seele schädlich ist. Du weißt es ja mein lieber Sohn! meine liebe Tochter! welch eine Verantwortung bey Gott sich jene Neltern zuziehen, die ihre Kinder nicht zum Guten anhalten, warum wolltest du es also deinen lieben Weltern übel nehmen, wenn sie ihre Schuldigkeit thun, die ihnen ihr Gewissen bes fiehlt, und dich zum Guten anhalten? Wollteft du denn, daß deine Weltern deinetwegen ihre See: len auf ewig verlieren und in der Hölle brennen müßten. 3. Du bist deinen Aleltern die zärtlichste Liebe schuldig. Nach Gott sind deine Weltern deine größten Wohlthäter. Wie viel Ungemach, Kranks heiten und Schmerzen hat nicht deine Mutter deinetwegen ausgestanden, bevor sie dich noch zur Welt gebracht hat? Wie viele Jahre hat sie dich auf den Armen getragen, mit ihrer Milch ernährt, init Mutterliebe gepflegt und besorgt, und wie viele Nächte hat sie nicht deinetwegen durchwacht? Wie viele Mühe und wie viele Gorgen hast du deinem Vater nicht gekostet, damit er dich ernähren, kleiden und erziehen konnte? Sieh! Gott Selbst ruft dir in der heiligen Schrift zu( Eccl. 7, 29): Ehre deinen Vater von ganzem Serzen, und vergiß nicht der Seufzer deiner Mutter. Gedenke, daß du ohne sie nicht geboren wärest, und vergift ihnen, was sie an dir gethan haben. Mein lieber Sohn! oder meine liebe Tochter! bedenke, daß du den Fluch Gottes über dich und deine Kinder herabziehest, wenn du deinen 9 146 Verhaltungsregeln. Bater, deine Mutter lieblos behandelft, etwa gar schlägst, oder sie gar verstoßeft, und dich ihrer Noth nicht erbarmest. Gedenke an die Beyspiele der Heiligen, stelle dir einen frommen Tobias, einen ägyptischen Jofeph und andere Heilige, als Beyspiele der findlichen Liebe vor die Augen, und beherzige es wohl, daß Gott diese frommen Kin= der wegen ihrer kindlichen Liebe hiernieden reichlich geſegnet, und jenseits ewig beglückt hat. 4.) Ohne Wissen und Gutheißen der Aeltern tritt ja keinen Stand an, besonders den Ehestand nicht, es müßten nur sehr wichtige Gründe dich bewegen, anders zu handeln. Hilf deinen Weltern so viel du kannst in ihrer Haushaltung, greif ihnen unter die Arme, verringere ihre Sorgen, verlaß sie nicht im Alter, und wenn sie mühselig und elend sind, entziehe ihnen nichts, was du ihnen aus besonderer Verpflichtung schuldig bist, ja reiche ihnen so viel du kannst, reichlicher dar, damit dich Gott segne. Stehe deinen Ueltern in der Krankheit bey, warte ihnen ab mit möglichster Liebe, rufe den Arzt zu Hülfe, verfäume ja nicht sie ben Zeiten mit den heiligen Sacramenten zu versehen. Nach ihrem Tode lasse sie ihrem Stande ge= mäß ehrbar begraben, und forge dafür, daß ih= ren armen Seelen durch das Gebeth, heilige Messen und Almofen geholfen werde. Vollziehe genau ihren leßten Willen, bethe täglich für sie, besuche zuweilen ihr Grab, um dort für sie zu bethen, und befleiße dich, durch ein frommes Leben deine guten 2eltern auch im Grabe noch zu ehren. Verhaltungsregeln. 147 IV. Von der Schuldigkeit der Dienstbothen und aller Untergebenen. 1.) Jhr Knechte und Diener! seyd eurem Errn gehorsam mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Serzens, wie Jesu Christo; mit gutem Willen, wie dem 5Errn: weil ihr wisset, daß ein Jeder, je nachdem er Gutes thut, auch von dem 3Errn empfangen wird.( Ephef. 6, 5.) Daher, wenn du, mein christlicher Dienstboth, oder du Untergebener, bey euerem Herrn oder Frau, bey eurer Herrschaft oder Obrigkeit auch augenscheinliche Laster sehen würdet, so thut doch alles, was sie euch befehlen, aber nach ihren sündhaften Werken thut nicht. Ihr Knechte, seyd den Herren mit aller furcht unterthan, nicht allein den guten und bescheidenen, sondern auch den unbescheidenen.( 1. Petr. 2, 18.) Sollten sie euch aber etwas Sündhaftes befehlen, oder euch zum Bösen anhalten, so folget ihnen nicht, fons dern widerstehet allem Bösen; denn Menschengunst dauert von heut bis morgen, aber Gottes Guade dauert in Ewigkeit. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten, die Seele aber nicht tödten können, sondern fürchtet euch vielmehr vor Dem, Der Seele und Leib in den ewigen Untergang werfen kann. ( Matth. 10, 28.) Verlaffer lieber sobald als mög lich einen solchen gefährlichen Dienst, und denket, was nüßt es mir, wenn ich die ganze Welt gewänne, aber meine unsterbliche Seele verlöre! 9* - 148 Berhaltungsregeln. 2.) Vergeffet nicht, daß die Menschen, als Kinder von Adam und Eva, zur Arbeit geboren find. Lasset euch also gern zu aller Arbeit gebrauchen. Wer fleißig arbeitet, hat nicht viel Zeit zum Sündigen, und ist voll des himmlischen Gegens, wenn er bey der Arbeit öfters sich denkt oder saget:» Diese Arbeit Gott zu Lieb!«- Wer fo arbeitet, mit so einer guten Meinung, der be thet immer. Ein schöner lobwürdiger Gebrauch wäre es, wenn ihr eure Arbeiten durch fromme Lieder versüßet; aber, um eurer Seele Willen, nur nicht durch unkeusche! - Kein übles Nachreden, keine Wäscherey sollet ihr je befördern, kein falsches Zeugniß soll je aus eurem Munde kommen. Um Gottes Wilten, untersteht euch nicht einem Andern, besonders einem Kinde vom Hause, oder einem Nebendienst, bothen oder Mitdienenden zur Unkeuschheit oder zum Diebstahl, oder zu irgend einer andern Sünde zu helfen, zu rathen, oder dazu zu schweigen, fonst werdet ihr einst als wahre Seelenmörder von dem lebendigen Gott gerichtet werden.- Bewahret euch selbst vor diesen Laftern, und meidet daber forgfältig alle bösen Gelegenheiten oder ge: fährlichen Zusammenkünfte. Meider alle Trun: fenheit, sonst werdet ihr bald zeitlich und ewig verderben. - - Heiliget besonders die Sonn- und Feyertage und erwäget öfters ein bischen ernstlich bey euch: was hilft es einem armen Dienstbothen, Gesellen oder Diener, wenn er, fauer genug auch wöchentlich etwas weniges Geld gewinnt, wofern er, besonders an Sonn- und Feyertagen, durch Berhaltungsregeln. 149 ausgelaffene und unzüchtige Reden, durch Spiel und Trunk, durch Tanz und Muthwillen, oder sonst durch andere Sünden die theure Freundschaft JEfu Chrifti, das Himmelreich, und den ihm so nothwendigen Segen Gottes verscherzen würde? V. Von dem Betragen der ledigen Personen beyderley Geschlechts. Das ist der Wille Gottes: eure Heiligung; daß ihr euch von der Unzucht enthaltet, und daß ein Jeder unter euch sein Gefäß in Seiligung und Ehren zu besigen wisse, nicht aber in ungeziemenden Lüften, wie die Seiden, die von Gott nichts wissen.( Thessal. 4, 3. 5.) 1.) Nichts entehrt so sehr den ledigen Stand als das Laster der Unkeuschheit, Nach den Grundsä Ben der Weltkinder, wird dieses Laster entweder für gar keine Sünde, oder nur für etwas linbe deutendes, oder gar nur für eine Schwachheit der Natur gehalten. Ganz anders aber lehrt uns der h. Glaube, die h. Religion JEfu Chrifti, Sie lehrt uns, daß dieses thierische Lafter Gott als unfern höchsten HErrn entehret, JEfum Chriftnm, als unfern Erföfer und unser Haupt schändet, daß es ben heiligen Geist als unsern Heiligmacher entweihet. Der Unkeusche entehret Gott, ſeinen höchsten HErrn; denn er macht aus dem Gegenstande seiner Leidenschaft einen Gößen oder Abgott, den er gleichsam anbethet; der Unkeusche opfert sei: ner schändlichen Leidenschaft feine Ruhe, feine Gesundheit, seine Ehre, fein Vermögen und 150 Verhaltungsregeln. -- die Gnade Gottes und das Leben seiner Seele auf. Gott ist nicht mehr der Herr seines Herzens; sondern ein Geschöpf ist es, dem er alle seine Ge danken und Begierden aufopfert, ist dieß nicht ein großes Laster, ein abscheulicher Undank gegen Gott? Der Unkeusche entehrt JEfum Christum, Der unser Haupt und Erlöser ist. Wiffet ihr nicht, daß eure Leiber Glieder Christi find? Darf ich denn die Blieder Chrifti nehmen und sie zugurengliedern machen? also schreibt der Weltapostel.( 1. Corinth. 6, 15) Sind wir nicht durch die Taufe Kinder Gottes, Brüder JEfu Chrifti, Miterben des Reichs Teines himm= lischen Vaters und Glieder seines Leibes gewor= den? Wie abscheulich handelt also der Unkeusche mit den Gliedern JEfu Chrifti? Die Sünde der Unkeuschheit entehrt endlich den heiligen Geist. Wiffet ihr nicht,( spricht der Apostel 1. Corinth. 6, 19.) daß eure Glieder ein Tempel des heiligen Geistes sind, Der in euch ist. Ein Christ aber, der eine Sünde wider die Keuschheit begeht, verstößt den heiligen Geist aus feinem Herzen, und räumt dem unreinen Geiste einen Plaß ein. 2.) Willst du aber, o Jugend! die Schwere dieser Sünde noch deutlicher einsehen, so betrachte die Züchtigungen, womit Gott die Sünde der Unreinigkeit bestraft. Eröffne die heiligen Bücher der Schrift und finden wirst du, wie Gott eine allgemeine Ueberschwemmung über die Erde geschickt hat, und wie alle Menschen mit Ausnahme der einzigen Verhaltungsregeln. 151 Familie des Noe von den Wässern verschlungen worden sind, und finden wirst du, daß die lln= keuschheit jenes entfeßliche Laster war, dessen sich die Menschen schuldig gemacht hatten, und weßwegen sie Gott fo scharf gestraft hat. Und du wirst ferner finden, wie einige Zeit nach diesem schrecklichen Ereignisse, durch Feuer- und Schwe felregen alle Häuser und alle Einwohner der Städte Sodoma und Gomorrha und noch drey andere verbrannt und in 2sche verwandelt wurs den. Und welches Laster haben diese Menschen von Sodoma und Gomorrha begangen, daß fie die göttliche Rache auf eine so furchtbare Weise gereißt haben? Das Laster der Unreinigkeit. Vierzig tausend Israeliten wurden auf Befehl Gottes in der Wüste umgebracht, weil sie mit den Töchtern der Moabiter sich verfündigt hatten.( 4. Buch Moyf. 5.) Her und Onan wurden ihrer Unenthalt: famkeit wegen mit dem Tode bestraft( 1. Buch Moyf. 38.) Die sieben Männer der Sara wurden zur Strafe dieser Sünde von dem Teufel erwürgt. ( Tob. 3.) Kann man also eine Sünde, die mit so vie ler Strenge von einem unendlichen heiligen, ges rechten Richter bestraft wird, noch als eine Klei nigkeit oder eine ganz verzeihliche Schwachheit ansehen? Aber alle diese Strafen, so schrecklich sie auch scheinen mögen, können doch nicht mit jenen in Vergleich gestellt werden, welche Gott den Un= züchtigen für das andere Leben aufbewahret hat. Verhaltungsregeln. Darum legte auch die h. Kirche in alten Zeiten auf die Sünde der Hurerey eine siebenjährige Bu ße, und eine fünfzehnjährige auf einen Ehebruch. 152 3.) Diese Sünde ist aber deßhalb auch sehr ges fährlich, weil alles, was wider die Reinigkeit ges schieht, wenn es mit Ueberlegung geschieht, gleich eine Todsünde ist. Wenn du z. B. eine kleine Lüge begehst; oder dich etwa erzürnest u. s. p., so ist das nicht gleich eine Todsünde; fobald dit aber wider die Reinig: keit freywillig fündigest, und wäre dieß auch nur mit einem einzigen Gedanken, so ist dieß schon eine schwere Sünde. Das Herumreißen, Scherzen, Antasten zwischen Personen verschiedenen Ge schlechts ist fast nie ohne Todsünde. 4.) Bedenke es demnach, liebe Jugend, wie viele Sünden wider die Reinigkeit in Gedanken. und Begierden begangen werden können, wenn le= dige Personen verschiedenen Geschlechts in einem Zimmer, in einer Kammer oder an irgend einem abgefonderten Orte sich beysammen aufhalten. Was geschieht nicht bey dem nächtlichen Heims gehen vom Tanze, oder aus den Wirthshäusern? Was geschieht nicht im Sommer auf den Weiden, auf den Almen und in einsamen Wäldern? - aber Gott sieht alles und richtet. - - Selbst wann du ganz allein bist, so bedenke, daß Gott dich siehet, und daß dein Leib ein Tem= pel Gottes ist, den du beilig halten sollst. 5.) Endlich, liebe Jugend! mache ja niemahls blindlings ohne Wiffen und Willen deiner Aleltern ein Eheversprechen. Wie verdammlich vor Gott und den Menschen ist nicht ein solches Winkelver Verhaltungsregeln. 153 sprechen. Was sind die traurigen Folgen desselben? Man kommt unter dem Vorwande künftiger Ehe oft zusammen, man wird vertraulich, keck, frech, und endlich unter dem Vorwande der künftigen Ehe getrauet man sich alles zu thun. Lediger Jüngling! lediges Mädchen! Willst du den Ehestand antreten, so tritt ihn chriftlich an. 1. Bitte Gott, er möchte dich in der Wahl deines Fünftigen Gatten oder deiner Gattinn ers leuchten. 2. Siehe nicht so viel auf das Vermögen, fondern auf die gute Aufführung. 3. Frage deine 2leltern und andere erfahrene Personen um Rath. 4. Selbst nach gethanenem Eheversprechen, so lange du nicht vermählt bist, entferne jede böfe Gelegenheit und jeden unreinen Gedanken von dir. 5. Vor deiner Vermählung verrichte eine gute Beicht, und wenn du fannst, und es sich leicht thun läßt, so verrichte eine Generalbeicht, das mit du den Ehestand recht heilig antreteft. lleberhaupt suche, o liebe, christliche Jugend! dein Herz und deinen Leib rein zu erhalten. Glückfelig, die eines reinen Serzens sind, denn sie werden Gott anschauen, also spricht JEsus Christus. Wie sollen sich christliche Jungfrauen besonders verhalten. Die Unschuld ist dein edelster Schatz, o Jungfrau! hier auf Erden. Du sollst lieber sterben als 154 Berhaltungsregeln. diesen kostbaren Schaß verlieren wollen. Damit du ihn nicht verlierest, meide jegliche Gefahr, die dich um dieses dein höchstes Gut bringen Fönnte. Kämpfe wie eine Heldinn in jeder Gefahr, der du nicht ausweichen kannst, für die Erhaltung deines keuschen Sinnes. Wende alle mögliche Mittel an, um deine Keuschheit stets rein und unversehrt zu erhalten. Ich will dir die Ge fahren deiner Unschuld zeigen. Die gefährlichsten Feinde deiner weiblichen Tugend, die du besonders meiden mußt, sind: 1. Die Eitelkeit oder die übertriebene Begierde, der Welt zu gefallen. Laß dein erstes Streben seyn Gott zu gefallen. Gefällst du Gott, so gefällst du dem ganzen Himmel und allen guten Menschen. Suche als eine edle Jungfrau in den Augen Gottes und nicht vor den Menschen schön zu seyn. 2. Die Eitelkeit im Anzuge. 1.) Die Zierde des weiblichen Geschlechts, schreibt der h. Apostel Petrus( 1. Brief 3.) mu nicht seyn gekräufeltes Saar, goldener Schmuck, prachtige Kleidung, sondern der innere verborgene Serzensmensch, in dem unverrückt stillen und bescheidenen Geiste, der im Auge Gottes reich iſt. Das fromme Mädchen will durch die Farbe oder Schönheit ihres Gewandes kein Auge auf sich ziehen, und sucht nicht durch eitlen Puß, neue Moden, durch halbe Bedeckung des Leibes sich Uchtung und Versorgung zu verschaffen: Die Verhaltungsregeln. 155 Soldfeligkeit ist betrüglich, und die Schönheit ist eitel, aber das Weib, das den 5Errn fürchtet, soll gelobt werden; also lehrt der heilige Geist.( Sprichw. 31, 30.) 2.) Geliebte Jungfrauen! send ihr hierin zu weit gegangen, so laßt euch ermahnen und bes fert euch. Hört, was selbst im Heidenthume die Gittsamkeit der Weiber in der Kleidung für einen schönen Erfolg hette: zu Crotona, einer Stadt in Italien, hatte um das Jahr 529 vor Christi Geburt das Sittenverderbniß so überhand genommen, daß der gänzliche Verfall dieser Stadt sehr nahe war. Py= thagoras, ein weifer Lehrer jener Zeit, stellte den Einwohnern die nahe Gefahr so lebhaft vor Augen, daß sie sich zur Befferung entschlossen. Den ersten Schritt dazu machten die Frauen. Sie leg= ten alle mit einander an einem Tage ihre Kostbarkeiten und die mit Gold durchwirkten Kleider ab, liefen in den Tempel und gelobten feyerlich, sich in fittfameres Gewand zu kleiden, und ihren wahren Schmuck in der Keuschheit und Tugend zu suchen. Da kehrte Häuslichkeit und Ordnungsz liebe in die Familien zurück, dieß legte den Grund zur bessern Kinderzucht, und der Staat war ge= rettet. Seht, was Frauentugend vermag, und wie wichtig für gute Sitten die Ehrbarkeit des An: zugs der Frauen ist. 3. Die Unvorsichtigkeit im Blicke, in den Geberden und in Worten. Halte dich, o Jungfrau! an das Muster, was der heilige Ambrosius von der feligsten Jungfrau 156 Verhaltungsregeln. MAria aufstellt. Er sagte:» Sie hatte nichts Un: freundliches in den Augen, nichts Freches in den Worten, nichts Ausgelassenes in ihren Handlungen.« Dein Auge fey sittsam. Nicht umsonst bethete David:( Psalm 118, 37.) 5Err! wende meine Augen ab, damit sie nichts Litles sehen. Der heilige Jüngling Aloysius war Jahre lang zunächst um die Königinn von Spanien und wußte nicht, wie sie aussah. Deine Rede sey sparsam und ehrbar. Viel reden, sagt Salomon, geht nie ohne Sünde ab. 4. Die bösen Gesellschaften. Böse Gesellschaften verderben gute Sitten, und wer Pech anrührt, wird davon befudelt.( Syrach 13, 1.) Tänze, Bälle, Schauspiele, sind für eine Jungfrau gefährlich und verderblich. Bey dem üppigen Tanz stirbt die Unschuld; im Heimführen wird sie begraben. Der erste Schritt auf den Tanzboden ist bey den Meisten der erste Schritt zur Verführung. Gehe, o Jungfrau! des Abends nicht allein aus, meide jene Gesellschaften, Zusammens Fünfte und Unterhaltungen, wo deine Schamhaf: tigkeit erröthen maß, wo es unehrbar zugeht. 5. Der leichtfertige Umgang mit dem andern Geschlecht. Schnell wird ein Funke in das Herz geworfen, der Funke wird Flamme, und die Flamme brennt und verzehrt. Traue nie einer blinden Neigung für eine Person, denn sie ist blind und macht blind. Verhaltungsregeln. 157 Nur die Flucht kann dich retten. Sey ohne Noth nie allein mit einer Mannsperson. Traue nicht; denn: Wer die Gefahr liebt, kommt darin um.( Syrach. 3, 27.) Nimm keine Geschenke von einer Mannsperson an. Verkaufe nicht den Schatz deiner Unschuld um einige Gulden, ein seidenes Tüchel oder einen hübschen Ring u. f. w. Gedenke, daß Gott reicher ist, und dir etwas Schöneres im Himmel geben wird. In der Noth und Gefahr, wenn man deiner Tugend nachstellt, wehre dich wie eine Hel dinn, rufe und schreye um Hülfe. Laß dich lieber umbringen, als daß du in des Verführers boßhaftes Begehren einwilligest. Und sollte er dir drohen; daß er die oder sich das Leben nehmen wolle, so fürchte dich nicht, und sage ihm herzhaft ins Gesicht: Du wolleft nicht seinetwegen ewig verdammt werden. Bist du in deines Va= ters Haus vor einer darin wohnenden Mannsperson nicht sicher, so sage es deinen Weltern, da mit eine solche Person aus dem Hause entfernt werde. Bist du im Dienst, und stellt Jemand deiner Unschuld nach, so Flage es deinem Dienstherrn, hilft er nicht ab, so gehe aus dem Dienste. Es ist beffer du leidest jegliche Nachrede, Ar= muth und Verfolgung, als daß du als eine strafbare Sünderinn in die Hände des lebendigen Gottes fallest. Zur Nachtzeit verschließe dein Kämmerlein, gib keiner verführerischen Stimme beym Fenster ein Gehör, gedenke in deinem Herzen:» O JE. fu, bleib ben mir! Dir will ich leben und ster= 158 Verhaltungsregeln. ben!« Hast du in deiner Schlafkammer zugleich eine andere Weibsperson, und wenn diese mit, Personen des andern Geschlechtes eine unerlaubte Bekanntschaft hat, so ermahne sie, und wenn nichts hilft, so zeige es deinem Dienstherrn an, auch damit du nicht selbst etwa durch sie verführt würdest. Denke an die Zukunft und an die spåre Neue, die dir ein unkeusches Leben zuführen würde. Ueppige Jugend bringt ein trauriges 21ter. Trachte dahin, daß du als eine Jungfrau würdig des Jungfrauenkranzes an deinem Ehrenz tage vor dem Altare JEfu Christi erscheinen könneft, oder wenn du ledig bleiben willst, daß du den jungfräulichen Schaß mit ins Grab nehmest, und dich des Jungfrauenkranzes ewig im Himmel erfreueft. Das heil. Sacrament der Buße. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er( Gott) getreu und gerecht, daß Er uns unsere Sünden vergebe, und uns von aller Ungerechtigkeit reinige. 1. Joh. 1. Gott, Welcher reich an Erbarmung ist, und die Schwachheit der menschlichen Natur kennt, ist immer bereit, den Sünder, der sich aufrichtig bekehren will, in Seine Gnade aufzunehmen. Aus diesem Grunde Eeiner unendlichen Barın herzigkeit hat Gott das heilige Sacrament der Buße eingesetzt, um denjenigen das Leben der Gnade wiederzugeben, die es nach der Taufe verloren haben. Dieses Sacrament ist für den, nach der Taufe wieder in die Todsünde gefallenen Men= schen das einzige Rettungsmittel von dem ewigen Tode. Bey einem jeden Sacramente ist zu berück= sichtigen: 1.) das äußere sichtbare Zeichen, 2.) die unsichtbare Gnade, 3.) der Ausspender, und 4.) die Einfeßung Jesu Christi. 1.) Das äußere sichtbare Zeichen der unsichtbaren Gnade bey dem heiligen Buß- Sacramente sind die Worte der Lossprechung, die der Priester über den Beichtenden spricht: Ich spreche dich los von deinen Sünden imklahmen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geis stes; dann, die äußerlichen Zeichen des innern Schmerzens des Büßers über seine Sünden. 2.) Die unsichtbare besondere Gnade dies fesSacraments ist dielachlaffung der Sünden. 160 Das heilige Buß- Sacrament. 3.) Die Priester sind allein nur die Ausspender dieses heiligen Sacraments; sie müffen aber vom Bischofe eine eigene Bestimmung dazu, oder die geistliche Gerichtsbarkeit erhalten. 4.) Den Aposteln, und folglich auch ihren Nachfolgern, den Bischöfen und ihren Gehülfen, den Priestern, gab JEsus Christus die Gewalt Sünden nachzulassen, mit folgenden Worten: Nehmet hin den heiligen Geist! denen ihr die Sünden nachlaffet, denen sollen sie nachgelaffen seyn; dezen ihr sie vorbehaltet, denen sollen sie vorbehalten seyn.( Joh. 20, 22; Mit diesen Worten bat JEsus erklärt: daß Er den Aposteln und ihren rechtmäßigen Nachfol gern im Apostelamte, die Gewalt durch den heiligen Geist ertheile, ein richterliches Amt über die Sünden der Menschen auszuüben. Jene, die sie lossprechen würden, sollten auch von Ihm losgesprochen seyn: denen sie aber die Lossprechung vorbehalten würden, denen sollten. ihre Sünden auch vorbehalten seyn. Das Erlassen der Sünden und das Vorbehalten derfelben, kann also nicht in der Will: kühr des Priesters seyn: sondern der Priester muß den Zustand des Sünders kennen, wenn er ei nen Richterspruch über ihn fällen foll; denn wie könnte er sonst eine richterliche Entscheidung mas chen, wenn er nicht einmahl wüßte, was der Sünder verbrochen hat? Der Sünder ist also kraft dieser Worte JEfu Christi verbunden, seine Sünden dem Priester zu erkennen zu geben, das heißt: zu beichten, und sich von ihm nach dessen priesterlicher Voll 161 Das heilige Buß= Sacrament. macht richten zu lassen. Die Beicht ist also einer der wichtigsten und wesentlichsten Theile des heiligen Buß- Sacramentes. Die Wirkungen dieses heiligen Sacramentes. Die Wirkungen und Vortheile dieses heiligen Sacramentes sind fast nicht zu berechnen. Man kann mit dem römischen Katechismus sagen: daß wir fast alle Frömmigkeit, Heiligkeit, und Religiösität, so durch die Barmherzigkeit Gottes im Christenthume ist, der sacramentalischen Beicht zu danken haben. Insbesondere wirket es: 1.) Die Nachlassung der Sünden. Wenn der Büßer seine Vergebungen aufrichtig und reumüthig gebeichtet hat, und der Priester über ihn die Hand ausstreckt und sagt: Ich spres che dich los von deinen Sünden; so sind in diesem Augenblicke bey Gott alle Missethaten des Sünders für die ganze Ewigkeit verziehen. D welch ein Trost im Tode und am jüngsten Ge= richtstage für einen Sünder, welcher seine Vers gehungen recht gebeichtet hat! 2.) Es ertheilt dem Sünder die heiligmachende Gnade, die Freundschaft Got tes und das Recht auf das Himmelreich wieder. Wie schmerzlich ist nicht dem Menschen oft der Verlust der Gunft eines Großen, der Mangel irdischer Güter, die Feindschaft mit einem Mächtigen. Wie kann man denn also den Verlust Gottes und des Himmels mit unbekümmerten Aus gen ansehen? - 10 - 162 Das heilige Buß- Sacrament. 3.) Wirkt dieses Sacrament die Nachlas fung der ewigen Strafe.- An Jenen, die in Chrifto find,( die durch die Gnade Got: tes wiedergeboren sind,) ist nichts Verdammlis ches mehr, lehrt der heilige Paulus. 4.) Es wirkt, daß die Verdienste der vorigen guten Werke, die man im Stande der Gnade gewirkt hat, wie der aufleben. welch ein Gnadenschatz ist die Wiedererlangung aller vorigen guten Werke! Wie viele Mühe wendet man nicht an, um verlorene zeitliche Güter wieder zu erhalten; was soll uns also schwer fallen, um die Güter des ewigen Lebens wieder zu erringen? 5.) Es ertheilt die Stärke und gött liche Kraft uns vor dem Rückfalle in die Sünde zu bewahren, und in der Tugend zu verbarren.- O wie viele Sün der haben nicht in diesem Sacramente die sicherste Schußwehr gegen ihre Leidenschaften, und die beste Heilung ihrer geistigen Wunden gefunden! 6.) Es ertheilt dem Menschen den verfornen Seelenfrieden und die Ruhe des Gewissens wieder. Der heilige Geist bestätigt es, daß die Gottlofen keinen Frieden haben, und daß ihr Leben voll der Mühselig-= Feiten und Schmerzen sey. Wie Viele haben es nicht an sich erfahren, daß, indem sie vor der Beicht, wie in einer Hölle der Angst und Verwirrung lebten, sie nach ertheilter Lossprechung einen so großen Trost empfunden haben, daß sie glaubten im Paradiese zu seyn. 7.) Es ist auch von unaussprechlichem - - Das heilige Buß- Sacrament. 163 Nußen für die ganze menschliche Ge fellschaft, um darin Ruhe, Frieden und Gerechtigkeit zu erhalten.- Wie viele Sünden der Ungerechtigkeit, der Unlauterkeit, wie viele Feindschaften werden da nicht unterdrückt. Wenn in einem Jahrhunderte große Laster die Menscha heit verwüsten, so ist es gemeiniglich dann der Fall, wann die heilige Beicht verachtet oder schlecht verrichtet wird. Ueber welche Gemeindeglieder haben eifrige Seelsorger am meisten wegen ihrer Lafter zu Elagen? Gemeiniglich über jene, welche ſehr selten, oder gar nicht zur Beicht gehen. Diejenigen Scheinchristen, welche kaum in einem Jahre Ein Mahl, und das mit eiskaltem Herzen zur Beicht gehen, sind gewöhnlich auch sehr lasterhaft und gottlos.-Dominicus Soto, Beicht vater des Kaisers Carl V., dessen Zeugniß man nicht in Zweifel ziehen kann, erzählt: daß die Stadt Nürnberg, nachdem sie zu der Parten der Unkatholischen übergegangen war, eine Gesandtschaft an den Kaiser abschickte, durch welche ihre Bewohner ihn bathen, vermöge eines kaiserlichen Befehls die Ohrenbeicht bey ihnen wieder einzus führen, weil, wie sie fagten, die Erfahrung klar beweise, daß, seitdem die Beicht bey ihnen auf gehoben sey, so ungeheure Lafter begangen were den, daß man noch niemahls dergleichen Gräuel thaten gesehen habe. Um dieses heilige Sacrament gehörig zu em pfangen, werden folgende Stücke erfordert: 1.) Die Erforschung des Gewissens. 2.) Die Reue und der Vorsaß. 3.) Die Beicht. 10* 164 Das heilige Buß- Sacrament. 4.) Die Lossprechung des Priesters. 5.) Die Genugthuung. 1. Von der Gewissenserforschung. Das Haupthinderniß einer wahren Bekehrung ist die Nichtkenntniß seiner selbst. Man kennt sich felbst nicht, man sucht sich selbst zu täuschen, in dem man sich einbildet, dieß oder jenes sey keine Sünde. Viele Christen leben in einer sträflichen Unwissenheit der Gebothe Gottes und der Pflichten ihres Standes; leben wie in einem Taumel zwischen niedrigem Suchen und Gelüsten; in eis ner ekelhaften Laubeit und Sorglosigkeit für alles Geistliche und Göttliche, so, daß sie alle Erkenntniß Gottes und ihrer selbst verlieren: und sind sie gerade keine Mörder und Diebe, haben. sie etwa noch einige natürliche( den Heiden auch eigenthümliche) Tugend, und wenn sie sich auch den schönen Nahmen beylegen: rechtschaffener und untadelhafter Leute; so sind sie doch nichts we niger als Gott wohlgefällige Leute oder gute Chris sten. Solche wissen, wenn sie beichten sollen, sich keiner Sünde schuldig. Vielleicht sind sie unschuldig und fündenlos? Ach nein!- es fehlt ihnen nur an der wahren Erkenntniß ihrer selbst, weil sie die aufrichtige Erforschung ihres Gewisa sen gänzlich außer Acht lassen. Und welche sind denn gewöhnlich jene Christen, die in ihren eige: nen Augen so rechtfchaffen sind? Meistens solche, welche immer nur Ein Mahl im Jahre beichten, oder vielleicht gar feit mehreren Jahren nicht ge= beichtet haben, und die in völliger Bergessenheit ihrer Pflichten dahinleben; ja auch wohl Andere 165 noch mit den Worten verführen:» En, das und das ist keine Sünde,«- oder: nich will es schon auf mich nehmen,« oder:» ich muß es auch verstehen;«- alle diese, wenn sie der Beichtvater durchforscht, und sie redlich seyn wollen, sind ein Grab voll Sünden! Die Kenntniß seiner felbst ist eine Gabe Gottes, um welche der heis lige Augustin alfo bethete: Err! gib, daß ich Dich und mich erkenne. Willst du daher, lieber Christ! dich selbst recht erkennen, so bitte den heiligen Geist um Licht und Beystand. Das heilige Buß- Sacrament. H - Wie viele Zeit soll man zur Gewissens: erforschung verwenden? 1.) Man muß so viele Zeit und so viele Sor ge darauf verwenden, als man auf ein höchst wichtiges Geschäft zu verwenden pflegt. Was thäte ein Mensch, der einen Proceß hätte, und deffen Verlust ihn um sein ganzes Bermögen bringen würde? Wie sorgfältig würde er nicht alles auf: suchen, was ihm helfen könnte? Hast du aber, o Mensch! nicht durch den Fall in eine Todsünde, das Recht auf den Himmel verloren, und die Hölle verdienet? Deine jetzige Beicht, und die Gewissenserforschung, die vorhergehen muß, entschei det vielleicht für den Himmel oder für die Hölle, denn sie ist vielleicht die legte in deinem Leben. 2.) Die Zeit, die du zu deiner Erforschung brauchst, kann nicht genau bestimmt werden. Wer ein jartes oder ohnehin ängstliches Gewissen hat, Eann sich leicht beruhigen, indem er sich gewiß der schweren Sünden erinnern wird; die läßlic 10** 166 Das heilige Buß- Sacrament. chen Sünden aber, wenn er auch einige vergißt, ist er ohnehin nicht schuldig zu beichten. 3.) Jener Mensch aber, der in den fastern versunken dahinlebt, der kaum Ein Mahl im Jahre beichtet, der fast bey jeder Gelegenheit das Gez feß Gottes übertritt, dem, sollen nicht einige flüchtige Blicke in sein Gewiffen genügen. Ein solcher soll einige Tage vor der Beicht dieses wichtige Geschäft vornehmen, in sich selbst zurückkeh ren, im Geiste: jene Orte durchgehen, wo er sich befand, jene Personen, mit denen er Umgang hatte, jene Gewerbe, die er betreibt, in Betracht ziehen u. f. w.; sonst würde nur ein verworrener Wust von Sünden, ohue Unterschied der Zahl, der Gattung und Umstände herauss kommen. - - - 4.) Viele aber gehen dabey nur oberflächlich zu Werke; daher kommt es, daß sie sich über so wenige Sünden im Beichtstuble anzuflagen wissen. Wie viele Geschäfts- und Gewerbsleute würden, wenn sie bis auf den Grund ihres Gewissens gingen, manche verderbliche Lüge, mans chen Betrug und Wucher, unerlaubte und ungerechte Verträge finden. Allein würden sie so in ihr Gewissen hineinsehen, so müßte das fremde, unrechte Gut zurückerstattet, so müßte ihr Vermögen geschmälert werden, darum wollen sie die Sünden ihres Herzens nicht erblicken. Jene schamlosen Weichlinge und Wollüstlinge wollen ihre Schändlichkeiten nicht durchsuchen, weil sie ihr Leben nicht ändern wollen, und geben sich alle Mühe, um sich nur überzeugen zu können, daß das, was sie thun, keine Sünde sey. - - Das heilige Buß- Sacrament. 167 Willst du, mein lieber Christ! dieses heilige Sacrament nicht mißbrauchen, sondern recht und zu deinem eigenen Heile verrichten, so gehe ben deiner Gewissenserforschung so zu Werke als wenn schon JEsus Christus am allgemeinen Gerichtstage dich richten würde. Stelle dir deinen Heiland leb haft im Glauben vor, und richte dich selbst, da mit du einst nicht gerichtet werdest. Wer sich felbst richtet, wird nicht gerichtet werden. II. Von der Reue und dem Vorfage. Die Neue ist ein innerlicher Schmerz, daß man Gott beleidiget hat, mit dem festen Vorsaße, Ihn nicht wieder zu beleidigen. Jedoch besteht dieser Schmerz nicht nothwendig in einer schmerzlichen Empfindung, sondern in einem übers natürlichen Abscheu vor der Sünde. Die Reue ist eine wesentliche Bedingung zur Buse, so war, daß der Priester niemahls einen Sünder lossprechen kann, der gar keine Merk mahle einer wahren Reue von sich gibt. Die lossprechung, welche ein Sünder ohne alle Reue empfangen würde, wäre daher ungültig und got: tesräuberisch. Ein Beichtvater würde sich erschrecks lich an dem heiligen Buß Sacramente verfündi: gen, wenn er sich vernünftiger Weise von der Neue des Sünders nicht versicherte. Daher bes flagen sich jene mit Unrecht, denen ein fluger und gottesfürchtiger Beichtvater deßhalb die Losspre: chung verfagt, weil er gar keine Reue an ihnen vermerkt. Der heilige Gregorius fagt: Wer sich nicht von Serzen bekehrt, hat keinen Augen, 168 Das heilige Buß= Sacrament. wenn er auch seine Sünden beichtet. Unzäh lige Christen legen ungültige Beichten ab, weil sie keine wahre Reue über ihre Sünden haben. Die Unwiffenheit und der Mangel der Reue sind es, die dem Priester, dessen Pflicht nicht bloß im 2n= hören der Beicht und in der Lossprechung be steht, sein Umt so erschrecklich erschweren. O Gott! welche Unruhe und Angst empfindet der Beichtvater bey so vielen Sündern, die mit einem gleichgültigen und kalten Herzen, wie es sich schon in ihrem Neußern zeigt, im heiligen Richterstuhle erscheinen, ihre Sünden, wie eine jede andere unbedeutende Sache ganz leicht erzählen, und durch ihr ganzes Betragen zu erkennen geben, daß sie gar keine Neue über ihre Sünden fühlen. So wie der Schmerz über die Sünde, als eine Beleidigung Gottes, wesentlich zur Reue gehört, fo ist auch ein fester Vorfaß, Gott nicht mehr zu beleidigen, ein wesentliches Erfor derniß derselben. Gott fordert von dem Menschen ein neues Herz und einen neuen Geist: Er fordert, daß: der Gottlofe feine böfen Wege, und der Ungerechte seine verderblichen GedanEen verlaffe. Gott kann auch unmöglich dem Sünder verzeihen, wenn er noch den Willen hat, Ihn zu beleidigen. Der Entschluß, Gott nicht mehr zu beleidigen, muß unerschütterlich, und von aufrichtigem Herzen seyn, und nicht etwa in èia nem bloßen Versprechen, oder in einer augenblicks lichen Rührung des Herzens bestehen. Ist wohl der Vorfaß jenes Menschen aufrichtig zu nennen, der zu Gott fagt, daß es ihn ven ganzem Herzen reue, Ihn beleidigt zu haber.; 169 Das heilige Buß= Sacrament. der aber gleich nach erhaltener Lossprechung wieder in die alten Sünden zurückfällt; die bösen Geles genheiten aufsucht; die Personen, die ihn zur Sünde verführten, nicht meidet; den verursach ten Schaden nicht erfeßen, feinem Feinde nicht verzeihen will; der, unwissend in den Religions: wahrheiten, sich doch nicht darin unterrichten läßt; der überhaupt ohne alle Aenderung, das vorige, sündhafte Leben wieder fortführet? Was mußt du also thun, mein Christ! um eine wahre Neue über die Sünden, und einen fes sten Vorsatz in Zukunft sie nicht mehr zu begehen, in dir zu erwecken? 1.) Betrachte die Abscheulichkeit jeder Tod: sünde. Bedenke, daß du vor dem allwissenden Gott, Der in das Verborgenste sieht, gefündigt haft; daß du dir durch deine Sünde den Zorn und das Strafgericht des lebendigen Gottes zu gezogen hast, und daß Gott in einer gerechten Rache furchtbar und schrecklich sey; daß Er die heiligen Engel, die zum ersten Mahle wider Ihn fich empörten, auf ewig in die Hölle verworfen hat; daß ach! vielleicht viele Verdammte in der Hölle jetzt schon in ihrer ewigen Pein seufzen, die keine so großen oder so viele Sünden, wie du, begangen haben; daß die Gefahr deiner ewigen Verwerfung, ach vielleicht nicht mehr fern von dir sey, and nur die unendliche Langmuth des barmherzigsten Gottes noch auf deine Bekeh rung wartet! 2.) Betrachte, daß die Tedfünde eine Läfterung der unendlichen Majestät Gottes, und eine 170 Das heilige Buß- Sacrament. Berachtung Seiner herrlichen Vollkommenheiten fey; daß sie; SEfam Christum, deinen Gott und liebvollsten Heiland gekreuzigt, und deine unsterb= liche Seele getödtet hat. 3) Betrachte, wie zärtlich, wie väterlich dich dein Gott liebt! Aus Liebe hat Er dich erschaffen, und mit welcher Liebe hat Er dich nicht am Kreuze erlöfet? Mit welchen nahmenlosen Wohlthaten an dem Leib und an der Seele hat Seine Liebe und Güte dich nicht überhäuft? Welche Selig: Feiten hat Er dir endlich für die Ewigkeit nicht verheißen und bereitet? O welch ein Undank ist es daher, Ihn beleidigen und Sein Geboth ver achten! Beherzige die zärtliche Klage Gottes bey dem Propheten Michäas:( 6. Cap.) Mein Volk, was habe ich dir zuwider gethan? worin bin ich Ich dir beschwerlich gewesen? Untworte Mir; daß Ich dich aus Aegypten geführt, dich aus der Knechtschaft erlöset habe? u. f. w. 4) Sieh auf deinen liebevollen Heiland am Krenze; betrachte Seine nahmenlosen Leiden, Sein mit Dornen gekröntes königliches Hauvt u. s. w., und frage dich selbst: Wer ist denn Dera jenige, Den ich in einem so traurigen Zustande erblicke? Was ist denn die Ursache dieses Geines grausamen Todes? Für wen erduldete Er, der Allerheiligste! diese unaussprechlichen Leiden? Ach! verfluchte Sünde! wie konnte ich so grausam mit meinem allerschönsten Erlöser umgehen? Wer wird meinen Augen Thränenbäche geben, sie zu beweinen? Uch! ich habe meinen Erlöfer wieder gekreuzigt; denn so sagt der Apostel: Von neuem 171 Das heilige Buß- Sacrament. kreuzigen und verspotten fie durch ihre Sünden den Sohn Gottes.( Hebr. 6, 6.)- Frage dich darnach: Wer ist es denn, Den ich beleidiger habe? Wie habe ich Ihn beleidigt? Warum habe ich Ihn beleidigt? 5.) Bitte um eine wahre Reue, bitte um einen wahren festen Vorfaß zu deiner Besserung; denn die wahre Reue ist eine der größten Gaben Got= tes, die sich der Mensch nicht selbst geben kann. Anmerkung. 1.) Wissen mußt du, mein Christ, daß die Reue über deine Sünden immer der Lossprechung vorangehen müsse, und daß du alsogleich, nachdem du deine Sünden erforscht haft, dieselben bereuen sollst, mit der Meinung das heilige Buß: Sacrament zu empfangen. Denn würdest du die Reue gar nicht, oder erst nach der Lossprechung erwecken, so wäre das heilige Sa: crament ungültig. 2.) Hüthe dich aber vor überz triebener Nengstlichkeit, als wären dir bey Gott die Sünden nicht vergeben, weil du feine wahre Reue fühlest. So wie der gute Baum aus seinen guten Früchten erkannt wird, so wird auch aus den Früchten deiner Besserung deine wahre Reue erprobt. Daher sey dir zum Troste gesagt, daß du mit Zuversicht hoffen kannst, deine Reue sey wahrhaft und echt, wenn du dein früheres böses Leben wirklich geändert und gebeffert hast. III. Von der Beicht. Die Beicht, als das dritte wesentliche Stück des heiligen Buß. Sacramentes, ist eine Anklage über alle begangenen Sünden vor einem hierzu 172 Das heilige Buß= Sacrament. verordneten Priester, um von demselben davon losgesprochen zu werden. Um dir das Beichten zu erleichtern, kannst du Folgendes thun: 1.) Stelle dir in der Person des Beichtvaters lebendig JEsum Christum vor. 2.) Wähle dir einen Priester zum beständigen Beichtvater, der große Sanftmuth, klugen Eifer und wahre Liebe zu den Sündern hat. 3.) Stelle dir unter der heiligen Beicht nicht eine Gewissensfolter vor, wie sie llngläubige, Keßer und Spötter verschreyen, sondern eine de: müthige Anklage eines Kindes, welches die lieb: reiche Barmherzigkeit feines Vaters fennt, mit jedem Werte neuen Trost schöpft, und versichert ist, daß der Vater nicht zürnen, sondern gewiß vergeben werde. 4.) Laß niemahls eine lange Zeit ohne die heilige Beicht verstreichen, so wirst du das Beichten leichter finden, und sicher mehr Nußen daraus schöpfen. 5.) Um dir die Gewissenserforschung zu. er= leichtern, so untersuche täglich vor dem Schlafen gehen, was du den Tag hindurch könntest bes gangen haben. 6.) Wenn du das Unglück gehabt hast, in eine schwere Sünde zu fallen, so ruhe und raste nicht eher, bis du sie gebeichtet hast. Um dich vor der falschen Scham zu hüthen, eine schwere Sünde zu verschweigen, oder zu vers Eleinern, so erwäge: 1.) Daß du durch Verschweigung deiner Sünden, dich einer neuen Sünde schuldig macheft. Das heilige Buß- Sacrament. 173 2.) Wenn du auch dem Beichvater etwas vers hehleft, so kannst du es doch Gott nicht verhehlen. 3.) Durch solches, Verschweigen würdest du die Unruhe deines Gewissens nur noch vergrößern; und die verschwiegene Sünde mnßt du dennoch früher oder später beichten; wenn du anders darin nicht sterben, und ewig zu Grunde gehen willst. 4.) Die Sünde verdient eine wahre Beschä mung; deßwegen verrathet es eine wahre Unbuß: fertigkeit, dieser Beschämung sich nicht unterwers fen zu wollen. 5.) Ein folches Verschweigen fehet dich in Gefahr, vor allen Geschöpfen am Tage des Ge richtes beschämet zu werden, und auf ewig in den höllischen Flammen zu brennen. Ach, wenn ein Verdammter aus der Hölle entkommen, und zu einem Priester gelangen könnte, würde er sich wohl schämen zu beichten? 6.) Sage mir, mußt du nicht dem leiblichen Arzte die geheimsten Wunden deines Leibes zeigen, wenn du geheilt werden willst? Um wie vielmehr bist du schuldig dem geistlichen Arzte die Krank: heiten deiner Seele zu entdecken, wenn du nicht des ewigen Todes sterben willst. 7.) Wisse, daß der Beichtvater dich um so mehr lieben wird, je mehr er die Gnade der Be= kehrung und die Aufrichtigkeit deines Herzens wahrnimmt; daß er die menschliche Schwachheir und 2rmseligkeit nur zu wohl kennet, und folg= lich auch mit dir Mitleid zu baben wissen wird; und daß er unter der größten zeitlichen und ewigen Strafe zur immerwährenden allerstrengsten Berschwiegenheit verbunden ist. 174 Das heilige Buß- Sacrament. Was mußt du beichten. 1.) Ulle Todsünden. Wenn Du Cine Tode fünde in der heiligen Beicht freywillig verhehlteft, würdest du auch keine Verzeihung der andern ers halten; sondern dich eines Gottesraubes schuldig machen. Wenn du von mehreren Jahren her zu beichten hättest, so ängstige dich nicht, wenn du dich nicht mehr an alle Sünden erinnern könne teft. Ein aufrichtiger Wille und eine nicht nachläfige Prüfung ist hinlänglich; was deine Kräfte nicht vermögen, erfeßt selbst das heilige Busi- Sa= crament. Die läßlichen oder geringen Sünden ist man. zwar nicht schuldig zu beichten, jedoch ist es rath= sam und nützlich, weil man nicht immer mit Ge wißheit unterscheiden kann, was eine läßliche oder fchwere Sünde ist. Hast du Zweifel, ob du eine Todsünde ber gangen, oder ob du fie fchon gebeichtet haft, fo trage diefen Zweifel fammt der Sünde dem Pries ster vor. 2.) Die Umstände, welche die Gattung der Todsünde ändern, oder die Sünde sehr vergrößern. 3. B. wer mit einer verheiratheten Person eine Sünde der Unlauterkeit begeht, macht sich auch noch des Ehebruches schuldig. Es ist ein sehr vergrößernder Umstand, z. B. wenn Jemand vor einer großen Gesellschaft eine Verleumdung ausstößt, als wenn es nur vor wenigen Menschen geschieht: oder wenn er eine große Summe Geldes stichlt, als wenn es nur etwas Weniges be: trägt; oder wenn er eine kleine Summe nur Ein 175 Das heftige Buß- Sacrament. Maht, oder ein Paar Mahl, als wenn er eine kleine Summe sehr oft nimmt. 3) Die Zahl der Todsünden muß man anges ben, wie man sie weiß. Weiß man keine bestimmte Bahl, so sage man: ungefähr so und so viel Mahl. Legt man Beicht von mehreren Jahren ab, und kann man sich nicht genau erinnern, wie oft man gefündiget hat, so muß man wenigstens die Zeit angeben, wie lange die Gewohnheit gedauert hat: wie oft man beyläufig im Tage, in der Woz che, oder im Monathe in die Sünde gefallen sey, und ob die Gewohnheit auf einige Zeit nicht un terbrochen worden. nmerkung. Laß alle fremdartigen Erzäh lungen und Umstände, die nicht zur Beicht ge hören, aus; nenne niemahts die mitschuldige Pers fon, und ist es zur Erklärung der Gattung der Sünde nothwendig, so bezeichne den Stand der= felben, oder dein Verhältniß zu ihr, bloß mit allgemeinen Worten, damit der Beichtvater, fo viel als es nur immer möglich ist, die mitschuldi: ge Person ja nicht erkenne. 