高 Gb 4023 go Chriftliches Gesangbuch für die evangelisch- lutherischen Gemeinden im Fürstenthum Osnabrück. 3um Gebrauch beim öffentlichen Gottesdienste und bei der Hausandacht. Nebst dem Lieder und dem gewöhnlichen doppelten Anhange. ( Siebente Auflage.) Osnabrück, mit Rißling'fchen Schriften. 1842. ਕਿ ਕੀ ਹੋ ਰ 93 Capojens simtys 20:00 212 Univ.- Bibl. Giessen ਹੈ ਤੇ ਹੈ Hid Vorbericht vor der ersten Auflage vom Jahr 1780. Der er große Nußen eines guten Gesangbuchs, welches das vornehmste Lehr- und Erbauungsbuch der meisten Christen zu seyn pflegt, ist entschieden. Man hat daher in den letztern Jahren an vielen Orten schon neue, den Bedürfnissen unserer Zeiten angemessene Sammlungen von geistlichen Liedern veranstaltet und mit Beifall angenommen. Auch unser Gesangbuch bedurfte einer Verbesserung, indem unter der Menge von 1255 Liedern viele in den Gedanken und Worten fehlerhafte, manche gar anstößige, und doch in Absicht der Glaubens- und Lebenslehren wenige, worin die Gesinnungen und Empfindungen, welche die christlichen Lehren erwecken sollen, würdig und lebhaft genug dargestellt wären, in Absicht der Pflichten gegen uns selbst und den Nächsten aber fast gar keine, oder doch wenig brauchbare, vorkommen. Es wäre also der ungeånderte Abdruck unsers Gesangbuchs bei der unumgånglichen Nothwendigkeit einer abermaligen Auflage desselben Undank gegen die göttliche Vorsehung, die uns mit einem reichen Vorrathe von erbaulichen Liedern beschenkt hat, und Verletzung der Ehrerbietige Vorbericht. keit gewesen, die man der Religion, der Kirche Christi und dem jetzigen Zeitalter schuldig ist. Nach unserm Auftrag hatte der im Jahre 1778 zu Göttingen verstorbene Pastor Christian Ludwig Wiß, da Prediger am hiesigen Zuchthauſe war, die neue Sammlung, worin auch von ihm entweder geändte, oder neu verfertigte Lieder befindlich sind, in twa 40 Elassen besorgt. Dem Pastor zu Melle, Sohann Caspar Neuschäfer, dem diese Sammlung zur Durchsicht übergeben, schien die Abkürzung mancher neuen Lieder und ihre Umarbeitung von unbekannten zu bekanntern Melodieen zuträglich, um sie gemeinnütziger zu machen. Er fand noch viele kleinen und großen Änderungen, Weglassungen, Zusäße, Einschaltungen und Versehungen nöthig, um nicht nur dem Ausdruck mehr Deutlichkeit und dem Inhalt mehr Richtigkeit und Vollständigkeit zu verschaffen, sondern auch die vielen Titel und Rubriken, zur leichtern Übersicht des Ganzen, auf wenige Hauptabtheilungen zu bringen, und diese sowohl, als die einzelnen Materien lichtvoller zu ordnen und, nach der natürlichen Verbindung der christlichen Lehren, mit einander zu verknüpfen. Nach Genehmhaltung seiner darüber mitgetheilten Anmerkungen ist ihm die Ausfertigung des Buchs zum Druck, die Einrichtung der Anhänge überhaupt und besonders die Sammlung der Gebete( doch unter der Bedingung, daßß die bisher gewöhnlichen Kirchengebete beibehalten würden), die Verfertigung der Register und die Anzeige des Inhalts anvertrauet worden. IV Vorbericht. Wir begleiten übrigens die Ausgabe dieses Buchs mit dem innigsten Wunsche, daßß Gott dasselbe an Allen, die es brauchen werden, segnen wolle; sie zu belehren; in jedem Kampf gegen die Sünde zu stärken; zur Frömmigkeit, zur Ausübung der Menschenliebe und zur treuen Erfüllung der Berufspflichten zu ermuntern; im Leben, Leiden und Sterben zu trösten und zu erquicken und sie der höhern Glückseligkeit fähig zu machen, welche den aufrichtigen Verehrern der Religion Jesu Christi, unsers Herrn, in Zeit und Ewigkeit bereitet ist. V Zum Bochfürstl. Osnabrückschen Consistorio A. C. verordnete Rathe. Vorbericht zur vierten Auflage vom Jahr 1816. Auch diese Auflage ist, aus mehren sehr wichtigen Gründen, bis auf einige härteren Reime und Ausdrücke, im Ganzen unverändert geblieben, und bei den für nothwendig geglaubten Veränderungen sind die Mittheilungen der dazu aufgeforderten Prediger berücksichtiget. Die Lieder des seligen Dr. Luther, № 39, 42, 96, 112, 184, 185, 211, 212, 215, 373, 496, hat YL Vorbericht. man in ihrer ehrwürdigen Originalität möglichst beizubehalten geſucht. Um dabei den großen Reichthum. der neueren herrlichen Lieder- Sammlungen nicht unbenußt zu lassen, ist diese Auflage mit einem Anhange von 4 Bogen vermehrt, welcher auch besonders verkauft wird. Königlich Großbritannisch- Hannoversche zum evangelischen Consistorio verordnete Director und Råthe. une ma Vorbericht zur fünften Auflage vom Jahr 1826. Wir ir finden Uns veranlaßßt, bei dieser fünften nothwendig gewordenen Auflage des Gesangbuchs diejenigen Veränderungen zu bemerken, wodurch es seiner Bollkommenheit näher gerückt ist und welche zum übereinstimmenden Gebrauche desselben mit den Gesangbüchern der früheren Ausgaben erforderlich zu seyn scheinen. 1) Die in der vorigen Ausgabe wegen Entfernung des Druckorts stehen gebliebenen Schreib- und Druckfehler sind nach Möglichkeit verbessert.. 2) Das Vergleichungs- Register hinter dem gewöhnlichen Register der vierten Ausgabe ist, als in jebiger Zeit überflüssig, weggelassen; dafür ist Vorbericht. 3) ein allgemeines Kirchengebet, welches durch ein Rescript des hohen Königl. Cabinets- Ministeriums angeordnet ist, an die Stelle des Verglei chungs- Registers gesetzt worden. 4) In den Anhang der vorigen Ausgabe waren. einige Gesänge, welche sich schon in dem Gesangbuche selbst, nur unter verschiedenen AnfangsStrophen oder einigen veränderten Wörtern, befanden, aufgenommen, als: im Anhange N 6 steht schon im Gesangbuche N 375 9 171 15 193 50- 529 # 1|| = www 1 Costuro compi Ondar bong - VII Statt dieser sind 6 andere Gesänge in den Anhang eingerückt; vier derselben unter die genannten Nummern 6, 9, 15, 50 und zwei ans Ende unter № 87 und 88. Durch diese Abänderung leiden zwar die Besitzer der vierten Auflage, ine dem sie die neu eingerückten Gesänge entbehren; doch wird die Nothwendigkeit und der Nußen dieser Änderung sie zufrieden stellen. Und um dem Gebrauche der ältern Bücher dadurch nicht hinderlich zu werden, sind die 6 aufgenommenen Gesänge besonders abgedruckt und in der Kissling'schen Hofbuchdruckerei allhier für 1 Mgr. zu haben, da sie dann gelegentlich einem ältern Gesangbuche angefügt werden können. 5) In dem Gebets- Anhange sind keine Veränderungen vorgenommen, als welche die eingetretenen VIII Vorbericht. Zeit- und Staats- Verhältnisse nothwendig gemacht haben. Gott, von welchem alle guten und vollkommenen Gaben kommen, begleite dieses Buch mit reichem Segen! Königlich Großbritannisch- Hannoversche zum evangelischen Consistorio verordnete Director und Råthe. H. A. Lehzen. Borbericht zur sechsten und siebenten Auflage vom Jahr 1836/42. Diese Auflage erscheint im Ganzen unverändert, nur sind die Fehler gegen die Orthographie und Interpunction möglichst beseitigt. Daßß die Blattseiten nicht, wie in den früheren Auflagen, in gespaltenen, sondern durchgehenden Zeilen gedruckt; die Melodieen, wenigstens nach einem großen Theile, nicht nach alten außer Gebrauch gekommenen, sondern nach bekanntern im Gesangbuche befindlichen Gesängen angegeben sind; daßß der Liederanhang aus gleich großer Schrift, wie bei den übrigen Gesängen, gesett; die ausführliche Anzeige von der Ordnung und dem Inhalte des Gesang Vorbericht. buchs bei einigen Hauptabtheilungen, wie z. B. bei der dritten, durch Hinzusetzung einiger bisher gefehlten: Unterabtheilungen erweitert und ein zweites, hin und wieder abgeändertes Kirchengebet, wie sich solches int hiesigen Stadtgesangbuche unter No 3 befindet, hinzugefügt ist, sind Verbesserungen, die, Unseres Erachtens, diese Auflage vor den früher erschienenen auszeichnet. Osnabrück, den 12. März 1836. Königlich Großbritannisch- Hannoversches evangelisches Consistorium. H. A. Lebzen. IX Ausführliche Anzeige von der Ordnung und dem Inhalt dieses Gesangbuchs. Erste Abtheilung: Von der Erkenntniß der Religion. 1) Aus den Werken der Natur 2) Aus der Bibel oder der heiligen Schrift Zweite Abtheilung: Von Gottes Wesen, Eigenschaften und der göttlichen Dreieinigkeit Er ist Ewig und unveränderlich Allwissend und allgegenwärtig Allmächtig ● Höchstweise Höchstgütig, barmherzig und langmüthig Höchstheilig und gerecht Höchsttreu, zuverlässig und wahrhaftig Von der heiligen Dreieinigkeit. Dritte Abtheilung: Von der Schöpfung der Welt und der göttlichen Vorsehung über sie Vom Gewicht dieser Lehren Von der Schöpfung Von Gottes Vorsehung und Weltregierung Würdiger Gebrauch der göttlichen Vorsorge. • Vierte Abtheilung: Von den vornehmsten Geschöpfen Gottes, die wir kennen, den Engeln und Menschen. No 1.4 5-7 8= 44 12= 14 15= 19 20= 21 22= 24 25= 32 33= 34 35 36= 44 45= 72 45 46- 49 50= 61 62= 72 Von den Engeln Von der Natur, Würde und Bestimmung des Menschen 80 73 79 89 = Inhalt. Fünfte Abtheilung: Vom Sündenclend und der Verdorbenheit der Menschen. Sechste Abtheilung: Von der Erlösung der Menschen durch Jesum Christum, den Sohn Gottes Von der Messias- Würde Jesu Von der Person des Erlösers Im Advent oder den Gedächtnißtagen der Ankunft Christi in die Welt Auf Weihnachten oder das Gedächtnißfest der Menschwerdung des Sohnes Gottes Bei seiner Beschneidung ( Die Neujahrsgesänge fiehe unten N 596 f.) Von der Offenbarung Christi und seiner Lehre an die Heiden Von der Darstellung Chrifti im Tempel. Auf Mariä Reinigung. Vom Verhalten und Geschäfte Jesu in seinem Leben Vom Leiden, Tode und Begräbniß Jesu; in der Passions- oder Fastenzeit. Erweckung zur heilsamen Erkenntniß derselben. Hingang und Bereitwilligkeit Jesu zum Leiden und Sterben Leiden Jesu Tod Jesu und Begräbniß 3weck und Gebrauch des Leiders und Todes Jesu Bon Jesu Auferstehung; auf Oftern Von Jesu Himmelfahrt und Regierung Vom Reiche und der Kirche Christi Von der Reformation und christlichen Duldung ● Siebente Abtheilung: Von der Glückseligkeit der Christen oder der Unterthanen Jesu in diesem und dem künftigen Leben. Eigenschaften wahrer Christen Gottseligkeit und Frömmigkeit Rechtfertigung und Begnadigung Baterliebe und Freundschaft Gottes No XI 90- 94 95= 104 100= 101 102= 104 105= 111 112= 127 128= 130 131= 134 135= 138 139 144 145 149 150= 154 155= 170 171= 172 173 182 210 Erhaltung und Ausbreitung) 211= 214 Beschügung und Beschirmung der christlichen Kirche 215- 218 183= 200 201- 207 208= 209 219 222 223 227 228= 229 B 230= 232 Ruhe und Freudigkeit der Seele und des Gewissens 233= 236 Trost im Leiden und Sterben 237= 242 XII Inhalt. Hoffnung einer seligen Unsterblichkeit Geligkeit des Himmels Achte Abtheilung: Vom Wege zur Glückseligkeit oder der Heilsordnung. Gläubige Unnahme der Lehren und Verheißungen des Evangeliums Bekehrung und Besserung durch Buße und Glauben. an Jesum. Erweckungen dazu Wider den Aufschub der Bekehrung Entschließung und Bitte um göttlichen Beistand zur Bekehrung Gesinnungen der Bußfertigen Empfindungen bei tiefer Traurigkeit über die Sünde Empfindungen eines Solchen, der lange leichtsinnig gelebt, Empfindungen beim Undenken an oft wiederholte Sünden Empfindungen beim Gefühl der Lieblingssünde und seiner Fehler und Mängel Der Glauben an Jesum und sein Verdienst Christliche Frömmigkeit und Zugend. Dankbare Liebe zu Gott Die Dankbarkeit und Liebe gegen Sesum, unsern Erlöser und Seligmacher, Nothwendigkeit eines heiligen Lebens und wider die Heuchelei Beschaffenheit der christlichen Zugend und Heiligkeit Bestreben, dem Beispiel Jesu Christi nachzuahmen Eifer in der Ausübung aller Pflichten und in der Unterlassung des Bösen Neunte Abtheilung: Vom Beweis der christlichen Gottseligkeit und Tugend oder dem wahren Gottesdienste. Bestreben, in der Erkenntniß Gottes, Jefu Chrifti und der Religion immer vollkommener zu werden, Kindliche Ehrfurcht vor Gott Liebe und Dankbarkeit gegen Gott Freude an Gott und Jesu und himmlischer Sinn Gehorsam gegen Gott und Jeſum Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen Lob Gottes und seiner Werke Christliches Betragen bei eidlichen Aus- und Zufagen 230 243 251 257 258= 259 260= 265 266 267 268= 275 276- 279 280 281 282= 286 287= 296 297= 302 303= 307 308= 313 314= 318 319 324 5 325= 332 333= 338 339= 341 342= 345 346 348 E 349= 351 352= 364 365= 379 380= 384 Inhalt. Selbsterkenntniß, Demuth und Vermeidung alles Stolzes Gottgefällige Liebe zu sich selbst und Selbstverläugnung Seelsorge Bewahrung eines guten Gewiffens Vorsichtige Leibespflege und Mäßigkeit, und Vers meidung aller entgegenstehenden Lafter Keuschheit und Vermeidung aller Arten von Unzucht und Unreinigkeit Vorsichtigkeit im Umgang mit andern und beim Gebrauch der Eprache, des Gehörs, ff.. Urbeitsamkeit, Berufstreue und Vermeidung der Trägheit und des Müßiggangs Rechte Unwendung der kurzen. Lebenszeit Christliches Verhalten in Absicht auf Ehre und ei nen guten Ruf und Namen Christliches Verhalten in Absicht auf Erwerbung und Erhaltung zeitlicher Güter und Bermeidung des Geizes und Verschwendung. Genügsamkeit. Geduld und getroster Muth im Leiden und bei den Unvollkommenheiten dieses Lebens Hoher Werth und NaChristliche Menschenliebe. tur dieser Menschenliebe Bewegungsgründe dazu Dienstfertigkeit, Barmherzigkeit, Mildthätigkeit und Vermeidung des Neids, der Härte und des Eigenmuses Friedfertigkeit, Sanftmuth, Versöhnlichkeit und Vermeidung aller Feindseligkeit und Rache Aufrichtigkeit, Redlichkeit, Wahrhaftigkeit und Vermeidung der Falschheit, der Lügen und des Verläumdens Gerechtigkeit, Billigkeit und Vermeidung aller Arten der Ungerechtigkeit, des Betrugs und Diebstahls Christliches Verhalten in Absicht wahrer Freunds schaft Gewissenhaftigkeit und besondere Nächstenliebe in besondern gesellschaftlichen Verbindungen In der bürgerlichen Gesellschaft, von Obrigkeiten und Unterthanen, In der kirchlichen oder Religionsgesellschaft, von Lehrern und Zuhörern, Würdiger Gebrauch der Gotteshäuſer Im Hausstande, von Eheleuten, Eltern, Kindern, Herrschaften, Dienstboten 2c. • ● XIII No 385 389 Ć 390 391 3 392 393= 395 396 397 398 399 400 401= 404 405= 408 409 a 410 412 413 414= 439 440 444 445= 447 448= 450 451 456 : 457= 459 460= = 461 462 464 465 466= 468 469 470 471 472= 485 3 Snhalt. Behnte Abtheilung: Vom heiligen Geist und seinen Wohlthaten( besonders aufs Pfingstdesfeft.) XIV 108 Elfte Abtheilung: Von den Mitteln zur Theilnehmung an den Wohlthaten Jesu Christi und des heiligen Geistes. 208 Rechter Gebrauch des Wortes Gottes oder des Religionsunterrichts in der Bibel COP Die heilige Taufe. Bei einer Taufhandlung Erneuerung des Taufbundes Bei der Confirmation Das heilige Abendmahl. Dank für die Stiftung desselben Wider die Nichtachtung desselben Erweckung zum würdigen Genuß Bei der Communion, vom 3weck, Nußen und rechten Gebrauch des heiligen Abendmahls Nach der Communion 3wilfte Abtheilung: von den Beförderungs- und Stärkungsmitteln der Tugend. Abwartung des öffentlichen Gottesdienstes und die würdige Sonntagsfeier Gefänge vor der Predigt Beim Beschluß des öffentlichen Gottesdienstes Haus- und Privatandacht. Umgang mit Gott im Gebet. Erweckung dazu Kraft und Nußen des Gebets Kraft desselben wider die Sünde Eigenschaften eines gottgefälligen Gebets 180 Allgemeine Bitten Tägliche Selbstprüfung und Wachsamkeit 18 Dankbare Erinnerung an seinen Gnadenstand Betrachtung des Todes. . überhaupt Besonders bei Beerdigungen Betrachtung der Vergeltung nach dem Tode und des allgemeinen Weltgerichts Erwägung der Strafen der Lafterhaften in dieser und der künftigen Welt Beherzigung des hohen Werths der künftigen Se= eligkeit. . No 486 497 498= 507 508 509 3 510 512 513= 514 H 515 516 517 518= 525 526 531 532 536 537= 540 541 542 543 544 545 547 548 549 550 551 555 556 552 558 559 569 570 585 583 589 590 593 594 595 3 Dreizehnte Abtheilung: Bitten und tur Danksagungen. In besondern Seiten: Beim Jahreswechsel Bei feierlicher Demüthigung vor Gott: an einem Bußtage, Inhalt. Am Gedächtnißtage einer erlittenen Feuersbrunft Des Morgens Für einen Kranken Des Abends Für einen Kranken Zur Tischzeit, vor und nach dem Effen, In den verschiedenen Jahrszeiten: Im Frühling Zur Saatzeit Im Sommer Vor, bei und nach der Ernte Dank für den Segen, der aus Künsten, Handlung und Gewerbe entsteht, In besondern Fällen: Bei und nach anhaltendem Regen Bei und nach der Dürre Bei und nach einem Gewitter Bei Theurung Bei gefährlichen Seuchen Beim Kriege und nach dem Frieden In einigen persönlichen Umständen: Für frohe Christen am Geburtstage und sonst. Für Traurige und Bekümmerte ( Uuch 414 439.) H Für fromme Dürftige Für fromme Verarmte Für Reisende. Für Kranke 649 Im Herbst 650 Im Winter 651 ( Beim Anfang des Kirchenjahrs, 57, 102, 110, 134, 208, 211, 317, 498, 501, 502. Beim Schluß desselben, 210, 366, 368, 370, 498, 604.) ● Für Wiedergeneſete Bei Erwartung des Todes Für Sterbende Fürbitte für Kranke Fürbitte für Sterbende ● Für einen sterbenden Religionsspötter Einsegnung eines Sterbenden ● XV No 596= 6:02 603= 606 607 608= 621 622 623= 634 6:35 636 637 638= 639 640= 641 642 643= 648 652= 654 655= 656 657= 661 662= 663 664 665 M 666 671 672 675 : 676= 677 678 679 . 680= 681 682 685 686= 689 690= 695 696= 698 699 700= 701 702 703 XVI cha 020 GROD FO3 Rea Sur Inhalt. Für Betrübte beim Absterben frommer Freunde. Für Eltern beim Verlust ihrer Kinder Für eine Mutter besonders TO DOD Beim Tode derer, die in Sünden gelebt haben, Für Chriften in der Einsamkeit. Für Gesellige. Für die höhern Stände Für den mittlern Stand 312 Anci dan sholatmest T3 1694 Gin Speelin7 12 2( 457 message ind n SAGIT ( 08-105 SABIED sime S Hal No 704= 70 70 70 70 301 30 me di Mono me stas# 7 my monis vig au gaungoin a74222 71 71 71 I. Von der Erkenntniß der Religion aus den Werken der Natur und aus dem göttlichen Unterricht in der Bibel. Mel. Herzliebster Jesu, du haft zc. 1. St auch ein Gott? wer darf noch also fragen? Hört man nicht laute Stimmen, die es sagen? Sieh', rufen Schrift, Vernunft und Creaturen, der Gottheit Spuren! 2. Sieh' um dich her! sieh' Himmel, Lånder, Meere, und schließ' von der Geschöpfe großem Heere, von ihrem Bau und vom Verstand der Geister auf ihren Meister. 3. Sieh'! wie die Sonne Jahr' und Tage theilet, wie auch der Mond durch seine Laufbahn cilet und wie durch beide Tag und Nacht der Erde regieret werde! 4. Was macht's, daß diese Ordnung stets vorhanden und unverrückt Jahrtausende bestanden? Kannst du der Gottheit Daseyn, Kraft und Wesen nicht darin lesen? 5. Ja, Mensch! in allen andern Creaturen, auch an dir selbst siehst du der Allmacht Spuren. Kannst du dich denn mit Recht verständig nennen und Gott mißkennen? 6. Doch nicht genug: es ist ein Gott, zu sagen. Oft leugnet's doch der Mensch durch sein Betragen, wenn er, als war kein Gott, in Sünden wandelt und gottlos handelt. 7. Du sagst: Gott ist und kennt mein ganzes Leben. Bist du ihm denn auch recht zum Dienst ergeben? Fühlt Dank und Gegenliebe dein Gemüthe für seine Güte? Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 1 Von der Erkenntniß der Religion 8. Im Wohlstand trotzig, zaghaft in Beschwerden, vergöttert man oft Dinge dieser Erden; macht Geld zum Trost; hålt Fleisch für seinen Retter; elende Götter! 2 9. Drum, Menschen, lernet Gottes heil'gen Willen mit Redlichkeit und Herzenslust erfüllen, sonst werdet ihr beim Ruhm des Glaubens lügen; euch selbst betrügen. 10. Laßt euch sein Wort den Weg der Wahrheit lehren; durch Glauben und durch Liebe ihn zu ehren, bis er euch einst zum Himmel wird erheben, bei ihm zu leben. Mel. Es ist das Heil uns kommen her 2c. 2. Du bist, o Gott, von Ewigkeit und bleibest ohne Ende; die Welt, so groß, das Meer, so breit, sind Werke deiner Hände. Des Himmels Bau, der Erden Last, und was du, Herr, geschaffen hast, lehrt uns dein Wesen kennen. 2. Du bist voll Licht und Majestät, voll Herrlichkeit und Stärke. Wer deine Größe nicht versteht, den lehren deine Werke, daß du der Herr der Herren bist, daß deine Macht unendlich ist im Himmel und auf Erden. 3. Wer ist, den nicht der Sinnen Licht auf dieſe Fragen leitet; wer hat das Erdreich zugericht't, den Himmel ausgebreitet? Wer hat der Sterne großes Heer, das tief und stark umdammte Meer so wunderbar erschaffen? 4. Groß muß der seyn; unendlich reich an Weisheit, Kraft und Stärke; ein Wesen, welchem keines gleicht, der so erhab'ne Werke hervorgebracht und aufgeführt, fie alle trågt und noch regiert und keines übersiehet. 5. Dich müsse, wer verständig ist, in aller Welt erkennen, daß du sein Gott und Vater bist, mit frohem Dank bekennen. Dich ehre und dein freue sich, was da ist, denkt und lebt durch dich im Himmel und auf Erden. 6. Ich bin dein Werk, dein Eigenthum; gieb, daß ich auch so lebe, mit Herz und That stets deinen Ruhm laut preise und erhebe. Dein Lob sey mein Geschäfte hier und dort, wo ich werd' für und für im hellern Licht dich schauen. 209 na aus der Natur und heiligen Schrift. 3 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten ic. 3. Gott des Himmels und der Erden, der du allgegenwärtig bist, von Niemand kannst ermessen werden, vor dem kein Ding verborgen ist, ach! ziehe meinen Sinn zu dir und offenbare dich auch mir. 2. Wohin ich Herz und Auge lenke, da find' ich deiner Gottheit Spur. Wenn ich mit Undacht überdenke die großen Wunder der Natur, so ruft mir Alles, Alles zu: wie groß ist Gott, wie klein bist du! 3. Es zeigen alle Elemente, wie groß der sey, der sie erschuf. O! wenn das Stumme reden könnte, wie laut erschallte nicht der Ruf: rühmt, Menschen, Gottes Güt' und Macht, der uns für euch hervorgebracht! 4. Unendlich, Gott, ist deine Liebe, die Erde deiner Gắt' voll! O! gieb mir deines Geistes Triebe, daß ich dich preise, wie ich soll; nimm, was ich kann und hab' und bin, zu deinem Dienst auf ewig hin. 5. Hilf, daß die Güter dieser Erden zu dir mich leiten, höchstes Gut; das sie mir nicht zum Fallstrick werden, der statt des Nußens Schaden thut. Laß allen Mißbrauch ferne seyn, der Wünsche Ziel sey du allein. 6. Hier ist mein Leben eine Reise, hier geht mein Weg zur andern Welt; drum mache du mich fromm und weise, das ich hier thu', was dir gefällt, und nimm zu deiner Ruh' mich auf, wenn ich vollende meinen Lauf. Mel. Es ist das Heil uns kommen her ic. 4. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für Alle wacht, anbetend überlege: so weiß ich, von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prachtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stårke! Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 1* Von der Erkenntniß der Religion 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt: die Wolken regnen? Wer schließt den Schoß der Erden auf, mit Vorrath uns zu segnen? Du, Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, als Erd' und Himmel reichen! 4 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meere; bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Des Menschen Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet; des Menschen Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Gut' und Größe. 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sey gepreist, und alle Welt fag' Amen! Und alle Welt fürcht' ihren Herrn, und hoff' auf ihn, und dien' ihm gern; wer wollte Gott nicht dienen? Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 5. Mein Gott, du schenktest mir das Leben; von gan= zem Herzen dank' ich dir. Du hast durch Menschen mir's gegeben, die Christen waren; Heil sey mir! Sonst kennt' ich Christi Lehre nicht; sonst fehlte mir Glück, Trost und Licht. 2. Auf ungewissen finstern Pfaden würd' ich ein Raub des Todes seyn; mit Sündenschuld und Fluch beladen, müßt ich des Richters Strafe scheu'n. Ich fånde keinen Trost in Noth, mich schreckte stündlich Grab und Tod. 3. Wozu hat mich mein Gott erschaffen? was if hienieden meine Pflicht? Wird auch den Geist der Tot hinraffen, und hålt Gott künftig ein Gericht? Wie werde ich darin bestehn? Wie der verdienten Straf' entgehn? 4. Entscheidet die Vernunft die Fragen durch ihren Einsicht schwaches Licht? Hebt sie die Zweifel, die mid plagen? Und bleibt der Trost, den sie verspricht? Nch aus der Natur und heiligen Schrift. 5 ohne Jesu Licht und Heil wär' Finsterniß und Angst mein Theil. 5. Ja, du hast mich den Finsternisfen des Irrthums und der Sünde Macht durch deine Lehre, Herr! entriffen; ihr Licht zerstreut des Zweifels Nacht; du zeigest mir des Höchsten Rath und führst mich auf der Wahrheit Pfad. 6. Ich weiß, wozu mich Gott erschaffen; ich kenne meine ganze Pflicht; den Geist wird nicht der Tod hinraffen; wer an dich glaubt, wird im Gericht durch dich, o Heiland, wohl bestehn und dann verklärt dich selber sehn. 7. O Jesu! laß mich deiner Lehre gehorchen mit stets größrer Lust, und keines Spotters Wahn zerstöre dein tröstend Wort in meiner Brust. Mein ganzes Leben preise dich! dein Heil erfreu' im Sterben mich! Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 6. Dein Wort, o Höchster, ist vollkommen: es lehrt uns unsre ganze Pflicht; es giebt dem Sünder und dem Frommen den allerbesten Unterricht. O selig! wer es achtsam hört, bewahrt und mit Gehorsam ehrt. 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, vertreibt des Irrthums Finsterniß. Es füllt mit Freuden, bringt uns Segen und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster! was du bist und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein Wort ermuntert, dich zu lieben; es lehrt, wie viel du denen giebst, die freudig dein Gebot ausüben, und wie du våterlich uns liebst. Und was, o Herr, dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Gott, deine Zeugnisse sind besser und mehr der Sehnsucht werth, als Gold; ihr Werth ist köstlicher und größer, als Alles, was die Erde zollt; wer das thut, was dein Wort gebeut, dem bist du wohlzuthun bereit. 5. Drum laß auch mich mit Lust betrachten, was mir dein Wort, o Höchster, lehrt, und mit Gehorsam auf das achten, was es von mir zu thun begehrt: so fließen Trost und Seelenruh' auch mir aus deinem Worte zu. Von der Erkenntniß der Religion Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 7. Wie dunkel wäre nicht, wie ungebahnt uns Allen der Weg, auf dem wir hier hinab zum Grabe wallen, wenn du, o Gott, nicht selbst durch deines Wortes Licht uns våterlich geschenkt Rath, Trost und Unterricht. 6 2. Wie viel weiß ich von dir, von deinem Rath und Willen? und woher nehm' ich Kraft, was du willst, zu ers füllen, wenn du nicht selbst zuvor mir deinen Willen lehrst und, ihn mit Folgsamkeit zu thun, mir Kraft gewährst? 3. Wie wüßt' ich von mir selbst, wozu du dieses Leben mir auf so kurze Zeit, die schnell vergeht, gegeben, wenn du nicht durch dein Wort mir seinen wahren Werth, 3weck, Absicht und Gebrauch entdecket und erklärt? 4. Wie furchtbar wäre mir der Weg zu meinem Grabe! wie wüßt' ich, was hernach ich zu erwarten habe, wenn über Tod und Grab den Weg zu jener Welt du mir nicht durch dein Wort gezeigt und vorgestellt? 5. Was kann bei meiner Schuld Gewißheit mir verz schaffen, daß du den Schuldner wirst verzeihend nicht wegraffen? Das, was kein Sterblicher mir fest versichern kann, das hast du selbst, o Gott, in deinem Wort gethan! 6. Wenn du mich züchtigeft, wie trostlos mußt' ich zagen! Womit stillt' ich mein Herz in solchen Trauertagen, wenn du mir nicht gesagt, wie ich zu meinem Wohl die våterliche Zucht ausstehn und nützen soll? 7. Herr bist du, und ich Knecht! dürft' ich es dann wohl wagen und zu dir, meinem Herrn, vertraulich Vater sagen, wenn du nicht durch dein Wort dich gegen mich erklärt, daß du dem Vater seyst, der kindlich dich verehrt? 8. Dies Ulles hast du uns, Gott, durch dein Wort gelehret, so huldreich hast du selbst dich gegen uns erklåret. Von dir belehrt, weiß ich, wie du gesinnet bist, was hier für mich zu thun, dort zu erwarten ist. 9. Gott, welche Seligkeit quillt mir aus dieser Quelle! Wie stärket und erquickt dein Wort, Herr, 7 aus der Natur und heiligen Schrift. meine Seele! Geleitet durch dies Licht, wall' ich auf ebner Bahn voll Muth und Freudigkeit zur Ewigkeit hinan. 10. Dank sey dir, hoher Dank für deines Wortes Lehren! fie müsse, wer sie kennt, hochschätzen und verehren! und, wer sie ehret, nicht ihr Hörer nur allein, vielmehr mit allem Fleiß ihr treuer Thäter seyn. 20 II. Von Gottes Wesen und Eigenschaften. Mel. Christ, unser Herr, zum zc. 8. O! meine Seel', erhebe dich voll Undacht und betrachte, wie Gott in seinem Worte sich bekannt den Menschen machte, daß er der Allerhöchste ist im Himmel und auf Erden, und soll gerühmt zu jeder Frist, auch angerufen werden als Ursprung aller Dinge. 2. Gott! du bist einig für und für, nichts sind der Heiden Götter; kein Heil, noch Trost ist außer dir, kein Helfer, noch Erretter. Laß mich, o Herr, auf dich allein von ganzem Herzen trauen; dir einzig nur ergeben seyn, auf Niemand anders bauen und deiner nur mich rühmen. 3. Herr, mein Gott! du bist ein Geist, und theilest auch uns Ullen an Gaben aus, was geistig heißt, nach deinem Wohlgefallen. Laß mich stets geistlich seyn gesinnt, daß, wenn ich vor dich trete, ich deine Kraft in mir empfind', und dadurch dich anbete im Geist und in der Wahrheit. 4. Du bist, o Gott! von Ewigkeit, ohn' Anfang und ohn' Ende. Gieb, daß ich von der Eitelkeit des Zeitlichen mich wende, auf daß ich möge immerdar das bitten und drauf denken, weil alles Irdische wandelbar, das du mir wollest schenken ein unvergånglich's Erbe. Von Gottes Wesen 5. Gott, du bist an allem Ort und gar nicht zu ermessen; ob Einer hier ist, oder dort, ist er dir unvergeffen. Laß mich nicht zweifeln, wo ich sey, könnst du dich mein annehmen; auch, was ich thu', laß mich dabei des Bösen vor dir schämen und überall dich fürchten. 6. Unendlich ist, Herr, deine Macht, zu retten, die dich lieben; und wenn der Frevler dich verlacht, Gericht an ihm zu üben. Gieb, daß sich deiner Allmacht Schutz furt über mich erstrecke; mich auch nicht Menschengrimm und Truß, nur deine Strafe schrecke, du Richter meiner Seele! 8 7. Voll höchster Weisheit bist du, Gott, die Nie mand kann ergründen; wie schwer und groß ist auch die Neth, weißt du doch Rath zu finden. Gieb, daß ich zu der Seelen Ruh' auf dich werf' meine Sorgen, auch übels weder denk', noch thu'; denn dir ist nichts verborgen, du prüfest Herz und Nieren. 8. Gott, du bist heilig und gerecht, du kannst die Sünd' nicht leiden; wer sagen will, er sey dein Knecht, der muß das Böse meiden; gieb, daß ich mich zu jeder Zeit der Heiligkeit befleiße, nachjage der Gerechtigkeit, auch dein Gericht gut heiße, ob ich's schon nicht begreife. 9. Du bist sehr gnädig, Gott, und gut, vergiebst die Schuld dem Sünder; erbarmst dich, wie ein Vater thut, von Herzen deiner Kinder. Herr! laß von deiner Lieb' und Gnad' mich immer Trost bekommen; durch fie fey meine Missethat von mir hinweggenommen, daß ich Vergebung finde. 10. Gott! deine Wahrheit stets besteht; wohl denen, die dir glauben! wenn Erd' und Himmel einst vergeht, wird dein Wort ewig bleiben. Gieb, daß ich fürchte dein Gericht und Alles, was du dråuest; auch hoffe, was dein Wort verspricht, daß du mir's gern verleiheft; wer hofft, wird nicht zu Schanden. 11. Höchstselig bist du, Gott, und frei; du thust, was dir beliebet. Du bist ein milder Herr dabei, der und Eigenschaften. 9 reichlich Gutes giebet. Laß mich mit dem zufrieden seyn, was mir beschert dein Wille. Gieb auch, daß ich von die allein und deiner Gütte Fülle erwarte, was mir nuget. 12. Gott, wenn ich dich so kenn' und ehr', dein Wort zum Grunde setze, erfreu' ich mich darüber mehr, als über alle Schäße, bis ich dort, o mein Heil und Licht, dich ohne Lallen nenne, von Angesicht zu Angesicht dich schaue, dich erkenne und unaufhörlich lobe. 13. Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist! der du auch willst auf Erden von mir und Allen seyn gepreist, laß deinen Ruhm groß werden. Verleih mir Gnade, Kraft und Stärk, daß ich zu allen Zeiten, Herr, deinen Namen und dein Werk mag mehr und mehr ausbreiten, so lang' ich hier noch lebe. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 9. Der Herr ist Gott und keiner mehr. Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich? Wer ist wie er, so herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam' ist groß, er ist unendlich, grenzenlos in seinem ganzen Wesen. 2. Jhn trifft kein Wechsel flücht'ger Zeit. Nie größer oder kleiner wird seines Wesens Herrlichkeit. Nur er war stets, sonst Keiner. Wir Menschen sind von gestern her; eh' noch die Erde war, war er; noch eher, als die Himmel. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet. Ihn fassen alle Himmel nicht, ihn, der sie all' erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, verborgen, und nur offenbar in seiner Werke Wundern. 4. Was wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet håtte? Er kennet uns, kennt, was er schafft, kennt aller Dinge Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand, und Kraft und Stärke; seine Hand umspannet Erd' und Himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? Weiß er nicht alle Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn 10 Von Gottes Wesen ein Mensch verbergen möge? die Finsterniß ist vor ihm Licht; Gedanken selbst entfliehn ihm nicht in ihrer ersten Bildung. 6. Wer schützt den Weltbau ohne dich, o Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich dein Aufsehn über Ulle. Du bist voll Freundlichkeit und Huld, barmherzig, gnådig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner! 7. Unsträflich bist du, heilig, gut, und reiner, als die Sonne. Wohl dem, der deinen Willen thut; denn du belohnst mit Wonne! Du hast Unsterblichkeit allein; bist selig, wirst es ewig seyn, du aller Freuden Fülle! 8. Du nur verdienest Lob und Dank, verdienest Preis und Ehre. Kommt, werdet Gottes Lobgefang, ihr Alle, seine Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? Wer ist wie er, so herrlich, so vollkommen? Mel. Nun danket Alle Gott 2c. 10. Anbetungswürd'ger Gott, mit Ehrfurcht stets zu nennen! Du bist undendlich mehr, als wir begreifen können. O flöße meinem Geist die tiefste Demuth ein, und laß mich stets vor dir voll Ehrerbietung seyn. 2. Du bist das höchste Gut; du weißt von keinem Leide; stets ruhig in dir selbst, schenkst du vollkommne Freude; dein ist die Herrlichkeit; auch ohne Creatur bist du dir selbst genug, du Schöpfer der Natur. 3. Du riefst dem, das nicht war, um Lust und Seligkeiten aufs mannichfaltigste um dich her auszubreiten; die Liebe bist du selbst; Verstand und Rath sind dein, und du gebrauchst sie gern, zu segnen, zu erfreun. 4. Du sprichst, und es geschieht; auf dein allmächtig Werde! entstand dein großes Werk, der Himmel und die Erde; mit deinem kråft'gen Wort trågst du die ganze Welt, und deine Macht vollführt, was uns unmöglich fällt. 5. Du bist der Herren Herr; der Erde Majestäten sind, Höchster, vor dir Staub; schaffst Leben und kannst und Eigenschaften. 11 tödten; wen du erniedrigest, Gott, wer kann den erhöhn? Wen du erhöhen willst, deß Hoheit muß bestehn. 6. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besitzet, der Leben giebt und nimmt, der unsern Othem schützet; den Geist, der in uns lebt, den haben wir von dir; willst du, so wird er nichts; du bleibest für und für. 7. Wer hat dich je gesehen? Wer kann im Fleisch dich sehn? Kein sterblich Auge reicht bis zu den Lichteshöhn, wo du voll Majestät auf deinem Stuhle thronst und unterm frohen Lob der Himmelsbürger wohnst. 8. Was wir, Unendlicher, von deinem Wesen wissen, das hast du selbst zuvor uns offenbaren müssen; die Schöpfung zeugt von dir; und deines Sohnes Mund macht uns noch deutlicher, Gott, deinen Namen kund. 9. Doch hier erkennen wir dich noch gar unvollkommen; wird aber dermaleinst der Vorhang weggenommen, der jetzt das Heiligste noch unserm Blick verschließt: dann sehn wir dich, Gott, so herrlich, wie du bist. 10. Sndeß sey auch schon jetzt dein Ruhm von uns besungen; verschmähe nicht ein Lob von lallendschwachen Zungen! Dort soll, wenn wir dereinst vor dir verherrlicht stehn, ein weit vollkommner's Lied dich, großer Gott, erhöhn. Mel. Aus meines Herzens ic. 11. Schwingt, heilige Gedanken, euch von der Erde los! Gott, frei von allen Schranken, ist unaussprechlich groß. Ein Geist ist Gott! Lobsingt vor seinem Angesichte! Gott wohnt in einem Lichte, zu dem kein Auge dringt. 2. Kein Sinn kann ihn erreichen, kein endlicher Verstand; wer darf sich ihm vergleichen? wer hat ihn ganz erkannt? Macht euch von ihm kein Bild! Wer kann den Höchsten sehen, ob er gleich alle Höhen und jede Tief' erfüllt? 3. Die Sonn' in- hoher Ferne mag strahlenreicher glühn; glänzt heller noch, ihr Sterne, was send ihr gegen 12 Von Gottes Wesen ihn mit aller eurer Pracht, in euerm schönsten Lichte? vor seinem Angesichte verschwindet ihr in Nacht.dod 4. Wie soll ich, Gott, dich nennen, dich Vater der Natur? Was wissen wir? wir kennen der Wesen Äußers nur. Wie åndern Körper sich selbst bei dem schönsten Schimmer! Gott aber wechselt nimmer, er ist unkörperlich. 5. Preist unsern Herrn und Meister, der selbst uns unterweist: Er, Vater aller Geister, sey selbst der höchste Geist; ganz Thätigkeit und Kraft; ganz Weisheit, Frei heit, Leben! Kommt, laßt uns ihn erheben, weil er auch Geister schafft. 6. Das preisen Engelchöre; stimm', Seele, freudig ein; auch dich schuf er zur Ehre, ein edler Geist zu seyn. Empfind's! verkenne doch nicht deinen Werth! verachte, was sündlich ist, und achte ein reines Herz nur hoch. 7. Andachtig bet' ihn, Seele, und ungeheuchelt an! Lieb' ich des Herrn Befehle, wie selig bin ich dann! Et hat Unsterblichkeit und Seligkeit und Leben! das Alles wird er geben dem, der sich ganz ihm weiht. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes. Mel. Herr Gott, den man 2c. 12. Herr Gott, du bist die Zuflucht aller Zeiten; denn du bist Gott in allen Ewigkeiten. Du warst es schon, ch' Erd' und Himmel ward; eh' noch dein Urm sich uns geoffenbart. 2. Was bin ich, Herr, und alle Menschenkinder? Staub sind vor dir der Fromme, wie der Sünder. Wie schnell enteilt das Leben doch von mir! Du, Höchster! nur du bleibest für und für. 3. Du haft vorhin die Erde zubereitet; dein Arm, Gott, hat den Himmel ausgebreitet. Doch sie vergehn, veraltern wie ein Kleid; du aber bleibst in aller Ewigkeit. 4. Es werden noch die Himmel sammt der Erden wie ein Gewand von dir verwandelt werden. Du blei und Eigenschaften. 13 best wie du bist; denn keine Zeit umgrenzet jemals die Unendlichkeit. 5. Das ist der Trost, die Hoffnung deiner Knechte. Du schützest sie mit deiner starken Rechte. Ihr redlich Herz kann sich stets deiner freun. Du bleibst ihr Gott, und sie sind ewig dein. 6. Das sey mein Trost in allen trüben Stunden. Vom Tode selbst bleibt er unüberwunden. Kein Tod, kein Grab trennt mich, o Gott! von dir. Mein Fels, mein Heil! das bleibst du ewig mir. Mel. Liebster Jesu, wir sind 2C. 13. Gott, du bist von Ewigkeit, und dein herrlich großes Wesen åndert sich zu keiner Zeit. Du bleibst stets, was du gewesen. Laß dies meinen Geist beleben, ehrfurchtsvoll dich zu erheben. 2. Ewig und unwandelbar ist, o Gott, dein hohes Wissen. Was dir einmal Wahrheit war, wird es ewig bleiben müssen. Niemals kann dein Ausspruch fehlen; laß mich ihn zur Richtschnur wählen. 3. Du bist nicht, wie Menschen sind, daß dich etwas reuen sollte; immer bleibst du gleichgesinnt. Was dein Rathschluß vormals wollte, willst du noch. O hilf uns Ullen thun nach deinem Wohlgefallen. 4. Immer bleibst du Lastern feind; dir mißfallen, die sie üben. Immer bleibst du, Gott, ein Freund derer, die das Gute lieben. Laß uns darin schon auf Erden deinem Bilde ähnlich werden. 5. Deine Worte trügen nicht; du bist ewig der Getreue, der das hålt, was er verspricht. O daß dies mich stets erfreue! Laß nur deinen Geist mich treiben, dir, Herr, auch getreu zu bleiben. 6. Stets ist Wohlthun deine Lust; ewig währet deine Liebe. Wohl mir, wenn ich auch mit Lust mich in deinem Willen übe! Dann, o Herr, wird's meiner Seelen nie an wahrem Wohlseyn fehlen. Von Gottes Wesen 7. Erd' und Himmel wird vergehn, alle Welt wird mich verlassen; nur du bleibst mir ewig stehn, deine Hand wird mich umfassen, wenn ich nun von hinnen scheide. Ewig bist du meine Freude! 14 8. Laß mir doch zu jeder Zeit, Herr des Himmels und der Erden, diese deine Ewigkeit einen starken Antrieb werden, dich zu lieben, dir zu trauen, und mein Glück auf dich zu bauen. Mel. Gott sey Dant in aller zc. 14. Ew'ger Gott! wie selig ist, wer dich kennt und wohl ermißt, wie du dich uns offenbarst! denn du bist, wirst seyn und warst. 2. Ewig bleibst du selbst dir gleich, weise, treu und gnadenreich, ewig mächtig und voll Kraft, heilig und untadelhaft. 3. Wenn ich auf zum Himmel schau', welch ein wundervoller Bau! doch er wird nicht ewig stehn; er entstand und wird vergehn. 4. Du nur bleibest, wie du bist; was dein weiser Rath beschließt, ist unwandelbar, wie du, gut und heilig stets, wie du. 5. Du bist nicht ein Menschenkind, daß du lugest; nicht gesinnt, wie der Mensch, der, wandelbar, nimmer bleibet, was er war. 6. Was du zusagst, ist gewiß; zwischen Licht und Finsterniß tappt der Mensch hin, wählt, bereut plößlich wieder, was ihn freut. 7. Und ich sollte nicht vertraun, nicht auf dessen Hülfe baun, der mit Weisheit und Verstand mich stets führt an seiner Hand? 8. Nein, Unwandelbarer, dein soll sich meine Seele freun; sey mein Fels, Gott, sey mein Licht, ewig meine Zuversicht! und Eigenschaften. 15 9. Und in allgemeine Nacht sinke dann mit seiner Pracht jeder Himmel, und die Welt stürze hin, wenn Gott mich hålt! Allwissenheit und Allgegenwart Gottes. Mel. Es wolle Gott uns gnädig zc. 15. Auwissender, vollkomm'ner Geist, deß Auge Alles siehet, was durch der Nächte Dunkel dreist der Sünder frech vollziehet. Wer ist, der deinem Licht entflieht, will er sich gleich verstecken; was in der Finsterniß geschieht, das weißt du aufzudecken und an das Licht zu bringen. 2. Selbst die Gedanken sind dir kund, die unsre Seele heget, eh' sie noch der verschloff'ne Mund durch Worte dargeleget. Die Herzen sind dir offenbar, du kannst ihr Dichten spüren; den Rath derselben siehst du klar, du prüfest Herz und Nieren und dir bleibt nichts verborgen. 3. Was deiner Freunde Herz begehrt, das weißt du, eh' sie beten; ihr Seufzen wird von dir erhört, eh' sie noch vor dich treten. Was deiner Feinde Herz beschließt, das ist dir unverborgen, dieweil du ihren Anschlag siehst, als wie den lichten Morgen, den keine Schatten decken. 4. Was nach Verfließung vieler Zeit noch künftig wird geschehen, das sieht dein Auge allbereit als gegenwärtig stehen. Du machst es deinen Knechten kund, es weiter auszubreiten, und läßt es noch durch ihren Mund auch den entferntern Zeiten in deinem Wort entdecken. 5. Bleibt gleich vor Menschen Manches noch in dieser Beit verschwiegen, so wird die Wahrheit künftig doch die Finsterniß besiegen. Dein unparteiisches Gericht wird Alles offenbaren; was noch so heimlich jetzt geschicht, wird man alsdann erfahren und öffentlich erzählen. 6. Laß mich, o höchste Majestät! dein helles Auge scheuen, das nie ein Heuchler hintergeht mit falschen Schmeicheleien. Erinnere stets meinen Geist an deffen 16 Von Gottes Wesen scharfe Blicke. Laß, was geheime Schande heißt, und alle bösen Tücke mich lebenslang vermeiden. Mel. Mir nach, spricht Christus zc. 16. Nie bist du, Höchster, von uns fern; du wirkst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn! bin ich in deinen Hånden. Durch dich nur leb' und athme ich; denn deine Rechte schüßzet mich. 2. Was ich gedenke, Gott, weißt du! du prüfest meine Seele. Du siehst es, wenn ich Gutes thu'; du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem Aug' entfliehn und nichts mich deiner Hand entziehn. 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit mein Herz an dich ergebe und, über deine Huld erfreut, lobsingend dich erhebe: so hörst du es und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sey. 4. Du merkst es, wenn des Herzens Rath verkehrte Wege wählet; und bleibt auch eine böse That vor aller Welt verhehlet: so weißt du sie, und strafest mich zu meiner Bessrung våterlich. 5. Du hörest meinen Seufzern zu, daß Hülfe mir erscheine. Voll Mitleid, Vater, zählest du die Thränen, die ich weine. Du siehst und wågest meinen Schmerz und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6. O drůck', Allgegenwärtiger! dies tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr! mein Herz zur Zuflucht wähle; daß ich dein heilig Auge scheu' und fromm zu leben eifrig sey. 7. Laß überall gewissenhaft nach deinem Wort mich handeln; und stärke mich dann auch mit Kraft, vor dir getroft zu roandeln. Daß du, o Gott, stets um mich) seyst, dies tröst' und beff're meinen Geist. Mel. Nun danket Alle Gott 2c. 17. Herr, du erforschest mich, dir bin ich unverborgen du kennst mein ganzes Thun und alle meine Sorgen und Eigenschaften. 17 was meine Seele denkt, war dir bereits bekannt, eh' der Gedanke noch in meiner Seel' entstand. norm 2. Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest; du schaffeft, was ich thu'; du ordnest, du beschließest, was mir begegnen soll. Erstaunt seh' ich auf dich; wie groß ist dein Verstand, wie wunderbar für mich. 3. Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen? wo könnt' ich jemals wohl mich deinem Aug' entziehen? Führ' ich gen Himmel auf, so bist du, Höchster, da; führ' ich zur Tief' hinab, auch hier bist du mir nah'. 4. Sucht' ich auch schnell zu fliehn, vom Abend bis zum Morgen, selbst an das fernste Meer, blieb ich dir nicht verborgen; auch da umschlösse mich doch deine Allmachtshand; denn du bist überall, und dein ist jedes Land. 5. Språch' ich zur Finsterniß: sey um mich, mich zu decken! so sucht' ich doch umsonst vor die mich zu verstecken; denn auch die Finsterniß ist vor dir helles Licht, die Nacht glänzt wie der Tag vor deinem Angesicht.im 6. Du warst schon über mir in meiner Mutter Leibe; du bildetest mein Herz, Gott, deß ich bin und bleibe. Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht, und meiner, eh' ich war, schon våterlich gedacht. 7. Du kanntest mein Gebein, eh' ich ans Licht gekommen, da ich im Dunkeln erst die Bildung angenommen; dein Auge sah' mich schon, eh' ich bereitet war, und meiner Tage Lauf war dir schon offenbar. 8. Was für Erkenntnisse, für köstliche Gedanken, unzählbar sind sie mir; denn sie sind ohne Schranken. Mit Ehrfurcht will ich stets auf dich, mein Schöpfer, fehn, dir folgen, und dein Lob, so gut ich kann, erhöh'n. 9. Erforsche mich, mein Gott, und prüfe, wie ich's meine; ob ich rechtschaffen bin, wie ich's von außen scheine. Sieh', ob mein Fuß vielleicht auf falschem Wege geht, und leite mich den Weg, der mich zu dir erhöht. Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 2 Von Gottes Wesen Mel. Es ist gewißlich an der zc. 18. Umsonst, umsonst verhüllst du dich, mein Herz, in Finsternisse; was kann ich Gott verbergen, ich! daß er nicht Alles wisse? Wärst du auch dunkler, als das Grab: das Auge Gottes schaut hinab und kennet deine Tiefen. 2. Wo ist die Nacht der Einsamkeit, die mich vor ihm verhehle? Er sieht euch schon, eh' ihr noch seyd, Ge banken meiner Seele! eh' ich euch selbst empfinden kann, von eurer ersten Bildung an, bis ihr euch ganz entfaltet. 3. Er kennet und erforschet euch, wenn ihr euch schnell entziehet; bemerkt euch, wenn ihr, Strahlen gleich, schnell auffahrt, schnell entfliehet; vergebens wünsch' ich: sterbt, vergeht! ich haff' euch! aufgezeichnet steht ihr all' in seinem Buche. 18 4. Der Herr gedenket ihrer noch, wenn sie auch mir verschwinden; sie leben, und ich wähne doch: Gedanken seyn nicht Sünden? Nein, alle müssen an das Licht, wenn Gott kommt, daß er im Gericht des Herzens Rath enthülle. 5. Seyd heilig denn, von Gott nur voll, Gedanken meiner Seele! daß, wenn gerichtet werden soll, kein einziger mich) quale! Seyd heilig! und dann fürchtet nichts; Gott wird am Tage des Gerichts gleich Thaten euch belohnen. Mel. D König, dessen Majestät zc. 19. Herr Gott, der du erforschest mich und kennst mich aus und innen, mein Thun und Lassen kommt vor dich, Gehen, Stchen und Beginnen; was ich im Bette denk' und dicht, siehst du von fern und fehleft nicht, du prüfeſt Herz und Nieren. Du kannst auch, wenn ich bin allein und gerne wollt' verborgen seyn, all' meine Weg' ausspüren. 2. Du hörst das Wort aus meinem Mund, ich kann dir nichts verhehlen; Gott, du durchschauft des Herzens Grund, kennst jeden Rath der Seelen; du schaffest ja, was ich vollbring', wie groß es ist und wie gering, ich kann's ohn' dich nicht richten. Wenn aber du durch deine und Eigenschaften. 19 Gnad' Verstand mir giebst, auch Hülf' und Rath: so kann ich Alles schlichten. 3. Wie du die Deinen wunderlich, o Gott, hier pflegst zu führen, versteh' ich nicht, und lasse mich nur deine Gnad' regieren. Wo soll ich hin vor deinem Geist, da du auch die Gedanken weißt? Es hilft vor dir kein Fliehen; führ' ich gen Himmel, bist du da; auch in dem Grab' trittst du mir nah'. Kann ich mich dir entziehen? 4. Nun, großer Gott, weil deine Hand mich überall kann finden, und all mein Thun dir ist bekannt, so hüt ich mich vor Sünden. Denn finster ist wie Licht bei dir; was heimlich war, kommt klar herfür, ich kann dir nicht entgehen. Was ich gethan, gered't, gedacht, das wird vor deinen Thron gebracht; da muß ich vor dir stehen. 5. Du hast, o Herr, mich gütevoll und wunderbar bereitet, und, wie der Gliederbau seyn soll, so weisheitsvoll geleitet. Selbst wie mein Fleisch und mein Gebein und Alles an mir sollte seyn, das hast du, Gott, erwählet. Da ich noch ungeboren war, hast du schon Stunden, Tag' und Jahr im Lebenslauf gezählet. 6. Ich danke dir und preise dich für solche große Thaten, und daß du mir so wunderlich an Leib' und Seel' gerathen; sehr köstlich ist dein Werk an mir, wenn ich erwach', bin ich bei dir und warte deiner Gnaden; ich glaube fest, daß meine Sünd' durch Christum mir vergeben sind, daß sie mir nicht mehr schaden. 7. Den Vorsatz gieb mir, Herr, dabei, daß ich das Bose meide; was gottlos ist, fern von mir sey, vom Guten mich nichts scheide. Hilf, daß ich thu, was dir gefällt, und ernstlich flieh' die Lust der Welt, auch ihren Haß nicht achte. Und jede Pflicht, die du, mein Hort, mir vorge= schrieben durch dein Wort, treu zu vollbringen trachte. 8. Erforsch' mich Gott, ergründ' mein Herz und prüfe die Gedanken, wenn ich durch Freude oder Schmerz versuchet bin zu wanken. Bin ich vielleicht auf bösem 2* Von Gottes Wesen Weg, so führ' du mich den rechten Steg, der nach dem Himmel weise, daß ich vom Sündendienste frei, und dir, o Herr, gefällig sey, bis ich von hinnen reise. Allmacht Gottes. Mel. Mir nach, spricht Christus ic. 20. Herr, deine Ullmacht reicht so weit, als selbst bein Wesen reichet; nichts ist, das deiner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet; es ist kein Ding so groß und schwer, das dir zu thun unmöglich) war'. 20 2. Du sprichst, und dein allmächtiges Wort wirft Alles dir zu Füßen; du führest deinen Anschlag fort bei allen Hindernissen; du winkst, so stehet plößlich da, was noch zuvor keine Auge sah'. 3. Du hast dein großes Schöpfungswerk allmächtig ausgeführet; es bleibet stets dein Augenmerk und wird durch dich regieret; noch immerfort besteht die Welt, weil deine Allmacht sie erhält. 4. Die Menge vieler Wunder zeigt, daß, Schöpfer, dein Vermögen weit über die Gesetze steigt, die die Natur bewegen; du bleibst ihr Herr, und ihren Lauf hebst du nach weiser Willkür auf. 5. Was für ein Wunder deiner Macht wirst du uns lassen sehen, wenn nach der langen Grabesnacht die Todten auferstehen; wenn du von unserm Staub' den Rest zu neuen Körpern werden läßt. 6. Allmächt'ger! mein erstaunter Geist wirft sich vor dir darnieder, und ehrfurchtsvoll erhebt mein Geist den Schöpfer solcher Glieder. Mach' mich zum Zeugen deiner Kraft, die aus dem Tode Leben schafft. 7. Ozund' in mir den Glauben an, der mich zu dir hintreibe, den deine Macht bewahren kann, daß et mir ewig bleibe. Gieb, daß ich traue deiner Kraft, die Alles kann und alles schafft. und Eigenschaften. Mel. Wirf, blöder Sinn ic. 21. Gott, grenzenlos, undenkbar groß der Urquell aller Macht ist deine Stärke; schon seh'n wir hier so viel von ihr, doch sehn wir kaum den Anfang ihrer Werke. 21 2. Durchflög ich gleich ihr weites Reich und sähe deine letzte Sonne glänzen; ich såhe bort doch nicht den Ort, wo du nicht wärst, nicht deiner Allmacht Grenzen. 3. Was du erschufft, was du jetzt rufft und rufen wirst, wer kann das alles zählen? doch wolltest du noch mehr dazu erschaffen, würd' es dir an Kraft nicht fehlen. 4. So lange fließt ihr Quell, und ist doch nicht er schöpft, und wird es auch nie werden; sprich nur ein Wort! und er fließt fort in neuen Himmeln und auf neuen Erden. 5. Doch deine Kraft, o Gott, erschafft nur, was du willst; denn du bist gut und weise. Das lehre mich, damit ich dich für alles das, auch was du nicht thust, preiſe. Weisheit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott ze. 22. Du weiser Schöpfer aller Dinge, der Alles wetß, erkennt, versteht! nichts ist so groß, nichts so geringe, das nicht nach deiner Ordnung geht! Sie ist's, die deine große Welt im Daseyn und in Pracht erhält. 2. Die vielen wundervollen Werke, was unsern Augen fern und nah', steht Alles wie durch deine Stärke, so auch durch deine Weisheit da. Unendlich, Herr, ist dein Verstand; der ganze Weltbau macht's bekannt. 3. Mit eben diesen Meisterhånden, mit welchen du die Welt gemacht, regierst du auch an allen Enden, was dein Verstand hervorgebracht; du brauchst, o unerschaffnes Licht, der Menschen Rath und Beistand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, krönt auch, ſo bald du willst, die That; wenn tausend Hindernisse kommen, so triumphirt dein hoher Rath; den besten Zweck wählt dein Verstand, die Mittel steh'n in deiner Hand. 22 Von Gottes Wesen 5. Die Menge so verschiedner Willen, wo jeder seis nen Weg erwählt, muß doch den deinen bloß erfüllen, der seines Zieles nie verfehlt, und aller Feinde stolzen Wahn als Unvernunft beschåmen kann. 6. O Weisheit, decke meiner Seele des Eigendunkels Thorheit auf, damit sie dich zum Leitstern wähle in dieses Lebens ganzem Lauf; ich weiß den Weg zur Wohlfahrt nicht, drum leite mich dein sichres Licht! 7. Du hast mich durch mein ganzes Leben bisher aufs weiseste geführt; mein Geist muß dir die Ehre geben, daß du aufs beste mich regiert! O leite mich durch Welt und Zeit hinüber in die Ewigkeit. Mel. Von Gott will ich nicht lassen zc. 23. Sch lobe dich und preise dich, o mein Gott, allein! wer ist, wie du, so weise? Verstand und Rath ist dein! Laß immer meinen Geist in allen deinen Werken auf deine Weisheit merken, die auch der Engel preist. 2. Wohin mein Auge blicket, ist Alles Harmonie, gut, ordnungsvoll geschmücket; voll Kunst, voll Pracht durch sie; sie schaffet, sie erhält, zu segnen, zu ergötzen nach herrlichen Gesetzen den weiten Bau der Welt. 3. Du hingst in lichten Fernen, hoch über uns hinauf, die Sonne mit den Sternen, uns zu erleuchten, auf; da hånget sie an nichts; von dir nur unterstützet, erwärmt sie und erhitzet und ist die Quell' des Lichts. 4. Wer hält im Gleichgewichte so großer Körper Last? wie schwimmt die Welt im Lichte, das du geschaffen hast! wer lenkt der Strahlen Flug, daß sie nur nutzen können, beleben, nicht verbrennen, so wunderbar, so klug? 5. Wer rief, uns zu umgeben, der Luft, die Alles trågt? durch sie hat Alles Leben, und Alles wird bewegt! da sammeln Dünste sich, und werden Thau und Regen, und Fruchtbarkeit und Segen für Pflanzen, Thier und mich 6. Wer hat sie so bereitet, daß sie den Blitz gebiert; daß sie den Wind verbreitet, den Schall zum Ohre führt; und Eigenschaften. den leichten Vogel hebt; den schnellen Fisch znm Schwim men und unsers Mundes Stimmen für deinen Ruhm belebt? 7. Wer hob, o Gott, die Erde aus deinem Meer heraus; theilt, daß fie fruchtbar werde, sogleich die Waffer aus? wer sammelt fie; wer bricht die Flüsse, wenn sie schwellen? spricht zu des Meeres Wellen: bis hieher! weiter nicht! 23 8. Wer schafft das Laub der Wälder? wer ruft das Gras hervor? wer segnet unsre Felder; thürmt Berge hoch empor? wer schmückt sie überall? wer gråbt dem Feuer Schlünde, legt in der Tiefe Gründe den Marmor, das Metall? 9. Herr, deine Weisheit schmücket, bereichert und erhält, nährt, segnet, schüßt, beglücket die lebenvolle Welt; sie rühme mein Gesang! ich singe dir und preise dichy, Gott, denn du bist weise, dir weih' ich Lob und Dank. Mel. Gott des Himmels und der ic. 24. Unerforschlich sey mir immer meines Gottes Weg und Rath, und die Nacht sey ohne Schimmer, die mich hier umschattet hat; doch ist Alles, was er thut, wie's auch scheine, weis' und gut. 2. Sollt' ich das von Gott nur loben, wo ich Rath und Weisheit seh'? ist's nicht ein Geschenk von oben, wenn ich seinen Weg versteh'? frevelt der nicht, welcher klagt, daß ihm Gott mehr Licht versagt? 3. Soll ein Vater unterlassen, was dem Kinde Thorheit ist? Kühner Tadler! Engel fassen das, wo du im Dunkel bist; hier sollst du nicht völlig schau'n; lernen nur und Gott vertrau'n. 4. Sollt' er zu Regiererinnen seiner Werke, seiner Welt meine Lüfte setzen? sinnen, ordnen, thun, was mir gefällt? Wohl uns, wenn er nie gewährt, was ein thöricht Herz begehrt. 5. Hier in meinem Pilgerstande sey mein Theil Bufriedenheit dort in meinem Vaterlande wohnt die Von Gottes Wesen wahre Seligkeit; find' ich dort gewiß mein Heil, o so sen mein Weg hier steil. 6. Wenn du auch auf rauhen Wegen wandelst, Seele, klage nicht; was hier schmerzet, wird dort Segen; was hier Nacht ist, wird dort Licht, und ich fasse Gottes Sinn, wenn ich ganz vollendet bin. 24 Güte und Langmuth Gottes. 25. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? der mit verhärtetem Gemüthe den Dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, feine Liebe zu ermessen, sen ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nicht vergessen; vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 32. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ist's nicht der Herr, der Alles schafft? 3. Schau, o mein Geist! in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist; wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig siehest, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden; durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh', darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig seyn. on 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren, und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht geh'n? Sein Will' ist mir ins Herz geschrieben; sein Wort bestärkt ihn ewiglich. Gott soll ich über Alles lieben, und meinen Nächsten gleich als mich. 1) 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: ich soll vollkommen seyn, wie er. Indem ich dies Gebot erfülle, stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht, und und Eigenschaften. 25 ob ich schon aus Schwachheit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. Gott! laß deine Gut' und Liebe mir immerdar vor Augen seyn. Sie stårk' in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn; sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen; sie leite mich zur Zeit des Glücks, und sie besieg' in meinem Herzen die Furcht des letzten Augenblicks. Mel. Herzliebster Jesu, bu haft ze. 26. Preist unsern Gott! er ist von großer Güte, barmherzig und von duldendem Gemüthe; er zürnt nicht ewig, will mit seinen Knechten nicht ewig rechten. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und läßt verschonend uns das nicht empfinden, was wir, weil wir ihm unser Herz nicht gaben, verschuldet haben. 3. So hoch der Himmel über dieser Erde, so weit geht-o daß er geliebet werde!- die Huld des Herrn bei Allen, die ihn lieben und Gutes üben. 4. Wem bleibt sein Antlitz, wenn er's sucht, verborgen? So weit der Abend sich entfernt vom Morgen, entfernt auch Gott der Sünde Schuld und Schmerzen von unsern Herzen. 5. So zärtlich sich ein Vater seiner Kinder erbars met, so erbarmt sich Gott der Sünder, wenn sie von Herzen sich zu ihm bekehren, ihm Treue schwören. 6. Er schlägt und heilt; verwundet, läßt genesen; er weiß, der Mensch ist ein zerbrechlich Wesen; er denkt daran, daß das Geschöpf der Erde bald Usche werde. 7. Uch! er ist Gras; er blüht, wie Blumen blühen: die Winde weh'n darüber, sie verblühen, und ihre Stätte wird nach wenig Stunden nicht mehr gefunden. 8. Von Ewigkeit zu Ewigkeit währet die Güte Gottes Jedem, der ihn ehret; ach! leite denn auch mich auf deinem Pfade, du Gott der Gnade. P ti 9. So werd' ich ewig deiner Huld genießen; so wird mein Leben sanft vor dir verfließen; so werd' ich dort mit allen Engelchören dich fröhlich ehren. Von Gottes Wesen 27. Mel. Wie schön leucht't uns sc. Gott, deß starke Hand die Welt erschaffen hat und noch erhält, ich spüre deine Güte hier auf der Welt an jedem Ort, hier in der Näh' und Ferne dort. Und richt' ich mein Gemüthe von hier zu dir, so strömt Segen mir entgegen, und mir Urmen schenkst du Güte und Erbarmen. 26 2. Seh' ich den hohen Himmel an, so viel ich davon sehen kann, so seh' ich deine Güte. Der Hims melskörper Lauf und Pracht, das Sternenheer, das du gemacht, erreget mein Gemüthe, willig, freudig Dank zu bringen und zu singen: Gott der Stärke! groß sind deiner Hände Werke. 3. Wenn deine Luft mich hauchet an, die kein Ge schöpf entbehren kann, so fühl ich deine Güte. Das Wasser, Feuer, Frost und Eis sind deines Wohlthuns lauter Preis und rühren mein Gemüthe, daß ich herzlich deine Ehre stets vermehre und die weise, die allmächt'ge Gute preise. 4. Dein Erdreich, Gott, das Jedermann giebt Brod und Speise, seh' ich an und schmecke deine Güte. Ich sehe und empfinde sie an Feld und Wald, an Korn und Vieh. Dies dringet mein Gemüthe, Herr, dich innig ohn' Aufhören zu verehren und zu loben für so viele Liebesproben. 5. Wenn ich mich selbst auch schaue an und das, was du an mir gethan, so seh' ich lauter Güte. Die zeigt mir jedes Fußes Tritt, in meinem Leben jeder Schritt, Leib, Seele und Gemüthe. Billig muß ich dir hinwieder meine Glieder ganz ergeben und nach deinem Willen leben. 6. Herr! dazu, bitt' ich, hilf du mir und zeuch mich immer mehr zu dir durch deine große Güte. Erhalt zu deinem Dienst und Preis mir Scel' und Leib, daß ich mit Fleiß mich vor dem Undank hüte. Laß mich, was ich bitt', erlangen, so anhangen dir auf Erden, bis ich dort mag selig werden. Univ.- Bibl. Giessen und Eigenschaften. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 28. Gott! dir ist kein Geschöpf verborgen, teins ist vor dir gering geacht't; du würdigst jedes deiner Sorgen und bist auf Aller Wohl bedacht. Vom Menschen bis auf jedes Thier dankt Alles seine Wohlfahrt dir. 2. Mit dankbar freudigem Gemüthe erheb' ich, Gott der Liebe, dich. Wie theuer ist doch deine Güte; wie liebst du uns so väterlich! wir können ohne Furcht und Graun dir, unserm Vater, kindlich traun. 27 3. Mit welchem reichen überflusse erfüllest du die Welt, dein Haus! du theilft ihn, Allen zum Genusse und zum Vergnügen, milde aus. Herr! unsers Lebens Quelle ist aus dir, der du das Leben bist. Mel. O König, deffen Majestät zc. 29. Lobfinget Gott und betet an, preist ihn mit Harf und Psalter! ihm danke, wer nur danken kann, dem Schöpfer und Erhalter! Gott ist die Liebe! rühmt es laut, Geschöpfe, die ihr ihm vertraut, die ihr ihn kennt und ehret! rühmt es, daß seine Gütigkeit mit jedem Morgen sich erneut und ewig, ewig währet. 2. Daß außer dir nicht Alles leer von Freud' und Leben bliebe, schufst du der Himmel ganzes Heer and unfre Welt aus Liebe. Du selbst bedurfest ihrer nie, Unendlicher, du ließest sie zu ihrem Glücke werden. Dir aber selbst ist's Freude nun, dem, was du schufest, wohlzuthun im Himmel und auf Erden. Dou 01 3. Kein Mensch, kein Engel selbst ermißt die Größe deiner Segen, wie gütig deine Weisheit ist in allen ihren Wegen! Gott, deine Güte reicht so weit, als deines Reichs Unendlichkeit, so weit, Herr, als dein Leben. Ach! was sind wir, die deine Macht aus todtem Staub hervorgebracht, uns ewig Heil zu geben? 4. O Vater, welchem Keiner gieicht an Liebe, wie an Stårke! kein Dank, kein Lobgesang erreicht die Wunder deiner Werke; doch ist dies angenehmer Dank, dir ist 28 Von Gottes Wesen es mehr als Lobgesang, wenn ähnlich dir, ich liebe und diesen Sinn mit wahrer Freud' durch Wohlthun und Barmherzigkeit an meinen Brüdern übe. 5. Du bist die Liebe; Dank sey dir, daß ich dich so erkenne, und dir zum Ruhm, zum Troste mir dich, Gott, die Liebe nenne. Auch ich will ganz die Liebe seyn, will glücklich machen, will erfreun, will segnen und dir gleichen. Von diesem Heil, von dieser Pflicht laß mich, mein Gott und Vater, nicht, so lang' ich lebe, weichen. Mel. Nun lob' mein' Seel' den zc. 30. Gott! du bist die Liebe: allein zum Wohlthun hast du Lust. Nur gnadenvolle Triebe erfüllen deine Vaters brust; ganz ohne alle Grenzen ist deine Gütigkeit. So weit die Himmel glånzen, übst du Barmherzigkeit. Du, Herr, haft Wohlgefallen an dem, was du gemacht, und haft uns Sündern allen noch Leben zugedacht. 2. Als du uns hießest werden, da schufft du uns zum ew'gen Wohl. Nicht nur auf dieser Erden ist Alles deiner Güte voll; auch in dem Himmel droben hat deine Vaters hand uns Güter aufgeboben, die noch kein Aug' erkannt. Dorthin uns zu erheben, das ist dein Rath und Sinn; drum gab für uns sein Leben dein ew'ger Sohn dahin. 3. Wie groß ist deine Gnade! wer ist so reich an Huld, wie du! auch auf dem Sündenpfade siehst du uns voller Langmuth zu. Du rufest uns zur Buße; und fällt voll Reu' und Leid der Sünder dir zu Fuße, zur Beff'rung auch bereit: so schenkest du dem Armen in Christo deine Huld und tilgest aus Erbarmen die ganze Sündenschuld. 34. Mit jedem neuen Morgen wird über uns dein Wohlthun neu; oft kommst du unsern Sorgen zuvor mit deiner Vatertreu'. Du Ursprung aller Gaben! du weißt, was uns gebricht, und was wir nöthig haben, versagst du, Gott, uns nicht. Vom Wohlthun, das du übest, find unfre Tage voll. Auch, wenn du uns betrübest, geschieht's zu unserm Wohl. 1000 und Eigenschaften. 5. Wer sollte dich nicht lieben? du hast uns ja zuerst geliebt; und bist stets treu geblieben, wie viel wir wider dich verübt. Mit Gnade uns zu segnen, ist ewig deine Lust. Mit Dank dir zu begegnen, sey, Herr, auch unsre Lnst. Laß uns, treu zu erfüllen, was du befiehlst, nie ruh'n.. Wer sollte deinen Willen nicht gern, o Vater, thun? 6. Wer hier auf deinen Wegen sich willig deinem Dienste weiht, den setztest du zum Segen schon hier, noch mehr in Ewigkeit. Du kröneft seine Leiden mit herrlichem Gewinn, und führest ihn zu Freuden, zu ew'gen Freuden hin. Wie groß ist deine Güte! Gott, laß mich ihrer freun und stets mein ganz Gemüthe voll ihres Ruhmes seyn. 29 Mel. Haupt voll Blut und Wunden ic. 31. Wer mißt, Gott, deine Güte, dein Wohlthun, deine Huld! wie reich ist dein Gemüthe an Langmuth und Geduld! Ein Meer von Liebe fließet um dich und deinen Thron, und welch ein Strom ergießet sich auch auf uns davon! 2. Was ich nur Gutes finde, erkenne und versteh'; was ich mit Lust empfinde, genieße, denk' und seh': das Alles kommt und quillt von dir auf diese Welt, die deine Huld erfüllet, belebet und erhält. 3. Daß ich mit einem Triebe zu lieben bin beglückt, und daß mich Andrer Liebe so labet und erquickt: auch diese sanften Triebe sind uns von dir geschenkt; es hat sie deine Liebe in unser Herz gesenkt. 4. Kein Vaterherz auf Erden ist deinem Herzen gleich; kein Mutterherz kann werden an Zärtlichkeit so reich. O Vater aller Våter! wer sorgt? wer giebt? wer ist sonst Pfleger, Schuß und Retter, wenn du es, Gott, nicht bist? 5. Schnell und nach strengen Rechten strafft du die Sünder nicht; du geht mit deinen Knechten nicht plößlich ins Gericht; du trägst, du trägst den Sünder mit schonender Geduld, umfasseft deine Kinder mit väterlicher Huld. Von Gottes Wesen 6. Und wir, o Vater, sollten dein Wohlthun, dein Verzeihn nicht achten? und wir wollten dir doch nicht folgsam seyn? Nein, deine Liebe rühre und beff're jedes Herz, daß keins sich selbst verführe und deine Huld verscherz'. 7. Lenk' uns durch deine Liebe zur Gegenliebe hin, vermehre ihre Triebe, belebe Herz und Sinn für deiner Güte Proben, die reichlich auf uns ruhn, durch Werke dich zu loben, die deine Freunde thun. 30 Mel. D König, dessen Majestät zc. 32. Getreuer Gott! wie viel Geduld beweisest du uns Armen; wir häufen täglich unsre Schuld; du häufest dein * Erbarmen. Was ist des Menschen Lebenslauf? er ist ver berbt von Jugend auf, sein Sinn ist dir entgegen. Und doch, o Vater, suchst du ihn langmüthig davon abzuziehn, zur Beff'rung zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; selbst wenn sie sich verstocken, so suchst du sie doch väterlich durch Huld zu dir zu locken. Wie lange sahst und riefest du nicht ehmals deinem Volke zu, daß sich ihr Herz bekehrte! Wie trugst du nicht mit Gütigkeit die erste Welt so lange Beit, eh' sie die Fluth verheerte! 3. Noch immer giebst du Sündern Raum, der Strafe zu entgehen; du låff'st den unfruchtbaren Baum nicht ohne Pflege stehen. Du schonest sein von Zeit zu Beit, und zögerst voll Barmherzigkeit, ihn gånzlich abzu hauen. Du wartest sein mit großer Treu', und hörst, damit er fruchtbar sey, nicht auf, an ihm zu bauen. 4. Langmüthigster! so große Huld bezeugst du fre chen Sündern. Und o! nicht weniger Geduld hast du mit beinen Kindern. Sie werden ja, weil Sünd' und Welt hier ihnen häufig Netze stellt, oft sicher, matt und tråge. Sie straucheln, sie vergehen sich, und fehlen oftmals wider dich auf falschgewähltem Wege. 5. Du rufest ihnen in Gefahr, so oft sie irre gehen, reichst ihnen Hand und Stärke dar, von Sünden aufzu und Eigenschaften. 31 stehen. Du trågest sie mit Vaterhuld; bist willig, ihre Sündenschuld durch Christum zu vergeben; giebst ihnen neue Glaubenskraft und nach vollbrachter Pilgrimschaft ein ewig Freudenleben. 6. Laß diese Langmuth und Geduld, Gott, unfre Herzen rühren; nie müsse deine Vaterhuld zur Sicherheit uns führen; trag uns erbarmend fernerhin; doch gieb uns auch dabei den Sinn, daß wir die Sünde hassen und uns noch in der Gnadenzeit den Reichthum deiner Gütigkeit zur Beff'rung leiten lassen. heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 33. Gott, vor dessen Angesichte nur ein reiner Wandel gilt! ew'ges Licht, aus deffen Lichte stets die reinste Klarheit quillt! deines Namens Heiligkeit werde stets von uns gescheut; laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wesen, denn kein Böses ist an dir. Ewig bist du so gewesen, und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, ist un sträflich, recht und gut, und mit deines Armes Stärke wirkst du stets vollkomm'ne Werke. 3. Herr, du willst, daß deine Kinder deinem Bilde ähnlich seyn. Nie besteht vor dir der Sünder; denn du bist vollkommen rein. Du bist nur der Frommen Freund; übelthätern bist du feind. Wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O so laß uns nicht verscherzen, was du uns noch zugedacht. Schaffe in uns reine Herzen, tödt' in uns der Lüste Macht! denn was sind wir, Gott, vor dir?. du bist heilig, aber wir sind verderbt, und wer kann zählen, großer Gott, wie oft wir fehlen! 122 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabst du deinen Sohn dahin. O so reinige vom Bösen durch ihn unsern Von Gottes Wesen ganzen Sinn. Gieb uns, wie du selbst verheißt, gieb uns deinen guten Geist, daß er unser Herz regiere und zu allem Guten führe. 32 da dem 6. Keiner fündlichen Begierde bleibe unser Herz ges weiht! Unsers Wandels größte Zierde sen rechtschaffne Heiligkeit. Mach' uns deinem Bilde gleich; denn zu dei nem Himmelreich wirst du, Herr, nur die erheben, die im Glauben heilig leben. mischen Mel. Ach Gott vom Himmel zc. 34. Gerechter Gott, vor dein Gericht muß alle Welt sich stellen. Du wirst in ihrem Angesicht auch mir mein Urtheil fällen. O laß mich dein Gericht stets scheun, und hier mit Ernst beflissen seyn, vor dir einst zu bestehen. 42. Du siehst von deinem hohen Thron auf alle Men schenkinder; bestimmtest Sedem seinen Lohn, dem Frommen und dem Sünder. Nie siehst du die Personen an; allein auf das, was wir gethan, siehst du, gerechter Richter. 3. Viel Gutes und Barmherzigkeit giebst du schon hier den Frommen; du schützest sie vor manchem Leid, darin die Sünder kommen. So zeigest du vor aller Welt, daß dir der Eifer wohlgefällt, den man der Tugend widmet. 4. Ja, Herr, du liebst, was recht und gut, und bist ein Freund der Frommen. Wer deinen Willen gerne thut, wird von dir aufgenommen. Sein Werk und Dienst gefällt dir wohl, ist er gleich nicht so, wie er soll, ganz rein von allen Fehlern. 5. Doch dem, der dich, o Gott, nicht scheut, dem frevelnden Verbrecher, der dein Geses und Recht entweiht, bist du ein strenger Rächer. Verachtung, Elend, Schmerz und Hohn und Ungst ist seiner Bosheit Lohn oft schon in diesem Leben. 40 41 4 6. Der Untergang der ersten Welt, die aus der Art geschlagen, das Feuer, das auf Sodom fällt, Egyptens lange Plagen und andre Wunder deiner Macht sind Zeu gen, wenn dein Zorn erwacht, wie du dem Sünder lohnest. und Eigenschaften. 7. Bleibt hier viel Böses unbestraft, viel Gutes unbelchnet: so kommt ein Tag der Rechenschaft, der keines Sünders schonet. Da stellst du, Herr, ins hellste Licht, wie recht und billig dein Gericht, dann triumphirt der Fromme. 33 8. Gerechter Gott, laß mich, wie du, das Gute eifrig lieben; gieb selber mir die Kraft dazu; wirk' inniges Bes trüben, wenn sich die Sünd' in mir noch regt; dein Herz, das lauter Gutes hegt, sey meines Herzens Vorbild. 9. Und weil vor dir, gerechter Gott, nur die allein bestehen, die gläubig auf des Mittiers Tod bei ihrer Reue sehen: so laß mich die Gerechtigkeit, die mich von Straf und Schuld befreit, im Glauben eifrig suchen. Treue und Wahrhaftigkeit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott ze. 35. Noch nie haft du dein Wort gebrochen, nie deinen Bund, o Gott, verletzt. Du håist getreu, was du versprochen; vollführst, was du dir vorgesetzt. Wann Erd' und Himmel auch vergehn, bleibt ewig doch dein Wort bestehn. 2. Du bist kein Mensch, daß dich gereue, was uns dein Wort verheißen hat. Nach deiner Macht, nach deiner Treue bringst du, was du versprichst, zur That. Scheint die Erfüllung gleich noch weit, so kommt sie doch zur rechten Zeit. 3. Und wie du das ohnfehlbar giebest, was deine Huld uns zugedacht, so wird, wenn du Bergeltung übest, dein Drohwort auch gewiß vollbracht. Wer dich), o Gott, beharrlich haßt, fühlt deiner Strafen schwere Laft. 4. S drücke dies tief ein dem Herzen, daß es vor deinem Wort' sich scheut; laß mich nie leichtsinnig scherzen mit deiner Strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, was dein Befehl mir untersagt. 5. Doch laß mich auch mit festem Glauben dem Worte deiner Gnade trau'n. Wer kann den Trost uns Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 3 34 Von der heiligen Dreieinigkeit. jemals rauben, den wir auf dein Versprechen baun? Du bist ein Fels; dein Bund steht fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! 6. Wie stark sind unsers Glaubens Gründe! hier ist dein Wort, das niemals trügt. Und daß dies allen Beifall finde, hast du den Eid hinzugefügt. Wahrhaft'ger! was dein Mund beschwört, ist völlig unsers Glaubens werth. 7. Laß, Seele, laß dich dies beschämen, und sieh, wie treulich Gott es meint. Such' ihn zum Muster anzu nehmen, und sey auch aller Lügen Feind. Beweise dich als Gottes Kind, dem Treu' und Wahrheit heilig sind. Von der heiligen Dreieinigkeit. Mel. Nun danket Alle Gott zc. 36. Gott, du höchster Geist, dir ist nichts zu ver gleichen, und deine Hoheit kann kein schwacher Mensch erreichen. Wo ist der Sterbliche, der das, was Gott gethan, und was und wie er ist, hier ganz begreifen kann? 2. 3war dieses kann ich schon auf alle Weise merken, daß ein Gott sey; denn, Herr, du stellst in deinen Werken dein Daseyn, deine Macht uns Menschen deutlich dar Mein Daseyn macht mir schon dein Daseyn offenbar. 3. Ullein mein Wissen wird durch das, was dein Wort lehret, weit über die Vernunft erhaben und ver mehret. Was für Geheimnisse thust du mir, Gott, hier kund! Hier spricht mein Geist erstaunt: o weld ein tiefer Grund! 4. Nur ein Gott ist, und herrscht im Himmel und auf Erden; es kann nichts, außer ihm, ihm gleich geschätet werden; doch dieser ein'ge Gott, dem nichts sonst gleichet, heißt( wie uns sein Wort bezeugt): Gott Vater, Sohn und Geist. 5. Der Vater schuf die Welt, er hat sie auch gelie bet, daß er den Sohn für uns und seinen Geist uns giebet. Von der heiligen Dreieinigkeit. 35 Und das Erlösungswerk hat Gottes Sohn vollbracht. Das Werk des Geistes ist's, daß er uns heilig macht. 6. Mehr darf der Mensch hier nicht zu forschen sich getrauen, da Engel selbst gebückt in dies Geheimniß schauen. Dreiein'ger großer Gott, der du unendlich bist, wo ist die Creatur, die dich, Gott, ganz ermißt? 7. Wir beugen uns vor dir, und beten an im Staube dich, Vater, Sohn und Geist! Es hält sich unser Glaube an das, was du uns selbst, Gott, durch dein Wort gelehrt; dort, in der Ewigkeit, wird uns mehr Licht gewährt. Mel. Chrift, unser Herr, zum 2c. 37. Herr, unser Gott, wer ist dir gleich? Du bist das höchste Wesen; und doch hast du, an Gnade reich, uns Niedrige erlesen. Gemeinschaft sollen wir mit dir, du Allerhöchster, haben; mit deinem Heil willst du uns hier und ewig einst begaben, du Quelle alles Segens! 2. Wir beten dich), o Bater, an; sind wir gleich vor dir Sünder, so nimmst du dich doch unsrer an, wie Våter ihrer Kinder; du- haft für uns aus großer Huld selbst deinen Sohn gegeben; dein Herz, voll Güte und Geduld, verleih' uns Kraft zum Leben, daß wir dich kindlich ehren. 3. Jesu, ew'ger Gottessohn! du Heil, darauf wir hoffen, durch dich steht zu des Vaters Thron der Weg uns wieder offen. Uns zu befrein von Sünd' und Tod, kamst du zu uns auf Erden; o laß uns, unser Herr und Gott! froh deines Segens werden und dir im Glauben folgen. heil'ger Geist, du Geist von Gott! wehr' in uns dem Verderben; im Glauben an des Mittlers Tod hilf uns der Sünde sterben; du giebst zum Guten Luft und Kraft; laß es uns stets erfahren, stårk' uns in unsrer Pilgrimschaft, bewahr' uns vor Gefahren, gieb, daß wir dir gehorchen. 4. 5. Laß, Gott, uns dein auf Erden schon als unsers Gottes freuen. Laß unser Heil von deinem Thron fich täglich noch erneuen! Dein ist das Reich, die Herrlichkeit, 3* 36 Von der heiligen Dreieinigkeit. dir wollen wir hier leben, und du wirst nach vollbrachter Zeit uns einst dahin erheben, we wir dich ewig schauen. Mel. Nun danket Alle Gott 2c. 38. Gelobet sey der Herr, mein Gott, mein Licht und Leben, mein Schöpfer, dessen Hand mir, was ich bin, gegeben; mein Vater, der an mir von früher Jugend an mehr Gutes, als ich weiß, beståndig hat gethan. 2. Gelobet sey der Herr, mein Gott, mein Heil und Leben, des höchsten Baters Sohn, der sich für mich gege ben, der mich erlöset hat mit seinem theuren Blut und mit im Glauben schenkt das allerhöchste Gut. 3. Gelobet sey der Herr, mein Gott, mein Trost und Leben, des Vaters Geist, den mir mein Heiland hat gege ben, der mir mein Herz erquickt, der mir giebt neue Kraft, der mir in aller Noth Rath, Trost und Hülfe schafft. 4. Selobet sey der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den Alles rühmt und ehrt, was durch ihn lebt und webet. Gelobet sen der Herr, deß Name heilig heißt, der einge wahre Gott, Gott Vater, Sohn und Geist. 5. Ihm müsse, wer ihn kennt, Lob, Preis und Ehre bringen, und mit der Engel Chor das Heilig, Heilig fingen. Es sag. zu seinem Preis die ganze Christenheit: gelobet fey mein Gott in Zeit und Ewigkeit. 39. Gott der Vater, wohn' uns bei, und laß uns nicht verderben; von der Sünde uns befrei' und hilf uns selig sterben. Vor dem Teufel uns bewahr'; halt uns bei festem Glauben; auf dich, Herr, laß uns bauen, aus Herzensgrund vertrauen; dir anhangen ganz und gar; mit allen rechten Christen entfliehen des Teufels Listeni mit Waffen Gottes uns rusten. Amen! Amen! das sen wahr, so singen wir Hallelujah. 2. Jesus Christus, wohn' uns bei, 2c. 3. Heil'ger Geist, wohn' uns bei, zc. Von der heiligen Dreieinigkeit. Mel. Schöpfer, Herr und Vater ic. 40. Kyrie, Gott Vater, in Ewigkeit, groß ist deine Barmherzigkeit! Uller Dinge Schöpfer und Regierer, Eleison! 37 2. Christe, aller Welt Trost, uns Sünder hast du allein erlöst. O Jesu, Gottes Sohn! unser Mittler bist auf dem höchsten Thron. Zu dir fleh'n wir mit herzlicher Begier: Eleison! 3. Kyrie, Gott heiliger Geist, treib uns zu dem, was dein Wort uns heißt, daß wir am letzten End' fröhlich abscheiden aus diesem Elend; Eleison! 41. Wein Gott in der Höh' sey Ehr und Dank für seine Gnade! Er ist für uns! wer ist nunmehr, der unsrer Wohlfahrt schade? Mit Wohlgefallen schaut herab auf uns, der seinen Sohn selbst gab dem menschlichen Geschlechte. 2. Wir preisen, Herr und Vater, dich, wir beten an und danken; denn du regierest ewiglich, dein Thron kann niemals wanken. Mit Weisheit, Liebe und mit Macht bist du auf unser Heil bedacht! wohl uns, daß du regierest! 3. O Jesu, Gottes ein'ger Sohn, für uns ein Mensch geboren! du kamst zu uns von deinem Thron, zu retten, was verloren. Hülfreicher Mittler, Mensch und Gott! erlös' uns von der Sündennoth, erbarm' dich unser Aller! 4. O heil'ger Geist, du höchstes Gut, du Beistand der Erlösten! Zur Tugend gieb uns Kraft und Muth, und komm', das Herz zu trösten. Hilf uns aus jeder Seelennoth; im ganzen Leben und im Tod wollst du uns nicht verlaffen! 42. Wir glauben Ull' an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden. Er, aller Vater, unser Gott, hieß uns, seine Kinder, werden. Er will uns auch stets ernähren, Leib und Seele wohl bewahren; allem Unfall will 38 Von der Heiligen Dreieinigkeit. er wehren, keine Gnade an uns sparen. Es scrgt für uns der Herr und wacht, und Alles steht in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig, wie der Vater, ist Gott von gleicher Macht und Ehren; von Maria, uns zu Gnaden, auch ein wahrer Mensch geboren, und nach großen Wun derthaten für uns, die wir war'n verloren, am Kreu gestorben und vom Tod wieder erstanden ist durch Gott. 3. Wir glauben an den heil'gen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, den Jesus gnadenvoll verheißt, auch gesandt von seinem Throne. Allen Christen hier auf Erden ist er nun zum Heil gegeben, heilig und gerecht zu werden. Auch das Fleisch wird wieder leben. Nach diese Prüfung ist bereit't uns ein Leben in Ewigkeit. Amen! 43. Ich glaub' an einen Gott allein, der alle Dinge groß und klein, im Himmel und auf Erden aus Nicht hat lassen werden; der zum Genusse seiner Gnad' un Menschen auch erschaffen hat; mir Leib und Seel' gege ben, Vernunft, Gefühl und Leben; der, reich an Weis heit, Gut' und macht, stets über seine Werke wacht; er ist mein Vater und mein Gott, der mir so gnädig hilft in Noth, mich schůget und ernähret. 2. Ich glaube auch an Jesum Chrift, den Herrn, der Gott vom Vater ist, ein wahrer Mensch geboren, z retten, was verloren; der mir des Vaters Huld erwarb, am Kreuze willig für mich starb, fuhr zu der Hölle nieder, stand auf vom Tode wieder; um zu vollenden seinen Lauf, fuhr er zum Himmelsthron hinauf, von da er kommen. wird einmal, zu richten die sehr große Zahl der Lebenden und Todten. 3. Ich glaube an den heil'gen Geist, der gleich is wahrer Gott und heißt ein Lehrer unsrer Sinnen; det ewig ohn' Beginnen vom Vater und dem Sohn' ausgeht; der zur Bekehrung uns beisteht, daß wir im Glauben finden Vergebung aller Sünden. Ich glaube, daß er Von der heiligen Dreieinigkeit. halten werd' die Kirche Gottes hier auf Erd' durch den, der sich selbst für sie gab; ich glaub', daß dieser Leib vom Grab' wird auferstehn zum Leben. 39 Mel. Der Tag ist hin x. 44. Herr Gott, den man dreieinig glaubt und nennet, deß Majestät man weit und breit erkennet, deß Allmacht über Alles sich erstreckt, und Jeden, der ihn ehrt, be schirmt und deckt. 2. Wir loben dich, wenn deine Sonn' erwachet; wir preisen dich, wenn sie den Abend machet. Was lebt und webt und was sich dein erfreut, sey Alles, Herr, zu deinem Dienst bereit! 3. O reicher Gott, du unerforschtes Wesen! Wer hat jemals, was du bist, ganz gelesen? O tiefes Meer! o unermesf'ne Pracht! unendlich groß, o Gott, ist deine Macht. 4. Wer kann die Tiefe deiner Wege finden? kann auch ein Mensch wohl dein Gericht ergründen? Zu hoch sind Gott und seine Wege dir; drum bete an, o Mensch, und schweige hier! 5. Umsonst ist hier dein Denken und dein Dichten; du kannst nicht über Gottes Wege richten. Wenn Gott nicht selbst dich unterweisen wird, so ist dein Urtheil ungewiß und irrt. 6. So lehr' uns auch, die wir uns Christen nennen, mit ehrfurchtsvollem Glauben zu bekennen, daß du, o Gott, der Vater, Sohn und Geist, doch nur ein Gott in drei Personen seyst. 7. Gieb, daß man stets zu deinem Ruhme singe: von ihm, durch ihn, zu ihm sind alle Dinge! Ja, une ferm Gott sey Preis in Ewigkeit! denn was er ist und thut, ist Herrlichkeit! 8. Dein Nam' ist groß; dein Reich, Herr, in uns wohne; dein Will' gescheh'; gieb Brod; des Sünders schone; steh' in Versuchung bei; und nach der Zeit führ uns erlöst zur frohen Ewigkeit! Univ.- Bibl. Giessen III. Von der Schöpfung der Welt und der göttlichen Vorsehung über sie. Vom Gewicht dieser Lehren. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 45. Weh mir! wenn Gott nicht wär', der mich er schaffen; was hätt' ich wider Furcht und Gram für Waffen? Gleich steuerlosen Schiffen in den Seeen würd' ich vergehen. 2. Dann müßt' ich unter mir das Thier beneiden, und mir versiegte jeder Quell der Freuden; und jeder Lustort würde mir auf Erden zur Wüste werden. 3. Und war ich elend, wår' mein Glück verloren: ach! dann wär's besser, daß ich nie geboren, als nichts in grauenvollen Finsternissen von Gott zu wissen. 4. Was kann den Muth in Kreuz und Tod erhöhen? -> Gott sorgt für mich; einst werd' ich auferstehen!« im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu' ich » gern.<< Gelobt ser, der da kömmt vom Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Våter hoffend sahn, dich, Gott, Messias, bet' ich an. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Gedanke voller Majeståt! du bist es, der das Herz erhöht. Gedanke voller Seligkeit! du bist es, der das Herz erfreut. 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt; ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der in des Vaters Schoße sitzt? 10. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt, und, Erde, die ihn heute sieht, sing' ihm, dem Herrn, ein neues Lied. 11. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd' in aller Welt gedacht! ihn preise, was durch Jesum Chrift im Himmel und auf Erden ist. Mel. Ermuntre dich, mein zc. 123. Gott, deine Gnade sey gepreist! fie schuf uns Heil und Leben. Ermuntre dich, mein tråger Geist, ihr Wohlthun zu erheben; denk' an die Nacht, da auf der Welt des Höchsten Sohn sich dargestellt, um sein so theures Leben für Sünder hinzugeben. 2. O große That, erwünschte Nacht, von Engeln selbst besungen! du hast den Mittler uns gebracht, der uns das Heil errungen. In dir erschien der starke Held, der Alles schuf und Alles hålt, der Freund der Menschenkinder, des Todes Überwinder. Am Geburtsfeste Jesu. 117 3. Der du zu uns, gesandt vom Herrn, aus deinem Himmel kamest und unser Fleisch und Blut so gern in Demuth an dich nahmest, Sohn Gottes, o wie hast du dich so tief erniedrigt auch für mich! wie arm bist du erschienen, um meinem Heil zu dienen. 4. O lehre mich den großen Werth von deiner Huld recht fassen; was reizte dich auf dieser Erd', dich so herab zu lassen? Hier wartete dein nichts, als Noth, Verachtung, Kummer, Schmerz und Tod, und doch kamst du auf Erden, ein Menschensohn zu werden. 5. Noch stårker, Herr, als Schmerz und Tod war deine Menschenliebe. Du sahest unsre Sündennoth mit mitleidsvollem Triebe.. Du stimmtest, unser Heil zu seyn, in deines Vaters Rathschluß ein, wardst Mensch, und kamst mit Freuden, für uns den Tod zu leiden. 6. Immanuel! dein freu' ich mich. Du bist auch mein Erretter. Auch mir zum Troste sandte dich der Herr, der Gott der Götter. Was mir ein wahres Wohl verschafft, Erleuchtung, Friede, Beff'rungskraft und Freuden, die stets währen, willst du auch mir gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter Freund, für deine Treue geben? du bist's, der mich mit Gott vereint, du bringst mir Heil und Leben. Herr, was ich hab' und was ich bin, das geb' ich dir zum Dienste hin. Ich will dich ohn' Aufhören mit Leib und Geist verehren. 8. Ich sehe dich zwar hier noch nicht, doch du wirst wieder kommen; und dann schaun dich von Angesicht, Herr, alle deine Frommen. Dann werd' auch ich, Herr Jesu Christ, dich schaun, so herrlich als du bist, dann wirst du mich zum Leben, das bei dir ist, erheben. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c: 124. Gott hat mit seinen Sohn geschenket und mit ihm Alles zugesagt. Das ist's, woran mein Glaube denket, wenn mich ein Kummer drückt und plagt. Ich sorge nicht, weil er mich liebt und seinen Sohn zum Mittler giebt.. 118 Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. 2. Er selbst tritt nun in meinen Orden, der eingeborne Gottessohn, er ist ein Mensch, gleich mir, geworden, mein Mittler und mein Gnadenthron. Ich bin erfreut und nie betrübt, weil Gott mir diesen Mittler giebt. 3. Mein Heiland wird ein Mensch geboren, er kommt zu mir in diese Welt; durch ihn wird Alles, was verloren, uns nunmehr wieder hergestellt. Er ist es, der die Sünder liebt und mir sich zum Erlöser giebt. 4. Nun wird mir Gott wohl Alles sdhyenken, da er mir dieses Kleinod giebt und über aller Menschen Denken so viel Erbarmen ausgeübt. Wer zweifelt nun, daß er uns liebt, da er uns diesen Bürgen giebt? 5. Mein Vater will mir Alles geben, was ich nur Gutes denken kann, Erlösung, Seligkeit und Leben. Ich darf ihn kindlich flehen an; er ist's, der våterlich mich liebt, da er mir diefen Retter giebt. 6. Tief schåm' ich mich des Sündenfalles, mich beugt der Sünden große Schuld; doch hier ist er, mein Ein und Alles, des Menschen Sohn, er hat Geduld. Ich werde doch von ihm geliebt, weil er sich zum Versöhner giebt. 7. Lob, Ehr' und Preis und Kraft und Stårke sey bit, mein Gott, in Ewigkeit für deiner Liebe Wunderwerke, dadurch du mich so sehr erfreut und mich so wunderbar geliebt! Gott, der mir sein Liebstes giebt! Mel. Jesu, meine Freude zc. 125. Gottes Sohn ist kommen! danket ihm, ihr Frommen, dankt ihm, daß er kam, daß er hier auf Erden, unser Heil zu werden, seine Wohnung nahm! Mensch, wie wir, erschien er hier, der zur Schöpfung, sprach: entstehe! der einst spricht: vergehe! 2. Laßt uns niederfallen vor ihm, daß er Allen Freund und Bruder ist! Gott auf seinem Throne liebt uns in dem Sohne, hilft durch Jesum Christ. Welch ein Heil, am Sohne Theil, Theil durch seiner Zukunft Gaben an Gott selbst zu haben! Am Geburtsfefte Jesu. 119 3. Keine Macht der Leiden kann von ihm uns scheiden; er bleibt ewig tréu! dort wird er vom Bösen gånzlich uns erlösen; hier steht er uns bei! unser Freund, mit Gott vereint, kann nicht seine Brüder hassen, noch sie hülflos laffen. 4. Wenn wir einst ermüden, führt er uns in Frieden in des Grabes Nacht. Die verwesten Glieder giebt die Erde wieder ihm, der sie bewacht. Jesus ruft uns aus der Gruft, er, der selbst den Tod einst schmeckte, den das Grab bedeckte. 5. Auf dem Richterthrone werden wir im Sohne unsern Bruder schaun. Heil und ewig's Leben wird er Allen geben, die ihm hier vertraun. Er ward hier versucht, wie wir; überschwenglich wird er lohnen und der Schwachheit schonen. 6. Eilet, eilt, ihr Sünder, werdet Cottes Kinder, werdet seiner werth! Eilet, eilt, ihr Frommen, seyd, wie er, vollkommen, bleibet seiner werth! Preiset ihn, daß er erschien und für euch sich hingegeben durch ein göttlich Leben. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 126. Er kommt, er kommt, der starke Held, voll göttlich hoher Macht. Sein Urm zerstreut, sein Blick erhellt des Todes Mitternacht. 2. Wer kommt, wer kommt? wer ist der Held voll göttlich hoher Macht? Messias ist's! Lobsinge, Welt, dir wird dein Heil gebracht! 3. Dir, Menschgewordner, singen wir Anbetung, Preis und Dank, und ewig, ewig schalle dir der Erde Lobgesang. Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. 127. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er aus freiem Trieb uns seinen Sohn zum Heiland giebt; wie hat uns Gott so lieb! 2. Was sein erbarmungsvoller Rath schon in der Ewigkeit zu unserm Heil beschlossen hat, vollführt er in der Zeit. Von der Benennung Christi 3. Er, aller Menschen höchstes Gut, der alle segnen kann, nimmt, wie die Kinder, Fleisch und Blut, doch ohne Sünde, an. 120 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir; du wirst ein Mensch, wie ich. Was fehlt mir nun? Ist Gott mit mir, wer ist dann wider mich? 5. Du, Sohn des Allerhöchsten, wirst auch mir Rath, Kraft und Held, mein Vater und mein Friede fürst, so wie das Heil der Welt. 6. Was mir zum Seligseyn gebricht, das, Herr, erwarbst du mir; Versöhnung, Leben, Trost und Licht, das hab' ich nun an dir. 7. Dein Mangel wird mein reiches Theil; dein Leiden stillt mein Leid; durch deine Niedrigkeit, mein Heil, gewinn' ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sen Gott, gelobt sein Sohn, durch den er Gnad' erweist! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron! erheb' ihn auch, mein Geist! Von der Benennung Christi bei dessen Beschneidung. Mel. Allein Gott in der Höh' sey zc. 128. Des Vaters Sohn, von Ewigkeit zum Mittler außerkoren, der für uns zur bestimmten Zeit ein wahrer Mensch geboren, ward Jesus schon vorlångst genannt, ein Name, welcher macht bekannt sein Werk und sein Geschäfte. 2. Errettung, Leben, Seligkeit verkündigt dieser Name. Er, der schon in der ersten Zeit verheißne Weibesfame, er nahm ihn an mit vollem Recht, weil er das sündliche Geschlecht mit Heil beglücken sollte. 3. Er hat's gethan; er hat der Welt, der Welt, die tief gefallen, sich als den Retter dargestellt, hat gnade voll uns Ullen die Gnadenfülle aufgethan, und wer ihn nimmt im Glauben an, erhålt Trost, Heil und Leben. bei dessen Beschneidung. 121 4. Getroft, mit aller Zuversicht gehn wir nun hin und treten vor Gott, und er verwirft uns nicht; wenn wir durch Jesum beten, so hört der Vater und gewährt, was unser Herz von ihm begehrt, im Namen seines Sohnes. 5. In diesem Namen suchen wir Vergebung unsrer Sünden; wir stellen Gott den Mittler für, Gott läßt uns Gnade finden, erlåsset uns die ganze Schuld, umfasset uns mit neuer Huld um des Versöhners Willen. 6. Durch Jesum flehen wir zu Gott um Kraft, das treu zu üben, was uns sein heiliges Gebot zu üben vorgeschrieben; und Gott stärkt uns mit seiner Kraft, macht uns, die Schwachen, stark, und schafft in uns, was ihm gefällig. 7. Durch Jesum, und mit ihm befreund't, gehn wir getroft zum Tode; uns ist der Sünder größter Feind kein fürchterlicher Bote. Wir sehen ihn und zittern nicht, weil Jesus zu den Seinen spricht: ich leb' und ihr sollt leben! Mel. Jesus, meine Zuversicht zc. 129. Meinen Jesum laß ich nicht, denn er will mich nicht verlassen. Was sein Name mir verspricht, das will ich im Glauben fassen. Jesus heißt und ist mein Heil, meines Herzens Trost und Theil. 2. Sündern ist kein andres Heil und kein Name sonst gegeben, durch den sie erhalten Theil an der Seligkeit und Leben. Gott ist es, der ihn uns giebt; so hat er die Welt geliebt! 3. Jesus fängt den Glauben an, kann und will ihn auch vollenden. Jesus ist es, welcher kann allen Schmerz und Kummer wenden. Jesus ist der beste Rath, wenn man Rath vonnöthen hat. 4. Jesus ist des Vaters Wort; Jesus ist mein Weg und Leben; Jesus ist mein Fels und Hort; er der Weinstock, wir die Reben; Herr und Mittler seiner Welt, König, Friedefürst und Held. 5. Jesus spricht: kommt her zu mir; zeiget uns den Weg des Lebens. Er verheißt: ich bin bei dir, und ver 122 Von der Benennung Christi heißt es nicht vergebens, Jesus hilft aus aller Noth. Er versüßet selbst den Tod. 6. Seine Wunden sind mein Heil; Jesu Wort ist meine Weide. Er giebt mir am Himmel Theil und erhebt mich einft zur Freude, wenn ich meinen Pilgerlauf endige, nimmt er mich auf. 7. Dankvoll will ich mich denn freun seines Heils und ihm vertrauen; treu ihm und ergeben seyn, bis ich ihn dort werde schauen, wo mein ganz verklärter Geist ihn mit allen Sel'gen preiſt! Mel. Von Gott will nicht zc. 130. Wer sich im Geist beschneidet und als ein wahrer Christ der Lüste Tödtung leidet, die so hoch nöthig ist, der wird dem Heiland gleich, der für uns hat gelitten, und fordert reine Sitten zum Eingang in sein Reich. 2. Wer so dies Jahr anhebet, der folget Gottes Lehr', weil er im Geiste lebet, nicht nach dem Fleische mehr; er ist ein Gotteskind, von oben her geboren, das Alles, was verloren, in seinem Jefu find't. 3. Doch, wie muß dies Beschneiden im Geist, o Mensch, geschehn? Du mußt die Sünde meiden, ihr ernstlich widerstehn. Das Mittel ist die Buß', wodurch, obwohl mit Schmerzen, die böse Lust im Herzen getödtet werden muß. 4. Ach, gieb zu solchem Werke in diesem neuen Jahr, Herr Jesu, Kraft und Stärke, damit sich offenbar' dein Bild der Heiligkeit an vielen tausend Seelen, die sich mit dir vermählen in Herzens Einigkeit. 5. Ich seufze mit Verlangen und sehnlicher Begier, dich herzlich zu umfangen, du meiner Seelen Zier! Und hab' ich dich allein, was will ich mehr auf Erden? es muß mir Alles werden und Alles nüßlich seyn. 6. Ach, ihr verstockten Sünder, bedenket Jahr und Zeit, ihr abgewichnen Kinder, die ihr in Eitelkeit und Wollust zugebracht; ach, führt euch Gottes Güte doch einmal zu Gemüthe und nehmt die Zeit in Acht! bei dessen Beschneidung. 123 7. Beschneidet eure Herzen und fallet Gott zu Fuß in wahrer Reu' und Schmerzen: so wird die Herzensbuß', die glaubensvoll geschehn, des Vaters Herz bewegen, daß man wird neuen Segen in diesem Jahre sehn. 8. Ja, mein Herr Jesu, gebe, daß deine Christenschaar mit dir im Geiste lebe in diesem neuen Jahr; daß fie in keiner Noth sich möge von dir scheiden; Herr, stårke fie im Leiden durch deinen bittern Tod. 9. So wollen wir dich ehren die ganze Lebenszeit, und deinen Ruhm vermehren in jener Ewigkeit; da wirst du offenbar, da werden alle Frommen, befreit vom übel, kommen ins große neue Jahr. Von der Offenbarung Christi und seiner Lehre an die Heiden. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 131. Herr Chrift, es steigt des Dankes Pflicht zu dir für deines Wortes Licht, womit du uns haft angeblickt und unser mattes Herz erquickt. 2. Wir saßen sonst im Todesthal, es herrschte Dunkel überall; dir danken wir, Herr Jesu Christ, daß uns daraus geholfen ist. 3. Gieb, daß dein Licht uns leuchten mag bis an den letten großen Tag, und wir auch wandeln jederzeit auf rechtem Weg der Seligkeit. 4. O wahrer Mensch und Gottes Sohn, ein König in des Himmels Thron! Niemand von uns verdienet hat solch eine Huld und große Gnad'. 5. Es lehre uns dein guter Geist, wie man dich würdig ehrt und preist; er mach' uns reuig, glaubig, rein und laß uns stets voll Liebe seyn: 6. Nimm, lieber Herr, zum Opfer an, was Herz und Mund dir bringen kann; wir loben dich, wir ehren dich als unsern König ewiglich. Von der Offenbarung Christi Mel. Christ, unser Herr, zum zc. 132. Gott, die fey ewig Preis und Ruhm, daß unsere Vorfahren gebracht sind aus dem Heidenthum, darin sie alle waren verblendet an Verstand und Sinn, sich selbst nicht konnten rathen, den stummen Götzen immerhin göttliche Ehr' anthaten, die doch kein Leben hatten. 2. Vom Holze ward der eine Theil zerhauen und verbrennet, der andere ward durch Hand und Beil ein Bild und Gott genennet. Der Meister, der's vorher gemacht, mußt' davor selbst nun treten; was seine Hand zuwege bracht', das mußte er anbeten, sein Werk göttlich verehren. 3. Des Himmels Heer von Undern ward zum Gottesdienst erwählet; und manch' Geschöpfe solcher Art den Göttern zugezählet. Auch von dem sündlichen Geschlecht sind viel vergöttert worden; es wurde mancher Lasterknecht doch in der Götter Orden versetzt und angebetet. 124 4. Drum sey, Herr, für dein Wort gépreist, in wel chem wir nun lesen, daß du, o Vater, Sohn und Geist, nur einig bist im Wesen! du bist der wahre Gott allein, der einige Erretter; nichts gegen dich zu rechnen seyn der Heiden falsche Götter, die Niemand können helfen. 5. Und daß dein Wille würd' bekannt, o Vater, uns auf Erden, so hast du deinen Sohn gesandt, und Mensch ihn lassen werden, da Gottes Heil und Gütigkeit uns Ullen ist erschienen, daß wir ihm züchtig jederzeit, gerecht und heilig dienen, auf sein' Erscheinung warten. 6. Herr Jesu, gieb uns Gnad' und Stårk, daß wir der blinden Heiden ungöttlich Wesen, Thun und Werk verleugnen stets und meiden; die, welche noch im Irrthum seyn, laß auch erleuchtet werden durch deines Wortes Kraft und Schein, daß jede Zung'auf Erden dich, Jesum Chrift, bekenne. 7. Wie du vor diesem hast dein Wort durch treue fromme Leute gebreitet aus an manchem Ort, so thu' es, Herr, noch heute; gieb treue Hirten, die zu dir fortan auch andre bringen, mit reiner Lehre für und für durch Aller Herzen dringen und Alle zu dir führen. an die Heiden. Auf Epiphanias. 125 8. Hilf, daß fie fleißig allezeit ermahnen, trösten, strafen, im Glauben und Gottseligkeit vorgehen ihren Schafen. Laß uns ja Alle Thåter seyn des Worts, und nicht nur Hörer, daß überall und allgemein wir und auch unsre Lehrer des Glaubens End' erlangen. Mel. Nun freut euch, ihr Christen 2c. 133. Ach! wie verschieden ist die Welt von Gottes wahren Kindern! was Diesen lieb ist und gefällt, kann Fener Ruhe mindern. Der Heiland und sein neues Reich entdeckt sich Beiden; doch nicht gleich ist man dabei gefinnet. 2. Herodes und Jerusalem erschrecken, da sie hören: es komme jetzt aus Bethlehem der König aller Ehren; bezeuget ihre Lehre schon, es sollte Davids großer Sohn allda geboren werden. 3. Gelehrte wußten Gottes Wort dem König anzupreisen; doch gingen sie nicht an den Ort mit den erweckten Weifen. So geht es noch; wie mancher weiß die Wahrheit und des Herrn Geheiß, und thut nicht nach dem Wiffen! 4. Wer fest auf bösem Willen steht, wen Stolz und Neid regieren, wer nicht, wenn Gott ihm winket, geht, der wird sein Heil verlieren. Wer Gottes Wort nur hat und kennt, nicht aber thut, nicht heilsam nennt, wird Jefum nimmer finden. 5. Die Weisen forschen eifrig nach, bis sie das Haus erblicken, wo sie, wie ihnen Gott versprach, sich in der That erquicken. Ach, forschten wir doch auch, wie sie, und sparten weder Zeit, noch Müh', bis wir das Heil gefunden. 6. Uch, möchten wir doch Leib und Geist mit willigem Bestreben, wie uns der Weisen Beispiel heißt, dem Herrn zum Opfer geben; Gehorsam, Lieb' und Treu' allein wird ihm so lieb, ja lieber seyn, als Weihrauch, Gold und Myrrhen. 7.0 Herr, der du so wunderbar der Weisen Herz gezogen und vieler Völker fremde Schaar zu deinem Dienst bewogen! verleihe, daß ich nichts so sehr, als deiner Gottheit Ruhm und Ehr', so lang' ich lebe, suche! Von der Offenbarung Christi 8. Empfang', o werthe Christenheit, das Heil, das dir erschienen, uud laß es dir zur Seligkeit im wahren Glauben dienen. Uch, lernet von den Weisen doch, ihr falschen Christen, die ihr noch nach Art der Heiden lebet. Mel. Nun freut euch, Christen 2c. 126 134. Dem finstern Erdkreis ist vom Herrn ein helles Licht erschienen. Es leuchtet nah' und leuchtet fern, und selbst auch Heiden dienen den todten Götzen nun nicht mehr; sie kennen nun den Herrn, und er läßt sie im Lichte wandeln. 2. Kaum sandte Gott mit seinem Sohn der Erde große Freuden: so fammelt er sich selber schon die Erstlinge der Heiden; zu ihrem neugebornen Herrn muß sie ein wunderbarer Stern aus fernen Landen führen. 3. Der vor'gen Zeit denkt, Christen, doch; Heil uns, daß sie verschwunden! Was war't ihr, eh' der Herr euch noch und eh' ihr ihn gefunden? denkt selbst zurück, was waret ihr? O Volk des Herrn! erwecket dir dein vorig's Bild nicht Grauen? 4. Ein Volk, mit Gott ganz unbekannt, von seinem Bund entfernet, das, von dem Guten abgewandt, nur Böses thun gelernet, das todten Stein, geschnitztes Holz, wohl gar auf seine Blindheit stolz, als seine Götter ehrte. 5. Du gingst in Sünd' und Lafter hin, wie jede Lust dich führte. Und wenn nun den verkehrten Sinn Gewis sensunruh' rührte: so sahst du doch aus der Noth, die die Natur schon Sündern droht, kein Mittel zur Errettung. 6. O wäre nicht dein Licht, o Gott, uns hell genug erschienen, wir würden, der Vernunft zum Spott, noch jetzt den Gößen dienen. Nicht eigner Wit, nicht Würdigkeit, nur Gottes Huld hat uns befreit von jenen Finsternissen. 7. Nun prüfe heut', Volk Gottes, dich vor seinem Angesichte: folgst du auch unveränderlich der Wahrheit reinem Lichte? Was helfen Opfer des Gebets zum wahren Gott, wenn du noch stets der Sünde sclavisch) dienest? an die Heiden. Auf Epiphanias. 127 8. Was hilft es, daß du Gott erkennst und seinen ganzen Willen, wenn du das Thun vom Wissen trennst, nicht strebt, ihn zu erfüllen? wenn Treue du gelobst und brichst, zwar christlich glaubst und christlich sprichst und doch noch heidnisch wandelst? 9. Beherzige: Gott nimmt sein Licht, wenn man's nicht schätzt, zurücke. Gebrauch' es recht, damit er nicht sein Wort auch dir, entrücke. Gott, nimm's uns nicht, doch mach' uns treu dem Licht' der Wahrheit und verleih' es auch den fernsten Heiden! 2014 Von der Darstellung Christi im Tempel. Mel. Wenn mein Stündlein 2c. 135. Es stellte sich im Tempel ein, der Gottes Rath erfüllet; die Welt von Sünden zu befrein; der Frommen Wunsch gestillet; der Juden Preis, der heiden Licht, er, Jesus, meine Zuversicht im Tode und im Leben. 2. Weil er mich nun von Sünden rein durch sein Verdienst kann machen; weil er mich, frei von Qual und Pein, entreißt der Höllen Rachen: so freu' ich mich von Herzensgrund und denke, wie ich alle Stund' ihm dankbar funden werde. thos 3. Auch ich kann mit Zufriedenheit, wie Simeon, mein Leben beschließen, und zu aller Zeit mich meinem Gott ergeben; getrost schließ' ich die Augen zu, der Tod wird mir nun Schlaf und Ruh', führt mich zu Himmelsfreude. 4. Wie werd' ich dann so selig seyn, wenn ich, los von der Erde, befreit von ihrer Lust und Pein, zu Gott nun tommen werde; wenn ich erreicht die Ewigkeit, wenn ich erlangt die Seligkeit, die mir mein Gott bereitet. 5. Hilf, Herr, daß ich sey stets bereit, laß mich von dir nichts wenden; bring' mich zu deiner Herrlichkeit; hilf Alles wohl vollenden! komm bald, hilf mic aus aller Noth, Herr, durch dein Blut und deinen Tod; ja komm, Herr Jesu, Amen! 128 Von der Darstellung Christi im Tempel. Mel. Befiehl du deine Wege zc. 136. Herr Jesu, Licht der Heiden! der Frommen Schak und Lieb'! wir kommen jetzt mit Freuden durch deines Geistes Trieb in diesen deinen Tempel und suchen mit Begier, nach Simeons Erempel, dich, unsern Gott, allhier. 2. Du wirst von uns gefunden, o Herr, an jedem Ort, dahin du dich verbunden durch dein Verheißungswort; vergönnst noch heut' zu Tage, daß man dich gleicherweis auf Glaubensarmen trage, wie jener fromme Greis. 3. Sey uns auch Lust und Wonne, ein Trost in Schmerz und Pein, im Echrecken unsre Sonne, im Kreuz ein Gna denschein, im Seufzen ein Vertreter, in Noth ein Freudenstrahl, in Krankheit Urzt, und Retter in unsrer Todesqual. 4. Herr, laß es uns gelingen, daß wir, wie Simeon, auch endlich mögen singen im frohen Siegeston: mit werden nun im Frieden die Augen zugedrückt, nachdem ich schon hienieden den Heiland hab' erblickt. 5. Ja, ja, ich hab' im Glauben, mein Jesu, dich gesehn; kein Feind kann dich mir rauben, er muß zurückestehn; ich wohn' in deinem Herzen, und in dem meinen du; uns scheiden keine Schmerzen, nicht Angst, noch Tod dazu. 6. Hier prüfst du noch die Deinen, hier ist noch Kampf und Streit; hier muß ich oft noch weinen in maticher Traurigkeit; dort aber wird's geschehen, daß ich von Angesicht verklärt dich werde sehen im ew'gen Freudenlicht. Mel. Christus, der ist mein Leben 2c. 137. Komm, Wanderer, zum Grabe, komm, armer Erdensohn, an deinem Wanderstabe, betrachte Simeon. 2. Er betet in dem Tempel hinauf zu seinem Gott, und blickt, dir zum Erempel, getroft auf seinen Tod. tin 3. Gott hatte ihn geleitet, die Tugendbahn zu gehn. Der Trost war ihm bereitet, den Heiland noch zu sehn. 4. Ev sah ihn mit Entzücken, drückt ihn an seine Brust, und aus des Heilands Blicken schöpft er Kraft, Trost und Lust. #he Auf Maria Reinigung. 129 denn 5. Nun sah er ohne Beben auf seinen Abschied hin; Christus war sein Leben und Sterben sein Gewinn. 6. Nicht mehr ein Glück hienieden war reizend für sein Herz; belebt von großem Frieden, sah er nur himmelwärts. 7. Herr! leit' mich auf dem Pfade der wahren Frommigkeit; gieb mir durch) Jesum Gnade, zum Sterben Freudigkeit. 8. 3war werde ich nicht sehen ihn hier, wie Simeon; doch in des Himmels Höhen erwartet er mich schon. 9. Dann tönen meine Lieder: Heil mir, nun ſeh' ich ihn! der Himmel tönet wieder: Heil dir, nun siehst du ihn! Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 138. Wohl auf! mein Herz, verlaß die Welt, dem, der für dich sich dargestellt, nun dich auch darzustellen; er ist das Licht, drum sey gewiß, er wird auch deine Finsterniß durch seinen Glanz erhellen. 2. Ach! du sollst ihm sein Tempel seyn; er selbst macht dich von Sünden rein, hat Luft in dir zu wohnen. Doch, finstres Herz, auf! werde Licht, denn Jesus wohnt in Seelen nicht, die noch den Lüsten fröhnen. 3. Wer sich vom Geist, wie Simeon, erwecken läßt und Gottes Sohn zum Heil begehrt zu haben, Gott fürchtet, sich der Welt entwöhnt, aus ihr sich nach dem Himmel sehnt, der opfert rechte Gaben. 4. Wer aufs Versprechen Gottes baut, im Glauben seinen Heiland schaut, der kann in Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verspricht. Er wird sich ihm in seinem Licht dort herrlich offenbaren. 5. Herr, mache mich gerecht und rein, und laß mich stets voll Glaubens seyn, mich tugendhaft stets leben; bis du auch mich, wenn dir's gefällt, in Frieden wirst aus dieser Welt in deine Wonn' erheben. Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 9 130 Vom Verhalten und Geschäfte Jesu Vom Verhalten und Geschäfte Jesu in seinem Leben auf Erden. Mel. Mir nach, spricht Christus ic. 139. Du wesentliches Ebenbild der allerhöchsten Liebe! du warst, o Jesu, ganz erfüllt mit Gott geweihtem Triebe. Gott war dein Zweck, dein höchstes Gut; ihm folgteft du mit Heldenmuth. 2. Du warst mit ihm ein Sinn, ein Herz. Sein Wille war dein Wille. Du ehrtest ihn, auch unter Schmerz, mit höchst zufriedner Stille. Auch auf der allerrauhsten Bahn sahst du ihn doch als Vater an. 3. Du suchtest nichts, als sein Gebot vollkommen zu erfüllen, und unterwarfst dich bis zum Tod ganz deis nes Vaters Willen. Dein Hauptgeschäft war das allein, Ausführer seines Raths zu seyn. 4. Du gingst verstummt zur Schlachtbank hin, Gehorsam zu bezeigen. Man sah dich mit gelaff'nem Sinn zur Schädelståtte steigen. Du warst zur tiefsten Schmach gefaßt und trugst die schwere Kreuzeslast. 5. O Heiland, der du mich versöhnt, laß dein Verdienst mich decken, wenn mich, der ich Gott oft verhöhnt, verdiente Strafen schrecken. Hilf mir, daß ich so gern, wie du, den Willen deines Vaters thu'! Mel. Schmücke dich, o liebe ic. 140. Heiland, deine Menschenliebe war die Quelle jener Triebe, die dein ganzes Herz regieret, und dich selbst dahin geführet, daß du, unserm Heil zu dienen, bist in Knechtsgestalt erschienen. O, wer faßt die Großmuthstriebe deiner treuen Menschenliebe! 2. Feinde mitleidsvoll beweinen; Jedermann mit Hülf' erscheinen; sich der Blinden, Kranken, Urmen mehr als våterlich erbarmen; der Betrübten Klage hören; fich in Undrer Dienst verzehren: dies sind Proben wahrer Güte, und so, Herr, war dein Gemüthe. in seinem Leben auf Erden. 131 3. Die Betrübten zu erquicken, sie dem Kummer zu entrücken; die Unwissenden zu lehren; die Verkehrten zu bekehren; Sünder, die sich selbst verstocken, langmuthsvoll zu sich zu locken: war dein tägliches Geschäfte ohne Schonung deiner Kräfte. 4. O wie hoch stieg dein Erbarmen, da du endlich für die Armen, die des Todes werth, dein Leben in den Tod dahin gegeben! da zur Tilgung unsrer Schulden du die Strafen wolltest dulden, und, uns Leben zu erwerben, willig warst, am Kreuz zu sterben. 5. Deine Huld hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, Haß mit Haß nicht zu vergelten, deine Schmäher nicht zu schelten, Allen freundlich zu begegnen, deine Låsterer zu segnen, deine Feinde zu vertreten und für Mörder selbst zu beten. 6. Aller Welten Herr und König! Sohn des Höchsten! o wie wenig hast du je nach Ruhm getrachtet und auf Menschenlob geachtet! Deines Vaters heil'gen Willen mit Gehorsam zu erfüllen und uns Heil und Trost zu geben, war der Zweck von deinem Leben. 7. Laß mich, Herr, mir selbst zum Segen, deinen Wandel oft erwägen, und die Lieb' in deinem Herzen mich erquicken in den Schmerzen. Heilige auch meine Triebe zu rechtschaffner Menschenliebe; laß mich immer mehr auf Erden deinem Muster ähnlich werden. ( Bergl. Ne 319 324. 443.) Mel. Allein zu dir, Herr Jesu zc. 141. Du weinest um Jerusalem, Herr Jesu, heiße Bahren, zum Zeugniß, daß dir's angenehm, wenn Sunder sich bekehren; daß mir in Trůbsal, Ungst und Pein dein zärtlich Herz werd' offen seyn; daß du dem, der sich zu dir naht, schenkst Hülf' und Rath zur Zeit, wenn er sie nöthig hat. - 2. Ja, Heiland, deine Thränen sind's, die kraftig für mich bitten, wenn ich die Pflichten eines Kind's un9* 132 Vom Verhalten und Geschäfte Jeſu dankbar überschritten. Wie hoch sind sie vor Gott ge schäßt! wer sie zu seinem Troste setzt, der wird, wenn er voll Traurigkeit sein Thun bereut, mit Gnad' und Heil von Gott erfreut. 3. Hier muß ich auch vor Angst und Schmerz oft bittre Thránen weinen. Der Bosheit Unblick quält mein Herz; oft krånkt die Welt die Deinen. Bemächtiget dann meiner sich der Kummer, o, so tröst' ich mich, daß du, mein Heiland, Jesu Christ, im Himmel bist und hülfreich auf die Deinen siehst. 4. Du siehst, Herr, meine Thrånen an, und du haft fie gezählet, wenn ich sie selbst nicht zählen kann, daß dir nicht eine fehlet. Sie bleiben immerdar vor dir, und neigen bald dein Herz zu mir, daß es, da du oft gleiche Last erfahren hast, bei meinem Jammer Mittleid faßt. 5. Der Christ, der hier mit Thrånen så't, zu Gott in Demuth stille, der erntet, wenn er aufersteht, der Freuden reichste Fülle; er erntet Freuden, welche man hier nicht verstehn, noch nennen kann. Nach kurzem Leiden dies ser Zeit folgt Herrlichkeit den Frommen nach in Ewigkeit. 6. Du selbst erduldest Qual und Spott, eh' Wonn' und Preis dich krönen. Auch Thránen weintest du zu Gott, uns Sünder zu versöhnen. Du strittest erst, dann gingest du aus allem Streit in deine Ruh'; dorthin ere hebst du einst auch mich, dann preif' ich dich für deine Thränen ewiglich. Mel. Vater unser im Himmelreich sc. 142. Kein Lehrer ist dir, Jesu, gleich; an Weisheit und an Liebe reich, bist du sowohl durch Wort, als That der schwachen Menschen sichrer Rath. Es freut mein Geist im Glauben sich, Herr Jesu, dein und lobet dich. 2. Du kamst zu uns von Gott gesandt und machtest uns den Weg bekannt, wie wir, befreit von Sündenschuld, theilhaftig werden seiner Huld. Auf ewig sey dir Dank und Ruhm, Herr, für dein Evangelium. in seinem Leben auf Erden. 3. Du sahest in der Gottheit Licht mit aufgeklärtem ngesicht, was nach des Höchsten weisem Rath die Welt noch zu erwarten hat; du machtest selbst durch deinen Mund das Künftige den Menschen kund. 4. Dies und die Wunder deiner Hand sind uns ein göttlich Uuterpfand, daß das, was man von dir gehört, sey Wahrheit, die uns Gott gelehrt. Sie schwäche mir der Frevler Spott den Glauben an dies Wort von Gott. 5. Du lehrtest, Herr, durch Wort und That: man trifft den reinsten Tugendpfad in deinem heil'gen Wandel an. Gieb, Herr, daß ich auf dieser Bahn, gestärkt von dir, mit steter Treu' dir nachzufolgen eifrig sey. 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, das die Versöhnung predigt, stammt. Du machst durch treuer Lehrer Mund noch jetzt das Heil den Menschen kund. Begleite stets mit deiner Kraft ihr Umt, damit es Nutzen schafft! 7. Noch immer hilfst du deinem Wort in seinen Siegen måchtig fort. Du sendest, wie dein Mund verheißt, noch immer deinen guten Geist, der dem, der Wahrheit sucht und liebt, zum Glauben Licht und Kräfte giebt. 133 8. Mein Heiland, send' ihn auch zu mir, daß er mich zu der Wahrheit führ', von Eigendünkel mich befrei', das mit ich dir gehorsam sen, bis mich bei dir in Ewigkeit ein helles Licht dereinst erfreut. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 143. Wie göttlich sind doch Jesu Lehren! wie überzeuget seine Macht! so bald wir von den Thaten hören, die er auf Erden hat vollbracht: da stimmt ihm unser Glaube bei, daß er der Welt Erlöser sey. 2. Die Herrlichkeit war voller Gnaden, die man aus seinen Zeichen sah. Er wirkte nie zu Jemands Schaden, wie hier von Menschen oft geschah; er raffte auch den Sünder nicht durch Tod und Plagen vors Gericht. 3. Er schenkte das Gesicht den Blinden, den Tauben gab er das Gehör, der Aussah mußte vor ihm schwin 134 Vom Verhalten und Geschäfte Jeſu den, der Stumme sang ihm Dank und Ehr; sein Kraftwort hieß die Lahmen gehn und selbst die Todten auferstehn. 4. Er schalt des Satans Legionen; die Legionen scheuten ihn: so mußten sie die Menschen schonen und plöglich in den Abgrund fliehn. Berief er seiner Engel Schaar, so stellten sie sich dienstbar dar. 5. Sein Segen speis'te ganze Heere, da, wo es doch an Brod gebrach. Er gab Befehl an Wird und Meere: es ließ ihr Sturm gehorsam nach. So sabe man in allem Thun auf ihm der Gottheit Fülle ruhn. 6. Wir danken, Höchster, deiner Stärke, die Jesum vor der Welt verklärt, der durch so große Wunderwerke als dein Gesandter sich bewährt! wir nehmen ihn im Glauben an und sind ihm willig unterthan. 7. Erfüll', o Herr, nur unsre Herzen mit seiner Lehren Göttlichkeit, damit wir nicht das Heil verscherzen, das uns dein Sohn allein verleiht, und schaffe, daß ihm unsre Treu' bis in den Tod beståndig sey. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 144. Still, niedrig, ohne rauschendes Gepränge, entfernt von dem, was sonst der Menschen Menge groß glaubt: so wandelte der Herren Größter, der Menschen Bester. 2. Nicht sich bedienen lassen, Andern dienen wollt er, der Herr, der uns zum Heil erschienen; freiwillig wählte er statt Erdenfreuden Armuth und Leiden. 3. Doch groß war er bei aller äußern Blöße; groß durch die stille, ihm nur eigne Größe; erhaben, groß durch Alles, was er dachte, sprach und vollbrachte. 4. Unschuld und Wohlthun war sein ganzes Leben, der Menschen Wohl geweiht und Gott ergeben; ganz Thatigkeit, sein Werk und Gottes Willen treu zu erfüllen. 5. Von Gottes Kraft belebte Lehren flossen von sei nem Munde, um ihn her ergossen sich Strome von Holdseligkeit und Gnade auf jedem Pfade. in seinem Leben auf Erden. 135 6. Ihr Müden, sprach er einst mit holden Blicken, kommt, folget mir, und ich will euch erquicken; wer mein Wort hört und glaubet, der wird leben, ja ewig leben! 7. Untadelhaft, von keiner Sünd' entweihet, sprach er: wer ist, der mich nur einer zeihet? und zeihen konnten ihn die Tadler keiner, ihn auch nicht Einer. 8. So unschuldsvoll, so ohne alle Fehle, so war sein ganzer Wandel; seine Seele vor Gott so heilig und so himmlisch reine, als nie noch eine. 5322) 9. Auch Strahlen seiner Gottheit ließ er leuchten. Die Thaten und die Worte, sie bezeugten, daß er der Herzen Rath und innre Tiefe versteh' und prüfe. 10. Was er nur sprach, stand da zu seiner Ehre. Er sprach, und ihm gehorchten Wind und Meere. Auf sein Wort mußten Tod und Schmerz und Seuchen sogleich entweichen. 11. Er sprach: und Heilung und Genesung kamen den schwer Bedrückten, Blinden, Tauben, Lahymen. Sein Wort beseelte und belebte wieder der Todten Glieder. 12. Wer hat jemals, wie er, gelebt, gelehret? Wer so viel Licht und Heil der Welt gewähret? Wer hat je solcher Thaten Ruhm erreicher, der seinem gleichet? 13. Er war's, der uns zum Heil' erscheinen sollte, durch den uns Gott begnad'gen, segnen wollte. Ihn kennen und verehren, macht auf ewig beglückt und selig. 14. Dem großen Beispiel, das du uns gegeben, mit möglichstem Gehorsam nachzuleben, das laß sich Alle, Herr, die dich hochschäßen, zum Biele setzen! Vom Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. Erweckung zur heilsamen Betrachtung derselben. Mel. Herzliebster Jesu, du haft zc. 145. Herr, stårke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich beweg, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen. 136 Vom Leiden und Tode Jesu. 2. Vereint mit Gott, ein Mensch, gleich uns auf Erden, und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden; an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen. bp3. Welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn' ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt, ich seh' und ich empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen. Gott ist die Lieb' und läßt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder; es stürzt mich tief und es erhebt mich wieder; lehrt mir mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an dessen Tod ich glaube! ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deine Güte. 7. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; allein follt' ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf er sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das Größt' in Gott ist, Gnad' und Lieb erweisen; uns kommt es zu, sich demuthsvoll zu preisen; zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad' erzeiget, die Gnade steiget. 9. So sey denn ewig auch von mir gepriesen für das Erbarmen, das du mir erwiesen, da du, mein Heiland, auch für mich dein Leben dahin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben, und stets mit Freuden deinen Willen üben. O gieb zu diesem seligen Geschäfte, Herr, selbst mir Kräfte. Mel. Herzliebster Jefu, du haft 2c. 146. Kommt her, ihr Christen, kommt, laßt uns von Herzen betrachten Christi Leiden, Pein und Schmer zen; er büßt für alle Sünden, Sünder, weine! er büßt alleine. Gl Vom Leiden und Tode Jesu. 137 2. Ach seht, wie angst wird ihm von unsern Súnden! im Staube muß er sich am Ölberg winden, daß ihm der Todesschweiß, mit dem er ringet, blutig ausdringet. 3. Der Heiland fållt im Garten zu der Erden; ein Engel muß des Trösters Tröster werden, es bringt die Creatur dem Herrn der Werke, dem Schöpfer Stärke. 4. Was wir und Adam hatten übertreten, dafür muß jetzt der Herr mit Zittern beten; es ist der 3orn, der uns entzündet, den er empfindet. 5. Uus Geiz verrieth ihn Judas seinen Feinden, und, gleich als Einer noch von seinen Freunden, gab er der Schaar die Loosung durch sein Grüßen und falsches Küssen. 6. Die nun mit Schwerdt und Waffen fertig stunden, die führten ihn zu Caiphas gebunden, wo er um seine Lehre ward befraget und hart verklaget. 7. In deffen Munde nie Betrug gefunden, ließ sich von Sündern, welche um ihn stunden, verklagen, schlagen, schimpfen und verhöhnen, mit Dornen krönen. 8. Er ward gegeißelt mit geflochtnen Riemen; sein Rücken ward blutrünstig voller Striemen; von seinem Haupt, mit Dornen wund gestoßen, Blutstropfen floffen. 9. Voll Bluts ward er zum Schimpf umhergeführet, mit einem Purpur nur zum Spott gezieret, durch höhnisch Grüßen und Verspein entehret, sein Schmerz vermehret. 10. Er ward verurtheilt und ans Kreuz gehenket, mit Effig und mit Gallentrank getrånket, und mußte noch am Kreuze bis zum Scheiden Verspottung leiden.. 11. Das Ulles hast du, Herr, für uns gelitten, fo sauer uns ein ewig Glück erstritten; o möchten wir Erlöste dich doch preisen, dir Dank erweisen! pas 12. Nimm an den Dank, den Herz und Lippen singen, bis du uns zu der Engel Chor wirst bringen, wo wir, vollkommen in dem bessern Leben, dein Lob erheben! 13. ilf, Jesu, daß wir Gott auch unsre Seelen, wie du gethan, an unserm End' befehlen, und selig einst auf deinen Tod und Leiden von hinnen scheiden.no) Vom Leiden und Tode Jesu. Mel. Liebster Jesu, wir sind 2c. 147. Meine Seel', ermuntre dich, Jesu Liebe zu be denken! auf sein Leiden müsse sich deine ganze Andacht lenken. Uch, erwåg' die große Treue und dich deines Jesu freue! 138 2. Sieh! der wahre Gottessohn ist für dich ans Kreuz gehänget; sein Haupt trågt die Dornenkron', sein Schweiß ist mit Blut vermenget; er läßt sich für dich verwunden: wo ist größ're Liebe funden? 3. Du, du solltest große Pein ewig in der Hölle leiden und von Gott verstoßen seyn, ewig fern von allen Freuden; aber Jesus trågt die Sünden, daß du könntest Gnade finden. 4. Durch sein Leiden wird gestillt des gerechten Gottes Rache. Er hat das Gesetz erfüllt, gut gemacht die böfe Sache, Sünde, Teufel, Tod bezwungen und den Himmel dir errungen. 5. Was liegt dir nun ob, mein Herz, dem dich dankbar zu beweisen, der sogar durch Blut und Schmerz seine Lieb' an die will preisen? Kannst du wohl mit schwachen Liedern ihm so große Lieb' erwiedern? 6. Ach! ich kann ihm nimmermehr das Geringste nur vergelten. Ich muß leider! täglich sehr meine große Trägheit schelten. Oft hab' ich ihn lau geliebet, oft durch Sünden gar betrůbet. 7. Was geschehen ist, das soll ferner nicht von mir geschehen! Feft entschloffen, eifersvoll, einen andern Weg zu gehen, will ich künftig Jesu leben und mich ihm zum Opfer geben! Pers 8. Weicht, ihr Sünden, weit von mir, euch darf ich nun nicht mehr leiden! liebt' ich euch, so würdet ihr michy von meinem Heiland scheiden, ohne welchen ist kein Leben, keine Gnade, kein Vergeben. 9. Dir, mein Jesu, dir, mein Heil, dir will ich mich ganz verschreiben, daß ich dir, mein bestes Theil, Vom Leiden und Tode Jesu. 139 ewig will getreu verbleiben. Nichts, nicht Leben, Sterben, Leiden, soll mich, Jesu, von dir scheiden! 10. Du, mein Jesu, sollst es seyn, auf den stets mein Auge blicket. Wie du mein, so will ich dein bleiben stets und unverrücket. Was du liebst, will ich auch lieten, und was dich, soll mich betrüben. 11. Was du willst, das sey mein Will', dein Wort meines Herzens Spieget; wenn du schlågest, halt' ich still. Dein Geist bleibt mein Pfand und Siegel; daß ich soll den Himmel erten, darauf kann ich fröhlich sterben. 12. Nun, so bleibt es feft dabei: Jesus soll es seyn und bleiben, dem ich lebe, deß ich sey; nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht laffen, ewig will ich dich umfassen. 13. Ist für uns schon jetzo hier solche Freud' und Ruh' zu finden, wenn im Glauben wir mit dir uns, o Jesu, recht verbinden; schenkst du schon so viel auf Erden, was wird uns im Himmel werden! 14., Was für Lust und Süßigkeit, welchen Frieden, was für Freuden, was für Ruhe nach dem Streit, was für Ehre bringt dein Leiden! Ewig werd' ich dich dann loben, wenn mich Gott zu sich erhoben. om 15. Tåglich, tåglich freu' ich mich auf dies freudenvolle Leben. Heiland, dir sey Dank; durch dich wird es mir dereinst gegeben! laß, es glåubig zu behalten, deine Kraft stets in mir walten. Mel. O König, dessen Majestät zc. 148. Erforsch mich, Herr, erfahr' mein Herz, und prüfe meine Triebe. Ich denk' an deines Leidens Schmerz, an deine große Liebe. Dein Kreuz sey mir gebenedeit! welch) Wunder der Barmherzigkeit hast du der Welt er= wiefen! Wann hab' ich dies genug bedacht und dich aus aller meiner Macht genug dafür geprieſen? bi 2. Rath, Kraft und Friedefürst und Held! in Fleisch und Blut gekleidet, wirst du das Opfer für die Welt, 140 Vom Leiden und Tode Jesu. und deine Seele leidet. Dein Freund, der dich verråth, ist nah', die Stunde des Gerichts ist da und Schrecken stromen über. Du zagst und fühlst der Höllen Weh: ist's möglich, Vater, o, so geh' der Kelch vor mir vorüber. 3. Dein Schweiß wird Blut; du ringst und zagst und fällst zur Erde nieder; du, Sohn des Höchsten, kämpfst und wagst die erste Bitte wieder. Du fühlst, von Gott gestärkt im Streit, die Schrecken einer Ewigkeit, und Strafen ohne Ende. Auf dich nimmst du der Menschen Schuld und giebst mit göttlicher Geduld dich in der Sünder Hände. 4. Du trågst der Missethåter Lohn, und hattest nie gefündigt, du, der gerechte Gottessohn! so war's vorher verkündet. Der Frechen Schaar begehrt dein Blut, du duldest, göttlich groß, die Wuth, um Seelen zu erretten. Dein Mörder, Jesu, war auch ich; denn Gott warf Aller Sünd' auf dich, damit wir Frieden hätten. 5. Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt, gehorsam Gott von Herzen, ertrågst du Spott, Schmach und Gewalt voll Krankheit und voll Schmerzen. Wir sahn dich, der Ver heißung Biel; doch da war nichts, das uns gefiel, und nicht Gestalt, noch Schöne. Vor dir, Herr, unsre Zuver sicht, verbarg man selbst das Angesicht; dich schmähn des Bundes Söhne. 6. Ein Opfer nach dem ew'gen Rath, belegt mit un sern Plagen, um deines Volkes Miffethat gemartert und zerschlagen, gehst du den Weg zum Kreuzesstamm, in Unschuld, stumm, gleich als ein Lamm, das man zur Schlacht bank führt. Freiwillig, als der Helden Held starbst du aus Liebe für die Welt den Tod, der uns gebühret. 7. Du neigst dein Haupt; es ist vollbracht. Dustirbst, die Erd' erschüttert. Die Arbeit hab' ich dir gemacht, Herr, meine Seele zittert. Was ist der Mensch, den du befreit? O wår' ich doch ganz Dankbarkeit! Herr, laß mich Gnade finden, und deine Liebe dringe mich, daß ich dich wieder lieb' und dich nie kreuzige mit Sünden! Vom Leiden und Tode Jesu. 141 8. Welch Warten einer ew'gen Pein für die, die dich verachten; die, solcher Gnade werth zu seyn, nach feinem Glauben trachten! für die, die dein Verdienst gestehn und dich durch ihre Laster schmåhn als einen Sündendiener. Wer dich nicht liebt, kommt ins Gericht. Wer nicht dein Wort hålt, liebt dich nicht; warst du gleich sein Versöhner. 9. Du hast gesagt, du wirst die Kraft zur Heiligung mir schenken. Dein Tod ist's, der mir Trost verschafft, wenn mich die Sünden kränken. Laß mich im Eifer des Gebets, laß mich in Lieb' uno Demuth stets vor dir erfunden werden. Dein Heil sey mir der Schirm in Noth, mein Stab im Glück, mein Schild im Tod, mein letter Trost auf Erden! Mel. Christus, der uns selig zc. 149. hilf, Christe, Gottes Sohn, durch dein bitter Leiden, daß wir, dir stets unterthan, alle Sünden meiden; deinen Tod und sein Ursach fruchtbarlich bedenken, dafür, wiewohl arm und schwach, dir Dankopfer schenken. Singang und Willigkeit Jesu zu seinem Leiden. Mel. König, dessen Majestät zc. 150. Ein Lamm geht hin und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sünden aller Sünder. Es gehet hin zur Marterbank, fühlt Schmerz und Angst, wird matt und krank, wählt Leiden statt der Freuden. Es duldet für uns Schmach und Spott, Ungft, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, und sprach: ich will's gern leiden. 2. Das Lamm ist Jesus, unser Freund, der Heis land unsrer Seelen, den Gott, der aller Sünde feind, zum Mittler wollte wählen. Du, sprach er, nimm dich derer an, die über sich im blinden Wahn gebracht des 142 Vom Leiden und Tode Jesu. Bornes Ruthen. Der Zorn ist schwer, die Strafe groß; doch du vermagst ts; mach sie los durch Sterben und durch Bluten. 3. Ja, sprachst du, dies sey unser Bund; mich magst du für sie schlagen; mein Wollen hångt an deinem Mund, ich will die Sünde tragen. O Liebe, groß ist deine Macht, daß Gott, was nie kein Mensch gedacht, den eignen Sohn uns schenket! O Lieb' des Sohnes, du bist groß, du hast ihn aus des Vaters Schoß hinab in's Grab gesenket. 4. Er büßt für uns am Kreuzesstamm, damit wir Gnade finden; er låßt sich schlachten wie ein Lamm zum Opfer für die Sünden; für Alle stirbt er! auch für mich) ergießt hier seine Liebe sich in Strömen seines Blutes. Otheures Lamm! was soll ich dir dafür erweisen, daß du mir erzeigest so viel Gutes? 5. Im ganzen Leben will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen; dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen faffen; du sollst seyn meines Herzens Licht, und wenn mein Herz im Tode bricht, sollst du mein Leben bleiben. Du sollst mir seyn mein höchster Ruhm; ich will mich dir zum Eigenthum auf immerdar verschreiben. 6. Ich will von deiner Freundlichkeit bei Nacht und Tage fingen; dir will ich auch zu aller Zeit mich selbst zum Opfer bringen; mein ganzes Leben soll nun dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit verfließen; wie Großes du an mir gethan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtniß schließen. 7. Erwach), mein Geist, um dich zu freun! du sollst gesegnet werden mit Schåßen, die viel größer seyn, als Schäße dieser Erden. Nichts seyd ihr, Güter dieser Welt! was mir vor allen dem gefällt, hat nun mein Herz gefunden: mein Kleinod und mein bestes Gut ist, Jefu, dein vergoff'nes Blut, der Strom aus deinen Wunden. 8. Das soll und mill ich mir zu Nutz zu allen Zeiten machen; im Streite soll es seyn mein Schuß, ein Trieb Vom Leiden und Tode Jesu. 143 zum steten Wachen; es soll mich machen froh und still, und wenn mein Geist ermatten will, so soll es ihn erquicken; es soll mir seyn ein Trostesquell, die Nacht der Sorgen machen hell, mich auch ins Kreuz zu schicken. 9. Was schadet miz des Todes Gift? dein Tod bringt mir das Leben; er kann in Allem, was mich trifft, mir Rath und Stärke geben; erquicket mich in jedem Schmerz, erfüllt mit reichem Trost mein Herz, wenn schon der Leib erkranket; schafft, daß, wenn hier auf diesem Meer auch Stürme brausen um mich her, mein Glaube doch nicht wanket. 10. Wenn ich in jene Welt geh' ein nach überstandnen Leiden, so soll dies Blut der Hauptschmuck seyn, mit dem ich mich will kleiden. Es soll seyn meines Hauptes Kron', in welcher ich will vor den Thron des höchsten Vaters treten, um dich, dem er mich anvertraut, da, wo man dich verklåret schaut, nun ewig anzubeten. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 151. Wie grundfos sind die Tiefen deiner Liebe; wie treu, wie zärtlich, Jesu, deine Triebe! kein Mutterherz gleicht deinem treuen Herzen in deinen Schmerzen. 2. Was ist der Mensch, daß du sein so gedenkest, daß du für ihn dich in das Elend senkest? Was findest du an mir und an uns Allen für Wohlgefallen? 3. Verdient Veráchtung göttlicher Gefeße; verdient Verschwendung unschäßbarer Schätze; verdient ein selbsts gemachter böser Schade des Richters Gnade? 4. Was zieht dich denn, Erlöser, auf die Erde? Was schadet dir's, wenn ich nicht glücklich werde? Dir bleibet doch, wenn ich gleich Strafe leide, des Himmels Freude. 5. Verehrt beschämt den weisen Rath, ihr Christen, den einzusehn die Engel selbst gelüften; bewundert doch in dem Erlösungswerke der Liebe Stärke! Vom Leiden und Tode Jesu. 6. Des Höchsten Sohn büßt für die Menschenkinder, der Heiligste bezahlet für die Sünder, der Lebensfürst und aller Bosheit Rächer stirbt bei dem Schächer. 144 7. Kann dein Verstand so hohe Gnadenzeichen, so große Wunder seiner Huld erreichen? Thut er nicht mehr, uns Sünder zu erhöhen, als wir verstehen? 8. Herr, lehre selbst mich deine Huld erkennen; im rechten Glauben meinen Herrn dich nennen! Erbarme dich und heile meinen Schaden, Quell aller Gnaden! 9. Ich bin verderbt vom Fuße bis zum Scheitel. Mein Herz ist trohig, widerspenstig, eitel. Mein bestes Thun ist mangelhaft und sündlich; ich fehle stündlich. 10. Darum flieh' ich zu deinen Liebesarmen. Ich such' und bitte nichts, als dein Erbarmen. Verstoß' den nicht, der seine Sünden haffet und dich umfasset. 11. Was machst du, Feind, mir Christi Huld ver dächtig? Schweig, seine Kraft ist ja im Schwachen mächtig; er selbst macht den gerecht, der an ihn gläubet und in ihm bleibet. 12. 3eug mich, erwürgtes Lamm, zu deinem Kreuze, damit dein Tod die Seele dring' und reize, dich, dein'n Erwerber aller guten Gaben, recht lieb zu haben. 13. Dir, Jesu, les' ich; dir will ich auch sterben. Laß den nur nicht, den du versöhnt, verderben. O hilf mir jetzt und in den letzten Stunden durch deine Wunden. Mel. Chriftus, der uns selig 2c. 152. Mein Erlöfer! auch für mich gingst du hin zum Leiden, und begabest willig dich aller deiner Freuden. Du sahst Bande, Schmerz und Hohn, sahst den Tod von ferne; doch ertrugst du, Gottessohn, alle Leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der Gefahr, die dir, Heiland, drohte; als die Stunde kommen war, gingst du froh zum Tode. Willig übergabst du dich in der Feinde Hände, und bliebst unveränderlich treu bis an das Ende. Vom Leiden und Tode Jesu. 145 3. Lehre mich, wie du, so still und geduldig leiden, wenn es einst dein Rathschluß will, sanft und selig scheiden. Stärke mich, wenn ich einmal sterbend zu dir flehe, daß ich durch des Todes Thal ohne Schrecken gehe. 4. Dank, o Jesu, Dank sey dir für dein schweres Leiden, denn dadurch erwarbst du mir deines Himmels Freuden. Nunmehr weiß ich, daß im Tod' ich nicht ewig sterbe; denn ich bin versöhnt mit Gott, bin des Himmels Erbe. Mel. Christus, der uns selig zc. 153. Sefu, meiner Seele Licht, Ursprung meiner Freuden, meines Herzens Zuversicht! nimm doch für dein Leiden meines Dankes Opfer an, wenn mit schwacher Seele ich, was du an mir gethan, preise und erzähle. 2. Ich erwåg' es oft und viel, was dich doch getrieben, Sünder, ohne Maß und Ziel, wie du thatst, zu lieben; daß du für uns Angst und Noth, Schlåg' und Hohn in Banden, Låsterung, ja Kreuz und Tod willig ausgestanden. 3. War es unsre Würdigkeit? Nein, des Vaters Güte; Jesu, deine Freundlichkeit und dein treu Gemüthe. Dies hat dich ans Kreuz gebracht, daß kein Mensch verzagte, wenn der Sünden Meng' und Macht das Gewissen nagte. 4. O du wundervoller Rath, den man nie ergründet! o du liebesvolle That, die man sonst nie findet! was der Mensch, der Erdenknecht, gegen Gott verbrochen, wird an dir, der doch gerecht, uns zu gut gerochen. 5. Meine schwere Sündenschuld hat dich so zerschlagen, diese hast du mit Geduld für mich abgetragen; Herr, für meine Missethat hast du dich verbürget; dieſe ist es, die dich hat an dem Kreuz erwürget. 6. Alle Strafe, die ich wär' auszustehn verbunden, lieget auf dir, drückt dich schwer, und durch deine Wunden wird uns Fried' und Heil gebracht. Sollt' uns nicht geziemen, deine starke Liebesmacht ewiglich zu rühmen? Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 10 Univ.- Bibl. Giessen Vom Leiden und Tode Jesu. 7. Die erworb'ne Sicherheit laß nun mein Gewissen zwischen Angst und Tod und Streit kräftiglich genießen; ach, stårk' du mit Trost mein Herz; wirf durch deine Schmerzen meine Schmerzen hinterwårts, fern aus meinem Herzen. 146 8. Laß, sobald mein Herz erschrickt über seine Sünden, wenn auf dich meine Glaube blickt, mich, Herr, Gnade finden. Jesu, sich, ich falle dir mit wahrhafter Buße und mit Befferungsbegier glaubenskühn zu Fuße. 9. Nun weiß ich, worauf ich bau' und bei wem ich bleibe, wessen Fürsprach' ich vertrau' und an wen ich glaube. Jesu, du bist es allein, welcher mich beschirmet, wenn der Laster Schuld und Pein mein Gemüth bestürmet. 10. Ich will, weil ich einst mit dir werd' im Himmel erben, Herr, in deinem Dienste hier leben und auch sterben, bis mein Auge sehen wird nach den Todesbanden meinen Heiland, Freund und Hirt, Jesum, der erstanden. Mel. Wenn meine Sünd' mich zc. 154. Den Rathschluß deiner Güte, Herr, soll mein Geist erhöhn. O lenke mein Gemüthe, ihn richtig zu verstehn! ich ehre deinen weisen Rath, der Jesum für uns Sünder dahin gegeben hat. 2. Noch eh' dein Wort die Erde aus Nichts hervor gebracht, da hast du schon der Erde zu ihrem Heil gedacht. Von Ewigkeit hast du ihn schon zum Opfer ausersehen, den eingebornen Sohn. nh. Gab 3. Er kam zu uns hernieder in der erfüllten Zeit, erwarb für seine Brüder des Himmels Seligkeit. Was ihm sein Vater zugedacht, das trug er mit Gehorsam, bis er es ganz vollbracht. 4. Er wußte, was zu tragen ihm Gottes Rath ge bot; er sah die last der Plagen, sah seinen Kreuzestod. Doch floh er seine Leiden nicht, er ging dem Tod entge gen mit Muth und Zuversicht. Vom Leiden und Tode Jesu. 147 5. Dir, Jesu, mein Erbarmer, sey Dank für deine Treu'; durch dein Blut bin ich Urmer von allen Strafen frei. Die långst dir zugemess'ne Noth, dein Mittlertod am Kreuze, hat mich versöhnt mit Gott. 6. Laß mich bei meinen Plagen Gott ehren durch Geduld, sie so gelassen tragen, wie du trugst meine Schuld. Sein Weg sey mir hier wunderbar; dort werd' ich es erkennen, wie selig er mir war. Leiden Jesu am Oelberge. Mel. König, dessen Majestät zc. 155. So gehst du, Jesu, williglich, dein Leiden anzutreten, mit heißen Thránen auch für mich zu kämpfen und zu beten. Du, der du nichts verbrochen hast, gehst hin, um aller Sünden Last auf dich allein zu laden. So groß die Last der Leiden war, so stellst du dich doch willig dar, damit sie uns nicht schaden. 2. Du Held, der Undern Stårke giebt, was kann dich so erschüttern? Ach, seine Seele wird betrübt, des Helden Glieder zittern. Dort, hingesunken auf die Kniee, arbeitet er in schwerer Müh' und kämpfet im Gebete. Er wünscht den schweren Kampf verkürzt. Wer sieht dies und wird nicht bestürzt? O schauervolle Stätte! 3. Wie bist du, Gott, so wunderbar in allen deinen Werken! ein Engel muß vom Himmel gar den Herrn des Himmels stärken. Er ringt; von seinem Angesicht fließt Schweiß ach wer entsetzt sich nicht! gleich Tropfen Bluts zur Erden! Der du in reinster Unschuld prangst, wie konntest du von solcher Ungst, o Herr, ergriffen werden? 4. Uch Herr, dies Leiden sollte ich, der Sündenknecht, empfinden; so sollten alle Sünder sich im Staube blutend winden. Ich Urmer, wie bestånd' ich da! vor Gottes Borne müßt' ich ja ohn' allen Trost versinken. Und da kommst du, daß du ihn stillst, Sohn Gottes, du, du selber willst den ganzen Bornkelch trinken. - 10* 148 Vom Leiden und Tode Jesu. 5. Wohl mir! der Sohn des Höchsten hat für mich fich richten lassen. Gott, welch ein wundervoller Nath! Wer kann dies Wunder fassen? Ach, da uns Fluch und Rache drohn, da richtet Gott für uns den Sohn, den er uns selbst gegeben. Nun freu' dich, Seele, du kommst nicht in Gottes schreckliches Gericht, du dringst hindurch zum Leben. 6. Doch denk', um welchen hohen Preis er dir dein Heil erstritten; wie er für dich im Todesschweiß und an dem Kreuz gelitten! Ach, Seele, ringe, daß dich) nie die Sund' in ihre Netze zieh, nichts deine Treu' erschüttre! Lockt dich die Welt, ach folge nicht! schau' hin ins schwere Sorngericht, das Jesum traf, und zittre! Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 156. Komm, Kind der Nacht, das gern im Dunkeln wandelt, kühn wider Gott und das Gewisfen handelt; kommt Alle, die ihr noch das Finstre liebet und Sünden übet! 2. Seht eine Nacht, in welcher tausend Schrecken den Heiligsten mit Furcht und Angst bedecken; worin der Held der Helden, ganz erschüttert, im Staube zittert. 3. Er, Jesus, zittert, und fångt an zu zagen; ihn drücken solche Lasten, solche Plagen, daß ihm der große Schmerz, mit dem er ringet, Blutschweiß abdringet! 4. Warum mußt du, o Jesu, doch so zagen? ach! wer ermißt die Größe deiner Plagen, da du dich bei der Angst, die du empfindest, im Staube windest! 5. Du feufzes, bebest, schwimmst in heißen Thränen, wie Sünder, die sich nach Erbarmung sehnen; du sinkst und scheinst bei dieses Kelches Trinken ganz zu versinken. 6. O Angst, dergleichen Keiner je empfunden! in Jesu Seele, was für tiefe Wunden! jetzt muß er Gottes Abscheu an den Sünden als Mensch empfinden. 7. Seht hier das Leben mit dem Tode ringen; wer konnte sonst den ew'gen Tod bezwingen? der Bürge fühlet jetzt an unsrer Stelle die Angst der Hölle. Bom Leiden und Tode Jesu. 149 8. Welch' eine Gluth brennt jetzt in seinem Herzen! er fleht zu Gott um Lindrung seiner Schmerzen; doch auch im Schmerz bereit, des Vaters Willen gern zu erfüllen! 9. Seht hier die Liebe bluten, flehen, klagen; nun dürfen Sünder ewig nicht verzagen. Dies Blut ist aller Welt zum Heil gefloffer; auch mir vergossen! 10. Nun können Sünder im Gericht bestehen, da Christi Blut und Tod um Gnade flehen. Gott öffnet. nun, um seines Sohnes wegen, die Hand zum Segen. 11. Doch, Sünder, der du böse Früchte trågest, und keinen Trieb zu bessern Früchten hegeft, bedenke: welch ein Fluch wird schon auf Erden und dort dir werden! 12. Muß Jesus im Gerichte so erzittern: Mensch, welche Donner werden dich erschüttern, wenn er zur ew'gen Pein, die ihn verschmähen, heißt von sich gehen! 13. Erfchrict einmal, und sinke bis zum Staube; denn in zerschlag'nen Herzen wächst der Glaube, der Glaube, der die Sünden ernstlich scheuet, beweint, bereuet. 14. Dann kommt dir Jesu Schmerz und Tod zu gute; Erquickung find'st du dann in seinem Blute; dann wird dir seine Liebe schon auf Erden dein Himmel werden. Leiden Jesu über seine Jünger. Mel. Es ist gewißlich an der zc. 157. Wie liebreich, Jesu, ist dein Herz! wer kann es g'nug ermessen? Du konntest bei dem größten Schmerz die Deinen nicht vergessen. Mit großer Nachsicht, mit Geduld ertrugst du deiner Freunde Schuld und ihres Fleisches Trägheit. 2. Du littst im göttlichen Gericht die Strafen deiner Brüder; dich drückt der Leiden schwer Gewicht bis zu der Erde nieder; du zagteft, kämpftest mit dem Tod, und Niemand wollte deine Noth durch sanften Trost versüßen. 3. Selbst deiner Freunde tråges Herz vermehrte deinen Kummer, bei deiner Seele größtem Schmerz ruhn sie 150 Vom Leiden und Code Jesu. in tiefem Schlummer. Sie schwurer dir getreu zu seyn, und nun in deiner großen Pein will Keiner dich erquicken. 4. Und dennoch, Jesu, bleibst du treu und liebest diese Schwachen. Mitleidig eilest du herbei, sie wieder stark zu machen. Du gehst und duldest neue Qual; du kommst und sprichst zum dritten Mal: o, wachet, meine Brüder! 5. Herr, deine Gnade stårk' auch mich, wenn ich aus Schwachheit fehle. Wie kraftlos bin ich ohne dich! wie tråg' ist meine Seele! Gieb, daß ich immer wachsam sey, und tåglich dich mit größrer Treu' bis an mein Ende liebe. Mel. Wo soll ich fliehen hin zc. 158. Mein Sefu, für dein Herz welch ein so herber Schmerz! den du weit mehr empfunden, als Striemen, Schläge, Wunden! die kleine Zahl von Freunden kränkt dich, gleich deinen Feinden. 2. Kaum naht sich die Gefahr, so bebt der Jünger Schaar. Die erst sich hoch vermessen, eh' sie der Tren' vergessen, den Tod auch vorzuziehen, verlassen dich und flichen. 3. Der kühn sein Schwerdt gezückt, dein Petrus, selbst erschrickt. Er flieht, eh' Bande drohen; schämt sich, daß er geflohen, kehrt um, und cilt verwegen dem tiefern Fall entgegen. 4. Doch, Herr, dein Liebesblick bringt ihn alsbald zurück. Er fühlet sein Verbrechen, kann nun vor Schmerz nicht sprechen, und weint nur bittre Thränen, die sich nach Gnade sehnen. 5. Er sucht und findet sie. Verzagt drum, Sünder, nie! kleinmůth'ge Zweifel, schweiget, von Seelenangst erzeuget! so groß sind keine Sünden, sie können Gnade finden. 6. Daß der Verråther doch auch nach dem Frevel noch um Gnad' in Reu' geflehet, nicht Gottes Huld verschmähet! in des Verrathnen Wunden hätt' er auch Heil gefunden. Vom Leiden und Tode Jesu. 151 7. Doch sein Herz foltert ihn. Der Marter zu ent= fliehn, erwählt er gleich den Teufeln auf ewig zu verzweifeln, zum schrecklichen Verderben durch eig'ne Hand zu sterben. 8. schreckliches Gericht! o Menschen, daß euch) nicht des Satans Lift berücke! Herr, störe seine Tücke! gieb Kraft aus deiner Höhe, daß ich ihm widerstehe. 9. Trennt gleichwohl ein Bersehn, o möcht es nie geschehn!- mich, Jesu, von den Deinen: laß mich mit Petrus weinen, um Gnad' in Demuth beten, nie Judas Weg betreten. Gefangennehmung Jesu. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jefu zc. 159. Dies war die Nacht der Finsterniß, die schwärzeste von allen; die Nacht, in der sich Jesus ließ von Mdrdern überfallen. Sein Jünger, Judas, küffet ihn, er läßt sich willig küssen, treulos grüßen, gefesselt führen hin, um unsre Schuld zu büßen. 2. O Sanftmuth, die den Sünder trug, doch allmachtsvoll nicht minder der Frevler Schaar zu Boden schlug, sey gnådig mir, dem Sünder! Du duldest des Verräthers Kuß, drum kannst du den nicht hassen, noch verlassen, der dich in wahrer Buß' und Glauben will umfaffen. 3. Mein Freund! fragst du den falschen Feind, warum bist du gekommen? du zeigst ihm, als ein Seelenfreund, wie leicht er aufgenommen, von dir begnadigt werden sollt', im Fall er nun mit Reue dich aufs neue im Glauben küffen wollt'. O welche Huld und Treue! 4. An diese That erinnre mich, wenn mir die Sünden fchmeicheln. Empfind' ich falscher Zungen Stich, ver= stellter Menschen Heucheln: so gieb mir Vorsicht und Geduld. Ist Niemand, wenn ich leide, mir zur Seite, so sen durch deine Huld mir Beistand, Trost und Freude. 5. Ich halte dich; gieb, daß ich nie von dir, mein Heiland, weiche, bis ich nach dieses Lebens Müh' dich schau' Vom Leiden und Tode Jesu. in jenem Reiche, wo sich stets Treu' und Wahrheit küßt, wo nie die reinsten Freuden von mir scheiden; wo mie dein Trost versüßt, was bitter war zu leiden. 152 Mel. Alle Menschen müssen zc. 160. Sefu Chrift, durch dessen Wunden unser Schmerz geheilet wird! Sündern gleich wirst du gebunden, hin vor das Gericht geführt! Frevler wagen's dich zu binden, leicht kannst du sie überwinden, doch du giebst mit stillem Sinn dich in ihre Hände hin. 2. Mehr als zwölf der Legionen, die um deines Vaters Thron, seines Winks zu warten, wohnen, stehn bereit, o Menschensohn, dich von Banden zu befreien und die Frevler zu zerstreuen; doch, wie viel ihr Grimm verbricht, winkst du doch den Engeln nicht. 3. Deine Macht, dich selbst zu rächen, ließ ein einzig Wort schon sehn. Doch du wollt'st der Wuth der Frechen nicht mit Allmacht widerstehn. Alle, hätt' es dir gefal len, müßten dir zu Fuße fallen; doch du übst statt Rache Huld, nimmst die Fesseln mit Geduld. 4. Starker Held, um unsertwillen reichst du deine Hånde dar; Gottes Rathschluß zu erfüllen, schonest du der frechen Schaar; wehrst dem Schwerdte deines Freundes, heilst die Wunde deines Feindes; nimmst die Bande willig an, die dein Arm abwehren kann. 5. Dank sey dir für diese Güte! zeige nun auch deine Treu', und befreie mein Gemüthe von der Sünden Sclaverei, daß die Welt mich nicht bestricke, böse Lust mich nie berücke, des Versuchers Urglist nie mich in mein Verderben zieh'. 6. Laß in meinen Lebenstagen den durch dich erlösten Geist niemals andre Bande tragen, als die du ihn tragen heißt! wehre du der Sünden Triebe! Bande deiner Furcht und Liebe lege meinem Willen an, daß ich dir nachwandeln kann! Vom Leiden und Tode Jesu. 153 7. Sollt' ich auch die Pflicht erfüllen, hätt' es so dein Rath gewollt, daß ich um der Wahrheit willen Schmach und Marter dulden sollt': ach! so laß mich auch in Banden, in Verfolgung, Schmach und Schanden, ja in aller Todespein standhaft und gelassen seyn. Jesus vor dem Gerichte der jüdischen Nation. Mel. D Haupt voll Blut und Wunden 2c. 161. Der Herrscher aller Lande muß zum Gerichte gehn. Was lassen seine Bande uns nicht für Wunder sehn; er, Jesus, der Gerechte, der Richter aller Welt, wird dort vor seine. Knechte gebunden hingestellt. 2. Froh eilen sie, die Frechen, die ihn schon längst gehaßt, das Urtheil ihm zu sprechen; ihr Rath ist schon gefaßt: die Unschuld zu verdammen, beschließt der Haffer Buth, und ihrer Rachsucht Flammen zu sättigen mit Blut. 3. Die Unschuld seiner Lehren, wem war sie unbewußt? wer war's, der ihn mehr ehren, wer, der ihn schützen mußt'? wem waren dies sonst Pflichten, als denen, die ihr Stand, ein recht Gericht zu richten, auf's heiligste verband? 4. Doch hier wird falscher Bungen Verläumdung gern gehört; hier wird durch Låsterungen der Heiligste entehrt; hier wird das Recht gebeuget, entweiht das Richteramt; hier, wo die Falschheit zeuget, die Unschuld doch verdammt. 5. Entweiht ist zwar die Ståtte, entheiligt dies Gericht, in dem man Jesum schmähte; doch seine Unschuld nicht. Er schweigt; es macht sein Schweigen und selbst der Lügner Mund, die wider ihn hier zeugen, schon seine Unschuld kund. 6. O würde nie mit Rånken der Ungerechtigkeit, die Recht und Unschuld krånken, ein Richterstuhl entweiht! entweiht an keinem Orte die Wahrheit und das Recht, daß nie durch Lästerworte die Unschuld leiden möcht'! 154 Vom Leiden und Tode Jesu. 7. Lehr' mich, Herr, wo ich schweigen und wo ich reden muß; mein Schweigen und mein Zeugen erwecke nie Verdruß; laß meinen Mund nie trügen, mach' mich von Falschheit frei, daß ich ein Feind der Lügen, der Wahrheit Freund stets sey. 8. Laß mich nie wieder schelten, wenn ich gescholten werd', nie haß mit Haß vergelten, wie du mich haft gelehrt. Ich will das Böse meiden, und muß ich ohne Schuld doch Schmach und Unrecht leiden, so tröst' mich deine Huld. Jesus vor dem römischen Gerichte. Mel. Alle Menschen müssen zc. 162. Wer kann alle Leiden zählen! wer mißt jener Qualen Laft, die du, Retter unsrer Seelen, für uns übernommen hast! Feinde, die dir Tod bereiten, drohen dir von allen Seiten; jede Ståtte, jeder Tritt ist zum neuen Schmerz ein Schritt. 2. Deines Volkes Häupter streben rachevoll nach deinem Blut; deines Volkes Häupter geben, angeflammt von blinder Wuth, dich als einen Missethåter, Gotteslåstrer und Berråther, in den Haß, von dem sie glühn, in der Heiden Hände hin. 3. Sene fuhren fort, mit Klagen dich zu lästern und zu schmähn; diese ließen eitle Fragen nur zum Spott an dich ergehn; jene wütheten und drohten; diese lachen dein und spotten; beide kränken dich mit Qual, Schmach und Leiden ohne Zahl. 4. Menschen, die dich so entehren, trågst du gleichwohl mit Geduld, suchst sie liebreich zu belehren, zeigst, du leidest ohne Schuld; sagest frei: du seyst ein König. Doch sey Fürstenmacht zu wenig gegen deine, denn dein Reich sey dem irdischen nicht gleich. 5. Ja, du scheuest kein Gerichte, bist zur Antwort stets bereit; an dir strahlt im reinsten Lichte unschulds Vom Leiden und Tode Jesu. 155 volle Heiligkeit. Der, bei dem man dich anklaget, tritt freimuthig auf und saget bei der Kläger Ungestüm: ich find' keine Schuld an ihm. 6. Du wirst ohne Schuld befunden; doch der Haffer Grausamkeit nicht entriffen, nicht von Wunden, nicht von Schmach und Tod befreit! fort gemartert, fort gehöhnet, mit dem Dornenkranz gekrönet und bestimmt durch diesen Spott zu der Missethäter Tod. 7. Der du Marter, Ungst und Plagen willig ohne alle Schuld so geduldig haft ertragen, Dank sey dir für diese Huld! Führe du nun meine Sache im Gerichte Gottes, mache mich, den schuldenvollen Knecht, Jesu, durch dein Blut gerecht. 8. Dir, den jene Frevler schmähten, dir gebühret Preis und Ruhm; schüß' uns, die wir dich anbeten, schütze uns, dein Eigenthum. Dich verehren wir als König; gieb, daß ich dir unterthänig und mit unverletzter Treu' deines Reiches Bürger sey. Jesu Verurtheilung. 163. Herzliebster Jesu, du haft nichts verbrochen, doch wird das Todes- Urtheil dir gesprochen, als wenn du in die größten Missethaten wärest gerathen. 2. Du wirst gegeißelt und zur Schmach gekrönet, ins Ungesicht geschlagen und verhöhnet! mit Essig und mit Gallentrank getränket, ans Kreuz gehenket. 3. Was ist die Ursach dieser deiner Plagen? Ach, unfre Sünden haben dich geschlagen! wir, großer Mittler, haben das verschuldet, was du erduldet!4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! der gute Hirte leidet für die Schafe; die Schuld bezahlt der Mittler, der Gerechte, für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt. Die Strafe, der der Schuldige entgangen, hat ihn umfangen. Vom Leiden und Tode Jesu. 6. Ach, unsre Seele war befleckt mit Sünden, an uns Verbrechern war nichts Guts zu finden; das hätten wir, von Gott verworfen, müssen auf ewig büßen. 7. O große Liebe, niemals auszusprechen! du willst, an dir soll es der Höchste råchen; wir lebten sicher in den Sündenfreuden, und du willst leiden! S. Uch, Mittler, der für uns dahingegeben, mit welchem Lobe soll man dich erheben? Kein Sterblicher vermag es auszudenken, was dir zu schenken! 9. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, womit doch dein Erbarmen zu vergleichen; noch weniger, was wir verschuldet hatten, dir je erstatten. 10. Doch willst du das für that'gen Dank annehmen, wenn wir die sündlichen Begierden zähmen, damit sie nicht das Herz aufs neu' entzünden zu alten Sünden. 11. Weil aber dies nicht steht in eig'nen Kräften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften: so gieb uns deinen Geist, der uns regiere, zum Guten führe. 12. Dann werde ich, Herr, dein Verdienst betrachten, gerührt von Lieb' und Dank, nur darauf achten, wie ich im Thun und Leiden deinen Willen stets mög' erfüllen. 13. Ich werde dir zu Ehren Alles wagen, kein Kreuz nicht scheun, keine Schmach, noch Plagen; mich wird auch Spott, Verfolgung, Tod und Leiden nie von dir scheiden. 14. Dies Ulles ist zwar schlecht und sehr geringe, was ich dir jetzt für deine Liebe bringe; doch wird dein Auge huldreich mich ansehen, nicht ganz verschmähen. 15. Wenn, o Herr Jesu! dort vor deinem Throne auf meinem Haupte steht die Ehrenkrone, da werd' ich dir ein besser Opfer bringen, stets Dank dir singen. 156 Jesu Singang zum Golgatha. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 164. Auf! Seele, nimm des Glaubens Flügel, und eile mit nach Golgatha! dein Jesus geht zum Todeshi Vom Leiden und Tode Jesu. 157 gel und pflanzet deine Wohlfahrt da. Er geht für dich zum Sterben hin; komm', Seele, und begleite ihn. 2. Ihn drücket schwer die Kreuzesbürde, noch schwerer meine Missethat, die er, daß ich versöhnet würde, zu tragen übernommen hat. Erwache! Seele, werd' erweicht, da Jesu deine Last so beugt. 3. Betrübte Bahn, Bahn voller Schmerzen, wo Jesus, blutend, wankend, matt, für uns mit liebevollem Herzen des Kreuzes Last getragen hat. Du, Gottes Lamm, für diese Pein kann ich dir nie g'nug dankbar seyn. 4. Fürwahr! du trågest unsre Plagen, um uns das Leben zu verleihn; du läsfest dich als Bürge schlagen, um uns, die Schuldner, zu befrei'n; du bist es, der uns Glück ertheilt und uns durch seine Wunden heilt. 5. Laß deinen Weg zur Schädelstätte mir stets und dann auch tröstlich seyn, wenn ich des Todes Weg betrete! dann flöße mir dies Wort noch ein: daß ich durch deine Sterbensbahn den Weg zum Leben finden kann. reg 6. Euch fliehe ich, ihr eitlen Gånge, worauf der Sünder thöricht lacht! soll ich mit Jesu durch Gedränge der Trübsal und der Todes Nacht, so folg' ich gern und weiß als Christ, daß dies der Weg zum Leben ist. Jesus am Kreuze. Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. 165. Der am Kreuz ist meine Liebe; meine Lieb' ist Jesus Christ. Weicht, ihr schnöden Sündentriebe, Alles fern, was eitel ist. Mich irrt nicht, daß dieser Welt nur das Eitle wohlgefällt; meine Lieb' ist der Erwügte, der für mich beim Richter bürgte. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe; Welt, was wundert's dich, daß ich Jefum über Alles liebe? Er, er blutete für mich. Dürstend, bleich, zum Fluch gemacht, hing er in des Todes Nacht. Meine Wonn' ist der Erwürgte, der für mich beim Richter bürgte. Vom Leiden und Tode Jesu. 3. Der am Kreuz ist meine Liebe; dir, o Sünde, sterb' ich ab. Weh mir, wenn ich den betrübe, der für mich sein Leben gab. Kreuzigt' ich nicht Gottes Sohn? trat ich nicht sein Blut mit Hohn? ach! mein Schutz sey der Erwürgte, der für mich beim Richter bürgte. 4. Der am Kreuz ist meine Liebe; nun, Gewissen, habe Ruh'. Ach, was zeigt für heiße Triebe Gottes Herz! was zagest du? Stille dich, denn Jesu Blut macht die böse Sache gut; drum dein Trost sey der Erwürgte, der für mich beim Richter bürgte. 5. Der am Kreuz ist meine Liebe, der allein mir Heil gewährt. Wenn ich ihm nicht treu verbliebe, wär' ich da des Lebens werth? Nein! mich trennt von ihm kein Draun, keine Schmach, Gefahr noch Pein; denn mein Fels ist der Erwürgte, der für mich beim Richter bürgte. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe und mein allerbester Freund. Wenn ich wie ein Staub zerstiebe, bleib' ich doch mit ihm vereint; dann genieß ich ganz sein Heil. Meiner Seele Licht und Theil bleibet ewig der Erwürgte, der für mich beim Richter bürgte. 158 Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 166. Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben! dein Heil sinkt in den Tod. Den alle Engel ehren, der låsset sich beschweren mit Banden, Schlägen, Hohn und Spott. 2. Tritt her, und schau mit Fleiße: mit Blut und Todesschweiße ist ganz sein Leib bedeckt; unnennbare große Schmerzen fühlt er in seinem Herzen, da er des Todes Bittre schmeckt. 3. Wer hat dich so geschlagen? woher doch diese Plagen, dies schwere Strafgericht? du bist ja nicht ein Sünder, wie wir und unsre Kinder; von Missethaten weißt du nicht. 4. Ja, ich und meine Sünden, die sich so zahllos finden, als wie der Sand am Meer, die haben dir er Vom Leiden und Tode Jesu. reget das Elend, das dich schläget, dies ganze schwere Marterheer. 5. Ich bin's, ich sollte büßen in ew'gen Finsterniffen, was nun dein Tod versühnt. Was du in deinen Banden an Martern ausgestanden, das Alles, Herr, hab' ich verdient. 159 6. Du nimmst auf deinen Rücken die Lasten, die mich drücken, mich davon zu befrein: du wirst ein Fluch, dagegen erwirbst du mir den Segen: dein Schmerz muß mir ein Labsal seyn. 7. Du stellest dich zum Bürgen, du läsfest dich erwürgen für mich und meine Schuld; für mich läßt du dich kronen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest Alles mit Geduld.#SH FOR Tore pris ni 8. Du gehst auch meinetwegen der Todesnacht ent= gegen mit großem Heldenmuth; du stirbst, daß ich nicht sterbe, noch ewiglich verderbe, und Alles thust du mir zu gut. ht to 9. Dir leb' ich höchst verbunden, mein Heil, zu allen Stunden; ich bin dein Eigenthum. Was Leib und Seel' vermögen, will ich auf allen Wegen mit Sorgfalt thun zu deinem Ruhm. 10. Kann ich gleich nicht viel geben in diesem armen Leben, will ich doch dieses thun: es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. 11. Ich will's vor Augen stellen, daß es in allen Fällen mir unterrichtend sey; es soll mir seyn ein Spiegel der Unschuld, und ein Siegel der Lieb' und unverfälschten Treu'. 12. Wie heftig unsre Sünden den heil'gen Gott entzünden; wie Rach' und Eifer gehn; wie tödtend seine Ruthen und seines Eifers Fluthen, will ich aus diesem Leiden schn. 13. Dein Bild soll mich anführen, wie ich mein Herz soll zieren mit stillem sanftem Muth; wie ich soll Vom Leiden und Tode Jesu. Menschen lieben, wenn sie mich auch betrüben mit Werken, so die Bosheit thut. 160 14. Wenn böse Zungen stechen und lieblos von mir sprechen, will ich nicht råchen mich; das Unrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden verzeihen gern und williglich. 15. Ich will ans Kreuz nun schlagen mein Fleisch, und dem entsagen, was dir, Herr, nicht gefällt. Was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, gefiel es auch) der ganzen Welt. 16. Geheiligt mit dem Blute, das dir, auch mir zu gute am Kreuz geflossen zu, empfehle ich am Ende den Geist in deine Hände und gehe froh zur ew'gen Ruh'. 167. Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerzen, Schmach und Hohn; o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron'! o Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr und Bier, jetzt aber höchst verhöhnet, Preis, Lob und Dank sey dir! Rhys Grat 2. Du holdes Ungesichte deß, der sonst trågt und hålt das große Weltgewichte, wie bist du so entstellt! wie bist du so erbleichet, daß deiner Augen Licht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, nun aller Glanz gebricht! 3. Wie ist doch deiner Wangen sonst anmuthsvolle Pracht verfallen und vergangen! des Todes finstre Nacht, die über dich gekommen, hat Alles hingerafft, vom Leibe hingenommen nun alle Lebenskraft. 4. Das, was du, Herr, erduldet, ist alle meine Last. Ich habe das verschuldet, was du getragen hast. Schau' her! hier steh' ich Armer, der Zorn verdienet hat; von dir, o mein Erbarmer, erfleh' ich Trost und Rath. 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an! Wie viel, Quell aller Güter, hast du für mich gethan! daß ich des Himmels Gaben, schon hier Vom Leiden und Tode Jesu. 161 zum süßen Trost, dort völlig möchte haben, wenn du mich nicht verstoß'st. 6. Ich will hier bei dir stehn; du, Herr, verwirfst mich nicht! von dir will ich nicht gehen, wenn Herz und Auge bricht; wenn du nun wirst erblassen, dein Geist, von Banden los, entfliehn, will ich dich fassen in meinen Urm und Schoß. 7. Es hat mir ew'ge Freuden, Vergebung, Beffungskraft und Trost in Tod und Leiden dein Kreuzestod verschafft. Ach, möcht' ich einst mein Leben, von diesem Segen hier durch dich beglückt, aufgeben, wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, o du mein größter Freund, für deine Todesschmerzen; wie gut hast du's gemeint! Ach gieb, daß ich mich halte zu dir mit aller Treu' und, bis ich einst erkalte, ganz nur der Deine sey. 9. Wenn ich dann einst soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbångsten wird um das Herze seyn, so reiß' mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein. 10. Erscheine mir zum Schilde in meiner Todesnoth, und zeig' dich mir im Bilde in deinem Kreuzestod. Da will ich mit Entzücken, da will ich glaubensvoll nach dir, mein Heiland, blicken. Wer so stirbt, der stirbt wohl! Die letzten Worte des sterbenden Erlösers. Mel. Christus, der uns selig 2c. 168. Laß mir alle Wochen seyn, Jesu, stille Wochen, daß ich oft denk' deiner Pein, deß, was du gesprochen an dem Kreuze; laß mich es fruchtbarlich ewägen, daß ich dessen nie vergess', dazu schenk' mir Segen. 2. Herr, dein erstes Wort war das: Bater, vergieb ihnen, weil sie selbst nicht wissen, was sie an mir verdienen. Das spricht Gottes Sohn zu Gott? das für seine Feinde? Was wird er nicht in der Noth thun für seine Freunde! Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 11 Vom Leiden und Tode Jesu. 3. D'rauf der Schächer hört, der dir seinen Glauben wiese: wahrlich, du wirst heut' mit mir seyn im Paradiese. Gieb, wenn ich nun nichts mehr kann in des Todes Schmerzen, daß ich diese Wort' alsdann hör' in meinem Herzen. 4. Weib, sagst du zur Mutter, sieh' deinen Sohn hier stehen; zum Johannes: du kannst hier deine Mutter sehen. Auch dies dritte Wort macht froh, und läßt Troft erscheinen, wenn ich denk', du wirst auch so sorgen für die Meinen. 162 5. Viertens muß bei aller Noth auch der Durst dich plagen, da man dich, o Mensch und Gott, hört: mich dürftet! klagen. Laß mich Armen doch in mir statt der vorgen Sünden, Lebensquelle, stets nach dir heil gen Durst empfinden. 6. Fünftens riefft du, als die Last zunahm ohne Maßen: mein Gott, mein Gott! warum hast du mich so verlaffen? Daß ich nie verlassen blieb, wurdest du ver lassen; o! der unerhörten Lieb'! Wer kann dieses fassen! 7. Sechstens, als du nun mit Macht so weit durchge= brochen, hast du auch» es ist vollbracht!« uns zum Trost gesprochen; denn durch dich ist ganz und gar Gottes Zorn gestillet, weil, was zu vollbringen war, du für uns erfüllet. 8. Endlich schriest du laut am End': Bater, ich befehle meinen Geist in deine Hånd'! damit schied die Seele. Wenn mir auch der Tod zusetzt und mein Herz will brechen, o laß mich dies Wort zuletzt denken, wo nicht sprechen. 9. Jesu, Tilger aller Noth! bitt' für mich, den Deinen; gieb des Schachers Trost im Tod; sorg' aud) für die Meinen; laß mich nie aus deiner Acht, still' den Durst der Seele, daß ich, wenn mein Lauf vollbracht, dir den Geist befehle. Mel. König, deffen Majestät sc. 169. Begleite mich nach Golgatha, o Chrift, auf dessen Höhen die Welt die höchste Liebe sah, sah, was fie nie gesehen! komm', denke jenen Worten nach, die Vom Leiden und Tode Jesu. 163 sterbend dein Erldser sprach. Sie können dir im Leben und, betest du Gott gläubig an, einst, wenn dich nichts mehr trösten kann, noch Trost im Tode geben. 2. Hör ihn bei seinem größten Schmerz für seine Feinde beten, und sieh' sein sanftmuthvolles Herz noch sterbend sie vertreten!» vergieb, vergieb!« ruft er Gott an, » fie wissen nicht, was sie gethan!« Muß, Mensch, dich dies nicht rühren? Auf! ahme seinem Beispiel nach: laß nie Beleidigung und Schmach zur Rache dich verführen! 3. Dein zärtlich Herz, o Herr, empfahl aus kindlich frommen Triebe die Mutter, unter Schmerz und Qual, dem Jünger deiner Liebe. Ach, wenn auch einst mein Auge weint, einst sterbend um die Meinen weint, dann soll dies Wort mich trösten. Du wirst auch ihnen Trost verleihn, ihr Beistand, Helfer, Pfleger seyn, auch sie sind dein' Erlösten. 4. Wer glaubt, der kommt nicht ins Gericht. O, reuige Verbrecher! hört, was der Mund der Liebe spricht zu dem gebeugten Schächer:» du wirst noch heut' mit mir dich freun, mit mir im Paradiese seyn!« so ruft er ihm entgegen. Herr, dies gnadenreiche Wort schenk' mir einst an des Todes Pfort' Erquickung, Muth und Segen. 5. Als Jesus an dem Kreuze rief:» Gott! hast du mich verlassen?«< wie beugt ihn da sein Schmerz so tief! wer kann die Leiden faffen, die er für unsre Sünden trug, da er, unschuldig, als ein Fluch verlassen da gehangen! Mein Herr und Gott, verlaß mich nicht! du bist auch mir zur Zuversicht in deinen Tod gegangen. 6. Von Allem, was erquickt, entblößt, wünscht er, der Herr der Erde, daß ihm, der uns so theu'r erlöst, sein Durst gestillet werde. O Mensch! noch jetzt ruft er zu dir aus tausend Armen neben dir, die Noth und Mangel drücket. O selig, wer den Ruf erfüllt! denn, wer den Durst des Urmen stillt, hat Jesum selbst erquicket. 17. Der Heiland spricht:» Es ist vollbracht!<< Nun endet sich sein Leiden. Es nimmt dem Tode seine Macht 11* 164 Vom Leiden und Tode Jesu. dies Wort des Siegs, der Freuden! Heil uns! wer klagt uns nun noch an, da er für uns genug gethan? wer kann von Gott uns scheiden? Gieb, daß an meinem Sterbetag auch ich mit Freuden sagen mag: vollbracht ist nun mein Leiden! 442 8. Das letzte Wort aus deinem Mund laß mir zum Trost gedeihen; mir noch in meiner Todesstund', Herr, Muth und Kraft verleihen. Du rufeft:» Vater ich befehl' in deine Hände meine Seel'!« Laß mich auch nicht verderben, der du den Menschen Heil erwarbst; du neigtest sanft dein Haupt und starbst; ach! laß mich auch so sterben! opis Sürbitte Jesu für seine Seinde. nu Mel. Herzlich lieb hab' ich dich zc. 170. Von Menschenliebe ganz beseelt, flehst du, mein Heil, am Kreuz gequält, für freche Sünderrotten. Dir blutet das bedrängte Herz, da dich bei deinem großen Schmerz die Frevler noch verspotten. Du siehst, o Herr, mit sanftem Blick von ihnen weg, auf den zurück, den diese Schaar in dir entehrt; rufft, daß es Erd' und Himmel hört: vergieb, o Gott, und führe nicht sie ins Gericht; das, was sie thun, verstehn sie nicht. 12. Erstaunend seh' ich diese Huld! wie mitleidsvoll ist die Geduld, womit er Mörder tråget! Thr, die ihr euren Heiland ehrt, fühlt seiner Großmuth hohen Werth und danket ihm beweget. Er hat durch segnendes Gebet auch uns ein ewig Heil erfleht; er sagt auch uns zu un= frer Ruh' Erbarmen und Vergebung zu. Herr Jesu Christ! gelobst feyst du für deinen Tod! Gott ist durch dich noch unser Gott! 3. Daß Gott mit Langmuth und Geduld auch selbst bei sehr gehäufter Schuld der Sünder dennoch schonet; daß er so liebreich ihrer denkt und ihnen Frist zur Buße schenkt, eh' nach Verdienst er lohnet; daß ich noch fröhlich sagen kann: auch mich, mich Sünder, nimmt Gott an, hast du durch deiner Fürsprachy' Kraft, mein treuer Heiland, mir Vom Leiden und Tode Jesu. 165 verschafft. O Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! vertritt du mich bis in den Tod. 4. Wird je mein Herz vom Troste leer, weil meiner Sünden furchtbar Herr aufs neue mich erschrecket, o dann versich're mich aufs neu': du stehest mir als Mittler bei, der meine Schuld bedecket. Mein Geift blickt glaubensvoll auf dich, sey du mir nur nicht fürchterlich; und schließt sich meine Pilgrimschaft, so stårke mich mit neuer Kraft. Herr Jesu Christ! der letzte Kampf werd' mir versüßt, wenn du mein Trost im Tode bist. 5. Den sanften liebevollen Sinn, daß ich ein Freund der Feinde bin, flöß', Herr, in meine Seele! Gieb, daß bei der Verfolgung Schmerz ich dir des Feindes hartes Herz und meine Sach' empfehle. Besänftige mein reges Blut; und flammt des 3ornes wilde Gluth mein Herz zur Nachbegierde an, o so erinn're mich daran, Herr Jesu Christ, wie du am Kreuz durch dein Gebet selbst deinen Mördern Gnad' erfleht. 6. Mich tröste dein Versöhnungstod! es bilde mich dein Geist, mein Gott, daß ich dir ähnlich werde! o zeuch mich, du erhöhter Held, zu dir hinauf vom Dienst der Welt, zum Himmel von der Erde. Du bist das Haupt, wir folgen dir; zeuch dir uns nach, so laufen wir, so wollen wir uns deiner Pein und deiner Fürsprach' ewig freun. Herr Jesu Christ! wie selig ist, wie selig ist der Mensch, dem du ein Heiland bist! Vom Tode Jesu. Mel. Wer nur den lieben Gott ic. 171. Es ist vollbracht! so ruft am Kreuze des sterbenden Erlösers Mund. O Wort voll Trost und Leben, reize zur Freude meines Herzens Grund! das große Opfer ist geschehn, das Gott auch mir zum Heil ersehn. 2. Mein Jesus stirbt: die Felsen beben; der Sonne Schein verlieret sich; in Todte dringt ein neues Leben; 166 Vom Leiden und Tode Jesu. der Heil'gen Gråber öffnen sich; der Vorhang reißt; die Erde kracht, und die Versöhnung ist vollbracht. 3. Wie viel, o Herr, hast du vollendet, als dir das Herz im Tode brach! du haft den Fluch hinweggewendet, der auf der Welt voll Sünden lag. Für uns hast du genug gethan, und Gott nimmt uns nun gnådig an. 4. Dankvolle Thränen, netzt die Wangen! mein Glaube sieht nun offenbar die Handschrift an dem Kreuze hangen, die wider meine Seele war. Er, den mir Gott zum Heil gemacht, rief auch für mich: es ist vollbracht! 5. Herr! laß mich nun auch vollbringen, was wahre Dankbarkeit begehrt. Laß nach der Heiligung mich ringen, dazu dein Tod mir Kraft gewährt. O stårke mich dazu mit Macht, bis meine Beff'rung ganz vollbracht. 6. Du litt'st so viel zu meinem Leben, drum laß mich stets voll Eifer seyn, mich deinem Dienste zu ergeben, und keine Schmach dabei zu scheun. Dein Dienst, mein Hei land, sey mein Ruhm; denn ich bin ganz dein Eigenthum. 7. Soll ich bei dir ergebnem Herzen auch hier durch manche Trubsal gehn, und hat mein Gott gehäufte Schmerzen zu meiner Prüfung auserfehn: so laß auch mich der Trost erfreun, es kommt das Ende meiner Pein. 8. Ja, fühlt mein Herz des Todes Schrecken, so stärke mich in solcher Noth, laß mich den Trost auch sterbend schmecken, daß du besieget haft den Tod. So sterb' ich auch durch deine Macht mit dem Triumph: Es ist vollbracht! Auf das Begräbniß Jesu. Mel. O Traurigkeit zc. 172. Am Kreuz erblaßt, der Marterlaft und Todesqualen můde, findet mein Erlöser erst in dem Grabe Friede. 2. Ullmächtig rief er, der entschlief, den Todten; sie erstanden; so zerreißt er mächtig auch seines Todes Banden. 3. Ich werde einst, bis du erscheinst, im stillen Grab auch liegen. Doch, o Herr, dein Grab hilft mir auch mein Grab besiegen. Vom Leiden und Tode Jesu. 167 4. Ich weiß, du wirst, mein Lebensfürst, wie dich, auch mich erwecken. Sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 5. Nein! nichts verdirbt, selbst das, was stirbt; der Leib wird auferstehen und, zum Himmelsglanz verklärt, aus dem Grabe gehen. 6. So sink ins Grab, mein Leib, hinab, ich will mich drum nicht krånken; nein! ich will, Herr, mir zum Trost an dein Grab gedenken. Vom Zweck und Gebrauch der Leiden und des Todes Jesu. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 173. Laß deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, dein göttlich Kreuz durch Tugend so zu ehren, daß ich getreu in dem Beruf der Liebe mich christlich übe. 2. Nur Gutes thun und jede Sünde meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich) zu= gleich das Bèse mir erlauben und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für mich dahin gegeben, wie könnt' ich noch nach meinem Willen leben, und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre? 4. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, wenn Noth mich trifft, gelaff'nes Herzens werden, da du so viel für uns, die wir's verschuldet, liebreich erduldet? 5. Für welche du dein Leben selbst gelassen, wie könnt' ich sie, sie, meine Brüder, hassen? und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten? 6. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten; wenn man mich schilt, nicht råchend wieder schelten. Du, Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schalt'st ja nicht wieder. 7. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dies ist der Dank für deines Kreuzes Schmerzen. Und Gott giebt uns die Kraft in deinem Namen, dir nachzuahmen. Vom Leiden und Tode Jesu. 8. Dhöchstes Glück! du littest uns zu gute. Idy bin versöhnt mit deinem theuren Blute. Du hast mir Gnad', da du für mich gestorben, vor Gott erworben. 9. So bin ich denn schon selig hier durch Glauben? So wird mir nichts, nichts jene Krone rauben? So werd' ich dort, von Herrlichkeit umgeben, einst ewig leben? 10. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, im Glauben kämpf, im Glauben wach' und bete: so ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, als Jesus lebet! 11. Lockt böse Luft mein Herz mit ihrem Reize: so schrecke mich die Lehre von dem Kreuze, und laß ich nach, zu üben gute Werke, sey sie mir Stärke. 12. Seh' ich dein Kreuz den Klüglingen der Erden ein Ärgerniß und eine Thorheit werden: so sey's doch mir trot alles frechen Spottes die Weisheit Gottes. 168 13. Ach, eile nicht, sie nach Verdienst zu strafen! erbarme dich, wenn von den Sündensclaven selbst Einer, welcher dich, o Herr, geschmähet, um Gnade flehet. 14. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden krånken: so laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken; dein Opfertod sey, wenn den Tod ich leide, mir Ruh' und Freude. 174. Wenn mich die Sünden frånken, mein Heiland, Jesu Christ! so laß mich wohl bedenken, wie du gestorben bist, und wie du meiner Sünden Last aus göttlichem Erbarmen auf dich genommen hast. 2. O Liebe ohne Maßen! für's sündliche Geschlecht hast du dich martern lassen, du, Herr, für deinen Knecht! Herr Jesu, du mein Herr und Gott, hast dich får uns Verbrecher gegeben in den Tod. 3. Was kann die Schuld nun schaden, wie groß sie immer fey! bei Gott bin ich in Gnaden und aller Strafen frei; sie sind getilgt durch Christi Blut und ich darf nicht mehr fürchten der Hölle Qual und Gluth. 4. Drum sag' ich dir von Herzen jetzt und mein Lebenlang für deine Pein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Vom Leiden nud Tode Jesu. Dank, für deine Noth und Angstgeschrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb, und Treu'. 169 5. Herr, laß dein bitt'res Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier; laß nie mir kommen aus dem Sinn, wie viel es dir gekostet, daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, es sey auchSchmach und Spott, hilf mir geduldig tragen! Ja gieb, mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt, und folge dem Erempel, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an Andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben; gern dienen Jedermann ohn' Eigennuß und Heuchlerschein, wie du mir Guts erwiesen, aus reiner Lieb' allein. 8. Laß dabei deine Wunden mich trösten, wenn auch ich in meinen letzten Stunden mich ganz verlass' auf dich. Denn, wenn auf dein Verdienst ich trau', so wirst du mich annehmen, daß ich dich ewig schau'! 175. Sesu, deine heil'gen Wunden, deinen martervollen Tod laß mir geben alle Stunden Kraft zur Tugend, Trost in Noth. Wenn mir fällt was Arges ein, laß mich denken deiner Pein! laß mich deine Angst und Schmerzen alsdann nehmen wohl zu Herzen. 2. Reizt mich zu der Wollust Freuden mein verderbtes Fleisch und Blut, laß den Anblick deiner Leiden dåmpfen meiner Lüfte Gluth. Drohet der Versucher mir, so stell mir dein Vorbild für; laß mich dir im Kampfe gleichen, standhaft bleiben und nicht weichen. 3. Will mich diese Welt verführen und auf ihre Seite ziehn, so laß mich durch dein Regieren ihren Reizen bald entfliehn. Laß der Leiden schwere Last, die du, Herr, getragen hast, immer stärker mich antreiben, treu in deinem Dienst zu bleiben. 170 Vom Leiden und Tode Jesu. 4. Laß mich Alles, was mich krånket, überwinden durch die Kraft, die dem, der es recht bedenket, dein unschuldig Leiden schafft. Ruhe, Muth und Freudigkeit schenk mir bis zur Ewigkeit, die du mir, o Herr, erwor ben, da du bist für mich gestorben. 5. Laß auf deinen Tod mich trauen, Jesus, meine Zuversicht! er nimmt weg des Todes Grauen und befreiet vom Gericht. In der Todesangst laß mich dies erquicken, daß durch dich mir die Hoffnung fen gegeben, einzugehn ins beffre Leben! 6. Jesu, deine heil'gen Wunden, deinen matervollen Tod laß mir geben alle Stunden Kraft zur Tugend, Trost in Noth; sonderlich am letzten End' hilf, daß ich mich zu dir wend', Trost in deinen Wunden finde und dann fröhlich überwinde! Mel. Ach Gott vom Himmel zc. 176. Herr Jesu, deine Angst und Pein, dein so ge häuftes Leiden laß mir allzeit vor Augen seyn, die Sünde zu vermeiden; laß mich an deine große Noth, an deinen martervollen Tod beim Sündenreiz gedenken. 2. Laß deiner Seelen bange Qual, die tief geschlag nen Wunden, die Angst und Schmerzen allzumal, die du für mich empfunden, bei böser Luft mir fallen ein und eine starke Warnung seyn vor weitern Missethaten. 3. Laß bei den Wunden, die du haft für mich dir laffen schlagen, laß durch des Kreuzes schwere Last, die du für mich getragen, mich von der Strafe zu befrein, mir alle Schuld vergeben seyn, und Gnad' für Recht ergehen! 4. Denn du verließest deinen Thron, bist in den Tod gegangen; du littest Schläge, Schmach und Hohn, wurd'st an das Kreuz gehangen. Was war dabei des Höchsten Rath? daß wir von unsrer Missethat Erlösung finden möchten. 5. Darum soll meine Dankbarkeit dir hier schon stets lobsingen, und wenn du mich nach dieser Zeit wirst Vom Leiden und Tode Jesu. 171 näher zu dir bringen, so will ich da, Herr, noch vielmehr mit den Erlösten deine Ehr' erheben und dich loben. 6. Herr Jesu, deine Angst und Pein und dein unschuldig Leiden laß mir einst Kraft und Leben seyn, wenn ich von hier werd' scheiden. Ach, hilf, daß ich durch deinen Tod besiege meine letzte Noth und selig sterbe! Amen! Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 177. Was für Leiden, Ungst und Plagen, Jeſu, was für große Noth hast du doch für mich getragen hier im Staube bis zum Tod! O wie bitter war der Schmerz, den dein mitleidsvolles Herz für uns Sünder hat erduldet, die wir Gott so tief verschuldet! 2. Welchen Dank soll ich erweisen dir für diese große Huld? wie dich würdig dafür preisen, daß du dich für meine Schuld willig aufgeopfert hast, meiner Sünden schwere Last gern getragen, tief empfunden, bis du endlich überwunden? 3. Ach! gieb, daß ich werde innen, was der Sold der Sünder sey! lenke dadurch Herz und Sinnen zu rechtschaffner Buß' und Treu'. Sünde rächt und strafet Gott an dem Mittler mit dem Tod; laß mich solches wohl betrachten, Sünden nicht geringe achten. 4. Laß mich nur am Fleische leiden und zu fünd'gen hören auf; laß mich alles Bose meiden, fliehn der Übertreter Lauf, meine dir geweihte Brust reinigen von böser Lust, daß du möchtest in mir leben und ich dir sey ganz ergeben! 5. Theuer hast du mich erworben und erkaufet durch dein Blut; du bist mir zu gut gestorben, was man kaum für Freunde thut; du, unschuldig und gerecht, hast, um mich, der Sünde Knecht, zu erlöfen, selbst dein Leben in den Tod dahin gegeben. 6. Nun, so will ich nicht verschweigen deiner großen Thaten Ruhm, es mit Mund und That bezeugen, daß ich dir zum Eigenthum mich ergeben ganz und gar. Gieb, 172 Vom Leiden und Tode Jesu. daß es auch werde wahr, daß ich möge, dir ganz eigen, mit der That mich dankbar zeigen. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 178. Sen hochgepriesen, Herr, für deine Liebe! sie drang dich zu dem mitleidsvollen Triebe, für eine Welt voll Sünden selbst dein Leben dahin zu geben. 2. Fürwahr, du trugest unsrer Sünden Schmerzen. Wo ist ein Herz gleich deinem edlen Herzen? Du ließest unsre Schuld an dir bestrafen, uns Heil zu schaffen. 3. Laß dieses Heils auch mich theilhaftig werden! was hab' ich sonst für sichern Trost auf Erden? was giebt mir sonst wohl wahren Grund zur Freude, wenn ich einst scheide? 4. Für mich, o Herr, bist du ja auch gestorben. Was du der Welt durch deinen Sohn erworben, das hast du ja, von großer Treu' geleitet, auch mir bereitet. 5. O stårke selbst mein Herz in diesem Glauben; kein banger Zweifel müsse ihn mir rauben! er müsse mich zum Fleiß in guten Werken beständig stårken. 6. Sollt' ich mich nun noch frevelhaft erkühnen, der Sünde, die dich tödtete, zu dienen? fo wår' ich ja, o Herr, nicht dein Erlöster, du nicht mein Tröster. 7. Nein, die allein, der du durch deine Wunden auf ewig mich zu deinem Dienst verbunden, nur dir, mein Heiland, sey mein ganzes Leben zum Dienst ergeben. 8. Nichts soll mich je von deiner Liebe scheiden. Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden, wo deine Liebe mit verklärten Zungen stets wird befungen. 179. Lamm Gottes! unschuidig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit gefunden geduldig, wiewohl du wurdest verachtet. All' Sund' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarm' dich unser, o Jesu! 2. D Lamm Gottes! unschuldig 2c. Erbarm' dich unser, o Jesu! Vom Leiden und Tode Jesu. 173 3. O Lamm Gottes! unschuldig zc. Gieb uns dein'n Frieden, o Jesu! Mel. Christus, der uns selig zc. 180. Mein Erlöfer, Gottes Sohn, der du für mich littest und auch auf der Himmel Thron jetzt noch für mich bittest, welche Wohlthat ist für mich dein verföhnend Leiden! O wie preif' ich würdig dich, Ursprung meiner Freuden! 2. Unbegrenzte Seligkeit war dir, Herr, gegeben, und du konntest ohne Leid froh und glücklich leben. Aber, o der großen Huld, daß ich selig würde, übernahmst du in Geduld harter Leiden Bürde. 3. Nun kann jede Missethat noch Vergebung finden; denn du stärbst nach Gottes Rath für die größten Sünden. Unfre Strafe trugest du, uns, Herr, zu erretten, daß wir im Gewissen Rub', mit Gott Friede hätten. 4. Was uns Muth zur Bessrung schafft, was zur Tugend leitet, dazu hast du neue Kraft durch dein Kreuz bereitet. Nicht vergebens darf ich nun mich um Kraft bewerben, Gottes Willen noch zu thun, Sünden abzusterben. 5. Nun kann ich selbst meinen Tod freudig kommen sehen, und zu dir, du heil'ger Gott, ohne Schrecken gehen. Du, Herr, hast aus aller Noth Rettung mir errungen, und die Angst vor unserm Tod durch dein Kreuz bezwungen. 6. Herr, was bin ich, daß du mein dich so angenommen? Laß die Frucht von deiner Pein mir zu statten kommen! gieb mir Weisheit, gieb mir Kraft, du hast sie in Händen, was du mir zum Heil verschafft, glaubig anzuwenden. 7. Laß das Wort von deinem Kreuz mich mit Muth beleben, siegreich jedem Sündenreiz hier zu widerstreben. Treib' mich mächtig dadurch an, mich vor Gott zu scheuen; was ich unrecht je gethan, innig zu bereuen. 8. Drückt mich meine Sündennoth, straft mich mein Gewissen, o dann laß aus deinem Tod mich den Trost genießen, daß du auch für meine Schuld büßend bist gestorben, und Vergebung, Gnad' und Huld mir bei Gott erworben. Vom Leiden und Tode Jesu. 9. Stårke mich durch deinen Tod auf die letzten Stunden. Wie durch deine Todesnoth siegreich überwunden: o so hilf dazu auch mir. Laß mich fröhlich scheiden! Herr, so dank' ich ewig dir für dein bittres Leiden. 174 Mel. Herzlich thut mich verlangen ze. 181. Zag, der den Überwinder des Todes sterben sah, getödtet für uns Sünder am Kreuz auf Golgatha! wie zurnend auf die Sünde zeigst du den Richter mir; doch auch der Liebe Gründe eröffnet Gott an dir! 2. Gott ist ein ernster Råcher, ist heilig, ist gerecht. Vor ihm schützt die Verbrecher kein Ansehn, kein Geschlecht. Vom Himmel, da er wohnet, kommt er einst zum Gericht, verurtheilt und verschonet verstockte Sünder nicht. 3. Der seinen Sohn, den Bürgen, für uns verwunden ließ, der seinen Sohn erwürgen, am Kreuz erwürgen ließ, wird der nun einem Knechte, der böse bleibt, verzeihn? könnt' er so, der Gerechte, der ernste Richter seyn? 4. Doch soll der Sünder leben; erbarmungsvoller Gott! du kannst, du willst vergeben durch deines Sohnes Tod. Wenn wir die Sünde hassen und gläubig zu ihm fliehn, willst du die Schuld erlassen und gnädig seyn durch ihn. 5. O wundervolle Güte, wie wirst du g'nug verehrt, wie fasset mein Gemüthe ganz dieser Wohlthat Werth! Laß meines Herzens Triebe von dir geheiligt seyn, mich ewig deiner Liebe in deinem Sohn zu freun! 6. Wenn noch die Luft zu Sünden mich zu verfüh ren droht, lehr' mich sie überwinden durch Jesu Christi Tod! lehr mich die Sünde meiden, weil er gestorben ist. Mir predige sein Leiden, Gott, wie gerecht du bist! 7. Und deine Lieb' erfülle mein Herz mit Dank barkeit; Gehorsam sey mein Wille, mein Thun Recht schaffenheit; fromm lehr' mich seyn mit Freuden, weil er gestorben ist; mir predige sein Leiden, wie gütig, Gott, du bist! Von der Auferstehung Jesu. Mel. Jesus, meines Lebens Leben 2c. 182. Nun ich danke dir von Herzen für die ausgestand'ne Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben Kreuzestod, für dein Zittern, für dein Zagen, für so unerhörte Plagen. Herr! für alle deine Pein will ich ewig dankbar seyn! 175 Von der Auferstehung Jesu. Mel. Jesus, meine Zuversicht zc. 183. Freue dich! des Herren Tag hat die Nacht der Furcht vertrieben. Christus, der im Grabe lag, ist im Tode nicht geblieben. O wie hoch sind wir getröst't! Jesus hat die Welt erlöst. 2. Er ist Gottes ew'ger Sohn; ewig sey er auch gepriesen! Seiner Feinde Schaar zum Hohn hat er sichtbar es bewiesen. Er erfüllte durch die That, was er prophezeihet hat. 3. Unsre Schulden sind zwar groß, doch wir dürfen nicht verzagen; Gott läßt unsern Bürgen los, der sie büßend hat getragen. Jesus ist mit Preis gekrönt, und wir sind mit Gott versöhnt. 4. Sterben war der Sünden Sold; nun ist Christus unser Leben, der für unsre Schuld nicht Gold, nein, sich selber hingegeben. Er hat aus des Grabes Nacht neues Leben mitgebracht. 5. Tod, wo ist nun deine Kraft? Grab, wo sind nun deine Ketten? Hier ist Gott, der Hülfe schafft. Hier ist Jesus, der kann retten, wenn gleich unser Fleisch und Bein wird in Staub verwandelt seyn. 6. Herr, dies glaub' ich dir zum Ruhm, und mein Trost ist nicht vergebens; denn ich bin dein Eigenthum, du der Schöpfer meines Lebens. Hocherfreuet sing' ich dir jetzt und ewig Dank dafür. 176 Von der Auferstehung Jesu. 184. Christ ist erstanden von der Marter allen; deß follen wir Alle froh seyn, Christ will unser Trost seyn. Kyrie eleison! 2. Wår' er nicht erstanden, so wär' die Welt vergangen. Seit daß er erstanden ist, so lob'n wir den Herrn Jefum Christ. Kyrie, eleison! 3. Halleluja! Halleluja! Halleluja! deß sollen wir Alle froh seyn, Christ will unser Trost seyn. Kyrie, eleison! 185. Christ lag in Todesbanden, für unsre Sünd' gegeben, der ist wieder erstanden, und hat uns bracht das Leben; deß wir sollen fröhlich seyn, Gott loben und dankbar seyn, und singen Halleluja! Halleluja! 2. Den Tod Niemand zwingen kunt bei allen Menschenkindern; das macht alles unsre Sünd', kein' Unschuld war zu finden: davon kam der Tod so bald, und nahm über uns Gewalt, hielt uns in seinem Reich gefangen. Halleluja! 3. Jesus Christus, Gottes Sohn, an unsrer statt ist kommen, und hat die Sünde abgethan, damit dem Tod genommen all' sein Recht und sein' Gewalt, da bleibet nichts, denn Todesgestalt, den Stach'l hat er verloren. Halleluja! 4. Es war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben rungen; das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod verschlungen. Die Schrift hat verkündigt das, wie ein Tod den andern fraß; ein Spott aus d'm Tod ist worden. Halleluja! 5. Hier ist das rechte Osterlamm, davon Gott hat geboten, das ist an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb' gebraten; deß Blut bezeichnet unsre Thür, das hält der Glaub' dem Tode für, der Würg'r kann uns nicht rühren. Halleluja! 6. So feiern wir das hohe Fest mit Herzensfreud' und Wonne, das uns der Herr erscheinen läßt; Er ist Auf Ostern. 177 selber die Sonne, der durch seiner Gnaden Glanz erleuchtet unsre Herzen ganz, der Sünd'n Nacht ist vergangen. Halleluja! 7. Wir effen und leben wohl in rechten Osterfladen; der alte Sauerteig nicht soll seyn bei dem Wort der Gnaden; Christus will die Koste seyn, und speisen die Seel' allein, der Glaub' will keines andern leben. Halleluja! Mel. Sey Lob und Ehr' dem 2c. 186. Wach' auf, mein Herz! die Nacht ist hin, die Sonn' ist aufgegangen. Ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu empfangen, der heute durch des Todes Thür gebrochen aus dem Grab herfür, der ganzen Welt zur Bonne. 2. Steh' aus dem Grab der Sünden auf, und such ein neues Leben! beschleunige zum Sieg den Lauf, und laß dein Herz sich heben gen Himmel, wo dein Heiland ist! Such' das, was droben, als ein Christ, der geistlich auferstanden. 3. Vergiß nun, was auf Erden ist, und tracht nach dem, was droben. Zu deinem Mittler, Jesu Chrift, fey stets dein Herz- erhoben; hinauf zu jener besten Welt, die ewig bleibt, wenn diese fällt, wo du wirst Jesum schauen. 4. Drückt dich noch mancher Sorgenstein, dein Heiland wird ihn heben, wird dir mit Hülfe nahe seyn, Rath, Trost und Ruhe geben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn, und sorge nicht, er ist nicht fern, weil er ist auferstanden. 5. Geh' aus und tritt im Geiste hin zu des Erldsers Grabe; schau' auf die Stätte, wo man ihn zur Ruh' geleget habe, so wirst du sehn, daß Jesus Christ vom Tode auferstanden ist und nicht im Grab zu finden. 6. Der für uns an des Kreuzes Stamm erhöht war und gebunden, für uns hinab zum Grabe kam, er hat nun überwunden; hat Leben und Gerechtigkeit erworben, und im harten Streit den Sieg davon getragen. Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 12 178 Von der Auferstehung Jesu. 7. Drum sey nun muthig, wach' und streit! da Je= fus überwunden, wirst du auch überwinden weit durch ihn, weil er gebunden der Feinde Macht, daß du aufstehst und in ein neues Leben gehst, und Gott im Glauben dienest. 8. Laß dich nicht Sünde, Welt, noch Tod verzagt und muthlos machen. Er, Jesus, lebt, er hebt die Noth, er stårket selbst die Schwachen, stårkt seine Glieder in der Welt, ist Rath und Kraft und Sieg und Held; drum wirst du überwinden. 9. Herr, der du aus dem Tode bist zum Leben auf erstanden, befrei uns, Sieger, Jesus Christ, von Sünd' und Todesbanden, daß wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns hast erworben. 10. Sey hochgelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern, und ewig in der Herrlichkeit von allen überwindern, die überwunden durch dein Blut. Gieb uns, o Jesu, Kraft und Muth, daß wir auch überwinden. Mel. Erschienen ist der zc. 187. Lebt Chriftus, was bin ich betrübt? ich weiß, wie herzlich er mich liebt. Und stürb' auch alle Welt mir ab, g'nug, daß ich seine Freundschaft hab. Halleluja! 2. Er nåhrt, er schützt, er tröstet mich; sterb' ich, so nimmt er mich zu sich; wo er jetzt lebt, da komm' ich hin, weil seines Leibes Glied ich bin. Halleluja! 3. Durch seiner Auferstehung Kraft vollend' ich meis ne Pilgerschaft. Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, durch ihn mit Gnad' und Heil gekrönt. Halleluja! 4. Mein Herz, sey muthig, freue dich! Gott und mein Heiland liebet mich. Die Freude, die mir ist be reit't, besieget alle Traurigkeit. Halleluja! 5. Für diesen Trost, fiegreicher Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir auf bess're Weis erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja! Auf Ostern. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 188. Freiwillig hast du dargebracht für uns, o Herr, dein Leben. Du hattest es zu lassen Macht; Macht, wieder dir's zu geben. Und darum liebte dich dein Gott, weil du, gehorsam bis zum Tod, dich haft für uns erniedrigt. 179 2. Du warst nur eine kleine Zeit von deinem Gott verlassen, er krönte dich mit Herrlichkeit, die Sterbliche nicht fassen. Dein Kreuz, daran man dich erhöht, verwandelt sich in Majeståt, denn du gingst aus dem Grabe. 3. Gehaßt in deiner Niedrigkeit, warst du das Ziel des Spottes, und zeigtest doch zu gleicher Zeit an dir die Hoheit Gottes. Dein Kreuz schien zwar der Welt ein Graul; doch sterben für der Feinde Heil, dies ist die höchste Tugend. 4. Dein Reich war nicht von dieser Welt, dein Ruhm nicht Menschenehre. An Demuth groß, an Lieb' ein Held und göttlich in der Lehre; geduldig und von Sünden rein, gehorsam bis zum Kreuze seyn, dies war, Herr, deine Größe. 5. Du starbst am Kreuz; doch war dir ja die Kraft des Herrn gegeben. Du schafftest, daß der Blinde sah'; du gabst den Todten Leben. Du sprachst-es schwiegen Wind und Meer,- und selbst der bösen Geister Heer gehorchte deiner Stimme. 6. Nun irren mich nicht Schmach und Spott, noch deines Kreuzes Schanden. Du bist mein Herr, du bist mein Gott; denn du bist auferstanden. Du bleibst mein Helfer immerfort, der Herr, durch dessen mächtig Wort auch ich einst ewig lebe. 7. Wir sind nun göttlichen Geschlechts, durch dich des Himmels Erben. Dies ist die Hoffnung deines Knechts; in dieser will ich sterben. Wie du vom Tod erstanden bist, so werd' auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. 12* Von der Auferstehung Jesu. Mel. Du Friedensfürst zc. 189. Wie lieblich ist dein Siegesgruß! welch Glück verspricht dein Mund, da du den großen Friedensschluß uns machst, o Jefu, kund. Weg ist die Noth, weg ist der Tod, du Lebens- Wiederbringer. 180 2. Nun ist des Höchsten Wort erfüllt; fey froh, mein ganzer Sinn! nun ist des Richters Zorn gestillt, nun ist die Furcht dahin. Mein Mittler hat an meiner Statt die ganze Schuld bezahlet. 3. Wie tröstlich ist der Friede mir, der über die Vernunft, den Jesus uns gebracht herfür bei seiner Wiederkunft. Wer freut sich nicht, wenn Jesus spricht: mit dir soll seyn der Friede! 4. Wenn nun des Richters Stimme schallt und in des Sünders Ohr fein Donner furchtbar wiederhallt, so schüt' ich Sesum vor und zage nicht. Mein Heiland spricht: mit dir soll seyn der Friede! 5. Wenn mich Welt und Versuchung plagt, setzt sie mir heftig zu, wird dann mein schwaches Herz verzagt, find' ich bei Jefu Ruh. Ich falle nicht, weil Jesus spricht: mit dir soll seyn der Friede! 6. Wenn mich sonst mancher Kummer drückt, wenn mich mein Freund verstößt, so werd' ich durch den Freund erquickt, der ihn und mich erlöst. Die Noth schreckt nicht, mein Heiland spricht: mit dir soll seyn mein Friede! 7. Wenn mich die Welt mit ihrer Macht lockt auf die Sündenbahn, wird doch ihr Wille nicht vollbracht, ich schaue Jesum an. Die Welt siegt nicht, weil Jesus spricht: dir laff' ich meinen Frieden! 8. Dringt endlich auch zu mir der Tod mit seinen Schrecken ein, so will auch in der Todesnoth mein Heiland bei mir seyn. Der Tod schreckt nicht; mein Hei land spricht: mit dir soll seyn mein Friede! 9. Dank dir, der Friede uns erstritt, für dies er hab'ne Gut! beglück auf ewig mich damit, so hab' ich Auf Ostern. 181 frohen Muth, und zage nicht, wenn Alles bricht; denn mir bleibt doch dein Friede! Mel. Sollt' ich meinem Gott 2c. 190. Herr, es sind recht edle Früchte, die dein großer Sieg verspricht, daß wir gehn vor dein Gerichte und das Urtheil scheuen nicht. Herr, dies sind die großen Gaben: Gnade, Leben, Freude, Sieg, Trost und Friede nach dem Krieg. O die können kräftig laben Leib und Seel' in allem Leid; freue dich, o Christenheit! 2. Herr, ich sehne mich und dürfte, wie ein müder Wandrer schmacht't, nach dem Frieden, Friedensfürste, den du durch dein Blut gemacht. Theil' nun aus die große Beute, die dein Arm errungen hat, der so große Thaten that. Gieb, daß dich mit Dank und Freude nach so wohl geführtem Streit rühme deine Christenheit. 3. Gieb uns, Herr, auch deine Gnade, geistlich mit dir aufzustehn; daß uns Sündenlust nicht schade, laß uns auf das Ew'ge sehn! laß durch dich auch unsre Herzen siegen über alle Noth, womit uns die Sünde droht; tilge in uns Pein und Schmerzen; schenke Glaubens- Freudigkeit uns und deiner Christenheit. 4. Meinen Leib wird man begraben, aber gleichwohl ewig nicht; Leben wird er wieder haben, wenn das letzte Weltgericht alle Gråber wird aufdecken. Wenn, durch deine Macht bewegt, aller Todten Staub sich regt, dann wirst du auch mich erwecken, dann schau' ich in Ewigkeit deines Himmels Herrlichkeit. 5. Dann so werden meine Glieder, die jetzt welken und verblühn, unverweslich leben wieder, eine Herrlichkeit anziehn, mit der alle Pracht der Erden gar nicht zu vergleichen ist. Sa, mein Leib, Herr Jesu Christ, soll dem deinen ähnlich werden, voller Pracht und Herrlichkeit; darum freu' dich, Christenheit! Von der Auferstehung Jesu. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 191. Ach! heilig, selig ist der Tag, zum herrlichsten erhöhet, da, der für uns im Grabe lag, hervor zum Leben gehet, da, der für uns getödtet war, sich nun als Sieger stellet dar, mit Preis von Gott gekrönet. 182 2. Er hatte sich für unsre Schuld als Bürge hingegeben, für uns aus unverdienter Huld gelassen selbst sein Leben. Da er nun durch des Grabes Thür zum neuen Leben geht herfür, so ist die Schuld bezahlet. 3. Ja! wäre nicht sein Lösegeld vollgültig angenommen, war nicht durch ihn versöhnt die Welt, so wår er nicht entkommen des Todes Raube und Gewalt, so hätte Gott ihn nicht so bald zum Leben auferwecket. 4. So hat er denn Gerechtigkeit wahrhaftig uns erworben, erworben Heil und Seligkeit, weil er für uns gestorben, und wieder auferstanden ist nach dreier Tage kurzer Frist, wie er zuvor gesaget. 5. Er lebet nun in Gottes Kraft, gekrönt mit Preis und Ehre, herrscht hocherhaben und verschafft den Sieg auch seiner Lehre; beut aller Welt nun dar sein Heil, und will dem, der ihm glaubet, Theil an seinem Segen schenken. 6. Mein Friede, spricht er, sey mit euch, den ich erworben habe! wie selig, wie so freudenreich ist diese seine Gabe! auf ewig schüßt, beglückt er nun, die treu hier seinen Willen thun. So herrlich lebt er wieder! 7. Ach! möchten wir auch auferstehn durch Abkehr von den Sünden, unsträflich seine Wege gehn, die Lüste überwinden: so lebten wir in Christo Gott, so würde uns der andre Tod mit seiner Macht nicht schaden. 8. So laßt uns denn mit Christo hier im Glauben also leben, daß in uns stets sein Geist regier'; und bleibt ihm ganz ergeben. Denn, wer so Christo lebt und stirbt, der wird, wenn gleich der Leib verdirbt, einst selig auf erstehen. Auf Ostern. 192. Sefus meine Zuversicht und mein Heiland ist im Leben! dieses weiß ich; sollt' ich nicht völlig mich zufrieden geben, wenn gleich sonst die Todesnacht mir noch manche Sorge macht? 183 2. Jesus, er mein Heiland, lebt; ich werd' auch das Leben schauen, seyn, wo mein Erlöser lebt; warum sollte mir denn grauen? Er, er lebt, das Haupt, und zieht mich auch zu sich als sein Glied. 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden, meines Glaubens starke Hand liegt so fest in seinen Wunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Dieser Leib ist Staub, daher wird er einst zu Staube werden; dies weiß ich! doch auch, daß er mich wird wecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit bei ihm sey in Ewigkeit. 5. Dann wird eben diese Haut den verklärten Leib umgeben, eben dieses Auge schaut den, der es verklårt zum Leben. Ja, in diesem Fleisch werd' ich Jesum sehen ewiglich. 6. Dort lern' ich im vollen Licht meinen Heiland näher kennen. D, wie wird mein Herz dann nicht ganz in Dank und Liebe brennen! o, wie froh ihn beten an, wenn die Schwachheit abgethan! 7. Was hier leidet, seufzt und fleht, wird sich dort errettet sehen. Irdisch werd' ich ausgeså't, himmlisch werd' ich auferstehen. Sink' ich hier ins Grab hinein, dort werd' ich unsterblich seyn. 8. Seyd getrost und freuet euch, freut euch, meines Leibes Glieder! welket ihr und sterbt ihr gleich, euch ruft Christi Stimme wieder, die durch alle Gråber dringt und den Todten Leben bringt. 9. Jauchzt denn, Christen! aus der Gruft werdet ihr euch einst erheben, und den Heiland, der euch ruft, sehn und mit ihm ewig leben! dann liegt Kummer und Verdruß weit, weit unter eurem Fuß! Von der Auferstehung Jesu. 10. Nur, daß ihr den Geist erhebt von den Lüften dieser Erden, und schon hier dem Jesu lebt, mit dem ihr vereint wollt werden: der muß sich der Tugend weihn, der dort ewig wünscht zu seyn. 184 Mel. Wie schön leucht't uns zc. 193. Anbetung, Preis und froher Dank dem, der des Todes Macht bezwang, und uns, den Staub, erhöhte. Der hohe Sieger überwand; Nacht war um ihn, und sie verschwand in helle Morgenröthe. Bebet, gebet, stolze Spotter, unserm Retter Preis und Ehre! glaubt an ihn und seine Lehre. 2. Heil uns und Sieg! das Grab ist leer! fest steht es, wie ein Fels im Meer, das Wort, das er gesprochen. O selig, wer sich ihm vertraut, er hat den Tempel neu gebaut, den blinde Wuth gebrochen. Hölle, fälle nun den Sieger; Gottes Krieger, der erstanden, macht nun deinen Stolz zu Schanden. 