I ( 1) O. Bahl, 1848 Gb 357 2 P ㄴ 1713 1: Go 35% 191 JAMAN Er begab sich auf den Berg und bethe. te die Nacht hindurch zu Gott. Luc. 6. 12 Katholisches Gebethbuch zum allgemeinen Gebrauche. Von Rart Alois Rack Jo farrer in Bruisheim Rotweil in der Herderschen Buchhandlung 43 35 لایا Univ.- Bibl. Giessen Borre de, die man nothwendig lesen muß. Vor einigen Jahren kam im Reichsstifte Neresheim ein katholis sches Gebethbuch für Kinder und junge Leute auf dem Lans de heraus. Es fand dieses Werks chen einen so allgemeinen Beyfall, und gute Aufnahme, daß es in Bålde wieder neu aufgelegt und gedruckt werden mußte. Auch erwachsene Leute vom Lande und in Städten bedienten sich deffels ben, und äußerten schon mehrmal den Wunsch: daß das Buch einen ans dern Titel haben, und dasjenige, ,, was eigentlich nur für Kinder gehört, weg feyn möchte, damit sie es defto anständiger und bequemer für sich " gebrauchen können." Aber das Buch ist nun einmal für A 2 4 Vorrede. Kinder und junge Leute bestimmt, es joil ihnen also auch bleiben; und da läßt sich weder in der Sache, noch im Titel etwas ändern. Doch dazu haben mich diese Wüns sche veranlasset, daß ich das nämliche Gebethbuch in einer neuen nunmehr ganz für erwachsene Leute, besonders vom Bürger und Bauernstande eingerichteten Auflage erscheinen laffe. Der Innhalt, die Einrichs tung, der Endzweck, und die Sprache, ja selbst die meisten Gebes the sind die nämlichen, wie im Ges bethbuche für Kinder und jun ge Leute; nur findet sich besonders unter den vermischten Gebes thern und im Anbange mehrere, die eigenthümlich für Erwachs sene gehören, und entweder neu ges macht, oder ihrer besondern Güte wegen aus andern Gebethbüchern entlehnt worden sind. Zur Kenntniß und Lebersicht des Vorrede. 5 ganzen Buches durchgehe man das am Ende beygefügte Register, we als le Gebethe mit Anmerkung des Blats tes, auf dem sie stehen, und wo man fie finden kann, ordentlich verzeich net sind. So viel von Gebethbuche! Aber auch ein paar Wort vom Bethen selbst. Jesus Christus will, deß wir als wahre Gottesverehrer den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbethen sollen. Bey Job. IV. R. Bey 23. V. Dieß wird nun aber wohl recht bart seyn, denket ihr! Ich aber fage euch, meine Lieben, daß es so schwer nicht seye, als ihr glaubt. Ein Kind redet ja ganz leicht mit seinem Vater; es kann sich über seine Güte freuen und ihn loben; es kann ihm für empfangene Wohlthaten, für Speise und Kleidung herzlich dans ken; es weiß ihn gar schön zu bitten, wenn es in Nöthen ist, oder sonst gers ne etwas erhalten möchte; und wenn 6 Borrede. es gefehlt bat, o! so kann es auch mit leichter Mühe seinen Fehler bekens nen, und den lieben Vater um Gnas de und um Verzeihung anfles hen. Dieß alles ist gewiß nicht schwer. Lind nun, wie soll es uns schwer fals len, wenn wir bethen, d. i, mit uns ferm lieben Later im Himmel res den, und uns entweder über seine Grös fe und Güte erfreuen; oder ihm für seine unzähligen Wohlthaten dan, ken; oder ihn um etwas bitten, in Mötben anrufen; oder wenn wir gefündiget haben, unsere Sünde vor ihm erkennen, bereuen, um Gnade flehen, und Besserung versprechen sollen? O! mit Gott läßt sichs ja viel leichter als mit Mens schen reden; er giebt auf unsere Worte nicht acht, er sieht aufs Herz, und weiß schon den Gedanken, ehe wir ihn noch sagen können. Das Bethen ist als so nicht schwer, und wenn ihr ernste lich, so aus euerm Herzen heraus bes Vorrede. 7 then, so ist dieß gerade das allerbeste und Gott angenehmste Gebeth, ein Gebeth im Geiste und in der Wahrheit. Aber lange könnt ihrs eben nicht fortsetzen dieses Gebeth; denn weil Gott nicht auch mit euch redet, wie der Vater mit seinem Kinde, sondern ihr nur allein zu ihm reden sollt; so fällt euch gar bald nichts mehr ein, was ihr fagen könntet. Nun wird euch dann Das längere Bethen beschwerlich, nicht wahr? Oft wißt ihr auch gar nicht, was ihr Gott vortragen sollet. Aber seht! eben deßwegen, um auch diese Beschwerniß zu heben, sind die Gebethformeln und die Gebethbücher da. Diese sprechen cuch, so zu sagen, vor, und legen es euch in's Herz und auf die Zunge, was ihr zur Zeit der Andacht Gutes denken, und wovon ihr bey jeder Geles genheit mit euerm lieben Gott ger scheider Weise reden sollt. Vorrede. Da müßt ihr aber allererst nicht glauben, es sen schon genug, wenn ihr folche Gebethformeln z. B. das Vater unser, cilends daher saget, oder ganze Seiten in Gebethbüchern herunter le set. Sobald ihr nicht wißt, wasihr saget oder leset, u. sobald euer Herz nicht Theil daran nimmt; soifts Plauderey, u. nichtGebeth. Es sind leere Worte, ohne Geist und Wahrheit; Gott kann unmöglich ein Wohlgefallen daran haben, und muß mit Rechte von solchen Af terbethern sagen: Dieß Volkehret mich nur mit den Lefzen, sein Herz aber ist weit von mir Matth. XV. V. 8. Wollt ihr euch also der Gebethfors meln und Gebethbücher mit Nutzen bedienen, so merkt euch folgende Regeln: Erstens: Eilt nicht im Gebes the! Gott sieht ja nicht an, wie viel, sondern nur wie gut thr bethet. Sos Vorrede. 9 bald ihr aber im Lesen oder Reden eilet, so fomt ihr mit dem Denken nicht mehr nach, und wißt also am Ende nicht, was ihr gelesen oder gesprochen habt; ihr bethet nicht mit Vernunft, nicht im Geiste, und dieß ist doch Hauptsache. Zweytens: Bedenket also alle Sätze, ja! alle Worte des Ges bethes, damit ihr wisset, wovon, und was ihr mit Gott redet. Selbst die Aufschrift und der Titel des Ges bethes muß schon wohl verstanden werden. Ihr sollt deßwegen kein Gebethbuch nehmen, das schon so einen wunders baren, besondern Titel har; das euch zu hoch ist, oder viele unbekannte, undeutliche oder gar lateinische Wöre ter enthält, die ihr nicht versteht. Auch in diesem gegenwärtigen Ges bethbuche, das mit Fleiße recht gemein hin, und leicht verständlich gemacht ist: setzet nach jedem Absatze fleißig ab, und denke t, was ihr in ihm Borreda gelesen habt. Wist thr's nicht, ſo leset denselben noch einmal, und mers ket recht auf, was darin sey. IO Gebet auch auf Punkte(.) und Striche(!?) acht, die zwischen den Wörtern stehen: sie sind nicht umsonst da, sondern sie zeigen euch, wo das Ende eines Satzes ist, wo ihr im Lesen absetzen, und was ihr zusammen nehmen müßt, um das Gelesene recht verstehen zu können. Lind dieß heißt dann nach Chris sti Lehre im Geiste, das ist, mit Verstand bethen, indem man weiß, was man mit Gott redet. Aber Christus will noch ferner: daß wir auch in Wahrheit hethen sole len. Und was beißt, wie geschicht nun dieses? In Wahrheit bethet ihr, meine Lieben! wenn ihr es euch ernst, recht ernst seyn laßt, was ihr mit Gott res det, und wenn ihr ja nichts anders mit dem Munde sprechet, als was ihr im Herzen denket. Borrede. Wer eine Gebethformel spricht oder in einem Gebethbuche licet, dem koms men lauter fremde Worte vor, und zeigen ihm, was der Verfaffer des Gebethes gedacht habe, als er diese Worte aussprach) oder hinschrieb. Wenn ihr nun die Gedanken des Vers faffere nicht zu den eurigen macht, wenn ihr nicht mit Herz und Muns de mit ihm übereinstimmt, und gerade das in allem Ernste zu Gott sagen wollt, was er euch sagen lehe ret; so ist euer Gebeth eitel Geschwäßz, unwahre, lügenhafte Worte sind es, die ihr daher sprecht: Lind diese- wie können, wie sollen sie Gott gefallen? Bethet in Wahrheit. Nehmet also auch niemal solche Gebethe zur Hand, die euch nichts ans gehen, die sich für Zeit und Umstände nicht schicken. 3. B. im Winter sprechet nicht das Gebeth, das für den Sommer gemacht ist, u. f. w. Wenn in einem Gebethe etwas vors kömmt, das sich für euch nicht schicket, 12 Vorrede. das bey euch nicht wahr ist, so laffet dieses aus, und bringt statt dessen eure Sache hinein: Bethet in Wahrbeit! Und wenn ihr nun einmal so recht im Geiste und in Wahrheit zu bethen gelernt habt, wenn ihr euch befleißt, jedesmal mit Verstand und Herz zu bethen; dann werdet ihr erst erfahren, was für großen Nutzen euch das Ges beth verschaffe. Es wird euch zuin Uns terrichte, zur Erbauung und zum Tros ste dienen. Durch jedes gute Gebeth werdet ihr merken, daß ihr weiser und beffer, verständiger, tugendhafter u.zus friedener werdet. Jmer mehr Abneiz gung von der Sünde, u. tmer größere Liebe zur Tugend wird euch das Ges beth verschaffen. Ihr werdet es am Ende recht lieb gewinnen, und mit Freude bethen, da thr bisher vielleicht keine gar große Freunde davon gewes sen sind. Dessen versichere ich euch. Aber prüfet und erfahret es selbst, ob ich nicht die Wahrheit fage! Gott, der Herr des Segens und der Guade sey mit uns allen! Amen. Tägliche Andachtsübungen. Morgengebeth auf alle Tage. Bon ganzer Seele preis ich dich, Herr! der du mich so väterlich In dieser Nacht erhalten!- Laß für und für Noch über mir Dein göttlich' Auge walten! lind Es fegne mich der Vater+, der Sohn+ und der heilige Geist+! Ihm sen Ehre, Lob und Anbethung in Ewigkeit! Herr Gott! nun mache ich wieder, und weiß, daß ich lebe, indem ich wieder an dich denken u. mit dir reden kann. Du haft mich diese Nacht vor dem Tode, vor Krank. - 14 — heit und allem Unglücke bewahrt; hast mich Durch fanfte Ruhe und gefunden Schlaf er. quickt! Dank sey dir! Du hast mir einen neuen Tag, neue Kräf. te zur Arbeit, und Hoffnung zu neuen Freu. den gegeben; ja! Du bist bereit, mir auch heute wieder neue Wohithaten angedeihen zu lassen, und neuen Muth zur Frömmig, keit und Tugend einzuflösen. Dank sey dir, unendlicher Dank! Da du aber ein so guter Gott und Vater bist; so muß ich mich wohl auch als ein recht gutes, dir gefälliges Kind bezeugen, und thun, was du verlangst. Dies ist meine Paicht! Nun, du willst aber, daß ich diesen Tag heilig und nüglich zubringe: daß ich mich des Bösen enthalte, und Gutes thue, so viel ich kann; und fieh, mein Gott! ich bin bereit dazu! Ja! ich verspreche es dir von ganzem Herzen: Ich will nicht fündigen; Nichts will ich bege. hen, was ich für unrecht, und dir mißfäl. lig ansehe; besonders will ich mich vor dies sem Fehler N., den ich schon öfters began. gen, und der so abscheulich ist, sorgfältig 15. hüten. Jede böfe Gesellschaft, jede Geles. genheit und Gefahr zu fündigen will ich meiden! Ich will über Herz und Sinne was chen, daß ich ja nichts Böses oder Unanstån diges denken, reden, begehen oder verlangen möge! Kein Verführer und keine Berführe rin foll mich zum Falle bringen! Hingegen will ich alle meine Standese und Amtspflichten redlich erfüllen; mit Ehrfurcht und Andacht will ich bes then, wenn es Zeit zum Gebethe ist; mit Eifer und Munterkeit will ich arbeiten, mit Freude und Liebe will ich meinem Näch. sten dienen und helfen, wo ich immer dienen u.belfen kan; den dieß ist dein heiliger Wille. Auch für meinen Beib, für mein Leben und Gesundheit, für meine Ehre und guten Namen, wie für mein Vermögen will ich Sor. ge tragen; denn auch diese zeitlichen Güter find deine Gaben, o Gott! die ich zum Gus ten brauchen, aber nicht vernachläßigen, nicht verderben darf. Alles dieses soll man unter deinem Beystand, in deinem Namen, und zu deiner Ch. re, aus Gehorsam und Liebe gegen Dich, Allgütiger, u. gegen dein heiliges Gr. 16 e fes geschehen! O! daß ich diese gute Meta nung und diese heiligen Vorfäße den gan. zen Tag hindurch immer vor Augen haben, und sie recht treulich erfüllen möchte! Aber wie schwach bin ich, und wie bald vers geffe ich das Gute, daß ich mir vorgenomen! Hilf mir also, o Bater! und steh mir mit deiner Gnade bey, ich will thun, was ich kann, vorsäglich und muthwillig werde ich dich gewiß nicht beleidigen; kom. me ich aber in Versuchung und Gefahr zu fündigen, so verlaß mich nicht; sondern gieb, daß ich standhaft im Guten bleibe und überwinde. Versich mich endlich, o Gott! auch heuz te wieder mit allem, was zum Unterhalte zur Nahrung, und zum Wohlbefinden der Seele und des Leibs gehört! Laß mich recht viel Gutes sehen, hören und ausüben, das mit ich immer weiser und besser werde! Gteb meinem Leibe Speis und Trank, Kleidung und Wohnung; Laß mir meine Arbeiten wohl gerathen! fegne meine Unternehmuna gen, und wende ja alles Unglück, Elend und Jammer von mir und den Meinigen ab! damit mir insgesammt einen guten und zus friedenen Tag erleben. Sollte 14 Sollte mich aber nach deinem heiligsten Willen heute noch ein Unglück treffen: foll. te ich in Ungemache, und Widerwärtigkei. ten gerarhen: o fo gieb mir, bester Vater! gieb mir Kraft und Muth, daß ich das Uebel, welches ich nicht verhindern noch abwenden kan, mit Gelassenheit übernehme, u. es nach Jefu Beysptele( anstatt des unsinnigen Zor nes, anstatt des Fluchens undScheltens) mit Geduld ertrage! Denn auch das Uebel komt ja von dir! Laß mich's also willig annehment von deiner Hand! Laß mich aus der Noth eine Tugend machen, aus dem Uebel Gutes herausziehen, und in der Mitte der Leiden, Kronen der Freude und des Verdienßles für Den Himmel fammeln. Um diefes alles bitte ich dich, o Gott! die fes alles hoffe ich von dir, und in dieser Hoff nung fange ich getroft mein Tagwerk ant. Im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes. Seligste Jungfrau Maria! Heiliger Schußengel! und du mein heiliger Namens. patron! bittet für mich und alle meine An. gehörigen, ben dem lieben Gott, daß er uns alle fegnen, stärken, und leiten möge zu als Naks gr. Gebethb. 33 20 18 lem Guten. Durch Jesum Christum, feis nen Sohn unsern Herrn! Amen. Vater unfer 2c. Gebeth wann der englische Gruß geläutet werd. *) Was jeder Christ beyEinrichtung dieses schönen Gebethes denken sollte, und leider! so selten denkt, das ist hier ausgesetzt, damit ihn doch die Worte, die es liest und spricht, daran erinnern mögen. Mit herzlichem Danke erinnere ich mich jest deiner Menschwerdung, mein Gott! und Heiland, Jesus Christus! Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfieng von dem heiligen Geist." Gegrüßet seyst du, Maria u. f. w. Und wie demüthig, wie gehorfam war hieben die feligste Jungfrau? Steh," sprach sie zum Engel mit gånzlicher Erges bung in den Willen Gottes:, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte!" Gegri ßet u. f. 1, 19Endlich kam die Zeit, da dich, o göttli cher Erlöser! Maria, als Gott und Mensch zur Welt gebahr. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet."( Das ist: der Sohn Gottes hat die menschliche Natur angenommen, und hat wie unser Bruder und Freund mit uns gelebt.) Gegrüßet u. f. w. Spee *) Abends bethet man ein Vater unser und enga lischen Gruß dazu, für die armen Seelen, und sagt: Herr, gieb ihnen die ewige Ruhe, und das ewige licht leuchte ihnen! laß fie zu deiner Anschauung gelangen! Herr! laß sie ruhen im Frieden! Amen. Gebeth vor der Arbeit. Der Mensch wird zur Arbeit gebohren, wie der Vogel zum Fluge. Hiob 5. Kap. 7. V. Der Müffigang ist aller Lafter Anfang; ist Gelegenheit zu allem Böfen; und wer demselben nachhängt, verdirbt gewiß an Leib und Seele. Du hast also dem Menschen die Arbeit ge. 32 bothen, o Gott! im Schweiße feines Anges fichtes soll er, wie Adam, fein Brod ge. winnen; und wer nicht arbeitet, soll auch nicht effen," iagt Paulus. Dant sey dir also, o Gott! daß ich arbei ten kann, und maq. Sich! mit Freude gehe ich an mein Geschäft; du haft mir Ges schicklichkeit und Kräfte gegebe; ich will fie anwenden nach deinem Willen, zu deiner Ehre zu meinem und anderer Menschen Wohl! Segne mich, o Bater! fegne met. ne Arbeit, bewahre mich vor Unglick, und gieb mir Geduld, wenn es nicht vor sich gehen will, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Nach der Arbeit. Gott Lob! die Arbeit ist gethan! Wie gut! wie gut bin ich daran! Wie wird mir Kost und Ruhe schmecken, Da mir mein Herz kann froh entdecken, Daß ich die Arbeit wohl gethan; Bie gut! wie gut bin ich daran! Vor dem Tische. Ullenthalben sey dieß eure Hauptregel: Jbr möget essen, oder trinken, oder thun, was ihr wollt, thut alles zur Eyre Gottes! Paulus 1. Kor. 10. Kap. 31. 3. - 21 Himmlischer Vater! zu dir hebe ich meine Hände und mein Herz empor; von dir er. warte ich Speis und Trank, und du giebst fie mir! Segne nun diese Lebensmittel, daß sie mir gedeihen! Ich will sie nicht zur Wohl. lust, sondern zur Nothdurft! må ßig und mit Danke, nach deinem Willen, und zu deiner Ehre genießen, damit ich leben, arbeiten, und dir mit neuen Kräften dienen kann. Auch den Armen will ich von meinem Tische mittheilen, wie du es verlangst, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Vater unser Nach dem Tische. Ein Denkmal seiner Bunder hat er eingesetzt, der all. mächtige, der gutthätige Herr, denen, die ihn fürch ten, hat er Speise gegeben. Ps. 110. V. 4. u. 5. Jo danke dir, himmliſcher Vater! für deine gute Gaben, für Sperse und Trank, die du mir gegeben haft! Ich habe nun neue Kräf te, und neues Leben. G: eb, daß ich sie gut verwende, und nun wieder mit Freude zu meinen Geschäften, an meine Arbeit gebe: - 22 - Vergilt auch, o Gott! allen meinen Freunden und Bohlthätern das Gute, wel. ches ich von ihnen emptange, durch deinen Segen und Gnade! Amen. Vater unfer 2C. Stundgebeth, wann die Uhr schlägt: Die Stunde schlägt! O! wie viel Zeit hab' ich verlohren! Seit dem ich bin zur Welt gebohren! - Die Stundeschlägt! wende sie doch nützlich an! Weil sie die letzte werden kann. 9 - Abendgebeth. Die Nacht ist da, ich will mich schlafen legen, Dank dir, o Gott! für allen Tages Segen! Die Nacht ist da! ach! Bater segne mich! Und sicher schließt mein mattes Auge sich. Großer Gott! du warst heute, als ich er. wachte, mein erster Gedanke, und mein erstes Gebeth zu dir war Dank; auch iegt am Abende, ehe ich schlafen gehe, denke tch an dich, und danke dir! Ja! von Her zen danke ich für alles Gute, das du mic heute erwiesen hast. 23- O! wie groß ist nicht deine Liebe, und wie unzählbar sind deine Wohlthaten ge. gen mich! Viele tausend Menschen haben beute ge. wiß einen üblen Tag gehabt, haben Hun. ger, Durst, Krankheit, Schmerzen und Elend gelitten! viel tausend sind gestorben, und verdorben, ich aber lebe noch, und bin gefund, und kann über kein Unglück, über kein lebel klagen, als das ich mir vielleicht selbst gethan, oder durch meinen Leichtsinn, Muthwillen und Bosheit mir zugezogen habe. Du bewahrtest mich vor Unglück. Ja! du gabst mir, o Gott! auch heute wieder Speise und Trank, und liefest sie mir zur Gesundheit gedeihen; du unterstüteft mich bey meinen Arbeiten, bey meinen Ge schaften und Sorgen; und so find's noch tausend Gutthaten, die ich von dir empfieng, die ich nicht einmal weiß, und in Ewigkeit nicht vergelten kann.. Ich danke dir also noch einmal, o guter Gott! für alles Gute, das du mir gethan. Aber! hab' ichs wohl auch verdient, daß Gott so gutig gegen mich gewefen? Den heu. tigen Tag, hab ich ihn heilig, und nů s. Iich zugebracht? bin ich weifer und bess fer( gescheider und tuaendhafter) geworden? Habe ich die Vorfäße treulich gehalten, die ich beym Morgengeberbe ges madt? Bin ich nicht wieder in meine alten Fehler gefallen? Macht mir mein Gewissen keine Vorwüre fe, daß ich meine Standes und Amts. pflichten verabfäumer oder schlecht erfül. let habe? Daß ich etwas Unrechtes und fündhaftes gedacht, geredet oder ge. than habe? Begieng ich nicht wieder meis ne Gewohnheitsfünde? meinen Liebe lingsfehler? Beleidigte ich keinen Men, schen? Gab ich nicht Aergerniß? Brach ich nicht in heftigen Zorn, in Fluch, und Schelt. worte aus? Könnte ich jeden Menschen, auch der Obrigkeit, alle meine Gedanken, meine Worte und Werke entdecken ohne schamroth zu werden. Ach! wenn ich dieses könnte! welcher Troft! welche Freude für mich! Aber leider! wenn ich mein Gewissen recht erforsche. fo muß ich mit Scham und Schrecken vor dir, o Gott! bekennen, daß ich auch heute wie. - 25- der recht schwach, und nachläßig gewesen bin. Biel Bifes habe ich begangen, we. nig Gutes gethan; und auch dies weni. ge vielleicht nicht gut genug! Dieß ist meine Tagesrechnung! Barmherziger Gott! fey gnädig mir ar. men Sinder! Verzeih mir alle meine Fehl fritte! mit reumüthigem Herzen bitte ich um Gnade. Auch ich verzeihe, wenn mir Je. mand ein geid zugefüget. Und wem ich uns recht gethan, wen ich beleidiget babe! dem will ich den Schaden erfeßen, will abbitten. und Genige leisten, Benern, rechtschaffen bessern will ich mich, und gleic) morgen foll es geschehen! Berzeihe also, o Vater, dei nem reumüthigen Kinde! ich hoffe auf dich, und in diefer Hoffnung laß mich nich zu Schanden werden! Ich gehe schlafen! deinem mächtigen Schuse, o Gott, empfehle ich also meinen Leib und Seele; auch alle meine Angehöri. gen, Freunde und Feinde, alle Menschen ente pfehle ich dir, beshige uns alle! befchüße besonders dieses Haus, und diefe Gemeinde por allem Unglücke und Schrecken! Wen ich dann morgen erwache, so follst 26 du wieder mein erster Gedanke feyn! Viels leicht erlebe ich aber den morgigen Tag nicht mehr! vielleicht sterbe ich in dieser Nacht! Ad)! bitter wäre zwar dieser Kelch des Todes! Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe, o Herr! dir lebe, dir sterbe ich, und dein will ich seyn, tode und lebendig. Amen. Auch eurem Schuse empfehle ich mich, feligste Jungfran Maria! heiliger Schußengel, und Namenspatron! Wachet über mich! und bittet für mich, damit ich in dieser Nacht nichts Böses thue, und nichts Böses zu leiden habe. Durch Jesum Christum unfern Herrn. Amen. Bater unser zc. Unt- Bibl. Ciessen - 27 S. II. Wöchentliche Andachtsübungen. Morgengebeth am Sonntage. Haltet meinen Sabbath! denn er soll euch heilig seyn, und euch und euren Nachkommen zum Ers innerungszeichen dienen, daß ich der Herr bin, der euch heiliget. 2 B. Mos. 31, Kap. 13. u. 14. V. Du weißt es am besten, lieber Vater int Himmel, daß wir Menschen schwach sind, und nicht immer arbeiten können; sondern auch bisweilen der Ruhe nöthig haben, um wieder neue Kräfte zu erhalten. Du hast daher schon beym Anfange der Welt gar weislich und gnädig veranstaltet, daß der siebente Tag in jeder Woche zu dieser Ruhe bestimmet seyn soll. Welch' ein Beweis deiner Güte und Vatersorge! Ich danke dir heute, als an eben diesem Ruhetage, recht herzlich dafür. Aber du hattest, o erbarmender Gott! ben Dieser weisen Veranstaltung auch noch eine Seve 28 andere Absicht, diese nåmliche, daß wir die. fen Tag besonders zu deiner Anbethung und Verehrung, und zum Heile unserer Seelen verwenden sollen, - Wir arme Menschen sind die ganze Wo. che hindurch mit Arbeiten und Geschäften überhauft; sind immer so zerstreut, daß wir nur ſelten an dich, o Gott! und an unfre Seele denken. Gut ist es also, wenn wir am Sonntage Zeit gewinnen, diese Paicht zu erfüllen, um hereinzubringen, was wir im Geistlichen versäumet haben. Nun so sey mir dann gesegnet, heiliger Tag! Tag des Herrn! Du bist besonders. ein Tag der Freude und des Trostes für jes den Christen, weil Jesus Christus heute vom Tode erstanden; recht oft will ich heute mut dankbarer Seele an Gott, und Je. fus Christus, meinen Heiland denken; mit Freude will ich sein Wort anhören, und dem ganzen öffentlichen Gottesdienste mit Andacht beywohnen. O! es ist ja eine Freude, wenn man am Sonntage die ganze Gemeinde, Reiche und Arme, Junge und Alte beysammen in der 29- Kirche sieht, wie sie sich um ihren Hirten, wie gute Schafe, fammeln, mit geſpannt. ter Aufmerkſamkein Gottes Wort aus fei nem Munde hören; mit ihm das Opfer der Liebe und Gnade entrichten, für einander bethen, und mit einer Stimme Gott dan. ken und loben. O nein! so einen Gottes. dienst werde ich ohne die wichtigste Ursa. che nie versäumen! Aber auch die übrige Zeit des Tages will ich gut verwenden; bewahre Gott! daß ich den Sonn, und Fepertag durch Uleppigkeit und Wohaust, durch Trunkenheit, Spiel und Tanz, oder ein anders sündhaftes Werk entheilige!- Bewahre Gott! daß ich můßig gehe, oder die edle Zeit damit verderbe, daß ich mich über meinen Nächsten luftig mache, von feinen Fehlern rede, ihn verläumde! u. f w. Nein! auf mich selbst will ich merken, und sehen, wie es in meinem Gewissen, mit meiner Seele steht; auch zu Haufe will ich bethen, lefen, von guten Dingen reden ( z. B. Ueber die Predigt, oder christ liche Lehre.) Meinen Franken Nabhar will ich besuchen, oder den Unwissenden Ua. -30 - terricht geben; denn darum ist Enechtlis che Arbeit verbothen, damit man um so mehr Zeit habe, geistliche zu verrichten, und o! dieß sind ja die schönsten, Gott gefälligsten Werke, wodurch ich den Tag des Herrn heiligen kann. Auch meine Ergögung soll heute keine ans Dere, als eine anständige, erlaubte, und sol. che seyn, die weder mir, noch einem ans dern Menschen Verdruß macht, oder Unehre und Schande bringt. Auch andere, 0 Gott! besonders meine Freunde und Unter. gebene, will ich heute vom Bösen abhals ten, zum Guten antreiben und ermuntern, so viel ich kann. Gieb mir Gnade dazu, ich bitte durch Jesum Christum deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebeth vor dem Gottesdienste. In deinem heiligen Haufe will ich dich anbethen, o Herr! und deinen Namen preisen, wegen deiner Barmherzigkeit und Wahrheit, Pf. 137. V.2. Ich gehe jetzt zu einem wichtigen Ge. schöfte, an einen heiligen Ort, in die Kirs 31- che gehe ich, und da will ich dich, o Gott! in deinem Hause anbethen, dir danken, dir meine Noth klagen, und um manches Gute bitten; auch etwas Heiliges, und Nügliches hoffe ich heute darin zu hören und zu lernen. Ich will also alle andere Gedanken able. gen, und nur an dich, mein Gott! und an das denken, was ich mit dir zu reden habe; nur auf das will ich Acht geben, was zum Gottesdienste gehört, und was der Priester sagt. Auch außerlich will ich recht eingezogen, und fittsam seyn, weder schwägen, noch lachen, oder drücken will ich; denn ich weiß, o Gott! wie sehe dir dieses mißfällt, und denke allezeit, wenn ich in die Kirche gehe, daran, wie unwillig einst Jesus Chris stus diejenigen aus dem Tempel gepeitscbet hat, die das Haus feines Vaters entehret haben; ich will diesen nicht gleich thun; sondern recht andächtig und gottesfürch). tig will ich seyn! Steh mir bey, o Gott! mit deiner Gnade, und stärke meinen Vorfag! Amen. 32- Vor der Predigt und christlichen Lehre. Wer aus Gott ist, höret Gottes Wort. Chris stus bey Joh. 8. Kap. 47. V. mein Gott! wie wenig weiß ich noch von dem, was ich in meinem Alter långst schon wissen könnte und sollte, um recht chriftlich zu leben, und einst selig zu sterben! Du giebt mir aber fest Gelegenheit, meis ne heilige Religion beffer kennen zu lernen und wieder etwas Schönes und Nügliches von dir zu hören. Dank sey dir, o Gott! Mit herzlicher Freude will ich nun zuhören, und alle Worte, die den Priester, mein Lehrer sagt, zu Herzen nehmen. Komm' also, heiliger Geist. Geist der Wahrheit und Liebe! komm! erleuchte mei. nen Versand, und rihre mein Herz mit deiner Gnade, damit ich alles Gute wohl verstehen, und jederzeit darnach leben mö ge. Durch Jefum Christum unsern Herrn. Amen. Nach 33 Nach der Predigt und christlichen Lehre. Betrüget euch nicht selbst, und laßt es beym Hören allein bewenden; richtet nach dieser Lebre auch euer Leben ein: wer die Lehre nur anhört, aber nicht befolgt, ist jenem gleich, der vor dem Spies gel sein natürliches Angesicht beschauet, sobald er sich aber betrachtet hat, weggeht, und vers gißt, wie er aussah. I à k. 1. Kap. 22-24. V. Ich danke dir von Herzen, gütiger Gott, und Vater! daß du mir deine Lehre durch den Mund des Geistlichen haft verkündigen lassen. Nun geh ich erst wieder recht gern in die Predigt und christlichen Lehre, weil ich so viel Schönes, Gutes und Tröftliches darin hören Fann. Und was ich heute vernommen, das will ich sobald nicht wieder vergessen; fontdern oft will ich darüber nachdenken, mit Andern davon reden, und jedesmal, wenn es Gelegenheit giebt, so handeln, wie man mich heute unterrichtet hat. Im Werke will ich zeigen, daß ich ein guter Christ seyn und bleiben wolle. Besonders will ich mir diesen Punkt N.N. wohl merken, weil er mich befonbers angeht. Laß, o Gott! dein heiligstes Wort an Nats gr. Gebethb. € -34 mir nicht verlohren gehen, und an keinem von deinen Kindern, durch Jefum Chrißum, unsern Herrn. Amen. Meßgebethe. Vor der heiligen Messe. Dieß thut zu meinem Andenken. Christus beym Abendmahle. Luk. 22. 19. V. Bereite dich, meine Seele! zum Gebeth,( zur Anhörung der heiligen Mes se) damit es nicht scheine, als ob du Gott, deinen Herrn versuchen wollest! Himmlischer Vater! ewiger Gott! hier liege ich vor dem Altare, und bilde mir ein, als wäre ich wirklich da zugegen, wo Jefus, dein liebßter Sohn, mein Erlöser das heiligste Abendmahl eingefegt, und da, wo er fein großes Opfer am Kreuze für uns ent. richtet hat und gestorben ist. In der heiligen Messe wird das Andenken an beyndes ge. feyert, unblutig wird es erneuert das Opfer am Kreuze: dieß lehret mich der Glaube! Nun so opfere ich dann mit dem Priester! Nimm es an, o Gott! Dieses heiligite Opfer 1 35 zur Ehre, und zur Anbethung deiner höch. Ken Majestät zur Danksagung für all Wohlthaten, die du mir, und allen Mens schen erweisest; zur Genugthuung und Versöhnung für unsere Sünden; auch als Bittopfer nimm es an, o Gott! und verleih mir, meinen Vorgefesten und Un. tergebenen, meinen Wohl. und Ubelthätern, Freunden und Feinden, allen Menschen, Lebendigen und Abgestorbenen, deinen Segen, deine Gnade, und alles Gute! Amen. Zum Eingange der heiligen Messer und beym Kyrie. Mit dem Bekenntnisse der Sünden fängt der Gerechte seine Andacht an; auch ich will das nämliche thun! Anmächtiger. gütiger Gott! ich schäme mich, vor dir zu erscheinen, ich habe gesün. diget, ja! ich bekenne mit dem Prieker, daß ich oft gefündiget habe, in Gedanken, mit Worten und Werken! Mein Herz, mein Gewiffen klagt mich an, daß ich viel Gutes unterlassen, und Böses begangen habe. Aber du bist mein Vater, o Gott! und wie € 2 Dal- Bibl Glessen 36 MO fich ein Vater feiner Kinder erbarmt, so era barmst du dich meiner, wen ich meine Sün. den erkenne, und mich von Herzen zu beffern verlange. Dieß thue ich nun, o Vater vorzeih mir also: es ist mein ganzer Ernst, besser zu wers den; heute, ja! heute noch will ich den Ans fang machen, und meinen Vorfas zu erfül. len suchen. Unterstüge mich mit deiner Gna, de durch Jefum Christum! deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. Beym Glorià. Mit dem Priester will ich den Herrn preisen. Chre fey Gott in der Höhe, und Friede allen guten Menschen auf Erde! Ich lobe Dich, ich preise dich, ich bethe dich an, und fage dir Dank, Herr Gott, allmächtiger Vater! wegen deiner großen Herrlichkeit und Güte. Auch dir, eingebohrner Sohn des Vaters, Jesu Chriftis sey Ehre und Dank! Lamm Gottes, das du hinnimmst die Sün. den der Welt, erbarme Dich meiner! Laß dir mein Gebeth gefallen; du fizest zur Rechten des Baters, erbarme dich meiner! Denn dit allein bist der Heilige, bu allein der Höchste, <-37Jefus Christus, mit dem heiligen Geiste, in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Bey der Oration. D Gott! so sehr hast du die Welt geliebt, daß du deinen eingebohrnen Sohn vom Himmel gesandt, und uns denselben zum Sch. rer der Wahrheit, und zum Muster der Tus gend, ja! auch zum Opfer für unsere Sun. den gegeben haft! O laß doch seine guten Leh ren, fein heiliges Beyspiel, und sem verdienst. polles Leiden und Sterben weder an mir, noch an Einem von uns verlohren gehen; Darum bitte ich dich durch eben diesen Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland. Amen, -- Zur Epistel und Evangelium. F) Jetzt liest der Priester ein Paar Stellen aus der heiligen Schrift, die erste gewöhnlich aus eis nem Briefe der Apostel, die zweyte aus dem Evangelium. Dabey bethe also: Wie glücklich bin ich nicht, o Gott, daß ich vor so viel andern Menschen in jener Relis gion gebohren und erzogen wurde, in wel. 38 — her mir das Wort Gottes, und die heillfas me Lehre Jefu Chrifti, wie sie vorzüglich in den Briefen der Apostel, und in dem heili. gen Evangelium enthalten ist, so oft vorge. tragen, gelehrt, und erkläret wird. Dank sey dir, ewiger Dank für diese große Gna. de! Ach! möchte sie doch allen Menschen, allen Freund Ungläubigen zu Theile wer den! Möchten sie doch durch Gottes, und Chrifti Wort alle Unwissende belehren, allen Zweifelhaften rathen, alle Betrübte trösten, alle Schwache stårken, alle Gefallene wie. der aufrichten, alle Sünder bekehren, und alle Gerechten heiligen laffen! Dieß gieb, D Gott! durch Jefum Chriftum, deinen Sohn! der von sich selbst fagt, daß er das Licht der Welt, der Weg, die Wahrs heit und das Leben sey. Amen. Bey dem Credo. Nun will ich mit dem Priester vor dir, o Gott! das Bekenntniß jenes apostolischen Glaubens erneuz ern, in welchem ich getauft bin, nach dem ich leben, und in dem ich sterben werde. Ich glaube an Gott Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde, u. s. w. ( Langsam und mit Bedacht!) 39- Offertorium. 3um bey der Einschenkung. Ich schicke mich jetzt zu dem heiligsten Opfer an, und spreche mit dem Priefter: oder Heiliger Vater! allmächtiger ewiger Gott! Nimm an mit Wohlgefallen dieses reine Opfer! das wir Unwürdige dir, unferm lebendigen und wahren Gott, für die Mens ge unserer Sünden, Beleidigungen und Nächläskeiten, für alle Anwesende, und überhaupt für alle gläubige Chriken, für Lebendige und Abgestorbene darbringen; gieb, daß es ihnen und uns zum ewigen Leben gedeihe! Amen. Bey der Opferung des Kelche. Wir bringen dir, o Herr! den Kelch des Heils dar, und bitten deine milde Barmher. zigkeit: laß ihn dir, wie kostbaren Weihrouch angenehm, und für das Wohl aller Menschen gefällig seyn! Amen. Beym Orate Fratres 3m Gebethe vom Priester aufgefordert, rufe Ach zu dir, o Gott! und bitte: Nimm die 40 fes Opfer von den Hinden des Priesters zu Deinem Lob' und Ehre, zu unserm Heile, und zur Wohlfahrt der ganzen christlichen Gemeinde in Gnaden an. - Unter der Pråfation und beym Santrus. Zu dir, o Herr! erhebe ich mein Herz. pir sage ich Dak, und wünsche nichts mehr, als daß alle Menschen zu jeder Zeit, und an allen Orten dich, als Vater erkennen, dich von Herzen lieben, die gehorsamen und Danken möchten, durch Jefum Chriftum, unsern Herrn, durch den did alle Engel ans bethen und verherrlichen. O laß' mich meine Stimme mit ihnen vereinigen, und in tiefster Ehrfurcht rufen: Heilia! Heilig! Seilig! ift der Her: Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind von deiner Herrlichkeit voll! Macht und Ehre fen dir in den Höhen! Hodgepriesen fey auch, der da kömmt, als ein Gesandter des Herrn, Macht und Ehre sey Ihm in den Höhen! d 41 Nach dem Sanktus. Nun will ich mich zum großen Wunder der Alls macht und Liebe Gottes, zur Ankunft des Herrn auf dem Altare bereiten. O göttlicher Heiland! dessen Gegenwart ich jetzt auf dem Altare erwarte, wirf, ach! wirf einen Gnadenblick auf mich, und auf alle Jene herab, für die ich zu bethen mir vors genommen habe, und es schuldig bin. Stärke uns alle im Glauben an dich, vermeh. re ben allen die Hoffnung, das Vertrauen auf dich, und entflamme alle Herzen mit wahrer Liebe gegen dich und gegen alle Men. schen, welche insgesammt unsere Brüder und Schwestern find, die du uns, wie uns felbst, zu lieben befohlen hast. O! dieses Geboth der Liebe, möchte es doch nie über. treten, möchte es aller Orten aufs beste erfüllet werden! Amen. Bey der Wandlung und Aufhebung der heiligen Hoftie. Dies ist dein Leib! O Jesu! mein Herr mad mein Gott! Du bist zugegen! Dich beche ich an, dir lebe ich, dir ferbe ich, dein bin ich todt und lebendig! Amen. 42 Bey Aufhehung des Kelche. Dieß ist das Blut des neuen Buns des, das für uns und viele vom Kreus ze floß. O Jesu! wasche und reinige mich mit deinem Blute, durch dein Leiden und Sterben erbarme, und befreye mich von meinen Sinden! Du fey Ehre, Lob und Anbethung von nun an, bis in Ewigs Feit! Amen. Nach der Wandlun g. Danksagung und Empfehlungsgebeth. Was kann ich nun anders thun, o gött. licher Heiland, als danken, daß du dich ges würdiget haft, zu uns zu kommen. Dank fen dir als Frohlocken über deine fegens. volle Gegenwart. Freue dich mein Herz und meine Seele, mache groß den Herrn! und bitten, daß du immer bey uns verbleiben, und jederzeit unfer Beschüger, unser Helfer und Tröster seyn wollest Darum bitte ich dich, verlaß uns nicht! Nem! keine Sünde soll uns jemal von deiner Liebe trennen! gieb vielmehr, o Jefu! daß wir immer deine Freunde und Lieblinge bleiben, wahre Christen, Kinder eines - 43 reinen Herzens und guter Sitten, die dir gefallen. Amen. Beym Memento. oder Andenken an die Verstorbenen. Auch unsere abgestorbenen Bräder und Schwestern sind deine Erlösten, o Herr! und wir denken an sie in unserm Gebethe, besonders an jene, die einst unfere Bekann. ten und Verwandten, unsere Freunde und Wohlthäter waren; erbarme dich ihrer! reis nige sie von Fehlern, die sie beem Eintritte in die Ewigkeit noch nicht abgebüßt haben; vollende thre Tugend und Glückseligkeit nach Deiner weisen Güte, und führe uns endlich alle nach überstandener Prüfungszeit in die Wohnung der Auserwählten, in den Him. mel ein, durch Jefum Chriftum unfern Herrn! Amen. Beym Paternoster. Das Gebeth des Herrn. O! daß ich jetzt mit dem Priester das Gebeth des Herrn, welches Jesus feine Jün. ger lehrte, ganz in seinem Sinne, und mit seinem Herzen nachsprechen möchte! 44- Vater aller Menschen! der du im Himmel bist über alles Jrdische erhaben! Geheiliget werde dein Name! Mich ten deine Vollkommenheiten überall erkant, und mit Ehrfurcht gepriesen werden! Möch te dein Reich, das durch Jefum Chriftum gegründete Reich der Wahrheit, der Tugend und Glückseligkeit je länger je mehr verbreitet, und uns allen zu Theil werden! Zukomme uns dein Reich! Dein heiligster Wille werde von deinen Kine dern auf Erde, wie von jenen im Himmel vollzogen! Dein Wille geschehe! Gieb uns heute unser tägliches Brod! Du weißt, daß wir der Nahrung für Leib und Seele bedürftig sind; ertheile fie uns also! und vergieb uns unsere Schul den! Jede Uebertretung oder Unterlaffung unserer Pflichten vergieb uns, Vater! wie auch wir vergeben unfern Schul. Digern, denen, die ungerecht und lieblos gegen uns verfahren. Laß uns nicht in Un glück, in Versuchung zur Sünde gerathen; sondern schüge, und rette uns von allem Uebel. Amen. - 45- Beym Agnus Dei. Die Zeit der Vollbringung des Opfers ist da: ich spreche also, wie der Priester, mit Herz und Munde: O du Lamm Gottes! welches du hinnimist die Sünden der Welt, erbarme dich unser! O du Lamm Gottes! u. f. m. wie oben. O du Lamm Gottes! 2c. 2c. schenke uns den Frieden! Nach dem Agnus Dei. Nun will ich meine Unwürdigkeit vor dem Herrn bekennen, und ihn geistlicher Weise in mein Herz empfangen. O mein Gott und Heiland! möchte ich nun so rein von Sünden, so gut gefinnt, und heilig fenn, daß ich dich mit dem Priester empfangen dürfte! Aber ach! ich bin nicht würdig, o Herr! daß du in mein Herz eingehst, sondern sprich nur ein Wort, so ist meine Seele gefund! Ich bin nicht würdig, o Herr! daß du 2c. brenmal wie oben. Wenn der Priester den Leib und das Blut Chrifti genießt. Der Leib unsers Herrn Jefu Chrifti be. wahre meine Seele zum ewigenleben! Amen. -46Das Blut unsers Herrn Jefu Chrifti bewahre meine Seele zum ewigen Lebens Amen. - *) Die bier noch übrige Zeit kann man seiner eis genen stillen Andacht, z. B. einer Unterredung mit Christo,- - der Erweckung des Glaubens, der Hoffnung und Liebe widmen u. d. gl. Nach der Kommunion. Die heilige Speise, die ich so eben im Geife empfangen habe, laß mich, o Herr! in meiner Seele bewahren! Verleih' gnådig. lich, daß mir und allen, für die ich bethe, diese himmlische Gottesgabe zum ewigen Heil gedeihe! Stärke, o Gott! mein Herz zur Tugend, und zu allem Guten; laß es auch nie wieder mit einer Günde beflecket werden, nachdem ich so großen Geheimnissen beygewohnet, und ihrer theilhaftig geworden bin, durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen. Bey der Oration nach dem Domte nus vobiscum Auch ich will jetzt mit dem Priester dem Herrn für das Opfer danken, und um die gesegneten Früchte desselben in Demuth bitten. Dank sey dir, gütigfter Vater! für die Gnade, daß ich vor tausend andern diesem - 47- heilighen Opfer deines Sohnes habe beys wohnen können; o möchte es mir doch recht niglich werden! möchte ich gleichwohl fröma mer und gottesfürchtiger, fanftmüthiger und geduldiger, menschenfreundlicher und wohl. thätiger, keuscher und eingezogener, mit ei nem Worte, möchte ich besser von dieser hei. ligen Handlung hinweggehen, als ich daher gekommen bin! Um diese Gnade bitte ich dich, durch Jesum Chriftum unfern Herrn und Heiland. Amen. Erbarme dich aber auch, o Gott! alles übrigen Volkes; wende ab von uns die vers dienten Strafen; vor allem Unheile und Elen. de bewahre uns; segne die Vorseher und Regenten, daß sie weife befehlen! segne ih. te Untergebenen, daß sie willig aus Pflicht u. Liebe gehorsamen; verleih' uns attenGnas de, daß wir unfern Beruf erfüllen, einander er. bauen, u. dir in allem gefallen mögen! Amen Beym Segen. Es fegne uns der almächtige, gftige Gott Vater+, Sohn t, und heilige t Geist. Amen. Beschluß. Heilige Dreyfaltiken! las dir diefen - 48 — chriftlicher Gottesdienst gefällig fenn! nimm das Opfer, das ich Unwürdiger mit dent Priester vor die Augen deiner Majestät ge. bracht habe, in Gnaden auf, und gieb, daß es mir, fammt allen, für die ich es opfere, durch deine Barmherzigkeit zur Versöhnung, zum Heile, und zur ewigen Seligkeit ges reichen möge. Amen. ur 3 cit der Befperandacht. Herr! mein Gebeth steige binauf vor dein Angesicht wie Rauchwerk, die Erhebung meiner Hände sey vor dir, wie ein Abendopfer. Pf. 140. 2. V. Mein Gott! hilf mir bethen; hilf mir deis nen heiligen Namen loben und preisen; Ehre sen dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geist; Wie sie war im Anfange, ist, und in Ewigkeit. Amen. Christ. -49-> Christliche Psalmen I. Pfalm. Von Gott dem Schöpfer. Preise, meine Seele deinen Schöpfer, denn alle seine Werke, die er gemacht bat, find gut, groß und wundervoll. 2 Den Himmel und die E de, und alles, was sie enthalten, hat er gemacht, durch sein Wort hat er sie aus Nichts erschaf fen; alles kindet seine Allmacht, Weiss heit und Gite an. 3) Den Menschen schuf er nach seinem Ebens bilde edel und gut; gab ihm eine unsterb. liche Seele, die ihn erkennen, lieben, und durch Gehorfam gegen sein Gefeß ewig glückselig werden sollte. 4) Aue Thiere, welche auf der Erde, in des Luft, und in dem Wasser leben. hat er ge. macht; und giebt ihnen alles reichlich, das mit fie leben, und fich erhalten können. 5) Die Lilien in den Garten, und die Blumen auf dem Felde, wer kleidet fie so schön und so prächtig? Du, o Gott! läsfest fie wachs Rafs gr. Gebethbuch 50fen, du giebst ihnen ihre schönen Blätter und Farben, sammt dem süßen Wohlgeruche. 6) Und wo kömt jene große, herrliche Sonne her, die alle morgen aufgebt über Gute und Bose, und alles erleuchtet und erwår. met? Deine Almacht, guter Gott! hat fie angefindet. 7) Auch den lieblichen Mond, und die une zähligen Sterne läßt der Herr des Nachts über uns erscheinen, daß wir ihn erken. nen, und uns über seine Weisheit und Liebe erfreuen mögen. 8) Unsere Felder, Uecker und Wiesen begießt der Herr mit Thau und Regen zu rechter Zeit, dadurch werden sie fruchtbar, und bringen Nahrung, Speise und Uebers fluß für Menschen und Biebe hervor. 9) Wer kann alle diese Werke sehen und bewundern, ohne an dich, o Herr! thren Shöpfer und Erhalter zu denken, und dich anzubethen? 10.) Wahrhaftig! deine Macht und Weis heit hat keine Ganzen, und deine Güte ist unendlich, wie du. 11) Preise dann, meine Seele, den Schoe -51pfer; denn alles, was er gemacht hat, ist gut, groß, und wundervoll! Ehre sen dem Vater, dem Sohne, Ebre fen und dem heiligen Geiste! Wie er war im Anfange, jest, und in Ewigkeit. Amen. exc 11. Pfalm. Von Gott dem Erlöser. I) 1) So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eigenen Sohn zu uns ge schickt, damit alle, die ihn erkennen, ant ihn glauben, und ihm folgen: durch ihn felig werden. 2) Viel hat Gottes Sohn. Jesus Chrißus für uns gethan! viel hat er gelitten, um zu suchen, und selig zu machen, was verlohren war. 3) Als Kind kam er arm zur Welt, aber fromm und gut war er schon als Kind; gehorsam, und unterthänig den Aeltern. 4) Ais Knabe fand man ihn im Tempel, in seines Vaters Haufe, bey Lehrern vers weilte er. Er nahm auch zu vor Gott und Menschen an Weisheit, wie an Jahren. 52 5) Ms Mann fieng er das Wert der Erld. fung an; die Sünde foll vertilat, Tugend eingeführt, und der gefallene Mensch wie. der aufgrichtet, mit Gott verföhnet, ers löst, Gottes Freund, Gottes Kind, und des Himmeis Erbe werden. 6) Darum predigte Gottes Sohn im ganzen Lande, that Wunder überall, und lehrte durch Wort und That, was wir Menschen thun, und was wir unterlassen sollen, wenn wir felig werden wollen. 7) Voll Sanftmuth, voll Liebe und Ge. duld war er! Nie hat er einem Mens schen Leids gethan; Gutes erwies er als len, auch denen, die ihm Uebels thaten und ihn verfolgten. 8) Denn anher, der Beste ward verfolgt; als miffethäter klagt ihn der Neid, dee Hochmuth und das Laster an. Ein Jün. ger wird sein Verräther. Man verurs theilet, man verdammet ihn zum Kreu, zes Tode. 9) Ja! getödtet wurdeft du, o Gottes Sohn! o Menfhenfreund! damit wir leben könn ten. Der Unschuldige starb für Sünder 53am Kreuze, und bethete fogar für feine Mörder sterbend noch, daß ihnen der Va. ter verzeihen möchte, wie er verzich. O welche Tugend! welche Liebe! 10) Tedt war er ins Grab gelegt; doch er blieb nicht todt; am dritten Tage stund er wieder zum Leben auf, zeigte sich den Jün. gern oft, und fuhr zum Himmel, da es alle fahen. 1) Zur Rechten des Vaters im Himmel, reiche fist er nun der Erlöfer, und ſorgt für uns; auch für mich forget er, und will mich ben sich im Himmel haben. 12) Ich danke dir, o Jesu! für deine Liebe, für deine Lehren und Beyfpiele, für deinen Tod und Leiden dank' ich dir. 13) Sch bethe dich, als Gott und Herrn an; du hast mich bis in den Tod geliebt, auch ich, o Heiland! liebe dich, und will dich immer beffer lieben. 14) Ich weiß es auch, wie du verlangst, daß ich meine Liebe zeige; gehorfamen foll ich Dir, nachfolgen auf dem Tugendwege, dieß will ich thun! 54- # 5) Lernen will ich dein Gefes; hinsehen witt ich stets auf dem Beyspiel. Wie du ge than, was du geredt, und wie du gelit ten hast, das wiu ich überdenken 16) Und so, mein Lehrer! und mein Führer! will ich auch zu thun, zu reden, und zu benken mich befleißen. So leiden, und so sterben will ich auch. Gieb Gnade mir, mein Heiland, und mein Gott! Ehre sey dem Vater, u. f. w. wie oben. III. Pfalm. Von Gott dem Heiligmacher. I) Nicht genug! daß Gott den Menſchen schuf, daß Jesus ihn erlöste; ganz rein, und gut gemacht, geheiligt mußte er noch werden. 2) Dies thut der heil'ge Geift, des Vaters und des Sohnes Geikt, den Jesus seinen gingern so oftmal hat versprochen. 3). Der über sie am Pfingstage sichtbar ist gekommen, und sie gelehrt, gestärkt und getröstet hat. 4) Den die Apostel dem ersten Christenvolke -55- fo oftmal bethend mitgetheit, and deg and wir empfangen haben. 5) Ja! in der heiligen Taufe bin ich geheiligt worden durch Cottes Geist. Er heiligt immer noch, durch ihn kömmt Licht und Gnade, kommt Frost und Freude in un. ser Herz. 6) Dank sey dir dann, o Gottes Geißt! für. alles Gute, das du den Mensch en thust! Ach möchte ich doch ganz von dir erfül. let werden! 7) Geist der Wahrheit! lehre mich Betrug und eigen haffen, und Falfaheit mehr scheuen, als Tod und Grab! 8) Geist der Liebe! erfülle mein Herz mit Kinderfinn, damit ich Gott, als Vater, zärtlich liebe, und jeden Menschen liebe wie mich selbst; Haß und Feindschaft ver. bann aus mir! 9) Geißt der Sanftmuth und Geduld! Ichre mich geduldig leiden, und ergeben in Gottes Willen seyn, wenn mich Unglück trifft; und wann ich traurig bin, so triste mich, du Geift des Trostes! 10) Geist der Wissenschaft unterrichte mich, und las mich unterrichtet werden in allem, -56was gut und heilig, und mir zu wissen nöthig ist! 11) Geist des Rathes und der Stärke! er. leuchte mich, daß ich im Zweifel erkenne, was gut, was dir gefällig fen; und gieb mir dann auch Muth, gieb Kraft, daß ich s erfülle! 12) Geist der Fromm akeit, und Gottes. furcht! o lehre mich auch diese Tugendgaben damit ich mich vor Sünden scheue, und mich der Andacht lieber wiedme. Lehr bethen mich mit Kinderfinn, und fürchten Gottes Hand, wenn ich der Sünde nas he bin. Ehre sey dem Vater, u. f. w. wie oben. IV. Pfalm. I) Von Gott dem gerechten Richter. Gott der Vater hat ſeinem Sohne Jea fus Christus alle Gewalt gegeben, im Him. met und auf Erde, zum Richter hat er ihr gemacht über Tod und Leben. 2) Dieser wird also einst alle richten, die Sunder und die Gerechten, und jedem wird er nach seinen Werken geben Gutes oder Böses. -57 3) Die Menschen kann man leicht durch Verstellung und Lügen hintergehen; Gott aber läft sich nicht betrugen; er weiß uns sere Gedanken alle; er ficht in's Herz, und alles ist vor ihm entdeckt. 4) Bey ihm ist kem Anfehen der Person; dec König und der Bettler, der Reiche und der Arme, sind gleich vor seinen Augen. 5) Er läßt sich nicht durch den Glanz des Goldes, und nicht durch die Pracht der Häufer und Pallåste blenden; fondern nach Verdienst, nach Rechte und Wahrs heit urtheilet er. 6) Wehe denen, die Unrecht thaten, und es nicht mehr gebeffert haben; in feiner linken Seite werden sie in dem Gerichte Behen, und den Ausspruch bören: Gebet bin, thr Unseligen! Gottes Angesicht sollt thr nimmer seben! eure Höllenstras fe foll ewig seyn. 7) Aber wohl denen, die er sich auf die rechte Seite ruft: Kommet meine Auserwählten meine lieben Kinder kommet! wird er ihnen fagen, achet ein in das Himmelreich, welches für euch bereitet ist von ewigen Zek ten her! 58 8) Wer dann fromm und gut, wer mitleids. voll gewesen, dem Hungrigen wer Speis fe gab, den Durstigen wer trånkte; wee Nackende bekleidet, und Fremden Hers berg angewiesen, den Gefangenen wer be freyet, die Kranken wer befuchet hat, und zum Grabe wer den Todten trug aus rei. ner Liebe, der ist in Gottes Auge der Gnade und der Belobung we th. 9) Ja! dem wird Jesus sagen: Dieß ale les hast du mir gethan! fo komm Dann treuer Knecht! und nimm mein Reich zum Lohne hin. 10) O! möchte ich auch so glücklich seyn, und durch meines Richters Mund zum Lohne berufen werden! Barmherzigkeit ist der Weg dazu! Barmherzig will ich seyn. Ehre sey dem Vater, u. f. w. wie oben. V. Pfalm. Ermunterung zum Lobe Gottes. 1) Lobpreifet den Herrn alle feine Geschö. pfe im Himmel und auf Erde! groß ist er, und gütig gegen alle. 2) Lobet ihn alle Engel, unb Heiligen an 59 feinem Throne! lobet ihn alle Menschen * auf Erde! 3) Lobe ihn, du schöne Sonne! und du heblicher Mord! Lobet ihn alle Sterne am Firmamente! 4) Lotet thn thr Vögel in der Luft durch euren Gefang! Lobet thn the Fifae im Wasser! 5) Lobet thn ihr Berge und Hügel! Lobet ihn ihr fruchtbaren Felder, Wiesen und Baume! 6) 3hr Könige und Fürsten der Erde, ihr Herren und Knechte lobet den Herrn! Jünglinge und Jungfrauen preiset seinen heiligen Namen: 7) Lobet ihn ihr unschuldigen Kinder! ihr Lieblinge des Herrn lobet den Herrn! 8) Der Name des Herrn sey gepriesen, von nun an, bis in Ewigkeit! 9) Und du, meine Seele! verkündige das Lob des Herrn, so lange du leben wirst! alle deine Empfindungen feyn Preis, Anbe. thung, Dank und Freude zu ihm! Ehre sey dem Vater, u. f. w. wie oben. - 60 Denkspruch. Liebe Gott deinen Herrn aus ganzer Seele, aus ganzem Ge. müthe, aus allen Käften, und deinen Nächsten, wie dich selbst!" Hymnus. Dich ich, guter Gott! von Herzen lieben, an Ift Pflicht für mich, und Seligkeit; Denn auch dein Geist ist voll von Trieden Der Lieb' zu mir von Ewigkeit! Im gleichen meinen Nächsten lieben Wie mich, ist auch Geboth von dir g Und Niemand unrecht zu betrüben Befiehlst du uns, und lohnst dafür, Ach Gott! erweich mein Herz zu Tbránen Wenn es den Bruder weinen fiebt; Und mische Freude in die Thränen, Wenn Freud' auf seinen Wangen glüht! Gott Vater, Sohn, und heil'gen Geiste, Sev Ehre, Lob, und Herrlichkeit! Der Himmel, und die Erde leiste Ihm diesen Dienst in Ewigkeit! - 61- - Das Magnificat oder der Lobgesang Marid. Nun will ich auch noch mit Maria, der Mutter des Herrn, Gottes Allmacht und Güte preisen. 