3. B. ich habe die Sünde der Unkeuschheit begangen mit einer bluts verwandten Person im ersten oder zweyten Grade; oder mit einer Person, die sich durch ein Gelübde Gott geschenkt hat;« und so ist es genug gesagt; alles andere ist überflüssig. Von der Art zu beichten. 1.) Wenn du zum Beichtstuhle kommst, fo dränge dich nicht Undern vor. Während der Zeit, bis die Reihe an dich kommt, sollst du nicht durch Herumschauen und Schwäßen dich zerfreuen, 176 Das heilige Buß- Sacrament. sondern in Zerknirschung deines Herzens, und mit Vertrauen zu Gott um Vergebung deiner Sünden flehen. Wenn du etwa länger warten müßtest, so kannst du aus deinem Andachtsbuche etwas zur heiligen Beicht Gehöriges lesen, oder den Rosenkranz bethen, oder sonst etwas Geistli ches betrachten. 2.) Stelle dich nicht so nahe an den Beichts stuhl, daß du die Beichten derer, die vor dir hehen, hören könntest. Wenn du von ungefähr eine Sünde hören solltest, so bist du unter einer Sünde zum Stillschweigen verbunden. Wer aus Neugierde zuhorchte, würde sich ebenfalls verfündigen. 3) Wenn du im Begriffe bist, dich vor dem Beichtvater niederzuknien, so erwecke nochmahls eine wahre Reue und Leid über deine Sünden, stelle dir in der Person des Beihrvaters lebendig JEfum Christum vor.- Beobachte während der Beicht allen Anstand in Worten und Geberden; rede nicht zu laut, damit dich die Umstes henden nicht hören, aber auch nicht zu stille, so daß dich der Beichtvater nicht verstehen könnte; verstehest du aber selbst ihn nicht gut, so laß nicht umsonst zu dir reden, sondern gib es alsogleich zu erkennen, daß du ihn nicht verstehest. 4.) Im Anfange der Beicht mache das heis lige Kreuz und sprich zu dem Beichtvater: Sch bitte Euer Hochwürden um den heiligen Segen, damit ich meine Sünden recht und vollständig beichten möge. Dann bes the die offene Schuld: Ich armer fündiger - Das heilige Buß- Sacrament. 177 Mensch beichte und bekenne Gott dem Allmächtigen, MAriä, Seiner jungfräulichen Mutter, allen lieben Heiligen, und euch Priester anstatt Gottes, daß ich seit meiner letzten Beicht, welche vor( hier gib die Zeit an, wann du zum letzten Mahle gebeichtet hast, z. B. vor einem Monathe oder Vierteljahre u. s. w.) geschehen ist, oft und viel mit Gedanken, Worten und Werken gesündiget habe; insbesondere aber gebe ich mich schuldig, daß ich u. s. w. jetzt beichte deine Sünden. 5.) Hast du in der letzten Beicht, oder auch in den vorhergehenden eine Todsünde ausgelaf= fen, so mußt du es gleich sagen und angeben, ob es aus Vergessenheit oder aus Schamhaftigkeit geschehen ist. Hast du vorseßlich in früheren Beichten Sünden verschwiegen, so mußt du alle diefe früheren Beichten wiederhohlen, und auch anges ben, wie viele Beichten und Communionen du feit derjenigen Beicht verrichtet hast, wo du eine Günde verschwiegeft. 6.) Hast du in der letzten Beicht keine Lossprechung erhalten, so mußt du es gleichfalls sagen, und die Ursache angeben, warum sie dir verweigert wurde. 7.) Eben so, wenn du die auferlegte Buße nicht verrichtet, das fremde Gut, die verleßre Ehre nicht zurückerstattet, oder die Aussöhnung mit deinem Feinde, und die Abschaffung der fündhaften Gelegenheit unterlassen hast. 178 Das heilige Buß- Sacrament. 8.) Beichte demüthig, reumüthig, kurz und aufrichtig ohne Bemäntelung der Sünden, und ohne falsche Entschuldigungen. 9.) Wenn dir der Beichtvater die Lossprechung auf einige Zeit verschieben muß, so unterwirf dich mit Demuth seinem Urtheile; denke bil: lig und bescheiden, daß er wohl nach seinem Ge: wiffen und seiner priesterlichen Pflicht handeln wird, und laufe nicht zu einem andern Beicht: vater hin, um etwa leichter die Lossprechung zu bekommen. 10.) Hast du schon eine gute Generalbeicht verrichtet, und durch Gottes Gnade von dieser Zeit an von schweren Sünden dich enthalten, oder hast du den frommen Gebrauch öfters zu beichten, und weißt du gerade von der letzten Beicht an keine schwere Sünde, so schließe zu= letzt in die gegenwärtige Beicht eine der vergan= genen Sünden im 211gemeinen ein, welche dich sehr reuet, als z. B. sage: auch schließe ich ein von meinem vergangenen Leben alles, was ich gegen die Keuschheit begangen habe; oder: allen Zorn; oder: alle Ungerechtigkeit meines Le: bens u. s. w. 11.) Beschließe die Beicht mit folgenden Wor ten: Diese und alle meine andern wissentlichen und unwissentlichen Sünden, welche ich entweder selbst begangen habe, oder wovon ich Ursache war, daß sie von Andern sind begangen wor den, sind mir von Herzen leid, weil ich Das heilige Buß- Sacrament. Gott, das allerhöchste und liebenswürdigste Gut und meinen gerechten Richter, dadurch beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, nicht mehr zu sündigen, und alle Gelegenheit zur Sünde zu meiden. Ich bitte Euer Hochwürden um die priesterliche Lossprechung, und um eine heilsame Buße. 12.) Nede ohne Noth nicht mit Andern aus der Beicht, selbst wenn es nichts anderes wäre, als eine gute Lehre, die dir der Beichtvater ge= geben hat; denn was der Beichtvater für dich gesagt hat, könnte leicht von Andern mißverstanden und mißbraucht werden. IV. Von der Lossprechung. 179 Die Lossprechung ist ein Ausspruch, den der Priester anstatt Gottes macht, um die Sünden dem Sünder nachzulassen, der gebeichtet hat. Er thut es so, als ob es JEsus thun würde, wenn Er noch auf Erden wäre. Denn der Priester ist von JEsu dem Sohne Gottes, mit eben der Gewalt die Sünden nachzulassen gesandt, wie JEfus Selbst von Seinem himmlischen Vater gesandt ward. Die Priester sind aber nicht unumschränkte Gewalthaber des heiligen Buß: Sacramentes, so daß sie bloß nach ihrer Willkühr handeln könnten; die Gesetze Gottes und der heiligen Kirche müssen ihnen zur Nichtschnur dienen. Wenn der Priester einen Sünder losspricht, der sich nicht aufrichtig beffern will, der nicht so beschaffen ist, 180 Das heilige Buß- Sacrament. wie er als wahrer Büßer beschaffen seyn soll, so bestätiget Gott eine solche gegebene Lossprechung nicht. Warum dringen also einige Christen in den Priester, daß er ihnen die Lossprechung ertheile? warum quälen sie ihn um dieselbe zu ihrem eigenen Schaden? oder warum begegnen sie ihm mit Grobheit und Troß, und suchen ihn deßhalb überall zu lästern, wenn er die Lossprechung ih= nen verschiebt? Solche Lästerzungen tragen wohl überdieß ihre eigene Schande offenbar zur Schau. Soll aber der Priester ihretwegen die vorgeschrie: benen Gefeße Gottes und der heiligen Kirche übertreten? Soll er sich und das Beichtkind auf ewig verdammen? Was soll die Lossprechung nüßen, wenn sie vor den Augen Gottes verworfen. ist? Einen eitlen und falschen Frieden erzwingen sich dergleichen Ungestüme, welcher furchtbarer ist als jede Unruhe! Welche sind der sacramentalischen Lossprechung unfähig? 1.) Die in der Gewohnheit einer Todsünde leben, z. B. der Trunkenheit, der Unkeuschheit, des Fluchens, der llebertretung des Fastengebothes oder der Heiligung des Sonntages u. s. w. Die kossprechung ist der Preis des Blutes JEfu Christi! die heilige Communion ist das Allerhei= ligste und Höchste in der Religion. Soll denn ein Mensch, der schon mehrere Jahre in einer böfen Gewohnheit lebt, welcher schon mehrmals era mahnt worden ist, soll der auf einmahl sich auf richtig bekehren wollen, oder soll der Priester - Das heilige Buß= Sacrament. 181 ihm alsogleich glauben, wenn er bloß mit Wor ten verspricht, sich zu bessern, oder wenn er nur aus Gewohnheit zu Ostern kommt, um fo fein Gewissen ein wenig einzuschläfern? Wahrlich, aus ßerordentliche Zeichen der Neue müßten hier an dem Sünder sichtbar seyn, damit der Priester eine Ausnahme machen darf. 2.) Jene, welche die nächste Gelegenheit der Sünde nicht meiden wollen, wie z. B. solche, die mit Personen des anderen Geschlechtes einen gefährlichen und fündhaften Umgang haben, oder gar mit selben beysammen wohnen; oder welche Anderen solche sündhafte Gelegenheiten erlauben, die sie doch verhindern könnten und sollten; oder jene, welche wiederhohlter Ermahnungen ungeachtet, schlechte, verderbliche Bücher lefen, oder Andern dieselben aus Gewinnsucht oder falscher Freundschaft verschaffen; ferner jene, welche sich nicht abhalten lassen, solche Zusammenkünfte zu besuchen, oder zu gestatten, wo wider die Religion und die guten Sitten gesprochen wird; dann alle jene Weibspersonen, welche allen Erinnerun: gen troßend, durch ihre unanständige, freche Klei dung, Andern zum Alergernisse dienen; alle Wirthe, die zur Zeit des Gottesdienstes, und mit Verabsäumung desselben, oder über die gesetzmäßige Zeit bis in die Nacht hinein Zusammenkünfte gestatten u f. w. 3.) Jene, welche den Schaden, den sie dem Nächsten an seinem Leibe oder an seiner Seele, an feinen Gütern oder an seinem guten Nahmen zugefügt haben, nicht erseßen wollen; so wie auch 11 182 Das heilige Buß= Sacrament. jene, die ihre Schulden, wenn sie auch könnten, nicht bezahlen wollen. 4.) Jene, die sich mit ihren Feinden nicht ausföhnen, und diejenigen, gegen die sie etwas im Herzen haben, weder sehen, noch grüßen wollen. 5.) Diejenigen, welche eine so schwere Sünde haben, deren Lossprechung sich bloß der Bischof vor: behalten hat. 6.) Endlich jene, welche in dem heiligen Glauben, und besonders in den zur Seligkeit nothwendigen Artikeln nicht genugsam unterrichtet sind. V. Von der Genugthuung oder da. Bußwerken. Genugthun heißt: die Unbill, welche man Gott durch die Sünde, oder das Unrecht, welches man, dem Nächsten zugefügt hat, wieder gutmachen. Man ist streng verpflichtet, dem beleidigten Gott genugzuthun; und obgleich die Schuld der Sünde und die ewige Strafe durch die Losspre= chung nachgelassen wird, so hat man doch noch eine zeitliche Genugthuung, entweder in diesem, oder in jenem Leben zu leisten. Die alten Bußgefeße der Kirche Gottes waren fehr strenge, aber doch nicht mehr als gerecht, in dem die Kirche als eine zärtliche Mutter gewiß nicht mehr Buße aufgelegt hat, als Gott fordert. Wer in der Kirchenbuße war, mußte öffentlich das Bußkleid tragen, wenigstens drey Tage in der Woche ben Wasser und Bret fasten, und wurde 183 Das heilige Buß- Sacrament. nicht zur heiligen Communion zugelassen. Wer z. B. einen falschen Eid geschworen hatte, mußte vierzig Tage ben Wasser und Brot fasten. Wer an einem Sonn- oder Festtage eine knechtliche Arbeit verrichtete, mußte drey Tage bey Waffer und Brot Buße thun. Wer sich während des Gottesdienstes in ein Gespräch einließ, mußte zehn Tage bey Wasser und Brot fasten. Eine Weibs= person, die, um ihre Sünde zu verhehlen, ihr Kind umgebracht hatte, mußte zehn Jahre ben Wasser und Brot ihre Sünden büßen. Für einen jungen Menschen, der sich mit einem Mädchen verfündigt hatte, war ein Jahr, für den Ehebruch ber drey, und zuweilen fünfzehn Jahre Fasten aufgelegt. Wer seinen Weltern geflucht hatte, sollte vierzig Tage, wer sie geschlagen, sieben Jahre ben Wasser und Brot fasten. Da der Eifer und der Glaube der Christen abnahm, hat die heilige Kirche- diese gute und zärtliche Mutter- sich zu ihrer Schwäche herabgelassen, um sie nicht größtentheils dem schreck= lichen Verderben Preis zu geben, und die Bu= ßen, die jeßt auferlegt werden, sind äußerst ge= linde. Sie empfiehlt aber den Sündern, daß sie sich freywillig gute Werke als Buße auflegen, und sich bestreben sollen, die heiligen Abläffe zu gewinnen. Jedoch sollen die Beichtvåter, wie der heilige Kirchenrath von Trient sagt:» nach der Beschaf fenheit der Sünde, und nach dem Vermögen des Büßers heilsame und schickliche Bußen auferlegen, sonst würden sie sich, wenn sie die Sünder mit 11* 184 Das heilige Buß- Sacrament. allzu vieler Nachsicht behandelten, und kleine Bußwerke für große Sünden auflegten, fremder Cünden schuldig machen.«<.. Wenn dir die ohnedieß leichte Buße, die dir dein Beichtvater auferlegte, zu groß scheint, so wisse, daß Gott gerecht ist, daß du ungleich grö: Bere Peinen im andern Leben leiden müßtest, und daß du bey einer andern, leichteren Buße bald wieder in die alte Sünde fallen könntest. Die Genugthuungswerke sind: das Gebeth, Fasten und Almofsen; welche Bußwerke alles in sich einschließen, was der verderbten Natur des Men: schen zuwider ist. Man kann auch Gott genugthun durch das Leiden, welches uns Gott zuschickt, wenn man es im Geiste der Buße geduldig erträgt, z. B. Krankheiten, Armuth, Unglücksfälle, Verfolgungen u. f. w. Das Beichtkind ist verbunden, die Buße, die ihm der Beichtvater auferlegt, anzunehmen. Sollte diese ihm jedoch zu schwer fallen, entweder der schwächlichen Gesundheit wegen, oder Armuths halber, oder aus Mangel der Zeit, oder aus andern Ursachen, so soll es diese Ursache dem Beichtvater vorstellen, und um Abänderung der Buße bit: ten. Hat ein Beichtkind keine Lossprechung erhal= ten, so soll es dennoch die auferlegte Buße getreu verrichten, weil es sonst zeigen würde, daß es kein ernstliches Verlangen habe, sich zu bessern. Wenn aber das Beichtkind die Lossprechung erhalten, und die auferlegte Buße angenommen hat, aus Nachläffigkeit aber entweder die ganze Buße oder einen beträchtlichen Theil derfelben un Das heilige Buß= Sacrament 185 terläßt, so begeht es eine neue Sünde; und nur ein wichtiger Grund, z. B. eine eintretende Krank: heit, könnte es davon freysprechen; denn die Bus ße ist eine Ergänzung des Sacramentes, folglich eine der nothwendigsten und wichtigsten Verrichtungen eines wahren Büßers. Man muß die Bu Be ganz, zur bestimmten Zeit, und andächtig verrichten. Wie oft soll man beichten? Das göttliche Geboth zu beichten verpflichtet: 1.) Wenn man eine Todsünde begangen hat, und zwar sobald als möglich. Denn selbst die Vera nunft befiehlt uns, daß man sich alsogleich aus einer so gefährlichen Lage, in welche uns die Sünde bringt, retten soll. Welcher Frevel ist es daher nicht von einem Christen, im Zustande der Verwers fung eine lange Zeit unbekümmert zu bleiben? Da: her verfündigen sich jene auf's neue und schwer, welche Monathe und Jahre vorbeygehen lassen, ohne ihre Todsünden zu beichten. 2.) Wenn man in einer Todesgefahr schwebt. Die Kirche befiehlt auch den Aerzten: die Kran= ken, welche gefährlich krank sind, vor allem zu ermahnen, eine Beicht abzulegen. Aeltern, Vors gefeßte, Freunde, Wärter, haben auch eine schreck= liche Verantwortung vor Gott zu befürchten, wenn sie zu spät für die Beicht des Kranken sorgen, oder durch ihre Schuld die Kranken ohne Beicht hinsters ben laffen. 3.) Die Kirche verpflichtet die Gläubigen un: ter einer schweren Sünde wenigstens Ein Mahl im Jahre zu beichten. 186 Das heilige Buß- Sacrament. Es ist aber sehr nüßlich und rathsam oft zu beichten, weil es die Reinigkeit des Herzens sehr befördert, der Schwachheit unserer verderbten Natur zu Hülfe kommt, uns demüthiger macht, die Furcht und den Abscheu vor der Sünde in uns ver= mehrt. Du solltest oft beichten, um öfters communis ciren zu können. Denn es ist der Wunsch der heiligen Kirche, die von dem heiligen Geiste geleis tet wird, daß die Gläubigen bey der heiligen Messe nicht nur geistlicher Weise, sondern auch durch den wirklichen Genuß, an dem heiligen Sacramente Antheil nehmen möchten? wie aus dem Kirchens rathe von Trient, Seff. 22. Cap. 6., zu ersehen ist. Es erinnert auch der Römische Katechismus, welcher diesen Wunsch des Kirchenrathes erklärt, alle Pfarrer, daß sie ihre Gläubigen zur öfteren, ja auch zur täglichen Communion ermahnen möch= ten, weil, so wie der Leib zu seiner Erhaltung täglich der Nahrung bedarf, also auch die Seele zu ihrer Erhaltung die geistige Nahrung nöthig hat. Ist es daher auch nicht möglich, täglich zu com, municiren, so ist es doch gewiß möglich, öfters zu communiciren, als es von den meisten Christen ge wöhnlich geschieht. Von der allgemeinen oder Generalbeicht. 1.) 3ur wahrhaft aufrichtigen Bekehrung, eder zur Begründung eines frommen christlichen Lebens ist es für manche Christen nothwendig, für andere aber sehr nüßlich, eine Generalbeicht zu verrichten. Die Generalbeicht ist eine solche allgemeine Beicht, in welcher der Sünder aufrichtig und reumüthig sich aller seiner Günden anklagt, die er entweder von Jugend auf begangen hat, oder von der ersten Todsünde an, oder von jener Zeit an, in welcher er das erste Mahl entweder falsch ge: beichtet hat, oder doch vernünftiger Weise zweifelt, ob er gut gebeichtet hat. Der heilige Franz von Sales, dieser große Heilige und liebenswürdige Lehrer des geistlichen Lebens, sagt, daß zur Sicherstellung des Seelenheils, bey den meisten Menschen eine allgemeine Beicht nothwendig sey.» Sie,( die allgemeine Beicht nähmlich), spricht er: verschaffet uns eine vollkommenere Erkenntniß unserer selbst; sie er füllt uns mit einer heilsamen Scham beym Unblicke aller unserer Sünden; sie befreyt den Geist von vieler Unruhe, und ertheilt dem Gewissen 188 den wahren Frieden; sie erweckt in uns gute Entschließungen; sie zeigt uns, wie bewunde= rungswürdig die Barmherzigkeit Gottes ist, Die uns mit so großer Langmuth erwartet hat; sie feßt unfern Beichtvater in den Stand, uns pas= sende Ermahnungen zu geben; sie öffnet unser Herz, daß wir in Zukunft mit mehr Vertrauen beichten. 2.) Der größte Nußen einer Generalbeicht zeigt sich besonders in der Todesstunde. Wer wünschte nicht, wenn er auf dem Puncte steht, vor Gets tes Gericht zu erscheinen, in jenem erschrecklichen Augenblicke, der für eine ganze Ewigkeit entschei den soll eine allgemeine Lebensbeicht aufrichtig und reumüthig abgelegt zu haben? Welcher Trost für einen Sterbenden, wenn er, ehe er von seis ner Krankheit befallen worden, die Angelegenhei ten seines Gewissens in Ordnung gebracht hat! Oder sollte wohl Jemand das Heil seiner Seele, forglos und vermeffentlich, auf das äußerste an= kommen lassen, und dann erst die Augen über sein ganzes vergangenes Leben aufthun wollen, da er sie schon auf ewig zuschließen soll?- Unser Heiland sagt: Wachet und feyd bereit!- Denn es kommt der 3Err des Knechtes an einem Tage, da es dieser nicht vermuthet, und zu einer Stunde, wo er es nicht weiß. ( Matth. 24, 42.) - 189 Ein vornehmer Mann kam einst zu einem Mis sionär, und bath ihn seine Generalbeicht anzuz hören. Der Priester fragte ihn, warum er denn folche verrichten wolle.» Ach, ehrwürdiger Herr!«< erwiederte der Edelmann:» muß ich denn nicht sterben? Wie werde ich aber nach einem in Süns den zugebrachten Leben sterben können, wenn ich nicht jetzt schon eine allgemeine Beicht ablege? Ich sehe ein, daß, wenn ich bis zur Stunde des Todes warte, ich alsdann diese Obliegen= heit nicht gehörig erfüllen kann. Meine Gattinn, meine Kinder, der Schrecken vor dem letzten Augenblicke, die Leiden werden mir die erforder= liche Geistesgegenwart nicht lassen, und ich werde die stille Ruhe, die zu einem so wichtigen Ge= schäfte nöthig ist, nicht mehr finden, Es wäre also eine große Thorheit von mir, wenn ich hierzu den letzten Augenblick meines Lebens abwarten wollte.«< Dieser gottesfürchtige Edelmann beachtete nähmlich wohl die Worte, welche unser Heiland im Evangelio spricht: Glückselig die Diener, welche der HErr bey Seiner Unkunft wachend und bereit finden wird.( Puc. 12, 37.) 3.) Verachte demnach nicht, lieber Christ, sofern es für dich nothwendig oder nüßlich ist, den Rath: dich zur Ablegung einer allgemeinen Beicht vollends zu entschließen. Heute Abends 190 noch, wenn du dich zur Ruhe begibst, betrachte, als wenn diese Nacht deine lehte wäre, und sprich zu dir selbst:» Was werde ich wünschen! gethan zu haben, wenn ich auf dem Todtenbette liegen werde?«< - Wenn dir dann der Gedanke kommt, daß es dir nüßlich seyn würde, eine allgemeine Beicht verrichtet zu haben, o! so verschieb felbe nicht länger. Laffe dich durch den bösen Feind nicht täuschen, der dich durch die eitlen Vorspiegelungen:» du habeft nicht Zeit« oder» es wäre zu be schwerlich« wird einzuschläfern suchen. Tausend Hindernisse, tausend Geschäfte wird er dir vormahlen; heute ist dieses, morgen jenes, das im Wege steht; und dieß geht so fort, und so weit, bis der Mensch weder Zeit noch Gelegenheit, und zuletzt auch die Gnade nicht findet, zu thun, was zu seinem ewigen Heile dient. Nimm dich also vor der Täuschung dieses Lügengeistes wohl in Acht. Sen versichert, daß es noch Niemand bereuet hat, eine allgemeine Beicht abgelegt zu haben, und daß Viele ohne dieses Mittel in ihren Sünden gestorben, und auf ewig zu Grunde gegangen wären. Wem ist dieGeneralbeicht nothwendig? 1.) Sie ist allen Jenen nothwendig, derer vorhergehende Beichten ungültig waren. 191 Wenn der Beichtvater das Beichtkind fragt: ob es nicht in Betreff der vorhergehenden Beichten sich an etwas erinnere, das ihm Unruhe und Beangstigung verursacht, so gibt es größten: theils ohne Bedenken schnell die Antwort und sagt:» Ich habe jedes Mahl alles gebeichtet.« Fragt aber der Eluge und sorgfältige Beichtvater über eine besondere Sünde, hauptsächlich über die Sünde der Unkeuschheit, welche die meisten Geelen in der Beicht stumm macht, so wird er fins den, wie vielen Seelen eine Generalbeicht nothwendig sey, und wie viele ihr ganzes Leben hindurch gottesräuberisch gebeichtet haben.- Wer also aus Scham, Bosheit oder Leichtsinn irgend eine Todsünde verschwiegen, oder einen wesent= lichen Umstand freywillig nicht angegeben hat, oder wer aus großem Leichtsinne und sträflicher lin= wissenheit Todsünden nicht beichtete, weil er sich's nicht so hoch anrechnete, dem ist die Ges neralbeicht von der Zeit an, als er die Sünde zu verschweigen angefangen hat, unter einer schwes ren Sünde, und unter der Strafe der ewigen Verdammniß nothwendig. - 2.) Jenen, die stets leichtsinnig, ohne hinlängliche Gewissenserforschung gebeichtet, und sich der großen Gefahr ausgesetzt haben, durch Uebergehung schwerer Sünden eine ganz unvollständige Beicht abzulegen. 192 3.) Jenen, die zwar gebeichtet, und die Lossprechung empfangen haben, aber in den Hauptgeheimnissen des Glaubens ganz unwissend sind; oder jenen, welche durch ihre eigene Schuld das apostolische Glaubensbekenntniß, die Gebothe Gottes und der Kirche, das Wesentliche von den heiligen Sacramenten, die sie empfingen, und die nothwendigen Pflichten ihres Standes nicht wußten. 4.) Jenen, welche bloß aus Gewohnheit oder Zwang, ohne wahre Reue über ihre Sünden, und ohne festen Vorsat, sie nicht mehr zu begehen, gebeichtet haben. Ferner jenen, welche aus böser Absicht einen Beichtvater gesucht haben, der ent= weder nicht recht hörte, oder ohne sie weiter zu prüfen und zu fragen, ohne ihnen ernstliche Ermahnungen zu geben, ihnen allezeit, selbst denen, welche in einer sündhaften Gewohnheit, oder Ge legenheit verblieben, die Lossprechung ertheilte. 5.) Jenen, welche in der nächsten Gelegenheit zur Sünde, oder in ihren bösen Gewohnheiten zu leben fortfahren, die sie doch hätten verlassen Fönnen und sollen. 6.) Jenen, welche fremdes Gut, oder den geraubten guten Nahmen wieder zu ersetzen schuldig waren, und in der heiligen Beicht nicht den ernstlichen Borsaß hatten, den zugefügten Scha den wieder gutzumachen, oder welche es zwar 193 immer versprachen, aber aus eigener Schuld niemahls thaten. 7.) Jenen, die in Feindschaften mit ihrem Nächsten gelebt haben, ohne sich mit ihm ausgeföhnt zu haben, oder ernstlich ausföhnen zu wollen. Alle diese waren der Lossprechung damahls unwürdig, und wenn sie selbe empfangen haben, so ist sie vor Gott ungültig gewesen; und deßhalb ist allen diesen die Generalbeicht nothwendig. Wem ist die Generalbeicht sehr nützlich? 1.) Für Viele ist sie der Anfang eines heiligen Wandels. Die Erfahrung lehrt, daß Mehrere nach einer allgemeinen Beicht in ihre vorigen, besonders in schwere Sünden nicht mehr zurückfielen. Deßwegen ermahnt der heilige Ignatius von Lojola dringend alle diejenigen dazu, welche sich vollkom: men zu Gott bekehren wollen. 2.) Für jene, welche an eine Standesverän: derung denken, oder ein wichtiges Amt übernehmen, oder eine gefährliche Reife unternehmen wollen. 3.) Bey herannahender Todesgefahr ist sie die beste Vorbereitung für eine glückselige Ewigkeit, und das sicherste Mittel zur Beruhigung des Gewissens. Viele Heilige, wie zum Bey: spiel der heilige Elzearius, die heilige Margarita, verrichteten vor ihrer letzten Stunde mit 194 der größten Zerknirschung ihres Herzens eine Ge neralbeicht. Anmerkung. Für die ängstlichen Seelen, welche schon ihre Sünden gebeichtet haben, die aber aus ungegründeten Gewissenszweifeln die Generalbeicht erneuern wollen, könnte sie schädlich werden. Sie sollen lieber die llebung der Reue oft erwecken, und ihrem Beichtvater, unbes dingt folgen. Wie kann man auf eine leichte Art die Generalbeicht verrichten? Es gibt Menschen, die schon bey dem bloßen Worte: Generalbeicht von Schrecken über: fallen werden; und die Ursache ist, weil sie sich Schwierigkeiten vorstellen, die dabey gar nicht sind.» Wie könnte ich mich,« sagen sie:» an alle Sünden meines ganzen Lebens erinnern?«< und so, durch die List des bösen Feindes betrogen, laffen sie sich von diesem heilsamen Werke ab= halten. Erschrick aber nicht, lieber Christ, vor der Generalbeicht, denn bald wirst du sehen, daß alle diese Schwierigkeiten verschwinden, wenn du sie mit Beyhülfe des Beichtvaters verrichten wirst. 1.) Sorge dafür, und bitte Gott, daß du einen guten und verständigen Beichtvater findest, der dich unterstüße, gleichsam an der Hand füh: 195 re, und die durch Fragen das ganze Unternehmen erleichtere. 2.) Wisse, daß du zur Generalbeicht nicht nöthig hast, dich über die läßlichen Sünden zu erforschen. 3.) Erforsche also dein Gewissen nur über die schweren oder Tedsünden. Denke besonders nach, wider welche Gebothe du dich am meisten verfün= diget hast. 4.) Hast du eine Sünde durch längere Zeit begangen, das ist, eine Gewohnheit darin ge: habt, und du kannst keine genaue Zahl solcher Sünden angeben, so erinnere dich: in welchem Alter ungefähr du diese böse Gewohnheit angenommen haft; wie oft du beyläufig des Tages, die Woche, oder des Monathes u. s. w. dieselbe Sünde begangen hast. Du wirst dich auch erinnern, ob diese Gewohnheit fortdauerte, oder ob, und wie lange sie unterbrochen wurde. Also be= kenne es vor dem Beichtvater so, wie du es nach deinem besten Wissen vermeinest. 3. B. Ich ha be mich von meinem zwanzigsten bis zum vierzigsten Jahre der Unmäßigkeit im Trinken ergeben, alle Monathe ungefähr drey Mahle.- Oder ich habe wider die Tugend der Keuschheit mit einer ledigen Person gesündiget durch fünf Jahre, un, gefähr jede Woche zwey Mahle. Während diese: Zeit habe ich eine Reise gemacht, und diess Sun 196 de durch sechs Monathe nicht begangen. Auch habe ich durch diese Zeit fast täglich zwey oder drey Mahle in unkeusche Begierden eingewilligt. Oder z. B. ich habe von meiner Jugend an, beyläufig vom zwölften Jahre, bis jett in mein dreyßigstes Jahr, täglich Fluchwörter ausgestoßen, manchmahl fünf Mahle, fast immer ein Paar Mahl des Tages u. f. f. - 5.) Das, was du als gewiß weißt, mußt du als gewiß, und was du als zweifelhaft weißt, mußt du als zweifelhaft angeben. 6.) Die Anklage fange mit jener Sünde an, die dich am meisten ängstiget; z. B. die Sünde gegen die Keuschheit, die Sünde des Diebstahls u. f. w., wenn du dich dessen schuldig gemacht haft. 7.) Hast du deinen Stand schon ein oder das andere Maht verändert; warst du z. B. früher im ledigen, dann im ehelichen, dann im Wit: wenstande, so erforfche dich zuerst, wie viel Mahte du in dem einen Stande, und dann erst wie viele Mahle du in dem andern Stande wider dasselbe Geboth gefündiget hast. 8.) Es ist sehr unbequem, daß du dich über alle Gebothe von einem einzigen Lebensstande insbesondere anklageft, und dann bey dem zwey ten Lebensstande wieder von vorne anfangst. Besser ist es, du nimmst ein Geboth, und gehst 197 über dieses einzige Geboth dein ganzes Leben. nach allen den verschiedenen Ständen und Vers hältniffen desselben durch. 9.) Es ist nicht nöthig, daß du deine Beicht zu Papier bringest; es ist auch nicht rathsam wes gen der Gefahr, daß sie Jemand finden und le= fen könnte. 10.) Enthalte dich von allen unnüßen Erzäh lungen, und gib nur die nöthigen Umstände der Sünden mit ehrbaren und bescheidenen Worten an. 11.) Fragt dich dein Beichtvater selbst über deine Sünden, so hast du nichts zu reden, als ihm auf seine Fragen gehörig zu antworten, und dasjenige dann nachzutragen, um was er dich etwa nicht gefragt hat, und was dir noch auf deinem Gewissen liegt. 12.) Zuleßt sollst du wissen, daß Gott von dir nicht mehr begehrt, als du leisten kannst, und daß du auf eine leichte Art eine Generalbeicht verrichten wirst, wenn du dich auf die vorgeschriebene Art( wie folgt) erforscheft, und einen Elugen Beichtvater findest. 12 198 Beichtspiegel. oder Gewissenserforschung. Ueber die zehn Gebothe Gottes. Erstes Geboth: Ich bin der HErr, dein Gott; du sollst keine fremden Götter neben Mir haben; du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, dasselbe anzubethen. Man muß, um Gott würdig anzubethen, an Ihn glauben, auf Ihn hoffen, Ihn von ganzem Herzen lieben, und die höchste Ehrerbietung gegen Ihn bezeugen. 1.) In Betreff des Glaubens befrage dich also: Habe ich allezeit alles geglaubt, was Gott geoffenbaret hat, und was die heilige, katholische Kirche zu glauben lehret? Habe ich über die Geheimnisse des Glaubens nicht gegrübelt? Habe ich vorwißig und freywillig wider den einen oder den andern Glaubensartikel mich in 3weifeln aufgehalten, oder sogar jemand Undern auf dergleichen Zweifel gebracht? Habe ich vielleicht der erkannten christlicher Wahrheit widerstrebt? 199 Habe ich mich meines Glaubens, oder meine Andacht vor Andern zu äußern aus Menschen: furcht nicht geschämt, und deßhalb eine schuldige Pflicht meiner Religion unterlassen, als z. B. am Sonntage die heilige Messe zu hören, an Fasttagen kein Fleisch zu effen? Habe ich nicht bey verschiedenen Gelegenhei ten unterlassen, den Glauben gegen Spötter, Keßer oder Ungläubige zu vertheidigen, wo es doch leicht hätte geschehen können, und wo es meine Pflicht war, selbes zu thun? Habe ich nicht so irrig und gleichgültig ge dacht und gesprochen, als wäre es eine und die felbe Sache, dieses oder eines andern Glaubens zu seyn, in diesem oder jenem Glauben zu bleiben? Habe ich nicht meine Mitchristen ihrer Frömmigkeit wegen verspottet oder verachtet? Habe ich nie die Abschaffung einiger Glaubenspuncte, als z. B. der Ohrenbeicht u. f. w., oder eine Abänderung der Kirchenanordnungen, als z. B. der Fastengebothe u. f. w. aus Gering= schätzung derselben im Ernste gewünscht, diesen Wunsch bey mir genährt, oder sogar ausgesprochen? Bin ich nicht an meiner Unwissenheit in den Hauptgeheimnissen meiner Religion durch Versäumung und Geringachtung des christlichen Unterrichtes selbst Schuld? 12* 200 Habe ich keine keßzerischen Bücher ohne Erlaubniß gelesen, ben mir behalten, oder verkauft, verschenkt, oder Undern zum Lesen gegeben, wors in Spöttereyen, und verderbliche, dem katholi: schen Glauben entgegengesetzte Lehren enthalten waren? Habe ich nicht, auch sogar mit Gefahr meines Glaubens die Kirchen der Ketzer besucht, oder ihre Predigten angehört? Habe ich nicht mit Gefahr meines eigenen Glaubens mit Keßern, Ungläubigen, Religionsfpöttern, Schwärmern, besonders solchen, die Hartnäckig nur an ihre eigenen eingebildeten Ers scheinungen oder Erleuchtungen glauben, ohne Noth, sondern freywillig näheren Umgang ge pflogen? oder habe ich sogar ihren ZusammenFünften beygewohnt? Habe ich keine verdächtige kleine Büchlein mit falschen Undächteleyen, falschen Abläffen und sogenannten Bundergebethen, welche die katholische Kirche nicht gutgeheißen hat, im Besige? und verharre ich nicht hartnäckig auf dem Ge brauche derselben? Habe ich die nothwendige öftere Erweckung der drey göttlichen Tugenden, des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe wissentlich unterlaffen, bes sonders in gefährlichen Anfechtungen zur Sünde und in der Gefahr des Todes? 201 2.) In Betreff der christlichen Hoffnung be frage dich: Habe ich nicht bey Widerwärtigkeiten an der Hülfe und Vorsehung Gottes verzweifelt, und gedacht oder gesprochen: Gott kann oder Er will mir nicht helfen? Habe ich nicht in der Trübsal gegen Gott gemurrt, oder Ihn einer Ungerechtigkeit beschuldigt, da Er mir viele Leiden zugeschickt hat, und ge: dacht oder gesagt: Gott weiß nichts von mir? Habe ich nicht auf die Gnade Gottes zur Bekehrung meines Lebens, oder zur Verzeihung meiner Sünden ein Mißtrauen gefeßt, oder fast schon verzweifelt? Oder im Gegentheile: Habe ich mich auf die Barmherzigkeit Gottes mit Vermessenheit nicht zu viel verlassen, darauf vielleicht sogar fortgefün: digt, die Buße und Besserung meines Lebens immer auf weitere Zeiten verschoben, eben deßhalb, weit Gott gütig ist? Habe ich nicht vielleicht sogar mit dem Ge danken, wieder beichten zu können, absichtlich und freyer gefündigt, indem ich z. B. dachte: es gilt gleichviel, ob ich beichte, daß ich fünf Mahl oder zehn Mahl gefündigt habe; es geht in Einem hin? 12** 202 3.) In Betreff der Liebe Gottes befrage dich also: Habe ich öfters gegen Gott die Dankbarkeit für die zeitlichen und geistlichen Wohlthaten in mir erweckt? Habe ich wenigstens früh Morgens immer eine gute Meinung gemacht, alles zur Ehre Gottes zu thun und zu leiden? Habe ich nie gegen Gott einen offenbaren Haß und Widerwillen im Herzen getragen, oder fo gar meine Boßheit und meinen Zorn gegen Ihn äußerlich in Handlungen gezeigt? Bin ich vielleicht in der Unbußfertigkeit lange und vorseßlich verharret? 4.) Ueber die Pflicht der Gottesverehrung befrage dich: Habe ich nicht das Gebeth oft freywillig vers säumt, oder nachlässig verrichtet? Habe ich nicht irgend einen Gottesraub begangen, z. B. durch ungültiges Beichten, unwürdige Communion, oder durch den Empfang irgend eines Sacramentes in der Todsünde? oder durch einen Diebstahl von Kirchensachen? Habe ich mich in der Kirche nicht leichtsinnig betragen, durch Herumschauen, Lachen, SchwäBen, oder unsittlich, durch unanständige Kleis dung, Geberden, Reden? 203 Habe ich nicht die Bilder, Reliquien, Ge bräuche der Kirche, die Predigten und andere Unterweisungen verachtet oder verlacht? Habe ich nicht die Priester, oder andere Gott geweihte Personen oder heilige Orte auf irgend eine Art entehret? Habe ich nicht Aberglauben getrieben, d. h. gewisse Mittel, als Sprüche, Zeichen u. f. w. zu einem Zwecke gebraucht, zu dem sie von Gott nicht bestimmt, und von der heiligen Kirche nicht gutgeheißen sind, z. B. zur Abwendung eines Unglücks oder einer Krankheit? Habe ich nicht auf eine abergläubische Weise zukünftige oder verborgene Dinge erfahren wol len, die man durch natürliche Mittel nicht er fahren kann; als z. B. durch Kartenaufschlagen gestohlen oder verlornes Gut, oder andere Dinge erfragen wollen? Habe ich mir nicht wahrsagen, oder Träume auslegen lassen, oder es gar selbst gethan? Gebrauchte ich nicht abergläubische Mittel, vielleicht sogar gewisse abergläubische Gebethlein, die Zukunft zu erforschen, Krankheiten zu heilen, Unglück von mir abzuwenden, oder reich zu werden? 204 3 weytes Geboth: Du sollst den Nahmen Gottes deines Errn nicht vergeblich im Munde führen. Man übertritt dieses Geboth durch die Go to teslästerung, durch den Mißbrauch des Eidschwurs, und durch die Brechung der Gelübde. 1.) Befrage dich über die Gotteslästerung: Habe ich nicht im Zorne wider Gott, wider Seine Vollkommenheiten, Seine Vorsehung, Ge= rechtigkeit und Güte Lästerungen ausgestoßen? Habe ich nicht oft die heiligen Gegenstände, z. B. das Sacrament, Crucifir, das Kreuz, den Himmel u. dgl. zu Fluchworten und Verwünschungen gebraucht? oder ist mir dieses nicht etwa schon zur Gewohnheit geworden? Habe ich nicht den Rahmen JEsu, oder der Heiligen unehrerbiethig gebraucht, z. B. im Zorne, oder ben Erlustigungen? Habe ich nicht sogar das heilige Kreuz, oder andere heilige Sachen auf eine besondere Art ver= unehret? Habe ich nicht die Worte der heiligen Schrift zu unanständigen Scherzen mißbraucht? Habe ich nicht den Verstorbenen geflucht? 2.) Uleber den Eid schwur: Habe ich nicht ohne Noth einen Eid abgelegt, oder zu unbedeutenden Sachen Gott, oder meine 205 Seele u. dgl. zu Beugen genommen, oder ist es mir nicht schon zur Gewohnheit, öfters zu schwören? Habe ich keinen falschen Eid abgelegt, d. h. gegen die erkannte Wahrheit, oder im Zweifel? Habe ich nicht gegen die Gerechtigkeit geschwo ren, z. B. etwas Böses zu thun, oder etwas Gutes zu unterlassen; Jemand ein Unrecht zuzu: fügen, oder mich zu rächen; oder einen sündhaf ten Umgang zu schließen; oder an fremden Sün: den Theil zu nehmen? Waren meine Schwüre vielleicht von Verwüns schungen gegen mich selbst, oder gegen meinen Nächsten begleitet? Haben nicht meine falschen Eide für meinen. Nächsten nachtheilige Folgen gehabt? Habe ich nicht meinen Eid, welchen ich von Umtswegen geschworen habe, durch Untreue und Ulebertretung gebrochen? Habe ich nicht irgend ein Eheversprechen gemacht, und dasselbe leichtsinnig, ohne einen vor Gott gültigen Grund, aus eigener Schuld nicht gehalten? Habe ich nicht andere zu unnüßen, oder gar falschen ungerechten Schwüren verleitet? 3.) Uleber die Gelübde: Habe ich kein Gelübde leichtsinnig gemacht? 206 Habe ich nicht mein Gelübde gebrochen, oder eigenmächtig abgeändert, oder deffen Ausübung ohne rechtmäßige Ursache auf lange Zeit verschoben? Drittes Geboth: Gedenke, daß du den Sabbath heiligest. Den Gott geheiligten Tag en theiligt man durch schwere verbothene Arbeit; man heiliget ihn durch die heilige Messe, und durch andere gottselige llebungen. 1.) Erforsche dich in Bezug auf die Entheili gungen: Habe ich nicht an Sonn- oder Feyertagen ohne Noth oder gesetzliche Erlaubniß schwere Arbeiten verrichtet, oder Andere dazu verhalten, etwa gar mit Versäumung des öffentlichen Gottesdienstes und zum Aergernisse Anderer? Habe ich nicht ohne Noth mit Kauf und Vers Eauf, oder mit unnöthigen Reifen, an solchen Ta= gen die Gott geheiligte Zeit verschwendet? Habe ich nicht den Sonn- oder Feyertag durch nächtliches Herumschwärmen, durch verderbliche Tänze, langwierige Spiele, unmäßiges Trinken, oder sündhaften Umgang entweiht? 2.) Erforsche dich in Bezug auf die Heiligung: Habe ich nicht aus eigener Schuld die heilige Messe zu hören unterlassen? oder mich freywillig 207 in die Gefahr begeben, keine zu hören, z. B. wegen einer Lustreise, oder Besuchung des Wirthshauses u. f. w.? Bin ich nicht aus eigener Schuld in die heis lige Messe zu spät gekommen? oder war ich nicht während derselben freywillig zerstreut? Habe ich nicht aus Nachlässigkeit oder Gering: schätzung die Predigten und Christenlehren verfäumt, besonders wenn ich in der Religion wenig unterrichtet wäre? Viertes Geboth: Du sollst Vater und Mutter ehren. Dieses Geboth umfaßt alle Pflichten gegen die 2 eltern und Vorgesetzten. 1.) Erforsche dich über die Pflichten gegen die Weltern: Habe ich den Gehorsam gegen meine Weltern übertreten, und in welchen Stücken? besonders z. B. durch verbothenen Umgang, böse Gesell: schaften, nächtliches Auslaufen, Lesen schädlicher Bücher? Habe ich sie nicht mit rauhen Worten ange: fahren und erzürnet? Habe ich nicht sogar ihnen geflucht, oder sie verwünschet? Habe ich mich ihrer nicht geschämt, oder sie gar verachtet? 208 Habe ich ihnen nichts Böses nachgeredet, oder sle gar verleumdet? Habe ich sie in ihrer Noth und Armuth nicht hülflos gelassen? Habe ich nicht die Hand wider sie aufgehoben, oder sie gar geschlagen? Habe ich nicht den 2eltern, unter dem Vors wande, daß sie böse sind, und ich ihnen in böfen Sachen zu folgen nicht schuldig sey, den schuldi gen Respect versagt, oder sie gar verachtet? Wünschte ich ihnen nicht ein Unglück, oder wohl gar den Tod? Habe ich sie nicht boshafter Weise gekränkt? Habe ich nicht ohne ihr Wissen die Ehe versprochen? Habe ich ihren letzten Willen getreu vollzogen? Bethete ich auch für meine Aleltern? 2.) Uleber die Pflichten gegen die Vorgesetten: Habe ich meine Vorgesetzten und Lehrer, geistliche und weltliche, geehrt und ihnen gehorsamt? Habe ich mich nicht in irgend einer Pflicht gegen den Landesherrn, und die Obrigkeiten verfehlt? Habe ich mich nicht in eine geheime verbothene Gesellschaft eingelaffen? Tadelte ich nicht ihre Gefeße und Anord: nungen? Widerfeßte ich mich nicht ihren Befehlen? 209 Habe ich nichts Böses von ihnen geredet, sie verachtet oder beleidiget? Habe ich nicht sogar Andere zum Murren und Ungehorsam wider sie verleitet? Fünftes Geboth: Du sollst nicht tödten. Die Sünden gegen dieses Geboth werden be gangen entweder in Handlungen, oder im Herzen, oder in Worten. 1.) Erforsche deine Handlungen: Habe ich Niemanden vorfeßlich durch mich selbst oder durch Andere getödtet? Habe ich Niemanden, oder mir selbst das Le: ben verkürzt, oder an der Gesundheit geschadet, durch Raufen, Schlagen, Verwundungen, oder durch schädliche Speisen und Getränke, durch Anreißung zu großem Zorn, Erbitterung, langwierige Kränkungen u. s. w.? Habe ich nicht Mittel angerathen, verkauft, oder selbst gebraucht, um der empfangenen Leibesfrucht zu schaden? Habe ich nie mir selbst das Leben nehmen, oder es verkürzen wollen? Habe ich nicht einen Mörder oder Räuber vertheidigt oder begünstigt und laterstand ge geben? Habe ich mir durch unmäßiges Essen und Trin 210 Een, oder durch Unkeuschheit nicht das Leben verkürzt? Habe ich nicht mich selbst oder Andere mit schwerer Arbeit überhäuft, und mir oder Andern dadurch an der Gesundheit geschadet? 2.) Erforsche dein Herz: Wünschte ich mir oder Andern nicht den zeitlichen oder gar den ewigen Tod, oder ein anderes großes Unglück? Habe ich keine Feindschaft mit meinem Nächsten gehabt, und wie lange Zeit? Habe ich Niemanden den Gruß versagt? Bin ich Niemanden, gegen den ich eine Abneigung im Herzen hatte, ausgewichen? Habe ich nicht gewünschet, Jemanden, auf den ich böse war, nie zu sehen? Trug ich nicht einen großen Zorn gegen meis nen Nächsten, suchte ich nicht ihm sogar zu scha den, oder mich an ihm zu rächen? Habe ich mich nicht über das Unglück eines Andern erfreut, oder mich über sein Wohlergehen betrübt? War ich nicht Willens, Jemanden ein Unrecht zuzufügen, ihn zu mißhandeln, oder gar zu töd: ten, wofern ich Gelegenheit dazu gehabt hätte? Wollte ich aufrichtig meinem Feinde verzeihen, ihn lieben, und ihm Gutes thun? 211 Habe ich getrachtet mich mit ihm auszusöhnen? EU- PE Habe ich nicht einen großen Haß wider meis nen Richter, oder meine Gegenpartey, oder meis nen Ankläger im Herzen gefaßt, und geglaubt, ein Recht dazu zu haben? 3.) Erforsche deine Worte: Habe ich Niemanden geschmäht, verflucht, oder verspottet? Habe ich Niemanden große Unbilden gedroht? Habe ich Niemanden zur Rache und zu Beleidungen gerathen? Beym fünften Geboth befrage dich auch wegen des Aergernisses, und der Theilnahme an fremden Sünden. Habe ich nie durch meine Worte oder Handlungen Andern, besonders den Unschuldigen ein 2ergerniß gegeben, oder sie gar zu fündigen vers leitet? Und bey wie vielen Personen? War ich nie Schuld an fremden Sünden, in dem ich dazu rieth, oder dazu befahl, oder dazu einwilligte, oder dazu reißte, oder sie lobte, oder dazu stillschwieg, oder die Sünde nicht ftrafte, oder an derselben selbst Theil nahm, oder selbe sogar vertheidigte? Und bey wie vielen Personen? 