3. Leer ist die Gruft, die ihn umgab. Sey mir ge grüßt, mein fünftig Grab, du Wohnung ernster Stille! nur wenig Tage werden's seyn, dann, Grab, empfängst du mein Gebein in deiner Schatten Hülle. Freudig, selig werden wieder diese Glieder auferstehen, werden die Verklärung sehen. Mel. Vom Himmel hoch zc. 194. Erinn're dich, mein Geist, erfreut des frohen Tags der Herrlichkeit; halt im Gedächtniß Jefum Christ, der von dem Tod erstanden ist. 2. Fühl' alle Dankbarkeit für ihn, als ob er heute dir erschien, als språch' er: Friede sey mit dir! so freue dich, mein Geist, in mir. 3. Schau über dich und bet' ihn an auf seiner hohen Siegesbahn; er lebt und herrscht mit. Gott vereint, und ist dein König und dein Freund. Auf Ostern. 185 4. O Glaube, der das Herz erhöht! was ist der Erde Majestät, wenn sie mein Geist mit der vergleicht, die ich durch Gottes Sohn erreicht! 5. Vor seinem Thron, in seinem Reich, unsterblich, heilig, Engeln gleich, und ewig bei dir selig seyn: Herr, welche Herrlichkeit ist mein! 6. Mein Herz erliegt froh unter ihr; Lieb' und Verwund'rung kämpft in mir; und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, fall' ich, Gott, auf mein Angesicht. 7. Du, der du in den Himmeln thronst, ich soll da wohnen, wo du wohnst? und du erfüllst einst mein Vertraun, dich dort verklåret anzuschaun? 8. Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, mit Majestät einst kommen wirst, erweckt aus meinem Grabe gehn und einst zu deiner Rechten stehn? 9. 3u welchem Glück, zu welchem Ruhm erhebt uns nicht das Christenthum! mit dir gekreuzigt, Gottes Sohn, sind wir auch auferstanden schon. 10. Nie komm' es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil, dir schuldig bin, damit ich mich, in Liebe treu, zu deinem Bilde stets erneu'. 11. Er ist's, der Alles in uns schafft; sein ist das Reich, sein ist die Kraft; halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 195. Jesus lebt! mit ihm auch ich. Tod! wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Todten auferwecken. Er verklårt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht! 2. Jesus lebt! ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd' auch ich zugleich ewig herrfchen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht! 3. Jesus lebt! wer nun verzagt, låstert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder 186. Von der Auferstehung Jesu. sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht! 4. Jesus lebt, sein Heil ist mein! sein sey auch mein ganzes Leben! Reines Herzens will ich seyn und den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht! 5. Jesus lebt! ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er giebt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht! 6. Jesus lebt! nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird es meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Mel. Ermuntre dich, mein 2c. 196. Das Grab ist leer! des Höchsten Sohn verläßt die Todtengrüfte, und seiner Jünger Jubelton dringt freudig durch die Lüfte. Du, den der Engel Loblied preist, entreiße, Heiland, meinen Geist den Neigungen der Erde, daß er dir heilig werde. 2. Die Menschheit, Herr, erlaubt mir nicht, mit dir empor zu steigen, bis diese schwache Hütte bricht. Wird fich mein Haupt einst neigen, alsdann nimm nach voll brachtem Lauf auch mich in deinen Himmel auf; nimm, Herr, an meinem Ende den Geist in deine Hände. 3. Doch soll ich einst, o Gottessohn, in deinem Reich dich sehen, so muß ich auch auf Erden schon vom Tode auferstehen. Der lebt nicht, den die Lust der Welt und ihre Pracht gefesselt hålt. Nach Gott und Beff'rung streben, nur das heißt wirklich leben. 4. Du, auferstand'ner Menschenfreund! erweck' in mir die Triebe, durch die man sich mit dir vereint, den Glauben und die Liebe. Ich will, o Herr, dein eigen seyn; laß mich mit Ernst die Sünde scheun, und gieb felbst Muth und Kräfte zum Heiligungsgeschäfte. Auf Ostern. 187 5. So kann ich als ein wahrer Christ jetzt leben und einst sterben; und einmal da, wo du, Herr, bist, vollkommne Freude erben. Dahin, mein Heiland, hilf du mir, so bring' ich, ewig froh in dir, mit deiner frommen Menge dir Dank und Lobgesånge. Mel. Nun lob' mein' Seel' den 2c. 197. Froh führte Gottes Sonne den festlich hohen Tag herauf. Da stand er, meine Wonne, mein Herr und mein Versöhner, auf. Gedanke, der zu Freuden des Himmels mich erhebt! Gedanke, der im Leiden mit reichem Trost belebt! er stårkte deine Freunde, die vorher ångstlich flohn; beschämte deine Feinde und ihren frechen Hohn. 2. Herr, deine Boten siegen, von dir und deinem Geift gelehrt. Die Gößentempel liegen, der Erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, bin freudevoll ein Christ. Shn bet' ich an im Staube, ihn, der mein Netter ist. Ich werd' ihn ewig schauen, wenn er auch mich erhebt. Der Herr ist mein Vertrauen, er starb für mich und lebt. Mel. Christus lag in Todesbanden ze. 198. Bringt Preis und Ruhm dem Heiland dar, frohlockt ihm, alle Frommen. Er, der für uns getödtet war, ist aus der Gruft gekommen. Sen gelobt, Herr Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist und siegreich auferstanden. Halleluja! 2. Dein Leben in der Majestät befestigt unsern Glauben. Wer kann, da dich dein Gott erhöht, uns nun den Trostgrund rauben, daß du unser Heil vollbracht, und von des ew'gen Todes Macht uns Sünder haft erlöset. Halleluja! 3. Gott selbst, der dich dem Grab entrückt, hat dem, was du gelehret, der Wahrheit Siegel aufgedrückt, und dich als Sohn geehret. Deines Opfers hohen Werth hat er aufs herrlichste bewährt, da er dich auferwecket. Halleluja! Von der Auferstehung Jesu. 4. Erstand'ner! ich frohlocke dir, daß du nun ewig lebest. Du lebst und siegst, daß du auch mir das ew'ge Leben gebest; daß du mein Erretter seyft und neue Kräfte mir verleihst, mit Freuden Gott zu dienen. Halleluja! 5. Mein Herr, mein Gott! hilf mir dazu, befreie mich von Sünden, laß mich für meine Seele Ruh' im Frieden mit Gott finden. Pflanze deinen Sinn in mir, damit ich, Gott ergeben, hier als dein Erlöser wandle. Halleluja! 188 6. Dein ist das Reich; dein ist die Macht, Verstorbne zu erwecken. Du rufft einst, und der Gråber Nacht wird Todte nicht mehr decken. Wie du auferstanden bist, so werd' auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. Halleluja! 7. O laß mich, weil ich hier noch bin, im Glauben an dich wandeln, und jederzeit nach deinem Sinn rechtschaffen seyn und handeln, daß ich, wenn ich aufersteh' und dich, des Todes Sieger, seh', vcr dir dann nicht erschrecke. Halleluja! 8. Da, wo du bist, da soll auch einst dein Jünger mit dir leben. Du wirst ihn, wenn du nun erscheinst, zu deiner Freud' erheben. Laß dies auch mein Erbtheil seyn, so werd' ich ewig deß mich freun, daß du vom Tod erstanden! Halleluja! Mel. Allein Gott in der Höh' sey zc. 199. Halt im Gedächtniß Jefum Chrift, o Seele, der zur Erden von seinem Thron gekommen ist, ein Retter dir zu werden. Vergiß sein nicht! denn dir zu gut verband er sich mit Fleisch und Blut. Dank' ihm für diese Liebe! 2. Halt' im Gedächtniß Jesum Chrift, der für dich hat gelitten, am Kreuz für dich gestorben ist, das Leben dir erstritten. Errettung aus der Sündennoth erwarb er dir durch seinen Tod. Dank' ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Chrift, der von dem Tod erstanden und jetzt zur Rechten Gottes ist, er hat Auf Ostern. 189 von Todesbanden, die an ihn glauben, frei gemacht, und ew'ges Leben wiederbracht. Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt' im Gedächtniß Jesum Chrift, der hin zum Sig der Freuden siegprangend aufgefahren ist, die Ståtte zu bereiten, wo du einst seine Herrlichkeit und ihn wirst schau'n in Ewigkeit. Dank' ihm für diese Liebe! 5. Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der einst wird wiederkommen, zu richten, was auf Erden ist, die Sünder und die Frommen; und sorge, daß du dann bestehst, und mit ihm in sein Reich eingehst, dort ewig ihm zu danken! Mel. Alle Menschen müssen zc. 200. Jesus, die erlösten Sünder preisen dich, der sie erfreut, dich, du Todesüberwinder, dich, du Herr der Herrlichkeit! Du, der todt war, lebeft wieder, mit dir leben deine Glieder; uns, die Tod und Grab erschreck't, hat Gott mit dir auferweck't. 2. O mit welchen Gottesfreuden strahlst du aus der Grabes Nacht! ewig fern ist alles Leiden, ganz dein großes Werk vollbracht. Liebreich eilest du, den Deinen nun als Sieger zu erscheinen. Seht mich, Freunde, die ihr bebt! jauchzet! euer Jesus lebt! 3. Lebend, zu verschiednen Stunden, sahen sie dich dort und hier. Sie berührten deine Wunden, sprachen, aßen oft mit dir. Deinen Eroft und deine Lehren ließest du sie wieder hören; und sie, die dich lebend sahn, beteten dich freudig an. 4. Muthig wurden nun die Schwachen; durch dein Leben neu belebt, gingen sie nun aus und sprachen: der am Kreuz Erwürgte lebt! sprachen selbst bei Schmach und Banden: Jesus ist vom Tod erstanden, ist der Menschen Herr und Haupt; selig wird, wer an ihn glaubt! 5. Heil und Gnade beut nun Allen Gott in seinem Namen dar, allen Sündern, die gefallen; und was er verheißt, ist wahr. Alles, Alles wird geschehen; Himmel 190 Von Jesu Himmelfahrt werden eh' vergehn, eh' ein Wort von Jesu Christ nicht mehr wahr und göttlich ist. 6. Preis sey dir! der du das Leben und die Aufer: stehung bist. Laß uns Alle seyn ergeben dir, dem Retter, Jesu Christ! mach' uns frei von Straf' und Sünden! daß du lebst, laß uns empfinden. Tief im Staube singen wir dir dann ewig Dank dafür! Von Jesu Himmelfahrt und seligen Regierung. Mel. Wie schön leucht't uns ic. 201. wundergroßer Siegesheld, du Sündentilger aller Welt! heut' hast du dich erhoben zur rechten Hand der höchsten Kraft. Dein Arm hat dir den Sieg verschafft, durch den du jetzt dort oben prächtig, mächtig triumphirest und regierest; Tod und Leben sind, Herr Christ, dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, dir jauchzen alle Seraphim, die dich, den Sieger, loben, der du den Segen wiederbracht, und dich mit Majestät und Pracht zur Herrlichkeit erhoben. Singet, bringet Ruhm, und ehret den, der fähret durch die Himmel mit frohlockendem Getümmel. 3. Du bist für uns das Haupt, und wir sind deine Glieder; nur von dir kommt auf uns Licht und Leben. Heil, Fried' und Freude, Stårk' und Kraft, und was uns fenst Erquicklung schafft, wird uns von dir gegeben. Rühre, führe, ew'ge Güte, mein Gemüthe, daß dich's preise, dir Lob, Ehr' und Ruhm erweise. 4. 3euch, Jesu, uns, zeuch uns nach dir! hilf, daß wir künftig für und für nach deinem Reiche trachten! laß uns im Wandel heilig, rein, voll Sanftmuth und voll Demuth seyn, die üppigkeit verachten; Unart, Hoffart laß uns meiden, auch im Leiden wohl ergründen, wo Errettung sey zu finden. 5. Sen gegen aller Feinde Truß stets unser Retter, unser Schuß, dich soll der Glaube fassen. Nur da is und seligen Regierung. 191 Wonne, wo du bist; die Freude, die man hier genießt, hört auf, wenn wir erblassen. Hier sind, hier sind manche Plagen zu ertragen, ach! es quålen hier noch Leiden unsre Seelen. 6. Einst kommst du auf der Wolken Thron, du Siegesfürst, Held, Davids Sohn! und flillest das Verlangen der Deinen, welchen du zu gut als Hoherpriester durch dein Blut ins Heiligste gegangen. Gieb mir, daß hier ich so handle, stets so wandle, so vollende, daß ich dich schau ohne Ende. Mel. Aus meines Herzens zc. 202. Der Herr fährt auf gen Himmel mit hellem Jubelschall, mit jauchzendem Getümmel und mit Pofasinenhall. Lobsingt, lobsinget Gott! lobsingt, lobsingt mit Freuden dem Könige der Heiden, dem Herren Zebaoth! 2. Der Herr wird aufgenommen in königlicher Pracht. Deß freun sich alle Frommen, die er hat frei gemacht. Es holen Jesum ein des Himmels frohe Heere, die seiner Pracht und Ehre sich so wie wir erfreun. 3. Wir wissen nun die Wege, die unser Haupt erhöht, wo unter seiner Pflege sein Volk einst zu ihm geht. Der Herr, der ging voran, wird nicht dahinten lassen, die ihn im Glauben faffen und wallen seine Bahn. 4. Wir sollen himmlisch werden, und Jesum ewig schaun, wir Fremdlinge auf Erden, wenn wir ihm fest vertraun. Auf! Kinder Gottes, auf! wo Jesus hingegangen, dahin steh' das Verlangen, dahin nehmt euren Lauf. 5. Gen Himmel laßt uns schwingen uns schon im Geiste hier. Und wahr sey's, wenn wir singen: dich, Jesu, suchen wir, dich, Gottes ein'gen Sohn, dich, Weg, dich, wahres Leben, dem alle Macht gegeben, dich, unsern Schild und Lohn. 6. Hinweg mit deinen Schäßen, verführerische Welt! follt uns dein Nichts ergößen? dort ist, was uns gefällt: der Herr selbst, und sein Heil! der Herr und seine Freu 192 Von Jesu Himmelfahrt den sey'n stets, auch wenn wir leiden, der Seele Trost und Theil! 7. Noch ist es nicht geschehen; doch sie kommt einst, die Zeit, da wir ihn werden sehen in seiner Herrlichkeit. O welch ein Tag wird's seyn, wenn wir ihn mit Entzücken auf seinem Thron erblicken, und sein uns ewig freun! Mel. Wenn mein Stündlein 2c. 203. Auf Chrifti Himmelfahrt darf sich getroft die Hoffnung gründen, daß einst in meinem Tode ich werd' siegreich überwinden. Denn, weil mein Haupt im Himmel ist, so wird er auch nach kurzer Frist die Seinen zu sich nehmen. 2. Gen Himmel fuhr mein Heiland auf, um Herrschaft zu empfangen. Zu ihm blickt nun mein Geist hinauf mit freudigem Verlangen. Wo er, mein Heil, ist, ist mein Herz; zu ihm schwingt es sich himmelwärts von dieser eitlen Erde. 3. Ach, Herr, verleihe du mir Kraft, nach deinem Reich zu ringen; dein Geist, der Gutes in uns schafft, helf' mir den Kampf vollbringen; und dann, am Ende dieser Zeit, führ' mich zum Licht der Ewigkeit, zu deinen Himmelsfreuden. Mel. Vom Himmel hoch zc. 204. Auf, Sefu Sünger, freuet euch! der Herr fährt auf zu seinem Reich. Er triumphirt. Lobsinget ihm, lobsinget ihm mit hoher Stimm'! 2. Sein Werk auf Erden ist vollbracht, zerstört hat er des Todes Macht, er hat die Welt mit Gott verföhnt, und Gott hat ihn mit Preif' gekrönt. 3. Weit, über alle Himmel weit geht seine Macht und Herrlichkeit; ihm dienen selbst die Seraphim. Lobsinget ihm mit hoher Stimm'! und seligen Regierung. 193 4. Sein sind die Völker aller Welt. Er herrscht als sieggewohnter Held; er herrscht, bis unter seinem Fuß der Feinde Heer sich beugen muß. 5. Er schüßet seine Christenheit, erhält sie bis in Ewigkeit; er ist ihr Haupt. Lobsinget ihm, lobsinget ihm mit froher Stimm'! 6. Ja, Heiland, wir erheben dich, und unsre Herzen freuen sich der Herrlichkeit und Majestät, dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. 7. Wohl nun auch uns; denn, Herr, bei dir steht Kraft und Macht, und dein sind wir. Nimmst du dich unsrer hulfreich an, was ist es, das uns schaden kann? 8. In deiner Hand ist unser Heil, wer an dich glaubt, dem giebst du Theil am Segen, den du uns erwarbst, als du für uns am Kreuze starbst. 9. Wir freuen uns nach dieser Zeit bei dir zu seyn in Ewigkeit; nach treu vollbrachtem Glaubenslauf nimmst du uns in den Himmel auf. 10. zeuch uns immer mehr zu dir. Hilf uns mit eifrigster Begier nach dem nur trachten, was da ist, wo du, verklärter Heiland, bist. 11. Dein Eingang in die Herrlichkeit stårk' uns in unfrer Prüfungszeit, nur dir zu leben, die zu traun, bis wir dereinst dein Untlik schaun. 12. Dann wird das Erdendunkel hell in deinem Licht, Immanuel! dann singen wir von deinem Ruhm ein neues Lied im Heiligthum. Mel. Erschienen ist der zc. 205. Wir freuen uns, Herr Jesu Christ, daß du zur Rechten Gottes bist. Du starter Herr, Immanuel, o stark im Glauben unsre Seel'! Halleluja! 2. Du fizest auf der Himmel Thron, als unser Freund, als Menschensohn. Auch da schåmst du dich unfrer nicht, du bleibest unsre Zuversicht. Halleluja! Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 13 Von Jesu Himmelfahrt 3. Dein ist die Macht, dein ist das Reich. Wer ist an Majeståt die gleich? Mensch, Engel, jede Kreatur ist dein, du Herrscher der Natur. Halleluja! 44. Umsonst, umsonst emporte sich der Fürst der Hölle wider dich. Dein Thron steht fest; der seine liegt; durch deine Macht ist er besiegt. Halleluja! 5. Du, unser triumphirend Haupt, wie selig ist, wer an dich glaubt; du bist sein Licht, sein Troft, sein Theil, sein starker Schuß, sein ew'ges Heil. Halleluja! 194 6. Herr, unser Herzen traun auf dich, dein freuet unsre Seele fich; du Held von unserm Fleisch und Blut, bist unser Trost und höchstes Gut. Halleluja! 7. Was uns gebricht, ist dir bekannt. Der Segen ist in deiner Hand. Von keinem Frommen bist du fern, du siehst auf ihn und hilft ihm gern. Halleluja! 8. Siel) auf uns gnådig allezeit vom Throne deiner Herrlichkeit! hilf unserm schwachen Glauben auf und heil'ge unsern Lebenslauf. Halleluja! 9. Gen Himmel fuhrst du als ein Held; als Herr und Richter aller Welt wird dich dereinst der Erdkreis fehn; laß uns dann freudig vor dir stehn. Halleluja! 10. Dann triumphirt der Glaub' an dich; dann jauchzen wir dir ewiglich. Hilf uns dazu, Herr Jesu Chrift, der du zur Rechten Gottes bist! Halleluja! Mel. Jesu, der du meine Seele zc. 206. Großer Mittler, der zur Rechten Gottes, seines Vaters, sitzt, und die Schaar von seinen Knechten in dem Reich der Gnaden schützt, dem auch selbst die Seraphinen mit verhüllten Antlitz dienen, dessen Reich und Majestät über alle Dinge geht. 2. Dein Geschäft auf dieser Erden ist aufs herrlichste vollbracht. Der Verlornen Heil zu werden, gingst du in die Eodesnacht, aus dem Tode in das Leben, um das Leben uns zu geben; ewig unser Haupt zu seyn, gingst du in den Himmel ein. und seligen Regierung. 3. Nun, o Herr, ist dein Geschäfte in des Himmels Heiligthum, die erworb'nen Lebenskräfte durch dein Evangelium den Erlösten mitzutheilen und von Sünden sie zu heilen. O wohl Allen, die die traun und auf deine Hülfe baun! 195 4. Herr, du schauest voll Erbarmen stets auf diese Welt herab. Liebreich suchst du jeden Armen, der sein Herz der Welt ergab, von der Thorheit abzuschrecken und zur Buße zu erwecken. Selig, wer, o guter Hirt, deiner Stimme folgfam wird! 5. Du vertrittst, die an dich glauben; du bewahrst und stårkest sie, daß sie dir vereinigt bleiben, daß sie dieses Lebens Müty' standhaft durch dich überwinden, ihres Glaubens Ende finden und einst ewig bei dir seyn, ewig deiner sich zu freun. 6. O was sind wir Menschenkinder, daß du unsrer so gedenkst, und so hůlfreich auf uns Sünder immer noch dein Auge lenkst? Hilf, daß wir dich glaubig ehren und auf deine Stimme hören; nur bei dir steht unser Heil, gieb uns ewig daran Theil. 7. Wenn wir zu dem Vater beten und uns unsre Sünde schreckt, laß uns dein Verdienst vertreten, welches unsre Schuld bedeckt. Laß zum Fleiß in guten Werken. deines Geistes Kraft uns stärken. Hilf uns durch die Prüfungszeit, Herr, zu deiner Herrlichkeit. Mel. Herr Chrift, du ein'ger 2c. 207. Lobt Gott, ihr, seine Knechte! verehret Jesu Reich! wie stark ist seine Rechte! wer ist, wer ist ihm gleich, dem eingebornen Sohne, der auf des Vaters Throne als Gott und Mensch regiert? 2. Du, Herr der Herrlichkeiten, des Vaters ew'ges Wort! du warst vor allen Zeiten und herrscheft immerfort. Dein Reich ist groß und prächtig, du bleibest ewig måchtig nach deiner Gottheit Kraft. 3. Du hattest für die Knechte dich in der Leidenszeit 13* Von dem Reiche entäußert deiner Rechte, der du in Herrlichkeit nunmehr zur Rechten fißest und stets dein Reich beschützest mit göttlicher Gewalt. 196 4. Du hast, als du gestorben, dir durch dein eigen Blut dein Gnadenreich erworben, das du nun uns zu gut bis an der Welten Ende durchs Wort und Sacramente erweiterst und regierst. 5. Ja, König, du regiereft das Reich der Herrlichkeit, in dem du triumphirest, wo man die nach dem Streit des Dankes Opfer bringet, im höhern Chore singet: Dank dem erwürgten Lamm! 6. Wohl mir! auch ich gehöre zu deinem Reich; wohl mir! dir dienen, Herr, ist Ehre, ich leb' und sterbe dir. Dein Gnadenreich zu mehren, gehorsam dich zu ehren, sey stets mein größter Ruhm. 7. Gerechtigkeit und Friede und Freude giebt dein Reich, das du auch mir beschieden. Besitze ich nun gleich von Erdengütern wenig, so macht mich doch mein König an Himmelsgütern reich. 8. Gieb, daß vor deinem Throne auch ich einst mich erfreu, und leg' auch mir die Krone der überwinder bei. Hilf mir, mich selbst regieren, hilf du mir. triumphiren, hilf, Herr! so kommt dein Reich. Von dem Reiche und der Kirche Christi. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 208. Erworben hat sich Jesus Christ, gesammelt die Gemeine, die, ihm geweiht, genennet ist die christliche, die seine. Erworben durch sein eigen Blut hat er die Heerde seiner Hut, sich durch sein Wort gesammelt. 2. Er sandte dies sein kräftig Wort durch seiner Jünger Lehre an jedes Volk, an jeden Ort, daß alle Welt es höre. Wo nun die Gnadenmittel sind, wo man sie rein und lauter find't, da ist die Kirche Christi. 3. Die Kirche wird ein Reich genannt, das Christus 197 und der Kirche Christi. felbst regieret; ein Bau, den er mit seiner Hand gegründet, aufgeführet; sie ist der Leib, der Herr das Haupt; der ift. sein Glied, der an ihn glaubt und gute Früchte bringet. 4. Auch wir sind von der Schaar ein Theil, die sich der Herr erwählet; auch wir von ihm zu unserm Heil zu seinem Volk gezählet, das er in dieser Prüfungszeit zum Himmel und zur Seligkeit ruft, sammelt und bereitet. 5. Erhalte uns, Gott, auf dem Grund, darauf du uns erbauet; bestårke, Jesu, selbst den Bund, der uns mit dir vertrauet! sey, Gottes Geist, sey hochgepreist, da wir durch dich ein Leib und Geist in deiner Kirche worden! 6. Gieb Lehrer, welche stets dein Wort recht rein und lauter lehren! gieb Hörer, die auch immerfort voübringen, was sie hören. Stårk' uns mit deiner Kraft, o Gott, damit nicht Kaltsinn oder Spott uns von der Wahrheit wende. 7. Vermischt ist hier noch Jesu Reich mit Bösen und mit Frommen; hier wird sein heilig Wort nicht gleich von Allen aufgenommen; hier ist noch Kampf und Müh', hier steht noch mancher Frevler auf und schmäht den Retter seiner Seele. 8. Doch Jesus sieht und kennet schon in allem Volk die Seinen, und einst wird er auf seinem Thron vor aller Welt erscheinen. Er kommt, der Herr, und hält Gericht, bringt, was verborgen war, ans Licht, und sondert seine Heerde. 9. Dann siegt die Wahrheit und das Recht; dann wird kein Feind mehr wüthen; dann zieht des Herrn erwählt Geschlecht mit ihm zum ew'gen Frieden. Triumph, Lob, Ehre, Preis und Macht wird dann Gott und dem Herrn gebracht; dann siegt des Herrn Gemeine. Mel. Kommt her zu mir, spricht sc. 209. Du Welterlöser, Schutz und Hort, wie herrlich hast du durch dein Wort dein Reich dir hier bereitet, wie viele Siege ihm verschafft, wie weit durch deines Geistes Kraft in alle Welt verbreitet. Von dem Reiche 2. Du selbst hast dich zuvor der Welt als ihren Retter dargestellt, den Weg zum Heil gelehret; hast deine Zeugen ausgerüst't mit deinem Geist, nachdem du bist zu Gott zurückgekehret. 198 3. Die haben dann, von dir gefandt, dein Wort vor aller Welt bekannt und keine Schmach gescheuet; stark, unerschüttert war ihr Muth, so sehr sie auch der Feinde Wuth bestürmet und bedrauet. 4. Sie trugen willig Schmach und Spott, sie starben selbst den Martertod, und starben ihn mit Freuden." Ein Feind trat nach dem andern auf, um deiner Lehre weitern Lauf zu hemmen, zu bestreiten. 5. Sie siegte selbst durch Schmach und Blut, und ward, wie durch des Schmelzers Gluth das echte Gold, bewähret. Es wurde, Herr, zu deiner Ehr' die Welt durch fie je mehr und mehr erleuchtet und bekehret. 6. Wer sich, o Gott, von dir nicht trennt, hört diese Siege und erkennt der Wahrheit Kraft, und siehet, daß nicht Verfolgung, Schmach und Schwerdt die Schafe deiner treuen Heerd' dir raubet und entziehet. 7. Auch wir, o Jesu, bitten dich, du wollest ferner gnådiglich ob deiner Heerde walten, bei deinem Wort, durch deinen Schuß auch gegen aller Feinde Truß sie unverrückt erhalten. 8. Dein Gnadenwort, Herr, welches du uns diese Zeit in stiller Ruh' so reichlich läsfest hören, laß stets Erkenntniß, Glauben, Licht, Vertrauen, Liebe, Zuver versicht in unsern Herzen mehren. 9. Und würden dann auch wir mit Spott, mit Leiden und mit Schmach bedroht, sollt' sich Verfolgung finden: so mach' auch uns an Glauben reich, damit wir, jenen Beugen gleich, durch dich stets überwinden. 10. Sa, gieb uns einen Heldenmuth, damit wir gleichfalls Gut und Blut für deine Lehre wagen; daß unsre Treu' in Noth und Pein auch andre stärk, dir treu zu seyn, und wir die Krone tragen. und der Kirche Christi. 199 11. Beschüß die Deinen überall, vermehre täglich ihre Zahl im ganzen Kreis der Erden! verleihe Muth und Sieg im Streit, bis uns des Himmels Herrlichkeit wird offenbaret werden. Von der Reformation, der Kirche und der christ lichen Duldung. Mel. Durch Adams Fall zc., 210. Herr, dein feligmachend Wort, das du uns haft gegeben, drångt Furcht und Aberglauben fort, wirkt Tugend, führt zum Leben! Allein es lag in Finslerniß verhüllt seit vielen Jahren; welch großes Glück ist nun nicht dies, so uns ist widerfahren! 2. Du standest deiner Kirche bei und gabst dein Wort uns wieder; da wurden die Gewissen frei, des Irrthums Macht fiel nieder. Wir können nun im Heiligthum des Welterlösers Lehren, von deiner Menschenliebe Ruhm und unsern Pflichten hören. 3. Es ist dein Wort, frei zum Gebrauch, zum tåglichen Ergößen, sogar in unsern Häusern auch; lehr' uns dies Glück recht schätzen! den Durst nach Wahrheit stillet es; giebt Kraft und Trost im Leiden; den Lasterhaften bessert es; dem Frommen schenkt es Freuden. 4. Den, der sich bessert, låsfest du Vergebung aller Sünden und deine Huld und Seelenruh' durch Sesum Chriftum finden. Und streben wir aus Dank und Pflicht, durch Rechtthun dich zu ehren, so kann uns Leid und Freude nicht in dieser Ruhe stören. 5. Wir wissen, wie man andachtsvoll zu dir, o Gott, soll beten, und wie man dich recht ehren soll, wenn wir zusammentreten. Es herrschet nun Erbaulichkeit und auch Verstand und Lehre in Liedern, die die Christenheit dir singt zu deiner Ehre. 6. In unsern Schulen bildet man zur Wahrheit und zur Tugend sorgfält'ger, wie man sonst gethan, Verstand und Herz der Jugend. Der Laster und des Leichtsinns 200 Von dem Reiche Nacht reizt zwar, dein Wort zu schmåhen, jetzt Viele; doch der Wahrheit Macht und Glanz wird nie vergehen. 7. Herr, dir sey Dank! Der Wahrheit Licht strahlt schon bei Völkerschaaren, die ehedem so glücklich nicht, als unsre Våter waren. Doch, wie die Sonne, so auch bricht der Lehre Jesu Schimmer mit einmal alle Nebel nicht; nur heller wird es immer. 8. Der Kirche Christi höchste Zier ist wahre Nächstenliebe. Dazu schenkt Kraft der Glaube ihr, dazu die Hoffnung Triebe. Olehr' uns denn mit Bruderhand stets wohlthun, Elend hindern, und leit' uns durch der Liebe Band, des Nächsten Noth zu lindern. 9. Laß uns den, der dich redlich ehrt und treu lebt seinen Pflichten, wenn er gleich anders denkt und lehrt, als wir, nie lieblos richten. Nein, nein! Erbarmen wollen wir für ihn und uns erflehen, daß er, Weltrichter, einst vor dir mit uns mag freudig stehen. 10. Einst wird kein Glaube uns entzwei'n! Ein Geist wird uns beleben; ein Hirt und eine Heerde seyn! Laßt, Christen, uns erheben dahin, wo alle irrthumsfrei die Wahrheit sehn und lieben, und ohne Haß und Laster treu sich in der Jugend üben. Von der Erhaltung und Ausbreitung der chriſtlichen Kirche. 211. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort und steure deiner Feinde Mord, die Jesum Christum, deinen Sohn, vom Throne frech zu stürzen drohn. 2. Beweis dein' Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist; beschirm' dein' arme Christenheit, daß sie dich lob' in Ewigkeit. 3. Gott, heil'ger Geist, du Tröster werth, gieb dein'm Volk einerlei Šinn auf Erd'; steh' bei uns in der legten Noth, g'leit uns ins Leben aus dem Tod. und der Kirche Christi. 201 4. Herr, laß uns dir befohlen seyn, schau' unfre Noth, wir sind ja dein. Erhalt im Glauben uns getreu und mach' uns von den Feinden frei. 5. Sie sinnen auf ein Frevelstück; treib' ihre Tücke, Herr, zurück. Und, wenn du uns von ihr befreist, gieb ihnen einen bessern Geist! 6. So werden sie erkennen doch, du, unser Herr Gott, lebest noch), und hilfst gewaltig deiner Schaar, die sich auf dich verlassen gar. In bekannter Melodie, oder: Christ, unser Herr ze. 212. Es wolle uns Gott gnädig seyn, und seinen Segen geben; sein Antlitz uns mit hellem Schein erleucht't zum ew'gen Leben, daß wir erkennen seine Werk' und was ihn liebt auf Erden, und Jesus Christus Heil und Stärk' be= kannt den Heiden werden, und sie zu Gott bekehren.. 2. So danken, Gott, und loben dich die Heiden über Alle, und alle Welt, die freue sich und sing' mit großem Schalle: daß du auf Erden Richter bist und läsf'st die Sund' nicht walten. Dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Thaten; das Land bringt Frucht und bessert sich, dein Wort ist wohl gerathen. Uns segne Vater und der Sohn, uns fegne Gott, der heilige Geist, dem alle Welt die Ehre thut, vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen Amen! Mel. Herzliebster Jesu, du hast 2c. 213. Laß, o Herr Jesu, doch dein Reich auf Erden noch immer weiter ausgebreitet werden! schenk' allen Menschen deiner Leiden wegen Licht, Heil und Segen. 2. Gieb ihnen Gnade, dich recht zu erkennen, daß sie dich ihren Herrn im Glauben nennen; gieb ihnen Eifer, deinen guten Willen treu zu erfüllen. 3. Laß fie die Schrift mit heil'ger Achtung ehren, Von dem Reiche denn sie enthält der wahren Weisheit Lehren. Die Menen suchen außer ihr vergebens den Weg des Lebens. 4. Erhalte und bewahre deine Freunde; vereitle du die Macht und ist der Feinde. Mach' uns sorgfältig, daß wir falsche Freuden vorsichtig meiden. 5. Sey unser Licht in allen Finsternissen; gieb uns ein reines, freudiges Gewissen, und schlägt ein Kummer unsre Herzen nieder, so stårk' sie wieder. 202 6. Beschütz' uns måchtig mitten unter Bösen, bis du uns ganz von ihnen wirst erlösen, bis wir zum Umgang der verklärten Frommen frohlockend kommen. Mel. Sey Lob und Preis dem 2c. 214. Wenn Feinde deines Kreuzes drohn, dein Reich, Herr, zu verwüsten, so schauest du von deinem Thron und schützest deine Christen. Dein Thron bestehet ewiglich; vergeblich wird sich wider dich die ganze Hölle rüsten. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, kein Werk von Menschenkindern; drum konnt' auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dir können deine Hasser nie die Herrschaft rauben, selbst durch sie wird sie vergrößert werden. 3. Weit woll'st du deine Herrschaft noch in deiner Welt verbreiten, und in der Lehre sanftem Soch die Völker alle leiten. Vom Aufgang bis zum Niedergang bring' jedes Volk dir Preis und Dank und glaub' an deinen Namen. 4. Auch jene Atmen, die dich schmähn, die frevelnd sich empören, laß deiner Gnade Wunder sehn, daß sie sich noch bekehren. Lehr' sie mit uns gen Himmel schaun, und, unerschüttert im Vertraun, auf deine Zukunft warten. 5. Uns Christen aber wollest du fest in der Wahrheit gründen, daß wir für unsre Seele Ruh hier und dort ewig finden. Mach' unsers Glaubens uns gewiß; vor Irrthum und vor Finsterniß bewahr' uns, weil wir leben! 6. Ein reines Herz schaff' in uns, Herr, ein Herz nach deinem Willen, und laß uns täglich fertiger, was und der Kirche Christi. 203 du befichlst, erfüllen. Gehorsam deiner Vorschrift seyn und dann uns deiner Gnade freun, sey unsre Luft auf Erden! 7. So wird dein Volk dir unterthan und lernt die Sünde meiden, und du führst uns auf ebner Bahn zu deines Reiches Freuden; und herrlich wird in dieser Zeit, noch herrlicher in Ewigkeit, dein großer Name werden! Von der Beschützung und Beschirmung der christlichen Kirche. 215. Ein' feste Burg ist unser Gott, auf ihm steht unser Hoffen. Er hilft uns gern aus aller Noth, die uns jetzt hat betroffen! der Satan, unser Feind, der mit Ernst es meint, rüstet sich mit List, trotzt, daß er mächtig ist. Auf Erd' ist nicht sein's Gleichen. 2. Mit unser Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es streit' für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren. Fragest du, wer er ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth! und ist kein andrer Gott; den Sieg muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel war und wollten, uns verschlingen: so fürchten wir uns doch nicht sehr, es soll uns doch gelingen. Wenn er, der Fürst der Welt, sich schon grimmig stellt, schreckt er uns doch nicht; das macht, er ist gericht't; ein Wort kann ihn schon fållen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn, und kein'n Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan, mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib; laß fahren dahin; sie haben's kein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben.. Mel. Es ist das Heil uns kommen her 2c. 216. Gott ist die Stärk' und Zuversicht, ein Schutz in unsern Nöthen; darum so fürchten wir uns nicht, wenn man uns gleich wollt' tödten; ja, wenn die Welt gleich unterging, der Berge Höh' im Meer versünk' und alle Meere brausten: Von dem Reiche 2. Dennoch soll unsers Gottes Stadt getrost und muthig bleiben. Der Herr, der sie gegründet hat, kann alle Noth vertreiben; der seine Wohnung hat allda, des Höchsten Hülfe ist ihr nah', und ewig wird sie dauern! 3. Sie stehet fest und aufgericht't, gleich einem Fels im Meere; der Feinde Macht besiegt sie nicht, Gott stürzt der Feinde Heere; sie können nicht vor ihm bestehn, sie weichen, sinken und vergehn, wenn er sich låffet hören. 204 4. Der starke Herrscher Zebaoth ist seinem Volk zur Seiten; der rechte Heiland, unser Gott, schützt uns zu allen Zeiten. Co oft uns Noth trifft und Gefahr, errettet er uns immerdar, wenn wir mit Ernst drum bitten. 5. Kommt, Völker, schaut des Herren Werk, das er felbst aufgeführet, das er mit seines Armes Stark erhält, beschützt, regieret. Er macht sich auf und hält Gericht, er wirft zu Boden und zerbricht, was ihm sich widersetzet. 6. Send stille und erkennet doch, daß Gott ist Herr auf Erden. Wer ihn nicht ehrt, ach! der wird's noch einst sehn und inne werden! er wird doch alle List und Macht, wie groß sie immer ist gedacht, zu seiner Ehre dampfen. 7. Du starker Herrscher Zebaoth, du kennst und hilfst den Deinen! der rechte Heiland, unser Gott, schüßt und bewahrt die Seinen! Gott Vater, Sohn und heil ger Geist, fey jetzt und immerdar gepreist, hilf uns aus allen Nöthen. Mel. Ein' feste Burg ist unser 2c. 217. Wenn enn Christus seine Kirche schützt, so mag die Hölle wüthen; er, der zur Rechten Gottes sitzt, hat Macht, ihr zu gebieten. Er ist mit Hülfe nah; will er, so steht's da. Er schützt seinen Ruhm und hält das Christenthum, mag doch die Hölle wüthen! 2. Gott siehet Fürsten auf dem Thron sich wider ihn empören, die den Gefalbten, seinen Sohn, den Herrn der Welt, nicht ehren. Von ihrer Macht bethört, ist ihr Sinn verkehrt, Jesu Kreuz ihr Spott. Doch duldet sie noch Gott, ob sie sich gleich empören. und der Kirche Christi. 205 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmähn; uns kann er sie nicht rauben. Der Nichtchrist mag ihr widerstehn; wir halten fest am Glauben. Gelobt sey Jesus Christ; wer sein Jünger ist, sein Wort treulich hålt, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Droh'n erschrecken! der Gott, der von dem Himmel schaut, wird uns gewiß bedecken. Der Herr, der höchste Gott, dringt auf sein Gebot, giebt Geduld in Noth und Kraft und Muth im Tod; was will uns denn erschrecken? Mel. Ein' feste Burg ist unser 2c. 218. Auf ihrem Felsengrunde steht die Kirche Jesu Chrifti. Ob Erd' und Himmel untergeht, bestehst du, Kirche Christi! Gottes ew'ger Sohn schützt von seinem Thron dich, die ihm vertraut; du stehst, von ihm erbaut, wie ein Gebirg' im Meere! 2. Was kann dir Satan thun, der sich stolz wider Gott empöret? Sey ruhig, ob er gegen dich und Christum sich verschwöret! Christus überwand ihn mit starker Hand. Seine Macht und List, so groß sie immer ist, muß doch zu Schanden werden. 3. Was können Spotter, die dir drohn, zu Schanz den dich machen? dich kindisch träumen, daß du schon vergehst, wenn sie nur lachen; ihre Pfeile sind Spreu, verweht vom Winde; ruhig siehst du zu; sie selbst vergehn, und du, du Kirche Jesu, bleibest. 4. Was können Feinde, welche sich in deinem Schoße nähren, der falschen Christen Heer, die dich durch ihre That entehren? ihrer LasterLohn wartet ihrer schon! dich, okirche, nicht, sie selbst wird das Gericht des Sündenråchers treffen. 5. Erhebe dich in deinem Gott, preif' ihn mit Harf' und Pfalter! er selbst, Jehova Zebaoth, er selbst ist dein Erhalter! Huldreich sieht er hier seine Lust an dir! herrlich wird er dort- denn Wahrheit ist sein Wort- dich segnen und erhöhen! VII. Von der Glückseligkeit der Unterthanen Jesu in diesem und dem künftigen Leben. Eigenschaften wahrer Christen. Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. 219. Kommt und laßt euch Jesum lehren, kommt und lernet allzumal, welche die sind, die gehören zu der echten Christen Zahl, die bekennen mit dem Mund, glauben auch von Herzensgrund, und bemühen sich daneben, wie es Gott gebeut, zu leben. 2. Selig, wer in Demuth lebet, seine Schwachheit nie vergißt, nie sich selbst, nur Gott erhebet, wenn er groß und glücklich ist; Gottes Huld wird ihn erfreun und das Himmelreich ist sein; Gott wird dort zu Ehren setzen, die sich hier geringe schätzen. 3. Selig sind, die Leide tragen, wenn sie vor Gott strafbar sind, die mit ernster Reu' beklagen vor Gott die begang'ne Sünd'; die verbessern, was versehn, und der Sünde widerstehn; diese sollen hier auf Erden und dort stets getröstet werden. 4. Selig sind die frommen Herzen, die der Sanftmuth zugethan, Spott und Unrecht gern verschmerzen, gern verzeihen Jedermann; die nicht üben eig'ne Rach' und befehlen Gott die Sach'; sanft wird diese Gott erquicken und der Feinde Haß entrücken. 5. Selig sind, die sehnlich streben nach Gerechtigkeit und Treu', wünschen, daß ihr Herz und Leben fromm und ohne Tadel sey, deren Herz nichts mehr begehrt, als was ihre Tugend mehrt; Gott wird ihr Verlangen stillen und den frommen Wunsch erfüllen. 6. Selig, wer der Noth des Urmen niemals fühllos sich entzieht, stets mit zärtlichem Erbarmen auf des Undern Kummer sieht; wohlthut, wo er kann, durch Rath Eigenschaften wahrer Christen. 207 und, wo's nöthig, durch die That; dieser wird auch Hülf' empfangen und Barmherzigkeit erlangen. 7. Selig, die gefunden werden reines Herzens jederzeit, die in Wort, Werk und Geberden lieben Zucht und Heiligkeit; diese, denen nicht gefällt diè unreine Lust der Welt, sondern sie mit Ernst vermeiden, führet Gott zu ew'gen Freuden. 8. Selig sind, die Friede machen, dahin sehn ohn' Unterlaß, daß man mög' in allen Sachen fliehen Hader, Streit und Haß; die da lieben Fried' und Ruh', und behilflich sind dazu; die der Eintracht sich befleißen, werden Gottes Kinder heißen. 9. Selig sind, die ohn' Verschulden Schmach, Verfolgung, Haß und Pein als Verehrer Christi dulden, und Gott mehr, als Menschen scheun; Gott steht ihnen mächtig bei, und will sie für ihre Treu' einst mit Preis und ew'gen Kronen auf das herrlichste belohnen. 10. Herr, du wollest mich stets leiten auf der wahren Tugendbahn, daß ich dieser Seligkeiten hier und dort mich freuen kann! gieb, daß ich demüthig sey, meine Schuld vor dir bereu, die Gerechtigkeit stets liebe und an Feinden Sanftmuth übe. 11. Daß ich Armen helf' und diene, immer hab' ein reines Herz, die in Feindschaft stehn, verfühne, dir anhang' in Freud' und Schmerz! Vater, hilf von deinem Thron, daß ich glaub' an deinen Sohn, und durch deines Geistes Stårke mich befleiße guter Werke. Mel. Aus meines Herzens Grunde zc. 220. Wohl dem, der ohne Wandel auf Gottes Wegen geht, sich zum verkehrten Handel der Sünder nie versteht; stets flieht, so sehr er kann, die Spotter, die frech richten, und Gott und ihre Pflichten stolz schmähn in ihrem Wahn. 2. Wer Gott von Herzen liebet, mit Fleiß sein Wort betracht't, gewissenhaft das über, was Gott zur Pflicht Univ.- Bibl. Giessen 208 Eigenschaften wahrer Christen. ihm macht, ist wie ein Baum am Fluß, der hoch empor fich schwinget und gute Früchte bringet in stetem überfluß. 3. Ob Sturm und Winde toben, bleibt er doch ungefällt. Gott ist es, der von oben die Seinen schützt und hålt, Gott, der die Welt regieret! es muß, was sie begin nen, ein gutes End' gewinnen, weil Gottes Hand sie führet. 4. Die aber Gott nicht achten, nicht seine Rechte scheun, was ist ihr Thun und Trachten? das Glück, deß sie sich freun? So wie die Spreu der Wind hin in die Lüfte treibet, so schwindet und zerstäubet der Sünder Glück geschwind. 5. Frch stehn nur die Gerechten vor Gottes Richterthron, wo er nun seinen Knechten giebt den verheiß'nen Lohn; des Richters Majestät erfüllt mit Ungst und Grauen die Sünder; ihr Vertrauen, ihr Stolz und Trotz vergeht. 6. Erhalt nach deiner Güte mich, Gott, in deinem Bund; gieb mir ein solch' Gemüthe, daß ich von Her zensgrund dein Wort und dein Geheiß vor Augen hab' und liebe, und nach demselben übe, was dir gereicht zum Preis. Mel. Herzliebster Jesu, du hast 2c. 221. Wen wird, o Gott, die Wonne der Erlösten nach diesem kurzen Pilgerlaufe trösten? wen schmückt dereinst vor dir und deinem Throne des Mittlers Krone? 2. Wer heilig wird, wer, abgewandt vom Bösen, sich von der Sünde Herrschaft läßt erlösen, wer an den Sohn glaubt, seinen Herrn ihn nennet, ihn frei bekennet; 3. Wer deine Wahrheit unter Adams Kinder verbreitet, sie erleuchtet, und die Sünder durch Thaten reizt, mit einem bessern Leben dich zu erheben; 4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, die Menschen all' als seine Brüder liebet, nicht låstert, sie nicht krånkt, nicht stolz sich blåhet und keinen schmähet; 5. Wer Sünde hasset, und doch mit den Sündern Mitleiden fühlet und an deinen Kindern die Gottesfurcht und ihre Gaben ehret, hält, was er schwöret; Eigenschaften wahrer Christen. 6. Wer nicht der Brüder Glück und Ruhm beneidet, den Armen gerne speiset, trånkt und kleidet, wem's Freude ist, recht viel mit seinen Gaben genüßt zu haben; 7. Wer rein von üppigkeit und Wollust lebet, wer seiner Hoheit nie sich überhebet, wer auch die Leiden, die ihm auferleget, gelassen tråget: 209 8. Den, den wird Gott die Wonne der Erlösten nach dieses Lebens kurzem Kampfe trösten; den schmückt im Himmel einst vor deinem Throne des Mittlers Krone! Mel. Gott, du frommer Gott ic. 222. Wer Gottes Wege geht, nur der hat großen Frieden. Er kämpft und kennt den Lohn, den Gott dem Kampf beschieden. Voll Glaubens widersteht er jeder bösen Lust, ist seiner Tugend sich froh vor dem Herrn bewußt. 2. Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit heil'gem Muthe, haßt jede Sünde stets und liebt und schmeckt das Gute, das seines Gottes Geist in seiner Seele schafft. So nimmt er immer zu an Kenntniß und an Kraft. 3. Gott hat er alle Zeit vor Augen und im Herzen; prüft täglich sich vor ihm und tilgt der Sünden Schmerzen durch seines Mittlers Huld, durch rechtliches Bemühn, der Tugend treu zu seyn, durch Zuversicht auf ihn. 4. Getreu in seinem Stand, genießt er Gottes Gaben, und ist, wenn Andre gleich mehr Erdengüter haben, in Gott bei Wenigem zufrieden und erfreut. Sein Herz entehrt sich nie durch Mißgunst, Geiz und Neid. 5. Schenkt Gottes Hand ihm viel, so wird er Vielen nügen, des Freundes Glück erhöhn, verlaff'ne Tugend schußen, selbst seinen årgsten Feind wird er in Noth erfreun, und, wie sein Gott es ist, wird er gutthätig seyn. 6. Die Liebe gegen Gott heißt ihn den Nächsten lieben. Ihm ist es wahre Luft, die Pflichten auszuüben, die er in jedem Fall dem Nächsten schuldig ist. Die Liebe macht ihn stark; durch Liebe siegt der Christ. 7. Er frånket nie dein Glück; schüßt deinen Ruhm, Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 14 210 Eigenschaften wahrer Christen. dein Leben; er trågt dich mit Geduld, ist willig zu vergeben, denn Gott, der Heilige, denkt er, vergiebt auch mir. Voll Uchtung ehrt er des Höchsten Bild in dir. 8. Sein Beispiel sucht dein Herz im Guten zu bestårken, denn alle sind von Gott bestimmt zu guten Werken und sind von einem Herrn erlöst zu einem Heil, drum nimmt er auch mit Lust an deiner Tugend Theil. 9. Das Heil der Ewigkeit, das hier der Fromme schmecket, erhält sein Glück, und macht, daß ihn kein Tod erschrecket, giebt ihm im Leiden Muth und stillet jeden Schmerz; im Tode freut sich noch sein Gott ergebnes Herz. Vortheile der Tugend überhaupt. Mel. Herzliebster Jesu, du hast 2c. 223. Preis, Preis sey Gott! und Glück und Heil und Segen sey dem, der Gott ehrt, und auf seinen Wegen einhergeht, und sich freuet, seinen Willen stets zu erfüllen. 2. Er ist beglückt, und mächtig wird auf Erden der Same derer, die Gott fürchten, werden. Der Herr läßt ihr Geschlecht, sie zu belohnen, im Guten wohnen. 3. Mit Gütern wird der Herr sie überschütten; sein überfluß erfüllet ihre Hütten. Die fernste Nachwelt wird ihr frommes Leben mit Luft erheben. 4. In grauenvollen lichtberaubten Nächten umstrahlet Gottes Schimmer den Gerechten, den Milden, dessen sich die Armen freuen, und den Getreuen. 5. Beglückt ist, wer Bedrängte gern erfreuet; wer seinem Nächsten willig hilft und leihet; wer eifrig ist, der sonst verlaffnen Armen sich zu erbarmen. 6. Heil ihm, daß er sie zu erquicken eilet und seinen Überfluß mit ihnen theilet! sein Heil ist ewig! sein wird nie auf Erden vergessen werden. 7. Es mögen Boten des Verderbens kommen, und doch verzaget nicht das Herz des Frommen; er hofft und traut mit freudigem Gemüthe auf Gottes Güte. Vortheile der Tugend überhaupt. 211 8. Er ist getrost, und wenn der Sünder zittert, so bleibet er doch ruhig, unerschüttert. Er wird sich einst an denen, die ihn schmähen, geråchet sehen. 9. Er streuet aus, erquicket voll Erbarmen das Herz der Waisen, Witwen, Kranken, Urmen. Die Nachwelt wird noch in den spåtsten Zeiten sein Lob ausbreiten. 10. So hochbeglückt wird ihn der Frevler sehen, unmuthig zürnen, knirschen und vergehen; denn was sein Herz sich hier zum Glück erkoren, ist dort verloren. Mel. Herzliebster Jesu, du haft zc. 224. Was helfen mir die ängstlich bangen Sorgen für den noch ungewissen andern Morgen? Ich quale mich und mache meinem Herzen vergeblich Schmerzen. 2. Es ist umsonst, ich werd' es nicht erzwingen; wollt' ich auch Nächte durch mit Kummer ringen und noch so früh mit ångstlichen Geschäften den Leib entkräften. 3. Mein Glück beruht, o Gott, auf deinem Segen. Vertrau' ich dir, geh' ich auf deinen Wegen, so wirst du mir auch ohne Sorg' und Kränken, was nüglich, schenken. 4. Bin ich getreu mit dem verlieh'nen Pfunde und harr' ich nur der rechten Segensstunde, so kommt sie, und dann werden meine Thaten zum Glück gerathen. 5. Drum fördre selbst die Werke meiner Hände. Gesegnet sey der Anfang und das Ende. Gieb guten Rath, damit, was ich vollbringe, mir wohl gelinge. 6. Hilf mir mit Treue meine Pflicht erfüllen, und dann mein Herz mit froher Hoffnung stillen. Sollt ich mit dem, was du, Herr, mir beschieden, nicht seyn zufrieden? 7. Kann ich den Leib auch nicht, wie Reiche, laben, beforge nur den Geist mit jenen Gaben, die mehr, als alles Irdische erquicken und stets beglücken. 8. Hier ist das g'nug. Einst laß mich mit den Frommen zu dem Genuß der Himmelsgüter kommen, so wird mein Wunsch, den irdisch Gut nicht stillet, völlig erfüllet. 14* Vortheile der Tugend überhaupt. Mel. Nun sich der Tag geendet zc. 225. Der Mensch lebt selig, lebt vergnügt, der Gottes Wege geht, die arge Lust der Welt besiegt, fest in Versuchung steht. 212 2. Habt, was die Erde geben kann, habt Reichthum, Lust und Ehr'! blickt Gott euch nicht in Gnaden an, so bleibt das Herz doch leer. 3. Es findet keine wahre Ruh' in allem Gut der Welt. Ein inn'rer Kummer eilt herzu- hin ist die Lust der Welt. 4. Und dringt ein Sturm von außen ein und nimmt den Schaß dahin, deß er gewohnt war sich zu freun, ist auch der Muth dahin. 5. Das, das ist wahre Seligkeit, die im Gewissen wohnt, wenn sich's des hohen Beifalls freut, womit es Gott belohnt. 6. Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer thut, was Gott gebeut, der fühlt in seiner frommen Brust den Trost der Ewigkeit. 7. Herr! laß uns Alle und auch mich den Weg der Wahrheit gehn, so werden wir im Himmel dich voll ew'ger Freude sehn. Mel. Sey Lob und Ehr' dem zc. 226. Ich weiß, an wen mein Glaub' sich hält, kein Feind soll mir ihn rauben. Als Bürger einer bessern Welt leb' ich hier nur im Glauben. Dort schau' ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir mein Erbtheil raubt? es ruht in Jesu Hånden. 2. Mein Leben ist ein kurzer Streit; lang ist der Tag des Sieges. Ich kämpfe für die Ewigkeit- erwünschter Lohn des Krieges! Der du für mich den Tod geschmeckt, durch deinen Schild werd' ich bedeckt; was kann mir denn nun schaden? 3. Herr, du bist mein ganzer Ruhm, mein Trost in diesem Leben, in jener Welt mein Eigenthum; du hast Vortheile der Tugend überhaupt. 213 dich mir gegeben. Ich eile nun dem Himmel zu, indem ich Ulles willig thu', was deine Welt beglücket. 4. Herr! lenke meines Geistes Blick von dieser Welt Getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, auf Ewigkeit und Himmel. Die Welt mit ihrer Herrlichkeit vergeht und währt nur kurze Zeit; im Hinimel sey mein Wandel. 5. Jetzt, da mich dieser Leib beschwert, ist mir noch nicht erschienen, was jene beff're Welt gewährt, wo wir Gott heilig dienen. Dann, wenn mein Auge nicht mehr weint und mein Erlösungstag erscheint, daan werd' ich's froh empfinden. 6. Im Dunkel seh' ich hier mein Heil; dort seh' ich's klar und heiter. Hier ist die Sünde noch mein Theil; dort ist sie es nicht weiter. Hier ist mein Werth mir noch vers hüllt; dort wird er sichtbar, wenn dein Bild mich, Gott, vollkommen schmůcket. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine Leiden. Auf deinen Tod bin ich getauft; wer will von dir mich scheiden? du zeichnest mich in deine Hand; mir bist du und ich dir bekannt; mein sind des Himmels Freuden. 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! empfinde fie, o Seele! vom Tand der Erde unentweiht, erhebe Gott, o Seele! der Erde glänzend Nichts vergeht; nur des Gerechten Glück besteht durch alle Ewigkeiten. Mel. Wie schön leucht't uns zc. 227. Wie groß ist unsre Seligkeit, o Gott, schon in der Prüfungszeit selbst unter viel Beschwerden, wenn unser Herz sich dir ergiebt und treu in Jesu Dienst sich übt. Wie groß wird sie einst werden, wenn sie herrlich jenes Leben wird anheben, wo man Freuden erntet von der Saat der Leiden. 2. O wie erhaben ist das Recht, das du uns giebest, dein Geschlecht und Bundesvolk zu heißen! Bei dir ist unser Vaterland; und wer will deiner starken Hand, Ullmåcht'ger, uns entreißen? wenn wir gleich hier müssen 214 Begnadigung und Vergebung der Sünden. streiten und zu Zeiten schwach uns finden, hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unfre Schulden zu, schenkst unsern Seelen wahre Ruh' und stärkest uns mit Freude. Dein Sohn ist unser Haupt und Ruhm; wir sein erkauftes Eigenthum und Schafe seiner Weide. Gutes Muthes find auf Erden in Beschwerden unsre Seelen. Herr, was kann bei dir uns fehlen? 4. Es bleibet zwar der hohe Werth der Gnade, die uns widerfährt, verborgen hier auf Erden; doch wenn dereinst vor aller Welt er, unser Haupt, Gerichtstag hält, dann wird er sichtbar werden; alsdann sieht man ihn mit Kronen uns belohnen, und mit Ehren für sein treues Bolk erklären. 5. Wie wohl, o Gott, sind Christen d'ran! wie viel hast du an uns gethan! o laß uns unsre Würde vor Augen haben jederzeit, fo tragen wir mit Willigkeit der kurzen Leiden Bürde. Herr, gieb den Trieb in die Seelen, dich zu wählen, und das Leben ganz zu Jesu Dienst zu geben. Wohlthaten und Seligkeiten, die besonders durch den Glauben an Jesum geschenkt werden. Begnadigung und Vergebung der Sünden. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 228. Gott, mit froher Dankbarkeit gedenket mein Gemüthe an deiner Huld Unendlichkeit, an deine große Güte. Dein Sohn hat uns von unsrer Noth erlöſet und bis in den Tod für uns sich hingegeben. 2. Er nahm sich unsrer gnådig an, trug unfer Aller Sünden; ward dem Gesetze unterthan, vom Fluch uns zu entbinden, den es den übertretern dråut; erwarb uns die Gerechtigkeit durch sein versöhntes Leiden. 3. Er ließ zur Büßung unsrer Schuld von Gott sich willig strafen. So wußte Gott voll weiser Huld durch Begnadigung und Vergebung der Sünden. 215 ihn uns Heil zu schaffen, da es uns Sündern offenbar nach dem Gesetz unmöglich war, die Sache gut zu machen. 4. Die Strafe, die er Sündern draut, fiel uns zu schwer zu tragen; wir müßten bis in Ewigkeit, wenn sie uns tråf', verzagen. Der Heiland trug sie uns zu gut; mit Willigkeit und starkem Muth hat er sie überstanden. 5. Wir konnten auch als Sünder nicht des Schöpfers heil'gen Willen in allem Werk, in aller Pflicht untadelhaft erfüllen. Auch hierin half der Heiland uns. Gott schätzt die Redlichkeit des Thuns durch ihn nun für vollkommen. 6. Wer nun in seiner Seelennoth auf diesen Heiland schauet, mit Reu' und Leid auf Jesu Tod und sein Verdienst vertrauet: der ist's, den Gott gerecht erklärt, der ist's, der jenes Glück erfährt, das Jesus uns erworben. 7. Dem schenket er Gerechtigkeit um seines Heilands willen; der wird von Schuld und Straf' befreit und kann sein Herz nun stillen; denn Jesu, des Versöhners, Blut kömmt zur Vergebung ihm zu gut, macht rein von allen Sünden. 8. So hoch begnadiget der Herr uns sonst verlorne Sünder; voll Huld und Liebe nennet er hinfort uns seine Kinder. Sein Vaterherz ist uns nicht fern, verzeiht uns unsre Fehler gerr, da wir noch tåglich straucheln. 9. Er schenkt uns auch zur süßsten Ruh' das Recht zum ew'gen Leben, sagt uns dies große Erbtheil zu, das er uns einst will geben. Sein Geist belebet unser Herz mit diesem Trost in allem Schmerz: ihr seyd des Himmels Erben! 10. Erkennet Gottes gnåd'gen Rath, schlagt in euch, sich're Sünder! frohlockt, die er begnadigt hat, ihr seine frommen Kinder! dient ihm mit Freuden, dient ihm gern, bleibt von den Sündenwegen fern, folgt seiner Zucht zum Himmel! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 229. Gott, deine Gnad' ist unser Leben, sie schafft uns Heil und Seelenruh'. Dein ist's, die Sünden zu vergeben, 216 Begnadigung und Vergebung der Sünden. und willig ist dein Herz dazu. Dem tief gefallenen Geschlecht schenkst du zum Leben neues Recht. 2. Uns, uns Verlorne zu erretten, gabst du für uns selbst deinen Sohn; er litt, damit wir Friede hätten, für uns den Tod, der Sünden Lohn; o Gott, wie hast du uns geliebt! welch ein Erbarmen ausgeübt! 3. Dank, ewig Dank sey deiner Treue, die Niemand g'nug erheben kann! nun nimmst du jede wahre Reue um Chrifti Willen gnådig an. Wohl dem, der sich zu dir bekehrt und gläubig seinen Mittler ehrt! 4. Den, Herr, befreist du von den Plagen, die dem Gewissen furchtbar sind; der kann getroft und freudig fagen: Gott ist für mich; ich bin sein Kind! hier ist der, welcher für mich litt und mich noch jetzt bei Gott vertritt. 5. O Herr! wie felig ist die Seele, die sich in deiner Gnade freut! ob auch ein auß'res Glück ihr fehle, fehlt ihr doch nicht Zufriedenheit; und Gott, dein Fried' ist weit mehr werth, als Alles, was die Welt gewährt. 6. Dein Friede stårkt zum frohen Muthe das Herz auch in der größten Noth, giebt Hoffnung zu dem ew'gen Gute und macht getroft selbst auf den Tod. Wer diesen Frieden hat, genießt Luft, die des Himmels Anfang ist. 7. Laß, Vater, doch in diesem Frieden auch meine Seele freudig ruhn! auch mir hast du dies Glück beschie den; denn auch für mich genug zu thun, ward sterbend der am Kreuz ein Fluch, der aller Menschen Sünde trug. 8. O laß mich dies im Glauben fassen und mich mit starker Zuversicht auf deine Bundestreu' verlassen: wenn Alles wankt, so wankt sie nicht. Mit Reu' und Demuth such' ich dich; gieb mir den Troft: Gott ist für mich! 9. Lobsingend will ich dich erheben, mich ewig deiner Gnade freun, und deinem Dienst mein ganzes Leben in kindlichem Gehorsam weihn. Daß, Herr, bei dir Ver gebung sey, das mach' in deiner Furcht mich treu. Vaterliebe und Freundschaft Gottes. 217 Vaterliebe und Freundschaft Gottes. Mel. Herzlich thut mich zc. 230. ft Gott für mich, so trete sonst Alles wider mich! wenn ich zu ihm nur bete, fernt jede Sorge sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde und liebte mich mein Gott, was schadet mir der Feinde Verfolgung, Schmach und Spott? 2. Nun weiß und glaub' ich feste, rühm' es ohn' Heuchelei, daß Gott auch mir der beste und treuste Vater sey, daß er in allen Fällen zu meiner Rechte steh', mich auch bei Sturrn und Wellen erhalte und erhöh'. 3. Der Fels, auf den ich gründe, ist Christus und sein Blut; der wirket, daß ich finde das ewig wahre Gut. Un mir und meinem Leben ist nichts der Liebe werth. Was Jesus mir gegeben, das ist der Liebe werth. 4. Er ist mir Ruhm und Ehre, Gerechtigkeit und Liebe; wenn er nicht für mich wåre, so würd' und könnt' ich nicht vor meinem Gott bestehen, da ich ein Sünder bin; nicht so getroft einst gehen zu meinem Tode hin. 5. Er starb, mich zu erlösen, den schweren Kreuzestod; er macht mich frei vom Bösen und voll Vertraun zu Gott; ich darf mich seiner freun mit unerschrocknem Muth, und kein Gericht mehr scheun, wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen; mein ihm geweihtes Herz scheut nicht der Hölle Flammen, scheut nicht des Todes Schmerz. Kein Urtheil kann mich schrecken, nichts, was uns sonst betrübt; denn mich will Christus ecken, der mich als Bruder liebt. 7. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regieret meinen Sinn, nimmt Sorgen, die sonst schmerzen, und allen Unmuth hin, giebt auch in trüben Tagen mit Freudigkeit, und schafft, daß ich kann Vater sagen durch seine Gnadenkraft. 8. Und läßt sich Schwachheit sehen, vertritt mich dieser Geist mit Seufzen, Bitten, Flehen, das unaussprechlich heißt. Gott, dem der Grund der Herzen und 218 Vaterliebe und Freundschaft Gottes. meine Noth bewußt, er hört es, hebt die Schmerzen, giebt Ruh' in meine Brust. 9. Sein Geist spricht meinem Geiste das Wort des Trostes zu: wie Gott dem Hülfe leiste, der bei ihm suchet Ruh' und ihm allein vertrauet; er zeigt ihm Gottes Stadt, wo Herz und Auge schauet, was es geglaubet hat. 10. Da ist mein Theil und Erbe mir herrlich zuge richt't. Wenn ich gleich fall' und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch hier mit Zähren oft meinen Weg bestreun, dort ernt' ich ohn' Aufhören die Frucht des Friedens ein. 11. Ber Jefu sich verbindet, die Sünde flieht und haßt, wird oft verfolgt, und findet hier manche schwere Last zu leiden und zu tragen; wird oft mit Schmach und Spott hier in den Prüfungstagen beleget und bedroht. 12. Das ist mir nicht verborgen, doch bin ich unver= zagt; Gott wird schon für mich sorgen; er thut's, er hat's gesagt. Es kofte Leib und Leben, es koste Gut und Ehr', ihm bleib' ich fest ergeben, ihn laß ich nimmermehr. 13. Mag doch die Welt vergehen, sie ist veränderlich; ich bleibe aufrecht stehen, Gott hält und schützet mich. Er schränkt die Macht der Fürsten, er schränkt der Feinde Draun, wenn sie nach Rache dürften, mit seinem Urme ein. 14. Nicht dieser Erde Freuden, nicht ihre Herrlichkeit, nicht ihre Müh' und Leiden, nicht Angst, Gefahr und Streit, nichts, was wir denken können, soll mich, sprech' ich als Christ, von Gottes Liebe trennen, die im Erlöser ist. 15. Mein Herz soll Gott lobsingen, sich seiner Liebe freun, ihm Freudenopfer bringen bei Sturm und Sonnenschein; mein Retter lebt und machet, mein Heiland, Jesus Chrift! er, der mich selig machet dort, wo er selber ist. Mel. Wie schön leucht't uns der zc. 231. Wo ist ein solcher Gott, wie du? du låff'st die müde Seele Ruh' in deinem Schoße finden; du bist ein Vater, der verzeiht, ein Gott, der voll Barmherzigkeit ver Vaterliebe und Freundschaft Gottes. 219 giebet uns die Sünden. Wenn wir zu dir gläubig nahen, so empfahen wir den Frieden, den der Mittler uns beschieden. 2. Herr, unsere Gerechtigkeit! wie hoch wird dessen Herz erfreut, der dich im Glauben kennet! du bist sein Ruhm vor Gottes Chron, er wird zum Erben und zum Sohn vom Vater selbst ernennet. Herr, dich will ich voll Verlangen nun umfangen und mit Freuden mich an deiner Liebe weiden. 3. Du Gottversöhner, Friedefürst, du kommst von deinem Thron und wirst das Heil der Menschenkinder; du stellest dich zum Mittler dar, verbindest, was getrennet war, Gott und verlorne Sünder. Seele! werde, ihm dein Leben zu ergeben, niemals můde, denn er ist und bleibt dein Friede. 4. Mitleidender Immanuel! beschwert bleibt hie noch meine Seel' mit Mångeln und Gebrechen; doch bleibt dein Herz auch voller Gnad', du willst nicht, was die Schwachheit that, am armen Staube råchen. Täglich zeigt sich deine Treue uns auf's neue zum Vergeben und uns Schwache zu erheben. 5. Dein Regiment ist voller Huld, du trägst uns Schwache mit Geduld, machst frei vom Joch der Sünden. So will ich deiner Huld mich freu'n, zum Kampfe nicht verdroffen seyn, so werd' ich überwinden. Wenn sich måchtig Sündenliebe, Fleischestriebe noch empören, wirst du Kraft zum Sieg gewähren. 6. Durch deine Gnadenkraft, o Herr, befreie du mich mehr und mehr vom sündlichen Verderben. Ich bin auf deinen Tod getauft; der du mich theuer haft erkauft, du willst, ich soll nicht sterben. Laß mich täglich hier auf Erden frömmer werden, bis ich droben dich kann ohne Sünde loben. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen zc. 232. Wie machtig spricht in meiner Seele, Herr, deine Stimme voller Huld, du schonest meiner, wenn ich 220 Vaterliebe und Freundschaft Gottes. fehle, zürnest nicht; haft våterlich Geduld, schickst deinen Geist, mich zu regieren; sprichst meinem Herzen freundlich zu; wirst niemals múde ,, mich zu führen, und sorgst für meine wahre Ruh'. 2. Erbarmer deiner Kreaturen! liebreicher Gott der ganzen Welt, die deiner Güte reiche Spuren in jedem Sonnenstaub enthält! laß mein Herz immer mehr ermessen, was du zu meinem Heil gethan, und laß mich niemals ganz vergessen den Dank, den ich dir geben kann. 3. Sollt' ich nun noch den Gott mit Willen beleidigen, der mir vergiebt? der mir Gebote zu erfüllen gegeben hat, weil er mich liebt? der das Vollziehn der kleinsten Pflichten als eine Wohlthat mir vergilt? und der, anstatt mich stceng zu richten, mein Herz mit Trost und Freude füllt? 4. Sein Dienst ist Leben meiner Seele, Gehorsam meine Seligkeit; wie findlich wein' ich, wenn ich fehle, vor ihm, dem Vater, der verzeiht! Ich fühle jede meiner Sünden, die weder Mensch, noch Engel büßt; wie felig kann ich's dann empfinden, daß Christus mein Erlöser ist! 5. Den großen, tröstenden Gedanken geb' ich für alle Welten nicht. Er bleibet wahr, wenn Thronen wanken; feft steht er, wenn die Welt zerbricht. Es mögen. fündigen und zittern, die Kinder des Verderbens find! Gott mag der Erde Grund erschüttern, ich bebe nicht; ich bin sein Kind. Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 233. Flieht, ihr traurigen Gedanken! die ihr sonst mein Herz teschwert. Gott kann ich nun fröhlich danken, er hat mein Gebet erhört. Er, der mir nach seiner Huld hat vergeben meine Schuld, wird, zu folgen seinem Willen, mich mit seiner Kraft erfüllen. Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. 221 2. Warum sollt' ich mich nun krånken, da mich Gott und Jesus liebt? seiner Liebe will ich denken, wenn ein Kummer mich betrübt. Ich), den Jesus sich erkauft, bin auf seinen Tod getauft; Christus ist für mich gestorben, hat das Leben mir erworben! 3. Wohl mir, daß er mir gegeben, daß ich mich fein freuen kann! Seine Leiden, Tod und Leben, Alles, was er hat gethan, er, und was er hat, ist mein und auch ich bin wieder sein. Durch ihn kann ich Tod und Sünden nun als Sieger überwinden. 4. Reizt mich inn'ce Luft zu Sünden, in des Gottversöhners Blut kann ich Troft und Stärke finden, er macht mich gerecht und gut. Er, der als ein stilles Lamm meine Sünden auf sich nahm, läßt mich nicht im Kampf erliegen, hilft durch seine Kraft mir siegen. 5. Es ist wahr, ich werde sterben und hinab zum Grabe gebn; doch ich werde nicht verderben, sondern wieder auferstehn. Jesus hat des Todes Macht unter seinen Fuß gebracht, und wird einst ein neues Leben meinen Gliedern wiedergeben. 6. Feinde möger ihre Schrecken um mich her zusammenziehn, um mir Grauen zu erwecken; doch umsonst ist ihr Bemühn. Wer ist, der mir schaden kann, wenn ich Sesum flehe an, der der Hölle Schau getragen? warum follte ich nun zagen? 7. Jesu, Geber wahrer Freude, gieb mir deinen Freudengeist, daß er mich so führ' und leite, wie dein Bort mich unterweist! o gieb, daß ich trage doch mit Geduld dein sanftes Joch! laß mich seyn in dir zufrieden mit dem, was du mir beschieden. 8. Gieb, daß ich, in die erfreuet, eine reine Seele hab', die gebeffert und erneuet sich an dir ergöß' und lab'! sey mir Leiter, Trost und Hort und laß durch dein heilig Wort deinen Geist mein Herz erquicken; o, so wird mir alles glücken. 222 Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 234. Wenn ich ein gut Gewissen habe, so hab' ich große Seligkeit; es ist des Himmels beste Gabe, das höchste Glück in dieser Zeit. In Freud' und Leiden giebt es hier die wahre Ruh' der Seele mir. 2. Sch bebe nicht, wenn Sünder beben, daß Gott gerecht und heilig ist. Mein Herz giebt Zeugniß meinem Leben, daß ich gewandelt als ein Christ, des göttlichen Berufes werth, der mich hier heilig wandeln lehrt. 3. Getrost wag' ich's, vor Gott zu treten, und ihn voll Glaubensfreudigkeit als meinen Vater anzubeten, der, was ich habe, mir verleiht, und Jedem Heil und Segen giebt, der ihn von Grund des Herzens liebt. 4. Mit Muth trag' ich des Lebens Leiden, Verfol gung, Låst'rung, Schmach und Hohn, denn des Gewis sens inn're Freuden sind süßer, als der Erden Lohn; unt was kann höhern Trost verleihn, als Leiden und unschul dig seyn? 5. Die Fröhlichkeit in meinem Herzen verkündiget auch mein Gesicht! sie ist mein Labsal in den Schmerzen und in der Finsterniß mein Licht; sie macht getroft, wenn eine Welt erzittert und in Trümmern fällt. 6. Ich eile mit gesetztem Schritte des Lebens letzter Stunde zu; denn der verfall'nen Leibeshütte zeigt sich im Grabe sanfte Ruh', indem mein Geift, der Gott gelebt, zu seinem Ursprung sich erhebt. 7. Für meines vor'gen Lebens Sünde giebt mir mein Heiland Trost und Muth; ich weiß es, daß ich Gnade finde in der Versöhnung durch sein Blut. Er, der für mich gebüßet hat, tilgt alle meine Missethat. 8. O Seele, darum sey beflissen, daß unbefleckte Heiligkeit dir immerdar ein gut Gewissen und GlaubensZuversicht verleiht. Und du, mein Gott, regiere mich, denn o, was könnt' ich ohne dich? Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. 223 235. Jesus, meine Freude; bester Troft im Leide; theuer bist du mir! denn was ich verlange, Seelenruh', empfange ich allein von dir. Gottes Lamm, das auf sich nahm meine Schuld, nichts soll auf Erden lieb, wie du, mir werden. 2. Unter deinen Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Laß bei Ungewittern Frevler bange zittern; mir steht Jefu bei. Ob erhitzt der Himmel blitzt, seine Donner Sünder schrecken; mich wird Jesus decken. 3. Troß sey selbst dem Tode, der ein Schreckensbote Sterblichen sonst ist; ohne Furcht und Grauen kann ich auf ihn schauen nun durch Jesum Christ. Es erwacht durch seine Macht dieser Leib einst; neues Leben wird ihm Jesus geben. 4. Was die Sünder schätzen, kann mich nicht er= göten, nicht den Geist erfreun. Jesum will ich ehren, folgsam seinen Lehren will ich ewig seyn. Keine Noth, die mich bedroht, kein auch noch so herbes Leiden soll mich von ihm scheiden. 5. Fliehe, eitles Wesen, das die Welt erlesen, ich entfage dir. Euch' entsag' ich, Sünden! peinliches Empfinden, Angst gebåhret ihr. üppigkeit, Geiz, Stolz und Neid, dir sey nie mein Herz ergeben; Jesu will ich leben. 6. Schweiget, bange Klagen! warum sollt' ich za= gen? Jesus ist ja mein. Jeden, der ihn liebet, muß, was erst betrübet, doch zuletzt erfreun. Bleibet hie noch Kampf und Müh', Jesus giebt, wenn ich schon leide, mir doch Trost und Freude. Mel. Jesus, meine Freude zc. 236. Wie getroft und heiter, du Gebenedeiter, machst du meinen Geist! o was gleicht dem Frieden, den du schon hienieden Gläubigen verleihst! niemals wird bei dir, o Hirt, Freund und Tröster aller Seelen, mir Erquickung fehlen. 224 Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. 2. Deinem Rath ergeben, freu' ich mich zu leben; was du willst, ist gut. Nichts vermag ich Schwacher, du, mein Seligmacher, schenkst mir Kraft und Muth; wenn die Welt erbebt und fällt, wenn Gericht und Hölle schrecken, willst du mich bedecken. 3. Ich fann ohne Grauen Gråber vor mir schauen; mein Erlöser lebt. Ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube er mich einst erhebt. Todestag, dein Schrecken mag den, der Jefum haßt, erschüttern; ich darf nicht erzittern. 4. Auch in mir ist Sünde; doch ich überwinde, Hei land, fie durch dich; sink' ich oft noch nieder, du erhebst mich wieder und begnadigst mich. Deine Huld tilgt meine Schuld, nie entziehst du deinem Knechte der Erlösten Rechte. 5. Daß ich Gott erkenne, froh ihn Vater nenne, und sein Kind soll seyn; daß ich hier am Grabe Trost und Hoffnung habe, dank' ich dir allein; daß dein Geist mich unterweist und mich führt auf deinem Pfade, dank' ich deiner Gnade. 6. Du haft selbst dein Leben für mich hingegeben, daß in meiner Noth ich nicht hülflos bliebe; groß ist deine Liebe, stårker, als der Tod! Herr, und ich, ich sollte mich deiner Huld nicht dankbar freuen? dir mein Herz nicht weihen? 7. Würdig dir zu leben, dies sey mein Bestreben, meine Lust und Pflicht. Was die Welt so schåbet, irdisch Glück, ergötet meine Seele nicht. Hab' ich dich, wie leicht kann ich das, wonach die Sünder trachten, reich in der, verachten. 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glücklich werde? giebt's Zufriedenheit? Sind nicht auch die Ehren, so die Welt bethören, Traum und Eitelkeit? Du erfreust des Menschen Geist; Herr, du willst, die dich verehren, ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen Frieden schmeck' ich schon hienieden; und was hoff' ich dort? Unnennbare Freuden, ew'ge Se ligkeiten hoff ich auf dein Wort. Sie sind mein, durch Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. 225 dich allein; bleib' ich dir getreu im Glauben, kann nichts sie mir rauben. 10. Deiner reichen Güte freut sich mein Gemüthe und lobsinget dir. Dieser Geist der Freuden stårke mich im Leiden, weiche nie von mir! Laß mich so voll Muth und froh einst durch's Thal des Todes dringen, dort dein Lob zu singen. Trost im Leiden und Sterben. Mel. Wenn mein Stündlein mir zc. 237. Sch bin ein Chrift, Gott ist mein Freund! in dieser hohen Würde steh' ich und fürchte keinen Feind und scheue keine Bürde. Dies Glück erfüllt mit Muth und Kraft mein Herz in dieser Pilgrimschaft des Lebens und der Leiden! 2. Mein Glaube steht und wanket nicht; er ist zu fest gegründet. Er stüzet sich voll Zuversicht auf Jesum Christ, und findet bei ihm all'zeit Trost, Heil und Ruh'; er eignet sein Verdienst sich zu, und strebt, ihn stets zu lieben. 3. Sollt' ich um Ehre, Eitelkeit und Güter dieser Erden, aus Wollust oder Sicherheit Gott jemals untreu werden? Nein, auf die Sünde folgt der Tod; allein die Eugend segnet Gott mit ew'ger Ruh' und Freude. 4. Was sind die Leiden dieser Zeit mir gegen jene Kronen, womit Gott in der Herrlichkeit die Frommen will belohnen! Was dieses Lebens kurze Frist, Gott, gegen das, was ewig ist! Sollt' ich nicht muthig kämpfen? 5. Ich fürchte nicht des Todes Macht mit allen seinen Schrecken. Es kann des Grabes dunkle Nacht nur meinen Leib bedecken; ich aber geh' sogleich dahin, wo ich in ew'ger Wonne bin, bei meinem Gott und Heiland. Ewigkeit, du Donnerwort zc. 238. Mein Glaub' ist meines Lebens Ruh' unb führt mich deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube! ach Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. Mel. 15 226 Troft im Leiden und Sterben. gieb mir, Herr, Beständigkeit, daß diesen Trost der Sterblichkeit nichts meiner Seele raube; tief pråg' es meinem Herzen ein, welch' Heil es ist, ein Christ zu seyn! 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht zur sel'gen Ewigkeit ein Recht durch deinen Tod erworben. Nun bin ich nicht mehr Asch' und Staub, nicht mehr des Todes ew'ger Raub; du bist für mich gestorben. Mir, der ich dein Erlöser bin, ist dieses Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Chrift; mein Herz ist ruhig und vergißt die Schmerzen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, und bin des hohen Trostes voll: ich leide nichts vergebens. Gott selber mißt mein Theil mir zu; hier kurzen Schmerz, dort ew'ge Ruh'! 4. Was send ihr, Leiden dieser Zeit, mir, der ich meiner Ewigkeit mit Ruh' entgegen schaue! bald ruft mich Gott, und ewiglich belohnet und erquickt er mich, weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet jeder Schmerz und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz. 5. Bin ich noch schwach, so trag' ich doch nicht mehr der Sünde schmachvoll Soch in meinem Lauf auf Erden; die Tugend ist mir füße Pflicht. Doch fühl' ich es, ich bin noch nicht, was ich dereinst soll werden. Mein Trost ist dies: Gott hat Geduld und straft mich nicht nach meiner Schuld. 6. Gelobt sen Gott, ich bin ein Chrift! und seine Gnad' und Wahrheit ist an mir auch nicht vergebens; ich wachs' an meiner Heiligung; ich merke tåglich Besſe: rung des Herzens und des Lebens; ich fühle, daß des Geistes Kraft ein neues Leben in mir schafft. 7. Dank dir, o Vater, Dank und Ruhm, du lehrtest mich, das Christenthum fest glauben, willig üben. Dir, Gott, mein Lehrer, Lob und Preis! ich lieb' es immer mehr und weiß, ich werd' es ewig lieben. Jest und mein künftig Lebenlang bring' ich dir, Höchster, Preis und Dank. Trost im Leiden und Sterben. Mel. Wachet auf, ruft uns die ze. 239. Sesus kommt, von allem Bösen uns, seine Christen, zu erlösen, er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Dann, an seinem großen Tage verwandelt sich der Frommen Plage in ewige Zufriedenheit. Sey fröhlich, Volk des Herrn! er kommt, er ist nicht fern, dein Erretter. Dein Schmerz ist kaum ein Morgentraum, auf ihn folgt ewig, ewig Heil. 227 2. Augenblicke dieser Leiden, was seyd ihr gegen jene Freuden der unbegrenzten Ewigkeit! seht die Kron' am 3iele prangen, und kämpft und ringt, sie zu erlangen, die ihr dazu berufen seyd! euch halt in eurem Lauf kein Schmerz des Lebens auf, Überwinder! das Ziel ist nah, bald send ihr da und eure Schmerzen sind nicht mehr. 3. Der sich euch zum Volk erwählet, der eure Thränen alle zählet, stritt auch mit unerschöpftem Muth. Wie hat Jesus nicht gerungen! wie tief war er von Schmerz durchdrungen! wie floß sein Schweiß, wie floß sein Blut! wie standhaft trug er nicht der Leiden schwer Gewicht! wie gelassen ging er zum Tod! wie krönt' ihn Gott! wie jauchzen nun die Himmel ihm! 4. Mitgenossen seiner Leiden sind wir; einst ernten wir auch Freuden mit ihm, dem Überwinder, ein. Unverdrossen laßt uns ringen, zu unserm Haapt hindurch zu dringen und seines Himmels werth zu seyn. Der Hilf uns schafft, ist Er; sein großer Nam' ist: Herr, unfre Stärke! die ihm vertraun, die werden schaun, welchy' eine feste Burg er ist! 5. Ja, du kommst, von allem Bösen uns, deine Christen, zu erlösen; deß freu'n wir uns und danken dir. Jesu Christe, nicht verzagen soll unser Herz in trüben Tagen, auf deine Zukunft hoffen wir. Wir wissen, wer du bist, was uns verheißen ist, und sind stille. Der Himmel selbst, den du, Herr, wõibst, fall' über uns, wir zagen nicht! 15* Trost im Leiden und Sterben. Mel. Aus meines Herzens zc. 240. Der letzte meiner Tage ist mir vielleicht nicht fern, o dann wird meine Klage ein Lobgesang dem Herrn! vollbracht ist dann mein Lauf; ich trete zu dem Throne und Gott setzt mir die Krone der überwinder auf. 2. Für seines Reiches Erben hat Jesus mich erklärt; was fürcht' ich mich zu sterben, wenn er mich sterben lehrt? mir ist der Tod Gewinn! Daß ich unsterblich werde, entschwinge mich der Erde, ich, der ich Erde bin. 3. Nicht mich, nur meine Bürde verschließt die finst're Gruft, mich hebt zur höhern Würde mein Vater, der mich ruft. Er ruft mich durch den Tod, der reißt die Sündenglieder, den trågen Leib danieder; mich selbst führt er zu Gott. 4. Die Leiber seiner Frommen sind Saat, von Gott gefä't; die frohe Zeit wird kommen, da reif die Ernte steht. Dann wird der Erntetag ein ganz verjüngtes Leben auch meinem Staube geben, der tief im Tode lag. 5. Drum geh' ich, frei von Kummer, des Todes dunkle Bahn; mir bricht nach kurzem Schlummer ein ew'ger Morgen an. Heil mir! er ist nicht fern, der letzte meiner Tage; er kommt, und meine Klage wird Lobgefang dem Herrn! 228 Mel. In allen meinen Thaten 2c. 241. Wie sanft sehn wir den Frommen, nun bald der Erd' entnommen, sich seinem Biele nahn; wo sich des Lebens Freuden vom frechen Sünder scheiden, da gehn des Christen Freuden an. 2. Er lächelt seinem Ende und hebt voll Dank die Hände zu seinem Vater auf; wenn Sinn und Leib ver derben, lehrt er ihn fröhlich sterben nach einem wohlvollbrachten Lauf. 3. Sein ruhiges Gewissen bebt nicht vor Finsternissen der Bahn, die er nicht kennt; die schreckensvollen Pfade ers leuchtet ihm die Grade des Gottes, den er Vater nennt. Trost im Leiden und Sterben. 229 4. Hier fließen keine Thränen der Angst; hier åchzt kein Stöhnen der Reu', die ihn zerreißt; sein Herz, zu Gott erhoben, empfångt den Trost von oben, und Fried' und Freud' im heil'gen Geist. 5. Er segnet froh die Seinen, die um sein Lager weinen, ermahnt und tröstet sie; und seiner Treue wegen erfüllt Gott seinen Segen und weichet auch von diesen nie. 6. Die Engel steigen nieder, voll froher Jubellieder, die Seele zu empfahn; er stimmt in ihre Chöre, Anbetung, Preis und Ehre dem Mittler, seinem Heiland, an. 7. Laß, Höchster, mich bestreben, so in der Welt zu leben, wie man das Glück erwirbt, damit ich einst, ein Erbe der Seligkeit, auch sterbe, wie ein Gerechter, Frommer stirbt. Mel. Wenn mein Stündlein sc. 242. Wenn einst mein sterbend Auge bricht, mein leiter Hauch verschwindet, mein Leib erstarrt und selbst es nicht, daß er entschläft, empfindet; wenn um mich, den Entschlummernden, Gott! alle meine Lieben steh'n und angstvoll zu dir weinen: 2. Dann, Schöpfer, nimm ihn auf, den Geist, der freudig zu dir strebet, der dankbar deine Güte preist, daß er dir hier gelebet, dann tröste dadurch die um mich mit Thrånen klagen, daß nun ich zum Vater sey gegangen. Hoffnung einer seligen Fortdauer des Geistes und Auferstehung des Leibes. Mel. Wer nur den lieben Gott ic. 243. Warum erbebst du, meine Seele, bei dem Gedanken an das Grab? nicht dich umschließt einst seine Höhle, nur deine Hütte sinkt hinab. Sie schuf der UUmacht Wink aus Staub, drum wird sie der Verwesung Raub. 230 Hoffnung eines feligen Lebens nach dem Tode. 2. Du, zur Unsterblichkeit erlesen, schwingst dich empor zu Gottes Licht und schaust den Ursprung aller Wesen von Angesicht zu Angesicht; bewunderst deines Gottes Macht in jener Welten Bau und Pracht. 3. Dana, Seele, wirst du das verstehen, was hier kein weiser Mund erklärt, was, hier vollkommen einzusehen, des Wissens Trieb umsonst begehrt. Dann täuscht dich Wahn und Irrthum nicht und selbst die Finsterniß wird Licht. 4. Dann wirst du den, ach! den erblicken, den hier allein der Glaube sieht, den, der, dich ewig zu beglücken, nach Gottes Rath am Kreuz verschied; dann jauchzen, daß kein Wahn, kein Spott dich hier getrennt von deinem Gott. 5. Wenn nun der Tag des Herrn erscheinet, verläßt dein Leib der Gråber Ruh'; zum zweiten Mal mit dir vereinet, wird er unsterblich, so wie du. Drum jauchze voller Zuversicht, daß deiner Hütte Bau zerbricht. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 244. Gott, ich weiß es, meine Glieder sinken einst in Staub dahin. Krankheit, Schmerz und Grab der Brüder zeugen, daß ich sterblich bin. Das gemeine Loos, der Tod, ist mir Sünder auch gedroht. Diese Hütte wird zerstöret, von Verwesung bald verzehret. 2. Schlöffe nun des Leibes Sterben auch der Seele Tod mit ein, ach! so würde solch Verderben in dem Tode schrecklich seyn; denn was ist so fürchterlich, als die Zeit, in welcher mich die Empfindung gar verließe und ich Nichts, wie vormals, hieße? 3. Nein, der Geist wird nicht vergehen, nur der Leib erfährt den Tod, Gottes Zeugniß muß bestehen: Mensch, dein Geist kehrt einst zu Gott, geht in eine and're Welt, wenn des Leibes Bau zerfällt, lebt und denkt in jenem Stande, frei von seines Leibes Bande. 4. Jesus predigt diese Lehren sterbend noch dem Schächer ein. Heute( läßt der Herr sich hören) wirst du Hoffnung eines seligen Lebens nach dem Tode. 231 in dem Himmel seyn. Jesu letzte Rede heißt: Treuer Vater, meinen Geist übergeb' ich dir am Ende in die Obhut deiner Hände. 5. Welch ein reicher Schaß von Gaben, die des Menschen Geist besigt! sollt' er sie nur dazu haben, daß er sie auf Erden nutzt: o! so hat er schon zu viel für dies kurze Lebensziel, wenig Zeit zu den Geschäften und ein größ'res Maß von Kräften. 6. In mir wohnet ein Verlangen nach Unsterblichkeit und Licht. Güter, so auf Erden prangen, sättigen die Seele nicht. Den Trieb hab' ich von Natur und das führt mich auf die Spur: der ihn gab, wird ihn erfüllen und des Geistes Sehnsucht stillen. 7. Ja gewiß, zu Ewigkeiten ist der Geist in mir ge= macht, und gleich nach des Leibes Zeiten Seligkeit ihm zugedacht. Nimmer, nimmer kann's geschehn, daß die Seelen untergehn; was mir Gott so fest versprochen, das wird ewig nicht gebrochen. 8. Auch mein Leib wird aus dem Staube geistlich und unsterblich gehn. Jesus lebt; ich weiß und glaube, mich erweckt sein Auferstehn. Großer Trost! nun kommen mir Tod und Gruft nicht schrecklich für. Ruhet nur, ihr, meine Glieder! der Erstand'ne ruft euch wieder. 9. Unverweslich, frei von Leiden, im verklärten Lichte rein, wird mein Leib in ew'gen Freuden herrlich bei dem Mittler seyn. Gott, wie beugt sich meine Schuld dankbar g'nug vor deiner Huld, daß du, Herr, mein ganzes Wesen zu der Ewigkeit erlesen! 10. Welch ein Überfluß der Güte, Wonne, die kein Ende nimmt, hast du dies rührt mein Gemüthe-, Ewiger, für mich bestimmt. Gleichet auch ein Gut der Zeit der verheiß'nen Herrlichkeit? Gott, laß jenes mich verachten, mich nach dieser ernstlich trachten! - 11. Lehre mich in meinem Leben, wie ich nach dem ew'gen Wohl hier mit allem Eifer streben, glauben und 232 Zukünftige Seligkeit. recht leben soll. Hilf, wenn dieser Bau zerfällt, daß mein Geist in jener Welt und der Leib, erweckt vom Grabe, ewig dich und Jesum habe. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 245. Noch wallen wir im Thränenthal, gedrückt von Kummer, Müh' und Qual, doch nur noch wenig Tage! dann fliehen wir aus dieser Zeit hinüber in die Ewigkeit, weit weg von jeder Plage. 2. Dann sinkt der Leib ins kühle Grab, der Staub zu allem Staub hinab, nicht sterblich mehr zu leben; mit freiem Flug und frohem Blick keht der entbund'ne Geist zurück zu dem, der ihn gegeben. 3. O wohl ihm, war er fromm und gut, wenn er von seiner Arbeit ruht, wenn Thaten ihn begleiten! wenn er, vereint mit Jesus Christ, unstråflich, rein und fähig ist zum Glück der Ewigkeiten! 4. O hohes Glück, vor Gott zu stehn! o Freude, Jesus, dich zu sehn, und mit dir deine Glieder! zu sehen dich in deinem Licht von Angesicht zu Ungesicht, dich, Erster aller Brüder! 5. Doch erst am Tag des Auferstehns, am Tag des frohen Wiedersehns, der Umgeburt der Erde, am Tag, wenn Gottes Wunderkraft mich ganz verklärt und neu erschafft, was ich erst dann seyn werde! 6. Wie wird mir dann zu Muthe seyn, wenn alle Todten, groß und klein, o Jesus, vor dir stehen; wenn du mich dann beim Namen nennst, vor Gott und Engeln mich bekennst, ich ewig dich soll sehen. 7. Sch, ich, der jetzt noch Thränen weint, ich werde, wenn der Herr erscheint, dann leuchten, wie die Sonne! ich Sünder werd' von Sünden rein, ich Sterb licher unsterblich seyn! ich Gottes Bild und Wonne! 8. Befreit und ewig fern von Qual, getrånkt mit Freuden ohne Zahl, Gott immer, immer näher! dann Selige Unsterblichkeit des Geistes. steigt mit jedem Augenblick der Seele unaussprechlich Glück noch unaussprechlich höher! 233 9. Und aller Seraphinen Schaar, und wer auf Erden heilig war, sind Alle meine Brüder! sind Alle nun vereint mit mir, und singen ewig, Jesu, dir aus einem Munde Lieder. 10. Der Seligkeiten, Gott, wie viel! o Freuden ohne Maß und Ziel, hoch über alles Sehnen! o Ewigkeit! o Ewigkeit! was ist das Leiden dieser Zeit! wie nichts sind alle Thränen! 11. Sey stark, sey freudenvoll, mein Geist, Gott lebt, Gott hält, was er verheißt! Gott ist der Gott der Frommen! nichts, glaub' es, ist für dich zu groß, für dich, zu dem aus Gottes Schoß der eig'ne Sohn gekommen. Selige Auferstehung des Leibes. Mel. Sey Lob und Ehr' dem 2c. 246. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt; auf Felsen steht mein Glaube. Ich weiß, daß er auch mich erhebt aus der Verwesung Staube. Er lebt fürwahr, der starke Held, sein Urm, der alle Feinde fållt, hat auch den Tod bezwungen. 2. Ich habe Muth und Freudigkeit, so sehr der Tod mag drauen; was er zerstöret und zerstreut, wird Jesus einst erneuen. Mein Leib, mein sterbliches Gebein, sink immer in die Gruft hinein! das Grab umschließt's nicht ewig. 3. Mein Heiland lebt; so mag nun sich mein Leib zum Staube strecken, ich weiß, er kommt und wird auch inich zum Leben auferwecken. Er wird mich rufen aus dem Grab; wenn ich genug geruhet hab', so weckt sein Ruf mich wieder. 4. Aufs neu' umschließt mich diese Haut und eben diese Glieder; ein neuer Bau, von Gott erbaut, wird 234 Zukünftige Seligkeit. dann mein Körper wieder, und herrlicher, als er hier war, nicht mehr entstellt, nicht wandelbar, vom Sterben frei auf ewig. 5. Zwar wird der Leib der Sterblichkeit, wenn sterbend er verblühet, so aufgelöst, so weit zerstreut, daß er uns ganz entfliehet. Jedoch wie weit zerfreut er wär', dem Weltenschöpfer ist's nicht schwer, ihn wieder herzustellen. 6. Erneut wird Alles wieder stehn, wie es zuvor gewesen; was niederlag, wird Gott erhöhn, was schwach war, wird genesfen. Was die Verwesung hier zerstört, was hier der Zeiten Lauf verzehrt, das wird Gott wiederbringen. 7. O Hoffnung, die das Herz erhebt, verbannt des Todes Grauen! ich werde den, der ewig lebt, in meinem Fleische schauen. Der Leib, der hin zum Staube sinkt, erhebt sich, wenn ihm Jesus winkt, vom Staube, ihn zu schauen. 8. Ich selber werd' in seinem Licht ihn sehn und midy erquicken; mein Auge wird sein Angesicht, und wie so froh, erblicken; zum ew'gen Leben eingeweiht, werd' ich ihm dienen ohne Zeit, ich selber und kein Fremder. 9. Trotz sey nun Allem, was mir will das Sterben furchtbar machen; der Leib, der in den Staub hinfiel, wird froh daraus erwachen. Ich zage nicht, obgleich der Tod dem Körper mit Verwesung droht; denn mein Erleser lebet. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 247. Herr, du bist meine Zuverſicht, du lebst und ich soll leben. Du wirst mir, was dein Wort verspricht, Unsterblichkeit einst geben. Dein Jünger kommt nicht ins Gericht: dies stärket meine Zuversicht! 2. Hier geh' ich oftmals weinend hin, den Samen auszustreuen; dort wird der herrlichste Gewinn der Ernte Selige Auferstehung des Leibes. 235 mich erfreuen. Ich leide und verzage nicht: denn du bist meine Zuversicht. 3. Hier trag' ich deine sanfte Last, wie groß ist meine Würde! jedoch die Welt, die sie nicht faßt, nennt's fälschlich eine Bürde. Einst trifft den Spotter dein Gericht, und dann siegt meine Zuversicht! - - 4. Sink' immerhin, mein Leib, in Staub! Gott wird dich neu beleben. Hier werd' ich nur des TodesRaub; dort werd' ich ewig leben. Wie stark ist dieses Troft's Gewicht! wie sicher meine Zuversicht! 5. Herr, diesen Segen dank' ich dir. Mich aus derGruft zu heben, gingst du aus deinem Grab herfür. Du lebst und ich soll leben; ich glaub' es dir und zweifle nicht; dein Wort ist meine Zuversicht. 6. In diesem Glauben stårke mich; laß mich den Trost empfinden, den großen Trost, daß ich durch dich den Tod kann überwinden. Grab und Verwesung schreckt mich nicht: denn du bleibst meine Zuversicht. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 248. Ich freue mich der frohen Zeit, da ich werd' auferstehen; dann werd' ich in der Herrlichkeit dich, Gott, mein Heiland, sehen. Dann werd' auch ich, o Herr, durch dich ins Reich verklärter Frommen zur ew'gen Ruhe kommen. 2. Ja, Herr, du führst sie einst heran, die Stunde der Erlösung; die Stunde, da ich hoffen kann Trost, Freiheit und Genesung; da, Engeln gleich, im Himmelreich mich Ruhe, Lust und Leben in Ewigkeit umgeben. 3. Der du die Auferstehung bist, du bist's, an den ich glaube; ich weiß, daß ich durch dich, Herr Christ, im Tode nicht verbleibe. Und dein Gericht wird mich dann nicht mit Trübsal, Angst und Schrecken, so wie die Heuchler, decken. 4. Ich hoffe dann mit Freudigkeit vor dir, mein Haupt, zu stehen, und mit dir in die Herrlichkeit froh 236 Zukünftige Seligkeit. Lockend einzugehen. O hilf mir doch aus Gnaden noch, zum Glück der Ewigkeiten mich würdig zu bereiten! Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 249. Mein Heiland lebt; er hat die Macht des Todes ganz bezwungen und siegreich aus des Grabes Nacht zu Gott sich aufgeschwungen. Er ist mein Haupt; sein Sieg ist mein; sein soll mein ganzes Leben seyn und ihm will ich auch sterben. 2. Nicht ewig wird, wer dein Wort hält, den Tod, o Jesu, schauen, drum geh' ich freudig aus der Welt, das Grab macht mir kein Grauen. Ich bin getroft und un verzagt, weil du den Deinen zugesagt: ich leb' und ihr follt leben. 3. Wird gleich mein Leib des Todes Raub, er wird doch wieder leben und einst aus der Verwesung Staub sich neu verklärt erheben, wenn du, o großer Lebensfürst, nun deinen Todten rufen wirst, zum Leben aufzuwachen. 4. Wie froh und herrlich werd' ich dann vor dir, mein Heiland, stehen! dann nimmst du mich mit Ehren an, laff'st in dein Reich mich gehen. Forthin von keiner Last beschwert, an Leib und Seele ganz verklärt, leb' ich bei dir auf ewig. 5. O welch ein selig Theil ist mir in jener Welt bereitet! der Freuden Fülle ist bei dir! Bon dir, o Herr, geleitet, werd' ich in deinem Himmelreich unsterblich, deinen Engeln gleich, das höchste Glück genießen. 6. Denn, wo du bist, da sollen die, die dir hier folgen, leben, und ewig frei von Schmerz und Müh' ihr fiegreich Haupt erheben. Was sind die Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit und unbegrenzten Freuden! 7. Laß die zukünft'ge Herrlichkeit mir stets vor Augen schweben, und oft in dieser Prüfungszeit mein Herz dahin erheben, wo keine Schwachheit uns mehr drückt, wo wir, der Sterblichkeit entrückt, frohlockend vor dir wandeln. Selige Auferstehung des Leibes. 237 8. Erwecke mich dadurch zum Fleiß, der Tugend nachzustreben, und als dein Jünger, dir zum Preis, nach deinem Wort zu leben. Und fühl' ich hier noch Noth und Schmerz, so tröste dies mein banges Herz: es kommt ein beffres Leben. Mel. Ein Kindelein, so löbelich 2c. 250. Einst reift die Saat, mein Staub ersteht zum neuen ew'gen Leben. O, die ihr meinen Glauben schmäht, wie werdet ihr dann beben! wenn ihr den Sohn als Richter seht, mit Angst entflieht, vergebens fleht: fallt über uns, ihr Berge! Mein Erlöser Jesus Christ, der für mich gestorben ist, ist auch für mich erstanden. 2. Ich sinke zum Verwesen ein und werde wieder Erde; doch werd' ich nicht auf ewig seyn, was ich im Grabe werde. Im Schoße Gottes ruht mein Geist von diesem Leben aus und fleußt von Bonn' anbetend über. Ach! mein Auge sahe nie, meinem Ohr ertönte nie ein folches Heil hienieden. 3. Das lam in keines Menschen Herz, was denen Gott bereitet, die Mühe hier, die mancher Schmerz bis an den Tod begleitet. Wir schauen in das tiefe Meer, erforschen's nicht, denn Gott ist der, der unsrer sich erbarmet. Mehr, viel mehr, als wir verstehn, mehr als unfre Thränen flehn, giebt uns, der ewig liebte. 4. Sey, Seele, stark und fürchte nicht, durchs finst're Thal zu wallen. Noch an des Thales Nacht ist Licht. Der Engel Jubel schallen ins letzte Seufzen der Natur. Der bei sich selbst die Gnade schwur, sein Haupt am Kreuze neiget, der hält diesen Bundeseid, er ist ganz Barmherzigkeit. Dank sey ihm, Preis und Ehre! Seligkeit des Himmels. 251. Uue Menschen müssen sterben, dieser Leib verwelkt wie Heu; muß, gleich Samen, erst verderben, eh 238 Seligkeiten des Himmels. er herrlich wird und neu; ausziehn erst sein irdisch Wesen, wenn er anders soll genesen, und anziehn die Herrlichkeit, die ihm bleibt in Ewigkeit. 2. Darum will ich dieses Leben, das mir Gottes Güte gab, gern an ihn zurücke geben, nicht erzittern vor dem Grab. Leben quillt aus Jefu Wunden, in den alterbängsten Stunden, in der allerletzten Noth tröstet mich fein Mittlertod. 3. Jesus ist für mich gestorben, nun ist mir der Tod Gewinn; er hat mir das Heil erworben, daß ich Gottes Erbe bin. Dich verlass' ich, Weltgetümmel, willig; denn in jenen Himmel, wo er thront, werd' ich eingehn, und ihn, meinen Retter, sehn. 4. Dort erst ist das rechte Leben. Millionen stehen schon, mit des Himmels Glanz umgeben, selig da vor seinem Thron; in der Ergel Lobgesänge singt der Überwinder Menge: heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. 5. Dort ist's, wo die Båter wohnen, wo die Glaubenshelden all' prangen nun in ihren Kronen; Gott, wie groß ist derer Zahl, die in so viel tausend Jahren selig zu dir aufgefahren! welche Schaar, die dort erhöht voller Wonne vor dir steht! 6. Gottes Stadt, voll Pracht und Schöne, wie entzückend glänzest du! weiche Halleluja- Tone singt ein Chor dem andern zu! wer ermißt die hohe Wonne, wer den Glanz der ew'gen Sonne, die erleuchtet jenen Tagi wer ist, der es hier vermag? 7. Schon im Geist hab' ich erblicket jenes Heit der Ewigkeit; schon im Geist bin ich geschmücket mit des Himmels Herrlichkeit; schon im Geist steh' ich am Throne, auf dem Haupt die Siegeskrone, schau' die Wunder Got tes an, die kein Mensch aussprechen kann. 8. Möchte ich bereits dort wohnen! wär ich schon zum Tag erwacht, da Gott ruft, mich zu belohnen! wäre schon mein Bauf vollbracht! Gott, du willst, ich soll noch Seligkeiten des Himmels. 239 ringen; hilf mir so den Kampf vollbringen, daß am Ziel mein Geist einst sagt: wohl mir nun, es ist vollbracht! Mel. Wenn mein Stündlein 2c. 252. Ein Fremdling bin ich in der Welt, und kurz sind meine Tage. So manche Noth, die mich befällt, reizt mich hier noch zur Klage. Doch, Bater! deine Ewigkeit versüßt mir meine Lebenszeit und stärkt mich felbst im Leiden. 2. Jetzt, da die Sünde mich noch drückt, seufzt meine bange Seele. Wie bald ist nicht mein Herz berückt! wer merkt, wie oft er fehle! doch einst werd' ich vollkommen rein, ganz heilig und ganz selig seyn. Dies tröstet meine Seele. 3. Vor meinen Augen wandeln die, die deine Lehre schmähen, ihr freches Herz bethöret sie, daß sie dein Heil nicht sehen. Einst bebt der Spotter Heer vor dir, wenn du als Richter kommst und wir frohlockend dich erheben. 4. In stiller Nacht wein' ich oft, Herr, hinauf zu deiner Höhe. Mein schwaches Herz seufzt freudenleer, wenn ich den Morgen sehe. Ein Blick gen Himmel trostet mich, und meine Thränen stillen sich einst ganz in jenem Leben. 5. Wenn mich der Zukunft Schicksal schreckt, die Noth der fernen Tage; wenn sie in mir die Sorg' erweckt, ob ich sie auch ertrage: so mildert mir die Ewigkeit das kurze Elend dieser Zeit, daß ich doch nie verzage. 6. Wenn einst, der jetzt von ferne dráut, der Tod, mir näher winket; wenn nach der Arbeit dieser Zeit mein Haupt zum Schlummer sinket; so sterb' ich froh, die Ewigkeit zeigt mir des Himmels Herrlichkeit, die Alles übersteiget. 7. Herr, diesen Trost, der mich erfreut, vermehr' in meinem Herzen. Mich stärke deine Ewigkeit bei meiner Wallfahrt Schmerzen. Sie sey in meinem Tod mein Heil und einst mein längst gewünschtes Theil, wenn ich vom Tod erwache. Zukünftige Seligkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 253. Es ist noch eine Ruh' vorhanden für jeden Gott ergeb'nen Geist, wenn er sich dieses Körpers Banden nach Gottes Willen einst entreißt, und nun nicht mehr so eingeschränkt, als hier auf Erden lebt und denkt. 240 2. Die, Herr, zu dieser Ruhe kommen, wie selig sind doch alle die! in deinen Himmel aufgenommen, ruhn sie von dieses Lebens Müh. Nach aller Laft, die sie ge drückt, wird ewig nun ihr Herz erquickt. 3. Wie Mütter ihre Kinder trösten, so segnet mit 3ufriedenheit auch deine Gnade die Erlösten nach überstand'ner Prüfungszeit; du selbst machst ihnen offenbar, wie gut, Herr, deine Führung war. 4. Da schweigen alle ihre Klagen; da bringt mit frohem Lobgesang selbst für die ausgestand'nen Plagen dir ihre Seele Preis und Dank. Nun jauchzen sie: cs ist vollbracht, der Herr hat Alles wohlgemacht! 5. Wie Gott von seinen Werken ruhte, als er die Welt hervorgebracht, so sehn auch mit zufried'nem Muthe, vom Herren selbst gerecht gemacht, die Frommen bei dem ew'gen Glück auf ihr vollbrachtes Werk zurück. 6. Forthin erwartet sie kein Leiden, kein Schmerz und keine Schwachheit mehr. Gott führt sie zu vollkommnen Freuden und krönet sie mit Preis und Ehr'. Dunaussprechlich süße Ruh'! wie herrlich, Höchster, segnest du. 7. Wer kann hier deine Gnade faffen! du willst den, der dich redlich liebt, nicht ewig in der Unruhy lassen, die dieses Leben noch umgiebt. S mache mich doch in der Beit geschickt zu dieser Seligkeit. 8. Mein Heiland, der du selbst auf Erden der Leiden Soch getragen hast, will ich des Lebens müde werden und fühl ich dieser Tage Last: so stärke mächtig meinen Geist, daß er dem Unmuth sich entreißt. 9. Gieb, daß in Hoffnung jener Ruhe, die Gottes Volk verheißen ist, ich gern des Vaters Willen thue, wie Seligkeiten des Himmels. du darin mein Vorbild bist: so folget nach der Prüfungszeit einst völlige Zufriedenheit. 241 Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 254. Nach einer Prüfung kurzer Tage führst du uns, Gott, zur Ewigkeit. Dort endet sich der Deinen Klage in himmlische Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, und dort reichst du ihr selbst den Preis. 2. Du schenkst dem Frommen zwar auf Erden schon manchen sel'gen Augenblick; doch alle Freuden, die ihm werden, sind ihm noch kein vollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch und seine Ruh' nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald das Geräusche dieser Welt; bald kåmpft in seinem eignen Herzen ein Feind, der öfter siegt, als fällt. Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld in Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, das Laster öfters glücklich ist, wo man den Glücklichen beneidet und des Bekümmerten vergißt; hier kann der Mensch nie frei von Pein, nie frei von eig'ner Schwachheit seyn. 5. Hier such' ich's nur, dort werd' ich's finden; dort werd' ich, heilig und verklärt, der Tugend ganzen Werth empfinden, den unaussprechlich großen Werth! Dich, Gott der Liebe, werd' ich sehn, dich lieben, eroig dich erhöh'n. 6. Da wird, o Herr, dein heil'ger Wille mein Will' und meine Wohlfahrt seyn, und lieblich Wesen, Heil die Fülle, an deinem Throne mich erfreun. Dann låßt Gewinn stets auf Gewinn mich fühlen, daß ich selig bin. 7. Da werd' ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah; das wunderbar und heilig nennen, was unerforschlich hier geschah: da denkt mein Geist mit Preis und Dank die Schickung im Zusammenhang. 8. Da werd' ich zu dem Throne dringen, wo Gott, mein Heil, sich offenbart; ein Heilig, Heilig, Heilig singen dem Lamme, das erwürget ward; und Cherubim und Seraphim und alle Himmel jauchzen ihm! Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. 16 Seligkeiten des Himmels. 9. Da werd' ich in der Engelscharen mich ihnen gleich und heilig sehn; das nie gestörte Glück erfahren, mit Frommen stets fromm umzugehn. Da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, der Got tes Weg mich gehen hieß, und ihn zu Millionen Malen noch segnen, daß er mir ihn wies. Da find' ich, Herr, in deiner Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 242 11. Da ruft- o möchtest du es geben!- vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sey dir! denn du haft mein Leben, die Seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dies Glück erfreun, der Retter einer Seele seyn! 12. Was send ihr, Leiden dieser Erden, doch gegen jene Herrlichkeit, die an uns offenbart soll werden von Ewigkeit zu Ewigkeit! wie nichts, wie gar nichts gegen sie ist doch ein Augenblick voll Måh'. Mel. Wie schön leucht't uns zc. 255. Mein ganzer Geist, Gott, wird entzückt, wenn er nach jenem Himmel blickt, den du für uns bereitet, wo deine milde Vaterhand aus neuen Wundern wird er kannt, die du daselbst verbreitet. Mächtig fühl' ich mich erhoben, dich zu loben, der zum Leben, das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, die dort bei dir zu finden! di stellst uns hier auf Erden zwar viel' Wunder deiner Güte dar zum fröhlichen Empfinden; doch hier sind wir bei den Freuden noch mit Leiden stets umgeben; dort nur ist vollkomm'nes Leben. nie. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab. Dort wi schest du die Thrånen ab von deiner Kinder Wangen. Da ist kein Leid mehr, kein Geschrei, denn du, o Herr, machst Alles neu; das Alte ist vergangen; hinfort sind dort für Gerechte, deine Knechte, keine Plagen mehr zut Prüfung zu ertragen. Seligkeiten des Himmels. 243 4. In unsers Gottes Heiligthum schallt seines Namens hoher Ruhm von lauter frohen Zungen. Hier strahlt die Herrlichkeit des Herrn; hier schaut man sie nicht mehr von fern; hier wird sie neu besungen. Völlig giebt sich den Erlösten, sie zu trösten, der zu kennen, den sie hier schon Vater nennen. 5. Vor seinem Untlik wandeln sie, auf ewig frei von aller Müh', und schmecken seine Güte; hier stört den Frieden ihrer Brust und ihre tausendfache Luft kein feindliches Gemüthe. Kein Neid, kein Streit hemmt die Triebe reiner Liebe unter Seelen, die dann weiter nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schaar ist dort vereint! die Frommen, die ich hier beweint, die find' ich ewig wieder. Dort sammelt deine Vaterhand, die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder. Ewig werd' ich, frei von Mängeln, selbst mit Engeln, mir zum Segen, da die reinste Freundschaft pflegen. 7. Wo ist mein Freund, des Höchsten Sohn, der mich geliebt, wo glånzt sein Thron? In jenen Himmelshöhen, da werd' ich dich, Herr Jesu Christ, so menschenfreundlich als du bist, auch mit Entzücken sehen. Da wird, mein Hirt, von den Freuden nichts mich scheiden, die du droben deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, die Gott den Frommen vorbehålt! Kein Mensch kann sie erwerben. O Jesu, Herr der Herrlichkeit! du haft die Ståtte mir bereit't; hilf sie mir auch ererben! laß mich eifrig darnach streben und so leben auf der Erde, daß ich dort dein Erbe werde. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 256. wie unaussprechlich selig werden wir im Himmel seyn! da, da ernten wir unzählig unsers Glaubens Früchte ein. Da wird ohne Leid und Zähren unser Leben ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit führst du uns durch diese Zeit! Gior 16* Seligkeiten des Himmels. 2. Hier ist zwar, was du den Frommen dort für Glück bereitet hast, noch in Keines Herz gekommen. Wel cher Mensch auf Erden faßt deines Himmels Herrlichkeiten? doch im Glanz der Ewigkeiten werden Alle, die dir traun, mehr noch, als sie hoffen, schau'n. 244 3. Neue Wunder deiner Güte werden da ihr Glück erhöh'n. Mit erstaunendem Gemüthe wird dann unser Auge sehn: deine Huld sey überschwenglich, und die Wohlfahrt unvergånglich, die dem, der dich redlich liebt, deine Vaterhand dort giebt. 4. Dann wirst du dich unsern Seelen offenbaren wie du bist. Keine Lust wird da uns fehlen, wo das Land der Wonne ist. Zu vollkommnen Seligkeiten wird uns dort der Mittler leiten, der uns dieses Glück erwarb, als am Kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner frommen Menge ein Herz, eine Seele seyn, Dienst und Dank und Lobgesånge dir, er hab'ner Gott, zu weihn, dir und dem, der selbst sein Leben willig für uns hingegeben. Mit ihm, unserm größten Freund, sind wir ewig dann vereint. 6. O wer sollte sich nicht sehnen, aufgelöst und da zu seyn, wo nach ausgeweinten Thränen ew'ge Güter uns erfreun; wo sich unser Kampf in Palmen, unser Klagelied in Psalmen, unsre Angst in Lust verkehrt, die forthin kein Kummer stört. DE 7. Was ist unser Loos auf Erden? Ob's auch noch so köstlich sey, ist's doch nie ganz von Beschwerden, Sor gen, Furcht und Kummer frei. Schnell folgt hier auf Lust oft Weinen; dort nur wird die Zeit erscheinen, wo kein Wechsel mehr uns beugt, wo das Glück beständig steigt. 8. Sey, o Seele, hoch erfreuet über das erhab'ne Glück, das dir einst dein Gott verleihet! richte deines Glaubens Blick oft nach jener Stadt der Frommen, mit dem Ernst dahin zu kommen. Trachte, weil du hier noch bist, nur nach dem, was droben ist. 9. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Seligkeiten des Himmels. 245 Himmel gehn. O, so mache immer reiner hier mein Herz, dich einst zu sehn. Hilf du selber meiner Seele, daß sie nicht den Weg verfehle, der mich sicher dahin bringt, wo man ewig dir lobsingt. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich zc. 257. Mein Heiland, wenn mein Geist, erfreut, im Glauben auf die Herrlichkeit des ew'gen Erbtheils blicket, daß du für mich bereitet haft: wie leicht dünkt mir dann jene Laft, die mich hienieden drücket! dann wird der Eitele keiten Tand in seiner Nichtigkeit erkannt. Der Erde Pracht ist mir wie nichts beim Anblick jenes ew'gen Lichts. Herr Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! dies Heil verdank' ich deinem Tod. 2. Wenn einst auf deinen Wink mein Geist des Körpers Banden sich entreißt, dann stårk' ihn aus der Höhe, daß mir nicht schrecklich sey das Grab, daß ich ins Todesthal hinab getrost und freudig gehe. Die Klarheit jener bessern Welt schaff', wenn mich Dunkelheit befällt, in meinem finstern Herzen Licht und Heiterkeit im Angesicht. Herr Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! dann wird zum Schlummer mir der Tod. 3. Und wenn mein Geist aus Schüchternheit fich dennoch vor dem Tode scheut, weil ihn die Sünden krån= ken, dann laß mich, Herr, auf deinen Tod die Hoffnung baun: es werde Gott der Sünden nicht gedenken. Der Trost, den du auch mir erwarbst, als du zum Heil der Sünder starbst, und den dein Wort mir selbst verhieß, der mache mir das Sterben süß. O Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! verlaß mich nicht in meinem Tod. 4. Auf kurze Zeit schließt sich zur Ruh' mein thrånenvolles Auge zu und schlummert in dem Staube. Doch der, der mich zum Grabe ruft, der ruft mich einst auch aus der Gruft; ich weiß, an wen ich glaube. Er lebet, und ich werd' durch ihn der Grabesnacht gewiß entfliehn. 246 Seligkeiten des Himmels. Mein Geist und mein verklärt Gebein wird sich des Herrn, des Mittlers, freun. Herr Jesu Christ! mein Herr und Bott! mein Herr und Gott! zum Leben machst du mit den Tod. 5. Du bleibst mein Trost! mich schrecket nicht der Erde Brand, das Weltgericht, der Donner der Posaunen. Vor deinem Thron werd' ich dann stehn, dich, Richter aller Völker, fehn, dich sehn und froh erstaunen. Auch mir schenkst du dann jenes Heil, der Auserwählten fel'ges Theil. Ich soll, dein Mund schwur es mir zu, ich soll lebendig seyn wie du. Herr Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! stårk' diesen Glauben einst im Tod! VIII. Vom Wege zur Glückseligkeit oder von der Ordnung, darin man jenes Gute erlangt. Gläubige Annahme und Ausübung der christlichen Religion. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 258. Herr, ohne Glauben kann kein Mensch vor dir bestehen, drum wend' ich mich zu dir mit demuthsvollem Flehen: o zünde selbst in mir den wahren Glauben an, weil ich durch meine Kraft ihn mir nicht geben kann. 2. Dein Daseyn laß mich, Gott, mit Überzeugung glauben. Nichts müsse mir das Wort aus meinem Her zen rauben, daß du dem, der dich sucht, stets ein Vergel ter seyst, und hier und ewig ihn mit deinem Heil erfreust. 3. Wahrhaftig ist dein Wort; laß mich ihm völlig trauen. Nie wanket deine Treu'; laß mich darauf stets bauen. Gieb, daß ich dir im Glück und Unglück stets getreu, und dem, was du gebeutst, von Herzen folgsam sey. Vom Wege zur Glückseligkeit. 247 4. Laß mich, mein Jesu, dich im Glauben recht er= kennen; dich meinen Herrn und Gott mit ganzer Seele nennen. Laß mich im Glauben thun, was du mir hast gelehrt, daß dich Herz, Mund und That als meinen Heiland ehrt. 5. Dein göttliches Verdienst sey mir, o Herr, stets theuer. Es fülle mich mit Trost, es mache mich stets freier vom schnöden Lasterdienst. Es stårke mich mit Kraft zu deines Namens Ruhm in meiner Pilgrimschaft. 6. Wie selig leb' ich dann im Glauben schon auf Erden! wie herrlich wird mein Theil dereinst im Himmel werden! dann schau' ich, was ich hier geglaubt, in ew'ger Ruh'. O stårk' im Glauben mich, Gott meines Heils, dazu. Mel. Es wolle Gott uns gnädig zc. 259. Bewahre mich, Herr, daß der Wahn nie mein Gemüth bethöre, als wår' es schon genug gethan, wenn dir nur auß're Ehre der Mensch, dein Unterthan, erweist. Erinn're mein Gewissen, wie in der Wahrheit und im Geist die dich verehren müssen, die dir gefallen wollen. 2. Die kommen nicht ins Himmelreich, die Herr! zu Jesu sagen, und nicht mit rechtem Ernst zugleich der Heiligung nachjagen. Nur die, die deinen Willen thun, läßt du als deine Kinder, o Gott, in ew'gem Frieden ruhn, wenn heuchlerische Sünder von dir verstoßen werden. 3. Drum laß mich doch vom Glauben nie ein heilig Leben trennen; mich nicht für Jesu Jünger hie bloß äußerlich bekennen. Gieb, daß mein Glaube thätig sey und Tugendfrüchte bringe; daß ich, vom Sündendienste frei, mit Eifer darnach ringe, im Guten zuzunehmen. 4. Du kennst, o Gott, der Menschen Herz, und liebst, die redlich handeln. O laß in Freude, wie im Schmerz, mich richtig vor dir wandeln. Dein Wille sey mein Augenmerk; hilf mir selbst ihn vollbringen! durch 248 Heilsordnung. Besserung dich muß jedes gute Werk dem glücklich noch gelingen, der deine Hülfe suchet. 5. Doch wenn ich aus Unwissenheit und übereilung fehle, so thu' an mir Barmherzigkeit und richte meine Seele durch deine Gnade auf vom Fall. Erhalt' mich bei dem Einen, daß ich dich fürchte überall, bis ich einst mit den Deinen dir ohne Fehltritt diene! Bekehrung und Besserung durch Buße und Glauben an Jesum. Erweckung zur Bekehrung. Mel. Werde munter, mein Gemüthe sc. 260. Höchster, denk' ich an die Güte, die du mir bis her erzeigt: o so wird mein ganz Gemüthe zu der tiefsten Scham gebeugt, daß ich dich gering geschätzt, dein Gebot häufig verlegt, und dich, der du mich geliebet, mit Ver gehungen betrübet. 2. Alle meine Seelenkräfte, meine Glieder sind ja dein, und sie sollten zum Geschäfte deines Dienstes fertig seyn. O wie hab' ich sie entweiht; ach! zur Ungerech tigkeit und zum schnöden Dienst der Sünden ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Vas ter, neu. Von wie manchen schweren Sorgen machtest du mein Herz mir frei! Was mir nützte, gabst du mir. Aber ach! wie dankt' ich dir? O wie hab' ich so vermessen deines Wohlthuns Zweck vergessen! 4. Gott, du bist so reich an Gnaden! sollt' ich nicht die Sünde fliehn und um Rettung von dem Schaden meiner Seele mich bemühn? Deine Güte lockte mich oft zur Buße, aber ich floh vor ihrem sanften Locken, suchte mich selbst zu verstocken. 5. Ach, an dir hab' ich gesündigt, Gott, mein Bater, ohne Scheu! dir hab' ich oft aufgekündigt meine durch Buße und Glauben. 249 schuld'ge Kindestreu'. Ach vergieb, was ich gethan! nimm mich doch erbarmend an! führe mich vom Súndenpfade schnell zurück durch deine Gnade! 6. Dir ergeb' ich mich aufs neue; gieb, daß mein beschwerter Geist deiner Vaterhuld sich freue, die mein Heiland mir verheißt. Was dein Sohn auch mir ers warb, da er für die Sünder starb, Fried' und Freude im Gewissen, ach! das laß auch mich genießen. 7. Stärke selbst in meiner Seele den Entschluß, mich dir zu weihn! Gieb, daß mir's an Kraft nicht fehle, folgsam deinem Wort zu seyn. Deine Allmacht steh' mir bei; mach' du mich selbst recht getreu; dich zu lies ben, dir zu leben, sey mein herzlichstes Bestreben. Mel. Vater unser im Himmelreich ic. 261. So wahr ich lebe! spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod; ich, sein Erbarmer, will vielmehr, daß er von Sünden sich bekehr', sich beff're in der Gnadenzeit und mit mir leb' in Ewigkeit. 2. Dies Wort bedenk', o Sünder, wohl, verzage nicht verzweiflungsvoll; du nimmst an der Erlösung Theil; hier findest du Trost, Gnad' und Heil, und Gott besiegelt's mit dem Eid; o selig, wem die Sünd' ist leid! 3. Doch hüte dich vor Sicherheit, denk' nicht: zur Buß' ist's immer Zeit, ich will mich meines Lebens freun, und werd' ich dessen müde seyn, alsdann will ich bekehren mich, Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ist es, Gott ist stets bereit zum Wohlthun, zur Barmherzigkeit; doch, wer auf Gnade Böses thut, und der Versöhnung theures Blut verachtet, seiner selbst nicht schont, dem wird, wie er verdient, gelohnt. 5. Durch seinen Sohn ist er bereit, zu schenken Glück in Ewigkeit. Allein entdeckt sein Wert dir wohl, wer von uns morgen leben soll? Daß du mußt sterben, ist dir kund; verborgen ist die Todesstund'. 6. Heut' lebst du, heut' bekehre dich; eh' morgen Heilsordnung. Besserung kommt, kann's åndern sich; wer heut' ist stark, gesund und schön, kann morgen an dem Grabe stehn; stirbst du nun ohne Beff'rung hin, wie willst du dem Gericht entfliehn? 7. Hilf, o Herr Sesu, hilf du mir, daß ich mich glaubig nahe dir, und mich bekehre unverweilt, eh' mich mein Ende übereilt, damit ich heut' und jederzeit zu meinem Tode sey bereit. 250 Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 262. Seele! Seele! willst du nicht dich entschließen, Gott zu lieben? stets vergessen deine Pflicht? undankbar Gott stets betrüben, seine Gnade stets verschmåhn? stets in Sünden weiter gehn? 2. Shm, der dich sanft zu sich lockt, wolltest du stets widerstreben? immer fühllos und verstockt nur nach eitlen Lüften leben? immer im verkehrten Sinn Todespfade wallen hin? 3. Liebe hat dir Gott gewährt; und du wolltest ihn nicht lieben? wolltest das, was er begehrt, ihm versagen und nicht üben? immer thun, was er verbeut? haffen das, was ihn erfreut? 4. Hast du etwas Gutes wohl, was nicht Gottes Gabe wäre, was er dir nicht gütevoll mitgetheilt und ihm gehöre? sind dein Leben, dein Verstand nicht Geschenke seiner Hand? 5. Richten, richten konnt' er dich, dem Verderben übergeben; aber er erbarmte sich, und damit du möchtest leben, sandte er von seinem Thron dir zum Retter seinen Sohn. 6. Daß du jetzt noch lebst und denkst, ist bloß Güte deines Gottes. Denke, wärst du nicht schon längst, schwacher Mensch, ein Raub des Todes, hätte Gott dich nicht bewacht und bedeckt durch seine Macht! 7. Rühret deines Gottes Huld, rührt der Reichthum seiner Güte, seine schonende Geduld, rühret dies nicht durch Buße und Glauben. 251 dein Gemüthe: o so denk an sein Gericht, denn es eilt und säumet nicht. 8. Siehe um dich, Sterblicher! sieh', der Tod geht dir zur Seite; und wer weiß, wer weiß, ob er dich nicht heute, ja noch heute, eh' sich endigt dieser Tag, hin zum Richter führen mag? 9. Såume nicht, o Seele, eil'! jetzt hast du noch Zeit in Händen; suche sie zu deinem Heil doch so weise. anzuwenden, daß dich nicht zu spåt gereut die versäumte Gnadenzeit. 10. Kehre ungesäumt zum Herrn; such' in Christo seine Gnade. Werde fromm, und wandle gern die von ihm gezeigten Pfade; er wird dir selbst Kraft verleihn, dich mit seinem Heil erfreun. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 263. Entschließe dich, und thue Buße, da noch des Hirten Stimme lockt. Uch! falle Gott noch heut' zu Fuße! bleibst du noch fühllos und verstockt, wie würde deine Straf' und Pein fo fürchterlich, so schwer einst seyn! 2. Am Rufen läßt es Gott nicht fehlen! hör' du nun auch und bess're dich. Noch kannst du Fluch und Segen wählen. Gott selbst bezeugt ja väterlich: ihn jammre deine große Noth, er wolle nicht des Sünders Tod. 3. Bedenk, was kannst du noch begehren, das Gott nicht schon an dir gethan? er will, du sollst zum Himmel kehren, beut dir die Gnad", zeigt dir die Bahn; bezeugt, er sey dir treu und hold, er wolle, daß du leben sollt. 4. Jetzt will dir Gott noch Gnade schenken; du aber wolltest sie verschmähn? und eher nicht an Beff'rung denken und Lust und Kraft dazu erflehn, als bis der Tag des Heils entflohn, bis Todesschrecken dich bedrohn? 5. Verlaff' nicht auf die letzten Stunden, nicht auf des Schachers Beispiel dich, der Gnade noch am Kreuz gefunden; der Undre neben ihm erblich und ging mit unbekehrtem Sinn an seinen Ort zum Richter hin. -- Heilsordnung. Besserung 6. Wir können uns nicht selbst bekehren, nicht schaf fen unsre Heiligung, Gott muß selbst dem Verderben wehren und fördern unsre Besserung. Von obenher nur kommt die Kraft, die neue Herzen in uns schafft. 252 7. Von oben diese Kraft zu senden, ist Gott zwar immerdar bereit; allein sie heilsam anzuwenden, verlierst du Kraft und Lust und Zeit, je långer du die Sünde liebst und deine Besserung verschiebst. 8. Der Kampf wird schwerer, und du träger zum Wachen, Streiten und Entfliehn; die Sünde mächtiger, du schwächer, dich ihrer Herrschaft zu entziehn. Und weißt du denn, wie viele Zeit dir Gott zum Heile noch verleiht? 9. Jetzt zeigt er dir noch seine Gnade; wend' sie zu deinem Heile an. Kehr' ungesäumt vom Sündenpfade und werde Christo unterthan. Schmeck, welch ein Heil er dem gewährt, der sich rechtschaffen zu ihm kehrt. 264. Mein Heiland nimmt die Sünder an, die bei der schweren Last der Sünden kein Mensch, kein Engel trösten kann, die nirgend Ruh' und Rettung finden. Ja Allen, welchen Fluch und Tod, Gesetz und ihr Gewissen droht, die stets den Richter fürchten müssen und keine fich're Zuflucht wissen, wird eine Freistatt aufgethan: denn Jesus nimmt die Sünder an. 2. Aus Liebe zu den Sündern kam der Heilige herab zur Erde, und ward ein Mensch, und übernahm die Bürde, welche sie beschwerte; er fenkte sich in ihre Noth, ging für sie willig in den Tod, und nun, da er sein eigen Leben, sie zu verföhnen, hingegeben und so für sie genug gethan, so heißt's: er nimmt die Sünder an. 3. Wer hat jemals ein Herz gesehn, daß sich mehr nach den Sündern sehnt, sowohl, wenn sie noch irre gehn, als wenn ihr Auge vor ihm thränt? wie huldreich ist sein Blick und Wort den Zöllnern und den Sündern dort, durch Buße und Glauben. 253 die sich mit Reu' und mit Thränen nach seiner Huld und Freundschaft sehnen! wie willig nimmt er Alle an, die sich bußfertig zu ihm nahn. 4. Wie huldreich sah er Petrum an, obgleich er noch so tief gefallen! noch theurer, was er dort gethan; sein Auge blickt noch stets nach Allen, daß er sie rette und erfreu'. Er bleibt stets gutevoll und treu; ist, wie dort, unter Schmach und Leiden, so jetzt noch auf dem Thron der Freuden, den Sündern liebreich) zugethan und nimmt sich ihrer herzlich an. 5. So nahe denn, wer Sünder heißt, wen seiner Sünden Last beschweret, zu dem, der keinen von sich weist, der Heil und Trost von ihm begehret! sollt' er vergeblich nach dir sehn? Verlorner, wolltest du ihn schmähn, den Retter, welcher dir erschienen, und långer noch der Sünde dienen? Nein! fliehe von der Sünden Bahn zu ihm, er nimmt die Sünder an! 6. Ist deiner Sünden Menge schwer, hast du viel Schuld auf dich geladen: so schåme dich um desto mehr; doch fliehe nicht vom Thron der Gnaden. Wenn du es jest recht ernstlich meinst, aufrichtig deine Schuld be= weinst: so läßt bei noch so großen Sünden dich doch dein Mittler Gnade finden. Er, der für sie genug gethan, nimint auch die größten Sünder an. 7. Nur sage nicht: es hat noch Zeit; noch diese Lust muß ich genießen; Gott wird ja eben nicht schon heut' die offne Thür der Gnade schließen. Nein, weil er ruft, so höre du, und greif mit Glaubenshånden zu! wer diesen Tag sein Heil verträumet, hat eine Gnadenzeit verfáumet, die ihm der Himmel aufgethan. Heut' komm! heut' nimmt dich Jesus an. 8. Du, aller Sünder Heiland, rühr durch deine Liebe unsre Herzen. Ach! möchten Sünder doch vor dir nicht fliehen und ihr Heil verscherzen! erfüllt die Sünde uns mit Schmerz, so heil' und tröste unser Herz; wenn wir Tod und Verderben sehen, so laß uns doch nicht stille 254 Heilsordnung. Besserung stehen, bis daß nun Jeder sagen kann: Heil mir! auch mich nahm Jesus an! Mel. Werde munter, mein Gemüthe sc. 265. Schaffet, schaffet, Menschenkinder, schaffet eure Geligkeit! bauet nicht, wie sichre Sünder, auf die un gewisse Zeit; unverweilt bekehret euch, ringet nach dem Himmelreich und bemüht euch hier auf Erden heilig, selig dort zu werden. 2. Doch soll dieses recht geschehen, so müßt ihr mit festem Muth aller Sünde widerstehen, nur was Gott, das höchste Gut, von euch fodert, muß allein eures Lebens Richischnur seyn; das, das wird dem reinen Herzen Freude bringen ohne Schmerzen. 3. Selig, wer durch Glauben kämpfet! selig, wer im Kampf besteht, wer der Sünde Lüste dämpfet, standhaft ihren Reiz verschmäht! seht auf Christi Kreuzesschmach, jaget stets der Jugend nach, so könnt ihr den Himmel erben, fröhlich leben, fröhlich sterben. 4. Werdet ihr nicht standhaft ringen, sondern tråg' und lässig seyn, eure Neigung zu bezwingen: wie kann euch der Sieg erfreun? ohne tapfern Streit und Krieg folget nie Triumph und Sieg; nur den Sieger schmückt zum Lohne unverwelkt die Himmelskrone. 5. Brünstig beten, allzeit wachen, die Versuchung weislich fliehn, sich die Pflicht zur Freude machen, und mit Sorgfalt sich bemühn, selbst beim Spott und Hohn der Welt das zu thun, was Gott gefällt: dieses wollen und vollbringen heißet nach dem Himmel ringen, 6. Drum entreißet euch den Lüsten, die ihr noch ge fesselt send, und beweiset euch als Christen, muthig, standhaft in dem Streit. Schont der liebsten Sünde nicht, wär' es auch die schwerste Pflicht, und denkt oft an Christi Worte; dringet durch die enge Pforte! 7. 3ittern will ich vor der Sünde und dabei auf Jefum sehn, daß ich seinen Beistand finde, in der Gnade durch Buße und Glauben. 255 zu bestehn. Ja, mein Heiland, ach! geh' nicht mit mir Armen ins Gericht. Gieb mir deines Geistes Waffen, meine Seligkeit zu schaffen. 8. Gieb zum Wollen das Vollbringen, Muth und Kräfte zu dem Streit; lehre mich, mich selbst bezwingen, und verleih' Beständigkeit. Zeige mir von deinem Thron den verheiß'nen Gnadenlohn, daß ich wache, bete, ringe und also zum Himmel dringe. Wider den Aufschub der Bekehrung. Mel. Nun danket Alle Gott 2c. 266. Laß mich doch, e mein Gott, die Buße nicht aufschieben, die mir dein Wort gebeut. Wie könnt ich sonst mich lieben? ist wahre Besserung nicht meiner Seele Glück? o warum saum' ich denn noch einen Augenblick? 2. Du, Gott, gewinnest nichts, wenn ich mich die ergebe, und, deiner werth zu seyn, im Glauben mich bestrebe. Wenn ich das Gute thu', was mir dein Wort gebeut, wem dien' ich)? nur mir selbst und meiner Seligkeit. 3. So süß das Laster ist, so giebt's doch keinen Frieden; der Tugend nur allein hast du dies Glück beschieden. Wer dir, o Gott, gehorcht, erwählt das beste Theil; wer dich, o Gott, verläßt, verläßt sein eignes Heil. 4. Was weig're ich mich denn, das Laster zu verlassen? weil es mein Unglück ist, befiehlst du es zu haffen. Was saum' ich långer noch, der Tugend Freund zu seyn? weil sie mich glücklich macht, befiehlst du sie allein. 5. Die Buße führt mich nicht in eine Welt voll Leiden! sie führt zur Ruh', zum Glück, sie führt zu wahren Freuden; fie macht die Seele rein, erfüllt mit Buversicht, giebt Weisheit und Verstand und Muth zu jeder Pflicht. 6. Wahr ist es: es ist schwer, sein eigen Herz be= kämpfen, Begierden widerstehn und seine Lüste dämpfen; doch bleibt es meine Pflicht, und alle Schwierigkeit, die heute mich erschreckt, wird größer mit der Zeit. Heilsordnung. Besserung 7. Je öfter ich das thu', was böse Lust befohlen, je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen. Scheu' ich mich heut' nicht, dein Feind, o Herr, zu seyn, um wie viel weniger werd' ich mich morgen scheun! 8. Die Selbstbeherrschung schafft ein göttliches Vergnügen; und du, Gott, giebst uns Kraft, uns selber zu besiegen. Es sey denn schwer und geh' im Anfang langfam fort, fo bringt's doch Heil, und du stärkst uns, Herr, durch dein Wort. 256 9. Wie schnell kann nicht der Tod mich dieser Welt entrücken! und Buße ist kein Werk von wenig Augenblik ken. Ein Seufzer, Gott, zu dir, ein Wunsch nach Besserung, und Angst auf Missethat ist noch nicht Heiligung. 10. Noch heute, da ich leb' und deine Stimme höre, gieb, daß ich ungesäumt mich, Herr, zu dir bekehre: so darf ich nicht dereinst zu meiner größten Pein mein hier versäumtes Glück, wiewohl zu spåt, bereun. Entschließung zur Bekehrung und Bitte um gött lichen Beistand dazu. Mel. Es ist gewißlich an der 2c. 267. Ich will von meiner Missethat mich, Herr, zu dir bekehren, und will auf dein Gebot und Rath dir neue Treue schwören. Mein Gott, du wirst mir dazu Kraft durch den, der neue Herzen schafft, aus Gnaden auch ge währen. 2. Der Mensch kann sein Verderben nicht aus eig ner Kraft empfinden; er ist, ohn' deines Wortes Licht, blind, taub, ja todt in Sünden. Verderbt ist Wissen, Wollen, Thun; von diesem Elend wollst du nun, o Vater, mich entbinden. 3. Klopf durch Erkenntniß bei mir an und führ' mir wohl zu Sinnen das Böse, welches ich gethan; du kannst, mein Herz gewinnen, daß ich vom Lafter mich bekehr', daß über meine Wangen her reuvolle Thränen rinnen. durch Buße und Glauben. 257 4. Wie hast du doch auf mich gewandt den Reichthum deiner Gnaden! mein Leben dank' ich deiner Hand; du hast mich überladen mit Ruh', Gesundheit, Ehr' und Brod; du machst, daß mir noch keine Noth bisher hat können schaden. 5. Du ließest deinen Sohn für mich am Stamm des Kreuzes bluten; dein guter Geist bemühte sich mit meiner Zucht zum Guten; bisweilen bin ich auch dabei, daß ich nicht lebte ohne Scheu, gestäubt mit Vater- Ruthen. 6. Hab' ich nun auch, o Gott, vor dir zu wandeln mich beflissen? Ach nein! das sagt zur Schande mir mein aufgeweckt Gewissen. Darin ist leider nichts gesund; es fühlet, durch und durch verwund't, was Sünder leiden müssen. 7. Die Thorheit meiner jungen Jahr', die vielen schnöden Sachen, die Sünden, die dir offenbar und jetzt in mir erwachen, die liegen wie ein Berg auf mir, weil sie mich, Heiligster, vor dir verdammenswürdig machen. 8. Ach! meine Gräuel allzumal schåm' ich mich zu gestehen; groß sind sie und fast ohne Zahl, wer kann sie übersehen! unsäglich schwer ist ihr Gewicht! und gehst du mit mir ins Gericht, so müßt' ich gar vergehen. 9. Bisher hab' ich in Sicherheit ganz unbesorgt geschlafen; gedacht, es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen; er handelt nicht nach unsrer Schuld, es hat der gute Hirt Geduld mit den verirrten Schafen. 10. Jetzt aber endlich, jetzt erwacht mein Herz mit Ungst und Schrecken. Ich zitt're vor des Richters vor der uns nichts kann decken. Und was wird nun mein Urtheil seyn? Ach, ewig ist der Laster Pein, die Leib und Seel' beflecken! 11. Wo bleib' ich denn in dieser Noth? nichts helfen Thor und Riegel! wo flieh' ich hin? o Morgenroth, ertheil' mir deine Flügel! verbirg mich, o du fernes Meer! bedecket mich, fallt auf mich her, ihr Klippen, Berg' und Hügel! Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 17 258 Heilsordnung. Besserung durch Buße 2c. 12. Ach! ach! umsonst; und könnte ich hinauf zum Himmel steigen, und dann auch zur Verbergung mich her ab zur Hölle neigen: dein Auge dringt durch Alles sich, du kannst an allen Orten mich in meiner Schande zeigen. 13. Herr Jesu, du, du machst uns rein und heileft uns're Wunden; du willst des Sünders Zuflucht seyn bis zu den letzten Stunden. Dir ist gewiß, o Gotteslamm, auch meine Schuld am Kreuzesstamm zu tragen aufge bunden. 14. Dies glaub' ich, Herr, und fleh' zu dir: nimm weg den Fluch und schenke den Segen deines Todes mir, nicht meiner Sünden denke; vielmehr, um jener Straf und Laft, die du auf dich genommen hast, ins Meer sie alle senke. 15. Dann will ich, Herr, aus Dankbarkeit den Weg der Sünde meiden; die Tugend lieben allezeit, und lieber Alles leiden, als daß ich Sünd' aus Vorsatz thu'. Uch, Herr, gieb du stets Kraft dazu, bis ich von hier werd' scheiden! Gesinnungen der Bußfertigen. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 268. Mein Schöpfer, lehre mich wohl faffen, was wahre, rechte Buße sey. Hilf mir die Sünden ernstlich haffen, und laß mich ohne Heuchelei mein Leben bessern; dies allein kann ein Beweis der Buße seyn. 2. Dein Sohn, mein Mittler, spricht: thu' Buße! veränd're, beff're deinen Sinn; fall' deinem Gott gebeugt zu Fuße, und bleibe nicht mehr, wie vorhin, ein Mensch, der seine alte Sünd' noch immer nährt und reizend find't. 3. Bezähme nun in dir die Liebe zu allem dem, was Sünde heißt, und folge jedem guten Triebe, den dir Gott giebt durch seinen Geist. Sey gegen Gott nun als sein Kind recht folgsam und recht treu gesinnt. 259 Gesinnungen der Bußfertigen. 4. Dein Frommseyn sey kein Heuchelwesen, dein Beten nicht Scheinheiligkeit. Laß aus den äußern Werken lesen, daß du dein Herz Gott ganz geweiht. Vollbringe nun, was Gott gefällt, und flieh' die Lüfte dieser Welt. 5. Erstatte auch dem Nächsten wieder, was ihm Betrug und List entwandt; führ' die von dir verführten Brüder zu Gott zurück; reich' deine Hand dem Unterdrückten; liebevoll thu' Jedem, auch dem Feinde, wohl. 6. Flieh' Neid, Verläumdung, Haß und Lügen; begehr' nicht, was des Nächsten ist; zeig' durch den Abscheu vor Betrügen, daß du ein Freund der Tugend bist. Dies Suchen und die Sünde fliehn, heißt Buße thun nach Christi Sinn. 7. Gott, ånd're du selbst mein Gemüthe und gieb mir einen neuen Sinn; auch wirk' in mir nach deiner Güte rechtschaff'ne Buße; nimm dahin, was Sündliches noch an mir flebt und deinem Willen widerstrebt. 8. Laß mich's mit ganzem Ernst bereuen, daß ich mit Sünden dich betrübt; laß mich durch Folgsamkeit erfreuen dich, der mir so viel Gnade giebt. Laß mich das Böse stets bereun, ein guter Mensch zeitlebens seyn! Mel. Was mein Gott will, das zc. 269. Verwirf, verwirf mich Sünder nicht, o Jeſu, Quell des Lebens! zu dir steht meine Zuversicht. Du hast ja nicht vergebens erduldet Schmach und Tod und Schmerz. O denke an dein Sterben, und rette mein zerknirschtes Herz vom sündlichen Verderben. 2. Dir ist mehr, als mir selbst, bewußt, wie sich so viele Sünden, so manche Arten böser Luft in meinem Herzen finden. Da regt sich Wollust, Eitelkeit, Geiz, Hochmuth, Eigenliebe, Zorn, Rachbegierde, Haß und Neid und andrer Sünden Triebe. 3. Ich Schwacher kann durch eig'ne Kraft mich nicht davon befreien. Wird nicht dein Geist, der Alles schafft, 17* 260 Gesinnungen der Bußfertigen. mein sündlich Herz erneuen: so bleibt es todt, so kann es nicht zur echten Reu' gelangen, auch keine wahre Zuversicht zu deiner Huld empfangen. 4. Drum stehe du mir selber bei, o Jesu, reich von Gnaden; mach' mich von dem Verderben frei, heil' meiner Seele Schaden! ach, Herr, verleih', daß ich durch dich recht in mich selber gehe, und wie viel böse Lüfte sich in mir noch regen, sehe! 5. Laß deinen Geist mein hartes Herz so rühren und erweichen, daß es nicht mehr, voll Reu' und Schmerz, zum Laster mög' abweichen. Ach, mach' es durch den Glauben rein, geneigt zu guten Werken! flöß' du mir Matten Kräfte ein, du kannst, du wirst mich stärken. 6. Zerbrich die Selbstgefälligkeit und meinen bösen Willen, und laß mich, was dein Wort gebeut, aus Liebe treu erfüllen. Gieb, daß ich Demuth, Mäßigkeit, Ge duld und Sanftmuth übe, und stets mit aller Redlichkeit dich und den Nächsten liebe. 7. Und weil ich selbst nicht tüchtig bin, das Gute zu vollführen, so wollest du, Herr, meinen Sinn felbft lenken und regieren, daß mich, gestärkt von deiner Hand, die starke Lust zur Sünde, die sonst so oft mich überwand, nun nicht mehr überwinde. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 270. Erzeig' an mir, Gott, deine große Gnade; gieb, daß sie meiner Sünde mich entlade; du hast ein Vater herz; du liebst das Leben und kannst vergeben. 2. Die Sünde müsse sich an mir nicht rächen! Gott, rein'ge mich von allen den Verbrechen, die mich beflecken; rein von allen Sünden, die ihn entzünden. 3. Uch, Richter, deine Drohungen beweisen, daß ou gerecht bist! deine Strafen preisen dich, daß du rein seyst, heilig, der Verbrecher furchtbarer Rächer! 4. Verbirg, verbirg vor deinem Angesichte mein Gesinnungen der Bußfertigen. 261 Übertreten, daß es mich nicht richte! tilg' aus die Laster, welche mich entweihen, weil sie mich reuen. 5. Ein Herz voll Kummer, dich erzürnt zu haben, gefällt dir mehr als Opferblut und Gaben; du wirst die Seelen, die nach Gnade schmachten, Gott, nicht verachten. 6. Erquick auch mich in meiner Seele Leiden mit deiner Hülfe; gieb den Geist der Freuden, damit er, weil ich keine Kraft besike, mich unterstüße. 7. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte! gieb deinen Geist, daß er mich unterrichte, den heiligen, daß er auf deine Wege mich leiten möge. 8. Erschaff' in mir, Gott, eine reine Seele, cin neues Herz, das deine Wege wähle; und mach' es fest und stärke sein Bestreben, nur dir zu leben. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 271. großer Gott, du reines Wesen, der du nur reine Herzen dir zu deiner Wohnung auserlesen, ach, schaff ein reines Herz in mir, das sich vom Wesen dieser Welt und Lastern unbefleckt erhålt. 2. Mach' du zuvörderst mein Gemüthe durch wahre, echte Buße rein, und laß es, Gott, nach deiner Güte in Christi Blut entfündigt seyn. Mach' mich denn auch zur Heiligkeit des Lebens fertig und bereit. 3. Regiere mich mit deinem Geiste, gieb, daß er stets mein Führer sey, und ich ihm gern Gehorsam leiste. Steh' mir mit deiner Gnade bei, und gieb mir einen solchen Geist, der dir geweiht und heilig heißt. 4. Durch deine Gnade stårk' mich Schwachen; mach' mich vorsichtig in Gefahr. Gieb, daß ich durch Gebet und Wachen die Seele unverletzt bewahr. Laß mich in deiner Gnade stehn, stets in der Beff'rung weiter gehn. 5. Nimm deinen Geist, den Geist der Liebe, Gott, mein Erbarmer, nie von mir. Ach, leite mich durch seine Triebe und seinen Beistand für und für. Ja führe mich nach dieser Zeit ein zu der frohen Ewigkeit. Gesinnungen der Bußfertigen. 272. Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. Bater der Barmherzigkeit, ich falle dir zu Fuße! du siehst, wie mich die Sünde reut, wie ernstlich meine Buße! Was ich begangen wider dich, vergieb mir, und erquicke mich durch deine große Güte. 262 2. Nimm von mir meine Missethat, die mich betrübt. und quälet. Leit' mich nun selbst den guten Pfad, den ich zu gehn gewählet. Gieb Wollen, Weisheit, Kraft und Stårk', daß ich dein mir befohlnes Werk, wie mir gebührt, vollbringe. 3. O Jesu Christe, der du haft am Kreuze für mich Armen getragen meiner Sünden Last, sieh' auf mich mit Erbarmen! Du Welterlöser, Gottes Sohn, ich bete an vor deinem Thron, erhör' mein sehnlich Flehen! 4. Entfündige mich durch dein Blut, laß, was du durch dein Sterben erwarbst, auch kommen mir zu gut: eutreiß' mich dem Verderben. Vertritt mich, Mittler, im Gericht, damit mit mir der Richter nicht verfahr', wie ich's verschuldet. 5. Gott, heil'ger Geist, der Seele Licht, Regierer der Gedanken, gieb mir die Kraft, die mir gebricht, und laß mich nicht mehr wanken. Mach' heilig meinen Sinn, und wehr' dem Fleisch, daß seine Lust nicht mehr in mir die Herrschaft führe. 6. Und wenn des Kampfes Stunde naht, so hilf mir treulich kämpfen; du weißt die Angst, die Missethat dann rege macht, zu dämpfen. Durch dich besieg' ich jede Noth; durch dich dring' ich selbst durch den Tod als Sie ger hin zum Leben. Mel. Wo soll ich fliehen hin zc. 273. Wo flich' ich Sünder hin, der ich so strafbar bin? wo kann ich Rettung finden? Mich drücken schwere Sünden, daß alle Welt der Bürde mich nicht entladen würde. Gesinnungen der Bußfertigen. 263 2. Jesu voller Gnad', auf dein Gebot und Rath flieh' ich zu deiner Güte mit hoffendem Gemüthe. Laß du auf mein Gewissen Trost und Erquickung fließen. 3. Ich undankbares Kind, zum Guten tråg' und blind, seh' es mit Angst und Schrecken, daß Sünden mich beflecken. Doch gern schenkst du den Müden auch wieder Ruh' und Frieden. 4. Im Glauben an dein Blut kann ich auch dieses Gut des Friedens wieder finden. Du willst, haff ich die Sünden, aus Gottes Ungedenken ins Meer sie alle senken. 5. Durch dich, o Jesu, ist das alles auch gebüßt, was ich gesündigt habe. Du brachtest aus dem Grabe das, was auch mir beschieden, Begnadigung und Frieden. 6. Ist meine Strafe groß, du machst von ihr mich los, der ich dein Kreuz umfasse und dir mich überlasse. Du sprichst: dir ist verziehen, und alle Schrecken fliehen. 7. Mir mangelt zwar noch viel, das sagt mir mein Gefühl. Doch was ich nöthig habe, ist Alles deine Gabe. Den Reiz zu neuen Sünden hilfst du auch überwinden. 8. Und wenn der Hölle Heer auf mich gerüstet wår', so will ich doch nicht zagen. Mit dir, Herr, kann ich's wagen. Du hast ja selbst verheißen, nichts soll mich dir entreißen. 9. Dein Tod ist's, was uns Kraft, dir treu zu seyn, verschafft. Es predigt Ernst und Liebe, und so stårkt es die Triebe, durch Tugend und durch Wachen sich dir, Herr, werth zu machen. 10. Darum ergeb' ich mich, mein Heiland, ganz an dich, vor dem ich dankbar weine; du siehest, wie ich's meine. Ich will mich stets bestreben, dir würdiger zu leben. 11. Stårt du mir nur den Sinn, Herr, deß ich ewig bin, mit Sorgfalt stets zu meiden, was mich von dir kann scheiden. So leb' ich dir und erbe den Himmel, wenn ich sterbe. Gesinnungen der Bußfertigen. 12. Herr, Amen! es gescheh', was ich in Demuth fleh'. Steh' du mir stets zur Seite, daß ja mein Fuß nicht gleite: so werd' ich deinen Namen einst ewig prei sen. Amen! 264 274. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, fleh' ich, ge beugt von Sünden; ich weiß, daß du mein Heiland bist, sonst ist kein Heil zu finden. Es ist kein Retter außer dir, kein Mensch, kein Engel, welcher mir aus meinen Nöthen helfen kann; dich ruf' ich an; du bist's, der helfen will und kann. 2. Erbarmer, meine Schuld ist groß, sie reuet mich von Herzen. Erbarmer, sprich von ihr mich los durch deines Todes Schmerzen. Mit Huld nimmt mich der Vater an, weil du genug für mich gethan; er nimmt von dem die Sündenlast, der gläubig faßt, was du uns selbst versprochen hast. 3. Gieb mir auch die Barmherzigkeit, beständig so zu glauben. Laß Lasterlieb' und Eitelkeit dies Kleinod mir nie rauben. Laß mich im Glauben lieben dich und meinen Nächsten gleich als mich; ach, leite mich durch deine Hånd' so bis ans End', daß meinen Lauf ich froh vollend'! 4. Preis sey auf dem erhab'nen Thron dem Vater aller Güte! Preis Jesu Christo, seinem Sohn, mit dark barem Gemüthe! wir preifen auch den heiligen Geist, der uns den Weg zum Leben weist, uns Pilger stärket und erfreut hier in der Zeit und hilft uns zu der Ewigkeit. Mel. Ach Gott und Herr zc. 275. Mein Gott und Herr! ich bin nicht der, der vor dir kann bestehen. Erbarme dich! laß über mich für Strafe Gnad' ergehen. 2. Mit wahrer Reu' bekenn' ich frei, ich sey vor dir ein Sünder. Doch du vergiebst uns gern und liebst uns, deine, schwachen Kinder. Gesinnungen der Bußfertigen. 265 3. Laß mich, dein Kind, doch durch die Sünd' nicht kommen ins Verderben; ich bitte dich, du wolleft mich, mein Vater, nicht enterben. 4. Mein Jesus hat an meiner Statt, da er für mich gestorben, genug gethan. Ich nehme an mit Dank, was er erworben. 5. Denk an den Tod, gedenk' der Noth, die er am Kreuz gelitten, da er für mich geopfert sich und Frieden mir erstritten. 6. Mir, der ich bin versöhnt durch ihn, laß diesen Trost nichts rauben. Ich bin ja sein, sein Heil ist mein; Gott, stårke meinen Glauben. 7. Ich bleibe sein, er bleibet mein und will mich nicht verlassen. Ihm zugethan, will ich fortan die Sünde fliehn und hassen. 8. Ich weiß, daß mir, mein Gott, von dir die Sünden sind vergeben. Laß mich hinfort nach deinem Wort und dir zu Ehren leben. 9. Was zag' ich noch, verwandelt doch in Schaun sich einst mein Hoffen; bleib' ich nur hier treu, Jesu, dir, steht mir der Himmel offen. 10. Da werd' ich seyn ganz sündenrein und preisen deinen Namen in Ewigkeit; mach' mich bereit dazu durch Jefum! Umen. Empfindungen bei tiefer Traurigkeit über die Sünde. 276. Jesu, der du meine Seele haft erlöst durch deinen Lod; der du mich von Pein und Hölle, welche sonst dem Sünder droht, zu befrein, dein Blut ließ'st fließen, und mich das nun läsfest wissen durch dein gnadenvolles Wort, sey auch jetzt mein Trost und Hort! 2. Treuer Retter, den ich suche unter des Gewissens Pein! du gingst unter Schmach und Fluche für uns ins Gericht hinein; du, des Todes Überwinder, hast nun 266 Gesinnungen der Bußfertigen. die erlösten Sünder so gerufen zu der Buß, daß ich folgsam kommen muß. 3. Ach, es ist die Nacht der Sünden über mich weit ausgebreit't; tiefer, als ich kann ergründen, hat die Sünde mich entweiht; nur nach dem, was eitel, trachten, Gott und sein Gesetz nicht achten, sicher seyn bei der Gefahr, reizt das Fleisch mich immerdar. 4. Herr, ich fühl's und muß bekennen, daß die Sünde wohnt in mir. Das zwar, was wir Tugend nennen, halt' ich meiner Seele für; aber Fleisch und Blut be zwingen und das Gute zu vollbringen, ich thu' selten, was ich soll, was ich nicht will, thu' ich wohl. 5. Gott, ich kann es selbst nicht wissen, wie viel meiner Fehler sind; mein von dir erweckt Gewissen straft mich, dein abtrünnig Kind. Dir sind meiner Seele Sorgen, mein Verlangen nicht verborgen; straf' nicht meine Missethat, wie sie es verdienet hat. 6. Jesu, du hast weggenommen meine Schulden durch dein Blut; laß nur diese Gnade kommen mir in meiner Angst zu gut'. Herr, du hast ja meine Plagen büßend einst am Kreuz getragen; ach, so sprich du mich nun frei, daß mein Herz sich wieder freu'. 7. Wird der Feind auch bald mit Schrecken, bald durch falsche Freundlichkeit in mir neuen Kampf erwecken und mich fordern auf zum Streit: so laß mich nicht un terliegen. Hilf mir, hilf mir, Jesu, fiegen! du bist meine Zuversicht; ach, verlaß mich Schwachen nicht! 8. Du, der unter Schmach und Wunden Muth und Sieg den Streitern gab, sende in den Prüfungsstunden Starke auch auf mich herab! deine Pein, dein blut'ges Schwitzen laß, wenn Kämpfe mich erhitzen, dämpfen ihre Gluth und mich überwinden, Herr, durch dich! 9. Werd' ich vor's Gericht hintreten, dem Niemand entfliehen kann, ach! dann wollest du mich retten und dich meiner nehmen an. Du allein, Herr, kannst es Gefinnungen der Bußfertigen. 267 wehren, daß ich nicht den Fluch darf hören: ihr, zu meiner linken Hand, seyd von mir noch nie erkannt! 10. Das Gedächtniß deiner Schmerzen, das Gedächtniß deiner Pein laß zum Troste meinem Herzen immer gegenwärtig seyn; denken, wenn mich Leiden drången und den Pilgerlauf beengen, daß du mir, Herr Jesu Chrift, Mittler und Vollender bist. 11. Du wirst jeden Kummer stillen, den mein banges Herz dir klagt; es wird deine Treu' erfüllen, was du selber zugesagt: daß kein Pilger dieser Erde des Verder= bens Beute werde, sondern ewig teben soll, war sein Herz nur glaubensvoll. 12. Herr, ich glaube, stårk' mich Schwachen; lange laß mich zagen nicht. Du, du kannst mich freudig machen, wenn es mir an Muth gebricht. Auf dich will ich fest vertrauen, auf dein Wort und Vorbild schauen; du giebst Kämpfern nach dem Streit Kronen in der Ewigkeit. 277. Straf' mich nicht in deinem Zorn, großer Gott, ach schone! ach mir, der verdienet Zorn, nach Verdienst nicht lohne! ich empfind' meine Sünd', und schau' nach dem Lamme an des Kreuzes Stamme. 2. Herr, wer kann sich deiner freun in des Grabes Höhle? mache frei von Angst und Pein die gebeugte Seele, daß sie dir, der du ihr halfft am Gnadentage, fanft erquickt Dank sage. 3. Beig' in deiner Vaterhuld dich zum Trost mir Schwachen; du kannst von der schweren Schuld mich allein frei machen. Heile mich, zeige dich mir in deiner Gnade, Gott, du Gott der Gnade! 4. Ach, wie lange werd' ich noch seufzen, mein Erbarmer! wann wird auf das Lager doch, wo im Schmerz ich Urmer manche Nacht durchwacht, wo jetzt Thränen fließen, sich dein Trost ergießen? 5. Uch, wie ist dies Herz so matt, das die schweren Plagen schon so lang' gefühlet hat; kraftlos sie zu tra 268 Gesinnungen der Bußfertigen. gen, spricht's: wie lang' soll ich bang', Heiland müder Seelen, trübe Stunden zählen? 6. Gott, ich weiß, du sendest mir Hülfe auf mein Beten; bald werd' ich, erquickt von dir, dankend vor dich treten. Scele, schweig! gnadereich will Gott an dich denken und dir Freuden schenken! 7. Bater, dir sey ewig Preis hier und auch dort oben; Christus sen mit gleichem Preis' hoch von uns erhoben! heil'ger Geist, sey gepreist, der du uns bekehrest und uns Trost gewährest! 278. Herr Jesu Chrift! du höchstes Gut! Erwerber aller Gnaden! ich tomme mit gebeugtem Muth, mühselig und beladen. Ach, Unruh' ist mein ganz Gefühl! wie sind der Sünden doch so viel, die meine Seele drücken! 2. Erbarm' dich meiner; nimm die Last, die schwere Last vom Herzen, Herr, der du mich versöhnet hast am Kreuz durch Todesschmerzen. Uch höre, Herr, zu dem ich fleh, und sieh' herab von deiner Höh', was dir mein Herz jetzt klaget. 3. Uch Herr, mit Schmerzen sehe ich, wie fündlich ich gewandelt! wie oft ich Sünder wider dich und dein Gebot gehandelt! wer könnte mich von dieser Pein, die meinen Frieden stört, befrein, wenn ich dein Wort nicht hätte? 4. Du hast es selber zugesagt, du wolltest dem vergeben, der seine Schuld vor dir beklagt und dir nun denkt zu leben; Trost giebst du, wie dein Wort verheißt, dem, welcher mit gebeugtem Geist, Herr, deinen Frieden suchet. 5. Du, dem ich nicht verborgen bin, du, Herr, vor dem ich klage, du siehst und kennest meinen Sinn, die Sehnsucht, die ich trage: daß du mir mögest gnädig seyn, und mich mit deiner Huld erfreun, wie David und Manasse. 6. Herr, der du nicht verwirfest die, die flehend vor dich treten, vor dir beug' ich auch meine Knie, erhöre du mein Beten: vergieb mir, und entlade mich der Sünde, die ich wider dich und dein Gebot begangen. Gesinnungen der Bußfertigen. 269 7. Ach, Herr, verzeihe sie mir doch um deines Sohnes willen! O möchtest du nur diesmal noch mir meinen Kummer stillen, daß sich mein Herz zufrieden geb' und dir hinfort zu Ehren leb' in kindlichem Gehorsam. 8. Stårk' auch mit deinem Freudengeist mich in den letzten Stunden; wenn sich mein Geist der Erd' entreißt, von Sünden ganz entbunden. Und nimm mich dann, wenn dir's gefällt, in wahrem Glauben aus der Welt zu deinen Auserwählten. Mel. Herzliebster Jesu, du hast 2c. 279. Aus dunkler Tiefe, Herr, mit schwerem Herzen ruf' ich zu dir in meinen Sündenschmerzen. O mache mich, Gott, meines Kummers ledig, und sey mir gnådig! 2. Beschämt erkenn' und fühl' ich meine Sünden. Laß, Vater, mich Erbarmung bei dir finden. Willst du auf Schuld und Übertretung sehen, wer wird bestehen? 3. Bei dir allein, Herr, stehet zu vergeben. willst nicht, daß wir sterben, sondern leben; uns soll die Größe deiner Liebe lehren, dich treu zu ehren. 4. Verzeihe mir, Gott, alle meine Fehle. Dein, Vater, harret meine můde Seele! laß Trost und Ruh' um des Versöhners willen mein Herz erfüllen! 5. Dir ist der Seele Sehnen nicht verborgen, erquicke fie und stille ihre Sorgen. Du schenkest ja Beladenen und Müden gern deinen Frieden. 6. Ja, hoffe nur, mein Herz, auf Gottes Gnade. Viel größer ist sie, als dein Seelenschade. Und endlich wird sie dich von allem Bdsen herrlich erlösen. Empfindungen eines solchen, der lange leichtsinnig gelebet. Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. 280. Bater, laß mich Gnade finden; väterlich ist ja dein Sinn; da ich über meine Sünden tiefgebeugt und 270 Gesinnungen der Bußfertigen. traurig bin. Ach, du siehest, wie ich hier, gleich dem 3öllner, Gott, vor dir voller Reu' und Demuth stehe und zu dir um Gnade flehe. 2. Du bist heilig; ich dagegen bin durch Missethat entweiht, bin auf meinen Sündenwegen von dir abge wichen weit. Strafe nach Verdienst mich nicht. So du wolltest ins Gericht mit mir Übertreter gehen, wie wolle ich vor dir bestehen! 3. Gott, nach deines Wortes Lehre willst du nicht des Sünders Tod; sondern daß er wiederkehre ungesäumt zu dir, o Gott; Herr, auf dein Wort komme ich zu dir; leben laß auch mich, der ich über meine Sünde Kummer, Reu' und Schmerz empfinde. 4. Gott, dein Sohn betrat die Erde und vergoß am Kreuz sein Blut, daß der Sünder selig werde, wel cher glaubt und Buße thut. Ach, um seinetwillen schon'! ja, Herr, laß von deinem Thron sich auf mein verlegt Gewissen des Versöhners Trost ergießen. 5. 3war du riefst, ich sollte kommen, mich so oft, so lange Zeit. Ich, der deinen Ruf vernommen, war zum Kommen nicht bereit. Ich hab' deinen Wink ver schmäht. Jetzt nun komm' ich, aber spåt. Vater, ach! laß auf mein Flehen Gnade noch für Recht ergehen. 6. Gott, von großer Gnad' und Treue, laß um Chrifti willen doch auch bei spåter Buß' und Reue Gnade mich empfahen noch; schenke mir nach deiner Huld die so sehr gehäufte Schuld; laß mein langes Sündenleben mit aus Gnaden seyn vergeben! 7. O, wie selig bin ich Sünder, wenn du, Vater, mir verzeihst und die Rechte deiner Kinder mir auch wie derum verleihst! ewig will ich dir dafür danken; ewig leben dir, drum sprich du in Jesu Namen selbst zu meis nen Bitten Amen! Gesinnungen der Bußfertigen. 271 Beim Andenken oft wiederholter Sünden. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 281. Mein Gott, zu dem ich reuig slehe, erbarme dich! erbarme dich! noch einmal sieh' von deiner Höhe mit gnadenvollem Blick auf mich! erbarme dich, und gehe nicht mit mir, dem Sünder, ins Gericht. 2. Wie oft hast du mir schon vergeben, wenn um Begnadigung ich bat! wie oft versprach ich dir ein Leben, gereiniget von Missethat! wie oft gelobt ich dir den Eid der Treue und Beständigkeit! 3. Uch, aber bald ergriff mich wieder die Sünd', und ihre Luft mit ihr riß meinen ganzen Vorsatz nieder, und herrschte, wie vorher, in mir! zum Widerstehen tråg' und schwach, floh ich nicht, sondern gab ihr nach. 4. Wie viele sündenvolle Tage durchlebt' ich fühllos und im Traum! ich sammelte mir Schmach und Plage, und fühlte dies mein Elend kaum. Gott, deine Stimme warnte mich; allein ich Sichrer hörte nicht. 5. Weh mir, ich sehe und empfinde, empfind' es jetzt mit Schmerz und Reu', wie groß vor dir, Gott, meine Sünde und meiner Schulden Menge sey; wie sehr mich das, was ich vollbracht, Gott, deiner Gnade unwerth macht! 6. 3u wem, o Vater, soll ich fliehen! wo findet meine Seele Ruh'? wer kann sie aus dem Abgrund ziehen, in dem sie seufzet, als nur du? mein ganz Vertrau'n fety' ich auf dich! du, Freund des Lebens, rette mich! 7. Für meine wiederholten Sünden floß auch des Weitversöhners Blut; noch einmal laß mich Gnade finden, sein Leiden komme mir zu gut'! noch einmal, Richter, fage mir: auch diese Schuld erlass' ich dir! 8. Erlaff' mir sie, Herr, und gewähre mir neue Gnade, treu zu seyn. Aufs neue will ich deiner Ehre mich und mein ganzes Leben weihn; der Sünde will ich widerstehn und standhaft deine Wege gehn. 9. Vergiß nicht wieder, meine Seele, wie oft du 272 Gesinnungen der Bußfertigen. schon gefallen bist! merk auf die heiligen Befehle des Gottes, der dein Retter ist! ruf' ihn im Glauben tåglich) an: erhalt' mich, Herr, auf eb'ner Bahn! 10. Ja, ich bin schwach, du wollst mich stärken, mein Helfer in Versuchung seyn, zum Glauben und zu guten Werken mir Kraft und Freudigkeit verleihn. So steh' ich fest und wanke nicht und du bleibst meine Zuversicht! Beim Gefühl seiner Sehler, Mångel und Lieb: lingssünde. Mel. Alle Menschen müssen zc. 282. Ach, wann werd' ich von der Sünde, Gott, mein Vater, völlig frei, daß ich ganz sie überwinde, ganz dir wohlgefällig sey? noch empfind' ich ihre Triebe, ob ich sie gleich nicht mehr liebe; noch zu oft noch regt sie sich und versucht zum Bösen mich. 2. Långst sprach ich zu meiner Seele: Gott will ich mein Leben weihn; alle, auch geringe Fehle meiden, jede Sünde scheun; jeden Vortheil, alle Freuden, die mich könnten von ihm scheiden, will ich mit Verachtung fliehn, über Alles lieben ihn. 3. Gott, du sahest, wie ich's meinte, wie ich alle Missethat, der ich schuldig war, beweinte, und dich um Vergebung bat; sahst mein ernstliches Bestreben, meinen Vorsak, treu zu leben; sahst, daß ich nun immerdar fromm zu wandeln Willens war. 4. Aber ach! wie oft emporet sich die Sünde noch in mir, übereilet mich und störet meine Freudigkeit zu dir! Leidenschaften und die Triebe der verkehrten Eigenliebe, eh' ich's merke, ziehen sie mich zur Sünde, die ich flieh'. 5. Du verzeihst, Gott, die Gebrechen meiner fündlichen Natur; nicht die Schwachheit wirst du rächen; bosen Vorsat strafft du nur. Hätt' ich nicht den Trost, ich würde unter meiner Mångel Bürde immer voller Kummer seyn, deiner, Gott, mich nie recht freun. 6. Stellet mir dann hier auf Erden lebenslang die Gesinnungen der Bußfertigen. 273 Sünde nach; kann ich nicht vollkommen werden, bin und bleib' ich hier noch schwach: ach, so segne mein Bestreben, so gerecht, ich kann, zu leben, daß ich doch von Heuchelei und von Bosheit ferne sey! 7. Wenn ich falle, laß mich's merken; und vom Fall schnell aufzustehn, eile du selbst mich zu stärken. Lehre du mich fester gehn. Warne mich; sey mein Begleiter; täglich führe, Gott, mich weiter, bis ich zur Vollkommenheit komme in der Ewigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 283. Wie oft regt sich die alte Sünde mit neuem Reiz in meiner Brust! noch immer fühl' ich und empfinde, sie zu begehen, neue Luft. Wie unbegrenzt, wie fürchterlich ist ihre Herrschaft über mich! 2. Wie oft hab' ich mir vorgenommen: nun will ich meine Sünde fliehn! rein und unsträflich und vollkommen zu wandeln, will ich mich bemühn! ich will zu Gott um Beistand flehn und aller Sünde widerstehn! 3. Aufs neue reizte mich die Sünde: wie schwach war gleich mein Widerstand! ich gab ihr nach, und wie geschwinde ergriff sie mich und überwand! Shr nicht mehr folgen wollte ich, und gleichwohl siegt sie über mich! 4. Mein Vorsatz war nicht ganz verschwunden, mein Herz schlug, mein Gewissen rief: und gleichwohl ward ich überwunden und fiel durch meine Schuld so tief. Gott, Richter, ich gedacht' an dich: und dennoch, dennoch sündigt' ich)! 5. Wår' ich von dieser Sündenliebe, wär' ich doch einmal von ihr frei! wer schwächt und dåmpfet ihre Triebe? Gott, mein Erretter, steh' mir bei! Erbarme dich, erhör' mein Flehn, und lehre mich ihr widerstehn! 6. O pflanze du in meiner Seele rechtschaff'ne Lieb und Lust zu dir! Gott, was ich denke, was ich wähle, das zeuge durch die That von ihr. Dich lieben als dein Eigenthum, das sey mein Werk, mein Heil, mein Ruhm! Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 18 Gesinnungen 7. Dann werd' ich endlich überwinden und meiner Lüfte Sieger seyn; dann wirst du alle meine Sünden, wie viel, wie groß sie sind, verzeihn. Mein Leben hier, mein Lobgefang im Himmel sey, o Gott, dein Dank! 274 Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 284. Wie felig, Gott, ist der Gerechte! bu bist sein Schild und großer Lohn. O daß ich ganz gerecht seyn möchte! doch ach, wie wenig bin ich's schon. Du weißt es, Gott, ich bin noch weit entfernt von der Vollkommenheit! 2. Wie viel ist noch an mir zu finden, das nicht mit deiner Vorschrift stimmt! oft übereilen mich noch Sünden, wenn mein Herz bessern Vorsatz nimmt. Ja oft verlet' ich meine Pflicht, mein Gott, und weiß es selber nicht. 3. Wer kann, wie oft er fehlet, merken? nur du, du siehst mich, wie ich bin; nur du kannst mich im Guten stårken, drum fall' ich, Vater, vor dir hin. O mach', um heilig ganz zu seyn, mich von verborgnen Fehlern rein! 4. Von aller eitlen Eigenliebe befreie mich durch deine Kraft. Erweck' und mehr in mir die Triebe zu dem, was wahre Beff'rung schafft; laß meinen Fleiß ge fegnet seyn und meine Heiligung gedeihn. 5. Du wirst das demuthsvolle Flehen des Sünders, der dich scheut und ehrt, o Gott der Gnade, nicht ver schmähen; du bist es, der Gebet erhört. Mein Fels, mein Heil, ich traue dir; das, was ich bitte, giebst du mir. Mel. Erbarm dich mein, o 2c. 285. Sch Staub vom Staube, wer bin ich, ich Sün der, daß du meiner dich noch stets, du Heiligster, erbarmst, Weltrichter, meiner stets erbarmst! Zum Glauben und zum Thun zu schwach, giebt oft mein Herz der Sünde nach; ich tämpf', o Vater, nicht genung den Kampf der ernsten Helligung. 2. Wie schnell ist von der rechten Bahn zum Ferweg der Bußfertigen. 275 oft der Schritt gethan! wie schnell! mein ganzes Herz erschrickt, wenn es in diesen Abgrund blickt. Wie nahe grenzt die Missethat an unsers Herzens bösen Rath! wie bald wird Frevet selbst verůkt, wenn man erst Schwachheitsfehler liebt! 3. Vertreib', o Gott, des Irrthums Nacht, entreiße mich der Sünde Macht! wie glänzet deiner Streiter Schaar, die einst, wie ich, auf Erden war, und die nun, weil sie überwand, den Lohn empfängt aus deiner Hand! Sie sind gekrönt; ich noch im Streit; o gieb auch mir Beständigkeit! 4. Schmal ist der Weg zu Gottes Höhn, und Wenige, die ihn recht gehn. Die Pfort' ist eng, und der nur bringt durch sie zu Gett empor, der ringt. Ich lieg' auf meinem Ungesicht, und fleh' und weine, laß dein Licht mir leuchten, Vater, laß mich dein im Leben und im Tode seyn. 5. Der mir in Christo Ulles gab, Gott, schaue doch auf mich herab; auf mich, der Sünde schnellen Raub, den Himmelserben und den Staub! Eibarm' dich mein und steh' mir bei, daß ich des Kleinods würdig sey, das Christus mir so theu'r erwarb, als er für mich am Kreuze starb. 6. Ja, du erbarmeft über mich, versöhnter Gott und Vater, dich). Vom Leibe dieses Tod's befreit, führst du mich einst zur Herrlichkeit, wo meine Tugend nicht mehr wankt, und dir, Gott, ewig dafür dankt, daß sie dein Gnadenlohn beglückt und deiner Sieger Krone schmückt. Mel. O König, deffen Majestät zc. 286. Erbarm' dich, Herr, du kennst mein Herz; geneigt zu Eitelkeiten, läßt sich's durch Freude und durch Schmerz oft auf den Frrweg leiten. So wankt ein Rohr, vom Wind regiert! so irrt, von Leidenschaft verführt, auch oftmals meine Seele. Herr, hilf mir, daß ich, als ein Christ, das flieh', was vor dir strafbar ist und nur das Gute wähle. end aid sopleid 18* Glauben an Jeſum 2. Laß doch mein Herz nicht fernerhin in seiner Neigung wanken. Erhebe den verirrten Sinn zu himmlischen Gedanken. Wenn von dem Dienst der Eitelkeit mich deines Geistes Kraft befreit, so wird es mir gelingen. Ich halte deinem Geiste still: ich will mich ändern, Herr, ich will; gieb selber das Vollbringen. 3. Umsonst such' ich der Tugend Bahn, wenn du mich nicht begleitest, und mich, befreit von Menschenwahn, zu deiner Wahrheit leitest. Du hafsest jeden fal schen Schein. Mit Ernst willst du verehret seyn; Herr, hilf um Jesu willen! Erhebe den gebeugten Muth; hilf mir der Leidenschaften Wuth durch deine Gnade stillen. 4. Mein Gott, mein Gott, gedenke nicht der Sün den meiner Jugend. Wie hart schien mir oft meine Pflicht! wie rauh die Bahn der Eugend! du trugst mich dennoch) mit Geduld! laß, Vater, laß mich diese Huld nicht un dankbar verachten. Dir folgen ist mein wahres Heil; o laß mich's, als mein bestes Theil, auch immerfort betrachten! 276 5. Ich bin ein Mensch; du kennest mich. Wie schwach sind meine Kräfte! doch, meine Seele hofft auf dich. Du wirst zu dem Geschäfte der Heiligung mir Kraft verleihn und mich mit deiner Hülf' erfreun, vor dir gerecht zu leben. Ich, dein erkauftes Eigenthum, will dafür deines Namens Ruhm hier und dereinst erheben. Glauben an Jesum und sein Verdienst. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich zc. 287. Vor dir, Herr Jesu, beug' ich hie, beschämt und traurig meine Knie, und wag' es kaum zu klagen, wie meine Sünd' und Missethat die strengste Straf' verdienet hat; doch will ich nicht verzagen. Herr Jesu Chrift, dein Tod allein macht mich von allen Sünden rein. Wer an dich glaubt mit wahrer Reu', der wird von Schuld und Strafe frei. Dafür dank' ich, Herr Jesu, dir; gelobe dir des Lebens Beff'rung! Hilf du mir! 277 und sein Verdienst. Mel. Gott, du frommer Gott 2c. 288. Mag doch der Spötter Heer des Namens Jesu spotten: dich, Heiland, bet' ich an! du kommst, sie auszurotten. Dein Kreuz ist Thorheit nur dem, der verloren geht; uns, die der Glaube stärkt, ist's Heil und Majeståt. 2. du, des Höchsten Sohn, du bist für uns ge= storben, haft uns Begnadigung und Seligkeit erworben. Ist Beides nicht gleich groß: der Welt ein Schöpfer seyn, und eine Welt, die fiel, von ihrem Fall befrein? 3. Wer kann die Majestät der Lieb' und Großmuth faffen, als Sohn des Ewigen der Himmel Thron verlaffen; sich selbst erniedrigen; einher in Demuth gehn; der Wahrheit Herold seyn, und sich verspottet sehn! 4. Die Wunder Gottes thun und an das Kreuz geschlagen, freiwillig, ohne Schuld, der Menschen Schulden tragen: um der zu seyn, der uns ein ew'ges Heil erwirbt? deß Herz ist göttlich groß, der selbst für Feinde stirbt. 5. Dies müsse mein Vertrau'n zu dir, o Herr, erwecken. Zu schwach, der Gottheit Rath vom Menschen zu entdecken, bet' ich der Liebe Macht, die ich nicht fassen kann, mit froher Zuversicht, doch auch in Demuth an. 6. Herr, deine Ewigkeit wird mir mehr Licht gewähren; die wird das Große mir in diesem Werk erklären. Unendlich ist mein Heil! o Glaube, der erfreut! gelobet sey der Herr, gelobt in Ewigkeit! Mel. Herzlich lieb hab' ich dich 2c. 289. Ich torame, Friedensfürft, zu dir, erbarmend rufst du ja auch mir, den Frieden zu empfangen. Der Sünden Last ist mir zu schwer; o laß mein Herz von Trost nicht leer! laß es die Ruh' erlangen, die du dem tiefgebeugten Geist, der zu dir fliehet, selbst verheiß'st. Wer tröstet mich als du allein! wer macht mein Herz von Sünden rein! Herr Jesu Christ, mein Trost und Licht, mein Trost und Licht, verwirf mein sehnlich Flehen nicht! Glauben an Jesum 2. Unbetend steh' ich, Herr, vor dir; dein Untlik neige du zu mir, und sey mir Sünder gnådig. Wenn mein Vergehn um Rache schreit, so mache aus Barmherzigkeit mich aller Strafe ledig. Der du am Kreuz gelitten hast, du trugst auch meiner Sünden Laft, als du zum Heil der Sünder starbst und ihnen Gottes Huld er warbst. Herr Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! erlöse mich durch deinen Tod! 278 3. Du, du bist meine Zuversicht; durch dich entflieh ich dem Gericht, dem schweren Lohn der Sünden! Durch dich kann ich dem Fluch entgehn und mich mit Gott ver einigt sehn und ew'ges Leben finden. Dein Tod ist der Verlornen Heil. Gieb mir an seinem Segen Theil. Er sen auch mir Beruhigung und meines Lebens Heiligung. Herr Jesu Christ, ich hoff' auf dich, ich hoff' auf dich; in dieser Hoffnung stärke mich! 4. Mein ganzes Lebeu preise dich. Erlöst, mein Mittler, hast du mich, dein Eigenthum zu werden. Wenn ich dein bin, so fehlt mir nichts; nichts, einst am Lage des Gerichts, nichts hier auf dieser Erden. Auf dieser Bahn zum Vaterland entzeuch mir niemals deine Hand. Zu deinem Dienste stärke mich, und laß mich siegen einst durch dich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! hilf mir zum Leben durch den Tod! 290. Es ist das Heil uns kommen her aus Gottes freien Gnaden. Die Werke können nimmermehr der Bür de uns entladen. Im Glauben Jesum nehmen an, nur das ist, was uns retten kann; denn er ist Mittler worden. 2. Da man, was das Gesetz gebot, nicht völlig konnte halten, so zeigte Sündern sich der Tod in schreckenden Gestalten. Das Fleisch gehorchte nicht dem Geist, nicht dem, was Gott zu thun uns heißt; es war mit uns verloren. 3. Es war ein falscher Wahn dabei, als ob det Mensch, zu leben nach den Gesehen, tüchtig sey, die uns und sein Verdienst. 279 der Herr gegeben, da doch durch sie wird offenbar, daß Wort und That und Herz sogar bei uns jetzt sey verdorben. 4. Nicht möglich war's, auf diese Art vollkommen Gott zu ehren. Ein Schein, der angenommen ward, konnt' auch kein Heil gewähren. Von Gott wird bloßer Schein verdammt; Gehorsam, der aus Liebe stammt, will er; wer konnt' ihn leisten? 5. Erfüllt mußt' das Gesetze seyn, sonst mußten wir verderben. Da stellte Gottes Sohn sich ein, das Heil uns zu erwerben. Der hat nun das Geset erfüllt, Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, erworben für uus Ulle. 6. Da es durch den erfüllet ist, durch welchen wir genesen, so lern' unt fasse wohl, o Christ, des Glaubens rechtes Wesen. Der Glaube spricht: du, Herr, bist mein! dein Tod wird mir das Leben seyn, du haft für mich gebüßet. 7. So glaub' ich fest und zweifle nicht; dein Wort wirst du nicht brechen. Wenn alle Welt die Treue bricht, hältst du doch dein Versprechen. Wer glaubt an dich und wird getauft, dem ist die Seligkeit erkauft, der gehet nicht verloren. 8. Die sind gerecht vor Gott allein, die diesen Glauben fassen. Der Glaub' kann nicht unthätig seyn; er lehrt die Sünde hassen. Er treibt zu guten Werken an; lehrt Menschenliebe und die Bahn der Frömmigkeit zu wandeln. ti siat 9. Schlägt den, der seine Sünd' erkannt, gleich das Gefeßze nieder, so reicht der Mittler ihm die Hand und stårkt den Sünder wieder. Er spricht: komm nur zum Kreuz herzu! denn das Gesetz giebt keine Ruh' mit allen feinen Werken. 10. Die guten Werke zeigen sich stets bei dem echten Glauben; Wahnglaube ist es sicherlich, wenn man ihm die will rauben. Der echte Glaube macht gerecht; doch daran, daß er Früchte trågt, läßt seine Kraft sich merken. Glauben an Jeſum 11. Der Glaub' ergreifet Jefum Chrift, sein Kreuz, Verdienst und Sterben, dadurch uns nun erworben ist, was Keiner konnt' erwerben. Die eigene Gerechtigkeit thut nichts dabei, ist wie ein Kleid, das durch und durch beflecket. 12. Doch, wenn man durch den Glauben nun Ge rechtigkeit empfangen, muß man auch rechte Werke thun, dem Guten stets anhangen; weil, wer noch gottlos Wesen treibt, beim Glauben ohne Liebe bleibt, ihn durch die That verleugnet. 280 13. Wer Gnad' bei Gott erlanget hat, muß ihn vor Augen haben, daß er ihn preise durch die That für ſeine Gnadengaben, in seiner Furcht freiwillig leb', den bösen Lüsten widerstreb' in seinem ganzen Leben. 14. Wer aber sicher geht dahin, thut, was ihm nur beliebet, lebt fort nach seinem alten Sinn, den Lüften sich ergiebet, ruft Gott nicht an, daß er ihn führ, mit feinem Geiste ihn regier': ist auf verkehrtem Wege. 15. Den meidet Jeder, der recht glaubt; bewahrt, was ihm gegeben; sieht zu, daß er das Fleisch betäubt; sehnt sich nach jenem Leben; dient seinem Nächsten, ehrt und preist in Chrifto Gott mit fillem Geist, es geh' ihm, wie es wolle. 16. Der Glaube harrt auf Gottes Huld und seines Wort's Zusage, bestimmt ihm nicht mit Ungeduld zum Helfen selbst die Tage. Er weiß wohl, wenn's am be sten ist; er, der die Seinen nie vergißt, und will, daß wir ihm trauen. and 17. Scheint's auch, als dächte Gott dein nicht, so laß es dich nicht schrecken: er wird dir das verborg'ne Licht zur rechten Zeit entdecken. Fällt dir manch banger 3weifel ein, laß dir sein Wort gewisser sein: er hält, was er verheißen. 18. Sen jetzt und immerdar gepreist um dieser Gut that willen, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist. Du wollst uns selbst erfüllen mit Gnade, die das Herz erhöht, zu ehren deine Majestät; zu heil'gen deinen Namen. und sein Verdienst. 281 19. Dein Reich komm', daß dein Wille mag, wie droben, hier geschehen! Gieb unser Brod uns jeden Tag, verzeih', was wir versehen, als wir den Schuldigern verzeihn! Versuchung laß fern von uns seyn! hilf uns vom Bösen. Amen! Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. 291. Gottes Sohn, Herr Jesu Chrift! an wen soll ich mich wenden? daß man recht glaubt und standhaft ist, steht nicht in unsern Händen; drum hilf du mir von oben her, daß ich, gestärkt je mehr und mehr, recht und beharrlich glaube! 2. Lehr' du und unterweise mich, den Vater zu erkennen, und mit der tiefsten Ehrfurcht dich des Höchsten Sohn zu nennen; daß ich zugleich den heil'gen Geist, der uns den Weg zum Himmel weist, von ganzem Herzen ehre. 3. Laß mich das große Gnadentheil im rechten Licht erblicken, und mich dazu an meinem Theil mit rechtem Eifer schicken. Nur in dir find' ich Trost und Ruh' und ew'ges Heil; der Weg bist du, die Wahrheit und das Leben. 4. O gieb, daß ich dein theures Wort recht tief zu Herzen fasse; daß sich mein Glaube immerfort auf dein Verdienst verlasse; daß deines Todes hoher Werth mir, der mit Sünden ist beschwert, auch werde zugerechnet. 5. Doch laß auch meinen Glauben sich des Bluts, das du vergoffen, nicht anders trösten, als daß ich, zu deinem Dienst entschlossen, durch deine Kraft die arge Welt, und was sie dir entgegen stellt, besiege und verachte. 6. Oft ist mein Glaube schwach und klein, oft ist er leer an Werken. Wer hilft mir Schwachen? du allein, du kannst mich machtig stärken. Das schwache Rohr zerbrichst du nicht; du nährst und stårkst das schwache Licht; so stark den auch mich Schwachen! 7. Hilf, daß ich recht sorgfältig sey, den Glauben zu bewahren, ein gut Gewissen auch dabei, daß ich bei 282 Glauben an Jesum den Gefahren der Welt sey wachsam allezeit, durch Früchte der Gerechtigkeit des Glaubens Kraft beweise.nodard 8. Ja, laß den Glauben sich in mir so mehren und so stårken, daß er sey fruchtbar für und für und reich an guten Werken, daß er sey thåtig durch die Lieb', mit Freuden und Geduld sich üb' in dem, was Gott gefällig. 9. Insonderheit gieb mir die Kraft, daß ich an meinem Ende den letzten Schritt der Pilgerschaft im Glauben froh vollende! steh' dann zu meinem Trost bereit, daß ich der Seelen Seligkeit, des Glaubens Ziel, erlange. 10. Dein ist, was Guts sich in mir find't; mit dir wird mir's gelingen. Du stårkst die, welche treu dir find; hilf selbst den Sieg erringen. Ja, bleibe, Herr, auch stets in mir, daß auf den Glauben dort bei dir erfolg' ein fröhlich Schauen! H Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 292. Herr, allerhöchster Gott, von dem wir gute Gaben bei redlichem Gebet uns zu versprechen haben, o fieh' erbarmend mich in meiner Schwachheit an, da ich), wie du's verdienst, dir nicht vertrauen kann. 2. Ich glaube zwar an dich, doch nur mit schwachem Glauben. Oft will die Zweifelsucht mir alle Hoffnung rauben. Wer macht das Herz gewiß, als du, o Herr, allein! laß deine Hülfe doch von mir nicht ferne seyn! 3. O reiche du mir selbst aus Gnaden deine Hände. Hilf meiner Schwachheit auf, daß mich nichts von dir wende. War auch, dem Senfkorn gleich, mein Glaube schwach und klein, so kannst du ihm doch bald Wachsthum und Kraft verleihn. 4. Herr, deine Gnade sey in mir, dem Schwachen, kräftig, so wird mein Glaube auch recht thätig und ge schäftig. Gieb, daß die Zuversicht in meinem Geist sich mehr, daß du mein Vater seyst, und ich dir angehör.f 5. O treuer Gott, der uns im Guten stårkt und gründet, gieb mir Beständigkeit, wenn sich Versuchung und sein Verdienst. 283 findet, daß ich mit fester Treu' zu dir mich halten mag, und, wenn die Hülfe säumt, nicht murre und verzag'. p 6. Mein Jesu, sieh' mich an mit Blicken deiner Gnade, wie jenes Weib, als sie auf ihrem rauhen Pfade um Hülfe rief zu dir. Den Glauben gieb mir, Gott, daß der, so deiner harrt, nie sinkt, noch wird zu Spott. 7. Mein Heiland, wie du dort für deine Jünger batest, und, wenn sie wanketen, beim Vater fie vertra test, so unterstüß auch mich, der du mein Mittler bist. Du hilfest gern und weißt, wo Hülfe nöthig ist. 8. Erbarmend wirst du, Gott, mein Flehn gewiß erhören, Muth und Beständigkeit von oben mir gewähren, daß ich des Glaubens Ziel, der Seelen Seligkeit, erlange und bich) rühm' in alle Ewigkeit. tidades bis Mel. Ich dank' dir schon zc. 293. Gedanke, der uns Leben giebt, wer kann dich ganz durchdenken!» Also hat Gott die Welt ge= liebt, uns seinen Sohn zu schenken.<< 2. Hoch über die Vernunft erhöht, umringt mit Finsternisfen, füllst du mein Herz mit Majestät und stilleft mein Gewissen. 3. Ich kann der Sonne Wunder nicht, noch ihren Bau ergründen; und doch kann ich der Sonne Licht und ihre Wärm' empfinden. 4. So kann ich auch nicht Gottes Rath von Jesu Tod ergründen! allein das Göttliche der That, das kann mein Herz empfinden. 5. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ nicht meine Schuld getragen, nicht Gott und mein Erlöser ist, so werd' ich angstvoll zagen. 6. Ist Chrifti Wort nicht Gottes Sinn: so werd' ich irren müssen, und, wer Gott ist? und was ich bin? und werden soll? nicht wissen. 7. Nein! diesen Trost der Christenheit soll mir 284 Glauben an Jesum kein Spotter rauben; ich fühle seine Göttlichkeit und halte fest am Glauben. dap 8. Ich bin dein ew'ges Eigenthum, durch dich des Himmels Erbe; dies, Sohn des Höchsten, ist mein Ruhm, auf den ich leb' und sterbe. 9. Du giebst mir deinen Geist, das Pfand, im Glauben mich zu stärken, und bildest mich durch deine Hand zu allen guten Werken. 10. So lang' ich deinen Willen gern mit reinem Herzen thue, so fühl' ich eine Kraft des Herrn und schmecke Fried' und Ruhe. 11. Und wenn mich meine Sünde krånkt und ich zu dir, Herr, trete, weiß ich, daß dein Herz mein gedenkt, und thut, warum ich bete. 12. Ich weiß, daß du, mein Heiland, lebst, und mich einst aus der Erde erweckst und zu dem Reich erhebst, wo ich dich schauen werde. 13. Kann unsre Lieb' im Glauben hier für dich je mals erkalten? dies ist die Lieb', o Herr, zu dir: dein Wort von Herzen halten. 14. Erfüll' mein Herz mit Dankbarkeit, so oft ich dich nur nenne, und hilf, daß ich dich allezeit treu vor der Welt bekenne. 15. Soll ich dereinst noch würdig seyn, Herr, um dich Schmach zu leiden, so laß mich keine Schmach und Pein von deiner Liebe scheiden. 16. Und soll ich, Gott, nicht für und für des Glaubens Freud' empfinden, so wirk' er doch sein Werk in mir, und rein'ge mich von Sünden. $ 190 17. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt, laß mich noch sterbend denken: wie sollt' uns der, der ihn geschenkt, mit ihm nicht alles schenken? Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 294. Ich hoff', o Gott, mit festem Muth auf deine Gnad' und Christi Blut; ich hoff' ein ewig Leben. Du und sein Verdienst. 285 bist ein Vater, der verzeiht, haft mir das Recht zur Seligkeit durch deinen Sohn gegeben. 2. Herr, welch ein unaussprechlich Heil, an dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel haben! im Herzen durch den Glauben rein, dich lieben, und versichert seyn von deines Geistes Gaben! 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt göttliche Zufriedenheit, wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Troft im Elend zu, versüßet uns des Lebens Ruh' und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, den Glauben an dein göttlich Wort um deines Namens willen! laß ihn mein Licht auf Erden seyn, ihn täglich mehr mein Herz erneun und mich mit Trost erfüllen. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 295. Erbarmungsvoller Gott, wie groß ist deine Liebe, die du zu Menschen trågst! dies Auge, das oft trůbe, wird heiter, wenn ich denk' an deine Freundlichkeit, und mein bekümmert Herz erleichtert und befreit. 2. Du hast den ein'gen Sohn für uns dahin gegeben; er starb den Tod am Kreuze, damit wir möchten leben. Hast du uns so geliebt, die doch verdienet Pein, wie solltest du denn nicht voll Vaterliebe feyn! 3. Nun wird mein můder Geist mit wahrem Trost erquicket, wenn mich der Sünde Joch beschwert und niederdrůcket. Ich weiß, mein Mittler hat zur Tilgung meiner Schuld sich selbst bei dir verbürgt, den Tod am Kreuz erduld't. 4. Durch sein Verdienst kann ich vor dir, mein Gott, bestehen, und, als sein Freund, kann ich getroft zum Tode gehen. Erhalte nur in mir des wahren Glaubens Kraft, die mich mit ihm verbind't und neues Leben schafft. 5. Mit dir versöhnt durch ihn, darf ich in trüben Tagen auch bei gehåufter Last nicht ganz verlassen zagen. 286 Glauben an Jesum und sein Verdienst. Im Glauben denke ich an deine Lieb' und Huld, und trage, was du mir auflegeft, mit Geduld. AJEME 6. Ich weiß, daß deine Huld mir nur zu meinem Heile auch, was mir widrig scheint, mit weiser Wahl ertheile; daß deine Liebe mich) zur allerbesten Zeit von dem, was mich beschwert, erlöset und erfreut. 7. Die Christi Glieder sind, wirst du, Gott, nie verlassen, im Todeskampfe sie mit Vaterhuld umfassen. Von dir erlöst, schwingt sich mein Geift zu jenem Licht, wo lieblich Wesen ist vor deinem Ungesicht. 8. Da will ich, treuer Gott, von aller Sünd' entladen, mit allen Seligen hochpreisen deine Thaten. Da, da wird's offenbar, mit welcher Seligkeit der, dem wir hier gelebt, der Mittler, uns erfreut, Mel. Haupt voll Blut und Wunden 2c. 296. Auf felfenfestem Grunde ruht meiner Seele Heil. Ich hab' am Friedensbunde, an Gottes Gnade Theil. Der Grund, auf den ich baue, ist von Gott selbst gelegt. Das Ziel, nach dem ich schaue, steht fest und unbewegt. 2. Unf unvollkommne Werke vertrau' ich Sünder nicht; Gott gab dazu mir Stárke, und was ich that, war Pflicht. Ich blieb noch tief verschuldet; nur meines Jesu Tod, den er für mich erduldet, versöhnet mich mit Gott. 3. Nur dies gewährt mir Freuden, wenn ich bekümmert bin; nur dies giebt Troft im Leiden; ja, reißt der Tod mich hin, so laß ich mir nicht grauen. Der Gott versöhner spricht: geh', eile, Gott zu schauen; wer mein ist, stirbet nicht. 4. Nun, hierauf will ich bauen. Mein Mittler, stårke mich! stårk' in mir dies Vertrauen, wenn Tod und Sünde sich mir Sünder schreckend zeigen, wenn Lüfte oder Hohn, mich von Gott abzuneigen, bald locken, bald auch drohn. 5. Wenn ich sodann am schwächsten mit Furcht um fangen bin: so sey du mir am nächsten, und stärke meinen Christliche Frömmigkeit und Tugend. 287 Sinn, daß ich im Kreuz gelassen, voll Geist und Muthes sey. Mich als ein Chrift zu faffen, hilf, Herr, und steh' mir bei! 6. 3u dir will ich mich halten, laß meinen Eifer nie, dir treu zu seyn, erkalten! ist gleich der Lauf voll Müh: dein Geist flößt meinem Geiste Geduld und Hoffnung ein, und, daß ich Treue leiste, will er mir Kraft verleihn. 7. Mach' folgsam meinen Willen und stärker mich zugleich mit Kräften zum Erfüllen, so bin ich ewig reich. Leit' mich durch deine Hände, so geh' ich muthig fort, und preise ohne Ende dich, meinen Mittler, dort. Christliche Frömmigkeit und Tugend. Quelle derselben: dankbare Liebe zu Gott. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 297. Wer Gottes Wort nicht hält und spricht: ich kenne Gott, der lüget; in solchem ist die Wahrheit nicht, die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, der ist von Gott, nicht von der Welt. 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, muß auch die Liebe zeugen. Je höher dein' Erkenntniß steigt, je mehr wird diese steigen. Der Glaube tröstet nicht allein, er macht das Herz auch fromm und rein. 3. Durch Jesum rein von Missethat, sind wir nun Gottes Kinder. Wer solche Hoffnung zu ihm hat, der flieht den Weg der Sünder, folgt Christi Beispiel als ein Christ und reinigt sich, wie er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, wenn ich Ge= horsam übe. Wer die Gebote hålt, in dem ist wahrlich Gottes Liebe. Ein immer thåtig Christenthum das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, wer in der Liebe bleibet. Die Lieb' ist's, die die Seraphim, Gatt zu gehorchen, treibet. Gott ist die Lieb'! an seinem Heil hat ohne Liebe Niemand Theil. Frömmigkeit und Zugend. Mel. Was mein Gott will, das ic. 298. Wenn dich die Liebe Gottes nicht zu deiner Pflicht befelet, so rühme dich der Tugend nicht, weil dir dann Ulles fehlet. Wenn Vortheil, Wollust, Eigensinn und Stolz dir Gutes rathen, so hast du deinen Lohn dahin, thust du auch gute Thaten. 2. Sey durch die Gaben der Natur das Wunder die fer Erden; beglückst du andre Menschen nur, um selbst geehrt zu werden, erfüllt die Liebe nicht dein Herz, so sind die größten Gaben vor Gott doch nur ein tönend Erz, die keinen Werth sonst haben. 3. Bau' Häuser auf und brich dein Brod, die Armen zu verpflegen; entreiß die Witwen ihrer Noth und sey der Waisen Segen; gieb alle deine Güter hin! noch haft du nichts gegeben, wenn Lieb' und Dank nicht deinen Sinn vor Gott dazu beleben. 288 4. Thu' Thaten, die der Heldenmuth je hat verrichten können; vergieß für's Vaterland dein Blut, laß deinen Leib selbst brennen; beselet dich nicht Lieb' und Pflicht, bist du der Zweck der Thaten, so ehret Gott mit Beifall nicht die Rettung ganzer Staaten. 5. Låg' ihm an unsern Werken nur, so könnt' er uns leicht zwingen, durch Macht und Fesseln der Natur das Gute zu vollbringen. Allein vor ihm, der Alles giebt, gilt Weisheit nichts, nichts Stårke. Er sieht das Herz an, ob's ihn liebt bei jedem guten Werke. 6. Ein Herz, von Eigenliebe fern, fern von des Stolzes Triebe, geheiligt durch die Furcht des Herrn, durch Glauben warm von Liebe: dies ist's, was Gott von uns verlangt. Uns wird kein Leben nützen, das mit den größ ten Thaten prangt, wenn wir dies nicht besitzen. 7. Drum täusche dich nicht durch den Schein, nicht durch der Tugend Namen. Sich auf die Werke nicht allein; sieh' auch, woher sie kamen. Prüf' dich vor Got tes Angesicht, ob Liebe dich befelet; dem fehlt gewiß die Liebe nicht, dem nicht der Glaube fehlet. Quelle derselben: dankbare Liebe zu Gott. 289 8. Wohnt Liebe gegen Gott in dir, sie wird zum Guten stärken; du wirst die Gegenwart von ihr an Menschenliebe merken. Die Liebe, die dich schmücken soll, ist gütig ohne Tücke; sie ist nicht stolz, ist langmuthsvoll, beneidet niemals Glücke. 9. Sie deckt des Nächsten Fehler zu, freut sich nicht feines Falles; sie suchet nicht bloß ihre Ruh', beglücket gerne Alles; sie beffert gern. Was Gott gefällt, das hält sie stets für's Beste. Sie folgt uns nach in jene Welt, ist da der Gaben größte. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 299. Wie theuer, Gott, ist deine Güte, die alle Missethat vergiebt, sobald ein reuendes Gemüthe die Sünden, die es sonst geliebt, erkennt, verdammt und ernstlich haßt und Zuversicht zum Mittler faßt. $ 2. O laß mich ja nicht sicher werden, weil du so reich an Gnade bist; wie kurz ist meine Zeit auf Erden, die mir zum Heil gegeb'ne Frist! gieb, daß sie mir recht wichtig sey, daß ich sie meiner Beff'rung weih'. hd 3. 3war, deine Gnade zu verdienen, sind Reu' und Beff'= rung viel zu klein. Doch darf sich auch ein Mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu seyn, wenn er noch liebt, was dir mißfällt und nicht dein Wort von Herzen hålt? 4. Nie kannst du dem die Schuld erlassen, der frevelnd Schuld auf Schulden häuft. Der kann kein Herz zu Jesu faffen, der zwar auf sein Verdienst sich steift, doch in der Sünde noch beharrt, dafür er selbst ein Opfer ward. 5. Drum fall' ich dir, mein Gott, zu Füßen: vergieb mir gnådig meine Schuld, und heile mein verwund't Gewissen mit Trost an deiner Vaterhuld. Ich will mit Ernst die Sünde scheun und willig dir gehorsam seyn. 6. Daß mit Gerechtigkeit auch Stärke durch Christum mir geschenket sey, will ich durch Übung guter Werke beweisen. Mache selbst mich treu, Herr, in der Liebe gegen dich! sie dringe stets und leite mich! Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 19 Frömmigkeit und Jugend. 7. Laß mich zu deiner Ehre leben, der du die Miffe that vergiebst! das haffen, was du mir vergeben, das lieben, was du selber liebst; laß, Vater, mein Gewissen rein, und heilig meinen Wandel seyn. 290 Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 300. Was kann ich doch für Dank, o Herr, dir dafür sagen, daß du mich mit Geduld so lange Zeit getragen; da ich der Sünden Freund, dir ungehorsam war, mich in verkehrtem Sinn selbst stürzte in Gefahr. 2. Sehr große Lieb' und Huld erwiesest.du mir Ur men. Ich fuhr in Sünden fort, du aber im Erbarmen. Ich schob die Buße auf, und widerstrebte dir; du schobst die Strafe auf, und trugst Geduld mit mir. 3. Daß ich nun bin bekehrt, verdank' ich deiner Gnade; du, du riefst mich zurück von des Verderbens Pfade. Durch deine Güt' und Treu', der keine Güte gleicht, hast du mein hartes Herz gerühret und erweicht. 4. Selbst konnte ich dich wohl beleidigen mit Sün den, doch konnt' ich ohne dich den Weg zum Heil nicht finden. Selbst fallen konnte ich und ins Verderben gehn, nicht ohne deine Huld von meinem Fall aufstehn. 5. Du hast mich aufgericht't, und mir den Weg ge wiesen, den ich nun wandeln soll; sey, Gott, dafür ge priesen; sen hochgelobt, daß ich die alte Sünde haff', und das, was dir mißfällt, nun wilig unterlass'. 6. Damit ich aber nicht aufs neue wieder falle, so gieb mir deinen Geist, so lang' ich hier noch walle, der mich, den Schwachen, stårk' und in mir mächtig sey, und mein Gemüthe stets zu deinem Dienst erneu'. 7. Ach, leit' und führe mich, so lang' ich leb' auf Erden. Laß mich nicht ohne dich durch mich geführet werden. Führ ich mich ohne dich, so werd' ich leicht verführt; wenn du mich leitest selbst, thu' ich, was mir gebührt. 8. Mein Vater und mein Gott, erhöre dies mein Flehen! laß, Jesu, Gottes Sohn, mich deine Wege gehen! Quelle derselben: dankbare Liebe zu Gott. 291 regier', o heil'ger Geist, regier' mich allezeit, daß ich dir diene hier und dort in Ewigkeit. Mel. Aus meines Herzens zc. 301. Vernimm, Gott, was ich flehe, erhöre mein Gebet, sieh' huldreich aus der Höhe auf mich, der vor dir steht. Ich flehe, Herr, zu dir um Gnade, deinen Willen gehorsam zu erfüllen; mein Gott, gewähr' sie mir! 2. Gerührt von deiner Gnade, ist nun die Sünde mir verhaßt und ihre Pfade, aus Liebe, Gott, zu dir. Denn du bist nicht ein Gott, der gottlos Wesen liebet; du liebst den nur, der übet dein heiliges Gebot. 3. Wer sich bekehrt, wird leben, denn du bist fromm und gut; doch willst du nicht vergeben dem, der nicht Buße thut. Dein Sohn versöhnte dich, und lehrte, wie die Sünde zum Zorne dich entzünde, mit seinen Leiden mich. 4. Ich will dich, Gott, erheben, daß du so heilig bist, daß, Sündern zu vergeben, dein Herz so willig iſt; aus wahrer Dankbarkeit will ich's in meinen Liedern erzählen meinen Brüdern, daß Gott sehr gern verzeiht. 5. Verschonen kann der Rächer, der Rächer kann verzeihn, und reuige Verbrecher rein machen und erfreu'n. Herr, wunderbar und groß im Strafen und Erbarmen, ach, mache du mich Urmen von jeder Sünde los! 6. Und einer solchen Liebe Gedächtniß treibe mich, daß ich das Gute übe aus Liebe gegen dich; sie preise, wer es weiß, wie Sündenlasten drücken, und opfere voll Entzücken die Liebe, Dank und Preis. Mel. Gott, du frommer Gott ic. 302. Herr, höre mein Gebet und laß es dir gefallen! es ist mein ganzer Ernst, auf deiner Bahn zu wallen; ergreife, leite, stårk' den Schwachen, der dir fleht! du siehest, daß sein Flehen aus lauterm Herzen geht. 2. Gieb, daß ich redlich mich in jeder Tugend übe; der Glaube, den du liebst, muß thätig durch die Liebe, 19* 292 Frömmigkeit und Zugend. durch Übung und durch Fleiß in guten Thaten seyn; ich will's, ich will dir, Gott, mein ganzes Leben weihn. 3. Allein mein Herz ist noch mir selbst oft unergründlich, beim besten Fleiß bleibt's doch veränderlich und sündlich; das Wollen hab' ich wohl, zum Thun auch Licht und Kraft; doch bleibt mein Tugendruhm noch immer mangelhaft. 4. Du kennest mich; du kannst mich reinigen und läutern; den Geist, wenn Licht ihm fehlt, mit deinem Licht erheitern; wenn eine Leidenschaft erwachen will, kannst du durch mein Gewissen ihr gebieten, daß sie ruh. 5. Gott, darum wollest du mich låutern und beleh ren, der Trägheit des Gemüths, der Lust zur Sünde wehren; mich, wo Gefahren sind, erschrecken, mich zum Streit ermuntern, wo dein Wort zu streiten mir gebeut. 6. Ich, Pilger, walle hier noch stets umringt mit Sündern; ihr Beispiel könnte leicht den Tugendeifer mins dern. Ogieb, daß nie ihr Spott und ihre falsche Lust bethore und entweih' die dir geweihte Brust. 7. Bewahre mich, wenn sie, bethört von eitlen Lüften, sich ihrer Sünden freun und sich in Lastern brüsten. Des Sünders Lachen wird in Weinen einst verkehrt, in Trauern seine Lust, wenn er sich nicht bekehrt. 8. Ich aber werde, Gott, dir nicht umsonst ver trauen; einst, wenn ich treu dir bin, verklärt dein Antlit schauen, und, wenn mein Staub erwacht, von deiner Wonne satt, frohlocken, daß mein Herz sich dir ergeben hat. Christliche Srömmigkeit aus Liebe und Dank. barkeit gegen Jesum. Mel. Nun freut euch, Christen ze. 303. Herr Jesu Estrist, mein Trost, mein Licht! ich preise dich von Herzen, daß du mich Müden aufgericht't. Ich sah mit Reu' und Schmerzen an mir so manche Missethat; ich suchte bei dir Trost und Rath und Friede für die Seele. Quelle derselben: dankbare Liebe zu Jesu. 293 2. Du hörtest gnadenvoll mein Flehn, warst willig zum Vergeben; gern låff'st du Gnad' für Recht ergehn, du liebst des Sünders Leben. Du hast mit Huld an mich gedacht, mich von der Sünde frei gemacht, die Niemand konnte heben. 3. Unschuldig, wie ein stilles Lamm, bist du für mich gestorben den herben Tod am Kreuzesstamm; du hast mir selbst erworben durch deinen Tod die Seligkeit; dir dank' ich, daß ich so befreit durch dich bin vom Verderben. 4. Herr, gieb mir deinen guten Geist, daß er mich unterrichte, was solche Lieb' und Wohlthat heißt; daß ich mich treu verpflichte, zu preisen dich mit Herz und Mund, und ernstlich deinen Gnadenbund zu halten sey befliffen. 5. Herr, laß mich jede Sünde scheun, den eitlen Sinn ablegen, und wider Lüste wachsam seyn, die sonst von deinen Wegen ableiten auf den Sündenpfad, damit nicht neue Missethat mir meine Ruhe raube. 6. Verleihe selbst mir Lust und Muth, Herr, deinen heil'gen Willen, der Alles mir zum Besten thut, stets folgsam zu erfüllen. Gieb, daß ich stets gedenk' daran, was du bereits an mir gethan und was du noch verheißen. 7. Herr Jesu, laß auf dich allein, so lang' ich leb' hienieden, mein ganzes Herz gerichtet seyn, so stört nichts meinen Frieden; so werd' ich durch dich alle Noth, die Welt, die Sünde und den Tod, als Sieger überwinden. Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 304. Preis und Lob und Herrlichkeit sey, Erlöser, dir gegeben; Preis sey dir in dieser Zeit, Preis und Lob im ew'gen Leben! denn du gabst dein Leben dar für die Welt, die strafbar war. 2. Dadurch hast du Allen Heil, Allen Trost und Gnad' erworben. Ich auch habe daran Theil, auch für mich bist du gestorben; Alles, Alles ist nun mein. Wie soll ich dir dankbar seyn! 3. Für die Leiden ohne Zahl, für die Leibs- und Frömmigkeit und Zugend. Eeelenschmerzen und für deine Todesqual dank' ich dir mit treuem Herzen. Treu dank' ich, doch mangelhaft; gieb zum beffern Dank mir Kraft. 4. Welche Liebe, daß für mich Gottes Sohn sein Leben giebet! hilf, daß meine Seele dich redlich, thåtig, ewig liebet. Frohe Tugend sey die Frucht von der Liebe fanfter Sucht. 5. Un dir, Jesu, halt' ich feft, an dir, Treuester von Allen; wehe dem, der dich verläßt! er muß ins Verder ben fallen. Wenn ich dir ergeben bin, wird mir Alles zum Gewinn. 6. Durch dich bin ich reich und hoch; ich bin Gottes Kind und Erbe; Gott liebt mich; was fehlt mir noch? eins fehlt nun noch: daß ich sterbe. Auch gut sterben hilfst du mir, und dann nimmst du mich zu dir. 294 Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 305. Meinen Jesum laß ich nicht. Da er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, ihm zu folgen und zu leben. Er gewährt mir Trost und Licht; meinen Jesum laß ich nicht. 2. Jesu hab' ich mich verpflicht't auf dies ganze Pil gerleben; ihm hab' ich voll Zuversicht, was ich bin und hab', ergeben; Alles ist auf ihn gericht't; meinen Jesum laß ich nicht. 3. Wenn auch dies mein Angesicht einst verwelket und verbleichet, wenn dem Auge einst sein Licht und des Leibes Kraft entweichet, wenn dies Herz im Tode bricht, laß ich meinen Jesum nicht. 4. Ich verlasse Jesum nicht, bis ich werd' dahin gelan gen, wo vor seinem Angesicht seine Auserwählten prangen; wo den Glanz von seinem Licht keine Nacht mehr unterbricht. 5. Diese Welt erfreut mich nicht; meines Herzens Wunsch und Sehnen ist auf Jesum nur gericht't, der, mit Gott mich zu versöhnen, selbst dort hinging ins Gericht. Meinen Mittler laß ich nicht. Quelle derselben: dankbare Liebe zu Jesu. 295 6. Jefu bleib' ich für und für treu, nichts soll mich von ihm scheiden; seinen Treuen giebt er hier Seelenruh', dort ew'ge Freuden. Wohl dem, der von Herzen spricht: meinen Jesum laß ich nicht! 306. Herzlich hab' ich dich lieb, o Herr! Sey du mir nahe und gewähr' mir deine Gnadergaben. Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Erd' und Himmel frag' ich nicht, wenn ich nur dich kann haben. Und wenn mein Herz im Tode bricht, bist du doch meine Zuversicht, mein Theil, das meine Seele tröst't, weil du mich durch dein Blut erlöst. Herr Jesu Chrift! mein Gott und Herr! mein Gott und Herr! verlaß, verlaß mich nimmermehr! 2. Es ist, Herr, dein Geschenk und Gab', Leib, Seel' und Alles, was ich hab' in diesem ersten Leben. Daß ich es deinem Lobe weih', dem Nächsten damit nůßlich fey, dies Glück wollst du mir geben. Laß, Mittler, mein Erkenntniß rein und heilig meinen Wandel feyn. Im Leiden stärke mich mit Muth; denn was du auflegst, ist mir gut. Herr Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! stårk' mich in meiner letzten Noth! 3. Uch gieb, wenn du mich sterben heißt, daß dann dein Engel meinen Geist zum Sitz der Freuden trage! mein still verwesendes Gebein wird Erde, doch nicht immer, seyn, nur bis zum jüngsten Tage. Du kommst einst und erweckest mich, dann schauet dies mein Auge dich, dich, Welterlöser, Gottes Sohn! dann preif' ich dich vor deis nem Thron. Herr Jesu Chrift! mein Herr und Gott, erhöre mich, so preis ich ewig, ewig dich! Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 307. Jesum lieb' ich ewiglich, sein Wort will ich treulich halten; stets soll dieser Eifer sich in mir mehren, nie erkalten. Denn wer hat so inniglich je, wie er, geliebet mich! 2. Jesus ist, o große Huld! dort am Kreuz für mich gestorben; die Vergebung meiner Schuld hat er mir Nothwendigkeit dadurch erworben; Frieden, den die Welt nicht giebt, schenkt er, der mich so geliebt. 3. Gott wird, wie er selbst verheißt, mich um seinetwillen schonen; ja, der Vater, Sohn und Geist will in meinem Herzen wohnen; wer ist, der das würdig preist, was mir Jesu Wort verheißt? 296 4. Also liebte, spricht der Sohn, Gott die Welt, daß er gegeben seinen eingebornen Sohn, daß wir Alle möchten leben; so bin ich denn selig schon durch den Glauben an den Sohn! 5. Wer beharrlich an ihn glaubt, geht im Tode nicht verloren; keine Macht ist, die ihm raubt, wozu Jesus ihn erkoren; das verheiß'ne Erbe giebt Jesus dem, der treu ihn liebt. 6. Ist mir nur mein Mittler hold, o so schreckt mich kein Gerichte. Wenn ich heute sterben sollt', würd' vor feinem Angesichte mich nicht quålen meine Schuld; er vergab sie mir voll Huld. 7. Jesus liebt mich für und für, drum will ich ihn wieder lieben; er hat mich bereits schon hier in das Lebensbuch geschrieben. Raubt der Tod mir Alles hier, Jesu Liebe bleibet mir. 8. Er ist's, der mich sicher führt, ihm will ich mich anvertrauen; er, mein Leiter, Schutz und Hirt, führet mich auf grüne Auen; er gewähret meinem Geist Freuden, wie sein Wort verheißt. 9. Ich bleib' Jesu Eigenthum; sein bin ich und er mein Hirte. Er, mein Heiland und mein Ruhm, macht mich frei von aller Bürde. Ich bin Jesu Eigenthum; dieses bleibt mein Glück und Ruhm. Nothwendigkeit eines heiligen Lebens. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 308. Du fagst: ich bin ein Christ. Wohl dir, wenn Werk und Leben dir dessen, was du sagst, Beweis und eines heiligen Lebens. 297 Zeugniß geben; wenn auch dein ganzes Thun durch Gottes Kraft und Geist von deinem Christenthum die echten Proben weist! 2. Du sagst: ich bin ein Chrift. Der ist's, der Jesum kennet, ihn seinen Gott und Herrn nicht bloß mit Worten nennet; nein, sondern willig thut, was ihm sein Herr gebeut. Thust du das nicht, so ist dein Ruhm nur Eitelkeit. 3. Du sagst: ich bin ein Christ. Wer sich's will nennen lassen, muß leben, wie er glaubt und alles Böse haffen; der liebet Christum nicht, der noch die Sünde liebt, ist auch kein Christ, ob er sich gleich den Namen giebt. 4. Du sagst: ich bin ein Christ; denn ich bin ja getaufet auf Christi Tod, der mich mit seinem Blut erkaufet. Ja wohl, doch prüfe dich, wie steht's um deinen Bund, den du mit Gott gemacht in jener Gnadenstund'? 5. Hast du nicht etwa selbst ihn långst und oft gebrochen? hast du als Gottes Kind dich, wie du ihm versprochen, in allem Thun erzeigt? dem Guten nachgestrebt, nie wider deine Pflicht und Gottes Wort gelebt? 6. Du fagst: ich bin ein Christ, weil ich die Gnadenlehre zu Haus und öffentlich oft les' und fleißig höre; doch thust und übst du auch, was Gottes Wort dich lehrt? der Thåter nur allein ist Gott und Christo werth. 7. Du sagst: ich bin ein Christ; ich beichte meine Sünden, und hoff' durch Christi Blut Legnadigung zu finden; allein zeigt sich nun auch die Besserung an dir nach abgelegter Beicht'? prüf dieses ernstlich hier! 8. Wenn du stets, wie zuvor, ungdttlich bleibst gesinnet, wenn gar die alte Lust in die mehr Kraft gewinnet, und nicht der fromme Trieb, gehorsam Gott zu seyn: so ist dein Beichten nichts, als Selbstbetrug und Schein. 9. Du sagst: ich bin ein Christ, laß speisen mich und trånken mit dem, was Christus uns im Abendmahl will schenken. Doch prüfe auch dabei: ob Christi Leib und Blut in dir zur Heiligung nun seine Wirkung thut? Nothwendigkeit 10. Du sagst: ich bin ein Christ; ich bete, les' und singe, ich geh' ins Gotteshaus; sind das nicht gute Dinge? Sie sind's, wenn man sie thut mit redlichem Ge müth und so, daß Gott dabei ein reines Herze sieht. 11. Du sagst: ich bin ein Christ. Wer kann's dir zugestehen, so lang' man es nicht kann aus deinem Wandel sehen? wer glaubt und rühmt, daß er dem Heiland angehor', muß auch gefinnet seyn und wandeln, gleich wie er. 12. Bist du nun wahrer Christ, so wirst du seyn erfüllet mit Christi Sinn und Geist. Wenn wahre Liebe quillet aus deiner Seele her, wenn du demüthig bist von Herzen, wie der Herr, dann sag': ich bin ein Chrift! 13. So lang' dich aber bloß des Eitlen Liebe rühret, Stolz, Geiz und üppigkeit bei dir noch fortregieret, nicht Sanftmuth in dir herrscht, nur Zorn und Haß und Neid, so lange bist du noch vom Christenthume weit. 14. Du sagst: ich bin ein Christ, und rühmst dich deß mit Freuden; doch thust du auch wohl mehr, als manche weise Heiden? Ach! sorg', daß diese nicht dich einst dort klagen an, daß sie bei minder Licht mehr Guts, als du, gethan. 298 15. Sag' nicht: ich bin ein Christ! bis daß dir Werk und Leben auch dessen, was du sagst, Beweis und Zeugnis geben. Das wahre Christenthum bestehet nicht im Schein; ein Christ muß, was er heißt, im Thun und Wesen seyn. 16. Ach, mein Gott, gieb mir Kraft, mit Ernst mich zu befleißen, zu seyn ein wahrer Christ, und nicht bloß so zu heißen; denn, wer den Namen hat und nicht die That zugleich, gelanget nimmermehr zu dir ins Himmelreich. Mel. Christ, unser Herr, zum 2c. 309. Ein Chrift soll nicht der Meinung seyn, daß unser Christenleben besteh' im Namen nur allein, den Christus uns gegeben; und daß man möge immerhin nad eig'nem Wohlgefallen und angeerbtem bösem Sinn in diesem Leben wallen auf eitlen Sündenwegen. eines heiligen Lebens. 299 2. Ein wahrer Christ strebt emfiglich, mit Thaten zu erweisen, daß er nicht bloß so nenne sich, und so Gott recht zu preisen, der uns des Geistes Kråste gab, uns stärkt mit seiner Gnade, daß wir durch ihn bis an das Grab einhergehn auf dem Pfade des ihm gefäll'gen Lebens. 3. Wer seinen Gott recht ehrt und liebt, wie einem Kind gebühret, ist wachsam, daß er nichts verübt, was ihn von Gott abführet. Der Heuchler Art hingegen ist, von außen fromm zu scheinen, zu bienden durch Betrug und List, ein anders bei sich meinen und in der That verrichten. 4. Dergleichen Heuchelei, o Gott, laß mich doch nies mals treiben; in Lieb' und Leid, in Noth und Tod aufrichtig vor dir bleiben. Gieb, daß ich mag vor allen dich in dir den Nächsten lieben, ja selbst auch lieben die, die mich verletzen und betrüben, und Christo treu nachfolgen. 5. Ich bin ein Mensch, du kenneft mich, ich kann mich leicht vergehen; bewahre mich und gieb, daß ich mag ungefäumt aufstehen, wenn ich aus übereilung fall'; erhalt mich bei dem Einen, daß ich dich fürchte überall, bis du mich zu den Deinen wirst in den Himmel nehmen. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 310. Mein Gott! ach lehre mich erkennen den Selbstbetrug und falschen Schein, daß Viele, die sich Christen nennen, mit nichten Christi Glieder seyn. Wirk in mir selbst zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum. 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, der Sünde abge= storben sey; und fromm, wie dir's gefällt, zu leben, steh' mir mit deiner Gnade bei, und wirke selbst zu deinem Ruhm in mir das wahre Christenthum. 3. Gieb, daß, da ich für diese Erde nicht bloß von dir geschaffen bin, ich himmlisch hier gesinnet werde und gieb mir meines Heilands Sinn. Mein Gott, wirk' selbst zu deinem Ruhm in mir das wahre Christenthum. 4. Regiere du selbst meine Seele, damit ich) Chrifto folge nach, und standhaft seine Wege wähle, wenn mich 300 Nothwendigkeit auch tråfe Spott und Schmach. Denn bei dem wahren Christenthum hier leiden, bringt dort Freud' und Ruhm. 365. Gieb mir zum Streite Muth und Kräfte, damit ich, Christo ewig treu, in meiner Heiligung Geschäfte nie tråge und verdrossen sey. Gott, wirke selbst zu deinem Ruhm in mir das wahre Christenthum. 6. So hab' ich schon auf dieser Erde, was mich beruhigt und erfreut; so sing' ich einst im Tod und werde dich schau'n in jener Herrlichkeit; so krönt mich einst mit Preis und Ruhm mein hier geführtes Christenthum. Mel. O König, dessen Majestät zc. 311. Was hilft es mir, ein Christ zu seyn, wenn ich nicht christlich lebe, und heilig, fromm, gerecht und rein zu wandeln mich bestrebe? wenn ich dem seligen Beruf, zu welchem mich mein Gott erschuf, nicht würdig mich beweise, und den, der mich erlöset hat, in Worten bloß, nicht durch die That und gute Werke preise? 2. Was hilft der Glaub' an Jesum Chrift, den ich im Munde führe, wenn nicht mein Herz rechtschaffen ist, und ich die Frucht verliere? wenn mich die Eitelkeit der Welt mit ihrer Luft gefangen hält, ich ihre Fesseln liebe? wenn ich, verführt durch ihren Reiz, Stolz, Rachgier, Fleischeslüfte, Geiz in Werk und Thaten übe? 3. Weit strafenswürd'ger bin ich dann, ich, der ich Christum kenne; weiß, was er einst für mich gethan, ihn Herrn und Meister nenne, als der, der in der Finsterniß des Irrthums tappt, noch ungewiß, ob er auch richtig wandle. Drum ließ der Herr ein Vorbild hier in seinem Wort und Zeugniß mir, damit ich darnach handle. 4. Und ach! wo find' ich Trost und Ruh', wenn mich die Leiden drücken, und mein Gewissen tritt herzu, die Schuld mir vorzurücken! wo find' ich Trost in jener Noth, kommt nun der schauervolle Tod, mein Grab mir aufzudecken, und meine Sünden lagern sich umher, ge waffnet wider mich, mit einer Hölle Schrecken! eines heiligen Lebens. 301 5. Weh mir! was hilft es mir einst dort, erweckt aus meinem Grabe, daß ich an Christum und sein Wort zum Schein geglaubet habe; wenn keine fromme gute That mein Leben hier bezeichnet hat, den Glauben zu bestårken; zu dem Genuß der Seligkeit führt Glaube und Rechischaffenheit, der Glaub' in guten Werken. 6. Gott, dieser Hoffnung werth zu seyn, hilf, daß ich christlich lebe, und vor dir heilig, fromm und rein zu wandeln mich bestrebe! gieb mir Erkenntniß, Kraft und Muth, daß ich der Sünde scheinbar Gut im Glauben überwinde; daß ich nach wohldurchlebter Zeit den Lohn in jener Ewigkeit, wie du verheißest, finde. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 312. Dein, Gott, ist Majestät und Macht, und Alles ist dir unterthan. Dir werde Dank und Ruhm gebracht! fallt nieder, Menschen, betet an! 2. Dich preise jede Creatur, der höchste Engel und der Wurm; dich ehrt gehorsam die Natur; dein Wink crregt und stillt den Sturm. 3. Wohin mein Auge, Gott, nur blickt, ist Ordnung, Eintracht, Harmonie; und ich, mit deinem Bild geschmückt, empörte mich und störte sie. 4. Du schufst das menschliche Geschlecht; durch dich, Gott, sind wir, was wir find; du bist mein Herr, ich bin dein Knecht; du bist mein Vater, ich dein Kind. 5. Wie darf, wer, Vater, dich nicht ehrt, des Glücks, dein Kind zu seyn, sich freun? nur die sind dieser Ehre werth, die ganz sich deinem Dienste weihn. 6. Wie billig, wie gerecht und gut ist alles, was uns Gott gebeut! wohl dem, der seinen Willen thut! ihn thun ist Freud' und Seligkeit. 