98 4172 Stahlatv. Jos.Benediob. S.ALDISIUS. Folget mir nach. DE TENDED DES Philothe a des heiligen Jünglings Aloysius. Von Ludwig Donin, f. e. Gurpriester. Zweite sehr vermehrte Auflage. Dec ferWien, 1847. Gedruckt bei Edl. v. Schmidbaner und Holzwarth. CORPORAD gb 4172 Univ.- Bibl. Giessen I. Von dem Werthe eines reinen Herzens. Philothea. Vor Kurzem las ich das Leben der h. Magdalena von Pazzis*). Da fand ich, daß auch ihr, gleich dem h. Apostel Paulus, ein Blick in die ewigen Wohnungen der Auserwählten gewährt wurde. Dort sah ste, o h. Aloysius, unter andern, deine überaus große Glorie. Ganz entzückt von dem so begeisternden Anblick rief sie aus: O wie groß ist die Herrlichkeit des Aloysius, des Sohnes des Ignatius! Ich hätte es nicht geglaubt, wenn es mir mein Jesus nicht hätte sehen lassen! Mir kam es vor, als ob seiner Glorie im Himmel keine andere gleich komme. Ich sage es: Aloysius ist ein großer Heiliger. Wir haben viele Heilige in der Kirche, welche, wie ich glaube, nicht so hoch erhoben sind. Ich wünschte, ich könnte durch die ganze Welt 085 *) 1600 d. 4. April. 1* messceno 4 gehen und laut verkündigen: Aloysius, der Sohn des Ignatius, ist ein großer Heiliger! O könnte ich seine Herrlichkeit allen Menschen zeigen, mit Freude thäte ich es, weil mein Gott dadurch verherrlichet werden würde; denn Aloysius wurde so hoch erhoben, weil er ein innerliches Leben führte! Da würden die Menschen den hohen Werth und die Verdienste des innerlichen Lebens etwas zu erkennen anfangen. Sie würden sehen, daß das innerliche mit dem äußerlichen gar nicht verglichen werden kann! Da Aloysius auf der Erde lebte, hatte er die Augen allezeit auf das göttliche Wort geheftet. Aloysius ist ein verborgener Martyrer gewesen. Denn wer Dich, o mein Gott! erkennt, und es begreift, daß Du, o allerliebenswürdigster Vater! die unendliche Majestät bist, für den ist es keine geringe Qual und Marter, wenn er sehen muß, daß er Dich nicht in dem Grade liebt, o Gott! in dem er Dich, o ewige Schönheit! lieben möchte, und Du von den Geschöpfen nicht nur nicht geliebet, sondern sogar noch beleidiget wirst! Wie feurig hat Aloysius auf der Welt seinen Gott geliebet! Deswegen genießt er auch jetzt im Himmel seinen Gott 35 5 in einer großen Fülle der Liebe!" Nach diesen Worten schwieg die Braut des heiligen Bräutigams einige Augenblicke mit dem starren Blicke nach Oben. Nach einer Weile fing fie wieder an zu sprechen:„ Ich will mir Mühe geben, den Seelen zu Hilfe zu eilen; denn wenn eine von denen, welchen ich geholfen habe, in den Himmel kommt, wird sie für mich bitten, wie Aloysius für diejenigen bittet, die ihm verhilflich gewesen sind"*). Diese Worte der H. Magdalena entzündeten in mir die unvertilgbare Sehnsucht, nach deinem Beispiele ein mehr innerliches Leben zu führen, um einst auch an deiner Herrlichkeit Theil nehmen zu können. Lange suchte ich schon, allein vergebens, einen erfahrenen Führer auf diesem so lieblichen Weg des innerlichen Wandels. Ich kam zu Vielen, welche mich gar nicht verstanden, was ich wollte, zu Vielen, die, als sie sahen, wie unerfahren ich in dem bin, was ich wollte, sich nicht entschließen *) Cepari Seite 230. Aufgelegt zu Regensburg bei 3. Mang 1839. C. Croiset 11. Juni. ofrected 6 11 fonnten, diese große Last eines Führers einer so schwachen und armen Seele zu übernehmen, wie die meinige ist. Beinahe wäre ich schon verzagt worden, wenn mir nicht das Wort deines göttlichen Vorbildes wieder frischen Muth gemacht hätte: Im Himmel ist mehr Freude über einen Sünder, der Buße thut, als über 99 Gerechte, welche der Buße nicht bedürfen;" wenn mich nicht die heilige Dienerin Gottes aufgemuntert hätte, mich an dich, o h. Aloystus, selbst zu wenden und dich zu bitten, mich durch deinen Unterricht, durch dein Beispiel und deine Fürbitte den sichern Weg durch dieses Thal der Thränen zu führen, wie du ihn selbst von dem heil. Geist kennen gelernt hast. Aloysius. Ich bin ganz bereit dich zu unterweisen; höre und nimm meine Worte auf; ich will dir den Weg der Weisheit zeigen, und dich auf die Wege der Gerechtigkeit führen*). Vergiß mein Gesetz nie, und laß dein Herz meine Gebote bewahren; denn sie werden dir den Frieden bringen**). *) Sprichw. 4, 10-11. **) Sprichw. 3, 1. 2. OG € 66 s - Ph. Freudig will ich dich hören und deine Worte zu Herzen nehmen; denn ich weiß ja, daß du von deinem 7ten Jahre an bis zu deinem seligen Tode keine Todsünde begangen; daß du von deinem 7ten Jahre an ein vollkommenes Leben geführt, und du nie eine sinnliche Lust gehabt hast. Ich weiß recht wohl, daß du im Gebete und in der Betrachtung höchst selten zerstreut, und stets ein Muster der Demuth, der Abtödtung, Enthaltsamkeit, Weisheit, Frömmigkeit und Sittenreinheit gewesen bist, und du sogleich in den Himmel aufgenommen wor den bist*). Wie gelangtest du aber, o überglücklicher Aloystus, zu dieser großen Vollkommenheit? 21. Ich lebte in der Welt, in der du lebest. Ich bin zu Castiglione**), der Hauptstadt der Markgrafschaft meines Vaters, Don Ferdinand, den 9. März 1568, auf die Welt gekommen. Meine Mutter hieß Donna Martha, und war Hofdame der Königin Isabella von *) Bellarmin L. Cepari 228. **) Diocese Brescia unter Papst Pius an einem Freitag. Valois, der Tochter des Königs von Frankreich. Als ich auf der Welt war, bezeichnete mich meine Mutter alsogleich mit dem heiligen Kreuze. Den 22. April wurde ich feierlich getauft, und erhielt den Namen Ludwig oder Aloys*). Schon in der zartesten Jugend lehrte mich meine gute Mutter vor dem Bildnisse Maria das H. Kreuz machen, die heiligsten Namen Jesus und Maria aussprechen, das Vater Unser und den englischen Gruß beten. Als ich einmal gehen konnte, verbarg ich mich schon öfters, um allein beten zu können. Da ich noch jung war, ehe ich irre ging, suchte ich schon die Weisheit ohne Scheu in meinem Gebete. Ich bat darum in dem Tempel. Mein Herz freute sich über ste. Ich fand viele Kraft in ihr und machte viele Fortschritte in ihr; darum wollte ich auch Dem die Ehre geben, Der mir die Weisheit gab, und entschloß mich, sie auszuüben. Das erste Mal that ich das zu Florenz in einem Alter von 9 Jahren**). In dieser Stadt gewann ich eine kindliche Andacht zur planation( *) Cep. S. 2. **) Cep. S. 8. Hey Go 9 Mutter Gottes; daselbst schaute ich einmal ein Gnadenbild Mariens an, und da war ich ganz entzückt von himmlischer Liebe zur H. Maria. Diese Liebe stärkte noch mehr das Lesen der Erklärung der H. Geheimnisse des Rosenkranzes von dem P. Caspar Loart, einem Mitgliede der Gesellschaft Jesu. Einmal las ich in diesem Buche; da entstand in mir das heftige Verlangen, etwas der H. Maria Wohlgefälliges darzubringen. Ich glaubte das am besten thun zu können, wenn ich ihr die Herzensreinheit darbringe. Ich kniete mich daher vor diesem Gnadenbilde nieder, und gelobte zur Ehre Gottes und zur Freude Mariens, stete Keuschheit. - Von nun blieb die h. Maria, die Königin der Jungfrauen, meine Mutter, und ihrem mütterlichen Schuße übergab ich mich ganz und gar. Ph. Warum hast du denn zuerst dieses Opfer dargebracht? du hattest ja zeitliche Güter, und durch sie und durch andere Dinge deine Liebe zeigen können? Al. Mein Sohn, ich wußte wohl, daß ein keusches Geschlecht und ein reines Herz im Tu KG 10 gendglanze bei Gott und bei Menschen anerfannt, und sein Andenken unsterblich ist, und Gott nur einer jungfräulichen Seele Seine Gnadenschäße eröffnet, und der heil. Geist nur das makellose Kerz zur Wohnung wählt. Mir ist es nicht entgangen, daß nur die Reinen Gott anschauen und ein Lied im Jenseits singen werden, welches Niemand wird singen können, als jene, die ein jungfräuliches Herz bewahrten.- Ich brachte dieses Gelübde so früh, weil ich die Worte des Herrn kannte: Suche den Herrn bei guter Zeit, denn vielleicht würdest du Ihn später nicht mehr finden. Und was habe ich damit verloren? Von dem Augenblicke an erfreute ich mich des besondern*) Schußes der seligsten Jungfrau. Ich erfuhr nie eine sinnliche Empfindung, und habe von der Zeit an, mit Hülfe der Gnade Gottes, nie mehr etwas gedacht oder gethan, was meinem Gelübde zuwider gewesen wäre. Berathe demnach auch du dich mit deinem Seelenführer, folge mir dann nach, und gedenke deines Schöpfers schon in deiner Jugend, dann wird Er gewiß allezeit deine Hoffnung sein. *) Cep. 8. - - 5 GONG GAGONG 11- 11. In einem jeden Stand und in einem jeden Geschlecht kann man unschuldig und heilig leben. Ph. O wie lieblich erscheint mir in dir, o lieber Aloysius, die Unschuld des Herzens, die jungfräuliche Schönheit und wahre Frömmigkeit! Wie gerne wollte ich dir hierin folgen, wenn ich in deinem Stande leben würde, wenn ich deine Erziehung genossen, wenn ich zu deiner Zeit gelebt hätte. Sieh' ich bin in dürftigem Stande; ich habe mit meinen Aeltern tausend Sorgen zu theilen. Wie kann ich ein so strenges und bußfertiges Leben führen, wie du! Wie kann ich in Bußkleidern, bei langem Nachtwachen und endlosem Fasten und 2maliger Kasteiung bestehen? Ich kann nicht so viele mündliche Gebete verrichten, so vielen H. Messen, lange dauernden Andachtsübungen beiwohnen, die Kirche so oft besuchen und die heil. Sakramente so häufig empfangen, wie du. Wo käme ich hin, wenn ich in meinem Stande ein tagelanges Stillschweigen beobachten, oder mich wochenlang in die Einsamkeit begeben möchte. - 12 *) Scupuli S. 4. 1 Al. Mein Sohn, wenn du glaubst, daß diejenigen schon auf dem Wege der Vollkommenheit sind, die das Obgenannte üben, oder du meinest, darin bestehe die vollkommene Heiligkeit, so bist du in einem großen Irrthum, und alle jene mit dir, welche das meinen; denn alle diese Werke sind zwar bisweilen Mittel, und oft wirksam die Vollkommenheit zu erlangen, oft Früchte der bereits erlangten Vollkommenheit*), aber keineswegs besteht die christliche Vollkommenheit, das wahre geistliche Leben darin allein. Anders sahen sie, weder ich noch alle jene, die vor mir auf der Erde waren, an. Diese Dinge können manchmal sogar, weil sie nicht gehörig angewendet werden, eine Ursache zum Falle sein. Durch sie kannst du leicht dahin kommen, daß du in allen Dingen den Vorzug haben und über Andere emporragen willst, daß du eigensinnig und hartnäckig in allem, was du willst, in deiner Seelenangelegen- heit blind, in fremden Dingen vorwißig wirst, und auf eine verabscheuungswürdige Weise fremder Menschen Reden und Handlungen ausspähest Fal 13 und tadelst. Diese Werke könnten dich sogar so weit bringen, daß du ganz trostlos und verzagt und selbst ganz kleinmüthig wirst, sobald jemand dein eitles Ansehen und die Achtung, die du von andern so gern forderst, verletzt, oder dich von den gewohnten Andachtsübunabbringen will. Würde dann Gott dich leiden, arm oder krank und verfolgt werden lassen, so würde es sich gleich zeigen, wie grundlos deine scheinbare Frömmigkeit, wie verderbt und von Hoffart ganz aufgedunsen dein Inneres ist. Statt der vollen Ergebung in Gottes h. Willen, würden endlose Klagereien deine ganze Umgebung quälen. Dann wärest du, wie alle sogenannten Heilige der Art, viel schwerer auf den wahren Tugendweg zurückzuführen sein, als ein offenbarer Sünder. Ohne ganz ungewöhnlicher Hülfe Gottes wäre es unmöglich. Ph. Worin besteht also die wahre Vollfommenheit, wie du sie geübt haft? AI. In nichts Anderem, als daß der Mensch nur das Alles will und thut, was Gott will, und weil Er es so will. Der 666666 14 es so weit bringen will, muß erkennen, wie gut und groß Gott, und wie zu allem Bösen geneigt sein Herz ist, der muß seinen eigenen Willen ablegen, auf nichts hinschauen, als auf Gottes H. Willen, und Alles anwenden, was ihn sicher dahin bringen kann. Er muß gegen sich mißtrauisch, und gegen Gott vertrauungsvoll sein. Phil. Aber auch in dieser Beziehung war für deine Verhältnisse und deine Zeit die wahre Vollkommenheit viel leichter als für die meinige. Bei mir ist es ja unmöglich, die Vollkommenheit zu erreichen. Al. Mein Sohn, du irrst dich, wenn du glaubst, daß meine Lebensverhältnisse geeigneter zu einem frommen Wandel waren, als die deinigen. Weißt du denn nicht, daß Gott will, daß alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheit kommen und selig werden?- Hat Er denn nicht für alle Menschen verkündigen lassen: Seid heilig, gleichwie Der heilig ist, Der euch berufen hat.- Bedenke nur mein Leben. Schon in meinem 4ten Jahre nahm mich mein Vater mit nach Lasal, wo er die Truppen des Königs, welche nach Tunis bestimmt waren, musterte; dort sah ich - 6666 15 nicht die Lieblichkeit der Frömmigkeit, sondern vielmehr den Stolz, und erkannte daselbst gar bald, daß die Meisten nichs suchten, als Auszeichnung und Ehre. Ich nahm daselbst diesen militärischen Geist an; da lernte ich rohe Nedensarten und brüstete mich sogar damit. In meinem 7ten Jahre mußte ich meinen Vater an den spanischen Hof begleiten, wo ich später zwei Jahre als Edelknabe zubringen mußte. Ich lebte im Ueberflusse und ganz in der irdischen Pracht; man gab sich alle Mühe, meine Gedanken von Gott zur Welt und ihren Freuden zu lenken, und ich hatte daselbst tausend Gefahren, die du in deinen Verhältnissen gar nie kennen lernest. Glaube mir, in einem jeden Stande kannst du Gott lieben und die Unschuld bewahren; denn mit Gott kannst du Alles, und Gott begleitet uns allenthalben. Ludwig der König, und Heinrich der Kaiser, waren heilig am Throne, Kunigunde als Kaiserin, Florian als Soldat, Heinrich als Schuhmacher, Kassian als Schullehrer, Homobonus als Kaufmann, Zita als Dienstmagd, Agnes als Schulmädchen, Petrus der Märtyrer als Schulknabe. Willst du dich davon noch mehr überzeugen, so lies das 2te Haupt- - 16 stück der Anleitung zur Frömmigkeit von dem H. Franz von Sales. Ph. Wie kommt es aber denn, daß sich Heutzutage so wenige Menschen mit allem Ernste aufmachen, und sich bemühen, heilig zu werden. Al. Das kommt daher, weil Tausende sich nie ernst fragen: was aus ihnen einst werden soll. Die Denkendsten kommen wunderselten mit ihren Gedanken bis zum Grabe, oft steigen sie in's Grab hinab und begraben sich ganz mit Erde. Viele bleiben schon bei den lebenden Geschöpfen, und kommen nur mit den Füßen zu den Gräbern, wenn sie einem Freunde die letzte Ehre erweisen, während ihre Gedanken auf das Hinterlassene des verstorbenen Freundes haften. Viele gehen wohl über das Grab hinüber, aber ganz gottlos. Daher phantasiren sie über das Jenseits so alberne Dinge zusammen, daß man meint, sie sind von Sinnen, und zuletzt machen sie aus dem Menschen gar ein vernunft- und geistloses Thier. Viele hören und sehen das Leben der Gottseligen, bleiben aber nicht lange dabei, sondern schreien: Ja! das ist ein Heiliger, und mit diesen Worten eilen sie so schnell als möglich in ihren vergänglichen Wirrwar zu 17 FGELAS rück; kaufen, verkaufen, handeln, effen, trinken und genießen, wie sie meinen, als wenn das die wahre Vollkommenheit wäre. Sagt ihnen ein Freund etwas von einer Lebensänderung, schlägt er ihnen auch nur ein natürliches Mittel zur Besserung vor, so rufen sie ihm zu: Ich will ja kein Heiliger werden, und bedenken nicht, daß sie damit Gott ihren Gehorsam gleichsam aufkünden, sich bei den Fürsten der Unterwelt einschreiben und sich unter seine Unterthanen stellen. So meinen die meisten Menschen; für sie seien die Unschuld des Herzens und die wahre Vollkommenheit nur leere Namen, und gehen die Einsiedler, die Klosterfrauen und diejenigen an, welche aus der Welt herausgetreten, und sich Gott in einem besonderen Stande geweiht haben. Diese Meinung scheinst auch du mit dem großen Haufen zu theilen. CCOO Ph. Zum Theile war ich wohl selbst früher dieser Meinung. Nun aber sehe ich wohl ein, daß ein höchst gütiger und höchst weiser Gott mich nicht zwecklos und wegen etwas erschaffen konnte, was ich nie erreichen und erwerben kann. Auch begreife ich es schon: daß die heil. unfehlbare Kirche uns nicht umsonst tagtäglich das Leben 2 KG 18 der Heiligen, und ihre Beispiele der Nachahmung vor Augen stellt, und uns durch ihre besonderen Feste gewiß nicht umsonst so oft zuruft: Folget denen nach, die jetzt schon bei Gott sind; seid heilig, gleichwie Der heilig ist, Der euch berufen hat; kein Stand, kein Ansehen, keine Würde, keine Armuth, kein Reichthum, kein Alter, keine Jugend, fein Geschlecht und keine Erziehung entschuldiget euch; denn haben es diese und jene vermocht, warum sollt ihr es nicht vermögen. Deine Erinnerungen brachten mich bereits so weit, und drängen mich immer mehr und mehr, dich, o heil. Aloysius, um nichts anderes zu bitten, als daß du mir den einfachen Weg anzeigest, auf welchem ich mit der Gnade Gottes dahin komme, wo du jetzt bist. Al. Freudig, und mit Liebe will ich dich, o Philothea, zum Vater führen, dich auf alle Hindernisse aufmerksam machen, die dich von der vollen Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen abhalten könnten, und die auch ich zu überwinden hatte; denn ich wünsche ja nichts sehnlicher, als daß alle Menschen wahrhaft glücklich werden, daß der Name Gottes geheiliget werde, und Sein Wille auf Erden eben nay fel QgG Cy 19 so genau geschehe, wie im Himmel. Präge nur jedes Wort und jede Mahnung deinem Herzen tief ein, und dann gehe nur alsogleich hin und handle. 1 III. Wer wahrhaft fromm werden will, muß doch vor Allem wissen, und darf es nie vergessen, warum er auf der Welt ist. Ph. Ganz glücklich fühle ich mich über dein Versprechen, rede daher und ich will dich als dein demüthiger Schüler hören. Al. Den Anfang zu einem wahrhaft gottfeligen Leben machte ich damit, das ich wohl erwog, wozu mich Gott erschaffen hat, und warum ich eigentlich auf der Welt bin. Im Allgemeinen wußte ich wohl schon in meiner zartesten Jugend, daß mich Gott nicht erschaf fen habe, um zu essen, zu trinken, mich zu unterhalten, mich loben und preisen zu lassen, um zu befehlen, oder zu reisen, oder mit Menschen aus verschiedenen Nationen in ihrer Muttersprache reden, oder die bloße Erde kennen zu lernen, einige Sterne und ihre Entfernungen angeben zu können, oder um zu wissen, 0533 2* 20 was man in der Welt, seit der Erschaffung derselben, Vernünftiges oder Thörichtes gethan und geredet hat, welcher Mann in der Zeit für den reichsten Mann gehalten wurde; oder wie man am schnellsten die Menge der von Gott anvertrauten Güter erfahren kann; denn daß ich heilig werden soll, prägten mir schon meine Lehrer frühzeitig ein. Wie ich aber am sichersten heilig werden, wo ich nach Gottes H. Willen zu Seiner Ehre am meisten wirken könnte, das verstand ich nicht. In meinen Verhältnissen war es nichts Leichtes, in der That genau und allezeit zu erkennen und vor Augen zu halten*), wozu mich Gott insbesondere bestimmte, und wozu ich auf der Welt bin. Mein Vater bestimmte mich zu etwas ganz anderem, als wozu ich mich nach Gottes H. Willen bestimmt zu sein glaubte. Denn nach dem Feldzuge von Tunis fand er mich zu Castiglione. Er bemerkte gar bald, daß ich etwas Anderes für meine Bestimmung auf Erden hielt, als daß ich ein berühmter Soldat und ein großer Feldherr werde. Denn statt meiner früheren kriegerischen Stimmung be *) Cepari 7. AGNOLO 21 merkte er, daß ich sehr viel und am liebsten mich mit den Uebungen der Andacht und Frömmigkeit beschäftige. Ich verbarg es auch gar nicht, was ich für Gottes heiligen Willen hielt. Da ich mich erinnerte, daß meine Mutter sich geäußert habe, daß sie es sehnlich wünsche, daß eines ihrer Kinder, Gott im geistlichen Stande diene, so sagte ich ihr eines Tages: Mutter, sie wünschten einen Sohn im Kloster zu haben, ich glaube, daß Gott ihnen diesen Wunsch erfüllen wird, und ich glaube, daß ich dazu bestimmt bin. Ph. Wie war es denn dir möglich, deinen. Beruf in deinen Verhältnissen so deutlich zu erkennen, welcher sich doch für deinen Stand so wenig zu schicken schien?- AI. Dahin gelangte ich besonders dadurch, daß ich mit der Gnade Gottes die Welt und ihre Güter recht betrachtet, und bei jeder neuen Prüfung und Versuchung zu Gott meine Zuflucht genommen habe. Denn oft und oft hätte ich darauf sehr leicht vergessen können, wozu ich auf der Welt bin. Denn mein guter Vater gab sich viele Mühe, mich auf meine Vorsätze vergessen zu machen. Ich prüfte meine Kräfte immer ge085350 22 nauer, und ohne mich irre machen zu lassen, fragte ich mich in allem Ernste, in welchem Orden ich Gott am besten dienen könnte.- Zuerst dachte ich in dem strengen Carmeliten- Orden mein Leben zu beschließen; davon brachten mich die wohlmeinenden Vorstellungen meiner guten Mutter ab, auch erkannte ich bald selbst, daß ich zu diesem Orden nicht berufen sei.- Endlich wählte ich den Orden der Gesellschaft Jesu, und zwar deßwegen: 1. weil dieser Orden seine Regeln sehr gewissenhaft beobachtete*); 2. weil man daselbst ein besonderes Gelübde ablegte, keine kirchliche Würde anzunehmen, wenn es nicht ein ausdrücklicher Befehl des Papstes forderte; 3. weil ich in dieser Gesellschaft viele Gelegenheit zu finden glaubte, um Schulen und Vereine zu bilden, welche ganz geeignet sein dürften, die zarten Gemüther in der Furcht Gottes und Sittenreinheit zu erziehen, und 4. weil sich die Glieder dieser Gesellschaft auch damit beschäftigten, als Missionäre die Irr- und Ungläubigen in den verschiedenen Theilen der Erde in die wahre fatholische Kirche einzufühen. In so ferne kam *) Cepari 43. 23 auch diese Lebensweise der Lebensweise Jesu Christi näher, welche Er auf Erden wählte und führte. Von diesem Berufe war ich in meinem 16. Jahre schon so fest überzeugt, daß ich, als ich einmal mit meinem Bruder Rudolph zu den Jesuiten auf Besuch ging, und als es Zeit zum Zurückkehren war, mich zu meinem Bruder und seinem Gefolge wandte und sagte: Gehet ohne mich nach Hause, denn ich werde da bleiben. Sie baten mich, möchte doch das nicht thun; und als ihre Bitten nichts halfen, so gingen sie nach Hause, und erzählten das Geschehene meinem Vater.- Mein Vater war darüber sehr aufgebracht, und befahl mir mit aller Strenge, ich solle alsogleich nach Hause in das Schloß kommen. Ich gab ihm jedoch in aller Demuth und Ehrfurcht zur Antwort: Mein Vater! das, was später oder früher geschehen muß, kann wohl eben so gut gleich vollzogen werden, da ja meine Bestimmung nach Gottes Willen ist, dort zu bleiben; ich bitte sie daher, mir keine ferneren Hindernisse in den Weg zu legen. Ph. Das scheint doch ein Ungehorsam und in so ferne fehlerhaft gewesen zu sein; OB HGOD 24 denn der Herr befiehlt ja ausdrücklich: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest, und es dir wohlergehe auf Erden. 21. Du hättest wohl recht, wenn Gott nicht früher gesagt hätte: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst allein an einen Gott glauben; und wenn Jesus nicht gesprochen hätte: Wer Vater und Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht werth. Demzufolge sprachen ja auch schon die Apostel zu den Richtern: Man müsse Gott mehr gehorchen, als den Menschen. Uebrigens wirst du wohl wissen, was der heil. Climatus in dieser Beziehung schrieb: Sollten auch deine Weltern deßwegen trauern, daß sie dich verlieren, so ist doch das noch viel besser, als wenn Jesus, dein Gott und Herr, betrübet wird, Der uns erschaffen und erlöset hat, während die Aeltern gar oft schon mit ihrer Liebe die Ihrigen verloren haben. Lasse die Aeltern nur weinen, wenn sich nur die Engel erfreuen, und es ist viel besser, daß jetzt sie weinen, als daß dann du ewig weinen must." Als ich dann sah, daß 11 bo 66 0530 25 sich mein Vater dadurch an seiner Ehre verletzt fühlte, und ich es für Gottes Willen erkannte, daß ich hierin den Vater für die Zeit nicht so sehr kränken soll; so gehorchte ich für dieses Mal mit freudigem Herzen. O, oft und oft beneidete ich in der Folge jene, die von geringer Geburt waren, weil ich meinte, daß sie in der Erfüllung des Willens Gottes keine so großen Hindernisse haben, wie die Vornehmen, Angesehenen und Reichen. 1 Ph. Wie ging es dir dann ferners. Nun hatte sich dein Vater doch vollkommen von deinem festen Willen überzeugt, und jetzt sah er doch den Willen Gottes offenbar? Al. Das ist wohl war; ich gab ihm dessenungeachtet noch mehr meinen festen Entschluß zu erkennen. Man beschloß, mich nach Rom zu senden. Als ich das erfahren habe, so fühlte ich mich plöglich im Innern aufgefordert, zu meinem Vater zu gehen, der heftig an der Gicht leidend in seinen Schmerzen im Bette lag, um noch einmal vor ihm frei zu bekennen, daß ich wohl weiß, wozu ich von Gott erschaffen bin. Ich trat zu meinem Vater und sprach ernst und ehrerbietig: Vater, ich überlasse mich ihnen ganz, machen sie mit 26 mir was sie wollen; aber ich betheure ihnen, daß ich zur Gesellschaft Jesu erwählet bin, und wenn sie sich meinem Berufe widersehen, so widersetzen sie sich dem Willen Gottes. Ich redete nicht mehr, sondern entfernte mich ernst. Diese Worte hätten auf meinen sonst so got tesfürchtigen Vater doch den Eindruck machen sollen, mir seine Einwilligung zu geben. Ich habe mich auch nicht ganz getäuscht. Ueber diese Worte vergoß er viele Thränen, und lange hörte man ihn seufzen und schluchzen, und jeder wollte wissen, was ihm Unangenehmes begegnet sei. Später ließ er mich rufen, und sprach zu mir in einem sehr wehmüthigen Tone: Mein Sohn, du hast meinem Herzen eine tiefe Wunde geschlagen. Du weißt, wie sehr ich dich liebe; auf dich stüßte ich meine und meines Hauses Hoffnungen; aber da Gott dich, nach deiner eigenen Aussage, ruft, so will ich ferner nicht dagegen sein. Gehe, mein Sohn, wohin du willst; ich gebe dir meinen Segen; darauf fing er laut zu weinen an; ich aber entfernte mich mit unbeschreiblich großer Freude, und beeilte mich Alles so schnell als möglich zu vollenden, um Univ. Bibl. Giessen 000660 Cal 27 in den Orden aufgenommen zu werden. Am Feste der heil. Katharina trat ich in die erste Probe ein; als ich an den Ort kam, rief ich freudig: Hier ist der Ort meiner Ruhe, hier werde ich ewig wohnen, denn diesen habe ich außerwählt. Ich kniete mich, da ich allein war, nieder, vergoß Freudenthränen und dankte Gott, opferte Ihm mein Herz und mein Leben auf, und bat Ihn inständig, Er wolle mir die Gnade verleihen, in Seinem Hause würdig zu wohnen, zu verharren und in Seinem Dienste zu sterben. Von nun an bemühte ich mich, ganz nach Gottes H. Willen zu leben, und jede Gnade gewissenhaft zu benüßen. Das bemerkte auch der Vorsteher der Novizen, der P. Hieronymus Piatti, bald an mir, und er legte zur Ehre Gottes das Zeugnis ab mit den Worten: Mir scheint, wir haben von den Bewohnern des Himmels, welche Nichts lieben und wollen, als was Gott liebt und will, ein wahres Ebenbild in unferm Aloysius, und ich stelle mir vor, daß die Heiligen des Himmels beschäftiget sind, seine Seele mit himmlischen Gaben und den ausgezeichnetsten Gnaden zu schmücken. Ich glaube 05335 NEGOS - jilb 28 sogar, daß sie wetteifern, um ihm immer mehrere Segnungen zuzuführen, so sehen wir ihn von Gott begnadiget und mit Tugenden überhäuft. Ph. Lieber Aloysius, erkanntest du jederzeit den Willen Gottes in der Beziehung so genau und so deutlich, daß du nie in Unruhe kamst? Wurdest du nie beirret und beängftiget? AI, O ja! Unter andern wurde im Herbste des Jahres 1586 der P. Piskatori unpäßlich; das veranlaßte den General, ihn nach Neapel zu schicken, indem er glaubte, daß ihm die Veränderung der Luft nüglich sein dürfte. Der P. Piskatori wußte es schon, und kam zu mir und fragte mich, ob ich diese Reise nach Neapel mit ihm machen wolle? Ohne viel zu denken, antwortete ich ihm gleich: Ja, recht gerne. Schon war die Abreise bestimmt, als der P. General 3 Novizen bestimmte, welche den P. Piskatori begleiten sollten. Als mir der P. General dann sagte, daß ich wegen meinem oftmaligen Kopfleiden einer von den 3 Novizen sein soll, so war ich darüber sehr betrübt, indem ich fürchtete, Cerere 29 einigermaßen durch meine Antwort dazu beigetragen zu haben. Ich machte mir darüber bittere Vorwürfe, daß ich nicht geantwor tet habe: Ich werde mich ganz dem Willen meiner Oberen unterwerfen, und weder Neigung noch Widerspruch zeigen. Ich nahm mir daher dazumal fest vor, in der Zukunft mich jederzeit gleichgültig zu betragen, und nie weder Ja noch Nein zu sagen, sondern Alles von dem Gehorsame abhängig zu machen. 