две 4707 Buchhandlung J.P. HAAS, Markt am Eingange des Doms MAINZ Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Gold oder Silber erlöset seid, sondern mit dem kostbaren Blute Christi. ( I. Petrus 1.) Fridst sic, Prost Armen Gerr! der Seelen Gebr. Benziger in Einsiedeln. Trof der Armen Seelen. Belehrungen und Beispiele über den Zustand der Seelen im Fegfeuer. Sammt einem vollständigen Gebetbuche zum Trofte derselben. Herausgegeben vont Joseph Ackermann, ehemals Pfarrer in Emmen. Ausgabe in mittlerem Druck. Nro. 2. mit Approbation des Hochw. Bischofs von Chur. ZADOID Linsiedeln, New- York und Cincinnati, Druck und Verlag von Gebrüder Karl und Nikolaus Benziger, Typographen des hl. Apostol. Stables. Gb 4607 Univ.- Bibl. Giessen Kirchliche Genehmigung. Vorliegendes Buch: Trost der armen Seelen herausgegeben von Joseph Ackermann, Pfarrer in Emmen, das nichts gegen die Glaubens- und Sittenlehre unserer heiligen Kirche enthält, verdient seines salbungsvollen Inhaltes wegen der Andacht des gläubigen Volkes allerdings empfohlen zu werden. Chur, den 27. Juli 1846. + Caspar von Carl, Bischof von Chur. Einleitung. G₁ s ist dem Menschen eigen, sich um feine, in fernen Gegenden wohnenden Freunde zu bekümmern, und sehnsuchtsvoll sich um ihr Schicksal zu erkundigen. Um wie viel mehr sollten wir wünschen, sichere Kunde über den Zustand unserer geliebten Abgestorbenen zu erlangen, da es wohl Niemanden gibt, dem der Tod nicht einen geliebten Vater, eine zärtliche Mutter, einen Bruder, eine Schwester, oder einen Freund oder Bekannten, der ihm am Herzen liegt, entrissen hat und dessen Verlust er bedauert. Noch heftiger drängt uns die Liebe, uns ihrer anzunehmen, wenn wir bedenken, daß sie sich, wie mit Grund zu glauben ist, in erschrecklichen Leiden befinden, und wir ihnen nach der deutlichen Lehre unserer heiligen Religion leicht Trost und Linderung, ja sogar die Erlösung aus denselben verschaffen können. Wie traurig und undankbar unserseits, und wie schrecklich für jene wäre es, wenn wir 6 Einleitung. ihnen diese himmlische Wohlthat versagten, entweder weil wir sie nicht kannten, oder auch weil wir sie nicht achteten! Um also diesem dringenden Bedürfnisse frommer Seelen so viel möglich zu entſprechen, hat man hier das Wichtigste und Anziehendste gesammelt, das man über dieſen Gegenstand sowohl in der heiligen Schrift, in der Erblehre und den Beschlüssen der Kirche, als auch in den Schriften der heiligen Väter und kirchlichen Schriftsteller und Geisteslehrer finden konnte. Auch glaubte man, da Thatsachen allzeit mehr Eindruck machen als Worte, Beispiele zur Beleuchtung und Aufmunterung beifügen zu müs sen. Man hat aus der großen Menge derselben nur die zweckmäßigsten, und auch unter dieſen nur die sichersten gewählt, nämlich solche, die ihrer Quellen wegen zuverlässig sind. Wenigstens müßte man es, wenn alle insgesammt für unächt angesehen werden könnten, gleichsam für unmöglich halten, Ereignisse dieser Art als durchaus glaubwürdig anführen zu können. Auch von den neuern hat man keine angeführt, von deren Einleitung. Wahrheit man nicht gewissenhaft überzeugt war. Uebrigens ist man weit entfernt, allen diesen Beispielen, der Anordnung der Kirche gemäß, ein anderes als bloß menschliches beilegen zu wollen. 7 Ferner suchte man, damit unser Eifer auch von der Seite eines edeln Eigennußes geweckt würde, noch auf die wirksame Dankbarkeit dieser Seelen gegen ihre Wohlthäter aufmerksam zu machen, und durch eine Menge von Erfahrungen zu zeigen, daß der liebe Gott ihnen gestatte, uns schon in diesem Leben in allen unsern Nöthen und Gefahren sehr kräftige Hilfe zu leisten, und daß sie dieses auch wirklich thun. Um endlich nicht beim bloßen Erklären dieser Sache stehen zu bleiben, zumal das Gebet das allgemeinste und unentbehrlichste Hilfsmittel für die armen Seelen ist, wurde dieser Sammlung noch ein vollständiges Gebetbuch für die armen Seelen beigefügt, das, wie wir hoffen, frommen Gemüthern einen erwünschten Anlaß darbieten wird, ihrer frommen Neigung zu Gebetsübungen zum Troste ihrer im Fegfeuer leidenden Einleitung. Mitmenschen Genüge leisten zu können; denn wirklich, was könnte es für gläubige Seelen Erhabeneres, Freudigeres und Tröstlicheres geben, als der Gedanke, daß sie durch ihr Gebet den theuren Abgeschiedenen auch noch jenseits des Grabes ihre Liebe werkthätig erweisen, und daß der liebe Gott dieses Gebet als ein wohlgefälliges Opfer und Lösegeld für ihre Befreiung annehme? 8 Gewiß ist es ein süßer Troft, den uns unsere Religion anbietet, daß die wahre, in Gott gegründete Liebe auch durch den Tod nicht getrennt werde( die Liebe hört nimmermehr auf, sagt der heilige Apostel I. Kor. 13. 8.); daß sie in und durch Gott dann erst recht wirksam sei, und daß durch diese Liebe, als das Band der Vollkommenheit( Kol. 3. 14.), die leidende wie die triumphirende Kirche mit der streitenden auf Erden Eine Familie, ,, Einen Leib ausmache, zusammengefügt durch alle Gelenke der Dienstleiſtungen, nach dem Maße der Wirksamkeit eines jeden Gliedes, alle unter dem Einen Haupte Christus."( Epheſ. 4. 16.) Erster Theil. Belehrungen und Beispiele über die armen Seelen im Fegfeuer. Erster Abschnitt. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. Vom Begriffe des Fegfeuers. as Fegfeuer ist jener Ort in der andern Welt, wo die Seelen von solchen Sünden gereinigt werden, die zwar die Gnade Gottes in uns nicht auslöschen, und daher nicht mit der Hölle gestraft werden, die Seele jedoch so lange vom Himmel ausschließen, in welchen nichts Unreines eingeht, bis sie ihre Schuld gänzlich abgebüßt hat. Auch ist es der Ort in der andern Welt, wo schwere Sünden, für die man zwar in diesem Leben die göttliche Vergebung wieder erlangt, für selbe aber noch nicht genug Buße gethan hat, vollends gebüßt werden. Denn es ist eine Glaubenslehre, daß durch die Lossprechung von den Sünden dem büßenden Sünder die Schuld und die Höllenstrafe zwar nachgelassen werden, dafür aber eine zeitliche Strafe zurückbleibe, die entweder auf dieser Welt, oder in der andern im Feg I. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. feuer abgetragen werden muß, bevor der Zugang zum Himmel offen sein kann. Hierüber liefert uns die heilige Schrift Beweise an Moses und David, für welche eine harte zeitliche Strafe nicht ausblieb, obschon diese großen Diener Gottes durch ihre Buße über ihre begangenen Sünden mit Gott wieder ausgesöhnt waren. Auch hat sich die Kirche darüber deutlich erklärt. 10 Das Dasein des Fegfeuers wird aus dem alten Testamente bewiesen. Schon im alten Bunde wurde an einen Reinigungsort geglaubt, was deutlich jene Stelle im zweiten Buche der Machabäer( 12, 39-45) zu erkennen gibt, wo erzählt wird, daß man nach einem Treffen bei den Gefallenen Opfer= geschenke der Gößen gefunden habe, welche zu nehmen den Juden eine Sünde war. Um dieses Vergehen zu fühnen, veranstaltete der Anführer Judas eine Sammlung und sandte 12,000 Drachmen Silber nach Jerusalem, um für die Gefallenen ein Sühnopfer darzubringen, indem er gut und fromm in Betreff der Auferstehung gesinnt war. Denn", fügt hier die heilige Schrift bei, wenn er nicht gehofft hätte, daß die, welche gefallen, auferstehen würden, so schiene es ja überflüssig und eitel, für die Verstorbenen zu beten. Vielmehr dachte er, daß 1. Bom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. 11 eine sehr große Gnade denen vorbehalten sei, welche in Frömmigkeit entschlafen sind. Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, daß sie von ihren Sünden erlöst werden." Es folgert also hier die hl. Schrift selbst aus dem Benehmen dieses Heerführers das Dasein des Fegfeuers, oder einen Zustand der Abgestorbenen in der andern Welt, auf den unsere Gebete und Opfer eine heilsame Einwirkung haben, und aus welchem sie von ihren Sünden erlöst werden können. Gewiß hätte bei diesem Volke in so schwerer Kriegszeit weder eine so starke Sammlung gemacht, noch eine wichtige Religionsneuerung dieser Art plößzlich eingeführt werden können, wenn nicht schon vorher dieser Glaube tief im Herzen dieses Volkes gelegen wäre. Es sagt daher hier Allioli: Diese ganze Stelle liefert einen klaren Beweis für die katholische Lehre von dem Dasein eines Reinigungsortes für die im Stande der Gnade, mit noch nicht vollkommen abgebüßten Sünden Verschiedenen, und von der Wirksamkeit des Gebetes und der guten Werken zu ihrer Erlösung." Ferner erhellt dieses aus Jesus, Sirachs Sohn( 7, 37.), wo es heißt: ,, Wohlthätigkeit ist allen Lebenden angenehm, aber versage sie auch einem Todten nicht", nämlich durch Bezeigung der letzten Ehre und Darbringung der Todtenopfer, wie Allioli hier hinzufügt. End 12 1. Bom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. lich geht aus der Stelle des heiligen Paulus ( 1. Kor. 15, 29.), wo er schreibt: ,, Was thäten sonst die, welche um der Todten willen sich taufen lassen*), wenn es gewiß ist, daß die Todten nicht auferstehen? Warum lassen sie sich für dieselben taufen?" nach mehreren Schriftauslegern hervor, daß die Juden damals noch den Gebrauch hatten, sich für die Todten zu waschen oder zu reinigen. Uebrigens glauben die Juden jetzt noch an einen Läuterungszustand nach diesem Leben und beten für die Abgeschiedenen. Das Dasein des Fegfeuers wird aus dem neuen Testament bewiesen. Der göttliche Heiland sagt:( Matth. 5. 25-26.) Vereinige dich mit deinem Widersacher ohne Zögern, so lange du mit ihm auf dem Wege bist, damit dich nicht der Widersacher dem Richter übergebe, und der Richter dich dem Diener übergebe, und du in den Kerker geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir, du wirst von da nicht 11 *) Allioli nimmt hier mit mehreren andern Schriftauslegern die Worte: sich taufen lassen bildlich für leiden, wie sie auch der göttliche Heiland( Luk. 12, 50.) genommen hat und fügt hinzu:„ Nach dieser Auffassung spricht diese Stelle den Glauben der ersten Christen aus, daß man den Verstorbenen durch Werke der Buße zu Hülfe kommen könne." Es ist also diese Stelle des heil. Paulus immerhin ein Beweis für den damaligen Glauben an ein Fegfeuer, sei es, daß man sie auf die Juden oder auf die Christen beziehe. I. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. 13 herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast." Nun verstehen unter diesem Kerker die Schriftausleger und Kirchenlehrer( Origenes, Hieronymus, Ambrosius, Hilarius) allgemein das Fegfeuer, indem offenbar von der andern Welt die Rede ist, und die Hölle nicht darunter begriffen sein kann, aus welcher kein Herauskommen gedenkbar ist, was doch hier als möglich vorausgesetzt wird. Ferner sagt der göttliche Heiland( Matth. 12. 32.): ,, Und wer ein Wort wider des Menschen Sohn redet, dem wird vergeben werden, wer aber wider den heiligen Geist redet, dem wird weder in dieser, noch in der zukünftigen Welt vergeben werden." Hieraus folgert der heilige Augustinus( de civ. Dei I. XXI. c. 24.) mit andern heiligen Kirchenlehrern ( Gregorius, Bernardus, Beda.) auch das Fegfeuer, indem es, diesem göttlichen Ausspruche gemäß, nothwendig Sünden geben müsse, die in der andern Welt vergeben werden können. Endlich schreibt der heilige Paulus( 1. Kor. 3. 12-15.): Wenn aber Jemand auf diesen Grund( der Christus Jesus ist) bauet Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln*): " 1 *) Unter Gold, Silber, Edelstein en werden hier von den heiligen Vätern die guten Werke, unter Holz, Heu, Stoppeln hingegen die leichten Sünden verstanden. Deßwegen schreibt der heilige Augustinus in seiner Erklärung des 37. Psalms: Noch züchtige mich in deinem Zorne, auf daß du mich in diesem Leben reini 14 1. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. so wird eines Jeden Werk offenbar werden; denn der Tag des Herrn wird es an's Licht bringen, weil es im Feuer wird offenbar werden; und wie das Werk eines Jeden sei, wird das Feuer erproben. Wenn Jemandes Werk, welches er darauf gebaut hat, besteht, so wird er Lohn empfangen. Brennt aber Jemandes Werk, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird selig werden, jedoch so wie durch Feuer." Ueber diese Stelle sagt Allioli in seinen Anmerkungen: ,, Das Feuer, wovon der Apostel hier spricht, kann einzig und allein nur sein das Feuer nach dem Tode im Reinigungsorte, Fegfeuer genannt, welches noch in der Zeit zur Läuterung der nicht ganz reinen, abgeschiedenen Seelen brennt, bis es mit dem allgemeinen Gerichte und dem allgemeinen Weltbrande ( II. Petr. 3, 10-13.) endigt. In Uebereinstimmung hiemit erklären olle heiligen Väter diese Stelle, und wir haben sogar eine unfehlbare Erklärung derselben im gegebenen Sinne von dem Kirchenrathe zu Florenz( letzte Sizung.) gest und so umwandelst, daß ich das Reinigungsfeuer nicht mehr nöthig habe, wegen denen, die selig werden, aber es werden gleichsam durch das Feuer. Warum dieß, als weil sie hier über den Grund Holz, Stroh, und Stoppeln bauen? Würden sie Gold, Silber, Edelsteine bauen, so würden sie vor beiden Feuern gesichert sein, nicht nur vor jenem ewigen, das für immer die Gottlosen peinigen wird, sondern auch vor dem, welches jene reiniget, die durch das Feuer selig werden." 1. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers 15 Das Dasein des Fegfeuers wird aus der apostolischen Ueberlieferung bewiesen. Schon im dritten Jahrhunderte spricht Tertullian von den Opfern für die Todten, als von einer apostolischen Ueberlieferung( L. de coron. c. 3.), und der heilige Johannes Damascenus sagt in seiner Rede über die Abgestorbenen: " Die Jünger und Apostel des göttlichen Hetlandes, die das ewige Wort selbst sahen und den lebendigen Umkreis der ganzen Welt bekehrten, lehrten, man solle in den fruchtbaren, unbefleckten belebenden Geheimnissen des Heiligen Meßopfers das Gedächtniß derjenigen begehen, die gläubig entschlafen seien." Zur weitern Bekräftigung führt er in der nämlichen Rede noch das Zeugniß des heiligen Chrysostomus mit diesen Worten an: Jener Johannes, der wegen seiner Beredtsamkeit den Namen Chrysostomus, das heißt: Goldmund, empfing, lehrt: nicht leichtfertig oder zufällig ward es von den weisesten Schülern Gottes verordnet und der Kirche überliefert, daß der Priester in den schreckbaren Geheimnissen Gebete für die Seelen der Verstorbenen verrichte." Deßgleichen schreibt der heilige Gregor von Nissa: Nicht ohne Grund und Nußen ist von den Aposteln und Jüngern Christi überliefert worden, was auch überall in der heiligen Kirche Gottes Gesetzes 16 1. Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. kraft erhalten hat, daß es nüßlich und Gott überaus angenehm sei, daß das Gedächtniß derjenigen, die im wahren Glauben gestorben sind, in jener göttlichen und lichtvollen Geheimnißfeier begangen werde."( Blos. collyr. hær. app. 7.5.) Endlich gibt der heilige Augustinus seine volle Ueberzeugung über diese apostolische Ueberlieferung in Betreff des Fegfeuers zu erkennen, indem er in seiner Abhandlung über die Sorgfalt für die Abgestorbenen( 1. Hst.) schreibt: „ Wir lesen im Buche der Machabäer, daß Opfer für die Todten dargebracht wurden; allein wenn auch hievon durchaus nichts in der heiligen Schrift des alten Testamentes geschrieben stünde, so ist das Ansehen der ganzen Kicche, welche diesen frommen Gebrauch beobachtet, nicht von geringem Gewichte, indem in den Gebeten, welche am Altare zu Gott dem Herrn vom Priester gesprochen werden, die Anbefehlung der Todten ihren Plaß hat." Das Dasein des Fegfeuers wird aus den Bes schlüssen der Kirche bewiesen. Die Kirche hat ihre Ueberzeugung, daß ein Fegfeuer sei, durch ihre Anordnungen und steten Gebräuche bei den Leichenbegängnissen und Gedächtnißfeiern der Abgestorbenen, so wie auch durch ihre uralten Meßordnungen allzeit an den Tag gegeben und in Konzilien feierlich als 11. Von den Beinen des Fegfeuers. Glaubenslehre erklärt: so in zwei von Karthago, in dem vierten allgemeinen vom Lateran und in dem letzten allgemeinen von Trient. Dieses letztere erklärt, ,, daß die im Fegfeuer zurückgehaltenen Seelen durch die Hülfeleistungen der Gläubigen, vorzüglich aber durch das angenehme Opfer des Altars Erleichterung erhalten"( 25. Sizung); und wirft selbst den Bannfluch auf diejenigen, welche behaupten, es werde nach erhaltener Rechtfertigungsgnade jedem büßenden Sünder so die Schuld nachgelassen und so die ewige Strafe getilgt, daß keine zeitliche Strafe zurückbleibe, die im Fegfeuer abgetragen werden müsse."( 6. Siz. 30. Can.) 17 --0--00Zweiter Abschnitt. Von den Peinen des Fegreuers. Von den Geistespeinen des Fegfeuers. Die Geistespein, oder die Bein des Verlustes ist nach den hl. Kirchenväter die größte des Fegfeuers, und trifft mehr oder weniger alle darin befindlichen Seelen, daher auch diejenigen, welche sonst keine andere Bein zu leiden haben. Sie besteht im Gefühle der Schuld des begangenen Bösen und unterlassenen Guten, und in der Beraubung der beseligenden Anschauung Gottes, die nach dem Kirchenrathe Kirchenrathe 18 II. Von den Beinen bes Fegfeuers. von Florenz die peinlichste aller Qualen ist. Niemand kann begreifen, wie groß die Leiden einer vom Leibe getrennten Seele sind, welche sich in ihrer heftigen Sehnsucht nach Gott, ihrem höchsten und einzigen Gute, allzeit als einen Gegenstand seiner strafenden Gerechtigkeit zurückgestoßen steht. Der heilige Bischof und Ordensstifter Alphons von Liguori schreibt: ,, Weit größer als die Peinen der Sinne im Fegfeuer ist die Pein, welche dort die heiligen Seelen dadurch zu ertragen haben, daß sie der Anschauung ihres Gottes beraubt sind. Weil dieselben nicht nur von natürlicher, sondern auch von übernatürlicher Liebe zu Gott entflammt sind, so werden sie so gewaltsam zur Vereinigung mit ihrem höchsten Gute hingezogen, daß ste, weil sie sich durch ihre Schuld davon zurückgehalten sehen, einen so heftigen Schmerz empfinden, daß derselbe sie jeden Augenblick zu tödten vermöchte, wenn sie sterben könnten." ,, Deßhalb," sagt der heilige Chrysostomus, ist diese Pein der Beraubung ihres Gottes für sie eine weit größere Qual, als das Leiden der Sinne. Tausendfaches Feuer der Hölle", fügt er bei, würde ihnen keine so große Pein verursachen, als die Qual des Verlustes Gottes."( Abhandlung vom Gebete.) II. Von den Peinen des Fegfeuers. Von der Feuerpein des Fegfeuers. Das Feuer des Reinigungsortes ist nach den heiligen Kirchenvätern von dem der Hölle nicht unterschieden.„ Das nämliche Feuer", sagt der heilige Thomas von Aquin( in suppl. qu. 69. art. 8.), quält die Verdammten in der Hölle und die Gerechten im Fegfeuer." Die geringste Pein des Fegfeuers", fügt dieser heilige Kirchenlehrer hinzu, übersteigt die größte, welche man in diesem Leben erdulden kann." Er nimmt selbst die größten Qualen der Martyrer und sogar das bittere Leiden unsers Herrn nicht aus, indem er sagt, daß dieses Feuer nicht nach der natürlichen Kraft, sondern wie das höllische, mit einer erhöhten, übernatürlichen Heftigkeit als Geißel Gottes brenne. Auch sagt der heilige Bischof und Kirchenvater Auguſtinus in seiner Erklärung des 37. Psalms von diesem Feuer: ,, Weil gesagt wird: ,, Er selbst aber wird selig werden""( 1. Kor. 3, 15.), wird jenes Feuer gering geachtet. Allein obwohl man durch das Feuer selig wird, wird jenes Feuer dennoch schmerzlicher sein, als was immer der Mensch in diesem Leben leiden kann. Und ihr wisset wohl, welche großen Uebel in diesem Leben schon die Bösen erduldet haben und erdulden können; dennoch haben sie nur solche erduldet, die auch die Guten schon erdul19 20 11. Von den Beinen des Fegfeuers. den mußten. Denn was hat jeder Zauberer, Ehebrecher, Lasterhafte und Gotteslästerer von Rechtswegen ertragen, was nicht auch der Martyrer im Bekenntnisse Christi erdulden mußte? Die Uebel hier auf Erden sind also viel leichter, und dennoch steht man, daß die Menschen Alles thun, was ihnen befohlen wird, um sie nicht erdulden zu müssen! Wie viel besser ist es daher für ste, das zu thun, was Gott beftehlt, damit ste jene weit schwerern Uebel nicht leiden müssen!" Von den übrigen Peinen des Fegfeuers. Es gibt im Fegfeuer nebst der Feuerpein noch andere Beinen der Sinne oder der Empfindlichkeit: vorerst die Finsterniß; denn jenes übernatürliche Feuer gibt, wie das höllische, kein Licht von sich; deßwegen wird es auch von der Kirche die Finsterniß genannt. Ferner werden dort, wie in der Hölle, auch alle Sinne, vorzüglich jene, mit denen am meisten gesündiget worden ist, gepeinigt; gemäß dem Worte: ,, Womit Jemand sündigt, damit wird er auch gestraft."( B. d. W. 11. 17.) Auch müssen die Seelen oft an dem Orte selbst leiden, wo ste gesündigt haben, das man wandeln heißt; der heilige Kirchenlehrer Thomas von Aquin schreibt daher( in suppl. qu. 69.), nachdem er von dem ordentlichen Fegfeuer gesprochen: 11. Von den Beinen des Fegfeuers. Einen andern Ort des Fegfeuers gibt es noch, nach einer besondern Anordnung, indem, wie man liest, bisweilen Einige an verschiedenen Orten gestraft werden, entweder zur Belehrung der Lebenden oder zur Hülfe der Abgestorbenen, damit nämlich, wenn ihre Strafe. den Lebenden bekannt wird, diese durch die Gebete der Kirche gemildert werde." Endlich sind sie auch, je nachdem es Gott mehr oder weniger zuläßt, den Anfällen der bösen Geister ausgeseßt. Hierüber sagt der heilige Bernard ( Serm. 42.) Folgendes: ,, Diejenigen, welche sich im Reinigungsorte befinden, erwarten die Erlösung, müssen aber zuerst durch die Hiße des Feuers, oder die Schärfe der Kälte, oder irgend einen andern schweren Schmerz gepeinigt werden. Der allgütige Vater überläßt dort seine, zur ewigen Herrlichkeit bestimmten Kinder den Händen des Versuchers, nicht um ste zu tödten, sondern um sie zu reinigen, nicht zum Zorne, sondern zur Barmherzigkeit, nicht zur Vertilgung, sondern zur Wiederherstellung, indem sie schon keine Gefäße des Zornes mehr sind, zum Verderben bereitet, sondern Gefäße der Erbarmung, aufbewahrt zur ewigen Herrschaft." 21 11. Von den Peinen des Fegfeuers. Allgemeine Ansichten über die Beinen des Fegfeuers. 22 Der heilige Gäsarius von Arles schreibt:„ Es mag vielleicht Jemand sagen: Ich bekümmere mich wenig um die Zeit, die ich im Fegfeuer zubringen werde, wenn ich nur zum ewigen Leben gelange. Allein Gott gefällt eine solche Denkungsart nicht. Alle Qualen dieses Lebens können mit jenen des Reinigungsortes nicht in Vergleich gesetzt werden. Und wer weiß denn, wie viele Tage, Monate, Jahre er da bleiben wird? Man würde sich fürchten, den Finger in's Feuer zu halten, und sollte sich nicht fürchten, eine lange Zeit in der verzehrenden Flamme zu sein?" Im gleichen Sinne sagt der heilige Bernard: ,, Werfet den alten Sauerteig von euch, Brüder, da ihr noch Zeit dazu habt. Die Tage, welche uns zur Reinigung verliehen sind, gehen zwar vorüber, wir mögen wollen oder nicht; aber wehe uns, wenn sie werden erfüllt sein, und unsere Reinigung nicht vollkommen sein wird, so daß wir nothwendig durch jenes Feuer gereiniget werden müssen, gegen das in diesem Leben nichts Peinlicheres, nichts Schärferes und nichts Heftigeres erdacht werden fann."( Serm. VI. de Purif.) Diese Ansicht vom Fegfeuer haben überhaupt alle heiligen Kirchenväter und Kirchenlehrer. 11. Von den Beinen des Fegfeuers. 23 Wenige Auserwählte entgehen den Beinen des Fegfeuers. Aus dem einzigen Ausspruche der heiligen Schrift( Offenb. 21. 27.), wo es von der heiligen Stadt heißt: Nichts Unreines wird in dieselbe eingehen," läßt sich entnehmen, daß sich wenige Sterbende dieses höchsten Glückes, unmittelbar zur Anschauung Gottes zu gelangen, zu erfreuen haben. Die heilige Theresia, welche nach ihrem eigenen Geständnisse den Zustand vieler Verstorbenen gesehen hat, sagt, daß unter denselben nur drei, nämlich Personen von ausgezeichneter Heiligkeit, gewesen seien, welche unmittelbar zur Anschauung Gottes gelangten; und der gelehrte Kardinal Bellarmin sagt in seinen Seufzern der Taube, daß kaum einige Gerechte aus der größten Barmherzigkeit Gottes den scharfen Peinen des Feg= feuers entgehen, und sogleich in den Himmel gelangen. Wer ist so vollkommen," sagt der heilige Bernard, so heilig, daß er, wenn er aus dieser Welt scheidet, jenem Feuer nichts schuldet, und seine Seele von allen Sündenschlacken durchaus geläutert hat, daß er sich rühmen könnte, er habe ein reines Herz, daß er sagen könnte: Mein Herz ist rein, ich bin frei von Sünden?""( Spr. Sal. 20, 9.) Wenige sind zwar auserwählt: allein auch 11 24 11. Von den Beinen des Fegfeuers. unter diesen Wenigen gibt es, wie ich dafür halte, äußerst Wenige, die so vollkommen sind, daß ste jene Reinigung vollbracht haben, von welcher der weise Mann spricht( Jes. Sir. 7. 43.): Reinige dich mit den Wenigen von beiner Fahrlässigkeit.""( Serm. VI. de Purif.) Man muß ganz rein sein, um in den Himmel gelangen zu können. Obwohl die geringen Sünden uns nicht der Freundschaft Gottes berauben, so ist doch gewiß, daß sie unsere Seele beflecken und daher, bevor wir vor demjenigen erscheinen können, der die Heiligkeit selbst ist und nicht die geringste Makel vor sich erdulden kann, eine Reinigung im Fegfeuer erfordern, wenn eine solche nicht schon im Leben vollbracht worden ist. Sehr beleuchtend ist hiefür auch folgende Geschichte, die zeigt, daß sogar kleine Kinder einer solchen bedürftig sein können. Die heilige Perpetua, welche im Jahre 203 den Martertod erlitt und wegen ihrer ausgezeichneten Heiligkeit in den heiligen Ganon der Messe gesetzt wurde, hat in ihrem bekannten merkwürdigen Berichte selbst folgende Gesichte beschrieben, die sie kurz vor ihrem Tode von ihrem Bruder Dinokrat hatte, der in einem Alter von steben Jahren, an einem Krebse im Gesichte, gestorben war. Bald nachdem sie auf eine besondere Mahnung 25 II. Von den Peinen des Fegfeuers. angefangen hatte, für ihn zu beten, sah sie ihn schmachtend vor Durst und Hiße, unsauber, mit der gehabten Wunde im Gesichte, aus einem finstern Kerker, wo noch viele Andere behalten waren, hervorgehen. Als sie nachher noch inbrünstiger für ihn betete, sah ste ihn bald wieder an einem hellen Orte, reinlich und fröhlich mit andern Kindern spielend, und statt der Wunde hatte er eine Narbe im Gesichte. Daran erkannte sie, daß er von seiner Pein befreit ſei. Der heilige Augustin, welcher mit andern heiligen Kirchenvätern diese Gesichte für echt hält, macht darüber die Bemerkung, es müsse dieser Knabe getauft gewesen sein, und hernach seine Unschuld entweder auf Zudringen seines heidnischen Vaters durch eine gößendienstliche Handlung, oder durch Verlegung der Wahrheit, oder irgend einen andern Fehler des kindlichen Alters verloren haben. Graf von Stollberg führt im VIII. Bande seiner Geschichte Jesu die Beschreibung dieser Gesichte in ihrer ursprünglichen Umständlichkeit an, und so auch Buttler im Leben der gedachten Heiligen vom Monate März. Dritter Abschnitt. Von den Beweggründen, den armen Seelen zu helfen. Die armen Seelen können nichts mehr verdienen und sich keine Linderung verschaffen. Der er gelehrte Buttler sagt in seiner vortrefflichen Abhandlung über den Allerseelentag Folgendes: ,, Noch ein Umstand darf nicht übergangen werden, der besonders unser Mitleiden mit den im Fegfeuer leidenden Seelen erregt, daß sie sich nämlich keine Verdienste mehr sammeln und nicht die geringste Linderung verschaffen können. Die Kranken und Armen können wenigstens mit Worten um Hülfe bitten, und man wird schon durch den Anblicke ihrer Leiden gerührt, menschenfreundlichen Antheil daran zu nehmen. Allein die Seelen im Fegfeuer haben keine andern Mittel als die Geduld, die Ergebung und die Hoffnung. Sie mögen noch so sehr seufzen und sich nach dem bessern Zustande sehnen, Gott antwortet ihnen nichts Anderes, als daß jene Nacht, wo Niemand mehr wirken kann( Joh. 9, 4.), für ste angekommen sei." ,, Würde sich dieser Schreckensort aufthun", fügte er hinzu,„ könnten wir ihre Qualen sehen, welchen Eindruck würde dieser Anblick auf uns machen! Wie viele Univ.- Bibl. Giessen 11. Von d, Beweggründen, d. a. Seelen zu helfen. 27 Thränen würden wir vergießen, von welchem Schauer würden wir ergriffen werden, wenn wir jene unzählbare Menge Diener Gottes sähen, die unsere Brüder in Christus sind, welche so unaussprechliche Leiden erdulden!" Die armen Seelen im Fegfeuer rufen uns ohne Unterlaß um Hülfe an. Da die armen Seelen im Fegfeuer selbst sich in ihrer äußersten Noth und Bein nicht die geringste Erleichterung verschaffen können, hingegen wohl wissen, daß uns im Stande der Gnade alle Schäße der Kirche mit allen Verdiensten des Lebens und Leidens Jesu Christi zu Gebote stehen, um fortwährend ihnen Trost und Linderung, ja sogar gänzliche Befreiung zu erwirken, so rufen ste ohne Unterlaß zu uns um Rettung und Hülfe. Weil sie aber dieses nicht auf eine, uns vernehmbare Weise thun können, so thut es die Kirche für sie, sowohl durch ihre vielen rührenden Anstalten zu ihrer Erlösung, als auch durch ihre eifrigen Darstellungen des kläglichen Zustandes derselben vermittelst ihrer Diener. Der Kanzler Gerson läßt sie auf folgende Weise zu uns rufen: ,, Betet für uns, weil wir uns selbst nicht helfen können! Diesen Beistand dürfen wir von euch erwarten, versagt ihn uns nicht! Ihr, die ihr uns kanntet auf Erden, die ihr 28 Ill. Von d. Beweggründen, d. a. Seelen zu helfen. uns liebtet, könntet ihr jeßt uns vergessen? Man sagt gewöhnlich, daß man in den Trübsalen den Freund erkenne. Welche Trübsal ist aber der unsrigen zu vergleichen! Habt also Mitleiden mit uns." ,, Einem harten Herzen wird es zuletzt übel gehen."( Jes. Sir. 3. 27.) „ Seid also gegen euere eigenen Vortheile nicht gleichgültig." Es ist unsere Pflicht, den armen Seelen im Fegfeuer zu Hülfe zu kommen. Der geistreiche und fromme Hr. M. Boudon, Groß- Erzdiakon von Evreur, sagt hierüber in seiner Schrift: ,, Die Verherrlichung der allerheiligsten Dreieinigkeit in den Seelen des Fegfeuers:" ,, Je ärmer eine Person ist, desto mehr sind wir verpflichtet, ihr beizuspringen. Wer aber kann nun ärmer sein, als derjenige, welcher nichts hat, viel schuldig ist, weder arbeiten, noch erwerben, noch begehren kann und doch in den erschrecklichsten Peinen sizen muß, bis er den lezten Heller zurückbezahlt hat? Das Gesetz, den Bedrängten zu Hülfe zu kommen, ist zwar allgemein und erstreckt sich selbst auf fremde und unbekannte Personen; allein hier ist noch eine strengere Verbindlichkeit vorhanden, indem sich in diesen reinigenden Flammen sogar solche befinden, die uns zunächst angehen, und an deren Leiden wir Ill. Von d. Beweggründen, d. a. Seelen zu helfen. 29 vielleicht Schuld sind. Es schmachten darin unsere Brüder, Schwestern, Väter, Mütter und Andere. Welch ein Schmerz muß es wohl für diese sein, sich jetzt in diesen Gluthen selbst von jenen vergessen und verlassen zu sehen, für deren Glück sie einst keine Mühe gespart haben, und die nun mit dem von ihnen hinterlassenen Vermögen viele thörichte Ausgaben machen, für ihre Linderung und Rettung aber keinen Heller davon verwenden! Wahrlich, darüber muß man erstaunen! ich fasse es einmal nicht. Wenn ein Thier brennen würde, hätte man Erbarmen mit ihm; und gegen einen Vater, eine Mutter, einen Gatten 2c. in den schrecklichen Flammen des Fegfeuers kann man gefühllos sein! Sind wir nicht Menschen ohne Glauben? Wäre einer von diesen Personen auf dieser Welt das geringste Uebel widerfahren, oder hätten wir nur einen Funken Feuer auf ste fallen sehen, so hätten wir Alles aufgeboten, sie davon zu befreien; nun aber sind wir so gefühllos und blind, ste in Peinen zu verlassen, deren Schärfe kein Mensch zu begreifen vermag." Es ist der Wille Gottes, daß wir den armen Seelen im Fegfeuer zu Hülfe kommen. In den himmlischen Offenbarungen der heiligen Brigitta, welche von der Kirche viele Gut 30 III. Von d. Beweggründen, d. a. Seelen zu helfen. heißungen erhalten haben, vorzüglich aber von dem Kirchenrathe in Basel sorgfältig geprüft und gutgeheißen worden sind, liest man im vierten Buch( 7. Hst.), daß der Engel, als er ihr einst das Fegfeuer in drei verschiedenen Abtheilungen zeigte, zu ihr sprach:„ Alle Seelen, welche sich in diesen Orten aufhalten, haben Theil an den Gebeten und guten Werken der heiligen Kirche, welche in der Welt verrichtet werden, vorzüglich an jenen, welche sie selbst wirkten, da sie noch lebten, so wie auch an denselben, welche von ihren Freunden für ste verrichtet werden. Wisse auch, daß, so wie die Sünden vielfältig und verschieden sind, deßgleichen auch die Strafen vielfältig und verschieden sind. So wie daher der Hungrige durch den Bissen, der ihm dargereicht wird, der Durstige durch den Trank, der Traurige durch die Lustbarkeit, der Nackte durch das Kleid, und der Kranke durch das Bett, in das er kömmt, erfreut wird, so erfreuen sich die Seelen und nehmen Theil an allem Guten, das für sie in der Welt gethan wird. Geſegnet sei derjenige," fügte er hinzu,„ der in seinem Leben den Seelen mit seinen Gebeten und guten Werken, so wie durch die Arbeit seines Leibes zu Hülfe kömmt; denn die unfehlbare Gerechtigkeit Gottes will, daß sie entweder durch die Pein des Fegfeuers gereinigt III. Von d. Beweggründen, d. a. Seelen zu helfen. 31 werden, oder durch die guten Werke der Gläubigen eine frühere Erlösung erlangen." Hierauf hörte man ein Gesammtrufen vieler Stimmen aus dem Fegfeuer: O Herr Jesus Christus, gerechter Richter! Gieße den Geist deiner Liebe in das Herz der Priester, der Religiosen und aller derjenigen, welche in der Welt geistlicher Weise Gewalt haben, alsdann könnten wir einen größern Theil als bisher an ihren Gesängen, Gebeten und Opfern haben." Nachher riefen von einer Seite her viele Stimmen: " O Gott! belohne jene, welche uns in unserm Elende Hülfe verschaffen." Endlich schrie noch eine sehr starke Stimme: O Herr und Gott! ertheile durch deine unbegreifliche Macht allen jenen auf Erden eine hundertfältige Vergeltung, die uns durch ihre guten Werke zum Lichte deiner Gottheit und zur Anschauung deines Angesichtes erheben." Die guten Werke für die Abgestorbenen haben einen großen Werth vor Gott. Der berühmte Geisteslehrer Ludwig Blostus ( Inst. vitæ ascet. c. 4.) schreibt hierüber Folgendes: ,, Der gütige und liebreiche Herr liebt die Seelen seiner Auserwählten, die nach dem Tode des Fleisches noch gereinigt werden müssen, so sehr, und verlangt ihre Erlösung so inbrünstig, daß, wenn wir aus christlicher Liebe für 32 Ill. Von 6. Beweggründen, d. a. Seelen zu helfen. ste eifrig beten und das anbetungswürdige heilige Sakrament des Altars, oder die Verdienste Jesu Christi aufopfern, oder den Psalmgesang oder was immer für ein heilsames Werk verrichten und Gott für sie zum Opfer darbringen, es Ihm ebenso angenehm ist, als wenn wir unsern Herrn selbst, wenn er in einem Kerker eingeschlossen wäre, mit unsern Tröstungen aufrichten oder durch unsere Hülfe zu befreien suchten; denn Er selbst hat geſagt: " Wahrlich, sage Ich euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder gethan habt, das habt ihr Mir gethan.""( Matth. 25, 40.) Man liest auch bei dem heiligen Dionysius, dem Karthäuser, daß der göttliche Heiland einst zur heiligen Gertrud sagte:" So oft sie eine Seele aus dem Fegfeuer erlöse, sei dieß dem Herrn so angenehm, als wenn sie Ihn selbst aus einem Kerker befreite, und es werde ihr der gebührende Lohn für diese Wohlthat gemäß seiner allmächtigen Gutthätigkeit zur erwünschten Zeit nicht ausbleiben." Der heilige Kirchenlehrer Thomas von Aquin lehrt ſogar, daß Gott die guten Werke für die Abgestorbenen wohlgefälliger seien, als die für die Lebendigen, weil jene sie mehr bedürfen und nicht, wie diese, sich selbst Hülfe verschaffen können. Endlich spricht der heilige Erzbischof und Kirchenlehrer Ambrosius in seinem Buche 111. Von d. Beweggründen, b. a. Seelen zu helfen. 33 über die Pflichten der Geistlichen: ,, Alles, was für die Abgestorbenen in einer frommen Absicht gethan wird, wird in unser eigenes Verdienst umgewandelt und wir empfangen es nach dem Tode wieder hundertfach vermehrt." Durch die Erlösung der armen Seelen aus dem Fegfeuer befördern wir die Ehre Gottes auf die wirksamste und vollkommenste Weise. In den frühern Beweggründen haben wir theils unsern eigenen Nußen, theils den Nußen der armen Seelen berücksichtigt, um uns aufzumuntern, ihnen beizustehen: in dem gegenwärtigen wollen wir einzig nur auf die Ehre Gottes sehen. Die Endabsicht der Heiligen war bei allen ihren Handlungen immer: ,, die größere Ehre Gottes." So lehrt uns der göttliche Heiland als erste Bitte zum Vater im Himmel beten: ,, Geheiliget werde dein Name;" im gleichen Gefühle betet die Kirche im Gloria der heiligen Messe:„ Wir danken Dir wegen deiner großen Herrlichkeit." Endlich ist das ,, Lob Gottes" das Hauptgeschäft der Heiligen im Himmel, es soll daher auch„ die Verherrlichung Gottes" der Hauptbeweggrund in unsern Liebeswerken für die Abgestorbenen sein; denn wir befördern dadurch dieselbe auf die wirksamste und vollkommenste Weise, indem wir diese heiligen Seelen durch die Erlösung, 3 Treßt der armen Seelen f. Dr. 34 III. Von d. Beweggründen, d. a. Seelen zu helfen. welche wir ihnen erwirken, in den Himmel versezen, wo Gott allein vollkommen erkannt, geliebt und folglich verherrlicht wird. Der fromme Boudon war von diesem Gedanken so ergriffen, daß er ausrief:„ Ich lade Alle ein, die für die Verherrlichung Gottes entflammt sind und nach der reinen Liebe Gottes allein streben, über diese Wahrheit nachzudenken. Wenn die heilige Theresia und andere Heilige betheuert haben, sie hätten für einen einzigen Grad der Verherrlichung Gottes alle erdenklichen Peinen leiden mögen, was soll man denn nicht thun, was nicht leiden für die Erlösung der Seelen aus den reinigenden Flammen des Fegfeuers, da diese ja das Mittel ist, dieselbe um Millionen Grade befördern zu lassen und zwar nicht nur für einen Augenblick, sondern für immer, für die ganze Ewigkeit!" So rief auch ein von Liebe zu Jesus brennender Ordensmann, P. Johann v. St. Maria, aus: ,, Ich bekenne, daß es mein Wunsch wäre, in eine Wildniß oder in einen Kerker die ganze Zeit meines Lebens verbannt zu sein, um nichts anders thun zu müssen, als Ablässe für die armen Seelen zu gewinnen und dadurch einige derselben Jesu, unserm Herrn, zuzuschicken, wo sie Ihn in seinem Himmelreich aus ihrem ganzen Vermögen lieben und loben könnten!" Vierter Abschnitt. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Von diesen Mitteln im Allgemeinen. Die Glieder der Kirche Jesu Chrifti triumphiren entweder im Himmel, oder kämpfen auf der Erde, oder leiden im Fegfeuer; daher die Benennung der triumphirenden, streitenden und leidenden Kirche. Die Liebe verbindet uns mit dem ganzen geistigen Leibe Jesu und läßt uns Theil nehmen an den Mühseligkeiten und Trübsalen, so wie an dem Glücke und an den Tröstungen Aller, deren Haupt Jesus ist. Die Gemeinschaft der Heiligen, die wir in dem Glanbensbekenntnisse aussprechen, schließt daher die Gemeinschaft der Güter und den wechselseitigen Verkehr zwischen allen Gliedern Jesu Christi in sich. Wir stehen in diesem Verkehr oder in dieser Verbindung mit den Heiligen im Himmel, wenn wir Gott für ihre Siege und erlangten Belohnungen danken, ste um ihre Fürbitte anrufen und die Wirkungen derselben erfahren; ebenso stehen wir auch im Verkehr mit den Seelen im Fegfeuer, wenn wir die Barmherzigkeit Gottes durch unsere Gebete und guten Werke auf sie herabziehen, und ihnen dadurch in ihren Peinen Hülfe leisten. Es sind daher der Mittel, ihnen beizu 36 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. springen, eben so viele, als wir selbst Mittel haben, uns Gnaden und Verdienste zu erwerben, indem wir alle unsere Gott gefälligen Werke und Handlungen zugleich auch fürbittweise für sie verwenden können. Die heiligen Väter geben uns vielerlei an, nämlich das Gebet, das Fasten oder die Bußwerke, das Almosen oder die Werke der Barmherzigkeit und das heilige Meßopfer. Man kann aber auch folgenden Abhandlungen und Beispielen gemäß mehrere nennen: das Gebet, die Anrufung der Mutter Gottes, der Engel und Heiligen, die Bußwerke, die Werke der Barmherzigkeit, die Aufopferung der eigenen Verdienste, die heiligen Ablässe, das Weihwasser, das Lichtbrennen, die Wallfahrten, die heilige Kommunion und das heilige Meßopfer. Von der Kraft des Gebetes für die Abgestorbenen. 110 Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke," sagt die heilige Schrift,( II. Mach. 12. 60.) für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden befreit werden." Er ist heilig, weil er Gott sehr wohlgefällig ist, und heilsam, weil er bei der allerbarmenden Güte Gottes seinen hohen und wohlthätigen Zweck nicht verfehlt; denn unter allen Opfern gefallen Gott keine mehr, und keine gereichen Ihm zu größerer Ehre, als die Opfer der Barm IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 37 herzigkeit und der Liebe, vorzüglich wenn sie für diese leidenden Seelen verrichtet werden, die Er zärtlich liebt, indem sie heilig sind und der Himmel ihnen schon zugesichert ist. Da sie durch seine Gerechtigkeit noch in den rächenden Flammen des Fegfeuers zurückgehalten werden, bis sie gereiniget sind( indem Er aufhörte, gerecht zu sein, wenn Er nur barmherzig sein wollte); so läßt Er die Gebete, die wir liebend für sie zu Ihm abschicken, gern zu ihrer Sühnung gereichen; und da diesen, wenn sie auch nur Zeitliches betreffen, von Jesus Christus gewisse Erhörung versprochen ist, wie viel kräftiger und sicherer müsser: ste erst wirken, wenn sie diese, für die ganze Ewigkeit auserwählten Seelen, die an allen seinen Gütern und seiner Glückseligkeit Theil nehmen sollen, zum Gegenstand haben! Es sagt daher der heilige Augustin,„ daß es keine frömmere und heiligere Beschäftigung gebe, als für die Abgestorbenen zu beten." Ermahnung zum Gebet für alle Abgestorbenen, von Thomas von Kempis( fünfter Brief.) Wir sollen gerne für alle Abgestorbenen beten, vorzüglich aber für unsere Eltern, Freunde und Wohlthäter, weil dieß ein Werk sehr großer Liebe und Barmherzigkeit ist. So wie wir wünschen, daß man uns einst nach dem Univ.- Bibl. Giessen 38 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Tode zu Hülfe komme, so müssen auch wir uns bemühen, ihnen mit der Gnade Gottes, so viel wir können, beizuspringen. Derjenige, der für die Befreiung der armen Seelen eifrig und treu ist, verschafft sich selbst den größten Nußen, weil er sich, da er für ste betet, keineswegs der Frucht seines Gebetes beraubt, und nebstdem dadurch heilsam an den Tod erinnert wird. Auch wird er kaum jemals ohne die Gnade der innerlichen Sammlung zu seinen gewöhnlichen Geschäften zurückkehren, indem er weiß, daß wir alle den nämlichen Weg des Fleisches werden wandeln müssen, und daß, was jene jeßt überstanden haben, ihm ebenfalls sehr wahrscheinlich bevorsteht. Laßt uns daher für unsere Lieben beten, weil wir ihnen in kurzer Zeit folgen werden, und ste dann, wenn sie werden erlöst sein, unser in der nämlichen Drangsal ebenfalls werden eingedenk sein! Unser Glaube sei nicht bloß im Munde, und wir sollen nicht nur auf das sehen, was uns vor Augen ist, sondern wir sollen Allen Liebe erweisen, mögen wir ihnen körperlich gegenwärtig, oder abwesend sein. „ Denn die Liebe hört nimmermehr auf" ( 1. Kor. 13.); und diejenigen, die einander wahrhaft lieben, werden einander nicht vergessen können. Auch wird der treue Freund in der Noth erkannt. Wäre es nämlich nicht IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 39 gottlos und grausam von dir, wenn du deinen Bruder oder Freund in einen Kerker oder in ein Feuer geworfen sähest, und dadurch nicht zu Thränen gerührt würdest, oder wenn du ihm die Hand reichen könntest, ihm diese Liebe nicht erwiesest, und, wenn du ihm auch mit einigen Worten befreien könntest, mit stummem Munde vorüber gingest!- Laßt uns daher oft für die Todten unsere Hände gen Himmel erheben, und ihnen Alles, was wir zu ihrer Erlösung für nüßlich erkennen, mit frommer Schnelligkeit erweisen, indem wir bedenken, welche schreckliche Qualen sie leiden, und daß sie nicht zur Ruhe gelangen können, bevor sie gereinigt sind. Von dem Eifer, mit dem man für die Abgestor= benen beten soll. Wir müssen wohl Acht haben, unser Gebet für die Abgestorbenen mit Eifer zu verrichten. Denn, bedenke man doch, mit welcher Beflissenheit würde man handeln, wenn es darum zu thun wäre, eine Person, die uns sehr lieb wäre, wie z. B. einen Vater, eine Mutter, ein Kind 2c., in diesem Leben von der Todesstrafe zu befreien; und dann erwäge man, wie unser Gemüth gestimmt sein sollte, wenn wir für Seelen beten, die uns nicht weniger werth sein können, und die in den erschreck 40 IV. Von den Witteln, den armen Seelen zu helfen. lichen Flammen der strafenden Gerechtigkeit Gottes brennen! Gewiß sollte dieß unter Thränenströmen geschehen; möchten wir es wenigstens mit einer wahren herzlichen Nührung thun! Boudon sagt, ein Psalm, auf diese Weise gebetet, wirke mehr, als sonst fünfzig, die nachlässig hergesagt werden. Deßwegen sind die kurzen Schußgebetlein sehr schäßbar und empfehlenswerth, durch welche man z. B. das Blut Jesu mit heiliger Inbrunst für sie aufopfert, die Fürbitte Mariä und der Heiligen anruft, u. s. w., was den Tag über oft und zwar ohne Mühe, wie z. B. beim Stundenschlag geschehen kann. Denn erstaunlich sind hier die Wirkungen eines eifrigen Gebetes und tröstlich die Verheißungen, die demselben von der unendlich großen Güte Gottes gegeben sind. ,, Er thut," wie der königliche Prophet sagt, „ den Willen derjenigen, die Ihn fürchten, und erhört ihr Gebet und erlöset ste."( Ps. 144. 19.) Und der heilige Jakob schreibt( Br. 5. 16.): ,, Daß beharrliche Gebet des Gerechten vermag viel." Auch der göttliche Heiland spricht( Joh. 15. 7.): ,, Wenn ihr in Mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, so möget ihr bitten, was ihr immer wollt, es wird euch gegeben werden." Traurig hingegen sind die Erfahrungen über das nachlässige und das in der Sünde verrichtete Gebet. IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 41 Beispiele über den Gebetseifer der Heiligen für die Abgestorbenen. Der heilige Bischof und Kirchenvater Ambrostus sprach in seiner Trauerrede über den römischen Kaiser Valentinian mit heiligem Cifer: Laßt uns die heiligen Geheimnisse für denjenigen darbringen, dessen Verlust wir beweinen! Lasset uns mit glühender Andacht für seine Seelenruhe beten.... Erhebet eure Hände mit mir, damit wir wenigstens durch diese Pflichterfüllung einen Beweis unserer Dankbarkeit für die empfangenen Wohlthaten geben können." Dann an dessen früher verstorbenen Bruder Gratian erinnernd:„ Ihr werdet beide selig sein, wenn meine Gebete etwas vermögen. Ich werde keinen Tag vorübergehen lassen, ohne mich eurer zu erinnern. Jede Nacht werdet ihr der Gegenstand meines Flehens sein. An allen meinen Opfern werdet ihr Theil nehmen. Wenn ich euer ver= gesse, so soll auch meine Rechte vergeſsen sein." So sprach er auch das folgende Gebet in der Trauerrede auf den Kaiser Theodosius den Großen: ,, Gib deinem Diener Theodosius eine vollkommene Ruhe, jene Ruhe, welche Du deinen Heiligen bereitet hast. Ich werde von meinen Thränen und Bitten nicht ablassen, bis ich ihn hinführe auf den heiligen Berg des 42 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Herrn, wohin ihn seine Verdieste rufen." Mit gleichem Eifer brach einst der heilige Abt und Kirchenvater Bernard in folgende Worte aus: „ Auf, ihnen zu helfen! Ich will den Herrn mit Wehklagen beschwören, mit Seufzern will ich in Ihn dringen; mit meinen Gebeten will ich ihr Fürbitter sein; ich will zu ihrer Beruhigung ein besonderes heiliges Meßopfer darbringen, in der Hoffnung, daß der Herr ste seines gnädigen Blickes würdigen, ihre Qualen in Ruhe, ihr Elend in Glorie und ihre Peinen in Lohn verwandeln wolle. Durch solche und ähnliche Werke kann ihre Bußzeit abgekürzt, ihre Mühsal geendet und ihre Qual aufgehoben werden. Durchlaufe, gläubige Seele, welche du immer bist, diese Gefilde der Abbüßung, und betrachte, was darauf vorgeht. Mache auf diesem Markte deinen Ankauf zu Gefühlen des Mitleidens."