212 Sechstes und neuntes Geboth: Du sollſt nicht ehebrechen.- Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Wisse, daß gegen dieses Geboth ein jeder freywillige Gedanke, und eine jede freiwillig zu gelaffene Begierde schon eine Todsünde sey; und daß du nicht allein schuldig bist zu beichten, was du wirklich gethan hast, fondern auch, was du wirklich hättest thun wollen, wenn du nur die Gelegenheit dazu gehabt hättest. Erforsche dich also: Habe ich nicht mit Wohlgefallen in unreinen Gedanken freywillig verweilt, oder in dieselben wirklich eingewilligt, wie auch in unreinen Be gierden und Empfindungen? Habe ich mir nicht die vorherbegangenen Süne den gegen dieses Geboth, oder unreine Träume mit Wohlgefallen freywillig vorgestellt? Habe ich mich nicht freywillig in die nächste Gefahr begeben, zu unlauteren Begierden verfucht zu werden, als z. B. durch unanständige Tänze, Schauspiele, Anschauen unehrbarer Bilder und Statuen; oder durch Unmäßigkeit im Ef sen und Trinken, durch Lesung von Romanen und Theaterstücken, durch nächtliches Herum schwärmen, Besuchung von gewiffen Gesellschaften, durch öfteres Alleinsprechen mit Personen des anderen Geschlechtes? 213 Habe ich nicht unkeusche Reden geführt, da bey gelacht, selbe mit Wohlgefallen von Undern gehört, oder gar meinen Untergebenen sie gestats tet? Und in wessen Gegenwart? Habe ich nicht unkeusche Lieder gefungen, abgeschrieben, Andern gelehrt, oder mit Wohlge= fallen angehört, und in wessen Gegenwart? Habe ich mich nicht vielleicht gar meiner unkeuschen Handlungen gerühmt? Schrieb ich nicht aus unreiner Absicht Briefe? Bekam, oder brachte ich dergleichen nicht anderen? Habe ich nicht schlüpfrige Bücher gelesen, zu lesen gegeben, geduldet oder gar angerathen, als z. B. die meisten Romane und so viele Theaterstücke? Habe ich nicht durch freche Geberden, oder unanständige Kleidertracht Andere zur Unkeuschheit gereißt, oder absichtlich reißen wollen? Ist dieß nicht vielleicht sogar in der Kirche geschehen? Habe ich nicht mit vorwißigen Augen unehra bar mich selbst, oder andere Personen, Bilder, Statuen, Thiere oder andere Gegenstände ange= sehen, welche zu unreinen Begierden reißzen Fonnten? Gab oder erlaubte ich nicht Liebkosungen mit unreiner Empfindung? Nahm ich mir nicht an mic selbst, oder an Andern unerlaubte Freyheiten heraus? 214 Habe ich nicht sogar Andere zu diesem Lafter ver: leitet? Habe ich keine fündhafte Bekanntschaft und wie lange? Bin ich nicht Nachts bey Personen des an dern Geschlechts gewesen? Habe ich da nichts ge= gen die Keuschheit gethan? Waren die Personen, mit denen ich mich auf etwas Unehrbares einließ, noch Unschuldige, und habe ich sie nicht dazu verleitet, z. B. durch Schmeicheleyen oder Geschenke? Oder habe ich sie vielleicht gar gewaltsam dazu gebracht?- Waren es Ledige oder Verheirathete? oder Verwandte? Waren es vielleicht sogar Gott geweihte, oder durch ein Gelübde zur Keuschheit verbundene Perfonen? Ist die Sünde der Unkeuschheit nicht an einem geheiligten Orte geschehen? War die Sünde nicht von besonderen Ulmständen begleitet, welche die Abscheulichkeit noch vermehren, und das Laster vergrößern? That ich nichts, was ich mich ganz besonders zu sagen schämen muß? Waren nicht etwa sogar unvernünftige Thiere der Gegenstand meiner Leidenschaft? Was haben diese Sünden für üble Folgen gehabt? Habe ich den daraus entstandenen Schaden auch gutzumachen gesucht? 215 Uleberhaupt, was du mit einem jeden deiner fünf Sinne, entweder an dir selbst, oder an andern Personen, desselben oder des andern Geschlechtes, gegen die Menschheit gefündiget hast, was du selbst gethan, oder auch nur zugelassen hast, das alles sollst du beichten. Siebentes und zehntes Geboth: Du follst nicht stehlen.-Du sollst nicht begehren deines Nächsten Saus, Ucker, Knecht, Magd, Ochsen- noch etwas, was sein ist. 1.) Erforsche dich, ob du nichts ungerechter Weise genommen haft: Habe ich Niemanden Geld, Getreide, Geräth: schaften, Kleidungsstücke u. f. w. genommen, und zwar entweder heimlich oder gar mit Gewalt? Habe ich nichts Gott Geheiligtes, oder etwas von einem heiligen Ort genommen,( welches ein Gottesraub ist)? Habe ich nicht durch öftere, mehrere kleine Diebstähle eine beträchtliche Summe entwendet? Habe ich nicht ungerechte Zinsen von meinem Gelde genommen, und Wucher damit getrieben? Habe ich nicht beym Kaufen und Verkaufen betrogen? Habe ich nicht in Gewicht, Elle oder Maß be: trogen, unter dem Vorwande, Andere thun es auch so? 216 Habe ich nicht unter dem Vorwande mich schadlos zu halten, etwas entfremdet? Habe ich nicht etwas auf Borg genommen oder gekauft, wohl wissend, daß ich es nicht zurückzugeben, oder zu zahlen im Stande seyn werde? 2.) Erforsche dich, ob du nichts ungerechter Weise behalten hast? Habe ich gefundenes Geld, oder gefundene Sachen dem Eigenthümer nicht zurückgestellt? Habe ich mir die gehörige Mühe nicht gege= ben, ihn aufzufinden? Habe ich entwendete Sachen oder Geld dem Eigenthümer wieder zurückgestellt? Habe ich Geld oder Sachen von Personen ans genommen und behalten, welche keine rechtmäßigen Eigenthümer derselben waren, z. B. von Kindern, Dienstbothen? Habe ich geliehene Sachen oder Gelder zur bes stimmten Zeit zurückgegeben? Habe ich nicht gestohlene Sachen gekauft oder angenommen? oder bey mir gar aufbewahren lassen? Habe ich nicht ohne Noth Almosen begehrt? Habe ich nicht unterlassen Jemanden in der größten Noth Schmachtenden zu helfen? 217 Habe ich nach meinem Vermögen Almosen gegeben? Habe ich Niemanden fogar feinen verdienten Lohn ohne alles Recht zurückbehalten? Habe ich mich nicht durch Verschwendung, Wohlleben, oder durch einen andern freywilligen Fehler in einen Stand versetzt, wo es mir un möglich war, meine Schulden zu zahlen? Habe ich nicht den Zehent, Zins, oder an dere rechtmäßige Abgaben für mich behalten, oder nicht bezahlt, oder das Schuldige in schlechterem Maße oder Sorte abgeliefert? 3.) Erforsche dich, ob du Niemanden einen Schaden verursacht hast: Habe ich nicht das mir Unvertraute schlecht besorgt? Habe ich mich nicht für eine schlecht verfertigte Sache gut bezahlen laffen?- Oder für meinen Dienst und Arbeit Geld angenommen, und dieselbe nicht wohl und getreu verrichtet? Habe ich nicht Weinberge, Fruchtfelder, Wies sen durch das Bich, oder sonst auf eine Weise verdorben? Habe ich nicht junge frische Bäume in einem fremden Walde oder Garten, oder auf den Feldern verdorben, oder entfremdet? 13 218 habe ich nicht eine mir bewußt fehlerhafte Sache für eine gute verkauft? Habe ich auch den Käufer auf den verborgenen, Fehler der Sache aufmerksam gemacht? Habe ich nicht falsches Geld ausgegeben oder falsche Wechselbriefe? Habe ich nicht einen ungerechten Proceß an: gefangen, fortgeführt, unterhalten oder gar dazu gerathen? Bestach ich nicht sogar die Richter, um einen ( besonders einen ungerechten) Proceß zu ge winnen? Habe ich den Schaden, welcher der andern Parthey daraus entstanden ist, ersetzt? Habe ich nicht einen Armen, oder in große Verlegenheit Gerathenen beym Kauf oder Verkauf gedrückt? Oder bey was immer für einem Vertrage? Habe ich nicht zu Gunsten der unehelichen Kin der, die ehelichen Kinder an ihrem rechtmäßigen Antheile verkürzt? Habe ich meiner Familie durch Spielen, Müsfiggang, Trägheit, Unmäßigkeit, durch übertriebenen Aufwand in Kleidern und Einrichtung, und durch Unterhaltungssucht geschadet? Habe ich nicht bey Amtsrechnungen, bey Verwaltung einer Vormundschaft, oder anderer öffentlicher Gelder Jemanden Unrecht gethan? 219 Habe ich bey Bertheilung des gemeinschaft: lichen Erbrermögens meine Geschwister, Vers wandte u. f. w. nicht beeinträchtigt? Habe ich nicht ein wissentlich ungerechtes Gut geerbt und es dem Eigenthümer nicht zurückers statter? Habe ich ein rechtmäßiges Testament nicht unterdrückt oder nicht befolgt? Schadete ich Niemanden aus fträflicher Unwissenheit meiner Pflichten, oder aus Bernachlässigung derselben? Habe ich den nächsten vor Schaden gewarner, oder behüthet, da ich es doch konnte und sollte? Brachte ich Niemanden unbilliger Weise um fein Amt, oder um seinen Dienst? Oder habe ich nicht einem Unwürdigen oder Unfähigen zum Schaden Anderer zu einem Umte oder Dienste verholfen? 4.) Erforsche dich, ob du nicht einen Antheil an fremder Ungerechtigkeit gehabt haft: Habe ich nichts Ungerechtes befohlen, gerathen, gutgeheißen? Habe ich nicht zur Verübung einer Ungerechtigkeit fogar mitgeholfen? Habe ich das Unrecht, das einem Undern wi derfahren ist, ihm auch entdeckt, oder es unter= 13* 220 sucht, und einen treuen Bericht darüber abge= stattet, wo ich es zu thun schuldig war? 5.) Erforsche dich, ob du in Gedanken oder Begierden dich wider dieses Geboth versündiget haft: Habe ich nicht den Wunsch gehabt, Jemans den etwas zu stehlen? Habe ich nicht Jemanden betriegen, oder ihn nicht bezahlen wollen? Habe ich nicht Jemanden überreden wollen, mir sein Vermögen zum Nachtheile seiner rechtmäßigen Erben zu vermachen? Habe ich nicht mehrere kleine Diebstähle ges macht, mit der Absicht viel zu nehmen? Bemerkungen. 1.) Vergiß nicht, gewissenhaft nachzudenken, ob du das zugefügte Unrecht wieder gutgemacht hast? Diese Sünde wird nicht verziehen, wenn man das ungerechte Gut nicht ersetzen will. Hast du es nicht mehr, so ersetze es auf irgend eine andere Art. Hast du nicht so viel, so ersetze, so viel du kannst. Kannst du es gar nicht, so mußt du wenigstens stets den ernstlichen Willen haben, es alsogleich zu thun, wenn du es einst zu thun im Stande seyn wirst, 221 2.) Man kann noch auf tausenderley Art sich der Ungerechtigkeit schuldig machen, deren jede man hier nicht anführen kann. Indessen befolge diese weise Vorschrift: Was du nicht willst, das dir geschehe, Das thue auch keinem Undern. Hast du diese Regel übertreten, so wisse, daß du gegen die Gerechtigkeit dich verfündiget haft. Achtes Geboth: Du sollst kein falsches Zeugniß geben wider deinen Nächsten. 1.) Erforsche dich über das falsche Zeugniß: Habe ich nicht vor geistlicher oder weltlicher Obrigkeit ein falsches Zeugniß abgelegt? Habe ich keine falschen Zeugen beygebracht? Habe ich keine falschen Urkunden ausgestellt, oder Briefe und Schriften verfälscht? Habe ich wahre Urkunden zum Schaden eines Andern nicht verheimlicht? Habe ich mich nicht geweigert, der Wahrheit öffentlich Zeugniß zu geben, wenn ich es schuldig war? 2.) Erforsche dich über das Lügen: Habe ich mich keiner sogenannten Nothlüge bedient? Habe ich nicht die üble Gewohnheit, im Scherze öfters zu lügen? Oder habe ich vielleicht gar in der Beicht ge logen? 222 Habe ich durch Lügen Jemanden geschadet, oder schaden wollen? Habe ich keine Verleumdungen über andere Personen erdichtet? Besonders über geistliche oder weltliche Gemeinden? Habe ich nicht Jemanden öffentlich verleumdet? und vor wie vielen Personen? Berfündigte ich mich nicht durch Verstellung und Gleißnerey? Habe ich Niemanden aus Falschheit geschmei chelt? Habe ich mich nicht der Ohrenbläferen schuldig gemacht? d. h. heimlicher Weise, ohne alles Recht, ausgefagt, was ein Mensch wider den Andern geredet oder gethan hat,- und vielleicht oft große Uneinigkeit dadurch verursacht? Habe ich nicht mir anvertraute Geheimnisse entdeckt? oder ohne Recht Briefe aufgefangen, aufgebrochen, gelesen? Oder habe ich sogar Zeugnisse und das Siegel verfälscht? 3.) Erforsche dich über das Ehrabschneiden: Habe ich nicht Schmähschriften gemacht? besonders gegen ganze geistliche oder weltliche Gemeinden? - Habe ich nicht ehrenrührische Lieder gesungen? Habe ich nicht schmähliche Briefe geschrieben? Habe ich nicht Undern durch Offenbarung ihrer Fehler und Mängel die Ehre geschmälert? 223 Habe ich nicht die Fehler oder Sünden des Nächsten bekannt gemacht, auch wenn sie wahr waren? und vor wie Vielen? Waren es große oder nur unbedeutende Feb. ler? waren sie Andern schon bekannt, oder noch unbekannt? Was hatten diese Ehrabschneidungen für schäd liche Folgen? Habe ich diese Folgen vorgesehen? Habe ich nicht Jemanden gröblich beschimpft? Habe ich den Beschimpften schon un Verzeihung zebethen? Habe ich die verleßte Ehre dem Nächsten wieder zu ersetzen gesucht? Habe ich auf eine beschimpfende Weise, aus Verachtung, Neid oder Leichtsinn über Andere gescherzt, oder gespottet, oder ihnen sonst wohl gar schändliche und häßliche Nahmen gegeben? Habe ich nicht ohne alles Recht fremde, geheime Schriften untersucht? - - 4.) Erforsche dich über das vermessentliche Urtheilen, und den falschen Argwohn: Habe ich nicht ohne hinlänglichen Grund auf Jemanden einen Verdacht sehabt? Habe ich meinen Argwohn ohne Noth auch gegen Andere geäußert? Habe ich meinen Nächsten durch solchen Argwohn gekränkt, oder ihm auf irgend eine Art geschadet? 224 Habe ich Niemanden böse geurtheilt, fein Than und Lassen vermeffentlich als böse ausgelegt? be sonders geistliche oder weltliche Gemeinden? Habe ich nicht mit Wohlgefallen unbillige, die Ehre des Nächsten kränkende Neden angehört?, Habe ich zu solchen Reden nicht Anlaß geges ben, oder denselben beygestimmt? Habe ich die Fehler meines Nächsten nicht ohne Noth erforscht, und gern sie entdeckt? Habe ich solche Reden, welche die Ehre des Nächsten verletzten, nicht verhindert, wo ich doch konnte? Habe ich den durch mein falsches Urtheil oder Argwohn entstandenen Schaden gut gemacht? Die Gebothe der Kirche. 1.) Du sollst die gebothenen Feyertage halten. 2.) Du sollst die heilige Messe an Sonnund Feyertagen mit gebührender Undacht hören. Die Urt und Weise, sich über diese zwey Ges bothe zu erforschen, findest du bey dem dritten Gebothe Gottes. 3.) Du sollst die gebothenen Safttage halten, als da sind: die Quatembertage, die vierzigtågige Fasten; auch sollst du am Freytage und Samstage vom Fleischessen dich enthalten. 225 Erklärung. Unter Fasten wird nach dem jeßigen Gebrauche der Kirche die Enthaltung von allen Fleischspeisen, und nur eine einzige Sättis gung des Tages verstanden; doch wird Abends eine kleine Mahlzeit oder Collation erlaubt. Die gewöhnlichen Freytage und( rso keine bischöfliche Dispens Statt hat) auch die Samstage, ver binden nur zur Enthaltung von Fleischspeisen, nicht aber zum Fasten. 1 Junge Personen unter dem 21. Jahre, dann sechszigjährige Greise, so wie schwangere Frauen, Säugammen, Fränkliche, schwer arbeitende Perfonen, und Alle, denen das Fasten einen wirk lichen Schaden zufügen könnte, sind davon ausgenommen, doch sind sie zur Enthaltung vom Fleis sche verbunden, wenn sie nicht auch davon rechtmäßig dispensirt sind. Sind die Ursachen der Dis spens nur vorgeblich und falsch, so gilt eine solche Dispens nicht. Auch die Dispensirten dürfen nach der Bulle Benedicts XIV. nicht am Abende Fleisch essen, außer im Krankheitsfalle, und niemahls Fleisch und Fische zusammen. Erforsche dich also, ob du dieses Geboth ge nau befolgt haft oder nicht; ob du nicht vielleicht fogar deine Untergebenen zur Uebertretung des Fastengebothes verleitet, ja verhalten hast, ob du nicht etwa die verordnete Fasten getadelt, ja diefelbe vor Undern mißbilliget hast u. s. w. 226 Ferner wisse, daß eine jede bedeutendere lleber: tretung dieses Gebothes ohne erhebliche Ursache eine schwere Sünde sey. 4.) Du sollst jährlich wenigstens ein Mahl dem verordneten Priester beichten, und um die österliche Zeit das Sacrament des Altars empfangen. Erforsche dich: Habe ich jedes Jahr wenigstens Ein Mahl gebeichtet? Habe ich nicht gottesräuberisch gebeichtet? ( Wer schlecht beichtet, irgend eine schwere Sünde vorseßlich, oder aus sträflicher Nachlässig= keit verschweigt, oder keine wahre Reue hat, oder die auferlegte Buße nicht erfüllt, oder nicht los gesprochen wird der hat dem Gebothe noch nicht genuggethan.) Habe ich in der vom Bischofe festgesetzten österlichen Zeit die heilige Communion empfangen? Habe ich sie nicht gottesräuberisch empfangen, und dadurch zugleich dem vierten Kirchengebothe nicht genuggethan? ( Wer in der österlichen Zeit nicht communiciren konnte, ist verbunden, es nach derselben zu thun. Die Kranken müssen sich während dieser Zeir die heilige Communion in's Haus bringen laffen.) Jede Uebertretung dieses Gebothes ohne sehr wichtige Ursache ist eine schwere Sünde. - 227 5.) Du sollst an verbothenen Seiten keine Sochzeit halten. Diese verbothenen Zeiten sind: die Adventund Fastenzeit; auch gibt es andere Buß- und Bethtage, wo solche und ähnliche Lustbarkeiten untersagt sind. Erforsche dich, ob du an solchen Tagen den lärmenden Lustbarkeiten, als den Tänzen, und manchen Spielen beygewohut, oder dazu Gelegenheit gegeben hast? Uleber Sie sieben hauptsünden. 1. In Betreff der Hoffart erforsche dich: Bin ich auf meine Leibesgestalt, meinen Vers stand, oder auf meine Geschicklichkeit eitel gewesen? War ich nicht stolz auf meine vermeinte Schönheit, auf die Reichthümer, das Umt, die Kleider u. f. w.? Habe ich mich nicht für besser, frömmer, tu gendhafter als Andere gehalten? Habe ich nicht vielleicht bloß das Lob und die Ehre der Menschen gesucht? Habe ich nicht bey meinen vermeinten Vorzügen fogar Andere verachtet? Habe ich mich Anderer, wegen ihres niedrigen Standes nicht geschämt? War ich nicht gegen verdiente Vorwürfe und 228 billige Ermahnungen widerspänstig und unduld: sam? Oder habe ich vielleicht gar gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz gehabt? 2.) lleber den Geiß erforsche dich: Liebe ich nicht die Reichthümer leidenschaftlich? Habe ich nicht über den Verlust derselben eis nen übermäßigen Schmerz getragen? Habe ich mich keiner Lüge, oder gar ungerechten Schwures bedient? Habe ich nicht die Sonnoder Feyertage entheiligt, den Gottesdienst hint: angesetzt, um etwas zu gewinnen, oder doch um nicht etwas zu verlieren? War ich nicht gefühllos gegen Arme? Habe ich nicht unterlassen, sie nach Kräften zu unterstüßen? Oder im Gegentheil: War ich nicht verschwen Serisch? Habe ich nicht unnöthiger Weise viel Geld auf den Puß, das Wohlleben, die Unterhaltungen, das Spiel verwendet? Habe ich nicht mir oder meiner Familie da durch einen großen Schaden verursacht? Habe ich nicht Hazardspiele gespielt, oder Glücksspiele oder die Lotterie zu leidenschaftlich geliebt? 229 3.) lleber die Sünde der 11 n keuschheit wurde schon beym sechsten Gebothe die Gewissenserfor: schung angestellt. 4.) Uleber den Neid erforsche dich: Habe ich gegen Niemanden einen geheimen Groll getragen, weil ihm alles beffer glückt, weil er reicher ist, mehr Verstand und Geschicklichkeit besißt, oder vielleicht gar, weil er tugendhafter ist, als ich? Habe ich mich nicht sogar erfreut, wenn Je= manden ein Unglück oder eine Schande widerfahren ist? Habe ich nie meinem Nächsten sogar die götts liche Gnade mißgönnet, und ihn darum beneidet? War ich nicht traurig, wenn ein Anderer zu Glück oder zu Ehren gekommen ist? Habe ich Niemanden aus Neid sogar einen Unfall gewünscht? Habe ich Niemanden aus Neid sogar geschas det, oder ihn verkleinert? 5.) Uleber den Fraß und Völlerey erforsche dich: Habe ich nicht gar zu köstliche und leckerhafte Speisen gesucht? War ich im Effen und Trinken nicht unmäßig? Habe ich nicht während des Gottesdienstes, oder zur Nachtzeit ohne Noth die Schenke besucht? 230 Habe ich nicht daselbst das Geld zum Nachtheile meiner Familie verschwendet? Habe ich durch meine Unmäßigkeit im Trin: ken nicht ergerniß gegeben? Habe ich nicht sogar Andere zu unmäßigen Trinken verleitet? Habe ich mich durch die Trunkenheit nicht fo gar in die Gefahr begeben, andere schwere Sünden zu begehen, oder in derselben wirklich gesün: diget und wie? - 6.) Uleber den 3orn erforsche dich: Habe ich nicht im Zorn sogar wider Gott oder den Nächsten Lästerungen ausgestoßen? Was für ein llebel habe ich im 3orne meinem Nächsten gewünscht? Habe ich ihn vielleicht im Zorne gemißhandelt? Habe ich Jemanden im Borne verleumdet? Habe ich mich im Zorne an Jemanden rächen wollen? Habe ich nie einen Groll wider meinen Näch sten im Herzen getragen und wie lange? Habe ich durch meinen Zorn ein großes Aergerniß gegeben? habe ich mich nicht aus Zorn geweigert, mich mit meinem Nächsten zu verföhnen? 7.) Uleber die Trägheit erforsche dich: Habe ich nicht aus Nachlässigkeit das Gebeth, 231 die Lesung geistlicher Bücher, das Wort Gottes, die heilige Messe, die Beicht und Communion unterlaffen? Habe ich die mir obliegende schuldige Arbeit nicht nachlässig gemacht, oder gänzlich außer Acht gelassen? Habe ich nicht zu viele Zeit beym Spielen verloren? Habe ich mich nicht dem Müssiggange ergeben? Habe ich nicht durch dieses Laster der Trägheit meinem Hauswesen geschadet? Ueber die Standespflichten. 1.) Bist du eine Obrigkeit, so befrage dich: Habe ich für die zeitlichen Bedürfniffe meiner Untergebenen auch gesorgt? Habe ich ihnen nicht aus Bosheit oder nachs lässigkeit sogar geschadet? Habe ich für ihr Seelenheil auch geforgt? Habe ich über ihre Sitten und Aufführung auch gewacht? Habe ich unter ihnen die Gelegenheit zu Unordnungen, zu Ausgelassenheiten und Verführungen auch zu verhindern gesucht? Habe ich auch ihre Laster bestraft und ihre Tugenden belohnt? War ich in meiner Amtshandlung auch gerecht war ich nicht hartherzig? 232 Habe ich mich der Krmen und Unschuldigen auch angenommen? Habe ich nie sogar die Armen, Witwen und Waisen unterdrückt? Habe ich die Bösen nicht vielleicht vertheidigt? 2.) Bist du ein Unterth an, so befrage dich: Bin ich meiner Obrigkeit gehorsam gewesen? Habe ich mich zu keinem sündhaften Dienst ge brauchen lassen? Habe ich meiner Obrigkeit die schuldige Ehre erwiesen? Habe ich wider sie nicht gemurrt, fie falsch bes urtheilt, verkleinert, oder sogar Andere wider sie aufgehetzt? Habe ich ihr den gebührenden Zehent, oder an dere rechtmäßige Abgaben auch entrichtet? 3.) Bist du Bater oder Mutter, so befrage dich: Habe ich für das Leben und die Gesundheit meiner Kinder die nothwendige Sorge getragen? Habe ich sie nicht vor der Geburt schon der Gefahr einer Verunglückung ausgesetzt? Habe ich sie nicht, bevor sie noch ein Jahr, oder nachdem sie schon über das sechste Jahr alt waren, zu mir in's Bett genommen, mit der Ge fahr, sie zu erdrücken, oder ihnen ein Nergerniß zu geben? Habe ich meine erwachsenen Kinder nicht ohne 233 alle Vorsicht mitsammen im Bette liegen lafa fen oder vielleicht gar ganz bloß ohne alle Bedeckung? Habe ich für ihre Erhaltung, Nahrung, Kleis dung, Erziehung und künftige Versorgung Sorge getragen? Habe ich sie eine Handthierung, Kunst, Ges werbe oder Wissenschaft lernen lassen, womit sie ihren künftigen Unterhalt finden können? Habe ich keines dem Andern ungerechter Weis se vorgezogen? - Habe ich sie zu keinem Stande gezwungen, zu welchem sie keinen Beruf in sich fühlten? Habe ich sie in ihrem Berufsstande nicht uns gerechter Weise gehindert? Habe ich für ihre Seele durch eine christliche Erziehung auch gesorgt? Habe ich nicht versäumt, ihnen die heilige Taufe und die übrigen. heiligen Sacramente zu gehöriger Zeit ertheilen zu lassen? Habe ich sie auch gehörig in die Schule und in die Kirche geschickt? Habe ich sie zur häuslichen Andacht, zum öf teren Gebrauche der heiligen Sacramente auch angehalten, und bin ich ihnen hierin mit gutem Beyspiele selbst vorangegangen? Habe ich sie auch gestraft, wenn sie es verdient haben? 14 234 Habe ich ihnen nicht durch Schelten, böses Nachreden, oder durch ungebührliche Worte und Handlungen Nergerniß gegeben? Habe ich sie nie den ganzen Tag ohne alle Auf sicht herumlaufen laffen? Habe ich ihnen keine bösen Gesellschaften, vers derbliche Spiele, nächtliche Ausgänge, verdächtis ge Bekanntschaften gestattet? Habe ich sie nicht im wilden Zorne grausam geschlagen? Bin ich bedacht gewesen, ihnen einiges Ver mögen zu erwerben? 4.) Die Pflichten der Kinder gegen ihre Weltern sind schon beym vierten Gebothe Gottes vorges kommen. 5.) Bist du ein Hausherr, oder eine Hausfrau, so erforsche dich: Bin ich besorgt gewesen, um fromme Dienste bothen zu haben? Habe ich auch für ihr Seelenheil gesorgt? Habe ich sie zum täglichen Gebethe, zum ge bothenen Gottesdienste, zur Anhörung des Wor tes Gottes, zum öfteren Gebrauche der heiligen Sacramente auch verhalten? Habe ich ihnen nie etwas Böses zu thun befohlen, oder wenigstens erlaubt? Habe ich sie nicht mit der Arbeit überladen? 235 habe ich nicht an Sonn- und Feyertagen ihnen unerlaubte Arbeiten auferlegt? Habe ich sie nicht zu hart und schimpflich gehalten? Habe ich ihnen nicht sogar gefährliche Zusam menkünfte, nächtliches Herumschwärmen, verdäch tige Bekanntschaften und Ausgänge gestattet, oder ihnen nie nachgeschaut, oder vielleicht mein Haus bey der Nacht gar nicht gesperrt? Habe ich ihnen allezeit auch die nöthige Nahrung verschafft? Habe ich sie in einer Krankheit mit Liebe verpflegt? Habe ich sie nicht ohne recht gültige Ursache vor der Zeit aus dem Dienste entlassen? Habe ich sie nicht, ungeachtet ihres ärgerlichen Wandels doch im Dienste behalten? Habe ich ihnen( wie auch den Taglöhnern) den verdienten Lohn ganz und nach ihrem Bedürfnisse auch gleich bezahlt? Habe ich in meinem Hause keine ärgerlichen Leute, und Zusammenkünfte sogar unterhalten? 6.) Bist du ein Dienstbothe, so erforsche dich: Habe ich meinen Dienstherren die schuldige Ehrfurcht erwieſen? Habe ich nichts Böses von ihnen geredet? Habe ich nicht ihre Fehler Undern geoffenbaret? 14 236 Habe ich nicht im Hause boshafter Weise sogar Uneinigkeiten gestiftet? Habe ich ihnen treu und fleißig gearbeitet? Habe ich mich von ihnen zu keinem sündhaften Dienste je gebrauchen lassen? Da ich wohl wußte, daß man Gott mehr als den Menschen gehorchen soll? Ist durch meine Schuld ihnen kein Schaden widerfahren? Habe ich ihnen nicht sogar etwas entfremdet, oder zurückbehalten, unter dem Vorwande eines zu geringen Lohnes mich schadlos zu halten? Habe ich nicht beym Einkaufen immer etwas Weniges zurückgehalten? Habe ich niemahls meinen Mitdienstbothen aus dem Hause verdrängt? Habe ich nicht etwa zu dem Diebstahle, oder zur bösen Aufführung meiner Mitdienstbothen stillgeschwiegen? Oder habe ich vielleicht gar mitgehalten und Theil genommen? 9.) Bist du verheirathet, so erforsche dich: Bin ich nicht aus Absichten in den Ehestand getreten, die eines Christen unwürdig sind? Habe ich nicht mein Herz und meine Liebe Andern zugewendet? Habe ich nie sogar die Ehe gebrochen? 237 Habe ich nicht durch verdächtige Gesellschaften Ursache zur Eifersucht gegeben? War ich nicht zum großen Aergerniß meiner Kinder, oder der Nachbarschaft, mit meinem Ge gentheile uneins, oder verließ oder wollte ich vielleicht gar ohne rechtmäßige Erlaubniß meinen Gegentheil verlaffen? Habe ich nie den heiligen Ehestand mißbrauchet? Habe ich nie die christliche Ehrbarkeit im Ehestande verletzt? Habe ich nicht sogar meinen Kindern hierin ein Nergerniß gegeben, oder betrug ich mich nicht so, daß ein Nergerniß für die Kinder leicht hätte entstehen können? 8.) Bist du ein Ehemann, so erforsche dich insbesondere: Habe ich nicht meine Ehefrau rauh und hart behandelt? Habe ich sie auch besonders in Ucht genommen, wenn sie mit der Leibesfrucht gesegnet war? Sabe ich sie nie verleitet, Gott zu belei digen? Habe ich ihr keine unnüßen und Fränkenden Vorwürfe gemacht? Habe ich die Güter, welche sie in's Haus gebracht hat, nicht verschwendet? 14** 238 Habe ich auf ihr Eigenthum ohne ihre Einwilligung nicht vielleicht Schulden gemacht? 9.) Bist du eine Ehefrau, so denke nach ins: besondere: Habe ich nicht ohne des Mannes Wissen das Geld unnüß verwendet, oder von seinem Vermös gen an Freunde, Verwandte, oder an die Kinder erster Ehe, ohne erhebliche Ursache und zu seinem Schaden angewendet? War ich gegen meinen Ehemann auch nachgiebig, und in allen gerechten Forderungen auch gehorsam? Sabe ich ihn nie verleitet, Gott zu beleidigen? 10.) Bist Du ein Handelsmann, so befrage dich: Habe ich Niemanden in Maß und Gewicht betrogen? Habe ich nie über den gewöhnlichen Preis die Waaren verkauft? - Habe ich nicht falsche für echte Waaren zum Nachtheile des Nächsten verkauft? Habe ich dabey nicht mein Seelenheil ganz vernachlässigt? 11.) Bist du ein Handwerker, so erforsche dich: Habe ich ohne außerordentliche Ursache bloß 239 nur aus Eigennuß und Gewinnsucht an Sonnoder Festtagen gearbeitet? Habe ich mir nie etwas Fremdes von der Arbeit zurückbehalten? Habe ich nie aus Neid oder durch böse Kunsts griffe Andern die Kundschaften entzogen? Habe ich nicht dem gemachten Vertrage zus wider die Arbeit mit Trug und Hinterlift vollendet? Habe ich mich nicht zu theuer bezahlen lassen? Habe ich nichts verfertigt, wovon ich gut wußte, daß es zum Bösen gebraucht werde? 12.) Hast du eine Schenke oder ein Gast= haus, so befrage dich: Habe ich nicht das Getränke verfälscht? Habe ich nicht den Gästen über die Schuldigkeit angerechnet? Habe ich nicht Trunkenbolden so lange eingeschenkt, bis sie berauscht wurden? Habe ich nicht solchen Leuten eingeschenkt, von welchen ich wußte, daß sie durch ihr Schwel gen ihr Hauswesen zu Grunde richten? Habe ich nie Hazardspiele erlaubt? Habe ich nicht jungen Leuten, die noch unter der Zucht der Erziehung stehen, das Zechen und Spielen gestattet? 240 Habe ich nicht liederlichen Personen bey mir Aufenthalt gegeben? War mein Haus nicht der Ort zu schändlichen Verführungen? Habe ich nicht zu Gotteslästerungen, Flüchen, Schimpfen, Zotten, stillgeschwiegen und sie sogar geduldet? Habe ich nicht unreine Scherze, Lieder, ge fährliche Musik und Tänze geduldet, oder sogar veranstaltet? 13.) Bist du ein Landmann, so befrage dich: Habe ich den Feldern meiner Nachbarn keinen Schaden zugefügt? Habe ich nicht über die Obrigkeit, die Sachbarn, über die Steuern, oder das Wetter u. s. w. geflucht? Habe ich das Vieh nicht Kindern anvertraut, die es zu büthen nicht im Stande waren? Habe ich nicht zur Ernte- oder Weinlesezeit zugelassen, daß junge Personen beyderley Geschlechtes an demselben Orte ohne alle Aufsicht schliefen? Kleiner Katechismus in Fragen und Antworten, worin die nothwen= digsten christlichen Wahrheiten enthalten sind. Erinnerung für die Weltern und Hausvåter. Sobald die Kinder reden lernen, sollen sie die Weltern, oder jene, welche ihre Stelle vertreten, die heiligen Nahmen JEsus und MAria ehrerbiethig aussprechen und unsern liebreichesten himm= lifchen Bater, fommt Seinem eingebornen Sohne und dem heiligen Geiste und die göttliche Mutter erkennen lehren. Darauf lehre man sie das heilige Kreuz machen, und bethe ihnen täglich das Bater unfer, den englischen Gruß und den Glauben langsam und andächtig vor. Fragen und Antworten über die nothwendigsten Glaubensartikel. I. Von dem christkatholischen Glauben. Frage. Was ist der Glaube eines katholischen Christen? Antwort. Der Glaube eines katholischen Chris sten ist ein übernatürliches Licht, eine Gabe Gottes, eine von Gott eingegoffene Tugend, wodurch 242 der Christ alles fest und unbezweifelt für wahr hält, was Gott geoffenbaret hat, und was Gott durch die heilige katholische Kirche ihm zu glauben vorstellet, es sey nun in der Bibel enthalten oder nicht. F. Wer ist ein katholischer Ghrift? 2. Derjenige ist ein katholischer Christ, welcher nach empfangener heiligen Taufe die Lehre unseres HErrn JEsu Christi so bekennet und glaubet, wie sie ihm von der heiligen katholischen Kirche ( welche unfehlbar ist) vorgestellet wird. F. Warum glaubt der katholische Christ alles so fest und unbezweifelt, was Gott durch Seine Kirche geoffenbaret hat? 2. Der katholische Christ glaubt bloß değ wegen olles fo fest und unbezweifelt, was Gott durch Seine Kirche geoffenbaret hat: weil Gott die ewige Wahrheit und Weisheit Selbst ist, Welche weder betriegen noch betrogen werden kann. F. Wo ist das, was ein katholischer Christ glauben muß, vorzüglich enthalten? 2. Das, was ein katholischer Christ glauben muß, ist in dem apostolischen Glaubensbekenntnisse enthalten, welches die vorzüglichsten Stücke enthält, die man glauben muß. F. Aus wie viel Glaubensartikeln besteht das apos stolisaye Glaubensbekenntniß, und wie heißen sie? 2. Das avostolische Glaubensbekenntniß bes steht aus 12 Hauptartikeln, welche also lauten. 1) Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. 243 2.) und an JEsum Christum, SeinenEingebornenSohn, unsernHErrn. 3.) Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau. 4.) Gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben. 5.) Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten. 6.) Aufgefahren in den Himmel; sibet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. 7.) Von dannen Er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. 8.) Ich glaube an den heiligen Geist. 2.) Eine heilige, allgemeine christliche Kirche. Gemeinschaft der Heiligen. 10.) Ablaß der Sünden. 11.) Auferstehung des Fleisches. 12.) Und ein ewiges Leben. Amen. Von dem ersten Glaubensartikel. F. Wie lautet der erste Glaubensartikel? 2. Der erste Glaubensartikel lautet: Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Simmels und der Erde.; F. Ist mehr als Ein Gott? 2. Es ist nur Ein Gott. 244 F. Was ist Gott? 2. Gott ist von Sich Selbst das allervollFommenste Wefen, oder das in sich selbst einzig wahre und höchste Gut, Welches von Sich Selbst alle guten Eigenschaften im höchsten Grade besitzt. F. Welche Haupteigenschaften Gottes sollen wir uns besonders merken? 2. Wir sollen uns folgende Eigenschaften Gottes besonders merken: 1.) Gott ist ewig; denn Er war immer, ist und wird immer seyn. 2.) Gott ist unveränderlich; denn Er war, ist und bleibt immer derselbe. 3.) Gott ist ein purer Geist; welcher den vollkommensten Verstand und besten Willen, aber keinen Leib bat. 4.) Gott ist höchst gütig, weil alles Gute, was Seine Geschöpfe haben von Ihm kommt. 5.) Gott ist allwissend; denn Er weiß alles, Er weiß auch das Verborgenste. 6.) Gott ist höchst weife; denn Er hat alles nach Seinem höchsten Verstande sehr gut angeordnet. 7.) Gott ist allmächtig; denn Er hat Himmel und Erde erschaffen, d. h. aus nichts hervorge: bracht; Ihm ist gar nichts unmöglich. 8.) Gott ist allgegenwärtig; Er ist überall zu gegen; Er ist im Himmel und auf Erden. 9.) Gott ist höchst wahrhaft und getreu; Er kann durchaus nichts llnwahres sagen und versprechen. 10.) Gott ist höchst heilig; Er liebet alles Gute, und verabscheuer alles Böse am meisten. 11.) Gott ist höchst gerecht; Er belohnet emig bas Eute, und bestrafet ewig das Böse. 245 12.) Gott ist höchst barmherzig, denn Er verzeihet uns unsere Sünden. F. Ist Gott nur einfach in der Prson? 2. Gott ist dreyfach in der Person und einfach in der Wesenheit. F. Wie heißen die drey göttlichen Personen? 2. Sie heißen: 1.) Der Vater. 2.) Der Sohn 3.) Der heilige Geist. Der Vater ist von Sich Selbst, der Sohn ist von dem Vater von Ewigkeit gezeugt, der heilige Geist geht vom Vater und Sohne zu= gleich von Ewigkeit aus. Dem Vater wird die Schö pfung, dem Sohne die Erlösung, dem heiligen Geiste unsere Heiligung besonders zugeeignet. Die se drei göttlichen Personen haben alle Eigenschaften Gottes mit einander gemein, d. h. Sie haben eine und dieselbe göttliche Natur und Wesenheit. F. Wie rennt man die drey göttlichen Personen zusammen? 2. Die drey göttlichen Personen zusammen nennt man die allerheiligste Dreyfaltigkeit, oder Dreyeinigkeit, oder den dreyeinigen Gott. F. Wie bekennt man den dreyeinigen Gott, oder die heiligste Dreyeinigkeit? 2. Man bekennt die allerheiligste Dreyeinig: keit durch das Zeichen des heiligen Kreuzes, indem man mit der rechten Hand die Stirne, den Mund und die Brust bezeichnet, und faget: Im Nahmen Gott des Vaters und des Sohnes † und des heil. Geistes † Umen. Von der Schöpfung. F. Wer hat alles erschaffen? A. Gott hat alles, Himmel und Erde, und 246 alles, was ist, erschaffen, d. h. aus Nichts hervorgebracht. F. Welche sind die vorzüglichsten Geschöpfe Gottes? 2. Die vorzüglichsten Geschöpfe Gottes sind die Engel und die Menschen. F. Was sind die Engel? 2. Die Engel sind pure Geister, welche Verstand und Willen, aber keine Leiber haben. F. Woraus besteht der Mensch? A. Der Mensch besteht aus einem Leibe und einer unsterblichen Seele, welche nach dem Eben, bilde Gottes erschaffen ist. F. Warum hat Gott die Menschen erschaffen? 2. Gott hat die Menschen erschaffen, damit sie Ihn ehren, lieben, anbethen, Ihm dienen, gehorsamen und selig werden. F. Sind die Menschen Gott immer gehorsam ge= blieben? 2. Schon die ersten Menschen, Adam and Eva, waren Gott ungehorsam, und haben im Paradieſe die Frucht eines Baumes gegessen, die ihnen Gott verbothen hatte, und haben dadurch gefündigt. F. Hat die Sünde allein den ersten Menschen ge= schadet? 2. Die erste Sünde hat nicht allein den ersten Menschen geschadet, sie hat auch uns geschadet, die wir von ihnen abstammen; sie ist auch auf uns übergegangen. F. Sind die Menschen auch wie die hoffärtigen Engel von Gott auf ewig verworfen worden? 2. Die Menschen sind nicht so wie die hof färtigen Engel auf ewig von Gott verstoßen wors den, sondern Er gab ihnen einen Erlöser, und Dieser ist JEsus Christus. 217 Von dem zweyten Glaubensartikel. F. Wie lautet der zweyte Glaubensartikel? A. Der zweyte Glaubensartikel lautet: Und an Jesum Christum, Seinen eingebornen Sohn, unsern 5Errn. F. Wer ist Jesus Christus? A. JEsus Christus ist der eingeborne Sohn Gottes des Vaters, von Ewigkeit von Ihm ge zeugt; Er ist die zweyte göttliche Person; Er ist wahrer Gott. F. Warum heißt Er JEsus, und warum Christus? 2. Er heißt JEfus, weil Er unser Heiland ist; und Er heißt Christus, weil Er der Gefalbte Gottes ist. F. Warum heißt Er unser HErr? 2. Er ist unser HErr, weil Er uns durch Sein Blut aus der Sclaverey des Satans, Sich erkauft hat. Von dem dritten Glaubens artikel. F. Wie lautet der dritte Glaubensartikel? 2. Der dritte Glaubensartikel lautet: Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren aus Muria der Jungfrau. F. Welche göttliche Person ist vom Himmel her abgekommen? 2. Die zweyte göttliche Person ist vom Hims mel herabgekommen, um die Menschen von ihren Sünden zu erlösen, und diese Person ist JEsus Chriftus unser HErr. F. Auf welche wunderbare Weise geschah dieses? 2. JEsus Christus ist durch die Wirkung des beiligen Geistes Mensch geworden, und aus 248 Maria, einer unb efleckten Jungfrau, in Bethlehem geboren worden. Deßwegen wird auch MÁria mit Recht die Mutter Gottes genannt. Von dem vierten Glaubensartikel. Fie lautet der vierte Glaubensartikel? A. Der vierte Glaubensartikel lautet: Gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben. F. Warum hat Jesus Christus gelitten? A. JEsus Christus hat den schmählichsten Tod am Kreuze gelitten, um uns von unseren. Sünden zu erlösen. F. Konnte Jesus Christus leiden? A. JEfus Christus konnte leiden, weil Er auch Mensch war. F. Konnte Er uns auch von der Sünde und dem. ewigen Tode erlöſen? 2. Er konnte uns von der Sünde und dem ewigen Tode erlösen, weil Er zugleich Gott war. Von dem fünften Glaubensartikel. F. Wie lautet der fünfte Glaubensartikel? 2. Der fünfte Glaubensartikel lautet: Wb= gestiegen zu der Sölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten. F. Wer stieg in die Vorhölle hinab? 2. Die Seele JEsu vereinigt mit der Gottheit stieg in die Vorhölle hinab, wo die Altväter und jene frommen Seelen waren, die auf Seine Erlöfung harreten; indeß Sein heiligster Leichnam vereinigt mit der Gottheit im Grabe ruhte. F. Wann und durch wessen Kraft stand JEsus Christus von den Todten auf? 249 2. Um dritten Tage vereinigte sich die Seele wieder mit dem Leibe, und JEsus Christus stand aus Eigener Kraft aus dem Grabe auf. Von dem sechsten Glaubensartikel. F. Wie lautet der sechste Glaubensartikel? 2. Er lautet: Uufgefahren in den Simmel, fitzet zur Rechten Gottes, des allmächs tigen Vaters. F. Wann ist Jesus in den Himmel aufgefahren? 21. 2m vierzigsten Tage nach Seiner Auferstehung ist JEsus auf dem Delberge in Gegenwart Seiner Jünger in den Himmel aufgefahren. F. Was heißt das: JEsus sizet zur Rechten Gots tes, des allmächtigen Vaters? 2. Es heißt: JEsus ist in der Glorie Seines Vaters, erhöht über alle Geschöpfe, im Besitze der höchsten Gewalt und Herrlichkeit. Von dem siebenten Glaubensartikel. F. Wie lautet der siebente Glaubensartikel? 2. Der siebente Glaubensartikel lautet: Von Sannen Er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. F. Wird JEsus Christus einst wiederkommen? 2. Er wird einst am jüngsten Tage als Gott und Mensch, sichtbar für alle Menschen von dem Himmel herabkommen, und wird Gericht halten. über alle Menschen. F. Wie wird JEsus die Menschen richten? 2. Er wird die Guten in dem Himmel ewig belohnen, und die Bösen in der Hölle ewig bes strafen. 250 Von dem achten Glaubensartikel. F. Wie lautet der achte Glaubensartikel? 2. Der achte Glaubensartikel lautet: Ich glaube an den heiligen Geist. F. Wer ist der heilige Geist? 2. Der heilige Geist ist die dritte göttliche Person; Er geht von dem Vater und dem Sohne zugleich von Ewigkeit aus; Er ist wahrer Gott, und muß von uns angebethet werden, F. Wo heiliget uns der heilige Geist? 2. Er heiliget uns besonders in den sieben heiligen Sacramenten, und durch Seine sieben Gaben. F. Welche sind die sieben Gaben des heiligen Geistes? 2. Die sieben Gaben des heiligen Geistes find folgende: 1.) Die Gabe der Weisheit. 2.) Die Gabe des Verstandes. 3.) Des Rathes. 4.) Der Stärke. 5.) Der Wissenschaft. 6.) Der Gottseligkeit. 7.) Der Furcht des HErrn. Von dem neunten Glaubensartikel. F. Wie lautet der neunte Glaubensartikel? 2. Der neunte Glaubensartikel lautet: Line heilige, allgemeine, christliche Kirche, Ges meinschaft der Seiligen. F. Was ist die Eine, heilige, allgemeine, chrift: liche Kirche? 2. Die Eine, heilige, allgemeine, christliche Kirche ist die sichtbare Versammlung aller rechts gläubigen Christen unter einem sichtbaren Oberhaupte, dem römischen Papste, welche einerley Leh: re bekennen, und einerley Sacramente gebrauchen, und von rechtmäßigen Bischöfen regieret werden. 251 F. Ben hat denn Jesus Christus zum wirklichen Oberhaupte Seiner Kirche bestellt? A. JEsus Christus hat den heiligen Petrus zum wirklichen Oberhaupte Seiner Kirche bestellt: und weil der heilige Petrus in Rom lebte und starb, so ist der römische Bischof, oder der Papst, der wahre Nachfolger des heiligen Petrus, und also der wahre Statthalter JEsu Christi auf Erden. F. Welcher Mensch ist also in der wahren Kirche Gottes? 2. Nur derjenige ist in der wahren Kirche Gottes, welcher sich der Leitung des wahren Oberhauptes unterwirft, und alles glaubt, was ihm die Lehrer der Kirche, nähmlich die Bischöfe mit dem Papste vereinigt, als Lehre Gottes zu glauben vorstellen. F. Wer ist aber ein Irrgläubiger? 2. Derjenige ist ein Irrgläubiger, welcher die wahre Kirche nicht hören will; oder wie die heiligen Väter sagen:» Derjenige hat Gott nicht zum Bater, der die Kirche nicht zur Mutter hat.« F. Was für eine Gemeinschaft haben die rechtgläubigen Christen auf Erden unter einander? 