7. Nur das, was bös und schädlich ist und uns entehrt, verbeut uns Gott. Weh dem, der seine Pflicht vergißt! er stürzet sich in Schand' und Noth. 8. Gott ist, wenn er Gesege giebt, kein menschen Nothwendigkeit feindlicher Tyrann; bloß weil er unsre Wohlfahrt liebt, reizt er uns zum Gehorsam an. 9. Leicht ist die Last und sanft sein Joch. Wer's willig trågt, seht seinen Lauf stets freudig fort; und fällt er noch, so hilft ihm Gott selbst wieder auf.s 302 10. Es heißt uns seine Lieb' und Huld gehorsam seyn aus Dankbarkeit; er warnet uns vor neuer Schuld, und übet uns durch Kreuz und Leid. 11. Er selbst ermahnt, droht und verheißt, und hält uns Tod und Leben vor; und rühret und erwecket sein Geist, und ich verschlösse Herz und Ohr? 12. Nein, Gott! dir sey mein Herz geweiht, Gehorsam sey mein größter Ruhm. Verleihe mir Beständigkeit, und heil'ge mich, dein Eigenthum. Wider die heuchelei. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 313. Mein Gott, du prüfest Herz und Nieren, siehst in der Seele Grund hinein, du weißt, was wir im Sinne führen und hasseft allen falschen Schein; du bringest Alles an den Tag, was noch so tief verborgen lag. 2. Laß mich in meinem Christenthume Unredlichkeit und Trägheit fliehn. Zur Schmach gereicht mir's, nicht zum Ruhme, wenn ich den Gråbern ähnlich bin, in denen man nur Staub erblickt, so sehr man sie von außen schmückt. 3. Die Frömmigkeit liebt kein Verstellen, sie braucht der falschen Schminke nicht. Die sich den Heuchlern zuges sellen, vermeiden gern der Wahrheit Licht. Wer ein recht schaffnes Wesen hat, beweist es auch in Wort und That. 4. Gieb, daß ich stets mit reiner Seele dir zu ge fallen eifrig sey; und unversteckt, selbst wenn ich fehle, eb dir bekenne und bereu'! wer das nicht thut, bestehet nicht vor deinem hellen Angesicht. 5. Bekenn' ich dich mit meinem Munde, so laß es auch von Herzen gehn, und mich in deinem Gnadenbunde eines heiligen Lebens. 303 durch frommen Wandel fest bestehn, daß mich kein falscher Wahn bethört und sich mein Ruhm in Schmach verkehrt. 6. Was nüßt mir's, vor den Menschen prangen, und vor dir, Gott, verwerflich seyn? laß mich den wahren Schmuck erlangen, und kleide mich in Tugend ein, durch die der Glaub' an Jesum Christ erst rechter Art und thätig ist. i 7. So hab' ich stets ein gut Gewissen, im Leiden Trost und Freudigkeit, und bin, wenn sich die Augen schließen, von Angst und Seelenqual befreit; so führet mich mein Tod dahin, wo ich vollkommen selig bin. Beschaffenheit der christlichen Zugend überhaupt. Mel. Was mein Gott will zc. 314. Ach, höchster Gott, verleihe mir, daß ich nur dich begehre; mein ganzes Glück nur such' in dir, dich über Alles ehre; dich als ein Kind stets such' und find' im Wohlstand und im Leiden; laß weder Leid, noch Glück und Freud' mich jemals von dir scheiden! 2. Erfülle mich) mit wahrer Reu', wenn ich dich, Gott, betrübe; gieb, daß ich alles Böse scheu' und stets das Gute liebe. Laß mich doch nicht, Herr, meine Pflicht mit Vorsatz je verletzen; der Seele Heil, mein ew'ges Theil, laß mich recht theuer schätzen. 3. Ldsch aus und dámpf in meiner Brust die lasterhaften Triebe. Zur Tugend gieb mir Kraft und Lust, daß ich mich thätig übe, nach deinem Wort an jedem Ort das Gute zu vollbringen; laß meinen Geist sich allermeist zu dir, Gott, aufwärts schwingen, 4. Nie blåhe sich von Stolz mein Sinn, laß mich in Demuth leben; nimm Neid und Rachsucht von mir hin, und laß mich gern vergeben. Dein Wort gebeut Versöhnlichkeit, verdammt der Rachsucht Triebe; gieb, daß den Feind, nicht bloß den Freund, mein Herz aufrichtig liebe. 5. Erneure mich und schmücke mich mit Glauben, Hoffnung, Liebe; mit reinem Glauben, welcher sich treu 304 Beschaffenheit der christlichen im Gehorsam übe; die Hoffnung sey von Zweifeln frei, die Liebe reich an Werken, so daß ich mag von Tag zu Tag der Tugend Fortgang merken. 6. Laß mich nach Reichthum, Gut und Geld nie unerfåttlich trachten; die eitle Ehre dieser Welt nie übermåßig achten; laß mich vielmehr nach Ruhm und Ehr bei oir, Weltrichter, streben; mit dem, was du mir hier theilst zu, laß mich zufrieden leben. 7. Verstellung, Falschheit, Heuchelei laß mich sorgfältig flichen; mich nicht durch List und Gleißnerei um Menschengunst bemühen; laß Ja und Nein mir heilig seyn; laß mich nicht lieblos richten; bei Jedermann, so sehr ich kann, den 3ank mit Sanftmuth schlichten. 8. Herr, pflanz' die wahre Lauterkeit mir selber ins Gemüthe, damit ich vor Unredlichkeit und Selbstbetrug mich hüte; des Herzens Grund sey, wie der Mund, der Wahrheit treu ergeben, so werd' ich nicht, wie sonst geschicht, verdiente Schmach erleben. 9. Gieb, daß ich stets den Müßiggang sammt aller Trägheit fliehe, daß Andern ich mein Lebelang zu dienen mich bemühe. Laß meinen Fleiß zu deinem Preis, o Gott, mir wohlgelingen; und segnest du das, was ich thu', so laß mich dir lobsingen. 10. Gott, gieb mir deinen guten Geist, daß er mich stets regiere und, wie dein Wort mich unterweist, auf deinen Wegen führe: so wird mein Herz in Freud' und Schmerz dir zu gefallen streben, und du wirst mir, Gott, einst bei dir den Lohn der Treue geben. Mel. Gott, du frommer Gott zc. 315. Mein Vater und mein Gott, der du mir dieses Leben, Leib, Seele und Vernunft aus Gnaden hast gege ben, regiere ferner mich mit deinem guten Geist, daß er in allem Thun mir Kraft und Beistand leist'. 2. Hilf, daß ich allezeit des Fleisches Lüfte meide, nie Haß, noch Stolz, noch Geiz in meinem Herzen leide; Tugend überhaupt. 305 gieb, daß ich immer wach', im Kampf des Glaubens treu, und in der Hoffnung stark und fest gegründet sey. 3. Gieb, daß ich als ein Christ mich Christo ähnlich zeige, und achtsam mein Gemüth zu seiner Lehre neige. Sein Geist regiere mich, und nicht der Geist der Welt, so geh' ich, Herr, vor dir den Weg, der dir gefällt. 4. Erfülle du mein Herz mit Lust zu dir und Liebe, und gieb, daß ich zugleich am nächsten Liebe übe. Verleihe mir Geduld, wenn Trübsal bricht herein, und gieb, daß ich im Glück demüthig möge seyn. 5. Verleih', daß ich zuerst nach deinem Reiche trachte, und kein vergånglich Gut zu übermäßig achte. Wer nach dem Ewigen vor allen Dingen tracht't, empfängt im Zeitlichen auch das, was glücklich macht. 6. Haß, Falschheit, übermuth und Heuchelei daneben laß ferne von mir seyn; mein dir geweihtes Leben sey von Betrug und Neid, von Unbarmherzigkeit, von ungerechtem Gut und stolzem Sinn befreit. 7. Mit deiner Gnadenhand, Herr, wollest du mich leiten, mich auch auf dunkler Bahn mit deinem Licht begleiten; in Nöthen und Gefahr mein Schutz und Netter seyn, mit Trost und Hülfe mich zur besten Zeit erfreun. 8. Erlöse endlich mich von allem Kampf und Leiden; laß selig meinen Geist aus dieser Hütte scheiden. Umfaff' am Ende mich mit deiner Vaterhand und führe selbst mich ein ins rechte Vaterland. 316. Gott, du frommer Gott, du Brunnquell aller Gaben, ohn' den nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben! gefunden Leib gieb mir, und daß in diesem Leib die Seele unverletzt, rein das Gewissen bleib'. 2. Gieb, daß ich thu' mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führetz. gieb, daß ich's thue bald, zu der Zeit, da ich soll; und wenn ich's thu', so gieb, daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. 20 306 Beschaffenheit der christlichen laß kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen; und wenn nach meiner Pflicht ich reden soll und muß, o dann bewahre mich vor Furcht und vor Verdruß. 4. Droht mir Gefährlichkeit, so laß mich nicht ver zagen, gieb du mir Heldenmuth, und hilf das Kreuz mir tragen. Gieb, daß ich Haß und Neid durch Sanftmuth überwind', und da, wo ich's bedarf, stets Rath und Bei stand find'. 5. Laß mich mit Jedermann in Fried' und Freundschaft leben, so weit es christlich heißt. Wirst du vor Andern geben mir Reichthum, Ehr' und Gut, so gieb auch dies dabei, daß ich nicht ungerecht, nicht stolz, noch sicher sey. 6. Soll ich's in dieser Welt zu vielen Jahren brin gen, und unter mancher Last ins hohe Alter dringen: so sey mein Führer selbst, mein Helfer in Gefahr, daß ich mit Ehren trag' alsdann mein graues Haar. 7. Laß dann mich selig einst aus diesem Leben scheiden; gieb meiner Seele Theil an deines Himmels Freuden; belehrend mach' indeß dem Sterblichen mein Grab, und trockne dem, der mich beweint, die Thränen ab. 8. Du kommst, du wirst gewiß die Todten auferwecken, wirst deine Hand dann auch zu meinem Grab ausstrecken; erweckt steht dann mein Leib aus seinem Staube auf, und eilt verklärt mit dir zu deinem Thron hinauf. Mel. Herr Christ, du ein'ger c. 317. Herr Jesu, Gnadensonne! von deinem Angeſicht fließt auf uns wahre Bonne, bestrahlt uns Heil und Licht; du kannst den Geist erneuen, du kannst das Herz erfreuen; verfag' es mir auch nicht! 2. Vergieb mir meine Sünden und laß mich, Herr, durch dich der Gnade Trost empfinden; verföhnet hast du mich. An deinen Friedensgaben laß mich stets Untheil haben; ach, Herr, erhöre mich! 3. Vertilg' aus meiner Seele des alten Menschen Sinn, daß ich, was du willst, wähle, voll Eifer mich Tugend überhaupt. 307 forthin zu deinem Dienst ergebe, und dir zu Ehren lebe, weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntniß in mir, mein Seelenhort, erweitre mein Verständniß, Herr, durch dein göttlich Wort, daß ich fest an dich glaube, stets in der Wahrheit bleibe, sey selig hier und dort. 5. Leit' mich durch diese Wüste und unterdrück in mir die Herrschaft böser Lüste, daß ich dem für und für mög' immer mehr absterben, was mich sucht zu verderben; hingegen leb' in dir. 6. Ach! zünde deine Liebe in meiner Seele an, daß ich aus inn'rem Triebe dich ewig lieben kann, und dir zum Wohlgefallen beständig moge wallen auf rechter Lebensbahn. 7. Verleih' zum Guten Stärke, verleih' mir Muth und Kraft; dies sind die Gnadenwerke, die dein Geist in uns schafft. Was ist ohn' ihn mein Sinnen, mein Streben und Beginnen! wie schwach! wie mangelhaft! 8. Erwerber aller Gnaden, du wirst nach deiner Treu' der Sünde mich entladen, wirst tåglich mir aufs neu', damit ich deinen Willen gehorsam mög' erfüllen, mit Kraft selbst stehen bei. Mel. Durch Adams Fall zc. 318. Klag' nicht, mein Herz, daß schwer es sey, den Weg des Herrn zu wandeln, und tåglich dem Gesetze treu zu denken und zu handeln. Wahr ist's, die Tugend kostet Müh', sie ist der Sieg der Lüfte; doch richte selbst, was wäre sie, wenn sie nicht kämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer Laster freun, trifft die kein Schmerz hienieden? sie sind die Sclaven eig'ner Pein und haben keinen Frieden. Der Fromme, der die Lüste dåmpft, hat oft auch seine Leiden; allein der Schmerz, mit dem er kämpft, verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist anfangs zwar ein breiter Weg durch Auen; allein sein Fortgang wird Gefahr, sein Ende Nacht und Grauen; der Eugend Pfad ist anfangs 20 308 Beschaffenheit der christlichen steil, läßt nichts als Mühe blicken; doch weiter fort führt er zum Heil und endlich zum Entzücken. 4. Was wäre es, hätt' uns Gott vergönnt, nach unsers Fleisches Willen, wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, die Lüste frei zu stillen; ließ er den Raub, den Undank zu, den Frevel, dich zu krånken, den Menschenhaß; was würdest du von diesem Gotte denken? 5. Gott will, wir sollen glücklich seyn, drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, sie sind des Lebens Schätze. Er red't in uns durch den Verstand, und spricht durch das Gewissen, was wir, Geschöpfe seiner Hand, fliehn, oder wählen müssen. 6. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur, und Freiheit ist's, sie wählen; ein Thier folgt Fesseln der Natur, ein. Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigenthum? was sein Beruf auf Erden? die Tugend! was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden! 7. Lern' nur Geschmack am Wort des Herrn und seiner Gnade finden, und übe dich getreu und gern, dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Ge brauch von Gott noch mehr bekommen; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eig'ne Kraft, drum muß es dir gelingen; Gott ist es, welcher Beides schafft, das Wollen und Vollbringen. Wann gab der Vater einen Stein dem Sohn, der Brod begehrte? bet' oft! Gott müßte Gott nicht seyn, wenn er dich nicht erhörte. 9. Dich stärket auf der Tugend Pfad das Beispiel fel'ger Geister; ihn zeigte dir und ihn betrat ja selbst dein Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott auf diesem Pfade hindern; der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott und nicht bei Menschenkindern. 10. Sey stark, sey männlich allezeit, tritt oft an deine Bahre; vergleiche mit der Ewigkeit den Kampf ſo kurzer Jahre. Das Kleined, das dein Glaube hält, wird Tugend überhaupt. 309 neuen Muth dir geben; und Kräfte der zukünft'gen Welt, die werden ihn beleben. 11. Und endlich, Christ, sey unverzagt, wenn dir's nicht immer glücket, wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, stets neue Schwachheit drücket; Gott sieht nicht auf die That allein, er sieht auf deinen Willen. Ein göttliches Verdienst ist dein! dies muß das Herz dir stillen. Von der Nachahmung Christi. Mel. Kommt her zu mir sc. 319. Kommt her, Mühsel'ge, kommt zu mir, spricht liebreich Gottes Sohn, die ihr mit Sünden seyd beladen; kommt her! ich bin der gute Hirt, der euer Herz erquicken wird; ich heile euren Schaden. 2. Nehmt nur auf euch mein sanftes Joch; seht auf mein Vorbild; lernet doch, euch so, wie ich, bezeigen; send sanftmuthsvoll, wie ich es bin, liebt Demuth; laßt nicht euren Sinn zum Stolz und Geiz sich neigen. 3. So werdet ihr zu jeder Zeit für eure Seel', in Freud' und Leid, Trost und Erquickung finden. Sanft ist mein Joch, leicht meine Last; wer sie geduldig auf sich faßt, dem helf' ich überwinden.. 4. Dir will ich stets, o Jesu Christ, der du auch mir ein Vorbild bist, zu folgen eifrig trachten; mich selbst und Alles, was die Welt mir Sündliches vor Augen stellt, nie höher, als dich achten. 5. Stårk du mich Schwachen und verleih', daß ich wie du gefinnet sey und dein Joch willig trage; für meinen Geist hier Ruh' erlang', und den verheißnen Preis empfang' am Schlusse meiner Tage. 320. Mir nach! spricht Christus, unser Held; mir nach, ihr Christen alle! flieht die verkehrte Lust der Welt, folgt meines Rufes Schalle! scheut nicht der Thoren Spott und Schmach, verachtet sie, und folgt mir nach! Von der Nachahmung 2. Ich bin das Licht, ich leucht' euch für mit reinem Tugendleben. Wer zu mir kommt und folget mir, wird Seelenruh' gegeben. Ich bin der Weg, ich zeige wohl, wie man hier richtig wandeln soll. 3. Mit Demuth ist mein Herz erfüllt, voll Liebe meine Seele; ich übe Sanftmuth, wenn man schillt, vergebe Schmach und Fehle; Gott ganz ergeben ist mein Sinn; kommt, Christen! werdet wie ich bin! 310 4. Gleich mir verleugne Jeder sich und folge meinen Schritten; wer leiden muß, der seh' auf mich, der ich für euch gelitten; nehmt willig euer Kreuz auf euch und werdet an Geduld mir gleich. 5. Dünft's euch zu schwer, ich geh' voran, ich stehe euch zur Seite, ich kämpfe selbst und mache Bahn, bin Alles selbst im Streite; wer wollte muthlos stille stehn, da er mich selbst voran sieht gehn! 6. Wer hier sein Glück zu finden meint, wird's ohne mich verlieren; wer es hier zu verlieren scheint, wird dort einst triumphiren. Wer Glück der Erde mehr begehrt, als mich, ist meiner auch nicht werth. 7. So lasset uns denn auf den Herrn und auf sein Vorbild sehen; wer treu ihm bieibt, ihm folget gern, den wird er einst erhöhen; wer ihm nicht treu bleibt, trägt die Kron' des ew'gen Lebens nicht davon. Mel. Was mein Gott will 2c. 321. Kommt, die ihr noch nicht weise seyd, euch selber zu regieren! die ihr euch noch durch Eitelkeit, Geld, Wol luft laßt verführen; kommt, schauet Jesu Vorbild an! dies, dies muß euch beschämen! o! lernt, geheilt von eurem Wahn, hinfort euch selbst bezähmen. 2. Gott war sein Alles; nur an dem hing seine ganze Liebe. Dem dienen war ihm angenehm, dem weiht er alle Triebe. Wozu er stets sich willig fand, war dies: den ganzen Willen des Vaters, welcher ihn gefandt, vollkommen zu erfüllen. Christi insonderheit. 311 3. Hoch über Welt und Eitelkeit, ganz heilig, ganz Gott eigen, vermied er nie aus Schüchternheit, sich, wie er war, zu zeigen; und wenn er Bosheit freveln sah, war er voll edler Schmerzen; wenn aber Gottes Will' geschah, war's Freude seinem Herzen. 4. Was Weltluft ohne Tugend heißt, verlangt er nie zu schmecken. Und fein in Gott erhabner Geist blieb rein von allen Flecken. In Allem sah er immerdar mit Eifer, nie zum Scheire, auf das, was Menschen heilsam war, nicht aber auf das Seine. 5. Stets floh er das Geräusch des Ruhms, blieb niedrig und geringe, enthielt sich alles Eigenthums, er, Schöpfer aller Dinge. Arm ward er selber, daß wir reich aus seiner Armuth würden. Er ist der Herr, sein ist das Reich; doch trug er unsre Bürden. 6. Lag Gottes Strafe auf ihm schwer, er fand sie gut und billig, und jeden Tropfen Bluts war er ihm aufe zuopfern willig. Stets zeigt er, daß ihn keine Noth auch nur zur Klage reize. Er ward gehorsam bis zum Tod, selbst bis zum Tod am Kreuze. 7. Im tiefsten Leiden blieb sein Herz an Gott trotz alles Spottes. Sein Sehnen war im bångsten Schmerz nichts, als der Beifall Gottes. Folgt, Menschen, feinem Vorbild nach! Er hat für euch gelitten. Er selbst hat euch, send ihr schon schwach, die Kraft dazu erstritten. 8, Hilf meinem Vorsatz, daß ich dir, mein Heiland, ähnlich werde. Bezähm' das Fleisch; vertilg' in mir die Liebe dieser Erde; daß ich dein großes Beispiel mir stets hier vor Augen setze; des Vaters Willen thun, gleich dir, für eitle Sonne schätze. Mel. Wie schön leucht't uns ic. 322. Jesu, Jesu, Gottes Sohn! mein Mittler und mein Gnadenthron! du meiner Seelen Wonne! du siehst, ob mein Bekenntniß wahr, vor dir ist alles offenbar und klarer als die Sonne: herzlich lieb' ich dich vor Allen; 312 Von der Nachahmung mir gefallen wird auf Erden nichts, wie du, noch lieber werden. 2. Von ganzem Herzen sehn' ich mich nach dir, o Mittler; könnt' ich dich so lieben, wie ich wollte! wer ist, der deine Lieb' ergründ'? ich denk' anbetend nach und find', daß ich mehr lieben sollte. Hierzu wollst du, höchste Güte, dem Gemüthe Kraft gewähren, und die Gegenliebe mehren. 3. Du, du bist meiner Wünsche Ziel, ich schaue nut auf dich), und will mein ganzes Herz dir weihen. Mich kann doch diese ganze Welt, mit Ullem, was sie in sich hålt, nicht so, wie du, erfreuen. Nichts ist, was mich je so labe, als die Gabe wahrer Liebe gegen dich! stårt ihre Triebe! 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, giebst seinem Herzen wahre Nuh', machst freudig sein Gewissen. Ob ihn noch manche Bürde drückt, wird er doch mit dem Troft erquickt, den du auf ihn läßt fließen. Die hier treu dir sind im Leiden, werden Freuden dort empfinden; Freuden, die nicht zu ergründen. 5. Es hat hier noch kein Ohr gehört, kein Mensch gesehen und gelehrt, es läßt sich nicht beschreiben die Größe jener Herrlichkeit, die denen ist von dir bereit't, die in der Liebe bleiben. Gänzlich läßt sich nicht errei chen, noch vergleichen Erdenschätzen, was uns dort einst wird ergötzen. 6. So soll denn, Jesu, dies allein mein Wunsch und mein Bestreben seyn, daß ich dich herzlich liebe, daß ich in dem, was dir gefällt, was mir dein Wort hat vorge stellt, aus Liebe mich stets übe, bis ich selig werde scheiden, und voll Freuden werde kommen zu den schon vollkommnen Frommen. 7. Da werd' ich deine Seligkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit in reiner Liebe schmecken; da wird dein strahlend Angesicht nun weiter keine Hülle nicht vor meinem Auge decken; redlich werd' ich seyn erquicket und geschmücket mit der Krone, die dy giebst zum Gnadenlohne. Chrifti insonderheit. Mel. Jesu, meine Freude zc.. 323. Jesus ist mein Hirte; als ich mich verirrte, ich verlornes Schaf, kam er mir entgegen, eh' auf meinen Wegen mich ein Unfall traf. Siech war ich, doch trug er mich zu der Heerde voll Erbarmen selbst auf seinen Armen. 313 2. Jesus ward mein Leben, will mir Alles geben, was das Herz erfreut. Keine wahre Freude mangelt seiner Weide, keine Seligkeit. Voll und hell ist stets sein Quell, der mich), wenn ein Kreuz mich drůcket, stårket und erquicket. 3. Er, daß ich nicht falle, hålt mich; und ich walle sicher seine Bahn. Folgsam seiner Rechten, stößt in finstern Nächten doch mein Fuß nicht an, schreckt und droht mir selbst der Tod; du, wenn Furcht und Angst mich schrecken, bist mein Stab und Stecken. 4. Ich bei meinem Freunde fürchte keine Feinde, ich, von ihm beschützt. Darb' ich, er hat Gaben, giebt mir, mich zu laben, was mir ewig nüßt. Trost und Luft durchströmt die Brust; denn ich bete nie vergebens zu dem Herrn des Lebens. 5. Seine Lieb' und Gnade folgt mir auf dem Pfade feines Beispiels hier. Wenn ich ihn vollende, reichet er am Ende seine Krone mir. Ich, verneut zur Seligkeit, bin dann ewig mit den Frommen herrlich und vollkommen. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 324. Welch hohes Beispiel gabst du mir, mein Heiland, durch dein Leben! sollt' ich nicht gern und mit Begier dir nachzuahmen streben? und nicht den Weg, den du betrat'ft, auch gehn, und das thun, was du thatst? 2. Dein Herz war voller Heiligkeit, so rein, wie Dein Lehre! dein Thun Lieb' und Rechtschaffenheit; dein Endzweck Gottes Ehre; für uns allhier Zufriedenheit und dort einst ew'ge Seligkeit. 3. Darum entäußertest du dich, und stiegst vom Himmel nieder, wardst Mensch, ein armer Mensch, wie 314 Vom Wachsthum ich und meine schwachen Brüder, der Bosheit Raub, der Leute Spott, in deinem Wandel gleich, wie Gott. 4. In Knechtsgestalt erschienest du, um uns zu Herrn zu machen; den Kranken gabst du Trost und Ruh', und warst stark in den Schwachen; du trugst die Leiden mit Geduld und trugst sie ohne eig'ne Schuld. 5. Ein Opfer unsrer Missethat, liebst du uns doch als Freunde, erfüllst für uns des Vaters Rath und bittest selbst für Feinde. Du starbst, gehorsam bis zum Tod, und ehrtest auch im Tode Gott. 6. Dies große Beispiel hast du mir zur Richtschnur hinterlassen, daß ich gesinnet sen gleich dir in meinem Thun und lassen. Komm, sprichst du, nimm dein Kreuz auf dich, komm, folge mir und thu', wie ich. 7. Ich komme, Herr, gieb Kraft und Licht, daß ich mein Heil erkenne, dein wahrer Jünger sen, und nicht mich fälschlich nur so nenne, damit ich, deiner Lehre treu, auch Undern selbst ein Beispiel sey. Wachsthum und Beharrung im Guten. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 325. Die schöne Tugend, mein Verlangen, ist meiner ganzen Liebe werth. Mit aller Kraft ihr anzuhangen, hat meine Seele oft begehrt. Ach, könnt' ich's! wie würd' ich mich freun, wie ruhig und wie selig seyn! 2. Doch schnell umhüllen Finsternisse mich, wenn ich auch erleuchtet bin, dann fliehn die heiligsten Entschlüsse, den Morgennebeln gleich, dahin. Bald wähl' ich, Herr, was dir gefällt, und bald das Böse dieser Welt. 3. Sch Armer! darum kommt kein Friede in mein verschmachtetes Gebein. Wie bin ich dieses Wechsels müde! Wann werd' ich fest im Guten seyn; wann nicht mehr straucheln, allezeit nur deinem Dienste, Gott, geweiht? 4. O Gott, der Seligkeiten Fülle, von Ewigkeit zu Ewigkeit, du bist unwandelbar; dein Wille ist Ordnung und Beharrung im Guten insonderheit. 315 und Vollkommenheit. Von Ewigkeit her war er gut, und recht ist immer, was er thut. 5. So bilde denn, Gott, meine Seele, nach deinem Willen bilde sie, daß ich das Gute stets erwähle, das Bose immer ernstlich flieh'; daß nie der Sünde Täuscherei dem innern Frieden schädlich sey! 326. Sch ruf zu dir, Herr Jesu Christ, der du uns beizustehen stets so geneigt und willig bist, erhöre auch mein Flehen! Des wahren Glaubens Kraft und Licht, das selige Bestreben, dir zu leben, und Muth zu dieser Pflicht, das wollest du mir geben. 2. Ich bitt' noch mehr, o Herr, mein Gott! du kannst auch dies mir geben: den Muth, daß ich nicht werd' zu Spott, wenn Leiden sich erheben; ja, daß ich, wenn ich sterben soll, auf deine Gnad' mag bauen und vertrauen, und, deines Geistes voll, besiege Furcht und Grauen. 3. Verleih', daß ich von Herzens Grund den Feinden mog' vergeben: so ehret dich nicht bloß mein Mund, so preiset dich mein Leben. Erquickend laß dein Wort mir seyn, den Geist damit zu nähren, und zu wehren, damit mich Leid und Pein von dir nicht mög' abkehren. 4. Laß mich nicht Lust, noch Furcht von dir in dieſer Welt abwenden; Beständigkeit verleihe mir; es steht in deinen Händen: so schmückt mich einst die Siegerkron', die wir nicht selbst erwerben, sondern erben als einen Gnadenlohn, den uns erwarb dein Sterben. 5. Ich bin noch in der Prüfungszeit; ach, leite, Herr, mich Schwachen! du bist's, der alle Kraft verleiht, du kannst auch mich stark machen. So kann ich, wenn mir droht Gefahr, wenn mich die Feinde hassen, doch Muth fassen; dein Wort bleibt ewig wahr, du wirst mich nicht verlassen. Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. 327. Wenn böse Lüfte mannichfalt sich noch in mir erheben, so laß mich ihnen alsobald und ernstlich wider 316 Vom Wachsthum streben. Fa gieb, daß ich vergesse nicht die Todesstunde, das Gericht, den Himmel und die Hölle. 2. Blick' ich nur ernstlich jederzeit nach diesen letzten Dingen, so wird der Reiz der Eitelkeit mich nicht zum Weichen bringen; vielmehr werd' ich mein Lebenlang dir dienen ohne Furcht und Zwang in willigem Gehorsam. 3. Gott Vater, deine Kraft und Treu' laß reichlich mich empfinden! o Jesu Chrifte, steh' mir bei, daß ich mag überwinden! Gott, heil'ger Geist, mein Schuk, mein Hort, von dir geführt, erlang' ich dort der überwinder Krone! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 328. Nicht, daß ich's schon ergriffen hätte, die beste Tugend bleibt noch schwach; doch daß ich meine Seele rette, so gieb, Herr, daß ich bet' und wach'; denn Tugend ohne Wachsamkeit verliert sich bald in Sicherheit. 2. Go lang' ich hier im Leibe walle, bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, der, wenn sein Nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Luft stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend, oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend wird mit den Jahren Sittsamkeit; und was Natur und Zeit gethan, sicht unser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Und'rung deiner Seelen ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quålen, und dampfft sie; doch du wechselst nur; dein Herz fühlt einen andern Reiz; dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, was Andern strenge Zugend scheint. Der Trieb des Neids, der Schmähsucht Triebe erweckten dir so manchen Feind; du wirst be hutsam, schränkst dich ein, fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, durch die der Undern Tugend fällt: so werde nichts dein Herz verführen; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen und Beharrung im Guten insonderheit. 317 Stand und Gold nicht rührt, hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen. Du scheinst von Rachsucht dir befreit; jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, und sieh', dein Herz wallt auf und draut, und schillt so lieblos und so hart, als es zuerst gescholten ward. 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen, so regt sich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichten Triebe durch einen strengen Lebenslauf; doch opferst du, will's seine Liebe, ihm auch die liebste Neigung auf? dies ist das Auge, dies ist der Fuß, die sich ein Christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zur Ruh' und Stille, die Welt, und liebst die Einsamkeit; doch bist du, fordert's Gottes Wille, auch dieser zu entfliehn bereit? dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank; flichr's Unmuth auch und Müßiggang? 11. Du bist gerecht; dann auch bescheiden? Liebst Mäßigkeit, dann auch Geduld? du dienest gern, wenn Undre Leiden; vergiebst den Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, zu aller Tugend willig seyn. 12. Ach gieb, Herr, daß ich wach' und streite, nie denke, daß ich's g'nug gethan. Mein Herz hat seine schwache Seite, die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht mir den Fall; hilf, daß ich wache überall. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 329. Bald oder spåt des Todes Raub, wall' ich noch hier auf Erden, ich Sterblicher; doch dieser Staub soll einst unsterblich werden. Und dann, dann ist mein ew'ges Theil, o Gott, Verwerfung, oder Heil. 2. Mit Furcht und Zittern soll ein Christ nach sei nem Heile ringen; verachten, was auf Erden ist; hinauf 318 Vom Wachsthum zu Gott sich schwingen; getrost den Pfad der Trübfal gehn und standhaft in Versuchung stehn. 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß, noch bin ich in den Schranken, noch nicht am Ziele; doch mein Fuß beginnet oft zu wanken. Herr, stårke mich durch deine Kraft auf dieser kurzen Pilgrimschaft. 4. So lang' ich noch, ein Fremdling hier, in diesem Leibe walle, so schaff' ein reines Herz in mir, ein Herz, das dir gefalle, und leite mich auf eb'ner Bahn durch deinen Geist zu dir hinan. 5. Es sey mein Ruhm, dir werth zu seyn, was du gebeutst, zu üben; mein höchstes Gut, mich dein zu freun, von Herzen dich zu lieben; mein Trost, auf deinen Schuh zu traun, und meine Hoffnung, dich zu schaun. 6. Die freche Thorheit dieser Zeit soll nie mir meinen Glauben, den süßen Trost der Ewigkeit, des Himmels Hoffnung rauben. Was lindert sonst des Lebens Noth und was versüßt mir sonst den Tod? 7. Wie zaghaft sind wir von Natur! wie eitel unfre Werke! Muth schenket uns der Glaube nur, und nur durch Christi Stårke sind wir in Ungst und Traurigkeit getrost, und überwinden weit. 8. Heil mir! ich bin sein Eigenthum! nichts foll von ihm mich scheiden; nicht Wollust, Güter oder Ruhm, nicht Schmach, nicht Tod, noch Leiden. Ich bin durch Jesu Blut erkauft; ich bin auf seinen Tod getauft. 9. Nicht Trůbsal mehr, nicht Leid, noch Schmerz betrübet dort die Seinen; nicht klagen mehr wird unser Herz, nur Freudenthrånen weinen; er, der für uns sein Leben gab, er trocknet unsre Thränen ab. 10. Dort schauen wir, und beten an vor seinem Angesichte, und die wir hier im Dunkeln sahn, wir wer den dort im Lichte die Wunder seiner Liebe sehn, des Weisen Wege ganz verstehn. 11. Shr, die ihr ihn erhab'ner preist, ihr Engel, meine Brüder, dann singet mein verklärter Geist in eure und Beharrung im Guten insonderheit. 319 Jubellieder, und eurer hohen Harfen Klang ertönt in meinen Lobgesang. 12. Du, der uns dieses Heil erwarb, laß, Jesu, mich's ererben; du, der für seine Menschen starb, laß, Jesu, dir mich sterben! gieb, daß ich dir im Leben treu, getreu bis in den Tod dir sey! Mel. Alle Menschen müssen 2c. 330. Nicht nur streiten; überwinden muß, wer nach der Krone ringt. Ernstvoll ist der Kampf der Sünden, und der Heilige nur singt an dem Ziele Siegeslieder, er nur schaut mit Wonne nieder auf des heißen Streits Gefahr, in der seine Seele war. 2. Jesus Christus, überwunden haben deine Mårtyrer; bånger waren jene Stunden ihres Kampfs, fie stritten mehr, als ich jemals streiten werde; denn dein Heiligthum, die Erde, deine Hütte, Gottmensch, ruht, trieft nicht mehr von Christenblut. 3. überwunden, überwunden hast du, Herr der Herrlichkeit; tiefe Schmach und Blut und Wunden, Kreuzestod, das war dein Streit. Ganz hast du den Kelch getrunken jenes 3ornes; doch versunken bist du, Mittler, ewig nicht, sondern wieder aufgericht't. 4. Wer kann dein Geheimniß fassen! wer, wie hoch du dich aufschwangst! klagtest dich am Kreuz verlassen, als du mit dem Tode rangst; dennoch war Triumph dein Ende. Eil', mein Geist, in Gottes Hånde, sprachst du; riefst schon in der Nacht deines Tods: es ist vollbracht! 5. Was sind meine kurzen Leiden gegen die, die Jesus litt, und was gegen jene Freuden, die mir Christi Tod erstritt! und doch folg' ich dir mit Beben? Durchzudringen in dein Leben gieb mir, der du für mich strittst, für mich unaussprechlich litt'st. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 331. Sen getreu bis an das Ende, wache, flehe, ring' und kämpf, richte auf die lassen Hände, und des Fleisches 320 Vom Wachsthum Lüste dämpf'; denn das Leiden dieser Zeit ist nicht werth der Herrlichkeit, die dein Jesus einst wird geben dir in jenem bessern Leben. 2. Sey getreu in deinem Glauben, laffe deffen festen Grund durch Verführung dir nicht rauben; halte treu den fel'gen Bund, den dein Herz durchs Wasserbad fest mit Gott geschlossen hat. Ach! wie leicht geht der verloren, der nicht hält, was er beschworen! 3. Sey getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt; Liebe auch am Nächsten übe; und wenn Jemand dich betrübt, denke, wie dein Heiland that, als er für die Feinde bat. Du mußt, soll dir Gott vergeben, auch verzeihn und liebreich leben. 4. Sey getreu in deinem Leiden, und laß dich kein Ungemach, keine Noth von Jesu scheiden, murre nicht in Weh und Uch; denn du machest deine Schuld größer durch die Ungeduld. Selig ist, wer willig tråget, was sein Gott ihm auferleget. 5. Sey getreu in deinem Hoffen. Hilft Gott nicht gleich, wie du willt, er hat bald ein Mittel troffen, das nun deine Wünsche stillt; er verbirgt uns oft die Zeit, wo er weislich ist bereit, uns nun Hülfe zu verleihen, um uns stårker zu erfreuen. 6. Laß dein Hoffen nicht erkalten, sen nicht muthlos in der Noth. Sprich: mein Gott! dich laß ich walten, dich, mein Vater und mein Gott! hoff' auf Sesum festig lich, sein Herz bricht ihm gegen dich, seine Hülf' ist schon vorhanden; wer so hofft, wird nie zu Schanden. 7. Mein' es treu mit deinem Herzen, fleuch Betrug und Heuchelei; denn sie wirket Schmach und Schmerzen und oft allzu spåte Reu'. Sey dann aller Falschheit feind; sey der Wahrheit steter Freund; sey vorsichtig in dem Glauben, doch auch ohne Falsch, wie Tauben. 8. Sey getreu in allen Sachen; Anfang, Mittel und das End' sey beslissen so zu machen, daß, was du beginnt, sich wend' hin zu Gottes Preis und Ehr, und du selbst und Beharrung im Guten insonderheit. 321 je mehr und mehr mögest auf dem rechten Pfade dich versichern seiner Gnade. 9. Sey getroft und scheu' die Kämpfe nicht vom letzten Augenblick; Jesus eilt selbst, daß er dämpfe deine Noth und dich erquick'. O, wer mit ihm kämpft und ringt, überwindet und bezwingt auch als Held das Graun des Todes, und eilt froh zum Throne Gottes. Entschließung zur Treue beim Tachdenken über Petri Sall und Buße. Mel. Wenn meine Sünd' mich zc. 332. Von Angst dahin gerissen, verleugnet Petrus dich. Bald straft ihn sein Gewissen: da weint er bitterlich. Tief dringet ihm dein Blick ins Herz! er fleht zu dir um Gnade, und du stillst seinen Schmerz. 2. Wie wuchs nun deines Zeugen Beståndigkeit und Muth! Furcht konnt' ihn nicht mehr beugen: für dich, Herr, floß sein Blut! dich, seinen Herrn und seinen Gott, verherrlichte sein Leben, verherrlichte sein Tod! 3. Betrübt ist meine Seele, erfüllt mit Reu' und Schmerz! was hilft's, daß ich's verfehle! du schaust mir ja ins Herz! bekennen will ich es vor dir: auch ich hab' dich verleugnet! vergieb, vergieb es mir! 4. Wenn deiner Lehre Hasser dich schmähten, und ihr Spott von ihrem Mund als Wasser dahinfloß wider Gott: dann schwieg ich furchtsam, schåmte mich, ein Christ zu seyn, und scheute mehr ihren Spott, als dich! 5. O du, der du dein Leben, du Herr der Ewigkeit, so willig hingegeben für meine Seligkeit! wie undankbar, wie schwach war ich, daß ich den Hohn der Sünde mehr fürchtete, als dich! 6. Ach, rechne nicht zur Sünde mir diese Feigheit zu! den Schmerz, den ich empfinde, Erlöser, siehest du! du schenktest Petro seine Schuld: bedeck auch mein Vergehen mit deiner Lieb' und Huld! Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. 21 322 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. 7. Nur laß mir diese Reue ja unvergeßlich seyn! ich will zu ew'ger Treue mich dir von nun an weihn! dich zu verleugnen, Herr, mein Gott, das scheue meine Seele weit mehr, als selbst den Tod! 8. Ich will dich frei bekernen! wenn Gott Gericht einst hält, wirst du mich dann auch nennen dem Richter aller Welt! dein Kreuz ist meine Zuversicht! selbst denen, die dich schmähen, verhehle ich es nicht! 9. Bedeckt von deiner Gnade, veracht' ich ihren Spott! wer ist es, der mir schade? du hilfft mir aus, mein Gott! von meinem Haupte fällt kein Haar, und drohten sie mir Alle die schrecklichste Gefahr. IX. Vom Beweis der christlichen Gottselig keit und Tugend, oder der Verehrung Gottes durch gute Gesinnungen, Worte und Werke. Streben nach der Erkenntniß Gottes und der Religion. Mel. Herzliebster Jesu, du haft zc. 333. Was ist, o Gott, im Himmel, was auf Erden, das, so wie du, verdient erkannt zu werden? was ist, das meinen Durst nach Glück so stille, als deine Fülle? 2. Dich suchen, ist die edelste der Sorgen. Zwar bist du unerforschlich und verborgen. Doch willst du, wenn wir nur dein Licht nicht hassen, dich finden lassen. 3. Mit lauter Stimme lehren deine Werke uns deine Weisheit, deine Gut und Stärke. Auch hast du selbstsen hoch dafür gepriesen- uns unterwiesen. Streben nach Erkenntniß Gottes. 323 4. Und immer mehr willst du dich offenbaren, wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren; wenn wir, was deine Lehren wirken sollen, uns bessern wollen. 5. Uch möcht' ich, Gott! aus allen meinen Kräften, selbst bei des Lebens Sorgen und Geschäften, stets mein Gemüth, um mich zu dir zu schwingen, zur Stille bringen! 6. Das gieb mir, Gott! und leite meine Seele, daß Wahrheit ich und Tugend nie verfehle. Sie geben, suche ich sie ohn' Ermüden, den höchsten Frieden. 7. So laß mich sie denn immer besser kennen, mich täglich mehr von deiner Lieb' entbrennen, dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, dir, Gott, nur leben. Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 334. Gott, mein Licht, erleuchte mich, dich und Jesum recht zu kennen; meinen Gott und Vater dich, meinen Heiland ihn zu nennen; fromm und ruhig hier auf Erden, einst im Himmel froh zu werden. 2. Lauter Wahrheit ist dein Wort. Lehre mich es recht verstehen! hilf selbst meinem Forschen fort, richtig daraus einzusehen, was zu meinem Heil mich führet, und mir, deinem Knecht, gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein richtig seinen Sinn. verstehen; laß mein Herz auch folgsam seyn, den erkannten Weg zu gehen, denn sonst würd' ich bei dem Wissen doppelt Streiche leiden müssen. 4. Gieb, daß ich den Unterricht deines Wortes treu bewahre; daß ich, was es mir verspricht, reichlich an mir felbst erfahre. Ja, es sey in meinem Leiden mir ein Quell von Trost und Freuden. 5. Hilf, daß ich von Zeit zu Zeit meine Kenntnisse vermehren! Find' ich manche Dunkelheit bei geheimnißvollen Lehren: laß mich 3weifelsucht entfernen und in Demuth glauben lernen. 6. Laß mich, Herr, in deinem Licht immer mehr gerührt erkennen jener Herrlichkeit Gewicht, und wie glück21* 3 324 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. lich, der zu nennen, der nach ihr mit Eifer trachtet und der Sünden Last verachtet. 7. O verleihe mir die Kraft, deinem Wort gemäß zu handeln, und vor dir gewissenhaft als dein treues Kind zu wandeln, so wird einst in jenem Leben mich ein heller Licht umgeben. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 335. Mein Gott, du wohnest zwar im Lichte, dahin kein sterblich Auge dringt; doch giebst du uns zum Unterrichte dein Wort, das uns Erkenntniß bringt, was du, o Allerhöchster, bist, und was mit uns dein Endzweck ist. 2. So gieb denn, daß ich darauf achte, als auf ein Licht im dunkeln Ort; und wenn ich ernstlich es betrachte, fo hilf selbst meinem Forschen fort. Laß für der Wahrheit hellen Schein mein Aug' und Herz stets offen seyn. 3. Dein Wort sey mir ein Licht im Glauben, das mich zur wahren Weisheit führt. Laß mir doch keinen Irrthum rauben, was mir ein ewig Heil gebiert. Kein Spottergeist verführe mich; kein Zweifel sey mir hinderlich. 4. Dich kennen, ist das ew'ge Leben; drum hilf mir, Vater, daß ich dich und den, den du für uns gegeben, hier so erkenne, wie du mir in deinem Bort es selbst gelehrt, bis einst sich meine Einsicht mehrt. 5. Vor allem laß bei mir lebendig, o Höchster, dein Erkenntniß seyn! laß mich darnach dir auch beständig die größte Lieb' und Ehrfurcht weihn. Gieb, daß ich thư mit allem Fleiß, was ich von deinem Willen weiß. 6. Was hilft das richtigste Erkenntniß, wenn's nicht zu deiner Liebe treibt? was nüßt ein aufgeklärt Verständnis, wenn doch das Herz noch böse bleibt? drum lenke, Herr, auch meinen Sinn durch Wahrheit dir zum Dienste hin. 7. Laß dein Erkenntniß mir im Leiden des besten Trostes Quelle seyn. Laß dann, wenn Leib und Seele scheiden, mich noch im Glauben deiner freun. Dort seh ich dich im hellern Licht von Angesicht zu Angesicht. Streben nach Erkenntniß Gottes. Mel. Herr Gott, den man dreieinig sc. 336. Erhabner Gott, was reicht an deine Größe! denk' ich an dich, so fühl' ich meine Blöße. Ich fühle, Herr, daß du unendlich bist, und daß umschränkt mein forschend Denten ist. 325 2. Du wohnst im Licht, dazu kein Mensch kann kommen; was ist's, das wir von deinem Ruhm vernommen? ach! nur ein Theil von jener Majestät, die über alles dich, o Gott, erhöht. 3. Dein ew'ges Seyn, dein ganz vollkommnes Wesen, das, was du wirkst, und was dein Rath erlesen, ist viel zu hoch für menschlichen Verstand. Von Engeln selbst wirst du nicht ganz erkannt. 4. Wie sollt ich denn, ich Staub, mich überwinden, Unendlicher! dich völlig zu ergründen? o mache mich von solchem Důnkel frei, daß mir dein Wort des Glaubens Richtschnur sey! 5. Mein eigner Geist kann sich leicht hintergehen. Dein Wort ist wahr; es bleibet ewig stehen. Erforsch ich gleich dein göttlich Wesen nicht, so g'nüge mir davon dein Unterricht! 6. Von dir, durch dich, zu dir sind alle Dinge; gieb, daß ich dir mich selbst zum Opfer bringe! begreif' ich's nicht, wie du die Welt regierst, so sey mir's g'nug, daß du mich selig führst. 7. Einst wirst du dich mir näher offenbaren; einst werd' ich mehr von deinem Rath erfahren; wenn ich nur dem, was mir dein Wort gelehrt, geglaubt, gefolgt, und treu dich hier verehrt. 8. Drum hilf, daß ich mit Ehrfurcht vor dir wandle; in allem Thun nach deinem Willen handle; zufrieden sey, wie du mich hier regierst, bis du mich einst zu deinem Himmel führst. 9. Dann werd' ich dich im hellern Lichte sehen, und, froh in dir, dein ew'ges Lob erhöhen. Herr, du bist groß, 326 Beweis der Gottfeligkeit und Tugend. und zeigst es mit der That, unendlich groß an Huld, an Macht und Rath! Mel. Wenn wir in höchsten zc. 337. Herr, aller Weisheit Quell und Grund, dir ist mein Unvermögen kund; was ist der Menschen Witz und Kunst, Gott, ohne dich und deine Gunst! 2. Ja, Vater, ich, dein schwaches Kind, bin oftmals abgeneigt und blind, zu sehn, was dient zu meinem Wohl, und tråg', reenn ich dir folgen soll. 3. Bereite, Herr, mich, deinen Knecht, zu halten dein Gesetz und Recht; gieb Kraft, zu thun, was mein Verstand, von dir belehrt, als gut erkannt. 4. Mein Leben hier währt kurze Zeit, du schafft mich für die Ewigkeit; zu wenig ist für meinen Geist, was man hier groß und herrlich heißt. 5. Wenn ich auch gleich begabet wår' mit vielen Gütern, Ruhm und Ehr', und soll entrathen deines Lichts, so nützte jenes Glück mir nichts. 6. Was hilft's, wenn Einer gleich viel weiß, und sich doch nicht anschickt mit Fleiß zu deinem Ruhm, zu deinem Dienst; wie klein ist dann nicht sein Gewinnst! 7. Wie leicht vergeht sich der, und irrt, den nicht, Herr, deine Weisheit führt, und trifft in dem nur Thorheit an, was er für klüglich hielt gethan. 8. Wie Mancher, der sich klug dunkt, wählt, was nachher seine Seele quålt, und nimmt, weil er dich nicht erkennt, mit seinem Wiß ein traurig End'! 9. Mein Vater, unterweise mich, daß ich in Allem seh' auf dich; nimm Wahn und Thorheit von mir hin; mach' fromm und weise meinen Sinn! Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 338. Lehre mich, Herr, recht betenken, was wahrhafte Weisheit sey. Meinen Fleiß darauf zu lenken, stehe mir aus Gnaden bei! denn die Klugheit, so die Welt ohne Streben nach Erkenntniß Gottes. 327 Grund für Weisheit hält, fordert nicht mein Wohlergehen, und wird nie vor dir bestehen. 2. Weisheit ist's, wenn unsr'e Seelen sich, Herr, deines Wortes Licht nur allein zum Leitstern wählen, und mit fester Zuversicht diesem Licht sich anvertraun; denn die folgsam darauf schau'n, ihre Hoffnung darauf gründen, werden Heil und Leben finden. 3. Weisheit ist es, darnach trachten, recht mit sich bekannt zu seyn; sich nicht schon vollkommen achten, und den Eigendünkel scheun; gern auf seine Fehler fehn, reuend sie vor Gott gestehn; eifrig stets nach Beff'rung streben und sich deß doch nie erheben. 4. Weisheit ist es, Christum ehren, seiner Mittlershuld vertraun; so auf seine Stimme hören, und auf seinen Wandel schaun, daß man falsche Wege flieht, und mit Eifer sich bemüht, seinem Bilde hier auf Erden immer ähnlicher zu werden. 5. Weisheit ist es, les meiden, was mit Reu' das Herz beschwert, und sich hüten vor den Freuden, die der Sündendienst gewährt; nicht die Ehre dieser Welt, nicht Gemächlichkeit und Geld für das wahre Wohlseyn achten; nein! nach bessern Gütern trachten. 6. Weisheit ist es, Gottes Gnade sich zu seinem 3weck ersehn, und auf seiner Wahrheit Pfade diesem Glück entgegen gehn; gerne Gottes Willen thun, froh in seiner Fügung ruhn, und, wenn Leiden uns beschweren, hoffend mit Geduld sie ehren. 7. Weisheit ist es, stets bedenken, daß wir hier nur Pilgrimm' find; Wunsch und Hoffnung dahin lenken, wo die Seele Ruhe find't; seine Augen unverwandt nach dem ew'gen Vaterland richten, und sich hier bestreben, wie man droben lebt, zu leben. 8. Diese Weisheit ist auf Erden, Höchster, unser bestes Theil; die von ihr geleitet werden, deren Weg ist Licht und Heil. Solche Weisheit kommt von dir; Gott, 328 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. verleihe sie auch mir! laß sie mich zu allen Zeiten auf den Weg des Friedens leiten. Ehrfurcht gegen Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 339. Wilst du der Weisheit Quelle kennen? es ist die Furcht vor Gott, dem Herrn. Nur der ist weis und klug zu nennen, der alle seine Pflichten gern, weil Gott sie ihm gebeut, vollbringt, wenn gleich dazu kein Mensch ihn zwingt. 2. Lern' Gottes Größe recht empfinden und able deine Niedrigkeit, so wirst du nie dich unterwinden, mit thörichter Vermessenheit zu tadeln, was sein Rath beschließt, der wunderbar, doch heilig ist. 3. Wirst du den Höchsten kindlich scheuen, so wird dir keine Pflicht zur Last; nur das wirst du vor ihm be reuen, daß du sie oft versäumet hast. Wer Gott als Zeugen vor sich hat, der freut sich jeder guten Zhat. 4. Wenn Nacht und Dunkelheit dich decken, die dem Verbrecher Muth verleihn, wird dich die Furcht des Herrn erwecken, auch dann, was unrecht ist, zu scheun. Denk nur: vor seinem Angesicht ist Finsterniß wie Mittagslicht. 5. Den Höchsten öffentlich verehren sowohl, als in der Einsamkeit; auf des Gewissens Stimme hören und willig thun, was er gebeut: auch das lehrt dir die Furcht des Herrn, auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. 6. Låßt dich die Welt Verachtung merken, wenn du dich fromm von ihr entfernst: die Furcht des Höchsten wird dich stärken, daß du die Welt verachten lernst. Wer Gott, dem Höchsten, wohlgefällt, ist glücklich selbst beim Spott der Welt. 7. Sich stets vor dem Ullmächt'gen scheuen, giebt Heldenmuth und Tapferkeit, wenn uns der Menschen stolzes Drauen, was Gott mißfällt, zu thun gebeut; ift Gott mein Schuß, mein Heil und Licht, so beb' ich vor den Menschen nicht. Ehrfurcht gegen Gott. 329 8. Laß deine Furcht, Gott, mich regieren, mich stets auf dich, den Höchsten, sehn; laß sie mich zu der Weisheit führen, so werd' ich niemals irre gehn. Wohl dem, der dich stets kindlich scheut; dich fürchten, Gott, ist Seligkeit! Mel. O großer Gott von 2c. 340. du erhabner Gott, an Macht unendlich reich! wer ist dir auf der Erde und wer im Himmel gleich! vor dir erbebt die Geisterwelt; und was der Himmel in sich hält, muß sich mit tiefem Schweigen vor deinem Throne beugen. 2. Du hast durch deine Kraft den Himmel ausgestreckt; die Erde fest gegründ't, dem Meer sein Ziel gefreckt. Dein Wort bewegt der Berge Grund und stürzt sie in des Meeres Schlund. Willst du zur Strafe ziehen, so kann kein Mensch entfliehen. 3. Nach Seel' und Leib sind wir, o Gott, in deiner Hand. Was an uns Gutes ist, hast du uns zugewandt. Du lehrst dem menschlichen Geschlecht durch die Vernunft und Schrift dein Recht; willst, daß wir Thun und Denken nach deiner Vorschrift lenken. 4. Erleuchte meinen Geist, o Gott, mit deinem Licht. Dich fürchten, sey mir stets so Seligkeit, als Pflicht. Hilf, daß ich, als dein Unterthan, der niemals dein entbehren kann, bemüht sey, deinen Willen gehorsam zu erfüllen. 5. Laß deine Gegenwart mir stets vor Augen seyn, und auch im Dunkeln mich dein helles Antlit scheun. Erinn're mich an dein Gericht, wenn zur Verletzung meiner Pflicht die Lust der Welt zu Zeiten mich Schwachen will verleiten. 6. Doch zünde auch in mir das Licht des Glaubens an, daß ich in Christo dich als Vater lieben kann; daß ich vom Geist der Knechtschaft frei, mich ohne 3wang und Heuchelei aus kindlich froher Liebe dir zu gefallen übe. 7. Laß, Vater, diese Furcht des Lebens Leitstern feyn, so nimmt kein Leichtsinn mich, kein Aberglaube ein; ich werde, von Unredlichkeit, von Menschenfurcht und 330 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. Angst befreit, den Frieden im Gewissen als dein Kind stets genießen. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 341. Vor dir, o Gott, sich findlich scheuen, ist unsre allergrößte Pflicht. Kein Mensch kann deiner Huld fich freuen, scheut er dein heilig Auge nicht. Drum wirk' in mir durch deinen Geist die Furcht vor dir, die kindlich heißt. 2. In Allem, was ich thu' und denke, laß, Herr, das meine Weisheit seyn, daß ich mein Herz zur Sorgfalt lenke, vor jeder Sünde mich zu scheun. Denn wer noch Lust zur Sünde hat, der fürchtet dich nicht in der That. 3. Gieb, daß ich stets zu Herzen nehme, daß du allgegenwärtig bist, und das zu thun mich ernstlich schäme, was dir, mein Gott, zuwider ist. Der Beifall einer ganzen Welt hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen, und wirke fteten Ernst in mir, mein Leben deinem Dienst zu weis hen, daß ich die Gnade nicht verlier', die vom verdienten Fluch befreit, die stets durch Wohlthun sich erneut. 5. Ja, Vater, nun darf ich nicht zittern, dein Sohn giebt mir die Seligkeit; allein soll nichts dies Glück er schüttern, so muß ich in der Gnadenzeit mit Sorgfalt alles Unrecht fliehn, mich nur um deine Gunst bemühn. 6. So gieb denn, Herr, daß mein Gewissen rein, unbefleckt und schuldlos sey, und mache von den Hindernissen der wahren Tugend selbst mich frei. Nie store Furcht und Lust der Welt mich, das zu thun, was dir gefällt. 7. In deiner Furcht laß mich stets wandeln, und überall auch, wo ich sey, nach deiner Vorschrift redlich handeln; du haffest alle Heuchelei. Wer dich von Her zen liebt und ehrt, der ist dir angenehm und werth. 8. In deiner Furcht laß mich einst sterben: so schreckt mich weder Tod, noch Grab; so werd' ich jenes Leben erben, dazu dein Sohn sich für mich gab. Gott! deine Furcht bringt Segen ein; ihr Lohn wird groß im Himmel seyn. 331 Liebe gegen Gott. Liebe gegen Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 342. Du Bater deiner Menschenkinder, der du die Liebe selber bist, und dessen Herz auch gegen Sünder noch gütig und voll Mitleid ist! laß mich von ganzem Herzen dein, laß mich's mit allen Kräften seyn. 2. Gieb, daß ich als dein Kind dich liebe, da du mich als ein Vater liebst, und so gesinnt zu seyn mich übe, wie du mir dazu Vorschrift giebst. Was dir gefällt, gefall' auch mir; nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 3. Bertilg' in mir durch deine Liebe den Hang zur Liebe dieser Welt, und gieb, daß ich Verleugnung übe, wenn mir was Eitles noch gefällt. Wie, sollte ich die Creatur dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4. Laß mich um deines Namens Wilen gern thun, was mir dein Wort gebeut. Kann ich's nicht, wie ich soll, erfüllen, so sieh' auf meine Willigkeit, und rechne mir nach deiner Huld die Schwachheit, Bater, nicht zur Schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden das thut, was dir, o Gott, mißfällt; drum laß es mich mit Ernst vermeiden, gefiel es auch der ganzen Welt. Die kleinste Sünde selbst zu scheun, laß, Vater, mich behutsam seyn. 6. Aus Liebe laß mich Alles leiden, was mir dein weiser Rath bestimmt. Auch Trübsal führt zu ew'gen Freuden; wer ihre Last gern übernimmt, geduldig trågt und weislich nutzt, wird måchtig von dir unterstützt. 7. In deiner Liebe laß mich sterben, dann wird der Tod selbst mein Gewinn; dann werd' ich deinen Himmel erben, wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb' ich in Vollkommenheit dich, Vater der Barmherzigkeit! Mel. Wer nur den lieben Gott sc. 343. Wie, sollt ich dich, mein Gott, nicht lieben? du hast mich ja zuerst geliebt, und, von Erbarmen angetrieben, den Sohn geschenkt, der Leben giebt. Herr, dies Geschenk zeigt rührend an, wie huldreich du mir zugethan. MENY 332 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 2. Von Ewigkeit hast du beschlossen, ich soll dein Kind und Erbe seyn. Und wann ist eine Zeit verflossen, da du, mein Gott, mich zu erfreun, mir nicht noch weit mehr Guts gethan, als ich jemals aussprechen kann? 3. Wie sehr, Herr, bist du mir gewogen! du liebest mich von Unbeginn, und hast mein Herz zu dir gezogen. Bewahre selbst in mir den Sinn, daß dir, voll brünst'ger Dankbarkeit, mein ganzes Leben sey geweiht. 4. O welch ein feliges Geschäfte, Herr, deinem Dienst sein Leben weihn! gieb du mir dazu selber Kräfte, so wird mein Fleiß gesegnet seyn. Ist deine Gnade nur mit mir, so bleib' ich stets, mein Gott, an dir. 5. Führst du mich gleich auf rauhen Wegen, so thust du es zu meinem Heil. Auch unter harten Kreuzesschlägen hab' ich an deiner Huld doch Theil; und nach vollbrachter Leidensbahn nimmst du mich einst zu Ehren an. 6. O reiche mir auch, wenn ich sterbe, Herr, deine Vaterhånde zu. Dann tröste mich mein künft'ges Erbe; dann führe mich in deine Ruh'. Mit völliger Zufriedenheit lieb' ich dich dann in Ewigkeit. Mel. Alle Menschen müssen zc. 344. Quelle der Vollkommenheiten, Gott, mein Gott, wie lieb' ich dich! und mit welchen Seligkeiten labet deine Liebe mich! mögen Welten doch vergehen; durch dich bleib' ich aufrecht stehen; deine Huld wird mir allein mehr als Erd' und Himmel seyn. 2. Denk' ich deiner: wie erhebet meine Seele fich in mir! wie getröstet, wie belebet fühl' ich mich, o Gott, von dir! jeder Blick auf deine Werke, deine Güte, deine Stärke, wie entledigt er mein Herz von Bekümmerniß und Schmerz! 3. Floß mir nicht aus deiner Fülle tausendfache Wohlthat zu? daß ich würde, war dein Wille; daß ich noch bin, schaffest du; daß ich denke, daß ich wähle, danket dir, Gott, meine Seele, dankt dir, daß sie dich erkennt, und dich ihren Vater nennt. Liebe gegen Gott. 333 4. Du erlöstest vom Verderben mich durch deinen Sohn, o Gott! ließest den Gerechten sterben; mir zum Leben ward sein Tod! hast die Hoffnung mir gegeben, ewig dort mit ihm zu leben, ewig deiner mich zu freun und von dir geliebt zu seyn. 5. Sollt' ich dich nicht wieder lieben, der du mich zuerst geliebt? der mit mehr als Vatertrieben so unendlich mich geliebt? könnt' ich ruhig hier auf Erden ohne deine Liebe werden? chne sie nach dieser Zeit würdig seyn der Seligkeit? 6. Heil mir, daß ich es empfinde, wie so liebenswerth du bist; daß mein Herz vom Haß der Sünde, die dich schmäht, durchdrungen ist; daß auf dein Gebot ich achte und es zu erfüllen trachte! Heil mir, du verbirgest nicht einst vor mir dein Angesicht! 7. Noch lieb' ich dich unvollkommen, meine Seel' erkennt es wohl; dort im Vaterland der Frommen lieb' ich dich, Herr, wie ich soll; dort erst werd' ich deinen Willen recht erkennen und erfüllen; dort schmeck ich vor deinem Thron der vollkommnen Liebe Lohn. Mel. Ach Gott vom Himmel zc. 345. Mein Gott, du heißest und du bist die wesentliche Liebe! gieb, daß ich als ein wahrer Christ rechtschaffne Liebe übe! wer wäre ich, wenn mein Gemüth bei allem Reichthum deiner Güt' noch unerwärmet bliebe? 2. Was alle deine Werke mir an Trefflichkeiten zeigen, das find' ich, höchstes Gut, in dir viel beffer und ganz eigen. Wie sollte ich nun Herz und Sinn nicht zu dir, o mein Schöpfer, hin in wahrer Liebe neigen! 3. Je mehr mein Geist dich denkt und liebt, vermehrt er seine Freuden; du, du bist's, der ihm Ruhe giebt und süßen Trost im Leiden. Groß bist du, Gott, unendlich groß; es fließt, es fließt aus deinem Schoß ein Meer von Seligkeiten! 334 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 4. Gieb, daß dich, der du ewig bist, mein Geist recht lieb gewinne; es weiche, was vergånglich ist, vor dir aus meinem Sinne. Du sollst mein höchstes Gut allein, die Freude meiner Seele seyn! stårk' mich in diesem Sinne. 5. Und muß aus dieser Liebe nun des Nächsten Liebe fließen: so laß mich gerne Gutes thun, und nie mein Herz verschließen vor derer Noth, die deiner Huld, find fie gleich Sünder und voll Schuld, doch gnadenreich genießen. 6. Es sey mein Nächster, wer er ist, auch ihm erzeigst du Liebe, erbarmest dich durch Jesum Christ auch sein mit Batertriebe. Du gabst den Sohn für uns dahin; o gieb, daß ich nach deinem Sinn mich in der Liebe übe! 7. Ich liebe Jeden, den du schufft, gleich mir, zu deiner Ehre, den du, wie mich, zum Himmel rufft durch deines Sohnes Lehre. Laß diese Liebe, Gott, zu dir und meinem Nächsten sich in mir mit jedem Tage mehren. Sreude an Gott und himmlischer Sinn. Mel. In dir hab' ich gehoffet zc. 346. Ich freue mich, mein Gott, in dir. Du bist mein Trost, und was kann mir in deiner Liebe fehlen! du, Herr, bist mein, und ich bin dein: was mangelt meiner Seelen! 2. Du, Vater, hast auch mich erwählt, und deinen Kindern zugezählt in Christo, deinem Sohne. Du liebst mein Wohl, schaust gnadenvoll auf mich von deinem Throne. 3. Du trågst mich liebreich mit Geduld, vergiebst in Christo mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle; du giebst mir Theil an seinem Heil, dies tröstet meine Seele. 4. Du bist mir der bewährte Freund, der es aufs befte mit mir meint; wo find' ich deines Gleichen! du stehst mir bei, du bleibest treu, wenn Berg' und Hügel weichen. 5. Du bist mein Leben, Trost und Licht, mein Fels und Heil! drum frag' ich nicht nach Himmel und nach Freude an Gott und himmlischer Sinn. 335 Erde. Herr, ohne dich ist nichts für mich, was mir ers freulich werde. 6. Du bist mein allerhöchstes Gut, darauf mein wahres Wohl beruht! Wie fühl' ich mich hienieden nicht schon beglückt, wie sanft erquickt durch dich und deinen Frieden. 7. Und ewig soll mir's wohlergehn; ich soll dich einst noch näher sehn, du Ursprung wahrer Freuden; mein Geist soll sich dort ewiglich an deiner Liebe weiden. 8. Noch hat's kein menschlich Ohr gehört, was uns dein Himmel einst gewährt, Gott, hilf es mir erringen! Wie werd' ich dort dich, Gott, mein Hort, anbeten und befingen! Mel. Durch Adams Fall ist zc. 347. ewig Licht, o höchstes Gut! du giebst der Menschen Seelen Zufriedenheit und frohen Muth, die dich zum Ziele wählen. Wer auf dich seine Hoffnung setzt und nicht auf das, was nichtig, der wird durch deine Huld ergößt, der wandelt froh und richtig. 2. Wer aber an der Erde klebt, nur Freude sucht hienieden, sich nicht hinauf zu dir erhebt, hat keinen wahren Frieden. Wollt' ich, o Gott, entfernt von dir nach meinen Lüfsten wallen, wo fånd' ich wahre Ruhe hier? wo Schuß, um nicht zu fallen? 3. Es kann der Seele wahre Ruh' nie ohne dich, Gott, werden. Sie sucht und forschet immerzu in jedem Theil der Erden, und findet nirgend, was sie sucht, das Gut, das sie vergnüget; all' ihre Müh' ist ohne Frucht, weil es in dir nur lieget. 4. So laß denn zu dir, ew'ges Licht, stets meinen Geist aufblicken; laß doch des Eitlen Liebe nicht ihn tâuschen und bestricken. Zeug meinen Fuß vom Sündenweg; laß mich mit Sorgfalt meiden verkehrte Lüste, denn ihr Steg führt nur zur Schmerz und Leiden. 5. Du höchstes Gut, laß mich allein dich über Alles lieben; laß mich niemals verdrossen seyn, was du gebeutst, 336 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. zu üben. Laß meine Hoffnung seyn gestellt auf dich, mein Heil und Leben; laß nie mein Herz dir, Herr der Welt! unwillig widerstreben. 6. So bin ich ruhig und vergnügt; so fühl' ich Trost und Frieden; so werd' ich nicht durch das besiegt, was mich umgiebt hienieden; so dringt mein Geist zu dir hinan mit sehnlichem Verlangen; so wirst du auf der Pil ger Bahn mich stets mit Huld umfangen. 7. O ew'ges Licht, o höchstes Gut! welch Licht wird mir aufgehen, wenn ich dort, wo man ewig ruht, den Mittler werde sehen; wenn du, erhabnes Wesen, dich mit nåher wirst entdecken! Gott, dieser Trost soll kräftig mich zu deiner Lieb' erwecken! Mel. Alle Menschen müssen 2c. 348. Was ist alles Glück der Erden, was ist's ohne dich, o Gott? kann mir deine Huld nicht werden, so ist Alles Trug und Spott. Du nur bist's, der mich ver gnügt; alles Und're flieht und trügt. Kann ich deine Huld nur haben, ist's genug, mein Herz zu laben. 2. Ohne dich wår' selbst im Himmel für mich keine Freude nicht, wår' der Welt Pracht und Getümmel wie ein Tag, der ohne Licht, wie ein Körper ohne Geist, nut ein Schatten, der nichts heißt. Kann ich deine Gnade haben, ist's genug, mein Herz zu laben. 3. Nichts will ich denn höher achten, als dich, Gott, mein bestes Theil, nur nach deiner Gnade trachten, denn auf ihr beruht mein Heil. Du allein, o höchstes Gut, giebst dem Herzen frohen Muth; kann ich deine Huld nut haben, ist's genug, mein Herz zu laben. Gehorsam gegen Gott. Mel. Hast du denn Jesu dein 2c. 349. Seligkeit ist es, o Seele, den gütigen Willen deines dich liebenden Gottes in Allem erfüllen. Gehorsam gegen Gott. 337 Dies fey dein Dank, dies sey dein bester Gefang, offentlich und auch im Stillen. 2. Freudig gehorch' ihm, der alles aufs beste regieret; der dich bis hicher mit Weisheit und Güte ge= führet; der dir gewährt, was dich erfreut und nährt; folg' ihm, durch Wohlthun gerühret. 3. Redlich gehorch' ihm, der deinen Leib künstlich bereitet; der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Noth hat nicht der gnådige Gott über dich Flügel gebreitet! 4. Immer halt' Gottes Gebote, der stets dich ge= fegnet. Strôme des Guten hat's auf dich, im Kreuz auch, geregnet. Denke daran, was der Ullmächtige kann, wie er dir huldreich begegnet. 5. Wie Gott uns liebet, das terne durch Sehen und Hören; lern' es aus Jesu beglückenden, trostvollen Lehren. Dann fehlt dir nicht Wollen und Stärke und Licht, Gott auch durch Thaten zu ehren. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 350. Mein Gott, du hast mir zu befehlen und ich muß dir gehorsam seyn. Will ich das beste Theil mir wählen, so muß dein Wille mich erfreun. Du bist der Herr, ich bin dein Knecht, und was du willst, ist gut und recht. 2. Ich sehe, wie selbst Wind und Meere dir folgen, wenn dein Wink nur spricht; wie jedes Werk zu deiner Ehre das, was du ihm gebeutst, verricht't. Und ich), o Vater, sollte nun nicht gerne deinen Willen thun? 3. Gehorsam soll vor allen Dingen dein angenehmstes Opfer seyn; um dir dies Opfer darzubringen, wollst du mir Folgsamkeit verleihn, daß ich aus Liebe dein Gebot vollziehe, nicht aus Zwang und Noth. 4. Dein Sohn that deinen Willen gerne und stellte sich zum Muster dar, daß ich Gehorsam von ihm lerne, wie er dir selbst gehorsam war, und solches freudig durch die That bis in den Tod bewiesen hat. Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 22 338 Beweis der Gottfeligkeit und Jugend. 5. Laß mich nicht erst in solchen Dingen mit Fleisch und Blut zu Rathe gehn, die mein Gehorsam soll vollbringen, vielmehr auf Jefu Borbild sehn. Nur allzu leicht emporet sich mein eigner Wille wider dich.. OTRO 6. Sobald ich deine Stimme höre, so mache auch mein Herz bereit, daß ich sie mit Gehorsam ehre, und thue, was sie mir gebeut. Ein Herz nur, das dich willig ehrt, ist dir, Gott, angenehm und werth. 7. Gieb, daß ich nie, wenn Menschen dråuen, bir zu gehorchen unterlaff'; laß dein Mißfallen mehr mich scheuen, als aller Menschen Gunst und Haß. Bist du mit Huld mir zugethan, wer ist dann, der mir schaden kann? 8. Soll ich nach deinem Willen leiden, so laß mich alle Ungeduld und kummervolles Zagen meiden. Das Leiden wird durch deine Huld mir leicht, ja Segen und Gewinn, wenn ich dir nur gehorsam bin. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 351. Gieb mir das Wollen und Vollbringen, o Vater aller Gütigkeit! und mache mich vor allen Dingen durch deinen guten Geist bereit, daß meinem Herzen nur gefällt, was mir dein Wille vorgestellt. 2. Mein Heiland ist mir vorgegangen; er that, Gott, deinen Willen gern. Will ich des Christen Ruhm erlangen, und ihm gefallen, meinem Herrn: so muß auch ich von Lastern rein, gleich ihm zum Guten willig seyn. 3. Sein Herz war willig und voll Freuden, die ihm bestimmte Bahn zu gehn; ergeben dir im schwersten Lei den, sprach er: dein Wille soll geschehn. Und ging, ihn willig zu vollziehn, zum Kreuzestod geduldig hin. 4. O mach' mein Herz, gleich seinem Herzen, Gott, gegen dich voll Folgsamkeit, daß sich's dir auch zur Zeit der Schmerzen zu unterwerfen sey bereit, und alles das gelassen trägt, was deine Hand mir auferlegt. 5. Laß mich im Leben und im Sterben mit deinem Willen seyn vergnügt; er sucht mein Heil, nicht mein Ber Gehorsam gegen Gott. 339 derben, bei dem, was er befiehlt und fügt; ihm folgsam seyn ist Seligkeit; Gott, mache mich dazu bereit! Vom Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen. 352. Was mein Gott will, gescheh' all'zeit, sein Will' ist stets der beste! zu helfen ist er dem bereit, der an ihn glaubet feste. Der treue Gott hilft in der Noth und züchtiget mit Maßen. Wer ihm vertraut, fest auf ihn baut, den wird er nie verlassen. 2. Er ist mir Trost und Zuversicht, Ruh', Hoffnung, Freude, Leben; drum, was er will, dem will ich nicht undankbar widerstreben. Sein Wort ist wahr; er hat mein Haar auf meinem Haupt gezählet. Des Höchsten Macht, die für mich wacht, giebt mir stets, was mir fehlet. 3. Wenn es sein Wille mir gebeut, das Leben zu verlassen, so will ich mit Ergebenheit in seinen Rath mich faffen. Dir, Gott, befehl' ich meine Seel' in meinen letzten Stunden; dein Sohn, o Gott, hat Holl' und Tod für mich auch überwunden. 4. Nur Eins, o Herr, versag' mir nicht: wenn in den letzten Tagen mich meiner Sünden Heer anficht, so laß mich nicht verzagen. Daß Gott vergiebt, den Sünder liebt, der glaubt an Jesu Namen: das lehr' mir doch im Sterben noch zu meiner Ruhe. Amen! Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 353. Sch bin in dir, mein Gott, zufrieden; was deine Vaterliebe will, was deine Weisheit mir beschieden, damit bin ich vergnügt und still. Mein ganzes Herz foll dir allein und deinem Willen heilig seyn. 2. Willst du mit Leiden mich belegen, so laß mein Herz geduldig seyn; das Leiden wird mir selbst zum Segen, wenn ich mich willig schicke d'rein. Du sorgst als Vater und als Gott für mich im Leben und im Tod. 22* 340 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 3. Willst du mir manche ird'sche Gabe hier noch verfagen und entzichn: genug, wenn ich den Trost nur habe, daß ich dir werth in Christo bin, und nicht verscherz' durch eigne Schuld die mir durch ihn erworb'ne Huld. 4. Sein Tod erklärt mir deinen Willen; dein Will' ist, daß ich heilig sey. Steh' mir, ihn treulich zu erfüls len, mit deines Geistes Gnade bei; laß mich mit Ernst die Sünde scheun und ganz mich deinem Dienste weihn. 5. So nehme ich), was du mir giebest, aus deinen Hånden dankbar an, und thue, was du, Vater, liebeft, so treu, als ich es immer kann; so ist mein Herz vergnügt und still mit Allem, was dein Wille will. Mel. Was Gott thut, das ist ze. 354. Auf dich, Herr, nicht auf meinen Rath will ich mein Glück stets bauen, und dir, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Du, der die Welt allmächtig hält, wirst mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Du sahest schon von Ewigkeit, wie viel mir nügen würde; bestimmtest meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? rst auch ein Schmerz, der zu der Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? 3. Du kennest, was mein Herz begehrt, und hättest, was ich bitte, mir gnädig, eh' ich bat, gewährt, wenn's deine Weisheit litte. Du forgst für mich) stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, dein Wille, Herr, geschehe. 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrige Geschick, bei dessen Last wir klagen? die größte Noth hebt doch der Tod, und Ehre, Glück und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was Seelen glücklich macht, låßt du es Keinem fehlen. Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer deinen Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübfal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit; wie bald ist sie verschwunden! was ist das Leiden dieser Zeit; wie bald Vertrauen auf Gott zc. 341 ist's überwunden! hofft auf den Herrn! er hilft uns gern. Seyd fröhlich, ihr Gerechten! der Herr hilft seinen Knechten. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 355. Der Herr ist meine Zuversicht, mein eing'ger Trost im Leben. Dem fehlt es nicht an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben; Gott ist sein Gott, auf sein Gebot wird meine Seele stille; ihm g'nügt des Vaters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun! du bist des Schwachen Stärke; die Augen, welche auf dich schaun, fehn deine Wunderwerke, Herr, groß von Rath und stark von That! mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läßt ihn, wenn ihn Noth umgiebt, doch deinen Trost genießen. Des Frommen Herz wird frei von Schmerz; der Sünder eitles Dichten pflegst du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff', o Seele, hoff' auf Gott! der Thoren Trost verschwindet, wenn der Gerechte in der Noth die Gunst des Schöpfers findet. Wenn Jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn Jene zittern, ein Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung bin, die die dein Glaube reichet. Weh' denen, die zu Menschen fliehn! weh' dem, der von Gott weichet! Er gab dir schon den ein'gen Sohn; will mit ihm Alles schenken: so lehrt der Glaube denken. 6. Sey unbewegt, wenn um dich her sich Ungewitter fammeln; Gott hilft, wenn Christen, freudenleer, zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Thrånen Zahl zählt er; er wägt die Schmerzen und wälzt sie von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine Zuversicht, auf dich hofft meine Seele; du weißt, was meinem Glück gebricht, wenn ich mich forgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen und sich im Kummer faffen! 342 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlfeyn und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt auf dich; dir will ich mich ergeben. Sey du mein Gott, und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Untlitz schaue. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 356, Mein Schuß ist Gott, ihn laß ich waiten; ich hoff' auf ihn, er kennet mich. Ihm fehlt's, die Seinen zu erhalten, an Mitteln nie, und sein bin ich. Sch gründé meine Zuversicht auf diesen Fels und wanke nicht. 2. Sollt' ich, gleich einem Heiden, sorgen, der Gott nur kennt im schwachen Licht? ist mir, wie ihm, auch Gott verborgen? kenn' ich denn seine Liebe nicht? Ach! Preis sey ihm, der seinen Rath zum Trost mir selbst entdecket hat. 3. Er ist die Lieb'! wie sollt' ich zagen? er hat's bezeugt durch Jefum Christ. Was könnte mir ein Gott versagen, der so unendlich gütig ist? Erhab'ner Trost, der nimmer trügt und jede Kümmerniß besiegt! 4. Der Herr erzieht uns, seine Kinder, zur Ewigkeit mit weiser Huld; er schont, er züchtigt viel gelinder, als wir verdient, und hat Geduld; er hat ein zärtlich Vaterherz, das fich) erbarmt bei unserm Schmerz. 5. Ich harre seiner und bin stille. Wie bald verstreicht die Prüfungzeit! dann nehm' ich dort aus seiner Fülle unendliche Zufriedenheit. Er leite mich nach seinem Rath, wie er mir zugesaget hat. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 357. In allen meinen Thaten laß ich den Höchsten rathen, der Alles kann und hat; er muß in allen Dingen, foll's anders wohl gelingen, der Helfer seyn durch Rath und That. 2. Sorg' ich gleich spät und frühe, ohn' ihn hilft keine Mühe, nicht Menschen Rath und Kunst; er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen; ist stell's in seine Vatergunft. Vertrauen auf Gott 2c. 343 3. Es wird mir nichts geschehen, als was er ausersehen und was mir heilsam ist; wenn er mir Freuden giebet, selbst wenn er mich betrübet, verehr' ich seinen Rath als Christ. 4. Sch trau' auf seine Gnade, und nichts ist, das mir schade, wenn er mich selber schützt; leb' ich nach seinen Sähen, so wird mich nichts verletzen, mir fehlen nichts, was ewig nůht. 5. Er laffe meine Sünden vor ihm Vergebung finden, durchstreiche meine Schuld; und wenn ich zu ihm schreie, so schenk' er mir aufs neue in Christo seine Vaterhuld. 6. Leg' ich zum Schlaf mich nieder, weckt mich der Morgen wieder, Gott ist und bleibt mein Hort; hat jeder meiner Tage gleich seine Müh' und Plage, so stärkt und tröstet mich. sein Wort. 7. Schein' ich auch gleich verlassen, so will ich mich doch faffen, getrost auf Gott hinsehn; kein Unfall unter allen wird mir so schwer je fallen; mit Gott werd' ich ihn überstehn. 8. Ihm hab' ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, wie und wann er gebeut; es sey heut' oder morgen, ich will nicht ängstlich sorgen, Gott weiß die allerbeste Zeit. 9. So bin ich denn ganz seine, und trau' auf den alleine, der mich geschaffen hat; es gehe, wie es gehe, mein Vater in der Höhe weiß schon zu allen Sachen Rath. Mel. Ermuntre dich, mein 2c. 358. Du bist ein Mensch! bedenk' dein Wohl, und strebe nicht nach Dingen, die man Gott überlassen soll, die er nur kann vollbringen. Was lenkst du ånglichst deinen Sinn auf tausend eitle Sorgen hin, und denkst: wie will's auf Erden noch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst! du kannst fürwahr nicht durch dein Thun und Dichten das, was dir nicht beschieden war, ins Werk nach Wunsche richten. Dein Sorgen dienet bloß 344 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. dazu, daß du dich selbst aus deiner Ruh' in Angst und Schmerzen stürzest und dir das Leben kürzest. 3. Willst du das thun, was Gott gefällt, und dir selbst Heil gebieret: so traue dem, der Erd' und Welt beherrschet und regieret; vertrau' dein Leben, Thun und Stand, vertrau' es Gottes Vaterhand, er wird's in allen Sachen aufs befte mit dir machen. 4. Wer hat gesorgt, wer hat gewacht in deinen ersten Tagen, als deine Augen noch in Nacht, im Schoß der Mutter lagen? wer hat allda dein Heil bedacht? was that da aller Menschen Macht, da Geist und Sinn und Leben dir ward ins Herz gegeben? 5. Durch wessen Kunst steht dein Gebein in ordent licher Fülle? wer gab dem Auge Licht und Schein, dem Leibe seine Hülle? wer zog die Adern, hier und dort, an den so abgemess'nen Ort? wer setzte hin und wieder so weise deine Glieder? 6. Wo warest du, wo dein Verstand, da sich des Himmels Decken weit über Seen, Berg und Land anfingen zu erstrecken? Wer brachte Sonn' und Mond hervor? wer der Geschöpfe zahlreich Chor? wer hieß sie, deinen Willen und Wünsche zu erfüllen? 7. Heb' auf dein Haupt, schau' überall! hienieden und dort oben siehst du, wie Gott für jeden Fall gesorgt, aus tausend Proben. War, was dich nähret und erfreut, war es nicht längst schon zubereit't, eh' du ins Leben kamest und Nahrung zu dir nahmest? 8. Der für die Werke alle wacht, die vor uns offen liegen, wie wohl hat er schon längst bedacht dein Wohl und dein Vergnügen, wie weislich Alles eingericht't, eh' noch dein Aug' und Angesicht eröffnet war und sahe, was in der Welt geschahe! 9. Willst du dich bloß durchs schwache Licht der eig nen Einsicht führen? traust du mehr, als dir selber, nicht des Ewigen Regieren? kann das, was du vermagst, allein Vertrauen auf Gott 2c. 345 geschehen und dir heilsam seyn? ist, was du nicht erkoren, zu achten für verloren? 10. Bedenke: ist nicht Manches oft ganz anders schon ergangen, was Andre und du selbst gehofft, unfehlbar zu erlangen? hingegen, wie so manchesmal ist das ges schehn, was überall kein Mensch, kein Rath, kein Sinnen vermochte zu beginnen. 11. Wie oft wärst du in große Noth durch eig'ne Wahl gekommen, wenn sich nicht deiner noch dein Gott so treulich angenommen! ja, hätte Gott stets Werk und That erfolgen lassen nach dem Rath, wie du es angefangen, wie wär' es dir ergangen? 12. Der aber, der uns ewig liebt, macht gut, was wir verwirren; erfreut, wo wir uns selbst betrübt, und führt uns, wo wir irren. Er ist von duldendem Gemüth, beweist so viele Huld und Güt', so lange Zeit selbst Sündern und ewig seinen Kindern. 13. Verborgen ist uns oft sein Will'; er thut doch, was uns nüßet; o wäre unser Herz nur still! allein es zagt und sihet in Sorgen, ringt und schaffet nichts, will sehn und mangelt doch des Lichts, will aus der Noth sich winden und kann den Weg nicht finden. 14. Gott gehet ohne Wanken fort auf seinen weisen Wegen; er bringt uns endlich an den Ort, wo Noth und Sturm sich legen. Um Ende, wenn das Werk geschehn, nur da erst kann der Mensch dann sehn, daß der, so ihn regieret, ihn habe wohl geführet. 15. Darum sey, Seele! wohlgemuth, vermeid' un nüßes Gramen; der Gott, der ewig treu und gut, wird sich dein stets annehmen; er hat ein Vaterherz, das sich zum Wohlthun neigt, das gegen dich und uns hier allzusammen ist voller Liebesflammen. 16. Es gehet seine Batertreu' weit über unser Denken; sie wirkt und zeigt sich täglich neu; was wolltest du dich kranken, als ob, der uns bisher geführt, bei unsern 346 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. Klagen ungerührt, uns könnte je verlassen und nicht mit Hulo umfassen? 17. Berstatte dieser Sorge nicht, daß sie dein Herz beschweret; obgleich nicht allzeit das geschicht, was Menschenwunsch begehret: so wird doch wahrlich das geschehn, was Gottes Weisheit außersehn, und was dein Heil kann mehren, das wird er dir gewähren. 18. Thu' als ein Kind und lege dich in deines Vas ters Urme! fleh' kindlich zu ihm, daß er sich dein våterlich erbarme: so wird er dich durch seinen Geist auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, aus allem Kampf und Ringen zur wahren Ruhe bringen. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 359. Was soll ich ängstlich klagen und in der Noth verzagen? der Höchste sorgt für mich! Er sorgt, daß meiner Seele kein wahres Wohlfeyn fehle. Genug zum Trost, mein Herz, für dich. 2. Was nüßt es, heidnisch sorgen, und jeden neuen Morgen mit neuem Kummer schn? Du, Vater meiner Tage! weißt, eh' ich dir's noch sage, mein Leid und auch mein Wohlergehn. 3. Auf deine Hand zu schauen, die kindlich zu verz trauen, das, Herr, ist meine Pflicht. Ich will sie treulich üben, und dich, mein Vater, lieben; denn du verläßt die Deinen nicht. 4. Der du die Blumen kleidest und alle Thiere weidest, du, Schöpfer der Natur! weißt Alles, was mit fehlet. Drum, Seele, was dich quâlet, befiehl dem Herrn und glaube nur! 5. Herr, alle meine Sorgen, die Noth, die mich verborgen in meinem Geiste nagt, werf ich auf dich, den Treuen; du weißt den zu erfreuen, der fromm nach deiner Hülfe fragt. 6. Wenn meine Augen thránen und sich nach Hülfe sehnen, so klag' ich dir's, dem Herrn. Dir, Vater, dir Vertrauen auf Gott 2c. 347 befehle ich jeden Wunsch der Seele; du hörst, du hilfst, du segnest gern. 7. Der du mir hier im Leben schon größ'res Heil gegeben und deinen Sohn geschenkt! du wirst mir Alles schenken und mir zum Besten lenken, was mich zum Unmuth reizt und kränkt. 8. Du führest, Herr, die Deinen nicht so, wie sie es meinen; stets weise ist dein Rath. Ob ich mich auch betrübe, bleibt doch dein Rath voll Liebe. Das zeigt der Ausgang mit der That. 9. Wenn ich hier Tiefen sehe, und es nicht ganz verstehe, was du mit mir gethan, kann ich doch deß mich trösten: du nimmst mich, mich Erlösten, gewiß dereinst zu Ehren an. 10. Dort, bei der Frommen Schaaren, dort werd' ich es erfahren, wie gut du mich geführt. Da sing' ich dir mit Freuden nach überstandnen Leiden den Dank, der deiner Huld gebührt. Mel. Gott, du frommer Gott 2c. 360. Es hilft uns unser Gott, er höret unser Flehen; wir dürfen stets getrost zu seinem Throne gehen, wenn wir gebeffert nur ihm klagen unsre Noth: so werden wir ers hört, so hilft uns unser Gott. 2. Es hilft uns unser Gott, der Alles weiß und fiehet, dem auch das Innerste des Herzens nicht entfliehet. Ja, Ulles, was uns fehlt, und unser sehnlich Flehn, das hat der Höchste schon von Ewigkeit gesehn. 3. Es hilft uns unser Gott, der Alles wohl vollführet, und auf das weiseste zu aller Zeit regieret; sein herrlicher Verstand sieht es am besten ein, was uns wahrhaftig kann und gut, oder schädlich seyn. 4. Es hilft uns unser Gott, der alle Macht besitzet, dem nichts unmöglich ist; wohl uns, daß er uns schůzet! Ist unser Leiden gleich sehr groß und mancherlei; getroft und unverzagt, die Allmacht steht uns bei. 348 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. 5. Es hilft uns unser Gott, den unser Jammer krånket, der sein erbarmend Herz auf unsre Bitte lenket; der aller Güte voll, die Liebe selber ist, und von dem alles Heil auf uns durch Christum fließt. Mel. Nun danket Alle Gott 2c. 361. Treu ist der Herr und gut, der große Gott der Götter; kein Böses ist an ihm, und außer ihm kein Nets ter; er ist gerecht und fromm und voll Barmherzigkeit; die Seinen läßt er nicht, und hilft zu rechter Zeit. 2. Wer sich an ihn fest hålt mit tugendreichem Glaus ben, den läßt der Treue nie sich aus den Händen rauben. Wer sich auf ihn verläßt und auf sein theures Wort, dem steht er mächtig bei, er ist sein Schuß und Hort. 3. Ach, hilf uns, Herr, die wir noch in der Fremde wallen, so leben, daß wir dir, nur dir, Gott, wohlgefal len; der Glaube wirk' in uns ein dir gelassen Herz, dem du, Herr, Alles seyst im Wohlseyn und im Schmerz. 4. Laß uns stets unsre Ruh' in deinem Willen finden, und wenn's zum Sterben kommt, dann hilf uns überwinden! laß deines Sohnes Lehr und seine Todespein als dann der Seelen Trost, Ruh' und Erquickung seyn! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 362. Auf dich alleine will ich hoffen, der du mein Gott und Vater bist! denn noch ist alles eingetroffen, was uns von dir verheißen ist. Ich seh', daß deine Va tertreu' unwandelbar und ewig sey. 2. Du bist ein Fels; wer auf dich bauet, kann fest und unbeweglich stehn. Wer dir und deinem Worte trauet, wird nie beschämt zu Grunde gehn. Du krönest ihn in Ewigkeit mit Gnade und Barmherzigkeit. 3. O gieb denn, daß in meinem Leben mich eitle Hoffnung nie verführt, die, statt dem Herzen Trost zu geben, nur blendet und dann Schmerz gebiert, wenn sie dahine fällt und zerrinnt, gleich einem Bau auf Sand gegründ't. Vertrauen auf Gott 2c. 349 4. Ich will auf meinen Mittler schauen, ich will in allem meinem Thun nur dir und deinem Worte trauen, und in der Zuversicht beruhn: du werdest, was mein Wohlergehn befördert, für mich aus ersehn. 5. Wenn ich in meinen Prüfungstagen nach deiner Hülf' oft harren muß, so will ich doch nicht muthios zagen. Ich weiß, mein Hoffen wird Genuß; weiß, daß mein Glück nur schöner blüht, je långer deine Hand verzieht. 6. Laß mir die Hoffnung leichte machen, was Fleisch und Blut beschwerlich fällt; wenn Ungewitter um mich krachen, so stårke du mich, Herr der Welt, und flöße mir die Hoffnung ein, du werdest doch mein Retter seyn! 7. So hoff' ich in den größten Nöthen, mein Gott, dennoch getroft auf dich. Wenn Leiden diesen Leib auch tödten, so tröstet doch die Hoffnung mich: daß ich an dem verheißnen Heil, an deinem Himmel, habe Theil. Mel. Nun sich der Tag geendet zc. 363. Allein auf dich verlaff' ich mich, Gott, meine Buversicht! auf dich, der, wenn auch Alles wich, stets bleibt und wanket nicht. 2. Sollt' ich aufs Eitle wohl vertraun? wie schnell wird's nicht ein Raub der Zeit! sollt' ich auf Menschen baun? wie bald sind sie auch Staub! 3. Des Tages bet' ich, Gott, zu dir voll Zuversicht und gern; bei stiller Nacht fleh' ich: sey mir mit deiner Huld nicht fern! 4. Du sendest sie von jeder Höh', wo du allmächtig thronst, im Lichte, das ich dunkel seh', im Himmelsglanze wohnst. 5. Dein Wort- und Wahrheit ist dein Wort- spricht Hoffnung in die Brust; hab', spricht es, habe immerfort an Gott nur deine Luft. 6. Trau' betend ihm, und du empfängst nur hier, sonst nirgend Ruh'; er wog mit Vaterhånden långst dir Glück und Leiden zu. 350 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 7. Nimm, was er giebt, und murre nicht; auch Leiden sey dir werth; es macht dich klug, hat deine Pflicht dich mehr, als Glück, gelehrt. 8. Wohlan, so will ich dir allein, Allmächtiger, vertraun, dein Antlik suchen, und mich freun, dein Untlig bald zu schaun. Mel. Ermuntre dich, mein zc. 364. Der Herr hat Alles wohl gemacht und wird es stets wohl machen; der uns bisher so wohl bedacht, wird ferner für uns wachen! Deß freue dich, und preise Gott; das nimm, wenn dir ein Unfall droht, nimm es zur Zeit der Schmerzen, nimm's stets, o Chrift, zu Herzen! 2. Der Herr hat Alles wohl gemacht! er hieß die Menschen werden; und als er sie ans Licht gebracht, er tonte bald auf Erden der Segens- Machtspruch: mehret euch! das Erdreich ward an Gütern reich, die Gott zu diesem Leben mit milder Hand gegeben. 3. Der Herr hat Alles wohl gemacht! Obschon der Mensch gefallen, låßt er ihn doch nicht aus der Acht. Wenn seine Donner schallen: so ruft er dich, so ruft er mich durch ihre Stimme selbst zu sich, und zeigt dabei uns Armen ein Untlik voll Erbarmen. 4. Der Herr hat Alles wohl gemacht, hat uns sein Wort gegeben, woraus dem, der nach Troste schmacht't, quillt Freude, Trost und Leben! da redet Gott selbst und bezeugt, wie sehr sein Vaterherz geneigt, uns Alle zu er quicken und ewig zu beglücken. 5. Der Herr hat Alles wohl gemacht, da selbst sein Sohn gestorben, und aus des Todes tiefer Nacht Erret tung uns erworben! Dem denke nach, betrübter Geist! komm' her, schau' hier, was lieben heißt! wird der nicht Alles geben, der für dich giebt sein Leben? 6. Der Herr hat Alles wohl gemacht, uns wunderbar geleitet, oft selbst da, wo wir's nicht gedacht, uns unser Wohl bereitet! Verborgen war uns oft sein Nath, Vertrauen auf Gott 2c. 351 doch lehrte uns zuletzt die That, sein Rath sey stets der beste, und seine Huld die größte. 7. Der Herr hat alles wohl gemacht; er hat uns ftets beglücket! Er ist auf unser Wohl bedacht, auch wenn er Leiden schicket; durch väterliche Züchtigung sucht er nur unsre Besserung, und läßt uns, eh' wir's meinen, die Sonne wieder scheinen. ( Vom Gebet und öffentlichen Gottesdienst siehe unter N 539 u. f.) Lob Gottes und seiner Werke. Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her zc. 365. Auf, Christen, preist mit mir den Herrn! wer preist, was herrlich ist, nicht gern! und welch ein Glanz, der Gott verklårt! wer ist, wie er, des Lobes werth! 2. Lobt ihn! sein ganzer Nam' ist Ruhm; Unendlichkeit sein Eigenthum. Dies grenzenlose Meer von Licht durchschauet selbst der Engel nicht. 3. Ja, eure Lust sey, ihn erhöhn! solch Lob ist heilsam, lieblich, schön; schärft den Verstand, erhebt das Herz, und stillt im Leiden allen Schmerz. 4. Wie wird dein Geist dadurch entzückt, hinauf gen Himmel hingerückt, mit seinem hocherhab'nen Freund, mit Gott, stets inniger vereint! 5. Welch ein so herrlicher Beruf, zu dem Gott selbst die Engel schuf! welch eine theure, süße Pflicht, die uns so reichen Lohn verspricht! 6. Ja, Pflicht ist's, daß ihr sein gedenkt, ihr, denen er Verstand geschenkt! die Ehre des Verstandes ist, daß ihr den Ew'gen kennt und wißt. 7. Pflicht ist es, daß ihr ihn befingt, die ihr. von ihm ein Herz empfingt, das sich zu Gott mit Inbrunst nah'n und seine Größe fühlen kann. 8. Auch euer Mund, so oft er spricht, erinnert euch an diese Pflicht. Die Sprache dankt ihr ihm allein, und wolltet nicht voll Ruhmes seyn? 352 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. 9. Wer ist gutthåtiger, als er? denn welche Gabe soll uns der nicht schenken, der so sehr uns liebt, daß er auch seinen Sohn uns giebt? 10. Was gebet ihr nun ihm dafür? ist nicht ein Herz voll Dankbegier, das ganz in seiner Liebe brennt, das Einz'ge, was ihr geben könnt? Bette- estat 11. Auf, Christen, preist mit mir den Herrn! wer preist nicht milde Geber gern! gedenkt, wie viel er uns gewährt! wer ist, wie er, des Dankes werth! Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 366. Bringt her dem Höchsten Preis und Dank aus freudigem Gemüthe; es rühme unser Lobgesang den Reich thum seiner Güte. Erhebet, lobet Alle Gott, der uns errettet aus der Noth, und preiset seinen Namen. 2. Lobt Gott, und rühmet allezeit die großen Wunderwerke, die Majestät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärke, die er so reich in aller Welt uns anzuschauen dargestellt; erhebet seinen Namen! 3. Lobt Gott, der uns erschaffen hat; der Seele, Leib und Leben aus väterlicher Huld und Gnad' uns Allen hat gegeben; uns vor Gefahr und Unfall schützt, und täglich giebet, was ans nützt; preist dankbar seinen Namen! 4. Lobt Gott; er gab uns seinen Sohn, der für uns ist gestorben, und uns, des Lebens Gnadenlohn durch seinen Tod erworben; der für uns Alles hat vollbracht, was uns zu fel'gen Menschen macht; drum danket seinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch der Geist den Glau ben angezündet, und den, der folgsam sich beweist, fest in der Wahrheit gründet; der durch sein gnadenvolles Wort warnt, tröstet, stårket fort und fort; erhebet seine Gnade! 6. Lobt Gott; er hat sein gutes Werk selbst in uns angefangen, vollführt es auch, giebt Kraft und Stärk, das Kleinod zu erlangen, das er uns Allen dargestellt, und dem verleiht, der Glanben hålt; preist seine Batertreue! Lob Gottes und seiner Werke. 353 7. Lobt Gott, die ihr dort seyd vor ihm, wo er im Lichte thronet; es lobe ihn mit lauter Stimm', wer noch auf Erden wohnet; ja, Alles, was nur Othem hat, erhebe Gott mit Wort und That, und lobe seinen Namen: Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. 367. Wie feliz bin ich, wenn mein Geist hinauf zu Gott sich schwingt, und, wenn er seinen Schöpfer preist, der Engel Werk vollbringt! 2. Wer gleicht ihm! wer ist so geschmückt mit Herrlichkeit und Licht! er ist der Schönste! wen entzückt des Schönsten Unblick nicht? 3. Ein voller Strom von Wollust quilt aus seiner Wissenschaft; denn er ist selig und erfüllt mit Freuden, was er schafft. 4. Er ging aus seiner Ewigkeit heraus, um nicht aDein, nicht bloß für sich, wie vor der Zeit der Selige zu seyn. 5. Er spricht ein Wort, und schnell umringt den Seligen ein Heer, das selig ist, und ihm lobsingt, das Niemand zählt, als er. 6. So will es der, der mich) erschuf, auch ich soll felig seyn. Heil, Seele, dir, denn dein Beruf ist, seiner dich zu freun! 7. Schon siehst du durch ein dämmernd Licht den Unaussprechlichen! dort wirst du ihn von Angesicht zu Angesichte sehn! 368. Nun lob' mein' Seel' den Herren, was in mir ist, das müsse sein sich freuen, laut ihn ehren, ihm hohe Lobgesänge weihn, der nun die Schuld vergeben, der Last mich machte los, zurück mich rief ins Leben, ber mich aus seinem Schoß mit Troste überschüttet, der mich so gnadenreich geschüßet und behütet; wer ist, wer ist ihm gleich)! 2. Er hat uns wissen lassen sein heilig Recht und sein Gericht; Erbarmung ohne Maßen strahlt aus des Vaters Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 23 354 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. Ungesicht; nach Gnade zu verfahren, und nicht nach unsrer Schuld, pflegt er, und nie zu sparen an Sündern seine Huld; groß ist sie und erhaben; sie schonet und verzeiht; fie eilt mit Trost zu laben den, der die Schuld berent. 3. Wie Våter voll Erbarmen und milde gegen Kin der sind, so handelt mit uns Armen der Herr erbarmend und gelind. Er kennt das schwach Geschlechte; weiß, dieser Leib von Staub, wie stark er scheinen möchte, ist doch ein wel kend Laub; kaum daß die Winde wehen, so ist es nicht mehr da; so kann der Mensch vergehen, ihm ist der Tod stets nal). 4. Nur Gottes Gnad' alleine steht fest und zeigt sich jederzeit voll Huld an der Gemeine, die treu sich seinem Dienste weiht. Ihr, die ihr nicht gefallen, laßt ihr im Himmelreich Loblieder stets erschallen; wir singen sie mit euc); dem großen Herrn zu Ehren soll man an jedem Ort auch Lobgesänge hören, bei uns hier fort und fort. 5. Anbetung, Preis und Ehre sey dir, Gott Vater, Sohn und Geist! gieb, daß bei uns sich mehre, was uns dein Gnaderwort verheißt. Uns werde das Vertrauen, mit dem wir zu dir hin hier aus der Ferne schauen, zum seligften Gewinn; erfülle das Verlangen der Deinen: laß ver dir uns schauen und empfangen, was wir geglaubet hier. Mel. Aus meines Herzens 2c. 369. Groß ist des Höchsten Güte! wer sie nicht achtete, welch fühllos Herz verriethe der Unerkenntliche! fie rettet uns aus Noth, erquicket uns im Leide, verwandelt es in Freude, versüßet selbst den Tod. 2. Und meine Lippen schwiegen? ich raubte selber mir das himmlische Vergnügen, Gott, lobzufingen dir? Nein, Herr, von meinem Dank sey jeder Morgen Zeuge, und jeden Abend steige zu dir mein Lobgesang. 3. Du wirst mich ferner leiten, so unwerth ich's auch bin. Treu bleibt zu allen Zeiten dein milder Vaterfinn. Dem, der nur liebet dich, wirst du in Kümmernissen stets wohl zu helfen wissen; dir überlaff ich mich! Lob Gottes und seiner Werke. 355 4. Ja, deine Huld ist größer, als es der Mensch versteht; dein Rath unendlich besser, als was sein Wunsch erfleht. Herr, meine Zuversicht! dir froh mich zu erge. ben, dich dankbar zu erheben, sey meine liebste Pflicht! 4 Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 370. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte; dem Gott, der Großes an uns thut; dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost erfüllt; der unsers Herzens Sehnen stillt; gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es preist der Himmel großes Heer dich, Herr der Welt und Thronen; und welche Erde, Luft und Meer, von dir belebt, bewohnen, die preisen, Schöpfer, deine Macht, die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten; darüber will des Weisen Rath, des Vaters Gnade walten! in seinem ganzen weiten Reich ist alles recht, ist Alles gleich; bringt ihm Dank, Preis und Ehre! 4. Ich rief zum Herrn in meiner Noth: du willst, du kannst erfreuen! da half er mir, da ließ mir Gott Errettung angedeihen. Ich danke, Gott, ich danke dir! dankt Alle, preiset Gott mit mir; gebt ihm allein die Ehre! 5. Der Herr verläßt die Seinen nicht; auch dann, wenn Stürme wüthen, ist er doch ihre Zuversicht, denn er kann sie behüten; mit Vaterhånden leitet er die Seinen alle; bringet her dem Herrn Preis, Dank und Ehre! 6. Wenn Niemand sonst nicht helfen kann, so kommt Gott selbst und zeiget, daß er auch da noch helfen kann. Gott, unser Vater, neiget sein huldreich Angesicht uns zu, erquickt und schenkt der Seele Ruh'. Gebt Alle ihm die Ehre! 7. Ich will mein ganzes Lebenlang dich, Gott, mein Retter, ehren; einst werden meinen Lobgefang auch deine Himmel hören. Du, meine Seele, freue dich, und du, mein Geift, erhebe dich zu Gott; gebt ihm die Ehre! 8. Shr, die ihr euch nach Christo nennt, bringt dar ihm Dank und Ehre; die ihr des Vaters Güte kennt, 23* 356 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. bringt dar ihm Dank und Ehre; der Herr ist Gott, der Herr ist Gott, und außer ihm ist sonst kein Gott; gebt ihm allein die Ehre! 9. Kommt, tretet vor sein Angesicht, Dank, Dank ihm darzubringen; entrichtet die gelobte Pflicht, und laßt uns fröhlich fingen: der Herr hat Alles wohl gemacht, und besser noch, als wir gedacht. Gebt unserm Gott die Ehre! 371. Was für ein Lob soll man dir, Vater, bringen? Wer kann dich würdig und genug befingen? 2. Du hast aus Nichts den Himmel nebst der Erden, und Alles was darin ist, lassen werden. 3. Uns Menschen hast du dieses Leibes Leben und diesen Geist, der dich erkennt, gegeben. 4. Du läsfest uns in deinem Worte lehren, wie wir tir dienen sollen und dich ehren. 5. Von Kindheit an hast du uns stets ernähret; was wir bedurft, uns våterlich) bescheret. 6. Du sättigst, was da lebt, mit Wohlgefallen, und ftárkst uns, freudig unsre Bahn zu wallen. 7. In Leiden, Kümmernissen und Gefahren låffst du uns Trost und Rettung widerfahren. 8. Sehr groß ist deine Weisheit, Güt' und Stärke, und wunderbar sind alle deine Werke. 9. Herr, wir bekennen es mit unserm Munde, und danken dir dafür von Herzensgrunde. 10. Wir beten an dich, Vater, mit dem Sohne und heil'gem Geist auf dem erhab'nen Throne. 11. Hoch sen dein großer Name stets gepriesen für alles Gute, was du uns erwiesen. 12. Hilf, daß wir dir hier leben und vertrauen, und laß uns dort dein Untlig ewig schauen. 372. Nun laßt uns Gott, dem Herren, Dank fagen und ihn ehren von wegen seiner Gaben, die wir empfan gen haben. Lob Gottes und seiner Werke. 357 2. Er ist's, der uns das Leben und Seel' und Leib ges geben und schützet und bewahret, und keine Gnade sparet. 3. Nahrung giebt er und Speise; auch hat Gott, der Allweise, selbst für der Seele Wunden Genesung uns erfunden. 4. Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben: Christus, für uns gestorben, hat uns das Heil erworben. 5. Im Wort, im Bundesmale eröffnet er für Alle, die müde und beladen, die Quelle aller Gnaden. 6. Die Sünde wird vergeben, durch ihn geschenkt das Leben; mit göttlich hohen Gaben wird uns sein Him mel laben. 7. Wir preisen deine Güte mit dankbarem Gemüthe. Gott, lasse uns, den Deinen, dein Licht zum Trost stets scheinen. 8. Leit' uns in deiner Wahrheit, bis wir in voller Klarheit dich schaun und deinen Namen dort ewig preisen. Amen! Das ambrosianische Te Deum. 373. Herr Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! dich, Vater, Gott von Ewigkeit, preift deine Schöpfung weit und breit. Die Himmel alle und ihr Heer sind laute Zeugen deiner Chr. Es fagen alle Seraphim'- hort's, Himmel, Erdenkreis, vernimm-: heilig ist unser Gott! heilig ist unser Gott! heilig ist unser Gott! Jehovah Zebaoth! Weit über alle Himmel weit geht deine Macht und Herrlichkeit. Sie, die, wie es dein Wort befahl, gelehrt, gelebt, die Frommen all', die nun entflohn dem Pilgerthal, lobsingen die mit frohem Schall. Dich betet an die Christenheit, die noch lebt in der Prüfungszeit; dich, Vater auf dem höchsten Thron, und dich, des Vaters ein'gen Sohn, dich, Gottes Geist, der uns bekehrt, mit fletem Preis' fie lobt und ehrt. 358 Beweis der Gottseligkeit und Eugend. Dank dir und Ehre, Jesu Christ, der du herab ge kommen bist, damit durch dich genesen möcht' das sündlich), fterbliche Geschlecht; du hast zerstört des Todes Macht, das Leben an das Licht gebracht; du bist erhöht; du haft ein Reich, das ewig währt, dem keines gleich; ein Richter du zukünftig bist deß, was dann todt und lebend ist. Hilf uns, o Herr, den Dienern dein, dir folgsam und dir treu zu seyn; gieb uns an deinem Himmel Theil, an dem durch dich erworb'nen Heil. Hilf deinem Volke, Jefu Christ, und segne, was dein Erbe ist, beschüß' und pfleg' es allezeit, erhöh' es dort in Ewigkeit. Wir loben Gott, wir preisen dich hier täglich und dort ewiglich; behüte uns, o treuer Gott, vor Sünde, fie gebiert den Tod; sey uns, den Deinen, gnådig, Gott; sey gnädig uns in aller Noth; umfass' uns mit Barmherzigkeit! du bist ein Gott, der gern erfreut! Dir trauen wir, dein sind wir, Herr, verlaß, verlaß uns nimmermehr! Amen! 374. Nun danket Alle Gott; ihm, der mit Vaterhånden so große Dinge thut, hier und an allen Enden, der lebend uns erhält, der uns von Kindheit an mehr Gutes hat erzeigt, als Jemand zählen kann. 2. Es wolle unser Gott ein fröhlich Herz uns geben; er laffe uns, sein Volk, in stiller Ruhe leben und wahrer Frömmigkeit, daß seine Gnad' und Treu' auch mit uns allezeit und unserm Lande sey. 3. Der große starke Gott woll' uns von allem Bösen, und, was uns schaden kann, durch seine Hand erldsen; er schüß und leit' uns, er helf uns allezeit, so lang' er uns allhier das Leben noch verleiht. 4. Gott Vater, dir sey Preis hier und im Himmel oben! Gott Sohn, Herr Jesu Christ, wir wollen dich stets loben! Gott heil ger Geist, dein Ruhm erschalle mehr und mehr! o Herr, dreiein'ger Gott, dir sey Lob, Preis und Ehr'! 359 Lob Gottes und seiner Berke. Mel. Wachet auf, ruft uns die zc. 375. Herr! wir singen deiner Ehre; erbarm' dich unsrer und erhöre, nimm gnädig unfer Loblied an! Herr! wir danken voll Entzücken; wer ist, der so, wie du, beglücken, so lieben und so segnen kann? du, Herr, den wir erhöhn, du, dessen Heil wir sehn, warst die Liebe schon vor der Beit, von Ewigkeit warst du die Liebe, wirst es seyn. 2. Um zu dir uns zu erheben, hauchst du in unfre Bruft das Leben, und schenkest uns der Erde Glück. Um zu dir uns zu erheben, entziehst du unsrer Brust das Leben und schenkest uns des Himmels Glück. Du giebst das Leben, Gott! du sendest uns den Tod nur zum Segen, bist liebevoll; nur unser Wohl, nicht unser Elend schaffest du. 3. Als wir von der Sünde Plagen tief, tief gebeugt im Staube lagen, und Nacht des Todes uns umfing: da war es, als deine Gnade, den Sündern ewig theure Gnade, erbarmend vor uns überging; da rief der Liebe Blick ins Leben uns zurück; von der Sünde, von ihrer Nacht sind wir erwacht, erwacht, um Gottes Licht zu sehn. 4. Preiset ihn, ihr Jubellieder! es kam sein Sohn zu uns hernieder, ward Mensch, ging für uns in den Tod. Christus hat den Tod bezwungen; ein neues Lied werd' ihm gesungen, ihm, der uns hat versöhnt mit Gott. Heil uns! wir sind versöhnt; ihr, Lobgefånge, tont, tont zum Himmel; erschallt schon hier; einst stehen wir vor seinem Thron und beten an. Mel. Komm heil'ger Geist sc. 376. Anbetung und Dank bringen wir, Herr, unser Gott und Vater, dir; dein Ruhm soll unter uns erschallen; laß unser Lob dir gefallen! laßt seiner Vaterhuld uns freun, und ewig, ewig dankbar seyn; fallt vor dem Gott der Liebe nieder, bringt ihm das Opfer eurer Lieder und betet an!:,: 2. Du gabst uns Leben, wir sind dein; sind dein und werden's ewig seyn. Wie groß und viel find deine Werke, 360 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. du Gott der Macht und der Stárke! dein ist der Erdkreis und in dir, o Höchster, sind und leben wir; du schufest Seraphim' und Thronen und uns, die auf der Erde wohnen, zu deiner Ehr'.:,: 3. Du, Gott, vergiebst uns unsre Schuld und trägst uns Sünder mit Geduld; du warneft liebreich, zeigst uns Armen ein Vaterherz voll Erbarmen; lohnst uns nach dieser Prüfungszeit mit deines Himmels Seligkeit; labst uns schon hier mit so viel Freuden und schickst zu unserm Heil uns Leiden, liebreicher Gott!:,: 4. Unbetung und Dank, Christe, dir! verlorne Suns der waren wir; du bist für uns am Kreuz gestorben, haft ewig Heil uns erworben. Wer zu dir flehet, an dich -glaubt, und, lockt die Sünde ihn, treu dir bleibt, der soll, befreit vom Fluch der Sünden, Erbarmung, Gnad' und Leben finden in Ewigkeit!:,: 5. Gelobet seyst du, Geist des Herrn! wir Sünder waren von Gott fern, vom Licht, das Trost gewährt und Leben, mit Finsterniß sonst umgeben. Du hast durch deines Wortes Macht zu uns ein heitres Licht gebracht; du lehrst uns leben, hilfft uns sterben; du machest uns zu Him melserben durch deine Kraft.:,: 6. Anbetung und Dank bringen wir, wir bringen's, o Jehovah, dir! o möchte jedes Land der Erden voll deines Lichts und Ruhmes werden; wie selig, wie begnadigt ist ein Volk, deß Zuversicht du bist! Jehovah, dir und deinem Namen sey ewig Ruhm und Ehre, Amen! Hallelujah!: Mel. Allein Gott in der Höh' 2c., 377. Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! wie groß find seine Werke! sie gingen einst auf sein Gebot hervor durch seine Stärke. Der Geist, der auf der Tiefe schwebt, ruft Millionen und belebt dies Heer durch seinen Othem. 2. Gott, der den Himmel überspannt, auf hohen Wolken fähret, wie viel hat seine milde Hand den Menschen Lob Gottes und seiner Werke. 361 nicht gewähret! zu ihnen, die nach seinem Bild geschaffen, sprach der Herr: erfüllt, beherrscht den Kreis der Erden! 3. Lobsinget ihm! aus seiner Hand kam die vers nünft'ge Secle, damit der menschliche Verstand selbst seine Freuden wähle. Wie herrlich wirkt des Menschen Geist, wenn er sich dieser Welt entreißt und sich zu Gott aufs schwinget. 4. Wie herrlich ziert Gott jeden Sinn, die Spiegel seiner Ehre! pflanzt in das Herz Empfindung hin und neiget es zur Lehre; macht weich und fühlend diese Brust zu besfrer, als des Thieres Lust, zur Freundschaft und zur Liebe. 5. Voll Huld sieht Gottes Majestät auf seine Werke nieder. Eh' ein Geschlecht hier untergeht, blüht dort ein anders wieder, und steigt in abgemess'ner Zeit zum Gipfel der Vollkommenheit, das ihm Gott angewiesen. 6. Gott, deine Güte zeiget sich erneut mit jedem Morgen; sie ist's, die das, was ohne dich sich selbst nicht kann versorgen; verpfleget, nåhret und erhält; sie schmücket und erfüllt die Welt mit Leben und mit Freude. 7. Dein våterliches Auge sieht auf unser Wohl vor allen; ein stilles Herz, ein froh Gemüth, ein täglich Wohlgefallen, Gesundheit, Freude, Fried' und Rast, was unser Wohl nur ir fich faßt, ist deine milde Gabe. 8. Du öffnest uns dein Heiligthum, hörst unsers Dankes Lieder, siehst auf uns, die wir deinen Ruhm besingen, huldreich nieder. Die Liebe, die den Sohn uns gab, begleitet uns bis an das Grab, und über's Grab zum Himmel. 9. Lobsinget Gott; was Odem hat, erhebe seine Gute! preift, Christen, Gottes größte That mit fröhe lichem Gemüthe! es preise unser Herz, voll Dank, es rühme unser Lobgefang des Ewigen Erbarmen! Mel. Jesu, meines Lebens Leben 2c. 378. Wie soll ich dich würdig loben, mächtiger Herr Bebaoth? sende mir dazu von oben deines Geistes Kraft, 362 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. mein Gott! groß sind deiner Liebe Zeichen; wer kann ihre Zahl erreichen! tausend, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! 2. Herr! entzünde mein Gemüthe, daß ich deine Wundermacht, deine Weisheit, Treu' und Güte froh ers hebe Tag und Nacht; Leib und Seel' ist deine Gabe; ja, sonst Alles, was ich habe. Tausend, 2c. 3. Denk ich: wie ich dich verlassen und gehäufet Schuld mit Schuld, so kann ich beschämt kaum fassen deine Langmuth und Geduld, womit du, o Gott, mich Armen haft getragen mit Erbarmen. Tausend, 2c. 4. Ja, Herr! wenn ich überlege, wie du gnädig mich regiert, mich viel wunderbare Wege und doch immer wohl geführt: so durchdringen mein Gemüthe diese Proben weiser Güte; und mein Herz und Mund bringt dir, großer Konig! Dank dafür. 5. Du, Herr, bist mir nachgeeilet, haft zur Buße mich erweckt; lange hatt' ich zwar verweilet, doch dein Arm ward ausgestreckt, der, so bald ich nur gekommen, väterlich mich aufgenommen. Tausend, 2c. dir 6. O wie suchst du meine Seele täglich mehr zu zu ziehn! wenn ich je das Böse wähle, darf ich zu den Wunden fliehn, die auch mich geheilet haben, die mir Kraft zum Guten gaben. Tausend, 2c. 7. Ja, Herr! Majestät und Klarheit strahlt von deinem Ungesicht; all dein Thun ist Güt' und Wahrheit, recht und heilig dein Gericht. Wer muß nicht aus deinen Werken Macht und weise Güte merken! Tausend, zc. 8. Herr, du wählst in allen Dingen, was für uns das Beste ist; auch im Kleinen und Geringen sehn wir, daß du weise bist. Ja, auch ich muß dich, den Weisen, der mit mir es wohl macht, preisen. Tausend, 2C. 9. Bald kamst du durch Tod und Leiden, bald durch Wohlthun, Gott, zu mir, um mein Herz recht zu bereiten, ganz sich zu ergeben dir; nach dem Himmel zu verlangen; stets der Eugend anzuhangen. Tausend, zc. Lob Gottes und seiner Werke. 363 10. Wie ein Vater nimmt und giebet, so wie's Kin= dern nützlich ist, so hast du mich auch geliebet; du, der du mein Vater bist, hast dich meiner angenommen, wenn's auch gleich aufs höchste kommen. Tausend, 2c. 11. Trugst du nicht in deinen Armen mich oft tren und väterlich? hast du nicht oft voll Erbarmen wunderbar errettet mich? mußt' ich einsam troftlos weinen, du, du ließest Trost erscheinen. Tausend, 2c. 12. Bater, du hast mir erzeiget lauter Gnad' und Bütigkeit; und du hast zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit. Und dein Wort, o Geist der Gnaden, heilet meinen Seelenschaden. Tausend, 2c. 13. Tausendmal sey dir gesungen, Herr, mein Gott! Preis, Lob und Dank, daß es mir bisher gelungen; ach laß ferner meinen Gang sicher gehn durch Christi Leiden in die frohen Ewigkeiten; da will ich, o Bater, dir freudig danken für und für! Dank für die Gesundheit. Mel. Nun lob' mein' Seel' den 2c. 379. Der größte von den Schäßen, die sich der Mensch hier oft erwählt, giebt dem doch kein Ergößen, dem ein Echat, die Gesundheit, fehlt. Kann den sein Glück erfreuen, hilft dem sein überfluß, der unter Schmerzen schreien, in Krankheit åchzen muß? wird nicht der Held selbst beben bei langer Leibesnoth? ist nicht ein sieches Leben viel hårter als der Tod? 2. Uns Menschen unaussprechlich ist, Schöpfer, deine Gnad' und Huld. Wie schwach und wie zerbrechlich ist unser Leib durch Sündenschuld; hinfällig ist die Hütte, in der die Seele wohnt. Jedoch der Gott der Güte sicht uns, den Staub, und schont; er wacht, daß keine Plage und Krankheit uns erreicht, und macht die Laft der Tage uns durch Gesundheit leicht. 364 Beweis der Gottseligkeit und Eugend. 3. Gott, der auch mein gedenket, du hast aus großer Liebe mir dies Gut bisher geschenket; Dank sey, o bester Vater, dir! mit Krankheit und Gebrechen verschone ferner mich! dann darf ich's mir versprechen, wenn du mir väterlich hilfst meinen Lauf vollenden und alle Lebenskraft zur Tugend stets verwenden, die deine Huld verschafft. 4. So lang' ich leb' auf Erden, laß mich doch meiner Sinnen nicht jemals beraubet werden, wenn dir's gefällt, o Gott, mein Licht! Bewahre mich vor Schmerzen; laß mich durch eig'ne Schuld Gesundheit nie verscherzen; erquick mit deiner Huld die Siechen! laß die Kranken, die winselnd zu dir schrein, mir Antrieb, dir zu danken für die Gesundheit, seyn. Christliches Betragen bei Eidschwüren. Mel. Ich dank' dir schon zc. 380. Heiligster, wen nennst du dein, und wen willst du belohnen? wer wird sich ewig deiner freun, und ewig bei dir wohnen? 2. Der heilig vor dir lebt, und thut, was bein Gesetz ihm lehret; der, dessen Herz ist rein und gut, und sich vom Bösen kehret. 3. Wer treu die Wahrheit liebt und nicht mit seiner 3unge luget; und niemals lieblos übel spricht, nie lästert und betrüget. 4. Der, was er schwur, stets heilig hält und nie unredlich schwöret; der Alles, was er zusagt, hält, auch dann, wenn er nicht schwöret. 5. Der mit Verachtung Jeden flieht, der sich vor Gott nicht scheuet; hingegen Gottes Freunde liebt und sich der Tugend freuet. 6. Der nie verbot'ne Zinsen nimmt, nie drångt und preßt den Armen; gerecht erworbnes Gut bestimmt zum Wohlthun und Erbarmen. Bei Eidschwüren. 365 7. Der den Geringen nicht verschmäht, mit Fleiß ihn nie betrübet; den graden Weg in Allem geht, und Alle, wie sich, liebet. 8. Der nie weicht von der Tugend Bahn, zum Bösen nicht kann schweigen; nie Gaben nimmt von Frevlern an, der Unschuld Recht zu beugen. 9. Wer das thut, ja, denn nennt Gott sein; einst will er ihn belohnen! er wird sich ewig seiner freun und ewig bei ihm wohnen. Mel. Es wolle und Gott 2c. S 381. Gott, mein Schöpfer, Herr der Welt, deß Auge Alles siehet, vor dem der Engel nieverfällt, der höchste Seraph knieet, laß deines Namens Majestät mein Herz mit Ehrfurcht füllen, wenn ich hin vor dein Antlitz tret', nach meiner Obern Willen dich eidlich zu verehren. 2. Wenn mid) des Vortheils Stimme lockt, so laß mich sie nicht hören und nicht, durch niedern Geiz verstockt, mir unrecht Gut erschwören. Was Arglist und Betrug gewinnt, wird lange nicht gedeihen. Was nie dahin fällt, nie zerrinnt und ewig kann erfreuen, ist Redlichkeit und Unschuld. 3. Laß deine Gegenwart mich scheun, o allerhöchstes Wesen! nichts kann vor dir verborgen seyn; Gedanken kannst du lesen. Dir, dir, o Herr, bin ich ja fund an all und jedem Orte. Du kennest meines Herzens Grund, weißt alle meine Worte und was ich dabei denke. 4. Du bist auch, o Ullwissender, der Menschen höchster Richter, und strafft, als ein gerechter Herr, die frechen Bösewichter, die sich in ihrer Tollkühnheit vor deiner Macht nicht scheuen, die deines Namens Heiligkeit durch falschen Schwur entweihen, vor deinem Untlig lügen. 5. O steure, steure, Herr, allzeit dem Gräuel solcher Sünden! laß deines Namens Heiligkeit ein jedes Herz empfinden, das je zum Eide sich entschließt. Du, aller Falschheit Rächer du, dessen Drohen Wahrheit ist, 366 Beweis der Gottseligkeit und Ingend. strafft strenge die Verbrecher, die fälschlich bei dir schwören. 6. Laß Niemand auch Gelegenheit zu falschen Eiden geben; und will sich oft um Kleinigkeit ein böser Streit erheben: so lenke du durch deinen Geist zum Frieden die Gemüther, daß Niemand jemals sich erdreist, um Ehre oder Güter mit Unbedacht zu schwören. 7. Jedoch läßt sonst ein Hader nicht sich von den Obern schlichten, als wenn nach ihres Amtes Pflicht fie nach dem Eide richten: so laß uns Christi Beispiel ehr'n und vor Gerichte schwören; Gott werde das, was wir be schwör'n, allgegenwärtig hören als Zeuge und als Richter. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 382. Wer bei dem Namen Gottes schwöret und sein gerecht Versprechen bricht, der ist ein Frevler, der entehret den Gott der Wahrheit und darf nicht zu ihm, ale seinem Vater, flehn, nicht ew'gem Glück entgegen sehn. 2. Wir sollen stets nach Gottes Willen die Wahrheit lieben, so wie er, und, was wir zugesagt, erfüllen, würd' uns die Pflicht auch noch so schwer; drum wird, so wahr Gott Wahrheit liebt, kein Meineid ungestraft verübt. 3. Wie kann der Mensch sich unterstehen, durch seinen Eid, den Gott gehört, den Andern frech zu hintergehen, indem er falsch voll Leichtsinn schwört! vor des Allwissens den Gericht besteht ein solcher Frevler nicht. 4. Und flöh' er zu dem fernsten Meere, Gott findet allenthalben ihn! wenn er auch noch so glücklich wäre, der Hand des Herrn sich zu entziehn, hilft ihm nicht Ehre, Gut und Geld und nicht die Gunst der ganzen Welt. 5. Drum will ich, soll ich was betheuren, mit Ernst bedenken, was ich thu', und den Gedanken oft erneuern: Gott, meines Eides 3euge, du siehst meines Herzens Innerftes, prüfft es genau und richtest es. 6. hilf mir, Gott! daß ich voll Treue, so wie ich schwöre, denk und thu', daß ich mich vor dem Meincid Bei Eidschwüren. 367 scheue, zu deiner Ehr' und meiner Ruh'. Wer fälschlich schwört, kommt ins Gericht; der Redliche, der Fromme nicht. Wider den Mißbrauch des Namens Gottes. Mel. Es ist gewißlich an der zc. 383. Groß, majestätisch bist du, Herr! im Himmel und auf Erden soll deines großen Namens Ehr' tief angebetet werden. Wer deines Namens Heiligkeit durch Läft'rung, Fluch und Schwur entweiht, den treffen deine Strafen. 2. O wehe dem verwegnen Mund, der gerne flucht und schwöret! der macht den größten Leichtsinn kund, der so den Herrn entehret. Wer oft so schwöret, sündigt oft. O weh' ihm, wenn er unverhofft in seinem Leichtsinn stürbe! 3. Laß doch in meines Herzens Grund, Gott, deine Furcht stets wohnen, so werd' ich auch in meinem Mund stets deines Namens schonen, und nicht durch Fluchen ihn entehr'n, nicht aus gewohntem Leichtsinn schwör'n, nie mit der Bibel scherzen. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 384. Ser, präge deines Namens Ehre tief, tief in Uller Seelen ein, daß man nicht freche Flucher höre, die deine Majestät nicht scheun. O mach' dich ihren Herzen Fund! kein Fluch entweihe ihren Mund. 2. Sind alle Laster ein Verbrechen, wie ist des Fluchers Schuld dann schwer! der Herr muß diese Sünde råchen; dies, dies erfordert seine Ehr'. O wie abscheulich taftet man durch Fluchen seine Ehre an! 3. Dem, der Gott fürchtet, macht es Schmerzen, wenn er dein freches Fluchen hört. Es wird die Unschuld junger Herzen durch dein Erempel oft zerstört. Des Nächsten Zutraun mindert sich; und was, was hilft das Fluchen, sprich? 4. Gewinnt durch Fluchen dein Vergnügen? meinst du, das Fluchen stehe wohl? willst du zu Reden Flüche 368 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. fügen, daß man dich achten, fürchten soll? Vernünftige verachten dich, fluchst du auch noch so fürchterlich. 5. O lerne deine 3ungen zwingen! bedenke Gottes Heiligkeit! einst wird er vor's Gerichte bringen den, der sich nicht vor ihm gescheut! Gott sieht, Gott hört, Gott richtet mich: dies, frecher Flucher, schrecke dich! Selbstkenntniß und Demuth. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 385. Wer bin ich? welche wichtige Frage! Gott, lehre sie mich recht verstehn. Gieb, daß ich mir die Wahrheit sage, und laß mich achtsam auf mich sehn. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen; du schufft mich, Gott, zu deinem Preis'; dazu mein Leben anzuwens den, das ist dein våterlich Geheiß. Leb' ich nun als dein Eigenthum, so, wie ich soll, zu deinem Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntniß; doch bin ich's, Herr, auch in der That? O! öffne du mir mein Verständniß, recht einzusehn, ob ich den Pfad, den Jesus mir gewiesen, geh'? und ob ich auch im Glauben steh'? 4. Du fennest unsers Herzen Tiefen, die uns selbst unergründlich sind. Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, wie ich, mein Gott, vor dir gesinnt, ob ich in Lieb' und Leid mit Treu' dir folgsam und ergeben sey? 5. Wer Alles weiß und doch verborgen und unbe kannt sich selbst noch bleibt: wie will der für sein Bestes forgen? was ist, das den zur Beff'rung treibt? Sich selbst recht kennen, ist Verstand; drum mache mich mit mir bekannt. 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, mein Vater, das entdecke mir. Hab' ich der Wahrheit Weg erwählet, so gieb, daß ich ihn nicht verlier. Uch! leite mich mit deinem Licht, so täuschen mich Verführer nicht. Selbstkenntniß und Demuth. 369 7. Bin ich noch fern vom rechten Wege, der mich zum ew'gen Leben führt, so bringe mich zurück vom Stege, der ins Verderben sich verliert. Gieb mir zur Beff'rung Lust und Kraft, du bist's, der Beides in uns schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war und hier gethan. Olaß mich's nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen kann. Herr, mach' mich hier zum Himmel flug und frei vom schnèden Selbstbetrug. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 386. Gieb, Gott, wenn ich dir diene, daß ich mich nie erkühne, darüber stolz zu seyn! Wer kann bei seinen Werken, wie oft er fehlet, merken? wer ist von Mängeln völlig rein? 2. Such' ich stets deinen Willen so eifrig zu erfüllen, als es dein Wort gebeut? trag' ich der Tugend Bürde aus Kenntniß ihrer Würde auch immer mit Zufriedenheit? 3. Entzieh' ich mich den Sünden auch stets aus rechten Gründen, aus wahrer Frömmigkeit? oft sind die guten Triebe nicht Früchte deiner Liebe, nur Früchte der Natur und Zeit. 4. Der Sünden meiner Jugend, der Mångel meiner Tugend, o Herr, gedenke nicht! willst du mit deinen Knechten, wie sie's verdienen, rechten, so trifft sie Ulle dein Gericht. 5. Doch, wenn auch dir zur Ehre rein meine Tugend wäre: weß ist dies Eigenthum? wer ließ mich unterrichten? wer ließ in meinen Pflichten mein Glück mich sehn und meinen Ruhm? 6. Wer schenkte, dich zu lieben, und dein Gebot zu üben, mir Lust und Freudigkeit? wer stårkte meine Kräfte im Heiligungsgeschäfte? wer gab mir Muth und Sieg im Streit? 7. Daß ich das Gute wähle, das schaffst du; wenn ich fehle, so rufft du mich zurück. Du ziehst mich ab Denabr. Landgesangb. 7. Kufl. 24 370 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. von Sünden, du läßt mich Gnade finden, und giebst zu meiner Beff'rung Glück. en off my 8. Sollt' ich mich deß erheben, was du mir, Herr, gegeben? hab' ich zum Stolz ein Recht? könnt ich auch Alles üben, was du mir vorgeschrieben? wer bin ich? cin geringer Knecht! Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 387. Was ich nur Gutes habe, ist deine milde Gabe, du Vater alles Lichts. Mein Dasern und mein Leben ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 2. Sowohl Verstand, als Kräfte zum nützlichen Gefchäfte hab' ich aus deiner Huld. Dein ist's, wenn gute Thaten dem Vorsag wohl gerathen; an Fehlern bin allein ich Schuld. 3. Das Glück, deß ich mich freue, wer schafft mir's? deine Treue, du Herr der ganzen Welt! du ordnest unsre Tage, ihr Glück und ihre Plage, nur so, wie dir es wohl gefällt. 4. Soll ich mich denn erheben, wenn mir in diesem Leben viel Gutes widerfährt? was hat dich, Herr, bes wogen, daß du mich vorgezogen? bin ich auch jemals dessen werth? 5. Ich bin viel zu geringe der Huld, die ich besinge, und werd' es emig seyn. O laß mich's nie vergessen, fo werd' ich nicht vermessen der Eigenliebe Weihrauch streun. 6. Das núßlich anzuwenden, was du mit Vaters hånden mir gütig zugewandt; dein treuer Knecht zu werden: das sey mein Fleiß auf Erden! nur das ist De muth und Verstand! Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 388. Mein Gott, du wohneft in der Höhe, und siehst auf das, was niedrig ist! daß ich mich nie vor dir vergehe, der du ein Herr des Himmels bist, so laß mein Herz, vom Stolze rein, der Demuth stets ergeben seyn. Selbstkenntniß und Demuth. 371 2. Was bin ich? ein Geschöpf von Erde, ein Sünder und des Todes Raub! auch ich, ein Sterblicher, ich werde einst sterten und mein Leib wird Staub: das pråge tief in meinen Sinn, so reißet mich kein Hochmuth hin. 3. Noch nie hat Hochmuth dir gefallen; du bist und bleibst den Stolzen feind. Nur der gefällt dir unter Allen, der ohne Stolz vor dir erscheint. Der ist dein Freund, der in der Welt Demüthigen sich beigesellt. bi 4. Laß mich auf Chrifti Vorbild sehen, der hier die Demuth selber war; denn sonst erhörst du nicht mein Flehen; ich stürze mich sonst in Gefahr, daß mein Gebet dir zum Verdruß und mir zur Sünde werden muß. 5. Nicht meiner, sondern deiner Ehre laß all mein Thun gewidmet seyn; damit ich deinen Ruhm vermehre, so pråge mir mit Nachdruck ein: ich sen nicht werth der Gnadenkraft, die Alles Gute in mir schafft. 6. Hått' ich sonst alle Tugendgaben, und hätte doch die Demuth nicht, so würde ich den Ruhm nicht haben, der gilt vor deinem Angesicht. Die Demuth, die dein Wort mir lehrt, giebt jeder Tugend ihren Werth. 7. Regiere mich, daß ich bescheiden und demuthsvoll im Herzen sey, daß ich den Stolz mög' ernstlich meiden, nicht bloß aus Schein und Heuchelei; du siehst nicht auf das schlechte Kleid, du liebst des Herzens Niedrigkeit. 8. Gieb, daß ich mich nicht überhebe, weil wir ja alle Brüder sind; auch dem Geringen Ehre gebe; er ist sowohl, als ich dein Kind. Der Tod macht, wär ich noch so reich, mich doch dem årmsten Bruder gleich. 9. Auch laß mich dir bei allem Leiden in Demuth unterwürfig seyn. Dort wirst du mich mit Ehre kleiden, auf ewig laben und erfreun. Denn wer sich selbst erniedrigt hier, steht dort gewiß erhöht vor dir. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 389. Sen nicht stolz, Geschöpf von Erde, sen nicht stolz und fürchte dich! Gott ist's, der auch dir rief: werde! 24* 372 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. der dir sagt: dein Gott bin ich! Alles hab' ich dir geges ben. Brauche mir zum Ruhm dein Leben; frage, wozu gab ich's dir? und durch Demuth danke mir. 2. O, was rühmt ihr eure Werke, Menschen, was erhebt ihr euch! machet ihr euch selbst an Stärke, Weißheit und Vermögen reich? wollt ihr euch des Gebers schå men? der's euch gab, der kann's auch nehmen. Seyd nicht ficher, send nicht fühn, noch undankbar gegen ihn. 3. Weh den Stolzen, weh den Spöttern, schrecklich werden sie vergehn! Sünder, die sich selbst vergöttern, werden nicht vor Gott bestehn. Die nur, welche seinen Willen demuthsvoll und treu erfüllen, die, so ihn und sein Gebot ehren, haben Ruhm vor Gott. 4. Nie den Bruder zu verachten, sey uns ewig theure Pflicht; stolz sich zu erheben trachten, führt zum Fall, ziemt Christen nicht. So, wie Christus, Allen dienen, auch den Niedrigsten aus ihnen ohne bittern Stolz und gern: das ist Gnade vor dem Herrn. 5. Jesu gleichgesinnt zu werden, eifrig streben soll ten wir; er erschien bei uns auf Erden, und wie niedrig ward er hier! der vollkommenste Gerechte starb für uns den Tod der Knechte; und wie herrlich krönte Gott ihn nach seinem Kreuzestod! JOH 6. Thn rief Gott hinan zum Throne aus der tiefsten Niedrigkeit; denn er sprach zu seinem Sohne: herrsche nun in Ewigkeit! Seine Treuen zu belohnen, kommt et einst mit Ehrenkronen, und ertheilt von seinem Thron ihnen ihrer Demuth Lohn! Gottgefällige Liebe zu sich selbst.. Mel. D Gott, du frommer Gott zc. 390. Dein Wille ist's, mein Gott, ich soll mich selber lieben. Olaß mich diese Pflicht nach deiner Vorschrift üben, und schränke selbst den Trieb, froh und beglückt zu seyn, den du mir eingepflanzt, in heil'ge Grenzen ein. Gottgefällige Selbstliebe. 373 2. Gieb, daß mein ganzes Herz sich deiner Liebe weihe, und daß in Allem ich dein Auge kindlich scheue. Wer als ein Christ sich liebt, der flieht auch als ein Christ, was wider deine Furcht und Menschenliebe ist. de 3. Kein schnöder Eigennutz beherrsche meine Seele! und wenn zu meinem Glück ich Weg und Mittel wähle: so laß mich stets dabei auf Recht und Wahrheit schaun, auch nie mein Wohlergehn auf Undrer Elend baun. od 4. Dein Fluch trifft jedes Glück, dabei die Tugend leidet, dabei der, der es sucht, Gott, deine Wege meidet; wer Unrecht liebt und thut, erbt deinen Himmel nicht. Nie treffe mich, o Gott, dies schreckliche Gericht! 5. Nie blende mein Gemüth der Eitelkeiten Schimmer. Die Welt mit ihrer Lust vergeht doch einst auf im mer. Was hilft uns kurze Lust! was hilft uns eitle Pracht! nicht ein vergånglich Gut ist's, was uns glücklich macht. 6. Ein Gott ergeb'nes Herz, ein unverletzt Gewissen, nur das kann uns allein des Lebens Last versüßen; das bleibt uns auch im Tod, und folgt uns aus der Zeit zum großen Segen nach) bis in die Ewigkeit. 0406 7. O selig, wer darnach mit heil'gem Eifer trachtet, und für sein größtes Glück, Gott, deine Gnade achtet! Der liebt allein sich recht, der find't schon in der Zeit die wahre Fuh' und einst vollkommnne Seligkeit. 8. Das sey mein Zweck, mein Fleiß. O segne mein Bemühen! so wird das wahre Wohl nicht meinem Wunsch entfliehen; so flieh' ich vor dem Pfad der lasterhaften Welt und liebe mich selbst so, wie es dir wohlgefällt.( 022 Sorge für die Seele. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 391. Herr! meiner Seele großen Werth, den mir dein theures Bort erklärt, laß mich mit Ernst bedenken; und auf die Sorge für ihr Wohl so unermüdet, als ich soll, den größten Eifer lenken. 374 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht't; welch Glück haft du ihr zugedacht! wie viel an sie gewendet! du schufft ſie, Gott, dein Bild zu seyn, und hast, vom Fluch sie zu be frein, selbst deinen Sohn gesendet. 3. 3u groß für diese kurze Zeit, bestimmt zum Glüd der Ewigkeit, wohnt sie im Leib der Erden; durch Glauben und Gottseligkeit zu größerer Vollkommenheit im Himmel reif zu werden. Onsp4. Mit großer Treue willst du sie selbst durch des Lebens kurze Müh' zu diesem Biele führen. O laß mich nicht durch eigne Schuld das Heil, das deine Baterhuld ihr zugedacht, verlieren! 5. Nach dir, o Gott, gebildet seyn, mich ewig deis ner Güte freun und dich zum Troste wählen: das sey mein Fleiß und höchster Zweck! laß mich dazu den rechten Beg aus Leichtsinn nie verfehlen. 6. Wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum schaffe selbst, o Gott, in mir ein Herz, das Sünden hasset, das seine Schuld vor dir bereut und das zu deiner Gútigkeit durch Christum Hoffnung faffet. # 3/ 93)# 23012 J7 Gieb, daß ich dir mich ganz ergeb'; und, was ich hier im Fleisch noch leb', laß mich im Glauben leben an Jesum Christum, der auch mich so hochgeliebet, daß er sich für mich auch hingegeben. min8. In meiner ganzen Pilgrimschaft laß mich, ge stärkt durch deine Kraft, nach jenem Kleinod trachten, das mir dein Ruf vor Augen stellt, und alle Leiden dieser Welt wie nichts dagegen achten. 1db cum stal for 9. Wie selig werd' ich dann nicht seyn! schon hier wird dann mein Herz fich freun, in dir, Gott, ruhig leben; und du wirst nach vollbrachter Zeit auch mich gewiß zur Herrlichkeit in deinem Reich erheben. di Mel. Allein Gott in der Höh' sey zc. 392. Nach meiner Seelen Seligkeit laß, Herr, mich eifrig ringen. Sour ich die kurze Gnadenzeit in Sicher Gusgu dnu Seelsorge. 0 375 heit verbringen? wie würd ich einst vor die bestehn? wer in dein Reich wünscht einzugehn, muß reines Her zens werden. t dos to 2. Erst an dem Schluß der Lebensbahn auf seine Sünde sehen, und, wenn man nicht mehr sünd'gen kann, Gott um Erbarmung flehen, das ist der Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein Unterricht in deinem Wort bezeichnet. 3. Du rufft uns hier zur Heiligung; drum laß auch hier auf Erden des Geistes rahre Besserung mein Hauptgeschäfte werden. Herr, stårke mir dazu den Trieb. Nichts sen so groß, nichts mir so lieb, daß ich ihm nicht aufopfre. 4. Gewann' ich auch die ganze Welt mit allen ihren Freuden, und sollte das, was dir gefällt, o Gott, darüber meiden, was hülfe mir's? kann auch die Welt mit Allem, was sie in sich hålt, mir deine Huld ersetzen? hii sid 5. Was führt mich zur Zufriedenheit schon hier in dies sem Leben? was kann mir Trost und Freudigkeit auch selbſt im Tode geben? nicht Menschengunst, nicht irdisch Glück, nur Gottes Gnade und der Blick auf jenes Lebens Freude. 6. Nach diesem Kleinod, Herr, laß mich vor allen Dingen trachten, und, was mir daran hinderlich, mit edlem Muth verachten. Daß ich auf deinen Wegen geh' und im Gericht dereinst besteh', sey meine größte Sorge. Phi7. Doch, was vermag ich, wenn du nicht vor Trágheit mich beschüßgeft, und mich zur Treu' in dieser Pflicht mit Kräften unterstühest? o stärke mich, mein Gott, dazu, so find ich hier schon wahre Ruh' und dort das ew'ge Leben! Dundas do E @ 5500 hi Bewahrung eines guten Gewissens. de 410 simon ole Mel. Gott des Himmels 2c. alle AMISO 270 393. Herr, mein Gott, ein gut Gewissen ist des Menschen größter Ruhm. Muß er alles Undre miffen, bleibt ihm doch dies Eigenthum! Theuer sey mir stets dies Gut, denn es giebt getrosten Muth. disso 376 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. de 2. Aber ein verletzt Gewissen klagt vor dir den Sün der an; dåmpft er's gleich, und will nicht wissen, was er Böses hat gethan: tritt es doch zuletzt empor und hält ihm die Sünde vor. d line 3. Mögen doch der Spotter Rotten, die nur Fleis scheslust ergößt, über das Gewissen spotten; es erroachet dod) zulegt, und straft des Veråchters Herz nun mit deſto größerm Schmerz. Astebisse bu 4. Herr, von dir kommt alles Gute; mache mein Gewissen rein; ich will dir mit frohem Muthe unterthan und eigen feyn; beff're meinen Geist und Sinn, bis ich die ganz folgsam bin. abbia fair di mat ad 5. Stárke mich dabei im Glauben, mach' mich Christo gleichgesinnt: so bin ich, wenn Haffer schnauben, Feinde auf mich zornig sind, doch getrost und zage nicht, weil die Unschuld für mich spricht. so 6. Fliehen will ich jeden Handel, wo man falsche Rånte schließt, weil ein solcher Lebenswandel wider das Gewissen ist. Fest will ich darauf beruhn: nichts zu scheun und recht zu thun. Gond- १dun ho Mel. Allein Gott in der Höh' zc. 394. weld) ein unschäßbares Gut ist, Herr, ein rein Gewiffen! wer dieses hat, der hat auch Muth, wenn Undre zagen müssen. Sein ruhig Herz erzittert nicht, ihn schreckt nicht Eod, nicht das Gericht; denn mit dir hat er Friede. mod. 2. Sich deines Beifalls, Gott, bewußt, rühmt er sich deiner Gnade. Dein Friede wohnt in seiner Brust; und wer ist, der ihm schade? Auf dich sieht er bei aller Noth, womit die Zukunft ihn bedroht; ihn tröstet deine Vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zuweilen noch die Geißel böser 3ungen, wird seines Herzens Ruhe doch dadurch nicht ganz bezwungen. Er hütet sich vor übelthat, und denkt: Gott kennt des Herzens Rath und wird die Unschuld retten. Bewahrung eines guten Gewissens. 377 4. Sein Geift sieht mit Zufriedenheit der künft'gen Welt entgegen; die giebt ihm Muth und Freudigkeit auf allen seinen Wegen; denn dort macht selbst, o Herr, dein Mund den wahren Werth des Menschen kund; da wird. der Fromme siegen. 5. So hilf denn, daß ich mir zum Heil ein unverlegt Gewissen, des Lebens allerbestes Theil, zu haben sey befliffen. Mit dir, Gott, ausgeföhnt zu seyn, dein heilig Recht nicht zu entweihn, das sey mein größter Eifer. 6. Des richtigen Gewissens Spruch laß mich stets folgsam ehren, und immer aufmerksam genug auf seine Warnung horen. Erinnert's mich an meine Schuld, so laß mich, Bater, deine Huld voll Reu' und Glauben suchen. 7. Mit deiner Gnade tröste mich, und stärke meine Seele, daß sie vor Sünden hüte sich, und nie aus Vorsatz feble; denn, wer nur reines Herzens ist, hat immer dich durch Jesum Christ, Allwissender, zum Troste.ndesllo Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 395. Ein ruhiges Gewissen laß, Herr, mich stets ge nießen; denn hab' ich dieses nur, so schreckt in solchen Tagen, wo Undre ångstlich klagen, mich weiter nichts in der Natur. 2. Wenn meine Sünde schweiget, und mir dein Geist bezeuget, daß ich begnadigt bin; wenn mich dein Trost erquicket, so oft mich Trůbsal drůcket: wie unschätzbar ist mein Gewinn! 3. Sollt' ich dies frohe Leben für Luft der Sünde geben, und dann die inn're Pein, mich selber zu verklagen, in meinem Busen tragen? groß würde meine Thorheit seyn! 4. Denn folget einst Verderben aufs Laster, kemmt's zum Sterben, welch schreckliches Gericht! dann zu sich fagen müssen:» ich konnte mir verschließen den Weg zum Fall, und that es nicht!«< 15. Sein eigen Herz bekämpfen und seine Neigung dampfen, ist freilich schwere Pflicht; doch, wenn wir uns 378 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. besiegen, welch feliges Vergnügen gewährt der Pflicht Vollbringung nicht! 19 6. Nichts kann im Wohlergehen so unser Glück er höhen, nichts, als ein ruhig Herz. Das schaffet inn're Freuden selbst in den größten Leiden, und macht zur Wohlthat selbst den Schmerz. 97. Die Güter zu verachten, wornach die Thoren schmachten, was giebt uns dazu Muth? was tröstet Gottes Kinder beim Spotte frecher Sünder? ein ruhig Herz, dies größte Gut! D 8. 3u die gen Himmel schauen, o Gott, und mit Vertrauen sich rühmen: ich bin dein! ich unter den Erlösten darf deiner Huld mich trösten, welch Glück, mein Gott, kann größer seyn! 9. O laß mich im Gewissen einst diesen Trost ges nießen, wenn Alles von mir weicht; wenn ich den Lauf vollendet und sich mein Leben endet: so wird mir selbst das Sterben leicht. 10. Ja, laß zu allen Zeiten mich deine Weisheit leiten, und mache selbst mich treu! zum Fleiß in guten Werken laß mich die Hoffnung stärken, daß selbst der Sob mein Leben sey. Vorsichtige Leibespflege und Mäßigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 396. Des Leibes warten und ihn nähren, das ist, o Schöpfer, meine Pflicht; muthwillig seinen Bau vers sehren, verbietet mir dein Unterricht. O stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir heilig sey. 2. Sollt' ich mit Vorsag das verletzen, was zur Erhaltung mit vertraut? sollt ich gering ein Kunststud schätzen, bas du als Schöpfer selbst erbaut? weß ist mein Leib? er ist ja dein; sollt' ich denn sein Zerstörer seyn? 3. Shn zu erhalten, zu beschützen, giebst du mit milder Vaterhand die Mittel, die dazu uns nüßen, und Am Leibespflege und Mäßigkeit. 379 zum Gebrauch giebst du Verstand. Dir ist die Sorge nicht zu klein; wie sollte sie es mir dann seyn? om 4. Gesunde Glieder, muntre Kräfte, o Gott, wie viel sind die nicht werth! wer taugt zu dem Berufsgeschäfte, wenn Krankheit seinen Leib beschwert? ist nicht der Erde größtes Gut Gesundheit und ein heitrer Muth? 5. So laß mich denn mit Sorgfalt meiden, was meines Körpers Wohlseyn stört, daß nicht, wenn seine Kräfte leiden, mein Geist den innern Vorwurf hört: du selbst bist Storer deiner Ruh', du zogst dir selbst dein Übel zu! 26. Laß jeden Sinn und alle Glieder mich zu bewahren achtsam seyn, drückt mich die Last der Krankheit nieder, so flöße selbst Geduld mir ein. Gewähr auch dann mir guten Muth, und segne, was der Arzt dann thut. 17. Doch gieb, daß ich nicht übertreibe, was auf des Leibes Pflege zielt; nein, stets in jenen Schranke bleibe, die dein Gefeß mir anbefiehlt. Des Körpers Wohl laß nie allein den Endzweck meiner Sorgen seyn. 8. Mein größter Fleiß auf dieser Erde sey stets auf meinen Geist gericht't. Daß er zum Himmel tüchtig werde, eh dieses Leibes Hütte bricht, dazu, Herr, segne meinen Fleiß, so leb' ich stets zu deinem Preis.sim odiosind toduo vidi dar Mel. Wer nur den lieben Gott zc.id: Nou 397 Wie mannigfaltig sind die Gaben, wodurch uns, Herr, dein Wohlthun nåhrt, und die, so Geist als Leib zu laben, uns täglich deine Hand gewährt! auch das, was unfer Mund genießt, zeigt uns, wie freundlich, Gott, du biſt. idi 2. Du giebst uns Brod für unser Leben, und, unsre Herzen zu erfreun, giebst du den traubenvollen Reben mit segensreicher Hand den Wein. Wie angenehm ist der Genuß von dem, was uns ernähren muß! sonnebl 3. Doch laß die Kraft, uns zu vergnügen, die du in Speif und Trank gelegt, mich nie, o Höchster, so besie gen, daß fie zum Schwelgen mich bewegt. Laß, deiner Gaben mich zu freun, mich måßig im Genusse seyn. 0 380 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. 4. Mit Speis und Trank sein Herz beschweren, steht niemals wahren Christen an. Dadurch wird das, was uns ernähren und unsern Geist erquicken kann, ein Gift, das in die Adern schleicht, und Krankheit, Schmerz und Tod erzeugt. 5. Die Schwelgerei raubt uns die Kräfte zu dem, was uns die Pflicht gebeut; macht tråge zum Berufsgeschäfte, unsichtig zur Gottseligkeit; erweckt Unordnung, Streit und Bank, und hindert den Gott schuldigen Dank. 6. Wer sich den Bauch zum Gott erforen, unmåßig deine Gaben braucht, der ist fürs Himmelreich verloren, zu dem kein Knecht der Lüste taugt. Gott, laß mich ja die laster scheun, und måßig stets und nüchtern seyn. 7. So oft ich Speis und Trank genieße, so laß es mit Vernunft geschehn, und, daß ich Beides mir verfüße, mit Dank auf dich, den Geber, schn; auf dich, der du uns zärtlich liebst, und Nahrung und Erquickung giebst!, 401 10025 anya SNEA se nisskaid Reuschheit. on3 mod nisho sin Jun Bivir Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 398. Der Wollust Reiz zu widerstreben, laß, Höchster, meine Weisheit seyn! Sie ist ein Gift für unser Leben, und ihre Freuden werden Pein. Drum fleh' ich demuthsvoll zu dir: o schaff' ein reines Herz in mir! 2. Die Wollust kürzet unsre Tage; sie raubt dem Körper seine Kraft, und Urmuth, Seuchen, Schmerz und Plage sind Früchte ihrer Leidenschaft. Der haßt fich selber, der sie übt, und sich in ihre Fesseln giebt. 3. Wie blühte nicht des Jünglings Jugend, eh' ihn der Wollust Reiz bethört! doch er vergaß den Weg der Tugend und seine Kräfte sind verzehri. Verwesung schåndet sein Gesicht und predigt Gottes Strafgericht. 4. Die Wollust raubt dem Herzen Stärke, schwächt den Verstand, der Seele Licht; sie raubt den Eifer edler Werke, und Ernst und Lust zu jeder Pflicht. Sie führt Reu' und Gewiffensschmerz in das ihr hingegeb'ne Herz. Ons di Keuschheit. 82 381 5. Der Mensch sinkt unter ihrer Bürde zur Niedrigkeit des Thiers herab; er schåndet und entehrt die Würde, die ihm sein weiser Schöpfer gab; vergißt den Zweck, dazu er lebt, weil er nach niedern Lüsten strebt. 6. So schimpflich sind der Wollust Bande! schon vor der Welt sind sie ein Spott. Sie sind vor dem Gewissen Schande, und noch weit mehr vor dir, o Gott! wer sich in ihre Knechtschaft giebt, wird nie von dir, o Gott, geliebt. 7. Du wirst den wiederum verderben, der deinen Tempel hier verdirbt. Dein Himmelreich wird Niemand erben, in dem die böse Lust nicht stirbt. Drum laß mich ihre Reizung fliehn, und, keusch zu seyn, mich stets bemühn. S. Gieb, daß ich allen bösen Lüsten mit Muth und Nachdruck widersteh', und stets, dawider mich zu rüsten, auf dich, Ullgegenwärt'ger, seh'. Wer dich, o Gott, vor Augen hat, flieht auch verborg'ne Missethat. Beförderungsmittel der Reuschheit. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Low 399. Wilst du dem Reiz zur Wollust wehren, so sey ein Freund der Nüchternheit. Laß Speis und Trank dich nie beschweren und steure deiner Sinnlichkeit. Sen deiner Schwachheit dir bewußt, und meid' oft selbst erlaubte Luft. 2. Sey, um die Wollust zu verhüten, stets schamhaft gegen deinen Leib; laß nie dein Auge dir gebieten; flieh' eitlen Scherz und Zeitvertreib. Des frechen Wiglings freier Scherz erniedrigt und verdirbt dein Herz. 3. Entzieh' der Wollust ihre Kräfte im Schweiße deines Ungesichts. Der Unschuld Schußwehr sind Geschäfte; Nichtsthun das Neß des Bösewichts. Bei Trägheit und bei Müßiggang besiegt uns jeder böse Hang. 4. Willst du der Wollust Trieb bekämpfen, eh' er die Freiheit dir verwehrt: so such' ihn früh in dir zu dâmpfen. Hat ihn dein Herz zuvor genährt, und du hast ihn nicht gleich erstickt: so wird er schwerlich unterdrückt. 382 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. 5. Oft tauschen dich des Lasters Triebe und du erblickst nicht die Gefahr; oft wird das unerlaubte Liebe, was an fangs nichts als Freundschaft war. Ein langer Uingang macht dich dreist und du vergißt, was Unschuld heißt. 360 6. Dein fühlend Herz wird sich's verzeihen, daß es des Lasters Trieb ernährt; es wird nur seinen Ausbruch scheuen, weil dieser vor der Welt entehrt, die kleinen Fehler übersehn und so zu großen übergehn. 7. Ist's Sunde nur, die That vollbringen? macht äußre Keuschheit tugendhaft? sollst du nicht auch den Trieb bezwingen, nicht auch den Wunsch der Leidenschaft? foll bloß dein äußrer Wandel rein, soll's nicht auch deine Seele seyn? 8. Begierden sind es, die uns schånden, und die verlegen unsre Pflicht, auch ohne daß wir sie vollenden. Drum rühme dich der Keuschheit nicht; es sey denn, daß du durch den Geist der Lüste Herrschaft dich entreißt. 9. Denk' oft den mächtigen Gedanken: die Unschuld ist der Seele Glück! erhalte, fångst du an zu wanken, dich noch von deinem Fall zurück. Dir giebt dein ganzer Lebenslauf sie nicht zurück, giebst du sie auf! 10. Drum fliehe vor der Wollust Pfade, und lockt dich schmeichelnd ihre Bahn: so rufe brünstig Gott um Gnade und Weisheit in Versuchung an. Erzittre vor dem ersten Fall! denn sonst fällst du mehr als einmal! Vorsichtigkeit im Umgang mit Andern. Mel. Es wolle uns Gott 2c. 400. Gott, der du zur Weisheit führst, du Bater meines Lebens! wenn du mein Leben nicht regierst, fo leb ich hier vergebens. Der, den dein Geist nicht neu gebiert, der bleibt der Sünd' ergeben; und wen die Sünde noch regiert, der ist zum rechten Leben noch nie hindurch gedrungen. 2. Darum verleihe deine Gnad' mir, deinem schwachen Kinde, daß ich erwähl der Tugend Pfad und meide stets Vorsichtigkeit im Umgang. 383 die Sünde. Behüte meinen Mund, daß mir kein schlüpfrig Wort entfalle, vielmehr von meinen Lippen dir ein dankbar Lob erschalle, den Nächsten zu erbauen. 3. Bewahre, Gott, mein Ohr, daß ich nicht gern die Spotter höre, damit in meinem Glauben mich des Frechen Mund nie störe; laß mich der Låsterzunge Gift zum Schmåhen nie verführen, und, wenn ihr Pfeil den Nächsten trifft, so müsse mich dies rühren, mich seiner anzunehmen. 4. Die Augen, Gott, bewahre mir vor unverschämten Blicken; laß mich, aus heil'ger Scheu vor dir, die Unschuld nie berücken; was reine Sitten aufrecht hålt, darnach laß mich stets trachten; was dir, o Vater! wohlgefällt, laß mich am höchsten achten; was üppig ist, vermeiden. 5. Behüte mich vor Schwelgerei, die leicht das Herz beschweret; vor Trunkenheit, die ohne Scheu Schandthaten üben lehret. Die Luft, die nur den Leib ergött, wird leicht der Weg zur Hölle; und was die Welt für Freude schätzt, ist oft des Lasters Quelle, und wird mit Reue qualen. 6. Hilf, daß mein Ohr nichts lieber hört, mein Geist nichts lieber denket, als was die Tugend stärkt und nährt und Lust zum Guten schenket; was mich zu jenem Lichte bringt, wo man bei dir stets lebet, dein Lob mit allen Engeln singt, den Heiland stets erhebet, und sich ihm ähnlich schauet. Arbeitsamkeit und Berufstreue. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 401. Du hast uns, Herr, die Pflicht zur Arbeit auferleget, und Fleiß in dem Beruf uns ernstlich eingepråget; der tråge Müßiggang ist dir, o Gott, verhaßt, für uns der Laster Netz und unserm Nächsten Last. 2. Nach deiner Ordnung, Herr, laß willig mich bequemen, die Bürden des Berufs getroft auf mich zu neh 384 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. men. Wird gleich mein Angesicht mit saurem Schweiß beneßt; genug, daß du mich selbst in den Beruf gesetzt. 3. Bewahre nur mein Herz vor bangen Nahrungssorgen. Gieb mir mein täglich Brod, und sorge du für morgen. Laß mich an meinem Theil das Meine fleißig thun, und dann mit Zuversicht in deiner Fügung ruhn. 4. Uch! fördre, großer Gott, die Werke meiner Hände. Hilf mir bei meinem Thun im Anfang und am Ende. Laß mich bei meiner Last auf jenen Sabbath sehn, da wir nach treuem Fleiß in deine Ruhe gehn. Mel. Sey Lob und Ehr' dem 2c. 402. Gott ist's, der das Vermögen schafft, das Gute zu vollbringen; er giebt zur Arbeit Muth und Kraft und läßt sie uns gelingen. Was man mit ihm nur unternimmt, wird, wenn's mit seinem Willen stimmt, nicht ohne Fortgang bleiben. 2. Wer das zu seinem Hauptzweck macht, vor ihm gerecht zu werden, und erst nach seinem Reiche tracht't, dem giebt er hier auf Erden vom ird'schen Gut mit milder Hand so viel beim Fleiß in seinem Stand, als ihm wahrs haftig nüßet. 3. Gott ist der Frommen Schild und Lohn; und, front er sie mit Gnaden, was sollte ihrer Feinde Hohn und Mißgunft ihnen schaden? Mit seinem Schuß bedeckt er fie, und segnet bei des Lebens Müh' ihr Herz mit Trost und Hoffnung. 4. Drum gieb, o Gott, daß ich auf dich bei meiner Arbeit sehe. Mit Licht und Weisheit segne mich, daß ich nie Wege gehe, die mir dein heilig Wort verbeut. Nach deines Reichs Gerechtigkeit laß mich vor allem trachten. 5. Laß Müßiggang und Trägheit mich, als dir mißfällig, meiden, und hilf, daß ich, gestärkt durch dich, voll Muth mit Lust und Freuden in meinem Stande thätig sey! dein Segen krone meine Treu', daß sie auch Undern nüße. Arbeitssamkeit und Berufstreue. 385 6. Sen überall, mein Gott, mit mir! die Werke meiner Hände befehl' ich, Allerhöchsler, dir; hilf, daß ich sie vollende zu deines großen Namens Preif, daß mir die Frucht von meinem Fleiß in jenes Leben folge. Mel. Sey Lob und Ehr' dem ze. 403. 3ur Arbeit, nicht zum Müßiggang sind wir, o Herr, auf Erden. Drum laß mich doch mein Lebelang kein Knecht der Trägheit werden. Gieb mir Verstand und Lust und Kraft, geschickt, treu und gewissenhaft mein Werk hier zu verwalten. 2.» Hast du ein Amt, so warte sein«, das ist, o Gott, dein Wille. O flöße selbst den Trieb mir ein, daß ich ihn treu erfülle. Hilf mir, daß ich von Zeit zu Zeit an Einsicht und an Tüchtigkeit zu meinem Amte wachse. 3. Herr! vor tråger Weichlichkeit wollst du mein Herz bewahren, so werd' ich aus Gemächlichkeit nie meine Kräfte sparen. Erholen werd' ich mich nur dann, wenn ich, an Kraft erschöpft, mich kann zu neuer Arbeit stärken. 4. Beck' mich zum Fleiß und laß mich nicht die Zeit mit Nebendingen, die weit entfernt von meiner Pflicht, verschwenderisch verbringen. Das müsse mein Vergnügen seyn, mich den Geschäften ganz zu weihn, die du mir auferleget. 5. Ein heil'ger Trieb belebe mich, o Höchster, meine Pflichten in deiner Furcht, gestärkt durch dich, mit Freuden zu verrichten. Ein Herz, das sich des Guten freut, giebt zu der Arbeit Munterkeit, versüßt uns ihre Lasten. 6. Laß mich vor dir, Herr, unverrückt mit einem Herzen wandeln, das Geiz und Ehrsucht nie bestrickt. Gewissenhaft zu handeln, mein Leben deinem Dienst zu weihn, so nüglich, als ich kann, zu seyn: das sey mir Ehr und Reichthum. 7. Dir zu gefallen, sey mein Ziel bei Allem, was ich thue, so hat, es gehe wie es will, doch mein Gewissen Ruhe. Denn, wer dir, Heiliger! mißfällt, was nüget dem die ganze Welt mit allen ihren Schäßen? Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 25 386 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 8. Laß mich den weltlichen Beruf niemals geringe achten; das Werk, wozu dein Rath mich schuf, als Gottes dienst betrachten, damit ich einst in jener Welt, die mid Den Engeln zugesellt, zu höhern Würden steige. Mel. Werde munter, mein Gemüthe ic. 404. Herr! nichts Gutes kann auf Erden bloß durch unsern Fleiß allein ohne dich verrichtet werden, nur von dir kommt das Gedeihn. Steht uns deine Vatertren' nicht mit Rath und Hülfe bei, was kann dann der Mensch vollbringen? welche That kann uns gelingen? 2. Gieb zu jeglichem Geschäfte, das ich hier verrichten soll, du mir Weisheit, Luft und Kräfte, daß es mir gerathe wohl. Laß mich deinen Segen sehn; laß mein Thun vón Statten gehn, und, was ich wohl anges fangen, zum gewünschten Ziel gelangen. 3. Gieb mir fleißig zu bedenken, wozu ich gesehet bin. Laß durch deinen Geist mich lenken, und regiere meinen Sinn, daß ich, als dein treuer Knecht, was gebeut dein heilig Recht, wohl erwåg' und deinen Willen suche treulich zu erfüllen. 4. Gieb, daß ich durch Müßiggehen keine Zeit ver schwenden mag; laß mich achtsam dahin sehen, daß ich jeden Lebenstag so anwende, daß ich dir stets ergeb'ner werde hier, und mein Fleiß stets deine Ehre, auch des Nächsten Wohlfahrt mehre. 5. Dann darf ich mich meines Lebens stets vor dir, mein Gott, erfreun mein Bemühn wird nicht vergebens, niemals ohne Segen seyn; du giebst mir gewiß, mein Gott, was zu diesem Leben noth, und mein ruhiges Ge wissen wird mir selbst den Tod verfüßen. Rechter Gebrauch der Lebenszeit. Mel. Jefus meine Zuversicht 2c. 405. Großer Schöpfer, Herr der Zeit! mache mich bis an mein Ende dazu wachsam und bereit, daß ich recht Rechter Gebrauch der Lebenszeit. 387 die Zeit anwende, die mir noch dein weiser Rath in der Welt beschieden hat. 2. Ach, wie flügelschnell entfliehn Jahr und Tage, Zeit und Stunden; eh' man's denkt, sind sie dahin wie ein Augenblick verschwunden. Der ist klug, der seine Beit nüßlichen Geschäften weiht. 3. Herr! vergieb mir våterlich, daß ich manche Zeit und Stunde übel angewandt; daß ich oft mit Herzen, Hand und Munde das geliebt und das gethan, was mir Kummer machen kann. 4. Dir sey Preis! du schenkest mir jetzt noch Zeit und Raum zur Buße. Nun, ich komm' und falle dir mit Gebet und Flehn zu Fuße; und mein ganzes Herz bereut meine schon verlorne Zeit. 5. Wiederbringen kann ich nicht, was von meiner Zeit verschwunden. Doch, wenn ich nach meiner Pflicht besser nüße meine Stunden, als bisher von mir geschehn, so vergiebst du mein Versehn. 6. Lehre mich, Gott, daß die Frist, die du mir noch zugemessen, wie ein schneller Strom verfließt; laß mich nimmermehr vergessen: hier sey die Erziehungszeit zu dem Glück der Ewigkeit. 7. Såen laß mich hier mit Fleiß zu der Ernte jenes Lebens. O wie glücklich, daß ich weiß, dies geſchehe nicht vergebens. Gieb, daß ich stets Samen streu', dessen ich mich ewig freu'! Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 406. Herr, ich hab' von deiner Freu' mir zum Heil noch Zeit in Hånden. Gieb doch, daß ich sorgsam sey, sie auch weislich anzuwenden. Denn, wer weiß, wie bald zur Gruft deiner Vorsicht Wink mich ruft! 2. Unaussprechlich schnell entfliehn die uns zugezählten Stunden; eh' man's denkt, sind sie dahin und auf 25* 388 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. ewig uns verschwunden. Niemals kehrt ein Augenblick uns zum Heil davon zurück. 3. Laß bei ihrer Flüchtigkeit mich, mein Gott, doch nie vergessen, wie unschätzbar sen die Zeit, die du hier uns zugemessen; wie, was hier von uns geschieht, ew'ge Folgen nach sich zieht. 4. Reize mich dadurch zum Fleiß, eh' die Zeit des Heils verlaufen, mir zur Wohlfahrt, dir zum Preis noch die Stunden auszukaufen, die zu meiner Seligkeit deine Gnade mir verleiht. 5. Deine schonende Geduld trage mich, Gott! nicht vergebens; ach! vergieb mir meine Schuld, daß so manchen Theil des Lebens ich zu meiner Seele Wohl nicht gebraucht so, wie ich soll. 6. Laß mich meine Besserung für mein Hauptgeschäfte achten, und nach meiner Heiligung mit so treuem Eifer trachten, als erwartete noch heut' mich Gericht und Ewigkeit. 7. Deine Gnade steh' mir bei, daß mein Leben auf der Erde reich an guten Früchten sey und dem Nächsten nützlich werde. Und ist einst mein Ende da, o so sey mit Trost mir nah'! Mel. In allen meinen Thaten 2c. 407. Was ist mein zeitlich Leben, das du mir, Gott, gegeben? ein unschäßbares Gut! du gabst mir's, hier auf Erden zum Himmel reif zu werden, worauf mein wahres Glück beruht. 2. Hier wird die Saat gestreuet, dort erntet man erfreuet der Tugend Früchte ein. Je mehr ich Gutes übe, Gott und den Nächsten liebe, je größer wird mein Blick dort seyn. 3. Sollt ich dies Glück mir rauben? o Herr, laß mir im Glauben der künft'gen Erntezeit mein Leben auf der Erden so werth und wichtig werden, als es mir selbst dein Wort gebeut. Rechter Gebrauch der Lebenszeit. 389 4. Das Leben sich verkürzen, sich selbst in Trübsal stårzen, ist Undank gegen Gott. Doch groß ist's, Leiden tragen, sein Leben muthig wagen, wenn Pflicht es heischt und sein Gebot. 5. So sey denn dir mein Leben, o Herr, zum Dienst ergeben! wer nach der Tugend strebt, wer Gott und Menschen liebet, im Wohlthun sich stets übet, hat lange und auch gut gelebt. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 408. Wo eilt ihr hin, ihr Lebensstunden? Zeit, edle Zeit, wo fliehst du hin? wie mancher Tag ist schon verschwunden, seitdem ich leb' und sterblich bin! vielleicht der größte Theil der Zeit ist schon im Meer der Ewigkeit. 2. Der Thor durchlebet seine Jahre, eh' er des Lebens Werth versteht; er nahet früher sich der Bahre, als er den Weg der Tugend geht. Was ist ein menschlich Leben werth, das ungenützt vorüber fährt? 3. Mensch! sey ein Mensch! fang' an zu leben, fang' an, ein Glied der Welt zu seyn; fang' an, dem Guten nachzustreben, bring' das Versäumte zwiefach ein; daß, wenn man deinen Leib begråbt, dein Werk dann noch im Segen lebt. 4. Thu' oft von jedem deiner Tage vor dem Ge wissen Rechenschaft; durchdenk' ihn, leg' ihn auf die Wage; vollbrachtest du ihn tugendhaft? hast du Gottseligkeit geübt; den Nächsten als dich selbst geliebt? 5. Ermuntre dich aus deinem Schlummer, o Seele, auf! ermuntre dich! dies sey dein Gram, dies sey dein Kummer, daß mancher Tag umsonst verstrich. Denn wenn du das bedauern mußt, das ist der wichtigste Verlust. 6. Herr meines Lebens, sey doch künftig mein Heil und meines Lebens Kraft; fo leb' ich als ein Mensch vernünftig und als ein Christ gewissenhaft; so dank' ich in der Ewigkeit dir für den großen Schak die Zeit. ww 390 Beweis der Gottseligkeit und Tugend Christliches Verhalten in Absicht auf Ehre und einen guten Namen. Mel. Wenn meine Sünd' mich zc. 409. Herr! laß nach eitlen Ehren mich niemals geizig seyn. Laß deinen Geist mich lehren, der Ehre mich zu freun, die ewiglich vor dir besteht und mit mir von der Erde zum Himmel übergeht. 2. Nie blende mich der Schimmer des Ansehns vor der Welt; denn dieser ist nicht immer Verdiensten zuge fellt. Oft finden Rang und Würden Statt, wo man auf wahre Achtung kein Recht, noch Anspruch hat. 3. Nicht in Besitz von Schätzen und Gütern dieser Zeit laß meinen Ruhm mich setzen; sie sind doch Eitelkeit, sind oftmals selbst des Thoren Glück, verlassen uns im Sterben und bleiben hier zurück. 4. In Demuth laß mich leben, wenn die Geburt mich ehrt; durch Stolz mich nie erheben, wenn sich mein Unsehn mehrt; und schenkst du mir der Erde Gut, fo wollst du mich bewahren vor allem Übermuth. 5. Dich kennen, meine Pflichten mit Treu' und Redlichkeit gewissenhaft verrichten, wie mir dein Wort gebeut, und überall mein Christenthum nach Jesu Vorbild üben: das sey mein wahrer Ruhm. 6. Dein Beifall ist das Beste, das ich mir wünschen kann; steh' ich im Guten feste, wo fehlt mir Ehre dann? und wenn mir's auch an Ruhm der Welt bei allen guten Thaten, die ich verrichte, fehlt. 7. Nie laß mich Ruhm erschmeicheln, der dem Vers dienst gehört, nie als ein Gleißner heucheln, den Menschengunst bethört. Der Tugend meinen Fleiß zu weih'n und Andrer Glück zu fördern, laß mein Bestreben seyn. 8. Auf dieser Bahn der Ehre erhalte meinen Gang durch deines Sohnes Lehre mein ganzes Lebentang: ſo werd' ich bei Verständigen das Glück des guten Namens mir ganz gesichert sehn. 391 in Absicht auf Ehre. 9. In diesem Glück zu stehen, ist meines Wunsches werth; mein eignes Wohlergehen wird sehr dadurch ges mehrt; und wenn man ehrenwerth mich hålt, dien' ich in größerm Segen auch andern in der Welt. 10. Nun, Herr! gieb mir die Gnade, mich dieses Glücks zu freun; leit' mich auf rechtem Pfade, allhier ein Mensch zu seyn, den einst die Ehrenkrone schmückt, die deine frommen Diener in jener Welt beglückt. Christliches Verhalten in Absicht auf zeitliche Güter. Mel. Es ist das Heil uns kommen her ic. 410. Herr! laß mich stets gewissenhaft mein Erdengut verwalten. Gieb selbst mir Weisheit, gieb mir Kraft, damit so hauszuhalten, wie es mir nützt und dir gefällt, damit ich nicht in jener Welt an ew'gen Gütern darbe. 2. Mein Hab und Gut kommt ja von dir und deinem milden Segen. Nicht zum Verderben gabst du mir mein zeitliches Vermögen. Du gabst es mir zum wahren Wohl. Drum gieb, Herr, daß ichy's, wie ich soll, nach deiner Vorschrift brauche. 3. Es ist das mir geschenkte Gut vergånglich wie die Erde. Hilf, daß ich nie zum übermuth dadurch verleitet werde! nie reiße irdischer Gewinn mein Herz so weit zum Eitlen hin, daß ich mein Heil vergesſe. 4. Was hülfe mir die ganze Welt mit allen ihren Schätzen? verführt mich zeitlich Gut und Geld, sorglos hintan zu sehen, was meiner Seelen Heil begehrt, und mir ein ewig Glück gewährt, wie strafbar würd' ich handeln! 5. Mein größtes Trachten sey allhier nach deines Reiches Gaben, so werd' ich reich genug in dir die besten Güter haben! dann wird beim Fleiße lebenslang mir Kleidung nie, nie Speif und Trank durch deinen Segen fehlen. 6. Den Geiz laß ferne von mir seyn, die Quelle alles Bösen. Von Unruh' und Gewissenspein kann Reich 392 Beweis der Gottseligkeit und Zugend thum nicht erlösen. Er nützt in Todesstunden nichts, und nichts am Tage des Gerichts, da schützt er keine Sünder. 7. Laß mich in weiser Sparsamkeit die Güter nie verschwenden, die du mir gabst in dieser Zeit, sie nützlich anzuwenden. Gieb mir die Klugheit, daß ich hier dadurch dem Nächsten, so wie mir, des Lebens Müh' erleicht're. 8. Es kommt ein Tag der Rechenschaft; das laß mich stets bedenken, und mein Gemüth gewissenhaft zu ernster Sorgfalt lenken, also die Güter dieser Zeit zu nügen, daß ich einst erfreut noch Segen davon ernte. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 411. Laß mich nie, o mein Gott! den Schägen dieser Erden so meine Seele weihn, daß sie mein Abgott werden. Oft fehlt beim Überfluß doch die Zufriedenheit. Und was ist ohne sie des Lebens Herrlichkeit? m2. Kann ein vergånglich Gut auch unsre Wünsche stillen? es steht ja sein Besit nicht stets in unserm Willen. Oft wird's nicht dem zu Theil, der ängstlich darnach ringt, und schnell verliert's oft der, dem der Besitz gelingt. 3. Ein Gut, das unsern Geist wahrhaftig soll be glücken, muß nicht vergänglich seyn, und für den Geist sich schicken. Der Thor hat Geld und Gut; er hat's und wünscht noch mehr; und dabei bleibt sein Herz von wahrer Ruhe leer. 4. O Gott, so wehre doch den ungerechten Trieben, und heilige mein Herz, nie sclavisch das zu lieben, was man mit Müh' gewinnt, bald prassend es verzehrt, bald geizig es bewacht, und bald mit Fluch vermehrt. 5. Ein weises, frommes Herz, das sey mein Glück auf Erden. Sonst Alles, nur nicht dies, kann mir ents rissen werden. Dies bleibt im Tod auch mein, dies folgt mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn bis in die Ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, die größesten Vergnügen? nur füße Träume sind's, die unsern Geist betrü 393 in Absicht zeitlicher Güter. gen. Drum lenke, Gott, den Wunsch vom irdischen Gewinn durch deines Geistes Kraft zu ew'gen Gütern hin. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 412. Wohl dem, der beff're Schåße liebt, als Schäße dieser Erden! wohl dem, der sich mit Eifer übt, an Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, daß er lebt, sich über Zeit und Welt erhebt. 2. Gott, du verwehrst es uns zwar nicht, hier Güter zu besitzen. Du gabst sie uns, und auch die Pflicht, mit Weisheit sie zu nutzen. Sie dürfen unser Herz er= freun und unsers Fleißes Antrieb seyn. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit mit ganzer Seele schmachten, nicht erst nach der Gerechtigkeit und deinem Reiche trachten: das ist, o Herr, nicht der Beruf, dazu uns deine Liebe schuf. 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, erstickt die edlern Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz verdrängt der Tugend Liebe, und machet, der Vernunft zum Spott, ein nichtig Gold zu deinem Gott. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, låßt doch kein Gut genießen; er quält durch Habsucht deinen Geist und tödtet dein Gewissen. Er reißt durch schmeichelnden Gewinn dich blind zu jedem Frevel hin. 6. Um wenig Vortheil wird er schon aus dir mit Meineid sprechen; dich zwingen, der Arbeiter Lohn unmenschlich abzubrechen; er wird in dir der Waisen Flehn, der Witwen Thrånen widerstehn. 7. Nie kann ein Herz, vom Geize hart, des Wohlthuns Freuden schmecken und in des Unglücks Gegenwart den Ruf zur Hülf' entdecken. Und wo ist eines Standes Pflicht, die nicht der Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater; und aus Geiz entziehst du dich den Kindern, und lässfest dich des Goldes Reiz, ihr Herz zu bilden, hindern; und glaubst, du hab'st sie wohl bedacht, wenn du sie reich und groß gemacht. 394 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 9. Du hast ein richterliches Amt, und du wirst dich erfrechen, die Sache, die das Recht verdammt, aus Hab sucht recht zu sprechen; und selbst der Tugend größter Feind erkauft an dir sich einen Freund. 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, die Wahrheit frei zu lehren; du schweigst, wenn sie dich reden heißt, ehrst, wo du nicht sollst ehren, und wirst um Reichthum, Gut und Geld ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. O Gott, erhalte mich dabei, daß ich mir g'nügen lasse, entfernt von nied'rer Habsucht sey, den Geiz als Sünde hasse. Ein weises Herz, ein froher Muth sey meines Lebens höchstes Gut! Genügsamkeit. Mel. Es ist gewißlich an der 2c. 413. Ach, treuer Gott, ich ruf zu dir, mir Gnade zu gewähren, daß Geiz und Sorgen nie in mir den Seelenfrieden stören. Gieb, daß ich an dein Wort mich halt": so werd' ich stark, so kann ich bald den Aufruhr in mir dämpfen. 2. Du, der dem Vieh sein Futter schafft, du solltest gute Gaben uns nicht verleihn? durch deine Kraft nicht auch uns Menschen laben? du, der das Feld mit Blumen ziert, du solltest nicht, was uns gebührt, an Kleidung gerne geben? 3. Der Überfluß beglückt noch nicht. Wenn nur bei unserm Fleiße uns unsre Nothdurft nie gebricht an Kleidung, Trank und Speise, das ist genug zu unserm Wohl; ob Mehreres uns werden soll und nüßt, weiß Gott am besten. 4. Wer wenig hat und hat's mit Recht, und braucht's nach Gottes Willen, was ist, das dem noch fehlen möcht', sein Herz vor Gott zu stillen? sein Weniges wird mehr gedeihn und im Genuß ihn mehr erfreun, als was der Geiz erpresset. Genügsamkeit. 395 5. Der Reichthum trügt oft, eh' man's meint, schon hier in diesem Leben, und kann, wenn nun der Tod erscheint, nicht Trost und Ruhe geben. Denn Geld und Gut vertritt uns nicht vor Gottes ewigem Gericht bei Sünden dieses Lebens. 6. wohl dem, der sein Herz erhebt zum Himmel von der Erde, und hier mit regem Eifer strebt, daß dort sein Lohn groß werde; der, so wie Gott ihn und sein Haus gesegnet, wieder theilet aus mit mildem, frohem Herzen. 7. Er zeiget, daß er willig sey, auch Andre zu ergötzen; er streuet aus und wird dabei auch reich an wahren Schätzen; die gehen niemals auf im Rauch, und sind daneben sicher auch vor Raub, vor Rost und Motten. 8. Das ist der sicherste Gewinn, der keinen je betrůget, wenn man mit kindlich frommen Sinn Gott traut und sich begnüget. Bloß kommen wir auf diese Welt, und müssen sie, wenn's Gott gefällt, mit ihrem Gut verlassen. 9. Herr, was mir hier vonnöthen thut, mich redlich zu ernähren, das woll'st du mir an Hab und Gut bei mei= nem Fleiß gewähren, daß ich und mein Geschlecht nach mir nicht etwa unser Brod noch hier bekümmert suchen müssen. 10. Mein Geift kann seine wahre Ruh' im Zeitlichen nicht finden; was ich da habe, wünsch'und thu', wird doch im Tode schwinden. Unsterblich ist mein Geist; es muß unsterblich seyn, was im Genuß mich völlig soll vergnügen. 11. Mir ist nichts auf der Welt bewußt, daß solche Ruh' kann geben; die Welt vergeht, und ihre Lust versüßt kaum dieses Leben: drum soll mein Herz sich nicht darauf, vielmehr soll sich's zu Gott hinauf und seiner Gnade richten. 12. O höchstes Gut, sey hier und dort mir Reichthum, Luft und Ehre! Gieb, daß in mir sich fort und fort die Liebe zu dir mehre, daß ich dich stets vor Augen hab' und, die ergeben bis ans Grab, was sündlich ist, verleugne. 396 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 13. Hilf, daß ich fleißig blicke hier nach meiner Wohnung oben, wo ich werd' ewig seyn bei dir, dich schauen und dich loben: so wird mein Herz zufrieden seyn, und findet, Gott, in dir allein die wahre Ruh' und Freude. 14. Hierzu gieb mir von deinem Thron, o Vater, Gnad' und Stärke! Gieb, daß mein Glaube, Gottes Sohn, stets thätig sey im Werke. O heil'ger Geist, steh' du mir bei, daß mein Begehren dies nur sey: Gott über Alles lieben. Geduld und getroster Muth bei den Leiden und Unvollkommenheiten dieses Lebens. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. 414. Befieht du deine Wege und Alles, was dich krånkt der treuen Vaterpflege des, der den Weltkreis lenkt. Der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn, wird für dich Wege finden, wo es der Mensch nicht kann. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, soll dir es wohl ergehn. Auf sein Werk muß du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Gråmen, mit selbstgemachter Pein läßt Gott sich das nicht nehmen, was er uns soll verleihn. 3. Dein Auge, Gott der Gnade, erkennt allein und fieht, was gut fey, oder schade; wählt jenes voller Güt. Und was du ausersehen, dein Rath fürs Beste hålt, muß kommen und geschehen, so wie es dir gefällt. 4. Un Mitteln und an Wegen fehlt's dir, Allweiser, nicht; was du uns schickst, ist Segen; dein Rath ist Recht und Licht. Dein Werk kann niemand hindern, es bleibt dabei beruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst thun. 5. Ob aller Welten Kräfte ihm wollten widerstehn: umsonst! des Herrn Geschäfte wird ungestört fortgehn. Was er sich vorgenommen und was er haben will, das muß unfehlbar kommen zu dem bestimmten Ziel. Geduld und getroster Muth im Leiden. 397 6. Drum hoff', bedrångte Seele, hoff' und sey unverzagt; Gott weiß es, was dich quale, den Kummer, der dich nagt. Er wird dich ihm entrücken. Erwarte nur die Zeit, bis dich mit holden Blicken sein Angesicht erfreut. 7. Auf! wehre deinen Schmerzen, entflieh' der Trauernacht. Laß fahren, was dem Herzen unnütze Sorgen macht. Bist du doch nicht Regente, der Alles führen soll; Gott sitzt am Regimente und ordnet Alles wohl. 8. Ihn, Seele, ihn laß walten, er ist ein weiser Fürst; er wird dich aufrecht halten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit gnadenvollem Rath das Alles ausgeführet, was dich bekümmert hat. 9. Sollt' seine Hand auch weilen und nicht nach deinem Sinn die Hülfe gleich ertheilen, so wirf den Muth nicht hin; harr' und bleib' ihm ergeben, du wirst nicht für und für bedrångt und hülflos leben; Gott kommt und zeigt sich dir. 10. Er wird dir Hülfe senden, wenn du ihm treu verbleibst; er wird dein Leiden wenden; noch ehe du es glaubst; der Herr wird dich erlösen, entladen von der Last, die du, und nicht zum Bösen, bisher getragen hast. 11. Wohl dir! wohl deiner Treue! sie trågt den Sieg davon. Sieh' muthig auf und freue dich über ihren Lohn; Gott schmückt mit Siegespalmen gewiß noch deine Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Der du zum besten Ende stets lenkst der Deinen Noth, reich' uns die Vaterhånde im Leben und im Tod. Laß deiner treuen Pflege uns stets einpfohlen seyn, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. 415. Chrift, Ulles, was dich krånket, befiehl getroft dem Herrn. Er, der den Weltkreis lenket, ist auch von dir nicht fern. Erwach' aus deinem Schlummer, zu Gott erhebe dich! er siehet deinen Kummer und liebt noch väterlich. 398 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. 2. Sind's Sünden, die dich schmerzen, dann fühle deine Schuld, fleh' mit gebeugtem Herzen zu Gott um Gnad' und Huld. Zu wahrer Ruhe führet die Reu', die Gott gefällt; allein den Tod gebieret die Traurigkeit der Welt. 3. Trau' Gott, nicht deinen Schlüssen, die Wahi des Besten zu. Sollt' er denn nicht mehr wissen und übersehn als du? er weiß ja, was dir fehlet, in jedem Augenblick, und was er für dich wählet, gereicht zu deinem Glück. 4. Gott zählt der Frommen Zähren, er wird, was gut ist, gern auch deinen Wunsch gewähren; sey stille vor dem Herrn. Er ist ein Schutz der Frommen, hoff unverzagt auf ihn; denn seine Zeit wird kommen und deine Wohlfahrt blühn. 5. Ergieb dich ihm mit Freuden, sey stark in seiner Kraft. Sey auch zur Zeit der Leiden ein Christ und tugendhaft. Und dann ergreif' im Glauben den Trost der Ewigkeit! wer kann dir diesen rauben? welch Leiden dieser Zeit? 6. Sey froh; dein Gott regieret, sein Rath ist wunderbar. Einst wirst du überführet, daß er der beste war. Du denkest wohl indessen: der Herr erbarmt sich nicht, der Herr hat mein vergessen! doch höre, was er spricht: 7.» Ist auch der Mütter eine, die ihres Sohns vergißt?« denk' an dies Wort, und weine die Freuden thran', o Christ»> und könnt' sie ihn vergessen, will ich doch deiner nicht, nicht deines Flehns vergessen!« der Herr ist's, der es spricht! 8. Mit ruhigem Gemüthe verlaff auf ihn dich fest; bedenk', daß seine Güte dich, sein Kind, nicht verläßt. Er wird nach kurzer Weile dich desto mehr erfreun, zu deinem größern Heile verzeucht er; harre sein! 9. Wohl dir alsdann, du Treuer! wie groß ist einst dein Lohn! dein Retter, dein Befreier reicht dir die Sie geskron'; auf kurze Prüfungstage folgt Ruhe, Preis und Dank; dann schweiget jede Klage und wird ein Lobgesang. - -- Geduld und getroster Muth im Leiden. 399 416. Wer nur den lieben Gott låßt walten, und still erwartet seine Zeit, der wird gewiß von ihm erhalten, was ewig nutzet und erfreut; wer Gett, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? was hilft uns unser Weh und Ach? was hilft's, vom Abend bis zum Morgen nur seufzen über Ungemach? wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man sey in frommer Ehrfurcht stille, sey Gott ergeben, und vergnügt mit dem, was sein liebreicher Wille, sein ewig weiser Rath verfügt. Er, der zum Himmel uns erwählt, weiß wohl, was uns hienieden fehlt. 4. Er kennt die wahren Freudenstunden, weiß, wann und Freude nützlich sey; und wenn er uns bewährt erfunden, demüthig, ohne Heuchelei: so kommt Gott, eh' wir's uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Trübfal Hihe, daß du von Gott verlassen scyst, daß der nur Gott im Schoße size, dem sich das Glück geneigt erweist. Die Zukunft åndert oft sehr viel, und Glück und Leiden hat sein Ziel. 6. Was sind vor Gott der Menschen Sachen? sein starker Arm vermag sogleich die Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Ihm, ihm ist Alles unterthan, der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen, verrichte deine Pflicht getreu, und trau' des Himmels reichem Segen: so wird er bei dir werden neu. Denn wer nur seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Mel. Was mein Gott will 2c. 417. Sch hab' in Gottes Herz und Sinn mein Herz und Sinn ergeben. Was widrig scheint, wird mir Gewinn; der Tod selbst wird mein Leben. Ich bin deß Sohn, der seinen Thron im Himmel aufgeschlagen. Was der auflegt, der Alles trågt, wird mir auch leicht zu tragen. 400 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. 2. Mir sagt mein Gott ergeb'nes Herz: er werd' als Kind mich lieben; belegt er mich mit Kreuz und Schmerz, so will er mich nur üben, und mein Gemüth nach seiner Gür' veredeln selbst durch Leiden; den Prü fungsstand macht seine Hand zur Quelle höh'rer Freuden. 3. Ich bin ja von mir selber nicht ins Leben einge führet; Gott ist es, der mich an das Licht geleitet, und gezieret mit Geist und Wiß, und seinen Siß, den Leib, so schön geschmücket. Der dieses that, gewiß, der hat ein Herz, das gern beglücket. 4. Wie könnt' ich meinen Unterhalt auf dieser Welt erlangen? das Grab wår' långst mein Aufenthalt, wenn mich Gott nicht umfangen mit seinem Arm, der Alles warm, gesund und fröhlich machet. Was er nicht hält, das sinkt und fällt; was er erfreut, das lachet. 5. Bei ihm ist Weisheit und Verstand mehr, als wir Menschen fassen; er hat von Ewigkeit erkannt, was er will kommen lassen; er weiß, wann Freud', er weiß, wann Leid uns, seinen Kindern, diene, und was er thut, ist alles gut, ob's noch so widrig schiene. 6. Du denkst oft, wenn du das nicht hast, was Fleisch und Blut begehret, es sey mit allzu großer Last dein Leben hier beschweret; sorgst spåt und früh, machst dir viel Müh', zu ändern dein Geschicke, und denkest nicht, das, was geschicht, gescheh' zu deinem Glücke. 7. Fürwahr, der dich geschaffen hat, mit Leben dich beseelet, der hat schon längst in seinem Rath ersehen und gewählet mit Vatertreu', was dienlich sey dir und den Deinen allen; o laff' nur ihn thun fernerhin nach seis nem Wohlgefallen! 8. Wirst du nur Gott ergeben seyn, so wird er dich erfreuen; was du jetzt nennest Kreuz und Pein, wird dir zum Heil gedeihen. Wart' in Geduld! des Vaters Huld und Hülfe wird sich finden; die Noth und Qual wird auf einmal gleich einem Nebel schwinden. Geduld und getroster Muth im Leiden. 401 9. Das Feld würd' ohne Ungestüm so reiche Frucht nicht tragen; so auch der Mensch nicht, war bei ihm kein Wechsel in den Tagen. Wie Urzenei'n die Kranken scheun, am meisten oft verfangen, so muß durch Schmerz des Menschen Herz zu seinem Heil gelangen. 10. So übergeb' ich mich denn dir, mein Gott, in deine Hände; nimm mich, und mach' es so mit mir bis an mein letztes Ende, wie du wohl weißt, daß meinem Geist dadurch sein Heil entstehe, und deine Ehr' sich mehr und mehr in ihrem Glanz erhöhe. 11. Willst du mir geben Sonnenschein, so nehm' ich's an mit Freuden; soll's aber Schmerz und Trůbfal seyn, will ich's geduldig leiden. Willst du auch mir mehr Tage hier und hohe Jahre geben, so flehe ich dich, Gott, laß sie mich zu meinem Heil durchleben. 12. Vielleicht ist jener Tag nicht weit, auf den dein Wort mich weifet; Gott, mache meinen Geist bereit, daß der dich dann auch preiset! du bist mein Hirt, der Alles wird zu solchem Ende kehren, daß ich dich dort am Freudenort anbetend werde ehren. Mel. Aus meines Herzens zc. 418. An dich, mein Gott, gedenken, ist Pflicht und Trost für mich. Wenn Sorg' und Gram mich kranken, so sieht mein Aug' auf dich; dann mindert sich mein Schmerz; dann flieha die bangen Sorgen wie Nebel vor dem Morgen, und Ruh' erfüllt mein Herz. 2. Denk ich an deine Liebe, wie werd' ich dann erfreut! wenn Alles um mich trübe und mir ein Wetter draut, sie ist mein Sonnenschein. Mich können keine Leiden von deiner Liebe scheiden, so groß sie immer seyn. 3. Mit fröhlichem Gemüthe denk' ich an deine Treu'; denn, Vater, deine Güte ist alle Morgen neu. Seh' ich nur stets auf dich, wird mir die Arbeit süße, in der ich Schweiß vergieße; du unterstüßest mich. Osnabr. Landgesangb. 7. 2ufi. 26 402 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 4. Du gabst mir aus Erbarmen den Sohn, der für mich starb, und großmuthsvoll mir Armen dein Kinde schaftsrecht erwarb. Ja du, Gott, du bist mein, drum kann ich Hoffnung fassen, du wirst mich nie verlassen, nein, stets mein Helfer seyn. 5. Drum will ich an dich denken, so lang' ich denken fann. Den Leib wird man versenken; dann geht der Zeitpunkt an, wo sich mein Geist ergießt in ew'ge Freudentieder; da seh' ich niemals wieder, was hier von Kummer ist. 419. Auf meinen lieben Gott trau' ich in Ungst und Noth; die ihn um Rettung flehten, verließ er nie in Ndthen; er kann mein Leiden wenden, es steht in seinen Hånden. 2. Die Sünde droht Gericht; doch droht sie's denen nicht, die sie nun fliehn, und bauen auf Chriftum ihr Vertrauen; ihm will ich mich ergeben, so werd' ich Sünder leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, ist Sterben mein Gewinn: denn Christus ist mein Leben, dem hab' ich mich ergeben; ich sterb' heut' oder morgen, er wird mein Wohl besorgen. 4. Mein Mittler, Jesu Christ! der du aus Liebe bist für mich am Kreuz gestorben, das Heil, das du er worben, laß mich auch hier erquicken und einst im Tod erblicken. 5. Ich fleh' zu aller Stund' zu dir mit Herz und Mund, du wolleft so mich leiten, Herr Christ! zu allen Beiten, daß ich dort deinen Namen mög' ewig preisen. Amen! 420. Was Gott thut, das ist wohlgethan; es bleibt gerecht sein Wille. Wie er fångt meine Sachen an, er wart' ich in der Stille. Er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten, drum laß ich ihn nur walten. Geduld und getroster Muth im Leiden. 403 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; sein Wort kann mich nicht trüger. Ist mühsam auch die Pilgerbahn, so laß ich mir genügen an seiner Huld und hat Geduld; er kann das Leid bald enden, es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er wird mich wohl bedenken, zu dem, was ich von selbst nicht kann, mir Licht und Kräfte schenken; ja, seine Treu' ist täglich neu, drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ihm will ich mich ergeben in Freud' und Leid; es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie reulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; will er mir Leiden senden, ich nehme das gelassen an, was kommt aus seinen Hånden, weil er zuletzt mich doch ergötzt mit süßem Trost im Herzen und wegnimmt meine Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; darauf will ich fest bauen, und, wenn er winkt, die Todesbahn betreten ohne Grauen. Auch da wird mich Gott våterlich in seinen Urmen halten, drum laß ich ihn nur walten. Mel. In dich hab' ich gehoffet 2c. 421. Scy, Seele, stark und unverzagt, wenn irgend dich ein Kummer plagt; befiehl Gott deine Sachen. In aller Pein vertrau' allein auf ihn, er wird's wohl machen. 2. Kein Leiden kommt von ungefähr! die Hand des Höchsten schickt es her; sein Rath hat's so ersehen! drum sey nur still; was dein Gott will, laß immer gern geschehen. 3. Erweckt dir gleich das Leiden Pein, soll's doch zu deinem Besten seyn. Gott kann sein Kind nicht haffen. Wer ihn nur liebt, sich ihm ergiebt, den wird er nicht verlassen. 4. Wie lange währt der Frommen Leid? nicht ewig, Herr, nur kurze Zeit. Nach überstandnem Leide erquickest du ihr Herz mit Ruh', und einst mit ew'ger Freude. 26* 404 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. 5. Drum hab', o Seele, guten Muth, vertraue Gott! es wird noch gut nach aller Trůbsa werden. Er ziehet dich durchs Kreuz zu sich, zum Himmel von der Erden. 6. Gott ist dein Gott; er ist getreu und stehet dir als Vater bei in allem Kreuz auf Erden. Der Leiden Heer wird nie zu schwer durch ihn den Christen werden. 7. Es haben ja zu aller Zeit die Heiligen in Trau rigkeit hier oftmals wandeln müssen. Warum willst du hier nun von Ruh' und nichts von Trubsal wissen? 8. O bet' und sich auf deinen Gott in aller deiner Angst und Noth! laß, wie er will, es gehen. Sein Rath ist gut; behalte Muth! Gott wird dich einst erhöhen. 9. Der du ein Gott des Trostes bist! laß Jeden, der hier traurig ist, doch deinen Trost empfinden. Hilf, den du liebst und prüfend übst, den Unmuth überwinden. Mel. Sey Lob und Ehr dem 2c. 422. Sch hoff' auf keine Hülfe mehr, Herr, als von deinen Höhen. Find' ich bei Menschen kein Gehör, Gott, hdre doch mein Flehen! du bist der Gott noch, der schon oft bei meinem Leiden unverhofft mit deinem Trost er= schienen. 2. Du bist der Gott noch, dessen Macht Egyptens Fürsten schreckte; der aus des Todes öder Nacht den Lazarus erweckte. Herr, hilf mir! ja, ein himmlisch Licht, das in die dunkle Seele bricht, verheißt mir deine Hülfe. 3. Mit deinem Trost erquickst du mich, wenn mit ein Leid begegnet. Herr, nimmermehr verlaff ich dich, bis daß du mich gesegnet. Ich glaube, was dein Mund verspricht: ich bin dein Schutz, dein Trost, dein Licht; geh hin, mein Sohn, im Frieden! Mel. Christus, der uns selig 2c. 423. Ich bin Gottes; Gott ist mein; was kann uns denn scheiden? dringt nun gleich das Kreuz herein und das bitt're Leiden: laff es kommen, kommt es doch von Geduld und getroster Muth im Leiden. 405 des Vaters Hånden; er kann's bald, und eh' ich's noch meine, wieder wenden. 2. Kindern, die ein Vater soll wohl erziehn und pflegen, muß er oft zu ihrem Wohl, was sie scheun, auflegen. Bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich von meiner Sünd' will zur Tugend ziehen? 3. Väterlich ist's stets gemeint, was dir Gott auch schicket. Selbst das, was die widrig scheint, ist's, was dich beglücket. Luft gewährt dir einst die Last, und die bångsten Leiden, die du still getragen hast, mehren deine Freuden. 4. Gottes Kinder såen zwar oft hier aus mit Chränen; aber endlich kommt das Jahr, wornach sie sich sehnen; endlich kommt die frohe Zeit, wo nach schweren Plagen sie im Glanz der Ewigkeit Freudenkränze tragen. 5. Danke Gett, mein traurend Herz, felbst auch unter Schmerzen; blick' empor, schau' himmelwärts; stark in deinem Herzen Lieb' und Hoffnung mehr und mehr; sing' dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr'; er wird helfen. Amen! Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 424. Gott weiß es Alles wohl zu machen, und was er thut, ist wohlgethan. Ihm nur empfehl' ich meine Sachen, und bete ihn in Demuth an. Ich bin bei seiner Fügung still, bei Allem ruhig, was er will. 2. Kann doch kein Unfall mir begegnen, der meinem Gott verborgen sey; auch kann mich Niemand anders fegnen, als meines Gottes Batertreu'; ihn liebt, ihn lobet stets mein Herz, er sende Freuden oder Schmerz. 3. Ich zähle ja schon tausend Proben von meines Vaters Gútigkeit, die ich nicht weiß genug zu loben in meiner Unvollkommenheit, aus denen ich doch schließen fann: was Gott thut, das sey wohlgethan! 4. Uus Güte sendet er mir Freuden, daß ich ihn lieb gewinnen foll; aus gleicher Huld schickt er mir Leiden, 406 Beweis der Gottseligkeit und ZTugend. wenn's nöthig ist, zu meinem Wohl. Das Leid macht meines Herzens Grund und Gottes Liebe mir recht kund. 5. Damit sich nun mein Herz recht schicke zur wahren Gottgelaffenheit, so wünsch' ich mir im Leid und Glücke Geduld und Demuth jederzeit. Ich dulde still das bångste Weh, wenn ich) bei Gott in Gnaden steh'. 425. Warum sollt' ich mich denn gråmen? hab' ich doch Christum noch, wer will mir den nehmen? wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 2. Nichts bracht' ich in dieses Leben, und doch hat Gottes Gnad', was mir noth, gegeben. Weltgut ist mir nur geliehen, und ich werd' mich der Erd' wieder arm entziehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel' und Leben ist nicht mein; Gott allein hat es mir gegeben. Fordert er's von mir nun wieder, er nehm's hin; doch mein Sinn weiht ihm frohe Lieder. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Schmerz und Pein, sollt' ich drum verzagen? der es schickt, der wird es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Leiden enden. 5. Gott hat mich in guten Tagen oft ergötzt; folle ich jetzt nicht auch etwas tragen? o er züchtigt mit Verscho nen, und will nicht im Gericht nach Verdienst mir lohnen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil' fie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, seinem Gott vertrauen. Wollt ihn auch der Tod aufreiben, soll der Muth dennoch gut, fest und standhaft bleiben. 8. Kann uns doch der Tod nicht tödten; nein, er reißt unsern Geist aus viel tausend Nöthen; endigt selbst Geduld und getroster Muth im Leiden. 407 die schwersten Leiden, führt und dann himmelan, hin zum Ort der Freuden. 9. Dort kann ich an bessern Schåßen nun mein Herz nach dem Schmerz ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Glück zu finden; was die Welt in sich hålt, muß wie Rauch verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt, Christus, wird mich ohn' Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein; Niemand kann uns scheiden. Dein bin ich, weil du dein Leben und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich faffe, und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich einst dahin gelangen, wo du mich und ich dich ewig werd' umfangen. Mel. Was Gott thut, das ist sc. 426. Ich weiß, daß das, was mir geschieht, zu meinem Heile diene. Gut ist, was mir mein Gott befchied, wenn's noch so widrig schiene. Allweisheit ist, was Gott beschließt; Allweisheit, Liebe, Gnade sind alle seine Pfade. 2. Schon hat, seit Erd' und Himmel stehn, sein Regiment gewähret; und niemals hat noch ein Bersehn sein Regiment entehret. Nein, was er thut, ist Alles gut, gereicht zu seiner Ehre, wenn's noch so dunkel wäre. 3. Uns herbe zwar, doch reich an Frucht, sind Gottes Züchtigungen; oft ist, was Gut' umsonst versucht, durch) Leiden ihm gelungen. Des Kreuzes Schmerz erweicht das Herz, erweckt und stärkt die Triebe der Demuth und der Liebe. 4. Ich weiß, was auch für Elend draut, daß der doch meiner schone, der mich zu seiner Herrlichkeit berief in seinem Sohne. Ach sollte der, der mich so sehr in Jesu wollen lieben, mich ohne Maß betrüben? 408 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 5. Gott, führe mich denn, wie du willst; dir bin ich übergeben. Wenn du dich schon in Dunkel hüllst, will ich nicht bange beben. So wunderbar der Weg auch war, den mich dein Rath geführet, wohl hast du mich geführet! 6. Oft schien der Weg, der mir gefiel, viel besser; doch ich irrte. Denn endlich führte mich zum Ziel, was erst den Geist verwirrte. Drum faff' ich Muth; es ist mit gut, auf rauhen Wegen gehen, kann ich's gleich nicht verstehen. Mel. Herzliebster Jesu, du haft zc. 427. Ein Herz, o Gott, in Leid und Kreuz geduldig, das bin ich dir und meinem Heile schuldig. Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen, tåglich ermessen. 2. Bin ich nicht Staub, wie alle meine Våter? bin ich, Herr! nicht vor dir ein Übertreter? thu' ich zu viel, wenn ich die schweren Tage standhaft ertrage? 3. Wie oft, o Gott, wenn wir das Böse dulden, er dulden wir nur unsrer Thorheit Schulden, und nennen Lohn, den wir verdient bekommen, ein Kreuz der Frommen. 4. St Dürftigkeit, in der die Erågen klagen; sind Haß und Pein, die Stolz und Wollust tragen; des Schwelgers Schmerz; des Neids vermißte Freuden christliche Leiden? 5. Ist deren Qual, die deinen Rath verachtet, nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet, und die sich jest in finft'rer Schwermuth quålen, Prüfung der Seelen? 6. Doch felvst, o Herr, in Strafen unsrer Sünden låff'st du den Weg zu unserm Heil uns finden, wenn wir uns sie, die Missethat zu haffen, erwecken lassen. 7. Bewahr ich nur den Frieden im Gewissen, wird Alles mir zum Besten dienen müssen. Du, Herr, regierst, dein våterlicher Wille wirkt Guts die Fülle. 8. Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden; nicht hier, erst dort soll ich ganz glücklich werden; und was sind gegen euch, ihr ew'gen Freuden, zeitliche Leiden? Geduld und getroster Muth im Leiden. 409 9. Wenn ich nur nicht mein Slend selbst verschulde; wenn ich, als Mensch, als Christ, wie Bott will, dulde, so kann auch ich der Hülfe der Erlösten sicher mich trösten. 10. Ich bin ein Mensch, und Leiden müssen kränken; doch in der Noth an seinen Schöpfer denken und ihm vertraun, daß stårket unsre Herzen mitten in Schmerzen. 11. Schau' über dich! wer trägt der Himmel Heere? merk' auf! roer spricht: bis hieher! zu dem Meere? ist er nicht auch dein Helfer und Berather, ewig dein Vater? 12. Willst du so viel als der Allweise wissen? jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; allein du wirst, was seine Wege waren, nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, daß wir uns zu ihm nahen, die Heiligung des Geistes zu empfahen, und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, auch Undre stårken. 14. Das Kreuz vom Herrn wirkt Weisheit und Erfahrung; Erfahrung giebt dem Glauben Muth und Nahrung. Ein starkes Herz steht in der Noth noch feste, hofft stets das Beſte! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 428. Was ist mein Leben auf der Erde? ein Wechsel ist's von Lust und Leid. Hier stört oft Unruh' und Beschwerde die glücklichse Zufriedenheit. Hier wohn' ich noch in einer Welt, die kein vollkommnes Glück enthält. 2. Weß soll ich mich, o Herr, nun trösten? nuc deiner Huld; du bist mein Heil, und bleibst, wenn auch die Noth am größten, doch meines Herzens Trost und Theil, und siehst nach deiner Vatertreu' mir stets mit Rath und Hülfe bei! 3. Du stårkst mir unter aller Plage, o Gott, auf mein Gebet den, Muth, daß ich gelassen sie ertrage, und machst zulegt doch Alles gut. Auf Kummer folgt zufrieds ner Dank, auf Klagen froher Lobgefang. 4. 3u sichern, ungestörten Freuden schickt sich gewiß kein Prüfungsstand. Mit Hoffnung und Geduld im Leiden 410 Beweis der Gottseligkeit und Eugend. wird man durch Noth erst recht bekannt. Vollkommne Ruh' und Sicherheit ist nur ein Glück der Ewigkeit. 5. Was bist du denn, o meine Seele! in deiner Noth so kummervoll? vertraue Gott! nur ihn erwähle zu deinem Trost; er schützt dein Wohl. Einst dankst du ihm nach der Gefahr, daß er dein Gott und Retter war. 6. Er wird es seyn; ruf' in Gefahren ihn als den einz'gen Helfer an. Er weiß dich machtig zu bewahren, und da, wo Niemand helfen kann, fehlt ihm die Kraft zu helfen nicht. Dies stårke deine Zuversicht. 7. Befiehl ihm alle deine Wege, und hoffe auf ihn allezeit. Auch auf dem allerrauhsten Stege fiety fröhlich hin zur Ewigkeit, da wirst du frei von aller Pein, ganz felig, ganz zufrieden seyn. 8. O sieh' dahin zu allen Zeiten, in eig'ner und bei Andrer Noth, und wenn im Glück dir auch von weitem ein finstres Unglückswetter droht. Nichts giebt uns Trost zu solcher Zeit, als Gott und jene Herrlichkeit. 9. Ja, laß mich, Gott, stets dahin schauen, und dann mit starkem Muth auf dich auch in der größten Noth vertrauen. Du bist bei mir, das stärke mich. Wer dessen stets versichert ist, der lebt und stirbt getroft als Christ. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 429. Will mich, o Gott, hienieden des Lebens Last ermúden, so stärke meinen Geist! wenn mich die Leiden Frånken, so laß mich wohl bedenken: auch das sey gut, was Trubsal heißt. 2. Nicht ewig soll sie währen, oft werden unsre 3ähren schnell von dir abgewischt, und seufzen wir, wie lange ist meiner Seele bange? so wird mit Trost das Herz erfrischt. 3. Die Lasten, die uns pressen, hast du, Herr, ab gemessen, so groß sie immer seyn. Du hilfft sie selbst uns tragen, und richtest unsre Plagen nach unsern Kräften weißlich ein. Geduld und getroster Muth im Leiden. 411 4. Ja, wenn ich's recht erwäge, so sind's nur Liebesschläge, womit du uns belegst; nicht Schwerdter sind's, nur Ruthen, womit du bloß zum Guten als Vater deine Kinder schlägst. 5. Dein väterlich Bemühen will uns nur hier erzie= hen, zu thun, was dir gefällt; du willst die Lüste schwächen, den eig'nen Willen brechen, entwöhnen uns der Lust der Welt. 6. Du willst den Eifer mehren, gehorsam dich zu ehren mit Glauben und Geduld, daß wir in unsern Nöthen, auch wenn du uns willst tödten, doch trauen deiner Vaterhuld. 7. Was will uns, Herr, auch scheiden von dir und jenen Freuden, die du für uns ersehn? man lebe oder fierbe, so wird des Himmels Erbe doch deinen Kindern nicht entgehn. 8. 3u jenem bessern Leben willst du auch mich erheben; der Tod ist mein Gewinn. Muß gleich mein Leib verwesen, wird doch mein Geist genesen, er eilt zu Seligkeiten hin. 9. D! drücke meinem Herzen auch unter Sorg' und Schmerzen dies doch aufs tiefste ein. Der, den du, Vater, liebest, kann, wenn du ihn betrübest, doch niemals ganz unglücklich seyn. Wider die Verzagtheit. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 430. Was ist's, daß ich mich quale? harr' nur auf Gott, o Seele; harr und sey unverzagt! du weißt nicht, was die nüßet; Gott weiß es, und er schüßzet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh' ich die Welt noch sah. Eh' ich mich selbst noch kannte, eh ich ihn Bater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah'. 412 Bereis der Gottseligkeit und Zugend. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dir, Gott! nicht verborgen, der alles sieht und hält. Und was du mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wär's auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, ganz glücklich hier zu werden; die Luft der Welt vergeht. Ich lebe hier im Segen, den Grund zum Glück zu legen, das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, sey mir von dir gewähret! Gott! du gewährst es gern. Was diefes Glück verletzet, wenn's alle Welt auch schätzet, sey, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen und Armuth schwer zu tragen, noch schwerer Haß und Spott: so harr ich und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh', o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich; was kann mir widerfahren, wenn du mich willst bewahren? und du, mein Gott, be wahrest mich. Mel. Wenn mein Stündlein: c. 431. Wenn gleich in tiefer Mitternacht Gewitter um mich bligen, so zag' ich nicht; mein Vater wacht, er wacht, mich zu beschützen. Die Güte, die mich werden hieß, die den Bedrängten nie verließ, die wird mich nicht verlassen. 2. Sein Auge schaut auf meinen Schmerz, und seine Blicke zählen die Sorgen, die mein armes Herz mit Ungst und Kummer quälen. Er sandte mir das Leiden zu, daß nicht mein Herz in stolzer Ruh' des Ewigen vergaße. 3. Gesegnet sind die Leiden mir, die mich der Sünd' entziehen, mich lehren, Gott! allein zu dir nach Trost und Hülfe fliehen. Ich weiß, einst bringst du meinem Blick per Sonne sanftes Licht zurück, das Dunkel mir verhüllet. Geduld und getroster Muth im Leiden. 413 4. Wie will ich dann, von Schmerz befreit, Herr, deine Huld erheben! wie freudig dir, selbst für das Leid, Lob, Preis und Ehre geben! Wohl denen, die dem Herrn vertraun, die ihre Hoffnung auf ihn baun! nie werden sie zu Schanden. hin Beim Verzug göttlicher Zülfe. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 432. Herr, mache meine Seele stille! bei Allem, was mich kränkt und drückt, geschieht doch einzig nur dein Wille, der nichts zu meinem Schaden schickt. Du bist's, der Alles åndern kann; und, was du thuft, ist wohlgethan. 2. Auch auf den allerrauhsten Wegen führst du uns zur Glückseligkeit. Dem bringt die Trübfal großen Segen, der dir sein ganzes Herze weiht. Ihr Ausgang wird doch herrlich seyn, sieht's gleich der blöde Geist nicht ein. 3. Drum laß mich stille seyn und hoffen, wenn du mir Prüfungen bestimmt. Dein Vaterherz steht dem doch offen, der zu dir seine Zuflucht nimmt. Wer still in deiner Fügung ruht, mit dem machst du es immer gut. 4. Uns bleibt oft, was uns nutzt, verborgen; wer hat's je ganz genau erkannt? wie oft sind unsre Wünsch' und Sorgen voll Thorheit und voll Unverstand! wer kann, was seinem Wohlergehn zum Schaden dient, ganz übersehn? 5. Nur du, du kennst und wählst das Beste. O Bater! mache selbst mein Herz in dieser Überzeugung feste: so ehr' ich auch im größten Schmerz dich noch mit der Gelaffenheit: was mein Gott will, gescheh' allzeit! 6. Die Stunde wird doch endlich kommen, da mich vollkommnes Glück erfreut. Denn einmal führst du doch die Frommen zur völligen Zufriedenheit; und dann wird Jedem offenbar, daß, Gott! dein Rath der beste war. 7. Dann wird von allen meinen Plagen der ew'ge Nußen mich erfreun; dann wird mein Herz, statt aller Klagen, dir freudevoll das Loblied weih'n: du, Herr, haft für mein Heil gewacht, haft Ulles mit mir wohl gemacht. 414 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. Troft aus Betrachtung der Ewigkeit. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 433. Die Bahn ist rauh, auf der ich hier zu meiner Heimath eile. Wie viel Gefahr seh' ich vor mir! wie droht sie meinem Heile! Gott, wärst du nicht mein Trost, mein Licht, mein Heil in finstern Tagen, wie ängstlich würd' ich zagen! 2. Vor dir darf sich mein traurig Herz, Erbarmer, nicht verhehlen, darf seinen Kummer, seinen Schmerz vertrauend dir erzählen. Dann schaffest du mir Troft und Ruh' aus deiner Gottesfülle, und meine Seel' ist stille. 3. Du lehrest mir den hohen Werth der Trubsal, die ich leide, daß sie mich dir vertrauen lehrt, mich führt zur wahren Freude. Ich würde dein mich minder freun, nur irdisch Glück begehren, wenn keine Leiden wären. 4. Dein Wort giebt mir die Zuversicht: du sorgst für meine Tage; dein Auge schläft und schlummert nicht; du hörest meine Klage; du krönest einst, wenn du erscheinst, in deinem Heiligthume mit Wonne und mit Ruhme. 5. O dann wird alle Traurigkeit aus meiner Bruſt verschwinden! vergessen werd' ich ganz mein Leid, und nur dein Heil empfinden. Mein Lobgefang, voll Preis und Dank, wird dir zum Wohlgefallen durch deinen Himmel schallen. 6. Mich, den Bollendeten, darf dann nicht mehr die Cünd' entweihen; mit Unschuld steh' ich angethan in deiner Kinder Reihen. Und väterlich erquickst du mich, wenn ich, der Mensch von Erde, gleich deinen Engeln werde. 7. Geduldig will ich hier den Schmerz der Sterb lichkeit ertragen. Beruhigen soll sich mein Herz, nicht mehr voll Unmuth klagen. Du bist bereit zu rechter Zeit, o Gott, von allem Bösen mich herrlich zu erlösen. Mel. Was mein Gott will, 2c. 434. Die dich nicht kennen, die nicht, Gott! nach deinen Rechten fragen, die müssen in der Zeit der Noth Geduld und getroster Muth im Leiden. 415 mit banger Seele zagen. Beklemmt von Schmerz, verzagt ihr Herz und findet keinen Retter; denn du bist nicht die Zuversicht der Sünder und der Spotter. 2. Ich aber darf auf dich allein mit ganzer Seele trauen. Wie finster auch die Zeiten seyn, darf dennoch mir nicht grauen. Ich kenne dich, und weiß, daß ich nach deinem Worte frage, weiß, deine Treu' wird täglich neu und sorgt für meine Tage. 3. Nicht klagen will ich, Gott, vor dir, nicht muthlos zu dir treten; mit Zuversicht, du giebst sie mir, mit Freuden will ich beten. Dein Angesicht verbirgst du nicht vor denen, die dich ehren; du merkst auf sie, verwirfft sie nie, und eilst, sie zu erhören. 4. Gott, hilf mir, daß ich immer hier ein frommes Leben führe und meine Freudigkeit zu dir durch Sünden nicht verliere. Der Sünder Schmach folgt ihnen nach; du zürnest und sie zittern. Doch mich wird nie dein Zorn wie sie, wenn du sie straffst, erschüttern. Mel. Was mein Gott will 2c. 435. Ich habe schon so manche Zeit in Trübfal hingelebet. Vielleicht ist nun der Tag nicht weit, da man den Leib begråbet! Uch, wär' ich schon vor Gottes Thron! vollendet meine Leiden! wie sehnt mein Herz sich, matt von Schmerz, nach jenes Lebens Freuden! 2. Gott, stårke mich, wenn lang' ich hier den Leidenskelch soll trinken. Zwar weiß ich, Alles kommt von dir; doch kann mein Muth bald sinken, wenn du, mein Gott, mir in der Noth nicht selbst Geduld verleihest, aus Lieb' und Huld die Ungeduld mir Schwachen nicht verzeihest. 3. Sind hier noch meiner Leiden viel, so sey dein Trost nicht minder. Groß ist der Preis, den du am Ziel ertheilst dem überwinder. Die Leidenszeit bringt Herrlichkeit für die, die standhaft waren. Einst wirst du sie nach Schmerz und Müh' an mir auch offenbaren. 416 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. 4. Sollt' auch dein wunderbarer Rath von Hülfe jetzt noch schweigen, und über meiner Thránen Saat Gewitter sich noch zeigen: zuletzt, zuletzt werd' ich ergött, im nähern Lichte sehen, daß mich dein Rath den rauhen Pfad zu meinem Glück hieß gehen. h 5. Firwahr, du, der den Sünder trågt, kannst keine Kinder haffen, kannst, wenn auch deine Liebe schlågt, fie immer nicht verlassen. Du bist getreu und stehst mir bei; mich werden keine Leiden, auch nicht der Tod von dir, mein Gott, und deiner Liebe scheiden. Trosft für fromme Schwermüthige. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 436. Du flagst in schweren Leiden, klagst, daß der Geist der Freuden von dir gewichen ist; du seufzest, Herr, wie lange verzeuchst du? dir wird bange, daß du von Gott verlassen bist. 2. Hat Gott, sprichst du, vergeben; mir Sünder Heil und Leben in seinem Sohn verlichn: wo sind des Dantes Triebe? warum fühl' ich nicht Liebe, nicht freu diges Vertraun zu ihm? 3. Mühselig und beladen hör ich das Wort der Gnaden; allein mich tröstet's nicht. Ich kann in meinen Ndihen nicht zuversichtlich beten; ich denke Gott, doch ohne Licht. 4. Sonst eilt' ich, seinen Willen mit Freuden zu erfüllen; sein Wort war mir gewiß. Jetzt kann's mein Herz nicht fassen, mein Muth hat mich verlassen, und meinen Geist deckt Finsterniß. 5. Oft, wenn mich Zweifel quälen, ergreift mich Angst der Seelen, und meine Hülf' ist fern. Ich suche Ruh', und finde in mir nur immer Sünde, nur Unmuth, keine Lust am Herrn. 6. Bag' nicht, Chrift! deine Schmerzen sind Zeugen beffrer Herzen, als dir das deine scheint. Selbst dies: Geduld und getroster Muth im Leiden. 417 daß dich's betrübet, daß ihn dein Herz nicht liebet, beweist, es sey mit ihm vereint. 7. Kein Mensch kann Gott erkennen, noch Jesum gläubig nennen, als durch den heil'gen Geift. Den Geist hast du empfangen, der dich nach Gott verlangen und sein Erbarmen suchen heißt. 8. Tran' Gott! er wohnt bei denen, die sich so nach ihm sehnen; er kennt und will dein Glück, hört deines Weinens Stimme, verbirgt er, als im Grimme, sich dir gleich einen Augenblick. 9. Gott ließ so manchen Frommen in diese Trübsal kommen und stand ihm mächtig bei. Du sollst dein Nichts empfinden, auf Gott allein dich gründen und sehn, was seine Gnade sey. 10. Er läßt dich Streng' erfahren, vor Stolz dich zu bewahren. Er macht dein Herze rein; so wie das Gold im Feuer gereinigt wird, daß theuer der Seelen Heil dir möge seyn. 11. Wie Våter ihrer Kinder, erbarmt sich Gott der Sünder, die seinen Namen scheun. Auch die will er die Sünden, die sich noch tåglich finden, um Christi willen gern verzeihn. 12. 3war ist um Trost dir bange; denn Züchtigung, so lange sie da ist, scheint uns hart. Doch nachmals wird sie geben Gerechtigkeit und Leben dem, der durch sie geübet ward. 13. Fahr' fort, Chrift! bet' und wache; Gott trågt und stärkt uns Schwache, ist Güte für und für. Laß feine Huld dir gnügen, sein Wort kann nimmer trügen: ich stärke dich, ich helfe dir! 14. Saff dich in deinen Nöthen! sprich: wollte mich auch tödten der Herr, so bleibt doch mein das Erbtheil der Erlösten; will Gott nicht eher trösten, wird er mich doch im Tod erfreun! Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 27 418 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. 437. Weicht, ihr Zweifel, weicht, ihr Sorgen! föret meinen Glauben nicht; ist mir Gott gleich jetzt verborgen, so verwirft er mich doch nicht. Sind gleich meiner Sünden viel, Gottes Huld ist ohne Ziel; denn uns Sündern, den Verlornen, gab er seinen Eingebornen. 2. Theuer, theuer hat erworben mich mein Heiland, Jesus Christ; er, der auch für mich gestorben, auch für mich erstanden ist; der zur Rechten Gottes sitzt, Jeden sieht und Jeden schützt. Der kann, er kann nicht haffen den, der sich will bessern lassen. 3. Du, der das Verborg'ne kennet, kennst auch mich und weißt allein, wie dies Herz von Sehnsucht brennet, ganz sich deinem Dienst zu weih'n. Lenke ferner meinen Sinn auf mein wahres Wohlfeyn hin. Lehrst du mich), was recht ist, wählen, werd' ich nie mein Heil verfehlen. Wider Unzufriedenheit und ängstliche Sorgen. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen zc. 438. Du flagst, und fühlest die Beschwerden des Stands, in dem du dürftig lebst; du strebest glücklicher zu werden, und siehst, daß du vergebens strebst. Ja, klage! Gott erlaubt die Zähren; doch denk im Klagen auch zurück. Ist denn das Glück, das wir begehren, für uns auch stets ein wahres Glück? 2. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter dem Menschen die Zufriedenheit. Die wahre Ruhe der Ge müther ist Tugend und Genügsamkeit. Genieße, was dir Gott beschieden; entbehre gern, was du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand auch seine Last. 3. Gott ist der Herr, und seinen Segen vertheilt er stets mit weiser Hand; nicht so, wie wir's zu wünschen pflegen, doch so, wie er's uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, daß seine Liebe dich vergißt? er Geduld und getroster Muth im Leiden. 419 giebt uns mehr, als wir verdienen, und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Lebens Kräfte in tråger Unzufriedenheit, beforge des Berufs Geschäfte und nütze deine Lebenszeit. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, ein ewig Glück in Hoffnung sehn, dies ist der Weg zu Ruh' und Leben. Herr! lehre diesen Weg mich gehn. Wider mürrische Blagen. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 439. Mensch! entehre nicht mit Klagen Gott, der dich zum Glücke schuf. Dieses Lebens Müh' zu tragen, froh zu seyn, ist dein Beruf. Murre nicht bei den Beschwer den; such', daß sie dir nützlich werden, und bet' Gottes Willen an auf der rauhen Lebensbahn. 2. Gott hat dir dein Loos beschieden; nimm's mit Dank aus seiner Hand; leiste jede Pflicht zufrieden, die dein Gott damit verband. Brauche, dies ist dein Geschäfte, treu und munter alle Kräfte, die dir Gott giebt väterlich; ihr Gebrauch ist Ruhm für dich! 3. 3war es hat des Himmels Segen Jenem mehr geschenkt, als dir! soll dies deinen Neid erregen? denk': wer ist Gott; wer sind wir? Gott weiß, was uns Ullen nüßet. Wenn er dich regiert und schüßet, giebt der Speiſe Freude zu: was fehlt dann zu deiner Ruh'? 4. Du prangst nicht mit hohen Würden, und was ist der Großen Glück?- Ach! sie seufzen unter Bürden; oft stürzt sie ein Augenblick. Reichthum ward dir nicht gewähret,- wer gern überfluß entbehret, ist beglückt und reich genug; wünschen mehr, ist Selbstbetrug. 5. Herr, du hast zum frohen Leben, was ich brauch', und mehr, verliehn. Laß mein Herz sich stets bestreben, sorgenvollen Gram zu fliehn. Die vertraun, dich fürchten, lieben, Demuth, Menschenliebe üben, deiner Güte mich zu freun: das soll mein Vergnügen seyn! 27* - 420 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. Christliche Menschenliebe. Werth und Natur derselben. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 440. Wenn Einer alle Kunst und alle Weisheit hätte, wenn er beredter noch, als Engelzungen red'te, und hätte doch dabei die wahre Liebe nicht, so wår' mit jenem doch vor Gott nichts ausgericht't. 2. Er wåre wie ein Erz, das zwar sehr helle klinget; sonst aber keine Frucht und keinen Nutzen bringet. Der Mensch, bei welchem man der Liebe Geist vermißt, ist einer Schelle gleich, die ohne Leben ist. 3. Wenn er weifsagen könnt', und hätte allen Glauben, so, daß er Wunderwerk' an Bergen, Blinden, Tauben erwies', und hätte doch die wahre Liebe nicht, fo wåre abermal damit nichts ausgericht't. 4. Wenn Einer all' sein Gut austheilete den Armen; wär' aber nicht erfüllt mit herzlichem Erbarmen, sollt er des Mårterthums sich ohne Liebe freun: so würde dieses selbst Gott nicht gefällig seyn. 5. Die Lieb' ist sanftmuthvoll, langmüthig und ge linde; sie ist dem Nächsten stets so willig als geschwinde, in Nöthen beizustehn; die Liebe eifert nicht; es schmerzt und krånket sie, wenn Jemand Leid geschicht. 6. Die Liebe ist nicht stolz, haßt und verachtet Keinen; verabscheut jede Lust, worüber Andre weinen. Die Liebe zürnet nicht, ist freundlich Jedermann, und wendet Schaden ab, wo sie nur immer kann. 7. Die Liebe ist betrübt, wenn unrecht wird gerich tet; die Wahrheit ist ihr werth und wer ihr treu beis pflichtet. Die Liebe decket gern des Nächsten Fehler zu, liebt und begünstiget Verträglichkeit und Ruh'. 8. Ohn' Argwohn denket sie das Beste nur von Alten; sie hoffet Besserung, wenn Jemand ist gefallen; verdammt nicht streng; vergiebt dem Nächsten gern die Schuld; erträgt den Widrigen mit Sanftmuth und Geduld. Christliche Menschenliebe. 421 9. So mancher Borzug wird, der hier galt, dort aufhören; die Liebe und ihr Werth wird dort noch stets fortwähren. Der Glaube endigt sich mit dieser Pilgerzeit; allein die Liebe bleibt in alle Ewigkeit. 10. O Jesu, der du bist das Muster aller Liebe! verleihe, daß auch ich rechtschaff'ne Liebe übe. Gieb, daß ich allezeit und herzlich Jedermann zu dienen sey bereit, wo ich nur soll und kann. Mel. Ach Gott vom Himmel* c. 441. himmlische Barmherzigkeit, die Jefus uns anpreifet! o himmlische Glückseligkeit, die er zum Lohn anweiset dem, der gleich Gott barmherzig ist! o du, der du mir Ulles bist, pflanz' sie in meine Seele! 2. Die göttliche Barmherzigkeit rühmt Jedermann auf Erden; wenn aber Jesus uns gebeut, gesinnt wie Gott zu werden, verschließt der Mensch oft Herz und Ohr, da wankt der Glaube wie ein Rohr, ist kalt und ohne Leben. 3. Wir hoffen auf Barmherzigkeit bei Gott im ganzen Leben; mitleidig soll er jederzeit uns wohlthun und vergeben, und wåren gleichwohl nicht bereit zu dem, was Jesus uns gebeut, zum herzlichen Erbarmen? 4. Bedenke, wie barmherzig sich Gott gegen dich erzeiget. Erwäg' es ernstlich; siel, ob dich dies noch nicht rührt und neiget, gesinnt zu seyn, wie Gott es ist? bedenk', was ferner Jesus Christ und selbst dein Herz bezeuget! 5. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der lieblos war; Gott achtet nicht auf sein Gebet und Flehen. Verwerfung droht sein Angesicht dem, der der Liebe sanfte Pflicht erkennt und nicht geübet. 6. Wen nicht des Bruders Flehn erweicht, wer hart sein Herz verschließet, dem, der's bedarf, die Hand nicht reicht, sein Leid ihm nicht verfüßet, nicht Undre labet und erfreut, dem wird, so ängstlich er auch schreit, Gott nicht erfreun, noch hören. 422 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. 7. Ich will, o Herr, barmherzig seyn, stets auf dein Muster sehen; den Nächsten, wo ich kann, erfreun, mit Rath und That beistehen; gieb, daß sein Schmerz und seine Noth mich stets so rühre, wie du Gott dich über mich erbarmeſt. 8. Du übst so viel Barmherzigkeit an uns schon hier auf Erden: so mache nun mein Herz bereit, auch ähnlich dir zu werden, daß es von dem, was du beschert, dem Nächsten auch sein Theil gewährt, den Dürftigen erquicket. 9. Hålt mancher Reiche dieser Welt oft Herz und Hand verschlosseu: so mach' in dem, was dir gefällt, mein Herz stets unverdroffen, damit es dir, o Vater, gleich, an Liebe and an Mitleid reich, nie wohlzuthun ermüde. 10. Gieb mir ein Herz, das Jeden liebt, daß von den guten Gaben, die du mir giebst, gern wiedergiebt, die Dürftigen zu laben. Mach' mich nach deinem Ebenbild mitleidig, schonend, sanft und mild: so bin ich dein Kind! Amen! Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 442. Allen Christen und auch mir hat der Herr dies vorgeschrieben: euren Nächsten sollet ihr, als euch selbst, von Herzen lieben; wer ihn haffet, schlägt ihn todt, und die Mörder haffet Gott. 2. Wir sind Bürger einer Welt, Kinder eines Vaters, Brüder, die er huldreich stets erhålt; alle eines Leibes Glieder, die sein weiser Allmachtsruf Alle sich zu dienen schuf. 3. Eine sterbliche Natur hat uns Allen er gegeben, und auch eine Hoffnung nur, Hoffnung auf ein kurzes Leben; eine Straf und Seligkeit wartet unsrer nach) der Zeit. 4. Ehre, Reichthum, Würde, Stand, Kraft des Körpers, Geistesgaben, und was wir aus Gottes Hand sonst für einen Vorzug haben: alles dies befreit uns nicht von der Menschenliebe Pflicht. Christliche Menschenliebe. 423 5. Selbst der Gaben Unterschied knüpft das große Band auf Erden: Jeder, wenn er sich bemüht, kann dem Undern nüglich werden; den, der hier dir dienen muß, nährt mit Recht dein Überfluß. 6. Nach dem dir vertrauten Pfand messen sich auch deine Pflichten. Gab Gott viel in deine Hand, so haft du viel zu entrichten. Dies bestimmt dein Lohn; dein Knecht hat mit dir dort gleiches Recht. 7. Dein Erlöser sagt es dir: wer hier der Geringsten einen pflegt, der thut es selber mir; denn ihr Alle fend die Meinen. Mancher, den die Welt verschmäht, ist und wird vor Gott erhöht. 8. Darum, Gott, gieb mir ein Herz, das von Men-= schenlieb' entbrennet, auch in Niedrigkeit und Schmerz seinen Nächsten nicht verkennet, nie voll eitlen Wahns vergißt, daß auch er mein Bruder ist. 9. Ja, gieb, großer Menschenfreund, Jesu! daß ich auf der Erde, allem Stolz und Neide feind, dir in Allem ähnlich werde, um der Hoffnung mich zu freun, ewig einst bei dir zu seyn. Mel. OKönig, dessen Majestät zc. 443. Der du die Liebe selber bist, und gern uns Menschen segnest; ja selbst dem, der dein Feind noch ist, mit Wohlthun doch begegnefl! o bilde meinen Sinn nach dir, und laß mich doch, mein Heiland, hier nach deinem Vorbild wandeln! Die können keine Christen seyn, die sich nicht Andrer Wohlfarhrt freun, die menschenfeindlich handeln. 2. Dein Leben in der Sterblichkeit war für die Menschen Segen; dir folgten Lieb' und Freundlichkeit auf allen deinen Wegen. Wohin du gingst, ging Wohlthun mit; dein Wort, dein Werk und jeden Schritt begleitete Erbarmen. Du übernahmst die schwerste Pein, uns vom Verderben zu befrein, und starbst zum Heil uns Urmen. 3. Auch jetzt noch auf des Himmets Thron bist du das Heil der Sünder. Auch da bleibst du, o Gottes Sohn, 424 Berveis der Gottseligkeit und Tugend. ein Freund der Menschenkinder. Du schaffst den Deinen wahre Ruh', und die Berirrten suchest du auf rechten Weg zu leiten. Du hörst der Seufzenden Gebet, und brauchest deine Majestät, um Segen auszubreiten. 4. laß in meiner Pilgrimschaft mich auf dein Vorbild sehen. Erfülle mich mit Lust und Kraft, dem Nächsten beizustehen, betrübter Herzen Trost zu seyn, mich mit dem Fröhlichen zu freun, mit Weinenden zu klagen. Laß mich dem, der sein Herz mir weiht, ein Herz voll frommer Redlichkeit und Treue nicht versagen. 5. Laß mich mit brüderlicher Huld des Nächsten Fehler decken. Und ihn durch Sanftmuth und Geduld zur Besserung erwecken. Und sündiget er gegen mich, so neige meine Seele sich verzeihend auf sein Flehen, dann wird mich in der bessern Welt, die nur Beglückte in sich hält, der Liebe Lohn erhöhen. Mel. Gott, du frommer Gott zc. 444. Gieb mir, o Gott, ein Herz, das jeden Menschen liebet, bei seinem Wohl sich freut, bei seiner Noth betrůbet; ein Herz, das Eigennuß und Neid und Härte flicht, und sich um Andrer Glück als um sein Glück bemüht. 2. Seh' ich den Dürftigen, so laß mich liebreich ei len, von dem, was du mir giebst, ihm hůlfreich mitzutheilen. Laß mich es willig thun, nicht, um gerühmt zu seyn und mich verchrt zu sehn; nein! Menschen zu erfreun. 3. Dies sey mein Gottesdienst. Auch unbemerkt von ihnen, muß Andern stets mein Herz mit Rath und Hülfe dienen. Mich treibe nicht erst Dank zu milder Wohlthat an; nein, mas ich Brüdern thu', das sey dir, Gott! gethan. 4. Ein Trunk, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet, ein Blick voll Trost, mit dem mein Herz Bedrängte segnet, ein Rath, mit dem mein Mund im Kummer Undre stårkt, nichts bleibt, so klein es ist, vor dir, Herr! unbemerkt. 425 de Christliche Menschentiche. 5. Eilt wo ein boshaft Herz, Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam seyn, der Brüder Zwist zu schlichten; aus Schmähsucht störe nie mein Mund des Nächsten Ruh'; er rühme sein Verdienst, deck' seine Fehler zu. 6. Die Rach' ist dein, o Gott! du sprichst: ich will vergelten. Drum laß mich stille seyn, wenn Menschen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzeih', der mir zu schaden sucht; den liebe, der mich haßt; den segne, der mir flucht. 7. Doch laß mich nicht allein auf zeitlich Bohlergehen mit eingeschränktem Blick bei meinem Nächsten fee hen. Noch stärker müsse mich sein ewig Glück erfreun; noch mehr sein Seelenheil mir angelegen seyn. 8. Den, der im Glauben wankt, im Glauben zu bestårken; den, der sich elend macht mit lasterhaften Werken, von der verkehrten Bahn auf rechten Weg zu ziehn, dazu verleih' mir Kraft und segne mein Bemühn. 9. O heilige du selbst, Herr! meiner Seelen Triebe durch deine Lieb' und Furcht zu wahrer Menschenliebe. Wer nicht den nächsten liebt, geht nicht zum Himmel ein. Laß diese Wahrheit, Gott, mir stets vor Augen seyn! Evangelische Bewegungsgründe zur Menschenliebe. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 445. So Semand spricht: ich liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott, und handelt ganz dawider. Gott ist die Lieb', und will, daß ich den Nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wir haben einen Gott und Herrn, sind eines Leibes Glieder; drum diene deinen Nächsten gern; denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich; mein Nächster ist sein Kind, wie ich. 3. Sein Heil ist unser aller Gut. Ich sollte Brüder haffen, die Gott durch seines Sohnes Blut so theu'r er kaufen lassen? daß ich durch Christum ward verfühnt, hab' ich dies mehr, als sie, verdient? 426 Beveis der Gottseligkeit und Zugend. 4. Du schenkst mir tåglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen! ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeihn, dem du vergiebst? und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier gethan, den Kleinsten auch von diesen, das siehst du, mein Erlöser! an, als hätt' ich dir's erwiesen. Und ich, ich sollt' ein Mensch noch seyn und dich in Brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihm flehen. Drum gieb mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist. Mel. Ach, was soll ich Sünder zc. 446. Sollten Menschen, meine Brüder, mir, o Gott, nicht theuer seyn? sollt' ich sie nicht gern erfreun? sie sind alle Christi Glieder, dessen, der für Alle starb, Allen Gottes Huld erwarb. 2. Er hat All' aus einem Blute stammen lassen, Alle sind seyn, und Jeder ist sein Kind; All' erkauft mit einem Blute, Alle Erben seines Sohns, Erben eines Gnadenlohns. 3. Gottes Kinder sollt' ich haffen? lieblos, unbarmherzig seyn? meinem Feinde nicht verzeihn? keine Schulden ihm erlassen? Gott, nicht fürchten dein Gericht? dein Erbarmen achten nicht? 4. Der du für die Übelthäter Schonung flehtest, und die Last unsrer Schuld getragen hast, großer Mittler und Vertreter! es versöhnte Gott durch dich eine Sünderwelt mit sich. 5. Wenn mein Herz, vom Hang zur Sünde hingeriffen, dich verkennt, und zu Haß und Rach' entbrennt, überwind', o überwinde meinen Haß, und laß mich sehn in den Tod für uns dich gehn. 6. Wie dir deine Augen flossen, als dein Aug' um mich geweint; wie du, großer Menschenfreund, auch für Christliche Menschenliebe. 427 mich dein Blut vergossen, wie du littest auch für mich, dies zeig' meiner Seele sich! 7. Dein Wort schall' in meine Ohren:» was ich that, geschah für dich; wer den Bruder liebt, liebt mich. Wer nicht liebet, ist verloren, Gottes Zorn ist über ihm! Gottes Zorn ist über ihm!«< 8. O so hilf mir, daß ich übe, was dein Wille mir gebeut, Nachsicht, Sanftmuth, Gütigkeit; daß ich, wie du liebtest, liebe, innig liebe; milde, treu, sanft und leicht versöhnlich sey. 9. Ja! ihr, eines Hauptes Glieder, Christi, der für Alle starb, Allen Gnad' und Huld erwarb! lieben will ich euch als Brüder, für euch beten, euch erfreun, wohls thun, dulden und verzeihn. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 447. Hilf, Sefu, daß ich meine Nächsten liebe, durch lieblos Richten ihn niemals betrübe, ihn nicht verleumde, noch durch falsche Rånke sein Wohlseyn krånke. 2. Vielmehr laß seine Schwächen, seine Flecken, wo Pflicht es zuläßt, liebevoll bedecken; und auf mich selbst, wenn Undre sich vergehen, mit Vorsicht sehen. 3. Hilf, daß ich weislich ihn zu bessern trachte, und seiner Seelen Wohl höchst theuer achte. Denn du haft selbst für uns in Todesbanden viel ausgestanden! 4. Was andre Menschen Gutes an sich haben, laß mich erkennen, Herr! als deine Gaben. Es müsse nie mein Herz des Nächsten Freuden und Glück beneiden! 5. Gieb, daß ich nie zum 3orne leicht entbrenne, auch größres Glück dem Nächsten freudig gönne; in Trübsal ihm des Mitleids Thränen schenke, nie Arges denke. 6. Laß mich, mein Heiland, immer mehr auf Erden an Lieb' und Gütigkeit dir ähnlich werden; und so wie du selbst die, die mich betrüben, selbst Feinde lieben. 7. Dann steh' ich auch bei dir, mein Gott, in Gnaden, wenn Steider, wenn Verleumder mir auch scha 428 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. den; du wirst mich schützen und mit deinen Treuen ewig erfreuen. Dienstfertigkeit, Barmherzigkeit und Mildthätigkeit. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 448. Du aller Menschen Vater, du gütigster Berather in Allem, was uns drückt! du låsfest uns zufließen, was wir hier Guts genießen, du bist's, der unser Herz erquickt. 2. Du läßt dich von uns Sündern durch Undank nicht verhindern, uns segnend zu erfreun. Zu ew'gen Seligkeiten uns Sterbliche zu leiten, ist Weisheit, Macht und Güte dein. 3. Wie groß ist deine Milde! barmherz'ger Vater, bilde mein Herz nach deinem Sinn, daß ich der Noth der Armen mich willig mög' erbarmen; nimm alle Härte von mir hin... BODNY 4. Gieb, daß ich willig gebe, mich wohlzuthun be strebe, so wie mein Heiland that, der göttliche Erbarmer! den kein bedrångter Urmer vergebens je um Hülfe bat. 5. Erhalt' in mir die Triebe der mitleidsvollen Liebe. Wie du mir Guts gethan, so laß um deinetwillen mich Andrer Noth gern stillen, so oft ich sie nur stillen kann. 6. 3um Fleiß in guten Werken laß mich die Hoff nung stärken: vor dir, dem Herrn der Welt, der frohe Geber liebet, sen, was man willig giebet, ein Opfer, das dir wohlgefällt. 7. Laß mich hier reichlich såen. Denn, Herr, was hier geschehen, folgt uns in jene Zeit. Wer hier gern hilft und giebet und sich im Wohlthun übet, der erntet dort die Herrlichkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 449. Wie felig lebt ein Mensch, der Dienstbegierde kennet, großmüthig wohlzuthun aus Menschenliebe bren Dienstfertigkeit, Mildthätigkeit. 429 net; der, wenn ihn auch kein Eid zum Dienst der Welt verbind't, Beruf und Eid und Amt schon in sich selber find't. 2. Dir, Höchster, ahmt er nach, dir, als dein Bild, zu gleichen; durch Dienstbeflissenheit sucht er dies zu erreichen; er hålt für eig'nes Wohl sich nicht allein gemacht; er hält sich für die Welt von dir hervorgebracht. 3. Die Welt, denkt er, hat Recht auf meinen Dienst und Kräfte: ihr nüßen, ist für mich ein seliges Geschäfte. Als Glieder schuf uns Gott, als Bürger einer Welt, in der des Einen Hand die Hand des Undern hält. 4. So denkt der Menschenfreund; und das ist sein Bestreben, so treu, als er sich lebt, zum Wohl der Welt zu leben. Ihm wird des Nächsten Heil sein eignes Himmelreich; er fühlet fremde Noth, als tråf' ihn selbst der Streich. 5. Er eilt, dem, der's bedarf, mit Hülfe beizustehen; sein Unsehn und sein Freund, sein Stand, sein Wohlergehen sind Mittel, die er braucht, behülflich gern zu seyn, und einen Leidenden mit Troste zu erfreun. 6. Was Undrer Noth erheischt, das reizet seine Triebe auch ohne Ruhm und Lohn zu wahrer Menschenliebe. Kein Stolz, noch Eigennuß wirkt seine Gütigkeit; er sieht auf seinen Gott, der Liebe ihm gebeut. 7. So laß mich auch gesinnt, mein Gott, durch Chriftum werden; voll regen Eifers sey mein Leben hier auf Erden, so nüglich, als ich kann, dem Nächsten stets zu seyn! dann geh' ich) einst, o Gott, ins Reich der Liebe ein. Mel. Mir nach, spricht Christus zc. 450. Wer dieser Erden Güter hat und sieht den Nächsten leiden, und macht den Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden: der ist ein Feind der ersten Pflicht, und liebt dich, Gott der Liebe! nicht. 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht und gern fie schmähen höret, sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum Besten kehret, nicht dem Verleumder widerspricht: der liebet feinen Nächsten nicht. 430 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schuß den Nächsten unterstützet, doch nur aus Stolz und Eigennut, aus Weichlichkeit ihm nüßet; nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht: auch der liebt seinen Nächsten nicht. 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn ein Dürft'ger erst erscheinet, nicht eilt, dem Armen beizustehn, der im Verborgnen weinet, nicht gütig forscht, ob's ihm gebricht: auch der liebt seinen Nächsten nicht. 5. Wer Niedre, wenn er sie beschirmt, mit Hårt und Vorwurf quâlet, und ohne Nachsicht straft und stürmt, sobald sein Nächster fehlet; wie bleibt bei ſeinem Ungestům, Gott, deine Liebe wohl bei ihm! 6. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rath und That nicht wachet, dem übel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet, nur sorglos ihnen Gaben giebt, der hat sie wenig noch geliebt. 7. 3war du, mein Herz, vermagst es nicht, stets durch die That zu lieben. Doch, bist du nur geneigt, die Pflicht getreulich auszuüben, und wünscheft dir die Kraft dazu und strebst dafür: so liebeft du. be 8. Ermattet dieser Trieb in dir, so suc)' ihn zu leben! denk' oft: Gott ist die Lieb', und mir hat er sein Bild gegeben. Ja, Höchster, was ich hab', ist dein; follt' ich, wie du, nicht gütig seyn? Friedfertigkeit, Sanftmuth und Versöhnlichkeit. Mel. D Gott, du frommer Gott zc. 451. Von dir, liebreicher Gott! muß Fried' und Eintracht kommen, der du uns gnådiglich zum Frieden aufge nommen. Dir ist die Eintracht lieb, du hasfest Streit und Groll und lehrest, wie man hier recht einig leben soll. 2. Drum flehen wir zu dir um deines Geiftes Gabe, daß Jeder hier ein Herz geneigt zum Frieden habe. Gieb, daß wir allesammt im Guten einig seyn: so sammeln wir zugleich die Frucht des Friedens ein. Friedfertigkeit, Sanftmuth, Versöhnlichkeit. 431 3. Laß Eins dem Undern stets zum wahren Beistand werden, daß ein bedrängtes Herz in allerlei Beschwerden von seinem Nächsten Trost und Hülfe kommen seh', und daß ein Bruder ja den andern nicht verschmäh'. 4. Laß uns in Einigkeit stets bei einander wohnen, und duld' uns allezeit mit gnädigem Verschonen. Laß unter deinem Volk die Eintracht herrlich blühn, bis wir aus Krieg und Streit zum ew'gen Frieden ziehn. Mel. Sollt' ich meinem Gott 2c. 452. Gott, der du die Menschen liebest, der du nicht ein strenges Recht, sondern ewig Gnade übest an dem fündlichen Geschlecht! laß mich deinen Geist beleben, daß ich, Bater! als dein Kind, liebreich sey, wie du, gefinnt. Herr, du wollst den Sinn mir geben, der bei Fehlern Nachsicht zeigt und mit Sanftmuth spricht und schweigt. 2. Laß mich meines Nächsten schonen, willig tragen seine Last; und so lang' ich hier soll wohnen, bleibe Zanksucht mir verhaßt, denn das ist, o Gott! dein Wille, und die Eintracht liebest du; o so hilf auch mir dazu! gieb ein Herz mir, das die Stille und den Frieden sucht und liebt, das für Rache Sanftmuth übt. 3. O das Leben wird erschweret durch des 3ornes Leidenschaft! Banksucht, Groll und Haß verzehret nach und nach des Körpers Kraft, hemmt den Lauf von unsern Jahren, macht zum Himmel ungeschickt. Herr, der auf mich Schwachen blickt, ach! du wollest mich bewahren, daß des Fachzorns Raserei nie des Herzens Meister sey. 4. Wer mir flucht, den will ich segnen, so wie mein Erlöser that, und dem nachsichtsvoll begegnen, der zum Banken Neigung hat. Für die Feinde will ich beten; und vor dich, du Friedensfürst, wenn du Menschen richten wirst, ausgeföhnt mit ihnen treten. Gott des Friedens! stärke du mich mit deiner Kraft dazu. 5. Ewig Heil ist dem beschieden, der nach frommer Eintracht strebt. Höchster! gieb mir deinen Frieden, der 432 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. zur Sanftmuth uns erhebt; er regiere Herz und Sinnen! denn, wenn er das Herz regiert, wird, was zu der Zwie tracht führt, niemals übermacht gewinnen! bis einst in der Herrlichkeit ew'ger Friede uns erfreut. Mel. Herzliebster Jesu, du haft 2c. 453. Herr, mein Versöhner, der du für mich littest, und noch zur Rechten Gottes für mich bittest! erweck in mir, du Muster wahrer Liebe, der Sanftmuth Eriebe. 2. Wann hast du jemals Haß mit Haß vergolten? du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten; du segnetest mit Wohlthun nicht bloß Freunde, nein, selbst auch Feinde. 3. Und ich, Herr! sollte mich den Deinen nennen, und doch von Rachgier gegen Andre brennen? ich sollte jemals Haß mit Haß vergelten und wieder schelten? 4. Kann ich wohl Vater zu dem Höchsten sagen und Groll im Herzen gegen Brüder tragen? darf ich, wenn Gott mir soll die Schuld verzeihen, um Rache schreien? 5. Wer nicht vergiebt, der wird für seine Sünden bei dir, o Herr! auch nicht Vergebung finden. Dein Junger ist nur: der, wie du, vergiebet und Feinde liebet. 6. So heilige denn meiner Seele Triebe, mein Hei land! durch den Geist der wahren Liebe; vertilge durd) die Schen vor deinem Namen der Rachgier Samen. 7. Wenn meine Brüder sich an mir vergehen, so lehre mich ihr Unrecht übersehen. Laß mich, wenn sie mich auch empfindlich krånken, an dich gedenken. 8. Erwecke dann, o Herr! in meinem Herzen aufs neue das Gedächtniß jener Schmerzen, die du in deinen schweren Leidensstunden für mich empfunden. 9. Laß mich mit Sanftmuth meinem Feind begegnen; den, der mir flucht, wie du, großmüthig fegnen. Herr! mache gegen Alle, die mich hassen, mein Herz gelassen. 10. Will zu der Rachsucht mich die Furcht verführen, als würd' ich sonst mein ganzes Glück verlieren: o Herr! so laß mich, ihr zu widerstehen, auf dich dann sehen. Friedfertigkeit, Sanftmuth, Versöhnlichkeit. 433 11. Du schützest den, der redlich vor dir wandelt und überall nach deinem Vorbild handelt. Drum laß in Allem mich schon hier auf Erden dir ähnlich werden. Mel. Herzliebster Jesu, du hast 2c. 454. Herr, deine Sanftmurh ist nicht zu ermessen! wie viel hast du vergeben und vergessen! ach, führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe! 2. Du segnetest, die deinem Namen fluchten; du heiltest die, die dich zu greifen suchten, und zeigtest unter deiner Feinde Toben der Langmuth Proben. 3. Ach, glich ich dir, o Heiland! ich bekenne, daß ich noch oft von schnellem 3orn entbrenne, und mich vor dir gar leicht durch eigne Rache verwerflich mache. 4. Dir muß ich's wehmuthsvoll, mein Heiland! fla= gen: Beleidigungen kann ich schwer ertragen, und selten weiß fich, wenn mich Undre hassen, mein Herz zu fassen. 5. Vergieb mir, Herr! und wende mein Verderben! bei Zorn und Haß läßt sich dein Reich nicht erben. Und jener Tag vergilt nach strengem Rechte dem harten Knechte. 6. So hilf mir denn die Rachbegier ersticken! laß sich dein Bild in meine Seele drücken! so werd' ich mich versöhnlich finden lassen, den Feind nicht haffen. 7. Flucht mir der Feind, so laß mich, Herr! ihn segnen und seinem Grimm mit Freundlichkeit begegnen, daß mich das Böse, das ich dann empfinde, nicht überwinde. 8. Verleih' mir dies um deiner Sanftmuth willen, so erb' ich auch im Lande deiner Stillen die Seligkeit, wozu sie jenes Leben einst wird erheben. Mel. Ja, Christus ist mein Leben 2c. 455. Nie will ich wieder fluchen, wenn mir mein Hasser flucht; nie dem zu schaden suchen, der mir zu schaden sucht. 2. Ich will ihm sanft begegnen, nicht drohen, wenn er droht; schilt er, so will ich segnen; dies ist des Herrn Gebot. Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 28 434 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 3. Mein Heiland, der Gerechte, vergalt die Schmach mit Huld; die Wuth ergrimmter Knechte ertrug er mit Geduld. 4. Sollt' ich denn wieder schelten, da er nicht wieder schalt? nicht so den Haß vergelten, wie er den Haß vergalt? 5. Verläumdung dulden müssen, ist schwer; doch diese Pflicht wird leicht, wenn das Gewissen zu meiner Ehre spricht. 6. Dies will ich treu bewahren, so bessert mich mein Feind und lehrt mich klug verfahren, indem er's böfe meint. 7. Ich will die Fehler meiden, die er von mir ersann; auch die nicht an mir leiden, die er nicht wissen kann. 8. Durch Huld will ich mich råchen, an ihm das Gute sehn, und Gutes von ihm sprechen; wie könnt' er långer schmåhn? 9. Im Haß ihn zu ermüden, will ich ihm gern ver zeihn, und, als ein Christ zum Frieden, zum Wohlthun willig seyn. 10. Wenn, mich zu untertreten, ihn Güte mehr er hitzt, so will ich für ihn beten, und Gott vertraun: Gott schützt. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt 2c. 456. Auen, welche nicht vergeben, wirst du, Richter! nicht verzeihn; troftlos werden sie im Leben, trostlos einst im Tode seyn; und Vergebung ihrer Sünden nie, so lang fie haffen, finden. YOP 2. Uch), wir alle sind Verbrecher, häuften alle Schulb auf Schuld; du, der Sünden ernster Rächer! habe doch mit uns Geduld. Sey uns gnådig, daß wir leben, und vergieb, wie wir vergeben. 3. Wir geloben's dir mit Freuden: willig wollen wir verzeihn; nie uns råchen, wenn wir leiden, nie zu dir um Rache schrein; täglich vor dein Antlitz treten und für unsre Feinde beten. Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit. 435 4. Stark' uns, Vater, deine Frommen, treu zu bleiben dieser Pflicht. Wenn wir in Versuchung kommen, so besiege sie uns nicht. Laß sie uns gewaffnet finden; laß sie uns schnell überwinden. 5. Mach' uns dir und deinem Leben, o Herr Jesu! gleichgesinnt! dann vergieb, wie wir vergeben Allen, die uns schuldig sind. Laß für unsere Verbrechen dann dein Blut verföhnend sprechen. 6. Wohl uns! Gott verzeiht uns Sündern, geht nicht mit uns ins Gericht, nimmt uns auf zu seinen Kindern, denkt der vor'gen Sünden nicht. Laßt uns beten, laßt uns kämpfen, alle Rache in uns dåmpfen. Aufrichtigkeit und Unsträflichkeit im Reden. Mel. O Haupt voll Blut und Wunden ic. 457. Wohl dem, der richtig wandelt, der als ein Wahrheitsfreund in Wort und Werken handelt, und das ist, was er scheint; der Recht und Treue liebet, und von dem Sinn der Welt, die Trug und Falschheit übet, sich unbefleckt erhält. 2. Wohl dem, der Lügen hasset, und der, so oft er spricht, so seine Reden fasset, daß er die Wahrheit nicht mit Vorbedacht verletzet, und der an keinem Ort dies aus den Augen setet: Gott merkt auf jedes Wort. 3. Wohl ihm! wenn sein Gemüthe, Herr, so die Wahrheit übt. Ihn leitet deine Güte, er wird von dir geliebt. Du wirst ihn einst erhöhen, wenn in der Wahrheit Licht beschämt die Falschen stehen, geschreckt durch dein Gericht. ur 4. Herr! drücke diese Sache tief in mein Herz mir ein, daß ich's zur Pflicht mir mache, der Lügen Feind zu seyn. Erinn're mein Gewissen, du hasfest Heuchelei, damit ich stets befliffen der Treu' und Wahrheit sey. 5. Laß niemals mich versprechen, was ich nicht halten kann, auch nie Zusagen brechen, die ich einmal gethan; 28* 436 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. nie mich den Stolz verleiten, und nie des Beispiels Macht, als Wahrheit auszubreiten, was ich doch selbst erdacht. 6. Doch laß zu allen Zeiten auch deiner Weisheit Licht, Herr, meine Eeele leiten, damit ich meine Pflicht mit Klugheit üb', und wisse, wann ich für Andrer Wohl und für mich reden müsse, und wann ich schweigen soll. 7. Wenn je, um mich zu drücken, des Feindes Unschlag gilt, der sich bei bösen Tücken in guten Schein verhüllt, so stärke meine Seele, daß sie nicht unterliegt, und Alles dir befehle, durch den die Unschuld siegt. 8. Ein Herz voll Treu und Glauben, das, Gott! zu dir sich hålt, das soll mir Niemand rauben: so kann ich aus der Welt einst mit der Hoffnung gehen: ich werde, als dein Kind, dich mit den Frommen sehen, die reines Herzens sind. Mel. Ach Gott vom Himmel ic. 458. Die 3unge, die vernehmlich spricht, hat dir dein Gott gegeben. Welch ein Geschenk! mißbrauch es nicht; sie bringet Tod und Leben; man fluchet und man lobt damit; ach Gott, erhöre meine Bitt, daß ich sie recht gebrauche. 2. Laß doch in meines Herzens Grund, Gott, deine Furcht stets wohnen; gewissenhaft wird dann mein Mund der Wahrheit Rechte schonen. Und wohl dem, der von Schmeichelei, List, Lästersucht, Verstellung frei, nicht mit den Lippen fündigt! 3. Auf deinen Ruhm und Undrer Wohl soll stets mein Sinn sich lenken; dies will ich, wenn ich reden soll, auch stets mit Ernst bedenken. Gott, deiner Ehr', des Nächsten Nutz, der Tugend Ruhm, der Unschuld Schuh sey Herz und Mund gewidmet. 4. Web dem, der frech und ungescheut mit Falsch heit und mit Lügen die Wahrheit und sich selbst entweiht! weh dem, deß Worte trügen! dem Schwur und Fluch 437 on Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit. gewöhnlich ist, und der mit Tücken und mit List den Nächsten hintergehet! 5. Die Falschheit schåndet, bringet Müh', ist eine Frucht der Hölle; lehr' mich sie haffen, daß ich nie mich Lügnern zugeselle. Die Wahrheit ehren, bringet Ruhm und ziert das wahre Christenthum; auch mir sey fie stets heilig! 6. Gieb mir, o Gott! ein reines Herz, und laß mich Spottereien, schandbare Worte, frechen Scherz mit heil'gem Eifer scheuen; was ehrbar, Andern nüßlich ist, das laß mich reden als ein Christ, zu rechter Zeit auch schweigen. Mel. Alle Menschen müssen zc. 459. Redlich will ich mich bestreben, stets der Wahrheit Freund zu seyn; denn zu jenem Freudenleben geht kein frecher Lügner ein. Gott! vor deinem Angesichte werden sie beschämt zunichte, so wie Satans Trug und List, der der Lügner Vater ist. 2. Undern zu Gefallen lügen, teeren Schwäßzern gleich zu seyn, heucheind Brüder zu betrügen, Herr! dies falle mir nicht ein! Wahrheit leit' an allen Orten mich in Werken und in Worten. Redlich sey des Herzens Grund, redlich sprech' auch stets der Mund. 3. Die der Falschheit sich ergeben, sind vor dir, o Gott, ein Gråul, und ein freudenleeres Leben bleibet einst gewiß ihr Theil. Hier schon trifft verdiente Schande sie bei Redlichen im Lande; jeder wahre Menschenfreund ist der Falschheit Rånken feind. 4. Schmåht mich, ohne mein Verschulden, der Verläumder Låstermund: Herr, so laß mich still erdulden; einst wird doch die Wahrheit kund. Darf ich ja nicht långer schweigen, meine Unschuld zu bezeugen: o so gieb, daß stets dabei Herz und Mund voll Sanftmuth sey. 5. Daß du, Herr, an jedem Orte meines Wandels Beuge bist; daß nicht eines meiner Worte deinem Ohr verborgen ist: dies sey stets mir im Gemüthe, daß id) 438 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. mich vor Lügen hüte; denn du liebst den Wahrheitsfreund, und bist falschen Herzen feind. Billigkeit und Gerechtigkeit. Mel. Kommt her zu mir ic. 460. Du liebst, o Gott, Gerechtigkeit, und haffest den, der sie entweiht, am Nächsten Unrecht übet. Du bist's, der Jedem seinen Lohn ohn' alles Ansehn der Person nach) seinen Werken giebet. 2. Gerechter Gott! laß deinen Geist zu dem, was recht und billig heißt, stets meine Seele lenken. Nie komm' es mir doch in den Sinn, aus schnöder Habsucht und Gewinn des Nächsten Recht zu krånken. 3. Pflanz' Redlichkeit in meine Brust, und laß mich stets mit wahrer Lust der Liebe Pflichten üben. Ein Herz, das nur auf Unrecht denkt, nur Schaden sucht und Andre krånkt, wie kann das Brüder lieben? 4. Nie seufze Jemand über mich! mein ganzes Herz bestrebe sich, dem Nächsten gern zu geben, was er mit Recht verlangen kann, und immerfort mit Jedermann in Einigkeit zu leben. 5. Laß mich beständig dahin sehn, mit Jedermann so umzugehn, wie ich's von ihm begehre, damit ich keines Menschen Herz durch meine Härte je mit Schmerz und Kümmerniß beschwere. 6. Herr! mit dem Maß, womit ich hier dem Näch)sten messe, wirst du mir dereinst auch wieder messen. Dies lehre stets mir Billigkeit, und lasse mich zu keiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen. Mel. Erhalt' uns, Herr, bei 2c. 461. Fern sey von Ungerechtigkeit, o Herr, mein Leben allezeit! sonst kann ich nicht dein Diener seyn, sonst deiner Gnade mich nicht freun. Billigkeit und Gerechtigkeit. 439 2. Wer Ungerechtigkeit verübt, den Nächsten um sein Gut betrübt, der achtet deinen Willen nicht, verletzt die offenbarste Pflicht. 3. Denn tief ins Herz schriebst du mir, Gott! und jedem Menschen dies Gebot: was du nicht willst, das dir geschicht, das thue auch dem Undern nicht. 4. Dein Wort, das Sündern Strafe droht, schårft mir dies heilige Gebot, frei von ungerechtem Gut zu seyn, mit noch viel größerm Ernste ein. 5. Dem drohet jederzeit dein Fluch, der seinem Nachsten durch Betrug, durch Dieberei an seinem Gut und seiner Habe Schaden thut. 6. Das Haus des Diebes ist verflucht, wird hier schon zeitlich heimgesucht, und dort trifft vollends dein Gericht den ungerechten Bösewicht. 7. Auf Buße, die er meint zu thun, kann nie dein Wohlgefallen ruhn, wenn er nicht redlich wiedergiebt, um was er Andre hat betrübt. 8. Sein Gottesdienst ist falscher Schein, macht er nicht Herz und Hånde rein von dem, was je sein böser Rath durch Macht und Lift entwendet hat. 9. Gieb, Herr! daß ich dies wohl bedenk' und nie durch Unrecht Andre krånk'. Es leite Geiz und Dürftigkeit mich nie zur Ungerechtigkeit. Christliches Verhalten in Absicht wahrer Freundschaft. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 462. Welch Glück, o Gott, ist Freundschaft hier, in diesem Pilgerleben! fie kann im Uluglück und im Glůck uns Trost und Freuden geben. Sie ist der Tugend starkes Band; vom Laster ab führt ihre Hand; sie ist des Himmels Vorhof. T 2. O Jesu, bester Menschenfreund, der du uns Sunder liebtest, nur das, was groß und edel heißt, uns hier 440 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. zum Beispiel übtest; so göttlich liebreich für uns starbst und Gottes Freundschaft uns erwarbst, uns ewig zu beglücken. 3. Schenk' mir auch einen frommen Freund!- nur du kannst ihn mir geben. der edel und rechtschaffen denkt, der mir in meinem Leben ein reizend Tugendmuster sey und bei mir standhaft und getreu im Glück und Unglück stehe. 4. Der meine Unvollkommenheit mit sanfter Schonung trage, mir Fehler ohne Bitterkeit, nur mich zu bessern, sage, der mich vor Sünden immerdar, vor Irrthum, Schaden und Gefahr an Leib und Seele warne. 5. Doch laß mein Herz vorsichtig seyn, mit wem es Freundschaft machet. Kein Spotter der Religion, der über Tugend lachet, kein Wollüstling, kein stolzes Herz, wer fühllos ist bei Andrer Schmerz, sey jemals mein Vertrauter. 6. Ein Mensch, vom Lafter angesteckt, wird mich auch leicht anstecken. Laß mich ihn fliehn als eine Pest, mich nicht durch ihn beflecken. Wie kann ein Mensch, der ohne Scheu stets Gott verleugnet, Menschen treu und redlich seyn und bleiben? 7. Doch, hab' ich einen wahren Freund von dir, o Gott, erhalten, so laß dann auch mein warmes Herz nie gegen ihn erkalten. Laß mich verschwiegen, redlich seyn, Neid, Falschheit, Argwohn, Schmeichelein und Eigennut stets fliehen. - 8. Gott, pråge du der Liebe Sinn so Freunden ein, als Feinden. Auch die, die meine Feinde sind, die mache mir zu Freunden! bild' unser Herz zur Einigkeit! lehr uns, daß jene Seligkeit sey wahre Lieb' und Freundschaft. Mel. Nun sich der Tag geendet zc. 463. Das Glück ist groß, das Gott mir schenkt in einem wahren Freund! der als ein Christ rechtschaffen denkt und treu es mit mir meint. 2. Man schåßt den Freund in Jedermann, wär' er auch nicht ein Chrift. Doch ganz unschäßbar ist er dann, ist er auch wahrer Christ. In Absicht auf wahre Freundschaft. 441 3. Als Wahrheits- und als Tugendfreund besitzet er mein Herz. Ich theil' mit ihm, der's redlich meint, mein Glück und meinen Schmerz. 4. Ich schmeck des Lebens Süßigkeit in doppelt starker Kraft, wenn mich das edle Glück erfreut, das so ein Freund verschafft. 5. Manch Leid umwölket mein Gemüth; ich klag' es meinem Freund, fühl, daß schon halb der Kummer flieht, wenn er nur mit mir weint. 6. Oft lindert mir sein guter Rath des Lebens herben Schmerz. Oft hilft er mir auch mit der That und froh dankt ihm mein Herz. 7. Freimuthig, ohne Bitterkeit, straft er mich, wenn ich fehl, und eig'ne Unvollkommenheit hält er vor mir nicht hebt. 8. Manch Wort, zu unsers Gottes Ruhm, theil ich mit ihm vertraut, und werd' in meinem Christenthum oft sehr durch ihn erbaut. 9. Ich freue mich mit ihm der Zeit, da uns in jener Welt, verklärt zum Glück der Ewigkeit, nichts mehr am Wohlfeyn fehlt. 10. Da wir, vor Gottes Thron vereint, von allen Mångeln rein, ihn sehn, den allerhöchsten Freund, mit ihm uns ewig freun. 11. O Gott! mein Gott, wie dank' ich dir, wenn so ein Freund mich schätzt. Ich bitte dich, erhalte mir dies Glück stets unverletzt. Sürbitte für abwesende Sreunde. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort zc. 464. Du, welchen keine Welt umschließt, der du allgegenwärtig bist mit allem deinem Segen, du großer Schöpfer, Jehovah, bist auch den fernen Freunden nah' auf allen ihren Wegen; du übersiehst, o Gott! sie ni; ach segne, Vater, segne sie! 442 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 2. Du selber trenntest sie von mir; da seufzte laut mein Herz zu dir, da floffen meine Thränen; ich suchte sie und fand sie nicht. Du, Menschenfreund! mein Angesicht verhüllt ein schmerzlich Sehnen. Doch du gabst meiner Seele Ruh': ich will ihr Gott seyn, sagtest du. 3. Sa! sey und bleib' ihr Freund, ihr Gott, ihr Schuß, ihr Retter aus der Noth, auf den sie sicher trauen! laß sie im Glanze deines Lichts die Gnade deines Ange sichts, dein Vaterherz sie schauen! stårt sie auf ihrer Pilgrimschaft bei jedem Schritt mit neuer Kraft! 4. Bau' ihnen Häuser; ohne Müh' bereich're sie und segne sie und auch noch ihren Samen. Gesegnet sey durch sie das Land, in welches sie dein Wink gesandt; mach herrlich ihren Namen! taß sie in Fried' und Wohlergehn einst ihrer Kinder Kinder sehn! 5. Gieb, daß sie ihrer Tugend Ruhm, ihr unverletz lich Eigenthum, einst durch den Tod begleite! beim Ster ben sey ihr Trost und Licht! ach! ihre 2sche ruht zwar nicht dereinst an meiner Seite! doch froher Trost! ein Tag erscheint, der ewig mich und sie vereint. 6. O, wie gedenk' ich dein so gern, du Tag des Lebens, Tag des Herrn! wann wird dein Licht erscheinen? Tag! der auch die mir wieder giebt, die ich, entfernt von mir, geliebt, die Seligen, die Meinen! wie wird sich unsre Seele freun! Gott, welche Wonne wird das seyn! Zufriedenheit und gewissenhafte Treue in seinem Berufe und Stande. Mel. Alle Menschen müssen zc. 465. Du, von dem wir Alles haben, Schöpfer, Vater, Herr der Welt! geben kannst du deine Gaben wem, und wie es dir gefällt; mannigfaltig und verschieden theilest du sie aus hienieden, weise stets, und wie du siehst, daß es uns ersprießlich ist. In der bürgerlichen Gesellschaft. 443 2. Mache Jeden doch so weise, daß er, was du ihm verliehn, sich zum Heil und dir zum Preise nützen mag, den Mißbrauch fliehn. Denn, was du mit milden Händen uns ertheilft, so anzuwenden, wie es, Höchster, dir gefällt, nüßet uns, beglückt die Welt. 3. Du verknüpftest uns als Glieder. Karger Eigennuß und Neid, Stolz und 3wietracht der Gemüther, Müßiggang und Weichlichkeit, was das Glück der Menschheit störet, was uns schåndet und entehret vor dir, unserm höchsten Herrn, sey auf ewig von uns fern. 4. Jedem laß uns willig geben, was er Recht zu fordern hat; nicht den Obern widerstreben, denn sie sind an deiner Statt. Ja! ein freudiges Gewissen wird uns jede Last versüßen, geben wir mit frohem Sinn schuld'gen Zoll und Steuern hin. 5. Dem, der mühsam für mich schwitzte, der mit seinen Kräften mir und mit seiner Arbeit nützte, dem gebühret Lohn dafür. Laß uns denn das Unrecht fliehen, Keinem Lohn und Sold entziehen; halten, was der Mund verspricht, sey uns immer heil'ge Pflicht. 6. Laß, wenn ich von Undern borge, zum Ersatz mich seyn bereit; Dankbarkeit sey meine Sorge und die strengste Redlichkeit. Laß uns dankbar unsern Brüdern Beistand, Hülf' und Rath erwiedern; Vorschub, den ein Freund uns thut, ist ja sein, nicht unser Gut. 7. Herr, bewahre unsre Hände von Betrug und Raube rein; Eigenthum, das ich entwende, würde Fluch und Tod mir seyn. Sind wir reich von fremden Schätzen, hilf, daß wir es bald ersetzen. Besser ist es, dürftig seyn, als sich des Geraubten freun. 8. Gieb, daß keiner neidisch sehe auf den, welcher mehr empfing, noch daß dieser stolz sich blåhe, Brüder achtend für gering. Gieb, daß Jedermann zufrieden mit dem, was du ihm beschieden, unverdroffen, emsig, treu hier in seinem Stande sey. 444 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 9. Herr, du ziehest einst uns Alle zur genausten Rechenschaft; gieb, daß dies uns nie entfalle, und uns so gewissenhaft hier auf Erden wandeln lehre, daß wir einst, gekrönt mit Ehre, mit der treuen Knechte Lohn fiehen dort vor deinem Thron! Christliches Verhalten der Obrigkeit und der Unterthanen. Mel. Herr Christ, du ein'ger zc. 466. Gott ist's, der eingesetzet den Stand der Obrigkeit, der den, der ihn nicht schäßet, zu strafen ernstlich draut. Die Gottes Stell' verwalten, soll man in Ehren halten aus Ehrfurcht gegen Gott. 2. Was sie Umts halber heißen, soll man sich weigern nie, Gehorsams sich befleißen, Gott bitten, daß er sie zur Weisheit möge lenken, damit sie stets bedenken, sie stehen unter Gott; 3. Daß sie von ihrem Leben, und was durch sie geschicht, einst Rechenschaft zu geben, dort müssen vor Gericht, auf daß von ihnen werde die anvertraute Heerde geliebet und verpflegt. 4. Durch sie wird uns gewähret Ruh', Sicherheit und Schutz. Sie schafft, daß uns nicht störet des kühnen Frevlers Truß. Sie setzet Ziel und Maße der Bosheit und dem Hasse, der uns zu krånken sucht. dan 5. So ist es denn auch billig, daß man Schoß, Dienst und Pflicht, die ihr gebühret, willig und unge säumt entricht'; daß nichts die Last und Bürde, die sie bei ihrer Würde trågt, ihr erschweren mag. 6. Wenn man zu Dienst nur stehet vor Augen und zum Schein, daß man der Straf' entgehet, da ist das Herz nicht rein. Wer das zu thun befliffen, was Liebe und Gewiffen gebeut, den liebet Gott. 7. Ach Herr, verleih' uns Allen, daß wir nach deis nem Wort den Obern zu gefallen bereit seyn immerfort, In der bürgerlichen Gesellschaft. 445 daß wir als treue Glieder dem Haupt nie seyn zuwider, das für uns sorgt und wacht. 8. Gott, der du uns gegeben rechtschaff'ne Obrigkeit, erhalt' fie lang' am Leben, sey ihr stets nah', und leit' sie so durch deine Gnade, daß Unruh', Súnd' und Schade durch sie werd' abgewandt. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 467. Gott, sey unsrer Obrigkeit stets nah' mit deiner Gnade; gieb, daß dein Geift sie sicher leit' auf ihrem fleiten Pfade. Verleih' ihr Weisheit, Muth und Kraft, daß sie ihr Amt gewissenhaft und freudig vor dir führe. 2. Laß unter ihrem Schuß und Macht uns deinen Segen spüren, daß wir, durch ihren Schuß bewacht, ein stilles Leben führen; daß nie Empörung, 3wift und Neid die Ruhe und die Einigkeit zu unserm Schaden störe. 3. Verleih' uns, Gott! dies große Gut, daß die, die uns regieren, in deiner Furcht mit sanftem Muth stets ihre Herrschaft zieren. Laß sie durch Ernst und noch viel mehr durch Huld, wie du, Allgütiger! des Landes Heil befördern. 4. Gieb denen Eifer, Fleiß und Treu', die unter ihnen leben; und Jeder, der gehorchet, sey dem, der befiehlt, ergeben. Und Feder sey in seinem Stand bei seiner Treu' von deiner Hand, Algütiger! gesegnet. 5. Laß deines Geistes Gnade ruhn, Ullherrscher, auf uns Allen; lehr' du selbst Haupt und Glieder thun nach deinem Wohlgefallen, und führe uns nach dieser Zeit ein in das Reich der Herrlichkeit, das ewig, ewig währet. Gebet der Unterthanen für ihren Sürsten. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 468. Dem Lande, dem du gnädig bist, Gott! wird ein Fürst geschenket, der seines Volkes Freude ist, wie Vater herrscht und denket. Shn hast du, Gott, auch uns verliehn; Preis dir! erhalte, segne ihn und uns durch ihn noch ferner. 69320 446 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 2. Laß deine Gnade mit ihm gehn auf seinem hohen Pfade. Sie, die auf dieser Höhe stehn, bedürfen deiner Gnade, bedürfen sie im höhern Maß; auf ihn, auf unsern Fürsten, laß sie reichlich sich ergießen. sp 3. Gieb, daß der Geist der Weisheit ihn bei jedem Schritte leite, daß seinen Vorsag und Bemühn dein Segen ftets begleite. Was ihn und uns, sein Volk, beglückt, was den, der Hülfe sucht, erquickt, sey ihm von dir gewähret. 4. Gleich ihm mach' die auch eifervoll, die ihm zur Seite stehen, zu wachen für des Landes Wohl, durch Tugend zu erhöhen. Was den Genuß des Friedens stört, mit Kummerniß sein Herz beschwert, sey fern von unsern Grenzen! 5. Erhöre seinen Wunsch und laß den Flor des Landes steigen, erhöre unsern Wunsch, und laß spåt seinen Tag sich neigen. Und, wenn nun seine Zeit entflohn, dann gieb ihm dort vor deinem Thron die Krone der Gerechten! Christliches Verhalten der Lehrer und Zuhörer in der Religionsgesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 469. Preis sey dir, der, uns zu beglücken, die einst nicht waren, werden hieß, und der, durch sie uns zu be glücken, sein Wort uns offenbaren ließ. Zu unserm Heile sendest du uns stets noch treue Lehrer zu. 2. Herr, segne ihres Amtes Werke, damit sie es mit Freuden thun; ach, ruste sie mit Muth und Stärke, laß deinen Geist auf ihnen ruhn, und gieb, daß Jeder vor dir treu im Lehren und im Leben sey. 3. Besonders gieb, o Heiland! Kräfte zu seinem Umt, Beruf und Stand dem, den zum Predigtamtsge schäfte du uns haft gnådig zugesandt. Hilf du ihm selbst, so wird allein sein Amt an uns gesegnet seyn. 4. Gieb, daß von dieser ganzen Heerde, die du, Herr! ihm hast anvertraut, kein Einziger verloren werde, In der kirchlichen Gesellschaft. 447 und daß sein Wandel uns erbaut, daß uns sein Vortag überzeugt und jeden Sünder zu ihm neigt. 5. Laß ihn mit deines Geistes Waffen der Wahrheit Feinden widerstehn; und muß er Laster hart bestrafen, laß ihn auf Menschengunst nicht fehn; gieb, wenn er trôstet, Kraft und Licht, uns felsenfeste Zuversicht. 6. Herr! segne so auch unser Hören; erwecke den, der geistlich todt; mach' uns die sanften Gnadenlehren zum wahren Labsal in der Noth; es zeige dein Gesetz die Kraft, die Reue, Schaam und Beff'rung schafft. 7. Knüpf' zwischen ihm und uns die Bande der Liebe und der Einigkeit. Was ihm gebührt in seinem Stande, sey Jeder ihm zu thun bereit. Wer Gott und sein Wort liebt und ehrt, der hält auch seine Diener werth. 8. Laß auch dereinst ihn, unsern Lehrer, o Gott! zu deiner Rechten stehn; und laß uns Alle, seine Hörer, mit ihm zur Himmelsfreude gehn. Da werden wir uns ewig freun und ewig mit ihm selig seyn. Mel. Allein Gott in der Höh' ic. 470. Dir, Welterlöser, Gottes Sohn, sey Preis und Dank gesungen! Einst, als du zu des Vaters Thron dich glorreich aufgeschwungen, da sandtest du den Geist herab, der deinen Boten Zeugniß gab, daß sie von dir gesendet. 2. Nun traten sie, ob Haß und Wuth sich noch so sehr emporten, doch auf mit unbesiegtem Muth vor aller Welt und lehrten, der Welt zum Heil und dir zum Ruhm, dein göttlich Evangelium; und deine Lehre siegte! 3. Herr, welche Schaaren stehen schon vor dir als Überwinder, empfinden dort vor deinem Thron das Heil erlöster Sünder, und beten an, und freuen sich und jauchzen, daß sie, Herr! durch dich den Weg zum Leben fanden! 4. Noch stets hat sie gesiegt durch dich, Sohn Gottes, deine Lehre; noch steht sie unerschütterlich, gleich einem Fels im Meere, und nimmermehr wird sie vergehn, wie sehr sie auch die Spotter schmåhn und deine Feinde haffen. 448 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. po 5. Laß ferner unter uns dies Licht in reinem Glanze strahlen und dadurch) Trost und Unterricht in unsre Herzen fallen. Laß Glauben, Hoffnung, Tugend, Fleiß zu unserm Heil und dir zum Preis' sich unter uns stets mehren. 66. Verleih und sende immerfort uns auch rechtschaff'ne Lehrer; gieb ihnen Kraft, und deinem Wort auch stets folgsame Hörer. Erfreue, stårk' und leite fie mit deinem Geist, damit sie nie in ihrem Fleiß ermüden. 7. Den guten Samen, den sie hier auf Hoffnung hin ausstreuen, laß doch, gesegnet, Herr, von dir, zu reicher Frucht gedeihen. So leben laß uns Alle hier, daß unfre Lehrer und auch wir dort froh vor dir erscheinen. ( Bergl. No 142.) würdiger Gebrauch der Gotteshäuser. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit 2c. 471. Sich', Gott, den schon im nähern Licht dort schauen unsre Brüder, mit gnadenvollem Angesicht auf unser Flehen nieder; vernimm das innige Gebet, das zu dir, Gott, um Segen fleht an dieser heil'gen Stätte! 2. An dieser Ståtte können wir vereinigt dich anbe ten; sey denn mit deinem Segen hier, so oft wir sie be treten; laß uns dein seligmachend Wort an diesem dir geweihten Ort zum Heil der Seelen hören! 3. Laß allen denen, die wir hier dir durch die Taufe weihen, das Recht der Kindschaft, Gott, bei dir in Chrifto angedeihen. Zur Eltern Sorgfalt und Bemühn, die Kin der christlich zu erziehn, gieb Segen, Kraft und Weisheit. 4. Wenn wir vor dir mit Reu' und Leid hier beichten unsre Sünden, so laß uns, Herr, Barmherzigkeit bei dir durch Jesum finden. Erlaff uns gnädig unsre Schuld und laß die Größe deiner Huld die Liebe zu dir mehren. 5. Laß, Mittler, hier auch immerdar uns deine Gnas dengaben, wenn wir voll Sehnsucht zum Altar uns nahen, Im Hausstande. träftig laben. Das Lebensbrod, der Lebenstrank entflamm' uns gegen dich zum Dank und stårk' uns in der Liebe. 449 6. Laß auf die hier vollzog'nen Eh'n, Gott, deinen Segen fallen; laß unsern Dank, Gebet und Flehn dir, Bater, wohlgefallen. Hor, wenn wir den Regentenstand, der Kirche und dem ganzen Land von dir, Gott, Heil erbitten. 7. Nun, Gott, sey uns gewähret. was wir für dieses Haus jetzt flehn, Treib' Feindschaft, Stolz und Bank Erfreu' uns stets an diesem Ort mit deiner Gnade, bis wir dort im nähern Licht dich schauen. hinaus, und was die Undacht störer. Christliches Verhalten im Hausstande. Sürbitte vor der Trauung der Eheleute. Mel. Wie schön leucht't uns ic. 472. Von dir, du Gott der Einigkeit, ward cinst der Chebund geweiht. O weih' auch die zum Segen, die hier vor deinem Ungesicht bereit stehn, die den Schwur der, Pflicht und Eintracht abzulegen. Laß sie, Vater, dir ergeben einig leben, treu sich lieben, treu die Pflicht der Christen üben. 2. Du hast sie sich geneigt gemacht, der Liebe Flammen angefacht, die ihre Brust entzünden. O laß die Regung lauter seyn, laß Untreu' nicht den Bund entweihn, zu dem sie sich verbinden. Immer laß fie dir ergeben friedlich leben, einig handeln, fromm und heilig vor dir wandeln. 3. O segne fie, der gern beglückt, der gern den Frommen Freude schickt auf allen ihren Wegen. Lehr' sie, in Noth sich deiner freun; gieb ihrem Stand und Fleiß Gedeihn; laß ihr Geschlecht im Segen! laß fie, Vater, dir ergeben glücklich leben, freudig sterben, mach' sie einst zu Himmelserben! Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 29 450 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Nach der Trauung. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 473. Gesegnet laß stets seyn durch dich, Ullgütiger, die, welche sich verbunden durch der Ehe Band zu steter Treu' mit Herz und Hand. 2. Mit Gnade schau' auf sie herab, daß sie zusammen bis ins Grab verträglich, freundlich, gleichgesinnt, vor allem gottesfürchtig sind. 3. Laß sie einander inniglich stets lieben, doch nic mehr, als dich; laß sie in ihrem Herzen rein und keusch in Wort und Werken seyn. 4. 3usammen laß sie dir vertraun, zusammen ihre Seel' erbaun, zusammen deinen Schuß erflehn, vereinigt auch dein Lob erhöhn. 5. Was ihnen ihr Beruf gebeut, laß sie mit Luft und Heiterkeit vor dir verrichten, und verleih', daß auch durch dich ihr Fleiß gedeih'. 6. Willst du mit Kindern sie erfreun, so gieb zu ihrer Zucht Gedeihn, daß an den Pfändern ihrer Eh' ihr Herz nie Gram und Jammer seh'. 7. Herr! Leibesfrucht ist dein Geschenk. Laß El tern, dessen eingedenk, mit Sorgfalt böses Beispiel fliehn, und ihre Kinder dir erziehn. 8. Wenn sie der Leiden Bürde drückt, so laß sie da nicht unerquickt, gieb heitre Tage nach dem Leid, und segn' es für die Ewigkeit. 9. Und wenn der Ted fie trennt, alsdann sieh' ihre Thrånen gnådig an, und einst vereine fie erfreut für im mer in der Ewigkeit. Das Glück und die Pflicht christlicher Eheleute. Mel. Wie schön leucht't uns 20. 474. Uns heilig soll der Eh'stand seyn: du, Schöpfer, setztest selbst ihn ein, versprachst ihm deinen Segen. Erhalt' und segne diesen Stand auch stets mit deiner Vater hand, wend' ab, was ihm entgegen. Stifter, Stifter! Im Hausstande. 451 dich erhöhen, die in Ehen sich dein freuen, durch dich blühen und gedeihen. 2. Wie glücklich lebt ein frommer Mann, wenn die sein Herz ihn abgewann, die Gott ihm ausersehen! wie glücklich lebt an seiner Hand die Fromme, die Gott ihm verband, ihm hülfreich beizustehen. Heil euch, Heil euch, fromme Gatten! in dem Schatten seiner Güte jauchzt mit fröhlichem Gemüthe. 3. Sie sind Gesegnete des Herrn, von ihnen ist der Argwohn fern, um sie glänzt holder Friede. Häuft auch die Last des Kreuzes sich, sie tragen sie gemeinschaftlich und so macht sie nicht müde. Wenn sie beten, will's Gott hören, Leiden wehren, Schmerzen lindern und des Lebens Bürde mindern. 4. So wie sich breitet um ein Haus ein rebenreicher Weinstock aus: so blühn oft Eh'genossen. Und rings umpflanzen ihren Tisch die Kinder fröhlich, munter, frisch, wie junge Frühlingssproffen. Sorgt nicht, Våter! wie viel Kinder, so viel Beter zählt ihr Mütter. Sorg' und Müh' ist minder bitter. 5. Gott, du hast Alles wohl gemacht; du hast den Eh'stand hochgeacht't, daß ihm kein Segen fehle. Laß Gatten nicht den Bund entweihn, keusch laß sie, friedsam, zårtlich seyn, ein Herz und eine Seele; heil'ge, heil'ge, Geist der Liebe! ihre Triebe, deine Gnade leite sie auf jedem Pfade. 6. Lenk' ab ihr Herz von üppigkeit auf Freuden, die man nie bereut, auf Freuden wahrer Tugend, damit noch einst ihr Alter sey von drückenden Beschwerden frei, noch munter wie die Jugend. Segne, segne, bester Vater, Nährer, Rather, Schuß der Ehen! Alle, die um Segen flehen. Sür eine mit Leibesfrucht gesegnete Ehefrau. Mel. Es wolle uns Gott zc. 475. Du haft, o weiser Schöpfer, mir jetzt Leibesfrucht gegeben; von Herzen dank ich dir dafür. Laß, Herr, sie nun auch leben! es kann dein liebreich Augen29* 452 Beweis der Gottseligkeit und Zugend. merk vor allem übel decken. So schütz' denn deiner Hande Werk und mich vor Furcht und Schrecken, vor Schwermuth, Ungst und Unfall. 1604 2. Schmůck meines lieben Kindes Seel' mit Weiss heit und Verstande, daß es den Zugendweg einst wähl' und fliehe Sund' und Schande. Gesundheit schenke seinem Leib; du kannst Gebrechen wehren. Und wenn, o Gott, ich schwaches Weib mein Kind nun soll gebähren, so hilf mir in den Nöthen. 3. Ja, kommt einst mein Stund' und Zeit, dann stårke mich in Guaden; entbinde mich zu rechter Zeit; bes húte mich vor Schaden; gieb zur Geburt mir Muth und Kraft und lind're meine Schmerzen. Du bist's, Herr, der uns Hülfe schafft, der nach der Angst dem Herzen auch Freude wieder schenket. 4. O Freude! wenn mein Kind nun ist gefund zur Welt gekommen, wenn's durch die Taufe Jesus Christ in fein Reich aufgenommen. Dankbar gelobe ich dann dir: » ich will's dir, Gott, erziehen!«< und du giebst die Ver sich'rung mir:» ich segne dein Bemühen und will's als Vater lieben!«< Um Segen zur Erziehung der Rinder. Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her 2c. 476. Verleih', Gott, daß die Kinderzucht geübet werd' mit Nuß und Frucht, daß der Erziehung hoher Werch an unsern Kindern sey bewährt. SETT 2. Die Eltern laß sie kindlich scheun, den Vorges fetten folgsam seyn; laß sie vermeiden lebenslang Eros, Eigenfinn und Müßiggang. D 3. Verleih', daß ihnen mangle nicht heilsame Lehr und Unterricht; laß sie aufs Wort aus Chrifti Mund sich gründen wie auf Felsengrund. 4. Hier steh' ihr Fuß fest und gewiß; bewahre sie vor ärgerniß; entferne sie, wo Schand' und Sünd' und Spott und Leichtsinn herrschend sind. bu Im Hausstande. 453 5. Durch deine Weisheit, Macht und Güt' vor schwe rem Unfall sie behüt'; führ' du sie selbst auf rechten Bahn und nimm in Noth dich ihrer an.. 6. Hilf, daß sie dich an jedem Ort vor Augen haben und dein Wort, und sich besleißen jederzeit der Tugend, Zucht und Frömmigkeit. 7. Wo sie ausgehen oder ein, laß sie durch dich gesegnet seyn; vor allem macy' von Jahr zu Jahr fie gut und frömmer immerdar. 8. Laß eifrig fie und uns zugleich stets trachten, Herr, nach deinem Reich; und endet sich dereinst ihr Lauf, so nimm sie in den Himmel auf; 9. Daß einst an jenem großen Tag der Eltern Mund froh sagen mag:» fieh', ich bin mit den Kindern hier, die du, mein Vater, schenktest mir.<< Sürbitte der Eltern für ihre Kinder. Mel. Werde munter, mein Gemüthe ic. 477. Sorge doch für meine Kinder, Vater, der mit Gnade front! zroar auch sie sind vor dir Sünder, doch durch Jesum dich versöhnt! dir, o Vater, Sohn und Geist, Gott, den unser Glaube preist, durch die Taufe überges ben, dein zu seyn und dir zu leben. 2. Du hast sie bisher genähret, ihre Schwachheit unterstützt, manchem Unglücksfall gewehret und durch Engel sie beschützt. Engel schaun dein Angesicht und doch schämen sie sich nicht der Beschirmung dieser Kleinen, die uns oft verächtlich scheinen. 3. Sollt' ich dir für diese Güte nicht von Herzen dankbar seyn? sollte sich nicht mein Gemüthe über diese Wohlthat freun? Werth sind meine Kinder mir als Geschenk, o Herr! von dir! giebst du mir nicht ihretwegent manchen unerkannten Segen? 4. Du, mein Schöpfer und Erhalter, du von Kinde heit auf mein Gott, du mein Gott auch einst im Alter, 454 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. sey auch meiner Kinder Gott! segne und behüte sie. Deine Furcht erfüll' sie früh, daß sie dir zum Wohl gefallen jung schon deine Wege wallen. 5. Wie viel drohende Gefahren warten ihrer in der Welt! wer vermag's, sie zu bewahren, wenn sie deine Hand nicht hålt! daß ihr Herz Verführung flieh, mach' fie weise und nimm nie deinen guten Geist von ihnen, daß sie unverrückt dir dienen. 6. Keines unter ihnen werde ach, verhůt' es, Herr, mein Gott! je den Freunden zur Beschwerde, noch den Feinden je zum Spott. Sey ihr Schild und fester Stab; laß sie sich bis in ihr Grab harten Mangels stets erwehren, ihres Fleißes redlich nähren. 7. Nicht bitt' ich, daß du mit Leiden meine Kinder ganz verschonst; nicht, daß du mit steten Freuden ihre Tugend hier belohnst; nicht, daß du sie hoch erhebst, ih nen großen Reichthum gebst, jeden ihrer Wünsche stillest, jeden Anschlag gleich erfülleft. 8. Gieb du ihnen, o Allweiser, wie es långst dein Rath bedacht, das nur, was sie frömmer, weiser und zum Himmel reifer macht. Nie kann eine ganze Welt, wenn der Seelen Heil zerfällt, vie mit allen ihren Schätzen den Verlust der Seel' ersehen. - - 9. Doch, was ich zu bitten wage, find' ein grådiges Gehör: kann es seyn, laß ihre Tage nicht an Freuden gånzlich leer. Werden sie geprüft durch dich, Gott, fo sey es våterlich; und dann laß es ihren Seelen nicht an Trost und Stärke fehlen. 10. Sener Siegstag der Gerechten sey auch mir ein Freudentag. Hilf, daß zu des Richters Rechten ich dann fröhlich sagen mag: Siehe, Welterlöser, sieh'! hier bin ich; hier sind auch die, die dein Vater mir verliehen, sie dem Himmel zu erziehen. 11. Nichts kann unser Glück dann mindern, wenn du stets mit Bonne labst, und mit allen meinen Kindern dank' ich, daß du mir sie gabst. Dann drückt ferner keine Im Hausstande. 455 Noth, dann trennt ferner uns kein Tod, dann sind wir gleich deinen Engeln frei von Sorgen, rein von Mångeln. Gesinnungen frommer Rinder. Mel. Jesus meine Zuversicht sc. 478. Dir, Gott, sey mein Dank geweiht, heilig dir mein ganzes Leben, denn aus freier Mildigkeit hast du selbst es mir gegeben, es durch Eltern mir verliehn, die zur Tugend mich erziehn. 2. Sie, sie haben, schon als ich mich zu fühlen kaum begonnte, als ich noch nicht selbst für mich denken, forgen, wählen konnte, stets für mich, von Treu' beseelt, überdacht, gesorgt, gewählt. 3. Welche Wohlthat ist's, daß sie rastlos ihren Fleiß mir schenken und mein schwaches Herz schon früh von der Sund' aufs Gute lenken; stets auf meine Wege schaun, stets an meiner Wohlfahrt baun. 4. Sollt' ich diese Liebe nicht dankbar stets zu Herzen nehmen? ach! der oft verletzten Pflicht muß ich, Gott, vor dir mich schämen; denn nicht stets hab' ich vollbracht, was den Eltern Freude macht. 5. Laß hinfort, wie du verlangst, meine Pflicht mich treu erfüllen. Denn wie oft hat Sorg' und Angst sie beschwert um meinetwillen, wie so tief empfand ihr Herz meine Leiden, meinen Schmerz. 6. Hilf, daß gegen sie mein Herz kindlich sey, nicht bloß so scheine; gieb, daß ich bei ihrem Schmerz vor dir kindlich fleh' und weine, für ihr Glück dir dankbar sen und mich ihrer Freuden freu'. 7. Laß auf ihre Winke mich kindlich und mit Sorgfalt achten; ja, laß ihren Wünschen mich noch zuvorzukommen trachten; gern, was sie erfreut, vollziehn; stets, was ihnen Gram bringt, fliehn. 8. Jesus stellte sie mir dar, er, das Beispiel aller Kinder. Er, der so erhaben war, Gottes Sohn, das 456 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. Heil der Sünder, er war doch von Kindheit an seinen Eltern unterthan. 9. Gern gehorchen, sen auch mir wahre Luft, so ist es billig und gefällig, Gott, vor dir; mache mich dazu recht willig. Wohl mir dann, so wird auch mein dein verheiß'ner Segen seyn. 10. Laß den Eltern ihre Mühe mich, so sehr ich kann, versüßen, und laß reichlich über sie sich dein Segen, Gott, ergießen; höre mein und ihr Gebet, das um deinen Segen fleht. Sür einen Jüngling. Mel. Ermuntre dich, mein 2c. 479. Sch trete vor dein Angesicht, du Schöpfer meis ner Jugend! verwirf mein kindlich Flehen nicht um Weisheit und um Tugend! der du den Säugling beten lehrst und gern sein stammelnd Flehen hörst, hör auch mit Wohls gefallen mein betend Lied erschallen. 2. Mein Weg ist schlüpfrig; wer erhålt mich, daß mein Fuß nicht gleite? wer führt mich sicher durch die Welt und geht mic treu zur Seite? wer warnt mich, wenn Gefahren drohn, und lehrt mir, in der Ferne schon, daß ne mich nicht erreichen, die Klugheit, auszuweichen? 3. Eh' ich dich fannte, hast du mich so wunderbar bereitet, und durch die Kindheit väterlich mich bis hicher geleitet. Jetzt, Herr! da ich dir danken kann, nimm dich auch meiner Jugend an, daß ich auf meinem Wege unstråflich wandeln möge. 4. Mein Herz, noch unverführt und rein, ist jung und unerfahren; wie leicht, geblendet durch den Schein, stürzt es sich in Gefahren! ach! mache mich mir selbst bekannt, und gieb mir Weisheit und Verstand, stets auf dein Wort zu schauen und nie mir selbst zu trauen. 5. Du pflanztest, Herr, in meine Brust Verlangen nach Vergnügen, laß mich den Hang zu jeder Lust, die dipIm Hausstande. 457 du gebeutst, besiegen! Dein unausbleibliches Gericht vergesse meine Seele nicht, und weder Glück, noch Leiden. laß, Herr, mich von dir scheiden. 6. Von dir, o Gott, werd' ich bewacht, bin stets mit dir umgeben. Von dir bedeckt nicht Mitternacht, noch Einsamkeit mein Leben. Die Sünde, die im Finstern schleicht, verbirgt vor Menschen sich vielleicht; vor deinem Ungesichte steht sie im hellen Lichte. 7. Der Leichtsinn, der mich oft verführt, das Böse zu erwählen; die Wollust, welche Schmerz gebiert, der Hochmuth schwacher Seelen; die Trågheit, die den Geist verzehrt und jeden Trieb zum Laster nährt: Gott! laß zu diesen Sünden mich niemais willig finden! 8. Wenn sich auf meiner Jugendbahn, mich in ihr Netz zu ziehen, Verführer meiner Seele nahn, so laß mich flüglich fliehen! ihr schmeichelnd Locken lenke nicht mein Herz von dir und meiner Pflicht! ihr Spotten und ihr Lachen laß nie mich wantend machen! 9. Der Glaub' an Jesum bleibe mir, o Gott! uns endlich wichtig! denn er macht mich gerecht vor dir, und meine Steige richtig! nicht Zweifel, die ein Herz erzeugt, das sich zur Sündenliebe neigt, noch Lust zu widersprechen, laß meinen Glauben schwächen. 10. Der Zugend heilige mich ganz, mein Schöpfer und Erhaltec! sie werde meiner Jugend Glanz und einst mein Trost im Alter. Erhalte mein Gewissen rein! laß keiner meiner Tage seyn, der nicht zu deiner Ehre geschmückt mit Tugend wåre! 11. Uch! lehre mir den Werth der Beit, daß ich sie nicht verschwende! daß ich mit weiser Thätigkeit zum Guten sie verwende. Gott! meiner Jugend Fleiß und Müh' laß nicht umsonst seyn; segne fie: laß auch durch mich auf Erden dein Werk gefördert werden. 12. Erhöre gnådig mein Gebet, du Schöpfer meiner Jugend! erhör' es! meine Seele fleht um Weisheit und um Tugend! mein ganzes Leben dank' ich dir! weich' nur, 458 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Erbarmer, nicht von mir, damit ich meine Wege unstråflich gehen möge. Sür ein Srauenzimmer. Mel. Ermunt're dich, mein 2c. 480. Sch will in meiner Einsamkeit zu dir mein Herz erheben: du selber wollst mir Freudigkeit, dich anzurufen, geber! vernimm, o Vater! mein Gebet, das dich um Licht und Stärke fleht; um deiner Liebe willen eil', Herr! es zu erfüllen. 2. Du bist mein Vater, ich dein Kind; mein Heil ist, dich zu lieben! ach, mache mich dir gleichgesinnt in allen meinen Trieben! laß meine Seele keusch und rein und treu in deiner Liebe seyn; sie suche dir vor allen, o Vater, zu gefallen! 3. Vor stolzer Selbstgefälligkeit bewahre meine Jugend; ihr Vorzug sey Bescheidenheit, und ihre Schönheit Tugend; gieb mir den sanften, stillen Geist, der dich durch seine Demuth preist, den nächsten nie verachtet, sich selbst zu bessern trachtet. 4. Die Lust der Eitelkeit laß nie mein junges Herz entzünden. Sie macht mich untreu meiner Pflicht, bahnt mir den Weg zu Sünden; gesuchte Zier und Pracht der Welt ist nicht der Schmuck, der dir gefällt; du willst, ich soll bescheiden, mit Sittsamkeit mich kleiden. 5. Preis dir und Dank, mein Schöpfer, Gott! du gabst mir eine Seele! Preis dir und Dank, mein Mittler, Gott! du starbst für meine Seele! mein Leib ist doch nur Asch' und Staub, nie wird mein Geist des Todes Raub. Mein erst Geschäft auf Erden sey, schön am Geist zu werden. 6. Gott, lehre du mich eilen, ihn mit Weisheit aus zuschmücken, denn meine Tage fliehn dahin gleich schnellen Augenblicken. Gieb, daß zu leerer Zándelei mir meine Zeit zu kostbar sey, und laß es mir gelingen, sie nüglich zuzubringen. Im Hausstande. 459 7. Bewahr' mein Auge, daß es nie unreine Gluth ernähre, und meine Reden, Gott! daß sie kein Spötter: falsch erkläre! die Unschuld sey mein liebster Ruhm, ein: guter Ruf mein Eigenthum, den Jeder gern mir gönne und Niemand låstern könne. 8. Bewaffnet sey mein ganzer Blick mit Ernst der keuschen Tugend! seht ihn und bebet scheu zurück, Versucher frommer Jugend! der Umgang, der Verführung droht, sen mir furchtbarer, als der Tod; laß seine wilden Freuden wie eine Pest mich meiden. 9. Die Frevler, die mit ihrem Spott sogar dein Wort beflecken, vertreibe fern von mir, o Gott! daß sie mich nicht erschrecken. Dich låstern sie und deinen Sohn und sprechen deiner Wahrheit Hohn! Unselige Verführer! erbarm', erbarm' dich ihrer! 10. Laß fromme Freundinnen in mir ein Herz wie ihres finden. Verknüpf' durch Unschuld uns, daß wir der Freundschaft Glück empfinden. Laß unsre Liebe sanft und rein wie deiner Engel Umgang seyn: daß nimmer unsre Seelen Neid oder Argwohn quålen. 11. Schickst du einst einen Freund für mich, so gieb, daß ich ihn wähle! er sey ein Christ, und fürchte dich, und lieb' auch meine Seele! laß seines Hauses edle Zier mich werden! Gott, laß ihn in mir die beste deiner Gaben für dies sein Leben haben! 12. Der du mir selbst durch dein Gebot den Weg zum Heile lehrest, ich will dich preisen, meinen Gott, daß du mein Flehn erhörest. Ich opf're dir mein Lebenlang der Unschuld und der Tugend Dank; dort will ich in den Chören der Engel dich verehren! Sür Bejahrte. Mel. Gott, du frommer Gott 2c. 481. Dich preif ich, Höchster Gott, mein Vater und Erhalter, daß du mich gnadenvoll geleitet bis ins Alter. 460 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Du hast oft wunderlich, doch stets mich wohl geführt; im Kummer selbst hab' ich dich nah' und treu gespürt. 2. Du gabst mir Ehr' und Brod, Gesundheit und Vergnügen. Durch deine Kraft hab' ich, was schwer wat, überstiegen. Was mir oft furchtbar war, das lenkte deine Hand so weise, daß zuletzt ich darin Wonne fand. 3. Jetzt schwindet meine Kraft. Bei diesem Unvers mögen bedarf ich niehr als sonst dein våterlich Verpflegen. Du warst ja sonst mein Gott; verlaff' auch jetzt mich nicht! Auf dein Wort gründe ich, Herr, meine Zuversicht. 4. Ja! heb' und trage mich, mein Gott, wie du verheißen; und mit erhöhtem Dank will ich dafür dich preisen. Verzeihe mir, was ich je Boses hab' gethan; um Jefu willen sich mich mit Erbarmen an. 5. Ich bin nun nicht mehr weit von meiner Lauf bahn Ende. Ich stehe nah' am Grab. Gottlob! in Jesu Hände ergeb' ich meinen Geist; er will mein Heiland seyn! ich werde nach dem Kampf mit ihm mich ewig freun. Sür Waisen. Mel. Warum betrübst du dich zc. 482. 3u dir, erbarmungsvoller Gott, nach deffen weis sem Rath der Tod mir meine Eltern nahm, zu dir flieht mein gebeugter Sinn, zu dir, dem höchsten Helfer, hin. 2. Du, der ans Licht mich kommen ließ und meine Eltern sterben hieß, Herr, stehe du mir bei; du, der Vers laffnen Zuversicht, sen auch mein Vater, Troft und Licht! 3. Ach, floß mir wahre Tugend ein, so werd' ich im mer glücklich seyn; Herr, leit' und führe mich; laß mich bei dir in Gnaden stehn, so wird's mir immer wohl ergen. 4. Von dir kommt alles wahre Gut, drum gieb mir Weisheit, Kraft und Muth und deinen guten Geist, damit mein schwaches Herz nicht fehl' und stets das beste Theil erwähl'. ard Antinde Im Hausstande. or 461 5. O Vater aller Gütigkeit, beschere mir von Zeit zu Zeit die Mittel meines Glücks; du weißt ja leicht für Jeden Rath, den deine Hand geschaffen hat. 6. Du höreft, wenn die Raben schrein; laß auch dein Kind erhöret seyn, und nimm dich meiner an; verleih' mir Unterhalt und Brod, so viel zu diesem Leben noth. 7. Ich werf' all' meine Sorg' auf dich; mein Gott und Vater, sorg' für mich und mach' es mit mir wohl. Gieb nur, daß ich mit jedem Tag zum Himmel reifer werden mag. 8. Wie freu' ich mich, ich werde sie, die mir der Tod entzog so früh, die Lieben wiedersehn dort, wo die Seligen fein Tod mehr trennt, vor deinem Throne, Gott! Sür eine Witwe. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 483. Feft foll mein Hoffen stehen! Gott hört der Witwen Flehen, er nimmt sich meiner an. In jedem Schmerz und Leide is Gort mein Troft und Freude, der Fels, den ich umfassen kann! 2. Mich tröstet seine Guade; er ist auf jedem Pfade: bei mir bis an das Grab; nie will er mich verlassen, dies Trostwort will ich fassen, Gott schaut auf mich mit Huld herab. 3. Die, in stiller Kammer dir klagten ihren Jammer, erhörtest et mals du! auf fie floß, Gott, dein Segen; auf allen ihren Wegen war Friede, Sicherheit und Ruh'! 4. So viel, seit so viel Jahren betrübte Witwen was ren, so viel hast du verpflegt; die in Bekümmernissen sich, Gott, auf dich verließen, sah'n ihre Last auf dich gelegt. 5. Auch mich wird dein Arm stärken, auf mich dein Wuge merken, und auf mein Flehn dein Ohr! ich will mit heißem Flehen vor deinem Untlig stehen, und seufzen, Gott! zu dir emper. 6. Mein Joch will ich still tragen. Dir, Pater, darf ich sagen, was je mein Herze drückt! du bist mir in 462 Beweis der Gottseligkeit und Jugend. der Nähe! Gott, den ich zwar nicht sehe, den aber doch mein Glaub' erblickt. 7. Du siehst mich- o Gedanke des Trostes, wenn ich wanke- in meiner Einsamkeit! und du wirst, Herr der Welten, mir's öffentlich vergelten, wenn still mein Herz sich deiner freut! 8. Ja.bis zum letzten Schritte; ja, wenn ich noch mehr litte, seh' ich mit Lust auf dich; nur dir, dir zu gefallen, unsträflich hier zu wallen, sey mein Bestreben; stårke mich! 9. Mit Ernst und frohen Muthes will ich sorgfältig Gutes vor deinen Augen thun; gern mich der Welt ent ziehen! 3erstreuung, Thorheit fliehen, und nur in deinem Schoße ruhn. 10. Dann eilen meine Tage mit jeder Last und Plage leicht wie ein Traum dahin! dann leg' ich meine Glieder froh einst im Tode nieder, wenn ich zum Himmel reifer bin. 11. Dann geh' ich, den zu schauen, der mein Stab, mein Vertrauen, mein Gott ist und mein Freund. Wie will ich dann ihn ehren, wie danken für die Zähren, die ich als Witwe hier geweint. 12. Den ich und der mich liebte, deß Abschied mich betrübte, find' ich in Gottes Hand. Wie wollen wir uns freuen, und unfre Lieb' erneuen im thrånenfreien Vaterland! 13. Gestärkt durch Gottes Gnade, geh' ich die schwe ren Pfade, er lindert meine Noth. Nicht ewig werd' ich weinen; ich komme zu den Meinen; bald seh ich sie bei meinem Gott! ( Wenn sie Kinder hat.) 14. Dann sollen meine Waisen mit mir den Vater preisen, der sie erhalten kann! Gott! sey du ihr Vater, ihr Schüßer und Berather, nimm dich der armen Waisen an. Gesinnungen guter herrschaften. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 484. Durch dich, Gott! bin ich, was ich bin, und es ist deine Gabe, daß ich die Dienste und Gewinn von Im Hausstande. 463 andern Menschen habe. Sie leihen ihre Kräfte mir; dies, höchster Herr! verdank' ich dir. 2. Mich zu beglücken, dienen sie, verzehren ihre Kräfte und dulden gern des Lebens Müh' in meinem Hausgeschäfte. Laß dieses Vorrechts fromm mich freun, nie hart, nie stolz, noch lieblos seyn. 3. Auch der geringste Diener ist bestimmt zum ewigen Leben; für ihn und mich hat Jesus Christ sich in den Tod gegeben. Vor deinem Throne hat mein Knecht mit mir als Mensch ein gleiches Recht. 4. Gott! pråg' dies meinem Herzen ein, als Bruder ihn zu lieben; laß immer mich beslissen seyn und nie mich ihn betrüben, daß über meine Grausamkeit er nie zu Gott um Hülfe schreit. 5. Laß mich ihm seine saure Pflicht aufs möglichste versüßen. Er soll, wenn Hülfe ihm gebricht, sie stets von mir genießen. Ihn tragen will ich, ihm verzeihn, und, wird er krank, sein Pfleger seyn! Gesinnungen guter Dienstboten. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 485. Du, Gott! bist der Gerechte, der Herr der Herrn und Knechte, bist aller Menschen Heil! der Niedrigste auf Erden kann groß durch dich einst werden, an ew'gen Ehren haben Theil. 2. Jetzt muß ich Undern dienen. Wem folg' ich, folg' ich ihnen? dir, meinem Herrn und Gott! so laß mich denn erfüllen der Herrschaft guten Willen als deis nen Willen und Gebot. 3. Bewahre mich vor Klagen. Lehr' mich, mein Joch zu tragen, auf deinen Willen seha. Bewahr vor Stolz und Neide, vor Rachgier, wenn ich leide, und lehr' mich grade Wege gehn. 4. Bei Reden und beim Schweigen ein reblich Herze zeigen, das sey mir strenge Pflicht. Lehr' mich, Gott! 464 Vom heiligen Geiste und ftets treu handeln; sehn Menschen mich) nicht wandeln, so sieht mich doch dein Angesicht. 5. Der Herrschaft beizustehen, an ihrem Wohler gehen theilnehmend mich zu freun, die Bucht an ihren Kindern durch) Ärgerniß nicht hindern: dies laß, Gott! mein Bestreben seyn. 6. Ich finde jeden Morgen mein Brod ohn' eigned Sorgen durch meiner Herrschaft Gut'. Einst soll ich bei dir wohnen, den Treuen willst du lohnen! dies stårk zur Treue mein Gemüth. X. Vom heiligen Geiste und seinen Wohlthaten zur Besserung und Heiligung der Menschen. Mel. Aus meines Herzens 20. 486. Freut euch, ihr Christen alle! Gott schenkt uns feinen Sohn. Preis, Lob und Dant erschalle! er giebt von seinem Thron uns auch den heil'gen Geist, der durch sein Wort uns lehret, des Glaubens Licht vermehret und uns auf Chriftum weist. ab 2. Es läffet offenbaren Gott, unser höchster Hort, uns, die voll Blindheit waren, sein himmlisch Licht und Wort; o seht, wie er uns liebt! Lernt, Christen! ihn erkennen und curen Vater nennen, der alles Gute giebt! 3. Verleih', taß wir dich lieben, o Gott von großer Huld! daß wir dich nie betrüben durch wissentliche Schuld! leit' uns auf ebner Bahn. Laß uns dein Wort recht hören und thun nach deinen Lehren, so ist es wohlgethan! 4. Laß auch des Geistes Gaben, die du verheißen haft, die matte Seele laben im Druck der Leidenslaft. deffen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 465 Tröst' uns in Todespein durch diesen Geist der Freude und führ uns nach dem Leide zur Himmeisfreude ein. Mel. Nun bitten wir 2c. 487. Des Vaters und des Schnes Geist, du, der uns den Weg zum Heile weist, gnadenvoller Trister! laß, wenn wir sterben, uns das ew'ge Leben ererben durch Jefum Chriftum. 2. Es leucht' uns, Licht des Herrn, dein Schein, wenn schon Tod und Verwesung uns dråun; lehr' uns Jesum, den Sohn Gottes, erkennen, im Glauben unsern Herrn ihn nennen, lebend und im Tod. 3. So trifft des Irrthums Täuscherei, als ob kein Versöhner Gottes sey, niemals unsre Seele; so kann den Glauben an Jejum Christum kein Spotter rauben, noch Macht der Hölle. 4. Wenn wir des Vaters Willen thun, können wir in sicherm Frieden ruhn, still und unüberwindlich. Des Vaters Willen lehr' uns denn durch deine Kraft erfüllen in edler Einfalt! 5. O du, der Liebe Geist! erhöh' unsre Seele, daß sie schmeck' und seh', wie der Herr uns liebte; daß in den Brüdern und in seinen geheiligten Gliedern wir ihn auch lieben. 6. Du höchster Trost in aller Noth, hilf getreu uns seyn bis in den Tod! heilig laß uns leben, uns nicht verzagen, wenn uns unsre Sünden verklagen vor der Welt Richter. 7. Geist Gottes! die dir widerstehn, laß sie, ach! nicht ewig untergehn! deinem Todesurtheil sie noch entrinnen, noch das ew'ge Leben gewinnen! sey ihnen gnådig! Mel. O König, dessen Majestät zc. 488. Dir, Bater! dankt mein Herz und singt, daß du den Sohn gegeben, den Sohn, der Heil den Sündern bringt und unvergånglich's Leben! ich danke dir, daß du den Geist, der uns der Finsterniß entreißt, zur Erde hast gesendet. Der Geist der Wahrheit kam herab, der deinen Knechten Stärke gab, daß sie dein Werk vollendet. Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 30 Vom heiligen Geiste und 2. Erfüllt von seiner Wunderkraft, gehn fie, die Welt zu lehren; der Geist, der neue Herzen schafft, hilft ihnen sie bekehren; die Völker hören hocherfreut die Bot schaft ihrer Seligkeit: Licht, Wahrheit, Tugend fiegen; das Laster und die Blindheit flieht; wo man den Finger Gottes ficht, muß Beides unterliegen. 466 3. Umsonst, daß wilder Eifer tobt, Verfolgung zu erregen. Dein Name, Jesu, wird gelobt; dein Wort ist Kraft und Segen. Die Jünger schreckt nicht Pein und Müh'; dein Geist, o Vater, stårkte sie in Martern und im Tode. Sie blieben ihrem Herrn getreu, bekannten seinen Namen frei und lobten ihn im Tode. 4. Noch jetzt bist du der Geist der Kraft, noch jetzt der Menschen Lehrer, der Jefu neue Jünger schafft, des Sündenreichs Zerstörer. In Sündern wirkst du Reu' und Leid, in Frommen Tugend, Troft und Freud', und Muth im Kampf der Sünden. In bangen Stunden schenkest du, so wie im Tode Seelenruh', und lehrst ihn überwinden. 5. Des Vaters und des Sohnes Geist, du Quell des Lichts, der Liebe, den Jesus Betenden verheißt, ad, heil'ge meine Triebe! Gieb über meine Sünden Schmerz und Muth zum Glauben in mein Herz! hilf mir in Un dacht beten. In bangen Stunden tröste mich und zeige voll Erbarmen dich mir einst in Todesnöthen. Mel. Herr Jefu Christ, dich zu zc. 489. Du Führer, der mit treuer Hand den Weg uns zu dem Himmel weist! du, unsers Erbes theures Pfand! gepriesen seyst du, heil'ger Geist! 2. Auch dich preist deine Christenheit, du Geist des Vaters uns des Sohns! du bist, wie sie, von Ewigkeit mit ihnen Herrscher eines Throns. 3. Dem Vater und dem Sohn und dir sind wir zum Eigenthum erkauft. Auf dich, dreiein'ger Gott! sind wir zu deines Namens Preif' getauft. dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 467 4. Der Gottheit Willen thatst du kund. Durch dich weifsagte der Prophet. Du legteft ihm in seinen Mund das Wort des Heils, das nie vergeht. 5. Nichts schließt vor deinem Blick sich zu; den Abgrund der Unendlichkeit, der Gottheit Rath erkennest du mit göttlicher Allwissenheit. 6. Du hast dem Erdkreis' offenbart, was keine Weisheit je erkannt, als dich nach seiner Himmelfahrt der Herr den Seinen zugesandt. 7. Welch eine Pracht verklärte dich! ein schnelles Braufen füllt' das Haus. Da gießest du dich sichtbarlich auf sie in Feuerflammen aus. 8. Sie scheuen nun nicht Schmach und Müh'; denn du hast alle Furcht entfernt. Die Thaten Gottes preisen sie in Sprachen, die sie nie erlernt. 9. Wir haben, Geist der Gnad' und Stärk, an deinen Gaben gleichfalls Theil. Unsichtbar schaffest du dein Werk in uns zu unsrer Seelen Heil. 10. So set' auch unser Herz in Gluth, mach' uns des Lobes Gottes voll! stårk' auch in Drangsal unsern Muth, tröst' uns in Angst und leit' uns wohl! 11. Des Vaters Liebe, Christi Gnad' und die Ges meinschaft deiner Kraft verleih' uns Tugend, Trost und Rath auf unsrer ganzen Pilgerschaft. Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. 499. Der du uns als Vater liebest, treuer Gott! und deinen Geist denen, die dich bitten, giebest, ja uns um ihn bitten heißt, demuthsvoll fleh' ich vor dir: Vater, send' ihn auch zu mir, daß er meinen Geist erneue und ihn dir zum Tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem Wissen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit; und mein Herz bleibt dir entrissen und dem Dienst der Welt geweiht, wenn er nicht durch seine Kraft die Gesinnung in mir schafft, daß ich dir mich ganz ergebe und zu deiner Ehre lebe. 30* Vom heiligen Geiste und 3. Auch dich kann ich nicht erkennen! Jesu! noch mit echter Treu' meinen Gott und Herrn dich nennen, stehet mir dein Geist nicht bei. Drum so laß ihn kräftiglich in mir wirken, daß ich dich glaubensvoll als Mittler ehre und auf deine Stimme höre. 468 4. Ew'ge Quelle wahrer Güter, hochgelobter Gote tesgeist! der du menschliche Gemüther besserst und mit Troft erfreuft! nach dem Glück verlangt auch mich! ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Preise heilig. und zum Himmel weise. 5. Fülle mich mit heil'gen Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über Alles möge lieben, daß ich mit getrostem Muth seiner Vaterhuld mich freu und mit wah rer Kindestreur stets vor seinen Augen wandle und rechtschaffen denk' und handle. 6. Geist des Friedens und der Liebe! bilde mich nach deinem Sinn, daß ich Lieb' und Sanftmuth übe, und mir's rechne zum Gewinn, wenn ich je ein Friedensband knüpfen kann, wenn meine Hand zur Erleichtrung der Beschwerden kann dem Nächsten nützlich werden. 7. Gieb mir wahres Selbsterkenntniß, daß ich meine Fehler seh', und durch demuthsvoll Bekenntniß Gott um die Vergebung flet. Mache täglich Ernst und Treu', fie zu beffern, in mir neu. Zu dem Heiligungsgeschäfte gieb mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick meiner Sünden mein Gewissen niederschlägt; wenn sich in mir Zweifel finden, die mein Herz mit Kummer hegt; wenn mein Aug' in Nöthen weint und Gott nicht zu hören scheint: o dann laß es meiner Seelen nicht an Trost und Stärkung fehlen. werk in mir. 9. Was sich Gutes in mir findet, ist dein Gnaden Selbst den Trieb hast du entzündet, daß mich, Herr, verlangt nach dir. O so setze durch dein Wort deine Gnadenwirkung fort, bis sie durch ein selig Ende herrlich sich an mir vollende. and one og dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 469 Mel. Wie schön leucht't uns der zc. 491. heiliger Geist, kehr' bei uns ein und laß uns deine Wohnung seyn; erleucht' uns, Gnadensonne! du göttlich Licht! laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig seyn zu steter Freud' und Wonne, daß wir ganz dir recht zu leben uns ergeben, und mit Beten oft vertrauend vor dich treten. 2. Gieb Kraft und Nachdruck deinem Wort, laß es wie Feuer immerfort in unsern Herzen brennen, daß wir Gott Vater, seinen Sohn, dich, beider Geist, auf einem Thron als wahren Gott bekennen. Bleibe, treibe und behüte das Gemüthe, daß wir glauben und im Glauben standhaft bleiben. 3. Du Quell, aus dem das Gute fließt, was sich in fromme Seelen gießt, füll' uns mit deinen Freuden! daß wir zur Glaubens- Einigkeit, durch Wahrheit und durch Heiligkeit auch Undre mögen leiten. Lehren, Hören laß gelingen; Früchte bringen; Gott zu preisen, Guts dem Nächsten zu erweisen. 4. Steh' uns stets bei mit deinem Rath und führ' uns selbst den rechten Pfad, weil wir den Weg nicht wissen. Gieb uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, auch wenn wir leiden müssen. Eile, heile, was zerriffen, was befliffen dir zu trauen, und in die sich zu erbauen. 5. Laß, starker Geist, mit deiner Kraft, die Sieg im Glaubenskampfe schafft, auch uns gestårket werden, daß wir auch) unter deinem Schutz begegnen aller Feinde Truß, so lang wir sind auf Erden. Laß dich reichlich auf uns nieder. Christi Glieder laß empfinden Muth zum Streit, und überwinden. 6. Du Liebesquell, ergieße dich, erwärme und belebe mich zu wahrer Menschenliebe, daß ich stets möge willig seyn zum Wohlthun, Lieben und Verzeihn, und mich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe! Fried' und Liebe wollst du geben, daß wir froh und ruhig leben. Bom heiligen Geiste und 7. Hilf, daß in wahrer Heiligkeit wir führen unsre Lebenszeit; sey unsers Geistes Stärke, daß uns forthin sey wohl bewußt die Eitelkeit der Sinnenlust und aller Sündenwerke. Rühre, führe unsre Sinnen und Begin nen von der Erde, daß es hier schon himmlisch werde! 470 Mel. Gott des Himmels 2c. 492. Komm zu uns, o Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit! unser Flehn sey nicht vergebens; komm, sen mit uns jederzeit! laß dein Licht die Seel' erfreun; mach' die Herzen fromm und rein. 2. Gieb in unser Herz und Sinnen wahre Weisheit, heil'ge Zucht; lenke unser ganz Beginnen auf das, was dein Wille sucht! dein Erkenntniß werde groß und mach) uns von Lastern los. 3. 3eig' uns selbst die rechten Stege zu der wahren Wohlfahrt an; raume Alles aus dem Wege, was uns daran hindern kann. Wirke Reue nach der That, wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Laß und stets dein Zeugniß spüren, daß wir Gottes Kinder sind. Und wenn sich durch sein Regieren Elend, Noth und Drangsal find't, dann leh: uns, daß Alles gut, was der beste Vater thut. 5. Treib' uns, daß wir zu ihm treten findlich und mit Freudigkeit, nur nach seinem Willen beten, und ver tritt uns allezeit: so wird unser Flehn erhört und die 3versicht vermehrt. 6. Macht der Hülfe Aufschub bange, daß das Herze feufzt und spricht: ach! mein Gott, mein Gott, wie lange? so laß uns verzagen nicht. Sprich uns Trostesworte zu und gieb Muth, Geduld und Ruh'. 7. O du Geist der Kraft und Stärke! der in Schwas chen mächtig ist, fördre in uns deine Werke gegen Welt und Satans Lift, daß der Geist nicht unterlieg', sondern überwind' und sieg'! dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 471 8. Mache uns so fest im Glauben, daß kein Zweifel, Schmach und Spott uns dies Kleinod mdge rauben. Du bist unser Schuß und Gott! Sagt das Herz gleich zweifelnd nein, laß dein Wort gewisser seyn. 9. Wenn es mit uns kommt zum Sterben, so ver sich're uns je mehr, daß wir hingehn, um zu erben jene Herrlichkeit und Ehr', die uns dort durch Jesum Chrift långst schon zubereitet ist. Mel. Warum sollt ich mich zc. 493. Höchster röster! komm hernieder! Geift des Herrn! sey nicht fern, stårke Jesu Glieder; er, der nie fein Wort gebrochen, Jesus, hat deinen Rath seinem Volk versprochen. 2. Geist der Weisheit! gieb uns Allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen. Lehr' uns recht vor Gott zu treten; sey uns nah' und sprich ja! wenn wir gläubig beten. 3. Hilf den Kampf der Tugend kämpfen; gieb uns Muth, Fleisch und Blut, Sund' und Welt zu dåmpfen; laß uns Trubsal, Kreuz und Leiden, Ungst und Noth, Schmerz und Tod nicht von Jesu scheiden! 4. Hilf uns nach dem Besten streben; schenk' uns Kraft, tugendhaft und gerecht zu leben. Sieb, daß wir nie stille stehen; treib' uns an, froh die Bahn deines Worts zu gehen! 5. Sey in Schwachheit unsre Stüße; steh' uns bei, mach' uns treu in der Prüfungshitze! Führ, wenn Gott uns nach dem Leide sterben heißt, unsern Geist nach des Himmels Freude! 6. Wecke aus dem Sündenschtafe, rette doch heute noch die verlornen Schafe! Reiß' die Welt aus dem Verderben! laß sie nicht im Gericht der Verstockung sterben! Mel. Freu' dich sehr, o meine zc. 494. Geift vom Vater und vom Sohne, der du unser Tröster bist, und von unsers Gottes Throne hülfreich auf 472 Vom heiligen Geiste und uns Schwache siehst! stehe du mir mächtig bei, daß ich Gott ergeben sey: o so wird mein Herz auf Erden schon ein Tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir seyn; wenn ich bange Zweifel hege, laß die Wahr heit mich erfreun. Lenke kräftig meinen Sinn auf mein wahres Wohlseyn hin. Lehrst du mich, was recht ist, wählen, werd' ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, daß ich über Alles treu meinen Gott und Bater liebe; daß mir nichts fo wichtig sey, als in seiner Huld zu stehn; seinen Namen zu erhöhn, seinen Willen zu vollbringen, müsse mir durch dich gelingen. 4. Stårke mich, wenn je zur Sünde mein Gemüth gereizet wird, daß sie mich nicht überwinde. Hab' ich irgend mich verirrt, o so strafe selbst mein Herz, daß ich unter Reu' und Schmerz mich vor Gott demüthig beuge und den Sinn zur Beff'rung neige. 5. Treib' mich an, mit Flehn und Beten, wenn mit Hülfe nöthig ist, zu dem Gnadenthron zu treten. Gieb, daß ich auf Jesum Christ als auf meinen Mittler schau', und auf ihn die Hoffnung bau', Gnad' um Gnad' auf mein Verlangen von dem Vater zu empfangen. 6. Stehe mir in allem Leiden stets mit deinem Trofte bei, daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Führung folgsam sey. Gieb mir ein gelassen Herz. Laß mich selbst in Todesschmerz bis zum frohen Überwinden deinen reichen Trost empfinden. Mel. Nun sich der Tag geendet zc. 495. Nicht um ein flüchtig Gut der Zeit, ich fleh' um deinen Geist, Gott! den zu meiner Seligkeit dein theures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, o Vater! lehr' er mich; die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegen dich. dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 473 3. Dich lieben, Gott! ist Seligkeit; gern thun, was dir gefällt, wirkt größere Zufriedenheit, als alles Glück der Welt. 4. Ulsdann hab' ich Vertraun zu dir, dann schenket selbst dein Geist das freudige Bewußtseyn mir, daß du mir gnådig seyst. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, zur Tugend stårk er mich; beweise, wenn ich traurig bin, auch mir als Tröster sich. 6. Er schaff' in mir ein reines Herz, versiegle deine Huld, und waffne mich in jedem Schmerz mit Muth und mit Geduld. 496. Komm, heil'ger Geist, von Gott gesandt, mach' deine Kraft auch uns bekannt. Zur Wahrheit führe Herz und Sinnen, die Christentugend zu beginnen. Versammlet hast du hier und dort, zum Glauben an dein göttlich Wort, die Volker von verschied'nen Zungen. Dafür sey dir, Herr, lobgesungen. Hallelujah! Hallelujah! 2. Du heil'ges Licht, o starker Hort! durch dich leucht' uns des Lebens Wort. Den Ewigen lehr' uns erkennen, und. Vater ihn von Herzen nennen. Dies Glück hat Christus uns gebracht. Zerstreue denn des Irrthums Nacht, der deinen Christen will den Glauben auf Gottes Gnad' in Christo rauben. Hallelujah! Hallelujah! 3. Du großer Helfer, süßer Trost! hilf, daß wir freudig und getrost in unsers Gottes Dienste bleiben, laß Trubsal uns nicht von ihm treiben. Dies Leben dau'rt nur kurze Zeit; mach' uns zum sel'gen Tod bereit! ja hilf uns einst mit Muthe ringen und durch den Tod ins Leben dringen. Hollelujah! Hallelujah! SOX79 497. Nun bitten wir den heil'gen Geist, der uns den Beg zum Heile weist, daß er uns behüte an unserm Ende, wenn wir hingehn aus diesem Elende. Kyrie eleison! 2. Du werthes Licht, uns leucht' dein Schein! lehr 474 Gnaden- Mittel. uns, auf Jesum sehn allein, daß wir ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns gebracht zum rechten Vaterland. Kyrie eleison! 3. Du süße Lieb', laß Gottes Gunst uns reizen, daß wir mit Inbrunst uns mögen herzlich gegenseitig lieben, mit Fried' und Eintracht uns im Wohlthun üben. Kyrie eleison! 4. Du höchster Trost in aller Noth! hilf uns, nicht scheuen Schmach, noch Tod, daß in uns Geist und Herz nicht verzagen, wenn wir ringen in den letzten Tagen. Kyrie eleison! XI. Von den Mitteln zur Theilnehmung an den Wohlthaten Jesu Christi und des heiligen Geistes. 1. Vom dem Worte Gottes in der Bibel. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 498. Wir Menschen sind zu dem, o Gott! was geifte lich ist, untüchtig. Dein Wesen, Wille und Gebot ist viel zu hoch und wichtig; wir wissen's und verstehen's nicht, wenn uns bein göttlich Wort und Licht den Weg zu dir nicht zeiget. 2. Von jeher hast du ausgesandt Propheten, deine Knechte; sie machten in der Welt bekannt dein Heil und deine Rechte. Zuletzt ist selbst dein eigner Sohn, o Vater, von des Himmels Thron gekommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sey, Herr, gepreist, laß uns da bei verbleiben und gieb uns deinen heiligen Geist, daß wir dem Worte glauben, daß wir's annehmen jederzeit mit Ehrfurcht und mit Willigkeit, als Gottes, nicht der Menschen. Das Wort Gottes in der H. Schrift. 475 4. Hilf, daß der Frevler frecher Spott uns nicht vom Wort abwende, denn du bist ein gerechter Gott und strafft gewiß am Ende. Gieb du selbst deiner Lehre Kraft und laß der Wirkung, die sie schafft, uns niemals widerstreben. 5. Herr, öffne du Verstand und Herz, daß wir dein Wort recht fassen; in Lieb' und Leid, in Freud' und Schmerz es aus der Acht nicht lassen, daß wir nicht Höz rer nur allein, nein, auch des Wortes Thaters seyn, Frucht hundertfältig bringen. 36. Am Weg' der Same wird sofort vom Teufel hingenommen; in Fels und Steinen kann das Wort die Wurzel nicht bekommen: der Same, der in Dornen fällt, der wird von Sorgen dieser Welt und ihrer Lust ersticket. 7. Ach! hilf, Herr, daß wir werden gleich dem fruchtbar guten Lande, und seyn an guten Werken reich in unserm Umt und Stande, viel Früchte bringen in Geduld, bewahren deine Lehr' und Huld in einem frommen Herzen. 8. Laß uns, so lang' wir leben hier, den Weg der Sünden meiden; gieb, daß wir halten fest an dir im Glücke, Kampf und Leiden. Rott' aus, was dir, o Herr, mißfällt; hilf uns die Sorgen dieser Welt und böse Lüste dåmpfen. 9. Dein Wort, o Herr! laß immer seyn die Leuchte unsern Füßen; erhalt' uns deine Lehre rein; hilf, daß wir o'raus genießen Kraft, Rath und Trost in aller Noth, daß wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen. 10. Gott Vater, laß zu deiner Ehr' dein Wort sich weit ausbreiten; hilf, Jesu, daß uns deine Lehr' erleuchten mög' und leiten; o heil'ger Geist! dein göttlich Wort laß in uns wirken fort und fort, Lieb', Glauben, Trost und Hoffnung. Mel. D Herre Gott, dein göttlich ze. 499. treuer Gott, dein heil'ges Wort, das du uns haft gegeben zu unsrer Vorschrift fort und fort im Lehren 476 Gnaden- Mittel. und im Leben, ist worden kund aus deinem Mund, und ist hernach beschrieben untrüglich recht durch deine Knecht', von deinem Geist getrieben. Merchan 2. Dies Wort, das in der Schrift jetzt steht, wird unbeweglich stehen; wenn Erd' und Himmel gleich vergeht, soll dies doch nicht vergehen; nicht Macht, noch List, wie groß sie ist, wird es jemals vernichten, und denen soll feyn ewig wohl, die sich darnach stets richten. 3. Es ist vollkommen hell und klar, ein' Richtschnur reiner Lehre, es zeiget uns ganz offenbar Gott seinen Dienst und Ehre, und wie man soll hier leben wohl, Lieb', Hoffnung, Glauben üben. Drum fort und fort wir dieses Wort von Herzen sollen lieben. 4. Es zeiget uns in Traurigkeit des wahren Trostes Stelle, und führt den, dem die Sünd' ist leid, zu der Versöhnung Quelle; giebt Rath an Hand und macht be kannt, wie man soll willig sterben, und wie zugleich das Himmelreich durch Christum zu ererben. 5. Sieh', solchen Nuß, so große Kraft, die Feder hoch muß schätzen, des Herrn Wort in uns wirkt und schafft! zurück laß uns drum sehen Macht, Unsehn, Geld und was die Welt sonst herrlich pflegt zu achten, und jederzeit in Lieb' und Leid nach diesem Kleinod trachten. 6. Erhalt uns denn, Herr, dies dein Wort, laß uns die Kraft empfinden; den Frieden steur an allem Ort und laß es frei verkünden: so wollen wir dir für und für von ganzem Herzen danken. Herr, unser Hort, laß uns dein Wort fest halten und nicht wanken.cl Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 500. Du willst, Gott, daß mein Herz zur Heiligkeit genese. Drum gieb, daß ich dein Wort oft und mit Undacht lese, das Wort, das deinen Rath von unserm Heil enthält. Dank sey dir für dies Wort, den größten Schatz der Welt! 2. Erfülle mein Gemüth mit Ehrfurcht und Vertrauen, mit Lust und frommen Ernst, dadurch mich zu Das Wort Gottes in der H. Schrift. 477 erbauen. Du bist's, der in der Schrift zu meiner Seele spricht. O segne doch an mir, Herr, deinen Unterricht. 3. Mein Gott, vor welchem ich jetzt meine Hände falte, gieb, daß ich allezeit dein Wort für Wahrheit halte; und laß mich deinen Rath empfindungsvoll verstehn, die Wunder am Geset, am Wort vom Kreuze sehn! 4. Du aller Wahrheit Gott, kannst mich nicht irren laffen. Untrüglich ist dein Wort; o laß mich daraus faffen, so viel mein Heil verlangt. Du bist's, der Weisheit giebt, wenn man sie redlich sucht, gewissenhaft sie übt, 5. So will ich denn, befreit von Sorgen und Ges schäften, erforschen, Herr, dein Wort aus allen meinen Kräften; der beste Theil des Tags, des Morgens Heiterkeit und dann der Tag des Herrn sey deiner Schrift geweiht! 6. Gieb dabei, daß dein Wort, o Gott, mein Herze rühre, und daß ich mir den Spruch oft zu Gemüthe führe, der mich vor andern rührt. O stårke mich durch ihn mit Ernst und Munterkeit, das Gute zu vollziehn. 7. Um tugendhaft zu seyn, dazu sind wir auf Erden. Wer deinem Wort gehorcht, der wird bald inne werden: die Lehre sey von dir, die uns die Bibel giebt; man lernt ihr Wort verstehn, wenn man es thut und übt. 8. Spricht sie geheimnißvoll: so laß mich dies nicht schrecken; kein endlicher Verstand kann dich, Gott, ganz entdecken. Du bleibst unendlich hoch. Was mir dein Wort erklärt, nicht was mein Wit verlangt, ist meines Glaubens werth. 9. Eich seines schwachen Lichts bei Gottes Licht nicht schämen, ist Ruhm. Und die Vernunft alsdann gefangen nehmen, wenn Gott sich offenbart, ist der Geschöpfe Pflicht, und weise Demuth ist's, zu glauben, was Gott spricht. 10. Erinn're mich hieran, wenn mich die Zweifel krånken, und lehre mich dabei zu meinem Heil bedenken: dort sey die Zeit des Schauns, und hier des Glaubens Zeit. Dort wachse, wie mein Glück, mein Licht in Ewigkeit. 478 Gnaden- Mittel. na 11. Find' ich in deinem Wort noch manche Dunkeis heiten, so laß mich einen Freund, der mehr als ich sieht, leiten. Ein forschender Verstand, der sich der Schrift ge weiht, ein Herz, durch Kreuz geübt, hebt manche Dun kelheit. 12. Stets sey dein Wort mir werth! es ist mein Glück auf Erden, und wird, so wahr du bist, mein Glück im Him mel werden. Nie irre mein Gemüth der Bibelfeinde Spott! die Lehre, die sie schmåhn, bleibt doch dein Wort, o Gott! Mel. Ach Gott und Herr 501. Gott ist mein Hort, und auf sein Wort soll meine Seele trauen! Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte schmecken. Laß keinen Spott, o Herr, mein Gott, mich von dem Glauben schrecken. 3. Wo hätt' ich Licht, wofern mir nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verstånd' ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, Unsterb lichkeit und Leben, daß diese Zeit zur Ewigkeit mir sey von dir gegeben! 5. Dein ew'ger Rath, die Missethat der Sünder zu verfühnen, den kennt' ich nicht, wär' mir das Licht nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu' und Schmerz der Sünden nicht verzagen; nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist recht kindlich Vater! sagen. 7. Mich zu erneun, mich dir zu weihn, ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh' vermag ich's nie; dein Wort giebt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, laß uns dies Wort! denn du haft's uns gegeben. Es sey mein Theil, es sey mir Heil und Kraft zum ew'gen Leben. Das Wort Gottes in der H. Schrift. 479 Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu zc. 502. Wohl, wohl dem Volke, dem du dich, Jehovah, offenbarest, das du regierst und våterlich auf ebner Bahn bewahrest! wohl uns, denn dies dein Volk sind wir! du lehrst uns deinen Willen recht erfüllen, und unsern Durst nach dir selbst aus der Quelle stillen. 2. Der Spotter sagt: du werdest nicht uns deine Rechte lehren; denn die Vernunft sey unser Licht, dich würdig zu verehren. Doch, wem dies schwache Licht nur scheint, der kann nicht völlig sehen, sicher gehen, und finket, wenn er meint auf festem Grund zu stehen. 3. Zwar die Vernunft erkennet dich in deinen großen Werken, weiß dein Gebot, doch weiß sie sich zum Guten nicht zu stärken. Wir sündigen, und sie kann nie uns wieder dir versöhnen. Unsre Thränen siehst du; doch können sie die Sünden nicht versöhnen. 4. Uus Furcht des Todes wären wir im ganzen Leben Knechte, wenn uns dein Wort nicht, Gott, von dir Trost aus der Höhe bråchte. Der Sünder kann durch Jesum Christ für alle Sünden Gnade finden, der Lüfte Macht und List durch Glauben überwinden. 5. Unschäßbar werth sey uns das Wort, das du, Gott, uns gegeben! es leit' uns hier, es bring' uns dort zu jenem fel'gen Leben! Lehr' auch die Spotter, die es noch mit stolzem Muth verachten, darnach schmachten, und unter Jesu Joch nach seinem Reiche trachten. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 503. Herr, dein Geseh, das du der Welt zur Richtschnur haft gegeben, das du zur Regel vorgestellt, wonach wir sollen leben, das deinen Willen offenbart, ist ganz von einer andern Art, als menschliche Gesetze. 2. Mit äußerlicher Ehrbarkeit läßt es sich nicht be= gnügen, obgleich die Hand nicht schlägt, noch draut, die Lippen nicht betrügen, das Auge nichts Verbot'nes sieht, und unbefleckt sonst jedes Glied in seiner Ordnung bleibet. Gnaden- Mittel. 003 3. Ob man nicht flucht, betrüget nicht, ob man fein Sabbathsschänder, kein Frevler, der die Ehe bricht, kein Mörder, kein Verschwender, kein Freund von sündlichem Geschwät: so ist dein heiliges Geseß doch damit nicht zufrieden. 480 4. Es fordert, daß das Herz dich, Gott, wie du's verdienest, liebe, und sich, zu halten dein Gebot, aus allen Kräften übe. Es will, daß, wie du heilig heiß'st, auch unser Herz und ganzer Geist sey heilig und unstråflich. 5. Der Geist, von Erdenliebe rein, soll sich zu Gott erheben, soll immerhin befliffen seyn, treu jeder Pflicht zu leben. Begierig auf des Nächsten Wohl, nach Weisheit und der Tugend soll der Mensch) voll Eifer streben. 6. So hat uns Gott geoffenbart sein Recht und seinen Willen. Kannst du, o Mensch, auf solche Art nun sein Gesetz erfüllen? wie sehr der Sünden Sclaverei dein Wille unterworfen sey, das wirst du leicht erkennen. 7. Und du wollt'st nicht zu deinem Heil dem Mittler dich ergeben? Komm, nimm an dessen Gnade Theil, durch den die Sünder leben; nimm dankbar froh und gläubig an, was er zu deinem Heil gethan, und preise seine Liebe! 8. Laß aber auch in deinen Geift dir sein Gesehe schreiben, thu' Alles willig, was er heißt, laß seinen Gest dich treiben. Denn wer nun nicht die Sünde flieht, nicht ihm zu leben sich bemüht, der bleibet im Gerichte. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 504. Herr, deine Rechte und Gebot, darnach wir sollen leben, zu halten, wollest du, o Gott! mir Kraft und Gnade geben, daß ich zum Guten willig sey, mit Sorgfalt, ohne Heuchelei, was du befiehlst, vollbringe. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau', dich über Alles liebe; nicht gierig auf das Ird'sche schau', nicht muthlos mich betrübe: daß mir nicht andrer Menschen Gunst, Macht, Unsehn, Reichthum, Wit und Kunst zu einem Abgott werde. Das Wort Gottes in der h. Schrift. 481 3. Hilf, daß ich deinen Gnadenbund recht schätze und erkenne; von Herzen, nicht bloß mit dem Mund, dich und dein Wort bekenne; daß ich bedenke jederzeit, wie sehr mich meiner Taufe Eid zum Dienste dir verbindet. 4. Um Tage deiner heil'gen Ruh' laß mich früh vor dich treten, die Zeit auch heilig bringen zu mit Danken und mit Beten: daß ich hab' meine Lust an dir, dein Wort gern höre und es mir auch recht zu Nußen mache. 5. Die Eltern, Lehrer, Obrigkeit, die vorgesetzt mir werden, laß mich verehren jederzeit, daß mir's wohl geh' auf Erden; daß ich für ihre Sorg' und Treu' recht folgsam und recht dankbar sey und sie niemals betrübe. 6. Hilf, daß ich niemals eig'ne Rach' aus Zorn und Feindschaft übe, und die mir zugefügte Schmach verzeih' und Feinde liebe; sein Glück gern gönne Jedermann; seh', ob ich Jemand dienen kann, und es dann thu' mit Freuden. 7. Unzucht, das Werk der Finsterniß, laß mich sorgfältig meiden; du siehst und strafefst sie gewiß mit schwer gehäuften Leiden! schaff' in mir, Gott, ein reines Herz, daß ich schandbare Wort' und Scherz und alles Schwelgen fliehe. 8. Verleih', daß ich mich redlich nähr', mich böser Ranke scháme; mein Herz niemals zum Geize kehr, mit Unrecht nichts hinnehme, und von der Arbeit meiner Hånd', was übrig ist, auf Arme wend' und nicht auf Pracht und Hoffahrt. 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf zu retten mich befleiße, von ihm abwende Schmach und Schimpf; doch Boses nicht gut heiße! gieb, daß ich lieb' Aufrichtigkeit, hab' einen Abscheu jederzeit an Låstern und an Lügen. 10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut nicht wünschen, noch begehren; was aber mir vonnöthen thut, das wollst du mir gewähren; doch, daß es Niemand schädlich fey, ich auch ein ruhig Herz dabei und deine Gnad' behalte. 11. Mein Gott! bein mir gegeb'nes Recht und deinen heil'gen Willen, wie mir gebühret, deinem Knecht, unstråf Osnabr. Landgesangb. 7. Uufi. 31 482 10 Gnaden- Mittel. lich zu erfüllen, vermag ich von mir selber nicht; ich fühle, daß es mir gebricht dazu an eignen Kräften. 12. Drum gieb du mir von deinem Thron, Gott Vater, Gnad' und Stärke! verleih', o Jesu, Gottes Sohn, daß ich thu' rechte Werke! o heil'ger Geist, hilf, daß ich dich von ganzem Herzen und, wie mich, den Nächsten thätig liebe. Mel. Jesu, meine Freude zc. 505. Wort aus Gottes Munde, Wort vom Friedensbunde, Evangelium! dich ließ Gott erschallen uns, die wir gefallen, du bist unser Ruhm, Gottes Kraft, die Glauben schafft, gute Botschaft, uns zum Leben von Gott selbst gegeben. 2. Was dein Wohlgefallen, Gott, schon längst uns Allen hatte zugedacht; was sonst dunkle Schatten vorges bildet hatten, ist nunmehr vollbracht. Daß dein Eid dich nicht gereut, zeigst du nun; in Jesu Namen wird er Ja und Amen. 3. Alles ist vollendet, Gott hat den gesendet, der verheißen war. Jesus, der sein Leben wollte für uns ges ben, stellt sich wirklich dar; ja er hat des Hochsten Rath ganz vollbracht, und lebt in hre; ach, erwünschte Lehre! 4. Da uns Strafen drohten, thaten Friedensboten Heil von Gott uns kund. Gott will uns vergeben; will, wir sollen leben. Welch ein theurer Bund! Gottes Huld tilgt unfre Schuld, und wer ihn im Glauben ehret, tem wird Heil gewähret. TOBAC 5. Hierauf will ich bauen, Chrifto mich vertrauen, und in ihm mich freun. Thm nur will ich leben, ihm mich ganz ergeben, ewig treu ihm feyn. So werd' ich auch einst durch dich, mein Erlöser, selig sterben und den Himmel erben. Mel. Christus, der uns selig 2c. 506. Gott, der du die Wahrheit bist; Gott, zu ich finge; Gott, den kein Verstand ermißt, Ursprung aller dem Das Wort Gottes in der h. Schrift. 483 Dinge! alle Wahrheit kommt von dir zu den Menschenkindern, sie erleuchtet uns, wenn wir selbst ihr Licht nicht hindern.a 2. Vorurtheil und Finsterniß füllen unsre Seelen; unser Blick ist ungewiß, unsre Schlüsse fehlen; aber dein Verstand weicht nicht von der lautern Wahrheit; was du denkest, das ist Licht, Richtigkeit und Klarheit. 3. Gott, was uns dein Wort verspricht, wird und muß geschehen; deine Drohung kann auch nicht leer vorüber gehen. Haben Tausende nicht schon, welche vor uns waren, deine Strafen, deinen Lohn dir zum Ruhm erfahren? 4. Seele, wolltest du nicht Gott zuversichtlich glauben? sollte Leichtsinn, sollte Spott deinen Trost dir raus ben? die den Himmel aufgebaut, kann die Wahrheit lus gen? kann sie den, der ihr vertraut, heuchlerisch betrügen? 5. Stille die Vernunft, die sich wider Gott emporet, wider seinen Geist, der dir sein Geheimniß lehret! lach' des Spotters, der sich blåht, mehr als Gott zu wissen; er wird einst, vielleicht zu spät, Gott noch glauben müssen. 6. Erd' und Himmel wird vergehn; Gott, dein Wort wird bleiben. Lasterhafte, die es schmåhn, werden's nicht. vertreiben. Könige sind Staub ver dir, sie mit ihren Heeren. Du im Himmel lachest ihr'r, wenn sie sich empören. 7. Du bist Wahrheit! ewig soll mich von dir nichts trennen, mich die Welt, von Urglist voll, nicht erschüttern können. Müßte ich auch um dein Wort Schmach und Trübsal leiden: du belohnest mir es dort, Gott, mit Ehr' und Freuden. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 507. Das Wort, das uns der Herr gegeben, ist heilig und untadelhaft. Es stärkt die Seelen, daß sie leben, und giebt den kranken Herzen Kraft; es macht auf unser Heil uns klug, uns frei von allem Wahn und Trug. 2. Aus Gottes heiligen Gefeßen quillt Freude für die Traurigkeit; sie heiligen und sie ergògen den, der fie 31* 484 Gnaden- Mittel. kennt und nicht entweiht; sie geben dem Verstande Licht, dem Herzen frohe Zuversicht. 3. Die Furcht vor Gott erhebt und schmücket ein folgfam Herz und macht es rein; und ewig bleiben die beglücket, die sich dem Dienste Gottes weihn; denn Alles, was der Herr gebeut, ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Die Zeugnisse des Herrn sind besser und mehr der Sehnsucht werth, als Gold; ihr Werth ist köstlicher und großer, als alles noch so feine Gold; süß sind sie, wie der Honig ist, wie Most, der aus den Trauben fließt. 5. Wie adeln sie nicht deine Knechte! der hat viel Segen, der sie hält. Ich will sie halten, deine Rechte; doch wenn dein Knecht aus Schwachheit fällt, so schon' ihn, und entzeuch ihm nicht, Herr, deine Hülfe und dein Licht. 6. Bewahre mich vor solchen Sünden, die Sicherheit und Stolz erzeugt, und laß sie den nicht überwinden, der willig in dein Joch sich beugt, daß ich unschuldig, rein und frei von vorsätzlicher Sünde sey. 7. Vernimm voll Huld aus meinem Munde die Re den, die sich deiner freun, und laß zur angenehmen Stunde dir mein Gebet geweihet seyn; mein Licht, mein Führer fey dein Wort, bis ich dich), Gott, einst schaue dort. 2. Von der heiligen Taufe. 508. Mel. Chrift, unser Herr, zum zc. Gott! du nur, du konntest Rath für unfre Seele finden. Du hast gestift't der Taufe Bad, zu rein'gen uns von Sünden. Dein gnadenvoller Rath erweist hier durch ein sichtbar Zeichen, o Vater, Sohn und heil'ger Geist, es sen nichts zu vergleichen mit deiner Gnad' und Liebe. 2. Du hast mich in den Gnadenbund zum Kinde auf genommen. Du machst voll Huld den Weg mir fund, wie ich kann zu dir kommen. Du hattest Urfach, uns viel mehr zu strafen und zu haffen; und doch hast du dich, Gott, so sehr zu uns herabgelassen, den Bund mit uns gestiftet. Die heilige Taufe. 485 3. Dadurch bin ich nun als dein Kind versichert deiner Gnaden; was sich noch Schwaches an mir find't, das låff'st du mir nicht schaden. Den Geist der Gnaden giebst du mir; und wenn ich vor dich trete, mein Herz ausschütte, Gott, vor dir, nach deinem Willen bete, so werde ich erhöret. 4. Ich übernahm dabei die Pflicht: ich wollt' ein gut Gewiffen bei meines Glaubens Zuversicht zu halten seyn beslissen; dich, Bater, Sohn und Geist, allzeit für meinen Gott erkennen, mit tiefer Ehrerbietigkeit dich meinen Herren nennen und dir alleine dienen. 5. Dem Satan hab' ich abgesagt, auch allen seinen Werken; und wenn er hun sich an mich wagt, kann dieser Bund mich stärken. Zum Tempel richtest du mich zu. Dir bin ich neu geboren; daß ich nur gute Werke thu', dazu bin ich erkoren, erschaffen und erlöset. 6. Der alte Mensch muß sterben ab, der neue aber teben; den bösen Lüsten, die ich hab', muß ich stets widerstreben. Ich muß dem Guten hangen an, verrichten deinen Willen, mit Fleiß und Sorgfalt denken d'ran, daß ich ihn mög' erfüllen durch deine Kraft und Stärke. 7. Gott Vater, Sohn und Geist, verleih', daß ich feft an dich glaube, mich meines Taufbunds tröst' und fren', darin beståndig bleibe, daß ich das Böse flieh' und haff', des Fleisches Lüste dampfe, im Guten niemals werde laß, hier bis ans Ende kämpfe und dort dein Reich ererbe! Bei einer Taufhandlung. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit 2c. 509. Der du der rechte Bater bist im Himmel und auf Erden! nimm die, so hier durch Jesum Chrift dir vorgestellet werden, nimm sie zu deinen Kindern auf und mach' sie durch die heil'ge Tauf' zu Erben deiner Gnade. 2. Wir bringen zu dir, Jesu, die, so du dir selbst erkaufet. Dir, unserm Mittler, werden sie geheiligt und getaufet. Laß fie nun mit uns haben Theil an dem durch dich erworb'nen Heil, an deines Todes Früchten! Gnaden- Mittel. 3. Sen du nun auch, o heil'ger Geist, ihr Leiter. und ihr Führer, ihr Lehrer, der sie unterweist, ihr Schuh und ihr Regierer. Laß sie mit uns, dreiein'ger Gott, die wir getauft auf Christi Tod, dort ewig bei dir leben! 486 Erneuerung des Taufbundes. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 510. Sch bin getauft auf deinen Namen, Gott Va ter, Sohn und heil'ger Geist! ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt. O welch ein Glück ward dadurch mein! laß, Herr, mich dessen würdig seyn!. 2. Du hast mich für dein Kind erklåret, mein Vater! und ein selig Theil hast du, Sohn Gottes! mir gewähret an dem von dir erworb'nen Heil. Du willst mein Leben, Gott zu weihn, Geift Gottes, selbst mein Beistand seyn. 3. Die Liebe ist nicht zu ermeffen, die du, mein Gott, mir zugewandt. O laß mich nie die Pflicht ver geffen, dazu ich selbst mich dir verband, als du in deinen Bund mich nahmst und mir mit Heil entgegen famst. 4. Du bist getreu, auf deiner Seite bleibt dieser Bund stets feste stehn. Sa selbst, wenn ich ihn überschreite, låffst du dein Vaterherz mich sehn! du klopfft an mein Gewissen an und lockst mich auf die rechte Bahn. 5. Ich gebe, o mein Gott, aufs neue mich ganz zu deinem Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und bilde mich nach deinem Sinn. Weich, eitle Welt! o Sünde! weich'! Gott hört es; jetzt entfag' ich euch. 6. Befestige dies mein Versprechen, mein Vater! und bewahre mich, daß ich es niemals möge brechen. Mein ganzes Leben preise dich! Gott meines Heils! sey ewig mein, und laß mich dein auch ewig seyn! Mel. Liebster Jefu, wir find 2c. 511. Mein Erlöser! der du mich dir zum Eigenthum erkaufet. Als dein Jünger bin auch ich vormals auf den Die heilige Taufe. 487 Wort getaufet, o erwecke mich zum Fleiße, recht zu seyn das, was ich heiße. 19053 SAU 2. Laß mid) oft mit Achtsamkeit meiner Taufe Bund betrachten, und nur das zu jeder Zeit für mein größtes Wohlfeyn achten, daß ich, Jesu, deinen Willen treulich suche zu erfüllen. de tais at 3. Dieser Erde Gut und Ruhm bleibt im Tode doch zurücke; nur ein wahres Christenthum folgt uns nach zum ew'gen Glücke; davon ist auch nach dem Sterben ewig Segen zu ererben. 4. Laß mich nur, wie dir's gefällt, deinem Dienst mich ganz ergeben, und, entfernt vom Sinn der Welt, als dein treuer Jünger leben, daß ich einst auch, wenn ich sterbe, das verheiß'ne Leben erbe. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 512. Verwirf, verwirf, o Goit, mich nicht; eil' nicht, um mein Verbrechen, eil' nicht, um die verletzte Pflicht, wie ich verdient, zu råchen! verwerflich bin ich, Gott, vor dir. Ach, geh' nicht ins Gericht mit mir, sey mir, dem Sünder, gnådig! Indien 2. Ich denke, Gott, mit tiefem Schmerz an die ver= letzte Treue; es sehnt, es sehnet sich mein Herz nach Gnade; Gott, erfreue, erfreue es mit deiner Huld, du Gott der Langmuth und Geduld, um Jesu Christi willen! 3. Nimm mich aufs neue in den Bund, vergieb mir meine Sünden! aufs neue laß mich, Gotf, jekund bei dir Erbarmung finden! sprich mich von meinen Schulden frei, steh' mir mit deiner Gnade bei, daß ich mich ernstlich beff're. 4. Ich will von heute meinen Bund nun täglich wic derholen, und thun, was deiner Zeugen Mund zu üben mir befohlen. Ich sage nun den Sünden ab, und will durch dich bis an das Grab mit Ernst dagegen streiten. 5. Dir aber sag' ich feste zu, standhaft an dich zu gläuben. In dir allein ist meine Ruh', an die will ich 488 Gnaden- Mittel. auch bleiben. Von dir soll mich nicht Angst, noch Noth, nicht Glück, noch Wollust, Leben, Tod, noch irgend et was scheiden. 6. Gieb inir, mein Vater, deinen Geist, der deine Frommen leitet, sie stårket, tröstet, unterweist, zur Se ligkeit bereitet, damit ich einst vor dir besteh', zu jenes Lebens Freuden geh', die Jesus uns bereitet. Bei der Confirmation junger Christen. Mel. Mitten wir im Leben sind ic. 513. Stärke, Mittler, stårke sie, deine Theu'rerlöften; laß sie ihr Vertraun auf dich unaussprechlich trösten; wach' über ihre Seelen! sie stehen und geloben dir: Herr, dein Eigenthum sind wir. Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! laß sie nie vergessen ihren theuren, großen Eid bei deinem Namen. 2. Uch, wie Viel' gelobten auch, fest an dir zu hal ten; ließen aber treulos doch ihre Lieb' erkalten. Verder ben ward ihr Ende! beständig laß dir diese seyn, die sich) dir ewig weihn! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreis einiger Gott, starte sie, die Deinen, im Vertrauen auf Jesu Tod und wahre Tugend! 3. Locken wird sie nun die Welt, Herr, zu ihren Lüsten. Ach, du wolleft sie mit Kraft aus der Höhe rusten! laß streiten sie und siegen! die Triebe zu verbot'ner Lust dåmpfe früh in ihrer Brust! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Trdster! Dreieiniger Gott! laß sie ihre Feinde, alle Feinde ihres Heils, weit überwinden! 4. In der Todesnoth laß sie, deine Theu'rerlösten, daß ihr Glaube standhaft bleib', unaussprechlich trösten! zähl' sie zu deinen Todten! einst führe sie mit uns zugleich in dein unvergånglich Reich! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Trd Die heilige Taufe. 489 ster! Dreieiniger Gott! laß sie nie vergessen ihren theuren, großen Eid bei deinem Namen! Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 514. Du, der den eingebornen Sohn zum Mittler gabst für Sünder, Gott, schaue jetzt von deinem Thron mit Huld auf diese Kinder. Du nahmest sie bei ihrer Tauf' bereits zu deinen Kindern auf, zu Erben deines Himmels. 2. Sie stehen und beschwören hier den Gnadenbund aufs neue, geloben jetzt, o Vater, dir unwandelbare Treue. Gieb ihnen selbst durch deine Kraft, die alles Gute in uns schafft, das Wollen und Vollbringen. 3. Auf ihres Glaubens Rechenschaft, auf ihrem Ungeloben ruh', Vater, deines Geistes Kraft, daß sie des Glaubens Proben und Eifer in dem Christenthum, sich felbst zum Heil und dir zum Ruhm, im ganzen Leben zeigen. 4. 3war mächtig wird in ihrer Brust die Sünde sich empören, sie werden sie zu böser Luft gefährlich locken hören; ach, dann steh' ihnen mächtig bei, mach' selbst fie eingedenk der Treu', die sie dir, Gott, gelobet! 5. Vorsichtig mache sie und klug in dieser Welt Ge= fahren, daß sie vor eitler Lüste Trug sich unverletzt bewahren; erweck' und stårke sie zum Streit, zum Streite um die Seligkeit, die Jesus uns erworben. 6. Wir flehen, Gott, für uns und sie, mach' uns durch deine Gnade dir so ergeben, daß wir nie abweichen von dem Pfade, der uns zu jenem Leben führt, wo nun der Glaube triumphirt; dahin, Gott, laß uns kommen. 3. Vom heiligen Abendmahle. Von dessen Stiftung. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 515. Du hast uns, Jesu, vor dem Scheiden, beim Unbruch deiner letzten Nacht, mit einem Denkmal deiner Lei 490 Gnaden Mittel. den, mit einem Bundesmahl bedacht, das deinen Freunden Proben giebt, wie ungemein du uns geliebt. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, wird dein Ge dächtniß bei uns neu. Man kann aus neuen Proben fdließen, wie groß, Herr, deine Liebe sey, und welch ein Heil du uns erwarbst, da du für uns am Kreuze starbst. 3. Es werden hier gebeugte Herzen auf's neue mit dem Troft erfreut, daß du durch deine Todesschmerzen uns von der Sündenlast befreit, daß du für Jeden haft verschafft Vergebung, Gnad' und Beff'rungskraft. 4. Du läff'st, wenn wir dies Mahl genießen, mit Dank und Besserungsbegier stets neue Gnade auf uns fließen, belebst mit neuem Muth uns hier, im Herzen und im Wandel rein und so, wie du, gesinnt zu seyn. 5. Hier wächst die Hoffnung, und die Liebe, die zu der Tugend Kraft giebt, steigt; es wird durch dankbar frohe Triebe das ganze Herz dahin geneigt, in deiner Huld sich stets zu freun, das ganze Leben dir zu weihn. 6. Hier, wo ein Brod wir Ulle effen, aus einem Becher trinken; hier, wo wir mit frohem Dank ermessen, daß Jeder sey erlöst von dir: hier wird zum Freundschaftsbund vereint der Herr und Knecht, der Freund und Feind. 7. Hier lernen wir Geduld im Leiden, wenn wir auf dein Erempel schaun; hier lernen wir, zu allen Zeiten auf Gottes Freundschaft zu vertraun. Denn was ist's, was uns ferner frånkt, da Gott mit dir uns Alles schenkt? 8. Bei diesem Mahl stärkt fich der Glaube, daß du der Fodten Schaaren einst erweckft aus der Verwesung Staube, und näher uns mit dir vereinft, uns, die wir dir geglaubt, gelebt, auf deiner Bahn dir nachgestrebt. 9. So sey denn, Jesu, stets gepriesen für dieſes Denkmal deiner Treu'. Gieb, daß, so oft wir es genies Ben, es unsers Glaubens Stärkung fey: daß Menschenliebe, Freud' und Ruh' in unsern Seelen nehme zu. 491 Das heilige Abendmahl. Wider die Lichtachtung des heiligen Abendmahls. Mel. O König, dessen Majestät zc. 516. Wer Jesu Gnadenmahl nicht acht't, der hafſet feinen Frieden, der ist nicht auf das Heil bedacht, das Jesus uns beschieden durch dies sein großes Bundesmahl; er wählet sich durch eig'ne Wahl den Tod anstatt des Lebens. Meint er gleichwohl und rühmt dabei, daß er doch Gott ergeben sey; sein Ruhm ist ganz vergebens. 2. Wer Jesu Mahl nicht liebt, der hat nicht Lust, Gott zu gefallen; ihm ist es Lust, den Sünderpfad noch fernerhin zu wallen. Ach! wär' er nicht der Sünde Freund, nicht Gott und seinem Wege feind, er würde sich entschlies Ben, das Mahl, das uns der Herr bereit't, mit Andacht und mit Dankbarkeit nebst Undern zu genießen! 3. Wer den Genuß von Jesu Mahl nicht wünschet, noch begehret, der trennt sich von der Frommen Zahl, die ihn rechtschaffen ehret; der Schaar, die brüderlich sich liebt, in ihrem Glauben Tugend übt, die Christus sanft regieret, und nåher einst mit sich vereint und, wenn er zum Gericht erscheint, mit sich zum Himmel führet. 4. Die nicht an diesem Mahle gern mit Undern Antheil nehmen, die müssen sich auch selbst des Herrn und feines Dienstes schämen. Wer aber Jesum öffentlich zu ehren schämt und weigert sich, den will er auch nicht ehren; und wen er nicht den Seinen nennt, Gott, seinen Vater, nicht bekannt, wer kann dem Heil gewähren? 5. Ist dir dein Heil, o Seele, werth, so laß zum Mahl der Gnaden, das Jesu Liebe uns gewährt, dich nicht vergeblich laden. Komm, und geneuß mit frohem Dank die Lebensspeise und den Trank, den dir der Herr bereitet! komm mit dem Vorsatz, fein zu seyn, dein ganzes Leben dem zu weihn, der dich hier labt, dort weidet. Erweckung zum würdigen Genuß. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 517. Prüfe dich, o Seele, wohl, prüf' dich mit ge 492 Gnaden- Mittel. schärften Blicken, wenn des Mittlers Maht dich soll mit wahrhaftem Trost erquicken. Wer's genießt und prüft sich nicht, ißt's und trinkt's sich zum Gericht. 2. Kommen sollst du nicht mit Qual, nicht mit zit terndem Gemüthe. Der es dir gewährt, dies Mahl, ist so reich an Huld und Güte, daß er Fromme gern erfreut, gern auch Reuigen verzeiht. 3. Uber heilig ist das Mahl, heilig der, zu dem du nahest! sieh', daß du durch eig'ne Wahl nicht für Segen Fluch empfahest. Denk', was dir dies Maht verspricht und wozu es dich verpflicht't. 4. 3um Gedächtniß seiner Huld, zum Gedächtniß feines Todes, der der Menschen Straf' und Schuld tilgte im Gerichte Gottes, halten wir, wie er befahl, dieses heil'ge Bundesmahl. 5. Dich von Sünden zu befrein, hat der Herr fich tödten lassen; und du wolltest sie nicht scheun, sie nicht ernstlich fliehn und hassen? ach), mit heil'ger Sorgfalt flieh', fliehe und bestreite sie! 6. Liebe, die sich thätig zeigt, diese uns ins Herz zu gießen, wird dies Mahl uns dargereicht; um es wür dig zu genießen, laß dein Herz von Sünden rein, voll von wahrer Liebe seyn! 7. Wahre Liebe zu dem Herrn ist beflissen, ihm zu leben. Folgt dem großen Beispiel gern, das der Herr uns selbst gegeben; left, erforscht sein Wort mit Fleiß und thut willig fein Geheiß. 8. Wahre Liebe zu dem Herrn lehret jeden Menschen lieben; lehrt, selbst an Beleidigern Sanftmath, so wie er, zu üben; tröstet, beffert und erfreut, schonet, duldet und verzeiht. 9. Ist, o Seele, dies dein Sinn, dies dein Vorsat und Bestreben? willst du jede Sünde flichn? denkest du dem Herrn zu leben? sehnst du dich, von Sünden rein und, wie er, gefinnt zu seyn? 10. Ist dir deine Besserung ein recht ernstliches Ge Das heilige Abendmahl. 493 fdäfte? wünschest du zur Heiligung Wachsthum, Fortgang, Lust und Kräfte? willst du lieben, wie der Herr? Feinden gern verzeihn, wie er? 11. Dann, o Seele, wird der Herr durch sein Mahl dich sanft erquicken; er, der Herzenskündiger, huldreich auf dich niederblicken; dann hast du an seinem Heil, an des Himmels Erbe Theil. Bei der Communion, vom Zweck, Nugen und rech ten Gebrauche des heiligen Abendmahls. Mel. Schmücke dich, o liebe zc. 518. Seele, willst du Ruhe finden, drůcket dich die Last der Sünden: komm, Vergebung zu empfangen! denn' dein Licht ist aufgegangen, und der Herr voll Heil und Gnaden hat zu sich dich eingeladen. Deinen Bund sollst du erneuen und dich seines Todes freuen. 2. Herr, ich falle vor dir nieder, danke dir und singe Lieder dir, o Tilger meiner Sünden! wer kann deine Lieb' ergründen? meine Schulden willst du decken, willst mich Todten auferwecken, willst ein ewig selig Leben mir, wenn ich dir glaube, geben. 3. Ja, ich preise deine Leiden; denn wie groß sind jene Freuden, die du, Heiland, mir erstrittest, als du unaussprechlich littest, als dich Todesschweiße deckten und die Schrecken Gottes schreckten, als du, selbst für mich gestorben, mir des Vaters Huld erworben. 4. Und nun sey der Bund erneuet; ganz sey dir mein Herz geweihet; wie du hier gelebt, zu leben, will ich täglich mich bestreben. Dir gelob' ich), deine Glieder, alle Menschen, meine Brüder, immer mit den reinsten Trieben, immer, wie mich selbst zu lieben. 5. Ich gelobe dir von Herzen, meiner Brüder Noth und Schmerzen täglich brüderlich zu lindern, Elend, wo ich kann, zu mildern. Ich gelobe dir mit Freuden, auch das Unrecht still zu leiden; ungeduldig nie zu klagen; an dir niemals zu verzagen. Gnaden- Mittel. 6. Was du hasfest, will ich hassen, ganz von dir mich leiten lassen, nie mit Vorsatz dich betrüben; was du liebest, will ich lieben. Doch ich kenne meine Schwäche, Jesus, da ich dies verspreche. Ach! wie oft hab' ich ge brochen, was ich feierlich versprochen. 494 7. Darum hilf du mir und stärke mich zu jedem gu ten Werke; komm und eile, mich vom Bösen, daß ich thun will, zu erlösen. Hilf, den ersten Reiz der Sünden gleich im Anfang überwinden. Laß mich ihre Folgen schrecken und der Unschuld Freuden schmecken. 8. Gieb, daß ich und alle Christen sich auf deine 3ukunft rüsten, daß, wenn heut' dein Tag schon káme, Keiner, Herr, vor dir sich schåme. Schaff', o Heiland aller Sünder, dir viel Jünger, viele Kinder, die dir les ben, die dir sterben, deine Herrlichkeit zu erben. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 519. Bater, groß von Gnade, Lieb' und Güte, wir kommen jetzt mit reuigem Gemüthe und bitten: schenk uns Sündern, schenk' uns Armen Huld und Erbarmen. 2. Nimm von uns weg all' unsre Missethaten, wor ein wir Sünder alle sind gerathen! Herr, daß wir dir ein reines Opfer bringen, das laß gelingen! 3. Wir haben Born und Strafe wohl verdienet; doch hat dein Sohn uns mit dir ausgefühnet, nachdem er uns zu gut vom Himmel kommen, Fleisch angenommen. 4. Für uns, die dir halsstarrig widerstrebet, hat et gehorsam stets vor dir gelebet; für uns, die dein Gesetz oft überschritten, hat er gelitten. 1120 5. Die Schmach, die Strafe und die schweren Pla gen, die wir verdient, hat er für uns ertragen, sid) in ben Tod, damit wir möchten leben, dahin gegeben. 6. Wir können sonst für uns und unsre Sünden kein Löfegeld, kein ander Opfer finden; du willst, o Gott, von keinem andern Büßen, als seinem, wissen. 7. So wirst du denn an unfern Mittler denken und Das heilige Abendmahl. 495 Gnade uns um seinetwillen schenken, da wir, das Mahl des Bundes zu empfahen, uns gläubig nahen. A 8. 3u unserm Flehn wirst du dich huldreich neigen, die Gnade, die wir suchen, uns erzeigen, da wir im Glauben zum Altare treten und zu dir beten. 9. Dies Mahl, das wir nach Jesu Vorschrift feiern, dient, seines Tod's Gedächtniß zu erneuern; hier wird das Blut, das er für uns vergoffen, von uns genossen. 10. Dies Lösegeld wirst du, Gott, nicht verachten, wirft es als gültig auch für uns betrachten; du haft auf den, der uns're Sünden tråget, sic selbst geleget. 11. Drum, Vater, wirst du uns um Christi willen begnad'gen und mit reichem Troft erfüllen; dein Sohn hat ja an unsrer Statt erduldet, was wir verschuldet. 12. Vergieb die Sünd', darin reir sind empfangen, und alles Unrecht, was wir sonst begangen; auch was aus Schwachheit von uns ist versehen nnd nicht geschehen. 13. Jus tiefe Meer wollst du es alles senken, nicht mehr daran um Chrifti willen denken, und das, was wir durch ihn von dir begehren, huldreich gewähren. 14. Schüß' deine Kirch', gieb, daß bei reiner Lehre sich Gottesfurcht und heil'ges Leben mehre; daß wir von deinem Geist uns leiten lassen, die Sünde haffen. 15. Gieb Friede, Glück und Heil in jedem Stande, der Obrigkeit und unserm ganzen Lande; was schädlich ist, wollst du an allen Enden gnådig abwenden. 16. Erfreu' die Traurigen, die ihre Plagen dir, unferm Vater, gläubig betend klagen; die in Gefahr sind und mit Kreuz beladen, errett' in Gnaden.dignisso di om 17. Gott Vater, hilf du uns, gieb deinen Segen uns, deinen Kindern, deiner Liebe wegen, laß uns um Jefu willen deine Gaben von oben haben. di sped 18. Herr Jesu Christ, durch deinen Tod und Leiden erquicke uns, wenn wir von hinnen scheiden, daß wir ge trost und freudig darauf sterben, dein Reich ererben. 363 19. O heil'ger Geist, durch deine Guad' und Stärke 496 Gnaden- Mittel. zerstör' der Sünden Lust und böse Werke, so wollen wir hier und im Himmel oben, o Gott, dich loben. Mel. O Jesu Christe, Gottes Lamm zc. 520. Sesu! ter du als ein Lamm am martervollen Kreuzesstamm zur Tilgung meiner Sündenlast dich sanft muthsvoll geopfert haft; 2. Ich komm' zu deinem Abendmahl, ich beuge mich vor dir und fall' in Demuth nieder. Ach verleih', daß ich zu kommen würdig sey! 3. Arzt bist du, Retter, Kraft und Licht; verwirf, verwirf mich Sünder nicht! Du bist der Brunn der Heiligkeit, der Geber aller Seligkeit. 4. Drum, o Herr Jesu, bitt' ich dich, ach blicke gnådig jetzt auf mich! laß deine Gnade mich erfreun und mache mich von Sünden rein. 5. Gieb Ernst und Andacht mir ins Herz, daß es nicht selbst sein Heil verscherz'; stårk' meinen Glauben und vermehr' die Lieb', mit der ich dein begehr. 6. Daß wenn mich nährt dein Himmelsbrod, ich feiern möge deinen Tod; daß dessen Ursach' ich ermess' und feiner Folgen nie vergeff.s 7. Lösch' alle Lafter aus in mir, mein Herz mit Lieb und Glauben zier, und was sonst ist an Tugend mehr, das pflanz' in mich zu deiner Ehr'. 8. Dir übergeb' ich Seel' und Leib zum Opfer, nimm mich an und bleib' mit deinem Lebensgeist in mir, daß ich vereinigt bleib' mit dir. deld wol2 simet 9. Gieb durch dein Mahl mir neue Kraft und mach) mich recht gewissenhaft, daß ich die mir geschenkte Huld verscherze nicht durch neue Schuld. 10. Bist du für mich, so kann kein Feind mir Scha den thun; was böse scheint, verwandelt mir in Segen fid). In diesem Glauben stårke mich! 11. Mach' mich recht treu in meiner Pflicht; der Das heilige Abendmahl. 497 freud'ge Geist verlaff' mich nicht; ach, laß mich meine Tag' in Ruh' und Friede christlich bringen zu; di 12. Bis du mich, odu Lebensfürst, in deinen Hims mel nehmen wirst, daß ich bei dir dort ewiglich in deinem Reiche freue mich. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele ze. 521 Voller Ehrfurcht, Dank und Freuden komm' ich, Herr, auf dein Gebot, und gedenk' an deine Leiden und an deinen Opfertod! Mittler, der du für mich starbst, mir ein ewig Heil erwarbst, ach! möcht' ich mich würdig nas hen und das Leben hier empfahen! 2. Weil du, Heiligster, aus Gnaden aller meiner Sünden Last mir zum Heil auf dich geladen und am Kreuz gebüßet haft: darum stellet mich nun nicht Gott, der Richs ter, ins Gericht; darum will er mein Verbrechen mir vere zeihn und nimmer rächen. 3. Herr, dies glaub' ich, und empfinde Freudigkeit und Zuversicht. Stellt doch Gott um meine Sünde nun mich nimmer ins Gericht! bin ich doch durch deinen Tod völlig ausgeföhnt mit Gott und, wenn ich im Glauben sterbe, ewig seines Himmels Erbe! 4. Laß mich vor dein Untlik kommen,( dein Gedächt= niß zu erneu'n! laß mich heut' mit deinen Frommen deines Todes Zeuge seyn! Herr, ich schau' nach Golgatha, wo dein Gott dich opfern sah, sehe dich in deinem Blute, wie du littest mir zu gute! 5. Möcht' ich, Jesu, nicht vergebens mich zu deinem Kreuze nah'n! möcht' ich dieses Mahl des Lebens nicht mir zum Gericht empfahn! nein, dies Denkmal stårke mich, Mittler, im Vertraun auf dich! ach, es lenke meinen Willen, dein Gesetz, Herr, zu erfüllen! 6. Diesen Vorsatz, den ich habe, mich nicht wieder zu entweihn, laß ihn, Jeju, bis zum Grabe fest in meiner Seele seyn! vor der drohenden Gefahr, der zu werden, Denabr. Landgefangb. 7. Kufl. 32 498 Gnaden- Mittel. der ich war, beb' ich zaghaft und empfinde schon von fern die Macht der Sünde. 7. Wenn sie mich von deinen Wegen schmeichelnd abzuführen droht, laß mich ernstvoll überlegen, welchy' ein Tod war Jesu Tod! Gott, vor dem er im Gericht stand verlassen, laß mich nicht ihn in seinem Leiden sehen und ihn doch durch Sünden schmähen! 8. Wenn ich in der Frre wandle, geh' du mir, Er barmer, nach; zeig' mir, wie ich unrecht handle; stärke mich, denn ich bin schwach! und ertrage mit Geduld meine Schwachheit, meine Schuld! laß mich wieder Gnade fir den, wenn ich traure über Sünden! 9. Dir will ich es ewig danken, daß du so barmher zig bist. Laß mich nur nicht wieder wanken, mein Erretter, Jefu Chrift! hilf mir, daß ich dir getreu, und mein Vorsat standhaft sey, jeder Sünde falsche Freuden immer als wie Gift zu meiden! Mel. D König, dessen Majestät zc. 522. Ich komme, Herr, und suche dich, mühselig und beladen. Gott, mein Erbarmer, würd'ge mich des Sie gels deiner Gnaden! ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh', ich suche Ruh' und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet' ich zuversichtlich an; du bist das Heil der Sünder! Du hast die Handschrift abgethan, und wir find Gottes Kinder. Ich denk' an deines Leidens Macht, und an dein Wort: es ist vollbracht! du hast mir heil erworben. Du haft für mich dich dargestellt. it fid verföhnte Gott die Welt, da du für sie gestorben. 3. So freue dich, mein Herz, in mir! er tilget deine Sünden, und läßt an seiner Tafel hier dich Gnad' um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, spricht liebreich: sey getroft, mein Sohn! die Schuld ist dir ver Das heilige Abendmahl. 499 geben. Du bist in meinen Tod getauft; vergiß nicht, dem, der dich erkauft, zu Ehren stets zu leben. 4. Dein, spricht er, ist die Seligkeit; bewahr' sie hier im Glauben, und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh', ich vereine mich mit dir; ich bin der Weinstock; bleib' an mir: so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot; ich will es treu erfüllen, und bitte dich durch deinen Tod um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an tüchtig seyn, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weih'n und deinen Tod zu preisen! laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 523. Hier bin ich, Jesu! zu erfüllen, was du in deiner Leidensnacht nach deinem gnadenvollen Willen zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih' zur Übung dieser Pflicht mir deines Geistes Kraft und Licht. 2. Es werde, Herr, für mein Gewissen dein Abendmahl ein Unterpfand, auch mir sey dein versöhnend Büßen zu meiner Rettung zuerkannt: so freuet meine Seele fich in deinem Heil und lobet dich. 3. Bewundernd denk' ich an die Liebe, mit der du unser Heil bedacht. Wie stark sind deine Mitleidstriebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! o gieb von deinem Todesschmerz jetzt neuen Eindruck in mein Herz. 4. Laß mich mit Ernst die Sünde scheuen, für welche du, dich opfernd, starbst; durch schnöden Mißbrauch nie entweihen, was du so theuer mir erwarbst. Nie führe mich zu Sicherheit der Trost, den mir dein Tod verleiht. 5. Ich übergebe mich aufs neue, o du, mein Herr und Gott! an dich. Ich schwöre dir standhafte Treue vor deinem Tische feierlich: dein eigen will ich ewig seyn, du starbst für mich); drum bin ich dein. Daire 32* Gnaden Mittel. 6. Nie will ich mich vor Spottern schamen des Dien stes, den man dir erweist! mich nie zu einem Schritt be quemen, den mein Gewissen sündlich heißt. O flöße mir den Eifer ein, wie du, o Herr, gesinnt zu seyn! 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben, und, wenn er strauchelnd was versieht, Versöhnlichkeit und Sanftmuth üben. Nie komm' es mir aus dem Gemüth', welch eine fchwere Sündenlast du mir aus Huld erlassen hast. 8. Es stärke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein allmacht'ger Ruf erhebt, wenn du dich, großer Lebensfürst! den Völkern sichtbar zeigen wirst. 500 $ Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 524. Sch preise dich, o Herr, mein Heil, für deine Todesleiden! hab' ich an ihren Früchten Theil, was fehlt dann meinen Freuden? du wardst ein Opfer auch für mich: o gieb, daß meine Seele fich deß ewig freuen moge! 2. Was kann mein Geist durch deinen Tod nicht noch für Segen finden! Erldfung aus der Todesnoth, Berge bung aller Sünden, Gewissensruh, zur Beffrung Kraft, das hast du, Herr, auch mir verschafft, da du am Kreuze starbest. 3. Dein Mahl ist mir ein Unterpfand von dieser großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! o stärke mein Gemüthe zum gläubigen Vertraun auf dich, daß ich, fo lang' ich lebe, mich an deiner Gnade halte. 4. Ich fühle, Herr, voll Reu' und Schmerz, die Last von meinen Sünden. Laß mein vor dir gebeugtes Herz den großen Trost empfinden, daß du aus Gottes Baterhuld auch mir Vergebung meiner Schuld auf Buße haft erworben. 5. Der Troft, den mir dein Tod verschafft, werd ewig mir zum Segen. Er stårke mich mit neuer Kraft, auf allen meinen Wegen nur das zu thun, was dir gefällt, und alle Furcht und Lust der Welt standhaft zu überwinden. Das heilige Abendmahl. 501 6. Die Liebe, die du mir erzeigt, ist gar nicht zu ermessen. O mache selbst mein Herz geneigt, fie nimmer zu vergessen, daß ich aus echter Gegentreu' dir bis zum Tod ergeben sey und dir zur Ehre lebe. 7. Laß deines Leidens großen Zweck mir stets vor Augen stehen. Nimm alle Hindernisse weg, die cb'ne Bahn zu gehen, die mir dein heilig Vorbild weist und die einst den erlösten Geist zu deiner Freude führet. 8. 3um ew'gen Leben hast du dich für mich dahin gegeben. Dein Abendmahl erwecke mich, mit Ernst dars nach zu streben! Herr, mache mich dazu geschickt, und werd' ich einst der Welt entrückt, so sey dein Tod mein Leben. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich zc. 525. Gelobt feyst du, Herr unser Gott! gelobt für unsers Mittlers Tod, der uns das Heil erworben! wie hast du, Gott, auch mich geliebt! er, der uns ewig Leben giebt, ist auch für mich gestorben. Mein ganzes Herz frohlockt in mir; o Vater, ich lobsinge dir. Gieb, daß ich jeden Tag aufs neu' mich deiner Vaterhuld erfreu'. Gott meines Heils! sey ewig mein, sey ewig mein und laß mich dir recht dankbar seyn! 2. Voll froher Ehrfurcht beug' ich mich vor dir, Sohn Gottes! der du dich für mich dahin gegeben. Es komme mir nie aus dem Sinn, wie viel ich dir, Herr, schuldig bin; dein Tod bringt mir das Leben. Durch deines Opfers ew'ge Kraft hast du, o Herr! auch mir verschafft, was mich vor dem Verderben schützt, was meinem Geiste ewig nützt. Herr Jesu Christ! wie liebst du mich! wie liebst du mich; gieb, daß ich ewig liebe dich! 3. Mit Inbrunst fleh' ich, Herr, zu dir: beförd're du doch selbst in mir ein gläubiges Gemüthe! mich dürstet, gleich dem dürren Land, bei deiner Liebe Unterpfand nach deiner großen Güte. Ich fühle, Herr, was mir ges bricht; o stärke meine Zuversicht, daß du auch mein Verföhner senst und mich vom ew'gen Tod' befreist! Herr, 502 Gnaden- Mittel. dieser Trost sey fest in mir, sey fest in mir, so dien' ich voller Freuden dir. 4. 3ur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Heiligung und Seligkeit bist du mir außersehen. Auch mir zum herrlichsten Gewinn gabst du dein Leben willig hin, drum hor' auch jetzt mein Flehen: Mein Heiland, zeuch mich ganz zu dir; ja, durch den Glauben wohn' in mir, so nimmt in mir die Seelenruh' und meines Herzens Beff'rung zu. Mein Herr und Gott, verlaß mich nicht! verlaß mich nicht! so komm' ich einst nicht ins Gericht! 5. 3u deinem Himmel hilf du mir. Der Freuden Fülle ist bei dir; laß sie mich einft genießen! belebe mich mit Muth und Kraft, so meine ganze Pilgrimschaft zu führen und zu schließen, daß mir dein Wort stets heilig sey, daß ich, bis in den Tod dir tren, mit Freuden thu', was dir gefällt, und dich so chre vor der Welt. O Herr, mein Heil: sey stets mit mir, sey stets mit mir, so fomm' ich einst gewiß zu dir! Nach dem Genusse des heiligen Abendmabls. Mel. Gott sey gelobet und zc. 526. Herr, sey gelobet, daß du hast dein Leben für uns Sünder hingegeben! stårt unsern Glauben; lehr une Tugend üben, Gott und unsern Nächsten lieben nach deinem Exempel! Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 527. Preise dankbar, mein Gemüthe, lobe Gottes Freundlichkeit! rühm' die Wunder seiner Güte, die er dir zu aller Zeit hat erwiesen, sonderlich, daß er nun aufs neue dich hat durch seines Sohnes Bunden deiner Sündenlast entbunden. 2. Glauben darfst du nun und hoffen, daß dir nach vergeb'ner Schuld sey der Zugang frei und offen zu Vaters ew'ger Huld. Sey getrost; denn keine Noth, selbst des Das heilige Abendmahl. 503 nicht dieses Leibes Tod, kann an deinem Heil dir schaden, wenn du bist bei Gott in Gnaden. 3. Wie soll ich dir würdig sagen Lob und Dank, Herr, daß du haft liebevoll für mich getragen meiner Sünder ganze Last; daß du mich durch deinen Tod haft errettet aus der Noth, in die ich durch Missethaten war aus eig'ner Schuld gerathen! 4. Gieb nach deiner großen Güte mir nun deinen guten Geist, daß ich mich vor Sünden hüte und das suche allermeist, was du willst und dir gefällt; daß den Laftern dieser Welt ich mich immer mehr entziehe und den Reiz der Sünde fliehe. 5. Gieb mir auch Geduld im Leiden; stärke mich zu jeder Pflicht! Geiz und Hochmuth laß mich meiden; gieb, daß ich mich råche nicht, wenn der Nächste mich betrübt, sondern, wie du mich geliebt und mir meine Schuld vergeben, mit ihm möge friedlich leben. 6. Hilf, daß ich dich herzlich liebe, und im Beten standhaft sey; Liebe auch am nächsten übe. Schwermuth, Leichtsinn, Heuchelei laß entfernet seyn von mir! laß mich allezeit vor dir heilig wandeln hier auf Erden und dort ewig selig werden. Mel. Gott sey gelobet und ic. 528. Ich habe, Herr, entlastet von der Bürde meiner Sünde, deinem Namen mich ganz geheiligt; würde nur, ach! würde meine Gelübde That und Amen! du mein Gott und Mittler. 2. Es ruft, es seufzet meine ganze Seele um die Kraft, es zu erfüllen, damit ich standhaft deine Wege wähle, eifrig thue deinen Willen, nicht den Wunsch der Lüfte. 3. Ruf' mir aus deinem Himmel: überwinde Lüfte, Lügen und Verderben; ich kröne dich, wenn ich getren dich finde! Heil den Kämpfern, die mir sterben; denn sie werden leben! Gnaden Mittel. 4. Mit dir, du Üüberwinder, will ich streiten. Nach dem Kampfe gieb die Krone mir, deinem Streiter, und die Seligkeit der Unsterblichen zum Lohne, Sieger und Vergelter! 504 2 Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 529. Ich preise dich für deine Liebe, mein Herr und Heiland, Jesu Christ! gieb, daß ich dich nicht mehr be trübe, der du für mich gestorben bist. Laß deinen Ted und deine Pein mir immerdar vor Augen seyn. 2. Wie kann ich dich genug erheben! ich, der ich Pein und Tod verdient, ich soll nicht sterben, sondern leben, weil du mich selbst mit Gott verföhnt. Ach! du, sein Sohn, du starbst für mich! wie preis ich, Herr, wie preif' ich dich! 3. Heil mir! mir ward das Brod gebrochen, ich trank, Herr, deines Bundes Wein! voll Freude hab' ich dir versprochen, dir, treu'ster Jesu, treu zu seyn. Ich schwör es nun noch einmal dir; schenk' du nur deine Gnade mir! 4. Laß stets mich dankbar, Herr, ermessen, was du für mich gelitten hast, und deine Liebe nie vergessen, die so viel Segen in sich faßt. Laß meinen Glauben thätig seyn und mir zur Tugend Kraft verleihn. 5. Im Kampfe hilf mir überwinden, und stärke mich zu meiner Pflicht; bewahre mich vor neuen Sünden; verz laß mich in Versuchung nicht, und dein für mich vergoff nes Blut schenk' mir im Todeskampfe Muth. 6. Und euch, ihr seines Leibes Glieder, die Jesu Heil, wie mich erfreut, euch lieb' ich stets als meine Brüder, als Erben seiner Herrlichkeit. Wir haben einen Herrn und Gott; uns speist und tränkt ein Wein, ein Brod. 7. Wie jetzt in unsers Heilands Namen sein Voll vor ihm versammelt war, so kommen wir noch einst zu ſammen vor ihm mit seiner Engelschaar, und preisen, als fein Eigenthum, dann ewig seiner Gnade Ruhm. Das heilige Abendmahl. 505 8. Hier will ich mich mit euch vereinen, die ihr durch Tugend ihn erhöht; und wenn wir einst vor ihm erscheis nen im Glanze seiner Majeståt, dann geh' ich im Triumph mit euch, ihr Auserwählten, in sein Reich. 9. So soll denn weder Spott, noch Leiden, noch Ehre, Freud' und Lust der Welt mich), Herr, von deiner Liebe scheiden, die selbst im Tode mich erhält. Du bist, du bleibest ewig mein! o laß mich deiner würdig seyn! Mel. Wie schön leucht't uns der zc. 530. Himmelsbrod! o Lebenstrant! Herr, ewig preist dich unser Dank! du hast uns hoch begabet; du, du bist unser höchstes Gut, auch jego hat dein Leib und Blut den matten Geist gelabet. Herr, dir sind wir fest verbunden, heil von Wunden, reich an Gnaden, aller Furcht und Angst entladen. 2. Herr, groß ist unsre Seligkeit, in allem Leiden dieser Zeit sind wir nun voll Vertrauen. Der Weg aus diesem finstern Thal führt uns zum großen Abendmahl, wo wir dein Untlig schauen; wo wir bei dir nach dem Leiden uns mit Freuden herrlich laben, ewig volle G'nüge haben. 3. Wir haben jetzt ja, Gottes Sohn, das Pfand des ew'gen Lebens schon, die Hoffnung kann nicht trügen; uns scheidet, Heiland, nichts von dir; wenn wir nur kämpfen, werden wir in jenem Kampfe siegen. Amen! Amen! Furcht in Freuden, Muth in Leiden, Muth im Sterben helf' auch uns, dein Reich zu erben! Mel. Es ist das Heil uns kommen her ic. 531. Anbetung, Lob und froher Dank sey dir, der uns begabet mit Lebensbrod, mit Lebenstrank, Dank dir, der uns gelabet! Erlöst, erquicket durch sein Blut, jauchzt unser Herz mit frohem Muth und freut sich deines Heiles. 2. Erquickt, gestärket durch dein Mahl, gehn wir nun hin, und lieben die Brüder all', die Menschen all', die du erlöft; und üben mit frohem Herzen dein Gebot, 506 Tugend- Mittel. und scheun nicht Leiden, Schmach, noch Tod; wir werden durch dich siegen! 3. Erbarmer, der du uns erquickt, uns so gelabet heute, mach' Und're auch, gleich uns, beglückt, gieb allen Menschen Freude! gieb, daß zu deines Namens Ehr' der Frommen Zahl sich täglich mehr, die deines Heils sich freuen. 4. Erhab'ner Mittler, Gottes Sohn, Beschützer deis ner Heerde, einst fährst du auf der Wolken Thron herab auf diese Erde. Tod und Verwesung wird entfliehn, und wir, wir, deineSchaaren, ziehn verklärt mit dir zum Himmel. XII. Von den Beförderungs- und Stärkungsmitteln der Zugend. Oeffentlicher Gottesdienst und würdige Sonntagsfeier. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 532. Den höchsten öffentlich verehren, anbetend vor ihm gerne stehn, und, um sein theures Wort zu hören, gern in die Gotteshauser gehn, ist eine Pflicht, wozu der Chrift, so lang' er kann, verbunden ist. 2. Wie billig ist's, das höchste Wesen, durch das der Mensch ist, lebt und denkt, den Herrn und Richter aller Wesen, den, der uns jede Wohlthat schenkt, mit Lob und Preise zu erhöhn und neue Huld uns zu erflehn. 3. Wer Gott nur in der Stille ehret und der Vers sammlung sich entzieht; wer Sesum mit dem Herzen ehret, jedoch ihn zu bekennen flieht: der, der verletzet seine Pflicht, verachtet Gott, ehrt Jesum nicht. 4. Auch deinen Nächsten zu erbauen, mußt du zum Gotteshaufe gehn. Wie Biele sind, die auf dich schauen, Öffentlicher Gottesdienst. 507 die bloß aufs Beispiel Andrer sehn! wenn Einer durch dich trage wird, bist du es nicht, der ihn verführt? 5. Und selber uns in unsern Pflichten bei Schwäche und Unwissenheit noch immer mehr zu unterrichten, um fromm zu seyn in Freud' und Leid, wie nöthig ist dies nicht, o Chrift, der du geneigt zu fehlen bist! 6. Der Gottesdienst ist ein Geschäfte, wozu aus Lieb' uns Gott verband. Er stårket unsre schwachen Kräfte, er stårkt Erkenntniß und Verstand; er ist ein Mittel, das uns Kraft zum Glauben und zur Tugend schafft. 7. Wie manchen Troft hab' ich empfunden, wenn ich das Wort des Herrn gehört! wie lieb' ich euch, ihr frohen Stunden, da man durch Danken Gott verehrt und sich um'e Ewige bemüht, den Sorgen für die Welt entzieht. 8. Nichts gleicht dem himmlischen Entzücken, das hier ein frommes Herz belebt, wenn es in stillen Augenblicken sich im Gebet zu Gott erhebt, und voll des Glücks, das es genießt, von Dank und Freuden überfließt. 9. Wie nichtig sind der Erden Freuden dann dem, der diese Freuden schmeckt! wie süß der Trost, wenn man im Leiden dem besten Freund sein Herz entdeckt! wie nichts ist alles Glück der Welt dem, der mit Gott sich unterhält. 10. Kommt denn, o Christen, theure Brüder, vereint im Geist vor Gott zu stehn, und 2lle, eines Leibes Glieder, den großen Schöpfer zu erhöh'n. Frohlockend preiset Jefum Christ, der unser Herr und Heiland ist. Mel. Wie schön leucht't uns zc. 533. Ich will, o Vater, allezeit erheben deine Gutigkeit, die mich schon seit viel Sahren beglückt; die mich oft wunderbar errettet; die ich immerdar bis diesen Tag erfahren. Singet, bringet mit mir heute Gott voll Freude Dank und Ehre; Jedermann sein Lob vermehre! 2. Durch deine Hand, die zu erfreuen stets offen, wird von Schmerz und Pein, wer zu dir flicht, befreiet. Durch Christum giebst du deinen Geist, der uns den Weg Lugend- Mittel. 3 508 zum Leben weist, uns tröstet und erfreuet. Laß mich, freudig im Gemüthe, deine Güte, Gott, empfinden, und vergieb mir meine Sånden! 3. Sieh' mich, o Bater, gnädig an; vergieb mir, was ich mißgethan in den verfloss'nen Tagen. Vergieb es mir durch Christi Blut; er hat gelitten uns zu gut und unsre Schuld getragen. Da sich täglich manche Sünden noch befinden an uns Schwachen, so verschon' und hilf mir wachen! 4. Nimm mich mit Allem, was ich bin, in deine Hand und Obhut hin, dir sey es ganz ergeben. Wend' ab Noth, Angst und Herzeleid, du Vater der Barmherzigkeit, in meis nem ganzen Leben; daß ich fröhlich deinen Willen mög' erfüllen und dich lieben, Liebe auch am nächsten üben. 5. Gieb, daß bei mir dein Ruhetag des Geistes Rub befördern mag, recht auf dein Wort zu merken; gieb, daß es mir zu Herzen dring' und bei mir gute Früchte bring'; laß mich) im Guten stårken; laß sich reichlich das Bestres ben, die zu leben, in uns mehren durch des Geistes Kraft und Lehren. 6. Laß mich in dieser Prüfungswelt stets üben, was dir wohlgefällt, dir in Geduld vertrauen, bis ich die wahre Ruh' und Freud' erlange in der Ewigkeit, und dich) werd' näher schauen. Welche Fülle deiner Gaben werd' ich ha ben einst dort oben! Gott, wie werd' ich dich da loben! Mel. Herzliebster Jesu, du hast 2c. 534. Dies ist der Tag, zum Segen eingeweihet. Ihn feiert gern, wer deiner, Gott, sich freuet. Dlaß auch mich mit Freuden vor dich treten, dich anzubeten! 2. Dich rühmt der Lobgesang der Himmelsheere; auch unser Tempel schallt von deiner Ehre. Auch unser Dank und Geiftes Flehen soll dich erhöhen. 3. Wie freu' ich mich, die Ståtte zu begrüßen, wo Dürstenden des Lebens Bäche fließen, und wo dein Heil von den erlösten Jungen froh wird besungen! Öffentlicher Gottesdienst. 509 4. Vergebens lockt die Welt zu ihren Freuden; mein Geist soll sich auf Gottes Auen weiden. Sein heil'ges Wort, das seine Boten lehren, das will ich hören. 5. Mit Undacht will ich, Höchster, vor dich treten. Ich weiß, du liebst, die kindlich zu dir beten. Der Thoren Glück, die sich der Sünde freuen, wirst du zerstreuen. 6. O laß auch heute deinen Geist mich lehren, vom Sündenwege ganz mich abzukehren. Regiere mich, daß meine ganze Seele zum Trost dich wähle. 7. Dein Tag sey mir ein Denkmal deiner Güte. Er bring' mir Heil, und lenke mein Gemüthe auf jenen Trost, den uns dein Sohn erworben, da er gestorben. 8. Dich bet' ich an, du Todesüberwinder! der du an diesem Tag zum Heil der Sünder, die, fern von Gott, im Todesschatten saßen, dein Grab verlassen. 9. Dein Sieg'stag ist ein Tag des Heils der Erden. Als Sabbath muss er mir stets heilig werden! Lob sey, Erlöser, deinem großen Namen auf ewig! Amen! Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 535. Wie lieblich ist doch, Herr, die Stätte, wo man fich deiner Gute freut! o gieb, daß ich sie gern betrete, weil deren Tugend recht gedeiht, die deiner Lehre sich erfreun und feierlich sich oft dir weihn. 2. Wohl dem, der dich in deinem Tempel, Gott, zu verehren Ernst beweist. Du hörst sein Lob, und sein Exempel stärkt auch des Nebenmenschen Geist, daß er auf deiner Wahrheit Bahn rechtschaffen vor dir wandeln kann. 3. Dein Wort bleibt niemals ohne Segen, wenn man's nur recht zu Herzen nimmt. Es giebt uns Trost auf Trübfalswegen, die du zu unserm Heil bestimmt. Es giebt im Kampf uns Muth und Kraft und ist ein Schwerdt, das Sieg verschafft. 4. Gott, laß auch mir dein Untlig scheinen! dein Sabbath bring' auch mir Gewinn, wenn andachtsvoll ich 510 Tugend- Mittel. mit den Deinen vor dir an heil'ger Ståtte bin. Laß dir das Lob, das wir dir weihn, ein angenehmes Opfer seyn! 5. Ja, du bist Sonn' und Schild den Frommen; du, Herr, giebst ihnen Gnad' und Ehr'. Und wer nur erst zu dir gekommen, dem fehlt das wahre Glück nicht mehr. Was du verheißest, hälst du fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! Mel. Herr Jesu Christ, dich zu zc. 536. Gott, du bist mein Preis und Ruhm, mein Herz sey ganz dein Eigenthum, laß deinen Tag mir heilig seyn, laß mich ihn deinem Dienste weihn. 2. Gieb, daß ich mein Gemüth bewahr, wenn ich mit deiner Christenschaar zu deines Hauses Ståtte geh', daß ich mit Ehrfurcht vor dir steh'. 3. Erinn're selber meinen Geist, daß du mir gegen wärtig seyst, damit ich deines Wortes Lehr' mit Andacht und mit Nußen hör'. 4. Drück Alles tief ins Herz hinein, und laß mich nicht bloß Hörer seyn. Steh' mir mit deiner Gnade bei, daß ich des Wortes Thater sey. 5. Hilf, daß ich deinen Ruhetag zu meinem Segen feiern mag. Bewahr' mich vor dem Geist der Welt, die deinen Tag verächtlich hålt! 6. Doch, laß mich nicht dabei bestehn, dich nur am Sabbath zu erhöhn. Herr, meine ganze Lebenszeit sey deinem Dienst und Ruhm geweiht! Vor der Predigt. Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 537. Demuthsvoll komm' ich zu dir, dich im Geiste zu verehren, Vater! adh, verleihe mir wahre Undacht, daß die Lehren deiner Weisheit mich recht rühren und den Beg zum Himmel führen. 2. Gieb, daß mir dein heil'ges Wort kraftvoll an die Seele dringe, und in mir, o Herr, mein port! Frucht Öffentlicher Gottesdienst. 511 zum ew'gen Leben bringe; gieb, daß es mich mächtig stårke zur Vollbringung guter Werke. 3. Gieb aus ihm mir Trost und Licht auf den dunkeln Leidenswegen, und dem Glauben Zuversicht, wenn fich Zweifel in mir regen; es sen meines Herzens Freude, wenn ich von der Welt abscheide! 538. Herr Jefu Chrift, dich zu uns wend', den heil'gen Geist du zu uns send'; mit Hülf' und Gnad', Herr, uns regier', und uns den Weg der Wahrheit führ'. 2. Thu' auf den Mund zu deinem Ruhm; dazu sind wir dein Eigenthum. Rühr' unser Herz, stårk den Verstand; mach' deine Lehren uns bekannt. 3. Dann, Herr und Gott, dann singen wir einst heilig, heilig, heilig dir und schauen dich von Angesicht in ew'ger Freud' und sel'gem Licht. 4. Dir, Gott, den Erd' und Himmel preist, dir, Vater, Sohn und heil'gem Geist, dir, heilige Dreieinige keit, sey Lob und Preis in Ewigkeit! 539. Liebster Jefu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören; lenke Sinnen und Begier auf die süßen Hims melslehren; laß die Herzen von der Erden ganz zu dir erhoben werden. 2. Unser Wissen und Verstand ist mit Finsterniß umhüllet; nur der Geist, von dir gesandt, ist's, der uns mit Licht erfüllet; laß in unsern Christenpflichten ihn uns kräftig unterrichten. 3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht aus Gott geboren! mach' uns allesammt bereit, öff'ne Herzen, Mund und Ohren; unser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohl gelingen. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier ic. 540. Herr, vor deinem Ungesicht hat die Andacht uns versammelt; ach, verwirf die Bitte nicht, die dein Volk 512 Tugend- Mittel. dir, Höchster, stammelt; hör' sein Flehn, hör' seine Lie der und sieh' gnådig auf uns nieder. 2. Laß das Wort, das hier erschallt, unsern Widerstand bezwingen, und mit göttlicher Gewalt tief in unfre Herzen dringen; laß es unsern Sinn erneuen und des Irre thums Nacht zerstreuen. 3. Daß, von Eifer ganz entbrannt, wir, was du befohlen, üben, dich und den, den du gesandt, Jesum Christum, herzlich) lieben; daß kein Schmerz und keine Freude uns von dieser Liebe scheide. Beim Beschluß des Gottesdienstes. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. 541. Selig sind, die Gottes Wort hören und zugleich bewahren. Laß auch mir, o Herr mein Hort, diese Wohls that widerfahren; laß doch deines Wortes Lehren mich nicht ohne Nußen hören. 2. Pråg' sie meiner Seele ein; laß fie bei mir kraf tig werden, und ich werde selig seyn schon als Pilger hier auf Erden, immer deines Heils mich freuen und die Todes nacht nicht scheuen. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier ze. 542. Gott sey Lob, es ist vollbracht, Singen, Beten, Lesen, Hören. Wohl hat uns der Herr bedacht; lafſſet uns sein Lob vermehren. Unser Gott sey hoch gepreiset, der so milde sich erweifet. 2. Er, der unser Herz erquickt, gebe ferner seinen Segen, daß wir Alle unverrückt wandeln stets auf seinen Wegen; Gottes Geist uns ferner leite und zum Himmel uns bereite. 3. Unsern Ausgang segne Gott; unsern Eingang gleichermaßen. Segne unser täglich Brod, segne unser Thun und Lassen. Segne uns mit fel'gem Sterben und mach' uns zu Himmelserben. Hausandacht. Hausandacht. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 543. Welch ein segensvoll Geschäfte ist ein häusliches Gebet! zu der Arbeit Lust und Kräfte giebt Gott dem, der zu ihm fleht., Tröstung in betrübten Stunden haben Fromme stets gefunden, die, im Gottesdienst vereint, stille Thrånen ihm geweint. 513 2. Sichtbar mehrt sich Glaub' und Tugend; Glück und Segen blüht und grünt, wo das Alter und die Jugend Gott mit Herz und Thaten dient. Aber Unordnung und Sünden wird man in den Häusern finden, wo man lebt, wie ohne Gott, nicht an Pflicht denkt, nicht an Tod. 3. Gute, fromme Kinder haben; froh in seinem Hause seyn; gute Hausgenossen haben: wen muß nicht dies Glück erfreun! im Gebet ist Reiz zur Tugend für Bediente, für die Jugend. Sich einander zu erbaun, wirket Liebe und Vertraun. 4. Sene Stunde, frei von Sorgen, in der stillen Abendzeit und an jedem neuen Morgen sey, Christ, deinem Gott geweiht. Bete selbst, bet' mit den Deinen; Gott hörts und beglückt die Seinen! achtsam forsche in der Schrift; sie lehrt, was dein Heil betrifft. 5. Höchster, mache dies Geschäfte allen Häusern theu'r und werth. Gieb dazu uns Trieb und Kräfte, hindre, was es uns erschwert. Laß dir unser schwaches Lallen in der Stille wohlgefallen, bis wir ewig vor dir stehn und mit Engeln dich erhöhn! Der Umgang mit Gott im Gebet. Kraft und Nugen des Gebets. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 544. Dein heil, o Christ! nicht zu verscherzen, sey wach und nüchtern zum Gebet. reinem Herzen hat Gott, dein Ein findlich Flehn aus Vater, nie verschmäht. 33 Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. Tugend- Mittel. Erschein' in Demuth oft und gern mit Dank und Flehen vor dem Herrn. 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden und im Gebet vor Gott zu stehn! du, Herr des Himmels und der Erden, brauchst freilich keines Menschen Flehn. Du eilft, die Deinen zu erfreun und segneft sie, eh' sie noch schrei'n. 3. Doch sprichst du: bittet, daß ihr nehmet! der Bitten Frucht ist einzig mein. Wer sich der Pflicht zu beten schåmet, der schämt sich, Gott, dein Freund zu seyn, und stößt das angebot'ne Glück muthwillig selbst von sich zurück. 514 4. Sein Heil von dir, o Gott, begehren, ist Wohl that mehr, als schwere Pflicht. Des Herzens Wünsche dir erklären, das stärkt das Herz zur Zuversicht, macht dankbar, liebreich und giebt Kraft zur Dämpfung jeder Leidenschaft. 5. Was kann zum Fleiß in guten Werken uns kräftiger den Muth erhöhn, was mehr in Leidensstunden står ken, als wenn wir betend auf dich sehn? o Vater! unsre Seelenruh' nimmt durch Gebet beständig zu. 6. Dein Wort ist immer Ja und Amen; wer glaubig bittet, der empfäht. Drum laß auch mich in Jesu Namen oft vor dich kommen mit Gebet. Nie sey mir diese Pflicht zur Last, die du zum Heil geboten hast. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 545. Von dir kommt jede gute Gabe; nur du, mein Gott, kannst mich allein mit Allem, was ich nöthig habe, zu meinem wahren Wohl erfreun. Mein Leben und mein Glück beruht allein auf dir, du höchstes Gut. 2. Umsonst ist alle meine Mühe, wenn sie dein Se gen, Herr, nicht krönt. Was ich auch noch so ängstlich fliehe, wird doch von mir nicht abgelehnt, wenn vor dem übel, das mich schreckt, dein starker Schuß mich nicht bedeckt. 3. Wie sollt' ich denn nicht von dir bitten, was mei ner Seele Wunsch begehrt? vor dir, o Gott, sein Herz Umgang mit Gott im Gebet. 515 ausschütten, wenn Noth und Kummer uns beschwert, befånftigt unsrer Seelen Schmerz und öffnet deinem Trost das Herz. 4. Sollt' ich nicht Dank und Ruhm dir bringen, wenn mich ein wahres Glück erfreut? dir, Allerhöchster, dir lobsingen, ist gut, ist für uns Seligkeit, und flößt uns neuen Eifer ein, in deinem Dienste treu zu seyn. 5. Du hörst es, Gott, mit Wohlgefallen, wenn deine Kinder zu dir flehn; verschmähest nicht ihr schwaches Lallen, wenn sie lobsingend dich erhöhn. Du ehrst den wieder, der dich ehrt, und hörest den, der dich, Gott, hört. 6. Mit Segen uns zu überschütten, bist du, o Vater, stets bereit; was wir nach deinem Willen bitten, giebst du uns aus Barmherzigkeit. Und wer dir dankt, dem strömest du beständig neuen Segen zu. 7. So will ich denn zu deinem Throne oft im Gebet mich kindlich nah'n. Nimm, Vater, nimm in deinem Sohne der Undacht Opfer gnådig an. Dein Geist regiere meinen Geist, daß er dich betend würdig preist. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. 546. Mein bester Trost in diesem Leben ist ein Gebet zu meinem Gott. Dies kann mir Kraft in Schwachheit geben; Geduld und Muth in jeder Noth; bei jedem Gram, bei jedem Schmerz ein ruhiges, zufried'nes Herz. 2. Wie kann ich Trost und Ruhe finden, wenn mein Gewissen mich anklagt, wenn bei der Menge meiner Sünden mein Herz vor seinem Richter zagt? ich bet' um Gnad' und weiß: Gott hört den, der in Christo sie begehrt. 3. Muß ich um meiner Tugend Willen ein Spott der Lasterhaften seyn, so bete ich zu Gott im Stillen; er hort's und kommt, mich zu erfreun; nimmt våterlich sich meiner an und stärkt mich auf der Tugend Bahn. 4. Ruf ich ihn an bei dem Geschäfte des Amtes, das er mir verlieh: so fleh' ich nicht umsonst um Kräfte, 33* 316 Tugend- Mittel. der Gott der Stärke giebt mir sie; er giebt aus våterlicher Huld mir Segen, Klugheit und Geduld. 5. Wenn, eine böse Lust zu dåmpfen, mir Wille, Muth und Kraft gebricht, so bitt' ich Gott; er hilft mit támpfen, er giebt mir Muth zu jeder Pflicht, und schenkt mir Willigkeit und Kraft zum Siege meiner Leidenschaft. 6. Wenn je ein Kummer mich beschweret, den ich Niemand entdecken kann: dann ruf' ich Gott, der mich er höret, um Trost in diesem Kummer an; das Herz wird froh, die Last wird leicht vom Troste, den mir Gott darreicht. 7. Wenn ich im letzten Kampf des Lebens bei Niemand Hülfe finden kann, so ruf' ich Gott doch nicht ver gebens um seinen Trost und Beistand an, der, wenn die Sprache mir vergeht, doch meine Seufzer noch versteht. Kraft des Gebets gegen die Sünde. Mel. Nun bitten wir den 2c. 547. Wenn ich am Fuße deines Throns, o Gott! fleh' im Namen deines Sohns, wie abscheulich finde ich dann die Sünde! dann wünscht mein Geist zu göttlichen Werken kräftig fich zu stärken. 2. Dann fühl' ich deiner Liebe Gluth; mein Herz wird, voll Freudigkeit und Muth, Vater! deinen Willen treu zu erfüllen, nie zur Sünde mich locken zu lassen, ewig sie zu haffen. 3. Dann regt sich nicht die Sinnlichkeit; keine Lust, die dein Gesetz verbeut, wagt es aufzuwallen. Dir zu gefallen und das Kleinod am Ziel zu erlangen, das ist mein Verlangen! 4. O du, der du mich beten lehrst, der du väterlich mein Flehn erhörst! wenn ich Lust zur Sünde in mir em pfinde, will ich gleich vor dein Ungesicht treten, Gott! vor die zu beter. 5. Und tödten wird in meiner Brust das Gebet die dir verhaßte Lust! kindlich dich zu lieben, werd' ich mich üben, und am Ende der Laufbahn auf Erden ewig selig werden. Umgang mit Gott im Gebet. Eigenschaften eines Gott gefälligen Gebets. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 548. Komm betend oft und mit Vergnügen, mein Geist, vor Gottes Angesicht! nie müsse Trågheit dich besiegen in der Erfüllung dieser Pflicht. O übe sie zu Gottes Preis und deinem Heil mit treuem Fleiß. 2. Bet' oft, doch mit aufricht'ger Seelen. Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, wofern das Herz dich beten heißt? der Glaub' an Gott und seinen Sohn rührt ihn, nicht leerer Worte Ton. 517 3. Wer das, was uns zur Wohlfahrt dienet, von Herzen sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, was er nicht wünscht, entehret Gott. Wer schnell die Treu', die er Gott schwur, vergißt, der spottet seiner nur. 4. Bet' oft zu Gott und schmeck' in Freuden, wie freundlich er, dein Vater, ist. Bet' oft zu Gott und fühl im Leiden, wie göttlich er das Leid versüßt. Gott hört's, Gott ist's, der Hülfe schafft. Er giebt den Müden Trost und Kraft. 5. Bet' oft und heiter im Gemüthe, schau' dich an seinen Wundern satt. Schau' auf den Ernst, schau' auf die Güte, womit er dich geleitet hat. Oft irrtest du: er trug Geduld; erkenn' und preise seine Huld. 6. Bet' oft; durchschau' mit frohem Muthe die herzliche Barmherzigkeit deß, der mit seinem theuren Blute die Sündenwelt vom Fluch befreit, und eigne dir zu deiner Ruh' und Heiligung sein Opfer zu. 7. Bet' oft; Gott wohnt an jeder Ståtte; in keiner minder oder mehr. Denk nicht, wenn ich mit Vielen bete, so find' ich eh'r bei Gott Gehör. Ist nur dein Wunsch gerecht und gut, so sey gewiß, daß Gott ihn thut. 8. Doch säume nicht, in den Gemeinen auch öffent= lich Gott anzuflehn, und seinen Namen mit den Seinen, mit deinen Brüdern, zu erhöhn. Wie eifrig war dein Heiland nicht in Übung dieser sel'gen Pflicht. Tugend- Mittel. 9. Bet' oft zu Gott für deine Brüder, für alle Menschen, als ihr Freund; denn wir sind eines Leibes Glieder; ein Glied davon ist auch dein Feind. Solch Bitten, das aus Liebe fließt, ehrt Gott, der selbst die Liebe ist. 10. Bet' oft, so wirst du Glauben halten, dich průfen und das Böse scheun, an Lieb' und Eifer nicht erkalten und reich an guten Werken seyn. Denn Muth und Kraft und Seelenruh' sagst du, Gott, dem, der bittet, zu. 11. Dies reize mich, vor dich zu treten mit Lob und Dank, mit Wunsch und Flehn. Doch meine Fehler bei dem Beten wollst du, mein Vater, übersehn, weil mich, der dir zur Rechten sißt, durch seine Fürsprach unterstüßt. Mel. O Vater, unser Gott es ist zc. 518 549. Bater, der die Liebe ist, laß uns den Geist gewinnen, mit dem du anzurufen bist! belebe Herz und Sinnen, belebe sie mit deinem Geist, wie uns dein theures Wort verheißt, dem Geiste des Gebetes. 2. Er unterstütz' uns kräftiglich, wenn wir mit Dank und Beten, Gott, unser Vater, hin vor dich als deine Kinder treten. Da rede nicht allein der Mund, es steige aus des Herzens Grund zu dir, Gott, unser Flehen. 3. 3euch unser Herz zu dir hinauf beim Beten und beim Singen, so steigt mit Wohlgefallen auf das Opfer, das wir bringen. Nur da siehst du uns gnådig an, wenn wir mit wahrer Undacht nahn; nicht, wo das Herz entfernet. 4. Im Geist und Wahrheit laß zu dir das Herz uns immer richten; uns auch beim Beten für und für zu deinem Dienst verpflichten; gieb mir dabei die Zuversicht, du werdest uns versagen nicht, was wir durch Jesum bitten. 5. Laß uns zur Hüife Zeit und Maß beim Beten nicht vorschreiben, anhalten ohne Unterlaß, bei dem alleine bleiben, was dir gefällt, was deine Ehr' und unsre Wohlfahrt mehr und mehr befördert hier und ewig. 6. Nie müsse stolz sich das Gemüth mit eignem Umgang mit Gott im Gebet. 519 Ruhme blähen, voll Demuth nur auf deine Güt' und auf den Mittler sehen; das, was wir an uns selbst nicht werth, wird uns durch ihn von dir gewährt, wenn wir ihn gläubig ehren. 7. Du, Vater, weißt, was uns gebricht in diesem Pilgerleben; es ist dir auch verborgen nicht die Noth, in der wir schweben. Du hast ein Vaterherz; es kann, wenn wir dich kindlich flehen an, nicht unerhört uns lassen. 8. Wir haben Glaubensfreudigkeit durch Jesum Christ empfangen; der Zugang ist durch ihn bereit't, Hülf und Heil zu erlangen: drum wollen wir an allem End' zu dir aufheben heil'ge Händ'; du hörest unser Flehen. Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 550. Dieses Herz vor Gottes Thron im Gebete auszuschütten, sich vom Vater durch den Sohn Heil und Segen zu erbitten, welche freudenreiche Pflicht! du, mein Herz, versäum' sie nicht! 2. Er, den alle Himmel nicht, er, den nicht der Welt Gebiete je umschränken können, spricht selbst zum Menschen voller Güte: rufe an mich, deinen Gott! klag' mi: kindlich deine Noth! 3. Er, der ewig Heil erwarb, der, als der Geliebte Gottes, zu uns kam und für uns starb, um uns von der Macht des Todes Rettung zu verschaffen, spricht: bittet nur, und zweifelt nicht. 4. Laßt uns denn mit Zuversicht zu dem Throne Gettes nahen, da die ew'ge Wahrheit spricht: bittet, und ihr sollt empfahen, was die Seele fromm begehrt, was ihr Heil und Trost gewährt. 5. Aber auch, wie Jesus will, sey das Herz gesinnt beim Beten; voll Bedachtsamkeit und still sey es, wenn wir vor Gott treten; wer mit Gott leichtsinnig spricht, deß Gebet gefällt Gott nicht. 6. Wer nicht ganz sein Herz Gott weiht, sondern noch die Sünde liebet; wer voll tråger Weichlichkeit seine Tugend- Mittel. Besserung verschiebet; wer des Herrn Gebot nicht ehrt, deß Gebet wird nicht erhört. 520 7. Wer nur auf den schlechtern Theil, nur auf Lei besgaben, denket; wer nicht auf der Seele Heil achtsam seine Wünsche lenket; wer sein Beten so verricht't, fleht nach Christi Sinne nicht. 8. Wer noch Menschenhaß und Neid bei sich unter: hålt und übet; wer dem Nächsten nicht verzeiht, nicht nach Jesu Sinne liebet: den hört, was sein Mund auch spricht, doch der Gott der Liebe nicht. 9. Nur ein Herz, das sich vor Gott redlich prüft, sich seinem Willen unterwirft, und sein Gebot eifrig stre bet zu erfüllen, nur ein Herz, das Liebe voll, nur dies Herz gefällt Gott wohl. 10. Sft Gott unser Herz geweiht, wenn wir vor sein Antlitz treten, dann laßt uns mit Freudigkeit in des Mittlers Namen beten. So gefällt's Gott, so allein wird es Ja und Umen seyn. Allgemeine Bitten. Mel. O König, dessen Majestät zc. 551. Gott, der du so liebevoll dich unsern Vater nennest, für unser, deiner Kinder, Wohl voll Vatereifer brennest; du, dessen Thron im Himmel ist und huldreich auf uns Alle siehst, auch uns selbst hast gelehret, wie man erhörlich beten soll: gieb, daß das Herz dich an dachtsvoll und nicht der Mund bloß ehret. 2. Laß uns stets deinen hohen Ruhm so in der Welt vermehren, wie dich in deinem Heiligthum die Auserwählten ehren, daß wir auch deinen Namen hier, wie deine Engel dort vor dir, mit froher Ehrfurcht preisen; gieb reine Lehr', und hilf dazu, daß wir auch uns, o Gott, wie du, der Heilichkeit befleißigen. 3. Du hast an deinem Gnadenreich auch Antheil uns gegeben; einst willst du uns zu jenem Reich, das ewig währt, erheben. Indessen steh' dein Geist uns bei, daß Umgang mit Gott im Gebet. 521 unser Herz nicht irdisch sey; er schenk' uns seine Gaben, daß wir in dieser Pilgerzeit uns sehnen nach der Seligkeit und ihren Vorschmack haben. 4. Herr, was du willst und dir gefällt, das laß vollendet werden, wie dort in jener höhern Welt, so auch bei uns auf Erden. Hilf, daß wir dir gehorsam seyn; uns über deine Wege freun; bei dem, was uns betrůbet, bedenken, daß, wenn du uns schlägst, du doch ein Herz voll Gnade hegst, das väterlich uns liebet. 5. Gieb uns heut' unser täglich Brod, und was den Leib ernähret; bewahr' uns auch vor dem, o Gott, was Fried' und Eintracht störet. Laß uns in Fried' und stiller Ruh' dies unser Leben bringen zu. Zu unserm Fleiß gieb Segen. Vor großer Trůbsal und Gefahr beschüß' uns gnådig immerdar auf allen unsern Wegen. 6. Vergieb uns alle unsre Schuld, die wir auf uns geladen; vergieb sie uns nach deiner Huld, und nimm uns auf zu Gnaden; wir wollen auch von Herzensgrund all' denen, die mit That und Mund uns Leid anthun, vergeben. Herr, gieb uns einen sanften Geist, der denen selbst auch Gut's erweist, die uns zuwider leben. 7. Verleihe uns stets Kraft und Muth zum Wachen und zum Kämpfen! und würde je die Prüfungsgluth zu stark, wollst du sie dåmpfen. Du bist es, der uns stårken kann; o nimm dich unsrer gnädig an, laß nie uns unterliegen! Wir sind zu schwach zum Widerstand; doch wenn uns stårket deine Hand, so kämpfen wir und siegen. 8. Wir dürfen hier im Pilgerthal ein ander Leben hoffen, wo keine Sorge, Müh' und Qual wird weiter angetroffen. Laß diese Hoffnung uns erfreun und uns zur Tugend Kraft verleihn, daß wir mit allen Frommen zu deines Himmels Herrlichkeit, die uns von Unbeginn bereit't, wie wir gehofft, einst kommen. 9. Gott, deine Macht und Herrlichkeit währt ewig ohne Ende. Wir übergeben jederzeit uns ganz in deine Hånde. Du kannst und willst es thun, was wir uns 522 Lugend- Mittel. gläubig jetzt erfleht von dir in Jesu Christi Namen, der uns zum Beten unterweist und die Erhörung hoffen heißt. Wir sagen freudig: Amen! Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 552. Sch komme vor dein Angesicht; verwirf, o Gott, mein Flehen nicht: vergieb mir alle meine Schuld, du Gott der Gnade und Geduld! 2. Schaff' du ein reines Herz in mir; ein Herz voll Lieb' und Furcht zu dir; ein Herz voll Demuth, Preis und Dank; ein ruhig Herz mein Lebenlang. 3. Sey mein Beschüßer in Gefahr; ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein übel, das mich schreckt, wenn deine Vaterhand mich deckt? 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand. Von dir empfing ich den Verstand; erhalt' ihn mir, o Herr, mein Hort, und stärk' ihn durch dein göttlich Wort! 5. Laß, deines Namens mich zu freun, ihn stets vor meinen Augen seyn. Laß, meines Glaubens mich zu freun, ihn stets durch Liebe thätig seyn. 6. Das ist mein Glück, was du mir lehrst; brum gieb mir Kraft, daß ich zuerst nach deinem Reiche tracht' und treu in allen meinen Pflichten sey. Dám 7. Ich bin zu schwach aus eig'ner Kraft zur pfung meiner Leidenschaft; du aber ziehst mit Kraft mich an, daß ich den Sieg erlangen kann. 8. Gieb von den Gütern dieser Welt so viel mir nugt und dir gefällt. Es sey Genügsamkeit mein Theil, und bei der Arbeit Glück und Heil. 9. Schenkst du mir aber überfluß, so laß mich må ßig im Genuß und, dürft'ge Brüder zu erfreun, mich ei nen frohen Geber seyn. 10. Gieb mir Gesundheit und verleih', daß ich sie nüß' und dankbar sey, und nie aus Liebe gegen sie mich zaghaft einer Pflicht entzieh'. 11. Erwecke mir stets einen Freund, der's treu mit Umgang mit Gott im Gebet. 523 meiner Wohlfahrt meint, mit mir in deiner Furcht sich übt, mir Rath und Trost und Beispiel giebt. 12. Bestimmst du mir ein lång'res Ziel, und werden meiner Tage viel: so bleib', Gott, meine Zuversicht; verlaß mich auch im Alter nicht! 13. Und wird sich einst mein Ende nahn, so nimm dich meiner herzlich an, und sey durch Christum, deinen Sohn, mein Schirm, mein Schild und großer Lohn! Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 553. Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen; du schenkest uns Barmherzigkeit, und eilst, uns beizustehen. Herr, du mein Glück, mein er'ges Heil! laß mich an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel haben. 2. Sch bitte nicht um überfluß und Schätze dieser Erden; laß mir, so viel ich haben muß, von deiner Gnade werden. Gieb mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr' und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren; des guten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sey meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt' ich dich, o Herr, mein Gott, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden. Mel. Herr Jesu Chrift, du höchstes Gut 2c. 554. Herr! wie du willst, so schick's mit mir im Leben und im Sterben; mein Herz verlangt allein nach dir, entreiß' mich dem Verderben. Erhalte mich in deiner Huld, sonst wie du willst; gieb mir Geduld; was du willst, ist das Beste. Tugend- Mittel. 2. 3ucht, Ehr' und Treu' verleihe mir zu deiner Lehre Liebe; gieb, daß ich wanke nie von dir, noch deinen Geist betrübe; laß hier und dort mich) selig seyn und, was vor dir, Herr, bös' ist, scheun in meinem ganzen Leben. 3. Soll ich nach deinem weisen Rath einst von der Welt abscheiden, o so verleih' mir deine Gnad', daß es gescheh' mit Freuden. Herr, Seel' und Leib befehl' ich dir; gieb du ein sel'ges Ende mir durch Jesum Christum, Amen. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 524 555. Wer kann, Gott, je was Gutes haben, das nicht von dir den Ursprung hat? du bist der Geber aller Gaben unb immer groß an Rath und That! Du willst, daß mit Gebet und Flehn wir stets auf deine Hülfe sehn. 2. Drum komm' ich auch mit meinem Beten, o Gott, vor deinen heil'gen Thron. Wie freudig kann ich vor dich treten, denn mich vertritt bei dir dein Sohn. In ihm hab' ich die Zuversicht: mein schwaches Flehn verwirfst du nicht. 3. So gieb mir denn nach deinem Willen, was dei nem Kinde heilsam ist. Du nur kannst meinen Mangel stillen, weil du des Segens Quelle bist. Vor allen Din gen sorge du für meines Geistes wahre Ruh'. 4. Gieb mir Beständigkeit im Glauben; laß ihn durch Liebe thätig seyn. Will etwas mir dies Kleinod rauben, so floß' den edlen Sinn mir ein, der stets mit wahrem Heldenmuth nach deiner Lehr' und Muster thut. 5. Bewahr' in mir ein gut Gewissen, ein Herz voll reiner Freudigkeit; ein Herz, auf's Gute stets befliffen, das sich vor deinem Auge scheut. Und fehl' ich, Gott, so zücht'ge mich zu meiner Beff'rung väterlich. 6. Ein Herz, das in beglückten Tagen, o Vater, deiner nie vergißt; ein Herz, das unter Noth und Plagen vor dir still und demüthig ist; ein Herz voll Zuversicht zu dir und voll Geduld verleihe mir. 7. Das Andre alles wirst du fügen. Du weißt am Selbstprüfung und Wachsamkeit. 525 besten, was mir nützt. An deiner Huld laß ich mir g'nůgen, die Schwache måchtig unterstützt. Zufrieden, Vater, folg' ich dir. Uch, stårke diesen Sinn in mir! 8. Soll ich auf Erden långer leben, so gieb, daß ich dir leben mag; laß mir den Tod vor Augen schweben, und kommt dereinst mein Sterbetag: so sey mein Hingang aus der Zeit der Eingang in die Herrlichkeit! Tägliche Selbstprüfung und Wachsamkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 556.3u dir fleh' ich, mein Gott! du wolleft selbst mich lehren, dich und dein heilig Recht stets heilig zu verehren. Du weißt, Gott, wie viel Kraft dein Knecht noch nöthig hat; verleih' sie mir und leit' mich selbst den rechten Pfad. 2. In meinem ganzen Thun laß mich auf dich nur sehen; nie untreu meiner Pflicht, mich vor dir, Gott, vergehen. Laß diese Wahrheit mir allzeit vor Augen seyn: Gott ist auch jetzt um mich, er schaut ins Herz hinein. 3. Gieb, daß ich sagen mag zu mir in allen Fällen: ist's denn auch recht, wenn ich der Welt mich gleich will stellen? und, siehet mich denn auch der Menschen Auge nicht, ist's recht vor Gott? ist's recht vor seinem Angesicht? 4. Lehr' mir die große Pflicht, mich selber zu verleugnen, und was ich hab' und bin, nur dir, Gott, zuzueignen. Nur dann gefall' ich dir, und habe Freudigkeit, wenn ich gewissenhaft thu', was dein Wort gebeut. 5. Dein Wort, dein Gnadenruf sey an mir nicht vergebens; erfülle du mich selbst mit Kräften deines Lebens, daß ich in dir allein mich hier schon glücklich seh', und meine Seele dich in Ewigkeit erhöh'. Mel. Straf mich nicht in deinem sc. 557. Madhe dich, mein Geist, bereit, wache, fleh' und bete, daß dich nicht in Sicherheit Noth und Angst betrete! 526 Tugend- Mittel. wache, Christ! denn mit Lift kann selbst zu den Frommen der Versucher kommen. 2. Stehe ohne Aufschub auf von dem Sündenschlafe, denn es folget sonst darauf schwere Pein und Strafe. Täglich droht dir der Tod; schaff', daß er in Sünden dich nicht möge finden. 3. Wache auf! sonst kann dich nicht Chrifti Geist erheitern, deinen Sinn nicht durch sein Licht reinigen und lautern. Denn er will bei der Füll' seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List nicht im Schlafe finde, weil er den, der sicher ist, leicht verführt zur Sünde. Gott låßt zu, daß auch du, wenn du sicher wallest, in Versuchung fallest. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch ihr Draun bezwinge, oder, wenn sie sich verstellt, liftig an sich bringe. Liebst du dich, so halt' dich gern zu Chrifti Gliedern; flich' von falschen Brüdern. 6. Wach' am meisten über dich und dein eignes Herze, daß es nicht selbst täusche sich und das Heil ver scherze; wache du, gieb nicht zu, daß es möge heucheln und zu viel sich schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei; bete bei dem Wachen. Gottes Gnade muß dich frei von der Trägheit machen, die dich drückt und bestrickt, daß du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibest. 8. Betend müssen wir den Geist oft zu Gott e heben, daß er uns selbst Beistand leist', wenn wir wollen leben, und durch ihn unsern Sinn und den Reiz zu den kräftig überwinden. Sún 9. Doch getrost! es wird uns wohl bei dem Kampf ergehen, wenn wir zu Gott glaubensvoll in dem Sohne flehen. Denn er will uns mit Füll' seiner Gunst beschüt ten, wenn wir glaubig bitten. 10. Drum, so laßt uns immerdar wachen, flehen, beten; laßt uns, häuft sich auch Gefahr, nicht zurücke Dankbare Erinnerung an seinen Gnadenstand. 527 treten. Kurze Zeit währt der Streit, und welch' eine Krone giebt uns Gott zum Lohne! Dankbare Erinnerung an seinen Gnadenstand. Mel. Sollt' ich meinem Gott 2c. 558. Gott, durch welchen alle Dinge sind und wirken und vergehn, stärke mich, daß ich dich singe, lehre mich dein Lob erhöh'n! laß mich dich im Stillen loben, mich, den du voll Lieb' und Huld aus den Tiefen seiner Schuld zu des Christen Höh' erhoben; dich erheb' ich immerdar, der mich schuf und neu gebar. 2. Könnt ihr die Gestirne zählen? Gottes Gnaden zählt ihr nicht. Er errettet unsre Seelen, ist ihr Lohn, ihr Trost und Licht. Wenn wir mit den Eitelkeiten, wenn wir mit der bösen Lust, diesem Feind in unsrer Brust, wenn wir mit dem Tode streiten, dann versüßt er Kampf und Lauf und hilft unsrer Schwachheit auf. 3. Wenn uns Welt und Freunde meiden, weil wir ihre Wollust fliehn, dann giebt er uns seine Freuden; unser Herz empfindet ihn. Kann ich größ'res Glück begehren? Ewiger! hat dich mein Herz, o so wird es ohne Schmerz den Besitz der Welt entbehren, Erd' und Himmel wird mir klein gegen deine Gnade seyn. 4. Wenn mich Leiden niederdrücken, nehm' ich sie als Wohlthat an von der Hand, die nur beglücken, aber niemals schaden kann. Du belohnst mir meine Schmerzen mit der Seelen Heiterkeit und verfüßest alles Leid, Gott, durch deine Ruh' im Herzen, die mich ganz mit Muth belebt, über allen Schmerz erhebt. 5. Von Gefahr und Noth umgeben, über diesen rauhen Pfad geh' ich, Vater, in dein Leben, das nicht Leid, Gefahr nicht hat. Sollten mich der Erde Freuden, sollte mich der Sünden Spott und das Elend und der Tod, Herr, von deiner Liebe scheiden? Nein! nichts raubt die Krone mir;-denn ich leb' und sterbe dir! Tugend- Mittel. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sind zc. 559. Auf aufgespannten Schwingen eilt, unaufge halten, unverweilt eilt sie dahin, die kurze Zeit, ins tiefe Meer der Ewigkeit. 528 2. Dort fließen Ströme ohne Ruh' und wellenreich dem Meere zu; sieh' hin, wie keine Welle bleibt, wie eine stets die andre treibt. 3. So folgt, so drånget immerdar sich Tag auf Lag und Jahr auf Jahr! so flieht das letzte schnell herbei, eh' man bemerkt, wie nah' es sey. 4. Habt, Menschen, auch auf Stunden Acht, wirkt Gutes; denn es kommt die Nacht, die finst're Stunde eilt heran, worin man nicht mehr wirken kann. 5. Jetzt währet noch der Tag des Heils, jest trefft die Wahl des besten Theils; die Wahl, die nach verfloff ner Zeit auf ewig euren Geist erfreut. 6. Die ihr mit dieser Wahl noch säumt, die Zeit in tråger Ruh' verträums, in eitlen Mühen sie verderbt, weich Weh' ergreift euch, wenn ihr sterbt! 7. Denn der Versäumniß eurer Pflicht folgt dort im göttlichen Gericht, wenn euch der Tod dahin gerafft, gewiß die strengste Rechenschaft. 8. Wie ruhig lebt schon hier der Chrift, der Gottes Huld versichert ist, und, eingedenk der Ewigkeit, zu fei ner Wohlfahrt nußt die Zeit. 9. Die kurze Zeit, da sich sein Geist der Übung sei ner Pflicht befleißt, flieht ihm in froher Hoffnung hin und wird ihm ewiger Gewinn. 10. Die Stunde, da er Andern nützt, Hülflosen hilft, Verlaff'ne schützt und Arme labet, dauert dort in ihrem Lohne ewig fort. 11. Beglückt ist, wer an Jesum glaubt, in sich den Sündenreiz betäubt, der seine Zeit zu nußen strebt und Gott und seinem Nächsten lebt. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 529 12. Wohl ihm! denn er entschläft dem Herrn. Der Tod erscheint; er folgt ihm gern, und erntet in der Ewigkeit die Frucht, die er hier ausgestreut. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 560. Die Herrlichkeit der Erden muß Staub und Asche werden, und nichts bleibt ewig stehn; das, was uns hier ergößet, wird, wie so hoch man's schäßzet, doch wie ein Wintertag vergehn. 2. Was hilft unnützes Wissen? wird's, wenn wir sterben müssen, ein großer Vorzug seyn? Was hilft uns Macht und Ehre, so glänzend sie auch wåre? kann sie uns wohl alsdann erfreun? 3. Wie bald wird das zerrinnen, was wir mit Müh' gewinnen, was unser Fleiß erwirbt! kann wohl, was wir besitzen, uns vor dem Tode schüßen? stirbt dies nicht alles, wenn man stirbt? 4. Was sind der Erde Freuden? wie bald folgt Angst und Leiden auf Unmaß im Genuß! was ist's, womit wir prangen? wo wirst du Ehr' erlangen, die nicht zuletzt verschwinden muß? 5. Was sind selbst alle Thronen? giebt's wohl auf Erden Kronen, die unverwelklich blühn? kann vor des Grabes Schrecken der Purpur dich bedecken? die Krone dich dem Tod entziehn? 6. Wie, wenn die Sonn' aufgehet, die Rose blühend stehet in ihrer schönsten Zier und oft verwelkt sich beuget, eh' sich der Abend zeiget: so blühen und verwelken wir. 7. Froh wachsen wir auf Erden und hoffen alt zu werden im Wohlstand, Glück und Ruh'; doch in den schönsten Tagen, noch eh' wir Früchte tragen, eilt Krankheit, Schmerz und Tod herzu. 8. Wir rechnen Jahr auf Jahre: inzwischen wird die Bahre vor unser Haus gebracht. Man scheidet von den Seinen, die, hülflos, uns beweinen, und uns bedeckt des Grabes Nacht. Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 34 Tugend- Mittel. 9. Dies laß uns wohl bedenken und uns zum Himmel lenken, weil er uns offen steht. Wer dahin will ge langen, darf an der Welt nicht hangen, die einst mit ihrer Lust vergeht. 530 Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 561. Es eilt der letzte von den Tagen, die du hier le best, Mensch, herbei. Nimm wahr die Zeit! und, statt zu klagen, sie fen zu kurz, gebrauch' fie treu. Nimm mit erkenntlichem Gemüth der nahen Stunde wahr, sie flieht. 2. Beschäftiget mit Kleinigkeiten, verlierst du dei nes Lebens Zweck, verschiebst dein Heil auf ferne Zeiten und wirfst leichtsinnig Jahre weg, als wärest du, du Sterblicher, des nächsten Augenblickes Herr! 3. Des Himmels Glück einft zu besitzen, mußt du die kurze Lebenszeit als deine Saatzeit weislich nutzen, und thun, was dir der Herr gebeut. Er ruft dir menschenfreundlich zu: Eins, Eins ist noth! was säumest du? 4. Drum eil', errette deine Seele, und denke nicht: ein andermal! sey wachsam, bet' und überzähle der Men schentage kleine Zahl. Gefeßt, dein Ende wäre fern: so wandle doch vor Gott, dem Herrn. 5. Mit jedem neu erlebten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht. Sprich: dir, o Gott, ist nichts verborgen, ich bin vor deinem Ungesicht, und will, mich deiner Huld zu freun, mein Leben gern der Zugend weihn. 6. Erleucht' und stärke meine Seele, weil ohne dich ich nichts vermag. Du schenkst, daß ich das Beste wähle, aus Gnaden mir noch diesen Tag. Was ist nicht eine Stunde werth, die deine Langmuth mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen Kräften nach Gottes Reiche hier gestrebt, in Gott gefälligen Geschäften die Pilgertage durchgelebt, und einst im Glauben sagen kann: du nimmst mich, Herr, zu Ehren an. 8. Mein sprachlos Flehn bei meinem Ende vernimmst du, Herzenskündiger! in deine treuen Baterhånde befehl Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 531 ich meinen Geist, o Herr! er schwingt sich über Grab und Welt zu dir, wenn seine Hütte fällt. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 562. Sie kommt, sie kommt, die letzte Stunde! bald ist der Richter vor der Thür! Was für ein Wort aus seinem Munde bestimmt mein ewig Schicksal mir? komm, du Gesegneter, herein! ach, oder: geh' zur Höllenpein! 2. Mir sagt, o Gott, es mein Gewissen, daß ich ein Übertreter bin. Ließ ich auch fromme Thrånen fließen und floh zu Jesu gläubig hin? hab' ich Vertraun auf Christi Tod, wenn mir des Grabes Schrecken droht? 3. Hat dieser Glaube wahre Liebe zu dir, mein Gott, in mir erzeugt? Entflammte er des Dankes Triebe, womit ich findlich mich gebeugt, wenn du mich als ein Vater trugst, wenn du mich als ein Vater schlugst? 4. Du willst, ich sell die Welt verlassen: thu' ich's auch gern und mit Geduld? vergab ich denen, die mich haffen, mit Hand und Herzen ihre Schuld? that ich auch einem Menschen leid, der über mich noch klagt und schreit? 5. Empfahl ich dir auch stets die Meinen? hab' ich auch treu für sie gewacht? darf ihrer Keiner darum weinen, daß ich nicht als ihr Freund gedacht? und sterb' ich in der Zuversicht: der Herr verläßt die Meinen nicht? 6. Herr, prüfe mich noch hier am Grabe, erforsche, wie mein Herz es meint, und was ich zu erwarten habe, wenn Jefus zum Gericht erscheint. Laß mich durch deines Geistes Kraft stets fertig seyn zur Rechenschaft! Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 563. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! die Zeit flieht hin, es kommt der Tod. Ach, wie so plößlich und behende kann kommen meine letzte Noth! Mein Gott, ich fleh' durch Christi Blut, mach's doch mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; wo ich nur bin auf dieser Erden, 34* 532 Tugend Mittel. leb' ich in steter Tod'sgefahr. Mein Gott, nimm mich in deine Hut und mad's mit meinem Ende gut! 3. Lehr mich das Ende stets bedenken, den Sinn, noch eh' ich sterben muß, auf meiner Seele Wohlfahrt lenken, und nicht verschieben meine Buß', sonst käme mir des Mittlers Blut an meinem Ende nicht zu gut. 4. Lehr' mich auch sonst mein Haus bestellen in Menschenlieb' und Furcht vor dir, so sag' ich dann in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir; und weiß, des Mittlers theures Blut kommt mir an meinem End' zu gut. 5. Vermehr' in mir die Luft zum Himmel und dämpf in mir die Luft zur Welt. Denn, wem ihr rauschendes Getümmel, ihr eitler Reiz zu sehr gefällt, der ist im Sterben ohne Muth, mit dessen Ende wird's nicht gut. 6. Ach! laß mich die begang'nen Sünden vor dir mit wahrem Ernst bereun, laß mich bei dir Vergebung finden, mich selbst durch Reue nicht entweihn; es komme mir des Mittlers Blut im Leben und im Tod zu gut. 7. Ich weiß, wenn ich zu Jesu Wunden hinflieh' im Glauben und Gebet, so find' ich in den bångsten Stunden die Kraft, die sich mein Herz erfleht. Auch in der stärk sten Prüfungsgluth erquickt mich sein vergoff'nes Blut. 8. Nichts sey dann, was mich von ihm scheide, nicht Lust, noch Furcht, noch Schmach, noch Noth! Er ist es, dem ich leb' und leide und treu verbleibe bis zum An seiner Hand, in seiner Hut da lebt man froh, da stirbt sich's gut. Tod. 9. Ich habe Jesum angezogen, bin ihm geweihet durch die Tauf'; als Vater bist du mir gewogen, haft mich zum Kind genommen auf. So mach's mit mir durch Christi Blut nun ferner bis ans Ende gut. 10. Ich habe Jesu Mahl genossen, dies Denkmal feiner Lieb' und Treu', daß er für mich sein Blut vergof sen und ewig mein Erbarmer sey. Dank ihm! der fließen ließ sein Blut, der macht gewiß mein Ende gut. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 533 11. So komm' mein End' heut' oder morgen, ich) weiß, daß mir'e mit Jefu glückt. Er ist's, der mich) in allen Sorgen, er ist's, der mich im Tod erquickt und mir, zu schaun das höchste Gut, die Thore jener Welt aufthut. 12. Ich bin getrost; mein Glaube sieget, Gott, über Furcht und Kümmerniß. Wie es dein Wille mit mir fü get, bin ich vergnügt; ich weiß gewiß, durch dein' Gnad' und Christi Blut machst du's mit meinem Ende gut. Mel. Straf mich nicht in deinem zc. 564. Herr, ich bin dein Eigenthum; dein ist auch mein Leben! mir zum Heil und dir zum Ruhm hast du mir's gegeben! väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 2. Bald kommst du mit großer Kraft zum Gericht auf Erden, dann soll ich zur Rechenschaft dargestellet werden. Dein Gericht schonet nicht, Richter aller Welten! denn du willst vergelten. 3. Weh' dann mir in Ewigkeit, wenn ic) deine Gabe, meine Kräfte, meine Zeit hier mißbrauchet habe! weh' dann mir, hab' ich hier dein Geschenk verschwendet und nicht angewendet! 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schwe ben! möcht' ich mich stets meiner Pflicht treu zu seyn bes streben; daß ich nie thöricht sie außer Augen setzte, wif sentlich verletzte! 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen; jeden Schritt zur Rechenschaft mich mit Vorsicht wählen. Gieb, daß ich ernstlich mich jeden Tag, auch heute, auf fie zubereite. 6. 3eigt sich erst die Ewigkeit furchtbar in der Nähe, o dann ist es nicht mehr Zeit, daß ich Gnad' erflehe! wenn der Tod mir schon droht, kann ich deinen Willen, Herr, nicht mehr erfüllen! 7. Mein Gewissen strafe mich gleich für jede Sünde, Mittler, daß ich bald durch dich Gnade such und finde! 534 Tugend- Mittel. rufe du dann mir zu: Alles ist vergeben! beff're nur dein Leben! 8. Dann erscheine zum Gericht: ich darf zu dir be ten! mich verstößt dein Vater nicht; du wirst mich ver treten! ewig dein werd' ich seyn, und mich, dich zu lieben, ewig, ewig üben. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 565. Weil nichts gemeiner ist, als Sterben, mein Tod stets näher rückt heran: so will ich mich mit Ernst bewerben, daß ich einst selig sterben kann. Ich will erst sterben, eh' ich sterb', daß ich im Tode nicht verderb'. 2. Jedoch es ist dies eine Sache, die nicht bloß bei uns Menschen steht. Damit ich nun das möglich mache, was sonst dem Herzen schwer eingeht: so ruf' ich meinen Mittler an, der wohl zu sterben helfen kann. 3. Er ist mein Heiland, der sein Leben für meines aufgeopfert hat, der, aus dem Staub mich zu erheben, als Sieger aus dem Grabe trat; und mir, wie furchtbar er sonst droht, nun überwinden hilft den Tod. 4. Ach, großer Retter! denke meiner und steh' mit deiner Kraft mir bei; denn außer dir macht mich sonst Keiner von Todesfurcht und Sünden frei. gieb, daß sich voll Trost und Ruh' mein Auge schließ' im Tode zu. 5. Laß mich absterben allen Sünden durch ernste Reu' und wahre Buß', im Glauben mich mit dir verbin den, stets denken, daß ich sterben muß, und ich zu jeder Zeit zu meinem Ende sey bereit. gieb, daß 6. Leit' und bewahr' durch deine Hände, Herr, stets mich als dein Eigenthum. Dir folgen, fen bis an mein Ende vor Menschen und vor Gott mein Ruhm; ja nimm, wenn ich vollbracht den Lauf, auch mich in deinen Himmet auf. 7. Bereit' von außen und von innen mich auf das Ende meiner Zeit; mein ganzes Denken und Beginnen sey Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 535 dir und deinem Dienst geweiht: dann ist mir auch, mein Gott und Herr, der Tod nicht schwer, nicht furchtbar mehr. 8. Dann quillt mir Trost aus deinen Wunden, dann stehet deine Kraft mir bei, dann machst du in den Todesstunden mich bald vom letzten Kampfe frei, und führest über Grab und Zeit mich zu des Himmels Herrlichkeit. 9. Auf diese Weise mag ich sterben in kurzem oder über lang; mir macht, als einem Himmelserben, die Todesnacht das Herz nicht bang'; ich weiß, ich rühm's voll Dank und Muth: du machst's mit meinem Ende gut. Jesu Christe, Gottes Lamm 2c. 566. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! sein Leben ist ein fallend Laub; und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sey noch fern. Mel. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, der Mann noch seiner Jahre viel, der Greis zu vielen noch ein Jahr, und Keiner nimmt den Frrthum wahr. 3. Sprich nicht: ich denk' in Glück und Noth im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben für die Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut, und unsers Lebens kleinster Theil ist eine Frist zu unserm Heit. 5. Der Tod rückt Seelen vors Gericht; da bringt Gott Alles an das Licht, und macht, was hier verborgen war, den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich draut, so sey doch wacker und bereit; průf deinen Glauben als ein Christ, ob er durch Liebe thätig ist. 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, ein Wunsch, durch des Erlöfers Tod vor Gottes Thron gerecht zu seyn, dies macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, ihm folgt und sich vom Bösen kehrt; ein gläubig Herz, von Lieb' erfüllt: dies ist es, was in Christo gilt. Tugend Mittel. gemid 9. Die Heiligung erfordert Müh'; du wirkst sie nicht, Gott wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr, als wäre sie ein Werk von dir. 536 H 10. Ihr alle seine Tage weihn, heißt eingedenk des Todes seyn; und wachsen in der Heiligung ist wahre Tod'serinnerung. 11. Wie leicht vergeff' ich diese Pflicht! Herr! geh' mit mir nicht ins Gericht! an meinen Tod erinn're mich, daß ich dir wandle würdiglich; 12. Daß ich mein Herz mit jedem Tag vor dir, o Gott, erforschen mag, ob Glaube, Demuth, Lieb' und Treu', die Frucht des Geistes in mir sey; 13. Daß ich zu dir um Gnade fleh, stets meinen Lüften widersteh', und einstens in des Glaubens Macht mit Freuden ruf: es ist vollbracht! 567. Was sorgft du ängstlich für dein Leben? es Gott gelassen übergeben, ist wahre Ruh' und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nutzen, es dankbar als ein Glück befißen; verlieren, als verlörst du's nicht. 2. Der Tod soll dich nicht traurig schrecken; doch, dich zur Weisheit zu erwecken, soll er die stets vor Augen seyn. Er soll den Wunsch zu leben mindern; doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, vielmehr die Kraft dazu verleihn. 3. Ermattest du in deinen Pflichten, so laß den Tod dich unterrichten, wie wenig deiner Tage sind. Schrich: sollt' ich Gutes wohl verschieben? nein, meine Zeit, es auszuüben, ist kurz, und sie verfliegt geschwind. 4. Denk an den Tod, wenn böse Triebe, wenn Luft der Welt und ihre Liebe dich reizen, und ersticke sie. Sprich: kann ich nicht noch heute sterben? und könnt ich auch die Welt erwerben, beging' ich doch solch übel nie. 5. Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, wenn deine Schäße sich vermehren, daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die Eitelkeit der Erden, daß, Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 537 wenn sie dir entriffen werden, du dann dich nicht zu sehr betrübst. 6. Denk' an den Tod bei frohen Tagen. Kann deine Luft sein Bild vertragen, so ist sie gut und unschuldsvoll. Sprich, dein Vergnügen zu versüßen: welch' Glück werd' ich erst dort genießen, wo ich unendlich leben soll! 7. Denk' an den Tod, wenn deinem Leben das fehlt, wornach die Reichen streben; sprich: bin ich hier, um reich zu seyn? Wohl mir! wenn ich in Chrifto sterbe, dann ist ein unbeflecktes Erbe, dann ist des Himmels Reichthum mein. 8. Denk an den Tod, wenn Leiden kommen; sprich: alle Trübsal eines Frommen ist zeitlich und durch Hoffnung leicht. Ich leide; doch von allem Bösen wird mich der Tod bald, bald erlösen; er ist's, der mir die Krone reicht. 9. Denk' an den Tod, wenn freche Rotten des Glaubens und der Tugend spotten und Laster stolz ihr Haupt erhöhn. Sprich bei dir selbst: Gott trågt die Spotter; doch endlich ist für sie kein Retter, wenn sie nicht hier noch in sich gehn. 10. Denk' an den Tod zur Zeit der Schrecken, wenn Pfeile Gottes in die stecken; du rufft, und er antwortet nicht. Sprich: sollte Gott mich ewig haffen? er wird mich sterbend nicht verlassen; dann zeigt er mir sein Angesicht. 11. So suche dir in allen Fällen den Tod oft lebhaft vorzustellen, so wirst du ihn nicht zitternd scheun; so wird er dir ein Trost in Klagen, ein weiser Freund in guten Tagen, ein Schild in der Versuchung seyn. 12 Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 568. Meine Lebenszeit verstreicht, stündlich eil' ich zu dem Grabe. Und was ist's, daß ich vielleicht hier annoch zu leben habe? denk', o Seele, an den Tod! säume nicht, denn Eins ist Noth! 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die 538 Tugend- Mittel. dir Menschen gaben, nichts wird dich im Tod erfreun; diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugniß giebt, wird dir deinen Tod versüßen; dieses Herz, von Gott erneut, giebt zum Tode Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich stehen, dann wird über Welt und Tod dich dies reine Herz erhöhen; dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht! 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet' und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Lern' nicht nur, den Tod nicht scheun; lern' auch, seiner dich erfrean. 6. überwind' ihn durch Vertraun, sprich: ich weiß, an wen ich glaube, und ich weiß, ich werd' ihn schaun einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: es ist vollbracht! nahm dem Tod seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab' oft hin, siehe dein Gebein versenken; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken; lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser werden mag. Tode Mel. Herzlich thut mich verlangen ze. 569. Die auf der Erde wallen, die Sterblichen, find Staub. Sie wachsen auf und fallen, wie leicht verwel kend Laub. Verborgen ist die Stunde, die uns zum ruft; doch führ uns jede Stunde stets näher hin zur Gruft. 2. Getroft gehn Gettes Kinder auf seinen Wink die Bahn, zu der einst kühne Sünder voll Angst und Unmuth nahn; wo nun der freche Spötter nicht mehr zu spotten wagt und vor des Frommen Retter erzittert und verzagt. 3. Wenn, diese Bahn zu gehen, mir, Gott, dein Wink gebeut; wenn vor mir offen stehen Gericht und Ewigkeit, wenn meine Glieder beben, mein sterbend Auge bricht: Herr über Tod und Leben! o dann verlass' mich nicht! Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 539 4. Hilf, Todesüberwinder! hilf dem in solcher Angst, für den du, Heil der Sünder, selbst mit dem Tode rangst. Und wenn des Kampfes Ende gewaltiger ihn faßt, so reiche dem die Hände, den du erlöset hast. 5. Des Himmels hohe Freuden ermißt fein sterblich Herz; wie lindern sie die Leiden, den kurzen Zodesschmerz! Dank ihm, dem überwinder des Todes, hoher Dank! Preis ihm, der für uns Sünder den Kelch des Todes trank! 6. Wohl denen, die auf Erden sich schon dem Himmel weihn, und, aufgelöst zu werden, mit heil'ger Fu sich freun! Bereit, es aufzugeben, wenn Gott, ihr Gott, gebeut, fließt ihnen dieses Leben sanft hin zur Ewigkeit. Bei Beerdigungen. Mel. Nun laff't uns den Leib zc. 570. Nun grabt den Leib in seine Gruft, bis ihn des Richters Stimme ruft! dann wird er aus dem Grab aufstehn, hervor zu der Vergeltung gehn. 2. Aus Erde schuf ihn einst der Herr! er war schon Staub und wird's nur mehr. Er ward gefä't, verwoest, erwacht einst herrlich aus des Grabes Nacht. 3. Des frommen Seele lebt bei Gott, der sie aus aller ihrer Noth, aus aller ihrer Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübfal und Elend ist kommen zum erwünschten End'. Er hat nun abgelegt das Joch, das wir, wir Pilger, tragen noch. 5. Die Seele lebt ohn' alle Qual, der Leib ruht, fern vom Thränenthal; Gott, dem er treu blieb bis ans Grab, wischt nun auch seine Thränen ab. 6. Hier hat ihn Etrübsal oft gedrückt; doch nun wird er von Gott erquickt. Was sind die Leiden dieser Zeit doch gegen diese Herrlichkeit! 7. Nun, du Erlöster! schlaf' in Ruh', wir gehn nach Tugend- Mittel. unsern Hütten zu, und machen zu der Ewigkeit mit Ernst und Sorgfalt uns bereit. 8. Sen mit uns, Jesu, stärk' und tröst' uns Alle, die du hast erlöst. Laß unsre ganze Seele dein und freudig unser Ende seyn. 540 Zweites Chor. Mel. Nun lass't uns den Leib zc. 571. So grabt denn mein entfeelt Gebein, o ihr, noch Sterbliche, nur ein. Sch bleib', ich bleib' im Grabe nicht; denn Jesus kommt und hält Gericht. 2. Ja! ja! mein aufgelöst Gebein wird die Verwe fung weit verstreun. Doch einst erweckt mich wunderbar Gott, der den Staub zählt, wie ein Haar. 3. Gott ist barmherzig und verstößt im Tode nicht, die er erlöst, die sich von Sünd' und Missethat der Mitt ler selbst geheiligt hat. 4. Die Trübfal, die mich hier verletzt, wird mit durch Freude dort ersetzt. Tragt, Christen, Jesu sanftes Soch! o tragt es treu! einst ruht ihr doch! 5. Ja! Ruhe, die ich sonst nicht fand, die find' ich nun in Gottes Hand, wo alle Noth vergessen ist, wo keine Thräne weiter fließt. 6. Bei euch hat Trübsal mich gedrückt; doch herr lich werd' ich nun erquickt; ich schaue Gott, so wie er ist, und meinen Heiland Jesum Christ. 7. Die Liebe höret nimmer auf; mit ihr vollendet euren Lauf! wollt ihr euch eures Glaubens freun, muß ct durch Liebe thätig seyn. Mel. Nun laff't uns den Leib zc. 572. Wir tragen diesen Leib zur Gruft, zur Ruhe, bis der Herr ihn ruft, bis einst durch Jesu Christi Macht er aus dem Todesschlaf erwacht. -1 2. Nichts als den Leib zerstört der Tod; die Seele geht hinauf zu Gott; sie erntet dort vor seinem Thron des Glaubens und der Eugend Lohn. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 541 3. Deß immer eingedenk will ich zum Tode so bereiten mich), daß ich voll Muth und Heiterkeit ihn zu erware ten sen bereit. 4. Auch zag' in dieser Zuversicht ich bei dem Tod der Meinen nicht. Sie sterben Gott! Nach seinem Wort vereint er uns auf ewig dort. 5. Gott! wisch' du selbst die Thrånen ab dem, der bei dieses Todten Grab, im tiefen Schmerz versenket, weint, dem sein Verlust zu herbe scheint. 6. Heil' jedes Herz und binde du die Wunde, die noch blutet, zu! dein Wille, die Unsterblichkeit, erheit're jede Dunkelheit. Beim Begräbniß eines Rindes. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 573. Gottlob! mein Lauf eilt früh zum Ende und auch mein Leid und Ungemach. Durch seine liebevollen Hände zieht mich mein Heiland früh ihm nach. Un Gottes Reich gab er mir Theil; mein Loos ist Seligkeit und Heil. 2. Ihr Meinen! hemmet Schmerz und Gråmen; send, wie es Christen ziemt, betrübt! Gott kann das Seine wieder nehmen, wenn, wo und wie es ihm beliebt. Ich war ja nur von Gottes Hand ein euch gelieh'nes Liebespfand. 3. Daß ich die Welt und euch verlasse, geschiehet nicht von ungefähr; und daß ich schon so früh erblaffe, kommt von des Schöpfers Weisheit her. Gott ist's, der unser Ziel bestimmt und Alt' und Junge zu sich nimmt. 4. Gott, der sich selbst die Liebe nennet, thut Alles liebreich, was er thut; auch da, wenn er die Herzen trennet, meint es sein Vaterherze gut. Ja wohl dem, der es glauben kann: was Gott thut, das ist wohlgethan! 5. Was sind der Menschen Lebenstage! ein Schatz ten, Nebel, Rauch und Dampf; voll von Versuchung, Angst und Plage; Noth folgt auf Noth und Kampf auf 542 Tugend- Mittel. Kampf. Man fehlt, man weint, man sorgt, man wacht, bis daß der Tod ein Ende macht. 6. Dort bin ich frei von allen Leiden; vor Sünden dort in Sicherheit. Dort schmeck' ich nichts als reine Freuden, dort ist kein Leid, Gefahr, noch Streit. Dort bin ich schön, geehrt und reich, an Eugend Gottes Engeln gleich. 7. Betrachtet, Freunde, statt der Leiche, die euer Herz in Unruh fest, das Glück, das mich im Freudenreiche, bis ich euch wiederseh', ergößt. Glaubt christlich, daß ich selig bin, so werden Schmerz und Zähren fliehn. 8. Indessen lebt und bleibt im Segen; kein schweres Unglück rühr' euch an; geht freudig auf der Jugend Wegen; liebt Gott, fein Wort, liebt Jedermann. Flieht Sünden, fliehet Heuchelei, bleibt Jesu, bis ihr sterbt, getreu! Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 574. Selig, Gott, sind sie, die nun hier in ihrem stillen Grabe nach des Lebens Mühe ruhn, und sich deiner größten Gabe, eines ew'gen Lebens, freun. Möchten wir uns auch so freun! 2. Gott, du willst; wir leben noch mühsam hier in Pilgerhütten; unser Kampf ist endlich doch und vielleicht bald ausgestritten. Endlich führt auch uns der Tod, so wie Jene, zu dir, Gott! 3. Jesus lebte selbst auch hier, hier in unsern Pilgerhütten; ach viel mehr, viel mehr, als wir, hat der Göttliche gelitten. Standhaft laß im Kampf uns stehn, auf ihn, den Vollender, seh'n. 4. Was ist diese Lebenszeit? ach, nur eine kurze Stunde gegen jene Ewigkeit! doch von dieser kurzen Stunde hängt es ab, ob Weh, ob Wohl dort zu Theil uns werden soll! 5. Gieb uns Weisheit, Muth und Kraft, diese Stunde wohl zu nutzen; und am Ziel der Pilgerschaft wollest du uns unterstützen, daß wir freudig auf dich sehn und getroft zum Tode gehn. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 543 6. Daß wir dein sind, nicht der Welt, daß du uns wirst auferwecken: diesen Trost der bessern Welt laß uns, wenn wir sterben, schmecken; stårk' den blöden Geist, wenn ihn Todesschrecken überziehn. 7. Soll ich einst, um auch zu ruhn, zu den Todten Gottes gehen: wollst du mehr noch an mir thun, als wir bitten und verstehen. Dann in meiner Todesnacht sag' ich froh: es ist vollbracht! Mel. Wachet auf, ruft uns die zc. 575. Selig find des Himmels Erben, die Todten, die im Herren sterben, zur Auferstehung eingeweiht! ach den letzten Augenblicken des Todesschlummers folgt Entzücken, folgt Wonne der Unsterblichkeit! im Frieden ruhen sie, los von der Erde Müh! gelobt sey Gott! vor seinen Thron, zu seinem Sohn begleiten ihre Werke sie. 2. Dank, Unbetung, Preis und Ehre in alle Ewigfeiten, Ehre sey dir, Versöhner, Jesus Chift! Ihr, der Überwinder Chöre, bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre dem Lamme, das geopfert ist! er sant wie wir ins Grab, wischt unsre Thränen ab. Hallelujah! er hat's vollbracht! nicht Tag, nicht Nacht wird an des Lammes Throne seyn! 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne scheint uns alsdann; er ist uns Sonne, der Sohn der Herrlichkeit des Herrn! Heil, nach dem wir weinend rangen, nun bist du Heil uns aufgegangen, nicht mehr im Dunkeln, nicht mehr fern. Nun weinen wir nicht mehr; das Alte ist nicht mehr. Hallelujah! er sank hinab wie wir ins Grab! er ging zu Gott! wir folgen ihm! Mel. Ermunt're dich, mein schwacher Geist zc. 576. Wie ungewiß ist, Herr, das Ziel der Wallfahrt auf der Erde! ob ich noch wenig oder viel an Tagen zählen werde, das weiß ich nicht, du weißt's allein. Ich kann vielleicht der nächste seyn, vom abgekürzten Leben ein Beispiel abzugeben. 4 544 3 Tugend- Mittel. 2. Bin ich erbaut aus besserm 3eug, als Andre, die, an Jahren und Munterkeit mir völlig gleich, des Todes Beute waren? wie Manchem starrte schnell das Herz, eh' weder Krankheit oder Schmerz ihm, als des Todes Boten, sein nahes Ende drohten. 3. Wenn ich die Gottesäcker seh', und alles könnte lesen, was der, auf dessen Grab ich geh', in seinem Sinn gewesen, und was bei ihm die Todesnacht für Hoffnun gen zu nichts gemacht: so würd' ich oft mit Schrecken mein eigen Herz entdecken. 4. Mein Gott! befreie mich vom Dunst der irdischen Beschwerden und lehre mir die große Kunst, bei Gråbern klug zu werden. Nur der ist weise, der bedenkt, wie viel von seinem Tod abhångt, und der dazu in Zeiten sein Herz sucht zu bereiten. 5. Erinn're mich ans große Ziel, dazu du mich ges schaffen, damit ich mich nie in das Spiel der Weltluft mag vergaffen. Und sieht mein Auge, daß mein Schritt noch nicht den rechten Weg betritt, so wollst du, Herr, in Zeiten auf solchen Weg mich leiten. 6. Damit ich einst mich vor der Hand des Todes nicht entfärbe, so mache mich mit ihm bekannt vorher noch, eh' ich sterbe. Laß mir sein Bild vor Augen seyn, damit ich lerne Sünden scheun, die das Gewissen schrecken und Todesfurcht erwecken. 7. Gieb, daß ich dich mit frohem Muth als meinen Gott betrachte, hingegen Freunde, Glück und Gut nicht als mein eigen achte: so wird, wenn mich die Zeit weg nimmt, die du zum Abschied mir bestimmt, nichts, was mir hier verliehen, mein Herz zurücke ziehen. 8. Dir sey es gånzlich heimgestellt, wie, wo und wann ich scheide. Wer unter deinem Schutze fällt, wird frei von allem Leide. Doch wünsch' ich, daß ich wohlge schickt von hinnen werde weggerückt, und allzuschweres Kämpfen nicht die Vernunft mag dåmpfen. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 545 9. Laß mich auf Jesu Herrlichkeit mit froher Hoffnung blicken und mitten in der Dunkelheit mich sein Verdienst erquicken. Dann nimm, Herr, nach volltrachtem Lauf den Geist aus dieser Hütte auf, die einst im Reich der Deinen wird neu gebaut erscheinen. Mel. Aus tiefer Noth schrei' zc. 577. Komm, Sterblicher, betrachte mich; ich lebte auch auf Erden; und was du bist, das war auch ich; was ich bin, wirst du werden. Du folgest nach, ich) ging vorhin; gedenke nicht in deinem Sinn, es sey weit fern dein Sterben. 2. Bereite dich, stirb ab der Welt, denk an die letzten Stunden; oft hat, eh' man sich's vorgestellt, der Tod sich eingefunden. Heut' hat er hingenommen mich, vielleicht trifft er schon morgen dich, vielleicht wohl gar vor Abend. 3. Sprich nicht: ich bin noch viel zu jung, ich werd' noch långer leben; du bist schon reif und alt genung, den Geist von dir zu geben. Wie bald ist's nicht um dich gethan! es sieht der Tod kein Alter an; bau' nicht auf deine Jugend. 4. Bei Manchem, der gehofft, begehrt: er sollte nicht erscheinen, ist doch der Tod schon eingekehrt; wie darfst du doch nun meinen: du sterbest nicht in deiner Blüth', da man Beweise täglich sicht, daß junge Leute sterben. 5. Den Blüthen ist dies Leben gleich, die Winde bald verwehen; sey denn nicht sicher und verzeuch nicht, auf dein Heil zu sehen. Wer weiß, ob den der nächste Schritt, der sicher jetzt auf Gråber tritt, nicht selbst zum Grabe führet? 6. Sprich nicht zu dreist: ich bin gesund und munter zu Geschäften. Kann's dir nicht in der nächsten Stund' gebrechen schon an Kräften? die Wange, die noch heut' so roth, so blühend war, ist oft voin Tod in kurzer Zeit entfårbet. Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 35 Tugend- Mittel. 7. Dies Leben gleicht der Welle Schaum, der kurze Zeit bestehet, gleich einem leichten Morgentraum, der schnell vorüber gehet. Wenn man's am wenigsten gedacht, so heißt's oft schon: es ist vollbracht, auch der ist hier gewesen! 8. Indem du lcbest, lebe so, daß du magst selig ster ben. Du weißt nicht, wann, wie oder wo dein Körper wird verderben. Bedenk' dein Wohl, dein wahres Glúd, auf diesen kurzen Augenblick erfolgen Ewigkeiten. 9. Du magst bereit seyn, oder nicht, der Tod wird nicht verweilen, und dann mit dir so zum Gericht, wie er dich fand, hineilen. Und Freude, oder Schmerz und Pein wird dann dein Loos auf ewig seyn, nachdem du hier gelebet. 546 10. Ach, denke nicht: es hat nicht Noth, ich will mich schon bekehren, wenn mir die Krankheit zeigt den Tod; Gott wird mein Flehn erhören. Wer weiß doch, ob's zur Krankheit kommt, ob nicht ein schneller Fall dich hemmt im Laufe dieses Lebens? 11. Zudem, wer hier in Sicherheit auf Gottes Gnas de bauet, wann kommt dem die bequeme Zeit, auf die er fäumend bauet? o lerne sterben, eh' du stirbst, damit du ewig nicht verdirbst, wenn Gott die Welt wird richten. 12. 3um Tode mache dich geschickt; gedenk' in allen Dingen: wie, wenn mich jetzt der Tod hinrückt, wohin würd' er mich bringen? könnt' ich wohl so vor Gott be ftehn? getroft vor sein Gericht hingehn und Rechenschaft ablegen? 13. So forge, wenn der Tod herbei, von Gott ge fandt, wird kommen, daß dir sein Ruf ein Hingang fe zu jener Ruh' der Frommen. Bereite dich, daß dich der Tod entlade aller Burd' und Noth; bedenke stets das Ende! Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott 2c. 578. Dein sind wir, Gott, in Ewigkeit. In deiner Hand steht unsre Zeit, du hast der ganzen Menschenschaar ihr Todesjahr bestimmt, als keine Zeit noch war. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 547 2. Wenn nun auch unser Ende kommt und deine Hand das Leben hemmt, dann hilf uns in der Todesnoth, Herr, unser Gott! ein fanfter Schlaf werd' unser Tod! 3. Nimm nach vollbrachtem Lebenslauf in deine ew'ge Ruh' uns auf. Verwirf, wenn unser Herz uns bricht, verwirf uns nicht, o Herr, von deinem Angesicht! 4. Drückt uns dann noch der Krankheit Schmerz, so stårke das beklemmte Herz, daß es auch in der Schmerzen Wuth mit starkem Muth in deiner weisen Fügung ruht. 5. Gieb Hoffnung zu der ew'gen Ruh'. In unsern Herzen wirke du, Geist Gottes, daß wir glaubend trau'n und ohne Grau'n hin in die Nacht des Todes schau'n. 6. Hilf unsrer Schwachheit, Geist des Herrn! zeig' uns den Himmel dann von fern! laß uns, wenn wir zum Vater flehn, getröstet sehn, wie der uns liebt, zu dem wir gehn. 7. Uch, Gnad' ergehe dann für Recht! denn von dem menschlichen Geschlecht ist auch der Heiligste nicht rein. Ber kaun je dein, Gott, ohne deine Gnade seyn? 8. O sey uns dann nicht fürchterlich! erbarme, Vater! unsrer dich. Wenn unser Auge sterbend bricht, leit' uns dein Licht, so fehlt uns Trost im Tode nicht. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 579. Du, der ordnet und ermißt, was soll werden und geschehen! nur bei dir, der ewig ist, nur in deinen Hån den stehen Welten, Menschen, ihre Zeit, Leben, Tod und Sivigkeit. 2. Du, des Lebens Geber, Gott, läsfest uns dies Licht erblicken; wenn du wirkest, kommt der Tod, dieser Welt uns zu entrücken. Nicht uns selber, sondern dir leben wir und sterben wir. 3. Unerforschlich ist dein Rath uns zwar oft, doch immer weise. Dunkel ist uns oft dein Pfad, doch es wird zu deinem Preise uns zuleßt auch offenbar, daß er gut und heilig war. 35* Tugend- Mittel. 4. Preis und Dank, Gott, sollten wir singen hin zu deinen Höhen selbst an diesen Gråbern hier, wo wir oft tief trauernd stehen. Stårt uns, daß der Schmerz werd' Dank und die Klage Lobgesang. 5. Tröfte, Gott des Trostes, die, die gebeugt hier zu dir weinen. Schmecken, Vater, laß auch sie, daß du mit dem Schmerz der Deinen Mitleid haft und nahe bist, wo die fromme Thräne fließt. 548 6. Herr, in Freuden und in Schmerz laß uns dir so seyn ergeben, daß nicht Sündenschuld dies Herz mache vor dem Tode beben. Gott, dein sind wir; laß uns dein lebend, sterbend ewig seyn. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 580. Du Herr und Vater meiner Tage! du weißt, daß ich, dein schwaches Kind, des Todes Keim in Glie dern trage, die irdisch und zerbrechlich sind: drum gieb, daß ich zu jeder Zeit zu meinem Tode sey bereit. 2. Daß du, o Höchster, meinem Leben ein mir ver borg'nes Ziel bestimmt, und daß die Zeit, die mir gege ben, vielleicht gar bald ein Ende nimmt: dies flöße mit die Weisheit ein, stets auf mein Heil bedacht zu seyn. 3. Hier hab' ich lebenslang zu lernen, mein Herz von Sünden abzuziehn, mich von der Weltluft zu entfer nen und um den Himmel zu bemühn; o mache mich dazu geschickt, eh' mich der Tod der Welt entrückt! 4. Nicht auf der Erde, nein, nur droben bei dit, Gott, meiner Seele Theil, ist mir das Beste aufgehoben; dort ist für mich vollkomm'nes Heil; da, wo mein Scha ist, sey mein Herz! Herr, lenke selbst es himmelwärts! 5. Hier allen Sünden abzusterben, zu leben in Recht schaffenheit, um einst dein Himmelreich zu erben, bazu laß meine Sterblichkeit mir fiets, mein Gott, vor Augen seyn und deinen Beistand mich erfreun. 6. Willst du mich länger leben lassen, so laß es mir zum Heil geschehn; doch soll ich heute noch erblassen, fo Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 549 höre, Vater, auf mein Flehn: sey, wenn mein Herz im Tode bricht, mein Trost und meine Zuversicht! 7. Dir will ich gånzlich mich ergeben, dir, dessen Eigenthum ich bin; bist du, mein Heiland, nur mein Leben, so bleibt selbst Sterben mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir; sey nur mein Trost, so g'nüget mir. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 581. Sch eile meinem Grabe zu! ein Schritt, so bin ich Erde. Uch! meine Zuflucht, Gott, bist du, so oft ich zaghaft werde. Was ist die Zeit, in der ich bin; fie fährt ja wie ein Strom dahin, der niemals wiederkehret! 2. Ein Sarg verschließt den Überrest von modernden Sebeinen, und sein zerbrochnes Haus verläßt der Geist, da zu erscheinen, wo ihm des Ewigen Gericht ein unparteiisch Urtheil spricht, belohnet, oder strafen. 3. Jedoch, was fürchten wir die Gruft, als wären wir noch Heiden? er, der uns von der Erde ruft, führt durch den Tod zu Freuden. Wer glaubt, der bleibt und stirbet nicht, ob er gleich stirbt; Tod und Gericht droh'n ihm nicht ew'ge Strafen. 4. So laß denn, Herr, nach deinem Rath auch meine Stunde kommen. Du bist's, der selbst den Weg betrat, Beschützer deiner Frommen! mit dir, mein Jesu, schlaf ich ein; wie du werd' ich begraben seyn, wie du auch auferstehen! Mel. Herzliebster Jefu, du haft 2c. 582. felig, felig seyd ihr nun, ihr Frommen, die ihr schon durch den Tod zu Gott gekommen; der Müh und Sorge, die uns noch umfangen, send ihr entgangen. 2. Wir, die wir noch auf dieser Erde leben, wir sind mit Kummer und Gefahr umgeben; es ist nur Müh' und Eitelkeit zu nennen, was wir hier kennen. 3. Hingegen ihr, ihr ruht im sanften Schlummer, ganz sicher und befreit von allem Kummer; euch stort in dem Genusse reiner Freuden kein Kreuz, noch Leiden. Tugend- Mittel. 4. Euch trocknet Christus nun ab alle Thränen; ja ihr genießt, wonach wir uns noch sehnen; ihr habt die Siegerkron' nun schon errungen, send durchgedrungen. 5. Wir wollen nach euch kämpfen, uns bewerben um jenen Preis der sel'gen Himmelserben; denn, wohl uns! wir auch werden hier nicht bleiben, nicht immer bleiben. 6. 3u allen denen, die vorangegangen zu dir, ach, Heiland! laß auch uns gelangen. Schenk nach dem Kampfe die verheiß'ne Krone auch uns zum Lohne! 550 Betrachtung der Vergeltung nach dem Tode und des allgemeinen Weltgerichts. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 583. Ich bin ja, Herr, in deiner Macht, du haft mich an das Licht gebracht, du sorgest für mein Leben; du tennest meiner Tage Zahl, weißt, wann aus diesem Jammerthal mein Geist sich soll erheben; wo, wie und wann ich sterben soll, das weißt du, Herr des Lebens, wohl. 2. Wer wird in meiner letzten Pein mich Sünder trösten, mich erfreun, mir Muth und Hoffnung geben? wer nimmt sich meiner Seele an, wenn ich von dem, was ich gethan, Gott Rechenschaft soll geben? wer ist, det alsdann für mich spricht, thust du es, o mein Heiland, nicht? 3. Mich dúnkt, da lieg' ich schon; ich seh', daß ich am finstern Grabe steh', mit Todesangst umgeben; der Augen Licht verdunkelt sich, des Grabes Nacht umhüllet mich, ein Traum ist nun mein Leben! doch schweigen meine Sünden nicht, sie fordern mich vor das Gericht. 4. Ich hör' bereits den Donnerton, ich höre meinen Richter schon das Endurtheil mir sprechen; ich seh' vot feinem Ungesicht, ich sehe in dem hellsten Licht die Reihe der Verbrechen, die ich in dieser Welt gethan; wer ist's, der mich nun retten kann? 5. Kein Geld an Arme rettet mich; und weint' ich noch so bitterlich, es kann mich nicht erlösen. Nein, I Betrachtung des allgemeinen Weltgerichts. 551 der wird alsdann empfahn nach dem, was er allhier ges than; nichts schützt alsdann die Bösen. Hier ist Gott zum Verzeih'n bereit, dann übet er Gerechtigkeit. 6. Wie soll ich denn, o Gott, bestehn, wenn du in das Gericht willst gehn und nach Verdienst mir lohnen? wie kann ich deiner Straf' entfliehn, mich dir in deiner Welt entziehn, wirst du nicht meiner schonen? Uch, Höchster, geh' nicht ins Gericht; verwirf mich armen Sünder nicht! 7. Voll Reu' und Buße such' ich dich. Errette, Gott, bekehre mich und tilge meine Sünden. Dir weih' ich meine Lebenszeit, dein Dienst sey meine Seligkeit. Ach, laß mich Gnade finden! Gieb, daß ich meiner Pflicht getreu, zum Tode stets bereitet sey. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 584. Es ist gewiß, fie naht, die Zeit, da Gottes Sohn wird kommer mit großer Kraft und Herrlichkeit, zu richten Bös und Frommen. Gott hat die Stunde. schon bestimmt, da diese Welt ein Ende nimmt; sein Wort sagt's, das nicht trüget. 2. Dann wird der große Ruf ergehn: wacht, Zodte, auf zum Leben! und plötzlich werden sie erstehn, vom Grabe sich erheben. Ach sie, die dieses Lebens Bahn noch wallen, wird der Herr alsdann zur Ewigkeit einweihen. 3. Des Richters letztes Urtheil schallt auf Welt und Engel nieder; ein laut ertönend Amen hallt durch alle Himmel wieder. Empfangen hat nun Jedermann den Lohn; die Ewigkeit bricht an und Welt und Zeit entfliehen. 4. Weh' dann dem Sünder, welcher hat das Wort des Herrn verachtet, nicht ernstlich auf den Pilgerpfad nach Gottes Reich getrachtet! wie will, wie wird er nun bestehn? noch einmal wird er Jesum fehn mit Zittern und nie wieder. 5. O hilf, Herr, daß ich sey bereit so auf die leg ten Stunden, daß mich einst meine Zeit erfreut, wenn sie 552 Tugend- Mittel. nun ganz verschwunden. Zur treuen Übung meiner Pflicht erwecke mich das Weltgericht, das du dereinst wirst halten! 6. Daß mir der Tag erfreulich sey, an dem du wirst erscheinen, daß ich vom Sündenfluche frei, und zugezählt den Deinen, mich) einst mit jener Schaar verein', die mit dir zieht zum Himmel ein: dies Glück laß mich erringen! Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. 585. Schy dent' an dein Gerichte, du Richter aller Welt! der Thor nennt's ein Gedichte, das Schwachen nur gefällt! mich soll sein Wahn nicht stören, weil mich dein göttlich Licht und mein Gewissen lehren, du haltest einst Gericht. 2. Ich seh' im Geist die Blitze und hör' die Don ner schon, erblick' dich auf dem Sitze und hohen Richterthron, um den die heil'ge Menge erhab'ner Engel steht. Welch' herrliches Geprånge! welch' hohe Majestät! 3. Umsonst sucht nun der Sünder vor deiner Macht zu fliehn. Herr! alle Menschenkinder wirst du zur Rech nung ziehn. Du rufft, und sie erscheinen vor deinem Richterthron. Den Sündern und den Deinen giebst du gerechten Lohn. 4. Frohlockend sehn die Frommen dein göttlich Ungesicht. Schon hier dem Fluch entnommen, zagt ihre Seele nicht. Nun triumphirt ihr Hoffen; erlöst von aller Müh', sehn sie den Himmel offen, und du, Herr, fegneft fie. 5. Wie angstvoll aber beben, die hier dein Wort verhöhnt und durch ein fleischlich Leben das eitle Herz ver wohnt. Du giebst der Sünde Knechten ihr Theil in ew's ger Pein, und führeft die Gerechten zu deiner Freude ein. 6. Drum laß, Herr, dein Gerichte mir stets vor Aus gen seyn, und drücke sein Gewichte in mein Gewissen ein; vor dir laß mich fromm wandeln, und hier zu aller Zeit so wie ein Weiser handeln, der seinen Richter scheut. 7. Ist dann dein Tag vorhanden, wird diese Welt Betrachtung des allgemeinen Weltgerichts. 553 vergehn: so werd' ich nicht mit Schanden vor deinem Thron bestehn. Du stellst mich dann zur Rechten, von aller Schuld befreit, führst mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit ic. 586. Schon ist der Tag von Gott bestimmt, da, wer auf Erden wandelt, sein Loos aus Gottes Hånden nimmt, nachdem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Menschen Sohn, er kommt und Wolken sind sein Thron, der Erden Kreis zu richten. 2. Hier, an dem Rand der Ewigkeit, hier stehn die Millionen, die seit dem ersten Tag der Zeit auf dieser Erde wohnen, nur dem Allwissenden bekannt, unzählbar, wie am Meer der Sand; hier stehn sie vor dem Richter. 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt der Wahrheit unterliegen. Hier, wo das Recht die Wage hält, wird keine Sünde siegen. Hier ist zur Buße nicht mehr Frift; hier gilt nicht mehr Betrug und List; hier gilt kein falscher Zeuge. 4. Der Richter spricht, der Himmel schweigt, und alle Völker hören erwartungsvoll und tiefgebeugt: Kommt, erbt das Reich der Ehren! so spricht er zu der frommen Schaar. Die aber widerspenstig war, heißt er nun von sich weichen. 5. O Herr! mit welcher Majestät wirst du dies Urtheil fållen! die Sünder, die dich hier verschmäht, gehn dann gewiß zur Höllen. Hier trifft sie des Gewissens Pein. Wer wird dann noch ihr Retter seyn? ihr Warten ist verloren! 6. Sie, die Gerechten, leuchten dann wie Sonnen an dem Himmel. Du selbst nimmst sie zu Ehren an. O welch' ein froh Getümmel! nun seh'n sie mit erstauntem Blick, daß Glaub' und Lieb' das höchste Glück aus Gottes Gnade erben. 7. Sie gehn nun in das Wonnereich, das Gott für 554 Tugend- Mittel. fie bereitet, und sehn auf ewig, Engeln gleich, ihr Wohl fenn ausgebreitet. Das Stückwerk wird Vollkommen heit, kein Kummer, keine Traurigkeit stört ihre ew'ge Freude. 8. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernst bedenken! es stärke meine Zuversicht, wenn mich die Leiden krånken. Es reize mich, gewissenhaft, und eingedenk der Rechenschaft, nach deinem Wort zu wandeln. Mel. D Ewigkeit, du Donnerwort zc. 587. Erhöhter Jesu! Gottes Sohn! der du schon långst der Himmel Thron als Herrscher eingenommen, du wirst dereinst zu rechter Zeit in großer Kraft und Herrlich keit vom Himmel wieder kommen. Gieb, daß dann froh und mit Vertraun dich, Herr, auch meine Augen schaun. 2. Wer faßt, o Heiland! jetzt die Pracht, die deinen Tag einst herrlich macht! wie groß wirst du dich zeigen, wenn du auf lichten Wolken einst mit deiner Engel Heer erscheinst, die sich vor dir, Herr, beugen! Dann sieht die Welt die Majestät, dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab mit allmachtes voller Kraft hinab und schafft ein neues Leben. Auf deinen Wink muß Erd' und Meer das große unzählbare Heer der Todten wiedergeben. Sie stehn durch dich, Hert, neu beseelt, nun Alle auf und Keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinen Thron, um Jedem den bestimmten Lohn nach seiner That zu geben. Dann trifft den Bösen Schmach und Pein; den Frommen aber führst du ein in das verheiß'ne Leben. Nun zeigt die That, Herr Jefu Chrift! daß du der Erden Richter bist. 5. O gieb, wenn nun dein Tag erscheint, daß ich in dir dann meinen Freund und Heiland wiederfinde; daß ich mit Freuden vor dir steh' und mit dir in den Himmel geh', ganz frei von Fluch und Sünde. Laß mich im Glauben wachsam seyn und auch die kleinste Sünde scheun. 6. Die Tugend sey mir ewig werth! und was bein Betrachtung des allgemeinen Weltgerichts. 555 Wort von mir begehrt, taß mich mit Eifer üben. Niemals ermüde hier mein Geist, dich, den schon jetzt der Himmel preist, aus aller Kraft zu lieben: so hab' ich in der Ewigkeit auch Theil an deiner Herrlichkeit. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 588. Er kommt, er kommt zum Weltgericht, der Heiland, den wir ehren. O weigert euch, Erlöfte, nicht, jetzt auf sein Wort zn hören. Wer hier nicht seine Stimme hört und sie nicht mit Gehorsam ehrt, wird nicht vor ihm bestehen. 2. Herr, laß mich deiner Majeståt mit wahrer Freude dienen! wie herrlich dich dein Gott erhöht, ist zwar noch nicht erschienen; doch, was uns hier verborgen war, das wird dereinst uns offenbar, wenn du wirst wiederkommen. 3. Wenn vor dir die Natur dann bebt und unter deinen Füßen sich alles, das dir widerstrebt, wird völlig beugen müssen, wenn alle Engel vor dir stehn, dann werden Uller Augen sehn, wie hoch dich Gott erhoben. 4. Wenn dann, o Herr, auf dein Geheiß die Todten wieder leben; dein Feind mit Furcht, dein Freund mit Preis sich aus dem Grab erheben: wer wird dann noch, Herr Jesu Christ! daß du die Auferstehung bist, mit Frechheit leugnen können? 5. Wer spottet dann noch deiner Kraft, wenn du, die hier dich fliehen, für ihre Schuld zur Rechenschaft mit, Majestät wirst ziehen? wenn nun ihr Auge dich erblickt und sie dein Strafgerichte drückt, dann werden sie verstummen. 6. Und wenn du dann die Deinen nun mit Preis und Ehre ziereft, und, ihnen ewig wohl zu thun, sie in den Himmel führest: dann, Herr, wird völlig offenbar, daß es doch nie vergeblich war, Rechtschaffenheit zu lieben. 7. O laß mich dann, Herr Jesu Christ! mit Freuden vor dir stehen, und dir, so herrlich du auch bist, ge troft entgegen sehen. Wenn deiner Feinde Rotte zagt, 556 Tugend- Mittel. von Reu' und Angst und Furcht geplagt, dann jauchze meine Seele! 8. Daß ich dies Glück erleben mag, so laß in diesem Leben, o Heiland, deinen großen Tag mir stets vor Augen schweben. Er reize mich, dir mich zu weihn, in deinem Dienste treu zu seyn und nie dich zu verleugnen. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 589. Der unfre Menschheit an sich nahm, als er uns zu versöhnen kam, kommt einft zu richten wieder. Nicht fern ist seiner Zukunft Zeit; in aller seiner Herrlichkeit steigt Jesus dann hernieder. Vernimm's, o Welt, und beff're dich! der Tag des Schreckens nahet sich. 2. Warum verzieht er? fragt der Spott, wo bleibt der Sündenråcher, Gott? Hort, Sünder! hört's mit Beben: euch, die ihr frech ihm widerstrebt und in der Bosheit sicher lebt, zur Beff'rung Frist zu geben! Doch bald ist euer Maß erfüllt; bald kommt der Richter und vergilt! 3. Dann öffnet um euch her sich weit der Abgrund jener Ewigkeit mit allen seinen Schrecken; dann wird euch, wenn der Richter droht, nicht Berg, noch Meer, nicht Grab und Tod vor seiner Ahndung decken. Denn nun nicht mehr erbarmt er sich), und sein Gericht ist fürchterlich. 4. Wenn furchtbar feiner Donner Schall von tau fendfachem Wiederhall der Erde Grund erschüttern, und plötzlich nun der Bau der Welt wankt, krachend stürzt, in Trümmer fällt, wenn selbst die Himmel zittern, und vor den Richter hingerückt der Spötter glaubet und er Schrickt: 5. Dann ist nicht mehr zur Buße Zeit; wo werdet ihr Barmherzigkeit und Gnad' und Rettung finden? Die ihr der Sünden Maß noch häuft, fühlt, eh' euch dieser Lag ergreift, die Schande eurer Sünden, daß ihr nicht felbst euch einst verflucht und in Verzweiflung Lind'rung fucht. Betrachtung des allgemeinen Weltgerichts. 557 6. Mein Herz erschrickt; es bebt in mir mein Innerstes, o Gott, vor dir! ich bin ein Missethåter. Begnadige, wenn dein Gericht auch mir mein ewig Urtheil spricht, mich, Herr, den Übertreter. Du, der die Sünder nicht verstößt, du, Jesu, haft auch mich erlöst. 7. Tag Gottes und der Ewigkeit! du predigst uns den Werth der Zeit laut mit des Donners Stimme. Reizt, Menschen, nicht durch eure Schuld den Gott der Langmuth und Geduld, daß er nicht schnell ergrimme. Denn schrecklich wird der Sünder Pein und groß der Frommen Wonne seyn. Erwägung der Strafen der Lasterhaften in dieſer und jener Welt. Mel. Mir nach, spricht Christus ic. 590. Wer Sünde thut, entehrt den Herrn und haßt sein Glück und Leben, bleibt von dem Reiche Gottes fern, mit Blindheit ganz umgeben. Bewahre, Herr, durch deine Hand, mein Herz vor solchem Unverstand! 2. Wer Sünde thut, nährt falschen Wahn, liebt Träume, welche trügen, und wandelt auf der finstern Bahn des Vaters aller Lügen. Hilf, treuer Gott, daß nimmermehr Betrug der Sünde mich bethor'! 3. Wer Sünde thut, der unterdrückt und schwächt die Seelenkräfte, voird frech, stolz, blind und ungeschickt zum Heiligungsgeschäfte. Wie oft raubt uns das Laster nicht Gesundheit, Güter, gut Gerücht! 4. Wer Sünde thut, von dem entflieht der Herr mit seiner Gnade; verkehrt, verstockt wird sein Gemüth. S welcher Seelenfchade! Was hilft mir wohl der Name Christ, wenn Gott von mir gewichen ist? 5. Wer Gott verläßt und Sünde thut, beraubt sich wahrer Freuden; ihm fehlt Beruhigung und Muth in Trübsal, Schmerz und Leiden. Das Scheinglück, das er sich versprach, läßt nichts als Pein und Ekel nach. Tugend Mittel. 6. Wer Sünde thut, sieht schreckensvoll sein letztes Ende kommen; die Hoffnung, die ihn trösten soll, ist seinem Geist benommen. Er liebte Gott und Jesum nicht, und auf den Tod folgt das Gericht. 7. So folget Trübfal, Angst und Pein dem Laster schon auf Erden. Unendlich größer wird die Pein in jes nem Leben werden. Ach! fürchterlich ist Beides mir! Gott, führ' vom Lafter mich zu dir! 558 8 Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 591. Gerechter Gott, dein Strafgericht entdeckt sich schon auf Erden. Du läsfest, fürchten wir dich nicht, uns hier schon inne werden, daß du auf unsre Thaten siehst und ein gerechter Richter bist, das Böse zu bestrafen. 2. Es klagt uns das Gewissen an, wenn wir dir wi derstreben, und sagt uns, daß wir mißgethan durch unser böses Leben. Es raubet uns die inn're Ruh' und spricht uns die Vergeltung zu, die Missethat verdienet. 3. Oft strafft du hier die Bösen schon für ihre bösen Thaten, du läsfest sie in Schmerz und Hohn und andre Noth gerathen. Hat sie der Sünden Lust erfreut, so müssen fie auch oft das Leid, das sie gebiert, empfinden. 4. Jedoch, o Herr, zur Besserung strafft du noch hier die Sünder und züchtigest zur Heiligung selbst deine schwachen Kinder. Wohl dem! der dir gehorchen lernt, der sich vom Sündenpfad entfernt, so lest, wie Jesus lebte. 5. Den aber trifft ein streng Gericht, das ohn' Aufhören währet, der in der Zeit der Gnade nicht sich recht zu dir bekehret. Kein Gutes mehr, kein Glück, tein Heil, nein! lauter Elend ist sein Theil von innen und von außen. Id om te 6. Herr! dies bezeugt dein klares Wort, wahrhaf tig ist dein Drauen. So hilf, daß wir an jedem Ort den Weg der Sünder scheuen. Erbarm' dich unsrer ins gesammt, daß Niemand unter uns verdammt, ein Seder felig werde! Erwägung der Strafen der Lasterhaften. 559 Mel. Erbarm' dich mein, o ic. 592. Gott, Beherrscher aller Welt! wer böse ist, bleibt nicht vor dir; die Strafe, die du festgestellt, trifft oft die Sünder auch schon hier. Doch oft trågst du auch ihre Schuld, die durch gehäufte Sünden schwer, mit Lang= muth, und rufft mit Geduld Abtrünnige zur Wiederkehr. 2. Allein, wenn sie nun wandeln hin in Habsucht, Unbarmherzigkeit, in Feindschaft, Neid und stolzem Sinn, in Wollust und in Trunkenheit: so sind sie der Verwerfung werth! kann der im Himmel selig seyn, der selbst des Himmels Freude stört? wer Gott nicht liebt? deß Herz nicht rein? 3. Nein! von dem Ungesicht des Herrn verbannt, beraubt der Seligkeit, und von den Tugendhaften fern, empfinden sie mit Recht dort Leid. Haß, Neid, Zorn, Trauren, Furcht und Schmerz, Verzweiflung, Schrecken, Angst und Wuth bestürmen der Verdammten Herz, das nie bei seiner Bosheit ruht. 4. Ein Feuer, welches Gott gedráut, wird ihres Leibes Hölle seyn, und nie wird jemals eine Zeit von diesem Jammer sie befrein. Umsonst ruft da die Angst den Tod, er naget sie und tödtet nicht. O Gott, wie groß ist diese Noth, durch die kein Strahl des Trostes bricht. 5. Hier, Sünder! hast du noch die Wahl, Gott hat dir Beides vorgestellt, den Himmel und die ew'ge Qual; erwähle nun, was dir gefällt. Kann dich die frohe Ewigteit nicht reizen, daß du Gutes thust: so denk' an der Verdammten Leid und fliehe jede böse Lust! 6. Herr Jesu, der du durch dein Blut von meiner Sünden schweren Last und von der ew'gen Höllengluth erbarmend mich erlöset hast, dein Ruf sucht mich von jener Pein noch gnädig hier zurückzuziehn; ach, laß mich dir auch folgsam seyn; gestärkt durch dich, die Sünde fliehn! 7. Regiere mich durch deinen Geist, daß ich stets auf der rechten Bahn, die mir dein Wort zum Leben weist, im 560 Tugend- Mittel. Glauben Liebe üben kann, damit das Ende meiner Zeit mich zu der Schaar der Sel'gen bringt, die dir, von allem Weh befreit, ein neues Lied frohlockend singt. Mel. O Traurigkeit zc. 593. schrecklich Leid der Ewigkeit! das Sünder dort erfahren, die durch keine Zucht von Gott hier zu bessern waren. 2. Durch ihre Schuld von Gottes Huld und Angesicht geschieden, sehn sie nimmer Trost und Licht, haben nimmer Frieden. 3. In dieser Welt( dazu bestellt, daß wir geprüfet werden) haben auch die Bösen noch Theil am Glück der Erden. 4. Hier können sie in ihrer Müh' sich noch des Eitlen freuen, und, wenn das Gewissen plagt, ihr Gemüth zerstreuen. 5. In jener Welt, die nichts enthält für sie an guten Gaben, auch ein'n Tropfen Wassers nicht, sie im Durst zu laben; 6. Da, wo forthin ihr böser Sinn umsonst Zerstreuung suchet: da, da fühlen sie sich ganz von dem Herrn verfluchet. 7. Ihr Wurm, der plagt und sie stets nagt, stirbt nimmer im Gewissen; nie verlischt des Feuers Gluth, das sie leiden müssen. 8. So straft der Herr; gerecht ist er, wahrhaftig ist sein Drauen! Wehe denen, welche doch sein Gericht nicht scheuen! 9. O rette doch, Herr Jesu! noch, die jetzt dir wis derstreben; beff're sie und laß sie dann ewig mit dir leben! Beherzigung des hohen Werths der künftigen Seligkeit. Mel. Von Gott will ich nicht laffen ic. 594. Wie lieblich ist's, dort oben zu wohnen bei dir, Gott! wo Tugendhafte loben dich, ihren Herrn und Gott. Beherzigung der künftigen Seligkeit. 561 Uch wäre ich auch werth, die Krone zu empfangen, die Ruhe zu erlangen, die keine Unruh' stört. 2. Hier habe ich zu streiten noch wider Furcht und Luft; hier stört noch Kampf und Leiden den Frieden meiner Brust; hier schmeck ich wahre Ruh' nicht stets, nur unterweilen; es drohet hier, es eilen noch Schrecken auf mich zu. 3. Dort wird nicht mehr empfunden der Lüste inn'rer Krieg, dort sind sie überwunden, und mich erquickt der Sieg. Da werd' ich dich, mein Gott, mit reiner Seele lieben, nicht mangelhaft mehr üben dein heiliges Gebot. 4. Gott, von den Pilgertagen, die du gezählet hast, hat jeder seine Plagen und die ihm eig'ne Last. Ist dies Anliegen hin, muß ich aufs Undre denken, auf neue Sorgen lenken hier täglich meinen Sinn. 5. Dort werd' ich von nichts wissen, was mir zuwider sen; ich werde Ruh' genießen, von allen Sorgen frei. Was uns beschwerlich fällt in diesem Pilgerleben, wird uns nicht mehr umgeben in jener höhern Welt. 6. Hier muß noch Mancher leben in Noth und Dürftigkeit; was mir das Glück gegeben, verzehrt gar bald die Zeit. Von Allem, was ich hab', kann ich im Tod nichts fassen, zurück muß ich es laffen, bis auf ein Tuch ins Grab. 7. Dort werde ich empfangen statt Armuth Überfluß; ich werd' ein Gut erlangen, das sicher im Genuß, dem nicht mehr droht Gefahr vom Roste und von Schaben, dem Diebe nicht nachgraben, das bleibet immerdar. 8. Hier bin ich oft von Freunden getrennt, in Noth allein; muß oft bei Tugendfeinden zu meinem Schmerze feyn; so Manche, die mir hier des Lebens Müh' versüßen, muß ich oft früh vermissen; der Tod entreißt sie mir. 9. Dort seh' ich fröhlich wieder sie, meine Lieben, all'; bekomm' dort neue Brüder und Freunde ohne Zahl. Die Engel werden sich nicht meines Umgangs schämen, wie Brüder mich aufnehmen und ewig lieben mich. Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. 36 562 Tugend- Mittel. 10. Hier muß ich oft erdulden Verachtung, Schmach und Hohn; mich trifft oft ohn' Verschulden Haß statt der Liebe Lohn. Der Menschen Gunst und Ehr', wie groß sie scheint, wie wichtig, ist wandelbar und flüchtig, ein Schatten und nichts mehr! 11. Dort aber jene Krone bleibt ewig unversehrt, womit an seinem Throne Gott seine Treuen ehrt; kein Auge hat gesehn, kein Ohr hat noch vernommen, es ist in kein Herz kommen, was uns dort wird geschehn. 12. Gott, wenn ich dies betrachte, wie wird mein Geist erfreut! ich sehne mich und schmachte nach jener Herrlichkeit. Der Welt Lust, Geld und Gut ist eitel und betrüget, das Ew'ge nur vergnüget vollkommen Herz und Muth. 13. Ob wir mit Thrånen såen, froh ernten wir doch dort; einst folgt auf unser Flehen dort Jauchzen fort und fort. Hier sey der Trübsal viel; was sind der Erden Leiden doch gegen jene Freuden, die ohne Maß und Ziel! 14. Laß eifrig mich auf Erden dem Ziele jagen nach, und nie verdroffen werden bei allem Ungemach. Hab' ich viel Mühen hier, dort in des Himmels Wohnung wird reichliche Belohnung einst widerfahren mir. 15. Gieb, daß mich nichts abziehe von der gerechten Bahn, daß ich die Wege fliehe, wo man leicht gleiten kann. Die Lüste, welche sich erheben, bald zu dåmpfen, der Tugend Kampf zu kämpfen: dazu, Herr! stårke mich. 16. Wenn ich mit treuem Herzen, was du befiehlst, verricht, werd' ich nach Müh' und Schmerzen dich schaun in jenem Licht; dort, wo die Quelle fließt der Wonne deinen Knechten; dort, wo zu deiner Rechten der Freuden Fülle ist. SHEL 17. Mit Engeln werd' ich singen dir ewig Preis und Dank. Wie lieblich wird erklingen der hohe Lobgesang, das frohe Siegeslied, mit dem man, Herr, dich ehret und deinen Ruhm vermehret in alle Ewigkeit. 18. Auch hier schon will ich loben dich, Vater, Sohn Beherzigung der künftigen Seligkeit. 563 und Geist! für das, was mich dort oben mein Glaube hoffen heißt. Sie kommt, sie kommt, die Zeit, da du von allem Bösen mich völlig wirst erlösen! gieb, daß ich sey bereit! God Mel. Wie schön leucht't uns der zc. 595. Wie wird mir dann, o dann mir seyn, wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, in ihm entschlafen werde! dann, Seele! wirst du, ganz befreit von Sünde und von Sterblichkeit, entfliehen dieser Erde. Freu dich innig; stårke, tröfte dich, Erlöste! mit dem Leben, das die dann dein Gott wird geben. 2. Ich freue mich, und bebe doch; so drückt mich meines Elends Joch, der Fluch der Sünde nieder. Doch du, o Herr! erleichterst mir dies Joch; mein Herz stärkt sich in dir; glaubt und erhebt sich wieder. Durch dich laß mich dahin streben, dir zu leben, dir zu sterben, und dein Himmelreich zu erben. 3. Verachte denn des Todes Graun, mein Geist, er ist ein Weg zu schaun in jenem beffern Leben. Er sey die nicht mehr fürchterlich; zum Allerheiligsten wird dich der Herr dadurch erheben. Hier wird dein Hirt nach den Thränen, nach dem Sehnen dich Erlösten völlig und auf immer trösten. 4. Herr! Herr! ich weiß die Stunde nicht, dich mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Todten sammelt. Vielleicht umgiebt mich ihre Nacht, eh' ich dies Flehen noch vollbracht, mein Lob dir ausgestammelt. Mach' mich fertig, ich befehle meine Seele deinen Händen; laß mich meinen Lauf gut enden! 5. Vielleicht sind meiner Tage viel, ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, so sey mein Leben dir geweiht, bis einst mein Leib zertrümmert. Hilf mir, Herr! dir ganz mein Leben zu ergeben, daß ich droben dich ohn Ende könne loben. 36* In besondern Zeiten. 6. Wie wird mir dann, mein Heiland! seyn, wenn ich, mich deiner ganz zu freun, dich dort anbeten werde! dann bin ich frei von Sünd' und Leid, ein Mitgenoß der Herrlichkeit, nicht mehr gebeugt zur Erde. Preis dir! daß mir durch dein Leiden jene Freuden offen stehen. Ewig will ich dich erhöhen! 564 XIII. Lieder in besondern Zeiten, besondern Fäl len und einigen persönlichen Umständen. 2. In besondern Zeiten. 1. Beim Jahreswechsel. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 596. Du, Gott, du bist der Herr der Zeit und auch der Ewigkeiten! laß mich auch jetzt mit Freudigkeit dein hohes Lob verbreiten. Ein Jahr ist abermal dahin. Wem dank' ich's, Gott, daß ich noch bin? nur deiner Gnad' und Güte! 2. Dich, Ewiger, dich bet' ich an, unwandelbares Wesen! dich, den kein Wechsel treffen kann. Wir wer den, sind gewesen, wir blühen und vergehn durch dich; nur du bist unveränderlich; du warst und bist und bleibest. 3. Herr, ewig währet deine Treu', mit Huld uns zu begegnen; und jeden Morgen wird sie neu, mit Wohl thun uns zu segnen. Ich kenne keinen Augenblick, in dem von ihr nicht neues Glück mir zugeflossen wäre. 4. Du haft auch im verfloss'nen Jahr mich väterlich geleitet; und, wenn mein Herz voll Sorgen war, mit Hilf und Trost bereitet. Von ganzer Seele preif' ich dich. Aufs neue übergeb' ich mich, Gott, deiner weisen Führung. Beim Jahres Wechsel. 565 5. Vergieb mir die bereute Schuld von den verfloffnen Tagen! und laß mich deine Vaterhuld in Chrifto ferner tragen. Laß mich in deiner Gnade ruhn, und lehre lebenslang mich thun nach deinem Wohlgefallen! 6. Gieb neue Lust und neue Kraft, vor dir gerecht zu wandeln. Laß mich, Herr, stets gewissenhaft mit mir und Undern handeln. Dein Geist belebe Herz und Muth, dich, o du allerhöchstes Gut, und nicht die Welt zu lieben. 7. Die Welt vergeht; dies lehre mich, die Luft der Welt zu fliehen. Um beff're Freuden müsse sich mein Geist mit Ernst bemühen. Der Ewigkeit bin ich verwandt, im Himmel ist mein Vaterland; dahin, Herr, laß mich trachten. 8. Olehre selbst mich meine Zeit recht weislich auszukaufen. Laß mich die Bahn der Ewigkeit mit heil'ger Vorsicht laufen. Der Tage Last erleicht're mir, bis meine Ruhe einst bei dir kein Wechsel weiter störet. Mel. O König, dessen Majestät zc. 597. großer Gott! wir danken dir. Dein Name sen gepriesen, daß du uus so viel Wohlthat hier im vor'gen Jahr erwiesen. Gegeben hast du uns dein Wort; die Obrigkeit hat unsern Ort in Friede noch regieret. Du haft gesegnet jeden Stand, uns bei den Werken unsrer Hand versorgt und wohl geführet. 2. Du hast viel Noth und Herzeleid von uns ganz abgewendet; in Undern noch zu rechter Zeit Rath, Hülf und Trost gesendet; haft uns mit deiner Vaterhuld durch deine Langmuth und Geduld zu dir mehr wollen ziehen, daß wir dich liebten und mit Fleiß verrichten möchten dein Geheiß, die Sünde ernstlich fliehen. 3. Doch ist bei uns, wenn wir es bloß uns frei be kennen wollen, in allen dem der Mangel groß, was wir verrichten sollen. Wir haben, Vater ,, unser Gott! ges fündigt wider dein Gebot, sind dir abtrünnig worden; 566 In besondern Zeiten. den Nächsten haben wir betrübt, nicht also wie uns selbst geliebt, in keinem Stand und Orden. 4. Verschon, o Vater! uns, verschon'; straf' nicht, wie wir's verschuldet; gedenke, was für uns dein Sohn, der Mittler hat erduldet; um seinetwillen uns verzeih'; gieb deines Geistes Kraft dabei, uns tåglich zu erneuen, des Nächsten Nuß und deine Ehr' zu suchen und uns dessen mehr, als aller Schåbe freuen. 5. In deine Kirche weit und breit gieb fort die reine Lehre, daß Wahrheit, Lieb' und Einigkeit, auch Gottes: furcht sich mehre. Der Obrigkeit gieb Fried' und Ruh', gut Regiment, auch Kraft dazu, zu schützen Reich' und Arme. All derer, die in Kreuz und Noth gerathen, oder die der Tod erwartet, dich erbarme! 6. Das Jahr laß uns gesegnet seyn vom Anfang bis zu Ende; wenn wir ausgehn oder ein, das libel von uns wende. Laß Alles, was wir fangen an, gesegnet seyn und wohlgethan, wenn wir den Fleiß nicht sparen. Gieb, daß wir, wenn es dir gefällt, uns abzufordern von der Welt, in Frieden zu dir fahren. 7. Gott Vater auf dem höchsten Thron! erhöre unser Flehen; durch unsern Mittler, deinen Sohn, laß alles dies geschehen! hilf uns, o Heiland, Jesu Chrift, der du für uns gestorben bist, daß wir Gott stets gefallen; durch deine Kraft, o heil'ger Geist! zur Frömmigkeit uns Beistand leis', und schenke Trost uns Allen. Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. 598. Hilf, Herr Jesu! laß gelingen, hilf! das neue Jahr geht an; laß mir's neue Kräfte bringen, daß aufs neu' ich wandeln kann; deiner Gute laß, was mein, und auch mich empfohlen seyn; neues Heil und neues Leben wollst du uns aus Gnaden geben. 2. Laß dies seyn ein Jahr der Gnade zur Vergebung meiner Sund'! hilf, das sie mir nicht mehr schade; gieb, daß ich Verzeihung find'! auch durch deine Gnad' verleih', Beim Jahres- Wechsel. 567 daß ich herzlich sie bereu'. Sünde wird durch dich vergeben Allen, die nach Beff'rung streben. 3. Triste mich mit deiner Liebe und erfreue meinen Sinn, wenn ich göttlich mich betrübe und voll Schmerz und Reue bin. Nimm zu Gottes Kind mich an; und was du für uns gethan, laß, wenn Sünd' und Tod mich schrecken, mich zur Zuversicht erwecken. 4. Herr, du wollest Gnade geben, daß dies Jahr mir heilig sey, daß ich christlich möge leben, ohne Falsch und Heuchelei; daß ich auch den Nächsten lieb' und denselben nie betrüb'; daß ich schon allhier auf Erden fromm und selig möge werden. 5. Jesu! segne bis ans Ende dieses angefang'ne Jahr; schüße uns durch deine Hände, bleibe bei uns in Gefahr. Steh' mir bei in aller Noth, auch verlaß mich nicht im Tod. Freudig laß mich dich umfassen, wenn ich soll die Welt verlassen. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herrn 2c. 599. Nun laßt uns freudig treten vor Gott, ihn anzubeten; er ist's, der unserm Leben bis hierher Kraft gegegeben. 2. Wir Erdenpilger wandern von einem Jahr zum andern, und gehn auf unsern Wegen dem Grabe schnell entgegen. 3. Und diese schnellen Tage sind nie ganz frei von Plage. Jedoch bei Noth und Schrecken kann Gott und will bedecken. 4. Wie Våter und wie Mütter in Sturm und Ungewitter, in Nöthen und Gefahren die Kinder treu bewahren: 5. So will auch Gott nicht minder uns, seine schwachen Kinder, wenn Trubsals Wetter blihen, mit feiner Hand beschützen. 6. Beschüber unsers Lebens! ohnmächtig und verge bens war' unser Thun und machen, wo du nicht würdest wachen. QU 568 In besondern Zeiten. 7. Gelobt sey deine Treue, die alle Morgen neue! Lob sey den starken Hånden, die allen Jammer wenden! 8. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib' mitten in allem Kreuz und Leiden die Quelle unsrer Freuden. 9. Gieb, daß bei allen denen, die sich nach Hülfe sehnen, der Glaube sich vermehre, der durch Geduld dich ehre. 10. Schleuß zu die Jammerpforten und laß an allen Orten, wo irgend Thrånen fließen, sich deinen Trost ergießen. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen; laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. 12. Sey der Verlaff'ren Vater, der Irrenden Bera ther, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und habe. 13. Hilf gnådig allen Kranken; gieb fröhliche Ge danken den tiefgebeugten Seelen, die sich mit Schwermuth quålen. 14. Und endlich, was das Meiste, füll' uns mit deinem Geiste, der uns hier stets regiere und einst zum Himmel führe. 15. Das Alles wollst du geben, du Herr von unserm Leben! so werden wir im Segen dies Jahr zurücke legen. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 600. Herr! der da ist und der da war! von Dank er füllten Zungen sey dir für das verfloff'ne Jahr ein heilig Lied gesungen; für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für Ruh' und jede gute That, die uns durch dich gelungen. 2. Laß auch dies Jahr gesegnet seyn, das du uns neu gegeben. Verleih' uns Kraft, du kannst's allein, in deiner Furcht zu leben. Du schüßest uns und du vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zuerst nach deinem Reiche streben. 3. Gieb mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh' und Freuden. Doch schadet mir das Glück der Welt, fo Beim Jahres Wechsel. 569 gieb mir Kreuz und Leiden. Nur stårke mit Geduld mein Herz und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Glücklichern beneiden. 4. Hilf deinem Volke våterlich in diesem Jahre wieder. Erbarme der Verlaff'nen dich und der bedrängten Glieder. Gieb Glück zu jeder guten That, und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsern Fürsten nieder. 5. Laß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle thronen! laß Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohnen! laß Treu' und Liebe bei uns seyn! dies, Vater, wollst du uns verleihn in Christo, deinem Sohne. Mel. Wer nur den lieben Gott c. 601. Gottlob! so geht mit gutem Glücke, und besser, als ich selbst gedacht, der Rest des alten Jahrs zurücke. Gott, der stets für mein Heil gewacht, hat auch durch seine starke Hand manch Unglück von mir abgewandt. 2. Ich trete nun durch seine Güte ein neues Jahr mit Freuden an; ach! daß mein Mund und mein Gesüthe ihn nicht nach Würden preisen kann! Gott thut ja mehr, als ich begehrt, ich bin nicht des Geringsten werth. 3. Das Gute, Herr, kann ich nicht zählen, was mir von dir erwiesen ist; doch preis' ich dich von Grund der Seelen, daß du mein Gott und Vater bist, der hilft und der geholfen hat und helfen wird durch Rath und That. 4. Uch! willst du auf die Sünden sehen, die ich im alten Jahr vollbracht, so kann mir anders nichts gefchehen, als was mir Angst und Schrecken macht. Doch, Herr, gedenk' nicht meiner Schuld; schenk' mir in Christo Gnad' und Huld! 5. In Christo laß mich deinen Segen auch in dem neuen Jahre sehn und es gesund zurücke legen; jedoch dein Bille mag geschehen; denn was derselbe schickt und fügt, mit dem bin ich auch wohl vergnügt. 6. Ich überlaffe dir mein Leben und dessen Länge, Freud' und Noth. Doch willst du mir mehr Jahre ge= 570 In besondern Zeiten. ben, so gieb, daß ich dir bis zum Tod durch Glauben, Lieb' und Hoffnung treu und auch dem Nächsten nützlich sey. 7. Bringt ja dies Jahr mein letztes Ende, so trete solches felig ein. Ich gebe mich in deine Hände, so bleib' ich todt und lebend dein. Es sey mein Wahlspruch für und für: Herr! wie du willt, so schick's mit mir. Mel. Dir, dir Jehovah will ich zc. 602. Herr, den die Sonnen und die Erden durch ihren Bau, voll schöner Pracht, erhöhn! durch dessen Machtwort Welten werden, auf dessen Wink sie wieder untergehn! dein Thron, o Gott, bleibt ewig, ewig stehn; du bleibst derselbe stets, doch wir vergehn. 2. Schon wieder ist von unserm Leben, von unsrer kurzen Vorbereitungszeit, die deine Güte uns gegeben, ein Jahr im Abgrund der Vergånglichkeit. In ihm er zählte jeder Tag der Nacht die Wunder deiner Weisheit, Gut' und Macht. 3. Dir, Gott, geloben wir zu dienen! dann macht uns deine Gnade ferner satt und läßt uns wie ein Garten grünen, den deine Hand sich selbst geflanzet hat! dem frommen Bunde bleib' nur Jeder treu, und Herz und Wandel stimm' dem Munde bei! 4. Gott, schau' herab mit holden Blicken auf unsern König und auf seinen Thron! lehr' du ihn selbst das Land beglücken und sey sein Schuß, sein Beistand und sein Lohn. Fern sey das Ziel, nach dem er wallen soll, und jeder seiner Tage segensvoll. 5. Tritt den Gewaltigen zur Seite, die um den Thron des Landesvaters stehn, daß ihren Anschlag Glück begleite, der Unterthanen Wohlfahrt zu erhöhn. Laß jede Ohrigkeit mit Sorgfalt schaun auf Alles, was das Wohl des Staats kann bau'n. 6. Schenk' echten Eifer unsern Lehrern, zu predigen dein Wort mit Lauterkeit. Mach' sie zu redlichen Bereh rern der Sanft- und Demuth, Lieb' und Frömmigkeit. Beim Jahres- Wechsel. 571 Ihr Pflanzen und Begießen laß gedeihn, daß wir uns ganz der wahren Tugend weihn! 7. Gieb, Gott, daß Weisheit, Fleiß und Tugend stets mehr in allen unsern Schulen blüh', daß man die hoffnungsvolle Jugend zum Heil des Land's und dir zum Preis' erzieh. Breit' allenthalben Ruh' und Wohlfahrt aus! und Dank erfüll' das Land und jedes Haus! 8. Uch, Keinen laß sein Heil verscherzen; Herr, durch dein Wort mach' selbst die Thoren klug! gieb Trost und Kraft bedrångten Herzen und unsern Armen Unterhalt genug. Erhör' uns, der du deine Menschen liebst, und gern uns Gut's um Christi willen giebst! 2. Bei feierlicher Demüthigung vor Gott an Buß- und Bettagen. Litanei. 603. Kyrie, eleison! Ewiger, erbarm' dich! Gnådiger, erbarm' dich! Herr, Herr, erhöre uns! Herr Gott Vater in dem Himmel, Herr Gott, Sohn, der Welt Heiland, Herr Gott, heiliger Geist, Erbarme dich über uns! Sey uns gnådig! verschon' uns, Herr, Herr, unser Gott. Sen uns gnådig! hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor allen Sünden, vor allem Srrthum, vor allem übel, vor des Teufels Macht und List, ver bösem schnellem Tod, vor Theurung und bösen Seuchen, vor Krieg und Blutvergießen, vor Aufruhr und 3wietracht, vor Hagel und Ungewitter, vor Feuer uns Wassersnoth, vor dem ewigen Tod behüt uns, herr, herr, unser Gott! Durch deine heilige Geburt, durch deine Leiden, Ungst und Schweiß, durch deinen Kreuzestod, durch deine Auferstehung und Himmelfahrt in unsrer letzten Noth, am jüngsten Gericht, hilf uns, Jesu, herr und Gott! In besondern Zeiten. Wir armen Sünder bitten: du wolleft uns erhören, Herr, Herr, unser Gott! und die Kirche Jesu Christi beschüßen und vermehren! alle ihre Diener und Glieder im rechten Glauben und heiligem Leben erhalten; alle Zwie tracht und Ärgerniß abkehren; alle Irrige und Verführte wieder zurecht bringen; die Zahl der Frommen täglich mehren; treue Arbeiter in deine Ernte senden; deinen Geist und Kraft zum Worte geben; allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten; allen Königen und Fürsten Frieden, Ruh' und Eintracht geben; unserm König steten Sieg wider deine Feinde gönnen; ihn, den Landesherrn, mit allen seinen Dienern leiten und schützen; unsre Obern, unsern Rath, Schul' und Gemeine segnen und behüten; Allen, die in Noth und Gefahr sind, mit Hülf' erscheinen, alle Schwangere glücklich entbinden, und zur Erziehung der Jugend Segen und Gedeihen geben; aller Schwachen und Kranken dich gnädig annehmen; alle Unterdrückte retten und befreien; alle Witwen und Waisen beschirmen und versorgen; aller Menschen dich erbarmen; unsern Feinden, Verfolgern und Låsterern vergeben und sie bekehren; die Früchte auf dem Lande geben und bewahren, und uns gnådiglich erhören! Erhör' uns, herr, Herr, unser Gott! O Jesu Christe, Gottes Sohn, erbarme dich über uns! o du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trågt, erbarme dich über uns! o du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trågt, erbarm' dich über uns! o du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trågt, gieb uns deinen Frieden! Herr, Herr, erhöre uns, Ewiger, erbarm' dich, Herr, Herr, erbarm' dich, Ewiger, erbarm' dich unsrer! 572 Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 604. Du Gott, der unsre Zuflucht ist, Gott, unfer Mittler, Jesus Christ, Gott, heil'ger Geist der Gnaden! Unendlicher! verwirf uns nicht; wir kommen vor dein Un Bußtagen. 573 Ungesicht, mit Sündenschuld beladen. Verbirg uns nicht dein Angesicht und geh' mit uns nicht ins Gericht! 2. Wir haben unsern Bund entweiht, gebrochen unsern theuren Eid und deinen Weg verlassen. Doch sieh'! wir kehren voller Reu' zurück zu dir; o laß aufs neu' uns deine Rechte faffen! Verzeih' durch Jesum alle Schuld und schenk uns deine Baterhuld! 3. In deiner Hand ist unser Land; beglück' es, segne jeden Stand, laß es stets Ruh' genießen. Wend' ab von uns durch deine Hut der Flammen Grimm, den Zorn der Fluth, des Krieges Blutvergießen! sey rettend mit uns, wenn die Noth des Mangels und der Seuchen droht. 4. Sohn Gottes! der auf Erden kam und unsre Schwachheit auf sich nahm, um uns Gott zu versöhnen; der durch den Tod ins Leben drang, sich dann zur Rechten Gottes schwang, wo Ehr' und Preis dich frönen, vertritt uns und verlaff uns nicht im Tod, im Grab, im Weltgericht! 5. Gieb Geist und Kraft zu deinem Wort, und gieb, daß es an jedem Ort mög' ausgebreitet werden. Verbinde deine Christenheit durchs Band der Glaubens- Einigkeit je mehr und mehr auf Erden. Erhalte deiner Frommen Schaar, schütz' sie vor Irrthum und Gefahr. 6. Laß in der Lehr' und Wandel rein die Diener deines Wortes seyn; schenk ihrem Vortrag Segen! uns leite, Gott, dein guter Geist, und was dein Wort ver= spricht und heißt, sey Licht auf unsern Wegen; und bringe zu der Wahrheit Glück, die auf dem Irrweg sind, zurück. 7. Auch die Regenten lenke du, daß sie durch Weisheit, Tugend, Ruh' der Länder Wohlstand heben. Dem König, der uns schützt und liebt, gieb, der in ihm so viel uns giebt, das beste, långste Leben. O schütt' auf ihn und auf sein Haus und seine Råthe Segnung aus! A 8. Vernimm der Leidenden Gebet! wer in Gefahr und Noth dir fleht, dem hilf aus seinen Nöthen! gieb Kranken Linderung und Ruh'; die Sterbenden erlöse du; 574 In besondern Zeiten. erhör' ihr letztes Beten! sey aller Unterdrückten Heil, der Witwen und der Waisen Heil! 9. Du thuft weit mehr, als wir verstehn, kannst mehr gewähren, als wir flehn; laß uns Erhörung finden! Laß uns nun ganz dein eigen seyn, im Leben und im Tode dein, und mach' uns rein von Sünden. Herr, unser Gott, erbarme dich; vergieb uns; leit' uns väterlich! Mel. So wahr ich lebe, spricht dein Gott zc. 605. Gott Vater! denk' an Christi Tod, an seinen theuren Mittlertod; durch ihn, der sich zum Heil der Welt, zum Menschenretter dargestellt, hilf uns, und zeig' uns jederzeit ein Antlitz voll Barmherzigkeit! 2. Die Obern leit' mit deiner Hand, beschük' und segne unser Land, Gedeihen gieb zu deinem Wort, wend' ab Pest, Theurung, Krieg und Mord; auch Allen, die in Angst und Pein, wollst du ein naher Helfer seyn. 3. O du, der stets so gnådig war, erhör' uns und sieh' immerdar mit Huld auf uns von deinem Thron durch Jesum Christum deinen Schn, bis dich, Gott, Vater, Sohn und Geist, dort unser Loblied ewig preist. Mel. Straf mich nicht in deinem zc. 606. Heil'ger Gott! hier stehen wir, ach! beschwert mit Sünden. Vater, laß uns doch vor dir Gnade wie der finden. Ins Gericht führ' uns nicht! laß uns nicht verderben, ach! nicht ewig sterben. 2. Rein, von keiner Sünd' entweiht, ist von uns nicht Einer. Unbefleckter Reinigkeit kann sich rühmen Reiner. Es ist hier, Gott, vor dir keine Menschen- Seele, die nicht oftmals fehle. 3. Denen doch, die ihre Schuld wehmuthsvoll be reuen, sehnend suchen deine Huld, willst du gern verzeihen. Unser Schmerz rührt dein Herz und du willst der Armen gnådig dich erbarmen. 4. Wer mit wahrer Lauterkeit zu dir, Herr, gegans gen, hat noch stets Barmherzigkeit statt des Rechts em An Bußtagen. pfangen. Fahre fort, unser Hort, Langmuth auszuüben und die Welt zu lieben. 5. Durch den Mittler, welcher starb, uns dir zu verföhnen, durch den, der uns Heil erwarb, ruf' nach unserm Sehnen, Vater du, uns auch zu: Alles ist vergeben; Sünder, ihr sollt leben! ant 575 6. Unverstellt geloben wir, dich), Herr, stets zu lieben. Auch den Nächsten wollen wir nun nicht mehr betrüben. Unser Gott bist du; Gott! lehr' uns deinen Willen täglich mehr erfüllen. 8. Hilf uns kämpfen, daß wir, Herr, uns selbst überwinden. Mach' uns täglich heiliger, frei von allen Sünden. Ewig dein laß uns seyn, und uns dich zu lieben, ewig, ewig üben. Am Gedächtnißtage einer erlittenen Seuersbrunst. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sind zc. 607. Ach Gott, wir denken heut' daran, was du an diesem Ort gethan, da er durch Feuer ward erschreckt und zur Bekehrung aufgeweckt. 2. Vor deinem heil'gen Angesicht erkennen wir, daß dies Gericht wir långst, mit Sünden ohne 3ahl, verdienet hätten abermal. 3. Doch du strafft nicht nach unsrer Schuld. Mit großer Langmuth und Geduld verschonst du uns in deinem Sohn mit dem verdienten Sündenlohn. 4. Wir danken dirs, Herr Jesu Christ, der du auch unser Mittler bist, daß du die Noth von uns gekehrt, die eh'mals unsern Ort verheert. 5. Trag' uns erbarmend fernerhin. Doch gieb uns auch dabei den Sinn, daß wir mit Ernst die Sünde scheun und willig dir gehorsam seyn. 6. Ja! Vater, reich an Gnad' und Treu', mach' du selbst unsre Herzen neu, und laß in steter Furcht und Lieb' uns folgen deines Geistes Erieb. In besondern Zeiten. 7. Behüte unsern Ort und Land vor bösen Seuchen und vor Brand; auch Krieg und Theurung von uns fehr'; ein selig Ende uns bescher'. 576 8. Und wenn des letzten Feuers Gluth verzehret alles Erdengut, dann laß uns reich seyn, Herr, in dir, und mit dir leben für und für. 3. Des Morgens. Mel. Nun last uns Gott, dem Herrn 2c. 608. Wady' auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, der Menschen treuem Hüter. 2. Als nächtliche Gefahren verborgen um mich waren, als ich nicht sah, nicht dachte, warst du's, der für mich wachte. 3. Ja, Vater, fen gepriesen! ich konnte fröhlich schließen mein Auge. Auch im Schlummer bewahrst du uns vor Kummer. 4. Mit göttlichem Erbarmen bedeckest du mich ArSchlaf', sprachst du, ohne Grauen; die Sonne sollst du schauen. men. 5. Dein Wort, Herr, ist geschehen; ich kann das Licht noch sehen. Du machst, daß ich aufs neue mich meines Lebens freue. 6. Du willst ein Opfer haben; hier bring' ich meine Gaben: der Leib, die Seel', das Leben sey dir ganz übergeben. 7. Hor' meinen Dank, mein Flehen! du kannst ins Herz mir sehen, und weißt, daß ich zur Gabe für dich richts Beffres haben. 8. Dein Werk wollst du vollenden; dich nimmer von mir wenden, und mich in meinen Tagen stets mit Verschonen tragen. 9. Du selber wollst mir rathen in allen meinen Thaten; zu jeglichem Geschäfte gieb Muth, Berstand und Kräfte. Des Morgens. 577 10. Auf allen meinen Wegen begleite mich dein Segen. Dein Wort sey meine Speise auf meiner Lebensreise. 609. Aus meines Herzens Grunde sag' ich dir Lob und Dank in dieser Morgenstunde, ja all' mein Lebelang. O Gott, vor deinen Thron komm' ich, dich zu verehren; du wirst mein Flehn erhören durch Christum, deinen Sohn. 2. Dir, der du mich aus Gnaden in der vergang'nen Nacht vor Schrecken, Angst und Schaden so väterlich bewacht, dank' ich, und bitte dich, du wollest mir verges ben, womit ich je im Leben gesündigt wider dich. 3. Du wollest auch behüten mich gnädigst diesen Tag vor aller Feinde Wüthen, vor Sünden und vor Schmach, vor Feu'r und Wassersnoth, vor Darben und vor Schanden, vor schweren Kreuzesbanden, vor bösem, schnellem Tod. 4. Den Leib, die Seel', das Leben, mein' Ehr' und Gut bewahr. Ich will dir übergeben jeßund und immer dar, als dein Geschenk und Gab', die Obern und Verwandte, die Freunde und Bekannte und Alles, was ich hab'. 5. Laß deinen Geist stets bleiben und wirksam seyn in mir, mich stärken und mich treiben, daß ich, so lang' ich hier nach deinem Rath noch wall', mein Christenthum treu übe, daß ich aus deiner Liebe durch Lafter nimmer fall'. 6. Gott, leite mich aus Gnaden auf meinem Pilgerpfad im Denken, Wort und Thaten nach deinem weisen Rath; dir hab' ich heimgestellt den Leib, den Geist, das Leben, und was du mir gegeben; mach's, wie es dir gefällt. 7. Sm Glauben sprech' ich) Amen, und zweifle nicht daran, du nimmst in Jesu Namen mein Flehen gnädig an. Was mir befiehlt mein Stand, verricht' ich nun mit Freuden, dein Segen wird begleiten die Werke meiner Hand. Mel. Herzliebster Jesu, du hast zc. 610. In dieser Morgenstunde will id) loben dich, Gott, für deiner Huld und Liebe Preben, will ich auch heute dankbar mich beweisen und froh dich preisen. Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 37 In besondern Zeiten. 2. Du hast ans Licht auch mich, Herr! lassen kome men, in dein Reich durch die Taufe aufgenommen, und låsfest mich Vergebung meiner Sünden durch Jefum finden. 3. Du hast mir deinen guten Geist gegeben, der mich hier lehret, fromm und gut zu leben, damit ich kann mit kindlichem Vertrauen zu dir aufschauen. 4. Du hast mich allzeit väterlich ernähret, was ich bedurft, mir immer noch bescheret; oft, wenn auch eine Noth mich hat berühret, herausgeführet. 5. Daß du stets wachst, die Deinen zu bewahren, hab' ich auch noch in dieser Nacht erfahren; vor allem Unfall hast du mich bedecket und froh erwecket. 6. Herr, mit meinem Munde und Gemüthe erzähl' und rühm' ich deine große Güte, die ich empfangen hab' an allen Enden aus deinen Händen. 7. Ich bitt', du wollest über mich fort walten, und mich auch heute diesen Tag erhalten, damit der, welcher nachstellt meinem Heile, mich nicht ereile. 8. Erhalte mir das beste Glück des Christen, ein. reines Herz, das, von den bösen Lüsten und ihrer Herre schaft frei, nur deinen Willen wünscht zu erfüllen. 9. Herr, laß in deinen Schutz seyn eingeschlossen den Leib, die Seele, Freunde, Hausgenossen und was ich sonst durch deine milde Gabe auf Erden habe. 578 10. Die Obrigkeit beglück in ihrem Stande; gieb Frieden und Gedeihn im ganzen Lande; behüt' uns aller seits, o Herr, aus Gnaden vor Schand' und Schaden. 11. Du wolleft auch an diesem Tag mich stärken in meinen Standes- und Berufes- Werken. Ja, segne fie; laß mich in ihnen allen dir wohlgefallen. 12. Bulegt verleih', wenn ich aus diesem Leiden, es sen heut', oder morgen, werde scheiden, daß ich auf Christi Tod mag selig sterben, den Himmel erben. 13. So bin ich dann an Leib und Seel' genesen und nicht vergebens in der Welt gewesen; ich bin in Ruh'; die Kampfs- und Prüfungsstunden sind dann verschwunden. Des Morgens. 579 14. Erhör' mich, Vater, den ich mit dem Sohne und heil'gen Geist verehr' auf einem Throne; laß Alles, was ich jetzt von dir begehret, mir seyn gewähret. 611 Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist! der den Tag und Nacht låßt werden, Mond und Sonne scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was in ihr ist, erhält; 2. Gott! ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Ungst, Noth und Schmerzen treu hehütet und bewacht, und bei aller meiner Schuld mich noch trägst mit Vaterhuld. 3. Laß in mir die Lust zu Sünden jetzt mit dieser Nacht vergehn! o Herr Jesu! laß mich finden deine Wunden offen stehn; da alleine Hülf' und Rath ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag, und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sey und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort; nirgends, als bei dir allein, kann ich recht bewahret seyn. 6. Meinen Leib und meine Seele fammt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm! nimm mich auf, dein Eigenthum. 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlåg' von mir wende, und mich halt' in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh' bringe nach dem Himmel zu. 8. Hore, Gott, was ich begehre, Vater, Sohn und heil'ger Geist! meine Bitte mir gewähre, der du selbst mich bitten heißt: so will ich dich hier und dort herzlich preisen fort und fort. 37* In besondern Zeiten. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 612. Nun tret ich wieder aus der Ruh' und gehe dem Geschäfte zu, das mir ist auferleget.. Ich weiß nicht, was an diesem Tag mir Alles noch begegnen mag! doch weiß ich: Gott selbst wåget mein Schicksal ab; und recht und gut ist Alles, was er schickt und thut. 2. Sst meine Bürde täglich neu, so will mich auch mein Gott aufs neu' recht väterlich versorgen. Obgleid) mein Herz noch nicht vernimmt, was mir für diesen Tag bestimmt. Ob denn auch jeder Morgen mich führt zu neuer Last und Müh'; Gott stärkt mich und versüßet sie. 3. Wie oft, wenn ich bei mir gedacht: ach! wår der saure Tag vollbracht, getragen seine Bürde! hat mich der Abend überführt, daß du mich, Hochster, wohl geführt, daß deine Hand die Bürde erleichtert und auf fteilem Pfad mich kräftig unterstützet hat. 4. Weil ich denn deß versichert bin, so geh' ich auch mit frohem Sinn dem neuen Tag entgegen. Bringt er auch neue Laft mit sich, du, Herr der Welt, begleitest mich mit deiner Kraft und Segen. Ich tret den Lauf mit Freuden an und scheue nicht die steile Bahn. 580 5. Ich bin getrost und habe Muth; was könnte unter Gottes Hut mir Widriges geschehen! doch, daß ich deß versichert sey, muß ich von Sünden leben frei und Gottes Wege gehen. Die das thun, trennet nichts von Gott, nicht Freud' und Glück, noch Leid und Tod. 6. Darum, mein Gott, leit' meinen Fuß; lehr' du mich, wie ich wandeln muß, und läut're mich von Sün den; wenn deine Hand mich stärkt und hält, werd' ich die Luft und Last der Welt auch heute überwinden. Entgegen geh' ich so dem Tag, und fürchte nicht, was kommen mag. 7. Ich weiß, du hast, Ullgütiger, mit Vaterhuld und nicht zu schwer die Last mir zugewogen. Zur schwer ften Pflicht in meinem Stand stärkst du mich mit der Baterhand, die du mir nie entzegen, mit der du mich von Ingend auf geleitet haft in meinem Lauf. Des Morgens. 581 8. Dir übergeb' ich, was nur mein; laß es in deine Arme seyn auch heute eingeschlossen; ach! stärke mich, daß ich dir treu in diesem Pilgerleben sey, und, wenn es nun verflossen, dann führe mich ein sanfter Tod ins rechte Leben zu dir, Gott! Mel. Nun fich der Tag geendet zc. 613. Shr alle, die ihr jetzt erwacht, erhebt den Herrn, erfreut! ihn, dessen Güte Tag und Nacht sich über uns erneut. 2. Ihm, dessen Arm die Welt umfaßt, mein Geist, lobfing' auch du! ihm, der mich führt nach sanfter Raft dem neuen Tage zu, 3. Noch hab' ich des Verstandes Licht, kann hören noch und sehn; gelähmt ist Hand und Zunge nicht; ich kann noch stehn und gehn. 4. Du, Schöpfer, der mir Alles gab, Kraft, Sinne und Verstand, du hast's erhalten, was ich hab', durch deiner Ullmacht Hand. 5. Ja, sie war's, deine Vaterhand, die mich ans Licht gebracht, die allen Schaden abgewandt in der verfloff'nen Nacht. 6. In deinem Schuße schlief ich ein; und Feinde konnten nicht mit Macht und List mir häblich seyn, die sie auf mich gericht't. 7. Vor Rauben und vor Feuersnoth hast du mich), Herr, beschützt; gieb ferner nun, was bis zum Tod mir und den Meinen nützt. 8. Hilf mir, daß ich aus frohem Dank dir Leib und Seele weih'; nach Jesu Beispiel lebenslang im Wohlthun eifrig sey. 9. Gedenke, Herr, auch heut' an mich, an diesem ganzen Tag, und wende von mir gnädiglich Noth, Jame mer, Ungst und Plag'. 10. Laß mich mit Vorsat keine Sünd' an diesem Tag begehn; wie stark auch ihre Reize sind, ihr dennoch widerstehn. In besondern Zeiten. 11. 3ich' immer mehr mein Herz hier ab von aller Eitelkeit durch die Gedanken an mein Grab, an Tod und Ewigkeit. 582 Mel. Ich dank' dir schon zc. 614. Mein erst Gefühl sey Preis und Dank! erhebe Gott, o Seele; der Herr hört deinen Lobgefang; lobfing' ihm, meine Seele! 2. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, mein Leben zu bewahren? wer stårkt mein Blut in seinem Fleiß? wer schüßt mich in Gefahren? 3. Wer lehrt dem Auge seine Pflicht, daß sich im Schlaf bedecket? wer ist es, der beim Morgenlicht die Schlafenden erwecket? 4. Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben! Du bist es, der es uns erhält und mir's jetzt neu gegeben! 5. Gelobet seyft du, Gott der Macht, gelobt sey deine Treue! daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue. 6. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen; und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen. 7. Nimm meines Lebens gnädig wahr; auf dich hofft meine Seele. Sey mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 8. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb' und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn' und willig thue. 9. Daß ich, als ein getreuer Knecht, nach deinem Reiche strebe; gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe. 10. Daß ich, dem Nächsten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue; mich gern an Andrer Wohlergehn und ihrer Tugend freue. Des Morgens. 583 11. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutst, beschließe. Mel. Herzlich thut mich verlangen ze. 615. Erhebt ihn, meine Lieder, ihn, der den Tag gemacht! dankt ihm, dem Menschenhüter, der allzeit für uns wacht; der uns im Schlaf erquicket und unsre Kraft erneut, Gott, der die Erde schmücket und, was er schuf, erfreut. 2. Der Engel heil'ge Heere erhöhn ihn mit Gesang; auf! singt in ihre Chöre, in ihrer Jubel Klang! wer wollte Gott nicht lieben, wer ihm sein Herz nicht weihn? sich nicht in Tugend üben, um ihm recht werth zu seyn? 3. Auch mir haft du gegeben, Herr, was ich hab' und bin; doch dies mein irdisch Leben flicht schnell zum Tode hin. Bald ist sie ganz verschwunden, die Vorbereitungszeit; doch hångt an ihren Stunden das Heil der Ewigkeit. 4. O süßer, hoher Glaube: im Tod nicht ganz vergehn! nein, ich, der Mensch vom Staube, soll wieder auferstehn. Laß mich dies nie vergessen! und, dieser Hoff nung voll, bedachtsam stets ermessen, was ich einst wer den soll. 5. Getrost, mein Geift! ermüde im Zugendeifer nicht, dich stårket Gottes Friede mit Kraft und Zuversicht. Ers muntre dich und streite! des Sieges Lohn ist nah'! ge= trost! vielleicht ist heute des Kampfes Ende da. Mel. Wie schön leucht't uns der zc. 616. Dich seh' ich wieder, Morgenlicht, und freue mich der edlen Pflicht, dem Höchsten Lob zu singen. Ich will, entbrannt von Dankbegier, o mildester Erbarmer, dir mit frohem Muth lobsingen. Schöpfer! Bater! deine Treue rührt aufs neue mein Gemüthe, froh empfind' ich deine Güte. 2. Du warst auch diese Nacht um mich. Was wär' ich, hättest du dich nicht so hülfreich mir bewiesen? 3u 584 In besondern Zeiten. meinem Leben setzest du jegt einen neuen Tag hinzu; sey hoch dafür gepriesen! durch dich bin ich, und ich merke neue Stärke, dich erhebe meine Bunge, weil ich lebe. 3. Verleih', o Gott der Lieb' und Macht, daß Sünd' und Gram, wie diese Nacht, auf ewig von mir fliehe; daß ich die kurze Lebenszeit in christlicher Zufriedenheit zu nutzen mich bemühe. Prüfe, siehe, wie ich's meine; dir ist keine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht, verborgen. 4. Ich bin ein Christ; o Herr, verleih', daß ich des Namens würdig sey! mein Ruhm ist deine Gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? ein Irrender; erhalte mich, mein Hirt, auf deinem Pfade. Stärk mich, daß ich stets mich übe, deine Liebe zu betrachten, über Alles dich zu achten. 5. Uuch im Geräusch der Welt soll mich der heilige Gedank an dich oft still zu dir erheben. Ich walle nur als Pitger hier; einst führst du mich hinauf zu dir, hinauf ins rechte Leben. Auf dich hoff' ich, Herr! ich werde mich der Erde gern entschwingen, die dort ewig Lob zu singen. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 617. Erwacht aufs neue, Gott, bin ich, erwacht durch deine Güte. Hier steh ich nun und preise dich mit fröhlichem Gemüthe. Herr, wer ermißt, wie gut du bist, wie weit dein Wohlthun reichet, dem keine Gute gleichet! 2. Erwacht und rege ist die Welt, die Todesstille deckte. Wer ist, der die Geschöpfe zählt, die dieser More gen weckte, die nach der Ruh' dem Tage zu, mit Lust und Wohlgefallen von dir belebet, wallen! 3. O daß der Menschen keiner wär' bis an der Erden Ende, der deine Huld, Ullgütiger, nicht dankbar froy empfande! dem nicht die Brust voll frommer Lust zu dir, Quell aller Güte, voll Dank und Liebe glühte! 4. Dem, der noch ungebessert ist, noch fühltos, noch verblendet, verlångre doch die Gnadenfrist, die er bisher verschwendet: er wird, vielleicht doch noch erweicht, dir ganz sich zu ergeben; darum laß ihn noch leben. Des Morgens. 585 5. Den, der sich deiner Gnade freut, stårk, Herr, durch deine Güte, damit sein Herz zu keiner Zeit im Tugendfleiß ermüde. Daß überall der Frommen Zahl noch täglich größer werde: dies Glück gewähr' der Erde! 6. Dem, der bedrångt und unerquickt im Stillen seufzt und thrånet, der nirgend hier den Trost erblickt, mach dem sein Herz sich sehnet, dem schenke du selbst Trost und Ruh'; ja, thue wohl an Allen, die auf der Erde wallen. 7. Dem Sterbenden versüße, Gott, den Schmerz der letzten Stunden; bald sey der Kampf und mit dem Tod nun all sein Leid verschwunden! Leicht mach' mir, Gott, auch meinen Tod, und laß mich mit den Meinen dort froh vor dir erscheinen. Mel. Christus, der ist mein Leben zc. 618. Noch läßt der Herr michy leben; mit fröhlichem Gemüth eil' ich, ihn zu erheben, er hört mein frühes Lied. 2. 3u ihm erhebt mich wieder der Morgensonne Pracht, ich falle vor ihm nieder, der sie und mich gemacht. 3. Du, Herrscher aller Welten, nimmst dich auch meiner an; wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? 4. Soll ich Altåre bauen, und opfern, Herr, vor dir? nein! du willst nur Vertrauen und Liebe, Gott, von mir. 5. So will ich dir lobsingen, mich deiner Güte freun; aus Liebe zu dir ringen, ein Menschenfreund zu seyn. 6. So, Tilger meiner Sünden, mein Mittler, Jesus Chrift, kann ich den Trost empfinden, daß du mir gnå< dig bist. 7. Dir hab' ich mich ergeben, ich freue mich in dir; erfreuender als Leben ist deine Güte mir. 8. Sie führe mich auch heute auf wahrer Tugend Pfad; du, Ewigweiser! leite mich selbst nach deinem Rath. 9. Nur Eins sen mir gewähret: das christlich weise Herz, das dich demüthig ehret in Freuden, wie im Schmerz; 10. Daß ich am ersten trachte nach dem, was dir gefällt; mehr deinen Beifall achte, als allen Ruhm der Welt; In besondern Zeiten. 11. Daß ic), dir innig trauend, das Gute standhaft thu, und, früh gen Himmel schauend, denk': Herr, mich fieljest du! 586 12. Bereit, den Lauf zu schließen auf deinen Wint, mein Gott! und schuldlos im Gewissen: so finde mich der Tod! Mel. Aus meines Herzens 2c. 619. Des Morgens erste Stunde will ich, mein Gott, dir weihn. Mein Herz stimmt mit dem Munde zu deinem Lobe ein. Ja, laß den ganzen Tag mich so vor dir, Herr, wandeln, daß ich nicht bloß fromm handeln, nein, auch fromm denken mag. 2. Fromm laß mich, doch gesellig; klug, doch von Falschheit rein; freimuthig, doch gefällig, und stark zur Tugend seyn; auch standhaft in der Noth; kein Zorn schwach meine Liebe, kein Ernst der Sanftmuth Triebe, kein Scherz die Furcht vor Gott. 3. Was dein Gebot verletet, laß nie mit Luft mich schaun; wenn es die Welt ergotzet, erweck es mir doch Graun. Schnell wirkt des Lasters Gift. Nichts, nichts sey mir verhaßter; doch), daß mein Haß das Laster, nicht meinen Mitknecht trifft. 4. Des Nächsten Ehre schmålern, entehrt mein Christenthum. Ein Ruhm aus fremden Fehlern ist Schande und kein Ruhm. Laß mich das Richten fliehn; nie schlimm, was gut ist, deuten; und, seh' ich Anore gleiten, es jedem Aug' entziehn. 5. Bei Fleiß und Arbeit schleiche kein Geiz sich in mein Herz, und fremde Noth erweiche mich leicht zu edlerm Schmerz. Kein Glück, das Undern blühi, empère mich zum Neide, und kein Genuß der Freude verzärtle mein Gemüth. 6. Gieb, daß an diesem Tage sich mir kein Unfall naht, und trifft mich eine Plage nach deinem weisen Rath: so gieb, daß ich alsdann mein Leiden nicht verschulde, nicht murre, christlich dulde, froh dir vertrauen kann. Des Morgens. 587 7. Wie bald ist überwunden das Leiden dieser Zeit! auf wenig bange Stunden folgt Glück in Ewigkeit. Dies stärket mich in Noth, daß ich nicht ängstlich zage. Um legten meiner Tage giebt dies mir Muth im Tod. Mel. Gott des Himmels und der zc. 620. Dank sey dir, ich lebe wieder, Vater, und empfinde mich! mit mir wachen meine Lieder wieder auf und preisen dich, dessen Auge in der Nacht mich, den Schlafenden, bewacht. 2. Einst schläft so mein Leib im Grabe nach volls brachter Pilgerzeit; modert zwar, doch wie ein Same keimt er für die Ewigkeit, bis auch jene lange Nacht der Verwesung ist vollbracht. 3. Dann erwacht mein Staub auch wieder, Jesu, neu belebt von dir. Herrlicher sind dann die Glieder, Alles ist verklärt an mir. Ganz unsterblich werd' ich seyn, ewig nicht mehr schlafen ein! 4. Wach' auch über meine Tage, Jesu, meine Zuversicht, daß mich keiner einst verklage, wenn du kommst zum Weltgericht; daß ich meiner Pflicht hier treu und dort unerschrocken sey. 5. Keinen Tag zählst du vergebens, Gott, durch den ich bin, mir zu. Jeder ist ein Theil des Lebens; jeden, jeden richtest du. Lehr' mich wachen, daß mir nie ungenützt ein Tag entflieh'. 6. Heute leb' ich; laß auch heute nicht umsonst mein Leben seyn! laß mich nach vollbrachtem Streite mich auch dieses Tages freun! Recht zu handeln, gieb mir heut' Stärke, Lust, Gelegenheit! 7. Segne mich, Herr, und die Meinen, stärke unfer Freundschaftsband; Traurigen laß Trost erscheinen, Trost, den oft mein Herz empfand. Segen fließ' aus deiner Hand jedem Menschen, jedem Stand! In besondern Zeiten. Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 621. Wenn ich einst von jenem Schlummer, welcher Tod heißt, aufersteh', und, von dieses Lebens Kummer frei, den schönern Morgen seh': o! dann wach' ich anders auf; schon am 3iel ist dann mein Lauf; Sorgen, die mich ångstlich machten, werd' ich dann für Träume achten. 588 2. Gieb, daß keiner meiner Lage, Geber der Unsterblichkeit! im Gericht mich einst verklage: er sey ganz von mir entweiht. Auch noch jetzt bin ich erwacht; Dank sen deiner Güt' und Macht! laß mich heilig und im Segen diesen Tag zurücke legen. 3. Daß ich nicht untröstbar zittre, wenn mein letter Tag erscheint; mich nicht Höllenangst erschüttre, wenn mein Freund nun um mich weint: o! so lindre mir die Pein, laß mein End' ihm lehrreich seyn, daß ich ihn zum Himmel weise und dich, Herrn den Todes, preise. Morgenlied eines Kranken. Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 622. Sch auch, sind gleich matt die Glieder, sehe nach vollbrachter Nacht nun die Morgensonne wieder, welche Alles munter macht; darum fang' ich freudig an, so viel ich in Schwachheit kann, diesen Tag mit Beten, Singen und mit Andacht zuzubringen. 2. Daß ich jetzt mich krank befinde, Herr! das ist dein Will' und Rath, welcher mir, als deinem Kinde, dieses zugeschicket hat; nun, ich nehme es auf mich, ja, ich trag' es williglich; was du pflegeft aufzulegen, ist nicht ohne Gnad' und Segen. 3. Dieser Tag ift angefangen, weil mich deine Gnad' erhält. Laß mich auch das End' erlangen, wenn es dir, mein Gott! gefällt. Lindre mir so Schmerz, als Noth; ach, mein Vater, Herr und Gott! Jesu, meiner Seelen Sonne! schenke mir heut' Trost und Wonne! Des Morgens. 589 4. Doch dein Wille soll geschehen, Herr! dein Wille nur allein. Wie du willst, so soll mir's gehen, so will ich zufrieden seyn. Ich will leben, wenn's dein Will', auch im Tod halt' ich dir still, ich will mich zum Tod und Leben dir hiemit, mein Gott! ergeben. 5. Segne meine Arzeneien, stärke muh je mehr und mehr, laß dieselben mir gedeihen, Herr! zu deines Namens Ehr'; hör' in Gnaden mein Gebet, wenn ich glaus big vor dich tret', daß ich dich im Glauben fasse und mich fest auf dich verlasse. 6. Vater! auch an diesem Tage bleibe bei mir in der Noth; die Verkürzung meiner Plage, durch Genes sung oder Tod, Herr! die überlaff' ich dir; wie du willst, geschehe mir. Dein bin ich mit Leib und Seele, du bist's, dem ich mich befehle. 4. Des Abends. 623. Werde munter, mein Gemüthe, du, mein Geist, erwach' in mir! preise deines Gottes Güte, unvergeßlich sen sie dir! rühme es und denke nach, wie er auch noch diesen Tag mich genährt und unterstüßet, mich erfreuet und beschüßet. 2. Lob und Dank sey dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit! was ich vornahm, ist gelungen, du hast mich von herbem Leid, in Gefahren mancher Art heute våterlich bewahrt, manche Freaden mir verlichen und vers süßet meine Mühen. 3. Gott, ich kann nicht ganz verstehen, wie viel deine Güte that, noch das alles übersehen, was sie abe gewendet hat! Deiner Wunder sind zu viel! Wer ist, der ermessen will, wie du deine Welt regierest, wie du deine Menschen führest! 4. Dieser Tag ist nun vergangen, und die stille Nacht bricht an. Mit inbrünstigem Verlangen fleh' ich dich, mein Vater, an: sey mir gnädig und verleih', daß 590 In besondern Zeiten. mein Herz versichert sey deiner Huld, die Fromme schützet, wenn dein Zorn auf Sünder blitet. 5. Herr! verzeihe mir aus Gnaden alle Schuld und Missethat, du, der keinen, der beladen zu dir kam, verworfen hat, nicht den Tod der Sünder willst, sondern den mit Troft erfüllst, der bußfertig und mit Beten wird zu deinem Throne treten. 6. Bin ich von dir abgewichen, Herr, da ist mein Herz aufs neu'! stårk' mich, den Veränderlichen, daß ich künftig treuer sey; daß mir deine Vaterhuld schenkt ſo manche Sündenschuld, sell mich mehr zum Haß der Sünden, mehr zu deiner Lieb' entzünden. 7. Du, o Retter meiner Seele, Stifter meiner Se ligkeit, bist es, dem ich mich empfehle auf die ganze Pil gerzeit. Blicken soll mein Geist in mir auf zum Himmel, auf zu dir; schauen, wenn es um mich trube, in die Tiefen deiner Liebe. 8. Schäßen, über alles schätzen will ich deiner Huld Genuß; auf dich mein Vertrauen setzen, wenn ich hier noch leiden muß; ich, erleuchtet durch dein Licht, fürchte Tcdesnächte nicht, und kann mit gelass'nem Herzen Leiden dieser Zeit verschmerzen. 9. Froh kann ich die Augen schließen, ohne Kum mer schlummern ein, wenn ich lauter im Gewissen, wenn vor dir mein Herz nur rein. Stärke dann den Trost in mir, daß mich, Herr, mein Heil von dir und von jenes Lebens Freuden auch der Tod nicht werde scheiden. 10. Laß mich diese Nacht genießen cine sanft und süße Ruh'; wenn sich meine Augen schließen, Ewiger, dann wache du! Laß in deine Gnadenhut seyn mein Leben, Hab' und Gut, meine Freund und Hausgenoffen zur Bewahrung eingeschlossen. 11. 2d, laß uns nicht banges Schrecken, nicht der Räuber Überfall aus der sanften Ruhe wecken! wende jez den schweren Fall; schůze uns vor Feuersnoth und vor Des Abends. 591 einem bösen Tod; Keinen laß in Sünden sterben, noch an Leib und Seel' verderben. 12. O du großer Gott, erhöre, was mein Herz bes gehret hat! Jesu, schenk mir und gewähre, was ich jetzt im Glauben bat! Geist der Gnaden, Gottes Geist, der du Fromme gern erfreust, höre dies mein sehnlich's Flehen. Amen! ja, es wird geschehen! Mel. Nun ruhen alle Wälder ze. 624. Nun ruhet in den Wäldern, in Städten, auf den Feldern ein Theil der måten Welt! ihr aber, meine Ginnen, ihr sollt das Lob beginnen deß, der die Welt schuf und erhält. 2. Die Sonn' ist untergangen und ihres Lichtes Prangen erfreut das Aug' jetzt nicht; doch eine andre Sonne ertheilt mir größ're Bonne, denn Jesus ist mein Lebenslicht. 3. Wie nach der Sonn' Entfernen ein glänzend Heer von Sternen den Himmel prächtig macht: so ist nach meinem Sterben auch mir, als Himmelserben, der Glanz des Himmels zugedacht. 4. Der Leibesruh' zu pflegen, will ich das Kleid ablegen, das Bild der Sterblichkeit: sie zieh' ich aus; dagegen wird Christus mir anlegen dereinst das Kleid der Herrlichkeit. 5. Es feiern Haupt und Hände, da dieser Tag zu Ende und Sorg' und Müh' vorbei; mein Herz wird von Beschwerden, vom Elend dieser Erden am Abend meines Lebens frei. 6. Nun geht, ihr müden Glieder, geht hin und legt euch nieder, ruht, wie ein Wand'rer thut. Man wird nach kurzen Zeiten euch einen Ort bereiten, wo ihr ohn' Arbeit långer ruht. 7. Die Augen stehn verdrossen; wer wacht, wenn sie verschlossen? wer schützt den Leib und Geist? Gott schuhet sie aus Gnaden, bewahret sie vor Schaden, er, der allmächtig ist und heißt. In besondern Zeiten. 8. Laß du vor allem Leide, o Jesu, meine Freude, mein Lager sicher seyn! dann will ich, Herr, dir singen, mich selbst zum Opfer bringen, dir Reden, Thun und Denken weihn. 592 9. Auch euch, ihr meine Lieben, erschüttre kein Betrüben, kein Unfall, noch Gefahr! schlaft ruhig bis zum Morgen! der Herr wird für euch sorgen, der immer unser Helfer war. Mel. Nun ruhen alle Wälder ic. 625. Der Tag hat sich geneiget, der hohe Himmel zeiget die Herrlichkeit der Nacht; in jener blauen Ferne erzäh len tausend Sterne des Schöpfers Majestät und Macht. 2. Der Herr versäumet Keinen. Der fernen Welt zu scheinen, rief er den Sonnen jeßt. Uns decken Finsterniffe; doch ohne Kümmernisse ruhn wir, da seine Hand uns schützt. 3. Auch hier in meiner Stille wohnt Gott mit seiner Fülle, mit seiner Gegenwart; er siehet auf mich nieder und jeden meiner Brüder nach seiner Huld und Vaterart. 4. Sey, Gott, sen hochgepriesen, der du mir hast erwiesen so viele Huld auch heut'. Sey, was du warst, noch weiter, mein Schuß und treuer Leiter in dieser Nacht und allezeit! 5. Denk nicht der Schuld der Jugend, wenn ich oft statt der Tugend die Sünde reizend fand; durch Jesu Chrifti Gnade wird dieses Irrthums Schade in wahrer Buße abgewandt. 6. Will künftig noch an Sünden mein Herz Ge fallen finden, so zeig' mir, wie die Welt mit ihrer Lust vergehet, und wie nur der bestehet, der deines Wortes Vorschrift hält. 7. Sch kann geruhig schlafen; denn von der Sünden Strafen hat mich mein Gott befreit. Wenn Unglückswetter stürmen, will mich mein Gott beschirmen: was fehlt noch meiner Seligkeit? Des Abends. 593 8. Soll dann der Schlaf zum Leben mir neue Kräfte geben, so will ich Gott es weihn; soll er mein Leben enden, so wird er mich vollenden und auch mein Gott im Tode seyn. Mel. Nun ruhen alle Wälder ze. 626. Herr! der du mir das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet' ich findlich an: ich bin viel zu geringe der Treu', die ich besinge, die du bisher an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe freu' ich mich deiner Güte; ich freue mich in dir. O gieb mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke, und schaff' ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh' der Seelen, nach deines Worts Befehlen einher im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis der Treue sehn! 4. Sch weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil! Bin ich der Schuld entladen und nur bei dir in Gnaden, so ist im Himmel auch mein Theil. 5. O leite mich im Segen dem großen Ziel entgegen, dahin dein Wort mich weist. Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Hände befehl' ich, Vater, meinen Geist. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sind zc. 627. Wie ein Geschwäß des Tags verfließt die Zeit, die mir verliehen ist. Sie rauscht vorbei, schnell wie ein Bach, und dein Gericht, Gott, folgt ihr nach. 2. Die Ewigkeit, die Ewigkeit ergreift mich nach durchlebter Zeit; wer ich, wenn sie einst kommt, auch sey, ein Sünder, oder Gott getreu. 3. Da wall' ich hin, da wartet mein das Anschaun Gottes, oder Pein. Ach Gott, mein Heil und mein Vertraun, laß mich dein selig Antlitz schaun! 4. Du träufelst auf die Müden Ruh', und, wenn Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 38 594 In besondern Zeiten. wir schlummern, wachest du. Doch wie viel Geelen wallen nicht im Schlummer hin vor dein Gericht! 5. Wie gar nichts sind wir, Herr, vor dir, gleich Blumen blühn und welken wir; doch dauert unsre Misse that, die deinen Zorn entzündet hat. 6. Ich zittre, Herr, und mein Gebein durchängstet dein gewaltig Dráun! denn denkst du ins Gericht zu gehn, wer kann, wer kann vor dir bestehn? 7. Ach, zürne nicht auf deinen Knecht, und Gnade, Gnad' ergeh' für Recht! Versöhner, Gottessohn, mein Heil, sey meine Zuflucht, sey mein Theil! 8. Daß ich muß sterben, lehre mich! dann fürcht ich nichts so sehr als dich; dann leb' und sterb' ich dir allein und bin im Tod und Leben dein. 9. Ich fürchte nicht, von dir bewacht, den Pfeil des Tags, das Graun der Nacht; ich zittre, wenn der Tod kommt, nicht: denn Gott ist meine Zuversicht! Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 628. Ein Tag ist wieder hin! und dieser Theil des Lebens, wie ist er angewandt? verstrich er mir vergebens? hab' ich mit allem Ernst dem Guten nachgestrebt? hab' ich vielleicht nur mir, nicht meiner Pflicht gelebt? 2. War's in der Furcht des Herrn, daß ich ihn angefangen? mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, als ein Geschöpf von Gott, der Tugend mich zu weihn, und züchtig und gerecht und Gottes Freund zu seyn? 3. Hab' ich in dem Beruf, den Gott mir angewiesen, durch Eifer und durch Fleiß ihn, meinen Gott, gepriesen? mir und der Welt genützt, und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr gebot, nicht, weil mich Menschen sahn? 4. Wie hab' ich diesen Tag mein eignes Herz regie ret? hat mich im Stillen oft ein Blick auf Gott gerüh ret? erfreut' ich mich des Herrn, der unser Flehn bemerkt? und hab' ich, im Vertraun auf ihn, mein Herz gestärkt? 5. Dacht' ich bei dem Genuß der Güter dieser Erden Des Abends. 595 an den Allmächtigen, durch den sie sind und werden? verehrt' ich ihn im Staub? empfand ich seine Huld? trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld? 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs süße Stunden? fühlt' ich der Freundschaft Glück? sprach ich, was ich empfunden? war auch mein Ernst noch sanft, mein Scherz noch unschuldsvoll? und hab' ich nichts gered't, das ich bereuen soll? 7. Hab' ich die Meinigen durch Sorgfalt mir ver= pflichtet, sie durch mein Beispiel still zum Guten unterrichtet? war zu des Mitleids Pflicht mein Herz nicht zu bequem? ein Glück, das Undre traf, war das mix angenehm? 8. War mir der Fehltritt leid, so bald ich ihn begangen? bestritt ich auch in mir ein stråfliches Verlangen? und wenn in dieser Nacht Gott über mich gebeut, bin ich, vor ihm zu stehn, auch willig und bereit? 9. Gott, der du Alles weißt, was könnt' ich dir verhehlen? ich fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergieb durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht; vergieb, und gehe du nicht mit mir ins Gericht! 10. Ja, du verzeihest dem, den seine Sünden krånken; du liebst Barmherzigkeit, und wirst auch mir sie schenken. Auch diese Nacht bist du der Wächter über mir; leb' ich, so leb' ich dir; sterb' ich, so sterb' ich dir! Jesu Christe, Gottes Lamm zc. 629. 3u fo viel Tagen, die mir schon von meiner Prüfungszeit entflohn, stürzt sich auch dieser, den ich heut' durchlebt, ins Meer der Ewigkeit. Mel. 2. Gott, dessen Auge mich bewacht, Gott weiß, wie ich) ihn zugebracht; was ich gedacht, gered't, gethan, sah er genau und merkt es an. 3. O Seele, fordert er dich nicht um diesen Tag einst vors Gericht? hångt nicht dein Loos in Ewigkeit auch mit an diesem Punkt der Zeit? 38* In besondern Zeiten. 4. Der Tod vollendet mich vielleicht, eh' diese Nacht dem Morgen weicht, und führet mich, wie ich hier bin, vor Gott, vor meinen Richter, hin. 5. Wie bebt, wie klopft mein Herz in mir! Gedante, wie erschrickt's vor dir!» Der Tod vollendet mich vielleicht, noch eh' die Nacht dem Mor gen weicht!< 6. Vor einem bösen schnellen Tod bewahre gnädig mich, o Gott; zur Besserung, zur Frömmigkeit gieb, mein Erbarmer, mir noch Zeit. 596 7. Erhöre väterlich mein Flehn: laß mich den Mor gen wieder sehn. Verkürze meine Tage nicht, führ' nicht so bald mich ins Gericht. 8. Von allem bösen Vorsatz rein, will ich dir ganz mein Leben weihn. Kein Tag soll künftig mir entfliehn, es segne denn dein Beifall ihn. 9. Von dir bewacht, entschlaf' ich nun; laß mich in fanfter Stille ruhn. Mein erst Gefühl nach meiner Ruh' sey mein Gelübde, Gott, sey du! Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 630. Mit Preis und Danke nah' ich mich, dir, Gott, und falle nieder vor dir, der mir erzeiget sich als Vater heute wieder. Viel mehr, als ich erzählen kann, hast du mir heute Gut's gethan; wie soll ich, Gott, dir danken! 2. Du hast mich heute våterlich gespeiset und getrånket, beschüßet in Gefahren mich, zum Guten mid) gelen tet. Mich führte deine Vaterhand, mein dir geweihtes Herz empfand so manche fromme Freude. 3. Für jeden sanften Trost, den ich auch heute noch geschmecket, für jeden Trieb, mit dem du mich zur From migkeit erwecket, für das, was ich als Christ gedacht, mir vorgenommen und vollbracht, sey, Vater, hochge priefen! 3. Vergieb, wo ich noch strafbar bin, und laß mich Gnade finden. Dein Geist verbeff're meinen Sinn und Des Abends. 597 rein'ge mich von Sünden. So laß mich ruhig diese Nacht, von deiner Güte, Gott, bewacht, und frei von Schrecken, schlafen. 5. Auch bitt' ich, bester Vater, dich: bewahre du die Meinen; beschüße Alles väterlich, und trößte die, so weinen; gieb allen Kranken sanfte Ruh', die Sterbenden erquicke du und laß fie sanft entschlafen. Mel. Ich freue mich, mein Gott, in dir sc. 631. Für alle Güte sey gepreist, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist! ihr bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, den Lobgefang, den ich dir kindlich singe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, haft Großes heut' an mir gethan, mir mein Gebet gewähret; hast väterlich mein Haus und mich beschüßet und genähret. 3. Herr, was ich bin, ist dein Geschenk; der Geist, mit dem ich dein gedenk, ein ruhiges Gemüthe; was ich vermag bis diefen Tag, ist alles deine Güte. 4. Sey auch nach deiner Lieb' und Macht mein Schuh und Schirm in dieser Nacht; vergieb mir meine Sünden. Und kommt mein Tod, o Herr, mein Gott, so laß mich Gnade finden! Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 632. Sink ich einst in jenen Schlummer, Zodesruh', in deine Nacht, aus dem Keiner mehr zum Kummer, der im Herrn entschlief, erwacht: o dann schlaf ich anders ein; weg aus dieser Lebenspein eil' ich hin zu derer Hüts ten, die, nun selig, einst auch litten. 2. Jetzt hoff' ich noch aufzuwachen aus dem Schlaf für diese Zeit. Lehr' mich doch, mich fertig machen, Vater! zu der Ewigkeit, daß ich Wandrer dann sey wohl bereitet, leicht und frei von den Banden dieser Erde, wenn ich abgerufen werde. 3. Gerne laß den Tag mich sehen, der als Retter mir erscheint. Wenn mit unerhörtem Flehen, wer mich 598 In besondern Zeiten. liebet, um mich weint: o dann stårke so mein Herz, daß ich meiner Lieben Schmerz, voll von deines Namens Preise, still' und sie gen Himmel weise. Mel. Befiehl du deine Wege zc. 633. Herr, es gescheh' dein Wille! der Körper eilt zur Ruh'; es fallen in der Stille die můden Augen zu. Erlaff' mir Schuld und Strafe, daß ich, von Sünden rein, zum Tode, wie zum Schlafe bereitet möge seyn. 2. Laß fern von Schreckensbildern und wilder Träumerei die Seele sich nichts schildern, was ihrer unwerth sen! Laß frei von eitlen Sorgen mich wieder auferstehn, und an die Tugendübung mit neuen Kräften gehn. 3. Doch wenn der Todesschlummer für mich in diefer Nacht den Freuden sammt dem Kummer ein schnelles Ende macht: dann stårk mich, wenn der Schrecken der letzten Stunde droht. Du wirst mich ja erwecken; ein Schlaf nur ist mein Tod. 4. Dein Heil hab' ich gesehen; im Frieden fahr' ich hin, weil ich beim Wuferstehen in deinem Reiche bin. Wohl dem, der bis ans Ende sich als ein Christ erweist! Mein Gott, in deine Hände befeht' ich meinen Geist! Mel. Herzliebster Jesu, du haft zc. 634. Entflohen sind auch dieses Tages Stunden, an dem wir noch des Lebens Glück empfunden; mit frohem Dank laßt uns den Herrn erheben, durch den wir leben! 2. Des Lebens Müh' und Elend zu versüßen, giebt uns der Herr viel Freuden zu genießen, und welche Güter schenkt er unsern Seelen! wer kann sie zählen! 3. Wie unwerth sind wir, Vater, deiner Treue! sich unser Herz! es fleht zu dir voll Neue. Ach, laß es uns vor dir im Glauben stillen, um Chrifti willen. 4. Uns wohlthun, ist dein göttliches Vergnügen. Du, Bater, schirmst uns, wenn wir hülflos liegen, und wie entfeelt, umhüllt von Finsternissen, von uns nichts wissen. Des Abends. 599 5. War dies für uns der letzte Tag auf Erden, soll unser Schlaf ein Todesschlummer werden: dann weckst du uns, die wir uns dir ergeben, zum bessern Leben. 6. So legen wir getrost zur Ruh' uns nieder. Sehn wir erfreut die Morgensonne wieder, dann preifen wir mit heiterem Gemüthe des Höchsten Güte. Abendlied eines Kranken. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 635. Arzt des Leibes, Trost der Seelen, Jesu! hör' mein Danklied an; ich will deine Huld erzählen, die du heut' an mir gethan: durch sie, die mich hebt und trägt, ist der Tag zurückgelegt; deine Kraft hat mich erquicket, daß der Schmerz mich nicht ersticket. 2. Dein erbarmendes Gemüthe hat mich Kranken wohl bedacht, Jesu! deine Lieb' und Güte schütze mich auch diese Nacht. Leg' mir nicht mehr Schmerzen zu, gieb den schwachen Gliedern Ruh'. Bleib', Herr! es will Abend werden, bei mir; mindre die Beschwerden. 3. Laß, Herr, mich und auch die Meinen deiner Treu' empfohlen seyn; weck' uns wieder als die Deinen, wenn der Sonne Licht und Schein aus des Schlafes finstrer Gruft uns, dir Dank zu opfern, ruft! Soll ich långer hier noch leben, so will ich dein Lob erheben. 4. Doch soll mich des Todes Schrecken, Herr, nach deinem weisen Rath diese Nacht vom Schlaf aufwecken, ach! so denke, was ich bat! Tod und Sterben scheu' ich nicht, wenn es selig nur geschicht. Dir hab' ich nicht vorzuschreiben; du wirst mein, ich dein verbleiben. 5. Laß mich nicht in Sünden sterben; nimm die Seel' in deine Hand; mache mich zum Himmelserben, führe mich ins Vaterland! Jesu! laß mich auf mein Flehn einst ein selig Ende sehn. Bringe mich nach diesem Leiden in das Reich vollkommner Freuden! Zur Tischzeit. 6. Ach! wann werd' ich dich erreichen, du von Gott gesetztes Ziel! Sterbend will ich auch nicht weichen; wenn mir gleich der Muth entfiel, stårk mich, Herr! dein theures Wort, und zeig' mir den frohen Ort, wo ich nach dem Kampf auf Erden ewig foll erquicket werden. 600 5. Zur Tischzeit. Mel. Nun sich der Tag geendet zc. 636. Gott, was des Lebens Kräfte nährt, wird uns durch Fruchtbarkeit, durch Fleiß und Glück von dir beschert: wir danken's dir erfreut. 2. Durch deinen Segen haben wir auch heute unser Brod. Wir nehmen's hin und danken dir, dir Vater, unserm Gott. 3. Vernünftig froh laß im Genuß und stets uns måßig seyn, und, schenkest du uns überfluß, die Armen auch erfreun. Nach der Mahlzeit. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 637. Gott! dir sey Preis und Dank gebracht, da wir vergnügt gegessen. Du hast uns Alle wohl bedacht und Jedem zugemessen sein Theil, an dem er sich erquickt; sey, Vater, der auf Alle blickt, sey hoch dafür gepriesen! 2. Du lenkst die Sonn' in ihrem Lauf, und schenkest Thau und Regen; du thust den Schoß der Erde auf, und tausendfachen Segen reicht sie uns dar auf dein Geheiß; wen sollte dies zu deinem Preis, o Vater, nicht bewegen? 3. Du machst zahllose Heerden satt, låßt sie am Bach sich laben; reichst Allem, was nur Odem hat, die angemess'nen Gaben; thust täglich auf die milde Hand und fåttigeft das ganze Land mit Luft und Wohlgefallen. 4. Gott, deine Gaben wollen wir, wie uns gebührt, genießen: stets soll sich Herz und Mund vor die in Lob In besondern Zeiten. Nach der Mahlzeit. 601 und Dank ergießen; auch wollen wir vergessen nicht die Dürftigen, nach unsrer Pflicht sie kleiden, speifen, laben. 5. Von dir, unendlich milder Gott, der uns bisher genähret, sey, was zu diesem Leben noth, uns fernerhin gewähret. Bewahre uns vor theurer Zeit, gieb Nahrung, Fried' und Einigkeit, Gesundheit, Heil und Segen. 6. Laß hier schon, Gott, wie gut du bist, uns tåglich mehr ermessen, und welch' ein Heil uns dort noch ist bereitet, nie vergessen. Da schmeckt man erst, Alliebender, wie du beglückst, und welch ein Meer von Wonne um dich fließet. 6. In den verschiedenen Jahrszeiten. Im Frühling. Mel. Vom Himmel hoch da zc. 638. Mit welcher Pracht und Unmuth wallt der Frühling jetzt durch Feld und Wald! wie neu belebt, wie reichy geschmückt ist alles, was das Aug' erblickt! 2. Der Wald ist grün, der Anger grün, auf den die Heerden weidend ziehn; die Saat steht auf der Flur erhöht, die wir in Hoffnung ausgeså't. 3. Wie süße macht die milde Luft der Blüthen und der Blumen Duft! wie reizet, wie entzückt das Ohr der Vögel laut ertönend Chor! 4. Du, der die Welt so schön geschmückt, hast uns mit einem Geist beglückt, der dich erkannt und froh empfind't, wie herrlich deine Werke sind. 5. Dafür, Herr, preif' ich dich erfreut, und jauchze, daß nach dieser Zeit dem, der dich liebt, durch Jefum Christ ein ewig Glück bereitet ist! Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 639. Lobt Gott, der uns den Frühling schafft, Gott, der den Erdkreis schmücket, der mit allmächtig reicher Kraft, das, was er schuf, erquicket. Der Herr erschafft, 602 In besondern Zeiten. der Herr erhält; er liebt und segnet seine Welt: lobsinget ihm, Geschöpfe! 2. Das Land, das ganz erstorben lag, erwacht und lebet wieder; cs strömt an jedem neuen Tag auch neuer Segen nieder. Der Wurm, der in dem Staube webt, der Vogel, der in Lüften schwebt, erfreut sich seines Lebens. 3. Der Erden Untlig ist verjüngt, erheitert glångt der Himmel; Gebirg und Thal und Wald durchdringt ein frendiges Getümmel; und voll Erbarmen schaut herab, der allen Wesen Leben gab, auf seiner Schöpfung Werke. 4. Doch fühllos nur und unbeseelt sind Auen und Gefilde; auch sind die Thiere nicht erwählt zu deinem Ebenbilde. Der Mensch nur freuet deiner sich; kennt, fühlet und empfindet dich und hofft ein ewig Leben. 5. Du rufft die Wolken in das Land und stillst den Durst der Erde, daß mit den Gaben deiner Hand der Mensch gesegnet werde; du machest Regen, Thau und Wind, die deiner Allmacht Boten sind, zu unsrer Freude Quellen. 6. Selbst, wenn, vom Donnersturm bedräut, erschrockne Länder zittern, strömt Stärkung, Segen, Fruchtbarkeit aus schwarzen Ungewittern. Dann bricht die Sonne neu hervor, und Ulles jauchzt zu dir empor, vor dem die Wetter schweigen. 7. Von dir kommt, was uns hier erfreut, du Brunnquell aller Gaben! dort wirst du uns mit Seligkeit in reichern Strömen laben. Wohl! wohl den Menschen, die schon hier sich dir ergeben und einst dir in Christo freudig sterben! Zur Saatzeit. Mel. Ich freue mich, mein Gott, in dir ic. 640. Augütiger, dein Segenswort erweiset sich noch fort und fort auf unsrer Erde kräftig; noch macht dein Siuf das, was er schuf, zu unserm Wohl geschäftig. Im Frühling und Sommer. 6:03 2. So segne denn durch deine Hand die Saat, die wir jest streu'n ins Land, mit Wachsthum und Gedeih en; mein Gott, laß sie nach Sorg' und Müh' uns laben und erfreuen. 3. Bei aller drohenden Gefahr bewahr' sie; laß das ganze Jahr uns deine Güte zeigen, daß unser Dank und Lobgesang mag froh zu dir aufsteigen. 4. Un diesem Samen hab' ich hier ein lehr- und trostreich Bild von mir. Bei Sturm und trüben 3 iten erhebt er sich: so übst du mich, Gott, auch durch Kreuz und Leiden! 5. Wie dieser Samen fast verdirbt, im Schoß der Erde gleichsam stirbt, um sich neu zu erheben: so führst. du, Gott, uns durch den Tod dereinst ins beff're Lelben. 6. Laß diesen herrlichen Gewinn mir alle Arbeit und Bemühn erleichtern nnd versüßen; er mach' meim Herz getroft im Schmerz und wachend mein Gewissen! 7. Sa! mach', mein Leben dir zu weihn und gutten Samen auszustreun, recht emsig Herz und Hånde: so ernt' ich einst, wenn du erscheinst, dort Freuden ohne Ende. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. 641. Herr, du Schöpfer der Natur, laß die Saat, die wir ausstreuen, sich erheben auf der Flur, und zu reicher Frucht gedeihen, die im Anblick schon entzücke und einst im Genuß erquicke. 2. Was wir einfach streuen hin, giebst du mannigfaltig wieder. Dankbar dir für den Gewinn, wollen wir auch arme Brüder gern von deinem Segen speisen und durch Frömmigkeit dich preisen! Im Sommer. Mel. Was ist vor deinem Angesichte ze. 642. Rund um uns her ist nichts als Freude und fröhliche Zufriedenheit; wie schön ist dieses Weltgebäude für 604 In besondern Zeiten. uns zum Wohnhaus eingeweiht! Gelobt sey Gott! Halle luja! In jedem Werk ist er uns nah'! 2. Dort prangt die Flur im bunten Kleide und lockt die Welt zur Munterkeit. Seht, in dem Vogel hüpft die Freude, aus ihm singt die Zufriedenheit. Lernt, Menschen, lernt hier eure Pflicht: freut euch; vergeßt nur Gottes nicht! 3. Die Rosen prangen, uns zu schmücken; uns blüht der Blumengårten Pracht; der Menschen Auge zu entzůs cken, hat sie der Herr so schön gemacht. 0, lernet, Menschen, dankbar seyn, lernt Gott vertraun, euch seiner freun! 4. Dort, uns zum Besten, fammeln Bienen den süßen Saft der Blumen ab; und dort spinnt sich, uns auch zu dienen, der Seidenwurm sein eigen Grab. Wie herrlich hat uns Gott bedacht, wie Alles wundervoll gemacht! 5. Selbst Felfen, die so traurig scheinen, sind dir, o Mensch, zum Dienst geweiht; die Quelle tröpfelt aus den Steinen und mit der Quelle Fruchtbarkeit. Der Baum beut seine Frucht dir dar. Nimm, Mensch, der Güte Gottes wahr. 6. Das Korn vergoldet nun die Felder, die Ähren find vom. Segen schwer. Es grünen Wiesen, Gärten, Wälder in Thal und Höhen um uns her. Es fühlt bes Segens überfluß in Berg und That mein Aug' und Fuß. 7. Ja, Vater! jeder Grashalm zeuget von deiner Freundlichkeit und Güt'! zur Saat, die sich zur Ernte neiget, gieb ferner Segen, und behüt' bei aller drohenden Gefahr die Früchte auch in diesem Jahr. 8. Laß uns zu rechter Zeit erfreuen Wind, Regen, Thay und Sonnenschein, dann sammeln wir durch dein Gedeihen auch deiner Hand Geschenke ein; und jeder Mensch in jedem Land' preist deine milde Baterhand! 605 Vor und bei der Ernte. Vor und bei der Ernte. and Hold Mel. Wer nur den lieben Gott ze. 643. Gott, von dem wir Alles haben, was uns belebt, nährt und erfreut! wie mannigfaltig sind die Gaben, die täglich deine Huld verleiht! wer ist dir, Gott, an Starke gleich! wer ist, wie du, an Güte reich! 2. Wer kann die Menschen alle zählen, die zu dir, Gott, um Nahrung flehn! doch muß die Nothdurft teis nem fehlen: du sorgft für Aller Wohlergehn; du öffnest deine milde Hand und nåhrest uns und jedes Land. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung fået und endlich auch die Frucht genießt; der Wind, der durch die Felder wehet, die Wolke, die das Land begießt, der Thau, der warme Sonnenstrahl sind deine Diener allzumal. 4. So wächst durch dich des Menschen Speise, so giebt ihm deine Erde Brod; und daß er dich noch froher preife, giebst du ihm, milder, reicher Gott! aus Meer und Fluß, aus Feld und Wald Erquickung auch beim Unterhalt. 5. Nie wollen wir es, Gott, vergessen, wie gerne du uns Menschen labst; bei jedem Mahle, das wir effen, bedenken, daß du, Gott, es gabst, und dich, der so viel Gut's verleiht, erfreut durch Dank und Frömmigkeit. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 644. Dir Gott, der Hügel, Thal und Feld an Früch ten reich gemacht, dir, der, was ist und lebt, erhält, sey Dank und Ruhm gebracht! 2. Es prangt die ährenreiche Flur, wallt wie ein weites Meer; doch prangt sie so und wallet nur durch dich, Ullgütiger! 3. Du öffnetest der Erde Schoß, gabst Thau und Sonnenschein: da hob sich unsre Saat und schoß empor in dichten Reih'n. 4. Da steht sie nun und neigt sich schon zur Hand 60 6 In besondern Zeiten. des Schnitters hin; und wer geså't, empfängt nun Lohn und herrlichen Gewinn. 5. Gieb, daß der Früchte überfluß nicht bloß das Aug' entzück'; gieb, daß er nun auch im Genuß uns Di irftige erquick. 6. Und Jeder, den du nåhrest, freu' sich dein voll Da nkbarkeit, vermeide Mißbrauch, Schwelgerei und Ungenügsamkeit. 7. Und Jeder lebe so, daß ihn, von Erdenmüh einfit frei, der größte, seligste Gewinn, des Himmels Rul), erfreu'. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 645. Erhebt den Herrn, singt ihm erfreut, der stets so milde war! die Ernte ist nun da und beut uns ihre Sdjåhe dar. 2. Ergreift die Sichel froh und singt; von reifen Körnern voll, neigt sich der Ähren Haupt und winkt, daß man sie schneiden soll. 3. Nur wenig Körner streuten wir auf unsern Acker hin; nun schenkt uns Gott so viel dafür! dankt ihm für den Gewinn! 4. Wir sind noch da und haben Brod und ein ge fundes Blut. Wer ist, wie du, Herr unser Gott, so milde und so gut! 5. So lange unfer Herz nur schlägt, die Augen offen stehn, soll unser Herz, von Dank bewegt, Gott, deinen Ruhm erhöhn. 6. Und wenn wir einst, Unendlicher, im nähern Licht dich sehn, dann wollen wir noch feuriger, Gott, deinen Ruhm erhöhn. Nach der Erntezeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 646. Du forgst, o Gott, nach Vaterweise, vergiffest deine Kinder nie; du giebest allem Fleische Speise, du Vor, bei und nach der Ernte. 607 sorgst und segnest spåt und früh; auch Bösen wirfst du Gutes zu; wer ist so gutevoll, wie du! 2. Du trånkst das Land mit mildem Regen, erwårmest es durch Sonnenschein; du theilst die Zeiten, wie den Segen zu unserm Besten weislich ein; bei Wärme, Hike, Kält und Frost wächst, reift und dauert unfre Kost. 3. Die kleinste deiner Creaturen macht deine Weisheit offenbar; man siehet deiner Güte Spuren und deine Macht von Jahr zu Jahr. Es zeugt von deiner Herrlichkeit auch dieses Jahres Erntezeit. 4. O Vater, da uns deine Liebe mit so viel Gaben hat erfreut, so mehre auch in uns die Triebe zur Demuth und zur Dankbarkeit. Das Gute, das du uns gethan, treib' uns nun auch zum Guten an! 5. Gieb denen herzliches Erbarmen, die deine Hand mit Gütern füllt. Dann fehlt es auch den wahren Armen an dem nicht, was den Mangel stillt; dann wird die Witwe sich auch freun, der Kranke mit uns dankbar seyn. 6. Bewahr' vor Raub und Brand die Güter, die deine milde Hand uns gab; sey du selbst unser treuer Hüter und wende schwere Zeiten ab; in Ruh' und Fries den laß uns, Gott! genießen unser täglich Brod. 7. Schenk' uns dabei vergnügte Herzen; Hochmuth und Geiz laß ferne seyn; laß uns es niemals neidisch schmerzen, wirst du auch Undern mehr verleihn. Mach' Jeden in dem Kleinern treu, daß er zum Größern tüchtig sey. Mel. Herr Gott, dich loben wir zc. 647. Herr Gott, wir danken dir; Herr Gott, dich preifen wir. Im Staube beten wir dich an für das, was du an uns gethan. Herr, Herr, Allgütiger, wer ist fo liebenswerth, wie du es bist! was ist und lebt, das schufest du; und was du schufft, das ruft uns zu: unendlich 608 In besondern Zeiten. groß ist Gott! unendlich stark ist Gott! unendlich gut ist Gott, Jehovah Zebacth! Ja, Herr, kein Sterblicher ermißt, wie groß, wie stark, wie gut du bist! die Erde, die uns Menschen trågt, das Meer, das sich um sie bewegt, ist vor dir, Herr, der ewig lebt, ein Tropfen, der am Halme klebt, ist nur ein kleiner Theil, ist kaum ein Punkt in deiner Schöpfung Raum; doch fassen wir die Wunder- nicht, die täglich hier dein Urm verricht't. Gott, deine Weisheit, Huld und Macht verkündi get der Tag der Nacht; fie predigt Sonnenschein und Sturm, des Meeres Brausen und der Wurm. Wie groß ist der Geschöpfe Bahl, wer zählt die Millionen all', die hier durch Erde, Luft und Meer sich froh bewegen! du nur, Herr, du kenneft ihre ganze Zahl, du liebst, belebst und nährst sie all'. Auch dieses Jahr hat unser Land gesegnet deine Ba terhand! der Same, den wir streuten hin, schoß auf, ward herrlicher Gewinn. Du, der den Erntefegen gab, wend' allen Schaden ferner ab. Gieb uns ein Herz voll Dankbarkeit, ein Herz, das jede Sünde scheut, ein weis ses Herz, das nie vergißt die Ernte, die noch künftig ist. Nicht bloß für dieses Leben schuf uns deine Hand; dein großer Ruf ruft uns einst von der Erde ab, und dann sinkt dieser Leib ins Grab. Doch, herrlich wieder aufzublühn, sinkt dieser Leib ins Grab dahin. Dein Sohn kommt einst und hält Gericht; die ihm hier lebten, beben nicht; sie ernten ew'ge Freuden ein. Ach, laß in ihrer Zahl uns seyn. Amen! Bei nicht sehr reicher Ernte. 648. Was Gott thut, das ist wohlgethan! so denken Bottes Kinder. Wenn man nicht reichlich ernten kann, liebt er uns doch nicht minder. Er nimmt und giebt, weil er uns liebt, und seine Hände müssen wir stets in Demuth küssen. Im Herbst.# 2 609 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er nimmt der Erde Güter zurück, eh' man sie ernten kann, zur Beff'rung der Gemüther. Uns Dankbarkeit und Måßigkeit und Demuthy einzuprågen, drum fehlt uns Gottes Segen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan, ob wir's gleich nicht verstehen. Er läßt uns selbst auf dunkler Bahn noch Gnadenzeichen sehen; sein Wort verschafft uns Trost und Kraft, es nennt uns Gottes Erben; wie können wir verderben? 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; es geh' nach seinem Willen. Låßt sich es gleich zum Mangel an, Gott weiß ihn doch zu stillen. Er kann und will aus seiner Füll' uns Unterhalt gewähren, wenn wir ihn kindlich ehren. Dank für den Segen, der aus Künsten und Wissens schaften, aus Handlung und Gewerbe entsteht. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 649. Aus deiner milden Segenshand, du Geber aller Gaben! muß jedes Volk und jedes Land des Segens Zufluß haben. Mit großer Weisheit hältst du Haus und breitest deine Güte aus zum Besten aller Völker. 2. Von dir stammt Kunst und Wissenschaft, wodurch die Länder blühen; du schenkest Jedem Trieb und Kraft, sich nůßlich zu bemühen in seinem Amt, Beruf und Stand, darin dein Rath ihn tüchtig fand, zum Besten mitzuwirken. 3. Du fegnest auch des Künstlers Fleiß zum Nußen seiner Brüder. Was er nur Gutes kann und weiß, das kommt von dir hernieder. Es fließet stets aus Hand in Hand, was uns die deine zugewandt, durch nůgliche Gewerbe. 4. Du schaffst, daß menschlicher Verstand zur See die Wege findet, daß Fleiß und Handlung, Land an Land und Volk an Volk verbindet. Der Länder Frucht, Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 39 610 In besondern Zeiten. des Landmanns Schweiß, des Künstlers Werk, der Bür ger Fleiß wird hin und her verführet. 5. Du giebst den Schiffen ihren Lauf auf Strömen und auf Meeren und hilfft dem Flor der Handlung auf, viel Tausende zu nähren. Zur Nothdurft, zur Bequemlichkeit vertheilst du deine Gaben weit durch manche Handlungszweige. 6. Manch unermeßlich Wasserheer dringt aus dem grauen Eise, durchstreicht zu seiner Zeit das Meer und wird der Menschen Speise. Das Ungeheu'r der Waffer welt wird doch durch Menschenhand gefällt zum Nutzen vieler Tausend. 7. Herr, unfer Gott, wir preisen dich mit dankbarem Gemüthe. Du fegnest uns sehr mildiglich mit Proben deiner Güte. Geuß deinen Segen ferner aus auf unsern Ort, auf jedes Haus zu deines Namens Ehre. 8. Hilf auch, daß Jeder redlich sey in seinem Thun und Handel, rechtschaffen, brüderlich, getreu in seinem gan zen Wandel. Mit Lust, o Vater, wendest du dem Lande deinen Segen zu, das solch ein Volk bewohnet. Im Herbst. Mel. König, dessen Majestät sc. 650. Früh mit umwölktem Ungesicht geht schon bie Sonne nieder, und spåt erscheint ihr schwächer Licht am trüben Himmel wieder. Des Jahres Schönheit ist ent flohn. Die rauhen Stürme rauschen schon durch die ent färbten Felder; die letzte Blume neigt ihr Haupt; des Herbstes kalter Hauch entlaubt die schattenreichen Wälder. 2. Verlaffen steht die öde Flur, entblößt von ihrem Segen; entkräftet fiehet die Natur der Winterruh' entge gen. In Schaaren abgetheilt, entfliehn die Vögel vor der Kält und ziehn weit über Land und Meere. Gott nimmt der Wandernden sich an, bezeichnet ihnen ihre Bahn und sättigt ihre Heere. Im Winter. 611 3. Uns, seine Menschen, will er hier im Winter selbst versorgen. Und seiner Huld vertraun auch wir, die neu wird jeden Morgen. Durch seine Vorsicht låsset Gott dem Menschen für den Winter Brod, dem Vieh sein Futter geben; und Wein, der unser Herz erfreut und unsers Lebens Kraft erneut, trieft aus der Frucht der Reben. 4. Uch! unser Leben auch verblüht, wie jetzt das Feld im Alter. Getrost! Gott ist, wenn es verblüht, Schuß, Beistand und Erhalter. Er trågt die Müden, er beschützt die Schwachen, seine Rechte stüßt, die nah' am Grabe wanken. Gebeugt vom Alter, werden wir von ganzem Herzen dennoch dir, Gott unser Jugend! danken. 5. Wohl Allen, die dein Angesicht in frühen Jahren suchen, die werden ihrer Jugend nicht im Herbst des Alters fluchen: denn dem, der redlich sich bemüht, weil seiner Jahre Kraft noch blüht, der Tugend Frucht zu tragen, dem wird das Alter Jugend seyn, und dankbar wird er sich noch freun in seinen letzten Tagen. Im Winter. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 651 Des Jahres Schönheit ist nun fort! wie traurig stehn die Triften! es stürmt ein ungefümer Nord aus schwer belad'nen Lüften. Die Erde starrt vom Froste nun und ihre Nahrungskräfte ruhn. 2. Wohl mir bei dieser rauhen Zeit! ich darf vor Frost nicht beben. Mich schützt mein Dach, mich wärmt mein Kleid und Brod erhält mein Leben. Auf meinem Bette schlaf' ich ein und kann mich sanfter Ruhe freun. 3. So hat's der arme Bruder nicht, dem Brod und Kleidung fehlet, den, wenn es sehr daran gebricht, Frost oder Hunger quålet. Und dreifach fühlt er seine Pein, wenn Krankheit plagt und Kinder schrein. 4. O säume, säume nicht, mein Herz, ihm liebreich zuzueilen. Fühl seinen Sammer, seinen Schmerz, dein 39* 612 In besondern Fällen. Brod mit ihm zu theilen. Wer seiner Brüder Noth vergißt, verdient nicht, daß er glücklich ist. 5. Vor Tausenden bist du beglückt, die in der Stille klagen, da Wárm' und Nahrung dich erquickt in diesen rauhen Tagen. O jauchze, frohes Herz, in mir und bringe Gott den Dank dafür! 6. Sieh' nicht auf das, was dir noch fehlt und Mancher mehr besitzet. Nein! auf die Noth, die Andre quàlt, auf Gott, der dich beschützet. Ach, Vater, lindre jeden Schmerz, und mir gieb ein zufried'nes Herz. B. In besondern Fällen. 652. 1. Bei anhaltendem Regen. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. Gott, du kannst den Himmel ganz mit schwarzen Wolken decken, du kannst der Sonne heitern Glanz auch wieder bald erwecken; ach, möchtest du den Sonnenschein, nach dem wir seufzen, bald verleihn, daß unser Land sich freue! 2. Die Felder trauern weit und breit, die Früchte leiden Schaden; sie sind von vieler Feuchtigkeit entstellt und schwer beladen. Der Segen, den du uns gezeigt, liegt tief zur Erde hingebeugt und scheinet zu verderben. 3. So warnest du vor Missethat, vor fündlich ficherm Leben; hier soll, wer dein vergessen hat, das Herz zu dir erheben. Herr, wir bekennen unsre Schuld; verzeih', und sieh' auf uns mit Huld von deinem Him mel nieder. 4. Gedenk' an deine Vatertreu', du hast uns selbst befohlen, daß wir mit Flehen, Buß' und Reu' dein Unt lig suchen sollen. Laß uns zu dieser trüben Zeit erqui den deine Freundlichkeit, du bist ja unfer Bater. 65. Gieb, daß an deinem Himmel ftrahl in heitrem Glanz die Sonne, und laß uns wieder überall empfinden Bei vielem Regen und nach demselben. 613 Freud' und Wonne; wir wissen und bekennen frei, daß außer dir kein Helfer sey im Himmel und auf Erden. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 653. Du großer Gott, der du die Welt so wundervoll ertauet, so herrlich alles dargestellt, was man hienieden schauet, den Wolken auch gesetzt ihr Ziel, damit des Wassers nicht zu viel herab aufs Erdreich fließe; 2. Wir klagen dir, daß wir die Sonn' jest kaum aufblicken sehen, daß Wolken, die Verderben drohn, jetzt stets am Himmel stehen; es strömet ohne Unterlaß der Regen im gebäuften Maß aus den bewölkten Höhen. 3. Die Schnitter sollten ihre Hand zwar bald mit Garten füllen, auch konnte das so reiche Land den Mangel völlig stillen; nun aber, da man freudevoll die reifen Früchte sammeln soll, muß sich der Tag verhüllen. 4. Die Fluth ergießt sich weit und breit und droht der Saat Verderben; die Frucht muß vor der Erntezeit hinsinken und ersterben. Wer kann uns retten und befrein von dieser Noth, als du allein, Herr Himmels und der Erden! 5. Vor dir, der heilig und gerecht, bercu'n wir unsre Sürden; du, Herr, der alle Dinge trågt, ach, laß doch bald verschwinden die trübe Zeit; nach unsrer Schuld vergilt uns nicht; laß deine Huld uns wiederum empfinden. 6. Wir stehn gebeugt, erbarme dich, erhöre unser Flehen; hilf deinen Kindern väterlich; laß einmal stille stehen die Fluth, die ohne Unterlaß verschwemmet das Getreid' und Gras und unfre Flur verödet. 7. Erheitere den Himmel bald und wehr' hinfort dem Regen; es muß ja, wenn dein Wort erschailt, der Stürme Macht sich legen. Gieb einmal wieder trockne Beit, damit wir, Gott, mit Freudigkeit einsammeln deinen Segen. 8. Du Gott, zu dem voll Zuversicht wir unser Herz erheben, du wirst der Sonne heitres Licht uns gnådig 614 In besondern Fällen. wieder geben. Wir wollen dann mit höchstem Fleiß dir, Vater, fingen Lob und Preis hier und in jenem Leben. 2. Nach dem Sonnenschein. Mel. Nun laff't uns Gott, dem Herrn 2c. 654. Erschallt, ihr Freudenlieder, sie scheint, fie strahlet wieder, ich seh' sie, welche Wonne! die lang vers hüllte Sonne. 2. Der Himmel ist enthüllet, mit Heiterkeit erfül let, der Abend zeigt die Sterne in jener blauen Ferne. 3. Jauchzt mit uns, ihr Gefilde, der neuen Sonne Milde, besingt des Schöpfers Ehre, ihr alle seine Heere! 4. Gott, welche Sorgen lagen auf uns in jenen Sagen, als Regen und als Schlossen sich auf die Flur ergossen. 5. Dank dir, der unser Flehen, das hin zu deinen Höhen so sehnend drang, erhöret und Sonnenschein ge währet. 6. Erhalt' den Himmel heiter, und segne uns noch weiter, laß uns mit frohen Händen die Ernte ganz vollenden. 7. Wir wollen deine Güte mit fröhlichem Gemüthe, mit unserm ganzen Leben hochpreisen und erheben. 3. Bei anhaltender Dürre. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sind ic. 655. Ach Herr, du allerhöchster Gott, es drückt uns eine große Noth: es sinkt dahin, es stirbt die Saat, da sie nicht Thau, noch Regen hat. 2. Das Erdreich ist wie Asch) und Staub; matt, ausgedorrt sind Gras und Laub; das ganze Land steht jåmmerlich, nach Kühlung lechzt und sehnt es sich. 3. Erbarme dich, Gott unser Herr; nicht unsrer Sünden denke mehr; um ihretwillen schließe du doch nicht die milden Hände zu. Nach dem Regen. 615 4. Erhöre unser sehnlich Fleh'n: fend' Regen uns aus deinen Höh'n, der bald erquick' das dürre Land, das von der Sonne Gluth verbrannt. 5. Mach' unsre Felder feucht und weich, mach' sie an milden Früchten reich; erquick' uns nach der dürren Zeit, du Gott, der Menschen gern erfreut. 6. Erhör' uns, Herr, von deinem Thron, wir bitten dich durch deinen Sohn, und wollen deine Gütigkeit mit Dank erheben allezeit. 4. Flach dem Regen. Mel. Herr Gott, den man dreieinig zc. 656. Bereite dich, mein Herz, aus allen Kräften, entzeuch dich jetzt den irdischen Geschäften, ergreif' dein Saitenspiel mit froher Hand und singe Gott dein Lied, von Dank entbrannt. 2. Schwing' dich empor mit fröhlichem Gemüthe und preise Gott, erhebe seine Güte, der dein Gebet so grådig hat erhört; sprich: Herr, wer ist, wie du, so liebenswerth! 3. Du siehest, Gott, auf der Bedrängten Flehen erbarmungsvoll von deines Himmels Höhen; wir haben kaum gebeugt vor deinem Thron die Noth geklagt, fo hilfest du uns schon. 4. Du siehest an das lechzende Gefilde und wässerst es so gnådig und so milde; du giebst Befehl, daß sich die Wolkenfluth ergießen soll, wie sie es jeho thut. 5. Ein Tropfenstrom, getrieben von dem Winde, ergießet sich und neht die dürren Gründe, und unser Feld, das so erstorben schien, lacht und steht jetzt so neu belebt, so grün. 6. Herr, unser Gott, wer ist dir zu vergleichen; wer gab von seiner Macht uns solche Zeichen, wie du, o Gott! dir muß der Sonnenschein, Wind, Regen, Blitz sogleich gehorsam seyn. In besondern Fällen. 7. Nun, höchster Herr, wir preisen deinen Namen; wir danken dir, daß du Gras, Frucht und Samen zu rechter Zeit mit Regen haft erquickt, und schaffst, daß dann die Sonne wieder blickt. 616 8. Auch bitten wir: beglück mit deinem Segen uns fernerhin auf allen unsern Wegen; laß uns mit Dank in Ruh' und ungekrånkt genießen das, was deine Hald uns schenkt. Bei Gewittern. Mel. D Gott, du frommer Gott 2c. 657. Höchster, dessen Kraft Luft, Meer und Erde tråget, der Erde, Luft und Meer durch einen Wink be weget, ich traue deiner Güt' und ehre deine Macht, selbst wenn bei Sturm und Blit dein Donner schreckend fracht. 2. Du führefst väterlich, der Saat zum reichen Se gen, in Wolken über uns den oft gewünschten Regen durch Wind und Wetter her, machst durch der Blige Brand die Luft von Dünsten rein und trånkst das dürre Land. 3. O Güte, welcher nichts, wie nichts der Allmacht gleichet! o Weisheit, die kein Sinn der Sterblichen er reichet! ach, möchten wir es doch in froher Ehrfurcht seyn, die Größe deiner Huld in Wettern selbst verstehn! 4. Denn wenn die Wetter gleich Luft, Erd' und Meer erschüttern, so darf ein frommes Herz dabei nicht ängst lich zittern. Chrift, siehst du Gottes Macht, so denke froh dabei, daß sie so furchtbar groß zu deinem Schutze sey. 5. Gewiß, du ehrst Gott nicht, wenn du als Sclave bebest und bei des Donners Schall in lauter Ängsten schwebest. Es liebet Gott an uns zwar Ehrerbietigkeit, allein auch Zuversicht und Glaubens- Freudigkeit. 6. Und sollte dieser Sturm dir etwa Schaden bringen, so suche chriftlich stark den Unmuth zu bezwingen. Gott ist's, der es verhängt; und was er läßt geschehn, ist weise und uns gut, wenn wir's gleich nicht verstehn. Bei Gewittern. 617 7. Doch weil so fester Muth in unsrer Macht nicht stehet und man sich nur durch dich zu dir, o Gott, erhöhet, so flehe ich zu dir, der alles Gute schafft, gieb mir, dir zu vertraun, selbst Freudigkeit und Kraft. 8. So oft wir blitzen sehn, so oft wir donnern hdren, laß uns durch Ehrfurcht dich, doch auch durch Hoffnung ehren. Hat deine Güte schon den Blitz hervorgebracht, so ist sein Strahl doch auch ein Zeichen deiner Macht. 9. Was ist, daß dir dein Nichts mehr fühlbar machen könnte, o Mensch, als dieser Sturm emporter Elemente? Er predigt, Sterblicher, der oft so tretig ist, mit lauter Stimme dir, wie schwach, wie klein du bist! 10. Gott, der die Wolken lenkt, erbarme dich aus Gnaden; deck' uns mit deiner Hand und wende allen Schaden; gieb, daß der Feuerstrahl, der Wind, der Schloffen Heer nicht Menschen, Wohnung, Vieh, noch unfre Flur versehr'. 11. Bei drohender Gefahr, bei Donner, Blitz und Stürmen laß deine Lieb' und Macht uns, deine Kinder, schirmen. Vor allem aber gieb, wenn die Gefahr vorbei, daß dir nun Jedermann recht herzlich dankbar sey. Mel. Lobt Gott, ihr Chriften 2c. 658. Es donnert! Gott, wie schrecklich ist des Himmels Wetternacht! es blißt, es donnert! Gott, du bist! und groß ist deine Macht! 2. Der Donner Gottes schallt ins Ohr des Sünders, und er zagt, hebt zitternd kaum sein Aug' empor, weil sein Gewissen sagt: 3.» Den, der dich schuf, ernährt und schüßt, dich väterlich umfing, den Gott, der nun am Himmel blißt, den hieltest du gering!«< 4.» Gott kennt dein Herz, er weiß dein Thun, er, der die Menschen wågt; was bist du, wenn sein Blitzstrahl nun dich schnell zu Boden schlägt?«< In besondern Fällen. 5. Verschone, geh' nicht ins Gericht mit Sündern diesmal, Gott! bu bist barmherzig, liebest nicht der Sünder schnellen Tod. 618 6. Vielleicht, daß noch ihr sichres Herz erwacht, und seine Schuld vor dir bekennt mit Reu' und Schmerz, drum trage noch Geduld. 7. Vor deines Gottes Majestät erzittre nicht, o Christ, wenn er in Donnerwolken geht und um sich Bliße schießt. 8. Der Blitz des Herrn fährt wunderbar von seinem Wolkenthron; trifft nur, wenn Gott will; krůmmt kein Haar, wenn Gott ihm ruft: verschon'! 9. Sprich, Chrift: wenn Gott mich tödten will, gerecht ist sein Gericht! er ist der Herr, erwarte still und laß im Tod ihn nicht! 10. Das Donners Schöpfer ist mein Freund; wenn er mich schnell entrückt, so weiß ich, daß er's gnäådig meint und ewig mich beglückt. 11. Wer Gott bei stillem Himmel ehrt, singt ihm auch dann ein Lied, wenn er auf schwarzen Wolken fährt; steht, wenn der Sünder flieht. Mel. Was ist vor deinem Angesichte 2c. 659. Du bist es, Goit, der aus dem Wetter mit uns so majestätisch spricht, und außer dir ist ein Erretter, ein Helfer, ein Beschüßer nicht; nur du, durch den die Donner draun, kannst tödten und auch Schuß verleihn. 2. Wer kann sich deiner Hand entziehen? du bist uns allenthalben nah'. Wollt' ich in tiefe Höhlen fliehen, so bist du auch in Tiefen da. So will ich denn zu dir selbst hin, in deine Vaterarme fliehn. 3. Verschone mich erbarmend, schone, vergieb mir gnädig alle Schuld! umfaff in Chrifto, deinem Sohne, mich, Gott, mit deiner Vaterhuld! dein Geist versichre meinem Geist, daß du durch ihn mir gnädig seyst! 4. Dann mögen Wetter sich erheben und Blizze noch so feurig glühn, ich bin getrost, ich darf nicht beben, Bei und nach Gewittern. 619 wenn ich dir werth in Christo bin. Ach! laß doch, Vater, laß mich dein in Christo Jesu ewig seyn. 5. Erheben will ich dich, mein Retter, für deine Huld, die mich erhält, und riefst du auch in diesem Wetter mich ab aus dieser Unterwelt: so ist mir selbst der Tod Gewinn, da ich dir werth in Chrifto bin. 6. Du wirst mich decken und beschützen, ob Evd' und Welt den Einsturz dråun; drum will ich unter Sturm und Blitzen nur beten und dann stille seyn. Ich weiß, mich trifft nichts ohne dich, und was du schickst, beseligt mich. ( S. auch N 23. 49. 56. 60. 66.) 6. Nach dem Gewitter. Mel. Herr Christ, der einig zc. 660. Herr Gott, nun sey gepriesen, daß du zu dieser Zeit uns Schuß und Schirm erwiesen in der Gefährlichkeit des Donners, der uns schreckte, des Blizzes, der sich streckte so feurig durch die Luft. 2. Wir haben jetzt gesehen, Herr, deine große Macht, vor der nichts kann bestehen; denn, wenn dein Donner kracht und sich dein Blitz entzündet, wer ist, der nicht empfindet, wie groß, wie stark du bist? 3. Das Wetter ist vergangen, vorüber die Gefahr; wir haben Schuh empfangen von dir, der um uns war; du hast uns unser Leben, und was du sonst gegeben, auch gnädig jetzt bewahrt. 4. So reiche, hohe Gnade erweist uns Menschen Gott; er schüßet uns vor Schaden auch in der größten Noth. Laßt uns ihn herzlich loben, sein Ruhm sey hoch erhoben, so weit der Erdkreis geht. 5. Laßt uns stets beten, wachen, daß wir an jenem Tag, der Alles kund wird machen, was noch verborgen lag, einst mögen wohl bestehen und mit dem Herrn eingehen zur ew'gen Seligkeit. In besondern Fällen. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 661. Ich preife dich, Herr, mein Erretter, der ſeine große Kraft bewies, dich, starken Gott, der sich im Wetter so majestätisch hören ließ; dich, der des Blizzes Strahlen lenkt, im Sturm uns deckt, uns Gutes schenkt. 2. Selbst Sturm und Donner bringt uns Segen, macht nicht bloß deine Macht bekannt; er bahnt den Weg dem milden Regen, verbreitet Fruchtbarkeit aufs Land, und macht die Luft, die sonst zu schwül und drücend wåre, leicht und kühl. 620 3. Wie lieblich hebt sich das Getreide, getränket durch den Regenguß, und wie vergnügt betritt die Weide der neubelebten Thiere Fuß; wie munter singt der Vögel Chor zu deinem Preise, Gott, empor! 4. Sprichst du, Herr, gleich nicht mehr aus Wettern, dein Born bleibt schrecklich für und für; droht gleich kein Blitz uns zu zerschmettern, so bleibe doch die Furcht vor dir! Wer dich, Gott, stets recht kindlich scheut, verzagt nicht, wenn dein Donner dråut. ( S. auch N 50. 57. 69. 72. 364.) 7. In theuern, nahrungsschweren Zeiten. Mel. Warum betrübst du dich zc. 662. Numächtiger, gerechter Gott! wir klagen dir jetzt unsre Noth, erhör uns grådiglich. Sieh unser Weh und Ungemach, vernimm, Gott, unser seufzend Ach! 2. Mit Reu' und Wehmuth müssen wir, gerechter Gott, bekennen dir in dieser theuern Zeit, daß Sündenschuld und Missethat sie über uns geführet hat. 3. Du hast uns zwar viel Gut's gethan, dies muß bekennen Jedermann; wer aber hat, o Gott, die unver diente große Gut' erkannt mit dankbarem Gemüth? 4. Wie Mancher liebte Schwelgerei, wie Maucher Geiz, und hat dabei die Urinen nicht bedacht und nur das Irdische gesucht! drum fehlt nun Nahrung, Korn und Frucht. In Theurung. 621 5. Uch! drückend schwer, groß ist die Noth; so Viele seufzen jetzt nach Brod mit fummervoller Stimm'; Vorrath und Segen sind hinweg, so ganz von uns genommen weg! 6. Laß dir, erbarmungsvoller Gott, zu Herzen gehen unsre Noth nach deiner großen Güt'; vergieb uns unsre Missethat, weil sie dein Sohn getilget hat. 7. Laß unser Elend jammern dich, und überschütt' uns mildiglich mit Segen aus der Höh'; laß uns nicht långer traurig gehn, die wir auf deine Hand nur sehn. 8. Thu' auf, Herr, deine milde Hand, such' heim in Gnaden unser Land und segne dein Gewächs; tránk seine Furchen, mach' es reich, mach' es mit Thau und Regen weich. 9. Laß das Getreid' gerathen wohl, daß unsre Scheunen werden voll, o gnadenreicher Gott! mit deiner Güte kron' das Jahr, und reich' uns wieder Segen dar. 10. Du, der sogar die Thiere nährt, das Schrein der jungen Raben hört und ihnen Speise giebt, auch uns wirst du verlassen nicht, du, unsers Herzens Zuversicht. 11. Es hat uns ja dein Sohn erkauft; wir sind auf seinen Tod getauft, zu Kindern dir geweiht; um seinetwillen hilf uns, Gott, und rette uns aus dieser Noth. 12. Vor allen Dingen, höchster Hort, erquicke uns mit deinem Wort, und gieb uns deine Gnad', zu suchen das, was droben ist, und aufzusehn auf Jesum Christ. 13. Daß wir die Güter dieser Welt gebrauchen, wie es dir gefällt, zu deines Namens Ehr', zum Wohlthun und mit Måßigkeit, dazu hilf uns, Herr, allezeit. 14. Dein wollen wir, Gott, Vater, Sohn und heil's ger Geist, hienieden schon uns freun, dir danken stets, bis wir dich mit der Engel Schaar dort loben werden immerdar. Mel. Aus meines Herzens ic. 663. Du bester Troft der Urmen, Gott, Schöpfer aller Welt! du Vater voll Erbarmen, der, was er zu 622 In besondern Fällen. sagt, hålt; du, du erhörst Gebet, o höre, was der Glaube zu dir jetzt aus dem Staube in tiefer Noth erfleht! 2. Der Nahrungsmangel dringt auf uns und unser Land; fo Mancher steht und ringet die nahrungsleere Hand. Du weißt, du siehest, Gott, wie unter bangen Sorgen am Abend bis zum Morgen so Mancher seufzt nach Brod! 3. Ach, Sünd' und Sorgen drücken uns jetzt so schwer, so hart! doch schonen und erquicken ist ja der Våter Art. Und du, o Vater, du bist gut vor allen Vätern, und neigst selbst übertretern dein Herz bald wieder zu. 4. Wenn sie mit ernster Reue zu dir um Hülfe schrein, so willst du bald aufs neue ihr Gott in Christo seyn. Herr, unsre Zuversicht! zu dem wir weinend flehen, auf den wir alle sehen, hilf uns, verlaß uns nicht! 5. Gott, unser Heil, ach wende der schweren Zeiten Lauf. Thu' beine milden Hände, die Vaterhånde auf. Was webt und Leben hat, nährst du mit Wohlgefallen; so schaff' denn auch uns Ullen bei diesem Mangel Rath. 6. Herr, der du uns auch schufest, sey uns mit Hülfe nah'. Allmächtiger! du rufest, und, was nicht war, steht da. Uns helfen ist dir leicht; du kannst dem Mangel wehren und überfluß bescheren, wenn's uns unmöglich dåucht. PH 7. Erhöre uns und króne das Jahr mit deinem Gut; und unser Herz gewöhne, daß es in dir ganz ruht, daß wir uns deiner freun, und, wenn wir Güter haben, gern geben, deine Gaben durch Mißbrauch nicht entweihn. 8. Bei gefährlichen Seuchen. Mel. Ach Gott vom Himmel zc. 664. Gerechter Gott, wir klagen dir, daß Missethat und Sünden der Plage Ursach' sind, die wir jetzt scheun und schon empfinden. Der Seuchen und des Todes Pfeil 623 Bei ansteckenden Krankheiten. fleucht um uns her in schneller Eil' vou einem Ort zum andern. 2. Der Tod geht, du erlaubst es ihm, umher, würgt und verheeret, weil wir nach deines Wortes Stimm' uns nicht zu dir bekehret, wir nahmen es nicht folgsam an; nun, nun erinnert uns daran der Tag der Angst und Schrecken. 3. Man höret in so manchem Haus nur weinen und wehklagen; und Sarg wird jetzt auf Sarg hinaus in banger Angst getragen. Der Seuche plöhlich) tödtend Gift greift um sich weit, und wen es trifft, weiß oft kein Arzt zu heilen. 4. Bekümmert treten wir vor dich in Herzensreu' und Buße, wir fallen dir demüthiglich, du bester Arzt, zu Fuße; erbarme dich, Ullgütiger! Erbarme dich, Ullmächtiger! und wehre dem Verderben. 5. Erbarmender, zeig' uns dein Heil, laß uns doch vor dir leben und bei der Seuche schnellem Pfeil uns deinen Schutz umgeben. Allmächtig bist du, Gott, und gut; nimm Leib und Seel' in deine Hut, daß wir bewahret bleiben. 6. Laß deine Engel ferner fort uns auf den Händen tragen; wehr' bei uns und an jedem Ort dem Lauf gehäufter Plagen; wend' ab die drohende Gefahr; vor bosem schnellem Tod bewahr' uns, die wir auf dich trauen. 7. Sollt' aber dieses seyn dein Will', uns jetzt mit hinzurücken, so gieb, daß wir uns chriftlich still zum Tode recht anschicken. Dann wird der Tod, wenn er uns hin ins andre Leben führt, Gewinn, da wir die Hoffnung haben: 38. Wer Jesum liebt, sein Wort nimmt an mit redlichem Verlangen, den wird auch auf der Todesbahn, Gott, deine Huld umfangen; gereiniget von Missethat, geht er zur Ruh' nach deinem Rath, zum Leben, wenn er stirbet. 9. Um besten ist's auch jederzeit, in deine Hände 624 In besondern Fällen. fallen, du liebst und übst Barmherzigkeit so gerne an uns Allen. Weh dem, der sich zu dir nicht hält und hin in Menschenhånde fällt! da ist oft kein Erbarmen. 10. Nun, Vater, thu', was dir beliebt, wir wol len's dir empfehlen; wer sich in deinen Willen giebt, darf sich nicht angstlich quälen. Ein Sperling hat so wenig Werth, und keiner fällt doch auf die Erd', wenn du es nicht verstattest. 11. Wir wissen, unsers Hauptes Haar' sind, Herr, von dir gezählet; es dient zum Besten immerdar, was du uns hast erwählet; du nur, Ulweiser, siehest ein, was uns mag gut und selig seyn, und wirst es uns verleihen. 12. Vornehmlich stehe denen bei, die schon die Noth betroffen; laß sie auf deine Batertreu' im Kummer chrift lich hoffen, und glauben, daß du ihnen doch mit Hülfe nahe seyst und noch voll Huld an sie gedenkest. 13. Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, es zu gen alle Zeiten, daß du den Deinen nahe seyft in allen Fährlichkeiten; o rette jetzt uns gnådiglich, und unser Herz soll ewig dich für deine Güte preisen. Mel. Ich freue mich, mein Gott, in dir zc. 665. Gott, du kennest unsre Noth! auch uns be droht mit Schmerz und Tod die mörderische Seuche. Hilf uns, o Gott! hilf, treuer Gott! daß sie uns nicht erreiche 2. 3war unsre große Missethat verdient nicht, daß dein Liebesrath uns noch mit Langmuth tråget. wir mehr werth, als die dein Schwerdt jetzt häufig nie derschläget? Sind 3. Oft haben wir dir widerstrebt, den Lüften mehr, als dir gelebt, was dir mißfällt, verübet; wenn du ge lockt, uns doch verstockt, durch Undank dich betrübet. 4. Doch, Vater, gehe mit uns nicht nach unfern Sünden ins Gericht! Erbarmer, ach, verschone! Grlaff die Schuld nach deiner Huld in deinem liebsten Sohn. In Kriegszeiten. 625 5. Beschüß' uns, Herr, mit deiner Hand, schüß' unfern Ort und unser Land, entferne Furcht und Plagen! Gieb, was uns gut, gieb frohen Muth, das Glück von unsern Tagen. 6. Und sollen wir gezüchtigt seyn, so floß' uns die Gesinnung ein, daß wir bereitet stehen, wenn dir's ge fällt, aus dieser Welt vor deinen Thron zu gehen. 9. Bei Kriegsunruhen. Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. 666. Ach Gott! uns schreckt, uns liegt im Sinn die Fluth der Kriegesplagen, die sich durch manche Länder hin ergießt in diesen Tagen. Entblößet hat der Völker 3wist das Schwerdt, und sein Gefolge ist Verheerung, Elend, Jammer. 2. Wir müssen Alle nun vor dir, gerechter Gott, bekennen: du wårst, wenn uns die Noth auch hier betråf', gerecht zu nennen. Denn sollten Jene nur allein der Strafe werth und mehr noch seyn, als wir, die du noch schonest? 3. Drum treten wir gebeugt vor dich in Herzens Reu' und Buße, wir fallen dir demüthiglich, gerechter Gott, zu Fuße: ach sey uns gnådig, schon' und wend' die Flamme, die noch ferne brennt, daß sie uns nicht ergreife. 4. Ach! oft ist auch der Nebenchrist bei uns gedrückt, betrogen, durch Schein des Rechts, Gewalt und List das Seine ihm entzogen. Dein Segen ist so lange Zeit zur Wollust, Pracht und üppigkeit auch unter uns mißbrauchet. 5. Verzeih' es, Gott! und laß hinfort uns deine Hand bewahren, daß wir nicht auch an unserm Ort die Kriegesnoth erfahren. So wie ein guter Vater thut, ſo nimm uns auch in deine Hut, daß wir im Frieden bleiben. 6. Dem Feinde, der jetzt auf uns dringt, dem wolleft du bald wehren, und das, was uns Verderben bringt, von unsern Grenzen kehren; dein Schutz umschließe unfre Denabr. Sandgefangb. 7. Aufl. 40 626 In besondern Fällen. Thor, und Recht und Wahrheit halt empor die Ruhe und der Friede. 7. Steh' anderswo auch denen bei, die schon die Noth betroffen, erfüll' nach deiner Vatertreu', was sie im Glauben hoffen: du warst stets gnådig, bist es noch, mit deiner Hülfe wirst du doch auch sie der Noth entreißen. 8. Gott, du, du kannst der Fürsten Herz wie Base serbåche lenken; ach! laß sie ihrer Völker Schmerz recht våterlich bedenken. Sprich du selbst ihnen mächtig zu, so können wir in Fried' und Ruh' dich, Bater! dankbar preisen. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 667. Es zieht, o Gott, ein Kriegeswetter jetzt über unser Haupt einher. Doch bist du unser Schutz und Retter, so fürchten wir uns nicht zu sehr. Nicht Men schen Macht, nur deine Kraft ist's, die uns Sieg und Heil verschafft. 2. Drum fliehen wir in deine Arme, du Vater der Barmherzigkeit, und flehen voll Vertraun: erbarme dich über uns zur schweren Zeit. Laß Gnade doch für Recht ergehn, so bleiben wir noch aufrecht stehn. 3. Doch findet, Herr, dein weiser Wille noch ferner Büchtigungen gut, so mache meine Seele stille bei dem, was deine Vorsicht thut; ich, dein Geschöpf und auch) dein Kind, weiß, daß es Vaterschlåge sind. 4. Die kleine Einsicht meiner Seele, Ullweiser, schreibe dir nie vor. Gieb, daß ich nie so gröblich fehle; das wagt vermessen nur ein Ther. Ist gleich, was deine Weisheit thut, mir unbegreiflich, ist's doch gut. 5. Du zuchtigest, doch stets mit Maßen, und meinst es immer våterlich: auch uns wirst du nicht ganz verlaffen, auch unsrer Noth erbarmst du dich. Wir sollen nur durch Angst und Pein geläutert und gereinigt seyn. 6. Zuletzt wird Jeder sagen müssen: das hat die Hand des Herrn gethan: so brach er nach verborg'nen Nach dem Frieden. 627 Schlüssen zum bessern Ziele leicht die Bahn; so hat der, der die Himmel trågt, den 3wist der Völker beigelegt! 668. Verleih' uns Frieden gnådiglich, Herr Gott, zu unfern Zeiten. Es ist doch ja ein Underer nicht, der für uns könnte streiten, denn du nur, Gott, alleine. 2. Gieb unserm Fürsten und aller Obrigkeit Fried' und gut Regiment, daß wir unter ihnen ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit! Amen! Nach dem Srieden. Mel. Was ist vor deinem Angesichte 2c. 669. Willkommen, du Geschenk des Himmels, o Friede, der die Welt beglückt! Gott hat die Schrecken des Getümmels, des Würgens und der Angst erstickt. Auf! werdet jetzt ganz Dankbarkeit, die ihr durch ihn begnadigt send. 2. Gott ist der Herr der Kriegesschaaren; er schlägt und bricht der Stolzen Truß. Er ist der Retter aus Gefahren; er, er ist der Verlaff'nen Schuß. Preist, Menschen, seine große Macht, die liebevoll an uns gedacht! 3. Wie furchtbar zog, gleich wilden Fluthen, des Krieges Grimm und Wuth daher und traf die Bösen und die Guten! Doch Gott gebot: Nur bis hieher! Zur Pflugschaar ward des Bürgers Schwerdt, der Spieß zur Sichel umgekehrt! 4. Preist Gott, und lernt ihm ferner trauen, wenn sich ein Unglück auf euch stürzt. Ihr werdet seine Hülfe schauen, denn seine Hand ist nie verkürzt, und immer sleht uns feine Treu' mit Hülfe, Trost und Segen bei. 5. Nun preist ihn auch durch frommes Leben und reizet seinen Arm nicht mehr. Bedenkt mit heiligem Erbeben: hart war sein Born, fein Eifer schwer. Und doch trug er, der Gott der Huld, noch schonend unsre größ're Schuld. 40* In besondern Fällen. 6. Preist ihn durch Wohlthun und Erbarmen, wo Elend eure Brüder drückt; die Hülfsbedürftigen und Armen speist, trånket, kleidet und erquickt, daß Jeder sich des Friedens freu' und Niemand ferner traurig sey. 628 7. Dann singt ihr wahre Friedenslieder, dann ist das Herz ganz Dankbarkeit; wenn ihr als eines Leibes Glieder in Lieb' und Frömmigkeit euch freut. Dies Glück, dies große Glück, o Gott, erhalt' uns bis an unsern Eod! Mel. Herr Gott, dich loben wir ic. 670. 3u dir, Unendlicher! zu dir, Allgütiger! der Völ kern still zu seyn gebot und Frieden sandte, zu dir, Gott! steigt unfer Subelton empor, zu unsrer höhern Brüder Chor fingt unser Herz, entflammt von Dank, den lauten, hohen Lobgefang: Gelobt, gelobt sey Gott, der Weltbeherrscher, Gott; der Weltbeglücker, Gott; der Friedensgeber, Gott! Wer ist an Majestät dir gleich! an Güte und an Macht so reich! Du sprichst ein Wort: der Himmel schweigt. Du sprichst ein Wort: der Erdkreis neigt sich tief anbetend vor dir, Gott, und ehret schweigend dein Gebot! du siehst, wenn Völker sich entzwei'n, mit Schwerdt und Waffen sich bedràu'n. Die Waffen sinken, und der Streit wird still, wird Ruh' und Einigkeit, so bald nur deine Rechte draut und Völker still zu seyn gebeut. Wie schreckend, wie verheerend war emporter Völker 3wift! Gefahr und Angst und Noth und Tod umgab uns drohend; offen stand das Grab, und unsre Brüder sanken hin bei Schaaren in das Grab dahin; und Schmerz, der Mütter Herzen brach, und Thránen floffen ihnen nach. Gott! furchtbar war der Völker Zwist! Dank dir, Allgütiger, er ist durch dich, der Erd' und Himmel trågt, geschlichtet und nun beigelegt. Das Schwerdt, das Brüder blut vergoß, ist weggelegt. Aus seinem Schoß strömt uns der Friede, sanfte Ruh' und Überfluß und Segen zu! Du siehst uns hier, wir beten an dich, Gott, der dies an uns gethan. Laß ihn, laß ihn beständig seyn, Für frohe Christen. 629 den Frieden, deß wir uns jetzt freun; in seinem Schoße laß uns nun und auch noch unsre Nachwelt ruhn. Aus deiner milden Fülle geuß Gedeihn herab auf unsern Fleiß! So lang' du uns noch wallen heißt im Pilgerthal, laß deinen Geist, den treuen Führer, mit uns seyn! dann führ zur ew'gen Ruh' uns ein. Amen! 11. Um Erhaltung des Friedens. Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 671. Herr Gott, wir preifen deine Macht mit freudi gem Gemüthe. Du hast bisher für uns gewacht durch deine große Güte, daß Jedermann von uns in Ruh' die Werke des Berufs, wie du befiehleft, kann verrichten. 2. In unserm Lande blitzt kein Schwerdt, Unschuldige zu tödten; es ist von Feinden unverheert und frei von Kriegesnithen. Es küssen Treu' und Güte sich, und es umpfahn sich schwesterlich Gerechtigkeit und Friede. 3. Allmächtiger! laß uns forthin auch deine Gnade spüren. Gieb allen Mächtigen den Sinn, in Frieden zu regieren. Erhalt uns deine Lehr' und Wort, und. laß in Ruh' an jedem Ort Glück, Heil und Zugend blühen. 4. Laß uns auch selbst friedfertig seyn und alle 3wietracht meiden. Ein Herz von Haß und Feindschaft rein, ents gehet manchem Leiden; hier strömt ihm manche Wonne zu und dort genießt es ew'ge Ruby', wo ew'ger Friede herrschet. 6. In einigen persönlichen Umständen. 1. Sür frohe Christen am Geburtstage und sonst. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 672. Gott, mein Vater, deine Liebe reicht so weit der Himmel ist. Deines Wohlthuns starke Triebe find fo ewig, als du bist. Deiner Huld Unendlichkeit, Gott, erschöpfet teine Zeit; und wer kann die vielen Proben deiner Güte würdig loben! 630 In persönlichen Umständen. 2. Als ich noch, der Welt verborgen, in dem Schoß der Mutter lag, wachtest du, für mich zu sorgen, über mich schon jeden Tag. Durch den Beistand deiner Macht bin ich an das Licht gebracht, und was hat mein ganzes Leben Gutes, das du nicht gegeben? 3. Nie gedenket mein Gemüthe ohne frohe Dankbegier jener unverdienten Güte, da du durch die Taufe mir das erhabne Recht gewährt, daß ich, für dein Kind erklärt, mich des Segens der Erlösten voller Zuversicht darf trösten. 4. In den zarten Jugendjahren warst du meines Lebens Stab, mein Beschirmer in Gefahren. An dir hab' ich bis ins Grab einen Vater, der mich liebt, einen Bater, der mir giebt, was zum wahren Wohl mir nützet; einen Vater, der mich schützet. 5. Gott, du machst es alles besser, als wir wünschen und verstehn. Deine Güte ist viel größer, als die Kraft, dich zu erhöhn. Schallte gleich so hoch mein Dank, wie der Seraphim Gesang: dennoch würde durch mein Loben deine Huld nicht g'nug erhoben. 6. O so zeuch durch deine Liebe, Herr, mein ganzes Herz zu dir. Stårk und mehre selbst die Triebe wahrer Dankbarkeit in mir. Laß mich ganz dein eigen seyn, so mich deines Wohlthuns freun, daß auch mir auf dieser Erde Wohlthun wahre Freude werde. 7. Ja, laß jede deiner Gaben recht zu brauchen mich bemühn; stets den Zweck vor Augen haben, dazu du ſie mir verliehn. Deine Güte reize mich, daß ich immer stärker dich, Gott! von ganzem Herzen liebe, deinen Willen freudig übe. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 673. Mein Geist erstaunt, Allmächtiger! wenn er die Gnade denkt, womit du mich, mein Gott und Herr, so unverdient beschenkt. Für frohe Christen. 631 2. Dann ist mein Herz so hoch erfreut, ganz deiner Güte voll, und weiß vor heißer Dankbarkeit nicht, wie es danken soll. 3. Als ich noch in der Mutter Schoß, in Nacht verborgen, schlief, bestimmtest du für mich das Loos, das mich zum Leben rief. 4. Du wählst des Sterblichen Geschick, eh' er geboren ist; und so ward ich,-o welch ein Glück! schon als ein Kind ein Christ. - 5. Mein Lallen, Herr, vernahmst du schon, was noch kein Flehen war, und neigtest zu des Weinens Zon dein Ohr erbarmend dar. 6. Wenn in der Jugend ich vom Pfad der Tugend mich verirrt, hat mich dein liebevoller Rath darauf zurückgeführt. 7. Du warst mein Schuß und meine Wehr vor Une glück und Gefahr, und vor dem Laster, das noch mehr, wie sie zu fürchten war. 8. Ich sah, von Krankheit bleich, durch dich mein Leben mir geschenkt, und deine Gnad' erquickte mich, wenn Sünden mich gefränkt. 9. Von Freudenstrahlen glänzt mein Blick, da du so hoch mich liebst und in der wahren Freundschaft Glück des Lebens Troft mir giebst! 10. Und welche Wohlthat, Herr, ist nicht dies Herz, das fühlen kann! dies Herz, ganz dein, das dankbar spricht, was du an mir gethan! 11. Kein Tag soll anders mir vergehn, als unter deinem Preis', ich will dich lieben und erhöhn, so gut ich kann und weiß. 12. In Schrecken, Angst, Gefahr und Noth trau' ich allein auf dich. Durch dich gestärkt, ist selbst der Tod mir nicht mehr fürchterlich. 13. Wenn krachend einst der Bau der Welt sich aus den Angeln reißt, will ich den preisen, der mich hålt, dich, der mich leben heißt. In persönlichen Umständen. 14. Dich, der mich bei der Welten Sturz mit starkem Urm erhoben! Selbst Ewigkeiten sind zu kurz, o Hochster, für dein Lob! 632 Mel. Nun danket Alle Gott zc. 674. So lang' ich athme, Gott, will ich dein Lob verbreiten. Dies Leben gabst du mir mit seinen Süßigs feiten; du gabeft mir Verstand, der dich erkennen kann, und botest ewig Heil durch deinen Sohn mir an. 2. Was bin ich, Gott der Huld, daß du so viel mir schenkest? Was ist der Erden Sohn, Herr! daß du sein gedenkest? Ja, du gedachtest, Herr, schon vor der Welt an mich, und denkst noch meiner stets, und oft vergesf' ich dich! 3. Und dennoch nimmst du mich, wenn ich die Schuld bereue, voll Gnade wieder an und segneft mich aufs neue. Hier an des Grabes Nacht sey dir mein Dank geweiht, und einst vor deinem Thron, Gott der Barmherzigkeit! Mel. Freu dich sehr, o meine Seele ic. 675. Gott, mein Vater! sey gepriesen für die große Gütigkeit, die mir deine Hand erwiesen durch die ganze Lebenszeit. Ach! wie soll ich doch dafür recht mit Inbrunst danken dir? Alle Kräfte meiner Seelen sollen deinen Ruhm erzählen. 2. Du haft, was genannt mag werden, erst aus Nichts hervorgebracht, auch den Menschen aus der Er den wundervoll und schön gemacht, und wie viele Pracht enthält nicht sein Wohnplatz, diese Welt! wie viel Güter! wie viel Freuden! wie viel Hülfe selbst im Leiden! 3. Daß ich mit Verstand geboren und gesund bin in der Welt, auch, zum Christen außerkoren, wissen kann, was dir gefällt, oder mag zuwider seyn: das hab' ich von dir allein; was ist seliger zu nennen, als dich und uns selbst erkennen! Für frohe Christen. 633 4. Du hast auch die Straf' und Plagen, die mtt Sünden ich verdient, deinen Sohn selbst lassen tragen, und bist mit mir ausgesühnt, da er an des Kreuzes Stamm meine Sünden auf sich nahm und mich von dem Fluch befrcite, den mir das Gesetze dräute! 5. Dazu werden deine Wege mir noch tåglich kund gethan, denn du führst zum Himmelsstege mid) durch deinen Geist hinan, daß ich schon in meinem Sinn durch die Hoffnung felig bin, und hier schon im Glauben schmecke, was ich dort im Schaun entdecke. 6. Bin ich gleich mit Kreuz beladen, sett mir Welt und Satan zu; dies darf meinem Heit nicht schaden, bei dir find' ich Hülf' und Ruh'. Ja, es muß die Kreuzespein mir mehr gut, als schädlich seyn, denn sie lehrt die Sünde hassen und mich ganz auf dich verlassen. 7. Reichlich hast du auch gegeben mir, o Gott, mein täglich Brod; låsfest mich in Frieden leben, frei von Pest und Hungersnoth; meine Ehre, meinen Stand dank' ich deiner Vaterhand; und was ich an Gütern habe, ist bloß deine Gnadengabe. 8. Ja, Herr, deine Güt' und Treue ist ohn' Ende, ohne Zahl! Jeden Morgen glänzt aufs neue mir dein holder Gnadenstrahl; drum, ihr Menschen, bringt mit Fleiß unserm Gott Lob, Ehr' und Preis, rühmet seine große Güte, lobt sein våterlich Gemüthe. 9. Auch ihr, Engel, und ihr, Seelen, die ihr schon den Himmel schmückt, helft des Herren Lob erzählen, tretet dort vor Gott entzückt, preiset seine Gütigkeit, rühmet seine Herrlichkeit, und laßt da in vollen Chören eure Jubellieder hören. 10. Ich will auch zu seinen Zeiten, wenn ich werde bei euch seyn, ihm sein Lob stets zu bereiten, mich mit cuch ohn' Ende freun. Unterdessen will voll Dank ich allhier mein Lebelang Herz und Hand zu ihm erheben und ihn preisen durch mein Leben. In persönlichen Umständen. 11. Heilig, heilig, heilig werde, Gott, dein Name stets genannt; denn der Himmel und die Erde machen deinen Ruhm bekannt. Deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Pracht, o wo hat sie ihres Glei chen! Gott! wer kann dein Lob erreichen! ( S. auch) A 365 379 oben.) - 3. Sür Traurige und Bekümmerte. Mel. Chriftus, der uns selig zc. 676. Gieb nicht deinem Unmuth Raum, schwermuths. volle Seele! wache, daß kein leerer Traum dich mit Üngften quale. Gottes weise Vaterhand mischt das Glück mit Bösen; dein Vertrauen halte Stand; er wird uns erlösen! 2. Unrecht, das ich einst gethan, will ich gern erz feßen, bleiben auf des Rechtes Bahn, Niemand mehr verletzen. Alsdann reinigt Christi Blut mich von allen Schulden, und was meine Schwachheit thut, will der Vater dulden. 3. Ich bin Gottes, Gott ist mein! Niemand kann uns scheiden. Dringt Verfolgung auf mich ein, Armuth, Krankheit, Leiden: wie Gott will! es kommt mir doch fiets aus Vaterhånden, und wie bald zerbricht mein Joch, wenn es Gott will enden. 4. Gottes Kinder såen zwar traurig und mit Thränen; aber endlich bringt das Jahr Frucht nach langem Sehnen. Dann ist ihrer Ernte Zeit, da sie Garben binden; dann muß Sorge, Furcht und Leid ewiglich verschwinden. Mel. Nicht so traurig zc. 677. Warum bin ich so betrübt? weiß ich doch: ich bin ein Chrift! weiß ich doch, daß Gott mich liebt und mein treuer Vater ist! Er führt mich mit weiser Hand und ihm bin ich ganz bekannt. 2. Mangelt mir, was in der Welt nöthig ist, zu meiner Ruh'? ach! was ich bedarf, das fällt mir durch Für Traurige. 635 seine Gnade zu. Eh' er mich ans Licht gebracht, hat er's mir schon zugedacht. 3. Hab' ich Feinde, die mir drohen, ist ihr Haß mir fürchterlich? sitzt doch Gott auf seinem Thron, richtet und beschüßzet mich. Ich kann sicher seyn und ruhn, denn was kann ein Mensch mir thun? 4. Fürcht' ich künftige Gefahr? nein! so weit seh' ich nicht hin. Ich, der erst seit kurzem war, weiß nicht, ob ich morgen bin. Bin ich morgen noch: o da ist mir Gott wie heute nah'! 5. Ist's das Loos der Sterblichen, was mich ångftet, ist's der Tod? O, der Gott der Lebenden ist auch seiner Todten Gott! Und vollend' ich meinen Lauf, einst weckt er mich wieder auf. 6. Ist's auch meiner Sünden Schuld, was so schmerzlich mich betrübt? kenn' ich doch des Vaters Huld, der so gern, so gern vergiebt! glaub' ich doch, daß Jes sus Christ selber mein Vertreter ist! 7. Nun, mein Gott, ich selbst kann nicht meines Kummers Duelle sehn. Finsterniß ist dir wie Licht, deinem Blick kann nichts entgehn! schau' du selber in mein Herz, und dann heile meinen Schmerz. 8. Oder soll in Traurigkeit meine Lebenszeit verblühn? wie du willst! kurz ist die Zeit, sie wird bald vorüber fliehn! dort im Glanze deines Lichts, dort betrübt mich ewig nichts! 9. Ich will beten! das sey mir in den Schmerzen Linderung! Ich will fromm seyn und vor dir wandeln in der Heiligung: so wird alle meine Pein mir nicht unerträglich seyn. Sür fromme Dürftige. Mel. Auf meinen lieben Gott 2c. 678. Nein, murren will ich nicht, Herr, meine 3uversicht! daß ich nur wenig habe. Die allergrößte Gabe für dieses Pilgerleben hast du mir, Herr, gegeben. In persönlichen Umständen. 2. Mir ward das beste Theil. Du bist mein Trost und Heil! In Trübfal, die ich leide, ist Jesus meine Freude. Mir ward nicht viel beschieden, doch ist mein Herz zufrieden. 3. Mein Heiland, Freund und Herr, wer war je dürftiger! wie viel hat der gelitten, eh' er ganz ausge ftritten! doch hat er alle Plagen mit Heldenmuth getragen. 4. Gieb, daß ich meine Schmach dir christlich trage nach! laß meiner Last Beschwerden mir nie zum Fallstrick werden und für den andern Morgen mich niemals heidnisch forgen. 636 5. Nicht ewig währt mein Leid; es kommt die Ret tungszeit! du kannst mit deinen Gaben mich hier noch reichlich laben. Soll ich hier långer barben: dort ernt ich reiche Garben! 4. Sür fromme Verarmte. Mel. Herr Gott, den man dreieinig glaubt und nennet ic. 679. Gott hat's gegeben und Gott hat's genommen! Ich preise dich, Regierer deiner Frommen! Zwar fühl ich wohl die Last der Dürftigkeit, doch murr' ich nicht in Unzufriedenheit. 2. Du bist der Herr, und meine Seel' ist stille; dein Wille war's, untadlich ist dein Wille! du führst uns wunderbar, doch väterlich! doch glaub' ich, Herr, und damit tröst' ich mich. 3. Wenn's núßlich mir und wenn es deine Ehre, Alwissender! gemäß gewesen wäre, so hättest du mit milder Vaterhand mir gern der Erde Güter zugewandt. 4. Allein, was hülf's, hätt' ich die Welt gewonnen und wäre nicht aus der Gefahr entronnen, darin man leicht durch Güter dieser Welt, wenn man sein Herz dran hångt, sie mißbraucht, fällt? 5. Du sahst vielleicht: ich würd' in guten Tagen nicht mehr nach dir und deinen Rechten fragen, mein Für fromme Verarmte. 637 Herz dem Hochmuth und der Habsucht weihn und gegen Arme unempfindlich seyn. 6. Du sahst: die Tugend würde in mir sterben; ich würd' im Müßiggange mich verderben, die Wollust lies ben und in Sicherheit nicht sorgen für das Glück der Ewigkeit. 7. Gott, wenn ich dies aufrichtig überlege, so preis ich dich und Ehre deine Wege. So viel Gefahren schwebten über mir! errettet hast du mich, deß dank' ich dir! 8. Viel Segen ist mir auch noch übrig blieben: ein guter Ruf und Freunde, die mich lieben; Gesundheit, Stärke und Gewissensruh' und, was das Beste ist, mein Gott auch du! 9. Auch du?- so wirst du mir auch ferner geben, was nöthig ist zu diesem armen Leben. Von dir, der so viel Tausende ernährt, wird mir auch leicht, was ich bedarf, gewährt. 10. Befördre nur die Werke meiner Hände; zur Arbeit gieb mir Kräfte bis ans Ende; bleib' du mein Trost in meiner Dürftigkeit, einst werd' ich reich bei dir in Ewigkeit! ( Bergleiche M 414-439.) 5. Sür Reisende. Vor der Neise. Mel. Nun freut euch, lieben ze. 680. In deinem Namen, Herr, mein Gott, schick ich mich jetzt zur Reise. Bewahr' mich vor Gefahr und Noth zu deines Namens Preise. Herr, Leib' und Seel' empfehl' ich dir nebst Ehr' und Gut und was du mir auf dieser Welt gegeben. 2. Schick' deinen Engel vor mir her, den Weg mir zu bereiten; befiehl, daß er dem Unglück wehr und allen bösen Leuten. Nimm, Vater, meiner gnådig wahr, daß keine Angst, Verlust, Gefahr an Seel' und Leib mir schade. In persönlichen Umständen. 3. Gieb mir nach deiner großen Treu', daß ich stets vor dir wandle, behutsam, klüglich und dabei gewiffen haft auch handle; steh' mir stets bei mit deinem Rath; gieb Segen, Herr, zu jeder That, du bist ja allenthalben! 4. Bring' mich gefund zur rechten Zeit zu den gelieb ten Meinen! Erhalte sie, schütz' sie vor Leid! Wird, Herr, der Tag erscheinen, da wir uns fröhlich wiedersehn: wie wollen wir dich froh erhöhn und deiner Güte danken! 5. Laß mich mein Pilgerleben hier in deiner Furcht stets führen. Wo Hülfe noth ist, hilf du mir; laß deinen Geist mich führen. Und end' ich meine Pilgerbahn, so nimm mich dort mit Ehren an; bring' mich zu deiner Ruhe. 638 Nach glücklicher Reise. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 681. Dank sey dir, Bater, meines Lebens, daß du mich froh zurückgebracht. Ich flehte nicht zu dir verges bens; du hast mich våterlich bewacht. Du warst mir allenthalben nah', wo ich Gefahren vor mir sah. 2. Nun kann ich wieder mit den Meinen mich deiner Huld und Güte freun, mit ihnen Freudenthrånen weinen und dir des Dankes Opfer weihn. Du hast die Meinen, Gott, bewahrt, fie mir vergnügt und wohl gespart. 3. Gesundheit hast du mir verliehen und Schaden von mir abgewandt. Du haft gesegnet mein Bemühen mit deiner milden Vaterhand. Auch meiner Seele wandtest du Genuß von vielem Guten zu. 4. Nun sey gelobt, sey hoch gepriesen für alles Gute, das du mir und auch den Meinen hast erwiesen. O heil'ge sie und mich ganz dir! dann werden wir uns ewig freun und dann nie mehr getrennet seyn! 6. Sur Kranke. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 682. Ich hab' in guten Stunden des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl! so will ich denn ge Für Kranke. 639 lassen mich auch im Leiden fassen, geduldig tragen Schmerz und Qual. 2. Sa, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafft du gelinder, als es der Mensch verdient. Sollt' ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? Ham 3. Dir will ich mich ergeben, nicht meine Ruh', mein Leben mehr lieben, als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen und nicht auf Menschen bauen; du hilfft und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben seyn. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe; was schreckt mich Grab und Tod! auch auf des Todes Pfade vertrau' ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Ges duld verehren, im Glauben zu ihm flehn; ich will den Tod bedenken, der Herr wird Ulles lenken, und, was mir gut ist, wird geschehn. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 683. Mir sagt, auf deinen Wink, mein Gott, die Krankheit, die ich spüre, daß ich Gebrechlicher den Tod stets in und bei mir führe. Des Todes Ursach' ist in mir, mein Leben aber kommt von dir und steht in deinen Hånden. 2. Du giebst den Blinden ihr Gesicht, die Lahmen heißt du gehen; es müssen, wenn dein Wort nur spricht, auch Todte auferstehen; und also kannst du auch allein der Arzt in meiner Schwachheit seyn, wenn Menschenhülfe fehlet. 3. Beschlosseſst du in deinem Rath, ich solle långer leben: so kannst du leicht auch in der That den Mitteln 640 In persönlichen Umständen. Kräfte geben. Ist aber dies dein weiser Schluß, daß ich anjego sterben muß: so bin ich auch zufrieden. 4. Dies Eine bitt' ich, wenn die Cur des Leibes follte fehlen, so heile du durch Christum nur die Wunden meiner Seelen. Bin ich bekehrt, liebt mich mein Gott, was ist alsdann für mich der Tod? ein Hingang zu dem Vater! Mel. Es ist gewißlich an der Zeit ze. 684. Dein Wille, Herr und Schöpfer! ist, daß ich nun Krankheit trage; doch weiß ich, daß du Vater bist; von dir kommt Glück und Plage. Dir ist mein ganzer Schmerz bekannt; mein Leben steht in deiner Hand, du zähleft meine Tage. 2. Wenn in mir einen Augenblick gesundes Blut ges floffen, so schenktest du mir, Gott, dies Glück, daß ich so oft genoffen. Oft war ich frei von jedem Schmerz, war gutes Muths, drum, o mein Herz, teid' jetzt auch unverdrossen. 3. Nein, bester Vater, gieb nicht zu, daß Unge duld mich kränke; gieb deinen Geist mir, der mir Rub' für meine Seele schenke; laß mich die künft'ge Seligkeit und Jesu Christi Herrlichkeit und sein Verdienst erquiden. 4. Das Eilen meiner Lebenszeit laß mich, mein Gott, erwägen! der Todesnacht, der Ewigkeit flieg' ich sehr schnell entgegen. Erst dann, wenn dies mein Geist bedenkt, sich recht zu Gott, zum Himmel lenkt, wird mit mein Schmerz zum Segen. 5. Sa, Gott, ich wende mich zu dir, dir will ich mich ergeben; schenk wahren Ernst und Weisheit mit, wie du befiehlst, zu leben. Laß dein Mißfallen mich stets scheun, mein ganzes Herz gerichtet seyn auf dich und dei nen Himmel! 6. Ach! jeden, jeden Augenblick laß mich, mein Gott, dir weihen; zieh' von der Erde mich zurück, laß nichts den Geist zerstreuen, kein Glück der Welt, kein Für Kranke. Traum der Zeit. Gott und das Glück der Ewigkeit sey meine höchste Freude! 7. Uch! zum Gebete schenke mir noch Munterfeit und Stårke; mein Herz wird sonst entfernt von dir und tråg' zum guten Werke. Zwar willig ist der Geist, doch schwach das Fleisch, o treuer Vater! mach)', daß deine Kraft ich spüre. 641 8. Laß nicht zu, daß der Krankheit Pein zu groß mir Schwachen werde! erquicke gnådig mein Gebein, erleichtre die Beschwerde! Du, Vater, weißt, was jeden Tag dein schwaches Kind ertragen mag, mach' mir mein Leid erträglich! 8. Auch bitt' ich, treuer Vater, dich für alle and're Kranken, o segne Jeden, gleich wie mich, mit heiligen Gedanken! gieb Jedem für die Seele Ruh'; ihr Arzt und höchstes Gut sey du, ihr Labsal, ihre Hülfe! 10. O treuer Vater! segne die, die meiner Krankheit pflegen; belohne ihre Treu' und Müh' mit deinem besten Segen! gieb gegen sie mir Freundlichkeit, laß mich aus Unzufriedenheit sie nie durch Marren frånken. 11. Ist diese Krankheit tödtlich mir, soll bald mein Leib erblassen: so laß mit Besserungsbegier mich Jefum glaubig faffen. Wie Sterbenden zu Muthe sey, weiß er, und steht den Seinen bei, die nach Erquickung schmachten. 12. Allein, mein Vater, willst du mir Gesundheit wieder schenken, so laß mich stets mein Herz zu dir und allem Guten lenken. Gieb Lust und Kraft zu jeder Pflicht, und laß mich ja vergessen nicht, was ich dir angelobte. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 685. Sefu, der voll Schmerzen, mit tiefbetrübtem Herzen am Ölberg niedersank, du bester Arzt und Tröster! ach siehe, dein Erlöster liegt hier, sich nach dir sehnend, krank. 2. Wie viel gesunde Stunden sind wie ein Strom verschwunden! wie schnell verfloß ein Jahr! du, Herr, Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 41 642 In persönlichen Umstånden. haft mich gestårket; ich hab' es kaum gemerket, daß ich gesund und glücklich war. 3. Jetzt, da ich Schmerz empfinde, denk' ich an meine Sünde mit Reue, Schmerz und Leid; du hast mich fiets geliebet und Treu' an mir geubet; ich liebte dich nicht allezeit. 4. Ich warf mich nicht in Demuth und in bußfert's ger Wehmuth vor dir, Erhab'ner hin; jetzt wirfst du meine Glieder aufs Krankenbette nieder, und lehist mid), daß ich Erde bin. 5. Ich wandte meine Kräfte nicht stets zum Haupt geschäfte, dir zu gefallen, an. Die Trägheit wird ge rachet, jetzt bin ich so geschwächet, daß ich kaum Gutes denken kann. 6. Wie oft bin ich beim Beten ohn' Ernst vor dich getreten, wie laulicht sucht' ich dich; jetzt lernt mein Herz nun ringen, mit Eifer zu dir dringen, und nur nach) dit, Herr, sehnt es sich. 7. So züchtigst du aus Gnaden, du heilst den See lenschaden, wenn du den Körper stäubst; mein Leiden wird mir Segen; auch auf den rauhen Wegen seh' ich, daß du die Liebe bleibst. 8. Vermindre meine Plage, verlång're meine Tage, wenn es mir nützlich ist. Im neu geschenkten Leben will ich mich dir ergeben und rühmen, daß du hülfreich bist. 9. Doch soll ich bald erblassen und diese Welt ver lassen, so waffne mich mit Muth; laß mich mein Haus bestellen und mach's in allen Fällen mit mir und mit den Meinen gut. 7. Sür Wiedergeneste. Mel. Aus meines Herzens 2c. 686. Dir, Herr, will ich nun danken für deine große Gnad', die sich an mir, dem Kranken, so sehr verherrlicht hat. Dich preifen, ist mir Pflicht. Ich will mein Für Wiedergeneste. 643 neues Leben dir ganz zu eigen geben; mehr hab' und kann ich nicht. 2. Wie schmerzvoll war ich Armer! du hörtest mein Geschrei, du halfft mir, mein Erbarmer, und stand'st mit Troft mir bei. Viel' Undre fuhren hin zur finstern Grabeshöhle; du hieltest meine Seele, daß ich noch le= bend bin. 3. Mich hat der Schmerz belehret; ich sah des Todes Bild. Nun hast du mich erhöret und mich mit Freud' erfüllt. Herr, nie vergeff' ich dein; ich will in Angst und Plagen vor dir nicht trostlos zagen, im Glück mich deiner freun. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte zc. 687. So wahr der Allerhöchste lebet, er will den Tod des Sünders nicht, der voller Reu' vor ihm erbebet und sich sein eigen Urtheil spricht! Er züchtigt uns zu seiner Ehre und unserm Heil mit Baters Treu', nur daß man sich zu ihm bekehre, zum bessern Leben tüchtig sey. 2. Du milder Gott, ich selber sehe den theuren Eid an mir erfüllt. Wenn ich mit Reu' um Gnade flehe, wird meiner Seele Ungst gestillt. Da meine Werke nichts verdienen, bleibt deiner Gnade aller Preis; die ist an mir so groß erschienen, als ich nicht zu besingen weiß. 3. Ich sah die Welt und Alles schwinden, und Sinn' und Sprache starben schon; ich fählte nichts als meine Sünden, und sah nur deinen Richterthron; da rührte dich mein letztes Sehnen, mein Jammer brach dein Baterherz; es flehten für mich Jesu Chränen; die Krank heit floh, es wich der Schmerz. 4. O welcher hohen Freuden Menge erwecket dieses Heil in mir! dem Danke ward mein Herz zu enge, es brennt und wallet nur von dir. Des Tedes Stricke sind zerrissen, dem Grabe hast du mich entführt; im ganzen Leben laß mich's wissen, wie stark mich dieses Glück gerührt. 41* In persönlichen Umständen. 5. Ich weihe, was ich von dir habe, mein Herz, dir ganz zum Opfer ein; es wird, o Schöpfer, deine Gabe doch werth in deinen Augen seyn. Ich weiß nun, was es sey, zu leben, da ich, was sterben sey, erfuhr. Nun soll mir stets im Sinne schweben, was ich dir in der Prüfung schwur. 644 6. Es ist genug, daß ich vor Zeiten nach meines Fleisches Lüften ging und an den flüchtgen Eitelkeiten mehr, als an dir, o Vater, hing. Ich bin ja darum nur genesen, daß ich die Seele retten kann; so fang' ich denn ein ander Wesen mit deiner Gnade Beistand an. Dank des Frommen, der die Tröstungen der Erldfung geschmeckt. Mel. Mit Fried' und Freud' ich zc. 688. Mein Vater und mein Richter ließ ans Grab mich) kommen! faum fühlt' ich noch, was er verhieß sei nen Frommen; schwach, zermalmt lag mein Gebein, ich lechzte nur nach Gnade. 2. Un meines Mittlere Kreuz hinab sank meine Seele, hier war mein Grab, dort war sein Grab! Meine Seele lechzte nicht nach Trofte mehr; er hatte mich getröstet. 3. O Trost, erlöst zu seyn, erlöst! du Trost im Sterben; wenn es nun scheint, daß uns verstößt ins Verderben Gott, der wog, und leicht erfand, was wir im Leben thaten. 4. Herr, Herr! allmächtig tröstest du! ich lag; den Müden umströmte wonnevolle Ruby, Gottes Frieden; das ist keines Menschen Urm, der uns im Tode stårket. 5. Es ist dein Arm, o der du starbst, daß auf uns ruhte, was du mit deinem Tod erwarbst, deinem Blute: unaussprechlich ewig's Heil! kein Aug" hat das gesehen; 9040 Colle 6. Kein Ohr gehört, und in kein Herz ist jemals kommen, was nach des kurzen Todes Schmerz Gott den Für Wiedergeneste. 645 Frommen, die ihn lieben, hat für Freud' und Seligkeit bereitet! 7. Von Gott verlassen, hingst du da, von Gott verlassen! im Schweiß, im Blut, dem Tode nah'; Herr, wir faffen, ach! vor Freud' und Zittern nicht, was du hast uns erworben! 8. Sür Errettete nach überstandener Krankheit und andern Sållen. Mel. Ich freue mich, mein Gott, in dir zc. 689. Gelobet feyst du, Gott, mein Hort! der du noch tåglich) fort und fort dein wahres Wort erfüllest, der Trubsal wehrst, Gebet erhörst und allen Kummer stillest. 2. Schlägst du die Deinen väterlich: so rufen fie ganz ångstiglich, und halten dein Versprechen dir gläubig vor; wie sollte dir dein Vaterherz nicht brechen? 3. Ja, eh' fie rufen, bist du da, und sprichst, noch eh' fie bitten; ja! so bald sie vor dich treten, Herr, hilfst du oft ganz unverhofft und rettest sie aus Nothen. 4. So liebreich ist dein Herz gesinnt; dies hab' ich selbst, dein schwaches Kind, von meiner Kindheit Jahren so mannigfach und überall bis diese Stund' erfahren. 5. Du züchtigest mich allezeit mit väterlicher Lindigkeit und nicht nach meinen Sünden. Herr, deine Huld gab mir Geduld, die Noth zu überwinden. bu 6. Du hast durch deine Gnadenhand mein Kreuz nun abermals gewandt, drum will ich und die Meinen zugleich mit mir ein Danklied dir jetzt bringen nach dem Beinen. 7. Sey ferner unser Troft und Schild; und wenn du noch uns Schwache willt mit einer Last belegen: so schaue doch auch bei dem Joch auf unser Unvermögen. 8. Denn unsre Schwachheit kennest du, drum sprich den blöden Herzen zu; den Glauben stårk und mehre, daß unser Herz bei allem Schmerz dich mit Gehorsam ehre. In persönlichen Umständen. Bei Erwartung des Todes. Mel. Alle Menschen müssen sterben ic. 690. Vater, Vater! voll Gebrechen nah' ich deinem Throne mich; kaum darf ich mit dir noch sprechen, denn ein Sünder, Herr, bin ich; aber reuend, tief zerschlagen, will ich doch zu dir mich wagen, weil du uns durch Jesum Christ gern verzeihst und gnädig bist! 646 2. Ach! verlaff' an meinem Ende mich, mein treuer Schöpfer, nicht; zeig' mir dein Helfershände und dein Vaterangesicht! ach! erquicke meine Seele, die ich deiner Huld empfehle; Vater der Barmherzigkeit, gieb mir Muth im letzten Streit! 3. Herr! erhöhe mein Vertrauen; mehre meine Luft an dir; laß vor'm Grabe mir nicht grauen! ach, zur Rechten steh' du mir; gieb mir Muth und Kraft zum Siege! gieb nicht zu, daß ich erliege; Jesus, denn ich glaube dir! hilf im Kampfe, Helfer, mir! 4. Wenn mir alles Licht verschwindet, Ohnmacht mich und Nacht umgiebt, g'nug, wenn nur mein Herz empfindet, daß mich Gott, mein Heiland, liebt! diesen Trost laß mir nicht fehlen, Freund und Retter unsrer Seelen! deine Lieb', ich bitte dich, trost' in meinem Tode mich. 5. Mehr, als kein Erschaff'ner faffet, weißt du, Herr, was Sterben ist, denn du bist am Kreuz erblaffet, auch für mich, o Jesu Chrift! nun, du wirst auch mich bemerken und mein Herz im Tode stårken! hilft kein Le bender mir mehr, o so hilf, Allmächtiger! 6. Laß mich in dein Herz eindringen, sehn dein freundlich Angesicht; hilf mir mit dem Tode ringen! schone meiner im Gericht! Müden kannst du Stårke ge ben! Jesus, du lebst; ich soll leben! wenn mein Herz im Sterben bebt, o so denk' ich: Jesus lebt! 7. Jesus! ach, bei deinem Tode, deinem Blute bitt' ich dich: ach, verlass' mich nicht im Tode! ach, et Bei Erwartung des Todes. 617 barm' dich über mich! hilf mir froh und selig sterben! hilf mir deinen Himmel erben! hilf mir! ach du starbest ja auch für mich auf Golgatha! Mel. Herzliebster Jesu, du hast se. 691. Herr, fey mirc nah! mein Sterben ist vorhanden, mein Geist entreißt sich bald des Körpers Banden; Herr, fey mir nah' und laß mich selig sterben, den Himmel erben! ad 2. Wie du, mein Trost! am Kreuze bist gestorben und mir dadurch die Seligkeit erworben: so laß mich nun auf deinen Tod abscheiden zu deinen Freuden.comd 3. Vergieb, o Vater! denen, die mich hassen, die ihren Haß mich wohl empfinden lassen; vergieb du denen, die es nicht verstehen, was sie begehen. 4. Vergieb auch mir, o Vater! alle Sünde, und was ich jetzt noch Böses an mir finde. Vergieb, wenn Fleisch und Blut mich wider Wissen von dir geriffen. 5. Die Meinigen empfehle ich deinen Händen; du wollest Sund' und Noth von ihnen wenden. Du wirst dies, Herr, nach deinem guten Willen liebreich erfüllen. 36. Ach Jesu, zeige mir jett deine Güte, gieb mir ein gläubig himmlisches Gemüthe, und richt' es ganz nach deinem Gnadenlohne, des Lebens Krone! 7. Ach, laß mich nicht in meiner Noth vergehen; laß mich die Kraft von deinem Leiden sehen. Im Durst nach Labsal laß mich nach dir blicken, mich zu erquicken. 8. Es ist vollbracht! nun endet sich mein Jammer; nun, schwacher Leib! schlaf' fanft in deiner Kammer, bis Jesus kommt, der giebt mir diese Glieder einst schöner wieder. 9. Nimm meinen Geist an meinem letzten Ende, Herr Jesu, auf in deine treuen Hånde! Sch bleibe dein, ich sterb' in deinem Namen; sprich, Jesu, Amen! unt Mel. Fren dich sehr, o meine Seele zc. 692. Naty den letzten Uugenlicken, fleh' ich zu dir, Herr, mein Hort! du wollst meinen Geist erquicken durch 648 In persönlichen Umständen. das segensvolle Wort, das dein Mund am Kreuze sprach, ehe noch das Herz dir brach, daß ich darauf meine Seele, wie du, freudig Gott befehle. 2. Ach! was für ein Wort erklinget, das mich Armen fröhlich macht und mein ganzes Herz durchdringet, da du rufft: es ist vollbracht! ach, vollbracht! o welches Wort! weicht, ihr Sünden, weichet fort! nun wird mir mein Herz gestillet, ja mit Freudigkeit erfüllet. 3. Herr! du hast's vollbracht! ich glaube, daß du es für mich vollbracht, und mir, sonst verworfnem Stau be, auch mein ewig Heil gemacht. Hab' ich Unrecht oft gethan, seh' ich dich, mein Heiland! an, so in deinem Thun, als Leiden, da ich soll von hinnen scheiden. 4. Dich will ich im Glauben faffen, meine Schuld sen noch so groß; hab' ich Vieles unterlassen, bin ich elend, arm und bloß: o so littest du für mich! gläubig stark ergreif' ich dich; Alles, was mich kann verklagen, ist von dir ganz abgetragen. 5. Heil der Sünder! dir sey Ehre, Preis sey deiner starken Macht, daß du, wie ich von dir höre, Alles, Alles haft vollbracht. Jesu! nicht in eig'nem Thun, nur in dir will ich beruhn; durch dein Leiden, Thun und Sterben werde ich dein Reich ererben. 6. Ja, Herr Jesu! dein Vollbringen ist's, worauf mein Heil beruht. Hilf mir nun im letzten Ringen und mach' auch mein Ende gut. So ist Alles wohlgemacht, Alles, Alles ist vollbracht. Gott, mein Vater! nun be fehle ich dir freudig meine Seele. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 693. Ich faffe, Bater, deine Hände und halte fie im Glauben fest. Berlass' den nicht an seinem Ende, der ewig sich auf dich verläßt; du bist mein Gott von Jugend auf, beschließ' auch meinen Lebenslauf. 2. Du hast nach deiner Vatergüte beständig wohl an mir gethan; erhör' auch meine letzte Bitte: nimm, Bei Erwartung des Todes. 649 Gott, mich dort zu Ehren an. Uch, Bater, Eins, noch Eins ist noth, ein guter Schluß, ein sel'ger Tod! 3. Du hast mich je und je geliebet, versorgt, gee stårkt, geschützt, regiert, mich oft erquickt, mit Kreuz geübet, oft wunderbar, stets wohl geführt. Wohin ich ging, wohin ich sah, war mir stets deine Güte nah'. 4. Auch jetzt auf meinem Sterbebette fieh' meine Noth mit Mitleid an. Erfreue, tröste, stårke, rette; nur du bist's, der mir helfen kann. Beschütze den, der an dich glaubt, daß er im Tode treu verbleibt. 5. Mein Heiland, treib' die Furcht zurücke, besiege meinen letzten Feind. Lenk' auch im Sterben meine Blicke auf dein Verdienst, o Seelenfreund! Sprich mir Trost, Muth und Freude zu und führe mich fanft ein zur Ruh'. 6. Ich übergebe dir die Meinen, du Vater der Barmherzigkeit; laß ihnen stets dein Trostlicht scheinen und bleib' ihr Gott zu aller Zeit. Behüte sie vor Unges mach und bringe sie mir selig nach. 694. Christus, der ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn; ihm hab' ich mich ergeben, mit Freuden fahr' ich hin. 2. Bald werd' ich nun, entnommen der Welt, bei Christo seyn, mich mit verklårten Frommen vor seinem Throne freun. 3. Bald hab' ich überwunden auf ewig meine Noth durch ihn, durch dessen Wunden ich bin versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Augen brechen, der Athem wird so schwer, daß ich nicht mehr kann sprechen: auch dann erbarm' dich, Herr! 5. Wenn Sinne und Gedanken verlöschen wie ein Licht, das hin und her muß wanken, weil ihm die Kraft gebricht: In persönlichen Umständen. 6. Dann laß mich sanft und stille und ohne schwere Pein, wenn es dein Rath und Wille, Erbarmer, schla fen ein. 7. Dann wandelt sich mein Leben und wird Unsterblichkeit; dann wirst du mich erheben zur wahren Seligkeit. 8. Wenn ich da bei dir wohne, wo man dich wür dig preist: wie wird vor deinem Throne so selig sein mein Geist! 650 Der sterbende Gerechte beim Abschiede von den Seinigen. 695. Kommt her, an meines Lebens Ende, Geliebte! reicht mir noch die Hände; jetzt wall' ich noch im Thras nenthal, doch bald sind meines Lebens Stunden auf ewig mir und euch verschwunden; ich weine heut' zum letzten Mal! zum letzten Mal! O weinet nicht zu laut vor Got tes Angesicht! 2. Send männlich! stårket mein Gemüthe! helft mir im Kampf, preist Gottes Güte; o preist sie, betet an mit mir! ach, an den letzten meiner Tage vernehmt, Geliebte, was ich sage: weint nicht zu sehr, denn Gott ist hier! Uch, hört mich und vergeßt es nicht, was euer Freund noch sterbend spricht: o betet mit mir an 3. Ich ward, denn deine Güte wollte, daß ich ent stehn und leben sollte. Ich bin, und helft mir Gottes Huld erhöhn! ich bin, und werde Gott! nicht vergehen, so wenig Gott vergehen kann. Gott! wie kann ich g'nug mich freun! so lang' du seyn wirst, soll ich seyn. 4. Ja, meines Gottes Huld und Liebe ist unaus sprechlich; jene Liebe, die tausendmal mein Herz empfand, fie führte mich in meiner Jugend. Wie liebreich lenkte mich zur Tugend, o Bater, deine Baterhand! was du mir thateft, war nur Huld, nur Treue, Langmuth und Geduld. - - Bei Erwartung des Todes. 651 5. Schon frühe konnt' ich Jesu Lehren, schon früh von Gottes Wundern hören, schon frühe ward ich Gott geweiht; schon in der Kindheit ersten Tagen hört' ich von deiner Liebe sagen, o Vater der Barmherzigkeit! voll Freude seh ich auf dies Glück mit Dank und Lob, mein Gott, zurück. 6. Sa, Gott, Erlöser, meine Freude, mein Troft warst du in jedem Leide und deine Liebe meine Lust; für deine Lehrer, für dein Leben soll ewig dich mein Mund erheben, dich ewig preisen meine Brust! nimm, weil ich's hier nicht besser kann, o Jesus, jetzt mein Stammeln an! 7. Für deine Arbeit, Qual und Schmerzen erheb' ich dich mit vollem Herzen! erhebt, Geliebte, Gott mit mir! Ach, möchtest du ihr Herz entzünden, Gott, deine Liebe zu empfinden! ach, Gott, erfülle sie mit dir! so viel ihr Herz Empfindung faßt, empfind' es, wie du lieb sie hast. 8. O danket, Herzgelicbte, betet den Gott, der mich so oft errettet, mit mir den Ewigtreuen an! wie oft, wie oft riß seine Gnade zurück mich von des Lasters Pfade und führte mich die rechte Bahn! er gab mir Stårke, war ich schwach, und ging mir, wenn ich irrte, nach. 9. Ließ ich zur Sünde mich verleiten und schlich der Reiz der Eitelkeiten zu schnell ins unverwahrte Herz: o hört's, ihr Schwachen, Unerfahrnen! wie bange ward mir! laßt euch warnen! treibt mit der Sünde keinen Scherz! ich betete, Gott stärkte mich, bis fern von mir die Sünde wich. 10. Sie schlägt der Seele tiefe Wunden. Gekämpft, gekämpft und überwunden, ja überwunden muß es seyn! Entschlich ist vor Gott die Sünde; sie stürzt in ewigtiefe Schlünde, und ihre Luft wird Höllenpein! sie ist o hört's und glaubt der Schrift! tend Gift. sie ist ein ewig töd- - - 11. Schäßt nicht zu hoch der Erde Güter! erhebt die himmlischen Gemüther weit über Land und Pracht 653 In persönlichen Umstånden. und Geld! wie nichts, wie unwerth des Bestrebens sind fie für Erben jenes Lebens, für Bürger jener bessern Welt! wie nichts ist alle Lust der Zeit für Kinder der Unsterblichkeit! i 12. Send muthig, widersteht den Lüften! seht nur auf Jesum! bleibet Christen! der Herr ist Gott! der Herr ist Gott! kein Satun soll euch wankend machen; nicht immer wird der Spotter lachen, einst wird sein Scherz, einst wird sein Spott in Angst und Scham verwandelt seyn; dann, Christ, ist Freud' und Ehre dein! 13. Müßt ihr für Recht und Wahrheit leiden, so duldet gerne und mit Freuden Verlust und Schmerz und Tod und Schmach. Groß ist der überwinder Würde, und ihrer zeitlich leichten Bürde folgt ewige Erquicung nach. In jedem, jedem Leiden denkt, daß Gott uns nur aus Liebe kränkt. 14. Gott ist die Liebe! lauter Liebe! wie, wenn ich immer bei euch bliebe, so, Herzgeliebte, liebet euch! haltet brüderlich zusammen; und liebt in Jesu Christi Namen einander, Jesu Christo gleich! und feyd vor Gott in Freud', im Schmerz nur eine Seele, nur ein Herz! 15. Fern, ewig fern von 3ank und Streite seydimmerdar! noch hier, noch heute umarmet euch und schaut mich an! nie, nie befleck' euch, theure Seelen, die Hö lenfreude, den zu quälen, der heute noch wohl sterben kann! entsetzlicher Gedanke! nein, ich weiß, ihr werdet Brüder seyn! 16. Und Brüder, Schwestern auch der Armen, voll Menschlichkeit und voll Erbarmen! erleichtert gern des Nächsten Noth! folgt jedem gütigen Gedanken! erquickt die Schwachen, labt die Kranken! theilt mit den Armen Kleid und Brod! umfangt mit liebevollem Geist, wer Bruder, Chrift und Mensch nur heißt. 17. Auch Feinde segnet herzlich! liebet auch den, der boshaft euch betrübet, und Seden, der euch übel will! Bei Erwartung des Todes. 653 das füllt mit Bonne unser Leben: vergebt, so wird euch Gott vergeben! Gott kennt euch! schweigt und leidet still! denn, ach)! vor Gottes Strafgericht besteht der Feind des Feindes nicht. 18. Und immer, wo ihr steht und gehet, Geliebte, betet, feufzet, flehet zu Gott, dem Hörer des Gebets! wenn alle Menschen euch verließen; in Bangigkeit, in Finsternissen, im Glück, im Unglück betet stets! vor dem Gebet flieht jede Qual; ich hab's erfahren tausendmal. 19. Vergeßt, vergeßt nicht dieser Lehren! ihr werdet fie nicht immer hören; einst liegt ihr, wie ich, sterbend da. Die Stunde, da man euch beweinet, da Alles, wie es ist, erscheinet, vielleicht ist schon die Stunde nah', wo jede Hand, die mich noch faßt, auch můd' ist, zittert und erblaff't. 20. Ach! dann am Abend unsers Lebens ist jeder Wunsch und Trost vergebens, wenn unser Herz ihm widerspricht! ach! dann ist oft die Reu' zu späte!- drum fleh' ich noch am Sterbebette mit meinem Auge, das jetzt bricht, mit heißen Thrånen, schaut mich an:- flieht, was im Tod euch reuen kann! - 21. Uch! konnt' ich noch, eh' ich erblasse, euch, die ich All' im Geist umfasse, g'nug segnen noch und glücklich fehn! bleibt auf der Tugend schönen Wegen! nein, Seelen, keinen bessern Segen kann ich vom Himmel euch erflehn: die Tugend Christi, Christi Heil sey, theure Herzen, euer Theil! 22. Hieher! in meine Hand zu schwören: den Gott, der euch erschuf, zu ehren, ihm ewig, ewig treu zu seyn! ihm, der einst Sündern auch geschworen, daß Keiner, Keiner sey verloren, der sich will Jesu Christo weihn! ein 3eug' ist zwischen euch und mir; mein Tod und Gott; denn Gott ist hier! In persönlichen Umständen. 23. Und nun, wenn ich euch je betrübte, verzeiht mir, ach verzeiht, Geliebte, die Fehler, die mein Herz bereut! mein Herz ist voll der reinsten Triebe, voll Se gen für euch, voll von Liebe, Gott weiß es, voller Zärt lichkeit; gern bitt' ich jeden Fehler ab; vergebt mir, wie mir Gott vergab! 24. Viel Gutes habt ihr mir erwiesen; für Alles sen der Herr gepriesen! für Alles sagt mein Herz euch Dank! für jedes Trostwort, jede Lehre, für jedes Mit leid, jede Zähre, die je aus eurem Auge sank! Gott weiß es, was ihr mir gethan, Gott, der vergelten will und kann! 654 25. Dies denket, würd' euch auch noch bånger; doch weint, Geliebte, nun nicht länger; ihr weintet, daß ich felig bin; mein Gott wird eure Seelen trösten! hin zu den Schaaren der Erlösten, zu meinem Heiland geh' ich hin! ach! gönnt mir gern des Himmels Glück und wünscht mich nicht zu euch zurück! 26. Nun ringt, und eilt, mir nachzukommen! voll Sehnsucht mit viel tausend Frommen erwart' ich euch, Geliebte, dort! dann, dann wird uns kein Tod mehr trennen, kein Schmerz uns wieder kränken können; Ge liebte, strebt und kämpfet fort! wie bald ist jeder Tag entflohn! wie herrlich ist der Siegeslohn! 27. D könntet ihr, was ich, empfinden, ihr über wåndet alle Sünden, besiegtet jede Leidenschaft! helles Licht der Ewigkeiten, wen du bestrahlest, hat zum Strek ten, zum schnellen Siegen Heldenkraft! du Glaube, du den Jesus lehrt, bist mehr, als alle Weisheit werth! 28. Wie herrlich ist des Glaubens Ende! ja, Va ter, nun in deine Hände befehl' ich ewig meinen Geist! ihr Kinder Gottes, Christi Brüder, werft cuch vor Gott noch tiefer nieder und betet mit mir an und preist!! Gott! wie dürftet mich nach dir! nimm meine Seele ball von mir! Für Sterbende. 655 29. Wonne, die ich vor mir sehe! ich werde Gott schaun; denn ich gehe, wo alle Todten Gottes sind! Wie leicht, wie nichts wird mir mein Leiden! ich schmecke schon des Himmels Freuden, ich sterb' und sterb' als Gottes Kind! o, theure Seelen, denkt ihm nach, was ich am Todeåtage sprach)! 10. Sür Sterbende. 696. Auferstehn, ja auferstehn wirst da, mein Staub, nach kurzer Ruh'! unsterblich's Leben wird, der dich schuf, dir geben. Hallelujah! 2. Der Freudenthránen Tag wird dann seyn! mit Jesu gehn wir cin zu seinen Freuden; der Müden Pilgers Leiden sind dann nicht mehr! 3. Ach, ins Allerheiligste führt mich mein Mittler, dann leb' ich im Heiligthume zu seines Namens Ruhme! Hallelujah! Mel. Wer nur den lieben Gott ic. 697. Ich will dich noch im Tod erheben, selbst nah' am Grabe preif' ich dich; zum Segen gabst du mir mein Leben, du nimmst es mir und segnest mich. Mein Leben sucht' ich dir zu weihn; mein Tod auch soll dir heilig seyn. 2. Gott! welche feierliche Stunden, wenn du mich nun der Erd' entziehst, auf mich, den du getreu befunden, voll schonender Erbarmung siehst! Allmächtiger, in dein Gericht gehst du mit mir Erlöstem nicht. 3. Der Leib wird schwach; die ird'sche Hütte, in der mein Geist hier wohnt, zerfällt; schon gehen meine müden Schritte den Weg zu Gott aus dieser Welt. Ich bin getroft und zage nicht, denn Gott ist selbst mein Heil und Licht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, da du für mich, Erlöser, starbst? er ist durch dich der Weg zum Leben, das du am Kreuze mir erwarbst. Wie du Gott siehst, werd' ich ihn sehn, und auch, wie du, einst auferstehn. In persönlichen Umständen. 5. Laß Qual und Leid mein Grab umringen und mir die letzten Schrecken dráun, du halfft die Sünde mit bezwingen; den Tod darf ich mit dir nicht scheun; so nah' dem Lohn, den Gott verspricht, so nah' am Ziele sink' ich nicht. 6. Du wacheft über meine Seele, wenn ihre Stärke fich verliert; giebst deinem Engel schon Befehle, der sie zu deinen Freuden führt, des Todes Nacht um mich ver scheucht und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, selbst nah' am Grabe preif' ich dich; denn ewig werd' ich vor dir leben. Wie fegnet dann dein Antlitz mich! o Tod, o Sterben, mein Gewinn! wohl mir, daß ich erlöfet bin! 656 Mel. Herzlich lieb hab' ich dich zc. 698. Noch einmal blick ich auf zu dir, noch einmal, Bater, falt' ich hier vor dir die welfen Hände. Gott, nach Erlösung sehn' ich mich; o gieb, daß ich, gestärkt durch dich, den letzten Kampf bald ende! Der du der Deinen Flehen hörst und Leben Sterbenden gewährst, wenn nun mein sterbend Auge bricht, ach dann verlaff', verlass mich nicht! Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! zum Leben führ' mich durch den Eod. 2. Noch einmal, Vater, preif' ich dich voll Dank, eh' meine Lippen sich im Todesschlummer schließen. Mehr Huld und Liebe hast du mir in diesem ersten Leben hier, als ich verdient, erwiesen. So viele deiner Wunder fah ich hier bereits, was werd' ich da für Wunder schaun, wenn nun mein Geift dich nah' an deinem Throne preist! Herr Jefu Chrift! bald laß auch mich, bald laß auch mich im bessern Leben preisen dich. 3. Noch einmal blick' ich auf zu dir, noch einmal, Gott, empfehl' ich dir mich selbst und all' die Meinen. Berlaff, o Gott, verlaff' sie nie, still' ihrer Seelen Schmerz, wenn sie an meinem Grabe weinen. Ach, leite fie nadh Fürbitte für Kranke und Sterbende. 657 deinem Rath, führ' fie des Lebens schmalen Pfad, und wenn nun ganz vollbracht ihr Lauf, so nimm auch sie zu Ehren auf! Herr Jesu Christ! laß sie und mich! laß fie und mich am Freudenorte schauen dich! 11. Sürbitte für Kranke. Mel. Ach Gott vom Himmel zc. 699. Für alle Kranke bitt' ich dich mit brüderlichem Herzen: mein Gott! erleicht're väterlich die Last von ihren Schmerzen! sprich Tröstung allen Schwachen ein und laß auf dich und dich allein mit festem Muth sie trauen! 2. Des Gnadeniebens kurze Zeit, den Greucl ihrer Sünden und deine Treu' und Freundlichkeit laß, Vater, fie empfinden! stårk' und erwecke ihren Geist! gieb Jedem reichlich, was du weißt, das er bedarf zum Heile! 3. Den Geist der Ruh' und der Geduld, in dich sich einzusenken, o möchte, Vater, deine Huld den Schwachen diesen schenken! o möchte doch dein Will' allein ihr Wille, ihre Freude seyn, o Vater aller Gnaden! D 4. Gieb ihnen allen Kraft und Muth, die Schmerzen zu besiegen! sey du, o allerhöchstes Gut, ihr innigstes Vergnügen! laß durch den Trost der Ewigkeit die Leiden dieser kurzen Zeit versüßt den Frommen werden! 5. Den Kranken, der nun sterben soll, den lehre, Vater! sterben; ach! mach' ihn deines Trostes voll als einen Himmelserben. Ach! Jesu, mach' zu deinem Reich ihn fähig, deinem Bilde gleich, schon heilig hier auf Erden. 6. Den Kranken, der durch dich genest, den lehre heilig leber, der müsse dir, der ihn erlöst, sein Herz zum Opfer geben. Nicht mehr im Traum der Sicherheit, nein, eingedenk der Ewigkeit, müss' er unstråflich wandeln! 12. Sürbitte für Sterbende. Mel. Mitten wir im Leben sind sc. 700. Que, die zu dieser Zeit, da wir, Herr, dir fingen, sprachlos und voll Bangigkeit mit dem Tode ringen, Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 42 658 In persönlichen Umständen. die wollst du, Herr, erquicken. Sie liegen da und sehn hinab in das schauervolle Grab. Heil'ger Gott, Vater, hilf! Barmher'zger Heiland, hilf! Hilf, heil'ger, gnadenvoller Tröster! Du Gott unsers Heils! laß sie nicht versinken. In des Todes letzter Ungst erbarm' dich ihrer! 