11 Ph. In diesem Falle warst du doch ein wenig zu ängstlich, um so mehr, da der P. General sich durch deine Antwort weder bestimmen lassen wollte, noch ließ; sondern dich nur wegen deiner Gesundheit zum Reisegefährten bestimmte. A1. So mag es dir wohl vorkommen, weil du nicht bedenkest, was das sagen will: Gottes Wille soll einem gottliebenden Herzen heilig sein, und nichts soll demselben gering erscheinen, was gegen Gottes heiligen Willen ist. Ueberdieß vergiß es nie, daß nur derjenige, der im Kleinen getreu ist, über Vieles wird gesetzt werden. Wenn du überdieß meine Vorzüge 30 betrachtest, die von der Gnade Gottes Zeugniß gaben, so wirst du erkennen, daß ich Gott aus ganzem Herzen dafür danken, und das dadurch zeigen mußte, daß ich Seinen heil. Willen aus allen Kräften auf daß Genaueste beobachtete. Das erkannte ich ganz besonders dann deutlich, wenn ich armen Waisen, verlassenen Bettlern und verhungernden Preßhaften und Kranken auf der Gasse begegnete und mich mit ihnen verglich. Dieß war einmal auf einer Reise der Fall*). Im Anfange des Monats Mai 1590 trat ich mit mehreren Jesuiten und dem P. Gregor Mastrelli eine Reise an. Auf der Reise beobachtete ich dieselbe Lebensordnung wie zu Hause. Zu derselben Zeit war ein groBer Mangel an Lebensmitteln; daher sah man auch auf den Straßen und besonders auf den Bergen, welche Toskana von der Lombardie trennen, nichts als Bettler. Da sagte einer von den mitreisenden Vätern zu mir: Mein lieber Bruder, wie viel Dank sind wir dem Herrn schuldig, daß wir nicht als solche Bettler geboren sind. Darauf erwiederte ich: Nicht *) Cepari 182. nown - G - 31 so sehr dafür, als vielmehr, daß wir nicht unter den Türken und Ungläubigen das Licht der Welt erblickt haben. Parthe Ph. Das bedenken wirklich wenige Katholifen. Würden sie das öfters überdenken und betrachten, so würden sie sich gewiß nie dieses Namens schämen und sich fürchten, sich für Jesu Christo auszusprechen und freimüthig Jesum den Gekreuzigten vor aller Welt zu bekennen. A 1. Diese beständige Betrachtung mei nes Glückes und dessen, was Gott mit mir will; warum Er mich erschaffen hat, verschaffte mir eine wahrhaft selige Sterbestunde. So lange ich nämlich einigermaßen gesund war*), übte ich die Bußübungen und Abtödtungen in dem Maße, daß es den Anschein hatte, als wollte ich dadurch mein Leben abkürzen. Meine aufrichtigsten Freunde machten mir darüber Vorwürfe und sagten mir: Ich würde darüber in der Todesstunde gewiß eben solche Vorwürfe zu erfahren haben, wie der heil. Bernhard. Mir that es wehe, sie im Zweifel zu lassen. Ich ersuchte - *) Cep. 194. NOFCHOLA 32 daher den P. Rektor bei vollem Bewußtsein in meiner letzten Krankheit, er möge denen, welche sich in meinem Zimmer eingefunden hatten, sagen: daß ich mich nicht im geringsten beunruhiget fühle, und nur im Gegentheile bedauere, nicht mehrere und reinere Bußwerke und Abtödtungen geleistet zu haben. Froh und heiter wartete ich dann auf den Herrn, Dem ich meine ganze Lebenszeit gedient. Darum mache es, wie ich es gethan habe. Ich fragte mich in Freuden und Leiden, in der Arbeit und Erholung: Nüßt das etwas zum ewigen Leben? und wenn ich dann erkannte, daß es zu meinem Seelenheile nichts nüßt, so habe ich mich durch nichts abhalten lassen, es zu verbessern oder zu unterlassen, und ich hielt mich mit männlicher Stärke an Gottes unveränderlichen Willen. Darum folge mir, und du wirst gewiß sehr leicht tausend Geschäfte im Leben als nichtig aufgeben und Gott allein dienen. Vergiß auch nie, dir die Frage öfters in allem Ernste zu stellen: Wozu bin ich auf dieser Welt? was soll aus mir werden? wozu hat Gott mich zunächst erschaffen? Recht -- 33 bald wirst du dich nur um das Ewige bekümmern und das Zeitliche verachten. Du wirst recht bald erfahren, wie nichtig die Welt mit allen ihren Träumereien und Versprechungen ist, und wie weit der Mensch von seinem Ziele abirrt, der sich ausschließend mit der Welt und ihren leeren Zerstreuungen beschäftiget. CAG CLO - Osso IV. Die Freuden des Himmels. Ph. Wenn ich dich reden höre und deine Worte auch nur ein wenig betrachte, so kommt es mir vor, als ob das Heiligwerden die leichtest einfachste und natürlichste Sache wäre, die es geben kann. Denn was ist wohl leichter und natürlicher, als dem Ziele entgegen zu gehen, zu dem man da ist, sich dem weihen, wozu man alles hat und in sich reichlich findet. Sähe ich nicht sogar Wenige auf dem Weg der Tugend und Heiligkeit wandeln, und würden sich die Wenigen oft nicht so schüchtern auf dem Weg Gottes hinschleichen, so hätte ich vielleicht bis jetzt noch nicht auf die Hindernisse dieses hocherhabenen Weges gedacht. Meine Gedan3 34 1 ken an die Schwierigkeiten wurden durch die einfache Beobachtung noch mehr befestigt, daß es gar Wenige mit Ernst verstanden, die Frage auch im Leben zu beantworten: was sie auf der Welt nach ihrer besonderen Beschaffenheit machen sollen? darin bestärkt mich auch das ernste Wort des Herrn: das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich. Ja, ja, um der ewigen Seligkeit, den sogenannten Himmel, ist es etwas Schönes, wenn nur die Straße dahin nicht gar so schmal und die Pforte, welche hinein führt, nicht gar so enge wäre! A1. Alle Schwierigkeiten verschwinden und jede Furcht vor den Kämpfen, wenn sie auch noch so blutig scheinen, hört auf, und verliert sich, wenn man die Freuden mit Ernst und Aufmerksamkeit betrachtet, die mit dem Wort ,, Himmel" bezeichnet werden. Denke daher gleich mir daran, was Gott denen verheißen hat, die Ihn lieben, was Er Seinen Lieblingen schon in der Verbannung in so reichlichem Maße gegeben hat, und du wirst gewiß mit dem heil. Augustinus rufen: Herr! hier schneide, hier brenne, schone nur dort meiner; oder mit einer 22 35 Heiligen: Der Himmel ist Alles werth. So machte es ich. Schon als Kind dachte ich*) oft an die Freuden der Auserwählten. Oft und oft konnte ich mir gar nicht helfen, meine Sehnsucht nach dem Himmel laut auszusprechen und zu rufen: O welche Freuden muß man im Himmel genießen, da man ihrer schon so große im Gespräche von demselben empfindet. In meinem 13. Jahre dachte ich öfters daran, was ich im Himmel sehen werde. Da fiel mir ein: Meinen Gott werde ich von Angesicht sehen, Den ich so oft mit den Worten anredete: Vater unser, Der Du bist in dem Himmel. Ich werde meinen liebreichen Heiland ohne Ende genießen, ich werde mich in dem unendlichen Feuer der göttlichen Liebe des heil. Geistes erfreuen. Bei meiner heil. Mutter Maria kann ich mit reinem Herzen Gott loben, und mit allen Engeln und Heiligen darf ich dann ununterbrochen den Ewigen Lobpreisen, Der in einem unzugänglichen Lichte wohnt. Von dieser Seligkeit war ich durchdrungen, als *) Cap. 31. - KG - 3* G 36 ich eines Tages mit meinem Vater, meiner Mutter und meinen 2 Geschwistern, Rudolph und Isabella, auf dem Meere war, um nach Spanien zu kommen. Da bemerkte ich, daß man auf dem Schiffe in Angst gerathe. Ich erkundigte mich um die Ursache; und als ich erfuhr, daß man sich fürchte, von den Türken angefallen zu werden, da rief ich fest entschlossen aus: Wollte Gott, daß wir Gelegenheit hätten, den Martyrertod zu sterben! Diese Sehnsucht nach dem Himmel und seinen Freuden machten mir Alles leicht. Dadurch war es mir möglich, jederzeit die Gnade Gottes gewissenhaft zu gebrauchen, besonders dazumal, da mir der Herr Winke gab, daß Er mich bald in die ewige Seligkeit aufnehmen werde. Einmal erhielt ich zu Siena den Auftrag, an die jüngeren Brüder der Bruderschaft der heiligen Jungfrau eine kleine Anrede zu halten. Da redete ich mit solcher Würde und Kraft von den Freuden des Himmels, daß viele meiner Zuhörer sich entschlossen haben, die Welt zu verlassen und ins Kloster zu gehen, um den Weg zum Himmel leichter zu finden. Ph. Hattest du denn jederzeit die gewisse G 37 Versicherung des ewigen Heiles? versuchte dich denn hierin der Satan nicht manchmal mit allerlei Zweifel über deine Seligkeit? AI. O ja, mein lieber Bruder. Wenige Monate*) vor meiner letzten Krankheit vergrößerte sich in mir der Wunsch nach dem Himmlischen Vaterlande. Ich redete daher sehr gerne vom Tode. Da wurde ich oft versucht, so zwar, daß ich es oft aussprach und sagte: je länger ich lebe, desto mehr nimmt der 3weifel an meinem Heile zu, und fürchte daher auch, daß, je länger ich lebe, sich meine Zweifel nur vermehren würden; denn es könnte mir, wenn ich in den Priesterstand eintrete, manches Unerwartete begegnen; und hier befürchte ich wegen der mannigfaltigen Pflichten der Priester im Gebete und gottesdienstlichen Verrichtungen, besonders aber um der großen Verantwortung willen, die ste vor Gott wegen des Heiles der unsterblichen Seele, im Beichthören, Predigen und in der Ausspendung der heiligen Sakramente haben. 10. Ph. Wahrlich, der Priesterstand ist ein *) Cep. 188. GICHO G.S -- Gest 38 schrecklicher Stand, wenn man ihn so recht betrachtet und seine Pflichten nur mit einem Funken Glauben überdeckt. Welche Geduld und Ausdauer braucht er im Beichtstuhle mit den Unwissenden und Rohen, welche Klugheit und Wissenschaft mit den sogenannten Ges bildeten, welche Liebe mit den großen Sündern? Welches Feuer auf der Kanzel? Welche Schonung und Zartheit mit den vielen Verlassenen, Witwen und Waisen; was steht er bei den Kranken aus? Wie viel muß sich ein guter, seinen Jesum, seine Kirche wahrhaft liebender Priester hier auf Erden versagen, um allen Schlingen des Satans zu entgehen? Würden doch alle Menschen über das Wesen der Priesterpflichten nur ein wenig nachdenken, sie würden wahrlich keinen beneiden, und es gewiß nie unterlassen, ohne Ende für sie zu beten, damit sie Gott jederzeit in Seiner Gnade bewahren und ste stärken wolle. - Al. Ich habe das wohl erwogen, und das nicht bloß einmal, sondern öfters. Dabei fiel mir ein: in meinem gegenwärtigen Stand bin ich diesem Allen noch nicht unterworfen, daher kann ich auch mit desto größerer Sicherheit 766 39 mein Heil hoffen; darum will ich den Tod lieber jetzt annehmen, wenn es Gott gefällt, mich abzurufen. Als bald darauf im Jahre 1691 in Rom die Best ausgebrochen ist, und viele davon ergriffen worden sind, so war unter anderen auch ein Jesuite ein Opfer mit Namen Bondi. Als ich diesen in letzten Zügen sah, so sprach ich zu einem meiner Mitbrüder: O wie erfreut würde ich sein, mit Bondi einen Tausch machen, und statt seiner sterben zu können, wenn unser Herr mir diese Gnade verleihen wollte. Als mich hierauf mein Mitbruder erinnerte, daß ein solcher Wunsch nicht ganz christlich sei, indem er anzeige, daß man bloß lebenssatt und nicht von der Liebe zu Gott geleitet werde, so erwiederte ich ihm: Ich sage dir dieses nur deßhalb, weil ich einige Hoffnung habe, bei Gott in Gnaden zu sein, und da ich nicht weiß, was sich in der Folge ereignen kann, so würde ich jetzt gerne sterben. Dazumal habe ich auch zum P. Bellarmin gesagt: Ich glaube, mein Vater, daß der Tage, die ich noch zu leben habe, nur *) Cepari. Telts 11 40 noch sehr wenige sind; weil ich eine ungewöhnliche Sehnsucht habe, zur Gottes Ehre zu arbeiten, und dieser Wunsch ist so lebhaft, daß ich annehmen muß, Gott würde mir diese Gnade nicht verleihen, wollte Er mich nicht bald von dieser Erde abrufen. So, meine liebe Philothea, geht es jedem Menschen, der die Freuden oft und mit Aufmerksamkeit betrachtet, die Gott denen bereitet hat, die Ihn von ganzem Herzen lieben. So ging es auch meinem Vater, dem heil. Ignatius. So oft er den Himmel ansah, rief er laut aus: So oft ich den Himmel ansehe, so ekelt mich die Erde an. Das Nämliche würden, ja müßten sogar alle Menschen ausrufen, wenn sie sich in ihrem Leben nur so viele Zeit gönnen wollten, als sie brauchen, um Gott, das liebenswürdigste Gut, besser kennen und verstehen zu lernen, was das heißt: Es ist ein Gott in 3 Personen der Gott ist, der allmächtige Vater und Schöpfer- ohne Ihm kann nichts bestehen, und wird nichts bestehen, und wenn auch alle Gelehrten, Dekonomen und die sogenannten Naturforscher in ihrem menschlichen und eingebildeten Wesen sich noch so sehr ab- legades mühen und hinabstudiren, daß sie sich vor lauter Studium ganz aufreiben; so kommen sie doch immer auf Einen Punkt, wenn sie nur halb vernünftig denken, wo ste bekennen müssen: Entweder sind sie nur von Sinnen, oder es ist ein Gott, der Himmel und Erde und Alles, was ist, erschaffen hat, erhält und regieret, ohne, Seinem Wissen und Willen geschieht nichts, es gibt nur für den blinden Menschen Zufälle über Zufälle, bei Gott und den Frommen gibt es feinen Zufall. 41 Ph. Erlaube mir jedoch eine Frage, die mich längst schon beschäftiget hat, wiewohl fie nicht strenge zu diesem Gegenstande gehört. Al. Stelle sie nur, laß dich nicht abschreden, denn diese Unterredung soll dich nicht zum Professor in den Denkregeln, oder zu einem geübten Philosophen( Weltweisen) machen, sondern zu einem gläubigen Katholifen, einem heiligen Kinde der römisch- katholischen Kirche und zu einem treuen Mitgliede unserer Gemeinschaft. Ph. Oft und oft fiel mir schon ein, wie denn Gott, ohne dessen Wissen und Willen nichts im Himmel und auf Erden geschieht, e degl 42 zugeben konnte, daß Adam und Eva gesündiget haben, oder überhaupt, daß die MenschenSünden begehen? Warum hindert Er den die Sünder nicht, da Er es doch leicht könnte? dadurch unterbliebe viel Unheil auf der Erde. AI. Um das recht zu verstehen, mußt du dir vor Allem merken, daß es einen bestimmenden und einen zulassenden Willen gibt. Das Böſe läßt Gott zu, und Er muß es zulassen, wenn Er nicht aus dem Menschen ein instinktmäßiges Thier machen will. Würde Gott die Möglichkeit zu Sündigen aufheben, so müßte Er den Himmel, den Ort der Belohnung, und die Hölle, den Ort der Bestrafung, aufheben. Gott müßte aus dem Menschen eine Maschine machen, und dazu hat Er ihn nicht erschaffen wollen. Seine Güte und Barmherzigkeit thut alles Mögliche, um den Menschen von der Sünde abzuhalten und zur wahren Gottseligkeit zu bringen, nur zwingen kann sie ihn nicht. In der That, wenn man die Sünde und den Sünder recht betrachtet, steht man, daß das Sündigen für einen denkenden Menschen viel schwerer ist und weit mehr Hindernisse findet, als das Gute thun. Willst du 6866 43 die Wege der Vorsehung recht gut verstehen lernen, so lies das Leben des ägyptischen Josephs. Ph. Ich danke dir für deine unverdrossene Mühe und Geduld. Ich hoffe, daß ich in der Zukunft Alles noch besser einsehe, wenn ich Gott länger mit allem Ernste betrachtet haben werde. Al. Denke nur oft nach über Gottes wunderbare Führungen, und erhebe dich oft im Geifte in den Himmel. Verweile bei den Freuden des Himmels jeden Tag ein wenig, und vergiß aber dabei nicht, daß die Freuden des Himmels verschieden sein werden, je nachdem man auf der Erde Gott weniger oder mehr, eifrig gedient und weniger oder mehr Gutes gethan hat. So habe ich es auch gethan, und das ermuthigte mich auch jederzeit von neuem. Ph. Bei diesen Betrachtungen hast du doch gewiß auch vor dem Tode nicht so sehr gezittert? AI. O nein, meine liebe Philothea. In meiner letzten Krankheit kam der Präfekt der Krankenwärter, der sich bei den Kranken sehr gut auskannte und versicherte, daß ich nur 6033 44 noch wenige Tage werde auf Erden leben können. Das hörte ich mit vieler Freude, ich wandte mich hierauf an Einen meiner Mitbrüder, und sprach: Du weißt noch nicht die gute Nachricht, die ich empfangen habe; ich werde innerhalb acht Tagen sterben. Hilf mir, ich bitte dich, das Te Deum singen, um Gott für diese Gnade zu danken. Wir thaten es. Bald darauf rief ich einem andern Mitbruder zu: Mein Bruder! mein Bruder! wir gehen mit Freude von dannen. Hierauf schrieb ich drei Abschiedsbriefe*) an drei Patres, meine vertrauten Freunde, den P. Piskatori, den P. Angelis und an den P. Rekulkali. Ich zeigte einem jeden meine Reise zum Himmel an, grüßte sie, und empfahl mich ihrem Gebete. Weil ich schon so schwach war, so ließ ich mir die Hand beim Schreiben führen, und machte statt meiner Namensunterschrift nur ein Kreuz**). - Diese Sehnsucht nach dem Himmel hat mich bis zum letzten Athemzuge nicht verlassen, *) Cepari 207. **) Cepari 213. - - C000066 SC 45 und gab mir Geduld in der Ertragung eines jeden Leidens. An meinem Sterbetage war ich noch bei meinem vollen Bewußtsein, da kam der P. Provinzial an, und sagte zu mir: Was geht mit dir vor, Bruder Aloysius? Mein Vater, antwortete ich, wir gehen unsern Weg! Und wohin denn? In das Paradies? antwortete ich voll Zuversicht. In das Paradies, antwortete der P. Provinzial. Ja, mein Vater, in's Paradies, wenn mich meine Sünden nicht daran hindern. Ja, ich hoffe durch die Barmherzigkeit Gottes dahin zu gelangen. Ueber diese Rede war mein P. Provinzial so erstaunt, daß er zu seinen Begleitern ganz leise sagte: Hört ihr, er spricht von seinem Hingange zum Himmel, wie wir von einer Ferienreise nach Fraskati sprechen würden*). Endlich kam ich meinem Ende immer näher, immer war mein Blick unverwandt nach oben gerichtet, bis ich dorthin gelangte, wo ich jetzt Gott von Angesicht sehe und anbete. Stärke auch du dich beständig durch - *) Cepari 216. - 46 die Betrachtung des Himmels und seiner Freuden, so wird dir der Muth gewiß so wenig fehlen als mir. V. Die vorzüglichsten Hindernisse auf dem Tugendwege, den Aloysius wandelte und jeder Fromme gehen soll. Ph. O liebevoller Lehrmeister, wie an muthig ist dein Aufenthalt, wie lieblich deine Einladung und wünschenswerth scheinet dein Hingang zum Vater! Könnte ich so sterben, wahrlich, ich wäre gleich bereit, auch zu dir zu gehen. Allein, wie groß ist doch mein Elend! Ich sehe und höre es auch unzählige Male, daß man in der Welt auf Gott, auf Seinen heil. Willen und überhaupt auf die göttlichen Dinge so wenig, und oft gar keinen Werth legt. Ich bemerke, daß man den Angelegenheiten des Körpers, ja selbst der häuslichen Bequemlichkeit oder sogenannten Körperpflege größtentheils viel mehr Zeit, Nachdenken, Anstrengung schenkt, als der ernsten Lebensaufgabe, dem Heile der Seele und der Ehre Gottes. Um einen Splitter aus dem Finger zu -- CCOO C 60 CTCO 47 bringen, einen kleinen Ausschlag aus dem Gesichte wegzuschaffen, eine braune Gesichtshaut weiß zu machen, rennt man von dem Einen zum Andern, vergißt man in feiner Gesellschaft davon zu reden, läßt man kein Mittel unversucht, und wenn es auch noch so viel Geld, Geduld und Zeit kosten sollte. Für die Bildung des Herzens und Erkenntniß Gottes sorgen die mit zeitlichen Gütern geseg netesten Aeltern bei den Kindern oft so armselig, daß man weinen muß, wenn man ihre Kälte und ihre Grausamkeit betrachtet, deren sie sich durch diese Nachlässigkeit schuldig machen. Sechs Jahre, sagen sie, lassen sie ihre Kinder unterrichten in der heil. Religion, von deren Grundsägen einst das zeitliche und ewige Wohl und Wehe von Tausenden abhängt, die einst Räthe von Regenten sein, und Leiter ganzer Länder werden sollen. Sogenannte Fromme und gute Christen lassen ihre Kinder kaum 200 Stunden in der heil. Religion bilden. Im Winter lernen sie jede Woche 1 Stunde, wenn es viel ist, 2 Stunden, das macht alle Jahre 48 Stunden, davon fallen die zerstreuten, die durch Unterhaltungen verlornen, die durch -- 48 Krankheit verhinderten weg, und wie viel bleibt? Im Sommer tändeln sie nur mit der h. Religion, lesen sie meistens nur im Evangelium oberflächlich, und dann im Winter wissen sie nichts mehr. Ich sehe, daß man in der Welt so viel Werth auf das bloße leere Wissen legt. Selten höre ich: der ist gottesfürchtig, der übet diese guten Werke, sondern nur immer: der weiß das, das kann er auch, das versteht er, und zuletzt als Anhängsel, das nichtssagende: er ist brav; er redet so viele Sprachen, von dem kann er etwas reden. So geht es mir auch. Mit diesem Erlernen wird meine ganze Zeit verwendet, meine Vernunft, mein Gedächtniß und mein Herz steht im Dienste der weltlichen Wissenschaft, und so verlebte ich vertieft in dem Taumel der bloß weltlichen Wissenschaften bereits Jahre, meine Sucht nach nutzlosem, vielleicht bloß Vergnügen gewährendem Wissen wird immer größer, ich sage mir immer: das ist eine Schande, wenn du es nicht weißt, und das auch, das brauchst du für den Umgang, das für jene Zusammenkunft, das für diese, und was ich für den Umgang mit dem Ewigen brauche, fümmert mich wenig. So kommt es hey C C C G C 6 6 jogg 49 daß ich ein gebildeter Mensch sein will, ohne zu bedenken, daß ich nur eigentlich als ein Christ ein gebildeter Mensch- benannt zu werden verdiene. So stehen mir tausend Dinge im Wege, verdunkeln meinen Blick nach der heiligen Höhe und hindern mich in dem ernstlichen Entschlusse und seiner Ausführung, ein wahrhaft christliches Leben zu führen. A1. Meine gute Philothea! dein Elend bestand schon zu meiner Zeit. Mir ging es anfangs nicht viel besser. Mein Vater wollte mich, wie er zu sagen pflegte, standesgemäß bilden lassen. Du wirst es wohl wissen, wie viele Kenntnisse die Welt in meinem Stande verlangt, bis man die Bildung als genügend erklärt. Lernen und Lernen war das beständige Reden meiner Lehrer. Jeder wollte den Forderungen meiner Aeltern vollkommener entsprechen; daher wurde ich in meiner Standeswahl sehr beirrt. Ich wußte anfangs lange nicht: Ob ich einen Stand wählen soll, in dem mehr auf Frömmigkeit als auf die Wissenschaft gesehen wird, oder ob ich mir jenen Stand wählen soll, der mehr Kenntnisse und Bildung, als geistliche Ruhe und Einsamkeit verlangt. 4 EG - men 50 Endlich kam ich nach vielen Prüfungen und Gebeten zu dem festen Entschlusse, den ich auch ausführte. Ich fing dann ernstlich an, mich auch in meinen Gedanken mit Gewalt jederzeit mit Gott zu beschäftigen. Hierin befolgte ich den Ausspruch meines Vaters. Mein Vater pflegte nämlich öfters zu sagen: Jeder, der sich einen Stand erwählt, soll den Pflichten desselben mit der gewissenhaftesten Treue nachkommen. Da mein Vater daß in Bezug auf irdische Dinge gethan hat, um so viel mehr hielt ich es für meine Pflicht, es dann auszuführen, wenn es sich um göttliche Dinge handelte.- Ich wiederholte mir oft die Worte Jesu: Dieses ist das ewige Leben, daß sie Dich, den allein wahren Gott, und Jesum Christum, Den Du gesandt hast, erkennen. Daher war mir die heil. Religion, die wahre und richtige Erkenntniß Gottes, auch der erste und wichtigste Gegenstand, so lange ich lebte. Im römischen Collegium waren zu meiner Zeit die sogenannten Disputationen. Dabei wurden Gegenstände aus der gesammten Gottesgelehrtheit abX *) Cep. 88. 51 gehandelt. Bei denselben wohnte ich nach erhaltenem Befehle immer mit vieler Freude bei. Ich war auch immer bereit, sie für Andere zu halten. Das that ich aber keineswegs um mei100 au nou! Antons nen Verstand zu meiner Wis" oder mit senschaft zu prahlen und mich andern vorzuziehen, sondern nur aus Nächstenliebe. Während der Disputation war ich jederzeit bescheiden, und doch eindringlich. Ich war nie bestürzt, heftig oder beleidigend. Ich gab meinem Gegner immer ganz ruhig so viele Zeit, als er brauchte, um seine Antwort gehörig ausführen zu können. Sah ich die Schwierigkeit deutlich entschieden, so endigte ich den Streit( Disputation) mit der größten Treuherzigkeit. Wenn ich dann aus der Classe kam ,, oder dahin ging, besuchte ich das allerheiligste Sakrament, um Gott für Seine erleuchtende Gnade oder Seinen mächtigen Beistand zu danken. Ph. Auf diese Art hattest du freilich sehr leicht das Hinderniß beseitigt, welches so viele in ihrem Verstande finden, wenn sie auf dem Weg der Gottseligkeit fortschreiten wollen. In dir bestätigte sich, was der heil. Ambrosius sagte: Die Dich, o mein Gott! fürchten, wer4* — 52 - den Dich sehen, nach Deinen Geboten wandeln und sich darüber freuen. Der Anblick eines solchen Menschen ist für die Mehrzahl der Menschen eine Lehre, und für die Vollkommenen ein Gegenstand des Trostes und der Freude. Der Anblick des Gerechten thut wohl und flößt alle Achtung für die Tugend ein, welche sie wünschen. *) Cepari 184. Al. Der Gegenstand meines Wissens war demnach Gott, Sein heiliger Wille, Seine Heilige Liebe, alles das, was er zum Besten der Menschen gethan hat. Ich konnte daher bei meiner Ankunft in Rom meinem Freunde, P. Virgil Cepari, in Wahrheit sagen: Ich habe meinen Todten schon beerdiget, ich brauche nicht mehr daran zu denfen. Ordne daher deine Erkenntniß; gib Gott was Gottes ist; denke über das Ewige nach, so wirst du die wahre Weisheit erlangen, du wirft die vielen Dinge nach und nach erkennen, um die du dich zwecklos kümmerst! Gar vicle Dinge wirst du nicht zu wissen verlangen; viele Zeit wirst du für Gott gewinnen, Qyt. kat: 53 für deine Seele finden, und dem Nächsten schenfen können, die du sonst mit nichtigem Nachfinnen, eitlen Studien und gelehrten nuglosen Forschungen vertändelt und für die Ewigkeit verloren hättest. Daher beherzige ernstlich die Worte: Unsere Meinung und unser Erkennen täuscht uns oft und ist nichtig. Was nüßen mühsame Untersuchungen über verborgene und dunkle Sachen, wegen welchen wir am Gerichtstage nicht werden zur Rede gestellt werden; wenn wir sie auch nicht gewußt haben. Es ist eine Thorheit, wenn wir, was nüglich und nothwendig ist, vernachlässigen und freiwillig auf nichtige und schädliche Dinge aufmerken. Die hohen Worte machen nicht heilig und nicht gerecht. Wenn du die ganze heil. Schrift auswendig wüßtest, wenn dir die Sprachen aller Weisen bekannt wären, was würde dir alles das nüßen ohne der Liebe Gottes, ohne Seiner Gnade?- Die höchste Herrlichkeit besteht darin, daß man die Welt verachtet, und nach dem Himmel trachtet. Die vielen Worte sättigen die Seele nicht, son08535 *) Nachf. 3. 54 dern nur ein frommes Leben entzündet das Gemüth und ein reines Gewissen flößet großes Vertrauen auf Gott ein. Ph. Du hast wol recht, mein lieber Aloyfius, die große Wißbegierde verwickelt in viele Berftreuungen, und man wird dadurch oft schändlich betrogen. Ist man gelehrt, so ist das Herz meistens schon, bis man es zu es zu einer sogenannten Gelehrsamkeit gebracht hat, durch das viele Studium, leer, weil man aus lauter Lernfucht das Gebet unterläßt, und seine Bestimmung auf Erden aus den Augen verliert. Hat man einmal den Ruf, so muß man Besuche annehmen und machen, um sich zu bilden, man darf in der, Lesung der neuern Grscheinungen nicht zurückbleiben, man vergißt auf die Anwendung auf sein eigenes Leben, und meint, man sei bloß zum Unterrichte und zum Nathgeber Anderer bestimmt. Man will gesehen taned werden, und verlangt größtentheils das Lob der Menschen. Man gleicht nur allzusehr einem unklugen Landmann, der immer den Samen sammelt und nie aussät, und zur Zeit der Ernte vergebens auf eine ergiebige Ernte wartet. Der Bauer, der Gott wahrhaft dient, 55 ist doch immer in der That viel besser, als ein hoffärtiger Weltweiser, welcher auf Gott und sich vergißt, und dabei die Gestirne und ihren Lauf beobachtet und ihre Namen kennt. Al. Du hast wahr gesprochen. Diese Weltweisen haben die Welt noch nie bekehrt, und so lange Jemand ein bloßer Weltweiser von Profession bleibt, hat das Reich Gottes von ihm nicht viel zu erwarten, wird er den Engeln im Himmel wenig Freude machen, wenige Seelen befehren und retten, und ist und bleibt immer ein sehr gefährliches Werkzeug, dessen sich der Fürst dieser Welt nicht selten bedient, um sein Reich mehr zu erweitern und zu befestigen. Darum sei mehr fromm als gelehrt, und du wirst gewiß mehr weise werden und sein als gelehrt. X VI. Der verkehrte und schwache Wille steht einem jeden Menschen im Wege, der gerne besser werden möchte. Ph. Deine Erkenntnisse waren rein, deutlich, flar und bestimmt; denn dein Wille war durch nichts gestört; du fonntest deinem beffe N ( 56 56 ren Erkennen leicht folgen. Ich bin zwar auch nach Gottes Ebenbild, wie du, erschaffen. Allein wie verderbt ist mein Wille von Natur aus. Ich empfinde in meinem Fleische das Gesetz der Sünde, welches dem Gesetze meines Geistes widerspricht, und mich wie einen Gefangenen dahin schleppt. Ich will oft das Gute, und mir ist, als wenn ich meinen bösen Neigungen nicht widerstehen könnte. Ich erfreue mich an dem nämlichen Gesetze, an dem du dich erfreutest; ich weiß recht gut, daß Gottes Gebote gut, gerecht und heilig sind, und daß sie alles Böse und die Sünde zu fliehen gebieten. Ich habe einen guten Willen, aber bin zu schwach, das auszuführen, was ich will; daher mach' ich so viele gute Vorsäge, weiche aber bei jedem Hindernisse zurück, und stehe von meinem Vorhaben ab; wie oft nahm ich mir schon vor, ein geregeltes Leben zu führen, und bis jetzt machte ich hierin beinahe gar keine Fortschritte. Bei jeder h. Beichte nehme ich es mir vor, und in kurzer Zeit ist es mir, als ob mir die gemachten Vorsäge bloß geträumt hätten. Ich fühlte durch die Gnade oft schon, wie glücklich und zufrieden und heiter - 57 - die treue Pflichterfüllung den Menschen macht, ich sehne mich darnach, allein wo bleibt die That? Ich erkenne die Armseligkeit eines verirrten Lebens, die Nichtigkeit der irdischen Träumereien, das Schreckliche der Vergänglichkeit des irdischen Lebens; ich sehe oft im Geiste die Strenge des Gerichtes Gottes und zittere, aber kann mir denn doch nicht helfen. Dieses ist auch die Ursache, daß ich zwar den Weg der Vollkommenheit erkenne und oft flar genug sehe, wie ich wandeln sollte, aber von der Last meiner eigenen Verderbtheit niedergedrückt, nicht zu jener Vollkommenheit gelangen kann, die ich an dir bewundere. 0853550 Al. Ich fühlte so gut die böse Natur wie du. Schon in meinem 7ten Jahre hatte ich von Gott und der heiligen Religion viele Erkenntniß. Meine gute Mutter und besonders mein wahrhaft frommer Erzieher gaben sich alle Mühe, mich zur wahren Gottesfurcht anzuleiten, die nie und nimmermehr gestattet, eine Sünde zu begehen. Schon in meiner zarten Jugend habe ich so manches gethan, was dir die Bosheit meines Willens beweiset. Ich war einmal mit meinem Vater zu Lasal, wohin 58 mein Vater im Auftrage des Königs ging, um dort Truppen zum Dienste des Königs herzustellen, welcher einen Feldzug nach Tunis unternehmen wollte*). Da sing ich an, auf eine militärische Haltung viel Gewicht zu legen. Ich bekam einen Spieß und eine Rüstung. Ich versuchte Manches, wozu mich der Vorwitz verleitete. Unter andern schoß ich einmal eine Flinte ab, das Pulver gewann zu früh Feuer, und ich verbrannte mir das ganze Gesicht. Diese fühlbare Warnung hätte mich wol klüger machen können; allein vergebens. Nicht dachte ich an die liebreiche Warnung der göttlichen Vorfehung und die Allgegenwart Gottes, so verderbt war mein Wille. Einmal ruhten die Soldaten aus; als ich sie ruhen sah, nahm ich aus ihren Patrontaschen Pulver, ladete es in eine kleine Kanone und brannte sie los. Bei ihrem Zurückprallen verlegten mich beide Räder; darüber erwachte der Markgraf, mein Vater, und da er einen Ausstand unter den Soldaten vermuthete, so ließ er ganz erschrocken Erkundigungen einziehen. Als er erfahren hatte, was geschehen ist, *) Cep. 4. S 59 so wollte er meine Unvorsichtigkeit strenge bestrafen. Hätten die Soldaten, denen ein solcher friegerischer Eifer in meinem Alter sehr wohl geftet, nicht für mich gebeten und meinen Vater besänftiget, so wäre ich ohne Zweifel schwer Da blieb ich bei meinem gezüchtiget worden.