2. Sie haben unter einander Gemeinschaft, wie die Glieder eines Leibes. Ein jeder Rechtgläubige nimmt Theil an den geistlichen Gütern der übrigen Rechtgläubigen. F. Haben wir auch mit den Heiligen im Himmel eine Gemeinschaft? A. Wir haben auch mit den Heiligen im Him mel eine Gemeinschaft. Die Heiligen im Himmel bitten nähmlich für uns bey Gott, indeß wir 252 auf Erden sie verehren, und um ihre Fürbitte anrufen. F. Haben wir auch mit den armen Seelen im Fegefeuer eine Gemeinschaft? 2. Ja; denn die armen Seelen im Fegefeuer erhalten durch unser Gebeth und unsere guten Werke Hülfe, und sie bitten wieder aus Dankbar: keit und Liebe für uns ben Gott. Von dem zehnten Glaubensartikel. F. Wie lautet der zehnte Glaubensartikel? 2. Der zehnte Glaubensartikel lautet: Ab: laß der Sünden. F. Wem hat Jesus Christus Gewalt gegeben die Sünden nachzulaffen? A. JEsus Christus hat einen Aposteln Ge walt gegeben die Sünden nachzulaffen. F. Wer sind die Nachfolger der Apostel? 2. Die Nachfolger der Apostel sind die Bischö fe, und ihre Gebülfen die Priester. Diese allein haben also die Gewalt Sünden nachzulaffen. Von dem eilften Glaubensartikel, F. Wie lautet der eilfte Glaubensartikel? 2. Der eilfte Glaubensartikel lautet: Auf erstehung des Fleisches. F. Wann werden alle Menschen von Todten auferstehen? A. Am jüngsten Tage werden alle Menschen mit ihren Leibern aus den Gräbern auferstehen. Die Seelen werden sich mit den Leibern, von welchen sie durch den Tod getrennt waren, wietet vereinigen. 253 8. Warum werden die Menschen mit ihren Leibern auferstehen? 2. Die Menschen werden mit ihren Leibern auferstehen, damit sie mit denselben entweder ewig belohnet, oder ewig bestrafet werden. Von dem zwölften Glaubensartikel. F. Wie lautet der zwölfte Glaubensartikel? 2. Der zwölfte Glaubensartikel lautet: Und ein ewiges Leben. Umen. F. Wie vielfach ist das ewige Leben? A. Es ist zweyfach: ein ewig feliges, und ein ewig unglückseliges Leben. Das ewig selige Leben besteht in der Anschauung Gottes, und in den Freuden des Himmels, was eigentlich allein das ewige Leben heißt. Das ewig unglückselige Leben besteht in den Peinen der Hölle, welche die Teus fel und die Gottlosen wegen ihrer Sünden leiden müssen, und welches eigentlich kein ewiges Leben, sondern ein ewiger Tod ist. F. Was bedeutet hier das Wörtlein: Umen? 2. Das Wörtlein: Amen, bedeutet, daß wir fest und unbezweifelt alles glauben, was in dem gangen apostolischen Glaubensbekenntnisse enthalten ist. II. Von der christlichen hoffnung. F. Ist es zur Seligkeit genug, daß man nur chriftlich glaube? 2. Es ist zur Seligkeit nicht genug, daß man nur glaube, was Gott geoffenbaret hat; man muß auch chriftlich hoffen. 15 254 F. Was ist die chriftliche Hoffnung? U. Die christliche Hoffnung ist eine von Gott eingegoffene, übernatürliche Tugend, durch wel che ein Christ mit sicherem Vertrauen von Gott das ewige Leben, und die Mittel, folches zu er langen, erwartet, weil Er, der höchst wahrhafte und getreue Gott, es ihm versprochen hat. F. Bodurch wird die chriftliche Hoffnung geübt? 2. Die christliche Hoffnung wird hauptsächlich durch das Gebeth geübt. F. In welchem Gebethe ist denn alles enthalten, um was wir bitten sollen? 2. Alles, um was wir bitten sollen, ist im Vater unser enthalten, welches uns JEsus Chri stus gelehret hat; darum es auch das Gebeth des HErrn genannt wird. F. Wie lautet das Vater unser? 2. Es lautet also: Vater unser, Der Du bist im Himmel! geheiliget werde Dein Nahme; zukomme uns Dein Reich; Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot; und vergib uns unsere Schulden, als auch wir vergeben unseren Schuldigern; und führe uns nicht in Versuchung; sondern er löse uns von dem Uebel. Amen. 8. Woraus befteht das Bater unser? 2. Es besteht aus einer Vorrede und sieben Bitten. F. Warum sagen wir in der Vorrede: Vater unser? 21. Wir sagen in der Vorrede: Vater unser, 255 weil Gott unfer Vater ist, indem wir durch JEfum Christum Kinder Gottes geworden sind. Die: fes mahnet uns auch, daß wir mit kindlichem Vers trauen uns Gott nähern können, indem wir Ihn Unsern Vater nennen dürfen. F. Warum sagen wir: Der Du bist im Simmel? 2. Wir sagen es, weil, obschen Gott überall ist, Er dennoch besonders in dem Himmel wohnt, wo Er Sich Seinen Heiligen zu genießen gibt. F. Was enthält die erste Bitte? 2. Die erste Bitte enthält den Wunsch, daß die Erkenntniß, Ehre, Furcht und Liebe Gottes allenthalben vermehret werde. Gute Kinder wollen vor allem andern, daß ihr Vater geehret und gelobet werde; um so mehr also follen wir es ge= gen unfern himmlischen Vater wünschen. F. Was begehren wir in der zweyten Bitte? U. Wir begehren: 1.) daß die heilige Kirche, welche das Reich Gottes auf Erden ist, ausge= breitet und befestigt werde; 2.) daß sich das Reich der Gnade, welches die tugendhaften Menschen, und die wahren Verehrer Gottes sind, erweitere; 3.) daß Gott in uns die Tugenden vermehren, und uns in den Himmel aufnehmen wolle. F. Was verlangen wir in der dritten Bitte? A. In der dritten Bitte verlangen wir die Gnade von Gott, daß wir Seinen heiligsten Willen so auf Erden vollziehen möchten, wie ihn die Heiligen im Himmel vollziehen, und daß wir Gott niemahls durch eine Sünde beleidigen möchten. F. Was begehren wir in der vierten Bitte? 2. In der vierten Bitte begehren wir alles, 15* 256 was zur Erhaltung des Leibes und der Seele nothwendig ist, nähmlich: Speise und Kleidung, das Wort Gottes und die heiligen Sacramente, besonders aber das allerheiligste Sacrament des Altars. F. Was begehren wir durch die fünfte Bitte? 2. Wir begehren durch diese Bitte Verzei hung unserer Sünden, und versprechen, daß auch wir unsern Beleidigern verzeihen werden. F. Was verlangen wir in der sechsten Bitte? 2. Durch diese Bitte verlangen wir, daß wir durch den göttlichen Beystand gestärkt werden, damit wir den Versuchungen der Welt, des Flei sches und des Teufels nicht unterliegen. F. Mas bitten wir in der siebenten Bitte? A. Wir bitten Gott, daß Er uns von allen Ulebeln der Seele, besonders aber der Sünde, und von allen Mühseligkeiten des Leibes befreyen möchte, wenn diese nicht zu unserem Seelena heile sind. F. Was heißt hier das Wörtlein: Amen? 2. Amen heißt so viel als: es geschehe. F. Was bethet die heilige Kirche noch nebst dem Gebethe des HErrn? 2. Die heilige Kirche bethet noch den englis schen Gruß zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. F. Wie lautet der englische Gruß? 2. Er lautet also: Gegrüßet seyst Du, MAria! voll der Gnaden, der HErr ist mit Dir. Du bist gebenedeyet unter den Weibern, und gebenedeyet ist die Frucht Deines Leibes: JEsus. Heilige MÁ 257 ria, Mutter Gottes! bitt für uns arme Sünder jetzt, und in der Stunde unseres Absterbens. Amen. F. Aus welchen Theilen besteht der englische Gruß? 2. Der englische Gruß besteht aus drey Theis len. Die ersten Worte: Gegrüßet seyst Du, MAria! voll der Gnaden, der HErr ist mit Dir; Du bist gebenedeyet unter den Weibern;- find der Gruß des Erzengels Gabriel; dann folgt der Gruß der heiligen Elisabeth. Die heilige Elifabeth wiederhohlte nähmlich die letzten Worte des Erzengels: Gebenedeyet bist Du unter den Weis bern; und feßte noch hinzu: und gebenedeyet ist die Frucht Deines Leibes.- Die Worte: Heilige Maria! u. f. w. bis zum Ende, hat die heilige Kirche hinzugefeßt. F. Wer hat also den englischen Gruß uns gelehrt? 2. Der englische Gruß ist ein vom heiligen Geiste eingegebenes, und von der heiligen Kirche festgesetztes, sehr heilsames Gebeth. F. Un was erinnert uns der englische Gruß? 2. Er erinnert uns: 1.) Un die Menschwer dung des Sohnes Gottes. 2.) Wir bitten darin um die Fürbitte der mächtigsten Jungfrau Maria. 3.) Wir bekennen auch jene Glaubenswahrheit, daß MAria die Mutter Gottes sey. F. In welcher 3eit, wünscht die heilige Kirche, daß man den englischen Gruß bethen soll. 2. Die katholische Kirche wünscht, daß man Morgens, Mittags und Abends, wann zum Ge bethe geläutet wird, den englischen Gruß bethe. 258 III. Von der Liebe und den zehn Gebothen Gottes. F. Ist es für den katholischen Christen hinreichend, christlich zu glauben und zu hoffen? 2. Nein, er muß auch christlich lieben. F. Was ist die christliche Liebe? 2. Die christliche Liebe ist eine von Gott eingegoffene Tugend, durch welche wir Gott, weil Er das einzig wahre und höchste Gut ist, wegen Seiner Selbst, den nächsten aber wegen Gott lieben. - F. Wie viele Gebothe der Liebe gab uns JEsus Chriftus? 2. JEsus Christus, unser HErr, hat uns zwen Gebothe der Liebe gegeben, nähmlich: 1.) Du sollst den 5Errn, deinen Gottlie: ben aus ganzem Serzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe, und aus allen Kräf ten. Das andere aber ist diesem gleich: 2.) Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. In diesen zwey Gebothen besteht das ganze Gefeß und die Propheten. F. Wer liebet also Gott? 2. Derjenige liebet Gott, der diese zwey Ge: bothe der Liebe hält. Denn Christus sagt: Wer Meine Gebothe hat, und sie hält, der ist es, der Mich liebt.( Joh. 14, 21.) F. Wo sind die zwey Gebothe der Liebe ausführlicher enthalten? 2. Die zwey Gebothe der Liebe sind ausführ: licher in den zehn Gebothen Gottes enthalten. 259 F. Welches sind die zehn Gebothe Gottes? 2. Die zehn Gebothe Gottes sind folgende: 1.) Du sollst allein an Einen Gott glauben. 2.) Du sollst den Nahmen Gottes nicht eitel nennen. 3.) Du sollst den Feyertag heiligen. 4.) Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebest, und es dir wohlgehe auf Erden. 5.) Du sollst nicht tödten. 6.) Du sollst nicht unkeuschheit treiben. 7.) Du sollst nicht stehlen. 8.) Du sollst kein falsches Zeugniß geben wider deinen Nächsten. 9.) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hausfrau. 10.) Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut. F. Was enthalten die drei ersten Gebothe Gottes? 2. Die drey ersten Gebothe enthalten die Pflichten gegen Gott. F. Was enthalten die andern sieben Gebothe Gottes? 2. Die sieben andern enthalten die Pflichten gegen den nächsten. F. Was befiehlt das erste Geboth? 2. Das erste Geboth befiehlt an Einen Gott zu glauben, auf Ihn zu hoffen, Ihn zu lieben und Ihn anzubethen. 260 Was verbiethet das erste Geboth? 2. Es verbiethet den Unglauben, den Aber: glauben, die Abgötterey, Keßerey, Zauberey, Wahrsagerey, den Haß Gottes, und eine jede der Heiligkeit Gottes widersprechende Gottesver: ehrung. F. Ist es erlaubt, die Engel und Heiligen zu verehren? 2. Es ist erlaubt, weil wir ihnen keine gött: liche Ehre erweisen, sondern von ihnen( weil sie Freunde Gottes sind) nur ihre Fürbitte bey Gott verlangen. F. Ist es erlaubt, die heiligen Bilder zu verehren? 2. Die Verehrung der heiligen Bilder ist er: laubt, weil sich diese Verehrung nicht eigentlich auf das Bild, sondern auf das bezieht, was das durch vorgestellt wird. F. Ist es erlaubt, die Reliquien der Heiligen zu verehren? 2. Die Verehrung der Reliquien oder Ueber: bleibfel von den Körpern der Heiligen ist auch ers laubt, weil sich diese Verehrung auf Gott bezieht, Der in Seinen Heiligen verherrlicht wird. F. Was befiehlt das zweyte Geboth? 2. Es befiehlt den Rahmen Gottes ehrerbie: thig zu gebrauchen, Gott freymüthig zu bekennen, auzurufen, und Seine Ehre zu befördern. F. Was verbiethet es? 2. Es verbiethet das Fluchen, die Gotteslä sterung, den Meineid, und jeden Mißbrauch des göttlichen Nahmens. F. Was befiehlt das dritte Geboth? 2. Das dritte Geboth befiehlt an Sonn- und Feyertagen dem Gottesdienste beyzuwohnen, und gottfelige Werke zu verrichten. 261 F. Was verbiethet es? 2. Es verbiethet alle schweren Arbeiten ohne Noth und rechtmäßige Erlaubniß, welche die Rus he und die Andacht des Gott geheiligten Tages stören könnten. F. Was befiehlt das vierte Geboth? 21. Es befiehlt, daß wir jenen, von welchen wir nach Gott unser Leben empfangen haben, Ehrs erbiethigkeit, Gehorsam und Hülfe leisten sollen. Es befiehlt auch allen sowohl geistlichen als weltlichen Obrigkeiten zu gehorsamen, und ihr Unses hen in Ehren zu erhalten. F. Was wird im vierten Gebothe verbothen? 2. Es wird verbothen der Ungehorsam, Haß. Verachtung, Fluch und Spottworte gegen die Neltern und Obrigkeiten. F. Was wird im fünften Gebothe befohlen? 2. Es wird befohlen die Nächstenliebe, die Feindesliebe, der Friede und die Einigkeit, und das gute Beyspiel. F. Was verbiethet es? 2. Es verbiethet jede äußerliche Gewaltthätigkeit, den Todtschlag und jede andere Verlegung des Leibes des Nächsten. Es wird ferner auch der Haß, der Zorn, die Feindschaft, und jede Beleidigung des Nächsten verbothen. F. Was befiehlt das sechste Geboth? 2. Es befiehlt die Reinigkeit des Herzens in Gedanken, Worten und Werken, und die Vermeidung aller gefährlichen Gelegenheit. F. Was verbiethet es? 2. Es verbiethet alle unkeuschen Werke, Ges berden, Worte, die freywilligen unreinen Gedan 262 ken und Begierden, und alles, was zur Unkeuschheit verleitet. F. Was wird im siebenten Gebothe befohlen? 2. Es wird befohlen, jedem das Seinige zu lassen und zu geben, und allen zugefügten Schas den wieder gutzumachen. F. Was wird verbothen? 2. Es wird verbothen der Raub und Dieb: stahl, der Betrug, die Zurückhaltung des frem: den Gutes, der Wucher, unbillige Verträge, und jede Beschädigung des Nächsten an seinem Bermögen und an ſeinen Rechten. F. Was befiehlt das achte Geboth? 2. Es befiehlt die Aufrichtigkeit in allen un seren Reden und Handlungen, die Vertheidigung des guten Nahmens des Nächsten, und die Era feßung des gemachten Schadens an der Ehre. F. Was wird dadurch verbothen? 2. Es wird verbothen das falsche Zeugniß, die falsche Anklage, der Meineid, die Lüge, die Verleumdung, die Ehrabschneidung, der falsche Argwohn, die Lästerung und das Ohrenblasen. F. Bas wird im neunten und zehnten Gebothe befohlen? 2. Es wird befohlen die Reinigkeit des Her zens, und die Bezähmung aller bösen Lüfte. F. Was wird durch sie verbothen? 2. Es wird verbothen jede freywillige Begiers de nach einem fremden Weibe oder einem fremden Gute. F. Was lehren uns noch ferner die zwey legten Gebothe? 2. Diese zwey Gebothe lehren uns, daß wir auch unsere Begierden bezähmen müssen, und daß 263 Gett, Der in unser Herz sieht, auch die verborgensten Begierden desselben richten wird. F. Gibt es für uns Christen außer den zchn Ge= bothen Gottes keine anderen Gebothe mehr? 2. Es gibt außer den zehn Gebothen Gottes noch andere Gebothe, nähmlich die Gebothe der Kirche. F. Warum ist ein Christ schuldig, die Kirchengebothe zu halten? 2. Er ist schuldig die Kirchengebothe zu halten, weil die heilige Kirche von Gott die Gewalt hat, Gesetze zu geben; und weil sie unsere Mutter ist, welcher wir als ihre Kinder den pünctlichsten Gehorsam schuldig sind. F. Wie viele Kirchengebothe zählt man gewöhnlich? A. Man zählt gewöhnlich fünf Kirchengebothe. Sie lauten also: 1.) Du sollst die gebothenen Feyertage halten. 2.) Du sollst die heilige Messe an Sonn- und Feyertagen mit gebührender Undacht hören. 3.) Du sollst die gebothenen Fasttage halten, als die vierzigtägige Fa sten, die Quatemberzeiten, und andere gebothene Fasttage. Auch sollst du dich an Freytagen und Samstagen vom Fleischessen enthalten. 4.) Du sollst deine Sünden dem verordneten Priester jährlich zum wenigsten Ein Mahl beichten, und um 264 die österliche Zeit das hochwürdigste Sacrament des Altars empfangen. 5.) Du sollst an verbothenen Zei ten keine Hochzeit halten Von der Gnade. F. Was hat Gott denjenigen verheißen, die Seine Gebothe halten? 2. Gott hat denjenigen, die Seine Gebothe halten, das ewige Leben verheißen. Willst du zum Leben eingehen, heißt es in der heiligen Schrift, so halte die Gebothe. Matth. 19, 17. F. Kann der Mensch ohne die Gnade Gottes die Gebothe halten? 2. Der Mensch kann ohne die Gnade Gottes die Gebothe nicht halten. Ohne Mich könnet ihr nichts thun, sagt JEfus. Joh. 15, 5. Unser Vermögen ist aus Gott. 2. Cor. 3, 5. F. Was muß also der Christ glauben, daß zur Seligkeit nothwendig ist. 2. Ein katholischer Christ muß glauben, daß die Gnade Gottes zur Seligkeit nothwendig ist, und daß kein Mensch ohne die Gnade Gottes etwas Verdienstliches zum ewigen Leben wirken könne. F. Was ist denn also die Gnade Gottes? 2. Die Gnade Gottes ist eine innerliche übers natürliche Gabe, welche Gott den Menschen ohne ihr Verdienst verleihet. F. Welches sind denn die Hauptquellen, durch wela che uns Christen die Gnaden Gottes zufließen? 2. Die Hauptquellen, durch welche uns Chris ften die Gnaden Gottes zufließen, sind die sieben heiligen Sacramente. 265 IV. Von den heiligen Sacramenten. F. Was ist ein Sacrament? 2. Ein Sacrament ist ein sichtbares Zeis chen der unsichtbaren Gnade, von Jesu Christo Selbst eingesetzt. Wir sehen dabey etwas Neußeres; das Unsichtbare, das Geistige emá. pfangen wir. Wir sehen z. B. das Wasser bey der Taufe, aber die Gnade( nähmlich die Nachlaffung der Erbfünde) sehen wir nicht. F. Wie viel gibt es heilige Sacramente, und wie heißen sie? 2. Es gibt sieben heilige Sacramente, und diese sind: 1.) Die Taufe. 2.) Die Firmung. 3.) Das Sacrament des Altars. 4.) Die Buße. 5.) Die letzte Oelung. 6.) Die Priesterweihe. 7.) Die Ehe. F. Warum muß man die heiligen Sacramente hochj in Ehren halten? 2. Man muß die heiligen Sacramente hoch in Ehren halten, weil sie von Christo Selbst eingesetzt sind, und weil sie die Quellen sind, durch welche uns die heiligmachenden Gnaden zufließen. Von dem Sacramente der Taufe. & Was ist die heilige Zaufe? 2. Die heilige Taufe ist das erste und zur Seligkeit nothwendigste Sacrament, ( ohne welches kein Mensch selig werden kann,) in welchem der Mensch durch das Wasser und das Wort Gottes von der Erbsünde und allen andern Sünden, die er etwa vor der Taufe begangen hat, gereiniget, und 266 in Christo JEfu als ein neues Geschöpf zum ewigen Leben wiedergeboren, und zur Kindschaft Gottes angenommen wird. F. Wer kann taufen? 2. Im Nothfalle kann jeder Mensch taufen. F. Wie taufet man? 2. Man begießt die Person, die getauft wer: den soll, mit natürlichem Wasser auf das Haupt, und spricht dabey zugleich die Worte: Ich taufe dich im Nahmen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen.. Von dem Sacramente der Firmung. F. Was ist die Firmung? 2. Die Firmung ist ein Sacrament, in welchem der getaufte Mensch durch den hei ligen Chrysam, mit welchem er auf der Stirne ge: falbet wird, und durch das göttliche Wort, wel ches der Bischof über ihn spricht, indem er ihm die Hände auflegt, von dem heiligen Geiste in Gnas den gestärkt wird, damit er seinen Glauben standhaft bekenne, und nach solchem lebe. Von dem Sacramente des Altars. F. Was ist das Sacrament des Altars? 2. Das Sacrament des Altars ist das allerheiligste Sacrament, es ist der wahre Leib, und das wahre Blut unsers Errn JEfu Christi unter den Gestalten des Bro tes und Weines. F. Was ist von diesem Sacramente besonders zu merken? 21. Von diesem Sacramente ist besonders zu merken: 267 1.) Daß, wenn der Priester die von JEfu Christo eingesetzten heiligen Worte über das Brot und den Wein gesprochen hat, das Brot nicht mehr Brot ist, sondern der wahre Leib JEsu Christi, der Wein nicht mehr Wein, sondern das wahre Blut JEfu Chrifti. 2.) Man muß diefes Sacrament anbethen, weil JEsus Christus als Gott und Mensch in Dem= felben wie im Himmel lebendig gegenwärtig ist. 3) Man ist schuldig, diefes Sacrament zu empfangen, weil Es JEsus Christus als eine Speise eingesetzt hat, um uns zum ewigen Leben zu nähren. Die heilige Kirche wünscht, daß Es ihre Kinder öfter empfangen möchten, weil Es ihre Seelen geistig stärkt, und zum ewigen Leben nähret. - 4.) Wer dieses Sacrament empfängt, und sich einer schweren Sünde bewußt ist, ist sich seineVerdammniß, und macht sich des Leibes und Blutes Jesu Christi schuldig. 1. Cor.11. 5.) Man muß vor dem Genusfe dieses hoch: heiligen Sacramentes ganz nüchtern feyn. F. Warum heißt dieses Sacrament das Sacrament des Ultars? 2. Es heißt das Sacrament des Altars, weil auf dem Altare bey der heiligen Messe die Wandlung geschieht, wodurch JEsus Christus in der Gestalt des Brotes und des Weines ge: genwärtig wird. Von der heiligen Messe. F. Was ist denn die heilige Messe? 2. Die heilige Miesse ist das unblutige 268 Opfer des neuen Bundes; das immerwäh rende Denkmahl des blutigen Opfers, Wel ches Jesus Christus am Kreuze dargebracht hat. F. Wem wird dieses allerheiligste Opfer dargebracht? 2. Dem allmächtigen Vater wird der Leib und das Blut Seines Sohnes auf dem Altare dargebracht. g. Wie geschieht denn dieses Opfer? 2. Es geschieht auf eine unblutige, unsichts bare, aber wirkliche Weise. F. Unter welchen Gestalten, und wie ist JEsus Christus auf dem Altare nach der Wandlung gegenwärtig? 2. Der Leib Christi ist unter der Gestalt des Brotes, das Blut unter der Gestalt des Weines gegenwärtig; jedoch ist JEsus Christus unter ei ner jeden Gestalt ganz und ungetheilt, und in jes dem, auch dem kleinsten Theile zugegen. F. Warum ist das Opfer der heiligen Messe eingesetzt? 2. Es ist zum Andenken des Leidens Christi eingeseßt; das Opfer, Welches JEsus am Cal varienberge blutiger Weise vollbracht hat, wird jedes Mahl erneuert, so oft eine heilige Messe gelesen wird, jedoch unblutiger Weise. Von dem Sacramente der Buße. F. Was ist das Sacrament der Buße? 2. Das heilige Sacrament der Buße ist ein Sacrament, in welchem der dazu verord nete Priester an Gottes Statt dem Sünder die nach der Taufe begangenen Sünden nach läßt, wenn er sie reumüthig und vollständig beichtet, und den ernstlichen Willen hat, sich zu bessern, und wahre Buße zu wirken. 269 F. Was wird zur wahren Buße erfordert? 2. Zur wahren Buße wird erfordert: 1.) Die Erforschung des Gewissens. 2.) Die Reue und Leid. 3.) Der ernstliche Vorfaß. 4.) Die Beicht. 5.) Die Genugthuung. F. Wie muß die Erforschung des Gewissens bes schaffen seyn? 2. Sie muß über alle Gedanken, Begierden, Worte, Werke, die Zahl und die wesentliche Ulm= stände der schweren Sünden angestellet werden. F. Wie muß die Reue und Leid beschaffen seyn? 2. Sie muß übernatürlich seyn, das heißt, aus übernatürlichen Beweggründen hervorgehen, als da sind: weil man die Hölle verdient und den Himmel verloren; oder weil man Gott, das höchs ste Gut, beleidigt hat. F. Besteht die Neue und Leid in einer schmerzlichen Empfindung? 2. Die Reue und Leid besteht nicht nothwen: dig in einer schmerzlichen Empfindung, sondern sie besteht nothwendig in einem übernatürlichen Abscheu vor der Sünde, den man daraus erkennt, daß man entweder aus Liebe oder aus Furcht ges gen Gott nicht wollte gefündiget haben, und fer= nerhin nicht fündigen will. F. Wie erwecket man Reue und Leid? 2. Man erwecket die Reue und Leid mit fol genden Worten: Ich bereue von ganzem Herzen alle meine Sünden, weil ich durch sie Gott mein höchstes Gut und meinen ewigen Richter, beleidiget habe. F. Wie muß der Vorsag beschaffen seyn? 16 270 2. Er muß so beschaffen seyn, daß man sich aufrichtig bessern, und auch jede nächste Gelegen heit zur Sünde meiden will. F. Wie muß die Beicht selbst beschaffen seyn? U. Die Beicht oder das Bekenntniß der Sün den muß aufrichtig, vollständig und mit ehrbaren Worten geschehen. F. Wann ist die Beicht ein Gottesraub? 2. Wenn der Sünder in der Beicht aus Furcht oder Schamhaftigkeit eine schwere Sünde ver schweigt; denn eine solche Beicht ist ungültig, und er begeht eine neue schwere Sünde, oder einen Gottesraub, weil er das heilige Sacrament entheiliget. F. Wie oft soll man beichten? 2. Man soll öfters beichten, weil man öfters fündiget; weil auch das öftere Beichten wider die Gefahren der Sünde den Menschen bewahret, und die Reinigkeit des Gewissens befördert. F. Was ist die Genugthuung? 2. Die Genugthuung ist eine zeitliche Strafe für die Sünden. Sie geschieht durch Bethen, Fas sten, Almosengeben, und andere Bußwerke. F. Was ist der Ablaß? U. Der Ablaß ist die Nachlassung der zeitli chen Strafen, welche wir nach verziehener Schuld der Sünde im gegenwärtigen Leben oder nach dem Tede zu leiden hätten. F. Was wird erfordert, um einen Ablaß zu gewinnen? 2 Um Ablässe zu gewinnen, muß man: 1.) Im Stande der Gnade seyn. 2.) Die vorgeschrie benen Bedingnisse genau erfüllen. 271 Von der leßten Delung. 8. Was ist die lette Delung? 2. Die letzte Gelung ist ein Sacrament, in welchem der Kranke durch die Salbung mit dem heiligen Oele, und durch das vor geschriebene Gebeth des Priesters die Gnade Gottes zur Wohlfahrt der Seele, und öfters auch des Leibes empfängt. F. Warum soll ein Kranket sie ja nicht versäumen? 2. Der Kranke soll sie nicht versäumen wegen der vielen Gnaden, die er dadurch erlangt. F. Was wirket die lette Delung? 2. Sie wirket: 1.) Die Vermehrung der hei ligmachenden Gnade. 2.) Die Nachlaffung der läßlichen und auch jener schweren Sünden, welche der Sünder nicht beichten konnte, oder zu beich: ten vergessen hat. 3.) Die Befreyung von den Folgen der Sünde. 4.) Stärke wider die Versuchungen. 5.) Hülfe wider die Angst des Todes. 6.) Defters auch die leibliche Gesundheit." Von dem Sacramente der Pries sterweibe.. F. Was ist das Sacrament der Priesterweihe? 2. Das Sacrament der Priesterweihe ist ein Sacrament, wodurch denen, die zu Priestern geweihet werden, die Gewalt sowohl in den wahren Leib Jesu Christi, als auch in den geistlichen Leib Efu Christi, welchen die Gläubigen ausmachen, ertheilet wird. F. Was für eine Gewalt bekommen die Priester durch das heilige Sacrament der Weihe? 2. Die Priester bekommen die Gewalt: 16* 272 1.) Brot und Wein in den wahren Leib und in das wahre Blut unsers HErrn JEfu Chrifti zu verwandeln. 2.) Den Gläubigen die Sünden nachzulassen. Von dem heiligen Sacramente der Ehe. F. Was ist das Sacrament der Ehe? 2. Das Sacrament der Ehe ist eine une auflösliche Verbindung, durch welche zwey ledige christliche Personen, Mann und Weib, sich ordentlicher Weise verheirathen, damit ihnen Gott durch dieses Sas crament die Gnade gebe, in ihrem Ehestande bis in den Tod gottfelig zu verharren, und ihre Kinder christlich zu erziehen. F. Was müssen jene thun, welche in den heiligen Ehestand zu treten Willens sind? 2. Sie müssen sich die eheliche Treue, nach vorhergegangener, dreymahliger Verkündigung, in Gegenwart zweyer Zeugen, vor ihrem eigenen Pfarrer versprechen und sich einfegnen laffen. F. Welches sind die Pflichten der Eheleute gegen einander? 2. Die Pflichten der Eheleute gegen einans der sind: 1.) Daß sie friedlich und christlich mit einan der leben. 2) Daß der Mann sein Weib wie feinen ei: genen Leib liebe, nähre und schüße; das Weib aber dem Manne in billigen Sachen gehorsam sey. 3.) Daß Keines das Andere in Trübfalen vers laffe, sondern beyde treu bis in den Tod beysam: men bleiben. 273 4.) Daß sie ihre Kinder christlich erziehen, und für ihr ewiges und zeitliches Wohl sorgen. F. Was die Frucht der Gnaden, die einem kathoz lischen Christen aus den heiligen Sacramenten zufließen? 2. Die Frucht der Gnaden, welche einem fatholischen Christen aus den heiligen Sacramen ten zufließen, ist die christliche Gerechtigkeit. V. Von der christlichen Gerechtigkeit. F. Ist es schon zur Seligkeit genug, daß wir alles wissen und glauben, was bisher gelehret worden? A. Nein, es ist nicht genug, wir müssen auch die christliche Gerechtigkeit wirken, denn so spricht der heilige Johannes: Wer die Gerechtigkeit thut, ist gerecht; wer aber die Sünde thut, ist aus dem Satan. F. Worin besteht die chriftliche Gerechtigkeit? A. Die christliche Gerechtigkeit besteht darin, daß man: das Böse meide, und das Gute thue. Von dem Bösen. F. Was ist denn das Böse? 2. Das Böse ist die Sünde. F. Was ist die Sünde? 2. Die Sünde ist eine freywillige llebertre: tung des göttlichen Gesetzes. F. Wie vielfach ist die Sünde? 2. Sie ist zweyfach, nähmlich: 1.) Die Erb fünde. 2.) Die wirkliche Sünde. F. Was ist die Erbsünde? A. Die Erbfünde ist jene Günde, welche Adam im Paradiese, und wir in ihm begangen, und die wir von ihm geerbet haben. 16** 274 F. Wo wird die Erbsünbe nachgelassen? 2. Die Erbsünde wird in der heiligen Taufe nachgelassen. F. Was ist die wirkliche Sünde? 2. Die wirkliche Sünde ist eine freywillige Ulebertretung des göttlichen Gesetzes, nachdem man schon zum Gebrauche seiner Vernunft gekommen ist; sie wird begangen mit Gedanken, Worten und Werken, und mit Unterlassung dessen, was man zu thun schuldig ist. F. Was ist die Todsünde? 2. Die Todsünde ist eine schwere llebertretung des göttlichen Gesetzes. Durch sie wird der Mensch der heiligmachenden Gnade ganz beraubt, er wird ein Feind Gottes, und des ewigen Todes schul dig. Sie ist das größte Ulebel, weil sie uns Gott, das größte Gut, raubt, und die ewige Verdammniß nach sich zieht. F. Was ist eine läßliche Sünde? 2. Eine läßliche Sünde ist eine geringe Uleber: tretung des göttlichen Gefeßes. F. Wie werden die Sünden eingetheilt? 2. Sie werden eingetheilt in die sieben Sauptfünden, in die sechs Sünden gegen den hei ligen Geist, in die vier himmelschrevenden Sünden, und in die neun fremden Sünden. F. Welches sind die sieben Sauptsünden? 2. Die sieben Hauptsünden, aus denen die andern entspringen, sind: 1.) Hoffart. 2) Geiß. 3.) Unkeuschheit. 4.) Neid. 5.) Fraß und Völlerey. 6.) Zorn. 7.) Trägheit. F. Welche sind die Sünden gegen den heiligen Geist? U. 1.) Bermesfentlich auf Gottes Barmher 275 zigkeit sündigen. 2.) An Gottes Gnade verzweifeln. 3.) Der erkannten christlichen Wahrheit widerstreben. 4.) Seinem Nächsten die göttliche Gnade mißgönnen und ihn darum beneiden. 5.) Wider heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben. 6.) In der Unbußfertigkeit vorfeßlich verharren. F. Welche sind die vier himmelschreyenden Sünden? 2. 1.) Der vorsetzliche Todschlag. 2.) Die stumme oder sodomitische Sünde. 3.) Die Unterdrückung der Armen, Witwen und Waisen. 4.) Den verdienten Liedlohn den Arbeitern und Tag= löhnern vorenthalten und entziehen. F. Welche sind die neun fremden Sünden? 2. 1.) Zur Sünde rathen. 2.) Andere heißen fündigen. 3) In Underer Sünden einwilligen. 4.) Andere zur Sünde reißen. 5.) Underer Sünden loben. 6.) Zur Sünde stillschweigen. 7.) Die Sünden nicht strafen. 8.) 2n denselben Theil nehmen. 9.) Diefelben vertheidigen. Von dem Guten.. F. Was ist das Gute? A. Das Gute ist alles das, was dem göttlichen Gefeße gemäß ist. Dem göttlichen Gesetze find aber die christlichen Tugenden und guten Werke gemäß. I. Von der christlichen Zugend. F. Was ist denn die christliche Zugend? U. Die christliche Tugend ist eine Gabe, wel che Gott der Seele mit der heiligmachenden Gnade eingießt, um den Willen des Menschen zu solchen Handlungen geneigt zu machen, welche 276 dem Gefeße JEfu Christi gemäß, und des ewigen Lebens würdig sind. F. Wie vielfach sind die christlichen Zugenden? 2. Zweyfach: Die göttlichen und die sittli chen Tugenden. F. Welche sind die göttlichen Tugenden? 2. Die göttlichen Tugenden sind jene, wel che Gott zum unmittelbaren Beweggrund haben, nähmlich: 1.) Glaube. 2.) Hoffnung. 3.) Liebe. F. Ist der Christ schuldig, sich in den drey göttlichen Zugenden zu üben, und wann? 2. Er ist unter einer Todsünde schuldig, sich in den drey göttlichen Tugenden zu üben, und zwar: 1.) Wann er zum Gebrauche des Verstandes kommt. 2.) Defters im Leben. 3.) 3ur Zeit einer heftigen Versuchung wider diese Tugenden. 4.) In Lebensgefahr und auf dem Todbette. F. Wie kann man kurz und gut diese drey göttlichen Zugenden erwecken? 2. Man kann diese drey göttlichen Tugenden auf folgende kurze Weise erwecken: 1.) Mein Gott! ich glaube alles fest, was Du durch Deine heilige katholische Kirche uns geoffenbaret hast, weil Du die ewige Wahrheit bist. 2.) Mein Gott! ich hoffe von Dir die ewige Seligkeit, weil Du sie mir versprochen hast, Der Du in Deinem 277 Versprechen höchst wahrhaft und getreu bist. 3.) Mein Gott! ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen über alles, und bereue aus dieser Liebe zu Dir alle meine Sünden, weil Du das einzig wahre und liebenswürdigste Gut bist. Man erwecket auch die göttliche Liebe, wenn man alle feine Gedanken, Worte und Werke dem lieben Gott aufopfert mit dem kurzen aber schö nen Sprüchlein: Gott zu Lieb. F. Belche sind die sittlichen Tugenden eines Christen? 2. Die sittlichen Tugenden eines Christen sind jene, welche Gott zu einem mittelbaren Beweggrund haben, und durch welche die Sitten des Christen so eingerichtet werden, daß sie Gott wohlgefällig sind. F. Welche sind unter den sittlichen Zugenden die vier Haupttugenden? U. Die vier Haupttugenden sind: 1.) Die Klugheit. 2.) Die Mäßigkeit. 3.) Die Gerechtigkeit. 4.) Die Starkmüthigkeit. F. Wie heißen die, den sieben Hauptsünden ent= gegengesegten sieben Zugenden? 2. Sie heißen: 1.) Die Demuth. 2.) Die Freygebigkeit. 3.) Die Keuschheit, 4.) Die Liebe. 5.) Die Mäßigkeit. 6.) Die Geduld. 7.) Der Eifer. F. Welche sind die Pflichten, welche JEsus Chris ftus besonders befohlen hat, und die auch zur christli= chen Gerechtigkeit gehören? 2. Diese sind folgende: 278 1.) Zuvörderst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen. 2.) Sich selbst verläugnen. 3) Sein Kreuz tragen. 4.) Christo nachfolgen. 5.) Sanftmüthig und demüthig seyn. 6.) Die Feinde lieben; denen wohlthun, die uns haffen; für die bethen, welche uns beleidigen und verfolgen. F. Welches sind die acht Zugenden, welche JEsus auf dem Berge gelehret hat? 2. Die acht Tugenden, welche Jesus Christus auf dem Berge gelehret, und wegen wel cher Er den Menschen die Eeligkeit versprochen hat, die daher auch die acht Seligkeiten heis Ben, sind folgende: 1.) Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich. 2.) Selig sind die Sanftmüthigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. 3.) Selig sind die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. 4.) Selig sind, die nach der Gerechtigkeit hungert und dürftet; denn sie werden gesättiget werden. 5.) Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 6.) Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen. 7.) Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. 8.) Selig sind, die um der Gerechtigkeit Wil: 279 len Verfolgung leiden; denn ihrer ist das Him: melreich. II. Von den guten Werken. 8. Sind die guten Werke zur Geligkeit nothwendig? A. Die guten Werke sind zur Seligkeit nothwendig; denn der Glaube ohne gute Werke ist todt. F. Kann der Mensch aus eigener Kraft gute und zum ewigen Leben verdienstliche Werke thun? 2. Solche gute Werke, die zur Seligkeit nothwendig und bey Gott verdienstlich sind, kann der Mensch nur mit dem Beystande Gottes thun, damit sie zum ewigen Leben verdienstlich seyen. F. Wie müssen die guten Werke beschaffen seyn? 2. Sie müssen: 1.) Im Stande der Gnade, 2.) freywillig, 3.) nicht bloß aus natürlichen, sondern aus übernatürlichen Beweggründen, vorzüglich wegen Gott verrichtet werden. F. Welche sind die vornehmsten guten Werke? 2. Die vornehmsten guten Werke sind: Bethen, Fasten, und Almofen geben. F. Was versteht man unter Ulmosengeben? 2. Unter Almofengeben versteht man alle, sowohl leiblichen als geistlichen Werke der Barmherzigkeit. F. Welche sind die leiblichen Werke der Barmherzigkeit? 2. Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind: 1.) Die Hungrigen speisen. 2.) Die Durstigen tränken. 280 3.) Die Fremden beherbergen. 4.) Die Nackten bekleiden. 5.) Die Kranken besuchen. 6.) Die Gefangenen erlösen. 7.) Die Todten begraben. F. Welches sind die geistlichen Werke der Barm herzigkeit? 2. Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit sind: 1.) Die Sünder bestrafen. 2.) Die Unwissenden belehren. 3.) Den Zweifelhaften recht rathen. 4.) Den Betrübten trösten. 5.) Das Unrecht mit Geduld leiden. 6.) Denen, die uns beleidigen, gern verzeihen. 7.) Für die Lebendigen und für die Todten Gott bitten. F. Welche guten Werke hat uns JEsus Christus als eine ganz besondere Vollkommenheit angerathen? 2. Die drey evangelischen Räthe, nähmlich: 1.) Die freywillige Armuth. 2.) Die ewige Keuschheit. 3.) Den beständigen Gehorsam unter einem geistlichen Obern. F. Was für ein Gedanke ist im Stande, dem Menschen die heilige Furcht Gottes so einzuflößen daß er die christliche Gerechtigkeit nicht mehr verlegt? 2. Der ernste Gedanke an die vier letzten Dinge. Gedenke, o Mensch! in allen deinen Werken der letzten Dinge, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen. 281 Anhang. Von den vier letzten Dingen. F. Welches sind die vier legten Dinge? 2. Die vier letzten Dinge sind: Der Tod, das Gericht, die Solle und das Simmelreich. F. Was ist der Tod? A. Der Tod ist eine Strafe der Sünde. Hät: ten die ersten Menschen im Paradiese nicht ge= fändiget, so wären wir auch dem Leibe nach unsterblich geblieben. F. Was folgt auf den Zod? 2. Gleich nach dem Tode wird JEsus Chriftus die Seele eines Jeden besonders richten: am Ende der Welt aber wird Er alle Menschen zus sammen mit Leib und Seele richten. F. Was folgt auf das Gericht? 2. Nach dem besondern Gerichte kommt die Seele entweder ins Fegfeuer, oder in die Hölle, oder in den Himmel. F. Was ist das Segfeuer? A. Das Fegfeuer ist der Ort, wo die Seelen zeitliche Strafen für jene Sünden leiden, welche sie im Leben nicht abgebüßt haben. F. Welche Seelen der Rechtgläubigen befinden sich im Fegefeuer? A. Jene Seelen, welche zwar in der Gnade Gottes gestorben sind, aber noch einige Unvollkommenheiten oder läßliche Sünden an sich ha ben, oder welche im Leben noch nicht hinlängliche Buße für ihre Sünden gewirkt haben, und deßwegen Peinen leiden, welche die Gerechtigkeit Gettes über sie bestimmt hat. 282 F. Wie kommt man den armen Seelen im Fegfeuer zu Hülfe? 2. Man kann ihnen zu Hülfe kommen: 1.) Durch das Gebeth. 2.) Durch das heilige Meßopfer. 3.) Durch andere gute Werke. F. Was ist die Hölle? 2. Die Hölle ist der unglückselige Ort, wo die Verdammten ewig gepeiniget werden.- Der: jenige kommt hinein, der in einer Todsünde stirbt. Was ist der Himmel? Basi Der Himmel ist der glückselige Aufenthalt der Heiligen, wo Sich Gott Selbst Seinen getreuen Dienern ewig zu genießen gibt.- Ders jenige kommt in den Himmel, welcher in der Gnade Gottes stirbt. F. A. Pleas Von dem allein seligmachenden Glauben und der allein seligmachenden Kirche. I. Nur Eine Religion ist die wahre. So lange die Welt steht, hat es immer an allen 1. Orten Religion, Gottesdienst, Priester, Opfer und Gott geweihte Derter gegeben. Bey jedem Volke in der ganzen Welt hat man, seit die Welt steht, immer eine tiefe Ehrfurcht vor der Gottheit bemerkt; hingegen hat man immer solche Menschen, die von der Religion, vom Gottesdienste, von Opfern nichts wissen wollten, als wahrhaft verabscheuungswürdige Menschen angesehen, und sie daher gotts lose Menschen, d. h. Menschen ohne Gott genannt. 2. Was geschah aber? Als die Menschen nach und nach immer mehr und mehr den Lastern, und bes fonders der Unkeuschheit sich ergaben, so überließ sie der heiligste Gott aus gerechter Strafe ihren eigenen Einbildungen und Gedanken, so wie der Weltapostel Paulus spricht:» Sie gaben sich für Weise aus, und sind Thoren geworden. Sie verwandelten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in Bildnisse vergänglicher Menschen, Vögel vierfüßiger und kriechender Thiere." Sie erfannen sich Religionen nach dem Verlangen ihrer verdorbenen Herzen, die aus einem Haufen von Albernheiten, Aberglauben und Irrthümern bestanden. Daher kam es, daß so viele Menschen irregeführt wur= den, und nur daher, nähmlich aus den Lastern der Menschen und ihrem gottlosen Stolze entstanden die vielen falschen Religionen in der Welt. 3. Wer nun sagt, daß vor Gottes Augen alle Re- 284 ligionen in der Welt gut sind, und daß man in einer jeden Religion selig werden könne, der weiß weder was Gott, noch was die Religion ist. Es gibt einen Gott, also gibt es auch eine Religion. Es gibt nur Einen einwahren gibt es wahre Steligion, wey Menschen, die sich in einer und der nähme lichen Sache widersprechen, können doch nicht beyde Recht haben, also können auch zwey einander widersprechende Religionen nicht beyde zugleich wahr seyn. Alle die vieLen Religionen auf der Welt widersprechen einander selbst in den wichtigsten Dingen: also kann unter ihnen allen nur Eine Religion die wahre seyn. 4. Gott ist immer und an allen Orten, immer und für alle Menschen derselbe, unveränderliche Gott, und Welcher immer dieselbe Wahrheit redet, und nie lügen oder betriegen kann. Gott kann also auch an allen Orten und zu allen Zeiten nur immer dasselbe reden, was wahr ist, und muß an allen Orten und zu allen Zeiten immer alle Lügen und alle Irrthümer verwerfen und verabscheuen. Es kann also unmöglich beydes wahr seyn, daß man z. B. in der türkischen Religion den Muhamed für den großen Propheten Gottes, und in der christlichen Keligion für ein Werkzeug des Satans hält; es kann unmöglich beydes wahr seyn, daß man in der katholischen Religion den Papst für den Stellvertreter JEsu Chrifti, und in einer andern Religion denselben Papst für den Antichrist hält, und der Gott der Wahrheit kann doch nicht wollen, daß die einen Menschen das, und die andern Menschen gerade das Entgegengesegle glauben und für wahr halten. - 5. Gott ist der Allerheiligste und der Allerweiseste; folglich kann er die Lafter und Thorheiten der Menschen nicht gutheißen. Wenn also Gott alle Religionen gutheißen würde, so müßte Er haben wollen, daß ich unter den Gößendienern als ein Gößendiener, unter den Zürken als ein Zürke, unter den Juden als ein Jude, unter den Christen als ein Christ leben soll. So etwas von dem allerheiligsten Gott zu denken, ist schrecklicher als an gar keinen Gott zu glauben, weil es die abscheulichste Ent heiligung des allerheiligsten und allerweisesten Gottes ift. II. Diese Eine wahre Religion ist die Religion JEsu Christi. 285 1. Gott ist überall und zu allen Zeiten derselbe Gott, und Gott fordert überall, und von allen Menschen dies felbe Verehrung. Gott kann nur durch eine Religion ge= ehrt werden, die ganz wahr, ganz heilig und also Seiner ganz würdig ist. Diese Eine, wahre und heilige Religion muß uns von Ihm Seibst gegeben seyn; denn die ewige Gottheit erkennet Niemand, als Gott allein, und dem Er es offenbaren will; denn» Gott wohnt in einem unzugangbaren Lichte.« Darum ist auch Niemand der Weg, die Wahrheit und das Leben, als Gott allein, und darum wandelten auch alle Menschen so lange in der Finsterniß, bis das Licht, nähmlich das Wort, kam, Welches vom Anfange bey Gott, und Gott Selbst war,-» und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt.« Sein allerheiligster Nahme ist JEsus Chris stus, der Sohn des lebendigen Gottes. 