1) Meine Seele preifet den Herrn! 2) Und mein Herz ist voll Freude in Gott meinem Helfer.. 3) Hernieder sah er auf feine geringe maad; felig werden mich von jest an alle Ge. schlechter der Menschen preisen; 4) Denn große Dinge that an mir der Machtige; heilig ist fein Name! 5) Seine Barmherzigkeit gegen seine Ver. ehrer geht von einem Geschlechte auf das andere fort. 6) Mächtig wirkt sein Arm: Hochmüthis ne weist er ab. 7) Fürßen stößt er vom Throne, die Ge. ringen erhebt er; 8) Gutes giebt er den Hungringen zu Ge. nige; Reiche schickt er leer fort 9 Ifraels nahm er fich an, feines Knechi tes, eingedenk der Grade, LO) Die er den Vätern versprochen hat; dem Abraham und seinen Kindern ims mer und ewig. Ehre sey dem Vater, u. f. w. wie oben Gebeth. Namichtiger, ewiger Gott! du beffehlst uns, dich aus ganzem Herzen, aus gan zer Seele, aus allen Kräften, und un fern Nächsten, wie uns felbst zu lieben! Entünde also, o Gott! in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe, auf daß wir dieses Geboth auf Erde treulich erfüllen, und dann nach diesem Leben die ewige Seligkeit erlan. gen mögen. Durch Jesum Christum un. fern Herrn. Amen. asd acti Hemit beschließe ich nun, bester Gott! meine Vefperandacht O! daß sie dir ge. fallen, und mit fallen, und mir eben so nüglich werden möch te, als sie lehrreich und frößlich war! Auch den übrigen Refl diefes Tages gieb, daß ich noch vollends recht chriftlich und gut zu dei. ner Ehre, zu meinem Heile, und zur Ets bauung anderer zubringen möge! Amen. 54 and -83Machtgebeth Sonn- und Fevertagen. Im Frieden lege ich mich nieder, und falafe ruhig denn du, o Herr! nur du läsfest mich sicher wohs nen. Psalm 3. 9. u. 10. V. Großer Gott! auch dieser Tag der Ruhe, und der Andacht ist nun vorüber; ich durfte heute nicht arbeiten für den Leib, und dit haft ihn doch mit Speife und Trank, mit Kleidung und Wohnung, mit allem Guten verforat. Dank sey dir, ewiger Dank! Der Mensch lebt aber nicht al, lein vom Brode, sagt Christus Je. fus: auch die Seele des Menschen will Nah. rung haben, und ihre Nahrung ist Gottes Wort, ist Unterricht im Guten, ist Ermunterung zum Guten, ist Gebeth, und al. les, was sie von der Sünde reinigen und tugendhaft machen kann, dies ist Seelen. speise! Auch diese Nahrung, o Gott! haft du mir nicht verfagt: viel, recht viel Gates habe ich heute sehen, hören, und ausüben können. Es fehlt mir weder an Zeit, noch an Gelegenheit dazu. Dank sey dir also, 64 Bester Bater! Dank für jede aute Lehre, die ich gehört, für jeden guten Gedanken, den ich gehabt, und für jedes gute Werk, das ich mit deiner Grade aethan habe. Ach! könnte ich dir danken genug! Aber wie; mein Gott! war ich auch so fleißig, und aufmerksam in der Predigt, und christlichen Lehre, wie ich hätte feyn sollen? Weiß ich noch etwas davon? Bar ich an, dächtig, eingezogen, fittfam genug in der Kirche? Habe ich nicht unnöthig geschwäßt, gelacht, und andere im Gebethe gehindert? Mein eigen Gebeth und meine Gottesverch. rung habe ich recht und gut verrichtet? Habe ich mich zu Hause ehrbar und chrift. lich betragen? Habe ich mich nüglich beschäf tigt? Etwas Gutes gelesen? Von Gutem ge. sprochen? Jst mein Umgang mit andern, find meine Ergögungen anständig und erlaubt gewefen? Habe ich nichts fündhaftes ge. redt? gethan? oder zugelassen? O liebster Gott! wenn ich so nachdenke, wie unzufrieden bin ich mit mir selbst! Ach! auch diesen heiligen Tag habe ich so unheilig zuge -65 sugebracht! Viel Böses habe ich gethan; viel Gutes unterlassen, oder dasselbe nur zum Scheine, nur obenhin, und schlecht verrich. tet!- Bester Vater! ich schäme mich, und bereue meine begangenen Fehler von ganzem Herzen. Erbarme dich meiner, und vers zeihe mir! Ich will mich künftig gewiß beffern, und wenn wieder ein Sonn- oder Feyertag kömmt, denselben heiliger zubringen, als es heute geschehen ist. Hilf mir mit deiner Gnade! - - Jest aber segne mich, o Gott! indem ich schlafen gehe!- Bewahre mich vor allem Uebel des Leibes und der Seele, damit ich ficher schlafe, und als ein gutes, dir gefälliges Kind wieder aufwachen möge; durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Heiliger Schußengel! ihr, meine heiligen Patronen! und besonders auch du, heilige Maria, Mutter Gottes! bittet für mich armen Sünder jegt und in der Stunde meines Absterbens! Amen. Nate gr. Gebethbuch. -66 - - Gebeth an einem aufgehobenen Fenertage. Was Menschen einsehen, das können Menfchen auch wieder abstellen;- Nur dein Ges both, o Gott! bleibt ewiglich: davon bin ich überzeugt. Der heutige Tag war chemahls auch ein Feyertag, und jede knechtliche Ar. beit war daran verbothen. Menschen verordneten es vor Zeiten so. Heut zu Tage haben es meine geistliche und weltliche Obrigkeiten für besser gefunden, die Sache wieder anders zu machen. Durch Feyern gewinnt der Are me nichts, und der Reiche wird auch nicht besser; jemehr er Zeit zum Müßiggange hat, desto mehr fündiget er. Weise und gut hat es also die Obrigkeit mit Armen und Reichen gemeynt, daß sie die Zahl der Feyertas ge vermindert, und die Arbeit erlaubt hat. O! ich will mich also nicht ärgern, wenn ich heute Jemanden arbeiten sehe; ich selbst will mich dazu bequemen;- besonders wenn es meine Vorgefesten verlangen, so will ich ohne Widerrede und mit Freude arbeiten. Arbeiten ist ja nichts Böses; es ist Be. ruf des Menschen, ist Gottesdienst. Ja, - 67-> durch Arbeit wirst du geehrt, o Gott! und nügliche Arbeit muß dir und deinen Heiligen im Himmel gefälliger seyn, als unnüger, schnöder Müßiggang. Ich kann doch das bey in die Kirche gehen, kann selbst unter der Arbeit bethen, fie Gott zu Liebe entrichten, und so diesen Tag heilig zubringen. - Dieß werde ich also thun, und davon soll mich der Tadel unkluger, und falsch, from mer Leute nicht abschrecken; stårke mich, o Gott! in meinem guten Vorhaben! und du, Heiliger N. dessen Gedächtnißtag heute ist, bitt' für mich, durch Jesum Christum, una fern Herrn. Amen. Gebeth am Donnerstage, wenn man durch das Glockenzeichen an die Todess angst Christi erinnert wird. In Todesangst fällt Jesus bethend hin; Ein Engel kömmt, und stärkt, und tröstet ihn.- Wenn ich einst komm' in diese Noth, Dann stärke mich, mein Herr und Gott! Man giebt das Glockenzeichen, o Gott! das an die Todesangst erinnert, die Jesus Christus € 2 -68- -- am Delberge gelitten hat. Wie gut, daß man uns alle Wochen am Donnerstag Abends daran erinnert, damit wir ia nicht vergessen mögen, was an diesem Wochens tage geschehen ist! - - Jesus, der es wußte, daß er vom Judas verrathen war, bethete am Delberge; Traurig war feine Seele bis in Tod; Zur Erde fank er nieder, und wie Bluts; tropfen floß sein Todesschweiß. Er konn, te fast nicht bethen; dreymal sagte er zum Vater: Numm hin, wenns möglich ist, diefen Leidenskelch!- Und sieh! ein Ens gel kam, und stärkte ihn. Nun steht er auf, der Held, und ist entschlossen, zu leiden und zu sterben, weil es Gott sein Vater will. O beßter Heiland! Dank sey dir!- denn auch für mich hast du am Delberge Traue rigkeit und Angst gelitten; auch ich ha be Nusen davon, daß du dich großmüthig zum Leiden und Sterben entschlossen haft: denn ohne dieß wäre ich ja nicht erlöset worden; Dank sey dir! Du gabft mir aber auch das schönste Bey. spiel, wie ich mich im Betrübniffe, im Kreut. ze und Leiden verhalten soll. Du betheteft:- - 69 Auch ich will also bethen, wenn ich zu lei. den habe; obwohl es mir schwer ankommt, und fast unmöglich scheint, daß ich bethen könne, so soll es doch geschehen. Der Va ter crhörte dich: ein Engel kam, und stärkte dich. Auch mich laß in meinen Leiden nicht ohne Helfer und Tröster seyn, beßter Heiland! besonders in meiner lesten To. desstunde sterke mid! Darum bitte ich, und dieß erwarte ich voll Vertrauens auf dich. Amen. Vater unser zc. - - - - Gebeth am Freytage, wenn man die sogenannte Schiedung läutet, und an den Tod Chrifti erinnert wird. 1 Am Kreuze starb in großen Schmerzen Der Gottes Sobn, Herr Jesus Christ; Ich liebe ihn aus ganzem Herzen, Weil er für mich gestorben ist. Groker Gott! dieß ist der Wochentag, an dem Jesus Christus, dein Sohn, mein Herr und Heiland, für mich gelitten hat, und auf dem Kalvarienberge am Kreuze gestor. ben ist der Glockenung erinnert mich an dieses Leiden und Sterben. - O Jesu! wie war dir da zu Muthe; da du unschuldig verdammt. verspottet, und verachtet, zwischen zween Mördern am Kreuze hiengst? Laut riefft du, voll Schmerzen, zum Vater auf: Warum er Dich verlassen habe?- Du batheft ihn dann wieder, daß er Denen verzeihen möchte, die dich gekreuziget hatten.. Deine Mutter stund am Kreuze mit dem geliebten Jünger; und du empfahlst die Mutter dem Johannes, und den Johannes ihr, der Mutter, als ihren Sohn.- Dem Schächer, der zu Deiner Rechten hieng, und glaubig dich um Gnade bath, dem versprachst du das Para. dies. Es kam die Stunde, daß dein Geist vom Leibe scheiden sollte, und du em. pfahlst ihn in deines Vaters Hände; laut rief endlich dein Mund zum legtenmale dem Himmel und der Erde zu: Es ist vollbracht! Nun senkte das Haupt sich nieder, und du warst todt!- - -70-- - - - - -- O welch' ein Tod! wie schmerzhaft und wie schön, wie lehrreich und heilsam ist er nicht!- Ach, wenn du nicht ges florben wärest, bester Heiland! so könnte <-71- ich nicht glücklich leben. - Ich danke dis also, daß du für mich gestorben bist.- Ich will aber auch so leben, daß dein Blut an mir nicht verloren gehe, und wenn es ben mir einst zum Sterben kömmt, fo gieb mir Gnade, mein Gott und Vater! daß ich so schön und gut, wie Jesus fters be. Amen. -- 72- J. III, Monatliche und jährliche And a chten. Beichtgebethe. Wenn wir sagen, daß wir ohne Sünde seyn, so bes trügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns:-wenn wir aber unsere Sünden bekens nen, so ist Gott getreu und gerecht, daß er ke uns verzeihe, und uns von aller Ungerechtigkeit reinige.- So schreibt Johannes im 1. Briefe 1. Kap. 8. V. Jefus aber sagte schon zuvor dem Johannes, und den übrigen Aposteln! Nehmet hin den heiligen Geist; wem ihr die Sünden vergebet, dem sind sie vergeben, und wem ihr sie nicht nachlasset, dem bleiben sie. Bey Joh. XX. Kap. 22. und 23, V, Vor der Gewissenserforschung. Wenn enn ich sagte, daß ich kein Sünder wå. re, so betröge ich mich selbst, und sagte die Wahrheit nicht. Nun aber als sündiger Mensch darf ich es wohl wagen, vor dir zu n CUMBER 73- erscheinen, o heiligfter Gott? Und als ein ungehorsamer, unnüßer und fauler Knecht ( oder Magd) darf ich hintreten vor dich, meinem Herrn und Richter? Ach! ich getrauete mir wahrhaftig nicht, weine Aus gen zu dir zu erheben, wenn ich nicht wüß, te, daß du zugleich Bater, und zwar ein gu. ter, barmherziger Vater feyst, der seinen schwachen und fehlenden Kindern alle Au. genblicke zu verzeihen bereit ist, sobald fie ihre Sünden erkennen, sie herzlich bereuen, redlich beichten, und sich ernstlich bessern wollen. - Und sieh, mein Gott und Bater! zu AlIem bin ich bereit, was du verlangst, wenn ich nur Vergebung meiner Sünden erhal ten, und wieder ein gutes, dir gefälliges Kind werden kann. Unterfüße mich hiezu mit deiner Gnade! Komm also, göttlicher Geift! du erkennst am besten den Zustand meines Gewissens! komm, und erleuchte mich, daß ich alles Böse, was ich seit meiner leg. ten Beicht gethan, und alles Gute, was ich unterlasſen habe, einsehen möge; - Erleuchte mich, daß ich erkenne, was - - 74- ich mit Gedanken, mit Worten und Werken, gegen Gott, gegen meinen Nächsten, und gegen mic) felbft gefündiget habe. - 1 Und dann, wenn ich meine Sünden erken. ne, so erweiche mein Herz zur wahren Reue, stärke mich zur aufrichtigen Beicht und rechts schaffenen Busse, damit ich doch wieder rein, gerecht und heilig werde vor deinen Augen. Um dieses bitte ich dich durch Jesum Chri stum, unsern Herrn und Heiland. Amen. Vater unser 20. Jetzt erforsche dein Gewissen mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt; denke auf die Zahl und Umstäns de, besonders- bey größern Verbrechen; also bann erwecke Reue und Vorsatz. Du hast mich, o Gott! meine Sünden und Fehler erkennen lassen;- ich weiß nun, wer ich bin, und wie es um mich steht. - Bester Gott! wie muß ich mich schämen, daß ich treuloses Kind so oft gefündiget, und deine heiligsten Gebothe so leichtsinnig und muthwillig übertreten habe! Ach! ich elender Mensch! ich scheuete mich nicht, mein Haupt gegen dich, meinen Gott ― 75 und Herrn,- den Herrn des Himmels und der Erde zu erheben; ich getrauete mich, vor dir, meinem allwiffenden Richter, Unrecht zu begehen. Dich, meinen besten Va. ter und größten Wohlthäter, von dem ich Alles habe und hoffe,- ja! dich- das höchste und beste Gut, welches aller Anbes thung, alles Gehorfames und aller Liebe würdig ist, dich habe ich hintangefest, in. dem ich ungehorsam und widerspånstig gegen deinen Willen und dein Gesetz gehandelt ha be. O! welch' ein Undank! welch' eine Sünde! Ich habe es dir noch dazu schon so oft vers sprochen, daß ich mich bessern wolle; und doch ist es, leider! wiederum nicht geschehen. Ja, vielleicht habe ich noch mehr als jemals gefündiget! Bin ich schon so alf, und doch noch so un vernünftig, leichtsinnig und boshaft!- Was wird endlich aus mir werden, wenn ich so fortfahre, und mich nicht beffere?- Gewiß! der unglücklichste Mensch an leib und Seele muß ich werden! O, wie bedaure ich nun meine Blindheit. wie schmerzen mich meine Sünden! und 81 - - ww 76- wie reuet es mich von Herzen, fie began. gen zu haben! Ja, ich erkenne meine Strafwürdigkeit, bester Gott! Aber mit aufgehobenen Hån den, mit weinendem Herzen, und mit gan. zem Vertrauen auf deine Batergüte bitte ich: vergieb auch diesmal mir armen, elen. den Sünder!- Alles Böse, das ich be. gangen, alles Gute, das ich verabfäumet habe, reuet mich von Herzen, weil ich dich, den ich über Alles hebe, beleidiget habe.- Durch das Blut deines Sohnes bitte ich, Gott! erbarme Dich meiner, und verzeih mir wieder! - - - Ich will mich gern rechtschaffen befferit. Ja! diesmal ists mein ganzer Cruft. Ich will mir Gewalt anthun. Meine böse Neis gungen und Leidenschaften follen mich nicht mehr überwinden!- forgfältig will ich als le Gelegenheit zur Sünde fliehen, die mit. tel gegen fie treuiich anwenden, und diesen Vorsats gewiß nicht vergessen.- Du siehst mich ja überall, o Gott! du weißt meine ges heimsten Gedanken; wie follte ich mich also unterstehen, in deiner Gegenwart wieder etwas Böses zu denken, zu reden, oder auszuüben? gad -- 77- - Besonders will ich mich vor diesem Feh. ter, vor dieser Sünde N. recht sorgfältig hüten. Segne und unterstüße, o Herr! meinen Vorfag durch Jefum Chriftum, deis nen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebeth, ehe man in den Beichte stuhl geht. Nun will ich mich bey deinem Stellvers treter, o Gott! bey dem Beichtvater wegen meinen Sünden reumüthig anklagen. Ich erkenne und verehre in ihm meinen Freund, meinen Lehrer, meinen Arzt, Rich. ter und Seelsorger; ich werde also nichts vers schweigen, dessen ich mich vor dir, Allwiss fender! schuldig finde; Sahl und Umstände werde ich bestimmen, so gut ichs kann, dann aber auch auf Alles merken, was dec Priester mir sagen, und mich Allem un. terwerfen, was er mir zur Buße und zur Besserung meiner Sünden auslegen und rathen wird. Gebeth nach der Beicht. Sen getroft, mein Sohn!( meine Tochter) deine Sünden sind dir nachgelassen!- Siehe, du bist gefund geworden; sündige aber nimmermehr, das - 78 -b mit dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre!So sprach Jesus zu Sündern und Sündes rinnen, die ihre Zuflucht zu ihm genommen, und Gnade bey ihm gefunden haben.- Matth. IX. Kap. 2. V. und V. Kap. 14. V. Hamer wie leicht ist es mir jest im Herzen, da ich meine Sünden vor Gott bekannt habe, und hoffen darf, daß sie mir bey meinem Vertrauen auf Jesum Christum, bey meiner reue. vollen Beichte, und bey meinem ernstlichen Willen, mich zu bessern, durch des Priesters Lossprechung nachgelassen und vergeben sind. Ja! dieß hoffe ich von deiner Barmherzigkeit, und nach deinem Versprechen! gütigster Va. ter! und danke dir aus vollem Herzen für diese Gnade.- O du hast mich fürwahr aus einem großen Uebel gerettet! Sey getrost, meine Seele! deine Sünden find dir nachgelassen; du bist wieder gefund geworden!- Lobe den Herrn, und fündige nimmermehr.- Oder wie! sollte ich dann wieder fündigen? Sollte ich deine Gnade, o Gott! deine Freundschaft und Liebe wieder verachten, und mich neuerdings zu deinem un gehorsamen Kinde, zum Sklaven der Süns de machen!- Nein, dieß soll nicht gesche. - 79 hen!- bewahre mich Gott davor! So wür de ja mein lester Zustand schlimmer wer. den, als der erste war: und am Ende könn te wohl meine Krankheit gar nicht mehr zu heilen, meine Seele nicht mehr zu retten seyn. Nein, mein Vater! fündigen will ich nim. niermehr! Ich weiß es nun aus Erfahrung, wie böse und bitter es sen, Gott seinen Herrn ver. lassen, und ungehorsam gegen seine Gefeße handeln, da es entgegen um ein gutes Ges wissen, um die Freundschaft und Liebe, um das Wohlgefallen Gottes, und das Recht zur Seligkeit, das ich nun wieder erhalten habe, so eine kostbare Sache ist. Diefe Güter ziehe ich allem vor, was Sünde heißt, und mich zur Sünde reizen kann. 1 Es wird mich freylich noch Streit und Mühe kosten, bis ich meine Leidenschaften und böse Neigungen überwinde, bis ich meine Gewohnheitsfehler ablege, und Herr über mich selber werde. Ah, ich werde vielleicht noch manchmal unterliegen! Aber darum laffe ich den Muth nicht sinken; ich will nur um fo behutsamer handeln, je schrods cher ich bin. Ja Jede aufsteigende böse - GRADING 80 Eust, jeden unrechten Gedanken will ich gleich Anfangs, sobald ich ihn merke, unterdrů. den; wachen und bethen will ich, daß ich nicht in Versuchung gerathe, und von der Versuchung in die Sünde falle. Sollte ich aber wieder fallen, o so will ich doch alsobald wieder aufstehen, und den Fehltritt bessern, so gut ich kann. Die Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens, welche mir wohl größtentheils mei. ne Sünden zugezogen haben, oder noch zuziehen werden, die will ich als Büßer mit Ge. lassenheit und Geduld ertragen. Sie sollen mir nicht Anlaß und Gelegenheit zu neuen Sünden geben, sondern vielmehr zur Tilgung derselben, zur heilsamen Warnung und Bes dern darum! ferung follen fie mir dienen;- o Vater! züchtigest du den Sünder, daß er durch deine Züchtigung gebessert werde. Indem ich nun aber meine eigene Schwacheit kenne; fo will ich tunf tig auch mit den Schwachheiten, und Gebrechen meiner Mitmenschen Nachsicht wie du sie mit mir getragen erbarmender Gott! tragen, haft, - Ex Ich will nicht 81 nicht verdammen, wie du nicht verdammet hast, ich will verzeihen, wie du mir verzies hen haft; und bin bereit, mit meinem Näch. fien in Freundschaft und im Frieden zu les ben, wie du mit mir. ܪܐ So gefinnt, wenn ich bin, wenn ich es standhaft bleibe, und anstatt des Bösen Guª tes thue, so viel ich kann, o so hoffe ich, daß ich genug gethan habe. Das übrige, was ich nicht vermag, das wirst du mir gnädig erlanen, gütigster Vater! durch Jefum Chris fum, deinen Sohn, meinen Herrn und Heiland. Amen. Hier kann das Bußgebeth entrichtet, und die Andacht beschlossen werden, Kommuniongebeth. Vor der heiligen Kommunion. Jesus nahm daß Brod, danfte, brach es, gab's seinen Jüngern, und sprach: ,, Dieß ist mein Leibe der für euch dargegeben wird; dieß thut zu meis nem Angedenken!- Auf gleiche Weise nahm er auch den Kelch, und sprach: Dieß ist der Kelch des neuen Bundes in meinem Blute, welches für euch wird vergoffen werden.- So Viel von der Nafs gr. Gebethbuch. Einfekung des heiligsten Abendmahls bey Lukas im XXII. Kap. 19. u. 20. V.- Und vom Ems pfange desselben sagt Paulus zu den Kor. XI. Kap. 28. und 29. V. Jeder Mensch prüfe fich selbst; alsdann erst esse er von diesem Brode, und trinke von diesem Kelche!- Denu wer unwürs dig ist und trinkt, der ist und trinkt das Ges richt hinein, weil er den Leib des Herrn( vou gemeiner Speise) nicht unterscheidet. Nun ist es an dem, o Gott! daß ich die heis ligste Handlung der Religion entrichte; zum Tische des Herrn will ich gehen,- Je. sum, deinen Sohn, meinen Heiland und Gott will ich empfangen; welch eine große Sache! Diese Handlung soll mich an das leste Abendmal, an das Leiden und Sterben Jes fu Chrifti erinnern; fie foll mic) in meis nem Glauben stärken, meine Hoffnung bes leben, und mein Herz mit wahrer, brünstis ger Liebe gegen Gott und alle Menschen ers füllen. Sie soll mich zur Tugend ermun ternt,- foll mich heilen, trösten und dee Unsterblichkeit, des ewigen Lebens würdig machen; welch eine große Sache! Aber ich weiß es, o Gott! all' dieß Gute hängt allein vom guten und würdigen Ents 83 - pfange des heiligen Sakramentes ab: denn a wenn ich unwürdig erscheine, so habe ich viels mehr Fluch, als Segen zu erwarten.- Ich vergreife mich gleichsam am Leibe und Blute Chrifti; ich begehe des meyneidigen Judas Sünde, und esse anstatt des Lebens den Tod und das Gericht hinein. Schreckliche Wahrheit! Ich zittere, o Herr! und gefratie mir kaum mehr, zu dir in gehen;- doch du veriangst es von mir,- dazu hast du es eingefest dieß heis ligste Sakrament, daß ich es empfangen soll. ( Dieß thut zu meinem Andenken.) Und wer das Fleisch des Menschensohnes nicht ist, wer sein Blut nicht trinkt, der ist wie todt, er hat kein Leben in sich, so sprichst du, o Herr!- Auch war es jedesmal, da du noch auf Erden lebteft, deine Freude, bey Menschenkindern zit feon; sogar Sünder nahmst du mit Freund. lichkeit und Liebe auf, und sprachst und aßest mit ihnen. Dies alles ladet mich nun ein, und munte tert mich auf, zu dir zu gehen; mit Freu. de folge ich also deiner Einladung, imb mit Ehrfurcht will ich erscheinen. Doch zuerst reinige mein Herz, o Gott! von $ 2 34- allen fündhaften Wesen, und erfülle es mit Empfindungen der Andacht und Tugend! Reue. Ja, Herr! vor allem bekenne und bereue ich meine Sünden, die ich Zeit Lebens gegen dich und dein heiliges Geset begangen habe. Wüßte ich, daß eine in mir verborgen wäre, die ich noch nicht ge beichtet, oder hinlänglich bercuct habe, o fo würde ich's in diesem Augenblicke thun: denn nichts verabscheue ich nun mehr als die Sün de, die dir mißfällt, und mich deiner Unguas de würdig macht. Verzeihe mir also, o Gott! durch Jefum Christum, den Sünden. vergeber, an den ich glaube, auf den ich hof fe, und den ich über alles schäße und liebe. Glaube. Ja, mein Heiland und Gott! an dich glaube ich, und an dein göttlis ches Wort: Alles, was du mich gelehret hast, ift Wahrheit und ewiges Leben. Du sage test demen Jüngern beym legten Abendmah. le: Nehmet hin und effet, dieß ist mein Leib!- Trinket, dieß ist mein Blut!- Ib glaube also, o Jcfu! daß ich dich meinen Gott und Herrn wahrhaft und wirklich em. pfangen werde: denn du kannst mich nicht betrügen, weil du die ewige Wahrheit bisk - - - 85 Stärke mich nur in meinem Glauben, und mache ihn fruchtbar zu guten Werken! Hoffnung.- Von dir, o Jefu! hoffe ich auch alles Gute, Nachlaß und Verzei hung meiner Sünden, zeitliche Wohlfahrt und ewige Seligkeit;- besonders hoffe ich die heilsamen Gnaden und den großen Sugen einer wirdigen Kommunion, indem du ver. sprochen haft: Wer von diesem Brode ist, foll ewig leben!- Jd vertraue auf dein Ver. sprechen; denn du bist mächtig und treu ges nug, es zu erfüllen. Vermehre meine Hoffnung! Liebe - Ich liebe dich endlich auch, o Jesu! aus ganzem Herzen, aus ganzer See. le, und nach allen meinen Kräften, weil du das beste und liebenswürdigste Gut, mein Her, mein Gott und mein Heiland bist.- Auch du hattest mich ja so herzlich lieb, und starbst am Kreuze für mich. Selbß jetzt noc bist du so gnädig, daß du zu mir kommen willst.- O, wie könnte, wie sollte ich dich nicht über Alles lieben? - Aber auch meinen Nächsten,- alle Mens schen hebe ich, wie mich selbst, und bin bereit, Diese meine Liebe nicht bloß mit Worten zu e 86 Flåren, sondern im Werke zu zeigen.-- Kein Haß, keine Feindschaft soll jemal in meine Seele kommen!- Dir zu liebe, o Jefu, ver. zeihe ich Allen, die mir Uebels gethan haben, oder noch erweisen, damit ich ja mit keinem unversöhnten, feindseligen Herzen vor dir ers scheinen, und dadurch dieß heilige Liebesa mahl entweihen möge. ANGES Begierde. Nun verlangt aber meine Seele nach dir, wie sich ein Kind nach seinem Bater, wie sich ein Berunglückter nach sei. nem Retter sehnt.- Ich nahe mich deinem Tische. Komm dann, mein Geliebter! fuche mich heim, und bleibe bey mir!- Dir lebe, Dir sterbe ich, dein bin ich todt und leben. dig. Amen. Nun geht man zur Kommunikantenbak, und dan bey geschieht Folgendes: - Bey der heiligen Kommunion. Beym Confiteor.- Hert! ich habe ges findiget, in den Himmel, und vor dir habe ich gefündiget.- Erbarme!- ich bitte dich noch einmal, erbarme dich meiner, und verzeih mir meine Sünden! damit mein Herz, daß dich 87 empfangen will, rein sey, so rein, wie der Schnee, Bei Zeigung der beiligen Hoftie. O du Lamm Gottes! welches du hins nimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner! Nach diesem sprich dreymal:- Herr! ich bin nicht würdig, daß du eingehest in mein Herz, sondern sprich nur ein Wort, so wird gefund meine Seele! Bey Empfange der beiligen Hoftie denke, und bethe im Herzen: Der Leib unsers Herrn Jefu Chrifti be. wahre meine Seele zum ewigen Leben! Hei lig!-Heilig!-Heilig ist der Herr, mein Gott! Gelobet und gefeanet sen, der da kömmt im Namen des Herrn! Ja! der Herr selbst ist da, und besuchet seinen Knecht ( feine Magd.) O wie kann ich mich freuenwie danken genug!- Lobe meine Seele den Herrn, und Alles, was in mir ist, prei. fe denselben! 14 Unter, oder nach diesen Gebethen( bie man freplich auswendig lernen, und können sollte) verläßt man die Kommunikantenbank, und erweckt, ans derswo knieend, folgende Zugendakte. wwww - 88 Nach der heiligen Kommunion. Dieß ist das Brod, welches vom Himmel herabs kömmt, damit, wer immer davon ist, nicht sterbe. Ja! wer von diesem Brode ist, soll ewig leben. Christus bev Job. VI. Kap. 50. und 52. V. Glaube.- O mein Jefu! ich habe dich empfangen. Du bist in mir, und ich bey dir. Ich glaube es, ob ich's schon nicht sehe benn felig, fagst du, felig, die nicht gesehen und doch geglaubt haben! Anbethung.- Ja! ich glaube, daß ich Gott empfangen darum bethe ich dich an Allerhöchster! In Staub gedrückt- auf der Erde liegend, bethe ich dich an.- Hei lige Engel, kommet mir zu Hilfe! Lobet und preiset den Herrn mit mir! Ihm fey Ehre, Ruhm und Anbethung in Ewig, keit! Amen. Danksagung. Ich glaube, daß sich Gott gewürdiger, bey mir einzukehren, darum fen dir Dank, ewiger Dank, mein Gott! für diese unendliche Gnade; nie will ich sie vergessen, nie undankbar dagegen werden. IMA 89 Aufopferung.- Aber wie soll ich dich bewirthen, mein Gott! der du nun in meinem Herzen wohneft? Und die Gnade, die du mir angethan haft, wie soll ich sie vergeiten? Nuts, Alles, was ich has be, ist dein, Alles überlasse. Alles gebe ich Dir.- Mit Leib und Seele, mit Herz und Gemüthe, todt und lebendig will ich dein seyn, o Gott!- Dir will ich redlich die. nen, mit Treue und Eifer will ich gegen Das Lafter, besonders gegen diese Untugend N. N. kämpfen, und so dein Geboth erfüllen. Arbeiten, bethen und leiden will ich, wie du es verlangest E Bitte. Nur deine Gnade, ohne die ich nichts Gutes kann, verfag' mir nicht, liebster Heiland! Erleuchte meinen Versand! Se Laß meinen Geist stets im Guten unter" richtet,- laß mein Herz zum Guten ermuns tert, und darinn gestärket werden! Jede schwere Versuchung wende ab von mir, oder hilf mir doch, daß ich sie überwinden möge. Mit einem Worte: gieb, Herr! daß ich durch diese heilige Kome munion frommer und gottesfürchtiger, menschenfreundlicher und wohlthätiger, www. 90 fanftmüthiger und geduldiger- ergebener in Willen Gottes, keuscher und heiliger werde. O, dieß wünsche ich von Herzen! Jest gerecht auf Erden, und einst felig im Himmel möchte ich leben. Du willst es auch, o Je. fu! Ja, darum bist du heute zu mir gekome men, daß ich nicht sterbe, sondern durch dein Fleisch genährt, und mit deinem Blute ges trånkt, felig werde, Nun dies hoffe, dieß erwarte ich also, uud lebe getroft, daß ich in meiner Hoffnung nicht zu Schanden werde. POVRIONES - Beschluß Aber jest noch eine kleine Bitte!- Cegne mich, o Jefu! che ich dich entlaffe! Du weist mein ganzes Wesen; alle meine Bedürfnisse und meine Anliegen, mein Elend und Jammer sind dir bekannt;— be. fonders fällt mir schwer, u. f. w.( Hier trägt man seine besondere Leiden vor) Ach, hilf mir, mein Heiland! von diesem Kreuze! Nimm ihn hinweg diefen Kelch des Leidens, der so bitter ift!-Doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!- Wie es dir beliebt, so mache und verordne mit mir: ich weiß, daß es das Beste ist; denn du bist weife und gut, du bist Bater, und ich dein Kind.. Pe -91Segne endlich, auch bester Heiland! men ne Angehörigen, meine Obrigkeiten und Un tergebene, Geschwistern, Freunde und Fein. de, Gerechte und Sünder, Alle, für die ich zu bethen schuldig bin, und es zu thun mir vorgenommen, oder versprochen habe, diese Alle empfehle ich dir,- erbarme dich Aller! laß Alle an deiner Gnade und deinem Se. gen Theil nehmen! O, möchte doch an keines Menschen Seele dein Blut verloren gehen! Auch die armen Seelen im Feg. feuer sollen durch deine Barmherzigkeit rus hen im Frieden! Amen, - - 1 Nach and a ch t bey der heiligen Kommunion. A. irden gebeth. O heiliges Liebesmahl! in welchem ich an dem Leibe Jesu Christi Theil genommen, und das Andenken an sein Leiden und Tod gefeyert habe; mein Herz wird dadurch mit Kraft zur Tugend erfüllt, und ein Pfand der Unsterblichkeit und ewiger Belohnungen wird mir mitgetheilt. v. Das Himmelsbrod hat man mir ge geben! - 92 v. Das Brod der Engel habe ich Mensch gegessen! #. Gott, erhöre mein Gebeth, B. Und mein Flehen laß dir gefällig feyn! D Gott! der du uns in diesem wundervol len Geheimnisſe ein ewiges Denkmal deines Leidens gegeben hast, verleihe gnädiglich, daß wir durch Verehrung und Genießung deines heiligsten Leibes und Blutes die heils famen Früchte der Erlöfung in uns empfins Den mogen, der du lebst und regierest in Ewig, Feit. Amen. B. ebeth nach dem Lobgefang des alten Simeons, da er am Tage der Reinigung Marid zum erstenmal seinen Heiland, das Kind Jesu sah, und freudenvoll in seinen Armen hielt. Jest, Herr! laß deinen Diener( deine Dies nerinn) im Frieden scheiden!- laß mich ge troft und ruhig ferben, nachdem ich meinen Heiland und Gott, das Heil, welches du allen Völkern bereitet haft, das Licht, wel thes alle Nationen erleuchten soll, die Zier de deines Volks Ifrael mit meinen Augen gesehen, und in mein Herz empfangen habe. 93Gestärkt durch ihn, werde ich gern alles Jr. Dische verlassen, und weder den Tod scheuen noch das Grab. Ehre sey dem Vater z. Gebeth an den vier Jahrszeiten D Der Quatember m Nun ist sie da die Jahreszeit, Da man der Kirche Priester weiht. faß ihr, o Gott! nur gute Priester werden: Sie sind das Glück, das Salz und Licht der Erden, Jesus Christus, der oberfe Hirt und See. lenforger, ist nicht mehr sichtbar auf Erden. Auch die Apostel, diese ersten Bischöfe und Priester, die Jesus Christus selbst geweihet hat, sind nicht mehr da; sie sind gestorben; und dennoch hat es deiner Kirche, o Gott! noch niemal an Bischöfen u. Priestern- an folchen Geistlichen gefehlt, welche Nachfol. ger der Apoßtel sind, und die Stelle Jesu Chrifti, als Lehrer und Hirten, zum Heile der Seelen vertreten, immer werden neue seweiht. 94 Ja, gerade jest ist wieder die Zeit da, wo dieses geschieht: wie viel hundert Geistlichen werden nicht in dieser Quatemberwoche von Bischoffen die Hände aufgelegt! wie vielen wird nicht die Gewalt gegeben, in der Kir che zu lehren, zu taufen, zu opfern, zu segnen, und von Sünden loszusprechen! O, was für eine Gnade,- was für eitt Glück ist diefes nicht für uns Christen; Hat. ten wir keine Geistliche, ach! so würden wir gar bald auch kein Chriftenthum mehr haben! Dank fey dir also, bester Gott! daß du uns von Zeit zu Zeit Geistliche weihen låſ, fest; Dank sey Jefu Chrifto für die Einsegung des Sakraments der Priesterweihe! M Aber gieb,- gieb auch, o Vater! daß wir keine andere, als gute Priester und tu gendhafte Geistliche erhalten!-folche nur, die uns gut unterrichten, im Guten stärken, zum Guten aufmuntern, von der Sünde heis len, und wenn uns auch ein anderes Uebet widerfährt, wenn wir krank oder elend wer. den, uns besuchen, uns helfen und trösten. Solche Geistliche gieb uns, die den Alten wie den Jungen, den Armen wie den Net. 95 chen, den Sünder wie den Gerechten lieben, für alle forgen, und alle suchen selig zu ma, chen, wie es Jesus Christus gethan hat, da er auf Erden war. Um diese Gnade bitte ich dich mit der gan. zen Kirche, welche auch deßwegen die Qua temberzeit zu einer Zeit der allgemeinen Ans dacht, des Bethens und Faktens eingefeget hat, damit si ja in Auswahl und Weihung ihrer Gefloen glücklich seyn möchte! Durch Jefum Chriftum, deinen Sohn, erhö. re unser Gebth, und erfülle unsere heilige Wünsche. Anen. Vater Unser ¿ c. Geleth im Frühlinge. Die schön Frühlingszeit Ist da! on Gott geweiht, Daß es soll gedeihen s 1 Bring fiv, o Mensch! nach Gottes Sinks In Unfald, fromm und gut, dahin, Dann wid sie dich erfreuen. Du hast di Jahrszeiten eingerichtet, bek. ter Gott! u hak befohlen, daß auf den traurigen Vinter der angenehme Frühling erscheine, uv daß fich die ganze Natur, Menschen up Thiere an ihm erfreuen sollen. Dank se dir!- Univ.- Bibl. iessen - 96. Alles schwebt und lebt jest wie neu geboßi ten: die Luft ertönt vom Gefange der Vögels die Erde treibt Gras, Kräuter und Blumen hervor; Biume stehen in zarten Blättern und Blüthen da;- Aecker, Wiesen und Gärten, Alles wird angebaut, und zur reichen Aernte vorbereitet.-O, wen sollte das nicht erfreuen!- und wer sollte wohl tråge, und mißig seyn können, da Alles so arbeitsam und thẳtig ist!- Nein, ich will nicht faulenzen, besteg Gott! So viel ich kann, und so gut ichs kann will ich mich fröhlich der Abeit widmen, und entweder bauen helen, von was ich essen folle, oder mich aiders nüglich beſchäftigen. Damit ich des Essens würdig seyn möge. - - Wenn ich auf dem Felde de Lerche fehe, wie sie sich zum Himmel schwingt- und wenn ich ihr Loblied höre;- so will auch ich mein Herz zu Gott erheben, bethen oder fingen will ich ein fromnes Lied, und den Allgitigen preisen. Wenn ich beobachte, wie so venia Samen, den man in die Erde streut, einehenge Früchte giebt, und wie er so wundevoll aufkeimt, wächst. - 97- wächst, blüht, und Körner macht; o, so will ich deine Allmacht und Güte bewun. dern, bester Gott! Auch keine Frühlingsblume will ich anse. hen, oder abbrechen, und an meine Brust ste cen, ohne zu denken: Der Herr hat sie ge. macht, er hat ihr Wohlgeruch und Schön. heit gegeben, daß sie mich erfreue, und daß ich ihm dafür danken, ihn erkennen, und lie. ben folle. Denken will ich: So eine Blu. me bist auch du; du blühest in deiner Ju, gend wie sie, und wirkt einst welken, wirst sterben, wie sie. — - Alles flößt mir im Frühlinge gute Gedans ken ein, Alles muntert mich zur Frömmig. keit u. Tugend, wie zur Freude, auf. Und, o was wäre ich nicht für ein Unmensch, wenn ich diese schöne gute Zeit durch böse Hand. lungen, durch Sünde und Laster verderben follte! Nein! unschuldig, ehrbar und heilig will ich wandeln vor Gott und den Menschen.-Aus meinem Munde soll keine unanständige Rede, kein Fluch, und Schelt. wort, kein übler Wunsch gehört werden. Ich will aber auch weder zu Haufe noch auf dem Felde jemand andern zu Naks gr. Gebethbuch. - - 98 folchen Ausbrüchen des Zorns Anlaß geben; oder sie von solchen leiden, denen ichs ver. bieten kann. - Keinem Menschen will ich in Gärten, auf dem Felde, oder in Wåldern Schaden thun; ja kein Thierlein, kein Vogel soll von mir muthwillig beleidigt und mißhandelt wers den; auch ihrer unschuldigen Jungen will ich schonen. Und wenn ich mich ergöge, o! so soll meis ne Freude ja keine andere, als eine ehrbare und erlaubte feyn. Nur mit guten Menschen will ich Umgang pflegen, und nur Gutes foll man an mir bemerken! Stärke meine Vorsige, o Gott! ich bitte dich durch Jes fum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebeth im Sommer. Vater der Schöpfung! dich preisen die Zeiten; Der Sommer ist auch ein Kind deiner Hand. Festlich gekrönet, um Heil zu verbreiten, Gießet er Segen und Freude aufs Land. Dir, o mein Gott! ist es am besten bekant, wie viele Mühe und Arbeit, wie viele Schweiß tropfen, wie viele Schritte und Tritte, Sor. 99 ge und Kummer es den Landmann kostet, um fein Feld zu bearbeiten und anzubauen. - Du weißt aber auch, wie sehnlich und hoff. hungsvoll er nun die Früchte seiner Arbeit, einen gesegneten, guten Schnitt von deiher milden Vaterliebe erwartet. Ach! bester Vater! ohne deinen Segen wäre aller Fleiß, alle Mühe und Arbeit ums font! Du must erst das Gedeihen geben; und wirst es auch. Wir sind ja deine Kinder, und du, bester Vater! weißt es, daß wir diese Dinge nöthig haben. Di so segne dann, lieber Gott! unfre Fel. der und Wälder, unsre Aecker, Wiesen und Gårten; wende ab den Blig und Hagelz schädliche Ueberschwemmungen, und zu große Trockne; gieb Regen und Sonnenscheint zu rechter Zeit, damit wir uns einer glücklis then lernte erfreuen mögen. - Wir wollen dir gewiß dafür dankbar fenn, und deine gute Gaben gut anwen den. Ja, ben jedem Bissen Brodes; den ich effe, will ich denken: Der liebe Gott hat ihn mir gegeben; ihm sen Ehre und Dank in Ewigkeit! & 2 1 100 - Auch den Armen will ich mit gutem Her zen von deinem Segen mittheilen, o Gott! so viel ich kann, und vor allem will ich mich hüten, daß ich nicht in diesem guten Sommer durch böse Handlungen, durch Sünde und laster deine Ungnade, und dei nen Fluch verdiene. Niemal will ich leicht. finnig, oder im Zorne Blig und Donner herausfordern; niemal wünschen, daß das Wetter Vieh oder Menschen erschlage. Ach! so ungefittete fürchterliche Reden sollen nicht aus meinem Munde kommen; ich zittere, wenn ich sie von andern höre.- Auch bey Keinem meiner Freunde oder Untergebenen werde ich so etwas dulden. -ys - Heilig, heilig, o Gott! follen mir alle Wälder und Felder seyn, die so voll deines Segens und deiner Liebe sind. Uėberall will ich denken: Gott ist da! und dieser gute Gedanke wird mich stärken, daß ich gewiß nichts Böses thue. Damit dir aber auch meine Arbeiten, Lei den und Mühseligkeiten, die mit dieser Jah, reszeit verbunden sind, desto mehr gefallen mögen, so opfere ich sie dir auf, o Gott!- Ja, alle Schritte, die ich mache, alle IOI 1 comp Schweißtropfen, die ich vergieße, und alle Ungemächlichkeiten der Hiße, des Regens und des Ungewitters, die ich zu ertragen habe, will ich nach deinem Willen, aus Gehors sam und liebe gegen dich mit Geduld ertra. gen; zu deiner Ehre soll Alles geschehen! Nimm es nur in Gnaden an, o Gott dieses mein Opfer, und stärke mich durch Jefum Christum, der auch so manchmal die Last des Tages und der Hige getragen hat. Amen. Gebeth im Herbste. Danksagung für eine gesegnete Aernce. Die Menge deiner Wunder zeigt, O Gott! daß deine Stärke Weit alle Kräfte übersteigt, Und aller Menschen Werke. Der Herbst nährt uns auf dein Geheiß; Drum sey dir Lob, und Dank und Preis. was für eine frohe, glückliche Zeit erle. ben wir im Herbste! Unsere Furcht vor Miß, wachs und Ungewitter, vor Hunger und Noth, ist nun vorüber. 102- Mit kindlicher Freude komme ich also zu pir, bester Vater! um dir für deine unend liche Gite recht herzlichen Dank zu sagen. Ja, nun haben wir unsre liebe Feldfrüch. te glücklich eingesammelt; unfre Häufer und Städel sind voll von deinen besten Gaben. Alles hat nun wieder zu essen, Menschen und Vieh. Die Aeltern und Meisterschaften tons pen wieder dem Kinde und dem Dienstbo. then Brod, Nahrung und die nöthigen Kleider geben. Du fegnetest des Land, manns Arbeit, o Gott! du liefest seine Früchte aufwachsen und reifen; du beschütz teft sie vor Hagel und Schauer, vor Ue. berschwemmung und allzugroßer Trockne; du gabit Regen und Sonnenschein, wie es nöthig und nüglich war. O, wie können wir dir, barmherziger Gott! für dieses Alles genug danken! Sich! unser Dank ist in unsern Herzen, wir können ihn nicht genug mit Worten aus, drücken, Freude an dir, und Liebe zu dir, als unfern gütigsten Vater und größten Wohlthiter, ist unser Dank. - - Aber doch auch äußerlich wollen wir uns gegen deine Güte als dankbare Kinder er. 103 zeigen. Ja, ich will dir ins künftige mit mehr Eifer und Treue dienen, freudiger will ich zu dir bethen; deinen heiligsen Namen überall preisen, deine Gaben gut anwenden, und auch meinen årmern, nothleidenden Menschen will ich mit Freude mittheilen, so Viel ich darf und kann. G wan Viele Menschen, die vielleicht besser und frömmer sind, als ich, müssen jest Noth lei. den, weil der Krieg, weil Schauer und Hagel, oder ein anderes Unglück ihre Feld. früchte gernichtet hat: O Gott! erbar. me dich ihrer! Ich müßte aber auch ein recht unempfindliches, hartes Herz haben, wenn mich das Elend solcher Unglücklichen nicht schmerzte; und wenn ich mir auch nur einen Bissen Brod könnte wohlschmecken lassen, ohne daß ich bereit wäre, ihn mit fol. chen Armen zu theilen, die doch auch Got tes liebe Kinder sind, wie ich. - Jest bitte ich dich aber, Augütiger! auch noch um Dieses, daß du mich und uns Alle gesund und gut erhalten wolleft, damit wir Deine Gaben mit reiner Seele und frohom Muthe genießen, und dich immer loben und preifen mögen, durch Jesum Christum, un. fern Herrn. Amen. 104- Gebeth im Herbste. Nach einem erlittenen Schauer oder Mißwachse. - Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es wieder genommen: so ist es geschehen, wie es dem Herrn beliebte; gepriesen sey der Name des Herrn! Joh. I. Kap. 21. V. Liebster, bester Gott! mit Sehnsucht haben wir freylich auch heuer wiederum auf ein fruchtbares, gesegnetes Jahr gehoffet; al. lein durch) Mißwachs( oder Schauer) ist un, fere Hoffnung vereitelt worden, unsre Scheus ern find heuer leer, oder nicht so voll, wie in andern Jahren. Ach, deine Hand hat uns gedemüthiget!-Wir mißbrauchten vielleicht deinen Segen zu viel; darum entzogst du thn; Schwer, äußerst schwer fällt uns zwar das Unglück, das wir für künftiges Jahr so wenig Nahrung haben. Ach! wie werden wir uns und die Unsrigen erhal ten können? - 1 Doch du hafts gethan, o Gott!- und du bist Herr! Wir haben schon so viel Gutes aus deiner Hand empfangen; warum sollen wir nicht auch was Böses annehmen wollen; Da wir noch dazu wissen, daß du auch 105 alles Uebel zu unserm Nugen wendest, und daß wir eben jest unfre Geduld, unfre Zu friedenheit und unser Vertrauen auf dich, mit einem Worte, unfre Tugend und unser Christenthum fo herrlich zeigen können. Du bist ja noch immer unfer Vater, ein Gott des Segens und der Gnade bist du! O! wie viel ärger hättest du uns durch Krieg, durch Feuer, Pest, und Krankheiten bey Menschen und dem Viehe heimsuchen kön nen; und hast es nicht gethan; Dank sey dir also für diese gnädige züchtigung! und Dank sey dir auch für dasjenige, was du uns zur Nahrung und zum Unterhalte noch gelasſen haft! Ich denke, o Gott! da du die Vögel un. ter dem Himmel speisest, und die Blumen auf dem Felde kleidest, so werdest du uns Menschen doch wohl auch in diesem unglück, lichen Jahre mit Speise und Kleidung vers sehen. Nein! vor Hunger läsfest du une ge. wiß nicht sterben! Du wirst deinen Kindern Brod verschaffen, um das wir täglich bitten, und das wir jetzt am meisten vonnöthen haben. Ach! bester Vater! erweiche nur die Herzen guter Menschen, daß sie Mitleid mit Verun 106 - glückten tragen, und uns barmherzig unter Die Arme greifen. Wir selbst wollen auch unfern Fleiß und Arbeit verdoppeln,- wir wollen uns Abbruch an allem Unnöthigen und Ueberflüssigen thun, um uns das Nothwen. dige anschaffen zu können. Und so denken, so hoffen wir mit deiner Hülfe auch dieses miflive Jahr glücklich herum zu bringen.- Im künftigen kannst du uns schon wieder seg. nen, und wirst vielleicht doppelt geben, was Du uns heuer entzogen hast. O! Dies ges schehe durch Jefum Chriftum Deinen Sohn, unsern Herrn, der auch mit wenigem Brode und erwelchen Fischen viele tausend Menschen gespeiset hat. Amen. 1 Geberh im Winter. Zur Ruhe, und zur Frömmigkeit, Was taugt uns mehr, als diese Zeit? Gott! laß den Winter uns im Segen Recht christlich gut zurücke legen! - Großer Gott! wie gut bist du!- Auch Den rauhen Winter hast du zum Besten des Menschen gemacht.- Alles scheint zwar abgestorben, und öde in den Wäldern und - C 107 auf dem Felde; aber nach kurzer Zeit wird alles wieder lebendig. Die Erde ruht nur aus, sie wird durch Regen und Schnee ge. düngt, und durch den Frost mürbe gemacht, damit sie uns im Frühlinge und Sommer desto mehr Blumen und Früchte tragen fol. le. Wenn auch das Wetter schon kalt ist, so ist es doch gesund für Vieh und Men schen. Dank sey dir also für den Winter! www Wir leben est ruhiger in Gesellschaft beysamen, und find nicht so strenge mit Arbeit geplagt, wie zu anderen Jahreszeiten. Es kann also im Winter mehr für die Seele gesorgt werden; Wir haben mehr Gelegenheit und Zeit dazu. - - O! anstatt des elenden und sündhaften Geschwates, das jest oft ben Zusammens künften und in Gesellschaften geführt wud, anstatt der unanständigen Spiele und Schers ze, wenn etwas Schönes porgeleſen und angehöret würde, wie müßte dir dieses ges fallen, bester Gott! Wie viel Böses würde unterbleiben, und wie viel Gutes könnte nicht in einem einzigen Winter gestiftet wer Den? Gieb doch diesen heilsamen Gedan. - 108 - ken allen Hausvätern, und Meisterschaften in den Sinn, daß sie so Etwas in den Hau. fern veranstalten und einführen mögen;- Ich will dazu beytragen, was ich kann. - Und weil ich jest das Gute, das ich im Sommer versäumt habe, wieder hereinbri, gen, weil ich für das Heil meiner Seele, für ihren Unterricht, und ihre Besserung beson. ders sorgen muß;- so werde ich keine Geles genheit versäumen, das Wort Gottes a zuhören, den öffentlichen Gottverehrungen in der Kirche mit Andacht beyzuwohnen.- mein Gewissen von Sünden zu reinigen, und mich durch den würdigen Empfang der heiligen Sakramente im Guten zu stärken. Bewahre der Himmel! daß ich mich uns ter diejenigen mische, die den Winter noch mehr, als den Sommer entheiligen, und entweder im trågen Müßiggange leben, oder Deine Gaben, o Gott! durch herumschwär. men, durch Spielen, Trinken und Wohl leben verschwenden.- Odie Elenden! wa rum denken sie doch nicht, daß sie durch so ein Leben mit ihrem Hab und Gute am En. de auch noch ihre Gesundheit, ihre Ehre, the re Seele und Seligkeit verlieren müssen! 109 Nein, so will ich mir selbst nicht feind feyn! Wenn ich mir auch den Winter hindurch ein Vergnügen mache, so soll es meinem Stande und Vermögen angemessen, es soll unschuldig und mäßig seyn. Auch die Meinigen sollen Theil daran haben, und ehrlich im Herrn mit mir erfreuen. Amen. - - p - Gebeth im Advente. Es ist Zeit, vom Schlafe zu erwachen: denn unser Heil ist nahe;- Die Nacht ist vorbey, der Tag ist angebrochen: Weg also mit den Werken der Finsterniß.- Wandeln wir ehrbar, wie am hellen Tage ohne Fraß, ohne Füllerey, ohne Buhlschaft, ohne jede Unkeuschheit, ohne Zank und Neid. Paul, zu den Röm. XIll. Kap. 11-13. V. Du u hast zwrar, o bester Gott! den Menschen gleich nach ihrer ersten Sünden versprochen, daß du sie wieder in Gnaden absehen, und Einen schicken wolleft, der sie aus ihrem Eiende herausreißen und erlösen sollte; welch eine Gnade!Aber ach! wie lange mußten die Men. schen nicht auf den Empfang diefer Gnade, auf die Ankunft ihres Erlösers warten? Top ma - - IIO Gegen 4000 Jahre lang feufsten und bethe. ten sie um ihn. Und da war es erst noch so hart auf Erden zu leben: Alles war voll Aberglauben und Unwissenheit, Alles voll Sünde und Laster;- selbst die allerbesten Menschen wußten sich oft nicht zu rathen, noch zu helfen: kaum ein Trost war für fie zu finden. Nun sind es schon mehr als 1800 Jah re, daß der Heiland erschienen ist; Er hat Licht und Freude, Trost und Segen mit sich auf die Welt gebracht:- Was schwach war, hat er gestårkt, Kranke geheilt, und Todte wieder zum Leben erweckt. Eine Quelle des Hens und der Seligkeit ist er Allen geworden. Freue dich alfo, meine Seele! und di, men Geift! frohlocke in mir! Nein! wir Christen dürfen nicht mehr, wie die Juden, seufzen und rufen, daß Jesus auf die Erde kommen solle; Er ist schon da gewesen. Aber darum bitte ich dich, lieber Heis land! laß mich den Nugen deiner Ankunft, die gesegneten Früchte deiner Menschwer. dung in meiner Seele empfinden! Kommi in mein Herz! d. i. erleuchte und stärke mich, - — - III daß ich dich und deine heilige Religion im. mer besser erkennen, immer höher schägen, zärtlich er lieben, und immer eifriger nach ih. ren Vorschriften, nach deinem heiligsten Willen handeln und wandeln, leben, leiden und sterben möge! Dieß verleih mir, d Heiland und Gott! - - - Ich will die heilige Adventzeit gewiß auch recht gut zubringen; Vor Allem, was Sünde ist, will ich mich sorgfältig hüten: Ich will öfters daran denken, was das für eine Gnade und für ein großes Glück war, daß du, der Sohn Gottes, bist Mensch geworden, um uns Menschen vom Untergange zu retten, um uns heilig und glück. lich zu machen.- O! für diese Gnade will ich dir auc) immer recht herzlich danken, und bitten, daß du sie weder an mir, noch an jemand andern läsfest verloren gehen.- - So, will ich das Advent zubringen, und mich zum großen Festtage der Geburt Jesu Christi, zum Weihnachtfeste- würdig bereiten. Ja! so will ich immer leben, daß ich mir auch vor der zweyten Ankunft des Herrn, wenn er am Tage des Gerichtes er. scheinen wird, Nichts zu fürchten; sondern 1 112- mith vielmehr als ein Auserwählter feiner Gnade, und seiner Belohnungen zu ers freuen habe. Amen. Gebeth am Geburtstage Jesu Chrifti, oder zu Weihnachten. Der Engel sprach zu den Hirten: Ich verkündige euch eine große Freude, welche dem ganzen Volke zu Theil wird: In der Stadt Davids ist euch heute der Meßias, der Heiland, und Herr gebohren worden. Bey Luk. II. Kap. 1o. II. 2. Heute ist also der glückliche, der freudenvol. le Tag, an welchem du, mein bester, Hei. land! auf der Welt, die dich so lange mit Sehnsucht erwartet hat, sichtbarlich erschie. nen bist. Heute hat dich deine gebenedeyte Mutter zu Bethlehem in einem Stalle zur Welt gebohren! Heute fangen die die Engel das schöne Lied; ,, Ehre sey Gott in der Hö. he, und Friede den guten Menschen auf Erden!" Und fromme Hirten waren heu. te so glücklich, die erste Nachricht von deiner Geburt zu erhalten:- Ja! sie waren auch die Ersten, die dich auf das Wort der En gel - 113 gel gesucht, in der Krippe gefunden, und mit innigster Freude angebethet u. verehrt haben. Und ich sollte nun kalt, ich sollte unemt. pfindlich bleiben bey deiner Geburt, über wel. che sich der Himmel erfreut, und die ganze Erde frohlocket?- Onein! das kann ich nicht; denn auch wegen mir hast du, o Gott der Liebe! den Himmel verlassen, und bist mir gleich, ein Menschenkind geworden, damit ich ein Kind Gottes werden sollte. Ja! du hast noch dazu keinen vornehmen Stand erwählt, sondern den gemeinsten Bürgerstand; in diesem haft du wollen gebohren und erzogen werden. Gewiß auch darum, daß selbst die gemeinsten Leute mit ih rem Stande zufrieden seyn sollten, und sich nicht scheueten zu dir zu kommen, um dich mit den Engeln und Hirten anzubethen.- O! ich erfülle also meine Pflicht, ich komme zu dir, und bethe dich an. - -D - Dank, tausend Dank sage ich dir vor Allem für das Gute, daß du mir, und allen Menschen durch deine Menschwerdung u. Geburt erwie. sen hast.- Ach! wie elend wäre es in der Welt zu leben, wenn du, Heiland der Welt! Nats gr. Gebethbuch. H 114 nicht gekommen wärest, um gut zu machen, was schon die Sünde der ersten Aleltern, und noch mehr die Verbrechen so vieler andern Menschen verdorben haben.- Noch immer waren wir unglückliche Kinder Adams, auss geschlossen vom Himmelreiche, Kinder des Fluches und des Verderbens!