( Serm. 42.) Beispiele, wie geschwind das Gebet für die Abgestorbenen erhört werde. Man liest in der Chronik der mindern Brüder Folgendes: ,, P. Konrad von Offida wachte einst betend vor einem Altare in der Kirche und sah dort einen Bruder seines Klosters, der kurze Zeit vorher gestorben war. Dieser klagte ihm, daß er ein schmerzliches Fegfeuer leide, und bat ihn dringend um sein Gebet, das IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 43 viel vor Gott vermöge. P. Konrad betete daher sogleich inbrünstig das Vater unser für ihn, und setzte den Vers: Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen, hinzu. Darauf sagte der Bruder zu ihm: ,,,, O Vater! wenn du wüßtest, welch große Erleichterung ich durch dein kurzes Gebet in meiner Pein empfinde, so würde deine große Liebe dich bewegen, es noch einmal für mich zu verrichten."" Er that es, und da der Verstorbene wieder eine gleiche Linderung der Schmerzen empfand, sagte er noch ein Mal bittlich zu ihm: ,, Ach, mein Vater! Um Gottes Barmherzigkeit willen fahre in diesem so werthvollen Gebete, das mein Leiden in Trost umwandelt, fort!"" Der Diener Gottes setzte darauf dieses Gebet ununterbrochen fort, wodurch nach und nach die Traurigkeit des Verstorbenen in Freude, seine bleiche Farbe in Glanz und sein aschenfarbiges Kleid in ein schneeweißes umgewandelt wurde! und nachdem es jener hundertmal gebetet hatte, stand die Seele desselben voll Freude glorreich vor ihm, dankte ihm unaussprechlich für ihre schnelle Erlösung und fuhr dann jubelnd gen Himmel." Ein ähnliches Beispiel liest man in der nämlichen Chronik von einem P. Stephan, der mit gleichem Erfolge vielmal nach einander den Psalm: ,, Aus der Tiefe x." für eine ihm erschienene Seele gebetet hatte. 44 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Auch ein kurzes Gebet kann den Abgestorbenen sehr nüßen. Sin gottseliger Bischof sah einst, als er bei Tag in einen leichten Schlaf fiel, im Traume einen Knaben, der mit einer goldenen Angel an einer silbernen Schnur eine schöne Frau aus einem tiefen Sodbrunnen herauszog und da er hierauf nach seinem Erwachen ans Fenster ging, sah er den nämlichen Knaben auf dem Kirchhofe bei einem Grabe stehen. Als er ihn nun fragte, was er dort mache, antwortete dieser, er bete für die Seele seiner Mutter, welche da begraben liege, das Vater unser und den Psalm Miserere. Daraus erkannte der Mann Gottes, daß die Seele dieser Frau durch das Gebet des Knaben aus dem Fegfeuer erlöst worden sei, und daß die goldene Angel das Vater unser, die silberne Schnur aber das Miserere bedeutet haben.- Folgendes Ereigniß liest man in der Chronik der Karthäuser. ,, Ein Edelmann brachte einst eine große Summe Geldes in ein Kloster dieses Ordens, um für seinen verstorbenen Vater beten zu lassen, und als darauf der versammelte Chor nur die Worte: Requiescat in pace. Amen.( Er ruhe im Frieden. Amen.) für ihn sang, beklagte sich jener darüber, weil er dieses kurze Gebet für das mitgebrachte Geld für IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 45 viel zu gering hielt. Der götterleuchtete Prior ließ sogleich von jedem Geistlichen auf einem Zettelchen jene Worte und zugleich auch eine Wage herbeibringen, und sagte darauf zu dem Edelmann, er wolle nun beides gegeneinander abwägen, und sieh Wunder! nachdem er in eine Schale das Geld, in die andere aber die Zettelchen gelegt hatte, ging jene federleicht in die Höhe, diese aber zog bleischwer hinunter. Dieses Ereigniß beschämte und tröstete den Edelmann zugleich." Papst Benedikt XIII. erwähnt desselben auch in seinen Erbauungsreden. Wie wirksam es sei, die Mutter Gottes für die Abgestorbenen anzurufen. Die Mutter Gottes, welche von der streitenden Kirche die Mutter der Barmherzigkeit genannt wird, erweist sich in dieser liebevollen Eigenschaft nicht weniger zärtlich gegen die leidende Kirche im Fegfeuer. Sie sagte selbst einmal der heiligen Brigitta, wie man in den Offenbarungen derselben liest: Ich bin die Mutter aller derjenigen, die im Fegfeuer sind; denn alle ihre Leiden werden auf meine Fürbitte jede Stunde gemildert." So bezeugt noch ferner diese heilige Ordensstifterin, sie habe aus göttlicher Eingebung erkannt, daß Maria die Trösterin aller derjenigen sei, die sich im 46 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Fegfeuer befinden. Es sagt daher der heilige Alphons Liguori: ,, Glücklich, drei Mal glücklich sind die Diener dieser Mutter der Barmherzigkeit, weil ihr Schuß sie nicht nur in diesem Leben begleitet, sondern ihnen auch über das Grab in das Fegfeuer nachfolgt. Je unvermögender die Seelen sind, sich selbst zu helfen, desto mehr verdoppelt sie für dieselben ihre Sorgfalt und Güte." Daraus läßt sich leicht schließen, wie angenehm der Himmelskönigin und zugleich wie wirksam für die armen Seelen es sein müsse, wenn man sie andächtig für dieselben anruft. Der fromme Boudon empfiehlt deßwegen nicht nur, sie sehr oft um ihre Fürbitte für diese Seelen eifrig anzurufen, sondern auch, daß wir alle unsere übrigen guten Werke und Gebete für dieselben zutrauensvoll in ihre gebenedeiten Hände legen. ,, Denn," sagte er, ,, einerseits kann Niemand heiliger darüber verfügen, und anderseits ist dieß einer der stärksten Beweise der wahren, heiligen Liebe, die man zu ihr hat." Die Mutter Gottes übt über das Fegfeuer eine besondere Herrschaft aus. Hs unterliegt keinem Zweifel, daß die Königin des Himmels und der Erde über die triumphirende und streitende Kirche, und auch, wie der heilige Bernardin bemerkt, über die leidende IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 47 Kirche eine vorzügliche Herrschaft ausübe, so zwar, daß sie die erste an den Schäßen ihrer Glorie, die zweite an denen ihrer Gnaden und die dritte an den Wirkungen ihrer Fürbitte Theil nehmen läßt, weßwegen dieser Heilige auf ste den Spruch der heiligen Schrift:„ Ich bin auf den Fluthen des Meeres gewandelt," ( J. Sir. 24. 8.) anwendet, indem ste nämlich durch jenes stürmische Feuermeer geht und die erschreckliche Hiße den armen Seelen mildert. Der heilige Dionysius der Karthäuser sagt nach einer Offenbarung, daß, wenn nur ihr Name im Fegfeuer ertöne, diese Seelen jene Freude empfinden, die ein Kranker auf seinem Schmerzenlager bei Anhörung tröstender Worte fühle. Auch bezeugt der gelehrte Novarin, daß ihre Fürbitte für sie wie kühlender Maithau auf ihre verzehrenden Flammen herabfalle und sie lindere. Nach Salmeron ist es eine Meinung vieler Gottesgelehrten, es habe die allerseligste Jungfrau, bevor sie starb, ihren göttlichen Sohn noch um die Gnade gebeten und sie auch erlangt, daß alle Seelen, welche sich damals im Fegfeuer befanden, erlöst wurden, und sie in den Himmel begleiteten, weil sie gerade dazumal," wie der fromme Gerson sagt, als Königin, und zwar als Königin der Barmherzigkeit, als Mutter der Gnaden gekrönt worden war, wobei sie wohl sicherlich vermochte, 48 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. für die Gefangenen Begnadigung zu erhalten." Auch fügt der heilige Bernardin bei, daß sie eine besondere Herrschaft über das Fegfeuer erlangt habe, und vorzüglich ihre treuen Verehrer daraus erlöse. Von der Kraft des heiligen Rosenkranzgebetes zum Trost der armen Seelen. Diese Kraft läßt sich schon aus den eigenen Worten der Himmelskönigin erkennen, die sie einst nach dem Zeugnisse des sel. Alanus in einer Erscheinung zum heiligen Dominikus sprach, daß nämlich eine der Hauptwirkungen des heiligen Rosenkranzes die Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer sei. Dieses bestätigt auch das folgende Beispiel: Durch die Predigten des heiligen Dominikus wurde in Rom eine Weibsperson von üblem Rufe, mit Namen Katharina, bekehrt, und verlegte sich hernach mit besonderm Eifer auf diese Gebetsübung, die sie meiſtens für die armen Seelen im Fegfeuer aufopferte. Um nun zu zeigen, welchen Nußen diese Andacht jeden Seelen verschaffe, ließ der Herr einst den Heiligen sehen, daß, während Katharina eines Tages zum Heile derselben den schmerzhaften Rosenkranz betrachtend betete, aus den Gliedern eines wunderschönen Knäbleins, das unsern Herrn Jesum Christum vorstellte, fünf IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 49 undfünfzig Quellen emporsprangen, so viele nämlich, als Vater unser und Ave Maria in demselben enthalten sind. Diese Quellen gaben in großer Menge das hellste Wasser von sich, und alle ergossen sich in das Fegfeuer zu einer solchen Erquickung der leidenden Seelen, daß sie beinahe keine Pein mehr fühlten, lauter Jubeltöne hören ließen, und voll Dank ihre mitleidige Wohlthäterin Katharina lobpriesen." ( Gampadelli.) Der sel. Alanus schreibt: ,, Viele Brüder und Schwestern im Herrn haben ihm eidlich bezeugt, daß ihnen während des Rosenkranzgebetes viele Seelen erschienen seien und dankend versichert hätten, es gebe nach dem heiligen Meßopfer kein kräftigeres Hülfsmittel für die Seelen im Fegfeuer, als das heilige Rosenkranzgebet, und daß täglich viele dadurch aus diesem erlöst werden, welche sonst noch viele Jahre darin bleiben müßten." Darum sagt auch der heilige Liguori: ,, Wollen wir demnach den Seelen im Fegfeuer kräftig helfen, so müssen wir dieselben in unsern Gebeten der allerseligsten Jungfrau anempfehlen und für sie besonders den heiligen Rosenkranz aufopfern, wodurch sie sehr getröstet werden." ( Herrl. Mariä.) - 4 50 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Wie kräftig die Anrufung der heiligen Engel für die Abgestorbenen sei. Die heiligen Engel verlassen ihre Pflegkinder keineswegs, nachdem sie durch ihren treuen Beistand ihren gefährlichen Lebenslauf glücklich vollendet und zwar der Hölle auf immer entgangen sind, jedoch ihre Sündenschulden in den Flammen des Fegfeuers noch büßen müssen; sondern sie erweisen ihnen vielmehr eine, wenn möglich, noch größere Liebe und Sorgfalt. Sie besuchen sie nämlich oft, trösten sie und unterlassen nicht, ihnen überall auf Erden Hülfe zu verschaffen, indem ste fromme Menschen an sie erinnern und zu einem thätigen Eifer für sie entflammen. So wie einst der helige Erzengel Raphael, wie er selbst sagte( Tob. 12, 12.), die Gebete des alten Tobias vor den Thron Gottes brachte, wenn dieser unter Thränen betete und den Tisch verließ, um die Todten zu begraben; so tragen die heiligen Engel auch beständig die für die Verstorbenen gesammelten Gebete und guten Werke dahin, und bringen die reichen Gnaden, die sie dort dafür einlösen, diesen verlassenen Seelen in's Fegfeuer. Wie Boudon sagt, melden*) sie denselben, was in Bezug auf *) Der heilige Bischof und Kirchenvater Augustinus lehrt in seiner Abhandlung über die Sorgfalt für die IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 51 sie auf der Erde vorgeht, zeigen ihnen ihre Wohlthäter an, und ermahnen sie, für sie zu beten, wozu diese liebevollen Geister selbst nie ermangeln, all' das Ihrige eifrig beizutragen. Es muß daher die Anrufung der heiligen Engel für die Abgestorbenen sehr wirksam sein. Auch ermuntert uns die Kirche selbst zum Vertrauen dazu auf, indem sie von dem heiligen Michael, im Namen des Herrn, singt: ,, Ich habe dich zum Fürsten eingesetzt, um alle Seelen aufzunehmen," und in der Todtenmesse, in Bezug auf den nämlichen heiligen Erzengel, betet, daß er jene Seelen in die Herrlichkeit jenes göttlichen Lichtes führe, das dem Abraham und einer ganzen Nachkommenschaft verheißen war. Abgestorbenen( 15. Hft.) Folgendes:„ Die Abgestorbenen können von den Engeln, welche den Dingen, die hier geschehen, gegenwärtig sind, etwas vernehmen, was ein jeder aus ihnen vernehmen soll nach dem Urtheile desjenigen, dem Alles unterworfen ist. Denn wenn es nicht Engel gäbe, die an den Orten sowohl der Lebenden als der Verstorbenen könnten zugegen sein, so hätte Jesus der Herr nicht geſagt: Es geschah aber, daß der Arme starb und von den Engeln in den Schooß Abrahams getragen wurde."" ( Lukas 16, 28.) Somit können sie bald hier, bald dort sein, die ja ihn, wie Gott es wollte, von hier dorthin getragen haben." 52 IV. Von den Mitteln, den armen Seclen zu helfen. Wie wirksam die Anrufung der Heiligen für die armen Seelen sei. 11 Ss ist," wie der heilige Augustin und der heilige Thomas von Aquin lehren, ,, eine ausgemachte Sache, daß die Heiligen im Himmel durch ihre mächtige Fürbitte eine große Macht haben, den armen Seelen die Erlösung aus dem Fegfeuer zu bewirken;" und man darf nicht zweifeln, daß sie diese Liebe ihren im Fegfeuer leidenden Brüdern im ausgedehntesten Maße und zwar um so mehr erweisen, als sie ihre erschrecklichen Leiden besser kennen. Denn der Himmel ändert ihre Gesinnung nicht, sondern vermehrt vielmehr ihre Liebe; und waren sie während ihres sterblichen Lebens schon so eifrig mächtig, ihren Mitbrüdern, wenn diese auch sündhaft waren, in jeder Noth Hülfe und Gnade zu erbitten, wie sollten sie jetzt nicht eine noch viel inbrünstigere Liebe mit weit fichererm Erfolge gegen diese Seelen ausüben, die mit der Gnade Gottes geschmückt und bestimmt sind, die ganze Ewigkeit hindurch ihre glückselige Gesellschaft zu genießen! Können sie jetzt auch nicht mehr selbst leiden, so können sie doch Leidende bemitleiden, und da ste vor dem Throne des allbarmherzigen Gottes stehen, müssen sie auch nothwendig Barmherzigkeit fühlen. Wenn uns daher die heilige Kirche IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 53 so dringend empfiehlt, uns in allen Nöthen an diese Heiligen Gottes zu wenden, und wir selbst in allen Ereignissen des Lebens so oft ihren kräftigen Beistand erfahren, so erhellt von selbst, daß die eifrige Anrufung derselben für die armen Seelen ein höchst heilsames Werk ist, und zur Erquickung und Erlösung derselben sehr wohlthätig sein mnß. Beispiele über die Hülfe, welche die Engel und die Heiligen den Abgestorbenen erweisen. Im Leben der seligen Cäcilia Lampugnana liest man, sie sei drei Tage nach ihrem Tode erschienen und habe bezeugt, daß sie im Fegfeuer von ihrem Schußengel, den sie sehe, sehr getröstet werde. Auch setzte sie hinzu, daß sie ihn bald bitten wolle, sich zum Vorsteher der Kirche des heiligen Grabes zu begeben, damit er Seelenämter für ste halte, wodurch ste großen Nachlaß ihrer Leiden erhalten werde. Ferner liest man von der seligen Cäcilia, einer Dominikanerin, daß sie in ihrem Leben die Gewohnheit gehabt habe, allzeit etwas von ihrem Tranke abzubrechen, um damit den dürstenden Heiland am Kreuze zu tränken; nachdem sie nun nach ihrem Tode in's Fegfeuer verurtheilt worden, sei sogleich ein Engel mit einer goldenen Schale voll Wasser gekommen, habe die Flammen um sie her ausgelöscht und 54 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. ste in den Himmel eingeführt. Endlich liest man auch, daß ein Jüngling, der sich schlafen gelegt, ohne seinen gewöhnlichen Rosenkranz für die armen Seelen gebetet zu haben, von seinem Engel geweckt wurde, indem diese Seelen täglich ein Opfer von ihm verlangten. In Betreff der Heiligen hingegen schreibt Franziskus Gonzaga, Bischof von Mantua, P. Johann de Via aus dem Orden des heiligen Franziskus, sei einem Novizen, dem er sich schon früher kund gegeben hatte, und der darauf seine Erlösung bewirkte, glanzvoll erschienen, um ihm dafür zu danken, und da der heilige Franziskus ihm zur Rechten, der heilige Vernardin aber zur Linken stand, sagte er ihm auch, diese beiden Heiligen seien herabgestiegen, um ihn zu empfangen, weil er ihren höchsten Tugenden allzeit fleißig nachgestrebt habe. In der Heiligsprechungsbeschreibung des heiligen Bernardin liest man von einem Todten, der wieder zum Leben auferweckt worden, daß er den heiligen Franziskus im Himmel von unzähligen Ordenskindern, deren sehr viele er aus dem Fegfeuer erlöst, umgeben gesehen habe. Ferner schreibt Baronius in seinen Jahrbüchern vom Jahre 647, daß der heilige Dionysius, der heilige Mauritius und der heilige Martin den König Dagobert von Frankreich, der zu ihrer Ehre drei Kirchen hatte erbauen lassen, IV. von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 55 aus dem Fegfeuer befreit haben. Endlich erzählt man, wie Boudon schreibt, nach einer himmlischen Offenbarung, daß, nachdem einst der heilige Johannes die allerfeligste Jungfrau gebeten, sich einer Seele, die in den Flammen des Fegfeuers litt und große Andacht zu ihr gehabt hatte, zu erbarmen, der allgütige Gott diese sogleich daraus erlöst habe. Von der Kraft der Bußwerke für die Abgestorbenen. Ss ist bekannt, daß die Heiligen sich der Bußwerke aller Art, wie übrigens auch die katholische Kirche in ihren Anliegen zu thun pflegt, als der geeignetsten Mittel bedienten, um für sich und Andere von Gott außerordentliche Gnaden zu erlangen. Es läßt sich daher, wie auch viele Beispiele dafür zeigen, nicht daran zweifeln, daß dieselben auch für die Abgestor= benen die heilsamste Kraft haben. Boudon sagt, voll Rührung über die Wirkung derselben, daß, wenn wir nur ein wenig Glauben hätten, das Fasten, die Bußgürtel, die Geißlungen und andere Bußwerke unsere gewöhnlichen Uebungen, wären, um dadurch den armen Seelen Hülfe zu verschaffen. Da aber der Eifer hiefür nicht bei Jedermann so weit reichen kann, so ist doch Niemand, der nicht zu diesem Zwecke sich bisweilen eine bessere Speise, einen Trunk oder ein anderes Vergnügen ver 56 IV. Bou den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. sagen, seine Sinne, besonders die Augen, die Ohren, die Zunge abtödten, einige Zeit das Stillschweigen beobachten, die Krankheiten, die Kälte und Hiße und anderes Ungemach geduldig ertragen, seine Gemüthsart, seinen Eigenwillen bezähmen, kurz Alles, was äußerlich und innerlich Leiden und Mühe verursacht, mit Unterwürfigkeit und Dank gegen Gott verdienstlich erdulden könnte. So haben die Bauern, die Handwerker, die Dienstboten, so wie Alle, welche körperliche und geistige Leiden haben, Vieles, das sie für diese Seele aufopfern können; und zugleich würde diese christliche Liebe, die sie den armen Seelen erweisen, ihnen reichlichen Segen und Kraft in ihren eigenen Leiden herabziehen. Boudon erzählt, daß Leute, die alle Beschwerden einer Reise, die sie machten, Gott für die armen Seelen aufopferten, während derselben aus großen Gefahren und außerordentlicherweise errettet wurden, indem Gott so ihre Liebe durch einen besondern Beistand seiner liebevollen Vorsehung belohnte. Das Gebet mit Fasten oder andern Bußwerken hat große Kraft für die armen Seelen. In dem Buche Judith( 4, 12.) liest man: „ Wisset, daß der Herr eure Gebete erhören wird, wenn ihr bleibet und verharret im Fasten und Beten vor dem Angesichte des Herrn." IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 57 Dieses bestätigt das folgende rührende Beispiel: ,, Sancio, König von Leon, starb durch Verrath an Gift. Nun legte die Königin Guda, seine Gemahlin, die ihn zärtlich liebte, ihren königlichen Schmuck ab und ging in ein Kloster, um Gott zu dienen und mit größerem Nußen seiner Seele helfen zu können. Tag und Nacht betete sie eifrig, und an den Samstagen fastete sie jedesmal zur Ehre der Mutter Gottes. Und sieh, gerade an einem Samstage, da sie für ihn betete, erschien ihr Sancio in einem schwarzen Trauerkleide, mit einem Ausdrucke erschrecklicher Pein. Er dankte ihr für ihr Gebet, und bat sie damit fortzufahren, und es noch zu vermehren. Ach," sagte er, 11/1 wenn ich dir, theure Gattin, sagen könnte, wie erschrecklich meine Qualen im Fegfeuer sind, o wie würde da dein Mitleid mit deinem Sancio noch zunehmen! Ach, bei der göttlichen Barmherzigkeit, hilf mir, Guda, hilf mir!"" Nach dieser Erscheinung widmete sich die Königin vierzig Tage lang ununterbrochen dem Gebete und dem Fasten, und nach Verlauf dieser Zeit sah ste ihn wieder, mit himmlischem Glanze umgeben, und er sprach zu ihr: Jetzt bin ich befreit von meinen Beinen. Dieses verdanke ich dir, fromme Königin! Sei dafür ewig von Gott gesegnet! Verharre in deinen heiligen Uebungen! Betrachte die Strafen im 58 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfeit. andern Leben und vor allem die Herrlichkeit des Himmels, wohin ich vorausgehe, um dich dort zu erwarten und dein kräftiger Fürbitter zu sein.""( Vasquez in Chron. Ao. 940) Geduldig für die Abgestorbenen leiden, hilft ihnen, In den Jahrbüchern des Klosters des heiligen Trudo liest man Folgendes: ,, Eine gute Frau wurde von ihrem betrunkenen Manne oft nicht nur mit Schimpfworten, sondern auch noch mit harten Schlägen unschuldigerweise sehr mißhandelt. Sie klagte daher einst diese ihre Noth einem gottseligen Abte, der ihr den Nath gab, alle ihre Leiden mit der größten Geduld zu ertragen und Gott dem Herrn zu einem angenehmen Opfer für die armen Seelen darzubringen, wodurch sie gewiß bald werde getröstet werden. Sie befolgte diesen guten Rath, und opferte alle ihre Trübfale für eine gewisse Seele im Fegfeuer auf. Nun erschien bald darauf diese dem gedachten Abte, um ihm für den vortrefflichen Rath, den er ihrer großmüthigen Erretterin gegeben hatte, zu danken, indem sie dadurch von ihrer Pein befreit worden sei, und jetzt in die ewige Freude aufgenommen werde. Als hierauf dieser Abt jener Frau diese Nachricht mittheilte, wurde sie da von überschwänglich getröstet und erfreut, fuhr bei all' ihrem Leiden in dem nämlichen gott IV. Von den Mitteln, den armen Seeleu zu helfen. 59 seligen Liebeseifer fort und erlöste dadurch in der Folge noch viele andere Seelen. Es erschien sogar ein Bruder aus diesem Kloster bald nach seinem Tode jenem Abt und sagte ihm, daß ihm am besten durch die Bußwerke dieser Frau geholfen würde. Nachdem nun sogleich der Abt sie dafür angesprochen, und sie ihre Verdienste für ihn aufgeopfert hatte, erschien er in der folgenden Nacht wieder, und war erlöst." Großmüthig für die armen Seelen übernommene Leiden helfen ihnen. Die selige Ursula aus dem Theatinerorden hatte, wie man in ihrem Leben liest, ein groBes Mitleiden mit einer sterbenden Mitschwester Christiana der Peinen wegen, die ihr im Feg= feuer bevorstehen möchten, und da sie aus dem Beispiele der heiligen Katharina von Siena wußte, daß ein lebender Mensch die Strafe einer abgeschiedenen Seele leiden könne, so bat ste ihren göttlichen Bräutigam inbrünstig um die Gnade, dieses für jene thun zu können. Sie wurde erhört; denn als indessen die Sterbende ihren Geist aufgab, wurde sie verzückt, und nachdem sie wieder zu sich gekommen, brach sie freudevoll in die Worte aus:„ Ich danke Dir, mein Herr und Gott, für die große Barmherzigkeit, welche Du meiner Schwester Christiana erzeigt, indem Du zu ihrer Hülfe und 60 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Erlösung mein Anerbieten angenommen hast." Hierauf ließ sie das Te Deum laudamus singen und wurde sogleich plötzlich mit sehr großen Schmerzen überfallen, die ihr ganzes Leben hindurch nicht mehr von ihr wichen. Man liest auch von dem heiligen Philippus Neri, dem Stifter der Congregation des Oratoriums, daß er zum Troste der armen Seelen, deren eifriger Liebhaber er war, von Gott die Gnade erlangte, an einem Fuße an einem langwierigen schmerzhaften Uebel zu leiden, das jenen zur Erleichterung ihrer Peinen, ihm aber zur Erinnerung dienen sollte, derselben fortwährend eingedenk zu sein. Boudon erzählt auch, es sei zu seiner Zeit ein Mann aus seiner Verwandtschaft erschienen, der bezeugte, daß seine Enkelin, die noch sehr jung und seit seinem Tode allzeit krank gewesen war, nach einer besondern Führung der göttlichen Vorsehung, die ihr ihre Leiden zuschicke, für ihn leide. Zum Beweise der Wahrheit dessen setzte er hinzu, daß sie sterben werde, sobald die Person, der er erschienen war, sie sehen werde, was auch pünktlich eintraf. Von dem Bußeifer der heiligen Ludwina für die armen Seelen. Der unvergleichliche Geistesmann Thomas vom Kempen, Verfasser der Nachfolge Christi, IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 61 schreibt von dieser heiligen Jungfrau, die zu seiner Zeit und in seiner Gegend lebte, in ihrem Leben, daß er verfaßt hat, Folgendes: Diese große Dulderin litt während 34 Jahren ununterbrochen die schmerzhaftesten Krankheiten, und wurde in ihren öftern Verzückungen von ihrem heiligen Schußengel vielmal in das Fegfeuer geführt, wo sie die armen Seelen in unzähligen Abtheilungen nach der Verschiedenheit ihrer Schulden auf vielfache und schwere Weise gequält sah, und unter den selben viele ihrer Freunde erkannte. Dieß bewirkte, daß sie nicht nur ihre eigenen unerhörten Leiden in größter Geduld ertrug, sondern dazu noch viele andere peinliche Bußübungen ausübte. Unaufhörlich flehte sie Gottes un endliche Barmherzigkeit für sie an, und weinte über das äußerst große Elend derselben so oft und viel, daß, wenn ihr die natürlichen Thränen ausgingen, blutige darauf folgten, welche man, wenn sie getrocknet waren, wegnahm, um sie als Reliquien aufzubewahren." Es bemerkt hiebei der nämliche gottselige Schriftsteller, daß, obschon sie allzeit viele Seelen erLöste, ihr dieses doch an den vorzüglichsten Festtagen in viel größerer Anzahl gelang. Ein anderer Schriftsteller schreibt von ihr, daß sie einst den heldenmüthigen Entschluß gefaßt habe, lieber ihre entseßlichen Leiden, wenn es ihr - 62 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. gestattet werde, bis an den jüngsten Tag für die Erlösung der armen Seelen zu ertragen, als sogleich in den Himmel aufgenommen zu werden, und dadurch alle ihre bekannten Seelen, worunter sich auch die ihrer Eltern und aller ihrer Verwandten bis auf den neunten Grad befanden, befreit habe. Von der Kraft der Werke der Barmherzigkeit für die Abgestorbenen. Man kann die wohlthätige Kraft der Werke der Barmherzigkeit für die armen Seelen im Fegfeuer nicht genug empfehlen. Mit Recht lobte der heilige Paulin den römischen Edelmann Pammachius, der nach dem Tode seiner Gattin alle Armen der Stadt in der St. Peterskirche versammelte und ihnen Speisen austheilte, um durch solche Almosenspenden die Seele derjenigen zu erquicken, deren Verlust er beweinte; wie schon der alte Tobias( 4, 18.) zu seinem Sohne sagte:„ Sezze dein Brod und deinen Wein auf das Begräbniß des Gerechten;" das heißt, wie Allioli bemerkt, wenn ein Gerechter stirbt, so halte ihm das Todtenmahl bei seinem Grabe und speise die Armen. Ferner liest man in der heiligen Schrift( J. Sir. 3, 33.): ,, So wie das Wasser das Feuer auslöscht, so tilgt das Almosen die Sünden," d. h. die für die begangenen Sünden nicht IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 63 genug abgebüßten Strafen. Endlich sagt Jesus Christus( Mark. 9, 40.): Wer immer euch in meinem Namen einen Becher Wasser zu trinken geben wird darum, daß ihr Christo angehört, wahrlich sage ich euch, der wird sei= nen Lohn nicht verlieren." Es nimmt daher der heilige Thomas von Aquin keinen Anstand zu sagen, daß das Almosen, worunter überhaupt alle leiblichen Werke der Barmherzigkeit verstanden werden, eine größere Kraft der Genugthuung habe, als das Gebet, und dieses cine größere, als das Fasten. Noch mehr erhebt dieser heilige Kirchenlehrer die geistlichen Werke der Barmherzigkeit, indem er lehrt, daß sie die leiblichen so weit übertreffen, als der Geiſt an Vortrefflichkeit den Leib übertrifft. Darum nimmt Boudon davon Anlaß, eifrigst zu ermahnen: ,, Tröste die Betrübten, rathe denjenigen, die es nöthig haben, unterrichte die Unwissenden, arbeite an der Bekehrung der Sünder, sei auf eine heilige Weise willfährig gegen die Personen, welche Gemüthsleiden haben, hilf ihnen, von ihren Fällen wieder aufstehen. Thue alles dieses für die Seelen, welche im Fegfeuer sind, und Gott wird ihnen Barmherzigkeit erweisen. 64 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Das Almosen verschafft den Abgestorbenen große Hülfe. Merkwürdig ist, was man hierüber in der Geschichte der heiligen Idda von Toggenburg liest. Nachdem der Bruder ihrer Mutter ge= storben war, sprach sie zu seinen Kindern: ,, Ach, auf welch eine entsetzliche Weise wird euer Vater gequält! ich weiß dieses aus einer göttlichen Offenbarung. Ich bitte euch also in seinem Namen, gebet ein ganzes Jahr lang den Armen Fleisch, Brod und Butter zu Almosen." Als dieß geschehen war, vernahmen sie, daß ihr Vater wegen ihrer geübten Freigebigkeit und wegen des Gebetes der heiligen Idda schon von der Hälfte seiner Pein befreit worden sei. Sie übten daher noch ein Jahr lang die nämliche Liebe gegen ihn aus, nach dessen Verlauf ihnen die Heilige anzeigte, daß ihr Vater jetzt von seiner Pein erlöst sei, nur habe er noch ein Kleid von Nöthen. Deßwegen bekleideten sie noch ein Jahr lang die Armen, worauf sie ihnen die tröstliche Nachricht gab, daß er jetzt die ewige Ruhe genieße. Bolandus sagt im Leben dieser Heiligen, das Kleid, welches ihm noch fehlte, sei das Kleid der ewigen Glorie gewesen, welcher beraubt zu sein, ihm einzig noch Leiden verursacht habe.- In den Offenbarungen der heiligen Brigitta IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 65 kommt vor, daß ihr Gemahl Ulpho nach seinem Tode thr erschienen sei und ste gebeten habe, das hinterlassene Silbergeräth und die Pferde, an denen er zu viel Vergnügen gehabt habe, zu seiner Erlösung zu verkaufen, und daß Geld dafür den Armen auszutheilen, und so auch die silbernen Becher an dürftige Kirchen zum Dienste des Altars zu verschenken, indem solches Almosen Gott höchst angenehm sei.. Endlich steht im Leben der Hl. Margaretha von Cortona, daß Roy Gomez, Herzog von Pasterna, ihr erschienen sei und gesagt habe: O wenn die Menschen wüßten, aus welch großen Peinen die Freigebigkeit gegen die Armen erlöst, und welch großen Schatz sie mit sich bringt, sie würden Alles unter die Armen und die gottseligen Leute austheilen, damit sie der Gebete derselben theilhaftig werden!" - Große Hülfe bringt es den armen Seelen, wenn ihre Schulden bezahlt werden. Papst Benedikt XIII. erzählt folgenden Fall, der sich hierauf bezieht. ,, Der Vater eines Bruders aus dem Predigerorden, ein mächtiger und angesehener Herr, war einem Schmiede, von dem er seine Pferde hatte beschlagen lassen, für die Arbeit, die er ihm seit Jahren geleistet hatte, bei seinem Tode noch eine Summe schuldig. Nach seinem Tode erschien er einem Croft d. armen Seelen f. D. 5 66 IV. Von den Mitteln den armen Seelen zu helfen. seiner treuen Diener und hatte einen Hammer und eine Zange von diesem Schmiede, sammt einigen glühenden Nägeln in der Hand, " Geh'," sagte er ,,,,, und bitte meine Gattin, daß sie so gut sein wolle, die Schuld zu bezahlen, um derentwillen ich im Fegfeuer leide."" Die fromme Gattin that es, und befriedigte nicht nur diesen Schmied, sondern auch alle übrigen Gläubiger ihres Gemahls. Nachher erschien er auch ihr, wie in ein Meer von Qualen versenkt, vom Kopf bis zu den Füßen mit einem dicken Stricke gebunden, und rief ihr zu: ,,,, Löse mich auf, o Gattin! löse mich auf!"" Sogleich ergriff die gute Frau den Knopf des Strickes und löste ihn auf, worauf er ihr dankte und sprach: So war ich gebunden in der Pein, bis du für mich bezahlt hast, was ich schuldig war." Jedoch darf, wie dieser fromme Papst hiebei bemerkt, durchaus nicht gefolgert werden, daß die Seelen, wenn ihre hinterlassenen Schulden gar nicht bezahlt würden, deßwegen fortwährend im Fegfeuer bleiben müßten, sondern nur, daß sie durch solche aus Liebe für ste geleisteten Erstattungen viel geschwinder erlöst werden. ( Benedikt XIII. Brig. I. Serm. 22.) IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 67 Die Feindesliebe ist für die Abgestorbenen sehr wirksam. Der heilige Franz von Sales, Bischof von Genf erzählte oft folgende Begebenheit, die sich zu Padua, wo er studirte, zugetragen hat. ,, Die Studenten dieser Stadt hatten die üble Sitte, Nachts die Straßen bewaffnet zu durchwandern, und den ihnen Begegnenden das Wer da? zuzurufen; und stel die Antwort nicht nach ihrem Geschmacke aus, so gaben ste Feuer. Auf diese Weise erschoß einer seinen besten Freund, ohne ihn zu kennen, und flüchtete sich darauf zu dessen Mutter, die eine Wittwe war. Nachdem bald nachher der Leichnam ihres einzigen Sohnes zu ihr in das Haus gebracht wurde, erkannte die betrübte Mutter sogleich, daß sie den unglücklichen Mörder desselben selbst verborgen halte; weil ste aber eine sehr gottselige Frau war, verzieh ste ihm, von seinem unbeschreiblichen Schmerz gerührt, von Herzen, und beschüßte ihn sogar. Darauf erschien ihr ihr Sohn und sagte ihr, ihre großmüthige Handlung habe Gott so wohl gefallen, daß er ihm alle Strafen des Fegfeuers, wo er sonst noch sehr lange hätte leiden müssen, nachgelassen habe."( Geist des heiligen Franz von Sales.) P. Manstus schreibt, daß ein Edelmann dem Mörder seines Bruders, der 68 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. ihn an einem Charfreitage um desjenigen willen, der an diesem Tage für uns alle aus Liebe starb, um Gnade bat, von Herzen verziehen und ihn sogar seiner Freundschaft versichert habe; hernach sei diesem Christus erschienen und habe ihm gesagt, daß er dafür die Seele seines Bruders und die seines Vaters aus dem Fegfeuer erlöst habe, und überdieß ihn nach acht Tagen zum ewigen Gastmahle einlade. Auch sei dieser wirklich um jene Zeit gestorben. Die Aufopferung der eigenen Verdienste kommt den Abgestorbenen zu nutzen. Obschon die Wirksamkeit des gottseligen Nikolaus Wolf*) bei seiner himmlischen Gabe der Heilungen durch Glaube und Gebet, fast ausschließlich für lebende Leidende in Anspruch genommen war, so fand dennoch seine Liebe Mittel, nicht weniger auch für die Verstorbenen zu thun, indem er Alles, was er that, für sie aufopferte. Er sagte nämlich bei sich: ,, Bete ich oder thue ich ein anderes gutes Werk, so habe ich ein Verdienst davon vor Gott; ich kann ihnen also dieses schenken." Dazu wurde er durch das folgende Beiſpiel aufge*) Die Lebensgeschichte dieses Mannes, der im Jahre 1832 im Rufe großer Frömmigkeit gestorben ist, kann man bei Gebrüder Räber in Luzern haben. IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 69 muntert: ,, Als ein junger Mann auf das Todbett kam, fing er an zu jammern und sagte zu seinem Freunde, nun müsse er vor dem Richterstuhle Gottes erscheinen, und habe nichts Gutes mitzunehmen. Allein dieser tröstete ihn und sagte: ,, Sei gutes Muth's! Ich gebe dir Alles, was ich bis jetzt Gutes gethan habe; du kannst es mit dir nehmen!"" Nachdem aber jener gestorben war, fing es diesen zu reuen an, indem er sich deßwegen Kummer machte, daß er jetzt nichts mehr besize und wieder von vornen anfangen müsse. Allein bald erschien ihm der Abgestorbene und sagte zu ihm: Sei getrost, mein Freund, und laß dich dein Geschenk nicht gereuen; denn es ist mir wohl gekommen, und Gott hatte ein so großes Wohlgefallen daran, daß Er dir noch einmal soviel dazu gegeben hat."" Auf gleiche Weise erzählt Boudon:„ Nachdem ein Dominikaner alle seine guten Werke für eine Seele aufgeopfert hatte, erschien ihm diese und sagte zu ihm: Dein Opfer reicht für dich und mich hin."" Endlich schreibt auch Pennequin von einem verzweifelnden Sterbenden, dem ein Priester von heldenmüthiger Liebe, um ihn aufzurichten, alle seine Sünden abnahm und hingegen alle seine guten Werke schenkte, daß er, nachdem er hierauf tröstlich verschieden, nach einem Monate erschienen sei, 70 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. und ihn dankend versichert habe, er genieße jetzt die ewige Ruhe. Die heilige Theresia erlöst durch die Aufopferung ihrer Verdienste eine Seele. Die heilige Mutter Theresia von Jesu schreibt Folgendes von sich selbst: ,, Ein Geistlicher, dem ich vielen Dank schuldig war, und der ehemals hier die Stelle eines Provinzials bekleidet hatte, starb. Als ich seinen Tod vernahm, wurde ich darüber sehr betrübt, und obschon er fromm und tugendhaft gewesen, war ich doch um sein Seelenheil besorgt; denn da ich wußte, wie gefährlich das Amt der Seelenführung ist, und wie schwer die Verantwortlichkeit, die auf demselben haftet; und er zwanzig Jahre in der Ausübung desselben zugebracht hatte, konnte ich mich einiger Furcht für ihn nicht erwehren. Ich eilte also, den Herrn zu bitten, daß Er Alles, was ich etwa in meinem Leben Gutes gethan, ihm zurechnen, und das Fehlende aus dem Schaße der Verdienste seines Leidens ersetzen möge, um ihn aus den Qualen des Fegfeuers zu erretten. Nachdem ich auf diese Weise von Grund des Herzens gebetet hatte, war mir, als sähe ich diese Seele zu meiner Rechten aus der Tiefe der Erde heraufsteigen, und mit dem Ausdrucke der höchsten Freude zum Himmel auf IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 71 fahren. Obschon dieser Priester in ziemlich, hohem Alter starb, schien mir doch die Gestalt, die ich sah, wie die eines Mannes von weniger als dreißig Jahren, mit jugendlich glänzendem Angesichte. Die Erscheinung währte nur kurze Zeit, ließ mich aber getröstet zurück, weil ich von der Wahrheit derselben völlig überzeugt war; und ich konnte mich über seinen Tod nicht mehr betrüben, wie viele Andere thaten, die ihm mit der nämlichen Liebe, wie ich, zugethan waren. Da er an einem sehr entfernten Orte starb, erfuhr ich erst später die nähern Umstände seines frommen Hinscheidens."( Leben der heiligen Theresia. 38. Hptſt.) Von dem großen Werthe der Ablässe für die armen Seelen. Am den großen Werth der heiligen Abläsſe, welche fürbittweise diesen Seelen geschenkt werden können, zu erkennen, darf man nur erwägen, was sie sind, nämlich eine 3 ueignung der Genugthuungen Jesu Christi. Wir können für diese hülfsbedürftigen Seelen wohl beten, Bußwerke, Werke der Barmherzigkeit verrichten 2c.; allein Alles, was wir thun können, ist beschränkt und wenig; hingegen ist die geringste der Genugthuungen Jesu Christi von unendlichem Werthe, womit sich 72 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. ihre Schulden also wohl bezahlen lassen. Nichts gibt übrigens einen deutlichern Begriff von dem Werthe der Ablässe, als die eigenen Worte unsers Herrn, die Er einst durch die heilige Brigitta, wie wir in ihren Offenbarungen lesen, einer frommen Frau in Rom, die eben über den großen Werth der Ablässe dieser Stadt nachdachte, in Betreff derselben melden ließ: ,, Sage dieser Frau," sprach Er zu jener Heiligen,„ daß die Ablässe der Kirchen der Stadt Rom bei Gott werthvoller sind, als man glaubt; denn wenn sich auch ein Mensch tausendmal für Gott tödtete, so würde er doch dadurch nicht der geringsten Herrlichkeit würdig, die den Heiligen gegeben wird. Weil für unendliche Sünden unendliche Strafen ge= bühren, für die es den Menschen unmöglich ist, genug zu thun, selbst wenn er Jahrtausende lebte, so werden dagegen durch die Ablässe viele und schwere Strafen nachgelasſen und sehr große in sehr geringe verändert werden, so daß diejenigen, die nach dem Empfange der heiligen Ablässe mit vollkommener Liebe und wahrer Reue aus dieser Welt abscheiden, nicht nur von ihren Sünden, sondern auch vor ihren Strafen losgesprochen werden." Es ist daher, wie Boudon es nennt, eine Art Grausamkeit, wenn man diese himmlischen Schätze nicht zu gewinnen sucht, und sie nicht so häu IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 73 fig als möglich diesen bedürftigen Seelen verschafft. Derselbe klagt auch vorzüglich über jene Mitglieder von Bruderschaften, u. A., welche die reichlichen Ablässe, die in denselben auch für die armen Seelen gewonnen werden können, entweder nicht kennen oder vernachlässigen.*) Nebstdem sagt er: ,, Da die Päpste gewissen Altären, die man privilegirte nennt, außerordentliche Ablässe für die Seelen im Fegfeuer verlichen haben, so sollte man vor Allem dafür besorgt sein, die heiligen Messen für dieselben auf solchen Altären lesen zu lassen." Beispiele über den großen Werth der heiligen Ablässe für die Abgestorbenen. Hott ließ einst, wie Segneri schreibt, die ſelige Maria von Quiro den großen Werth der heiligen Ablässe in einem Bilde sehen, indem Er ihr auf einem öffentlichen Platze einen großen Tisch zeigte, auf welchem eine Menge Goldund Silberstücke mit einer eben so großen Menge Diamanten und Edelsteinen aller Art aufgehäuft war, und zu ihr sagte:„ Dieser Schatz steht offen, und jeder kann davon *) Da hier von der Weise, die heiligen Ablässe zu gewinnen, zu reden nicht der Ort ist, so verweisen wir hierüber auf das vortreffliche Werk: Himmlische Scha ßfammer, das mit Gutheißen des römischen Stuhles, zu Gräß in der Franz Ferstl'schen Buchhandlung im Jahre 1838 erschienen ist, und ausführlich davon handelt. 74 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. nehmen, was ihm beliebt, oder was er vonnöthen hat."- Im Leben der heiligen Magdalena von Pazzis liest man, sie habe in einer Verzückung erkannt, daß eine Mitschwester kraft der heiligen Ablässe, durch welche ihr die Verdienste des Lebens und Leidens Jesu Christi zugewendet worden waren, nach 15 stündigem Fegfeuer daraus befreit worden sei. Da, wie bekannt, die Päpste der Kreuzwegandacht die nämlichen reichen Ablässe verliehen haben, welche man bei dem Besuche der heiligen Orte zu Jerusalem selbst gewinnt, und alle dieselben den armen Seelen im Feg= feuer fürbittweise geschenkt werden können, so erhellt von selbst, von welch großem Gewinn diese Andacht für sie sei. So beleuchtend als rührend ist hiefür aber noch, was man von der seligen Katharina von Emmerich in ihrem Leben liest: Diese Klosterfrau," heißt es dort, ,, stand ihr ganzes Leben lang mit den armen Seelen auf die innigmitleidigste Weiſe in Verbindung; sie that und opferte Alles für dieselben, fühlte sich von ihnen um Hülfe angefleht, und wenn sie es vergaß, auf die rührendste Weise dazu ermahnt. Oft fühlte ste noch als junges Mädchen sich von Schaaren armer Seelen aus dem Schlafe geweckt, und ging mit ihnen in strenger Winternacht baarfuß durch den Schnee den wohl 1 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 75 ein paar Stunden langen Kreuzweg bei Goesfeld." Von der Kraft des Weihwassers für die Abgestorbenen. Es ist eine allgemeine Meinung der Gottesgelehrten, daß das Weihwasser, im Glauben und mit reumüthigem Gebete angewendet, die läßlichen Sünden austilge; und weil die armen Seelen großentheils für solche leiden, so läßt sich leicht einsehen, daß dieses auch eine sehr heilsame Kraft für sie haben müsse. Ferner ist dasselbe seiner Natur nach, das heißt, vermöge der Kraft, die ihm durch die Anrufung des göttlichen Namens und durch die kirchlichen Gebete und Beschwörung der Teufel verliehen ist, ein starkes Mittel wider dieſe bösen Geister, deren Anfeindungen sie auch häufig ausgesetzt sind. Welch großen Werth endlich die Kirche auf den Gebrauch desselben zum Trost der leidenden Seelen sezze, gibt sie selbst dadurch zu erkennen, daß sie sich faſt in allen ihren Gebräuchen und Andachtsübungen zu deren Hülfe desselben vielfach bedient. Viele gemachte Erfahrungen bestätigen das Gesagte. So sagt der heilige Deodat im Leben der Altväter: ,, Gleichwie ein milder Regen die von der Sonnenhiße verwelkten Blumen erfrischt, ebenso erquickt das Weihwasser die im Fegfeuer brennenden armen Seeler." 76 IV. Bon den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Auch erzählt ein Theatiner, P. Felix Fossa, ein Priester, der erschienen sei, habe gesagt: ,, Wo die Orte, in denen unsere Leiber ruhen, mit Weihwasser besprengt werden, empfinden wir eine solche Erleichterung, als wenn wir schon in's Paradies verseßt wären." Deßwegen spricht auch der Priester bei Besprengung des Leichnams mit Weihwasser: ,, Es erquicke Gott deine Seele mit dem Thau des Himmels." Sehr erbauend ist daher an vielen Orten die Sitte des frommen Volkes, diese himmlische Labung den lieben Todten bei allen Kirchhofbesuchen zukommen zu lassen. Es haben deßwegen die Kirchenwärter die strenge Pflicht, auf den Kirchhöfen echtes Weihwasser zu unterhalten. Auch ist es noch ein sehr heilsamer Gebrauch, den armen Seelen bei allen Gelegenheiten, besonders Morgens und Abends, das Weihwasser zu geben. Der gottselige Nikolaus Wolf gab es ihnen, wenn er zu Hause den Rosenkranz betete, nach jedem Gesäßlein desselben mit den Worten:„ Es sollen die lieben Seelen besprengt sein mit dem Blute und Wasser Jesu Christi zu ihrer Erlösung." Von dem Gebrauche, das Licht für die Verstorbenen brennen zu lassen. Es scheint, dieser rührende Gebrauch sei aus dem alten Bunde auf uns gekommen, weil die IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 77 Juden ihn jetzt noch haben. Boudon erzählt nämlich, daß, als er einst in eine jüdische Synagoge kam und darin mehrere angezündete Lampen bemerkte, ihm gesagt wurde, man zünde sie jedesmal an, wenn für die Abgestorbenen gebetet werde. Immerhin ist dieser Gebrauch in der Kirche sehr alt; denn schon der heilige Athanasius, der im vierten Jahrhundert lebte, schreibt davon, und scheint einen großen Werth darauf zu legen. Es sagt nämlich dieser große Patriarch und Kirchenvater: ,, Wenn auch der fromme Verstorbene unter freiem Himmel ausgesetzt wird, so darfst du dennoch nicht unterlassen, unter Anrufung Christi, des Sohnes Gottes, Del und Wachs beim Grabe anzuzünden; denn dieß ist Gott angenehm und erwirkt von Ihm sehr große Vergeltung. Del und Wachs sind eine Opfergabe, die Darbringung des unblutigen Opfers aber ist eine Versöhnung, das Almosen hingegen, das den Armen gespendet wird, eine Vermehrung jeder guten Vergeltung."( Blosii Def. fid. c. XI.) Es gibt aber auch die Kirche ihre Hochschätzung über diese uralte Uebung dadurch zu erkennen, daß sie bisher immer Stiftungen zu ewigen Lichtern für die Abgestorbenen angenommen und gutgeheißen hat, und überhaupt überall bei Feierlichkeiten für dieselben viele Lichter brennen läßt. Dieß sieht 78 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. man besonders in den Klöstern, wo es Vorschrift ist, bei Feiergottesdiensten für die Todten mehrere Lampen brennen zu lassen. Ebenfalls ist es auf der ganzen Welt üblich, für die Abgestorbenen, wenigstens allzeit bei den Leichnamen, bevor ste begraben sind, ein Licht brennen zu lassen. Endlich hat man Beispiele, welche uns deutlich zeigen, wie werth dieser fromme Gebrauch den Abgestorbenen ist. Boudon schreibt, es sei ein Verwandter von ihm erschienen und habe sich beklagt, daß seine Kinder zu den Seelenmessen, die man nach dem Gebrauche des Orts für ihn gelesen habe, keine Kerzen geopfert hätten. Auch geschah es unlängst in einem frommen Hauſe, wo man die Gewohnheit hatte, in der Nacht des Samstags das Licht für die armen Seelen brennen zu lassen und der Hausvater dieselbe einstellte, daß man an jenen Abenden jedesmal ein starkes Aechzen hörte, bis man ste wieder herstellte. Wäre es wohl nicht möglich, daß den armen Seelen nebst dem, was sie durch dieses Liebesopfer gewinnen, noch der Trost vergönnt ist, so ein Licht, das ihnen gewidmet wird, zu sehen, da sie sonst zur fortwährenden Finsterniß verurtheilt sind? IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 79 Wallfahrten für die armen Seelen. . Theophilus Raymundus, der durch seine Schriften bekannt ist, und vorzüglich Vieles über die Abgestorbenen geschrieben hat, erzählt, ,, eine Frau sei zu seiner Zeit zu Dole in Frankreich erschienen, habe drei Wallfahrten zu Kirchen unserer lieben Frau verlangt, und sei, als sie verrichtet waren, erlöst gewesen." Eine ähnliche Begebenheit vom Jahre 1827 erzählt auch Simon Buchfelner: ,, Eine Base erschien nämlich sogleich nach ihrem Tode einem Mädchen, und verlangte von ihm zu ihrer Erlösung eine Wallfahrt nach Altötting und eine Hl. Messe." Endlich schreibt der gelehrte Schriftausleger Augustin Kalmet, Benediktiner- Abt zu Senones, nebst mehreren Geschichten dieser Art, daß eine verstorbene Person sieben Wallfahrten verlangte; bei der ersten habe sie sich selbst eingestellt und den Leuten, die sie unternahmen, beim Antritte derselben gesagt, ste sollten eilen, und sich durch die Beschwerden der Reise nicht davon abschrecken lassen. Die heilige Communion ist für die armen Seelen sehr nüglich. Der heilige Kardinal und Kirchenlehrer Bonaventura, aus dem Orden des heil. Franziskus, der in seinen Werken viel von den Univ.