2. Uch, wohl Jeden, welcher gern flabet, die da glauben! kein TrunkWassers soll vom Herrn unvergotten bleiben. Wir wollten gern sie laben. Doch da sie nichts mehr laben kann, flehen wir für sie dich an. Heil'ger Gott, Vater, hilf! Barmherz'ger Heiland, hilf! Hilf, heil'ger, gnadenvoller Tröster! Du Gott unsers Heils! laß sie nicht erliegen. In der Stunde des Gerichts erbarm' dich ihrer! 3. Ach, weil er selbst, Jesus Christ, diesen Kelch getrunken, unter bång'rer Arbeit ist in das Grab gesunken! um seines Todes willen hör' unser brüderlich Gebet, das für sie um Gnade fleht. Heil'ger Gott, Vater, hilf! Barmherz'ger Heiland, hilf! Hilf, heil'ger, gnadenvoller Tröster! Du Gott unsers Heils, laß sie sanft entschlummern und einst fröhlich auferstehn! erbarm' dich ihrer! Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott 2c. 701. Du woll'st erhören, Gott, sein Flehn, mit ihm nicht ins Gerichte gehn, der jetzt der ernsten Ewigkeit sich naht, befreit nun bald von dieser Eitelkeit! 2. Des Lebens und des Todes Herr! nun ist für ihn die Zeit nicht mehr! du hast gezählet all' sein Haar, sein Todesjahr bestimmt, als keine Zeit noch war. 3. Erfüllt ist seiner Leiden Zahl! er leidet heut' zum legten Mal! ach! sey in seiner Todesnoth sein Helfer, Gott! ein Schlummer sey für ihn der Tod! 4. Vollende, Vater! seinen Lauf, nimm ihn zu nem Frieden auf! verlaff' ihn, wenn sein Herz nun bricht, verlaff ihn nicht, Herr! Herr! mit deinem Gnadenlicht. dei 5. Erleichtre ihm den letzten Schmerz! von dir er quicket, ruh' sein Herz! durch Jesu Todesschweiß und Blut, so ihm zu gut vergossen, stärke seinen Muth! Fürbitte für Sterbende. 659 6. In ihm vermehre deine Ruh', in seinem Herzen bete du, Geist Gottes! laß ihn glaubend traun, auf Se sum schaun, und so entgehn des Todes Graun! 7. Zeig' ihm die Herrlichkeit des Herrn, zeig' ihm den Gnadenlohn von fern; laß ihn den Himmel offen sehn und Jesum stehn bereit, ihn grådig zu erhöhn. 8. Ach! Gnade, Gnad' ergeh' für Recht! denn von dem menschlichen Geschlecht ist selbst der Heiligste nicht rein! wer kann wohl dein, Gott, ohne deine Gnade seyn! 9. Sen, Richter! ihm nicht fürchterlich; erbarme seiner Seele dich! Auch aus der Tiefe rufet sie! erhöre fie! erlöse, Gott, erlöse fie! 10. Behüte ihn in seinem Tod; ihn segne, segne, fegne, Gott! Wenn nun sein Auge sterbend bricht, leit ihn dein Licht; tröst' ihn mit deinem Angesicht! Sür einen sterbenden Religionsspotter. Mel. O wir armen Sünder zc. 702. Lief in Todesschmerzen liegt nun der Spötter da. Ohne Trost im Herzen ist er dem Richtstuhl nah', nah' dem Untergange, der nun nicht mehr verzieht. Uch, wie ist ihm bange um Trost, der vor ihm flieht! Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 2. Der du für ihn littést in tiefster Seelenangst, selbst den Tod bestrittest und siegreich ihn bezwangst, Gottmensch! er verschmåhte dein Leiden, deinen Tod. Du, der für ihn flehte, zeugst wider ihn vor Gott! Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 3. Er, der Sünd' ergeben, nie ihrer Lüste satt, kürzte selbst sein Leben durch seine Missethat. Strafe nicht, noch Gnade, nichts hielt den Frevler auf; auf des Lasters Pfade blieb unverrückt sein Lauf. Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 4. Aus dem langen Schlummer weckt ihn der Kranks heit Schmerz. Nie empfund'ner Kummer beklemmt sein 42* 660 In persönlichen Umständen. bebend Herz. Ihn, der Bosheit Rächer, den Richter, der ihn ruft, höret der Verbrecher, und zittert, daß er ruft. Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 5. Möchte doch der Sünder zu dir, o Mittler, fliehn! Todesüberwinder, vielleicht vertråt'st du ihn! Un des Grabes Stufen, den Tod im Ungesicht, möcht' er jetzt noch rufen: mein Gott, verwirf mich nicht! Herr, erbar me dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 6. Ihm entflieht die Stimme, nur seine Seele fleht: sprich nicht, Gott, im Grimme, sprich nicht: es ist zu spåt! Laß ihn nicht verderben, erlaff' ihm seine Schuld, zeig' ihm noch im Sterben die Größe deiner Huld. Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 7. Jesus Christus, flehe für ihn den Richter an! für den Sünder flehe, der nicht mehr flehen kann! Herr, auf deinen Namen schenk' ihm noch Zuversicht; sprich, o Vater! Amen! wer glaubt, stirbt ewig nicht! Herr, er barme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 8. Hört den Gott der Götter, wie furchtbar er euch droht! Eilt! vielleicht, ihr Spotter, send ihr schon mors gen todt! laßt von euern Günden, kehrt bald zu Gott zurück! schwer ist's, Gnade finden im letzten Augenblick! Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, ers barme dich! 9. Gott fährt einst im Grimme herab zum Weltge richt; der Verzweiflung Stimme rettet dann euch nicht! Felsen, uns zu decken, stürzt euch auf uns herab, vot des Richtstuhls Schrecken verbirg uns ewig, Grab! Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! insegnung eines Sterbenden. Mer. Wachet auf, ruft uns die Stimme zc. 703. Halleluja! Amen! Amen! Entschlaf' in jenem großen Namen, vor dem sich Erd' und Himmel beugt. Beim Absterben frommer Freunde. 661 Sieh', an deiner Laufbahn Ende bist du; er nimmt in seine Hände den Geist auf, der der Erd' entfleucht. Hör, o erlöster Geist, der bald am Thron ihn preist: Jesus Christus hat dich versöhnt, von ihm gekrönt empfähst du nun den Gnadenlohn. 2. Welcher Glanz wird dich umfangen, ist dir der Tag nun aufgegangen des Lebens nach der Todesnacht! Sen gesegnet! Amen, Amen! entschlaf' in Jesu Christi Namen, in ihm, der rief: es ist vollbracht! Nicht du, der Herr allein macht dich von Sünden rein, und du sündigst nun bald nicht mehr; der Brüder Heer, der Engel Heer nimm dich nun auf! 3. Noch ein Segen soll dich letzen: daß du verwesest! dies Entsetzen verfinst're deine Seele nicht! zwar wir gehen hin und såen hier den Leib, doch auferstehen wird er mit jenes Tages Licht! geh' ein zu deiner Ruh'; der Herr schleußt nach dir zu! Auferstehen nach kurzer Ruh', du Todter du, wirst du, zum Leben auferstehen! 13. Sür Betrübte, beim Absterben frommer Sreunde. Mel. Kommt her zu mir ic. 704. Ach, hier nicht mehr, ach, fern von mir bist du! ich weiß nichts mehr von dir, o liebe treue Seele! Entflohn aus meinen Armen weit bist du, vom Thal der Sterblichkeit, o beste, treu'ste Seele! 2. Der Freundschaft Labfal ist dahin; dein Trost, wenn ich verlassen bin, dein Mitleid, wenn ich leide; mir fehlt, mir fehlt die treue Hand am Weg' ins beff're Vaterland, dein Blick voll Ernst und Freude! 3. Ja, weinen darf ich, Gott, vor dir, daß du die fromme Seele mir so früh und bald entriffen. Die Wunde blutet sehr! und ich, ich flag', geliebtes Herz, um dich: Gott hat dich mir entriffen. senegal dior Snu Gottes Schoß? so sey ich will vor Gott mich 4. Doch ruhst du nicht in mein Schmerz denn noch so groß; 662 In persönlichen Umständen. beugen. Nein, Theure, keinen Augenblick wünsch' ich dich in den Staub zurück; geduldig will ich schweigen. 5. Der Leichnam ruht im kühlen Grab; Gott nahm ihm seine Schmerzen ab und jede Last von Leiden. Empor schwang sich der frohe Geist zu dem, der ganz die Liebe heißt, genießt nun Gottes Freuden. 6. Die Seele, die hier heilig war, fei'rt dort mit der verklärten Schaar den Sabbath der Erlösten; ift Wonne, Liebe, Dank und Licht, und lebt und schaut: das sollte nicht mein banges Herze trösten? 7. O Trost, o hoher Trost für mich; mein banges Herz, erheit're dich und fille deine Klagen! Erlöst von ihres Leibes Joch, lebt die geliebte Seele noch: und ich, ich sollte zagen? 8. Nein, stille will ich Gott vertraun! wer Jesu glaubt, wird dort ihn schaun, wird Seligkeit empfinden. Ich weiß: ring' ich vom Staub empor, so werd' ich, was ich hier verlor, im Himmel wieder finden. 9. 3war hört, wenn einst mein Auge bricht, mein Ohr von dir, o Theure, nicht Ermunt'rung, Trost und Segen. Doch wenn auf Gottes Wink mein Geist sich im Triumph dem Staub entreißt, so eilst du mir entgegen. 10. Dann schau' und bet' ich an mit dir; wir Beid' ein Herz; dann singen wir von weggeweinten Leiden und von der Tugend hohem Lohn; sind Freud' und Dank und schmecken schon des Himmels hohe Freuden! O Mouzeni mex Mel. Traurigkeit zc. 705. Dir, Gott, sey 310699 Ehr'! bei uns nicht mehr ist Jener, den wir liebten. Er entschlief zur Todesruh'; stårk uns, die Betrübten! Gh61m die 2. Er ist nicht fern, der Tag des Herrn! dann sehen wir uns wieder, fingen dem, der uns vereint, ewig Subellieder. 3. Er, der nun tobt, er lebte Gott und starb durch Jesum selig. Laß, wie er zu sterben, uns leben fromm und heilig. Beim Verluste seiner Kinder. 4. Für Alle, ja! ist Ruhe da, die Ruhe der Erlösten! wer im Glauben Liebe übt, den, den wird sie trösten! 663 5. Um Sarge hier geloben wir, als Brüder uns zu lieben; jedem Menschen Gut's zu thun; Niemand zu betrüben. Sür Eltern beim Absterben ihrer Kinder. Ewigkeit, du Donnerwort zc. Mel. 706. Ach, meine Kinder sind nicht mehr, mein traurig Herz ist hoffnungsleer, von Freuden leer mein Leben! ich sah sie wie den Frühling blühn; dir, Gott, hofft' ich sie zu erziehn, dir, der sie mir gegeben; mein Alter sollten fie erfreun, beim Sterben meine Pfleger seyn. 2. Herr, ich verehre dein Gebot! doch laß mich meiner Kinder Tod, Barmherziger, beweinen; du, unser Aller Vater, weißt, was 3årtlichkeit der Eltern heißt, o laß mich sie beweinen, verzeih' den Trieben der Natur; nicht murren, klagen will ich nur! 3. Auch meine Thränen preisen dich; sie sind die Beugen, Gott, daß ich die liebte, die du liebest, und nun im Lichte deines Throns, in der Erkenntniß deines Sohns und aller Tugend übest. Herr, meine Seufzer danken dir; du, du vertrautest sie nur mir. 4. Mit Thränen preis ich dich auch einst, wenn du zum Weltgericht erscheinst; ach! dann mit Freudenthrånen! dann werd' ich meine Kinder sehn, mit ihnen dankend vor dir stehn, mich nicht mehr bange sehnen. Dann werd' ich stets bei ihnen seyn und ewig mich mit ihnen freun. Sür eine Mutter besonders. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 707. War's dazu, daß ich euch gebar mit so viel Schmerzen, mit Gefahr, Geliebte meines Lebens? Den Beistand, den ich mir versprach von euch auf meinen spås tern Tag, den hoffte ich vergebens! 2. War dir's nicht möglich, Ewiger, des Todes, wie des Lebens Herr, mein Beten zu erhören? mein Flehn 664 In persönlichen Umständen. für sie stieg auf zu dir! und dennoch riefst du sie von mir; mit Recht vergieß' ich 3åhren. 3. Jedoch, Gott, was dein Wille thut, ist Weisheit, ist gerecht und gut, du kannst nicht unrecht handeln. Ich muß, ich will auch diesen Pfad, den mir dein Wink be zeichnet hat, dir ganz ergeben wandeln. 4. Ich will mich nicht durch Ungeduld unwürdig machen deiner Huld, nicht endlos mich betrüben. Verzeih' nur meine Schwachheit mir, und lehr' mich stille seyn vor dir und in Geduld mich üben. 5. Ich weiß, Gott, du erbarmest dich doch meiner, du erfreuest mich durchs frohe Wiedersehn! dann sollen dort an meiner Hand, die mir der Tod so früh entwandt, vor dir, Herr! dankbar stehen. 14. Beim Tode derer, die in Sünden gelebt haben. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt zc. 708. Richtet nicht, wenn Sünder sterben! wißt: es ist ein Einiger, welcher richten und verderben und vergeben kann der Herr! Er, der Gott ist, kann erretten, fann im Tode noch erretten. 2. Richtet nicht! denn wer kann wissen, wer von ihnen, wie ein Brand noch des Zornes Flamm' entriffen, bei dem Herrn Erbarmen fand? überschaut ihr alle Pfade seiner wunderbaren Gnade? 3. Aber heilig Dunkel decket, was Gott thun kann oder will. Durch der Sünder Tod erschrecket, stehe, wer noch irret, still, und wer steht- vernehmt es Alle!sehe zu, daß er nicht falle. 1 4. Laß nicht erst des Grabes Schrecken-ach, wie furchtbar sind nicht die! euch zur Heiligung erwecken; eilet und beschleunigt sie! die nur, welche heilig leben, dürfen nicht im Tode beben. 5. Die des Herrn sind, eh' sie sterben, eifrig nutzen ihre Zeit: selig sind sie, Gottes Erben, Erben seiner Der Christ in der Einsamkeit u. in Gesellschaft. 665 Herrlichkeit! o beharrt in Gottes Gnade auf der Jugend sichrem Pfade. 15. Ein Christ in der Einsamkeit. Mel. Gott des Himmels und der Erden ic. 709. Sa, zur Stille will ich fliehen, will durch Eingezogenheit dem Geräusche mich entziehen, das mich störet und zerstreut. Ruhig will ich und allein, Gott, mit dir beschäftigt seyn. 2. Nicht aus Wahn, noch Aberglauben, oder nur aus Eigensinn; nicht der Welt den Fleiß zu rauben, den ich Brüdern schuldig bin; weder wild, noch menschenscheu; nicht aus Stolz, noch Gleißnerei. 3. Nur zu prüfen mehr im Stillen, wie entschlossen, wie getreu, deinen Willen zu erfüllen, meiner Seele Wille sey; weiser noch zu werden, Herr, und im Beten eifriger. 4. Wenn in dir geweihter Stille meine Leidenschaften ruhn, werd' ich fester, strebt mein Wille, froher, was du willst, zu thun; und ich hab' durch deine Huld auch in Trübsal mehr Geduld. 5. Mehr empfind' ich deine Liebe, wo mich kein Gerausch zerstreut; stårker deines Geistes Triebe; mehr der Bukunft Herrlichkeit; heller seh' ich dein Gericht; mehr die Würde jeder Pflicht. 6. Jeder Täuschung dann entrissen, seh' ich näher, Gott, mein Ziel; freier sieht auch mein Gewissen, wo ich siegte, wo ich fiel; mehr auch flammt mein Herz sich dann zu der Tugend Kämpfen an. 7. Und so kehr' ich, theure Brüder, freudiger zu dem zurück, was mein Umt ist; lebe wieder unter euch, für euer Glück, um euch nützlicher zu seyn; um mich auch mit euch zu freun. 8. Aber meine Seel' erhebet sich zu dem, was sie erkor, zu dem Himmel, dem sie lebet, mun mit leichterm Flug empor, daß, von jeder Bürde frei, fie auch einst ganz selig sey. In persönlichen Umständen. 16. Der Christ in Gesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 710. Nicht mürrisch, finster, ungesellig ist, wer ein Christ zu seyn sich freut; ist ohne Schmeichelei gefällig; vereinigt Ernst mit Freundlichkeit; ist traurig mit den Traurigen und fröhlich mit den Fröhlichen. 666 2. Es liegt in keinem seiner Blicke, als wie in einem Hinterhalt, auflaurend schadenfrohe Tücke und Haß in lächelnder Gestalt. Sein Blick, kein Blick der Heuchelei, ist liebreich, offen, gut und frei. 3. Sein Untlik, heiter wie der Morgen, wird trüb' und seine Freud' entflieht, wenn er Bekümmerniß und Sorgen in seines Bruders Augen sieht, und strahlt in neuer Heiterkeit, wenn ein Getrösteter sich freut. 4. Er schleicht, für fromm erklärt zu werden, nicht traurig, Heuchlern gleich, einher. Doch Sünde, reizende Geberden haßt, wie sein Gott sie haßt, auch er. Er ist im Blick auch keusch und rein, stets fröhlich, ohne frech zu seyn. 5. Durch liebliche Gespräch erheitert er auch des Blöden Angesicht, und jedes Herz fühlt sich erweitert und freudenvoller, wenn er spricht. Denn, was er sagt und was er thut, ist anmuthsvoll, ist wahr und gut. 6. Er muß gefallen, er gebiete, er warn', er straf auch! er gebeut, er warnt, er straft voll Lieb' und Güte, mit Ernst und doch mit Freundlichkeit. Und tröstet er, wie leicht vergißt sein Bruder, was sein Kummer ist. 7. Sanft, redlich, sittsam, menschenfreundlich ist, wer ein Jünger Jesu ist, nie sclavisch, auch nicht über müthig, wenn er vor Undern glücklich ist. Ach, wären wir's, ach glichen wir, o Vorbild wahrer Liebe, dir! 8. In allen Worten und Geberden, in allen Thaten laß, o Herr, uns aller Menschen Freude werden, dit, Heiland, immer ähnlicher: so werden wir uns ewig freun und Gottes wahre Kinder seyn. Für Vornehme und Reiche. Sür Vornehme und Reiche. Mel. Vom Himmel hoch da zc. 711. Wer höher durch Geburt schon ist, als seine Brüder, kenn' als Christ des bessern Udels Werth und Pflicht; den fühl' er, den entehr' er nicht! 2. Er, sind ihm Brüder unterthan, er sey ihr Vaz ter, kein Tyrann; so mild und liebreich, als gerecht; er ist, wie sie, auch Gottes Knecht. 667 3. Nicht wähn' er, weil er groß und frei vor den Geringern ist, er sey erhaben über Recht und Pflicht und Rechenschaft: das wähn' er nicht! 4. Er sehe, mehr beglückt von Gott, nicht mit Verachtung oder Spott auf den, von dessen Schweiß er lebt, der ihm erwirbt, was ihn erhebt. 5. Er hasse Grausamkeit und 3wang, verpraffe nicht im Müßiggang, was Gott ihm giebt, beglückt zu seyn mit Undern; aber nie allein! 6. Froh neben ihm, mit ihm vergnügt sey, wer ihm seine Felder pflügt! Wohlthätig soll er seyn; denn er ward darum nur des Armen Herr! 7. Verloren schätz' er jede Zeit, wo er nicht wohl= thut und erfreut, und Wonne werde jeder Schmerz, den er geheilt hat, für sein Herz. 8. Er denn er hat mehr Macht und Zeit zu hòhern Thaten sey bereit, auch mehr zu thun für Volk und Staat, von dem er seinen Vorzug hat. 9. Verächtlicher, als Sclaven, ist im Tod einst Jeder, der vergißt, daß er des Vaterlandes Wohl auch mehr als Andre fördern soll. 10. Doch wenn er's nicht vergißt, so freut der Niedrige sich ohne Neid, weil der der Welt zum Segen lebt, den Gott mehr segnet, mehr erhebt; 11. Und spricht bei seinem Tode dann: das war ein edler, großer Mann! Er, durch der Tugend Glanz verklärt, war seines Glücks und Vorzugs werth! ( Bergl. 410. 448 450.) Für die im mittlern Stande. 18. Sür die im mittlern Stande. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen zc. 712. Sm Schweiße deines Angesichts arbeitest du; doch dir gebricht's nie, wenn du thust, was Gott gebeut, an Segen, an Zufriedenheit. 2. Thust du, was dir befohlen ist, so bist du frei wie Fürsten; bist vor Schmeichlern sicher; bist ein Mann, der seinen Gott nur betet an. 3. Auf keine Höhen hingestellt, dienst du doch deiner Brüder Welt; für dich hast du Dach, Kleid und Brod, und minder, als der Reiche, Noth. 668 4. Dein Brod hat Kroft und stärkt den Leib zur Arbeit; und dein Kind und Weib des Tages Last und Müh' vergißt, wenn es dein Brod mit Freuden ist. 5. Ist auch nicht köstlich dein Gewand, gewirkt von deines Weibes Hand: beneide du kein Feierkleid, oft deckt's ein Herz voll Gram und Neid. 6. In seiner Werke Herrlichkeit siehst du Gott tåg lich; dich erfreut der Sonne Glanz, der sanfte Mond; dich freut's, wenn Gott dein Werk belohnt. 7. Was hat der Reiche? mehr Pracht, mehr An sehn und mehr Glanz, mehr Macht, doch auch mehr Sorg' und Überdruß bei allem seinen überfluß. 8. Nicht mehr Gesundheit, Ruh' und Kraft, nut eine größ're Rechenschaft. Mühseligkeit ist Aller Loob, der Mensch sen niedrig, oder groß! 9. So dank denn Gott für deinen Stand; genieß die Gaben seiner Hand durch nüßliche Geschäftigkeit und kindliche Zufriedenheit. auf 10. Klag' nie, daß Gott nicht mehr dir gab; Alle wartet Tod und Grab. Auch du kannst dann ganz selig seyn und ewig dort des Herrn dich freun. 11. Nur strebe stets gewissenhaft und fromm zu feyn durch Gottes Kraft; im Glauben willig bis zum Tob AM zu halten, was dir Gott gebot! ( Bergl. N 439.) Register der Gesänge nach der Nummer. No 666 Auf meinen lieben Gott 607 Auf, schicke dich recht feierlich 191 Auf, Seele, nimm des 655 Aus deiner milden 704 Uus dunkler Tiefe, Herr, 314 Uus meines Herzens 706 413 Balb oder spät des Todes 282 Befiehl du deine Wege 133 Begleite mich nach 363 Bereite dich, mein Herz, 700 Bewahre mich, Herr, daß 251 Bin ich vor dir, o Gott, 640 Bringt her dem Höchsten 41 Bringt Preis und Ruhm 274 Ach Gott! uns schreckt Uch Gott, wir denken heut' Ach! heilig, selig ift Uch Herr, du allerhöchster Uch, hier nicht mehr, ach, Uch, höchster Gott, verleihe Ach, meine Kinder sind nicht Ach, treuer Gott, ich ruf' Ach, wann werd' ich Uch! wie verschieden ist Allein auf dich verlaff' ich Alle, die zu dieser Zeit, Alle Menschen müssen Algütiger, dein Gegenswort Allein Gott in der Höh' Allein zu dir, Herr Ullmächtiger, gerechter Gott! 662 Chrift, Ulles, was dich kränket, 415 Allmächtig großer Gott, 80 442 Christus, der ist mein Leben, Christ ist erstanden 694 184 Allen Christen und auch mir Ullen, welche nicht vergeben, Also hat Gott die Welt Also hoch hat Gott geliebet 185 97 Ullwissender, vollkommner Geist 15 Dank sey dir, ich lebe 172 Dank sey dir, Vater meines 531 Das Glück ist groß, das 193 Das Grab ist leer Um Kreuz erblaßt, Unbetung, Lob und froher Unbetung, Preis und froher Unbetungswürd'ger Gott Unbetung und Dank Un dich, mein Gott, Urzt des Leibes, Troft der Auf aufgespannten Schwingen Auf, Christen, preist mit mir Auf Chrifti Himmelfahrt Auf dich alleine will ich Auf dich, Herr, nicht auf Auferstehn, ja auferstehn Auf felfenfestem Grunde Uuf, Jesu Jünger, Auf ihrem Felsengrunde 456 127 Christ lang in Todesbanden 10 Das Wort, das uns der 376 Dein bin ich, Gott, dein ist 418 Dein Glück und 669 635 Dein, Gott, ist Majestät 559 Dein Heil, o Chrift! 365 Dein Reich, o Gott, ist 203 Dein sind wir, Gott, 362 Dein Wille, Herr und 354 Dein Wille ist's, mein Gott, 696 Dein Wort, o Höchster 296 Dem finstern Erdkreis 204 Dem Lande, dem du 213 Demuthsvoll komm' ich No 419 121 164 649 279 609 329 414 169 656 259 92 366 198 620 681 463 196 507 81 349 312 544 52 578 684 390 6 134 468 537 670 Register. No 532 Du bester Trost der Urmen, 154 Du bist ein Mensch: bedenk' 358 165 Du bist es, Gott, der 659 76 Du bist's, dem Ehr' und Ruhm 65 509 Du bist, o Gott, 2 Den Höchsten öffentlich Den Rathschluß deiner Der am Kreuz ist Der Creaturen Meister Der du der rechte Bater Der du die Liebe selber Der du uns als Vater Der du uns das Heil Der größte von den Schäßen Der Herr fährt auf Der Herr hat alles wohl Der Herr ist Gott, der Herr Der Herr ist Gott und Keiner Der Herr ist meine Zuversicht Der Herrscher aller Lande Der lette meiner Tage Der Mensch lebt selig, Der Tag hat sich geneiget Der unsre Menschheit Der Wollust Reiz zu Des Jahres Schönheit Des Leibes warten und ihn Des Morgens erste Stunde Des Vaters Sohn von Des Vaters und des Sohns Dich, Gott, lobt der Dich preif' ich, höchster Gott, Dich seh' ich wieder, Die auf der Erde wallen, Die Bahn ist rauh, auf Die dich nicht kennen, die Die Herrlichkeit der Erden Die schöne Tugend, mein Die Bunge, die vernehmlich Dies ist der Tag, da uns Dies ist der Tag, den Gott Dies ist der Tag, zum Segen Dies war die Nacht Dieses Herz vor Gottes 534 Ein Chrift soll nicht 159 550 Ein' feste Burg Dir dank' ich für mein Leben 67 Ein Fremdling bin ich 644 Ein Herz, o Gott, in Dir, Gott, der Hügel, That Dir, Gott, dir will ich fröhlich 69 Ein Kind, dem Keines Dir, Gott, sey Ehr'! 705 Ein Lamm geht hin Dir, Gott, fey mein Dank 478 Ein ruhiges Gewissen Dir, Gott, sey Preis und Dank 87 Einst reift die Saat, Dir, Herr, will ich nun Dir, unser Gott, ist Niemand Dir, Vater, dankt mein Dir, Welterlöser, Gottes Sohn, Du aller Menschen Vater, №o 663 686 Ein Tag ist wieder hin! 53 Entflohen sind auch dieses 488 Entschließe dich und thue 470 Erbarm' dich, Herr, du 448 Erbarmungsvoller Gott, 514 90 579 489 485 443 Du, der den eingebornen 490 Du, der nichts Böses thut 105 Du, der ordnet und ermißt, 379 Du Führer, der mit 202 Du, Gott, bist der Gerechte 364 Du Gott, der unsre Zuflucht 377 Du Gott, du bist der Herr 604 596 653 475 515 484 9 Du großer Gott, der du die 355 Du hast, o weiser Schöpfer, 161 Du hast uns, Herr, die Pflicht 401 240 Du hast uns, Jesu, vor 225 Du Herr der Seraphinen 625 Du Herr und Vater 589 Du flagst in schweren 398 Du flagst und fühlest 651 Ou liebst, o Gott, 396 Durch Adams Fall 619 Durch dich, Gott! bin ich, 128 Durch dich, o großer Gott, 487 Du sagst: ich bin ein Christ 308 60 Du sorgst, o Gott, nach 481 Du Vater deiner Menschenkinder 342 616 Du, von dem wir alles 569 Du weineft um Jerusalem 433 Du weifer Schöpfer 434 Du, welchen keine Welt 560 Du Welterlöser, Schuß 325 Du wesentliches Ebenbild 458 Du wesentliches Wort, 118 Du willst, Gott, daß mein 122 Du woul'st erhören, Gott, 66 646 465 141 22 77 580 436 438 460 95 464 209 139 119 500 701 309 215 252 427 114 150 395 250 628 634 263 286 295 Register. Erforsch' mich, Herr, Erhab'ner Gott, was reicht Erhalt' uns, Herr, Erhebt den Herrn, singt ihm Erhebet Gott! lobt ihn Erhebt ihn, meine Lieder, Erhöhter Jesu, Gottes Erinn're dich, mein Geist, Er kommt, er kommt, der Er kommt, er kommt zum Erschallt, ihr Freudenlieder Erwacht aufs neue, Gott, Erworben hat sich Erzeig' an mir, Gott, Es donnert! Gott, wie Es eilt der lette von den Es hilft uns unser Gott Es ist das Heil uns kommen Es ist gewiß, sie nah't, die Es ist noch eine Ruh' Es ist vollbracht! Es lag die ganze Welt Es stellte sich im Tempel Es werde Gott von dir Es werde Gott von uns Es woll' uns Gott Es zieht, o Gott, ein Ew'ger Gott, wie selig ist, Fern Tern sey von Ungerechtigkeit, Fest soll mein Hoffen Flieht, ihr traurigen Freiwillig hast du Freue dich! des Herren Freut euch, ihr Christen Froh führte Gottes Sonne Fröhlich soll mein Herze Früh mit umwölktem Für alle Güte sey gepreist Für alle Kranke bitt ich dich Fürwahr, du bift, o Gott No 148 Gerechter Gott, vor bein 336 Gerechter Gott, wir klagen 211 Gesegnet laß stets seyn 664 473 386 351 444 645 Getreuer Gott! wie viel Geduld 32 49 Gieb, Gott, wenn ich dir 615 Gieb mir das Wollen 587 Gieb mir, o Gott, ein 194 Gieb nicht deinem Unmuth 126 Gott ändert Zeit und Stunde 588 Gott, deine Gnad' ist unser 654 Gott, deine Gnad' sey 617 Gott, deine Güte 676 553 62 58 452 208 Gett, deine weise Macht 270 Gott, der an allen Enden 658 Gott, der du die Menschen 561 Gott, der du die Wahrheit 360 Gott der Vater wohn' 290 Gott des Himmels und 584 Gott, dir ist kein Geschöpf 506 39 611 28 253 Gott, dir sey ewig Preis 132 171 Gott, dir sey Preis und Dank 637 101 Gott, du bist von Ewigkeit 135 Gott, durch welchen alle 13 83 Gott, es ist deine Macht und 59 Gott, grenzenlos, 212 Gott hat mir seinen Sohn 667 Gott hat's gegeben 14 Gott, ich weiß es, Gott ist die Stärk Sott ist mein Hort! 483 Gott ist mein Lied! 461 Gedanke, der uns Geist vom Vater und Gelobet sey der Herr, Gelobet feyst du, Gott, für Gelobet seyst du, Gott, mein Gelobet seyst du, Herr Gelobet seyft du, Jesus Christ Gerechter Gott, dein 233 Gott ist's, der das Vermögen 188 Gott ist's, der eingesetzet 183 Gottlob! mein Lauf eilt 486 Gottlob, so geht mit gutem 197 Gott, meine ganze Seele 117 Gott, mein Licht, erleuchte 650 Gott, mein Vater, deine 631 Gott, mein Vater, sey 699 Gott sey Dank in aller Welt, 54 Gott sey gelobt für seine Gott sey Lob, és ift 293 Gottes Sohn ist kommen 494 Gott Vater, denk' an 671 No 38 Gott, vor deffen Ungesichte 70 Gott, was des Lebens 689 Gott weiß es Alles wohl 34 61 229 123 558 48 21 124 679 244 216 501 72 402 466 573 601 55 334 672 675 108 120 542 125 605 33 636 424 525 Großer Gott, erhab'nes Wesen 91 112 Großer Mittler, der zur 206 591 Großer Schöpfer, Herr 405 672 Register. Groß ist des Höchsten Güte Groß, majestätisch bist du, Halleluja! Amen! Halt im Gedächtniß Heiland, deine Menschenliebe Heil'ger Gott, hier stehen Seil uns! aus unsrer Herr, allerhöchster Gott, Herr, aller Weisheit Herr Christ, du ein'ger Herr Christ, es steigt des Herr, deine Ullmacht reicht Herr, dein Gesetz, das du Herr, deine Rechte und Herr, deine Sanftmuth Herr, den die Sonnen Herr, den in lauten Chören Herr, der da ist und der Herr, der du mir das Leben Herr, du bist meine Herr, du erforschest mich Herr, du Schöpfer der Natur Herr, es gescheh' dein Wille! Herr, es sind recht edle Herr Gott, den man dreieinig Herr Gott, der du erforschest Herr Gott, dich loben wir! No 163 306 369 Herr, sey gelobet, 383 Herr, fey mir nah'! Herr, stärke mich, 703 Herzliebster Jesu, du haft 199 Herzlich hab' ich dich lieb, 140 Herr, unser Gott, wer ist dir 606 Herr, vor deinem Ungesicht 98 Herr, wie du willst, so 292 Herr! wir singen deiner Ehre, 375 337 Hier bin ich! Jesu, zu 37 540 554 523 102 Hilf, Herr Jesu! laß gelingen, 598 131 Hilf Jesu, daß ich meinen 602 78 Sa, zur Stille will ich N 526 591 145 600 3ch auch, sind gleich matt 626 3ch bin ein Christ, 247 Ich bin getauft auf deinen 17 Jch bin Gottes, Gott ist 641 Jch bin ja, Herr, in deiner 633 Jch bin in dir, mein Gott, 190 Jch bin, o Gott, dein 44 3ch bin zur Ewigkeit 19 Sch danke dir, mein Gott, 373 Ich denk' an dein Gerichte, 20 Höchster, denk' ich an die 503 Höchster, dessen starke Rechte, 79 504 Höchster Tröster! komm' 454 Hosianna, Davids Sohn, 493 Herr Gott, du bist die Zuflucht 12 Sch eile meinem Grabe zu! 660 3ch faffe, Bater, deine 647 Ich freue mich der Herr Gott, nun sey gepriesen, Herr Gott, wir danken dir Herr Gott, wir preisen Herr, höre mein Gebet Herr, ich bin dein Eigenthum Herr, ich hab' von deiner Treu' Herr Jesu Christ, dich zu Herr Jesu Christ, du höchstes Herr Jesu Christ, mein Troft, Herr Jesu, deine Ungst Herr Jesu, Gnadensonne! Herr Jesu, Licht der Heiden! Herr, laß mich stets Herr, laß nach eitlen Ehren Herr, mache meine Seele Herr, mein Gott, ein gut Herr, meiner Seele großen Herr, mein Versöhner! Herr, nichts Gutes kann Herr, ohne Glauben Herr, präge deines Namens 260 ខ្លួន គ្ន ≡ ៩៩ ដ្ឋ ឥ ន គួ ទី ន ឌ ន: វិ គី ភ គ ទី ទី ន 432 Jch preise dich für deine 393 Jch preise dich, Herr, mein 391 3ch preise dich, o Herr, 453 Sch ruf zu dir, Herr 404 Sch finge dir mit Herz und 258 Ich Staub vom Staube 384 3ch trete vor dein Ungesicht 709 622 237 510 423 583 353 585 581 693 248 346 671 Ich freue mich, mein Gott, 302 Ich glaub' an einen Gott 564 Ich habe, Herr, entlastet 406 Sch hab' in Gottes Herz 538 Sch hab' in guten Stunden 278 Ich habe schon so manche 303 Ich hoff' auf keine Hülfe 176 Ich hoff', o Gott, 317 3ch fomme, Friedensfürst, 136 Sch komme, Herr, und suche, 522 528 417 682 435 422 294 289 410 Ich komme vor dein 409 Ich lobe dich und preise dich, 23 529 661 524 326 .50 285 479 Register. Ich weiß, an wen mein Ich weiß, daß das, was Ich weiß, daß mein Erlöser Ich will dich noch im Tod Ich will in meiner Einsamkeit Ich will, mein Gott, Ich will, o Bater, allezeit Ich will von meiner Jefu Chrift, durch dessen Jefu, deine heil'gen Wunden, Jesu, der du meine Seele Jesus, die erlösten Sünder Jesus ist mein Hirte; Jesus kommt, von allem No 226 Laß, o Herr Jesu, 426 Laß uns mit frohem Dank 246 Lebt Christus, was bin ich 697 Lehre mich, Herr, recht 480 Liebster Jesu, wir sind 51 Lob, Ehre, Preis und Dank 103 533 Lobsinget( Sott und betet an! es 86 267 Lobfinget Gott und betet an, preist 29 160 Lobt Gott, der uns den 639 207. 175 Lobt Gott, ihr, seine Knechte, 276 200 Mache bich, mein Geist, 323 Mag doch der Spötter 239 Mein bester Trost in diesem Jesus lebt, mit ihm auch ich. 195 Meine Lebenszeit verstreicht Jesum lieb' ich ewiglich, Jesus, meine Freude, Jesu, meiner Seele Licht, Jefus meine Zuversicht Ihr Alle, die ihr jetzt Ihr, die ihr war't verloren Im Schweiße deines In allen meinen Thaten In deinem Namen, Herr. In dieser Morgenstunde Ist auch ein Gott? Ist Gott für mich, so trete 307 Mein Erlöser, auch für mich 235 Mein Erlöser! der du mich 135 Mein Erlöser, Gottes Sohn 192 Mein erst Gefühl sey Preis 613 Mein ganzer Geist, Gott, 116 Mein Geist, ermuntre dich 712 Mein Geist erstaunt, 357 Mein Glaub' ist meines 680 Mein Gott, ach lehre mich 610 Mein Gott, du hast mir zu 1 Mein Gott, du heißest 230 Mein Gott, du prüfest Kein Lehrer ist dir, Jesu, Klag' nicht, mein Herz, Komm, du werthes Lösegeld, Komm, heil'ger Geist, pon Komm, Kind der Nacht, Komm, Sterblicher, betrachte Kommt, die ihr noch nicht Kommt her, an meines Kommt her, ihr Christen, Kommt her, Mühsel'ge, Kommt, kommt, den Herrn Kommt und laßt euch Komm, Wanderer, zum Grabe Komm zu uns, o Geift Kyrie, eleison! Kyrie, Gott Vater, 673 No 213 100 187 338 539 Laß deinen Geist mich Laß mich doch, o mein Laß mich nie, o mein Gott! Laß mich, o Herr, in allen Zaß mir alle Wochen seyn, Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. 173 Mir nad)! spricht Christus, 266 Mir sagt auf deinen Wint 411 Mit Ernst, o Menschenkinder, 89 Mit Preis und Danke 168 Mit welcher Pracht 43 557 288 546 Mein Gett, du schenktest 142 Mein Gott, du wohneft in der 318 Mein Gott, du wohnest zwar 110 Mein Gott und Herr! 496 Mein Gott, zu dem ich 156 Mein Heiland, deine Größe 577 Mein Heiland lebt, 257 321 Mein Heiland nimmt die 695 Mein Heiland, wenn mein 146 Mein Jefu, für dein Herz 319 Meinen Jesum laff' ich nicht 158 305 268 56 Meinen Jesum laff' ich nicht, denn 129 219 Mein Schöpfer, Lehre mich 137 Mein Schuß ift Gott, ihn 492 Meine Seel', ermuntre dich 603 Mein Vater und mein Gott, 356 147 315 40 Mein Vater und mein Richter 688 Mensch! entehre nicht mit 439 568 152 511 180 614 255 68 673 238 310 350 345 313 5 388 336 275 281 104 249 264 320 683 106 630 638 674 Register. No 254 O großer Gott, du 392 D großer Gott, wir danken Rah' den letzten Augenblicken, 692 Haupt voll Blut Nein, murren will ich nicht, Nicht, daß ich's schon 678 491 328 heil'ger Geist, kehr' bei Heiligster, wen nennst Herr, dein seligmachend 380 Nicht mürrisch, finster, 710 210 495 hilf, Christe, Gottes Sohn 149 himmlische Barmherzigkeit 441 16 O Himmelsbrod! 530 455 OHöchster, dessen Kraft 657 Nicht nur streiten, überwinden 330 Nicht um ein flüchtig Gut Nie bist du, Höchster, Nie will ich wieder fluchen, Nimmt Gott, dem wir Noch einmal blick ich auf Noch immer wechseln Noch läßt der Herr mich Noch nie hast du dein Wort Noch wallen wir 63 O Jesu, der du als ein Lamm 520 698 O Jesu der voll Schmerzen 685 179 57 O Jesu, Jesu, Gottes Sohn! 322 618 Lamm Gottes, 35 O, meine Seel', erhebe dich 245 O felig, felig send ihr 8 582 Noch war kein Himmel, Nun bitten wir den 46 schrecklich Leid der Ewigkeit 593 497 O treuer Gott, dein heil'ges 499 374 O Vater der Barmherzigkeit 272 96 O Vater, der die Liebe ist, 549 519 Nach einer Prüfung Nach meiner Seelen Nun danket Alle Gott; Nun freut euch, Christen, Nun grabt den Leib Nun, ich danke dir Nun laßt uns freudig treten Nun laßt uns Gott, dem Nun lob' mein' Geel' den Herren Nun ruhet in den Wäldern Nun tret' ich wieder Bater, groß von Gnade, welch ein unschäßbares 599 Welt, sieh' hier 372 wie uraussprechlich 368 O wundergroßer 624 612 Preise dankbar, mein Christenheit, fey hoch O du erhab'ner Gott, Preis, Preis sey Gott! 115 Preis sey dir, der 340 Preist unsern Gott, er ist 347 Preist unsern Gott, ihr 592 Preis und Lob und O ewig licht, o höchstes Gut! O Gott, Beherrscher aller O Gott, den alle Himmel 47 Prüfe dich), o Seele, wohl D Gott, der du aus Herzensg. 74 Quelle der Vollkommenheiten 344 D Gott, der du so liebevoll 551 O Gott, der du zur 400 O Gott des Himmels O Gott, deß starke Hand O Gott, du bist die Liebe O Gott, du bist mein Preis D Gott, du frommer Gott, O Gott, du böchster Geist, O Gott, du kannst den O Gott, du kennest unfre Gott! du nur, du konntest O Gottes Sohn, Herr Jesu O Gott, mein Schöpfer, O Gott, mit froher O Gott, sey unsrer Obrigkeit O Gott, von dem wir Alles No 271 597 167 570 182 394 166 256 201 527 223 469 26 107 304 517 3 Redlich will ich mich 459 708 27 Richtet nicht, wenn Sünder 30 Rund um uns her ist nichts 642 316 Schaffet, schaffet, 265 586 11 262 36 Schon ist der Zag 652 Schwingt, heilige Gedanken 665 Seele, Seele! willst du nicht 508 Seele, willst du Ruhe finden, 518 291 Gelig, Gott, sind sie, die 381 Gelig find des Himmels 228 Gelig find, die Gottes Wort 541 467 Seligkeit ist es, o Seele, 643 Sen getreu bis an das Ende, 331 574 575 349 Register. Sen hoch gepriesen, Herr, Sen Lob und Ehr' dem Sen nicht stolz, Geschöpf Sey, Seele, stark und Sieh', Gott, den schon Sie kommt, fie kommt, die Sink' ich einst in jenen So gehst du, Jeſu, So grabt denn mein So Jemand spricht: ich So lang' ich athme, Gott, Sollt' ich meinem Gott nicht Sollten Menschen, meine Sorge doch für meine So wahr der Allerhöchste So wahr ich lebe! spricht Stärke, Mittler, stärke sie, Still, niedrig, ohne Straf' mich nicht Tag, der den überwinder Tief in Todesschmerzen Treu ist der Herr und Umsonst, umsonst verhüllft Unerforschlich sey mir immer Uns heilig soll der Bater, laß mich Gnade Bater, Vater, voll Gebrechen Verleih', Gott, daß die Verleih' uns Frieden Vernimm, Gott, was ich flehe Verwirf, verwirf mich Verwirf, verwirf, o Gott, Voller Ehrfurcht, Dank und Von Ungst dahin gerissen, Von dir, du Gott der Von dir kommt jede Von dir, liebreicher Gott! Wach' auf, mein Herz! und War's dazu, daß ich Warum bin ich so betrübt? Warum erbebst du, No 178 Warum sollt' ich mich denn 370 Was für ein Lob 389 Was für Leiden, 421 Was Gott thut, das ist wohl471 gethan; es bleibt 562 Was Gott thut, das ist wohl632 gethan, so denken 155 Was helfen mir 571 Was hilft es mir, ein Christ 445 Was ich nur Gutes habe, 674 Was ist alles Glück der 71 Was ist mein Leben 428 446 Was ist mein zeitlich Leben, 407 477 Was ist, o Gott, im Himmel 333 687 Was ist's, daß ich mich quäle? 430 261 Was ist vor deinem Angesichte 513 Was kann ich doch 84 300 352 144 Was mein Gott will, 359 277 Was soll ich ängstlich klagen Was sorgst du ängstlich 567 181 Weh mir! wenn Gott nicht wär' 45 702 Weicht, ihr Zweifel, 437 565 361 Weil nichts gemeiner ist, Welch ein segensvoll 543 462 18 Welch Glück, o Gott, ist 24 Welch hohes Beispiel 474 Wenn böse Lüfte 324 327 217 298 440 242 214 431 Wenn Christus seine 280 Wenn dich die Liebe Gottes 690 Wenn Einer alle Kunst 476 Wenn einst mein sterbend 668 Wenn Feinde deines 301 Wenn gleich in tiefer 269 Wenn Gott von seinem 512 Wenn ich am Fuße 521 Wenn ich ein gut Gewissen 332 Wenn ich einst von jenem 472 Wenn ich, o Schöpfer, 545 Wenn mich die Sünden 451 Wen wird, o Gott, 170 Wer bin ich von Natur, Von ganzer Seele preis ich dich, 64 Wer bei dem Namen Von Menschenliebe Von dir, Herr Jeſu, Vor dir, o Gott, sich kindlich Wach' auf, mein Herz! die 675 No 425 371 177 420 648 224 311 387 348 287 Wer bin ich? welche 341 Werde munter, mein Gemüthe, Wer dieser Erden Güter 186 Ber Gottes Wege geht, 608 Wer Gottes Wort nicht hält 707 Wer höher durch Geburt 677 Wer Jesu Gnadenmaht 243 Wer kann alle Leiden 93 547 234 621 4 174 221 382 94 385 623 450 222 297 711 516 162 676 Register. No 555 Wie ungewiß ist, Herr, Wer kann, Gott, je was Wer mißt, Gott, deine Güte, Wer nur den lieben Gott Wer sich im Geist beschneidet Wer Sünde thut, entehrt Wer weiß, wie nahe mir Wie dunkel wäre nicht, Wie ein Geschwäg des Tags Wie getroft und heiter Wie göttlich sind doch Jesu Wie groß ist des Wie groß ist unfre Wie grundlos sind Wie lieblich ist dein Wie lieblich ist doch, Herr, Wie lieblich ist's, dort oben. Wie liebreich, Jeſu, Wie mächtig spricht Wie mannigfaltig sind Wie oft regt sich Wie fanft sehn wir Wie selig bin ich, wenn Wie felig, Gott, ist der Wie selig lebt ein Mensch, Wie sicher lebt der Mensch, Wie soll ich dich empfangen Wie soll ich dich würdig Wie? sollt' ich dich, mein Gott Wie theuer, Gott, ift No 576 31 Wie wichtig ist doch der Beruf, 85 416 Wie wird mir dann, o dann 595 130 Willkommen, du Geschenk 590 Will mich, o Gott, hienieden 563 Willst du den Reiz zur 669 7 Willst du der Weisheit 627 Wir danken dir, Immanuel, 236 Wir danken dir, o großer Gott 73 143 Wirf, blöder Sinn, 99 Umächt'gen- 25 Wir freuen uns, Herr, 429 399 339 113 343 3ur Arbeit, nicht zum 299 3u so viel Tagen, die mir 205 42 227 Wir glauben Ull' an einen 151 Wir Menschen sind zu dem, 189 Wir tragen diesen Leib 535 Wo eilt ihr hin, ihr 594 Wo flieh' ich Sünder hin 157 Wo ist ein solcher Gott, 232 Wohl auf, mein Herz, 397 Wohl dem, der beff're Schäße 412 283 Wohl dem, der ohne Wandel 220 241 Wohl dem, der richtig wandelt 457 367 Wohl, wohl dem Volke, 284 Wort aus Gottes Munde, 449 231 138 502 505 566 3u dir, erbarmungsvoller Gott, 482 109 3u dir fleh' ich, mein Gott! 556 378 3u dir, unendlicher! 670 498 572 408 273 403 629 Kirchen Gebete. Unendlicher, ewiger Gott! In Ehrfurcht anbetend nahen wir uns mit kindlichem Vertrauen dem Throne deiner Allmacht und Liebe, um deinen Segen für uns und unser ganzes Land zu erflehen. Zahllos und unermeßlich sind die Wohlthaten, die du täglich und stündlich über uns verbreitest. Dir, Vater des Lichts, Urquell aller Glückseligkeit! empfehlen wir mit fester Zuversicht alle unsere Schicksale. Erhalte nas dein göttliches Geschenk, unfre heilige Religion, und regiere uns mit deinem heiligen Geiste, daß wir würdig unserm erhabenen Christenberuf leben. Breite deinen Segen aus über alle Schulen und Bildungs- Unstalten des Landes. Laß jede derselben die Pflanzschule heilsamer Kenntnisse und christlicher Tugenden seyn! Segne jedes fromme Geschäft, das wir zu unserm eignen Wohl und zum Wohl unserer Nebenmenschen unternehmen und laß jede Freude, die du uns schenkst, und jedes Leid, das du nach deiner unerforschlichen Weisheit über uns verhångst, zu Stärkung unsers Glaubens und unserer Tugend gereichen! Blicke mit våterlicher Güte herab auf unsern erhabenen Beherrscher und walte segnend über das ganze Königliche Haus. Lange laß ihn, unsern geliebtesten König, den beglücktesten Regenten und die Wonne seiner Völker seyn! Thue wohl allen denen, die unter seiner våterlichen Regierung in ihren weiteren oder engern Wirkungskreisen für die Sicherheit, Ruhe und Wohlfahrt des Vaterlandes sorgen und laß sie in dem glücklichsten Erfolge ihrer Arbeiten und Sorgen für das allgemeine Beste die schönste Belohnung ihrer Bemühungen finden! Segne und beglücke alle Stånde. Stehe allen Leidenden mit Trost und Hülfe bei. Laß uns Alle, nach den Vorschriften der Religion Jesu Chrifti durch die heiligen Banden des Glaubens und der brüderlichen Liebe, zu einer großen und glücklichen Familie in deinem Reiche vereint, ein ruhiges und stilles Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. So segne uns Gott, unser Gott! ihm, dem Seligen und allein Gewaltigen, dem Könige aller Könige und Herrn aller Herrn, sey Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen! Zastom Sonutägliches Kirchengebet. dinl SOCI Dank, Lob und Preis sey dir gesagt, gütigster Gott und Vater! für die unschäßbare Wohlthat, daß wir dein göttliches Wort hören, und dadurch unsere ewige Glückseligkeit befördern können. Laß uns doch immer begieriger werden, deinen heiligen Willen recht zu er kennen, und nach demselben unser ganzes Leben einzurichten. Stårke unsern Glauben; vermehre die Liebe zu dir und allen Menschen und verleihe uns immer mehr Lust und Kraft, die guten Entschließungen und Vorsätze auszuführen, die wir durch deine Gnade gefaffet haben, damit wir ja nicht vergeßliche Hörer, sondern eifrige Thåter deines Worts seyn mögen. Und nun, barmherziger, gütiger Gott! vernimm unser demüthiges und gläubiges Flehen, das wir für alle Menschen vor deinen Thron bringen. Du bist ja Aller Vater; du hast sie alle geschaffen und durch Sesum erlöset; du willst auch nicht, daß Jemand verloren, sondern daß Jeder glücklich und selig werde. Ach, so nimm dich auch Aller gnädig und våterlich an! Regiere und leite mit deinem Geiste alle hohen Haupter und Regenten der Christenheit, daß sie, erfüllet mit Eifer für Wahrheit und Religion, Aufklärung und Besserung der Nationen befördern, damit der Glanz deines göttlichen Wortes endlich über alle Völker aufgehe, und dein großer Name von einem Ende der Welt bis zum andern durch reine Lehre und heiliges Leben verherrlichet werde. Walte insbesondere mit deiner Gnade über unsern geliebtesten, König; erfreue ihn durch deine Güte, und schenke ihm bei einer glücklichen Regierung Gesundheit und langes Leben. Beschüße und segne alle Glieder seines königlichen Hauses. Verleihe den zur Ver. waltung des Landes von ihm Verordneten, wie auch den Vorgesetzten unsers Fürstenthums den Geist des Raths, der Weisheit und des Verstandes, damit unter uns überall deine Ehre und das gemeine Beste beför dert werde. Gewähre unsern Mitbürgern einen erwünschten Fortgang ihrer Geschäfte und einen blühenden Wohlstand ihrer Familien. Bewahre uns vor Unglücksfållen, vor gefährlichen Versuchungen und schweren Leiden. Erbarme dich über Nothleidende und Bedrängte; tröste die Traurigen; richte auf die Niedergeschlagenen; verforge die Dürftigen; heile und stårke die Kranken. du Vater der Witwen und Waisen, du Beschüber der Verfolgten, hilf allen unglücklichen und elenden Menschen. Rette die Seelen, die durch Unglauben und Aberglauben, Irrthum und Zweifel verführet werden, und unterstütze die Lehrer des Evangeliums durch den Beistand deines heiligen Geistes, daß sie durch das Licht der Wahrheit den Verstand ihrer Zuhdrer auftlá ren, ihr Herz bessern und sie zur ewigen Seligkeit vor bereiten. Erfülle die Herzen aller Menschen mit der allgemeinen Bruderliebe, daß sie wie Kinder eines Vaters, einander zu helfen, und ihr gemeinschaftliches Beste zu befördern bereit und willig seyn mögen, damit wahre christliche Duldung, Verträglichkeit und Glückfeligkeit überall befördert, Wahrheit und Tugend immer weiter ausgebreitet, und dein heiliger Wille auf Erden, wie im Himmel, vollbracht werde. Erhöre, Gott, unsere Bitte; vernimm unser demüthiges Flehen, um Jefu Chrifti, unsers Heilandes, willen. Amen! blus 2015 20 Her Lieder- Anhang danisani zum Osnabrücker Landgesangbuch e. Religion. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 1. Religion, von Gott gegeben, sen ewig meinem Herzen werth! Wie traurig ist das Erdenleben für den, der deinen Trost entbehrt! Nur du erheiterst meinen Sinn, führst sicher mich zum Ziele hin. 2. O zeigt mir eine bess're Lehre, ihr Thoren, die ihr sie verlacht, die, mehr als sie, mir Trost gewähre; was habt ihr, das euch weise macht? Wo find' ich außer ihr das Licht, das durch des Lebens Dunkel bricht! 3. Sie ist es, die mich Gott erkennen, mich meinen Schöpfer lieben lehrt. Ich darf getrost ihn Vater nennen, darf sicher seyn, daß er mich hört. Sie ruft mir zu: dein Gott ist gut! Wohl dem, der seinen Willen thut. 4. Sie treibt mein Herz, sich selbst zu richten, sie schårfet meines Geistes Blick, belehrt mich über meine Pflichten und schreckt vom Bösen mich zurück; sie stårket des Gewissens Trieb und macht mir jede Tugend lieb. 5. Sie leitet mich auf allen Wegen; sie zeiget mir das höchste Gut; sie macht mir jedes Glück zum Segen und giebt im Unglück frohen Muth. Wo nichts, sonst nichts mich trösten kann, da hebt ihr wahrer Trost erst an. 6. Sie schafft dem Geiste hohen Frieden, verscheucht den sorgenvollen Sinn, und reichet jedem Lebensmüden den sichern Stab der Hoffnung hin, auf den er still und fest sich lehnt, so oft er sich nach Ruhe sehnt. Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 1 Anhang. 7. Sie läßt mich ewig's Dascyn hoffen, verkündigt mir Unsterblichkeit. Durch sie steht mir der Himmel offen und mein ist seine Seligkeit. Entschwinge dich der Erde Taud, mein Geist, empor ins Vaterland. 2 8. Ich weiß, ich weiß, an wen ich glaube; ich glaube fest und zweifle nicht. Kein Wahn, kein Witz des Spite ters raube mir jemals meines Glaubens Licht! Religion erhebe mein Herz; sie adelt mich in Glück und Schmerz. 9. Ja, du des Lebens reinste Wonne, begleite du mich bis ans Grab, und leuchte dann, gleich einer Sonne, mir vor ins Todesthal hinab. Mein erster Laut vor Gottes Thron sen Dank für dich, Religion. ( Zbieß.) Um Geburtsfeste Jesu. Mel. Wie schön leuchtet der ze. 2. Auf! stimme du mit frohem Dank, mein Geist, in jenen Lobgefang, davon der Himmel tonte, als der zur Welt hernieder kam und unsre Menschheit an sich nahm, der uns mit Gott verföhnte! Freu' dich innig! Er, dein Führer und Regierer, kam auf Erden, Licht und Heil auch dir zu werden. 2. Ja, Preis und Ehre, Gott, sey dir! Wie gnaden voll bist du auch mir in deinem Sohn erschienen! Du sen deft aus Erbarmen ihn, die dem Verderben zu entziehn, die schnöden Lüften dienen. Preis dir! daß mir neue Pfade zu der Gnade offen stehen, mich durch dich beglückt zu sehen. 3. Und wie vergelt' ich, Heiland, dir die große Treue, die du mir, schon eh' ich war, bewiesen. Du bahntest unter bitterm Leid auch mir den Weg zur Seligkeit. Sey hoch dafür gepriesen! Durch dich kann ich nun hienieden Gottes Frieden schon empfangen und einst volles Glück erlangen. 4. O gieb, daß ich an diesem Heil nun auch im wah ren Glauben Theil durch deinen Beistand nehme; daß ich hinweg vom Eiteln seh', die Wege deiner Wahrheit geh und dein mich nimmer scháme, bis ich durch dich, wenn Anhang. 3 ich sterbe, zu dem Erbe deiner Frommen auch dereinst werd' aufgenommen. de 5. Sch bringe dir ein dankbar Herz, bereit in Freuden, wie in Schmerz, wie dir's gefällt, zu wandeln. Verleihe du mir selbst die Kraft, nach deinem Wort gewissenhaft zu denken und zu handeln! Fröhlich will ich hier im Leben dich erheben und einst droben wonnevoll dich ewig loben. ( Dieterich.) Mel. Nun lob' mein' Seel' den ic. 3. Vom Grab', an dem wir wallen, soll, Jefu Chrift, dein Lobgesang empor zum Himmel schallen; dir opfr'e jede Seele Dant! Und jeder der Gebornen erfreu' sich Mensch zu seyn, und jeder der Verlornen rühm' es, erlöst zu seyn! 3um Heiland uns gegeben, erschienst du, Gottes Sohn! mit dir erschien das Leben, mit dir des Himmels Lohn. 2. Kommt, laßt uns niederfallen vor unserm Mittler Jesu Christ, und danken, daß er Ullen Erretter, Freund und Bruder ist. Er gleicht der Morgensonne mit ihrem ersten Strahl, verbreitet Licht und Wonne und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade auf unsre Welt herab; er leuchtet unserm Pfade durchs Leben übers Grab. 3. Frohlockt, ihr Mitgenossen der Erde und der Sterblichkeit! Er ist nicht mehr verschlossen, der Eingang in die Herrlichkeit. Zu unsrer Erde nieder kam Gottes ew'ger Sohn; nun hebt er seine Brüder empor zu Gottes Thron. Er war das Heil der Sünder, er bleibt es immerfort; hier sind sie Gottes Kinder und Gottes Erben dort. 4. Erhab'ner, dem die Menge der Engel und VerElärten fingt, vernimm die Lobgesänge, die dir dein Volk im Staube bringt. Uuch du warst einst auf Erden, was deine Brüder sind, ein Dulder der Beschwerden, ein schwaches Menschenkind. Was du nun bist, das werden einst deine Brüder seyn, wenn sie, entrückt der Erden, sich deines Anschauns freun. 5. Sind wir dann zu dem Lohne der Himmels- Bürger bort erhöht, dann sind wir nah' dem Throne und schauen 1* Unhang. deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne dringt dann der Dank zu dir; weit über Sonn' und Sterne erhaben, jauchzen wir. In aller Himmel Heere schall' unser Lobgefang: dem Ewigen fey Ehre! dem Welterlöser Dank! ( Sturm.) 4 Jesus in seinem Leben auf Erden. bid Mel. Gott, du frommer Gott 2c. 4. Erscheine meinem Geist, erhab'nes Bild der Tugend! erhelle mir den Pfad der Kindheit und der Jugend! Du Jesus, gingst den Pfad; dein Beispiel leite mich; denn ficher geht mein Fuß, seh' ich nur fest auf dich! 2. Du Heiliger, wie rein, wie unbefleckt von Sünde floh deine Jugend hin! Wie theuer ward dem Kinde, wie werth dem Jüngling schon nur das, was Gott gefällt! Vergebens lockte dich die eitle Lust der Welt. 3. So arm, so freudenlos, in Müh' und Kümmernissen, durch frühen Druck geübt, was Andern ward, zu missen: so flohn die Jahre dir der jugendlichen Luft; da seufzet schon der Gram aus deiner frommen Brust. 4. Doch du, gehorsam, stets bereit, des Vaters Wil len, wär' er auch Kreuzestcd, mit Freuden zu erfüllen, du trugft geduldig, still Verlust und Müh' und Schmerz, sah'st die Beglückteren und neidlos blieb dein Herz. 5. Dein edles Herz! wer mag die hohe Schönheit faffen, die göttliche Geduld, so schonend, so gelaffen, den himmlisch reinen Sinn, von Eigennut so fern; wer wür dig dich erhöhn, du frommer Knecht des Herrn! 6. Hat je dein reines Herz die kleinste Pflicht ver lehet? Den Leidenden gesehn und nicht mit Troft gelehet? Nicht gern gewarnt, belehrt, wo sich ein Mensch verirrt, und ihn mit treuer Hand auf bessern Weg geführt? 7. Versuchung ohne Zahl! hier Ruhm und Schmei cheleien, dort lockender Gewinn, hier bittrer Feinde Drauen umgaben, wo du gingst, dich, Heiliger, doch du gingst standhaft durch sie hin voll Glaubens und voll Ruh'. Anhang. 8. Boll hohen Friedens blieb bis an des Lebens Ende dein schuldlos Herz; dein Geist gab in des Vaters Hände sich ohne Beben hin. Vollendet war die Bahn; du sahst mit Himmelsruh' den großen Lohn sich nah'n. 9. Vollendeter, auch ich, auch ich kann ohne Beben in meines Vaters Hand die Seele übergeben, wenn sie voll Eifers, rein von des Gewissens Schuld, dir ähnlich ward an Treu', an Liebe, an Geduld. 10. Blict' auf, mein Geist, auf ihn; verschmäh' des Lasters Freuden; der Sünde Sold ist Tod und ihre Frucht ist Leiden. Wie Jesu weihe Gott des Lebens kurze Zeit, dann erbst auch du, wie er, das Reich der Herrlichkeit. ( Niemeyer.) 5 Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 5. Auf Erden Wahrheit auszubreiten, die Wahrheit, die vom Himmel stammt, die, uns zum ew'gen Glück zu leiten, das Herz zu Gottes Lieb' entflammt: dazu erscheinst du, Jesu, hier, von Gott gesandt, zum Heil auch mir. 2. Dies war das tägliche Geschäfte, darin dein Geist Vergnügen fand. Wie emsig hast du Zeit und Kräfte, beseelt von Liebe, angewandt, durch deiner Lehren hellen Schein der Menschenfeelen Licht zu feyn! 3. Ihr Licht, den Weg zu Gottes Gnade und ihrem Heil recht einzusehn- ihr Licht, auf diefem fel'gen Pfade mit sicherm Schritt einherzugehn- ihr Licht, mit freudigem Vertrau'n bis in die Ewigkeit zu fchau'n. 4. Und um der Welt dies Licht zu werden, wie willig übernahmst du nicht auch stets die größesten Beschwerden! Und drückte dich gleich ihr Gewicht, so trugst du doch, voll Gut' und Huld, sie gern mit himmlischer Geduld. 5. Was konnte deinen Eifer stören, das Glück, das Gott uns zugedacht, den Weg, der dahin führt, zu lehren? Du fürchtest keines Menschen Macht. Kein Undank, den die Welt dir gab, hielt dich von diesem Eifer ab. 6. Dein Licht ist auch zu uns gedrungen; du bist noch jetzt das Licht der Welt. Auf ewig fen dir lobgesunsey 6 Anhang. gen, dir, der das Dunkle aufgehellt, das einst auf ganzen Völkern lag. Die Nacht entfloh, es kam der Tag. 7. Wir sehen nun in größrer Klarheit, als es vor dir die Völker sahn, erleuchtet nur durch deine Wahrheit, zur Seligkeit die sich're Bahn. Der du auch uns zum Licht erschienst, wie groß ist um uns dein Verdienst! 8. Fürwahr, noch immer ist das Leben, das du auf Erden haft geführt, ein Segen, den uns Gott gegeben, dafür ihm ew'ger Dank gebührt; ein Segen, dessen auch mein Geist sich freut und dich, Erlöser, preist. 9. Ja, Preis sey dir, du bester Lehrer, auch mir zum Heil von Gott gefandt! O würde Jeder dein Verehrer, der deinen Werth noch nicht erkannt! Gieb, daß ich deiner Wahrheit treu und ewig durch sie selig sey. ( Meister.) Mel. Es ist das Heil uns kommen her zc. 6. Bis hieher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte. Bis hieher hat er Tag und Nacht bewahrt Leib und Gemüthe. Bis hieher hat er mich erfreut mit seiner Gnad' und Freundlichkeit, bis hieher mir geholfen. 2. Nimm Lob und Ehre, Preis und Dank, o Gott, füc deine Treue, die du bewiesen lebenslang mir jeden Tag aufs neue! In mein Gedächtniß schreib' ich an der Herr hat Großes mir gethan; bis hieher mir geholfen. 3. Hilf, mein Erbarmer, ferner fort, hilf mir durch Jesu Wunden, zu aller Zeit, an jedem Ort! Und in den letzten Stunden, da rufe mir mein Mittler zu: verzage nicht, denn mein bist du! dein Glaub' hat dir geholfen. Leiden Jesu. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen ze. mir die Feier deiner Leiden, o großer Dulder, Sie lehre mich die Sünde meiden und dir mein ganzes Leben weihn, dir, dessen Blut für mich ge 7. Laß heilig seyn! Anhang. floffen, deß Herz für mich im Tode schlug, der ruhig, heiter und entschloffen auch meiner Sünden Strafe trug. 7 2. Auch in der stillsten meiner Stunden will ich nach deinem Kreuze sehn, und dich, c Herr, für deine Wunden durch meinen Thrånendank erhöhn; will tiefgerührt die Huld ermessen, womit dein Herz die Welt umfaßt, und nie es undankbar vergessen, was du für mich erduldet hast. 3. Mir sollen diese Feierzeiten der größten Liebe heilig seyn; ich will dich an dein Kreuz begleiten, und jeden Reiz der Sünde scheun. Dein Leiden sey mein höchster Segen, dein Tod mein seligster Gewinn; mein Herz schlägt dir voll Dank entgegen, weil ich durch dich gerettet bin. 4. Bleibt mir in diesen Tagen theuer, Gethsemane und Golgatha, ihr Ståtten, wo die Welt die Feier der allergrößten Liebe sah! Nach euch will ich voll Undacht schauen, wo mein Erlöser litt und starb; auf ihn allein will ich vertrauen, der mir die Seligkeit erwarb. ( Meister.) Mel. Alle Menschen müssen ic. 8. Du, der Menschen Heil und Leben, deß sich meine Seele freut, der du dich für mich gegeben, Stifter meis ner Seligkeit; du, der lieber wollt' erblassen, als mich im Verderben lassen, ach! wie dank, wie dank' ich dir, mein Erlöser, g'nug dafür! 2. Du betratst, für uns zu sterben, willig deine Leidensbahn; stiegst, uns Leben zu erwerben, gern den Todesberg hinan. Du vergaßeft eigne Schmerzen, trugst nur uns in deinem Herzen. Diese Liebe preisen wir; une vergeßlich sey sie mir. 3. Meinetwegen trugst du Bande, littest frecher Låsts rer Spott, achtetest nicht Schmach und Schande, mein Verföhner und mein Gott! Mich hast du der Noth entrif fen, die mich hätte treffen müssen. Wie verpflichtet bin ich dir lebenslang, mein Heit, dafür! 4. Wie gemartert, wie verhöhnet hingst du, Herr, am Kreuze da! Uch, mit Dornen selbst gekrönet! Jeder 8 Anhang. schmähte, der dich sah. Das ertrugst du, mich zum Le ben, mich zum Himmel zu erheben. Preis, Verehrung, Dank sey dir, Ehrfurchtswürdiger, dafür! 5. Ruh' im Leben, Trost am Grabe, unaussprechlicher Gewinn, den ich dir zu danken habe, daß ich durch dich selig bin. Jesu, dir mein Herz zu geben, und, wie du gelebt, zu leben, willig einst zu flerben dir- dies, dies sey mein Dank dafür. ( Neander.) Mel. Dir, dir Jehovah will ich singen zc. 9. Ach sieh' ihn dulden, bluten, sterben! O meine Seele, fag' ihm frommen Dank! Sieh' Gottes eignen Sohn und Erben, wie mächtig ihn die Menschenliebe drang! Wo ist ein Freund, der je was er gethan? der so wie er für Sünder sterben kann? 2. Wie dunkel waren jene Stunden, o Herr, und welche Lasten drückter dich! Wie quoll das Blut aus deinen Wunden! Und ach, es floß zum Heil und Trost für mich, und ruft noch heute mir ermunternd zu, daß du mich liebst, du frommer Dulder, du. 3. So sollt es seyn. Du mußtest leiden; dein Tod macht mir des Vaters Liebe kund. Er wird für mich ein Quell der Freuden, ein Siegel auf den ew'gen Friedens bund. So wahr dich Gott für mich zum Opfer giebt, so feste steht'e, daß er mich herzlich liebt. 4. Dein bin ich nun und Gottes Erbe; ich sehe in sein Vaterherz hinein. Wenn ich nun leide, wenn ich sterbe, kann ich unmöglich je verloren seyn. Wenn Sonn' und Mond und Erde untergehn, so bleibt mir Gottes Gnade ewig stehn. 5. Ja, mir zum Trost und dir zur Ehre gereicht dein ganzer Kampf, dein Kreuzestod; bestätigt ist nun deine Lehre; ich baue fest darauf in jeder Noth. Unschuldig littest du; doch Preis und Ruhm ist auch im Kampf der Unschuld Eigenthum. 6. Herr, dies dein Beispiel soll mich lehren, des Le bens Unschuld sey mein Ehrenkleid. Gern will ich deine Anhang. 9 Stimme hören, und willig thun, was mir dein Wort gebeut. Die Dankbarkeit dringt innigst mich dazu; wer hat es mehr um mich verdient, als du! 7. Nie will ich mich am Feinde råchen; auch dies lern' ich, mein Heiland, hier von dir; nie Gottes Schickung widersprechen, wär' gleich sein Pfad jetzt noch so dunkel mir. Auf Dornen gingst du selbst zum Ziele hin; ich folge dir, weil ich dein Jünger bin. 8. Was fürcht' ich noch des Todes Schrecken? Du schliefft auch einst im Grab, o Seelenfreund. Mag sie doch meine Asche decken, die Erde, wenn des Todes Nacht erscheint; der Gott, der dir das Leben wieder gab, wälzt einstens auch den Stein von meinem Grab. 9. Nimm hin den Dank für deine Plagen, mein Retter, den die treu'ste Liebe dringt! dort will ich dir's noch besser sagen, wenn dich mein Geist im Engelchor befingt. Dann stimmen alle Sel'gen fröhlich ein, der ganze Himmel soll dann Zeuge scyn. ( Cramer.) Mel. Wachet auf, so ruft die Stimme zc. 10. Sterbend für das Heil der Sünder, rief Jesus laut, bald überwinder: mein Gott, mein Gott, es ist vollbracht! Tiefe Still' ergriff am Throne die Engel Gottes, und dem Sohne antwortet' Gott: es ist vollbracht! Der Himmel hört's und sang sein neues Lied voll Dank dem Vollender: er hat gesiegt; wenn er gleich liegt, der Low' aus Juda hat gesiegt! 2. Durch ihn war die Welt versöhnet; der Herr erstand, mit Preis gekrönet, der Fluch vom Berge Sina schwieg. Tod, wo ist dein Sieg, und Hölle, wo dein Triumph! Der Tod, die Hölle, sie sind verschlungen in den Sieg. Er hat's, er hat's vollbracht, das Werk der Gnad' und Macht. Preis sey Jesu; nun fürchten wir den Tod nicht; dir, dir, Jesus Christus, folgen wir! 3. Jauchzet Gott mit lautem Schalle! Der ganze Weltkreis wiederhalle, und jauchz' ihm: unser Herr fährt 10 Unhang. auf! Wir im Staub anbetend sehen dem Sieger nach, und zu den Höhen, zu denen er uns führt, hinauf. O Jesus Christus, dir, dir, Jesus, folgen wir! Sey gepriesen, nicht ins Gericht, zum Erb' im Licht führst du uns vor dein Ungesicht. 4. Jesus, du wirst wieder kommen. Olaß uns, Herr, mit allen Frommen verklärt zu deiner Rechten stehn! Ach, du woll'st, wenn deine Flammen dem Sünder drohn, uns nicht verdammen! O laß den Sünder nicht vergehn, und fet' auf deinen Thron die Frommen, Gottes Sohn! Hilf uns, Jefus; zur Seligkeit mach' uns bereit durch Glauben und Gerechtigkeit. ( Cramer.) Mel. Jesu, der du meine Seele 2c. 11. Mitten unter deinen Schmerzen sieht dein holder Blick herab auf den Freund, der deinem Herzen, Jesu, neues Leiden gab. Da noch zeigt sich dein Gemüthe, reich an göttlich großer Güte: es vergißt den eignen Schmerzi für den Freund sorgt nur dein Herz. 2. Ihn vom Falle zu erheben, blickst du ihn voll Mitleid an. Dein Blick sagt: Es ist vergeben, fey an Muth und Treu' ein Mann, und zu deines Meisters Ehre gieb durch deinen Fall die Lehre, daß auch selbst der Starke irrt, wenn er zu vermessen wird. 3. O was fühlt dein Freund für Leiden bei dem liebes vollen Blick! Sonst erfüllt er ihn mit Freuden, doch nun läßt er Schmerz zurück; jammert, daß er ihn beleidigt, dessen Huld ihn selbst vertheidigt, dem er treu zu seyn verhieß, wenn ihn alle Welt verließ. 4. Thrånen bitt'rer Neue fließen nun von seinem Angesicht; und sie schämt sich zu vergießen der gerührte Junger nicht; er enteilet dem Getümmel, flehet brünstig zu dem Himmel, daß Gott ihm die Schuld verzeih' und im Schwachen mächtig sey. 5. Deinem Freunde bin ich ähnlich. Uch, erbarm' auch meiner dich! Sieh', ich fleh' zu dir so sehrlich, Anhang. 11 stårke, leite, beff're mich! Stets auf deinem Pfad zu wandeln, liebevoll, wie du zu handeln, bis in Tod dir treu zu seyn, dies sey meine Lust allein! 43 ( Elise v. d. Red.) Der Todestag des Erlösers. Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 12. Geist der Undacht, senke du dich in unsre Seelen nieder! Sie erfülle Trost und Ruh' im Gesange frommer Lieder, in geweihter Psalmen Chor hebe sie zu dir empor! 2. Diesen feierlichen Tag weih' der Ehrfurcht heil'ge Stille, daß der Wehmuth Seufzern nach unsers Dankes Chráne quille. Unfre Seele, still vor Gott, denk' an ihres Mittlers Tod. 410 3. 3wischen Erd' und Himmel schwebt blutend er, der nichts verschuldet. Für der Brüder Wohl gelebt, Spott und Undank still geduldet, oft die stille lange Nacht im Gebet für sie durchwacht.hi 4. O, wie oft hat an sein Herz, mit den ausges spannten Urmen ausgespannt zu Qual und Schmerz, er voll Mitleid und Erbarmen Kinder seines Volks gedrückt und die Schmachtenden erquickt! 5. Nun verschmachtet er und ringt, ach! von aller Welt verlassen. Kein Gefühl des Mitteids dringt in die Seelen, die ihn hassen. Vor der Feinde wildem Drohn sind die Freunde selbst entflohn. 6. Er nur liebt bis an den Tod. O wie heilt er jede Bunde! Sterbenden quillt Trost von Gott, Hims meltrost aus seinem Munde, milder wird der Mutter Schmerz; seinem Volk verzeiht sein Herz. 7. Bang' ist ihm; doch zagt er nicht, will des Vaters Rath vollenden; weiß, das Dunkel wird in Licht, Schmach in Herrlichkeit sich enden! Heil ihm! Heit! Schon weicht die Nacht, und sein Werk- es ist vollbracht! 8. Hocherhab'ner! Ewiger! vor dir werfen wir uns nieder. Dich, du Unerforschlicher, preisen unsers Anhang. Dankes Lieder. Welches Heil und welche Ruh' strömt aus diesem Tod uns zu! 451 500 12 9. Der des Sohnes nicht verschont, wird dem Reui gen vergeben; der dem Dulder herrlich lohnt, schenkt uns Theil an seinem Leben. Dort in seiner Herrlichkeit ist die Stått' auch uns bereit't. 10. Ja, Erbarmender, wir schau'n fröhlich auf zu deinem Throne. Du bist Liebe, wir vertrau'n dir und deinem hohen Sohne, leben dir und sterben dir; hochbes glückt durch ihn sind wir. ( Niemeyer.) Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte zc. 13. Sey heilig mir, o Tag voll Segen, an dem mein Mittler für mich starb, und mir auf nie betretnen Wegen des Himmels Seligkeit erwarb! Sein Todestag soll mir die Feier der größten Lieb' und Treue seyn; er sey mir heilig, ewig theuer, und meine Thräne weih' ihn ein! 2. Soll ich aus diesem Leben scheiden, ist meine legte Stunde da: so sey mir in des Todes Leiden der Segen dieses Tages nah'! Im allerlehten Augenblicke sey du mit nahe, Jesus Christ, damit mich dann der Trost erquide, der mir aus deinen Wunden fließt! 3. Laß mich getrost, wie du, verscheiden; dir ruf ich nach: Es ist vollbracht! Bollendet sind der Prüfung Leiden; besieget ist des Todes Macht! Ach! sterb' ich einst den Tod der Frommen, und wird mein Ende Friede seyn: dann werd' ich zu dir aufgenommen und geh' in deinen Himmel ein. ( Meister.) Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 14. Golgatha! zu deinen Höhen erhebet dankend sich mein Herz. Ich will den Heil'gen Gottes sehen, in feines Opfertodes Schmerz; ich will für seine Lieb' und Pein ihm meine ganze Seele weih'n. 2. Wie rührend scheidet der Gerechte, im Tod als Gottes Sohn bewährt! Zwar leidet er den Tod der Knechte, Anhang. 13 von Frevlern noch am Kreuz entehrt; doch laut zeugt, Herr der Herrlichkeit, dein Tod von deiner Göttlichkeit! 3. Du stirbst, die hohen Himmelslehren von Eugend und Unsterblichkeit der Welt als göttlich zu bewähren. Mein Lehrer, sey gebenedeit! Nun kenn' ich meiner Seele Werth und Gott, den du uns hier verklärt. 4. Nur Segen hast du hier verbreitet, oft Nächte betend durchgewacht, die Sterblichen zu Gott geleitet und treu dein Tagewerk vollbracht. Wie freudenvoll stirbt nun ein Chrift, dem Jesu Kreuz den Tod verfüßt! 5. Froh feierst du die große Stunde, da du zu deis nem Vater gehst, und noch zuvor aus Herzensgrunde für deinen Feind voll Großmuth-flehst; den sterbend segnest, der dich schalt, der Wohlthun dir mit Haß vergalt. 6. Auf die, die weinend um dich stehen, gießt du der Freundschaft Segen aus, sprichst glaubensvoll vom Wiedersehen im Himmel, in des Vaters Haus'; strömst hohen Muth und Trost und Ruh' den fummervollen Seelen zu. 7. Du siehst auf die vollbrachten Thaten, als Uussaat auf die Ewigkeit, dankst Gott, durch den dein Werk gerathen, der bald dafür den Lohn dir beut; empfiehlst den Geist in seine Hand und gehst getrost ins Vaterland. 8. Erlöser, tausend Fromme schieden auf dein Verdienst mit Freudigkeit; empfanden sterbend Seelenfrieden, den Trost, den uns dein Tod verleiht. O, laß mich dir mein Leben weih'n, dir auch noch sterbend dankbar feyn! 9. Das Wort vom Kreuze bleibt den Deinen Erquickung, wenn's die Welt auch schmåht; es mag dem Spotter Thorheit scheinen, der auf des Lasters Pfade geht; uns ist es Ruhm und Gotteskraft und Trost in unfrer Pilgerschaft. Auf Ostern. Mel. Wachet auf! so ruft die Stimme ic. 15. Wer ift's, der mit Himmels Lichte verklart, mit Sieg im Ungesichte aus jener Todeshöhle geht? Er ist's, 14 Anhang. o ihr Menschenkinder, er ist's, des Todes Überwinder, der fiegreich auf dem Grabe steht. Das offne Grab ist leer, dort liegen um ihn her seine Feinde. Preis ihm und Dank; er, er bezwang den Tod, die Hölle und ihr Heer. els 2. Du bist's, der für mich Verbürgte, der Fürst des Lebens, der Erwürgte, der du die Macht dem Tode nahmst! Du bist's, dem ich glaubend traue, den ich einst auf dem Throne schaue, von dem du zu uns Sündern kamst. Du kämpftest nicht für dich: du siegteft, Herr, für mich), mich Berlornen. Durch deinen Tod versöhnte Gott die ganze Sünderwelt mit sich. 3. Sollt' ich nicht mit Danken kommen? dir, du Erretter deiner Frommen, dir sollt' ich nicht mein Loblied weihn? Du haft bis zum Tod gerungen und sterbend mei nen Feind bezwungen; dein Sieg, du Siegesfürst, ist mein! Lob, Preis und Dank sey dir! Du halfft vom Tode mir, überwinder! Mein Lobgesang, mein heißer Dank erhebt sich ewig, Gott, zu dir! Mel. Was Gott thut, das ist zc. 16. Empor, ihr Christen! Jesus lebt! Lobsingt dem überwinder! Herbei, wer dankend ihn erhebt, den Retter aller Sünder! Er starb für sie! Er starb für uns! Heil uns! nun lebt er wieder für alle seine Brüder. 2. Er lebt, er lebt! o weiht ihm Dank mit reiner, frommer Seele! Shm schalle jeder Festgefang, und jedes Herz erzähle, wie viel er litt, wie gern er starb, um tau send Seligkeiten uns Armen zu bereiten. 3. Er starb, geschmückt mit Heiligkeit; er starb von Frevlerhånden! wo waltet hier Gerechtigkeit? Wie konnt er hier schon enden? D, Christen, jauchzt! Er ist erhöht! Er drang durch Todesnächte an seines Vaters Rechte. 4. Besiegt ist seiner Feinde Macht und er mit Ruhm gekrönet. Er hat sein großes Werk vollbracht und uns mit Gott versöhnet. Wer an ihn glaubt, wird selig seyn. O laßt euch diesen Glauben durch keine Leiden rauben! Unhang. 15 5. Schaut hin zu seiner Herrlichkeit, und lernt al3. Helden leiden! Schaut hin! Die Leiden dieser Zeit sind Keime hoher Freuden. Send unverzagt! Seyd hoffnungs voll! Nach wenig bangen Stunden ist Alles überwunden. 6. Was ist der Tod? Ein Schlaf ist er! O sanfter Schlaf des Müden! Bald glänzt ein schöner Tag daher; dann stehn wir auf im Frieden. O Tag des Danks! O Tag des Heils! Gern wollen wir nun sterben; wir wissen, was wir erben. 7. Erstand'ner, gieb nur, daß wir hier auf deinen Pfaden wandeln, und stets mit reinster Dankbegier als Kins der Gottes handeln! Unsterblich seyn! unsterblich seyn! und einst dir näher kommen, o welch ein Lohn der Frommen! ( Reche.) Mel. Wachet auf! so ruft die Stimme 2c. 17. Preift den Sieger, jauchzt, ihr Ehöre, singt Jesu Christo Lob und Ehre! Wie groß, wie herrlich ist sein Eag! Er, der Held, ist, von den Banden des Todes frei, nun auferstanden; er, der für uns im Grabe lag. Sein ift( Sewalt und Macht; er hat sein Werk vollbracht! Preis dem Sieger! Er hat's vollbracht, er, der die Macht des Todes und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, hat mächtig Tod und Grab bezwungen, von ihren Schrecken uns bes freit. Wir von Gott gewich'ne Sünder sind nun mit ihm versöhnt, sind Kinder und Erben seiner Seligkeit. Bald, bald entschlafen wir, entschlafen, Jesus, dir; ruhn im Frieden die kurze Nacht, bis deine Macht zum Tag der Ewigkeit uns ruft. 3. Unsern Staub mag Staub bedecken; du wirst ihn herrlich auferwecken, der du des Staubes Schöpfer bist. Du wirst unvergånglich's Leben und Kraft und Herrliche keit ihm geben, dem Staub, der die geheiligt ist. Wir werden ewig dein, gerecht und selig seyn. Preis dem Sieger! Tod und Gericht erschreckt uns nicht: der Todes überwinder lebt! 16 Anhang. 4. Auferstand' ner, welch ein Segen erwartet uns, wenn auf den Wegen wir wandeln, die dein Fuß betrat! Unnennbare Seligkeiten, die ewig währen, sind die Beu ten, die uns dein Sieg erkämpfet hat. Bald sind sie unfer Theil, bald kronet uns das Heil deines Lebens. Preis unserm Herrn; es ist nicht fern; bald ist der Tag des Sieges da. ( Funt.) Mel. Sollt' ich meinem Gott 2c. 18. Auferstanden, auferstanden ist der Herr, der und versöhnt! O wie hat nach Schmerz und Banden Gott mit Ehren ihn gekrönt! Dort zu seines Vaters Rechten, über Schmach und Tod erhöht, herrscht er nun in Majestát. Freut euch seiner, ihr Gerechten; und ihr, seine Feinde, bebt! Halleluja! Jesus lebt! 2. Singt dem Herrn! Er ist erstanden, er, der starv auf Golgatha! Rühmt es, rühmt's in allen Landen: was sein Wort verhieß, geschah. Wer, wer kann ihm widerstreben? Mächtig dringt der Held empor, im Triumph bricht er hervor, und des Abgrunde Pforten beben, da ihr Sieger sich erhebt. Heil uns Ullen; Jesus lebt! 3. Uns vom Tode zu befreien, sant er in des Gra bes Nacht. Uns zum Leben einzuweihen, steht er auf durch Gottes Macht. Tod, durch ihn bist du bezwungen, deine Schrecken sind zerstreut, von der Furcht sind wit befreit, uns ist Leben nun errungen. Jauchzt, ihr, die man einst begråbt, jauchzt dem Höchsten; Jesus lebt! dem 4. Aus dem Grab uns zu erheben, ging er zu Vater hin. Laßt uns ihm zur Ehre leben; dann ist Sterben uns Gewinn. Hattet unter Lust und Leiden im Ge dächtniß Jesum Chrift, der vom Tod erstanden ist! Un vergånglich sind die Freuden deß, der nach dem Himmel strebt. Singet, preiset; Jesus lebt! 5. Freut euch seiner, Gottes Kinder; er sey euer Lobgesang! Bringt dem Todesüberwinder ewig Ehre, Lob und Dank! Rühmt's in den Versuchungs- Stunden, wenn euch Sünd' und Elend droht, rühmt's in eurer Unhang. 17 Todesnoth: unser Herr hat überwunden; und wenn er euch zu sich hebt, dann rühmt's ewig: Jesus lebt! ( Lavater.) Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 19. Heil ihm, dem Todesüberwinder! Uus seiner Gruft geht er hervor. Als Retter der verlornen Sünder empfängt ihn nun der Engel- Chor, und aller Himmel Jubelton preist ihn, des großen Gottes Sohn. 2. Er hat des Grabes Ruh' empfunden; doch kurzer Schlummer war sein Tod. Er hat gekämpft und überwunden; dahin ist alle seine Noth. Ihm, der das Felsengrab durchdrang, erschallt nun ein Triumphgefang. 3. Das segensreichste seiner Werke, die Rettung einer Menschenwelt, vollendet ist's mit Gottesstårke; die Nacht des Irrthums ist erhellt. Sein göttlich Evangelium steht fest zu seines Namens Ruhm. 4. Auf Felsen ruht des Christen Glaube, da sein Erlöser ewig lebt, und einst mit Macht aus seinem Staube ihn zur Unsterblichkeit erhebt. Nun wird der Tod an Jesu Hand ihm Hingang in sein Vaterland. 5. Ja, Christen, singt! er ist erstanden! Singt im Triumph und Preisgefang! Entfesselt von der Sünde Banden, sey nun Gehorsam euer Dank! Nicht mehr der Welt und Eitelkeit, nein, ihm weiht eure Lebenszeit! 6. Ein Tag erscheint, erlöste Brüder! freut euch! es ist ein Wonnetag! Dann kommt der Herr von neuem wieder, und Engelheere folgen nach. Dann dringet auch in euer Grab des Todtenweckers Ruf hinab. 7. Dann werdet ihr zum höhern Leben, zum Lohn der Frommen auferstehn, und mit des Himmels Glanz umgeben getrost zum Richterstuhle gehn. Dann wird euch der erstand'ne Held ein Führer durch die besfre Welt. Denabr. Sandgefangb. 7. Aufl. ( Meister.) 2 Anhang. Mel. Wachet auf! so ruft die Stimme ic. 20. Amen, Lob und Preis und Stärke sey dem Vollender seiner Werke, dem Todes- Überwinder, Dank. Singt des Helden Auferstehen, ihr Himmel all' in euren Höhen, auch unser Erdkreis sey Gefang! Ihm, der vom Tod erstanden, ihm, der einst überwand, weiht Unbetung! sein ist die Macht; er hat's vollbracht; ihm werde Preis und Dank gebracht! 18 2. Ja, du Land der Gråber, Erde, empor aus deinem Staube; werde ein Land des Lebens und des Lichts! Er, der siegreich auferstanden, befreit uns von des Todes Banden und von den Schrecken des Gerichts. Heil une, das Grab ist leer; des Abgrunds furchtbar Heer ist be zwungen! Des Todes Nacht, der Hölle Macht, der Gri ber Grauen ist besiegt! 3. Was vermag uns zu erschüttern? Nur freche Sün der müssen zittern vor ihm, der ewig, ewig lebt. Wir, des Auferstand'nen Brüder, wir Christen, seines Leibes Glieder, wir freun uns deß, der ewig lebt. Für uns litt er den Tod; für uns entrückte Gott ihn dem Grabe. Empörer, bebt! der Sieger lebt! er lebt und stirbt hin fort nicht mehr! 4. Unser Herz darf nun nicht wanken; die bangen, zweifelnden Gedanken besiegt des Glaubens Zuversicht Wie ein Fels des Herrn im Meere steht unerschüttert Seſ Lehre, umglänzt mit Seligkeit und Licht. Der Himmel Bau zerfällt; die Herrlichkeit der Welt wird verschwinden; doch fort und fort steht Jefu Wort, giebt Troft uns hier und Wonne dort. 5. Doch auch wir, wir werden bleiben; mag dod des Körpers Bau zerstäuben, umschließe, Erde, mein Ge bein! Jesus lebt und meine Glieder belebt einft seine All macht wieder; wie er, werd' ich unsterblich seyn. S der Verwesung Grab dringt dann sein Ruf hinab; ich lebe, und ich bin sein, auf ewig sein; wie wird mir dann, o dann mir seyn! und ( Sturm.) Unhang. Auf Himmelfahrt. Mel. Wachet auf! so ruft die Stimme ze. 21. Uber aller Himmel Heere erhebst du dich zum Thron der Ehre, du Stifter unfrer Seligkeit. Hin zu dem, der dich gesendet, gehst du, da hier dein Werk vollendet, mit göttlicher Zufriedenheit. Du haft die Sünderwelt mit deinem Licht erhellt. Preis und Ehre sey Jesu, dir! Froh sehen wir dir nach in deiner Herrlichkeit. 2. Deines Vaters Gnadenwillen auf Erden völlig zu erfüllen, warst du gehorsam bis zum Tod. Site, Sohn, auf deinem Throne, dir geb' ich meine Welt zum Lohne und meine Herrlichkeit, sprach Gott. Wie herrlich ist dein Lohn, erhöhter Gottessohn! Shr, ihr Frommen, folgt ihm getreu, er steht euch bei! Gott, dem ihr dient, belohnt als Gott. 3. Deine trauernden Erlösten, o Herr, zu stärken und zu trösten, kam über sie von dir dein Geist. Er ist's, der auch uns im Leiden mit Troft erfüllt, und zu den Freuden der bessern Welt den Weg uns weist. Er leitet uns die Bahn, auf der dich wandeln sahn deine Freunde. Bald, bald empfahn auf dieser Bahn auch wir, wie du, die Kron' am Ziel. 19 4. Uns die Stätte zu bereiten, um die wir Pilger hier noch streiten, gingst du voran ins Vaterland. Herrlich wirst du wiederkommen, und zu dir alle deine Frommen versammeln in dies Vaterland. Erkauft hast du uns Gott und die durch deinen Tod. Wo du lebest und Gott mit dir, da sollen wir auch mit dir leben ewiglich. 5. Welch ein Jubel wird es werden, wenn wir dich wiedersehn auf Erden in aller Majestät des Herrn! Dann verschwinden unsre Leiden; dann gehn wir ein zu deinen Freuden und schauen dich nicht mehr von fern. Dann sehn wir hoch erfreut ganz deine Herrlichkeit! Welterlöser! uns führest du der Wonne zu, die bei dir ist in Ewigkeit. ( Münter.) Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 22. Mit Preis und Ruhm gekrönt, hast du dein groBes Werk geendet, blickt auf dein Tagewerk mit Ruh), 2* 20 Unhang. denn Alles ist vollendet; dein ist der Sieg nach Kampf und Streit, und dich empfängt die Herrlichkeit. 2. Ohn' Ende erntest du den Lohn für deiner Leiden Menge. Versammelt stehn um deinen Thron in fröhlichem Gedränge schon Tausende, durch dich beglückt, belehrt, geheiligt und erquickt. 3. Aus allen Völkern kamen sie, mühselig und bes laden, und suchten Ruh' und fanden sie, des schweren Jochs entladen; und, wohl bewährt in ihrem Lauf, nahm fie, wie dich, der Himmel auf. 4. Noch rettest du, die sich verirrt, in Finsterniß verloren. Welch eine Schaar von Kindern wird dir durch dein Wort geboren: wie auf der frischen Morgenau auf Blumen ungezählt der Thau! 5. Es tönt der Himmelslehre Schall in allen Zur gen wieder. Wohin es blickt, sieht überall das Auge theure Brüder. Sie leben dir, sie sterben dir, dein Eigenthum sind, Herr, auch) wir. 6. Auch wir!- O schau' von deinem Thron herab auf deine Kinder! Sind wir doch deines Kampfes Lohn, zwar sterblich noch und Sünder, doch Buversicht!- einst sündenfrei und sterblich nicht. das ist unfre 7. Vereint dann mit der sel'gen Schaar, der Endlich keit entnommen, wird droben erst uns offenbar, zu wel chem Heil wir kommen. Kein Ohr vernimmt, kein Aug erblickt, was den verklårten Geist entzückt. 8. Das ist, das ist dein Werk! O sieh' von Dant die Herzen brennen! Ach, daß, Vollender, daß sie nie undankbar dich verkennen. Nicht Einer von uns Allen sey dem Liebenden, ihm, ungetreu! 9. Vollenden hilf uns selbst den Lauf, das Tage werk vollbringen, und, ist's vollbracht, zu dir hinauf die Seele freudig dringen! Was sind die Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit! ( Niemeyer.) Anhang. Auf Pfingsten. Mel. So wahr ich lebe, spricht dein Gott zc. 23. Du Geist vom Vater, komm' herab, von dem, der dich der Erde gab! Du Flamme Gottes, ruh' auf mir! Im tiefsten Staube wart' ich hier, bis auch in mir dein Feuer glimmt und mich zu deinem Lobe stimmt. 2. Entzieh' mir, mich zu trösten, nicht dein gnadenstrahlendes Gesicht! Noch tobt in mir der Sünden Schmerz: drum schaff' in mir ein reines Herz, und sey mir ein gewisser Geist, der mir die Bahn der Tugend weist! 3. Du licht aus Gott, erleuchte mich, und mein Verstand erkenne dich; und wenn ich sinke, reiche du die Wahrheit mir als Stüße zu! Dann sey die Welt von 3weifeln voll, ich weiß, an wen ich glauben soll. 4. Wenn mein Gewissen mich verklagt, mein Herz belastet in mir zagt, fo flöße mir die Engellust des Seelenfriedens in die Brust und wehe wieder nach dem Schmerz mir Ruh' und Freuden in das Herz. 5. Und wenn ich endlich sterben soll, so mach' mich deiner Gnade voll! Deckt Nacht und Dunkel mein Geficht, so sen du mir ein Sonnenlicht, ein heller Stern, ein Gnadenstrahl durch's grauenvolle Todesthal! ( Schubart.) 21 Met. Es ist das Heil uns kommen her zc. 24. Der Mächtige ruft aller Welt, daß man auf ihn doch merke. Er hat zu Predigern bestellt die Wunder feiner Werke. Laut hört man feiner Stimme Schall; verständlich ist auch überall die Sprache, die sie reden. 2. Auch durchs Gewissen ruft der Herr, daß Sünder sich bekehren; läßt oft durch diesen Prediger laut seine Stimme hören, daß aus dem Schlaf der Sicherheit und aus dem Traum der Eitelkeit ihr Herz zu ihm erwache. 3. Durch Wohlthun zeugt er auch von sich am menschlichen Gemüthe, und lockt den Sünder våterlich durch Proben seiner Güte. Doch, achtet es der Sünder nicht, sucht Gott durch Strafen und Gericht ihn aus dem Schlaf zu wecken. Anhang. 4. So rufft du, Herr, uns laut genug, daß man dich such' und höre, und daß der Eitelkeit Betrug die Herzen nicht bethore. Doch riefest du nicht auch durchs Wort: so irrten wir noch immer fort auf finstern Sündenwegen. 5. Für diese Gabe, Vater, preist dich unser Herz; es schenket uns Beff'rungskraft dein guter Geist, der unsre Herzen lenket. Er weiset uns allein zu dir, daß wir dich suchen für und für, dich recht verehren lernen. 22 6. Durch das, was uns dein Mund gebeut in deines Wortes Lehren, ruft er uns von der Eitelkeit, zu dir uns zu bekehren. Er lehrt uns, daß der Sünde Wahn den Menschen nie beglücken kann, und leitet uns zur Wahrheit. 7. Dein herrlich's Evangelium legt er an unsre Seelen, daß wir zu deines Namens Ruhm den Weg des Heils erwählen, beut uns die größten Schåße an, die nur ein Gott uns geben kann, und schenkt sie frommen Hörern. 8. Erweck uns, Herr, in deiner Kraft, dem Ruf Gehör zu geben; dein Geist, der alles Gute schafft, führ uns den Weg zum Leben, wozu du Alle ans erschufft und nun so gnådig uns berufst durch deines Wortes Lehre. ( Heeren.) Beweis der Gottseligkeit und Jugend. Vertrauen auf Gott. Mel. Was sorgst du ängstlich für dein Leben? zc. 25. Auf dich, mein Vater, will ich trauen, in Ungst empor zu dir nur schauen, so bin ich ruhig immerdar! Wenn meine Freunde mich verließen, wenn auf mich taus fend Feinde stießen auch in der schrecklichsten Gefahr. 2. Kein Unglück soll mich zaghaft machen; die Thoren mögen meiner lachen; ich kenne, höchste Weisheit, dich. Du siehst, was wir im Staub nicht sehen; nur, was du willst, Herr, muß geschehen! Du leitest Alles, leitest mich! 3. Von meinen ersten Lebensstunden hab' ich dich im mer treu erfunden! Was hast du schon an mir gethan! Anhang 23 Was thust du, Vater, alle Zage! Empfind' ich's nicht, selbst wenn ich klage, daß Niemand dir gleich lieben kann? 4. Sey still, sey fröhlich, mein Gemüthe! Unendlich, Herr, ist deine Güte! Ich weiß, daß du mich allzeit liebst! Bon dir laß ich mich gern regieren! Du mirst zu meinem Glück mich führen, indem du durch Geduld mich übst. 5. Nie, nie soll mein Vertrauen wanken! Im tiefsten Elend will ich danken! das tiefste Elend kommt von dir! Von Herzeu kannst du nicht betrüben! Du kannst, o Liebe, nichts als lieben! Du sorgest für uns mehr, als wir. 6. Drum will ich aus den tiefsten Nöthen zu dir, mein Helfer, freudig beten! Du bist, mein Vater, stets bei mir! Wenn ich vergnügt bin, wenn ich leide, bist du mein Trost und meine Freude, hångt meine Seele nur an dir. 7. Und wenn ich keinen Ausgang merke, so bet' ich an und fleh' um Stårke, dir auch im Dunkeln zu vertraun! Kann ich gleich deinen Weg nicht sehen, genug, du führst mich; ich will gehen! Ich weiß, mein Glaube wird zum Schau'n. 8. Wer ist, der trostlos zu dir blicke? Wen führst du nicht zu seinem Glücke! Wer hat dir je umsonst geglaubt? Ich glaube dir mit froher Seele! weiß, daß ich nicht mein Heil verfehle; weiß, daß kein Satan dir mich raubt! ( Lavater.) Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. 26. Gott ist mein Schuß in bösen Zeiten! Was sollt ich fürchten in Gefahr? Wer Gott vertraut, hat ihn zur Seiten, er hilft ihm treu und wunderbar. Wenn heulend sich die Fluthen thürmen, und eine Tief der andern ruft, ist er geschützt durch Gottes Schirmen, wie in der sichern Felsenkluft. 2. Und wenn die Wolken Flammen speien, geht er getrost an Gottes Hand, getrost durch dürre Wüsteneien und ihren brennend heißen Sand; getrost in Pest und un 24 Unhang. ter Leichen, wenn wüthend rings umher der Tod auf schwar zen Flügeln fauler Seuchen ein eilendes Verderben droht. 3. Gestützt, o Herr, auf deine Gnade, scheut er nicht der Verläumbung Wuth, geht unerschrocken seine Pfade, zertritt die feile Natterbrut. Ist Gott mein Schuß in bösen Zeiten, was soll ich fürchten in Gefahr? Wer Gott vertraut, hat ihn zur Seiten, er hilft ihm treu und wunderbar. ( UR.) Hoffnung, besonders im Leiden. 27. Mel. Befiehl du deine Wege zc. Hoffnung! Lebenswonne! Du Menschentrd sterin! Gleich Gottes milder Sonne erfreust du Geist und Sinn. Du strömest reine Freuden in jedes Menschen Herz, du linderst seine Leiden, versüßest seinen Schmerz. 2. Du heiterst trübe Morgen, der Nächte Dunkelheit, zerstreust des Lebens Sorgen und stärkst zur Thätigkeit; sprichst Muth auf rauhen Wegen in des Verzagten Brust; verheißest neuen Segen bei jeglichem Verlust. 3. Uus Donner, Thau und Regen, aus Wind und Sonnenschein versprichst du Gottes Segen, um Sorgen zu zerstreun; und frohe Lieder tonen, durch dich hervor gebracht, von frommen Erdensöhnen dem Gott der Huld und Macht. 4. Du bist es, die den Kranken der Todesfurcht ents reißt; mit himmlischen Gedanken erfüllst du seinen Geist; in seinen legten Stunden zeigst du ihm Seligkeit, die ihn, der Hüll' entbunden, auf ewig dort erfreut. 5. Auch mir, auch mir zur Seite gehst du, o Hoffe nung, treu; machst, daß in jedem Leide ich mich der Zus kunft freu'; zeigst dert mir neue Blüthe, welkt hier ein Glück mir ab. Preis ihm, der dich aus Gute mir zur Gefährtin gab. 6. O Gott, mit Herz und Leben will ich dir dankbar seyn, will deinen Ruhm erheben und meines Heils mid) freun. Dein Freund darf immer hoffen; ihn täuscht die Anhang. 25 Hoffnung nicht; der Himmel steht ihm offen; da sieht er einst dein Licht. ( Bürger und Dolz.) Geduld und Standhaftigkeit. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 28. Es ist gewiß ein köstlich Ding, sich in Geduld zu faffen, und stets sich Gottes Vaterwink getroft zu überlassen. Rauh, oder eben sey die Bahn, was Gott thut, das ist wohlgethan; Geduld erhält das Leben. 2. Sey still, mein Herz, und unverzagt, wenn dich ein Leiden drücket: klag's deinem Gott, der våterlich dich tröstet und erquicket. Verzieht er gleich, er thut's aus Huld. Bewahre dich vor Ungeduld! Geduld giebt Muth und Stärke. 3. Erwarte nur die rechte Zeit; du wirst den Vater finden. Er wird voll Lieb' und Freundlichkeit sich neu mit dir verbinden. Er will und wird dein Tröster seyn, und ewig wird er dich erfreun; Geduld wird nie zu Schanden. 4. Ja streit' und kämpfe nur als Held; du wirst nicht unterliegen, wirst über jede Noth der Welt, wie Jesus Christus, siegen. Sey standhaft, deines Vaters Huld krönt deine Hoffnung und Geduld mit seiner Himmelskrone. 5. O Gott des Heils, ich hoff' auf dich; Geduld ist deine Gabe. Mit dieser Gabe segne mich! fie stårk' mich bis zum Grabe. Laß mich in allen Leiden dein, geduldig, so wie Jesus, seyn, und einst sein Reich ererben.( Wolf.) Mel. Herr, wir kennen deinen Namen 2c. 29. Schwer ist's, dann noch Muth zu faffen, wenn die Aussicht trüber wird, wenn, von Licht und Kraft verlassen, sich der Blick in Nacht verliert; 2. Wenn umsonst das bångste Sehnen einen Tropfen Trost erbat; wenn das Auge keine Thränen und der Mund nicht Worte hat; 3. Wenn, ermattet, hingesunken, jetzt die letzte Hoffnung flieht; wenn der Kelch unausgetrunken noch an heißer Lippe glüht. Anhang. 4. Schwer ist's, dann nicht zu verzagen, zu ermatten, ach! wie leicht, wenn auch bei den bångsten Klagen jedes Wort des Trostes schweigt! 5. Mir ist auch die Aussicht trübe, rauh und dunkel meine Bahn; nimm dich meiner, Gott der Liebe, nimm dich deines Kindes an! 26 6. Reiche du mir deine Hände, aller Våter Vater, du; leite du mich bis ans Ende, bis zu meines Grabes Ruh'! 7. Laß nur einen Strahl mich sehen, zu erhellen meinen Gang; höre gnädig auf mein Flehen, und dann nimm den Thränendank! 8. Ud), ein Tropfen Balsam falle in den Leidenskelch herab, den mir, weil ich hier noch walle, doch nur deine Liebe gab. 9. Stärke mich auf meinem Pfade in der Zeit der Thránensaat bis zum helleren Gestade, welches keine Nebel hat. 10. Ach, wann wird das Licht mir scheinen, dessen Glang mich einst erquickt? Wann dies Auge nicht mehr weinen, das jetzt naß gen Himmel blickt? 11. Komm, erbet'ner Freund der Müden, drücke mir die Augen zu, und begleite mich) in Frieden hin zu meiner letzten Ruh'. 12. Dort erst wird die Aussicht helle, die sich hier in Nacht verhüllt; dort erst an der Lebensquelle wird die Sehnsucht ganz gestillt. 13. Hin sind dann der Prüfung Leiden; ausgerungen hat mein Herz; Thrånen wandeln sich in Freuden, Bonne wird der Erde Schmerz. 14. Sey denn meine Aussicht trübe; einst wird sie doch aufgehellt! Alles löst sich auf in Liebe in dem Licht der bessern Welt. ( Meister.) 30. Und müßt ich auch noch Jahre weinen und Leiden dulden ohne Bahl: der Tag wird endlich doch erscheinen, der Freuden bringt für jede Qual; der Abend fehlte kei Anhang. 27 nem Tage, und Freude quoll aus jeder Klage, die ich vor meinem Gott gebracht. 2. Erreicht, erkämpft ist bald die Stunde, die mir für Thränen Wonne giebt; vertilgt die Narbe jeder Wunde durch den, der züchtigt, weil er liebt. Ofrohe Aussicht freiern Lebens, Ziel meines täglich heißern Strebens, in jeder bangen Stunde Troft: 3. Fels Gottes, den mein Arm umschlinget, Unsterblichkeit! Unsterblichkeit! Wenn Nacht und Trübfal mich umringet, mich Alles drångt, mir Alles draut, sollt' ich dann stille stehn, ermatten? Nein! Sehnsucht nach dem kühlen Schatten, nach Ruhe Gottes stärke mich! 4. Wie auf erstieg'uen Bergeshöhen uns Alles Leib und Geist entzückt, uns kühle Winde dann umwehen, uns dann ein frischer Quell erquickt: so wird uns nach durchweintem Leide beseligen des Himmels Freude; doch fliehe, Bild, zu schwach bist du! 5. Kein Sterblicher kann hier durchdenken die Wonne, die mein Herz erfüllt, wenn keine Schmerzen mehr mich frånken, Licht Gottes mir aus Christo quillt: o dann erst ist mein Geist genesen, und Freiheit, Freiheit all mein Wesen und meine Seele Seligkeit! 6. Sesus Christus, wie dir danken für dieser Hoffnung Herrlichkeit? Eh' löschen Sonnen, Welten wanken, eh' deine Liebe dich gercut! Du bist und lebst; ich werde leben! Was Gott dir gab, willst du mir geben! Wo du bist, soll ich ewig seyn! ( Lavater.) Mel. Jefus meine Zuversicht zc. 31. Steil und dornicht ist der Pfad, der uns zur Vollendung leitet. Selig ist, wer ihn betrat und zur Ehre Jefu streitet! Selig, wer den Lauf vollbringt und das hohe Ziel erringt! 2. überschwänglich ist der Lohn der bis in den Tod Getreuen, die der Lust der Welt entflohn, ihrem Schöpfer ganz sich weihen, deren Hoffnung unverrückt nach der Siegeskrone blickt. Unhang. 3. Den wir lieben und nicht sehn, der hat uns den Lohn errungen, von dem Kreuz zu Gottes Höh'n hat er sich empor geschwungen. Sieger in des Todes Nacht, sprach er selbst: es ist vollbracht! 28 4. 3euch, o Herr, uns hin zu dir! Zeuch uns nach, die Schaar der Streiter! Sturm und Nacht umfångt uns hier; droben ist es still und heiter; jenseits, hinter Grab und Tod, strahlt des Lebens Morgenroth. 5. Geht, o Mitgenoffen, geht muthig durch die kurze Wüste! Seht auf Jesum! Wacht und fleht, daß er selbst zum Kampf euch rüste! Ihm, der uns in Schwachheit stärkt, bleibt kein Kämpfer unbemerkt. ( Bürde.) Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte zc. 32. Sft Hoffnung nicht des Himmels Gabe, die in des Lebens Dunkelheit uns von der Wiege bis zum Grabe stets freundlich tröstet und erfreut? Viel Gutes bliebe un vollendet und manche Wunde ungeheilt, wenn Gott nicht sie herabgesendet ins Land, wo steter Wechsel weilt. 2. Sie spricht dem schmerzenmüden Kranken das füße Wort Genesung zu; sie zeigt, wenn seine Kräfte wana ken, dem Wanderer das Ziel der Ruh'. Der Redliche, der unverschuldet verkannt ist, wird von ihr erfrent; der Urme, der im Stillen duldet, harrt, stark durch sie, der bessern Zeit. 3. Durch sie nur streut für goldne Saaten der Landmann seinen Samen hin; sie stärkt den Muth zu edlen Thaten, erhellt mit Trost den bangen Sinn; sie träufelt in die tiefsten Wunden des Herzens heilend Balsam ein, und in des Lebens trübsten Stunden erglänzt ihr Strahl mit mildem Schein. 4. Sie waffnet oft mit Heldenstärke, und giebt der Thatkraft kühen Schwung, sie füllt für edle, große Werke das Herz hoch mit Begeisterung. Vor ihr zerfließt der dunkle Schleier der Zukunft; über Tod und Gruft hebt sie die Seele; reiner, freier strebt sie, wohin die Pflicht fie ruft. Anhang. 5. O sagt mir nicht, die Hoffnung fliehe oft schneller, als ein Morgentraum, und dunkles Nachtgewölk' umziehe dann schwarzer noch des Dafeyns Raum. Nur eitler Thoren Hoffnung schwindet; des Christen Hoffnung trus get nie. Sie ist zu fest auf Gott gegründet, dem schwers sten Unfall trobet sie. 29 6. Sie blicket nicht nach Ruhm und Kronen, blickt nicht nach eitlem Sinnentand: dort, wo die höhern Geifter wohnen, im Himmel, ist ihr Vaterland! Und brauss ten fürchterlich die Wogen, bedråute fie des Todes Schlund: am Himmel strahlt ihr Friedensbogen, Gott selbst ist ih res Ankers Grund. 7. Auf diese Hoffnung will ich bauen, will freudig in der Dunkelheit auf den, der sie mir sandte, schauen, dann hab' ich Muth und Freudigkeit. Ich weiß, Gott wählet stets das Beste; was Nacht mir scheinet, ist ihm Licht; drum gründ' ich meine Hoffnung fefte auf meinen Gott und wanke nicht. ( Neuhofer.) Mel. Ach, um des Gerechten Schläfe zc. 33. Warten ist die Schule, die hienieden mit dem ersten Lebenshauch beginnt, und die selbst nicht endet, wenn in Frieden unser Geist dem Prüfungsstand entrinnt. 2. Unentwickelt liegen alle Kräfte, langsam reifend in dem Erdensohn, Warten sey sein tägliches Geschäfte; vorzugreifen trägt der Thorheit Lohn. 3. Jeder Landmann streuet seinen Samen nur in Hoffnung auf den Ucker aus, und erwartet dann in Gottes Namen, bis der Frühling treibt die Saat heraus. 4. Wenig Früchte reift die Frühlingssonne, nur der spåte Herbst bringt den Genuß. Ohne Warten wird uns nie die Wonne, einzusammeln reichen Überfluß. 5. Warten mußten hier im Erdenthale, die zu Gros ßem sich der Herr erwählt; Joseph, David, Abraham und Alle, die er später ihnen beigezählt. 6. Und er selbst, der Menschheit erste Krone, glüh'te 30 Anhang. sich in dunkler Werkstatt aus. Nur durch lange Nächte ging's zum Throne und durch Leiden zu des Vaters Haus. 7. Gott hat unerwartet oft gegeben, was das Herz auch nicht zu wünschen wagt; sollte dies aufs neu' uns nicht beleben, zu erharren, was er zugesagt? 8. Keines seiner Worte geht verloren, scheint uns die Erfüllung noch so fern; Großes wird nur langsam hier geboren, und das Größte finden wir beim Herrn! 9. überraschen wird er uns mit Freuden, die des Chri ften Sehnsucht nicht erreicht. Schnell verschwinden dann des Wartens Leiden, wie der Nebel vor der Sonne weicht. 10. Blicke, můdes Herz, nach diesem Ziele, wenn des Wartens Nacht schwer auf dir liegt. O! dort findest du der Brüder viele, die noch mehr gekämpft, und doch gesiegt. 11. Siegen wirst auch du, durch Laut'rungsleiden rein und ähnlich werden deinem Herrn; fähig zum Ge nusse seiner Freuden: darum kämpfe, dulde, warte gern. 12. Barten, harren in der tiefsten Stille ist die Weihe künft'ger Seligkeit! Warten, harren ist in dunkler Hülle Botschaft namenloser Herrlichkeit! Mel. Alle Menschen müssen sterben zc. 34. Muthig, muthig, bald errungen ist das Ziel von jeder Pein! Bald ist jeder Schmerz verschlungen von der Freude, frei zu seyn, frei von Sorgen und Gefahren, die mir oft so drückend waren. Unaussprechlich, ewig liebt er, der uns durch Leiden übt. 2. Ich will harren, hoffen, schweigen; mein Erbarmer ist mir nah'; betend soll mein Geist sich beugen, ich leide, Gott ist da. Im Verborgnen, wo ich weine, bleibt von meinen Thränen keine dem, der mich in Schwachheit stärkt, meinem Vater, unbemerkt. 100 3. Seine Vateraugen blicken sanften Trost auf mich herab, und die Lasten, die mich drücken, nimmt er einst gewiß mir ab. Bis zum letzten trüben Tage stårkt er mich, daß ich sie trage. Wenn mein Herz verschmachten will, ruft er mir: sey fromm und still! Anhang. 31 4. Jesus Christus trug im Staube muthig seines Leidens Last; und auch mich erhebt der Glaube, der die Ewigkeit umfaßt. Gott, mein Vater, sieht mein Leiden! Gott, mein Vater, sieht die Freuden, die das Leiden mir gewährt, wenn mein Herz ihn duldend ehrt. 5. Fließet denn, ihr stillen Thränen! Gott im Himmel zählet euch. Gott bemerket all mein Sehnen; Gott ist gnådig, Gott ist reich, naht fich freundlich meinem Herzen, reinigt es durch Angst und Schmerzen, lenkt und reißet meinen Sinn ganz zu seiner Liebe hin. bes 6. Bald erscheint die letzte Stunde, meiner Ehránen letzte bald! O dann heilet jede Wunde, und der Gnade Stimm' erschallt: überstanden, überstanden, sey erlöst von allen Banden! Sey befreit von jeder Pein! Geh' zu meinen Freuden ein! ( Lavater.) Mel. Eins ist noth, ach! 2c. 35. 3aget nicht, wenn Dunkelheiten auf des Lebens Pfade ruhn; Gott ist gut! er wird euch leiten; ihm ist's Freude, wohlzuthun. Sind seine Gedanken nicht eure Gedanken, laßt dennoch, o Christen, den Glauben nicht wanken, daß Gott, der des Wurmes im Staube gedenkt, auch sorgsam und freundlich durchs Dunkel euch lenkt. 2. Ulles Dunkel dieses Lebens glånzt vor Gott wie Sonnenlicht. Wir durchforschen's oft vergebens; seinen Blick beschränkt es nicht. Er kennet das Große, das Kleine, das Ferne, die Thränen der Armen, die Schaaren der Sterne. Mit måchtiger Liebe verfolgt er den Plan, den seine unendliche Weisheit ersann. 3. Von Erstaunen hingerissen, sinnt der hohe Se= raph nach. Ulles kann er doch nicht wissen; ewig fühlt er sich noch schwach. Was murren wir Menschen von stumpfem Verstande? Wir sind ja nur Wandrer im dâm-, mernden Lande. Nur Demuth erhebet den ångstlichen Sinn; sie wirft in die Urme des Vaters uns hin. 4. Uch, erkenne dich, o Seele, fühle, wie so schwach du bist; blicke still zu Gott und wähle, was von ihm Anhang. verordnet ist! Dem Unglück entströmen geheiligte Freuden und Scheinglück ist oft nur die Quelle der Leiden. Bedent' es und jauchze, daß Gott dich regiert! Sen folge sam, auch wenn er durch Dornen dich führt. 32 5. Nicht das sinnliche Vergnügen wird von Edlen hochgeehrt. Schåße nur, die niemals trügen, sind des heißen Strebens werth. Hinweg denn, ihr bangen ente ehrenden Sorgen! Die Schäße des Ed'len sind in ihm verborgen. Da tilgt sie kein linfall, kein tobender Schmerz; auch traurige Wunden bereichern das Herz. 6. Dulden wir gleich manche Plage; der Ullweise wågt sie ab. Er durchschauet unsre Tage von der Wiege bis ins Grab. Was jetzt uns betrübet, soll einst uns ent zücken. O selige Hoffnung, wie kannst du erquicken! Nun angsten die künftigen Tage uns nicht; der Ewige spricht und das Dunkel wird Licht. 7. Hebe dich empor vom Staube! Fasse Muth, verzagter Geist! Siegen, siegen wird der Glaube, der den Herrn des Leidens preist. O laß dich das Dunkel der Erde nicht kümmern! Schon sieht ja dein Glaube die Herre lichkeit schimmern, die jenseits der Sterne dir Jesus ent hüllt. Dort rufft du einst jauchzend: mein Wunsch ist erfüllt! ( Reche.) Vernünftige Schäßung des Lebens. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 36.! daß von meinen Lebenstagen doch keiner ganz verloren sey! verlor'ne Stunden, ach! sie nagen zu spät das Herz mit Gram und Reu', und den entfloh'nen Augenblick bringt kein Gebet, kein Flehn zurück. 2. Was ist die Reih' durchlebter Jahre, wenn sie dahin ist wie ein Traum? Gieb, daß ich Augenblicke spare, hilf, daß nicht wie ein leerer Traum mein ganzes Leben mir verfließt, der Geist stets dürftet, nie genießt. 3. Laß jeden meiner Augenblicke hinfort mir innig theuer seyn; die Zeit, die du zu meinem Glücke mit Anhang. 33 gabst, durch Sünde nie entweihn; nie durch die Luft der Eitelkeit, die doch zuletzt das Herz bereut. 4. Stets weiter auf den Weg zum Ziele, stets näher zur Vollkommenheit! voll von dem himmlischen Gefühle: ich ward nicht bloß für diese Zeit; weil du mir, Pilger hier und Gast, ein beff'res Land bereitet hast. 5. Wenn dieser Erde Kleinigkeiten zu sehr mich reizen, wenn die Lust der Welt und höh're Pflichten streiten: o dann erwach' in meiner Brust der feste Muth: Herr, ich bin dein, der Erdentand ist mir zu klein! 6. Wenn mich des Tages Hitze drůcket, von Arbeitsschweiß die Stirne trieft, das Auge matt nach Ruhe blicket, wenn Undank meine Tugend prüft; wenn mir der Lohn zu lange säumt, zu sparsam meine Aussaat keimt: 7. Dann laß die Hoffnung mich erquicken: einst kommt mein Abend, still und kühl; die Last der Arbeit wird entzücken; Geduld wird Wonn' und Dankgefühl; Ernt ohne Ende giebt die Saat, die Demuth ausgestreuet hat. 8. Noch ist es Tag, jetzt laß mich Werke der Tugend wirken, eh' die Nacht, wo Niemand wirkt, erscheint; jetzt stårke mich deine Lieb' und deine Macht. Wie viel ist noch für mich zu thun! und ich, ich sollte jetzt schon ruhn? 9. Auf, auf, mein Geist! laß keine Stunde des Lebens ungenußt vorbei! Auf! schwör es heut' mit Herz und Munde und sey dem ersten Schwur getreu: dir, Herr der Zeit und Ewigkeit, sey jeder Augenblick geweiht! 10. Einst seh' ich an der Laufbahn Ende dann gern auf meine Tage hin, und sage: Herr, durch deine Hände empfing ich, was ich hab' und bin. Hier ist mein Tagewerk! nicht mein, dein ist der Ruhm, die Ehre dein. ( Niemeyer.) Wohlthätigkeit. Mel. Komm', laß uns Jesus sterben sehen zc. 37. Wie wohl ist mir, wenn mit Erbarmen ich meiner Bruder Etend seh! Wie wohl ist mir, wenn ich dem Urmen mit Rath und Hülf' entgegen geh'; wenn seiner Freude Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 3 34 Anhang. stille Zähre Gott, der durch mich ihm half, zur Ehre von seiner bleichen Wange fließt, wenn dann mein Herz die süßen Freuden beim Anblick weggeschwund'ner Leiden des Wohlthuns Freuden ganz genießt. 46 12 2. Wie wohl ist mir, wenn ich erquicken und Mens schen fröhlich machen kann! dem, welchen schwere Lasten drücken, mittragend sie erleichtern kann; wenn ich durch fanften Sinn und Mienen den armen Brüdern, die mir dienen, das Loos versüße, das sie traf; in ihnen nie mich selbst verkenne, Erholung ihren Kräften gönne und nach der Arbeit süßen Schlaf. 3. Wie wohl ist mir, wenn ich dem Kranken, der unter Angst und Schmerzen ringt, wenn sein Vertraun beginnt zu wanken, ob sein Gebet zu Gott auch dringt, wenn ich ihm treu entgegen eile, sein Elend willig mit ihm theile, ihn troft' in seiner Einsamkeit, ihm seiner Urmuth Jammer mindre, ihm seiner Wunden Schmerzen lindre und mich sein stiller Dank erfreut! 4. Wie wohl, wenn vaterlofen Kindern ich Vater werde; wenn ich sie der Noth entriffen, wenn ich mindern ihr Elend kann; sie weif' erzieh'; wenn ihrem Geist ich Güter schenke, die mehr als Gold find; ihrer denke, wenn ihrer auch die Welt vergißt; wenn ohne Lohn, selbst ohne Bitte, der Frühverwaiste in der Hütte so werth mir als der Reiche ist. 5. Du schufft zum Menschen mich! erhalte, mein Schöpfer, stets den Sinn in mir, daß meine Liebe nie ers kalte, durch Lieb' und Güte gleich' ich dir. Nichts laß mir die Empfindung nehmen für Menschen Wohl, und nie mich schämen des Mitgefühle bei Fremder Noth. Er quickung gieb, wenn ich den Armen durch Hülf' erfreue, voll Erbarmen auch mir in meiner Noth, o Gott! ( Niemeyer.) Vaterlandsliebe. Mel. Es ist das Heil uns kommen her 2c. 38. Bei deinem Namen, Vaterland, erwachen frohe Triebe; mit dir bin näher ich verwandt; dir schlägt mein Anhang. 35 Herz voll Liebe. Hier ging des Lebens Tag mir auf; o Land, in dir begann mein Lauf zum hohen Ziel des Lebens. 2. In heitrer Unschuld lernt' ich hier die ersten Worte stammeln, und mir Erkenntniß, Gott, von dir und deinen Werken sammeln. Mit Eltern sah ich mich vereint; und sie und mancher Jugendfreund versüßten meine Tage. 3. Und Viele strebten um mich her, mich Schwachen zu verpflegen. Wie Viele führten immer mehr der Wahrheit mich entgegen. Hier war mein Bürgerrecht bereit't, hier fand ich Ruh' und Sicherheit im Schuße der Gesetze. 4. So will ich denn auch dankbar feyn und Andern wieder nutzen, will rathen, helfen und erfreun, und Gutes unterstützen. Was Ordnung, Recht und Eintracht nährt und was des Landes Wohlstand mehrt, soll stets mir theuer bleiben. 5. Um überall aus Dankbegier des Landes Ruhm zu gründen, soll auch der Fremde stets in mir den Freund der Menschen finden; ich will gerecht und liebreich seyn, ihm in Gefahren Schuß verleihn und Freuden ihm gewähren. 6. Wie könnt' ich, ist mein Vaterland mir werth, mich so vergehen, ein fremdes Volk mit Unverstand zu haffen und zu schmähen? Verdienst und Tugend, nah und fern, soll immer meine Seele gern an jedem Menschen schätzen. 7. O wohl dem Lande, wo der Geist des Christenthums regieret, wo Jeder dich, o Vater, preist und sich mit Weisheit zieret; wo nie die Bürgertreu' entflieht und Keiner sich der Pflicht entzieht, Gemeinwohl zu befördern. ( Reche.) Hausliche Gesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 39. Im Stillen wollen wir dich ehren, Gott, der du frommen Wandel liebst, und, was wir fromm von dir begehren, so gern, so liebevoll uns giebst. Schon oft sind wir erquickt, erhört von deinem Thron zurückgekehrt. 2. Uns Ulle, die wir flehn, verbindet des Blutes 3* 36 Anhang. und der Freundschaft Band, und unser Herz, o Gott, empfindet die milde Leitung deiner Hand. Wir preifen dich), o Menschenfreund, der uns durch dieses Band vereint. 3. Wohl dem, der in der Che Bunde in treuer Lieb und Eintracht lebt; ihm wird so manche Lebensstunde mit Luft und Seligkeit durchwebt. Er blickt mit Ruh', mit heiterm Sinn auf Pfad und Ziel der Wohlfahrt hin. 4. Wohl ihm, wenn frommer Kinder Segen den Chebund noch schöner macht; wenn sie im Herzen Tugend hegen, und linschuld in den Blicken lacht, wenn sie der Eltern Beispiel rührt und auf den Weg zum Himmel führt. 5. Wehl ihm, wenn seinen Hausgenossen die Furcht des Herrn vor Augen schwebt, wenn Jeder treu und unver droffen nach seiner Pflicht Erfüllung strebt; wenn Eintracht und Zufriedenheit das Haus zum Sit des Segens weiht. 6. Wohl uns, wenn auch bei unsern Freuden sich freut der Nachbar und der Freund; wenn er beim Anblick unfrer Leiden des Mitteids sanfte Thränen weint; die Bruderhand uns willig reicht und Hülf' und Beistand gern erzeigt. 7. Den Frommen, die dich findlich ehren, o Vater, strömt dein Segen zu. Sie wandeln treu nach deinen Leh ren, vertrauen dir und finden Ruh' und finden Freuden, deren Werth und Dauer keine Zeit zerstört. 8. 3war oft wird auch der Kelch der Leiden den Deinen, Herr, von dir gefandt. Oft muß der Tod die Freunde schei den, die Blut und Treue fest verband. Oft stört des Grams, des Unglücks Wuth, oft Krankheit ihren heitern Muth. 9. Doch trinken sie den Kelch gelassen; du fandtest ihn, du zürneſt nicht, du, Vater, kannst nicht Kinder haf sen; der Trostgedanke ist ihr Licht, daß, wenn ihr Glaube standhaft ringt, das Leiden sie zur Wonne bringt., 10. Mag uns der Urm des Todes trennen, wir wer den einst uns wiedersehn, vor deinem Thron die Unsern kennen, mit ihnen dankend vor dir stehn. Wo und kein Tod mehr trennen kann, da beten wir dich schauend an 11. Wir preisen ewig deine Güte, die unerschöpflich, ewig liebt, und jedem redlichen Gemüthe schon hier des Anhang. 37 Himmels Vorschmack giebt, durch Freundschaft uns zur Ewigkeit, zur Wonne der Berklärung weiht. ( Eschenburg.) Für abwesende Freunde. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 40. Wo ist die Welt, die dich umschließt, das Land, wo nicht dein Segen fließt? Gott, überall zugegen! Wo meine Lieben sind, auch da bist du voll Huld, bist ihnen nah' auf allen ihren Wegen. Dies ist's, was meine Thránen stillt, wenn banges Sehnen mich erfüllt. 2. Die Pflicht entfernte sie von mir, und seufzend schaut' ich auf zu dir, mein Auge schwamm in Thrånen. Oft sucht' ich sie noch um mich her, und ach! hier fand ich sie nicht mehr; umsonst war all mein Sehnen. Doch du gabst meiner Seele Ruh'; ich will ihr Gott seyn, sagtest du. 3. Ja, sey und bleib' ihr Freund und Gott, ihr Schutz und Retter in der Noth, auf den sie sicher trauen! Mit ihren Schwächen hab' Geduld! Laß sie die Spuren deiner Huld an allen Orten schauen! O du, der alles Gute schafft, belebe sie mit deiner Kraft! 4. Erleicht're ihres Lebens Müh)'; dein reichster Segen komm' auf sie; bewahre sie vor Sünden! Beschütze sie mit starker Hand, und laß sie auch im fernen Land noch fromme Freunde finden! Auch da sey stets der Zugend Ruhm ihr unverletztes Eigenthum. 5. O kehrten sie mir einst zurück! Des Wiedersehens großes Glück macht froh schon meine Seele. Doch fåh' ich auch ihr Angesicht nun ferner hier auf Erden nicht: was ist's, daß ich mich quale? ich weiß, o Gott, ein Tag erscheint, der wieder mich und sie vereint. ¹6. Dwie gedenk' ich dein so gern, du Tag des Lebens, Tag des Herrn! Wann wird dein Licht erscheinen? O Tag, der die mir wieder giebt, die auch entfernt mein Herz fo liebt, die Seligen, die Meinen! Wie wird sichy unste Seele freun! Gott, welch ein Unblick wird das seyn! ( Münter.) 33 Unhang. Rechtes Verhalten gegen die Thiere. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit 2c. 41. Der weise Schöpfer, deffen Ruf einst mächtig scholl: es werde! und aller Welt Bewohner schuf, be stimmte diese Erde für seine Menschen nicht allein; auch Thiere schuf er groß und klein, des Lebens sich zu freuen. 2. Sein Wille war, daß ihre Zahl sich allenthalben mehre. Nun füllen Thiere Berg und Thal und Wälder, Flüss' und Meere; beleben hier die hohe Luft und dort der Erde tiefste Kluft, und finden, was sie nähret. 3. Nie kann des klügsten Menschen Sinn der Arten Unzahl wissen; doch sånk auch nur die kleinste hin, so war das Band zerrissen, das in der weiten Gotteswelt die Wesen an einander hålt zu einem großen Ganzen. 4. Dem, der für Alles Sorge trågt, dem Schöpfer aller Dinge, ist nichts, was auf der Welt sich regt, zu klein und zu geringe. Er, dessen Huld kein Engel mißt, er, der des Menschen Vater ist, ist auch des Wurms Erhalter. 5. Und er, der alle Wesen liebt, er sollte mir erlaus ben, dem Thiere das, was er ihm giebt, gedankenlos zu rauben? Was gåbe mir wohl den Beruf, ein Leben, das die Allmacht schuf, leichtsinnig zu zerstören? 6. Nein, kein Geschöpf, das mit mir lebt, darf ich aus Frevel quälen, mag auch, was mich zur Menschheit hebt, mag die Vernunft ihm fehlen. Sie macht mich zu der Gottheit Bild; doch lehrt sie mich auch göttlich mild, Glück um mich her verbreiten. 7. Vernunft, du sollst mir immer mehr die wahre Weisheit lehren, in der Geschöpfe großem Heer den Schöpfer zu verehren. Wer stolz ein Mitgeschöpf verschmäht, das unter Gottes Aufsicht steht, entehrt auch seinen Schöpfer. 8. Wen eines Thieres Qual erfreut, der wird, das kann nicht fehlen, kalt und gefühllos, mit der Zeit gewiß auch Menschen quälen. Wer frech ein Mitgeschöpf be trubt und Hårt und Grausamkeit verübt, der kann auch Gott nicht lieben. ( Fulda.) Anhang. 39 Gnaden Mittel. Vor der Taufe. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 42. Betend nahen wir uns dir, bringen dir auf unsern Urmen dieses Kind; dich slehen wir, großer Bater, um Erbarmen. Dein ist es und lebt durch dich; segn' es, schütz' es väterlich! 5 2. Schwach und hůlflos liegt es da, ohne Kraft, zu dir zu flehen. Aber du bist, Gott, ihm nah)', wirst ihm stets zur Seite stehen; führst es aus der Nacht zum Licht einst durch deinen Unterricht. 3. Sieh', wir weihen dir dies Pfand deiner våtere lichen Güte, bitten: deine Vaterhand leit' es, warne und behüte, wenn es sich nicht leiten kann, selbst auf seines Lebens Bahn! 4. Zu der Christen hohem Glück ward von dir es außerkoren. Ach, es weiche nicht zurück, sey zu ew'gem Heil geboren, hab' in Jesu Christi Reich' Bürgerrecht und werd' ihm gleich! 5. Liebend, wie ein gutes Kind, müss' es dich als Vater ehren; deinem Sohne gleichgesinnt, nur auf deine Stimme hören! Gottes Geist, erfülle du sein Gemüth mit Licht und Ruh'! 6. Laß es unter Schmerz und Luft treu an seinen Pflichten hangen; ach, es nåhre seine Brust nie ein unerlaubt Verlangen! wenn sein Aug' im Tode bricht, Gott, auch dann verlaff' es nicht! ( Niemeyer.) Nach der Taufe. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 43. In den Bund der Christenheit ist dies Kind nun aufgenommen. Laß durch ihn es in der Zeit zu der Ruh' des Glaubens kommen, in ihm seine Würde sehn und getreu durchs Leben gehn. 2. Noch erkennt den Tag es nicht, der sein Untlig mild bescheinet, weiß noch nicht, was ihm gebricht, weni 40 Anhang. es hülfsbedürftig weinet; ficht nicht, wer es sorgsam trågt, nicht, wer mütterlich) es pflegt. 3. So umstrahlt uns höhers Licht, ohne daß wir jetzt noch sehen; wissen, was uns gut ist, nicht, wenn wir bang' um Hülfe flehen; sehn die Hand nicht, die uns schützt, und uns spendet, was uns nüßt. 4. Doch wir wissen, daß du bist. Nichts soll diesen Trost- uns rauben. Daß ein Gott stets nah' ihm ist, mis auch dieses Kind einst glauben. Gieb, daß es, der Unschuld treu, Gott, sich immer deiner freu'! Erneuerung des Taufbundes. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 44. Herr, dir gelob' ich heil'ge Treue und ernsten Fleiß im Christenthum. Dir, Jesu, weih' ich mich aufs neue zu deinem ew'gen Eigenthum. Von deinem guten Geist allein will ich hinfort geleitet seyn. 2. Nimm, Heiliger, von deinem Kinde der Treue fromm Gelübde hin! Versuchet mich hinfort die Sünde, so will ich ihre Lockung fliehn, will dir mich und der Tugend weihn und dieser Tag soll Zeuge seyn. 3. Nie will ich treulos an dir werden, nie deine guz ten Wege flichn. Kein Scheingut, keine Lust der Erden, fein Unglück soll mich dir entziehn. Weich, eitle Welt! Weichy, Sünde, fleuch! Gott hört es! jetzt entsag' ich euch! 4. Einst werd' ich, Herr, vor deinem Throne mich die fes Bundestages freun; geschmückt mit jener Siegeskrone, werd' ich dann ewig selig seyn. O welch ein Heit! Wie freu' ich mich! Herr, nimm dies Herz! Dein, dein bin ich. ( Sturm.) Confirmations- Lied, wie es die Gemeine fingt. Mel. Komm, heil'ger Geist zc. a. 45. Ethör, o Gott, das heiße Flehn der Kinder, die hier vor dir stehn! Erbarmend blick auf sie hernieder! Anhang. denn dein sind sie, find Christi Glieder. Gieb ihnen, Vater, Sohn und Geist, den Segen, den dein Wort ver heißt; erfülle sie mit deinen Gaben! laß sie mit dir Ge meinschaft haben! Erbarme dich! Erbarme dich! 2. Sie wollen, deiner sich zu freun, sich jetzt, Gott, deinem Dienste weihn, den Taufbund feierlich erneuern, und dir mit Herz und Mund betheuern, in ihrem Glauben fest zu stehn, in ihrem Thun auf dich zu sehn, im Wandel rein und rein im Herzen, dein Heil nie sorglos zu verscherzen. Gieb Kraft dazu! Gieb Kraft dazu! 3. Schenk' ihnen Muth und Freudigkeit! Laß ihrer Busag' Heiligkeit so stark, so tief ihr Herz durchdringen, daß sie ihr Wollen treu vollbringen. Auch uns laß jetzt mit Herz und Mund mit dir erneuern unfern Bund, und einst hör' unser brünstig Flehen mit ihnen ein zum Himmel gehen. Erhör uns, Gott! Erhör' uns, Gott! ( Küster.) - 11 Wie es die Confirmanden zu singen haben. b. 45. Erhör, o Gott, das heiße Flehn von uns, die wir hier vor dir stehn! Erbarmend blick auf uns hernieder! denn dein sind wir, sind Christi Glieder. Gieb uns, Gott, Vater, Sohn und Geist, den Segen, den dein Wort verheißt; erfülle uns mit deinen Gaben! laß uns mit dir Gemeinschaft haben! Erbarme dich! Erbarme dich! 2. Wir wollen, deiner uns zu freun, uns jetzt, Gott, deinem Dienste weihn, den Taufbund feierlich erneuern, und die mit Herz und Mund betheuern, in unserm Glauben fest zu stehn, in unserm Thun auf dich zu sehn, im Wandel rein und rein im Herzen, dein Heit nie sorglos zu verscherzen. Gieb Kraft dazu! Gieb Kraft dazu! 3. Schenk, Herr, uns Muth und Freudigkeit, laß unfrer Zusag' Heiligkeit so stark, so tief das Herz durchdringen, daß wir das Wollen treu vollbringen. Ach! laß jetzt Uller Herz und Mund, gleich uns; erneuern ihren Anhang. Bund. Sie Alle laß- hör' unser Flehn- mit uns einst in des: Himmel gehn. Erhör' uns, Gott! Erhör'uns, Gott! ( Küster.) Vor, bei und nach der Abendmahlsfeier. Mel. Vater unfer im Himmelreich zc. 46. Chrift, eile nie mit sicherm Sinn zum Liebesmahle Jesu hin; denk' nicht, des großen Dulders Blut macht jedes Sünders Lafter gut. Weh dem, der dieses Mahl entweiht durch Selbstbetrug und Sicherheit! 2. Wer sich zu ihm unwürdig naht, der häuft die Schuld der Missethat. Sen nicht dein Feind, empfah' es nicht dir, ach, zum strengeren Gericht! nein, erst empfinde tief dein Herz der Sünde Schmach, der Reue Schmerz. 3. Erst sey dein Vorsatz fest und rein, nicht mehr der Sünde Sclav' zu seyn; erst gieb zurück, was deine Hand durch List, durch Trug, durch Raub entwandt; erst, Bürnender, versöhne dich mit deinem Bruder brüderlich. 4. Besiegst du so in deiner Brust des Lasters Macht, die böse Luft; bist du entschlossen und bereit, zu kämpfen manchen harten Streit: dann nahst du dich der Zugendbahn, dann gehe zum Altar hinan. 15. Beschämt und mit gebeugtem Sinn schau' auf den großen Dulder hin, der liebreich für die Sünder starb und ihnen Gottes Huld erwarb; dann glaube froh, daß Gott uns liebt, gern Reuigen die Schuld vergiebt. 6. So, frei von Heuchelei und Wahn, muß Jeder fich dem Mahle nahn, das du in deiner letzten Nacht, o Herr, zum Denkmahl ausgemacht; da dâmpfe der Ge dank ans Kreuz der Thorheit Lust, der Sünde Reiz. 7. Da rühr' uns tief dein göttlich Bild und mach' uns liebreich, sanft und mild; da schenk dein Geist uns Muth und Kraft zum Kampfe mit der Leidenschaft, daß heilig wir durchs Leben gehn, dem Tode froh entgegen fehn. Unhang. Mel. Herzlich thut mich verlangen ze. 47. Versammelt hatte Jefus die Jünger feierlich; es nahte seine Stunde, die Abschiedsstunde, sich. Die sich der Hoffnung freuten, mit ihm zum Thron zu gehn, sie sollten nun ihn dulden, ach! bluten, sterben sehn. 2. Sie sollten nun Bekenner der heil'gen Wahrheit seyn, für sie und für die Brüder, wie er, den Tod nicht scheun. Ach! wie er jetzt so rührend beim frommen Übschiedsmahl den Freunden, den Erwählten, noch Lieb' und Treu' empfahl. 3. Er sah am Kreuz sich sterben und weihte Brod und Wein, den Blick zu Gott erhoben, für sie laut dankend ein. Nehmt, sprach er, diese Gaben; das ist mein Leib, mein Blut; o denket mein, ihr Lieben, so oft ihr solches thut! 4. Wie konnten sie vergessen, was jetzt ihr Lehrer that, der scheidende Geliebte jetzt, ach! so zärtlich bat: Nehmt hin, für euch gegeben wird dieser Leib, dies Blut; o denket mein, ihr Lieben, so oft ihr solches that! 5. Nun ward dies Mahl zur Feier, stets schwebte liebreich, mild und hehr vor ihren Blicken des treusten Freundes Bild; gab ihnen rein're Liebe, zur Tugend höhern Muth. Sie opferten der Wahrheit mit Freuden Gut und Blut. 6. Auch uns zum Heil gefliftet ward sein Gedächtnißmahl; für uns auch starb aus. Liebe er unter Schmach und Qual. Wer könnte sein vergessen, vergessen, was er bat, eh' er den Weg des Todes zu unserm Heil betrat! 7. O laßt uns am Altare uns seiner dankbar freun, and froh den Bund der Liebe, der Tugend Bund erneu'n! Sein Mahl stårt unsern Glauben, stårk' ihn in Schmerz und Noth, mach' heilig unser Leben, mach' freudig unsern Tod. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 48. Herr, deines Lebens letzte Nacht, die Nacht voll Angst und Schmerzen, die Ruh' und Segen uns gebracht, 44 Anhang. sen heilig unsern Herzen! Un deiner letzten Stunden Qual laß uns bei deinem Abendmahl mit Dank und Rührung denken. 911 2. Um zu vollenden, wolltest du jetzt von den Deis nen scheiden; fabst ihre Hoffnung, ihre Ruh' vertilgt durch Furcht und Leiden; da weihtest du der Liebe Mahl, und einer bessern Hoffnung Strahl ging auf in ihrer Seele. 3. Du gingst zum Tode, Herr, mit Muth und liebevollem Herzen, und jeder Fußtritt war voll Blut; du gingst durch tausend Schmerzen; doch im Triumph vom Blutaltar zu Gott, um dort der Deinen Schaar die Stätte zu bereiten. 4. Wie froh erhebt sich unser Blick an deines Altars Stufen zu jenem höhern, ew'gen Glück, zu dem uns Gott berufen durch dich, der du für Alle starbst und Hoffnung uns, auch uns erwarbs, des ew'gen Lebens Hoffnung. 5. Gieb, daß aus Dankbarkeit wir nun die Sünde ernstlich meiden, mit Freuden Gottes Willen thun und standhaft seyn im Leiden; daß wir, Herr, deine große Huld durch Liebe, Sanftmuth und Geduld und frommes Leben ehren. 6. Hilf, daß, so oft wir feierlich der Liebe Bund erneuen, in immer höhrer Zugend sich die Herzen deiner freuen; daß nie wir diesen Bund entweihn; nein, unver brüchlich treu dir seyn, im Leben und im Tode. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan 2c. 49. Mit frohem Dank' erschein ich hier, dein Leiden zu befingen, von deinem Mahle bis zu dir mich, Jesu, auf zuschwingen. Mein Glaube ist da, wo du bist, anbetend bei dem Throne, vor dir, des Höchsten Sohne. 2. 3war immer groß ist mein Gewinn an jedem ſtil len Orte, wo ich im Geiste bei dir bin. Es fließt aus deinem Worte mir Troft und Ruh' in Strömen zu; dein Leben und dein Leiden sind stets ein Quell der Freuden. 3. Auch weißt du, Herr, wie herzlich dich die ganze Seele liebet, und wie dein Knecht so willig sich in guten Anhang. Werken übet. Långst ist der Bund mit Herz und Mund geknüpft, ich bin der Deine, und du, o Freund, der Meine! 4. Doch feierlich sey heut' mein Dank und fefilich diese Stunden! Und lauter tone mein Gesang vom Tod, den du empfunden! Du liebtest mich und starbst für mich. für mich und meine Brüder; du starbst und lebst nun wieder. 5. Und dich, o Freund, dich sollt' ich nicht vor aller Welt bekennen? Für dich und für des Dankes Pflicht nicht ganz von Liebe brennen? nicht Hand in Hand, in festem Band mit allen deinen Gliedern die Liebe dir erwiedern? 6. Nein, Jesu Tod vergess' ich nicht, nicht seine Huld und Treue; nicht meine Schuldigkeit und Pflicht, das schwor ich jetzt aufs neue. Du hörst den Schwur. Gott hört ihn nur!- Die Liebe soll mich dringen, ihn redlich zu vollbringen. 7. Bei deinem Mahl stått mich, o Herr! du bist der Gott der Stärke, daß ich von nun an williger auf Jefu Stimme merke, und von ihm gern die Weisheit lern', auf deine: Bahn zu wandeln, nach deinem Wort zu handeln; 8. Daß ich die Lust bei jedem Streit noch glücklicher bezwinge; die Früchte der Gerechtigkeit in größ'rer Schönbeit bringe. O bilde mich, ich bitte dich, noch mehr nach Jefu Bilde, demüthig, sanft und milde! 9. Einst kommt die Zeit- so wahr ich hier vor deinem Zische stehe, daß ich in Wonne, Herr, bei dir ihn selbst, den Heiland, sehe.. Wie wallt mein Blut, wie wächst der Muth zum Hoffen und Vertrauen! Auf Glauben folgt das Schauen. ( S. U. Hermes.) Nach der Ernte. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte zc. 50. In deinem Heiligthume bringen die heute, Gott, wir unfern Dank. Das Alter und die Jugend singen dir feierlichen Lobgesang. Gekrönt hast du mit deiner Milde tings um uns her das ganze Land. Dein Segen floß auf die Gefilde aus deiner offnen Vaterhandra Anhang. 2. Du schenktest Sonnenschein und Regen für jede Frucht zu rechter Zeit, und gabst dem Samen Kraft und Segen, den Menschenhånde ausgestreut. Für Millionen deiner Kinder reicht deiner Gaben Fülle hin. Du nährst den Frommen, nährst den Sünder mit ewig treuem Vaterfinn. 46 3. Wer kann die Güte ganz ermessen, die weiter als die Wolken reicht! Wer undankbar die Treu' vergessen, die nie von uns, dem Staube, weicht? O nimm in heiBen Freudenzähren, nimm an, o Vater, unsern Dank! Wir wollen ewig dich verehren durch Thaten, wie durch Preisgefang. 4. Was du uns gabst, wohl anzuwenden, verleih uns Weisheit und Verstand. Nicht um es üppig zu verschwenden, empfingen wir's aus deiner Hand. Du willst, wir sollen froh genießen, doch måßig im Genuß uns freun, und mild, wie du, Herr, dich bewiesen, soll Jeder der Beglückten seyn. 5. Auch für den Armen wuchs der Segen, den deine Hand so reichlich gab. Wir wollen seiner liebreich pfle gen; er trockne feine Thrånen ab. Er danke heute mit uns Ullen, frohlocke laut und bete an, daß du nach dei nem Wohlgefallen so viel, o Gott, an uns gethan. Sonntagsfeier. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen zc. 51. Du, Tag des Herrn, sollst meiner Seele ein stil ler, froher Festtag seyn; ein Tag, den ich mit Ernst er wähle, um ihn dem Lebenswort zu weihn. Zum Him mel foll mein Geist sich schwingen, zum Himmel, dem ich feire heut', entfernt von allen eitlen Dingen, den Fest tag der Unsterblichkeit. 2. Sey stark und triumphir', mein Glaube, ich weiß es, daß du Wahrheit bist! emporgeschwungen aus dem Staube des Todes hat sich Jesus Christ. Sa, Licht und Wahrheit, Worte Gottes, sind deine Worte! ja du bist, Unhang. du bleibst, troß jedes frechen Spottes, der Sohn des Höchsten, Jesus Christ! 47 3. Mit deinen heiligen Gemeinen, die heut' vor dei nem Untlig stehn, soll meine Seele sich vereinen, Herr, deine Liebe zu erhöhn, dein Lob mit Ehrfurcht hier zu stammeln, bis einst, wenn in der Engel Chor sich deine Heiligen versammeln, mein Psalm mit ihnen dringt empor! 4. Noch hier am Gott geweihten Orte erschallt der Gnaden Stimme mir. Ich höre, Jesus, deine Worte und stille seufzt mein Herz zu dir. Zu dir, daß ich, als dein Erlöster, für den du starbst, mich kann erfreun, zu dir, mein Licht, mein Schild, mein Tröster, durch den ich geh' zum Leben ein. 5. Und sammeln soll in heil'ger Stille zu neuer Kraft die Seele sich, und fragen: was verfolgt dein Wille? was quålt und was ergohet dich? Sie soll ers gründen ihr Bestreben; im Blick auf jenen heil'gen Pfad erwägen Sinn und Wort und Leben, den Jesus Chrift gewandelt hat. 6. Als milder, brüderlicher Tröster will ich zu dir, Verlass'ner, gehn; mit Freundlichkeit, du Hülfentblößter, soll gern mein Herz dir offen stehn. Ich will zu dir, du Kranker, eilen, du sollst in meiner Liebe ruhn; will deine Schmerzen mit dir theilen! denn Sabbathsfei'r ist: Gutes thun. ( Lavater.) Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 52. Hehr und heilig ist die Stätte, wo die Frommen zu dir flehn; wenn ich feiernd sie betrete, laß mich, Herr, dein Untlik sehn! Wohl, wohin mein Auge sah, war dein Geist mir immer nah', doch es trübt das Weltges tümmel oft vor meinem Blick den Himmel. 2. Von dem Irdischen geschieden, von dem Ewigen erfüllt, find' ich hier den hohen Frieden, der des Geistes Sehnsucht stillt. An dem Strom der Erdenlust schmachtet doch zuletzt die Brust; in des Lebens wildem Drången kann das Herz sich nur verengen. 48 Anhang. 3. Hdr ich hier der Andacht Lieder, dünkt es mich ein Engelchor; sink' ich bang' und zweifelnd nieder, hebt der Glaube mich empor. Milder wird der Krankung Schmerz, Bruderlieb' erfüllt das Herz, seh' zu den geweihten Hallen ich die Mitanbeter wallen. 4. Heil'ges Wort der ew'gen Wahrheit, die dem Irrthum uns entreißt! du erhellst die Nacht zur Klarheit, du dirchstrahlst mit Licht den Geist. Nichts verhehlet sich vor dir, Fehl und Schuld enthüllst du mir. Wo dies Machtwort je erklungen, hat es Mark und Bein durchdrungen. 5. Weinend oft mit bangem 3agen trat ich in das Heiligthum; da verstummten meine Klagen und mein Leiden ward mein Ruhm. Willig, wie aus Vaterhand, nahm, zum Mittler hingewandt, ich, in Demuth hingefunken, auch den Kelch, den er getrunken. 6. Knie' ich an des Altars Stufen, ein gebeugter Sünder, hin, hör ich heil'ge Stimmen rufen:» Sey getrost! dir ist verziehn!« hochbegnadigt steh' ich auf; fröhlich fördr' ich meinen Sauf, und das Herz wird voll Vertrauen, was ich glaube, dort zu schauen. 7. Sieht mein Auge, naß von Thränen, der Geliebten Stelle leer: hier stillt sich das bange Sehnen; leben sie doch hoch und hehr! Aus der Welt voll Kampf und Streit zu des Himmels Herrlichkeit, zur Gemeine sel'ger Frommen sind die Glücklichen gekommen. 8. Theuer bleibst du meiner Seele, Haus des Herrn, so lang' ich bin. Nimmt des Brabes dunkle Höhle einst den Staub des Pilgers hin, schwebt der Geist mit Preis und Ruhm in das höh're Heiligthum, daß er ewig sich vereine mit der himmlischen Gemeine. ( Niemeyer.) Mel. Wie schön leucht't uns der ic. 53. Fleug auf, mein Psalm, mein Lobgesang, Unbe tung Gott und Ruhm und Dank vor seinen Thron zu bringen! Gott hört auch Menschenlieder gern, wenn gleich Anhang. die Engel ihrem Herrn erhab'ner' Psalmen singen. Darun: hat er mit den Heeren, die ihn ehren, zu den Stufen ſeines Throns auch dich gerufen. 2. Wie groß ist Gottes Herrlichkeit! Er sprach zu seinen Himmeln: seyd! zu seinem Erdkreis': werde! Gleich standen da voll Reiz und Pracht vor ihm, zum Preise seiner Macht, die Himmel und die Erde. Wie er's ausrief, da begonnen tausend Sonnen, und erhellten ein unzählbar Heer von Welten. 3. Wie sie so herrlich sind, so schön, einträchtig alle Gott erhöhn und seine Größe preisen! Wie jede Jubel ist und Dank, ein hoher, lauter Lobgefang dem Gütigen und Weisen! o wie könnt' ich fühllos schweigen, solcher Zeugen Lob vernehmen und doch seines Ruhms mich schåmen? 4. Er hat der Sonne hoch Gezelt, die Himmel, über seine Welt auch für mich ausgebreitet. Wer nußt der Erde mehr, als ich? Hat sie mein Vater nicht für mich gegründet und bereitet? Lächeln mir nicht alle Wälder, alle Felder froh entgegen, reich für mich von seinem Segen? 5. Wem blüht das Thal, für wen erhebt sich das Gebirge! Wem tönt und schwebt der Sänger in den Lüf ten? Für wen bevölkert sich das Meer? Wem lebt der Thiere zahllos Heer auf segensreichen Triften? Quellen riefeln; Winde wehen; Fluss und Seen werden Meere mir zum Segen, ihm zur Ehre. 6. Noch strahlt mir ungeschwächt sein Licht; noch weigert die Natur sich nicht, die Welt für mich zu schmükken; noch hat sie Freuden g'nug für mich, noch immer schön und jugendlich mein Auge zu entzücken. Eher werden diese Werke feiner Stärke nicht veralten, bis er kommt, Gericht zu halten. 7. So hat mein Gott an mich gedacht, hat über fie durch seine Macht zum Herrscher mich erhoben; er gab mir meinen Leib und auch die Seele, seines Odems Hauch, gleich Engeln ihn zu loben. Rühm' ihn, Seele, und es Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. 4 50 Anhang. schalle von dem Halle deiner Lieder Gottes Erd' und Him mel wieder! 8. Das Kind, der Jüngling und der Mann, die ganze Schöpfung bet' ihn an, und seiner Wunder Menge! Strömt hin aus meiner vollen Brust, strömt hin, Eme pfindungen voll Lust, in hohe Dankgefänge! Schöpfer, Vater, dich erhebe, weil ich lebe, meine Seele, meine hochbeglückte Seele! ( Gramer.) Mel. Dir, dir Jehovah will ich singen 2c. 54. Wenn ich vor dich, mein Schöpfer, trete, und ans dachtsvoll in stiller Einsamkeit aus vollem Herzen zu dir bete, was fühl' ich da für hohe Seligkeit! Ich bin ents zückt, und Ulles, Alles flieht, was meinen Geist zur Erde niederzieht. 2. Dann spott' ich jener falschen Freuden und achte nicht der eitlen Flitterpracht, um die sich Menschen oft be neiden, und die sie nur zu Sinnensclaven macht; ich fühl' es lebhaft: dir gefällig seyn, nur das kann stets und wahrhaft uns erfreun. 3. Dann weichen selbst die schwersten Sorgen, dann flieht der Schmerz, der sonst mich niederdrückt; ich weiß es, dir ist nichts verborgen, auch nicht der Seufzer, den mein Herz erstickt. Du bist ein Vater, der mich ewig liebt, auch wenn er mich durch kurze Leiden übt. 4. Ja, das Gebet giebt Kraft im Leiden, belebt und stårkt zur Tugend meinen Geist, und hilft mir Alles, Alles meiden, was mir den Sinn für Edelmuth entreißt; nur muß mein Flehn auch ernstlich fromm und rein und eines wahren Christen würdig seyn. 5. Drum bitt' ich nicht in meinen Leiden: o Vater, Bater, nimm sie weg von mir! Auch bitt' ich nicht in meinen Freuden: erhalt, o Schöpfer, diese Freuden mir! nur um ein frommes, dir ergeb'nes Herz bet' ich zu in Freuden und in Schmerz. dir ( Elise v. d. Reck.) Anhang. Neujahrslied. Mel. O Haupt voll Blut und Wunden ic. 55. Das Jahr ist hingeschwunden, wie Schaum im wilden Bach. Denkt seinen heitern Stunden, denkt seinen trüben nach! Es floh zu jenen Jahren der Freud' und Leiden viel, die schon erschienen waren, rückt näher uns ans Ziel. 51 2. In stetem Wechsel kreiset des Menschen kurze Zeit; er blüht, er åltert, greifet und geht zur Ewigkeit. Es schwinden selbst die Schriften, wie früher Ehr' und Macht, an seinen morschen Grüften hinab in Todesnacht. 3. Ist heut' noch Jeder lebend, der heut' vor einem Jahr, in Lebensfülle strebend, mit Freuden fröhlich war? Uch! Manche sind geschieden! Senkt einen Blick hinab, sie sind nicht mehr hienieden, sie deckt das stille Grab. 4. Wer weiß, wie Mancher modert ums Jahr, versenkt ins Grab! Unangemeldet fodert der Tod die Menschen ab. Bei lauem Frühlingswetter und grüner Bäume Pracht wehn oft verwelkte Blätter, vom Todeswurm benagt. 5. Und dennoch, frohes Muthes, auch wenn uns Trennung droht! Wer fromm ist, findet Gutes im Leben und im Tod! Wir sammeln einst uns wieder; wir find in Gottes Hand, und singen heil'ge Lieder im ew'gen Vaterland. ( Voß.) Schluß des Jahrs. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte zc. 56. Ach, wieder ist ein Jahr verschwunden, ein Jahr, und kommt nicht mehr zurück! Mit ihm, wie viele tausend Stunden sind weg, weg wie ein Augenblick; weg meine Tugenden und Sünden. Doch nein! Der Richter aller Welt läßt 1 mich wiederfinden, wenn er vor sein Gericht mich stellt. 2. Gedanken, Worte, Thatenheere! Wie? dürft ihr Gottes Licht nicht scheun? Wenn ich dies Jahr ge storben wäre, wo würde meine Seele seyn? Stund' ich 4 Anhang. verklärt bei Gottes Kindern, von meines Gottes Preis entflammt? Wie? Oder håtte mit den Sündern der Ullgerechte mich verdammt? 3. Den Gott, der liebt, wie Våter lieben, hat ihn mein Undank nie betrübt? Den Gott, der mir so treu ges blieben, hab' ich ihn auch so treu geliebt? Lebt ich vor ihm nach seinem Willen, stets als vor seinem Ungesicht? fromm öffentlich, und fromm im Stillen, treu dem Ge wissen, treu der Pflicht? 52 4. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, die Sün den dieses Jahres. Nein! wie könnt' ich's dir, wie mir verhehlen: ich bin nicht werth, noch hier zu seyn. 3u oft ließ ich das Herz erkalten; zu oft verletzt' ich meine Pflicht. Ich darf vor dir nicht Rechnung halten; ich zittre. Geh' nicht ins Gericht! 5. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, die Gnaden dieses Jahres. Nein! wie kann ich's dir, wie mir verhehlen: ich bin nicht werth, noch hier zu seyn. Wo fang' ich an? Gott, welche Menge, vom ersten bis zum letzten Tag! Ich weiß, daß wenn ich Jahre sänge, ich dir zu danken nicht vermag. 6. Un manchem ruhevollen Morgen fühlt ich aufs neu' des Lebens Werth! Wie oft genoß ich ohne Sorgen die Nahrung, die mir Gott beschert! Wie viele schrecks liche Gefahren hat er von mir hinweggewandt! tausend Andre elend waren, erhielt mich seine Vaterhand. Wenn 7. Verzeih' den Undant, schenk Erbarmen, gedente meiner Sünden nicht, und zeig' dem Reuenden, dem Urmen, der Gnade sucht, dein Angesicht! Wie freudig will ich dann mein Leben von neuem deinem Dienste weihn! Wie eifrig will ich mich bestreben, durch deinen Geist ein Chrift zu seyn! ( Lavater.) Beim Anfange des Kirchenjahrs. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 57. Fest steht dein Bund, wie Felsen stehen, du Gott der Gnade, Gott der Treu'! Jahr und Jahrhunderte verz Unhang. 53 gehen; doch deine Güt' ist täglich neu. Für diefe Güte bringen wir auch heute Dank, o Vater, dir. 2. Kein Feind zerstörte die Altåre, kein Feind zere trat dein Heiligthum. Noch singen wir von deiner Ehre, roch predigt man von deinem Ruhm. Durch Taufe, Abendmahl und Wort pflanzt sich auch hier die Kirche fort. 3. Doch fragst du nach des Wortes Früchten, und bringst, was wir gethan, ans Licht, nach unsern Werken uns zu richten, so, Heiligster, bestehn wir nicht. Du trugest uns mit viel Geduld; wir aber häuften Schuld auf Schuld. 4. O laß es deinem Geist gelingen, bei uns in dies sem neuen Jahr die Sünde mächtig zu bezwingen, wo fie bisher noch herrschend war! Wir schwören dir heut' ew'ge Treu', daß sie nicht weiter herrschend sey. 5. Laß hier, wo wir jetzt niederfallen, dein unverfälschtes Gnadenwort bei unsrer Nachwelt noch erschallen, und sie an diesem heil'gen Ort der Tauf und deines Mahls fich freun und deine wahre Kirche seyn! 6. Gieb, daß wir dich stets kindlich ehren, als dein geweihtes Eigenthum! Einst führst du uns zu jenen Chdren, wo man, erfüllt von deinem Ruhm, das Leben, das uns dort beseelt, nicht mehr nach Tag und Jahren zählt. ( Schlegel.) Am Ende einer Woche. Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her zc. 58. Unwiederbringlich schnell entfliehn die Tage, die uns Gott geliehn. Auch diese Woche eilet schon unwiederbringlich schnell davon. 2. Dank unserm Vater, unserm Gott! uns traf kein Gram und keine Noth; denn seine ew'ge Batertreu' ward uns an jedem Morgen neu. BE 3. Dank ihm! Wenn jetzt voll Frendigkeit das Herz fich mancher Tugend freut, weß war die Kraft? Wer gab Gedeihn? Dem Herrn gebührt der Ruhm allein. Unhang. 4. Oft fehlten wir, und merkten's nicht! Verzeih' uns die verletzte Pflicht. Nimm an, Erbarmer, unsre Reu', und sprich uns, deine Kinder, frei. 5. Wir eilen mit dem Strom der Zeit stets näher hin zur Ewigkeit. Herr unsers Lebens, mache du uns selber recht geschickt dazu. 6. Du làff'st, uns långer zu erziehn, uns Wochen, Monden, Jahr' entfliehn; doch an dem Ziel der Pilgerfchaft kommt unsre große Rechenschaft. 7. O dann laß uns, wir Alle flehn, mit Freadigkeit vor dir bestehn. Denn, ach! wer dann vor dir erbebt, hat thöricht, hat umsonst gelebt. ( Neander.) 54 Allgemeines Danklied. Mel. Errett' mich, o mein lieber Herre 2c. 59. Dank, bester Vater, will ich singen, Dank dir, der mir nur Gutes giebt! mit aller Kraft, vor allen Dingen sey du gelobet und geliebt. 2. Dank, lauter Dank dir für mein Leben, ich steh' vor deinem Ungesicht; du hast mein Daseyn mir gegeben; wenn du nicht wolltest, wär' ich nicht! 3. Du warst mir, eh' ich war, gewogen, und ewig auf mein Glück bedacht; du hast mich aus dem Nichts gezogen, zum Menschen hast du mich gemacht! 4. Ja, Vater! dir gebührt die Ehre; ich bin, was ich nur bin, durch dich. Dank, Dank dir! Der Geschöpfe Heere erschufst du, Vater, auch für mich. 5. Dank dir, du gabst mir Kraft zum Denken, und Willensfreiheit gabst du mir; Vernunft, mein Leben hier zu lenken; Empfindung; ach, wie dank' ich dir! 6. Ich kann dich in der Schöpfung finden, mich beis ner großen Werke freun; Dank dir! Ich kann dich, Gott, empfinden; wie freu' ich mich, durch dich zu seyn! 7. Für meinen Leib und alle. Glieder gebührt dir Dank! Mit jedem Sinn fall' ich anbetend vor dir nieder, und danke laut dir, daß ich bin! Anhang. 55 8. Du hast mir Dach und Kleid bescheret; was fehlte, Vater, jemals mir? Hast du mich nicht bis jetzt ernähret? Von ganzem Herzen dank' ich dir. 9. War ich umringet von Gefahren, du hattest, Vater, mich bewacht; und immer stand, mich zu bewahren, an meiner Seite deine Macht. 10. Erwåg' ich, Vater, alle Pfade, die deine Hand mich durchgeführt, so seh' ich Weisheit nur und Gnade, und fühle, daß dir Ruhm gebührt.. 11. Wie oft entrisfest du dem Feinde der Wahrheit und der Tugend mich! Für meine Eltern, meine Freunde, für meine Lehrer preif' ich dich! 12. Du lenktest von der frühen Jugend durch viele Freude, wenig Schmerz zu deiner Kenntniß und zur Tugend, o bester Gott! Verstand und Herz. 13. Für jede nützliche Erfahrung, für Alles, was mich lehren kann, für Unterricht und Offenbarung, bet' ich) im Staube, Gott, dich an! 14. Im Dunkeln forsch' ich nicht vergebens, du gabest mir dein Wort zum Licht; du zeigtest mir den Weg des Lebens; mein Glück, mein Elend, meine Pflicht. 15. Nein, nein! die Zunge kann nicht sagen, wie unaussprechlich gut du bist; nun darf die Seele nicht mehr zagen, die Seele, die unsterblich ist. 16. Unsterblich! Bater! Eroig leben soll ich! ich, der nur Tod verdient; ich ewig seyn! Du hast vergeben, haft mit dem Sünder dich verfühnt! 17. Dein Sohn,- o wer faßt das Erbarmen!- entäußerte des Himmels sich; vom Tode zu befrei'n mich Urmen, ward er, der Sohn, ein Mensch, wie ich. 18. Ein Mensch, um Menschen zu versöhnen, er, der mich schuf und mich erhält! Er starb; o fließet, Freudenthrånen! Wie dank' ich dir, o Herr der Welt! 19. Anbetung dir und ewig Ehre; und Dank und Liebe, Jesus Christ! Von mir, der ewig elend wåre und nun unendlich selig ist! Anhang. 20. Ja, Bater, Bater, überschwenglich und über jeden Ausdruck groß sind deine Gnaden; unausdenklich)! und deine Güte namenlos! 56 21. Dank sey mein Mund, mein Herz, mein Leben! Du bist die Liebe:-- Nichts bin ich! D du, der mir so viel gegeben, gieb mir noch Dankgefühl für dich! ( Lavater.) Morgenlieder. 60. Wie lieblich winkt sie mir, die sanfte Morgen rothe, der Schatten weicht vor ihr zurück. Wie schön ist die Natur! O Herr, vor dem ich bete, wie über strömt sie mich mit Glück! 2. Du hast mir mehr geschenkt, als in den Abendstunden mein Glaube gestern von dir bat. Viel mehr, ich verstand, hast du im Flehn gefunden, womit ich vor dein Untlig trat. als 3. Du schenktest mir den Schlaf zur Sammlung neuer Stärke für diesen neuen Lebenstag; jetzt ruft dein Wohlthun mich, zu wirken gute Werke, aus meinem stil len Schlafgemach. 4. Wie prächtig kommt der Tag! Ich athme frische Lüfte; der Wald singt mir ein Loblied vor; ich stimme jauchzend ein, und rein, wie Blüthendüfte, steig', Hert, mein Lob zu dir empor. 5. Und sanft ergieße sich dein Licht in meine Seele und zeige mie den Weg zu dir! Mich stärke deine Kraft, und wenn ich Schwacher fehle, dann habe du Geduld mit mir. ( 3. T. Hermes.) Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. 61. Es jauchzen schon die Morgensterne dem Schöpfer, der ihr Seyn gebot; schon glüht in hald erwachter Ferne der Berge Haupt vom Morgenroth. Die Sonne kommt, von Gott gerufen, tritt sie dort im Triumph hervor und Anhang. wirft an seines Thrones Stufen des Lichtes Erfilingsstrahl empor. 57 2. O du, von dessen Macht und Milde die herrliche so mächtig spricht, wenn sie durch dåmmernde Gefilde mit jugendlichen Strahlen bricht, und Alles weckt, was durch den Schlummer zum Leben neue Kraft empfing, und Ulle tröstet, die im Kummer der sanfte Schlaf vorüberging. 3. Wie schlägt mein Herz, da ich den Morgen so freundlich wiederkommen seh', und ohne Thränen, ohne Sorgen in seinem Rosenschimmer steh'! Vernimm mein Lob und meine Wonne, vernimm des Herzens Feierlied, das in dem Glanz der Morgensonne entflammt in from= mer Undacht glüht. 4. Als ich, von Finsterniß umgeben, mir fremd im Schoß der Ruhe lag, gab deine Huld mir neues Leben, der Erde diesen neuen Tag. Du sahst auch mich im Weltgebiete, daß sich kein Unfall zu mir schlich und in dem Dunkel nicht der Friede von meinem stillen Lager weich. 5. Nun leb' ich ,, wie im Morgenglanze die ganze Schöpfung wieder lebt, und seh', wie bis zur kleinsten Pflanze sich Ulles, froh verjüngt, erhebt; hör', wie die Lerch' dem Sonnenstrahle voll Jubels sich entgegenschwingt und rings vom Hügel und im Thale dem Schöpfer Lob und Dank erklingt. 6. Mit Gnade siehst du, Gott, hernieder, wenn dir die Schwachheit Opfer bringt, verschmähest nicht der Undacht Lieder, wenn sie dein Lob im Staube singt. Nein, dir ist wie des Sturmes Wehen das leise Wehn der Morgenluft, und wie der Opferrauch der Höhen der niedern Blume sanfter Duft. 7. So sey denn, ferner vom Getümmel, vom Taumelpfad der falschen Lust, ein froher Unblick dir im Himmel auch das Entzücken meiner Brust. Laß, weil ich lebe, deinem Preise mich jede Kraft und Stunde weihn und jede Pflicht auf meiner Reise ins Vaterland mir heilig seyn. Anhang. 8. Den Pfad, den ich zu wandeln habe, folle ich ihn einst entkräftet gehn, sollt', wankend ich am schwachen Stabe, an steilen Höhen zu dir flehn: dann beut, o Gott, auf seinem Pfade dem müden Wandrer deine Hand, zeig' mit dem Lichtstrahl deiner Gnade ihm dann das nahe Vaterland! 58 9. Dort, wo kein mitternächtlich Grauen an kurze Sonnenschimmer grenzt und über ewig jungen Auen der herrlichste der Morgen glänzt, dort jauchzt, entflammt von Seligkeiten, wenn ich an deinem Throne knie', dir, Herr, der Jubel meiner Saiten, mein Dank in rein'ter Harmonie. ( Voß.) Morgenlied für Kinder. Mel. Befiehl du deine Wege zc. 62. Ich bin vom süßen Schlummer gesund und froh erwacht, es weckte mich kein Kummer, kein Schmerz die ganze Nacht. Sanft ruheten die Glieder auf meinem Lager hier, nun scheint so freundlich wieder die liebe Sonne mir. 2. Und meine Eltern leben; sie eilen froh herbei und segnen mich, und geben mir neue Lieb' und Treu'. Soll das mein Herz nicht rühren? Gott, ich danke dir! Wie viel konnt' ich verlieren und du erhielt'st es mir. 3. Ich will mit schwachem Munde dir, Herr, mein Loblied weihn, in dieser Morgenstunde mich deiner Güte freun. Wenn ich dich gleich nicht sehe, doch siehst und hörst du mich; du, Vater in der Höhe, ich weiß, dein Kind bin ich. 4. Lenk' alle meine Triebe, Allgütiger, zu dir; gieb Demuth, Sanftmuth, Liebe, Fleiß und Gehorsam mit, daß ich in frühster Jugend mich deinem Dienste weih und Frömmigkeit und Eugend stets meine Freude sey! ( Bürde.) Unhang. Abendlied. Mel Nun ruhen alle Wälder zc. 63. Der Mond ist aufgegangen, die gold'nen Sterne prangen am Himmel hell und klar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiefen steiget der graue Nebel wunderbar. 59 2. Wie ist die Welt so stille und in der Dämm'rung Hulle so traulich und so hold! Wie eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getroft belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschenkinder sind alle doch nur Sünder, und wissen gar nicht viel; wir spinnen Luftge= spinnste und suchen viele Künste, und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott, laß dein Heil uns schauen, auf nichts Vergånglich's bauen, nicht Eitelkeit uns freun. Laß uns voll Einfalt werden, und vor dir hier auf Erden, wie Kinder, fromm und fröhlich seyn. 6. Wollst endlich sonder Gråmen aus dieser Weit uns nehmen durch einen sanften Tod! Laß, wenn du uns genommen, uns in den Himmel kommen, du, unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Glieder, in Gottes Namen nieder. Kalt ist der Abendhauch. Verschon' uns, Gott, mit Strafen, und laß uns ruhig schlafen und unfre kranken Brüder auch. ( Claudius.) Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte zc. 64. Hier steh' ich unter deinem Himmel, seh' tausend Belten über mir, und, fern vom rauschenden Getümmel, weih' ich die heil'ge Stille dir. Mein Geist sinkt betend vor dir nieder, vor dir, Herr, dessen Allmachtsruf den 60 Anhang. Himmel dort und meine Brüder und mich, wie jenen Himmel, schuf. 2. Ich finge dir, der jene Sterne aus seiner Hand hinwarf wie Saat, und der in ungemess'ner Ferne auch ihre Bahn bezeichnet hat. Dort wandern sie in sichern Kreifen so friedlich hin, wie Freund an Freund, ein großes Chor, das, dich zu preisen, in seinem Fluge sich vereint! 3. Wer nennt, wer nennt die Wesen alle, aus deren Mund dein Loblied steigt, das mit der Welten Jubelhalle bis zu dem Psalm des Seraphs reicht! ich mische mich in ihre Heere; mein Loblied steigt zu dir empor. O. Gott! wann tritt zu deiner Ehre mein Geist in beff'rer Welt empor? ai ( Köpken.) Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her ic. 65. Sternennacht, o Silberlicht, das durch zers riff'ne Wolken bricht! o Bild von Gottes Herrlichkeit, der jene Sterne hingestreut! 2. Ein heil'ger Schauer überfällt mich, nie empfund'ne Ahndung schwellt die Brust empor, mein Auge starrt; ich fühle Gottes Gegenwart. 3. Ich sehe keine Sterne mehr, nein, lauter Welten um mich her; es strebt und forscht der kühne Sinn durch alle diese Welten hin. 4. Ich schweb' im grenzenlosen Raum der Schöpfung, als ein Lichtpunkt kaum erscheinet unser Erdenball mir in dem großen Schöpfungsall. 5. Durch Millionen Welten flieht voll Staunen jest mein Geist und sieht in jeder, wie in unsrer Welt, durch Gott Bewohner aufgestellt. 6. Und Alle sind, wie wir, beglückt, und Gottes Vaterauge blickt auf Alle gütig, wie auf uns, und sorgt für Alle, wie für uns. 7. Gott, Gott, wie groß erscheinst du hier dem Staube! Worte fehlen mir, womit ich dich lobpreifen kann. Die Seele betet schweigend an. ( 61 miss med( Hänlein.) 14 Unhang. Abendlied für Kinder. Mel. Jefu Christe, Gottes Lamm ic. 66. Den füßen Schlaf erbitten wir, du beſter Vater, uns von dir. Gieb deinen můden Kindern Ruh', und, wenn sie schlafen, wache du. 2. Du waltest mit Barmherzigkeit stets über unsre Lebenszeit; voll Lieb' und Weisheit theilst du sie in Tag und Nacht, in Ruh' und Müh'. 61 3. Was gut ist, Water, kommt von dir! Des Guten viel empfingen wir; nimm unser dankend Lallen an für das, was du an uns gethan! 4. Wir wollen deine Kinder seyn und immer bleis ben, und uns freun, daß du, Gott, unser Vater bist durch unsern Heiland Jesum Christ. 5. Als der ein Mensch auf Erden war, da brachten sie ihm Kinder dar; er ließ sie freundlich zu sich nahn, den Segen seiner Hand empfah'n. 6. Er liebt und segnet auch noch heut' ein Herz voll reiner Kindlichkeit. Gieb uns ein Herz vom Urgen rein, und laß uns fromme Kinder seyn. 7. Wir fammeln uns, mit frohem Muth zu ruh'n in deiner Baterhut; kein Haar von unserm Haupte fällt ohn' dein Geheiß, du Herr der Welt. 8. Wir schlummern ein jung und gesund, und doch kommt einst die letzte Stund'! Ach, sollt' es diese Nacht geschehn, so laß uns in den Himmel gehn. ( Bürde.) Landmann. Mel. Nun sich der Tag geendet hat zc. 67. U6 immer Ereu' und Redlichkeit bis an dein kühles Grab, und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab. 2. Dann wird die Sichel und der Pflug in deiner Hand dir leicht; dein frohes Herz hat dann genug, und Neid und Unmuth weicht. Anhang. 3. Dem Bösewicht wird Alles schwer, er thue, was er thu'; das Böse treibt ihn hin und her und läßt ihm keine Ruh'. 62 4. Der schöne Frühling lacht ihm nicht; ihm lacht kein Ährenfeld; er ist auf List und Trug erpicht, und wünscht sich nichts, als Geld. 5. Das Laub am Baum, der Wind im Hain faust ihm Entsetzen zu; des Lebens kann er sich nicht freun, denn nirgends hat er Ruh'. 6. Drum übe Treu' und Redlichkeit bis an dein kühles Grab, und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab! 7. Dann wirst du wie auf grünen Au'n durchs Erdenleben gehn; dann kannst du ohne Furcht und Grau'n durchs Pilgerleben gehn. 8. Dann suchen Enkel deine Gruft und weinen Thra nen d'rauf, und schau'n zu Gott, der einst sic ruft, voll Freudigkeit hinauf. ( Höltey.) Gewitter. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, freuet euch zc. 68. Der hohe Himmel dunkelt sich; ein Wetter Gottes dråut! ich bebe nicht; ich freue mich, Gott! deiner Herrlichkeit. 2. Du zurnest, wenn du donnerst, nicht; du bist der Menschen Freund. Nicht blasser sey mein Ungesicht, wenn mir dein Blitz erscheint. 3. Dem Sünder nur, der dich nicht kennt, dem bist du fürchterlich; doch wessen Herz dich Vater nennt, dir sieht als Vater dich. 4. Wie gut ist deiner Sonne Schein! Wie gut die finstre Nacht! Auch gut muß, Herr, dein Blitz uns seyn; er zeugt von weiser Macht. 5. Du reinigst durch den Blik die Luft, dein Regen tränkt die Flur; ein frischer balfamvoller Duft durchschwe bet die Natur. Anhang. 63 6. Laß frei das Herz von Ängsten seyn, wenn das Gewitter droht! Weg, bange Furcht! Herr, wir sind dein; du bist die Liebe, Gott! ( Lavater.) Vom Tode. Mel. Meines Lebens beste Freude 2c. 69. Weiche, Grabesschrecken, weiche! Freu'des Todes dich, mein Herz! Liegt sie da, die kalte Leiche, weggeweint ist jeder Schmerz, und der Thrånen Quell versiegt, wenn der Staub beim Staube liegt. 2. Nimm für alle Erdenfreuden, Vater, Herzensdank von mir, Dank für alle meine Leiden bringt die frohe Seele dir! Leiden einst durch dich entführt, dank' ich tiefer noch gerührt. 3. Hier nicht, dort nur, dort nur quillen Freuden, ungetrübt von Qual; dort nur strömt nach deinem Willen lautre Wonne ohne Zahl. Deckt die Nacht einst mein Gebein, werd' ich Licht und Freiheit seyn. 4. Welche Freude soll mich heften an die Erde, an die Zeit? Nein, mit allen meinen Kräften ring' ich nach Unsterblichkeit. Weiche, Furcht des Grabes, fern! åhnlich werd' ich meinem Herrn. 5. Frei von jeglicher Beschwerde, losgewunden von der Nacht, flieg' ich über Zeit und Erde voll Gefühl: es ist vollbracht! über Bitten und Verstehn werd' ich fühlen, werd' ich sehn. 6. Nie vernomm'ne Preisgesänge hört dann mein entzücktes Ohr, und zur auserwählten Menge tragen Engel mich empor. Selig bin ich dann, wie sie; fliehe, Furcht des Todes, flieh'! 7. Bald, o bald ist's überstanden; ruhig harr' ich, Herr, auf dich; viele Tausend überwanden; überwinden werd' auch ich; denn ich traue deinem Wort, Jesus, o mein Herr und Hort! 8. Soll ich zagen? soll ich beben? Du, mein Heiland, rettest mich durch des Todes Nacht ins Leben; ich 64 Unhang. foll zagen? beben ich? da mich der, der ewig lebt, zu sich in sein Reich erhebt? 9. Fliehe denn von meinem Munde, Lebensobem, immerhin! Sinke, Leib, zu deiner Stunde in die Nacht des Grabes hin! Herr, du starbst, du lebest mir; freudig, freudig sterb' ich dir. ( Lavater.) Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 70. Immer näher kommt das Grab, flügelschnell ents fliehn die Stunden; meines Lebens Kraft nimmt ab, ist wie bald vielleicht geschwunden, und sie senken meinen Staub in die Gruft, des Todes Raub.. 2. Was der Erde angehört, hofft Unsterblichkeit vergebens; jeder Augenblick zerstört an der Wurzel dieses Lebens. Ach! wie schnell verlischt das Licht, wenn die Nahrung ihm gebricht! 3. Ob, eh' ich den Morgen seh', schon des Lebens Docht verglimmet, ob des Alters steilste Höh' doch viel leicht mein Fuß erklimmet, keine Stimme sagt es mir; Herr, es steht allein bei dir. 4. Oft verzagt der schwache Sinn, Furcht ergreift mich, banges Grauen, seh' ich auf die Gråber hin, muß ich die Verwesung schauen. Dunkel wird des Auges Blick, schaudernd bebt der Geist zurück. 5. Mächt'ger noch faßt mich der Schmerz, denk ich an der Trennung Jammer, an der Freunde blutend Herz, wenn nun in der stillen Kammer ihren Harm die Lippe schweigt, von des Todes Hauch gebleicht. 6. 3ůrne nicht, der mich erschuf; höre meiner Schwachheit Flehen! Du vernahmst des Mittlers Ruf: » laß den Kelch vorübergehen!« Meinen Meiſter stärktest du, send' auch Muth dem Jünger zu. 7. Sende deines Trostes Strahl mir herab aus lid ten Höhen; in der Gråber finsterm Thal laß der Hoff nung Stern mich sehen; wenn des Zweifels Sturm wacht, sey mein Führer in der Nacht. Anhang. 65 8. Stårk' in mir die Zuversicht, daß ich mich zu dir erhebe, wenn die morsche Hütte bricht; daß ich ewig vor dir lebe, sicher ruh' in deiner Hand in dem unbekannten Land. 9. Gieb der Hoffnung Freudigkeit, die ich liebte, dort zu finden. Vorgefühl der Ewigkeit ift's, wenn Seelen sich verbinden; nicht für einen Augenblick gabst du mir dies höchste Glück. 10. Sey denn nah', sey fern mein Ziel: was ich glaubte, werd' ich schauen; ein befeligend Gefühl stärkt das Herz mir mit Vertrauen. Freudig folg' ich, stets bereit, wenn des Vaters Ruf gebeut. ( Niemeyer.) Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. 71. Was in keines Herz gekommen, was kein Auge hier erblickt, Ruh' des Himmels, die den Frommen nach dem langen Kampf erquickt; namenlose Herrlichkeiten will den Siegern Gott bereiten. Kämpft nur treu und weichet nicht, bis das Herz im Tode bricht. 2. Dunkel ist der Weg im Staube, rauh und stei! des Streiters Bahn; sonnenhell macht ihn der Glaube, und sie führt doch himmelan. Doch weich Heil uns dort beschieden, fasset kein Verstand hienieden; bis die morsche Hütte fällt, decket Nacht die höh're Welt. 3. Aber in der Seelen Grunde wird das Ew'ge angeschaut; da giebt sel'ger Zukunft Kunde mir der Hoffnung Stimme laut: an dem Irdischen verschmachtend, wird, nach höherm Leben trachtend, einst der Geist der Hülle los, der Unsterblichkeit Genoß. 4. Welche Bahn er dann wird finden durch des Todes Thal zum Licht, wenn der Erde Schranken schwinden; ahnet meine Seele nicht. Ob mit sehnendem Verlangen die Geliebten mich empfangen; bleib' es mir auch unbefannt, bleib' ich doch in Gottes Hand. 5. Diese Hand führt mich zur Quelle ew'ger Wahrheit ficher hin; Zweifelnacht zerfließt in Helle, nicht mehr Denabr. Sandgesangb. 7. Aufl. 5 66 Anhang. täuscht der blöde Sinn. Was mein Herz hier treu erfunden, lebt mir ewig dort verbunden, und in Lieb' und Heiligkeit reif' ich zur Vollkommenheit. 6. O, mein Mittler! o der Wonne, wenn auch dich mein Aug' erblickt, meines dunklen Lebens Sonne, deren Strahl mich oft erquickt! Bei der Sel'gen Huldigungen, die du kämpfend dir errungen, singt dann auch mein Jubelton dich, des Vaters hohen Sohn. 7. Denn in deinem Ungesichte spiegelt sich der Gott heit Bild, und es wird in deinem Lichte der Erkenntniß Durst gestillt. Reißet denn, ihr Erdenbande, daß ich bald in jenem Lande Gottes Wunder schauen mag! Komm, o komm, Vollendungstag! ( Nicmeyer.) Mel. Wiedersehn! mit raschen Schlägen 2c. 72. Erdentochter, Erdensöhne! seyd nicht stolz auf Reiz und Schöne! trobet nicht auf eure Kraft! Eures Mundes Hauch verflieget; eures Lebens Quell versieget; auch des Starken Urm erschlafft. 2. Doch, ihr Christen, send nicht traurig, wenn so früh, so dumpf, so schaurig euch die Sterbeglocke ruft. Edler, träftiger, verklärter, liebevoller, liebenswerther überfliegt der Geist die Gruft. 3. D, was ist des Grabes Höhle? Menschen mit der sanften Seele, fürchtet nicht, hinab zu sehn! Über Grab und Grabestrümmer wird der Geist im Sonnenschimmer himmlischer Erkenntniß stehn. 4. Nein, umsonst ist nichts geboren! Alles ruhet unverloren in des ew'gen Vaters Schoß. Süße Hoffe nung! schöner Glaube! Alles windet einst vom Staube herrlicher sich wieder los. 5. Leibesschönheit wird verblühen, Seelenschönheit nie entfliehen; sie ist für die Ewigkeit. Sanfter Sinn und reine Tugend lohnt mit ewig froher Jugend, lohnt mit Himmelsseligkeit. 6. Himmelsseligkeit bestehet; nur der Erde Glid vergehet; nur das Eitle bleibt zurück. Wie die Gottheit Anhang. 67 unvergånglich, wie der Himmel überschwenglich, ist des Christen wahres Glück. ( Rofegarten.) Mel. Nun lass't uns den Leib begraben zc. 73. Des Todes Grau'n, des Grabes Nacht flieht, Herr, vor deiner Wahrheit Macht; mein Geist, erhellt von deinem Licht, bebt vor des Leib's Zerstörung nicht. 2. Es falle nur die Hülle hin, mit der ich hier umgeben bin. Ich selbst, dann freier als zuvor, schwing' aus den Trümmern mich empor. 3. Ein inn'res måchtiges Gefühl verkündigt mir ein höher Ziel; dies Streben nach Vollkommenheit ist sichrer Ruf zur Ewigkeit. 4. Dich, Höchster, hab' ich hier erkannt, voll Liebe Vater dich genannt; in dieser Seelenwürde liegt ein Hoffnungsgrund, der nimmer trügt. 5. Wohl uns, daß Jesu Unterricht hiervon zu uns so tröstlich spricht! Wie herrlich wird der Menschheit Werth durch diese Aussicht aufgeklärt! 6. D frohe Aussicht auch für mich! Voll Muths hebt meine Seele sich; ich seh' im Geist des Christen Lohn; ich sehe meinen Himmel schon. 7. Da find' ich, was dein weiser Rath, mir unbe= wußt, geordnet hat, genieße deines Gnadenblicks zu der Vollendung meines Glücks. 8. Der Freuden viel' gabst du schon hier, o Gütiger, wie dank' ich's dir! Oft folgte kleinerm Ungemach ein größeres Vergnügen nach. 9. So hat schon dieser Übungsstand der höhern Hoffnung Unterpfand; die Liebe, die mich hier beglückt, bleibt mir und segnet unverrückt. 10. Des heitersten Vertrauens voll, erwart' ich, was mir werden soll, wenn künftig weder Schuld, noch Noth dem schnellen Reifen Schaden droht. 11. Mir wird der Tod, den Frevler scheun, Geburt zu edlerm Leben seyn; durch Kraft von Gott besiegt mein Herz der Krankheit Last, der Trennung Schmerz. 5* 68 Anhang. 12. Wenn hier von uns, die Gott vereint, der letzte auch bat ausgeweint, dann wird ein beffres Wiedersehn auf ewig unser Glück erhöhn. 13. Herr unsrer Tage, führe du uns lle diesem Ziele zu, daß uns bei standhaft frommer Treu' der Übe schied einst willkommen sey! ( Spalding) 74. Wachet auf! so ruft die Stimme, des Sohnes Gote tes Almachtsstimme, verlaßt, ihr Todten, eure Gruft! Wachet auf, erlöste Sünder! Versammelt euch, ihr, Gottes Kinder, der Weltenherrscher ist's, der ruft. Des Todes stille Nacht ist nun vorbei; erwacht! Halleluja! macht euch bereit zur Ewigkeit, sein Tag, sein großer Tag ist da. 2. Erd' und Meer und Felsen beben, die Frommen stehen auf zum Leben, zum neuen Leben stehn sie auf. She Versöhner kommt voll Klarheit, durch Gnade mächtig, stark durch Wahrheit; ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Sie stehn vor deinem Thron und leben, Gottes Sohn! Hosianna, Vellender, dir, dir folgen wir in dei nes Vaters Herrlichkeit! 3. Ewig sey dir Lob gesungen! Wir sind zum Leben durchgedrungen! Am Ziel sind wir bei deinem Lohn. Glänzend sind des Himmels Pforten; o welch ein Heer an allen Orten freut sich mit uns um deinen Thron! Noch sah kein Auge sie; dem Ohr erscholl sie nie, diese Wonne. Von Ewigkeit zu Ewigkeit sey Dank und Preis und Ehre ( Nicolai und Klopstock.) dir! Mel. Befiehl du deine Wege zc. 75. In Gottes Rath ergeben, verlaff ich gern die Welt und geh' zum bessern Leben, sobald es ihm gefällt. Was wär's, das mich betrübte? Dort schau' ich ewig den, den meine Seele liebte, noch ch' ich ihn gesehn. 2. Er ruft zur Zeit der Schmerzen uns voll Erbar men zu: kommt her, belad'ne Herzen, ihr findet bei mir Anhang. 69 Ruh'. Dies Wort aus deinem Munde laß, Herr, mich zu erfreun, in meiner letzten Stunde mir Trost und Leben seyn. 3. Mit dir muß es mir glücken, den Kampf zu überstehn; in gläubigem Entzücken laß meine Seele sehn, wie an dem Kreuz der Sünder du mit dem Tode rangst, und wie du, Überwinder, allmächtig ihn bezwangst. 4. Der frohe Sieg'sgedanke: wo ist dein Stachel, Tod? stärk' mich, daß ich nicht wanke in meiner Todesnoth. So ist, ob ich gleich sterbe, doch Sterben mein Gewinn. Ich bin des Himmels Erbe; dein Wort ſagt, daß ich's bin. 5. Du schriebst ins Buch des Lebens auch meinen Namen ein; dein Blut kann nicht vergebens für mich vergoffen seyn. Die trauet meine Seele, dich preif' ich noch im Tod, Erlöser meiner Seele, mein Heiland und mein Gott! ( Neander.) Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 76. Unsterblichkeit! Unsterblichkeit! Gedanke, der das Herz erfreut, den Geist zu Gott erhebet, uns Trost für alle Schmerzen schafft, mit hohem Muth, mit Gottes Kraft zum Tugendkampf belebet! Fühlt des Gedankens Seligkeit, bedenkt es, daß ihr ewig fend. 2. Sey's, daß der Erde Bau zerbricht, erlösche einst der Sonne Licht, wir, mehr als Erd' und Sonne, wir leben für die Ewigkeit! Schon in des Dafeyns erster Zeit fühlt dies das Herz mit Wonne; und seine Würde fühlt der Geist, der ewig seinen Schöpfer preist. 3. Gott, dir sey Preis! Gott, dir sey Dank! Nun mischt sich in den Klaggefang an unfrer Lieben Grabe der Ewigkeit Triumphlied ein. Nur unser sterbliches Gebein fällt bei dem dunkeln Grabe; der Geist schwingt, wenn die Hülle fällt, sich frei empor zur höhern Welt. 4. Gott, dir fey Preis! Gott, dir sey Dank! Und rührender, als ein Gesang, danksage dir das Leben! Wir, deine Kinder, weih'n uns dir; nach Jesu Vorbild wollen 70 Anhang. wir ganz unser Herz dir geben; wie er, des Guten Samen streun, dort wird die Ernte uns erfreun. ( Demme.) Mel. Herr, ich habe mißgehandelt zc. 77. Was geboren ist auf Erden, wenn's der Mensch auch mächtig heißt, muß zu Staub und Asche werden; was er mit Erstaunen preist, Ulles, Alles muß auf Erden Erde, Staub und Asche werden. 2. Laß mit Sauchzen sich erheben einen ruhelofen Geist, der, ob auch die Völker beben, Alles vor sich niederreißt, dies Gewaltige auf Erden Staub muß Ulles, Asche werden. 3. Mann und Greis und Jüngling wallen, und die Mutter wallt entzückt durch des Gottes- Tempels Hallen, wenn ihr Kind sie an sich drückt. All' dies Wallende auf Erden Staub muß Alles, Asche werden. 4. Wie sie kommen, ach so kamen viele Tausend; ihr Gebein decket bei erloschnen Namen ein zuletzt zertret ner Stein. Was belebt erscheint auf Erden, Staub muß Alles, Asche werden. 5. Uber, von der Welt geschieden, blickt die Treue starr hinab, ohne Freud' und ohne Frieden in das moder volle Grab. Wie? der Mensch soll ganz zerstäuben? Erde, Staub und Asche bleiben? 6. In des Lebens schönen Tagen jammert die vers wais'te Braut, füllt die Luft mit bangen Klagen, einem Schatten angetraut. Schatten? Nein! er wird erstehen. Nein! er kann nicht untergehen. 7. Nein! was trocknet heiße Thränen, was die Hand der Armuth füllt, was erfreut das stille Sehnen, was mit Großmuth Haß vergilt, kann im Tod' nicht un tergehen, Liebendes muß auferstehen. 8. Menschen, die zum Himmel schauen, wenn sie dieser Erd' entfliehn, die dem Lebensworte trauen, vor dem Allbeleber knie'n, werden wieder auferstehen: Glanbendes kann nicht vergehen. ( Jacobi.) Anhang. Grabgesang nach schweren Leiden. Mel. Nun kaff't uns den Leib begraben 2c. 78. Wir bringen weinend unsern Dank, wir stammeln dir den Lobgesang, dir, der den Retter aus der Noth gesendet hat, den sanften Zod. 71 2. Auf Dornen ging nach deinem Rath des Erdenpilgers steiler Pfad; durch große Trübsal hart geübt, sah jeden Morgen er getrübt. 3. Schwer war der letzte Kampf und heiß; die Stirne deckte falter Schweiß; hoch heb das Herz und zitternd sich: da kamst du und erbarmtest dich. 4. Nun ist der Leiden Kelch geleert. Wie sanft er schläft, wie ungestört! Sha weckt des Weinens Stimme nicht, den Geist umfließt ein himmlisch Licht. 5. 3euch hin in Frieden! Ew'ge Ruh' strömt dir vom Throne Gottes zu. Bald legen unsern Pilgerstab auch wir bei unsern Gråbern ab. ( Niemeyer.) Tod der Unsrigen. Mel. Alle Menschen müssen sterben zc. 79. Trocknet eures Jammers Thränen, heitert euren trüben Blick! denn es bringt kein banges Sehnen ihn, der von euch schied, zurück. Ach, die holde Stimmi' und Rede, und der Lieblichkeiten jede und sein freundliches Gesicht ruht im Grab' und kehret nicht. 2. Gleich des Feldes Blumen schwindet, was da le= bet, rings umher; trauernd sucht der Freund und findet den geliebten Freund nicht mehr. Vor dem matten Greif am Stabe sinkt der Jüngling und der Knabe; und fo zog das stille Grab, den wir liebten, auch hinab. 3. Gleich des Feldes Blumen werde, was geboren wird, zerstäubt! Nur der Erdenleib wird Erde, aber sein Bewohner bleibt. Sa, du lebst, Geliebter, lebeft über Sternen, ja du lebeft noch voll Liebe für den Freund, der an deinem Grabe weint. 4. Diese Kräfte, dieses Erachten aufwärts zur Voll Anhang. kommenheit, dieses Vorgefühl, dies Schmachten nach der Unvergånglichkeit, dieser Geist, der Weiten denket, würde mit ins Grab gesenket? Und geschaffen hätte Gott dies ses alles für den Tod? 72 5. Nein, o Vater, nicht vergebens schufft du uns zu deinem Bild; Lieb' und Weisheit hat des Lebens edlen Geift in Staub gehüllt. Diese Hülle wird vernichtet; doch die freie Seele richtet zu der höhern Geister Chor freudig ihren Lauf empor. 6. Auf, von Moder und Verwesung, blicke dort hinauf, mein Geist, wo im Friedensthal Genesung alles Erdenjammers fleußt; wo nicht Krieg, nicht Sturm, nicht Fluthen, Hunger, Pest und wilde Gluthen, wo nicht Trennung mehr, noch Tod liebenden Geliebten droht. 7. Uch, des Wonnetage, der wieder, was am Grabe hier geweint, Eltern, Kinder, Schwester, Brüder, Freund und Gatten fest vereint; wenn, gelehrt von Himmelsweisen, wir des Vaters Liebe preisen, der aus Irrthum, Schmach und Gram uns in seine Ruhe nahm. 8. Bald vielleicht, ach bald verschwunden ist auch meine Lebenszeit; und wer weiß, von meinen Stunden kommt die letzte wohl schon heut'. O, laßt Gottes Beg uns wandeln, immer gut und redlich handeln, daß wir, wenn der Vater ruft, freudig sinken in die Gruft. ( Voß.) Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 80. Mein banges Herz, sey stille! Es war des Vaters Wille, des Vaters Will' ist gut. Was seine Hand gelies her, darf sie das nicht entziehen? und darfst du tadeln, was sie thut? 2. Es blutet nur die Wunde; schon naht der Hei lung Stunde; vertrau'! sie ist nicht weit. Was dir det Tod entrissen, sollst du nicht ewig missen; auf! freu' dich der Unsterblichkeit. 3. Wer wohl den Lauf vollbrachte, dem kommt, oft, ch' er's dachte, des Kampfes Ruh' am Ziel. Er ruht in Anhang. 73 Baterhånden; ihn herrlich zu vollenden, entrůckt ihn Gott dem Weltgewühl. 4. Des Lebens Freud' und Kummer löst sich im fanften Schlummer des Todes endlich auf. Der Tod kommt, uns zu retten von allen unsern Ketten, frei steigt der Geist zu Gott hinauf. 5. Schwer ist der Trennung Stunde, tief ist der Seelen Wunde; ach! es erliegt der Geist, wenn Alles nun verschwindet, was Herz an Herzen bindet, das letzte Band der Tod zerreißt. 6. Doch- konnt' es ewig dauern? Es mußte Einer trauern: denk, daß Gott dich erkor. Gehorsam seinem Willen, fühl' deinen Schmerz im Stillen und schaue glâubig dann empor. 7. Sprich: was du mir gegeben, Herr über Tod und Leben, es war mein höchstes Glück; doch blieb es ja das Deine; ob ich auch klag' und weine, geb' ich's doch willig dir zurück. 8. 3um Himmel früh erkoren, seyd ihr uns nicht verloren, um die die Thräne fließt. Hier trübten unsre Freuden doch Sorgen oft und Leiden; wir suchen nur, was ihr genießt. 9. In jenen sel'gen Chören wird uns kein Mißlaut stören, uns keine Täuschung nah'n. Des Erdenlebens Schwächen, die Mängel, die Gebrechen sind dort auf ewig abgethan. 10. Wer weiß, wie bald zum Scheiden von allen Erdenfreuden für uns die Stunde schlågt? Drum trocknet, Wehmuthszähren! es wird nicht lange währen, daß man auch uns zur Ruhe trägt. ( Niemeyer.) Mel. Nun lasst uns den Leib begraben zc. 81. Wir gehn ans Grab und hoffen doch, der Geist der Todten lebet noch, er lebt, von Schmerz und Noth befreit, im Lande der Unsterblichkeit. 2. Dahin ist nun die kurze Angst, in der du mit Anhang. dem Tode rangst; dein Gott hat wohl an mir gethan. Nun rührt dich keine Qual mehr an. 3. Du gingst voran; wir folgen dir. Auch deine Freunde wallen hier auf ihres Lebens Bahn hinab zum Ziel, zur Ruh' im stillen Grab. 4. Du wirst uns unvergeßlich seyn. Dein frommes Herz, durch Liebe rein, mit List und Falschheit unbekannt, ruht nun in Gottes Vaterhand. 5. So blickt denn bei der Wehmuth Schmerz auch unser Glaube himmetwårts, wo Jesus Christus, unser Hirt, die Seinen alle sammeln wird. 6. Auch er hat den entschlaf'nen Freund, wie wir den unsrigen, beweint. Er bleib' uns Ecost und Zuver sicht, wenn unser Herz im Tode bricht! ( Bürde.) Mel. Christus, der uns selig macht zc. 82. Laßt dem Tode seinen Raub, Würmern ihre Habe! Seelen werden nicht zu Staub, schlummern nicht im Grabe. Senkt nur diesen Leichnam ein, laßt ihn niederrollen; wir, wir wollen deß uns freun, daß wir leben sollen. 2. Seht, da liegt der Todte nun in geweihter Stille! Laßt ihn, Freunde, laßt ihn ruhn! es ist Gottes Wille. Weinet nicht! er hat nun schon, was wir erst erfahren; ihn erweckt kein Klageton! Trocknet eure Thränen! 3. Stimmet an das hohe Lied von der Auferstehung! Wißt: als Jefus einst verschied, folgte bald Erhöhung. Fromme ruhn in seiner Hand, ruhn in sanftem Frieden. Er, der starb und auferstand, hat ihr Heil entschieden. 4. Wenn er kommt und, Stürmen gleich, seine Stimm erhebet: öffnet Gråber, öffnet euch! lebt, ihr Todten, lebet! dann erschallt des Jubels Ton, nie gestört von Leiden, wer den dann vor seinem Thron sich die Frommen weiden. 5. Saaten der Unsterblichkeit, modernde Gebeine! bald verströmt auch unsre Zeit, ruft der Tod: erscheine! Ruf' er nur; wir sind bereit. Wer des Lebens Gabe nützet für die Ewigkeit, zittert nicht am Grabe! ( Pfranger.) Anhang. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 83. Da stehen wir, die Deinen, Unendlicher, und weinen ein Grablied an der Gruft. Wir singen auf vom Staube, uns stärkt der Christen Glaube, daß Gott uns einst zum Leben ruft. 75 2. Fließt nur, ihr Thrånen, fließet! ein Sterblicher beschließet des Lebens kurzen Lauf. Nimm, mütterliche Erde, dein Kind, frei von Beschwerde, in deine milden Urme auf! 3. Sen ihm ein Ruhebette, nachtvolle Grabesstätte, und deck' ihn kühlend zu! Er schlafe hier in Frieden den stillen Schlaf der Müden, des Kranken lang' erseufzte Ruh'. 4. Senkt nun den Leichnam nieder zum Staube seiner Brüder, die långst die Erde deckt! Im Grab' ist sanfter Schlummer, ihn stört kein Erdenkummer; Gott ist es, der ihn einst erweckt. 5. Zum Leben ohne Sorgen weckt ihn der frohe Morgen, wo eine Welt erwacht. Heil diesem todten Staube! So singt der Christen Glaube: auch er erwacht, auch er erwacht! 6. Nun schauet auf, Betrübte! dort wandelt der Geliebte nach Finsterniß im Licht. Vergönnet ihm die Freude, o wehret eurem Leide, und wischt die Zähre vom Gesicht! ( Schubart.) Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 84. Schwer liegt der Trennung Schmerz auf mir, der Trennung von den Meinen. O, laß, mein Gott! mein Gott! vor dir mich diese Frage weinen: werd' ich nach meinem Tode gleich, werd' ich, o Herr, in deinem Reich die Meinen wieder sehen? 2. Wohl mir, o Gott, ich höre schon des Geistes Stimme wehen; sie ruft mir zu mit sanftem Ton: du wirst sie wieder sehen! Bist du nur fromm, sind sie nur gut, dort oben unter Gottes Hut wirst du sie wieder sehen, 3. Des Frommen Seele trennt sich nicht von gleichgesinnten Frommen. Sie werden Ull' in Gottes Licht aufs 76 Unhang. neu' zusammen kommen, forthin durch keinen Tod getrennt; denn Gottes Engel, der sie kennt, vereinigt sie zusammen. 4. Der Freund find't seine Freunde dann am Throne Gottes wieder; der Gatte trifft den Gatten an, der Bruder seine Brüder. Die Mutter sieht, umarmt ihr Kind; denn alle guten Seelen sind in Gottes Stadt beisammen. 5. Drum laßt uns hier schon Hand in Hand auf Gottes Wegen gehen, damit wir dort im Vaterland uns einst beisammen sehen; wie wird's uns seyn, wenn wir uns sehn, wenn wir uns dort entgegen gehn und ew'ges Heil uns leuchtet! 6. Send froh, ihr Lieben, denn gewiß, wir werden dort uns finden in Gottes Stadt, im Paradies', befreit von allen Sünden. Verkläret werden wir erstehn; o Wie derfehn, o Wiedersehn, wie tröstest du die Seele! ( Schubart.) 85. Wiedersehn! mit raschen Schlägen klopft die Brust dir warm entgegen; nimmer kann das untergehn, was and Herz wir liebend schlossen; und wenn Abschiedsthränen flossen, hofft die Liebe Wiedersehn. 2. Wiedersehn! in holden Bildern will uns die Natur dich schildern, drum verjüngt sie sich so schön. Wenn des Morgens rothe Strahlen nach der Nacht die Berge malen, spricht die Sonne: Wiedersehn. 3. Wiedersehn! zu deinen Freuden wachsen Blumen frisch, und kleiden herrlich sich im Frühlingswehn; und der frohen Nachtigallen kummerfreie Lieder schallen: hofft getroft ein Wiedersehn! 4. Wiedersehn mit Gruß und Segen! o wie schmacht ich dir entgegen über Uuen, Ström' und Höh'n! Lieben! aller Welt Gewalten sollen meinen Fuß nicht halten; ja ich werd' euch wiedersehn. 5. Wiedersehn! Ich darf dich hoffen. Lieben, kommt, mein Arm ist offen; kommt, laßt neben euch mich gehn! Lieben, in der letzten Stunde ruf' ich mit schon blasfem Munde: ewig, ewig Wiedersehn! ( Jacobi.) Anhang. Gebrauch christlicher Lieder. Mel. Wer nur den lieben Gott ze 86. Noch fing' ich hier ans dunkler Ferne, Gott meines Lebens, dir mein Lied. Wenn einst, weit über alle Sterne, dich mein verklärtes Auge sieht, dann schallet dir im Jubelklang der überwinder mein Gesang. 77 2. Wohl mir, du schaust auch jetzt hernieder auf mich aus deiner Herrlichkeit, vernimmst das Lallen schwas cher Lieder mit våterlicher Freundlichkeit. Preis unserm Gott! Groß ist der Herr! Wer schaut aufs Niedrige, wie er. 3. Ich walle froh mit meinen Brüdern zu deines Tempels Heiligthum. Da schallt in dir geweihten Lies dern des Dankes Stimme dir zum Ruhm, und dann durchwandelt meine Bruft ein fromm Gefühl voll heil ger Lust. 4. Die Kraft von deinen Himmelslehren ergreifet mächtig meinen Geist, wenn er, vereint mit heil'gen Chöz ren, voll Inbrunst deinen Namen preist, mit Ernst gelos bet dein zu seyn, sich deinem Willen ganz zu weihn. 5. Oft hab' ich auch in stillen Stunden, wenn ich dir meine Freuden sang, der Undacht reine Gluth ems pfunden, die durch die frohe Seele drang. Mein Herz, wenn dir mein Lied erscholl, ward seliger Empfindung voll. 6. Oft hab' ich auch die Last der Leiden mir durch ein Trostlied leicht gemacht; und singend Stille, Ruh' und Freuden in mein beklomm'nes Herz gebracht. Die Hoffnung lebte wieder auf, schwang sich mein Geist zu Gott hinauf. 7. Doch sing' ich noch aus dunkler Ferne. O weiche Wonne wird es seyn, wenn einst weit über alle Sterne mich, Herr, dein Untlig wird erfreun! Dann schallet dir im Jubelklang der Überwinder mein Gesang. ( M. Heeren, geb. Wolters.) 78 Unhang. Confirmation. ( Unmittelbar vor Ablegung des Glaubensbekenntniffes. Die Confirmanden allein.) Mel. Ach Gott und Herr 2c. 87. Wie feierlich bist du für mich, o Tag des heil'gen Bundes! Ich schwöre heut' dem Herrn den Eid des Her zens und des Mundes. 2. Herr, sieh' auf mich, und väterlich vernimm den Eid der Treue. Verleihe mir, daß ich mich dir von ganzem Herzen weihe! 3. Ich will forthin die Sünde flieh'n, nur deine Wege gehen. Herr, segne mich! behüte mich! laß mich dein Untlitz sehen. ( Unmittelbar nach der Ablegung des Glaubensbekenntnisſes. Die Gemeine.) Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 88. Gottes Gnade sey mit euch! Sie verleih' euch Kraft und Segen. Wandelt standhaft, Jesu gleich, eurem hohen Ziel entgegen. Groß ist einst der Treue Lohn vor des Weltenrichters Thron. 2. Heilig sey euch dieser Tag, heilig, was ihr jest versprochen. Ach, was euer Mund versprach, werde me von euch gebrochen! Bleibet fromm und wanket nicht, bis das Herz im Tode bricht! 3. Hör uns, Gott, wir Alle flehn für die dir geweihten Seelen. Hilf, daß sie nie irre gehn, nie den Weg des Heils verfehlen. Laß sie, Herr, im Leben dein, dein laß sie einst ewig seyn. C Register des Anhangs A Uch sieh' ihn dulden, bluten Uch, wieder ist ein Jahr Emen, Lob und Preis Auf dich, mein Vater, will Auf Erden Wahrheit Auferstanden, auferstanden Auf! stimme du mit frohem B Betend nahen wir uns Bei deinem Namen, Bis hieher hat mich Gott C Chrift! eile nie mit sicherm Da stehen wir, die Deinen, Dank, bester Bater, will Das Jahr ist hingeschwunden Den süßen Schlaf Der hohe Himmel dunkelt Der Mächtige ruft aller Der Mond ist aufgegangen Der weise Schöpfer, dessen Des Todes Grau'n, des Du, der Menschen Heil und Du Geist vom Vater, komm' Du, Tag des Herrn, soust Empor, ihr Christen! Jesus Erdentöchter, Erdenföhne! NE a. b. 45 4 56 Es ist gewiß ein köstlich Ding, 28 20 Es jauchzen schon 61 N Erhör', o Gott, das 9 Erscheine meinem Geist 522582 F 18 2 Fest steht dein Bund Fleug auf, mein Psalm, 42 38 Geist der Undacht, senke du Gott ist mein Schuß 6 Gottes Gnade sey mit euch! 46 57 53 2 16 Laß mir die Feier deiner 72 Laßt dem Tode seinen Raub, 12 26 88 Hehr und heilig ist die 52 Heil ihm, dem Todesüberwinder! 19 Herr, dir gelob' ich heil'ge 83 Herr, deines Lebens legte 59 Hier steh' ich unter deinem 55 66 68 24 Ich bin von süßem 63 Smmer näher kommt 41 Sm Stillen wollen wir 73 In deinem Heiligthume 8 In Gottes Rath ergeben, 23 In den Bund der Christenheit 51 Ist Hoffnung nicht des 44 48 64 62 70 39 50 75 43 32 7 85 80 a Mein banges Herz, sey stille! Mit frohem Dank erschein' Mit Preis und Ruhm Mitten unter deinen Schmerzen Muthig, muthig, bald N Noch sing' ich hier aus Register. O Hoffnung! Lebenswonne! O Sternennacht, o Silberlicht, P Preist den Sieger, jauchzt, R Religion, von Gott gegeben S Schwer ist's, dann noch Schwer liegt der Trennung Sey heilig mir, o Tag voll Steil unb dornicht ist der Sterbend für das Heil s No 80 Trocknet eures Jammers 49 u 22 11 üb' immer Treu' 34 über aller Himmel Heere und müßt' ich auch noch Unwiederbringlich schnell Unsterblichkeit! Unsterblichkeit! 76 86 V Versammelt hatte Jesus 47 D! daß von meinen Lebenstagen 36 Bom Grab', an dem wir wallen 3 O Golgatha! zu deinen 14 W 27 65 Wachet auf! fo ruft die Warten ist die Schule Was geboren ist auf Erden, Was in Keines Herz 17 Beiche, Grabesschrecken, Wenn ich vor dich, mein Wer ist's, der mit Himmels Wiedersehn! mit 1 Wie lieblich winkt sie mir, Wie feierlich bist du Wie wohl ist mir, wenn Wir bringen weinend Wir gehn ans Grab Wo ist die Welt, die dich No 79 29 84 13 3 31 10 3aget nicht, wenn 67 30 58 FSTFSSSSSR54 74 77 71 15 81 40 Gebete zum Gebrauch für die Privat- und Haus- Andacht und auch beim öffentlichen Gottesdienste. Osnabrück, gedruckt in der Kißling'schen Buchdruckerei. 1. Die Gebets- Vorschrift Jesu| 25. Chrifti. 2. Allgemeines Morgen- Gebet. 26. Allgemeines Abend- Gebet. Um Sonntage, des Morgens, 27. um würdige Sonntagsfeier; 3. 4. des Abends, um Frömmigkeit 28. und Tugend überhaupt. Um Montage, des Morgens, um Berufstreue; 29. des Abends, Fürbitte für Un- 30. bere, um treue Erfüllung der 31. Berufspflichten. 5. 6. 7. Inhalt. 8. 9. 12. 13. 14. 15. Um Dienstage, des Morgens, um zeitliche Wohlfahrt; des Abends, um redliche Ausübung der Pflichten gegen sich felbst. 10. Um Mittwoch, des Morgens, um Liebe des Nächsten; 11. 35. 36. 38. des Abends, um christliches 37. Verhalten im Umgange 2c. Um Donnerstage, des Morgens, um rechtmäßige Gesinnung 2c. des Abends, um Vertrauen auf 39. Gottes Borsehung insonderheit. 40. Um Freitage, des Morgens, um rechten Gebrauch des Leid. Jesu; des Abends, um Unwendung des Todes Jesu zur Vorbereiz tung auf unsern Tod. 41. 16. Um Sonnabend, des Morgens, um rechten Gebrauch unsers kurzen und flüchtigen Lebens; 17. des Abends, Bekenntniß der Sünden; Vorfag zur Besserung; Mittel ihn auszuführen. 18. Im Wohlstande. 19. Für Nothleidende. 20. Für einen Kranken, der sich seine Krankheit selbst zugezogen. 21. Für einen Kranken redt. Christ. 22. Bei Annäherung des Todes. 23. Für die Umstehenden bei Sterbenden. 32. 33. 34. 24. Nachdenken über das heilige Abendmahl und Selbstprüfung vor dem Genuß desselben. Demüthigung nach einem bis herigen lasterhaften Leben. Beim Bewußtseyn mancher Fehler und Mängel. Beim Genuß des heil. Abend: mahls.( Vergl. auch No 35.) Nach dem Genuß desselben. Nach den sonntäglichen und Wochenpredigten. 3u eben dem Gebrauch. Im Advent und am Weihnachtsfeste. Um Neujahrstage. Um Feste der Offenbar. Christi und seiner Lehre an die Heiden. In den Gedächtnißtagen des Leidens und des Todes Jesu. Um Ofterfeste. Um Feste der Himmelf. Jesu. Um Pfingstfeste. Um Michaelis- und Erntefest; Dank für die Erhaltung und Beschirmung unseres Lebens. Un öffentlichen Bußtagen. In gem. Nöthen u. Trübsalen. In Betstunden und bei andern feierlichen Demüthigungen vor Gott, als beim Wechsel eines Jahrs, einer Woche zc. Bisher gewöhnliche KirchenGebete. 42. Nach der Predigt am Sonntag, ist im alten Gebetbuch № 27 26 43. Ein anderes 44. In den Montagsbetstunden 3 45. Nach der Wochenpredigt 30 46. Auf Weihnachten. 47. Um Neujahrstage 31 Dank fürs Leiden Chrifti 33 Auf Ostern 34 Auf Himmelfahrt 32 48. 49. 50. 51. Um Pfingstfeste 52. Für die Früchte des Landes 41 53. Nach der Ernte 54. In gemeinen Nöthen 42 74 Unhang einiger kurzen Gebete. 35 36 1. Die Gebets Vorschrift Jesu Christi, unsers Herrn. ( Matth. 6, 7. 2C.) : Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern, wie die Heiden; tenn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr auch ihnen nicht gleichen. Euer Vater weiß, was ihr bedürft, ehe denn ihr ihn bittet. Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem himmel, dein Name werde geheiliget; dein Reich komme; dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel; unser täglich Brod gieb uns heute, und vergieb uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben; und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!" Das heißt in Worten, die in unserer Sprache gewöhnlicher sind, etwa Folgendes: ( Vater unser Aller, die wir Menschen sind, der du über Ulles allent: halben regiereft und an Macht, Güte und Weisheit über alle Väter auf Erden unendlich erhaben bist deine Majestät und Herrlichkeit müſſe von uns und unsern Nebenmenschen erkannt, angebetet und verehret werden; die Glückseligkeit, die du uns durch den Messias und Weltheiland und seine Religion schenken willst, müsse Ullen zu Theil werden; die Anordnungen und Führungen deiner Vorsehung müssen von uns auf Erden mit der Demuth, Dankbarkeit und Freude verehrt, und deine Befehle und Gebote müssen, ohne Ausnahme, so aufrichtig, willig, eifrig und beständig ausgeübt werden, als es von den feligen Bewohnern des Himmels geschieht. halte unsers Leibes und Lebens nöthig und zulänglich ist, gieb uns und Das, was zum UnterUndern heute und täglich; unsere begangenen Sünden, unsre Mängel und Fehler verzeihe uns; strafe uns nicht, wie wir's verdienen, sondern fen uns gnädig, so wie wir unsern Feinden und denen, die uns beleidiget haben, verzeihen, ihre Beleidigungen vergessen, ihnen weder Böses wünschen, noch vergelten, sondern vielmehr wohlthun wollen; uns vor allen zu großen Nöthen und Trübsalen und vor allen zu starken bewahre und gefährlichen Reizungen zur Sünde; errette uns vielmehr von Allem, was uns schädlich ist; befreie uns von der Sünde, dem größten übel und der Quelle des so mannichfaltigen Elends, und bringe uns nach dem Tode zur ewigen Seligkeit, denn unsere und der ganzen Welt Schicksale stehen unter deiner weisen und gütigen Regierung. Du haft die Macht, unfre Bitten zu erfüllen und noch überschwenglich mehr zu 1* - - - 4 Morgen und Abend- Andachten. geben, als wir gebeten; deine Macht und Güte nimmt kein Ende; du kannst und willst uns ewig beglücken und segnen. Amen! es geschehe uns se; ja mit größter Zuversicht erwarten mir alles Gute von dir, unserm Vater.) ( Ich habe euch aber, nicht ohne Ursache, befohlen zu sagen: gleichwie auch wir vergeben unsern Schuldigern.) Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch cuer himmlischer Vater auch vergeben. So ihr aber den Mens schen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. 2. Allgemeines Morgen- Gebet. Unendlich gütiger Gott! wir danken dir herzlich, daß du uns in der vergangenen Nacht Ruhe und Erquickung geschenkt, und vor Unglück bewahrt und bis auf diesen Augenblick gefund erhalten haft. Unser Daseyn, unsere Kräfte, unser Leben, ja alles Wohlseyn an Leib und Seele haben wir deiner Güte zu danken. Wie glücklich sind wir, daß wir als Christen erwachen, daß wir dich durch die Gnade Jesu Christi unsers Heilandes erkennen, daß wir wissen, warum wir auf der Welt leben, wie wir im Glauben an seinen Namen deine Baterhuld genießen, heilig und fromm leben und einst ewig selig werden mögen. Du weißt, allwissender Gott, ob diese große Sache uns recht am Herzen liege. Ach! mache sie uns recht wichtig, und gieb, daß wir auch an diesem Tage durch unser Wohlverhalten nach deinem Willen eine gesegnete Ausfaat für die Ewigkeit thun. Gieb uns Muth und Stärke, alle bösen Begierden, die in uns aufsteigen möchten, zu unterdrücken, und uns besonders vor den Sünden sorgfältig zu hüten, wozu wir am meisten ge neigt sind, damit wir durch Sünde weder unsere eigene Seele verletzen, noch Andern ein Ärgerniß geben, oder sie zum Bösen reizen und verführen. Gieb uns Lust und Vermögen, heute recht viel Gutes zu thun. Laß uns wachen und beten; laß uns in Allem, was wir denken, reden und thun, auf deinen Willen und das Beispiel und Muster unseres Heilandes, Jeſu Christi, sehen, damit wir gegen alle Menschen liebreich, mit den Elender mitleidig; gegen die Armen, nach unserm Vermögen, wohlthätig; gegen die, welche uns Gutes thun, dankbar, und gegen die, die une beleidigen, sanftmüthig und versöhnlich seyn mögen. Gieb deinen Segen zu unseren Geschäften; laß uns die Pflichten un sers Berufs treu und gewissenhaft verrichten, und immer daran Morgen- und Abend- Andachten. denken, daß wir nicht den Menschen nur dienen, sondern dir, und auch bei unsern Arbeiten allezeit vor deinen Augen sind. Bewahre uns an diesem Tage vor Gefahr, Unglück und Leiden; und wenn dergleichen über uns kommen sollten, so schenke uns Geduld, Muth und Standhaftigkeit und Hülfe, und mache uns bereitwillig, durch gegenseitige Liebe und Mitleiden Einer des Andern Last zu erleichtern und zu tragen. Laß uns auch in Allem auf deine Vorschung vertrauen und die Flüchtigkeit unsers ungewissen Lebens stets wohl erwägen. Erbarm: dich aller Menschen! breite Wahrheit und Frömmig keit immer mehr auf dem Erdboden aus, und laß das Heil deines Sohns auch denen fund werden, die es noch nicht kennen. Gedenke in Gnaden aller Armen und Verlassenen, aller Traurigen und Be drückten, aller Schwachen und Kranken. Erhöre unser und alles andere gläubige Gebet, welches heute zu dir gethan wird, um Jesu Christi, deines Sohnes, unsers Heilandes, willen. Amen! 3. Allgemeines Abend- Gebet. Herr, anser Gott, du unerschöpfliche Quelle alles Guten! wir danken dir für alles Gute, das du heute an uns gethan haft. Du hast uns beim Leben erhalten. Du hast es uns nicht an der nöthigen Nahrung, nicht an Kleidern, nicht an einem sichern Ort des Aufenthalts fehlen lassen. Du hast uns vor schweren Krankheiten, Schmerzen, Gefahr und Elend behütet. Du hast uns Kräfte und Gelegenheit geschenkt, weiser, besser und glück. licher zu werden. Und wer kann die Wohlthaten alle zählen, die wir täglich genießen? THI Laß uns dabei nicht unempfindlich und gleichgültig bleiben, weil wir sie täglich genießen. Laß uns zu dem Ende lebhaft empfinden, wie übel wir daran wären, wenn wir dieser deiner täglichen Wohlthaten auch nur einen Tag entbehren müßten. Laß uns unsere Unwürdigkeit erkennen, und wohl erwägen, daß wir keine einzige dieser Wohlthaten durch unser Verdienst, sondern durch deine Gnade empfangen. Ja auch an diesem Tage waren wir deiner Gnade und Erbarmung nicht werth. Auch an diesem Tage haben wir Gutes unterlassen und Fehltritte und Sünde begangen. Ach, allwissender und heiliger Gott! gieb uns doch recht lebhaft zu erkennen Alles, was dir heute au uns mißfällig ge wesen, und laß uns deine unverdiente Güte und unsee Strafwürdigkeit so stark empfinden, daß wir alle ansre Abweichungen und Sünden schmerzhaft bereuen und den ernstlichen Vorsatz 6 Morgen und Abend- Undachten. faffen mögen, künftig unter dem Beistande deines Geistes from mer und rechtschaffener vor dir zu wandeln. Dann aber ver zeihe uns auch alle unsre Übertretungen durch Jefum Chriftum, unsern Heiland, und befreie uns von allem ülbel, welches sonst auf unsre Sünden in Zeit und Ewigkeit folgen müßte. Du gönnst uns, barmherziger Vater, die Nacht zur Ruhe und Erquichung. Wir nehmen diese Wohlthat mit kindlichem Herzen aus deiner Vaterhand an. Wache durch deine gütige Vorsehung über uns, wenn wir schlafen; bewahre unsern Ödem, der in deiner Hand ist, und wende alles Schrecken und alles Unglück von uns ab. Laß uns morgen gesund wieder erwachen; dir mit neuen Kräften dienen, und der ewigen Seligkeit mit neuem Eifer entgegeneilen. Verhüte, o allgegenwärtiger, allmächtiger Gott, diese Nacht allenthalben Unglück und Sünden. Zerstöre den Rath der Bos heit und die Unternehmungen der Frevler. Laß Alle, die ihre Lafter mit der Nacht decken wollen, von dem Gedanken an deine Allwissenheit und Allgegenwart ergriffen und von der Sünde abgeschreckt werden. Erbarme dich in dieser Nacht aller Menschen, insbesondere aller Elenden, Hülflosen, Verlassenen, Kranten und Sterbenden. Laß Alle, einen Jeden nach seinen Umständen und Bedürfnissen, erfahren, daß du der treue Vater der Menschen seyst und Jesus Christus ein Erbarmer und Freund aller Hülfsbedürftigen, die sich zu ihm nahen. Erhöre uns um dieses unsers Erlösers willen. Amen! 4. Am Sonntage, des Morgens. Gott, mein Vater! mit Freude und Dank erscheine ich jet vor deinem Angesicht. Mit dem demüthigsten Danke preise i dich für den mannichfaltigen Segen, den du über mich und die Meinigen in der vorigen Woche ausgeschüttet haft; für den Schuß, den du uns in der abgewichenen Nacht angedeihen laffen; für die Ruhe, durch welche wir erquickt worden. J freue mich herzlich, daß du mich diesen Tag wieder erleben läßt, der zu deiner feierlichen Verehrung besonders bestimmt ist. wit glücklich bin ich, daß ich mich heute, frei von irdischen Geschäften und Sorgen, in deinem Hause mit meinen Nebenchriften ver sammeln kann; daß ich da über Alles, woran mir am meisten gelegen ist, mit stillem Geiste nachdenken, mich von deinem Willen unterrichten, mich im Glauben an dich und deinen Sohn Jefum über die Sonntags- Feier. stärken, mich deiner Wohlthaten und der Hoffnung der seligen Unsterblichkeit freuen und so meinen Geist nähren und zu einem bessern höhern Leben vorbereiten kann. Dank sey es deiner weisen väterlichen Güte, die diese Veranstaltungen getroffen und uns bis auf diesen Tag in dem Genusse derselben erhalten hat! Aber, ach Gott, vergieb es auch mir und Allen, die nach deinem Namen genennet sind, um Christi willen, wenn wir die wohlthätige Veranstaltung zu unserm Unterricht, Besserung und Trost nicht genug geschäßt; wenn wir diesen Tag der Erquickung und des gemeinschaftlichen und öffentlichen Gottesdienstes nicht würdig gebraucht, sondern wohl gar durch sündlichen Mißbrauch entheiliget und verschwendet haben. D laß nicht diesen Sonntag die Anzahl der verlornen, der unnüß und fündlich zugebrachten vermehren; sondern gieb, daß wir ihn ganz deiner Ehre und unserm Heile widmen und durch einen, deinen Absichten gemäßen Gebrauch heiligen mögen. 7 Bewahre uns, gütiger Gott, daß wir nicht durch unnöthige Geschäfte und unnüße Zerstreuungen den Segen dieses Tages an uns vereiteln. Heilige alle unsre Vergnügungen und Freuden, die uns deine Freundlichkeit auch im Leiblichen schenket, damit wir immer mehr dadurch zu dir, der Quelle aller Freuden, geführet werden, und laß uns nur solche Ergötungen genießen, die mit Versicherung deiner Gnade genossen werden mögen; nur solche Freuden suchen, welche die Seele aufmuntern, ohne der Frömmigkeit und Tugend nachtheilig zu werden. Die Ruhe, die du uns heute von unsern irdischen Geschäften verstatteft, fegne zur wahren Erholung unserer Kräfte und zur Sammlung und Richtung unfers Gemüths aufs Ewige. Laß uns die gottesdienstlichen Versammlungen nicht ohne Noth verlaffen, sondern sie zur Vermehrung unfrer Erkenntniß in der Religion und zum Wachsthum in der Frömmigkeit anwenden. Mache es uns zur Freude, dich, unsern Schöpfer und Vater, mit unsern Brüdern gemeinschaftlich zu loben und anzurufen, und sie durch unser Beispiel zur Liebe und guten Werken zu reizen. Laß uns aber auch in unsern Häusern diesen Tag zu heiligen Handlungen und frommen Übungen anwenden. Und wenn wir dann öffentlich, oder in der Einsamkeit zu dir beten oder dir und deinem Sohne Jesu Christo zu Ehren Loblieder singen, so laß es mit Andacht und Inbrunst geschehen. Wenn wir dein Wort betrachten oder verkündigen hören, so mache es träftig durch deinen Geist an unsern Herzen, damit wir erleuchtet und überzeugt, gebessert und gestärkt, ermuntert 8 Morgen- und Abend- Andachten. and getröstet werden mögen. Laß insbesondere den Gedanken von der Auferweckung und Erhöhung deines Sohnes Jesu, an welche uns dieser Tag erinnert, uns im Glauben an seine gött liche Lehre und im Vertrauen auf seine Verheißung befestigen, und zur Nachfolge seines heiligen, wohlthätigen, gemeinnüßigen Lebens, das einen so herrlichen Ausgang genommen hat, erwecken, und uns recht himmlische und liebevolle Gesinnungen einflößen. Erbarme dich der Verirrten und führe sie auf den Weg der Wahrheit und Seligkeit. Bekehre die Lasterhaften, und gieb, daß heute Viele durch dein Wort gewonnen werden. Stärke die Schwachen im Guten, daß sie immer vollkommener und be ständiger werden mögen. Gieb allen Traurigen heute Trost und Freude, und den Kranken Erquickung und Hoffnung. Sorge väterlich für die Bedürfnisse aller deiner Kinder auf Erden. Walte mit deiner Gnade über den Regenten, über alle Obrigkeit, über alle Einwohner dieses Landes und dieses Orts, und laß dir unser Leben und unsre ganze Wohlfahrt heute, auf diese Woche und auf die ganze Zeit unserer hiesigen Pilgrimschaft empfohlen seyn, um Jesu Christi willen, Amen! 5. Um Sonntage, des Abends. Gütiger Gott! du thust gerne wohl. Ich weiß es aus tausend Proben, daß du auch an meiner Glückseligkeit arbeitest. Auch in dieser Abendstunde muß mein Blut zu deinem Lobe wallen; denn auch heute habe ich es geschmeckt und gesehen, wie freundlich du bist. Unter deiner Aufsicht bin ich frei von Gefahren und Leiden geblieben. Du hast mir Gesundheit, Nahrung und Freude geschenkt und, was noch mehr ist, du haft für die Bedürfnisse meines unsterblichen Geistes gesorgt und mir aus deinem Wort Unterricht, Warnung, Aufmunterung und Trost gegeben. Aber wie beschämt werde ich, wenn ich bedenke, wie wenig ich bisher deine gnädige Absicht habe an mir erreichen lassen. Ich hörte oft dein Wort verkündigen, aber die Sorgen und Berstreuungen dieses Lebens schwächten den Eindruck desselber auf mein Herz. Ich betrachtete dein Wort; aber mehr aus Gewohnheit, als aus dem Triebe, dir wohlzugefallen. Ich betete ich sang; aber mehr mit den Lippen, als mit der Seele. Jª faßte gute Vorsäge; aber ich versäumte es, sie auszuüben. Ach wie traurig müßte ich nun diesen Tag beschließen, wenn ich nicht hoffen könnte, uma Jesu Christi willen Vergebung dieser über die christliche Frömmigkeit. und aller meiner Sünden zu erlangen. Und darum flehe ich zu dir, o Bater aller Barmherzigkeit, gedenke nicht meiner Sünden, sondern gedenke meiner nach deiner Gnade, die du allen Bußfertigen durch Jefum Christum verheißen hast, und gieb mir Kraft zu einer redlichen Besserung meines Herzens und Wandels. So viele Tage habe ich mich um meiner Sünde willen mit Scham und Neue zu dir nahen müssen. O wie glücklich würde ich seyn, wenn ich mich in meinem künftigen Leben, von dem ich nicht weiß, ob's Tage, Monate oder Jahre dauern werde, nun auch des Guten freuen könnte, was ich durch deine Gnade aus. geübt habe. Und damit ich so glücklich seyn möge, so erleuchte und bessere mich durch deinen Geist, daß ich in der Ausrichtung dessen, was du mir befohlen hast, und in der Nachfolge meines Heilandes immer rechtschaffener, treuer und fester werde. 9 Ich bin ein schwaches Gefühöpf, das mit vielen Gefahren zu straucheln und zu fallen umringt ist; das ohne dich seine mannichfaltigen Pflichten nicht erfüllen und das herrliche Ziel des Christenthums nicht erreichen kann. Aber du, o Herr mein Gott, haft Weisheit und Stärke allen denen verheißen, die dich darum anrufen; die herzlich wünschen, weiser, besser und fröms mer zu werden. Diesen Wunsch, o bester Vater, hast du selbst in meine Seele gelegt: du hast mir das Wollen gegeben. Gieb mir nun auch das Vollbringen, damit ich den Weg vollenden möge, der nach der Anweisung deines Sohnes, meines Heilandes, zur wahren Glückseligkeit führt. Hilf mir alle Schwierigkeiten und Hindernisse des Guten, hilf mir alle Reizungen der Welt und meines eigenen Herzens zum Bösen überwinden. Mache mich treu im Gebrauch der Mittel des Unterrichts und der Besserung, die du uns gegeben hast, und laß diesen Gebrauch stets gesegnet seyn. Gieb mir die köstlichen Lehren und Verheißungen des Evangeliums, die für mich die rechte Quelle des Trostes und die Kraft der Gottseligkeit sind, immer deutlicher und vollständiger zu erkennen. Gieb mir aber auch Lust und Kraft, die Vorschriften und Gebote, die du uns in der Bibel für unsere Ges danken, Neden und Thaten gegeben, immer richtiger zu lernen und williger und treuer auszurichten; dir, meinem himmlischen Vater, immer ähnlicher zu werden, und mein Herz und meinen Wandel immer mehr nach dem Herzen und Wandel Jesu, des Sohnes deines Wohlgefallens und meines Erlösers, zu bilden. Laß es mein eifrigftes Bestreben seyn, Alles, was böse ist, zu Morgen und Abend- Andachten. verabscheuen und zu fliehen, und alles Gute zu lieben und zu thun; und zwar zu allen Zeiten, an allen Orten, in allen Umständen; in der Welt, wie in der Kirche; bei meinen Geschäften und Vergnügungen, wie bei meinen Andachts- Übungen; im Geräusch des Lebens, wie in der Stille der Einsamkeit. Laß es mein tägliches, liebstes Geschäft seyn, auf dich, das erste, größte und beste aller Wesen, stets zu sehen, dich, meinen Schöpfer und Herrn, meinen Vater und Wohlthäter, über Alles zu lieben, dir zu gehorchen, auf dich zu vertrauen, und mit deinen Schickungen zufrieden zu seyn. Laß mich immer besser einsehen, wie genau Gottesdienst und Christenthum mit den ordentlichen Berufspflich ten und den Werken der Menschenliebe zusammenhangen, damit ich nicht die bloßen Andachts- Übungen für den höchsten Theil meiner Pflichten ansehe und darüber die Pflichten gegen mich und meinen Nächsten versäume. Laß mich vielmehr mein ganzes Leben zum Gottesdienste machen, und Alles, was ich thue, aus dankbarer Liebe und Gehorsam gegen dich und meinen Erlöser thun, und so thun, wie es deinen Geboten und deinem Muster gemäß ist, und wie Jesus es gethan hätte, wenn er an meiner Stelle und in meinen Umständen gewesen wäre. Gieb mir Vorsichtigkeit, nie meiner Bestimmung zuwider zu handeln, nie meinen Verstand zu schwächen, nie meine Gesundheit und mein zeitliches Glück zu zerrütten. Gieb mir die Klugheit, die von den zeitlichen Gütern und sinnlichen Freuden dieses Lebens einen mäßigen Gebrauch macht, um nicht von ihnen gefesselt zu werden, oder bei dem Gewinn des Irdischen ewige und bessere Güter einzubüßen. Gieb mir einen wahren christlichen Heldenmuth, der die liebsten Lüfte überwindet; der ein gutes Gewissen höher achtet, als Königreiche und Goldgruben; der Alles, auch das Leben selbst, für Wahrheit und Tugend aufopfert; der die Wider wärtigkeiten dieses Lebens mit Geduld und Unterwerfung unter deinen Willen erduldet. Gieb mir Lust und Kraft, als Bürger dieser Welt und als Erbe des Himmels, für mein zeitliches und ewiges Glück zu arbeiten. Laß mich aber auch nicht eigennüßig für mich allein leben; laß mich meinen Freunden, meinen Mit bürgern, meinem Vaterlande, ja allen Menschen gern dienen mit den Gaben, die ich von dir empfangen habe. Laß keinen niedris gen Eigennuß, feinen Neid, keinen Haß sich in meinem Herzen festseßen, sondern gieb, daß ich alle meine Nebenmenschen auf richtig lieben, ihren Mangel und Kummer mitleidig ansehen, ibm nach Vermögen abhelfen, ihre Freude und Glück vermehren und so meinem Heilande, der umherging und wohlthat, und deiner 10 über die christliche Frömmigkeit. 