- boshaften Willen noch nicht stehen. Ich merkte mir alles Schlechte, das ich von den Soldaten hörte. Ich hörte verschiedene rohe, ausgelassene Redensarten, die gebrauchte ich bei der ersten besten Gelegenheit, und hätte sie vielleicht nie mehr abgelegt, wenn sie mein Erzieher nicht alsogleich bemerkt und mich darüber zur Rede gestellt hätte. Auch lebte ich lange Zeit mit einer außerordentlichen Neigung zum Jähzorn fort, ohne es eigentlich zu bedenken, in welchem Elende ich mich befinde. Ich bereitete mich zu Florenz auf die heil. Beicht mit allem Ernste vor. Da bemerkte ich erst das Feuer des Sähzornes an mir; das zweite Mal sah ich, daß das wilde Feuer noch nicht ganz gedämpft war. Wiewol ich schon so weit Herr über mich war, daß dieß nicht äußerlich bemerkbar ward, so fühlte ich doch in mir noch ziemlich deutlich eine gewisse Unruhe, welche den Frieden der Seele stört. Da bedachte Univ.- Bibl. Giessen 1855 60 ich vor dem Kreuze, was der Jähzorn für ein schändliches und beklagenswerthes Laster sei, welches den Menschen in einen Zustand versetzet, in dem er nie über sich selbst Herr werden kann. Ich sah vor mir das Lamm Gottes, da fiel mir die Sanftmuth und die Demuth Jesu Christi ein, es war mir, als spräche der Herr vom Kreuze herab zu mir: Mein Sohn, bedenke, was ich dir zu Liebe gethan und gelitten habe. Erwäge, was man mir angethan, wie man mich behandelt hat, und wie ich immer von Herzen demüthig und sanftmüthig war. Komme oft zu meinem Kreuze, und lerne da die Worte verstehen: ,, Selig sind die Sanftmüthigen, denn. sie werden Kinder Gottes genannt werden." Thränen der Reute waren meine Worte, die ich der ewigen Liebe, meinem geduldigen Erlöser zur Antwort gab, ich gab mir von nun an alle erdenkliche Mühe, die Quellen dieses Lasters so vollkommen zu vertilgen, daß ich, wiewol ich von Natur hizzig und aufbrausend war, seitdem nie die geringste Spur der Ungeduld und Lebhaftigkeit blicken ließ. Ph. Ich sehe also aus dem Wenigen, was du mir aus deinem Leben angeführt haft, voll 61 kommen, daß auch du ein zum Bösen geneigter Mensch warst, und daß du sehr leicht hättest den Weg zu Gott verfehlen können! Al. Wenn du aber das erkennest, so wandle meine Wege, die ich gegangen. Folge mir nach. Lege alle Jahre nur einen Hauptfehler ab, so wirst du nach und nach ganz frei von jeder Neigung zur Sünde, Gott lieben. Empfange oft mit würdiger Vorbereitung das hochwürdigste Sakrament des Altars. Wähle dir einen frommen eifrigen Führer, und gehorche seinem Rathe gleich dem eines von Gott gesandten Engels. Gehe oft zum Kreuze, besuche Jesum Christum oft oft im allerheiligsten Sakramente des Altars, dort rufe mit wahrer Innigkeit, wie ich in diesen heißen Kämpfen mit der verderbten Natur: O Jesus o Heiland- erbarme dich meiner, eile mir zu helfen, hilf mir kämpfen, sonst unterliege ich! O höchst beglückende Gnade! komme, fomme zu mir und erfülle mich. Laß mich vor Dir, o Gott! Gnade finden! Diese genügt mir, wenn ich auch sonst nichts erlange, wornach sich meine Natur sehnet; denn was bin ich ohne Deine Gnade, o Gott? was anders als ein ausgedorrtes Holz, - RECYCL - by G Godofmoonte 62 ein unnüßer Wurm, welcher weggeworfen wird.. Deine Gnade soll mir allezeit zuvorkommen und nachfolgen, und sie soll mich leiten, damit ich meine Werke Dir gefällig verrichte und in Deie Werke Dir ner Liebe beständig verharre. Die Künste, die Reichthümer, die Schönheit, die Stärke, der Verstand, die Beredsamkeit haben bei Dir, o Herr, ohne der Gnade keinen Werth. Amen. VII. Das, was man sicht, ist für den sehr gefährlich, der Gott wahrhaft lieben lernen will. 1 A 1. In meiner früheren Jugend lernte ich schon ein großes Hinderniß der Tugend in meinen Augen kennen. Denn die Menschen sind von Jugend auf neugierig. Die Welt bietet dem Menschen so vieles zum Schauen dar. Die vielen Gegenstände zerstreuen dann den Menschen, er vergißt auf Gott, auf seine Seele und das ewige Leben. Ich dachte dabei an die himmlischen Herrschaaren, die seligen Geister, und stellte mir jenen herrlichen Anblick vor, den uns einst die große Schaar der Auserwählten gewähren werde, wenn sie mit 63 ihren glorreichen Leibern schaarenweise vor dem Nichter erscheinen, um von ihm zu hören: Kommet, ihr Geliebten meines Vaters, befizet das Reich, welches cuch vom Anbeginne bereitet ist. Vh. Du hast einen Gegenstand berührt, den ich schon längst beobachtet habe. Es geht mir auch allenthalben so. Sogar in der Kirche sind es die Augen, die mich nicht zur Sammlung des Geistes kommen lassen. Bald erblicke ich dieses, bald jenes, und zuletzt schweife ich in meinen Gedanken herum, und gehe ohne Gebet aus der Kirche. Schließe ich die Augen zu, so stellt sich die Trägheit ein, und ich bin der größten Gefahr ausgesetzt, bei der heiligsten Handlung zu schlafen. Lehre mich hierin, was ich machen soll, um dieses Hinderniß zu beseitigen. - Al. Meine Philothea, ich werde dir erzähIen, wie ich diesen Zerstreuungen entgangen bin. Einft nahm mich mein Vater, der es nach seiner Art sehr gut mit mir meinte, mit nach Mila, um mir da die Revue der Cavallerie zu zeigen*). Ich konnte mich wegen des Be*) Cep. 23. 03335 GH QgG 64 fehles meines Vaters nicht weigern, ihn zu begleiten. Da fand ich ein leichtes Mittel, dieser Zerstreuung zu entkommen. Ich nahm nämlich den angebotenen Platz nicht an, auf welchem ich die Revue hätte besser sehen können, schlug die Augen nieder, oder wandte mich ganz hinweg. So entging ich dieser Zerstreuung, und vergaß dabei meinen Gott nicht. Am schwersten ging es mir in der Zeit, in der ich als Edelknabe des Prinzen Don Jakob, des Sohnes Königs Philipp II., durch zwei Jahre in Spanien bei Hof lebte; da gab es viel zu schauen. Da ging ich auf der Straße mit niedergeschlagenen Augen, und wiewol ich zwei Jahre in Madrid lebte, so hätte ich mich nicht ausge kannt; darum ließ ich mich immer begleiten. Auf der Reise nach Spanien reiste ich mit der Kaiserin. Da hatte ich Gelegenheit, die Kaiserin täglich zu sehen. Ich sah sie nie an. Weil ich wohl wußte, welche Wachsamkeit die Augen brauchen, bewachte ich sie sorgfältig bis zu meinem Tode. Als Novize war ich noch viel wachsamer. Das kannst du aus folgender Begebenheit abnehmen: Die Novizen hielten sich nämlich einige Male im Jahre auf einem Cco o 6 6 6 FAL 65 Landgute zu ihrer Erholung auf. Ich bin schon mehrere Male mit gewesen. Einmal traf es sich, daß wir auf ein anderes Landgut geschickt wurden. Auf der Rückreise fragte man mich, welches von beiden Häusern mir besser gefallen habe. Diese Frage wunderte mich sehr, indem ich bis dahin geglaubt habe, ich sei an dem nämlichen Orte gewesen; wiewohl der Weg dahin und die Zimmer daselbst ganz verschieden waren. Endlich erinnerte ich mich, daß ich in dem letzten Hause eine Kapelle gefunden, welche ich im ersten nicht gesehen habe*). So wenig kümmerte ich mich um etwas Anderes, als nur um das Eine Nothwendige, und. dadurch brachte ich es dahin, daß ich vollkommen Herr über meine Augen wurde. Ph. O glücklicher Aloysius! könnte ich es nur auch dahin bringen, daß ich meine Augen in der Weise beherrschen könnte. Ich hätte schon längst einen Bund mit meinen Augen gemacht, wenn ich mich nicht gefürchtet hätte, ihn wieder zu brechen. A1. Meine liebe Philothea, du dauerst *) Cep. 90. 5 66 mich! Sieh' und beherzige wohl, wenn du ausgehst, daß Gott dich allenthalben mit einem scharfen Blicke begleitet. Nirgends bist du allein; darum denke an Gott, wo du immer sein magst. So beschäftigte ich mich ohne Unterlaß mit göttlichen Dingen und dem Heile meiner Seele; daher kam es auch, und es wird dir jetzt klar sein, wie es möglich sein konnte, daß ich schon drei Monate im Speisesaal mitspeiste, und noch nicht einmal die Vertheilung der Pläge genau kannte. Einmal befahl mir der P. Minister, ich soll von des Rektors Plaß ein Buch holen, ich wußte den Platz nicht, und mußte daher jemanden bitten, daß er mir ihn zeigte. Ich hatte meine Neugierde dergestalt vernichtet, daß ich, wie es mein Vorsteher bezeugen kann, mich im Gewissen darüber beunruhigt fühlte, daß durch ungefähr mein Blick zwei oder drei Mal auf einen meiner Mitbrüder fiel, der neben mir gesessen ist, weil ich fürchtete, daß dieß ein Zug der Neugierde sei. Dieß war die erste Unruhe des Gewissens, die mir nach meinem Eintritte in den Orden vorgekommen ist, in Betreff der Einhaltung der Blicke. Ph. Ich will es im Vertrauen auf Gott - 67 versuchen, mich im Kleinen zu überwinden, und so von Stufe zu Stufe steigen, um deinem Vorbilde immer näher zu kommen. Bete für mich bei Gott, damit ich nicht ermüde, oder mich von den ersten Schwierigkeiten abschrecken laffe. - - VIII. Viele, welche wahrhaft chriftlich leben wollen, fallen in die Schlinge der Gaumenlust. Ph. Die Natur fordert viel, ja wirklich sehr viel besonders fühle ich das in der strengen Fastenzeit. Einmal fällt mir ein, ich halte die Fasten nicht aus; ein anderes Mal: ich kann dann nichts arbeiten. Wieder ein anders Mal, ich morde mich durch die strenge Faste selbst und eile dem Grabe gegen Gottes Willen zu; dann ziehen mich die Speisen allzusehr an; ich meine bisweilen, ich vermag es nicht auszuhalten bis zur bestimmten Stunde und schwäge mir dann vor, als ob das Fastengebot für mich nicht gegeben wäre, oder als ob ich zu den Dispensirten gehören würde.- A1. Gegen alle diese Versuchungen gebrauchte ich keine bessere Waffe glücklicher, 5* GNCHONS 68 als die Worte Jesu Christi: der Mensch lebt nicht allein vom Brote, sondern von jedem Worte, welches aus dem Munde Gottes kommt. Das Himmelreich ist keine Speise und kein Trank. Ich betrachtete die Fasten derer, die bereits im Himmel sind, und die vierzigtägige Faste meines Heilandes, dann erinnerte ich mich auch an meine Sünden, und so brachte ich es nach und nach dahin, daß ich nie aß, als ob ich dazu geboren wäre, sondern nur immer aß, um zu leben. Von der Seite habe ich nicht geringe Hindernisse gefunden. In meiner zartesten Jugend wurde ich zu Mantua krank. Die Aerzte, welche man alsogleich herbeigerufen hatte, gaben die Weisung, durch eine strenge Lebensweise die Säfte meines Körpers zu erhalten, deren Verminderung man für den Grund des Uebels gehalten hat. Mit Freude aß ich, nicht was ich wollte, sondern was mir von den Aerzten gereicht wurde, und ich gerieth dadurch in eine sichtbare Verzehrung; dessen ungeachtet legte ich mir später noch eine strenge Faste auf. An den Samstagen fastete ich zur Ehre der heiligsten Jungfrau Maria, und am Freitage 69 zur Erinnerung an das Leiden unsers Erlösers.- An diesen Tagen genoß ich zu Mittag nur drei in Wasser getauchte kleine Stückchen Brot, am Abende aß ich ein geröstetes Stückchen Brot, das ich früher ins Wasser tauchte*). An den Mittwochen fastete ich gewöhnlich bei Wasfer und Brot. Ich aß überhaupt so wenig, daß Viele gar nicht begreifen konnten, wie ich bei dieser geringen Nahrung leben konnte. Einmal wog man mein Mittagsmal und es wurde gerichtlich bezeugt, daß das Brot nebst der übrigen Speise noch nicht eine Unze betrug; das war so weit von den nothwendigsten Lebensbedürfnissen entfernt, daß man augenscheinlich sah, wie mich Gott wunderbarer Weise erhielt. So sah ich sehr deutlich ein, daß der Mensch nicht allein vom Brote lebet**). Eines Tages sagte ich im Vertrauen zu einem der Väter, daß ich im Orden dennoch weit weniger Bußübungen verrichte, als ich es im väterlichen Hause gethan habe, mein Trost aber bestehe darin, daß das *) Cep. 25. **) Cep. 89. - OROCIG 70 Kloster für mich wie ein Schiff zur Ueberfahrt ist. Bei Tische pflegte ich nur jene Speisen zu wählen, welche am wenigsten schmackhaft schienen. Bemerkte ich sie, daß sie schmackhaft waren, so ließ ich sie stehen, und wählte die unschmackhaftesten. - In meiner letzten Krankheit verordnete mir der Arzt eine sehr bittere Arznei; die Andern suchten die Arznei auf ein Mal sehr schnell zu nehmen, um den schlechten Geschmack nicht zu empfinden. Ich aber nahm das Glas, und fing an, die schlecht schmeckende Arznei langsam zu trinken, als wenn es das angenehmste Getränke gewesen wäre*), und legte dabei nicht den geringsten Ekel an den Tag. Ein anderes Mal legte mein Krankenwärter Kandiszucker und Lafrizz auf den Tisch, damit ich von Zeit zu Zeit etwas davon nehmen möchte, wenn ich huste. Da war einmal ein Bruder bei mir, ich bat ihn, er möchte mir etwas Lakritz geben. Als mich aber der ganz verwundert fragte, warum ich nicht lieber Kandiszucker verlange, antwortete ich ihm: Weil mir der Lakriz mehr mit der Armuth übereinzustimmen scheint. *) Cep. 196. Per Go 71 F Ph. Ich sehe in deinem Leben ganz deutlich, daß man seinem Gaumen nie und nirgends nachgeben soll. Auch hätte ich es gewiß hierin schon viel weiter gebracht, wenn man sich nicht überall von der Faste mit solchem Leichtsinne lossagen würde, und ich mehrere lebende Beispiele von wahrhaft Fastenden vor mir hätte. Denn in deiner Zeit kannte man doch wenigstens das so wohlmeinende Fastengebot noch, und man verstand noch, daß die Selbstverläugnung und die Abtödtung des Gaumens zu einem echt christlichen Leben unumgänglich nothwendig sei. Aber jetzt findet man selbst bei den Besseren kaum einen unvollkommenen Begriff von der christlichen Abtödtung. Das Beispiel derer benüßt der Satan, um die Gutwilligen zu fangen. A1. Dieß wird und kann dich nicht beirren, wenn du die guten Menschen betrachtest, und dich zu erfahren bemühest, wie wenig die Menschen von Gott, von ihrem Erlöser, von der H. Kirche, und von der Gewalt wissen, welche das Himmelreich leitet. Schaue sie nur an, ob zu ihrem Leben mehr gehört, als ein Mund und ein guter Magen; du wirst bald begreifen, daß ein jeder Heide so leben kann, wie 72 sie leben, und daß zu einem solchen Leben kein Funken Christenthum gehört. Vergiß nicht, daß mehr Christ zum Versagen gehört, als zum Essen. Alles verzehren kann auch das Thier, dazu braucht man eben keine Vernunft. Das beste Mittel, jeder Genußsucht gehörig zu begegnen, ist der strenge und heilige Gehorsam. Besprich dich daher mit deinem geistlichen Führer, und gehorche ihm in Allem, so wirst du gewiß eine bleibende Kraft erlangen, du wirst Herr deines Gaumens werden. Versage vir von Zeit zu Zeit mit der Gnade Gottes auch manches Erlaubte, und nimm Unangenehmes statt Angenehmen. Bald wirst du geistesfrei werden, und vollkommen einsehen, wie armselig der Diener seines Gaumens ist, und welch ein wehrloser Sklave er ist und bleibt. IX. Der viel redet, wird es in der wahren Frömmigkeit nicht gar weit bringen. Ph. Während wir jetzt von der Fleischesluft gesprochen haben, so fiel mir ein Fehler ein, den so viele, ja die Meisten begehen, und von dem auch ich nicht frei zu sein glaube. 73 Nämlich die Geschwägigkeit, diese Sucht zu e reden, hindert außerordentlich, und verurfachet viel Unheil auf Erden. Al. Da hast du die Wahrheit gesagt. Das Glend, welches die Zunge auf der Erde schon verursacht hat, und noch immer verursachet, erkannte und sprach schon der heil. Jacobus so deutlich aus, daß es sich gar nicht mehr besser angeben läßt*). Siehe, sagte er, auch die Schiffe, so groß sie sind, und obgleich von heftigen Winden getrieben, werden von einem kleinen Ruder gelenkt, wohin der Druck des Steuermanns will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied, richtet aber Großes an. Die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge ist von solcher Art unter unseren Gliedern, daß sie den ganzen Leib befleckt, und den Lebenslauf von unserer Geburt an entzündet, wenn sie von der Hölle entzündet worden ist. Ph. Ich habe schon oft über die Fehler der Zunge nachgedacht. Bei meiner Gewissenserforschung finde ich, wenn ich sonst gegen mich ehrlich zu Werke gehe, und der entschuldigenden *) Jacob. 3. - 74 Eigenliebe Stillschweigen gebiete, daß ich die meisten Sünden mit der Zunge begehe und begangen habe. Ich erkannte oft mit Reue und Schmerz zu meiner Schmach, daß die Zunge kein Mensch zähmen kann. Einmal möcht ich reden, um nicht als ein Unwissender zu gelten; ein anderes Mal möchte ich etwas erzählen, um Andere zu unterhalten; da will ich die Sache interessanter machen, dann wird dazu gelogen; wieder ein anderes Mal sagt mir der Neid, der Mensch ist dir vorgezogen, du stehst zurück, da wird die Zunge gebraucht, um den Andern zu verkleinern. Jetzt hör' ich einen Fehler von einem Andern, von dem man so etwas nicht erwartet hätte. Man glaubt Anderen zu gefallen, wenn man ihnen denselben als der Erste hinterbringt. Nachher ist der Fehler zu unbedeutend, man will ihn wichtiger machen, darum wird er vergrößert. Balb erkennt man, Andere fennen die eigenen Verdienste nicht, da muß die Zunge die Werke verkünden.- Endlich hat der eine lange Weile, er will Neues wissen, darum soll er Neues hören, und die Zeit muß die Zunge tödten helfen. Auf diese Art fand ich die Fehler und Sünden der Zunge, und 866 SOCT 757. daß die Hauptursachen der großen, so viele kostbare Stunden verderbenden Geschwätigkeit der Stolz, die Gefallfucht, Eitelkeit, der Neid, Geiz und Zorn, und eine gewisse Gedankenlosigkeit sind. - Al. Dasselbe habe ich ebenfalls bei mir und bei Anderen erkannt. Darum bewachte ich besonders meine Zunge. Ich folgte dem heil. Geist, der also spricht: Sage nichts, che du vernommen haft, was man rede. Rede nicht mitten im Gespräche. Wer antwortet, ehe er hört, der gibt zu erkennen, das er ein Narr und der Schande würdig ist. So waren auch meine Gespräche an dem Hofe mit den Herren des Hofes immer ernsthaft und gottesfürchtig. Wenn man mich kommen sah, so wurde jeder schon bedächtig. Sie wußten auch, daß man in meiner Gegenwart nichts Unanständiges sagen konnte, sei es nun aus Scherz oder auf eine andere Weise. Die Herren pflegten auch zu sagen, daß der kleine Markgraf von Castiglione nicht aus Fleisch zusammengesetzt sei. Uebrigens vergingen zu Castiglione bisweilen mehrere Tage, wo ich fast kein Wort sprach. Ich redete auch daselbst wirklich so wenig, daß ich, als ich KG 76 bereits im Kloster war, in aller Wahrheit sagen konnte*), daß ich im Kloster in einem Tage mehr spreche, als vorher in einem ganzen Monat, und käme ich durch Zufall wieder nach Hause, so müßte ich meine Lebensweise verändern, und mehr auf meiner Huth sein, um nicht ein Aergerniß zu geben, indem man glauben könnte, daß ich mir im Kloster zu viel erlaube, wiewol ich, wie alle, die mit mir im Kloster lebten, wissen, daß ich Stillschweigen genau beobachtete, und es nie unterbrach, wenn nicht die Oberen genöthiget waren, mit mir zu sprechen, um meinen überaus großen Gebetseifer bisweilen in etwas zu mildern.- Meine Neugierde hatte ich bereits ganz getödtet. Wenn daher Jemand Neuigkeiten oder unnüße Dinge erzählte, so änderte ich, wo möglich, das Gespräch**). Flößten mir aber die Personen, mit denen ich redete, durch ihr Alter und hohe Stellung Achtung ein, so blieb ich so stille, daß man hat glauben können, *) Cep. 66. **) Cep. 90. ich höre dem Gespräche gar nicht zu. Oft wiederholte ich mir auch die Worte: O Herr, stelle einen Wächter auf über meine Lippen. Eines Tages mußte ich einen Pater begleiten; da erfuhr ich, daß man im Kloster die Erlaubniß des Sprechens nicht immer mit der des Ausgehens verbindet. Ich nahm daher ein geistliches Buch mit. Während der ganzen Zeit des Weges las ich fleißig und sprach kein Wort. Den Vater freute diese strenge Gewissenhaf tigkeit, störte mich nicht, sondern beschäftigte sich selbst mit frommen Betrachtungen. Ich liebte aber das Stillschweigen nicht bloß deßwegen, weil ich fürchtete, Gott im Reden zu beleidigen, sondern auch, um mit meinem Schöpfer ununterbrochen vereiniget sein zu können.- In den Erholungsstunden des Morgens und Abends, wo es erlaubt war, sich zu unterhalten, redete ich zwar mit Andern, aber immer von Gott. Bisweilen wurde ich im Gespräche bedenklich, glaubte abbrechen zu müssen; ich brach ab, und so große Lust ich oft hatte fortzureden, that ich es doch nicht, sondern verharrte einige Zeit im Stillschweigen. Ph. Dein Stillschweigen und deine BeCosso 56 78 wachung der Zunge erscheint mir wahrhaft als zu groß und zu ängstlich. Eine gar so große Sorgfalt ist ja doch nicht nothwendig. 21. Glaube mir, die Liebe zum Stillschweigen ist nothwendig, um zur Heiligkeit zu gelangen. Ein Apostel Jesu selbst erklärte, daß das Stillschweigen die Vollkommenheit eines Menschen ausmache. Darum, hast du einige Tugenden erlangt, hüthe diesen Schatz sorgfältig, schließe die Thür deiner Sinne für ihn, und laß dich nie zur Unbedachtsamkeit der Zunge verleiten. Im Geheimen und der Geistessammlung pflege die zarten Blumen der Tugenden, dann wird Gott sich dir oft mittheilen. Höre die Worte Jesu mit Luft. Sie sind unaussprechlich, hauchen lieblichen Eifer ein, entzünden Liebe und bringen so viel Glück, daß sie an den eitlen Unterhaltungen der Geschöpfe und an ihren thörichten Vergnügungen sehr schnell Ekel verursachen. Ist es nicht wahr, daß du nach langen Gesprächen mit dir immer unzufrieden gewesen bist? Gestehe es selbst, hat es dich nicht schon oft gereut, geredet zu haben, aber niemals noch stillgeschwiegen zu haben? War dir nicht jederzeit sehr unwohl und warst du 3005550 - 79 08535 CHOCHOT nicht immer schmerzlich bewegt, wenn du dich von der menschlichen Unterhaltung und ihren thörichten Gesprächen zu dem Gebete und der Betrachtung der göttlichen Dinge und der ernsten Wahrheiten begeben hast. Du bist oft und oft gleichsam aus dir selber herausgegangen und wolltest dir durch deine Unterredungen bei Andern Trost suchen, und deinem Herzen, das von so verschiedenen Gedanken abgemattet war, eine Erleichterung verschaffen, und redetest daher von jenen Dingen, zu denen du eine besondere Liebe oder Abneigung hatteft, ganz vorzüglich gerne. Aber elender wurdest du oft, vergebens und ohne allen Nußen brachtest du leider nur zu oft die Zeit zu. Ph. O mein lieber Aloysius! wie groß war bis jetzt meine Täuschung! Seit langer Zeit, meinte ich, daß die Zeit, die ich mit dem Vielreden zubringe, nicht viel zu bedeuten habe. Ich empfand wohl oft diese Leere, diese Unzufriedenheit mit mir selbst, wenn ich meine Zunge nicht bezähmte. Nun sehe ich ein, was das für ein Irrthum war. Ich will mich aufrichtig bessern. Ich bin fest entschlossen dir zu folgen, rede nur, und ich will dich hören, und deine ernsten Worte meinem Herzen tief einprägen. GOGO Gaj 80 A1. Merke dir, wenn es dir Ernst ist, Folgendes: Es gibt eine Zeit zu schweigen und eine Zeit zu reden. Wenn jemand glaubt, er fürchte Gott, und bezähmet seine Zunge nicht, sondern sein Herz täuscht, so ist seine ganze Religion eitel. Ein beständiges Schweigen, die Ruhe, deren man genießt, wenn man von dem Lärmen und der Unruhe der Welt befreit ist, erheben nothGwendiger Weise unsere Seele zu Gott. Lerne zuerst schweigen, damit du nachher weise reden kannst. Das Schweigen erzeuget die heiligen Gedanken. Wer seinen Mund bewahret, der bewahret seine Seele. Viel Reden geht nicht ohne Sünde ab; daher bedenke, bevor du redest, vor Gott dasjenige, was du zu sagen hast, und die Gründe, welche dich bewegen können, es zu sagen. Nach diesem aber sprich frei, wie ein Mensch, der den Willen Gottes erfüllt. Wann du redest, so bedenke, was du bist? auf wen und von wem du redest? und sei nie geschwäßig in der Versammlung der Alten. Ph. Das will ich mit Freude beachten, um jene vielen Fehler zu vermeiden, welche man mittelst der Zunge so leicht begehen kann. OG - 81 0335 X. Unser schwächlicher Körper hindert den Menschen nicht selten im Fortschreiten in der Vollkommenheit. 21. Eines der größten Hindernisse war mir mein schwächlicher Körper; denn du weißt ja, daß der Körper ein so nothwendiges Werkzeug des Geistes ist. Ist der Körper krank, so ist auch der Geist krank, und ist der Geist nicht wahrhaft in Gott begründet, so ist keine Hoffnung, daß er über die natürliche körperliche Schwäche den Sieg davon tragen wird. Ph. Das fühlte ich oft. Meine natürliche Schwäche entsegt sich darüber, wenn ich an die Enthaltsamkeit im Genusse der Speise und des Trankes denke. Da fällt mir ein: Das bist du nicht im Stande das vermagst du nicht. Das und jenes kann doch Gott nicht wollen. Da weiß ich dann oft nicht, was ich anfangen soll. Oft und oft will ich, und will doch nicht. Al. Da höre, was ich gethan habe, und wie ich dem Satan entgangen bin, der einen so gerne von Seite der Sorge für die Gesundheit täuschen und von jeder Abtödtung abhalten will, Wh 6 - PMC 82 welche ihm so zuwider ist, weil sie den Geist stärket und gegen ihn bewaffnet. Ich war mitten in der Welt und fing daselbst schon an, cin wahres Mönchsleben zu führen. Ich hielt mich so viel möglich auf meinem Zimmer zurückgezogen, ließ mir aber nie, oder nur dann einheißen, wenn es der Anstand verlangte. Mußte ich dann in einem geheißten Zimmer sein, so wählte ich immer einen solchen Plag, der die wenigsten Annehmlichkeiten darbot. Gab mir Semand ein Mittel gegen meine erfrornen Hände, dankte ich ihm zwar herzlich für seine Sorgfalt und Liebe; gebrauchte es jedoch nie, um keine Gelegenheit zu verlieren, Goit zu Liebe etwas zu leiden. Die Liebe zu Gott gibt dem Geiste eine wunderbare Kraft, und stärkt auch den Körper. Dieß kannst du auch in dem erkennen. Ich stand öfters in der Nacht auf um zu beten, und das schon in meiner zartesten Jugend. Während Alles um mich schlief, verließ ich in aller Stille das Bett, kniete mich unangefleidet mitten in der Stube nieder, und brachte eine geraume Zeit in der Betrachtung zu. Dieß geschah nicht bloß im Sommer, sondern auch im Winter, der in der Lombardie sehr heftig und strenge ist. Da - 83 nahm mich der Frost manchmal so ein, daß ich am ganzen Leibe zitterte. Dadurch wurde freilich die Sammlung des Geistes gestört. Ich glaubte aber, daß das ein Fehler sei, den man bekämpfen müsse, und da brachte ich es endlich so weit, daß ich fast keine Kälte mehr empfand. Da wurde mein Körper aber oft so schwach, daß ich gar nicht mehr im Stande war, zu knieen, und da ich mich weder setzen noch stüßen konnte, fiel ich auf den Fußboden nieder, und fuhr fort in meinen Betrachtungen. Diese Strenge zog mir keine große Krankheit zu, auch bin ich nicht erfroren. Der Kampf machte mich fähig, meinen Geist in beständiger Sammlung zu erhalten, wiewol er mir später einen lebenslänglichen Kopfschmerz herbeizog, den ich freudig als eine Gnade Gottes ertrug. Ph. Gebrauchtest denn du da aber nicht ein Mittel, oder suchtest du denn nicht Hilfe dagegen, um ungestörter deinem Berufe leben zu können? AI. O nein!*) Um als Nachfolger Jesu Christi etwas der Dornenkrönung Aehnliches zu *) Cep. 28. 