- Bibl. Giessen 80 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. armen Seelen spricht, ermahnt besonders zur öftern heiligen Communion für ste: ,, Die Liebe und das Mitleiden mit deinem Nächsten," sagt er, treibe dich zum heiligen Tische; denn Nichts ist so wirksam, für die Seelen Ruhe zu erlangen." Das folgende Beiſpiel bestätigt das Gesagte. Ludwig Blostus erzählt nämlich, einem frommen Diener Gottes, den er wohl kannte, sei einst ein Verstorbener, der ganz in Flammen eingehüllt war, erschiener, und habe ihm angezeigt, daß er deßwegen schrecklich leiden müsse, weil er mit zu weniger Vorbereitung den göttlichen Heiland unter den sakramentalischen Gestalten empfangen habe. Darum bitte ich dich," fügte er hinzu, ,, mein lieber Freund, sei doch so gut um der Liebe willen, die wir zu einander hatten, und communizire einmal zum Heile meiner Seele, aber mit andächtiger Vorbereitung und großem Eifer; dann hoffe ich sicher, von den fürchterlichen Beinen befreit zu werden, die ich für meine Lauigkeit gegen das allerheiligste Sakrament des Altars verdient habe." Jener erfüllte unverzüglich diese fromme Bitte, und, nachdem er die heilige Communion mit der gehörigen Vorbereitung empfangen, erschien ihm diese Seele nochmals mit glänzendem Lichte umgeben, wie sie sich emporschwang, IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 81 um unverhüllten Angesichtes den König der ewigen Glorie zu schauen.( Blos. in mon. sp. c. VI.) Von der Kraft des heiligen Mesopfers für die Abgestorbenen. Die heiligen Väter sprechen sich vielfach voll Eifer über die unermeßliche Wirkung des heiligen Meßopfers auf die Abgestorbenen aus. Der heilige Cyrillus von Jerusalem sagt, wo er denen, die von ihm im Christenthume unterrichtet wurden, mehrere Stellen der Meßordnung erklärt, daß wir darin für unsere Väter und überhaupt für alle Verstorbenen in der zuversichtlichen Hoffnung beten, daß ihnen durch die Gebete, die man im heiligen Opfer für sie darbringe, große Linderung zu Theil werde, und fügt, um dieß zu erklären, bei: Wenn einem Könige, der solche, die ihn. beleidigt hatten, würde verbannt haben, die Freunde oder Verwandten der Beleidiger irgend ein Geschenk von hohem Werthe, wie z. B. eine Krone, zur Besänftigung seines Zornes darbrächten, glaubt ihr nicht, daß der Fürst die Schuldigen begnadigen oder doch ihre Strafe mildern würde? Ebenso richten wir unsere Gebete zu Gott für die Verstorbenen, obschon wir Sünder sind, nicht zwar, als könnten wir Ihm eine Krone anbieten, son6 82 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. dern indem wir Ihm Jesus Christus selbst darbringen, der für unsere Sünden geblutet hat, damit der so gütige und barmherzige Gott ihnen und uns gnädig sein möge."( Katech. 19. v. 9.) Nicht umsonst," sagt der heilige Chrysostomus,„ haben die Apostel die Erinnerung an die Todten bei den heiligen schreckbaren Geheimnissen verordnet; denn sie wußten, welche Vortheile denselben aus dieser Uebung zuströmen. Wenn die Gemeinde mit dem Priester die Hände ausstreckt in Gegenwart des heiligen Opfers, welche Kraft müssen dann unsere Gebete haben! Wer am Altare steht, ruft nicht vergebens: Laßt uns für die Entschlafenen beten!"( Hom. in Phil.) Sehr schön sagt auch ein frommer Schriftsteller unserer Zeit: ,, Das heilige Meßopfer ist Gott weit angenehmer, als wenn wir Ihm tausend Welten zum Opfer brächten, die alle mit Seraphinen angefüllt wären: Was sind auch Welten voll Seraphinen im Vergleiche mit Jesus, dem eingebornen, geliebten Sohne Gottes? Und gibt es wohl etwas, das wir durch Jesus und durch seine Vermittlung bei Gott nicht erhalten könnten? Wäre eine Seele im Fegfeuer noch so tief verschuldet, daß das Blut Jesu diese Schuld beim Vater nicht zu bezahlen vermöchte? Könnten sich diese Seelen jetzt noch die Verdienste Jesu aneignen, IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 83 so würde sogleich eine allgemeine Erlösung stattfinden." Beispiele darüber, wie kräftig das heilige Meßopfer auf die armen Seelen wirke. Der heilige Abt und Kirchenvater Bernard schreibt in dem Leben des heiligen Malachias: ,, Einst hörte dieser heilige Bischof des Nachts im Traume eine Stimme, die ihm sagte, seine Schwester, die unlängst gestorben war, stehe im Vorhofe und habe schon dreißig Tage lang Nichts mehr genossen. Beim Erwachen verstand er sogleich, welche Speise ihr abging; denn es waren ebenso viele Tage, daß er das lebendige Himmelsbrod nicht mehr für sie dargebracht hatte. Er fuhr hernach ununterbrochen fort, ihr diese himmlische Wohlthat wieder zu erweisen, worauf er sie bald einmal in einem Trauerkleide zur Kirche kommen sah, in die sie jedoch nicht eintreten durfte. Später sah er ste in einem hellen Gewande in der Kirche, allein sie durfte sich dem Altare nicht nähern. Endlich sah er sie das dritte Mal in einem weißen Gewande unter einer Schaar Weißgekleideter, was ihm ihre Errettung bedeutete." Der heilige Bernard schließt diese Erzählung mit folgenden Worten: ,, Offenbar hat dieses Sakrament die Kraft, die Sünden zu tilgen, die feindlichen Mächte zu überwäl B4 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. tigen, und den von der Erde Heimkehrenden den Himmel aufzuschließen." Der Hl. Antonius erzählt: ,, Als einst der Hl. Johannes von Alvernia, aus dem Minoritenorden, an einem Allerseelentage bei der heiligen Wandlung den allerheiligsten Leib unsers Herrn dem ewigen Vater aufopferte, und Ihn inbrünſtig bat, die Seelen im Fegfeuer durch das Blut und die Verdienste seines eingebornen Sohnes darauß zu befreien, so sah er deren eine große Menge, gleich unzählig viel Feuerfunken aus einem Ofen, sich in den Himmel emporschwingen." Das heilige Meßopfer ist unter allen Heilsmitteln das kräftigste für die armen Seelen. Der selige Heinrich Suso, aus dem Predigerorden, hatte, wie er selbst schreibt, mit einem Ordensmanne, der in Köln sein Studiengefährte war, das gegenseitige Versprechen eingegangen, daß derjenige von ihnen, der den andern überleben würde, ein Jahr lang wöchentlich zwei heilige Messen für den andern lesen müsse. Nachdem nun der Ordensmann gestorben, vergaß zwar Heinrich Suso für ihn die schuldigen Messen zu lesen, betete aber und opferte seine äußerst strengen Bußwerke fortwährend für ihn auf. Allein der Verstorbene erschien ihm darauf mit einem traurigen IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 85 und abgehärmten Aussehen, und beklagte sich bei ihm darüber, daß er versäumt habe, ihm durch Entrichtung des heiligen Meßopfers beizustehen. Suso entschuldigte sich damit, daß er ihn doch beständig dem Herrn empfohlen und für ihn Buße gethan habe. Jetzt rief der Verstorbene: ,, Blut, Blut, Bruder, ist nöthig, damit mir Linderung werde! Messen, Messen, wie wir einander versprochen haben, sollen gelesen werden!" Und in der That, nachdent der Selige mehrere Messen für ihn gelesen hatte, sah er ihn bald darauf als eine Lichtgestalt gen Himmel steigen; denn es ist nur allzuwahr, daß, wie der fromme Papst Benedikt XIII. hiebei bemerkt, nur Jesus Christus uns in seinem Blute von unsern Sünden rein gewaschen hat. Es sagt daher der Kirchenrath von Trient( 25. Sigung,) daß die im Fegfeuer behaltenen Seelen die kräftigste Hülfe durch das heilige Opfer des Altars erhalten. Vom Entstehen der 30 Messen, oder der sogenannten Gregorianischen Messen. Der heilige Papst Gregorius, der Große, erzählt selbst in seinen Gesprächen( 4. B. 55. Hpst.) folgende Geschichte, die sich in seinem eigenen Kloster zu Rom zugetragen und zu diesen Messen Anlaß gegeben hat. ,, Ein Bruder, Ju= 86 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. stus mit Namen, starb. Da er aber gegen die Ordensregel sich einige Goldstücke angeeignet hatte, befahl der heilige Papst, ihm zur Strafe und den Andern zur Warnung, daß ihm kein Bruder im Tode beistehen, und sein Leichnam außer dem Kirchhofe mit diesem Gelde in eine Grube geworfen werden soll. Dieses geschah wirklich. Aber dreißig Tage später erbarmte sich der Heilige seiner, und ließ eben so viele Tage nacheinander eine heilige Messe für ihn lesen. Als diese nun verrichtet waren, erschien der Verstorbene seinem leiblichen Bruder Copiosus, der Arzt in der Stadt war, und sagte ihm auf dessen Frage, wie es ihm gehe: ,, Bisher ging es schlecht; allein jetzt steht es gut um mich; denn heute habe ich die Gemeinschaft erhalten."" Nachdem Copiosus diese Nachricht in's Kloster gebracht, zählte man die Tage, seit denen man das heilige Opfer für ihn dargebracht hatte( denn man hatte ihrer nicht geachtet), und es fand sich, daß es gerade der dreißigste war." Der heilige Papst schließt diese Erzählung mit diesen Worten: ,, Da Copiosus nicht wußte, was die Brüder für ihn gethan, noch diese Brüder, was er gesehen hat, und da die Erscheinung mit dem heiligen Opfer übereinstimmte, so zeigte sich klar, daß der gestorbene Bruder durch die Darbringung des heilsamen Opfers der IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 87 Pein entgangen war." Von da an wurde dieser Gebrauch der 30 Messen allgemein, und mehrere Beispiele zeugen von der großen Kraft derselben auf die Abgestorbenen. Von dem Nußen der gestifteten Jahrzeiten für die Abgestorbenen. . Gottfried Henschenius, der Fortsetzer der Bollandisten, schreibt im Leben des heiligen Dionysius, des Karthäusers, den folgenden Vorfall, der sich hierauf bezieht und die Sache beleuchtet: Johannes von Löwen, ein großer und angesehener Herr, der sich sehr den Wer= ken der Gottseligkeit ergeben hatte und vorzüglich ein großer Wohlthäter der Karthauſe von Nurmonde war, stiftete zum Troste seiner Seele eine Jahrzeit in diesem Kloster, und wurde auch seinem Willen gemäß darin begraben. Da nun nach einem Jahre die erste Feierlichfeit dafür begangen wurde, umschattete eine Wolke von düsterm Feuer und übelm Schwefelgeruch den vorgestellten Sarg, wodurch der heilige Dionysius in große Besorgniß über dessen Rettung gerieth, indem er befürchtete, diese Erscheinung möchte ein Anzeichen seiner Verdammniß sein. Nichtsdestoweniger fuhr er mit den übrigen Geistlichen in seinen Gebeten und Bußwerken für ihn eifrig fort. Am zweiten Jahrtage erschien während der nämlichen 88 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Feierlichkeit eine feurige Kugel, die heller war, und nicht übel roch, über dem Sarge, was großen Trost brachte, und zugleich zur fernern eifrigen Fortsetzung der Liebeswerke für ihn aufmunterte, weil man jetzt zwar über sein Heil beruhigt war, aber doch erkannte, daß er noch der Reinigung bedürfe. Endlich erschien im dritten Jahre bei diesem Anlasse das hellste Licht, wodurch der heilige Dionysius die gänzliche Erlösung und Aufnahme desselben in die himmlische Glorie wahrnahm." Ein gewichtiges Zeugniß für die Wirksamkeit dieser Jahrzeiten liegt übrigens auch darin, daß die ganze Kirche von den ältesten Zeiten her den Gebrauch, sie zu halten, beobachtet hat. Ueber den Ursprung des allgemeinen Jahrgedächtnisses der armen Seelen oder des Allerseelentages. Der er große kirchliche Geschichtsforscher P. Surius, aus dem Karthäuserorden, gibt als Ursprung dieses allgemeinen Gedächtnißtages folgende Begebenheit an, welche der heilige Petrus Damian im Leben des heiligen Abtes Odilo von Clugny erzählt: Ein frommer Ordensmann aus Frankreich, der auf seiner Heimkehr von einer Pilgerreise nach dem gelobten Lande, auf dem Meere durch einen Sturm auf eine unbekannte Insel geworfen worden war, traf da einen gottseligen Einsted11 IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. 89 ler an, der ihm sagte, er höre in der Nähe seiner Zelle oft ein wunderbares und schreckliches Geheul der bösen Geister, die sich beklagten, daß ihnen durch die Gebete und guten Werke der Christen für die Abgestorbenen ein so großer Schaden zugefügt werde, indem dadurch die ihnen zur Peinigung übergebenen Seelen erlöst, oder wenigstens in ihren Peinen erleichtert werden. Vorzüglich äußerten sie deßwegen einen großen Haß gegen den Abt Odilo von Clugny und dessen Mönche. Nach seiner Zurückkunft theilte dieser Ordensmann, gemäß dem Verlangen des Einsiedlers, diese Nachricht dem heiligen Abte von Clugny mit, der, dadurch noch mehr entflammt, und um dieses Werk so ausgezeichneter Liebe noch mehr zu verbreiten, um das Jahr 1030 in allen Klöstern seines Ordens auf den zweiten Wintermonat einen jährlichen Gedächtnißtag für alle Seelen im Fegfeuer einführte; und nachdem er später mit dem Papste Johannes XIX. darüber gesprochen, führte dieser ihn in der ganzen Kirche ein. Zwar meldet schon Tertullian im dritten Jahrhundert, daß die Christen seiner Zeit eine jährliche Gedächtniß der Verstorbenen gehalten haben. Fünfter Abschnitt. Sinige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. Man muß im Stande der Gnade sein, um den armen Seelen helfen zu können. Wenn uns unsere heilige Religion im Allgemeinen lehrt, daß wir uns im Stande der Gnade befinden müssen, um unsere Werke verdienstlich und Gott wohlgefällig zu verrichten, so ist dieß besonders auch wahr in Bezug auf die Hülfe, welche wir den Abgestorbenen leisten wollen, zumal der göttliche Heiland selbst ſagt: ,, Wer in Mir bleibt, und Ich in ihm, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnet ihr Nichts thun."( Joh. 15, 5.) G8 fann daher nicht genug empfohlen werden, daß man sich, wenn man in einer Todsünde wäre, durch eine reumüthige Beicht mit Gott aussöhne, weil man sonst den armen Seelen nicht helfen könnte, was auch das folgende Beispiel deutlich lehrt: ,, Ein sterbender Vater empfahl einst seinem Sohne, nach dem Tode seiner eifrig zu gedenken. Der Sohn befolgte treu seinen Befehl, betete viel für die Ruhe seines Vaters, und verrichtete dafür fortwährend noch viele andere gute Werke. Nach 32 Jahren erschien ihm aber der arme Vater, ganz von Flammen umgeben und beklagte sich bitter V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 91 1111 über ihn, daß er so viele Jahre lang ihm in seinen schrecklichen Qualen keinen Trost verschafft habe. Wie," antwortete der Sohn erstaunt ,,,, ich hätte euch durch meine vielen Gebete, Almosen u. s. w., die ich allzeit für euch verrichtet habe und noch verrichte, keine Hülfe verschafft?"" Ja, wisse, mein Sohn,"" antwortete darauf der Vater, Alles, was du Gutes gethan hast; und noch thust, hat weder dir noch mir geholfen; weil du es in der Todsünde gethan hast; denn deine Beichten waren dir jedesmal unnütze, weil dir dabei der nöthige Neueschmerz fehlte. Der liebe Gott hat es barmherzig zugelassen, daß ich dir dieses zu meinem Nußen und zu deiner Selbsterkenntniß sagen konnte."" Nach dieser Erscheinung bekehrte sich sein Sohn, legte eine reumüthige Beicht ab, und erlöste bald dar= auf seinen Vater durch seine guten Werke." ( Campadelli disc.) - Wenn man für die Abgestorbenen beten läßt, soll man dazu treue Leute wählen. Verabscheuungswürdig iſt die Gottloſigkeit derjenigen, welche Almosen und andere Geschenke mit dem Auftrage und der Absicht annehmen, für die Abgestorbenen zu beten und dann ihr Versprechen nicht halten. Der heilige Cardinal Peter Damiani( opusc). 23. c. 92 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seefen. 6.) führt hierüber folgendes Beispiel an. ,, Eine vornehme Frau schickte oft einem Priester, den ste für sehr fromm hielt, ein gutes Mittagsmahl, damit er für ihren verstorbenen Gemahl bete. Allein dieser begnügte sich mit dem Empfange der guten Gabe, und that nichts dafür, was durch das folgende Ereigniß an den Tag kam. Die Magd wurde nämlich überdrüssig, ihm so oft dieses Mahl zu bringen, ohne je eine Belohnung für ihre Mühe von ihm zu empfangen; deßwegen schmauste sie es einst, da sie ihn nicht sogleich gegenwärtig fand, in einem verborgenen Winkel selbst, und verrichtete darauf knieend und mit erhobenen Händen andächtig und fröhlich folgendes Gebet: Allmächtiger Gott, der Du Speise gibst allem Fleische!( Ps. 135, 25.) Wie mein Leib durch diese körperliche Speise erquickt wird, so werde auch durch deine Barmherzigkeit heute die Seele meines Herrn im Paradiese gesätz tigt. In der folgenden Nacht erschien der Verstorbene seiner Gemahlin und dankte ihr für die gestrige Gabe. Da ste ihn aber dringend über seinen Zustand im andern Leben fragte, fügte er hinzu: Bis gestern litt ich große Pein, unter andern Beschwerden meiner Bedrängniß wurde ich besonders von einem grausamen Hunger geplagt; gestern aber, da du das Mittagsmahl zu Almosen gabst, wurde V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 93 ich ausnehmend erquickt und ganz vom Hunger befreit, indem ich vornehme Speisen im Ueberfluß hatte."" Hierauf verschwand er plößlich. Die Frau staunte nachher über diese so spät erfolgte Hülfe, und fand den Aufschluß darüber, als die Magd ihr das Geschehene offen gestand." So schreibt auch der heilige Thomas von Aquin( in suppl. quæst. 11.): Zur Entrichtung des heiligsten Meßopfers soll man die würdigsten und heiligsten Priester aufsuchen; denn wenn auch das heilige Meßopfer des guten wie des schlechten Priesters an und für sich denselben Werth hat, so sind dennoch in Bezug auf die Gebete, welche darin vorkommen, die von einem besseren Priester gelesenen heiligen Messen von größerem Nußen, weil sie durch die Andacht des Priesters, welcher betet, eine größere Wirksamkeit erhalten." Wehklagen und Prachtaufwand nüßen den armen Seelen nichts. Der er gottselige Bischof von Kämerich, Thomas Cantimpre, aus dem Predigerorden, erzählt: ,, Eine zärtliche Mutter, Avola genannt, beweinte Tag und Nacht trostlos den frühzeitigen Tod ihres hoffnungsvollen und tugendhaften Sohnes; allein bei allen diesen unnüßen Thränen fiel es ihr niemals ein, 94 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. dasjenige für ihn zu thun, was ihm geholfen hätte. Indessen seufzte der arme Sohnt, der im Fegfeuer schmerzlich litt, bitter über dieſe übelverstandene Zärtlichkeit, die ihm mehr schadete, als nüßte. Es gefiel aber dem barmherzigen Gott, sie über diesen Irrthum durch folgende Erscheinung zu belehren. Mitten in ihrer Trauer schien ihr nämlich einst, sie sehe einen Zug von Jünglingen, die fröhlich und raschen Schrittes einer sehr schönen Stadt zugingen. Sie suchte mit begierigem Auge unter diesen auch ihren lieben Sohn; und steh! zuletzt erblickte sie ihn, wie er betrübt und langsamen Schrittes den andern nachfolgte, aber durch ein nasses, schweres Trauerkleid, daß er trug, daran gehindert war, und seufzend zu ihr sprach: ,,,, Siehe da, Mutter! Dieses Kleid, daß du mit deinen vielen Thränen benezest und schwer machst, hindert mich, den Andern Schritt zu halten; laß doch einmal vom Wehklagen ab, und wenn du mich wahrhaft liebst, so befleiße dich, mir mit Gebet, Almosen, Meßopfer und andern guten Werken beizuſtehen.""- Was den Prachtaufwand für die Abgestorbenen betrifft, sagt der heilige Augustinus:„ Die prächtigen Leichenbegängnisse und köstlichen Grabstätten dienen zwar den Lebenden zu einigem Troste, gewähren aber den Verstorbenen keine Hülfe. Es fügt aber V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 95 dieser heilige Kirchenvater sogleich bei:„ Die Sorge für die Bestattung und die Errichtung der Denkmale geschehe nach Kräften; denn. diese wird auch in der heiligen Schrift unter die guten Werke gezählt, und es werden jene darin gerühmt und gelobt, welche dieses nicht nur in Betreff der Leiber der Patriarchen und anderer Heiligen, so wie auch einiger herumliegenden menschlichen Leichname, sondern auch in Betreff des Leibes unsers Herrn selbst gethan haben. Mögen die Menschen diese lezzten Diensterweisungen gegen die Ihrigen zur Erleichterung ihrer eigenen menschlichen Trauer erfüllen; allein jene Leistungen, welche den Seelen der Abgestorbenen Hülfe verschaffen, als das heilige Meßopfer, das Gebet und das Almosen mögen sie für jene noch viel genauer, eifriger und reichlicher verrichten und dadurch zeigen, daß sie ihre, dem Fleische und nicht dem Geiste nach Verstorbenen nicht nur auf eine fleischliche, sondern auch auf eine geistige Weise lieben."( Serm. 172 de verb. apost.) Lin Dominikaner bo Die armen Seelen wünschen geschwinde Hülfe. Dominikaner bat auf seinem Todbett einen Priester, der sein Freund war, inständig um die Güte, sogleich nach seinem Hinscheiden eine heilige Messe für ihn zu leſen. Kaum war er verschieden, so fing ste dieser 11 96 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. schon zu entrichten an. Da er sich aber wieder auskleidete, erschien ihm schon der Verstorbene, und beklagte sich bitter bei ihm, er habe ihn 30 Jahre lang im Fegfeuer hülflos brennen lassen. Wie, dreißig Jahre?" erwiederte der gute Priester erstaunt, ,, es ist ja noch keine Stunde verflossen, seitdem du gestorben bist; dein Leichnam ist ja noch warm!" Hierauf antwortete betroffen der Erschienene: Lerne daraus, o Freund! wie peinigend die Qual des Fegfeuers ist, da kaum eine Stunde, die man darin leidet, schon dreißig Jahre zu dauern scheint, und lerne mit uns Mitleiden zu haben."( Da Fusignan. Tom. 4.) Boudon bemerkt, daß man sich im Hinblicke auf die äußerste Heftigkeit der Schmerzen dieser Seelen nicht verwundern müsse, daß einige derselben, da sie kurz nach ihrem Tode erschienen, geglaubt haben, schon viele Jahre im Fegfeuer zugebracht zu haben; denn eine ähnliche Bewandtniß habe es auch bei den Lebenden beim Zusammentreffen großer Schmerzen, die doch mit jenen in keinen Vergleich kommen können; es sei da der Fall, mit der heiligen Schrift zu sagen, daß ein Tag wie tausende sei. Es kann daher nicht genug empfohlen werden, daß man alles Gute, das man den Verstorbenen leisten will, ihnen so geschwind als möglich zukommen lasse. Hätte V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 97 man z. B. die Liebe, für einen Mann, der für Schulden in der Gefangenschaft sitt, tausend Thaler zu seinem Loskaufe zu verwenden, so müßte er dennoch mehrere Jahre darin schmachten, wenn man täglich nur einen Thaler davon für ihn bezahlte; würde man hingegen den ganzen Betrag sogleich für ihn erlegen, so wäre er auch sogleich frei. Deßwegen ist es auch weit besser, daß man die Seelenmessen von einer großen Menge Priester und an verschiedenen Orten lesen läßt, als nur an einem Orte und von wenigen Geiſtlichen.„ Ach," fügt hier Boudon bei, wenn man doch nicht zögert, zum Feuer herbeizulaufen, wenn ein Haus brennt, was soll man dann erst für Seelen in den Flammen des Fegfeuers thun, die nach dem Ebenbilde Gottes erschaffen und die Seelen unserer Väter, Mütter und anderer Personen sind, die uns am liebsten sein sollen!" Die Vermächtnisse der Verstorbenen sollen ohne Verzug vollzogen werden. Wer es aufschiebt, solche Vermächtnisse zu vollziehen, wird oft schon auf dieser Welt dafür bestraft. So erschien einst eine Seele zut Mailand, die sagte, sie brenne schon seit zehn Jahren im Fegfeuer, weil einer ihrer Verwandten ihren letzten Willen nicht vollzogen Trost der armen Seelen. f. D. Z 98 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelenhabe; dieser Unmenschlichkeit wegen habe ihn aber das Ungewitter zu Grunde gerichtet. Ein Anderer wurde mit dem Tode bestraft, weil er es aufgeschoben hatte, Almosen, die man ihm anvertraut hatte, auszutheilen. Ein heiliger Dominikaner aber erschien nach seinem Tode dem heiligen Thomas von Aquin, den er wohl gekannt hatte, und versicherte ihn, er habe in den Flammen der göttlichen Gerechtigkeit viel gelitten, weil er einige Nachlässigkeit begangen, ein Vermächtniß zu vollziehen, daß ihm der Erzbischof von Paris empfohlen hatte. Hiebei muß man noch auf den Irrthum Mehrerer aufmerksam machen, die sich wenig darum bekümmern, die Vermächtnisse zu vollziehen, weil sie sagen, daß der Wille derjenigen, welche ste gemacht haben, schon von Gott angenommen sei; allein diese bedenken nicht, daß dieses wohl in Rücksicht des Verdienstes, nicht aber der völligen Genugthuung statt finden kann; denn warum schlenderten sonst die heiligen Kirchengesetze den Bann auf diejenigen, die sie nicht vollziehen, oder ste verschieben? Es ist endlich, wie Jedermann einsieht, ein großer Unterschied, ob Jemand nur seine Schulden bezahlen wolle, oder dieses auch wirklich thue.( Boudon.) V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 99 Man muß selbst büßen, wenn man es versäumt, die Vermächtnisse der Abgestorbenen zu vollziehen. Lin ergrauter Kriegsmann ſagte vor ſeinem Tode seinem Enkel:„ Ich habe nun 60 Jahre dem Könige gedient, und nichts erübrigt, über daß ich jetzt verfügen kann, als meine Waffen und mein Pferd. Ich befehle dir daher, dieses Pferd sogleich nach meinem Absterben zu verkaufen, und den Erlös davon den Priestern und den Armen zu geben, damit mir durch heilige Messen und Gebet Hülfe in der andern Welt zukomme." Der Enkel versprach es ihm theuer; allein nach dem Hintritte desselben unternahm er mit dem Pferde einige Reisen, und behielt es endlich ganz für sich, ohne des Oheims mehr zu gedenken. Nach 6 Monaten erschien ihm aber der Verstorbene, und bestrafte ihn mit folgenden scharfen Worten: ,, Treuloser! der du deine Schuldigkeit unterlassen, und das Werk, welches ich dir aufgetragen und du mir zu vollziehen versprochen, nicht vollzogen hast! Nun hat Gott doch sich meiner erbarmt, Ihm sei ewiger Dank dafür! Meine Seele ist jetzt von der Qual befreit und fährt zur ewigen Freude. Du aber wirst aus gerechtem Urtheile Gottes bald sterben, und eben an diesen Ort der Peinen kommen, um so lange an meiner Staat zu büßen, als meine 100 V. Ginige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. Strafe noch gedauert hätte, wenn sie mir Gott nicht gnädig würde nachgelassen haben. Nebst diesem wirst du noch bezahlen müssen, was du für deine eigenen Schulden verdient hast." Nach dieser Erscheinung legte der erschütterte Enkel sogleich eine reumüthige Beicht ab, und starb bald darauf( Thomas Cantimpre, Bischof.) Man soll für die Stiftungen der Abgestorbenen gewissenhafte Sorge tragen. Wenn es schon eine strenge Pflicht ist, für die genaue Vollziehung vorübergehender Vermächtnisse zu wachen, so ist man begreiflich noch viel strenger verpflichtet, gewissenhaft dafür zu sorgen, daß ewige Stiftungen zu Hülfe und zum Troste der armen Seelen aufrecht erhalten werden. Es werden daher die kirchlichen Obern oder Vorsteher Gott eine furchtbare Rechenschaft ablegen müssen, wenn aus ihrer Nachlässigkeit solche nicht beobachtet werden', oder gar verloren gehen. Es ist ein schwerer Mißgriff, wenn man das Geld davon zu andern, obschon nüßlichen und selbst kirchlichen Zwecken, wie z. B. zu Kirchenausbesserungen, oder auf den Ankauf von Kirchenschmuck u. drgl. verwendet. Aus Saumseligkeit ist es aber schon oft geschehen, daß Stiftungsbriefe verlegt wurden. Man überlegt nicht, welch schreckliche Folgen solch eine strafbare Nachlässigkeit V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 101 hat; denn auf diese Art kann eine Stiftung aufhören, die vielleicht bis an das Ende der Welt fortgedauert hätte, und diejenigen, welche die Ursache davon sind, sei es aus Nachlässigkeit oder Bosheit geschehen, rauben dadurch den armen Seelen, die im Fegfeuer brennen, einen Beistand, der immer fortgedauert hätte. Man kann sich keine größere Grausamkeit denken. Was würde man von einem Menschen sagen, der allen Armen auf der Erde in den Nöthen dieses flüchtigen Lebens eine bedeutende Hülfe, die immer fortdauern sollte, entzöge? Jenes ist aber eine Grausamkeit, die sowohl in Hinsicht auf die Noth der leidenden Seelen, als der Folgen wegen noch strafbarer ist.( Boudon.) Man soll Stiftungen und andere Leistungen, die man zum Troste seiner Seele zu machen gedenkt, selber in Richtigkeit seßen, und sich dafür nicht auf die Erben verlassen. Der natürlichen Ordnung der Dinge nach sollten die Erben aus Frömmigkeit und Dankbarkeit Stiftungen zum Troste der Seelen errichten, in deren zeitlichen Besitzthum sie treten; allein, o unbegreifliche Härte des menschlichen Herzens! weit entfernt davon, erfüllen sie bisweilen jene nur zum Theil, welche die Abgestorbenen verordnet haben. Ja noch mehr. 102 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. Wenn die geringste Formalität an den Vermächtnissen fehlt, so vollzieht man sie nicht und was unglaublich wäre, wenn uns nicht die Erfahrung allen Zweifel darüber nähme, so führt man sogar Prozesse, um nicht dazu gezwungen zu werden. Wer sollte daher hienach sich noch auf die Erben hiefür verlassen wollen und so blind sein, zu wähnen, sie werden mehr Liebe und Sorgfalt für uns haben, als wir selbst werden gehabt haben, da doch das Sprichwort: ,, Aus den Augen, aus dem Sinn," so allgemein als richtig ist. Nicht besser steht es mit den Verpflichtungen, die man hinterläßt. Gegen alle natürlichen, menschlichen und göttlichen Gesetze entrichten so viele Sterbende ihre Schulden nicht, wenn sie es schon könnten, und beschwichtigen sich mit dem Gedanken, daß sie hinlängliches Vermögen zurücklaſsen, um sie zu tilgen und daß sie den Auftrag darüber den Erben ertheilen; allein nachher thun es diese nicht, oder schieben ihre Vollführung hinaus. So geschieht es nicht selten, daß für solche Todte zwar eine vornehme Bestattung gehalten und Trauer angelegt wird, die Aufsehen macht, hingegen aber arme Handwerker den Liedlohn für die Arbeit, die ste ihnen geleiſtet haben, nicht erhalten, und andere Gläubiger ihre Forderungen an ihnen verlieren müssen. Freilich," sagt hier Bou V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 103 don, wird oft ein so grausames Verfahren zu einer gerechten Strafe von Gott verhängt, entweder um eine so sündhafte Nachlässigkeit zu züchtigen, oder um die Ungerechtigkeit solcher zu bestrafen, die sich eben so gegen Andere betragen haben. Unterdessen schmachten solche Unglückliche im Feuer, die doch Geld und Güter genug hinterlassen, so daß wenn ste, nachdem sie ihre Schulden vollkommen getilgt, noch einen Theil davon den Armen ausgetheilt hätten, sie sich vielleicht schon im Paradies befinden würden." ,, Man muß sich," fügt er hinzu, wenn es sich um das Heil seiner armen Seele handelt, auf Niemanden verlassen. Ich habe einen Geistlichen gekannt, der viel Geld und Korn zusammengehäuft hatte; allein nach seinem Tode warf man seine Leiche in mitten seiner Aecker in eine Grube, und als ein Jahr verflossen war, beschlossen seine Erben mit Stimmenmehrheit, für ihn nicht einmal einen Trauergottesdienst halten zu lassen." Die Erlösung der armen Seelen erfolgt oft lange nicht. Der heilige Ludwig Bertrand versichert, die Seele seines Vaters sei acht Jahre lang im Fegfeuer gewesen, und doch war sein Vater ein Mann Gottes, der sogar mit außerordent 104 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. lichen Gnaden, wie z. B. mit mehreren Erscheinungen von Heiligen, die mit ihm Umgang hatten, beehrt wurde; zudem war sein Sohn einer der großen Heiligen der letzten Jahrhunderte, der, als er ihn auf eine Weise leiden sah, die auch selbst die gefühllosesten Herzen rühren würde, nichts vergaß, seine Leiden zu lindern. Er betete nämlich während dieser Jahre für ihn unendlich viele Psalter und Rosenkränze, fastete außerordentlich streng, geißelte sich alle Tage bis auf das Blut, brachte das heilige Meßopfer dar; und doch konnte dieser Heilige, dem Gott sonst Alles, um das er Ihn bat, so leicht gewährte, die Erlösung seines Vaters, der ein Mann von hoher Tugend war, erst nach acht Jahren erlangen. Es sagt aber der englische Lehrer Thomas von Aquin, die Seele müsse, um mit ihrem Ursprunge im Himmel wieder vereinigt zu werden, eben so rein sein, als sie im Zustande der Unschuld darans hervorgegangen ist. Das Ebenbild Gottes muß in ihr vollkommen wieder hergestellt sein, und je höher die Herrlichkeit ist, in die ste aufgenommen werden soll, um so vollkommener muß dieses Ebenbild in ihr sein. Denn je nachdem ein Palast prächtiger werden soll, müssen die Steine dazu mehr behauen und geglättet werden, wie auch die V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 105 Kirche am Kirchweihfeste singt: es seien unsere Seelen lebendige Steine, aus denen die himmlische Stadt müsse erbaut werden, und diese müßten dafür durch Leiden geglättet werden. Die guten Werke kommen oft nicht den Seelen, für die man sie verrichten will, sondern andern zu. Im Leben des seligen Abtes Nabanus Maurus, nachherigen Erzbischofes von Mainz, liest man folgende Begebenheit: ,, In seinem Kloster herrschte von alten Zeiten her die Sitte, welche auch jetzt noch in vielen Klöstern besteht, für die Abgestorbenen des Hauses 30 Tage lang nach ihrem Hinscheiden alle Speise und Trank, die ihnen am Tische zugekommen wäre, täglich zu ihrem Troste den Armen auszutheilen. Da aber einst eine ansteckende Krankheit ausbrach, und viele Religiosen nacheinander daran starben, entzog ihnen ein karger Schaffner diese Wohlthat, oder schob sie über die gehörige Zeit hinaus. Allein auch er würde bald vom Tode hinweggerafft, und doch wurde diese Liebe ungeschmälert für seine Seele erzeigt. Er erschien nach einigen Tagen dem seligen Abte und sagte zu ihm:" Ich leide noch schwere Pein; denn obwohl das Gebet des Klosters mir nicht wenig Erleichterung verschafft, so kann ich doch nicht davon be 106 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. freit werden, bis alle meine Brüder, die meines Geizes und meiner Saumseligkeit wegen im Fegfeuer zurückgehalten werden, erlöst sind, weil das Almosen, welches für mich ausgetheilt worden, nach Anordnung der göttlichen Gerechtigkeit ihnen und nicht mir zugekommen ist. Ich bitte euch daher, es zu verdoppeln; denn auf diese Weise wird der gütige Gott nach den andern auch mich geschwinder erlösen."" Dieß geschah, und nach einem Monate erschien er wieder und eröffnete, er sei nun erlöst." Man muß nicht leicht Jemanden für verloren halten. Der heilige Alphons von Liguori erzählt in seinen Herrlichkeiten Mariä folgende Geschichte: ,, An dem Orte, wo die selige Schwester Katharina vom heiligen Augustin sich aufhielt, wohnte auch ein Weib, Namens Maria, das von seiner frühern Jugend an bis in sein Alter ein sehr ausschweifendes Leben geführt hatte, so, daß die Leute des Ortes es endlich aus der Stadt fortjagten, und in eine Höhle außer ihrem Lande verwiesen. Hier starb es bald hernach ohne Sakramente und jede menschliche Hülfe, zernagt von einer abscheulichen Krankheit, woran sein Körper in Fezzen zerfiel, worauf sein Leichnam auf dem Felde verscharrt wurde. Die Schwester Katharina, welche sonst V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 107 viel für die armen Seelen zu beten pflegte, dachte nicht mehr an die arme Sünderin, weil sie, wie Jedermann, dieselbe für verdammt hielt. Nach vier Jahren aber erschien ihr, da sie eben betete, eine Seele aus dem Fegfeuer, und sagte zu ihr: ,,,, Schwester Katharina! Wie unglücklich bin ich! Du betest für alle Verstorbenen; nur mit mir hast du kein Mitleiden." Wer bist du denn?"" fragte sie die Dienerin Gottes. Ich bin,"" antwor= tete die Seele, jene arme Maria, die in der Höhle starb. Durch die Barmherzigkeit der Mutter Gottes bin ich aber gerettet; denn in meinen letzten Augenblicken, als ich mich von der ganzen Welt verlassen und voll Sünden sah, sagte ich von Grund meines Herzens zu ihr: O du Zuflucht der Verlassenen! Erbarme dich meiner! Du bist meine einzige Hoffnung! Komm mir zu Hülfe! Und ich betete nicht umsonst: auf die Fürbitte Mariä bin ich durch eine wahre Neue der Hölle entgangen, und zugleich ist meine Bein abgekürzt; doch muß ich jetzt um ſo heftiger leiden. Laß aber nur einige Messen für mich lesen, dann werde ich aus dem Fegfeuer erlöst werden; und ich verspreche dir, daß ich einst im Himmel ewig Gott und seine heilige Mutter für dich bitten werde."" Katharina ließ die Messen lesen; und einige Tage nachher erschien ihr diese Seele 108 V. Ginigelinterweisungen in Betreffder armen Seelen. wieder, glänzend wie die Sonne, und dankte ihr für ihre Erlösung." Man soll nicht leicht glauben, daß Jemand keine Hülfe mehr nöthig habe. Es bleibe immerhin wahr, daß nichts Unreines in den Himmel eingehen wird. Wenn man auch nur mit einer einzigen läßlichen Sünde, die nicht abgebüßt wäre, sterben würde, müßte man noch davon gereiniget werden. Deßwegen sind solche, die im Rufe großer Heiligkeit starben, und sogar solche, die im Namen des Herrn Wunder gethan, im Fegfeuer gewesen. Zudem kennt Gott allein den innern Zustand des Menschen. Daher soll man keine Seele unter dem Vorwande, ste sei heilig und also der Hülfe nicht benöthigt, aus einer mißverstandenen Frömmigkeit ohne den Beistand der Fürbitte und anderer guten Werke lassen. Dieser Fehler geschieht nicht selten; und während man meint und sagt, sie seien in großer Herrlichkeit im Himmel, brennen sie hülflos in den Gluthen des Fegfeuers. Warnend ist hiefür auch, was der große kirchliche Geschichtsforscher Cardinal Baronius in seinen Jahrbüchern aufgezeichnet hat. Im Jahre 874, schreibt er wörtlich, hatte der Kaiser Ludwig II. aus Gottes Fügung diese Erscheinung: Als er einst zur heiligen Fastenzeit seine weltlichen V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 109 Geschäfte beiseits geseßt hatte, um dem Gebete obzuliegen, sah er in einer Nacht im Traume seinen Vater, den Kaiser Ludwig, beängstiget, der in lateinischer Sprache ihn so anredete: ,, Ich beschwöre dich durch unsern Herrn Jesus Christus, du wollest mich den Peinen, worin ich mich befinde, entreißen, damit ich doch einmal das ewige Leben erlangen möge."" Durch dieses Gesicht erschreckt, schickte er in alle Klöster des Reiches Briefe, in denen er ste inständig bat, daß sie einer Seele, die noch im Fegfeuer leide,( und zwar noch nach mehr als dreißig Jahren seit ihrem Hinscheiden) durch ihre Fürbitte bei Gott helfen möchten." Man muß überhaupt über den Zustand der Abgestorbenen nicht vorwißig nachforschen. Zur Belehrung hiefür dient folgende Begebenheit, welche P. Gottfried Henschenius im Leben des heiligen Dionysius, des Karthäusers, in der Fortsetzung der Bollandisſten erzählt. Als nämlich diesem Heiligen der Tod seines Vaters angekündet wurde, empfand er das größte Herzenleid darüber, weil er ihm wegen der von ihm sowohl in Bezug auf die Sitten, als auch auf die Wissenschaften erhaltenen vortrefflichen Erziehung mit vorzüglicher Liebe und Dankbarkeit zugethan war. Zugleich war er aber sehr begierig, etwas über 110 V. Einige Unterweisungen in Betreffder armen Seelen.. dessen Zustand in der andern Welt zu erfahren; er nahm sich daher vor, darüber ein Zeichen von Gott zu begehren. Als er sich einmal nach der Vesper in seiner Zelle mit besonderem Eifer und Vertrauen zu diesem Zwecke im Gebete zu Gott wandte, hörte er eine helle Stimme vom Himmel, die ihm zurief: Was nüßt es, daß du dich durch diesen eitlen Vorwißz so sehr quälen läsfest? Wie viel besser würdest du thun, wenn du dein Gebet nicht verwendetest, um zu wissen, wie es mit der Seele deines Vaters stehe, sondern vielmehr um sie aus dem Fegfeuer zu erlösen, im Falle, daß sie sich darin befände? Auf diese Weise wird dein Gebet ihr eine erfreuliche Hülfe, und dir ein großes Verdienst verschaffen."" Dadurch sehr betroffen, richtete er sein Gebet nun mit verdoppeltem Eifer einzig auf die Befreiung seines Vaters, und schon in der nächsten Nacht sah er ihn in erschrecklichen Qualen, aus denen er zu ihm jämmerlich um Hülfe rief. Nun hielt der Heilige so lang in seinen eifrigen Gebeten und Bußübungen für ihn an, bis er die tröstliche Nachricht von seiner Erlösung erhielt." Der Geschichtsschreiber fügt hinzu, daß er hierauf zu einem außerordentlichen Eifer entzündet worden sei, den Abgestorbenen zu helfen, und daß er auch seine untergebenen Geistlichen dazu ermuntert habe. V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 111 Man muß die Hülfe für die Abgestorbenen ununterbrochen fortsetzen. Da der Glaube sogar unter denjenigen, die sich Gläubige nennen, und besonders in Bezug auf das Fegfeuer selten lebendig ist, so handelt man bei der Hülfe, die man den Abgeſtorbenen leiſtet, gewöhnlich nur aus Gewohnheit, und daher ohne ausdauernden Eifer. Man vertröstet sich nur allzusehr mit dem Spruche, den man gewöhnlich hört, wenn eine Person nach einer schmerzhaften Krankheit gestorben ist: ,, Nun hat sie es überstanden, es ist ihr wohl gegangen; jetzt ist sie glücklich; ohne der Peinen zu gedenken, die sie vielleicht in der andern Welt zu erdulden hat, und die oft sehr lange dauern. Nach herkömmlichem Gebrauche nimmt man sich ihrer noch eine kurze Zeit lang, vielleicht ein Jahr hindurch ziemlich an; allein nachher denkt man kaum oder nur selten mehr an sie, da doch, wie gezeigt worden, sogar sehr heilige Seelen viele Jahre im Fegfeuer leiden können. ,, Gewöhnlich," ſagt Boudon, sind diese Peinen von langer Dauer. Ich weiß zwar, daß man nicht Alles leicht glauben muß, was man nach Offenbarungen hierüber vernimmt; allein wenn diese von sehr gelehrten, ausgezeichneten, frommen und klugen Männern geprüft worden sind und 112 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelett. uns von ihnen als glaubwürdig dargestellt werden, so muß man doch Rücksicht darauf nehmen. Nun gibt es solche Offenbarungen, die berichten, daß Seelen auf hundert, andere auf fünfhundert Jahre und wieder einige bis zum letzten Gerichtstage zu den Flammen des Fegfeuers verurtheilt worden sind." Wir dürfen daher unsere Hülfe gegen die Abgestorbenen nie unterbrechen. Als der heilige Bernard die Bußpsalmen, die er täglich für seine verstorbene, sehr fromme Mutter betete, sieben Jahre nach ihrem Tode einst unterließ, wurde sein Abt, der heilige Stephan, durch eine Offenbarung davon in Kenntniß gesetzt, und verwies es ihm ernstlich. Uebrigens wenn die Seelen, denen wir diese Hülfe wollen zukommen lassen, sie auch nicht mehr bedürfen, so kommt sie den übrigen zu, die unsere Barmherzigkeit auch verdienen. Dadurch wird unser Liebeswerk noch mehr heilsam und verdienſtlich, und das menschliche Leben ist nicht zu lang, um diese Liebe immer zu üben. Von der Beharrlichkeit und dem Eifer, womit der heilige Augustin für die Verstorbenen betete. Wie überzeugt der heilige Kirchenvater Augustinus davon war, daß man beharrlich für die Abgestorbenen beten müsse, und wie eifrig er selbst diese Pflicht erfüllte, zeigt, nebst V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 113 dem, daß er sein Leben lang für seine verstorbene heilige Mutter Monika, ungeachtet ihres geführten himmlischen Wandels inbrünstig betete, noch das folgende merkwürdige Gebet, welches er 12 Jahre noch nach ihrem Tode verrichtete, und in seinen Bekenntnissen( 9. B.) niederschrieb:„ O mein Gott! Die Thränen, welche ich in diesem Augenblicke für meine Mutter vergießt, sind ganz verschieden von jenen, welche bei ihrem Tode ihr Verlust mir auspreßte. Ich weine aus Schrecken, wenn ich bedenke, wie sehr alle diejenigen Ursache zu fürchten haben, welche an der Sünde Adams Theil genommen. Freilich ist zwar meine Mutter in Jesus Christus wiedergeboren worden, und so lange sie in dieser sterblichen Hülle wandelte, war ihr Glaube so lebendig und ihre Sitten so rein, daß wir alle Ursache haben, dafür deinen heiligen Namen zu preisen, dennoch getraue ich mir nicht zu behaupten, daß seit ihrer Wiedergeburt durch die heilige Taufe, ihr nicht auch vielleicht irgend ein Wort entfallen sei, durch welches sie dein heiliges Gesetz übertreten haben könnte. Und ist es denn nicht Ausspruch der ewigen Wahrheit selbst, daß derjenige, welcher bloß seinen Bruder Narr nennt, schon die Strafe des Feuers verdient? Darum wehe selbst denjenigen, welche rechtschaffen und lobwürdig gelebt 8 114 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. haben, wenn Du ohne Barmherzigkeit mit ihnen zu Gerichte gehst! Deßwegen, o Gott meines Herzens! obwohl ich alle Ursache habe, mich in Dir zu erfreuen, wenn ich mich an all das Gute erinnere, das meine Mutter während ihres Lebens verrichtete, so will ich lieber jetzt nicht an dasselbe denken, und Dich einzig nur um Verzeihung der Sünden für sie anflehen. Oerhöre mich durch die Verdienste desjenigen, der aus Liebe zu uns sich an's Kreuz schlagen ließ!..... Ich weiß, daß ste viele Werke der Barmherzigkeit verrichtete; ich weiß, daß sie denjenigen, welche sie beleidiget hatten, von ganzem Herzen verzieh; o verzeihe daher auch Du ihr die Fehler, durch welche sie während der vielen, seit ihrer Taufe verflossenen Jahren Dich beleidigt haben kann. O verzeihe ihr! Ich bitte, ja ich bitte Dich recht inständig darum, o Herr! Höre vielmehr auf deine Barmherzigkeit, als auf deine Gerechtigkeit, und gehe nicht mit ihr in's Gericht." Nach diesem Gebete empfahl er sie dann noch, so wie seinen Vater, der noch viel früher ge= storben war, angelegenst seinen Lesern in's Gebet, damit sie ersetzen möchten, was er selbst in dieser Beziehung unterlasse, oder nicht zu leisten vermöge. V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 115 Beispiele über kurzes und langes Verbleiben der armen Seelen im Fegfeuer. Der Schwester des gottseligen Nikolaus Wolf erschien, als sie schon bejahrt war, ihre eigene Tochter, welche bei ihrem Hinscheiden auch schon Mutter gewesen war, bald nach ihrem Tode und sagte zu ihr unter Geberden und Seufzern, die ein großes Entsetzen ausdrückten: 0 Tod, o Tod!" um anzuzeigen, welch eine erschreckliche Sache der Tod sei. Nachher setzte sie aber hinzu, daß er jedoch für sie nicht so fürchterlich ausgefallen sei; denn ste müsse nur etwa acht Tage im Fegfeuer bleiben, dann sei sie erlöst, und wenn sie ihre Leiden und ihren Tod mit dem bittern Leiden und Tode unsers Herrn vereinigt hätte, so wäre sie sogleich in den Himmel gekommen, worauf sie mit großem Ernste hinzufügte: „ Ich wußte dieses nicht, Mutter! Ihr hättet es mir sagen sollen." So erschien auch eine Frau bald nach ihrem Tode und in der Nähe: des gedachten Seligen wenige Zeit vor seinem Absterben, ihrer Tochter, und sagte zu ihr, nachdem sie ungefähr auf die gleiche Weise ihr Entseßen über die Schrecknisse des Todes geäußert hatte, sie müsse auch nur wenige Tage im Fegfeuer bleiben und habe nicht sehr viel zu leiden. Dann fügte sie hinzu, ste solle Univ.- Bibl. Giessen 116 V. Ginigellnterweisungen in Betreff der armen Seelen. doch den Leuten, welche ihrer Beerdigung beigewohnt haben, recht sehr danken, es sei dabei so viel für sie gebetet worden, was für sie in der andern Welt von einem erstaunlichen Nußen gewesen sei. Diese beiden Ereignisse erzählte der gottselige Nikolaus Wolf mit Zuversicht. In den Offenbarungen der heiligen Mechtildis( L. I. sp. gr. c. 59.) finden wir hingegen folgendes Beispiel über eine lange Dauer im Fegfeuer. Als diese heilige Jungfrau einst darüber nachdachte, wie unermeßlich groß die Güte Gottes sei, sagte der Herr zu ihr: ,, Komme und betrachte den Geringsten von allen Glückseligen, die im Himmel sind, denn in ihnen kannst du meine Güte erkennen." Hierauf wurde sie in den Himmel verzückt, um zu erfahren, welcher derjenige sei, von dem der Herr gesprochen hatte, siehe, da kam ihr ein Mann von königlicher Pracht und Würde entgegen; er war von blühendem Alter, sein Angesicht war edel, schön und glanzvoll, zudem war er äußerst liebreich. Nun fragte ste ihn, wer er sei und wie er zu einer so hohen Freude und zu einer so großen Herrlichkeit gekommen sei, worauf er antwortete.: ,, Auf der Erde war ich ein Räuber und Uebelthäter; allein da ich das Böse mehr aus einer gewissen Unwissenheit und Gewohnheit, die ich von den Eltern erhalten hatte, als aus Bos V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 117 heit verübte, so habe ich am Ende durch die Buße- Barmherzigkeit erlangt. Ich bin aber hundert Jahre lang in dem Orte der Qualen gewesen und habe viele Peinen zu meiner Reinigung ausgestanden; nun aber bin ich durch die unverdiente Güte Gottes allein hieher in die Ruhe geführt worden."