2. Gott hat kein Mensch jemahls gesehen; der eins geborne Sohn, Der im Schooße des Vaters ist, Dieser war's, der Ihn( den himmlischen Bater) uns zu erken= nen gab. Wer von oben herabkommt, er ist über Ulle. Wer aber von der Erde kommt, der ist irdisch und redet wie ein Irdischer. Wer aber vom Himmet herunterkommt, Der ist über Ulle. Darum sprach JEsus Christus Selbst zu den Scharen der Juden:» Ich nehme kein Zeugniß von einem Menschen, sondern Ich sag' es nur, damit ihr gerettet werdet. Die Thaten, die Ich wirklich thue, geben mir Zeugniß, daß Mich der Vater gefandt hat. Ihr aber habet weder Seine Stimme je gehört, noch je Ihn von Angesicht gesehen. Wer Meine Lehre befolget, der wird inne werden, daß sie aus Gott ist." ( Joh. Ev.) 3. Und die Welt ist inne geworden, daß die Lehre JEfu Chrifti aus Gott, d. h. daß JEsus Christus Selbst der ewige Sohn des ewigen Baters, und Seine Religion - - 286 die einzig wahre, heilige, allein seligmachende sey, als am heiligen Pfingstfeste der heilige Geist in Gestalt feuriger Zungen über die kleine Zahl Seiner getreuen Apostel kam. Da treten plößlich zwölf einfache und ungez lehrte Fischerleute muthig vor das gesammte Judenvolk, und predigen, daß JEsus Christus, der gekreuzigte, vers spottete, wie ein Mörder hingerichtete JEsus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes sey, und von den Zodten auferstanden, nun in dem Himmel throne, in Dessen Nahmen allein Vergebung der Sünden zu hoffen ist; daß, wer da glaube und sich taufen lasse, selig werde, wer aber nicht glaubt, werde verdammt werden, vor Dessen Richterstuhl einstens alle Menschen, Könige und Bettler werden zu erscheinen haben. und sehet, was geschieht?- Die ganze prachtvolle mächtige Heidenwelt stürzt vor diesen zwölf Fischern zus sammen; alles fällt nieder und bethet den Gekreuzigten an, und das Kreuz JEsu Christi wird in der ganzen Welt aufgepflanzt! In der That, kaum beginnt der Apostelfürst Petrus seine erste Predigt, und schon stürzen Tausende zu seinen Füßen, und rufen: was sollen wir thun, um das ewige Leben zu erlangen? Der Ruf dieser apostolischen Posaune erfüllet den Erdkreis, bie Synagogen, die Rathsversammlungen, die Lehranstalten, die Schriftgelehrten, die Hohenpriester und die mächtigen Beherrscher der Welt, alles ergrimmt und vereinigt sich, um dieses Werk der zwölf armen Fischerleute gu zerstören; da erscheint Petrus zu Rom, der ges bildetsten Stadt und Beherrscherinn der Welt, und pres digt vor Nero, dem stolzesten Tyrannen; dieser verbies thet bey Todesstrafe, Petrum, diesen Fremdling, zu hören; aber umsonst wüthen Könige und Völker wider JEsum, den Gesalbten des lebendigen Gottes,- JEsus wird selbst am Hof des Nero angebethet! Man wirft die Apostel in Ketten und Bande, man verurtheilt sie zur peinlichsten Tortur und zu entseglichen Martern, man taucht sie in siedendes Del, man zerreißt sie, man durchbohrt sie mit tanzen, sie werden lebendig geschunden und sie gehen für JEsum mit Freuden in den grausam - 287 ften Zod, dieß einzige Ziel ihrer Wünsche, und ihres glühenden Verlangens; aber sehet, gerade dieses Blut wird ein Same, der über der ganzen Erde Tausende von Christen erweckt! Troß der Wuth der Tyrannen durch dreyhundert Jahre, sah man die gelehrtesten und edelsten Menschen sich für JEsum Christum den Gekreuzigten freudig erklären, und mit Aufopferung ihres Blutes freudig es bekennen, daß die Lehre der zwölf Fischerleute wahr und göttlich sey. Endlich sah man Kaiser und Könige, Senatoren und heidnische Oberpriester, vornehme Frauen, Königreiche und Kaiserthümer JEfum den Gekreuzigten anbethen, und an die unergründlichen Geheimnisse Seiner Religion glauben, einer Religion, bie einen gekreuzigten Gott predigt, und das Fleisch mit allen seinen Gelüsten zu kreuzigen befiehlt; einer Neligion, die mit dem ewigen furchtbaren Feuer droht; einer Religion, die sich die einzig wahre, heilige, allein feligmachende Religion nennt: einer Religion, die unsere Feinde une zu lieben gebiethet, die gänzliche Unterwürfigkeit des Verstandes fordert. Und dennoch alles beuget den stotzen Sinn und glaubet. kann nur das Werk des allmächtigen Gottes, das kann Sehet, das nur die Religion des Gottmenschen Jesu Christi, das kann nur das Werk des heiligen Geistes, das kann nur das Werk des dreyeinigen Gottes, das kann einzig nur die Eine, wahre, heilige, allein seligmachende Religion seyn! 4. Wie verblendet sind also ene stolzen Menschen unserer Zeit, die an einer Religion zu zweifeln wagen, welche Gott durch so viele Weissagungen und Wunder bestätiget hat, die so viele ruhmgekrönte Menschen mit ihrem Blute besiegelt, die so viele tiefdenkende Geister behauptet, die so viele Fürsten und angesehene Perſonen angenommen, die so viele Völker und Helden mit ihrem Leben vertheidiget haben! - Wahrlich, die Wahrheit der christlichen Religion ist so klar, daß man mit dem königlichen Propheten David auszurufen genöthiget wird:» Deine Zeugnisse( o Gott!) find überaus glaubwürdig!« Aber obwohl das Licht des heiligen Glaubens heller wie die Sonne leuchtet, so bleibt 288 dennoch der heilige Glaube auf immer dunkel für diejes nigen, welche das Göttliche nur nach ihren niedrigen Leidenschaften und thierischem Sinn beurtheilen. Darum fagt die heilige Schrift:» Der thierische Mensch versteht diejenigen Dinge nicht, die von dem Geiste Gottes find; denn sie sind ihm eine Thorheit, und er vermag nimmermehr sie zu erfassen.«( 1. Cor. 2.) III. Der einzig wahre Grund des Glaubens ist, daß der Glaube von Gott kommt, Welcher die ewige Wahrheit ist. 1. Nimmermehr erfasset der Mensch, der von der Erde ist, aus eigener Kraft seines Verstandes dasjenige, was himmlisch ist. Darum nennt der heilige Apostel Pau lus den Glauben eine Gabe Gottes, weil er weder durch irgend eine Wissenschaft, oder ein Buch, oder durch ein noch so langes und tiefes Nachgrübeln erlanget wird. Der Glaube ist ein Licht, weil er uns mit untrüglicher Klarheit jene Wahrheiten zeigt, welche uns Gott geoffen: baret hat. Er ist ein übernatürliches Licht, weil man nicht durch irgend eine natürliche Kraft: nicht durch Studium, nicht durch Lesen, nicht durch Gespräch mit andern noch so gescheidten Menschen, nicht durch Disputiren zum Glauben gelangen kann, und weil dieser Glaube Wahrheiten enthält, die ganz allen unsern Menschenverstand so weit übertreffen, so weit der Himmel über der Erde erhaben ist, und weil wir aus gar keinem andern Grunde diese Wahrheiten glauben, als blos deßhalb, weil die ewige Wahrheit, Gott Selbst, sie geoffenbaret hat, wit mögen sie nun verstehen oder nicht. 2. Solche Menschen, die also bloß das in der Re ligion glauben, was sie zu sehen oder zu verstehen meis nen, solche Menschen, die bloß einem gedruckten Buche oder einem Menschen bloß auf sein Wort glauben, solche Menschen haben keinen wahren, gottgefälligen, seligmachenden Glauben, weil sie nicht glauben aus dem einzigen wahren Grunde, der allein da macht, daß unser 289 Glaube ein wahrer göttlicher Glaube ist, nähmlich darum: weil es die ewige Wahrheit, der allein untrügliche Gott Selbst gesagt hat. Wie bin ich aber versichert, daß Gott zu mir redet? IV. Der wahre Glaube ist der, welchen der heilige Petrus mit den Aposteln ge lehret hat. 1. Ich bin versichert, daß Gott zu mir redet, wenn ich jene höre, die Gott eingesetzt hat, daß ich sie hören foll. Gott hat aber im Unfange der Zeiten durch die Patriarchen, durch Moyses und die Propheten zu den Men= schen gesprochen; als aber die Fülle der Zeiten kam, hat Er mit uns durch Seinen eingebornen Sohn Selbst ge= sprochen, Den Er zum Erben aller Dinge einsette, und durch Den Er die Welt erschuf; Dieser war es, Dem Er aus einer Wolke das Zeugniß gab:» Das ist mein geliebter Sohn, Den sollt ihr hören.« Bevor aber unser HErr JEsus Christus dorthin ging, woher Er gekommen war, um Besitz zu nehmen von der Herrlichkeit, die Er bey dem Vater hatte, ehedem die Welt war, sprach Er zu Seinen zwölf geliebten Jüngern, die Er zu Seinen Uposteln Sich erwählte:» Ich verlasse euch nicht wie Waisen. bleibe bey euch bis an das Ende der Welt. Ich Ich will euch den Tröster, den heiligen Geist senden, Derselbe wird euch alles lehren. Gehet hin, lehret alle Völker, und taufet sie im Nahmen des Vaters Lehret sie alles halten, was Ich euch befohlen habe. Ich bleibe bey euch bis an das Ende der Welt.- Wer da glaubet und getauft ist, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.-Nehmet hin den heiligen Geist, denen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und denen ihr sie vorbehaltet, denen sollen fie vorbehalten bleiben. Wer euch höret, der höret Mich, wer euch verachtet, der verachtet Mich. Wie Mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch." Und zu 1 17 - - - 290 Petrus, einem aus diesen Zwölfen, sprach Er:» Du bist Petrus,( d. i. ein Felsenmann,) und auf diesen Felsen will Ich Meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen; und dir will Ich die Schlüs sel des Himmelreichs geben, und was du auf Erden lösen wirft, das soll auch im Himmel gelöset seyn, und was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden seyn; weide Meine Lämmer- weide Meine Schafe." Und zu Allen sprach Er wieder:» Daran wird man erkennen, daß ihr Meine Jünger seyd, wenn ihr euch unter einander liebet, so wie Jch euch geliebet habe.« 3u Seinem himmlischen Vater aber bethete Er:» Heiz lige sie in der Wahrheit. Deine Rede ist Wahrheit. Wie Du Mich in die Welt gesandt hast, so sandte ich sie in die Welt.- Ich bitte aber nicht nur für sie allein, son: dern auch für jene, die durch ihre Reden an mich glauben werden, auf daß sie alle Eins sind, wie Du, o Vater! in Mir und Ich in Dir, auf daß sie Alle in uns Eins find, damit die Welt glaube, daß Du Mich gesandt hast. Ich habe ihnen die Klarheit gegeben, die Du Mir gegeben haft, auf daß sie alle Eins sind, so wie wir Eins find.«< Matthäus 10, 40-16, 18. Joh. 14, 16-26.- 17, 11-26. Marc. 16, 15-16. - - 2. Wie verblendet und boßhaft müßte nicht derjenige seyn, der in diesen klaren und gewichtigen Worten SJEsu Chrifti es nicht erkennen sollte, daß unser HErr JEsus Christus, bever Er uns noch verließ, Seine göttliche Gewalt Seinen zwölf getreuen Aposteln übergeben habe; daß Er dem heiligen Petrus auf eine ausgezeichnete und ganz besondere Weise die göttliche Gewalt übergeben, und ihn statt Seiner zum Oberhirten aller Seiner Schafe eingeseßt habe. Daß Er ferner es rollte, und es auch vom himmlischen Vater Sich erbath, daß dieselben zwölf Upostel einig in der Wahrheit und in der Liebe unter einander verharren, und daß selbst jene, die durch sie an Ihn glauben werden, mit ihnen in einer unzertrennten Einigkeit verbleiben, und so ein wahrhaftes aber geistliches Reich Gottes auf Erden bilden möchten, wetches dauern sollte bis an das Ende der Tage, regieret 291 durch den heiligen Geist; bei dem auch Er Selbst zu bleiben versprach bis an das Ende der Welt, und das felbst die Pforten der Hölle zu überwältigen nicht wer= den im Stande seyn. Dieses geistliche Reich JEſu Christi wird in der heiligen Schrift die Kirche Gottes genannt, von der JEsus Christus Selbst spricht:» Wer aber die Kirche nicht höret, den achte gleich einem Heiden und öffentlichen Sünder;« das ist, eben jene Kirche, von welcher der Weltapostel spricht, daß sie eine Säule und Grundfeste der Wahrheit sey. V. er wahre Glaube ist derjenige, wel en der römische Papst mit den katho lischen Bischöfen lehret. 1. Soll aber das Reich JEsu Christi, das Er mit Seinem Blute errichtet hat, bis an das Ende der Tage fiegreich gegen alle Pforten der Hölle bestehen, so muß es jest im 19. Jahrhunderte gerade dasselbe Reich seyn, welches Er vor 18 Jahrhunderten Selbst errichtet hat. Also muß es auch jest noch im 19. Jahrhunderte wahre Nachfolger der Apostel JEfu Christi und einen wahren Nachfolger des hei ligen Petrus haben, und es muß auch jest in der Einheit der Wahrheit und der Liebe eben so unverändert schön und unfehlbar besteben, so wie es damahls bestand, als es unser HErr JEsus Christus Selbst auf Erden errichtet hat. Aber unter allen geistlichen Reichen oder Kirchen auf Erden gibt es keine einzige, welche sich rühmen könnte, wahre Nachfolger der Apostel JEfu Chrifti, und zugleich einen wahren Nachfolger des heiligen Pe= trus zu haben, als einzig die römische, katholische, apostolische Kirche.- Denn, wo lebte, wo lehrte, wo verblutete Petrus, dieser Felsenmann! sein toftbares Leben als in Rom? wo ruht die heilige Asche dieses Fürsten der Apostel JEsu Christi, als in 17* - 292 Rom? wo ist also der wahre Nachfolger Petri, dieses Felsenmannes, dem die Schlüssel des Himmels übergeben sind?- nirgends anders, als in Rom! 2. Die Geschichte beweiset es klar, daß die gesammte rechtgläubige Christenheit immer nur den römischen Bischof für den wahren Nachfolger des heiligen Petrus hielt. Noch bey Lebzeiten des heiligen Johannes des Evange listen schlichtet: schon der heilige Elemens, der dritte Nachfolger des heiligen Petrus auf dem apostolischen Stuhle zu Rom, die Streitsache der Corinther, da doch der hei lige Johannes der Evangelist zu Ephesus war, und die Corinther also den Streit viel kürzer durch diesen Apostel, der die Kirchen Asiens regierte, hätten schlichten können, wenn sie nicht den Clemens zu Rom als den wah ren Nachfolger des heiligen Petrus, und also als das Ol haupt der gesammten christlichen Kirche anerkannt hätten. Von den unmittelbaren Schülern der Apostel JEsu Christi hat man deutliche und echte schriftliche Nachrich ten, daß sie in wichtigen Angelegenheiten der Kirche die legte Entscheidung immer vom römischen Bischofe, als dem wahren Nachfolger des heiligen Petrus, verlangten. Dorthin reisete aus Asien sogar ein heiliger Polycarpus, Schüler des heiligen Johannes, wegen der Streitfrage über die Osterfeyer;- dorthin begab sich ein heiliger Frenäus in wichtigen Angelegenheiten der Kirche von Gallien;- dorthin wandte sich ein heiliger Cyprianu, ein heiliger Athanasius, ein heiliger Chrysostomus. Und was spricht ein heiliger Augustinus von Rom? Er spricht: » Von Rom ist das Sendschreiben gekommen, Streit ist geendigt.« Selbst die ältesten ersten allgemei nen Kirchenversammlungen haben von Rom aus ihre Bestätigung verlangt, und die dritte allgemeine Kirchen versammlung nennt Gölestinum I., den damahligen Bi schof von Rcm, den Vater der allgemeinen Kirchenver fammlung. Ja es stimmen alle allgemeinen Kirchenvers sammlungen, alle heiligen Väter aus der ganzen recht gläubigen Christenheit überein, daß in Rom der wahr Nachfolger des heiligen Petrus seinen apoftolischen Sit hat; und daß dieser jedesmahlige Nachfolger des heilige der 293 Petrus und Bischof von Rom mit eben derselben Gcwalt die Kirche Gottes zu regieren ausgerüstet ſey, als es der heilige Petrus selbst war. 3. Diese wahren Nachfolger des heiligen Petrus folgen nun einander in ununterbrochener Aufeinanderfolge, vom Tode des heiligen Petrus an bis auf den jest lebenden Papst Gregorius XVI, Niemahls ist diese wahre Nachfolge unterbrochen worden, nie ist dieser heilige Stuhl Petri, auch mitten unter den größten Stürmen der Zeit und den gewaltigsten Umwälzungen aller Reiche jemahls unterge= gangen; ja sogar, je mehr sich der Weltgeist mit aller seiner Macht u..d Schlauheit, je mehr sich der Geist der Spaltung und der Keßereyen wider diesen heiligen Stuhl Petri erhob, und ihn zu stürzen suchte, defto glänzender nur und siegreicher erschien er in allen Jahrhunderten: auf daß alle Welt fonnenklar es erkenne, daß der HErr JEsus Christus Seine wahre Kirche auf Petrus gebaut hat, unerschütterlich bis an's Ende der Welt, so wie Er Selbst es versprach, als Er sagte: » Du bist Petrus, auf dir will Ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.« 4. Auf gleiche Urt, so wie die Bischöfe von Rom ( oder Päpste) wahre Nachfolger des heiligen Petrus sind, so sind auch die übrigen katholischen Bischöfe wahre Nachfolger der übrigen Apostel JEsu Christi. Denn wir lefen selbst in der heiligen Schrift, daß schon zu den Zeiten der Apostel andere fromme Männer zu demselben Apostelamte von ihnen gewählt und geweihet wurden. So weiheten sie den heiligen Paulus und Barnabas zum Upostelamte, wie es in der Upoftelgeschichte steht, indem sie fasteten und betheten, und ihnen die Hände auflegten. Der heilige Paulus weihete wieder den heiligen Zimotheus und Titus durch das Händeauflegen zum Apostelamte, und zu den Kel= testen von Ephesus spricht er:» Gebet Ucht auf euch und die ganze Herde, über welche euch der heilige Geist als Bischöfe aufgestellt hat, die Kirche Gottes zu regieren, die Er mit Seinem Blute Sich erworben hat.« - 294 So wie also die Apostel ihre wahren Nachfolger einsegten und weiheten, so thaten es diese wieder, und weiheten und sehten wieder andere wahre Nachfolger ein, die man Bischöfe oder Hirten nannte; und auf diese Urt wurden die wahren Nachfolger der Apostel in den Bischöfen bis auf unsere Seiten fortgeseht und erhalten. 5. So sieht denn ein jedes aufrichtige Auge ohne Schalkheit und Falschheit, wo dann im neunzehnten Jahrhundert das wahre geistliche Reich JEsu Christi auf Erden anzutreffen sey, welches unser HErr und Meister auf Erden gründete. Nähmlich dort ist es, wo seit neunzehn Jahrhunderten die wahren Nachfolger des heiligen Petrus, und die wahren Nachfolger der heiligen Apostel in einer ununterbrochenen Aufeinanderfolge sich befinden, und wo man diese wahren Nachfolger der heiligen Upcstel mit dem wahren Nachfolger des heiligen Perrus indemselben Geiste der Wahrheit und der Liebe seit neunzehn Jahrhunderten immer vereinigt erblickt, in welchem Geiste der Wahrheit und der Liebe die heiligen Apostel JEfu Chrifti mit dem heiligen Petrus durch den Beystand des heiligen Geistes zu Einer heiligen Gesellschaft immer vereinigt waren. Aber wer sieht nicht auf der Stelle, daß auf dem ganzen Erdboden seit neunzehn Jahrhunderten, das ist, seit der Gründung des geistlichen Reis ches JEsu Christi auf Erden, die einzige römische, tatholische Kirche es ist, die in dem Papste oder dem römischen Bischofe den wahren Nachfolger des heiligen Petrus, und in ihren übrigen Bischöfen die wahren Nachfolger der übrigen heiligen Apostel erblickt, welche katholische Bischöfe mit dem römischen Papste noch immer seit neunzehn Jahrhunderten durch dasselbe heilige Band der Wahrheit und der Liebe vereinigt sind, welches die heiligen Apostel mit dem heiligen Petrus selbst verband. Ja dieses Band der heiligen Vereinigung, welches die Bischöfe mit dem Papste in Eins verbindet, ist das schönste, sicherste und glänzendste Zeichen des wahren geistlichen Reiches JEfu Christi, das ist: Seiner Einen und wahren Kirche, und Seiner immerwährenden wahren Apostel bis an das Ende der Welt. Daher sprach JEsus Christus zu allen 295 Seinen Aposteln:» Daran wird man erkennen, daß ihr Meine Jünger seyd, wenn ihr euch unter einander liebet.« Und zu Petro sprach Er besonders:» Ich aber habe für dich gebethen, daß dein Glaube nicht schwach werde, du stärke deine Brüder.« Und zum himmlischen Vater bethete Er, wie wir schon frühere Stellen anführten: » Auf daß sie Alle Eins seyen, wie wir Eins sind.«6. Sonnenklar ist es daher, daß selbst ein Bischof ,. der nicht mit dem Papste und den übrigen Bischöfen in der Wahrheit und in der Liebe vereinigt ist, entweder als ein Frrgläubiger oder ein Abtrünniger mit Recht angesehen wird. Und in der That sah man in der heiligen Kirche Gottes feit neunzehn Jahrhunderten immer nur jene Bischöfe als echte Nachfolger der heiligen Apostel an, welche mit dem wahren Nachfolger des heiligen Petrus, d. i. dem Papste, im Glauben und in der Liebe wahrhaft vereiniget waren; die Andern nannte man immer entweder Irrgläubige( Keßer) oder Abtrünnige( Schismatiker). Alle katholische Bischöfe mit dem römischen Papste vereinigt, machen also nur durch diese heilige Vereinigung Eine heilige Gesellschaft aus, die man: das apostos lische Lehramt, oder: die lehrende Kirche nennt, und von der unser HErr JEsus Christus sagt: » Wer die Kirche nicht höret, den halte für einen Heiden und öffentlichen Sünder.«» Ich bleibe ben euch bis an das Ende der Welt."-» Wer euch höret, der höret Mich, wer euch verachtet, der verachtet Mich. Dieſe lehrende Kirche ist es, von welcher der heilige Paulus schreibt, daß fie eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist, und daß sie gebaut ist auf den Grundfesten der Apostel und der Propheten, wovon JEsus Christus Selbst der Eckstein ist. Diese Kirche ist also die einzig wahre, die man hören soll, die in ihren Aussprüchen unfehlbar ist, und uns also nicht betriegen kann, weil die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen können, und weil JEsus Christus bey ihr bleibt bis an das Ende der Welt. Jener Mensch nur ist also ein wahrer Christ, und höret die unfehlbare Wahrheit Gottes, höret die wahre Lehre JEfu Chrifti, höret JEsum Christum Selbst noch immer durch Petrum (( 1 296 und Seine wahren Apostel reden, der den römi schen Papst und die mit Ihm vereinigten katholischen Bischöfe, d. t. die lehrende Kirche JEsu Chrifti, höret; wer anders denkt, wer anders lehrt, der ist ein Irr gläubiger, ein Keßer, weil er das einzig wahre, von JEsu Shrifto Selbst eingesette apostolische Lehramt verachtet. VI. Wie vernimmt aber selbst der einfäl tigste katholische Christ dieß hohe apo ftolische göttliche Lehramt? Der einfältigste katholische Christ hört entweder die Bischöfe selbst, oder einen katholischen Priester, als den Abgesandten seines Bischofes, das Evangelium JEsu Chrifti verkündigen. Höret der katholische Christ seinen Bischof, so höret er ihn als einen solchen, von dem er weiß, daß er im Glauben und in der Liebe mit dem Oberhaupte der Kirche, dem römischen Papste, und durch denselben mit den übrigen katholischen Bischöfen vereinigt ist, er höret also wirklich in seinem Bischof kein Menschenwort, sondern die wahre, unfehlbare Lehrende Kirche JEsu Chrifti, d. i. JEsum Christum Selbst. Höret der katholische Christ bloß seinen katholischen Priester das Evangelium JEfu Christi verkündigen, so höret er ihn als einen wahren Ubgesandten, oder als einen wahren Stellvertreter seines Bischofes, der also mit seinem Bischofe in der Lehre und in der Liebe vereinigt ist, und sieht also mit Recht in ihm die Person seines Bischofes. Würde ein katholischer Priester im Glauben irren, und seine Srrthümer predigen; so ist der katholische Christ versichert, daß der Bischof über seine Herde wachen, und sie von einem jeden Wolfe zu befreyen wissen wird. Sollte aber selbst der einzelne katholische Bischof irren, so weiß ein jeder katholische Christ, daß der römische Papst, als wahrer Nachfolger des heiligen Petrus, mit allen übrigen katholischen Bischöfen immer wachet, auf daß kein Irrthum in der Kirche Gottes Wurzel fasse. Und so wird immer das apostolische Lehramt entweder einen solchen Bischof zurechtweisen, oder ihn für seine Herde ganz unschädlich machen. 1 -w 297 So ist es denn also klar erwiesen, daß selbst der einfältigste katholische Christ gar keinem betrüglichen Menschenworte, sondern einzig dem untrüglichen le= bendigen Worte Gottes glaubt, welches durch das wahre, immer lebendige apostolische Lehramt an allen Orten, in allen Theilen der Welt, zu allen Zeiten seit neunzehn Jahrhunderten, in allen 3ungen und zu allen Völkern ertönet, wo es nur immer einen katholischen Bischof oder einen katholischen Priester gibt. VII. Wem glaubt der wahre katholische Christ nicht? 1. Nimmermehr glaubt also, auch selbst der einfältigste katholische Christ eine sogenannte unsicht= bare Kirche, welche nur in der Einbildung einiger schwärmerischen Köpfe besteht, die sich die Auserwählten Gettes, und die von dem heiligen Geiste Erleuchteten nennen, im Grunde aber nur ihren abergläubischen Träumereyen oder ihren halsstärrigen Köpfen folgen. 2. Nimmermehr glaubt auch der einfältigste katho= lische Christ irgend einem Buche, und wenn es auch das allergescheidtefte wäre, weil er weiß, daß es ein bloß betrügliches Menschenwort ist, und wenn der katholische Christ der Bibel glaubt, so glaubt er nur deßwegen, daß dieses gedruckte Buch ein heiliges, ein göttliches, von dem heiligen Geiste Selbst geschriebenes Buch sen, weil es ihm die Eine, lebendige, feit neunzehn Jahrhunderten untrügliche, apostolische, heilige, katholische Kirche sagt: daß dieses Buch wirklich die Bibel sey. Der katholische Christ nimmt also die Bibel nur aus den Händen seines katholischen Bischofes, oder seines katholischen Priesters an, von denen er weiß, daß sie im Glauben und in der Liebe mit dem römischen Papste und mit den übrigen katholischen Bischöfen vereinigt sind;-nur mit ihrer geistlichen Erlaubniß lies't er die Bibel, die sie untersucht haben, und für die Eine, wahre, unverfälschte, katholische Bibel erkennen, und einer andern Bibel traut - - 298 er durchaus nicht, und wenn sie auch noch so einen katholischen Zitel hätte, und recht schön geschrieben wäre, weil er nur zu gut weiß, daß nicht alles schon deßwegen wahr ist, weil's gedruckt ist, oder weil's Viele so meinen. Ja eben, weil allein auch der einfältigste katholische Christ es recht gut weiß, welches denn die Eine wahre, unverfälschte Bibel, das Eine, wahre, geschriebene Wort Gottes ist, so hat der wahre, katholische Christ so viel Ehrfurcht vor der heiligen Bibel, daß er sich ja nicht getraut, das, was er in der heiligen Bibel liest, selbst zu erklären, auszulegen, und sich dann einzubilden, es recht zu verste= hen; denn er weiß nur zu gut, weil das, was in der heiligen Bibel steht, kein Menschenwort, sondern das Wort des lebendigen Gottes Selbst ist, daß eben deßwegen auch kein einziger Mensch das Recht habe, die heilige Bibel eigenmächtig und nach seinem Einne zu erklären und auszulegen, da allein zur katholischen Kirche in ihren Bischöfen und deren wahren Abgesandten, den katholischen Priestern, JEsus Christus ge= sprochen hat:» Gehet hin, und lehret alle Völker.« 3. Der wahre katholische Christ trauet auch daher in Glaubenslehren nimmermehr seinem eigenen Verstand und Urtheil, und wenn er auch noch so gescheidt wäre; er verläßt sich ja nicht auf seine eigenen Grundsäge und Meinungen, und wenn sie auch noch so schön wären; er trauet durchaus nicht irgend einem Lehrer, der nicht von der Einen und wahren Kirche Gottes gesandt ist, ja er höret ihn gar nicht an; er läßt sich nimmermehr von solchen Menschen verführen, die, weil sie beffer( NB. besonders in Wirthshäus sern) disputiren und Undere überschreyen können, durch ihre Scheingründe und ihren blendenden Wie sich vor andern schwachen Menschen ein Ansehen geben, und den heiligen Glauben lächerlich machen;- sondern der wahre katholische Christ, ganz versichert und gewiß, daß nur er den einzig wahren Glauben des lebendigen Gottes habe, fliehet die Gesellschaft der Gottlosen, und verachtet ihre Weisheit, die vor Gott eine Thorheit ist. 299 4. Der wahre katholische Christ glaubt also nimmermehr eitlen Menschenworten, nimmermehr falschen Lehrern, nimmermehr dem eigenen Verstande, nimmermehr einem bloßen Buche, nimmermehr einem sogenannten innern Geiste, sondern: er glaubt allein dem heiligen Geiste, Der durch die lehrende Kirche JEsu Christi, das ist: durch den Papst und die Bischöfe, zu ihm spricht, und also ihn auf keinen Fall je betriegen kann. Das allein ist der wahre Grund des christlichen Glaubens, und der katholische Christ ist es also einzig allein, der einen wahren unerschütterlichen Grund seines heiligen Glaubens angeben kann, mithin ist auch kein Glaube weiser und vernünftiger, als der Glaube eines katholischen Christen. Und wer immer einen andern Grund legt, der baut nicht auf die wahren Apostel, nicht auf den wahren Eckstein JEsum Christum, der hat einen falschen Glauben, eine falsche Lehre, die JEsus Christus nicht gelehret, welche die Apostel JEsu Christi nicht geprediget haben, er ist ein Irrgläubiger, ein Blinder, der in den Schatten des Zodes sigt, ausgeschlossen von dem Reiche JEfu Chrifti; denn nur die Wahrheit macht selig, der Irrthum aber führt zum Untergang!- VIII. Der katholische Glaube ist der allein seligmachende Glaube. JEsus Christus ist allein der Weg, die Wahrheit und das Leben, und von Ihm predigt Petrus, daß Er einzig allein es ist, in Dem wir Heil finden können. JEsus Christus Selbst aber drohet denjenigen, die Seinen Aposteln nicht glauben, die ewige Verdammniß, indem Er, bevor Er noch in den Himmel fuhr, zu Seinen geliebten Aposteln sprach:» Gehet hin in die ganze Welt, und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der - 300 wird verdammt werden." Wer also den wahren Uposteln nicht glaubt, der glaubet JEsu Christo nicht er macht also JEsum Christum zu einem Lügner; er trennet Jesum Christum, weil er nicht die ganze Lehre JEfu Chrifti, weil er nicht den Aposteln JEsu Christi, und ihren wahren Nachfolgern, weil er nicht der Einen wahren Kirche JEsu Christi glaubet. Er ist daher ein wahrer Feind JEsu Christi, und nach dem eigenen Ausspruche des heiligen Johannes des Evangelisten, ein wahrer Antichrist, der keinen Theil hat an dem ewigen Leben, sondern der schon gerichtet ist, weil er nicht wahrhaft glaubet an JEsum Chriftum, den Sohn des lebendigen Gottes, Der ihm durch Seine wahren Abgesandten verkündigt wird. So wie also der heilige katholische Glaube der einzig wahre ist, so ist auch er nur der allein seligmachende Glaube. Darum spricht der große heilige Cyprianus:» Sie( die Irrgläubigen und Abtrünnigen) mögen immerhin in Feuer und Flammen( für ihre Religion) brennen, sie mögen den wilden Thieren vorgeworfen werden, fie können getödtet, aber nicht gekrönet werden.«» Die heilige Kirche ist der Leib Christi, wer vom Leibe abgeschnitten ist, hat kein Leben mehr.«» Der kann Gott nicht zum Vater haben, der die Kirche( Seine Braut) nicht zur Mutter hat."( Cyp. de unitate.) - IX. Widerlegung gewiffer Irrthümer un serer Zeit. Wer alles das, was wir bisher gesagt haben, mit einem aufrichtigen Herzen und ohne Leidenschaft reiflich erwäget, dem muß es hell und klar einleuchten, wie falsch, gottlos und höchst verderblich die, schon selbst unter den ungebildet'sten Menschen verbreiteten Irrthümer und Grundsäge unserer Zeiten sind. Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man zu fagen sich erfrecht:» Wenn ich nur nach meinem Gewissen handle, ob ich dann ein Chrift oder ein Türk bin, 301 das gilt gleich." Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man sagt:» Ich kann in einer jeden Religion ein rechtschaffener Mensch seyn, und also in einer jeden Religion selig werden, man muß also einem Seden glauben lassen, was er will."- Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man zu sagen sich erkühnt: » Wenn nur Ein Glaube selig machte, so müßten ja die meisten Menschen verdammt werden, was kön= nen aber denn die dafür?« Wie falsch und gottlos ist es nicht, wenn man sagt:» Ein Jeder soll fein bleiben in dem Glauben, in dem er geboren ist; der seine Religion wechselt, auf den halt ich nichts." - 175 MRA 5 - Oder Gottlosigkeit und Blindheit unserer Zeit, die vom Vater der Lügen, dem Satan, verführet, solche Lügen und Gotteslästerungen zu sagen sich erfrecht! Heißt es nicht die Apostel JEsu Christi, und also JEsum Christum Selbst zum Lügner machen, wenn man sagt, daß alle Religionen gleich sind und selig machen, da doch die Apostel JEfu Chrifti von JEfu Christo Selbst den Befehl bekamen, allen Völfern den Einen christlichen Glauben zu verkündigen, und da diese heiligen Apostel in alle Theile der Welt sich zerstreuten, um alle Völker, Juden und Heiden in Einen heiligen Glauben, nähmlich in den Glauben an JEsum den Gekreuzigten zu vereinigen? Warum hätten denn also die heiligen Apostel, warum hätten denn also alle die Millionen heiliger Märtyrer ihr kostbares Blut vergossen, wenn es ohnehin ganz Eins und ganz gleichgültig wäre, was Jemand für einen Glauben habe? Also hätten die Upostel etwa unrecht gethan, da sie selbst aus Juden- Christen ge= worden sind, und noch unrechter, da sie auch den andern Juden und den Heiden predigten, ihren Glauben zu wechseln, und mit dem Einen Glauben an den Gekreuzigten zu vertauscher, da sie selbst die Gemeinschaft der Rezer flohen, und zu fliehen befahlen, und da sie sogar den Juden und Heiden mit dem ewigen Feuer droheten, wenn sie nicht den Glauben, in dem sie geboren waren, verlassen, und den Glau- 302 ben an den Gekreuzigten anzehmen würden? Nimmermehr! Es waren also die Apostel JEsu Christi von der Wahrheit ganz durchdrungen, daß nur Ein Glaube der allein seligmachende sey! Daraus folgt aber noch gar nicht, daß, wer ohne seine Schuld in einer irrigen Religion ist geboren worden, auch deßhalb schon zu Grunde gehen müsse. Denn so wahr JEsus Christus das wahre Licht ist, das in die Welt kam, um alle Menschen zu erleuchten, so gibt Er auch einem jeden Menschen, der zum Gebrauche seiner Vernunft kommt, das nöthige Licht, um die Eine, wahre, allein seligmachende Religion zu finden. Wer also zu Grunde geht, der geht nur durch seine eigene Schuld zu Grunde! X. Ermunterung zur Beharrlichkeit in dem katholischen Glauben. Geliebte in JEsu, lasset euch also nicht täuschen, durch alle die schön, weise und süßklingenden Schlans genreden unserer ungläubigen Zeit. Prüfet, so rufe ich euch mit dem heiligen Apostel Johannes zu, prüs fet die Geister, ob sie aus Gott sind, denn es sind viele falsche Propheten in die Welt ausgegan= gen. Darum haltet euch fest an die Eine, sichtbare, heilige, apostolische, römisch- katholische Kirche, von der ihr nun wisset, daß sie die einzig wahre, die einzig seligmachende sey, welche euch niemahls irreführen kann, weil der heilige Geist es ist, Der sie regie ret und mit JEfu Chrifto bey ihr verbleibt bis an das Ende der Welt.» Sich,« spricht JEsus in der geheimen Offenbarung:» halt' auf das, was du hast, damit dir Niemand deine Krone raube.«. Ja HErr JEfu Christe! ich bleibe ein getreues Kind Deiner Einen heiligen unbefleckten Braut, der heiligen rös misch- katholischen Kirche. Umen! Umen!- 20 - - Geistliche Lesung int Geschichten und Erwägungen. Die ewigen Wahrheiten. Es erzählet uns die Kirchengeſchichte, wie eine große Anzahl heiliger Büßer, durchdrungen von der Erkenntniß der Nichtigkeit alles Irdischen, und von der Hoheit der ewigen Wahrheiten erfüllet, sich in die Einsamkeit zurückzog, um sich dort ungestört der Betrachtung jener heiligen Wahrheiten hingeben zu können. Von einander getrennt, in Höhlen wie in Gräbern verborgen, beschäftigten sie sich da mit nichts anderem, als mit den Gedanken: daß der Tod gewiß ist, daß aber kein Mensch weiß, wann, wo und wie er sterben wird, und daß jeder Augenblick der legte unseres Lebens seyn kann; daß, in dem Augenblicke, da der Mensch stirbt, er von Gott gerichtet werden wird, und genaue Rechenschaft über alle seine Gedanken, Worte und Werke, die er allein mit hinübernimmt, wird geben müssen;- daß nach diesem Leben, das so schnell vorübergeht, die Ewigkeit eintritt, die kein Ende hat, und die entweder ewig glückselig oder ewig unglückselig seyn wird; daß wir nur darum auf der Welt sind, um unser Heil zu wirken, und daß, wenn wir dieß unser Ziel verfehlen, es in Ewigkeit nicht mehr gutgemacht werden kann; daß eine einzige Todsünde uns auf ewig unglückselig zu machen im Stande ist, und daß die Sünde das einzige wahre Uebel, das ein= zige unglück ist, das wir zu fürchten haben.- Verschlungen von diesen tiefen Gedanken durchwachten sie Nächte, fasteten, trugen härene Gewänder, alle Wert= - 304 zeuge der Buße mußten ihnen helfen den Leib der Dienstbarkeit des Geistes zu unterwerfen. Sie nährten sich immer von Wurzeln und Kräutern, oder höchstens von Brot, das sie mit ihren Thränen befeuchteten. Bleich und entstellt, gleich lebenden Todtengerippen, brachten sie ein Leben zu, das nur ein langsamer Tod schien, und waren sie nach zwanzig, dreyßig, vierzig so durchlebten Jahren endlich am Ziele ihrer Laufbahn angelangt, da noch fragte Einer den Undern zagend und voll heiliger Furcht mit zitternder Stimme: Meinst du, ach! meinst du wohl, daß Gott meiner Seele barmherzig seyn und mir meine Sünden verziehen haben werde? Meinst du wohl, daß mir im Tode einiger Trost werden, daß der ewige Richter die Strenge Seines Gerichtes gegen mich mildern wird? Darf ich endlich hoffen, den Schrecknissen einer unglückseligen Ewigkeit zu entgehen, und Antheil zu haben an der Glückseligkeit der Auserwählten? Welche Gesinnung! welch ein Beyspiel! Aber auch welch Verdammungsurtheil vielleicht für uns! Erwägen wir dieß recht. Denn sind wir auch nicht zu solchen außerordentlichen Dingen, zu denen ein besonderer Untrieb der Gnade gehört, berufen: so sind wir doch Ulle ohne Ausnahme zum Bußgeiste berufen, ohne den es kein Heil gibt; denn wenn ihr nicht Buße thut"- sagt die ewige Weisheit» so müsset ihr Ulle zu Grunde gehen. Wir sind dazu berufen zuerst das Reich Gottes zu suchen, unser Herz nicht an die Welt zu hängen, unsern Leib zu kasteyen, ihn der Herrschaft des Geistes zu unterwerfen, und unser Heil mit Furcht und Zittern zu suchen. Warum aber thun wir von alle dem nichts? Und jene heiligen Büßer, die wir nun verehren, thaten Dinge, die man von uns gar nicht fordert, ohne daß sie ein anderes Evangelium zu befolgen hatten, als wir, eine andere Religion auszuüben, als wir, einem andern Gott zu dienen, eine andere Ewigkeit zu hoffen oder zu fürchten, als wir.- Was ist also die Ursache eines so seltsamen Unterschiedes? Jene Heilia 305 gen besaßen den Glauben, der uns fehlet, und darum erwogen sie das Heil ihrer Seele, und wir vernachlässigen es. Sie erwogen unablässig die Größe Gottes, die Übscheulichkeit der Sünde, die ungewißheit unses rer Todesstunde, die furchtbare Tiefe der Urtheile Gotz tes, die mit jedem Augenblicke herannahende, entwe= der ewig glückselige oder ewig unglückselige Zukunft; und wir- wir tragen Scheu, uns mit so hohen Gegenständen zu beschäftigen; mit Einem Worte- sie lebten als Heilige, und wir leben als Weltlichgesinnte. Erwägen wir es, weil es noch 3eit ist. Was haben wir zu erwarten, wenn wir es nicht erwägen?- Wel= chen Trost wird es uns einst gewähren, es erwogen zu haben? Erwägen wir es! beschäftigen wir uns lieber jegt damit, auf daß wir nicht, weil wir es zu erwägen vernachlässigten, in Ewigkeit verzweifeln müs fen, sondern, damit wir vielmehr ewiglich die Früchte so heilsamer Erwägungen ernten mögen. Das Seelenheil. Ein Mann, der seine ganze Lebenszeit im Dienste eines vornehmen Herrn zugebracht hatte, fiel in eine tödtliche Krankheit. Sein Herr, der ihn sehr liebte, besuchte ihn, und fand den Kranken in größter Ge= fahr, beynahe in den letzten 3ügen lag er da, nahe daran, den legten Athemzug zu thun. Gerührt von dies sem Unblicke sprach der Herr zu ihm: Könnte ich doch etwas für dich thun! Begehre mit Vertrauen von mir, was du immer willst, und fürchte keine abschläs gige Untwort. Mein Herr und Gebiether! erwiez derte der Kranke, in diesem meinem Zustande weiß ich nichts als Eines zu bitten: verlängere mein Leben nur um eine einzige Viertelstunde!- Dieß, sprach der Herr: dieß steht leider nicht in meiner Macht. Be= gehre etwas anderes, das ich dir gewähren kann. Sehet! sprach der Sterbende: fünfzig Jahre habe ich diesem meinem Herrn gedient, und nun kann er mir das Leben nicht um eine einzige Viertelstunde verlän18 1 306 gern. Ach! daß ich meinem Gott also getreu gedient hätte! Er würde mir jetzt nicht nur eine Viertelstunde eine ganze glückselige Ewigkeit würde Er mir nun schenken! Bald darauf gab er seinen Geist auf. Glücklich er! wenn er sich die Ermahnung, die er Undern über die Nichtigkeit der irdischen Dinge, und über die Nothwendigkeit an dem Heile seiner unsterblichen Seele zu arbeiten, gab, selbst zu Nuhen gemacht hat. Werden wir nicht einst das nähmliche Schicksal haben? Wir erschöpfen und verzehren uns im Dienste der Welt, ja wir opfern uns für sie auf, und kommt dann unsere Stunde was wird die Welt für uns thun? und was wird uns von dem, das wir um ihretwillen gethan haben, übrig bleiben, wenn wir den Dienst Gottes und das Heil unserer Seele vernachlässigen? Erwägen wir dieß, und sagen wir aufrichtiger und entschlossener als vordem: ich will selig werden, und die übrige Zeit meines Lebens hieran arbeiten! Bis jetzt habe ich dieß nur allzusehr vernachlässiget! Ich muß es als ein großes Glück ansehen, daß mir Gott noch Zeit und Gnade schenkt, ernft: lich daran zu denken. - - Die Sünde. Urkadius, der kegerische Kaiser von Constantinopel, war wider den heiligen Johannes Chrysostomus wüthend aufgebracht. Einst sagte er im äußersten Zorn vor Einigen seiner Hofleute: Okönnte ich doch an diesem Bischofe Rache nehmen! Die Hofleute waren sogleich mit Rath bereit; der Erste sprach: Schicke ihn in die Verbannung, daß er dir nimmer unter die Augen komme! Ein Underer sprach: Zieh seine Güter ein! Ein Dritter: Wirf ihn mit Ketten beladen in's Gefängniß der Vierte fragte den Kaiser: ob er denn nicht der Herr sey? Laß ihn tödten, sprach er, und befreye dich durch den Tod von ihm! Einer endlich, der mehr Verstand als die Uebrigen hatte, fagte zu 307 ihnen: Ihr irret euch, dieß alles sind keine Mittel ar ihm Rache zu nehmen. Wohin wollt ihr ihn verbannen? die ganze Erde ist seine Heimath. Ziehet ihr feine Güter ein, so nehmet ihr sie den Armen, nicht ihm. Werfet ihr ihn in den Kerker, so wird er seine Ketten küssen, und sich glücklich preisen. Verdammt ihr ihn zum Tode, so öffnet ihr ihm den Himmel. Nein mein Fürst, willst du dich rächen, so zwinge ihn eine Sünde zu begehen. Ich kenne diesen Mann, nichts in der Welt fürchtet er, als die Sünde. Erwägen wir dieß, und vergessen wir es nie, daß wir mit der Sünde nimmermehr in den Himmel, unfer wahres Baterland, eingehen können. Als Sünder können wir nie Gott, den Urheher unseres Dafeyns, schauen. Durch die Sünde, und zwar durch eine einzige Todsünde, welche nicht gebüßet ist, werden wir ewiglich den höllischen Peinen und einer ewigen Verzweiflung Preis gegeben. Erwägen wir dieß, und so es Noth thut, vergessen wir alles Uebrige, um dieß zu erwägen. Fliehet die Sünde, wie eine giftige Schlange. Eccl. 21.- Vater! ich habe gesündiget im Simmel und vor Dir. Luc. 15.- Ich erkenne meine Sünde, und sie ist ohne Unterlaß wider mich. Pf. 50.- Wende ab Dein Ungesicht, o mein Gott! von meinen Sünden, und wasche meine Seele rein von aller Misfethat. Pf. 50. Der Tod. Eine junge Dame, von vielem Verstande, und be= gabt mit allen Eigenschaften, die ihr Geschlecht zieren, befand sich viel früher als sie es vermuthet hatte, am Ende threr Laufbahn. Im Anfange ihrer Krantheit verbarg man ihr die Gefahr, in der sie sich befand, wie es leider, nur allzu oft geschieht; als das Uebel aber zunahm, war man gezwungen, es ihr anzudeuten, und sie zu erinnern, ihr Gewissen in Ordnung zu bringen. Diese Nachricht verursachte ihr im ersten Augenblick Schrecken und Entsegen; bald aber gewann 18 308 durch die Gnade Gottes die Gesinnung des Glaubens in ihr erneute Kraft; sie brachte Gott großmüthig das Opfer ihres Lebens, und begehrte sogleich selbst die heiligen Sterbfacramente. Nachdem sie sich zu deren Empfang vorbereitet hatte, ließ sie einige ihrer Freun dinnen bitten zu ihr zu kommen. Diese erschienen eben, als sie die heilige Wegzehrung empfangen sollte; da sprach sie zu ihnen mit sterbender Stimme und durchdringendem Tone: Meine Freundinnen! ich habe Sie zu mir bitten lassen, um Ihnen die Nichtigkeit der menschlichen Dinge zu zeigen. Sie sehen meinen Zustand, und sind davon gerührt; ziehen Sie Nußen daraus, und erkennen Sie die Erbärmlichkeit dieser Welt. Uch meine Theuern! könnten Sie doch die Dinge in jenem Lichte sehen, in welchem ich sie jetzt schaue! alle Eitelkeit und Zäuschung dieses Lebens würde vor Ihren Augen schwinden, und Sie würden erkennen, daß es nichts Echtes gibt, als: Gott dienen. Meine Stunde ist nun da, auch die Ihrige wird kommen; er= warten Sie sie nicht, um dann erst sich dazu vorzubereiten. Zum letzten Mahle in diesem Leben sehe ich Sie, zum letzten Mahle spreche ich zu Ihnen, und bitte Sie für mich zu bethen; wenn ich, wie ich von den Verdiensten JEsu Christi hoffe, Barmherzigkeit erlange, werde auch ich Ihrer bey Gott nicht vergessen.Alsdann empfing sie die heilige Wegzehrung, und bald darauf verschied sie.