6* G AG 84 leiden, gebrauchte ich nicht nur kein Mittel zur Verminderung des Uebels, sondern suchie es zu erhalten und zu vermehren; damit mir dieser Schmerz zur Erinnerung an das Leiden unsers Herrn dienen möchte, und konnte in so fern ein Verdienst werden, ohne daß es mich an der Erfüllung meiner Pflichten hinderte. Eines Tages waren meine Kopfschmerzen so heftig, daß ich mich genöthiget fühlte, früher als gewöhnlich ins Bette zu gehen. Da erinnerte ich mich auf einmal, daß ich die sieben Bußpsalmen noch nicht gebetet habe; ich stand also auf, und betete sie so andächtig, als es mein Zustand erlaubte. Glaube mir, meine liebe Philothea, dort, wo uns die menschliche Sorgfalt allein erhalten soll, ist es um uns ganz gewiß geschehen. Ich lag einmal in Neapel in einem Hause der Gesellschaft sehr krank darnieder. In diesem Hause war man für die Kranken überaus besorgt. Ich lag einen ganzen Monat schon wegen der Nose und des Fiebers zur Winterszeit im Bette, und befand mich in der Todesgefahr. Bei aller Sorgfalt ließ man mich doch in diesem elenden Zustande eine ganze Nacht ohne Decke. In dieser Krankheit hatte ich eine unüberwindliche Ge 85 duld, und wiewohl ich beständig viel gelitten habe, so war mein Gesicht doch immer heiter, und ich sprach mit großer Demuth und vollkommener Ergebung mit denen, die mich besuchten. Ich war dann wieder gesund*). Da trug mein Professor, V. Vasquez, einmal in einem Lehrfurs nicht alle Abhandlungen von der Dreieinigkeit vor, er victirte daher das Wesentlichste, und ließ uns, seine Schüler, das Uebrige selbst abschreiben. Die Oberen sagten zu mir, ich möchte es mir abschreiben lassen. Ich erkannte, daß sie das nicht befohlen, sondern nur wegen meiner Schwäche wünschten. Ich sah daher die Hefte des Professors durch, und ließ nur das Schwerste abschreiben. Als man mich dann befragte, warum ich das thue, und mir nicht vielmehr Alles abschreiben lasse, sagte ich: Ich thue es, weil ich arm bin, um mich in der Armuth zu üben; denn die Armen dürfen nur den ihnen unumgänglich nothwendigen Aufwand machen. Später erbat ich mir sogar die Erlaubniß von meinen Oberen, die Abschriften selbst vollenden zu dürfen, welche mir auch ertheilt wurde. *) Cep. 129. - - 86 Nur zu leicht gewöhnt man sich allmälig die Trägheit an, die uns dann so weit führt, daß wir im Augenblicke selbst, wenn wir von der Träheit gebunden werden, uns vornehmen, ein anderes Mal sorgsamer und fleißiger zu sein. Die Trägheit verbreitet sich über Alles, bindet den Willen, der dann die Arbeit verabscheuet, und verfinstert die Vernunft so sehr, daß man es gar nicht einsieht, wie eitel und grundloß der kraftlose Vorsatz ist, erst in Zukunft Dinge schnell und eifrig ausführen zu wollen, die man gleich vollbringen sollte, und bloß aus Lauigkeit unterläßt, oder auf eine Zeit verschiebt, von der es nicht gewiß ist, ob sie die unserige ist. Gestatte dir daher nie die mindeste Zögerung, der erste Verzug zieht gewöhnlich einen zweiten, und der zweite gewöhnlich einen dritten u. s. f. nach sich; die Ginne geben dann immer leichter nach, und so beginnt man das Gute, was man thun soll, entweder zu spät oder gar nicht mehr. 11 Ueberlege daher oft den hohen Werth eines guten Werkes, denke an die Freude, welche du empfindest, so oft du der inner Mahnung der liebreichen Gnade Folge geleistet haft, und an Ro 0355 1996 87 den Jubel, den du dem Himmel durch ein jedes deiner gottgefälligen Werke bercitest. Glaube ja nicht, daß die geschwinde verrichteten Werke schon gute Werke sind. Jedes Werk hat seine Zeit, darum thue, wie es das Werk fordert. Betrachte jeden Tag für verloren, an welchem du nicht mehrere Siege über deine bösen Neigungen und deinen eigenen Willen errungen, noch auch dem Herrn für Seine Wohlthaten, ganz besonders für die Wohlthat Seines schmerzlichen Leidens, gedankt haft. lebe dich daher fleißig in der heil. Liebe, du wirst nichts fürchten und besorgen. Fange daher mit Ernst im Kleinen an, so wirst du allmälig in der wahren Vollkommenheit fortschreiten. Der Herr wird deinen guten Willen stärken, und du wirst das finden, was ich gefunden: nämlich Gott und seinen vielgeliebten Sohn Jesum Christum. XI. Hindernisse auf dem Wege zur vollkommenen Liebe Gottes legen oft sogar die Eltern. Ph. Dein Leben kommt mir viel leichter vor als das meinige; dir war es viel eher mögami G QG 88 lich, Gott wahrhaft lieben zu lernen, und auch wirklich zu lieben, als mir. Denn du würdest schon von deiner zartesten Jugend an zur wahren Frömmigkeit angehalten. Dein Vater, und besonders deine Mutter Martha, waren ja gottesfürchtig, und wußten, wozu sie auf der Welt find. Ihr Leben wollten sie selbst nach Gottes heiligem Willen einrichten; sie vertändelten ihre wenigen Lebenstage und die kostbare Zeit nicht mit zerstreuenden Unterhaltungen und nußlosen Schwäßzereien, auch haben sie wohl gezeigt, daß ste wissen, daß das Leben und Glück des Menschen nicht in endlosen Schwelgereien und bethörenden Theaterbesuchen und Romanen- Lektüren bestehe, sondern in wahrer gottgefälliger Selbstverläugnung, ungeheuchelter Gottesfurcht und thätiger nächstenliebe.- A1. Es ist nicht zu läugnen, daß meine Etern Gott besser kannten, als viele ihres Standes; sie gehörten zu den Besseren und Frömmeren. Dessen ungeachtet waren sie durch schwindelnde Weltansichten und nichtige Träumereien des irdischen Glückes so sehr bethört, daß sie in ihrer verkehrten Liebe zu mir, ganz etwas anderes aus mir machen wollten, als es Gott 89 wollte. Mein Vater wollte aus mir einen großen Helden bilden, und mich zur Stüße des Hauses erziehen. Er zeichnete mich daher vor der Welt aus, und ließ an meiner Erziehung nichts fehlen. Er reiste daher mit mir im Anfange des Sommers im Jahre 1577 nach Florenz, um mich dort bilden zu lassen. Besonders lag ich meiner guten besorgten Mutter am Herzen. Als ich ihr erklärte, daß ich zu den Carmeliten gehen, und in diesem Orden Gott dienen wolle, so gab sie sich alle Mühe, mich von diesem Vorhaben abzubringen*). Sie stellte mir daher meine schwache Gesundheit, und die so strenge Lebensweise derselben auf das eindringlichste vor. Als ich in der Folge gewiß wußte, zu welchem Orden ich mich wenden soll, so trug ich es mit aller Ehrfurcht meinem Vater vor; darüber war mein Vater ganz bestürzt. Er lag eben an der Gicht leidend im Bette, ließ mich holen, und fragte mich, ob ich noch immer dieselbe Gesinnung habe. Da ich es ihm ganz frei und offen bejahte, so wurde er zornig, und be fahl, alsogleich ihm aus den Augen zu gehen Asso *) Cep. 90. - 90 und nicht wieder zu kommen. Ich hielt das für einen Befehl, und zog mich in ein FranziskanerKloster zurück, welches nicht weit von Castiglione liegt. Nach einigen Tagen fragte der Markgraf, mein Vater, was aus mir geworden ist. Da er erfuhr, daß ich mich in das Kloster hinbegeben habe, so befahl er, daß man mich augenblicklich in das Schloß zurückholen lasse, rief mich dann in sein Zimmer, und gab mir einen sehr harten und bitteren Verweis über die Kühnheit, mit welcher ich, nur um ihn zu beleidigen, das Haus verlassen habe. Ich blieb dabei ganz ruhig und sagte bescheiden: Mein Vater, ich bin nur deßwegen aus dem Hause gegangen, um deinem Befehle pünktlich nachzukommen. Da fuhr mich mein Vater sehr hart an, wiederholte die Drohungen, und verwies mich auf mein Zimmer. Ich verbeugte mich vor ihm und sagte: Ich gehorche. Ich verschloß mich hierauf in meinem Zimmer, kniete mich vor meinem Kreuze nieder, fing an heftig zu weinen, und bat Gott mit wahrhaft findlicher Innigkeit um die Gnade der Ausdauer, Kraft und Stärke in diesen Kämpfen. Da half mir aber Gott auf eine wunderbare Weise. Mein guter Vater war über diese - 4 91 Behandlung nicht ruhig. Von der einen Seite wollte er Gott nicht mißfallen, von der anderen Seite konnte er sich nicht entschließen, einen so ausgezeichneten Liebling in mir zu verlieren. Er schickte deßwegen meinen Erzieher mit dem Auftrage, nachzusehen, was ich mache. Der ging alsogleich und fand einen Kammerdiener, der ihm sagte, daß ich mich eingeschlossen habe, und Niemand sehen wolle. Der Erzieher befahl, der Kammerdiener solle nachsehen, was ich mache; der näherte sich hierauf der Thüre ganz leise, und brachte in derselben eine kleine Deffnung an, und beobachtete mich in meinem Schmerz und vertrauungsvollen Gebete vor dem Kreuze. Bei diesem Anblicke wurde er so heftig ergriffen, daß er mit Thränen zu meinem Vater zurückkehrte und sagte: Gnädiger Herr! wenn Ihr Zeuge von dem gewesen wäret, was Cuer Sohn gethan hat, so würdet Ihr ihn gewiß nicht mehr länger von dem frommen Vorhaben abhalten. Nun was haben Sie gesehen? fragte der Markgraf. Was ich gesehen habe? Gnädiger Herr! ich habe Euren Sohn Dinge ausüben gesehen, die selbst die härtesten Herzen rühren und ergreifen würden. Nun erzählte er ihm, was er gesehen. Der Markgraf 03333 - 92 konnte ihm nicht ohne Rührung zuhören, und es schien ihm dieß unglaublich.- Des andern Tages um dieselbe Stunde überzeugte sich mein guter Vater selbst. Da kniete ich, weinte und verwundete meinen Körper auf das erbärmlichste. Das überraschte meine Eltern dergestalt, daß sie mir so die gewünschte Zustimmung gaben. Ph. So hast du also doch glücklich gestegt, und dich überzeugt, daß Gott den beharrlichen Beter nicht unerhört läßt. Al. Du irrst dich, meine liebe Philothea, wenn du meinst, daß ich mit dem schon vollkommen gestegt habe. Noch viele Kämpfe bereitete mir der Satan in meinen Eltern, die ich erst mit vieler Mühe überwunden habe. Ich ging bereits in mein 18tes Jahr, und hoffte mit jedem Tage die Antwort nebst der Genehmigung des Kaisers hinsichtlich der Abtretung der Markgrafschaft. Ich erhielt sie, und wartete jetzt nur noch darauf, daß mich mein Vater nach Castiglione zurückrufen, und daß ich mich endlich dem geistlichen Stande werde widmen können. Hierin jedoch täuschte ich mich. Denn mein Vater glaubte, mich von meinem Vor 153 93 haben dadurch abzubringen, daß er die Sache immer zu verzögern suchte. Er entschloß sich daher nach Mailand zu reisen, um dort sowohl selbst, als auch durch Andere neue Mittel zu ergreifen, um sich davon fest zu überzeugen, ob es wirklich Gottes Wille sei, daß ich in meinem Entschlusse beständig beharre. Unerwartet erschien mein Vater von seiner Reise nach Mailand, und fragte mich, ob ich meinen Entschluß noch nicht geändert habe? Als ich ihm fest und entschieden erklärte, daß ich mich in meinem Vorsazze noch nicht geändert habe, so drückte er mir seine Unzufriedenheit und seinen Schmerz aus, er zeigte mir, daß er bei mir doch so viel christliche Gesinnungen voraussette, daß ich seinen väterlichen Wunsch nicht geringachte und Gott beleidige. Auch sagte er mir, daß er glaube, daß in meinem Vorhaben mehr Eigenliebe, als göttliche Bestimmung liege; indem die Achtung, die man für einen Vater haben soll, ein hinreichender Grund sei, gerade das Gegentheil von dem zu thun, was man vorhabe. Er bemerkte noch, daß er das Alles nur aus zärtlicher Liebe zu mir sage, mein Eintritt in den Orden einen Casssss - 94 unfehlbaren Verfall seines Hauses bewirken werde, ich mit meinem so festen Charakter nicht zu befürchten habe, in der Welt verloren zu gehen, und ich vielmehr durch mein frommes christliches Leben, welches ich auch in der Welt führen kann, die anvertrauten Untergebenen in der Frömmigkeit bestärken, und so sicher mit ihnen in den Himmel gelangen kann. Zulegt erinnerte er mich an meine besonderen Eigenschaften, die Herzen Aller zu gewinnen; auch vergaß er nicht, mich an die Jugend, die große Lebhaftigkeit und die Unerfahrenheit meines Bruders zu erinnern, dem er die Herrschaft übergeben müsse, der aber zum Regieren gar nicht geeignet ist, und nun sprach er: Du siehst mich kränklich und heftig an der Gicht leidend, die mich langsam verzehret; kaum bin ich im Stande mich zu erhalten. Diese Bürde könntest du mir abnehmen; gehst du aber in das Kloster und verläßt du mich, so werde ich dann von Kummer und Schmerz ergriffen, unterliegen; und du wirst die Ursache meines Todes sein. Auf diese Rede dankte ich ihm für die Liebe und Zärtlichkeit, die er mir bezeigte und ant- 0 0 0 6 6 6 of socio 95 wortete: daß ich Alles wohl geprüft habe, was die Pflicht von mir fordert. Würde ich nicht von Gott selbst zu einem andern Stande berufen, so würde ich es ganz gewiß für strafbar erkennen, wenn ich mich Ihren Wünschen widersetzen würde, dem ich nach Gott den größten Dank schuldig bin, und da ich nicht aus Hartnäckigkeit, sondern allein aus Gehorsam gegen Gott handle, Der mich zu Seinem Dienste beruft, so habe ich auch alle Ursache zu hoffen, daß der allmächtige und allweise Gott alle Dinge nach Seinem Wohlgefallen und zum Vortheile Ihres Hauses fügen werde; denn ich kann von der göttlichen Güte nichts Anderes erwarten. - Da mein Vater, der Markgraf, sah, daß ich in meinem Glauben, von Gott zum geistlichen Stande berufen zu sein, verharre, wollte er mich selbst sowol, als auch durch andere weltliche und sogar geistliche Personen von meihem Vorhaben abbringen. Alles war aber vergebens. Endlich beschloß mein guter Vater seinen legten Versuch. Unter dem Scheine, als sei er überzeugt, daß meine Bestimmung von Gott komme, begab er sich in die Kirche der 18555 96 Gesellschaft Jesu und ließ den allgemein geachteten P. Gagliardi rufen; trug ihm meine Absicht als eine für ihn höchst wichtige Sache vor; da es sich darum handelte, in mir seinen ältesten Sohn zum Opfer zu bringen; erklärte auch dem ehrwürdigen Vater, daß er sich ganz nach seiner Entscheidung richten werde. Er bat ihn, mich in seiner Gegenwart zu fragen und Alles zu sagen, wodurch er glaube, mich von meinem Entschlusse abzubringen, und mir auch alle Beschwerden mit allem nur möglichen Nachdruck vorzustellen. Der Pater nahm diesen Auftrag an. Um den Markgrafen nicht zu beleidigen und ihn zu befriedigen, fragte er mich eine ganze Stunde ganz genau aus; er machte mir große Einwendungen und versäumte wahrlich Nichts, um den Geist zu erkennen, von dem ich beseelt war, und ob meine Neigung zur Gesellschaft Jesu wirklich von Gott komme. Der ehrwürdige Pater stellte diese Schwierigkeiten so auf, als seien sie seine innigste Ueberzeugung und als glaubte er selbst Alles wirklich. Niemand hatte noch auf eine so überzeugende Weise gesprochen, wie dieser allgemein geschätzte Greis. Ich ließ mich durch die - - - 97 gemachten Einwendungen nicht beirren, sondern berief mich großentheils auf die heilige Schrift, die Kirchenlehrer und Kirchenväter, so zwar, daß der P. Gagliardi nicht bloß sehr erbaut wurde, sondern sich auch sehr erfreute, einen jungen Menschen zu sehen, der so standhaft in seinem Berufe, und schon so gut in der heil. Schrift und den Vätern unterrichtet war. In seiner großen Verwunderung sagte er zu mir: Sie haben vollkommen Recht, es verhält sich Alles so, wie sie sagen, und ich bin von der Richtigkeit ihrer Antworten eben so überzeugt, als erfreut. Diese Worte beruhigten mich vollkommen. Diese Ueberzeugung trug er auch meinem Vater vor. Endlich erklärte auch mein Vater, er sei überzeugt, daß mein Beruf von Gott komme, und er versprach, sich meinem Eintritte in den Orden nicht weiter zu widersetzen. Ph. Nun hast du doch die schwere und gefahrvolle Prüfung überstanden, und hattest alle Ursache, dich über den mächtigen Beistand der göttlichen Barmherzigkeit von ganzem Herzen zu freuen. Al. O meine Philothea! noch war die Zeit meiner Prüfung nicht ganz vollendet. Ich war 7 KG KG 98 schon mehrere Tage in Castiglione, und der Markgraf sagte kein Wort von der Angelegenheit, die mir so sehr am Herzen lag. Ich wartete lange auf den Ausgang vergebens; bis ich mich endlich entschloß, mit ihm davon zu sprechen. Ich eröffnete meinem Vater mein Anliegen, und wie erstaunte ich, als ich sah, daß mein Vater ein hohes und ausdrucksvolles Neußere annahm und sprach: Du irrst dich, mein Sohn, wenn du dir einbildest, daß ich deiner Wahl jetzt schon beistimmen werde; daran wird man denken, wenn du 25 Jahre alt sein wirst; wenn du jedoch dessen ungeachtet abreisen willst, so steht es bei dir; thust du es aber, so betrachte ich dich nicht mehr als meinen Sohn! Diese Erklärung habe ich nicht erwartet, und war für mich wie ein Blitzschlag*). Es war mir nicht einmal eine Zeit gegeben, mich mit dem General des Ordens zu berathen. Ich wartete daher noch einige Zeit, unter der Bedingung, daß ich mich in Rom aufhalten durfte, und daß man dem P. General die beruhigende Versicherung gab; daß man dann keine Hindernisse mehr *) Cep. 68. - CC GG 6 6 6 99 machen wolle, wenn ich diese legte Prüfung männlich werde bestanden haben. Als aber mein guter Vater diese Bedingungen unwillig verwarf, so war ich vom heiligen Eifer beseelt, ich trat vor meinen Vater und sagte ihm: daß ich mich nicht verbinden kann, meine Tage in der Welt ganz zuzubringen; und ich will, wenn man nach Verlauf dieser Zeit den P. General bewegen könne, mich nicht aufzunehmen, lieber irrend in der Welt umherwandern, als ein Vermögen genießen, in dessen Besig zu verbleiben nicht der Wille Gottes ist. Diese ernsten Worte fielen dem Markgrafen auf. Er ließ sich jetzt bewegen und willigte in mein Verlangen ein. Ich schrieb alsogleich dem P. General Alles, was vorgefallen, und zum Schlusse zeigte ich, wie viele Leiden ich der Verzögerung opfern mußte, welche gegen die Erfüllung meines liebsten Erdenwunsches sich vereiniget hatten. Ich beweinte es dann bitter, in einer so vornehmen Familie geboren, und der älteste Sohn zu sein. Dann aber ging. ich zu meinem Vater, der eben an der Gicht litt, und im Bette lag, und sprach mit eben so festem als ehrerbiethigem Tone: Vater, ich 100 überlasse mich ihnen ganz, machen sie mit mir, was sie wollen, aber ich betheure ihnen, daß ich zur Gesellschaft Jesu erwählt bin, und wenn sie sich meinem Berufe widersetzen, so widerseßen sie sich dem Willen Gottes. Mit dies sen Worten entfernte ich mich, ohne eine bestimmte Antwort abzuwarten. Darüber war mein Vater so ergriffen, daß er Anfangs kein Wort sprechen konnte. Später ließ er mich kommen und sagte: Mein Sohn, du hast meinem Herzen eine sehr tiefe Wunde geschlagen. Du weißt, wie sehr ich dich liebe; auf dich stüßte ich meine und meines Hauses Hoffnungen, aber da Gett dich nach deiner eingenen Aussage ruft, so will ich ferner nicht dagegen sein. Gehe, mein Sohn, wohin du willst, ich gebe dir meinen Segen. Dann. fing er an zu weinen; ich bedankte mich, ging in mein Zimmer, kniete nieder und dankte Gott für Seinen mächtigen Beistand. ping Ph. Hier scheinst du das vierte Gebot nicht recht beachtet zu haben, indem du durch deine Forderung deinen Vater viel gekränkt haft, und das vierte Gebot befiehlt, wie du sehr gut weißt: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, - - 08535 101 auf daß du lange lebest und es dir wohlergehe auf Erden. - AL. Ich wußte das Gebot genau, wußte und beachtete aber auch wohl, was der h. Geist sagt: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Auch war der Ausspruch Jesu meinem Herzen tief eingegraben: Wer Vater und Mutter mehr liebet, als Mich, der ist Meiner nicht werth. Weil ich das, was mein Vater wollte, als etwas deutlich erkannte, was g egen Gottes heiligen Willen ist, so konnte ich ihm gar nicht gehorsam sein, und die Furcht Gottes hielt mich ab, meinen Entschluß zu ändern. Laß auch in deinem Herzen diese heilige Furcht herrschen, so wirst du gewiß nicht leicht zu bewegen sein, eine Sünde zu begehen. Mein Herz gehörte ganz Gott, daher war ich auch nicht troftlos, als ich in der Folge, zwei Monate nach meinem Eintritte in den Orden, hörte, daß mein Vater gestorben sei. Ich tröstete meine Mutter, schrieb ihr und fing an: Ich danke dem Herrn, daß ich jetzt freier sagen kann, Vater unser, der du bist in dem Himmel!- Ich hatte dabei nicht meinen geliebten Vater im Auge, sondern nur den anbetungswürdigen - 102 Willen Gottes. Ergib auch du dich, meine Philothea, jederzeit dem heil. Willen Gottes, und du wirst gewiß immer ein ruhiges und zufriedenes Leben führen können. - XII. Besonders hindert die Welt mit ihren Neden denjenigen, welcher ein wahrhaft gottseliges Leben führen will. Ph. Die Welt, sagte schon der Heiland, liegt im Argen. Diese arge und genußsüchtige Welt kann es nicht ertragen, wenn jemand den ernsten Willen ausspricht, Gott und nur Gott zu dienen, und Ihm allein zu leben. Daher, wie du selbst zugeben wirst, fallen die Weltmenschen über einen solchen mit aller Wuth her, der sie verlassen will, besonders wenn er reich, vornehm, geistreich und unterhaltlich ist, welcher der Welt entsagen will. Sie erzählen die kleinen Fehler derselben mit allen Uebertreibungen, sie suchen das Gute gänzlich zu unterdrücken, sie machen jede Handlung desselben verdächtig; daher kann es leicht geschehen, daß man bei dem bloßen Gedanfen an ein besseres, gottgefälligeres Leben 085 103 schon zittert, und aus Furcht vor dem Gerede der Menschen keinen Schritt wagt. Viele haben schon angefangen, und auf dem Wege wurden sie durch das Gerede ganz irre und setzten sich der großen Gefahr aus, umzukehren. Dieß ist besonders dann der Fall, wenn diese Reden solche vorbringen, welche man nach ihrem Benehmen und ihren Lebensverhältnissen zu den Besseren zu zählen gewohnt ist. 21. Hierin, meine liebe Philothea, stimme ich dir vollkommen bei. Das habe auch ich erfahren, und mehr als Einmal. Denn ich kam auch oft mit Menschen zusammen, welche eigentlich nicht schlecht waren. Da litt ich es nie, daß Gott in meiner Gegenwart gelästert worden ist. Ich bezog alle meine Gespräche auf gottgefällige Gegenstände. Die Hofleute der Prinzeß von Loraine kamen dadurch in eine große Verwunderung, daß ich, als Kind schon von Gott mit einer solchen Würde sprach, daß man mich in meinen Reden für einen bejahrten Mann hielt. - Einmal vereinigten sich mehrere Verwandte und Freunde meines Vaters, und wollten mich bereden, meinen Entschluß aufzugeben. Der 104 Herzog von Mantua schickte einen durch Beredsamkeit sehr berühmten Bischof mit dem Auftrage zu mir, mir vorzustellen, daß ich, wenn mir das Leben in der Welt nicht gefiele, in der Kirche eine meiner Geburt angemessene Würde suchen möchte, und ich als Weltpriester vielmehr für die Ehre Gottes und das Wohl des Nächsten wirken könne, die Geschichte auch genug Beispiele aufweise, welche ihr Heil in diesem Stande gefunden haben; wie ich selbst in dem Cardinal Borromäus sehen könne. Diese Reden machten wenig Eindruck auf mich. Bald darauf kam ein anderer Verwandter, der erzählte mir die Fehler des Ordens, den ich gewählt hatte, und sagte mir endlich, daß, wenn ich schon einen Orden wählen will, ich keinen wählen soll, der in der Welt steht, sondern einen solchen, der sich von allem Umgange entfernt halte, wie den der Kapuziner oder der Karthäuser. Wäre ich in meiner Wahl schwanfend geworden, so wäre es ihm, wie er meinte, ein Leichtes gewesen, mich wegen meiner körperlichen Schwäche, auch von dem Gedanken an einen andern Orden, abzubringen. Ich ging aber durchaus nicht in seine Rede ein. KG - 105 Am meisten stand ich auf meiner Reise nach Rom aus. Meine Abreise von den Besigungen meines Vaters war schon sehr merkwürdig. Die Unterthanen meines Vaters drängten sich haufenweise herzu, und bewunderten mich, weinten über meinen Entschluß, der sie eines so guten Herrn beraubte. Auf der ganzen Reise wurde ich geprüft durch das Reden jener, bei denen ich Besuche machen mußte. Als ich endlich in Rom ankam, so warteten schon sehr viele auf mich. Ein Theil, um mich anzustaunen, ein Theil, um mich zu loben und zu empfangen. Noch immer gab man die Hoffnung nicht ganz auf, mich so weit zu bringen, daß ich meinen Entschluß ändere, bis ich am 25. November, dem Feste der heil. Katharina, zu Quirinal ins Noviciat eintrat. - Say Ca - Ph. Nun warst du doch frei ver den Reden der weltlich gesinnten Menschen, und fandest, wie ich glaube, nicht nur kein Hinderniß, sondern alles ermunterte dich zur Selbstverläugnung, Berachtung der Welt, und zur Liebe Gottes. Al. O meine Philothea, die Welt verfolgt einen mit ihren nichtigen Reden bis zum Grabe. 106 Denn, als ich im Noviciate strenge Buße übte, so wurde ich hierin beobachtet. Da kam ein Beobachter zu mir, und sprach*): Mich wundert es sehr, daß du auf die Reden der frommen und ehrwürdigen Väter so wenig Gewicht legest, die dich schon so oft ermahnt haben, deinen Bußübungen und deinem großen Eifer in geistigen Dingen Einhalt zu thun?- Da konnte ich nicht schweigen, weil es schien, als ob ich ungehorsam gewesen wäre. Ich sagte daher: Zweierlei Personen geben mir diesen Rath. Einige führen ein so heiliges und so vollkommenes Leben, daß ich nichts an ihnen erblicke, was ich nicht nachahmen möchte. Ich habe schon mehrmal den Entschluß gefaßt, ihren Rath zu befolgen; da ste ihn aber selbst nicht beobachten, so glaubte ich, daß es noch besser sei, ihrem Beispiele, als ihrem Rathe zu folgen, welchen sie mir aus zu großem Mitleiden und zu großer Liebe gaben. Die andern befolgen den Rath, den sie mir geben, indem sie diesen Busübungen nicht sehr zugethan find; aber ich will lieber das Beispiel der Ersteren - *) Cepari 146. -- Co o o o 6 6. 107 nachahmen, als dem Rathe der Letteren folgen. Uebrigens zweifle ich sehr, daß die Natur ohne Abtödtung und Bußübung sich lange im guten Zustande halten könne, ohne nach und nach zu dem früheren zurückzukehren, und die erlangten Geisteskräfte zu verlieren. - - Ph. Wenn die Welt auf diese Weise kommt, so ist es schwer, sie zu überwinden, weil sie dadurch die eigene Begierlichkeit anregt, und einem einen großen Kampf bereitet. Nicht viel geringer ist der bereitete Kampf dann, wenn die Welt spricht: Du bist getäuscht; wäre dein Streben wirklich echt, nach Gottes heiligen Willen, so wärest du nicht so ganz allein; du verschmähest die Geschöpfe deines Gottes, die Speise, den Trank, welches man doch nach dem Ausspruche der heil. Apostel selbst als eine Gabe Gottes mit Dank genießen soll. Auch die heiligmäßigen Menschen, die in aller Achtung stehen, machen etwas mit. Was könntest du überdieß Gutes wirken, wenn du mit uns dich freuen würdest, wenn du Theil nehmen würdest an unseren Zusammenfünften. Und üderdieß hältst du es ja nicht aus; vor der Zeit bringst du dich in das Grab. Derri - 108 diese Lebensweise muß jeder vernünftige Weltmensch verabscheuen. Wir gehören doch auch zu den Christen, und wollen auch einst selig werden. - 21. Wenn die Welt auf diese Weise redet, und Gelegenheit hat, uns so von dem gemachten Entschluß, Gott ganz zu leben und Ihm zu sterben, abzubringen, so gehört viele Gnade Gottes dazu, wenn man den vollkommenen Sieg davon tragen will, ohne im Kampfe wenigstens verwundet zu werden. Bei diesen Versuchungen dachte ich, so wie einst mein Zeitgenoffe der heil. Stanislaus Kostka: Ich bin zu etwas Höherem geboren, und lebe so, wie ich weiß, daß es Gott haben will; es mag nun meinem Bruder und denen, die mit ihm gleiche Gesinnungen haben, recht sein oder nicht. Ueberdieß erinnerte ich mich oft an die Worte des Herrn Jesu: Der Weg, der zum Verderben führt, ist breit und viele betreten ihn; der Weg zum Heile jedoch ist schmal, die Pforte ist eng, und wenige gehen hindurch; denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt. Ich erwog die Verheißungen, die Gott denen gethan, die sich selbst verläugnen, das Kreuz FG - 109 auf sich nehmen und Jesum nachfolgen; ich beherzigte das Leben wahrer Nachfolger Jesu Christi, und dann erkannte ich die Armseligkeit der Reden der Weltmenschen; ich sah ein, daß sie nicht wissen, was sie thun, hatte inniges Mitleiden mit ihnen, danfte Gott für die bessere Erkenntniß, und nahm mir jederzeit kräftiger vor, mehr und mehr meinem Berufe vachzukommen: denn ich kann dich in aller Wahrheit versichern, daß ein einziger Blick nach oben mehr Kraft gibt, als nothwendig ist, um das Geschwäß derer zu verachten, welche sich noch nie ernst gefragt haben: wozu sie Gott erschaffen und warum sie auf der Welt sind. Ph. Da hast du, mein lieber Meister, die Wahrheit gesprochen, und ich kann es dir durch meine eigene Erfahrung noch bestätigen, daß Lob oder Tadel, aus Neid oder Verachtung, aus Bewunderung oder Bedauerung ausgesprochen, ohne allen Eindruck bleibt, wenn man seinen Geist erhoben hat, und sich im Ernste mit der Ewigkeit beschäftiget. Ich will mich daher oft an dich erinnern und bei dir und der Freude verweilen, die du keineswegs errungen hättest, wenn du den Reden der Welt 110 Gehör gegeben und ihrem Rathe gefolget wärest. - Al. Ich konnte auch ein nichtiges Geschwäß, wodurch Gott entehrt wurde, nie vertragen, sondern rügte es, wenn es die Umstände nur ein wenig erlaubten. So unterhielt ich mich eines Tages mit mehreren jungen Herren und einem 70jährigen Edelmanne. Dieser alte Mann ließ im Gespräch einige etwas unanständige Worte fallen; da nahm ich mir die Freiheit, es ihm mit den Worten zu verweisen: Schämen sie sich nicht, in ihrem Alter vor diesen jungen Edelleuten solche Reden zu führen? Sie geben ihnen ein Aergerniß und ein böses Beispiel!*) Der heil. Paulus sagt: Die bösen Beispiele verderben die guten Sitten. Hierauf nahm ich ein Buch, und ging in ein anderes Zimmer. Der Ulte wurde durch diesen Verweis beschämt und die Anderen erbaut. *) Cep. 46. 111 13555 11 joy XIII. Die Beispiele der Welt hindern gewaltig, und bereiten zur Zeit einer Versuchung einen heftigen Kampf. Ph. Die Welt bietet viele Freuden und unschuldige Unterhaltungen dar. Diese lernt ein jeder kennen, und muß sie kennen lernen, wenn er nicht immer die Augen und Ohren geschlossen hält. Man sieht die ernstesten Männer in der Freude, und bisweilen in einer Unterhaltung. Das muß ja dir, in deinem Verhältnisse, besonders schwer gewesen sein! Machte dir das, o heil. Aloysius, feine Versuchung?- Hast du dich nie gesehnt nach einer kleinen Zerstreuung? Haben dich denn die Handlungen solcher Männer und Christen, denen du die Ehrfurcht keineswegs versagen konntest, nicht bisweilen abgehalten von deinen ernsten Borsäßen? Oder lebtest du gleich Anfangs ganz im Verborgenen? Sahst du nie schlechte Beispiele? - 21. O meine liebe Philothea! wer ist wohl von dieser Versuchung frei? Als Kind mußte ich schon das Leben der Soldaten kennen lernen. Da war es, wo ich die Schmähworte und das Fluchen hörte, welches mir OBOGT FG 112 in der Folge Thränen der bittersten Reue auspreßte. Auf meinen Reisen, bei Hofe als Edelknabe, da habe ich Gelegenheit in Menge gehabt, so manche Christen ein ganz anderes Leben führen zu sehen, als es im Evangelio vorgeschrieben ist; das Alles beirrte mich nicht, denn wie hätte es mich auch beirren können, da ich jeden Tag mit Aufmerksamkeit rief: Vater unser, der Du bist in dem Himmel; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! Mein Vater legte es sogar darauf an, mich durch die Handlung der Menschen von meinem Entschlusse abzubringen. Besonders veranstaltete er zu Lasal viele Lustbarkeiten und Vergnügungen, um mich zu zerstreuen*). Das Alles brachte mich von meinen geistigen Uebungen und meinem begonnenen Wege nicht ab. Ph. Was hast du denn aber gethan, um bei diesen Zerstreuungen deinen Geist gesammelt zu bewahren? 21. Ich besuchte, wenn ich mich erholen wollte, eine Kirche der heil. Jungfrau Maria, *) Cep 20. 113 welche durch die besondere Andacht des Volkes sehr berühmt war*). Ich empfing daselbst die heil. Sakramente. Bisweilen sprach ich daselbst mit den Kapuzinern oder Barnabiten; das freute mich oft so sehr, daß ich mir oft Gewalt anthun mußte, um von ihnen fortfommen zu können. Ich traf sie voll Freude, von der Welt ganz entfernt, ich fand daselbst die genaueste Ordnung sowohl im Gebete überhaupt, als insbesondere im öffentlichen Gottesdienste; ich sah, wie wenig ihnen an den zeitlichen Gütern und der Welt gelegen war, und wie sehr sie sich nach dem Himmel und seinen Freuden sehnten.- Das machte auf mich immer einen starfen Eindruck und bekräftigte meine Vorsätze, mich nach ihrem Beispiele zu richten. 