( Blos. Concl. an. 1. c. n. 12.) Jedermann hat eine besondere Pflicht, den Abgestorbenen zu helfen. Neben der allgemeinen Pflicht, welche uns das göttliche Gesetz der Nächstenliebe auferlegt, gibt es für Jedermann noch eine besondere Verbindlichkeit, den Abgestorbenen beizuspringen, die aus den persönlichen Verhältniſſen, in denen man mit ihnen lebte, hervorgeht; denn es ist Niemand, der nicht auf eine besondere Weise zur Dankbarkeit gegen sie verpflichtet wäre; so z. B. die Schüler gegen ihre Lehrer für den Unterricht und die Bildung, die sie von ihnen empfangen haben; deßgleichen die Blutsverwandten, Amtsbrüder, die Glieder eines Ordens und einer Genossenschaft, Kriegsgefährten, Nachbarn, Freunde und Seelsorger 2c.; in was immer für einem Stande sich Jemand befinden mag, so hat er doch unter den schon Verstorbenen, die im Fegfeuer sein können, solche, denen er Wohlthaten und Dienstleistungen zu verdanken hat. Wann 118 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. hätten wir aber mehr Ursache, unsern Wohl= thätern und Freunden uns erkenntlich zu erweisen, als zur Zeit, da wir ihnen in ihren schrecklichen Qualen im Fegfeuer Linderung und Rettung verschaffen können? Eine vorzüglich strenge Pflicht liegt dafür denjenigen ob, die sich auf irgend eine Weise im Besitze einer Erbschaft derselben befinden. Diese werden, wenn sie dagegen handeln, von dem vierten Kirchenrathe von Karthago geradezu Mör= der der Armen genannt, weil sie diesen so hülfsbedürftigen Seelen ihre schuldige Hülfe entziehen, und der heilige Dionysius, der Karthäuser, sagt: Derjenige hat in der That keinen Funken christlicher und brüderlicher Liebe, der aus Nachlässigkeit oder Trägheit zuläßt, daß die armen Seelen seiner Freunde von den Flammen des Fegfeuers gequält werden." Von der besondern Pflicht der Kinder gegen ihre verstorbenen Eltern. Die Kinder sind schon von Natur verpflichtet, ihre Eltern zu lieben und zu verehren, weil sie von ihnen das Leben erhalten haben. ,, Ehre deinen Bater," sagt die heilige Schrift. ( J. Strach 7. 29.- 30.), ,, von deinem ganzen Herzen, und vergiß nicht der Schmerzen deiner Mutter. Gedenke, daß du ohne sie nicht V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 119 geboren wärest und thue ihnen Gutes, so wie sie auch dir erwiesen." Wie viele zeitliche und geistige Wohlthaten haben aber die Kinder, noch außer dem Leben des Leibes von ihren Eltern empfangen! Sie sind daher zur zärtlichsten Gegenliebe und zum thätigſten Mitleiden mit ihnen auch nach ihrem Tode ver= pflichtet. Viel strenger aber noch geht dieses die Priester an, weil sie besonders als Stellvertreter der Kirche z. B. im heiligen Meßopfer u. A. weit mehr für ste leisten können. Deßwegen hält man es auch für den größten Trost der Eltern, wenn sie Söhne als solche zurücklassen. Dem Vater des gottseligen Bischofes Thomas Cantimpre von Kämerich aus dem Prediger- Orden, wie dieser selbst erzählt, sagte ein Beichtvater zu Jerusalem, wohin jener gewallfahrtet, er erhalte zwar die Lossprechung von einer sehr großen Sünde, die er beichtete, und wofür er die Höllenstrafe verdient hätte, er habe aber zu erwarten, einst bis an den jüngsten Tag im Fegfeuer dafür büßen zu müssen, wenn er nicht das Glück habe, einen Sohn zurückzulassen, der Priester set, und ihn vor der Zeit erlösen könne. Nachher gab sich dieser sein Vater alle Mühe, ihm zu dem Priesterstande zu verhelfen. Auch verwandte Thomas Cantimpre, nachdem er wirklich Priester geworden und sein Vater gestor 120 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. ben war, unablässig all seinen Eifer besonders in der Darbringung des heiligen Meßopfers für ihn, und mit der Zeit wurde auch ihm der süße Trost, ihn aus dem Fegfeuer erlöst zu wissen. Von dieser Ansicht geht auch die Kirche aus, da ste in den Todtenmessen drei Gebete für die Eltern des Priesters bei gesetzt hat, von denen das erste folgendes ist: O Gott! der Du uns Vater und Mutter zu ehren befohlen hast, erbarme Dich gnädig der Seelen meiner Eltern, und verzeihe ihnen ihre Sünden, und laß mich sie einst in der Freude der ewigen Herrlichkeit sehen. Durch Jesum Christum. Amen." Von der besondern Pflicht der Eheleute gegen ihre verstorbenen Ehegenossen. Die Eheleute sollen aus Liebe und Mitleiden einander noch nach dem Tode beistehen. Die eheliche Liebe, die durch die sakramentalische Gnade stets fort erhalten werden soll, verpflichtet sie, sich einander fortwährend so zu lieben, wie Jesus Christus seine Braut, die Kirche, liebt. Wie kann man aber sagen, daß sie eine solche Liebe zu einander haben, wenn eines dem andern nach dem Tode keinen Beistand leistet? Es sagt daher Tertullian: ,, Eine Wittwe bete für die Seele ihres verstorbenen Gemahls; sie flehe für ihn um die Ruhe und V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 121 um die Vereinigung mit ihm, und bringe an den Jahrstagen seines Todes Opfer dar. Wenn sie dieses unterläßt, so scheide sie sich, so viel. von ihr abhängt, von dem ehlichen Bande ihres Mannes."( L. de Monog. I. 10.) Gäsarius schreibt: ,, Eine Frau sagte einst zu einem Bischofe, der ihrem verstorbenen Manne, welcher dem Wucher ergeben gewesen, keinen Platz auf dem Kirchhofe gestatten wollte: " Ich habe gehört, daß Mann und Weib Eines seien und daß der Apostel sage, ein ungläubiger Mann könne durch ein gläubiges Weib gerettet werden. Was daher mein Mann mit dem ich Einen Leib ausmache, zu wenig gethan hat, will ich ersetzen, und bin bereit, für ihn Gott genug zu thun."" Wirklich bezog sie nachher eine Wohnung beim Kirchhofe, wo ihr Mann später doch begraben wurde, betete und verrichtete gute Werke Tag und Nacht für ihn. Nach steben Jahren erschien er ihr, und sagte zu ihr: Gott lohne es dir: Denn deiner Werke wegen bin ich jetzt von der schwersten Pein befreit; und wenn du mir nur noch sieben Jahre die gleiche Wohlthat erweisest, so werde ich dann ganz erlöst sein."" Beides geschah." 122 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. Diejenigen, welche den armen Seelen im Fegfeuer keine Barmherzigkeit erwiesen, haben viel zu fürchten. „ Mit dem nämlichen Maße, mit dem ihr ausmesset, wird euch wieder eingemessen." ( Matth. 7. 2.) Es wird wohl Jedem einleuchten, daß dieser Ausspruch des göttlichen Heilandes auch auf die Hülfe, die man den armen Seelen leisten soll, anzuwenden sei. Dafür zeugen viele Beispiele von Seelen, die, weil sie hierin saumselig waren, entweder selbst dafür büßen mußten, oder von Andern ebenfalls vergessen wurden, oder denen endlich aus dieser Ursache, die für sie verrichteten guten Werke nicht selbst, sondern Andern zukamen. So liest man unter andern Beispielen dieser Art von einem Franziskaner, der längere Zeit nach seinem Tode einem Mitbruder erschien und ihm bekannte, daß er deßwegen im Fegfeuer sehr große Schmerzen ausstehen müsſe, weil er zu Lebzeit nachlässig in den Gebeten für die Abgestorbenen gewesen sei, und daß alle Gebete und heiligen Meßopfer, welche bisher für ihn verrichtet worden seien, ihm nicht zu Nußen gekommen, sondern von Gott zur Strafe für seine Nachlässigkeit andern Seelen geschenkt worden seien. Es sagt daher der gelehrte Cardinal Cajetan( de indul. 2. Macch. V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 123 12. 26.): ,, Jenen, welche in diesem Leben die Abgestorbenen vergessen, wird einst im Fegfeuer, wie ich dafür halte, alle Theilnahme an den guten Werken und andächtigen Gebeten entzogen werden, wenn auch noch so viel Gutes von Andern hier für sie geschehen würde, indem die göttliche Gerechtigkeit auf solche Weise ihre verübte Unbarmherzigkeit und Härte des Herzens zu strafen pflegt." Es gehen aber viele Geisteslehrer noch weiter, und befürchten für solche Unbarmherzige nicht nur ein viel strengeres Fegfeuer, sondern sogar die ewige Verdammung. Sie wenden nämlich auf ste den Ausspruch des heiligen Jakobus( 2. 13.) an: Ohne Barmherzigkeit wird derjenige gerichtet werden, der keine Barmherzigkeit geübt hat." Ferner das Wort des heiligen Geistes: ,, Wer sein Ohr verstopft vor dem Schreien des Armen, der wird auch rufen, aber nicht erhört werden."( Sprchw. Sal. 21. 13.) Deßwegen sagt der heilige Vinzenz Ferrerius: Auch die Seelen im Fegfeuer rufen zu Gott um Rache gegen jene, die ihnen ihren Beistand versagen," und schließt mit den Worten des heiligen Lukas( 18. 7.): ,, Wird Gott vielleicht seine Auserwählten nicht rächen, die Tag und Nacht zu Ihm rufen?" 124 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. Diejenigen, welche den armen Seelen Barmherzigkeit erweisen, haben viel zu hoffen. Da a es im Evangelium überhaupt heißt: ,, Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen"( Matth. 5. 7.), welch' eine überschwengliche Barmherzigkeit haben für das andere Leben demnach nicht diejenigen zu hoffen, die gegen die armen Seelen Barmherzigkeit werden geübt haben!„ Thu' Gutes dem Gerechten," sagt Jesus, Sirachs Sohn( 12. 2.) so wird es dir vergolten werden, wo nicht von ihm selbst, doch gewiß von dem Herrn." Die Geisteslehrer versprechen daher solchen Barmherzigen große Linderung und Hülfe im Fegfeuer, und sehen überhaupt die thätige Liebe gegen die armen Seelen für ein zuverlässiges Zeichen der göttlichen Auserwählung zur himmlischen Glückseligkeit an. Gerson wendet deßwegen auf sie die Worte des heiligen Augustinus an: Vor der Pforte der Hölle sißt die Barmherzigkeit, die nicht zuläßt, daß Einer in den Kerker eingehe." ( Homil. 9.) Und auch der heilige Thomas von Aquin sagt:„ Es ist zwar wahr, daß, wer für die armen Seelen genug thut, für sich selbst noch nicht genug thut; es ist aber anderseits ebenfalls wahr, daß ein solcher noch mehr verdient, als die Nachlassung der Stra V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 125 fen, nämlich das ewige Leben."( 2 Epist. 20. Quæst.) Endlich spricht Gott selbst durch den Mund seines königlichen Propheten( Pſ. 40. 1.): ,, Selig ist, der des Armen und Dürftigen gedenkt; am Tage des Unglücks wird der Herr ihn erretten." Es ist klug, daß man jetzt für sich thue, was man wünscht, daß einst Andere für uns thun möchten ,, Verlasse dich nicht auf deine Freunde und Verwandten," sagt der gottselige Thomas von Kempis( Nachfolge Christi 1. B. 23. Hpst.); „ denn die Menschen werden deiner viel schneller vergessen, als du glaubst. Wenn du jetzt für dich selbst nicht besorgt bist, wer wird in Zukunft für dich besorgt sein?" Die Werke, die wir selbst im Leben zur Tilgung unserer Strafen verrichten, sind weit wirksamer als diejenigen, welche einst Andere für uns leisten werden. Es sagt daher ein gottseliger Bischof: „ Dasjenige, was du bei guter Gesundheit gibst, ist Gold; was du sterbend gibst, Silber, und was du nach dem Tode geben läsfest, Blei." Im nämlichen Sinne sagt die heilige Katharina von Genua, welche ein eigenes Werklein über die armen Seelen geschrieben hat:„ Wer in diesem Leben seine Sünden abbüßt, bezahlt mit wenigen Pfennigen tausend Dukaten; wer aber die Abbüßung derselben in das an- 126 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. dere Leben verschiebt, bezahlt mit tausend Dukaten wenige Pfennige." Endlich schreibt der heilige Papst und Kirchenvater Gregorius, der Große, in seinen Gesprächen( 4. B. 58.): ,, Es ist ein viel sicherer Weg, wenn ein Jeder, so lang er noch lebt, dasjenige Gute für sich selbst thut, das, wie er hofft, Andere für ihn thun werden, da es ein größeres Verdienst ist, schon frei aus diesem Leben zu gehen, als nach dem Tode in den Ketten des Fegfeuers die Freiheit erst zu suchen." Geduld in Kreuz und Leiden kürzt die Strafen des Fegfeuers ab. Lin Franziskaner lag an einer langwierigen und schmerzhaften Krankheit darnieder. Sich und Andern zur Last, bat er nun Gott dringend, ihm seine Leiden abzukürzen. Er wurde erhört; denn ein Engel erschien ihm, und ließ ihm die Wahl, entweder sogleich zu sterben, und drei Tage im Fegfeuer zu büßen, oder seine Krankheit noch ein Jahr geduldig zu ertragen und dann sogleich in den Himmel zu gelangen. Er wählte das Erstere. Kaum war er aber einige Stunden im Fegfeuer, so glaubte er vor Schmerzen, er befinde sich schon viele Jahre darin, und da es ihm der Engel, der ihn besuchte, neuerdings freistellte, wieder, wenn ihn die Wahl gereue, in den noch un V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 127 begrabenen Leichnam zurückzukehren, nahm er es hastig an und gelangte darauf, als er nach einem Jahre geduldig erlittener Krankheit wieder starb, unmittelbar in den Himmel.( Wadingus Chr. der mindern Brüder vom Jahre 1283.) Die heilige Theresta erzählt in ihren Bekenntnissen( 38. Hpst.) auch wörtlich Folgendes: ,, Eine Klosterfrau starb in unserm Kloster, eine fromme Seele, eifrig im Gebete und in jeder Pflichterfüllung, die erst achtzehn Jahre alt und immer körperlich leidend war. Von dieser glaubte ich, ste würde von den Leiden des Fegfeuers befreit sein, nachdem sie ihr junges Leben so unschuldig in frommer Ergebung und großen Leiden zugebracht hatte; nichtsdestoweniger mußte auch sie die Läuterung, obschon nur kurze Zeit aushalten; denn vier Stunden vor ihrem Leichenbegängnisse sah ich sie, während ich dem Todtenamte betwohnte, aus der Tiefe zum Himmel emporschweben." Fromme Stiftungen bereiten eine baldige Erlösung aus dem Fegfeuer. Lin Edelmann, von Valladolid in Spanien, schenkte der heiligen Theresia ein Haus mit einem Garten und Weingeländ zu einem Kloster, und starb zwei Monate darauf an einer jähen Krankheit, wobei er sogleich die 128 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. Sprache verlor. Nachher sagte der Herr zu ihr, die Seligkeit dieses Verstorbenen sei in großer Gefahr gestanden; er habe aber Barmherzigkeit erlangt des Dienstes wegen, den er der Mutter Gottes geleistet, indem er ihr jenes Haus zur Errichtung eines Klosters ihres Ordens verehrt habe; er werde aber nicht aus dem Fegfeuer kommen, bis in jenem die erste Messe werde gelesen werden, dann solle er erledigt werden. Später sagte ihr der Herr wieder im Gebete, ste solle eilen; denn jene Seele leide sehr große Pein. Als endlich nach vielen Hindernissen die erste Messe darin gelesen wurde. sah sie ihn wirklich mit glänzendem Angesichte fröhlich und mit gefalteten Händen, ihr dankend, zum Himmel aufsteigen. Sie bemerkt dabei: als sie das erste Mal vernommen, daß er sich auf dem Wege der Seligkeit befinde, sei ste noch sehr um ihn bekümmert gewesen, weil ihr schien, daß, um dieselbe zu erlangen, ein weit anderes Ende nothwendig gewesen wäre; denn, anderer Dinge zu geschweigen, habe er noch tief in den Eitelkeiten der Welt gesteckt. Es ist wunderbar," schließt ste,„ daß Gott dem Herrn jeder Dienst, der zur Ehre seiner Mutter geschieht, so wohlgefällig ist; darum ist auch seine Barmherzigkeit sehr groß. Er, der unsere geringen, werthlosen, schlechten Werke so groß und kostbar macht, V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 129 und mit dem ewigen Leben belohnt, sei für Alles gelobt und gepriesen!"( Klosterstiftung zu Valladolid.) Genaue Beobachtung der Ordensregel bewahrt vor dem Fegfeuer. Die heilige Theresta schreibt in ihren Be11 kenntnissen( 38. Hptst.) wörtlich Folgendes: Ein sehr frommer Religios unsers Ordens lag schwer krank. Als ich nun der heiligen Messe beiwohnte, sah ich, daß er bereits gestorben sei, und ohne Fegfeuer zum Himmel auffahre. Er ist in der nämlichen Stunde, da ich ihn sah, gestorben, wie ich nachher erfahren habe; und ich verwunderte mich, daß er nicht in das Fegfeuer gekommen ist. Da wurde mir zu verstehen gegeben, er habe dieses der gewissenhaften Erfüllung seiner Ordenspflichten zu verdanken; denn die Kirche habe aus ihrem reichen Schaße besondere Gnade denjenigen zugewandt, welche die Regeln dieser Stiftung treu beobachten, Gnaden, durch die sie von den Bußübungen des Fegfeuers frei bleiben. Wahrscheinlich ward mir zur Belehrung diese Kunde mitgetheilt, damit ich begreife, daß der geistliche Stand und das Ordenskleid noch nicht genügen, sondern daß wir nur durch einen im Innern und Neußern wahrhaft geiſtlichen Lebenswandel so hohen Hohen Trost der armen Seelen. f. D. 130 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seclen. Lohnes theilhaftig werden." Diesem fügt die Heilige noch folgende Bemerkung bei: ,, Obschon mir der Herr die Gnade erwiesen, mich noch mehreres dergleichen sehen zu lassen, so begnüge ich mich doch damit, zu sagen, daß von allen Seelen, die ich sah, einzig die obenerwähnte, die einer frommen Klosterfrau, und die des heiligen Petrus von Alkantara nach ihrem Tode nichts mehr zu büßen hatten." Die thätige Liebe zu den Abgestorbenen verschafft zeitliche und ewige Wohlfahrt. Der er fromme Boudon erzählt:„ Ich habe eine Person gekannt, die reich war an den köstlichsten Gnaden unsers Herrn Jesu Christi, dabei aber entblößt von allen menschlichen Hülfsmitteln. Diese verwendete sich in ihrer Armuth, indem sie ihrer selbst vergaß, gänzlich für die Seelen im Fegfeuer; unaufhörlich sammelte sie Almosen für dieselben, und der allgütige Gott segnete ihre Mühe dermaßen, daß sie zur Zeit einer Pest eine Gemeinde heiliger Religiosen, die ohne Einkommen waren, durch die große Menge Messen, welche sie diese in der Meinung für die armen Seelen hat lesen lassen, erhalten konnte. In dieser Absicht wandte sie sich an Vornehme und Geringe, und, so gering sie auch war und schlecht gekleidet, sogar an Fürsten; und Gott gab ihr V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 131 Gnade für Alles. Sie ist im Rufe der Heiligkeit zur Zeit eines Jubiläums gestorben, und man hat Grund zu glauben, die Vorsehung habe gewollt, daß sie den vollkommenen Ablaß gewinne, um sie vor dem Feuer zu bewahren, aus dem sie, wie man fromm glauben darf, eine große Menge Seelen erlöst hat." Kurz vor dieser Erscheinung sagt dieser große Freund der armen Seelen in einem Aufrufe zu vorzüglichen guten Werken für sie: Man kann den Seelen im Fegfeuer nicht leicht kräftiger helfen, als wenn man öffentliche Andachten für sie halten läßt, z. B. die allgemeine Communion alle Monate an einem Sonntage derselben, nach dem Muster derjenigen, die zu Rom verrichtet wird und für welche der heilige Vater einen vollkommenen Ablaß verliehen hat. Machet eine immerwährende Stiftung für einige Predigten, die alle Jahre für sie gehalten werden sollen.*) Eines *) Man kann nicht umhin, hier zu bemerken, wie leicht es an vielen Orten wäre, wo die Bruderschaften zum guten Tode, oder zum heiligsten und unbefleckten Herzen Mariä, oder andere mit monatlichen Versammlungen eingeführt sind, einige Communiontage und Predigten für die Abgestorbenen das Jahr hindurch anzuordnen und festzusezen. Dadurch würde der Zweck der Bruderschaften keineswegs entrückt, zumal bei allen zugleich auch die Absicht obschwebt, der verstorbenen Mitglieder hülfreich eingedenk zu sein; vielmehr würden sie dadurch noch viel werthvoller und anziehender. 132 V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. der wirksamsten Mittel aber, ihnen Beistand zu leisten, und zwar ein Liebeswerk, das Gott schon mit Wundern belohnt hat, ist es, wenn man Bücher verbreitet, welche von Mitteln handeln, wie man ihnen helfen könne, und ſolche vorzüglich den Seelsorgern, Predigern und andern eifrigen Personen gibt." Eine goldene Ermahnung für fromme Seelen, welche das Fegfeuer zu sehr fürchten. Von Ludwig Blofius. ( Sect. VI. c. 33). Du fürchtest vielleicht, du werdest nach deinem Hinscheiden die Strafen des Fegfeuers zu erdulden haben. Diese übertriebene Furcht mußt du ablegen. Es ist dir heilsam, wenn du dich Gott ganz ergibst und Ihn mit dir machen läsfest, was Ihm gefällt. So wie du seine Barmherzigkeit liebst, so sollst du auch seine Gerechtigkeit lieben. Er hört nicht auf, der allgütigste Vater zu sein, wenn Er seine, bereits schon von Herzen der Sünde abgestorbenen und Ihm getreuen Kinder entweder in diesem Leben oder im Fegfeuer züchtiget; Er thut dieses nur aus väterlicher Liebe. Setze nie in die Güte dieses so liebevollen Vaters einen Zweifel. Wenn du wahrhaft verlangst und dich beeiferst, Ihm zu gefallen und anderseits auch eine wahre Reue hast, Ihn je V. Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. 133 beleidiget zu haben, so wird Er dich, wenn du von hier abscheidest, nicht strenge, sondern gütig aufnehmen und dich im Schooße seiner Barmherzigkeit bewahren. Wenn du auch in's Fegfeuer geführt werden solltest, so werden dir darin Trost und Erquickung nicht fehlen; du bist dort deines Heiles und der ewigen Seligkeit sicher, und du wirst mehr vorziehen, dich bort als hier zu befinden, wo es so viele Gefahren gibt, Gott zu beleidigen. Deßwegen lesen wir, daß ein heiliger Mann gesprochen: ,, Wenn ich bestimmt wüßte, daß ich nach dem Tode in's Fegfeuer käme, so wäre ich jede Stunde von Herzen bereit, mein Haupt unter das Schwert zu legen, um meines Heiles sicher zu sein." Es gibt aber Nachlässige, die ihr Leben nicht von Grund aus zu bessern begehren, die gewöhnlich sagen, es genüge ihnen, wenn sie nach dem Tode in's Fegfeuer und nicht in die Hölle kommen. Allein sie reden sehr unverständig und wissen nicht, was sie sagen; denn wenn sie in ihren Nachlässigkeiten und Laſtern freiwillig verharren, haben sie ein äußerst strenges und schreckliches Fegfeuer zu erwarten, wenn es ihnen noch vergönnt wird, in's Fegfeuer und nicht in die Hölle zu kommen. Du aber, o Mensch von gutem Willen! der du jezt schon jede Sünde hassest und Gott zu 134 V. Ginige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. leben und zu dienen verlangst, lege alle unmäßige Furcht ab. Diejenigen, welche die Liebe haben und Gott von Herzen zugewandt sind, werden sich, selbst wenn sie nach dem Tode noch der Reinigung bedürfen, dennoch glücklich fühlen, weil sie nämlich niemals von Gott geschieden werden. Sind sie aber dort einmal ganz gereiniget worden, so gelangen sie glorreich zum himmlischen Vaterlande. Darum steht geschrieben:„ Selig die Todten, die in dem Herrn sterben."( Offenb. 14, 13.) Sechster Abschnitt. Von der Dankbarkeit der armen Seelen gegen ihre Wohlthäter. Von der Dankbarkeit der armen Seelen überhaupt. Der gelehrte Buttler sagt, daß die großen zeitlichen und ewigen Vortheile, die uns aus der Dankbarkeit und besonderer Gegenliebe der von uns erlösten Seelen zufließen, allein hinreichend sein sollten, uns zu Liebeswerken für fte zu entflammen, wenn wir auch keine andern Gründe dafür hätten. Wenn diese Seelen durch unsere frommen Verwendungen für VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen 2c. 135 ste aus ihrer peinlichen Verbannung vor das Angesicht Gottes kommen, so unterlassen sie nicht, durch eifrige Gebete zu Gott für die Hülfe, die wir in allen unsern so vielfachen großen Gefahren und Mühseligkeiten dieses Lebens so nöthig haben, ihre inbrünstige Dankbarkeit und Gegenliebe gegen uns zu erweisen. " Der Mundschenk Pharao's konnte wohl Jo= seph vergessen, der ihm seine Befreiung und Wiedereinsetzung in sein Amt voraussagte und ihn bat, seiner eingedenk zu sein; allein so handeln die Seelen im Fegfeuer nicht," sagt der heilige Bernard; nur in schlechten und lasterhaften Herzen kann Undank wohnen. Dieses findet man bei den Heiligen nicht." Der heilige Alphons von Liguori lehrt:„ Derjenige, welcher diesen bedrängten und von dem Herrn zärtlich geliebten Seelen Hülfe leistet, darf seine Seligkeit mit großer Zuversicht hoffen; denn wenn eine solche Seele durch sein Gebet und seine guten Werke die Befreiung erlangt, so fleht sie unaufhörlich um dessen Rettung, und Gott wird sie ihr, als seiner Braut, nicht versagen." Allein diese so hülfsbedürftigen, schmerzlich leidenden Seelen warten nicht erst, bis ste in den Himmel kommen, um ihre Erkenntlichkeit und Sorgfalt gegen ihre Wohlthäter auszuüben; sondern während sie noch im Fegfeuer schmachten, 136 VI. Von der Dankbarkeit der ärmen Seelen beten sie ohne Unterlaß für ihre Wohlfahrt des Leibes und der Seele, erwirken ihnen die Gesundheit in Krankheiten, verschaffen ihnen Lebensunterhalt in der Armuth, Hülfe in der Noth, Rath und Schuß auf Reisen und in Gefahren bewahren und vermehren ihre Glücksgüter, sind ihnen für ihr Seelenheil sehr behülflich, stehen ihnen vorzüglich im Todeskampfe und endlich im Gerichte Gottes steghaft bei, wie dieß Alles aus den folgenden Beweisgründen und Beispielen erhellt. Die armen Seelen beten im Fegfeuer für ihre Wohlthäter, und man kann sie anrufen. Der heilige Alphons von Liguori sagt:„ Es ist wahrscheinlich, daß man auch die armen Seelen im Fegfeuer um ihr Gebet bitten könne; denn es ist glaubwürdig, daß Gott ste unser Gebet wissen lasse, auf daß diese heiligen Seelen auch für uns beten, und so zwischen ihnen und uns die Verbindung der Liebe und gegenseitigen Fürbitte bestehe." Auf gleiche Weise spricht sich hierüber der gelehrte P. Suarez, aus der Gesellschaft Jesu aus, indem er sagt: Diese Seelen sind heilig, und also von Gott sehr geliebt, auch lieben sie uns mit einer vollkommenen Liebe, kennen wenigstens im Allgemeinen unsere Gefahren, und wissen, wie sehr wir der Hülfe Gottes bedürfen. gegen ihre Wohlthäter. 137 Gewiß werden sie daher für uns beten, obschon sie noch ihre Schulden zu büßen genöthigt sind. Wir können ja auch in diesem Leben für einander beten, obwohl wir große Schuldner gegen Gott sind; auch haben die Väter, welche sich im Schooße Abrahams( oder in der Vorhölle) befanden, für die Lebenden gebetet, wie von dem Propheten Jeremias und dem Hohenpriester Onias( II. Mach. 15.) gemeldet wird. Diesem stimmt der Cardinal Bellarmin ungefähr in den nämlichen Ausdrücken bei. Auch sagt die heilige Katharina von Bologna, daß, wenn sie irgend eine Gnade verlangte, sie sich an die armen Seelen gewandt, und dann sogleich, was sie gewünscht, erlangt habe; ja, daß sie viele Gnaden, die ste durch die Fürbitte der Heiligen nicht erlangen konnte, mittelst der armen Seelen bald erhalten habe. Deßgleichen sagte eine gottselige Person aus unserer Zeit, die in den Wegen des Geistes sehr bewandert ist, sie wende sich, wenn ihr Alles fehlschlage, an die armen Seelen, und finde dann Erhörung. Einen sprechenden und aufmunternden Beweis dafür liefert uns noch folgender Brief, welcher deßwegen, seiner Länge ungeachtet, ganz hier eingerückt wird. 138 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen Die armen Seelen erwirken ihren Wohlthätern die Gesundheit in Krankheiten. Im Jahre 1649 schrieb Wilhelm Frießem, Buchdrucker in Köln, an P. Jakob Montfort, aus der Gesellschaft Jesu, folgenden Brief: " Ich berichte Euer Hochwürden die wunderbare Herstellung meines Söhnleins und meiner Frau. Ich las an den Festtagen das Werklein, das Sie mir in den Druck gegeben hatten, und das von der schuldigen Liebe zu den Abgestorbenen handelt. Als ich nun gerade in dem Lesen desselben begriffen war, kündigte man mir an, daß mein vierjähriges Söhnlein schwer erkrankt sei. Die Krankheit nahm dergestalt überhand, daß es in kurzer Zeit in die äußerste Lebensgefahr kam, so daß die Aerzte an seinem Aufkommen verzweifelten, und man schon auf seine Bestattung Bedacht nahm. Allein ich hatte die Hoffnung, ihm wieder die vorige Gesundheit zu erhalten, wenn ich ein Gelübde zu Hülfe der armen Seelen im Fegfeuer thun würde. Ich ging daher in aller Frühe in die Kirche, wo ich mit besonderer Andacht Gottes Barmherzigkeit angerufen und zugleich gelobt habe, hundert der gedachten Büchlein an verschiedene Klöster und an Geistliche auszutheilen, damit der heilige Eifer, den Verstorbenen zu helfen, bei ihnen geweckt und entflammt werde. Als gegen ihre Wohlthäter. 139 ich hierauf nach Hause kam, hatte es sich mit ihm schon gebessert; es verlangte sogleich zu essen, nachdem es mehrere Tage nichts hatte genießen können, und den folgenden Tag war es so vollkommen gesund, daß es vom Bette aufstund, herumging und mit Lust aß, gleich als wenn ihm nie etwas gefehlt hätte. Da ich nun diese wider alles Erwarten erhaltene Gesundheit als eine Gnade vom Himmel ansah, nahm ich die gelobten hundert Büchlein zusammen und trug sie in das Collegium Ihrer Gesellschaft, wo ich die ehrwürdigen Väter bat, einige nach Belieben zu behalten, die übrigen hingegen in verschiedenen Klöstern unter die Geistlichen zu vertheilen, damit meine erhaltene Gnade Jedermann kund werde und Jedermann daher auch mehr angetrieben werde, den Seelen im Fegfeuer Hülfe zu leiſten. Kaum waren aber hierauf drei Wochen verflossen, ereignete sich ein anderer, nicht minder schwerer Fall: Meine Frau wurde von einem heftigen Zittern an allen Gliedern ergriffen, so daß sie in Ohnmacht auf die Erde stel; auch nahm das Uebel immer mehr zu, bald konnte sie nichts mehr genießen, und verlor die Sprache. Alle Mittel waren umsonst, und man harrte schon auf ihr Ende, so daß mich der Beichtvater, der ihr beistand, ermahnte, mich über ihren Verlust in den het 140 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen ligen Willen Gottes zu ergeben. Allein da ich ein großes Vertrauen auf die schon erfahrene Hülfe der Seelen im Fegfeuer hatte, ließ ich den Muth nicht sinken, sondern machte mir Hoffnung, durch sie auch ihre Gesundheit zu erlangen. Ich ging daher wieder in die nämliche Kirche, warf mich vor dem Altare des Hochheiligsten Sakramentes nieder, bat auf's Neue den Allerhöchsten so inständig, als Jemand in solcher Noth thun kann, der seine Frau innig liebt. Herr," sagte ich, Du bist so barmherzig, daß Du deine Gnaden verdoppelst. Ich bitte Dich also durch deine unendliche Gütigkeit, laß nicht zu, daß mir der Trost, den ich aus der Gesundheit meines Sohnes habe, durch den Tod meiner Frau verbittert werde."" Hierauf wiederholte ich das vorige Gelübde, ja ich verdoppelte es, und versprach, zweihundert dergleichen Büchlein unter fromme Leute zu vertheilen. Auch stellte ich diese Bitte an die Seelen des Fegfeuers, und beschwor sie durch die Liebe, welche sie gegen Gott tragen, sich meiner zu erbarmen, und für mich bei Gott bittlich einzukommen in Ansehung der gottseligen Begierde, die ich allzeit gehabt habe, ihnen vielfältig beizuſpringen. Kaum kam ich von diesem Gebete nach Hause, so kamen mir meine Hausgenossen mit froher Botschaft entgegen und wünschten mir gegen ihre Wohlthäter. 141 Glück, indem es sich mit meiner Frau gebessert habe: die Ohnmacht habe aufgehört, die Kranke öffne die Augen und spreche wieder; und als ich ihr sogleich nachher selbst eine Speise brachte, genoß sie dieselbe mit Lust, und äußerte eine sichere Hoffnung zur Wiedererlangung der Gesundheit, welche auch in Kurzem so vollkommen erfolgt ist, daß ste mit uns in die Kirche kommen konnte, um Gott, dem Urheber alles Guten, für die erhaltene Gesundheit Dank zu sagen. Ich verschob es keinen Augenblick, die verlobten Büchlein wieder in Ihr Collegium und auch in andere Klöster zu tragen, damit an allen Orten die Gläubigen dadurch ermuntert werden, den Seelen im Fegfeuer beizuspringen. Euer Hochwürden wollen dieser Erzählung vollkommenen Glauben beimessen. Ich rufe Gott zum Zeugen an, daß sich die Sache also zugetragen hat. Ich bitte Sie zugleich, Sie wollen mit mir für diese doppelte Wohlthat dem Allerhöchsten Dank sagen."( P. F. Hautinus, aus der Gesellschaft Jesu.) Kürze halber mögen aus unserer Zeit nur noch zwei dergleichen Beispiele angeführt werden. Eine Magd, die gegen sehr peinliche Gliederschmerzen zuerst lange Zeit mit vielen Kosten die ärztliche Hülfe gebraucht hatte, ohne irgend eine Linderung zu erhalten, verließ 142 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen endlich den Arzt und ließ dafür drei heilige Messen für die Abgestorbenen lesen, worauf sie sogleich ganz hergestellt wurde.- Ein Mann, der mit den nämlichen Schmerzen behaftet war, ohne sich auf irgend eine Weise helfen zu können, versprach ein Gemälde, daß die armen Seelen im Fegfeuer vorstellt, an einem sehr besuchten Wallfahrtswege zur Erbauung und Ermunterung der Pilger anbringen zu lassen, und wurde darauf sogleich befreit. Eine arme Seele verschafft ihrer Wohlthäterin den Lebensunterhalt in der Dürftigkeit. . Gregorius Carfora, ein regulirter Chorherr, schreibt Folgendes: ,, Einer armen Frau von Neapel, die sich mit den Ihrigen ohnehin schon kümmerlich durchbrachte, wurde noch ihr Ehemann, der mit seiner Handarbeit die größte und fast einzige Stüße der Haushaltung war, entzogen und Schulden halber in das Gefängniß geworfen. Dadurch stieg ihr Elend auf das Höchste, indem sie nicht nur ihre Kinder allein ernähren, sondern noch überdieß ihren Mann wieder auslösen sollte. In dieser großen Bedrängniß wandte ste sich mit guter Hoffnung auf eine ansehnliche Unterstützung an einen reichen Herrn, dessen Mildthätigkeit gegen die Armen rühmlichst bekannt war, mit einer gut verfaßten Bittschrift; allein sie er gegen ihre Wohlthäter. 143 hielt nur ein kleines Geldstück. Durch dieſe Täuschung noch mehr niedergebeugt, begab sie sich hierauf in die Kirche, um Gott dem Herrn, als dem eigentlichen Vater der Armen ihre schwere Noth zu klagen. Als sie da mit Bitten und Weinen ihr Herz vor Gott ausgoß, fiel ihr auf einmal, wie aus einer Eingebung des heiligen Schußengels, ein, daß die armen Seelen im Fegfeuer ihren Wohlthätern in der Noth so große Hülfe leisten. Sie faßte daher ein großes Vertrauen auf ste, und nahm ihr weniges Geld, das sie bei sich hatte, um für jene eine heilige Messe lesen zu lassen. Als diese nun beendigt war, ging ste fort, und begegnete vor der Kirche einem ehrwürdigen alten Herrn, der sie sehr freundlich ansprach und sie fragte, warum sie so bestürzt sei. Sie erzählte ihm ihr Unglück, worauf er ihr einen Brief gab, den sie einem adelichen Herrn in der Stadt bringen sollte, und sie entließ. Da ste ihn ungesäumt diesem Herrn überreichte, fragte dieser sogleich heftig erstaunt, indem er die Schrift seines verstorbenen Vaters erkannte, woher sie diesen Brief habe. Sie antwortete, daß ein bejahrter, ansehnlicher Herr ihn ihr gegeben habe, und da ste zugleich das Bild desselben im Zimmer erblickte, setzte sie ergriffen hinzu, daß er jenem ganz gleich sehe, nur sei sein Angesicht heiterer und fröhlicher ge 144 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen wesen. Nachdem jetzt der Herr den Brief geöffnet, fand er darin diese Worte: Mein Sohn! Jetzt gleich steigt dein Vater aus dem Fegfeuer in den Himmel, vermittelst einer heiligen Messe, welche diese arme Frau hat lesen lassen. Ich empfehle sie daher dir an, sei dankbar und belohne sie reichlich, denn sie hat es sehr nothwendig." Der Herr las diese rührenden Zeilen mehrmal unter einem Strome von Freudenthränen und immer größerm himmlischen Troste, und sagte dann der glücklichen Ueberbringerin:„ O Frau! Ihr seid mit wenigem Almosen meinem Vater sein großes Glück gewesen, ich will mit einem viel reichlichern daß eurige sein. Ich versichere euch, daß der Lebensunterhalt weder für Euch noch die Eurigen jemals abgehen soll." Eine andere arme Seele im Fegfeuer verschafft ihrem Wohlthäter Hülfe in der Noth. Mehrere Geschichtschreiber melden folgende Begebenheit, welche dem Erzbischofe Christophorus Sandoval von Sevilla in Spanien widerfahren ist. Dieser pflegte von Kindheit an alles Geld, daß er erübrigen konnte, zu Almosen für die armen Seelen zu verwenden, und setzte diese gottselige Uebung auch fort, als er sich auf der Hochschule von Löwen befand. Dadurch gerieth er einmal, als ihm der gegen ihre Wohlthäter. 145 Unterstüßungsgehalt von Hause über die gewöhnliche Zeit ausblieb, in solche Noth, daß er aus Mangel an Geld nicht zu Mittag speisen konnte, und was ihm noch empfindlicher fiel, war, daß er einem Bettler, der ihn im Namen der armen Seelen um ein Almosen ansprach, gegen seine Gewohnheit nichts geben konnte. Um diesen Abgang zu erseßen, ging er in eine Kirche, um wenigstens für ste zu beten. Nachdem er aber kaum sein Gebet vollendet hatte, sah er vor sich einen schönen, wohlgekleideten Jüngling in Gestalt eines Reisenden stehen, der ihn freundlich grüßte. Er erschrack zuerst heftig darüber, indem er eine Person aus der andern Welt vor sich zu sehen glaubte; allein er erholte sich sogleich, als dieser ihm sagte, daß er eben aus Spanien, seinem Vaterlande, komme, und ihm gute Nachrichten von seinem Vater, dem Markgrafen von Dania, und seinen übrigen Verwandten und Freunden bringe. Nach einigem Gespräche lud ihn dieser ein, mit ihm in die Herberge zu kommen, um ein Mittagsmahl einzunehmen. Sandoval willigte ein, und beide setzten sich mit großer Vertraulichkeit zu Tische. Nach geendeter Mahlzeit sagte der Fremdling zu seinem Gaste, er wolle ihm da einen Beutel Geld hinterlassen, und indem er ihm denselben darreichte, fügte er noch hinzu, 10 146 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen er solle sich desselben zu seinem Nußen und Bequemlichkeit bedienen; der Markgraf, sein Herr Vater, werde es ihm auf sein Begehren in Spanien wieder zurückerstatten, worauf er sich unter dem Vorwande von Geschäften beurlaubte. Später suchte ihn zwar Sandoval wieder auf, konnte aber, weder dazumal in Löwen noch auch später in Spanien, etwas mehr von ihm erfahren. Auch wurde dieses Geld, welches in lauter italienischen Goldstücken bestund, nie wieder zurückgefordert, und es reichte auffallend bis zur Zeit hin, in der ihm sein ordentlicher Gehalt, welcher durch einen unvermutheten Zufall eines Boten aufgehalten worden war, ankam. Sandoval zweifelte gar nicht, daß dieser Fremdling eine Seele aus dem Fegfeuer gewesen sei, die ihm in seiner Noth aus Dankbarkeit für die Almosen, welche er allzeit für die Abgestorbenen zu spenden beflissen war, diese erwünschte Hülfe geleistet habe. Allein er hielt diese rührende Begebenheit allzeit aus Demuth verborgen, bis er ste endlich bei seiner Bischofsweihe in Rom dem Papste Klemens VIII. mittheilte, welcher ihm darauf befahl, ste, um die Gläubigen dadurch zu ähnlichen Liebeswerken gegen die armen Seelen aufzumuntern, bekannt zu machen, wozu er sich willig verstand. Es blieb auch dieser gottselige Erzbischof sein ganzes gegen ihre Wohlthäter. 147 Leben durch ein sehr eifriger Liebhaber und Helfer der armen Seelen, und unterließ keine Gelegenheit sowohl in seinem Sprengel, als auch in den übrigen Theilen des Königreiches eine gleich theilnehmende Liebe zu ihnen zu erwecken und zu unterhalten.( P. Martin Roa a. d. G. J. mit Andern.) Arme Seelen gewähren ihren Wohlthätern Rath und Schutz auf Reisen und in Gefahren. Line fromme Jungfrau, welche im Hornung 1830 zu Fuß eine starke Zagreise machen mußte, gerieth, als es schon Nacht zu werden anfing und sie noch eine ziemliche Strecke weit zu gehen hatte, auf einen ihr unbekannten Scheideweg, fing daher an zu jammern, wie gefährlich es für sie wäre, sich in der Nacht noch zu verirren, und sagte bei sich selbst: „ Ach, ich wollte doch gern für die armen Seelen etwas beten, bis ich angekommen wäre, wenn doch Jemand käme und mir den Weg zeigte." Indessen ging sie auf dem einen der beiden Wege, die vor ihr waren, eine kleine Weile fort, als von dem andern her ein Knabe ihr sogleich zurief:„ Jungfrau! wo wollet ihr hin?" Hierauf nannte sie den Ort, und jener rief ihr noch einmal zu: ,, Ihr gehet dort irre, thr müsset hieher kommen." Als ste hierauf nur einen Augenblick wegen einigen Gesträu 148 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen -ches auf den Boden schauen mußte, um dann quer hinüberzugehen, und sogleich wieder aufblickte, sah sie auf dem ganzen weiten und flachen Felde keinen Menschen mehr.- Vor wenigen Jahren gingen drei Männer, schwer mit Geld beladen, über den St. Gotthard, und als sie zu einem Walde kamen, der als sehr gefährlich bekannt ist, nahmen sie den Rosenkranz zur Hand, um zu ihrem Schuße fortwandelnd einen Psalter für die armen Seelen zu beten. Als sie nachher wirklich an eine Stelle gelangten, wo ihnen Räuber auflauerten, sahen diese, daß bewaffnete Reiter vor und hinter ihnen herritten, was ihnen sehr auffiel und die sie von einem Angriffe abhielten. Als diese später gefänglich eingezogen wurden, bekannten sie diesen Vorfall. Zeit und Umstände trafen pünktlich ein, nur hatten jene fromme Männer von ihrer überirdischen Begleitung nichts gesehen. Hiezu kommt füglich noch die öffentliche Erklärung, welche der ehrwürdige Jesuit P. Martin Roa in seinem Buche über den Zustand der armen Seelen von sich selbst mit folgenden Worten gegeben hat:„ Ich kann von mir selbst bezeugen, daß ich mich vielfältig in großer Trübsal, in schweren Leibeskrankheiten, auf vielen langen, schweren und gefährlichen Reisen befunden habe, indem ich über gegen ihre Wohlthäter. 149 rauhe und mit Schnee bedeckte Berge, durch tiefe und des Wassers wegen sehr gefährliche Thäler, durch wilde Einöden, durch Mörder und Räuber habe wandern müssen; allein auf die Anrufung der armen Seelen habe ich ihre Hülfe immer so erfahren, daß ich allzeit glücklich allen Gefahren entgangen bin." Arme Seelen bewachen und befördern die Glücksgüter ihrer Wohlthäter. Der er gottselige Nikolans Wolf erzählte, daß einem Bauer aus seiner Gegend, den er kannte, ein Nachbar zu drei verschiedenen Malen Kirschen stehlen wollte. Kaum war er aber auf den Baum gestiegen, so kam jedes Mal von der Ferne her ein Licht in gerader Linie auf ihn zu, so daß er allemal weichen mußte. Nachher bekannte er es dem Bauer selber, und sagte zu ihm, er müsse gewiß etwas machen, daß er so gute Wächter habe. Hierauf antwortete dieſer, er wisse nichts Anderes, als daß er die Gewohnheit habe, an allen Fronfasten eine heilige Messe für die armen Seelen lesen zu lassen. Der nämliche Selige sagte auch von drei Jungfrauen, die an einem abgelegenen Ort allein in einem Hause wohnten, und für die Abgestorbenen viel zu beten pflegten, daß, als einst Diebe in ihr Haus eindringen wollten, sie bei mehreren Versu 150 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen chen allemal durch ein starkes Gepolter, als ob mehrere Leute durch eine Treppe hinunter zu Hülfe eilten, abgehalten wurden, was sie nachher selbst erzählten.- P. Mancin erzählt: Ein Kaufmann hatte einen großen Vorrath von Waaren; als er sie aber in mehreren Jahren nicht absetzen konnte, und deßhalb in große Besorgniß und Gefahr gerieth, zu Grunde zu gehen, nahm er seine Zuflucht zu den armen Seelen, und versprach, eine große Anzahl heiliger Messen für sie lesen zu lassen, worauf er in kurzer Zeit alle seine Waaren leicht verkaufen konnte." Die armen Seelen sind ihren Wohlthätern zu ihrem Seelenheil sehr behülflich. Sind die armen Seelen schon so geneigt, ihren Wohlthätern in ihren zeitlichen Nöthen zu helfen, so sind sie es, wie begreiflich, noch weit mehr für ihr Seelenheil, wie dieß folgende Beispiele beweisen. Papst Benedikt XIII. erzählt in seinen Erbauungsreden Folgendes: „ Christoph Ugo war, bevor er in den Dominikanerorden trat, ein Jüngling von verdorbenen Sitten, der im Spiel, in Ausschweifung und Feindschaft mit verhängtem Zügel der Hölle zurannte; nur dieser einzige Zug von Frömmigkeit war noch in seinem Herzen zurückgeblieben, daß er jeden Tag die Bußpsal gegen ihre Wohlthäter. 151 men für die Abgestorbenen betete; und stehe, eines Tages fühlte er plößlich, ohne zu wissen, wie, sein Herz umgeändert; vom himmlischen Lichte angezogen, bekannte er sich zur Regel des heiligen Dominikus, und machte in diesem Orden wunderbare geistige Fortschritte." Der nämliche fromme Papst erzählt daselbst ebenfalls: ,, Dem P. Alphons Cortest, aus der Gesellschaft Jesu, einem Manne von großer Vollkommenheit, wurde gleich einem zweiten Paulus der Stachel des Fleisches, als Engel des Satans, beigegeben, der ihn mit den heftigsten Versuchungen peinigte. Da nun der gute Priester schon so viele Mittel, um davon frei zu werden, fruchtlos fruchtlos versucht hatte, so nahm er seine Zuflucht zur Mutter der Reinigkeit, zur allerfeligsten Jungfrau Maria, die ihm hierauf erschien, und ihn auf forderte, für die armen Seelen im Fegfeuer recht eifrig zu beten. Als er nun dieses that, wurde er von den Versuchungen frei." Ein Mann auch aus unserer Zeit, der dem Trunke sehr ergeben war, ohne sich auf irgend eine Weise davon losmachen zu können, faßte den glücklichen Entschluß, alle Abende statt in's Wirthshaus zu gehen, wo er sich jedes Mal berauschte, sich in ein Beinhaus oder eine Todtenkapelle zu begeben, um dort für die armen Seelen zu beten, wodurch er von die 152 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen. sem Laster vollkommen befreit wurde. Endlich berichtete der P. Mancin, daß ein Edelmann, der ein großer Wohlthäter der armen Seelen war, von denselben einst im Schlafe geweckt und ermahnt wurde, sogleich seine Beicht abzulegen, weil er nächstens sterben werde. Wirklich begab sich dieser ohne Verzug zu seinem Beichtvater, und nachdem er hierauf noch die heilige Communion empfangen hatte, starb er plößlich. Dergleichen Mahnungen der armen Seelen zur Buße oder Lebensbesserung weiß man viele, die sowohl im Laufe des Lebens, als unmittelbar vor dem Tode geschehen sind. Es sagt daher der heilige Kirchenvater und Erzbischof Ambrosius: ,, Erwirb dir durch deine Fürbitten um Erlösung der Seelen aus dem Fegfeuer Freunde, die bei Gott für dich bitten, daß auch du selig werdest." Von daher auch der bekannte Ausspruch von Papst Adrian VI.: ,, Wer für die Seelen im Fegfeuer betet, in der Absicht, ihnen zu helfen, verbindet sich dieselben zur Gegenhülfe und Dankbarkeit." — Die armen Seelen stehen ihren Wohlthätern im Todeskampfe bei. Der er große Geschichtsschreiber Cardinal Baronius schreibt Folgendes: ,, Ein Sterbender von großer Tugend sah, als er auf dem Tod agiers T Bei den Herrn ist Barmherzigkeit und bei Ihne ist überreiche Erlösung.( Pfalm. 129, 7.) gegen ihre Wohlthäter. 153 bette sich in einem schweren Streite mit den höllischen Geistern befand. den Himmel sich öffnen, und mehrere tausend weiß ausgerüstete Streiter zu ihm herabsteigen, von welchen er sehr gestärkt wurde, indem er von ihnen die Versicherung erhielt, daß sie gekommen seien, ihm in diesem gefährlichen Kampfe beizuſtehen und für ihn zu streiten. Dadurch wurde der Todtkranke sehr getröstet und als er mit weinenden Augen diese himmlische Ritterschaft gebeten hatte, sie möchten ihm die Gnade er= weisen, ihm zu sagen, wer sie seien, bekam er zur Antwort: Wir sind von dir aus dem Fegfeuer erlöste Seelen. Wir kommen deßwegen, dir diese Wohlthat zu vergelten, und dich nach dem Tode sogleich in den Himmel zu führen." Nach dieser Ankündigung gab der Sterbende voll des Trostes mit heiterm Angesichte und freudigem Herzen den Geist auf. Es schreibt auch P. C. G. Rosignoli, aus der Gesellschaft Jesu in seinem Werke von den Wunderwerken Gottes in den Seelen des Fegfeuers, von einem Laienbruder, Andreas Stmon, seiner Gesellschaft, der im Profeßhause zu Rom Portner war, Folgendes:„ Er bestrebte sich auf manche Weise, die ihm seine große Liebe zu den Abgestorbenen eingab, wie z. B. durch demüthige Darbietung bunter Blumensträuße, die er in seinem Gärtchen zog, 154 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen an Personen, die seinen Eifer und seine Absicht hiefür kannten, Geld zu Seelenmessen zu sammeln, und nachdem er diesen Liebeseifer viele Jahre hindurch bis in sein hohes Alter mit dem ergiebigsten Erfolge geübt hatte, erwiesen ihm die vielen, von ihm erlösten Seelen eine ähnliche Gegenliebe und Dankbarkeit, indem sie sich in großer Anzahl bei seinem Tode einfanden, um ihn nun zu trösten und seine Seele nach seinem Hinscheiden gleichsam im Triumphe zur ewigen Freude im Himmel abzuführen."