- Diese ihre legten Worte gruben sich tief in die Gemüther derer, die sie gehört hatten, und brachten Früchte des Heils. 1 Möchten sie doch auch bey uns heilsame Erwägungen veranlassen. - Die Ewigkeit. Ein berühmter Mahler im Alterthume ward einst von einem andern Mahler besucht, und dieser stellte ihm folgende Frage: Wie kommt es, daß du, der du ein so großer Künstler bist, so wenige Gemählde verfertigest, indeß ich, der ich dir doch so weit an Kunst 309 fertigkeit nachstehe, in kurzer Zeit so viele zu Stande bringe? Das will ich dir sagen, sprach jener: du mahlest für die Zeit, ich für die Ewigkeit. Eine schöne Lehre! Alle, wie wir sind, haben ein Bild zu mahlen, denn als Christen müssen wir, wollen wir anders zu den Auserwählten gehören, das Bild JEsu Christi, und die Wehnlichkeit mit Ihm, der das Vorbild und das Muster aller Auserwählten ist, in uns herstellen. Täglich können wir daran arbeiten: ein Gebeth zu Gott gefandt; ein Ulmosen um Gottes Willen dargebracht; eine Abtödtung durch den Geist der Buße geheiligt, alles dieß sind eben so viele Pinselstriche, die wir führen, eben so viele Nehnlichkeiten mit dem göttlichen Muster, das uns gegeben ist. Erinnern wir uns aber allezeit, daß dieß Gemählde für die Ewigkeit verfertiget werden muß. Durchdrungen von dieser großen Wahrheit wollen wir in Zukunft als solche Menschen leben und handeln, die ganz von den Gedanken an die Ewigkeit erfüllet, die durch den Glauben an die Ewigkeit gestärket, die von der Hoffnung auf die Ewigkeit ermuthigt, mit Einem Worte als Menschen, die für die Ewigkeit bestimmet sind.- O! daß sie für uns ewig glückselig seyn möge! - Erwäge dieß wohl, und sage ohne Unterlaß zu dir selbst: Es gibt eine Ewigkeit! Ich bin bestimmt für die Ewigkeit!- Vielleicht bin ich an den Pforten der Ewigkeit! Was wird mein Locs in der Ewigkeit seyn? Die Zeit ist mir nur dazu gegeben, dieß zu erwägen; diesem will ich die Zeit, die mir noch übrig ist, weihen. - - - Der Verschub der Bekehrung. Verschiebe deine Bekehrung nicht von einem Tag auf den andern. Eccl. 5. Seder Zeit sieht man Sünder, die in der Sünde leben, in der Sünde verfauten, und dabey immer sagen, sie werden sich schon ein= mahl bekehren; denn sie meinen, es wird ihnen nie an 18** 310 Zeit dazu fehlen. Dieß aber ist eine Täuschung, eine Verblendung, die schon eine unzählbare Menge Seelen in's Verderben gestürzt hat, und noch stürzen wird.. Zäusche dich nicht, o Sünder! verschiebest du es dich zu bekehren, so sehest du dich der Gefahr aus, daß du dich nie bekehren, und daß du als Verworfener sterben wirst. In den Grundsägen des Glaubens wenigstens findest du nichts, was dich in deiner bösartigen Hoffnung bes stärken könnte, sondern alles ruft dir zu, daß du in der äußersten Gefahr bist. Ja alles in dem Blauben muß einen Sünder, der seine Bekehrung verschiebt, in Schrecken und Ungst versehen. Schrecklich sind die Aussprüche, die Drohungen, die Vergleichungen, die Silder, die Gleichnisse, die Beyspiele, alles in dem Glauben ist wie Sturmgeläute für ihn, alles schreyet ihm im Nahmen Gottes zu: Berschiebe es nicht!- verschiebe es nicht!-Höre dieß Wort, und erwäge es wohl. Schrecklich sind die Aussprüche: nichts ist furchtbarer, als die Stellen der heiligen Schrift hierüber: Suchet den HErrn, da Er noch gefunden werden kann. Jf. 55. Wandelt, da ihr noch das Licht habt, damit euch die Finsterniß nicht ergreife. Wer in der Finsterniß wandelt, der weiß nicht, wohin er gehet. Joh. 12. Seyd bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen, da ihr es nicht vermuthen werdet. Luc. 12. Heute, da ihr Seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht. Pf. 94. Schrecklich sind die Drohungen: Ihr werdet Mich suchen und nicht finden. Joh. 7. Weil ihr euch ge weigert, da Ich euch gerufen- so will Jch zu eurem Untergange lachen, und eurer spotten, wann über euch kommt, was ihr befürchtet, wann ploglich das Unglück hereinbricht, wann der Untergang wie ein lingewitter über euch kommt, wann Pein und Angst euch ergreifen. Alsdann werden sie mich anrufen, Ich aber werde sie nicht erhören. Sprichw 1. In euren Sünden werdet ihr sterben. Joh. 8. Schrecklich sind die Vergleichungen: Der Tag des 5ern wird kommen, gleichwie ein Dieb in der Clacht, denn da sie sagen werden: es ist Frieden, es ist Frieden, da wird sie unversehens das Verderben überfallen. 1. Thess. 5. Wie man die Fische mit der Angel und die Vögel mit dem Lezze fangt; alſo werden auch die Menschen gefangen zur bösen Zeit, wann selbe plötzlich über sie kommt. Eccl. 9. Schrecklich sind die Bilder: Einen Augenblick leuchtet der Blik, dann ist er vorbey und verschwunden; das ist das Bild deines Lebens: heute bist du auf dieser Welt; morgen in der Ewigkeit. Auch: Wie der Blig vom Aufgange ausgeht, und bis zum Niedergange leuchtet, also wird die Ankunft des Menschen Sohns seyn. Matth. 24. Schon ist die Art an die Wurzel des Baumes gelegt, und jeglicher, der nicht gute Früchte bringt, wird umgehauen, und in das Feuer geworfen werden. Luc. 3. Schrecklich sind die Gleichnisse: Die thörichten Jungfrauen schlafen ein, da sie den Bräutigam erwarten; in Mitte der Nacht kommt er; sie eilen herbey, werden aber abgewiesen: Ich kenne euch nicht! Der Knecht, den die Ankunft seines Herrn überrascht, wird ergriffen, gebunden und in die äußerste Finsterniß geworfen: Werfet den unnügen Knecht hinaus in die äußerste Finsterniß, da wird Seulen und Zahnklappern seyn. Matth. 25. Schrecklich sind die Beyspiele: Esau verkauft sein. Recht der Erstgeburt. Er will es wieder haben, aber es ist zu spät;- der Segen ist für immer verloren.. Der sterbende Untiochus bittet, stöhnt und ächzt; der Unglückliche! Sein Herz war nicht aufrichtig, sagt die Schrift von ihm; er will Verzeihung, doch er erhält sie nicht: Es bath dieser Schalk den 5Errn, von Dem er doch keine Barmherzigkeit zu erlanlangen hatte. 2. Mach. 9. O verblendeter Sünder! fage! was verkünden alle diese Donnerworte jenen, die ihre Bekehrung bis zu ihrem Ende verschieben? Was können sie erwarten nach diesen Aussprüchen, jene Unglückseligen, die während ihres Lebens sich gegen die Stimme Gottes taub erzei: 812 get, die der göttlichen Gnade hartnäckig widerstanden, die die Stimme, welche sie zur Buße einlud, ersticket, die den heiligen Geist in ihrem Herzen betrübet, die das anbethungswürdige Blut der Erlösung verunchret, die sich gegen alle Biffe ihres Gewissens verhärtet haben? Was können sie erwarten, als daß sie, da sie ihre Bekehrung verschieben- nie Buße thun, oder daß ihre Buße nicht aufrichtig seyn wird, und daß sie unbußfertig sterben, und der Berdammung anheim fallen werden. - Wehe dem! der dieß nicht zu Gemüthe führt. Man wird vielleicht sagen: Uber haben nicht auch die Arbeiter, die um die legte Stunde zur Arbeit in den Weinberg gekommen sind, den ganzen Lohn erhal= ten? Das ist wahr, doch diese Arbeiter standen auf dem Plage, sie wünschten, sie verlangten Arbeit; die Sünder hingegen, welche die Buße immer verschieben, wo sind diese zu finden? Beym Spiele, bey unterhaltungen, mitten in Lastern, und haben sie da ein Verlangen nach ihrer Bekehrung? Oder man wird sagen: Der fromme Schächer hat sich erst im Tode bekehrt, wir können also immer hoffen. Mehr ein Wunder ist dieß, als ein Beyspiel, sagt der heilige Auguftinus: und darfst du, o Sünder! ein solches Wunder der Gnade, ein solches Wunder der Berehrung erwarten? verdienst du es?- Ja! der gute Schächer hat sich im Tode bekehret, doch dieß ist das einzige Erempel der Urt, das in der heiligen Schrift zu finden ist. Und wo hat er sich bekehret? Zur Seite des sterbenden JEsu, mit Seinem heiligsten Blute besprengt!- Doch wende, o Sünder! wende dein Auge hinüber auf die andere Seite und sieh und erzittere, wie der böse Schächer stirbt, wie er stirbt in Verzweiflung im Angesicht JEfu Christi. Sieh es! und- statt dich in eine trugvolle Ruhe einzuwiegen erbebe und bleibe in der Furcht die ganze Zeit deines Lebens! - - - - Es ist also wahr: der Sünder, der seine Bekehrung verschiebt, segt sich der Gefahr aus, sich nie zu 313 bekehren, und da er sich mit dem Gedanken einer einz gebildeten, zukünftigen Buße beschwichtigt, stürzt er sich in den Abgrund der wirklichen und ewigen Strafe! Erwäge dieß: Sprich zu dir, was der heilige Geist Selbst dir zuruft: Verschiebe es nicht!- Be= ginne es heute morgen ist's vielleicht zu spät!— Der Tod des Sünders. Da sehen wir nun den Sünder, den Sünder, so wie wir ihn eben geschildert haben, der immer in der Sünde fortgelebt, der seine Bekehrung von einem Tag auf den andern verschoben, der sich immer geschmeichelt hat, er wird sich schon auf dem Zodbette bekehren, da ſehen wir ihn nun von einer gefährlichen Krankheit auf das Lager hingestreckt. Die ersten Tage beruhigt man sich. Es heißt: es wird nichts seyn; es wird nichts zu bedeuten haben. Indessen nimmt das Uebel zu, es wird ernsthaft. Was geschieht alsdann?- Es werden Werzte zusammenberufen, aller Art Heilmittel angewendet, alles wird aufgebothen dem Leibe zu Hülfe zu kommen. Und was geschieht für die Seele? Das hat noch Beit; das ist noch nicht so dringend. Man muß den Kranken nicht erschrecken, wir wollen warten bis morgen, sollte die Krankheit zunehmen, so wird man ihn schon erinnern. Die Krankheit nimmt wirklich zu, und endlich erklären sie die Aerzte für tödtlich.- Nun sieht im Haufe Eines das Undere an; Traurigkeit ist auf allen Gesichtern zu lesen; man lispelt unter einander; Keines will sich vor dem Kranken zeigen; Alle sind verzagt; Niemand weiß, wie man es ihm beybrin= gen soll. O heillose Liebe! unglückselige Schonung! Endlich geht es mit dem Kranken zu Ende, Zo= besschwäche befällt ihn; da liegt er ohne Bewußt= seyn, sprach- und gefühllos. Einen Beichtvater, einen Beichtvater! schreyt man nun in größter Bestürzung: einen Beichtvater! Eiligst wird fortgesendet; abero heiligste Borsehung! o furchtbare Gerechtig= - - Sung - - - 314 keit Gottes! kein Priester ist zu finden! Man sendet auf's neue, man wartet, indefen- stirbt der Kranke. - In euren Sünden werdet ihr sterben! Doch vielleicht findet man gleich einen Priester, er kommt eiligst herbei, aber in dem Augenblicke, da er eintritt, haucht der Kranke seinen Geist aus, und dem Priester schallt entgegen: er ist gestorben in der Sünde! Doch vielleicht findet er den Kranken noch am Lebeu, aber welch ein Leben ist dieß! Ift's für sein See: lenheil nicht beynahe eben so viel, als wäre er schon gestorben. Das schwache Haupt ift tief herabgebeugt; die unftäten Augen haben kein Licht mehr; mit Todtenbläße ist das Untlik umzogen; die Glieder sind erstarrt; schwer und laut Uthem hohlend streitet er in seiner Schwäche mit den furchtbaren Kengsten des Todes. Der Priester spricht ihm zu, doch kein Zeichen der Reue erfolgt. Wie soll er auch nun sich bekehren! in diesem Zustande in der Sünde! - - - Doch gestatten wir dem Kranken, was man nur immer will. Nehmen wir an, er sey zu rechter Zeit erinnert worden, der Beichtvater sey zu rechter Zeit gekommen, der Kranke habe noch Bewußtseyn und Freyheit; ist er bey alle dem in Sicherheit? Stellen wir uns hin im Geiste an sein Sterbelager, seyen wir 3eugen eines Schauspiels, das äußerlich zwar rührend und erbauend scheint, im Grunde aber eines der schrecklichsten und entseglichsten ist;- sehen wir nähmlich, in welcher innern Verfassung jene auf ihrem Lodbette gewöhnlich sind, die ihre Bekehrung bis dahin verschoben haben. Schrecklich sind die Gerichte Gottes! Gewöhnlich sehe ich da nur unbußfertige Sünder! ver= schieden ist zwar Einer von dem Undern, doch gleich unbußfertig sind sie alle. Sclaven der Sünde waren sie in ihrem Leben! Schlachtopfer der Rache Gottes sind sie nun in ihrem Tode- in der Sünde! O unbußfertiger Sünder! der du alles zusprechen nur mit Gleichgültigkeit, mit todtenähnlicher Gefühllosigkeit erwiederst. Nichts ergreift, nichts rührt ihn 315 mehr. Nur zu deutlich sieht man an diesem tödtlichen Ekel vor allen göttlichen Dingen, daß Gott ihn nun auch verlassen, daß Er sich entfernet habe von dem Kranken- in der Sünde! Dunbußfertiger Sünder! der du nun im Zodbette Gott nur als furchtbaren Richter, als unerbitt: lichen Rächec schauend, dich in die Untiefen der Hoff. nungslosigkeit und der Verzweiflung stürzest; der du bey dem Unblicke deiner Verbrechen und Schandthaten nun glaubst, es ses für dich keine Verzeihung, keine Erbarmung mehr, der du den HErrn nur im Sturm und Blig siehst, dich selbst verdammst, und durch deine heillofe Verzweiflung dir selbft dein ewiges Urtheil in die Seele drückst- in deine Seele in der Sünde! unbußfertiger Sünder! der du in einen andern Ubgrund stürzeft, dich einem vermessentlichen Vertrauen hingibst, der du dir einbildest, der Gott, der dich erschaffen, sen ja reine Liebe, er könne ja Sein Beschöpf nicht auf ewig verwerfen, Seine Barmher= zigkeit sey ja unendlich, alle Sünde werde ja von selbst verziehen. Dein Vertrauen erscheint dir zwar schön, doch es ist teuflische Vermessenheit, die dich deinem verworfenen Sinn überliefert, und das Zeichen der Verwerfung auf deine Seele drückt, auf deine Seele in der Sünde. unbußfertiger Sünder! der du sogar den Glauben in deinem Herzen ersticket, und es in dem Laster bis zum Unglauben und zur Gettiosigkeit gebracht haft; nicht hören willst du von Bekehrung, nicht hören von Religion, von den Sacramenten, allem schließest du Ohren und Augen, stirbst so dahin zum Schrecken und Entsegen Uller, die um dich sind, und vollendest die Greuel eines gottlosen und ärgernißvollen Lebens mit dem unseligsten und heillosesten Tod- in der - Sünde! Es ist vorbey. Zum letzten Mahle athmet der Sterbende. Er ist nicht mehr. Schon erschallt der wehmüthig trauernde Ton der Glocken sie? Ein Mitglied weniger in einer Familie, ein - - Was verkünden - 316 Mensch weniger in der Welt in der Hölle ein Verworfener mehr in der Sünde! Welch ein Tod!- Kann man denken hieran ohne Schaudern? Dieß ist für gewöhnlich der Tod, ich sage nicht aller, doch der meisten Sünder, welche die Buße bis auf das Sterbebett verschieben. Dieß ist die Stimmung ihres Herzens, das sie verhärtet haben, oder vielmehrdieß sind die Schläge der furchtbaren Hand Gottes, die fie ergreift. Als Sünder gelebt, als Verdammter ge= storben! dann folgt eine Ewigkeit der Pein, eine Ewigkeit der Verzweiflung- In euren Sünden wer det ihr sterben! - F Die Gerichte Gottes. Balthafar, der gottlose Balthasar saß trunken bey einem ausschweifenden Gastfeste, umgeben von seinen Hofleuten. Gleichsam untergegangen in den Wollüsten der Völlerey, lästerte er den HErrn, mißbrauchte die Barmherzigkeit Gottes, ja er ging so weit, daß er so= gar die geheiligten Gefäße des Tempels verunehrte.Er betrachtet diesen Tag als einen Tag der Freude und der Luft; Unglücklicher! es ist der Tag deiner Verurtheilung!- Plößlich sah man eine furchtbare Hand, die diese Worte an die Wand schrieb: Mane The cel Phares: Ich habe gezählt, Ich habe ge= wogen, Ich habe getheilt! Ich habe deine Tage gezählt, sie sind zu Ende; Ich habe deine Handlungen gewogen, sie verdammen dich; Ich habe dein Reich getheilt und überliefere dich deinen Feinden. Dieß war der Ausspruch und das über ihn gefällte Urtheil. Dies selbe Nacht noch ward es vollzogen; er starb als Verworfener, der als Ruchloser gelebt hatte. - - - - Fürchten wir die undurchdringlichen Gerichte Gottes, denken wir Tag und Nacht daran, seyen wir allezeit bereit; zittern wir vor Gottes mächtigem Urm, und vergessen wir es niemahls, daß: gleichwie Gott 817 ein Gott der Barmherzigkeit ist, eben so ist Er auch ein Gott der Gerechtigkeit. Der heiilge Hieronymus war einer der größten Büßer in der Kirche Gottes. Des Lärmes und der Größe Roms überdrüssig, zog er nach Palästina und vergrub sich so zu sagen in die Einsamkeit. Unbeschreiblich ist die Strenge seiner Lebensart, seiner Buße; unbeschreiblich find die Peinigungen, die Kasteyungen und die heilige Härte, die er gegen sich selbst übte. Mit einem Stein zerschlug er sich die Brust, immer war sein Körper wund und mit Blut überronnen. Bey allem diesem bes trachtete er ohne Unterlaß, zitternd und in Furcht die Strenge der Gerichte Gottes. Hingerissen von diesem unergründlichen Gedanken, schrie er bebend auf: Jeden Augenblick däucht mich, ich höre den schrecklichen Zon jener furchtbaien Posaune, die uns einst Alle zu Gericht rufen wird. Tag und Nacht erschallt sie vor meinen Ohren, und meine geängstigte Seele kann keine Ruhe finden, wenn sie der ernsten Majestät Gottes ge= denkt, Die sie einst richten wird.- So brachte er sein Leben in Furcht und in der Erwartung des Gerichtes Gottes zu. Glücklich er! der demselben durch eine so ausdauernde und strenge Buße zuvorgekommen ist. Lernen wir das Gericht Gottes betrachten, weil wir einst vor demselben erscheinen werden. Lernen wir es fürchten, weil es über unser ewiges Schicksal entscheiden wird. Lernen wir uns dazu vorbereiten, weil unser ewiges Glück oder Unglück von dieser Vorbereitung abhänge. Nichten wir uns selbst strenge, auf daß uns Gott nach Seiner Barmherzigkeit richten möge. Erheben wir uns über das eitle Urtheil der Menschen, wenn es uns von dem Gefeße Gottes ab= lenken will. Bitten wir endlich Gott, Er wolle uns gnädig fenn an diesem schrecklichen Tag der Rache. 1 Die Zeit der Gnade. Sehr merkwürdig ist jene Stelle im Evangelium: Als JEsus die Stadt Jerusalem sah, da weinte Er 318 über sie. Unglückliche Stadt! sprach Er: hättest du Mein Vorhaben voll der Erbarmung und Güte gegen dich erkennen wollen, welche Gnaden wären dir zu Theil geworden! deine Feinde würden dich gefürchtet, deine Bewohner würden die Süßigkeit des Friedens verkostet, in Ruhm und Glanz würdest du bestanden haben. Undankbare und schuldvolle Stadt! wie oft habe Ich deine Kinder versammeln wollen, wie die Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel versammelt, und du hast meinem zärtlichen Rufe nicht gefolgt, und du hast nicht gewollt. Siehe, zur Strafe dieser deiner Treulosigkeit wird großes Unglück über dich kommen, deine Feinde werden dich rings umgeben, sie werden deine Felder verwüsten, deine Wälle einstürzen, deine Bewohner erwürgen, und kein Stein von dir wird auf dem andern bleiben! Und darum wird all dieß Elend über dich kommen, weil du die Zeit meiner Heimsuchung, weil du die Zeit meiner Erbarmung gegen dich nicht erkannt haft.. Alle diese Weissagungen wurden erfüllt: der Untergang, die Verwüstung, das Unglück des treulofen Jerusalems erfüllen die Welt noch heut zu Tage mit Entsegen! Wie viele Seelen sind ein trauriges Ebenbild dieser schuldvollen Stadt! Wie viele ziehen durch ihren hartnäckigen Widerstand gegen die Gnade ein Elend über sich herab, das um so größer ist, weil es ewig währet. Erwäge dieß! Die Gnade dränget dich, sey ihr getreu! Nichts ist so schrecklich, als der Mißbrauch der Gnade. - Die Leiden. Man erzählet, als der heilige Petrus während der Verfolgungszeit aus Rom sich begab, begegnete er unserm HErrn JEsus Christus, Der das schwere Kreuz auf Seinen Schultern trug, und da Petrus den HErrn fragte: wohin Er in diesem traurigen Zustand gehe, antwortete ihm unser HErr: Ich gehe nach Rom, um Mich dort für dich abermahls kreuzigen zu lassen, weil 319 du dich weigerst für mich zu leiden. Alsobald kehrte der heilige Petrus beschämt über seine Schwäche und von lebhafter Reue durchdrungen, wieder nach Rom zurück, wo er das Glück hatte, für den Nahmen und die Ehre seines göttlichen Meisters den Martertod zu leiden. Wir haben den heiligen Petrus in seiner Schwäche nachgeahmt; wann werden wir ihn in seiner Großmuth nachahmen? Uch wie oft hätte unser HErr JEfus Christus zu uns sagen können: Ich gehe hin Mich neuerdings für dich in den Tod zu geben, weil du dich weigerst Mein Kreuz zu tragen! Wir wollen nichts leiden; bey der geringsten Trübsal klagen wir und murren. Das bloße Wort: leiden, ja nur der Gedanke daran macht uns zittern. Heißt dieſes ein Shrift, heißt dieses ein Schüler eines am Kreuze sterbenden Gottes seyn?- Leidender Heiland! lehre uns leiden! hilf uns leiden! heilige uns durch unsre, mit dem Deinen vereinigten, und dadurch verdienstlichen Leiden! Erwägen wir dieß, und statt uns über unsere Leiden zu beklagen, preisen wir Gott, Der uns die Mittel gibt, unsere Sünden zu büßen. - Eine Seele, welche nicht leiden kann, kann auch nicht lieben. Die wahre Liebe gibt sich nur im Leiden zu erkennen. JEsus Christus hat das Kreuz aufgepflanzt, um den Weg zum Himmel zu bezeichnen; Er hält es der Seele vor, um sie dahin zu führen. Viele Heilige würden ohne Leiden verworfen, und viele Verworfene würden durch Leiden große Heilige geworden seyn. Es ist besser weinen, als fündigen. Weine jest mit den Büßern, damit du einst mit den Auserwählten dich erfreuen kannst. - Die nächsten- und die Feindesliebe. Der Bruder des heiligen Schannes Gualbertus ward ermordet. Der Mörder begegnete einst ganz waffenlos dem Johannes Gualbertus, der wohl bewaffnet war, und zwar an einer Stelle, wo er ihm 820 nicht mehr ausweichen konnte. Da nun der Mörder sah, daß er verloren sey, fiel er auf die Knie, und mit freuzweis über die Brust gelegten Armen bath er seinen Feind, im Nahmen des am Kreuze geftor benen Jesus Christus, er wolle ihm das Leben schenken! Gualbertus von diesen Worten gerührt, vergab ihm, und umarmte ihn. Dann ging er in eine nahe Kirche und bethete vor einem Crucifire. Von dies sem Augenblicke an legte er die Kriegskleider ab, entsagte der Welt, und begab sich in ein Kloster. In der Folge war er der Stifter des Ordens zu Vall* ombreuse. H Welch ein Beyspiel und welche Gesinnung! erwäge dieß, und sich, ob auch deine Gesinnung so chriftlich sey. Verzeihst du aufrichtig und von Herzen deinen Feinden? Liebst du deinen Nächsten wie dich selbst? Betrachtest du JEsum Christum in ihm?- Erwäge dieß, und richte dich vor Gott. Christen! Kinder Eines Vaters! lieben wir uns unter einander! Lieben wir in Gott und für Gott!Lieben wir aufrichtig, kräftig, getreu! Lieben wir einander in dieser Welt, auf daß wir in jener für immer vereinigt werden mögen! Die Pflichten der Weltern gegen ihre Kinder. Der Hohepriester Heli hatte zwei Söhne, welche durch ihr lasterhaftes Leben, durch ihre Ungerechtigkeiten und Ruchlosigkeiten sein heiliges Priesterthum entehrten und ein Gegenstand der Klage und des Nergernisses für ganz Israel waren. Dem Vater kamen häufige Klagen zu; aber eine, ans äußerste gränzende Schwäche und eine schuldvolle Nachgiebigkeit benahm ihm den Muth und die Stärke, ihnen Einhalt zu thun! Endlich sandte der erzürnte Gott den Propheten Samuel zu ihm, und ließ durch diesen ihm ankündigen, daß ein so furchtbares Unglück 821 - über ihn hereinbrechen werde, daß Seder, der es hören würde, mit Schaudern erfüllt werden sollte. und so geschah es;- der Augenblick der Strafe Got= tes erschien. Als Krieg zwischen den Israeliten und den Philistein entstand, wurde eine Schlacht geliefert, in welcher zwanzig tausend Israeliten todt auf dem Schlachtfelde blieben; die Bundeslade fiel in die Hände der Feinde, und die beyden Söhne des Hohenpriesters: Ophni und Phinees wurden in ihrem Blute schwimmend unter den Erschlagenen gefunden. Bitternd brachte man dem Vater diese Nachricht, und da er sie hörte, stürzte er rücklings über, brach das Genicke und starb augenblicklich. So ging in Einem Tage diese unglückliche Familie, zur Strafe der schuldvollen Feigheit des Baters und des lasterhaften Wandels der Söhne, fast ganz zu Grunde. Väter und Mütter! erwäget dieß, und lehret es auch eure Kinder erwägen. - Während einer heftigen Verfolgung, die sich in Japan gegen die christliche Lehre erhoben hatte, erwartete ein christliches Ehepaar tagtäglich den Martertod, und durch eifriges Gebeth bereiteten sie sich dazu vor. Sie hatten einen Sohn, der war noch klein, und sie waren seinetwegen sehr bekümmert. Da sie einmahl beysammen saßen, sprachen sie darüber, und es sagte Eines zu dem Undern: Wir hoffen wohl mit der Gnade Gottes den Martertod für unsere heilige Religion zu leiden; was aber wird aus diesem armen Kinde werden? Wird es die Kraft haben, die Peinen zu erdulden? Oder sollte es der Qual unterliegen, und seinen Glauben verläugnen! Während dieses Gespräches schien das Kind zu spielen und auf ihre Neden nicht Acht zu geben; es machte in dem Feuer, bey welchem sie saßen, ein Eisen glühend, und als dieses durch und durch roth war, zog es dasselbe her= aus, und legre es sich mit heldenmäßiger Standhaftigkeit auf die Hand. Die erschrockenen Weltern fragten es, was es mache, unt warum es dieß thue? Was ich mache, erwiederte das Kind unerschrocken: ich will 322 euch zeigen, daß auch ich den Muth habe, lieber den Martertod zu leiden, als von meinem Glauben abzufallen. Die Weltern staunten, sie umarmten es zärtlich, zerfloßen in Thränen, und dankten Gott, Der ihnen dieß Kind geschenkt hatte.- Alle drey hatten dann das Glück, mit der Marterkrone geziert zu werden Glückselig ist die Belohnung zu preisen, die diesen Weltern für die Sorgfalt, mit der sie dieß ihr liebenswürdiges Kind erzogen hatten, geworden ist! Glückselig sind die Früchte zu preisen, die diesem Kinde aus der Benügung seiner guten Erziehung entsprossen sind! Die Gefühle der Andacht sind bey neubekehrten Völkern zuweilen so lebhaft und innig, als sie es bey den ersten Christen gewesen sind. In einem fernen neuentdeckten Lande befand sich eine ansehnliche christliche Familie. Vater und Mutter lebten als Heilige, sie waren einzig mit der Sorge für ihr Heil und den Pflichten ihres Standes beschäftiget. Täglich versammelten sie ihr ganzes Haus und hielten eine geistliche Lesung. Als eines ihrer Kinder, ein Knabe von etwa fünf oder sechs Jahren, von dem Leiden unseres HErrn Jesu Christi lesen gehört hatte, wurde er so davon gerührt, daß er aus Verlangen JEsum nachzuahmen, und aus Liebe zu Ihm etwas zu leiden, alle Tage mit bloßen Füßen so lange auf Nesseln herumging, bis die Füße bluteten. Auch machte er sich eine kleine Krone von spitigen Dornen, auf die er sich Nachts mit dem Haupte zu Ehren der dörnernen Krone JEsu Chrifti legte. Als feine Ueltern dieses inne wurden, verbothen sie dem Kinde es ferner zu thun, erkannten aber dabey wohl, daß Gott besonders gnadenreiche Absichten mit diesem Kinde haz be, und wirklich trat es, da es erwachsen war, in den geistlichen Stand, ward Priester, widmete sich den Missions- Urbeiten in fernen Landen, brachte mit der Gnade Gottes außerordentliche Dinge zu Stande, und beschloß endlich seine Laufbahn in diesen heiligen Bera richtungen. 323 In unsern Zeiten haben Aeltern freilich mehr darauf zu sehen, daß sie ihre Kinder vom Bösen abhalten, als daß sie den Eifer zur Frömmigkeit in ihnen zu beschrän= ken hätten, und überhaupt geschieht es nur selten, daß die Gnade Gottes schon im frühesten Ulter solche wunderbare Erscheinungen wirket. Aber besondere Neigung zum Gebethe, Liebe zu den unsichtbaren göttlichen Dingen, und ein noch unverstandener Drang, JEsu nachzufolgen, werden doch auch gegenwärtig öfter in zarten Kinderseelen gefunden: leider! werden aber diese schönen Keime der Heiligkeit häufig durch schlechte Grundfäße, böse Beyspiele, oder durch die kalte verstandlofe Meinung erstickt, daß alles übertrieben und fehlerhaft sen, was nicht alle Tage vorkommt, und nicht nach dem gewöhnlichen Leisten zugeschnitten ist. Darum, ge= liebte Weltern! habt ihr ein Kind, das einen außeror= dentlichen Hang zur Frömmigkeit verräth, so danket Gott dafür; und damit ihr einerseits nichts thut, was diesen Anlagen schaden, anderseits aber auch nichts duldet, was unter dem Scheine des Guten gefährlich werden könnte, so besprecht euch über euer Kind mit frommen gelehrten Priestern, welche die Wege Gottes gründlich verstehen. Die Pflichten der Kinder gegen ihre Aeltern. Einer der lasterhaftesten und unglückseligsten Väter die es vielleicht jemals gegeben, hatte einen Sohn, der war eben so böse wie er. Versenkt in alle Art Laster, Einer wie der Andere, stürzten sie einander immer tie= fer in den Abgrund. Der Sohn war ungehorsam, unbeugsam, auffahrend, heftig, und zornig bis zur Raserey. Immer lebten sie in Zank und Hader, in unaufhörlichem Streit- Einer verfluchte den Undern.Einst wollte der Vater dem Sohne einen Verweis geben, und warf ihm seine schlechte Aufführung vor, da packte der unglückselige Sohn den Vater, der schon im Alter vorgerückt war, wüthend an, warf ihn zu Boden, 324 und schleppte ihn bei den Haaren die Treppe hinab, um ihn aus dem Hause zu werfen. Als er so mit ihm an eine gewisse Stelle gekommen war, da erhob der Vater seine Stimme und schrie: Halt! Unglücklicher! weiter habe auch ich meinen Vater nicht geschleppt, da ich in deinem Alter war! Es erkannte da der schuldvolle Vater die Gerechtigkeit Gottes, welche es zuließ, daß sein Sohn ihn nun eben so behandelte, wie er einst mit seinem Vater verfahren war. Wie schrecklich seyd ihr, o ihr Urtheile Gottes! doch auch wie strafbar send ihr, o ihr unnatürlichen Kinder! Ehret eure Ueltern, wie böse sie auch immer seyen. Ich weiß wohl, daß so erschreckliche Greuel nur bey Leuten ohne alles Gefühl und in den niedrigsten Ständen gefunden werden; aber fällt auch der Frevel der Kinder in den höheren Ständen nicht so sehr in die Augen, so sind ihre Verbrechen, obgleich minder entseglich vor den Augen der Menschen, dennoch in den Augen Gottes eben so greuelvoll. Kinder! erwäget dieß! Gett erwartet euch, und wird euch richten. - Die Liebe Gottes. Welche hohe Lehre gab uns einst eine Frau in Alerandria: sie erschien eines Tages auf dem Plage dieser großen Stadt, und hielt in der einen Hand ein Gefäß mit Wasser, und in der andern eine brennende Fackel, und da man sie fragte: was sie hiermit wolle? gab ſie zur Untwort: Mit dieser Fackel möchte ich den Himmel verbrennen, und mit diesem Wasser das Feuer der Hölle auslöschen, damit man hinfort Gott nicht aus Hoffnung einer Bergeltung, noch aus Furcht vor der Strafe liebte, sondern einzig und allein um Seiner Selbst Willen und wegen Seiner anbethungswürdigen Vollkommenheit. Welch schöne Gesinnung! würdig einer großen Seele, die da erkennt, was Gott ist, und wie sehr Er um Seiner Selbst Willen alle unsere Liebe verdiene. Man erzählt von den Japanesern, daß, wenn $ 25 ihnen das Evangelium verkündiget wurde, wenn man fie von der Schönheit, Größe und unendlichen Liebenswürdigkeit Gottes unterrichtete, wenn insbesondere von den großen Geheimnissen der Religion und von dem, was Gott für die Menschen gethan hat, gesprochen ward, wenn man ihnen Gott vorstellte, wie Er aus Liebe zu uns und um unseres Heiles Willen Mensch werden und sterben wollte, da riefen sie in süßem Entzücken aus: O wie groß ist Er! wie gut, wie liebenswürdig der Gott der Christen! Wenn sie dann hörten, daß es ein eigenes Geset gäbe, welches befiehlt: Gott zu lieben, welches dem, der Ihn nicht liest, mit Strafe droht, da staunten sie, und konnten sich von ihrem Erstaunen nicht erhohlen. Wie? sagten sie: warum dieß? bedarf es denn für vernünftige Menschen eines Befehls Gott zu lieben, Der uns so geliebet hat? Ist es denn nicht das größte Glück Ihn zu lieben und das größte Unglück Ihn nicht zu lieben? Wie! liegen denn die Christen nicht immer am Fuße der Ultäre ihres Gottes, durchdrungen von Seiner Güte, ent= flammt von Seiner heiligen Liebe? Und wenn sie dann hörten, daß es Christen gäbe, die nicht nur Gott nicht lieben, sondern Ihn beleidigen, Shn lästern, ta riefen sie entrüstet aus: O ungerechtes Volk! o undankbare Herzen! Ist es möglich, daß Christen eines felchen Greuels fähig seyen? und auf welchem verflu= chenswerthen Boden wohnen denn diese gefühl- und vernunftlosen Menschen? - Christen! nur allzusehr verdienen wir diese gerechten Vorwürfe, und es wird einst dieß Volk zum Zeugz nisse gegen uns aufgerufen werden, uns anklagen und uns vor Gott verdammen! Erwägen wir dieß. Die Lehre von der Liebe Gottes ist die erste, ist die wesentlichste aller Lehren. Die Liebe ist die Erfüllung des ganzen Gefeßes. Erwägen wir dieß reht, und thun wir in dieser Welt, so viel es uns möglich ist, eben das, was die Heiligen im Himmel thun, und was auch wir, wie wir hoffen, 19 326 in Ewigkeit dort thun werden: Lieben wir Gott von ganzem Herzen. o betrüben= widmen wir wenigstens den Rest unseres Lebens der heiligen Liebe. Vielleicht haben wir bis jetzt Gott noch nie auf eine, Seiner würdige Weise geliebt; der Gedanke, - Der Zimmel. Als der König Assuerus den Mardochäus für die wichtigen Dienste, die er dem Staate geleistet hatte, belohnen wollte, ließ er ihn mit dem königlichen Gewand bekleiden, ihm die Krone auf das Haupt segen, und so geschmücket, und mit aller Majestät und Pracht der königlichen Würde umgeben, hieß er ihn einen Triumphwagen besteigen; einer der vornehmsten Hofherren mußte ihn dann im Triumphe durch die ganze Kaiserstadt führen und ein Herold ging voraus, der mit lauter Stimme dem herbeyströmenden Volke verkündete: Also wird der geehrt, den der König ehren will! - Wenn in diesem Augenblicke Gott unsere Augen eröffnete, und uns Seine Auserwählten mit allem Glanze und mit aller Glorie, die sie im Himmel umgibt, zeigte; wenn wir erkenneten all die Freude und Wonne, mit der die Heiligen im himmlischen Vaterlande überströmet sind: wie würden wir von die sem Unblicke entzücket seyn. Und was würden sie uns sagen die Auserwählten des HErrn?-» Sehet und staunet, ihr Sterblichen!« würden sie uns zurufen: » also ehret Gott, also belohnet Gott die Heiligen in ihrer Glorie. Ihr Ehrsüchtigen! was sind all die kleinlichen Ehren der Welt, gegen die Ehre und Glorie, die wir nun genießen?- Ihr Geißigen, was sind all eure vergänglichen Güter, eure bestandlosen Reichthümer gegen jene unermeßlichen und unzerstörbaren Schäge, die den Auserwählten im Himmel bereitet find? Ihr Sinnlichen und Büstlinge! was find - 327 all diese schändlichen Freuden, die ihr einen Augenblick genießet, gegen jene reinen und unaussprechlichen Won= nen, deren für alle Ewigkeit die Auserwählten sich) er= freuen!«- Uch! wie würde eine solche Erkenntniß uns einen Ekel bey bringen vor all den falschen und betries gerischen Gütern dieser Welt!- welche Sehnsucht würde sie in uns entzünden nach den immerwährenden und dauernden Gütern der glorreichen Unsterblichkeit! -Was wir mit den Augen des Leibes nicht zu sehen vermögen, zeigt uns der Glaube, wenigstens läßt er es uns hoffen. Machen wir uns durch ein heiliges Leben, eines unsterblichen würdig. Der Himmel erwartet uns: reißen wir uns los von der Erde!- Wir haben hier keine bleibende Stätte, der Himmel ist unser wahrhaftes Vaterland. - - Erwägen wir dieß, und unser einziges Bestreben sey, ihn zu verdienen. Glücklich, wer sein ganzes Le= ben darnach gestrebt haben wird! Wohin gehen wir wenn wir sterben?- Was wird unser Schicksal seyn? -Der Himmel oder die Hölle!» Schöner Him= mel, ich werde dich niemahls sehen!« sagte der Urheber einer Kegeren, da es mit ihm zum Sterben kam.Welch ein Tod!» Mein Sohn! betrachte den Himmel,« sagte eine Mutter zu ihrem Sohne, der den Martertod erduldete. Die Kirche ruft es uns allen zu: Betrachtet den Himmel! machet euch würdig in denfelben einst einzugehen, und sehet wohl zu, daß euer Wandel euch zu ihm führe. - Die Nachfolge Jesu. Eine Witwe, welche wenig Vermögen, aber um so mehr Frömmigkeit und Eifer für die Erziehung ih= rer Kinder besaß, hatte eine Tochter von zehn Jahren, welche Dorothea hieß. Dieß Kind war lebhaft und zur Berstreutheit geneigt, darum besorgte die Mutter, es möchte unter seinen Gespielinnen verdorben werden, und da ihr nicht so viele Zeit übrig blieb, als nöthig gewesen wäre, auf die Erziehung dieses Mädchens zu * 19 328 verwenden, so gab fie es ungeachtet ihrer Armuth, zu einer frommen Schullehrerinn in die Kost, damit diese es zur Frömmigkeit anleite und erziehe. 3wei Jahre blieb die kleine Dorothea bey ihrer Lehrerinn, und machte während dieser Zeit wunderbare Fortschritte in der Frömmigkeit. Sie behielt zwar alle Lehren ihrer liebevollen Lehrerinn in ihrem Herzen; vor allen aber blieb ihr jene tief eingedrückt: daß man sich bey allen seinen Handlungen unsern HErrn JEjus Christus zum Vorbilde nehmen soll. Da Dorothea nun wieder zu ihrer Mutter nach Hause kehrte, war sie das Muster und der Trost des ganzen Hauses. Geduldig, sanftmüthig, gehorsam, be klagte fie sich nie über etwas, sie sprach wenig, doch stets zur rechten Zeit; immer war sie zufrieden; bey ihrer Arbeit, bey allen Widerwärtigkeiten, die ihr begegneten, blieb sie immer in gleicher Gemüthsstimmung; keusch, war sie eine Feindinn aller Eitelkeiten; gegen Jedermann betrug sie sich ehrerbiethig, redete von Niemanden Böses, bezeugte sich gegen Alle dienstfertig, und jeder Zeit war sie versammelt und mit Gott vereinigt. Diese ihre Aufführung verschaffte ihr in kurzer Zeit die Hochschägung des ganzen Pfarrsprengels; doch auch der Neid blieb nicht müßig und brachte ihr Feindinnen zuwege. Einige ihrer Gefährtinnen, vom Neide verführt, fingen an sie zu verschwärzen, und schrien sie als eine Heuchlerinn und Undächtlerinn aus. Dorothea trug schweigend alles dieses aus Liebe zu JEsu Christo, und hörte nicht auf, Alle, die ihr so übel nachredeten, auf das freundschaftlichste zu behandeln. Um Ende sahen auch die Leute die Unschuld Dorotheens ein, und die verleumderischen Reden ihrer Feindinnen fielen auf diese felbst zu ihrer größten Schande zurück. Der Pfarrherr des Ortes, der mit Bewunderung an diesem Mädchen die Wirkungen der Gnade sah, wie auch die guten Früchte, die sie bey Ullen denen, die mit ihr umgang hatten, hervorbrachte, sprach einst zu ihr: Sag mir im Bertrauen, Dorothea, wie bringst 329 du den Tag zu, und wie beträgst du dich im Umgange mit deinen Gefährtinnen? und Dorothea antwor= tete: Euer Hochwürden, es scheint mir, ich thue sehr wenig im Vergleich mit dem, was ich thun sollte. Nie habe ich eines Rathes vergessen, den mir einst, da ich erst eilf Jahre alt war, meine Lehrerinn gegeben hat. Sie sagte mir oft: ich solle mir bey allen meinen Handlungen und in allen meinen Leiden, JEsum Chriftum zum Vorbilde nehmen. Dieß nun bemühe ich mich zu. thun, und ich mache es so: Wenn ich erwache und aufstehe, so stelle ich mir das Kind JEsus vor, wie Es Sich bey Seinem Erwachen Gott, Seinem himmlischen Vater, zum Opfer dars gebracht hat. Wenn ich bethe, so stelle ich mir den be= thenden JEsus vor, wie Er zu Seinem himmlischen Vater bethete, und vereinige mich in meinem Herzen mit Seiner göttlichen Andacht. Wenn ich arbeite, fo gedenke ich, wie JEsus Christus für mein Geelenheil so viel Schweiß vergossen, so viele Mühe und Arbeit auf sich genommen hat, und weit entfernt, daß ic klage, vereinige ich mit Liebe und Ergebung meine Urbeit mit der Seinigen. Wenn man mir etwas Schweres und Mühevolles befiehlt, gedenke ich alsogleich, wie JEsus Christus Sich aus Liebe zu mir dem Tode am Kreuze unterzogen hat, und dann nehme ich alles, was man mir befiehlt, wie schwer es auch immer sey, gutwillig an. Redet man Uebels von mir, oder sagt man mir harte und beleidigende Worte, so antworte ich nichts; ich leide es schweigend, und erinnere mich wie JEfus Christus schweigend und ohne Sich zu beschweren, alle falschen Unklagen, alle Verleumdungen, Peinen und die grausamste Schmach erduldet hat; ich gedenke, daß JEsus unschuldig war, daß Er nicht verdiente, was man Ihm Böses that, daß hingegen ich eine Sünderinn bin, und weit mehr lebels verdiene, als man mir je zufügen kann. Wenn ich esse, se stelle ich mir JEfum Christum vor, mit welcher Eingezogenheit und Mäßigkeit Er, um für die Eyre Seines himmlischen Baters arbeiten 330 zu können, Nahrung zu Sich nahm. Esse ich etwas Uebelschmeckendes, so gedenke ich der Galle, die JEsus Christus am Kreuze verkostet hat, und bringe Ihm meine Sinnlichkeit zum Opfer. Wenn ich hungrig bin oder nichts habe meinen Hunger zu stillen, so werde ich darüber nicht mißmuthig, denn ich gedenke, daß JEsus Christus vierzig Tage und vierzig Nächte gefa: ftet, und daß Er aus Liebe zu mir, und um die Unmäßigkeit der Menschen zu büßen, den schmerzlichsten Hunger gelitten hat. Wenn ich bey einer Unterhaltung oder in einer Gesellschaft bin, so stelle ich mir vor, wie sanftmüthig, freundlich und heilig JEsus Christus mit Seinen Upo= steln umging. Höre ich böse Reden, oder gewahre ich etwas Sündhaftes, so bitte ich sogleich Gott deßhalb um Verzeihung, und stelle mir vor, wie schmerzlich es das heiligste Herz JEsu verwundete, wenn Er sah, daß Sein himmlischer Vater beleidiget wurde. Gedenke ich der zahllosen Sünden, die in der Welt begangen werden, und wie sehr Gott auf Erden beleidiget wird, so erseufze ich trauernd darüber und vereinige mich mit der Wehmuth, die JEsus Christus fühlte, da Er in Thränen zu Seinem himmlischen Bater sprach: Heiligster Vater! die Welt kennet Dich nicht! Wenn ich zur Beicht gehe, so stelle ich mir Esum Christum vor, wie Er betrübet war, wie Er im Delgarten und am Kreuze geweinet hat. Wenn ich die heilige Messe höre, so vereinige ich meinen Geist und mein Herz mit den heiligsten Absichten JEsu, mit denen Er Sich auf dem Altare zur Ehre Seines himmlischen Baters, zur Sühnung unserer Sünden und für das Heil aller Menschen aufopfert. Singe ich ein Lied, oder höre ich das Lob Bottes singen, so erfreue ich mich in dem HErrn, und stelle mir jenes glorreiche Lied, jenen heiligen Lobgesang vor, den JEsus Christus mit Seinen Aposteln nach der Einsegung des allerheiligsten Sacramentes gesungen hat. Begebe ich mich zur Ruhe, so stelle ich mir JEfum Christum vor, der Sich nur Ruhe gestattete, um neue 331 Kräfte zur Ehre Seines himmlischen Vaters zu sammeln, oder ich stelle mir vor, wie verschieden mein Bett von dem Kreuze ist, auf daß Er Sich gleich einem Lamme hinstreckte, und Gott Seinen Geist und Sein Leben aufopferte. Dann schlafe ich ein, und spreche in meinem Herzen die Worte meines gekreuzigten JEsu: Vater! in Deine Hände empfehle ich meinen Geist und meine Seele! Der Pfarrherr staunte, so große Erleuchtung bey einem jungen und armen Dorfmädchen zu finden und fagte zu ihr: O Dorothea! wie glücklich bist du! Welch großen Trostes genießest du in deinem Stande! Es ist wahr, erwiederte Dorothea, ich erfreue mich groBen Trostes im Dienste Gottes, doch darf ich es Ihnen nicht verhehlen, daß ich auch Leiden und Kämpfe auszuhalten habe. Ich muß mir große Gewalt anthun, um die Spöttereyen derer, die sich über mich lustig machen, ertragen, und meine äußerst lebhaften Leidenschaften überwinden zu können. Gott erweiset mir freylich Gnaden, doch läßt Er es auch zu, daß häufige und beschwerliche Bersuchungen über mich kommen; zuweilen bin ich wie versenkt in Bitterkeit, zuweilen in Trockenheit und in einem Zustande des Ueberdrusses, der mich zu erdrücken scheint. Und was thust du da, fragte der Pfarrherr, um den Ueberdruß und die Versuchungen zu überwinden?. und Dorothea antwortete aufrichtig: Wenn ich trocken, traurig und mißvergnügt bin, da stelle ich mir meinen niedergeschlagenen, traurigen und bis in den Tod betrübten Heiland auf dem Selberge vor, oder ich stelle Ihn mir vor am Kreuze, verlassen und ohne Trost, und da vereinige ich mich mit Ihm, und spreche in meinem Herzen die Worte, die Er Selbst so oft im Delgarten gesprochen hat: Mein Vater! Dein Wille geschehe! 