09555 Ph. Wenn man nur immer gleich solche liebliche Muster hätte, daß man sich nach ihnen richten und sich stärken könnte. Gerade zur Seit einer solchen Versuchung prüft man die Geister mehr, bis man sich zur Nachfolge entschließt. Da stellt einem der Satan immer ihre - *) Cep. 20. 8 114 schlechteste Seite vor Augen, und dadurch verliert sich die Macht des Eindruckes. AI. Gerade das muß dich ermuthigen, wenn du bemerkest, wie alle Menschen sind, und nur mit vieler Mühe zur Vollkommenheit gelangen. Da kannst du lernen, daß das Himmelreich Gewalt braucht, und nur jene es an sich reißen, welche Gewalt brauchen. Bleibe nie bei den Fehlern der Menschen stehen, sondern erhebe dich, wähle dir die Handlungen Solcher zur Betrachtung, welche bereits nach dem Urtheile der Kirche heilig sind. Lies mit Aufmerksamkeit die getreue Darstellung ihres Lebens, da wirst du ihre Kämpfe, ihre Wunden, ihre Siege und die Waffen kennen lernen, mit denen sie gestegt haben*). Darum betrachte öfters bei deiner Gewissenserforschung, was du während des Tages gesehen; frage öfters in der Einsamkeit: Ist dieser oder jener ein vollkommener Mann? kannst du ihn zum Muster wählen? Handelte er mit wahrer Liebe ohne Men- *) Besonders zu empfehlen: Leben und Thaten der Heiligen, vom Verf. des Lorenzo. 4 Bde. 3 fl. C.M. 28 5 115 schenfurcht? Und du wirst gar bald erkennen, wie wichtig es ist, auf die Handlungen der Menschen wenig zu achten, und nur das Beispiel Jesu beständig vor Augen zu halten! 185558 1 XIV. Die Reichthümer werden von dem Feinde der Gottseligkeit nicht selten dazu gebraucht, den Menschen von Gott abzubringen. Ph. Einen mächtigen Feind erkannte ich im Leben der Menschen, der nicht bloß den Jüngling im Evangelio, sondern auch tauſend Menschen von Gott abbringt. Selbst einen Apostel, den Judas, hat er besiegt, von Gott entfernt und in das Verderben gebracht. Den machen die Reichthümer und die Güter dieser Erde aus. Diesen Feind hast ja auch du zu bekämpfen gehabt. Denn als der Erstgeborne hattest du ja Anspruch auf alle weitläufigen Befigungen des reichbegütterten Markgrafen, deines Vaters. Was hast denn du gethan, um im Geiste wahrhaft arm zu werden? Al. Die Bestzungen und Reichthümer verursachten mir einen higigen Kampf. Nicht als 8* Gelachaert - 116 ob ich in mir viele Versuchungen empfunden oder eine Sehnsucht darnach gehabt hätte; denn ich erkannte ihre Nichtigkeit gar bald; auch mußte ich es bald einsehen, daß der Reichthum den Menschen nicht zufrieden machet, sonst hätte der Kaiser und meine Aeltern sehr zufrieden sein müssen; daß der Reichthum sogar beschwerlich falle, sonst hätten so viele nicht Alles hingegeben, was sie besessen haben, um ruhig leben zu können, und daß alle Wünsche nach derlei Dingen eitel und schädlich sind; denn schon am Hofe dachte ich sehr oft an die Worte des Königs Salomon: *) Cep. 54. Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist eitel, außer Gott lieben und Ihm allein dienen! Die meisten Versuchungen bereiteten sie mir in meinen Aeltern und Verwandten; denn mein Vater war ja deßwegen ganz trostlos, weil ich als der Erstgeborne Alles verschmähte. Dieſe Ulebergabe der Rechte verzögerte ja meinen Eintritt mehrere Jahre; daher habe ich auch, als die Verhandlung über die Entsagung auf's Markgrafenthum eingeleitet war*), Allem Os 117 mit vieler Freude beigestimmt, was der Vater wünschte, ich ließ die zu unterschreibende Urkunde eiligst abfassen, um nur recht bald abreisen zu können. Ich entsagte in derselben jedem Rechte auf die Markgrafschaft, so wie jedem andern Erbe. Nachdem die Urkunde gehörig geprüft war, schickte man sie zum Kaiser zur kaiserlichen Bestätigung. Ph. Deine Erzählung macht mich nachdenkend. Ich sehe daraus, wie viel Sorge die irdischen Güter machen, und wie weit mehr Genauigkeit man bei diesen Dingen hat, die doch dem Menschen alle zusammen nichts nüßen, wenn man an seiner Seele Schaden leidet, als bei jenen, von denen unser zeitliches und ganz besonders unser ewiges Wohl ganz und gar abhängt. AI. Wenn du erwägst und betrachteft, welche Sorgfalt die Weltleute auf die Dinge anwenden, welche ihnen nur geliehen sind, wirst du kennen lernen, daß die Heiligen Gottes nicht viel gethan haben, wenn sie mit der Seele, ihren Gütern so ernst umgingen, und wie unrecht ihnen die Welt that, daß sie dieselben übertrieben nannte, wenn sie bemerkte, daß jilbis 118 fie den ewigen Gütern einige Aufmerksamkeit schenkten. Wenige Heilige, meine liebe Philothea, schenkten ihrer Seele so viele Sorgfalt, wie die Weltleute ihrem Körper und ihren Reichthümern. Glaube aber jetzt noch nicht, daß ich schon los war mit meinen zeitlichen Angelegenheiten. Als ich aus dem Schlosse fortreisen und meinen Beruf nach Gottes Willen antreten wollte, da versammelte sich eine Menge Menschen im Schlosse, und riefen weinend: Gnädiger Herr Aloysius! warum verlassen sie uns? Sie haben eine so schöne Herrschaft und die Untergebenen sind ihnen so zugethan! Nicht bloß mit einer gewöhnlichen Liebe, welche man für seinen Herrn hat, sondern ihnen. sind sie ganz besonders geneigt. Wir Alle haben unsere Hoffnungen auf sie gestützt, und jetzt, da wir glaubten, daß sie die Herrschaft übernehmen würden, verlassen sie uns! Als ich das hörte, sagte ich ganz ruhig und ernst: Ich sage hiemit Allen, daß ich die Welt verlassen will, um mir eine Krone im Himmel zu erwerben. Einem Großen dieser Welt wird es schwer, seine Seele rein zu erhalten. Man kann nicht zwei Herren dienen, OO - - Joy Boy Helene! 119 Gott und der Welt. Ich denke mein Heil zu sichern, thut auch ihr es. Als im Schlosse St. Sebastian den 2. November 1585, das Entsagungsschreiben in Gegenwart des Prinzen Don Vincenz und Prosper Gonzaga, laut vorgelesen wurde, weinte mein Vater heftig, und die ganze Versammlung war bis zu Thränen gerührt, während ich die Freude meines Herzens nicht verbergen konnte, so zwar, daß Prosper von Gonzaga versicherte, er habe mich noch nie so heiter gesehen, wiewohl ich kurz vorher von Seite der Begleiter des Prinzen Vincenz viele Spöttereien erfahren hatte. Bald darauf zog ich das gesegnete Jesuitenkleid an, und trat in den Saal, wo die Meinigen ( die Angehörigen) und ihre Freunde zu Tische saßen. - Osso - Ph. Ich bewundere in dir die Gnade Gottes, die dich bei diesem Kampfe so mächtig unterstüßte; kann dir jedoch nicht verbergen, daß mir diese Entsagung nicht so schwierig vorkömmt, als bei Vielen in der Welt, die nicht so wie du gleich auf die Aufnahme und fichere Versorgung rechnen können. Diese muß OF OCTO 120 doch auch die Frage ein wenig beschäftigen, was wirst du essen, was wirst du trinken, womit dich bekleiden, wo wirst du wohnen? Und ich selbst muß es dir aufrichtig gestehen, daß ich wohl längst schon die Eitelkeit der Welt erkannte, aber von der vollen Hingabe an Gott durch den bemerkten Kummer abgehalten wurde. - 11 Al. Du scheinst zwar eine wahre Bemerkung gemacht zu haben, aber recht betrachtet, bist du nicht ganz richtig darin. Denn du kannst das Wort Jesu wohl verstehen und betrachten: Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit, und alles Uebrige wird euch hingegeben werden." Die Worte erfuhr, ohne sie zu wissen, Moses und mit ihm 600,000 Menschen. So lebte Elias, so Elisäus; so handelte der heil. Johannes der Täufer, die zwölf Aposteln, der heil. Dominikus, Franziskus von Assist, Johannes von Kreuz und ganz besonders die heilige Theresia. Lies ihr Leben, betrachte ihre Sorglosigkeit um das Zeitliche, und du wirst die Wahrheit der Worte Jesu begreifen: Cuer Vater weiß, daß ihr dessen bedürfet, noch ehe ihr darum bittet. 121 Leget daher alle eure Sorge auf Ihn; denn Er ist es, Der für euch sorget. Ueberdieß wisse, daß der Mensch, der lebt, um selig zu werden, nicht um zu genießen, nicht viel nöthig hat. Freier wird dann dein Geist sich himmelwärts schwingen und suchen, was ewig ist, und was man ohne Furcht, es je zu verlieren, bestzen kann. Noch nie, so lang die Welt steht, und die steht schon über 5000 Jahre, ist es geschehen, daß ein Mensch, der sich Gott ganz und gar geschenkt hat, zu Grunde gegangen wäre, weil er das Nothwendigste zum Leben nicht hatte. Darum, werde im Geiste arm, und Du bist gewiß reicher, als der Reichste auf der Erde; denn nicht die Schäße, sondern nur das Herz macht reich. Viele Schäße und Güter geben nur den Schein von Reichthum; wie du an Amon, an Salomon, an Herodes sehen kannst; das ganze Heer von Reichen dieser Erde ist ein fortwährender Beweis für diese Wahrheit. Ich wenigstens fann dich versichern, habe noch nie weder etwas Großes noch etwas Kleines von Gott begehrt, was ich nicht erhalten habe. Ein jedes Geschäft, wenn es noch so beschwerlich war, fiel — 122 ganz nach meinem Wunsche aus, wenn ich es Gott anempfohlen habe. - XV. Die Armuth des heil. Aloysius als Ordensmann. 21. Glücklich war mein Leben besonders dann, als ich einmal mein Herz von jeder irdischen Sorge befreit hatte*).- Ich hatte bei meiner Armuth mehr Freude, als die Geipigen im Besize ihrer Reichthümer empfinden. Alles schien mir schon im Probefahre gehässig, was ein besonderes Eigenthum war. Ich wollte nie andere Kleider tragen, als die der Gesellschaft, noch wollte ich bisher Dinge zum besonderen Gebrauche haben, welche ich mit mir nehmen konnte, auch keine Uhr, keine Art von Besteck oder einen kostbaren Rosenkranz. Mit Freuden gab ich Andern das zur Andacht Nöthige und liebte keinerlei Geschenke anzunehmen. Ich besaß nie ein Reliquienkästchen, oder werthvolle und schön verzierte Gemälde. Ich begnügte mich mit ganz gewöhnlichen Bildern, - *) Cepari 142. 123 welche ich in meinem Zimmer fand. Bei mir hättest du höchstens zwei einfache Kupferstiche gefunden, welche ich nur auf das inständigste Bitten meiner Mitbrüder mit Erlaubniß meiner Oberen angenommen habe. Der Eine stellte den heil. Thomas von Aquin, der andere die Heilige Katharina vor; den Ersten verehrte ich, weil ich nach seinem Lehrbuche studirte, und die Lettere, weil ich an ihrem Festtage( 25. Nov.) in das Kloster getreten war. Nicht einmal in meinem Breviere hatte ich solche Bilder, die man sich gewöhnlich in die Bücher als Zeichen legt. Ph. Was hast denn du aber gemacht, wenn man dir etwas verehret, oder geschenket hat, was du doch nicht immer abweisen konntest? Al. Da bot ich Alles auf, um es abzuweisen. Konnte ich es aber durchaus nicht, ohne diejenigen zu fränken, die es mir angeboten, so übergab ich diese Gegenstände meinen Obern alsogleich, oder bat sie um die Erlaubniß, über diese Gegenstände bei der ersten Gelegenheit verfügen zu dürfen. Nichts in der Welt zu haben, Nichts zu wünschen, und sich von Allem losgesagt zu haben, das war meine ganze - 124 Freude. Ich beklagte mich nie über meine Kleider und kümmerte mich wenig, ob sie zu furz oder zu lange, zu enge oder zu weit waren. Fragte mich der Schneider, wie ich mit seiner Arbeit zufrieden bin; so antwortete ich ihm: Es scheint mir, daß sie gut ſei.- Hatte ich zu wählen, so wählte ich jederzeit das Schlechtere. Da dachte ich mir, wie ein Bettler, wenn er um Allmosen flehet, glaubt, man werde ihm zu seiner Bedeckung nicht das Beste, sondern das Schlechteste geben, so, dachte ich, sollen auch wir, wenn wir im wahren Sinne des Wortes Arme sino, annehmen, das man uns das Geringste geben wird. Geht hieraus nicht hervor, daß es so geschehen wird oder soll? Ich erzählte es oft meinem Beichtvater als eine besondere Gnade Gottes, daß ich bei Vertheilung das Geringste empfangen habe. -- - Ph. Wenn man es so weit gebracht hat, dann ist das Leben angenehm, da kann man seinen guten Gott mit einer wahren Ruhe dienen, und dann ist es sehr leicht, das Treiben der Menschen zu bemitleiden, welches nichts anderes zum Ziele hat, als reich zu werden. 00 125 A1. Fange nur muthig on, und stelle dir diesen Weg nicht so schwer vor. Schau alle jene an, die doch in dem irdischen Treiben ganz verstrickt waren, wie sie in so kurzer Zeit sich erhoben, und sich von allen Thorheiten frei machten. Zum Bolleinnehmer achäus kam der Herr Jesus nur Einmal, und er faßte den Entschluß, der dich so erschreckt und in Verwirrung bringt, Alles hinzugeben und Jesum nachzufolgen. Was du nicht vermagst, das leistet die Gnade; darum nur ernst, folge mir nach, ich will dich mit meiner Fürbitte unterstützen. - - - XVI. Der Ehrgeiz verwirret nicht selten den gutwilligsten Menschen. Ph. Mit Bewunderung vernahm ich aus deinem Munde, daß du den Jesuitenorden besonders aus dem Grunde gewählt haft, weil man sich in demselben durch ein förmliches Gelübde verband, keine Würde und keine Auszeichnung auf der Welt zu suchen und anzunehmen, außer es würde von dem sichtbaren Oberhaupte der Kirche, als solchem im heiligen - 126 Gehorsame aufgetragen werden. Dadurch entgingst du vielen Versuchungen; denn damit hast du den Ehrgeiz mit einem Male getödtet. AI. O liebe Philothea! das war nothwendig, denn in der Jugend, in meinem Stande, meinem Alter, meinen Körpers- und Geistesgaben, welche Hindernisse hätte mir der rege Chrgeiz gelegt?- Denn in der Jugend hält man jeden Glanz für Goldglanz, jedes Feuer für Brillantfeuer. Man hört auch beinahe nichts, als: der ist das geworden, der jenes, der kann von einem Glück reden; noch so jung und schon eine solche Ehrenstelle. Das mußt du lernen, denn das kann, das muß aus dir werden. Diese Anlage hast du besonders zu bilden. Komm', dem müssen wir unsere Aufwartung machen; denn der fann dir einmal weiter helfen u. s. w. Dazu kommt dann das eigene stolze jugendliche Herz, welches ohnedieß den Verstand überzeugen will, daß er Ansprüche auf die Ehre, welche die Welt geben kann, habe. Darum machte ich, als ich eines Tages bei den Barnabiten zu Lafel war, und ihre Tagesordnung und ihre Lebensweise beobachtet hatte, folgende Betrachtung: Da siehst nun, welche Ky Gay Gay 127 Seligkeit das Ordensleben mit sich führt. Diese Väter haben sich von allen Banden der Welt frei gemacht, und haben alle Gelegenheit zur Sünde von sich entfernt. Die kostbare Zeit, welche die Weltlinge mit unnüßem Haschen nach vergänglichen Schäßen und fehlerhaften Ergöglichkeiten zubringen, gebrauchen sie mit Recht zur Erwerbung dauerhafter und ewiger Güter. Sicher werden sie einst für ihre Bemühungen Vergeltung finden. Die Mönche sind doch in der That von allen Menschen diejenigen, welche am sichersten von der Vernunft geleitet, sich weniger durch die Sinnlichkeit und die Leidenschaften beherrschen lassen; sie streben nicht nach Ehrenstellen, das Vorübergehende achten sie wenig; sie sind nicht ehrgeizig; der eine beneidet den andern nicht; nur im Dienste Gottes finden sie Freude. Wie kann es demnach noch befremdend erscheinen, wenn man sie stets freudig sieht, wenn sie weder Tod, noch Gericht, noch Hölle fürchten. Das gute Zeugniß des Gewissens erhält sie im Frieden, und in diesem die innere Ruhe, von welcher auch die Heiterkeit, die man auf ihrem Gesichte sieht, herkommt. Die wohl begründete Hoffnung, 085350 - - - 128 welche sie auf die himmlischen Güter haben, die Anschauung Gottes, dessen Dienste sie sich gewidmet haben, tröstet sie in Allem, was sie betrüben könnte. Ph. Wenn das so wäre, mein lieber Moyfius! dann müßten ja alle Menschen dir nachfolgen und in den Ordensstand treten? Nun aber bemerkt man die Ordensleute felten in diesem Glücke, von dem du gesprochen. Ja man trifft nicht selten einige, welche sogar unzufrieden zu sein scheinen mit ihrer Wahl, und jene selig preisen, welche im Besitze dessen sind, was die Welt so genannt Angenehmes bietet. Auch im Kloster herrscht ja oft Neid, Zorn, Ehrgeiz, Stolz, Herrschsucht sc.- Al. Da hast du wohl Recht, wenn die geistlichen Personen im Kloster bloß mit dem geistlichen Kleide zufrieden sind, und meinen, die Erfüllung des Berufes bestehe bloß darin, daß sie wie geistliche Personen aus sehen und von der Welt abgeschlossen sind; dann findet man, was der heil. Augustinus sagt, feine schlechteren Menschen, als die Personen, welche ohne wahrer Demuth, ohne ernster Selbstverläugnung, ohne wahren Gehorsam, ohne wirkhey 129 liche Nachfolge Christi das geistliche Kleid tra- 39 gen. Die stärken die seufzenden Weltkinder in ihren Weltansichten, welche mit Thränen hören: diese schöne Jungfrau, dieser hoffnungsvolle Jüngling tritt in diesen oder jenen Orden; dann bestätigen sie, was Viele rufen: Was ist das, zwischen vier Mauern eingekerkert sein, nie mehr ein Sonnenlicht sehen, sich abschließen lassen; diese Barbarei, diese Grausamkeit, als ob sie nicht selbst zwischen vier Mauern leben, schlafen und arbeiten müßten. Die, liebe Philothea, find ja nicht eigentliche Ordensleute zu nennen; die meinte ich auch nicht, wenn ich von dem Glücke gesprochen habe, welches man in dem Ordensstande hat und genießen kann und wird. Jene meinte ich, die diesen Stand mit reifer Ueberlegung wählen, welche sich mit Ernst die Frage beantworten: Was hast du zu thun in diesem Stande?- Was fordert Gott daselbst von dir? Wem willst du dich ohne Rückhalt schenken? Hat das Jemand recht erwogen, und bemüht er sich, ernstlich in seinem Leben aufrichtig diesen Vorsatz getreu und pünktlich auszuführen; dann ist das klösterliche Leben eine Wonne, und dann 9 - - L 130 gilt das, was ich gesagt habe. Lies das Leben des heil. Augustinus; lies die Lebensgeschichte von der heil. Theresia, oder das Leben des heil. Antonius des Einsiedlers, so wirst du hierüber mehr finden, und das überlegend, sagte ich zu mir selber: Du, Aloysius, wohin geht dein Streben? Was denkst du? Wenn du die Markgrafschaft an deinen jüngeren Bruder Rudolph nach deinem Beschlusse nicht abtrittst und mit ihm in der Welt bleibst, wie Vieles wirst du noch vernehmen, was dir mißfallen wird?- Wenn du schweigst, so wirst du im Gewissen beunruhiget sein; sprichst du aber darüber, so wirst du viele Unannehmlichfeiten zu erfahren haben, oder man wird dich gar nicht anhören. Wenn du selbst ein Weltpriester wirst, wirst du dann das Ziel deiner Wünsche erreichen?- Du wirst dich noch mehr verpflichten, ein vollkommenes Leben zu führen, als jene, welche einem zeitlichen Berufe folgen; oder wirst du nicht so wie jene. den heftigsten Versuchungen ausgesetzt bleiben? Wirst du frei sein von der Knechtschaft der Ehrsucht? fühlen? Wirst du nicht dessen ganze Last Wenn du mit den Großen dieser 131 Erde nicht umgehest, was werden sie von dir halten? Wenn du mit ihnen umgehest, was wird da aus deinem ernsten Entschlusse werden? Wenn du Ehrenstellen annimmst, wirst du dich nicht in noch mehr störende Verhältnisse verwickelt sehen, als es jetzt der Fall ist? Schlägst du sie ab, so werden dich deine Neltern als einen unbrauchbaren Menschen, der ihrer Familie Schande macht, betrachten. Trittst du aber im Gegentheile in einen Or den, so wirst du dich mit einem Male allen derartigen Gefahren und Versuchungen entziehen; du wirst befreit sein von der Knechtschaft der Ehrsucht, und dich in einem Stande der wahren Ruhe, des inneren Friedens versehen, wo du Gott in größerer Vollkommenheit dienen kannst. Ph. Diese deine Betrachtung will ich mir zu Nußen machen. So hoffe ich nach und nach von jedem qualvollen Ehrgeize frei zu werden; denn in der That, was hilft es auch am Ende des Lebens in der Welt im großen Ansehen gestanden zu sein; was helfen auf dem Sterbebette viele Ehrenstellen, sogenannte große Auszeichnungen. In acht Tagen hat man sich an die neue Ehre gewohnt, und man hat ver9 11 ---- you leyt 132 gessen, daß man so zu sagen mehr geworden. ist; das Ehren- und das sogenannte Großsein Fieber ist vergangen, und man kommt wieder zum Bewußtsein, daß man noch ein Mensch geblieben ist, und man vielleicht ein noch viel ärmerer Mensch geworden ist, den ſeine neue Ehrenstufe zu einem Diener von viel mehr Herren gemacht hat, als er früher war. Im Gegentheile quälen sie, und die Rechenschaft über die Verwaltung. hoher und einflußreicher Nemter macht den Blick in's Jenseits furchtbar; denn das läßt sich nicht wegläugnen, daß Gott. von dem viel fordern wird, dem Er viel gegeben hat. Ich nehme mir daher vor, bei jeder Versuchung von Seite des Ehrgeizes an dich und an die Nichtigkeit der irdischen Herrlichkeiten zu denken, und solche Männer zu betrachten, die einst hochgeachtet wurden und bereits in die Ewigkeit gegangen, schon vergeffen sind; und redet man noch bisweilen von ihnen etwas, so spricht man von ihren Fehlern, falschen Ansichten, Fehlgriffen und der irrigen Verwaltung ihrer anvertrauten Aemter. 21. Bleibe deinem heiligen Vorsage getreu, der dich ganz gewiß glücklich machen wird, und EL SELBE 133 frag' dich oft um das, was ich mich fragte: Aloysius, nützt das etwas zum ewigen Leben? Fand ich, daß es nichts nüße, so ließ ich Alles gehen*). Sage dir öfters: daß es bei einem Vornehmen oder Reichen dieser Erde ganz unmöglich ist, die Eitelkeit dieser Welt zu verlassen, wenn es der Herr Jesus mit ihm in Betreff der zeitlichen Güter so macht, wie mit dem Blindgebornen, als Er seine Augen mit Roth bestrich und ihn sehend machte. XVII. Sehr Viele täuscht der Satan mit den nichtigen Hoffnungen. - Ph. Diese Welt gewährt doch selbst dem. gottliebenden Herzen einen großen Wirkungsfreis. Wie viel kann man in der Welt wirfen, wenn man in angesehenen und von der Welt hochgeachteten Stellungen ist!- Wie viel Almosen kann man geben, wenn man ein reichliches Einkommen hat! Was vermag das gute Beispiel eines einzigen Vornehmen und Hochgestellten auf Tausende! Was richtet Ossss *) Cep. 178. 134 ein einziges Wort eines ordentlichen und christlichen Würdenträgers aus! Wie viel Böfes fann man mittelst seines Ansehens verhindern! Dieser Gedanke, der gewiß jedem so nahe liegt, muß doch den Willen bestimmen, das zu suchen, was die Welt so vielen, besonders aber dir, o heil. Aloysius, dargeboten hat. 21. Dieser Gedanke wurde mir oft und oft vorgestellt. Mein Vater brachte mir diese Ansicht sehr oft bei, und damit wollte er meinen Willen zu etwas Anderem bestimmen. So sagte er mir, als ich ihm den Orden nannte, in dent ich nach Gottes heiligem Willen gehen wollte*): Das Uebel, mein Sohn, daß du in einen Orden trittst, wäre noch erträglicher gewesen, wenn du einen andern Orden, als die Gesellschaft Jesu gewählt hättest, in dem du zu feiner geistlichen Würde gelangen kannst, die meinem Hause Ehre gemacht haben würde. Darauf antwortete ich, von Gottes Willen vollkommen überzeugt, ganz ruhig: Eben deßwegen habe ich die Gesellschaft Jesu jedem anderen Orden vorgezogen. Hätte ich nach Wür- 56 *) Cep. 41. C C C G C 6 6 135 - - bgf den und Ehrenstellen getrachtet, so hätte ich die Markgrafschaft behalten, welche mir Gott als dem Erstgebornen gegeben hat, und ich würde das Gewisse dem Ungewissen vorgezogen haben. Noch größere Versuchungen wurden mir von den Unterthanen meines Vaters bereitet; als ich von dem Stammschlosse aus nach Rom reisen wollte, so versammelten sich viele Menschen um und in demselben. Viele konnten sich nicht enthalten, sich mir mit Thränen in dem Auge zu nahen und zu sagen: Gnädiger Herr Aloysius, warum verlassen sie uns? Sie haben eine so schöne Herrschaft, und die Untergebenen sind ihnen so zugethan; nicht bloß mit einer gewöhnlichen Liebe, welche man für seinen Herrn hat, sondern Ihnen sind fie ganz besonders geneigt. Wir alle haben unsere Hoffnung auf Sie gestüßt, und jetzt, da wir glaubten, daß Sie die Herrschaft übernehmen würden, verlassen Sie uns! Das, meine Philothea, das war eine große Versuchung. Ich aber erkannte sie mit der Gnade Gottes alsogleich, und überdachte schnell, wie thöricht der Mensch denken würde, der sich glauben machen wollte, daß er dort mehr OBOGT a les Tro 136 wirken würde, wo er sich selbst hingestellet hat, als wohin Gott ihn ruft. Alsogleich fiel es mir ein, daß der Mensch wohl pflanzen und begießen kann, aber doch nur Gott das Gedeihen zu geben im Stande ist. Ich fühlte es, daß es eine nichtige Hoffnung wäre, von Gott dann einen Segen zu erwarten, wenn man gegen Seinen anbetungswürdigen Willen gehandelt hat. Darum war ich auch im Stande, auf die Aufforderung alsogleich mit Entschiedenheit zu sagen: Ich sage hiermit Allen, daß ich die Welt verlassen will, um mir eine Krone im Himmel zu erwerben.- Einem Großen dieser Erde wird es schwer, seine Seele rein zu erhalten. Man kann nicht zweien Herren dienen, Gott und der Welt. Ich denke mein Heil so zu sichern, thut auch ihr es.- Ph. Ich muß dir vollkommen beistimmen; denn wenn man sein Leben und seine ganze Thätigkeit ohne Gott recht betrachtet, ohne der Eitelkeit, der Eigenliebe und den menschlichen Schmeicheleien ein Gehör zu geben, so muß man nur zu oft gestehen, daß man sich vergebens abgemühet hat. Wenn man im Gegentheile eine Stunde nach Gottes hei 137 ligem Willen arbeitet, und mit Ihm seine Kräfte anstrengt, so erfährt man nicht selten eine Ernte ohne vollkommener Saat, und der reichliche Nußen, den man besonders für seine und des Nächsten Seele bemerkt, lehrt gewiß sehr oft, daß die Bauleute vergeblich arbeiten, wenn der Herr die Stadt nicht erbaut. Al. Ich kann dich daher versichern, daß ich mich dazumal in meinem größtem Glücke befand, als ich bei den Jesuiten in die erste Probe eingetreten bin. Ich glaubte wahrlich in ein Paradies zu kommen, und rief daher voll Innigkeit: Hier ist der Ort meiner ewigen Ruhe, hier werde ich wohnen, diesen habe ich erwählt, denn diesen Ort erkannte ich als den von Gott mir zugewiesenen Ort meiner Hoffnung, meines Berufes und meines Wirkungskreises. In diesem Bewußtſein kniete ich mich, als ich allein war, nieder, vergoß Freudenthränen, und dankte Gott mit kindlicher Sinfalt. Ph. Du hast demnach die ewige Hoffnung. den zeitlichen Hoffnungen entgegengesetzt. Da war es dir freilich ein Leichtes zu stegen; denn denkt man an das, was Gott denen verspro085350 G 138 chen hat, die Ihn lieben, so wird es einen gewiß anekeln, wenn man die so prachtvoll ausgeschmückten trügerischen Hoffnungen der matten kraftlos träumenden Welt ansehen oder anhören muß. Al. Ja wahrlich, die ewigen Hoffnungen beleben den Geist immer mehr mit unaussprechlicher Kraft, ganz besonders in der letzten Stunde. Dieß empfand ich in meiner letzten Krankheit. Denn in meiner Krankheit erfuhr ich die Trauer und den Kummer meiner Mutter. Ich hielt es daher für meine findliche Pflicht, sie vor meinem Tode noch zu trösten und zu ermuthigen. Ich schrieb ihr daher, als ich mich ein wenig erholt hatte, zwei Briefe. In dem ersten schrieb ich ihr unter Anderem*): Vor einem Monate war es nahe daran, daß ich von dem Herrn die köstliche Gnade empfing, nämlich die, wie ich gehofft, in seiner Liebe zu sterben; bereits war mir die heilige Wegzehrung und die letzte Delung gereicht. Den Aerzten ist es unbekannt, wie lange das schleichende Fieber dauern wird. Sie lassen es sich alle an*) Cep. 202. 139 gelegen sein, mir meine förperliche Gesundheit wieder herzustellen, und ich, ach! ich denke mit Freuden daran, daß mit der Herr eine noch weit köstlichere Gabe verleihen will. So verharre ich zufrieden, und hoffe, daß es dem Herrn in einigen Monaten gefallen wird, mich von der Welt der Todten zu jener der Lebenden, von der Gesellschaft der Menschen hienieden zu jener der Engel und Heiligen des Himmels, von der Umgebung der irdischen und hinfälligen Dinge zur Anschauung und Betrachtung Gottes, des höchsten Gutes zu rufen. Hierin können Sie Ursache zum Troste finden, weil Sie mich lieben, und mein wahres Beste wünschen. Ich bitte Sie, für mich zu beten, damit mich der Herr würdige, nach der kurzen Zeit, welche ich noch auf dem wogenden Meere dieser Welt zuzubringen habe, durch die Verdienste Seines eingebornen Sohnes und die Fürbitte Seiner heiligen Mutter, angethan mit dem Kleide der Seelenreinheit, einzugehen in das Land der Verheißung, und mich in Gott ewig erfreuen zu können. Ph. Entzückend ist es, einen Sohn zu seiner betrübten Mutter also sprechen zu hören. OSTROCTO 140 Ein solcher Trost kommt und kann nur aus einem Herzen gegeben werden, das diese Welt mit allen ihren vergänglichen Hoffnungen erfannt und verachtet hat, und sich in nichts. Anderem zu rühmen weiß, als in Jesu dem Gekreuzigten. Al. Noch mehr begeisterte und erhob mich die heilige Hoffnung über alles Vergängliche, als ich an meine Mutter bald darauf das zweite Mal geschrieben habe. Da schrieb ich: Möge die Gnade und der Trost des heiligen Geistes stets mit Ihnen sein. Ihr Brief hat mich noch lebend im Neiche der Todten angetroffen, aber nahe daran hinwegzugehen, um Gott im Reiche der Lebenden nie mehr zu verlassen*). Ich glaubte in dieser Stunde schon den Schritt gemacht zu haben; aber die Heftigkeit des Fiebers hatte sich, wie ich es Ihnen schon geschrieben habe, etwas vermindert, und ich erreichte glücklich den Himmelfahrtstag. Seit dieser Zeit hat das Fieber in Folge einer leichten Erkältung wieder zugenommen; ich hoffe demnach bald zum himmlischen Vater zu gelangen, *) Cep. 200. - OSTSOCIO My G bei dem ich vollkommene und stäte Ruhe finden werde. Wenn die Liebe, wie der heilige Paulus sagt, mit dem Weinenden weint, und sich erfreut mit den Fröhlichen, so wird Ihr Trost sehr groß sein, meine theuerste Mutter, durch die Gnade, welche der Herr Ihnen in mir verleihet, indem er mich zum wahren Glücke führt, und mich versichert, daß ich es nie mehr verlieren werde. Ich gestehe es Ihnen, daß ich mich vertiefe in der Betrachtung der ewigen Güte, wie in einem grundlosen Meere. Die göttliche Liebe ruft mich zu einer unendlichen Ruhe nach sehr geringer Mühseligkeit ab, und zum Genusse der Freude, welche ich so wenig verdient habe. Sie verspricht mir die Vergeltung der so wenigen Thränen, welche ich vergossen habe. Hüthen Sie sich also, für diese große Barmherzigkeit undankbar zu sein; es würde dieß aber geschehen, wenn Sie ihren Sohn für todt beweinen wollten, welcher in der Gegenwart Gottes leben soll, und der Ihnen dann durch seine Gebete mehr nüßen wird, als er hiernieden gethan hat. Unsere Tren nung wird nicht lange dauern; im Himmel werden wir uns wieder sehen und zusammen 141 142 vereinigt sein, um nie mehr getrennt zu werden. In unserem Erlöser werden wir uns erfreuen, Ihn aus allen unseren Kräften loben und Seine Barmherzigkeit singend preisen. Ich schreibe Ihnen dieß nur aus dem Grunde, daß Sie, meine theuerste Mutter, und die ganze Familie meinen Tod als eine große Gnade annehmen mögen. Es begleite und führe mich ihr mütterlicher Segen bei der Ueberfahrt auf dem bewegten Meere dieser Welt, damit ich glücklich anlange im Hafen meiner Sehnsucht und meiner Hoffnung. Ich schreibe Ihnen dieß um so freudiger, da ich keinen andern Beweis meiner Liebe und meiner schuldigen Ehrfurcht gegen Sie kenne. Ich ende mit der demüthigen Bitte um Ihren Segen. - So schrieb ich meiner guten Mutter von Rom aus den 10. Juni 1591, und den 21. Juni 1591: Verließ ich dieses Jammerthal, in dem ich so viele nichtige Hoffnungen kennen gelernt habe, welche die schwachen Gemüther sehr leicht von dem Tugendwege abbringen, und zu dem eitlen Weltdienst und den vergänglichen Freuden derselben hinwenden, sie dann fesseln, bis ihnen zu spät die Augen aufgehen, 143 und sie seufzend zu rufen genöthiget sind: Ich habe gehofft und bin getäuscht; denn jetzt ist es schon bald mit mir zu Ende. Darum, meine liebe Philothea, lies oft und oft, was ich schriftlich hinterließ; denke darüber ernst nach, und ich zweifle nicht im Geringsten, daß du den Schein verachten und der Wahrheit mit allem Ernste nachstreben wirst. 