- Das ganz Gleiche liest man auch bei Bollandus von der heiligen Margaritha von Cortona, die sich ebenfalls in ihrem Leben mit außerordentlichem Eifer darauf verlegt hatte, diesen Seelen zu helfen. Die armen Seelen stehen ihren Wohlthätern im Gerichte Gottes bei. Mehrere Schriftsteller berichten Folgendes: ,, Als ein Kaplan einen Sterbenden mit den heiligen Sterbsakramenten versehen hatte, hörte er bei seiner Zurückkunft in der Kirche eine Stimme auf dem Kirchhofe rufen: ,,,, Auf, ihr Todten! Stehet auf aus den Gräbern, in welchen ihr ruhet! Kommet alle in die Kirche zu beten, und Gott die Seele unsers großen Wohlthäters, der eben jetzt gestorben ist, anzuempfehlen. Dieses fordert von uns die Pflicht gegen ihre Wohlthäter. der Dankbarkeit für das andächtige Gebet, welches er oft für uns verrichtet hat, indem er nie über diesen Kirchhof ging, ohne unser zu gedenken."" Hierauf begaben sich diese Todten in großer Anzahl in die Kirche, und sangen für ihn bei angezündeten Lichtern nach kirchlichem Gebrauche die Tagzeiten der Abgestorbenen, nach deren Beendigung sie sich auf das Zeichen des Nämlichen, der sie aufgerufen hatte, wieder in ihre Gräber zurückbegaben. Als nun der gedachte Kaplan wieder zum Kranken zurückkehrte, erfuhr er, daß derselbe zu eben jener Zeit glückselig gestorben sei. Jener blieb aber von dieser Erscheinung so ergriffen, daß er sogleich der Welt entsagte, um sich in ein Kloster zu begeben, nämlich in das des heiligen Martinus bei Tours, und sein ganzes künftiges Leben durch ein ausgezeichneter Freund und Helfer dieser Seelen im Fegfeuer wurde."( Martin Roa a. d. G. J.) 155 Der Herr belohnt die Liebe zu den armen Seelen das mit, daß Er die Erlösten ihren Wohlthätern im Tode beistehen und ihre Seelen nach ihrem Hinscheiden in den Himmel begleiten läßt. Der heilige Dionysius, der Karthäuſer, schreibt Folgendes von der heiligen Jungfrau Gertrud: „ Diese gottselige Person hatte die Gewohnheit, alle Morgen den armen Seelen mit einem in VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen brünstigen Akt der Liebe Alles zu schenken, was sie durch ihre Gebete, guten Werke, Bußübungen und Leiden abbüßen oder Verdienstliches erwerben konnte. Um nun diese Liebeshandlung noch auf eine vollkommenere und Gott wohlgefälligere Weise auszuüben, bat ste einmal den göttlichen Heiland um die Gnade, ihr jene Seelen anzuzeigen, welche am schwersten litten, um ihnen zu Hülfe kommen zu können. Sie wurde erhört, indem ihr der Herr solche Seelen der Ordnung nach kund machte, worauf ste alle ihre eifrigen und inbrünstigsten Uebungen zur Errettung derselben verdoppelte, und nicht nachließ, bis sie den Trost hatte, sie erlöst zu wissen. Es zeigten sich ihr auch viele dergleichen glorreich, dankten ihr, und versprachen, ihr besonders im Himmel noch dafür dankbar zu sein. Als ste aber nach vielen, in solchen gottseligen Werken zugebrachten Jahren selbst an den Rand der Ewigkeit kam, machten ihr die höllischen Geister eine überaus große Angst damit, daß sie jetzt, nachdem sie alle ihre guten Werke und Verdienste weggegeben hätte, mit leeren Händen vor dem ewigen Richter erschei= nen müsse, und daher für sich selber nun das Härteste Fegfeuer zu erwarten habe. Wirklich ließ sich diese Jungfrau von schwerem Kummer darüber einnehmen. Allein als sie sich 156 gegen ihre Wohlthäter. 157 ein Mal so sehr quälte, erschien ihr ihr göttlicher Bräutigam, und fragte sie, warum sie sich so sehr betrübte, worauf sie antwortete: „ Mein Herr, es ängstigt mich, daß ich nun bald sterben muß, und doch keine guten Werke habe, mit welchen ich meine Schuld bezahlen kann, indem ich Alles den Abgestorbenen geschenkt habe."" Hierauftröstete sie der Herr mit einem unbeschreiblich lieblichen Anblicke, und sagte zu ihr: Meine Tochter Gertrud! damit du erkennest, wie angenehm und wohlgefällig Mir deine große Liebe gegen die armen Seelen gewesen sei, so schenke Ich dir zur Belohnung alle Strafen, welche du hättest ausstehen müssen. Und da Jch Allen, welche gottselige Werke verrichten, dieselben hundertfältig zu vergelten versprochen habe, so will deine Tugend weit über ihre Verdienste belohnen, und deine Glorie in der ewigen Glückseligkeit dadurch vermehren. Ich will anordnen, daß alle Seelen, die du aus dem Fegfeuer erlöset hast, dir bei deinem Tode entgegen kommen, deine Seele aufnehmen, und mit freudevollen Danksagungen in den Himmel begleiten.""( P. Martin Roa a. d. G. J.) Ein Wort der Glaubwürdigkeit über die Erscheinungen der Verstorbenen überhaupt. Es ist sonderbar, daß man heut zu Tage noch so oft fromme und unter diesen selbst 158 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen gelehrte Leute sieht, die überhaupt und ohne Ausnahme Bedenken tragen, den Erscheinun-= gen von Abgestorbenen Glauben beizumessen, da diese sich doch sowohl auf die heilige Schrift, als auf die zuverlässigsten Zeugnisse aller Zeiten unwiderlegbar gründen. Samuel erschien im alten Bunde( I. B. der Könige 28. 15.), so auch Jeremias und Onias.( II. Mach. 15. 12.) 14.) Im neuen Testamente erschien Mose mit Elias( der nicht gestorben ist) unserm Herrn in seiner anbetungswürdigen Menschheit auf dem Tabor; und nach seinem allerheiligsten Tode gingen Viele aus den Gräbern hervor und erschienen vielen ihrer Freunde ( Matth. 27, 52. 53.) Katharina Emmerich sagt, es seien deren wohl an hundert gewesen. Auch in späterer Zeit wurde die Erscheinung, welche die heilige Perpetua( S. 24) von ihrem Bruder hatte, von heiligen Vätern für echt gehalten und Gregorius, der Große,( S. 85) beschreibt selbst eine, welche sich zu seiner Zeit in seinem eigenen Kloster zugetragen hat. Heinrich Suso( S. 84) und die heilige Theresta( S. 70, 127, 129) beschreiben solche, die ihnen selbst widerfahren sind. Der heilige Augustinus( S. 25, 162), der heilige Bernard ( S. 83), der heilige Thomas von Aquin( S. 20, 161), der heilige Petrus Damiani( S. 92), und überhaupt die heiligen Väter und gegen ihre Wohlthäter. 159 Kirchenlehrer nehmen solche ohne Anstand an, und erwähnen derselben in ihren Schriften als einer unläugbaren Thatsache; so auch die größten Geisteslehrer, als der heilige Dionystus, der Kärthäuser( S. 155), Ludwig Blostus( S. 80), Thomas von Kempis( S. 60), Gerson, Boudon,( S. 60.); deßgleichen die ausgezeichnetsten, kirchlichen Geschichtsforscher: Baronius( S. 108,) Surius( S. 88), Bolandus( S. 64, 154) Kalmet( S. 79), Stollberg( S. 25), Buttler( S. 26), ferner die berühmtesten Theologen: der selige Petrus Canisius, Bellarmin, Suarez, der heilige Alphons von Liguori( S. 106) und Andere. Endlich leiht ihnen die Kirche( S. 164) selbst ihr ganzes unfehlbares Ansehen, indem viele derselben in den Heiligsprechungsuntersuchungen genau geprüft und in den darauf folgenden päpstlichen Bullen anerkannt worden sind. Betrachtet man nun diese unabsehbare Menge von unverwerflichen, höchst ehrwürdigen, und zum Theil sogar kirchlichen und göttlichen Zeugnissen für die stete Fortdauer der Erscheinungen der Abgestorbenen mehrere Jahrtau sende hindurch, so sieht man nicht ein, wie hierüber im Herzen eines gläubigen Katholiken noch ein Zweifel obwalten könne. Uebrigens können die Erscheinungen dieser Seelen, wenn sie Gott zuläßt, nicht mehr VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen Schwierigkeiten darbieten, als die der Engel und der Heiligen, welche man doch allgemein annimmt. Vielmehr ist für sie noch ein weit dringenderer Grund, sowohl auf Seite der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, als auf Seite dieser sehr bedrängten Seelen vorhanden, indem eine solche Erscheinung beinahe schon als eine gänzliche Erlösung darf angesehen werden; denn häufige Erfahrung zeigt, daß Seelen, nachdem sie so erschienen sind, gewöhnlich bald darauf erledigt werden, wenn ste auch sonst noch undenkbar viele Jahre zu büßen hätten, und zwar um so eher erlöst werden, wegen der unendlich wirksamen Kraft, welche unsere Gebete und andere gute Werke für sie haben, die alsdann auch mehr und mit größerm Eifer für ste verrichtet werden. Ferner sind solche Erscheinungen auch eine unaussprechlich große, göttliche Wohlthat sowohl für jene, denen sie geschehen, als auch für die, welche sie auf eine Weise vernehmen, daß es auf sie einen tiefen Eindruck macht, indem sie dadurch zum Glauben kräftig geweckt, darin gestärkt und zu einer viel gröBern Wachsamkeit und Reinigkeit des Lebens aufgemuntert und angehalten werden. 160 gegen ihre Wohlthäter. 161 Ein Wort über die Glaubwürdigkeit der Hülfe, welche die armen Seelen den Lebendigen leisten. Es ist schon oben Seite 136 gezeigt worden, daß die armen Seelen im Fegfeuer für uns beten, und uns dadurch große zeitliche und ewige Gnaden erlangen. Was aber die geistige Hülfe, die sie uns mittelbar erweisen, betrifft, lehrt der heilige Kirchenlehrer Thomas von Aquin( in Suppl. Quæst. 69. Art. 3.), daß sie durch Zulassung Gottes ihren Aufenthaltsort verlassen und sich den Men= schen sichtbar zeigen, was ihnen in Bezug auf jene zu ihrer Belehrung und Warnung, in Bezug auf sie selbst aber deßwegen zugestanden werde, um sich geistige Hülfe zu verschaffen. Auch sagt er, es gefalle Gott, sich derselben nicht weniger als selbst seiner eigentlichen Botschafter, nämlich der heiligen Engel, zu den Offenbarungen himmlischer Geheimnisse zu bedienen. Davon hatte er eine eigene Erfahrung, indem er, wie seine Lebensgeschichte meldet, mehrere Erscheinungen hatte; nämlich zwei von seiner Schwester, und eine von einem Mitlehrer der Theologie, die ihm die wichtigsten und tröstlichsten Nachrichten aus der andern Welt brachten; in Betreff seiner Brüder meldeten sie ihm nämlich, daß der eine von ihnen im Himmel sei, und der andere im Fegfeuer seiner Hülfe bedürfe; von Trost der armen Seelen. f. D. 11 162 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen ihm aber sagten sie, daß seine dermaligen Uebungen Gott wohlgefällig seien, ermunterten ihn, dieselben eifrig fortzusetzen, und zeigten ihm an, daß in kurzer Zeit eine große Belohnung im Himmel auf ihn warte. Das Gleiche lehrt auch der heilige Bischof und Kirchenvater Augustinus, welcher in seiner Abhandlung über die Sorgfalt für die Abgestorbenen( 15. Hptst.) spricht: ,, Die heilige Schrift bezeugt, daß einige von den Verstorbenen zu den Lebenden abgesendet werden, so wie anderseits Paulus aus den Lebenden in das Paradies versetzt ward. Der verstorbene Prophet Samuel hat dem lebenden Saul als König Zukünftiges vorhergesagt, obwohl Einige glauben, er sei es nicht selbst gewesen, der durch Zauberkünste hätte zum Leben erweckt werden können, sondern es habe ein anderer Geist, der dem Rufe der Zauberin entsprach, seine Gestalt angenommen: Weil das Buch des Predigers, welches Jesus, der Sohn Sirachs, geschrieben haben soll und welches wegen einiger Sprachverwandtschaft im Ausdrucke dem Salomon zugeschrieben wird, im Lobe der Väter berichtet, daß Samuel auch als gestorben noch geweißsagt habe. Aber wenn diesem Buche, weil es nicht in dem Kanon der Juden aufgenommen ist, widersprochen werden will, was werden wir dann von Moses sagen, von gegen ihre Wohlthäter. 163 dem man sicher sowohl im fünften Buche liest, daß er gestorben, als auch im Evangelium, daß er mit Elias, der nie gestorben ist, den Lebenden erschienen sei? Was die körperlichen Hülfeleistungen der armen Seelen betrifft, so liefert der heilige Gregorius, der Große, die klarsten Beweise davon, indem er in seinen Gesprächen( 43. 55. Hptst.) folgende Begebenheit erzählt, die sich zu seiner Zeit im Bisthume Civita Vecchia zugetragen hat. ,, Ein ehrwürdiger Priester wurde, so oft er zu einer gewissen Zeit ein Dampfbad besuchte, von einem unbekannten Menschen eifrigst bedient; wenn er ankam, zog ihm dieser die Schuhe aus, und nahm ihm die Kleider ab; und wenn er aus dem Bade stieg, reichte er ihm den Badmantel dar, und so fort. Deßwegen fühlte sich jener Priester gedrungen, ihm aus Erkenntlichkeit einst zwei Opferbrode*) zum Geschenke zu bringen." ,, Als er sie ihm aber darbot," fährt der heilige Papst wörtlich fort, sagte ihm dieser traurig und bestürzt: ,,,, Vater! Warum gibst *) Nach Cardinal Bona waren es runde Brode in der Form von Kuchen, von jenen nämlich, welche bei der heiligen Messe geopfert wurden, und wovon alsdann ein Theil zur Consecration diente, das übrige aber dem Volke ausgetheilt wurde, weßwegen dieses Brod hier vom Todten heilig genannt wird. 164 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen du mir dieses? Dieses Brod ist heilig, ich kann es nicht essen; denn ich, den du da vor dir stehst, war ehemals der Herr dieses Ortes, bin aber aus meiner Schuld nach meinem Tode hieher verordnet worden. Willst du mir aber eine Wohlthat erweisen, so opfere dieses Brod dem allmächtigen Gott für mich auf, so daß du mir für alle meine Sünden zu Hülfe kommst, und erkenne alsdann, daß du erhört worden seist, wann du wieder zu baden kommst, und mich nicht mehr findest." Mit diesen Worten verschwand er, und der für einen Menschen gehalten worden war, gab durch sein Verschwinden zu erkennen, daß er ein Geist war. Derselbe Priester gab sich darauf Mühe, eine Woche lang das heilige Meßopfer unter Thränen für ihn darzubringen, und als er wieder zurückkehrte, fand er ihn nicht mehr." ,, Aus dieser Begebenheit erhellt," fügt der heilige Papst noch bei,, wie nüßlich das heilige Meßopfer den abgestorbenen Seelen sei, indem ste es selbst von den Lebenden verlangen und Zeichen angeben, woran man erkennen kann, daß sie dadurch befreit worden seien." Es stellt uns aber die Kirche selbst solche Beispiele von geistigen und leiblichen Dienstleiſtungen der armen Seelen dar. So meldet, z. B. die Heiligsprechungsbulle des heiltgen Stephanus, des Stifters des Ciſterzien gegen ihre Wohlthäter. 165 serordens, er sei, als er trostlos darüber war, daß sein strenger Orden keine Nachkommen finde, durch die Erscheinung eines jüngst gestorbenen Bruders getröstet worden; und in den priesterlichen Tagzeiten der heiligen Idda von Toggenburg lesen wir, daß, als ihr der Teufel einst, um sie im Gebete zu stören, daß Licht ausgelöscht hatte, sie die Kerze zum Fenster hinausgestreckt und einer Seele aus dem nahe gelegenen Kirchhofe gerufen habe, ste ihr anzuzünden, worauf sogleich ein Todter erschien, und ihr diesen Dienst erwies.*) Endlich findet man Aehnliches in der heiligen Schrift. Der Heerführer Judas wurde in einem Traume getröstet durch die Erscheinung des Hohenpriesters Onias und des Propheten Jeremias, und zwar vom Erstern durch seine betende Stellung, und vom Andern durch die Darreichung eines goldenen Schwertes mit den Worten: ,, Empfange das heilige Schwert als ein Geschenk Gottes, mit dem du die Feinde meines Volkes Israel schlagen wirst." ( II. Mach. 15, 12. 16.) Und sowohl die Erscheinung dieser abgestorbenen Gerechten, als auch der darauf erfolgte, große Sieg über die Feinde wird von Einigen als eine Beloh*) Als der Todte ihr die Kerze zurückgab, melden die Tagzeiten ferner, sagte er zu ihr:„ Nimm das Licht. Ich bin von Geschlecht ein Toggenburger." 166 VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen 2c. nung für sein früher gebrachtes, großes Opfer von zwölftausend Drachmen Silbers für die Todten angesehen. In Beziehung auf überirdische Hülfe in leiblicher Noth liest man etwas früher( II. Mach. 10, 29.): ,, Als nun der Streit heftig war, erschienen den Feinden vom Himmel fünf strahlende Männer auf goldbezäumten Pferden; diese dienten den Juden zu Führern und zwei von ihnen nahmen den Machabäer in die Mitte, und beschirmten ihn mit ihren Waffen, daß er unversehrt blieb; gegen die Feinde aber schleuderten sie Pfeile und Blize, wodurch sie verblendet wurden, so daß sie in voller Verwirrung dahin fielen. Da wurden zwanzigtausend fünfhundert zu Fuß und sechshundert Reiter getödtet." Wenn nun auch die heilige Schrift nicht erklärt, wer diese Männer gewesen seien, so kann man doch nicht zweifeln, daß auch arme Seelen ein Gleiches mit der Zulassung Gottes hätten thun können, eben sowohl als sonst die Engel oder die Heiligen. Man kann daher nach diesen so vielen Beweisen und Beispielen den Glauben an die Hülfeleistungen der Abgestorbenen keineswegs für unbegründet oder als der Lehre der Kirche und der heiligen Schrift entgegen halten. Bweiter Theil. Gebete zum Troste der armen Seelen. I. Tägliche Gebetę. Morgengebet. ( Vom gottseligen Nikolaus Wolf.) ( etzt stehe ich auf, und fange den Tag an im Namen der allerheiligsten Dreieinigkeit, Gottes des Vaters,+ des Sohnes+ und des heiligen Geistes+ Amen; und im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesu Christi, der mich erlöset hat mit seinem kostbaren Blute Derselbe wolle mich vor allem Uebel behüten und bewahren, beschüßzen und beschirmen an Leib und Seele. Er wolle mir auch geben, was mich zu seiner Ehre befähigt und zum ewigen Leben befördert. O Herr Jesus Christus! Alle Bewegungen meines Leibes und alle Anmuthungen meiner Seele sollen Dir zur Ehre und in der Liebe zu Dir mit Dir vereinigt sein. Alles, was ich heute thue, soll allein gethan sein zut deiner Ehre, o Gott!- O Jesus und Maria! Euch schenke ich mein Herz, meinen Leib und meine Seele. Ich empfehle mich in alle heiligen und guten Werke, in alle heiligen Tugenden, alle heiligen Gebete, alle heiligen Messen, alle heiligen hochwürdigen Sakra Tägliche Gebete. mente, die in der ganzen Christenheit verrichtet und aufgeopfert werden; und was ich leide und thue, soll Alles Jesu aufgeopfert sein, zur Hülfe und zum Troste der armen Seelen. Vater unser 2. Gegrüßt seist zc. Ich glaube zc. Abendgebet. 168 ( Vom gottseligen Nikolaus Wolf.) Pater unser, der Du biſt im Himmel, der Du für mich auf Erden diesen Tag so väterlich gesorgt haft! Geheiliget und gepriesen sei dein heiliger Name für die Gutthaten dieses Tages! Ist der heutige Tag mir und Andern der letzte des Lebens, so ist dieß meine letzte Bitte: Zukomme uns dein Reich! Willst Du, daß ich diese Nacht sterbe, so ſei es, Vater! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Nur um das bitte ich Dich: Gib uns heute unser tägliches Brod; nicht für den Leib, sondern für die Seele, nämlich die Gnade, die Sünden dieses Tages zu erkennen, zu bereuen und abzubüßen. Hier die Gewissenserforschung. Nach der Gewissenserforschung. mein Vater! Wie böse war ich diesen Tag, da Du doch so gut gegen mich warst! Erbarme Dich meiner und aller Sünder! Ver Tägliche Gebete. 169 gib mir meine Schulden, wie ich auch allen meinen Schuldigern von Herzen vergebe, die mich diesen Tag beleidiget haben( bekanntlich N. N.). Es reuet mich, o höchstes Gut! daß ich Dir heute nicht gedient habe; aus Liebe zu Dir reuet es mich. Koste es in Zukunft was es wolle, ich will Dir von ganzem Herzen dienen. Führe uns nicht in Versuchung! Vater! Beschüßze mich diese Nacht, damit ich mit heiligen Gedanken zu Dir aufwache! Erlöse uns von allem Uebel der Sünde, von allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden, von allen quälenden Uebeln der Seele und des Leibes, besonders aber von dem Tode in der Sünde. Amen. Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnaden! Deiner mütterlichen Gnade empfehle ich mich diese Nacht. Der Herr ist mit dir, segne mich durch Ihn, da ich schlafe. Du bist gebenedeit unter den Weibern von allen Heiligen im Himmel, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus Christus, in dessen offenes, heiliges Herz ich meine arme Seele empfehle. Heilige Maria, Mutter Gottes! Bitt für mich armen Sünder, daß ich mit heiligen Gedanken einschlafe. Und wenn ich diese Nacht sterben sollte, so bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Absterbens. Amen. 170 Meßgebete. O heiliger Schußengel! streite für mich! Oheiliger Namenspatron, bitt für mich! O Herr! gib den armen Seelen die ewige Ruhe! Ihnen schenke ich aus christlicher Liebe alle Verdienste dieses Tages. Amen. II. Messgebete. Nütliche Weise, die heilige Messe für die armen Seelen im Fegfeuer aufzuopfern. Meinung vor der heiligen Messe. Jesus Christus! Du hast aus übergroßer Liebe das heilige Meßopfer zum Heile nicht nur der Lebendigen, sondern auch der in der Gnade Gottes Verstorbenen eingesetzt. Ich opfere Dir also diese heilige Messe und mein Gebet auf für die Seelen N. N. und für alle andern, die noch im Fegfeuer leiden und ihrer endlichen Erlösung harren müssen, und zwar, um ihre großen Peinen zu lindern, um ihre Sündenschuld völlig zu bezahlen, um ihre baldige Erlösung zu erlangen, und endlich, damit sie im Himmel wieder für mich beten, daß ich noch vor meinem Tode alle Strafen meiner Sünden abbüßen möge. Ich bitte Dich deßwegen, o gütigster Jesu! Du wollest das Meßgebete. 171 gegenwärtige Meßopfer, wie auch meine geringe Andacht, und die Fürbitte aller Heiligen, um welche ich diese die ganze Messe hindurch bitte, mit deinem blutigen Opfer und mit deinen Schmerzen und Seufzern am Kreuze vereinigen und deinem himmlischen Vater aufopfern, damit durch die Kraft desselben die Seelen N. N. und alle andern aus dem Fegfeuer erlöst werden. Amen. Zum Eingang. Stelle dich mit den armen Seelen vor den Thron der allerheiligsten Dreieinigkeit, und bitte jede göttliche Person auf folgende Weise um Erbarmen. Gebet zu Gott dem Vater. O himmlischer Vater, Vater der Barmherzigkeit! Erzeige diese deine Barmherzigkeit auch an den Seelen im Fegfeuer, wo sie so sehr leiden! Sieh, o gütigster Vater! In diesem feurigen Gefängnisse leiden Seelen, die Du nach deinem Ebenbilde erschaffen haft! Dein geliebter Sohn Jesus zeigt Dir seine fünf offenen Wunden, und bietet sie Dir an zur Bezahlung ihrer Schulden, und opfert Dir somit den unendlichen Werth seines heiligen Blutes, das aus diesem Gnadenbrunnen geflossen ist. Nimm es gnädig an, und erbarme Dich nach deiner großen Barmherzigkeit aller armen Seelen, besonders dieser N. N. Amen. 172 Meßgebete. Gebet zu Gott dem Sohne. O Jesus, Du Brunnen der Güte und Barmherzigkeit! Wie könntest Du, gegenwärtig im heiligen Sakramente der Liebe, die verlassenen und armen Seelen ohne Mitleiden ansehen? O mildester Jeſu! Gedenke doch, daß diese eben diejenigen sind, für die Du Mensch geworden, so viele und große Marter, und endlich den Tod am Kreuze erlitten hast. O Jesus, Du treuester Liebhaber der Seelen! laß doch dein Kreuz und Leiden, dein Blut und deinen Tod diesen N. N. und allen lieben Seelen im Fegfeuer zu gut kommen. Amen. Gebet zu Gott dem heiligen Geiste. O heiliger Geist! Gott der Liebe und des Trostes! Wie unzählbar viele Seelen brennen in den Flammen des Fegfeuers, ohne irgend einen Trost und Hülfe! O Vater der Armen! Höre doch das jämmerliche Flehen und Seufzen dieser verlassenen Armen, und komme ihnen zu Hülfe in ihrer Noth! O heiliger Geist! Du bester Tröster! Du süßer Seelenfreund! Diese Seelen sind ja dein; sie sind in der heiligen Taufe durch den Glauben Dir vermählte Bräute, die zu Dir in den Himmel gehören. Erquicke sie daher mit einem Tropfen deines Gnadenthaues in ihrer Feuergluth! Nette sie bald aus ihrem Gefängnisse! Führe sie vor dein Meßgebete. 173 heiliges Angesicht, und verleihe ihnen die so lang verlangte Krone der Herrlichkeit. Amen. Vom Kyrie eleison bis zur Opferung. Rufe die Mutter Gottes, die heiligen Schußengel und alle Heiligen um ihre Fürbitte an. Gebet zu der Mutter Gottes. O Maria, Mutter der Barmherzigkeit! Gütige und liebreiche Mutter! Sieh, die Seelen deiner Diener und Dienerinnen, welche durch das kostbare Blut deines geliebten Sohnes Jesus so theuer erlöst sind, seufzen und rufen aus ihrem feurigen Kerker zu dir. O Maria! Du betrübteste Mutter! Ach, siehe doch ihre Thränen! Höre ihre Seufzer und inständigen Bitten! Erinnere deinen göttlichen Sohn an die große Liebe und Mühe, die du Ihm, besonders in seiner Kindheit, erwiesen; zeige Ihm deinen mütterlichen Schooß, auf dem Er nach seinem Tode geruht hat, und zeige doch bald den verlassenen Seelen, deinen lieben Kindern, Jesum, die gesegnete Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! A. Gebet zu den heiligen Schutzengeln. O ihr heiligen Schutzengel, denen von Gott aufgetragen ist, für das Heil der Menschen zu sorgen! Sehet, in dem finstern Gefängnisse sind die euch lieben und anvertrauten Seelen aller Hülfe beraubt. O wie viele Seufzer schi 174 Meßgebete. cken sie zu euch gegen Himmel. Wie inbrünstig verlangen sie bei euch zu sein! So lasset denn ihr schmerzliches Rufen eure mitleidigen Herzen durchdringen! Bittet Gott eifrigst, daß Er ihnen gnädig die noch übrigen Strafen nachlasse. Steiget eilends aus dem Himmel zu ihnen hinab! Tröstet, stärket und erquicket sie, und nehmet sie mit euch hinauf in die ewigen Freuden. Amen. Gebet zu den Heiligen Gottes. O ihr auserwählten Freunde Gottes! Schauet doch mit mitleidiger Liebe herab auf die Seelen euerer Mitbrüder, Schwestern und Blutsfreunde in Jesus Christus. Sie gehören ja in euere Gesellschaft, und werden nur ihrer Sündenschuld wegen in den härtesten Peinen zurückgehalten. So tretet denn vor den Thron der allerheiligsten Dreieinigkeit, traget Gott euere Verdienste, Marter und euern Tod vor, vereiniget sie mit den unendlichen Verdiensten des Leidens und Sterbens Jesu Christi! Fle= het so lange und so inständig zu Gott, bis ste, auf euere Fürbitte aus ihrem Kerker erlöst, in der ewigen Glückseligkeit euch zugesellt werden. Amen. Meßgebete. 175 Zur Opferung, Präfation und bis zur Wandlung. Verfüge dich mit den armen Seelen auf den Kalvarienberg, und stelle zu ihrem Troste dem himmlischen Vater Alles vor, was Jesus gelitten hat. Nimm auf, o himmlischer Vater! dieses heilige Opfer des Brodes und Weines, welches der Priester jetzt zu deiner Ehre und zum Heile der Lebendigen und Abgestorbenen auf dem Altare Dir darbringt; ich opfere Dir es nämlich auf für jene Seele.. und auch für alle Uebrigen, die noch im Fegfeuer sind! Alle Peinen, die sie in der feurigen Gluth leiden, lege ich auf die priesterliche Patene; alle ihre kläglichen Seufzer und heißen Thränen, die ste in ihren erschrecklichen Qualen vergießen, lege ich ebenfalls in den Kelch, damit das gegenwärtige, heilige Meßopfer, mit dem Blute, Leiden und allen Verdiensten Jesu Christi vereinigt, Dir für dieselben als ein Versöhnungsopfer dargebracht werde. Siehe deßwegen deinen einzigen liebsten Sohn, der für mich und alle Menschen so jämmerlich gepeinigt, so schmerzlich gekreuziget worden ist, und erbarme Dich derjenigen Seele, für welche die gegenwärtige heilige Messe gelesen wird, wie auch aller armen Seelen im Fegfeuer, besonders derjenigen, die ihrer Erlösung am nächsten sind. 176 Meßgebete. Sich an, o gütigster Vater! sein mit Dornen gekröntes Haupt, seine geschlossenen Auaen, sein bleiches Angesicht, seine mit Blut überronnenen Wangen und seinen Mund, und erbarme Dich der armen Seelen, an deren Bein ich Ursache bin. Sieh an, o gnädiger Vater! seine ausgespannten Arme, seine mit Nägeln durchbohrten Hände und Füße, seine gewaltsam erhobene Brust, sein durchstochenes Herz, und erbarme Dich der armen Seele, welche noch die schwerste Pein außzustehen hat. Sieh an, o mitleidiger Vater! wie sein ganzer Leichnam vom Haupt bis zu den Füßen zerrissen, seine Adern aufgesprungen, alle seine Glieder aus ihren Gelenken gerissen, und erbarme Dich der armen Seele, die noch am längsten zu leiden hat. Sich an, o barmherziger Vater! deinen unschuldigen Sohn Jesus, wie Er in- und auswendig voll Todesangst und Pein, verhöhnt, beschimpft und gelästert, vom Himmel und Erde, von Menschen und Engeln, ja von Dir selbst verlassen ist, und erbarme Dich der armen Seele, die am meisten verlaſſen ist. Dieses Alles sieh an, o himmlischer Vater! und steh zugleich an die unerträgliche Marter der armen Seelen, die sie nebst mir, in Vereinigung mit der Meinung, dem Gehorsam 177 Meßgebete. und der Liebe deines Sohnes Jesus Christus, Dir aufopfern und erhöre unsere herzliche inständige Bitte: Du wollest ihnen Gnade und Barmherzigkeit ertheilen und sie aus ihrem Elende erlösen. Amen. Unter und nach der Wandlung. Kniee nieder vor dem gekreuzigten Jesu und erinnere Ihn an sein schmerzhaftes Blutvergießen zum Troste der armen Seelen und sprich: Bei der Aufhebung der heiligen Hoftie. Jesu, mein Gott und Heiland! Ich glaube, daß Du hier im heiligen Sakramente auf dem Altare mit Gottheit und Menschheit gegenwärtig bist! Ich bete in der heil. Hostie deinen allerheiligsten Frohnleichnam, mit ſeinem Blute und mit seiner Seele vereinigt, an, und bitte Dich, wende deine gnädigen Augen vom Altare zu dem Fegfeuer hin, und erfreue alle armen Seelen mit einem tröstlichen Blicke. Bei der Aufhebung des heiligen Kelches. O mein gütigster Heiland und Erlöser Jesu! Ich bete in dem Kelche dein kostbares Blut an, das mit deinem heiligen Leib und mit deiner heiligen Seele vereinigt ist. Ein einziges Tröpflein dieses heiligen Blutes ist genug, alle Flammen des Fegfeuers auszulöschen. So gib mir denn, o liebreichster Jesus! nur ein einziges Tröpflein deines kostbaren Blutes zum Troste und zur Linderung der verlassenen Seelen. 12 Meßgebete. Nach der Wandlung. Sei gegrüßt, du edles Blut meines Seligmachers Jesus Christus! Denn du bist eben dasselbe Blut, welches im Delgarten aus allen Adern meines mit dem Tode ringenden Heilandes zur Erde geflossen ist. O mein blutschwißender Jesu! Wasche, reinige mit diesem Blute die Seelen der Verstorbenen von allen ihren Sünden! 178 Du bist eben dasselbe Blut, welches im Vorhofe des Pilatus bei der grausamen Geißlung meines Erlösers aus seinem ganzen Leibeunter der Säule zu einem Blutbad zusammengeflossen ist. O theures Blut! O schmerzlich verwundeter Jesu! Ach, nur ein Tröpflein dieses Blutes opfere deinem himmlischen Vater auf zur völligen Genugthuung der Sündenschuld aller Seelen im Fegfeuer! Du bist eben dasselbe Blut, welches durch die Dornenkrone aus dem gebenedeiten Haupte meines geliebtesten Jesu ist gepreßt worden. O unschäßbares Blut! O mein gekrönter König Jesus Christus! Gib einer jeden Seele nur ein Tröpflein von diesem Blute, damit sie, als mit einer köstlichen Perle, den Himmel erkaufen möge. Du bist eben dasjenige Blut, das aus den durchbohrten Händen und Füßen und aus der geöffneten Seite meines gekreuzigten Heilan 179 Meßgebete. des geronnen ist! O kräftiges, gnadenreiches Blut! Jesu! mein liebster Jesu! Laß auch dieses heilbringende Blut aus allen deinen Wunden in das Fegfeuer hinabfließen, damit es augenblicklich die feurige Gluth auslösche, und alle armen Seelen aus ihren Peinen erlöse und ewig erfreue. Amen. Zum Agnus Dei und während der Communion, Empfiehl die armen Seelen in die fünf Wunden Jeſu. mein gekreuzigter Jesu! Ich grüße und -verehre demüthig die Wunde deiner rechten Hand, empfehle in sie die armen Seelen meiner verstorbenen Eltern, Brüder, Blutsverwandten, Wohlthäter, Freunde und Feinde, und bitte Dich um des Blutes willen, daß daraus geflossen, und um des Schmerzes willen, welchen Du daran gelitten hast, erbarme Dich ihrer, stehe sie mit einem gnädigen Auge an, tröste und erfreue sie! O gütigster Jesu! Ich grüße und verehre andächtig die Wunde deiner linken Hand, empfehle in sie die Seelen, welche besonders meine Hülfe und daher mein Gebet verlangen, und bitte Dich um des Blutes willen, das daraus geflossen, und um des Schmerzes willen, welchen Du daran gelitten hast, strecke deine milden Hände gegen sie aus und erlöse sie aus ihren langwierigen Peinen. 180 Meßgebete. O milder Jesu! Ich grüße und verehre andächtig die Wunde deines rechten Fußes, empfehle in ste diejenigen Seelen, für welche Du willst, daß ich beten soll, und bitte Dich um des heiligen Blutes willen, das daraus geflossen, und um des Schmerzes willen, welchen Du daran gelitten hast, laß sie diese deine angenehme Stimme hören: ,, Heute werdet ihr bei Mir im Paradiese sein." O gnadenreicher Jesu! Ich grüße und verehre inbrünstig die Wunde deines linken Fußes, empfehle in ste diejenigen Seelen, die deinem Leiden und dem deiner schmerzhaften Mutter am meisten zugethan gewesen sind, und bitte Dich um des heiligen Blutes willen, das daraus geflossen, und um des Schmerzens willen, welchen Du daran gelitten haſt, erquicke ste mit einem Blutströpflein dieser deiner Wunde, und laß ihnen gnädig die noch übrigen Strafen nach. O barmherzigster Jesu! Ich grüße und verehre herzlich deine heiligste Seitenwunde, empfehle in ste diejenige Seele, für die ich dieſe Messe anzuhören mir vorgenommen habe, und bitte Dich um des Blutes und Wassers willen, das daraus geflossen ist: ich bitte Dich um aller der Peinen willen, welche Du drei Stunden lang, besonders in deiner letzten Todesangst am Kreuze gelitten hast; ich bitte Dich Meßgebete. 181 um der innerlichen Schmerzen deiner bis in den Tod betrübten Mutter willen: lösche mit diesem deinem kostbaren Blute und Gnadenwasser die Gluth aus, und berufe sie mit allen übrigen Seelen zu Dir in die ewigen Freuden. Amen. Nach der Communion. Schließe die armen Seelen in das offene Herz Jesu ein und erbitte ihnen den Eingang in den Himmel. O süßester Jesu! der Du aus unendlicher Liebe zu uns im Sakrament der Liebe Dich selbst uns hingabst, um dein Herz mit unsern Herzen zu vereinigen; Du hast dieses Herz nach deinem Tode öffnen lassen, und nach deiner glorreichen Auferstehung offen behalten, damit es auch allen verstorbenen Christgläubigen eine offene Porte zum Himmel sei. Um der unendlichen Liebe dieses deines durchbohrten Herzens willen bitte ich Dich, öffne jetzt diese Himmelsthüre allen armen Seelen, nimm sie darin auf, und führe ste durch dasselbe in den Himmel. Verschließe denn, o gütigster Jesus! nicht länger dein von der Liebe verwundetes Herz. Ich bitte Dich durch die Furcht und Betrübniß, durch die Beangstigung und Ohnmacht, durch die äußerste Noth und Todesangst, die dein Herz während deines ganzen Leidens, 182 Meßgebete. vorzüglich am Kreuze empfunden hat, so wie durch das mit sieben Schwertern durchstochene Herz Mariä, an welchem dein gestorbenes Herz geruht hat, öffne die Pforte des Heils, die Thüre des Himmels, dein glorreiches Herz, o Jesu! Führe diese N. N. und alle armen Seelen in den Himmel ein und verleihe mir auf ihre Fürbitte die Gnade, christlich zu leben, selig zu sterben und einst nach meinem Tode durch eben diese Himmelsthüre deines offenen Herzens in die ewigen Freuden einzugehen. Amen. 666122 Kürzeres Meßgebet für die Seelen, für die du am meisten zu beten schuldig bist. Hütigster Gott! Weil es dein Wille ist, daß wir für die armen Seelen im Fegfeuer beten, so höre ich jetzt diese und geistigerweise alle heiligen Messen, die gegenwärtig gelesen werden, an, und opfere ste Dir auf durch die Hände Jesu und aller Priester, zu deinem höchsten Dienste und zur Erlösung der Seelen, für die ich am meisten zu beten schuldig bin. Um dieses will ich Dich nicht nur demüthig bitten, sondern auch ihre Schulden aus den reichen Verdiensten deines Sohnes überflüssig bezahlen. Ich opfere Dir also zur Erstattung des Lobes, der Liebe, der Ehre, des Dankes, Meßgebete. 183 welche diese Seelen in ihrem Leben Dir zu erweisen und der Verdienste, die sie zu sammeln unterlassen haben, all das Lob, die Liebe, die Ehre, den Dank und die Dienste, welche Dir dein Sohn auf Erden geleistet hat. Zum Ersage aller Nachlässigkeiten, Lauigkeit und Widerwillen, die diese lieben Seelen in deinem Dienste begangen haben, opfere ich Dir auf allen Fleiß, Eifer und Andacht, womit dein Sohn auf Erden alle seine Werke verrichtete, und jetzt in allen heiligen Messen erneuert und Dir aufopfert. Zur Verzeihung aller Sünden, Fehler und Unvollkommenheiten, welche diese Seelen sich zu Schulden haben kommen lassen, opfere ich Dir auf alle Tugenden, die dein Sohn auf Erden auf's Vollkommenste geübt hat, und jetzt noch in allen heiligen Messen übt und vollbringt. Zur Bezahlung aller Strafen und Peinen, die diese armen Seelen verschuldet haben, opfere ich Dir auf das bittere Leiden und Sterben, welches dein Sohn auf Erden gelitten hat, und dessen Erinnerung und Zuwendung jetzt noch in allen heiligen Messen erneuert und fortgesetzt wird. Zur Abwaschung aller Makeln, mit denen sich die armen Seelen befleckt haben, opfere ich Dir auf das kostbare Blut, das dein Sohn auf Erden vergoffen hat, und jetzt noch in allen heiligen Messen neuerdings Dir aufopfert. Zu 184 Meßgebete. ihrer Errettung aus dem feurigen Kerker opfere ich Dir auf die unendlichen Verdienste, die dein Sohn auf Erden erworben hat, und jetzt noch in allen heiligen Messen reichlich austheilt und uns zueignet. Endlich, um deiner strengen Gerechtigkeit vollkommen genug zu thun, opfere ich Dir das ganze Leben, Leiden und Sterben sammt allen ZTugenden und Verdiensten deines lieben Sohnes, seiner gebenedeiten Mutter und aller lieben Heiligen und Auserwählten, die mehr abgebüßt, als die lieben Seelen verschuldet haben. Amen. Beschluß. O Gott! ich opfere Dir abermals auf das Leidensopfer deines göttlichen Sohnes, welshem ich mit Ehrfurcht und Andacht beigewohnt, und bei welchem ich für die Seelen im Fegfeuer, insonderheit für die Seele N. N. mein Gebet verrichtet habe. Verleihe ihnen die Verzeihung ihrer Sünden, die sie allezeit gewünscht haben, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. III. Gebete auf alle Tage der Woche. Aufopferung des Leidens und Sterbens Jesu Chrifti für die armen Seelen im Fegfeuer. Am Sonntag. Von der Todesangst und dem blutigen Schweiße unsers Herrn Jesu Christi. 1. Ich opfere Dir auf, o Herr Jeſus Chriſtus! für die christgläubigen Seelen im Fegfeuer Alles, was Du, um die Menschen zu erlösen, gelitten, deinen schmerzhaften Kreuzestod und das kostbare Blut, daß Du unsertwegen so häufig vergossen hast. 2. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die große Furcht und den Schrecken, die im Delgarten dein Herz überfallen haben, als Du Dir lebhaft alle die Marter vorgestellt und deutlich vorgesehen hast, welche Du den folgenden Tag leiden solltest, weßwegen Du vor Angst am ganzen Leibe zittertest. 3. Jch opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die Beklemmung und Traurigkeit, welche das Bangen vor dem bevorstehenden, bittern Tode in 186 Gebete Dir verursacht hat, so daß deine Seele vor unerträglicher Angst beinahe den Leib verlassen hatte, wie Du deinen Jüngern mit den kläglichen Worten geoffenbaret hast:„ Meine Seele ist betrübt bis in den Tod." 4. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer deine große Andacht und Demuth, womit Du in deiner größten Angst, um deinen himmlischen Vater zu bitten, die Kniee gebeugt und dein heiliges Angesicht bis auf die Erde haft sinken lassen, theils aus Ehrerbietigkeit gegen deinen Vater, theils aus dem großen Leid, das dein gebenedeites Herz niedergedrückt hat. 5. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer dein wehmüthiges Gebet, als du mit vielen Thränen und starker Stimme deinen himmlischen Vater batest, daß Er den bittern Kelch deines Leidens von Dir hinwegnehmen wolle, und doch dich sogleich in seinen göttlichen Willen ergeben und gesagt hast: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" 6. Jch opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer deine inbrünstige Liebe, die Du zeigtest, als Du voll Angst und Betrübniß deine Jünger besucht und ermahnt hast, wider die Versuchung zu wachen und zu beten. 187 auf alle Tage der Woche. 7. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den Trost und die Stärke, welche Dir der Engel gebracht hat, als Du in der Angst und Qual, worin sich damals deine gebenedeite Seele befand, hättest sterben müssen, wenn der Engel vom Himmel nicht deine Menschheit getröstet und gestärkt hätte. 8. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den harten Streit, der in Dir zwischen dem Geiste und dem Fleische vorgegangen ist, worüber Du endlich in Todesangst gefallen bist, Dich aber, weil der Geist obgestegt, willig erklärt haſt, für meine Erlösung und mein Heil zu sterben. 9. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer deine Standhaftigkeit im Gebete, obschon Du bis in den Tod betrübt gewesen und doch nicht erhört worden bist, weil Du nämlich nicht wolltest, daß deine menschliche Natur den Trost haben sollte, erhört zu werden. 10. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer dein kostbares heiliges Blut, das Du aus unerträglichem, innerlichem Schmerz und Angst so übermäßig geschwißt hast, daß es über deinen ganzen Leib allenthalben bis auf die Erde herabgeronnen ist. Gebete Bitte. O Herr Jesus Christus! Durch diese deine Pein, Angst und Schmerzen, die ich Unwürdiger Dir aufopfere, durch dein heiliges Kreuz, bitteres Leiden und Sterben, durch das Mitleiden deiner gebenedeiten Mutter Maria bitte ich Dich, erlöse gnädig die christgläubigen Seelen aus dem Fegfeuer, mich aber von der ewigen Verdammung, und führe und nimm mich dahin auf, wohin Du den Schächer, der mit Dir gekreuziget worden, aufgenommen haſt; der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 188 Am Montag Von den Leiden, die unser Heiland ausgestanden, nachdem Er gefangen worden, bis Er zum Hohenpriester Annas geführt worden ist. 1. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer deinen geneigten Willen und deine Begierde zu sterben, die Du zeigtest, als Du von dent Gebete aufgestanden und mit blutigem Schweiße noch überronnen, deinen Feinden entgegen gegangen bist, darauf Dich denselben zu erkennen gegeben und gesagt hast:„ Ich bin es, den ihr suchet!" 2. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! auf alle Tage der Woche. 189 für die armen Seelen im Fegfeuer das Herzeleid, das Du empfunden hast bei der Verrätherei des Judas, eines deiner auserwählten Jünger, als er Dich den Juden um dreiBig Silberlinge verkaufte und durch einen falschen Kuß in ihre Hände lieferte, worüber Du einen der größten Schmerzen erlitten, die je dein liebevolles Herz durchdrungen haben. 3. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer deine unbeschreibliche Angst und Qual, als Du von einer großen Schaar Soldaten wüthend angefallen und so grausam bist gebunden worden, daß es unmöglich ist, sich alles dieses vorzustellen. 4. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer deine wunderbare Geduld im Ertragen so vieler Schläge und Stöße, die sie Dir mit Fäusten, Stangen und Spießen gegeben, das Haar aus deinem heiligen Haupte gerauft, und dein göttliches Angesicht mit Speichel besudelt haben, zu dem allem Du, ein ganz unschuldiges Lamm, nicht ein Wort geredet haſt. 5. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die Liebe Gottes, und daher auch die völlige Geduld und Vereinigung mit dem Willen deines himmlischen Vaters, welche Du während dei 190 Gebete ner Marter innerlich stets geübt, und dabei all dein Leiden Ihm zur Genugthuung für alle unsere Sünden aufgeopfert haſt. 6. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den tiefen Schmerz und die innere Betrübniß, die Du empfunden, als Du in deiner größten Widerwärtigkeit von allen deinen liebsten Jüngern bist verlassen worden, die sich alle, da sie Dich gefangen und gebunden sahen, von Dir entfernten. 7. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer alle die Peinen, welche Dir die jüdischen Knechte angethan, während dem ste Dich vont Delberge bis zu dem Hause des Hohenpriesters Annas führten, immerwährend hart schlugen, schalten, und sogar, besonders den Berg herab, schleiften. 8. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die große Schmach, welche Dir die gottlosen Knechte angethan, als sie alle über den Steg gingen, und Dich allein durch den reißenden Bach Zebron zogen, welches Dir, o zartester Herr Jesus! bei so kalter Zeit sehr wehe gethan hat. 9. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die tiefe Demuth, in der Du mit gesenktem Haupte und gebundenen Händen vor dem Hohenprie auf alle Tage der Woche. ster Annas stundest, der hingegen voll stolzen Sinnes, nicht anders, als ob Du ein Missethäter wärest, Fragen an Dich gestellt hat. 10. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den erschrecklichen Backenstreich, den Dir ein gemeiner Knecht mit geballter Faust so heftig gegeben, daß Dir dein heiliges Blut häufig aus dem Munde hervorgeflossen ist. Bitte. O Herr Jesus Christus, S. 188. 191 Am Dienstag. Von Allem, was der Herr in dem Hause des Hohenpriesters Kaiphas die ganze Nacht hindurch gelitten hat. 1. Ich opfere Dir auf, Herr Jeſus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die Schmach und Unbild, daß Du, so hart gebunden, zu dem Hohenpriester Kaiphas bist geführt worden, wo deine Feinde versammelt, auf Dich gewartet und Dich mit Wuth und Haß empfangen haben. 2. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die falschen Anklagen und Zeugnisse, welche die Bösewichte wider Dich vorgebracht haben, worunter sich aber keine einzige wahr befunden, sondern deine Unschuld, mitten in der Verfolgung, sich klar gezeigt hat. 3. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer dein 192 Gebete tiefes Stillschweigen, da Du bei so verschiedenen offenbaren Unwahrheiten, die man gegen deine Unschuld erdichtet, und vor so vielen falschen Zeugen, die wider Dich aufgestanden sind, nicht einmal deinen heiligen Mund geöffnet und kein einziges Wort zu deiner Nechtfertigung geredet, sondern Alles mit größter Geduld ertragen hast uns zum Beiſpiele, daß wir Dir hierin nachfolgen sollen. 4. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer das stolze Verfahren des Kaiphas gegen Dich, als er Dich bei dem lebendigen Gott beschworen hat, zu sagen, ob Du der Sohn Gottes seiest, und Du mit aller Demuth aus Ehrerbietigkeit gegen deinen himmlischen Vater geantwortet haſt, Du seiest Derselbe, und werdest mit großer Herrlichkeit kommen, die Welt zu richten. 5. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die unleidliche Schmach, als die Gottlosen, statt daß ſie sich auf diese Antwort sogleich zur Erde hätten werfen und Dich als wahren Gott anbeten sollen, Dich hingegen als einen Missethäter und Gotteslästerer zum Tode verurheilt haben. 6. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den wüthenden Grimm, womit Dich hierauf die Juden angefallen, da Dich Einige angeſpieen auf alle Tage der Woche. 193 und mit Fäusten geschlagen, Andere aber Dir Backenstreiche gegeben haben, Du hingegen alles dieses geduldig erlitten und nicht den geringsten Unwillen darüber gezeiget haſt. 7. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die verächtliche Behandlung, da die Juden dein heiliges Angesicht angespieen haben, in der Absicht, Dich auf das Nergste zu erniedrigen und zu entehren. 8. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den Spott, den Dir die rohen Soldaten angethan, als ste Dir die Augen verbunden, Backenstreiche gegeben und gesprochen haben: Weissage uns, Christus! wer ist es, der Dich geschlagen hat?" gleich als ob die verblendeten Krieger die hellglänzenden Strahlen deines göttlichen Angesichtes nicht hätten ertragen können. 9. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die drei malige Verläugnung Petri, als er sogar mit einem Schwure betheuerte, er kenne Dich nicht, worüber Du großen Schmerz, aber auch inniges Mitleiden mit ihm empfandest, und deßwegen ihn mit barmherzigen Augen angeschauet hast, so daß er augenblicklich seinen Fehler erkannt und bitter beweint hat. 10. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer alle 13 Troft der armen Ceelen. f. D. 194 Gebete die Schmach und Pein, welche Du dieselbe ganze Nacht hindurch gelitten, als die unbarmherzigen Diener der Juden, welche Dich bewachten, mit Schmachworten, Backenstreichen, Verspeien deines heiligen Angesichtes, und noch auf manch' andere Weise Dich so gepeinigt haben, daß, nach der Lehre des heiligen Hieronymus, bis an den jüngsten Tag nicht Alles werde offenbar werden, was Du nur in dieser schmerzvollen Nacht gelitten haſt. Bitte. O Herr Jesus Christus, S. 188. Am Mittwoch. Von Allem, was unser Heiland gelitten hat des andern Tages frühe, vor und während der Geißlung. 1. Ich opfere Dir auf, Herr Jeſus Chriſtus! für die armen Seelen im Fegfeuer die dreifache Beschuldigung, welche die Vorsteher der Priester und die Aeltesten des jüdischen Volkes vor Pilatus gegen Dich vorbrachten, daß Du nämlich ein Verführer des Volkes seiest, dem Volke verboten habest, dem Kaiser die Steuer zu bezahlen, und Dich für den König der Juden ausgegeben habest. 2. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die tiefe Demuth, womit Du Dich gebunden über die Gassen zum König Herodes haft führen lassen, und von diesem, als Du auf seine auf alle Tage der Woche. 195 Fragen nichts geantwortet, übermüthig verachtet und verspottet worden bist. 3. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den Schimpf, der Dir öffentlich ist angethan wor= den, als Dir Herodes ein weißes Kleid hat anziehen lassen, als ob Du ein Narr wärest; worauf Du von allen Hofleuten und Anwesenden in dem Saale verhöhnt und verlacht worden bist. 4. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die vielfältige und große Schmach, die Dir widerfahren ist, als Du in dieser Kleidung wie ein Thörichter durch die Gassen von Jerusalem bist geführt worden, wobei man Dich ausschalt, Dir alle erdenklichen Schmähworte zurief, und Jedermann Dich für einen Thoren hielt. 5. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die schrecklichen und gottlosen Worte, womit die Juden laut geschrieen haben: ,, Kreuzige Ihn! Kreuzige Ihn!" und somit verlangten, daß Du an das Kreuz genagelt, der berüchtigte Mörder Barabbas aber losgelassen werden sollte, welches sowohl Dir als deiner liebsten Mutter, gleich einem scharfen Pfeile, das Herz tief verwundet hat. 196 Gebete 6. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer alle die Schritte, welche Du gethan, als man Dich zur Geißlung führte, und die innerliche Angst und Furcht deiner menschlichen Natur davor, zugleich aber auch die Liebe und Begierde, womit Du zu dieser schrecklichen Marter gegangen bist. 7. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Chr stus! für die armen Seelen im Fegfeuer die jungfräuliche Scham und den Schmerz, den Du empfandest, als Du ausgezogen und an die Säule gebunden wurdest, wobei die Stricke so fest angezogen worden, daß das heil. Blut aus deinen Armen und Händen hervorgequollen ist. 8. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die entsetzlichen unmenschlichen Streiche, die Du durch die grausamen Henkersknechte von den Geißeln, Ruthen und Stricken empfangen haſt, so daß gleich Anfangs dein Fleisch tief verwundet worden und dein heiliges Blut häufig herabgeflossen ist. 9. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer das zärtlichste Mitleiden deiner lieben Mutter, als ste alle deine Marter gegenwärtig mit angesehen hat, und so oft Dir ein Streich gegeben wurde, auf alle Tage der Woche. 197 zugleich ihr auch mütterliches Herz tödtlich ist verwundet worden. 10. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die vielen heiligen Wunden, welche Du von den Geißelstreichen empfangen hast, so daß an deinem ganzen Leibe nichts unversehrt geblieben ist, und Du, sobald man die Stricke aufgelöst, vor Mattigkeit zur Erde gesunken und in deinem heiligen Blute gelegen bist. Bitte. O Herr Jesus Christus, S. 188. Am Donnerstag. Von Allem, was unser göttliche Heiland bei seiner schmerzlichen Krönung gelitten hat. 1. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die schmerzlichen Schritte, welche Du gethan, als man Dich in den Hof des Pilatus geführt hat, um Dich mit Dornen zu krönen, wobei Du noch voll der Schmerzen und des Blutes warst, das frisch und reichlich aus deinen heiligen Wunden, die Du bei der grausamen Geißlung empfangen, zur Erde rann. 2. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den unglaublichen Schmerz, welchen Du am ganzen Leibe empfunden hast, als Dir die Henkersknechte das Kleid, das an dem Fleische und 198 Gebete an den Wunden angeklebt war, mit Gewalt herunter gerissen haben, weßwegen Du von Neuem anfingest, aus allen Wunden Blut zu vergießen. 3. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die große Schmach, welche Dir, als Einem, der sich für den König der Juden ausgegeben, die Soldaten angethan, als ste Dir ein altes Purpurkleid angezogen, ein Rohr statt eines Szepters in die Hand gegeben und eine dornene Krone aufgesetzt, endlich Dich mitten im Hofe auf einen Stein niedergesetzt haben. 4. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die furchtbare Pein, welche Du gelitten, als Dir die Bösewichte die dornene Krone mit schweren Stöcken und Rohren in das Haupt hineingedrückt und mit geharnischten Händen aus allen Kräften heruntergezogen haben, so zwar, daß die spißigen Dornen sehr tief hineingedrungen sind, und Dir unsäglichen Schmerz verursacht haben. 5. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer all das kostbare Blut, das von deinem heiligen Haupte zur Erde herabgeflossen ist, während dem Du doch, o gütiger Heiland! deine gewöhnlichen innerlichen Uebungen der Liebe, auf alle Tage der Woche. des Vertrauens und der Geduld nicht unterlassen, sondern alle diese schrecklichen Schmerzen deinem himmlischen Vater für mein Heil aufgeopfert hast. 6. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer alle die harten Streiche, welche Dir die Soldaten mit eben dem Rohre, das Du in der Hand hieltest, auf die dornene Krone gegeben, und diese immer noch tiefer in dein heiliges Haupt hineingedrückt haben, wodurch die Wunden noch größer geworden, und das Blut in großer Menge heraus jeflossen ist. 7. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer all das höhnische Gelächter der Soldaten über Dich und den Spott, den sie in deiner größten Pein mit Dir getrieben, als sie die Kniee spöttisch vor Dir beugten, zugleich Dich in dein heiliges Angesicht schlugen, und Dir höhnisch zuriefen:„ Sei gegrüßt, König der Juden!" 8. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer alle die unaussprechliche Schmach, welche Dir zugefügt worden, als die ganze Menge der Unmenschen sich mit einander verbanden, Dich zu mißhandeln. 199 9. Jch opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die jung 200 Gebete fräuliche Scham, welche Du empfunden hast, als Pilatus, Dich, o König des Himmels und der Erde! fast nackt und bloß dem ganzen Volke vorgestellt, ihm alle deine Wunden gezeigt und gesprochen hat:„ Sehet da den Menschen!" 10. Jch opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer das große Geschrei, welches das jüdische Volk erhoben hat, als es rief: ,, Kreuzige Ihn! Kreuzige Ihn!" wodurch es seinen großen Neid und Grimm gegen Dich zu erkennen gab, was Dich und deine gebenedeite Mutter innerlich unaussprechlich betrübte. Bitte. O Herr Jeſus Christus, S. 188. Am Freitag. Von dem, was unser Heiland gelitten, als Er das Kreuz auf den Kalvarienberg trug, und daran angenagelt wurde. 1. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die große Beschwerde, womit Du das heilige Kreuz auf den Kalvarienberg getragen hast, welches so schwer und groß gewesen ist, daß es Dir eine breite und tiefe Wunde in die Schulter eingedrückt und heftigen Schmerz verursacht hat. 2. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die vielfäl 201 auf alle Tage der Woche. tige Marter, welche Dir die unbarmherzigen Soldaten auf dem ganzen Wege angethan, indem sie Dir bald den Strick am Hals angezogen, bald Dich mit den Füßen fortgestoßen, bald mit Stöcken und Spießen geschlagen und noch auf viele andere Arten gepeiniget haben. 3. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die drei harten Fälle, die Du aus großer Schwachheit unter der schweren Last des heiligen Kreuzes gethan hast, so daß dein ganzer Leib davon erschüttert wurde, worauf Du aber unter Schlägen wieder emporgezogen worden bist. 4. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die große Schmach, welche Du gelitten, als Dich die treulosen Juden mit einem Kreuze auf der Schulter, gebunden, von dem Volke verlacht, zwischen zwei Mördern als wie einen Missethäter zur Stadt hinausgeführt haben. 5. Ich opfere Dir auf. Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer das zarte Mitleiden, welches Du mit deiner liebsten Mutter gehabt hast, als sie Dir auf der Straße begegnet und Dich umarmt hat, aber mit großem Ungestüm von Dir hinweggerissen wurde, und Du weiter zu gehen genöthiget worden bist. 6. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Chri 202 Gebete stus! für die armen Seelen im Fegfeuer die große Schmach und Mattigkeit, die Du empfunden, als Du Dich nicht mehr auf den Füßen halten, und noch viel weniger das Kreuz weiter tragen konntest, weßwegen Simon von Cyrene angehalten wurde, es Dir tragen zu helfen, und Du ferner mit harten Streichen den Kalvarienberg hinauf zu gehen gezwungen worden bist. 7. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den bittern Trank von Wein mit Galle vermischt, der Dir auf dem Kalvarienberge gereicht worden ist, um Dich in deiner Schwachheit zu stärken, den Du zwar verkostet, aber dadurch deinen heiligen Mund verbittert hast. 8. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die Unbarmherzigkeit, womit Du ausgezogen wurdest, und Dir die Kleider, welche an die Wunden und an das Fleisch angebacken waren, abgerissen wurden, wodurch alle Wunden neuerdings geöffnet worden sind, und dein heiliges Blut, besonders am Haupte, aus den von den Dornen verursachten Wunden in Menge herausgeflossen ist. 9. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den unglaublichen Schmerz, den Du empfunden auf alle Tage der Woche. 203 haft, als die Soldaten deine heiligen Hände und Füße an das Kreuz annagelten, wobei die Nägel zugleich geistigerweise in das mitleidige Herz deiner gebenedeiten Mutter eingedrungen sind. 10. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus, für die armen Seelen im Fegfeuer deine eigene Aufopferung, als Du nämlich unter vielen Thränen und Seufzern Dich selbst deinem himmlischen Vater aufgeopfert und durch den darauf erfolgten Tod Ihn versöhnt, den Menschen erlöst und ihm den Himmel wieder geöffnet hast. Bitte. O Herr Jesus Christus, S. 188. Am Samstag. Von Allem, was unser Heiland gelitten, so lange Er lebendig am Kreuze gehangen ist. 1. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die unendlichen Schmerzen, die Du am ganzen Leibe erlitten hast, als Du das Haupt mit spizigen Dornen durchstochen, das Angesicht von den vielen Schlägen aufgeschwollen, den Mund von dem Gallentrank voll Bitterkeit, die Augen voll Blut und die Ohren voll Gotteslästerung hatteſt! 2. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die drei martervollen Stunden, während denen Du Gebete lebendig am harten Kreuze gehangen bist, und zwar mit unaussprechlichen Schmerzen besonders der Hände und Füße, die mit scharfen Nägeln durchbohrt, deinen ganzen Leib am Kreuze haben festhalten und tragen müssen. 3. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die übrigen Theile und Glieder deines heiligen Leibes, die mehr als andere gelitten haben, indem sogar die Adern, Nerven und Gebeine aus ihren natürlichen Stellungen gezogen worden sind, und dein ganzer heiliger Leib voll Wunden und Schmerzen gewesen ist. 4. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer das zärtliche Mitleiden, daß dein kindliches Herz empfunden hat, als Du deine liebste Mutter von tiefem Schmerz durchdrungen, deine Jüngerin Magdalena das Kreuz umfassend und deinen Lieblingsjünger Johannes in tiefster Betrübniß gesehen hast. 204 5. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die Schmach und Spottreden, welche Dir die jüdischen Hohenpriester und Schriftgelehrten nebst den Pharisäern zugeschrieen, und Dich als einen Thoren verlacht und gelästert haben. 6. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die heißen auf alle Tage der Woche. 205 Thränen und tiefen Seufzer, unter denen Du am heiligen Kreuze zu deinem himmlischen Vater für deine Kreuziger gebetet, sie entschuldigt und gesagt hast: ,, Vater! verzeihe ihnen! denn sie wissen nicht, was sie thuth.“ 7. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den brennenden Durst, welchen Du gelitten und deßwegen am heiligen Kreuze ausgerufen hast: ,, Mich dürstet!" worauf Dir die grausamen Soldaten an einem Schwamme Essig darreichten, welches Dir in deinen heiligen Wunden und in allen Nerven großen Schmerz verursacht hat. 8. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer deine traurige Verlassenheit von deinem himmlischen Vater und von allen Geschöpfen und deine Klage darüber, als Du mit lauter Stimme gerufen: ,, Mein Gott! Mein Gott! Warum hast Du mich verlassen?" 9. Jch opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer den letzten und größten Schmerz, den Du gelitten, als sich deine Seele von dem Leibe trennte, und Du dieselbe deinem himmlischen Vater mit lauter Stimme empfohlen und gesprochen haſt: Gebete auf alle Tage der Woche. ,, Vater! In deine Hände empfehle Ich meinen Geiſt!" 206 10. Ich opfere Dir auf, Herr Jesus Christus! für die armen Seelen im Fegfeuer die Schmerzen und das bittere Mitleiden, die deine gebenedeite Mutter während deines ganzen Leidens und besonders auf dem Kalvarienberge, bis zu deiner glorreichen Auferstehung erduldete, als ste Dich am Kreuze hängen, so kläglich rufen und sterben, deine Seite mit dem Speer verwunden, deinen heiligen Leichnam in ihren Armen liegen, und endlich begraben gesehen hat. Bitte. O Herr Jesus Christus, S. 188. 228 IV. Beichtgebete. Gebet vor der Beicht. Barmherziger Gott, Vater im Himmel! Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Du rufest mich zur Buße und Lebensbesserung, und steh, o Herr! ich gehorche deinem Rufe, und will mit deiner Gnade mich losmachen von der Sünde, ich will von nun an ein frommes, tugendhaftes Leben führen, und durch eine aufrichtige Beicht, Reue und Buße deine göttliche Vaterliebe, die ich durch meine Sünden verloren habe, wieder zu erhalten suchen. In Vor der Beicht. dieser Absicht liege ich auf meinen Knieen, flehe zu Dir, mein Herr und mein Gott, Du wollest mich in meinem Vorhaben unterstügen; Du bist allmächtig, und da Du mir den Willen gabst, mein Leben zu bessern, so wirst Du mir auch das Vollbringen geben. Du wirst meiner Schwachheit zu Hülfe kommen, und mir Kraft verleihen, meinen Vorsatz auszuführen und auch künftig ihm getreu zu bleis ben. O guter Gott! ich preise deine Güte, und danke Dir, daß Du bisher mich am Leben erhalten hast, damit ich mich bekehren und für mein Heil wirken kann. Ach, wo wäre ich jetzt, wenn Du mich statt jener, die ich als todt beweine, von der Welt abgerufen hättest? Ach, welch ein schreckliches Gericht wäre über mich ergangen, wenn ich in meinen Sünden gestorben wäre! Dank sei Dir, barmherziger Gott! daß ich noch lebe, und meine Fehler bereuen und büßen kann.- Ich will also deiner Gnade mitwirken; ich will alle Mittel zu meiner Lebensbesserung anwenden und genau die Ermahnung befolgen, die dein Stellvertreter, der Priester, mir ertheilen wird. O mein Gott! im Vertrauen auf deine Erbarmung und die Verdienste deines Sohnes Jesus Christus, bitte ich um den heil. Geist, daß Er mich erleuchte, alle meine Sünden zu erkennen und aufrichtig zu beichten. 207 Beichtgebete. Beichtspiegel. Wider das erste Gebot. In Glaubenssachen zweifeln, ohne um Belehrung nachzusuchen. Bücher lesen, die in der Religion irre machen. Sich zu einer falschen Lehre ernstlich oder aus Furcht bekennen. Neftgiöse Dinge, Zeremonien der Kirche verachten oder schimpflich davon reden. Sich mit Aberglauben, Zaubereien und dergleichen abgeben, Ändern dazu rathen. Sich wahrsagen lassent. An der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln. Vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit fündigen. Sich freiwillig in gotteslästerlichen Gedanken aufhalten. Wider das zweite Gebot. Ohne Noth oder auch falsch schwören.- Etwas verfluchen. Einen Schwur in billigen Dingen, ein Gelübde nicht halten.- Wider Gott murren, Gott lästern.- Den Namen Gottes, die heilige Schrift oder religiöse Dinge aus Muthwillen gebrauchen. Wider das dritte Gebot. An Sonnund Feiertagen die Gottesdienste, die Predigt versäumen, Andere davon abhalten, oder ihnen andachtslos beiwohnen; zu spät dabei erschei= nen.- An diesen Tagen unnöthige Arbeit vornehmen;- ste mit Schwelgereien und sündhaften Ergöglichkeiten entheiligen. Wider das vierte Gebot. Eltern oder Obrigkeiten und Vorgesetzte, erzürnen, ste betrüben, ihnen ungehorsam sein, ste verachten. Seine Pflichten als Hausvater und Vorgesetzter, als Kind, Untergebener, Arbeiter, oder Dienstbote nicht erfüllen. 208 1 - - — —— - - Vor der Beicht. Wider das fünfte Gebot. Feindschaft und Haß wider den Nächsten haben, lange oder kurze Zeit, oder solche bei Andern anstiften. Rachgierig sein in großen oder kleinen Dingen.- Verwünschungen, Schimpfworte, Zänkereien, Verläumdungen sich erlauben.- Den Nebenmenschen schlagen oder ihm Schaden am Leibe oder an der Seele zufügen. Aergerniß geben, oder wie immer den Nächsten zur Sünde reizen. Wider das sechste und neunte Ge= bot. Unreine Gedanken nachlässig ausschlagen; Vergnügen daran haben; in sie einwilligen;- sich mit unanständigen Blicken, Worten, Liedern, Anhören, Betasten versündigen. In dergleichen Andern Gelegenheit geben. Auf was immer für eine Art Unkeuschheit treiben. 1 11 Wider daß siebente und zehnte Gebot. Einem mit Gewalt etwas nehmen. Etwas entfremden. Seinen Mitmenschen betrügen. Fremdes Eigenthum besißen, annehmen, nicht zurückgeben, Entwendetes wissentlich kaufen. Dem Mitmenschen an seinem Eigenthum Schaden thun, durch Wucher oder andere Uebervortheilungsarten; falsches Maß und Gewicht halten.- Den Dienstboten und Arbeitern ihren Lohn entziehen. Uebermäßige Schulden machen, sie nicht zu bezahlen beflissen sein.- Wünschen, fremdes Gut an sich zu bringen, oder dazu helfen. Wider das achte Gebot. Vor Gericht und vor der Obrigkeit fälschlich etwas bezeugen; Lügen reden. Andern den guten Namen rauben, durch Ehrabschneidung oder Ver14 L - 209 - Beichtgebete. läumdung.- Verläumder gern anhören. Ungegründeten Argwohn haben; lieblos oder fälschlich urtheilen. 210 Wider die Gebote der Kirche. An verbotenen Tagen Fleisch essen. Die Fasttage nicht halten. Nicht zur rechten Zeit beichten und die heilige Communion empfangen.- Sündhaft das heil. Sakrament empfangen.- Zurverbotenen Zeit Hochzeit halten. — - T Durch die sieben Hauptsünden. Den Stolzen, eitlen Gedanken 2c. c. nachhängen, Andere verachten.- Ruhmsüchtig sein in Worten, in bösen Sachen.- Hoffart in Werken äußern, sich über seinen Stand hervorthun 2c. 20. Aus Neid sich freuen über des Nächsten Unglück; ihm sein Glück mißgönnen. Unmäßig essen, trinken, schwelgen. Gebrauch der Vernunft dabei verlieren; der Gesundheit dadurch schaden; Andere dazu verleiten.- Zorn haben und ihn äußern. Groll gegen den nächsten nähren.- Im Innern sich gegen Gottes Fügungen empören.-Ungeduldig sein in Kreuz und Leiden.- Träg, faul, nachlässig sein in geistigen Dingen. Wie die thörichten Jungfrauen es unterlassen, daß Del der Andacht und der guten Werke in der Lampe seiner Seele zu unterhalten und es zu vermehren.- Ueber die Sorge seines Heiles einschlafen. - - Einige Hauptfragen. Welche Sünde würdest du am schmerzlichsten bereuen, wenn du jetzt sterben müßtest? 211 Nach der Beicht. Welche Sünde begehst du am öftesten? Welche Veranlassungen, Gelegenheiten, Orte, Personen reizen dich gewöhnlich zu dieser Sünde? Bist du beflissen, ihnen auszuweichen? Worüber mußt du dich zuerst und vorzüglich vor dem Stellvertreter Gottes im Beichtstuhle anklagen? Reuegebet nach der Gewisssenserforschung. mein Gott! ich bin ein Sünder, und habe deine Gebote leichtsinnig übertreten. Ich bekenne meine Schuld, meine große Schuld, und es ist mir von Herzen leid, daß ich Dich, mein höchstes und aller Liebe würdigstes Gut, so oft beleidiget habe. Ich erkenne meine Fehler und nehme mir vor, mein Leben zu bessern, künftig keine Sünde mehr zu begehen, und auch jede Gelegenheit zur Sünde sorgfältigst zu meiden. Vergib mir, o Gott! nach deiner großen Barmherzigkeit, und lösche aus alle meine Missethaten nach der Menge deiner Erbarmungen: um das bitte ich Dich, o Vater! durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet nach der Beicht. mein Gott und Vater im Himmel! auf meinen Knieen danke ich Dir für die unverdiente große Gnade, die Du mir erwiesen hast. Ich bin nun begnadiget; durch das heilige 212 Beichtgebete. Sakrament der Buße sind mir im Namen Jesus alle meine Sünden verziehen; ich bin wieder ein Kind Gottes, durch Jesus Christus ein begnadigter Sünder geworden. Lob und Dank sei Dir gesagt, o Gott! für den süßen Trost, den ich jetzt in mir empfinde! Stärke mich, daß ich nicht mehr fündige, und diesen Trost, diese Gewissensruhe nicht auf ein Neues wieder verliere. Bewahre mich künftig vor allen sündhaften Gedanken, Reden und Werken. Regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich im Guten verharre bis in meinen Tod. Bete deine auferlegte Buße, dann Folgendes: Liebster Jesus! Du sagtest einstens zu jenem Kranken, den Du geheilt hattest: ,, Sich, du bist gesund geworden, fündige ferner nicht mehr, daß dir nichts Aergeres widerfahre." Diese Worte sind auch zu mir gesprochen, denn Du hast mich von meiner Seelenkrankheit geheilt. Aber ich will auch dein Gebot erfüllen. Ich will durch wahre Neue und Buße, durch Glauben, Gehorsam und Nächstenliebe meine Besserung zeigen. Stärke mich nur mit deiner Gnade und erneuere in meinem Innern deinen heiligen Geist, daß ich durch Ihn erleuchtet, standhaft im Guten verharre bis in meinen Tod. Amen. V. Communiongebete. Vor der heiligen Communion, mein Jesus, mein Herr und mein Gott! Du hast alle Menschen zu Dir eingeladen, mit dem Versprechen, daß Du sie mit deinem Hl. Fleische speisen, und mit deinem Hl. Blute tränken, und Dich innigst mit ihnen vereinigen wollest. Du hast gesagt: ,, Kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, und Ich will euch erquicken." Göttlicher Jesus! auf diese liebevolle Einladung bin ich hieher gekommen und bitte, laß mich deines Versprechens theilhaft werden. Ich bin zwar dieser Gnade ganz unwürdig, denn ich bin ein Sünder; aber ach, eben darum, weil ich ein schwacher, sündiger Mensch bin, bin ich auch dieser göttlichen Himmelsspeise um so mehr bedürftig; komm also, o göttlicher Jesus! komm und nimm deine Einkehr in meinem Herzen. O mein Jesus, Du Lamm Gottes! welches die Sünden hinwegnimmt: Du hast gesagt, es werde über einen Sünder, der sich bekehrt, eine große Freude in dem Himmel sein. Oso bekehre mich, nimm alle meine Sünden von mir hinweg und mache mich würdig, deinen heiligen Leib zu empfangen! Im Vertrauen, daß Du Keinen zurückstoßest, der 214 Communiongebete. in Demuth und mit reumüthigem Herzen zu Dir kommt, in diesem festen Vertrauen nahe ich mich dem Engeltische und erwarte mit Verlangen, das Himmelsbrod zu essen, welches Du uns bereitet hast, und welches Du selbst bist. O göttlicher Jesus! laß mich durch den Genuß deines heiligen Fleisches und Blutes die Verzeihung aller meiner Sünden erlangen. Ich bitte aber nicht nur für mich allein um Vergebung der Sünden; sondern weil deine Barmherzigkeit ohne Grenzen und deine Güte ohne Maß ist, so bitte ich auch für die Leidenden Seelen im Fegfeuer, welche ihrer Sünden wegen noch von der Seligkeit des Himmels ausgeschlossen sind. O guter Jesus! ich bitte um der Liebe willen, mit welcher Du daß heilige Abendmahl eingesetzt hast, laß die leidenden Seelen im Fegfeuer Gnade finden; insbesondere bitte ich um die Erlösung der Seelen N. N., für welche ich meine Communion Dir demüthigst aufopfere. Aber nicht nur mein schwaches, unwürdiges Gebet opfere ich Dir auf, sondern auch die kostbarsten Verdienste deines bittern Leidens und deinen schmählichen Kreuzestod, den Du für uns gelitten hast. Gib also den Seelen der Abgestorbenen die ewige Ruhe, und laß sie in die Seligkeit eingehen. Amen. 215 Vor der heiligen Communion. Die nothwendigsten Tugenden. O mein Jesus! mein Gott und Erlöser! ich glaube, daß Du mit Leib und Seele, mit deiner Gottheit und Menschheit hier in dem heiligen Sakramente unter den Brodesgestalten gegenwärtig bist. Ich glaube dieses wundervolle Geheimniß, weil Du, die ewige, unfehlbare Wahrheit, es geoffenbart hast. O mein Jesus! ich hoffe auf Dich, ich hoffe, was Du uns versprochen hast, da Du sagteſt: ,, Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der wird durch Mich das ewige Leben haben." Ich sehne mich nach dieser göttlichen Speiſe, ste soll mir Kraft verleihen, und mich in die ewige Seligkeit einführen, die Du mir zu geben versprochen hast. O mein Jesus! so fest ich an Dich glaube, so zuversichtlich ich auf Dich hoffe, so kindlich und von Herzen liebe ich Dich. O daß ich Dich so lieben könnte, wie Du uns Menschen geliebt hast! Deine Liebe opferte Dich für uns am Kreuze,- deine Liebe hat mich heute zur göttlichen Tafel eingeladen.- O heiliges Gastmahl der Liebe! entzünde mein Herz mit einem Liebesfeuer, wie die Seraphinen lieben, wie Maria, die göttliche Mutter, wie die Heiligen in dem Himmel lieben. O so komm, Du Gott der Liebe, nach dem 216 Communiongebete. mein Herz verlangt! komm, mein Jesus! mein Heiland und Erlöser! komm und kehre bei mir ein, nimm Besitz von meinem Herzen, und mache mich zu einem lebendigen Brandopfer der Liebe. Dir möchte ich in Allem ähnlich sein, so sanftmüthig und geduldig, so liebevoll und wohlthätig, so unermüdet im Gutesthun, wie Du, damit ich Dir wohlgefalle und Du bei mir bleiben mögest. O mein Jesus, mein höchstes Gut! ich bereue von Herzen, daß ich gesündiget, und Dich so oft beleidiget habe. Aber ich nehme mir vor, mit deiner Gnade Dich künftig nie mehr zu beleidigen. Stärke mich in diesem Vorsaße und verzeihe mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Nun will ich hingehen zu dem heil. Mahle, ich will das Himmelsbrod essen, den heiligen Leib Jeju empfangen. Meinen Gott, den die Engel anbeten, will ich in mein Herz aufnehmen. O so komm, mein Erlöser! meine Seele verlangt nach Dir, komm, suche mich heim und heilige mich zum ewigen Leben. Amen. Nach der heiligen Communion. mein Jesus! mein Gott und Heiland! ich sage Dir Dank, Du bist nun bei mir armen Sünder eingekehrt. O wie bin ich so glücklich, Dich, meinen Schöpfer, meinen Erlöser P Nach der heiligen Communion. 217 und Seligmacher in meinem Herzen zu haben, Dich als mein Eigenthum zu besitzen und mit Dir vereint zu sein! O ihr Engel, die ihr den Gott des Himmels und der Erde in meinem Herzen gegenwärtig anbetet, vereiniget euere Anbetung mit der meinigen, freuet euch mit mir und stimmet ein in mein Dankgebet; rufet mit mir in Freude und Jubel: Heilig, heilig, heilig ist Gott! Er hat sich gewürdiget, seine Wohnung bei mir zu nehmen; Ihm sei Dank, Preis und Ehre jetzt und in Ewigkeit. O mein Jesus! ich glaube an Dich als an die ewige Wahrheit.- O mein Jesus! ich hoffe auf Dich, als auf die unendliche Barmherzigkeit.- O mein Jesus! ich liebe Dich von Herzen als das allerhöchste, und aller Liebe würdigste Gut. O mein Jesus! ich bete Dich an als meinen Herrn und Gott, meinen Erlöser und Seligmacher. O mein Jesus! ich sage Dir Dank für die große Gnade, daß Du mich mit deinem heiligsten Fleische gespeiſet, und mit deinem heiligsten Blute getränkt hast; bewirke nun in mir, weßwegen Du zu mir gekommen biſt und laß mich der Verdienste deines Leidens und Todes theilhaftig werden. Zur Danksagung für deine unaussprechliche Güte opfere ich Dir auf meinen Leib, meine Seele und Alles, was ich habe, zu deinem hei 218 Communiongebete. ligen Dienste. O mein göttlicher Heiland! bleibe bei mir durch die Kraft des heiligen Sakramentes, jezt und in der Stunde meines Todes. Liebster Jesus! Du hast gesagt: ,, Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm." O wie erfreut mich dieses göttliche Versprechen! durch deine Gnade bist Du mit mir vereint; o ich bitte Dich, Du Geliebter meiner Seele! ich bitte Dich inständig, bleibe allzeit bei mir, und laß mich nie mehr durch eine Sünde von Dir getrennt werden. Laß mich empfinden, daß ich den guten, den reichen, den allmächtigen Gott in mir habe. Du bist der Allmächtige, Du kannst mir in allen meinen Anliegen helfen; Du wirst mir auch helfen, denn deine Güte und Barmherzigkeit ist ohne Maß. Im Vertrauen auf deine göttliche Vorsicht übergebe ich Dir meinen Leib und meine Seele, mein zeitliches und ewiges Wohl. Verfahre Du mit mir nach deinem göttlichen Wohlgefallen. Dir, o mein Jesus! will ich leben, Dir will ich sterben, Dir will ich sein jetzt und in Ewigkeit. Amen. 3u Jesus in seinem Leiden. Göttlicher Jesus! bei der Einsetzung des heiligen Altarssakramentes hast Du gesagt:„ So oft ihr dieses thut, so thuet es zu meinem An Nach der heiligen Communion. 219. denken." Ich gedenke also mit Wehmuth an deinen Blutschweiß am Delberg, an deine schmerzliche Geißlung und Krönung, an deine schwere Kreuztragung und deine grausame Annaglung an das Kreuz. Durch alle diese Leiden, durch deine drei Stunden lange Todesangst am Kreuz und dein klägliches Hinscheiden bitte ich, Du wollest Dich der leidenden Seelen im Fegfeuer erbarmen, insonderheit der Seelen N. N., für welche ich meine heutige Communion aufgeopfert habe. Laß sie die Kraft dieses heiligen Sakramentes empfinden, und gedenke, daß auch sie in ihrem Leben deinen heiligsten Leib empfangen, und dein heiligstes bitteres Leiden und Sterben andächtig verehrt haben. Laß diesen bedrängten Seelen die Verdienste deines Leidens zu ihrer Erlösung gereichen. Nimm ste zu Dir in den Himmel auf, wo ste dann auch für mich bitten wollen, daß ich cinstens glückselig sterbe und von den Beinen des Fegfeuers befreit bleibe. Heilige Jungfrau Maria, Mutter meines Erlösers! gedenke der Leiden deines mütterlichen Herzens, als Du deinen geliebten Sohn am Kreuze unter den schrecklichsten Schmerzen sterben sahest. Um dieser Leiden willen bitte ich, gedenke der armen Seelen im Fegfeuer, die so kläglich nach ihrer Erlösung seufzen. Insbesondere verwende deine Fürbitte um die Communiongebete. Erlösung der Seelen N. N., daß sie zur Anschauung Gottes gelangen mögen. Bitte auch, o liebste Mutter! daß meine Seele einstens bei ihrem Hinscheiden einen gnädigen Richter finde in Jesus Christus, deinem Sohne, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 220 Gebet, den Ablaß für die armen Seelen aufzuopfern. O mein Jesus! ich flehe zu deiner Barmherzigkeit, Du wollest den durch meine heilige Communion erlangten Ablaß den Seelen N. N. zu ihrer Erlösung gereichen lassen. Sollten diese Seelen der Fürbitte nicht mehr bedürftig sein, so schenke ihn den Seelen, die zunächst an der Erlösung sind, damit sie Dich, o Gott! im Himmel sehen, lieben', loben und anbeten mögen, und auch für mich bitten wollen, daß ich einstens durch einen glückseligen Tod ihnen im Himmel beigesellt werde, um Dich zu lieben, zu loben und anzubeten in alle Ewigkeit. Amen. ( Bete sieben Vater unser und Gegrüßt seist du Maria sammt dem Glauben nach der Meinung der Kirche zur Gewinnung des Ablasses.) Nach der heiligen Communion. 221 Litanei von dem bittern Leiden und Sterben unsers Erlösers. Zum Troste der armen Seelen. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heiligste Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Jesus, Du eingeborner, höchstgeliebter Sohn Gottes, Jesus, Du Schlachtopfer aus Liebe, Jesus, der Du die Menschen zu erlösen den bittersten Leidenskelch getrunken hast, Jesus, der Du aus Angst vor deinem bevorstehenden Leiden Blut geschwißt hast, Jesus, der Du gleich einem Uebelthäter gefangen und gebunden wurdest, Jesus, der Du verspottet und mit Fäusten geschlagen wurdest, Jesus, der Du schmerzlich gegeißelt und mit Dornen gekrönt wurdest. Jesus, der Du die Sünden der Welt mit deinem Kreuze getragen hast, Jesus, der Du auf die grausamste Weise mit Nägeln an das Kreuz genagelt wurdest, Jesus, der Du, am Kreuze ausgespannt, den heftigsten Todeskampf gerungen haſt, Erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Communiongebete. Jesus, der Du in deiner Todesstunde, um deinen heftigen Durst zu stillen, mit Esſig und Galle getränkt wurdest, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Jesus, der Du in deiner Todesqual verspottet und gelästert wurdest,*) Jesus, der Du bei deinem Hinscheiden deine betrübte Mutter in größtem Leidwesen unter deinem Kreuze stehen gesehen hast, Jesus, der Du am Kreuze deine liebe Mutter dem heiligen Johannes empfohlen hast, Jesus, der Du nach drei Stunden langem Todeskampfe mit einem lauten Schrei deinen Geist aufgegeben haſt, Jesus, der Du uns durch dein Leiden das Paradies geöffnet hast, O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt: verschone die Seelen im Fegfeuer! O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt: erhöre das Flehen der Seelen im Fegfeuer! 222 O Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt: erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer, und gib ihnen die ewige Ruhe! Vater unser 2. Gegrüßt seist 2c. Gebet. O Herr Jesus Christus! der Du für uns am Kreuze gestorben bist, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer, und reinige ste durch dein *) Erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Nach der heiligen Communion. 223 heiliges kostbares Blut von Allem, was deine göttliche Gerechtigkeit noch Strafbares an ihnen findet. Bringe deine schmerzlichen Leiden, dein Blut und deine Wunden, und endlich deinen schmählichen Kreuzestod als Lösegeld für sie dar, damit Gott ihre Strafe nachlassen, und sie in die ewige Glückseligkeit aufnehmen wolle. Amen. Gebet zur schmerzhaften Mutter unsers Herrn. heilige Maria, Mutter meines Erlösers! mit betrübtem Herzen gedenke ich der großen Leiden deines sanften Mutterherzens, als du auf dem Kalvarienberge die Marterkrone errungen hast. Hier war es, wo nach Simeons Weissagung ein Schwert dein leidendes Mutterherz durchbohrte. O heilige, hochgebenedeite Gottesmutter! wie groß und unerschütterlich, war dein Glaube, wie fest deine Zuversicht auf Gottes weise Vorsehung, wie standhaft deine Ergebung, und wie ausharrend deine Geduld! Zu dir dringt meine Bitte hinauf, du wollest deine Fürbitte für die leidenden Seelen im Fegfeuer bei Gott verwenden. Ach, diese betrübten Seelen seufzen um Befreiung von ihrer Qual, und es ist keine unter ihnen, die nicht in ihrem Leben dich als Mutter unsers Herrn geehrt und geliebt hätte. O barmherzige Mutter! verwende nun deine Fürbitte für deine Communiongebete. verlassenen Kinder, die unaufhörlich seufzen und weinen. Bitte bei Jesus, deinem Sohne, daß Er sich der bedrängten Seelen in ihrer Qual erbarme. Insbesondere laß die Seelen N. N. deiner Mutterliebe empfohlen sein. Verwende auch deine Fürsprache für mich armen Sünder; erlange mir die Gnade einer ernstlichen Neue und Buße, damit meine Seele, von Sünden rein, durch Tugend und Heiligkeit würdig werde, einstens bei meinem Tode von den Peinen des Fegfeuers befreit zu bleiben. Weiters empfehle ich deiner kräftigen Fürbitte meine leiblichen Nöthen und Anliegen; sei, wenn Krankheit, Kummer oder Trübsale mich heimsuchen, meine Helferin, und nimm mich in deinen Schuß. Nette mich vor aller Gefahr des Leibes und der Seele, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 224 VI. Kleine Tagzeiten für die armen Seelen im Fegfeuer. Die sieben kanonischen Stunden. Zur Mette. Die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Klaglied an die heilige Dreieinigkeit. O heiligste Dreieinigkeit! Sieh an die lieben Seelen, Die wir in ihrem Kreuz und Leid Dir herzlich anbefehlen; Sie sind mit Tod aus dieser Welt Zwar christlich hingefahren; Allein bis jetzt nicht zugesellt Den auserwählten Schaaren. Antiphon. Erlöse ste, o Herr! wegen der Ehre deines Namens und sei ihren Sünden gnädig. V. Ach, Herr, wenn Du der Sünden gedenken willst, Herr! wer wird bestehen? R. Aber bei Dir ist Vergebung, darum erlöse sie, o Herr! Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! Erledige die Seelen deiner Diener und Dienerinnen, damit sie, da ste der Welt abgestorben, nun Dir leben, und was sie aus Gebrechlichkeit des Fleisches Trost der armen Seelen. f. D. 15 Tagzeiten während ihres sterblichen Lebens begangen haben, das wollest Du durch die Nachsicht deiner barmherzigen Güte austilgen; durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. 226 Zur Prim. Die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen ruhen durch bie Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Klaglied an Gott den Vater. O Vater der Barmherzigkeit! Sieh an die armen Seelen, Ach! Zorn und Rach' entferne weit, Laß sie nicht länger quälen; Sie haben zwar die Straf' verschuld't, Sind aber treu verblieben. Zeig' ihnen, Vater! deine Huld, Daß sie Dich ewig lieben. Ant. Erlöse ste, o Herr! wegen der Ehre deines Namens und sei ihren Sünden gnädig. V. Ach Herr! wenn Du der Sünden gedenken willst, Herr, wer wird bestehen? R. Aber bei Dir ist Vergebung, darum erlöse ste, o Herr! Gebet. O Gott, Du Erschaffer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, damit sie die gnädige Nachlassung, nach der sie sich immer gesehnt, durch unser demüthiges Gebet von deiner großen Barmherzigkeit 227 für die armen Seelen. erlangen, der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. Zur Terz. Die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Klaglied an Gott den Sohn. O Jesu mild, Du höchstes Gut! Thu' ihrer Dich erbarmen; Sie kosten ja dein Schweiß und Blut, Nimm sie in deine Armen: Sie bitten ab in bitterm Schmerz Für Sünd' und für Verbrechen; Zeig ihnen dein versöhntes Herz, So streng nicht wollst Dich rächen. Ant. Erlöse sie, o Herr! wegen der Ehre deines Namens und sei ihren Sünden gnädig. V. Ach Herr! wenn Du der Sünden gedenken willst, Herr, wer wird bestehen? R. Aber bei Dir ist Vergebung, darum erlöse ste, o Herr! Gebet. O Gott, Du Erschaffer und Erlöser aller Menschen! verleihe den Seelen deiner abgestorbenen Diener und Dienerinnen vollkommene Verzeihung aller Sünden, damit sie, von den Peinen des Fegfeuers befreit, Dich, ihr letztes Ziel und Ende, bald anschauen, lieben und loben mögen in alle Ewigkeit. Amen. 228 Tagzeiten Zur Sext. Die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Klaglied an Gott den heiligen Geist. O Gottes Liebe, heil'ger Geist! Du Trost in Weh und Klagen, Am besten Du zu helfen weißt Den Seelen in den Plagen. In dieser Hiß, in dieser Qual Woll'st gnädig sie erquicen. Mach', daß sie bald den Himmelssaal In Freud' und Ruh' erblicken. Ant. Erlöse ste, o Herr! wegen der Ehre deines Namens und sei ihren Sünden gnädig. V. Ach Herr! wenn Du der Sünden gedenken willst, Herr! wer wird bestehen? R. Aber bei Dir ist Vergebung, darum erlöse ste, o Herr! Gebet. O Herr! neige dein Ohr zu unsern Bitten, mit welchen wir deine Barmherzigkeit demüthiglich anflehen, daß Du die Seelen deiner Diener und Dienerinnen, die Du aus dieser Welt abberufen hast, in das Land des Friedens und des Lichtes setzen, und der Gemeinschaft deiner Heiligen theilhaftig machen wollest; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Zur Non. Die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. für die armen Seelen. Klaglied an die Mutter Gottes. Maria, Meer der Gütigkeit! Sieh, wie die Seelen büßen, Versöhn' doch die Gerechtigkeit, Fall deinem Sohn zu Füßen. Erfühl die Flammen, still die Pein. Der Drangsal mach ein Ende. Die Finsterniß in Sonnenschein, Die Trau'r in Freud' umwende. Ant. Erlöse ste, o Herr! wegen der Ehre deines Namens, und sei ihren Sünden gnädig. V. Ach Herr! wenn Du der Sünden gedenken willst, Herr! wer wird bestehen? R. Aber bei Dir ist Vergebung, darum erlöse ste, o Herr! Gebet. O Gott! dessen Eigenschaft es ist, sich allzeit zu erbarmen und zu verschonen, erbarme Dich der Seelen deiner Diener und Dienerinnen und vergib ihnen alle ihre Sünden, damit ste jetzt, da ste von den Banden der Sterblichkeit aufgelöst sind, zum ewigen Leben hinüberzugehen verdienen mögen. Amen. 229 Zur Vesper. Die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Klaglied an die heiligen Engel. Ihr Engel Gottes! schaut, ach schaut In Bein die Seelen sitzen, Die doch euch Gott hat anvertraut, Daß ihr sie soll't beschützen. 15* Tagzeiten Ach geh't! sucht Hülf', die Plag ist groß, Klopft an bei frommen Herzen, Macht sie der schweren Bürde los, Und tilget ihre Schmerzen. Ant. Erlöse ste, o Herr! wegen der Ehre deines Namens und sei ihren Sünden gnädig. V. Ach Herr! wenn Du der Sünden gedenken willst, Herr! wer wird bestehen? R. Aber bei Dir ist Vergebung, darum erlöse ste! o Herr! Gebet. O Gott, Herr der Gnaden! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen, deren wir gedenken, den Sitz der Erquickung, die Glückseligkeit der Ruhe und die Klarheit des Lichtes. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 230 Zur Complet. Die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Klaglied an die Heiligen Gottes. Auch ihr, o liebe Gottes Freund! Die Seelen Gott befehlet, Die mit euch Gottes Kinder sind, Von Ewigkeit erwählet. Ach bittet, daß nach kurzer Zeit Sie alle mit euch droben Den lieben Gott in Ewigkeit Einstimmig mögen loben. Ant. Erlöse ste, o Herr! wegen der Ehre deines Namens und sei ihren Sünden gnädig. für die armen Seelen. 231 V. Ach Herr! wenn Du der Sünden gedenken willst, Herr, wer wird bestehen? R. Aber bei Dir ist Vergebung, darum erlöse sie, o Herr! Gebet. O Gott! der Du gnädig Verzeihung ertheileft und der Menschen Heil liebest, wir bitten deine Güte, daß Du die Seelen, welche aus dieser Welt geschieden, durch die Fürbitte Mariens, der allzeit reinen Jungfrau und aller Engel und Heiligen zur Theilnahme an der ewigen Seligkeit gelangen lassest; der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. Aufopferung. O Gott, Du Quell der Gütigkeit! Nimm an die heißen Thränen Von deiner lieben Christenheit, Und laß Dich doch versöhnen. Barmherzigkeit, Barmherzigkeit Den Seelen wollst erweisen, Daß sie mit uns in Ewigkeit Dein' große Güte preisen. Litanei aller Heiligen für die Abgestorbenen. Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! 232 Tagzeiten Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Gott heiliger Geist, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! Heilige Maria, bitt für sie! Heilige Gottesgebärerin,*) Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Alle heiligen Engel und Erzengel, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle Heiligen Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Johannes, Alle Hl. Apostel und Evangelisten. Heiliger Stephan, Heiliger Laurentius, Alle heiligen Märtyrer, Heiliger Gregorius, Alle heil. Bischöfe und Beichtiger, Alle heil. Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Barbara, Heilige Katharina, Heilige Theresia, Alle hl. Jungfrauen und Wittwen, Alle Heiligen Gottes, Sei ihnen gnädig: verschone sie, o Herr! Sei ihnen gnädig: erhöre ste, o Herr! Von allem Uebel, erlöse sie, o Herr! Von allen Sünden, erlöse sie, o Herr! Von allen Strafen, erlöse sie, o Herr! Von deinem Zorne, erlöse ste. o Herr! *) Bitt( bittet) für sie! für die armen Seelen. 233 Von deiner strengen Gerechtigkeit, erlöse sie, o Herr! Von der Gewalt der bösen Feinde,*) Von dem nagenden Wurm des Gewissens, Von dem langwierigen Verlangen, Von den grausamen Flammen, Von der unerträglichen Kälte, Von der schrecklichen Finsterniß, Von den peinlichen Qualen, Von dem schmerzlichen Weinen und Wehklagen, Von der entsetzlichen Gefangenschaft, Durch deine wunderbarliche Empfängniß, Durch deine heilige Geburt, Durch deine schmerzliche Beschneidung, Durch deine Flucht nach Egypten, Durch deinen süßen Namen, Durch deine heilige Taufe und strenges Fasten, Durch deine tiefe Demuth, Durch deine allerreinste Keuschheit, Durch deine äußerste Armuth, Durch deinen vollkommenen Gehorsam, Durch deine große Sanftmuth und Geduld, Durch deine unendliche Liebe, Durch dein bitteres Leiden, Durch deine Angst und Noth, Durch deinen blutigen Todesschweiß, Durch dein hartes Gefängniß, Durch deine ausgestandene falsche Anklage. Spott und Schmach, Durch deine schmerzliche Geißlung, Durch deine peinliche Dornenkrönung, Durch dein ungerechtes Urtheil, Durch deine mühvolle Kreuztragung, *) Erlöse sie, o Herr! 234 Tagzeiten Durch deine grausame Kreuzigung, erlöse ste, o Herr! Durch deinen bittern Tod,*) Durch deine heiligen fünf Wunden, Durch all dein heiliges für uns vergossenes Blut, Durch deine glorreiche Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Sendung des heiligen Geistes, Durch die Verdienste und Fürbitte deiner heiligen Mutter, Durch die Verdienste und Fürbitte aller deiner Heiligen, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Dn die leidenden Seelen verschoneſt,**) Daß Du ihnen alle Schuld nachlassen wollest, Daß Du ihr Bitten und Flehen erhören wollest, Daß Du sie aus ihren Peinen und Qualen erretten wollest, Daß Du ste aus ihrem harten Gefängnisse erledigen wolleſt, Daß Du sie aller guten Werke der ganzen Christenheit theilhaftig machen wollest, Daß Du unser Gebet für sie und das ihrige für uns allzeit erhören wollest, Daß Du sie durch die heiligen Engel trösten wollest, Taß Du sie durch den heiligen Erzengel Michael in das heilige Licht überbringen lassen wollest, Daß Du sie bald mit deiner seligen Anschauung begnadigen wollest, *) Erlöse sie, o Herr! **) Wir bitten Dich, erhöre uns! für die armen Seelen. Daß Du unsern verstorbenen Eltern, Geschwistern, Freunden und Gutthätern die ewigen Güter verleihen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du den Seelen, denen keine besondere Gedächtniß auf Erden gehalten wird, deine Gnade erzeigen wollest,*) Daß Du allen abgeschiedenen Seelen der Christgläubigen die ewige Ruhe mittheilen wollest, Daß Du uns erhören wollest, ODu Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone ste, o Herr! ODu Lamm Gottts, welches Duhinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre ste, o Herr! ODu Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich ihrer, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! 235 V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, R. Und das ewige Licht leuchte ihnen. V. Von der Pforte der Hölle, R. Errette, o Herr! ihre Seelen! V. Sie ruhen im Frieden. R. Amen. V. Herr! erhöre unser Gebet: R. Und laß unser Rufen zu Dir kommen! *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 236 Vespergebete. Gebet. O Gott! dem das Erbarmen und Schonen immer eigen ist, wir bitten Dich in Demuth für die Seelen deiner Diener und Dienerinnen N. N., welche Du aus dieser Welt abberufen hast: übergib sie nicht in die Hände des Feindes, und vergiß ihrer nicht gänzlich, sondern laß sie aufnehmen von den heiligen Engeln, und in das Vaterland des Paradieses geleiten, damit, weil sie auf Dich gehofft und an Dich geglaubt haben, sie nicht die Strafen der Hölle erleiden, sondern die ewigen Freuden bestzen mögen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, R. Und das ewige Licht leuchte ihnen. V. Laß sie ruhen im Frieden. R. Amen. VII. Vespergebete. Verehrung der sieben Schmerzen Mariä für die armen Seelen. 