1 In meinen Versuchungen mache ich es so: Fühle ich einige Neigung in gewisse Gesellschaften zu gehen, oder zu abendlichen Zusammenkünften, zu Tänzen, oder andern gefährlichen Unterhaltungen; sehe ich, daß ja ſelbst ehrbare Mädchen derley Gelegenheiten nicht meiden, oder laden mich solche ein mit ihnen zu gehen; 332 oder wenn mich heftige Bersuchungen bestürmen in ei ne Sünde einzuwilligen und mir ein wenig mehr Freys heit zu gönnen: da stelle ich mir alsogleich IJEfum Christum vor, als spräche Er zu mir:» Wie, meine Tochter! willst du denn mich verlassen, um dich der Welt und deinen Freuden hinzugeben? Willst du dein Herz mir wegnehmen, um es der Eitelkeit und dem bösen Feinde zu geben? Sind denn derer nicht schon nur allzu Viele, die mich beleidigen? Willst du dich denn auch zu ihnen schlagen, und Meinen Dienst verlassen?"- Und alsobald antwortete ich Ihm auf das allerherzlichste: Nein! mein Gott! nie, nie will ich Dich verlaffen. Ich will Dir getreu bleiben bis in den Tod. Wohin sollte ich gehen, o mein HErr! wenn ich Dich verließe? Der Du allein Worte des Lebens haft! und dieser Gedanke gibt mir auf der Stelle Muth und Kraft. - Und der Pfarrherr fragte sie weiter: Von was redest du mit deinen Gefährtinnen, wenn du mit ihnen zusammen bist?- Ich rede mit ihnen von eben den Dingen, antwortete Dorothea, von denen Euer Hochwürden so gütig waren mich anzuhören. Ich sage ihnen, sie sollen sich unsern HErrn JEsus Christus zum Vorbilde ihrer Handlungen nehmen; sie sollten sich beym Gebethe, ben Tische, bey der Arbeit, in Gesellschaft und in den Leiden dieses Lebens erinnern, wie JEsus Christus Sich in diesen Gelegenheiten benommen hat, und Sich mit Seiner göttlichen Meinung vereinigen. Ich sage ihnen, daß ich mich dieser heiligen Uebung be fleiße und mich wohl dabey befinde; daß es nichts GröBeres, nichts Herrlicheres gibt, als einem Gott nachfolgen, einen Gott nachahmen, und nichts Lieblicheres als einem so guten HErrn dienen. Und der Pfarrherr sprach zu ihr: Wohlan Doros thea! benige die Gnaden, die der Himmel dir zu Theil werden läßt! der HErr waltet über dich in großen Ub sichten der Erbarmung und der Heiligung! die Seele, die JEsum Chriftum also nachahmt! Glücklich - - Anhang verschiedener Gebethe und Lieder. Die sieben Bußspalmen*). Erster Bußpfalm. Furcht vor dem göttlichen Gerichte und demüz thige Bitte um Versöhnung.) 1. HErr! strafe mich nicht in Deinem Grim( Psalm 6. - me: und züchtige mich nicht in Deinem Zorne. 2. Erbarme Dich meiner, o HErr, denn ich bin kraftlos: heile mich, o HErr, denn meine Gebeine sind zerschlagen. 3. Und meine Seele ist überaus betrübet: Du aber, o HErr, wie lange verzögerst Du Deine Erbarmung? 4. Wende Dich zu mir, o HErr, und er rette meine Seele: sichere mein Heil um Deiner Barmherzigkeit Willen. 5. Denn von den Todten ist Niemand, der auf Erden Dich lobe: in der Hölle aber, wer wird dort Dich preifen? 6. Erseufzend habe ich mich bemühet, noch fernerhin werde ich die Nächte durchweinen: mit meinen Thränen mein Lager beneßen. 7. Von der Gewalt des Grames ist mein *) Unter welchen, wenn man alle zu bethen nicht Zeit hat. der vierte unter den sämmtlichen Psalmen Davids der 50. vorzüglich auszuwählen ist. 331 Auge verdunkelt: veraltet bin ich unter allen mei nen Feinden. 8. Weichet endlich von mir, ihr Alle, die ihr Ungerechtigkeit übet: denn der HErr hat die Stimme meines Weinens erhöret. 9. Erhöret hat der HErr meine flehentlichen Bitten: der HErr hat mein Gebeth aufgenommen. 10. Beschämet und verwirret werden alle meine Feinde: zurückweichen müssen sie und jäh ling zu Schanden werden. Die Ehre sey dem Vater 2. 3 weyter Bußpfalm. ( Psalm 31.- Glückseligkeit des Büßers, Unseligkeit des une bußfertigen Sünders.) 1. Selig diejenigen, deren Ungerechtigkeiten nachgelassen: deren Sünden bedecket sind*). 2. Selig der Mann, welchem der HErr die Sünde nicht zugerechnet hat: und in deffer Gei: ste keine Falschheit ist. 3. Weil ich geschwiegen habe( meine Sünden nicht bekennend) sind meine Gebeine veraltet und kraftlos worden: während ich in meinem Herzen immerfort wehklagte. 4. Denn Tag und Nacht lag Deine Hand schwer auf mir: ich habe in meinem Elend mich hin und her gewendet, da der Stachel( des Gewiss sens) in mir haftete. 5. Ich habe meine Sünde vor Dir kund ge macht und meine Ungerechtigkeit nicht länger verborgen. *) Denn ,, die göttliche Liebe bedecket die Menge der Sünden,"( 1. Ep. Petri 4.) 235 6. Ich habe gesagt: ich will gegen mich meine Ungerechtigkeit dem HErrn bekennen: und Du haft die Gottlosigkeit meiner Sünde nachge= go laffen*). 7. Darum wird, nicht der Sünder allein, sondern auch jeder Heilige Dich bitten: zur schick= lichen Zeit, um Deine Gnade zu finden. 8. llnd wer Dich anruft, wird sicher seyn in der Ueberschwemmung vieler Gewässer: denn Deine Strafgerichte werden zu ihm nicht herandringen. 9. Du bist meine Zuflucht in der Trübfal, die mich umgeben hat: Der Du meine Freude bist, errette mich von den Feinden, die mich umringen. 10. Du hast zu mir gesprochen**):» Ich werde dir Einsicht geben, und dich unterweisen in diesem Wege, den du wandeln sollst: Ich werde über Dich Mein wachendes Auge halten.« 11. Wollet also, ihr Sünder, nicht werden wie Pferd und Maulthier: welche ohne Erkenntniß sind.. 12. Mit Baum und Gebiß, o HErr, bezwinge das Kinn derjenigen, die so sich geberden: die nicht demüthig zu Dir sich nahen. 13. Denn wahrlich viele Geißeln kommen über den Sünder: der aber sich wendet, und auf den HErrn hofft, den wird Barmherzigkeit um geben. *) ,, Meine Stimme war noch nicht in meinem Munde, aber Dein Ohr war in meinem Herzen."( St. Augustin.) **) Die Worte dieses 10. Verses sind Worte, mit welchen der HErr redend angeführt wird. 336 14. Darum erfreuet euch im HErrn, und frohlocket ihr Gerechten: und rühmet in Ihm euch alle, die ihr aufrichtigen Herzens seyd. Die Ehre sey dem Vater 2c. Dritter Bußpfalm. ( Psalm 37.- Leiden der Seele, als Folgen der Sünde; Lie: besreue, im Geiste der Ergebung und des Vertrauens.) 1. HErr, strafe mich nicht mehr in Deinem Grimme und züchtige mich nicht in Deinem Zorne. 2. Denn noch haften Deine Pfeile in mir: und Deine rächende Hand hältst Du über mich ausgestreckt. 3. Nichts Gesundes ist in meinem Leibe vor dem Angesichte Deines Zornes: kein Frieden ist in meinen Gebeinen vor dem Anblicke meiner Sünden. 4. Denn meine Misfethaten haben mein Haupt überstiegen und gleich einer schweren Bürde lasten sie auf mir. 5. Meine Wundmahle sind in Fäulniß über: gegangen und in Verderbniß: um meiner Thor: heit Willen*). 6. Elend ward ich, und auf's tiefste gebeuget: den ganzen Tag ging ich betrüber einher. 7. Denn meine Lenden sind mit schmählichen Täuschungen erfüllt: nichts Gesundes ist an mei nem Fleische**). es poden ap *) D. h. indem ich den Sünden mich ergab, die Buße aber aufschob.( Ein ganzes Jahr beynahe hatte David in Un bußfertigkeit zugebract.) **) ,, Fleischlich bin ich, verkauft an die Sünde;. in mir( in meinem Fleische) wohnt nicht das Gute."( Röm. 7, 14. u. 18.) - 337 8. Betrübet bin ich, und überaus erniedrigt: stöhnen mußte ich vor Bangigkeit meines Herzens. 9. HErr, vor Dir ist alle meine Sehnsucht: mein Seufzen ist vor Dir nicht verborgen. 10. Siehe, mein Herz ist verwirrt, meine Kraft hat mich verlaffen: und das Licht meiner Augen ist von mir gewichen. 11. Meine Freunde und Nächsten auch haben sich gegen mich vereinigt: und wider mich sich aufgestellt. 12. Und die sonst mir nahe waren, sind ferne gestanden: während jene Gewalt übten, die meis ne Seele anfeindeten. 13. Die mir Böses wollten, haben Falsches geredet: den ganzen Tag waren sie auf Trug bedacht. 14. Ich aber, einem Tauben ähnlich, hörte nicht darauf: wie ein Stummer war ich, der fei nen Mund nicht aufthut. 15. Und ich ward wie ein Mensch, der kein Gehör hat: und wie einer, dessen Mund sich nicht zu vertheidigen weiß. 16. So that ich, weil ich auf Dich, o HErr, gehoffer habe: erhören wirst Du mich, HErr, mein Gott. 17. Damit, so sprach ich zu mir, meine Feinde sich nicht über mich erfreuen*): denn da meine Füße wanken, haben sie Großes über mich verabredet. 18. Denn zu den Geißeln des HErrn bin ich D. i. im Falle ich ungeduldig werden, und Böses mit Bösem vergel: n würde, weil mich dann Gott verließe. 338 bereit: der Schmerz über meine Sünde ist alle: zeit mir gegenwärtig. 19. Und ich werde meine Missethat anzeigen: und für meine Sünde an Sühnung denken. 20. Inzwischen leben meine Feinde, und sind über mich mächtig worden: Zahlreich sind sie worden, die ungerecht mich haffen. 21. Die Gutes mit Bösem vergelten, redeten mir übel nach: weil ich dem Guten nachstrebte. 22. Berlasse mich also nicht, o HErr mein Gott: weiche mit Deiner Hülfe nicht von mir. 23. Wende Deine Hülfe mir zu, o HErr mein Gott: Du allein der Urheber meines Heiles. Die Ehre sey dem Vater zc. Vierter Bußpfalm. - ( Pfalm. 50. 3erknirschung des Herzens ob begangener Sünde, innigstes Flehen um Verzeihung, und um Wieder: herstellung in die Gnade des heiligen Geistes, mit Beziehung auf das Sühnopfer Christi und die Würde der heiligen Kirche.) 1. Erbarme Dich meiner, o Gott: nach Dei: ner großen Barmherzigkeit. 2. Und nach der großen Menge Deiner Er barmungen: tilge meine Ungerechtigkeit. 3. Mehr und mehr wasche mich von meiner Missethat: und von meiner Sünde mach mich rein. 4. Denn meine Misfethat erkenne ich: und meine Sünde ist allezeit wider mich. 5. Dir allein habe ich gesündigt, und Böses vor Dir gethan: damit Du gerecht befunden wer: deft in Deinen Worten, und überwindest, wenn über Dich geurtheilt wird. 339 6. Denn siehe, in Ungerechtigkeit bin ich em pfangen in Sünden hat meine Mutter mich em= pfangen. 7. Siehe, Du hast die Wahrheit geliebet: die unbekannten und verborgenen Dinge Deiner Weisheit hast Du mir offenbaret. 8. Du wirst mit Hyssop mich besprengen, und ich werde gereiniget werden: Du wirst mich wa schen, und ich werde weißer werden als der Schnee. 9. Du wirst meinem Gehör Trost und Freude verleihen und frohlocken werden die gedemüthigten Gebeine. 10. Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden und alle meine Missethaten tilge. 11. Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott: und einen aufrechten Geist erneuere in meinem Innern. 12. Verwerfe mich nicht vor Deinem Unge: sichte und Deinen heiligen Geist nimm nicht mehr hinweg von mir. 13. Gib mir wieder die Freude Deines Heils: und mit dem fürnehmen Geiste befestige mich. 14. Dann will ich die Ungerechten Deine Wege lehren und die Gottlosen werden zu Dir sich wenden. 15. Errette mich von den Blutschulden, o Gott, Gott meines Heils: und meine Zunge wird freudig Deine Gerechtigkeit rühmen. 16. Du wirst, o HErr, meine Lippen eröffnen: und mein Mund wird Dein Lob verkünden. 17. Denn hättest Du Schlachtopfer gewollt, 340 so würde ich sie dargebracht haben: an den Brands opfern wird Dein Wohlgefallen nicht seyn*). 18. Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geift: ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wirst Du, o Gott, nicht verachten. 19. Handle gnädig, o HErr, in Deinem gü tigen Willen mit Sion: damit die Mauern Jerus falems erbauet werden. 20. Alsdann wirst Du das Opfer der Ge rechtigkeit annehmen, und Gaben und Brand: opfer: alsdann werden sie auf Deinem Altare Dir Opfer**) darbringen. Die Ehre sey dem Bater 2c. Fünfter Bußpfalm. ( Psalm 101.- Gebeth in Trübfal und Bedrängniß, im Geist der Buße und vollkommner Hingebung; mit Blicken auf das Heil und die Freyheit der Kirche durch Christum.) 1. HErr, erhöre mein Gebeth: und lasse mein Rufen zu Dir gelangen. 2. Wende Dein Untliß nicht von mir: an welchem Tage immer ich bedränget werde, neige zu mir Dein Ohr. 3. Un welchem Tage ich immer Dich anrufen werde: wolle alsbald mich anhören. 4. Denn wie ein Rauch gehen meine Tage *) Die Schlacht- und Brandopfer, als bloße Schatten und Vorbedeutungen des wahren Sühnopfers Christi, konna ten keine Sühnung für die Sünde vermitteln. **) Im Terte heißt es: Kälber, welche nähmlich die vors züglichsten Opfer darstellten. Der geistige Sinn der zwey legten Berse deutet auf das neue Jerusalem oder die katholische Kirche, und das Eine Opfer, das auf ihren Ultären dargebracht wird. 341 dahin: meine Gebeine verdorren, wie ein angebranntes Gereisig. 5. 3erschlagen bin ich, wie abgemähtes Gras, und mein Herz wie verdorret: vor Betrübniß ver: gaß ich mein Brot zu essen. 6. Und von der Stimme meines ftäten Erfeufzens: ist mein Gebein an meine Haut angeklebt. 7. Ich bin dem Pelikan ähnlich worden, dem Bewohner der Wüste: ich bin wie eine Nachteule worden, scheu und trauernd in der zerfallenen Wohnung. 8. Ich bin schlaflos geblieben: ich bin worden wie ein junger Sperling, verlassen und einsam auf dem Dache. 9. Den ganzen Tag schmäheten mich meine Feinde: und die vorher mich gepriesen hatten, ha: ben sich wider mich verschworen. 10. Ich aber habe Asche wie Brot gegessen: und meinen Trank mit Thränen vermischt. 11. Also that ich vor dem Angesichte Deines Zornes und Unwillens: denn nachdem Du mich erhoben, hast Du wieder zu Boden mich ge= Du Schmettert. 12. Darum sind meine Tage wie ein Schatten dahingeschwunden: und wie abgemähtes Gras bin ich hingedorret. 13. Du aber, o HErr, bleibest in Ewigkeit: und Dein Gedächtniß von einem Geschlechte zum andern. 14. Erheben wirst Du Dich, und Sion's Dich erbarmen: denn die Zeit des Erbarmens ist schon, die Zeit ist gekommen. 15. Denn Deinen Knechten gefallen die Steine 20 342 Sion's: sie werden ihres verlassenen Erdreichs sich annehmen*). 16. Dann werden die Völker Deinen Nahmen fürchten, o HErr: und alle Könige der Erde Dei: ne Herrlichkeit verehren. 17. Denn sie werden sehen, daß der HErr Sion wieder erbauet hat: und in Seiner Herra lichkeit wird Er sichtbar werden**). 18. Er hat auf das Gebeth der Demüthigen gefehen und ihre Bitte nicht verschmähet. 19. Geschrieben werde dieß für das nachfol gende Geschlecht: damit das Volk, das erschaf fen wird werden, den HErrn lobpreise***). 20. Denn Er hat herabgesehen von Seiner heiligen Höhe: der HErr hat vom Himmel auf die Erde gesehen. 21. Um das Seufzen der Gefangenen zu hö ren: um die Kinder der Erschlagenen loszubinden. 22. Damit sie verkündigen in Sion den Nah men des HErrn: und Sein Lob singen in Jeru falem. 23. Wenn die Völker dafelbft( in der Kirche) sich versammeln und vereinen: und ihre Könige, um dem HErrn zu dienen. 24. Und zu Ihm, auf dem Wege Seiner Kraft, rufet der Urme: Mache, o HErr, die ge ringe Zaht meiner Tage mir fund. *) Wörtlich bezieht sich dieß auf die Rückkehr aus der bas bylonischen Gefangenschaft, und auf die Wiedererbauung des Tempels Sion; im geistigern Sinne gilt hier die Meinung für die Aufnahme und den Flor der heiligen Kirche durch eifrige Christen. voll ,, Und wir haben Seine Herrlichkeit gesehen der Gnade und Wahrheit."( Joh. 1.) ***) Nähmlich die christlichen Völker von heidnischer Ubkunft. - 343 25. Rufe mich nicht hinweg in der Mitte meiner Tage: Du, Dessen Jahre von Geschlecht zu Geschlecht fortdauern. 26. Denn Du, o HErr, haft im Anfange die Erde gegründet: die Werke Deiner Hände sind die Himmel. 27. Sie werden vergehen, Du aber bleibest: sie werden alle wie ein Gewand veralten. 28. Und wie eine Decke wirst Du sie umwen= den, und sie werden verändert werden: Du aber bleibest, wie Du bist, und Deine Jahre werden nicht abnehmen. 29. Die Söhne Deiner Knechte werden das Land der Verheißung bewohnen: ihre Nachkommen werden zum ewigen Heile geführet werden. Die Ehre sey dem Vater zc. Sechster Bußpfalm. ( Pfalm 129. Kufruf zu Gott aus dem Elend der Sünde, mit Vertrauen auf Seine Barmherzigkeit; Hinblick auf die künftige Erlösung*). 1. Aus den Tiefen habe ich, o HErr, zu Dir gerufen: HErr, erhöre meine Stimme. 2. Acht haben wolle Dein Ohr: auf die Stim me meines Flehens. 3. Zwar, wenn Du die Ungerechtigkeit abnden wolltest, o HErr: HErr, wer wird alsdann bestehen. *) Daher ist dieser Psalm auch der gewöhnlichste, der in der Kirche für die Seelen im Fegefeuer gebethet wird, weil alles, was er enthält, durchaus passend ist, wenn er gleichsam im Nahmen und der Person eines jenseits noch Leidenden gesprochen wird. 20 844 4. Aber bey Dir ist verzeihende Güte: und um Deiner Verheißungen Willen harre ich auf Dich. 5. Meine Seele verharret in Seinem Worte: meine Seele hoffet auf den HErrn. 6. Von der Morgenwache bis in die Nacht: hoffe jeder Gläubige auf den HErrn. 7. Denn bey dem HErrn ist Barmherzigkeit: und bey Ihm ist überreiche Erlösung. 8. llnd Er wird Israel erlösen: von allen feinen Sünden.com Die Ehre sey dem Vater zc. Siebenter Bußpsalm. ( Pfalm 142. Vertrauensvolle Unrufung göttlicher Hülfe in Leiden und Todesgefahr. Läßt sich, nach den heiligen Vätern, auch auf Christi Leiden beziehen.) 1. HErr, erhöre mein Gebeth, vernimm mein Flehen um Deiner Wahrheit Willen: erhöre mich in Deiner Gerechtigkeit. 2. llnd gehe nicht in's Gericht mit Deinem Knechte: denn vor Deinem Ungesichte wird kein Lebender gerechtfertigt erscheinen. 3. Erhöre mich, denn der Feind hat meine Seele verfolgt: und mein Leben zu Boden gez treten. 4. Er hat in Finsterniß mich versetzt, wie die Todten der Vorzeit: und mein Geist ward über mich geängstigt, und mein Herz in mir be klommen. 5. Da ward ich eingedenk der alten Tage, und ich betrachtete alle Deine Werke: über die Werke Deiner Hände, über die Erweisungen Deiner Erbarmungen habe ich nachgefonnen. 345 6. Und ich breitete meine Hände zu Dir aus: wie Erdreich ohne Wasser, lechzte meine Seele zu Dir. 7. Ich sprach: Erhöre mich schleunig, o HErr: denn mein Geist verschmachtet. 8. Wende Dein Untlig nicht von mir: damit ich nicht jenen gleich werde, die hinabsteigen in die Grube. 9. Laffe frühzeitig Deine Barmherzigkeit mich hören: weil ich auf Dich gehoffet habe. 10. Mache mir den Weg bekannt, auf wels chem ich wandeln soll: denn zu Dir habe ich meine Seele erhoben. 11. Errette von meinen Feinden mich, o HErr, denn zu Dir bin ich geflohen: lehre mich Deinen Willen thun, denn mein Gott bist Du. 12. Dein gütiger Geist wird in das Land der Wahrheit mich führen: um Deines Nahmens Willen, o HErr, wirst Du, in Deiner Milde, mich lebendig machen. 13. Herausführen aus der Trübfal wirst Du meine Seele: und in Deiner Barmherzigkeit meine Feinde zerstreuen. 14. Und wirst sie alle hinwegschaffen, die meine Seele bedrängen: weil ich Dein Knecht bin. Die Ehre sey dem Vater zc. 20** 346 Andachtsübung des Kreuzweges. Die Undachtsübung des Kreuzweges ist an die Stelle der Wallfahrten getreten, welche die Gläubigen vor mahls nach Jerusalem zu machen pflegten, um daselbst die, durch die Erfüllung der Geheimnisse unserer Erlőfung geheiligten Stätten zu besuchen. Mit dieser Wallfahrt waren häufige Ablässe verbunden, die späterhin von den Päpsten auch denjenigen verliehen wurden, welche zu Rom oder anderswo die dazu bestimmten Kirchen besuchen, und die Stationen halten würden, welche man zu Jerusalem zu halten verbunden ist. Endlich haben sie sogar gnädigst bewilliget, daß jene Personen, welche, wenn sie in jene bestimmten Kirchen zu kommen gehindert sind, für sich allein in ihrer Wohnung diese Andachtsübung verrichten, dieselben Ablässe gewinnen, wie diejenigen, welche die, in gewissen Kirchen vorgestellten Stationen öffentlich besuchen. Nur soll man in dieſem Falle, am Ende der Undachtsübung: Fünf Vater unfer, fünf Gegrüßet seyst Du, Maria! und fünf Die Ehre sey dem Vater 2c., und eines für den Papst hinzuseBen. Diese Ablässe können bittweise auch den Seelen im Fegefeuer zugewendet werden.- Man fängt diese Un dachtsübung mit der Erweckung der Reue an, welche auf die folgende oder auf eine ähnliche Urt geschehen kann: Reue: Mein Gott! mein Erlöser! Du siehst mich hier vor Deinen Füßen. Ich bereue von ganzem Herzen alle meine begangenen Sünden, weil ich dadurch Dich, das höchste und unendlich liebenswürdige Gut, beleidiget habe. Ich will lieber sterben, als Dich je wieder beleidigen. Dann wird die Undachtsübung auf folgende Weise fortgesett. 1. Station. JEfus wird zum Tode verurtheilt. -Wir bethen Dich an, o JEfu! und preifen Dich! denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöfet. 347 Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen JE fus zum Tode verurtheilt, und wie dein Heiland dieses Todesurtheil angenommen hat, damit du von dem Urtheil des ewigen Todes befreyet würdest. O JEsu! ich danke Dir für diese große Liebe und bitte Dich, nimm das Urtheil des ewigen Todes, welches ich durch meine Sünden verdient habe, zurück, damit ich würdig werde, das ewige Leben zu besißen. Vater unser. Gegrüßet feyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 2. Station. JEsus wird mit dem Kreuze beladen. - Wir bethen Dich an, o JEfu! ic. wie oben. Betrachte, wie JEsus das Kreuz, das deine vielen Sünden so schwer gemacht haben, auf Seine Schultern geladen hat. O JEsu! gib mir die Gnade, daß ich Dein Kreuz durch neue Sünden nicht noch schwerer mache, und daß ich das meinige mit einem aufrichtigen Bußgeiste herzhaft trage. Vater unser. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 3. Station. JEfus fällt das erste Mah1. bethen Dich an, o JEsu! c. - Wir 348 Betrachte, wie JEsus, da Er die Last, womit Er beladen war, nicht mehr tragen konnte, von Ermüdung und Schmerz niedergedrückt, unter dem Kreuze fiel. OJEsu! meine Fehltritte sind die Ursache Deines Falles. Verleihe mir die Gnade, daß ich Deinen Schmerz durch den Rückfall in die Sünde nie erneuere. Vater unser. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 4. Station. JEfus begegnet Seiner heiligsten Mutter. Wir bethen Dich an, o JEsu! c. Betrachte, welcher Schmerz das Herz JEsu jerriß, als Er Mariam gewahr wurde; und das Herz Maria, als JEsus Ihr begegnete. Deine Sünden sind an der gegenseitigen Betrübniß des Sohnes und der Mutter Schuld. - O JEsu! erwecke in mir, durch die Fürbitte MAriä, einen lebhaften Schmerz über meine Sünden, damit ich sie mein ganzes Leben hindurch beweine, und in der Stunde meines Todes vor Dir Gnade finde. Vater unser. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 5. Station. Simon von Cyrene wird genöthiget, das Kreuz Christi zu tragen.- Wiv bethen Dich an, o JEfu! 2c. Betrachte, wie die Juden, als sie bemerkten, daß JEsus nicht mehr die Kraft habe, das Kreuz 849 zu schleppen, Ihm mit verstelltem Mitleid das Kreuz abnahmen. OJEsu! mir steht es zu, das Kreuz zu tra gen, weil ich gefündiget habe. Mache, daß ich Dich wenigstens auf dem Kreuzwege begleite, und das Kreuz der Widerwärtigkeiten aus Liebe zu Dir trage. Bater unser. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater 2c. 6. Station. JEsu Angesicht wird von der hei ligen Veronica abgetrocknet. Wir bethen Dich an, o JEsu! c. - Betrachte, wie diese heilige Frau bemüht war, JEfu Leiden zu lindern, und wie dagegen JEsus bedacht war, sie zu belohnen, indem Er Sein Ungesicht dem Schweißtuche, das sie in den Händen hatte, eingedrückt ließ. OJEsu! verleih mir die Gnade, meine Seele von allen Flecken zu reinigen, drücke Dein heis liges Leiden tief in meinen Geist und in mein Herz ein. Vater unfer. Gegrüßet seyst du, Maria! Die Ehre sey dem Voter ic. 7. Station. JEfus fällt zum zweiten Mahle. Wir bethen Dich an, o JEsu! zc. Betrachte die Leiden, welche JEfus bey dies sem zweyten Falle empfindet. Du verursachst sie Ihm durch deine öftern Rückfälle in die Sünde. O JEsu! wie beschämt stehe ich vor Dir! Gib 350 mir die Gnade, von meinen Sünden so aufzu: stehen, daß ich nie wieder in dieselben zurückfalle. Vater unser. Gegrüßet feyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater 2c. 8. Station. JEsus begegnet den Frauen von Jerusalem.- Wir bethen Dich an, o JEfu! 2c. Betrachte, wie JEsus diese Frauen ermahnt, sie sollen nicht über Ihn, sondern über sich selbst weinen; um dich zu belehren, daß du mehr über deine Sünden, als über Seine Leiden weinen follst. DJEsu! gib mir Thränen einer wahren Reue, damit das Mitleid, welches ich über Deine Schmer zen trage, mir verdienstlich sey. Vater unser. Gegrüßet seyst Du, MAria! Die Ehre sey dem Vater 2c. 9. Station. JEfus fällt zum dritten Mahle.- Wir bethen Dich an, o JEfu! 2c. Betrachte, wie JEsus zum dritten Mahle eben so schmerzlich, als die beiden ersten Mahle, fällt. Daran ist deine Verstocktheit, aus der du stets in neue Sünden fällst, Schuld. O JEsu! ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu machen, um Dir bey Deinen Leiden Linderung zu verschaffen. Stärke mich in meinem Entschluß, und mache ihn durch Deine Gnade wirksam, Vater unfer. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 351 10. Station. JEsus wird entkleidet und mit Galle getränkt. Wir bethen Dich an, o JEsu! 2c. Betrachte die Beschämung, die JEsus aus: stand, da man Ihn durch die Entkleidung entblößte, und die Bitterkeit, die Er empfand, da man Ihm Wein mit Myrrhen und Galle vers mischt reichte. So büßte Er deine Unverschämtheit und deine Leckerhaftigkeit. 1 O JEsu! ich bereue die sündhaften Freuden, die ich mir erlaubt, und die Unmäßigkeit, der ich mich ergeben habe. Ich faffe den festen Entschluß, mittelft Deines Beistandes, Deine Beschimpfung und Qual nicht mehr zu erneuern, und mein künftiges Leben in Sittsamkeit und Mäßigkeit zuzubringen. Vater unser. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 11. Station. JEsus wird an das Kreuz geheftet. Wir bethen Dich an, o JEsu! 2c. Betrachte die außerordentlichen Schmerzen, welche JEsus erlitt, als die Juden Seinen vom Blute schon ganz triefenden Leib auf dem Kreuze ausstreckten, und, mittelst der Durchbohrung Seiner heiligsten Hände und Füße, mit Nägeln darauf befestigten. O JEsu! Du leidest dieß alles für mich; und ich soll Deinetwegen nichts leiden? Hefte meinen widerspänstigen Willen an Dein Kreuz. Ich nehme 352 mir ernstlich vor, Dich nicht mehr zu beleidigen, und aus Liebe zu Dir alles zu leiden. Bater unser. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 2012 4 12. Station. JEfus stirbt am Kreuze.- Wir be: then Dich an, o JEfu! 2c. Betrachte, daß dein Erlöfer, nach einer drey: stündigen Todesangst, am Kreuze verschieden ist, um dein Heil zu wirken. O JEsu! nachdem Du Dein Leben hingeges ben haft für mich, so ist es wohl billig, daß ich den lleberrest des meinigen für Dich verwende. Dieß ist auch mein fester Vorfaß. Nur um die Gnade, denselben in's Werk zu setzen, bitte ich Dich, durch die Verdienste Deines heiligen Todes! Vater unser. Gegrüßet seyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 13. Station. Der Leichnam Christi wird vom Kreuze abgenommen.-Wir bethen Dich an, o JEfu! 2C. Betrachte die Betrübniß der Mutter Gottes, als Sie den Leichnam Ihres göttlichen Sohnes, erblaßt, mit Blut überronnen, und des Lebens beraubt, in Ihre Arme nahm. Oheiligste Jungfrau! erbitt mir die Gnade, daß ich JEsum nicht mehr durch neue Sünden Freuzige, sondern Ihn durch die llebung christlic cher Tugenden, in mir stets lebend erhalte. Bater unser. Gegrüßet feyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater zc. 853 14. Station. Der Leichnam JEsu wird zu Grabe getragen. Wir bethen Dich an, o JEfu! 2c. Betrachte, wie der heiligste Leichnam JEsu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab, wel= ches für Ihn bereitet worden war, gelegt wurde. O JEsu! ich danke Dir für alles, was Du gelitten hast, um mich zu erlösen, und bitte Dich, gib, daß ich mich vorbereite, durch das heilige Abendmahl, den Leib, Den Du für mich hingegeben hast, würdig zu empfangen. Schlag Deine Wohnung für immer in meiner Seele auf! Vater unfer. Gegrüßet feyst Du, Maria! Die Ehre sey dem Vater 2c. Schluß der Andacht. Erbarme Dich unser, o HErr! erbarme Dich unser. Gott! Der Du die Fahne des Kreuzes durch das kostbare Blut Deines Sohnes haft heiligen wollen, wir bitten Dich, verleihe, daß wir Alle, so wie wir uns der Ehre Deines heiligen Kreuzes, eben so auch uns Deines Schußzes erfreuen; durch unsern HErrn JEfum Christum. Amen. Die Seelen der verstorbenen Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. Amen. Sechs Vater unser; sechs Gegrüßet feyst Du, Muria! sechs Die Ehre sey dem Vater ic. - 354 Meßgesang. 3um Introitus. - 1. Wir werfen uns darnieder, Vor Dir Gott Sabaoth! Erhöre unsre Lieder, Da wir nach dem Geboth Dir dieses Opfer bringen, Verleihe nun, daß wir- Es andachtsvoll besingen,- Und wohlgefallen Dir. 2. Den Tag vor JEsu Leiden,- Beym leßzten Abendmahl,- Indem Er wollte scheiden- Aus diesem Jammerthal, Hat Er das Brot gebrochen, und ausgetheilt den Wein, Ge fegnet und gesprochen: Dieß thut und denket Mein. - — - - - - - 3. Er sprach: Nehmt hin, und effet,-Das ist Mein Fleisch und Blut,- Damit ihr nicht vergeffet, Was Meine Liebe thut;- Mich opfernd will Ich sterben- Am Kreuz, zum Heil für euch; Wer an Mich glaubt, soll erben Mit Mir das Himmelreich. 4. DHErr! dieß Opfer steige- 3u Dir mit Wohlgeruch, Damit Dein Herz Sich neige- Zu Deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aron hat gethan,- Nein, JEsum Christum Selber, Der uns versöhnen kann. —— - - - - 3um Gloria. 1. Gott Vater! Dir gehöret- Lob, Ruhm, und Dank und Ehr'; Was unsre Ruhe stö: 355 ret, Berstatte nimmermehr. Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jeder Zeit, Daß wir Dir fröhlich dienen,- Von Furcht und Angst befreyt. - - 2. Der Du der Menschen Sünden- Gebüßt am Kreuzesstamm, Laß uns Erbarmung fin= den, JEfu, Gotteslamm!- Gelobt mit O Mund und Herzen Seyst Du, Gott heiliger Geist! Der Du in Angst und Schmerzen, Den Frommen Trost verleihst. - 1 — 3um Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet- Das Evan gelium; Auf diesem Grunde stehet- Das wahre Christenthum. Gott Selber hats gelehret, Der nicht betriegen kann;- Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. 2. Dein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an; Es weifet uns die Stege, Zu gehen diese Bahn.- HErr! drücke Deine Worte Tief in die Herzen ein;- Daß wir zur Himmelspforte Zu kommen würdig sey'n. Credo. - - - L - - 3um 1- - 1 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath, Gott, Den wir Vater nennen,- Die Welt erschaffen hat.- Von Ihm ist ausgegangen- Sein Sohn, der JEsus heißt; - Er ward als Mensch empfangen- Durch Gott den heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren Als Jungfrau die fes Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib - - - 1 356 und Seele,- Schloß sterbend Seinen Lauf; Stand aus des Grabes Höhle- Um dritten Ta: ge auf. 3. Er ward hinauf genommen Zu Gottes rechter Hand;- Wann Er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt:-Doch kommt Er einst zu rächen,- Und wird von Seinem Thron, Ein billig Urtheil sprechen,- Zur Strafe und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine,- Daß eine Kirche sey, Wir stimmen der Gemeine- Der Heiligen auch bey. Die Sünde wird vergeben -Durch Christi Diener hier;- Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. Offertorium. - - - - 3um 1. HErr! laß doch diese Gaben- Dir wohl, gefällig fenn, Die wir geopfert haben,- Es ist zwar Brot und Wein;- Doch wirds verwandelt werden, In Chrifti Fleisch und Blut; Das ist uns hier auf Erden,- Und den Verstorb'nen gut. - 1 - - 2. Bir opfern Dir den Willen, Herz und Gedanken auf!-Hilf uns, daß wir erfüllen- In diesem Lebenslauf, Was Du uns, Dei: nen Kindern, Zu thun befohlen hast.- Nimm weg, was uns kann hindern, Sündenlast. Nimm weg die 3. Wir legen Dir zu Füßen Auch unser Hab und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Gib uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, - - - - - - - - Und laß durch Deinen Segen fruchtbar seyn. 3um Sanctus. 1. Laßt uns gegen Himmel schwingen,- Zum Helfer in der Noth, Und drey Mahl: heilig! fingen Dem HErrn Gott Sabaoth. HErr! Himmel, und auch Erde- Sind voll von Deinem Ruhm. Hilf! daß bekehret werde- Das blinde Heidenthum. - - - - 2. Daß wir hernach zusammen- Dir unfre Herzen weih'n,- Und, voll von Liebesflammen, Dir ein Hosanna schrey'n.- HErr! Der in Deinem Nahmen-Kommt, sey gebenedent! Die Engel sagen: Amen! Jeßt und in Ewigkeit, - - -- Nach der Wandlung. 1. Hier beth' ich auf den Knien,- Verborg'ner Gott, Dich an: Ich will mich) nicht bemüben,- Das, was Du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens seyn. - 1 357 Die Felder — - - 1 2. Die Gottheit war bedecket- Allein, am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket- Die Menschheit auch sogar.- Dieß Denkmahl Deiner Güte Dieß wahre Himmelsbrot,- Erin: nert mein Gemüthe, O HErr! an Deinen Tod. - 3. Wasch' mich von meinen Sünden, DJEsu! durch Dein Blut;- Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut!- Laß 858 bald den Vorhang fallen, Erschein' im vollen Licht, und zeige mir und Allen- Dein glän zend Angesicht. - Zum Agnus Dei. 1. Erfreut euch fromme Seelen!- Ein Wunder ist gescheh'n.- Der HErr will Sich verheh len, Kein Auge kann Ihn seh'n. In Brots und Weinsgestalten- Ift JEfu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten,- Dieß größte Seelengut! 2. Berdeckt ist hier zu finden- Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden- Getilgt am Kreuzes stamm.- Es ist der Seelen Speise, Wie uns der Glaube lehrt, nährt uns auf der verzehrt. Sie Reise,- Und wird doch nicht der Reife, 3. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrot,-Recht wohl bereit ge nießen, So kann der bittre Tod Uns Chris ften nicht erschrecken; Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken starken Hand, Mit Seiner - - - - - - - - - - - - 1 4. HErr JEsu! Deiner Liebe- Sey Ehre, Lob und Dank! Weil Du nach ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank- Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brotgestalt verhüllt, Und reine Daraus für uns das Leben, Freude quillt. 1 5. Entzünd' in uns Verlangen- Nach die fem Sacrament! HErr! laß Es uns empfan gen,- Wann sich die Seele trennt. - - - - - Laß uns. 359 in Frieden fahren, Von allen Sünden rein, - Zu Deinen Engelscharen, Und ewig bey Dir seyn. Zum Segen des Priesters. 1. Da wir nunmehr gehöret,- Die Messe, wie man soll, So sey auch Gott geehret!- Er mach' uns segensvoll, Und laß es Sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bey uns Allen, So sind wir wohl daran. 2. Gott wolle an diesem Tag, uns behüthen, Daß uns Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag! Er laß uns ohne Sünden- Einst stehen vor Gericht,- Da mit wir Gnade finden- Vor seinem Ungesicht. - - - - - - Zum Segen mit dem hochwürdigsten Gute. - - Segne JEfu Deine Herde, 1. Welche Dir zu Füßen fällt, und die Güter dieser Erde nur von Deiner Gnad' erhält.- HErr! Dein theures Fleisch und Blut Ist das größte Seelengut, Welches würdig zu empfangen- Wahre Christen stets verlangen. - 1 - - - - 2. Den die Brotgestalt verdecket, Der Du unser Heiland bist,- Den die Liebe hier verstecket! Gib uns Segen JEfu Chrift!- Mach' verstockte Herzen weich, Und an wahrer Tugend reich. Stärk' uns auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreife. 3. Der Du haft für uns gelitten, Und von - 860 Sünden machest frey! Ach gewähre, was wit bitten, Segne! HErr! und steh uns bey, Daß wir in der Todeszeit, In dem aller: schwersten Streit,- Alle Feinde überwinden, Und durch Dich das Leben finden. -- - 1 Ein anderer Meßgesang. Was mit kleineren Buchstaben gedruckt ist, muß mit leiserer Stimme gesungen werden. 3um Kyrie. nicht, stoß uns nicht, Hier liegt vor Deiner Majestät- Im Staub die Christenschar,- Das Herz zu Dir, o Gott erhöht, Die Augen zum Altar.- Schenk uns, o Vater! Deine Huld, schuld; Vergib uns unsre SündenO Gott! von Deinem Angesicht- Ver stoß uns arme Sünder nicht! Verstoß uns Verstoß uns Sünder nicht!- VerVerstoß uns Sünder nicht! Wir haben, HErr! Dein Gut verschwendt, Wie der verlorne Sohn;- Die Sünde hat uns so verblend't, Doch schau von Deinem Thron- Mitleidig her auf unsern Schmerz,- Vers wirf nicht ein zerknirschtes Herz, Entzieh' die Vaterhuld uns nicht, Gnadenlicht! Dein Gnadenlicht!- Dein Und sende uns Dein göttlich Gnadenlicht! Dein Gnadenlicht!- Dein göttlich Gnadenlicht! 1- 1 Wir sind ja Deiner Hände Werk,- Der Schöpfung unterthan; O! gib uns Schwa: chen Kraft und Stärk', Sieh uns in Gnaden - - - - - - - - - - - 361 an! Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. O Gott! der Werth des Bluts ist groß, Das einst Dein Sohn für uns vergoß. Für uns ver goß,- Um Kreuz Für uns vergoß, - Um für uns vergoß. Kreuz für uns vergoß. - - - Zum Gloria. Gott foll gepriesen werden,- Sein Nahm' Im Himmel und auf Erden, gebenedent, Jetzt und in Ewigkeit! Lob, Ruhm und Dank Die ganze - WAND - und Ehre Sey der Dreyeinigkeit! Welt vermehre, Gort! Deine Herrlichkeit! Gott! Deine Herrlichkeit! - - - - - - 3um Evangelium. Aus Gottes Munde gehet- Das Evange: lium: Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum.- Gott Selbst ist's, Der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist: Der Seine Lehren höret,- Wie glücklich ist der Chrift! Wie glücklich ist der Christ! - 13 - veephe - 3um Credo. Allmächtiger! vor Dir im Staube-- Bes kennt Dich Deine Creatur! Gott und Vater! ja, ich glaube- An Dich, Du Schöpfer, der Natur! Uuch an den Sohn, Der ausges Von Dir gezeuget ewig war, Den von dem heil'gen Geist empfangen- Die reinste Jungfrau uns gebar. Die reinste Jungfrau uns gebar. gangen, - - Und JEsus Christus ist gekommen,- Daß Er verföhne uns mit Gott:- Er hat die 21 362 Und fitt für Schuld auf Sich genommen, uns den Kreuzes tod,- Erstand, be fiegt Tod und Hölle,- Fuhr zu des Vaters Rechten auf Und wird als Richter jeder Seele- Einf prüfen unsern Lebenslauf.- Einst prüfen unfer Le benslauf. - Ich glaube, Gottes Geist regieret"-Di wahre Kirch' und Christenheit;- Ein büßend Schaf, das sich verirret,- Flieht hin zu de Barmherzigkeit. Um großen Tag wird Fleisch erstehen;- Jest, Heilige! helft insgemein Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Chrifti ewig sey'n- Miterben Chrifti ewig fey'n. 3 um Offertorium. Nimm an, o HErr! die Gaben- Aus Dei nes Priesters Hand, Wir, die gefündigt haben, Weih'n Dir dieß Liebespfand.- Für Sünde hier auf Erden,- In Ängsten, Kreuz und Noth,- Soll dieß ein Opfer werden- Von Wein und reinem Brot! Von Wein und reinem Brot. Nimm gnädig dieß Geschenke,- Dreyeinig großer Gott!- Erbarm' Dich unser, denke- Un Christi Blut und Tod.- Sein Wohlgeruch er schwinge Sich hin zu Deinem Thron; Und dies fes Opfer bringe- Uns den verdienten Lohn.- lins den verdienten Lohn. - - 38 3um Sanctus. Singt: heilig! heilig! heilig! Ist unser HErr und Gott!- Singt mit den Engeln heis lig- Bist Du Gott Sabaoth!- Im Himmel und - 363 auf Erden Soll Deine Herrlichkeit- Gelobt, gepriesen werden- Jetzt und in Ewigkeit!- Jetzt und in Ewigkeit. - men, Von ganzer Wir singen froh zusammen Seel' erfreut: Der kommt in's HErren NahDer sey gebenedeyt! Hosanna in der Dem großen Höhe! Gepriesen sey der HErr! Gott geschehe- Sein Lob von Meer zu Meer. Sein Lob von Meer zu Meer. COM — 1 Nach der Wandlung. Sieh, Bater! von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf den Altar!- Wir bringen Dir in Deinem Sohne- Ein wohlgefällig Opfer dar.. Wir fich'n durch Ihn, wir Deine Kinder, Er starb aus Und stellen Dir Sein Leiden vor; Liebe für uns Sünder: Noch hebt Er's Kreuz für uns empor.- Noch hebt Er's Kreuz für uns - - - - 1 - empor. Er hat für uns Sich dargegeben,- Für alle Menschen insgesammt;- Beym: Vater, daß wir ewig leben, Vertritt Er jeßt das Mittleramt. O JEsu! höre unsre Bitte,- Steh unsrer Schwachheit immer bey; Auf daß Dein Leiden, Deine Güte An uns niemahls verloren sey. uns niemahls verloren sey. An - - 1 - - Zum Agnus Dei. Betrachtet Ihn in Schmerzen,- Wie Er Sein Blut vergießt! Seht! wie aus JEsu Herzen Der letzte Tropfen. fließt. nahin hinweg die Sünden, trug all' unfre Schuld;- Bey Gott läßt Er Er nahm- Er Er trug 21* 10 - 864 uns finden den Frieden- den Frieden- Den Frieden, Seine Huld.- Den Frieden Den Frieden Den Frieden, Seine Huld. 3ur Communion, - DHErr! ich bin nicht würdig,- HErr! ich bin nicht würdig,- Zu Deinem Tisch zu geh'n! Du aber mach' mich würdig, Du aber mach' mich würdig, Erhör mein kindlich Fleh'n!- O stille mein Verlangen,- Du Seelenbräu tigam! Im Geist Dich zu empfangen,- Im Geist Dich zu empfangen, Dich wahres Dich wahres- Dich wahres- Dich wahres- Dich wahres Ofterlamm! O stille mein Verlan gen, Du Seelenbräutigam!- Im Geist Dich zu empfangen, Im Geist Dich zu empfangen,- Dich wahres Dich wahres- Dich wahres- Dich wahres- Dich wahres Osterlamm! - 17 - 199 - 1 - - - Opfer ist vollbracht Zum letzten Segen. Nun ist das Lamm geschlachtet, - -- - - - Daß Wir haben jest- Gott! Deine Lieb - - Wir haben jetzt betrachtet, und Macht!- Gott! Deine Gott Deine Lieb' und macht! zugegen; Aus Deinem Ström' uns Dein Vatersegen- Durch dieses Opfer her!- Durch dieses Opfer her. Durch dieses Opfer her. PRE - Gott! Deine Du bist bey uns Gnadenmeer 7 PUR Predigtlied. In Gott des Vaters und des Sohn's 1. Und Seines Geistes Nahmen, Sprecht bier am Fuße Seines Throns,- Christen! freudig Amen! Sprecht Amen, und bereitet euch Nach eures Meisters Lehren, Den Bater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren. 2. Vater unser! der Du bist- Im Himmel und auf Erden! Dein Nahme, Der fo so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden!- Dein Reich von Unbeginn der Welt. Bereitet allen Frommen,- Das laß, wann dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen! - 1 - -- - - - - 14 3. So wie auf jeden Wink von Dir Die Himmelsgeister sehen; So sell auch unter Menschen hier- Dein Wille stets geschehen!- Das Brot, das unsre Seele nährt,- lim Dir, o Gott! zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sen täglich uns gegeben! 4. Vergib uns Bater! jece Schuld,- Die wir vor Dir bereuen;- Go wie wir Alle mit Geduld- Den Schuldigern verzeihen.- Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen! Erlöf uns jest und einst, o Gott! - Von allem Ulebel. Amen. anvord 365 - 366 Adventlied. 1. Thauet, Himmel! den Gerechten, - Wolken regnet Ihn herab! Also rief in fan: gen Nächten Einst die Welt ein weites Grab! In von Gott verfluchten Gründen- Herrsch ten Satan, Tod und Sünden, Fest ver: schlossen war das Thor-3u des Heiles Erb' - empor. 2. Doch der Vater ließ Sich rühren,- Daß Er uns zu retten fann, Und den Rathschluß auszuführen,- Trug der Sohn Sich freudig an. - Gabriel flog schnell hernieder,- Kehrte mit der Antwort wieder: Sieh ich bin die Mago des HErrn, Was Er will, erfüll' ich gern. 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jung: frau demuthsvoll und keusch!