1 XVIII. Die bösen Gesellschaften reißen oft das schwache Gemüth von Gott zur Welt hin. Ph. Allein, ganz allein wäre es, wie ich meine, ein Leichtes, sich für Gott nicht bloß zu entscheiden, sondern auch Ihm ganz getreu zu bleiben bis ans Ende; denn in der Einsamkeit hat man Zeit und Gelegenheit, die Nichtigkeit der Welt und ihrer Freuden recht zu erkennen; da kann man Gottes Verheißungen aufmerksam und ruhig betrachten, da sieht und hört man nichts von den so schlechten Beispielen der Welt. Da zieht einen Niemand von Gott ab; da hört man nie: Was wäre ein solches ernstes Leben? -Gott will, daß man sich in Seiner Schöpfung 166 144 freuet! Wozu hat Er, der gute Vater, Alles erschaffen, wenn man es nicht so genießen sollte, wie Er es erschaffen hat? Ein solches Leben taugt nicht mehr für unsere Zeit, das gehört für Klöster, und und die nicht einmal mehr; denn wir sind, Gott sei es gedankt, vernünftiger geworden; die Jugend muß sich unterhalten, sie dauert ohnedieß nur ein Paar Jahre u. s. w. Al. Die Einsamkeit befreit den Menschen freilich von tausend Versuchungen und Prüfungen; denn die Gesellschaften, besonders die bösen Gesellschaften, machen auf das schwache Gemüth, welches im Glauben noch nicht vollends erstarkt ist, einen sehr nachtheiligen Eindruck. In diesen Gesellschaften kann man sehr irre werden; denn da hört man in der lieblichsten Weise die Anmuth des Lebens, des Genusses und der irdischen Freuden beschreiben. Da steht man Viele so lebensfroh, und sie kommen einem so glücklich vor, daß man sich beinahe nichts Höheres wünschen möchte, als ihr Glück. Sie scheinen nichts zu wissen von einer Versuchung, fte kennen keinen innern Kampf, von dem Teufel und seinem sauberen Anhang kam ihnen - Gichig 145 gar noch nie etwas vor. Sie werden alt, sie sagen ſogar, daß sie den Tod nicht fürchten. Sie bringen den Menschen zu allerlei Thorheiten und verschwägen so auf den sanften Ruhekissen des schlummernden Gewissens, ohne Gott, ohne Gnadenmittel die kostbare Zeit auf eine möglichst furzweilige Weise. Sie stellen sogar Vergleiche an zwischen ihrer beständigen Ausgelassenheit und dem Ernste der sogenannten Frommen. Ph. Diese Menschen und diese Gesellschaften brachten mich nur leider zu oft in die elende Versuchung, daß ich mich fragte: Was leidest du, und was genießen sie?- Bist nicht vielleicht du irrig und sie recht daran? Wozu plagst du dich so hinab? Warum versagst du dir so viel, was deinem Gaumen so wohl schmeckt?- Du bist ja nicht vernünftig, daß du dich zu einem so abgetödteten Leben entschlossen haft? Al. Ja, wahrlich, mit Recht nennest du diese Versuchungen elende Versuchungen; denn auch ich habe diese äußeren Versuchungen besonders dazumal gehabt, wie ich noch am Hofe war, und ich Gott noch nicht so kannte, 10 146 wie ich Ihn mit der Zeit kennen lernte. Wie hätte aber ich bei einem so elenden Gedanken bleiben können, nachdem ich Den wahrhaft liebte, Der uns Seinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch Ihn Alles haben sollen. Seine Offenbarung ist bestätigt mit dem Blute Seines vielgeliebten Sohnes, durch den Tod von Millionen Märtyrern, durch die Aussprüche unzähliger Heiligen, und durch die Dauer von mehr als 1800 Jahren. Die Nichtigkeit der Hoffnung derer, die die Wege Gottes verkehren wollen, und die Falschheit ihrer Ruhe, und der Irrthum in ihrem Troste, ist durch das offenherzige Geständniß jener mehr als einmal unwiderleglich dargethan, welche einst zu ihrer Partei gehört, von denen ste selbst gelernt, und die sie als ihre Meister im Lebensgenusse durch lange Zeit verehret haben. Warum werden diese Menschen gleich ernst und unruhig, wenn ihnen Gott nur ein wenig Zeit zum Nachdenken anweiset? Warum verlieren sie den Frieden, wenn sie die Leidenschaften nur einige Augenblicke zum Stillschweigen bringen? Warum schreit das - 147 Gewissen selbst bei der unbedeutendsten Veranlassung? Warum wollen sie sogar nie etwas von dem Sterben, von der Ewigkeit, von einem Gerichte hören? Warum plagen sie sich so sehr ab, um sich selbst glauben zu machen, als sei mit dem Leben Alles abgethan, und gäbe es nach dem Tode für uns nichts mehr? Warum lesen sie nie etwas, was sie ein wenig in sie selbst hinein führen könnte? Ph. Ich sehe schon, wie nothwendig es ist, daß der, welcher nicht sehr stark im Glauben ist, und noch nicht fennt, wie so viele Leute der Welt, selbst sogenannte weltlich Gelehrte, dahin kommen, daß sie gott- und geistlos werden, so viel er kann, das Zusammenkommen mit Leuten meide, welche ihre edlen von Gott ihnen anvertrauten Talente dazu verwenden, Feinde Gottes und Seines ewigen Willens heranzubilden, statt daß sie seine unwandelbare Ehre vertheidigen. Ueberhaupt habe ich in dieser Beziehung schon oft erfahren, daß der in der Gefahr umkommt, der sich in die Gefahr begibt. AI. Darum, meine liebe Philothea, betrachte ihr Glück, zähle ihre tausend Bedürfnisse, laffe dir ihre irdischen Kümmernisse 10* 085350 - PROCT 148 nennen, stelle dich zu ihnen hin, wenn fie diese Welt verlassen sollen, und sammle dir ihre Thränen der bedaurungswürdigsten Wehmuth in dem ausgesprochenen Bekenntnisse, und du wirst gewiß mit wahrer Ueberzeugung ausrufen: Mein Herz, o Gott! ist unruhig, bis es in Dir ruhet, o Gott!- Ich will daher jederzeit eingedenk sein, daß die bösen Gesellschaften gute Sitten verderben!-- - XIX. Das Bücherlesen hat auf das Leben eines jeden Menschen viel Einfluß. A 1. Der dem Menschen eigene Stolz bringt ihn nicht selten zu einer außerordentlichen Wißbegierde; diese will er befriedigen, daher hascht er nach Allem, von dem er nur von ferne glaubt, daß es selbe befriedigen könnte. Da geschieht es dann nicht selten, daß er das Gift mit beiden Händen erfaßt und es mit einer großen Gier verschlingt. Das ist in den schlechten Büchern der Fall.- Ph. Das ist ein Gegenstand, der selbst mir schon viele Stunden geraubt hat, und über welchen ich schon viele Unruhe hatte. Denn oft fiel mir 149 ein, daß es der erhabenste Genuß sei, die Gedanken eines Andern kennen zu lernen, seine Erfahrungen und eigenen Betrachtungen sich eigen zu machen. Und es ist nicht zu läugnen, daß es ein wahres Seclenvergnügen ist, wenn man bald mit diesem, bald mit dem andern leben, mit den Helden des Buches Leiden und Freuden theilen kann. Uleberdieß lernt man dadurch Menschen kennen, man wird flüger und erfährt, wie man sich in diesem oder jenem Verhältnisse benehmen kann und soll; und so vergeht die Zeit, und man wird in den Stand gesetzt, mit denen zu reden, mit welchen uns unsere Verhältnisse zusammenführen. Al. Meine liebe Philothea, Vieles ist wahr, und ich habe es an mir erfahren, aber in einer anderen Weise, nämlich in der Weise, wie es der h. Vater Ignatius erfuhr. Ein Buch war es, welches mich eigentlich betrachten lehrte, und mein Gemüth zu Gott führte. Denn ich habe in meiner zarten Jugend keine andere Unterweisung im Gebete gehabt, als die Eingebung des H. Geistes. Ich wußte daher in meine Betrachtungen keine Ordnung zu bringen, und konnte mir nicht einmal den geeigneten Stoff dazu SRoctod 150 auffinden. Da kam mir einmal ein kleines Buch des P. Peter Canisius, Mitgliedes der Gesellschaft Jesu, in die Hände, in welchem geordnete Betrachtungen vorkamen. Diese Schrift munterte mich nicht nur allein auf, Gott im Gebete eifriger zu dienen, sondern sie zeigte mir auch die Art und Weise, welche ich bei dem Gebete beobachten solle, und wie ich meine Zeit zu diesem Zwecke anwenden könne. Bisher hatte ich dazu keine festgesetzten Stunden. Dieses Buch und die indischen Briefe, nämlich die Briefe der Missionäre aus Indien, waren es auch, welche mich ganz besonders für die Gesellschaft Jesu eingenommen haben. Das Büchlein zwar, weil mich der wahre Geist der Frömmigkeit und Gottesfurcht, mit welchem es geschrieben war, sehr ansprach; die Briefe aber, weil ich durch sie die Mühen und Arbeiten kennen lernte, welche die Mitglieder der Gesellschaft Jefu in Indien zur Bekehrung der Völker so unermüdet fortsetten. Das erweckte auch in mir den Wunsch, mein Leben zu gleichen Zwecken anzuwenden, und das *) Cep. 14. - 03555 151 Heil der unsterblichen Seelen zu fördern; was ich auch schon in meiner zartesten Jugend angefangen und nach meinen schwachen Kräften gethan habe. Das bewog mich auch, jeden Sonn- und Feiertag der Erklärung des Katechismus beizuwohnen, und es mir zur Pflicht zu machen, andere Kinder, in der christlichen Lehre, im Glauben und den guten Sitten zu unterweisen. Das that ich ohne Scheu, und mit vieler Freude vor meinen Untergebenen und anderen Menschen. Darum benüße nur die guten Bücher, liebe Philothea, und du wirst dich bald überzeugen, welchen Nußen dir Gott durch diese Bücher wird angedeihen lassen. Ph. Wie gerne wollte ich deinem Rathe folgen, wenn ich die guten Bücher kennen würde. Wie oft wird ein Buch öffentlich gerühmt, allgemein gelesen, viele Male aufgelegt, und mit größter Aufopferung verbreitet, und es ist wahrlich vom Satan diftirt und seinen Engeln dazu geschrieben, um den armen Seelen den Weg zur Hölle zu zeigen, ihnen Gott, Religion, Kirche, Unschuld, Reinheit verhaßt zu machen, Sinnengenuß tief einzuprägen, und ihnen jedes Lebensverhältniß 152 unerträglich zu machen. Auch bürgt öfters der Name des Verfassers nicht für die Güte und den Werth des Buches. Al. Da frage dich bei wahrhaft gelehrten und zugleich echt frommen Menschen an, von denen du gewiß weißt, daß sie Gott nicht bloß im Munde, sondern auch im Herzen haben, die sich mehr um ein gottgefälliges, in der göttlichen Liebe thätiges Leben, als um ein frommscheinendes Reden kümmern. So machte ich es. Der h. Karl Borromäus empfahl mir den römischen Katechismus, welchen Papst Pius V. auf den Wunsch des Conciliums von Trident hatte drucken lassen, oft zu lesen*). Diesen Katechismus las ich mit großer Freude, und das nicht bloß wegen der darin enthaltenen erhabenen christlichen Lehre, sondern noch mehr deßwegen, weil er mir von einem Manne angerathen worden war, den ich mit Recht für einen Heiligen hielt. Ich war sogar eifrig bemüht, viele Andere zu veranlassen, dieses Buch zu lesen, und berief mich dabei immer auf den, der es mir empfohlen hatte. *) Cepari. 17. OTROCTO 153 h. Sehr gerne möchte ich fragen, wenn es nur mehrere Karl Borromäus gäbe; der ist todt, wie soll ich jetzt die guten Bücher kennen lernen? Ich bin bereit, mir jede Selbstverläugnung gefallen zu lassen, die man Anfangs hat, wenn man gute und geistliche Bücher zu lesen anfängt, bevor man seinen verdorbenen, verweichlichten Geschmack bekämpft hat, und die Seele vollkommen gesund ist. Al. Da darf dir nicht bange werden. Denn wenn du auch jetzt mit dem h. Karl Vorromäus, oder einem anderen Heiligen nicht reden kannst, so haben die Heiligen sehr viele Bücher als solche anempfohlen, denen sie ihre Heiligung verdankt haben. Zu den vorzüglichsten gehören außer einem wortgetreuen Auszuge der heil. Schrift, die Bücher der Nachfolge Jesu, der Nachfolge Mariens, der geistliche Kampf von Skupuli, die Anleitung zur Frömmigkeit vom heil. Franziskus Salesius, die Lenferin der Sünder vom Ludwig von Granada, und überhaupt alle Werke dieses salbungsvollen Mannes( über die Liebe Gottes sein Gedenkbuch), das Leben Jesu, das Leben und die Bekenntnisse des heil. Augusti- 11 - 154 nus und der heil. Theresia.- Das Leben Jesu von dem heiligen und erleuchteten Vater Bonaventura. Die Werke des heil. Bernard, des heil. Franziskus. Die Werke von Rodriquez. Die vortrefflichen Werke des Croißez, ves Graßez und überhaupt die Lebensgeschichten der Heiligen Gottes.--In deiner Zeit findest du gewiß noch mehrere, die von erleuchteten Geistesmännern besonders empfohlen werden. Darum frage hierüber deinen Seelenführer, und gehorche ihm mit gewissenhafter Treue. Folge meinem Rathe, sei sehr vorsichtig im Lesen, und lies jederzeit mit Aufmerksamkeit und Nachdenken. Bei der täglichen Gewissenserforschung frage dich über das Gelesene, und wende auch das auf deine Verhältnisse Anwendbare auf dein Leben an. Vergiß nie, daß es nie darauf ankömmt, wie viel man gelesen, sondern was und wie man es gelesen hat. Laß dich bei der geistlichen Lesung Anfangs nicht gleich abschrecken, sondern harre aus, und du wirst sehr bald den füßen Duft der himmlischen Salbung in deinem Herzen empfinden. Suche, wie ich that, dir dann einen dir gleichgesinnten Freund, und mit dem - - -- 155 rede nach meinem Beispiele mit Ernst über das Gelesene. Denn zur Ferienzeit, im Monate September und October- wo man die Jugend von Rom nach Freskati schickte, um sich von den Studien zu erholen, und ich und meine Mitschüler auch auf die Ferien gingen, nahmen wir, mit Erlaubniß der Oberen, der Eine die Nachfolge Christi mit, der Andere das Leben des heil. Franziskus oder der heil. Katharina von Siena, oder des heil. Ignatius; andere die Chroniken des Dominikaner- oder FranziskanerOrdens; einige die Bekenntnisse und die Alleinreden des heil. Augustinus, die Psalmen mit Erklärungen vom heil. Bernhard*). Jene, welche im geistigen Leben weiter vorgeschritten waren, lasen das Leben der seligen Katharina von Genua; diejenigen, welche sich besonders geringschätzten, das Leben des heil. Jakob und Johannes von Columbine. Mit diesen Büchern versehen, gingen wir sowohl Morgens als auch nach Tische aus, zwei oder drei zusammen, und erzählten uns beim Spazierengehen von den Früchten unsers Lesens. Bisweilen ver*) Cep. 154. - - 156 sammelten sich zehn oder zwölf in einem Walde, welcher die kleinen Höhen der Umgegend beveckte, und hielten daselbst unsere gemeinschaftlichen geistigen Unterredungen mit so vieler Freude und Eifer, daß wir an Leib und Seele gestärkt heimkehrten. So wurde einer dem andern zum Beispiele und zur Ermunterung im Fortschreiten auf den Wegen des Herrn. Ph. Ich will dir gerne gehorchen, und von nun an nach deinem Vorbilde mit meinen Augen einen Bund machen, das nicht suchen, was mein Herz verderben kann, und den Geist Gottes zwingt, mich zu verlassen. - - XX. Der rechte Gebrauch der Zeit verschafft dem Menschen viele Siege über sich und die anderen Versuchungen. Ph. Mit großer Freude habe ich jetzt aus deinem Munde viele Gefahren kennen gelernt, die man nicht selten, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, auf dem Wege der Tugend findet. Ich habe mir vorgenommen, über dieselben östers nachzudenken, und dachte auch schon darüber nach. Dabei fiel mir ein, daß ich das 157 noch öfter thun würde, wenn ich nur Zeit dazu finde. Bei dieser Erwägung dachte ich mit Verwunderung an solche, welche über den Ueberfluß der Zeit und über lange Weile klagen, und nicht wissen, was sie anfangen sollen, um die wenigen kurzen Lebenstage so schnell als möglich zu vergeuden; die sich darüber herzlich freuen, wenn die Welt ihnen eine neue Gaufelei ankündiget, um, wie sie sagen, die Stunden, besonders die langen Abendstunden, recht angenehm und kurzweilig zuzubringen. 21. O meine liebe Philothea, diese Menschen wissen wahrlich nicht, was sie reden, oder was sie thun! Denn würden sie nur Einmal in ihrem Leben über folgende Wahrheiten ernst nachgedacht haben: Wie kurz ein Menschenleben ist; wie schnell die Jahre dahinschwinden; wie kostbar die Zeit ist, indem die ganze Ewigkeit von dem rechten Gebrauch derselben abhängt; daß die Zeit, einmal vergangen,- nie wieder zurückkehrt; würden sie nur einmal erwogen haben, wie viel die in der Hölle oder dem Fegefeuer für eine Stunde Zeit hingeben würden, in der sie Buße wirken könn08535 - KG - 158 ten; o wahrlich! ganz anders würden die gedankenlosen Menschen denken, reden und handeln! Sie würden die Zeit, die ihnen Gottes Liebe noch schenkt, mit vieler Sorgfalt erkaufen und arbeiten, so lange es Tag ift. Sie würden gewiß keine lange Weile haben. Was aber deinen Kummer, meine liebe Philothea, betrifft, so kann ich dir nichts Befferes rathen, als daß du die Zeit gehörig eintheilest, und jedem deiner Geschäfte eine bestimmte Zeit anweisest. An diese Eintheilung halte dich mit gewissenhaftester Genauigkeit, und von der Ordnung laffe dich durch Nichts abbringen, es sei denn, daß dein geistlicher Führer oder die Liebe zu Gott eine Abänderung träfe.- Daher stehe jeden Tag zur bestimmten Stunde auf, und dann gehe auch zur bestimmten Stunde schlafen.- Bestimme die Zeit zur Betrachtung, zur geistlichen Lesung, zum Gebete, zur Gewissenserforschung, zum Studium und so viel möglich zum Essen und zur Erholung. Mir waren sogar die Erholungsstunden des Morgens und Abends heilig, und um immer von geistigen Dingen sprechen zu dürfen, bat ich um die - - - -- 159 Erlaubniß dazu. Da man mir das gewährte, sagte ich es meinem Beichtvater, dem Pater Hyronimus Ubaloini, einem im Geiste wahrhaft armen Manne, und bat ihn, er möge sich der Sache annehmen und Gott empfehlen. Dann suchte ich einige meiner Ordensbrüder auf, und sagte ihnen, daß ich mit ihnen in Erholungsstunden von göttlichen Dingen zu sprechen wünsche, und führte das Vorhaben aus, nachdem sie sich dazu bereit erklärten, und benüßte so die kostbare Zeit, wo und wie ich es nur im Stande war. Selbst auf der Reise war ich nie müßig, sondern las und redete in meinem Geiste mit meinem Gott. 11 Ph. Mein lieber, heiliger Meister!*) oft hab' ich es schon erfahren, daß man viel Zeit gewinnt, wenn man sie recht zu benüßen weiß, und wahrlich unaussprechlich belohnend ist am Abend der Gedanke: Heute hast du keine Stunde verloren; den ganzen Tag hast du in die Ewigkeit vorausgeschickt. Darum will ich von nun an meine Zeit, so *) Cep. 47. Go! 160 gut es meine Verhältnisse erlauben, eintheilen; ich will dann die Eintheilung zu meinem Geseße machen, und diese Zeit gewissenhaft halten. Ich rechne dabei auf deine Fürbitte und Gottes heiligen Segen. - - 21. Bleibe diesem Vorsaße getreu, und erinnere dich oft an die Worte des heil. Bernhardt: Der Müßiggang ist die Fundgrube gefährlicher Gedanken, die Quelle der Unlauterkeit, der Mörder der Tugenden, der Tod der Seele, das Grab eines lebendigen Menschen und der Lehrmeister aller Laster. Darum bedenke öfters, wozu dich Gott auf diese Welt gesetzt hat.- Frage dich öfters, wie sehr du einst die Tage bereuen wirst, die du in deiner Jugend vertändelt hast. Denke öfters an die strenge Rechenschaft, die du einst über die verlorne Zeit wirst geben müssen.- Lasse dich vom Satan nie müßig finden. Sehe deine Arbeit und dein Studieren nicht als eine Strafe, sondern als ein heiliges Amt an, das dir dein Gott als ein Mittel zur Seligkeit angewiesen hat. Opfere die Zeit schon in der Früh Gott auf, und bitte Gott, Er wolle deine Arbeit segnen, und zu Seiner Ehre gerei 161 chen lassen. Du wirst bald einsehen, wie viele Stunden du bereits unnüß vertändelt hast, und mit gewissenhafter Treue an deinem Heile arbeiten. - - XXI. Sei demüthig und du wirst in kurzer Zeit vollkommen ſein. 21. Ich sehe, daß du, meine liebe Philothea, den aufrichtigen Willen hast, besser zu werden. Ich habe auch bereits erkannt, daß dir nichts zu kostbar ist, um selig zu werden. Darum höre mich und ich will dich ein vorzügliches Mittel lehren, daß dich in kurzer Zeit zu Gott bringen kann. Sei de müthig und du wirst in kurzer Zeit vollkommen sein. Ph. Das habe ich schon sehr oft gelesen und gehört, habe es aber bis jetzt noch nicht recht verstehen können, was das heiße: demüthig sein. Ich lernte auch schon verschiedene Menschen kennen, die als fromme Leute galten, die sich sehr verschieden benahmen, und aus ihrem Betragen konnte ich nicht klug werden. Darum sage mir, wer ist denn demüthig? 11 162 Al. Die Demuth besteht nicht im Neußeren, sondern in der Gesinnung. Der ist demüthig, der sich richtig beurtheilt und das Gute, daß er an sich hat, nicht sich, sondern Gott zuschreibt, und dann als Gabe Gottes nach Seinem heil. Willen gewissenhaft anwendet. Der wahrhaft Demüthige ruft bei allen Verfolgungen, Widerwärtigkeiten und Leiden, und das nicht bloß mit dem Munde, sondern in Wahrheit: Daß und noch mehr habe ich verdient; denn ich bin ja ein sündiger Mensch, ein boshaftes Geschöpf, nichts Gutes ist an mir, was ich mir zuschreiben konnte. Alles Gute ist von Gott, von mir kommt nur die Sünde. Mit dieser Tugend konnte ich mich, wiewohl mein Vater dem höchsten Adel angehörte, und ich selbst von zartem Körperbau war, auch ohne Schonung in ein untergeordnetes Leben schicken und alle Dienstpflichten verrichten, die die anderen Novizen verrichteten*). Ich arbeitete wie der geringste Diener, so, als wenn ich in meinem Leben nichts anderes gethan hätte.- In der Demuth brachte ich es *) Cep. 82. - 15 163 so ziemlich weit. Einmal befahl der Vorsteher der Novizen, um mich zu prüfen, ich soll dem Tafeldecker im Speisesaale helfen, und den Speisesaal vorbereiten und reinigen. Dem Tafeldecker sagte der Vorsteher, er soll Alles, was ich thun würde, nicht für gut genug finden, und meine Arbeit so viel möglich tadeln. Der Tafeldecker handelte genau nach dem Wunsche des Vorstehers, aber es gelang ihm nicht, mich dahin zu bringen, daß ich mich entschuldigte, oder über das Gethane rechtfertigte. Der Tafeldecker wunderte sich über mein Betragen so sehr, daß er kaum glauben konnte, was er sah. Ich half, wie die anderen Novizen, mit vieler Freude, an der Tafel und in der Küche, so wie die Reihe an mich kam. Einmal mußte ich bei Tische vorlesen, da entstand neben dem Speisesaal ein solches Geräusch, daß der Leser nicht von Allen vernommen werden konnte. Der Novizenmeister gab mir einen Verweis, als ob ich Schuld sei, daß man mich nicht verstehe, und setzte den geistigen Verluft, welchen dadurch jeder erlitt, viel höher als er wirklich war, um zu sehen, 11* - 164 was ich darauf antworten würde. Ich wiederholte das Gelesene noch einmal, was das Geräusch zu hören verhinderte. Welche Ruhe man nur der wahren Demuth verdankt, kannst du aus folgendem Vorfall erkennen. Der P. Hieronymus Piatti meinte, daß ich im Gebete und in anderen Uebungen zu eifrig sei*). Er hielt es daher für nöthig, meinen Eifer ein wenig zu mäßigen. Daher befahl er mir des Morgens und Abends die Erholungsstunden auch mit denen zuzubringen, welche bei der zweiten Tafel aßen, wiewohl ich schon gegessen hatte. Ich that es genau, da erblickte mich aber der P. Minister bei der zweiten Erholung, der nichts von dem Befehle wußte, und er legte mir eine öffentliche Strafe im Speisesaale auf, indem ich einer Regel zuwider gehandelt hätte, der zufolge ein jeder außer der ihm zur Erholung gestatteten Zeit das Stillschweigen zu beobachten hatte. Ich litt diese Strafe ganz stillschweigend. Das fiel dem P. Minister auf, und er belegte mich *) Cep. 163. 165. daher mit einer zweiten Strafe, die ich ganz ruhig litt. Da rief mich dann der P. Piatti und sagte mir, daß es zum Aergerniß gereiche, schon zweimal für denselben Fehler eine Strafe bekommen zu haben und fragte mich, warum ich von der erhaltenen Erlaubniß nichts gesagt habe?-- Da gab ich zur Antwort: Es ist mir wirklich der Gedanke beigekommen, daß ich durch mein Stillschweigen ein Aergerniß gebe; befürchtete jedoch, daß mich die Eigenliebe überlisten könnte, sich der Strafe zu entziehen, und darum habe ich mich entschlossen, nichts zu sagen und die Strafe zu leiden. Legt mir jedoch der P. Minister das dritte Mal eine Strafe auf, so werde ich auf den erhaltenen Befehl sagen: es gebe nichts Erbaulicheres, als die auferlegten Strafen geduldig zu ertragen, wiewohl ich von meiner Seite unschuldig war. Ph. Hierin warst du, wie mir scheint, doch ein wenig zu ängstlich; du scheinst zu weit gegangen zu sein; denn in solchen Fällen soll man reden. Al. Urtheile nicht vorschnell und bedenke nur, wie sehr ein jeder Mensch an der Eigen66033 55 500 Univ.- Bibl. Giessen Ge KEY 166 liebe und dem Stolze leide, und wie leicht ein Jeder durch seine Eigenliebe getäuscht werde. Diese Furcht vor meiner Eigenliebe brachte mich einmal in eine Verlegenheit*). Ich machte nämlich zu Rom im sogenannten römischen Collegium in der Logik, Physik und Mathematik so große Fortschritte, daß ich nach sechs Monaten im Stande war, einen Lehrsatz über die ganze Philosophie öffentlich abzuhandeln. Am bestimmten Tage kamen die Kardinäle von Roveredo und Gonzaga, um der öffentlichen Abhandlung beizuwohnen, in den großen Saal des Collegiums. Da war ich nun im Zweifel, ob ich zu meiner Demüthigung gut oder schlecht antworten soll; ich fragte daher den P. von Angelis, einen sehr gelehrten und frommen Mann, mit dem ich bisweilen über mein Inneres sprach. Wiewohl mir dieser ehrwürdige Pater rieth, ich soll nach meinen Kräften antworten, so hab' ich doch während der Abhandlung oft die Versuchung gehabt, zu meiner Demüthigung zu antworten. Endlich stegten die Gründe des - *) Cep. 125. Ꭷ 167 Paters, und ich antwortete so gut als möglich. Ich brachte es auch mit der Gnade Gottes so weit, daß mir jede Lobeserhebung unerträglich vorkam; denn als eben bei der obenbemerkten Gelegenheit ein Professor Vieles zum Lobe des Hauses von Gonzaga sprach, so erröthete ich dergestalt, daß ich das Mitleid der Anwesenden erregte, welche wohl verstanden haben, was ich bei solcher Lobeserhebung gelitten habe. Ich konnte mir nicht helfen, und gab es diesem Lobredner durch meine Antworten zu erkennen, daß er mir durch seine Lobrede wenig Freude gemacht habe: - WELGES Ph. Ich vernehme deine Demuth mit Freuve, und wünschte mir diese Tugend, die mir so sehr fehlt, gerne eigen zu machen. Hast du denn nichts aufgeschrieben, wie man diese zur Vollkommenheit und zur wahren Zufriedenheit und Ruhe so unumgänglich nothwendige Tugend sich eigen machen kann? AI. O ja! Ich fand es auch für nothwendig, weil ich wohl wußte, daß uns der böse Feind um so mehr Kämpfe der Eitelkeit und der Selbstliebe bereitet, je mehr er beOCCOGO 168 merkt, daß diese die schwächste Seite unserer Seele ist; darum sollst du auch alle deine Kräfte aufbieten, damit du ihm durch Demuth und Geringschäßung deiner selbst widerstehest. Willst du wahrhaft de müthig werden, so beherzige vor Allem wohl, daß, obgleich diese Tugend, wegen ihrer Vollkommenheit allen Menschen geziemt, ste doch keine Frucht dieser Welt ist, sondern daß du sie vom Himmel, von dem alles Gute kommt, erflehen must. Es ist daher der Stolze gezwungen, sich selbst zu verläugnen, und die unendliche Majestät Gottes um diese Tugend zu bitten, und zwar durch die. Verdienste Jesu Christi, welcher Seine Herrlichkeit verließ und die Gestalt eines armen Knechtes angenommen hat. Dann wird es sehr gut sein, wenn du die Heiligen, besonders jene um ihre Fürbitte anflehest, welche sich in dieser Tugend am meisten ausgezeichnet haben; denn so wie sie Gott gewürdiget hat, ihnen diese Tugend in einem so ausgezeichneten Grade zu verleihen, so wird er gewiß auch ihre Fürbitte in dieser Beziehung jetzt erhören. Deshalb wirst du deine Zuflucht ganz besonders zur seligen Jungfrau Maria nehmen, als der in - 169 dieser Tugend Gepriesensten ihres Geschlechtes; dann auch den heil. Petrus anflehen, der zu Jefu sagte: Entferne dich von mir, o Herr! denn ich bin ein sündiger Mensch, und den heil. Paulus, der, obgleich er bis in den dritten Himmel erhoben war, doch eine so niedrige Meinung von sich hatte, daß er von sich schrieb: Jesus ist gekommen die Sünder zu retten, unter denen ich der Erste bin. Auf diese Weise brachte ich es in der Tugend immer weiter. Ich verbarg dem Neußeren nach so sorgfältig als möglich meine Stellung in der Welt, meine Geburt, meine Talente. Ging ich mit einem meiner Collaboratoren aus, so ließ ich ihm den Vortritt, sogar den Koch ließ ich mir vorgehen. Bei Tische nahm ich am liebsten den Platz der Brüder ein, welche den Dienst in der Küche hatten*). Mit unaussprechlicher Freude habe ich Montags und Dinstags, Mittags und Abends, die Schäffeln gereiniget und das Uebriggebliebene an die Armen vertheilet. Ich kehrte Oss — *) Cepari 137. 