11 höchsten Güte nachahmen möge, die die Sonne scheinen läßt über Böse und Gute, und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte. Erhöre dies Gebet, o barmherziger Gott! das ich in der wichtigsten Angelegenheit meines Lebens vor dich bringe. Laß mich deiner Vatertreue empfohlen seyn, da ich mich jetzt zum Schlafe niederlegen will. Beschüße, erquicke und segne mich; beschüße, erquicke und segne alle meine Geliebten, alle meine Mitchristen. Jetzt in dieser Abendstunde steigen so viele tausend Lobgesänge, Thränen und. Gebete von Glücklichen und Unglücklichen, Frommen und Sündern, Kranken und Gesunden zu deinem Thron empor. Siehe gnädig auf Alle herab, die zu dir rufen, o allgegenwärtiger, allmächtiger, gütiger Vater, durch Jesum Christum, unsern Heiland, Amen! 6. Am Montage, des morgens. Herr, du Urheber und Erhalter unsers Lebens! durch den wir sind, leben und uns bewegen, von ganzem Herzen danke ich dir, daß du mich, die lieben Meinigen und so viel tausend meiner Brüder und Schwestern, die ich kenne und nicht kenne, in dieser Nacht so gnädig erhalten, vor Unglück bewahret und uns aufs neue deine väterliche Güte und Treue hast empfinden lassen. Auch zu diesem angefangenen Tage brauche ich nun deinen Beistand und Segen. Ich komme daher in dieser Morgenstunde zu dir, wie ein Kind zu seinem Vater, und suche in Demuth, aber auch mit einem Herzen voll Vertrauen, das bei dir, was ich mir selbst zu geben nicht vermag. Zuvörderst bitte ich um deine Gnade, die mir mehr werth ist, als alle Güter der Welt. Und da ich gestehen muß, daß ich meiner Sünden und Fehler wegen keine Gnade von dir verdient habe, so bitte ich desto mehr, vergieb mir alle meine Sünden, um Jesu Christi, meines Versöhners und Mittlers, willen. Schenk' mir aber auch deinen heiligen Geist, daß ich von nun an aus Dankbarkeit gegen dich die Sünden meiden, Gutes thun und mein ganzes Leben so einrichten möge, damit du durch alle meine Worte und Werke gepriesen werdest. Insonderheit gieb mir Gnade, daß ich die Pflichten, die mein Beruf, mein Stand, meine Lebensart von mir fordern, gewissenhaft ausrichte, und die Stelle, die du mir in deiner Welt angewiesen hast, würdig behaupte. Lehre mich meine Zeit, die Kräfte und Munterkeit meines Leibes und Gemüths, den fröhlichen Gebrauch meiner Augen und andern Sinne, meine Vernunft und Sprache und alle andere Gaben, Morgen- und Abend- Andachten. die du mir auch heute schenfest, so anwenden und gebrauchen, wie es dir gefällig, deinen Absichten gemäß und zu meinem und meiner Nebenmenschen Wohl dienlich ist. Gieb, daß ich allen Müßiggang, Trägheit und Untreue fliche, daß ich die nöthigen Berufsgeschäfte allen andern Beschäftigungen vorziehe, die mir vielleicht angenehmer und mehr zum Bergnügen seyn möchten; daß ich sie mit Fleiß und Emsigkeit, zu rechter Zeit und mit redlicher Treue, so gut als möglich ist, ausrichte. Gieb, daß ich das, was du mir in der häuslichen und bürgerlichen Gesellſchaft zu thun befohlen hast, mit unverdrossener Willigkeit thue; denn wer deinen Willen thut, der verehret dich, und wer seinen Nächs sten dienet, der dienet dir, o Gott, in deinen Kindern. Laß mich bei meinen Berufsgeschäften nicht bloß auf meinen, sondern auch auf meines Nächsten Nußen sehen, und sie stets so wahrnehmen, daß ich dabei ein gutes Gewissen bewahren und mich deines Wohlgefallens getrösten dürfe. Laß mich alle Ungerechtigkeit und alle die kleinen und größern Betrügereien sorgfältig meiden, was durch ich mich bereichern, meinen Brüdern hingegen Schaden thun und mein Gewissen beflecken würde. Laß mich die güldene Regel nie außer den Augen setzen: wie ihr wollet, daß euch die Leute thun, also thut ihr auch ihnen. Laß mich nie vergessen, daß ich stets und überall in deiner Gegenwart sey und dir der einst von Allem Rechenschaft geben müsse. Laß mich fleißig und treu seyn in meinem Beruf, nicht, um von Andern gesehen und gerühmt zu werden, sondern in der edlen Absicht, dir zu gefallen, dir zu gehorchen und durch einen guten Gebrauch meiner Gabe und Kräfte mir und Andern nüglich zu werden; daß so mein ganzes Leben ein beständiger Gottesdienst seyn möge. Dann aber lehre mich auch, v bester Vater, mit findlichem Vertrauen auf deinen Segen arbeiten und den Fort- und Ausgang meiner G schäfte, ohne ängstliche Sorgen und raftlose Bestrebungen, deine gütigen und weisen Vorsehung zuversichtlich überlassen. 12 Gehen meine Geschäfte glücklich von statten, bringen fic Vortheil, Ehre und Freude, oder befördern sie das Beste meint Brüder: so laß mich nie vergessen, daß ich ohne deinen Segen nichts vermag, damit ich nicht eitel und stolz oder undankbar werde Laß mich aber auch jeden Segen und jede Freude, die mir au dem Wege durch dies Leben begegnet, ganz und innig genießen darin deine Vaterliche schmecken, mich über dich freuen und durch solche Freude meine Dankbarkeit und Gehorsam gegen dich stär ken. Scheint meine Arbeit vergeblich zu seyn; wird sie night Arbeitsamkeit und Berufstreue. 13 erkannt oder belohnt; genießen Andere die Früchte und den Nußen von dem, was ich gethan habe: so bewahre mich, daß ich nicht unzufrieden, mutylos und neidisch werde, sondern mich dadurch beruhige, daß ich meine Pflicht gethan, und daß unter deiner Aufsicht nichts Gutes verloren gehe oder unbelohnt bleiben kann. Kommt mir die Stelle, die ich bekleide, der Beruf, den ich treibe, die Lebensart, die ich führe, zu niedrig und beschwerlich vor: so laß mich nie vergessen, daß du nach deiner weisen Regierung mir diesen Posten angewiesen, und daß ein christliches Verhalten jeden Beruf wichtig und edel, und jede Lebensart, wenn sie nur rechtmäßig ist, nüglich und angenehm mache. Werde ich in meis nen Berufsgeschäften gestört oder durch Pflicht der Menschenliebe und Gefälligkeit davon abgerufen: so laß mich nie dadurch zur Ungeduld und zu einem mürrischen Wesen verleitet werden; mache mich vielmehr dienstfertig und willig, meinen lieben Nebenmenschen mit meinem Vermögen und mit meinem Nath gern zu helfen, sie zu unterstützen und durch freundschaftlichen Ums gang mit ihnen zu erfreun, zu belehren und zu bessern. Und damit ich bei Verrichtung meiner Geschäfte so gesinnet seyn und handeln möge, so laß mich bedenken: daß der treue Gebrauch unsrer Zeit und Kräfte der beste Dank sey, den wir dir für diese Geschenke deiner Hand bringen können; daß wir durch gemeinnüßige Geschäftigkeit die Ehre erlangen, dir ähnlich zu werden, und Nachfolger unsers Heilandes zu seyn; daß wir zur Arbeit erschaffen und dazu auch erlöset sind, um fleißig zu seyn in guten Werken; daß der menschenfreundliche Gebrauch unserer Gaben und Güter die beste Vorbereitung sey zum Tode und zur Ewigkeit; daß die Treue im Geringen einst herrlich belohnt, hingegen die Unterlassung des uns möglichen Guten mit dem Verlust der göttlichen Gnade und der ewigen Seligkeit bestraft werden soll; daß es Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit gegen unsern Nächsten sey, nichts zu thun, da sich doch so viele Andere für uns beschäftigen; daß Gott endlich bei der Verordnung eines arbeitsamen Lebens nicht die Absicht gehabt, uns ein schweres Joch aufzulegen, sondern vielmehr die Gesundheit unsers Leibes uno die Ruhe der Seelen, besonders in den Tagen des Kummers und der Trübsale, zu befördern, und vor Sünden und Thorheis ten zu bewahren, uns die Bestegung unordentlicher Begierden zu erleichtern und uns mit mannichfaltigem Segen zu erquicien. Laß mich dies täglich erwägen, und darum meine Geschäfte mit Gebet anfangen, auch unter denselben oft mein Herz zu dir erheben, damit mir meine Pflichten nebst den großen Bewegungsgründen 14 Morgen- und Abend- Undachten. dazu zu rechter Zeit einfallen und mich zu vielen guten Thaten erwecken und geschickt machen mögen. Erhöre mich, gütigster Vater, und schaffe selbst in mir, was dir wohlgefällt, durch unsern Herrn Jesum Christum; Amen! 7. Um Montage, des Abends. Beim Schluß dieses Tages erscheine ich vor dir, mein gütiger Vater, und bringe dir meinen Dank für alle die Wohlthaten, die du mir an demselben erzeigt haft. Du hast mein Leben und meine Gesundheit erhalten; mir Speise, Trank und Freuden beschert, und auch für meine übrigen Bedürfnisse treulich gesorgt. Unter deinem Beistande habe ich meine Berufsgeschäfte treiben können; und deinem Segen verdanke ich's allein, wenn sie glüd lich gerathen sind. Ja alles Gute, was mir widerfahren ist, es sey groß oder klein, ist ein Geschenk deiner Hand, dessen ich nicht werth bin. Denn auch an diesem Tage habe ich auf mancherlei Weise wider dich gefündiget und lange nicht Alles so gethan, was und wie ich es zu thun schuldig war. Vergieb es mir um Jesu willen und laß mich immer besser und frömmer werden; immer mehr nach deinem Willen leben und als ein Christ in die Fußstapfen meines Erlösers treten. Diesen besten Dank für deine Wohlthaten wollte ich dir gern immer völliger bringen. Unterstüße mich dazu mit dem kräftigen Bei stande deines heiligen Geistes. Sey dann auch, gütiger Gott, in dieser Nacht mein Schuß und mein Erretter. Wende die Ge fahren ab, die mich bei der nächtlichen Finsterniß umgeben, daß sich kein Unfall meiner Hütten nahe und kein Bösewicht meine Ruhe unterbreche. Ist es deinem heiligen Rathe nicht zuwider, so erhalte mein Leben und verlängere meine Gnadenzeit. Mache mich aber auch willig und gefaßt, mich bei allen widrigen Ver hängnissen deinem väterlichen Willen zu unterwerfen. Gott! du bist unser und aller Menschen Gott und Vater. Du willst, daß wir alle für einander sorgen und beten sollen. Ver herrliche deine Güte an allen Menschen auf dem Erdboden. The wohl unserm Landesherrn und allen Obrigkeiten. Beschirme ben Ort, dessen Einwohner ich bin, und wache über meine Hand genossen und Angehörigen, über meine Freunde und Feinde. Laß Allen die Gnade widerfahren, um welche ich dich an dem Morgen dieses Tages für mich selbst bat: Mache sie gewissenhaft Allgemeine Fürbitte. und treu in ihrem Beruf und erleichtere ihnen durch deinen Beistand die Erfüllung der Pflichten desselben. Erinnere die Könige, Fürsten und Hohen dieser Erde an ihre hohe Bestimmung: Freunde und Väter ihres Volks und ihrer Unterthanen zu seyn. Laß sie darin ihre Ehre setzen und ihr Vergnügen suchen, daß sie, gleich dir, dem Bösen steuern, das Gute befördern, die Unschuld schüßen und ihre Untergebenen, als ihre Kinder und Freunde, mit Gerechtigkeit, Billigkeit und Liebe regieren. Erinnere die Unterthanen, daß sie ihre Obrigkeiten als ihre Herren und Wohlthäter ehren und lieben, ihnen gehorchen, die Abgaben, die sie zum gemeinen Besten geben sollen, willig und gewissenhaft bezahlen und Gott für sie bitten, damit wir ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. 15 Laß die Lehrer der Religion und des Christenthums die Würde und Seligkeit ihres Berufs stets empfinden, und keine Gabe, teine Mittel, teine Gelegenheit ungebraucht lassen, ihre Zuhörer zu unterrichten, zu bessern, zu trösten und zu beruhigen, fie zu deiner und deines Sohnes Jesu Erkenntniß und dadurch auf den Weg der seligen Unsterblichkeit zu führen. Laß aber auch die Zuhörer ihre Lehrer ehren und lieben, auf ihre Lehren aufmerksam seyn, ihnen, insofern sie dein Wort vortragen, gehorchen und folgen, für sie beten, für ihren anständigen Unterhalt sorgen und gern mittheilen allerlei Gutes denen, die sie unterrichten. Mache die Eheleute durch deinen Geist geneigt und willig, ihr heiliges Versprechen zu erfüllen, daß sie sich bis an ihren Tod vorzüglich und mit beständiger Treue lieben, ehren, versorgen und einander glücklich und vergnügt machen wollen. Laß die Eltern es zu ihrem täglichen und wichtigsten Geschäfte machen, ihre Kinder christlich zu erziehen, ihnen Erkenntniß und Liebe der Religion, Gehorsam, Menschenliebe und Tugend einzuprägen und sie zu Zierden ihrer Familien, zu nüßlichen und würdigen Menschen und zu Erben der ewigen Seligkeit zu bilden. Flöße den Kindern Ehrerbietung, dankbare Liebe und Gehorsam gegen ihre Eltern und Vorgeseßten ein. Laß sie alles Gute, wodurch sie fromm, glücklich und der Welt brauchbar werden fönnen, mit Eifer lernen. Befreie ihre Herzen von aller Bes heit und Rachsucht, und laß sie alle Lügen, Falschheit, Betrug und Verläumdung als die ärgste Schande flichen. Mache ihr Herz mitleidig gegen Arme und Traurige und mache ihnen das Wohlthun zur Freude. Laß sie mit den Jahren, so wie an 16 Morgen- und Abend- Andachten. Alter, also auch an Gnade bei dir und den Menschen zunehmen. Präge ihren Gemüthern eine stets dankbare Erinnerung gegen ihre Eltern, Lehrer, Freunde und Wohlthäter ein, damit sie sich bemühen mögen, ihnen Freude zu machen, ihnen zu helfen, wo sie können, sie im Alter zu verpflegen, und ihre Wohlthaten zu vergelten; denn das ist wohlgethan und angenehm vor dir. Erinnere die Häupter und Herrschaften eines jeden Hauses, daß auch sie ihren Herrn im Himmel haben, bei dem kein Ansehen der Person ist, damit sie gegen ihre Dienstboten Gerechtigs keit, Billigkeit und Sanftmuth beweisen und das Glück und Ver gnügen berer gern befördern, die ihnen dienen; präge aber auch allen Dienstboten und Tagelöhner Gottesfurcht und Tugend ins Herz, als die Grundlage aller Nedlichkeit und Treue. Lehre sie, daß gewissenhafte Treue in der Abwartung ihrer Arbeiten ein Haupttheil ihres christlichen Gottesdienstes sey; daß Aufrichtigkeit und Fleiß, Folgsamkeit und Bescheidenheit, Keuschheit und Ehr barkeit ihre Ehre, hingegen Lügen, Betrug und Faulheit, Grobs heit und Widerspenstigkeit, Unkeuschheit und wüstes Leben ihre wahre Schande sey. Erfülle sie daher mit Abschen gegen diese und alle übrigen Laster und mit Liebe zu allen Tugenden, damit auch sie dir wohlgefallen in Chrifto und der Belohnungen in deinem Reiche fähig seyn mögen. Gütiger, himmlischer Vater, du haft uns Alle berufen ein ander zu dienen, Einer des Andern Wohlfahrt zu befördern; gieb doch, daß der, welcher Andere an Einsicht, Weisheit und Erfah rung übertrifft, seine Vorzüglichkeit zum gemeinen Besten ans wende, und seinen Nebenmenschen neue Quellen des Fleißes öffne. Laß die Alten den Jungen gute Beiſpiele und Nath geben, und dieſe ihren Ermahnungen und gutem Exempel folgen. Laß den Reichen auf seinen Reichthum nicht stolz seyn, sein Herz nicht daran hän gen, sondern ihn zum Wohlthun anwenden; laß den Niedrigen und Armen seine Armuth durch Rechtschaffenheit, Demuth, Arbeit famkeit, Geduld und Mäßigkeit achtungswürdig machen. Laß die Gefunden ihre Zeit und Kräfte wohl nüßen und nichts von dem, was sie jetzt thun können, auf die ungewisse Zukunft verschieben. Laß die Kranken für die Widerherstellung ihrer Gesundheit for gen; sich deinem Willen mit findlicher Gelassenheit unterwerfen, ihr Haus in Absicht auf das Irdische bestellen; sich näher auf die Ewigkeit vorbereiten, und wenn sie diese Welt verlaffen sollen, so gieb, daß sie diefelbe mit christlichen Gesinnungen verlassen und erleichtere ihnen den Ausgang aus derselben durch die Hoffnung eines bessern ewigen Lebens. Gebet um zeitliche Wohlfahrt. 17 So lehre und Alle, o Gott, deinen Willen thun, und unserm Beruf gemäß leben, um deines Sohnes, Jesu Chrifti, willen und durch den Beistand des heiligen Geistes, Amen! am 8. Um Dienstage, des Morgens. Deine Güte, o Gott, mein Vater, ist alle Morgen neu und deine Barmherzigkeit währet für und für. Das erkennet mein Herz mit froher dankbarer Empfindung in der Stille und eben das soll mein Mund bei aller Gelegenheit laut vor Andern bekennen und rühmen. Der Tag, den ich wieder gesund erlebt habe, ist ein neuer Beweis deiner Treue und Güte. Lehre mir nun die Weisheit, meine Lebenstage recht anzuwenden: durch Glauben und Gottseligkeit mich auf den Himmel vorzubereiten, dir und meinen Nebenmenschen zu dienen, und durch Alles, was ich denke, rede oder thue, deine Ehre zu befördern. Meine irdi schen Schicksale ordne du, o Herr, nach deiner Weisheit und Güte. Ich will mit dir reden, wie ein Kind mit seinem Vater spricht: ich will dir sagen, was sich mein Herz in Absicht meines zeitlichen Glücks von dir wünscht. Aber ich will dir nicht vorschreiben, was du thun sollst. Ich will es deinem väterlichen Rath überlassen, in wiefern du meine Bitte erfüllen willst. Erhalte mir vor allen Dingen den Gebrauch meiner Vers nunft, so lange ich auf Erden leben soll. Durch sie bin ich ein Mensch; durch sie bin ich fähig, dich, meinen Schöpfer, zu ers kennen, Irrthum und Wahrheit, Gutes und Böses zu unterschei den, die Pflichten meines Berufs und der Menschenliebe zu erfüllen. Sehr traurig und unglücklich ist der Zustand derer, die des Gebrauchs ihres Verstandes beraubt werden. Ach bewahre mich doch vor solchen Zufällen des Alters und der Krankheit, die mich entweder ganz, oder zum Theil diesen Unglücklichen gleich machen könnten. Seße mich dagegen nach deiner Güte in solche Umstände, daß ich immer vernünftiger denken und handeln lerne, bis ich einmal nach vollendeter Prüfungszeit in Gesellschaft aller vernünftigen seligen Geister die Wunder deiner Weisheit, Macht und Güte vollkommener erkennen und unaufhörlich preisen kann. Die Gesundheit des Leibes ist nächst einer gefunden Vers nunft unter allen irdischen Gütern das Vorzüglichste. Ohne sie kann ich weder zu meiner eigenen Wohlfahrt, noch zum Besten meines Nächsten recht thätig seyn. So erhalte mir denn dies, von den Meisten unerkannte Gnadengeschent. Und ob ich gleich Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 2 19 Morgen- und Abend- Andachten. als ein sterblicher Mensch zu viel begehren würde, wenn ich einen ununterbrochenen Gesundheitszustand begehren wollte: so bitte ich doch, wenn's dir gefällt, bewahre mich vor solchen Krankheiten, die meine Gesundheit auf immer zerrütten, und vor solchen Zufällen, die mich außer Stand seßen, meinen Beruf und meine Pflicht abzuwarten. Große Reichthümer und Überfluß an Geld und Gut begehre ich nicht von dir. Das größte Vermögen ist ohne deinen Segen bald zerstreut und verloren; und Niemand lebt davon( Niemand ist um deßwillen allein glücklich), daß er viele Güter hat. Dod darum bitte ich, mein Vater, behüte mich vor drückenden Nah rungssorgen. Beschere mir so viel, daß ich meine nothwendigen Bedürfnisse bestreiten und auch Andern in der Zeit der Noth beistehen kann. Bewahre mich, daß ich niemals in Versuchung falle, durch List und Ungerechtigkeit mein Brod zu suchen, oder, vom Hunger gezwungen, meine Hand nach fremdem Gut auszus strecken. Mache mich sparsam und fleißig; segne meine Arbeiten und mein Vermögen, daß ich weit damit reiche. Erwecke mir aber auch Wohlthäter, wenn ich sie nöthig habe. Allgemeinen Beifall und den Glanz der äußerlichen Ehre verlange ich auch nicht. Schenk' mir nur Kräfte, Mittel und Gelegenheit, immer vollkommener und tugendhafter und mir selbst und Ändern nüßlich zu werden, daß ich der Achtung der Recht schaffenen würdig seyn und vor allen Dingen das Zeugniß eines guten Gewissens und die Versicherung deines Beifalls haben möge, Laß in meinem Hause Liebe, Eintracht, Nechtschaffenheit und Gottesfurcht wohnen, damit ich in seinem stillen Schoe die Freuden des häuslichen Lebens genießen möge. Schenkst du mir Kinder, so schenk' mir auch Freude an ihnen. Erheitere mein Leben durch das Glück der Freundschaft, und laß m wenigstens einige redlichen Freunde übrig bleiben, mit denen ich meine Freuden, Widerwärtigkeiten und Leiden theilen und auf deren Treue ich mich verlaffen kann. Um ein hohes Alter will ich nicht bitten; denn ich weiß auch hierin nicht, was mir nüglich ist. Willst du mich aber so lange leben lassen, daß ich nicht nur für das Glück der Meis nigen besser sorgen, sondern auch mich selbst zur Ewigkeit m zubereiten kann, so werde ich dir mit kindlichem Herzen dafür danken. Sey du nur, wenn ich alt und grau werden soll, meine Stüße; mindere mir die Lasten des Alters und hilf fie tragen. Dir sey es heimgestellt, wie, wann und wo ich sterben foll Bewahre mich nur vor einer schrecklichen Todesart und gieb mit Gebet um zeitliche Wohlfahrt. 19 ein sanftes, vernünftiges und seliges Ende. So überlaffe ich kindlich und zuversichtlich deiner weisen Regierung das ganze Glück meines Lebens. dwi So viele Tage habe ich schon zurückgelegt, worin du für mich väterlich gesorgt haft. Du wirst auch ferner an mich denken. und alle meine irdischen Angelegenheiten so ordnen, daß mein wahres Glück dadurch befördert werde. Du hast mir ja deinen Sohn zum Erlöser und Seligmacher geschenkt. Wie solltest du mir mit ihm nicht Alles schenken, was mir nüßlich und heilsam ift? Nun, Herr mein Gott, deine Gnade sey mit mir, mit den Meinigen und allen Menschen. Sie segne, stärke und leite uns Alle bis zum ewigen Leben, durch Jesum Christum, Amen! 9. Um Dienstage, des Abends. Das ist ein töftlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen, des Morgens deine Gnade, des Abends deine Wahrheit, deine Treue und Güte verkündigen. O wie freue ich mich, daß auch ich mit fröhlichem Munde dich jetzt loben darf! Deiner Wohl thaten find mehr, als daß ich sie zählen kann. Wenn ich nur bei diesem einzigen Tage stehen bleibe, so muß ich erstaunen über die Größe deiner Güte und Treue, die du an mir gethan haft. 3D mein gütiger Gott, laß es mich schmecken und seßen, wie freundlich du bist. Laß mich das Gute, die Vortheile und Vorzüge des Geistes und Leibes und meines ganzen Zustandes im Natürlichen und Geistlichen, die du mir geschenkt haft, sorgfältig erkennen und gebührend schäßen, und dich dafür zu preifen, sie recht zu gebrauchen und zu bewahren, nicht aber um stolz und hochmüthig zu werden, mich selbst zu erheben und Andere zu verachten. Nein, o Allerheiligster, diese Gemüths art ist nicht nur thöright, sondern auch dir abscheulich. Du wi derstehst den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebst du Gnade. Und wie dürfte ich mich erheben, da ich Alles, was ich habe, von dir habe, da mich so viele Fehler, Sünden und Mängel un ter Tausende herunterseßen, die besser sind, als ich. So gieb denn, daß ich schwaches, sündliches Geschöpf von meinem Heiland lernen möge, von Herzen demüthig zu seyn, und nicht bloß in Worten, in Geberden und andern äußerlichen Bezeigungen. Er war gleich, wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden; und er will, daß seine wahren Nach folger weder eine natürliche Gestalt des Gesichts und des Lei 2* 20 Morgen und Abend- Undachten. bes im Gebet und den Übungen der Buße, noch eine gezwun gene Geistlichkeit in der Kleidung, in dem Genuß und Gebrauch der Gaben Gottes für den Leib und für die Nothdurft und das Vergnügen des zeitlichen Lebens annehmen sollen. Laß mich daher diesen bloßen Schein, unter welchem oft Heuchler ihr stolzes Herz verbergen, fliehen und laß die echte Demuth deines Sohnes, meines Herrn und Erlösers, mein Eigenthum und meine Zierde werden. Gieb, daß ich von Allem, was ich Gutes habe, wenn es auch eine Frucht meiner Arbeit wäre, nicht mir, sondern Alles dir zuschreibe, und Alles für ein freies Geschenk deiner Güte erkenne, das ich ohne alle meine Würdigkeit, ja wider mein Verdienst empfangen habe. Laß mich daher die Gaben des Geistes, des Leibes und des Glüchs nicht als ein solches Eigenthum ansehen, welches ich nach meinem eigenen Gefallen brauchen kann: sondern als ein vertrautes Eigenthum von dir, meinem Gott und Herrn, was ich ganz deiner Vorschrift und deinem Willen gemäß anwenden muß. is M Dein Wille ist's, daß wir unsere Gaben und Kräfte nicht zu unserm Verderben und Unglück, nicht zur Betrübung und Beschädigung unserer Nebenmenschen mißbrauchen, sondern dazu brauchen sollen, um unsere eigene zeitliche und ewige Glüd seligkeit zu befördern und unter unsern Nebenmenschen Ruhe, Vergnügen und Wohlfahrt auszubreiten. Dein Wille ist's, daß wir am ersten trachten nach deinem Reich und nach seiner Gerechtigkeit; daß wir deine Gnade und die Seligkeit des Him mels für unser höchstes Gut achten, und uns aufs eifrigste bes fireben, dies große Glück durch den Glauben, der durch die Liebe thätig ist, zu erlangen und zu bewahren; daß wir dies in Allen, was wir thun, im Auge haben; daß wir dagegen uns selbst und die Welt verleugnen, und lieber Alles fahren lassen, als deine Gunst und das ewige Leben zu verlieren. Dein Wille ist, daß wir für unsern unsterblichen Geist und seine Vollkommenhei ten vorzüglich sorgen und stets wachsam und beeifert seyn sollen, in der Erkenntniß alles Guten zuzunehmen, unsere Gesinnungen und Begierden zu bessern und ein richtiges, gutes und ruhiges Gewissen zu haben. Dein Wille ist's, daß wir unsern Leib in Gesundheit und Krankheit gehörig pflegen; daß wir alle seine Glieder nur allein zu gottgefälligen Geschäften gebrauchen, daß wir uns weder auf eine gewaltsame Weise, noch durch Ünmäßige keit, Sorgen, Traurigkeit, Zorn, Geiz und übertriebene Arbeit an unserm Leben und Gesundheit Schaden thun; daß wir zwar, Über die uns ſchuldige Selbstliebe. wenn es Pflicht und Beruf erfordert, unsers Lebens nicht schonen, sonst aber auf alle Weise es zu erhalten suchen sollen, so lange wir können. Du hast befohlen, daß wir alle Unmäßigkeit im Genuß der Speise und des Getränks, alle Trunkenheit und Schwelgerei, diesen sträflichen Mißbrauch der Gaben Gottes, der die Gesundheit schwächt, die Vernunft unterdrückt und allen Lastern den Weg öffnet, sorgfältig vermeiden sollen. Du willst, daß wir reines Herzens seyn; daß kein faules Geschwätze aus unserm Munde gehe; daß man in seiner Kleidung und äußerm Bezeigen ehrbar und fittsam sey; daß man Hurerei, Ehebruch und alle Arten von Unreinigkeit, die du, o Allerheiligster, zu strafen gedrohet, die das Gemüth verwildern, den Leib und die Gesundheit zerrütten, in Armuth und Verachtung stürzen, und zu den ärgsten Vergehungen, ja oft zu Tobfchlägen verleiten, aufs stärkste verabscheuen; daß man allen Gelegenheiten bazu, welche unzüchtige Gesellschaften, Bücher und Gemälde, Unmäßigkeit und Müßiggang verschaffen, mit Vorsicht und Klugheit ausweichen und den ersten aufsteigenden Begierden zu jenen uns würdigen viehischen Lüsten durch das Andenken an deine Allge genwart, durch Arbeitsamkeit, Mäßigkeit und Gebet widerstehe. Du willst, daß wir die erlaubten Ergößungen, die deinen Ges boten nicht zuwider und weder uns selbst, noch Andern schädlich find, mit Mäßigkeit genießen, durch das Andenken an dich heiligen, dabei in den Schranken der Gottesfurcht und Wohlanstäns digkeit bleiben und uns besonders zur Freude an dir und unserm Erlöser und zur Freude an löblichen Thaten erheben sollen. Schenkst du uns zeitliche Güter, Reichthum, Ansehn, Ehre und Würde, so sollen wir nicht stolz seyn, nicht auf die ungewissen Güter unsre Hoffnung seßen, sondern auf dich, den lebendigen Gott, der uns dargiebt reichlich, Allerlei zu genießen, und sie als Mittel ansehen und brauchen, Gutes zu thun und reich zu werden an wohlthätigen Werken gegen unsre Nebenmenschen. Nun, das verlangst du auch von mir, o mein Schöpfer und Herr, mein Vater und Wohlthäter! gieb mir durch deinen heis ligen Geist Luft und Kraft, diesen deinen Willen immer besser zu lernen und redlicher zu erfüllen. Hall 21 Und gelingt es mir, das zu thun, was recht und gut und deinen Geboten gemäßß ist, so bewahre mich vor der Einbildung, daß ich um deßwillen etwas von dir zu fordern berechtigt wäre, denn ich habe ja nur gethan, was ich zu thun schuldig war. Laß mich daher das Gate, was mir zu Theil wird, nie als ein 22 Morgen- und Abend- Andachten. Verdienst ansehen; aber auch über das übel, das mir begegnet, nicht murren, als widerführe mir dádurch etwas, das ich nicht verdient hätte. Laß mich vielmehr allen Leiden und Trübfalen, die du aus weisen und gütigen Absichten über mich verhängst, mit standhaftem Heldenmuth entgegen gehen, sie mit Sanftmuth und Geduld ertragen, ohne darum in der Beobachtung meiner Pflicht und Schuldigkeit träge oder nachlässig zu werden, und allemal lieber Böses leiden, als Böses thun. Alle meine übrigen Bedürfnisse, die du kennest, überlasse ich deiner Fürsorge. Bleibe mit deiner Gnade und Hülfe in dieser Nacht bei mir, bei allen meinen Freunden und bei allen Menschen. Behüte uns vor Schrecken und Schaden. Wehre der Bosheit derer, die Schaden thun wollen. Tröste alle Betrübten, und erbarme dich väterlich über Alle, die jest um Hülfe zu dir rufen, um Jesu Christi willen. Amen! 10. Um Mittwoch, des Morgens. Gott, du bist die Liebe, das beweisen alle Wohlthaten, die du auf so mancherlei Art täglich über uns ausschütteft. Deine Liebe war es, die dich bewog, mir das Leben zu schenken, mich mit Sinnen, Gliedern und einer vernünftigen Seele zu begaben. Deine Liebe hat mich von Jugend auf bis hieher mit allen Nothwendigkeiten des Lebens versehen, mit vielen angenehmen Begegnissen erfreuet, mich in Leiden getröstet und in meinen Fehlern langmüthig getragen. Aus unaussprechlicher Liebe gabst du deinen eingebornen Sohn für uns strafwürdige Menschen dahin, um uns Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit zu verschaffen. Deine Liebe und väterliche Fürsorge hat aud in dieser vergangenen Nacht über mich, die lieben Meinigen und so viel tausend meiner Nebenmenschen gewacht, und Tausende schmecken und sehen es an diesem Morgen aufs neue mit m wie freundlich und gütig du bist. Oso lehre mich denn, Allgütigster, dich wieder lieben, denn du hast mich erst geliebet. Laß mich immer an deine all gemeine väterliche Menschenliebe mit froher Dankbarkeit denen und schenk mir dadurch Luft und Kraft, deinen Willen zu un und dir ähnlich zu werden. Es ist dein Gebot: Liebe deines Nächsten sowohl, als dich selbst. Könnte ich dich liebe wenn ich diesem Gebot ungehorsam würde? Du bist gütig barmherzig und langmüthig; könnte ich dein Kind seyn, ohne dir nachzuahmen und zum Glück meiner Nebenmenschen so viel über die Liebe des Nächsten. 23 beizutragen, als es in meinen Kräften steht? Helfen und Gutes thun, war dein vornehmstes Geschäft und deine liebste Freude hier auf Erden, o Herr Jesu! und noch ist's Seligkeit für dich, deine erlösten Menschen zu erretten, zu begnadigen, zu bessern, zu erfreuen und selig zu machen. Das Bestreben, diesem deinem Vorbilde nachzufolgen, ist das Unterscheidungs- Merkmal deiner wahren Bekenner, ist der beste Dank für deine unaussprechlichen. Verdienste um unsere Seligkeit. Ohne diese Tugend gelten unsere übrigen Eigenschaften und Handlungen nichts vor Gott, ohne diese Tugend können wir einst die frohe Stimme nicht hören: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, crerbet bas Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Ach! so sende doch den Geist der Liebe in mein Herz herab, und hilf mir alle menschenfeindlichen, neidischen, argwöhnischen, scha denfrohen und boshaften Gesinnungen in demselben unterdrücken. Erfülle meine Seele mit einem aufrichtigen Wohlwollen gegen alle Menschen ohne Ausnahme. Laß mich keinen einzigen Mens schen mit Gleichgültigkeit oder Berachtung ansehen, keinem ein Argerniß geben durch böses Beispiel oder Verführung zur Sünde; keinem an seinem Leben und Gesundheit Schaden thun; feines Ehre und guten Namen durch Schmähen, üble Nachreden und Verläumdungen kränken; mich an dem Eigenthum keines eine zigen durch die mannichfaltigen Arten des Diebstahls und des Betrugs verfündigen. Und wenn durch meine Schuld Anderen an ihrer Gesundheit, Ehre und Eigenthum ein Schaden zugefügt worden, so mach' mich bereit, ihnen denselben aufs möglichste zu erseßen. Laß mich an dem Elend, den Leiden und betrübten Zufällen meiner Nebenmenschen redlichen Antheil nehmen und ihre Noth auf alle mir mögliche Art zu erleichtern oder zu endigen suchen. D, wie viele göttlichen Freuden würde ich ge nießen, wenn ich durch Unterricht, Ermahnung, Warnung und Fürbitte zur Rettung der Seele aller derer, die auf dem Wege des Verderbens wandeln, wenn ich zur Erquickung eines Kranken, Armen und jedes nothleidenden schwachen Greises, wenn ich zur Unterstützung der Dürftigen, zur Erziehung verlassener Wais sen und Versorgung kummervoller Witwen recht Vicles beitras gen könnte. Weil mir aber dies überaus große Vergnügen der Anzahl der Elenden und meines Unvermögens wegen versagt ist, so will ich mich doch bemühen, Niemanden unglücklich zu machen, mit den Weinenden zu weinen und, wenn ich zu andern Hülf leistungen zu schwach bin, ihnen mit Trost, Rath und Für Morgen und Abend- Andachten. 24 bitte beizustehen. So weit es aber meine Fähigkeiten und Um stände verstatten, will ich mich aller Verlassenen, Troft- und Hülflosen nach ihren geistlichen und leiblichen Bedürfnissen aufs richtig und thätig und auf die beste Art annehmen. Jedes Gute, was einem meiner Nebenmenschen zu Theil wird, jede rechtmäßige Freude meiner Brüder will ich als ein Geschenk deiner allgemei nen Vaterliebe, als meine eigene Freude, als mein eigenes Glück dankbar empfinden. Fern von allem Neid und Mißgunst will ich meinen Nebenmenschen ihre Glücksumstände und Vorzüge gern auch alsdann gönnen, wenn mein irdischer Ruhm dadurch verdunkelt oder mein irdischer Vortheil dadurch verringert würde. Mit den Gaben, die ich, o Gott, empfangen habe, will ich Andern gern dienen, und heilsame Erkenntnisse unter ihnen aus breiten, sie vor Schaden warnen, und die Ehre, das Einkoms men, die Ruhe und das Vergnügen so vieler Menschen beför dern, als es nur immer geschehen kann. Ich will Andern alles dasjenige gern erweisen, was ich vernünftiger Weise von ihnen erwarten würde, wenn ich in ihren und sie in meinen Umstän den wären. Hingegen will ich das, was Andere mir zu leisten schuldig sind, nicht nach dem strengsten Recht fordern, zumal wenn sie dadurch zu sehr leiden oder beschwert werden sollten. Und diese Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Wohlthätig teit, Dienstfertigkeit, Billigkeit und Gelindigkeit will ich vornämlich meinen Anverwandten, Freunden, Wohlthä tern, Nachbarn und Glaubensgenossen, aber nicht ihnen allein, sondern ohne Unterschied Allen, ja gar meinen Feinden und Beleidigern, fund werden lassen. Wir sind ja alle Mitgenoffen einer Natur; von einem Blut ist's, was in unsern Adern fließt; einerlei Swachheiten umgeben uns Alle. Wir sind Kinder eines Vaters, Erlöste eines Mittlers, bestimmte Erben einer gemeinschaftlichen Seligkeit. Ich will auch nicht etwa nur denen Gutes erzeigen, von welchen ich Dank und Freundschaftsdienste wieder erwarte; sondern ohne Eigennus, Ehrgeiz und Heuchelei, aus Gehorsam gegen dich und aus Be gierde, dir ähnlich und dir dankbar zu werden, mich bemühen, das Elend aller deiner Menschen zu erleichtern und Segen, Ruhe und Freude unter ihnen auszubreiten. Du haft mir, Gott, das Wollen gegeben, gieb mir auch das Vollbringen nach deiner großen Güte durch deinen heiligen Geift. So bin ich ein Jünger meines Heilandes; so kann ic deines Wohlgefallens, beines Segens, deines Schußes, beines Beistandes und Trostes versichert seyn, so werde ich immer mehr 2 über die Liebe des Nächsten. zu den hohen himmlischen Freuden geschickt werden, die du ans in jenen ewigen Häusern der Liebe, der Freundschaft und des Friedens zubereitet hast. Nun, Herr, deine Gnade sey heute und allezeit mit mir, mit den Meinigen, mit allen Menschen, durch Jesum Christum, Amen! 254 11. Um Mittwoch, des Abends. Was bin ich, Herr, daß du meiner so guädig gedenkst? Auch heute hast du Gr es an mir gethan. 2Senig Gutes habe ich verdienet und viele Wohlthaten hast du mir zufließen laffen. Laß jetzt in dieser Abendstunde das Gefühl deiner Güte recht lebendig in mir seyn, damit ich alle meine Abweichungen und Sünden schmerzhaft bereuen und den ernstlichen Vorsatz fassen möge, tünftig rechtschaffener und frömmer vor dir zu wandeln. Vergieb es mir insonderheit um Christi willen, wenn ich heute die wahre brüderliche Liebe gegen meinen Nächsten nicht stets bei mir zu unterhalten gesucht; wenn ich dem Kaltsinn, der Misgunst und andern dir misfälligen Neigungen in meiner Seele Raum ges geben; wenn ich eine Gelegenheit versäumt habe, Betrübte zu erfreuen und Verlassene mit Rath und Hülfe zu unterstüßen. Sende den Geist der Liebe in mein Herz und laß es fünftig meine Freude und die vornehmste Beschäftigung meines Lebens seyn, gleich dir, meinem Gott, ein Wohlthäter der Menschen zu werden. Laß mir das Beispiel meines Erlösers stets vor Augen schwes ben, damit ich seine Sanftmuth und Demuth, seine Freund lichkeit und Holdseligkeit im Umgang mit Andern nach. zuahmen mich ernstlich bestreben möge. Lehre mich alle Men. schen als meine Brüder und Schwestern achten und lieben, ihnen mit Freundlichkeit und Güte zuvorkommen, ihnen durch Beschei denheit und unsündliches Nachgeben gefällig zu werden, und auf Alles, was ihnen ihr Leben angenehm machen und versüßen kann, aufmerksam seyn. Gieb mir Weisheit, meinem Nächsten auch in meinen Reden und Gesprächen angenehm und nüßlich zu werden. Laß mich bei allen schicklichen Gelegenheiten es öffentlich bekennen, daß ich Licht und Stärke zur Tugend, alle meine Gewissensruhe, alle wahre Freude, allen Trost im Tode, alle frohen Aussichten in die Ewigkeit dem theuren Verdienst meines Heilandes und seiner Religion zu danken habe, damit Andere zur Werthschäßung Jefu und zur Ausübung seiner Religion erweckt werden mögen. Laß mich in Gegenwart unwissender Kinder 26 Morgen- und Abend- Andachten. und schwacher Personen nichts reden oder thun, was sie ärgern, verwirren oder verführen könnte. Laß mich alle Lügen und Falsch heit verabscheuen und mich der Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit befleißigen. Laß mich verschwiegen seyn, aber auch offenherzig Andern sagen, was ihnen gut ist und auch ihre Fehler ihnen nicht verbergen, damit sie dieselben bessern können. Laß mich die rühmlichen Eigenschaften und Handlungen Anderer forgfältig bemerken und gern davon reden; hingegen ihre Mängel, Fehler und Vergehungen nie ohne Noth bekannt machen oder gar ver größern. Laß mich gegen die, welche in ihren Meinungen und Sitten von mir unterschieden sind und besonders in der Religion anders denken, duldende Nachsicht beweisen. Laß mich böse, Icichtsinnige und lasterhafte Menschen nicht hassen oder verdams men, sondern Alles, was in meinen Kräften steht, dazu beitras gen, damit sie aus dem Abgrund der Laster und des Unglücks Herausgeriffen werden mögen. Bewahre mich, daß ihr Beiſpiel den Abschen vor dem Bösen nicht in mir schwäche. Laß mich vielmehr dem Erempel der verständigen und tugendhaften Men schen folgen, ihren Erinnerungen und Bestrafungen Gehör geben, um dadurch weiser, besser und frömmer zu werden. Gieb, daß ich mich bestreben möge, mit allen Menschen, so viel nur immer möglich ist, friedlich zu leben, und auch unter meinen Nebenmenschen Ruhe und Einigkeit zu erhalten oder herzustellen. Reinige mein Herz von aller Bitterkeit, Zantsucht und Rach begierde. Bewahre mich vor stolzem und unbiegsamen Eigenfinn und Argwohn. Laß mich nicht leicht eine Miene, Rede over Handlung Anderer für Beleidigung halten. Und wenn ich wirk lich beleidigt oder gefränkt werde, so lehre mich den Zorn beherrs schen und die Vergehungen meines Nächsten lieber einer übers eilten Unbedachtsamkeit, als einer vorseßlichen Feindseligkeit zu schreiben. Lehre mich, das mir zugefügte Unrecht mit Gelaffen heit ertragen. Laß mich nicht Böses mit Bösem vergelten, son dern meine Feinde von ihrer Ungerechtigkeit überzeugen, ihnen von Herzen vergeben, ihnen alles Gute aufrichtig wünschen, ihnen gern dienen und sie durch Wohlthun wieder zu meinen Freunden machen. Und muß ich zu meiner Schadloshaltung, zur Rettung meiner Ruhe, Ehre und Glückseligkeit oder auch, um böse Ge müther zu ihrem und anderer guten Menschen Nachtheil nicht noch kühner zu machen, den Schutz der Obrigkeit anflehen: ſo laß mich dabei alle Nachbegierde und alles schadenfrohe Vergnü gen an der Bestrafung meiner Beleidiger vermeiden und Scho nung und Großmuth beweisen. Dann wird mein Leben ruhig über die Liebe des Nächsten. 27 seyn; dann bin ich ein wahrer Schüler und Nachfolger Jesu Christi, der das Böse mit Gutem überwand und für seine Mörder bat; dann bin ich erkenntlich gegen die große Gnade, nach welcher mir um Jesu willen solche Beleidigungen vergeben werden, gegen welche auch die größten Feindseligkeiten der Menschen gegen mich nicht zu rechnen sind; dann bin ich erfenntlich gegen die Geduld und Langmuth, womit du noch täglich meinen Fehlern und Mängeln nachsiehst. Dir, mein Gott! übergebe ich mich und die Meinigen und alle Menschen in der bevorstehenden Nacht! Beschüße, segne, erquicke uns Alle und erhalte uns zum ewigen Leben, durch Jesum Christum, Amen! 12. Um Donnerstage, des Morgens. Die Gefahren der finstern Nacht sind abermals überstanden durch die Beschirmung, die du, o allmächtiger Gott, mir, den Meinigen und so vielen tausend meiner Nebenmenschen wider. fahren lassen. Ich fühle meine Glieder durch einen fanften Schlaf erquickt, Leben und Gesundheit sind aufs neue mein Eigenthum. Aufs neue sind alle meine Kräfte und Empfindungen in mir erwacht, durch welche ich wieder in den Stand gesetzt werde, die Schönheit deiner Werke zu empfinden, mein Leben recht zu genießen und anzuwenden, und dich, den Schöpfer und Erhalter meines Lebens, meinen allerhöchsten Wohlthäs ter und Herrn, zu erkennen, zu verebren und anzubeten. O laß denn dies das Ziel meiner Bemühungen seyn, so lange ich auf Erden lebe. Du, o unsichtbarer Gott, wohnest zwar in einem Lichte, dahin kein menschliches Auge dringen kann. Du hast dich aber durch deine Werke allen vernünftigen Geschöpfen und außerdem auch uns durch dein Wort in der Bibel geoffenbart, so daß wir deine unsichtbare Kraft und Gottheit gleichsam zu schauen und zu fühlen im Stande find. Ach erwecke mich, daß ich nach jener höchsten Weisheit, die in deiner Erkenntniß besteht, immer begieriger werde und dazu die Vernunft und deine Offenbarung in der Bibel sorgfältig brauche. Du, unfer Schöpfer, bist der Herr der Herren und König der Könige, aber auch der beste Vater unb größte Wohlthäter 28 Morgen- und Abend- Andachten. der Menschen. Du bist der ewige Urheber alles Guten; da bist allmächtig, allwissend, unendlich, weise, heilig, gütig und wahr haftig. Du bist auch mein Herr und Bater, auch mein höch stes Gut. Du hast mir Leben und Odem gegeben und mich zum Genuß unzähliger Wohlthaten fähig gemacht. Alle Sinne und Glieder meines Leibes find Merkmale deiner Huld. Du giebst mir das Licht der Augen, dich in deinen Geschöpfen zu sehen, und das Gehör, um die Stimme der Menschen, ja die Stimme deines erquickenden Worts zu vernehmen; du haft einen unermeßlichen Reichthum von Geschöpfen zu meiner Nahrung und zu meinem Vergnügen gemacht. Du hast die Hügel, Tha ler und Felder mit unzähligen, das Auge und den Geschmack vers gnügenden Früchten bedeckt. Denn es war deiner Liebe nicht genug, mich zu ernähren; du wollteft auch, daß eben die Speisen und Getränke, die zu meiner Erhaltung dienen, durch den Ges schmack und Geruch zugleich ergößen und mein Herz desto mehr zur Dankbarkeit gegen dich aufmuntern sollten. Viele unschul digen Freuden des Umgangs habe ich genossen. Oft hast du meine Arbeit mit glücklichem Erfolge gesegnet. Unvermuthet fand ich den Weg zu meiner Versorgung. Du gabst mir Freunde zur förderung meines Glücks, ja selbst Feinde, und meine eignen Feh Jer mußten oft zu meinem Besten mitwirken. Und mit wie vies len herrlichen Kräften hast du nicht meinen Geist geschmückt! Du hast mich nach deinem Bilde zur Unsterblichkeit geschaffen. Du schenktest mir die edle Gabe der Vernunft und setzteft das Gewissen in meine Brust. Deine väterliche Fürsorge wachte stets für mein irdisches Leben; aber noch mehr und bewundernswürs diger für das Heil meiner Seele und mein ewiges Glück. Du fandtest deinen eingebornen Sohn in die Welt, um meine durch Sünden befleckte Natur vom Verderben zu retten, um mir Vers gebung der Sünde, deine Gnade und die ewige Seligkeit zu ver schaffen und mich durch seinen Geist dazu zu heiligen. So viel, ja noch viel mehr hast du schon für mich gethan; und was willst du nicht noch thun, o ewige Liebe? O so gieb denn, daß ich dich, meinen Gott, meinen getreuesten Freund und gütigsten Bater, wieder lieben möge mit der zärtlichsten und ehrerbietigsten Zuneigung. Laß mich dich über Alles hochschäßen, mit Vergnus gen daran denken, daß du so herrlich und gütig bist, und durch BeNachdenken und Gebet gern mich mit dir beschäftigen. Dir in allen Stücken zu gefallen, bir ähnlich zu werden, deinen Befehlen zu gehorchen, dies sey mem feurigster Wunsch, mein beständiges Bestreben!, denn das ist bie Über die Liebe und Gehorsam gegen Gott. Liebe zu dir, wenn wir deine Gebote halten. Wider dich, meinen Gott, zu fündigen, das laß mich für meine größte Schande, für mein größtes Unglück halten. Und wenn ein Fall kommen sollte, wo ich entweder Gott beleidigen, oder an meiner Ehre vor der Welt, an meinen Gütern und Glück Schaden, leiden müßte, so laß mich immer lieber Unrecht leiden, als Unrecht thun. Denn deine Gnade ist besser, als das Leben; laß mich aber nicht bloß vor groben Ausbrüchen des Lasters mich hüten oder einzelne gute Werke verrichten, oder bloß fleißig und strenge seyn in den äußerlichen gottes dienstlichen Handlungen und Andachtsübungen, Laß mich viel mehr Alles, ich mag essen oder trinken, oder was ich sonst thue, zu deiner Ehre thun. Mit fröhlichem, dankbarem Herzen und deiner Vorschrift gemäß laß mich effen und trinken; nach deinem Willen und aus Liebe und Gehorsam gegen dich las mich fleißig arbeiten, meinem Nächsten mit Nath und That helfen, Traurige trösten, Kranke erquicken und die Widerwärs tigkeiten dieses Lebens mit stiller Geduld ertragen. Dann ist mein ganzes Leben Gottesdienst. 29 Laß aber auch den Gedanken:» mein Vater im Himmel ist der beste Freund, den ich habe; aber er haft auch alles Böse, er kennt mich und ist mir nahe; er fann und will alles Gute belohnen und alles Böse bestrafen,« laß diesen großen Gedanken meine ganze See le mit Empfindungen einer kindlichen Ehrfurcht gegen dich, meinen Gott, erfüllen. Laß mich allen Leichtsinn und unehrerbietige Kaltsinnigkeit gegen dich und die Religion, allen Mißbrauch deines Namens durch Fluchen und Schwören vermeiden. Und wenn ich bete, wenn ich dein Wort höre, lese oder betrachte, bei den Versammlungen des öffentlichen Gottesdienstes sowohl, als im täglichen Umgange mit meinen Nebenmenschen, laß mich dir, dem allerhöchsten Herrn der Welt, und Jefu, meinen größten Wohlthäter, die tiefste Ehrerbietung ohne Heuchelei und Aberglauben erzeigen, damit auch Andere zur Hochachtung der Religion und Werthschätzung der Wahrheit und Tugend gereizet und erwecket werden mögen. told me Sh Erbarme dich, unendlich gütiger Gott, aller Menschen, insonderheit aller Elenden und Bekümmerten, wo sie auch seyn mögen. Deiner Leitung und Gnade empfehle ich besonders alle die, welche mir besonders angehören. Laß sie immer mehr das große Glück, dessen sie durch Neligion und Tugend fähig sind, Morgen- und Abend- Undachten. erfahren und segne sie auch im Leiblichen mit allem demjenigen, was beine Weisheit als heilsam für sie erkennt. Erhöre mich, Vater der Barmherzigkeit, um Jesu Christi willen. Amen! 30 9 Noord Barclay 13. Am Donnerstage, des Abends. Unendlicher Gott, du Schöpfer und Erhalter aller Dinge, an dir haben wir einen Vater, der uns Alle kennt, uns Alle liebt, für uns Alle sorgt, und uns Alle glückselig machen will. Nichts kann mir begegnen, was du nicht wüßtest, keine Noth kann mig treffen, die dir verborgen wäre. Alle meine Mängel, Bedürf nisse und Wünsche sind dir, dem Allwissenden, bekannt. Da weißt und siehst dieses Alles mit der Theilnehmung eines Bas ters, der ganz Weisheit und Liebe ist. Du hilfst gern, und es fehlt dir nie an Kraft und Einsicht, zu rechter Zeit und auf die beste Art zu helfen. Himmel und Erde ist dein; die ganze Natur muß die gehorchen; nichts kann ohue deinen Willen ges schehen. Du kannst überschwenglich mehr thun, über Alles, was wir bitten und verstehen. Wenn ich in meinen Bekümmerniss sen keinen glücklichen Ausgang sehe, so siehest du ihn. Du weißt Alles wohl zu machen und herrlich auszuführen, so daß Böses und Gutes, Leiden und Freuden, Leben und Tod, Freunde und Feinde, Alles, Alles uns zu der Glückseligkeit näher bringen muß, wozu du uns führen willst. Du, o Treuer und Wahrs haftiger, hast mir deine Aufsicht, Fürsorge und deinen Beistand versprochen, und mir schon das Größte, deinen Sohn, gegeben, so daß ich nun das Übrige, was mir gut ist, von dir zuversicht lich erwarten kann. Tausende haben schon deine Fürsorge und Errettung erfahren und auch mir hast du davon in meinen vo rigen Tagen viele Proben gegeben. Vor vieler Gefahr hast du mich geschützt; aus mancher Trübfal errettet. Du haft mir viele Vortheile gewährt, die ich nicht wünschte, aber auch manches Glück versagt, was ich ängstlich und rastlos suchte. Und der Ausgang deiner Führungen und Schickungen hat mich überzeugt, daß auch deine unbegreiflichen Wege Wahrheit und Güte find bei denen, die deinen Bund und Zeugnis halten. und O so will ich denn Alles, was zur Nahrung, Bekleidung Erhaltung meines Leibes und überhaupt zu meinem ganzen Glück in Zeit und Ewigkeit nöthig und ersprießlic warten; mich und mein ganzes Schicksal jederzeit ist, von dir, meinem himmlischen Vater, zuversichtlich ers über das Vertrauen auf Gott. deinem unverbefferlich guten Willen unterwerfen, und mich bemühen, zufrieden zu seyn. Dein Wille foll mein Wille feyn; den Weg, den du mich gehen heißest, den Zustand, in welchen du mich seheft, will ich stets für den besten halten. Mit standhafter Geduld will ich das leiden, was du mir zu leiden auflegst. Mach' mich nur gewiß von deiner Gnade in Christo Jesu. Laß mich nur allen Müßiggang und Leichtsinn, alle Ruchlosigkeit, Vermessenheit und Verschwens dung verabscheuen, dich lieben und deinen Willen thun. So weiß ich, daß alle Dinge zu meinem Besten gereichen werden; so wirst du mich schüßen, erretten, versorgen und es auf alle Weise mit mir wohl machen. So wird einst eine Zeit kommen, wo ich einsehen werde, wie gut du es auch auf den beschvers lichen Pfaden meines Lebens mit mir gemeint haft und wie väterlich du gegen mich gefinnet gewesen. Ach, laß doch Alle, welche deine Hand heute mit Widers wärtigkeiten heimgesucht hat, in der Überzeugung, daß du ihr Vater seyft und besser, als sie weißt, was zu ihrem Besten. dient, ihre Erquickung finden. Laß alle Bekümmerten, Dürftigen, Kranken und Sterbenden auf dich hoffen, daß du so gnädig bist, und sich freuen, daß du so gern hilfft. Dir sey Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! 31 14. Am Freitage, des Morgens. Ich danke dir, mein Gott und Vater, daß du mich abermals gefund erwachen läsfest und meinem Leben einen Tag zulegeft. Aber vornehmlich preise ich dich mit gerührtem Herzen für die unaussprechliche Gnade, die mir durch die Mittlers- Leiden und den Versöhnungstod deines Sohns Jesu Christi widerfahren ist. Dwie sehr sind dadurch alle meine Lebenstage gesegnet worden! Mit jedem Morgen konnte ich deiner Vaterliebe versichert seyn, und es zuversichtlich erwarten, daß du, der mir das Grösite ges schenkt, mir auch das Geringere mittheilen werdest; daß du, der für meine Seele so herrlich gesorget, auch die Bedürfnisse meines Leibes befriedigen werdest. Mit jedem Morgen konnte ich es zuversichtlich erwarten, daß du mir alle meine begangenen Sünden, die ich aufrichtig verabscheue, vollkommen vergeben und mir auch meine täglichen Fehler und Mängel verzeihen werdest. Denn was will mich verdammen? Christus ist hie, der auch für mich geflorben ist. O, ewiger Sohn Gottes, theuerster Heiland, für mich, für mich bist du gestorben! Laß mich diesen Tag 32 Morgen und Abend- Andachten. - über, ja mein ganzes Leben hindurch baran denken, damit ich dadurch beruhiget und im Glauben an die Gnade Gottes gestärkt werde. Erinnere mich aber auch an dein Leiden und Sterben, damit dadurch mein Eifer für die Gottseligkeit und Tugend aufs neue belebt und meine Liebe zu dir und meinen miterlösten Neben menschen entzündet werde. In deinem Leiden sehe ich, wie ernstlich Gott die Sünde hasse und strafe. Erinnere mich daran bei jeder Reizung zur Sünde, woran es mir auch heute nicht fehlen wird, damit ich mit Entsetzen jede Sünde verabscheuen und meiden möge. Wenn die Lüste der Erde, wenn sündliche Vergnügungen für mein Herz gefährlich werden sollten, dann mache es meiner Seele recht ge genwärtig, wie du dich meinetwegen aller Freuden begeben, und mir solche Vergnügungen verschafft haft, die meinen Geist fáttis gen und ewig währen. In deinem Leiden sehe ich die uner forschliche Größe der göttlichen Gnade und deiner Menschenliebe. Neige dadurch mein Herz zu einem kindlichen Vertrauen und zu einer aufrichtigen Gegenliebe, da du mich zuerst so zärtlich ge liebt haft. In dieser Liebe laß mich suchen dir zu gefallen, beine Gebote zu halten, so gesinnet zu seyn, wie du warest, und so zu wandeln und zu leben, wie du gelebt hast. Laß mich nach deinem heiligen Beispiel und Muster den Willen Gottes mit aller Treue thun und mich seinen Fügungen mit stiller Gelasſens heit unterwerfen. Laß mich, so wie du gethan, auch für Andere leben, und wo ich Gelegenheit finde, Gutes zu thun und des Elends in der Welt weniger zu machen, keinen Verlust, keine Be schwerde, kein Leiden scheuen. Vielleicht werde ich heute aufgefor dert, Irrende zu unterrichten, Schwache zu ermuntern, Traurige zu trösten, Elenden zu helfen und Verlassenen beizustehen; o las mich dann an allen Orten und in allen Stücken suchen dir ähn lich zu seyn. Laß mich, gleich dir, die Versuchung zur zur Rache, zur Ungeduld und Muthlosigkeit überwinden. Eitelkeit, Und findet es mein himmlischer Vater für nöthig, mich j meinem Besten zu züchtigen, so laß mich auch so willig, wie bu das Kreuz auf mich nehmen, und mit unwandelbarem Vertrauen Gott und der Tugend treu bleiben. Oder begegnen mir heute durch Menschen unangenehme Vorfälle, so gieb mir die Sanft muth, womit du selbst für deine Mörder batest. Auf dich, o Jefu, laß mich aufsehen, wenn ich in meinem Lauf ermatten, zum Gu über die Anwendung des Leidens Jesu. 33 ten verdrossen und bei den göttlichen Schickungen unzufrieden wers den sollte. Bis daß mein Ende kommt, laß mich nicht aufhören zu beten, zu kämpfen und dem Guten nachzujagen. Und wie du mitten in der Pein der Deinigen nicht vergaßest, sondern auch auf ihre leibliche Wohlfahrt und Erhaltung dachtest, so laß mich auch heute deiner treuen Fürsorge genießen. Wende dadurch alles Übel von mir ab und gieb mir alles nöthige Gute. Erwecke red liche Herzen, mir zu allem Guten mit Rath und That behülflich zu seyn. In deine Hände, mein Gott und Erlöser, übergebe ich mich, die Meinigen und alle meine Nebenmenschen. Um deines Leidens willen sey ihnen gnädig, und laß sie nach ihren Umständen deine Erbarmung an Seel' und Leib erfahren. Laß alle Sünder Frist zur Besserung finden. Bringe die Verirrten auf den Weg der Wahrheit und des Heils zurück. Laß die Leidenden aus deinen Leiden Trost und Erquickung Stehe denen bei, die an diesem Tage sterben werden; erlöse fie von allem Übel und verseße sie in dein himmlisches Reich. Dir sey Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! schöpfen. 15. Am Freitage, des Abends. Herr und Vater meines Lebens! du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Dank. Du hast auch heute mich erhalten, manche Gefahren des Lebens und der Gesundheit von mir abges wendet und mir mannichfaltige Wohlthaten zur Nothdurft, zur Bequemlichkeit und zum Vergnügen meines Lebens verliehen. Ja, habe ich heute nur eine gute Handlung vollbracht, oder nur eine Sünde vermieden, das ist dein Werk, mein Gott, und ich preise dich dafür mit gerührter Seele. Aber wie wenig ist des Guten, das ich an diesem Tage gethan, und wie viele Sünden sind es nicht, deren ich mich in Gedanken, Worten und Werken schuldig gemacht habe! Gerechter Gott, handle nicht mit mir nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meinen Missethaten. Um der Versöhnung deines Sohus, meines Heilands, willen, in welchem du den Sündern Gnade und Vergebung verheißen hast, siehe mich mit Erbarmung an und laß Alles, was wider mich in deinem Gerichte zeuget, vergeben seyn. Stärke mich aber durch den Geist, welchen mir Jesus erworben, daß ich aus Liebe zu dir alles Böse meide und alles Gute thue, täglich mehr Fehler ablegen und in deinem Dienste treuer werden möge. Ach, so viele Tage habe ich schon verschwendet, verträumet und wider deine Absicht angewendet. Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 3 31 Lehre mich, meine noch übrige Lebenszeit recht auskaufen, damit ich von Tage zu Tage meiner Bestimmung zu einer seligen Ewigkeit näher kommen und einst den Tod mit eben der ruhigen Fassung des Gemüths erdulden möge, we mit ihn Jesus, der Welt Heiland, erduldete, au dessen Tod mich der heutige Wochentag erinnert. Mergen und Abend Andachten. C Er empfand den Schauer, der jeden Menschen beim Anblic des Grabes erschüttert. Aber er überließ seine Seele keiner auss schweisenden Angst, feiner muthlosen Verzweiflung, keiner un thätigen Betäubung. Er ging seinem Leiden und Sterben mit Willigkeit entgegen, aus Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater und aus großmüthiger Menschenliebe. Er verließ ruhig die Welt, um zu seinem Vater zu gehen. Mitten unter dem Gefühl der Schrecken des Todes war sein Herz noch mit der zärtlichsten. treuesten Fürsorge für das Heil der Menschen, ja selbst seiner Feinde und besonders für die Beruhigung und Versorgung seiner Mutter erfüllet. Ihn aber überfiel auch der Tod nicht unbereitet. Er dachte oft an seinen Tod, an die Absicht und seligen Folgen desselben. Deinen Willen, o Gott, hatte er gethan: dein Werk vollbracht. Er hatte ein unschuldiges, wohlthätiges Leben geführt. Auf dieses Leben konnte er nun mit Freudigkeit zurücksehen und sich von demselben die herrlichsten Früchte für sich und seine Brüder ver sprechen. Gieb mir die Gnade, gütigster Bater, daß ich mich auf eben die Art auf meinen Tod gefafit mache. Laß mich oft an den Tod denken und die herrlichen Folgen des Todes für diejenigen, die dir in. Christo Jesu zu gefallen suchen, oft er wägen. Laß mich ernstlich trachten, von der Bergebung meiner Sünden und von meinem Antheil an deiner Gnade und der ewigen Seligi it versichert zu seyn. Christunt, deinen Sohn, der nicht nur mein Versöhner, sondern auch mein Beispiel geworden, in wahrer Buße und Glauben a nehmen und ihm mein ganzes Leben weißen. Laß mich nicht länger mir selbst leben, sondern ihm, der für mich gestorben und auferstanden ist. Auch mir hast du, mein Herr und Vater, ein Werk aufgegeben, das ich hier vollbringen soll. Laß mich bi Laß mich daher Jefum Stelle, den Beruf und Stand, den du mir in deinem Reich a gewiesen, würdig behaupten, meine Pflichten treulich erfüllen; meine Kräfte und Gelegenheiten, den Menschen nüßlich zu wen den, aufs beste anwenden, und im Recht- und Wohlthun niemals ermüden. Laß mich nie etwas thun, was mich in meinen legten über die christliche Vorbereitung zum Tode. 35 Stunden beschämen oder ängstigen würde; nie etwas unterlassen, dessen Andenken mich noch im Tode erquicken kann. Laß mich meine irdischen Angelegenheiten in Zeiten in Ordnung bringen. Laß mich die Meinigen so anführen, daß ich bei meinem Abschiede von ihnen die Hoffnung haben kann, sie in der frohen Ewigkeit wieder zu finden. Laß mich allezeit und an allen Orten mich üben, heilig und unschuldig zu leben, damit der Tod mich in keiner muthwilligen und vorseglichen Sünde übereile. Dann mag meine Auflösung erfolgen, wie, wo und wann es dir gefällt; dann mag ich langsam, oder plötzlich sterben: ich kann allezeit felig und ruhig sterben. Denn ist Christus mein Leben, bemühe ich mich, nach seinen Gesetzen und Erempel zu denken, zu reden und zu thun, so ist Sterben mein Gewinn. So werde ich, wenn du mich zu dir rufest, deinem Ruf getrost folgen, und mit meinem Heiland sagen können: es ist vollbracht. So werde ich fähig seyn, zu wünschen, aufgelöst zu werden, und ewig bei Christo zu seyn. So wird die Erwartung eines ewigen Glücks mich, wenn sich mein Ende nähert, aufrichten und voll Hoffnung und Zuversicht sagen lassen: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. So werde ich die Furcht vor dem Grabe durch die Hoffnung einer herrlichen Auferweckung meines Lebens besiegen. So werde ich Alles, was mir auf Erden theuer und werth ist, ohne übertriebenen Schmerz und Kummer verlassen. So werde ich im Stande seyn, auch in der Gegenwart des Todes noch die Pflichten der Menschenliebe und Freundschaft auszuüben; die Meinigen zu ermahnen, zu trößten, sie zu segnen, fie deiner väterlichen Fürsorge zu empfehlen und mir selbst die bittre Trennung von meinen frommen Freunden durch die Hoffnung, sie einst ewig wieder zu sehen, zu versüßen. Erbarme dich in der bevorstehenden Nacht, barmherziger Gott, aller Lebenden, Leidenden und Sterbenden. Breite deine Güte über uns Alle aus, und laß sie mit dem anbrechenden Morgen wieder neu über uns werden, durch den, den du zum Heiland und Erretter aller Menschen bestimmt hast, der für Alle gestor. ben ist, durch Jesum Christum, unsern Herrn, Amen! 16. Um Sonnabend, des Morgens. Durch deine Güte, lieber himmlischer Vater, habe ich nun auch den letzten Tag dieser Woche erlebet. In der vergangenen Nacht und in allen Stunden der vergangenen Woche habe ich unzählig 3* June 36 Morgen und Abend: Andachten. viel Gutes empfangen, wofür ich dir jetzt mit kindlichem Herzen danke. Aber ich habe auch einen neuen Beweis erhalten, wie flüchtig, kurz und vergänglich mein Leben fay. Diese Woche ist rahin mit allen ihren Freuden, Sorgen und Beschwerden. So bin ich, so lange ich hier bin, einem steten Wechsel unterworfen. Heute bin ich gesund; ob ich's morgen seyn werde, weiß ich nicht. Ich bin wieder so viele Tage älter geworden, dem Tode, dem Grabe und der Ewigkeit näher gekommen. Ach wie schnell find fie dahin gegangen, die Tage dieser Woche, die sich mit aller Welt Gütern nicht wieder erkaufen lassen! und so schnell werde ich endlich das Ziel meiner ganzen Pilgrimschaft auf Erden erreichen! Was sind vierzig, funfzig, ja achtzig Jahre, wenn man fie zurückgelegt hat! wie der Tag, der gestern vergangen ist. Und woher nehme ich Gewißheit, daß ich so alt werden soll? Kann diese Woche nicht die legte meines Lebens seyn? Doch das tröstet mich: du selbst, o Herr und Vater meines Lebens, hast die Hinfälligkeit meines Lebens weislich geordnet; du haft das Ziel meiner Tage mit eigener Hand gesteckt, und bei allem Wechsel und Flüchtigkeit meines Lebens habe ich an dir einen unveränderlichen Führer, Beschüßer und Freund, unter beffen gnädiger Aufsicht ich sicher fortwandeln kann. Ich muß sterben; alle meine Güter bleiben im Tode zurück; mein Leib wird durch die Verwesung zerstört. Aber du stirbest nicht; deine Jahre nehmen kein Ende; du bleibest meines Herzens Trost und Theil, wenn gleich Leib und Seele verschmachten. Du hast mich zum ewigen Leben erschaffen; ich bin dazu durch deinen Sohn erlöst. Ich habe deine Verheißung, daß ich nicht im Tode bleiben, sondern durch deine Macht wieder aus dem Grabe auferweckt wers den und daß mein Geist inzwischen, bis jener herrliche Tag der Auferstehung erscheint, in deiner Hand ruben und bei Jesu Christo feyn soll. Von meiner Kindheit an bis bieber ist kein Tag vor bei gegangen, an welchem du mich nicht zur Vorbereitung auf den Genuß des ewigen Lebens berufen hättest. Nun mögen meine Tage noch so schnell dahin eilen; nun mag mein Leben noch so vielen Veränderungen unterworfen feyn! was schadet mir das Alles, wenn ich nur mein kurzes, flüchtiges Leben recht anwende, um zum Genuß jener zukünftigen, ewigen Güter fähig zu werden. Und dazu erwecke du felbft gütigster Gott, mich und alle meine Nebenmenschen. Du mußt, als ein gerechter Richter, in jener Zukunft einem Jeglichen vergelten nach seinen Werken; du kannst dem nicht Über die Anwendung des kurzen Lebens. 37 himmlische Freuden schenken, der ohne himmlische Gesinnungen in die Ewigkeit übergehet. Du kannst den nicht selig machen, der noch von Neid, Stolz, Rachbegierde, Geiz und Uingerechtigkeit beherrscht wird, der kein Vergnügen im Umgang mit Gott und in der Ausübung des Guten findet, dem der Umgang mit From men ekelhaft und lästig ist, der sein höchstes Gut in der Befries digung fleischlicher Begierden sucht. Was wir hier säen, das wer den wir dort ernten. Durch die gute oder böse Anwendung dieses eitlen, kurzen Lebens können wir unaussprechlich selig, oder unglücklich werden. Ach, so öffne doch, o Erbarmer, allen leichtsinnigen Sündern, die ihre äußerst wichtige Rebenszeit verschwenden und ihre Besserung und Anschickung auf den Übergang in die Ewigkeit von einem Tage zum andern aufschieben, die Augen, daß sie ihre Gefahr mit Schrecken wahrnehmen, und eilen, ihre Seele zu retten. Ach, laß sie Alle dich suchen, weil du noch zu finden bist. Laß heute noch viele Gottlose den Weg des Verderbens verlassen und zu dir umkehren, o Herr, daß du dich ihrer erbarmest! Befestige alle Frommen in dem Vorsage, ihre kurze, unwiederbringliche Zeit, die du ihnen noch gönnest, zu einer gesegneten Aussaat für die Ewigkeit aufs weifeste und treueste zu nügen. Erwecke auch mich, mein gütiger Vater, zu diesem ernstlichen Bestreben. Manche Tage meines Lebens sind für die Ewigkeit so gut als verloren, weil ich an ihnen meinen unor dentlichen Begierden folgte, oder doch das Gute nicht that, wozu ich Gelegenheit hatte. Die Ersetzung dieses Verlustes ist unmöglich. Es bleibt mir kein anderer Trost übrig, als die Begnadigung, die du um Christi willen den Bußfertigen versprochen. Indessen ist's doch billig, meine noch übrige Zeit so zu gebrauchen, daß ich die seligen Früchte davon in der Ewigkeit wieder einernte. Und daß ist auch jetzt mein überlegter fester Vorsatz. Ich will jede Gelegenheit ergreifen, weiser und frömmer zu werden, meine Berufspflichten zu erfüllen, meinem Nächsten zu dienen and thätige Beweise der Menschenliebe abzulegen. Schenke mir doch dazu den segensreichen Beistand deines guten Geistes, und laß mich auf solche Weise zu jenem bessern Leben immer mehr vorbereitet werden. Und soll ich dann über kurz oder lang sterben, so führe mich bei deiner Hand durch das finstere Thal des Todes zu dem unvergänglichen, unbefleckten und unverweltlichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Sey indessen mir, meinen Freunden und allen Bewohnera des Erdbodens gnädig und laß besonders in unsem Vaterlande 38 Morgen- und Abend- Undachten. Regenten und Unterthanen, Hohe und Niedrige, Neiche und Arme, Gesunde und Kranke deine wohlthätige Hülfe nach allen ihren Bedürfnissen erfahren, um Jesu Christi willen. Amen! 17. Um Sonnabend, des Abends. Gott, du bist unendlich gütig, ein Vater und Freund der Men schen, der nicht müde wird, wohl zu thun. Davon habe ich auch in der Woche, die ich jetzt beschließe, Proben genug empfan gen. Mit welcher Freudigkeit und Zuversicht könnte ich dich jeht um deine väterliche Gnade und Erbarmung auch auf die Zukunft anflehen, wenn mir mein Gewissen das Zeugniß gäbe, daß ich diese Woche hindurch als ein dankbares und gehorsames Kind vor dir gewandelt hätte. Aber wie wenig verdiene ich diesen ehrenvollen Namen. Dich, meinen Schöpfer, Erhalter, Versorger, Herr und Nichter, sollte ich, überzeugt von deiner Allmacht, Weisheit und Güte, durch Liebe, Gehorsam und Vertrauen über Alles ehren. Oft aber verliere ich dich aus den Augen, oder denke doch nur kurz und flüchtig an dich. Wie verdroffen bin ich zu manchen Zeiten zum Gebet, zum Nachdenken über dein Wort und deine Werke, zur Danksagung für deine Wohlthaten. Nicht sorgfältig genug frage ich bei jedem, was ich denke, rede und thue: ist's auch recht? Stimmt es auch mit dem heiligen Willen meines Gottes überein? Ich wache nicht genug über mein Herz, wider strebe nicht ernstlich genug den Reizungen zur Sünde, oder verz säume doch manche Gelegenheit, da ich Gutes thun könnte. Geht mir's nach Wunsch, wie leicht hängt sich mein Herz an die ver gänglichen Güter, wird sicher und stolz im Glück, oder zu zerz streut und leichtsinnig in fröhlichen Stunden. Ich erkenne es daß ich nicht lauter gute Tage von dir begehren kann, und daß ich eigentlich gar keine Wohlthat von dir verdient habe. Auch weiß ich, daß alle beine Führungen, selbst in den Trübfalen des Lebens, denen, die dich lieben, zum Besten dienen sollen. Dennoch scheue ich jedes Leiden, werde in der Zeit der Noth so geschwind zaghaft und ungeduldig und versäume darüber den rechten Ge brauch zeitlicher Leiden zum Heil meiner Seele. Ich sollte nicht nur die Wohlfahrt meiner Angehörigen ernstlich besorgen, nicht auch jede andere Gelegenheit ergreifen, da ich nach meinem Ber teinen Berufspflichten Treue beweisen, sondern mögen zum Besten meines Nächsten etwas beitragen kann. Aba wie weit bin ich noch zurück in der Erfüllung des Gebots ver Liebe, wenn ich die Thätigkeit und Wärme der Menschenliebe nur in Entschluß, besser zu werden. meines anbetenswürdigen Erlösers mit meinen Handlungen ver gleiche. Bald laß ich mich durch Parteilichkeit, bald durch uns zeitige Sparsamkeit, bald durch Trägheit und Liebe zur Gemächlichkeit von der Erweisung dieser Tugend abhalten, oder ich übe sie nicht so willig und vorsichtig aus, wie es nach dem Vorbilde Jesu seyn müßte. Zuweilen regte sich Rachgier in meinem Herz zen, wenn ich beleidigt war. Ich vergab nicht geschwind, nicht herzlich genug, und ließ mich wohl gar vom Zorn zu übereilungen hinreißen. Auch ist mir nicht selten manches Urtheil über den Nächsten entfahren, welches zu hart und lieblos war, oder ich überfah meine eigenen Fehler und tabelte das an ihm, worin ich selbst noch strafwürdig bin. Wie wenig treu und gewissenhaft war ich in der Ausrichtung meiner Berufsgeschäfte! wie widerspenstig gegen deine Bemühungen, mich zu bessern! wie sorglos für mein Seelenheil! Ja, Vater, ich habe gesündiget; ich bin nicht werth, daß ich dein Kinde heiße. Und du, o Allwif sender, siehst ohne Zweifel noch mehr strafwürdige Sünden, Fehler und Mängel an mir, als ich. Doch du bist barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte. Dein Sohn Jesus Christus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen. Er ist auch für mich am Kreuz gestorben und von den Todten wieder auferstanden. Das Evangelium ist gewiß, daß in seinem Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünde empfahen sollen. Mit Sorgen und Furcht müßte ich einschlafen und eben so kummervoll wieder er wachen, wenn ich dies nicht wüste. Nun aber kann ich getrost meine Augen schließen, in der Zuversicht: du werdest auch mir um Jesu willen gnädig seyn und alle meine Vergehungen und Fehler in die Tiefe des Meers werfen, und um derselben willen mich nicht von deinem Angesicht verwerfen. Ich verabschene das Böse, was ich bisher gethan habe, und wünsche nichts mehr, als immer beffer, tugendhafter und frömmer zu werden. Ich erneuere den aufrichtigen Borsag, alle unordentlichen Begierden zu unterdrücken, alle bösen Gewohnheiten abzulegen und in meinem ganzen Verhalten nicht meinen fündlichen Reis gungen und Leidenschaften, nicht dem Beispiel der Lasterhaften, sondern dem Vorbild Jesu und deinem heiligen Willen zu fol gen. Vollkommen werde ich nie werden. Aber ich will dochy dahin trachten, auf dem Wege des Glaubens und der Gott ſeligkeit immer weiter zu kommen. Stärke mich in diesem Entschluß durch deinen Geist und verleihe mir Kraft, denselben auszuführen. 39 Mittel dazu. Laß mich zu dem Ende fleißig seyn in der Abwartung des öffentlichen Gottesdienstes und im würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. Laß mich jeden Tag meines Lebens mit andächti ger Betrachtung deines Wortes und mit Gebet anfangen. Las mich das viele große und unverdiente Gute, was du mir bisher an Leib und Seel' erwiesen und noch ferner erzeigen willst, nie vergessen, damit meine Seele mit kindlicher Liebe und Dankbarkeit gegen dich und dadurch mit göttlicher Kraft zum Haß und Kampf wider alle Sünde und zum freudigen Gehorsam gegen alle deine Befehle und Schickungen erfüllet werde. Laß den großen Ge danken von deiner Allwissenheit und Allgegenwart mich in dem Lauf meines Lebens überall begleiten und mich fleißig erinnern, daß keine Begierde in meiner Seele, kein Wort auf meiner Zunge sey, daß du nicht wissen solltest, daß ich nie allein sey, daß du mir auch da nahe seyst, wo kein menschliches Auge mich entdecken kann, damit ich mich scheue, allenthalben und zu allen Zeiten etwas zu denken, zu begehren, zu reden und zu thun, was dir mißfällig wäre; damit ich trachten möge, dir in der Einsamkeit und in Gesellschaften, bei meinen Arbeiten und Er gögungen, bei meinen Leiden und Freuden wohl zu gefallen, mich aber auch dadurch zu trösten, du werdest überall mein Bestes befördern, mich in jedem Unfall schüßen, mir in jeder Versuchung beistehen, jeden guten Gedanken, jedes gute Wort und Werk mit Gnaden bemerken und um Jesu willen nicht das Geringste uns belohnt lassen. Laß mich oft daran denken, was es für eine erhabene Würde sey, um Jesu willen dein Freund und Kind zu seyn; was für ein Glück, was für ein süßes Gefühl der Ruhe, Zufriedenheit und Freude mit dem Vorsaße und der Bemügung, dich zu ehren und recht zu thun, verbunden sey, damit ich jede Sünde, als die äußerste Schande und Störerin meines Glids, haffen und flichen und alle meine Kräfte darauf richten möge, durch gute Gesinnungen und Thaten dir, meinem Freunde und Vater, täglich ähnlicher zu werden und meine Rube, Freude und Glückseligkeit zu vermehren. Laß mich die großen Vorstel lungen, welche uns bein Wort von der künftigen Seligkeit giebt, und den Gedanken, daß mich jeder Augenblick in die Ewigkeit einführen kann, oft in meiner Seele eraeuern, damit ich in der Ausübung der Pflichten des Christenthums fest und unbeweglich seyn, immer zunehmen und endlich die unvergäng liche Krone der Gerechtigkeit empfangen möge, welche der ge rechte Richter mir und allen denen geben wird, die seine Erscheinung lieb haben. 40 Gebet im Wohlstande. 41 Deiner weisen und väterlichen Regierung übergebe ich mich und die Meinigen und alle Menschen. Deine Gnade sey mit mir und mit uns Allen, im Leben und Tode, von nun an bis in Ewigkeit. Amen! 18. Gebet im Wohlstande. Gott, Vater des Lichte, von welchem alle guten und vollkommenen Gaben zu uns herabkommen, du bist auch der Urheber des Segens, welchen ich im Zeitlichen genieße. So Viele neben mir haben mit Sorgen und Kummer zu kämpfen, sind niedrig, unbekannt und verachtet, effen ihr Brod mit Seufzen und führen ein hartes Leben, oder liegen unter quälenden Schmerzen krank und elend darnieder. Und mich erfreuet Ehre, Glück und Ges sundheit. Was bin ich, Herr, daß du mich hervorgezogen und mit Vortheilen und Bequemlichkeiten, die viele Tausende ents behren müssen, versehen haft? Ich habe gar nichts vor andern Menschen bei dir verdient. Alles, was du an mir thust, ist und bleibet freie Gnade. Gott, mein Vater, gieb mir die Weisheit, beine große Güte und Freundlichkeit gegen mich dankbarer zu erkennen, die Tage der Heiterkeit und des Wohlstandes aufs beste zu gebrauchen und tir durch treue Anwendung derselben in der That dankbar zu seyn. Lehre mich in die Ferne hinsehen, wo vielleicht Verachtung, Kummer, Sorgen und Elend mich eben sowohl drücken werden, als die, welche jegt verachtet, frank, mühselig und dürftig sind. Hier ist ja Alles dem Wechsel und der Veränderung unterworfen. Und wie bald ist mein Glück umgestürzt, wie schnell meine Ges sundheit zerrüttet, wie leicht mein Vergnügen und Wohlergehen in Traurigkeit und Elend verwandelt! Bewahre mich vor den Sünden, in die wir so leicht gerathen, wenn wir haben, was unserm Herzen gelüftet. Gieb, daß ich nie in der Fröhlichkeit ausschweifend sey, daß ich nie auf das vergängliche Glück dieses Lebens meine Zuversicht setze; daß ich nie über meinen Nächsten, der weniger glücklich ist, als ich, stolz hinweg sehe. Mache mich demüthig, daß ich Alles dir zuschreibe und mit willigem Herzen meinem Nächsten diene. Mache mich mild gegen die Armen, mitleidig gegen die Kranken und Nothleidenden, und gelinde gegen die, welche mir gehorchen müssen. Mache mich zufrieden mit meinem Zustande, damit ich mich nicht stets mit neuen Wünschen und unersättlicher Habsucht martere. Laß mich deine Gnade, deinen Beifall und die selige Unsterblichkeit über Alles in der Welt hoch. 42 Für Nothleidende. schätzen, und darin die Beruhigung finden, welche ich im irdischen Glück vergebens suchen würde. Führe mich endlich durch die Abwechselungen dieser Welt zu den unwandelbaren Freuden des Himmels. Dir sey Ehre und Lob in Ewigkeit. Amen! 19. Für Nothleidende. Dir, o Allwissender, ist die Trübsal bekannt, welche mein Leben so bitter macht; du kennst auch das Maß meiner Kräfte und weißt, wie sauer mir's wird, meine Last zu tragen. Aber das ist mein Trost: meine Schicksale stehen in deiner Hand; ohne deine Vorsicht und Lenkung kann mir kein Haar auf meinem Haupte gekrümmt werden. Ich leide also nach deinem Willen. Und du hast nicht aus Haß und Zorn, nicht zu meinem Verderben und Untergang diese Leiden über mich verhängt; nein! bu meinst es gut mit mir, und bist auch, wenn du züchtigest, ein treuer Vater, der das Beste seines Kindes sucht. Ja noch mehr: du legst uns eine Last auf, aber du hilfft uns auch; wir haben an dir einen Gott, der hilft, und einen Herrn, der auch vom Tode errettet. Du hörest auch meine Seufzer, zähleft auch meine Thränen, bist mein Tröster, Beistand und Erretter! O Gott, wie oft habe ich das erfahren, wie oft haft bu mein Gebet erhöret und mich aus der Noth herrlich errettet. Und doch vergesse ich deine Hülfe so leicht, überlasse mich äugsts lichen Sorgen und zweifele an deiner weisen Regierung und vermehre auf solche Art meine Plage. Habe Geduld, Herr, mein Gott, mit meiner Schwachheit. Vergieb es mir um Jesu Christi willen, daß ich noch so kleinmüthig bin, so oft vergeblich sorge, so leicht ungeduldig werde und nicht willig genug deiner Führung folge. Überzeuge mich immer mehr, daß es Undankbarkeit seyn würde, wenn ich in der gegenwärtigen Noth wider dich murren oder an deiner Hülfe verzagen wollte, da ich schen so viel Gutes aus deiner Hand empfangen habe. Lehre mich den großen Trost recht fassen: daß du mein Vater und Freund seyst, weil du mir deinen Sohn zum Erlöser gegeben, und daß du mir mit ihm nun auch das Geringere nicht versagen werdest; daß dein Sohn, Jesus Christus, met Heiland und Seligmacher, auch gelitten und dadurch Mitleiden gegen das Elend seiner Erlösten gelernt habe; daß es dir, der du Alles in deinen Händen haft und Alles mit Weisheit und Gnade regierest, nicht an Mitteln fehle, meine Noth zu lindern, und überschwenglich mehr an mir zu thun, als mein bekümmertes Herz Für Nothleidende. 43 erwarten kann; daß uns jede Trübfal aus weisen und gütigen Absichten von dir aufgelegt werde, und daß dieser Zeit Leiden nicht werth seyn der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden. D, gütiger, treuer Vater, so sey denn bei mir in der Noth, errette mich, und laß mir deine Sonne nach so vielen dunkeln Tagen wieder scheinen. O wie will ich dich preisen, wenn du mir hilfst. Ich will es vor aller Welt bekennen, daß du so gnäbig bist und so gern hilfst. Sollten aber meine Beschwerden fortdauern, so erleichtere sie mir durch deine Tröstungen und laß mich sie zum Heil meiner Seele recht anwenden. Du willst durch die Trübsal dieses Lebens mich demüthigen, mich von der übertriebenen Anhänglichkeit an die vergänglichen Güter dieser Erde losmachen, und mir durch Verbitterung dieses Lebens das tünftige füßer und schätzbarer machen. Du willst mir dadurch Gelegenheit geben, meinen Glauben und Liebe gegen dich zu üben, gegen meinen Nächsten liebreicher und mitleidiger zu werden und so meine Vergeltung in jener Ewigkeit zu vergrößern. Dies laß mich jetzt, und so lange ich noch hier bin, bedenken. Schenke mir durch den mächtigen Beistand deines Geistes ausharrende Geduld und Treue und richte mein Auge auf das Kleinod, wel ches mir dein Evangelium vorhält, so hin, daß ich unter allen Bekümmernissen getrost und muthig bleiben und in aller Widerwärtigkeiten so christlich handeln möge, daß ich, endlich von aller Noth, Angst und Unruhe erlöst, zu der unbeschreiblichen großen Ruhe, Herrlichkeit und Seligkeit komme, die niemals ein Ende nimmt, und mit welchen alle Trübsale des gegenwärtigen Lebens nicht verglichen werden können. Das verleihe mir, um Jesu Christi willen. Amen! 20. Für einen Kranken, der sich seine Krankheit selbst zugezogen. Heiliger und gerechter Gott, ich bekenne vor dir, daß ich durch den mannichfaltigen Mißbrauch der unschäßbaren Gabe der Gesundheit den Verlust derselben wohl verdient. Ja, mein Gewiffen angstiget mich durch den Vorwurf, daß ich selbst mir das Übel, welches ich empfinde, zugezogen habe, indem ich mich solchen Sünden und Ausschweifungen überlassen, die die Kräfte des Körpers zerstören( indem die Heftigkeit meiner Affecten: Neid, Zorn, Mißvergnügen und Gram, meine sonst blühende Gesundheit in Unordnung gebracht). Jeht empfinde ich davon die traurigsten Folgen. Die Macht der Krankheit wühlet in meinen Gliedern. 44 In Krankheiten. Ich kann meine Geschäfte nicht treiben. Das Denken wird mit schwer, da die Krankheit mit den Kräften meines Körpers zugleich die Kräfte meiner Seele schwächt; ich bin denen lästig, die um mich sind. Und wenn ich sterben sollte, welchen Kummer würde mein Tod den Meinigen verursachen? Mein Gemüth ist un ruhig und Schrecken überfällt mich, wenn ich bedenke, wie schwer ich mich durch meine Unordnungen an dir, meinem Gott, verfündiget habe, und wie werth ich es bin, gestraft zu werden. Aber, o gnädiger und barmherziger Vater, so wahr du lebst, du willst nicht den Tod des Sünders, sondern das er sich befehre und lebe. Wenn du uns hier züchtigest, so hast du nicht unser Verderben, sondern unsre Besserung zum Zweck. Du gönnst mir noch Zeit, zu dir um Erbarmung zu flehen. Ach! so erbarme dich denn deines etenden Geschöpfs; erbarmne dich meiner um der theuren Erlösung willen, die dein Sohn, Jesus Christus, auch für mich gestiftet hat, und vergieb mir alle meine Sünden. Segne die Krankheit meines Leibes zur Gesundheit meiner Seele und erwecke mich dadurch zu einem treuen Gebrauch deines Worts, damit ich durch die Kraft desselben tüchtig werde, alle Sünden, und besonders auch die, welche die Ursachen meines Elends sind, zu verabscheuen und meine Gesinnungen, Worte und Werke zu bessern. Heile, wenn es bein heiliger Wille ist, meinen Leib und verlängere mir meine Gnadenzeit. Hilf mir aber auch durch deinen Geist, daß ich künftig Mäßigkeit und Ordnung lieben und meine Glieder nicht dem Dienst der Unge rechtigkeit, sondern dem Dienst der Tugend und Gerechtigkeit widmen und so rechtschaffene Früchte der Buße bringen möge, Hast du aber nach deiner Weisheit beschlossen, mich aus der Zeit in die Ewigkeit zu fordern, o so verwirf mich nicht von deinem Angesicht, Allerheiligster! und gehe nicht ins Gericht mit deinem Kinde. Wenn im Todeskampf meine Seele nath Troft schmachtet, wenn sie beim Anblick ibrer Sünden, bes Grabes und der Ewigkeit zittert: dann stärke mich durch die Versicherung, daß Jesus Christus in die Welt gekommen sey die Sünder selig zu machen, und daß auch alle meine Sünder durch sein Blut und Tod getilget sind. Erhöre mich, Gott, mein Erbarmer, um Jesu Christi willen. Amen! 21. Für einen kranken, redlichen Christen. Dir, o mein Gott, der du alle meine Schicksale, mein Wohl und Wehe zu meinem Besten lenkest, dir gefällt es, mich jest In Krankheiten. 45 mit Krankheiten beimzusuchen, und ich weiß nicht, ob ich noch länger leben, oder sterben werde. Dein Wille geschehe an mir! du wirst das Beste für mich wählen und ich will mich befleißigen, das mit Gelassenheit anzunehmen, was du über mich verhängen wirst. Ich will aber auch nicht vergessen, daß du uns die Erhaltung unsers Lebens als eine wichtige Pflicht geboten hast. Ich will mich dem Gebrauche der Arzneimittel nicht widersetzen aus dem gemeinen, aber unvernünftigen Borurtheil, daß, wenn Zeit und Stunde da sey, keine Arznei etwas helfen kann. Ich will vielmehr bedenken, daß die Kranken des Arztes bedürfen, und daß du, o gütiger Schöpfer, die Natur nicht umsonst mit so vielen heilenden Kräften versehen hast. Ich will die Mittel, die deine Güte zur Erhalturg unsers Lebens darbietet, gehörig brauchen und um deinen göttlichen Segen dazu unabläffig bitten, damit meine Gesundheit wieder hergestellet oder doch meine Krankheit erleichtert werden möge. Soll ich dann länger leben, o so will ich jeden Tag, den du zu meinem Leben noch hinzufügst, dazu anwenden, daß ich in der Beobachtung deiner Gebote, in dem Bestreben, meinen Nächsten zu dienen, und in der Ausrichtung meiner Berufsgeschäfte immer treuer und rechtschaffener werde. Schenk du mir, mein Vater, deine Hülfe und Beistand, diese meine redlichen Entschließungen zu vollbringen. Soll ich aber sterben, nun so mache mich auch zu dem wichtigen Schritt aus der Zeit in die Ewigkeit fertig. Ich bin nicht erst jetzt durch den Anblick des Todes aus dem Schlafe der Sicherheit erwacht. Ich habe durch deine Gnade schon früher angefangen, mich auf die Ewigkeit vorzubereiten. Ich kenne dich als meinen gnädigen Vater, der mir um Jesu Christi willen meine Sünden vergiebt und mir ein ewiges Leben schenkt. Ich habe gesucht, als ein Christ so zu leben, daß ich vor dir und meinem Erlöser, dem Nichter der Welt, bestehen könne. Dennoch finde ich bei genauer Prüfung so vielfältige Vergehungen bei mir; ich habe oft aus Unwissenheit und Übereilung gefehlt; ich habe nicht so viel Gutes gethan, als ich hätte thun können, und bin wegen Versäumvis mancher Pflicht und wegen Untreue und Unlauterkeit strafbar. Vergieb mir, mein Vater, um Jesu Christi willen, alle mir bekannten und unbekannten Sünden, und beruhige und stärke mich durch den seligen Trost: daß Alle, die an ihn glauben, nicht sollen verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Mein Leib mag immerhin verwesen; du weckst mich zum ewigen Leben wieder auf. Du konntest Welten schaffen und vernünftige Seelen bilden. 46 Bei Annäherung des Todes. Du kannst auch Tobte wieder lebendig machen und meinen Geist bis in die Ewigkeit erhalten. So gewiß du Jesum, meinen Er löser, vom Tode erweit hast, so gewiß wirst du eben das auch an mir thun, weil ich ihm angehöre und weil er's seinen Freun den zugesagt hat, daß sie durch den Tod zu ihm kommen und ewig mit ihm leben sollen. Erhalte mir diesen Trost, treuer Gott, bis an mein Ende, daß ich dadurch alle Furcht vor dem Tode überwinden und ruhig meine Augen schließen könne. Mache mir die Schmerzen des Leibes und die Angst des Todes erträglich. gst des Todes erträglich. Gieb mir Geduld und beständige Treue. Nimm meine Freunde und Angehörigen, die ich verlaffen muß, in deine Aufsicht und Fürsorge. Du wirst mehr an ihnen thun, als ich bei einem längeren Leben hätte thun können. Dir übergebe ich alle meine noch übrigen Sorgen. Bald werde ich dich, Bater meines Lebens, näher kennen, balb werde ich ihn sehen, den göttlichen Freund, der aus Drang der Liebe für mich am Kreuze starb. Dann ist alle meine Traurig keit in Freude verwandelt; dann lobe und preise ich dich in der Gesellschaft seliger Geister immer und ewig. Amen! 22. Bei Annäherung des Todes. du Ewiger! ich komme dem Augenblick immer näher, der alle meine Tage auf Erden endigen wird. Gott, mein Schöpfer, mein Vater, sey mir guädig, so lange ich lebe und in der Todes stunde! In meinem ganzen Leben, auch in diesen meinen letzten Stunden, hast du unaussprechlich viel Gutes an mir gethan. Mit sterbenden Lippen preise ich dich dafür, und ewig, ewig will ich dir dafür danken. Ach verlaß mich nur nicht bei dem Übergang in die Ewigkeit. Wie ein Vater sich über Kinder erbarmet, fo erbarme dich über mich. Vergieb mir meine Sünden um Jeju Christi, deines Sohnes, willen, der auch mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben. Ach! nichts, nichts als dieser Glaube kann mich jetzt trösten und beruhigen. Ostärke mich dann in diesem Vertrauen. Hilf mir meinen Lauf vollenden, Glauben helten, und das Kleinod erlangen, das den Gläubigen verheißen ist. Erleichtere mir, wenn es dein Wille ist, mein Leiden: verkürze mir die Angst des Todes; erlöse mich bald von allem Übel des Leibes und der Seele, und hilf mir zum Genuß des bessern Lebens im Himmel. O wie froh, wie selig werde ich da seyn! Dich, Gott, werde, ich schauen von Angesicht zu Angesicht. Dich, den ich hier nicht gesehen und doch lieb hatte, Für die Umstehenden bei Sterbenden. 47 dich, meinen Heiland, werde ich sehen und mich freuen wit unaussprechlicher und herrlicher Freude. In deines Baters Hause sind viele Wohnungen; und du bist hingegangen, auch mir eine Stätte zu bereiten. Da wirst du alle Thränen von meinen Augen abwischen; und der Tod wird nicht mehr seyn, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen. Da werde ich sicher seyn vor allen Beleidigungen der Gottlosen, befreit von aller Sünde und von allen Berführungen dazu. Da wird meine Erkenntniß, meine Tugend, meine Freude ewig wachsen. Da werde ich die wunders baren, aber doch seligen Wege preisen, auf welchen du mich durch diese Welt geführt. Da komme ich zu der Menge vieler tausend Engel, in die Gesellschaft der vollendeten Gerechten, die schon zur Freude eingegangen sind. Da finde ich meine frommen Freunde wieder und unfre Freundschaft wird vollkommen und ewig seyn, wie unsre Seligkeit. D so nimm denn, Herr Jesu, meinen Geist auf! Laß einst meinen Leib, zum ewigen Leben verklärt, wieder erwachen. Sorge für die Meinigen, und hilf ihnen und mir und allen Menschen durch die Kraft deines Geistes, standhaft im Glauben und Gehorsam zu bleiben, damit wir die Krone des ewigen Lebens empfahen. Lob und Preis sey dir in Ewigkeit. Amen! 23. Für die Umstehenden bei Sterbenden. Liebreicher Gott, himmlischer Vater, wir flehen zu dir für diesen Menschen, der zu deinen Füßen liegt und seine Auflösung erwartet. Herr! sey ihm gnädig nach deiner Güte und tilge alle seine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Stärke ihn; hilf ihm und errette ihn aus der Angst seines Herzens. Drücke das Wort: ich bin dein Gott, tief in sein Herz, damit er den Tod mit allen seinen Schrecken überwinden möge. Herr Jesu, du WeltHeiland, du haft auch für ihn gekämpfet und Leiden ohne Zahl ausgestanden. Tröste ihn damit in seinem Todeskampfe und stärke ihn durch die Versicherung, daß seine Leiden bald vollendet sind, und daß er nahe an dem Ziele sey, welches ihm die Krone des ewigen Lebens entgegen hält. Gott, heiliger Geist, sey du sein Licht, seine Kraft, sein Beistand, da die Kraft seiner Sinne verschwindet. Bertritt du ihn mit unaussprechlichen Seufzern;' heilige ihn durch und durch und mache ihn unsträfs lich auf den Tag der Zukunft Jesu Christi. Schenke uns auch diese Gnade, o Gott, uns, die wir jetzt noch leben. Mache uns die Gedanken an Tod und Ewigkeit, an die Kürze unsers Lebens und an die Ungewißheit der Todesstunde 48 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. zu aller Zeit recht wichtig, damit wir nicht in Sicherheit leben, nicht unsere Besserung aufschieben mögen, bis wir krank werden. Erwecke uns, daß wir recht ernstlich trachten nach dem, das droben ist: daß wir dich, der du uns in Christo Jesu so hoch geliebet hast, über Alles lieben, daß wir die Liebe dieser Welt und unsre Begierden nach irdischen Gütera so mäßigen, daß sie uns an der Erlangung einer ewigen Seligkeit nicht hinderlich werden können. Gieb, daß wir mit Jedermann in Liebe und Frieden leben, daß wir keinen Haß, keine Feindschaft, keine Nach begierde unterhalten; daß wir bereit seyn, uns mit unserm Nebenmenschen, der uns beleidiget hatte, auszuföhnen, dieweil wir noch mit ihm auf dem Wege sind. Laß uns demüthig, liebreich, wohlthätig, keusch, gerecht und heilig in unserm ganzen Wandel seyn, und gieb, daß wir so unser Leben zu einer steten Vorbe reitung zur Ewigkeit machen. Denn ist Christus unser Leben, so wird auch Sterben unser Gewinn seyn. Erhöre, o Gott, unser Flehen um deiner Barmherzigkeit willen. Amen! 24. Nachdenken über das heilige Abendmahl und Selbstprüfung vor dem Genuß desselben. Jesus, der Heiland der Welt, unser Herr, hat des Abends, da er in der Nacht darauf verrathen und zum Tode überliefert worden, nach der letzten jüdischen Ostermahlzeit, die er mit seinen Jüngern hielt, das heilige Abendmahl als ein feierliches Dent mal seines Todes eingesetzt und gestiftet. Er nahm nämlich Brod, und nach Gebet und Danksagung zerbrach er's und gab es seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet, effet, das ist mein Leib, welcher für euch hingegeben und gebrochen wird; thut dieses zu mei ner Erinnerung. So nahm er auch nach dem Effen einen mit Wein gefüllten Becher, und nach einem Dankgebete sprach er: Trinket Alle daraus, denn dieses ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, welches für euch und für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden Er fügte abermals den Befehl hinzu: Solches thut, so oft ihr's wiederholt, zu meinem Gedächtnis. Und damit wir wüßten, daß diese Mahlzeit für alle Christen und für alle Zeiten verordnet sey: so hat er durch Paulum ausdrücklich erklären lassen, daß alle Betenner seiner Religion diese gottesdienstliche Handlung bis ans Ende der Welt feierlich Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 49 begehen, solche oft wiederholen, sich jedesmal dabei an ihn erinnern und seinen Tod verkündigen und preisen sollen. Das heilige Abendmahl ist also eine gottesdienstliche Hands lung, die ich eben so wenig, als die übrigen Anordnungen der Religion Jesu verachten und vorsäglich unterlassen darf, wenn ich ein Christ seyn will. Denn nur dann sind wir seine Freunde, wenn wir thun, was er gebietet. In dem heiligen Abendmahl sollen wir das Gedächtnis der herrlichen Erlösung, die uns Gott durch Jesum Christum verschafft hat, und besonders das Andenken an sein Leiden und Sterben feierlich begehen. Wir sollen es öffentlich bekennen, rühmen und mit fröhlichen Danksagungen preisen, daß wir ihm alle Erkenntnisse von Gott, von seinem Willen und unserer Bestimmung; daß wir ihm die Errettung von der Schande und Strafe der Sünde, die Gnade Gottes und Leben und Seligkeit; daß wir ihm alle Antriebe, Kräfte und Mittel zur Frömmigkeit und Tugend, alle wahre Ruhe und Freudigkeit im Leben und den besten Trost im Leiden und Sterben zu danken haben. Wäre ich nicht höchst undankbar, wenn ich das allerbeste, was ein Mensch thun kann, die Wunder der Güte Gottes und Jesu Christi mit fröhlichem Herzen zu loben und zu preisen, leichtsinnig verabsäumte, und die leichte und angenehme Pflicht vernachlässigte, an meinen größten Wohl thäter und besten Freund zu denken und ihn öffentlich vor den Menschen zu bekennen? Das heilige Abendmahl, dessen Genuß mir und allen Be fennern der christlichen Religion befohlen, ist überdies nicht nur Pflicht, sondern auch Wohlthat für uns. Zwar ist der Genuß desselben kein Mittel zur Abwendung leiblicher Übel oder zur Erlangung der Gesundheit und anderer irdischen Vortheile. Der bloß äußere Genuß hilft auch dem nichts, der ohne Bereuung und Verabscheuung seiner Sünden, der ohne gläubiges Verlangen nach Gottes Gnade und ohne Begierde nach Tugend und Besserung hinzunahet. Allein der würdige Genuß, wenn wir es zu der edlen Absicht brauchen, zu welcher es Jesus Christus eingesegt hat, und solches mit einer Gemüthsfassung thun, die sich zu dieser Absicht schickt, ist doch mit einem großen Segen für unsere Seelen verknüpft. Er befördert erstens die Beruhi gung unsers Gewissens, indem er uns die Gewißheit schenkt, daß uns Gott unsere Sünden vergeben habe und daß wir von ihm, als unserm versöhnten Vater, nun alles Gute in Zeit und Ewigkeit erwarten dürfen. Schon das Evangelium giebt biefe Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 4 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Versicherung einem Jeden, der Buße thut, an Jesum Christum glaubt und sich wirklich bessert. Aber das heilige Abendmahl macht diese Versicherung noch stärker und freudiger. Es ver siegelt einem Jeden für seine Person diesen erquickenden Trost auf eine anschauende und sinnlich rührende Art. Jeder Commu nicant sieht, riecht und schmeckt Brod und Wein. Jeder wird, nach den Worten der Einfeßung, beim Essen des Brods des Leibes Jesu, und beim Trinken des Weins seines Bluts thei haftig. Jedem wird die Versicherung gegeben: das ist der Leib Jefu, für euch gegeven; das ist das Blut Jesu, für euch vergoffen zur Vergebung der Sünden. Da darf dann jeder Buffertige und Gläubige zu sich selber sagen:» so gewiß du jest dieses Brod isfest und diesen Wein trinfest, so gewiß it Jesu Leib auch für dich getödtet und sein Blut auch zur Ver gebung deiner Sünden vergoffen. Und so gewiß dieser Kelch dazu bestimmt ist, den neuen Bund, der durch das Blut Jesu errichtet ist, feierlich zu versichern: so gewiß wirst du an allen Verheißungen des neuen Bundes in Zeit und Ewigkeit Theil nehmen; so gewiß wird folglich Gott die Strafen deiner Sünden aufheben, dich als sein Kind väterlich lieben, dir wohlthun und dich fromm und selig machen.« Der würdige Genuß des heili gen Abendmahls ist zweitens ein segensvolles, kräftiges Mittel, der Wohlthaten des heiligen Geistes theilhaftig zu werden und die Gesinnungen in uns zu wirken, zu vermehren und zu stärken, welche das Evangelium von denen fordert, die an den Früchten und Vortheilen der Erlösung Jesu Christi Theil zu nehmen wür schen. Denn wenn wir uns zum heiligen Abendmahl durch Gebet und genaue Prüfung unsrer selbst gehörig vorbereiten; wenn wit vor und bei dem Genuß desselben über die evangelischen Lehren, woran uns dieses Denkmal des Todes Jefu erinnert, ruhig nach venken; wenn wir dabei die Liebe des Vaters, der seinen Sohn für uns in den Tod gegeben, und die Liebe Jesu Chrifti, der für unsere und der ganzen Welt Sünde so viel erduldet hat, ernstlich erwägen und preisen; wenn wir die herrlichen Wohl thaten betrachten, die wir seinem Tode zu danken haben, und endlich auch die Pflichten zu Herzen nehmen, zu denen uns feine Erlösung verbindet: dann giebt uns diese gottesdienstliche Hand lung immer mehr Luft und Kraft, alle Sünden zu verabscheuen die Gnade Gottes in Jesu Christo mit zuversichtlichem Glauben zu ergreifen, Gott unsern Vater, und Jesum unsern Erlöser und Herrn mit Liebe, Gehersam und Vertrauen zu verehren, bie Trübfale dieses Lebens nach dem Muster des Herrn Jefu mit 50 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 51 Gelaffenheit und fröhlicher Hoffnung zu erdulden, alle unsere Nebenmenschen mit Aufrichtigkeit und Eifer zu lieben, ihnen ihre Fehler zu vergeben und uns mit ihnen zu versöhnen, wenn wir fie beleidiget haben. So oft ich also wahrnehme und empfinde, daß ich einer besondern Erquickung und Beruhigung meines Gewiffens oder einer besondern Ermunterung und Stärkung meines Glaubens, meiner Gottseligkeit und Tugend, meiner Geduld und Menschenliebe bedarf: so oft will ich durch den Gebrauch des heiligen Abendmahls den Tod Jesu, meines Herrn, verkündigen, bis daß er komme, bis ich dort im Himmel ihn selbst sehen und in seiner Gemeinschaft ewig froh und selig seyn werde. Auch jetzt bin ich entschlossen, das zu thun, was der sterbende Heiland seinen Erlösten befohlen hat: ich will zum heiligen Abendmahl gehen. Mich geht also die Ermahnung des Apostels an: Der Mensch prüfe sich selbst und also esse er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. O Seele! so sammle denn deine Gedanken zur Aufmerk famkeit auf dich selbst! Erforsche und frage dich selbst: warum will ich zum Tisch des Herrn gehen? was bewegt mich zu dieser Entschließung? Viele treibt bloß die Gewohnheit dazu an, weil sie es zu ge wissen Zeiten zu thun pflegen, oder die Nachahmung Anderer, oder die Furcht, durch die Unterlassung dieser Handlung den Namen guter Christen zu verlieren; oder die Einbildung, durch bloße Beobachtung dieser gottesdienstlichen Handlung irdische Vortheile, ja gar Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit zu erlangen. Sind es auch meine Bewegungsgründe und meine Absichten? Oder nahe ich mich zum heiligen Abendmahl, um dem leichten Befehl meines Heilandes zu folgen; das Gedächtniß der Liebe Gottes und Jesu Christi zu begehen; ein öffentliches Befenntniß von meinem Glauben an ihn abzulegen; mich über alles das Gute, was ich ihm zu danken habe und noch von ihm erwarte, gemeinschaftlich mit meinen Miterlösten zu freuen; mich im Glauben an die evangelischen Verheißungen zu stärken und mich dadurch mit Trost im Leiden und Sterben zu versehen; mich aufs neue zur Verabscheuung aller Sünden, zur Ausübung alles Guten und zur Nachahmung des Beispiels Jesu zu vers vilichten; mich mit allen meinen Nebenchristen in brüderlicher Liebe zu vereinigen, damit ich immer bereitwilliger werde, ihnen zu dienen, zu helfen und Gutes zu thun? 4* Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Habe ich ferner auch die Gemüthsfassung, die ein Chrift haben muß, der das heilige Abendmahl nicht unwürdig, sondern würdig zu halten wünscht? Erkenne und empfinde ich den großen Werth der unverdien ten Gnade, die uns Gott in seinem Sohn erwiesen hat? Ver chre ich Jesum Christum als den eingebornen Sohn Gottes, als ten Erretter und Seligmacher der Menschen, als den Herrn und König der Welt? Erinnere ich mich mit dankbarer Freude an das, was er für mich und die Menschen überhaupt gethan und gelitten hat; wie unwissend, elend und trostios wir ohne ihn gewesen wären und wie glücklich wir durch ihn geworden sind und noch werden können? Schätze ich mich glücklich, ein Christ zu seyn? Wünsche ich sehnlich, an den Früchten der Er lösung, die durch Christum geschehen ist, Theil zu haben, und durch ihn gerecht und selig zu werden? Habe ich mich zu dem Ende auch bisher ernstlich bestrebet, die Bedingungen zu erfüllen, auf welche nns Gott durch Jesum Christum begnadigen und selig machen will? Oder, wenn es bisher nicht geschehen, ist es von nun an mein redlicher Wunsch und Entschluß? Erkenne ich jetzt das große Verderben meiner Natur und die mannichfaltigen Sünden, derer ich mich durch Ausübung des Bösen und Unterlassung des Guten in Gedanken und Begierden, in Worten und Thaten schuldig gemacht? Neuet es mich herzlich, daß ich dadurch ungehorsam gegen Gott, meinen Schöpfer und Herrn, undankbar gegen meinen himmlischen Vater und Wohl thäter, und feindselig gegen mich selbst und meinen Nächsten ge handelt habe, wenn ich es unterließ, Gott durch Liebe, Gehorsam, Vertrauen und Zufriedenheit mit seinen Schickungen zu ehren; wenn ich die Güter und Freuden dieser Erde und den Beifall der Welt höher schäßte, als die Gunst und das Wohlgefallen Gottes und die Seligkeit des Himmels; wenn ich Gottes Namen durch Fluchen, falsches und leichtsinniges Schwören mi brauchte; wenn ich ein Sclave der Unteuschheit und Unreinigteit war; wenn ich Zorn, Haß, Rachsucht, Stolz, Neid, Mißgunst, Geiz und Habsucht in meinem Herzen nährte; wenn ich Böses mit Bösem oder Scheltworte mit Scheltworten vergalt; w ich den Unschuldigen durch Verläumdungen und übele Nachreben kränkte; wenn ich mich durch Ungerechtigkeit und Betrug zu reichern und zu erheben suchte; wenn ich es unterließ, demüthig, fanftmüthig, versöhnlich, gerecht, billig, gütig, barmherzig, auf richtig und freundlich zu seyn; wenn ich in meinem Stande und Beruf( als Obrigkeit oder Unterthan, als Lehrer oder Zuhörer be 52 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 53 als Ehemann oder Ehefrau, als Vater, Mutter oder Kind, als Hausherr, Hausfrau oder als Dienstbote und Tagelöhner) die Pflichten vernachläffigte, die mir obliegen? Erkenne ich die Sünde, um derentwillen Jesus Christus gestorben ist, für das größte Übel, und bin ich ernstlich entschlossen, sie alle, ohne Ausnahme, zu fliehen und zu meiden, auch meine Lieblingssünden, wozu mich mein Temperament und meine Leidenschaften am meisten reizen, immer mehr zu verabscheuen und zu bekämpfen? Nehme ich die Zusagen Gottes, daß er jeden Bußfertigen um des Verdienstes Jesu willen begnadigen wolle, mit demüthigem Glauben an? Habe ich den redlichen Vorsaß, mich täglich zu bessern und mein Herz und Leben nach den Geboten und nach dem Muster Gottes und Jesu Christi cin zurichten? Bin ich bereit, diesen Vorsatz nicht nur einige Tage, sondern in meinem ganzen noch übrigen Leben, davon ich nicht weiß, ob's Tage, Monate oder Jahre dauern werde, zu erfüllen, in allen christlichen Gesinnungen und Tugenden zuzunehmen und beständig zu beharren? Bin ich willig, stets zu denken, zu reden und zu thun, wie ich dereinst im Tode und der Ewigkeit wünschen werde, geredet und gehandelt zu haben? Habe ich insonderheit allem Haffe, aller Rachbegierde entsagt; bin ich brüderlich gegen alle meine Nebenchristen, gegen alle Menschen gesinnt, und bereit, jedes begangene Unrecht wieder gut zu machen, jede Verläumdung und Lügen zurück zu nehmen und meinen Beleidigern alle ihre Fehler zu verzeihen? ** Kann ich dieses mit redlichem Herzen vor dir, o allwiffender Gott, bejahen: so darf ich nicht daran zweifeln, du werdest mich für dein Kind und für einen rechtschaffenen Verehrer deis nes Sohns Jesu Christi erkennen, und als einen solchen be gnadigen und segnen, wenn gleich mein Glaube, meine Tugend und Frömmigkeit nicht so rein und vollkommen wäre, als sie wohl seyn sollte. Schwachheiten und Fehler, die wir erkennen und bestreiten, die willst du uns, o gütiger Vater, nicht zus rechnen. Ja auch Sünden und Laster, die wir aufrichtig bes reuen und wirklich lassen, die willst du uns gnädig verzeihen. Davon hast du uns durch Jesum versichert; deffen erinneru und freuen wir uns an seinem Tische. Wenn mich also mein Herz nicht verdammet; wenn es mir das Zeugniß eines redlichen Bestrebens nach Tugend und Nechtschaffenheit giebt: so habe ich Freudigkeit zu dir, meinem Gott; so darf ich mich der Gemeinschaft mit dir und deinem Sohne 54 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahle. Jesu Christo rühmen; so darf ich, von der Vergebung aller meis ner Sünden gewiß, mich der Hoffnung der ewigen Seligkeit freuen; so werde ich in dem Gedächtniß deiner Liebe und der Liebe Jesu Christi neuen Antrieb, neue Kraft und Stärke zur Ausübung alles Guten bekommen, unter deinem Beistande alle Reizungen zum Bösen überwinden, auf dem Wege der Tugend fortgehen und einst das herrliche Ziel meines Glaubens und meis ner Hoffnung unfehlbar erreichen. Gott, Vater der Barmherzigkeit, hilf mir dazu und segne dazu an mir den Gebrauch des heiligen Abendmahls um deiner ewigen Liebe willen. Amen! 25. Demüthigung nach einem bisherigen lasterhaften Leben. Allwissender, du kennest mich und ergründest mein Herz; ich kann vor dir meine Undankbarkeit und Treulosigkeit nicht leugnen. Die Sünde habe ich über mich herrschen lassen und ihr in ihren verderblichen Lüften Folge geleistet. Manche Arten der Laster habe ich zwar wirklich vermieden, weil ich wenig natürlichen Hang dazu spürte oder keine Gelegenheit und Neizung zu ihrer Volls bringung hatte, oder weil ich die Schande vor Menschen und andere traurige Folgen scheuete. Dagegen sind manche andere unerlaubte Begierden desto heftiger bei mir geworden: ich habe mir kein Gewissen daraus gemacht, ihnen blindlings zu folgen und die böse That öffentlich oder insgeheim zu vollziehen. Oft habe ich durch Mißbrauch meiner Seelen- und Leibeskräfte mir felbst manche Übel zugezogen. Oft habe ich auch dadurch unges recht und feindselig gegen meinen Nächsten gehantelt und ih wohl gar zum Lafter verführt. Und wenn auch das Alles nicht wäre, so habe ich doch viel Gutes unterlaffen, was ich hätte thun können. Ich habe es versäumt, dir, meinem Gott und Vater, für die vielen Wohlthaten zu danken, die ich täglich aus deinen Händen empfing; dich durch Liebe, Gehorsam, Vertrauen und Unterwerfung unter deinen Willen zu verehren, und dich auch öffentlich und gemeinschaftlich mit meinen Brüdern anzubeten, zu loben und dein Wort zu hören und zu lernen. Ich bin gleichgültig gewesen gegen das Wohl meiner unsterblichen Seele, die doch so hoch in deinen Augen geachtet ist. Ich habe in Ers füllung dessen, was mein Stand und Beruf von mir fordert, nicht den Eifer und die Treue bewiesen, die ich hätte beweisen sollen. Mein Leben, meine Gesundheit, Güter, Ehre, Auschen Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 55 und alle übrigen Gaben und Kräfte, die du mir verliehen, habe ich nicht so nüßlich angewandt, als ich hätte thun können und sollen. Ich habe es versäumt, meine Nebenmenschen zu erfreuen, ihnen zu dienen und ihre Zufriedenheit, ihr Glück, ihre Besserung und Tugend zu befördern. In solcher Gesinnung bin ich manche Jahre fortgegangen und doch hast du mich bis diesen Tag mit göttlicher Langmuth getragen. Du bist nicht müde geworden, mir Gutes zu thun und an meiner Zurechtbringung zu arbeiten. Oft hörte ich deine Stimme, wenn ich mich mit deinem Worte beschäftigte; oft fagte mir's mein Gewissen, daß mein Thun Unrecht und mein Zustand verdammungswürdig sey. Aber ich hatte die Sünde zu lieb, als daß ich deinem gütigen Rufe folgen sollte. Jetzt aber, o gütiger Gott, hast du angefangen, mir meine Augen zu öffnen und sie durch das Licht deines Wortes zu erfeuchten. Ich erkenne es wenigstens mit Scham und Neue, daß ich so sicher und lasterhaft bisher gelebt, und sehe es ein, daß ich in solchem Zustande dir unmöglich angenehm seyn kann. Ich wünsche von Herzen besser zu werden und ein wahrer Christ zu seyn, der Vergebung der Sünden hat, und auf dem Wege der Tugend seinem Erlöser nachfolgt. O sey mir dann gnädig, du Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, und verzieb mir meine Sünde! Du hast ja deinen Sohn für uns in die Welt gesandt, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Du hast ihn für uns in den Tod gegeben, und willst uns mit ihm und um seinetwillen Alles schenken. Auch mir, barmherziger Gott, auch mir Unwürdigen bietest du Vergebung aller meiner Sünden, deine Gnade und eine ewige Seligkeit an; auch mir willst du davon die feierlichsten Pfänder und Versicherung im heiligen Abendmahl mittheilen, wenn ich mit wahrer Bußfertigkeit, mit lebendigem Glauben und mit dem aufrichtigen Vorsage, ein heiliges Leben zu führen, zu dir nahe. Erfreue denn mein Herz mit deiner Gnade und mit der Versicherung deiner väterlichen Liebe. Schenke mir aber auch deinen Geist, der mich allezeit leite, damit meine Besserung gründlich und anhaltend werde. Bewahre mich vor allem Leichtsinn und Trägheit, damit ich nicht aufs neue in Sünden gerathe und durch neuen Ungehorsane meine Schulden vergrößere. Laß die Betrachtung deiner unendlichen Liebe und der Liebe meines Heilandes, laß den Genuß der Unterpfänder desselben, bie ich am Tisch des Herrn empfangen werde, laß die Hoffnung der Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. zukünftigen Herrlichkeit, die du mir vorhältst, so gesegnete Eins drücke auf mich machen, daß die Beschämung wegen meiner vorigen Sünden und der Haß dagegen, daß die Liebe zu dir und zu allem Guten dadurch gestärkt und ich dadurch noch wils liger werde, allen Geboten Jesu Christi zu gehorchen und dir bis in den Tod getreu zu bleiben. Amen! 56 26. Demüthigung beim Bewußtseyn mancher Fehler und Mängel. Gütiger Gott, ich bin bereit, die Handlung auszurichten, die mir dein Sohn, Jesus Christus, mein theuerster Erlöser, zu seinem Andenken und besonders zum Andenken seines Versöhnungstodes befohlen hat. Indem ich mich selbst vor deinem Angesichte prüfe, finde ich in mir Spuren einer dankbaren ehrfurchtsvollen Liebe gegen dich und zugleich ein wahres Verlangen, als ein würdiger Gaft an dem Gedächtnisßmahl des Todes Jesu Antheil zu nehmen. Ich finde, daß du mich bisher vor schweren Sündenfällen und gefährlicher Verlegung meines Gewissens gnädig bewahrt haft. Aber darum bin ich nicht gerechtfertiget vor dir, ó Allerheiligster! Deine Allwissenheit siehet noch viele Fehler und Über eilungen an mir; siehet, wie schwach und unvollkommen meine Tugend und Frömmigkeit sey. Du haft das gute Werk ber Bekehrung in mir angefangen, du hast mich durch den heiligen Geist auf den Weg des Lebens geleitet. Aber habe ich mich auch beslissen, durch würdigen Gebrauch deines Worts und durch das Gebet auf demselben fortzugehen und im Guten beständig zuzunehmen? Bin ich insonderheit seit dem letzten Genuß des heiligen Abendmahls besser, oder schlimmer geworden? Ach Gott, du weißt es! Ich habe oft nicht eifrig genug gegen die Sünde gekämpft, die in mir wohnt. Ich habe zu wenig über mich selbst und die Reizungen außer mir gewacht. Ich habe mich oft durch Widerspenstigkeit gegen deinen Willen, durch Mißtrauen und Ungeduld, durch Zorn, Stolz, Haß und Neid, durch irdischen Sinn und andere unerlaubten Begierden und Vers gebungen, aus Unwissenheit, übereilung und Unbedachtsamkeit verfündiget. Ich habe oft viel Gutes, das du mir befohlen, aus Trägheit versäumet. Meine frommen Gelübde, die ich des Mor gens und Abends in den Stunden der Andacht that, habe ich oft bald wieder gebrochen. Und wenn ich noch eine gute That verrichtete, so geschah es oft mehr aus Eigennuß und Ehrgeiz, als aus dankbarer Liebe zu dir. Es ist mir oft schwer geworden, Beim Genuß des heiligen Abendmahls. 57 mich selbst zu verleugnen, meine Feinde zu lieben, und die zu fegnen, die mir fluchen. Und dein helles Auge entdeckt noch tausend Fehler und Flecken mehr an mir, die ich nicht sehe. Ach, mein Gott, verwirf mich um deßwillen nicht! Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmst du dich über die, die dich fürchten. Erbarme dich auch über mich und habe Geduld mit deinem schwachen Kinde, um Jesu Christi willen, der eine vollkommene Gerechtigkeit auch mir erworben hat. Ja! Herr Jesu, du verwarfest ja deine ersten Jünger nicht, ob sie gleich noch große Schwachheiten an sich hatten. Du hast auch dein Abendmahl für deine unvollkommenen, aber doch redlichen Freunde verordnet, welche Stärkung ihres Glaubens und ihrer Tugend nöthig haben. Komm denn auch meiner Schwach heit zu Hülfe. Mache den Trost fest in mir, daß an denen keine Verdammung sey, die dich annehmen, wenn sie nicht nach den fündlichen Begierden, sondern nach den Vorschriften des heis ligen Geistes leben. Und das ist auch mein Vorsätz: ich möchte gern unsträflich vor dir wandeln! O hilf mir dazu durch den Beistand deines Geistes! Laß mich nie gegen meine Fehler und Übereilungen gleichgültig werden. Lehre mich vielmehr immer eifriger thun nach deinem Wohlgefallen und laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit bei dem Genuß des heiligen Abendmahls so bedenken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestärkt und ich aufs kräftigste bewogen werde, mit Beständigkeit in guten Werken nach dem ewigen Leben zu trachten. Amen! 27. Beim Genuß des heiligen Abendmahls. Herr Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, du bist die Liebe! Laß es uns jest beim Genuß des heiligen Abendmahls schmecken und sehen, wie freundlich du bist; wie unschätzbar die Wohlthaten sind, mit welchen du uns als Christen begnadiget haft. Himmel und Erde sind voll von Beweisen deiner Güte; aber dadurch hast du dieselbe auf eine ganz ausnehmende Weise offenbart, daß du deinen Sohn zur Verföhnung unserer Sünde in die Welt gefandt, daß du ihn für uns in den Tod dahin gegeben, daß du uns an ihm einen so vollkommenen Lehrer, einen so mächtigen und großmüthigen Erretter und Seligmacher geschenkt haft und daß du uns noch jetzt durch ihn Gnade, Leben und Seligkeit anbieten läsfest. Wie können wir nun an deiner Huld und Liebe zweifeln? Du hast uns deinen Sohn geschenkt; mit ihm und 58 Beim Genuß des heiligen Abendmahls. durch ihn willst und wirst du uns Alles schenken. Du willst uns unsre Sünden vergeben und unsre Gebrechen heilen. Wir dürfen und deiner Gnade und deines Wohlgefallens, deiner väterlichen Aufsicht und Fürsorge getrösten. Dunaussprechliche Gnade! dir, unserm wohlthätigsten Vater, heiligen wir uns ganz und gar! dir bringen wir Leib und Seele und Alles, was wir sind und haben, zum Opfer unserer Dankbarkeit! Und wie sollen wir deine Liebe, o göttlicher Erlöser, Herr Jesu, würdig genug erheben. Du, der Sohn Gottes, dessen Herrlichkeit göttlich ist, da famest aus Liebe zu uns auf Erden, wurdest ein Mensch, gleich uns, die Sünde ausgenommen. Du unterwarfest dich allen Be schwerden bes irdischen Lebens, ließest dich in den niedrigsten Stand herab, wo weder Reichthum, noch Ehre und Freude dein Loos war. Du verleugnetest willig allerlei Bequemlichkeiten, die du hättest haben können, um unser Lehrer, Vorbild und Erretter zu werden. Wie groß war dein Eifer, Unwiffenheit und Irrthum zu vertrei ben und die Erkenntniß der Wahrheit zur Gottseligkeit unter den Menschen auszubreiten! Wie heilig war dein Wandel und wie vollkommen deine Tugend und Menschenliebe! Wie wohlthätig waren deine Werke und wie groß die Gottestraft, die sich darin nen offenbarte! Wie unzählig und bitter waren aber auch die Leiden und Verfolgungen, die du ausgestanden haft! Welche Zunge vermag es auszusprechen, was du da empfunden hast, wie du in jenen, für dich so schrecklichen, für uns aber so heilfamen und trostvollen leßten Stunden deines Lebens mit Todesangst rangeft, zittertest und zagtest; wie dein Schweiß, gleich Bluts tropfen, auf die Erde fiel; wie du vom Geist der Lügen mit falfchen Zeugnissen und Gotteslästerungen gequält wurdest; we dein Haupt mit Dornen zerstochen, dein Untlig verhöhnt, dein Rücken gegeißelt, deine Hände und Füße mit Nägeln durchgraben wurden; wie man dich zwischen Mördern und Übelthätern lästerte, und dich als einen verworfenen Misfethäter feines Trostes und keiner Erbarmung werth achtete; wie du klagtest: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlasſen, und endlich unter den peinlichsten Schmerzen eines schmählichen Todes starbest. Dies Alles littest du, o Herr Jesu, als der Soft Gottes, als der erhabenste Gegenstand des Wohlgefallens Got tes, aus Gehorsam gegen deinen himmlischen Vater D präge die Wahrheit tief in mein Herz: daß nichts als liebe voller Gehorsam uns vor ihm angenehm und werth mache, damit ich nicht in den Gütern dieser Welt, nicht in dem Beifalle und Ruhm, dem Gelde und der Macht der Erde, sondern in der Beim Genuß des heiligen Abendmahls. 59 Gnade Gottes und dem Besig der Seligkeit, die du uns erwor ben, mein höchstes Gut suche. Dies Alles littest du willig, geduldig und mit Unter werfung unter den Willen deines himmlischen Va ters. Olehre mich auf dich sehen und dir nachahmen bei allen. Widerwärtigkeiten dieses Lebens; bei den Beschwerden meines Leibes; bei den Beunruhigungen und Mühseligkeiten, die mit den Geschäften meines Standes und Berufs verbunden sind; bei den gefahrvollen Kämpfen wider die Sünde und sonst allents halben, wo ich die Last dieser Pilgrimschaft schwer fühle. Dies Alles littest du aus Liebe zum menschlichen Geschlecht und auch für mich. Denn so gewiß ich jetzt im heiligen Abendmahl Brod esse und Wein trinke, so gewiß ist dein Leib auch für mich hingegeben, und dein Blut auch zur Vergebung meiner Sünde vergoffen, durch deinen Tod sind nun alle meine Sünden versöhnt, auch alle meine fortdauernden Mängel und Schwachheiten gut gemacht. Erquicke mich durch diesen Trost im Leben und Sterben und stärke dadurch meinen Glauben an Gottes Gnade. Gieb mir aber auch Kraft, dich wieder zu lieben, der du mich erst geliebet hast, und als dein erlöstes Eigenthum recht fleißig zu seyn in guten Werken. Du, o Herr Jesu, bist für unsere Sünde gestorben! Welch ein Beweis des Haffes Gottes gegen alle Sünde und seiner vollkommensten Strafgerechtigkeit! Ermuntere mich dadurch, jede Sünde zu verabscheuen und zu fliehen, und das größte Glück der Welt eher zu verleugnen, als wider Gott mit Wiffen und Willen zu fündigen.. Du, o theuerster Heiland, bist für alle Menschen ges storben. Und ich sollte dem nicht wohlwollen, den nicht herzlich lieben, für den Jesus sein Leben gelassen, für den Gott seinen Sohn gegeben hat? Ja, hier im Abendmahl überzeuge ich mich aufs neue von der Pflicht einer allgemeinen Menschenliebe und crneuere meine Entschließung: was du an mir gethan, das will ich, so viel mir möglich ist, an meinen Brüdern wieder thun! Bei dem Brode, von dem ich in Gesellschaft mit meinen vornehmern und geringern, mit meinen reichern und armen Nebenmenschen effe; bei dem Freundschaftsbecher, aus welchem ich mit ihnen Allen trinke; bei dem Leibe und Blute unsers gemeinschaftlichen Bruders, Erlösers und Herrn gelobe ich:» Fern sey von mir alle Verstellung, Tücke und Bosheit, alle Lieblosigkeit, Unbarm herzigkeit, Argwohn, Neid, Eigennuß, Stolz, Feindseligkeit, Hap und Rachgier! Jeder Mensch, auch der niedrigste Kuecht, auch 60 Nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. mein ärgster Feind, sey ein Gegenstand meines Wohlwollens! Und es sey meine Freude, Andere zu erfreuen und ihnen wohl zu thun!« Du bist endlich, o Herr Jesu, nicht nur um unserer Sünden willen gestorben, sondern auch um unserer Gerechtigkeit willen wieder auferwecket. Selbst dein Abendmahl, das wir jest' genießen, beweist es. Du würdest kein feierliches Dent mal deines schmachvollen Todes gestiftet haben, wenn du nicht deine nahe Auferstehung und Verehrung unter allen Völkern vor hergesehen hättest. Deine Bekenner würden deinen Kreuzestob auch eher verborgen, als durch ein öffentliches Andenken feierlich begangen haben, wenn du nicht auferstanden wäreft. Du lebst also, und ich werde auch leben. Einst nimmst du meinen Geist auf; einst erweckst du meinen Leib aus dem Grabe und ruft ihn hervor zum ewigen Leben. Einst werde ich, erlöst von allem Übel, Gott schauen und dich, meinen Heiland, sehen und bei dir seyn in deiner Herrlichkeit. Einst werde ich mit dir, meinem besten Freunde, mit den Personen, die hier meinem Herzen theuer find, mit allen guten Seelen unter den Menschen und mit den Engeln zu einer ewigen Freundschaft vereiniget und von Ewigkeit zu Ewigkeit immer vollkommener und glückseliger werden. drücke mir heute, theuerster Erlöser, durch deinen Geißt diese große Hoffnung und deine Liebe so start ins Herz, daß ich darin den kräftigsten Antrieb zu allen Tugenden, die Versüßung und das Gewürz meiner Freuden und den besten Trost in Leiden und Sterben finden möge. 28. Nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Herr Gott, himmlischer Vater, dir sey Lob und Dank für allen Unterricht, alle Ermunterung, allen Trost, womit du uns durch die Feier des Gedächtnisses deiner Liebe und der Liebe deines Sohnes Jesu Christi begnadiget haft. Wie sollen wir dir alles das Gute vergelten, das du an uns gethan haft? Möchte dod unser ganzes Leben lauter Dank und eine immerwährende Lob preisung deines Namens seyn! Ja! deine Liebe dringt und v Gott; die Begierde, dir zu gefallen, und deinen Willen zu thun, belebt uns jetzt Alle. Ach laß sie uns stets beleben und unser gonzes künftiges Leben regieren. Gieb doch, barmherziget Gott, daß wir die Versprechungen der Treue und des Gehorsamé, die wir dir heute gethan haben, nie vergessen, sondern von an mir unermüdetem Eifer an ihrer Erfüllung arbeiten mögen. Lehre uns selbst deinen Willen thun, und leite uns durch deinen Nach den fonntäglichen und Wochenpredigten. 61 Geist auf ebaer Bahn. Laß uns alle Tage unsers übrigen Lebens im Glauben und in der Nachfolge deines Sohnes leben, der uns geliebet und sich selbst für uns dahin gegeben hat. Den großen Zweck seines Leidens und Sterbens, uns zu Gliedern seines eigenthümlichen Volks zu machen, die recht eifrig in allen Tugendwerken seyn sollen, laß uns stets vor Augen schweben. Laß uns insbesondere immer mehr redliche und herzliche Freunde aller Menschen werden, so wie er es war und du es bist. Ja, gütigster Gott, heilige uns ganz und gar, und laß unsre Seele und unsern Leib unsträflich und unbefleckt erhalten werden auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi, welchem sammt dir sey Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen! 29. Nach den sonntäglichen und Wochenpredigten. Ewiger Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für alle deine Wohlthaten und besonders auch für die Gnade, die du uns jegt wieder erwiesen haft, uns dein Wort verkündigen zu lassen. Las das Licht deiner Offenbarung sich immer weiter unter den Völ kern ausbreiten. Vergieb uns unsere Sünden und Undankbarkeit und erhalte uns bei dem Genusse des Guten, womit du uns bisher nach deiner unendlichen Liebe gesegnet hast, um Jesu Christi willen. Laß den heilsamen Unterricht, den uns dein Wort giebt, durch deinen Geist in uns Allen kräftig werden, damit dadurch Erkenntniß und Weisheit, Rechtschaffenheit, Tugend und Mens schenliebe, Trost, Freude und Glückseligkeit sich allenthalben unter uns vermehren möge. Laß deinen Segen, o Gott, nicht von dem Lande, von dem Ort und der Gemeinde weichen, darin wir wohnen. Bewahre uns vor großem Unglück und Landplagen und beglücke uns und unsere Nachkommen mit allem dem, was zu einer vollkomme nen Wohlfahrt auf Zeit und Ewigkeit gehört. Walte mit deiner Aufsicht und Fürsorge über alle Könige und Fürsten und ins besondere über unsern theuersten König und das ganze Königliche Haus. Erhalte ihn bei beharrlichem Wohlergehen und laß uns unter seiner Regierung eines unverrückten Wohlstandes ges nießen. Kröne die Bemühungen aller seiner Näthe und Diener, aller Stände, Obrigkeiten und Richter dieses Landes, aller Lehrer der Religion, der Künste und Wissenschaften mit Glück und Ges deihen, daß überall Religion, Gewissenhaftigkeit, Ordnung, Nuhe und Wohlstand vermehrt und befördert, und der Landbau, die Künste und Wissenschaften, die Handlung und alle andere Arten 62 Stach den sonntäglichen und Wochenpredigten. des Gewerbes mit gutem Fortgang getrieben und immer blü hender werden. Dir, o Gott, und deiner väterlichen Fürsorge empfehlen wir alle unsere Nebenmenschen. Führe die Unwissenden zur Erkenntnis, die Irrenden zur Wahrheit, die Zweifelnden zur Gewißheit, die Lasterhaften auf den Weg der Besserung. Erfreue die Traurigen mit Troste, die Elenden mit Hülfe, die Kranken mit Erquicung und die Sterbenden mit Hoffnung eines bessern Lebens. Endlich siche mit Gnade und Erbarmung auf uns Alle herab. Verleih uns Allen, daß wir uns die Gnade, die uns in Jesu Christo, deinem Sohn, erschienen ist, wohl zu Nuße machen, damit wir durch seine Lehre erleuchtet, durch sein Verdienst be gnadiget, durch sein Beispiel geleitet, und, von seinem Geiste be feelet, der Sünde immer mehr absterben, alle unsere Pflichten treulich erfüllen, die uns anvertrauten Fähigkeiten und Güter nach deinem Willen gebrauchen und ein solches Leben führen mögen, daß wir zu dem höhern seligen Leben geschickt werden, welches du uns im Himmel bereitet hast. Stehe uns dazu bei mit deiner Gnade und deinem Geiste, durch Jesum Christum unsern Heiland. Amen! 30. Ein anderes Gebet zu eben dem Gebrauch. Groß und mannichfaltig sind die Wohlthaten, die du uns schenkst, Herr, unser Gott! Aber auch groß und stark ist unsere Ber pflichtung, dich zu lieben, dir zu gehorchen und uns in unserm ganzen Verhalten bloß nach deinem Willen zu richten. Gieb und dann durch deinen Geist die Gnade, daß es das Ziel unserer höch sten Ehrbegierde und unser unablässiges Bestreben seyn möge, dit, unſerm gütigsten, freigebigsten Wohlthäter, zu gefallen und gleich bir an der Beförderung der Vollkommenheit und Glückseligkeit unserer Nebenmenschen zu arbeiten. In diesen Gesinnungen las uns dein Wort, das wir jetzt gelesen und gehört haben, stärken, damit wir nicht unfruchtbare Hörer, sondern Thäter desselben seyn, und so immer ruhiger und seliger werden mögen. Laß dieses Glück auch denen zu Theil werden, welchen es noch fehlt. Segne zu dem Ende alle Fürsten, alle Obrigkeiten, alle Lehrer in Kirchen und Schulen mit vorzüglicher Weisheit, Menschenliebe und Treue, daß fie die Ausbreitung der Wahrheit und Tugend und die Glückseligkeit derjenigen, die du ihrer für sorge empfohlen hast, auf alle Weise befördern. Insbesondere heilige zu diesem großen Zweck unsern gnädig sten König und Herrn. Begnadige ihn mit der Versicherung Im Advent und am Weihnachtsfesie. 63 deines Wohlgefallens. Erfreue ihn durch das Glück und die Liebe seiner Unterthanen. Entferne von ihm alles Widerwärtige und mache ihn zum Beispiel deiner wohlthuenden Gnade bis zum höchsten Ziel des menschlichen Lebens. Alle die, denen die Regierung dieses Landes und die Verwaltung der Gerechtigkeit anvertraut ist, und die, die diesem Amt, Ort und Gemeinde vor. gefeßt sind, empfehlen wir deiner Fürsorge, Gnade, Beschirmung und Hülfe. Dir empfehlen wir diese ganze Gemeinde, die Ges funden und die Kranken, die Reichen und die Armen, die Glücklichen und die Unglücklichen. Segae uns Alle mit Gedeihen in unserm Beruf, mit gefunden, fruchtbaren und ruhigen Zeiten, und vor allen Dingen mit Weisheit, Tugend und christlicher Frömmigkeit, mit Kraft und Gelegenheit zu vielen guten christlichen Thaten, mit der Freude des Recht- und Wohlthuns, mit der Versicherung deines höchsten Wohlgefallens und der frohen Hoffnung eines ewigen Lebens, durch Jesum Chriftum, Amen! 31. Im Advent und am Weihnachtsfeste. Gott, Schöpfer und Bater der Menschen, wir, dein Volk, deine Erlösten, deine Kinder, werfen uns, von Bewunderung und Freude durchdrungen, vor deinem Throne nieder, und beten dich voll Ehrfurcht und Dankbarkeit an. Uns ungehorsamen Geschöpfen und strafbaren Aufrührern in deinem Neiche hast du beinen eingebornen Sohn zum Lehrer, Mittler und Heiland geschenkt, und läsfest uns durch ihn anstatt der Strafe, die wir verdient, Gnade, und anstatt des Elends, worin wir uns ges stürzt hatten, Trost und Seligkeit verschaffen und anbieten. Gott, wer kann die Größe dieser deiner Erbarmung und Gnade faffen? wer kann dir den Dank und das Lob geben, die dir gebühren? Die Beweise deiner Liebe gegen uns sind unzählig; aber die Sendung deines Sohns in die Welt, um Friede, Heil und Glückseligkeit auf die Erde, und Freude, Wonne und Zufriedenheit unter die Menschen zu bringen, ist die rühs rendste Probe von deiner unermeßlichen Huld und Güte, ist das Siegel deiner Vaterliebe und Freundschaft gegen uns. O möchten wir es recht erwägen, recht empfinden, wie viel du für nas gethan, wie hoch du uns geachtet, wie herrlich die Hülfe und Errettung sey, die uns durch deinen Sohn, Jesum, den Weltbeiland, zu Theil wird, daß wir dich und deinen Willen tens nen, und das frohe Evangelium Jesu auch den Armen und Gesingen gepredigt wird; daß wir strafwürdige Sünder uns auf 64 Im Udvent und am Weihnachtsfeste. Buße und Besserung deiner Begnadigung und der Vergebung der Sünde getrösten können; daß wir Muth und Kräfte haben können, von Sünden abzulaffen und ein tugendhaftes Leben zu führen; daß wir uns bei dem Gefühl unserer Mängel und Fehler deiner väterlichen Nachsicht und beim Gefühl unserer Schwach heit des Beistandes deines Geistes versichern können; daß wir uns deiner Fürsorge mit kindlicher Zuversicht überlassen und stets das Beste von dir erwarten können; daß wir nun nicht mehr mit einem sclavischen Schrecken vor dir, unserm Herrn und Nich ter, zittern, sondern dich als unsern Vater mit kindlicher Liebe und Zuversicht anbeten und verehren dürfen; daß wir wissen, du wollest jede gute Gesinnung und That, die aus Liebe und Gehorsam zu dir herrührt, als einen Gottesdienst ansehen und belohnen; daß wir eine unerschöpfliche Quelle des Trostes und der Beruhigung bei allen Trübsalen und Bekümmernissen dieses Lebens haben; daß wir uns zur Hoffnung einer seligen Unsterb lichkeit erheben, alle Furcht des Todes und des Grabes beſsies gen, den Tag des Gerichts und der Vergeltung ohne Schrecken erwarten und uns der Seligkeit der zukünftigen Welt zum voraus erfreuen können: dies Alles, o Gott, haben wir der Sen dung deines Sohnes in die Welt und dem großen Werk zu danken, das er auf Erden vollbracht hat. Ehre, Ehre und Preis sey dann dir, o Allerhöchster, für alle diese Wohlthaten, Vortheile und Segen! Schenke uns nun auch mit deinem Sohne deinen mächtigen Geift, damit die Ab sichten der Ankunft Jesu, deines Sohnes, in die Welt an und Allen erreicht werden mögen. Laß uns die Wahrheit, die er uns verkündiget hat, immer höher schäßen, immer eifriger lernen, damit das Reich der Finsterniß, des Irrthums und des Aberglaubens immer mehr dadurch zerstört werde. Laß die Begnadigung, die Beruhigung und Hoffnung des ewigen Lebens, die er uns erwors ben, uns Allen zu Theil werden; aber bewahre uns auch, daß wir deinem gnädigen Vorhaben, uns dieses Glück zu schenken, nie durch muthwillige Sünden widersetzen und desselben mie durch ein unchristlich lasterhaftes Leben unwürdig und verlustig machen mögen. Mache vielmehr diese Seligkeit des Christens thums unsern Herzen immer theurer und wichtiger. Erzenge uns die kindliche dankbare Liebe, die dir so wohl gefällt, und stärke uns dadurch, alle Laster zu meiden, alles Gute mit Freuden zu verrichten, alle Reizungen zu bösen, niedrigen Thaten überwinden, im Leben, Leiden und Sterben dich mit allen unsern Gesinnungen, Worten und Werken zu preisen, damit wir dereinst inl 65 wenn unser Heiland zum zweiten Male erscheinen und die Menschen richten wird, heilig und unsträflich vor ihm erfunden werden, und mit ihm in dein Reich eingehen mögen. Erhöre uns durch Jefum Chriftum. Amen! Am Um Neujahrstage. 32. Um Neujahrstage. Gott, der du von Ewigkeit zu Ewigkeit lebest und herrschest und wirkest, stets bleibest, wie du bist, und dessen Jahre kein Ende nehmen, wir, deren Tage nur einer Hand breit sind, heiligen dir, dem unsere Zeit und Alles, was wir sind und haben, zugehört, bie Erstlinge dieses Jahrs. Mit Danken kommen wir vor deinem Angesicht; denn jeder Tag, jede Stunde des vergangenen Jahrs zeuget von deiner Güte, Liebe und Treue gegen uns. O daß auch jeder Tag, jede Stunde des verflossenen Jahrs von unserer Dankbarkeit, Gegenliebe und unserm Gehorsam gegen dich zeugen möchte! Aber, Herr, wir müssen uns schämen; voll Neue und Kummer fühlen wir die Laft, die schwer drückende Last, von Sünden und Schulden, die ein ganzes Jahr auf uns häufet. Ach! wie vieles unterlaffenen Guten, wie vieler unordentlichen Lüfte und böser Thaten muß es uns nicht vor dir, dem Allwissenden, anklagen! Wie groß war nicht die Gefahr Vieler unter uns, von dem Tode und der Ewigkeit übereilt zu werden, ehe sie sich zum Übergang in ein besseres Leben geschickt gemacht hatten. Ach Gott, tilge unsere Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit um Jesu Christi willen, der Jesus genannt wurde, weil er sein Volk selig machen sollte von Sünden, und laß sie gleich dem vergangenen Jahre ins Meer der Vergessenheit versinken. Laß aber auch dieses neue Jahr, das uns beine Güte heute antreten läßt, nicht unsere Schuld vermehren. Laß es fruchtbarer an guten christlichen Gesinnungen und Thaten für uns seyn, als es unsere bisherigen Lebensjahre gewesen sind. Laß uns die Kürze und Flüchtigkeit unsers irdischen Lebens und seine Verbindung mit unserm künftigen ewigen Schicksal nie vergessen, damit wir stets wählen und thun, was wir bereinst, wenn uns der Tod vors Gericht führt, wünschen werden, gewählt und gethan zu haben. Laß dieses Jahr für uns und alle unsere Brüder auf Erden gesegnet seyn. Laß es ein Jahr der Erquickung und Hülfe für alle Elenden und Nothleidenden, ein Jahr der Freiheit für alle Unterdrückten und Verfolgten, ein Jahr der Erleuchtung für alle Unwissenden und Berirrten, ein Jahr der Besserung für die Lasterhaften, ein Jahr des Fortgangs und Wachsthums auf Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 5 66 Am Feste der Offenbarung Christi. dem Wege der Vollkommenheit für alle deine rechtschaffenen Verehrer seyn! Segne alle Könige und Fürsten. Überschütte vornämlich mit den besten Segnungen unsern gnädigsten König, das ganze Königliche Haus und alle seine Diener. Segne alle Lehrer der Religion, und besonders, die du uns gegeben hast. Verherrliche deine Hülfe an allen Kranken, Armen und Traurigen unter uns. Laß deine Güte uns Alle erfreuen, und fey mit uns, wie du bisher mit uns und unfern Vätern ge wesen bist. Erhöre uns, barmherziger Gott, um deiner ewigen Liebe willen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen! 33. Um Feste der Offenbarung Christi und seiner Lehre an die Heiden. Herr, unser Gott, wir freuen uns vor dir, und bringen dir mit vereinigten Herzen Lob und Dank, daß du uns, die wir in Finsternis saßen, erleuchtet und uns auf den Weg der Glüd feligkeit geleitet haft. Die Finsterniß der Unwissenheit und des Irrthums bedeckte ehemals die Gegenden, wo jetzt das Licht deiner Wahrheit scheint. Abgötterei und Aberglauben erniedrigten da die Menschen, wo jest deine Verehrer dich, den einigen wahren Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden, und den du gesandt haft, Jefum Christum, im Geist und in der Wahrheit anbeten. Unglaube, Zweifelsucht und Trostlosigkeit, Raub, Mord, Unterdrückung, Meineid und Ehebruch herrschten da über den größten Theil der Völker, wo jest froher Glaube, fester Trost und Hoffnung, christliche Frömmigkeit, Menschenliebe, Gerechtigkeit, Friede und Treue bekannt ist. Ach! ohne deine Hülfe, o Gott, ohne die Erleuchtung durch Jesum Christum und seine Lehre wären auch wir das, was unsere weniger glücklichen Voreltern waren. Gleich ihnen würden wir dich, unsern Gott, deine herrlichen Bollkommenheiten, deine liebs reichen Rathschlüsse über uns nicht kennen. Gleich ihnen würden wir vor stummen Gößen niederfallen, auf kindische Gebräuche, auf grausame Opfer unser Vertrauen seßen, uns von blinden Führern leiten und bald von vergeblicher Furcht, bald von eitler Hoffnung täuschen lassen. Gleich ibnen würden wir vielleicht nach Begnadigung und Trost, nach Kraft zum Guten schmachten und doch elend und entkräftet bleiben. Aber wie groß ist jetzt unser Glück, da wir Christen find. Wir kennen dich, den Ewigen und Allmächtigen, als den Gott, 316 indienomme Am Feste der Offenbarung Christi. 67 der die Liebe ist und unser Vater. Wir wissen, daß du für einen Jeden unter uns sorgest; denn alle unsere Haare, alle unsere Seufzer und Thränen sind von dir gezählet. Wollen uns unsere begangenen Sünden deine Guade zweifelhaft machen, wie beruhigend ist dann die Lehre deines Worts für buffertige Seelen: An Jesu, dem Sohn Gottes, haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden. Die Lehre Jesu zeigt uns den, Weg zur wahren Glückseligkeit in diesem und dem zukünftigen Leben, und giebt uns bei gehörigem Gebrauch derselben Antrieb, Beistand und Kräfte, auf demselben zu wandeln. Ihr haben wir den besten Trost in dem mannichfaltigen Elend dieses Lebens und die Verfüßung unsers Todes zu danken. Wir dürfen nun nicht bei den Gräbern der Unsrigen traurig seyn, wie die Andern, die keine Hoffnung haben. Jesus lebt; wir werden auch leben, auch unsere frommen Freunde, deren Verlust wir beweinen, werden leben, mit uns bei Jesu Christo seyn, seine Herrlichkeit sehen, Gott schauen! Dank, froher Dank! Lob, ewiges Lob sey dir, o unser Erbarmer, für diese unverdiente Wohlthat. Bewahre uns, daß wir die großen Vorzüge, die wir als Christen haben, nie verlieren, nie geringschätzen mögen. Mache uns vielmehr geneigt, oft daran zu gedenken, daß wir Christen sind, und segne diese dankbare Erinnerung dazu, daß dadurch in uns jede Versuchung zum Unglauben und zu Sünden geschwächt, daß dadurch uns die Ausübung jeder Tugend erleichtert und alle Bitterkeiten des Lebens und des Todes versüßt werden mögen. Ja, hochgelobter Jesus, ewiger Sohn Gottes, der du über Alles herrschest und das Glück deiner erlösten Menschen besorgest, erhalte, reinige und heilige dir selbst deine Kirche. Laß deine Lehre unter uns immer mehr Wahrheit, Tugend, Ruhe, Freude und Seligkeit wirken. Lehre uns Alle dem Lichte folgen, womit bu uns erleuchtet hast; den Namen, den wir tragen, mit der That behaupten; durch Vertrauen und Geduld, durch Demuth, Sanftmuth und Verträglichkeit, durch Menschenliebe, Gültigkeit, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, durch Mäßigkeit, Keuschheit, Fleiß und gewissenhafte Treue in unserm Beruf und Stande Jedem das Christenthum verehrungsund liebenswürdig machen, und so beweisen, daß du in uns wohnst und wir von deinem Geist belebt und regiert werden. Erweitere dann auch die Grenzen deines Reichs auf Erden. Erbarme dich aller Menschen, die noch von dir entfernt sind. Laß bein Evangelium auch ihnen verkündiget werden und ihnen, ein neues Leben hervorbringen, damit sie mit uns der höhern Glück5* 68 In den Gedächtnißtagen feligkeit fähig werden, die deinen aufrichtigen Verehrern bereitet ist auf Zeit und Ewigkeit. Amen! 34. In den Gedächtnißtagen des Leidens und des Todes Jesu. Ewiger Sohn Gottes, Herr Jesu, du Erretter und Seligmacher der Menschen, mit einem Herzen voll Dank und Freude preisen wir dich, daß du in die Welt famst, den Nath Gottes von un ferer Erlösung auszuführen. Keine äußere Herrlichkeit umgab dich, da du zur Selig machung der Sünder auf Erden, erschienest. Zwar wareft du ganz ohne Sünde, ein heiliger und unbefleckter Mensch, mit den herrlichsten Kräften, mit hoher Weisheit und mit den vor trefflichsten Gaben des heiligen Geistes geziert; du wohntest unter den Menschen voll Gnade und Wahrheit und man sahe deine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater in vielen göttlichen wohlthätigen Werken. Aber du erscheinest doch nicht im Glanz deiner göttlichen Majestät, du begabest dich des be ständigen Gebrauchs der Herrlichkeit, die dir, als dem ewigen Sohn Gottes, eigen war; du nahmest unsern schwachen ge brechlichen Leib an, lebtest, in Knechtesgestalt ohne äußerliches Ansehen; unterwarfest dich allen Einschränkungen, Bedürfniſſen und Beschwerden unserer Natur. Dein ganzes Leben war ein Zusammenhang von unermü deter Geschäftigkeit, die Menschen zu unterrichten, zu beffern, zu trösten, zu begnadigen und glücklich zu machen. Du lehrtest den Weg, der zu Gott und der wahren Glückseligkeit führt. Du gabest der Welt das vollkommenste Muster von der höchsten menschlichen Unschuld und Tugend. Du zogest umher und thatest wohl. Auf allen deinen Wegen begleitete dich Licht. Weisheit und Wahrheit, Menschenliebe, Mitleiden, Troft, Hülfe und Errettung. Gleichwohl wurdest du von feindseligen Menschen gehaft, verfolgt, geschmähet. Du wirst endlich gar als ein Übelthäter gefangen, als ein Gotteslästerer angeklagt, mit falschen Zeugnissen gekränket, von heuchlerischen und zum Theil blutgierigen Nichtern verurtheilt, von unbarmherzigen Gerichtsdienern geschlagen, ver ſpottet, gelästert. Dein Haupt wird mit Dornen zerstochen; Angesicht durch grausame Schläge verstellt; bein Rücken blutig gegeißelt. Du wirst an Händen und Füßen mit Nägeln durch graben, ans Kreuz geheftet, und erduldest den schimpflichsten, schmerzlichsten Tod. Und was sind alle diese äußerlichen Leiden dein des Leidens und des Todes Jefu. 69 gegen die Leiden beines Geistes, gegen die außerordentliche Angst und Bangigkeit, womit deine Seele angefüllt war, da am Ölberg deine Glieder vor Beklemmung und Traurigkeit der Seele zitterten; da du in dieser großen Beängstigung auf der Erde lagest und flehtest, daß, wenn's möglich wäre, die Stunde des Schreckens und Jammers vorüber gehen möchte; da du im Beten so heftig rau gest, daß dein Schweiß wie Blutstropfen auf die Erde floß; da deine innere Qual so peinlich wurde, daß ein Engel dich stärken mußte, um nicht unter ihrer Last zu erliegen. Dieser Angst, diesen Mißhandlungen und Verspottungen, diesen Martern, Schmerzen und Tod gingest du, o theuerster Jesu, mit geseßtem ruhigem Gemüth und williger Entschloffenheit entgegen und duldeteft alle diese Leiden mit der größten Gelassen heit und Geduld, mit beispielloser Sanftmuth und mit kindlicher Ergebung in den Willen deines Vaters, in der Absicht, um die Barmherzigkeit und Güte, die Heiligkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes aufs neue zu verherrlichen und uns strafwürdigen Sündern Errettung, Trost und Seligkeit zu verschaffen. Nun dürfen wir uns bei redlicher Besserung vor den verdienten Strafen der Sünden nicht fürchten, und an der Bereitwilligkeit Gottes, uns Gnade für Necht widerfahren zu lassen, nicht zweifeln, denndu haft für uns und an unserer Statt gelitten, um uns eine völlige Begnadigung, Vergebung aller Sünden und eine neue Hoffnung und ein neues Recht zur Seligkeit zu erwerben. Nun haben wir eine zuverlässige Versicherung von der väterlichen Huld und Liebe Gottes gegen und und eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens; denn Gott hat seines eigenen Sohns nicht verschonet, sons tern ihn für uns Alle dahin gegeben: wie follte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Nun dürfen wir in keiner Art des Leidens verzagen; denn du regierst jetzt, als Herr über Alles, alle unsere Schicksale, und wirst uns nie verlassen, noch versäumen, da wir dir dein Blut und Leben gekostet, da du weißt, wie leidenden und sterbenden Menschen zu Muthe sey, und durch die eigenen Empfindungen unsers Elends zu mitleidigen, sanftmüthigen und zärtlichen Gesinnungen gegen uns bist zubereitet worden. Nuu wiffen wir, wie wir uns im Leiden und Sterben Gott wohlge fällig betragen können; denn du hast gelitten für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen deinen Fußstapfen. Nun sind uns neue Kräfte erworben, der Sünde abzusterben und der Gerechtigkeit zu leben; denn nichts verpflichtet uns stärker und ermuntert uns fräftiger dazu, als die ernste Erwäs gung deiner Mittlersleiden und deines Versöhnungstodes. In den Gedächtnißtagen 2c. D so laß uns denn nie vergessen, was wir dir, unserm großmüthigen Erretter und Seligmacher, schuldig sind, und mach' unser ganzes Leben zu einem beständigen Dank gegen dich. Siche herab vom Thron deiner Herrlichkeit auf uns Alle, die wir jegt mit unserm Geiste unter deinem Kreuze steyen, und mache uns das Wort vom Kreuz zur göttlichen Kraft, um di durch begnadiget, beruhiget und gebessert zu werden. Bringe uns unter die Zahl derer, die dir dein Vater zur Beute, zum süßen Lohn für deine saure Seelenarbeit bestimmt hat. Lehre uns, dir dadurch Freude machen, daß wir den Segen deines Todes mit dankbarem Glauben annehmen und nicht uns, sons dern dir leben. Laß alle die, welche noch den Sinn haben, der Sünde zu dienen, aus deiner Marter, Angst und Tod die ers schreckliche Gefahr erkennen, darin sie sich befinden, wenn sie in Lafter fortfahren, damit sie mit Entsegen alle Sünden, auch ihre gewöhnlichsten und angenehmsten, bußfertig verabscheuen und mit völliger Absagung ihres Dienstes Gnade und Vergebung bei Gott im Glauben an dein Verdienst suchen und finden mögen. Laß Alle, welche durch dich zu Gott gekommen sind und noch zu ihm kommen, des Trostes der Vergebung der Sünden ges nießen. Erbarme dich aller Menschen, auch derer, die nicht Christen sind und dich nicht kennen, im Leben und im Tode. Laß die Kraft deines Todes sich insbesondere an allen denen verherrlichen, die jetzt unter der Last schwerer Leiden, unter dem schmerzhaften Gefühl eines bekümmerten Geistes oder eines frans ken, der Auflösung sich nähernden Körpers seufzen, oder vielleicht gar von Angst und Schrecken des Todes umfangen sind. Laß dein Materbild ihrem Geiste gegenwärtig seyn und Licht in ihre Finsternis, Trost und Hoffnung in ihr geängstetes Gemüth brin gen. Erinnere uns Alle stets an deine großmüthige Aufopfe rung zu unserm und unserer Nebenmenschen Besten, damit wir dadurch Kräfte erlangen, jede Reizung zum Bösen, zur Ungerech tigkeit, zum Neid und Geiz, zum Stolz, zur Nachbegierde und Wollust zu besiegen; unsere Größe und Glück nicht in Pracht, Reichthum und andern glänzenden Dingen, sondern gleich dir in Weisheit, Frömmigkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld, Ver söhnlichkeit, Großmuth, Menschenliebe und Wohlthätigkeit zu seßen; gleich dir in dem Dienste Gottes in der Beförderung des gemeinen Besten und des Wohls unserer Brüder, ja selbst un serer Feinde, weder Mühe, noch Arbeit, weder Tabel, noch Un dant, weder Beschwerden, noch Gefahr zu scheuen; gleich dir bei Beleidigungen, die uns Andere unter göttlicher Zulassung zufügen, Um Osterfeste. 71 zu dulden und zu schweigen, gern und ohne Genugthuung zu verzeihen und das Böse mit Gutem zu vergelten; gleich dir uns dem Willen Gottes zu ergeben, und Alles, was er uns zuschickt, mit Gelaffenheit zu leiden, ohne von seinen Geboten zu weichen, um uns davor zu bewahren oder uns davon za befreien, sondern gleich dir unverdrossen, standhaft und treu zu bleiben im Guten bis in den Tod. Dann wird dir, o Herr Jesu, der Dank gefallen, den wir dir hienieden stammeln; dann werden wir, wenn du uns zu dir rufft, wenn unfer Ende sich hier nähert, voll Hoffnung und Zuversicht mit dir sagen können: Es ist vollbracht. Bater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist; dann werden wir einst dich und deine Herrlichkeit sehen, ganz Dankbarkeit und Freude seyn; dich, so wie du es würdig bist, lieben, und das Glück, deine Erlösten zu seyn, ganz empfinden, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es geschehe uns so! Amen! 35. Am Osterfeste. Allmächtiger Gott, du hast Jesum Christum, unsern gellebten Erlöser, nach überstandenen Schmerzen des Todes nicht im Grabe gelaffen, sondern ihn aus demselben ins Leben hervorges führt. Auf eine kleine Zeit war er der Allverachtetste und Unwertheste. Aber nun ist er mit Ehre und Preis gekrönet und zu deiner Rechten im Himmel über Alles erhöhet. Du hast uns auch von dieser Begebenheit, daß Jesus von dem Tode wieder. auferwecket worden, eine solche Gewißheit gegeben, daß wir darauf unsern Glauben, unsere Entschließungen und Hoffnungen zuvers läffig bauen können. Seinen redlichen frommen Freunden und Schülern zeigte sich Jesus nach seiner Auferstehung lebendig vierzig Tage lang, zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten. Sie, in deren Herzen sein Bild so tief eingegraben war, daß sie ihn unmöglich verkennen konnten, sie fahen, sie betaſteten ihn, sie hörten seine Stimme, fie gingen so wie ehemals vertraut mit ihm um. Sie empfanden die Kraft seines Lebens, und wurs den aus zweifelnden, verzagten und schüchternen Menschen solche Helden des Glaubens, daß fie ohne die geringsten eigennüßigen Absichten, vielmehr unter Mühseligkeit, Verfolgung und beständiger Erwartung des Todes das Leben ihres Herrn der Welt öffentlich und feierlich und mit ruhiger Standhaftigkeit verkündigten. Sie bekräftigten die Auferstehung Jesu durch Wunder, welche sie in seinem Namen verrichteten. Seine Lehre hat sich, der mächtig 72 Um Osterfeste. sten Hindernisse ungeachtet, unter den Völkern ausgebreitet, und feine Weiffagungen gehen noch jetzt an den Nachkommen des Volks, das ihn gekreuziget hat, in Erfüllung. Auf die Art sind auch wir versichert, o gütiger Gott, daß wir den Lehrer und Heiland der Welt nicht im Grabe bei den Todten suchen dürfen. Auf die Art wissen auch wir mit Zu verlässigkeit, daß Jesus auferstanden sey von den Todten. Und wohl uns, daß wir das wissen; denn jetzt können wir nicht daran zweifeln, daß er dein Sohn sey und der von dir bestimmte Mittler und Seligmacher der Menschen; du haft ihn selbst feierlich dafür erklärt, indem du ihn von den Todten auferwecket hast. Dadurch hast du allen seinen Lehren, Verheißungen und Befehlen das Siegel der Göttlichkeit und Wahrheit aufgedrückt. Jetzt ist's gewiß, was uns Jesus von unserm Gott und Vater und unserer Bestime mung gelehrt hat. Jetzt können wir uns darauf verlaffen, daß du für uns sorgest und daß alle Haare auf unserm Haupte ges zählet sind; daß du allert denen, die dich darum bitten, den heiligen Geist zur Besserung geben willst; daß wir bei redlicher Verabscheuung der Sünde durch den Glauben an Jesum Christum Vergebung der Sünden, deine Gnade und das ewige Leben er langen können; denn er ist um unserer Sünden willen dahin ge geben und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket. Jegt wird dir das Bestreben, das zu thun, was uns Jesus geboten hat und was er gethan hat, gefallen; denn seine Gebote sind deine Gebote, o Gott! und sein Leben hast du vor aller Welt mit deinem höchsten Wohlgefallen geehrt. Jetzt können wir es wagen, in der Tugend zu beharren, wenn wir auch dabei hier Verfolgung, Schmach und Leiden zu übernehmen hätten; denn auch deinen Sohn Jesum hast du auf dem Wege des Leidens zur Herrlichkeit geführt und dahin willst du auch uns durch ihn führen, wenn wir auf ihn sehen und gleich ihm leiden. Jeßt können wir uns bei allen Mühseligkeiten, bei unserm Tode, bei dem Absterben unserer frommen Freunde mit der großen Hoff nung eines beffern ewigen Lebens trösten und aufrichten; denn so gewiß unser Erlöser lebt, und ewig lebt, so gewiß sollen auch wir leben und nie zu leben aufhören. So gewiß er das Grab verlassen hat und mit verklärtem unsterblichem Leibe in den Himmel eingegangen ist, so gewiß werden auch wir dereinst auf seinen Ruf unsere Gräber verlassen und mit unverweslichen herrlichen Leibern in fein Reich eingehen. Gütigster Gott, barmherziger Vater! Ruhm, Dank und Ehre sey dir, daß du uns durch die Auferstehung Jesu Christi Am Feste der Himmelfahrt Jesu. 73 von den Todten mit so vielen Wohlthaten und Segnungen, mit so großen Erwartungen und Hoffnungen begnadiget hast. Gieb uns nun deinen Geist, daß, so wie er, durch deine herrliche Macht auferwecket, ein göttliches, himmlisches Leben führt, auch wir mit ihm in einem neuen Leben wandeln mögen. Ja, göttlicher Erlöser, beweise dein Leben selbst an unsern Seelen. Erwecke die, welche noch unter uns todt sind in Übertretung und Sünden, daß ihnen Wahrheit und Tugend, deine Gnade und die ewige Seligkeit so wichtig werden, daß sie endlich einmal den Weg betreten mögen, der sie zu dir und zur seligen Unsterblichkeit führen kann. Denen, welche nur wünschen, fromm und tugendhaft zu seyn und die Seligkeit des Christenthums zu genießen, die die betrüglichen Vergnügungen der Sünde nur selten ohne Angst und Gewissensbiffe genießen können und doch nicht Muth und Entschlossenheit genug haben, denselben zu entsagen, denen vers leihe Lust und Kraft, das wirklich zu seyn und zu thun, was sie bisher zu seyn und zu thun nur gewünscht haben, damit sie Ruhe finden für ihre Seelen. Flöße allen denen, die dich von ganzem Herzen ehren und lieben, neues Leben ein. Erfülle ihre Herzen mit erneuertem Vertrauen auf Gottes Gnade, mit neuem Eifer zur Erfüllung aller ihrer Pflicht, mit neuer Thätigkeit zum Guten, mit neuer Lust und Kraft, dein Reich auf Erden zu ers weitern und die Glückseligkeit aller ihrer Nebenmenschen zu beförs dern, damit wir Alle in Wahrheit fagen können: Ich lebe, aber nun nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir, und so lange ich noch in diesem sterblichen Leibe lebe, will ich nicht mir selbst leben, noch meinen unordentlichen sündlichen Begierden, sondern dem leben, mich nach den Lehren und dem Beispiel desienigen richten, der für mich gestorben und auferstanden ist. So können wir mit der gewissen Erwartung einer bessern Zukunft unsere Freude versüßen, unser Leiden erleichtern und selbst in der letzten Stunde der großen Veränderung des Todes herzhaft entgegen gehen. So dürfen wir nicht zu Schanden werden, wenn du kommen wirst, die Welt zu richten und deine rechtschaffenen Nachfolger zum Genuß der Herrlichkeit einzuführen. Dazu hilf uns Allen, o du, der du lebst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! 36. 36. Um Feste der Himmelfahrt Jefu. Gott, du bist die Liebe! deine ewige Erbarmung beschloß der fündigen Menschen Erlösung, fie sandte uns deinen Sohn zum Erretter und Seligmacher; und dieser festliche Tag rufet uns zu, 71 Am Feste der Himmelfahrt Jesu. daß er sein großes Werk auf Erden vollbracht hat und nun vollkommen selig mache Alle, die sich durch ihn zu dir und zur Glückseligkeit führen laffen. Er hat alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Er ist das Haupt der Gemeinde, der Herr und König seines erlösten Volks. Du hast ihn erhöhet, und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in seinem Namen sich alle Kniee beugen sollen. con che Und wir, göttlicher Erlöser, Versöhner, Freund und Be herrscher deiner Brüder, der Menschen, wir beugen uns mit heiliger Ehrfurcht vor deinem Thron und beten dich mit allen Engeln und Seligen im Himmel aufs demüthigste an. Ja, mit der dankbarsten, innigsten Frende wollen wir dich jetzt und ewig verehren. Aus Liebe zu uns hast du den Himmel verlaffen. Denn für uns hast du auf Erden gelebt, gelehrt, ge litten; für uns bist du gestorben. Aus Liebe zu uns hast du bie Erde wieder verlaffen, bist ins Heiligthum des Himmels eingegan gen und gebrauchst da zu unserm Besten die Herrlichkeit, die du bei dem Vater hattest, ehe die Welt war. Du beherrschest dein Neich, das Reich der Wahrheit und Tugend, und erhältst es wider alle Stürme des Unglaubens und der Lafter. Du, unser bester Freund, der sein Leben für uns gelassen, der eben so viel Liebe, als Macht und Weisheit besigt, unser Heit zu besorgen, du lebest immerdar und vertrittst uns. Du siehest von dem Thron des Himmels mit erbarmenden Augen auf uns herab; regierest unser ganzes Leben mit allen seinen Schicksalen und lenkest jeden Zustand, worin wir uns befinden, zu unserm Besten. Du be wahrst uns, wenn wir nur in aufrichtigem Gehorsam gegen deine liebreichen und heilsamen Gefeße treu bleiben, daß uns nichts aus der Hand reißen kann. Du bereitest uns und allen deinen rechts schaffenen und treuen Verehrern eine Stätte im Himmel zu, und kommst endlich, uns dahin zu führen, wo wir, von allem Übel erlöst, dich, unsern Herrn und unsern Gott, fehen, und von dir unterrichtet, erfreuet, mit deinem Dienst beschäftiget, in deinem Umgang unaussprechlich selig seyn werden. Dentzückende Aussichten, o erwünschte Hoffnung! Unser Baterland ist im Himmel; da finden wir ganz reine und göt liche Freuden, unschäßbare Güter und eine unvergängliche Herr lichkeit! Ach, was wäre unser Leben auf Erden ohne diese Hoff nung? ohne sie würden wir nicht ohne Schauer an die Zukunft denken können. Ohne sie würden wir die Güter und Freuden dieses Lebens nicht fröhlich genießen können. Ohne sie würde uns die Mühseligkeit und Trübsal dieser Zeit unerträglich werden. Um Pfingfifeste. 75 Ohne sie fehlten uns die mächtigsten Antriebe, gut und fromm zu werden und zu bleiben. Ermuntere und stärke uns aber auch, verherrlichter Erlöser, daß wir, von dieser Hoffnung belebt, trachten mögen nicht nach dem, was auf Erden ist, sondern nach dem, das droben ist, wo du bist, sigend zur rechten Hand Gottes. Dir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden und auch über unsere Herzen. Schenke uns denn einen wahrhaftig himmlischen Sinn, daß wir alle Sünde als unser größtes Unglück mit aller Sorgfalt bekämpfen und vermeiden, in dem erlaubten Genuß der Freuden und Güter dieses Lebens uns mäßigen und Gottes Gnade und den Besitz einer seligen Ewigkeit bei unserm Beruf und Stand in der Welt, in der Einsamkeit und Gesellschaft, bei unsern Ergögungen und Leiden zum höchsten Ziel unserer Wünsche, Hoffnungen und Bestrebungen machen mögen. Laß es uns zu teiner Zeit aus dem Sinne kommen, daß der Tag bestimmt sey, an welchem du als der König der Könige und der Herr der Herren, als der Nichter der Lebendigen und Todten wieder kommen, an welchem du uns und alle Menschen vor deinen Thron rufen, Rechenschaft von uns fordern und einem Jeglichen nach seinen Werken vergelten wirst. Laß diesen feierlichen Tag unserm Geiste stets gegenwärtig seyn, und lehre uns Alle so denken, reden und thun, daß deine letzte Zukunft Keinem von uns schrecklich sey, sondern wir Alle alsdann in dir, dem Richter der Welt, unsern Freund, Seligmacher und Beschüßer erblicken mögen. O wie wird uns dann seyn; welche Wonne, welche Freude, welches neue Leben wird uns dann durchströmen! Heilige uns dazu! Dir, deiner Obhut, leitung und Regierung übergeben wir uns ganz und gar. Amen! 37. Um Pfingstfeste. Großer Gott, du Quelle aller guten und vollkommenen Gaben, wir danken dir, daß du durch Jesum Christum, unsern göttlichen Mittler, deinen heiligen Geist gesandt haft, uns Menschen zu belehren und zu erleuchten, zu heiligen und zu bessern. Wir preisen dich insonderheit, daß du die Boten des Herrn Jesu, die nach seinem Hingange zu dir sein Wert auf Erden fortsetten und Lehrer des menschlichen Geschlechts werden sollten, mit dem reichsten Maße deines Geistes begnadiget hast. Dein Geist erfüllte sie mit Weisheit und Verstand, mit höhern Einsichten in die Lehre der Wahrheit und mit der Gewißheit, daß es göttliche Wahrheit sey. Dein Geist erinnerte sie an Alles, was ihnen Jesus gelehrt hatte; besiegte ihre Vorurtheile, zerstreuete ibre Jrrthümer 76 Um Pfingstfeste. und gab ihnen Muth und Freudigkeit, der Wahrheit Zeugniß zu geben, und für die Ausbreitung und Behauptung derselben Alles, ja selbst ihr Leben, aufzuopfern. Dein Geist wirkte durch sie Zeichen und Wunder, und theilte ihnen und durch sie auch Andern Gaben und Kräfte mit, die deutlich davon zeugten, daß du sie gesandt ha best, und es dein Werk sey, was sie unter den Menschen treiben. Mit deinem Geiste ausgerüstet, bestritten fie Unglauben, Aberglauben, Gößendienst und Laster; verkündigten Jesum als deinen Sohn und Gesandten, als den Mittler zwischen dir und den Menschen, als den Erretter von Sünde und Tod, als den von dir verordne ten Richter der Welt, und predigten in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden, Unsterblichkeit und ewiges Leben. Von deinem Geist getrieben, zeichneten sie ihren Unterricht in den gött lichen Schriften des neuen Testaments zur Belehrung aller nachfolgenden Zeiten untrüglich auf. Und so brachten sie tausend und wieder tausend Menschen von der Finsterniß zum Licht, von dem Lafter zur Tugend, aus dem Elende zur Glückseligkeit. Preis, Lob und Dank sey dir, barmherziger Gott, daß du auch uns an diesen Wohlthaten hast Theil nehmen lassen. Auch unter uns ist das Reich deines Sohnes Jesu auf Erden gegründet. Auch unter uns ist ihm eine Gemeinde gefammlet. Auch wir wissen, was wir glauben und thun müssen, wenn wir zum Genuß deiner unschätzbaren Wohlthaten durch Jesum hier in der Zeit und dort in der Ewigkeit zu kommen wünschen. Auch uns hast du die Verheißung des heiligen Geistes gegeben und sie aufs gnädigste erfüllt. Vou Kindheit an regten sich oft gute Gedanken und Empfindungen in uns. Wir sahen oft die Wahrheit im hellen Lichte und die Tugend in ihrer Schönheit. Wir glaubten an unsern Herrn Jefum; un fere Gewissen wurden beruhiget; wir fühlten Trost und himmliſche Freuden; Gottes- und Menschenliebe beseelte uns. Dann wirkte dein Geist in uns, so wie er in der ganzen Welt wirkt in Allen, die dich fürchten. Schenke uns nun ferner, gütiger Gott, den Geist der Wahrheit und der Heiligung, damit das Werk unserer Erleuchtung, Besserung und Seligmachung in uns angefangen und vollendet werden möge. Ja, göttlicher Geist, auf dessen Namen wir getauft, zu dessen Verehrung wir verpflichtet sind, wir flehen dich um deine Hülfe aufs demüthigste au. Wir fühlen es, daß wir in uns selbst schwach sind und ohne deinen Beistand nichts vermögen. Wir sind durch die Sünde verblendet und zu aller Sünde Tugend untüchtig. Wir geben leicht den Reizungen zur nach und werden träge im Guten. Nimm uns denn hin; fange bein Werk an unsern Scelen an und vollende es. Du wirlest Um Am Michaelis und Erntefeste. - 77 durch das göttliche Wort in der Bibel. Gieb doch, daß wir dies Mittel des Unterrichts und der Besserung mit rechter Sorgfalt und Treue gebrauchen; daß wir ohne alles muthwillige Widerstreben jeden guten, Gedanken, der dadurch in uns entsteht, wohl bewahren; jede gute Nührung und Begierde, die dadurch in uns erregt wird, durch Gebet und Nachdenken nähren und unterhalten, und jede gute That, wozu wir dadurch angetrieben werden, unverzüglich verrichten. Gieb, daß wir unsere Sünden erkennen, ihre Schädlichkeit, Schändlichkeit und Strafbarkeit fühlen und sie nicht nur herzlich bereuen, sondern auch haffen und verabscheuen mögen. Schent uns ein Verlangen, von der Sünde und ihren Strafen befreiet zu werden, und lehre uns dann auch, der Verheißung Gottes, uns um Jesu Christi willen gnädig zu seyn, wahrhaftig trauen, und unsere Begnadigung bei Gott im Glauben an Jesum, unsern Erlöser, zuversichtlich hoffen. Tröste und erquicke uns durch die Versicherung, an dem Allmächtigen einen Freund und Vater zu haben und durch die große Erwartung einer ewigen Seligkeit. Mache uns voll Dankbarkeit und Liebe gegen Gott, der die Liebe ist, und gegen unsern hochver dienten Erlöser, damit dadurch die Herrschaft aller sündlichen Begierden in uns zerstöret und wir Lust und Kraft erlangen, alle die schönen Tugenden auszuüben, die Gottes Gesetze gebieten, und wodurch wir Gott und unserm Heiland ähnlich und wohlgefällig werden. Schaffe immer mehr in uns ein reines Herz und gieb uns einen im Guten wohlbefestigten Sinn. Hilf uns alle fündlichen Lüfte und Leidenschaften überwinden. Treib uns an zum Gebet und zur Wachsamkeit. Stärke uns in der Stunde der Versuchung und zur Zeit des Leidens. Erfülle uns mit Macht und Freudigkeit in den leßten Augenblicken unsers Lebens, damit wir im Glauben an unsern getödteten Heiland und in der gewissen Hoffnung einer nahen Erlösung von allem Übel und einer unvergänglichen Herrlichkeit ohne Furcht unsere Seele in die Hände unsers himmlischen Vaters empfehlen und so zum Besitz der Seligkeit gelangen mögen, die er seinen Kindern im Himmel bereitet hat, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen! 38. Dank für die Erhaltung und Beschirmung unsers Lebens; am Michaelis- und Erntefeste. Gütigster Bater, von welchem alle guten und vollkommenen Gaben herabkommen, du bist der Urheber, Erhalter und Be schirmer unsers Lebens. Am Michaelis und Erntefest. Du, Herr, haft uns gemacht und nicht wir selber; wir sind das Werk deiner Hände. Du hast unsere Seele mit den edelsten Vorzügen geschmückt. Du hast unsern Leib auf das künstlichste gebildet, und es bestimmt, wann, wo und von wem wir geboren werden sollten. Du hast uns erschaffen; aber du erhältst, versorgest und beschirmest uns auch. In dir leben, weben und sind wir. Du reinigest die Luft, in der wir athmen. Deine Sonne erquickt uns mit Licht und Wärme. Wenn wir uns zur Ruhe begeben, bedeckst du uns mit dem Schatten der Nacht, daß wir sicher wohnen. Unter dem Schuß deiner Vorsehung schlafen wir im Frieden; wenn wir erwachen, sind wir noch bei dir und dein Segen ist über uns. Du giebst uns Speise und Trank, die uns nähren, stärken und ergößen; Kleider, die uns bedecken; Wohnungen, die uns schüßen und tausend Bequemlichkeiten verschaffen, Du schenkest uns Fähigkeiten, Geschidlich feiten und Kräfte, die Pflichten unsers Berufs zu erfüllen, der menschlichen Gesellschaft zu dienen und ihrer Dienste zu genießen. Ohne deinen Segen würde unsere Arbeit vergeblich seyn, würden wir nichts aus der Erde hervorbringen können, würden wir ver schmachten. Aber wenn du deine milde Hand aufthust, so samm len wir; wenn du Segen herabschüttest, so wird Alles, was auf Erden lebt, mit Wohlgefallen gesättiget. Wir sind von der Ge burt an bis zum Grabe mit vielen Gefahren unsers Lebens um ringt. Aber dein Aufsehen bewahrt unsern Obem. Du haft und Mittel gegeben, das zu vermeiden, zu heben und zu lindern, was uns schädlich ist. Du brauchst Menschen zu unserer Verpflegung und Beschüßung. Deine Engel haben sich oft um die bergela gert, die dich fürchteten. Und noch jetzt sendest du, so oft du willst, deine Geister, die stets dein Angesicht sehen, zum Dienste berer aus, denen Rettung und Heil widerfahren soll. Diese beine erhaltende und beschüßzende Güte hast du auch 78 in diesem Jahre ohne unser Verdienst und Würdigkeit reichlich und täglich an uns bewiesen, o barmherziger Vater! und wir sind hier vor deinem Angesicht versammelt, dir dafür das Opfe bes Danks und des Lobes zu bringen. Schenk uns Gnade, daß wir dir nicht nur mit dem Munde danken, sondern dich auch mit unserm ganzen Leben ehren und preisen mögen. Du hast abermals deine gnädige Zusage erfüllt, daß, so lange die Erde steht, nicht aufhören soll Samen und Ernte. Da bast die Arbeit derer, die das Feld bauen, gesegnet. Du hast unfer Land heimgesucht, es voll Früchte gemacht, und uns Gras fürs Vieh und Getreide zum Nugen der Menschen einernten lasſen. An öffentlichen Bußtagen. Du hast uns unser Leben gnädig gefristet, uns aus mancher Roth errettet, vor manchem Übel behütet und bewahret. Gieb, daß wir unser Leben mit allen seinen Vortheilen dankbar froh genießen und es dazu anwenden mögen, dir, unserm freigebigsten Wohlthäter, zu gefallen, und an der Beförderung der Vollkommenheit und Glückseligkeit deiner Geschöpfe zu arbeiten. Erwecke uns dazut auch durch das Muster der heiligen Engel. Laß uns ihnen durch unsere Buße und Besserung Freude machen, ihnen in Vollbringung deines Willens ähnlich werden, damit wir selig werden mögen, wie sie sind. Behüte uns, daß wir die Ge schenke und Gaben, die du uns zur Nahrung und Erquickung für uns und unsre Nebenmenschen geschenkt hast, nicht mißbrauchen. Bewahre die Ärmern vor Ungerechtigkeit und Unzufriedenheit, vor Neid und Mißgunft gegen die Begüterten; und diese vor Stolz und Hochmuth, vor abgöttischem Vertrauen auf das Irdische, vor Habsucht und Geiz, vor schändlichem Wucher und Beschwerung der Armen. Behüte uns vor üppigkeit, Unmäßigkeit und allem unordentlichen Wesen, wodurch wir unsere Herzen beschweren und in mancherlei Sünden gerathen. Lehre uns mäßig essen, trinken, uns kleiden und sparsam haushalten. Lehre uns unsere Arbeit mit Fleiß und Gebet christlich verrichten und genügsam seyn. Mache uns mitleidig mit der Noth der Armen, Dürftigen und Elenden, und bereitwillig, ihnen zu helfen und sie zu erquicken. Laß uns die Abgaben, die wir der Obrigkeit und Andern schuldig sind, treulich entrichten, und das, was zu Erhaltung der Kirchen und Schulen erfordert wird, gern darlegen. Dann wirst du, o Gott, was uns deine milde Hand gegeben, väterlich bewahren; Krieg, Seuchen, Feuer und Wassersnoth und andere Plagen in Gnaden von uns abwenden; deinen uns verliehenen Segen in Ruhe und Gesundheit genießen lassen und, was uns sonst nöthig und nüglich seyn möchte, gnädig verleihen, bis wir endlich zum Genuß des unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Glücks gelangen, das behalten wird im Himmel. Dazu verhilf uns durch unsern Herrn und Heiland Jesum Christum. Amen! 79 39. An öffentlichen Bußtagen. Gott, der du unser Schöpfer und unser Vater bist, deine Wohlthaten sind zu zahlreich und zu groß, als daß wir sie alle bemerken, gehörig schätzen und dich genug dafür preifen könnten. Deine väterliche Fürsorge hat viele Gefahren und Unglücksfälle von uns abgewandt und uns mit taufendfachem Segen, ja auch 80 An offentlichen Bußtagen. mit vielen Vorzügen vor andern Menschen und Völkern begnadiget. Von unserer Kindheit an hast du das Licht des Evange liums über uns leuchten und es uns an téinem Mittel des Unterrichts, der Besserung und des Troftes fehlen lassen. Bald hast du durch Wohlthaten, bald durch Züchtigungen, bald durch andere Schickungen deiner Vorsehung uns auf uns selbst und auf dein Wort aufmerksam zu machen gesucht, um uns dadurch auf den Weg der Tugend und der Seligkeit zu führen, oder, wenn wir davon abgewichen waren, wieder auf denselben zurüc zu bringen. Noch heute läsfest du uns deine Stimme, die Stimme eines verschonenden, huldreichen Vaters, hören; noch heute läffest du uns Gnade und Heil anbieten und uns zur Buße und Besserung rufen. O laß uns Alle auf deine Stimme hören und ihr unverzüglich Folge leisten! Ja wir kommen, barmherziger Gott, dir unsere Sünden und Übertretungen zu bekennen. Wir Alle, Obrigkeiten und Unter thanen, Lehrer und Zuhörer, Hausväter, Hausmütter, Kinder und Dienstboten, Neiche und Arme, Alte und Junge, ach! wir Alle müssen es vor dir, dem Allwissenden, gestchen, daß wir uns vieler Sünden und Fehler schuldig gemacht, daß wir unsere Pflicht oft versäumet, oder doch nicht so willig, aufrichtig und eifrig erfüllt haben, als es unsere Schuldigkeit war. Wir sind deine Geschöpfe; aber aufrührische und strafbare Geschöpfe. Wir nennen dich unsern Vater; aber wir sind meistens ungehorsame und undankbare Kinder, die sich nicht wollen bessern lassen, die dich mit Gedanken, Worten und Werken beleidigen. Auch unter uns sind Viele, die gegen Religion und Christenthum unempfind lich und gleichgültig sind; die die betrüglichen und flüchtigen Güter dieser Welt höher schätzen, als die Seligkeit des Himmels; die mehr darauf bedacht sind, ihre unordentlichen Lüste und Lei benschaften zu befriedigen, als sich deiner Gnade und deines Wohlgefallens zu versichern. Auch unter uns fehlet es nicht an solchen, die sich von Unglauben und Zweifelsucht, von Stolz und Eitelkeit, von üppigkeit und Pracht beherrschen lasſen; die ihre Unschuld und Gewissensruhe den thierischen Vergnügungen der fleischlichen Wollust aufopfern; die sich dem Eigennng und Geiz ergeben; die in Neid, Haß, Feindschaft und Rachsucht leben; die ihren Nebenmenschen durch Verläumdungen, üble Nachreber und Ungerechtigkeiten von aller Art kränken. on Wie könnten wir denn vor dir bestehen, o Allerheiligster, wenn du mit uns ins Gericht gehen wollteft? dürfen wir uns wohl darüber beschweren, wenn du uns deine so sehr gemiß In gemeinen Nöthen und Trübfalen. 81 brauchten Wohlthaten entzögeft, und uns, als ungehorsame und undankbare Kinder, als aufrührische Unterthanen, auf dem Wege der Sünder umkommen ließest, den wir selbst gewählt haben und auf welchem Viele von uns schon so lange einhergegangen sind. Aber ach! barmherziger Gott, erbarme dich unser! handle nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsern Missethaten! Wir bereuen unsere Vergehungen und Sünden; wir wünschen aufrichtig, nicht nur von der Schuld und Strafe, sondern auch von der Macht und Herrschaft der Sünde frei zu werden und von nun an ein besseres, dir wohlgefälliges Leben zu führen. Ach! verwirf unsere Neue, unser Verlangen nach Hülfe und Rettung, unsern Vorsaß der Besserung nicht. Laß uns die Verzeihung und Gnade widerfahren, die unser Hei land uns mit seinem Leiden und Sterben erworben und die er allen bußfertigen Sündern in deinem Namen verheißen hat. Und damit wir nicht mehr das Unglück haben, dir zu mißfallen, o Gott, so heilige uns durch deinen Geist und dein Wort. Notte Alles, was vir mißfällt, aus unserm Herzen aus, und laß das ernstlichste Bestreben, dir zu gefallen und deinen Willen zu thun, unser ganzes künftiges Verhalten regieren. Bleibe denn auch bei uns mit deiner Gnade und deinem Segen, o Allmächtiger! Laß deiner wohlthuenden Gnade alle Regenten und Obrigkeiten und besonders die empfohlen seyn, die du über uns geseßt hast. Begnadige alle Hirten und Lehrer deiner Kirche und insonderheit die, denen du diese Gemeinde anvertrauet hast. Erbarme dich aller Betrübten, Kranken und Armen und nimm dich insbesondere der Elenden in dieser Gemeinde gnädig an. Laß deine Güte, deinen Schuß und Segen sich über alle Völker des Erdbodens und besonders über dieses Land und alle Einwohner desselben verbreiten. Entferne durch deine weise und gnädige Vorsehung die Plagen des Krieges, der Theurung, der Hungersnoth, ansteckender Seuchen und Krankheiten, und die noch größern Übel des Aberglaubens, der Gottesvergessenheit und Lasterhaftigkeit. Laß Wahrheit und Tugend, Gerechtigkeit. Friede und alle Arten des Fleißes und des Wohlstandes unter uus blühen. Gieb uns endlich Alles, was uns zu dem gegenwärtigen und dem zukünftigen Leben nöthig und nüglich ist, durch unsern Herrn und Heiland Jesum Christum. Amen! 40. In gemeinen Nöthen und Trübsalen. Ewiger und allmächtiger Gott, gerechter Richter, barmherziger Bater, wir, deine Geschöpfe, deine von dir erlösten Menschen, Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 6 82 In gemeinen Nöthen und Trübsalen. wenden uns zu dir und bitten dich um Gnade, Erbarmung, Hülfe und Trost in dieser großen Trübsal, die unter deiner allwaltenden Regierung und Zulassung über uns gekommen. Der unschäßbare Segen des Friedens und der öffentlichen Ruhe ist von uns gewichen; die Flammen des Krieges bringen die Sicherheit unsers Vaterlandes, unsern Wohlstand und Leben in Gefahr und breiten Verwüstung und Elend aus. Der Vorrath, den wir zur Erhaltung und Erquicung unsers dürftigen Lebens brauchen, ist hinweg; uns drückt Mangel und Theurung. Eine ansteckende Seuche wüthet unter den Thieren, die uns zur Nahrung, Kleidung und Bequemlichkeit gegeben. Eine gefährliche Krankheit reißet unter uns ein, raffet so viele Menschen weg, und drohet auch uns Schmerzen, Verders ben und Tod. Freilich müssen wir bekennen, daß wir diese schwere Plage, womit du, o gerechter Gott, uns heimsuchst, wohl verdienet haben; denn wir haben deine Gebote übertreten und vielfältig gefündiget. Ach! Manche unter uns haben ja alle Empfindung von Religion und Ehrbarkeit verloren; fie treten Wahrheit und Ge rechtigkeit, Zucht und Ehrbarkeit unter die Füße; sie leben un gescheut in der Ausübung der schädlichsten und schändlichsten Lafter. Sehr Viele bilden sich ein, daß fie Gott mit bloßen Übungen der Andacht gefallen können, uncrachtet sie es unterlassen, sich der Mäßigkeit und Reinigkeit in Gedanken, Worten und Werken zu befleißigen und gegen ihre Nebenmenschen Billigkeit, Liebe, Sanft muth und Aufrichtigkeit zu beweisen. du Aber ach, Herr! du bist barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte. Du betrübest nicht gern die Menschen; willst uns gern glücklich haben. Gieb daher, daß wir durch die Empfindung der gegenwärtigen Noth Alle erweckt werden mögen, an unsre Sünden und Abweichungen zu denken, mit Scham und Reue uns vor dir, dem Allmächtigen, zu demüthigen, uns von dir den Trieb und die Kraft zu erbitten, nicht nur eine Zeitlang von äußerlichen und groben Sünden abzulassen, sondern dur den Gebrauch deines Worts und durch Folgsamkeit gegen Geschäft des heiligen Geistes gänzlich und auf immer gebeffert bas In gemeinen Nöthen und Trübsalen. 83 und gute, fromme Menschen zu werden. Dann aber sey uns auch, um Jesu unsers Mittlers willen, gnädig; gedenke nicht unfrer Sünden; vergilt uns nicht nach unsern Missethaten; schenke uns deine Vaterliebe wieder, und verherrliche deine Weiss heit und Güte an uns durch Errettung, Hülfe und Trost. * * * Laß die Dauer des Krieges kurz seyn; laß der Verwüstung, des Elends und Blutvergießens so wenig werden, als möglich, und erfreue bald Alle wieder durch die erwünschte Wiederkehr des Friedens und der Ruhe. 1 Deine Augen sehen auf die, die dich fürchten und auf deine Güte hoffen, daß du ihre Seele errettest vom Tode und ernährest sie in der Theurung. Ach! so siehe denn auch in dieser schweren theuren Zeit auf uns; thue deine milde Hand auf und sättige Alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Steure der weitern Ausbreitung der gegenwärtigen Seuche; befreie die damit behafteten Örter bald wieder und segne zu dem Ende die dagegen angewandte Vorsicht und dienliche Mittel. * * Ist es aber dein Wille, daß dieses übel noch fortdanern soll, so geschehe dein Wille, o allweiser und gütiger Vater! Laß uns nur durch die böse Zeit, wie es oft von den Gottlosen geschieht, nicht zu Werken der Ungerechtigkeit und der Bosheit verleitet und so immer strafbarer werden; sondern gieb uns Weisheit und Kraft, uns die gegenwärtige Plage zu erleichtern und heilsam zu machen. Laß uns beherzigen, daß uns ohne deinen Willen kein Haar vom Haupte fallen könne, und daß die uns drückende Noth, so wie alle Trübsale, ja selbst alle Verwüstungen, die von Ungewittern, Erdbeben und Feuer entstehen, sowohl zur Verherrlichung deiner Macht, Heiligkeit und Güte, als auch zum Besten derer, die dich lieben, dienen müssen. Erinnere uns an das mannichfaltige Gute, was wir in den vorigen Zeiten aus deiner Vaterhand so reichlich genoffen haben und was uns jetzt noch übrig bleibt. Lehre uns den großen Werth der geistlichen Güter, bei welchen man den Verlust der zeitlichen verschmerzen kann, lebendig erkennen, und laß uns, selbst durch die gegenwärtige Noth gedrungen, dein Wort immer treuer brauchen, immer ernstlicher beten und immer eifriger uns bestreben, von deiner Gnade in Jesu Christo gegen uns gewiß und in der Hoffnung, 6* 84 In Betstunden. einer ewigen Seligkeit froh zu werden. Die Zeiten der Ruhe, des Überflusses und des Wohlstandes verleiten oft die Menschen zum Leichtsinn, zur Trägheit, zum Stolz, zur Härte und Unbarmherzigkeit, zum überflüssigen Aufwand auf Wohnung, Klei dung, Speise, Trank und üppigkeiten des Lebens, und es ist oft kein anderes Mittel, dem Übel zu steuern und dem gänzlichen Verderben des gemeinen Wesens vorzubauen, als die Empfindung öffentlicher und allgemeiner Trübfale. O möchte denn die gegen wärtige böse Zeit für uns und unser Vaterland eine solche hei lende Wirkung haben und eine solche wohlthätige Arznei für uns werden! Möchte sie uns doch Alle antreiben, weiser und vor sichtiger, arbeitsamer, sparsamer, demüthiger, liebreicher, mitleidiger zu werden; unfre Begierden für das Irdische und Eitle zu verleugnen und einzuschränken, und uns der häufigen Gelegenheit, die sie uns giebt, Gutes zu thun, aufrichtig, fleißig und unermüdet zu bedienen. Hilf uns dazu durch den Beistand deines guten Geiftes, o Gott! dann wird der Nußen dieses Ungemachs für unser Christenthum so groß und herrlich seyn, daß wir dir, o Gott, danken werden, daß du uns gedemüthiget hast. Dann wirst du, o treuer Vater, bei uns seyn in der Noth, fie mäßigen und zu rechter Zeit endigen. Dann wird weder Trübsal, noch Angst oder Verfolgung, weder Hunger, noch Blöße, weder Gefahr, noch Schwerdt, weder Tod, noch Leben, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges uns scheiden von deiner Liebe, die in Chrifto Jesu ist, unserm Herrn. Erhöre unser Flehen, o Vater, um Jesu unsers Mittlers willen. Amen! 41. In Betstunden und bei andern feierlichen Demüthigungen vor Gott, als beim Wechsel eines Jahrs, einer Woche 2c. Gott, du bist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, der Herr des Himmels und der Erde, der Urheber, Beherrscher und Vater aller vernünftigen Geschöpfe im Himmel und auf Erden; du bist auch unser Schöpfer, Herr und Vater. Demüthig und ehr furchtsvoll werfen wir uns denn als deine Geschöpfe, Kinder und Unterthanen vor dem Thron deiner Allmacht nieder und bringen dir gemeinschaftlich das Opfer des Danks und des Lobes für deine unzähligen und unermeßlichen Wohlthaten. Du hast uns ins Leben gerufen und seit dem ersten Athemzuge hast du uns vor tausend Gefahren täglich geschüßt, und In Betstunden. 85 täglich uns Alles geschenkt, was zum Unterhalt unsers Lebens gehört. Von dir kommt Alles, was wir besigen und genießen, Alles, was uns das Leben bequem und angenehm macht. Du giebst uns die Nahrung, die sich für uns schickt, und flößest uns, wenn unsre Kräfte erschöpft sind, neues Leben und neue Munterkeit ein. Deiner Vorsehung sind wie Alles schuldig: unsere Kleidung, Wohnungen und Güter; unsern Stand und jeden Segen, jeden guten Erfolg unserer Geschäfte und alle Früchte unsers Fleißes und unsrer Arbeit; gesunde und fruchtbare Zeiten; Ruhe und Frieden; die Erhaltung guter und weifer Gesetze und die Fortdauer unfrer bürgerlichen und Religions- Freiheit. Du hast uns täglich den Gebrauch unsrer Augen, Ohren und der übrigen Sinne gegeben und einen jeden derselben zur Quelle der Erkenntniß und Freuden für uns gemacht. Du hast uns durch Vernunft über alle anderen Geschöpfe der Erde erhaben und zu Herrn des unerschöpflichen Reichthums der Schönheiten, Güter, Bequemlichkeiten und Ergößungen der Natur gemacht. Du hast uns tausend, tausendmal aufs innigste erquickt durch die Liebe und Wohlgewogenheit unsrer Nebenmenschen, durch den Umgang mit unsern Bekannten, durch die Verbindung mit unsern Eltern, Ehegatten und andern Blutsfreunden, und besonders durch die Zärtlichkeit unserer Herzensfreunde. Und um uns das Alles zum wahren Glück, zu einem ewig dauernden Glück zu machen, hast du uns gar deinen eingebørnen Sohn geschenkt, der nur das wahre, das ewig dauernde Glück erworben, deinen heiligen Geist gesandt, der uns dazu bereitet, und die Bibel, das Buch gegeben, worin du selbst zu uns redest, uns Versicherung von deiner Gnade, Fürsorge und Beis stand und Unterricht von deinem Willen und unsern Pflichten ertheilest; wodurch du unsre Freuden reinigeft und verdoppelst und unser Leiden versüßest, wodurch du uns die frohen ents zückenden Aussichten in die Emigkeit eröffnest und über unser ganzes Leben Ruhe und Friede verbreitest. Ja! Gott, du bist Liebe! deine Güte ist unermeßlich! In einem Jahre, in einer Woche, ja nur an einem Tage giebst du uns so viele Wohlthaten, daß wir am Schlusse desselben sie nicht alle zählen können. Und o wie großmüthig bist du in deinem Wohlthun, denn, wer sind wir, die du mit Wohlthaten überhäufft? Unwürdige, die nichts Gutes verdienen; Sünder, die nur Strafe verdienen! Allwissender, Allerheiligster, dir ist es bekannt, daß wir bisher täglich viel Gutes vernachlässiget und so manches Böse, ja Laster, 86 In Betstunden. verübet; daß wir zum Theil in solcher Trägheit und Gottesvers geffenheit lange dahin gelebt, ja die Kräfte und Gaben deiner Huld gar dazu angewendet, durch Müßiggang, Neid, Zwietracht, Verläumdung und Lästerung, Ungerechtigkeit, Unkeuschheit, Stolz und Herrschsucht und auf viele andere Art den Wohlstand deines Reichs, der menschlichen Gesellschaft zu stören und dagegen Verwirrung, Schmerz, Elend und Jammer zu verbreiten. Unser Gewissen und die Vernunft zwingen uns zu bekennen, daß dieses der schwärzeste Undank, der schändlichste Ungehorsam und der verwegendste und strafbarste Aufruhr sey. Denn es ist Undant, Ungehorsam und Aufruhr gegen dich, unsern allerhöchsten, besten und gütigsten Herrn, Vater und Wohlthäter. Durchdrungen von Reue und Scham darüber, fliehen wir zu dem Verdienste deines Sohns, den du, o Barmherziger, dahingegeben, damit Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Um seinetwillen be gnadige uns und vergieb uns alle unsere vorigen Sünden; nimm alle dadurch verwirkte Schande und Strafe von uns und wirf sie in die Tiefe des Meers, so daß ihrer ewig nicht gedacht werde. Ja, begnadige uns nicht nur, sondern nimm uns auch durch Jesum Christum zu deinen Freunden und Kindern und zu Erben des ewigen Lebens auf. Gieb uns aber auch Lust und Kraft, daß wir aus Dankbarkeit gegen eine so unaussprechliche große Erbarmung nun alle Sünden von Herzen verabscheuen und aus allen Kräften meiden, daß wir den redlichen Entschluß fassen und uns aus allen Kräften bestreben mögen, uns täglich nach deinen Geboten, nach deinem Muster und nach dem Erempel Jesu Christi, unsers Erlösers, in allen Tugenden immer mehr zu stärken und zu üben. Denn dieser Abschen gegen unsere Sünden und dieser Entschluß und diese Bestrebung, tugendhafte Menschen zu werden, die wir in uns fühlen, sind uns untrügliche Kennzeichen von der Wahrheit unsers Glaubens und von der Gewißheit unsers Antheils an dem Verdienste deines Sohns. Gieb uns denn vor allen Dingen, o Vater aller Glückselig keit, stets deinen heiligen Geist; bewahre uns vor gar zu schwe ren Prüfungen unserer Tugend, und schenke uns Gnade, daß wir es für unser größtes Unglück halten, zu fündigen und dir zu mißfallen, und hingegen für unser höchstes Glück, dir zu ges fallen und würdig deiner Religion, würdig unserm erhabenen Christenberuf und würdig dir zu leben, dem Gott, der uns zu einer ewigen Herrlichkeit berufen hat. Lehre uns zu dem Ende auch bedenken, o Herr, daß wir sterben müssen; daß wir hier In Betstunden. 87 nur Fremdlinge und Reisende sind; daß unser Leben kurz, flüchtig und unsicher sey; daß auf dasselbe eine Ewigkeit folge, wo einem Jeden vergolten wird nach dem, was er hier gethan. Lehre uns unser Auge stets auf das große Ziel der Ewigkeit zu heften, allezeit christlich zu leben, in unsern häuslichen Umständen Alles in Ordnung zu halten, um den Tod freudig zu er warten und selig zu dulden. Und sollte etwa dieses Jahr unser Sterbejahr und diese Woche unsre legte seyn, so stärke unsern abscheidenden Geist mit dem Trost und Kraft deiner Religion, daß wir zu der Ehre derselben mit der Ruhe und Freude eines Christen sterben, welcher weiß, daß der Tod für ihn nichts anders sey, als ein Hingang zu dir, seinem Gott und Vater. Dies, o Gott, sind die vornehmsten Wünsche unsrer Seele. Unser ganzes übriges Glück empfehlen wir dir, dem Allwissenden, der in seiner Schöpfung nicht den geringsten Wurm, nicht das kleinste Sandkörnchen übersiehet; dir, dem Allweisen, dem nichts unerwartet kommt, der von Ewigkeit her jedes Gebet, jeden Seufzer vorhergesehen und darnach den Plan seiner Regierung gemacht hat, dir, dem zärtlichsten Freund und Vater deiner begnadigten und gebesserten Kinder. Regiere unsere irdischen Schicksale nicht nach den Einfällen und Wünschen unsers Uns verstandes und unserer Eitelkeit, sondern, wie du willst und siehest, daß es für unsere Tugend und Seligkeit nöthig und heile sam ist. Uns aber gieb Weisheit und Kraft, jede Freude, wie jedes Leid, zu einem neuen Bande zu machen, welches uns immer fester mit dir, unserm einzigen höchsten Gute, verknüpfet, und dann dir zu vertrauen, daß du mit uns Alles wohl machst. Vater der Menschen, du willst, daß Fürbitte und Danks fagung für Alles, was Mensch ist, ein Hauptstück unsers Gottesdienstes sey, denn sie sind Alle deine Geschöpfe; dein Sohn Jesus Christus hat sich für Alle zur Erlösung hingegeben, und du willst sie Alle gern durch ihn beglücken. So preisen wir dich denn für die Wohlthaten, wodurch du viele Millionen Menschen auf dem Erdboden in der verflossenen Zeit erfreuet, und flehen um neue Gnade, Hülfe und Segen für unsere Mitchriften und alle unsere Nebenmenschen in allen Ständen und an jedem Orte der Welt. Erhalte und segne unsern Landesfürsten und Herrn; mache ihn zum Ziel deiner reichsten Begnadigung; kröne seine Regierung mit Ehre und Glück, und laß ihn lange die Freude seiner Unterthanen seyn. Segne die von ihm bestellten Obern mit Weisheit, mit glücklichem Fortgang bei ihren Geschäften und 88 In Betstunden. mit blühendem Wohlstand in ihren Häusern. Erbarme dich aller Nothleidenden. Tröste die Bedrängten, erfreue die Traurigen, versorge die Dürftigen, heile und stärke alle Kranken, sey der Vater aller Waisen und Witwen, der Retter aller Unterdrückten, Verfolgten und ungerecht Gefangenen, der Helfer aller Niedrigen und Verlassenen. Auf einen Jeden, der jetzt, da wir uns vor dir freuen, unter irgend einem Schmerz und Leiden seufzet, - wir flehen voll Wehmuth und Theilnehmung zu dir- richte dein Vaterherz und deine allmächtige Hand, flöße ihm deinen Trost in die Seele; stärke ihn mit deiner Kraft, sein Leiden nach deiner väterlichen Absicht sich zur Wohlthat zu machen; endige bald sein Leiden und ersetze es mit größern und dauerhaften Freuden. Erleuchte Alle, die in Unwiffenheit, Irrthum und Aberglauben leben. Erwecke die sichern Sünder, daß nach deinem gnädigen Willen kein einziger Mensch deines ewigen Glücks verlustig gehe. Vereitle die menschenfeindlichen Bemühungen derer, die der Welt dein Wort, dies theuerste Labsal und Kleinod, rauben wollen. Sie selbst aber, die Ungläubigen, führe zur Werthschätzung deiner Religion zurück; mache sie zu treuen Verehrern und Thätern der selben und dadurch zu glücklichen Menschen in Zeit und Ewigkeit. Segne die Lehrer der Religion mit Geist und Kraft; las sie die Würde mit Nußbarkeit ihres Berufs stets empfinden, und keine Gabe, kein Mittel, keine Gelegenheit ungebraucht lassen, die Menschen zu unterrichten, zu bessern und zu beruhigen. Breite deinen Segen aus über unsere und alle Schulen, daß sie Pflanzschulen heilsamer Kenntnisse und christlicher Tus genden werden. Segne überhaupt alle guten und besonders frommen und wichtigen Unternehmungen und Geschäfte. Segne und schüße unsere lieben Eltern, Ehegatten, Kinder, Hausgenoffen und Untergebenen, alle unsere Blutsverwandten und vornämlich unsere liebsten Freunde und Wohlthäter. Segne aber auch unsere Beleidiger und Feinde. Gieb uns Klugheit, ihre Feind schaft nicht selbst zu verursachen, und Kraft, ihnen zu vergeben und sie durch Liebe zu gewinnen. Ihnen laß jedes Gute an Leib und Seele zu Theil werden, das wir uns selbst wünschen. Segne vornämlich deine treuen Verehrer hier und an jedem Orte der Welt. Vermehre täglich die Zahl dieser glücklichen Menschen und stärke sie täglich in allen Tugenden und in dei ner Gunst, bis an ihr Ende zu beharren und zu wachsen. Allwissender, allmächtiger und allgütiger Vater, in deinen Schoß legen wir alle unsre Sorgen im Zeitlichen und Geist Kirchengebete. 89 lichen nieder. Alles, was du für Leib und Geift heilsam erkenneft, das schenke uns, allen Christen und allen unsern Nebenmenschen um Christi willen. Amen! 42. Kirchengebet nach der Predigt am Sonntag. ( N 27 im alt. G. B.) Allmächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, ein Herr Himmels und der Erden, wir danken dir von Herzen für alle deine Gnade, Liebe und Treue, die du uns bisher erwiesen, insonderheit, daß du dein heiliges Wort und den reinen Gottesdienst unter uns erhalten, und bitten dich herzlich, du wolleft deine chriftliche Kirche mit ihren Dienern, Wächtern und Hirten durch deinen heiligen Geift regieren, daß sie bei der rechtschaffenen Weide deines feligmachenden Worts erhalten werden möge, dadurch der wahre Glaube und die Liebe gegen dich und alle Menschen in uns erwachse und zunehme. Erhalte und segne alle christliche Obrigkeit, besonders unfern gnädigsten König von Hannover nebst dem ganzen Königlichen Hause Braunschweig und Lüneburg. Regiere und stärke in allem Guten die verordnete Regierung und die übrigen Näthe und Bediente, die Unterthanen nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen zu regieren, daß die Gerechtigkeit befördert, die Bosheit gehindert und ges straft werde, damit wir in stiller Ruhe und gutem Frieden unser Leben führen und vollenden mögen. Laß dir auch befohlen seyn die Schulen im Lande, damit solche deiner Kirche und dem Lande zum Besten erhalten werden mögen. In deine Hände empfehlen wir, lieber himmlischer Vater, den Hausstand und Alle, die dazu gehören. Gieb gottesfürchtige Eheleute, Eltern und Herrn, gehorsame Kinder, eine wohlgezogene Jugend, ehrliche und gewissenhafte Zünfte, Kaufleute und Handwerker, frommes und treues Gesinde, redliche Arbeiter und Tagelöhner, und segne alle ehrliche Handthierung und Gewerbe. Gieb, daß alle unsere Feinde und Widersacher ablassen, und sich bequemen, mit uns friedlich zu leben. Steure und wehre, o du starker Gott, allen friedhässigen Leuten; schaffe unsern Grenzen beständigen Frieden und mache des Raubens, Plünderns, Blutvergießen und alles Frevels und Feindseligkeit( auch an andern Orten) durch deine allmächtige Hand ein gnädiges Ende. Kirchengebete. Du wolleft auch, gnädiger, lieber Vater, alle Witwen und Waisen und sonst alle die, die in Trübfal, Armuth, Krankheit, Kindesbanden, Hungersnoth, Kriegsgefahr und andern Anfechtungen sind, auch die, so um deines heiligen Namens und der Wahrheit willen gefangen sind oder sonst Verfolgung leiden, durch deinen heiligen Geist trösten, daß sie das Alles für deinen väterlichen Willen annehmen und erkennen. 90 Du wollest uns auch alle Früchte der Erde, die zur leiblichen Nothdurft gehören, durch fruchtbaren Wachsthum und gute bequeme Witterung gerathen und gedeihen lassen, mithin insonderheit auch das durch deine milde Güte diesem Lande verliehene Salzwerk, als dein Geschenk und Gabe, gnädig bewahren und reichlich segnen. Und ob wir gleich mit unsern Sünden deine gerechte Strafe wohl verdienet, so wollest du doch nicht gedenken unsrer Sünden, noch uns zurechnen unsere Übertretung, sondern vielmehr ein gedenk seyn deiner Gnade, Güte und Barmherzigkeit, uns durch deine Güte zur Buße und Besserung leiten, deine Strafen von uns abwenden, und uns vor großem Unglück und Herzeleid, wie auch vor allem dem, so uns sammt und sonders an Leib und Seele schädlich seyn mag, väterlich behüten. Im übrigen bitten wir dich um Alles, darum du, ewiger Gott, gebeten seyn willst, daß du uns solches gnädig verleihen wollest durch das bittere Leiden und Sterben deines lieben Sohns Jesu Christi, welcher mit dir und deinem heiligen Geist lebet und regieret in gleicher Macht und Ehre, wahrer Gott und Mensch, unser Mittler, hochgelobet in Ewigkeit. Amen! 43. Ein anderes Gebet. ( N 26 im alt. G. B.) Gnädiger Gott, lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein heiliges, seligmachendes Wort, welches du uns aus lauter Güte geoffenbaret und auch jetzt zu lehren und zu hören ver liehen haft. Wir bitten dich, du wolleft dasselbe rein und lauter unter uns erhalten und durch deinen Geift es in unser Herz und Sinn schreiben, daß es nicht leer wieder zu dir komme, sondern ausrichte, wozu du es sendest. Ach, vergieb uns doch um Jesu Christi willen unsre große Unachtsamkeit und nimm ja nicht von uns das Wort der Wahrheit, sondern las es no ferner und immer reichlicher unter uns wohnen. Erwecke bei uns eine innige Begierde, allezeit mit mehr Fleiß und Andacht Kirchengebete. 91 darauf zu merken, es in uns pflanzen zu lassen und mit Sanft muth anzunehmen, daß es unfre Seelen selig mache. Gieb, daß wir dem, was wir gehört, fleißig nachdenken, und es in unsern Herzen erwägen, auch der Kraft und heilsamen Wirkung deines Worts nicht widerstreben, sondern Raum und Platz geben, damit wir desselben Thäter werden und nicht Hörer allein seyn und bleiben. Laß davon die Rede seyn, wenn wir zu Haus gehen, und verleihe gnädiglich, daß der Samen deines Worts durch die Sorgen zeitlicher Dinge und Nahrung nicht erstickt werde, noch denselben der Satan von unsern Herzen nehme. Pflanze selbst, o gütiger Vater, durch deinen Geist dein Wort in unser Aller Herz, und laß es als einen lebendigen Samen darin bleiben; ja, laß es bleiben und viele Früchte bringen zu deinem Preis' und unserm Heil und Seligkeit, hier und dort ewiglich, um Jesu Christi willen. Amen! 44. Beim Anfang der Woche. ( № 3 im alt. G. B.) Barmherziger Gott und Vater! nachdem wir abermals eine Woche zurückgelegt und in eine neue getreten sind, so danken wir dir für alle erwiesenen Wohlthaten. Du hast dein Wort und Sacrament unter uns rein und lauter erhalten. Ruhe und Frieden, auch tägliche Nahrung bescheret; und ob wir schon mit Sünden dich oft erzürnet, dennoch unserer in Gnaden verschonet, zwar gezüchtiget, aber im Zorn nicht aufgerieben, noch dem Tod übergeben. Du haft der vorigen Woche Tage und Plage uns gnädig überwinden helfen, und läsfest uns mit Liebe und Ge sundheit diese Woche antreten. Für solche und andere Gutthaten sagen wir dir von Herzen Lob und Dank. Weil wir aber in der vergangenen Woche wider dich, Herr und Gott, vielfältig gefündiget haben, so ist uns dasselbe herzlich leid, und bitten Alle um Gnade und Vergebung. Laß uns der heiligen Char- und Marterwoche deines lieben Sohns und dessen, was er durch sein Leiden, Kreuz und Tod in derselben erworben, heilsam genießen. Gieb, daß wir aus der alten Woche keine Sünde in die neue einnehmen, sondern den alten fündigen Menschen aus ziehen, hingegen den neuen Menschen, der nach dir geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit anziehen. Gieb uns mit dieser neuen Woche neue Herzen, einen neuen gewissen Geist und Kräfte, ein neues, dir wohlgefälliges Leben zu führen. 92 Kirchengebete. Insonderheit laß deine Gnade alle Morgen über uns neu aufgehen, und erhalte uns bei deinem reinen Wort und rechten Gebrauch der heiligen Sacramente. Stärke auch mit Kraft aus der Höhe unsere gnädigste fürstliche Herrschaft und alle christ lichen Obrigkeiten und frommen Regenten, sonderlich an diesem Ort. Fördere guten Rath und nügliche That, und wende in Gnaden ab Krieg. Pest, Theurung, Feuersbrunst, Wassersnoth und sonst alles Herzeleid. Gieb uns Frieden und Gesundheit, auch Glück und Heil zu unsrer Aller Beruf und Stand. Und weil wir nun mit der neuen Woche unsere Amis- und Berufsarbeit wieder antreten, so fange, o Gott! von neuem an, uns zu segnen. Laß uns das Werk, dazu du uns beschieden, mit Freuden angreifen, und führe durch deinen Segen Alles, was wir in deinem Namen anfangen, zu deiner Ehre, auch unserer und unsers Nächsten Wohlfahrt glücklich hinaus. Und wenn es uns bei unserm Stand und Nahrung sauer und schwer fällt, fo laß uns gedenken an die Hoffnung unsers Berufs im Himmel, da alle unsere Arbeit desto völliger soll belohnt werden. Befiehl deinen heiligen Engeln diese Woche über uns, daß sie uns und die lieben Unsrigen auf allen unsern Wegen behüten, ja auf den Händen tragen, damit der böse Feind und sein Ans hang keine Macht an uns finde. Ist es ferner dein Wille und uns nüß und selig, so laß uns nicht diese Woche allein, sondern auch viele folgende in guter Gesundheit und erwünschtem Wohlstand ableben. Gefällt es dir aber, lieber Vater! in der angehenden Woche mit Kreuz und Trübfal uns heimzusuchen, so gieb Geduld, ver gieb die Schuld, verleihe ein gehorsames Herz, und mache uns das Kreuz nicht schwerer, als wir es ertragen können. Hast du endlich über Einen oder Andern von uns beschlossen, ihn in dieser Woche durch den zeitlichen Tod aus dieser Welt zu fordern, so gieb demselben ein seliges Ende hier, daß er dort ewig bei dir sey, und wir zulegt insgesammt nach aller Mühe und Arbeit auf Erden bei dir im Himmel einen Sabbath nach dem andern feiern mögen in ewiger Freude und Herrlichkeit. Das verleih, o Gott in des heiligen Geistes Kraft, durch Jesum Christum. Amen! Nach der Wochenpredigt. ( N 30 im alt. G. B.) Gnädiger Gott, barmherziger Vater, wie groß ist deine Gits daß du auch zwischen dem Sabbath und in der Woche, we 45. Kirchengebete. 93 vormals zur Zeit deiner heiligen Apostel, läsfest dein Wort predigen und zur Seligkeit uns unterweisen! Wir danken dir dafür von Herzen, und bitten dich im Namen Jesu Christi, du wollest dasselbe in uns laffen kräftig seyn, und verleihen, daß wir in der Erkenntniß der Wahrheit und im Eifer der Gottseligkeit dadurch wachsen und zunehmen, und ja nicht Hörer allein, sondern auch Thäter desselben seyn und von dir erfunden werden. Du wollest dich sonst auch unsrer und aller derer, welchen wir Fürbitte schuldig sind, sie seyen über, neben oder unter uns, Verwandte oder Unverwandte, Freunde oder Feinde, Wohlthäter oder Beleidiger, auch derer insonderheit, die unserer Fürbitte bedürfen und in besondern Anliegen begehren, in Gnaden annehmen, und was zu unserm und Aller Heil zeitlich und ewig dienet, nach dem Reichthum deiner Herrlichkeit in Christo Jesu unferm Heilande verleihen, welchem mit dir und dem heiligen Geiste sey Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen! 46. Auf Weihnachten. ( № 31 im alt. G. B.) allmächtiger Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von Grund unsrer Herzen, daß du aus lauter Wohlgefallen und unaussprechlicher Liebe deinen eingebornen Sohn, Jesum Christum, den Glanz deiner Herrlichkeit und das Ebenbild deines Wesens, in die Welt gefandt hast, welcher unser armes Fleisch und Blut an sich genommen und uns in Allem gleich geworden ist, ausgenommen die Sünde, auf daß er uns von Sünden, Tod, Teufel und Hölle erlösete und mit sich versette in das Reich der ewigen Seligkeit; das Alles, o höchster Gott! hat gethan deine herzliche Barmherzigkeit, durch welche uns besuchet hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sigen in Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. So erfülle nun, o Herr! unser Aller Herzen mit deiner Gnade, und gieb, daß wir solche deine große Liebe und Barmherzigkeit dankbarlich erkennen, nicht uns, sondern dir leben, dir vertrauen, dich lieben und loben unser Lebelang. Gieb auch, daß wir in allem Kreuz und Trübsal unfers einigen Heilands, Seligmachers und getreuen Hirten Jeſu Christi uns trösten, und daß wir Alles, was in dieser Welt ist, getrost hintanseßen und für Koth achten mögen gegen die über Kirchengebete. schwengliche Erkenntniß deines lieben Sohns. Erhalte auch bei uns und unsern Nachkommen dein heiliges seligmachendes Wort; sende treue Diener in deine Ernte. Wir bitten auch für alle, insonderheit aber für unsere christliche Obrigkeit. Regiere sie durch deinen Geist, daß sie zuvörderst und vor allen Dingen bei ihrer Regierung, so viel an ihnen ist, das Reich unsers einigen ewigen Königs, Jefu Chrifti, befördern und ausbreiten, und ja also ihren Stand und Wandel auf dieser Welt führen, damit sie dermaleinst mit ihm im Himmelreich herrschen mögen in aller Ewigkeit. Siehe auch in Gnaden an deine arme be drängte Kirche und kleine Heerde; komme ihr zu Hülfe und errette sie endlich aus den großen Nöthen, die sie getroffen ha ben; tröste fie, Herr, durch deinen Geist, nach dem du weißt, daß es ihre Nothdurft erfordert, auf daß sie sich deiner Güte erfreuen und deinen Namen ewig preisen möge. Laß eine tröft liche Chriftfreude heute aufgehen in den Herzen aller Ange fochtenen, Kranken, Verfolgten, Witwen, Waisen und aller Anderer, so in Noth und Trübsal stecken. Auch die, welche deinen Sohn Jesum Christum noch nicht erkennen, noch ehren, bringe an das Licht deiner Wahrheit, damit sie sammt uns und allen auserwählten Engeln und Menschen dich loben und dir zu Lob in wahrem Glauben und mit herzlicher Freudigkeit singen mögen: Ehre sey Gott in der Höhe, Friede auf Erden, und den Mens schen ein Wohlgefallen. Amen! 94 47. Um Neujahrstage. ( № 32 im alt. G. B.) Herr Himmels und der Erden, du großer und starker Gott! wir sagen dir von Herzen Lob und Dank, daß du uns nicht als lein erschaffen, bis hieher erhalten und sonderlich auch das vers gangene Jahr so gnädiglich und väterlich beschüßet und uns so viele unzählbaren Wohlthaten erzeiget hast, sondern auch und vor nämlich, daß du aus lauter Gnaden uns deinen Sohn Jesum Christum zum Erlöser und Heiland geschenket und, da die Zeit erfüllet war, in die Welt gefandt haft, welcher sich seiner göttli chen Gestalt geäußert, Knechtsgestalt an sich genommen, dem Ge seg unterworfen und dir gehorsamt geworden ist bis zum Tode, Tode am Kreuze, damit er also für uns das Gesetz er füllete und uns vom Fluch, den wir verdienet hatten, erlöfete; wir erkennen und bekennen es von ganzem Herzen, daß wir ja zum Kirchengebete. 