- Gottes Geist wird Dich beschweben, und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen bethet an im Staube! Weh der Höll' und ihrem Raube! Alber Adams Kindern wohl!- Weil ein Heiland kom men soll. - - - --- - - - - - 4. Enen Zuruf hör ich schallen:- Brüder! wacht vom Schlummer auf! Denn es naht das Heil uns Allen, Nacht ist weg, der Tag im Lauf. dann fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter hatten!- Künftig ziehe Jedermann- Nur des Lichtes Waffen an! 5. Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit;- Nicht nach Fleisch begierden handeln: Weit verbannt sey Bank - 1 1 367 und Neid!- Jenem gänzlich nachzuarten,- Deffen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun unsre Pflicht;- So wie Sein Apostel spricht. 6. Welterlöser! ich erfülle Deines treuen Knechtes Rath;- Komm in meines Fleisches Hülle, Wie Dein Both' verkündet hat!- Komm und bringe mir den Frieden!- Menschen ist er nur beschieden, Die von gutem Willen sind;- Komm! ich bin es, göttlich Kind! - - MO Du lichter 1. Maria! sey gegrüßet, Morgenstern! Der Glanz, der Dich umfließet, Berkündet uns den HErrn. Von jeder Makel rein,- Sollst Du, zum Menschenheile, Des Höchsten Mutter seyn. 2. Dein Gott zu Dir gewendet- Ertheilet den Befehl; Es eilt von Ihm gesendet Der Engel Gabriel. Er spricht: o Gnaden voll Gesegnet unter Weibern! Der HErr bedenkt Dein Wohl. 3. Dieß konntest Du nicht faffen, Und batheft ihn dabey- Dich recht verstehn zu las fen, Was diese Bothschaft sey.- Maria zittre nicht! Denn Du hast Huld gefunden -Vor Gottes Angesicht. - Adventlied. ( 3um Rorate.) - - - 13 - - - - Gebä: 4. Er will, Du sollst empfangen, ren einen Sohn;- Der wird durch Ihn gelan: gen Auf Davids Baterthron.- Des Höch 368 sten Sohn zugleich Und JEsus soll Er heißen, Unendlich ist Sein Reich. Ich 5. Wie soll denn dieß geschehen? Fenne keinen Mann- O Jungfrau! Du wirst fehen, Was Gottes Allmacht kann. fendet Seinen Geist,- Der wird Dich über schatten, Damit Du Mutter feyst. Er 6. In ihren alten Tagen Kann auch Elisabeth Von Seinen Wundern sagen, Die nun gesegnet geht. Sie hieß zwar un fruchtbar! Doch Dem ist nichts unmöglich, Der seyn wird, ist und war. 7. Da sprachst Du tief geneiget:- Ich bin des Höchsten Magd; Was du mir angezei get, Das sey, wie du gesagt.- volles Wert! Der Bothe Gottes Mit seinem Auftrag fort. freuden: eilet- 8. Von seines Baters Freuden Kam jetzt das Wort herab,- Für Sünder hier zu leiden, 3u fuchen Tod und Grab. wählte Deinen Leib Mit Fleische Sich zu Fleiden, Gebenedeytes Weib! 9. Den Schaß, Den Du empfangen,.0 bring Ihn bald zur Welt! Wir warten mit Verlangen; Denn Er ist jener Held,- Der unsre Bande bricht,- llnd aus des Todes Schatten Uns rufet in das Licht. 10. Dieß Lied sey Dir gesungen- Des Heils Gebärerinn! Mit Dir ergeb'nen Zungen, Mit Dir ergeb'nem Sinn. Dein hochgelobtes Pfand Führ' uns auf Deinen Fürspruch Hinauf ins Vaterland! - FUSTA - 1 - - - - 33 --- - - - Lum - - - - - - Weihnachtlied. 1. Dieß ist der Tag von Gott gemacht, Ich will mich herzlich freuen;- Auch mich hat beut der HErr bedacht! Ich will Ihm Lieder weihen. Das Heil, das aus der Jungfrau Schooß Heut allen Adams kindern sproß, Ist auch für mich geboren.- Bor Seiner Krippe sink' ich dann,- Und bethe meinen Heiland an, In Wonne ganz verloren. 2. In meiner Bildung liegt Er hier, Den keine Nahmen nennen. Gott! o Kind! ge= lang' es mir- Die Gutthat ganz zu kennen! Den Du steigest von dem Thron herab, Dir mit Sich Dein Vater gab, Um hier für mich zu leiden! Du wählest mir zu nüßen heut Für lieberfluß die Dürftigkeit,- Den Stall für Himmelsfreuden. 11 - 7 - J - 3. Du weinst, mein JEsu! sey gegrüßt, O gnadenreiche Zähre!- Sey mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen foll Für mein und aller Sünder Wohl!- Sey auch für mich geweinet! Erwärme kalter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz- Nicht zu empfinden scheinet. 4. Das meine soll Dein Wohnplaß seyn, Geliebtester aus Allen! Es soll, wie neuge: schaffen, rein, Von Engeltrieben wallen. Komm aus der Krippe, komm zu mir, Bring echte Frömmigkeit mit Dir, Und wahre Chris - - - - 369 - 370 ftensitten! O noch nicht Richter, noch ein Kind! Dieß macht mich hoffen, Kinder sind Ja leichter zu erbitten. 5. Du kehrest einst in Majestät,- Vom Engelheer umringet,- Wenn diese Welt zu Trüm· u mern geht, Der Staub aus Gräbern dringet: -Dann muß auch ich bin in's Gericht,- Allmeifer! vor Dein Angesicht- Mit Furcht und Angst durchdrungen.- sprich dann: Ich er= O kenne Dich, Du hast vor Meiner Krippe Mich - Mit Inbrunst einst befungen. - - - Fastenlied. 1. Laß mich Deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuldtes Gotteslamm! Das von mir die Sünde nahm. JEsu! drücke Deine Schmerzen Tief in aller Christen Herzen!- Laß mir Deines Todes Pein Trost in meinem Tode feyn! 1 - 2. In's Gericht für Menschen treten, Zum erzürnten Vater bethen,- Seh' ich Dich mit Blut bedeckt Auf den Delberg hingestreckt.- JEsu! drücke Deine Schmerzen u. f. w. 3. Dich zu binden und zu schlagen,- 3u be: schimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schar, Und Du gibst Dich willig dar.- JEsu! drücke Deine Schmerzen u. f. w. 4. Von den Richtern, die Dich haffen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet Dein - - - - www 871 unschuldig Blut- Unter frecher Geißeln Wuth. JEfu drücke Deine Schmerzen u. f. w. 5. Unter lautem Sport und Hohne Seh ich eine Dörnerkrone, Die, mein Heiland! scharf gespißt, Deine Stirne schmerzlich rigt. - JEsu! drücke Deine Schmerzen u. s. w. 6. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet- 2n das Opferholz geheftet,- Seh' ich wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt. JEsu! drücke deine Schmerzen u. f. w. 7. Heiland! meine Missethaten, Haben Dich verkauft, verrathen,- Dich gegeißelt und ges krönt, An dem Kreuze Dich verhöhnt!- Ach es reuet mich von Herzen!- Laß, mein Hei: land! Deine Schmerzen,- Deines Mittlertodes Pein, Nicht an mir verloren seyn. - - - - Bußgesang. Im Tone des Fastenliedes: ,, Laß mich Deine Beiden fingen." - 1. Selig, himmlisch ist das Leben-- Deffen, dem die Sünd' vergeben, Der nun Gott zum Bater hat- Nach getilgter Missethat.- HErr! verschon dann meiner Sünden, Laß mich wie: der Gnade finden! Gnade! ruft in Reu' und Schmerz Des bedrängten Sünders Herz. 2. Nur zu oft bin ich gefallen,- Sünden über alle Zahlen, Mehr als Haare in dem Haupt, hat sich Dein Geschöpf erlaubt.- HErr! verschon dann meiner Sünden, u. f. f. - — - - - - 372 3. Wehmuth drückt mich nun darnieder, Furcht erschüttert meine Glieder, Und seitdem ich Sünder bin,- Ist die Fröhlichkeit dahin. HErr! verschon dann meiner Sünden, u. f. f. 4. Jener Trost ist mir verschwunden, Den ich einst hierin gefunden, Daß ich von dem Fluche frey,- Eines Deiner Kinder fey.-- HErr! verschon dann meiner Sünden, u. f. f. 5. Wirst Du mich, o Gott! verlaffen,- Wenn von nun die Sünd' zu haffen,- Büßend meine Seel' verspricht- Hier vor Deinem Angesicht? - HErr! verschon dann meiner Sünden, u. f. f. 6. Aufzusuchen nicht den Frommen Bist Du, Gott! zur Welt gekommen;- Nur für den verlornen Sohn Stiegst Du von dem Himmelsthron.- HErr! verschon dann meiner Sünden, u. s. f. 11 - - - - 7. Magdalena kommt zu büßen,-Wirft sich weinend Dir zu Füßen, Und Du nimmst die Sünden hin Von der frommen Büßerinn.- HErr! verschon dann meiner Sünden, u. s. f. - 8. Wenn wir herzlich nun bereuen, Wer den Engel sich erfreuen, Kennen wieder ihren Freund- Jauchzend, wenn der Sünder weint. -HErr! verschon dann meiner Sünden, u. f. f. 9. Lang genug hab' ich gebrochen, Was ich Dir getreu versprochen,-Lang bedroht von Dei nem Grimm- Hör' ich Deines Fluches Stimm'. HErr! verschon dann meiner Sünden, u. f. f. 10. Heute ist der Tag der Gnaden,- Heute Hast Du mich geladen,-Heute ruf' ich dann zu -- - 373 Dir: Gott! verzeih', verzeihe mir. HErr! verschon dann meiner Sünden, u. f. f. - Osterlied. 1. Der Heiland ist erstanden, Befrent von Todesbanden,- Der, als ein wahres Ofters lamm,- Für mich den Tod zu leiden kam. Alleluja! 2. Nun ist der Mensch gerettet,- Und Sa tan angekettet,- Der Tod hat keinen Stachel mehr, Der Stein ist weg, das Grab ist leer. 1 - - Alleluja! Die 3. Der Sieger führt die Scharen, lang gefangen waren, In Seines Vaters Reich empor, <- Alleluja! Das Adam sich und mir verlor. 4. O wie die Wunden prangen, Die Er für mich empfangen, Wie schallt der Engel Siegsgefang Dem Starken, Der den Tod bezwang. Alleluja! 5. Mein Glaube darf nicht wanken:- O tröstlicher Gedanken! Ich werde durch Sein Auferstehn,- Gleich Ihm aus meinem Grabe gehn! Alleluja! 6. Die Nacht, die mich dort decket, Bis mich der Engel wecket,- Ist kurz, dann ruft mein Heiland mich- In's Reich, wo Niemand stirbt, zu Sich.- Alleluja! 7. O Meer der Seligkeiten! Ein Ort mir - - - - - - -- - 374 zu bereiten,- Ging mein Erlöser hin vor mir, Alleluja! Will ich zur Erstandener ich folge Dir. 8. Ja durch ein neues Leben Höhe streben, Wo Du mit Deinem Vater throust, Und jede gute That belohnst.- Alleluja! 9. Dann werd' ich im Gerichte,- Vor Deinem Angesichte, Bon Deinem Blute glänzend stehn, Und zu des Lammes Hochzeit gehn. Alleluja! - - - - 10. Alleluja! Alleluja! Alleluja! Wie Du vom Tod erstanden bist, Laß uns erstehn, HErr JEfu Chrift!- Alleluja! Pfingstlied. 1. Somm, heiliger Geist! o dritte PersonVon Einer Natur mit Vater und Sohn!- Der Du von seiner Gündenlast- So manches Herz befreyet hast. Komm, heiliger Geist! erwünschtester Gast! 1 2. Komun, heiliger Geist! auf uns jetzt herab, So wie Dich einst Gott den Gläubigen gab, Als ihre noch geringe Zahl,- Versammelt im verschloßnen Saal,- Sich sehnte nach Dir, Du göttlicher Strahl! 3. Komm, heiliger Geist! ein Tröster genannt, Es werde durch Dich der Kummer verbannt, Der uns verstört in unfrer Pflicht! Trägheit überwindt uns nicht, entflammst, o mächtiges Licht! - Die Wenn Du uns 875 4. Komm, heiliger Geist! Du Lehrer der Welt, Die Straße des Heils wird niemahls verfehlt, Wenn man sich nicht an Secten kehrt, Die Kirche, die Dein Einspruch lehrt, kindlicher Treu' als Mutter verehrt. Mit 5. Komm, heiliger Geist! vom himmlischen Thron! Dir werde zugleich mit Vater und Sohn In unzertheilter Wefenheit- Von nun an bis in Ewigkeit- Anbethung und Dank und Jubel geweiht. - - Frohnleichnamslied. 1. Engel Gottes! eilt hernieder,- Und menget euch in unsre Lieder- Der Tag ist fest: lich uns und euch Das Himmelsbrot, Das wir heut ehren, Mit Dem sich unsre Seelen nähren,- Dieß Brot macht Mensch und En= gel gleich. - - - 2. O kommt, so wie ihr einst im Saale, Bey JEsu leßten Abendmahle, Erstaunungsvoll zugegen war't; Ihr sahet dort das Brot Ihn brechen,- Ihr hörtet Ihn mit Liebe spre: chen: Dieß nehmt vor meiner Himmelfahrt. Dieß ist mein Leib, Den will ich schenken, Es sey zu meinem Angedenken,- So oft ihr, Freunde, Dieses thut.- So oft ihr dieß Geheimniß handelt,- Wird Brot und Wein wie jetzt verwandelt- In eures Meisters Fleisch und Blut. 3. - - - 376 Wars 4. Abgrund unbegriffner Güte! nicht genug in einer Hütte- Für uns das Licht der Welt zu seh'n? Die Zeit von mehr als dreyßig Jahren Verachtet, arm und in Ge fahren Mit Undankbaren umzugeh'n? 5. Die Kranken nicht genug zu heilen, Der Trost, Rath Gefunden zu ertheilen, Weisheit Lehrer uns zu seyn,- Für uns in frecher Henker Händen- Das Leben und die Qual zu enden, uns von der Hölle zu befrey'n? Der 6. O nein, es wallen neue Triebe ewig uns verheißnen Liebe- In unsers Heis lands treuer Brust. Die lehren Ihn das Mitlel finden, Sich uns noch enger zu verbinden." - Ben Menschenkindern sucht Er Lust. Bey 7. Er läßt bis an das End' der Zeiten uns sich einen Sig bereiten, Uns Seine Nei gung darzuthun.- Der Gottheit Schimmer ein: zubalten, Verhüllt Er sich in Brotsgestalten, - Und will in unfern Herzen ruh'n. 8. O Christen laßt uns Blumen pflücken, Und Tempel und Altäre schmücken, Das Rauchfaß hauche füßen Duft,- Die Priester: schaft im Feyerkleide-Verkündige der Kirche Freude, Die Glocke fchalle froh zur Luft! 9. Laßt uns mit Dank- und Jubelliedern Der Liebe Wunderwerk erwiedern,- Dem dies fer Tag geheiligt ist.- Preis, Ehre Dir im Sacramente, Nach Dem sich einst die Vorwelt sehnte, Der Du zu uns gekommen bist.- 10. Laßt heilig, heilig, heilig! schallen Dem Menschenfreunde, Der vor Allen- Bey - - - - - — 1 - - - - 1 - -- 377 Seinem Christenvolke wohnt!- Dem Lamme, Das in Broteshülle,- Mit aller Seiner Guas denfülle, Auf unsern Prachtaltären throut. - 11. Du bist es, HErr, Gott unfrer Väter, - Du Brot der Starken, unfer Netter,- Du bist's in Deines Priesters Hand!- Wir fallen, bethen an im Staube, Das Aug' ist blind: doch sieht der Glaube,- Dein Wort ist ihm ein Unterpfand! - 12. Erbarmer! laß uns nicht erröthen, Wenn wir in Leibs und Seelennöthen- 3u Deinem Tabernakel flieh'n.- Gib heut und im mer Deinen Segen, Laß Für und Volk auf ihren Wegen- Vor Dir in Deinem Frieden zieh'n. 13. Sen stets auf dieser Lebensreise Ges prüfter Christen Seelenspeise, Gebenedentes Himmelsbrot! Und dann in Deinem FriedensEuffe, In Deinem seligen Genusse- Bollend' uns einstens unser Tod! - - Lied. 1 - vor dem heiligsten Altarssacramente. Komm, o fromme Christenſchar!— Wirf 1. dich nieder am Altar;( Denn es stellt in Brotsgestalten- Sich Dein Heiland dar.) 2. Hier ist JEfu Fleisch und Blut,-Hier das allerhöchste Gut,-( Keine Seele geht verloren- Unter Seiner Huth.) 22 - 378 3. Sey geehrt, gebenedeyt, Trost in Wi derwärtigkeit!( Allen, die sich Dir vertrauen, Wahre Sicherheit!) Wun: -M 4. Gib uns Segen, großer Gott!- dervolles Himmelsbrot!( Hilf den Deinen und bewahre- Sie vor aller Noth.) 5. Gib uns wahre Buß' und Reu',- Mach' uns von den Sünden frey:( Daß nach Glau: ben, Hoffen, Lieben Unser Trachten sey.) 6. 3ft nun unsre Pflicht gethan,- Und vollend't des Lebens Bahn,( dann nimm zu Deinen Freuden- Unfre Seelen an.) - - — - 7. Sey gelobt, gebenedeyt, Heiligste Drey: einigkeit!( JEfu Preis im Sacramente 213 an's End' der Zeit!) - - W - - Lied zur allerseligsten Jungfrau. Im Tone: ,, Komm, o fromme Christensch ar." - 1. nadenquelle! fey gegrüßt,'- Quelle, die beständig fließt,- Trost der Christen o MU: ria! Jungfrau, sey gegrüßt! 2. Sen gegrüßt zu jeder Stund',- In dem Herzen, mit dem Mund;- Alles mache Deine Würde, Deine Gnade kund. 3. Liebste Mutter! wir sind Dein, Zeig' Dich Mutter stets zu seyn;- Schreib uns Alle Deinem Herzen- Unauslöschlich ein. 4. Du warst noch zu jeder Zeit- Urfach' un frer Fröhlichkeit; Sey es bis zum Lebensende - Und in Ewigkeit. 1 879 5. Mutter! es ist unerhört!- Daß Dein Sohn Dir nicht gewährt,- Was Du Deinen treuen Dienern Gütig hast begehrt. 6. Wenn Gefahr der Seele droht, In des Lebens jeder Noth- Rettet uns in Deinem Nah: Der versöhnte Gott. men 7. Schreckt der Sünden schwere Last;- Sey zu Dir Vertrau'n gefaßt,- Die Du Dich der Sünder Zuflucht- Stets gezeiget hast. 8. Wer Dich in Betrübniß bath,- Fand bey Dir, Maria! Rath;- Trost, wer immer Dir als Mutter Sich empfohlen hat. - - -- 9. Auch zu streiten bis auf's Blut Um des Himmels großes Gut,- Bringst Du, Reinste! den Versuchten- Neue Kraft und Muth. 10. Groß ist unsrer Feinde Zahl- Hier in diesem Thränenthal;- Retre, Mutter! Deine Kinder- Von dem Sündenfall! 11. Und wann Seel' und Leib sich trennt, Nur noch schwach das Herz Dich nennt, D dann bitte, Mutter! bitte Um ein felig End". 12. Nach vollbrachtem letzten Streit, Führ uns in die Ewigkeit:- Milde Jungfrau! zeig' uns JEsum- In der Herrlichkeit! - - - - - - Glaube, Hoffnung und Liebe. 1. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe, HErr, von Herzen lieb' ich Dich!- Rede, HErr! und ich will hören;- Laß die Welt mich nicht bethören; Denn Du hast mir Geift und Le 22 380 ben Aus Barmherzigkeit gegeben. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. 2. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe, HErr, von Herzen lieb' ich Dich!- Sollten alle Menschen lügen,- So kannst Du mich nicht be trügen; Nichts ist Dir, o Gott! verborgen, Dein Wort glaub' ich chne Sorgen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stär: ke mich. - 3. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe,- HErr, von Herzen lieb' ich Dich!- Einen Gott in drey Personen, Welche in dem Lichte wohnen, Gleich in Wesen, Macht und Stärke, Wunderbar sind Ihre Werke!- In dem Glauben, in der Hoffnung,- In der Liebe stärke mich. 4. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe, HErr, von Herzen lieb' ich dich!- Vater in den Himmelsauen! Auf Dich will ich fest vers trauen, Du wirst mich doch nicht verlassen, Wenn mich Welt und Hölle haffen.— In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. - - --- - - - - -- 1 - -- - 5. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe, HErr, von Herzen lieb' ich Dich!- Gottes Cohn Dein Kreuz und Sterben- Kette mich von dem Verderben; Durch Dich steht der Himmel offen, Dieses will ich freudig hoffen. In dem Glauben, in der Hoffnung,- In der Liebe stärke mich. - - - 6. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe, HErr, von Herzen lieb' ich Dich!- O Gott 1 381 heil'ger Geist verleihe, Daß ich mich ver Niemand scheue- Meinen Glauben zu bekennen, Und mich Christi Glied zu nennen.- In dem Glauben, in der Hoffnung,-In der Liebe stärke mich. 7. HErr, ich glaube, HErr ich hoffe, HErr, von Herzen lieb' ich Dich!- An Dir will ich mich ergeßen, Und Dich über alles schäßen. Dir, o Gott! will ich in allen Meinen Werken nur gefallen. In dem Glauben, in der Hoffnung, In der Liebe stärke mich. - -- — - - - - 8. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe,- HErr, von Herzen lieb' ich Dich!- Nichts foll mich von Dir mehr trennen, Droht die Welt mich zu verbrennen, Um zur Untreu' mich zu zwingen, So vill ich doch fröhlich singen: HErr, ich liebe, HErr, ich liebe! Herzen lieb' ich Dich! Ja von - - J - -- 9. HErr, ich glaube, HErr, ich hoffe, HErr, von Herzen lieb' ich dich!- Wann ich in den letzten Zügen,- Und im Grabe werde liegen,- Wann mein Körper wird verwesen, Soll man noch im Herzen lesen: Err, ich liebe, HErr, ich liebe! Ja von Herzen lieb' ich Dich! - Christenlehrlied. Vor dem Unfange. Heil'ger Geist! komm zu verbreiten,- Ueber uns Dein Gnadenlicht,- Daß wir immer weiter fchreiten- 3m Erlernen unfrer Pflicht;- Mache 22 382 uns zum Lernen Luft,-Hülf, daß wir in uns frer Brust,- Das Erlernte wohl behalten Und im Guten nie erkalten. Um Ende. DGott! fegne diese Lehren- Die der Kateches ten Mund, Uns zum Heil und Dir zu Ehren, Deinen Kindern machet fund. Präge fie durch Deinen Geist- Tief in's Herz, daß wir. im Leben- Stets zu handeln uns bestreben Wie es Dein Geboth uns heißt. L 1 HErr, erbarme Dich unfer! Christe, erbarme Dich unser! HErr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Litaney von allen Heiligen, und die dazu gehöris gen Gebethe. 4100 - Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerinn, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreyfaltigkeit ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Bitt für uns! 383 Alle heilige Engel und Erzengel, bittet für uns! Alle heilige Chöre ser feligen Geister, bittet für uns! Heiliger Johannes der Täufer, bitt für uns! Heiliger Jofeph, bitt für uns! Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für uns! Heiliger Petrus, bitt für uns! Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jacobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jacobus, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Matthias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lucas, Birt für uns! Heiliger Marcus, Alle heilige Avostel und Evangelisten, bittet für uns! Alle heilige Jünger des HErrn, bittet für uns! Alle heilige unschuldige Kinder, bittet für uns! Heiliger Stephanus, bitt für uns! Heiliger Laurentius, bitt für uns! Heiliger Vincentius, bitt für uns! Heilige Fabianus und Sebastianus, bittet für uns! Heilige Johannes und Paulus, bittet für uns! Heilige Cosmas und Damianus, bittet für uns! 384 Heilige Gervasius und Protasius, bittet für uns! Alle Heilige Martyrer, bittet für uns! Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrofius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nicolaus, Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heilige Lehrer, bittet für uns! Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, Heiliger Bernhardus, Heiliger Dominicus, Heiliger Franciscus, 3itt für uns! Heilige Cäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Bitt für uns! Alle heilige Priester und Leviren, bittet für uns! Alle heilige Mönche und Einsiedler, bittet für uns! Heilige Maria Magdalena, bitt für uns! Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Bitt für uns! Alle heilige Jungfrauen und Witwen, bittet für uns! Alle Heilige Gottes, bittet für uns! Sen uns gnädig, verschone uns, o HErr! Sey uns gnädig, erhöre uns, o HErr! Bon allem llebel, erlöfe uns, o HErr! Bon aller Sünde, erlöse uns, o HErr! Von Deinem Zorne, erlöse uns, o HErr! Vom gåhen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Bom Zorn, Haß und allen bösen Willen, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Bon Blitz und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß Deiner heil. Menschwerdang, Daß Du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche: in Deiner heiligen Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche de müthigen wolleft, 385 Durch Deine Ankunft, Durch Deine Geburt, Durch Deine Taufe und heilige Fasten, Durch Dein Kreuz und Leiden, Durch Deinen Tod und Begräbniß, Durch Deine heilige Auferstehung, Durch Deine wunderbarliche Auffahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes, des Trösters, erlöse uns, o HErr! Am Tage des Gerichts, erlöse uns, o HErr! Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du unser verschonest, Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zu wahrer Buße bringen wollest, Daß Du Deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten: Frieden und wahre Einigkeit geben wolleft, Erlöse uns, o HErr!! Wir bitten Dich, erhöre uns! 386 Daß Du dem christlichen Volke, Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Daß Du uns selbst in Deinem heiligen Dienste erhalten wollest, Daß Du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebest, Daß Du alle unsere Gutthäter mit den ewis gen Gütern belohnest, Daß Du unsere und unserer Brüder, Freunde, und Gutthäter Seelen: von der ewigen Verdammniß erledigest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wolleft, Daß Du aller abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns erhören wollest, O Du Lamm Gottes, Welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Berschone uns, o HErr! O Du Lamm Gottes, Welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Erhöre uns, o HErr! O Du Lamm Gottes, Welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser, o H Err! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Wir bitten Dich, erhöre uns! HErr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! HErr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. spfam 69. O Gott! merk auf meine Hülfe: HErr, eile mir zu helfen! 387 Schamroth und zu Schanden sollen werden: die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurückweichen und in Schanden stes hen: die mir Uebels wollen. Sie sollen bald schamroth abtreten, die mir fagen: da, da! recht auf ihn! Aber Alle, die Dich suchen, sollen frohlocken und sich in Dir erfreuen: und die Dein Heil lies ben, sollen immerdar sagen: Hochgelobet sey der HErr. Ich aber bin bedürftig und arm: o Gott, stehe mir bey. Denn Du bist mein Helfer und Erlöser: o HErr, verweile nicht zu lang. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste. Als Er war im Anfang, jetzt und alleweg und zu ewigen Zeiten. Amen. Priester. Mache felig Deine Diener, Volk. Die auf Dich hoffen, mein Gott! P. Sen uns, HErr, ein starker Thurm! 23. Wider unsere Feinde. P. Lasse den Feind nichts vermögen wider uns. V. Und das Kind der Bosheit schade uns nicht. P. HErr! handle nicht mit uns nach unfern Sünden, 23. lind vergelte uns nicht nach unseren Boss heiten. ten N. P. Laffet uns bethen für unsern obersten Hirs V. Der HErr erhalte Ihn, mache Ihn les 888 bendig und selig auf Erden: und übergebe Ihn nicht in die Hände seiner Feinde. P. Laffet uns bethen für unsere Wohlthäter. V. O HErr! Du wollest allen unsern Wohls thätern, um Deines Nahmens Willen, das ewige Leben geben. P. Laffet uns bethen für alle abgestorbene Christgläubige. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen! P. Lasse sie ruhen im Frieden. V. Amen. P. Lasset uns auch bethen für unsere abwes senden Brüder. V. O mein Gott! mache Deine Diener selig, die auf Dich hoffen. P. O HErr! sende ihnen Hülfe von den Heis ligen. V. Und von Sion beschüße sie. P. HErr! erhöre mein Gebeth. V. Und laß mein Geschrey zu Dir kominen. Gebeth. O Gott! Deffen Eigenschaft ist, Sich allezeit erbarmen und verschonen, nimm an unfer flehentlis ches Gebeth; auf daß uns und alle Deine Diener, die wir mit Ketten der Sünden stark gebunden sind, die Erbarmung Deiner Gütigkeit gnädig auflöse. Wir bitten Dich, o HErr! nimm an unfer des müthiges Gebeth, und verschone derer, die ihre Sünden bekennen, auf daß wir zugleich Verzeis hung und den Frieden nach Deiner Güre erlangen. 389 DHErr! erzeige uns gnädiglich Deine unaussprechliche Barmherzigkeit, auf daß Du uns zu gleich von allen Sünden auflösest, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, errettest. Gott! Der Du durch die Sünde beleidiget, und durch die Buße versöhnet wirst: fieh gnädiglich an das Gebeth Deines demüthigen Volkes, und wende ab die Geißel Deines Grim mes, welche wir für unsere Günden verdienen. Allmächtiger ewiger Gott! erbarme Dich Deis nes Dieners N. unsers obersten Hirtens, Deines Statthalters auf Erden, und leite ihn nach Deiner Milde, auf dem Wege des ewigen Heils, da mit Er durch Deine Hülfe, was Dir gefällig, begehre, und kräftig vollbringe. Gott! von Welchem die heiligen Begierden, guten Anschläge und gerechten Werke entfpringen: gib Deinen Dienern einen solchen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann; auf daß unsere Herzen Deinen Gebothen ergeben, und gegenwärtige Zeiten durch Deinen Schuß vor des Feindes Furcht versichert und friedsam sind. HErr! entzünde unsere Nieren und Herzen mit dem Feuer Deines Geistes; auf daß wir mit keuschem Leibe Dir dienen und mit reinem Herzen gefallen mögen. O Gott! ein Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß fie die gnädige Nachlaffung, welche sie allezeit gewünschet, durch die gottfelige Fürbitte erlangen. DHErr! wir bitten, Du wollest unserem 390 Thun und Lassen mit Deiner Gnade vorkommen, und selbe durch Deine Hülfe fortfeßen, damit alle unsere Gebethe und Werke von Dir jeder Zeit anfangen, und durch Dich angefangen, geen= diget werden. Allmächtiger ewiger Gott! Der Du herrschest über die Lebendigen und die Todten; und Dich Aller erbarmest, welche Du aus dem Glauben und Werken für die Deinen erkennest, wir bitten Dich demüthiglich, daß die, für welche wir uns vorgenommen unser Gebeth auszugießen, die ents weder noch in dieser Welt im Leben, oder da: von abgeschieden sind, durch die Fürbitte aller Deiner Heiligen nach Deiner Gütigkeit, Verzei hung aller ihrer Günden erlangen mögen. Durch unsern HErrn JEsum Christum, Deinen Sohn, Der mit Dir lehet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebeth für den Landesfürsten. O Gott! Du Beschüßer aller Reiche, und bes sonders des christlichen Kaiserthums, verleihe Deis nem Diener, unserm Kaiser N., daß er Deine Macht, durch welche er sieget, erkenne und verehre, damit, weil er durch Deine Anordnung Landesfürst geworden ist, er auch durch Deinen Schuh allezeit mächtig fen; durch unsern HErrn JEfum Christum, Deinen Sohn, Der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott voa Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 391 Gebeth für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger ewiger Gott! HErr, himmlischer Bater! siehe an mit den Augen Deiner grundlosen Barmherzigkeit unfern Jammer, Elend und Noth. Erbarme Dich über alle Christgläubigen, für wel che Dein eingeborner Sohn, unfer HErr und Heis land JEsus Christus, in die Hände der Sünder williglich gekommen, und auch Sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergoffen hat. Durch diesen HErrn JEsum wende ab, gnädigster Bater, die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefährlichkeiten, schädliche Empörung, Kriegsrüftung, Theurung, Krankheiten und betrübte armfelige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obersten und Regenten, damit sie alles befördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heil, und zum gemeinen Frieden und Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben ohne alle Spal= tung und Zertrennung. Bekehre unsere Herzen zu wahrer Buß' und Besserung unfers Lebens. Zünde in uns an das Feuer Deiner Liebe. Gib uns einen Hunger und Eifer zu allee Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig seyen. Wir bitten auch, wie Du willst, o Gott! daß wir bitten sole fen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesun de und Kranke, für alle betrübte und elende Chris ften, für Lebendige und Abgestorbene. Die fey ein 392 mahl empfohlen, o HErr! all unser Thun und Laffen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur Deine Gnade hier ge nießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit Dich lo: ben und ehren mögen. Das verleihe uns, o HErr himmlischer Vater, durch JEfum Chriftum, Deis nen lieben Sohn, unsern HErrn und Heiland, Welcher mit Dir und dem heiligen Geiste, glei: cher Gott, lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Für die allgemeinen Bedürfnisse fünf Vater unser, fünf Uve Muria und den Glauben. Lauretanische Litaney fammt den dazu gehörigen Gebethen. HErr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! HErr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreyfaltigkeit ein einiger Gott, Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerinn, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, unser! Dich Erbarme Bitt für uns! Allerreinefte Mutter, Allerkeuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Tu Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweisefte Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Siß der Weisheit, Du Ursache unseres Heils, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du fürtreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurin Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Urche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterinn der Betrübten, Du Hülfe der Christen, Du Königinn der Engel, 393 Bitt für uns! 394 Du Königinn der Patriarchen, Du Königinn der Propheten, Du Königinn der Apostel, Du Königinn der Martyrer, Du Königinn der Beichtiger, Du Königinn der Jungfrauen, Du Königinn aller Heiligen, O Du Lamm Gottes, Welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, o HErr! Du Lamm Gottes, Welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Erhöre uns, o HErr! O Du Lamm Gottes, Welches Du hinnimmst die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser, o HErr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns. Bitt für uns! K Vater unfer. Gegrüßet feyst Du, Maria! Unter Deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerinn! verschmähe nicht un fer Gebeth in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jeder Zeit von aller Gefährlichkeit. D Du glor: würdige und gebenedente Jungfrau! unfere Frau, unsere Mittlerinn, unsere Fürsprecherinn! vers föhne uns mit Deinem Sohn, empfehle uns Deis nem Sohn, stelle uns vor Deinem Sohn! Priester. Bitt für uns, o heilige Gottes gebärerinn! Volk. Daß wir theilhaftig werden der Vera heißungen Christi. P. Wir bitten Dich, o HErr! Du wollest Deine Gnade in unsere Herzen eingießen: damit wir, die wir durch die Bothschaft des Engels, Christi Deines Sohnes Menschwerdung erkennet 895 haben, durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlich. feit und Glorie der Auferstehung geführet werden. Durch Denselben Christum unfern HErrn, Amen. P. Bitt für uns, o heiliger Joseph! V. Daß wir theilhaftig werden der Verheijungen Christi. P. Wir bitten Dich, o HErr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams Deiner heiligsten Gebärerinn geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine Fürbitte geschenker werde. Der Du lebest und re: gierest mit Gott dem Barer in Einigkeit des heilia gen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Salve Regina. Gegrüßet senst Du Königinn, Mutter der Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit, und unfere Hoffnung fey gegrüßet! Zu Dir schreyen wir elende Kinder Eva; zu Dir seufzen wir Trau rende und Weinende in diesem Thal der Zähren. Eja unsere Fürsprecherinn, wende Deine barma herzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns JEfum, die gebenedeyte Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau MAria. P. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerinn! V. Auf daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter MAria zu einer würdigen Wohnung Deines Sope nes, durch Mitwirkung des heiligen Geistes vor 396 bereitet hast, gib, daß, die wir uns an Ihrer Gedächtniß erfreuen, durch Ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden llebeln, und von dem ewigen Tode befreyet werden. Durch denselben Christum unsern HErrn. Amen. Hierauf wird gebethet das Gebeth für den Landesfürsten, das Gebeth für das allgemeine Anliegen der ganzen Chris stenheit, fünf Vater unfer, fünf Uve Maria und der Glaube, für die allgemeinen Bedürfnisse, wie oben auf der 390. Seite u. f. f. Allgemeines Gebeth an den Quatember- Sonntagen und in allgemeinen Anliegen vor dem ausgesetten hochwürdigsten Ultarsfactamente. Die drey göttlichen Zugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Sch glaube an Dich, wahrer dreyeiniger Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist! Der Du alles erschaffen hast, Der Du alles erhältst und regies rest, Der Du das Gute belohnest, und das Böse bestrafest. Ich glaube, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns durch Seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist durch Seine Gnade uns heiliget. Ich glaube und bekenne alles, was Du, o Gott! geoffenbaret hast, was JEsus Christus gelehret hat, was die Apostel geprediget haben, und was die heilige römische katholische Kirche uns zu glauben vors stellet. Dieses alles glaube ich, weil Du, o Gott! die ewige und unendliche Wahrheit bist, Welche 397 weder betriegen noch betrogen werden kann. Gott! vermehre meinen Glauben. Ich hoffe und vertraue auf Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, o Gott! daß Du mir, durch die unendlichen Verdienste Deines eingebors nen Sohnes JEsu Christi, in diesem Leben die Erkenntniß meiner Sünden, wahre Reue und Verzeihung ertheilen, nach dem Tode aber, die ewige Seligkeit geben und verleihen wirst, Dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen, zu lieben und ohne Ende zu genießen. Ich hoffe auch von Dir die nöthigen Mittel, alles dieses zu erlans gen. Ich hoffe es von Dir, weil Du es verspro chen hast, Der Du allmächtig, getreu, unendlich gütig und barmherzig bist. O Gott! stärke meine Hoffnung. O mein Gott! ich liebe Dich aus meinem ganzen Herzen über alles, weil Du das höchste Gut, weil Du unendlich vollkommen und aller Liebe würdig bist! Auch darum liebe ich Dich, weil Du gegen mich und alle Geschöpfe höchst gütig bist. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich Dich eben so lieben möchte, wie Dich Deine treuesten Diener lieben, und geliebet haben. Mit ihrer Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe. Vermehre sie in mir, o gütigster HErr! itamer mehr und mehr. Weil ich nun Dich aufs richtig und innig zu lieben wünsche, und es zu thun mich ernstlich bestrebe, so ist es mir von Herzen leid, daß ich Dich, mein höchstes Gut, Welches ich über alles liebe, Dich meinen Schö pfer, Erlöser und Heiligmacher, erzürnet habe. 23 898 Es schmerzet mich, daß ich gefündiget, daß ich Dich, meinen allmächtigen HErrn, meinen besten Bater, beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich ver, alle Sünden sammt allen bösen Gelegenhei ten zu meiden, die vergangenen Misfethaten mehr und mehr zu bereuen, und niemahls gegen Deis nen heiligsten Willen zu handeln. Nimm mich wieder zu Deinem Kinde auf, und gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes. Darum bitte ich Dich durch die unendlichen Ber dienste Deines göttlichen Sohnes, unsers HErrn und Erlösers Jesu Christi. Vor dem Rosenkranze der heiligsten Dreyeinigkeit. Gott Vater in Himmel, erbarme Dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unfer. Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser. Heilige Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unfer. Allmächtiger, ewiger, unaussprechlicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, Du unzertheilte einige Dreifaltigkeit, höchster HErr des Himmels und der Erde! vor Dem alle Cherubim und Se raphim, ja alle Macht der Engel mit Furcht und Zittern stehen; wenn wir bedenken Deine göttliche Herrlichkeit und uns're Nichtigkeit, so erschrecken wir billig. Denn, o mein Gott! was sind wir doch anders, als zum Bösen geneigte Geschöpfe? Und wir sollten Dich, den König aller Könige, den ewigen Gott, das höchste Gut anreden, und mit allen Engeln anberhen? Wit fallen demnach nieder vor Dir, als arme Sünder vor ihrem Richter, als schuldige Unterthanen vor 399 ihrem Fürsten, ja als Staub und Asche vor ihrem Erschaffer. Sieh an die Herzen Deiner Diener und Dienerinnen, mit welchen sie Dich auf Erden so loben und preisen möchten, wie es alle Engel und Heiligen im Himmel thun. Du aber, o feligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria! fammt allen Heiligen Gottes, helfet uns unsern großen Gott und HErrn anbethen, auf daß wir auch einmahl, in Eurer Gesellschaft, Seiner Herrlichkeit und Freuden in dem Himmel theilhaftig werden. Amen. Nach dem Rosenkranze der heiligsten Dreyeinigkeit. 2. Laffet uns loben den Vater und den Sohn mit dem heiligen Geiste. R. Lasset uns Ihn loben und erhöhen zu allen Zeiten. Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du Deinen Dienern die Gnade gegeben hast, durch das Licht des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreyeinigkeit zu erkennen, und in Derselben die Einheit Deiner höchsten Natur anzubethen: gib, daß wir durch das feste Anhängen an dieſen Glauben in allen Widerwärtigkeiten jeder Zeit gestärket werden. Erbarme Dich auch, allerheiligste Dreyeinig keit! Deines Dieners, unsers Kaisers, der gan-= zen katholischen Kirche, und aller Deiner Diener und Dienerinnen. Erhöre sie in ihren Anliegen, verz zeih ihnen alle ihre Sünden, strecke Deinen göttlichen Arm aus, sie zu beschüßen und ſelig zu machen. Durch unsern HErrn JEsum Christum, 23* 400 Deinen einigen Sohn, Der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Geheimnisse des Rosenkranzes. Die fünf freudenreichen. 1. Den Du, o Jungfrau! empfangen hast. 2. Den Du zu Elisabeth in Deinem Leibe ge: tragen hast. 3. Den Du, o Jungfrau! geboren hast. 4. Den Du im Tempel aufgeopfert haft. 5. Den Du im Tempel gefunden hast. Die fünf fchmerzhaften. 1. Der für uns Blut geschwißzet hat. 2. Der für uns gegeißelt worden ist. 3. Der für uns mit Dörnern gekrönet worden ist. 4. Der für uns das Kreuz getragen hat. 5. Der für uns gekreuzigt worden ist. Die fünf glorreichen. 1. Der von den Todten auferstanden ist. 2. Der in den Himmel aufgefahren ist. 3. Der den heiligen Geist gesandt hat. 4. Der Dich in den Himmel aufgenommen hat. 5. Der Dich im Himmel gekrönet hat. Gebeth nach dem Rosenkranze. O Gott! Der Du unsere Zuflucht und Stärke bift, höre gnädig an das gottfelige Bitten und Flehen Deiner Kirche, Du, Der Du sie diefe Andacht zu halten, angetrieben hast, und verleihe burch Deine Barmherzigkeit, daß wir dasjenige erlangen, um was wir Dich mit einem lebendi gen Glauben bitten. Durch unsern HErrn JEsum Christum Deinen Sohn, Welcher mit Dir lebet 401 und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Te Deum Laudamus. 1. Grofier Gott! wir loben Dich!-HErr! wir preifen Deine Stärke!- Bor Dir neigt die Erde sich, und bewundert Deine Werke; Wie Du warst vor aller Zeit,- So bleibst Du in Ewigkeit. 1 Das - 2. Alles, was Dich preifen kann, Cherus bin und Seraphinen- Stimmen Dir ein Lob: lied an;- Alle Engel, die Dir dienen, Rufen Dir stets ohne Ruh:-Heilig! Heilig! Heilig zu! 3. Heilig! HErr Gott Sabaoth!- Heilig! HErr der Kriegesheere!- Starker Helfer in der Noth!- Himmet, Erde, Luft und Meere -Sind erfüllt mit Deinem Ruhm,- Alles ist Dein Eigenthum. 4. Der Apostel Christi Chor,- Der Propheten große Menge- Schickt zu Deinem Thron empor -Neue Lob- und Dankgesänge;- Der Blurzeus gen große Schar- Lobt und preist Dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Gros fe und auch Kleine, Dich, Gott Vater, Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine, Sie ehrt auch auf Seinem Thron- Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit Seinen Lehren, Und mit Troste kräf tig speif't,- Der, o König voller Ehren!- Der P 1 1 - - 402 mit Dir, HErr JEfu Christ! Und dem Va: ter ewig ist. 7. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen, Du bist auch von Deinem Thron Zu uns auf die Welt ge: kommen; Gnade hast Du uns gebracht,- Von der Sünde fren gemacht. 8. Nunmehr steht das Himmelsthor- Allen, welche glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir kindlich auf Dich hof fen. Endlich kommst Du zu Gericht;- Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh, HErr, Deinen Dienern bey, Welche Dich mit Demuth bitten,- Die Dein Blut dort machte frey- 1s Du für uns hast gelitten; Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu Dir in den Himmel auf. 10. Sieh Dein Volk in Gnaden an; Hilf uns! segne, HErr! Dein Erbe!- Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht ver derbe.- Hilf, daß es durch Buß' und FlehnDich im Himmel möge seh'n! 11. Alle Tage wollen wir- Dich und Deinen Nahmen preifen, und zu allen Zeiten Dir- Ehre, Lob und Dank erweisen:- Gib, daß wir von Sünden heut,- Und von Lastern sey'n befreyt. 12. HErr, erbarm! erbarme Dich!- Uleber uns, HErr! sey Dein Gegen!- Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen. Auf Dich hoffen wir allein, verloren seyn! - Laß uns nicht -- - 14 - - - - - - - - - - Christkatholisches Handbüchlein für Kranke und Sterbende. Wachet, weil ihr nicht wisset, zu welcher Stunde euer HErr, kommen wird. Matth. 24, 42. I. Unterricht für Kranke. Wenn du erkrankest, mein lieber Christ: so 1) sey dieß deine erste Sorge, daß du dein Gemüth zu Gott erhebest, von Dem diese Krankheit als eine Prüfung für dich herkommt. Sprich im Herzen mit dem geduldigen Job: Die Hand des HErrn hat mich getroffen( 19.)- Nimm die Krankheit von Gott dem himmlischen Vater als eine besondere Gnade an, so wie JEsus Christus den bittern Kelch des Leidens aus den Händen Seines himmlischen Vaters annahm. Sprich mit deinem göttlichen Heilande:» Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe, o himmlischer Vater!«