333 170 meine Stube selbst aus, und besorgte mehrere Jahre die Lampe des Hauses. Ich freute mich von ganzem Herzen über die Auszeichnung und das Lob Anderer. Einmal war ich einem jungen Jesuiten beigegeben, der dem Auftrage gemäß in der Fastnachtszeit auf dem öffentlichen Plaze predigte*). Da versammelte sich das Volk, und ich selbst bat die Vorübergehenden, die Predigt des jungen Mönchs anzuhören; man willfahrte meiner Bitte, die ich mit eben so vieler Liebe, als Demuth und Bescheidenheit stellte**). - Eines Abends erfuhr ich, daß ein Bruder in der Stadt sammeln sollte, ehe er sein Gelübde ablegte; da bat ich um die Erlaubniß, ihn begleiten zu dürfen. Als ich sie erhalten habe, so eilte ich mit unaussprechlicher Freude noch an demselben Abende zu dem Bruder, um es ihm zu sagen. Oft und oft wiederholte ich an dem Tage, an dem ich das Almosen sammelte, die Worte: Auch un*) Cep. 179. **) Cep. 179. 11 266 171 fer Herr Jesus Christus hat Geschenke angenommen. Einmal ging ich in einem ganz zerrissenen Kleide, und sammelte Almosen, da begegnete ich einer sehr elegant gekleideten Dame, welche mich fragte, ob ich aus dem Collegium sei, wo auch ein gewisser Pater wohnt, den sie gut kannte. Als ich ihr diese Frage bejahte, sagte ste seufzend: Oder arme Pater, wo hat er sich hin begraben! Als ich das hörte, benüßte ich die Gelegenheit und sprach, um diese Dame von ihrem Irrthume zu befreien, daß sich dieser Pater sehr glücklich schätze, da zu sein, wo er sich hinbegeben hat; übrigens erfreut er sich einer vollkommenen Gesundheit, und befindet sich keineswegs in einem todtenähnlichen Zustande, wie sie glaubt; sie sei im Gegentheile weit mehr zu beklagen, als er, daß sie in der Welt leben muß, und in der Gefahr sei, ihre Seele auf Immer zu verlieren, indem sie den Grundsätzen der Eitelkeit folge, wie es ihr Neußeres zeige. Diese Worte machten auf diese Person einen solchen Eindruck, daß sie sich bewogen fühlte, ihren Wandel zu ändern, und ein mehr eingezogenes Leben zu führen. -- 172 Ph. Wahrhaft groß war deine Demuth, und lieblich ist dein Beispiel. Bitte für mich, daß ich von Gott auch die Gnade erlange, deinem Beispiele hierin zu folgen, und den Weg muthig betrete, gegen den sich die Natur so sehr empört, während der Geist darüber frohlocket, indem er die herrlichen Früchte schauet, welche die ungeheuchelte, aufrichtige Demuth bringt. - XXII. Der strenge Gehorsam ist eine der vorzüglichsten Früchte einer wahren Demuth. AI. Am leichtesten findet und bewahret man den Weg der Demuth, wenn man so glücklich war, den heiligen Gehorsam gefunden zu haben. Gerne wollte ich dir das für so Viele furchtbare Wort Gehorsam" erklären, wenn ich nicht wüßte, daß du Viele bereit finden wirst, die es dir viel besser auseinanderzuseßen vermögen, als ich.- 11 Ph. Mir selbst, ich muß es dir aufrichtig gestehen, mir selbst kam nichts so schrecklich und unmöglich vor, als der Gedanke: sich von fogy 173 Semanden dergestalt binden zu lassen, daß man nie etwas unternehmen und unterlassen soll, was man selbst will, sondern was einem der, dem man sich im Gehorsame verbunden at, befiehlt, und im heiligen Gehorsam aufträgt. - - CHELT - Al. Dieß Alles ist nur scheinbar schwer. In der That ist nichts so lieblich, nichts so stärkend, und nichts so schüßend und sichernd, als der strenge und heilige Gehorsam. Das haben Viele erkannt und vor aller Welt ausgesprochen. Auch lohnt Gott auf außerordentliche Weise nichts so sehr, als ein gehorsames Herz. Ich selbst habe es in meinem Leben oft genug erfahren. Ich war in meiner früheren Jugend bereits in den Orden aufgenommen*). Ich schrieb daher vor meiner Abreise von Mailand aus an den General der Gesellschaft Jesu, und fragte ihn, ob ich in dem Falle, als mir mein Vater in meinem Berufe neue Hindernisse legen sollte, ohne weitere Erlaubniß desselben in ein Kloster der Gesellschaft gehen dürfe. Ich wartete ganz ruhig, mit Allem zufrieden, auf *) Cepari 63. 174 eine Antwort. Als ich die Antwort erhielt, daß es der P. General nicht für gut finde, wenn ich den Markgrafen ohne seiner Erlaubniß verlasse, so fügte ich mich, ohne nur das Geringste dagegen einzuwenden, nach dem vernommenen Ausspruch*). Wiewohl ich eines Fürsten Sohn war, und einen zarten und schwachen Körper hatte, so schickte ich mich mit Freude aus Gehorsam in ein untergeordnetes Leben, und erfüllte meine Dienstpflichten so genau, wie ein jeder andere Noviz. Ich war vollkommen überzeugt, daß man als ein tüchtiger Ordensbruder jede Regel, auch die kleinste und unbedeutendste des Orden@, genau und sorgfältig beobachten müsse. Durch diesen bereitwilligen Gehorsam kam ich in furzer Zeit zu einer großen Vollkommenheit. Ich gehorchte in allem und Jeden**). Einmal bat ich am Vorabend eines großen Festes den Vorsteher der Novizen um die Grlaubniß, bei Brot und Wasser fasten zu dürfen, die ich auch erhielt. Bald darauf nahm er *) Cep. 82. **) Cep. 89. - 175 aber wahr, daß ich beinahe nichts gegessen habe. Er rief mich daher nach der Mahlzeit, und befahl mir zur zweiten Tafel zu gehen, um da gehörig zu essen. Ich gehorchte genau. Nach dem Essen sagte einer, der davon wußte, scherzend zu mir: Das ist gut, Bruder Aloystus, o die gute Erfindung, zur ersten Tafel wenig effen, zur zweiten um so mehr essen. Darauf gab ich ihm zur Antwort: Was sollte ich thun? Der Prophet sagt: Ich bin wie ein Laftthier in deiner Nähe geworden. - Auf diese Weise übte ich meinen Gehorsam mit aller Freude, und fand, wie viele Gnaden der Gehorsam von der Liebe Gottes erlangt. Sei daher gehorsam, meine liebe Philothea, und folge in Nichts deinem eigenen Willen; stehst du noch unter der natürlichen Gewalt, so kennst du ohnedieß, was für einen Gehorsam du leisten sollst. Uebe dich da schon in dem unbedingten Gehorsame. Betrachte deine Neltern als Stellvertreter Gottes, was sie auch find; dann wird dir der Gehorsam in Allem, was nicht gegen Gottes Wille ist, sehr leicht vorkommen. Bist du bereits erwachsen, so gehorche deinem erwählten geistlichen Führer unbe55555 176 dingt, so wirst du dich bald überzeugen, wie ungegründet das Vorurtheil der Welt ist, als ob der Gehorsam eine Marter und ein unerträgliches Joch wäre. Du wirst vielmehr sehen, daß nur der wahrhaft frei wird, welcher in dem heiligen Gehorsame lebt, du mußt aber in strengen Gehorsam leben, wie ich es that*). - - Einmal, um dir noch ein Beispiel des lieblichen Gehorsams aus meinem Leben anzuführen, legte ich mit anderen Novizen die Wäsche zusammen; da erinnerte ich mich, daß ich an dem Tage, ganz gegen meine Gewohnheit, nicht in den Schriften des heil. Bernhard gelesen habe. Ich wollte daher meine Arbeit unterbrechen, und dieß noch thun; ich hätte mich auch, wie die Andern, leicht von der Arbeit auf eine Zeit entfernen können; that es aber nicht, sondern sagte zu mir selbst: Wenn du im heil. Bernhard liest, was wird er dich lehren, außer Gehorsam?- Stelle dir also vor, ihn gelesen zu haben, und thue, was dir aus Gehorsam jetzt Pflicht ist. Ein an*) Cepari 104. - 181 erlangen, ist das Gebet. Dann betrachte oft solche Dinge, die ganz geeignet sind, das Feuer der göttlichen Liebe mittelst der göttlichen Gnade in deinem armseligen, an das Irdische so sehr gehefteten Herzen anzufachen. Betrachte ost, wer Gott ist, wie groß und gewaltig Seine Allmacht, Weisheit, Güte, und wie liebenswürdig Seine Heiligkeit ist. Bedenke oft, was der gute Gott für die Menschen gethan hat, und was Er noch thun würde, wenn es nöthig wäre. Frage dich ernst, mit welcher Liebe Er Alles gethan hat und thut, was Er dir und jedem Menschen täglich Gutes erweiset, und was du zu erwarten hast, wenn du Seine Gebote gerne, genau und allezeit in der reinen Absicht deines Herzens beobachtest*). - - Der kürzeste und einfachste Weg zur Liebe Gottes ist der häufige Umgang mit Menschen, welche von der göttlichen Liebe durchglühet sind**). Das habe ich und so viele Andere mit mir erfahren. Viele haben sich bisweilen *) Skupuli. Geistl. Kampf. 248. **) Cep. 186. O 182 eifriger gefühlt, wenn sie mit mir gesprochen haben, als wenn sie gebetet hätten.- Befand ich mich mit Jemanden allein, gegen den ich mich offen aussprechen konnte, dann entdeckte ich ihm die göttlichen Einsprechungen meiner Seele, und gab ihm dadurch Gelegenheit, eine so hohe Betrachtung und eine so innige Vereinigung mit Gott anzustreben. Hatte ich keinen Lebendigen, mit dem ich über die Liebe Gottes reden konnte, so wählte ich Verstorbene; da machten mir besonders die Selbstgespräche des h. Augustinus, das Leben der H. Katharina von Genua, das Buch der Liebe des H. Bernhard, und besonders seine Briefe an die Brüder auf dem Berge Gottes viele Freude. Ich las sie, und dann schrieb ich mir das Wichtigste daraus auf.* Ganz vorzüglich bewog mich zur Liebe Gottes die Erinnerung an das Alles, was ich in meinem, wiewohl kurzem, aber dennoch wunderreichen Leben von der Liebe Gottes empfangen habe. Im Jahre 1580 reiste ich mit meinem Bruder Rudolph und meinem Hofmeister von Castiglione nach Basel. Auf dieser Reise mußten wir durch einen Arm des 130035 36 iGS 183 Tessino Flusses, welcher durch häufige Regengüsse sehr angeschwollen war, fahren.- Mitten im Flusse brach der Wagen. Die vordere Hälfte des Wagens, in welcher mein Bruder war, wurde von den Pferden fortgezogen, und es kostete viele Mühe, sie aus dem Wasser zu bringen. Die hintere Hälfte des Wagens, in dem ich nebst meimem Erzieher war, wurde durch die Gewalt des Strowes mit sichtbarer Lebensgefahr fortgerissen. Da rettete mich die liebevolle göttliche Vorsehung; denn der hintere Theil des Wagens gelangte mitten im Flusse auf einen großen Baumstamm, und blieb daselbst hängen; da kam uns ein Reiter zu Hilfe, welcher zuerst mich, und dann meinen Erzieher auf sein Pferd nahm, und so beide rettete. Nach erlangter Rettung gingen wir alle in eine nahe Kirche, und dankten Gott mit gerührtem Herzen für die glückliche Abwendung einer so großen Gefahr. Ein zweites Mal war ich in einer beinahe noch größeren Lebensgefahr. Einmal überfiel mich am Ende meines Gebetes ein so heftiger Schlaf, daß ich eher einschlief, ats ich das Licht ausgelöscht hatte. Das Licht brannte fort. Beim Niederbrennen. 184 entzündete es das Bett; das Feuer ergriff den Vorhang, ich wachte auf, fühlte eine schreckliche Hiße, und war in sehr großer Gefahr, vom Rauche erstickt zu werden. Ich eilte schnell aus dem Zimmer und rief Hilfe herbei. Kaum aber, als ich aus dem Zimmer fort war, so erhob sich die Flamme und ergriff das ganze Bett. Auf mein Rufen liefen die Soldaten herbei, warfen den noch übrigen Theil des Bettes durch die Fenster in die Gräben, und wandten so die Feuersbrunst, welche dem ganzen Schlosse drohte, glücklich ab. Alle, die davon hörten, waren überzeugt, daß hierin etwas Wunderbares sei. Diese und ähnliche Vorfälle blieben mir, meine liebe Philothea, in meinem Gedächtnisse, und so oft ich hierüber nachdachte, wurde, ich von Neuem immer zur Liebe Gottes, Der mein Leben so oft auf so wunderbare Weise gerettet hat, entflammt, und mein Entschluß wurde immer fester, nur für Gott zu leben. Daher waren auch jene Zerstreuungen für mich eine wahre Qual, welche mich von Gott entfernten*).- Einmal, da ich noch nicht *) Cep.47. - - ! 177 deres Mal kam einer meiner Verwandten, der Kardinal Rovere, in die Sakristei, um mit mir zu sprechen. Da entschuldigte ich mich damit, daß ich keine Erlaubniß dazu habe. Der Kardinal wartete voll Freude sehr gerne, bis ich die Erlaubniß meines Oberen erhalten haben würde. Sogar im Gebet hielt ich mich streng an die gegebenen Befehle; daher sagte ich zu einem Pater einmal im Vertrauen: Wahrlich, ich weiß nicht, was ich thun soll: Der P. Rector verbietet mir, mich dem Gebete zu widmen, aus Besorgniß, daß ich meine Kopfschmerzen vermehre, und doch muß ich mir Gewalt anthun, mich von dem Gedanfen an Gott zu entfernen, weil mir dieser Gebrauch, den ich von dieser heiligen Uebung mache, gleichsam zur anderen Natur geworden ist; ich finde darin Erholung und Ruhe; ich werde jedoch so viel als möglich darnach trachten, dem mir gewordenen Befehle bestens zu entsprechen*). *) Cep. 113. 12 KG - 178 - XXIII. Von der Liebe Gottes. Al. Nun hast du, meine liebe Philothea, Vieles gehört und kennen gelernt, was vir vielleicht sehr schwer vorgekommen ist; denn die Demuth ist keine so leichte Tugend; besonders jedoch ist der Gehorsam anfangs schwer. Will man diese beiden Tugenden vollkommen ausüben, so muß die Natur wenigstens in den letzten Zügen liegen, wenn sie nicht schon ganz todt ist. Ich will dir daher jetzt so Manches kennen lernen, was dir den Weg zum gottseligen Leben sehr erleichtert. Ph. Welche Mittel fennst du denn? sage mir sie, denn du weißt, daß ich jedes deiner Worte meinem Herzen tief einpräge; indem ich mich fest entschlossen habe, so zu leben, daß ich den Weg der Wenigen gehe, und einst die Freude haben kann, mit dir vereiniget werden, um mit dir Gott ewig loben, und mit den Wenigen selig werden zu können. *) Cepari 76. AI. Höre mich; suche vor Allem dein Herz zur wahren Liebe Gottes zu entflammen. Liebst XER 179 du Gott wahrhaftig, so wirst du nichts mehr schwer finden auf dem Wege zu Gott. In der Liebe zu Gott überwand ich alle Leiden, alle Krankheiten, alle Hindernisse, die ich zu meinem Berufe sand. Die Liebe zu Gott machte mich so stark, daß ich keine Kälte und Hiße fühlte, daß ich auf den Reisen und bei den Beschäftigungen nie ermüdete. Die Liebe zu Gott gab mir auch die Kraft, Vater und Mutter, Ansehen und Würden, Reichthum und Bequemlichkeit mit Freuden zu verlassen. Die Leute konnten mein Thun und Lassen nicht begreifen. Als ich daher einmal eine Reise von Bologna nach Rom machte, und das Anerbieten des P. Rector von Loretto, eine Wohnung im Collegium zu nehmen, nicht annahm, so verbreitete sich das Gerücht von meiner hohen Geburt und der Ursache, warum ich nach Rom gehe. Ich reiste nämlich damals von meinen Eltern nach Rom, um in das Noviciat einzutreten. Ueber diese Neuigkeit waren alle sehr erstaunt, und konnten sich nicht genug darüber wundern, wie ich als ein junger Mensch, der in Betreff der Hoheit und des Vermögens nichts Größeres zu wünschen hat, sich so abmüht, um in einem niedrigen und 12* - 10 180 armseligen Stande leben zu können, da Andere hingegen mit unaussprechlicher Gier nach Reichthümern und Würden trachten. Ich dankte meinem Gott, und betrachtete jede Gelegenheit, wo ich etwas aufopfern konnte, für eine besondere Gnade der göttlichen Majestät. Es schien mir auch wirklich, daß Gott es so erlaubte. Denn ungeachtet der Aufmerksamkeit der Oberen kamen über mich doch so viele Widerwärtigkeiten, daß ich fest glaubte, daß sie sich nur durch eine besondere Fügung Gottes ereignen konnten, um mich zu prüfen und mir Gelegenheit zu geben, meine Liebe zu Gott deutlicher zeigen zu können. Ph. Gerne wollte ich es zu einer wahren Liebe zu Gott bringen, wenn ich nur wüßte, wie ich es anfangen soll. Ich bin ja schon längst davon überzeugt, daß die göttliche Liebe allein es ist, die den Willen so sehr unterstüzet und kräftiget, daß ihm nichts unmöglich wird, und auch keine Leidenschaft und keine Versuchung so groß ist, daß sie ein von ihr unterstützter Wille nicht zu überwinden vermöchte.- Al. Das vorzüglichste Mittel, diese Liebe zu - G - - hey 189 legenheit sammelte ich für die armen Kranken, und hatte eine herzliche Freude dabei.- Endlich wollte ich den Kranken im Hospitale selbst dienen. Die Oberen wollten mir dazu ihre Einwilligung nicht gleich geben. Da bat ich aber so dringend, und führte das Beispiel anderer Jesuiten an, welche dasselbe thaten, bis ich endlich die Erlaubniß erhielt, bisweilen hingehen zu dürfen. Die Sterblichkeit verdoppelte ihre Verheerungen; das schreckte mich nicht. Ich eilte zum Dienste der Kranken mit eben so groBer Bereitwilligkeit als Aufopferung. Ich zog ste mit meinen Gefährten aus, legte sie ins Bett, wusch ihnen die Füße, machte ihre Betten, so oft es immer nöthig war, gab ihnen Speisen, bereitete sie zur heil. Beicht vor, und ermahnte ste zur Geduld. Ich suchte mir immer die schlimmsten Kranken und verließ sie sehr ungern. Mein Beispiel wirkte auf alle meine Gefährten; darum antwortete auch einer meiner Genossen, Namens Bondi, dem man die Weifung gegeben hat, er möchte in der Krankenpflege vorsichtig zu Werke gehen, damit er nicht angesteckt würde. Wie werde ich mich mehr schonen! Nein, was immer für eine - DA DEGRETCHO 190 Gefahr damit verbunden ist, und fostete es das Leben; ich habe ja das Beispiel des Aloystus vor Augen, und sehe, wie er sich der Krankenpflege mit so vieler Liebe und so weniger Schonung widmet. Die Liebe kostete dem guten Gefährten das Leben. Auch ich wurde von der Krankheit angesteckt, welche meine Gefährten hingerafft hat, und legte mich den 3. März 1591 in der Ueberzeugung nieder, daß diese Krankheit meine letzte sein wird. Schon am stebenten Tage fühlte ich mich dem Tode sehr nahe.— Meine Nächstenliebe, die in der Liebe zu Gott gegründet war, erkrankte nicht mit dem Körper. Mit mir wurde der P. Corbinelli, ein schon bejahrter Mann, der mit mir besonders befreundet war, frank, und wir besuchten uns, so lange wir es im Stande waren, gegenseitig öfters.- Dieser gute Alte fühlte, daß es mit ihm immer schlechter gehe, und er wünschte mich vor seinem Tode noch einmal zu sehen. Er bat daher den Krankenwärter, mich in sein Zimmer zu bringen, - -1 *) Cep. 192. Golle - 191 weil er sich nicht mehr tragen lassen konnte. Als ich es erfuhr, zog ich mich mit Hilfe des Krankenwärters gleich an, und ließ mich zum P. Corbinelli tragen. Der Mann hatte bei meinem Anblick eine solche Freude, daß er ausrief: Mein lieber Bruder, nun werde ich ruhig sterben, sollte ich dich auch nicht wieder sehen, und eben deßwegen habe ich dich jetzt um etwas zu bitten; du wirst mir es nicht verweigern. Gib mir noch, ehe du mein Zimmer verlaffest, deinen Segen. Diese Bitte sette mich in Verlegenheit, und ich antwortete: Das kommt mir nicht zu, ich muß vielmehr um den Ihrigen bitten.- Ihr seid ein ehrwürdiger Pater, ich bin nur ein junger Mensch; ihr seid Priester, ich nicht, und nur dem Ausgezeichneten kömmt das Segnen zu. Da ich aber sah, daß der Kranke seine Bitten verdoppelte, ich möchte ihn nicht eher verlassen, bis ich ihm diese Bitte gewährt hätte, und auch den Krankenwärter bat, er möchte mich nicht eher in mein Bett zurücktragen, bis ich ihn gesegnet habe, so entschloß ich mich endlich aus Liebe, seinen Wunsch nach Kräften zu erfüllen. Ich erhob meine Hand, segnete mich und sagte: Möge Gott, der Herr, uns Beide segnen! besprengte C 192 ihn mit Weihwasser und sprach: Mein verehrter Vater, möge der Herr Euch mit Seiner Gnade beistehen, und Euch Alles gewähren, was ihr zu Seiner größeren Ehre wünschet; betet für mich. Der Vater war nun beruhigt und vollkommen zufrieden, und ich ließ mich wieder in mein Kranfenzimmer tragen. engleho Ph. Wie ich hörte, lag dir ja besonders an der Seele des Nächsten sehr viel; denn wie deine Zeitgenossen erzählen, warst du ja in deiner größten Freude, wenn es dir erlaubt war, den armen Landleuten die Christenlehre vortragen zu können? Al. Das habe ich nie vergessen, daß die Seele mehr werth sei, als der Leib. In dieser Beziehung lag mir besonders das Wohl meines guten Vaters am Herzen. Darum betete ich ganz besonders für das Wohl meines Vaters, damit ihm Gott die besondere Gnade der Erkenntniß seines Elendes, eine wahre Reue und eine aufrichtige Buße verleihen wolle, um einstens mit Freuden und ganz getroft sterben zu können. Diese große Freude gewährte auch der Herr; denn wie du aus dem, was ich dir gesagt habe, weißt, so war sein ganzes Streben früher auf die Erlangung weltlicher Größe C C C o C 6 0 185 im Orden war, hielt ich mich zu Turin am Hofe auf, da bat mich mein Oheim( von mütterlicher Seite) inständigst, mit meinem Bruder zu ihm zu kommen, um daselbst meine Aeltern zu sehen. Ich willigte ein. Bei dieser Gelegenheit wurde daselbst ein großes Fest veranstaltet, das mit einem Balle enden sollte.-- Ich schlug es anfangs ab, dem Feste beizuwohnen. Da man mir aber sagte, es sei nur meinetwegen veranstaltet worden, so entschloß ich mich endlich unter der Bedingung dem Feste körperlich beizuwohnen, daß ich nicht tanzen werde. Ich begab mich also Gott zu Liebe hin. Kaum aber, als ich Platz genommen hatte, wurde ich zum Tanze aufgefordert. Alsogleich verließ ich, ohne das Mindeste zu sagen, die Gesellschaft, ohne wieder zurückzukommen. Da suchte mich mein Oheim lange Zeit, und fand mich endlich in einer Bedientenstube zwischen dem Bette und der Mauer, wo ich knicte und betete. Darüber war er sehr erstaunt, und wagte es nicht, mich im Umgange mit meinem höchsten Gute zu stören. - - Ossss - Dahin kannst du es leicht bringen; lerne nur Gott wahrhaft kennen, empfange oft die 186 heil. Sakramente, und der Herr wird ganz ge= wiß zu dir kommen, und mit Seiner Liebe bei dir wohnen. - XXIV. Die wahre Liebe zu Gott wird durch eine aufrichtige Nächstenliebe entzündet, erhalten und bekannt. Al. Diese wahre göttliche Liebe ist feine tødte Liebe, meine Philothea, sondern ist fort und fort auch nach Außen thätig; denn der Herr Selbst hat das angezeigt: Daran wird man erkennen, daß ihr meine Jünger seid, daß ihr euch einander liebet. Ph. Das habe ich im Leben wohl öfters schon bemerkt. Je inniger und aufrichtiger ein Mensch Gott liebte, desto thätiger war er, um die Menschen mit dem wahren Glücke, den heil. Glauben bekannt zu machen, und sie zur Seligfeit zu führen. Selbst nach dem, was ich von deinem Leben gehört habe, trieb dich das Feuer der göttlichen Liebe während der ganzen Zeit deines Lebens an, deinem Nächsten zu nügen, zu helfen, ihn zu Gott zu führen. Du hast ja fogar dich über deinen Nächsten ganz vergessen. legoderes 187 Schon, wie ich hörte, da du noch zu Castiglione lebtest, war dein jüngerer Bruder, der am wenigsten begabt und zur Frömmigkeit geneigt war, der Gegenstand deiner besonderen Sorgfalt. Du nahmst dich auch seiner besonders an. Denn ein= mal war er, wie ich vernahm, mit mehreren Edelknaben, und unterhielt sich; da hörte man ihn schreien. Deine Mutter befand sich mit dir an der Thüre seines Zimmers und sagte zu dir: Ich fürchte, daß man dem Knaben Unrecht thue. Du tröstetest deine Mutter und sprachst: Erinnern sie sich dessen, was ich sage: Franz wird die Stüße unsers Hauses werden. Die Mutter war darüber getröstet. QgGS Casss 21. Diese Liebe ist doch nichts Außerordentliches. Eine solche Liebe haben Viele, die von Gott gar nichts wissen. Wenn du aber aufmerken willst, so will ich dir einige andere Züge aus meinem Leben anführen, welche dich lehren werden, was man für seinen Nächsten zu leisten im Stande ist, wenn man Den liebet, nach Defsen Ebenbilde er erschaffen, und Dem sich ge= schenkt hat, Der für uns am Kreuze gestorben *) Cep. 66. -- H 188 ist. Ich wünschte nichts sehnlicher als die Erlaubniß, die Kranken bedienen, ihre Betten machen, sie speisen zu können, ihre Stuben zu reinigen, und sie zur Geduld und Befferung ermahnen zu dürfen*). Ich half sogar den Krankenwärtern die nothwendigen Geräthe für die Kranken zu reinigen, und das Nöthige für sie zu bereiten**). Als im Jahre 1591 zu Rom die Pest ausgebrochen ist, so war die Sterblichkeit daselbst fürchterlich, weil sich aus den Provinzen eine Menge Menschen in der Hoffnung dahin flüchteten, hier Hilfe zu finden. Die Väter der Gesellschaft Jesu thaten, was ste konnten, um dem allgemeinen Glende Abhilfe zu leisten. Sie verwendeten dazu sowol ihre eigenen, als auch die milden Gaben Anderer; sie widmeten sich nicht allein der Krankenpflege in den Hospitälern Roms, sondern der P. General Claudius Aquaviva, der sich auch mit der Sorge für die Aussäßigen befassen wollte, befahl seinen Untergebenen für einige Zeit noch ein anderes Spital einzurichten. Bei dieser Ge- *) Cep. 150. **) Cep. 189. - 193 und Würden, sowohl für sich, als auch für sein Haus gerichtet. Nun aber wandelte er schon eine geraume Zeit fromm und gottesfürchtig unter den Seinen.- Er entsagte bereits dem Spiele, welches er zuvor leidenschaftlich liebte. Wegen seiner Kränklichkeit mußte er das Bett hüten, und ließ sich jeden Abend ein von mir zurückgelassenes Crucifix bringen. Er betete dann die Bußpsalmen nebst den Litaneien, auf welche die Markgräfin, meine Mutter, und mein Bruder antworteten. Dabei vergoß mein Vater häufige Thränen, welche so, wie sein -Seufzen und Schluchzen, ein deutlicher Beweis seiner Rührung waren. Nach Beendigung dieser Gebete nahm er das Crucifix in die Hand, schlug an seine Brust und rief aus: O Herr, erbarme dich meiner! O Herr, ich habe gesündiget, erbarme vich meiner! Ueber sein öfteres Weinen sagte er: Ich weiß wohl, woher diese Thränen kommen; sie sind eine Frucht des Gebetes meines Aloysius. Dann ließ sich mein Vater nach Mailand bringen, um bei der dortigen medizinischen Facultät Hilfe zu finden. Das Uebel aber wurde immer größer. Der P. Franz von Gonzaga, zu der Zeit noch General seines 13 Casse - - Regola - 194 Ordens, war eben zu Mailand, und ging eines Abends zu ihm, um ihm sein nahes Ende anzubeuten. Mein Vater erkannte gleich die Ursache dieses Besuches, und bat ihn, er möchte ihm einen Beichtvater aus seinem Orden schicken. Das geschah noch am Abend desselben Tages. Der Markgraf beichtete und machte dann sein Testament; tröstete selbst seine Familie und die Anwesenden, die alle in Thränen ausbrachen, und forderte ste auf nicht zu weinen, sondern sich zu freuen, daß Gott ihn so wohl vorbereitet zu sich rufe. So starb er den 13. Februar 1586. Sein Leichnam wurde nach seinem Wunsche zu Mantua in der Kirche des Heil. Franz beerdigt. Dieß Alles erfuhr ich vom P. Franz von Gonzaga, und dankte dafür Gott aus ganzem Herzen. - Ph. Zeige mir doch an, was du gethan haft, um es mit deinem Vater dahin zu bringen, daß er es einfah, daß wir wegen des ewigen und nicht wegen des zeitlichen Lebens auf der Welt seien. Denn damit, weiß ich, erweisest du nicht bloß mir, sondern vielen Kindern einen wesentlichen Dienst, welche Tag und Nacht über den weltlichen und genußsüchtigen 195 Sinn ihrer Eltern weinen, und alles hingäben, wenn sie es nur zu Stande brächten, daß ihre Neltern nur ein wenig von der Welt weg, und hinüber denken möchten, wo es für Aeltern doch so viel zu verantworten gibt! - A1. Mein Hauptmittel war das mit der strengsten Faste verbundene unabläffige Gebet. Dadurch bestürmte ich den Himmel, und slehte ohne Ende: O barmherziger Gott! ich flehe ja nur um die Seele meines Vaters und meiner Mutter! erbarme dich ihrer! erhöre mein Gebet, und entzünde in ihrem Innersten daß Feuer Deiner Liebe! Glaube mir, dem wahrhaftigen, ernsten und andächtigen Gebete eines Kindes um das Seelenheil der irrenden Aeltern fann die Liebe Gottes nicht widerstehen. Lasse dir die Mühe nicht gereuen, denn größere Freuden kannst du dir nicht bereiten, als wenn du die Seele deiner Aeltern errettest. Ph. Lehre mich doch, wie du gebetet hast, damit ich es selbst recht üben und es auch andern lehren kann. Al. Das will ich dich auch in der Folge; denn meine größte Freude wäre es ja, dich recht bald vollkommen zu sehen. 13* GOLGETEGED CLUELD 196 Aehnliche Beispiele könnte ich dir noch mehrere anführen, wenn es dich nicht ermüden würde, und wir nicht von anderen Gegenständen reden müßten, die dich der wahren Vollkommenheit am sichersten immer näher bringen. XXV. Wer vollkommen werden will, muß oft beten. Ph. Du selbst hast mich aufmerksam gemacht, daß es außer den erwähnten Gegenständen noch viele gibt, welche besonders wichtig sind, und auf die du nicht vergessen willst. Welche sind denn diese? Ich bitte dich, nenne sie mir; ich will mich bemühen, sie meinem Gedächtnisse und meinem Herzen tief einzuprägen. A1. Mit Freuden will ich dich damit bekannt machen. Der nothwendigste Gegenstand ist das Gebet. Das sage nicht ich, als vielmehr lange vor mir schon der heil. Bernhard, der sagte: Nachdem der Mensch die Taufe, und in derselben die Gnade empfangen hat, ist ihm das beständige Gebet zu dem nothwendig, daß er in den Himmel eingehen kann. Denn 197 das wirst du wohl selbst leicht begreifen, wenn du bedenkest, daß wir ohne besonderen Beistand Gottes nicht lange von schweren Sünden frei, und in der Freundschaft Gottes bleiben können, denn die drei Hauptfeinde, der Teufel, die Welt und das eigene Fleisch sind zu gewaltige Feinde, als daß wir sie ohne besonderen Beistand Gottes überwinden könnten. Dann sollen wir ja viele gute und Gott gefällige Werke üben, wie sie Gott gebietet; das können wir abermals ohne den besonderen Beistand der göttlichen Gnade. nicht. Dieser besondere Beistand jedoch wird nur denen größtentheils gegeben, die darum bitten. So hat es schon der heil. Augustinus, der doch viel gekämpft hat, so lange er auf Grden lebte, erkannt und geglaubt, wie er selbst sagte, indem er sprach: Wir glauben, daß keiner zu dem Heile komme, den Gott nicht dazu rufet, und keiner, der berufen ist, sein Heil wirke, wenn ihm Gott nicht dazu hilft und keiner die Hilfe verdiene, als der darum bittet. Darum merke dir die Lehre des heil. Bernhard: Zu dem Ge= bete ist ein jeder deßwegen verbunden, weil er schuldig ist, sich die geistlichen Güter zu verschaffen, welche nur Gott allein gibt; daher können - 198 wir uns dieselben nicht anders verschaffen, als durch das Gebet. Nicht unnöthig scheint es mir, dir zu sagen, daß der heil. Chrysostomus sehr einfach die Nothwendigkeit des Gebetes auf folgende Weise lehrt: Wenn du das Beten unterlaffest, so ist es so viel, als wenn du einen Fisch aus dem Wasser zögest; denn gleichwie das Wasser dem Fische das Leben ist, so ist dasselbe auch dir das Gebet. Am meisten aber bewog mich zum anhaltenden Gebete das Wort und Beispiel Jesu Christi, der mehr als einmal sagte: Man muß allezeit beten und es niemals unterlassen, und selbst beinahe sterbend seinen Aposteln zurief: Wachet und betet, damit ihr nicht in die Versuchung fallet. Das, und was der heil. Geist durch den Mund der heil. Apostel sprach, bewog mich im Gebete auszuharren*). Darum hatte ich schon in meinem slebenten Jahre meine besonderen Betstunden, welche ich insbesondere in der Verehrung der seligsten Jungfrau Maria und in der öfteren Lesung der 7 Bußpsalmen zubrachte. Ich verrichtete alle meine Gebete fnieend, und nahm dabei weder ein KisCepari 6. - 199 sen noch sonst eine andere Erleichterung an. Endlich bekam ich das Wechselfieber, welches 18 Monate anhielt. Diese Krankheit ertrug ich mit großer Geduld, und unterließ meine gewöhnlichen Gebete nie. Wie mich meine Kräfte verließen, mußte mir ein Diener meiner Mutter aus meinem Andachtsbuche vorlesen. In den vorgeschriebenen Gebeten machte ich gar keine Ausnahme. Einmal mußte ich wegen Unpäßlichkeit früher als gewöhnlich schlafen gehen, da erinnerte ich mich, daß ich die sieben Bußpfalmen noch nicht gebetet habe. Ich stand sogleich auf, und betete sie ohne Verschub*). Als ich später in Spanien war, kam mir ein Buch von P. Ludwig von Granada unter die Hände, welches vom inneren Gebete handelte**). Ich las es mit großer Aufmerksamkeit und faßte den Entschluß, vom Gebete nie eher abzulaffen, bevor ich nicht eine ganze Stunde ohne Zerstreuung darin zugebracht hätte. Ich kniete dabei, stüßte mich nicht, und dann fing ich meine Betrachtungen an. Zerstreute sich *) Cep. 28. **) Cep. 35. 