- Aber du hast uns Gnade und Segen gebracht, du haft uns den Weg zum Himmel geöffnet, ihn durch deine Lehre gezeigt, und durch Dein heiligstes Leben uns dazu aufgemuntert, Du hast gelitten, und bist gestorben, damit wir durch dein Blut gereiniget, und durch deinen Tod mit Gott versöhnt, ewis ges Leben haben mögen.- O, welch ein glücklicher Tag ist also nicht dein Geburts. tag für uns!- Mit Freude feyere ich ihn! - - Ich bitte dich aber auch mit kindlichem Vertrauen, laß doch das Werk deiner Menschwerdung und Geburt an mir nicht verlohren gehen; sondern mache mich aller Früchte deines Lebens, Leidens und Sters bens theilhaftig;-vorzüglich heute, an dem Gedächtnistage deiner Geburt, bitte ich dich um diese Gnade; heute an dem Tage, da du, als ein unschuldiges, kleines Kind - 115 erschienen bist, um uns aufzumuntern, ohne Furcht, und mit innigstem Zutrauen vor dir zu erscheinen, und alles Gute von dir zu er. flehen. Ach! gewähre mir diese Bitte, der du mit dem Vater und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebst, und regierst in Ewigs keit. Amen. encend Gebeth am Schlusse des Jahres. Du, Gott! bist Herr der Zeit, Und auch der Ewigkeiten! Laß mich mit Freudigkeit Dein bobes Lob verbreiten! Ein Jahr ist abermal dahin; Wem dank' ichs, Gott! daß ich noch bin? Nur deiner Gnad' und Güte! Der leste Tag im Jahre! welch' ein merkwürs diger Tag, für mich und alle Menschen! Wer heute nichts Gutes denkt: wer heute nicht bethet, und dem Himmel danket, der muß fürwahr einen blöden Verstand, oder ein unempfindliches, schlimmes Herz haben! Der lette Tag im Jahre!- Ich bin also wieder um 365 Tage ålter geworden, und dem 52 1 116 - Tode näher gekommen.- Ich habe also wie. der mehr Ursache zu machen, und mich zu ei. nem guten Tode zu bereiten: denn vielleicht finds nicht mehr 365 Tage, und ich bin todt. Großer Gott! laß mich diesen Gedanken nie vergessen. Der leste Tag im Jahre! o wie nachdrück. lich erinnert er mich an eine Menge Wohl. thaten, die ich auch heuer von Gottes Vas terhand empfangen habe! - Oder wer hat denn das ganze Jahr hin. durch alle meine Schritte und Tritte geleis tet?- Wer hat mich aus taufend Gefahren der Seele und des Leibes gerettet? Wer hat mich bewahrt vor unzähligen llebeln, die andere Menschen haben leiden müssen? Ja! wer gab mir so viel freudige Stunden und Tage, so viel ruhige Nächte und gesundes Erwachen?-Durch wen kamen so viele gute Gedanken in meinen Sinn, und so viele Antriebe zum Guten in mein Herz?- Wer ließ mich an Weisheit und Verstande zuneh, men, wie am Alter? Wer gab mir das tägliche Brod? Wer ließ alles wachsen und gedeihen, was zum Unterhalt der Menschen und Thiere gehört?- Wer erhielt mir die - 1 - 117Meinigen?-Aeltern, Kinder, Geschwistern, Freunde und Wohlthäter, wer erhielt oder gab sie mir? Kurz, wer ist es, dem ich für alles Gute dieses Jahres zu danken habe? Du bist es, gütigster Gott und Vater im Himmel! Du hast mir so viele Wohltha. ten erwiesen, daß ich leichter die Sterne am Himmel und die Sandkörner auf der Erde zählen könnte, als fic. - O, wie freue ich mich, einen so gütigen Gott und Vater zu haben, und wie herzlich danke ich dir für alle deine Liebe und Güte!Lobe meine Seele den Herrn, und preis seinen Namen ewiglich: denn er ist gut, und seine Barmherzigkeit währet immer fort. Da sich aber Gott das ganze Jahr hindurch so gütig gegen mich bezeigte, wie bin ich ge. gen ihn gewesen? Wie habe ich seine Wohlthaten crkannt?- wie benügt? Habe ich mich seiner Gnade und seines Segens würdig gemacht? Habe ich als ein gutes, dankbares Kind meine Pflichten ge. gen ihn, den besten Vater,- gegen meinen Nächsten, und gegen mich selbst treu, und redlich erfüllt? Habe ich mit schuls - - - -1 - 118 diger Sorgfalt das Böse vermieden, und Gutes gethan, fo viel ich konnte! Ach! wie wünschte ich es! aber mein Ges wiffen fagt mir, leider! das Gegentheil. Es klagt mich vieler Nachläfigkeiten und Sünden an, die ich auch heuer wieder be. gangen habe. Barmherziger Gott! wie scheme ich mich meines Undankes und meiner Missethaten! Ach! verbergen, oder ents schuldigen kann ich's nicht; ich bekenne also meine Schuld, und sage mit reuevollem Her. zen: Herr Gott! sey gnädig mir armen Sünder! Verzeih mir, o Vater! was ich dieses Jahr hindurch gefündiget habe in Ge danken, mit Worten und Werken. Ich bes reve es von Herzen, und bin ernstlich ent fc loffen, im künftigen Jahre mich zu bes fern, und besonders diese Fehler N. N. nicht mehr zu begehen. Ja, mein Gott! mit dem nenen Jahre will ich ein neues Leben begin. nen; den alten, fündhaften Menschen will ich ausziehen, und mich in einen neuen umklei. den, der besser nach der Vorschrift und dem Bilde Jesu Christ gestaltet ist. Dazu gieb mir deine Gnade und deinen Segen.- Amen. - - - 119 Hier kann noch füglich der ambrosianische Lobges sang: Dich, Herr Gott! loben wir 2c. als Dankgebeth gesprochen werden.- Sich ihn im Anhang. - Gebeth am neuen Jahrstage. Das neue Jahr fang' ich mit Sorgen an, Weil ich nicht weiß, wie es mir gehen kann, Doch Gottes Wort, und Gottes Hand Dient mir zum Trost und Unterpfand, Daß meine Seele Nichts verliert; Wenn auch dieß Jahr zum Grabe führt. Bethend schloß ich das alte Jahr,- bes thend fange ich das neue an!- und wie viele Ursache habe ich nicht, zu bethen? Großer Gott! ich stehe an einer neuen Lauf. bahn, und weiß es nicht, ob, oder wie ich felbe vollenden werde. Ach! wie viele Un. gemache können mir dieses Jahr hindurch be. gegnen? Wie viel Böses kann ich thun, oder leiden müssen?- Mein Herz ist wahr. lich nicht ohne Sorge.- Jedoch Gott ist mit mir, sein Auge wacht über mich, und seine Baterhand leitet mich. - - 120 Ich bin also ruhig, und fange getroft den neuen Jahreslauf an.- Entschlossen, mich fest an meinen Gott, und an sein heiligstes Gefeß zu halten, fürchte ich kein Unglück; Ich fürchte weder Tod noch Grab:- denn du. Gott! wirst mich, dein Kind, vor dem Bösen, besonders vor Sünde und Lastern be. wahren,- du wirst mich mit deiner Gnade im Guten unterstügen, wirft mir mein tägliches Brod, und so viel Gesundheit, so viele Kräfte geben, daß ich meinem Be. rufe nachkommen, mein Amt erfüllen, und mir meinen Unterhalt erwerben kann. Auch wirst du meine Angehörigen, meine Freunde und Obrigkeiten gesund und be. glückt erhalten. - Diefes Alles hoffe ich von dir, bester Gott und um Alles dieses bitte ich dich mit kindli chem Vertrauen. PO Sollte es aber auch geschehen, bester Va ter, daß du mich heuer mit einem Unglücke, mit dem Verluste eines guten Freundes, meiner Aeltern oder Kinder, ja felbst mit eigener Krankheit, oder dem Tode heimsu. chen wolltest, so geschehe auch hierin dein heiligster Wille;- ich murre, und klage 121- nicht über dich: denn Du bist weise und gut, auch wenn du züchtigeft,-und leitest Alles zum Besten derjenigen, die dich lieben. Nur darum bitte ich dich, liebster Gott! verhüte doch, daß ich mir mein Unglück nicht felber zuziehe, besonders durch Leichtsinn und Günde nicht;- Wenn es aber du mir auf. legst, so verleih mir Kraft und Muth, daß ich es mit Geduld ertrage, und aus der Noth eine Tugend mache. Durch Jefum Chri stum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebeth a m Fefte der Erscheinung des Herrn oder Der dren Könige. i Die frommen Weisen führt der Stern Aus Morgenland zu ihrem Herrn Ach, möcht' ich ihn doch auch erblicken! Ich folgte ihm bis zum Entzücken,- Das fromme Leben führt zum Herrn, Der Glaube ist der Leitestern. Bester Heiland! jüdische Hirten waren die ersten, die dich gesehen und angebethet haben, 122 ein Engel hat sie zur Krippe gewiesen. Weil du aber nicht nur die Juden, sondern alle Menschen zu erlösen gekommen bist, so woll. test du, daß sich auch Heyden über deine Geburt erfreueten; Auch Heyden sollten dich schon in der Wiege als ihren Retter ers kennen und anbethen, und diese hast du wuns derbar durch einen Stern berufen. - - Ja! aus diesem Himmelszeichen erkann. ten die Weisen im Morgenlande, daß du, großer König der Juden! den alle Völker als Heiland erwarteten, gebohren seyst. Sie machten sich schleunig auf, und fanden dich glücklich in Bethlehem, wo der Stern über dem Hause stehen blieb, in dem du warst. O! wie werden sich da die frommen Mån, ner über deinen Anblick erfreuet haben? Voll Ehrfurcht und Andacht warfen sie sich auf die Erde nieder, betheten dich an, und legten mit reinsten Herzen ihre Gaben zu deinen Füßen: Gold, Weihrauch und Myrrhen königliche Gaben! weil sie dich als König ehrten. - Ach, liebster Heiland! wie beschämen mich nicht diese guten Heiden! Sie reiseten so weit, um dich aufzusuchen;- und ich mag dich oft - - - 123 in der Nähe, in der Kirche nicht besuchen! Der Anblick eines einzigen Sterns,- dieser Wink Gottes,- war schon genug, daß sie sich aufmachten, und folgten, wohin er sie führte; und ach! ben mir braucht es so viel Redens, Bittens, E mahnens und Drohens, bis ich gehorfame!- Deinen lau. testen Einsprechungen, der Stimme meines Gewissens, dem Zuspruche des Beichtvaters und Predigers folge ich nicht! Mit aller Ehrfurcht und Andacht betheten dich die Weisen in der Wiege an;- und ich treibe oft Muthwillen vor dir, selbst in der Kirche, wo ic) doch glaube, daß du wahrhafs Ich bethe oft felber tig zugegen feyst. nichts, und store noch andere im Gebethe. Verzeih mir, ò Jefu! es soll nichts mehr ge. schehen! Das schöne Beyspiel der weisen Heyden beschämet mich; aber es soll mich auch aufmuntern, ihnen nachzufolgen, und durch meine Andacht auch andere zu erbauen. veto - Die Weisen aus Morgenlande opferten dir endlich königliche Gaben. Lieber Gott! ich weiß es wohl, daß du der Menschen Opfer nicht bedürftig bist, und daß du von mir we der Geld noch Gut verlangst; aber du fagst 1 124 doch: Was man dem mindesten seiner Mit menschen thue, das habe man dir gethan. Den Armen will ich also geben und Gutes thun, so viel ich kann, weil ich weiß, daß ichs dir erweise.- Du verlangst endlich auch noch mein Herz, o König der Herzen! Ja! daß ich dich über Alles schäße und liebe, daß ich dir in Allem gehorsam, und gefällig zu seyn mich befleiße,- dieß Opfer willst du;- und sich! ich gebe es dir.- So hart es mich auch an. kommen mag, so will ich doch immer nach Deinem Willen leben, und mir Alles gefallen lassen, was du mit mir verordnest; durch Ge horsam will ich meine Liebe zeigen im Leben und im Tode, bey guten und üblen Tagen. Umen. - - Gebeth am Aschermittwoche und in der Fasten. Wenn ihr fastet, lasset euch keine Traurigkeit anses hen, wie die Gleißner, welche mit ungewaschenem und fauerem Gesichte erscheinen, damit die Leute ihr Fasten merken.-Du, wenn du fastest, salbe 125 and wasch' dein Angesicht, damit nur dein Vas ter, der im Verborgenen ist, um dein Fasten wisse, und nicht die Menschen, so wird der Vas ter, der das Verborgene sieht, dir es öffentlich vergelten. Christus bey Matth. VI. Kap. 16-18. V. - Jest ist wieder die Zeit da, o Gott! in der wir Christen das Andenken an die 4otägige Faften Jesu Chrifti feyern;- die Zeit ist da, die darum eingefest und verordnet ist, daß wir uns selber prüfen, die Fehltritte des ver. gangenen Lebens erkennen, bereuen, und uns durch wahre Buße bessern mögen;- die Zeit, welche dazu bestimmt ist, daß wir uns an das Leiden und den Tod Jesu Christi leb. haft erinnern, und uns zum Osterfeste, zum Empfange des heiligsten Abendmahls wür. dig vorbereiten.- O! welch eine heilige,- welch eine schöne Zeit!- Möchte ich sie doch recht heilig und gut zubringen! Fasten ist ein gutes Werk, es ist sogar Kirs chengeboth: Mit Freude unterwerfe ich mich ihm; ja ich will fasten, so viel es mein Alter, meine Gesundheit, meine Arbeiten und meine Kräfte gestatten.- Leuchtsinnig und shabdom - 126 muthwillig werde ich nicht dagegen handeln. Ben jeder Mahlzeit will ich mir wenigst einen Abbruch thun;- Ich will meine Eßluft überwinden, damit ich um so mehr Herr und Meister über die böse Lust zu fundigen wer de. Ich will meinem Leibe Gutes entzie hen, damit er mich nicht so gewaltig zum Bösen reize, und damit er sichs angewöhne, dem Geiste, der sein Herr ist, unterthan und gehorsam zu feyn.- Dieß ist der Endzweck, und die gute Absicht des körperlichen Fa stens;- O möchte fie erreichet werden! 1 Vor allem will ich mich( was eigentlich die wahre Fasten ist) von Sünden und Lastern enthalten; meine böse Neigungen will ich bezähmen, meinen Leidenschaften Einhalt thun, und mir meine alten Untugenden ab. gewöhnen. Denn wäre wohl dieß ein Fa. sten, das dir gefallen könnte, o Gott! wenn ich zwar dem Munde an seiner Nahrung Et. was entzöge, aber der Begierlichkeit des Fleis sches, dem Zorne, der Zankfucht, und an dern bösen Wesen freyen Zaum und Zügel. ließe? Wenn ich in der Fasten eben so ungefittet, so träge und so boshaft wäre, wie ichs zuvorgewefen bin?-Onein! dieß wäre 127 - kein heiliges Fasten.- Es soll also auch nicht geschehen! Vielmehr will ich mein Herz von Sünden reinigen, und mich bestreben, in die. sen Tagen mehr Gutes zu wirken, als ich sonst gethan habe; ja! eifriger und andächtiger will ich seyn im Gebethe, fleißiger berm Gottesdienste, liebreicher gegen meine Haus. genoffen, wohlthätiger gegen die Armen, geduldiger beym Leiden, und christlicher in allen meinen Handlungen. Mit einem Worte! heilig und gut will ich nach der Vorschrift meiner Kirche, und meis. nes Gewissens diefe Fasten zubringen.- Wer weiß, ob ich noch eine andere erlebe, und wenn nun diese die letzte wäre,- sollte fie nicht auch für meine Seele und Seligkeit die beste seyn? OGott! laß mich auch diese kostbare Zeit zu deiner Ehre, und meinem Heile recht gut verwenden!-Hilf, daß ich meine guten Vorfäße treulich etfülle; und einst den Lohn meines Fastens, meines Bethens, und Allmofens im Himmel erlangen möge, durch Jefum Christum, deinen Sohn, unfern Herrn. Amen. 128 3wentes Fastengebeth. Der Bußpsalm Miserere. I) Erbarme dich meiner, o Gott nach Deiner großen Barmherzigkeit, und nach der Menge deiner Erbarmung tilge meine Sünden! 2) Wasch mich immer mehr und mehr von meiner Ungerechtigkeit, und reinige mich von meinen Missethaten. 3) Denn ich erkenne mein Verbrechen, und meine Sünde schwebt mir immer vor. 4) Dir allein habe ich gefündiget, vor dei. nen Augen habe ich Böses gethan: 5) So mußt du dann in deinen Reden ge. recht erfunden werden, und Recht be. halten, wenn du richtest. 6) Jch aber bin erzeugt in Missethaten, und in Sünden empfieng mich meine Mutter. 7) Sich! Herzens, Redlichkeit ist dir ange. nehm,- verborgene Weisheit lehrst du mich. 8) Mit 129 8) Mit Hyssop) besprenge mich, so wers de ich rein; von dir gewaschen, werde ich weiß wie der Schnee. - 9) O laß mein Ohr das Wort der Freude und des Trostes hören! und frohlocken wird mein zerschlagenes Gebein. 10) Wend' ab dein Angesicht von meinen Sünden, und tilge meine Missethaten! II) Erfchaff, o Gott! ein reines Herz in mir und gieb mir einen neuen Biedersin. 12) Verwirf mich nicht von deinem Ange. sicht, und deinen heiligen Geist entzieh mir nicht. 13) Erfreue mich mit deiner Hilfe wieder, und befestige in mir den Tugendgeift. 14) Dann werde ich die Sünder deine Wege lehren, und Ruchlofe sollen sich durch mich zu dir bekehren. *) Die Aussäßigen wurden im alten Testamente mittelst eines Hyffopenbusches mit Opferblute besprengt, damit sie gebeilt und gereiniget würs den. Die Besprengung mit Hyffop zeigte also hier die Reinigung von Sünden diesem See. len- Aussatze an. Naks gr. Gebethbuch. J <-130 15) Von Blutschulden rette mich, o Gott des Heils! und meine Zung wird dich stets gerecht und heilig preisen. 16) Deffne meine Leszen, Herr! daß dei nen Ruhm mein Mund verkündige. 17) Opfer wirst du nicht,( ich gåb' fie dir) selbst Brandopfer sind dir nicht gefällig. 18) Das Opfer, das dir wohlgefällt, ist ein zerknirschter Geist. Ein Herz, o Gott, so reue. und demuthvoll im Busen schlägt, das kannst du nicht verachten. - 19) Sey gnådig, Herr nach deiner Gité, und wohlthätig gegen Stadt und Burg, gegen den Fürsten und sein Volk. 20) Dann werden dir der Unschuld Opfer, geweihte Gaben fallen. Alles wird, voll Dank und Liebe, sich ers freuen. Ehre sey dem Vater zé. Der 129. Psalm. De Profundis. İ. Herr! ich rufe tief gebeugt zu dir, 131=> Mein Begehren Zu erhören, Neige dich herab zu mir. 26 Meine Seele seufzt zu dir empor. Ihre Bitten Auszuschütten, Deffne ihr dein Vaters Ohr. 3+ Will dein Aug auf unsre Sünden seh'n, Willst du rächen Die Verbrechen, Herr! wer wird vor dir besteh'n? 4: Nein! Du bist ein bald verföhnter Gott; Darum traue Ich, und baue Auf dein Wort und dein Geboth. 5+ Dein Versprechen, Vater! täuschet nie; Mein Gemüthé Kennt die Güte Seines Gott's, und hofft auf sie. 6. Sfrael! vertraue seiner Macht, Deine Sorgen Von dem Morgen Bis zur stillen Mitternacht: 1 132 7. Denn der Herr ist lauter Gütigkeit, Sich der Armen 3u erbarmen, Sie zu retten stets bereit. 8. Israel wird seine Baterhand Gnådig retten Aus den Ketten, Die um ihn die Sünde wand. Als Andachtsübungen für die Fasten können auch gebraucht werden, der Kreuzweg, und die Litanev vom Leiden Christi.- Sich fie unten im Anhange. Gebeth am Palmtage. Das häufige Volk, welches vor und nach Jesu gieng,( beym Eintritte in Jerusalem) schrie laut: ,, Heil sey dem Sohne Davids! gesegnet ,, sey, der da kömmt im Namen des Herrn, ,, Heil und Ehre sey ihm in der Höhe Matth. XXI. 9. V. Mit Frohlocken und Jubelgefange empfien. gen dich, göttlicher Elöser! heute die Einwohner Jerusalems in ihrer Stadt; Palm. zweige streueten sie auf den Weg, wo du durchzogst, und bedeckten denselben im Tau. 133 WIED mel der Freude sogar mit ihren Kleidern. Besonders bezeugten dir die guten, un. schuldigen Kinder viel Ehre und Liebe, da fie dir bey deinem Einzuge beständig zuries fen: ,, Ehre und Preis sey dir, du Sohn Davids! gelobt sen, der da kommt im Na. men des Herrn!" - O! möchte doch diese Freude, und diese Ehrenbezeugung bey allen Bürgern Jeru. falems so aufrichtig, wie bey den Kindern gewesen seyn; dann würden sie dich, ihren besten Heiland und König, gewiß nicht gleich darauf so grausam verfolgt, verach. tet und getödtet haben. Aber so machen es wir Menschen: heute sind wir gut gegen unsern Nächsten, und morgen böse;- heute loben und ehren wir ihn, und morgen kann er um geringer Ur. fache wegen verachtet und verfolget werden. O bewahre mich Gott vor diefer Sünde! Ich habe es ja nicht gern, wenn man gegen mich so ungerecht und lieblos handelte; will's also auch gegen meinen Nächsten nicht thun. Gutes denken und Gu. tes reden will ich von Jedermann. Und wenn ich auch von eines Menschen - - -134 Untugend oder Bosheit überzeugt bin, fo will ich ihn doch nicht verførenen oder lästern, sondern für ihn bethen, ihn bemitleiden, und bessern will ich ihn, so gut ich's kann. Kinder haben dich heute, o Heiland! am besten bekamit, und am meisten geehrt.- So find alfe Kinder eines unve derbten Sinnes und Herzens oft kluger und besser, als alte Leute, die sich durch Vorurtheile und Lei. denschaften blenden lassen. O, welch eine Schande!- aber auch welch eine gute Leh re! daß wir uns bekehren, und kleinen Kin. dern chnlich werden müssen, wenn wir An theil am Reiche Gottes nehmen wollen. Nun, so gieb mir dann, o Gott! wahren Kinderfinn! Gieb mir einen Verstand, der gelehrig, und ein Herz, daß unschuldig, und geneigt zum guten ist. Heile mich von Irrthümern und Leidenschaften; verbanne Schalkheit und Aberwiß aus meiner Seele, und laß mich weife und tugendhaft vor deis nem Auge wandeln. -- In Hoffnung dessen stimme ich mit den Kindern von Jerufalem den frohen Lobge. fang des heutigen Tages an:- Ehre und - 135 Preis sey dir, du Sohn Davids! Rea segnet sey dein Name; gesegnet sey, den der Herr zu uns gesandt! Ehre und Preis sey dir, Davids Sohn! Von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Gebeth in der Charwoche. Er ward wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt, und war geduldig, wie ein Lamm, das vor seinem Scheerer versiummt. Apostelg. VIII. B. 30, mein Jesus, was war diek für eine har. te Woche für dich!- der Anfang so gut, so ehren und freudenvoll, und dann Alles so traurig und schmerzhaft! P Am Palmentage zogst du im Trivmphe zu Jerufalem ein; alles Volk frohlockre, und ehrte dich königlich, du wurdest als Meffias erkannt;- und kaum vergiengen drey Tage, so zog man gegen dich mit Gerichtsdienern und Soldaten aus,-nahm dich, wie einen Mörder, gefangen, und sprach das Todes. urtheil über dich. Alles Volk schrie aus pollem Halse: Kreuzige, kreuzige thu! So sind die Menschen beschaffen, großer 136 Gott! so wenig kann man sich auf fie ver. lassen; auch unschuldig kann man von ihnen mißhandelt und verdammet werden. O! ich will mich hüten, daß ich ja nicht un gerecht gegen Jemanden handle, nie einen Menschen verdamme, und immerhin will ich mehr meinen Gott, als den Menschen, zu gefallen suchen. Aber wie gieng es dir, bester Heiland! noch weiter? Man schleppte dich von ei nem Gerichtsstuhle zum andern,- der jüdis sche Rath übergab dich dem Pilatus, Pilatus fandte dich zum Herodes; da wurdest du verspottet, und wieder zuri ck zum Pilatus geschickt. Dieser Richter erkannte deine Unschuld, und ließ dich dennoch geißeln, ließ dich mit Dörnern krönen, und endlich gar noch, um den Juden zu gefallen, an den schmählichsten Stammen des Kreuzes heften. - - - - - 110 Und du, mein Heiland, Ach! wie fanftmů, thig und geduldig warst du nicht ben all' die. fen Unbilden, Ungerechtigkeiten und MarO! du hättest dich so leicht aus den Händen deiner Feinde losreißen, sie be. schwamen und frafen können; aber du tha test es nicht; sondern wie ein Lamm, das tern! - 137 man zur Schlachtbank führt, so giengst du geduldig und stillschweigend, dem Tode zu. Ich hingegen bin gleich so unwillig und feindselig, wenn man mir nur das Mindeste zu Leide thut; ich will keinen Vorwurf let. den, wenn ich ihn auch schon verdienet ha. be; ich murre und fluche wegen ieder Klei. nigkeit:- Ach, wie schäme ich mich, bester Heiland! Verzeih mir meine Sünde!. Ich will von nun an auch geduldiger und fanftmüthiger seyn, wenn mir etwas Widriges begegnet, wie du es gewefen bist, und wie ich weiß, daß du es von deinen Schüs lern haben willst. Du starbst endlich, o Sohn Gottes! und starbft des schmerzlichen Todes für uns ar. me Sünder, aus Liebe zu uns bist du gestor. ben!- Dein Leichnam wurde vom Kreuze genommen, von guten Menschen in das Grab gelegt, und da ruhete er bis am drit. ten Tage. Bester Heiland! daß ich doch aus Liebe zu dir recht frommt und tugendhaft leben möchte! O! dann werde ich gewiß sanft und ruhig sterben; dann fürchte ich den Tod nicht, und nicht das Grab. Jesus ist für mich, H - - 138 und vor mir gestorben;-dieß soll mein Trost seyn! Und wenn ich ein guter Mensch bin, so werden mich gute Menschen auch noch im Grabe beweinen;-Am jüngsten Tage wer. de ich wieder lebendig werden, und glorreich aus meinem Grabe hervorgehen.-O! was für eine Ehre, was für ein Troft ist dieses nicht: Liebster Gott! wer sollte nicht gut leben, um felig sterben, und wieder leben ewig leben zu können durch Jesum Christum unsern Herrn! Amen. myyn Hier taugen auch die Gebethe auf den Donners stag und Freytag,( oben Seite 54-57.) und die Stationen( der Kreuzweg) oder auch die Litas ney von dem Leiden Jesu, S. Anhang. Gebeth in den Ostertagen, Wenn ihr mit Christo auferstanden seyd, so suchet, was droben im Himmel ist, wo Christus zu der Rechten Gottes sitzt;- forget für das Himmlis sche, und nicht für das, was auf Erden ist. Paul. zu den Kolossern III. I. u. 2. V. Der heutige Tag ist ein allgemeiner Freu. Dentag für alle Christen, weil er uns, o götta 139 licher Erlöfer, an deine fiegreiche Auferste hung vom Tode erinnert. - Die Juden, deine Feinde, glaubten, was sie thaten, wenn sie dein Grab mit ei. nem großen Stein bedecken, versiegeln, und mit Soldaten bewachen ließen. Aber, ungeachtet des großen Steines,-des Sie. gels und der Soldaten, giengst du lebendig aus dem Grabe hervor.- Da hast du also den Unglauben recht zu Schanden gemacht, und augenscheinlich gezeigt, daß du mehr, als ein Mensch, daß du Gohn Gottes feyst, der sich das Leben, welches ihm Menschen genommen hatten, selbst wieder geben kon te.- Ja! heute haft du recht deutlich be. wiesen, daß die Religion, die du gestiftet und uns gelehrt hast, von Gott herkomme, und daß also Alle, die sie treulich befolgen, Gott angenehm und wohlgefällig seyen. Ueber dieses Alles, o mein Heiland! freue ich mich von ganzem Herzen, und danke dir, daß ich in deiner heiligen Religion gebohren und erzogen bin. Nur bitte ich dich, du wollest mir mit deiner Gnade benstehen, da. mit ich sie imer besser kennen lerne, und mein - 140- ganzes Leben, all' mein Thun und Laffen so einrichte, daß ich jederzeit als ein guter Christ vor deinen Augen erscheinen möge. Noch ein anderer tröftlicher Gedanke fällt mir bey, da ich mich an die Auferstehung Jesu Christi erinnere, nämlich dieser: daß ich einst auch wieder auferstehen werde. Ob. schon mein Leib nach dem Tode im Grabe vermodert, so wird er doch nicht ewig im Grabe bleiben; der Staub wird sich wie. der sammein; und ich werde auferstehen:. Diese Wahrheit hast du, bester Heiland! durch deine eigene Auferstehung beståttiget: ich glaube festiglich daran, und freue mich schon des glücklichen Tages, an welchem dieses geschchen wird. Durch dich, o mein Gott und Erlöser! hoffe ich, daß ich, als ein Gerechter auferstehen, und mich dann im. mer und ewig mit dir und deinen Auserwähl ten im Himmel erfreuen werde. Amen. - - Gebeth am Himmelfahrtsfeste. Jefus führte sie( feine Jünger) hinaus nach Bethas nien, hob seine Hände auf, und segnete sie, und während dem er sie segnete, ward er von Ihnen 141 genommen, und in den Himmel erhoben. Da- fielen sie nieder, und betheten in an. Lukas XXIV. 50-52. V. - Heute bist du, göttlicher Erlöfer! wieder heim gegangen zu deinem himmlischen Vater. Ach! wie traurig muß es für deine gu. ten Jünger gewesen seyn, dich zu verlieren, ihren besten Freund, ihren Meister, Lehrer und Wohlthäter, den sie so herzlich lieb. ten, und der auch gegen sie so voll der Liebe war. ,, Ich gehe hin zu meinem Vater und zu eurem Vater,- zu meinem Gott und zu eu. erm Gott:- Ich gehe hin, euch in dem Hau. se meines Vaters und eures Vaters eine Wohnung zu bereiten, in welche ihr bald nachkommen werdet. Ich muß zwar jest, nach dem Willen meines himmlischen Ba. ters, euch verlassen: allein auch im Himmel bleibe ich noch euer Freund, euer Bruder und euer Erlöser!!" Mit diesen liebreichen Worten tröstetest du, bester Heiland! Deine niedergeschlage. nen Jünger bey dem Abschiede von ihnen; Aber auch mir sollen sie Toft und Freude geben, diese Abschiedsworte! Comune 142 Und wie sollte ich mich nicht freuen, wie follte ich nicht den innigsten Trost empfinden. wenn ich daran denke, daß ich einen so guten Freund, einen so mächtigen Fürsprecher bey dem himmlischen Vater habe, wie du bist, o Jesu! Ich weiß, daß du mich, als dein Kind, recht zärtlich liebst; ich weiß, daß dit mich nie vergessen kannst; sondern daß du al. le meine frommen Empfindungen, alle mets ne guten Gedanken, ja alle meine Seufzer und Thränen, die ich in der trüben Stuns de des Leidens weine, zählst, und sie deis nem himmlischen Vater darbringst.- Ich weiß, daß ich einstens nach meinem Tode zu dir ins himmlische Vaterland komment werde: weil du willst, daß da, wo du bist, auch deine guten Kinder und Freunde seyn sollen, und weil du hingegangen bist, unt auch mir daselbst eine Wohnung zu bereiten. O welch ein Trost! welch eine himmliſche Freude wird es dann für mich seyn, went ich auf meinem Todbette zu den herumste. henden Freunden, wie Christus zu seinent Jüngern, werde fagen können: ,, Seyd nicht traurig, ich gehe ja nur hin zu meinem Va und zu eurem Vater, zu meinent ter, - - - - - Gott, und zu eurem bald wieder sehen; - 143 Gott! Ich werde euch dann wird unfere Freude vollkommen, und unsere Vereini. gung ewig seyn!/* Dieß geschehe,— ja, Dieß geschehe! Amen. - - Gebeth in den Pfingsttagen. Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, der immer bey euch bleis ben soll, den Geist der Wahrheit, der wird euch Alles lehren, und euch alles Dess sen erinnern, was ich euch gesagt habe. Chris stus bey Joh. XIV. 2. 16. und 26. - - heiliger Geist! ewiger und wahrer Gott! du bist heut sichtbar in Gestalt feuriger Zuns gen über den Häuptern der Aposteln erschies nen, und hast so große Wunder an ihnen gewirket, daß fie, durch dich erleuchtet, und von dir gestärkt, ganz andere Men. schen wurden; Männer voll der Weiss heit und Liebe, voll heiligen Eifers für Je. fum Chriftum, für seine Religion, und für das Heil der Seelen. O, möchtest du auch mich erleuchten und stärken zu allent Guten!- — - - 144 - Auch ich habe dich schon in der Taufe empfangen,-da schon hast du mich geheis liget, und zu einem Kinde Gottes, zum Erben des Himmels gemacht! Erhalt nun in mir diese Gnade, und står. ke mich, daß ich sie durch die Sünde nie leichtsinnig verscherze! Gieb mir eine heilsa. me und kindliche Furcht, daß ich mich scheue, Etwas zu begehen, von dem ich weiß, daß es meinem himlischen Vater mißfallen müße. Floße mir wahre Liebe Gottes und des Näch. sten ein; lehre mich gehorsam seyn gegen Gott und meine Vorgefegte,-fteh mir bey, wen ich versuchet werde; ertheile mir guten Rath in allen zweifelhaften Fällen, damit ich ja nie etwas anders, als was recht, was gut ist, wählen möge; erleuchte meinen Ver. stand, daß ich alles dasjenige recht einsehen und ordnen möge, was ich zu meiner zeitli. chen und ewigen Glückseligkeit nothwendig zu wissen, zu thun und zu ordnen habe; Tröste mich endlich, o Geist des Trostes! wenn ich niedergeschlagen, kleinmuthig, und traurig bin. Beson - 145 Besonders aber mache mich gegen deine Eingebungen aufmerksam, gelehrig, und folg. fam, damit ich nie aufhöre, ein wahrhaft from. mer, Gott wohlgefälliger Christ zu seyn, durch dich, und Christum unsern Herrn. Amen. Gebeth am Feste der heil. Dreyfaltigkeit. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch, Gebet also hin, lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heil. Geistes. Christus zu den Aposteln bey Matth. XXVIII. 2. 18 und 19. Dir, o Jefu! haben wirs zu verdanken, daß wir die Gottheit besser kennen, als selbe unsere Voråltern, die noch keine Christen was ren, erkannt haben. Durch dich wissen wir erst recht, daß Gott Vater- Vater aller Menschen, besonders aber dein Vater sen: denn du bist sein eingebohrner, vielge. liebter Sohn,- Sohn Gottes bist du! dieß wissen wir aus deinem Mun. de, und deine Thaten bezeugen es: Naks gr. Gebethbuch. Ⓡ M 1 146 Auch vom Daseyn des heiligen Geistes, des Lehrers, des Trößters u. des Heiligmachers, hat uns niemand andrer so deutlich und volls kommen, wie du unterrichtet. Durch dich erkennen wir also unfern Gott, wie er sich geoffenbaret hat; und bethen ihn an, wie er's von uns verlangt. Du hast den Aposteln befohlen, daß sie in alle Theile der Welt ausgehen, das Evange. lium predigen, und taufen sollten im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Auch ich bin so getauft, u. schon als ein unmündiges, neugebohrnes Kind durch diese Taufe geheiligt, der Gottheit gewidmet, und zum Christenthume eingeweiht worden. O welch eine made, welch ein Glück für mich!- Lob, Dank. und Ehre sey dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Ehre sey dieser heiligsten Dreyfaltigkeit, wie fie war im Anfange, u. seyn wird in Ewigkeit! Aber wie soll ich dich dann ehren, großer Gott! wodurch soll ich meine schuldige Hochachtung, und Liebe gegen dich bezei. gen? Dadurch glaube ich, wird es wohl am besten geschehen, daß ich meinen Taufs bund treulich erfülle, d. i. daß ich alles Das - - - MOD 147 jenige redlich glaube, und thue, was meine Taufpathen bey dieser heiligen Handlung in meinem Namen zugesagt, und feyerlichst versprochen haben. ww Sie haben Glauben versprochen an Gott den Vater, den Sohn, und heiligen Geist;Glauben an die Kirche Gottes, von der ich Glauben an ein Mitglied geworden bin; Nachlaß und Vergebung der Sünden;— Glauben an die Auferstehung von dem Tode, Und sich, o und an ein ewiges Leben. Gott! ich glaube alles Dieses; festiglich glaube ich es. Man hat von ihnen, meinen Taufpathen Liebe gefordert, und ich bin bereit, Gott über alles, und meinen Nächsten, wie mich felbst zu lieben. - - Univ.- Bibl. Giersen - Sie mußten in meinem Namen dem Bösent entsagen;- und ich verspreche es abermai, daß ich dem Geiste der Bosheit, und des La sters,- den Verführungen der Welt, das ist, nichtswürdiger, böser Menschen, und den unerlaubten, fündhaften Gelüsten meines Fleisches niemal folgen; sondern allzeit un. schuldig und heilig nach Christi Lehre, und Beyfpiele zu leben mich befleißen wolle, R2 - - CARA <-148 Dieß verspreche ich, und dadurch will ich dic) ehren, o Gott!- Stärke meinen Vors sas, und laß mich desselben nie vergessen.d Selbst das Zeichen des Kreuzes, mit dem ich mich so oft segne, und es leider! so sel. ten bedenke, was ich thue,- selbst dieses Zeichen soll mich daran erinnern, und soll Segen für mich werden, indem es in mir das Andenken an die Gottheit erwecket, und mich aufmuntert, daß ich im Namen, zur Ehre,- und mit Hilfe des Vaters, der mich erschaffen,-des Sohnes, der mich am Kreuze erlöset,- und des heiligen Gei stes, durch den ich geheiliget worden bin, alles anfangen, und vollenden möge. Amen. Gebeth am Fronleichnamsfeste, und beym Besuche des heiligsten Altarssakraments. Ich bin das Brod des Lebens! Euere Våter has ben in der Wüste das Manna genossen, und sind gestorben. Dieß ist das Brod, welches vom - 149 Himmel kömmt, damit, wer immer davon ist, nicht sterben mdge. Christus bey S. VI. 45-50. Wie herzlich, o Jesu! hast du deine Junger, und alle Menschen geliebt! Nicht nur bis zum Tode liebtest du sie; sondern auch noch nach dem Tode dauert deine Freund. schaft, und Liebe fort. - Zum Unterpfande, und zum ewigen Denke male deiner Liebe festest du das heiligste Sa krament des Altares ein.- In ihm wolltest du unaufhörlich bei uns Menschen, in un. fern Kirchen und auf unsern Altåren seyn, damit wir immer recht nahe bey dir wären,- immer an dich denken, und in allen Nöthen unsre erste Zuflucht zu dir nehmen könnten.- O, möchte es doch geschehen!- möchte uns wenigst der Gedanke- daß du in der Kirche zugegen senst,- von aller Unandacht, und Ausgelassenheit an diesem heiligen Orte zus rücke halten! Mich freuet es von Herzen, daß heute die katholische Kirche zum frohen Andenken, und zur Dankbarkeit für die Einfeßung des heiligsten Sakraments so einen allge. meinen großen Festtag verordnet hat.- O! 150 8 daß doch alle Chriften sich erfreuen, und Je. fu Chrifto ihren Dank, und ihre Anbethung nicht blos äußerlich zeigen, sondern aus ganzem Herz n, im Geiste, und in der Wahrs heit erweisen möchten! Die Pracht des Gottesdienst es,- die öffentliche Aussegung des heiligsten Sakra. mentes.-Die Umbertragung deffelben in der Prozeßion, alles Dieses soll uns nicht zer. streuen; foll nicht die Augen ergößen, sons dern das Herz zur Andacht, zum Lobe und zur Anbethung Jefu Chrifti ermuntern; es soll unterrichten, foll erbauen und rühren. Aber nicht genug, daß du, o Jesu! bey uns im heiligsten Sakramente zugegen bist; Du willst auch sogar von uns empfangen, und wie eine Speise zum Heile der Seelen ge nossen werden. Wenn ihr nicht effet das Fleisch des Menschen Sohnes, und fein Blut nicht trinket, so ist kein Leben in euch, - ihr send todt!" So sprachst du zu den Ju. den: Und, wie augenscheinlich zeigen uns, Diefe deine Worte, bester Heiland! daß, gleichwie der Leib ohne Speise, und Trank nicht bestehen kann, also auch die Seele ohne dich sterben und verderben müsse.- Du bist - - - - 151- Dann wahrhaftig ihre Speise, durch dich muß fie Nahrung, Stärke, und Leben erhal. ten;- und wann geschieht dieses auf eine vorzüglichere Weife, als beym Empfange des heiligsten Abendmahls?- A - O da! da wird das Andenken an dich, an deine Weisheit, und Güte, an dein Leiden und Sterben auf das lebhafteste erneuert;da erwacht, und stärkt sich der Glaube an dich, da wird das Herz voll guter Hoff. nung und heiliger Liebe gegen dich, da lebt die ganze Seele; sie ist eines Sinnes mit dir, und empfindet es, daß fie aufgemuntert und gestärket fey zu allem Guten. - - Ich weiß es, wie mir ist, wenn ich die heilige Kommunion mit Andacht empfange. O! da bin ich wie neu gebohren,- da scheue ich auch die kleinste Sünde, und befleiße mich der schönsten Tugendwerke; da fühle, und empfinde ichs wahrhaftig, daß meine See. le lebt! Aber wie oft gieng ich auch schon ohne Em. pfindung, ohne Trost, und Nugen zu diesem Heiligthume? Ach, verzeih mir, o Gott! und gieb, daß ich dich wenigst in Zukunft nicht mehr unandächtig, noch minder aber 152 - unwürdig empfange, sondern jedesmal mit reinem Gewissen und frommem Herzen bey deinem Tische erscheine;- denn wer den Leib des Herrn unwürdig ist, und wer als Sün. der von seinem Blute trinkt, der vergreift fich an ihm, er begeht des Judas Sünde, und ist, anstatt des Lebens, den Tod und das Gericht hinein. Bewahre mich der Himmel vor diesem fchercklichen Verbrechen! Lieber will ich sterben, als dieses heiligste Sakrament so schändlich entheiligen!Wenn es endlich( erlaube mir auch noch dieſe lette Bitte, bester Heiland!)- wenn es endlich zum Sterben kömmt, so verleih mir, daß ich das heiligste Abendmal auch noch als Wegzehrung zu meiner Reise in die Emigkeit bey gutem Verstande, und mit wahrer Andacht genießen möge, damit ich, durch dieses Brod des Lebens gestärkt, im Todeskampfe nicht unterliege, fondern überwinde, und selig im Herrn entschlafe. Amen. 153 Gebeth am Kirchweihfeste. Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses, o Herr! ewige Heiligkeit. Psalm XCII. V. 5, - Heute ist der Tag, an dem unfre Kirche zu deiner Ehre, und zu deinem Dienste, o Gott! eingeweihet wurde. Nun ist sie das Haus Gottes!- und was will dieß nicht sagen?- — Da kommen also alle guten Kinder, wie im Haufe ihres Vaters, zusammen, da loben und preifen wir unsern Gott, tragen ihm unfre Anliegen vor, und bethen gemeinschaftlich zu ihm. - - Da redet auch Gott zu uns durch seine Priester, låst uns sein Wort vekündigen, - ermahnet und drohet,- unterrichtet und tröstet uns. Da sind wir durch die Taufe zu Chri, sten eingeweiht worden;-da spricht man uns von Sünden los,-da wird geopfert, und die Speise des Lebens, der Leib und das Blut Jesu Christi- den Gläubigen mit. getheilt. 154 - Ja! Jesus Christus ist da immer im hei, ligsten Sakramente zugegen, er wartet gleichsam auf uns, ladet uns ein mit freund. Itcher Stimme: ,, Kommt her!( fo ists mir, als hörte ich ihn rufen) kommt her zu mir Alle, die ihr zu schwer beladen fend, ich will eure Laft erleuchtern und euch erquicken!" O großer Gott! wie heilig, und vorterflich ist nicht dieses Haus!- Daß ich doch al lezeit recht fleißig und ordentlich darinn er scheinen, und mich jedesmal ernstlich erinnern möchte, wohin ich gehe, und wo ich mich befinde, wenn ich in der Kirche erscheine.Da wäre es freylich nicht möglich, daß ich mich an dieser heiligen Stätte noch eine mal verfündigen, und, anstatt zu bethen oder aufzumerken, mich dem Geschwäge, und andern Ausschweifungen ergeben kön te!- Ach! alles Böse, das ich jemals in der Kirche begangen habe, bereue ich von Herten, und bitte: Verzeih mir, o bester Gott! Dein Haus ist heilig, und ich will es nicht mehr entweihen;- es ist ein Gebeths haus, und ich will es zu keiner Mördergrube.-zu keinem Geschwäß und Geschäfts 155 hause machen. Es ist ein Haus der Gnade und des Segens, ich will es nicht mehr scheuen, nicht mehr vor ihm fliehen.- Oh. ne Zwang, mit Freude und Vergnügen will ich mich jedesmal gern in die Kirche begeben, und mich glücklich schäßen, daß ich im Haufe meines Vaters erscheinen, und darinn ſo viel Gutes lernen, wirken, und empfangen kann. Auch Andern will ich den Besuch der Kirche empfehlen, und fie darinn jedesmal durch meine Frömmig. keit zur Ehrfurcht und Andacht zu ermun. tern suchen durch Jefum Christum, unsern Herrn. Amen. 1 - 156S. VI. Allgemeine Andachtsübungen - zu Gott, und den Heiligen, besonders an ihren Festtagen. Religionsakte des Glaubens, der Hoffnung und Liebe, sammt eiz nem Rengebethe. Glaube. Ohne Glauben ists unmöglich, Gott zu gefallen: denn wer zu Gott kommen will, muß glauben, daß ein Gott, und daß er Denen, die ihn suchen, ein Vergelter seyn werde. Paulus zu den Hebråern XI. V. 6. Ich glaube an dich, o Gott! einziger, wah. ter Gott und Herr Himmels und der Erde! Ich glaube, daß du Schöpfer und Vater bist von Allen, ein allmächtiger, unendlicher guter, und weifer Vater, der Alles weiß und regiert, ohne den Nichts geschieht, was ge. 157- schieht, und der auch Richter ist, zu stra. fen das Böse, und zu belohnen das Gute. - Ich glaube, daß der eingebohrne Sohn Gottes aus Liebe zu uns Menschen ist Mensch geworden, um zu suchen, und se. lig zu machen, was verlohren war. Ich glaube an den heiligen Geift, den Geist der Wahrheit und Liebe, den Trös fer und Heiligmacher, den uns Jesus verheißen, und gesandt hat. Ich glaube die Unsterblichkeit meiner Seele, und daß ich nichts anders, als durch Gottes Gnade und mit Gottes Hilfe, die Seligkeit erlangen kann. Dies Aves, o Gott! und was du noch Anderes gefagt, oder geoffenbaret hast ,. was auch deine heilige Kirche zu jeder Zeit als deine Offenbarung geglaubt, und ges. lehret hat, dich glaube ich ohne Zweifel, weil es dein Wort; dein Wort aber Wahrheit, und ewiges Leben ist.- 1 1 Für diesen meinen Glauben danke ich dir, o Gott! u. bitte nur, daß du ihn lebendig ma chest zu guten Werken: den der Glaube ohne 158 Werke ist unnuß und tedt. Gieb alsó, daß ich recht oft und lebhaft an die Wahr, heit meines Glaubens denke, und durch die, ses Andenken, durch diese Betrachtung vom Bösen abgeschreckt, im Guten unterrichtet, jum Guten ermuntert, und darinn befestiget werde. Dies gieb, o Herr! damit mein Leben immer so gut, wie mein Glaube seyn mögé. — - - Hoffnung. Hoffe auf den Herrn, und handle rechtschaffen. Pfalm XXXVI. 22. 2. Wie ich an dich glaube, Alwiſsender, und ewig wahrhafter, so hoffe ich auf dich, unendlich guter und getreuer Gott!- Du bist mein Helfer und Retter in allen Nöthen. Von dir hoffe ich also Nachlaß und Ver. zeihung meiner Sünden,- Gnade zu einem frommen, christlichen Leben, und die ewige Seligkeit. Dies, o mein Gott! und was mir auch sonst noch an geistlichen und leiblichen Gü tern nothwendig, oder nüglich ist, hoffe ich von dir;- denn du hast mir alles Gute durch Jefum versprochen; du bist auch ein 159 allmächtiger und getreuer Gott, der fein Versprechen halten kann, und halten will. - Du hast mir bisher so viel Gutes gethan; wie sollte ich nicht auch in Zukunft das Al. lerbeste erwarten? O! wenn ich nur die Gelegenheit, die Gaben und Kräfte, die du mir verleihst, treulich anwende, und redlich thue, so viel ich kann, so darf ich mich sicher auf deinen Beystand verlassen, und mit kind. lichem Vertrauen deinen Leitungen folgen; ruhig kann ich leben, und selig sterben: denn so eine Hoffnung macht nicht zu Schanden. - - Liebe ACE Du sollst Gott deinen Herrn lieben aus ganzeni Herzen, aus ganzer Seele, und nach allen Kräf ten. Dieß ist das erste und größte Gebot; das andere aber ist ihm gleich: Deinen Nächsten sollst du lieben, wie dich selbst. Christus bey Matth. imi XXII. Ka p. Du bist das höchste und beſte Gut, o Gott! Du bist mein Schöpfer, mein Herr, und Va. ter.- Dein Sohn ist mein Lehrer, mein Ec. dilamin 160 löser und Seligmacher! Von des Vaters Güte und von des Sohnes Liebe hab ich Alles, was ich habe; ich hoffe auch Alles, was mir noch Gutes zu Theile werden solle. Und dich, liebenswürdigster, wohlthätig. fter Gott! dich sollte ich nicht lieben?- Oia, von ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften liebe ich dich.- Gieb nur, daß ich dich, und deine Vollkommenheiten imer mehr kennen lerne, um dich auch immer mehe schäßen, und mit reiner Liebe lieben zu könen. Wirklich kann ich dir meine Liebe, o Gott! nicht anders bezeugen, als daß ich, wie ein gutes Kind deine väterlichen Gebothe treulich erfülle, und dir immer ähnlicher und wohlgefälliger zu werden suche. Aber auch alle meine Nebenmenschen, Freunde und Feinde liebe ich, wie mich selbst, weil auch du sie liebst, o Vater aller Men schen! und weil du willst, daß ich sie als deis ne Ebenbilder, als deine Kinder, zugleich aber auch als meine Brüder und Schwe. fern von Herzen lieben, ihnen alles Gutes wünschen, gönnen, und erweisen soll, wie ich wünsche, daß es mir geschehe. Dieß ist Dem 16t dein Wille, dieß ist die Hauptsache im Chri. stenthume, das zwente Gebot ist es, welches uns Jesus so nachdrücklich empfohlen hat, und aus dessen Erfüllung man erkennen muß, ob wir sane Jünger, wahre Christen sind. Entzünde dann in mir, o Gott! das Feuer einer heiligen Bruder und Swesterliebe!- Verbanne alle Verachtung, allen Haß und Feindschaft ausm einem Herzen, und gieb, daß ich gegen Jedermann freundlich, dienst. fertig, mitleidig und barmherzig sey, damit ja meine Liebe nicht blos in Worten bestehe, sondern sich in Werken zeigen möge. Reue und Leid, oder Bußgebeth. Ein zerknirschter Geist ist ein Gott gefälligès Opfer: ein bußfertiges und gedemüthigtes Herz wirst du v Gott! nicht verachten. Psalm. L. V. 19. Wer dich liebt, o Gott! der erfüllt deine Ges bothe, und wer den Nächsten wie fich felbee liebt, der thut weder sich, noch dem Nach Maks gt. Gebethbuch. 8 sten ein Leid.. Aber ach!( mit Scham und Reue bekenne ich meine Schuld) schon oft habe ichs gethan, und dieß heilige Geboth der Liebe, die ich Gott, dem Nächsten, und mir selber schuldig bin, nicht erfüllt.- Ge. fündiget habe ich in Gedanken, mit Borten und Werken. Und wenn ich auch nichts Böses gethan hätte, wie viel Gutes habe ich unterlassen? oder nur obenhin und so schlecht verrichtet, daß es dir unmöglich gefallen konnte. - - - 1 - 162 O! ich erkenne mein Unrecht, und bereue von Herzen meine Sünde, meinen Ungehor. fam, meinen Undank gegen dich, bester Va. ter! Ich bereue es, und bin ernstlich ents schlossen, daß ich lieber sterben, als noch. mal fündigen wolle. Erbarme, erbarme dich also, barmherziger Gott! und verstoß mich reumüthigen Sünder nicht! Als ein verirrtes Schaf,- als ein verlornes Kind kehre ich zu dir, meinem liebevollen Hirten, und Vater zurück. Nimm mich doch wieder auf in deine Gna. de!- Ich will sie gewiß nicht mehr verscher. zen. Besonders will ich mich vor dieser Sünde N. hüten, der ich mehr als andern 163 P ergeben bin, und die dir so mißfällig, die so abscheulich ist. Befleißen will ich mich auch, das gestiftete Ulebel wieder gut zu machen, und das verabfäumte Gute wieder hereinzubringen. Jesus Christus steh mic mit seiner Gnade bey! Amen. - t Gebeth zu Gott dem Vater. Um was ihr immer den Vater bitten werdet in meis Ihr nem Namen, das will ich euch thun.- aber bethet also: Bater! geheiliget werde dein Name u. f. w. Christus bei Job. XIV. Kap. 13. V. und bey Luk. XI. Kap. 2. V. Aumächtiger, gütiger Vater! Jefrs Chris stus, dein Sohn, heißt uns zu dir bethen; Er schreibt uns vor, um was, und wie wir bethen sollen; und verspricht uns sogar, daß wir erhöret werden in Allem, was wir in sei nem Namen Gutes von dir verlangen. Voll des kindlichen Vertrauens, ohne Furcht und zittern, komme ich also zu dir, o Vater im Himmel, aller Menschen Vater! und lege dir meine Wünsche und Nöthen vor. Ich bethe gerade so, wie mich's Jefus lebr. te, daß ich bethen solle: 2,2 -164Geheiliget werde dein Name! Ja, Vater! von allen Menschen fount du er. kannt, geehrt, und gepriesen werden! Im Geiste und in der Wahrheit soll dich Alles anbethen, was bethen kann! Alles foll Dich verherrlichen, wie es Jesus Christus dein Sohn gethan hat. Gur und heilig follen alle Menschen zu werden suchen, wie du unendlich gut und heilig biff. Dieß ist dein Wille, und auch mein Wunsch, mein Begehren ist:- Geheiliget werde dein Name! BANG M anday me - Zukomme uns dein Reich! Ja, Bater! Dein Reich komme zu uns, und wir zu ihm;- es bleibe bey uns, und wir in ihm. Dein Reich ist ein Reich des Lichtes, und der Wahrheit;- verbanne also alle Finsternisse, schädlicher Unwissenheit und Irrthümer, alle Falschheit und Lügen von uns! Dein Reich ist ein Reich der Recht. schaffenheit und Tugend;-laß also der Sün de und dem Laster keine Herrschaft über uns, sondern nur, was chrbar, was gerecht und heilig ist, was bey Gott, und Menschen angenehm macht, und einen guten Namen vers 165 schafft, das soll von uns als Bürgern deines irdischen Reiches gedacht, und geübt wer. den;- und dann, dann sind wir gewiß, daß uns auch das himmlische Reich zu Theile wer den müsse. Zukomme uns dein Reich. --F Dein Wille geschehe wie im Hims mel also auch auf Erden! Was du willit o Vater! ist weise und gut, es ist gerecht und heilig, wie du; es soll also ge schehen! Es soll erfüllet werden, wie im Himmel von deinen Engeln und Ausers wählten, so auch auf Erde von allen Men. schen. Und o! wenn wir Alles thun, was du uns befiehlst, und uns gefallen lassen, was du über uns verhängst, wie vergnügt wird nicht unser Leben, und wie felig einst unfer Sterben feyn! Dein Wille ges schehe! - - - Gieb uns heute unser tägliches Brod! Du hast uns das Leben gegeben. v Vater! verschaffe uns also auch Mittel des Lebens! Du speifest die Vögel in der Luft, und kleidest die Blumen auf dem Feide; laß es also auch uns deinen Kindern nicht gebrechen an Dem, was zum Unterhalte. Mowing 11 166 zur Nahrung, und Kleidung gehört. Wir verlangen keinen Ueberfluß, nur ein ehrliches Auskommen wünschen wir, o Gott! Und weil der Mensch nicht allein vom Brode lebt, sondern weil auch seine Seele Nahrung will; so bitten wir, laß auch dieser die Kraft Deines Wortes, und den Beystand deiner Gnade, die ihre Nahrung und ihr Leben ist, zu: Theile werden!- Gieb uns heus te unser tägliches Brod! Und vergieb uns unsere Schulden, wie wir vergeben unsern Schuldigern. Ja, Herr und Vater! von Herzen vers geben, und verzeihen wir Allen, welche uns jemal, wie immer, mißhandelt, oder belet diget haben. Wir verdienten es vielleicht hundertmal, und wenn wir's auch nicht verdienten, so fey ihuen doch aus Liebe Dei ne: Alles verziehen, was sie gegen uns ge fürdiget haben! Nur auch du verzeih uns, Vater! und vergieb die vielen, und großen Schulden, die wir von Kindheit an, bis jetzt gegen dich gemacht.- Du willst ja nicht den Tod des Sinders, sondern, daß er fich bekehre, und lebe.- Sey also barmherzig, wie wir, und - - - vergieb und unsere Schulden, wie wir bereit und willig sind, zu vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung. Bater! du weißt es, daß wir schwach, und daß unsere Feinde eben so stark, als zahlreich find. Von Innen und Aussen werden wir angefochten; Erbarme dich also deiner Kinder, und wende von uns jede Art der Versuchung ab, die uns überwinden, und zur Sünde verleiten könnte!- Erbarme dich unser! und wenn wir gegen das Böse, gegen Fleisch und Blut, gegen die Welt, und den Satan zu streiten haben, so gieb uns Kraft und Muth, daß wir im Kampfe nicht unterliegen; sondern jedesmal, als Sieger, getreue im Glauben und in der Tugend, vor deinen Augen erscheinen mögen.- Führ uns nicht in Versu dụng. - - 4 167 - - - Sondern erlöse uns von dem Lebel! Ohne Kreuz und Leiden wollen wir zwar auf dieser Erde nicht leben, o Gott! denn selbst dein Sohn konnte ja nicht anders, als durch Kreuz und Leiden eingehen in seine Herrlich. keit; und wer zu ihm kommen will, der 168 nimmt fein Kreuz und folgt ihm nach. Nicht also von allen, sondern nur von jenen Uebeln befreye, und bewahre uns, o Bater! die uns deiner Gnade und des ewigen Lebens verlustig machen;. Von der Sünde, und vom ewigen Tode erlöse uns! Amen. CH geschehe durch Jefum Chriftum, unsern Hei land und Herrn! Amen. Gebeth - zu Jesus Christus, dem Sohne Gottes. Jesus allein ist der Heiland: denn auffer ihm ist uns Menschen auf Erden kein anderer Name ges geben, durch den wir die Seligkeit erlangen könne ten. Petrus in der Apostelg. IV. B. 32, So oft ich an dich denke, liebster Jefus! so freut sich mein Herz: denn einen größern Herrn, und zugleich bessern Freund und Wohlthäter habe ich im Himmel und auf Erden nicht, als wie du bist.