95 nicht allein das verschiedene Jahr, sondern auch die ganze Zeit unsers Lebens von Jugend auf für solche deine Wohlthaten sehr undankbar gewesen und dich vielfältig erzürnet haben, daß du ja wohl Ursach hätteft, deine Gnade von uns abzuwenden und nach deiner strengen Gerechtigkeit uns zu bestrafen. Wir bitten dich aber, himmlischer Vater, im Namen deines Sohns Jefu Chrifti, unsers einigen Heilandes, du wollest mit dem neuen Jahre uns neue Gnade widerfahren lassen, unsere alten bisher begangenen Sünden aus Gnaden um Jesu Christi willen uns schenken, und mit dem alten Jahre zurück, ja in die Tiefe des Meers werfen und derselben nimmermehr gedenken. Gieb uns auch mit dem neuen Jahre neue Kraft, dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen. Erleuchte aufs neue unsern Verstand, deinen Willen und dein Geheimniß zu erkennen; lenke und erneuere unfern Willen zu einem neuen heiligen Gehorsam, auf daß wir es doch genug seyn lassen, daß wir die vergangene Zeit in Sünde und eitlem Wandel zugebracht haben, und was noch hinterstelliger Zeit im Fleisch ist, nicht uns, nicht der Welt, nicht des Fleisches Lüften, sondern dir leben und auf deinen Wegen gehen. Be schneide du, o Herr! durch deinen Geist unser Aller Herzen und reinige sie von aller Ungerechtigkeit und bösen Lüften. Gieb uns nach deiner Verheißung einerlei Herz und Wesen, daß wir dich fürchten unser Lebelang, auf daß es uns und unsern Kindern nach uns wohl gehe. Erhalte inskünftige bei uns und unsern Nachkommen dein heiliges Wort; gieb auch in diesem augetretenen Jahre deinen Segen zu den Früchten der Erde; wende ab alle wohlverdienten Landplagen, und sey uns noch ferner gnädig. Laß dir auch in deinen väterlichen Schuß befohlen seyn unsere christlichen Herrschaften und Obrigkeiten, regiere und segne ihre Anschläge, Thun und Lassen, daß es zur Ausbreitung deis ner Ehre, zur Fortpflanzung der göttlichen Wahrheit und zu des Vaterlandes Wohlfahrt gereiche. Dafern auch in dem neuen Jahre neues Kreuz und Trübsal erfolgen sollte, so wollest du uns, o Gott! mit neuem Troste, Stärke und Geduld waffnen und durch deine Kraft in unsrer Schwachheit mächtig seyn, damit wir überwinden, Alles wohl ausrichten und wider alle Anfechtungen das Feld behalten mögen. Laß doch dieses künftige neue Jahr deiner armen bedrängten Kirche und allen betrübten, angefochtenen, verfolgten oder sonst nothleidenden Herzen ein troftreiches, fröhliches Erlösungsjahr seyn, und wenn wir die Zeit unsers elenden Lebens in dieser Welt nach deiner Bestimmung erfüllet haben, so hilf uns getrost hindurch in das rechte neue 96 Kirchengebete. himmlische ewige Jubeljahr, um deines allerliebsten Sohns, unfers einigen Heilandes Jesu Christi, willen. Amen! 48. Dank für das Leiden Christi. ( N 33 im alt. G. B.) Ich danke dir, Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch, daß du mich armen Sünder und verdammten Menschen ohne alle meine Werke, Verdienst und Würdigkeit erlöset hast durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen. O Herr Jesu Christe, wie groß ist dein Leiden, wie schwer ist deine Pein, wie viel ist deiner Marter, wie tief sind deine Wunden, wie bitter und schwerlich ist dein Tod, wie unaussprechlich ist deine Liebe, damit du mich deinem lieben Vater verföhnet haft! da du am Olberge blutigen Schweiß vor großer Angst geschwißet, daß Bluts tropfen auf die Erde gefallen, bist darauf von allen deinen Jün gern verlassen und hast dich in die Hände der schnöden Juden und gottlosen Schaar willig für mich ergeben, welche dich hart gebunden und verstricket und von einem ungerechten Richter zum andern unbarmherzig geführet: Daselbst bist du fälschlich ver klaget, verurtheilet, verspeiet, verhöhnet und mit Fäusten in das Angesicht geschlagen worden. Du bist um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, ges geißelt und mit Dornen gekrönet und jämmerlich zugerichtet, wie ein armer Wurm, der keinem Menschen ähnlich; denn du warest der Allerverachtetste und Unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit, also daß es auch ein heidnisches Herz erbarmet hat und gesaget: Siehe, welch ein Mensch ist das! Du bist wegen meiner Mißhandlung mitten unter zween Übelthäter gerechnet und als ein Fluch aufgehänget, an Händen und Füßen mit Nägeln durchgraben, dazu in deinem höchsten Durst mit Eſsig und Gallen getränket, und mit großen Schmerzen hast du de nen Geist aufgegeben, auf daß du unsere Schuld bezahltest und wir durch deine Wunden geheilet würden. Für alle diese deine Marter und Pein sage ich dir Lob und Dank, und bitte di laß dein heiliges und bitteres Leiden an mir armen Sünder night verloren seyn, sondern gieb, daß ich mich dessen von Herzen und rühme, auch desselben Gedächtniß also begehe und es sob chermaßen betrachte, daß alle bösen Lüfte dadurch in mir ausge löschet und gedämpfet, dagegen aber alle Tugenden eingepflanzet und gemehret werden, auf daß ich, der Sünde abgestorben, der tröfte Kirchengebete. 97 Gerechtigkeit lebe und deinem gelassenen Vorbild nachfolge, in deine Fußstapfen trete, das Übel mit Geduld ertrage und das Unrecht mit gutem Gewissen leide; das gieb und verleihe mir nun, o Herr Jesu, um deines heiligen theuren Verdienstes willen. Amen! 49. Auf Ostern. ( N 34 im alt. G. B.) Herr Jesu Christe, du überwinder des Todes und Zerstörer der Höllen, wir sagen dir herzlich Dank für deine siegreiche Auferstehung, dadurch du dem Tode die Macht genommen und ein ewiges unvergängliches Wesen wieder ans Licht gebracht haft. Du hast dich bewiesen als ein allmächtiger Herr, der da hat die Schlüssel der Höllen und des Todes, der da aufschleußt und Niemand zuschleußt. Du warest tadt, und siehe, nun lebest du von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du hast dein Volk vom Tode errettet und aus der Hölle erlöset, daß wir nun mit Freudigkeit sagen können: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Dir sey Dank, daß du uns den Sieg gegeben hast, denn du bist dem Tode ein Gift gewesen und der Hölle eine Pestilenz; du hast den Tod verschlungen ewiglich. Darum freute sich unser Herz und unsere Ehre ist fröhlich, denn Gott hat deine Seele nicht in der Hölle gelassen, und nicht zugegeben, daß sein Heiliger die Verwesung sehe. Du bist eine kleine Zeit von Gott verlaffen gewesen, aber nun mit Ehren und Schmuck gekrönet; du bist aus der Angst und dem Gericht hinweggerissen; wer will deines Lebens Länge ausreden? Der Stein, den die Bauleute vers worfen hatten, ist zum Eckstein geworden; das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. Man singet mit Freuden in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg, die Rechte des Herrn ist erhöhet, die Rechte des Herrn behält den Sieg! Ach Herr Jesu, du bist hervorgebrochen, wie die schöne Morgenröthe, majestätischer Weise bist du auferstanden in einem Erdbeben. Deine heiligen Engel eröffnen und zeigen uns das Grab und sagen: Was suchet ihr den Lebendigen bei den Tods ten? tommet her, sehet die Stätte, da der Herr gelegen! du freundlicher, leutseliger Herr, du erscheinest den großen Sündern, Maria Magdalena und Petro, und sprichst: Gehe hin und sage Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 7 98 Kirchengebete. meinen Brüdern: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Bater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Du wirst ein Pilgrim in Emaus und legest deinen betrübten Jüngern alle Schrift aus; du kommest zu den Aposteln im verschlossenen Haus, zeigst ihnen Hände und Füße, deine Seiten und Wun denmal und heilest damit die Wunden ihres Unglaubens, isfest mit ihnen aus Liebe, und zum Zeugniß, daß du wahrhaftig lebest, auf daß du sie speisest mit den Früchten deiner Auferstehung. Denn du theilest dieselben Früchte aus durch deinen edlen Frieden, welcher alle himmlischen Güter in sich begreifet. Wir bitten dich, lieber Herr, gieb uns die Gnade des heiligen Geistes, daß wir die Kraft deiner Auferstehung und den beständigen Trost in unsern Herzen empfinden, daß nunmehr weder Sünde, noch Verdammniß, weder Fluch, noch Tod, weder Satan, no Hölle einige Macht, noch Anspruch an uns habe. Laß uns auch, o Herr, mit dir durch wahre Buße auferstehen, laß uns Theil haben an der ersten Auferstehung, auf daß der andere Tod an uns nicht Macht habe. Erwecke auch am jüngsten Tage durch Kraft deiner Auferstehung unsere Leiber zum ewigen Leben, damit unser nichtiger, verweslicher, sterblicher Leib anziehe Un verweslichkeit, Unsterblichkeit, Kraft und Ehre, und wir ähnlich seyn deinem verklärten Leibe. Unser Leben ist jetzt bei dir ver borgen, wenn du aber, unser Leben, wirst offenbar werden, so werden wir auch mit dir offenbar werden in der Herrlichkeit. Das verleihe uns, o Herr Jesu Christe, durch deine siegreiche Auferstehung und um deines Namens Ehre willen. Amen! 50. Um Feste der Himmelfahrt Jesu. ( N 35 im alt. G. B.) Herr Jesu Christe, du allmächtiger Siegesfürst, der du dich durch deine sieghafte und fröhliche Himmelfahrt geseget haft zur Rechten der Majestät und Kraft Gottes, und alle deine Feinde Sünde, Tod, Teufel, Hölle und Welt, gelegt zum Schemel beina Füße, wie sollen wir diesen Triumph, diesen Sieg, diese Hem lichkeit, diesen deinen hohen Namen genugsam und würdiglich rüh men und preisen? Denn nachdem du gemachet haft die Rein gung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Him mel gesetzet zur Rechten der Majestät Gottes, so viel besser wor den, denn die Engel, so viel gar einen höhern Namen du vor ihnen ererbet hast. Denn zu welchem Engel hat Gott jemals Kirchengebete. 99 gesagt: Seße dich zu meiner Rechten? Dein himmlischer Vater hat dir Alles unter deine Füße gethan, nichts ausgenommen, als sich selbst; du hast dir unterthan gemacht die Engel, die Gewaltigen, die Fürstenthümer und die Kräfte, auch hast du in diesem sieghaften Triumph ausgezogen die höllischen Fürstenthümer und Gewaltigen, sie öffentlich zur Schau getragen und einen Triumph aus ihnen gemacht durch dich selbst. Du, starker Gott, fährest auf mit Jauchzen, und du, Herr, mit heller Posaune. Lobsinget unserm Gott, lobsinget ihm klüglich; der Wagen Gottes ist viel tausendmal tausend. Du bist aufgefahren in die Höhe, und hast das Gefängniß gefangen geführet, du haft Gaben empfangen für die Menschen, du bist erhöhet über alle Engel und Fürstenthum, über alle Gewalt und Macht und über Alles, was in dieser und jener Welt mag genennet werden. Gott hat dich zum Haupt geseget deiner Gemeinde, die da ist dein Leib und die Fülle deß, der Alles in Allem erfüllet; du bist unser ewiges eigenes Haupt, der seinen Leib und seine Glieder mit Leben, Licht und Kraft, Trost, Stärke, Sieg, Frieden und Freude erfüllet. Du bist unser ewiger Hoherpriester, salbest uns mit deinem heiligen Geist, giebst Evangelisten, Apostel und Propheten, Hirten und Lehrer, auf daß dein geistlicher Leib erbauet werde. Ach sende treue und fleißige Bauleute und erfülle sie mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes! Du hast ein ewig hohes Priesterthum, darum kannst du allezeit selig machen und die Gebete derer erhören, die zu dir kommen und dich anrufen. Du haft uns durch deine Himmelfahrt den richtigen Weg gezeiget, den Himmel und das Paradies eröffnet und die Stätte im Hims mel bereitet. Weil du nun als unser Haupt im Himmel bist, so werden wir, deine Glieder, auch gewiß nicht draußen bleiben. Du wirst uns Alle nachholen, auf daß wir seyn, wo du bist, daß wir deine Herrlichkeit sehen. Durch deine Himmelfahrt ist unsere selige Hoffnung bestätiget, daß wir gewiß zu dir kommen werden; es ist auch unsere Gerechtigkeit dadurch bekräftiget, denn du erscheinest nun vor deinem himmlischen Vater zum Zeuge niß, daß du durch dein Blut ins Allerheiligste eingegangen bist, und eine ewige Erlösung erfunden und die ewige Gerechtigkeit wieder gebracht hast. Zeuch uns nach dir, daß wir mit unsern Gemüthern bei dir im himmlischen Wesen und Leben wandeln und wohnen mögen; daß wir allda unser Herz haben, wo unser Schatz ist, und suchen, was droben ist, und nicht, was auf Erden ist, und strecken uns nach dem, was zukünftig ist. Zeuch uns nach dir, so laufen wir, gieb uns Flügel der himmlischen 7* Kirchengebete. Morgenröthe und des herzlichen Verlangens nach dir, daß wir zu dir fliehen. O wann werden wir dahin kommen, daß wir dein Angesicht sehen, und mit dir auffahren zu deinem Vater und unserm Gott. Komm, Herr Jesu, und nimm uns z dir. Amen! zu 100 51. Am Pfingstfeste. ( N 36 im alt. G. B.) Gott, heiliger Geist, der du ausgehest vom Vater und dem Sohne, bist mit ihnen gleich ewig in einem göttlichen unzertheiltes Wesen. Wir beten dich an, wir ehren, loben und preisen dich, und danken dir aus Grund unserer Herzen für alle deine Wohl thaten, sonderlich, daß du uns durch deine Gnade zum heiligen christlichen Glauben berufen und gebracht, dich selbst unserer Seele in der Taufe eingegossen hast, und noch ohne Aufhören in uns wirkest deine Werke. Wir bitten dich, weil wir nicht aus eige ner Vernunft, noch Kraft an Jesum Christum unsern Herrn glauben oder zu ihm kommen können, du wolleft uns lehren, in alle Wahrheit leiten und führen, den wahren Glauben in uns erhalten und vermehren, mit rechtem Verstand deines Works begaben, in wahrer Anrufung und rechtem Vertrauen heiligen innerlichen Frieden des Gewissens mit ewig währendem Trost neben aller Freudigkeit und Beständigkeit uns geben und schenken. Schreibe du Jesum Christum in unser Herz, der du bist der le bendige Finger Gottes; vergewissere uns mit deinem Zeugnis; tröste uns wider alle Furcht und Blödigkeit des Fleisches. Sey du unser treuer Beistand wider des bösen Feindes Anklagung; stärke uns wider die Verzagung, auf daß wir also im Glauben durch deine Gnade der Verheißung vergewissfert und versiegelt werden; denn du bist das Pfand unsers Erbes zu unserer Er lösung. Verleihe uns auch rechte Andacht und Seufzen zum Gebet, daß wir mit wahrer Zuversicht und findlichem Vertrauen schreien und sprechen: Abba, lieber Vater! Gieb uns rechte Einfalt des Herzens ohne alle Galle und Bitterkeit, der bu is Gestalt einer Taube über unsern Herrn Jesum Chriftum a Jordan in seiner heiligen Taufe erschienen bist. Entzünde in uns das Feuer der herzlichen inbrünstigen Liebe, der du dich in feurigen Zungen über die heiligen Apostel schwebend haft sehen laffen, damit wir die Salbung empfahen. Erneuere un an dem inwendigen Menschen, daß wir durch dich, der du durchs Kirchengebete. 101 Wort und Sacrament träftig bist, mögen je mehr und mehr wiedergeboren und nach dem innerlichen Menschen von Tag zu Tag erneuert werden. Behüte uns vor Abgötterei und Lügen, vor Irrthum und Keßereien und vor aller Bosheit und gottlosem Wesen. Nimm hinweg die Unreinigkeit unsers Gemüths; laß die sündlichen Lüste nicht kräftig werden in unserm sterblichen Leibe, sondern mache du deine Wohnung in uns und herrsche in allen unsern Gliedern. Begleite uns auch endlich in das rechte ewige Vaterland, auf daß wir daselbst in vollkommener Heiligkeit dich sammt Vater und Sohn von Angesicht zu Angesicht schauen und ewiglich loben und preisen mögen. Amen! 52. Für die Früchte des Landes. ( № 41 im alt. G. B.) allmächtiger Gott, barmherziger, lieber himmlischer Vater! wir müssen ja bekennen, daß wir dürftige Creaturen sind, und nicht bestehen, noch einen Augenblick leben können, wo du nicht, nachdem du uns erschaffen, auch uns erhältst und ernährest. In folcher Dürftigkeit nun bitten wir deine unerschöpfliche Güte, du wolleft ferner nach deiner theuren Verheißung uns nicht verlaffen, noch versäumen. Bis hieher hast du uns ja geholfen und uns väterlich ernähret und versorget. Dafür preisen wir dich demüthiglich, müssen aber auch bekennen, daß wir deine Gü ter und Gaben auf mancherlei Weise sündlich mißbrauchet, damit deinen Zorn wider uns gereizet und du nach deiner Gerechtigkeit daher Ursache hättest, deine Hand von uns abzuziehen und uns darben zu lassen. Gieb es uns aber bußfertig zu erkennen, und siehe nicht an unser Verdienst, sondern deine Barmherzigkeit und unser Elend und Bedürfnis, und laß dich unserer noch ferner jammern. Vergieb uns um Christi willen alle unsere Sünde, und laß uns noch weiter schmecken und sehen, wie freundlich du bist. Laß unser Land sein Gewächs geben, und gieb dazu Segen und Gedeihen. Bebüte die Saat und Früchte des Landes vor Hagel und anderm verderblichen Ungewitter; steure und wehre dem Ungeziefer und kehre ab Miswachs sammt allem Unheil. Laß uns sehen deinen Segen und auch denselben einsammeln und genießen. Laß es aber auch geschehen mit Danksagung, und gieb Gnade, daß wir je länger je mehr deine Güte erkennen und preisen. Ziehe und lenke uns zu dir, auf dich, den Geber 102 Kirchengebete. aller guten Gaben, allezeit zu sehen, dir zu vertrauen, dich zu lieben und dir gehorsam zu seyn. Laß uns vorsichtig mit deinem Segen und deinen Gaben umgehen, und ja dahin sehen, daß wir ihrer nicht miß, sondern recht gebrauchen, eingedenk, daß wir dir davon Rechenschaft geben müssen, schuldig aber seyen, Alles zu deiner Ehre, zu unsers Nächsten Besten und unserer eigenen Nothdurft anzuwenden. Gieb dazu Gnade, und segne uns vor allen Dingen mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, damit wir versorgt seyen hier und dort ewiglich. Amen! 53. Nach der Ernte. ( No 42 im alt. G. B.) Ewiger barmherziger Gott, du hast uns gemacht und nicht wi selbst; in dir leben, weben und sind wir, und so viel Gutes haft du uns bisher gethan, uns zu ernähren und zu erhalten. Durch deine heilige mächtige Vorsehung hat noch nicht aufgehöret Saat und Ernte, Frost und Hiße, Sommer und Winter. Und dir haben wir es demnach zu danken, daß auch dieses Jahr unser Land sein Gewächs gegeben, und sein Getreide wohl gerathen ist. Du hast deine milde Hand aufgethan, und gegeben, daß wir ge sammelt. So groß ist deine Güte! da doch wir deine Wohle thaten bisher wenig erkannt, und dich nicht, wie wir schuldig gefürchtet und geliebet, sondern hingegen mannichfaltig erzürnet, deinen Willen, Wort und Gebot übertreten, dir widerstrebet und diesen Segen mißbrauchet. Aber du bist gütig auch über die Undankbaren und Boshaftigen, läsfest deine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Und nach deiner Barmherzigkeit hast du auch noch dieses Jahr go krönet mit deinem Gut. Du hast unser Land. reich gemacht, unsere Ernte treulich behütet, früh und spät Regen gegeben und vor Hagel und Ungewitter die Erde bewahret. Wenn du gleic deinen Donner hören ließest, so hast du uns doch gnädiglich be hütet, und bist mit der Ruthe, womit du Andere heimgesuchet und gezüchtiget hast, bei uns vorüber gegangen. Du haft end lich auch deinen Segen uns laffen einsammeln und gedeibliche Wetter dazu verliehen. Ach Herr, was ist doch der Mensch, b du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich sein so annimmst! Nun bitten wir dich, vergieb uns alle unsere Sünde Wir loben und preisen dich um alle deine Güte, und bekennen Kirchengebete. 103 daß wir aller deiner Barmherzigkeit und Treue' viel zu gering sind. Ach! gieb uns doch Allen ein erkenntliches, dankbares Herz, ja auch ein genügsames Herz, und schaffe in uns, daß wir von nun an dir recht vertrauen, dich über Alles fürchten und lieben. Gieb, daß wir bedenken, wir seyen deine Haushalter und müssen einmal von allem dem, was du uns verliehen, dir Rechnung thun, auf daß wir vorsichtig handeln, und ja uns hüten, daß wir deine Gaben nicht mißbrauchen. Gieb, daß wir Alles brauchen zu deinem Lob und Ehren und zum Nuß und Dienst unsers Nächsten. Laß uns dann auch unsere Nothdurft davon dahin nehmen mit Danksagung, und behüte uns dabei vor Krieg, Brand und anderm Übel. Lehre uns am ersten trachten nach deinem Reich und seiner Gerechtigkeit. Laß uns herzlich lieben dein Wort und Gebot, und es unsere Freude seyn, uns zu dir zu halten. Ach Gott, verleihe uns doch solches, damit wir noch rner uns deiner Güte zu erfreuen und deines Segens zu genießen haben mögen; ja damit wir endlich dahin kommen, wo uns ewiglich nicht mehr hungern, noch dürsten, sondern du uns Alles im Allem seyn wirst, um Jefu Chrifti willen. Amen! 54. In gemeinen Nöthen. ( № 74 im alt. G. B.) Allmächtiger, barmherziger Gott, lieber Vater! wir sagen dir Lob und Dank für alle deine Wohlthaten, so du uns an Leib und Seele bis hieher erzeiget hast, und bekennen mit demüthigen, zerschlagenen Herzen unsere vielfältigen großen Sünden, damit wir deinen Zorn wider uns gereizet und deine schwere Strafe wohl verdienet haben. Ach Herr, wir haben ja dein Wort lange gehöret, deinen Willen wohl verstanden; aber nicht darnach gelebet, wie sich's gebühret. Wir haben deines Segens lange im guten Frieden genossen, aber denfelben zu aller fleischlichen Sicherheit, Ungerechtigkeit, Geiz, Schwelgerei, Pracht, übermuth und allerlei andern Sünden mißbrauchet. Den schuldigen Gottesdienst und das Gebet leider sehr versäumet, oder doch meistentheils ohne herzliche Andacht, ohne kindliches Vertrauen, ohne Demuth und ohne wirkliche wahrhafte Buße und Bekehrung verrichtet. Deffen überweisen uns unsere eigenen Gewissen und geben Zeugniß wider uns; ja deine gerechten Strafen machen uns schamroth vor dir. Kirchengebete. 2 Darum demüthigen wir uns nun vor deiner Majestät, und bitten nur um Gnade; ach sey du uns nur nicht schrecklich, lieber Vater! Züchtige uns mit Maßen und nicht in deinem Grimm, auf daß du uns nicht aufreibest. Vergieb uns unsere Missethaten um des heiligen theuren Leidens und Sterbens Jesu Christi willen. Behüte uns vor fernerem Krieg und Landes Verheerung( vor Theurung, Pestilenz, Feuer und Wassersnoth), sonderlich aber vor falscher Lehre. Bewahre und schüße in diesen legten bösen Zeiten deine liebe Kirche vor allen denen, so wider dieselbe wüthen und toben; wie wir dann auch bitten für alle unsere bedrängten und geängsteten Mitglieder und Glaubensgenossen hin und wieder; tröste, stärke, schüße und errette sie durch deinen starken Arm aus aller Noth und Gefahr. Erhalte bei uns und ihnen dein heiliges Wort und den reinen Gottesdienst. Sende treue Diener in deine Ernte, und gieb deinen Segen zu ihrer Arbeit und vers leihe dabei beständigen Frieden, damit wir allesammt Ursache haben, uns über deine Güte zu erfreuen und dir dafür von Herzen zu danken. 104 Du wollest auch den Stand der weltlichen Obrigkeit fegnen und erhalten, insonderheit aber dir in allen Gnaden lassen be fohlen seyn unsern gnädigsten König und Herrn sammt allen dessen Räthen und Dienern. Du wolleft ihnen Gnade und alles Wohlergehen verleihen, auch Weisheit und Einigkeit, und deine Furcht ins Herz geben, daß sie allezeit dasjenige rathen und thun, was dir gefällig ist, und dadurch das Gute befördert, das Böse und Gottlose aber verhindert und gestrafet werde. Erneuere und bekehre doch uns Alle je mehr und mehr durch die Kraft deines heiligen Geistes, daß wir von Herzen unser Leben bessern. Erhalte und vermehre in uns den wahren Glauben, herzliche Buße, beständige Hoffnung und Geduld. Segne und behüte auch die Früchte des Landes, und gieb, daß wir derselben im Frieden mit Danksagung genießen mögen. Ach, Herr! tröste und errette sonst auch alle angefochtenen, ver folgten, kranken und sterbenden Christen, und komme ihnen und uns zu Hülfe in aller Noth. Laß keinen versucht werden über sein Vermögen, sondern mache der Trübsal so ein Ende, daß man's könne ertragen, ja damit man endlich mit fröhlichen Herzen dir danke und deinen Namen preise. armen Sündern gnädig um deines allerliebsten Sohns Jesu Erhöre uns, o Vater aller Barmherzigkeit, und sey und Christi willen. Amen! Kirchengebete. Öffentliche Beichte. ( № 45 im alt. G. B.) 105 Weil wir nun Gottes Wort haben angehört, so wollen wir uns auch vor Gott demüthigen und ihm unsere Sünden von Herzen bekennen, beichten und also sprechen: Wir arme Sünder bekennen Gott, unserm himmlischen Vater, daß wir leider! schwerlich und mannichfaltig wider Gott und Menschen wissentlich und unwissentlich gefündiget und auf mans cherlei Weise mit Gedanken, Geberden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten haben, wie das unser Herr und Gott an uns erkennet und wir leider! so vollkommen nicht erkennen. Es reuet uns aber und ist uns leid, und wir begehren von Herzen Gnade von Gott und Vergebung aller unserer Sünden durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum. Wir bitten, daß er uns seinen heiligen Geist zur Stärkung unsers Glaubens und zur Besserung unsers Lebens mittheilen wolle, um Jesu Christi willen. Amen! 2bfolution. Auf solch euer Bekenntniß verkündige ich euch Allen, bie ihr eure Sünden herzlich bereuet und euch des Verdienstes Jesu Christi mit wahrem Glauben tröstet, auch euer Leben nach den Geboten und dem Willen Gottes einzurichten gedenkt, kraft meines Amts, als ein verordneter Diener des göttlichen Worts, die Gnade Gottes, und vergebe euch, anstatt und aus Befehl meines Herrn Jesu Chrifti, alle eure Sünde, im Namen Gottes des Baters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Dagegen aber sage ich allen Unbußfertigen, Ungläubigen, Sichern Gottes, seines Worts und der heiligen Sacramente Verächtern aus Gottes Wort und im Namen Jesu Christi, daß ihnen ihre Sünden zum Gericht vorbehalten werden, wofern sie nicht Buße thun, welche Buße und Bekehrung aber wir ihnen von Gott herzlich bitten und wünschen. Anhang kurzer Gebete. Das Erste. Zum Gebrauch beim öffentlichen Gottesdienste. Anbetungswürdiger Gott, dich preiset Himmel und Erde; deiner freuet sich die ganze Schöpfung. Auch wir freuen uns vor dir und bringen dir das Opfer der Anbetung und des Danks für alle Güte, die du bisher an uns erwiesen hast. Vornämlich danken wir dir, daß du uns durch dein göttliches Wort die Fähigkeit und die Mittel verliehen, dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, zu erkennen und in dieser Erkenntniß unsere wahre Glückseligkeit zu finden. Lehre uns, o gütiger Vater, diese große Wohlthat recht schätzen, und gieb uns durch deinen Geist Weisheit, Muth und Kraft, so gesinnet zu seyn und zu wandeln, daß wir von unserm Antheil an deiner Gnade in Jesu Christo gewiß seyn und dem zukünftigen Leben mit ruhiger Zuversicht entgegen sehen können. In guten und gesunden Tagen erhalte uns wachsam durch die stete Erinnerung deiner Allgegenwart, unserer Sterblichkeit und künftigen Rechenschaft, und bewahre uns, daß wir deine unschäßbare Liebe, die Neinigkeit und Ruhe unsers Gewissens und die Hoffnung eines bessern Lebens nach dem Tode nicht verscherzen mögen. Gefällt es dir, über uns und die Unsrigen, über unser Vaterland, über deine Kirche und Welt Widerwär tigkeiten zu verhängen, so behüte die Leidenden vor Verzweiflung und jeder sündlichen Selbsthülfe, und stärke ihre Seelen, daß fic in stiller Unterwerfung unter deinen Willen es dir zutrauen: du werdest Alles wohl machen. Alle diejenigen, welche deine Menschen plagen und das Elend auf der Welt vermehren, erschüttere mit Schrecken vor dir, der du aller Welt Richter bist. Uns aber, die wir auf deine Liebe in Jesu Christo unsere ganze Zuversicht und Seligkeit gründen, Anhang kurzer Gebete. 107 flöße deinen liebreichen Sinn ein, daß es unsere höchste Freude sey, wohl zu thun und die Zufriedenheit unserer Nebenmenschen aus allen Kräften zu befördern. Deine gnädige Aufsicht walte über uns und alle Menschen an allen Orten der Welt. Amen! Das Zweite. Zu eben dem Gebrauch, besonders beim Anfang des Jahrs, auf Michaelis u. ff. Ewiger Gott und Vater, du hast uns in der vergangenen Zeit mit Vaterhänden geleitet. Von deiner Güte muß auch aller Segen kommen, der uns in der Zukunft beglücken kann. Schenk uns denselben in der Maße, als es deine Weisheit für uns gut findet. Verzeihe uns unsre begangenen Sünden. Wende die wohlverdienten Strafen von uns ab. Mach uns von deiner Begnadigung in Jesu Christo gewiß und hilf uns, deinen Kindern, daß wir stets in deinen Geboten wandeln. Breite deine Verehrung durch den Glauben an Jesum Christum durch wahre Frömmigkeit und Menschenliebe allenthalben aus. Laß weisen Erwerbungsfleiß, unschuldige Menschenfreuden und Länder- Wohlstand sich an allen Orten vermehren. Segne und schüße alle Könige und Fürsten und besonders unsern König und Herrn; erhalte seine Gesundheit, verlängere sein Leben und schmücke ihn immer mehr mit den Eigenschaften und Tugenden eines Regenten aus, der seines Volkes Vater ist. Thue wohl an seinen Räthen und Dienern und fröne ihre Sorgen für das gemeine Wohl mit dem glücklichsten Erfolge. Deine Gnade und Hülfe scy mit allen Menschen, mit dem Land und dem Ort, dessen Glieder wir sind, damit wir ein stilles und geruhiges Leben führen, voll freudiger Hoffnung einst selig sterben und dich vor deinem Throne ewig verehren und preisen mögen. Amen! Das Dritte. Im Advent und auf Weihnachten. Du hast, o Allerhöchster, deinen eingebørnen Sohn in die Welt gesandt, um uns von Unwissenheit, Irrthum, Aberglauben und Sünden zu befreien und uns zu Mitgenoffen der Freude und 108 Anhang kurzer Gebete. Seligkeit zu machen, wovon da selbst die unerschöpfliche Quelle bist. Preis und Dank sey dir, o Gott der Erbarmung, für dieses Wunder deiner Liebe. Laß uns davon so gerührt werden, daß wir die uns erschienene heilsame Gnade gehörig annehmen, alles gott Lose Wesen meiden, züchtig, gerecht und gottselig in dieser Welt Leben und so dir wohlgefallen, ruhig und selig werden mögen. Dir, o Gott, der du uns deinen Sohn geschenkt und mit ihm uns Alles geben willst, was uns gut ist, empfehlen wir uns, unser Vaterland, unsre liebe Obrigkeit und alle unsre Nebenmens schen. Beschirme, segne und hilf uns um deines Sohnes Jesu Christi willen, der auch uns zu gute Mensch geworden ist. Amen! Das Vierte. Zur Erinnerung an das Leiden und Sterben Christi in der Passionszeit und beim Genuß des heiligen Abendmahls. Jesu, du Sohn Gottes, du haft unsere Sünden getragen und dich für uns in Angst, Marter, Schmach und Tod aufgeopfert. Geuß deine Liebe in unsere Herzen, und laß es uns nie vergessen, was Du uns Gutes erwiesen., Lehre uns, unsere Sünden, die dir so viel gekostet, bereuen und verabscheuen. Lehre uns glauben, daß du auch für uns gestorben bist und daß du dein Blut auch zur Vergebung unserer Sünden vergoffen hast. Erhalte uns in dem beständigen Gefühl von dem Werth unsers unsterblichen Geistes, zu deffen Errettung und Seligmachung du so Bieles gethan und gelitten hast. Laß uns dein Leiden und Sterben antreiben, so zu denken und zu leben, wie es dem großen Zwede deiner Erlösung gemäß ist, damit wir nicht selbst den ganzen Nußen davon an uns vergeblich machen. Von dir laß uns lernen, Jedem, so viel wir können, zu dienen und uns gern für das Wohl unserer Nebenmenschen aufzuopfern. Von dir laß uns lernen, uns nie an unsern Feinden zu rächen, sondern Undant, Lästerungen und Beleidigungen mit Sanftmuth zu erdulden. Ben dir laß uns lernen, auf den dornichten und dunkeln Pfaden dieſes Lebens nie wider Gottes Schickung zu murren, sondern Schmer zen und Widerwärtigkeiten mit stiller Gelaffenheit zu ertragen und uns in Allem dem Willen unsers Gottes und Vaters demüthig zu unterwerfen. Und endlich im Tode und bei dem Schrecken des Grabes erinnere uns daran, daß du auch einst im Grabe Anhang kurzer Gebete. 109 geschlafen, und daß der Gott, der dir das Leben wieder gab, auch von unserm Grabe den Stein wieder wegwälzen und uns zum ewigen Leben erwecken werde. Dir sey Ehre und Anbetung von nun an bis in Ewigkeit. Amen! Das Sünfte. Auf Ostern und Himmelfahrt. Allmächtiger Gott, du haft deinen Sohn, Jesum, unsern Heis land, von den Todten auferwecket, ihn mit Preis und Ehre gekrönet und ihn zu deiner Rechten im Himmel über Alles erhöhet. Du haft mit dem, was er für uns gethan und gelitten hat, die völligste Zufriedenheit bezeuget. Du hast ihn zum Herrn und König seiner erlösten Menschen gemacht. Er hat die größte Macht und Gewalt, uns zu fegnen, und sorgt mit mehr als brüderlicher Liebe für unsere Glückseligkeit. Gelobet sey dein Name, o gütiger Vater, von nun an bis in Ewigkeit. Erwecke uns nun durch die Kraft deines heiligen Geistes, daß wir aufstehen vom Schlafe der Sünden und ihm, unserm Erlöser, durch den willigsten und treuesten Gehorsam gegen die Vorschriften seiner Religion die Verehrung beweisen mögen, die wir ihm schuldig sind, dem wir Alles zu danken und von dem wir Alles zu erwarten haben. Einst kommt ein Tag, wo wir ihn sehen werden, wie er ist; wo er von einem Jeden Rechenschaft fordern wird. Dwie unaussprechlich glücklich werden wir uns dann finden, wenn wir freudig vor ihm erscheinen und in die seligen Wohnungen eingeführt werden können, dir er seinen Freunden und Nachfolgern bereitet hat. Amen, es geschehe uns also! Amen! Das Sechste. Auf Pfingsten. Treuer und wahrhaftiger Gott, du haft deine Verheißungen an den Aposteln und ersten Nachfolgern unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi erfüllet; mach uns nun auch Alle des verheißenen Segens deines Geistes theilhaftig. Auch wir bedürfen seines Beistandes, wenn dein Wort, wenn die Lehre Jesu in uns zur Bekehrung, zum Glauben und zu einem tugendhaften Wandel fruchtbar werden soll. Auch uns will dein guter Geist 110 Anhang kurzer Gebete. belehren, führen und trösten. Ach laß uns dann jeden guten Gedanken, jede fromme Rührung als seine Gabe so annehmen, bewahren und befolgen, daß wir nach deinem Liebesrath hier gut und froh und dort ewig selig werden mögen, durch Jefum Christum, unsern Heiland. Amen! Das Siebente. Nach der Saatzeit. Wohlthätiger Gott, väterlicher Versorger aller Lebendigen, in deinem Namen haben wir unsere Saat ausgestreut und unsere Felder bestellt. Segne nun unser Land, daß es sein Gewächse gebe. Erwärme, erquicke und befruchte die Erde durch Sonnenschein, Thau und Negen. Halte Alles, was unsere Hoffnunges zu einer reichen Ernte plößlich vernichten und deinen Segen verwüsten kann, von unsern Grenzen zurück. Laß in unferm ganzen Lande die wahre Frömmigkeit bei Obern und Unterthanen ausgebreitet werden, damit wir deines Wohlgefallens, deiner Vaterliebe und deines Segens fähig und es nicht nöthig fe möge, uns durch scharfe Züchtigungen zu unsern Pflichten zu erwecken. Es fegne uns Gott unser Gott und alle Bell fürchte ihn. Amen! Das Achte. Nach der Ernte. Gnädiger Gott und Vater, unsere Ernte ist nun wieder voller det und abermals ist für einen wichtigen Theil unserer Bedürf nisse gesorgt. Wir freuen uns über deine Güte und bringen dir das Opfer unsers Dants. Laß es dir um Jesu Chrifti willen wohlgefallen. Breite ferner deinen Segen aus über unsern Ort und das ganze Land. Laß deine Sonne auch fünf tig über die Undankbaren scheinen; aber laß auch Viele unter uns erweckt werden, deine Wohlthaten so anzuwenden, wie uns, den Haushaltern deiner Gaben, geziemt. Regiere die Herzen derer, die du mit leiblichen Gütern gesegnet hast, daß sie gegen ihre dürftigen Nebenmenschen nicht verschlossen seyn. Erfülle die Armen mit Gelassenheit und erfreue sie mit deiner Hülfe Mache uns Alle an christlichen Gesinnungen und guten Thate recht fruchtbar, damit wir, wenn unser irdisches Leben ein Ent Anhang kurzer Gebete. 111 hat, zu der seligen Ernte im Himmel gelangen, die uns bein Sohn, Jesus Christus, zugesagt hat. Da wollen wir dich für deine Wohlthaten preisen, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! Das Neunte. Bei der Confirmation. Gott, anser Vater im Himmel, deiner Güte und Trene übergeben wir diese unsere jungen Brüder und Schwestern, die sich zu deiner Verehrung freiwillig verpflichten und dich inbrünstig bitten, daß du sie als deine Kinder lieben und aller Vortheile und Seligkeit des Christenthums theilhaftig machen wollest. Laß dir diese Wünsche ihres Herzens wohlgefallen, und schenke ihnen Muth und Kraft, ihre Entschließungen zu erfüllen. Heiliger Vater, heilige sie in deiner Wahrheit: dein Wort ist Wahrheit. Herr Jesu, sie haben dich als ihren Lehrer und Seligmacher fennen gelernt; laß sie nun die ganze Kraft deiner Lehre und deines Heils zu ihrer Besserung und Beruhigung erfahren. Schenk ihnen den Beistand des heiligen Geistes und mache sie. sorgfältig in dem Gebrauch der Mittel, die sie in der Erkenntniß, im Glauben und in der christlichen Rechtschaffenheit befestigen und weiter bringen können. Laß den Tag, an dem sie zum ersten Mal das Gedächtnißmahl deiner Liebe genießen, einen unvergeßlichen, segensvollen Tag für sie seyn. Flöße ihnen immer mehr Haß gegen alle Sünden und Laster ein, denen sie jetzt feierlich entsagen. Erfülle ihre Seelen mit kindlichem Vertrauen auf Gott, ihren himmlischen Vater, und mit stets wirksamer Neigung zu allem demjenigen, was recht und gut ist und ihm wohlgefällt. Schenke ihnen Bereitwilligkeit und Stärke, sich von deinem Geist regieren zu lassen und deinem Beispiel zu folgen. In ihrem ganzen Leben laß sie durch Gottes- und Menschenliebe allenthalben das thätige Zeugnis ablegen: daß sie Christen sind. Und wenn sie zur Sünde, zum Leichtsinn und zur Versäumung ihrer Pflichten gereizet werden, so hilf ihnen zum Siege über alle Versuchungen durch das Andenken an diese Stunde, in welcher sie dem Allwissenden und allenthalben Gegenwärtigen und dir, ihrem Heiland und fünftigen Richter, Treue bis in den Tod geschworen haben. Vereinige uns einst mit ihnen in der Gesellschaft deiner vollkommenen Verehrer, die sich im Himmel versammlet, und mache sie und uns zu Erben Gottes und zu Miterben deiner Herrlichkeit und Seligkeit. Amen! 112 Anhang kurzer Gebete. Das Zehnte. Ein Beicht- Gebet, ( darin man Gott seine Reue über seine Sünden und sein Verlangen nach Begnadigung, Vergebung und Besserung vorträgt.) Gott, mein Herr und Vater, mit aufrichtiger Neue bekenne ich vor dir meine Sünden und meine Strafbarkeit. Manches Böse habe ich begangen, viel Gutes unterlassen und oft bin ich in der Erfüllung meiner Pflichten nicht eifrig genug gewesen. Vergieb es mir um Jesu Christi willen, der auch mich geliebet und sich selbst für mich aufgeopfert hat. Schenke mir aufs neue die unschäßbare Versicherung deiner Gnade und väterlichen Liebe. Ich will mich bestreben, künftig nicht vorsätzlich Unrecht zu thun, meinen Sinn und Wandel stets nach deinem Willen und nach dem Vorbild meines Heilandes einzurichten und so immer beſser zu werden. Hilf mir dazu durch den Beistand des heiligen Geistes. Amen! ( 3u Gebeten von der Art können auch aus dem Gesangbuche gebraucht werden: N 260 V. 5- 7. № 265 V. 7, 8. No № 267 3. 13-15. N 281 V. 4, 5, 7No 299 3. 17. № 273 v. 1, 2, 5, 6, 9, 11. 10. № 287. 406 2. 5- 8.) P Die Epistolischen und Evangelischen Texte auf alle Sonn- und Festtage des Jahrs. Nebst der harmonischen Geschichte des Leidens, des Todes und der Begräbniß Jesu Christi und einer zuverlässigen Nachricht von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 396 Des Osnabrückschen Land- Gesangbuchs zweiter Anhang. Osnabrück, gedruckt in der Rißling'schen Buchdruckerei. Die Epistolischen Am ersten Advents: Sonntage. Epistel. Röm. 13, 11-14. Weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehn vom Schlaf, fintemal unser Heil jest näher ist, denn da wir es glaubten; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei gekommen: so laßt uns ablegen die Werfe der Finsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Last uns ehrbarlich wandeln als am Tage; nicht im Freffen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ; und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. 2 Evangelium. Matth. 21, 1—9. Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden, angebunden, und ein Füllen bei ihr, löset sie auf, und führt sie zu mir. Und so euch Jemand etwas wird sagen, so sprecht: der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber Alles, auf daß erfüllet würde, daß gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion, siche, dein König kommt zu dir, sanstmüthig, und reitet auf einem Efel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin, und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf. Aber viel Volfs breitete die Kleider auf den Weg, die andern hieben Zweige von den Bäumen, und streneten sie auf den Weg. Das Volt aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach: Hoflanna, dem Sohne Davids, gelobet sey, der da tommt in dem Namen des Herrn: Hosianna in der Höhe. Am zweiten Advents Sonntage. Epistel. Röm. 15, 413. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschre ben, auf daß wir durch Geduld und Troft der Schrift Hoffnung auf haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gefinnet seyd unter einander, nach Jesu Christo, daß ihr einmüthiglich mit Einem Munde lobet Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sey ein Diena/ und Evangelischen Terte. 3 gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Daß die Heis den aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschries ben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinen Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermal: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermal spricht Esaias: Es wird seyn die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt, durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium. Luc. 21, 25-36. Es werden Zeichen geschehen an der Sonue, dem Monde und den Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange seyn, und werden zegen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolfe, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt auss schlagen, so sehet ihr an ihnen und merket, daß jeßt der Som mer nahe ist: Also auch ihr, wenn ihr dies Alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage cuch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es Alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrict wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So feyd nun wacker allezeit und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem Allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Am dritten Advents: Sonntage. Epistel. 1. Cor. 4, 1-5. Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun suchet man nicht 1* Die Epistolischen mehr an den Haushaltern, denn daß fie treu erfunden werden. Mir aber ist es ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt. Der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren. 4 Evangelium. Matth. 11, 2-10. Da aber Johannes im Gefängniß die Werke Christi hörte, fandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jefus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret, die Blinden fehen, die Lahmen gehen, die Ausfähigen werden rein, und die Lauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium ge predigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johanne: Was seyd ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seyd ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seyd ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja ich sage euch, der noch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben stehet: Siche, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Am vierten Advents Sonntage. Epistel. Philipp. 4, 4-7. Freuct euch in dem Hernn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch! Eure Lindigkeit laffet fund seyn allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts, sondern in allen Dingen laffet eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott fund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Chrifto Jesu. Evangelium. Joh. 1, 19- 29. Dies ist das Zeugniß Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, da sie ihn fragten: Wer bist und Evangelischen Texte. du? Und er bekannte, und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: ich bin es nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Efaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn, und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen, und sprach: ich taufe mit Wasser! aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufte., 5 Am ersten Weihnachts: Tage. Epistel. Tituš 2, 11-14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen; und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Besen, und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi; der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werfen. Evangelium. Luc. 2, 1-14. Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiſer Augusto ausging, daß alle Welt geschäßet würde. Und diese Schäßung war die allererste; und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und Jedermann ging, daß er sich. schäßen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das Jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißet Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß fie gebären sollte, und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte n in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten fons keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in Die Epistolischen derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Heerde. Und siche, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln ge wickelt, und in einer Krippe liegend. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die Lobeten Gott und sprachen: Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. 6 Am zweiten Weihnachts: Tage. Epistel. Apostelgesch. 6, 8-15. 7, 54-59. Stephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen Etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner und der Eirener und der Aleranderer und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und be fragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu wider stehen der Weisheit und dem Geist, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehört Lästerworte reden wider Mosen und wider Gott. Und bewegten das Volk und die Ältesten, und die Schriftgelehrten; und traten herzu, und riffen ihn hin, und führten ihn vor den Nath, und stellten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch hört nicht auf zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Geset. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören, und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ibn Alle, die im Rath saßen, und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht( Stephanus hielt hierauf eine Rede, worin er auch sagte: Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geiste, wie eure Väter, also auch ihr zc.). Da sie solches höreten, gings ihnen durchs Herz, und bissen die Zähne zusammen über ihn. Als er aber voll heiligen Geistes war, sah er auf gen Himmel, und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Nechten Go tes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen alt laut und hielten ihre Ohren zu, und stürmeten einmüthigh und Evangelischen Texte. 7 zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus. Und steinigten Stephanum, der ausrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er kniete aber nieder und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium. Matth. 23, 34- 39. Siehe, ich fende zu euch Propheten, und Weise, und Schrifte gelehrte, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern; auf daß über euch komme alle das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abels, bis aufs Blut Zacharias, Bas rachiä Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches Alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödteft die Propheten, und steinigest, die zu dir gefandt sind; wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel! und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich fage euch, ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt sey, der da kommt im Namen des Herrn. Ein anderes Evangelium. Joh. 1, 1-14. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsterniß, und die Finsterniß haben es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gefandt, der hieß Johannes. Derselbige kam zum Zeugniß, daß er von dem Lichte zengete, auf daß fie Alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, wels des alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbige gemacht, und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben. Welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes; sondern von Gott Die Epistolischen geboren sind. Und da das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, als bes eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 8 Am Sonntage nach Weihnachten. Epistel. Gal. 4, 1-7. Je fage aber, so lange der Erbe ein Kind ist; so ist unter thm und einem Knecht kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern, bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir fin der waren, waren wit gefangen unter den äußerlichen Sagungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, ge boren von einem Weibe, und unter das Geseß gethan, auf daß er bie, so unter dem Gesetz waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seyd, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater! Also ist hier nun kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sinb es aber Kinder, so sind es auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium. Luc. 2, 33-40. Und sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm gerebet ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, feiner Mutter: Siehe, dieser wird gefeßet zu einem Fall und Auferstehen Vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem wider sprochen wird,( Und es wird ein Schwerdt durch deine Seele bringen) auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Ge schlecht Afer, die war wohl betaget, und hatte gelebet sieben Jahr mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft, und war eine Witwe bei vier und achtzig Jahren, die kam nimmer vom Tems pel, bienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die selbe trat auch hinzu zu derselbigen Stunde, und preisete den Herrn, und redete von ihm zu Allen, die auf die Erlösung Jerusalem warteten. Und da sie es Alles vollendet hatten nach dem Gefeß des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläam, zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs, und ward start in Geift, voller Weisheit; und Gottes Gnade war bei ihm. Am Neujahrstage. Epistel. Gal. 3, 23- 29. Che denn aber der Glaube kam, wurden wir unter den Gesche verwahret und verschlossen auf den Glauben, der da sollte geef und Evangelischen Terte. fenbaret werden. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesenauf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr feyd alle Gottes Kinder durch den Glaus ben an Christo Jesu. Denn wie viel euer getäuft sind, die has ben Christum angezogen. Hier ist kein Jude, noch Grieche, hier ist kein Knecht, noch Freier, hier ist kein Mann, noch Weib; denn ihr seyd allzumal Einer in Christo Jesu. Seyd ihr aber Christi: so seyd ihr ja Abrahams Samen, und nach der Verheißung Erben. 9 Evangelium. Luc. 2, 21. Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Am Sonntage nach dem Neuenjahr. Epistel. Titus 3, 4-8. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes: Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten; sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reich lich durch Jesum Christum, unsern Heiland; auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seyn des ewigen Lebens nach der Hoffnung; das ist je gewißlich wahr. Evangelium. Matth. 2, 13-23. fie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und fliche in Egyptenland, und bleibe allda, bis ich dir sage; denn es ist vore handen, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stand auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, bei der Nacht, und entwich in Egyptenland und blieb allda bis nach dem Tode Herodis. Auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egyp ten habe ich meinen Sohn gerufen. Da Herodes nun sahe, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig, und schickte aus, und ließ alle Kinder zu Bethlehem tödten, und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernet hatte. Da ist erfüllet, das gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der 10 Die Epistolischen da spricht: Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum in Egyptenland, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und ziehe hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen. Und er stand auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und kam in das Land Israel. Da er aber hörete, daß Archelaus im jüdischen Lande König war, anstatt sei nes Vaters Herodis, fürchtete er sich, dahin zu kommen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott, und zog in die Örter des Galiläischen Landes; und kam und wohnte in der Stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde, das da gesagt ist durch den Propheten: Er soll Nazarenus heißen. Ein anderes Evangelium. Matth. 3, 13- 17. Zu der Zeit kam Jefus aus Galiläa an den Jordan zu Johanne, daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde; und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete, und sprach zu ihm: Laß jest also seyn; also gebührt es uns Allen, Gerechtig keit zu erfüllen. Da ließ er es ihm zu. Und da Jesus ge tauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser, und siche, da that sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sah den Geist Gottes, gleich als einer Taube, herabfahren, und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. Am Seste der Erscheinung Christi. Epistel. Sesaia 60, 16. int Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt, und bie Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir: Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siche umher; diese Alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne wer den von ferne kommen, und deine Töchter zur Seiten erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich bie Menge am Meere zu dir belehret, und die Macht der Heiden ju und Evangelischen Texte. dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha, sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. 11 Evangelium. Matth. 2, 1-12. Da Jesus geboren war, zu Bethlehem im jüdischen Lande, zu der Zeit des Königs Herodis, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem, und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörte, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerufalem; und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk; und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: zu Bethlehem im Jüdischen Lande. Denn also steht geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im Jüdischen Lande, bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir sell mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sey. Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wieß sie gen Bethlehem, und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so sagt's mir wieder, daß ich auch komme, und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis da er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet; und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, feiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schäße auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und 30gen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Am ersten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 12, 1-6. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Got tes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottes dienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sey der gute, der wohlgefällige und der voll Die Epistolischen kommene Gottes Wille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, Jedermann unter euch, daß Niemand weiter von ihm halte, denn sich es gebührt zu halten; sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein Jeglicher, nach dem Gott aus getheilt hat das Maß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben; also sind wir viel ein Leib in Christo, aber unter einander ist einer des andern Glied, und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. 12 Evangelium. Luc. 2, 4152. Jesu Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesu zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten; und kamen eine Tagereise, und such ten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem, und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sigen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte, und sie fragte. Und Alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Ver standes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie fich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist's, daß ihr mich gesucht habt? Wist ihr nicht, daß ich seyn muß in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Am zweiten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 12, 6-16. Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat Jemand Weissagung, so sey sie dem Glauben ähnlich. Hat Jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehrt Jemand, so warte er der Lehre. Ermahnt Jemand, so warte er des Ermah nens. Giebt Jemand, so gebe er einfältiglich. Regiert Jemand, so er übt Jemand Barmherzigkeit, so thue er es mit Luft. Die Liebe sey nicht falsch. Haffet das Arge, hangt und Evangelischen Texte. dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sey herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuvor. Seyd nicht träge, was ihr thun sollt. Seyd brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seyd fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübfal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der heiligen Nothdurft an. Herbergt gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet und fluchet nicht. Freuct euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Wei nenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. 13 Evangelium. Joh. 2, 1-11. Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Cana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mut ter spricht zu den Dienern: was er euch sagt, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung; und gingen je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasser früge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringt es dem Speisemeis ster. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wane nen er kam( die Diener aber wußten es, die das Wasser ge schöpft hatten), ruft der Speisemeister den Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Am dritten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 12, 17-21. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet Niemand Böses mit Bösem. Befleißigt euch der Ehrbarkeit gegen Jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächet euch selbst nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es stehet geschrieben: die Rache ist mein. Ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind 14 Die Epistolischen hungert, so speise ihn, dürftet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammlen. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium. Matth. 8, 1-13. Da Jesus vom Verge herab ging, folgte ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussäßiger kam und betete ihn an, und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jefus streckte seine Hand aus, rührte ihn an, und sprach: ich will es thun, sey gereiniget. Und alsobald war er von seinem Ausfah rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es Niemand; sondern gehe hin, und zeige dich dem Priester, und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugniß über sie. D aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihn, der bat ihn, und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Haufe, und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: i will kommen, und ihn gesund machen. Der Hauptmann an wortete, und sprach: Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigtet unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ih sage zu einem: Gehe hin, so geht er; und zum andern: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knechte: Thue das, so that er's. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich, und sprach denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solcher Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage ench; Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaac und Jacob im Himmelreich sitzen. Aber bi Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsterni hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du ge glaubet haft. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde Am vierten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 13, 8 10. - Seyd Niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einan der liebet; denn wer den andern liebet, der hat das Geseß e füllet. Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht chebrechen; t felst nicht tödten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht fall Zeugniß geben; dich soll nichts gelüsten; und so ein ander Gebot ete und Evangelischen Texte. mehr ist, das wird in diesem Wort verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. Die Liebe thut den nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. 15 Evangelium. Matth. 8, 23- 27. Jesus trat in ein Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum feyd ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohete den Wind und das Meer: da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist! Am fünften Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Col. 3, 12-17. So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanft muth, Geduld; und vertrage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so Jemand klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Über Alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seyd in einem Leibe; und seyd dankbar. Laßt das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und ermahnet euch selbst mit Pfalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem. Herzen. Und Alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut Alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Evangelium. Matth. 13, 24 30. Jesus legte ihnen ein ander Gleichniß vor, und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, kam der Feind, und fäcte Unkraut zwischen den Weizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater, und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gefäct? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: - 16 und Evangelischen Zerte. Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Will du denn, daß wir hingehen und es ausgäten? Er sprach: Nein! auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Laßt beides mit einander wachsen, bis zu der Ernte, und um die Erntezeit will ich zu den Schnik tern sagen: Sammlet zuvor das Unkraut, und bindet es Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen fammle mir in meine Scheuren. Am sechsten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. 2. Petr. 1, 16 21. Wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit selbst gesehen. Da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschahe von der großen Herrlichkeit des maßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel ge Bir bracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheint in einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufs gehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weisfagung in der Schrift geschiehet aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weisfagung aus mensch lichem Willen hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. - Evangelium. Matth. 17, 1-9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum, und Za cobum, und Johannem, seinen Bruder; und führte fie beiseits auf Und ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß, als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete, und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut seyn; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mose eine, und Elias eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolle. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt i hören. Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht, und Evangelischen Terte. 17 und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie Niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herab gingen, gebot ihnen Jesus, und sprach: Ihr sollt dies Gesicht Niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. Am Seste der Darstellung Jefu im Tempel oder der Reinigung Marid. Epistel. Malachiä 3, 1- 5. Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, der ihn suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Siche, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen! Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmidts und wie die Seife der Wäscher. Er wird sizzen und schmelzen, und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und läutern, wie Gold und Silber: dann werden sie dem Herrn Speis'opfer bringen in Gerechtigkeit; und wird dem Herrn wohl gefallen das Speis'opfer Juda und Jerusalem, wie vorhin und vor langen Jahren. Und ich will zut euch kommen, und euch strafen, und ich will ein schneller Zeuge seyn wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen, und wider die, so Gewalt und Unrecht thun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen, und den Fremdling drücken, und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth. Evangelium. Luc. 2, 22-32. Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Geset Mose kamen, brachten sie ihn gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstellten dem Herrn;( wie denn geschrieben steht in dem Gefeß des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiligt heißen) und daß sie gäben das Opfer, nach dem gesagt ist im Gesetz des Herrn, ein Paar Turteltauben, oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbige Mensch war fromm und got tesfürchtig, und wartete auf den Troft Ifraels, und der heilige Geist war in ihm; und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen. Und tam aus Anregen Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 2 18 Die Epistolischen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jefum in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pflegt nach dem Gefeß, da nahm er ihn auf seine Arme, und lobte Gott, und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland geschen, welchen du bereitet haft vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preif deines Volks Israel. 038 Am Sonntage Septuagesima. Epistel. 1. Cor. 9, 2427. 10, 1-5. Wiffet ihr nicht, daß die, so in Schranken laufen, die laufen Alle, aber Einer erlangt das Kleinod? Lauft nun also, daß ihr es ergreifet. Ein Jeglicher aber, der da kämpft, enthält sich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfan gen; wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs ungewisse; ich fechte also, nicht als der in der Luft streicht. Sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde. J will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durch das Meer gegangen; und sind alle unter Mose getauft, mit der Wolfe und mit dem Meere; und haben alle einerlei chriftliche Speise ge gessen; und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mit folgte, welcher war Christus. Aber an ihrer Vielen hatte Gott feinen Wohl gefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Evangelium. Matth. 20, 1-16. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da et mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, fandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die britte Stunde, und sahe andere an dem Markt müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und that gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus, und fand andere müßig stehen, und sprach zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns Niemand gedungen. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; und was recht seyn wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward und Evangelischen Terte. 19 sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter, und gieb ihnen den Lohn; und hebe an von den legten, bis zu den ersten. Da kamem, die um die elfte Stunde gedungen waren, und empfing ein Jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten fie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein Jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprac chen: diese legten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du haft sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hige getragen haben. Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen letzten geben, gleich wie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum schel, daß ich so gütig bin? Also werden die letzten die ersten, und die ersten die legten seyn. Denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählt. Am Sonntage Seragesima. 9. Epistel. 2. Cor. 11, 19-33. 12, 1 Ihr vertraget gern die Narren, dieweil ihr klug seyd. Ihr vertraget, so euch Jemand zu Knechten macht, so euch Jemand schindet, so euch Jemand nimmt, so euch Jemand trogt, so euch Jemand in das Angesicht streicht. Das sage ich nach der Une ehre, als wären wir schwach geworden. Worauf nun Jemand fühn ist( ich rede in Thorheit), darauf bin ich auch fühn. Sie sind Ebräer, ich auch. Sie sind Israeliten, ich auch. Sie find Abrahams Samen, ich auch. Sie sind Diener Chrifti( ich rede thörlich), ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfters gefangen, oft in Todesnöthen gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger eins. Ich bin dreimal geftaupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe( des Meers). Ich bin oft gereiset; ich bin in Gefahr gewesen zu Wasser, in Gefahr unter den Mördern, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr in dem Meere, in Gefahr unter den falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße, ohne was sich sonst zuträgt, nämlich, daß ich täglich werde angelaufen und 2.* 1 20 Die Epistolischen trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sey ge lobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damasco der Landpfleger des Königs Areta verwahrte die Stadt der Damascer, und wollte mich greifen, und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauern niedergelassen, und entrann aus seinen Händen. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüße, doch will ic kommen auf die Geschichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, vor vierzehn Jahren( ist der in dem Leibe gewesen, so weiß ich es nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich es auch nicht; Gott weiß ed), derselbe ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen( ob er im dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es). Er ward entzüc in das Paradies, und hörte unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von m felbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit fagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht Jemand mich höher achte, denn er an mit fiehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleiſch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: da dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Evangelium. Luc. 8, 4-15. Da nun viel Volks bei einander war, und aus den Städten zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging in Säemann aus zu säen seinen Samen; und indem er säete, fiel Etliches an den Weg, und ward vertreten, und die Vögel unter dem Und Etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrte es, darum, daß es nicht Saft batte Und Etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gutes Land; und es ging auf, und trug hundertfältige Frucht gingen mit auf, und erstickten es. Und Etliches fiel auf ein Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre und Evangelischen Texte. 21 Es fragten ihn aber seine Jünger, und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ist gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reichs Gottes, den Andern aber in Gleich, nissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel, eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind, die das Wort hören und behale ten in einem feinen, guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. Am Sonntage Quinquagesima oder Estomihi. Epistel. 1. Cor. 13, 1-13. F Wenn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht: so wär' ich wie ein tönendes Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wißte alle Geheimnisse, und alle. Erkenntniß, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht: so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht: so wäre mir es nichts nütze. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht, sie stellt sich nicht ungeberdig, fie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, sie freuet sich nicht der lingerechtigkeit, fie freuct fich aber der Wahrheit, sie verträgt Alles, sie glaubet Alles, sie hoffet Alles, fie duldet Alles. Die Liebe hört nimmer auf, so doch die Weisfagungen aufhören werden, und die Sprachen auf hören werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unfer Wissen ist Stückwerk, und unser Weisfagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommne, so wird das Stückwerk auf hören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war flug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jeßt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Die Epistolischen Angesicht zu Angesicht. Jest erkenne ich es stückweise; dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. 22 43. Evangelium. Luc. 18, 31Jesus nahm zu sich die Zwölfe, und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird Alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet, und geschmähet, und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und tödten; und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das ge sagt war. Es geschahe aber, da er nahe zu Jericho tam, faß ein Blinder am Wege, und bettelte. Da er aber hörte das Volk, das durchhin ging, forschte er, was da wäre. Da ver kündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne an gingen, bedroheten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jefus aber stand still, und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihm brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, bas ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sey sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsobald ward er sehend, und er folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches sahe, lobete Gott. 10 Am Seste der Verkündigung Marid. Epistel. Jesaia 7, 10- 15. Und der Herr redete abermal zu Ahas, und sprach: Forbre bir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sey unten in der Hölle, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause Davids: Ist es euch wenig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen ge ben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er effen, daß er wiffe Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. und Evangelischen Texte. Evangelium. Luc. 1, 26-38. Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann, mit Namen Joseph, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß María. Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßet seyst du, Holdfelige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern. Da sie aber ihn sahe, erschrak sie über seine Rede, und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du haft Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe, und einen Sohn gebären, deß Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben; und er wird ein König seyn über das Haus Jacob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende seyn. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter; und geht jetzt im sechsten Monat, die im Geschrei ist, daß sie unfruchtbar sey. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. 23 Am ersten Sonntage in der Saften oder Invocavit. Epistel. 1. Cor. 6, 1-10. Wir ermahnen euch, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfanget. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhört, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Seht, jetzt ist die angenehme Zeit, jest ist der Tag des Heils. Laßt uns aber Niemand irgend ein Ärgerniß geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde. Sondern in allen Dingen laßt uns beweisen, als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübfalen, in Nöthen, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Kenschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, -24 Die Epistolischen zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, burch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch Viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch Alles haben. Evangelium. Matth. 4, 1-11. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführet, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Ver sucher trat zu ihm, und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Und er antwortete, und sprach: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brode allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht. Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellte ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu ihm: bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit; und sprach zu ihm: Dieses Alles will ich dir geben, so du niederfällst, und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan; denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm, und dienten ihm. Am zweiten Sonntage in der Saften oder Reminiscere. Epistel. 1. Theffal. 4, 1-7. Lieben Brüder, wir bitten euch, und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wan deln und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wist, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jefum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei; und ein Jeglicher unter euch wiffe fein 25 und Evangelischen Texte. Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Luftfeuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß Niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das Alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Evangelium. Matth. 15, 21-28. Und Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Tyrus und Sidon. Und siehe, ein Cananäisches Weib ging aus derselbigen Grenze, und schrie ihm nach, und sprach: Ach Herr! du Sohn Davids, erbarme dich meiner; meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr fein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gefandt, denn nur zu den verlornen Schafen zu dem Hause Ifrael. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mfr. Aber er antwortete, und sprach: Es ist nicht sein, daß man den Kindern ihr Brod nehme, und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch effen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herrn Tische fallen. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihr: D Weib, dein Glaube ist groß! bir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Am dritten Sonntage in der Saften oder Oculi. Epistel. Epheser 5, 1-9. So seyd nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet, und sich selbst dargegeben für uns, zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz last nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zusteht; auch schandbare Worte und Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger ( welcher ist ein Gößendiener) Erbe hat an dem Reiche Chrifti und Gottes. Last cuch Niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser Willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seyd ihr nicht ihre Mitgenoffen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seyd 26 Die Epistolischen ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit, und Ge rechtigkeit, und Wahrheit. Evangelium. Luc. 11, 14- 28. Jesus trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es ges schahe, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den obersten der Teufel. Die Andern aber versuchten ihn, und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedan ken, und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? Dieweil ihr saget, ich treibe bie Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter seyn. So ich aber durch Got tes Finger die Teufel austreibe, so kommt ja das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewapneter seinen Pallast bewahrt, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und theilt den Raub aus. Wer nicht mit mit ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir fammlet, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätte, sucht Ruhe, und findet ihrer nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, darans ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er es mit Besemen gekehrt und geschmücket. Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu fich, die ärger sind, denn er selbst, und wenn sie hinein kommen, wohnen sie daj und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. aber sprach: ja selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Am vierten Sonntage in der Saften oder Låtare. Epistel. Gal. 4, 21- 31. aget mir, die ihr unter dem Gesetz seyn wollt, habt ihr das Gesch nicht gehöret? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham und Evangelischen Terte. 27 zween Söhne hatte; einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren; der aber von der Freien, ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei Testamente, eins von dem Berge Sina, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißt in Arabia der Berg Sina, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; die ist unser aller Mutter. Denn es stehet geschrieben: Sey fröhlich, du Unfruchtbare, die du nie gebierest, und brich hervor, und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, sind Ifaacs, nach der Verheißung Kinder. Aber gleichwie zu der Zeit, der nach dem Fleisch geboren war, verfolgte den, der nach dem Geist geboren war; also geht es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift? Stoßt die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Eine andere Epistel. Röm. 8, 28- 39. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsag berufen sind. Denn welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich seyn sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf daß derselbe der Erstgeborne sey unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir denn hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns seyn? welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist; ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Nechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübfal oder Angst? oder Verfolgung? oder Hunger? oder Blöße? oder Fährlichkeit? oder Schwerdt? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem Allen überwinden wir weit, um deßwillen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder 28 Die Epiftolischen Tod, noch Leben, weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes, noch Ticfes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn Evangelium. Joh. 6, 1-15. Darnach fuhr Jesus weg über das Meer, an der Stadt Tibe rias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg, und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brod, daß diese effen?( Das sagte er aber ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er thun wollte.) Philippus antwor tete ihm: Zweibundert Pfennige werth Brods ist nicht genug unter fie, daß ein Jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder S monis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrobe, und zween Fische; aber was ist das unter so Viele? Jefus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sie sich bei fünftaufend Mann. Jefus aber nahm die Brode, dankte, und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; dess selbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammlet bie übrigen Brocken, daß nichts umkomme. La fammelten fic und füllten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gersten broden, die überblieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen fie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden, und ihn haschen, daß sie ihn zum König machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. Ein anderes Evangelium. Matth. 11, 25 40. Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus, und sprach: Ich preife dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du folches den Weisen und Klugen verborgen haft, und haft es den tr mündigen geoffenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Bater. Und Niemand kennt den Sohn, denn nur der Vater, und Evangelischen Texte. und Niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch, und lernet von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Dean mein Joch ist sanft und meine Laft ist leicht. 29 Am fünften Sonntage in der Saften oder Judica. Epistel. Hebr. 9, 11-15. Christus ist kommen, daß er sey ein Hoherpriester der zukünf tigen Güter, durch eine größere und vollkommnere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist, auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden.. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit: wie vielmehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewiffen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißne ewige Erbe empfahen. Evangelium. Joh. 8, 46-59. Jesus sprach: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeis hen? So ich aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der hört Gottes Wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seyd nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie sucht und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So Jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel haft. Abraham ist gestorben, und die Propheten, und du sprichst: So Jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Jesus Die Epistolischen antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprechet, er sey euer Gott, und fennet ihn nicht. Ich aber kenne ihn, und so ich würde sagen, ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleich wie ihr seyd. Aber ich kenne ihn, und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sahe ign, und freucte sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig Jahre alt, und haft Abraham geschen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: ehe denn Abraham war, bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus. Am sechsten Sonntage in der Saften oder. Palmarum. Epistel. Philipp. 2, 5-11. Ein Jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich seyn; sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechts- Gestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden. Er ernie drigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist: daß in dem Namen Jesu fich beugen sollen alle derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind; und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur Ehre Gottes des Vaters. 30 Evangelium. Siehe am ersten Advent- Sonntage. Am grünen Donnerstage. 1. Cor. 11, 23 32. Ich habe es von dem Herrn empfangen, daß ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete und brach es, und sprach: Nehmet, effet, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem und Evangelischen Terte. 31 Brod effet, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brod ist, oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und also effe er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig ist und trinkt, der ist und trinkt ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind auch so viele Schwache und Kranke unter euch, und ein guter Theil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der Welt verdammt werden. Am ersten Ostertage. Epistel. 1. Cor. 5, 6 8. Euer Ruhm ist nicht sein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seyd, gleich wie ihr ungesäuert seyd. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum laßt uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schalkheit; sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit. Evangelium. Marc. 16, 1. 8. 1 Da Da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria Jacobi und Salome Specerei, auf daß sie kämen und salbten ihn. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbather sehr früh, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sißen, der hatte ein langes, weißes Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entseget euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hier. Siehe da, die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und sagt es seinen Jüngern, und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell hinaus, und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entseßen angekommen und sagten Niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Die Epistolischen Am zweiten Ostertage. Epistel. Apostelgefch. 10, 34-41. Petrus aber that feinen Mund auf, und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; son dern in allerlei Volk; wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wist wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum( welcher ist ein Herr über Alles), die durch das ganze füdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte: Wie Gott denselbigen Jesus von Nazareth gefalbet hat mit dem heiligen Geist und Kraft; der umhergezogen ist, und hat wohl gethan und gesund gemacht Alle, die vom Teufel überwältiget waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles deß, daß er gethan hat im jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet, und an ein Holz gehängt. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns, den auserwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nach dem er auferstanden ist von den Todten. 32 Evangelium, Luc. 24, 13- 35. Und siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechszig Feldwegs weit des Name hieß Emmahus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wan delte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und feyd traurig Da antwortete einer mit Namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht fprach wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jes von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohen priester und Obersten überantwortet haben zum Verdammniß des Todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Israel a lösen. Und über das Alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch baben uns erschreckt etliche Weiber der l sern, die sind früh bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib und Evangelischen Terte. 33 nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und Etliche unter uns gingen hin zum Grabe, und fanden es also, wie die Weiber fagten; aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: D thr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben; mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen; und er stellte sich, als wollte er weiter gehen. Und sie nöthigten ihn, und sprachen: Bleibe bei uns, denn, es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschahe, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankte, brach es, und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehrten wieder gen Jerusalem, und fanden die Elfe versammlet, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege ge schehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. Am ersten Sonntage nach Ostern. Epistel. 1. Joh. 5, 4- 10. Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubt, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus; nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der da jeugt, daß Geist Wahrheit ist. Denn Drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese Drei sind Eins. Und Drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist und das Wasser und das Blut, und die Drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugnis größer; denn Gottes Zeugniß ist das, daß er gezeuget hat von seinem Sohn. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Denabr. Landgefangb. 7. Aufl. 3 Die Epistolischen Evangelinm. Joh/ 20, 19- 31. Am Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger ver sammelt und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jefus, und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sey mit euch. Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jefus abermals zu thnen: Friede sey mit euch. Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwölfen Einer, der da heißt Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herr gesehen Er aber sprach zu ihnen: Es sey denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmahl, und lege meine Finger in die Nägelmahl, und lege meine Hand in seine Seite, will ich es cht glauben. Und über acht Tage waren abermal feine Jünger darinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sey mit euch. Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her, und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite ,. und sey nicht ungläubig, sondern glän big. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen bast, Thomas, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber find geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sey Christ, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. 34 Am zweiten Sonntage nach Ostern. Epistel. 1. Petr. 2, 21-25. Dazu feyd ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen feinen Fußstapfen, welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Mund erfunden; welcher nicht wieder schalt da er gescholten ward, nicht drohete, da er litt; er stellte ed aber dem anheim, der da recht richtet. Welcher unsere Sünden felbst geopfert hat an seinem Leibe, auf dem Holz, auf daß wir der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seyd heil geworden. Denn ihr waret wie die irren und Evangelischen Terte. 35 den Schafe; aber ihr seyd nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Evangelium. Joh. 10, 12-16. Ich bin ein guter Hirt. Ein guter Hirt läßt sein Leben für die Schafe. Ein Miethling aber, der nicht Hirt ist, deß die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen, und verläßt die Schafe, und fliehet; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Miethling aber fliehet; denn er ist ein Miethling, und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirt, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall. Und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Heerde und ein Hirte werden. Am dritten Sonntage nach Ostern. Epistel. 1. Petr. 2, 11 20. Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrimme: Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten; und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Übelthätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seyd unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sey dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Übelthäter, und zu Lob den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit; sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre Jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Knechte, seyd unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so Jemand um des Gewissens willen zu Gott das übel verträgt und leidet Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm. so ihr um Missethat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. Evangelium. Joh. 16, 16-23. Über ein kleines so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. 3* 36 Die Epistolischen Da sprachen Etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, das er sagt zu uns: Über ein kleines so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie, was ist das, das er sagt, über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merite Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fragt ihr unter einander, daß ich gesagt habe: Über ein kleines so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines so wer det ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr wer bet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig seyn, doch eure Traurigkeit soll in Freude verfeh ret werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz foll fich freuen, und eure Freude soll Niemand von euch nehmen. Uud an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Am vierten Sonntage nach Ostern. Epistel. Sac. 1, 16-21. Irret nicht, lieben Brüder. Alle gute Gabe und alle vollkommne Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, be welchem ist keine Veränderung ,. noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Creaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch se schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum 30. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit; und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium. Joh. 16, 5-15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und Nie dieweil mand unter euch fragt mich: wo gehest du hin? Sondern, ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns g worden. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, das ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Trößter nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen, um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um tas Gericht. Um und Evangelischen Texte. 37 die Sande, daß sie nicht Glauben an mich. Um die Gerech tigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber Jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er es nehmen, und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt, er wird es von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. moch Am fünften Sonntage nach Ostern. d gilid Epistel. Jac. 1, 22- 27. Seyd aber Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch nicht selbst betrüget. Denn so Jemand ist ein Hörer des Worts, und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Manne, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nach dem er sich beschauet hat, geht er von Stund an davon, und vergißt, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommne Geseß der Freiheit, und darin beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter, derselbige wird felig seyn in seiner That. So aber sich Jemand unter. euch läßt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführt sein Herz, deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal bes suchen, und sich von der Welt unbefleckt erhalten. 30. Bisher Evangelium. Joh. 16, 23 Bahrlich, wahrlich, ich sage euch: so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sey. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbi gen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will: Denn er felbft, der Bater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und - Die Epistolischen glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen, und gekommen in die Welt; wiederum ver laffe ich die Welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagt kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt, und bedarfst nicht, daß dich Jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. 38 01 Am- Tage der himmelfahrt Christi. Epistel. Apostelgesch. 1, 1 11. - Die erste Nede habe ich zwar gethan, lieber Theophilus, vor allem dem, das Jesus anfing, beides zu thun, und auch zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln( welche er hatte erwählet) durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte, durch mancherlet Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reiche Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befaßt er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret( ſprach er) von mír. Denn Johannes hat mit Wasser getauft; iht aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn, und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: E gebühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet di Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird; und werdet meine Zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehens; und eine Wolte nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahrend, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: 3 Männer von Galiläa, was stehet ihr, und sehet gen Himmel? wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel Evangelium. Marc. 16, 14 20. Zuletzt, da die Elfe zu Tische saßen, offenbarte er sich, und schalt ihren Unglauben, und ihres Herzens Härtigkeit, daß f und Evangelischen Terte. nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden; und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Creatur. Wer da glaubet und getaufet wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vers treiben; und so sie etwas Tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden. Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel, und sigt zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus, und predigten an allen Orten; und der Herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. 39 Am sechsten Sonntage nach Ostern. Epistel. I. Petr. 4, 8- 11. seyd nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge. Seyd gastfrei unter eins ander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein Jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So Jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort. So Jemand ein Amt hat, daß er es thue, als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christ, welchem sey Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! Evangelium. Joh. 15, 26. 16, 1- 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seyd von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden. euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran. gedenket, daß ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch. Die Epistolischen Am ersten Pfingsttage. Epistel. Apostelgesch. 2, 1-13. Als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle ein müthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zev theilet, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen Jeg lichen unter ihnen. Und wurden Alle voll des heiligen Geistes, and fingen an zu predigen mit andern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Je rufalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun die Stimme ge schahe, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörte ein Jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetten sich aber Alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese Alle, die da reden, aus Go liläa? Wie hören wir denn ein Jeglicher seine Sprache, darin nen wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und bie wir wohnen in Mesopotamia und in Judäa und Capadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphilia, Egypten und an den Enden der Libyen bei Cyrenen, und Ausländer von Nom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber. Wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetten sich aber Alle, und wurden irre, und sprachen Einer zu dem Andern: Was will das werden? Die Andern aber hatten es ihren Spott, und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. 1422 Evangelium. Soh. 14, 23- 31. 40 Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinen Namen, berselbige wird ench Alles lehren, und euch erinnern alles deß, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, me nen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und lomme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr und Evangelischen Texte. 41 euch freuen, daß ich gesagt habe, ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun gesche hen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort nicht viel mehr mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat: steht auf, und laßt uns von hinnen gehen. Am zweiten Pfingsttage. Epistel. Apostelgesch. 10, 44- 48. Herr hat uns geboten zu predigen dem Volt, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel ber heilige Geist auf Alle, die dem Wort zuhörten. Und die Gläus bigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entsegten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward. Deur sie hörten, daß sie mit Zun gen redeten, und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getaufet werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Evangelium. Joh. 3, 16-21. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte; sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer au ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet; denn er glaubet nicht an den Namen bes eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist; und die Menschen liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht; denn ihre Werte waren böse. Wer Arges thut, der haßt das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Die Epistolischen Am Sonntage Trinitatis. Epistel. Röm. 11, 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beide der Weisheit und Erkenntniß Gottes. Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder wer hat ihm Etwas zuvorgegeben, daß ihm werde wieder vergolten? denn von ihm, und durch ihn, und in( zu) ihm sind alle Dinge. Ihm sey Ehre in Ewigkeit. Amen! 42 Evangelium. Joh. 3, 1-15. Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nicodemus, ein Oberster unter den Juden, der kam zu Jesu bei der Nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß da bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn Niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sey denn Gott mit ihm. Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sey denn, daß Jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen, und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sey denn, daß Jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes fommen. Was vom Fleisch ge boren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß es dich nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörst sein Saufen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein Zeg licher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete, und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwor tete, und sprach zu ihm; Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, das wir wissen, und zeugen, was wir geſehen haben: und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhbet hat, also muß bes Menschen Söhn erhöhet werden, auf daß Alle, die an ihn glau ben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. und Evangelischen Texte. alinth Am ersten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Joh. 4, 16-21. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Laßt uns ihn lieben; denn er hat uns erst geliebet. So Jemand spricht: ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er siehet, wie kann der Gott lieben, den er nicht fiehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. 43 Evangelium. Luc. 16, 19- 31. Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und köstliche Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seis ner Thür voller Schwären, und begehrte sich zu sättigen von dem Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde, und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf, und sahe Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schoß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner, und sende Lazarum, daß er das Außerste seines Fingers ins Waffer tauche, und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwis fchen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So Bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß fie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Bater Abraham; sondern wenu Die Epistolischen einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden fle Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob Jemand von den Tobten auferstünde. 44 Am zweiten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Joh. 3, 13-18. Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt hafset. Wir wissen, daß mir aus dem Tode in das Leben gekommen find; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibt im Tope. Wer seinen Bruder basset, der ist ein Tod schläger; und ihr wisset, daß ein Todschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber Jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, laßt uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge; sondern mit der That und mit der Wahrheit. Evangelium. Luc. 14, 16-24. Es war ein Mensch, der machte in großes Abendmahl, and Ind Viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist Alles bereit. Und sie fingen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der Erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinaus gehen, und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der Andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen ges kauft, und ich gehe jeßt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschul dige mich. Und der Dritte sprach: Ich habe ein Weib genoms men, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und fagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausvater zornig und sprach zu seinem Knecht: Gehe aus bald auf die Straßen und Gaffen der Stadt, und führe die Armen und Krüppel, unb Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen bast; es ist aber noch Naum ba Und der Herr sprach zu dem Knecht: Gehe auf die Landstraßen, und an die Zäune, und nöthige sie herein zu kommen, auf das mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer Reiner, bie geladen sind, mein Abendmahl schmetten wird. und Evangelischen Terte. Ein anderes Evangelium. Matth. 5, 3-12. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist thr. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmüthigen; denn sie werden das Erbreich besißen. Selig sind, die da hungert und dürftet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig find, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr. Selig seyd ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei übel wider euch, so sie daran lügen. Seyd fröhlich und getroft, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolget die Propheten, die vor cuch gewesen sind. 45 Am dritten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Petr. 5, 6-11. demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorgen werfet auf ihn; denn er sørget für euch. Seyd nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umber wie ein brüllender Löwe, und sucht, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben; und wißt, daß eben dieselbige Leiden über cure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sey Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! Evangelium. Luc. 15, 1-10. Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten, und sprachen: Dieser nimmt' die Sünder an und ist mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß, und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er eines verlieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freu den. Und wenn er beim kommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich 46 Die Epistolischen habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel seyn über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie deren einen verliert, die nicht ein Licht anzünde, und kehrte das Haus, und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude seyn vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Am vierten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Nöm. 8, 18-23. Ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sey, die an uns soll geoffenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Creatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Creatur unterworfen ist der Eitelkeit, ohne ihren Willen, sondern um deß willen, der fie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Creatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens, z der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnt sich mit uns, und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. Evangelium. Luc, 6, 36-42. Darum seyd barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Berdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll gedrück tes, gerütteltes und überflüssiges Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr mit meſſet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleid niß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weiſen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist, wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehst du aber einen Split ter in deines Bruders Auge, und des Balfens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem und Evangelischen Terte. Aluge ziehen; und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge; und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge, ziehest. 47 Am fünften Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Petr. 3, 8- 15. Seyd allesammt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Bergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wist, daß ihr dazu berufen seyd, daß ihr den Segen beerbet. Denn werleben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes; er suche Frieden, und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, die da Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommt? und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seyd ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Evangelium. Luc. 5, 1-11. & begab sich aber, daß sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes. Und er stand am See Genezareth, und sahe zwei Schiffe am See stehen. Die Fischer aber waren ausgetres ten, und wuschen ihre Neße. Trat er in das Schiff eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande abführete. Und er setzte sich, und lehrte das Volk au dem Schiffe. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe, und werft eure Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete, und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Neg aus. werfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerris. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen und Hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen, und füllten beide Schiffe voll, also, daß fie fanten. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jefu zu den Knieen, und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein fündiger Mensch. Denn es war ihm ein Schrecken angekommen, 48 Die Epistolischen und Allen, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten; desselbigen gleichen auch Jacobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie führten die Schiffe Lande, und verließen Alles, und folgten ihm nach. Am Tage Johannis des Täufers. Epistel. Sesaiá 40, 15. Tröstet, tröstet mein Voll, spricht euer Gott; redet mit Jere salem freundlich, und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben. Denn sie hat 3weifältiges empfangen von der Hand des Herrn, um alle iht Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thäler sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen geniedriget werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckricht ist, soll schlecht werden; bent die Herrlichkeit des Herrn soll geoffenbaret werden; und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet Evangelium. Luc. 1, 57-80. Und Elisabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbaren und Gefreundten hör ten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage kamen sie, zu beschneiden das Kindlein; und hießen ihn, na seinem Vater, Zacharias. Aber seine Mutter antwortete, und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: ist doch Niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er forderte ein Täflein, schrieb, und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich Alle. Und also bald ward sein Mund und seine Zunge aufgethan, und redete und lobte Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbari und diese Geschichte ward alles ruchtbar auf dem ganzen jüdiſchen Gebirge. Und Alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: was, meinst du, will aus dem Kindlein werden? Den die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias war des heiligen Geistes voll, weissagete und sprach: Gelobat sey der Herr, der Gott Israels, denn er hat befucht und erlösa und Evangelischen Terte. sein Volf. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils, in dem Hause seines Dieners David. Als er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten: daß er uns erret tete von unsern Feinden, und von der Hand Aller, die uns haffen; und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern, und gedachte an seinen heiligen Bund, und an den Eid, den er ge schworen hat unserm Vater Abraham uns zu geben; daß wir, erlöset aus der Hand unsrer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Lebelang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest, und Erkennt niß des Heils gebeft seinem Volk, die da ist in Vergebung der Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sißen in Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs, und ward stark im Geist, und war in der Wüste, bis daß es sollte hervortreten vor das Voit Ifrael. 49 Am Tage der heimsuchung M7arid. Epistel. Sefaia 11, 1-5. Es wird eine Ruthe aufgehen von dem Stamme Isai, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen; auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und bes Verstandes, der Geist des Raths und der Stärke, der Geist der Erkenntniß und der Furcht des Herrn. Und sein Richten wird seyn in der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch strafen, nach dem seine Ohren hören; sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen; und mit Ge richt ftrafen die Elenden im Lande; und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen, und mit dem Odem seiner Lippen die Gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird die Gurt seiner Lenden seyn, und der Glaube der Gurt seiner Nieren. Evangelium. Luc. 1, 39-56. Maria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endelich, zu der Stadt Judäa. Und kam in das Haus Zacharias, und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll, und rief laut, und Denabr. Landgesangb. 7. Aufl. 4 50 Die Epistolischen sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubet hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm, und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl, und erhebet die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern, und läßt die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit, und hilft seinem Diener Ifracl auf, wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr drei Monate; darnach kehrte sie wiederum heim. Am sechsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Nöm. 6, 3-12. Wisset ihr nicht, daß Alle, die wir in Jesum Christum go taufet sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleid. wie Christus ist auferwecket von den Todten, durch die Herrlic keit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gla chem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich seyn, dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammit ihm ge treuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hin fort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der if gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus, von den Todten auferweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn daß er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, zu einem Mal; daß er aber lebt, das lebt er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seyd, und Tebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. und Evangelischen Terte. Evangelium. Matth. 5, 20-26. Es sey denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehr ten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig seyn. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altare opferst, und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe: so laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sey willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Nichter, und der Richter überant worte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahleft. 51 Am siebenten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 6, 19-23. Ich muß menschlich davon reden, um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienst der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern: also begebet nun auch eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünden Kuechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seyd von der Sünde frei, und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben, in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium. Marc. 8, 1- 9. Zu der Zeit, da viel Volks da war, und hatten nichts zu esſen, rief Jesus seine Jünger zu sich, und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret, und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmach4* 53 Die Epiflolischen ten. Denn Etliche waren von ferue gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte fie: Wie viel habt ihr Brode? Sie sprachen: sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode, und dankte, und brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie dies selbigen vorlegten; und sie legten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankte und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt; und hoben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei vier tausend, die da gegessen hatten, und er ließ sie von sich. Am achten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 8, 12-17. So sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleische leben. Denn wo ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet, sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. Der felbige Geist giebt Zeugniß unserm Geist, daß wir Gottes Kinder find. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi, so wir anders mit lei den, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium. Matth. 7, 15- 23. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafsflei dern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trau ben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Alſo ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr fie erkennen. Es werden nicht Alle, die zu mir sagen Herr, Herr! in das Himmelreich kommen; sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden Biele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir und Evangelischen Terte. nicht in deinem Namen geweisfaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet Alle von mir, ihr Übelthäter. Am neunten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 10, 6- 13. Das ist aber uns zum Vorbild geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie Jene gelüftet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie Jener Etliche wurden, als geschrieben steht: Das Volk segte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand auf zu spielen. Auch laßt uns nicht Hurerei treiben, wie Etliche unter Jenen Hurerei trieben, und fielen. auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Laßt uns aber auch Christum nicht versuchen, wie Etliche von Jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie Jener Etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches Alles widerfuhr ihnen zum Vorbild; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich läßt dün fen, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen; sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium. Luc. 16, 1 - 53 9. Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umge bracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten; denn du fannst hinfort nicht mehr Haushalter seyn. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn, und sprach zu dem Ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öls. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, sete dich, und schreibe flugs funfzig. Darnach sprach er zu dem Ändern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Die Epistolischen Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerech ten Haushalter, daß er flüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Weit sind flüger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht. Und ich sage euch auch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. 54 Am zehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 12, 1-11. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wist, daß ihr Heiden seyd gewesen, und hingegangen zu den stummen Gößen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch fund, daß Niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet; und Niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancher lei Gaben, aber es ist Ein Geist. Und es sind mancherlei Amter, aber es ist Ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket Alles in Allen. In einem Jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem Andern wird gegeben, zu reden von der Er kenntniß, nach demselbigen Geist; einem Andern der Glaube in demselbigen Geist; einem Andern die Gabe, gesund zu machen in demselbigen Geist; einem Andern, Wunder zu thun; einem Andern Weissagung; einem Andern, Geister zu unterscheiden; einem Andern mancherlei Sprachen; einem Andern, die Sprachen auszulegen. Dies aber Alles wirkt derselbige einige Geist, und theilt einem Jeglichen Seines zu, nachdem er will. Evangelium. Luc. 19, 41- 48. Und als er nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an, und weinte über sie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auc bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um die und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belo gern, und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen, und feinen Stein auf dem andern lassen, darum, daß du nicht erkannt haft die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und a ging in den Tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen und Evangelischen Texte. verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrie ben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und Vornehmsten im Volle trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten; und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten; denn alles Volk hing ihm an, und hörte ihn. 55 Am elften Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 15, 1-10. Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet. Durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihr es behalten habt; es wäre denn, daß ihr umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sey für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sey, und daß er auferstanden sey am dritten Tage, nach der Schrift; und daß er gefehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr den fünfhundert Brüdern auf einmal, derer noch Viele leben, Etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen Aposteln. Am Ichten nach Allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Ge burt, gesehen worden, denn ich bin der Geringste unter den pos steln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie Alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Evangelium. Luc. 18, 9- 14. Jesus sagte aber zu Etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die Andern, ein solches Gleichnis: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten, Einer ein Pharifäer, der Andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zwieer in der Woche, und gebe den Zehnten von Allem, das ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Die Epistolischen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott sey mir Sünder gnädig. Ich sage euch: Dieser ging hinab gerecht fertigt in sein Haus vor Jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Am zwölften Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 2. Cor. 3, 4 11. Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber; sondern, daß wir tüchtig sind, ist von Gott, welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet, und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mose's um der Klarbeit willen seines Angesichts, die doch aufhört: wie sollte nicht viel mehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn ſo das Amt, das die Verdammniß predigt, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit predigt, überschwängliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verklärt war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen diese überschwängliche Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhört; vielmehr wird das Klarheit haben, das da bleibt. Eine andere Epistel. 1. Petr. 1, 3- 9. Gelobet sep Gott und der Vater unsers Herrn Jefu Chrifti, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel, euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit( wo es feyn soll) traurig seyd in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher er funden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, zu lob, Preis und Ehre; wenn nun geoffenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, fo und Evangelischen Terte. werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit. 57 Evangelium. Marc. 7, 31- 37. Und da er wieder ausging von den Grenzen Tyri und Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehen Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und sprigte und rührte seine Zunge, und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata, das ist, thue dich auf. Und alsobald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es Niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten; und verwunderten sich über die Maße, und sprachen: Er hat Alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend, und die Sprachlosen redend. Am dreizehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Gal. 3, 15 22. Ich will nach menschlicher Weise reden: Verachtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätiget ist, und that auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Samen zugesagt. Er spricht nicht, durch die Samen, als durch viele, sondern als durch einen, durch deinen Samen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon: das Testament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durch das Gefeß aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das Erbe durch das Geseß erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Geseg? Es ist dazu gekommen, um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist; und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines Einigen Mittler; Gott aber ist einig. Wie? Ist denn das Geseß wider Gottes Verheißungen? Das sey ferne! Wenn aber ein Gefeß gegeben wäre, bas da fönnte lebendig machen, so täme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetz. Aber die Schrift hat es Alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die - Die Epiftolischen Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, ge geben denen, die da glauben. Eine andere Epistel. Ephf. 1, 3-6. Gelobet fey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern, durch Christum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund geleget war, daß wir sollten seyn heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe, und hat uns ver ordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesum Christ, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten. Evangelium. Luc. 10, 23-37. Jesus wandte sich zu seinen Jüngern, und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr fehet. Denn ich fage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und haben es nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siehe, da stand ein Schrifts gelehrter auf, versuchte ihn, und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liefest du? Er antwortete, und sprach: Du sollst Gott deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüth, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus, und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinab zog; und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Sa mariter aber reisete, und kam dahin; und da er ihn sahe, jam merte ihn seiner, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, und goß darin Öl und Wein; und hob ihn auf sein Thier, und führte ihn in die Herberge, und pflegte seiner. Des andern Tages reifete er, und zog heraus zween Groschen, und gab sie dem Wirth, und sprach zu ihm: pflege seiner; und so du was mehr wirst darthun, will ich dir es bezahlen, wenn ich wieder und Evangelischen Texte. 59 komme. Welcher dünkt dich, der unter diesen Dreien der Nächste sey gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue desgleichen. Am vierzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Gal. 5, 16-21. Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüfte des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollt. Regieret euch aber der Geist, so seyd ihr nicht unter dem Gefeßz. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Uns zucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Bank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen; von welchem ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Neich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider folche ist das Geseß nicht. Welche aber Christum angehören, die kreuzigen ihr Fleisch sammt den Lüsten und Begierden. Evangelium. Luc. 17, 11-19. Es begab sich, da Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne, und erhoben ihre Stimme, und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschahe, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gefund geworden war, kehrte er um, und pries Gott mit lauter Stimme. Und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jefus aber antwortete, und sprach: Sind ihrer nicht Zehn rein geworden? Wo sind aber die Reun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehre, und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Am funfzehnten Sonntage nach Trinitatis. 26. 6, 1- 10. Epistel. Gal. 5, 25 So wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre geizig seyn, uns unter einander zu ents 1 Die Epiftolischen rüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helft ihm wieder zurecht mit fanftmüthigem Geist, die ihr geistlich seyd. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versuchet werdest. Einer trage des An dern Last, so werdet ihr das Gesetz Chrifii erfüllen. So aber sich Jemand läßt dünken, er sey etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein Jeglicher aber prüfe sein selbst Wert, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem Andern. Denn ein Jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist fäet, der wird von dem Geiste das ewige Leben ernten. Laßt uns aber Gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so laßt uns Gutes thun an Jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. 60 Evangelium. Matth. 6, 24- 34. Niemand kann zween Herren dienen. Entweder er wird Einen hassen, und den Ändern lieben; oder wird Einem anhangen, und den Andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer les ben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise, und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an; sie fäen nicht, sie ernten nicht, fie fammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seyd ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusehen möge, ob er gleich darum forget? Und warum forget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derfet ben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht, und morgen in den Ofen geworfen wird: follte er das nicht vielmehr euch thun? Dihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns fleiden? Nach solchem Allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater und Evangelischen Texte. 61 weiß, daß ihr des Alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Neiche Gottes, und nach seiner Gerechtigkeit: so wird euch solches Alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist ges nug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Am sechszehnten Conntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 3, 13- 21. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet, um meiner Trübfal willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohe nen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden, auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sey die Breite, und die Länge, und die Tiefe, und die Höhe; auch erkennen, daß Christum lieben viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle( oder: die Liebe Christi, die doch alle Erkenntniß übertrifft). Dem aber, der überschwänglich thun kann über Alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirkt, dem sey Ehre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! Evangelium. Luc. 7, 11-17. Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt, mit Namen Nain, ging; und seiner Jünger gingen Viele mit ihm, und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man cinen Todten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Witwe. Und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührte den Sarg an; und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie Alle eine Furcht an, und priesen Goit, und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und die Nede von ihm erschallte in das ganze jüdische Land, und in alle umliegende Länder. Die Epiftolischen Am siebenzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 4, 1-6. Co ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sich's gebührt eurem Beruf, darinnen ihr berufen seyd, mit aller Demuth und Sanstmuth, mit Geduld, und vertrage Einer den Andern in der Liebe, und seyd fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen feyd auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe. Ein Gott und Vater unser Aller, der da ist über euch Alle, und durch euch Alle, und in euch Allen. 62 Evangelium Luc. 14, 1-11. Und es begab sich, daß er kam in das Haus eines Obersten der Pharisäer, auf einen Sabbath, das Brod zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war waffersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern, und sprach: ist es auch recht, auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen still. Und er griff ihn an, und heilte ihn, und ließ ihn gehen. Und ants wortete, und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Dchs oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsobald ihn herausziehet am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten obenan zu sißen, und sprach zu ihnen: Wenn du von Jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebe dich nicht obenan, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sey; und so dann kommt, der dich und ihn geladen, spreche zu dir: Weiche diesem; und du müssesſt dann mit Scham unten an sißen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin, und setze dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sigen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. Am achtzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 1, 4-9. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben, für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jefu, daß ihr feyd durd ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre, und in aller und Evangelischen Texte. Erfenntniß. Wie denn die Predigt von Christo in euch träftig geworden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Chrifti, welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seyd auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist tren, durch welchen ihr berufen feyd zur Gemeinschaft seines Sohns Jesu Christi, unsers Herrn. 63 Evangelium. Matth. 22, 34-46. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadducäern das Maul gestopfet hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn, und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gefeß? Jefus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von ganzem Gemüth. Das ist das vornehmste und größeste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweien Geboten hangt das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus, und sprach: Wie dünkt euch um Christo? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennt ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Seße dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein Sohn? Und Niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch Niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Am Michaelistage. Epistel. Offenb. Joh. 12, 7- 12. Es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine En. die gel ftritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel; und siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil, und die Kraft, und das Reich, und die Macht unsers Gottes feines Christus geworden, weil der Berkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verliagt Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben 64 Die Epistolischen ihn überwunden durch des Lammes Blut, und durch das Wort ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebet bis an den Lod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen. Evangelium. Matth. 18, 1- 11. Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu, und spra chen: Wer ist doch der Größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich, und stellte es mitten unter sie, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sey denn, daß ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selber erniedriget, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; wer aber ärgert dieser Geringsten Einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt der Ärgerniß halber; es muß ja Ärgerniß kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Ärgerniß kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab, und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm, oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwei Hände oder zwei Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiße es aus, und wirf es von dir. Es ist besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest, und werdest in das höllische Feuer geworfen. Schet zu, daß ihr nicht Jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, das verloren ist. Am neunzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 4, 22-28. So feget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste im Irrthum sich verderbet; erneuert cuch aber im Geist eures Gemüths, und ziehet den neuen Men schen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gered Darum leget die Lügen ab, und rede die Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Nächsten, fintemal wit unter einander Glieder sind. Zürnet und fündiget nicht; die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebt auch nig Naum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr und Evangelischen Terte. 65 sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben den Dürftigen. Evangelium. Matth. 9, 18, Da trat Jesus in das Schiff, und fuhr wieder herüber, und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sey getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, Etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter zu sagen: dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: stehe auf, hebe dein Bett auf, und gehe heim. Und er stand auf, und ging heim. Da das Boll das sahe, verwunderte es sich, und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Am zwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 5, 15-21. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, son dern verständig, was da sey des Herrn Wille. Und faufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentliches Wesen folget, son dern werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen; und saget Dank allezeit für Alles, Gott und dem Vater, im Namen unsers Herrn Jesu Chrifti; und seyd unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium. Matth. 22, 1- 14. Und Jesus antwortete, und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen, und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem König, der seinem Sohn Hochzeit machte, und fandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gäften: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvich ist geschlachtet, und Alles bes Osnabr. Landgefangb. 7. Aufl. 5 66 Die Epistolischen G reit; kommt zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhnten und tödteten fie. Da das der König hörte, ward er zornig, und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen; und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeit lich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein gekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn in die äußerste Finsternis hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen; denn Biele find berufen, aber Wenige sind auserwählet.se att *#lake# Am einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 6, 1017 ME Zulegt, meine Brüder, seyd start in dem Herrn, und in der Macht seiner Stärke. Zichet an den Harnisch Gottes, daß the bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Ga stern unter dem Himmel. Um deßwillen so ergreifet den har nisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun, und Alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und ans gezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestie felt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seyd. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurige Pfeile des Und nehmet den Helm des Heils, und das Schwerdt des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Table hard Evangelium. Soh. 4, 47-54. Und es war ein Königischer, dessen Sohn lag frank zu Caper naum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judäa in Gallia, und Evangelischen Terte. 67 und ging hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinabkäme, und hülfe seinem Sohn, denn er war todtkrant. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder fehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm, und sprachen: dein Kind lebt. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gefagt hatte: dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, bas Jesus that, da er aus Judäa in Galiläa fam. Am zweiundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Philipp. 1, 3- 11. Ich danke meinem Gott, so oft ich eurer gedenke,( welches ich allzeit thue in allem meinem Gebet für euch Alle, und thue das Gebet mit Freuden,) über eure Gemeinschaft am Evange lio, vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Wert, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch Allen halte, barum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängniß, darinnen ich das Evangelium verantworte und bes fräftige, als die ihr Alle mit mir der Gnade theilhaftig seyd. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch Allen verlanget von Herzens Grund in Jesu Christo. Und daselbst um bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Ers kenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sey, auf daß ihr seyd lauter und unanstößig, bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesumz Christum geschehen( in euch) zur Ehre und Lob Gottes. Evangelinm. Matth. 18, 23 35. Darum ist das Himmelreich gleich einem König, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da " es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn, 5* 68 Die Epistolischen und sein Weib, und seine Kinder, und Alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig. Und er griff ihn an, und würgte ihn, und sprach: bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder, und bat ihn und sprach: habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn Alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich, und sprach zu ihm: du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete Alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himm lischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem Her zen, ein Jeglicher seinem Bruder seine Fehler. Am dreiundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Philipp. 3, 17 21. Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wane beln, wie ihr uns habt zum Vorbild. Denn Viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe; nun aber sage ich euch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi; welcher Ende ist das Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gefinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten bes Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde feinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. onl Evangelium. Matth. 22, 15-22. Da gingen die Pharisäer hin, und hielten einen Rath, wie sie thn fingen in seiner Rede, und sandten zu ihm ihre Jünger, fammt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, 1 und Evangelischen Texte. 69 daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und du frageft nach Niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünkt dich, ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalkhaftigkeit, sprach er: Ihr Heuchler, warum versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Überschrift? Sie sprachen zu ihm: des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: so gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das hörten, ver wunderten sie sich, und ließen ihn, und gingen davon. Am vierundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Coloss. 1, 9-11. Derhalben auch wir, von dem Tage an, da wir es gehöret haben, hören wir nicht auf für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntniß seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allen Gefallen, und fruchtbar seyd in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden; und danksaget dem Vater, der uns füchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns versetzet in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium. Matth. 9, 18- 26. Da Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten Einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm, und lege deine Hand auf fie, fo wird sie lebendig. Und Jesus stand auf, und folgte ihm nach, und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahr den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührte seines Kleides Saum an. Denn fie sprach bei sich selbst: möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um, und sahe sie, und sprach: sey getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen! Und das Weib ward gefund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus tam, und sabe die Pfeifer und das Getümmel des Bolls, sprach er 70 Die Epistolischen zu ihnen: Weichet, denn das Mägdlein ist nicht tobt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk aus getrieben war, ging er hinein, und ergriff fie bei der Hand; ba stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erschallte in dasselbige ganze Land. Am fünfundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Thess. 4, 13-18. Wir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seyd, wie die Andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels, und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselben hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn seyn allezeit. So tröftet euch nun mit diesen Worten unter einander. Evangelium. Matth. 24, 15- 28. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, bes von gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen Stätte( wer da liest, der merke darauf!), alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, Etwas aus seinem Hauſe zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, feine Kinder zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trübfal seyn, als nicht gewesen ist, vom Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwähl ten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann Jemand euch wird sagen: siehe, hier ist Christus, oder da, so sollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Pro und Evangelischen Texte. 71 pheten aufstehen, und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; siche, er ist in der Kammer, so glaubet es nicht. Denn gleichwie der Blizz ausgeht vom Aus fang, und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch seyn die Zukunft des Menschen Sohnes. Wo aber ein Nas ist, da sammlen sich die Adler. Am sechsundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 2. Petr. 3, 3-11. Und wiffet das aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eignen Lüsten wandeln, und sagen: wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es Alles, wie es von Anfang der Creatur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser, und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündfluth verderbet. Wie auch der Himmel jetzt und die Erde werden gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammniß der gottlosen Menschen. Eins aber sey each unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dent Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verziehet nicht die Verheißung, wie es Etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, daß Jemand verloren werde, sondern daß sich Jedermann zur Buße fchre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hiße zerschmelzen; und die Erde und die Werte, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das Alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt seyn mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet und eilet der Zukunft des Tages des Herrn, an welchem die Himmel vom Fener zergehen und bie Elemente vor Hige zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchem Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, bieweil ihr darauf warten sollet: so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich in Frieden erfunden werdet. Die Epistolischen Eine andere Epistel. 2. Thessal. 1, 3-10. Wir follen Gott danken allezeit um euch, lieben Brüder, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines Jeglichen unter euch Allen nimmt zu gegen einander, also, daß wir uns eurer rühmen unter den Gemeinen Gottes, von eurer Geduld und Glauben in allen euren Verfolgungen and Trübfalen, die ihr duldet, welches anzeiget, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reich Gottes, über welchem ihr auch leidet; nachdem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen; euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird geoffenbaret werden vom Himmel, fammt den Engeln seiner Kraft, und mit Feuerflammen, Nache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers Herrn Jesu Christi; welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des Herrn, und von seiner herrlichen Macht; wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen, und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugniß an euch von demselbigen Tage habt ihr geglaubet. 72 Evangelium. Matth. 25, 31-46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herr lichkeit, und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er sigen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammlet werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken schei det; und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Baters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; i bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleitet; ich bin frant gewesen, und ihr habt mich besuchet; ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir gekommen. Dann werden ihm die Ge hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und rechten antworten, und sagen: Herr, wann haben wir di haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gaft gefe hen, und beherberget? oder nackend, und haben dich bekleidet! Wann haben wir dich trant oder gefangen gesehen, und find und Evangelischen Terte. 73 zu dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: was ihr gethan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir ge than. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin frank und gefangen gewes sen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder ein Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: was ihr nicht gethan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen; aber die Gerechten in das ewige Leben. Am siebenundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Theffat. 5, 1-11. Von den Zeiten aber und Stunden, lieben Brüder, ist nicht Noth euch zu schreiben. Denn ihr selbst wist gewiß, daß der Tag des Herrn wird kommen, wie ein Dieb in der Nacht. Denn, wenn sie werden sagen, es ist Friede, es hat keine Gefahr: so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben Brüder, seyd nicht in der Finsternis, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seyd allzumal Kinder des Lichts, und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht, und von der Finsternis. So laßt uns nun nicht schlafen, wie die Andern; sondern last uns wachen und nüchtern seyn. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern seyn, angethan mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe, und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besißen, durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet Einer den Andern, wie ihr denn thut. Die Epistolischen und Evangelischen Texte. Evangelium. Matth. 25, 113. Dann wird das Himmelreich gleich seyn zehen Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen, und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren flug. Die Thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläftig, und entschliefen. Zur Mitter nacht aber werd ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kömmt; gehet aus, ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen. Die Thörichten aber sprachen zu den Klugen: gebet uns von eurem SI, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die Klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns sammt euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämera, und kauft für euch selbst. Und da sie hins gingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Thür ward vers schloffen. Zulegt kamen auch die andern Jungfrauen, und Sprachen: Herr, Herr, thue uns auf! Er antwortete aber, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet, denn ihr wist weder Tag, noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Sist 74 39306 distys Die Geschichte des Leidens, des Todes und der Begräbniß Jefu Chrifti, aus den vier Evangelisten zusammen gezogen. Erste Abtheilung. 1. Hingang Jesu zum Ölberge. Da Jesus und seine Jünger( nach tem Genuß des Osterlammes und der Einsegung des heiligen Abendmahls) den Lobgesang gesprochen hatten, ging er hinaus, nach seiner Gewohnheit, über den Bach Kidron, an den Ölberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch Alle ärgern an mir, denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Heerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa. Petrus aber antwortete, und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich fage dir, heute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen; desselbigen gleichen sagten auch alle Jünger. 2. Jesu Seelenleiden. Da kam Jefus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethses mane; da war ein Garten, darin ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Seget euch hin, bis ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauren, zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod, bleibet hie, wachet mit mir und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er rif sich von ihnen bei 76 Geschichte des Leidens einem Steinwurf, und kniete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde, und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vor über ginge, und sprach: Abba, mein Vater, es ist dir Alles möglich, überhebe mich dieses Kelchs; doch nicht was ich will, sondern was du willst. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon! schläfst du? Vermöchtest du nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andern Mal ging er hin, betete und sprach: Mein Vater! ist es nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe? ich trinke ihn denn: so geschehe dein Wille. Und er kam und fand sie abermal schlafend; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie und ging abermal hin, und betete zum dritten Mal, und redete dieselbigen Worte. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel, und stär kete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und beteke heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er stand auf vom Gebet, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend vor Traurigkeit, und sprach z ihnen: Ach! wollet ihr nun schlafen und ruhen! es ist genug: Sehet, die Stunde ist kommen, und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände! Stebet auf, und laffet uns gehen! Siehe, der mich verräth, ist nahe; betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. 3. Gefangennehmung Jesu. Und alsbald, da er noch redete, kam Judas, der Zwölfen Einer, da er hatte zu sich genommen die Schaar und Diener der Hohenpriester und Pharisäer, der Ältesten und Schriftgelehr ten, ging er vor ihnen her, und kam dahin mit Fackeln, Lampen, mit Schwerdtern und mit Stangen. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben, und gesagt: Welchen ich füffe werde, der ist es, den greifet und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte Alles, was ihm begegnen sollte, ging und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bin's. Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jefus ihnen sprach, ich bin's, wichen sie zurück und fielen zu Bode Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber fprache: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch ge er hinaus Jesu Christi. 77 sagt, daß ich's sey; suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen, auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben haft. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen, und sprach: Gegrüßet seyst du, Rabbi! und tüffete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du kommen? Judas! verräthest du des Menschen Sohn mit einem Ruß? Da traten sie hinzu, und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. oli si Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, follen wir mit dem Schwerdt darein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwerdt, und zog es aus, und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete, und sprach: Laffet fie doch so ferne machen. Und zu Petro: Stecke dein Schwerdt in die Scheide; denn wer das Schwerdt nimmt, der soll durch das Schwerdt umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr den zwölf Legionen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührte sein Ohr an, und heilete ihn. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels, und den Ältesten, die über ihn kommen waren: Ihr seyd als zu einem Mörder mit Schwerdtern. und mit Stangen ausgegangen, mich zu fahen; bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehret im Tempel, und ihr habet keine Hand an mich geleget. Aber dies ist eure Stunde, und die Macht der Finsterniß, auf daß die Schrift erfüllet werde. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bes fleidet auf der bloßen Haut; und die Jünglinge griffen ihn; er aber ließ die Leinwand fahren, und floh bloß von ihnen. Zweite Abtheilung. 4. Verhör und Verurtheilung Jesu vom jüdischen hohen Rath. Die Schaar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn, führten ihn aufs erste zu Hannas, der war Caiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoher 78 Geschichte des Leidens priester war. Es war aber Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volf. Und sie führeten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, dahin alle Hohen priester und Schriftgelehrten und Ältesten sich versammlet hatten. Simon Petrus aber folgte Jesum von ferne, und ein anderer Jünger, bis an den Pallast des Hohenpriesters. Derselbige Jüns ger war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in den Pallast. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Thürhüterin, und führete Petrum hinein. Es standen aber die Knechte und Diener, und hatten ein Kohlfeuer gemacht, danieden mitten im Pallaft, denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stand bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: ich habe frei öffentlich ge redet vor der Welt; ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragest du mich darum? frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener Einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich, und sprach: Solltest du dent Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sey; habe ich aber recht gerebet, was schlägst du mich? Und Hannas hatte ihn gebun den gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas. Die Hohenpriester aber und die Ältesten, und der ganze Rath suchten falsch Zeugniß wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden keines, wiewohl viele falsche Zeugen herzu traten; denn ihre Zeugnisse stimmeten nicht überein. legt traten herzu zween falsche Zeugen, und sprachen: Wir haben gehört, daß er sagte: ich kann und will den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, abbrechen, und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist Ihr Zeugniß aber stimmte noch nicht überein. Und der He hepriester stand auf unter sie, und fragte Jesum und sprach: antwortest du nichts zu dem, daß diese wider dich zeugen: Jesus aber schwieg stille, und antwortete nichts. Da fragt ihn der Hohepriester abermal, und sprach zu ihm: Ich beschwin dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du sept Christus, der Sohn des hochgelobten Gottes? Jesus sprac & Jefu Chrifti. 79 Du sagest es, ich bin es; doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider, und sprach: Er hat Gott gelästert, was dürfen wir weiter Zeugniß? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehöret. Was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle, und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 5. Mißhandlung Jesu von der Wache.dire Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, und speicten aus in sein Angesicht, und schlugen ihn mit Fäusten; Etliche aber verdeckten ihn, und schlugen ihn ins Angesicht( besonders die Knechte), und sprachen: Weissage uns, Christus, wer ist's, der dich schlug? Und viele andere Lästerung sagten sie wider ihn. 6. Verleugnung Petri. Simon Petus aber war( wie oben erwähnet worden) dranßen im Pallast; da kam des Hohenpriesters Mägde Eine, die Thürhüterin; und da sie Petrum unter den Knechten bei dem Feuer sahe, schauete sie ihn an, und sprach zu ihm: Und du warest auch mit dem Jesu aus Galiläa. Er aber verleugnete vor ihnen Allen und sprach: Weib! ich bin's nicht, ich kenne ihn nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähete. Und als er zur Thür hinaus ging, sahe ihn nebst der Vorigen eine andere Magd, die spra chen zu denen, die dabei standen: Dieser war auch mit dem Sefu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger Einer? Und ein Anderer sprach: Du bist auch der Einer. Und er leugnete abermal, und sprach: Mensch, ich bin's nicht, und schwur dazu: ich kenne den Menschen nicht. Und über eine Kleine Weile bei einer Stunde bekräftigte es ein Anderer, mit denen, die dabei standen, und sprachen: Wahrlich, du bist auch der Einer; denn du bist ein Galiläer, und deine Sprache verräth dich; spricht des Hohenpriesters Knechte Einer, ein Gefreundter deffen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm? Da sing er an sich zu verfluchen und zu schwören: ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr saget. Und alsbald, da er noch redete, frähete der Hahn zum andern Mal. Und der Herr wandte sich um, und sahe Petrum an. Da gedachte Petrus an das Wort Jesu, das er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen; und er ging hinaus und weinte bitterlich. Geschichte des Leidens 7. Bestätigung des Todesurtheils über Jesum. Des Morgens aber persammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und die Ältesten des Volks, darzu der ganze Rath, und hielten einen Rath über Jesum, daß sie ihn tödteten. Und führeten ihn hinauf vor ihren Rath, und sprachen: Bist du Christus? sage es uns! Er aber sprach zu ihnen; sage ich es euch, so glaubt ihr's nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht und lasset mich dennoch nicht los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie Alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt's; denn ich bin's. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugniß? Wir haben's selber gehöret aus seinem Munde. 80 Dritte Abtheilung. 201 8. Auslieferung Jesu an das römische Gericht. Und der ganze Haufe stand auf, und banden Jesum, füh reten ihn von Caipha vor das Nichthaus, und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato. Und es war noch frühe. 9. Juda Verzweifelung und Zeugniß von der Unschuld Jesu. Da das sahe Judas, der ihn verrathen hatte, daß er ver dammet ward zum Tode, gereuete es ihn, und brachte herwieder die breißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen: was geht uns das an! da fiche du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, und ging hin und erhängte sich selbst, und ist mitten entzwei ge borsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenprie j ster nahmen die Silberlinge, und sprachen: Es taugt nicht, das wir sie in den Gotteskaften legen, denn es ist Blutgeld. S hielten aber einen Rath, und kauften eines Töpfers Acker darum, zum Begräbniß der Pilger. Und es ist fund worden Allen, die zu Jerusalem wohnten, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache: Akeldama, das ist ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen breißig Jefu Chrifti. 81 Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der Herr befohlen hat. nap 10. 2nklage und Verhör Jesu vor Pilato. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die Ostern effen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: was bringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: wäre dieser nicht ein Übelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: so neh met ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem Gefeß. Da sprachen die Juden zu ihm: wir dürfen Niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Da fingen an die Hohenpriester und die Ältesten ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet, und verbeut den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht: er sey Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, rief Jesum, fragte ihn und sprach: bist du der Juden König? Jesus stand vor ihm und antwor tete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir Andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was hast du gethan? Jesus antwortete: mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Neich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: so bist du dennoch ein König? Jesus antwore tete: du sagest es, ich bin ein König; ich bin dazu geboren und auf die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll; wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: was ist Wahrheit? und da er das gesaget, ging er wieder hinaus zu den Juden, und spricht zu ihnen: ich finde feine Schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Ältesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragete ihn abermal und sprach: antwortest du nichts? hörest but nicht, wie hart sie dich verklagen? Und antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an und sprachen: er hat das Volk erreget, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hieher. Osnabr. Landgesangb. 7. Aufl. 6 Geschichte des Leidens 11. Pilati Bersuche zur Befreiung Jesu. Da aber Pilatus Galiläa hörete, fragte er: ob er aus Galiläa wäre, und da er vernahm, daß er unter Herodis Obrig teit war, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffete, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn Mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklageten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, und legte ihm ein weißes Kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohen priester, die Obersten und das Volk zusammen, und sprach zu ihnen: ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der bas Voll abwendet, und sehet, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sache keine, der ihr ihn beschul viget, Herodes auch nicht; denn ich habe euch zu ihm gefandt, und sehet, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes werth sey, darum will ich ihn züchtigen und losgeben. Auf das Fest aber mußte der Sandpfleger nach Gewohnheit dem Volfe einen Gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor andern, der hieß Barrabas, welcher war um eines Aufruhrs, der in der Stadt geschahe, und um eines Mords willen in bas Gefängniß geworfen, und das Volk ging hinauf, und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, ant wortete ihnen Pilatus: Ihr habet eine Gewohnheit, daß i euch einen losgebe auf Ostern; welchen wollet ihr, daß ich euch losgebe, Barrabam oder Jesum, den König der Juden, you dem gesagt wird: er sey Christus; denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Nichtstuhl saß, schickte sein Weib ihm, und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit die sem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traume von seinetwegen. all Aber die Hohenpriester und Altesteu überredeten und reizten das Volk, daß sie um Barrabas bitten sollten, und Jesum um brächten. Da antwortete nun der Landpfleger, und sprach ihnen: welchen wollet ihr unter diesen zween, den ich euch soll 82 Jesu Chrifti. losgeben? Da schrie der ganze Hanfen und sprach: Hinweg mit diesen, und gieb uns Barrabas los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen und wollte Jesum lassen, und sprach: was soll ich denn machen mit Jesu, den man Christus nennt? Sie schrieen abermal: kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmal zn ihnen: was hat er denn übels gethan? ich finde keine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihu züchtigen und loslassen.n, das 83 Aber sie lagen ihm an mit großem Geschrei, und forderten, daß er gefreuziget würde, und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Bonne 12. Geißelung und Verspottung Jesu. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffte, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug zu thun, und urtheilte, daß ihre Bitte geschehe; nahm Wasser, und wusch die Hände vor dem Volke, und sprach: ich bin un schuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu. Da ants wortete das Volt und sprach: sein Blut komme über uns und über unsere Kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten; aber Jesum ließ er geißeln, und überantwore tete ihn, daß er gekreuziget würde. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich in das Richthaus, riefen zusammen die ganze Schaar, zogen ihn aus, legten ihm einen Purpurmantel an, flochten eine Krone von Dornen, seßten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand, beugten die Knice vor ihm, verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßest seyst du, der Juden König! und gaben ihm Backenstreiche, speieten ihn an, nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. Moded Mid 13. Letztes Verhör und Verurtheilung Jefu. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Se het, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich teine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus, und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: kreuzige, freuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: wir haben ein Geset, und nach dem Gesetze soll er sterben, 6* 84 Geschichte des Leidens denn er hat sich selbst zu Gottes Sohne gemacht. Da Pilatus das Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus, und spricht zu Jesu: von wannen Da sprach bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Pilatus zu ihm: redest du nicht mit mir? weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und macht habe, dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat es größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrieen, und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich selbst zum denn wer Könige macht, ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führte er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: weg, weg mit dem, freuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antwortes ten: wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da überant wortete er ihn, daß er gefreuziget würde. 289309 adalah Je to Bierte Abtheilung. 210 sort anis book in lin sis14. Ausführung Jesu nach Golgatha. Da nahmen die Kriegsknechte Jesum( den sie verspottet hatten), zogen ihm den Mantel aus, und zogen ihm seine Kleider an, und führeten ihn hin, daß sie ihn freuzigten; und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinaus gingen, fanden sie einen Menschen, der vorüberging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater Alexandri und Ruffi war, den zwangen sie, und legten das Kreuz auf ihn, daß er es Jesu nachtrüge.d on Es folgte ihm aber nach ein großer Haufen Volkes und Weiber, die tlagten und beweinten ihn. Jefus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach: ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern über euch selbst und über eure Kinder: denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben! Jefu Chrifti. 85 Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen; fallet über uns, und zu den Hügeln: decket uns; denn so man das thut am grünen Holze, was will am dürren werden. 15. Kreuzigung Jefu. Es wurden aber hingeführt zween andere Übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißet auf Hebräisch Golgatha, das ist, verdeuts schet, Schädelstätte, und sie gaben ihm Myrrhen in Wein zu trinken, und da er es schmeckte, wollte er es nicht trinken. Und sie freuzigten ihn daselbst, und die zween Übelthäter mit ihm, einen zur Rechten, und einen zur Linken, Jefum aber mitten inne. Da ward die Schrift erfüllet, die da faget: Er ist unter die Übelthäter gerechnet. Sesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine Überschrift, und feßte sie auf das Kreuz, oben zu seinem Haupte, als die Ursache seines Todes. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Überschrift lafen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Und es war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: schreib nicht: der Juden König, sondern daß er gesagt habe; ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Und die Kriegesknechte, da sie Jefum gekreuziget hatten, nahmen seine Kleider, und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Theil, darzu auch den Rock. Der Nock aber war ungenähet, von oben an gewürfet, durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, son bern darum loofen, weß er seyn soll. Auf daß erfüllet würde die Schrift, die da saget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Solches thaten die Kriegsknechte. Und sie saßen allda, und büteten seiner. Es war aber um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Und das Volk stand und sahe zu. 16. Verspottung Jesu am Kreuz. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn, und schüttelten ihre Köpfe, und sprachen: pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel und bauest ihn in dreien Tagen; hilf dir selber! Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuz. Desgleichen auch die Hohen 86 Geschichte des Leidens priester verspotteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und ältesten, sammt dem Volke, und sprachen: Er hat Andern geholfen, und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christus, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom Kreuze, auf daß wir es sehen, und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet; der erlöse ihn nun, lüstet es ihm. Denn er hat gesagt: ich bin Gottes Sohn. Es verspots teten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm und brachten ihm Essig, und sprachen: bist du der Juden König, so hilf dir selber. 17. Begnadigung des bekehrten Schächers. Aber der Übelthäter Einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn, und sprach: bist du Christus, so hilf dir und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? und zwar wir sind billig drinnen; denn wir empfahen, was unsere Thaten werth sind. Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt; und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. 18. Jesu Fürsorge für seine Mutter. Es stand aber bei dem Kreuze Jefu seine Mutter und seiner Mutter Schwester Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sahe, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib! siehe, das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu Jünger: fiehe, das ist deine Mutter. Und von Stund au nahm sie der Jünger zu sich. dem 19. Der Tod Jesu. Und von der sechsten Stunde an war eine Finsterniß über das ganze Land, bis an die neunte Stunde; und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut and sprach: Eli, Eli, Lama Asabthani! das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie das höreten, sprachen sie: siehe, er rufet den Elias. Darnach, als Jesus wußte, daß schon Alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: mich dürftet. Da stand ein Gefäß voll Essig, und bald lief Einer unter ihnen hin nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Effig, und steckte ihn auf ein Rohr von Isop und hielts ihm dar zum Münde, und Jefu Chrifti. 87 tränkte ihn und sprach mit den Andern: halt, laßt sehen, ob Elias komme und ihn herab nehme. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: es ist vollbracht. Und abermal rief er laut und sprach: Bater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gefaget, neigete er das Haupt und gab seinen Geist auf. 20. Die Begebenheit bei und nach dem Tode Jefu. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus, und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt, und erschienen Vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand ihm gegenüber, und die bei ihm waren und bewahrten Jefum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und sahen das Erdbeben, und was da geschah, erschraken sie sehr, und preiseten Gott, und sprachen: wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen. Und alles Volk, das dabei war und zusahe, da fie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust und wandten Es standen aber alle seine Verwandten von ferne und viele Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, des kleinen Jacobs und Josephs Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder des Zebedäi, und viele Andere, die mit hinauf gen Jerusalem gegangen waren und hatten ihm gedienet, und sahen das Alles. wieder um. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbath über( denn desselbigen Sabbathstag war groß), baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem Ersten die Beine, und dem Andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jefu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsknechte einer öffnete feine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugniß ist wahr, und derselbe weiß, daß er die Wahrheit faget, auf daß auch ihr glaubet; denn Solches ist geschehen, daß die Schrift erfültet würde: Ihr sollt ihm fein Bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Das Begräbniß Jesu Christi. Fünfte Abtheilung. 21. Das Begräbniß Jesu. Darnach, am Abend, weil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbath, kam ein reicher Mann von Arimathia, der Stadt der Juden, mit Namen Joseph, der war ein Rathsherr, ein guter, frommer Mann, welcher auch auf das Reich Gottes wartete; der hatte nicht gewilliget in ihren Nath und Handel; denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging zu Pilato und bat, daß er möchte abneh men den Leichnam Jefu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann, und fragte ihn: ob er längst gestorben wäre? und als er es erkundet von dem Haupts mann, befahl er, man sollte Joseph den Leichnam Jesu geben. Und Joseph kaufte ein Leinwand. Es kam aber Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Myrrhen und Aloen unter einander bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und wickelten ihn in ein rein Leinwand, und banden ihn in leinene Tücher mit Specereien, wie die Juden pflegten zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab. Das war Josephs, welches er hatte lassen in einen Felsen bauen, in welches Niemand je gelegt war. Daselbst hin legten fie Jesum um des Rüsttages willen der Juden, dieweil der Sab bath anbrach, und das Grab nahe war, und wälzten einen großen Stein vor die Thür des Grabes, und gingen davon. Es waren aber allda Maria Magdalena und María Josephs, und die Weiber, die mit Jesu gekommen waren aus Galiläa, die folgeten nach, setzten sich gegen das Grab, und beschaueten, wohin und wie sein Leib gelegt ward. Sie kehrten aber um, und bereiteten Specerei und Salben, und den Sabbath über waren sie stille nach dem Geſes. Des andern Tages, der da folgte nach dem Rüfttage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato, und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprachy, da er noch lebte: ich will nach dreien Tagen wieder auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den brit ten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zu dem Volke: er ist auferstanden von den Todten, und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: da habt ihr die Hüter, gehet hin, und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern, und versiegelten den Stein. 88 030000000 Zuverlässige Nachricht von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. Als das vormals von Gott so außerordentlich begnadigte Volk der Juden das Maß seiner gehäuften Sünden durch die Vers werfung und Kreuzigung des unter ihnen erschienenen Heilandes der Welt erfüllet hatte: so näherte sich dasselbe demjenigen erschrecklichen Strafgerichte immer merklicher, welches durch die Propheten und den mitleidigen Erlöser selbst mit Thränen zuvor verkündiget war, und in der gänzlichen Zerstörung Jerusalems und des ganzen jüdischen Reichs der Welt ein belehrendes Denkmal vor Augen legte, wie schwer der Zorn Gottes gegen beharrliche Verächter seiner Gnade, und wie groß insonderheit die Verschuldung sey, die dieses unglückliche Volk durch die Vergießung des unschuldigen und heiligen Blutes Jesu Chriſti auf sich geladen. Josephus erzählet verschiedene dem Ausbruche dieser Ges richte Gottes vorhergegangene Zeichen; allein die sicherste und naheste Anzeige davon war wohl das sich in dem jüdischen Reiche immer weiter ausbreitende gänzliche Verderben. Man verließ nun völlig die heiligen Gesetze Gottes, seßte die ganze Religion nur in eine abergläubische Beobachtung äußerlicher Gebräuche, und überließ sich mit einem frechen Leichtsinn allen Laftern. Daher nahmen Unordnungen und Spaltungen in allen Ständen immer mehr überhand; Jerusalem und das ganze Land war mit Räubern und Mördern angefüllet, und die ganze Nation beförderte ihren Untergang durch ihre eigene Zerrüttung mehr, als die Gewalt der Römer. Diese beherrschten seit den Zeiten Jesu Christi das jüdische Land durch Landpfleger, welche durch Geiz und Härte das römische Joch den Juden noch unerträglicher machten. Geffius Florus, der zuletzt diese Stelle verwaltete, übertraf hierin alle seine Vors Nachricht von der Berfidrung gånger. Er beförderte alle Unordnungen, auch selbst die öffentlichen Räubereien, wenn er nur seine unersättliche Gewinnsucht dabei befriedigen konnte; vergriff sich sogar an dem Schatz des Tempels, und war recht geflissen, das Volk zur Empörung gegen die Römer zu reizen. Daher entstand in mehren Gegenden des Landes ein häufiges Blutvergießen, und Florus ließ selbst bei einem solchen Aufstande in Jerusalem über 3000 Juden erschlagen, und viele der angesehensten geißeln und freuzigen. Die Juden suchten zwar in diesen Bedrängnissen bei dem syrischen Statthalter Cestius Gallus Hülfe; allein Florus wußte nicht nur solches zu vereiteln, sondern auch die Unruhen also zu vermehren, daß endlich Cestius genöthigt war, mit einem Heere anzurücken, mit welchem er nach Verwüstung vieler Städte in Jerusalem drang, die Juden in den Tempel einschloß und dem Kriege würde ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden schwererern Gerichten wären aufbehalten gewesen; so aber verleitete Florus den Cestius durch List und Verrätherei zur Verzögerung; die Juden gewannen Zeit zur Gegens wehr, und nöthigten sogar den syrischen Statthalter mit einem sehr beträchtlichen Verluste zum Abzuge. Dieser anscheinende Vortheil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Muth. Die damals fast allgemeine Erwartung eines irdischen Erretters und mächtigen Beherrschers stärkte ihre eitle Hoffnung, und der Krieg wider die Römer ward mit großer Heftigkeit beschlossen. Man machte dazu überall die stärksten Zurüstungen, wählte in Jerusalem den Joseph, einen Sohn Gorions, nebst dem Hohens priester Ananus, in Idumäa den Eleazar, und in Galiläa Josephum, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der die Geschichte hinterlassen hat, zu Anführern, und fing die Feinds feligkeiten in verschiedenen Gegenden, doch mehrentheils mit sehr großem Verlust an, wie denn allein vor der Stadt Ascalon über 18000 Juden ihr Leben einbüßten. 90 Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilan des eingebenk, und setzten sich durch ihre Flucht in die benach barte Stadt Pella in Sicherheit. Als der römische Kaiser Nero den allgemeinen Aufstand der jüdischen Nation erfuhr, trug er dem Vespasianus, einem sehr erfahrnen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohn, dem Titus, mit einem zahlreichen Heere den Anfang desselben in Galiläa machte. Josephus hatte daselbst awar 100000 Mann versammlet; allein der Schrecken zer streute solche sogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus der Stadt Jerusalem. 91 ward genöthiget, mit dem Reste seiner Truppen sich in die Festung Jotaphata zu werfen, welche nach einer tapfern Vers theidigung erobert und 40000 Juden dabei erschlagen wurden. Josephus gerieth selbst in die Gefangenschaft der Römer, erhielt aber durch die Fürsprache des Titus, und weil er dem Vespasian die künftige Gelangung zur Kaiserlichen Würde vorher sagte, sein Leben und nach der Erfüllung dieser seiner Vermuthung auch die Freiheit. Vespasian bemächtigte sich darauf des ganzen Galiläa, wobei viele Tausende erschlagen oder als Leibeigne verkauft, oder sonst in eine elende Sclaverei geführet wurden. In Jerusalem und den übrigen Gegenden des jüdischen Landes häufte sich inzwischen das größte Elend. Die Parthei derer, die auf den Krieg drangen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden riethen, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen verband sich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Näubern, die Zeloten oder Eiferer benannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines besondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen; und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohes priester Ananus suchte zwar in Jerusalem dieser bösen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes von Giseala, ein sehr berüchtigter Bösewicht, nach Jerusalem kam, und die Zeloten daselbst auf seine Seite brachte, auch 20000 Jdumäer in die Stadt zog, so ward die Parthei bes Ananus überwältigt, und dieser Hohepriester, den Josephus als einen der besten Männer der damaligen Zeit beschreibet, nebst 11000 der vornehmsten Einwohner getödtet. Vespasianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jerufalem liegenden festen Örter, und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des jüdischen Landes. Sein Heer verlangte zwar, daß er solche, bei der darin herr schenden Uneinigkeit, unverzüglich angreifen möchte; allein der römische Feldherr hielt rathsamer, einem Volke, das sich selbst aufrieb, und welches Gott, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zur eigenen Beförderung seines Untergans ges noch ferner Naum zu lassen. Der Tod des Nero und die barauf erfolgten öfteren Veränderungen mit dem römischen Kaisers thum verzögerten die Belagerung noch weiter; und als Vespasian selbst zum Kaiser erwählet ward, begab er sich nach Rom und überließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannis und der Zeloten äußerst beängstigten Einwohner in Jerusalem 92 Nachricht von der Zerstörung hatten inzwischen ein neues Heer von Räubern unter einem Anführer, Namens Simon, in die Stadt gelassen, um durch sie von jenen Ungeheuern befreit zu werden; allein diese aber malige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieser Simon, der bereits in Idumäa die fürchterlichsten Verwüstungen angerichtet, übertraf annoch den Johannes an Grausamkeit und Blutbegierde; zwang denselben, sich in den Tempel zurück zuziehen, und da auch dessen Parthei sich trennte und ein Theil derselben unter dem Eleazar den innern Tempel behauptete, so befriegten diese drei räuberischen Haufen sich unter einander auf das heftigste, opferten eine große Menge der Einwohner ihrer Wuth auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrath der Lebensmittel, und legten dadurch den Grund zu der bald darauf erfolgenden schrecklichen Hungersnoth. disord Titus näherte sich darauf im siebenzigsten Jahre nach Christi Geburt im Anfange des Aprils mit seinem wohlgerüsteten Heere und in Begleitung des Josephs der Stadt Jerusalem. Selbige war mit einer dreifachen sehr starken Mauer und vielen Thür men umgeben, und faste, außer dem sehr befestigten Tempel, die Burg Antonia und andere feste Schlösser in sich. Die Feier des Osterfestes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derselben versammelt, wodurch sowohl die Hungersnoth desto geschwinder vermehret, als auch der auf der ganzen Nation ruhende Fluch um so deutlicher offenbar wurde. Bei dem Anfange der Belagerung vereinigten sich die drei aufrühriſchen Rotten zum tapfern Widerstande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu, und setzten bei einem derselben selbst den Titus in die äußerste Gefahr. Allein jene Vereinigung dauerte nicht lange. Johannes überwältigt durch List und Gewalt die Parthei des. Eleazar, und bemächtigte sich unter vielem Blutvergießen des ganzen Tempels. Die Bertheis digung der Stadt war also zwischen ihm und dem Simon ges theilt, die indeß nicht aufhörten, sich unter einander zu gen, sobald nur die Römer ihnen einige Ruhe ließen. befrie Nachdem Titus den Juden vergeblich den Frieden anbieten lassen, ward die Belagerung mit großem Eifer fortgesetzt, und gegen das Ende des Aprils die erste Mauer, und fünf Tage nachher die andere eingenommen, und obwohl die Juden sich der legtern wieder bemächtigten, folche doch nach einer dreitägigen Bestürmung mit einer großen Niederlage der Juden völlig be hauptet. Wenige Tage nachher ward der Angriff auf die Burg der Stadt Jerusalem.ole Antonia gerichtet. Titus ließ zwar nach seiner gütigen und mitleidigen Gesinnung die Belagerten abermals durch den Josephum zur Übergabe ermahnen; allein ob dieser gleich durch eine sehr nachdrückliche Rede und mit Thränen sie zu bewegen suchte, so wurden doch alle Vorstellungen nur mit Schimpfs worten und sogar mit Pfeilen erwiedert. Viele Einwohner suchten indeß durch die Flucht ihre Errettung und erhielten auch solche, wenn sie anders der Wachfamkeit und den Schwerdtern der Besatzung zu entgehen vermochten, durch die Gélindigkeit des Titi. Die aber als Gefangene in die Hände der Römer fielen, wurden in so großer Menge in dem Angesicht der Stadt gefreuziget, daß nach Josephi Ausdruck es zuletzt an Naum und Holz zu Kreuzen mangelte. Ein gewiß sehr merkwürs diger Anblick vor einer Stadt, deren Einwohner die Kreuzigung Christi dem Pilatus mit der größten Wuth abgedrungen hats ten! Titus ließ inzwischen diese Grausamkeit zu, um zu versuchen, ob vielleicht die Furcht vor einer gleichen Bestrafung bie Hartnäckigkeit der Belagerten überwinden möchte. Aber so wenig dieses, als die bereits sehr zunehmende Hungersnoth, noch auch die wiederholten Warnungen des römischen Feldherrn, die Stadt, den Tempel und ihr eigenes Leben zu retten, vers mochten etwas bei diesen gänzlich Verstockten auszurichten; sie fagten vielmehr dem Tito selbst mit untermengter Verschmähung, daß fie lieber sterben, als sich ergeben wollten, und beriefen sich dabei frech auf den Schuß Gottes, dessen Verächter fie doch warene stod sid mak 93 Die Fortsegung ihrer verzweiflungsvollen Gegenwehr nöthigte endlich den Titus, die Stadt mit einer Mauer völlig einzuschließen. Hierdurch war dasjenige aufs genaueste erfüllet, was Christus vorher geweisfaget hatte, und die erschrecklichste Hungersnoth nebst allem damit verbundenen Elend nahm nun völlig überhand. Ausgezehrte Menschen suchten bei Tausenden in den letzten Zügen vergeblich ihre Erhaltung. Die bewaffneten Näuber fielen in die Häuser, bemächtigten sich aller Nahrungsmittel, und quälten mit den entseglichsten Martern alle und jede, auf welche nur der Verdacht einiger Verbergung fiel. Die Eltern riffen ihren Kins dern und diese ihren Eltern und Geschwistern den letzten Bissen aus dem Munde. Viele, die diesem Jammer durch die Flucht zu den Römern zu entrinnen suchten, wurden von den Soldas ten in der Vermuthung, daß sie Gold verschlungen, lebendig aufgeschnitten. Man suchte durch die unnatürlichsten Mittel die Stillung des Hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch Nachricht von der Berstörung diese Plage zur äußersten Verzweiflung gebracht war, schlachtete und kochte ihr eigenes Kind, und bot, da sie einen Theil desselben verzehret, den grausamen Kriegsknechten die andere Hälfte bar. Alle Straßen waren mit Leichen bedeckt, und das Sterben war so häufig, daß vom 14. April bis zum 1. Juli 115880 Leichen zu einem Thore hinaus gebracht, und 600000 über die Mauer geworfen wurden. Titus ward durch die erschrecklichen Umstände äußerst gerührt, und bezeugte mit gen Himmel gehobenen Händen, daß er an diesen unnatürlichen Grausamkeiten unschuldig sey, und solche unerhörte Gräuel unter den Trümmern der Stadt begraben werden müßten. 94 308 Nachdem endlich die Burg Antonia unter vielem Blutvers gießen erobert und völlig niedergerissen war, mußte nun auch der sowohl durch seine Lage, als die stärksten Mauern ausuch mend feste Tempel angegriffen werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer in demselben aufhörte. Titus, der für die fes herrliche Gebäude und für den Gottesdienst der Juden eine bewundernswürdige Ehrerbietung äußerte, ließ sich zwar desfen Erhaltung mit der äußersten Sorgfalt angelegen seyn, und er müdete nicht, sowohl in eigener Person, als durch den Jose phus, den Johannes mit seinem gottlosen Haufen durch wies derholte rührende Vorstellungen zu bewegen, daß sie durch ihren fortgesetzten Frevel das Heiligthum Gottes nicht entweihen, und durch eine endliche Übergabe es dem nahen Untergange ent reißen möchten, wobei er ihnen die ungestörte Fortsegung ihres Gottesdienstes versprach. Allein diese Bösewichte verschmäheten dieses alles, befegten die Thore des Tempels mit Kriegsmaschi nen, und machten denselben durch Raub und Blutvergießen, nach Christi Worten, nun völlig zur Mördergrube. Daher sahe sich Titus endlich genöthiget, die äußerste Gewalt zu gebrauchen und nach verschiedenen abgeschlagenen Stürmen an die Thore desselben Feuer legen zu lassen, welches denn alle bedeckten Gänge um den Tempel ergriff. Er gab zwar sogleich den Befehl, das Feuer zu löschen, um das noch unversehrte Hauptgebäude des Tempels zu erhalten, aber keine menschliche Vorsicht vermochte den Rathschluß Gottes zu verhindern. Ein heftiger Ausfall ber Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels, und ein römischer Soldat warf aus eigenem Antriebe, oder vielmehr von einer höhern Hand geleitet, einen feurigen Brand in ein Fenster der an dem Tempel gebaueten Zimmer. Sogleich breitete sich das Feuer in diesen Nebengebäuden aus. Titus eilte zwar alsobald den Brand zu löschen; aber seine Befehle wurden nicht lejn in der Stadt Jerusalem, unibolt 95 vernommen. Die römischen Legionen drangen wüthend auf den Tempel zu, unterhielten die immer weiter um fich greifenden Flammen, und füllten Alles mit Blut und Leichen. Titus begab sich mit einigen seiner Heerführer selbst in den Tempel, besah dessen Heiligthum und die darin befindlichen Geräthe, und fand, daß die Pracht alle Nachricht davon weit überträfe. Er erneuerte die eifrigsten Bemühungen, dieses Junere des Tempels zu retten; aber vergeblich. Der ganze Tempel war, wie Josephus bemerkt, an eben dem Tage, da der erste von den Babilonern verbrannt worden, durch die Flammen völlig verzehret. Ein allgemeiner Naub und die blutigste Niederlage verbreitete sich ohne einiges Verschonen in dem ganzen Raum des Tempels. Die römischen Soldaten pflanzten an das östliche Thor desselben ihre Kriegszeichen, brachten daselbst ihre heidnischen Opfer und riefen den Titum als Sieger aus. Anzahl Priester, welche auf einer Mauer des Tempels Sicherheit gesucht, flehete vergeblich um ihr Leben. Titus antwortete, daß die Zeit der Begnadigung geendet, und sie mit ihrem Tempel umkommen müßten. Eine ihre Die Anführer hatten sich inzwischen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Tempel geöffnet, und verlangten eine Un terredung mit dem Titus. Dieser erbot sich zwar, ihnen das Leben zu schenken, wenn sie sogleich die Waffen niederlegen und sich ergeben würden; als sie sich aber dessen, unter der Vorschügung eines Eides, weigerten, und einen freien Abzug verlangten, versagte er ihnen alle Gnade; übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer; undgriff den noch übrigen obern Theil derselben an, in welchen sich nun die sämmt lichen Anführer unter dem Simon und Johannes gezogen hate ten. Sobald die römischen Maschinen auch hier die Mauer durchbrachen, überfiel diesen Hartnäckigen die muthloseste Verz wirrung. Voll Furcht und Schrecken verließen sie die von ihnen besetzten sehr festen Thürme, versuchten vergeblich durch die römischen Verschanzungen zu entkommen, und verbargen sich endlich in unterirdischen Höhlen. Die Römer bemächtigten sich also auch der ganzen obern Stadt, plünderten selbige, und zündeten sie nach der entseßlichsten Niederlage unter den Eine wohnern mit Feuer an. Dieses geschah am 8. September des Jahrs siebenzig nach Christi geburt. Als Titus in die nun völlig eroberte Stadt ging, und die ungemeine Festigkeit ihrer Mauern und Thürme bewunderte, brach er in dieses ihm rühmliche Geständniß aus: Wir haben 96 Nachricht von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. mit Gottes Beistand Krieg geführet; es ist Gott, der die Juden aus diesen Festungen herausgetrieben hat; denn was würden menschliche Hände und Maschinen gegen solche Thürme vermögen? d Gleich nach der Eroberung wurden die noch übrigen Auf rührer sämmtlich getödtet. Die ansehnlichsten Jünglinge wurden zum Triumph des Titus, die übrigen Gefangenen aber zu den römischen Schauspielen oder zu schweren Arbeiten bestimmt. Die, welche unter 17 Jahren, wurden verkauft. Die Zahl aller in dem ganzen Kriege Gefangenen rechnet Josephus auf 97000, und der in der Belagerung Umgekommenen auf 1,100000, außer der großen Menge, die soust in diesem Kriege ihr Leben verloren; und macht jenes aus der unter dem Cestius berech neten Zahl der Osterlämmer begreiflich. Simon und Johannes geriethen aus ihren Höhlen endlich auch in die Hände der Nömer. Sie wurden gleichfalls zum Triumph des Titus aufbehalten, und nach selbigem der Erste zum Tode, der Andere aber zeit lebens zum Gefängniß verurtheilet. Die sämmtlichen Überbleibfel der Stadt, außer dreien Thürmen und einem Theil der Mauer, wurden auf Titi Befehl bem Erdboden gleich gemacht; und Jerusalem ward also nach Christi Weissagung völlig geschleifet.ad and Wie nun die merkwürdige Geschichte, nebst der ganzen fonderbaren Erhaltung der jüdischen Nation bei ihrer großen 3erstreuung, die Göttlichkeit der Lehre Jesu ausnehmend bestäs tiget, so muß einem Jeden, der solches erkennet, bei einer mits leidigen Erwägung dieser Gerichte Gottes, fere Warnung bes Apostels stets wichtig bleiben: Sey nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschonet, daß er vielleicht auch dein nicht verschone. Darum schaue die Güte und den Ernst Gottes; den Ernst an denen, die gefallen find; die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibest; sonst wirst du auch abgehauen werden. Si tapd on me tikslins ge idaros 2nd m Inches 1 Centimetres Blue ORDERLAG 2 1 3 4 Cyan 2 15 6 17 3 Farbkarte# 13 Green ¹8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 37 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8