1. Gegrüßt seist du, Maria, du demüthigste Magd der allerheiligsten Dreieinigkeit! Ich erinnere dich an die Schmerzen, welche du in deinem mütterlichen Herzen empfunden hast, Veſpergebete. 237 als dein geliebter Sohn am achten Tage sein kostbares Blut für uns vergossen hat. Durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 2. Gegrüßt seist du, Maria, du allerheiligste und von Ewigkeit auserwählte Tochter Gott des Vaters! Ich erinnere dich an die Schmerzen, die du empfunden hast, als du ermahnt wurdest, dem Zorne des Herodes zu entfliehen, und mit deinem göttlichen Sohne nach Egypten, aus deinem Vaterlande in das Elend zu ziehen. Durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Vater unser x. Ave Maria 2. 3. Gegrüßt seist du, Maria, du allerwürdigste Mutter Jesu Christi, des Sohnes Gottes! Ich erinnere dich an die Schmerzen, welche du empfunden hast, als du deinen göttlichen Sohn drei Tage lang verloren und gesucht hast! Durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Vater unser 2c. Ave Maria 2. 238 Vespergebete. 4. Gegrüßt seist du, Maria, allerliebste Braut des heiligen Geistes! Ich erinnere dich an die Schmerzen, die du empfunden hast, als dein göttlicher Sohn von dir Abschied nahm, und dir anzeigte, daß Er für die Sünden der Welt den bittern Tod am Kreuze leiden müsse. Durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Vater unser 2c. Ave Maria 2. 5. Gegrüßt seist du, Maria, du allerschönste Schwester der heiligen Engel! Ich erinnere dich an die Schmerzen, die du empfunden hast, als du gehört hast, daß dein göttlicher Sohn auf das Verlangen der gottlosen Juden zum Tode verurtheilt worden sei, und du Ihn selbst daß schwere Kreuz auf seinen verwundeten heiligen Schultern auf die Richtstätte tragen sahest. Durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Vater unser 2. Ave Maria 2c. 6. Gegrüßt seist du, Maria, du glorreiche Königin der Patriarchen! Ich erinnere dich an die Schmerzen, welche du empfunden hast, als du deinen göttlichen Sohn an das Kreuz annageln hörtest und Ihn selbst am Kreuze han Vespergebete. 239 gen und unaussprechliche Schmerzen erdulden sahest, bis Er seine heiligste Seele aufgab. Durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Vater unser 2c. Ave Maria 2. 7. Gegrüßt seist du, Maria, du den Propheten versprochene und höchst erwünschte Mutter des Messias! Ich erinnere dich an die Schmerzen, welche du empfunden hast, als dein göttlicher Sohn vom Kreuze abgenommen, in deinen jungfräulichen Schooß gelegt, und endlich in das Grab verschlossen worden ist. Durch diese deine Schmerzen bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit sie von allen ihren Schmerzen erlöst werden. Amen. Vater unser x. Ave Maria 2. Verehrung der sieben Freuden Mariens für die armen Seelen. 1. Gegrüßt seist du, Maria, du erfahrenſte Lehrmeisterin der Apostel! Ich erinnere dich an die Freuden, welche du empfunden hast, als dich der heilige Erzengel Gabriel gegrüßt, und dir die Menschwerdung deines göttlichen Sohnes verkündet. Durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder, und für die ar 240 Vespergebete. men Seelen im Fegfeuer, daß ste erlöst werden, und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. 2. Gegrüßt seist du, Maria, du wahrhafteste Lehrerin der Evangelisten! Ich erinnere dich an die Freuden, welche dit empfunden hast, als du deinen göttlichen Sohn zu Bethlehem ohne Verlegung deiner Jungfrauschaft geboren hast. Durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden, und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2. 3. Gegrüßt seist du, Maria, du kräftigste Stärkerin der Märtyrer! Ich erinnere dich an die Freuden, die du empfunden hast, als die heiligen drei Könige deinem göttlichen Sohne ihre würdigen Opfer dargebracht, und Ihn als den wahren Gott angebetet haben. Durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden, und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser 2. Ave Maria zc. 4. Gegrüßt seist du, Maria, du weiseste Unterweiserin der Kirchenlehrer und Beichtväter! Ich erinnere dich an die Freuden, die du empfunden hast, als du deinen göttlichen Sohn Vespergebete. nach drei Tagen wieder im Tempel gefunden hast. Durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden, und zu den ewigen Freuden gelangen können. Amen. Vater unser 2. Ave Maria zc. 241 5. Gegrüßt seist du, Maria, du holdseligste Zierde und Schönheit aller Frauen und Jungfrauen! Ich erinnere dich an die Freuden, die du empfunden hast, als dir dein göttlicher Sohn am heiligen Ostertage nach seiner glorreichen Auferstehung mit unsterblichem Leibe erschienen ist, und dich herzlich begrüßt und getröstet hat. Durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder, und für die ar= men Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden, und zur ewigen Freude gelangen können. A. Vater unser 2c. Ave Maria 2. 6. Gegrüßt seist du, Maria, du glänzende Krone aller Heiligen Gottes! Ich erinnere dich an die Freuden, welche du empfunden haſt, als dein göttlicher Sohn aus eigener Kraft in deiner und seiner lieben Jünger Gegenwart glorreich in den Himmel aufgefahren ist. Durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, daß sie erlöst werden, und zur ewigen Freude gelangen können. Amen. Vater unser x. Ave Maria zc. 16 Vespergebete. 7. Gegrüßt seist du, Maria! du bereitwilligste Helferin und Trösterin der Lebendigen und Abgestorbenen! Ich erinnere dich an die Freuden, die du empfunden hast, als dich dein göttlicher Sohn zu den himmlischen Freuden eingeladen, und dich nach deinem heiligen Absterben mit Leib und Seele glorreich in den Himmel eingeführt, und über alle Chöre der heiligen Engel erhöhet hat. Durch diese deine Freuden bitte Gott für uns arme Sünder, und für die armen Seelen im Fegfeuer, damit fie erlöst werden und zu den ewigen Freuden im Himmel gelangen. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria zc. 242 Das Vater unser für die Abgestorbenen. Nachdem einst die heilige Mechtildis für die Verstorbenen communizirt hatte, erschien ihr Christus, und sagte: Bete für sie ein Vater unser." Und sie verstand, daß sie beten solle, wie folgt. Nachdem sie nun dieses gethan, sah sie eine große Menge Seelen gegen Himmel steigen. ( B. 5. K. 21.) Vater unser, der Du bist im Himmel! Ich bitte Dich, verzeihe den armen Seelen im Fegfeuer, daß sie Dich, ihren anbetungswürdigen und geliebten Vater, der Du sie aus bloßer Gnade zu deinen Kindern aufgenommen hast, nicht geliebt, und Dir nicht die gebührende Ehre erwiesen, sondern Dich aus ihrem Herzen, worin Du immer zu wohnen verlangtest, vertrieben haben; und zur Vergü Vespergebete. 243 tung dieser ihrer Schuld opfere ich Dir auf jene Liebe und Ehre, welche Dir dein geliebter Sohn auf Erden erwiesen hat, und jene reichliche Genugthuung, womit Er alle ihre Sünden getilgt hat. Amen. Geheiliget werde dein Name! Ich bitte Dich, o gütigster Vater! verzeihe den Seelen der Abgestorbenen, daß sie deinen heiligen Namen nicht würdig verehrt und zu selten sich desselben andächtig erinnert, sondern ihn öfters eitel genommen und sich durch ihr laues Leben des christlichen Namens unwürdig gemacht haben; und zur Genugthuung aller dieser Sünden opfere ich Dir auf die vollkommenste Heiligkeit deines Sohnes, womit Er deinen gebenedeiten Namen durch seine Predigten erhöht, und durch alle seine heiligsten Werke geehrt hat. Amen. Zukomme uns dein Reich. Ich bitte Dich, o gütiger Vater! verzeihe den Seelen der Verstorbenen, daß ste Dich und dein Reich, in dem allein die wahre Ruhe und die ewige Herrlichkeit besteht, niemals mit Eifer verlangt und fleißig gesucht haben; und für diese ihre Trägheit und Nachlässigkeit, die sie in all ihrem Guten gehabt haben, opfere ich Dir auf all das heiligste Verlangen deines Sohnes, womit Er sie allzeit zu Miterben seines Reiches hat haben wollen. Amen. Vespergebete. Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden! Ich bitte Dich, o gütiger Vater! verzeihe den Seelen der Verstorbenen, daß sie deinen Willen dem ihrigen nicht vorgezogen, und denselben nicht geliebt, sondern sehr oft nach ihrem eigenen Willen gelebt und gehandelt haben; und zur Vergütung dieses ihres Ungehorsams opfere ich Dir auf die Vereinigung des allersüßesten Herzens deines Sohnes mit deinem Willen, sowie auch seinen willigsten Gehorsam, womit Er Dir unterthänig gewesen ist, bis zum Tode am Kreuze. Amen. Gib uns heute unser tägliches Brod! Ich bitte Dich, o gütiger Vater! verzeihe den Seelen der Verstorbenen, daß sie dein hochwürdigstes Sakrament des Altars nicht mit völligem Verlangen, Andacht und Liebe empfangen, sondern ihrer Viele desselben sich unwürdig gemacht und Viele es selten oder gar niemals empfangen haben. Für alle diese ihre Sünden opfere ich Dir auf die größte Heiligkeit und Andacht deines Sohnes, so wie auch seine inbrünstige Liebe und sein unaussprechliches Verlangen, womit Er uns diesen kostbaren Schatz geschenkt hat. Amen. 244 Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Ich bitte Dich, o gütiger Vater! verzeihe den Vespergebete. 245 Seelen der Verstorbenen alle Sünden, welche sie in den Hauptsünden begangen, besonders, daß sie denjenigen, die sie beleidiget hatten, nicht haben verzeihen wollen, und ihre Feinde nicht geliebt haben. Für diese ihre Sünden opfere ich Dir auf das honigsüße Gebet, welches dein Sohn am heiligen Kreuze für seine Feinde gebetet hat. Amen. Und führe uns nicht in Versuchung! Ich bitte Dich, o gütiger Vater! verzeihe den Seelen der Verstorbenen, daß sie ihren Fehlern und Gelüsten nicht widerstanden sind, sondern öfters mit dem Teufel und mit ihrem Fleische übereingestimmt und sich freiwillig in viele Uebel verwickelt haben. Für diese ihre vielfältigen Sünden opfere ich Dir auf den glorreichen Sieg deines Sohnes, womit Er die Welt und den Teufel überwunden hat, sowie auch sein heiligstes Leben und seinen Wandel, mit all seiner Mühe, Arbeit, Ermüdung und ſeinem bittersten Leiden und Tode. Amen. Sondern erlöse uns und sie von alTem Uebel, und von allen Strafen durch die Verdienste deines geliebten Sohnes, und führe uns hin in das Reich deiner Herrlichkeit, welches Du selbst bist. Amen. Vespergebete. Das Ave Maria für die armen Seelen eingerichtet. Gegrüßt feist du, Maria! Sieh, barmHerzigste Mutter! gnädig auf deine armſeligen und betrübten Kinder herab, welche in den Flammen des Fegfeuers so schmerzlich leiden. Wir bitten dich um der großen Freude willen, welche du durch den Engelgruß empfunden hast, du wollest dich ihrer gnädig erbarmen, und ihnen den heiligen Engel senden, damit er ihnen ebenfalls den freudenreichen Gruß bringe, und ihnen die Erlösung aus ihren Peinen ankünde. 246 Du bist voll der Gnaden! Erlange ihnen von Gott Gnade, Barmherzigkeit und Nachlaß der schweren Strafen, die sie jetzt leiden. Der Herr ist mit dir! Er wird dir nichts versagen, sondern deine Bitte erhören und den Elenden barmherzig zu Hülfe kommen. Du bist gebenedeit unter den Weibern, ja unter allen Geschöpfen auf der ganzen Welt! Benedeie, segne und beglücke mit deiner gnadenreichen Fürbitte die armen gefangenen Seelen, und befreie sie von ihren Banden. Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, welcher der Heiland und Seligmacher der ganzen Welt ist, den du, als Jungfrau, ohne Schmerzen geboren hast. D Bespergebete. 247 gütigster Jesus, Du gnadenreiche Frucht ihrer unverletzten Jungfrauschaft! erbarme Dich der armen Seelen! O du barmherzige Mutter! eile ihnen zu Hülfe! Heilige Maria, Mutter Gottes! Du wunderbare, jungfräuliche Mutter, bitt für uns arme Sünder und für die armen Seelen im Fegfeuer, jetzt und zu allen Zeiten, besonders aber in der Stunde unsers Absterbens, und sowie du den armen Seelen in ihrem letzten Streite, als ste mit dem Tode rangen, zu Hülfe gekommen bist, so stehe ihnen auch jetzt in ihrer schweren Pein und Gefangenschaft bei, damit sie, durch deine mütterliche Fürbitte erlöst, in die ewigen Freuden gelangen, und sich in alle Ewigkeit erfreuen. Amen. VIII. Betstunde für die armen Seelen. Anbetungsstunde vor dem heiligen Sakramente des Altars für die armen Seelen im Fegfeuer. Herr! öffne meine Lippen Und mein Mund wird dein Lob verkünden. D Gott! achte auf meine Hülfe; Herr! eile mir zu helfen. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiſte; 248 Betstunde Wie im Anfange, jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Alleluja! Anbetung. Den König, für den Alles lebt, Jesus Christus, im heiligsten Sakramente, will ich mit tiefster Ehrfurcht anbeten. Dem Erstgebornen der Todten, dem Fürsten aller Könige der Erde, der uns geliebt und von den Sünden in seinem Blute rein gewaschen hat, will ich mit glühendem Herzen Lob und Dank abstatten. Jesus Christus im Hochheiligsten Geheimnisse des Lebens, dem Richter der Lebendigen und der Todten, welcher die Schlüssel des Todes und der Hölle hat, will ich meine höchste Anbetung, Ehre und Liebe darbringen. Mit allen Engeln und Heiligen im Himmel will ich frohlockend das ewige Lied anstimmen: Heilig, heilig, heilig Ist der Herr, der allmächtige Gott, Der Herr der Heerschaaren; Himmel und Erde sind voll Seiner Majestät, Glorie und Herrlichkeit. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie im Anfange, jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Gemüthserhebung. Jesus! ich glaube, daß Du Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist, der in diese 249 für die armen Seelen. Welt gekommen ist. Du bist die Auferstehung und das Leben; wer an Dich glaubt, wird, wenn er auch stirbt, dennoch leben. Du hast nach deiner liebreichen Güte Dich erbar= met über den verstorbenen Lazarus und dessen betrübte Schwestern Martha und Maria. Du hast ihr vertrauliches Gebet erhört, den todten Lazarus nach vier Tagen aus dem Grabe hervorgerufen und zum Leben erweckt. Liebevoller Heiland! laß mein Flehen in gegenwärtiger Stunde bei dem Throne deiner Barmherzigkeit Gnade finden für die Verstorbenen, die in dem Kerker deiner Gerechtigkeit wegen ihren Fehlern und Schwachheiten in dem Schatten des Todes sizzen und dein göttliches Angesicht noch nicht sehen. Höre meine Seufzer und löse ihre Bande, damit sie in die Freiheit deiner Kinder aufgenommen werden. Christus Jesus! Du hast Dich als Bürgen für die Sündenschuld der ganzen Welt dem Vater dargestellt, an das Kreuz den Schuldbrief, der wider uns war, angeheftet und ihn mit deinem heiligsten Blute getilgt. Laß durch deine Barmherzigkeit den unendlichen Werth deiner Genugthuung den armen leidenden Seefen im Fegfeuer zu Theil werden, damit, was ste nicht vermögen, ihnen durch dein heiliges Leiden und deinen Tod geschenkt werde. Jesus, der Du reich bist in deiner Erbarmung 250 Betstunde und in dem unerschöpflichen Schatze deiner Verdienste, bezahle für diese armen leidenden Seelen die Schuld bis auf den letzten Heller, damit sie, aus dem schmerzlichen Ort der Peinen erlöset, deiner unendlichen Güte in dem Himmel ewiges Lob singen mögen. Siehe, göttlicher Heiland! in deiner heiligsten Gegenwart, vor deinem großen Altarsgeheimnisse bringe ich gegenwärtige Stunde zu, um von deiner Liebe die Erlösung dieser leidenden Seelen zu erbeten. Gedenke doch dieser Gefangenen, für welche ich deiner heiligen Gerechtigkeit deine großen Schmerzen, dein Blut, deinen Tod und dein erbarmendes Herz aufopfere. Jesus, laß deine Schmerzen für ihre Buße und Qual gelten; laß aus deinen Wunden über sie das Del deiner Barmherzigkeit fließen; laß dein Blut ihre Flammen löschen durch deinen Tod und nimm sie in die Freude des ewigen Lebens auf. Ach! dein liebevolles Herz wolle sich über jene erbarmen, für welche es am Kreuze verwundet worden. Trauer und Bittgesang. 1. Süßer Jesus! Furcht und Hoffen Hat mein armes Herz getroffen Deine Liebe ruf' ich an Für die lieben armen Seelen Die sich nach dem Himmel sehnen für die armen Seelen. In den Leiden, Um die Freuden Endlich bei Dir zu empfah'n. 2. Wie sie in den Beinen schmachten, Und hinauf zum Himmel trachten! Jesu, sie sind alle dein! Laß auf sie dein Heil ergießen, Laß für sie dein Blut hinfließen, In den Qualen, Abzuzahlen Was noch muß gebüßet sein. 3. Seufze, Herz, ach fließt, ihr Thränen, Ihre Schulden auszusöhnen; Milder Gott! wie gut bist Du! Jesu, wolle Dich erbarmen, Rufe bald zu Dir die Armen; Zu den Deinen Aus den Peinen Nimm sie auf zur ew'gen Ruh'. 4. Laß durch ihren Schmerz Dich rühren, Wollst sie in den Himmel führen Aus dem Ort der Feuergluth. Laß sie froh zu Dir aufsteigen Und vor deinem Thron sich neigen, In dem Leben, Das zu geben, Du vergessen hast dein Blut. 251 Neumüthige Ab bitte. O Jesus, mein allmächtiger und unendlich barmherziger Gott! Dein Thron ist ewig in 252 Betstunde. dem Himmel und von unbegreiflicher Herrlichkeit. Es beten Dich an die Seraphinen sammt allen Engeln; und der ganze Himmel lobet und preiset Dich in Ewigkeit. Und dennoch würdigest Du Dich, bei uns in dem heiligen Sakramente wahrhaft und wesentlich immer zu sein! Höchstes Wunder, unbegreifliches Geheimniß, übermäßige Liebe! Jesus, Du König des Himmels und der Erde! den ich in dieser sichtbaren Hostie unsichtbar, aber doch wahrhaft gegenwärtig, in tiefster Ehrfurcht anbete, Dir gebührt unendliche Ehre, unbeschränkte Liebe und unsterblicher Dank. Aber ach, welche Beschimpfungen, welche Bosheit und welchen Undank mußt du statt dessen nicht von uns lauen und pflichtvergessenen Menschen ertragen! Wie unendlich viele Beleidigungen und Entehrungen sind Dir in diesem anbetungswürdigsten Geheimniſse vom Anbeginne schon von den Sündern zugefügt worden, zu deren Heil und Trost es deine Liebe doch eingesetzt hat! Mit Wehmuth erfüllt mich auch der Gedanke, daß auch eine große Zahl der armen Seelen im Fegfeuer für solche Dir zugefügte Unbilden und Verachtungen in harten Qualen büßen muß. O allerhöchste, uns zu Liebe in so große Schmach erniedrigte Hoheit! Ich liege vor Dir auf den Knieen, um für mich und alle lebenden Menschen, und vor 253 für die armen Seelen. züglich auch in dieser für die Abgestorbenen gewidmeten Stunde, für alle armen Seelen Abbitte für diese so vielfachen Beleidigungen zu thun. O Gott der Güte und der Erbarmung! Ich bitte um Gnade und Verzeihung für uns alle. Nimm doch gnädig meine tiefste Verdemüthigung und meine reumüthige Abbitte auf, welche ich Dir im Namen deiner heiligen Kirche und zwar jetzt insbesondere für die leidende im Fegfeuer vorlege. Amen. Das Rosenkranzgebet für die Abgestorbenen. Man hat bei diesem kraftvollen Gebete sehr darauf zu achten, daß es mit Aufmerksamkeit und Erwägung der darin enthaltenen Geheimnisse verrichtet werde. Auf dieſe Weise durchdringt dieses heilige Gebet die Wolken und öffnet den armen Seelen, für die es geschieht, die Pforten des Himmels. Zu noch größerm Trost und Nutzen derselben aber ist sehr zu empfehlen, die Rosenkränze mit dem sogenannten Brigitta- Ablaß versehen zu lassen, indem dabei auf jedes Vater unser, jedes Ave Maria und auf den Glauben, nebst mehreren vollkommenen Ablässen, die das Jahr hindurch zu gewinnen sind, 100 Tage verliehen sind; deßgleichen ist es noch ein sehr großer Gewinn, sich in die Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes aufnehmen zu lassen, indem man alsdann des Gebetes und der Verdienste aller Mitglieder derselben durch die ganze Welt theilhaftig ist. Vorbereitungsgebet. Im Namen Gottes+ des Vaters, und des+ Sohnes, und des+ heiligen Geistes. Amen. O Jesus, Sohn des lebendigen Gottes! der Du als das große Versöhnungsopfer für das 254 Betstunde Heil der Menschen am Kreuze gestorben bist! ich will nun zu deiner Ehre unter dem Gebete des heiligen Rosenkranzes die heiligen Geheimnisse deines Leidens mit dankbarem und gerührtem Herzen betrachten und Dir mein Gebet als eine Fürbitte für die leidenden Seelen im Fegfeuer aufopfern; allein ich bekenne mit Beschämung und bitterer Neue, daß ich unwürdig bin, für die Seelen zu bitten, die schon vor deinem Gerichte erschienen sind, und die nur wegen einigen geringen Makeln dein göttliches Angesicht noch nicht schauen dürfen. Verleihe mir also, o mein Jesus! durch die Verdienste deines bittern Leidens und Sterbens Verzeihung aller meiner Sünden und den leidenden Seelen im Fegfeuer Nachlassung ihrer Strafen, und führe sie in die Freuden des Himmels ein, wo ste deiner Majestät in ewiger Anbetung dienen werden, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. Gebet vor dem ersten Gesäßlein. Ehre, Lob und Anbetung sei Jesus Christus, unserm Erlöser, in seiner BlutvergieBung am Delberge! O gütigster Jesus! durch dein heiliges Gebet um Wegnahme des bittern Leidenskelches, wie auch durch deinen blutigen Angstschweiß, für die armen Seelen. 255 der in Tropfen auf die Erde fiel, bitte ich für die Seelen im Fegfeuer um baldige Erlösung aus ihrer Qual. O heilige Maria, Mutter Gottes! bitte doch für die leidenden Seelen im Fegfeuer, die so inständig nach der Anschauung Gottes verlangen. Gedenke, wie theuer dein göttlicher Sohn diese Seelen erkauft hat, und erhalte ihnen die Nachlassung ihrer Strafen durch Je= sus Christus, deinen Sohn, der für uns im Garten Blut geschwißt hat. Amen. Gebet vor dem zweiten Gesäßlein. Ehre, Lob und Anbetung sei Jesus Christus, unserm Erlöser, der für uns ist gegeiBelt worden! O Herr Jesus Christus! durch deine schmerzliche Geißlung und dein dabei vergossenes heiltges Blut bitte ich um Erlösung der armen Seelen aus dem Fegfeuer, daß sie doch bald zu deiner göttlichen Anschauung gelangen, wo ste Dich mit allen Heiligen lobpreisen und anbeten werden in alle Ewigkeit. O heilige Maria! unsere heilige Kirche nennt dich die Mutter der Barmherzigkeit; darum, o gütige Jungfrau! erzeige deine Milde den leidenden Seelen im Fegfeuer! bitte für ſte, daß Gott ihre schmerzliche Leidenszeit abkürze und ste zu sich in die ewige Seligkeit aufneh 256 Betstunde me. Erflehe den christgläubigen Seelen die ewige Ruhe durch Jesus Christus, deinen Sohn, der für uns ist gegeißelt worden. Amen. Gebet vor dem dritten Gesäßlein. Ehre, Lob und Anbetung sei Jesus Christus, unserm Erlöser, der für uns ist mit Dornen gekrönt worden. Göttlicher Jesus! durch deine schmerzliche Krönung mit Dornen, die Du für uns Sünder erlitten hast, bitte ich, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer. Verzeihe ihnen ihre Fehler, die sie aus verschiedener Schwachheit begangen haben; schenke ihnen die noch übrige Strafe und kröne ste mit der Krone ewiger Seligkeit. O heilige Maria, du Trösterin der Betrübten! erbarme dich der Seelen, die im Fegfeuer leiden, und bitte für sie, daß sie von ihrer Qual befreit, in die seligen Wohnungen des Himmels aufgenommen werden. Gedenke, liebe Mutter! deiner großen Betrübniß, als du deinen geliebten Sohn mit einer Dornenkrone auf dem Haupte, und sein heiliges Blut über sein göttliches Angesicht herabfließen sahst. Um dieser Betrübniß willen bitte für die jammernden Seelen um Befreiung aus ihrem Kerker, durch die gebenedeite Frucht deines Leibes Jesus, der für uns ist mit Dornen gekrönt worden. Amen. für die armen Seelen. Gebet vor dem vierten Gefäßlein. Ehre, Lob und Anbetung sei Jesus Christus, unserm Erlöser, der für uns das schwere Kreuz getragen hat! Göttlicher Heiland, Jesus Christus! ich bete Dich an als meinen Herrn und Gott, und bitte Dich durch deine schmerzliche Kreuztragung, Du wollest Dich der armen Seelen im Fegfeuer erbarmen und ihnen ihre Strafen nachlassen. Ach, Jesus! gedenke des schmerzlichen Weges, den Du mit dem schweren Kreuze beladen gehen mußtest; gedenke deiner großen Mattigkeit und deines schmerzvollenNiederfallens unter der Kreuzeslast und um dieser großen Leiden willen wende dein Angesicht zu den Seelen im Fegfeuer und tröste ste durch baldige Erlösung aus ihrer Pein. 257 Seligste Jungfrau Maria, du mächtige Helferin bei Gott! verwende deine allesvermögende Fürbitte für die leidenden Seelen im Fegfeuer. Gedenke deiner eigenen Leiden und der unaussprechlichen Angst und Qual, die dein Mutterherz überfallen haben, als du deinem geliebten Sohne mit dem Kreuze beladen auf dem Wege begegnetest, und endlich Ihn unter den schrecklichsten Martern sterben sahst. Nch, liebe Mutter! um des Schmerzes willen, der damals dein Herz durchbohrte, habe Mitleid mit den Seelen im Fegfeuer, die durch das 17 Trost der armen Seelen. f. D. 258 Betstunde theure Blut Jesus erkauft sind und die so ängstlich nach ihrer Erlösung seufzen, wo sie Gott von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Bitte für sie durch die gebenedeite Frucht deines Leibes Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat. Amen. Gebet vor dem fünften Gesäßlein. Ehre, Lob und Anbetung sei Jesus Christus, unserm Erlöser, der für uns ist gekreuziget worden! Oliebster Jesus, mein Herr und mein Gott! ich bete Dich in Ehrfurcht an und bitte Dich durch deine martervolle Kreuzigung am schmählichen Kreuze, Du wollest Dich der leidenden Seelen im Fegfeuer gnädig erbarmen und ste die Trostworte hören lassen: ,, Heute noch werdet ihr bei mir im Paradiese sein." O heilige Maria, Mutter voll der Gnaden! durch dich finden wir arme Sünder Zutritt zu Jesus, deinem Sohne, und durch Jesus zu Gott. Durch dich, o schmerzhafte Mutter! geht der Gnadenweg zur göttlichen Barmherzigkeit. liebste Mutter! laß mich zu dem Gnadenthrone des Allerhöchsten gelangen, laß mich dort Verzeihung aller meiner Sünden finden und auch Gnade für die Seelen der Abgestorbenen, die im Fegfeuer schmerzlich leiden und um Hülfe rufen. Ach, ich weiß dein - für die armen Seelen. 259 liebendes Mutterherz nicht kräftiger zum Mitleiden zu bewegen, als wenn ich dich an das Hinscheiden deines geliebten Sohnes erinnere, der in der schmerzlichsten Todesangst seinen himmlischen Vater bat: ,, Vergib ihnen, Va= ter, denn sie wissen nicht, was sie thun." Bitte also, liebste Mutter! daß auch die Seelen im Fegfeuer Verzeihung erlangen und aus ihrer großen Pein erlöst werden; bitte durch die gebenedeite Frucht deines Leibes Jesus, der für uns ist gekreuziget worden. Amen. Aufopferung des heiligen Rosenkranzes. O göttlicher Jesus, Du Erlöser der Welt! ich opfere Dir das heilige Roſenkranzgebet, welches ich zur Verehrung deines bittern Leidens und Sterbens verrichtet habe, demüthigst auf, in der Meinung, mit welcher Du selbst deine Schmerzen, deine Seufzer, dein Blut und Leben dem himmlischen Vater für der Menschen Erlösung geopfert hast, und bitte Dich durch deine Verdienste und dein so häufig vergossenes Blut, du wollest Dich der Seelen im Fegfeuer erbarmen, sie aus ihrer Qual erlösen und zu Dir in den Himmel aufnehmen, wo sie denn auch für mich beten werden, daß ich einstens von den Peinen des Fegfeuers befreit bleibe; der Du lebst und regierst mit dem Vater und dem heiligen Geiste, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 260 IX. Breuzwegandacht für die armen Seelen. Vorbereitungsgebet. Jesus, meine gekreuzigte Liebe! ich will jetzt im Geiste Dich auf deinem Leidenswege begleiten und will mir vorstellen, ich sei wirklich bei deinem Leiden in Jerusalem gegenwärtig und folge Dir auf dem schmerzenvollen und blutigen Wege auf dem Kalvarienberge nach. Göttlicher Jesus! ich bitte Dich, laß die reichen heiligen Ablässe, welche ich durch diese Andacht erlangen werde, den Seelen im Feg= feuer, vorzüglich den N.N. zu ihrer Erlösung gereichen, und erfreue ste mit der ewigen Seligkeit. Heilige Maria, Mutter Jesu, und alle ihr lieben Heiligen, die ihr bei dem bittern Tode unsers Herrn gegenwärtig waret, bittet für mich, daß ich daß schmerzliche Leiden Jeſu mit Andacht betrachte, und für die lieben armen Seelen dadurch einen unendlichen Gewinn erlange. Amen. Vor jeder Station bete man: V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus! und benedeien Dich: R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst. Nach jeder Station bete man: Erbarme Dich unser, gekreuzigter Herr Jesus Christus! und sei uns wegen deines Leidens gnädig. Erbarme Dich auch der lieben armen Seelen im Fegfeuer. V. Gib ihnen, o Herr! die ewige Ruhe: R. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Kreuzwegandacht für die armen Seelen. 261 SIDEBERNYS Erste Station. Jesus wird von Pilatus zum Tode des Kreuzes verartheilt. V. Wir beten Dich an sc. wie Seite 260. Wie ungerecht ist doch die Welt, Du gerechter Gott! Daß sie Dich vor Gericht gestellt, Verdammet gar zum Tod'. Ach! wer trägt doch die Schuld daran? Ich klag' mich selbsten an: Mein schwerer Sündenstand Hat Dich zum Tod verdammt. Gebet. O Jesus! durch dieses ungerechte Todesurtheil, das ich schon so vielmal durch meine Sünden unterschrieben habe, befreie mich von dem entsetzlichen Urtheilspruche der ewigen Verdammniß, welche ich tausendmal verdient habe. Vater unser 2c. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser xc. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2c. wie Seite 260. 262 Kreuzwegandacht DEBERNY Zweite Station. Jesus nimmt das schwere Kreuz auf sich. V. Wir beten Dich an c. wie Seite 260. Man legt Dir auf das schwere Kreuz, Du nimmst es willig an; Ich widerspenstig allerseits Mich drein nicht ſchicken kann. Bei mir ist nichts als Ungeduld, Du nimmst das Kreuz, ich hab's verschuld't; Ach, wider alle Pflicht Folg' ich dem Beispiel nicht. Gebet. Du, mein Jesus, der Du das schwere Kreuz, das meine Sünden gezimmert haben, freiwillig auf deine Schultern geladen hast: laß mich die Schwere derselben erkennen und, so lange ich lebe, darüber die bittersten Thränen der Reue vergießen. Vater unser zc. Ave Maria zc. Erbarme Dich unser zc. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2c. wie Seite 260. für die armen Seclen. DEBERNYE 263 Dritte Station. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuze. V. Wir beten Dich an xc. wie Seite 260. Die Kräfte sind entwichen Dir, Du fällst zur Erde hin; Das bringt zu Herzen innig mir Und fränket meinen Sinn; Denn meine Sünden sind die Last Die Du für mich getragen hast; Die haben Dich zumal Gestürzt zu solchem Fall. Gebet. Die große Last meiner Sünden machte Dich, o mein Jesus! unter dem Kreuze zu Boden sinken. Ich hasse und verabscheue ste, und bitte Dich um Verzeihung, und auf deine Gnade gestützt, will ich sie hinfort nimmermehr begehen. Vater unser 2. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser zc. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! xc. wie Seite 260. 264 Kreuzwegandacht DEBERNY Vierte Station. Jesus begegnet seiner heiligsten Mutter. V. Wir beten Dich an sc. wie Seite 260. Betrübte Mutter, sag' mir doch: Wie war es dir um's Herz, Als mit dem schweren Kreuzesjoch In übergroßem Schmerz Dein Jesus ward zum Tod geführt? Sag', welche Angst dein Herz verspürt Und welchen bittern Gram, Als Er den Abschied nahm? Gebet. Bedrängtester Jesus! und du, schmerzhafte Mutter Maria! Wenn ich bisher durch meine Sünden an euern Peinen und Schmerzen Schuld war, so soll dieß in Zukunft mit Gottes Beistand, so lange ich lebe, nicht mehr geschehen; ja ich will euch von nun an getreulich lieben bis in den Tod. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria z. Erbarme Dich unser xc. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! wie Seite 260. für die armen Seelen. DEBERNY 265 Sünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jesu das Kreuz tragen. V. Wir beten Dich an 2c. wie Seite 260. Das Kreuz zu tragen, Seele mein'! Biet' dich mit Simon dar; Denn Jesus ist von Schmerz und Pein Entkräftet also gar, Daß Er es nicht mehr tragen mag: So schlag mir doch den Dienst nicht ab, Geschwind eil' zu Ihm hin, Und trag' das Kreuz für Ihn. Gebet. O wie glücklich war Simon von Syrene, der meinem Jesus das Kreuz tragen half! Auch ich werde mich glücklich nennen, wenn ich Dir, o Jesus! helfen kann, dein Kreuz zu tragen, indem ich mit Geduld und willig alle Leiden, Beschwerden und Unbilden auf mich nehme, die Du mir im Verlaufe meines Lebens zusenden wirst. Hiezu, mein Jesus! verleihe mir deine Gnade. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser 2c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! xc. wie Seite 260. 266 Kreuzwegandacht Sechste Station. Die heilige Veronika reicht dem lieben Heilande das Schweißtuch dar. V. Wir beten Dich an sc. wie Seite 260. In's Schweißtuch, Jesus! drückst Du ein Dein blutig Angesicht, Das soll hinfort mein Spiegel sein, Worauf mein Aug' ich richt'; Damit ich öfters wohl betracht', Was ich für Schmerzen Dir gemacht; Da ich Dir die Gestalt So blutig hab' gemalt. Gebet. Mein liebreichster Jesus! ich bitte Dich, präge meiner Seele die beständige Erinnerung deiner bittersten Leiden ein, sowie Du in dem Schweißtuche, womit die mitleidige Veronika Dich abtrocknete, dein allerheiligstes Antlitz abgedrückt hast. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Erbarme Dich unser 2c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! zc. wie Seite 260. für die armen Seelen. DEBERNY 267 Siebente Station. Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuze. V. Wir beten Dich an 2c. wie Seite 260. Zum zweiten Male fällst auf die Erd', O schwacher Jesus mein! Wie groß muß doch nicht die Beschwerd' Der Sündenbürde sein! Daß sie so hart Dich drücken thut, Und ich mit frechem llebermuth Vermehr' noch allezeit Mein' Sünd' und Dir das Leid. Gebet. Meine wiederholten Fehltritte machten Dich neuerdings unter dem Kreuze zur Erde fallen, mein Jesus! O hilf mir doch, jene Mittel ergreifen, welche wirksam genug sind, daß ich nicht mehr in die Sünde zurückfalle. Vater unser 2. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2c. wie Seite 260. 268 Kreuzwegandacht EBERNY Achte Station. Jesus tröstet die Ihn beweinenden Frauen von Jerusalem. V. Wir beten Dich an 2c. wie Seite 260. Du heißest weinen über sich Die Töchter von Sion; Auch ich muß weinen über mich Gleich dem verlornen Sohn; Denn ich hab' oft durch Sünden Dich Verlassen, und gestürzet mich In größte Noth hinein; D'rum über mich ich wein'. Gebet. O mein Jesus! der Du die Töchter Jerusalems welche weinten, als ste Dich so gepeinigt sahen, getröstet haſt: tröste auch mich in deiner Barmherzigkeit, auf welche ich allein vertrauen, und der ich von nun an allzeit entsprechen will. Vater unser 2c. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser 2c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! c. wie Seite 260. für die armen Seelen. hig hittags 269 Neunte Station. Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuze. V. Wir beten Dich an sc. wie Seite 260. Zur Erde fällst zum dritten Mal Bei dem Kalvarienberg; Die Ursach' war zu diesem Fall' Ein Stein, der lag im Weg, An den gestoßen ist dein Fuß. Der Stein dort war mein Aergernuß, Das ich oft ausgeübt, Und mich jetzt tief betrübt! Gebet. Durch die Beinen, die Du, o mein Jesus! erlitten hast, als Du das dritte Mal unter der Last des Kreuzes niedergestürzt bist, bitte ich Dich demüthigst, Du wollest mir die Gnade verleihen, daß ich nie mehr in die Sünde zurückfalle. Ja, mein Jesus! lieber sterben, als neuerdings sündigen. Vater unser 2. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser! 2c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2c. wie Seite 260. 270 Kreuzwegandacht WI A JDEBERNY Zehnte Station. Jesus wird entkleidet und mit Galle und Essig getränkt. V. Wir beten Dich an 2c. wie Seite 260. Dein Jesus wird auf dieser Stell' Der Kleider ganz entblößt; Da, da betrachte doch, o Seel'! Wie schwer Er dich erlöst; Denn jetzt kannst sehen, welchen Spott Die Unkenschheit dem lieben Gott Hat dorten angethan; Da spiegle dich daran. Gebet. O mein Jesus! der Du deiner Kleider beraubt, und mit bitterer Galle und Essig getränkt wurdest: entledige mich von aller Neigung und Anhänglichkeit an das Irdische, und laß mich die Bitterkeit verkoſten, welche die Welt mit sich führt. Amen. Vater unser 2. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser zc. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2c. wie Seite 260. für die armen Seelen. DEBERNY 271 Eiffte Station. Jesus wird schmerzlich an das Kreuz genagelt. V. Wir beten Dich an xc. wie Seite 260. Die Gnaden sind sehr groß und viel, Die Du der Welt gethan! Dafür, o Jesus! sie Dich will An's Kreuz nun heften an. Das Kreuz muß sein das Federbett, Auf das die Welt Dich hingelegt; Für deine Liebe solchen Lohn, Ach! trägst Du nun davon. Gebet. Durch die schmerzliche Ausdehnung, welche Du, o mein Jesus! erlittest, als deine Hände und Füße mit starken, eisernen Nägeln fest an das Kreuz geheftet wurden: verleihe mir, daß auch ich mein Fleisch im Geiste der christlichen Abtödtung kreuzige. Vater unser 2. Ave Maria zc. Erbarme Dich unser 2c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2c. wie Seite 260. 272 Kreuzwegandacht 3wölfte Station. Jesus wird erhöht und stirbt am Kreuze. V. Wir beten Dich an 2c. wie Seite 260. Gekreuzigt ist nun meine Lieb' Ein Opfer für mein' Sünd'; An Ihm ich mich nun ganz vergnüg', Mein Trost ich bei Ihm find'. Ich wollt', daß Er mit süßem Schmerz Geheftet wär' an meinem Herz, Weil ich begehr' allein, In Ihn verliebt zu sein. Gebet. O mein Jesus, der Du mit dem Kreuze erhöhet, nach drei Stunden leidenvollster Todesangst für mich daran gestorben bist; verleihe, daß ich durch die Uebung heiliger Tugenden nach Dir mich ziehen lasse, allen Dingen dieser elenden Welt absterbe, und wenn ich länger lebe, nur darum lebe, um Dich zu lieben und Dir getreu zu dienen. Vater unser 2c. Ave Maria 2. C. Erbarme Dich unser zc. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2. wie Seite 260. für die armen Seelen. DEBERNY 273 Dreizehnte Station. Jesus wird von dem Kreuze abgenommen und in den Schooß seiner heiligen Mutter gelegt. V. Wir beten Dich an 2c. wie Seite 260. Wer ist wohl, der die Traurigkeit Maria's schildern kann, Als man bei später Vesperzeit Vom Kreuze Jesus nahm! Es schien, als wenn sie gänzlich wär' Versenket in ein Schmerzenmeer; Denn es war ihr Gemüth Bis in den Tod betrübt. Gebet. betrübteste Mutter Maria! Welches Schwert der Schmerzen durchdrang dein Herz, als dein lieber Sohn Jesus todt in deinem Schooße lag! Ich bitte dich, flöße mir eine wahre Neue über alle meine Sünden ein, welche die Ursache seines Todes und deiner Schmerzen sind, auf daß ich hinfort als wahrer Christ lebe und selig werde. Amen. Vater unser 2. Ave Maria 2. Erbarme Dich unser 2c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! xc. wie Seite 260. 18 274 Kreuzwegandacht Hote Vierzehnte Station and all chi 3011 Houby, stor Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab Taxon gelegt. bi di strid bil V. Wir beten Dich an 2c. wie Seite 260. Man trägt zum Grab nun deinen Gott, Ach, folg' Ihm nach, mein' Seel'! Denn Er ist's, der dich von dem Tod Befreit und von der Höll; D'rum folg' Ihm nach bis in das Grab, Verlaß die Welt, der Sünd' stirb ab, Flieh alle Eitelkeit, di Zum Grab mach' dich bereit. Gebet. Mein Jesus! ich will, ganz abgestorben der Welt, immerdar bei Dir bleiben, und wenn ich noch lebe, so will ich nur für Dich leben, um einst mit Dir im Himmel die Frucht deines schmerzlichen Leidens und Todes ewig zu genießen. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Erbarme Dich unser c. wie Seite 260. V. Gib ihnen, o Herr! 2c. wie Seite 260. für die armen Seelen. Aufopferung. O gütigster Jesus! ich sage Dir temüthigsten Dank für die große Barmherzigkeit, welche Du mir auf diesem Kreuzwege erwiesen hast. Ich opfere Dir denselben auf zur Verehrung deines bittern Leidens und Sterbens, zur Verzeihung aller meiner Sünden und Nachlafsung der verdienten Strafen, zu Hülf und Trost der armen Seelen im Fegfeuer, denen ich alle dabei durch deine Gnade gewonnenen reichlichen Ablässe der Kirche schenke. Endlich bitte ich Dich, o Jesus! Du wollest dein rosenfarbenes Blut, dein bitteres Leiden und Sterben an meiner Seele nicht lassen verloren gehen. Amen. So g rare TOT TUN Beschluß. Nun ist mein Seel' betrübet sehr; Da hab' ich wohl betracht, Was ich, o liebster Gott und Herr! Für Schmerzen Dir gemacht. Es dringt mir in die Seel' hinein: D'rum meine Bosheit ich bewein' Und fang von heute dann Nun fromm zu leben an. 275 Hier bete sechs Vater unser, sechs Ave Maria und den Glauben nach der Meinung der Kirche. 688114 X. Verschiedene Gebete für die armen Seelen. Zur heiligen Mutter Gottes. heilige Jungfrau Maria, schmerzhafte Mutter! Dein ganzes Leben war mit Trauer, Kummer und Bitterkeit angefüllt; aber durch deine geduldige Hingabe in Gottes heiligsten Willen gingst du auf deinem Leidenswege in die ewige Glorie des Himmels ein, wo du als Tochter des Himmlischen Vaters, als Mutter des göttlichen Sohnes, als die Braut des heiligen Geistes, und als Ausspenderin der göttlichen Gnaden und Königin des Himmels ge= krönt wurdest. Mit vollem Vertrauen flehe ich abermal, o hilfreiche Gottesmutter! du wollest dein mächtiges Fürwort für die armen Seelen im Fegfeuer verwenden und bei Gott bitten, daß sie recht bald mit dir vereint, die Freuden des Himmels und die Anschauung Gottes genießen, und daß meine Seele bei ihrem Hinscheiden aus dieser Welt durch deine mütterliche Fürbitte einen gnädigen Nichter finden möge an Jesus Christus, deinem Sohne, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Verschiedene Gebete für die armen Seelen. 277 Litanei zu der schmerzhaften Mutter Maria für die Abgestorbenen. Herr, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Christe, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Herr, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Gott heiliger Geist, erbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Heiligste Dreieinigkeit, ein einiger Gott, ecbarme Dich der Seelen im Fegfeuer! Heilige Maria, schmerzhafte Mutter, bitt für ste! Heilige Maria, durch deinen Schmerz, da du dein göttliches Kind in der größten Armuth im Stalle geboren hast,*) Heilige Maria, durch deinen Schmerz, da du die traurige Weissagung Simeons vernahmest, da er sagte, ein Schwert würde deine Seele durchbohren, Helige Maria, durch den Kummer deines Herzens, da du durch die Flucht nach Egypten dein göttliches Kind vor dem Mordschwert des Herodes sichern mußteſt, Heilige Maria, durch deinen Schmerz, da du dein verlornes göttliches Kind drei Tage lang in der schrecklichen Angst suchtest, bis du Es zu Jerusalem wieder fandest, Heilige Maria, durch den tiefen Schmerz deiner Seele, da Jesus beim Anfange seines Leidens Abschied von dir genommen hat, Heilige Maria, durch die große Angst deines *) Bitt für sie! Verschiedene Gebete Herzens bei der schrecklichen Nachricht, daß Jesus gefangen und zum Tode verurtheilt sei, bitt für ste! 278 Heilige Maria, durch den tiefen Schmerz, den du empfandest, da Jesus mit der Kreuzeslast beladen dir begegnete,*) Heilige Maria, durch die Seelenangst, die dich überfiel, da Jesus an das Kreuz genagelt ward, wobei jeder Hammerstreich dein Herz verwundete, Heilige Maria, durch die Wehmuth deines liebenden Mutterherzens, da Jesus sterbend am Kreuze dich dem heiligen Johannes empfahl, Heilige Maria, durch deine schreckliche Herzensangst, als Jesus sterbend am Kreuze rief: „ Es ist vollbracht!" wobei Er sein heiliges Haupt neigte und verschied, Heilige Maria, durch den bittern Schmerz, den du empfandest, da du die Seite des entseelten Leibes Jesu mit der Lanze durchstechen sahst, Heilige Maria, durch deine große Betrübniß, da man den Leib Jesu vom Kreuze herabnahm und in deinen Schooß legte, Heilige Maria, durch deine Thränen und tiefe Trauer, da man Jesus, deinen geliebten Sohn, zu Grabe trug, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone die armen Seelen im Fegfeuer! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre das *) Bitt für sie! für die armen Seelen. 279 Weinen und Klagen der armen Seelen im Fegfeuer! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer und erlöse sie! Vater unser 2c. Gegrüßt seiſt 2c. Gebet. O Jesus, mein gekreuzigter Erlöser! bei dessen Leiden und Sterben die zarteste Seele deiner jungfräulichen Mutter nach Simeons Weissagung vom Schwerte des Schmerzes durchstochen wurde: verleihe uns armen Sündern, die wir ihren tiefen Schmerz und ihre große Betrübniß mit Andacht verehren, daß wir durch ihre Fürbitte von allen Gefahren des Leibes und der Seele befreit bleiben. Ferner bitten wir, o Gott! durch die Schmerzen, Leiden und Trauer, welche die seligste Gottesmutter unter dem Kreuze ihres göttlichen Sohnes geduldig erlitten hat: Du wollest durch ihre Verdienste und mütterliche Fürbitte Dich der bedrängten Seelen im Fegfeuer gnädigst erbarmen, ihnen ihre noch übrige Strafe nachlassen und sie in den Himmel aufnehmen, wo sie dann die unaussprechliche Glückseligkeit genießen, mit Maria der jungfräulichen Mutter und allen Heiligen Dich unsern Gott zu lieben, loben und anzubeten in Jesus Christus, unserm Herrn, in alle Ewigkeit. Amen. Verschiedene Gebete Andächtige Verehrung der heiligen fünf Wunden unsers Erlösers zum Troste der Abgestorbenen. Vorbereitungsgebet. 280 Jesus Christus, für uns am Kreuze gestorben, ich bitte kniefällig um Verzeihung aller meiner Sünden, ich bereue meine Fehler, gelobe Besserung meines Lebens und Alles zu meiden, wodurch ich Dich beleidigen könnte. Zu deinen heiligen Wunden, o gekreuzigter Erlöser! nehme ich meine Zuflucht und bitte, stärke mich in meinem guten Vorsaße, und laß mich der Verdienste deines Leidens theilhaftig werden. Mit diesem ernsten Vorsaße in meinem Herzen wage ich es, nun auch mein Gebet für die Seelen der Abgestorbenen zu verrichten, und durch deine heiligen fünf Wunden und dein vergossenes heiliges Blut um Erlösung der Seelen im Fegfeuer zu bitten. 1. Jesus Christus! für uns am Kreuze gestorben, durch die heilige Wunde deiner rechten Hand, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! O mein Erlöser, mein Gott und Heiland! auf meinen Knieen bete ich Dich an, und küsse im Geiste die heilige Wunde deiner rechten Hand. Durch diese gebenedeite Wunde bitte ich um Verzeihung aller meiner Sünden. Zugleich bitte ich durch den Schmerz, den Du, o mein Je für die armen Seelent. 281 sus! bei der Annagelung an das Kreuz durch diese heilige Wunde gelitten hast, und durch das heilige Blut, welches aus derselben geflossen ist, Du wollest Dich der armen Seelen im Fegfeuer, besonders der Seelen N. N. erbarmen, ihnen ihre Schuld nachlassen und sie in die ewige Seligkeit aufnehmen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist zc. 2. Jesus Christus! für uns am Kreuze gestorben, durch die heilige Wunde deiner linken Hand, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! O mein Jesus! ich erhebe meine Augen zu deinem Kreuze, und bete Dich, meinen Erlöser, in Demuth an. Ich küsse im Geiste die Wunde deiner linken Hand und bitte durch den Schmerz, den Du bei der Annagelung an's Kreuz durch diese heilige Wunde gelitten hast, und durch das heilige Blut, welches aus derselben geflossen ist, Du wollest die leidenden Seelen aus dem Fegfeuer, besonders die Seelen N. N., erlösen und ihnen die ewige Ruhe verleihen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist ze.. 3. Jesus Christus, für uns am Kreuze gestorben! durch die heilige Wunde deines rechten Fußes, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! O mein Jesus, ewiger Sohn Gottes! ich 282 Verschiedene Gebete bete Dich in deinem Leiden am Kreuze ehrerbietigst an, und küsse im Geiste die heilige Wunde deines rechten Fußes. Ich bitte Dich durch die großen Schmerzen, welche Du bei der Annagelung an's Kreuz durch diese heilige Wunde gelitten hast, und durch das heilige Blut, welches aus derselben geflossen ist, reinige die Seelen im Fegfeuer, besonders die Seelen N. N. von ihren noch übrigen Sündenmakeln, und erfreue sie durch die baldige Anschauung deines göttlichen Angesichtes. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 4. Jesus Christus, für uns am Kreuze gestorben! durch die heilige Wunde des linken Fußes, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! O mein Jesus! der Du an Händen und Füßen durchnagelt, auf die schrecklichste Weiſe für uns Sünder am Kreuze gestorben bist: ich küsse im Geiste die heilige Wunde deines linken Fußes und bitte durch den Schmerz, den Du bei der Annagelung an's Kreuz durch diese heilige Wunde gelitten hast, und durch das heilige Blut, welches aus derselben geflossen ist, Du wollest die Seelen im Fegfeuer, besonders die Seelen N. N. erlösen und ste zu Dir in den Himmel aufnehmen. Vater unser 2. Gegrüßt seist 2c. 5. Jesus Christus! für uns am Kreuze ge für die armen Seelen. 283 storben, durch die heilige Wunde deiner Seite, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! Gütigster Jesus, Du unser Mittler bei Gott! es war deiner Liebe nicht genug, für uns Sünder am Kreuze auf die schmerzlichste Weise zu sterben, sondern Du wolltest auch noch nach deinem Tode mit einem Speere durchstochen werden und deinen letzten Tropfen Blut für uns hingeben. Oliebster Jesus! durch deinen Tod, durch dein Blut und durch deine heiligen fünf Wunden bitte ich um Erlösung der armen Seelen aus dem Fegfeuer, besonders der Seelen N. N. Laß diese bedrängten Seelen durch deine heilige Seitenwunde zu Dir in die ewige Seligkeit eingehen, wo sie dann für mich bitten, daß auch ich einstens zur ewigen Seligkeit gelange, wo wir vereint Dich, den Vater und den heiligen Geist lieben, loben und anbeten werden in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2. Gegrüßt seist 2c. Herr! gib den Seelen der abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe. Amen. Vier Gebete für die Abgestorbenen, welche die heis lige Gertrud verfaßt hat. Als einst die heilige Gertrud diese Gebete mit dem Psalter beten wollte und zum Herrn sagte:„ Wie wohlgefällig ist Dir die Andacht derjenigen, welche diesen Psalter beten?" antwortete Er: Gewiß so wohlgefällig, als wenn 284 Verschiedene Gebete sie mich selbst so vielmal aus der Gefangenschaft erlöst und befreit hätten, als eine Seele durch ihre Gebete erlöst wird. Und ohne Zweifel will Jch ihnen dieses nach der Allmacht meiner freigebigsten Güte zur rechten Zeit vergelten." ( 5. B. K. 21.) Also bete doch, wenn du auch den Psalter nicht beten kannst, diese vier sehr kräftigen Gebete, und am Ende eines jeden Gebetes sage: Gegrüßt seist Du, Jesus Christus, Glanz des Vaters, Fürst des Friedens, Pforte des Himmels, lebendiges Brod, von der Jungfrau Geborner, Gefäß der Gottheit! V. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, R. Und das ewige Licht leuchte ihnen! Oder bete den Psalm: De profundis.**-* Erstes Gebet. Ich bete Dich an, grüße und preise Dich, o süßester Herr Jesus Christus! und sage Dir im Namen der ganzen Welt Dank für die Liebe, womit Du unsertwegen hast Mensch werden, geboren werden, dreiunddreißig Jahre lang Hunger, Kälte, Arbeiten und Schmerzen leiden, und Dich selbst uns im heiligsten Sakramente hinterlassen wollen, und bitte Dich, daß Du dieses mein Gebet, welches ich Dir für jenen verstorbenen N.( oder jene, oder alle Verstorbenen) aufopfere, mit den Verdiensten deines heiligsten Lebens und Wandels vereinigen und verbinden, und aus dem Ueberflusse desselben ergänzen und vollkommen wieder Herstellen wollest, was er immer vernach 285 für die armen Seelen. läſsigt hat( sie vernachlässigt haben) in deinem Lobe und in der Liebe zu Dir, in der Danksagung, in den Gebeten, Tugenden und übrigen guten Werken und Dir schuldigen Dienstleistungen, die er( ste) vermittelst deiner Gnade hätte thun können und nicht gethan, oder nur unrein und unvollkommen gethan hat( oder gethan haben.) Amen. Zweites Gebet. Ich bete Dich an, grüße und preise Dich, o süßester Herr Jesus Christus! und sage Dir Dank für die Liebe, womit Du, o Schöpfer aller Dinge! um uns zu erlösen, Dich von den Menschen hast wollen gefangen nehmen, binden, schleppen, mit Füßen treten, schlagen, anspeien, geißeln, mit Dornen krönen und zum Tode verurtheilen lassen, womit Du ferner noch das Kreuz tragen, entblößt werden, gekreuziget werden, den bittersten Tod sterben und mit einer Lanze durchstochen werden wollen. Und in der Vereinigung mit dieser Liebe opfere ich Dir diese meine unwürdigen Gebete auf, und bitte Dich inständigst um des Verdienstes deines heiligsten Leidens und Todes willen, daß Du austilgen und vollkommen von ihr( oder von ihnen) hinwegnehmen wollest, was immer die Seele( oder die Seelen), für welche ich bitte, jemals gegen deinen Wil 286 Verschiedene Gebete len gesündiget hat( oder haben) durch böse Gedanken, Worte und Werke, und daß Du Gott dem Vater alle die Peinen und Schmerzen deines verwundeten Leibes und deiner schmerzhaften Seele mit allen deinen Verdiensten und Uebungen aufopferst für alle die Pein, die sie noch, um deiner Gerechtigkeit genug zu thun, leiden muß( oder leiden müssen). Amen. nel's Drittes Gebet.net Ich bete Dich an, grüße und preise Dich, v süßester Herr Jesus Christus! und danke Dir für die Liebe und das Vertrauen, wodurch Du unser Fleisch, als Du nach der Ueberwindung des Todes auferstandest, verherrlicht, und, da Du in den Himmel fuhrest, zur Rechten Gottes gesetzt hast; und bitte Dich inständig, daß Du die Seele( oder die Seelen), für welche ich bitte, deines Steges und deiner Herrlichkeit theilhaftig machen wollest. Amen. basled Viertes Gebet. p Ich bete Dich an, grüße und preise Dich, o süßester Herr Jesus Christus, und sage Dir Dank für alle Wohlthaten, welche Du deiner glorreichen Mutter und allen deinen Außerwählten jemals erwiesen hast; in Vereinigung jener Dankbarkeit, womit alle Heiligen Dir dafür danken, daß sie durch deine Menschwer für die armen Seelen. dung, Leiden und Auferstehung selig geworden sind; und bitte Dich inständig, daß Du aus den Verdiensten und Gebeten derselben glorreichen Jungfrau und der Heiligen dieser Seele ( diesen Seelen) ersetzen wollest, was ihr( ihnen) an ihren eigenen Verdiensten abgeht. A. 287 Kurzes und kräftiges Gebet für die Verstorbenen im Allgemeinen. Erbarme Dich, o gütigster Jeſus! der armen Seelen im Fegfeuer, für deren Erlösung Du die menschliche Natur angenommen und den bittersten Tod erlitten hast! Erbarme Dich der Seufzer, erbarme Dich der Thränen, die ste zu Dir vergießen, und verzeihe ihnen durch die Kraft deines Leidens die Strafen, die ste für ihre Sünden verdient haben. Dein heiliges Blut, o gütigster Jesu! fließe in das Fegfeuer hinab, und erquicke und erfreue alle dort Gefangenen und Leidenden! Reiche ihnen deine Hand, und führe sie in den Ort der Erquickung, des Lichtes und des ewigen Friedens. Amen. Gebet für die verstorbenen Eltern, Geschwister, Freunde und Wohlthäter. Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes! erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer, die nach Dir, dem lebendigen Brun 288 Verschiedene Gebete nenquell, inniglich seufzen. Sich an das Antlit deines Sohnes Jesus Christus, und erlöse um der Verdienste seines schmerzlichen Leidens willen die Seelen meiner Eltern, Brüder, Schwestern, Freunde, und geistlichen und leiblichen Wohlthäter aus ihren Beinen. Erinnere Dich, o gütiger Vater! daß diese Seelen deine lieben Kinder sind. Ach! laß deine Gerechtigkeit sich begnügen mit den so großen Schmerzen, die ste bis jetzt erlitten haben. Deine unergründliche Barmherzigkeit erlasse ihnen die noch übrige Schuld, damit sie eher erlöst, Dich mit den andern Auserwählten im Himmel ewig lieben und loben mögen. O gütiger Jesus! kürze ihnen durch die theuren Verdienste deines heiligsten Leidens ihre großen Schmerzen ab; und weil sie ihre Schuld selbst nicht zu bezahlen vermögen, so bezahle Du ste mit dem Werthe deines kostbaren Blutes, damit sie, so durch Dich aus ihren Peinen erlöst, selig frohlocken mögen. Amen. Gebet zu den Engeln und Heiligen. Heilige Engel Gottes! die ihr ohne Unterlaß Gott lobet und zugleich für unser Heil wachet, sehet, wie die armen Seelen in den Beinen zu euch seufzen und wie sie eure Hülfe anrufen; bittet also bei dem Allerhöchsten, daß Er ihre Leiden abkürze und sie in eure Gemeinschaft für die armen Seelen. 289 aufnehme. Alle Heiligen bittet für dieſe äußerst verlassenen Seelen, welche in ihrer harten Gefangenschaft mit so inbrünstiger Begierde nach der Freiheit der Kinder Gottes trachten. Heilige Patriarchen und Propheten, heilige Apostel, heilige Martyrer, heilige Bekenner, Heilige Jungfrauen, alle Heiligen! nehmet euch ihrer mit vereinigten Bitten an und opfert für ste auf eure inbrünstigen Begierden, euren Glauben und Eifer für die Ehre Gottes und für das Heil der Seelen, eure Standhaftigfeit in Ertragung der Beschwernisse, eure Freude in Kreuz und Leiden, euer für Christus vergossenes Blut, eure Sanftmuth und Geduld, euer Beten und Wachen, eure Bußwerke und Fasten, eure Unschuld und Reinigkeit, eure Demuth und Liebe und enter in Gott verborgenes Leben, damit sich der barmherzige Vater ihrer erbarme, ihnen die Strafen nachlasse und ste zu euch in sein Reich aufnehme, wo ste Ihn mit euch ewig loben werden. Amen. Gebet, wodurch unsere Werke aufgeopfert und den armen Seelen geschenkt werden. Ich lobe, bete an und begrüße Dich, o allerheiligste, untheilbare Dreieinigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, und erkenne Dich an für meinen wahren Gott! Ich glaube beständig an Dich, ich hoffe fest auf Dich und 19 Trost der armen Seelen. f. D. 290 Verschiedene Gebete liebe Dich von Grund meines Herzens. Ich danke Dir für alle von Dir emfangenen Gnaden und Wohlthaten und empfehle an diesem Tage und zu allen Stunden meine Seele und meinen Leib, Ehre und Gut, in deinen göttlichen Schuß. Ich opfere deiner göttlichen Majestät auf all mein Thun und Lassen, alle meine Gedanken, Worte und Werke, Schritte und Tritte, mein Kreuz und Leiden, meine Ablässe und andere Andachten sammt meinem ganzen Leben und meinem Tode. Ich will, daß Alles, was ich thue, mit den äußerlichen und innerlichen unaussprechlich heiligen Uebungen Jesu, Mariä, Jo= sephs und aller Heiligen im Himmel vereinigt werde; was ich aber dadurch genugthue und durch die unendliche Barmherzigkeit Gottes hier zeitlich und dort ewig dafür zu erwarten hätte, überlasse ich Alles nach dem göttlichen Willen und aus christlicher Nächstenliebe allen christgläubigen Seelen zu ihrem Troste und ihrer Erlösung, vorzüglich denen meiner Eltern und Voreltern, Geschwister, Verwandten, Wohlthäter, Freunde und Bekannten, deren ich mich zu erinnern schuldig bin, wie auch den Seelen die schon am schmerzlichsten und längsten gepeiniget worden sind, den Seelen meiner verstorbenen Brüder und Schwestern derjenigen Bruderschaften, denen ich auch ein für die armen Seelen. 291 verleibt und vielleicht Ursache bin, daß sie leiden müssen; zuvörderst aber den Seelen, an denen Gott und die Himmelskönigin Maria ein besonderes Wohlgefallen haben, ihnen ihre Leiden zu lindern oder sie gar zu erlösen. Indessen will ich, o liebster Jesus! getrost hoffen, daß sie diese von mir erlösten und vor das Angesicht Gottes gelangten Seelen mir dankbar erzeigen und die göttliche Majestät unaufhörlich bitten werden für mich armes, sündiges Geschöpf, wie auch für alle meine Bekannte und Verwandte, Freunde und Feinde, deßgleichen für das Heil aller Sterbenden und für die Bekehrung aller verstockten Sünder, und daß sie mir nebstdem in diesem gefährlichen Leben jederzeit den himmlischen Segen für all mein Thun und Lassen erflehen, besonders aber in meiner letzten Sterbstunde mit der Himmelskönigin Maria und allen Heiligen und Auserwählten, die ich andächtig und inständigst dafür anrufe, treu beistehen werden, auf daß ich mich mit wahrer vollkommener Neue recht zum Tode vorbereite, und nach dem Empfange aller heiligen Sakramente mit Mund und Herz sprechend: Jesus, Maria und Joseph, aus dieser Welt scheide und endlich durch die Verdienste Jesu Christi zu den himmlischen Freuden gelange. Amen. 292 Verschiedene Gebeie Aufopferung eines einzelnen guten Werkes für die armen Seelen. mein Jesus! ich will dieses Werk N. thun ( oder dieses will ich unterlassen) zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer; nimm es gnädig an, vereinige es mit deinem Leiden und gib ihnen die ewige Ruhe. Amen. Gebet zu Jesus und Maria um ein seliges Ende und von den Leiden des Fegfeuers befreit zu bleiben. O gütigster Jesus, liebevollster Erlöser! durch deine vielen u. großen Leiden, besonders durch deine Todesangst im Delgarten und jene drei qualvollen Stunden, die Du am Kreuze gehangen, bitte ich mit kindlichem Vertrauen, Du wollest, wenn einstens meine Todesstunde herannahet, Dich meiner erbarmen und mich in meiner Todesangst nicht verlassen. Gedenke, daß Du meine Seele mit deinem Blute theuer erkauft hast, und halte mich durch die Verdienſte deines bittern Leidens und den Werth deines kostbaren Blutes von aller Seelenangst befreit. Nimm meine Seele, wenn sie vom Leibe scheidet, in deinen Schuß, damit ich durch deine Gnade, ohne die Leiden des Fegfeuers erdulden zu müssen, zu Dir in das himmlische Pa= radies aufgenommen werde. Auch du, o gebenedeite Mutter meines Erlösers, seligste Jungfrau! sei gegrüßt, geehrt für die armen Seelen. 293 und gepriesen für alle Leiden, die dein liebendes Mutterherz empfunden, da du unter dem Kreuze standest und deinen geliebten Sohn in den größten Schmerzen sterben sahest. O kiebste Mutter! ich bitte mit kindlicher Zuversicht, du wollest mir in meiner Todesstunde beistehen, damit ich nicht ohne reumüthige Beicht und würdigen Empfang des heiligsten Leibes und Blutes unsers Herrn Jesus Christus aus diesem Leben scheide. Komm mir alsdann zu Hülfe, o schmerzhafte Mutter! Und wenn ich die Augen nicht mehr zu dir aufheben und meine Zunge deinen Namen nicht mehr aussprechen kann, dann komm und reiche mir deine mütterliche Hand, führe meine Seele zu deinem Sohne, bitte Ihn, daß Er mich gnädig richten und ohne die Leiden des Fegfeuers ausstehen zu müssen, in die ewige Seligkeit aufnehmen wolle, wo ich mit dir, o göttliche Mutter! und allen Auserwählten Ihn anbeten, lieben und loben werde in alle Ewigkeit. O Jesus, Maria und Joseph! Euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Jesus, Maria und Joseph! stehet mir bei und stärket mich in meinen Todesängsten. Jesus, Maria und Joseph! führet einstens meine Seele in die ewigen Freuden ein. Amen. XI. Ablassgebete für die armen Seelen. ( Alle für die Abgestorbenen zu gewinnen.) Alle, welche den englischen Gruß zu Morgen, zu Mittag und zu Nacht, wenn für sie geläutet wird, knieend beten, gewinnen jedesmal hundert Tage Ablaß und wenn sie es täglich thun, können sie nach der Hl. Communion monatlich einen vollkommenen Ablaß gewinnen. Alle jene, welche nach der Abendbetglocke den Psalm:„ Aus der Tiefe" mit dem Vers: Gib ihnen, o Herr! die ewige Ruhe" u. s. w. oder wenn sie diesen Psalm nicht beten können, ein Vater unser und Ave Maria und das:„ Gib ihnen, o Herr! ut. s. w. für die Abgestorbenen beten, erlangen jedesmal hundert Tage Ablaß, und wenn sie es täglich thun, einmal des Jahres einen vollkommenen Ablaß. Der Psalm: ,, Aus der Tiefe" Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr! erhöre meine Stimme. Laß deine Ohren Acht haben auf die Stimme meines Flehens. Wenn Du, o Herr! auf die Missethaten Acht haben wolltest, wer könnte, o Herr! bestehen! Aber bei Dir ist Versöhnung, und um delnes Gesetzes willen harre ich auf Dich, o Herr! Meine Seele verläßt sich auf sein Wort; meine Seele hofft auf den Herrn. Von der Morgenwache bis in die Nacht, hoffe Israel auf den Herrn. Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit, und bei Ihm ist überreiche Erlösung. Ablaßgebete für die armen Seelen.* 295 Und Er selbst wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. y. Gib ihnen, o Herr! die ewige Ruhe, R. Und das ewige Licht leuchte ihnen. Man fügt diesem Psalm gewöhnlich Folgendes bei: R. Herr! erhöre mein Gebet: R. Und laß mein Rufen zu Dir dringen. Gebet: Gott, Du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller ihrer Sünden, damit sie die gnädige Nachlafsung, welche sie jederzeit gewünscht, durch die gottselige Fürbitte erlangen. Der Du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. Diejenigen, welche für die Abgestorbenen fünf Vater unser und fünf Ave Maria mit den nachstehenden Gebetversen beten, erlangen jedesmal dreihundert Tage Ablaß, und wenn sie es täglich thun, einmal im Monat nach der heiligen Communion einen vollkommenen Ablaß. miner Wir bitten Dich, o Herr! komm' deinen Dienern zu Hülfe, die Du mit deinem kostkaren Blute erlöset hast. • V. Gib ihnen, o Herr, die ewige Ruhe: R. Und das ewige Licht leuchte ihnen. V. Laß sie ruhen im Frieden. R. Amen. Jene, welche folgende Gebete auf jeden Tag der Woche für die Abgestorbenen beten, und das Bater unser, das Ave Maria und den Psalm: Aus der Tiefe" beifügen, erhalten jedesmal hundert Tage Ablaß. Ablaßgebete Gebet für den Sonntag. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus im Delgarten vergossen hat: erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber die verlassensten von allen, und führe sie in deine Herrlichkeit ein, wo sie Dich loben und preisen können in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2. Aus der Tiefe 2c. Gebet für den Montag. 296 Herr, allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus in seiner harten Geißlung vergossen hat: erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, besonders aber jene, welche die nächste zum Eingange in die ewige Herrlichkeit ist, damit sie sogleich beginne, dein Lob anzuſtimmen und Dich zu preisen in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Gebet für den Dienstag. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus bei seiner grausamen Krönung mit Dornen vergossen hat: erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insbesonders aber jene, welche sonst die legte dieser großen Pein entkommen würde, damit sie nicht länger säumen müsse, für die armen Seclen. 297 Dich in deiner Herrlichkeit zu loben und ewig zu benedeien. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Gebet für den Mittwoch. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus bei seiner Kreuztragung in den Gassen von Jerusalem vergossen hat: erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insbesonders aber jene, die vor Dir die reichste an Verdiensten ist, damit sie auf der hohen Stufe der Herrlichkeit, die sie erwartet, Dich laut preisen und ewig loben möge. Amen. Bater unser 2c. Ave Maria zc. Aus der Tiefe zc. Gebet für den Donnerstag. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch den kostbaren Leib und das kostbare Blut deines göttlichen Sohnes Jesu, womit Er am Vorabende seines Leidens sich selbst seinen geliebten Aposteln zur Speise und zum Tranke darbot, und dieß als ein reines, ewiges Opfer und als eine lebendigmachende Nahrung der Gläubigen, der ganzen Kirche hinterlaſſen hat: erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, besonders aber jene, welche die meiste Andacht zu diesem Geheimniß der ewigen Liebe trug, damit sie Dich mit deinem göttlichen Sohne 298 Ablaßgebete und dem heiligen Geiste in deiner Herrlichkeit ewig dafür loben und preisen möge. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2. Aus der Tiefe zc. Gebet für den Freitag. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus an diesem Tage am Stamme des Kreuzes aus den Wunden seiner heiligsten Hände und Füße vergossen hat: erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insbesonders aber jene, für welche ich am meisten verpflichtet bin zu beten, damit sie nicht aus meiner Schuld aufgehalten sei, bald von Dir in den Himmel aufgenommen zu werden, um Dich in deiner Herrlichkeit ewig zu loben und zu preiſen. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Gebet für den Samstag. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches aus der Seite deines göttlichen Sohnes Jesus, in Gegenwart und zum größten Schmerze seiner heiligsten Mutter geflossen: erlöse die leidenden Seelen aus dem Fegfeuer, insbesondere aber jene, welche unter allen die größte Liebe und Andacht zur schmerzhaften Mutter gehabt hat, damit ste bald zur Herrlichkeit gelange, um Dich in ihr und sie in Dir zu loben, und zu preisen in alle Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. 299 für die armen Seelen. Ablässe von den göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Jene, welche diese Tugenden täglich einen Monat hindurch erwecken und andächtig sprechen, gewinnen nach verrichteter Beicht und Communion und dem Gebete für die Anliegen der Kirche einen vollkommenen Ablaß. So auch in der Sterbstunde. Für jedes einzelne Mal aber sieben Jahre und sieben Quadragenen oder 280 Tage. Glaube. Allmächtiger, ewiger Gott! ich glaube an Dich, daß Du einfach in der Wesenheit, dreifach in den Personen, Vater, Sohn und heiliger Geist, ein übernatürlicher Belohner des Guten und Bestrafer des Bösen seiest; daß Jesus Christus für mich gestorben und in dem heiligsten Altarssakramente wahrhaft gegenwärtig sei; ich glaube auch alles Uebrige, was die heilige katholische Kirche zu glauben vorhält; weil Du, der unendlich weise und wahrhafte Gott, dieses selbst geoffenbaret hast. Hoffnung. Gütigster Gott! ich hoffe von Dir durch die Verdienste Jesu Christi meines Erlösers und durch meine Mitwirkung alles Gute, die Verzeihung aller meiner Sünden, deine Gnade und das ewige Leben, weil Du, o unendlich gütiger, getreuer und mächtiger Gott! dieses selbst versprochen hast. Ablaßgebete Liebe. Liebenswürdigster Gott! ich liebe Dich aus ganzem Herzen über alle erschaffenen Dinge, nicht nur darum, weil Du mich zuvor geliebet und mit unzählbaren Gutthaten überhäufet hast, sondern vornämlich dessentwegen, weil Du das höchste Gut und wegen Dir selbst aller Liebe unendlich würdig bist. Aus Liebe zu Dir liebe ich auch meinen Nächsten, sowohl Feinde als Freunde, wie mich selbst und Dich in ihnen. Amen. 300 Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. Jene, welche dieses Gebet nach verrichteter Beicht und Communion und dem Ablaßgebet für die Anliegen der Kirche beten, gewinnen einen vollkommenen Ablaß. Gebet. Sieh, o gütigster und liebreichster Jesus! vor deinem Angesichte liege ich auf den Knieen und bitte Dich aus dem innersten Grunde meiner Seele, Du wollest mir lebendig in das Herz einprägen die Gesinnungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, der wahren Neue über alle meine Sünden und des festen Vorsages, Dich nie mehr zu beleidigen; indem ich mit ungetheilter Liebe, mit innigstem Mitleiden deine heiligen fünf Wunden betrachte und im Geiste erwäge, was der heilige Prophet David von Dir, o mein Jesus! gesprochen hat:„ Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, ste zählten alle meine Gebeine."( Pſ. 21, 17, 18.) für die armen Seelen. Ablaßgebet für die Anliegen der heiligen Kirche. Wir bitten Dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Bitten und stehe uns bei in allen unsern Anliegen; verschone uns wegen unsern Sünden, wende von deiner heiligen Kirche alles Uebel ab; verleihe uns in unsern Tagen den wahren Frieden, die Einigkeit unter den christlichen Fürsten, und den Sieg über die Ungläubigen: erhöre deine heilige, allein seligmachende Kirche, mache allen Irrthum und alle Ketzerei zu Schanden; ertheile dem sichtbaren Oberhaupte deiner Kirche eine lang= währende und glückliche Regierung und nach diesem zeitlichen Leben die himmlische Freude und Seligkeit, den Abgestorbenen aber die ewige Ruhe: durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 301 Ergebung in den heiligsten Willen Gottes. Jene, welche folgendes Gebet andächtig sprechen, ge= winnen hundert Tage Ablaß jeden Tag, und jährlich nach verrichteter Beicht und Communion und dem Ablaßgebet einen vollkommenen Ablaß, so auch in der Todesstunde, wenn sie dannzumal den Tod mit Ergebung aus der Hand Gottes annehmen. Gebet. Es geschehe, werde gelobt und in alle Ewigkeit erhoben, der gerechteſte, höchste und liebenswürdigste Wille Gottes in allen Dingen! Amen. Ablaßgebete für die armen Seelen. Lobspruch zur Verehrung der unbefleckten Empfängniß Mariä. 302 Jene, welche folgenden Lobspruch andächtig aussprechen, gewinnen jedesmal hundert Tage Ablaß. Gebenedeit sei die heiligste und unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria! Die Anrufung des heiligen Schutzengels. Jene, welche diese Anrufung andächtig verrichten, habe jedesmal hundert Tage Ablaß, und wenn sie es täglich thun, nach der Beicht und der heiligen Communion und dem Ablaßgebet einen vollkommenen. Anrufung. Engel Gottes, der Du mein Beschüßer bist, dem des Höchsten Vaterliebe mich empfohlen hat, erleuchte, beschüße, regiere und lette mich! Amen. Anmerkung. Alle diese Ablässe sind aus dem schon bezeichneten, von Rom gutgeheißenen Werke: die himmlische Schapkammer" gezogen. Gut ist's, sagt dieses Buch in der Einleitung, wenn man täglich am Morgen die Meinung erneuert, sich aller Ablässe für sich und für die armen Seelen, so viel man durch Gebete und gute Werke gewinnen kann, theilhaft zu machen. —ocas XII. Neuntägige Andacht zum Troste den armen Seelen im Fegfeuer. ( Vom heiligen Liguori.) Empfehlen wir Jesu Christo und seiner heiligen Mutter alle Seelen im Fegfeuer, und besonders jene unserer Verwandten, Wohlthäter, Freunde und Feinde, vorzüglich alle diejenigen, für die wir zu beten schuldig sind, und opfern wir Gott folgende Betrachtungen und Gebete für sie auf, indem wir uns die großen Leiden zu Gemüthe führen, die jene Bräute Jesu Christi erdülden. Neuntägige Andacht für die armen Seelen. Erster Tag. Vielfältig sind die Beinen, welche jene gebenedeiten Seelen leiden müssen, aber die größte aus allen ist der Gedanke, daß ihre im Leben begangenen Sünden die Ursache ihrer gegenwärtigen Leiden sind. O Jesus, mein Heiland! Ich habe so vielmal die Hölle verdient; wie groß wäre jetzt mein Schmerz, wenn ich verdammt worden wäre und denken müßte, daß ich selbst an meiner Verdammniß Schuld sei! Ich danke Dir für die Geduld, die Du mit mir getragen hast. Mein Gott! Ich liebe Dich über Alles, und es reut mich von ganzem Herzen, Dich beleidiget zu haben, weil Du die unendliche Güte bist. Ich will lieber sterben, als Dich je wieder beleidigen. Gib mir die Gnade der heiligen Beharrlichkeit, habe Mitleiden mit mir, zugleich aber auch Erbarmen mit jenen gebenedeiten Seelen, die im Fegfeuer leiden. Mutter Gottes, Maria! Komme ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe! 303 Ein Vater unser und Ave Maria und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute Dieser hart gequälten Töchter Dich! Laß die Theuren Dir zur Seite Deiner Tröstung ewig freuen sich. 304 Neuntägige Andacht Zweiter Tag. Der zweite Schmerz, der jene gebenedeiten Seelen sehr peinigt, ist die im Leben verlorne Zeit, in der sie sich mehr Verdienste für den Himmel hätten sammeln können, und der Gedanke, daß sie diesen Verlust nicht mehr erseßen können, weil die Zeit des Lebens und der Verdienste vorüber ist. Ach, ich Armseliger, o Herr! der ich schon so viele Jahre auf dieser Erde lebe und mir keine andere Verdienste, als nur für die Hölle erworben habe; ich danke Dir, daß Du mir jeßt noch Zeit gönnest, meine Sünden gut zu machen. O mein guter Gott! ich bereue es, daß ich Dich beleidiget habe. Gib mir deinen Beistand, damit ich das mir noch übrige Leben nur dazu anwende, Dir zu dienen und Dich zu lieben; habe Mitleiden mit mir, zugleich aber erbarme Dich auch jener heiligen Seelen, die im Fegfeuer leiden! O Mutter Gottes, Maria! Komm ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute 2. wie Seite 303. Dritter Tag. Line andere große Bein, welche dieſe heiligen Seelen leiden, besteht in dem gräßlichen Anblicke für die armen Seelen. 305 ihrer Sündenschuld, die ste nun abbüßen. In dem gegenwärtigen Leben erkennt man die Abscheulichkeit der Sünde nicht, wohl aber in dem andern; und eben dieß ist eine der größten Beinen, welche die Seelen im Fegfeuer leiden. O mein Gott! Weil Du die unendliche Güte bist, liebe ich Dich über Alles und bereue es von ganzem Herzen, daß ich Dich beleidiget habe. Ich will eher sterben, als Dich je wieder beleidigen. Verleihe mir die Gnade der heiligen Beharrlichkeit im Guten! Habe Mitleiden mit mir, zugleich aber auch Erbarmen mit jenen heiligen Seelen, die im Fegfeuer leiden. Und du, o Mutter Gottes, Maria, komm ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe. Vater unser 2. Ave Maria xc. und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute 2c. wie Seite 303. Vierter Tag. Der Schmerz, der jene heiligen Seelen besonders quält, besteht darin, daß sie einsehen, jenen Gott, den sie so sehr lieben, während ihres Lebens durch ihre Sünden betrübt zu haben. Ja, manche Büßer dieser Erde starben vor Schmerz bei dem Gedanken, daßste einen ſo guten Gott beleidiget haben. Die Seelen im Fegfeuer erkennen aber weit besser als wir, wie liebens20 306 Neuntägige Andacht würdig Gott ist, und lieben Ihn über Alles, daher empfinden sie bei dem Gedanken, denselben in ihrem Leben beleidiget zu haben, einen Schmerz, der alle andern übertrifft. O mein Gott! weil Du die unendliche Güte bist, so reut es mich von ganzem Herzen, Dich beleidiget zu haben. Ich will eher sterben, als Dich je wieder beleidigen. Verleihe mir nur die Gnade der heiligen Beharrlichkeit im Guten! Habe Mitleiden mit mir, zugleich aber erbarme Dich auch der heiligen Seelen, die im Fegfeuer leiden und Dich von ganzem Herzen lieben. O Mutter Gottes, Maria! komm ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute zc. wie Seite 303. Fünfter Tag. Ein großer Schmerz ist es ferner für fene gebenedeiten Seelen, daß sie in jenem Feuer leiden müssen, ohne gewöhnlich zu wissen, wann ihre Peinen sich endigen werden. Sie wissen es zwar gewiß, daß sie eines Tages daraus werden erlöst werden; allein die Ungewißheit des Zeitpunktes, wann ihr Leiden ein Ende nehmen werde, ist für sie wohl eine große Pein. O Herr! mich Armseligen, wenn Du mich für die armen Seelen. 307 in die Hölle geworfen hättest! Denn aus diesem Kerker ewiger Pein wäre ich gewiß nie mehr gekommen. Ich liebe Dich über Alles, o unendliches Gut! und es reut mich von Herzen, Dich beleidiget zu haben. Ich will eher sterben, als Dich je wieder beleidigen. Verleihe mir die Gnade der heiligen Beharrlichkeit im Guten! Habe Mitleiden mit mir und Erbarmen mit jenen heiligen Seelen, die im Fegfeuer leiden. O Mutter Gottes, Maria! Komm ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute 2c. wie Seite 303. Sechster Tag. Jene gebenedeiten Seelen werden zwar getröstet durch das Andenken an das Leiden Jesu Christi und durch das allerheiligste Altarssakrament, da sie sich vermittelst des Leidens Jesu Christi gerettet sehen, und durch die heiligen Messen und heiligen Communionen so viele Gnaden empfangen haben und noch empfangen. Gleichwohl werden sie ebenso durch den Gedanken gemartert, daß sie gegen diese zwei großen Wohlthaten der Liebe Jesu Christi undankbar gewesen sind. O mein göttlicher Heiland! Du bist für mich gestorben, und hast Dich mir so oft in der heili 308 Neuntägige Andacht gen Communion geschenkt, und ich habe es Dir immer mit Undank vergolten. Aber jetzt liebe ich Dich über Alles, o mein höchstes Gut! und es reuet mich mehr als alles Uebel, daß ich Dich beleidiget habe. Eher will ich sterben, als Dich je wieder beleidigen. Verleihe mir die Gnade der heiligen Beharrlichkeit im Guten. Habe Mitleiden mit mir, zugleich aber erbarme Dich auch jener heiligen Seelen, die im Fegfeuer leiden. O Mutter Gottes, Maria! komm ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute ic. wie Seite 303. Siebenter Tag. Lin fernerer großer Schmerz dieser armen Seelen besteht in dem heißen Verlangen nach der glückseligen Anschauung Gottes! ach, langsam und qualenvoll gehen ihnen die peinlichen Minuten vorüber; denn sie lieben Gott innig, sie wünschen, ihres traurigen Gefängnisses los zu sein, um Ihn ewig zu preisen. O Gott, Du Vater der Barmherzigkeit! stille dieses ihr heißes Verlangen, sende deinen heiligen Engel zu ihnen hinab, der ihnen verkünde, daß Du ihr Vater seiest, daß Du mit ihnen durch Jesu Leiden und Tod ausgeföhnt für die armen Seelen. 309 seiest, und daß nun der Augenblick ihrer Erlösung gekommen sei. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute zc. wie Seite 303. Achter Tag. Außerdem ist noch ein überaus bitterer Schmerz für jene gebenedeiten Seelen- der Gedanke, daß ihnen Gott so viele besondere, Andern nicht zu Theil gewordene Gnaden erwiesen, und sie Ihn durch ihre Sünden genöthiget haben, ste zu dieser Strafe zu verurtheilen, obwohl ste verdient hätten, ewig verdammt zu werden; obschon Er ihnen aus bloßer Barmherzigkeit verziehen und sie gerettet hat. Sieh, o mein Gott! Einer von diesen Undankbaren bin auch ich, der ich, auch so vielen von Dir empfangenen Gnaden, deine Liebe verachtet habe und so verdient hätte, von Dir zur Hölle verdammt zu werden. Aber, o unendliche Güte! eher will ich sterben, als Dich je wieder beleidigen. Verleihe mir die Gnade der heiligen Beharrlichkeit im Guten. Habe Mitleiden mit mir, zugleich aber auch Erbarmen gegen jene heiligen Seelen, die im Fegfeuer leiden. O Mutter Gottes, Maria! komm ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe! 310 Neuntägige Andacht für die armen Seelen. Vater unser zc. Ave Maria 2c. und für die Verstorbenen: Ach, erbarme dieser Bräute zc. wie Seite 303. Neunter Tag. Groß sind überhaupt alle Leiden jener gebenedeiten Seelen; von allen diesen Leiden aber ist dieses das größte, daß diese heiligen Bräute von ihrem Bräutigam entfernt und seiner Anschauung beraubt sein müssen. DE O Gott! wie konnte ich bisher schon so viele Jahre von Dir entfernt und deiner Gnade beraubt leben? D unendliche Güte! verleihe mir die Gnade der Beharrlichkeit im Guten, und laß nicht zu, daß ich je wieder in deine Ungnade falle. Habe Mitleiden mit jenen heiligen Seelen, ich bitte Dich; lindere ihre Peinen, kürze die Zeit ihres Elendes ab, und rufe sie bald zu Dir in den Himmel, auf daß ste Dich da von Angesicht zu Angesicht schauen und lieben. O Mutter Gottes, Maria! komm ihnen mit deiner mächtigen Fürbitte zu Hülfe, und bitte auch für uns, die wir noch in der Gefahr sind, ewig verloren zu gehen. Vater unser 2c. Ave Maria c. und für die Verstorbenen: Ach, erbärme dieser Bräute zc. wie Seite 303. Inhaltsverzeichniss. Kirchliche Genehmigung Einleitung Segfeuer. 0 ex THELLOHE TE Srster Theil. Belehrungen und Beispiele über die armen Seefen im adenominador I. Seite. 3 5 Vom Begriffe und Dasein des Fegfeuers. HO. 14. Vom Begriffe des Fegfeuers. Das Dasein des Fegfeuers wird aus dem alten Testamente bewiesen Das Dasein des Fegfeuers wird aus dem neuen Testamente bewiesen Das Dasein des Fegfeuers wird aus der apostolischen Ueberlieferung bewiesen Das Dasein des Fegfeuers wird aus den Beschlüssen der Kirche bewiesen. 1917.RE. ♦ II. Von den Peinen des Fegfeuers.. Von den Geistespeinen des Fegfeuers Von der Feuerpein des Fegfeuers. Von den übrigen Peinen des Fegfeuers. Allgemeine Ansichten über die Peinen des Fegfeuers Wenige Auserwählte entgehen d. Peinen des Fegfeuers Man muß ganz rein sein, um in den Himmel getangen zu können. 9 10 12 15 16 17 19 20 22 23 24 Inhaltsverzeichniß. III. Von den Beweggründen, den armen Seelen zu helfen. Seite. 312 Die armen Seelen können nichts mehr verdienen und sich keine Linderung verschaffen. Die armen Seelen im Fegfeuer rufen uns ohne Unterlaß um Hülfe an Es ist unsere Pflicht, den armen Seelen im Fegfeuer zu Hülfe zu kommen Es ist der Wille Gottes, daß wir den armen Seelen im Fegfeuer zu Hülfe kommen Die guten Werke für die Abgestorbenen haben einen großen Werth vor Gott ♦ ♦ Durch die Erlösung der armen Seelen aus dem Fegfeuer befördern wir die Ehre Gottes auf die wirksamste und vollkommenste Weise. IV. Von den Mitteln, den armen Seelen zu helfen. Von diesen Mitteln im Allgemeinen Von der Kraft des Gebetes für die Abgestorbenen. Ermahnung zum Gebet für alle Abgestorbenen, von Thomas von Kempis( fünfter Brief) Von dem Eifer, mit dem man für die Abgestorbenen beten soll. Beispiele über den Gebetseifer der Heiligen für die Abgestorbenen. Beispiele, wie geschwind das Gebet für die Abgestorbenen erhört werde Auch ein kurzes Gebet kann den Abgestorbenen sehr nützen Wie wirksam es sei, die Mutter Gottes für die Abgestorbenen anzurufen. Die Mutter Gottes übt über das Fegfeuer eine besondere Herrschaft aus 26 27 28 29 31 33 35 36 37 39 41 42 44 45 46 Inhaltsverzeichniß. Von der Kraft des heiligen Rosenkranzgebetes zum Troste der armen Seelen. Wie kräftig die Anrufung der heiligen Engel für die Abgestorbenen sei. Wie wirksam die Anrufung der Heiligen für die ar= men Seelen sei Beispiel über die Hülfe, welche die Engel und die Heiligen den Abgestorbenen erweisen Von der Kraft der Bußwerke für die Abgestorbenen Das Gebet mit Fasten oder andern Bußwerken hat Hülfe Große Hülfe bringt es den armen Seelen, wenn ihre Schulden bezahlt werden Die Feindesliebe ist für die Abgestorbenen sehr wirksam Die Aufopferung der eigenen Verdienste kommt den Abgestorbenen zu Nußen Die heilige Theresia erlöst durch die Aufopfernng ihrer Verdienste eine Seele Von dem großen Werthe der Ablässe für die armen Seelen J ♦ 313 Seite Beispiele über den großen Werth der heiligen Ablässe für die Abgestorbenen Von der Kraft des Weihwassers für die Abgestor= benen 48 56 große Kraft für die armen Seelen Geduldig für die Abgestorbenen leiden, hilft ihnen 58 Großmüthig für die armen Seelen übernommene Leiden helfen ihnen. Von dem Bußeifer der heiligen Ludwina für die armen Seelen Von der Kraft der Werke der Barmherzigkeit für die Abgestorbenen Das Almosen verschafft den Abgestorbenen große 50 52 53 55 59 60 62 64 . 65 67 68 70 71 73 75 Inhaltsverzeichniß. Von dem Gebrauche, das Licht für die Verstorbenen brennen zu lassen Wallfahrten für die armen Seelen Die heilige Communion ist für die armen Seelen sehr nüßlich Von der Kraft des heiligen Meßopfers für die Abgestorbenen 314 Beispiele darüber, wie fräftig das heilige Meßopfer auf die armen Seelen wirke Seite. 76 79 ● ♦ Das heilige Mesopfer ist unter allen Heilsmitteln das kräftigste für die armen Seelen. Vom Entstehen der 30 Messen, oder der sogenannten Gregorianischen Messen Von dem Nugen der gestifteten Jahrzeiten für die Abgestorbenen Ueber den Ursprung des allgemeinen Jahrgedächtnisses der armen Seelen oder des Allerseelentages 88 V. 79 Die armen Seelen wünschen geschwinde Hülf Die Vermächtnisse der Verstorbenen sollen ohne Verzug vollzogen werden 81 Man muß selbst büßen, wenn man es versäumt, die Vermächtnisse der Abgestorbenen zu vollziehen Man soll für die Stiftungen der Abgestorbenen gewissenhafte Sorge tragen. Man soll Stiftungen und andere Leistungen, die 83 Einige Unterweisungen in Betreff der armen Seelen. Man muß im Stande der Gnade sein, um den ar men Seelen helfen zu können Wenn man für die Abgestorbenen beten läßt, soll man dazu treue Leute wählen. ORTO Wehklagen und Prachtaufwand nüßen den armen Seelen nichts 84 85 87 90 91 13 93 95 97 99 100 Inhaltsverzeichniß. man zum Troste feiner Seele zu machen gedenkt, selber in Richtigkeit setzen, und sich dafür nicht auf die Erben verlassen Die Erlösung der armen Seelen erfolgt oft lange nicht Die guten Werke kommen oft nicht den Seelen, für die man sie verrichten will, sondern andern zu Man muß nicht leicht Jemanden für verloren halten Man soll nicht leicht glauben, daß Jemand keine Hülfe mehr nöthig habe. Man muß überhaupt über den Zustand der Abgestorbenen nicht vorwißig nachforschen. Man muß die Hülfe für die Abgestorbenen ununterbrochen fortsetzen Von der Beharrlichkeit und dem Eifer, womit der heilige Augustin für die Verstorbenen betete Beispiele über kurzes und langes Verbleiben der armen Seelen im Fegfeuer 315 Seite. Fromme Stiftungen bereiten eine baldige Erlösung aus dem Fegfeuer 101. 103 105 106 108 109 111 112 115 Jedermann hat eine besondere Pflicht, den Abgestorbenen zu helfen.. Von der besondern Pflicht der Kinder gegen ihre verstorbenen Eltern Von der besondern Pflicht der Eheleute gegen ihre verstorbenen Ehegenossen Diejenigen, welche den armen Seelen im Fegfeuer keine Barmherzigkeit erweisen, haben viel zu fürchten 122 Diejenigen, welche den armen Seelen Barmherzigkeit erweisen, haben viel zu hoffen. Es ist klug, daß man jetzt für sich thue, was man wünscht, daß einst Andere für uns thun möchten Geduld in Kreuz und Leiden kürzt die Strafen des Fegfeuers ab 117 118 120 124 125 126 127 316 Inhaltsverzeichniß. Genaue Beobachtung der Ordensregel bewahrt vor dem Fegfeuer. Die thätige Liebe zu den Abgestorbenen verschafft zeitliche und ewige Wohlfahrt. Eine goldene Ermahnung für fromme Seelen, welche daß Fegfeuer zu sehr fürchten. Von Ludwig Blosius 132 Seite. ● ● VI. Von der Dankbarkeit der armen Seelen gegen ihre Wohlthäter. ♦ Von der Dankbarkeit der armen Seelen überhaupt 134 Die armen Seelen beten im Fegfeuer für ihre Wohlthäter, und man kann sie anrufen. Die armen Seelen erwirken ihren Wohlthätern die Gesundheit in Krankheiten. Eine arme Seele verschafft ihrer Wohlthäterin den Lebensunterhalt in der Dürftigkeit Eine andere arme Seele im Fegfeuer verschafft ihrem Wohlthäter Hülfe in der Noth. ● ● Arme Seelen gewähren ihren Wohlthätern Rath und Schuß auf Reisen und in Gefahren Arme Seelen bewachen und befördern die Glücksgüter ihrer Wohlthäter Die armen Seelen sind ihren Wohlthätern zu ihrem Seelenheil sehr behülflich Die armen Seelen stehen ihren Wohlthätern im Todeskampfe bei Die armen Seelen stehen ihren Wohlthätern im Gerichte Gottes bei Der Herr belohnt die Liebe zu den armen Seelen damit, daß Er die Erlöste ihren Wohlthätern im Tode beistehen und ihre Seelen nach ihrem Hinscheiden in den Himmel begleiten läßt ♦ • 129 ● 130 ● 136 138 142 144 147 149 150 152 154 155 Ein Wort über die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen der Abgestorbenen überhaupt Ein Wort über die Glaubwürdigkeit der Hülfe, welche die armen Seelen den Lebendigen leisten Inhaltsverzeichniß. Am Montag Am Dienstag Am Mittwoch II. Meßgebete. Nützliche Weise, die heilige Messe für die armen Seelen im Fegfeuer aufzuopfern ♦ Kürzeres Meßgebet für die Seelen, für die du am meisten zu beten schuldig bist ● III. Gebete auf alle Tage der Woche. Aufopferung des Leidens und Sterbens Jesu Christi für die armen Seelen im Fegfeuer Am Sonntag Am Donnerstag Am Freitag Am Samstag Zweiter Theil. Gebete zum Trofte der armen Seelen. I. Tägliche Gebete. Morgengebet. Vom gottseligen Nikolaus Wolf 167 Abendgebet. Vom gottseligen Nikolaus Wolf. 168 ♦ ♦ ● IV. Beichtgebete. Gebet vor der Beicht Beichtspiegel. Gebet nach der Beicht. V. Communiongebete. Vor der heiligen Communion Nach der heiligen Communion 317 Seite. ● ● ♦ ● ● 0 0 157 • 161 170 182 185 185 188 191 194 197 200 203 206 208 211 213 216 318 Inhaltsverzeichniß. Seite. Gebet, den Ablaß für die armen Seelen aufzuopfern 220 Litanei von dem bittern Leiden und Sterben unsers Erlösers Gebet zur schmerzhaften Mutter unsers Herrn VI. Kleine Tagzeiten für die armen Seelen im Fegfeuer. Die sieben kanonischen Stunden Litanei aller Heiligen für die Abgestorbenen VII. Bespergebete. 1 Verehrung der sieben Schmerzen Mariä für die armen Seelen ♦ Verehrung der sieben Freuden Mariens für die ar= men Seelen Das Vater unser für die Abgestorbenen Das Ave Maria für die armen Seelen eingerichtet VIII. Betstunde für die armen Seelen. Anbetungsstunde vor dem heil. Sakramente des Altars für die armen Seelen im Fegfeuer. Das Rosenkranzgebet für die Abgestorbenen IX. Kreuzwegandacht für die armen Seelen. Kreuzwegandacht für die armen Seelen. Die vierzehn Stationen des Leidens Christi X. Verschiedene Gebete für die armen Seelen. Zur heiligen Mutter Gottes. Litanei zu der schmerzhaften Mutter Maria für die Abgestorbenen. Andächtige Verehrung der heiligen fünf Wunden unsers Erlösers zum Troste der Abgestorbenen Vier Gebete für die Abgestorbenen. Kurzes und kräftiges Gebet für die Verstorbenen im Allgemeinen Gebet für die verstorbenen Eltern, Geschwister, ● Freunde und Wohlthäter ● ♦ • 221 223 ● 225 231 236 239 242 246 247 253 260 261 276 277 280 283 287 287 Inhaltsverzeichniß. Gebet zu den Engeln und Heiligen Gebet, wodurch unsere Werke aufgeopfert und den armen Seelen geschenkt werden. ● Aufopferung eines einzelnen guten Werkes für die armen Seelen XI. Ablaßgebete für die armen Seelen. Der Psalm: ,, Aus der Tiefe" Gebet für den Sonntag Gebet für den Montag Gebet für den Dienstag Gebet für den Mittwoch Gebet für den Donnerstag Gebet für den Freitag Gebet für den Samstag Gebet zu Jesus und Maria um ein seliges Ende und von den Leiden des Fegfeuers befreit zu bleiben 292 Ablässe von den göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. Ablaßgebet für die Anliegen der heiligen Kirche Ergebung in den heiligsten Willen Gottes Lobspruch zur Verehrung der unbefleckten Empfängniß Mariä ◆ Erster bis neunter Tag. 228 319 ● Seite. 288 289 292 294 296 296 296 297 297 298 298 Die Anrufung des heiligen Schußengels XII. Neuntägige Andacht zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer. 299 300 301 301 302 302 303-310 Bei Hebr. Karl und Nikolaus Benziger in Einsiedelit, New- York und Cincinnati sind ferner erschienen. Ackermann, Jof. Pfr. Troff der armen Seelen. Belehrungen und Beispiele über den Zustand der Seelen im Fegfeuer. Nebst vollständigem Gebetbuch. Nr. 1. Ausgabe in kleinstem Druck. Gr. 18.( 336 Seiten.) 55 Pfg. 65 Ct3. Alles für Jesus, Gebet- und Erbauungsbuch für Kirche und Haus. Größtentheils entnommen aus den Schriften der Heiligen: Alphons von Liguori, Bernhard, Franz von Šales, Thomas von Aquin und Gertrudis. Mit deutscher und latein. Messe, Vesper und verschiedenen Andachten. Ausgabe Nr. 1.2 Farbendruck- Bilder. Gr. 24.( 512 G.) 90 Pfennige. 110 C. Dasselbe feine Ausgabe Nr. 1 in rother Einfassung mit 2 Stahlst. 18. 180 Pfennige. 220€. Cochem, P. Martin v. Großer Baumgarten. Neu herausgegeben und verbessert von P. Friedrich Willam 0. S. B. Mit den gewöhnlichen Andachten in allgemeinen und besondern Nöthen und Anliegen. Mit 4 Bild. 12. ( 520 Seiten.) 120 Pfg. 150 Cts. Effinger, P. Conrad, Maria., O S. B. Seiftlicher Begweiser für Eheleute. Lehr- und Gebetbuch für christliche Hausväter und Hausmütter. 4 Stahlst. Gr. 18. ( 432 Seit.) 155 Pfg. 190 Cts. Gertrudenbuch. Gebet- und Erbauungsbuch für kathol. Christen. Mit 3 Bild. 12.( 520 Seit.) 130 Pfg. 160 Cts. Lambruschini, Johann, Baptist Bischof. Der geistliche Führer. Katholisches Gebet- und Erbauungsbuch. Aus dem Italienischen übersetzt von Franz Rothenflüe, Pfarrer. 3 Farbendruckbilder und vielen Illustrationen. Gr. 24.( 448 Seiten.) 80 Pfg. 100 Cts. Rosengärtlein, marianisches. Ein katholisches Gebetbuch für alle Verehrer der allerseligsten Jungfrau und Mutter Maria. Ausgabe No. 1. Mit 3 Chromo- Bildern. 32.( 400 Seiten.) 55 Pfg. 65 Cts. Ausgabe Nr. 2. in schwarzer Einfassung mit 2 Farben: druck- Bildern. 24.( 384 Seiten.) 60 Pfg. 75 Cts. - 为 Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 ¹6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( O) 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 8 B.I.G. Black