- Du bist der eingebohrne, ewige Sohn Gottes; durch dich schuff der Vater Alles, was er erschaffen bat!- Himmel und Erde bethen dich an! Du bist der Heiland der Welt: durch dich bin 169 - - ich und das ganze Menschengeschlecht von der Sünde und vom ewigen Tode erlöset; durch dich allein kann ich gerecht leben, kann O welch' ein heilig und selig werden. Glück!- Du- Sohn Gottes! bist Mensch gewor. den, um uns Menschen aus unserm elenden Zustande, in den uns die Sünde verfeget hat, herauszureißen; um aus Kindern der Findernisse, und des Verderbens, aus Scla. ven des Satans und des Todes, Kinder des Lichtes, der Gade und des Lebens zu machen. Du bist Mensch geworden, um Irrthum, und Aberglauben von der Erde zu vertreiben, und durch seine heilsamsten Lehren uns von Allem, was wahr und gut ist, zu unterrichten.- Du bist Mensch ge. worden, um uns durch deine schönsten Bey, spiele zu erbauen, und zu ermuntern.- bist Mensch geworden, und haft alle Müheseligkeiten des menschlichen Lebens auf dich genommen, um uns zu stärken und zu trô. sten, wenn auch wir mit Müheseligkeiten zu kämpfen haben:- Du bist Mensch gewor. den, und hast dein Leben für uns Menschen dahin gegeben, damit wir, gereinigt in dei. nem Blute, den Tod nicht mehr zu fürch. - -170 ten haben.- Du bist Mensch geworden, da. mit du als Mensch, wie unfer Bruder, so auch unser Mittler und Fürsprecher bey Gott dem Vater werden könntest. Mit einem Wor. te, du bist Mensch geworden, damit wir durch dich KinderGottes, und Erben des Himmels, deine Miterben werden möchten.- Wahr. haftig, so eine Gnade und Liebe findet man nicht, wie die deine ist; und mit Recht fagt Paulus: Verflucht sey Derjenige, der Jesum Christum nicht liebt. 1 O, daß doch mich dieser Fluch nicht treffe! daß ich dich doch, bester Heiland! Zeitle bens immer von Herzen geliebt, und über Alles geehrt hätte, wie ruhig und glück, lich wäre ich nun! Aber, leider! so ist es nicht geschehen;- ja, nur zu oft habe ich Deiner nicht geachtet, habe deine Gebothe leichtsinnig übertreten, und deine Religion, meinen Glauben durch mein Leben bes schimpfet. Ach! verzeih' mir meinen Un. dark, und mein lieblofes boshaftes Wesen, gütigster Heiland! ich verabscheue, und bes reue dasselbe aus ganzem Herzen. Nun darum danke ich dir, daß ich wenigst jest noch - - - - - - -— 171. in meinem übrigen Leben dich ehren, und lieben kann. Und sieh! dieß will ich thun. Ja, Nichts mehr soll mich von deiner Liebe trennen! An dich will ich denken, wann ich aufstehe, und mich niederlege.- Von dir will ich reden, wann und wo ich im. mer mit Erbauung und Nugen reden kann. - 3u dir will ich meine Augen und mein Herz erheben, so oft ich zu arbeiten, zu bethen, oder zu leiden habe. Bey dir will ich Unterricht, will Trost und Hilfe suchen, wenn ich des Deine einen oder andern bedürftig bin. Lehre, und dein Beyspiei sollen mir immer vor Augen schweben, und nichts in der Welt soll mich mehr von Beobachtung deiner Ge. bothe zurückhalten; Nichts soll mich, wie Paulus sagt, von deiner, und deines Va. ters Liebe trennen, weder Tod noch Leben, weder Freude noch Leiden, kein Engel und kein Mensch soll es vermögen. Amen. — - - Gebeth zu Gott dem heiligen Geiste. Wenn ihr mich lieb habt, so haltet meine Gebothe: ich will den Bater bitten, und er wird euch einen 172 andern Trdster geben, der beständig ben euch bleis be, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, und nicht kennt; ihr aber werdet ihn erkennen; denn er wird bey euch bleiben, und in euch seyn. Christus bey Job. XIV. 15. V. 2c. - Göttlicher, heiliger Geift!- Geist des Vaters und des Sohnes! Gott- wie der Va ter, und wie der Sohn! du bist jener Tröster, den Jesus Christus seinen Jüngern verfpros chen hat, daß sie ihn auf sein Bitten vom Vater erhalten würden. Du bist jener Geist der Wahrheit, jener Lehrer, von dem Jesus sagte, daß ihn die Welt- das ist, die irrdischgesinnten und boshaften Men. schen nicht empfangen können, und daß nur feine wahren Jünger, jene Glücklichen seyen, die ihn erkennen, und bey denen er eine blei. bende Wohnung nehmen werde. Oheis liger Geist! ich bethe dich an als meinen Gott und Herrn, und rufe zu dir, daß du als Trefter und Lehrer auch zu mir kommen, und ben mir bis ans Ende meines Lebens blei ben mögest. - -- Ich glaube doch nicht, mein Gott! daß ich Eines von jenen leichtsinigen, boshaften, und 173 eiteln Weltkindern sey, die dich nicht ents pfangen können, weil sie von dir nichts wiss fen, noch sehen wollen. Und da ich mich ernstlich befleiße, meine Liebe zu Jesus Chri. stus durch Gehorsam und treue Beobachtung feiner Gebothe an Tag zu legen, so zweifle ich nicht, Jesus werde auch für mich seinen Vater bitten, daß er dich zu meinem Troste, und Unterrichte in mein Herz senden wolle. W Komm also, heiliger Geist! und trößle mich, so oft mich Widerwärtigkeiten und Drangfalen überfallen! Trößte mich, so oft ich niedergefchlagen und kleinmüthig zu werden anfange. Tröste mich, wenn mich der Gedanke an die Zukunft, an Tod und Grab beunruhigen, und schmerzen will!- O da erinnere mich an ein besseres Leben, zu dem der Tod die Thüre ist; da erinnere mich an Gottes Weisheit und Güte, die auch das Uebel zum Besten desjenigen wen. det, der es zu leiden hat; Und da laß mir's zu Sinne kommen, daß der Weg des Kreuzes der Weg zum Himmel sey; daß es ohne Arbeit keinen Lohn, ohne Kampfkeinen Sieg, und ohne Leiden keine Freuden gebe. - - - GAVA - 174 Komm, heiliger Geist! erleuchte und leh re mich, du Geist der Wahrheit! Dir ists ja bekannt, wie blind und unwissend ich noch in manchem Stücke bin, wo ich mehr Licht und Unterricht nöthig habe. Lehre mich meine Pflichten erkennen; Lehre mich die Wahrheit von der Lüge, und das Gute von dem Bösen richtig unterscheiden; -Lehre mich denken und empfinden, schwei. gen und reden, glauben, hoffen, und lie. ben, wie du alle Heilige denken, und empfinden, reden und schweigen, glauben, hoffen, und lieben gelehret haft;- Lehre mich arbeiten, bethen, und leiden, wie einst Je. fus Christus, voll von deiner Gnade, auf Erden gearbeitet, gebethet, und gelitten hat. - — - 1 - — - O wenn ich diese Gnade von dir erhalte, göttlicher Geist! wie herzlich will ich dir dans ken, wie christlich werde ich leben, und wie getrost, wie selig sterben können. Komm, heiliger Geift! sey, und bleib ben mir in Ewigkeit. Amen. - 175- Andachtsübungen zu Maria der Mutter Jesu, besonders an ihren Festtagen. Gebeth am Feste der Empfängniß und Geburt Maria. Aller Schmuck und Herrlichkeit der Königstochter ist von Innen. Pfalm. XLIV. 2. 14. - Heut ist der Tag, an dem du, ſelige Jung. frau Maria! dein Dafeyn, und dein Leben von Gott empfangen hast; und dieser Tag wie merkwürdig follte er nicht allen Men. schen,- wie heilig allen Christen seyn! Arm an zeitlichem Vermögen, aber reich an himmlischen Gaben, ohne Pracht und Glanz von Außen, aber voll der Gnade und des Segens von Innen, kamst du in diese Welt, o Königstochter! Rein von aller Sünde war schon( wie wir es mit den - - - 176 meisten, und größten Lehrern unfrer Kirche glauben) deine Empfängnis, und als eine gan: Geheiligte, ganz Unschuldige tratest du an das Licht der Welt: denn du warst jene Auserwählte, und Hochbegnadigte, die den Mesias, den Sohn Gottes selbst in ihren jungfräulichen Schooß empfangen, und durch die Geburt deffelben die ganze Welt erfreuen, und beglücken sollte. O! wer kann sich über deine Ankunft in die Welt, über deine Empfängniß, und Geburt freuen genug, du Gesegneteste unter allen deis nes Geschlechtes! Wahrhaftig auch von die kann man sagen: Selig war der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast. Deine Empfängniß, o Gebenedeyte, und deine Geburt hat dem ganzen Menschenge. schlechte Troft und Freude gebracht: denn sie war der Vorbothe, die Morgenröthe von jenem helfen Tageslichte, das durch dich auf. gehen, die Finsternisse des Aberglaubens, die Schatten des Todes zerstreuen, und die ganze Welt erleuchten sollte. Seligste! nimm unter Millionen Glückes. wünschen, u. Freudenbezeugungen, mit denen dich 177- dich heute deine Pflegkinder verehren, auch Die meinigen an; laß dir meine Andacht, mein Lob und meine Liebe gefallen! erhöre aber auch zugleich meine Bitte, die ich aus kindlichem Herzen, und voll Vertrauens auf deis ne Fürbitte, zu dir in den Himmel schicke. Sieh! ich bin in der Sünde empfangen, und in der Sünde hat mich meine Mutter zur Welt gebracht. Das Wasser und die Kraft der Taufe reinigte mich zwar von dieser Sün. de. Ich war unschuldig vor Gottes Augen. Aber ach! kaum erreichte ich das Alter, in dem ich Gutes vom Bösen unterscheiden konnte, so that ich Böses, und machte mich wirklicher Sünden schuldig.- Du, o Herr! handeltest zwar nicht nach Strenge mit mir, du nahmst mich vielmehr durch die Buße wie. derum zu Gnaden auf, aber auch diese Gnaden, wie oft empfieng, und verscherzte ich sie wieder. Ach! heute noch weiß ich nicht, ob ich vor demem Angesichte der Liebe, oder des Hasses, würdig bin. Bey dieser meiner Schwachheit, und in die. fer Ungewißheit, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Mutter der Barmherzigkeit! und bitte: Naks gr. Gebethbuch. - - mm Sen meine Fürsprecherinn bey Gott dem Va. ter, und bey Jesu Christo deinem Sohne, daß mir zu Theil werde der heilige Geist, der mich erleuchte, der mich von Sünden reinige, und im Glauben, wie in der Tugend, stand, haft mache. Ja, bitt für mich, o Gnaden. volle!- daß ich von nun an zum neuen Leben gebohren, nicht mehr fündigen möge; sondern daß ich nach deinem schönsten Beyfpiele täglich heiliger, täglich besser zu werden mich befleiße, damit ich am Ende meiner Tage ruhig sterben. u. getroft in die Freude meines Herrn,- in ein anderes Leben, zu dir und allen Heiligen übers gehen möge durch Jesum Christum deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland. Amen. mtup - - L 178->> Gebeth am Feste der Verkündigung Maria. Der Engel( Gabriel) kam zu Maria, und sprach Gegrüßt seyst du, Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir! Du bist die Gesegnete unter den Weis bern. Fürchte dich nicht: denn du hast Gnade gefunden bey dem Herrn. Sieh! du wirst em pfangen in deinem Leibe, und einen Sohn gebähs 179 ren, dem du den Namen Jesus( Heiland) geben follst. Der wird groß seyn, und Sohn des Allerhöchsten genannt werden.- Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters Davids ges ben, und er wird ewig herrschen über Jakobs Haus.- Seines Reiches wird kein Ende seyn, Bey Luk. I. V. 28. 2. - b - complet egrüßet seyst du, Gnadenvolle! So muß ich dich heute, o feligste Jungfrau, mit dem Engel grüßen. Der Herr, das ist! Gottes Gnade, und Gottes Segen ist wahrhaftig im vollsten Maaß mit dir, ins dem du aus allen Töchtern Israels, ja, aus allen Menschenkindern, die Einzige bist, die sich der Herr auserwählt, und dazu bestimmt hat, daß sie die jungfräuliche Mutter feines göttlichen Sohnes, unsers Erlösers, werden sollte. Heute ist auch der Tag, an dem dir ein Bo. the des Himmels,- der Erzengel Gabriel, dieses große Geheimniß und Vorhaben Gottes feierlich verkündiget,- der Tag, an dem der Sohn Gottes die menschliche Natur in deinem Leibe angenommen, und das Wort Fleisch geworden ist.- O welch ein Tag M 2 180 der Ehre für dich!- welch' ein Tag des Tro, stes und des Segens für alle Menschen! Heute bist du also, o Seligste! auf die wunderbarste Weise, ohne Verlust deiner Jungfrauschaft, die Mutter unsers Heilands und Erlösers, Mutter Gottes geworden. Welch eine Ehre!- Selig müssen dich für wahr alle Völker nennen, da der Herr so große Dinge an dir gethan. Und wir wie können wir dich ehren und preifen ge. nug? Heilige Engel! lobet und preiset auch in meinem Namen eure Königinn, die Mutter des Herrn.- - - — Heute ist der Tag, an dem Derjenige in der Welt erschien, nach dem die Patriarchen und Våter des alten Bundes so lange ge. seufzet- von dem die Propheten so oftmal geweisfaget, und auf den alle Völker der Erde so sehnsuchtsvoll gewartet haben. Heute kam, der da kommen sollte, der Hei land und Erlöser der Welt. Wie können wir uns über seine Ankunft erfreuen, wie können wir ihn loben,- ihm danken ge nug?- Lobe, meine Seele, den Herrn, und Alles, was in mir ist, preife feinen heiligsten Namen! Denn groß ist seine Güte, und seiner 181. Erbarmungen ist kein Ende. Sein Volk hat er heimgesucht, und ist unser Bruder, unser Freund und Retter, geworden.- Men. schenkind wurde er, auf daß wir durch ihn Kinder Gottes werden möchten. Damit wir nun dieser Ehre würdig, und dieses Glückes theilhaftig werden, damit wir insgesammt als wahre Kinder Gottes christlich leben, und einst selig sterben mö. gen, so unterflüge uns mit deiner Gnade, o Vater im Himmel! und du, Maria! Die du den Heiland der Welt gebohren hast, bitt für uns, daß wir Heil und Segen durch ihn erlangen mögen. Amen. - Gebeth am Feste der Reinigung Maria oder Lichtmeffe. Als die Tage der Reinigung nach dem Gesetze Mosis vorüber waren, brachten Jesum seine Weltern nach Jerusalem, damit sie ihn dem Herrn darstellten, wie es in dem Gesetze des Herrn geschries ben steht, daß jede männliche Erstgeburt dem Herrn gebeiliget werden sollte, und damit sie das Opfer brachten, wie es ebenfalls in dem Gesetze 182des Herrn befohlen wird, nämlich ein Paar Turteltauben, oder zwey andere junge Tauben. Lut. II. 22. V. Seligste Jungfrau und beste Mutter Ma ria! Achtung für das Gefes, und Gehor. fam gegen den Befehl eines heidnischen Für. ften war es, warum du kurz vor deiner Nie berkunft Nazareth, deine Heimath in Gas Iilden, verlassen, und aller Beschwerden uns geachtet, mit Joseph, deinem jungfräulichen Gemahle bis nach Bethlehem in Judden ges reiſet bist. Achtung für das Geseß, und Gehorsam gegen das Geboth des Herrn, war es abermal, daß du nach deinen Kinds. wochen von Bethlehem nach Jerufalem giengst, um da- wie jede andere gute Ifras elitinn die erstgebohrne Frucht deines Leibes, Jefum im Tempel des Herrn darzustels len, und das bestimmte Opfer zu entrichten. O, diefe Achtung für das Geses, dieser pünktliche und will ge Gehorsam gegen gött. liche und menschliche Verordnungen, welch eine schöne Tugend!- Wie viel Verdienst, u. wie viel Ehre bringt sie dir!- Ich aber, wie muß ich mich schämen, wenn ich so ei. gensinnig oder leichtfertig, daß ich weder - - - - 1 - Gott, noch Menschen gehorchen will! Wie muß ich mich schämen, wenn ich die Gefeße der Religion, der Kirche und des Landes so wenig achte, und sie so muhwillig unter jedem nichtigen Vorwande übertrete! Ach, verzeih mir, o Himmel, jede Sünde des Ungehorsams, die ich Zeitlebens begangen habe. Wenigst in Zukunft soll es nicht mehr geschehen. Für jedes Gesetz will ich Ehrfurcht und Achtung bezeigen, und sowohl Gott als Menschen, meinen Vorgefesten will ich gehorsam seyn, wie es Maria war- wie es selbst ihr Sohn Jesus Christus gewesen ist. Aber nicht genug!- Der heutige Tag heißt mich noch mehr Gutes denken, und be. then. Im Tempel zu Jerufalem entrichte. test du, reinste Jungfrau und Mutter! mit Joseph deine Andacht, u. stelltest dein Kind mit dem gewöhnlichen Opfer der Armen dem Herrn dar.- Wahrhaftig, ein schönes Merkmal deiner Gottesfurcht und Frömmig. keit! Wie angenehm wird nicht dein Gebeth und dein Opfer dem Herrn gewesen seyn! Aber welch eine Freude war es nicht auch für dein mütterliches Herz, da ein ehrwürs diger Geis Simeon, vou Begeisterung und - 183 - - 184 Zärtlichkeit, dein Kind auf seine Arme nahm, und sich feyerlichst erklärte, daß er nun gern Aterben wolle, weil er das Glück gehabt, in deinem Sohne seinen Heiland zu sehen, der das Licht der Welt, und die Ehre If raels werden sollte!- Welch eine Freude, da nebst dem Simeon auch eine fromme, al. te Wittwe dein Kind als den Meßias ers kannte, und diese Entdeckung, diese Offens barung Gottes, unter lautem Jubel einer Menge rechtschaffener Ifraeliten kund mach. te!- O möchten doch alle Eltern so glücks lich und würdig seyn, daß man sich über ihre Kinder erfreuen, und ihnen von denselben, wie der Mutter Jesu, und Joseph ihrem Gesponse, Gutes weissagen konnte! Jedoch, auch deine Freude beste Mutter! war( wie es die irdischen Freuden fast alle find) nicht ganz ohne Bitterkeit. Simeon mußte dir die Bestimmung deines Kindes entdecken, er mußte dir von seinem großen Berufe, aber auch von seinen harten Leiden und widrigen Schicksalen Nachricht geben. Ja, en war es, der dir es geradehin sagte, was man so wenigen Eltern sagen Darf, ohne sie böse und kleinmüthig, - - 185oder unglücklich zu machen: Ein Schwert des Schmerzens wird deine Seele durchdringen. Für wahr, ein hartes Wort! Du glaubst ihm, Maria! und bleibst doch voll guten Muthes voll Zufriedenheit mit Gottes Weisheit und Güte. O möchte ich auch so bleiben, wenn mir eta was Widriges verkündiget, oder gedrohet wird. Wenigst in Zukunft, feligste Jung frau! soll mich dein Beyspiel ermuntern, und deine Fürbitte unterstügen, daß ich mich auch mitten unter den Freuden zum Leiden gefaßt mache; daß ich mich gleich großmů. thiger Seele die angenehmen wie die unan. genehmen Nachrichten zu erfahren, und mit christlichem Herzen mich in jede Anordnung Gottes zu fügen bereit seyn möge, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unfern Herrn. Amen. 1 1 - Gebeth am Feste der Himmelfahrt Maria. Tod! wo ist dein Sieg? Wo ist dein Stachel, o Tod! Des Todes Stachel ist die Sünde. Paus lus im 1. Br. an die Kor. XV. Kap. 51. V. - - 186- Nachdem du, o Jesu! gestorben, und vom Tode wieder erstanden bist, so hat der Tod seine Macht, und das Grab seine Schrecken verloren. Alle, die an dich glauben; Alle, die auf dich hoffen, und Alle, die dich von Herzen lieben, ha. ben den Tod nicht zu fürchten; denn du bist das Leben und die Auferste hung. Wer an dich glaubt, wird le ben, wenn er auch gestorben seyn soll over vielmehr, ein Jeder, der lebt, und an dich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Dies ist dein Wort; und welch' ein Wort des Trostes für Alle, die deine treue Anhänger und Freunde find! Deren Leben Christus,- das ist, christlich ist, fagt Paulus, denen wird der Tod nicht schaden: er ist nicht Stra fe, nicht Berlust; er ist Gewinn für sie. te; - - Und unter diesen Auserwählten, deren Leben Chriftus, ganz allein Christus war, bist du wohl die Erste, feligste Jungfrau und Mutter Chrifti!- Nach deines Sohnes Zeh. re und Beospiele dachtest, handeltest, und littest du.- Christus war dein Leben;— wie 4 - 187 konnte also dein Tod etwas anderes seyn, als Gewinn? - An deinem Todestage, den wir heute feyern, haben wir also nichtUrsache traurig zu seyn.- Er ist ein Tag der Freude für uns, wie er für dich ein Tag der Ehre und des Glückes ist. Tod! wo ist dein Sieg? so kann mant bey Betrachtung deines Hinscheidens mit Rechte fragen:- Wo ist dein Sieg, o Tod? Worinn hast du Mariam überwun. den?- Wo ist dein Stachel? Welch einen Schaden hast du ihr zugefügt?- Du nahmst ihr ein zeitliches Leben, und sie cmpfieng ein ewiges dafür.- Du raubtest ihr elende irdische Güter; und es wurden ihr himmlische zu Theil.- Sie mußte sich aus der Gesellschaft fterblicher Menschen von der Erde entfernen; und Engel führten sie in den Himmel ein, wo sie unter Chören feliger Geifter als Königinn der Engel und aller Heili gen, als Mutter des Herrn, am Throne der Gottheit glänzet. Tod! wo ist dein Sieg? Wo ist Maria hat Dein Stachel, 0 Tod? durch dich Nichts verloren; vielmehr gewan fie durch dich, indem du sie von der Arbeit - 188 zur Ruhe, von Leiden und Müheseligkeiten zu Freuden und Seligkeiten vom Kampfplage zur Siegeskrone hinüber geführt, und so eine Quelle der Gnade und des Segens für sie geworden bist. O, wie freue ich mich darüber, feligste Jungfrau und Mutter! wie von Herzen wünsche ich dir Glück zu deinem Hinscheiden von dieser Erde und zur Aufnahme in Hims mel, wo du nun mit Ehre und Herrlichkeit geziert, im Reiche deines Sohnes, und ver. einigt mit ihm, den Lohn deiner Verdienste und Tugend empfangst. Ach, möchte ich doch auch einst zu dir ges langen! Ja, möchte ich mir vor dem Tode auch so wenig zu fürchten haben, wie du!- und möchte man auch bey meinem Hinschei den einst sagen dürfen: Tod! wo ist dein Sieg? Wo ist dein Stachel, o Tod? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde! die giebt ihm Gewalt über uns, die macht, daß er uns schaden, daß er uns verwunden, und verderben kann. Go lange ich also in Sünden lebe, so habe ich den Tod zu fürchten;- bin ich aber von - - 189 Sünden rein, denke, handle, und leide ich christlich,- ist Christus mein Leben, so wird der Tod gewinn für mich. Weg also mit der Sünde aus meinem Ge. wissen! weg mit ihr aus meinem Herzen! sie soll sich meiner nicht mehr bemächtigen; sondern nach deinem Gefeße, o Jefu! nach deiner Lehre und deinem Beyspiele, will ich treulich leben: und dann fürchte ich den Tod nicht mehr;- getroft und freudig will ich mich in seine Arme werfen. Er mag meinen Leib erwürgen, meine Seele wird er doch nicht tödten. Den Leib mag er dem Gra. be und der Verwesung übergeben; aber ich weiß, und weiß es gewiß: Meine Seele wird ewig leben, über Erden und Hölle wird sie sich zum Himmel erheben, und da ihres Lohnes theilhaftig werden.- Ja, selbst mein Leib wird nicht ewig im Grabe bleiben, - auch er wird auferstehen, und einst an den Freuden des Geistes Antheil nehmen, wie er an feinen Arbeiten und Freuden Theil gehabt. - - - wi O welch eine frohe Aussicht, welch eine an genehme Hoffnung, die mir meinGlaube giebt! Hilf, o Gott! daß sie in Erfüllung gehe durch Jesum Christum, deinen Sohn, meinert 190 Herrn, zu dem ich, von den Banden meines Leibes aufgelöset, zu kommen wünsche. Heilige Maria, Mutter Gottes und meine Mutter! auch du bitt für mich um diese Gna de; bitt insgesammt für alle Menschen jest, und in der Stunde unsers Absterbens, Amen. - Allgemeines Gebeth zu Maria, welches immer gebraucht werden kann. Gegrüßt seyest du, Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir! Gesegnet bist du vor Allen deines Geschlechts. Gabriel bey Luk. 1. 2. 28. m ie könnte ich ein Christ seyn, seligste Jungfrau Maria!- wie könnte ich an dei. nen Sohn Jesus Christus denken, und ihn als meinen Heiland ehren, ohne mich zugleich auch an dich zu erinnern, und dir meine Hoch. achtung und Verehrung zu bezeugen?- Ja! als Mutter meines Erlösers, und eben darum auch als meine Mutter, meine Freundinn und Fürsprecherinn, verehre ich dich. Du warst die Beste, und deßwegen auch 11 - die Gesegnetste unter den Weibern. Vor al. len erwählte dich Gott zur Mutter seines gött. lichen Sohnes.- Darum preifen dich alle Völker felig, Darum nennen wir dich die Königinn der Engel und Auserwählten, darum sind uns deine Feste heilig, und wir ufen so oftmal mit dem Engel: Gegrüßt feyst du, Gnadenvole! der Herr ist mit dir. Mit Dank und Freude erinnere ich mich der großen Dinge, die dir der Herr gethan, und der schönsten Tugenden, der vortreflich. ften Eigenschaften, die dich geziert haben. O! du warst ja so unschuldig und rein in Sitten, so fromm und gottesfürchtig, fo freundlich und wohlthätig, so demüthig und geduldig warst du, daß wir alle diese Tugens den an dir bewundern, und von dir lernen müssen. Und sich! ich bin entschlossen, dein Schüler( deine Schülerinn) zu werden, wie ich dein Pflegekind bin. Nachfol. gen will ich dir in allem Guten, so viel ich es zu thun im Stande bin: denken, reden und handeln will ich jederzeit, wie ich glau. be, daß auch du in meinen Umständen wür. deft gedacht, geredet und gehandelt haben. Und wenn ich dieses thue, o dann weiß - 191 - ww - 192- 192 ich, daß ich dir gefalle; ich weiß, daß ich dich am würdigsten verehren, und mich deiner Freundschaft und Liebe, ia selbst deis ner Fürbitte ben Gott und Jesu Christo versichern könne. Heilige Maria, Mutter Gottes! bitt für mich armen Sünder, daß ich jest nach deinem Beyspiele christlich leben, und einst unter deinem Schuge selig sterben möge. Amen. Gebeth nach Art des Salve Regina Sey, Mutter der Barmherzigkeir; Sey, Königinn, gegrüßt! Des Lebens Freud und Süßigkeit, Durch die uns Trost zufließt. Zu dir, o Mutter rufen wir, Mit Thränen seufzen wir zu dir: Owend' dein holdes Angesicht Auf uns vom Himmelsthrone, Versag uns deine Fürbitt nicht Bev -- 193 Bey Jesu, deinem Sohne! Nach unserm Tode zeig uns ihn, Bey ihm sey unfre Mittlerinn! In aller Trübsal, Angst und Noth, Komm uns zu Hilf im Leiden; Hilf, tröste uns; und bitte Gott! Wenn mir von hinnen scheiden, Erwirb uns Sieg im letzten Streit, O Mutter der Barmherzigkeit! *. Bitt für uns, o seligste Jungfrau Maria! R. Damit wir würdig werden der Verheißungen Christi. Laffet uns bethen! Aumächtiger, ewiger Gott! der du den Geist und das Herz den Leib und die Seele der seligsten Jungfrau Maria, durch die Kraft des heiligen Geistes zu einer würdigen Wohnung deines geliebten Soh. nes bereitet haft, gieb uns, die wir ihr Andenken feyern, daß wir auch die Wir. kungen ihrer Fürbitte in allen unfern Anliegen empfinden mögen. Durch Jejum Christum unsern Herrn. Amen. Nafs gr. Gebethbuch. 27 4 194 Gebeth y zum heiligen Schußengel Wie glücklich sind wir Menschen nicht? Es ist sogar der Engel Pflicht, Daß fie uns leiten und bewahren In Seelen und in Leibsgefahren. O guter Engel! steh mir bey, Daß ich stets fromm und glücklich sey. Liebster Gott! wie gut bist du gegen die Menschen. Sogar deinen Engeln, diesen vortreflichen Geistern hast du befohlen, daß fie uns bewahren und schüßen sollen auf als len Wegen, damit wir nicht Schaden leiden. Besonders können wir Gläubige ganz gewiß versichert seyn, daß solche Engel über uns auf Erden wachen, und zugleich im Himmel sich an dem Anblicke Gottes era freuen. Wie viele Ursachen haben wir also, euch zu ehren, ihr himmlische Freunde! wie viel Ursache, euch für eure Sorgfalt und Liebe zu danken, und uns eurem Schuße zu empfehlen? SVE 195 Ich danke dir nun recht herzlich, liebster Engel! den mir Gott zum Schuße gegeben, ich danke dir für deine treuen Dien. ste, die du mir, so lang ich lebe, schon ers wiesen hast, und bitte dich, du wollest fort. fahren, mir noch ferner benzustehen. - Ach, wie sehr habe ich deines Schußes und deiner Leitung nöthig, ich schwacher, zum Bösen geneigter Mensch! Tausend Gefahren des Leibes und der Seele ift mein Leben ausgesest. Bewahre, und unterstüge mich also, daß ich ihnen nicht unterliege. Ich will deinen Einsprechun gen Gehör geben, deiner Leitung will ich bereitwillig folgen, und dich niemal durch eine unerlaubte Handlung, durch eine bôse Begierde, oder sündhafte Gedanken entehren.-! ich weiß, wie sehr du die Sin. de verabscheuest, und wie lieb dir ein Pfleg. kind von unschuldigem Geiste und reinem Herzen ist. - - Sobald mir also etwas böses zu Sinne kömmt, will ich denken, und mir selber zu N2 196 rufen: Der Engel Gottes steht neben dir; chre seine Gegenwart, und fündige nicht. Welche Freude wird es dann für dich und für mich seyn, bester Engel! wenn du mich einstens, als gerecht und heilig, meinent lieben Gott vorstellen kannst. Wie will ich dir in diesem Augenblicke danken, daß du mein treuer Führer und Beschützer auf Erden warst! und wie wollen wir uns dann mit einander im Himmel erfreuen, und unfern gemeinschaftlichen Gott und Vater preisen in Ewigkeit. Amen. 1 Gebeth zum heiligen Joseph. Wie gut und glücklich ist der Mann, Dem Gott sein Liebstes trauet an? Dir, Joseph, ward als reine Braut, Maria und ihr Kind vertraut; O, ehrte dich doch Groß und Klein, Wie du verdienst geehrt zu seyn! Heiliger Joseph! du warst vom gemeinsten Bürgerstande, und du bist ein so großer Mann, du bist der Nährvater Jesu Christi und Bräutigam seiner jungfräulichen Mut. 197 R - ter Maria geworden. Wie edel und gut mußte nicht deine Seele seyn, und wie gerecht und heilig ist Gott, daß er auch den frommen Armen in Gnaden ansicht, zu Ehren erhebt, und glücklich macht! O wie freue ich mich deiner Ehre, großer Heiliger! und deines Glückes. Dank sey Gott, daß er die Hochmüthigen erniedrigt, und die Demüthigen aus dem Staube ers höhet!- Dank sen ihm, daß er die From migkeit und Tugend belohnt, wenn er sie auch in der elendesten Hütte findet! Ja! so keusch, so gerecht, so ärbeitsam, so verschwiegen, so geduldig, gegen den Nächsten so liebreich und dienstfertig, und gegen alle Befehle Gottes so gehorsam will ich seyn, wie du es warst, großer Heili ger! Bitt für mich, und erhalt mir von Gott so viel Kraft und Stärke, daß ich meinen Vorfaş erfüllen, und dir als ein wahres Pflegkind gefallen möge. Amen. 198 Gebeth zur heiligen Mutter Anna. Tugend und Frömmigkeit ist ihr Schmuck( des rechtschaffenen Weibs) auch bis auf ihren legs ten Tag wird sie fröhlich seyn. Sprüchw. XXX. V. 25. - Fe eilige Mutter Anna! deine stille häusli. che Tugend und Frömmigkeit machte dich so glücklich, die Mutter Mariá, der besten Tochter zu werden, die uns den Welthei. land gebohren hat. 11 So gering auch dein Stand, dein Anfehen und Vermögen auf Erden war, so groß ist doch deine Ehre und dein Ver. Dienft ben Gott gewesen. Alles Gute, welches du als gemeine Bürgersfrau, als Ehegattin und Mutter, im Stillen gethan, und das vielleicht kein Mensch bemerket hat, das bemerkte Gott. Auch alles Harte und Bittere, das du mit gutem Herzen rach Gottes Anordnung und Willen er. tragen hast, war dem Alwissenden bekannt; - 199 und er ists, der deinen Eifer und deine Geduld belohnet hat. O, wie viel Freude und Trost machte dir nicht schon in dieser Welt Maria, dein bestes Kind,- und was für ein seliges Vergnügen wird es für dich im Himmel seyn, daß Jesus, der Sohn Gottes und Heiland der Menschen, auch Sohn Marid, deiner Tochter, war! Dieser Ehre und dieses Vorzuges wegen preisen dich noch heute zu Tage ganze Völker auf Er. den selig, und ich mit ihnen. Ja! auch ich feyere dein Andenken, ich freue mich über deine Glückseligkeit, und empfehle mich in deine Fürbitte.- O bitt für mich, heilige Mutter Anna! damit ich alles Guten würdig werde, das uns Je. fus Christus so reichlich verheißen, so müh, sam verdient, und so liebreich bereitet hat. Sen mir deßwegen vor Allem durch deinen heiligen Lebenswandel ein Beyfpiel und Muster, wie ich meinem Stande gemäß hei. lig leben, Gott und den Menschen nach meinen Kräften und Pflichten redlich dienen, und alles mögliche Gute mit bestem Her. - 200 zen, und auf die beste, Gott gefälligste Weise, entrichten möge. Auch ich will, wie du, meinem Stantde dadurch Ehre machen, daß ich die Pflich. ten desselben treulich erfülle, und, ohne heia lig scheinen zu wollen, mich der stillen Hei ligkeit und Tugend befleiße. Keine Ars beit soll mir zu beschwerlich, keine Mühe zu hart, und auch kein Leiden, das mir bes gegnet, zu bitter werden. Durch Trüb. sale müssen wir ja alle zur Freude kom men. Stårke mich nur, o mein Gott! mit deiner Gnade, und erhalte mich durch das Andenken an die Beyspiele der Heilis gen standhaft in diesen guten Gesinnun. gen; dann werde ich treulich nach ihnen handeln, und einst auch dahin gelangen, wo du bist, und wo sich alle Heilige bey dir befinden, durch Jesum Christum, un fern Herrn. Amen. COI - - Gebeth auf das Fest des Bisthums oder Kire chenpatrons. Wer Heil'ge ehrt, Und Hilf begehrt Von Heiligen, muß sein Vertrauen Auf Nachfolg' und auf Tugend bauen. Der heitige N. ist es, weichen unsere Vors eltern schon längst als einen besondern Für. bitter ben Gott erwählt und verehrt haben. Auch wir segen ihn fort, diesen löblis chen Gebrauch. Selbst un. Verleih uns dann, o Gott! daß wir allererst die Tugenden dieses Heiligen kennen lernen, und uns befleißen, sie nachzuahmen; denn ohne dieß gefåut weder dir, noch ihm eine Verehrung! ser Vertrauen auf seine Fürbitte würde eitel und vermessen seyn. Send meine Nachfolger, wie ich ein Nachfolger Jesu Christi war! so ruft uns der heilige N. mit Paulus zu. Und sieh, seliger Mann! 202 A wir hören deine Stimme, und folgen dei. nem Rathe. Deine Nachfolger wollen wir fern, wie im Glauben, so auch in der Tu gend. Gottesfurcht und Menschenliebe, ofigkeit und Geduld, Sanftmuth und Gite wollen wir von dir lernen, und aus. üben, wie du sie geübet hast. Wenn wir dann zuerst nach deinem Beyfpiele das Reich Gottes und die Gerechtigkeit suchen, so wird uns gewiß auch im Uebrigen keine Noth und kein Mangel drücken. Deine Liebe zu uns wird thätig, und deine Für. bitte kräftig seyn. Amen. Gebeth zum heiligen Namenspatron. 3um Freund und Muster in dem Leben hat man dich, Heil'ger, mir gegeben; Sey dann mein Freund, und lehre mich Die Zugend, die einst zierte dich. du getreuer Diener( oder Dienerin) Got. tes! deffen Name mir in der heiligen Taufe ge. 203 - geben wurde, dich verehre ich besonders als meinen Freund, Beschüßer und Fürs sprecher! So oft ich deinen Namen nennen höre, so freut sich mein Herz. Ich erinnere mich an dich, an deine Tugenden, und edle Tha. ten, welche dir den Beyfall des Himmels, und der Erde erworben, und deine Seele mit der Krone der Heiligkeit geschmücket hat. O! auch ich soll heilig werden, auch ich soll so fromm und tugendhaft leben, wie du gelebt haft! Dieses verlangt Gott von mir, dieses habe ich felbst in der heili. gen Taufe versprochen; und was kann Dir besser an mir gefallen, als eben dieses? - Aber ach! ich bin so schwach und unvers mögend, so leichtsinnig und tråg, daß mich jede Kleinigkeit im Guten hindert, und fast jede Versuchung zum Bösen verleitet. Deine Fürbitte also, lieber heiliger Na. menspatron! und dein Beyfpiel, follen mir Muth und Stärke einflößen, daß ich doch einmal standhaft im Guten bleibe, und täglich besser werde. Du warst einst - -204 H auch ein schwacher Mensch, wie ich jetzt bin, und hattest gegen Fleisch und Blut zu kắm. pfen, wie ich,- und nun bist du ein Heis liger! O, dieß ermuntert, dieß trößtet mich! Ja! mit deiner Gnade, o Gott! und mit meiner ernstlichen Mitwirkung kann ich noch Alles werden. Gerecht und heilig kann ich leben, und einst selig sterben. Darum bitte, und dieß hoffe ich durch Jesum Chris stum, unsern Herrn. Amen. Gebeth zu dem heiligen Leonhard, Patriz oder Wendelin. Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerachs tigkeit,( die Zugend) und alles Uebrige wird such) dazu gegeben werden. Christus bey Matth. VI. V. 33. Gott, himmlischer Vater! du bist es, der es so veranstaltet, und den heiligen N. in den Sinn gegeben hast, daß er ein armes, aber frommes Leben den größten Reichthümern dieser Erde vorgezogen, und so viel Gutes zu deiner Ehre, und zum Heile, zum Bes sten der Menschen gewirket hat, als er nur immer konnte. Verleih uns, daß auch wir nach seinem Beyfpiele vor Allem unser Herz von unordentlicher Begierde nach zeitlichem Gute, nach Reichthümern und Ehre bewah. ren, und immerhin zuerst das Reich Got. ( die Gerechtigkeit und Tugend) sus tes, chen mögen. - B 205 3 Wenn wir dann dieses gethan, und noch bazu bey unsern zeitlichen Geschäften, beym Feldbau und bey der Viehzucht, es ant nöthiger Sorgfalt und Mühe nicht fehlen laffen, o dann sind wir deines Segens versichert, bester Gott! Du wirst deinem Versprechen gemäß, Wachsthum und Ges deihen geben. Wir hoffen auch, o Gott! daß du die Fürbitte des heiligen N., den wir als deinen treuen Diener verehren, und als unfern seligen Fürsprecher mit Vertrauen anrufen, gnädigst erhören, und uns vor Viehseuchen und andern Unglücksfällen, 206 BED absonderlich aber von Sünde und Lastern, bewahren wolleft, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebeth zu einem heiligen Apostel, besonders an Aposteltagen. Wie könnt' ich Christo anhören, Wenn ich nicht sollte den verehren, Der Schüler und Apostel ist Von dir, o Heiland! Jesu Christ! Heiliger Apostel N.! auch du warst Einer von jenen Glücklichen, die mit meinem be. sten Erlöser lebten, die deffen herrliche Tu. genden und große Wunderwerke mit Alugen sahen, und die göttlichen Lehren aus feinem eigenen Munde hörten. Ach, wie gut, wie fromm und tugend. haft mußt du gewesen sein, daß er dich zu seinem Jünger, zu seinem Freunde, und sogar zu seinem Apostel, zum Mithelfer in Verkündigung und Ausbreitung des Evan. geliums erwählet hat! 207 Viel, sehr viel mußtest du arbeiten, und leiden, um die Menschen zu bekehren, und die christliche Religion in ihre Herzen zu pflanzen. Aber groß sind nun auch die Früchte deiner Arbeiten und deiner Leiden, bis auf uns ist ihr Segen gekommen; alle Christen nehmen Theil daran, und froh. locken darüber. Fem - Ich danke dir also, o großer Heiliger! größter Wohlthäter des menschlichen Ge. schlechtes! ich danke dir für Alles, was du für mich und für alle Menschen geredt, gethan und gelitten hast. O wie freue ich mich, daß du jest dafür im Himmel so herra lich belohnt, und auch auf Erden geehret wirst! Nur wünsche ich, daß alle Menschen deine Lehre erkennen, nach ihr leben, und durch sie selig werden möchten! - B Es ist dieß freylich nicht ganz das Werk des Menschen; es ist auch Gottes Gabe. Bitt also bey Gott für uns, daß es geschehe. Bitt besonders für mich, daß auch ich die Religion Jesu Christi, die du so eifrig geprediget, und nach der du selbst so heilig gelebt hast, im. - M 208 mer mehr kennen lernen; daß ich sie immer höher schäße, und besonders jest in diesen bösen Tagen recht viel Trost und Segen aus ihr schöpfen möge, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebeth zu einem heiligen Martyret. Wie lieb muß dem die Tugend seyn, Der ihr zu lieb' leid't Tod und Pein! O, möchte ich doch lieber sterben, Als durch die Sünd' mein Herz verderben. Du bist es, o Gott! durch deffen Gnade dein heiliger Diener( Dienerinn) oder Blut. zeuge N. so stark im Glauben, so standhaft im Vertrauen, und so vollkommen in der Liebe geworden ist, daß er lieber fein Blut vergießen, und den schmerzlichsten Tod aus. stehen, als den Glauben verläugnen, oder den Weg der Tugend verlassen wollte. Verleih mir nun, bester Vater! daß auch ich, durch das Beyspiel dieses Hei ligen ermuntert, und durch seine Fürbitte unter. H 209 ftiget im Glauben, in der Hoffnung, und Liebe immer stärker werde, die Wider. wärtigkeiten dieses Lebens nach deiner Ans ordnung geduldig ertrage, und lieber Al. les leide, lieber sterbe, als vorsäglich ei ne Sünde begehe, und mich dadurch deiner Ungnade und deines Fluches würdig mache. Amen. H Gebeth zu einer heiligen Jungfrau. Es ist ein Unterschied zwischen einem Eheweibe und einer Jungfrau: die Jungfrau denkt an gottselige Sachen, wie sie dem Leibe und der Seele nach heilig seyn möge 2c. Paulus I. Br. zu den Kor. VIII. 3. 4. D heilige N.! auch an dir ists wahr gewor. den, was Paulus von rechtschaffenen Jungfrauen ten ſagt: im Vergleiche mit Verehlich Sie haben weniger Hinder. niffe, und mehr Gelegenheit zum Guten; mehr Zeit und Antrieb haben sie, an Gott und gottgefällige Sachen zu denken; leichter wird es ihnen, so zu leben, daß fie Naks gr. Gebethbuch. D 210 nen. Dem Leibe und der Seele nach heilig seyn kön. Rein und heilig hast du unter deinem Volke gelebt; und mit der Ehre, im Ruh. me einer rechtschaffenen, gettseligen Jungfrau, bist du gestorben. Die Kuche stellt dich deswegen noch heut zu Tage zum Beys spiele der jungfräulichen Reinigkeit und christs lichen Tugend( ohne welche auch die Jung. frauschaft eitel und unnug wäre) den Gläue bigen vor. 10 - Du warst von Fleisch und Blute, wie wir: dein Herz war empfindsam, wie das unsrige; du warst jung und schwach, wie wir, und oh ne Anfechtung, ohne Versuchung der Sünde lebtest du gewiß eben so wenig, als wir. Aber mehr Herr über dich selbst und über die Sinnlichkeit bist du gewesen, als wir es find; vorsichtiger hast du gehandelt, tapferer ge. stritten, als wir: und so hast du die Wohls luft, diesen schrecklichen Feind des Menschen. geschlechtes, überwunden; so hat dich nie ers ne fündhafte Liebe entehret; rein und heilig hast du deinen Leib und deine Seele bewahrt. Ach, möchten wir doch, durch dein Bey. ſpiel belehrt und durch deine Tugend ermuns tert, auch so weise und glücklich seyn, wie du! H 211 Möchten wir jederzeit den Frieden der Uns schuld und der standesmäßigen Reinigkeit tapfer widerstehen, die Gefahren der Vere führung sorgfältig meiden, und jeden bösen Gedanken, jede lasterhafte Anmuthung, in uns gleich Anfangs, sobald sie entsteht, un. terdrücken! O da würde es niemal zu böfen Begierden, zu schamlosen Reden und schande lichen Thaten kommen! Christen eines reinen Herzens und edler Sitten würden wir feyn! Und diesen Vorzug, diese Gnade erhalt uns von Gott, heilige Jungfrau N., durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - Gebeth zu einer heiligen Wittwe, Gattinn und Mutter, z. B. Monika, Elisabeth oder Franciska c. Die Holdfeligkeit ist betrüglich, und die Schönheit ist eitel; aber ein Weib, das den Herrn fürchtet, verschafft sich wahren Ruhm.- König Salos mon, Sprůchwörter XXX. Kap. 30. V. 02 212 heilige N.! wie wahr ists nicht, daß weder leibliche Anmuth und Schönheit, weder Reichthum, noch adet und Würs de; sondern allein die Gottesfurcht und Tugend, den besten Werth cines Weibes ausmachen, und ihr wahren Ruhm ver. schaffen. Auch du hast dieses mit dei nem Beyfpiele beståttiget: denn wärest du auf dieser Welt nur schön, nur adelich, und reich gewesen, wer würde noch an dih denken?- wer würde dich ehren? Wie Bas Licht deiner Augen, so wäre auch dein Name erloschen. Aber deine Gottesfurcht und Frömmigkeit, deine Sanftmuth und Geduld, deine Weisheit und Liebe, die Menge deiner guten Werke, die haben dich unsterblich gemad t. Ja! deiner Vers dienste und Tugenden wegen bist du heut zu Tage unter rns bekannt, und beliebt; du wirst als Gottes und Menschenfreuns dink,- als Heilige geehrt. - — - Eine der vortrefflichften Frauen, eine der besten Mütter und frömmsten Wittwen warst du auf Erden;- darum schäße und liebe ich 213 dich nicht nur allein; sondern ich nehme auch mit besonderm Vertrauen meine Zuflucht zu dir. Du lebteft in einem beschwerlichen Stane de, o heilige N., und hast es wohl erfahren, was es um eine Ehegemahlinn, um eine Mutter und Wittwe sen. Dir sind die Freus den und Leiden, die Arbeiten und Beschwer. den, die Gefahren und Versuchungen, die Mühseligkeiten und Tröstungen dieser Stån. de bekannt. Du weißt es, wie viele Auf merksamkeit und Sorgfalt, wie viele Stand: haftigkeit und Geduld, wie vieles Be. then und Weinen es koste, wenn man als Gemahlinn, als Mutter und Wittwe, seine Paichten erfüllen, und alles das gegen Mann und Kinder, gegen Dienstbothen und Nachbaren, gegen Freunde und Fein, de, leisten will, was man als eine brave und gute Christinn, zu leisten schuldig ist. Auch mir werden oft mein Stand und meine Pflicht beschwerlich; es verleidet mir oft mein Leben ver Menge der Sorgen, der Arbeiten und des Kummers, und ach! we ungehalten, wie verdrießlich werde ich nicht manchmal über Gott und Menschen, wenn Alles so widerwärs - - 214 tig und hinderlich geht. Ich weiß es, leis der! nur gar zu wohl, daß ich fehle; aber wie ist zu helfen? 81 from Reumüthig bitte ich den Himmel um Vergebung, und wünsche nichts mehr, als daß ich mich einmal bessern, und deinem schö nen Beyspiele, o heilige N.! folgen möch. te. Bitt für mich, daß es geschehe; auch will ich thun, was ich vermag, durch Jes fum Chriftum, unsern Herrn. Amen. Allgemeines Gebeth zu welch immer einem Heiligen. In jedem Stand' kann heilig werden, Wer christlich lebt auf Gottes Erden; Erfüll' ich dann die Standespflicht: Nach meiner Kraft und Glaubenslicht, Leb' ich stets fromm von Sünden rein, So werd' ich froh, einst heilig seyn. - Wie es in jedem Stande böse Menschen giebt, so giebt es auch gute und heilige.- Ja, in jedem Stande( er mag so hoch oder niedrig seyn, als er will) kann man heilig werden.- Liebster Gott! wie trostvoll ist diese Wahrheit!- Auch ich kann also in <-215 meinem Stande heilig werden, wie du, o heiliger N.! in dem deinigen geworden bist. - - Daß ich Wunder wirke, daß ich himmlis sche Erscheinungen und Offenbarungen habe, daß ich ausserordentliche Dinge thun, oder leiden soll, ist zur Heiligkeit nicht vonnös then. Aber daß ich Gott, und der Tugend zu Lieb, die Pflichten meines Standes red. lich erfülle, daß ich mich selbst oft überwin. de, und mir Gewalt anthue, um das Bd. fe zu meiden, und Gutes zu wirken, so viel ich kann, daß ich fromm gegen Gott,- daß ich gerecht und liebevoll gegen meinen Nächsten, daß ich keusch und mäßig, fanftmüthig und demüthig, eifrig bey der Arbeit, geduldig im Leiden sey, dieß macht die wahre Heiligkeit und Tugend aus. Dieß hast du gethan, o heiliger N.! und Darinn hast du mir die schönsten Beyspiele gegeben, die ich nicht bloß bewundern, sondern nachahmen soll. O möchte ichs doch einmal thun! möchte ich einmal den Weg der Wahr heit und Tugend gehen, da ich so lange auf der Straße des Lasters und der Thorheit gewandelt bin! möchte ich dir nachfolgen, - ! 216- lieber heiliger N.! und das Talent, welches mir der Herr gegeben hat, ja nicht ferner vergraben, noch verschwenden, sondern es, wie du. zum Guten anwenden, damit ich mit dir auch einst als ein guter, treuer Knecht ( oder Magd) von Gott gelobt und beloh. net werde. werde. Dies ist mein innigster Herzenswunsch. Bitt für mich, heiliger N. 1 daß er erfüllet Sich! von nun an suche ich wie du, zuerst das Reich Gottes, das ist, Dinge, die gewiß gut und heilig find;und dann verlaffe ich mich aber auch darauf, daß mir mein lieber Gott alles Uebrige, so viel ich dessen bedarf, von selber geben wer. de, durch Jefum Chriftum, feinen Sohn, unfern Herrn, den Lehrer und das Muster aller Heiligkeit. Amen. Gebeth am Feste aller Heiligen. Sen mir gegrüßt, ihr beil'gen Brüder! Ich ruf zu euch: sebet auf mich nieder! Ihr waret, was, und wo ich bin Ich werde seyn, und kommen bin, Wo ihr nun lebt im Himmelreiche, Wenn ich euch hier auf Erden gleiche. - - - 217 - Ihr Heilige Gottes!-ener Festag ist ein 8 rechter Trost und Freudentag für mich.- Ich verehre euch als meine Brüder und Schwestern, als meine Vorgänger zum Him. mel, und als meine selige Fürsprecher im Reis che des Vaters. O ihr lehret mich, daß ich fromm und tu. gendhaft leben muß, wenn ich einft, wie ihr, felig werden soll; und euer Beyspiel übers zeugt mich, daß ich so leben kann, wenn ich ernstlich will. Durch treue Beobachtung der Gebothe Gottes, durch Gerechtigkeit und Liebe gegen die Menschen, durch Fleiß und Arbeitsamkeit in euerm Berufe, durch Gehorsam. Demuth u. Geduld im Leiden, mußtet ihr euch den Himel verdienen; und so muß ich ihn auch erhalten. Es wird mich also noch Vieles kosten. noch manchen Seufzer, manche Thrane, bis ich dorthin kommen kann, wo ihr seyd. Doch dieß soll mich nicht abschrecken: der Himel ist Alles werth; er ist für mich, wie für euch,- und ich muß mich desselben würdig machen, wie ihr; ich muß arbeiten, bethen und leis den, wie ihr gearbeitet, gebethet und gelitten from habt. Wie aber Gott euch stärkte, und leitete, so wird er ohne Zweifel auch mich stärken, und leiten zum ewigen Leben. - - 218 Gleich jest mache ich also den Anfang, euerem Benspiele, ihr Selige! zu folgen. Fromm und chriftlich will ich leben, und ja nie mehr von dem Wege der Gebothe Gottes abweichen. Dies ist mein ernst. licher Vorlag Segne ihn, o Gott! Ihr aber, ihr liebe Heilige! laffet mich eu. rer Fürbitte ben Gott, und euerm Schuße empfohlen seyn, damit, wie ich jest ener Pflegkind, und euer Nachfolger auf E den bin, so auch einst euer Freund und Mitges noffe im Himmel werden möge, durch Jes fum Chriftum, unsern Herrn und Heiland. Amen. www - 219 S. V. - Vermischte Gebethe. Dankgebeth zu Gott. fall ich Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, das er mir gethan?- Den Kelch des Heils( den Freudenkelch) will ich ergreifen,- feinen Namen will ich anrufen, und ihm meine Opfer entrichten vor allem Volke. Psalm. CXV. 2. 3. 20. D Gott, bester Vater! wie viel Gutes ers weisest du mir und allen Menschen, wie viele Freuden habe ich seit meiner Kindheit genossen, und wie viele sind für mich noch in Zukunft bereit? Aues, was lebt und schwebt. lebt von deiner Güte, auch das geringste Thier hat von dir fein Leben, und jede gute Eigenschaft empfangen. Du nährst und erhältst Alles, Alles erquickest, Alles erfreuest du, und haffest wahrhaftig Nichts von Allem, was du gemacht hast, Herr Gott! wir loben dich, wir danken dir, I 220 Vater der Menschen- Lobe, meine Seele! den Herrn, und frohlocke über ihn, mein Gait! Du läsfest uns die Sonne, den Mond und Die Sterne leuchten, o Gott! Von die kömmt Tag und Nacht; die Monate und Jahreszeiten baft du geordnet, und ihren Wechsel, wie ihren Segen bestimmt giebst Morgen und Abendregen- du bit Urfache, o Gott! daß uns unsere Gärten blü hen, und unfre Felder, Wiesen und Wilder, alle Arten von Holz, von Pflanzen und Früchten, bringen, wovon wir leben, uns ergößen, und auch Andere erquicken können. Lobe, meine Seele! den Herrn, und froh, locke über ihn, mein Geist! - WAN? Der Herr ist gut, und seine Liebe hat Fein Ende. Er hat uns Sugen, Ohren, Geruch, Geschmack und Gefühl aegeben. Von ihm find unfre Sinne, mit denen wit fo viel Angenehmes und Nisliches erfahren, und geniefen können. Hande und Füße, den ganzen Bau des Körpers, feine gera. den Glieder, und seine Gesundheit, haben wir ihm zu danken.-O, wenn der Mensch diefe Gaben nie mißbrauchte; wenn er feine Kräfte nicht oft selber schwächte, wie lange und wie glücklich könnte er lei ben! Lobe, meine Seele! den Herrn, und frohlocke über ihn, mein Geist! Ja, freue dich, und frohlocke in Gott! mein Geist! denn auch du bist sein Geschöpf, das Meisterstück seiner Allmacht und Güte, fein Eenbild bist du.- Er, der Herr, hat dich gemacht. Die Gabe zu denken und zu empfinden, das Gute vom Bösen zu uns terscheiden, und eines vor dem andern zu wählen; alle diefe herrlichen Vorzüge hat dir der Herr gegeben. Unsterblich, und sei. nes Umganges, feines Genusses fähig hat er dich gemacht.- Lobe, meine Seele! den Herrn, und frohlocke über ihn, mein Geist! 221 - - Noch nicht genug!- Nebst diefen un schågbaren Gaben der Natur hast du uns auch, o Gott! die Gnade gethan, und bist felbst auf eine ganz wunderbarliche Weise unser Vater, unser Lehrer geworden. Ja! du selbst haft uns dein heiligstes Gefeß mit. getheilt. Mit den ersten Menschen, mit Moses und mit Vielen von den Patriars chen und Propheten, hast du gesprochen, wie ein Vater mit Kindern spricht; Weis. heit und Tugend hast du sie gelehrt. Dank d 222sey dir für diese göttlichen Lehren! O, möchte fie doch der Mensch jederzeit mit kindlichem Gehorfame befolgt haben! Aber ach! er befolgte sie nicht er fündigte gegen dein Ge fes, und machte sich dadura) elend, mach. te sich deines Fluches, deiner Ungnade und Strafe würdig. Doch auch gegen den Sünder warst du gnådig, o Gott! und ließest ihn nicht verderben.- Lobe, meine Seele, den Herrn, und frohlocke über ihn, mein Geist! 4x7 Ja, selbst deinen eingebohrnen, geliebten Sohn schicktest du, o Vater vom Him. mel herab, daß er in Menschengestalt den gefallenen Menschen wieder aufrichten, und erst recht beglücken sollte. Er selbst mußte unser Lehrer, unser Beyfpiel, unser Heiland und Erlöser werden. Leben und sterben mußte er für uns, damit wir dem Tode ent gehen, und das ewige Leben erhalten möch ten. So hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzig gebohrnen Sohn dahin ge. geben, damit Jeder, der an ihn glaubt, nicht zu Grunde gehe, sondern zum ewigen Leben gelange.- Lobe, meine Seele, den Herrn, und frohlocke über ihn, mein Geist! - - 223 Dieß Alles hat Gott den Menschen gethan: Aber tausend und tausend Menschen wissen es nicht, sie kennen weder den Vater, noch den Sohn; sie leben blind in die Nacht hin. ein, im Unglauben, im Irrthume, in Un. wissenheit und Lastern leben sie dahin, und komen nicht zu Gott. Jch aber bin noch dazu so glücklich, daß ich dich, o Gott! und Jefum Christum erkenne. In seiner Religion bin ich gebohren und erzogen worden, in Mitte des Christenthums lebe ich; und da höre ich täglich die schönen Lehren meines Heis landes, habe seine Beyspiele immer vor Aus gen, und genieße die Früchte seines Leis dens und Todes.- Habe ich gesündiget, so finde ich Gnade bey dem Vater durch Jesum, und bin ich in Betrübniß, so hilft er, und tröstet mich, Durch ihn kann ich glücklich leben, und werde einst selig sters ben. Lobe, meine Seele! den Herrn, und danke ihm ewiglich. Doch, wie soll ich dir danken, o Gott! und deine unzählbaren Wohlthaten, wie soll ich sie vergelten?- Geben kann ich dir Nichts, du hast ja selbst Alles im Uleberflusse, bist Herr von Allem, und bedarfst keiner Sache.- L 224 Leere Worte und eitle Danksagungssprüche können dir auch nicht gefallen. Aber ein Herz, o Gott! das die Größe deiner Wohl. thaten empfindet, ein Herz, das sich über deine Gite erfreut, und dich, dem Geber alles Guten, zärtlich liebt, so ein Herz ist in mir, und schlägt für dich. - - Auch noch dadurch will ich meine Danks barkeit gegen dich bezeigen, daß ich deine Gaben in Zukunft höher schåse, mich öfter an fie erinnere, fie niemals mißbrauche, sons dern immer aufs befte zu deiner Ehre und nach deinem Willen zu verwenden suchen werde.- O, möchten doch deine Wohlthas ten in mir den Glauben an dich befestigen; das Vertrauen, die Hoffnung auf dich bes leben, und mein Herz zur reinsten, brünstig. sten Liebe gegen dich, und alle Menschen ers füllen! Möchte sie mich doch gehorsamer gegen dein Gefeß, eifriger in Erfüllung meis ner Pflichten, andächtiger im Gebethe, freu. diger ben der Arbeit, und geduldiger im Lei den machen! O, dies wäre wohl der schöns ste und beste Dank, den du von mir verlans gen, und den ich dir geben kann! Amen. All. 1 225 Allgemeine Fürbitten. Bethet für einander, damit ihr das Heil erlanget.- Das eifrige und anhaltende Gebeth eines Ges rechten vermag Biel. Jakob V. 3. 16. Aumächtiger, gütiger Gott! du bist unser Vater und wir sind deine Kinder; darum willst du auch, daß wir Alle einander, wie Brüder und Schwestern, von Herzen lieben, einander alles Gute wünschen, gönnen und erweisen, besonders aber, daß wir für einander bethen sollen; so lehrt uns Jakob, dein Apostel: Bethet für einander, damit ihr das Heil erlanget 2c. Und o wie schön ist nicht diese Lehre!- Sie muntert mich zum allgemeinen Gebethe auf. Aber möchte ich doch auch so rein von Sünden, so gerecht, und dir gefällig fenn, o Gott! daß ich mic Erhöhung versprechen dürfte! MUDA Bester Vater! vor Allem gieb uns Mens schen, deinen Kindern, die beste Gabe; daß wir weise und tugendhaft auf Erden leben.- Laß die wahre Religion Jefu Chrifti, die uns alles Gute lehrt und giebt, nicht in Verfall und Verachtung kommen; sondern gieb, Nats gr. Gebethbuch. P - 226 daß sie immer mehr bestättiget und verbreitet werde! Gieb, daß alle Völker sie erkennen, und daß besonders wir Christen nach ihr le ben mögen. Erhalt Ruhe, Frieden und Eintracht un ter uns. Bereite und lenke auch unsere Herzen zum Erbarmen und zur Liebe derjenigen, wel che eine andere Religion, und einen andern Glauben haben, als wir, damit wir das Christenthum nicht durch Feindseligkeit bes schimpfen, sondern es vielmehr durch Sanft. muth, durch Liebe und Duldsamkeit allen seinen Feinden empfehlen. Segne danit, o Vater des Segens! jede geistliche und weltliche Obrigkeit, den Pabst und Kaiser, alle Bischöfe, Fürsten und Herrn der Erde; sende über sie herab den Geist der Weisheit, daß sie das Reich Jesu Christi deines Sohnes unter uns erhalten und er weitern. Erleuchte und stärke sie, daß sie untadelhaft vor dir erscheinen, und durch gus te Verordnungen sowohl, als durch eigene schöne Thaten, ihre Unterthanen zur Anbe. thung deines Namens, und zur Ausübung alles Guten ermuntern. Gott! aller Menschen Gott! mache die 227 Regenten zu Nachahmern deiner Weisheit und Güte, mache sie zu wahren Landesvå. tern,- zu Bătern der Wittwen und Waisen, zu Stüzen der Armen, zu Rettern der unschuldig Unterdrückten und Verfolgten. Gieb, daß sie das Verdienst bey den Ihrigen erkennen, die Tugend ehren, und das Lafter nicht unbestraft lassen, sondern zum Schuze aller guten Unterthanen, und zum Schrö. cken der Bösen seyn. Segne, Vater des Segens! unser liebes Vaterland, erhaite es im Frieden und gutent Wohlstande, befördere Handel und Wandel, Viehzucht und Ackerbau; schenke uns dienliches Wetter, und laß Alles gedeihen. Behüte uns Menschen vor ansteckendent Seuchen, vor Hungersnoth, Theurung, Krankheit u. Kriege.- O, diese schrecklichen Plagen wende ab von uns!- Sollte es aber doch geschehen, daß wir nach deinem heiligsten Widen damit heimgesucht werden, so gieb gleichwohl, daß wir sie mit christlichem Ge müthe extragen, daß wir aus Noth eine Tuta gend machen, das Böse zum Guten anwen. den, uns in Geduld üben, und durch das erlittene Unglück besser und frömmer werdent. P 2 MARE Chape - 1 228 Segne auch den Hausstand, o Gott! Gieb den Aeltern und Eheleuten allen Segen und alle Tugenden ihres Standes.- Laß fie in treuer Liebe, und Eintracht mit einander leben, und ihre Kinder gottesfürchtig, weise und glücklich erziehen.- Gieb, daß ihnen diese nicht zur Last oder Schande, sondern zur Ehre und zum Trofte erwachsen! Den Dienstbothen gieb Gehorsam, Treue und Eifer in ihrem Dienste, und dann auch gute, menschenfreundliche Meisterschaften, die daran denken, und es empfinden, daß auch Diener, Knechte und Mägde ihre Mitmenschen, ihre Brüder und Schwea stern seyn. Gegne, o Gott! auch unsere Beleidiger und Feinde mit allem Segen, den wir uns felber wünschen. Gieb uns Kraft, ihnen von Herzen zu verzeihen, sie durch Liebe zu gewinnen, und durch Wohlthun wieder mit uns zu vereinigen. Laß dir endlich, o Vater aller Menschen! alle Menschen empfohlen seyn. Gieb, daß wir in dieser Welt deine unzählbaren Wohl. thaten mit Dank und Freuden genießen, daß wir uns durch wechselweise Hülfe und Trost 1 229 bas Leben versüßen, in deiner Gnade uns schuldig und fröhlich auf dieser Erde wan. deln, bis wir endlich reich an Tugenden von hinnen scheiden, und in jener Welt als Heilige einander wieder sehen, und ewig von dir belohnt werden, durch Jesum Chri. flum, unsern Herrn. Amen. Besondere Fürbitten. Gebeth für die Kirche O fegne, Gott die Christenschaar, Die Jesus sich am Kreuz gebahr; Vor Irrthum, Trennung, bösen Sitten, Die Staat und Kirche oft zerrüten, Bewahre uns, bis eine Heerde, So, wie ein Hirt und Schafstall werde. Bester Heiland! du bist in diese Welt ges kommen, und du hast dich in den Tod das hin gegeben, damit du uns, wie Paulus fagt, von aller Lafterhaftigkeit in böfen Wes sen befreyen, und dir aus allerley Men. schen ein angenehmes, eigenthümliches Volk zubereiten möchtest, ein Volk, das cifrig wäre zu guten Werken. Diesem Volke gabst du Apostel und Evan. gelisten, Hirten und Lehrer,- Bischöfe und Priester, die deine Stelle bey ihm vertres ten, und es zum ewigen Heil führen sollen. 230 So hast du deine Kirche gestiftet,- haft fie auf einen Felfen gebauet, damit sie ewig stehe. Und ihre Mitglieder hast du durch die heiligsten Bande des Glaubens und der Liebe vereiniget, damit sie eines Sinnes und eines Herzens seyn mögen, wie du es mit deinem Vater bist. — - DEEM O welch ein Glück, daß auch ich ein Mit, glied diefer heiligen Gemeinde bin!- Aber, leider! nicht alle Mitglieder der Kirche Christi find so heilig und gut, wie sie es seyn sollten und könnten. Ja, die Kirche selbst, wie viel Ungemache muß sie nicht manchmal lei Den? Wie vieles leidet sie wirklich? Ich weiß es zwar wohl, beßter Heiland! daß du deine Kirche nicht verläsfest, und daß die Mächte der Hölle sie niemal überwälti gen werden; aber dem ungeachtet bethe ich zu dir:( die Liebe heißt mich bethen) Was che, o guter Hirt! über deine Heerde. Mache der Gotteslästerung, dem Unglau ben und der Ruchlosigkeit ein Ende. 231 Wende alles Unheil der Keßeren, des Irrs thums und Aberglaubens, von uns ab.- Bewahre uns vor Spaltung und Trennung. Gieb Einigkeit im Glauben. Noch mehr aber, entzünde, und erhalte das Feuer der Liebe! O Gott der Liebe! verbann doch aus un. fern Herzen und Gemeinden allen Zank und Hader, allen Haß und alle Feindschaft, - alles unrechte und sündhafte Wesen, daß dem Christenthume so viele Unehre und Schande macht! - - 4 1 Gieb Gnade, daß wir uns alle eines reinen Glaubens und reiner Sitten besleißen, daß wir insgesammt das Laster verabscheuen, und die Tugend üben, so viel wir können.- Be. sonders gieb, daß wir in wahrer, christlicher Liebe vereinigt, mit einander ruhig leben, ges troft sterben, und ewig selig werden. Amen. Gebeth für das Vaterland. Oliebes, gutes Vaterland! Gesegnet sey'st durch Gottes Hand ' Von dir kömmt Nahrung, Dach und Kleid Sesetze, Ruh, und Sicherheit; Gesegnet sey'st durch Gottes Hand, liebes, gutes Vaterland! -232Dir hab ichs zu danken, guter Gott! daß ich nicht unter Barbaren, nicht in Mitte eines unchristlichen, ungefitteten und armfeligen Volkes gebohren bin.- Du hast mir dieses Vaterland, diefe Mitbürger, diese Gemeins de und diese Herrschaft angewiesen, in dec ich sollte gebohren, und erzogen werden. Viel, recht viel Gutes habe ich zugleich mit dieser einzigen Anordnung und Gnga de empfangen - Ich lebe nun unter gefitteten Menschen, nicht unter wilden Horden. Ich lebe in einem Lande, in einer Gemeinde, wo Gottesfurcht, wo Religion und Jugend etwas gelten; unter einer christlichen Herr. schaft, die billig denkt, und menschen. freundlich handelt, die für das Wohl, für Ruhe, und Sicherheit des Bürgers forgt. Ich bin kein Sklav, sondern Bürger bin ich, und finde mich in einem Lande, in dem Gesetz und Ordnung herrscht; in eis nem lande, das mich mit Speise und Trank, - mit Reidung und Wohnung reichlich versicht. Niemand darf Noth leiden, wenn er sie sich mcht selber macht.- Wie glücklich bin ich! -— 233- Dank sey dir, gütigster Gott! für mein gutes Vaterland.- O könnte ich ihm seine Wohlthaten, die ich schon so lange genossen habe, vergelten!- Könnte ich etwas thun, das zu seinem Glücke, zu seiner Wohlfahrt und Ehre gereichte, wie freute ich mich! Aber ich armer Mensch, wie wenig kann ich zum Besten des ganzen Landes thun?- Ich rufe also vor allem zu dir, o Gott! und bitte: - - Segne Vater, mit deinem helligsten Se. gen mein Vaterland. Erhalt, und gieb ihm immer weise, gute Regenten, gute Geist, liche- gute Bürger! Hunger, Theurung, ansteckende Kranks heiten und Seuchen, Krieg und Empo. rung, diese fürchterlichen Geiffeln der Menschheit, wende ab von ihm, und erhalt es immer in gutem Flore, vermehre seinen Wohlstand, befördere feinen Handel, seine Viehzucht, seinen Ackerbau, und schenke ihm gute Zeiten! Sollte aber auch dein heiligster WilleLand. plagen und Uebel über uns kommen lassen, o! so gieb, daß wir uns auch in diesem Falle wie rechtschaffene Leute und gute Christen - betragen, daß wir nicht verzagt und kleini müthig werden, sondern gutwillig und gedul dig leiden, was wir nicht ändern können, aus der Noth eine Tugend machen, und aus dem Bösen alles mögliche Gute herauszie. hen. Um diefes bitte ich dich, o Gott! und hoffe es von deiner Gnade. - <<- 234 - Dabey werde ich aber auch meine Pflicht erfüllen, so gut ichs kann.- Ja! bis ans En de meines Lebens werde ich mich befleißen, ein rechtschaffener und guter Bürger zu seyn. Mit Freuden will ich die landesherrschaft. lichen Gesetze erfüllen,- ohne Widerrede will ich zum Besten des Landes von mei, nent Vermögen bentragen, was ich schul dig bin;- und follte es die Noth erfodern, fo will ich mich nicht weigern, auch Gut und Blut, Leib und Leben für mein Vaters lazbau geben, wie ichs von ihm empfangen babe; denn dieß ist Gottes Wille; und dies fer soll in Allem erfüllet werden! Amen. Gebeth für die Landesherrschaft. Bor Utem ermahne ich, daß man zu Gott bethe ,für die Könige und alle Obrigkeiten, damit wir - 235 unter ihnen ein ruhiges, stilles Leben führen mös gen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Paus lus zum Timoth. I. Br. II. 1. und 2. V. Like u selbst, o Gott! haft Menschen über men. schen gesetzt, und willst, daß Menschen durch Menschen regteret werden. Alle Gewalt unfrer Obrigkeit kommt von dir, und unfre Landesväter sind ein Stellvertreter hier auf Erden, um uns zu regieren und glücklich zu machen. 1 HANGING Ihre Pflicht ist es, für uns zu forgen, und zu wachen, auf unser Bestes zu denken und es zu befördern. Ihnen liegt es ob, im Lande Ruhe und Frieden zu erhalten, die Unschuld zu schüßen, das Lafter zu strafen, dem Uebel zu steuren und Gutes zu stiften, so viel sie können.- O! wahrhaftig eine schöne, aber auch schwere Pflicht, eine große Würde, aber auch harte Bürde, die jeden Regenten drückt.- Ach könnte ich doch mei. nem Landesherrn für sein Arbeiten und Sor. gen danken genug!- Könnte ich ihm das viele Gute vergelten, welches er seinem Vol. ke, und besonders auch mir und den Meints gen erweist, wie herzlich gerne wolle ichs thun! — 1 <-236 Er ist mein guter Bater; ich will ihn also auch als ein gutes Kind herzlich lieben.- Et ist mein Herr; und ich will ihm als treuer Unterthan Gehorsam leisten.- Nie will ich meinen Bürgereid verlegen, sondern aus Achtung und Liebe gegen Gott und fein hei liges Geboth will ich gewissenhaft ohne Wis derrede meinem Landesherrn geben und lei. sten, was ich ihm schuldig bin. Jesus Christus hat ja auch den Zinsgroschen be. zahlt, und ausdrücklich befohlen, dem Kai fer zu geben, was des Kaisers ist. - - Niemal will ich mich ungebärdig gegen Landesherrliche Verordnungen auflehnen, oder sie nur mit Widerwillen aus Zwang und Furcht der Strafe erfüllen; sondern aus innerem Antriebe des Gewiffens will ichs thun, weil ich weiß, daß es Gott gefällt, und daß ich mich gegen Gott verfündige. wenn ich mich gegen meinen rechtmäßis gen Herrn empöre. Hingegen hoffe ich auch zu dir, o Gott! daß du ihn, meinen Landesherrn, immer lei. ten und regieren werdest, daß er ja nichts befehle oder verordne, was unrecht, oder nicht zum Besten des Landes ist.- Erleuch 237 te seinen Verstand, und stärke sein Herz; damit er immer gerecht, weise und gut seyn. möge, wie du es bist; gieb ihm gute Raths geber und Beamte; schüße ihn vor bösen, damit wir unter seiner Regierung ein wahr. haft ruhiges, stilles Leben genießen mögen, in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. - Für seine bisherige Sorgfalt und müh belohne ihn, o Gott!- Vergilt ihm reich. lich, was wir nicht vergelten können, schenke ihm ein vergnügtes Leben, dauera hafte Gesundheit, und eine segensvolle, glückliche Regiernng.- Gieb ihm endlich, nachdem er sein Werk volbracht, und sein Volk lange genug beglücket hat, an deinem Throne den Lohn seiner Arbeit, ewige Freu. den und Seligkeiten, durch Jefum Chris stum, unsern Herrn! Amen. B Gebeth für den Pabst, Bischof, Pfarrer, Beichts vater und Seelsorger. Bethet für uns( Bischöfe und Priester), daß Gott unserin Worte das Thor öffne, das Geheims niß Jesu( seiner Religion) zu verkünden, und -238 1 dasselbe so, wie sichs gebührt, vorzutragen. Paus Ius zu den Koloff. IV. 3. V. O mein Gott! viel Gutes hast du mir schon durch meine Seelsorger und geifiliche Vors steher, durch den Pabst, Bischof. Pfarrer und Beichtvater erwiesen. Sie vertreten als gute Hirten deine Stelle an mir: fie lehren, ermahnen und erbauen mich zum Guten; durch fie bin ich im Christenthum unterrichtet, durch fie bin ich getauft und gefirmet worden; fie sprechen mich von Sünden los, und reis chen mir das Brod des Lebens; fic sorgen für meine Seele und Seligkeit, im Leben und beym Tode, ben gefunden und kranken Tagen. - Dank sey dir also, bester Vater! für diese Seelenhirten, die du mir gegeben haft. Dank sey ihnen für alles Gute, was ich von ihnen gelernt, und durch sie empfangen habe.- O möchte ichs doch vergelten kön nen! möchte ich ihnen gleichwohl durch mein rechtschaffenes, christliches Leben, Troft und Freude machen! Ich will mich beficißen, es zu thun.- Du aber, mein Gott! must vor Allem ihr wahret Bergelter und Belohner seyn. 1 239 Ja, ich bitte dich: Vergilt und erfeße ihnen Alles hundertfach, was sie mir in meinem Leben Gutes gethan haben, und was mir, besonders mein Pfarrer noch täglich thut. Dein heiliger Geift stehe ihnen in allen ihren Verrichtungen bey! er begleite fie an den Altar, in den Beichts stuhl! auf die Kanzel, und an das Bette der Kranken und Sterbenden, damit sie überall recht viel Gutes wirken mögen! M mir aber und allen Gläubigen, gieb, o Gott! ein getehriges Herz, ein Herz voll Liebe und Vertrauen gegen unsere Seelsors ger, damit wir durch ihre Lehren und gut. te Beyfpiele dich immer mehr erkennen. und dadurch immer besser, weiser, und die gefälliger werden, durch Jesum Chriftum den höchsten Priester und obersten Hirten der Seelen. Amen. Gebeth für die Aeltern. Ehre deinen Vater und deine Mutter! wie dit ber Herr dein Gott befohlen hat, damit du lange les best, und es dir wohl gehe auf Erden. Mi im V. B. V. Kap. 16. 2. <-240 Himmlischer Vater! du haft den Kindern gebothen, ihre Aeltern zu ehren und zu lieben; du wirst also mein Gebeth, welches ich dir für meine Aeltern darbringe, gütigst erhören, weil ich es aus kindlicher Liebe zu ihnen entrichte. Ich bitte dich also, du Geber alles Gu. ten! laß dir meine beßten Aeltern empfohlen seyn! Gieb ihnen Gesundheit und ein langes Leben, Glück in ihren Unternehmungen, Segen in ihrer Haushaltung, Trost in Wi derwärtigkeiten, Rath in zweifelhaften Fåls len! Behüte sie vor Unglück und Gefahren, und vor allem Uebel des Leibes und der See Ie! Erleuchte sie, daß fie sich allenthalben weise und klug betragen, und ihre Standes. pflichten treulich erfüllen! - Auch für mich bitte ich um deinen Segent und deine Gnade, o Gott! daß meine Liebe gegen Vater und Mutter nie erkalte,- daß ich den Gehorsam, die Ehrerbiethung und Dankbarkeit, die ich ihnen schuldig bin, nie vergesse. sie niemal erzörne, nie beleidige, nie betrübe, oder ihnen durch eine schlechte Aufführung zur Last, zur Unehre und Schande werde. Ich, 241 Ach, welch ein Herzeleid würde es für fie seyn, wenn ich ein ungerathenes Kind ware! Aber nein, das soll in Ewigkeit nicht geschehen! vielmehr will ich suchen, durch Wohlverhalten, durch Gehorsam und Liebe, ihnen Freude und Ehre zu machen; die Tage ihres Lebens zu verschönern und zu versüßen will ich suchen, so viel ich kann. 1 - - Sie haben so Vieles in meiner Jugend für mich gethan, und gelitten; ich habe ihnen als Kind so viele schlaflose Nächte, so viele Arbeit und Kummer gemacht. Welch einen Dank bin ich ihnen schuldig! Und diesen will ich dadurch erstatten, o Gott! daß ich ihnen, so lange ich lebe, Ehr. furcht und Liebe erzeige, daß ich auch mit ihren Schwachheiten Geduld trage, und fie im Alter nach meinen Kräften unterstüße. O, diesen Vorsaß erhalt und stärke in mir, bester Gott! durch Jefum Chriftum, der auch sterbend noch für seine Mutter ges sorgt, und sie seinem liebsten Freunde und Jünger, dem heiligen Johannes, empfoh. len hat. Amen. Nafs gr. Gebethbuch. Q - 242 - Gebeth für Geschwisterte und Anverwandte. Sehet! wie gut und vergnüglich es ist, wenn Brü. der, Schwestern und Freunde einträchtig beys sammen wohnen. Pfalm. CXXXII.. I. - Nach den Ueltern bin ich meinen Geschwi. sterten und nächsten Anverwandten die größ te Liebe schuldig. Dieß lehrt mich die Ver nunst und Gottes Wort. Um nun diese Pflicht zu erfüllen, wende ich mich allererst an dich, o Gott! und bethe für fie.- Ja, ich bitte dich, o Vater im Himmel! laß meinen Geschwisterten und Anverwandten deinen väterlichen Schuß und Segen in vollem Maaße angedeihen! Erhalt fie in deiner Freundschaft und Gnade gefund und gut, mache fie zeitlich und ewig glücklich. Ich selbst will ihnen so viel Gutes thun, als ich kann, ich will sie niemal geflissentlich beleidigen, und es auch nicht gleich übel aufnehmen, wenn sie Etwas reden, oder thun, was mir nicht recht gefällt. Um den lieben Frieden, um Ruhe und Eintracht in der Freundschaft und im Hause zu erhal, ten! will ich alles thun; denn wozu hilft - 1 243 Bank und Hader, als daß man sich gegen Gott und Menschen verfündiget, daß man sich das Leben sauer macht, einander martert, und sich nebst dem Fluche Gottes auch die Verachtung der Menschen zuzieht. Nichts ist ja abscheulicher und unmensch. licher, als wenn die nächsten Blutsfreuns de, wenn Geschwisterte und Anverwandte einander låstern, hassen und verfolgen; hin. gegen wie schön ist es nicht, wenn ſie ein. trächtig mit einander leben, und im Werke zeigen, daß sie wie gute Zweige aus einer Wurzel sproffen, und eines Sinnes, und Herzens sind. O! das schöne Beyspiel Abrahams, der nicht einmal den Streit seis ner Knechte mit den Knechten seines Vetters, des loths, leiden konnte, und lieber die Hälfte seiner Güter abtreten, als in Unfrie. den leben wollte, das soll mich jederzeit zum Frieden ermuntern. Gieb aber, o bester Gott! gieb auch meinen Geschwisterten und Anverwandten, der ganzen Freundschaft, gieb eben diese Gesinnungen, damit wir Al. le zusammen in aufrichtiger Freundschaft und Liebe, miteinander leben, und sterben mögen. Amen. - D. 2 - 244 Gebeth für Freunde und Wohlthäter. — - Ein treuer Freund ist eine starke Schutzwehre, und wer ihn findet, findet einen großen Schak. Jesus Sir. VI. V. 11. Gott! wie gut hast du es auf der Welt eingerichtet, daß immer ein Mensch den ans dern vonnöthen hat, um vergnügt und glück, lich leben zu können Dadurch werden wir alle durch die Bande der Freundschaft und Liebe fest an einander geschlossen. Auch ich bin so glücklich, gute Freunde und Wohlthäter zu haben, Menschen, die mich besonders lieben, die mir schon viel Angenehmes und Nügliches erwiesen haben, und von denen ich auch in Zukunft noch manches Gute erwarten darf. Auch ich habe Freunde, denen ich mein Herz ver. trauen kann, die Antheil an meinem Glü, cke und Unglücke nehmen, und bey des nen ich in der Noth, Hilfe und Troft zu fin. den hoffe. O nein ich bin nicht ganz ver. lassen; wenn mich auch schon zuweilen feind. selige oder unverständige Leute verachten, - - 245 Spring so ehren, und lieben mich doch Andere wieder. Dank sey dir also, o Gott! für diese Gnade. Ich bitte dich aber auch, beßter Vater! erhalt und segne diese meine guten Freunde und Wohlthäter! Gieb, daß sie mir immer hold und geneigt verbleiben.- Vergilt das Gute, das sie mir bisher gethan haben, und noch ferner thun werden! Vergilt es ihnen tauſendfach an Leib und Seele! Wende al. les Unheil und Uebel von ihnen ab! Laß sie auf dieser Welt lange vergnügt und glück. lich leben, einst selig sterben, und im Himmel für ihre Wohlthaten belohnet werden. Ich selbst will mich befleißen, mich in ih. rer Freundschaft und Liebe zu erhalten, und derselben immer würdiger zu werden. Aufs Auerbeßte will ich ihre Wohlthaten anwen den, und sie durch Worte und Werke über. zeugen, daß sie diefelben an keinen Unwürs digen verschwendet haben. O! des abscheulichen Undankes, der Treulofigkeit, oder der Vergessenheit des empfangenen Guten, will ich mich nicht schuldig machen; mit diesem Verbre. chen will ich mein Herz nicht entebren; sondern ich bin vielmehr entschlossen, 1 246 * Gott! daß ich meinen Freunden und Wohlthätern ben jeder Gelegenheit dienen; ihnen, wenn sie in Nöthen kommen, hilf. reich benspringen, und sie auch mit Auf wand meines Vermögens, meiner Gesund. heit, ja felbst meines Lebens, schügen, und unterstigen wolle.- Denn dieß ist die waha re Liebe, daß man für seine Freunde auch das Leben lasse. Diese Liebe lehrt mich der beste Menschenfreund Jesus Christus, der die Seinen bis ans Ende geliebt hat, und für sie gestorben ist. O möchte ich so ein Freund meiner Freunde seyn! Amen. - Gebeth für Borgesegte und Meisterschaften. Ich weiß, o Gott! die Meisterschaft Gebiethet mir durch deine Kraft: Du willst, daß ich sie kindlich ehre, Und, wo ich kann, ihr Bestes mehre; Und werd es thun, und bitte dich, Gott! segne sie, Gott! segne mich. u hast es so eingerichtet, o Gott! daß faſt kein Mensch auf der Welt ist, der nicht wieder unter andern Menschen steht: besonders wir - 247 Dienstbothen, Gesellen und junge Leute ha. ben Vorgesetzte und Meisterschaften, die über uns wachen und gebiethen, und denen wir gehorsamen und dienen müssen. Sie geben uns Kost und Lohn, ja auch manchen guten Unterricht dafür.- Sie vertreten die Stelle der Aeltern und Lehrer an uns; darrum werden sie Hausväter und Hausmüt. ter genannt. Wie meine Aeltern muß ich sie also lieben, und ehren, ich muß ihnen Gehorsam leisten in jeder heiligen Sache, wie wenn es Gott felber schaffte.- Kein Unbild,- nicht den geringsten Schaden darf und will ich ihnen zufügen, sondern ihre Ehre, ihren Wohlstand und Nußen, werde ich mit als ler Sorgfalt und Treue befördern, so viel ich kann; dieß ist dein Geboth, o Herr! Und sich! die zu Liebe will ichs redlich er. füllen, so lange ich unter andern leben und dienen muß.- Gieb Gnade dazu! - Ja, da mir meine Meisterschaft und Vor. gefeste so viel Gutes erwiesen; ich aber ihnen so wenig vergelten kann, so bitte ich dich beß. ter Gott! sey du der Vergelter!- Segne sie, o Vater! mit allem Segen des Himmels und 248 der Erde!-Wende alles Unglück und Bes trübniß von ihrem Haupte ab!- Laß ih. nen ihren Feldbau, ihre Viehzucht, ihre Arbeit und Geschäfte gedeihen, und gieb, daß wir mit einander, wie Kinder und Ael. tern, in Eintracht und Liebe, vergnügt und zufrieden leben; und daß ich von ihnen nichts Böses,- wohl aber recht viel Gutes sehen, hören und lernen möge. Amen. S Gebeth für Feinde und Widersacher. Liebet eure Feinde!- Segnet Die, welche euch låstern und verfluchen! Thut Gutes Denen, welche euch hassen, und bethet für eure ges waltthätige Verfolger und Verläumder. Chris stus bey Matth. V. B. 44. D Gott der Gnade und der Liebe! wie heilig und liebvoll ist nicht dein Geset! Vor Alters heißt es: Aug für Aug! Bahn für Zahn! Man glaubte, feinen Feind haffen und verfolgen zu dürfen. Dieß glaubten und thaten nicht nur die Heyden und wilden Völker, sondern so - - C mogl gar auch die Juden. Aber Jesus Chriflus gab uns hierinn eine ganz andere Lehre.- Ich aber fage euch, sprach er zu allem Vol. ke: Liebet eure Feinde; segnet Die, welche euch lästern und verfluchen; thut Denen Gutes, die euch haffen, und bethet für eure Verfolger und Verläumder! Dann erst wers det ihr Kinder eures himmlischen Vaters fenn, der seine Sonne aufgehen läßt über die Guten und Bösen, und seinen Regen ausgießt über die Gerechten und Ungerechten. O beßter Heiland! wie schön und gotteswürdig ist nicht diese Lehre! Aber wie hart kommt es uns Menschen an, sie zu era füllen!- Doch, dein Befehl, dein. Wille ist es,- und dein heiligstes Beyspiel ha. ben wir auch vor uns. Du willst unter deinem Volke Eintracht, Liebe und Frieden haben, und verbietheft deßwegen Alles, was diesen schönen Tugenden entgegen ist. Keiner soll den Andern beleidigen, Keiner soll seinem Nächsten Unrecht oder Schaden zufügen. Dieß ist dein Bc. 249 - fehl. Ja! du willst sogar, daß man das erlittene Unrecht vergessen, die empfan. genen Unbilden einander verzeihe, sich, wenn man entzweyet ist, sogleich wieder mutein. - 250 - - ander verföhnen, und ja keinen Haß, keine Nachgierde im Herzen herumtragen soll. Wohlan! ich bin bereit dazu. Von ganzer Seele verzethe ich allen, die mir etwas zu Leide gethan, die mir Unbilden und Scha den zugefüget haben. Vergessen und verzie. hen foll alles seyn; so hart es mich ankömmt ,. so will ich mich doch aus Liebe Gottes und Jefu Christ überwinden, ich will mit ih. nen reden, und sie wieder zu gewinnen fu chen. Aber auch du, o Gott! verzeih ihnen ih. re Sünde, alles Unrecht, daß sie an mir gethan, verzeih ihnen. Ach! sie wußten vielleicht nicht, was sie thaten.- Der Zorn hat fie übereilt,- die Leidenschaft fortgeriss fen; ich felbft kann ihnen Ursache und An. laß gegeben haben.- Verzeih ihnen also; oder, wenn du sie auch mit väterli cher Strafe heimsuchest, so soll dieſe Stra. fe nicht zu ihrem Verderben, sondern zum Unterrichte und zur Besserung gereichen. Mich aber bewahre vor der Schwachheit, daß ich mich an ihrem Uebelergehen jemal erfreuen, oder es wünschen solle, daß fie un. 251 glücklich werden. Nein, der Friede und wahre Liebe sey mit uns im Leben und im Tode! Amen. - — Gebeth für Arme, Kranke und Elende. Der Herr tödtet, und macht lebendig; er stürzt ins Verderben, und reißt wieder heraus. Der Herr macht arm, und reich; er erniedrigt und erhöhet. Die Dürftigen zieht er aus dem Staube, und erhebt den Armen aus dem Kothe. Im I. Buche der Könige II. Kap. 7. und 8. V. UDFOR - Ich weiß es, o Gott! daß auch das Ueble dieser Welt von dir kömmt, wie das Gute; ich weiß, daß du Armuth, Krankheit und Elend manchmal zur Strafe der Sünden, manchmal zur Prüfung der Tugend,<- nie, mal aus Haß und Leidenschaft, niemal aus bösen Absichten, sondern allzeit aus Liebe und mit höchster Weisheit über die Men. schen verhängst.- Ich weiß ferner, daß du keinem Menschen mehr Ungemache und Leiden auflegst, als er zu tragen im Stan de ift. Auch bist du bereit jeden Leidenden mit deiner Gnade zu unterstüßen, damit 252er nicht unterliege; und gemeiniglich ist der Weg des Leidens derjenige, der zur Freude führt, Aus dem Staube willst du deine Kinder zur Ehre und aus dem Unglücke zum Glücke erheben. So handelt deine Weis beit und Güte. Unterdessen kömmt es aber doch den ar. men, kranken und elenden Menschen, für den ich bethe, hart an, daß er so leiden muß.- Ach! seine Seufzer, seine Thränen, feine Klagen, Bitten und Flehen find Zeugen davon, wie schwer die East ist, die ihn drückt, und wie bitter der Kelch, den du ihm zu trinken gereichet hast.- Vater! beßter Va, ter! nimm ihn doch hinweg diesen Kelch des Leidens von deinem Kinde! Erbarme, ach! erbarme dich nach deiner großen Barmher zigkeit, und heile, erquicke, rette den Armfeligen! Du haft verwundet; heile wieder! Du haft betrübt; ermuntere und trößte fie wieder! Du allein bist ja unser Helfer; vers laß uns nicht! Doch nicht des Menschen sondern dein Wille geschehe, o Gett! du weißt es ohne Zweifel am besten, was uns gut und nüglich ist, und hilfft einßimal zue rechten Zeit. Dein Wille geschehe! 253 Soll aber der Bedrängte nach deinem hei ligsten Willen noch ferner leiden müssen, so bitte ich nur darum, unterstütze ihn mit deiner Gnade, daß er nicht in Unmuth gerathe; daß er nicht verzagt, nicht kleinmů. thig werde; nicht in unanständiges Klagen und Murren ausbreche, oder sonst sich ge. gen dich vergehe, und dadurch sein Unglück noch größer mache, sondern daß er mit Ge duld ausharre, sich in deinen Willen ergebe, und leide, bis es dir gefällt, ihn wie. der zu erfreuen. Gieb, daß er Andern zum Beyfpiele der Gelaffenheit, der Ergebung in deinen Wil len und jeder andern chriftlichen Tugend werde. Reinige ihn durch dieses Feuer der Trübfal von seinen Fehlern, und laß ihn dir ergebener, weifer und besser werden. Darum bitte ich dich, o Vater! durch Jesum Chris stum, deinen Sohn diesen Mann der Schmer zen, der alle Ungemache dieses Lebens uns zum Beyfpiele eben so großmüthig, als geduldig ertragen, und nicht anders, als durch Kreuz und Leiden zu seiner Herrlichkeit gelanget ist. Was mich betrifft, so will ich dem Elenden, für den ich bethete, auch bel. wwbe he 254 fen, und rathen, so viel ich kann. Denn dieß ist dein Verlangen, o Gott! daß wir in Nöthen einander Hülfe leisten, was man dem mindesten seiner Mitbrüder Gutes erweiset, das ist dir gethan. Amen. und Gebeth für Sünder und übel gefittete Menschen. So wahr ich lebe, spricht der Herr, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern, daß sich der Sünder bekehre, und lebe. Bey Ezechiel XXXIII. Kap. 11. V. - Gott! du hast den Menschen erschaffen, daß er gerecht und heilig lebe, um einst felig zu werden. Darum gabst du ihm deine Gebothe, als Vorschriften und Regeln, nach denen er wandeln, und durch deren Erfüllung er den Himmel verdienen solle. Aber ach: wir schwache Menschen, wie oft übertreten wir nicht diese heiligsten Ges bothe, und weichen dadurch schändlich vom Wege der Tugend und des Heiles ab, zu dem du uns doch erschaffen hast. - 255 - Solche Unordnungen und Ausschweifun. gen müssen dir freylich mißfallen, bester Gott! Du bist heilig, und verabscheuest mithin alles unheilige, sündhafte Wesen.- Unmöglich kannst du ein Freund des Sünders seyn. Aber ein Freund und Vater des Menschen bist du doch! und willst also nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Barmherzig, unendlich barm. herzig bist du auch gegen den verirrten und gefallenen Menschen, du verlangst, daß er aufstehe, und wieder dein Freund, dein Kind, und dein Liebling werde. Nicht um des Gerechten, sondern um des Sünders willen kam Jefus Chriftus, dein Sohn, o Gott! vom Himmel herab, um zu suchen, und selig zu machen, was ver. lohren war. Für den Sünder hat er so Vie. les gearbeitet, so Vieles gelitten, und für ihn am Kreuze gestorben. MENS Bester Gott und Vater! laß also das Blut Jefu Chrifti an keinem Sünder vers loren gehen!- Besonders auch dieser übelgesitteten und wenigst ihrem äußerlichen Betragen nach, bösen Menschen N. N. erbarme dich! Gieb Gnade und Licht, daß sie doch den elenden Zustand ihrer 256 Seele erkennen, daß sie das Unrecht, die Ab. scheulichkeit des lasters und ihrer Ausschweis fungen einsehen, und sich wieder zu dir und zur Tugend bekehren.- O diese Gnade gieb ihnen- gieb sie allen Sündern, barmher. ziger Gott! und laß doch alles Unglück, als len Jammer, der aus ihren Sünden ents steht. recht kräftig auf sie wirken, daß ihr Herz wenigst durch Trübfale erweicht, und gebessert werde, damit sie nicht in Unbuß. fertigkeit verharren, nicht immer noch mehr Unheil anstiften, Sünden auf Sünden hau. fen, auch andere verführen, und endlich, in der Sünde sterbend, ewig zu Grunde gehen. Dieses Unheil wende ab von uns allen, gnådigster Vater! durch Jesum Christum deinen Sohn, der sich am Kreuze noch der Sünder erbarmte, für Sünder bethete, und einem reumüthigen Sünder( dem Schi. cher) das Paradies versprochen hat. Amen. MICHON Gebeth für Ungläubige, Irrgläubige und solche, die keine Christen sind. Du bist der Vater von uns Allen; 3 beth'-( o Gott! laß dir's gefallen! Für - 257 Für Alle, Juden, Türken, Heiden, Und Christen, die sich unterscheiden Im Glauben von uns Katholiken; Sieh Alle an mit Baterblicken! Gieb Seligkeit durch Jesum Christ, Der Heiland von uns Allen ist! Ich danke dir, o Gott! daß ich in der christ. katholischen Religion geboren und erzogen worden bin. Wie viele Vortheile hat mir dieses schon gebracht, und wie viel wird es mir auch in Zukunft bringen. O, möchten doch alle Menschen auf der ganzen Welt Bekenner dieser heiligen und feligmachenden Religion Jefu Chrifti feyn! Doch auch Jene, die es nicht sind, find Deine Kinder, und du liebeft sie alle ohne Ausnahme väterlich. Du läsfest deine schöne Sonne über sie aufgehen, wie über mich, und erhältst und ernährst sie mit väterlicher Güte, wie mich. Auch Jesus Christus ist für sie, wie für mich, gestorben, und will alle Menschen selig haben. So find denn alle Menschen meine Brüder und Schwestern, von welcher Religion fie immer seyn mögen, und deswegen liebe ich Nafs gr. Gebethbuch. R - - = 258 sie auch alle von Herzen; ja ich würde es für die größte Sünde halten, wenn ich ei nem Türken oder Juden, geschweige einem irrgläubigen Christen, etwas zu Leide thun follte. Die meisten von ihnen meynen es gwiß auch aufrichtig mit dir, und so gut, viel. leicht noch besser, als ich. Ja! wenn ich unter ihnen geboren wäre, würde ich nicht auch glauben, was sie glauben, und dich verehren, wie sie? und eben so leben, wie fie? O gewiß? - Bewahre mich also Gott, daß ich meines Glaubens wegen stolz sey, oder andere, die nicht so, wie ich glauben, verachte und ver. damme. Ich trage vielmehr Mitleid mit ih nen, mit allen Frr- und Ungläubigen tra ge ich wahres Mitleiden, und bethe für sie. Ja, gütigster Gott und Vater Uller! erhöre mein Gebeth, welches ich jest für diese meine Brüder und Schwestern vor dir ausgieße. Steh ihnen mit deiner Gnade bey, daß sie dich, daß fie deinen Sohn Jesum Christum, und dessen wah. re Lehre kennen, und immer besser kennen 1 259-> lernen; daß sie dir gleichwohl, so gut sie kön. nen, nach ihrem Wissen und Gewissen mit aufrichtigem Herzen dienen mögen! Dann wirst du sie gewiß nicht verderben lassen. Dann werden wir uns einst alle, wie Kinder eines Hauses, um den besten Vater versammeln und dann wird unfre Liebe und unsre Glückseligkeit erst recht voll. kommen seyn, und ewig dauern. Dieß ges be der Vater durch Jesum Christum, seis nen Sohn, unsern Herrn. Amen. - Vermischte Gebethe zum Gebrauche für Personen vers schiedener Stände. Gebeth christlicher Eheleute. Lehre Christi und Pauli. ,, habet ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer gleich vom Anfange Mann und Weib erschaffen, und gesagt habe: Um deßwillen wird der Mann Vater und Muts ter verlassen, und seinem Weibe anhangen; Bende werden( gleichsam) nur ein Leib seyn. Sie sind also nicht mehr zwey, sondern nur ein Leib. Was also Gott zusammengefügt hat, 2 -260 das foll der Mensch nicht trennen. Christus bei Matth. XIX. V. 4. Die Ebeweiber sollen ihren Männern, wie dem Herry unterthan seyn; denn der Mann ist das Obers haupt des Weibes, so wie Christus das Obers haupt der Kirche ist.- Wenn nun die Kirche nach Chrifti Willen sich richtet, und von ihm sich regieren läßt, so sollen dieß auch in allen Stücken die Weiber gegen ihre Männer thun. -Jbr Männer hingegen liebet eure Weiber, wie Christus die Kirche geliebt, und sich selbst für sie geopfert bat, um sie zu beiligen und zu reinigen durch die Waffertaufe und das Wort des Lebens( seine Lehre), damit er sich selbst eine vortrefliche Kirche herstellte, eine Kirche, die ohne Mackel und Runzel oder andere Ungestalt ganz beilig und unbefleckt sey. So sollen auch die Ehmänner ihren Weibern mit wahrer Liebe zugethan seyn, und für sie sorgen, als wenn fie ein Theil ihres eigenen Leibes wären.- Denn wer seine Gattin lieb hat, der liebt sich felbft: fie ist gleichsam sein eigener Leib; und den vernachläßiget man doch nicht, sondern man nährt und pflegt ihn, so wie es auch Chriftus gegen seine Kirche thut.- Liebe also doch ein Jeder fein Weib, wie sich selbst, das Weib aber trage Ehrfurcht gegen ihren Mann. Paulus an die Ephes. V. 22, V. 26 261-> Schon im Paradiese, o Gott! hast du den Ehestand eingesest, und dem ersten Mens schenpaare den Trieb einer unzertrennlichen Freundschaft und Liebe in das Herz gelegt. Schon da wurde Eva aus Adams Leibe ge. macht, und ihm zur Gefährtinn und Ge hülfinn gegeben. Einträchtig und un. schuldig vergnügt follten Bende mit ein. ander leben, und das Menschengeschlecht auf Erden pflanzen, dies war Gottes Ab. sicht, und Gottes Einrichtung. Diese göttliche Einrichtung, diesen heiligen Bund der Freundschaft und Liebe, hat Jesus Christus noch mehr geheiliget, indem er den Ehestand( die eheliche Treue und Liebe) als Sinnbild feiner Liebe gegen die Kirche aufgestellt, eingeweiht, und zur Würde eines Sakramentes erhoben hat. Auch ich und meine Gattinn( mein Gatte) em. Und pfiengen dieß heilige Sakrament. möchten wir es doch recht würdig empfangen haben, um deiner Gnade, o Gott! und alles Segens theilhaftig zu werden, den du gottesfürchtigen und wahrhaft christliches Eheleuten zu geben verheißen hast. - - - 262 Der Ehestand ist ein Stand unzertrennli cher Freundschaft und Liebe. O diese laß doch niemal in Eines Herzen erkalten, bester Gott! Entferne alles, was uneinigkeit, was Zank und Hader erwecken kann, und gieb, daß wir nach deinem göttlichen Willen in unverbrüchlicher Treue froh und friedlich mit einander leben, die Laft des Hausens mit vers einten Kräften tragen, einander wechselweise erbauen, Eines das Andere vom Bösen abe halte, zum Guten ermuntere, in der Arbeit unterküge, im Leiden tröste, und so bis ans Ende des Lebens kemes das Andere verlassen möge, wie wir dieses einander am Altare versprochen haben. Der Ehestand ist eingesest als ein Mittel gegen Unreinigkeit und Ausscheifungen fündhafter Gelüste. Er ist eingesetzt zu ehrbarer Erzeugung und christlicher Erziehung der Kinder. Diesen doppelten ehrwürdigen, und großen Endzweck, o heiliger Gott! laß uns immer vor Augen haben, und ja nie vergessen, daß wir uns auch im Ehestande als Wohllüftlinge verfündigen, gegen Pflicht und Ehrbarkeit handeln, der Gesundheit des Leibes und der Seele schaden, und deine 263 Ungnade, den Fluch anstatt des Segens zuziehen können. Nein! wir sind Kinder der Heiligen, und haben den Ehestand nicht angetreten, daß wir Gottes vergessen, nur fleischlichen Lusten nachhangen, wie es Roffe und Maul. thiere thun, die keinen Verstand haben; son. dern aus Liebe zur Nachkommenschaft haben wir uns verehlichet, damit du, o Gott! durch unsere Kinder und Kindeskinder ewig mögest gepriesen werden. Erbarme, erbarme dich also unser, o Herr! Verzeth all jene Fehltritte, mit denen wir unsern heiligen Stand entheiliget haben, und gieb, daß wir von nun an als chrbare, dir gefällige Eheleute chriftlich le ben, und einst selig sterben mögen, durch Jefum Christum, unsern Heren. Amen. Gebeth. christlicher Eltern. Hast du Söhne, so gieb ihnen eine gute Erziehung, und beug früh ihren Eigensinn. Haft du Toch tern, so bewache ibre Keuschheit, und verwöhne sie nicht durch Nachsicht. Jesus, Sirachs. Sohn, VII, 25. B. 2C. -264Großer Gott! wie viele Eheleute ſeufzen nach Kinder, und erhalten keine? Wir sind so glücklich, Kinder zu haben.- Ja! uns haft du es gegeben, dieses kostbare Kleinod, die. fes Unterpfand deiner und unsrer Liebe.- Dank sey dir, unendlicher Dank! daß du uns vor vielen Andern dieser Gnade und die ses Segens würdig geachtet und theilhaftig gemacht hast. Nun ist es aber auch unsere Pflicht, für die fes uns anvertraute Gut zu sorgen, daß es nicht verderbe, sondern vielmehr aufs allerbes fte verpflegt und bewahret werde. Es ist Paicht, daß wir unfre Kinder gut erziehen, daß wir für ihr zeitliches u. geistliches Wohl, für Leib und Seele forgen, damit aus ihnen keine Taugenichtfe, fondern gute Menschen, gute Christen, und einst Heilige werden. Ach, welch ein Jammer wäre es, wenn wir mit der Zert von verwahrlosten oder übelerzraenen Söhnen und Töchtern den Fluch, anstatt des Dankes, Spott und Schande, anstatt der Ehre, und bitteres Herzenleid, anstatt der Freude erleben sollten! Bester Vater im Himmel! wende ab diefes schreckliche Unglück, und gieb uns sowohl M 265 m Verstand als Willen, unsre Kinder nach deinem Wohlgefallen gut zu erziehen. Bewahre sie vor allem Unglücke undScha. den des Leibes, aber noch vielmehr vor Ver. führung und Verderben der Seele. Schüße uns, daß selbe ja nichts Unrechtes an uns sehen, nichts Unrechtes hören, oder gewahrnehmen. Gieb Gnade, daß wir sie weder durch) unvernünftige, übertriebene Schärfe quälen, noch durch allzugroße Nach. ficht und Güte leichtsinnig und boshaft mas chen.- O! die Affenliebe, die den Kindern ihre Fehler so leichtlich übersicht, und ihnen Alles gestattet, was sie verlangen, diese thörichte Affenliebe verbanne weit aus unsern Herzen, damit wir um so eher den schö nen Rath Jeſu, des Sirachs Sohnes be. folgen,*) und sowohl Söhne als Töchter nach deiner Vorschrift behandeln mögen. - Auf daß wir endlich, o Gott! keine arme und unerzogene Waisen zurücklassen, fo fegne auch unfer Hauswesen und unsere Handthie. rung. Wende Unglücksfälle ab, und laß uns *) Sieh oben vor dem Gebethe S 260, <-266-> Feines frühzeitigen Todes sterben. gifts aber doch dein Wille, daß es geschehen soll, fo bethen wir dich in Demuth an, unterwer. fen uns deinen weiscken Rathschlüssen, und hoffen, du werdest Vater von unsern Kindern seyn, wie du von jeher unser Vater, und der befte Vater aller Wittwen und Wai. sen bist. Amen. Gebeth christlicher Obrigkeiten und Vorsteher in Gemeinden. Wer der Größere von euch ist, handle so, als wäre er der Geringste; und wer Andern vorgeht, werde wie ein Diener von ihnen. Christus bey Luk. XXII. Kap. 26. V. - - Alles Ansehen und alle Gewalt, die ein Mensch über Andere hat, ist von dir, o Gott! Du hast die Natur des Menschen, die Weltordnung so eingerichtet, daß Men. schen über Menschen gesegt, und von Mens schen regieret werden müssen. So hat je. des Land seinen Regenten, jede Familie ihr Oberhaupt( Vater und Mutter) und jede ans fehnliche Gemeinde hat ihre Gerichtsleute, ihre Vorsteher und Beamte. - 267 Wo dieß nicht ist, wo Alles Herr und Meister seyn, und Jeder nach seinem Kopfe leben will, da kömmt wahrlich nichts, als Unordnung und Elend heraus.. Gott sey Dank! daß es ben uns nicht so ist, und bewah. re Gott, daß es jemal so werden möge. Nun hat aber auch mich deine Vorsehung, o Herr! bestimmt, daß ich ein obrigkeitliches Amt in der Gemeinde führen, und meinen Mitbürgern zum allgemeinen Besten vorste= hen soll. Dank sey dir für diese große Gnade! Ein Theil der Sorgen für bürgerli. che Wohlfahrt ist also auch mir anvertraut. Groß ist die Ehre- aber auch groß. die Pflicht, daß ich mein Amt recht und gerecht, mit Treue und Redlichkeit, eifrig und nüglich verwalte. Dieß verlangt mein Ges wissen, dieß verlangen Gott und die Mens schen von mir. - - Ich wills mir also auch recht angeles gen seyn lassen, daß ich nicht bloß den Namen eines Vorgefesten führe,- nicht bloß den Rang, die Ehre und die Vora theile( das Einkommen) meines Amtes genieße, sondern daß ich meine Pflichten erfüllen, daß ich wirklich gut vorstehe, und -268wahrhaft verdiene zu seyn, was ich bin.Denn nicht, daß ich groß thue, nicht, daß ich mich durch fremdes Gut bereichere, oder mir sonst gute Tage mache, sondern darum, und ganz allein darum, bin ich ein Borge fester, daß ich dem gemeinen Wesen diene, und ihm niglich werde. - Vor allem, o Gott! will ich mich also vor Uebermuth und Hoffart, vor Eigennuß und Trägheit hüten: denn dies sind die Untugen. den, die Laster, derer sich ein Vorgefester am leichtesten schuldig macht, und durch die er vor Gott und den Menschen eben so strafbar als verächtlich wird. Nein! darum, weil ich jetzt um ein Wenis ges mehr, als Andere bin, will ich Andere nicht verachten, noch weniger unterdrücken Gegen Niemand will ich unbescheiden und grob verfahren, sondern vielmehr will ich denken, daß ich eben deswegen, weil ich Vorsteher bin, der Diener meiner Mitbürs ger, und der erste Beförderer ihres Besten fenn müsse. Wer der Größere von euch ist, der handle, wie der Geringste, und wer Andern vorgeht, der werde wie ihr Dies ner! 2.69 D, diese schöne Lehre Jefu fol mir nie aus meinem Herzen und Sinne kommen! Keinem Menschen will ich ohne Noth, oder mit Unrecht wehe thun; Keinen will ich parthetisch dem Andern vorziehen; für Alle will ich mit gleicher Sorgfalt und Liebe wachen. Besonders ein Vater der Armen, der Wittwen und Waisen will ich seyn. Nach Kräften und Vermögen will ich diese Elenden zu schüßen und zu unterstügen suchen. Auch redlich und treu werde ich das ge. meine Geld und Gut, wie mein eigenes, verwalten; um keinen Heller will ich die Ge meinde oder meinen Herrn betrügen, noch mich wie immer zu Ungerechtigkeiten verleis ten lassen, sondern als ein ehrlicher, und für das allgemeine Befte verpflichteter Mann, will ich allen Schaden abzuwenden, und das gemeine Beste, so gut ichs kann, zu befördern suchen. Durch Saumseligkeit will ich auch nichts übersehen oder verderben lassen; besonders will ich mein Ansehen und meine Macht dahin ver. wenden, daß schädliche Mißbrauche und böse Gewohnheiten in der Gemeinde abgestellt, - 270 MD Sünden und Laster verhindert, Prozesse und Händel vermittelt, und entgegen Friede und Einigkeit, Wohlstand und gute Sitten, nach Möglichkeit befördert werden. Ich selbst will allenthalben ein gutes Bey. spiel geben, will mit meinem Ansehen, mit Rath und That vorangehen, und der geist. lichen sowoh! als weltlichen hohen Obrig keit zu allem Guten die Hände bieten. Zu allem diesem verleih mir Kraft und Muth, Versand und guten Willen, o Gott! du höchster Herr! König und Rich. ter aller Obrigkeiten, durch Jefum Chri stum, unsern Herrn. Amen. Gebeth christlicher Meisterschaften, Hausväter und Hausmütter. Wer für die Seinigen, sonderlich für seine Hauss genossen keine Sorge trågt, der ist kein Christ; er hat den Glauben verläugnet, und ist ärger, als ein Ungläubiger. Paulus an Timoth. I. B. V. 8. Gott! du bist der große Hausvater von der ganzen Welt. Alles steht unter dir, Alles wwped - 271 wird durch dich angeordnet, und geleitet. Du stellst die Könige auf, und giebst jeder Obrigkeit ihre Gewalt. Mich hast du zum Hausvater( zur Hausmutter) einer kleinen Familie bestellt. Da soll ich nun deine Stelle vertreten, und wie ein Vater( wie eine Muts ter) für meine Hausgenossen und Untergebene sorgen. Ihr zeitliches und ewiges Wohl hast du gleichſam in meine Hände gelegt, und wirst ihretwegen einst auch Rechenschaft von mir verlangen. Was für eine schwere Pflicht liegt mir also ob, bester Gott! und wie strafbar würde ich handeln, verächtlich mich in deinen Augen machen, wenn ich sie nicht erfüllen follte! Verächtlicher als einer, der den Glauben verläugnet, und aufhört, em Chrift zu seyn. O! diese Sünde soll nicht auf meine Seele fallen. Nein! ich will nicht umsonst den schönen Namen eines Hausvaters( einer Hausmutter) tragen; ich will vor Allem tha re Pflichten erfüllen. Als wahrer Vater ( wahre Mutter) will ich mich gegen alle Hausgenossen und Untergebene bezeugen. - In Worten und im Werke sou esage schehen! 272 Geben will ich Jedem, was ihm gebührt, und mit gutem Herzen, mit frohem Gefichte, will ichs zu rechter Zeit und im rechten Maaße geben. An Kleidung, Kost und Lohn soll ben mir Niemand einen unverdienten kårgli: chen Abbruch leiden. Mehr Arbeit will ich nicht auflegen, als es recht und billig ist. Meine Dienstbothen sind keine Sklaven, fie sind kein Vieh, sondern Menschen sind fie, wie ich; meine Brüder und Schwestern find sie, und arbeiten zu meinem Besten, darum will ich sie auch gut behandeln. - - mat Auch will ich mich hüten, unnöthiger und unerlaubter Weise auf sie zu schimpfen und zu schmähen, oder immer zu zanken und zu lårmen. Ben solchen Meisterschaften mag kein guter Mensch im Dienste seyn, und mit schlechten- ach, wie übel ist man bedient! Mit freundlichen, guten Worten will ich die Herzen meiner Untergebenen ge winnen, und sie zu guter Aufführung, zur Arbeit und zur treuen Erfüllung ihrer Pflichten zu ermuntern suchen. Ist auch zuweilen Ernst und Strenge nöthig, so will ich mich doch sorgfältig hüten, daß ich die 273 die Sache nicht übertreibe, daß ich nicht in unnöthige, ärgerliche Flüche, Verwünschun. gen und Beschimpfungen ausbreche, odec mich wohl gar am Fehlenden vergreife. Bester Gott! laß mich doch keinen solchen Fehler im Zorne machen, und verzeih mir gnås digst alle jene, die ich schon gemacht habe.. O! es soll mir nicht mehr geschehen Ja! wenn ich auch von meinen Untergebenen wirk. lich beleidigt oder beschädiget werde,- fo gieb mir ein versöhnliches Herz, daß ich mit den Leuten wieder gut werde, und ihnen ver. zeihe, wie ichs verlange, daß man auch mie meine Fehler verzeihen solle. Vor allem aber will ich dafür sorgen, lieba ster Gott, daß in meinem Hause, weder von Fremden, noch von Einheimischen, etwas Ungebührliches, noch Sündhaftes geschehe. - -Keine gefährliche Zusammenkünfte, keine unanständige Reden und Lieder, kein Flus chen und Schelten werde ich jemals dulden. Nichtswürdige, oder auch nur verdächtige Personen sollen ben mir keinen Zutritt, keis nen Unterschleif finden. Nur wohlgefittete und tugendhafte Leute werde ich in mein Haus und in meine Dienste nehmen; Nafs gr. Gebethbuch. 22 - - 274 sey es auch, daß ich ihnen mehr Lohn zu be zahlen hätte! gute Diener kosten den Herrn nie zu viel, aber böse sind zu theuer, wenn sie auch umsonst dienen wollten Endlich werde ich auch meine Untergebene mit aller Sorgfalt zum Gebethe, zum Got tesdienste, zu Anhörung der Predigt und chriftlichen Lehre, und zu allem Guten er mahnen, niemal daran hindern, ia vielmehr durch mein eignes gutes Benspiel ihnen vor. zuleuchten, und sie zur Andacht und zur Tu gend zu ermuntern, mich befleißen, damit Keines von den mir Anvertrauten zu Grun de gehe. PRES Steh uns Allen mit deiner Gnade bey, o Gott! segne uns, und gieb, daß alle gute Vorfäße in Erfüllung gehen. Mein Haus foll ein Gott und Menschen gefälliges, ein gutes Haus seyn. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. TOA Gebeth calm christlicher Dienstbothen u. Untergebenen. Siehe oben das Gebeth für Vorgesetzte und Meisterschaften. Seite 246. C 275 Gebeth christlicher Handwerker und Dienstbothen. Wohlan! du guter und getreuer Knecht! weil du das Wenige so redlich verwaltet hast, will ich dich über Vieles bestellen; geh ein zur Freude deines Herrn. Christus bey Matth. Kap. XXV. 23. V. Ich bin zwar in den Augen der Welt ein armer und geringer Mann, der wahrhaftig im Schweiße seines Angesichts das tägliche Brod gewinnen muß Doch in deinem Aus ge, o Gott! gilt der Taglöhner und Handa werksmann so viel, wie der König; und für die Seele des Urmen ist dein Sohn Jeſus Christus so gut, wie für die Seele des Reis chen, gestorben. Ja diefen niedrigen Stand hat Jesus erst recht dadurch erhöhet, und geheiligt, daß er selbst in ihm als ein gemeiner Bürgerssohn hat wollen gebohren und erzogen werden, daß er selbst bis ins dreyßigste Jahr feines Alters als Zimmermann ein Handwerk trieb: und daß sein Umgang immer mehr mit dem gemeinen Volke, als mit großen Her ren und hochstudirten Leuten, gewesen ist. 52 - 276 O wie troftvoll ist für uns das Christen, thum! es macht die Arbeit und die Armuth füß. Auch zufrieden, gesund und vergnügt, Fann man in meinem Stande leben.-- Und wenn ich noch dazu denke, daß der treue Knecht, der seine wenige Talente wohl an. wendet, und seinem Berufe redlich nach. kommt, erst in jener Weit vieles zu erwarten, und die Freude seines Herrn zu genießen hat, o dann hüpft das Herz vor Freude in mir. Ich möchte mit keinem tauschen, der zwar mehr Reichthum, mehr Ansehen und macht, aber auch mehr Verantwortung, - mehr Sorge, und vielleicht weniger Vers gnügen hat, als ich. Dank sey dir also, o Gott! für meinen Stand, erhalte mir nur einen gefunden Leib und gerade Glieder, damit ich der Arbeit ftetsfort nachkommen, und das Brod für mich und die Meinigen noch ferner verdie. nen kann. met Ungerechtes Gut mag ich nicht erwerben, es zehrt auch das Gerechte auf, raubt gu ten Namen, Kundschaft und Gewissenru. he.- Niemand foll also von mir übernom men, Niemand auch nur um eines Hellers 277 Werthe betrogen werden; über Unwissen. heit, Faulheit, oder Sorglosigkeit im Ge schäfte, soll ebenfalls Niemand gegen mich Flagen können! Recht und gerecht will ich Alles machen, so gut ichs kann. O monte Was ich durch Kunft und Arbeit redlich gewinne, das will ich auch nicht leichtsinnig durch Trunk, oder Spiel und Wohlluft ver. schwenden; sondern für mich und die Meinigen will ichs zum nöthigen Unterhalt des Lebens, und zu gutem Fortkommen gebrau chen, oder auch mit dem entbehrlichen Pfens ninge manchmal einen noch Aermern er. quicken. Alles endlich, was ich bey meinem Ge. schäfte thue und leide, foll zu deiner Ehre, o Gott! und nach deinem heiligsten Willen, aus Liebe zu dir und meinen Mitmenschen, gethan, und gelitten werden. So hoffe ich dann( wenn ich meine Arbeit stetshin mit einem tugendhaften, chriftlichen Leben verbinde) daß ich einst den besten Lohn im Himmel dafür erhalten werde. Durch Je. fum Christum unfern Herrn, Amen. - 278 Gebeth christlicher Alten. Dein Geist wird kraftlos; deine Tage werden abgekürzt, und dir ist nichts mehr übrig, als allein das Grab, Job. am XVII. Kap. Gott und Vater meines Lebens! wie lange hast du mich schon erhalten? und mit welch einer Menge Wohlthaten hast du mich von meiner Kindheit an bis ins graue Altec überhäuft? Wie viel Gutes hast du mir an Leib und Seele gethan?- Ich danke dir aus vollem Herzen, und preise deine Batergüte. Nun ist es zwar mit mir dahin gekommen, daß meine Kräfte abnehmen, und meine Lebenstage zu Ende gehen. Mein Geist verliert feine Stärke; ja, ich merke es, daß die Hüte meines Leibes mit jedem Tage baus fáiliger wird, und das mir auf dieser Welt bereits nichts mehr übrig ist, als Tod, und Grab. Sollte ich wohl aber betrübt und kleinmůs thig werden? Nein ich bethe vielmehr deine Weisheit, und Güte an, oGott! die auch aus SEDUTATS CAM 279 diefer Einrichtung der Natur so deutlich hers vorleuchtet. Du willst, das Abnehmen meiner Kräfte soll mich erinnern, daß der Feyerabend meines Lebens herannahe.-Die Unempfindlichkeit gegen irdisches Vergnügen soll meine Sehnsucht nach den Freuden des Himmels vermehren, und meine Tren. nung von dieser Welt erleichtern. Dies ist dein heiligster Wille. Ich habe bereits auch aus langer Erfah, rung gelernet, daß unter der Sonne Alles eitel und vergånglich, und daß diese Erde der Ort nicht sey, wo ich zu einer wahren, dauerhaften Zufriedenheit gelangen kann.Die Freuden meiner Jugend u. meines mitt. lern Alters, wo sind sie nun?- Ich genoß fie eine kurze Zeit; und weil ich fie nicht jedesmal unschuldig und rechtmäßig genoffen habe, o so erfüllt mich auch heut zu Tage noch ihr Gedanken mit Angst und Traurigkeit.- Ja, Herr! ich bethe mit reuvollem Herzen, wie David, zu dir: Gedenke doch an die Ausschweifungen meiner Jugend, und an mein unbesonnenes, thörichtes Wesen nicht! Aber wie? wenn ich auch in meinem Alter nicht viel weiser u. tugendhafter geworden bin 280 - als ichs in der Jugend war, wenn ich bey meinen grauen Haaren noch immer jugend. lichen Leichtsinn und kindische Begierden in meinem Herzen nähre?- wenn mein Eifer im Dienste Gottes, und meine Andacht mit meinem Blute erkaltet sind; und wenn ich, anstatt mein Alter durch Geduld und Sanftmuth, durch Weisheit und Liebe, ehrwürdig zu machen, dasselbe durch Zorn und Ungeduld, durch Haß und Feindselige keit, durch Laster und Thorheit schånden follte? O Herr! erbarme dich meiner, und verzeih mir so obfcheuliche Fehler, wenn ich je einer davon begangen habe. Es soll nicht mehr geschehen. Ja, Herr! lehre mich gedenken, daß ich sterben muß, damit ich klug werde. Gieb, daß der Gedanke an den nahen Tod mein Herz von Sünden reis nige, und von irdischen Gesinnungen frey mache;- gieb, daß er meine Frömmigkeit vermehre, meinen Eifer zum Guten anflam me, und meine Begierde, mein Verlangen nach himmlischen Gütern immer lebhafter und dringender mache. - In bester Hoffnung, du, o Gott! wer. dest dieses mein Gebeth erhören, zittre ich 281 FUND vor dem Tode nicht; sondern ich erwarte mit christlicher Gelassenheit die Stunde seiner Ankunft. Er befrent mich ja nur von allen Müheseligkeiten dieses Lebens. Er öffnet mir die Thore zum Himmel, und führt mich ein in die Freude meines Herrn, in die Ge. fellschaft aller Engel, und Heiligen, wo ich Gottes Angesicht ewig schauen, und aller Seligkeiten der Auserwählten im vollsten Maße genießen werde. 1 11 M Dieses, wenn ich bedenke, und noch dazu festiglich glaube, daß ich auch meinent Leibe nach wieder auferstehen, daß ich über Grab und Verwesung siegen werde,- o! wie sollte ich da den Tod noch fürchten? - Lange genug habe ich gelebt,- ich seh. ne mich, wie ein müder Wanderer, nach Ruhe und Erquickung im Vaterlande. Ja! ich verlange, wie Paulus, aufgelöfer zu werden, und mit Christo zu seyn.- Diefen Wunsch meines Herzens erfülle, o Gott! durch Jefum Christum, dessen Leben und Tod wir es zu danken haben, daß wir den Tod nicht fürchten dürfen. Amen. 282 Gebeth 1 NERVO christlicher Jünglinge. - Höre, mein Sohn! und beobachte, was ich dir fage.- Trachte weise und verständig zu werden. Auf Weisheit kommit Alles an.- Habe kein Wohlgefallen an den Wegen der Gottlosen. Verabscheue sie, wende Alles an, sie zu vers meiden. Dein Herz bewache sorgfältiger, als Alles: es ist der Anfang des Lebens. Richte deine Augen nur aufs Gute, und sieh immer voraus, wohin du deinen Fuß setzen wolleft. Hüte dich vor dem Betruge eines Weibes: die Lippen der Unkeuschen scheinen füße wie Honig.- Das Ende aber ist bitter, wie Wermuth, und schärfer, als ein zweyschneis diges Schwert; ibre Füße gehen zum Tode; daher vermeid sie sorgfältigst:-Nicht einmal der Thüre ihres Hauses nähere dich. Alle deis i ne Ehre würdest du verlieren, und die Blüthe deiner Jahre einer Grausamen aufopfern. Sas lomo Sprichw. IV. Kap. - - - O Gott! wie schön find nicht dieſe Lehren, Die Salomo seinemSohne gab! und wie schön ist es nicht, wenn man von einem Jünglinge fagen kan, daß er nach ihnen lebe; daß er weise 283 und tugendhaft, vorsichtig, keusch, gottes. fürchtig und unschuldig fey. Dies giebt ihm wahre Ehre, dies macht ihn ben Gott und Menschen beliebt, und zeigt an, daß er mit der Zeit gewiß auch ein rechtschaffener, glücklicher Mann werde. Aber, o mein Gottt, gerade die Jugend ist auch die Zeit, die für mich und meines Gleis chen am gefährlichsten ist; diezeit, wo die bd. sen Beyfpiele und Verführungen der Welt, die Verſuchungen des Fleisches, und die Reize der Wohluft am meisten Eindruck auf unfte Herzen machen;- wo der Leichtsinn am stärksten, und die Kraft, ihm zu widerstehen, am schwächsten ist; und wo schon viele tausende ihre Unschuld, ihre Ehre, ihr Vermögen, ihre Gesundheit, ihr Leben, und ihre Seliakeit verlohren haben. Ach, bester Gott und Vater! laß mich doch nicht unter die Zahl dieser Unglücklichen kommen. Halt mich zurück von dem Wege des Verderbens oder wenn ich mich etwa darauf hfinde, wenn ich wirklich schon gefallen bin, so richte mich wieder vom Falle auf, ehe ich so tief ins Verderben gerathe, daß ich mir gar nicht zu helfen im Stade bins - - - 284 Ich weiß es, o Gott! was für Feinde für mein Alter die gefährlichsten find. Der Müßiggang, das Spiel, der Trunk und die Wohlluft sind es. Vor diesen Feinden will ich mich also hüten. Mit aller Sorgfalt will ich jene Personen, jene Gesellschaften, jene Derter und Häuser fliehen, wo man mich da. zu verführen könnte. Besonders will ich in meinem ledigen Stande mit Weibspersonen nichts zu schaffen haben; auch die Beste kann mich, oder ich fie verderben. So un zeitige Liebschaften, wie vielen jungen Leuten haben sie ihr eitliches und ewiges Glück, Ruhe des Herzens, Ehre und Vermögen geraubt? O! wie erbärmlich ist der Zustand folcher Unglicklichen!- Nein! da will ich mich nicht einlassen. - - Auch vor mir selbst will ich Ehrfurcht tra gen, und weder thun, noch reden, oder auch nur denken, was der Keuschheit im mindesten zuwider ist.- Nichts, dessen ich mich vor einem ehrbaren Manne schämen müste, soll von mir jemal geschehen. Gott fieht, und weiß ja auch das Geheimste. Mein Leib ist ein Tempel des heiligen Geistes, ich will - 285 ihn also durch fündhafte Wohllust nicht ents weihen, nicht schänden will ich ihn. Alles, wovon ich weiß, oder denken kann, daß es in mir unreine Gedanken, oder sünd. hafte Begierden erwecken könnte, dies Alles will ich wie Gift vermeiden, und fliehen..- Das stete Andenken an deine Gegenwart, o Gott! die Erinnerung an den Tod, an Ges richt, an Hölle und Himmel, die sollen mich gegen das Lafter schügen, und endlich, weil mir aus dem Buche der Weisheit bekannt ist, daß standesmäßige Reinigkeit eine Ga be des Himmels sey, so nehme ich auch mei. ne Zuflucht zu dir, o Herr! und bethe aus ganzem Herzen Gieb mir diese Gabe!- Ja, täglich will ich bethen, daß du mich nicht in Versuchung gerathen läsfest. Täglich will ich berhen, daß du mich in der Versus chung stärken, und rein erhalten wolleft. O, diese Gnade versag mir nicht, bester Vater! Du willst, daß ich meine Jugend ehrbar und unschuldig dahin bringe, ich will es auch; fprich also nur ein Wort, und es geschieht durch Jefum Christum, deinen Sohn, unfern Herrn. Amen. -- 286 Gebeth - - christlicher Jungfrauen. wie schön ist ein keusches Geschlecht, daß mit Tugenden leuchtet!- Bey Gott und den Mens schen ist es in Ehren. Weisheit K. IV. V. 1. — - Gott! möchte ich doch oft genug bedenken, daß Tugend die wahre Schönheit, und Eingezogenheit, Schamhaftigkeit die beste Zierde meines Geschlechts fen; wie würde ich mich nicht befleißen, diese schönen Eigenschaf. ten einer Jungfrau zu besigen. Ach! die Schönheit der Gestalt verwelkt, wie eine Blume; der Pus giebt mir auch keinen Werth, und verdeckt meine Fehler nicht. Auch der Beyfall, das Lob und die Schmeis cheleyen der Menschen machen mich nicht beffer. Ein reines Herz und gute Auffüh. rung allein ist es, was Gott gefällt, und was mir den Beyfall aller vernünftigen, guten Menschen zuwegebringt. Dies gieb, und dazu hilf mir, o Gott! Laß mich weder durch meinen Leichtfinn, noch durch schöne Worte, oder Geschenke Ans derer zu etwas Unerlaubten und Bösen verführet werden. 287 Ich will mich gewiß von aller Gefahr der Sünde entfernen: jeden freyen oder gehei. men Umgang mit dem andern Geschlechte will ich sorgfältigst vermeiden; weder fingen, noch reden, oder anhören, viel minder thun, oder zulassen werde ich, was gegen Ehrbarkeit und jungfräuliche Tugend ist. Ferne sen von mir alles ausgelassene, leichtsinnige und freche Wesen in Kleidung sowohl, als in Reden und Gebärden. Dies ist die Sache der Unverschämten, unter die ich nicht will ge zählet werden. Vielmehr soll man aus meis nem äußerlichen Betragen schon abnehmen, und ersehen können, daß ich im Herzen die Tugend liebe, und das Laster verabscheue. Schamhaftigkeit soll die Wächterinn meiner Unschuld, wie die Zierde meines Alters und Geschlechtes, seyn. - - Bewahre mich doch, o Gott! vor dem ersten Sündenfalle! Ach, er würde gewiß nicht der lette fenn. oder wenn - in Verſuchung gerathen; aß mich nicht ich unalicklicher Weise darin komme, fo laß mich mit der keuschen Susanna an dich gedenken, und in meinem Herzen rufen: Wie könnte ich dieß Uebel 288 por meinem Gott begehen?- 3m Ange. fichte Gottes, und seiner Engel, wie könnte ich fündigen?" Eine augenblickliche Wohlust würde mich meiner Unschuld, mei. ner jungfräulichen Ehre, der Freude und Rus he meines Gewissens, der Gnade Gottes, und vielleicht auch alles zeitlichen und ewis gen Glückes berauben. An dieses laß mich denken, o Gott! und ich werde gewiß nicht fündigen.- Nein! so theuer werde ich nicht erkaufen, was ich nachher nur bereuen müß te. Unversehrt will ich den Kranz der Jungfrauschaft ins Grab, oder zum Altare tragen, und ihn da in die Hände eines wür. digen Bräutigams niederlegen. Diese Gnas de, diesen Segen, o Gott! laß mir zu Theis le werden: er ist der beste, denn ich mic denken, und wünschen kann. - - Steh mir auch bey, daß ich mich vor noch andern Fehlern meines Geschlechtes hüte. Be. wahre mich vor der Hoffart und Eitelkeit. Laß mich doch nie vergessen, daß ich Nichts ha be, was du mir nicht gegeben hast, und was du mir jeden Augenblick wieder nehmen kannst. Dir allein gebührt also Ehre und Lob dafür mein - 289 mein Verdienst besteht aber bloß darin, daß ich mich deiner Gaben würdig bezeige, und sie wohl anwende. - Lehre mich auch sanftmüthig, leutselig, und geduldig seyn, damit ich ja mit der Zeit keine so feindselige, und widerwärtige Zankerin werde, mit der Niemand auszus kommen im Stande ist, die selbst keine Ruhe und Frieden hat, und niemanden ei nen läßt. Um alles Defes bitte ich dich, o Gott! und hoffe, du werdest mir nicht ver. sagen, was ich um deiner Ehre, und meines Heils, um der Tugend, und des allgemei. nen Besten wegen, zu befigen verlange, durch Jesum Chriftum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebeth - chrichstlicher Brautpersonen. Ein tugendhaftes Weib ist eine gute Gabe,- dem Gottesfürchtigen wird sie zum Theile; seines Wohlverhaltens wegen erhält er sie. Jesus Sirach XXVI. Kap. 3. V. Bisher habe ich frey für mich gelebt, nun iſts aber an Dem, daß ich meinen Stand verán. Nafs gr. Gebethbuch. 290 - - dere, und in eheliche Verbindung trete.- Ein Band foll mich fesseln, das Nichts, als der Tod, lösen kann. Nach deinem Willen, o Gott! habe ich die Sache wohl überlegt, nicht nach blinder Lei, denschaft, nicht nach Gründen der Habsucht, oder Wohllust, sondern nach Vernunft, und Christenthume habe ichs erwogen, ob ich mich in die Ehe begeben soll, und ob mein wirklicher Bräutigam( meine Braut) für mich, und für ihn( für fie) tauglich sey.ob wir einander verstehen, und in unzertrenn licher Freundschaft und Liebe werden leben können. Ich glaube, und hoffe nun freylich das Beste. Laß mich aber in meiner Hoffnung nicht betrogen werden, bester Gott! Ach! dies wäre schrecklich, wenn zwischen uns eine unglückliche, mißvergnügte Ehe entste hen sollte. Dies wäre eine Hölle schon in dieser Welt.- Lieber soll Alles wieder zu rück gehen, als daß wir in ein so fürchterli. ches Elend gerathen! Strafe mich, o Gott! meiner Sünden we. gen nicht mit dieser Strafe.- Sich! ich be. reue und verfluche sie von ganzem Herzen! ich 291 - bin aber auch bereit, mich rechtschaffen zu bes fern, und mit meinem neuen Stande auch ein neues Leben anzufangen, ein Leben, das tus gendhaft und christlich, eben darum aber dir angenehm und gefällig seyn wird. Alle Bes schwernisse und Widerwärtigkeiten des Ehes standes will ich als Büßer mit Geduld ertra. gen; nur für Unzufriedenheit und Mißvergnüs gen bewahre mich: denn dies würde die Quel. le neuer Sünden und Laster, und der Vor. bothe alles Verderbens seyn. - Der Ehestand, o Gott! wird mir zwar viele Vortheile, und mancherley Arten der Freude und des Trostes verschaffen; aber auch mancherlen neue Lasten und Pflichten legt er mir auf; und wenn ich diese nicht eifs rig erfülle, oder das Uebel nicht mit Geduld ertrage, so werde ich auch vom Guten wenig, oder gar nichts zu genießen haben. Sich also, mein Herz ist bereit dazu. Alles, was ich meinem Bräutigam( meiner Braut) am Altare vor Gottes Argesichte,- vor dem Priester u. der Gemeinde Gottes versprechen werde, das soll treu und redlich bis ans Ende meines Lebens gehalten werden. Gieb uns £ 2 - 292 - dann, o Gott! deinen Segen, und Gnade! laß uns mit dem heiligen Sakramente die ganze Kraft und Wirkung desselben empfan gen, und es dadurch empfinden, daß wir sie empfangen haben, wenn wir miteinander, wie Tobias und Sara, in wahrer Gottseligkeit, in beständiger Freundschaft und Liebe, ge. fegnet von Gott, und geehret von den Men. schen, leben;- Freude und Leiden redlich miteinander theilen, und so ein wahres Vors bild der heiligsten Liebe, und der unzertrenn lichen Vereinigung Jefu mit seiner Kirche werde. -10 O dieses Glück, diese Ehre laß uns zu Theil werden, bester Gott! Darum bitte ich dich aus ganzem Herzen, und verspreche dir, daß ich gewiß auch das meinige zu Erhaltung und Beförderung desselben beytragen werde. Darum wollen wir uns gleich Anfangs gewisse Lebens- und Verhaltungsregeln fest. segen, und auf Hand und Mund einander versprechen, daß wir sie treulichst er. füllen wollen. Miteinander wollen wir gleich jest, und in den ersten Tagen der Ehe verabreden, welch eine Hausord. nung wir beobachten, wie wir uns gegen 293 Gott; wie gegen einander; wie gegen Hausgenossen, Dienstbothen und Nachbarn verhalten wollen, damit alles im Frieden bleibe, alles gut, vernünftig und christlich gehe: und damit wir uns daben Gottes Segen und Wohlgefallen versprechen können. Auch im Ehestande kann unordentlich gelebt- kann gegen Mäßigkeit, gegen Zucht und Ordnung gefündiget, und dadurch Leib und Seele verdorben werden. Aber nein, o Gott! bey uns soll der Ehestand nicht entheiliget werden; kein Deckmantel der Sünde, sondern ein Mittel gegen die Ausschweifungen und gegen das Laster foll er seyn. Zu diesem Ziele und Ende, und zu ordentlicher Erzeugung gefunder Kinder wol. len wir uns feiner Freyheit und Rechte be. dienen. Dies ist mein fester Entschluß. Stärke ihn, o Gott! und gieb, daß er von mir, und meinem Ehemann( meiner Ehegat. tin) in vollem Maaße erfüllet werde, durch Jefum Christum unsern Herrn. Amen. <-294 294Gebeth christlicher Wittwen. Eine wahre Wittwe, die wirklich eine wahre Vers lassene ist, und einsam lebt, hoffet auf Gott, und begiebt sich Tag und Nacht auf das Ge beth und Undachtsübungen. Paulus an Ti moth. I. B. V. Kap. 5. V. bester Gott! du haft mir ehedem zur Uns terstügung, und zum Trofte, einen Mann gegeben. Er war mein Haupt, mein Freund und Brodvater für mich, und meine Kin. der; Dank sen dir noch einmal für diese Gna. de! Nun hat es aber dir gefallen, mir die sen meinen lieben Gatten, die Stüße und Freude meines Lebens zu nehmen. Ach! wie schmerzhaft u. bitter fällt mir nicht dieser Vers luft, und wie untröstlich wäre ich, wenn mit meinen Geliebten iemand Anderer, als du, entriffen hatte. Doch du hast es gethan, bester Vater! und Alles, was von dir ge. schieht, ist weise und gut. Ich bin also zufrieden, und klage nicht über dich.- Ja, um so mehr bin ich zufrieden, o Gott! weil ich weiß, und aus deinem heiligsten Worte — B 295- versichert bin, daß du ein besonderer Vater, Schüßer und Versorger der Wittwen und Baisen bist. Mit allem Nachdrucke empfiehlst du uns der Gerechtigkeit und dent Mitleiden aller Menschen. O! gieb Kraft deinem Worte, und laß es besonders aufdie Herzen Derjenigen Eindruck machen, die mir wehe oder wohl thun können. - Gieb Gnade, o Gott! daß man mich arme Tröpfin mithinkommen lasſe, daß man mcht Falschheit und Ungerechtigkeit an mei. nem Haabe u. Gut ausübe, daß man mich Auf und meine Kinder nicht unterdrücke. dich verlasse ich mich, o Vater und Richter! und wie könnte ich verlassen werden? Gieb ferner Gnade, daß ich, meinem wirk lichen Stande gemäß, keusch und heilig lebe; feine Beschwernisse mit standhafter Geduld ertrage, meine Kinder ehrbar und christlich erziehe, mein Hauswesen weise und gut verwalte, bis ich mich entweder wieder vermähle, oder in gångliche Ruhe segen, und wie eine wahre, vollkommene Wittwe in stiller Einfamkeit der Andacht, dem Ge bethe, und der einzigen Sorge meines Hells abwarten kann. - - 369 - Der Seele meines Mannes sey gnädig und barmherzig, o Gott der Gnade und Erbarmung! Ach! wenn sie in jener Welt noch nicht rein und het. lig genug befunden wird, sie da noch etwas abzubůßen, und vielleicht auch felbst meinetwegen zu leiden hat, so er barme dich ihrer! Erlaß ihr anddig thre Schuld und Strafe, und nimm sie auf in die Gesellschaft der Heiligen, zu den ewis gen Frenden und Seligkeiten, wo ich sie einst auch wieder zu sehen beffe.- Darum bitte ich dich durch Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland. Amen Gebeth - christlicher Waisen. Durch Tod hab' ich verloren, Die mich zur Welt gebohren; O! welch ein Schmerz! welch Herzenleid! Doch Gott ist gut zu jeder Zeit! Und Gottes Hand hat es gethan; Ich nehme es geduldig an. Für mich Waisen wirst du sorgen, Guter Bater! heut und morgen. -397 - Ich bin ein armer Waife, da mir der Tod das Beste, was ich auf der Welt hatte, meis ne lieben Eltern entrissen hat; Gott! Gott! was kann ich anders thun, als über diefen Verlust weinen und trauern? Und ich weiß, daß dir diese Thränen der kindlichen Liebe nicht mißfallen. Ach! ich würde vergehen vor Leid und Kummer, wenn du mich, mein Gott! nicht tröstetest. Ja! Dies ist mein Trost, daß ich einen Vater im Himmel habe, der gewiß mehr für mich sorgt, als selbst meine Eltern für mich forgen konnten Er hat es ja aus drücklich in der heil. Schrift gesagt, daß er besonders ein Vater der Armen, Wittwen und Waisen sey. - Auch dies giebt mir Trost, daß ich weiß, daß du es bist, himmlischer Vater! der meis ne Elern zu sich nahm. Sie sind also,( wie ich hoffe) bey dir, und da geht es ihnen ge. wiß besser, als hier auf der Welt. Sie le ben jest ben dir im Himmel, und werden ewig leben; da denken sie dann auch ant mich, und bitten für mich, damit ich einst zu ihnen kommen möge. 298 Sollten sie aber noch nicht im Himmel feyn; sollten sie noch etwas abzubüssen und vielleicht auch wegen meiner zu leiden has ' ben, o! so erbarme dich ihrer, liebster Gott! und gieb ihnen, um Jesu willen, die ewige Seligkeit. - Indessen, da ich meine Eltern verlohren habe, und sie mir hier nichts mehr helfen kön. nen, so will ich mir durch Fleiß, Arbeitsam. keit, und gute Aufführung, felbft fort uhel. fen, und mich ehrlich zu ernähren suchen. Gieb mir auch gute Freunde, o Gott! die Vater und Mutterstelle an mir vertreten, und verhüte es gnädiglich, daß ich ja nicht unter böse Menschen gerathe, die mich ver. führen, oder Ungerechtigkeit an meinem Vermögen ausüben. Um diese Gnade bitte ich mit kindlichent Vertrauen, und hoffe auf dich, durch Je. fum Christum, unfern Herrn. Amen. • Gebeth eines Reichen und Vermöglichen. Den Reichen dieser Welt befiehlst: Sie sollen nicht übermüthig seyn, noch auf ihre ungewisse 299 Reichthümer hoffen, sondern auf den lebendis gen Gott, der uns alles überflüßig zu genießen giebt. Sie sollen gute Werke üben, und an diesen reich zu werden sich bestreben; gerne ges ben, das Ihrige mittheilen, und also sich einen Schatz für das Künftige sammeln. Dieser wird ihnen zu einer guten Grundfeste dienen, das wahs re Leben darauf zu bauen. Paulus an Timoth. I. Br. VI. Kap. 17. V. Wie kann ich dir genug danken, gütigster Gott und Vater! daß du mich vor tausend Andern so vorzüglich mit Glückesgütern und Reichthume gesegnet hast, wodurch ich im Stande bin, nicht nur ohne Noth und kummervolle Nahrungsforge, sondern auch be. quem zu leben, und noch manches Gute zu stiften, das Andere nicht können. Ach! wie viele Menschen giebt es nicht, die beffer und frömmer sind, als ich, und die es doch nicht so gut haben, wie ich. Sie müssen die bitterste Armuth, Abgang an als lem leiden, oder ihr Bischen Brod, ihre Nahrung und schlechte Kleidung durch harte Arbeit erwerben; sie müssen andern Leuten zu Gnaden leben, ihnen dienen, oder wohl gar mit dem Betteln sich zu ernähren fuchen. - 300 - - Mit herzlicher Freude erkenne ich deine vå. terliche Güte gegen mich, o Gott! und dans ke dir aus ganzer Seele. Aber,-ach! möch. te ich mich doch deiner Gnaden und Wohl. thaten niemals unwürdig bezeigen. Möchte ich meinen Reichthum niemals mißbrauchen, noch ihn vergeblich, oder zu Jemands Ver. Derben besigen. Ach! da wollte ich lieber in Armuth leben.- Gieb mir also, o Vater! ein demüthiges Herz, daß ich mich meines un. verdienten Glückes wegen niemal über Ande. re, die minder glücklich sind, erhebe, oder fie verachte. Gieb mir ein mitleidiges und wohlthätiges Herz, daß ich den Armen und Nothleidenden ben jeder Gelegenheit Gutes erweise. Lehre mich auch jetzt schon von Dem, was du mir giebst, guten Gebrauch ma chen, und daran denken, daß ich einst von Alª lem werde Rechenschaft geben müssen.- Be. wahre mich vor allen Fallstriken des Reich. thums, daß er mich nicht stolz, nicht hartherzig, nicht ungerecht, und geizig mache; und wenn folche Fehler schon geschehen sind, so verzeih fie, o Gott! Ich bereue es von Herzen, und bin bereit, gut zu machen, so viel ich kann Besonders will ich mir durch mein Ver. 301 mögen Schäße für den Himmel sammeln, wo ich, reich an Verdiensten und guten Werken, ewigen Lohn erhalten werde durch Je. sum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebeth eines Unvermöglichen und Armen. - Die Frömmigkeit mit einem vergnüglichen Hers zen ist wahrhaft großer Gewinn. Wir haben ja Nichts mit in die Welt gebracht, und köns nen also auch nichts mit hinaus nehmen. Wer daher so viel hat, daß er sich nähren und kleiden. kann, der lasse sich damit begnügen. Paulus an Tim. I. Br. Vl. Kap. 6. V. Dein gehört Alles, o Gott! was auf der ganzen Welt ist; und du theilest jedem Menschen so viel davon mit, als es deine Weis. heit und Güte für gut findet.- Jeder be. kommt oder kann sich gewiß so viel erwerben, als er nöthig hat, wenn er nur will; und wer mit diesem nicht zufrieden ist, der ist undankbar gegen dich, und verdient noch weniger, als er hat. Wenn ich schon arm bin, und mich kim. merlich behelfen muß, so habe ich doch so Viet 302 - von dir, bester Vater! empfangen, und noch zu hoffen, daß ich dir mein ganzes Leben hindurch nicht genug dafür danken kann. Du ließest mich in der wahren christlichen Religion gebohren und erzogen werden, du bewahrtest mich vor tausend Ungemachen und Gefahren des Leibs und der Seele, in welche andere noch Elendere gestürzet sind; du gabst mir immer gute Freunde und Wohls thäter, die mich unterstügen; du gabst mir gerade Glieder, Gesundheit und Kräfte, wo durch ich mir selbst mein Brod und meinen Unterhalt verdienen kann. — Ich darf dich Vater nennen, so gut, als der Reiche; denn in deinen Augen sind wir alle gleich, ich darf mich deiner freuen, so gut, als der Reiche.- Die herrliche Sonne am Him. mel, die schönen Blumen in den Gärten, und auf den Feldern, die fruchtbaren Aecker und Wiesen, der liebliche Gefang der Vögel, alles dieses vergnügt mich so gut, als den Reichen; und meine geringe Koft schmeckt mir auch so gut, als ihm seine bessere. Für alle diese Gutthaten danke ich dir also, bester Bater;- von ganzem Herzen danke ich 303 dir! laß fie mich noch ferner mit Freude ge nießen. Bewahre mich vor allem Neide und aller Mißgunst gegen Jene, die mehr haben, als ich; und laß mich nicht in Versu. chung kommen, daß ich über meine Armuth murre, oder durch verbothene Mittel Reich. thum zu erwerben suche. Jesus Christus, dein Sohn, mein Heiland und Muster war ja felbst arm, und hätte reich seyn können; er war ein Freund der guten Armen, und ist es noch. Selig sind sie in seinen Augen, und Ihrer ist das Himmels reich. Auch die Lehre des frommen Tobias vergesse ich micht. Fürchte dich nicht, fag. te diefer gute Vater zu seinem Sohne: wie sind zwar verarmt, doch besigen wir Vieles, wenn wir Gott fürchten, uns von der Sün. de entfernen, und Gutes thun!" So denk ich nun auch, lebe zufrieden mit meinem Schicksale, und hoffe von Tage zu Tas ge auf deine Vorsicht und Güte, o Gott! Barmherziger Vater! du sorgft ja sogar für die unvernünftigen Thiere, die dich nicht einmal kennen: du ernährst und kleideft fic, viel weniger fannst du also mich, dein Kind, das dich liebt, und dir dankbar ist, vergessen. - 304 o! erhalte mich nur immer gefund, stärke mei. ne Kräfte zur Arbeit, erwecke mir gute Freunde unter den Menschen, und belohne meine Wohlthäter: dann bin ich reich und glücklich genug. Um diese Gnade bitte ich dich, diese Gnade hoffe ich von dir durch Jefum Christum, deinen Sohn, nasern Herrn. Amen. Vermischte Gebetbe für zerschiedene Vorfallenheiten und Umstände des Lebens. - Gebeth beym Antritte eines neuen Standes oder Amtes. Ich bitte euch: lebet eurem Berufe gemäß! Paus lus an die Ephef. V. Kap. 1. V. Es ist nun an dem, o Gott! daß ich diesen neuen Stand N.-( Dieses neue Amt N.) antreten ſoll Ich sehe es als ein Werk deiner Vorsicht, als Beruf von dir an, und danke dafür, von Herzen danke ich. Nun - -- CCR 305Nun weiß ich aber auch, mein Gott! daß mich dieser neue Lebensstand;- dieses neue Amt an und für sich weder gut, noch glücks lich, oder selig macht. Ich weiß vielmehr, daß ich dadurch nur eine neue Last von Pflichten auf mich nehme, die ich alle kena nen, und mit treuem Eifer erfüllen muß, wenn ich anders nicht mehr Schande als Ehre, und nicht mehr Verantwortung und Strafe, als Belohnung gewärtigen will. Allererst werde ich mich also von der Pflich. ten meines Amtes und Standes vollkomen zu unterrichten suchen. Ich will vernünftige und erfahrne Leute darüber fragen, selbst nachdenken, oder lesen will ich, so viel ich kann, damit ich hinlänglich erkenne, was ich als N. zu thun oder zu lassen habe. Erleuchte meinen Verstand hiezu, bester Gott! sende mir dei. nen heiligen Geist, diesen Geist der Weisheit und Wissenschaft. Damit ich aber meine Pflichten nicht bloß erkennen, sondern( was Hauptsache ist) standhaft und treulich erfüllen möge, so stärke und ermuntere mein Herz, gieb Kraft und Lust zu allem Guten, und laß noch Naks gr. Gebethbuch. U - 306. nicht geschehen, daß ich jemal in Erfüllung meis nes Amtes leichtsinnig, tråge, oder nachläßig werde. Laß mich vielmehr alle Fallstricke und Gefahr kennen lernen, die mich auf Abwege bringen, u. zu Versäumung oder Ulebertretung meiner Pflichten verleiten möchtest, damit ich ihnen ausweichen, und mich hüten kann. Da auch kein Stand und kein Amt ohne Mühseligkeiten und Beschwerden ist, so verleih mir Stärke und Muth, o Gott! daß ich jenen, die mit dem meinigen verbunden sind, nicht unterliege, noch mich durch sie jemal in Er füllung meiner Pflichten hindern lasse. Was ich endlich immer Gutes in meinem Amte zu thun, oder Unangenehmes und Böses zu leiden habe, das soll ja nicht aus eitler Eh, re, nicht wegen zeitlichem Gewinne, nicht wegen Lob und Tadel der Menschen gesche, hen, sondern deinetwegen, o Gott! aus Ach. tung und Liebe gegen dich und deinen heilig. sten Willen; um dir zu gehorsamen, und meinem Nächsten nüglich zu werden, darum will ich alles thun, und leiden, so gut ichs kann. Die Gnade und der Segen unsers Herrn Jesu Christi sey und bleibe ben mir in Ewigkeit! t 307 Gebeth, zur Zeit der Versuchung. - Wachet und bethet, damit ihr nicht in Versuchung gerathet( in der Versuchung nicht überwunden werdet.) Christus bey Matth. K. XXVI. 3.41. - Herr! rette mich, ich gehe zu Grunde. Meine Seele ist in Gefahr, Böses zu begehen; erbarme, ach, erbarme dich meiner! Hülf mir Schwachen! Gieb Licht und Stärke, daß ich mich nicht überwinden lasse. - O ja, ich empfinde es, mein Gott! daß du mich stärkest. Du bist bey mir zugegen. Und wie!. in deiner Gegenwart, vor deis nen Augen sollte ich fündigen? Vor Gott follte ich etwas begehen, dessen ich mich auch vor einem Menschen schämen müßte? Ift er nicht mein Herr und Richter? - 112 Nein, lieber sterben, als fündigen. Står. ke mich, Vater! in diesem Vorfage, und steh mir jedesmal, wenn ich in Verfuchung komme, mit deiner Gnade bey, durch Jes sum Christum, unsern Herrn. Amen. 308 Gebeth zur Zeit des Unglücks und der Widerwärtigkeiten. - - Mein Kind! verschmäh nicht die Züchtigungen Gottes, und laß den Muth nicht sinken, wenn er dich leiden läßt: denn Züchtigungen sind Merk male der Güte Gottes, und die schwersten Leis den treffen oft seine liebsten Kinder; darum bes denke doch, daß euch Gott als Vater behandle, wenn er euch zu leiden giebt. Paulus an die Hebr. XIII. K. 5. V. 2C. Kein Spaß fällt vom Dache und kein Haar von meinem Haupte, ohne deinen Willen, o Vater im Himmel! Du weißt also von dem Unglücke, das mich betroffen hat, und von den Widerwärtigkeiten, die ich leiden muß; und deine Anordnung, dein heiligster Wille ist es, daß ich sie leiden soll. Ach! schwer kommt es mich freylich an; und ich schwacher Mensch bethe zu dir mit Jefu, meinem Heiland: ,, Vater! wenn es möglich ist, so nimm diesen Kelch von mir! wenn es nach den Rathschlüffent deiner Weisheit und Güte geschehen kann, daß er von mir gehe dieser Kelch des Lei - 309 dens! so geschehe es! Doch nicht mein, fondern dein Wille geschehe, o Vater!" Habe ich schon so viel Gutes von dir empfans gen, warum soll ich mir nicht auch etwas Unangenehmes und Böses gefallen laffen? Da ich doch weiß, daß du auch dieses zu meinem Guten wendest: daß ich durch gedul. diges Leiden und Ergebung in deinen Wil len meine Seele reinigen, und mir Verdiens ste für den Himmel fammeln kann; da ich weiß, daß auch Widerwärtigkeiten ein Zei. chen deiner Gnade sind, und daß du wie ein Vater auch Denjenigen liebest, den du züchtigest. O! ich klage und murre also nicht gegen dich, ich küsse vielmehr deine Baterhand, die mich schlägt, und bin bereit, mit Geduld zu leiden, was du über mich verhånget hast, und es so lange zu leiden, als es dir gefallen wird. - - - Jefum Chriftum will ich mir vorstellen, was und wie er gelitten hat; und von ihnt will ich leiden lernen, damit ich mich einst auch mit ihm im Himmel erfreuen möge. Dazu gieb mir deine Gnade und deinen Segen, o Gott Vater, Sohn und heilt. ger Geist! Amen. 310mm 3 weytes Gebeth in Kreuz und Leiden. Diese irdischen und geringen Trübsalen werden uns einst eine ewige und über alle Massen wich. tige Herrlichkeit verschaffen. Paulus im 2. Briefe an die Korinter. Gott! in welch einem Meere der Schmer. zen und Trübfalen schwimme ich! Wie groß ist das Unglick, das mich betroffen hat! wie heftig das Leiden, dem ich unterworfen bin, und worin ich mir weder zu helfen, noch zu rathen weiß Niedergeschlagen ist mein Geist, und traurig meine Seele bis in den Tod. Nichts ist, was mich erfreut ich habe Feine Lust zur Arbeit, und selbst das bethen fällt mir schwer. Aber bethen will ich doch, wie Jefus mein Heiland in seinen Aengsten und Leiden gebethet hat. Ja, Herr! du bist meine Kraft, meine Stårke, und meine Zus flucht, bist du am Tage der Trübfal. Du erhörst mein Gebeth. MU Wie sich der Vater seiner Kinder erbarmt so erbarmst du dich doch auch meiner, o Gott, 311 und läsfest mich in meinem Jammer nicht zu Grunde gehen. Ich weiß es, deine Hand ists, die mich schlägt; auch habe ich wohl noch mehr verdient, als ich leide, und am Ende ist Alles zu meinem Besten bestimmt. Gut kommt es mir, daß du mich heimgesucht und gedemü. thiget haft: ich lerne dadurch deine Gerecht. fame erkennen, meine Schwachheit fühlen, deinen Namen anrufen, und mit andern Lei. denden Mitleid tragen. Eine Arzney gegen das Laster, und eine Schule der Tugend, follen mir meine Trabfalen werden. Ja, ewige Freuden und Seligkeiten sollen sie mir verschaffen. Dies ist dem heiligster Wille, den ich erkenne, und anbethe. Mein Geist ist auch bereit, das Kreuz zu tra. gen, das du mir aufgelegt, und in die Fußsta. pfen Desienigen zu treten, der für mich alle Marter, und den Tod selbst gelitten hat. Bes reit ist der Geist aber schwach ist das Fleisch! Darum bitte ich dich, o Vater im Himmel! wie dich dein leidender Sohn, Jesus Christus, gebethen hat. Wenn es möglich ist, d. i. wenn es mit deiner Gerechtigkeit, mit deiner Weis heit und Güte vereinbart, und zu meinem Heis - 312 le aedeihlich ist. so nimm diesen Kelch von mic. Las fie vorübergehen, die schreckliche Leidens. stunde! Darum bitte ich dich aus ganzer Seele: und voll des Vertrauens auf deine Allmacht und Gute hoffe ich es. Ist es aber nicht anders möglich, o Gott! und muß ich den Kelch des Leidens trinken, o! so gieb mir doch wenigst Muth und Kraft dazu, daß dieß bittere Getränk nicht ein Ge. trant des Todes, sondern eine Arzney des le. bens und der Seligkeit für mich werden mös ge!-Gieb, daß ich geduldig und verdienst. lich leide! Sende einen Engel, einen gu ten Menschen, der mich stärken, mich berus higen, und trößten möge, wenn ich aar u Fleinmüthig und traurig würde. Um diese Gnade bitte ich dich, o Gott! Ja, ich bin persichert durch dein heiliges Wort, daß ich unter der Last meiner Leiden nicht unterliegen werde, fondern daß mir zur Zeit der Noth Deine Hilfe von Oben kömmt. Ich weiß, daf mich meine zeitliche Widerwärtigkeiten nicht zu Grunde richten, wohl aber ewige Freuden und Seligkeiten im Himmel mir verschaffen werden, wie sie es Jefu Chrifto, deinem Sohne, meinem Herrn und Heilans de, verschaffet haben. Amen. 313 snaipon? Gebeth wenn man gedrückt oder beleidiget wird. Selig find die Friedfertigen: denn sie werden Kins der Gottes genannt werden. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden, denn ihnen gehört das Himmelreich. Chris stus bey Matth. V. Kap. 10. V. - Stärke mich, o Gott! daß ich das Unrecht und die Beleidigung, welche ich erlitten ha. be, geduldig ertrage, daß ich mich nicht zu rachen, nicht Böses mit Bösem zu vergelten suche. Die Lehre und das Beyspiel deis nes göttlichen Sohnes, meines Erlöfers, der für feine größten Feinde gebethet, und ihnen Gutes für Böses vergolten hat, diese sollen mich ermuntern, ein Gleiches zu thun. Ja, was würde es auch nügen, wenn ich mich an meinem Beleidiger rächen wollte? Dadurch würde ich mich nur gegen dich, o Gott! verfündigen, und mir selbst, nebst dei. ner Ungnade neue ungemache und Ver. druffe zuziehen. Vielleicht hat es auch Der, welcher mir Uebels gethan, nicht so böse gemeint, vielleicht <-314 ist es aus Uebereilung oder Leichtsinne gen schehen 2c. 2c. O! ich will also nicht mehr daran denken. Ja, ich verzeihe ihm von ganzem Herzen, wie ich wünsche, daß du mir, o Gott! meine Fehler und Schwachheiten verzeihen mögest, Durch Jefum Christum, den fanftmüthigsten und geduldigsten Heiland. Amen. Wäre die Beleidigung, der Schaden zu groß und zu wichtig, so kann ohne Verletzung christlicher Liebe bey dem Richter Klage geführt und Genugs thuung verlangt werden; nur muß dieses alles ohne Rachsucht, ohne Bosheit und Bitterfeit geschehen. Gebeth wenn man von der Obrigkeit bestraft wird. Nicht die, die Gutes thun, sondern nur Jene, wels che Böses verüben, müssen die Obrigkeit fürchs ten. Willst du ohne Furcht vor den Vorgesetz ten leben lebe nach der Vorschrift des Gefes Bes, dann wirst du Lob von ihnen erwerben. Sie sind Diener Gottes dir zum Guten. Handelst du aber unrecht, so fürchte fie: sie sind Diener Gottes; darum zörnen sie auf den Uebelthäter, und strafen ihn. Paulus an die Römer XIII, K. 3. 2. - - 315 Ach! wie schmerzet es mich, o Gott! daß ich Unrecht gethan, daß ich das Gefes übertre. ten, und mir dadurch die Ungnade und Stra. fe meiner Obrigkeit zugezogen habe. Aber auch gegen dein Gefes, o Vater im Himmel! habe ich gehandelt, denn du gebie. thest mir, gehorsam zu seyn meinen Vorge festen, und ich war es nicht. Leichtsinnig und muthwillig habe ich mich verfehlt, habe vielleicht auch noch Andere geärgert, betrübt, in Zorn, Unglück und Schaden gebracht.- Ach, verzeih mir, bester Vater! ich bereue es von Herzen, es soll nicht mehr geschehen. Ja, Dank sen dir! daß du mich deßwegen haft bestrafen laffen. Es soll mir diese Strafe zur Warnung seyn, daß ich in Zukunft nicht mehr fündige. Auch meine beleidigte Mitmenschen und Obere will ich um Verzeihung bitten, und mich aus allen Kräften bemühen, künftig durch mein gerechtes, gutes und folgfames Betragen vielmehr ihre Achtung und Liebe, als noch einmal ihren Unwillen, Klage und Strafe zu verdienen. Amen. 316 Gebeth - vor einem Ungwitter. Du bist es, Gott! der aus dem Wetter Mit uns so majestätisch spricht; Du, unser Vater, unfer Retter! Du segneft nur, du zörnest nicht. Dein Donner schreckt die frechen Sünder; Da deine dir getreuen Kinder Im Sturme, wie im Sonnenschein, Sich deiner Macht und Güte freu'n. Auch im Blige und Donner erkenne ich, allmächtiger Gott! deine Größe, und bethe deine unendliche Macht und Herrlichkeit an. O könnte ich mich über das Leuchten der Bliße und über das Gerassel des Donners freuen! Allein Furcht und Schrecken bemach, tigen sich meiner, wenn ich an den Schaden und an die Verwüstungen denke, welche das Ungewitter schon so oft angerichtet hat, und heute wieder machen kann. Ach Gott! laß doch dieses Ungewitter glücklich vorübergehen, damit unsere scho. nen Felder und Früchte, unsere Häuser und Personen davon keinen Schaden leiden! 317 Du bist ja ein so guter Vater, und haft dem Menschen zu Liebe so Vieles erschaffen! Wirst du uns dann wieder nehmen, was deine Gü te für uns schon bereitet hat? Wirst du unsere Mühe und Arbeit so ganz verloren ge. hen lassen? Wirst du uns Arme in wenigen Augenblicken zu Bettlern machen? - O nein, das thust du nicht, bester Vater! du wirst vielmehr durch dieses Gewitter unfre Alecker und Gründe noch mehr segnen, and fruchtbarer machen. Um dieses bitten, und diefes hoffen wir von deiner Güte. Doch unser Gut und Leben steht in deiner Hand, o Gott! Du gabst es uns, und willst du es wieder nehmen, so fällt es uns zwar schwer- aber dein Wille geschehe! Du bist Herr und Vater; alles was du thust, ist wohlgethan. Du kannst auch wieder geben, was du nimmst, und wirst allzeit vå. terlich für deine Kinder sorgen. Vater unser 2c. Gebeth nach dem Ungewitter. Vorüber ist das Ungewitter! Gesegnet sind die Feldesgüter! 318 Wir danken dir, o guter Gott! Wir sind befreyt von Angst und Noth, Des Donners Stimm', des Bliges Schrecken Soll uns stetshin zur Zugend wecken. - - Ich lobe und preife dich, o Gott! daß du die Gefahr des Gewitters so gnådig abgewendet hast! Nun ist die Luft wieder gereiniget, die Felder, Wiesen und Gärten sind erquickt; Al les steht in neuer Schönheit da, und erhält neues Wachsthum. Die Blumen und Pflans zen richten sich wieder auf, die Vögel flies gen und singen wieder, als ob sie Gott ein Loblied anstimmen wollten. Auch ich danke dir, liebster Gott! daß du mich und meine Angehörige, ja, unsre ganze Gemeinde so väterlich behütet hast. O! ich will deine Güte nicht vergessen, und wenn wir vor einer Gefahr angst werden will, so will ich immer daran denken, daß wir an dir einen Vater haben, welcher in allen Nöthen rathen und helfen kann, und der es auch thun will, wenn es zu unserm Besten ist. Schenke uns, o Gott! noch ferner gefunde u. fruchtbare Witterung! bewahre unfre Woh. nungen und Felder vor Unglücksfällen, und laß 319 uns unter deinem Schuße ficher leben! Wir wollen uns des Bösen enthalten, und Gutes thun, so viel wir können. Dies ist dein Wille, und dies versichert uns deiner Gnade und deines Segens. Amen. - Wenn das Ungewitter Schaden gethan hat, so kann das Gebeth einer schlechten Erndte oben S. 106. mit gemachten kleinen Abänderungen gesprochen werden. Gebeth um heiteres Wetter. Gott dachte an Noe, an alle Thiere und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war. Er ließ also einen Wind über die Erde wehen, und die Wasser nahmen ab. Es schloffen sich die Quellen des Abgrundes und die Schleußen des Himmels, und dem Regen vom Himmel wurde Einhalt ges than. 1. Buch Mos. VIII. K. 1. und 2, V. In der Noth wenden wir uns zu dir, o Gott! und flehen wie Kinder um Hülfe u. Rettung zu ihrem Vater. Wirklich werden wir durch unfreundliche, kalte u. naffe Witterung geplagt. Menschen und Thiere, fammt den besten Ges wächsen der Erde, leidenSchaden dadurch. Ec F 320 barme dich also, o Bater! erhöre unfer demü. thiges Gebeth, und gebieth den Wolken, daß fie fich zertheilen; halt ein die Regen und Wassergüsse, und schenke uns ein heiteres, ein mildes und fruchtbares Wetter! Erinnes re dich unser, wie einst des Noe und der Thiere, die ben ihm in der Arche waren; zer. streue die Nebel, und laß die Erde, laß Men. schen und Vieh durch die wohlthätigen Strahlen der Sonne wiederum erwärmt, und erquicket werden. Verdient haben wir zwar deine gerechte Zuchtigung, o Gott! Aber sich, wir sind zur Buße und Besserung bereit; laß uns also wieder erfahren, daß deine Erbarmung gröf fer, als unsere Sünden seyen, daß du das Gebeth der Demüthigen in Gnaden ansehest, und deinen Kindern Segen ertheilest, wenn fie vertrauensvoll um Segen bitten Dar. um flehen wir durch Jefum Chriftum, in Dessen Namen du uns zu bethen befiehlst, wenn wir Etwas erhalten wollen Amen. Gebeth um einen Regen. Wenn ich den Himmel schließen, und keinen Regen werde fallen lassen, mein Volk aber sich — bekeh 321 Bekehret, und anflehet, bey mir Hilfe, und wegen seinen Sünden Buße wirket, so will ich sie vom Himmel erhören, ihnen ihre Sünden verzeihen, und ihrem Lande wieder Segen geben. Sagt Gott im 2. Buche der Kronik, VII. K. 13. 3. -- Gott! du bist der Herr der Natur, Regen und Sonnenschein, Alles steht dir zu Gebothe, und mit jedem kannst du uns Mena schen beglücken, oder strafen, wie du willst.- Wirklich wird uns das schöne Wetter zur Last, zum Nachtheile für Menschen und Vich gereicht es und wir seufzen nach Regen. Ach! wir sind zwar Sinder, o Gott! und haben deine Ungnade, deine Züchtigung ver dient. Doch sieh! dein Volk bekehrt sich wieder, es erkennt und bereuet seine Fehltrit. te, feine Missethaten, es will und wird sich bessern. Erhöre also unser Endliches Fles hen, verzeih die begangenen Sünden, und segne das Land mit erwünschtem Regen. Ja Herr! überzich den Himmel mit Wolken, und bereite Regen für die schmachtende Erde, damit sie Heu auf den Wiesen, und Früchte in den Garten und Aeckern zur Nahrung des Menschen und der Thiere her. Nats gr. Gebethbuch. € - - 1 - 322 vorbringe.-O, diese Gnade, wie dankbar wollen wir sie empfangen, und wie eifrig uns bestreben, ihrer würdig zu werden, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unfern Herrn. Amen. Gebeth zur Zeit einer ansteckenden oder tödtlichen Krankheit bey den Menschen. - Wenn Pest, vergiftete Luft im Lande entsteht,- oder es irgend eine Plage oder Krankheit drucket. -Wenn dann Einer von deinem Volke, o Gott! zu dir fleht,- so erhdre ihn in dem Himmel! sey wieder gnädig, und gieb Fedem nach seinem Thun, wie du sein Herz kennest, du einziger Hers zenskündiger der Menschen! Salomo im 2. B. der Kronik, VI. Kap. 28. u. 29. V. Gott! nun zeigest du es recht, wer der Mensch ist, und wer du bist, Herr des Lebens und des Todes! Eine einzige Krankheit, ach, wie viele Menschen reibt sie auf?- Våter, Mütter, Brüder und Schwestern, Erwachsene und Kinder, nimmt sie dahin, und verfeßt uns alle in Angst und Trauer. Gut ist es zwar, o Gott! daß du uns gedemü. thiget, u. so ein kräftiges Mittel zu unsrer Bes ferung erwählt hast. O möchten doch durch den nahen Unblick des Todes alle Herzen gerührt, -- 323 zu dir hingerissen, und auch die größten Süni der zur Buße und Besserung des Lebens eca muntert werden. Möchte dieses doch bald geschehen, damit du das Gebeth der Un. schuldigen und Büßenden um so geschwinder erhören, und dieser fürchterlichen Pla. ge ein Ende machen könntest! Vater im Himmel! sey gnädig uns armen Menschen, und nimm diefen bittern Kelch von uns!-Erleuchte die Aerzte, daß sie die Krank heit richtig erkennen!- Segne die Arzneyen, daß fie den Kranken helfen, und befiehl dem Todesengel, daß er nicht mehr schlage! Wenn es aber dein Wille ist, o Gott! daß dieses Uebel noch langer dauren, und daß noch mehrere Menschen davon leiden, und sterben sollen, so geschehe dein heiligster Wille! Nur um Dieses bitten wir dich: laß doch keinen Menschen unbereitet, in deiner Unt. gnade als Sünder sterben, und ewig zu Gruns de gehen. Laß vielmehr dieses Uebel zu uns ferm Besten gereichen und, indem es die Leis ber tödtet, die Seelen aufwecket, und leben. dig machet, durch Jefum Christum unfern Herrn, der selbst so viele Kranke geheilt, und Todte zum Leben erwecket hat. Amen. € 2 -324Gebeth zur Zeit einer Viehseuche. Herrscher über alle Thiere, die sich auf Erden res gen! Gott im I. B. Mosis Kap. 28. V. Gott! Herr und Schöpfer aller Dinge! den Menschen hast du für dich; und alles Uebrige, was auf Erden ist, zum Besten des Menschen gemacht. Besonders hast du ihm die Thiere unterworfen, und sie zu seinem Dienste gewiedmet. Herrschet über alle Thiere, die sich auf Erden regen, so sprachst du schon zu den ersten Menschen im Paras diese,- und noch heut zu Tage führen wir diese Herrschaft. Dank sey dir für eine so liebvolle Einrichtung, bester Gott! Aber sieh! eine tödtliche Krankheit ents kräftet, und raubt uns das so dienstbare und nügliche Vich. Wir haben zwar dieses Uebel verdient, oder es vielleicht selbst durch üble Behandlung, und mancherley Mißbrau che der armen Thiere über uns gezogen. Mit Rechte suchst du uns heim, o Gott! Deine Heimsuchung mag mun Strafe oder Prüfung, oder natürliche Folge natürlicher Ursachen seyn; gerecht und weise ist sie gewiß. - - - 325- Doch wie hart und schmerzlich fällt es uns, unfre Hausthiere, diese zur Nahrung, zur Kleidung, zur Arbeit, und zum Unterhalte des Lebens so nothwendigen Geschöpfe zu verlieren! Wenn es dann möglich ist, o Gott! so heile und erhalte fie! Erbarme dich deines Volkes, und schone ihm mit dieser Züchtigung. Wir wollen dir künftig auch für unser Vieh dankbarer fenn,- menschlicher wollen wir die Thiere behandeln, u. ihnen nicht nur ihre rech. te gefunde Nahrung, sondern auch Wart und Ruhe geben. Weder fluchen, noch übel. wünschen wollen wir mehr darüber. Auch an Knechten und Mägden soll diese Untugend nicht gelitten, und überhaupt keine unerlaubte, sündhafte Mißhandlung dieser guten Ge. schöpfe gestattet werden. Dieß versprechen wir dir, o Gott! und hoffen auf deine Er. barmung, auf deine Gnade und deinen Se. gen, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. - Gebeth zur Zeit des Krieges. Wenn der Herr deine Zuflucht und dein Retter ift, so wird dir kein Unfall begegnen; keine Geißel wird sich deiner Hüte nahen, Psalm. XC. - 326 - Gott! Herr der Herrschaaren, und König der Könige! du weißt es, welch ein schrecklis ches Unglück durch den Krieg über die Erde, über Land und Leute ausgebrochen ist.- Du fichst den Jammer, und das Elend Derjeni. gen, die an dieser fürchterlichen Plage An theil nehmen müssen. Alle Tropfen Blutes, die man vergießt, alle Thränen, die man der leidenden Menschheit aus dem Auge, und der Seufzer, die man ihr aus dem beklemmten Herzen presset, alle diese Szenen des Elendes und des Jammers sind dir bekannt. 10 - A Ach! wir haben freylich diese und noch schärfere Züchtigungen durch unsere Sünden verdient; aber wie viele Unschuldige müs. fen im Kriege nicht auch mit den Schuldigen, wie viele Gute mit den Bösen zugleich leis den?! um dieser Gerechten willen scho. ne den Sündern, barmherziger Gott!- Lenke die Herzen der Fürsten und Völker zum Frieden, und gieb, daß wir Alle als deine Kinder in brüderlicher Eintracht mit einans der leben, und deine unzählige Wohlthaten in Ruhe und Sicherheit genießen mögen. 327- Sollte aber der Friede noch nicht für uns bestimmt seyn, o! so lindere und erleichtere doch die Lasten des Krieges. Sey uns eis ne feste Mauer gegen das Eindringen feindlis cher Schaaren.- Gieb unfern Soldaten Muth und Tapferkeit, daß fie munter strei. ten; segne ihre Waffen: segne die Anschläge der Feldherren, daß sie siegen, den Feind de. müthigen, das Land sichern, und den lieben Frieden beschleunigen mögen. Vor allem, o Gott! laß nicht zu, daß wir durch den Eigensinn, oder die Untreue und Verrätherey boshafter Menschen zu Grunde gehen. Auch dem Feinde gieb ein Herz, das die Menschheit ehrt, und mitten im Geräus sche des Krieges die Gottheit fürchtet. Ja, bezäume, o Herr! den Muthwillen und die wilde Frechheit des Soldaten. Verhüte doch, daß wir nicht durch zügelloses Rauben und Morden, durch Sengen und Brennen, oder andere Ausgelassenheiten mißhandelt, entehrt, oder verunglückt werden. Laß den Krieg von Menschen menschlich, und christlich von Christen geführt werden. Denen, die von seinen Drangfalen am meisten zu leiden haben, gieb Kraft und Muth, daß sie nicht verzweifeln, oder gan; unterliegen.- Tro. - - - 328 fte, o Vatrr! und erquicke sie. Laß uns endlich Alle, durch diese Zuchtruthe gebessert, des angenehmen Friedens und besserer Zeis ten würdig werden, durch Jefum Chriftum, unsern Herrn. Amen. Gebeth um einen guten Tod. 2 Selig find die Todten, die im Herrn entschlafen; - denn ihre Werke folgen ihnen nach. Offens barung des Johannes XIV. Kap. 11 Are Menschen müssen einmal sterben. Dies ist dein Gefeß, o Gott!- Dein Ur theil ist es, welches du über das erste Men. fchenpaar nach begangener Sünde gespro. chen hast, und dem wir nun Alte unterworfen find. Gerecht ist dein Urtheil, und heilig dein Gefeß; ich unterwerfe mich demselben, und bin bereit zu fterben, wann, wo, und wie es dir gefällt. Nur in deiner Gnade laß mich von hinnen scheiden, und nicht unbereitet vom Tode, wie von einem Diebe in der Nacht, überfallen werden. Rein von Sünden, und reich an Tugenden, wa chend und bethend, möchte ich sterben, und - - 329 so wie ein gutes Kind vor deinen Augen er. scheinen, o Vater im Himmel! 11 GOWY Damit aber dieses geschehe, so will ich den Rest meines Lebens zur Vorbereitung zum guten Tode verwenden. Ich will unter meinen Arbeiten, Geschäften und Sorgen nie vergessen, daß ich vor Allem für den Him. met arbeiten und sorgen, und mir solche Schäße sammeln müsse, die kein Dieb ents wenden, kein Wurm verzehren, und weder Tod noch Grab entreifen kann.- Nie will ich vergessen, daß ein Tag herannahe, an dem ich alles Irdische verlassen, und mich von allem, was mein Herz auf Erden liebt, tren. nen muß. Dieser Gedanke soll mich nach und nach von der Welt losmachen, damit mir eine plögliche Trennung nicht zu schwer falle. Täglich will ich mich auch daran erinnern, das ich einst, und vielleicht bald vor einem strengen Gerichte zu erscheinen habe, wo Jedem nach seinen Werken vergolten wird. Und darum will ich mich hüten, Et. was in die Ewigkeit hinüber zu nehmen, was ich vor diesem Gerichte nicht verant. worten kann. Ja, da es noch Zeit ist, will ich mein Haus bestellen, und mich -- 330gefaßt machen, Rechenschaft von Allem zu geben, was mir vertrauet war. Nein, mein Gott! nicht erst in den legten Lebensstunden will ich mich nach dir umfe. hen; und nicht erst, wenn ich sterben soll, will ich wünschen, besser gelebt zu haben: O so ein Benehmen wie beunruhigend, wie ges fährlich ist es? Jest, jest will ich noch fromm leben, und die Vergehungen meiner jüngern Jahre zu beffern, und abzubussen fu. chen, damit ich mich einft eines feligen En des getrösten dårfe. ex Göttlicher Helland auch du bist gestorben, damit ich mich um so weniger vor dem Tode fürchten sollte.- Dein Bild schwebe also" ( wenn es bey mir zum Sterben kömmt) mei, nen brechenden Augen vor.- Ja, dein An. blick tröfle, und stärke mich zum legten Strei. te! Ach laß mich, wie einst den busfertigen Schacher am Kreuze, jene frostvollen Wor. te hören: Heute noch sollst du bey mir im Paradiese feyn! Heilige Maria! Mutter der Barmherzig. Feit! fteh mir bey in meinem Todeskam. pfe! Sich mich als dein Kind in Gnaden an, und bitt für mich! Burnen ne - - 331 Heiliger Joseph, und Benedikt! ihr bes fondere Sterbpatronen! bittet für mich, daß ich, wie thr, den Tod eines Gerechten und Heiligen sterben möge. Und endlich auch du, heiliger Schußengel du Gefährte meiner Seele! auch du verdop. pele deine Sorgfalt in meiner Todesstunde, und weiche nicht von mir, bis ich das Ziel meiner Wanderschaft glücklich erreicht habe, durch Jefum Christum unfern Herrn. Amen. Gebeth wenn man krank ist. Herr! dein Geliebter ist krank,- Die Schwestern des Lazarus zu Jesu bey Joh. IX. Kap. 3. V. Barmherziger Gott: gütigster Vater! fich gnädig auf mich, dein armes Kind, herab! Ich bin krank! Und- o! darf ich dich bitten, daß du mich wieder gefund machen wolleft? Du weißt es am besten, lieber Gott! was für mich gut oder schädlich ist. Laß mich wieder gefund werden, wenn es dir wohlge. fällig, und mir oder Andern, besonders den Meinigen nüglich ist! Laß die Arzneyen aus schlagen, und nimm hinweg von mir die Schmerzen, welche mich quälen, damit ich - 332wieder aufstehen, und arbeiten, damit ich dir und meinem Nächsten wieder dienen kann, auch Niemanden mehr zur Laft, zur Plage seyn muß! Willst du aber, daß ich noch länger krank feyn solle; so geschehe auch hierinn dein heis liger Wille! Ich weiß, daß du mein bester Vater bist, und es auch da gut mit mir meymt, wenn du mir ein Uebel zuschickt. Nur um Das bitte ich dich, gütigster Vas ter! laß mich jenen Nußen aus meiner Krank heit ziehen. den du willst, daß ich daraus schö pfen folle. Gieb mir vor allem Stärke und Ge duid, daß ich meine Leiden dir zu Liebe stand, haft ertrage, fie nicht durch Unmuth vers größere, und mich gegen dich verfündige! Hat ja auch dein göttlicher Sohn recht Vieles für mich unschuldig leiden müssen! Warum soll dann ich nichts leiden wollen. O du bist mein Vater, und wirst mir gewiß nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Solltest du mich aber vielleicht bey dir ha ben wollen, liebster Gott! Sollte ich an dieser Krankheit sterben müssen; nun, so geschehe auch hierinn dein heiligfter Wil. le!- Lange genug habe ich gelebet.- Ich 333 bereite mich zum Tode, und fürchte ihn nicht: denn ich weiß, daß er mich zu dir, zum Le. ben und zur Seligkeit führen werde, durch Jefum Christum, unsern Herrn und Hei. land. Amen. Gebeth nach der Krankheit. Sieh! du bist gesund worden, fündige nimmermehr, damit dir nicht etwas noch Schlimmeres widers fahre. Christus zum Geheilten am Schwemmteiche bey Joh. V. K. 54. V. Du haft mein kindliches Gebeth erhört, gütigster Bater! und mich wieder gefund wer. den lassen.- Ich danke dir herzlich, und lobe dich für diese Gnade. Nun bin ich erst wieder recht froh und mun ter. Effen, Trinken, und Schlafen schmeckt mir jest wieder so gut, viel besser, als vor meiner Krankheit. Alles um mich her kömt mir schöner, und angenehmer vor: liebli. cher singen die Vögel! besser riechen die Blumen; herrlicher glänzet die schöne Sonne am Himmel. 11 O, jest weiß ich meine Gesundheit erstrecht zu schätzen, und deine Gaben dankbar zu ges - 334 nieken, liebster Gott!- Aber jetzt will ich mich auch recht sorgfältig hüten, daß ich meine schwache Gesundheit nicht wieder durch un. ordentliches Essen und Trinken, durch schäde lichen Frost, durch zu starke Arbeit, Zorn, Gram, und andere Leidenschaften und Aus. schweifungen verderbe, und dadurch die fol genden Uebel schlimmer mache, als die vor hergegangenen gewesen sind. Nein!- Ich will mich vielmehr befleißen, meine Kräfte und Gesundheit, so lange es der Himmel will, gut zu erhalten, und nüglich anzuwenden. Mit neuem Muthe, und mit neuer Freude, werde ich nun wieder an meine Geschäffte ges hen, und arbeiten, so viel ich kann, um dir, oGott! zu gefallen, und hereinzubringen, was ich durch meine Krankheit verabsäumet habe, durch Jefum Christum, unfern Herrn. Amen. Andachtsübungen für gefährlich Kranke, Sterbende, und Verstorbene. Ezechias, der König, war krank, und der Pros phet Esaias sagte zu ihm: Der Herr sprichts: Bestelle dein Haus; denn du wirst ster ben! Der König wandte sein Gesicht zur Wand, - 335 und bethete: Herr! denk daran, daß ich aufrichtig vor dir gewandelt, and deinen Willen gethan habe. So bethes te der Kranke, und weinte. Der Prophet war noch nicht aus dem Vorhofe gekommen, so sprach der Herr zu ihm: Geh zurücke, und sage dem Kö nige Ezechias: Dieß spricht der Herr: Ich has be dein Flehen gehört, und deine Thras nen gesehen; und sich! ich babe dich gefund gemacht. Am dritten Tage wirst du im Tempel des Herrn anbes then. Im IV. B. der Könige XX. Kap. - Gottes Wille ists( dieß lernen wir aus anges führter Stelle), daß jeder Kranke allererst sein Haus bestelle, das ist, seine Angelegenheiten in Ordnung bringe, und sich zum Sterben gefaßt mache.- Thut er dieses, dann wird vielleicht auch sein Gebeth um Gesundheit und längeres Leben erhöret werden, wie das Gebeth des Ezechias. Bestelle dein Haus; denn du wirst ( du kannst) sterben! Dieser Gedanke foll also bey jedem Kranken der erste seyn, und ihn bewes gen, daß er frühzeitig Richtigkeit mit seinem 3 eitlichen und im Geistlichen mache.- Mit dem Zeitlichen; damit ihm Niemand im Grabe fluche, und daß nicht aus seiner Schuld Feindseligs keiten, Händel und Nachtheile unter den Erben, oder andern Leuten entstehen.- Im Geistlichen; damit die Seele nicht verloren gehe, sondern ges rettet werde zum ewigen Leben, 336 Zu diesem Ziel und Ende durchforsche man sein Gewissen, und stelle besonders folgende Fras gen an sich: - Habe ich nichts mehr auf meinem Herzen, das mich angstiget; und weßwegen ich noch Ursache habe, mich vor dem Gerichte Gottes zu fürchten? 1) Keine Sünde, die ich nicht bereut, nicht recht gebeichtet, nicht ernstlich abgelegt, und gebesfert habe? - 2) Kein Versprechen, das ich ehrlich ges than, und nicht ehrlich erfüllt habe? 3) Keine Schuld, die ich gemacht, viels leicht ohne Noth in Geheim gemacht, und noch nicht bezahlt habe? 4) keinen Schaden, den ich Jemanden an Ehre und guten Namen; an Gesundheit, an Güs tern und Vermögen, oder wohl gar an der Seele zugefügt, und nicht wieder gut gemacht habe? 5) Kein Aergerniß, das ich gegeben, und nicht mehr getilget? 6) Keine Feindschaft, keine Abneigung gegen Jemanden, die noch nicht durch Verzeihung und eine allumfassende Liebe gehoben ist? W Nach so einer redlichen Gewissensforschung soll eine reuvolle und aufrichtige Beichte geschehen, als ob sie Christo, dem Herzenskenner, selbst abgelegt würde, und als ob sie ganz gewiß die letzte wäre. Man treffe auch alle mögliche Anstalten 337 1 zum Ersatze und zur Genugthuung, wo immer Ersaß oder Genugthuung geleistet werden muß, Gebeth - zur heiligen Kommunion. Herr! sich dein Knecht( deine Magd) liegt krank;- komm also, und heile, er quicke und tröste mich! Doch, ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach. In mein Herz, daß du kommest, dessen bin ich nicht würdig, liebreichster Heiland! sondern sprich nur ein Wort, so wird gefund meine Seele, ja selbst mein Leib, wenn es mir nüglich ist - Ach! ich habe gesündiget,- vor dir, o Vater! und dem ganzen Himmel habe ich gefündiget.- Erbarme, erbarme dich meis ner nach deiner großen Barmherzigkeit, und verzeih mir alle Sünden, die ich Zeit Lebens begangen, und die ich alle von Hers zen bereue, weil ich dich, das höchste Gut, meinen Gott und Vater- damit be. leidiget, und dein heiligstes Gefes fo oft und vielmal übertreten habe. Aber nicht mehr nicht mehr soll es geschehen! Sey also gnädig mir armen Sünder! Naks gr. Gebethbuch. Y - - - 338 Glaube. Sieh, ich glaube an dich, o Gott Vater, Sohn und heiliger Geist!- Ich glaube an Jesum Christum! und an Al. les, was du uns durch ihn geoffenbaret hast, absonderlich glaube ich, daß ich nun eben diesen meinen Heiland und Gott im heiligsten Abendmahle wirklich empfangen werde, und daß ich nur durch ihn zu dir, o Vater! gelangen kann. Dieß glaube ich feftiglich, und bin bereit, in diesem Glaus ben zu sterben, wie ich in ihm gelebt habe. Hoffnung. Dieser Glaube an dich, o Gott! und an Jesum Christum, macht mich auch hoffen alles Gute, was du uns berei. tet, und durch Jesum versprochen hast. Selbst der Genuß dieses heiligsten Abendmahls ist Unterpfand und Bürge dafür.O, möchte mir dein Fleisch und Blut, bester Heiland! zum ewigen Leben gedeihen! darum bitte, und dieß hoffe ich, weil du es versprochen hast. - - - Liebe. Ich liebe auch nichts mehr, als dich, o Gott! den Liebenswürdigsten, und Jesum Christum, der aus Liebe zu mir ge storben ist, der mich sogar auf meinem Sterbbette besucht, um mich heilen, står. 339 ken, u. trösten zu können. Daß ich dich doch recht lieben, vollkommen lieben könnte, bes ster Heiland und Gott! Eines Herzens und Eines Sinnes möchte ich mit die werden, und ewig bleiben. Begierde. Meine Seele verlangt nach dir; komm also, o Jefu! komm zu mir. Ich bethe dich an unter den Gestalten des Brodes, bis ich dich von Angesicht zu Angeficht sehen, und mich deiner im Himmel erfreuen werde. Mit dem Priester wird vor dem Empfange des heiligen Sakramentes andächtig gesprochen: O du Lamm Gottes! u. s. w., dann dreymal: Herr! ich bin nicht würdig. Bey dem Empfange der heil. Hoftie. Diese heilige Wegzehrung des Leibes und Blutes Christi sey für mich eine Seelen. stärke zum ewigen Leben! Amen. Nach der Kommunion. Jefu!- du bist nun mein, und ich wil dein feyn in Ewigkeit!-Dank sey dir, daß du dich gewürdiget hast, mich heim: ufi chen. Gelobt und gebenedent seyst du in Ewigkeit! 92 340 O Jefu!- du bist das Heil der Welt Du starbst für mich, laß mich ganz für dich, aus Liebe und zur Ehre Deiner, leben und sterben. - O Jesu!-du bist das wahre Himmels. brod; stärke meinen Geist zu allem Guten, wie das irdische Brod den Leib zur Arbeit stårkt. O Jesu! du bist das Lamm Gottes. Nimm hin alle meine Sünden.- Schenke mir Liebe, recht viele Liebe, damit mir auch die Menge meiner Fehltritte erlaffen werde. O Jesu! du gabst mir deinen Leib zue Speise, und dein Blut zum Getränke. Laß mich nun in Liebe Eines werden mit deinem Vater, und Eines mit dir, und Eines mit allen guten Engeln, und mit allen Heiligen in Ewigkeit. O Jesu!- du bist das Licht der Welt. Erleuchte mich, und zerstreue die Finster. - niß des Todes vor meinen Augen, damit ich das Leben sehe, und mich nicht fürch te hinzuwandeln, wo das ewige Licht, und das Leben ist. O Jefu! du bist die Sonne der Ge. recht gkeit. Erleuchte meinen Verstand, und erwärme mein Herz zu aller Tugend; -341 — - die ich noch da, auf meinem Krankenbette, auszuüben im Stande bin.- Stärke mei. nen Glauben an dich! Vermehre meine Hoffnung auf dich, und mache vollkommen die Liebe gegen dich, und gegen alle Menschen! Gieb, daß ich geduldig leis de, mich in meiner Krankheit erbaulich be trage; und wenn ich sterbe, daß ich den Tod der Gerechten selig sterbe, und dann ewig lebe. Amen. Vater unser zc. Vorbereitungsgebeth zum Empfange der leßten Delung. Dr mein Jesu! ich weiß es, was dein Apos fiel Jakobus gelehrt hat:-Jt jemand ,, krank unter euch, schreibt er, fo laffe selber die Priester zu sich kommen, daß sie über ,, ihn bethen, und ihn im Namen des Herrn ,, falben; und das Gebeth des Glaubens ,, wird dem Kranken aufhelfen, und der ,, Herr wirds ihm leichter machen; und ,, wenn er in Sinden ist, werden sie ihm vergeben werden." Was nun Jakobus lehrte, befter Hei. land! das ist deine Lehre. Was Jakobus wollte, daß wir thun sollen, das ist dein ille und was uns Jakobus veri sprach, daß ist auch dein Verspre chen. Du wirst es erfüllen. So will ich also in diesem Glauben an deine Lehre aus findlichem Gehorsam gegen deinen Willen, und im vollsten Vertrauen auf dein Versprechen den Prie. fler rufen lasſen, daß er komme- über mich bethe- und mich im Namen des Herrn fals be. Das Gebeth des Glaubens und der Gläubigen wird mir sodann aufhelfen, wird mich, wo nicht heilen, doch stärken, erquicken, und trösten. Du wirst mirs jeichter machen, o Gott! und meine Sün. den werden mir vergeben werden. Es ge schehe! es geschehe durch dich, meinen Herrn und Heiland! Amen. - - - — 342 - - Gebeth benm Empfange der leßten Delung. Von den Anwesenden wird die Litaney zu allen Heis ligen gebetbet.( Siebe im Anhange.) Ans statt des Kranken berbet der Kirchendiener die offene Schuld( das Confiteor); und wenn nachher der Priester die Absolution ertheilt, so kann der reumüthige Kranke sprechen: Gott, der mächtige, erbarme fich Meis ner! E laffe mir alle Sinden nach, und führe mich ein zum ewigen Leben! Amen. Nachlaß und Verzeihung aller meiner Sünden gebe mir der allmächtige, barme herzige Gott Vater † Sohn+ und heis lige Geist+. Amen. Bey der wirklichen Salbung mit dem heiligen Dele denke, und spreche der Kranke gleichföre mig mit dem Priester: Durch diese heilige Salbung und deine liebvolle Barmherzigkeit verzeih mir, o Herr! was ich immer mit meinem Körper, und durch meine fünf Sinne durch das Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Gefühl gefündiget habe, im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heis ligen Geistes. Amen. 3431 — Gebeth nach der letzten Delung. Aumächtiger, ewiger Gott! auch diese Gnade der heiligen Deiung hast du mir an gedeihen lassen! Der Priester hat über mich gebethet, und mich gefalbet, wie es Jakob, dein heiliger Apostel, gelehrt und verord. net hat. Dank sey dir! unendlicher Dank! Laß nun aber auch,- ich bitte dich in. niglichst, las an mir die Kraft diefes hei ligen Sakramentes wirksam werden.- Gieb, daß ich an Leib und Seele deine Hüife erfahre, und wo nicht volle Gesundheit des Leibes zum fernern Leben, doch Muth und Stärke des Geistes zum Sterben erhalte, durch Jesum Christum, deinen Sohn, un. fern Heiland und Herrn. Amen. 344- ammlung christlicher Gedanken und Affette für Kranke und Sterbende. Langsam und stille müssen diese Sprüche dem Kranken, wenn er sie selbst nicht mehr lesen kann, vorgesprochen, bey jedem Strichlein-( Paus fe) muß abgesetzt, und nach jedem Spruche auss gerubet werden: sonsten martert und quålet man den Schwachen oder Sterbenden vielmehr, als daß man ihn erbauet. Es ist auch nicht nöthig, daß man auf einmal alle, oder gerade in der Ordnung vorspricht, in welcher fie dafteben. Man wähle, welche man will, und verfahre, wie man glaubt, daß es am besten sey. Seane mich, Gott Vater! mein Erschafs fer! Segne mich, Gott Sohn! mein Erlöfer! Segne mich, Gott heiliger Geift! mein Heiligmacher und Eröfter! Gelobt fenst du, dreyeiniger Gott!- mein Gott und Herr in Ewigkeit! Ich glaube an dich- Vater und Schöpfer- Himmels und der Erde- an dich einigen- und wahren Gott. - - - 345als Ich glaube an Jesum Christum, deinen Sohn der Mensch geworden ist, um mich zu erlösen;- der gelitten hat,- und gestorben ist, um mich selig zu machen;- der nun im Himmel sigt- zur Rechten des Vaters, und vor dem ich bald meinem Richter erscheinen werde. gnädig, o Jesu! mir armen Sünder. Ich glaube an den heiligen Geist- diesen Geist der Wahrheit und Tugend diesen Geist der Gnade und Liebe glaube ich. D! O! daß er mich heiligen, und stärken möchte- zum ewigen Leben! Sen alt Ich glaube an eine heilige- allgemeine christliche Kirche, in der ich bisher als katho. lischer Christ ruhig gelebt- und nun auch, wie ich hoffe, felig sterben werde. Ich glaube eine Gemeinschaft der Heiligen Jesus Christus ist unser Haupt- und wir Alle- sind Glieder seines Leibes- So fest u. enge hängen wir zusammen im Leben - und die Guten auch noch nach dem Tode. Ich glaube eine Gemeinschaft der Heiligen. Ich glaube an Nachlaß, und Verzeihung der Sünden- durch Jesum Christum- wen anders der Sünder thut, was du, o Gott! von ihm verlangst. 1 - — - -- - - - - Ich glaube eine Auferstehung der Todten, -einen allgemeinen Gerichtstag glaube ich, und dann ein ewiges Leben.- Ein Leben voll der Freude- für den Gerechten, und voll des Jammers- für den unbekehrten, hartnäckigen Sünder.- Dieß glaube ich, o Gott!- und auf diesem Glauben lebe, und sterbe ich getrost: denn er ist auf dein Wort gegründet, das nicht betrügen kann. Wie ich Alles glaube- o Gott! was du uns geoffenbaret hast, so hoffe ich auch Alles was du uns versprochen hast- Nachlaß und Verzeihung meiner Sünden- Geduld im Leiden Kraft und Stärke zum Streis ten- Beharrlichkeit im Guten bis ans Ens de- einen feligen Tod, und nach dem To de ein ewiges Leben. - - <-346 346- - Dieß hoffe ich von dir. o Vater! durch Jefum Chriftum- der es uns in dei, nem Namen versprochen und durch sein Leben Leiden und Sterben- verdienet hat. Stärke meine Hoffnung! Und weil du, o Gott!- unendlich voll kommen- unendlich gut- und heilig bist -o! fo ehre und liebe ich dich aus innere fiem Grunde des Herzens- Deiner selbst -- - 347 wegen- liebe ich dich liebenswürdigster! Ach! möchte ich dich doch bald beffer kennen lernen- um dich noch besser zu lie. ben! Du bist es ja, der mich von Ewigkeit her geliebet hat. - - - - Ja, du bist mein Vater, o Gott! von Kindheit an- Du führtest mich ein- in diefe Welt;-Leben- Nahrung und Ver. gnigen- hast du millionenfach- meinem Leibe gegeben;-Verstand und freyen Wil. len-( diefe Engelsgaben)- Religion und Tugendliebe- gabst du meiner Seele.- Dank fen dir für dieses- und alles andere Gute, das du mir verliehen haft!- Ach, daß ichs doch gleich wohl am Ende meines Lebens- noch erkenne- wie gut du warst, und wie vielen Dank- ich dir schuldig bin! O, daß ich ihn auch erstattet håtte! - - Aber undankbar- und treulos- habe ich gegen dich gehandelt, bester Vater!- Mis. braucht habe ich- deine Gaben und Wohl. thaten, übertreten dein Gefeß,- gesfindiget habe ich vor dem Himmel- und vor dir, o Gott!- Und dieß ists was ich nun bes reue,- was ich aus ganzer Seele verab. scheue,- und wenn ich noch länger lebe. -- gewiß bessern werde. Erbarme dich also Meiner,-fey gnädig- und verzeih mir ar. men Sünder,-du Gott der Gnade und Varmherzigkeit! verzeih mir um Jefu Wil. len- der auch für mich gelitten hat, und gestorben ist, daß ich nicht verloren gehe. O! dieser Gedanke erfüllt mein Herz mit Troft;- er heißt mich Gnade und Versöh, nung hoffen.- Ja, ich hoffe, ich bin ge wiß, daß ich sie erhalte;- denn du willst nicht den Tod des Sünders fondern feine Bekehrung, sein Leben und seine Seliakeit mit du. - 348 - - - O Herr Gott! nimm nun auch meine Krankheit, als Opfer der Liebe- als Werk der Buße an. Dir zu Liebe lebe,- leide, und sterbe ich, todt und lebendig will ich dein gehören! - - Willst du, o Gott! daß ich langer lebe; dein Wille geschehe! Willst du, daß ich langer leide; dein Wille geschehe! Und willst du auch, daß ich sterben folle- fo ge schehe ebenfalls dein heiligster Wille!- Nicht, wie ich sondern wie du willst, Vater!- so mache es mit mir, ich weiß, daß es das Beste ist.- Dir fen Ehre, Lob und Anbethung in Ewigkeit! Amen. 1 - 14 349 O Jesu!- du Sohn Davids!-erbae. me dich meiner! Du hast in deinem Leben so viele Kranke gefund,- und selbit Todte lebendig gemacht, erbarme Dich meiner! Du bist auf die Welt gekommen, um den Tod zu überwinden, und uns ewiges Leben zu bringen,- erbarme dich meiner! O Jefu! auch du bist gestorben, und weißt, was Sterben ist; erbarme dich Meiner, und steh mir in meinem Tode bei! Dein Tod, o Heiland!- war ein äußerst schmerzhafter, und peinlicher Tod.- Du starbst ihn aus Liebe zu mir. Aus Liebe zu dir- will ich also auch leiden und ster. ben, wann, und wie es dir beliebt. In deine Hände, o Jefu! empfehle ich meinen Geist, wie du thn in die Hände deines Vaters empfohlen hast. Du bist mein Führer- zum ewigen Les ben; durch dich muß,- durch dich will ich zum Vater kommen. O Jesu! du haft dem reumüthigen More der am Kreuz- das Gnadenwort zugerus fen: Heute wirst du bey mir im Pa radiese seyn. O, laß mich das nåmmliche aus deinem Munde hören!- Sieb,- Daß - - auch ich bald- ben dir erscheine.- Ja! möchte ich doch aufgelöst werden und zu Christo kommen! - 350 Auch du, heilige Maria! Mutter Got tes, bitt für mich armen Sünder- jest und in der Stunde meines Absterbens- Amen. Du warest beym Tode deines Sohnes zugegen.- Ach! verlaß auch mich- dein Pflegkind im Tode nicht! - ▬▬▬ - - Ihr heiligen Engel! ihr Auserwählte Gottes! ihr meine seligen Brüder und Schwestern!-die ihr auch einmal gestorben fend, und nun im Himmel lebet, bittet für mich! daß ich noch vollends recht ver. Dienstlich leben, christlich sterben, und Dann zu euch kommen möge. - - Du besonders- mein heiliger Schußen. gel!-du, mein heiliger Namenspatron! und ihr Alle- die ich vorzüglich als meine Freunde und Fürbitter ehrte,- bittet für mich! daß ich gesund werde, oder mein Leben glücklich vollende, und dann mit euch im Himmel, Gottes Barmherzigkeit und Liebe- ewig preifen möge.- Amen. <-351 Beym Anblicke und Kuße des Kruzifies. Bald,- bald werde ich dich- o Jesu! nicht mehr in Bildern sehen, sondern se. hen werde ich dich,- wie du bist,- von Angesicht zu Angesicht.- Sehen werde ich deine göttliche Milde, und mich dei: ner Liebe freuen. O Jesu!- dieser Kuß der Liebe und des Friedens vereinige mich mit dir ewiglich. Amen. - - Ben Anzündung und Darreichung der Sterbelerze. Jesu!-du wahres Licht, das uns leuch. tet zum ewigen Leben, ach! leuchte mie jest in dieser Todesstunde!- zerstreue - die Finsternisse, die mich erschrecken. Sieh! ich folge dir; und wer dir folgt, der wandelt nicht im Dunkeln,- das Licht des Lebens leuchtet ihm, und er geht sicher dem Himmel zu.- Dieß glaube ich, dieß hoffe ich,- und um dieses bitte ich. O Jesu! erhöre mich. - - - 1 Ben Besprengung mit dem Weihwasser. Herr Gott!- reinige mich von meinen Sünden!- O möchte doch- meine Liebe, - 352 und meine Reue, so vollkommen seyn, daß ich Nachlaß vollkommenen Nachlaß meiner Sünden erhalten möge! Amen. Gebeth, 1306 - wenn der Kranke in den leşten Zügen liegt, und beym wirklichen Sterben. Vater alles Leben! Löse auf das Band, wo mit der unsterbliche Geist mit diesem sterb lichen Körper verbunden ist!- Ach! sie streiten noch miteinander; gieb, daß der Geist überwinde, und, in volle Freyheit gefest, sich zu dir erschwinge! - Ja! zieh hin,-zich hin, chriftliche See. le! von dieser Welt in ein anderes Vater. land. Sich hin im Namen Gottes des all machtigen Vaters, der dich erschaffen ,im Namen Jesu Christi, des Sohns des lebendigen Gottes, der dich erlöset,- und im Namen des beiligen Geistes, der dich geheiliget hat. Alle Engel und Heilige Gottes freuen sich deiner Aufnahme in ihre Gesellschaft.- Bald, bald follst du bei ihnen, im Reiche Gottes seyn! Beym 353 Beym wirklichen Sterben. Eilet, eilet, ihr Engel des Herrn! nehmet sie hin, die Seele, die ihren Leib verläßt, und bringet sie vor das Angesicht Gottes! Jesus Christus, Jesus Christus felbst, nehme dich auf- unsterbliche Seele! Er ist es ja, der dich gerufen hat zum ewigen Leben. Exped Ewige Ruhe werde dir zu Theile- ewiges Licht leuchte dir! und ewige Freu. de, ewiger Friede beglücke dich! Amen. v. Herr, ehöre unser Flehen! . Und unser demüthiges Bitten laß dir gefallen! O Gott 1 mit chriftlicher eiebe empfehlen wir dir die Seele des( der) Verstorbenen. Sie ist bereits dieser Welt entriffen: laß fie nun glücklich in jener leben! Erlaß und tilge die Sünden, die sie aus Schwachheit begangen, und vielleicht noch nicht getilget hat.- Handle mit the nach deiner Erbarmung, o Gott! damit fie des feligsten Umganges mit dir, und allen lieben Heiligen genießen möge. Amen. Vater Unser 2c. Nats gr. Gebethbuch. 3 354 Gebeth, wenn man die Sterbglocke läutet. Eines Menschen Todesfall Kündet an der Glockenschall; Der Arme hat nun ausgelitten Und du, o Gott! hör' meine Bitten! Gieb dem Verblichnen Seligkeit! Mir deine Huld zu jeder Zeit! Und, wenn ich komm' in gleiche Noth, So steh mir bey, o guter Gott! Nun hat wieder Einer meiner Brüder oder Schwestern ihre Leiden überstanden, und das zeitliche Leben vollendet!-Schon ist sie gerichtet, die Seele des Verstorbenen, und empfängt den Lohn, oder die Strafe, die fie verdiente.- Gott! erbarme dich ih rer, und wenn sie die Peinen des Feg. feuers leiden muß, so errette sie bald, und gieb ihr die Freuden des Himmels zu genießen. So wird man aber auch mir die Sterba glocke lauten und vielleicht noch bålder als ichs glaube. Ich bin zwar noch ge. fund; allein wie lange werde ichs noch blei. ben? und wie viele sind schon mit gefun. dem Leibe ein Raub des Todes gewor. - 355 den! wir wissen wahrlich weder den Tag, noch die Stunde! - MED Wehe mir dann, wenn der Tod käme, und ich zum Tode nicht bereitet wäre! O, wie winde ich vor meinem allwissenden und gerechten Richter erscheinen können. Ich will also täglich an den Tod,- ant das Gericht,- an die Ewigkeit denken; und mich schon jetzt, da es noch die beste Wenn ich Zeit ist, dazu vorbereiten. meinen Gott niemal mehr mit einer Sün. de beleidige; wenn ich die begangenen Ausschweifungen herzlich bereue, beichte und beffere, und dann stetsfort so vieles Gus tes thue, als in meinen Kräften ist, o! so Ja ich darf ich den Tod nicht fürchten. werde mich vielmehr erfreuen können, wenn mich Gott, mein bester Vater, zu sich ruft: denn ich weiß, daß er mich nur zur Belohnung ruft, und daß ich alsdann ewig glückselig seyn werde durch Jesum Christum, den Ueberwinder des Todes, meinen Herrn und Heiland. Amen. 32 - - Wow 356 - Gebeth für Verstorbene. Bey Begräbnissen, bey Seelengottesdien. sten, und an aller Seelentage. Wer nicht ganz heilig und ganz rein Bis er, wie Gold, gereinigt ist, Geht nicht in Gottes Wohnung eine Erbarm dich dann, o Jesu Christ! Der Seelen, die der Himmels Freuden Beraubt- noch bussen, und noch leiden! - Ich weiß es, o Gott! und glaube es mit meiner Kirche, daß es ein heiliger und heils samer Gedanke fey, für Verstorbene zu bethen, damit sie Nachlaß der Sünden erhalten. Ich erfülle also die Liebespflicht, und bitte: Erbarme dich, o barmherziger Gott! erbarme dich der verstorbenen Seelen, die noch nicht rein, und heilig genug sind, um in das Himmelreich eingehen zu dürfen. O! wie muß es diese Armen schmer. zen, daß fie dein göttliches Angesicht noch nicht sehen, und sich noch nicht im Him. mel mit den Engeln und Heiligen an deinem Throne erfreuen können. Ich ha be Mitleid mit ihnen, bester Vater! weil ich sie als meine Brüder und Schwestern liebe. - 357 Ja! sie sind noch meine Brüder und meine Schwestern, weil sie alle deine Kin der sind, und ich liebe sie, weil der Tod unsere Gemeinschaft nicht trennen, und die Bande der Liebe nicht zerreiffen kann. Ich weis, o Gott! daß auch du sie als deine Freunde und Kinder liebest, und daß du fie nu: deswegen, und nur so lange noch leiden läsfest, bis sie ganz gebeffert, voll. kommen rein, gut und heilig vor dir ers scheinen können. - Ach, Gett! las nun diese Zeit bald er. scheinen! Erfülle das Verlangen dieser ar. men Leidenden; reinige sie ganz, mildere ihre Schmerzen, stärke, troste, erfreue sie, durch Jefum Christum, dei. nen Sohn, unsern Herrn und Heiland. Amen. Gebeth auf dem Gottesacker. Gedenke, o Mensch! daß du vom Staube bist, und wieder zu Staube wirst. Nach 1. B. Mos. III. Kap. 19. B. - großer, heiliger Gott, an welch einem merkwürdigen Orte befinde ich mich! Hier 358 ist wahrlich Gottes Acker; ein Ort der Vers wefung und der Auferstehung ist hier. Gedenke o Mensch! daß du vom Staube bist, und wieder zu Staube wirst.- Diese wich fige Wahrheit ruft mir jede Grabstätte ins Dhr. Ach! wie viele tausend Menschen, meine Vorfahrer, meine Mitbürger und Nachbarn meine Verwandte und Be. kannte, Freunde und Feinde- Leute von jedem Stande, aus jedem Alter und Ges schlechte, liegen hier im Moder und in der Verwesung da. Arme und Reiche, Angesehene und Verachtete, Junge und Alte.- Alles liegt ohne Unterschied durch einander!- und keinen Tag, keine Stun de bin ich sicher, ob nicht der Tod kommen, und auch mich an diesen Ort der Verwe fung liefern werde. 1 - - - TURY - Großer Gott! bin ich wohl bereit dazu? Könnte, dürfte ich sterben? Ift mein Herz rein von Sünden?- ist es hinläng. lich losgeriffen von den vergånglichen Gü tern und Eitelkeiten der Welt, die ich über kurz oder lang verlassen muß?- Habe ich mir wohl im Ernste schon genug folche Vor. züge und Schäße gesammelt, die mir der 359 Tod nicht rauben, und die Verwesung nicht verderben kann. Schäge, die ewig dau ren, und mir eine felige Auferstehung, ein ewiges Leben erwerben?- Ach, Gott! wäre es doch dem also! Aber von nun an soll es geschehen! Der Anblick, der Gedanke an den Gottesacker, der soll mich an die Eitelkeit der Welt- an den Tod erinnern, und zugleich auch zur guten Vors bereitung auf den Tod ermuntern! Der Gottesacker ist ein Ort der Verwe. fung; er ist aber auch ein Ort der Auferste hung.- Welch' eine trostvolle Wahrheit! Wir werden also selbst unserm Leibe nach nicht ewig im Staube liegen.- Christus ist erstanden; und so werden wir Alle wie. der auferstehen. Jest liegen die Leichname wie Saamen ausgestreut unter der Erde da; es wird aber ein Tag erscheinen, an dem die Stimme des Menschensohns über Diese Gräber erfchallen, und die Todten zum Leben erwecken wird. Da wird dann die Aernte seyn auf diesem Gottesacker. Da wird man die Bösen von den Guten, wie die Bocke von den Schafen, abfon. dern. Da wird das Gericht des Herrn - - - - 360 über alle ergehen, und Jeder wird auch in seinem Leibe empfangen, wie ers in sei. nem Leibe verdient hat; Einige werden zum ewigen Leben, Andere aber zum ewi. gen Feuer verwiesen werden. 3 Bester Gott! welch ein Schicksal wer. de ich an diesem Tage der Auferstehung und des Gerichts haben? Ach! gieb mit Gnade, jest so zu leben, daß ich als ein Gerechter sterbe.- Ruhig werde ich sodann im Grabe liegen, und selig wieder aufers stehen. Wing O! dieses Glück, diesen Segen wünsche ich euch Allen, die ihr auf diesem Gottesacker begraben send, und einst mit mir auf erstehen werdet.- Der Herr laffe euch im Frieden ruhen! Freude und Seligkeit, Licht und ewiges Leben laffe er euch zu Theil werden, durch Jefum Christum, une sern Herrn! Amen. Anhang. 1. Litaney) von der göttlichen Vorsehung. Herr, err, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Zu dir erhebt sich unser Geist und Herz, o Gott! Erbarme dich unser! Vater, Sohn, heiliger Geift, einiger Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, Erhalter und Versorger aller deiner Ges schöpfe, Beschützer und Helfer in allen Gefahren und Nöthen, Gott, unser Herr und Vater, Ewiger, unsterblicher Gott, Allwissender und allweiser Gott, Allmächtiger und allgewaltiger Gott, Allgütiger und barmherziger Gott, Heiligster und bester Gott, O Gott, der du Alles, was du gemacht hast, gut gemacht, und zum Besten der Menschen erschaffen hast. Erbarme dich unser! 362Der du die Vögel in der Luft, und alle Thies re wunderbar erhältst und ernährst, Der du die Blumen auf dem Felde herrlich bekleidest, Der du die Früchte der Erde segnest, und sie uns zur Nahrung bereitest, Der du als Vater alles zum Nutzen deiner Kinder anordnest, und verfügest, Der du uns manchmal eine zeitliche Trübsal zu unserm Nutzen und zur Besserung unsers Herzens schickest, Der du diejenigen, die sich deiner göttlichen Vorsicht kindlich ergeben, mitten in ihs rem Leiden durch deine Hülfe segneft, Der du die, welche auf dich hoffen, nie zu Schanden werden läsfest, - O Gott, unsere einzige Zuflucht, Gott, unsre Hoffnung und unser Trost, Gott, du höchstes, und unsrer Liebe. würdigstes Gut, Sey uns gnådig! Verschone uns, o Herr! Sev uns gnädig! Erhöre uns, o Herr! Bon allem Mißtrauen gegen deine göttliche Vorsicht Bewahre uns, o Herr! Bon aller Ungeduld im Leiden, Von aller Kleinmuth in Widerwärtigkeiten, Bon allem Murren und Klagen gegen deine Anordnungen, Von allen überfläßigen, ängstlichen Sors gen für zeitliche Dinge, Erbarme dich unser! Bewahre uns, o Herr! 363 Von allen gefährlichen Anfechtungen, bes senders in der Stunde des Todes, Von Vermessenheit und Verzweiflung, Von allen Sünden, Von allem Uebel, Wir arme Menschen- wir bitten dich, erhöre uns! Flöße uns ein wahres kindliches Vertrauen ein auf deine weise und gnådige Vorsehung, Laß uns deine Vorsicht im Glücke und Uns glücke erkennen, und verehren, Laß uns alles aus deiner Baterhand mit innigstem Danke annehmen, Laß unsern Willen jederzeit mit deinem heiligften Willen gleichförmig und eines seyn, Laß uns deine Liebe und Barmherzigkeit nie vergessen, die schon von Anbeginn der Welt bis jetzt für unser Glück gesorgt, Laß uns aus Erfahrung lernen, daß deine Bürde leicht, und dein Joch sanft sey, Laß uns mit innigem Danke empfinden, daß deinen getreuen Dienern alle Freuden doppelt süß seyn, Laß uns im Leiden, wenn uns die last schwer und das Joch drückend vorkommt, übers zeugt seyn, daß der Weg, den du uns führst, der Weg zum ewigen Leben sey, Erbarme dich auch all' unfrer Brüder, aller Betrübten und Leidenden, aller Kinder, Schwachen und Kranken, aller Elenden, derer sich kein Mensch erbarmet, Bewahre und ic. Wir bitten dich, erhöre uns! 364 Sey am Lage der Trübsal unser Trost, und erbarme dich unser, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, Laß uns ja nie in Mißtrauen auf dich gerathen, Bewahre uns vor allem Uebermaße der Traurigkeit, vor Kleinmuth und Verzweiflung, Um Jefu Chrifti Willen, Bater, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme 2c. Vater Unser zc. Wir bitten dich, erhöre uns! Laßt uns bethen! Ich weiß es, o Gott! daß du der Allmächtige, große Regent der ganzen Welt, und insonderheit der Herr und Vater aller Menschen bist.- Ich weiß es, daß ohne deinen gnädigen Willen, und ohne deine weiseste Anordnung oder Zulassung nichts geschieht, was geschieht. Nicht ein Spaße fällt vom Das dhe und kein Haar von meinem Haupte, ohne daß du es weißt und willst. 11 14 Du verordnest auch nichts, bester Vater! als was gut ist: und läsfest nichts Bdses zu, als damit auch das Böse zum allgemeinen Besten gedeihe.- Ja! Denen, die dich lieben, gereicht gewiß Alles zum Besten.- Mache dann, was, und wie es dir gefällt: deiner Vorsicht überlasse ich Alles- und in Allem unterwerfe ich mich deinem heiligsten Willen.- Du bist allmächtig, du bist weise 365 und gut. Du kannst mir also in jedem Vorfalle Rath und Hülfe schaffen.- Du weißt es zu thun, und bist auch, wie der beste Vater, bereit dazu, wenn es anders der wahre Vortheil, und das Glück deines Kindes ist. Wie sollte ich mich also auf dich nicht verlassen? O! an deiner Hand werde ich auch im Dunkeln und Gefahrvollen dieses Lebens sicher wandeln, und glücklich ans Ende kommen. Dies glaube dies boffe, und darnach handle ich im Namen des Vaters+, des Sohnes+, und des heiligen Geistest. Amen. Litaney von dem Leiden und Sterben Jefu Chrifti. - Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Jesu! du Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Heiland der Menschen, Jesu! du Mann der Schmerzen, den die Erldsung der Menschen so viele Ernies drigung, Arbeit, Schweiß, Blut und Leiden gekostet, Jesu! du weißt es aus eigener Erfahrung, was es heißt, Angst und Schmerzen, Unbilden und Verfolgungen leiden; Jesu! du hast in deinem Leiden gelernt, Mits leiden mit uns Schwachen zu tragen; Erbarme dich unser! 366 Jesu! du hast unschuldig gelitten, da wir meis stens um unserer Sünden wegen zu leiden haben; Jesu! dich schonte der Bater nicht; wie kons nen wir also verlangen, von Leiden und Widerwärtigkeiten frey zu bleiben? Jesuldurchleiden u.Tod mußtest du eingehen in deine Herrlichkeit, um uns zu zeigen, daß der Weg des Kreuzes der Weg zum Himel sey, Jesu! deine Seele war am Delberge bis zum Sterben betrübt; und selbst von deinem Leibe floß Todesschweiß wie Blutstropfen i zur Erde nieder; Jesu! in deinerTodesangst hast du deine Zus flucht zum Gebethe und zur Ergebung in den Willen Gottes genommen. Möchten wir doch das Nämliche thun! Jesu! gestärkt durch einen Engel vom Himmel, giengst du standhaft deinen Feinden entgegen und ergabst dich in die Hände der Missethåter, damit der Wille deines Vaters erfüllt würde; Jesu! auch deinen treulosen Jünger nanns test du Freund, und gestattetest ihm den Verräthers Kuß! Jesu! gefangen und gebunden, wie ein Uebelthäter, ließest du dich von einem hos hen Priester zum andern schleppen; Jesu! falsch angeklaget, beschimpfer und mißhandelt vor deinen Richtern, warst du ein Muster der Weisheit, der Sanftmuth und Geduld; Erbarme dich unser! 367 Jesu! unschuldig als ein Verachter des Ge, setzes und Gotteslästerer verurtheilt vom jüdischen Rathe, und verlassen von deinen Jüngern, warst du eine ganze Nacht hins durch der Gegenstand des Muthwillens und des Spottes unter Soldaten und Henkersknechten; Jesu! verläugnet vom Petrus, warfst du eis nen Blick auf ihn, der den Schwachen bis zu Thränen gerührt, und bekehret hat; Jesu! nach jener Nacht voll Leidens neuers dings verurtheilt vom Jüdischen Rathe, und zum Pilatus,- vom Pilatus zum Herodes geschleppt; Jesu! verachtet an dem Hofe dieses Fürsten, und verspottet von dem Volke, kamst du wieder zum Pilatus zurücke; Jesu! geduldig wie ein kamm, und stillschweigend trugst du alle diese Ungemache und Beleidigungen; Jesu! vom Pilatus als unschuldig erkannt, und dennoch aus Menschenfurcht wie ein! Misfethäter gegeißelt, mit Dörnern ges krönt, und endlich zum Tode verdammt; Jesu! zum Kreuzestode verdammt, trugst du selbst bis zur Entkräftung dein Kreuz zur Schädelstätte, und ließes die mitleidsvollen Tochter von Jerusalem nicht über dich, sons dern über sich selbst und ihre Kinder weinen, Jesu! deiner Kleider beraubt, und mit Någeln ans Kreuz geheftet, hiengst du drei Stunden Erbarme dich unser! COPA 368 - lang lebendig zwischen zwey Mördern da, bis du gestorben bist; Jesu! auch sterbend noch hast du für deine Feinde, gebethet,- deine Mutter dem geliebten Jünger Johannes empfohlen, und dem bußfertigen Schächer das Pas radies versprochen; Jesu! verfolgt von Menschen bis in den Tod, und wie verlaffen von deinem Vas ter, vertrautest du doch auf ihn, und übergabst deinen Geist in seine Hände; Jesu du Vollbringer alles deffen, was zur Erlösung und Beglückung der Menschen von Nöthen war; Jesu! duSohn Gottes, über deffen Tod sich die Natur entsetzet- und über den auch der heydnische Hauptmann gerufen hat; Wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn! Jesu, du Sohn Gottes, der du durch deinen Lod die Schrecken des Todes überwun. den, und sie für uns erträglicher ges macht hast! Jesu, du Sohn Gottes und des Menschen Sohn, sey uns gnädig! Verschone uns, o Herr! Jesu, dn Sohn Gottes und des Menschen Sohn, sey uns gnädig! Erhöre unsoherr! Von allem Uebel, besonders von der Sünde! Von Kleinmuth und Ungeduld in Kreuz und Leiden, Von unediem Murren und Klagen gegen Von Gott oder Menschen, Erbarme dich unser! Bewahre uns 369 Von Zorn, Haß und Feindseligkeit gegen Menschen, die nicht nach unserm Sinne handeln, oder wohl gar unsre Feinde sind, Von unnöthiger, und des Christen unwürs digerFurcht des Leidens, und des Todes, Von einem unversehenen, gefahrvollen und üblen Lode, Wir Arme Sünder! Dein Leiden und Sterben halte uns zus rück vom Sündigen! Dein Leiden und Sterben stårke uns zur Buße und zum christlichen Leben! Dein Leiden und Sterben ermuntere uns zur Geduld, zur Standhaftigkeit und Ere gebung in den Willen Gottes, wenn es bey uns zum Leiden und Sterben kömt! Dein Leiden und Sterben zeige- und bahs ne uns den Weg zu ewigen Freuden! Dein Leiden und Sterben solle an uns Als len fruchtbar werden zum ewigen Leben, und für Keinen soll dein Blut ohne Nuzzen gefloffen seyn! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt! Nafs gr. Gebethbuch. Bewahre uns, oHerr! Verschone uns, o Herr! u. f. w. dreymal. Herr, erbarme dich unser. Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2. - a Wir bitten dich, erhöre uns! 370 Laßt uns bethen! Jesu! der du durch dein Leiden und Sterben die ganze Welt erlöset, und uns das vortrefflichste Beyspiel hinterlassen hast, wie wir uns in Widerwärtigkeiten dieses Lebens, und bey Herannahung des Todes, ja selbst in unsrer Sterbstunde- in der Stunde des Todes verhalten sollen; gieb Gnas de, daß wir deine Lehre und dein Beyspiel immer vor Augen haben, demselben bey jeder Gelegens heit treulich folgen, und dadurch die glorreichen Früchte deiner Erldsung in vollem Maaße erlans gen mögen, der du mit dem Vater und dem heili. gen Geiste gleicher Gott lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. Im Namen des Vaters+ und des Sohnes+ und des heiligen Geistes+. Amen. - - Litaney von der Mutter Gottes. Die sogenannte lauretanische Litaney ist ohnehin allgemein bekannt. Hier steht also eine ans dere aus der Lebensgeschichte Marià nach der heiligen Schrift. - Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! 371 M Gott! du allein bist unser Herr und Vater! zu dir erheben wir Geist und Herz; Du hast die Welt und alle Dinge erschaffen; Du hast uns deinen Sohn, unsern Erldser und Seligmacher, auf die Welt geschickt; Du hast uns in der Taufe durch den heis ligen Geist geheiliget; Du hast die sel. Jungfrau Maria, diese Tochter Davids, zur Mutter deines Sohnes erwählt; Große Dinge hast du an ihr gethan; Aus dem niedrigsten Stande erhobst du sie zur größten Ehre; Ihrer Armuth ungeachtet, machtest du sie reich an Weisheit und Tugend; Mit Joseph, einem armen, aber gerech ten und reinen Bräutigame aus Davids Hause, wurde sie vermählt; Als Gnadenvolle vor dem Herrn, und als die Gesegneteste unter den Weibspersonen ward sie vom Engel Gabriel gegrüßt; Als reinste Jungfrau empfieng sie vom heiligen Geiste den Erlöser der Welt; Als edle Freundin besuchte sie ihre Baase Elisabeth, und wurde von ihr gesegnet, wie ihre Leibesfrucht; Als gute Bürgerin reisete sie auf Befehl des Kaisers mit Joseph von Nazareth nach Bethlehem, um sich in ihrer Bas terstadt aufzeichnen zu lassen; 2a2 Erbarme dich unser! Lasset uns sie würdig verehren! - 372 Als arme Mutter gebahr sie da ihr Kind in einem Stalle, und gab ihm den Namen Jesu, wie es der Engel befohlen hatte; Als wahre Israelitin stellte sie sich nach dem Gesetze mit dem Kinde Jesu zur Reinigung im Tempel dar, und brach te für ihn die Opfergabe; Sie sah die Freude, und vernahm die Weiss sagung des alten Simeons, was ihr und ihrem Kinde begegnen würde; Sie hörte die Lobpreisungen Gottes aus dem Munde der Prophetin Anna, die Jesum, wie Simeon, als den Meßias erkannte, und Andern entdeckte; Als des Mesias Mutter hatte sie die Freus de und den Trost, ihr Kind auch von den Weisen aus Morgenlande besucht und geehrt zu sehen; Als eines verfolgten Kindes Mutter floh fie eilends mit ihm und Joseph in Aes gypten, um dem Herodes zu entgehen; Als Vertriebene lebte sie im fremden Lande, bis Herodes und die Feinde Jes su gestorben waren; Unter ihrem Auge wuchs Jesus auf: sie pflegte seiner als Mutter, und er nahm zu an Weisheit und an Zugend; Uus Andacht führte sie den Zwölfjährigen mit sich nach Jerusalem- ängstlich fuchte fie drey Tage lang den Verlornen, und fand ihn endlich im Tempel wieder; Jesus selbst verehrte, schåste und liebte, wie das beste Kind, seine beste Muts ter, und war ihr unterhan; Laßt uns sie würdig verehren! - 373-> Auf ihr Fürwort that er auf der Hochzeit zu Kana in Galilåen das erste Wunder, indem er aus Waffer Wein machte; Auf seinen Reisen begleitete ihn auch Maria und warSchülerin des größten Lehrers; Wer Jesum ehrte, ehrte auch Maria, und pries sie als Mutter Jesu selig; Auch im Leiden und beym Tode verließ sie Jesum nicht- nächst am Kreuze stund sie mit Johannes, dem Liebesjünger; Jesus, der gute Sohn, sorgte aber auch sterbend noch für seine treue Mutter, indem er sie dem guten Johannes empfohlen hat; Nun ist sie bey ihm im Himmelreiche, und empfängt den Lohn ihrer Zugend Ehre und Freude in vollem Maaße; Da bittet sie auch für uns, daß wir fromm und glücklich leben, und einst zu Gott und ihr in Himmel kommen mögen; Wahrhaftig! sie ist würdig, daß wir sie kindlich verehren und lieben; - Sie war ein Muster d. schönsten Tugenden; Sie liebte dich, o Gott! von ganzem Hers zen, und unterwarf sich gänzlich deinem heiligsten Willen; Sie lebte immer in unbefleckter Unschuld und Heiligkeit vor dir, und aller Welt; Sie betrug sich, wie die reinste Jungfrau, schambaft, sittsam und eingezogen; Nie war sie stolz auf ihre Hoheit u. Würde; Lasset uns sie würdig verehren! Wir sind bereit, ihr ze. 374 - Voll Demuth und Gehorsam pries fie Gott, und freute sich dankbar ihres Glückes; Aufmerksam merkte sie auf die Wege des Herrn, und behielt Alles, was sie sah und hörte, tiéf im Herzen; In ihrer Armuth und Dürftigkeit lebte fie mit Gott und ihrem Stande zufrieden; Im höchsten Schmerzen- am Kreuze ih res geliebten Sohnes blieb sie unerz schüttert im Glauben, in der Hoffnung, und in der Liebe; Menschenliebe und Wohlthätigkeit übte ſie bey jeder Gelegenheit; Da sie schon auf Erden eine liebevolle Fürs sprecherin für Andere bey ihrem Sohne war um wie viel mehr wird sie es jetzt im Himmel seyn! Ja! gewiß ist auch ihr mütterliches Herz auf unser Wool bedacht, wenn wir uns nur ihrer Fürbitte würdig bezeigen; Herr erbarme dich unser!- Christe, erbarme dich unser! 20. Gegrüßt seyst du Maria zc. Laßt uns bethen! Gott! wir erkennen und verehren Maria, als die Mutter deines göttlichen Sohnes.- Wir rus fen sie an, als eine liebevolle Fürsprecherin für uns Menschen, und sind bereit, ihrem schönen Beyspiele, so viel wir können, nachzufolgen. Wir sind bereit, ihr nachzufolgen. - 375 Nur bitten wir dich mit kindlichem Vertrauen um Gnade und Beystand, daß wir unsern Vorsatz getreu erfüllen, und im Werke zeigen mögen, daß wir wahre Diener Gottes, und würdige Ppflegs kinder Maria seyen. O! dann werden wir uns auch einst mit ihr und allen lieben Heiligen im Himmel ewig erfreuen können, durch Jesum Ehristum, unsern Herrn. Amen. Abgekürzte Litaney von allen Heiligen. Herr, err, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Gott Vater im Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreyfaltigkeit, einiger Gott, Heilige Maria, Mutter Gottes, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Alle heil. Engel und Erzengel, Alle Chöre der seligen Geister, Heiliger Joseph, Heiliger Johannes, Alle heilige Patriarchen und Propheten, Heiliger Peter, Heiliger Paul, Alle heilige Apostel und Evangelisten, Erbarme 2c. Bitt- oder bittet für uns. 376 Alle heilige Jünger des Herrn, Heil. Stephan, Heil. Laurenz, Alle heilige Martyrer, Heil. Martin, Heil. Ulrich, Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, Heil. Benedikt, Heil. Bernhard, Alle heilige Mönche und Einsiedler, Heil. Maria Magdalena, Heil. Barbara, Heil. Afra, Alle heilige Jungfrauen und Wittw en, Alle Heilige und Auserwählte Gottes! Sen uns gnädig!. Verschone uns, o Herrr! Sey uns gnådig! B. Erhöre uns, o Herr! Von Sünden und allem Uebel, Von den Nachstellungen des bdsenFeindes, Vom Zorne, Hasse und allem bösen Willen, Vom Geiste der Unreinigkeit, des Hochmuths und der Eitelkeit, Von Ungeduld und Verwirrung, Von Kleinmuth und Verzweiflung, Von Trägheit und Vernachläßigung des Guten, Bitt- oder bittet für uns! Von Hunger, Pest und Kriege, Von Hagel, Blige und Ungewitter, Von unglücklichem Leben, u. bösem Tode, Durch das Geheimniß deiner Menschwerdang und Geburt, Erlöse und bewahre uns, o Herr! 377 Durch deine Arbeit, Fasten und Bethen, Durch dein Leiden und Sterben, Durch deine Auferstehung u.Himmelfahrt, Durch die Sendung des heiligen Geistes, In der Stunde des Todes und am Tage des Gerichts, Wir arnie Sünder! Wir bitten dich, erhdre uns! Schone und verzeih uns, o Herr! Leite uns zu wahrer Busse und Besses rung des Lebens! Schütze und regiere deine heilige Kirche! Chalte unfre Oberhirten und alle geistliche Vorsteher im Glauben und in der Tugend! WOONDHAN Belehre u. bekehre die Feinde deiner Kirche! Verleih allen christlichen Königen und Fürs sten wahre Eintracht und Frieden! Gieb der ganzen Christenheit, daß sie nach Christi Lehre immer Eines Hers zens und Sinnes sey! Stärke und erhalt uns in deinem Dienste! Erheb unsre Gedanken und Begierden zu himmlischen Dingen! Laß uns immer den rechten Weg der Ges rechtigkeit und Zugend wandeln! Auch Andere laß durch unser Beyspiel unterrichtet und zum Guten ermuntert werden! Denen, die uns Gutes erweisen, vers gilt ihre Liebe mit Himmelsgaben! Laß weder unser, noch unsre Anverwandten und Wohlthäter ihre Seelen zu Grunde gehen! Erlöse und re. Wir bitten bich, erhöre uns! ver 378 Segne die Früchte der Erde, und laß sie gedeihen! Den verstorbenen Gläubigen gieb ewis ge Ruhe und Seligkeit! Sohn Gottes und Heiland der Menschen! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Bater Unser 20. du Lamm Gottes u. s. w. wie gewdhur lich dreymal. Wir bitten 2c. Laffet uns bethen! D Gott! deffen Eigenschaft es ist, immer zu ers barmen und zu schonen; sieh an das Gebeth deis nes büßenden Volkes, und gieb, daß wir, von den Fesseln der Sünde entbunden, deine ewige Freunds schaft und Gnade genießen. Wir bitten dich, o Herr! erhdre das Gebeth der Demüthigen, die reuevoll ihre Sünden vor dir bes kennen, daß sie Nachlaß und Frieden erhalten. Ja, Herr! in vollem Maaße laß uns deine Gnade und Barmherzigkeit zu Theile werden; und vergieb uns nicht nur alle Schuld, sondern erlaß uns auch die Strafen, die wir durch unsre Sünden verdiener haben, durch Jefum Christum unsern Herrn, Amen. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr der Lebendigen und der Todten! du erbarmst dich Aller, die du nach ihrem Glauben und ihren Werken als die Deis 379 nigen erkennest.- Wir bitten dich demüthigst, laß uns und Allen, für die wir zu bethen uns vorges nommen haben, sie mögen todt oder noch am Leben seyn, durch deine Güte und in Ansehung der Fürs bitte aller Heiligen eine vollkommene Nachlass fung der Sünde, deine Gnade und deinen Segen zu Theile werden. Durch Jesum Christum, deis nen Sohn, unsern Herrn. Amen. - II. Kirchengesånge zum gottesdienstlichen Gebrauche. Lehret und stärket euch unter einander mit Psalmen, Hymnen und geistvollen Liedern, die ihr mit herzs licher Andacht eurem Herrn zur Ehre anstimmt. Paulus zu den Koloff. Kap. III, 16. V. Gefang unter der Messe an Sonn- und Festtagen. Beym Anfange der Messe. I, Hier ier liegt vor deiner Majestät Im Staub die Christenschaar; Das Herz zu dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar, <-380 Schenk uns, o Bater! deine Huld, Bergieb uns unsere Sündenschuld! Gott! von deinem Angesicht Verstoß uns arme Sünder nicht. - Wir haben, Herr! dein Gut verschwendt, Wie der verlorne Sohn! Die Sünde hat uns so verblendt! Doch schau von deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz! Entzieh die Vaterhuld uns nicht, Und sende uns dein Gnadenlicht! 3+ Wir sind ja deiner Hände Werk, Der Schöpfung Unterthan; O gieb uns Schwachen Kraft und Stärk, Sieh uns in Gnaden an! Hier bringen wir auf dem Altar Dir ein Versöhnungsopfer dar. Gott! der Werth des Bluts ist groß, Das einst dein Sohn für uns vergoß. 3um Gloria. Gott soll gepriesen werden, sein Nam' gebenedeyt Im Himmel und auf Erden, jetzt und in Ewigkeit! Lob, Ruhm und Dank, und Ehre, sey der Dreyeinigkeit! Die ganze Welt vermehre, Gott! deine Herrs lichkeit. 381--Vor dem Evangelium. 1. Aus Gottes Munde geht Das Evangelium'; Auf diesem Grunde steht Das wahre Christenthum; Gott selber hats gelehret, Der nicht betrügen kann; Wohl Dem! der's gerne höret, Und es nimmt willig an. 24 Dein Bort soll uns beleben O Heiland Jesu Christ! Daß wir stets eifrig streben Zum Himmel, wo du bist. Herr, laß uns deinen Willen Tief eingepråget seyn, Daß wir ihn treu erfüllen, Und uns des Himmels freun. Beym Credo. Allmächtiger! vor dir im Staube Bekennt dich deine Kreatur: O Gott und Vater! ja, ich glaube An dich, du Schöpfer der Natur! Auch an den Sohn, der ausgegangen Von die geboren ewig war, Und den, som heiligen Geist empfangen, Die reinse Jungfrau uns gebahr, 382 Und Jesus Christus ist gekommen, Daß er versöhne uns mit Gott, Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod. - - Dadurch besiegt' er Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unsern Lebenslauf. Ich glaube, Gottes Geist regieret Die wahre Kirch' und Christenheit. Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flieht hin zu der Barmherzigkeit. Am großen Tag wird's Fleisch erstehen; Jeht, Heilige! helft uns gemein, Daß wir dereinst zum Leben gehen, Miterben Christi ewig seyn. Zum Offertorium. I. Nimm an, o Herr! die Gaben Aus deines Priesters Hand: Wir, die gesündigt haben, Weih'n dir dieß Liebespfand; Für Sünder hier auf Erden, In Aengsten, Kreuz und Noth, Soll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brod. Rogan 383 - Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreyeinig großer Gott! Erbarm' dich unser! denke An Christi Blut und Tod! Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu deinem Thron! Und dieses Opfer bringe Uns den versprochnen Lohn! Zum Sanctus. I. Singt: Heilig, heilig, heilig, Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: Heilig Bist du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden, Jetzt und in Ewigkeit. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt ins Herrn Namen, Der sey gebenedeyt! Hosanna in der Höhe! Gepriesen fey der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer! 384 Nach der Wandlung. I. Sich, Vater! von dem höchsten Throne, Sieh gnådig her auf den Altar! Wir bringen dir in deinem Sohne Ein wohlgefällig'e Opfer dar. Wir fley'n durch ihn, wir, deine Kinder, Und stellen dir sein Leiden vor: Er starb aus Liebe für uns Sünder, Und öffnet uns des Himmels Thor. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt; Beym Vater, daß wir ewig leben, Vertritt er jetzt das Mittleramt. O Jesu! hör', hör', unsre Bitte: Steh unsrer Schwachheit immer bey! Auf das dein Leiden, deine Güte An uns ja nicht verloren sey. Zum Agnus Dei. Betrachtet ihn im Schmerzen, Wie er sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Tropfen fließt! Er nimmt hinweg die Sünden, Er trågt all' unsre Schuld; Bey Gott läßt er uns finden Den Frieden, seine Huld. P 385 - Bey der Communion. O Herr! ich bin nicht würdig Zu deinem Tisch zu gehn; Du aber machst mich würdig, Erhör mein kindlich Fleh'n! O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Im Geist dich zu empfangen, Dich wahres Gotteslamm! Zum Beschlusse der heiligen Messe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht: Wir haben jetzt betrachtet, Gott! deine Lieb' und Macht; Du bist bey uns zugegen, Aus deinem Gnadenmeer Strom uns dein Vatersegen Durch dieses Opfer her! Desterreichische Meßgesänge. 3um Introitus. I. Wir werfen uns darnieder, Vor dir Gott Sabaoth! Erhöre unfre Lieder, Da wir nach dem Gebot, Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir Nafs gr. Gebethbuch. Bb - 386 Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen dir. Den Tag vor Jesu Leiden Beym letzten Abendmahl; Indem er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat er das Brod gebrochen, Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut und denket mein. 3+ Er sprach: Nehmt bin, und effet, Das ist mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut: Mich opfernd, will ich sterben Am Kreuz, zum Heil für euch, Wer an mich glaubt, soll erben Mit mir das Himmelreich. 4+ D Herr! dieß Opfer steige Zu dir mit Wohlgeruch, Damit dein Herz sich neige Zu deines Volks Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Aaron hat gethan; Nein! Jesum Christum selber, Der uns versöhnen kann. 387 Zum Gloriar I. Gott Bater! dir gehöret Lob, Ruhm und Dank und Ehr, Was unsre Ruhe stdret, Verstatte nimmermehr. Auf Erden laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreyt. 2. Der du der Menschen Sünden Gebüßt am Kreuzes stamm, Laß uns Erbarmung finden, Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen, Seyst du, Gott heil'ger Geist! Der du in Ungst und Schmerzen Den Frommen Trost verleihst. Vor dem Evangelium. I. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum; Gott selber hats gelehret, Der nicht betrügen kann: Wohl dem! der's gerne höret, Und nimmt es willig an. 62 <-388 2. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an; Er weiset uns die Stege, Zu gehen diese Bahn, Herr! drücke deine Worte Lief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte Zu kommen würdig seyn. 3um Credo. 1. Wir glauben und bekennen, Das aus höchstweisem Rath Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat. Bon ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt; Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. 2+ Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind; Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind; Er litt an Leib und Seele Schloß sterbend seinen Lauf: Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. - 389 3+ Er ward hinauf genommen Zu Gottes rechter Hard. Wann er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt einst, zu rächen, Und wird von seinem Thron Ein billig's Urtheil sprechen Zur Strafe, und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sey; Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bey. Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener bier; Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelsthür. Zum Offertorium, I. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig seyn, Die wir geopfert haben; Es ist zwar Brod und Wein, Doch wirds verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut, Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorbnen gut. 390 Bir opfern dir den Willen: Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was du uns deinen Kindern, Zu thun befohlen hast. Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. 3+ Wir legen dir zu Füßen Auch unser Hab und Gut, Und was wir hier genießen, Das Leben, Leib und Blut. Gieb uns bald kühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und laß durch deinen Segen, Die Felder fruchtbar seyn. 3um Sanctus. I. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und dreymal Heilig singen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von deinem Ruhm; Hilf, daß bekehret werde, Das blinde Heidenthum. - 391 2+ Daß wir hernach zusammen Dir unsre Herzen weih'n, Und voll von Liebesb flammen Dir ein Hosanna schrey'n. Herr! der in deinem Namen Kömmt, sey gebenedeyt! Die Engel sagen: Amen. Jetzt, und in Ewigkeit! Nach der Wandlung, Hier beth' ich auf den Knieen, Verborgner Gott! dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen: Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens seyn. Die Gottheit war bedecket Allein am Kreuzáltar; Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmal deiner Güte, Dieß wahre Himmelbrod Erinnert mein Gemüthe, O Herr! an deinen Lod. 392 mg 3+ Wasch mich von meinen Sünden, O Jesu! durch dein Blut; Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Laß bald den Vorhang fallen, Erschein in vollem Licht, Und zeige mir und Allen Dein glänzend Angesicht. Zur Kommunion. I. Erfreut euch, fromme Seelen! Ein Wunder ist geschehn. Der Herr will sich verhehlen; Kein Auge kann ihn sehn: In Brod- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm Co aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesfiamm. Es ist der Seelenspeise; Wie uns der Glaube lehrt; Sie nährt uns auf der Reise, Und wird doch nicht verzehrt. -393 3+ Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrod, Recht wohl bereit genießen, So kann der bittre Lod Uns Christen nicht erschrecken: Es ist ein Unterpfand, Das Gott uns wird bedecken Mit seiner starken Hand. 4+ - Herr Jesu! deiner Liebe Sey Ehre, Lob und Dank! Weil du nach ihrem Triebe, Zur Speise und zum Trank Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brodsgestalt verhüllt; Daraus für uns das Leben Und reine Freude quillt. 5. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sakrament; Herr! laß es uns empfangen, Wenn sich die Seele trennt. Laß uns im Frieden fahren Bon allen Sünden rein, Von deinen Engelschaaren, Und ewig bey dir seyn. - 394 - Zum Segen des Priesters, nach dem Ste missa est. I. Da wir nunmehr gehöret Die Messe, wie man soll, So sey auch Gott geeyret! Er mach uns Segens voll, Und laß es sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bey uns allen: So sind wir wohl daran. 2+ Cott wolle uns behüten, Daß uns an diesem Tag Des bösen Feindes Wüthen Nicht schädlich werden mag; Er laß uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor seinem Angesicht. Predigtgesang. sende Gott! uns deinen Geist In dieser Predigtstunde! Er ist es ja, der Alles weiß, Was kommt aus Gottes Munde; Durch ihn des Priesters Herz und Zung, O guter Gott! regiere, 395) Daß es dein Volk zur Heiligung Zum Himmel glücklich führe. O sende Gott! uns deinen Geist In dieser Predigtstunde! Er ist es ja, der unterweist, Durch deines Dieners Munde: Er ist, der Licht und Stärke schickt; O daß wir beyde fånden! Er tristet den, den Unmuth drückt; O möcht' er Trost uns senden! Vor und nach der Christenlehre. Das Vater unser. I. - In Gott des Vaters, und des Sohns, Des heil'gen Geistes Namen! Sprecht hier am Fuße seines Throns, Ihr Christen! freudig: Amen! Sprecht Christo nach! bereitet euch, Nach seinen weisen Lehren Den Vater in dem Himmelreich Mit Bitten zu verehren! 2. D unser Vater! der du bist Im Himmel und auf Erden, Dein Name, der so liebvoll ist, Soll stets geheiligt werden! 396 Dein Reich von Anbeginn der Welt Bereitet allen Frommen, Das laß, wenn dieser Leib zerfällt, Uns einstens auch zukommen! 3+ So, wie auf jeden Wink von die Die Himmelsgeister sehen: So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen! Das Brod, das unsre Seele nährt, Um dir getreu zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sen täglich uns gegeben! 4. Vergieb uns, Vater! unsre Schuld, Die wir vor dir bereuen; So wie wir alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen. Ersticke, wenn Verführung droht, In uns des Bösen Saamen! Erlds uns jetzt und einst, o Gott! Von allem Uebel. Amen. Gefang ben der Wandlung oder beym Segen. Heilig! heilig! heilig! Heilig! immer heilig! Jesus, heilig ohne End, In dem höchsten Sakrament! - 397 COM Dich beth' ich an, vermenschter Gott! In Brodsgestalt zugegen; O Engels Speis, o Lebens- Brod Verleih mir deinen Segen! Ich glaub', ich hoff, ich liebe dich, Ich fluche meinen Sünden; Mit deinem Blute heile mich, Ach! laß mich Gnade finden. Beym Segen mit dem hochwürdigsten Gut. I. Kommet, und lobet ohne End Das heiligste Sakrament! Welches Jesus eingeschet Uns zum Testament,:,: Hier ist Jesus Fleisch und Blut Und das allerhöchste Gut; Keine Seele geht verloren Unter dieser Hut.:: 3. Sey gelobt, gebenedeyt, Du Trost in Bitterkeit! In der Kriegszeit, Pest und Hunger, Wahre Sicherheit!:,: 4. Segne uns, o großer Gott! Wundervolles Himmelsbrod! - 398 Ach bewahre, und errette Uns aus aller Noth.:,: 5+ Gieb stets wahre Buß und Reu, Sprich uns doch von Sünden frey, Mach, daß Glaube, Lieb' und Hoffnung Bis ans Ende sey. Das Ambrosianische Lobgesang, oder das Te Deum Laudamus, Herr! err! großer Gott! dich loben wir, Bekennen dich, und danken dir, Die ganze Schöpfung preiset dich Durch Himmel, Erd' und Meere; Zu deinem Throne beugen sich Der Engel seel'ge Chöre; Erzengel, Kräfte, Seraphim, Und Throne, Fürsten, Cherubim. Herr! großer Gott! dich loben wir, Bekennen dich, und danken dir. Laut tönen alle Himmel weit Vom Lobe deiner Herrlichkeit. Propheten, Jünger, Märtyrer, Mit Seligkeit umgeben, Befingen ewig deine Ehr; Und Sonnen, die dort schweben, 399 M Der Welten Bau, der Blumen Flor, Die stellen deine Allmacht vor. Herr! großer Gott! u. f. f. 3. Die Kirche durch die ganze Wekt Bekennet Gott, der sie erhält: In unermeßner Herrlichkeit. Den Vater, der uns liebet; Den Sohn von gleicher Wesenheit, Der uns den Tröster giebet; Den Geist, der unsre Kirche lehrt, Und uns ein ewig Heil gewährt. Herr! großer Gott! u. f. f. 4. Es stieg, des ew'gen Vaters Sohn, Zu uns herab von seinem Thron; Der Jungfrau Leib verschmäht er nicht, Den Tod zu überwinden, Damit wir einst im Gnadenlicht Ein ewigs Leben finden. Der zu des Vaters Rechten sitzt, Ift, der als Herr und Richter blißt, Herr! großer Gott! u. f. f. 5+ Hor' deiner Knechte Flehn, o Gott! Für die dein Sohn durch Kreuz und Tod Verzeihung und die Huld gewann. Gieb deinem Volk den Segen! O! nimm's zum Himmelserben an. 7 400 Leit uns auf Tugendwegen, Herr! von der Sünd zur Seligkeit; Drum sey dir Lob und Dank geweiht. Herr! großer Gott! u. s. f. III. Der Kreuzweg zur Beförderung der Nachfolge Jesu nach den gewöhnlichen XV. Stationen. - Der Kreuzweg ist eine der gewöhnlichen Volksans dachten, er soll also auch in diesem Gebethbuche feine Stelle haben.- In 15 Bildern, die man Stationen nennt, wird die Leidensgeschichte Jesu vorgestellt, betrachtet, und etwas dabey gebethet.- Der Gedanke und die Abs sicht, das Volk auf solche Weise an dasleiden Jesu Christi zu erinnern, u. ihm dasselbe lehrreich und nützlich zu machen, ist gewiß sehr gut u. Beyfalls werth.-- Nur wünschte ich, daß nicht nur ei nis ge, sondern alle Stationen schriftmäßig feyn möchten, was sie auch so leicht seyn könnten. -Ich kann die Sache nicht ändern, u. richte mich also nach der hergebrachten Gewohnheit.- Ers baulich, denke ich, soll die Andacht immer werden. Vorbereitungsgebeth. Christe Jesu! du hast, wie Petrus sagt, für uns gelitten, und uns durch dein Leiden ein Muster der PA - 401 der Nachahmung hinterlassen, damit wir in deine Fußstapfen treten sollen. Keine Sünde hast du gethan, kein unrechtes Wort ist aus deinem Munde gegangen. Mit Scheltworten überhäuft, schaltst du nicht entgegen- mißhandelt, drohtest du nicht, sondern du überließest dich dem ungerechtenRichter. - Unsre Sünden nahmst du durch deinen Kreuzess tod hinweg, damit wir, der Sünde abgestorben, gerecht und tugendhaft leben möchten. Durch deine Wunden sind wir geheilt worden.- Von diesen Glaubenswahrheiten überzeugt, era scheine ich auf dem Kreuzwege, um dich, göttlicher Heiland! in deinen Leiden genauer zu betrachten, und von dir zu lernen, wie ich wahrhaft christlich leben, leiden und sterben solle.- Gieb mir deine Gnade, und mache mich theilhaftig alles Segens und aller geistlichen Vortheile, die diese Andacht gewähren kann. Amen. d - - I. Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. #. Ich bethe dich an, o Jesu! und danke dir! B. Denn durch deinen Tod hast du die Welt erloset. Zum Kreuztode wurdest du verurtheilt, unschuldiger Jesu! nichts als Gutes hattest du gethan, und man klagte dich doch als den größten Verbrecher an. Nats gr. Gebethbuch.. 15 6 <-402 Mori -Der Richter Pilatus erkannte deine Unschuld, und er verdammte dich, dem ungeachtet, aus Mens schenfurcht zum Tode. Du unterwarfst dich auch dem ungerechten Urtheile, aus Liebe zu uns wolltest du sterben, damit wir ewig leben sollten. bester Heiland! wie gut bist du!- und wie boshaft- wie blind- und schwach können nicht Menschen seyn, wenn sie über Menschen zu urtheilen oder zu gebiethen haben!- Bin ich's niemal ges wesen?-Hab' ich nie Böses von meinem bessern. Nächsten gedacht?- nie falsch geurtheilt?- oder wider mein Gewissen geredet- vielleicht auch ges handelt, um Menschen zu gefallen, oder bey Mens schen nicht einzubüßen? Ach Gott! verzeih- und bewahre mich künftig vor dieser abscheulichen Sünde!- ich will sie nicht mehr begehen. Und wenn ich jemals uns schuldig sollte angeklagt, oder mißhandelt werden, o! so will ich mir Jesum zum Muster nehmen, seine Sanftmuth und Gelaffenheit will ich nachahs men, und auch für jene bethen, die mich hassen und verdammen. Amen. Vater unfer u. s. f. - II. Station. Jesus nimmt das Kreuz auf sich. . Ich bethe dich an u. f. w. wie oben. Demüthig und willig nahmst du das Krenz auf deine Schultern, o Jesu! und giengst damit stills schweigend dem Richtplate zu.- Ach! wie Vieles hast du mir zu Liebe auf dich genommen?- Sollt' ich nun nicht auch gern einige Mühe und Beschwers den auf mich nehmen, um dir zu gefallen- und dir zu folgen auf dem Wege der Zugend, der zwar hart ist, aber zum Himmel führt? 403 O! es ist gewiß gut für mich, wenn ich manchs mal gedemüthiget werde, und thun oder leiden muß, was meiner Sinnlichkeit zuwider ist.- Dadurch suchst du mich gleichsam mit Gewalt nach dir zu ziehen, wenn ich freywillig nicht folgen will. Dank sey dir also für jedes Leiden, o Gott! Nur Kraft und Muth gieb mir, daß ich mir dasselbe zu Nußen mache.- Wer sein Kreuz nicht trågt, und dir nachfolgt, der ist deiner nicht werth;- er ist dein Schüler nicht. Ich aber will es seyn, und bleiben in Ewigkeit. Amen. Vater unser*. - III. Station. Jesus erster Fall unter dem Kreuze, #. Ich bethe dich an u. f. w. - - Die heilige Schrift sagt uns zwar nichts davon, daß du, o Jesu! auf deinem Kreuzwege gefallen seyst doch war gewiß die Last des Kreuzes für deinen hart verwundeten und erschöpften Körper schwer genug, um dich zur Erde zu drücken. Aber ich- ach! wie wenig Ungem ache babe ich manchmal zu tragen, und trage sie nicht! Wie 602 -- - 404 ein Kind wie ein schwaches Mooßrohr sinke ich in Ohnmacht, in Kleinmuth oder Verzweiflung hin. Weinen, murren, klagen und fluchen ist oft Alles, was ich kann und thue.- O Gott! verzeihe mir diese Schwachheit.- Richte mich von diesem schimpflichen Falle auf! Ich will mich hüten, daß ich ihn nicht wieder mache.- Jesu! deine Lehs re, dein Beyspiel- und deine Gnade sollen meis ne Stüken seyn. Amen. Vater unser 2. - - IV. Station. Maria sieht Jesum zum Tode führen. . Ich bethe dich an u. f. w. Maria stund mit Johannes am Kreuze ihres Sohnes. Sie war also auch gewiß mit unter dem Velke, und sah Jesum in Mitte der Henkersknechte und Spotter, mit dem Kreuze beladen, auf dem Marterwege. Heiligste Jungfrau! wie war dir da ums Herz? - was hat bey diesem Anblicke deine Seele gelitten? -Ach, welch ein Schwert des Schmerzens durchs drang dieselbe!-und doch ließest du den Muth nicht finken! Du dachtest ohne Zweifel nach Gottes und deines Sohnes Worte, das sey nun einmal die Ans ordnung, der Wille des Allerhöchsten, daß Jesus leis den und so seinen Beruf erfüllen, so das Menschenges schlecht erlösen,-ja, selbst nicht anders, als durch Leiden, in seine Herrlichkeit eingehen sollte;- und dieser Gedanke war Trost, war Stårke für dich. - 405 O möchte ich zur Stunde des Leidens doch auch allemal denken, daß es Gott so wolle, daß ich nicht beffer, als Jesus, mein Herr und Heiland, sey,- und daß es auch für mich keinen andern Weg zum Himmel gebe, als den Weg des Kreuzes. Amen. Vater unser 20. V. Station. Simon hilft Jesu das Kreuz tragen. . Ich beth dich an u. s. w. Die Laft des Kreuzes wurde für dich, bester Heis land, so drückend, der Weg zum Tode so beschwers lich, daß man dir Unterstützung geben mußte, wenn du nicht ganz unterliegen solltest.- Simon, ein Bauersmann vom Lande wurde aufgehalten, und genöthiget, dir diesen Dienst zu erweisen. Ach! du hattest ehedem so vielen Juden und Heis den ihr Kreuz erleichtert hattest Alle, die zu dir kamen, mit Wohlthaten überhäuft- und nun ist doch kein Mann, der dir freywillig einen Liebes. dienst erweisen, und dich Matten bey Tragung deines Kreuzes håtte unterstützen wollen. BUND Liebster Heiland! du selbst bedarfst jetzt freylich keiner menschlichen Hülfe mehr; aber daß man sich deiner Brüder( der Armen u. Schwachen) erbarme, dieß ist dein Verlangen.- Ja! was man den Ges 406 ringsten aus ihnen thut, das siehst du an, als ob es dir selbst geschehen wäre. Nun dann! wenn ich so einem Menschen seine Last erleichtern, ihm ein Liebeswerk erweisen, oder wie immer mit Hülfe, Rathe und Troste dienen kann, so soll es geschehen!- Und zwar mit solchem Eifer und solcher Liebe soll es gesches hen, als ob ichs Jesu, meinem Heilande selbst erwiese. Bater unser 2c. VI. Station. Jesus Bild auf dem Schweißtuche. #. Ich bethe dich an u. f. w. - Es ist eine alte, unverbürgte Sage, daß dem mit Schweiße und Blute bedecktem Heilande auf seinem Kreuzwege eine mitleidige Frau ihr Haupts tuch hingereicht, und daß Jesus sein Angesicht darin abgedruckt habe.- Dieß ist Sage; aber Wahrheit, unläugbare Wahrheit ist dieses, daß du uns dein schöaftes Bild-( deine Lehren und Thaten, deine Beyspiele und Tugenden) im Evans gelium zurückgelassen, und Nichts mehr verlans get hast, als daß wir dieses Bild immer vor Aus gen haben, und uns nach ihm bilden sollen. O! deine Tugend- bester Heiland! deine Frömmigkeit und Liebe gegen Gott, deine Ergebung in den Willen des Vaters- dein Gehorsam gegen ihn- deine Liebe gegen die Menschen, auch gegen - 407 feindselige Menschen,- deine Sanftmuth und Geduld- o! diese Tugenden präge uns ein! damit wir eines Herzens und eines Sinnes mit dir werden mögen. Wenn es endlich auch zum Sterben kommt, so sey mein letzter Blick auf dich gerichtet!- Und du sich mich hinwieder in Gnaden an, daß ich felig sterbe, und mich ewig an deinem Anblicke im Himmel erfreuen möge. Vater unser 2. - VII. Station. Jesus zweiter Fall unter dem Kreuze. V. Ich bethe dich an u. f. w. - Db, und wie oft du, o Jesu! unter dem Krenze gefallen seyft, ist uns nicht hinlänglich bekannt.- Aber, daß ich, leider! nur gar zu oft bald in Vers suchung, bald in Sünden falle,-daß mich die Last der Sorgen und Leiden darnieder drücke, das ist ausgemachte Wahrheit. Und wenn du mich nicht unterstühest, wenn du mir nicht aufhilfft, bester Heiland, wer, ach wer wird mir helfen? Aber auf dich vertraut mein Herz! Andeine Ers wartung will ich denken, wenn mir Kraft und Muth entfallen wollen! Nach dir will ich meine Hände aus. strecken, wenn ich gefallen bin. Zu dir will ich reumüthig und vertrauens soll, umHülfe undGnade rufen. Du wirst mich auch wieder aufrichten, daß 40 - 408 ich nach dem Falle stärker, wie Petrus, auch meine Brüder warnen und stärken kann. Darum birte ich dich, und dieß hoffe ich auch, daß ich's durch dich, o Jesu! erhalten werde. Bater unser 2c. VIII. Station. Die über Jesum weinenden Frauen. . Ich bethe dich an u. f. w. Weinet nicht über mich, sondern über euch felbst, und über eure Kinder weis net! So sprachst du, o Herr! zu den guten Fraus en, die dich auf dem Kreuzwege bemitleideten, und beweinten.- Du warst mehr für sie und ihs re Kinder, als für dich besorgt. Das Unglück deines Volks gieng dir tiefer zu Herzen, als dein eigenes Leben und Tod. Destoweniger verlangst du jetzt im Himmel von mir bange Beseufzungen deiner längst überstans denen Martern. Zwar verschmähst du die Thras nen der frommen Wehmuth nicht aber mehr über mich selbst, und über meine Sünden soll ich weinen- mich ernstlich bessern, und dir nachfol gen: dieß verlangst du von mir.- Und ach! gerade dicfes habe ich bisher am wenigsten ges than.- Verzeih mir, o Gott!- Es soll gebes sert werden. Bater unser 26. - - 409 M IX. Station. Jesus dritter Fall unter dem Kreuze. . Ich bethe dich an u. f. w. - Wer da steht, sehe zu, daß er nicht falle! Auch der Gerechte strauchelt öfter, und ist in der Frühe nicht sicher, ob er am Abende kein Sünder seyn werde. Immerhin wachen und bethen will ich also, nach deinem Rathe, o Jesu! daß ich nicht in Versuchung von der Versuchung in die Sündeund von der Sünde ins Verderben gerathe. Wenn sich aber ein Bruder oder eine Schwester gegen mich verfehlt- wenn ich Andere fallen, auch öfter fallen und fündigen sehe, o! so will ich darum doch nicht aufhören, sie zu bemitleiden, mich ihrer zu erbarmen, für sie zu bethen, und ihnen, wenn sie mich beleidigen, zu verzeihen, wie du, o Gott, uns armen Sündern so oft und vielmal zu verzeis hen pflegst. Auch an ihrerZurechtweisung und Besserung will ich arbeiten, so viel ich kann. Gieb Verstand und Gnade dazu, o Vater! durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland. Amen. Vater unser 2c. X. Station. Jesus wird entblößet. V. Ich bethe dich an u. f. w. Wie schaudervoll und schmerzhaft mußte dir, o reinster Fesulauf dem Kalvarienberge vor den Augen Comment 410 1 so vieler Unreinen die Entblößung fallen!- und du unterwarfst dich ihr. Aber wer kann wohl auch deinen zerfleischten Leib, dein mit Dörnern gekröntes Haupt, und deine bluttriefende Wunden sehen, ohne sich seiner Weichlichkeit zu schämen, und ohne aufzuhören, ein Freund, ein Sclave der frechen Ueppigkeit und Wollust zu bleiben? Ach! von dieser Sünde bewahre und heile mich, o Gott! Ehrbar wie am hellen Tage, will ich künfs tig vor deinen Augen wandeln, und was immer der Schamhaftigkeit zuwider ist, das soll, wie Gift und Tod, verabscheuet, und vermieden werden. Mein Leib ist ein Tempel des heiligen Geistes, ift die Wohnung einer vernünftigen, Gott geweihten Seele; und diese soll nicht entheiligt- nicht ges schåndet werden!- -- - Ausziehen will ich auch alle böse Gewohnheiten und sündhafte Neigungen; ausziehen will ich den alten Menschen, und mich bestreben, einen neuen anzulegen, der nach deinem Geiste und Herzen, o Jesu! gebildet ist. Amen. Vater unser 20. XI. Station. Jesus wird ans Kreuz genagelt. . Ich bethe dich an u. f. w. Entsetzlich ntsetzlicher Anblick! Diese grausame Streckung der Glieder diese durch Hände und Füße geschlas 411- genen Någel!- dieses peinliche Aufrichten und Einsenken des Kreuzes in die Erde!- dieses fürchterliche Bluten, Aufreißen und Erweitern der Wunden diese unbeschreiblichen Qualen der Seele und des Leibes! - ! wer kann sie denken, ohne sich darüber zu entsetzen?- Groß- wahrhaftig groß war deis ne Liebe, o Jesu! die dich allein zu so großen Leis den bewog. Ach! wie kann ich dir genug danken?- Wie meine Gegenliebe gegen dich bezeigen? Mein ganzes Herz, Leib und Seele seyen dir gewids met! Mit ewiger Trene werde ich dich umfanger; und Nichts soll mich mehr von deiner und deines VatersLiebe trennen, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Menschen, nichts Gegenwärtiges und nichts Künstiges.-O! diesen Entschluß laß in Erfüllung gehen. Amen, Vater unser ze. XII. Station. Jesus stirbt am Kreuze. . Ich bethe dich an u. f. w. Jesus hängt, und stirbt am Kreuze!- Es ist vollbracht! Dieß war sein letztes Wort.- So hat er also sein Leben aufgeopfert, und das Werk der Liebe unter den größten Peinen vollendet. -412 Bester Heiland! wie viel kostete dich nicht die Erldsung des Menschen von der Sünde und vom Tode? wie viel sein Heil und seine Seligkeit?- Und doch haft du für Viele umsonst gelitten! umsonst bist du gestorben für alle Diejenigen, die zu ihrem Heil Nichts arbeiten, und Nichts leiden wollen. O! keine Mühe, keine Arbeit soll mir also künfs tig zurheiligung und Rettung meiner Seele zu groß oder zu beschwerlich seyn! Sterben will ich lieber, als mich noch einmal der Sünde überlassen. Der Anblick deines Bildes am Kreuze stärke, und vers mehr in mir diesen Abscheu von der Sünde, wegen welcher du gestorben bist! Hilf mir, o Heiland! das Werk meiner Besses rung vollenden, und mich durch ein gutes Leben zu einem guten Tode bereiten.- Laß mich in meiner letzen Todesangst aus deinen Wunden Erquickung schöpfen und meinen Geist in deine Hände empfeh len, wie du ihn in die Hände deines Vaters empfohs len hast. Vater unser 2c. XIII. Station. Der Leichnam Jesu auf dem Schooße seiner Mutter. . Ich berhe dich an u. f. w. Auch von diesem Vorfalle schweigt die Schrift. Aber da du, o liebvollste Mutter! beim Leiden u. Sters ben deines Sohnes zugegen warst; wer kann zweis feln, daß du auch den vom Kreuz genommenen Leichs nam mütterlich wirst umfangen, und mit deinen Thränen benetzet haben. Er war nun freylich todt- aber bald, bald durftest du dich wiederum über sein Leben und seine Auferstehung erfreuen. Und wie herzlich freuest du dich jetzt im Hims mel, da du dich und ihn für alles Leiden so herra lich belohnt, und alle Verheißungen Gottes so vollkommen erfüllet siehst. - 413- - So darf ich dann auch die Widerwärtigkeiten und Ungemache dieses Lebens nicht allezeit als Strafen Gottes und Zeichen seiner Ungnade ans sehen; denn auch du, o Gnadenvollste! hast sie ertragen müssen.- Gottes Freunden muß aber Alles zum Besten gereichen, und kurze Trůbsalen führen zu Freuden, die ewig dauern. Dieß triste mich in meinem Leiden! und tröste mich auch alsdann, wenn ich meine Geliebte, meine Freunde und Brüder muß leiden und sters ben sehen.- Bater unser 2c. XIV. Station. Jesus liegt im Grabe. #. Ich bethe dich an u. s. w. Endlich haft du, o Jeju! nach deinem mühevolls sten Leben und peinlichsten Tode Ruhe gefunden im - 414 Grabe. Da werbe auch ich sie finden.- Da ist Da WEAR -das Ende aller Plagen dieses Lebens! ist Ruhe für den Müden! - So will ich dann den Anblick des Grabes nicht scheuen, sondern mich darauf bereiten und gefaßt machen; ja, so leben will ich, daß ich mich vor dem Tode und Grabe nicht zu fürchten habe. Nie will ich auch bloß an das Sterben allein gedenken, sondern jedesmal zugleich an die Unsterbs lichkeit, die auf mich wartet, und die Schrecken des Todes mildert.- So gewiß du, mein Heiland! vom Grabe erstanden bist, so gewiß werde auch ich einst auferstehen, und zwar zum ewigen Leben, wenn ich mich nicht selbst des Todes und der Vers dammung schuldig mache. Davor bewahre mich, o Gott! durch Jesum Christum, deinen Sohn, uns sern Herrn. Amen. Vater unser 2. XV. Station. Das Kreuz Jesu Christi in seinem Glanze. V. Ich berhe dich an u. s. w. Was einst schmähliges Werkzeug des Lodes für Verbrecher war, daran hat uns der unschuldige Jesus das Leben erworben!- Ja, sich selbst hat er vom verächtlichen Kreuzesholze zur höchsten Ehre and Glorie im Himmel erschwungen. So mußte pom 415 er fich erniedrigen, um erhöhet zu werden, und nur durch Leiden konnte er zur Freude gelangen. Darum wußte sich Paulus keiner Sache mehr zu rühmen, als des Kreuzes Jesu Christi; das nun auch bey uns ein ehrwürdiges Unterpfand des Tros stes, ein Zeichen der Ehre und des Sieges ist. O heiliges Kreuz! möchte mich doch dein Ans blick jedesmal lebhaft an den erinnern, der an dir gelitten hat, und an dir gestorben ist! Möchte ich durch dich zur dankbaren Liebe gegen ihn erweckt, und kräftig genug ermuntert werden, jederzeit standhaft um der Gerechtigkeit und Zugend wils len zu leiden, damit ich einst auch verdienen môs ge, mit Jesu dem Gekreuzigten erfreut und bes lohnt zu werden. Amen.. Vater unser 2c. - Beschluß. Gelobt sey Gott und Jesus Christus! Dank sey ihm für seinen Weg zum Kreuze, für sein Leiden und Sterben. O daß doch dasselbe an keinem Menschen verloren gehe, sondern Allen zum Heis le und zur Seligkeit gereiche! im Namen des Baters+ und des Sohnes+ und des heiligen Geistes †. Amen. 416 Weisheit und Tugendlehren Jesu Christi, auf jeden Tag im Monate. - - - Guter Lehrer! fragte ein Jüngling, was I) muß ich thun, daß ich das ewige Leben erlange? Jesus antwortete: Willst du zum Leben ges angen, so halt die Gebothe! Du sollst nicht töds ten, nicht Unzucht treiben, nicht stehlen, kein falsches Zeugniß geben.- Ehre deinen Vater und deine Mutter, und liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Bey Matth. XIX. 16. 2) Lehrer! welches Geboth ist im Gesetzbuche das vornehmste? fragte ein Schriftgelehrter. Jesus sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem deinem Herzen, aus ganzer Seele, und mit deinem ganzen Gemüthe lieben! Dieß ist das erste und größte Geboth. Das andere aber ist eben so wichtig: Du sollst deinen Nächsten lies ben, wie dich selbst!- Un diesen zweyen Ge bothen hängt das Gesetz und die Propheten. Bey Matth. XXII. 36. 3) Habet ihr mich lieb, so haltet meine Gebothe! Denn wer meine Gebothe erkennt, und sie ers füllt, Der ists, der mich liebt.- Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden. Auch ich werde ihn lieben, und mich ihm zu ers kennen geben. Bey Jojann XIV. 2. 4) Nicht - 417 4) Nicht ein jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr! wird eingehen in das Himmelreich; sondern wer den Willen meines Vaters thut, der im Himmel ist. Viele werden mir an jenem Tage sagen: Herr! Herr! haben wir nicht in deinem Namen öffentlich gelehrt?- in deinem Namen Teufel vertrieben? in deinem Namen viele Wunder gewirkt? Ich werde ihnen aber erwiedern: ich habe euch für die Meinigen nicht erkannt.weg von mir, ihr Uebelthäter! Bey Matth. VII. 5) In Wahrheit! I sage euch: Wenn ihr nicht am Vieles besser und gerechter seyd, als die Phas risäer und Schriftgelehrten, so findet ihr keinen Play im Himmelreiche. Bey Matth. V. 20.Und abermal: Wenn ihr euch nicht bekehret, und wie die kleinen Kinder( so unschuldig, so gelehrig, und willfährig) werdet, so ist das Himmelreich nicht für euch.- Wer sich aber herabläßt, und demüthiget, wie ein Kind, der wird Einer der Größten im Himmel werden. Ebend. XVIII. 6) Bey den Alten hieß es: Du sollst nicht ehebres chen! Ich aber sage euch: Ein Jeder, der ein Weib nur ansieht mit Begierlichkeit, der hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebros chen. Bey Matth. V. 28. 7) Bey den Alten hieß es: Liebe deinen Nächsten, und hasse deinen Feind! Ich aber fordere von euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch BAD - - - - MED -418 fluchen; thut denen Gutes, die euch haffen, und bethet für eure Beleidiger und Verfolger; dann send ihr wahre Kinder eures Vaters im Himmel, der seine Sonne aufgehen läßt über Böse und Gute, und Regen gießt über Gerechte und Ungerechte. 8) Wenn ihr nur Die liebet, die euch lieben, was ist da cuer Verdienst, euer Lohn?- Thun dieses nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nun eure Brüder grüßet, was ist dieß großes? Thun es nicht auch die Heyden? So seyd dann voll. kommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. WA - - 9) Alles, was ihr wollet, das euch die Leute thun möchten, das thut auch ihnen! dieß ist die Summe des Gesetzes und der Propheten. Bey Matth. VII. 10) Richtet nicht, daß ihr nicht gerichtet werdet: dern auf eben die Weise, wie ihr richtet, wird das Gericht über euch ergehen, und mit dem Maße, womit ihr messet, wird euch auch gemessen werden. Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem eignen Auge wirst du nicht gewahr? Wie magst du doch zu deinem Bruder sagen: Laß mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, da ein Balken in dem deinigen steckt.- Heuchler! zich erst den Balken aus deinem Auge, dann erst magst du sehen, wie du den Splitter and deines Bruders Auge bringst. Bey Matth. VII. 11) Benn dein Bruder sich gegen dich verfündiget, - 419 fo geh, und mache ihm erst für dich allein deine Vorstellungen!- Giebt er dir Gehör, so haft du beinen Bruder gewonnen; giebt er dir nicht Ges hor, so nimm noch Einen oder Zween zu dir, das mit auf Zweyer oder Dreyer Aussage die ganze Sache beruhe. Sollt' er auch diese nicht ane hören, fo bring's für die Gemeinde( Kirche); und wenn er auch da Nichts hören will, so magst du ihn wie einen Heiden und Zöllner ansehen. Bey Matth. XVIII. 12) Jerr! fragte Petrus, wie oft mag sich mein Bruber wider mich verfündigen, daß ich ihm verzeihen soll? bis auf siebenmal? Jesus ants wortete: Nein! nicht siebenmal, sondern bis auf flebenzigmal fiebenmal. Bey Matth. XVIII. 22. 13) Hütet euch vor falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber rachgierige Wölfe sind. Ihr werdet sie an ihren Früchten erkennen. Jeder gute Baum bringt gute Früchte, aber ein schlechter Baum giebt nur schlechte Frucht. Und jeder Baum, der keine Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Bey Matth. VII. www 14) Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Bey Matth. XXII. 15) Fürchtet euch nicht vor Denen, die den Leib tödten, aber die Seele nicht tödten können; sons D02 420 dern Den fürchtet vielmehr, der Beyde, Seele und Lelb, in der Hölle verderben kann. Bey Matth. X, 16) Wer mich immer vor den Menschen frey bes kennen wird, den werde ich auch vor meinem Vas ter im Himmel für den Meinigen erklären. Wer mich aber vor den Menschen verläugnet, den werde auch ich verläugnen vor meinem Vater Im Himmel. Und wer sich meiner und meines Wortes schämt, deffen wird sich der Sohn des Menschen auch schämmen, wenn er in seiner und feines Vaters Majestät, und in der Herrlichkeit der heiligen Engel kommen wird Bey Matth. X. und Luf, X, 26. 17) Wer Vater und Mutter mehr liebt, als mich), der ist meiner nicht werth. Wer Sohn oder Tochter mehr liebt, als mich, ist meiner nicht werth. Und wer nicht sein Kreuz auf fich nimmt, und mir nachfolgt, ist meiner nicht werth. Bey Matth. XI. 18) Wer es mit mir hält, verläugnet sich selbst, nehme ſein Kreuz auf sich und folge mir nach!- Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Bey Matth. XVI. und Joh. XIV. 6. 19) Kommet zu mir Alle, die ihr mit Müheseligs keiten umgeben und belastet seyo; ich will euch erquicken. Nehmet mein Joch auf euch; und lers net von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen bemüthig; so werdet ihr für eure Seelen - - 421 Ruhe finden; denn mein Joch ist fanft, und leicht ist meine Bürde. Bey Matth. XI. 20) Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sons dern die Kranken. Ich bin auch nicht gekommen, Gerechte zur Besserung einzuladen, sondern Süns der.- G.het doch, und lernet, was Das heiße: Barmherzigkeit will ich, und kein Opfer. Bey Matth. IX. 21) Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet? Womit wollte er dann den Verlnst derselben ersetzen? Bey Matth. XVI, 22) Sammler euch nicht Ueberfluß und Schätze für die Erde, wo sie Schaben und Rost verzehren, wo Diebe einbrechen, und sie stehlen; sondern samme let euch Schätze für den Himmel, wo sie weder Schaben noch Roft verzehren, noch Diebe einbres chen, und sie fehlen.-Du Thor! sprach der Herr des Lebens und des Todes zum reichen Manne, noch in dieser Nacht mußt du sterben; und was du nun zusammengescharrt haft, wem wird es zufallen?- So geht es Jedem, der Schäße sammelt und zwar reich ist, aber nicht vor Gott. Bey Matth. VI. 19. und Luf, XII. 20. 23) Niemand kann zween Herren dienen: denn ents weder wird er diesen hassen, und jenen lieben: oder diesem anhangen, und jenen verachten. Ihr könnet nicht zugleich Gott und dem Mamon( dem Reichthumsgötzen) dienen. Darum sag' ich euch: - 422 Sorget nicht( zu sehr) für euer Leben, was ihr effen und trinken wollet; noch für euern Leib, wie ihr ihn kleiden wollet.- Euer himmlischer Bater ernährt die Vögel der Luft; und send ihr nicht viel besser, als sie?- Und wenn Gott Feldblus men, die heute stehen, und morgen in den Ofen geworfen werden, so schön kleidet; wird ers nicht vielmehr euch thun, ihr Kleingläubigen! Bey Matth. VI. 24-26. ← - 24) Weg mit den kummervollen Gedanken: Was werden wir essen? Was haben wir zu trinken? womit werden wir uns kleiden?- Auf all' dieses finnen nur die Heiden.- Weiß doch euer Vater, der im Himmel ist, wohl, daß ihr alles Deffen bedürfet.- Bemühet euch nur zuerst, und suchet das Reich Gottes, und die ihn gefällige Tugend, ( die Gerechtigkeit) so wird euch dieß Alles als Zus lage gegeben werden. Bey Matth. VI. 31-34. 25) Bittet, ſo wird euch gegeben werden! Suchet, so werdet ihr finden! Klopfet an, so wird euch aufgethan.- Wo ist unter euch ein Mensch, der seinem Kinde, wenn es ihn um Brod bittet, einen Stein gebe? oder, wenn es um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gebe?- Wenn nun ihr, so böse ihr send, doch euern Kindern gute Gaben geben könnet- um wie viel mehr wird euer Bater, der im Himmel ist, Denen, die ihn bitten, Gutes geben? Bey Matth. XII. 7- 12, Luf, XI, 9. 423 26) Wenn ihr bethet, macht es nicht( so bffentlich) wie die Heuchler, damit sie vor den Leuten fromm scheinen; sondern verschließet euch, und berhet zu eurem Vater: und euer Bater, der im Verbors genen sieht, wird euch öffentlich vergelten.- Mas chet auch nicht viel leere Worte, wie die Heiden, welche meynen, sie werden um ihrer Plauderey wegen erhört werden. Seyd ihnen nicht gleich: denn euer Vater weiß von selbst, was ihr bedürs fet, ehe ihr ihn bitter. Bey Matth. VI. 5. 27) Wenn ihr fastet, laffet euch keine Traurigkeit ansehen, wie die Heuchler: denn diese verstellen thr Gesicht, daß ihnen die Leute ihr Fasten ans sehen sollen.- Damit haben sie aber auch ihren ganzen Lohn.- Du also, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, daß dir die Leute dein Fasten nicht ansehen, und es nur dein Vater, der im Verborgenen ist, wisse: und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir öffentlich vergelten. Bey Matth. VI. 16. 28) Hütet euch, euer Allmosen vor den Leuten zw geben, um von ihnen gesehen zu werden: ihr habet sonst keine Vergeltung vor eurem himmlischen. Va. ter zu hoffen. Wenn du Allmosen giebst, so pos faune es nicht aus, wie die Heuchler, fordern laß sogar deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte thut! so geheim sey dein Allmosen: und dein Vater, der es im Verborgenen sieht, wird es dir dffentlich vergelten, Bey Matth. VL. - PRA 424 - 29) Gehet zum engen Thor hinein! Denn weit ist. die Pforte, und breit die Straße, die zum Vers derben führt, und Derer, die sie wandeln, sind Viel, Enge ist das Thor und schmal der Weg, der zum Leben führt, und Wenige finden ihn. Bey Matth. VII. --30) Des Menschen Sohn wird( am Ende der Welt) seine Engel aussenden; diese werden Alle, weiche in seinem Reiche Vergerniß gestiftet, und Böses gethan haben, zusammen bringen, und sie in den Feuerofen werfen, wo Wehklagen und Zähnklaps pern seyn wird. Die Gerechten aber werden wie Sonnen im Reiche ihres Vaters leuchten. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Bey Matth. XIII. 31) Wer immer meine Worte hört, und sie befolgt, der ist gleich einem klugen Manne, der sein Haus auf einen Selsen gebauet hat. Ein Platzregen fiel hernieder; Wasserströme liefen an, Winde wehren, und stürmten auf das Haus; aber es fiel nicht; denn es war auf Felsen gebaut. Wer hingegen diefe meine Worte hört, aber nicht befolgt, der ist einem thbrichten Manne gleich, der sein Haus auf Sand gebauet hat. Der Plaßregen fiel hers nieder, die Baffergüffe brachen ein, die Winde bliesen, und stießen auf dieses Haus. stürzte ein, und schrecklich war sein Fall, Chris stus bey Matth. VII. - 83 Inhalt. Erste Abtheilung. Tägliche Andachtsübungen, Morgengebeth auf alle Tage. Gebeth vor der Arbeit. Stach der Arbeit. Vor dem Tische. Mach dem Tische. Wenn die Uhr schlägt.. Nachtgebeth. 3 weyte Abtheilung. Wöchentliche Andachtsübungen, Morgengebeth am Sonntage. Gebeth vor dem Gottesdienfie. Vor der Predigt und Christenlehre. Stach derfelben. 27 30 32 33 34 Meßgebethe. Besperandacht. 48 63 Machigebeth an Sonn- und Fevertagen. 65 67 Gebeth an einem abgestellten Feverrage. Gebeth am Donnerstage, wenn man durch die Glocke an die Todesangst Chrißi erinnert wird. Gebeth am Fevertage, wenn man zur sogenannten Scheis dung läutet, und an den Tod Chrifti erinnert wird. .69 Dritte Abtheilung. Monatliche und jährliche Andachtsübungen. Seite 13 19 20 20 21 22 22 Beichtgebethe. Kommuniongebethe. Bebeth ju den vier Jahrszeiten oder Quatembern. Gebeth im Frühlinge. 12 81 93 im Sommer, um ein fruchtbares Jahr. 98 im Herbite a) Dankgebetb für eine gefeguete Erndte. 101 b) bey einem Mifiabre. 104 106 109 112 115 119 im Winter. im Advente. Um Geburtstage Jesu Chrisi oder zu Weihnachten. Beym Schlusse des alten Jahres. Am neuen Jahrstage. Am Feste der Erscheinung des Herrn/ oder der drey Könige. 121 Am Aschermittwoche, und in der Faften. Der Buspsalm Miserere Der 129. Bußpfalm de profundis Am Palmsonntage. In der Charwoche. Su Ottern. cine Fastenandacht. 128 130 132 135 138 140 143 145 Am Hummelfahrtsfeste, Zu Pfingsten. Am Feste der heiligen Dreyeinigkeit. ( Dieses Gebeth fant an jedem Sonntage schicklich gebraucht werden) Seite 124 Am Frohnleichnamsfeste. ( Dieses Bebeth taucht zu jedem Besuche des beiligsten Altarssakraments.) Am Kirchweibfeste. Tugendakte des Glaubens, der Hoffnung und Liebe, mit einem Neugebethe. Gebeth zu Gott dem Vater. zu Jesu Chrifio, dem Sohne Gottes. zu Gott dem heiligen Geiste. Andachtsübungen zu Maria. a) An den Festtagen der Empfängniß und Geburt. b) Am Feste der Verkündung. Vierte Abtheilung. Andachtsübungen zu Gott und den Heiligen, bes sonders an ihren Festtagen. Geb th nach der Art des Salve Regina. Geberh zum heiligen Schußengel. zum be ligen Joseph. 148 fur heiligen Mutter Anna. zum heiligen Bisthums- und Kirchenpatron. zum heiligen Namenspatron. 153 175 178 c) Am Feste der Reinigung Mariä oder Lichtmesse. 181 d Am Feste der Himmelfahrt Mariä. 185 Allgemeines Gebeth zu Maria. [ 190 192 194 196 198 201 156 163 168 171 202 204 zu den beiligen Leonhard, Batriz und Wendelin. zu einem hl. Apostel, besonders an ihren Festtagen. 206 zu einem heiligen Martyrer. 208 209 zu einer heiligen Jungfrau. ju einer heiligen Wittwe, als Monika, Elisabeth, Franziska zc. 211 Allgemeines Gebeth zu welch immer einem Heiligen. 214 Gebeth am Festtagekaller Heiligen. 216 a. Dankgebeth und Fürbitten. Allgemeines Dankaebeth. Allgemeine Fürbitten. Besondere Fürbitten. Fünfte Abtheilung. Vermischte Gebethe. Für Geschwisterte und Unverwandte. Für Freunde und Wohlthäter. Für Vorgesetzte und Meisterschaften. Für Feinde und Widerfacher. Für ürme, Kranke und Elende, Für Sünder und Uebelgesittete. Für Frr- und Ungläubige, Für die Kirche, 229 Für das Vaterland. 231 Für die Landesherrschaft. 234 Für den Pabst, Bischof, Pfarrer und Beichtvater. 237 Für die Eltern. 239 242 244. PUI Vermischte Gebethe. b) Sum Gebrauche für Personen verschiedener Stände. Gebeth chriftlicher Eheleute. -p Seite chriftlicher Jünglinge. chriftlicher Jungfrauen. chriftlicher Brautpersonen. chriftlicher Wittwen. chriftlicher Waisen. 259 christlicher Eltern. 263 christl. Obrigketten und Vorsteher in Gemeinden. 266 chriftl. Meisterschaften, Hausväter u. Hausmütter. 270 christlicher Diensibothen. 274 chriftlicher Handwerker und Taglöhner. 275 chriftlicher Alten. eines vermöglichen Reichen. eines Armen. 219 225 245 248 251 254 256. Gebetb, wenn man einen Stand oder ein mit an treten will. zur Zeit der Versuchung. zur Zeit des Unglücks und der Widerwärtigkeiten. Nro. 1 und 2. 278 282 286 289 294 296 298 301 Vermischte Gebethe. e) Für verschiedene Vorfallen beiten und Umstände des Lebens. 304 307 308 Gebeth, wenn man beleidiget oder gedrückt wird. wenn man von der Obrigkeit bestrafet wird. MA -M 322 324 325 328 331 333 Andachtsübungen für gefährliche Kranke u. Sterbende. 334 Gebethe fur heiligen Kommunion. 337 nach der Kommunion. C vor einem Ungewitter. nach einem Ungewitter. um heiteres Wetter. um Negen. jur Zeit einer Seuche ben Menschen. jur Seit einer Viehseuche. zur Zeit des Krieges. Vorbereitungsgebeth zum Empfang der letzten Delung. Gebeth beyin Empfang der leßten Delung. um einen guten Tod. wenn man frank ift. nach der Krankheit. POR nach der letzten Delung. Sammlung chriftlicher Gedanken und Affekte für - Anhang. Eitanen von der göttlichen Vorsehung. vom Leiden und Sterben Jesu. Kranke und Sterbende. Beym Anblicke und Kuffe des Kruzifites. Ben Anzündung und Darreichung der Sterbe erze. Bey Besprengung mit dem Bethwasser. Gebeth, wenn der Kranke in den lekten Zügen 352 und beym wirklichen Sterben. wenn man die Sterbeglocke läutet. 354 für Verorbene, besonders am aller Seelen Tage. 356 auf dem Gottesacker. 357 Seite 313 314 316 317 319 320 von der heiligsten Jungfrau Maria. von allen Heiligen, kleine. Der Kirchengesang bey der beiligen Messe. Desterreichische Meßgesänge. Gesang vor der Predigt. vor und nach der Christenlehre. bey der Wandlung oder beym Segen. beym Segen mit dem hochwürdigsten Gut. Der Ambrosianische Lobgefang, oder das Te Deum Laudamus. Der Kreuzweg oder die Stationen. Sittenlehre Jesu auf ieden Tag eines Monats. 339 341 343 343 344 351 351 351 361 365 370 375 379 385 394 395 396 397 398 400 416 Gebeth, wenn man beleidiget wenn man von der Obrigken vor einem Ungewitter. nach einem Ungewitter. um heiteres Wetter. um Regen. jur Zeit einer Seuche bey Menst jur Zeit einer Viehseuche. zur Zeit des Krieges. um einen guten Lod. wenn man frank ift. nach der Krankheit. Andachtsübungen für gefährliche Gebethe fur heiligen Kommuni nach der Kommunion. Vorbereitungsgebeth zum Gebeth beyin Emprano nach der letzten S Sammlung chrift Krant Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8