18 1 KG 0555555 200 mein Geist nach einer halben oder nach drei Viertelstunden, so sah ich die vergangene Zeit als gar nicht dagewesen an, und sing meine Lebensbetrachtung vom Neuen an. So verharrte ich bisweilen fünf Stunden, und noch länger im Ges bete. Da siehst du, daß Beten und Betrachten meine größte Freude waren. Ich fing nie zu lernen an, ohne früher gebetet zu haben;- denn ich war zu gut von der Nothwendigkeit des Gebetes überzeugt*). - Ph. Wie ging es dir denn aber auf den Reisen, die doch oft vom Gebete abzuhalten pflegen?**)- AI. Alles, meine Philothea, kann der Mensch mit der Gnade Gottes, wenn er will. Des Morgens brachte ich nach dem Aufstehen eine Stunde im Gebete zu; dann hörte ich die heil. Messe und dann betete ich das große Officium. Mit meinen Gefährten betete ich den Rosenkranz, gewöhnlich im Tone des Psalmengefanges. Waren am Tage einige Augenblicke frei, so sagte ich zu meinen Begleitern: Wir *) Cep. 117. **) Cep. 166. 201 wollen beten. Am Abende blieb ich drei Stunden lang allein, und betete, ehe ich mich zur Ruhe begab, einige Litaneien und erforschte mein Gewissen. - Qg Gadge - *) Cep. 77. Besonders genau und strenge lebte ich auf meiner Reise nach Rom*). Nach dem Aufstehen betete ich eine Viertelstunde lang allein, und dann mit meinem Director zu den verschiedenen kirchlichen Zeiten: Prim, Terz, Sert und Non. Hierauf besprach man den weiteren Reiseplan und setzte die Reise zu Pferde fort; einige Meilen ritt ich gewöhnlich allein, um meine Gebete und Betrachtungen ungestört verrichten zu können. Meine Begleiter störten mich nicht, und folgten mir in einiger Entfernung. War es Zeit zum Anhalten, so nahm ich etwas Nahrung zu mir, betete die Vesper und das Completorium und bestieg wieder das Pferd. Sehr gerne sprach ich von der Abtödtung, in der ich mich schon so ziemlich geübt hatte, und unterhielt mich sehr gerne von der Bekehrung der Völker Indiens und hoffte einst zu Jenen zu gehören, welche man alle Jahre von Europa 202 dahinschickt. Kam ich Abends in das Gasthaus, so wärmte ich mich nie, mochte auch die strengste Kälte sein und mich noch so sehr rieren. Ich verschloß mich sogleich in eine Stube, betete da und brachte daselbst einige Zeit vor meinem Crucifire zu; dann betete ich die Morgenpsalmen für den kommenden Tag. Besonderes Vertrauen setzte ich in meiner Krankheit auf das Gebet. Dazu wurde ich auch durch Folgendes bewogen*), was ich auch keineswegs vor meiner Umgebung verbarg; denn als der Krankenwärter in meiner letzten Krankheit zu mir kam, um nach seiner Gewohnheit die Fenster desselben zu öffnen und fragte, wie ich die Nacht zugebracht habe, sagte ich ihm einmal: Ich habe sie übler als gewöhnlich zugebracht, beunruhiget von fortwährenden Träumen, dreimal habe ich den P. Korbinelli ganz außer sich gesehen. Das erste Mal sagte er zu mir: Mein Bruder, jetzt ist es Zeit, mich Gott zu empfehlen, damit Er mir die Geduld und die nöthigen Kräfte in der Gefahr verleihe, worin ich mich befinde, ohne eine besondere - HONGKO *) Cepari 201. CO 203 Hilfe von der göttlichen Güte glaube ich nicht, daß ich sie im erforderlichen Maße haben kann. Ich hielt das für einen bloßen Traum, und sprach zu mir selbst: Ich würde besser thun, wenn ich schliefe und diese Bilder aus dem Sinne schlüge. Kaum als ich weiter eingeschlafen hatte, war mir, als ob ich den guten Pater wieder gesehen, und ihn also nach mir rufen gehört hätte, ich solle für ihn bitten und ihm durch eifriges Gebet helfen, da ihm seine Krankheit fast unerträglich geworden sei. Ich erwachte und faßte schon den Gedanken, den kommenden Morgen eine Strafe zu verlangen, weil ich den Befehl des Arztes und des Oberen- nämlich: ich sollte nur ans Schlafen denken- vernachlässiget hatte, und jetzt, da ich wieder einschlafen sollte, hörte ich das dritte Mal den Pater reden: Mein lieber Bruder, ich stehe jetzt am Ende meines Lebens; bitte Gott, daß mein Uebergang von diesem müheseligen Leben glücklich sei, und ich durch seine große Barmherzigkeit in das ewige Leben eingehen möge, wo ich nicht vergessen werde, für dich zu beten.- Hierauf war ich so wach, daß es mir nicht möglich wurde, während der übrigen Zeit der Nacht 204 die Augen zu schließen, ich war über diese Träume erstaunt, und dachte darüber ernstlich nach. Der P. Korbinelli war dazumal schon todt, wie ich mit dem Krankenwärter gesprochen habe. Diese Erinnerung eiferte mich zum rastlosen Gebete an. Ich lernte aus dieser wunderbaren Andeutung die große Wahrheit kennen, wie nothwendig das Gebet besonders in der letzten Stunde des Lebens sei, und unterließ es daher nie, mich bei jeder Gelegenheit dem Gebete Anderer zu empfehlen. Darum, meine Philothea, bete auch du ohne Unterlaß, überlege die Nothwendigkeit des Gebetes und erwäge seinen Nutzen.- Bist du traurig, so bete; bist du leidend, so bete; fehlt dir der gute Rath und weißt du nicht, was du anfangen sollst, so bete; bist du frank, so bete; bist du heiter, so bete; liegst du sterbend auf dem Bette, so rufe zu deinem Gott, und laß Andere für dich beten. Unterlaß keinen Tag dein Gebet; denn das Gebet wird dir jederzeit verschaffen, was du brauchst, Trost und Linderung gewähren, dich deinem Gott näher bringen, dein Herz reinigen, und nur dadurch wirst du in den Stand gesetzt, über dein Fleisch, - - 15 S 205 über die Welt und den Teufel jederzeit den Sieg davon zu tragen. - AG - XXVI Die Eigenschaften des Gebetes. Ph. O wie gerne wollte ich beten, wenn ich nur immer recht beten könnte. Ich sehe es gut ein, und weiß es aus eigener Erfahrung, daß einem das Gebet wundersame Tröstungen und Linderung verschaffen kann. Ich weiß nicht einmal noch, wie ich mein Gebet einrichten soll, damit ich so bete, wie es Gott will, und ich dann das erlange, was ich brauche. Schon in meiner Jugend hörte ich wohl oft: man soll im Geiste und in der Wahrheit beten, und daß Gott der Vater solche Anbeter will; und die wahren Anbeter den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten*). Ich hörte diese Worte sehr oft, habe sie aber bis jetzt noch nicht recht verstehen können. Lehre mich doch beten; denn so wie ich weiß, hast du ja die Gabe des Gebetes im besonderen Grade besessen.- Al. Du hast ganz richtig gesagt, daß die *) Joan. 4, 23. - 206 Worte, die der Herr Jesus zur Samaritin sprach, nicht ein Jeder so leicht versteht. Ich versichere dich, daß sie nur der ganz auffaffet und versteht, der ein wahrer Anbeter ist. Ich will dir daher die vorzüglichsten Eigenschaften des Gebetes auf eine einfache Weise kennen lernen. Diese Weise findest du im Evangelio von Jesu selbst angegeben. Wahrlich, wahrlich, sprach Jesus, sage Ich euch: was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird Gr euch geben. Das Erste demnach ist, meine Philothea, daß du nur wegen Jesum, Seinem Leiden und Sterben und Seinen Verdiensten etwas verlangest und erwartest, dann bete so, wie Er auf Erden gebetet hat.- - Ph. Wie hat Er denn gebetet? Ich habe wohl schon Vieles von Seinem anhaltenden Gebete gehört, kann mich aber nicht genau erinnern, wie Er insbesondere gebetet hat.- Al. Wenn du die Lebensgeschichte Jesu Christi, wie sie die heil. Evangelisten aufgeschrieben haben, aufmerksam lesen wirst, so wirst du bald erkennen, daß Sein Gebet vor allen andächtig war. Er dachte bei Seinem Gebete nur an Seinen himmlischen Vater, und - 242 vy S 207 dann redete er erst mit Ihm. Darum waren auch nicht selten Seine Augen und Seine heiligen Hände nach oben gerichtet, wenn Er gebetet hat. Die Andacht ist auch, wie du selbst einsehen wirst, die erste Bedingung eines Gebetes, wenn es den Namen eines Gebetes verdienen soll. Wenn der Herr Jesus um etwas bat, so betete. Er in aller Demuth zu Seinem himmlischen Bater: Vater, wenn es möglich ist, so laß den Kelch der Leiden vorüber gehen. Wenn der eingeborne Sohn Gottes so demüthig mit Seinem himmlischen Vater geredet hat, wie können denn die sündhaften Menschen anders reden, als: O Gott, sei mir armen Sünder gnädig! Sieh' nicht auf meine Armseligkeit und meine Sünden, sondern auf die Wundmale Deines Sohnes, Der für uns arme Sünder Sein kostbares Blut vergossen hat.- - Ossss - Der Sohn Gottes legte Alles in die Hand Seines Vaters. Nie wollte Er, daß geschehe, was Er wünschte, sondern was Gott wollte;- denn Seine Speise war, daß Er den Willen Dessen erfüllte, Der Ihn gesendet hatte. Diese volle Ergebung in den Willen Gottes sollst auch du haben, wenn du um etwas bittest. Denke 208 dir nur jederzeit, mein Vater ist ja höchst weise, Er weiß es ja am besten, was ich brauche, und was mir nüglich sein könnte; darum sage jederzeit mit Herz und Mund: Vater unser, der Du bist im Himmel,- Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden! Harre in deinem Gebete aus, und ermüde nicht gleich, wenn du das nicht gleich erhaltest, was du verlangest; denn wer beharrlich betet, empfanget ganz gewiß, um was er bittet. Denke nur an deinen Heiland, Der drei Mal im Garten Gethsemani gebetet hat, bevor der Engel kam und Ihn stärkte. Und höre auch die letzte Eigenschaft eines jeden Gebetes. Wenn du betest, so bete gläubig. Je lebendiger dein Glaube ist, desto sicherer wirst du erlangen, was du verlangest. Der heil. Thomas von Aquin lehrte es sehr ausführlich, indem er sprach: Den Glauben muß man wegen Gott haben, Den wir bitten; denn da müssen wir fest und ungezweifelt für wahr halten, daß wir von Gott erhalten, um was wir Ihn bitten. Die Demuth bringt uns so weit, daß wir unser Elend recht erkennen.- Und du weißt es ja selbst, daß dem, der - say -- KG 209 glaubet, Alles möglich ist*). Der heil. Jacobus, der Apostel, hat den Herrn Jesum sehr oft predigen gehört. Er wußte daher auch genau, was der Herr Jesus gethan und wie Er gebetet hat. Er war kein schlechter Schüler seines himmlischen Meisters, und erkannte daher auch, was Er wollte. Der hat, nachdem er den heiligen Geist mit den übrigen Aposteln empfangen hatte, angegeben, wie der beten soll, der recht beten will.- Fehlt es aber Jemand aus euch, schreibt er, an Weisheit, der erbitte sie von Gott, welcher Allen reichlich gibt, und es nicht vorrückt, und sie wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben, ohne zu zweifeln, denn wer zweifelt, gleichet der Meereswelle, die vom Winde bewegt und umher getrieben wird; darum denke ein solcher Mensch nicht, daß er etwas von dem Herrn empfangen werde. Ein gläubiges Gebet also erhört Gott ganz gewiß. Davon will ich dich durch einige Begebenhei ten überzeugen, die der heil. Augustinus selbst erzählt, und die du auch in seinen Werken *) Math. 9. - 14 K6 210 finden kannst. Zu Carthago, so erzählt. der heilige Kirchenlehrer, lag ein Mann mit Namen Innocenz, der an den entseßlichsten Fistelschmerzen litt. Er war mein lieber Gast, und in so ferne kannte ich ihn genau. Als er nun die anhaltenden Schmerzen' nicht länger ertragen konnte, so entschloß er sich endlich, die Fistel schneiden zu lassen. Er wurde operirt; dadurch aber war sein Elend noch nicht gehoben, sondern nur vergrößert; denn die Wundärzte haben bei der Operation eine Fistel übersehen, und daher hätte er sich einer neuen Operation unterwerfen sollen. Da man ihm die zweite Pein angekündigt hatte, so erschrack er dergestalt, daß er aus Furcht erblaßte. Als ihn der Bischof Aurelius und ich mit anderen Priestern besuchten, so bat mich der Kranke, ich möchte den folgenden Tag ihn besuchen, um nicht so sehr bei seiner Qual, sondern vielmehr bei seinem Tode gegenwärtig zu sein; indem er gewiß sei, daß er unter den Händen der Wundärzte werde sterben müssen. Bei dieser Neußerung des Kranken waren alle Anwesenden sehr gerührt, und wir ermahnten ihn, er möchte doch die Schmer- -- - 500 CO C 211 zen geduldig ertragen, und seinen Willen mit dem göttlichen Willen vereinigen. Wir knieten uns nieder und fingen alle an für ihn um den Beistand des Allerhöchsten zu flehen. Der Bischof Aurelius aber betete auf seinen Knieen mit einem so lebhaften Glauben, und hat unter den heftigsten Seufzern so häufige Thränen vergoffen, daß er nicht mehr gewußt hat, wie er sich gegen Gott ausdrücken soll. Er setzte nur noch die Worte hinzu: Ob Andere beten, oder ob dieses ihre Meinung nicht gewesen sei, weiß ich nicht. Ich konnte gar nicht beten. Nur das sagte ich kurz in meinem Herzen: Herr, welche Gebete erhörest Du, wenn du dieses nicht erhöreft? Den anderen Tag kamen die Wundärzte zusammen; sie richteten die Wundeisen und was zur Operation nöthig war. Als sie Alles gerichtet haben, gingen sie zu dem Kranken, lösten die Bänder auf, besichtigten den schmerzhaften Theil und befühlten ihn. Zu ihrem größten Erstaunen fanden ste, daß Innocentius frisch und gesund sei. Alle sprangen vor Freude auf, sagten Gott Dank und ich lobpries den Herrn für diese wunderbare Gnade von ganzem Herzen. - 14* 212 Darum bete, meine Philothea, bete nie mehr anders, als im Namen Jesu, vertraue auf Seine Verdienste, auf Sein Leiden und Sein Sterben; denke an Seine Liebe und Barmherzigkeit; denke mit Ernst an deinen Vater, und rede dann mit ihm demüthig, mit Allem zufrieden, was Er dir verleihet, im festen lebendigen Glauben. Ein solches Gebet ist nach Gottes heil. Willen; dadurch wirst du die Welt überwinden; dadurch wirst du jenen Trost erflehen, den Gott Allen verheißen hat, welche Ihn von ganzem Herzen anrufen. Du beteft dann gewiß im Geiste und in der Wahrheit. -- - Ph. Nur Eine Bitte habe ich an dich zu stellen, daß du mich lehrest, wie man es dahin bringen kann, daß man im Namen Jesu beten lernet; das kommt mir sehr schwer vor, darum gib mir eine kleine Anweisung. XXVII, Von dem Betrachten. 21. Meine liebe Philothea! so schwer es dir vielleicht anfangs auch scheint, so beten zu lernen, wie es Gott von Seinen treuen Dienern 2331 213 fordert, so leicht wird es dir werden, wenn es dir nur wahrhaft ernst ist, es zu lernen.. Ph. Mir ist es gewiß ernst, und wie follte ich wohl so thöricht sein, mir nicht alle Mühe geben zu wollen, um mir ein Gut zu verschaffen, mit dem ich so viele Stärke, Kraft und so vielen Segen erlangen kann. A1. Nun denn, so höre mich an, und ich will dir behilflich sein.- Um recht beten zu lernen, ist eine der ersten Bedingungen, daß man Gott gut kennt, und daher öfters über das nachdenket, was Er uns offenbaren ließ, und du in jedem guten Religionsbuche finden kannst. Hast du ein solches Stück gelesen, so sage dir östers: Das ist wahr; das ist Alles wahr, dafür steht seit 1800 Jahren die unfehlbare Kirche, das bezeugen 1,000,000 Menschen aus allen Ständen, aus jedem Alter, aus jedem Geschlechte, die nur deßwegen diese Welt verachtet, ihr Leben freudig hingegeben haben, weil sie das geglaubt haben. Das ist bestätiget durch Beispiele der geachtetsten Fürsten, durch die Aussprüche der gelehrtesten Heiligen. Damit aber das um so besser möglich werde, bitte oder laß- andere für dich flehen, 08535 11 214 Gott wolle deinen Glauben vermehren, und dein Erkennen in lebendigen Glauben verwandeln. Dann versetze dich mit einem lebendigen Glauben, bevor du zum Gebete gehst, in die Gegenwart Gottes. Denke dir, bevor du zu beten anfangest: Mein Gott ist bei mir, Er ist mir sehr nahe, Sein Auge steht mich, Sein Ohr hört die Worte meines Mundes. Danı übe dich im Gebete, dazu regen dich alle Geschöpfe Gottes an. Ohne den Geschöpfen und ihrer Hilfe kannst du gar nicht bestehen. Du magst wo immer sein, du brauchst ja Nahrung, Kleidung, du brauchst Wärme und Kälte. Alle diese sichtbaren Dinge verkündigen bie Liebe Gottes und die Allmacht des Schöpfers. Erhebe dich mittelst der Geschöpfe zum Schöpfer, mittelst der Gabe zum Geber;- dazu können dir die Naturbetrachtungen gute Dienste leisten. Bleibe bei der sichtbaren Schöpfung nicht stehen, sondern begib dich in das Reich der Gnade, in die vom Sohne Gottes, Jesu Christo, gestiftete Kirche. Erwäge daselbst die Schätze und die Geheimnisse der Liebe, die Mittel zur Seligkeit, die Gott daselbst zur Rettung der gefallenen Menschheit hinterlegt hat. - - - CHOOLGICA - G ako ak 215 Vermagst du nicht innerlich zu beten, so erhebe dein Gemüth, und laß deinen Mund das aussprechen, was du wohl denkest, aber nicht recht gesammelt erwägen kannst; denn das mündliche Gebet spricht man, wie der heil. Thomas von Aquin sagt, nicht deßwegen aus, damit man Gott etwas Unbekanntes offenbare, sondern damit das Gemüth der Betenden oder Anderer zu Gott erhoben werde. A Wenn du jedoch betest, so rede nicht viel; denn nach der Lehre des Heil. Augustinus besteht das Gebet nicht in vielem Reden und langen Gebeten*). Denn ganz etwas Anderes ist eine lange Rede, und ein Anderes eine lange Anmuthung. Ferne sei vom Gebete viel Geschwät, nicht aber vieles Bitten. Denn viel Reden heißt beim Beten eine nicht nöthige Sache mit überflüßigen Worten betreiben. Viel Bitten aber heißt bei dem, den man bittet, mit langen und andächtigen Begierden des Herzens anklopfen; das geschicht mehr durch Seufzen als Reden, mehr durch Weinen als durch Plaudern. So machten es auch die Heiligen zu allen *) Math. 6, 7. ad Proben. Ep. 216 Zeiten. Ich kann dir nicht verbergen, was der heil. Gregor von dem Gebete für eine Meinung, hatte*). Ein wahres Gebet besteht nicht in der Stimme des Mundes, sondern in den Gedanken des Herzens, denn bei Gott sind die stärksten Stimmen noch keine Worte, sondern die Begierden; denn wenn wir auch mit dem Munde um das ewige Leben bitten, und es aber nicht mit dem Herzen verlangen, so schweigen wir auch bei dem größten Geschrei. Um diese rechte Weise des Gebetes zu erlangen, wußte ich wohl, daß ich nicht unter Menschen bleiben darf**). Ich ging daher, besonders nachdem ich einmal die Abhandlung des P. Ludwig von Granada von dem inneren Gebete gelesen hatte, so viel möglich allein, und wenn ich gar keinen Platz fand, so ging ich in eine dunkle Holzkammer, weil ich mich daselbst ungestört dem Gebete widmen konnte. Da ließ ich mich nie stören. Meine Weltern machten mir hierüber wohl öfters Vorwürfe, ich aber erkannte, daß man den Umgang mit Gott höher schätzen soll, als *) Mal. C. 22, 3. **) Cep. 35. - Qy Ry 217 den seiner Freunde, und daß man sich dann über alle menschlichen Rücksichten erheben soll, wo selbe mit den geistigen llebungen im Widerspruche stehen. Ich wollte daher lieber als unhöslich und menschenscheu gelten, als vor Gott weniger andächtig erscheinen. Meine Freunde haben das auch bald wahrgenommen und hörten bald auf, mir besondere Hindernisse zu legen. Ph. Um das thun zu können, gehört sehr viele Stärke dazu, die man, wie ich glaube, eben wieder und nur durch das Gebet erlanget, bewahret and vermehret. - - Al. Das ist richtig. Ich wandte aber schon in meiner frühesten Jugend ganz besonders viele Zeit dazu an, die Eigenschaften Gottes und die Geheimnisse unserer Erlösung mit findlich gläubigem Herzen zu überdenken und zu betrachten. Diese heil. Nebung that ich immer mit mehr Freude und innerem Wohlgefallen, bisweilen vergoß ich Thränen der herzlichsten Freude. Daher liebte ich auch die Einsamkeit auf eine ganz besondere Weise*). Ganze Stun*) Cep. 14. 218 den brachte ich oft vor dem Crucifixe liegend, mit den Händen bald ausgestreckt, bald kreuzweis über die Brust gelegt, mit den Augen auf meinen Heiland gerichtet zu. Du mußt nicht glauben, daß ich im Gebete viele Unterweisungen hatte. Ich wußte in meinen Gebeten weder eine Ordnung, noch verstand ich es, den erwünschten Stoff dazu auszufinden. Einmal kam mir ein kleines Buch des P. Canisius, eines Mitglieds der Gesellschaft Jefu, in die Hände, in welchem geordnete Betrachtungen vorkamen. Diese kleine Schrift munterte mich nicht allein auf, Gott im Gebete eifrig zu dienen, sondern sie zeigte mir auch die Art und Weise, welche ich dabei beobachten solle, und wie ich meine Zeit zu diesem Zwecke anwenden könne*). Ich wendete daher schon am Abende großen Fleiß darauf an, mich zum Gebete und Betrachten für den kommenden Tag recht vorzubereiten; vor dem Schlafengehen brachte ich jeden Abend eine halbe Viertelstunde mit der Vorausbestimmung und Anordnung der Be*) Cep. 108. - enters -- 219 trachtung des folgenden Tages zu. Ich bemühte mich, in der Früh schon immer fertig zu sein, wenn man das Zeichen zum Gebete gab. Während der Zeit sammelte ich mich und suchte meinen Geist von jeder Zerstreuung frei zu erhalten; denn ich erkannte es nur zu gut, daß es nicht möglich sei, daß eine Seele, welche irgend eine Gemüthsbewegung in sich aufnimmt, aufmerksam sein könne auf das, was sie betrachtet, noch das Ebenbild Gottes in sich aufzunehmen vermöge, zu welchem sich der Betrachtende erheben soll. Da fiel mir oft folgender Vergleich ein: Das vom Sturme bewegte Wasser zeigt das Bild eines Menschen, welcher sich darin betrachtet, nicht vollkommen, weil es die Bewegung beunruhiget, man steht nur einzelne Theile desselben, als wären sie vom Körper losgetrennt. Ebenso ist es mit der Seele, wenn fie, von den Stürmen der Leidenschaften und fremdartigen Gemüthsbewegungen gestört, das Bild Gottes weder aufzunehmen, noch die Herrlichkeit dessen darzustellen und zu empfinden vermag, was sie betrachtet. - Gehigien FG - 220 - XXVIII. Fortsetzung der Unterweisung im innerlichen Gebete( der Betrachtung). *) Cep. 108. Ph. In dieser Beziehung muß ich dir vollkommen beistimmen; denn nur ein ruhiger und von aller Welt und ihrem glänzenden Elende getrennter Geist kann sich himmelwärts erheben. Darum pflegte auch schon der heil. Bernhard, wenn er sich zu dem Gebete begab, zu sagen: Du Welt mit allen deinen dir anklebenden Gedanken, bleibe da, ich will hingehen, um mit meinem Gott zu reden. Al. Sei oder werde arm im Geiste, so wirst Gott anschauen, Sein Kind werden, und das Himmelreich ist dein überaus großer Lohn. Wie ich diese Freiheit des Geistes einmal erlangte, so konnte ich auch immer die gewissenhafteste Ordnung halten*). Gab man das Zeichen zum Gebete, so kniete ich mich mit der tiefsten Ehrfurcht nieder. Ich ging in meine Betrachtung so tief ein, und strengte meine Seelenfräste so sehr an, daß sich die Lebensgeister in die oberen Theile des Körpers noy AGICHOL 221 dergestalt vereinigten, daß die übrigen derselben beraubt wurden, und es mir oft schwer wurde, mich nach der Beendigung des Gebetes wieder aufzurichten. Ganz besonders entzückt war ich, wenn ich irgend eine göttliche Eigenschaft be trachtete, oder erwog, wie die göttliche Vorsehung ihre Liebe zu den Menschen offenbarte. - So brachte ich es nach und nach im Gebete zu einer so großen Vollkommenheit, daß ich sast nie zerstreut war. Ph. Das ist doch etwas Außerordentliches und eine seltene Gnade! Al. Der noch nie ernst angefangen, und nur immer mit dem bloßen Lippengebete zufrieden ist, der wird es gar nicht glauben, was ich sagte. Wer aber schon einmal gebetet hat im Geiste und in der Wahrheit, der wird mir schon leichter glauben; denn Uebung macht, wie du selber weißt, Uebung macht Alles leicht. Daher wurde das Betrachten mir sehr leicht, weil ich mich darin fortwährend übte. Es waren alle meine Gedanken schon Gott zugewendet, und ich bemerkte nie, was um mich her vorging oder gesprochen wurde.- Ich wurde auch nie gewahr, wenn der die Zimmer 03355 song có hệ 56 222 besuchende Pater in mein Zimmer fam, um zu sehen, ob wir die zum Gebete bestimmte Zeit recht benüßen*). Ich konnte daher bei der zu gebenden Rechenschaft mit Wahrheit sagen, daß ich während 6 Monaten nicht so viele Zeit zerstreut war, als man brauchte, um ein Ave Maria zu beten! - Schlechter ging es mir jedoch in meinen lauten Gebeten, besonders Psalmen; denn ich konnte den Sinn der Psalmen nicht so schnell und so leicht fassen, daher kostete mir die Sammlung dabei vielmehr Mühe. Dessen ungeachtet empfand ich größtentheils bei den Psalmen einen geistigen Genuß, weil meine Seele von ihrem Geiste ganz erfüllt war. Darum pflegte ich schon im Noviciate das große Officium, wie die Priester, zu beten, und brachte für das Frühgebet wenigstens eine Stunde zu.- Eine sehr gewöhnliche Andachtsübung war mir das Betrachten des Leidens Jesu Christi. Jeden Mittag pflegte ich mich daran zu erinnern. Ich betete eine Antiphone, und begab mich im Geiste unter das Kreuz meines Erlö*) Cep. 110. - € 66 223 sers. Kleine Ulebungen verrichtete ich mit einer solchen Sammlung, daß sich mir in einem Augenblicke Alles vorstellte, was am Charfreitag vorging. So kannst du es auch machen.- Vereinige dich oft und oft mit deinem Gotte, und bitte Ihn recht kindlich um die Gnade des Gebetes. Erinnere dich so viel wie möglich, bei Allem, was du thust, an Den, Der diese Dinge darbietet. Erhebe dich von dem Geschöpfe zum Schöpfer;- von der Lieblichkeit der erschaffenen Dinge zu dem Erschaffer und Seiner unaussprechlichen Liebenswürdigkeit. So wird dein Herz nach und nach mit der glühenden Liebe zu Gott erfüllt, das Gebet wird dir immer leichter werden, du wirst ganz gewiß vielen Trost im Gebete finden, und das Gebet wird dir gewiß zur größten Freude gereichen; recht beten und das gewiß erlangen, was du brauchst. Das Mehrere wird dir gewiß dein Beichtvater sagen, wenn du dich ihm mit kindlicher Einfalt, aufrichtigem Herzen und demüthigem Gehorsam nahest. 224 XXIX. Die ordentliche Gewissenserforschung ist für jeden nothwendig, der wahrhaft fromm werden will. - jeg Ph. Von dem Allen habe ich bis jetzt nicht viel gewußt. Es fiel mir auch gar selten ein, daß ich noch so wenig von dem geistigen Leben weiß, und ich kannte es auch gar nicht, wie wenig ich bis jetzt für Gott thue, und was und wie viel ich noch nicht von dem weiß, was ich doch wissen sollte. Ich dachte schon während deines gottseligen Unterrichtes öfters darüber nach, woher es den kommen mag, daß mir das Alles entging, und konnte doch nicht auf den eigentlichen Grund kommen. Al. Das ist leicht zu begreifen, warum du deine Unwissenheit und dein Leben gar nicht erkannt hast. Du hast gewiß dein Gewissen selten oder nie ordentlich erforscht; denn durch die ordentliche Gewissenserforschung lernt man sich genau kennen. Schon das Wort Gewissenserforschung" zeigt die Nothwendigkeit und den Nußen derselben für Jeden an, der besser werden will; denn das Gewissen erforschen heißt nichts anderes, als nachdenken über das, was warum und wie - man 1945 225 seit einer bestimmten Zeit gedacht, begehrt, geredet, gethan und unterlassen hat. Da lernt man fennen, was einem fehlt, da fragt man sich, wie man das Fehlende ergänzen kann. Man lernt seine Neigungen genau kennen; man erfährt, wie man seine Zeit angewendet, was man in seinem Leben verbessern könnte, was man nicht weiß, was man nicht recht weiß, wie man sich benommen hat, mit einem Worte, man erfährt nach und nach, wer man ist. Man erfährt dabei zugleich, warum man thätig ist, warum man dieses oder jenes gethan hat. Welcher Schaden daraus erwächst, wenn man sein Gewissen nicht recht erforscht, das hat der heil. Gregor gelehrt*). Wie wir, sagt er, es nicht bemerken, wenn unsere Glieder wachsen, und unser Leib zunimmt, die Gestalt sich ändert, die schwarzen Haare grau werden( denn das geschieht, ohne daß wir etwas davon wissen), ebenso ändert sich auch jeden Augenblick unser Gemüth durch die beständigen Sorgen, und wir erkennen es gar nicht, wenn wir nicht mit einer *) Mor. lib. 26, 16. 15 DA OCHOC 226 genauen Wachsamkeit unsere innerliche Beschaffenheit besorgen, und täglich unsern Fortgang und unsere Fehler erwägen. Wenn aber die Seele sich selbst gleichsam suchet und sich mit einem wahren Bußgeiste genau prüfet und erforschet, so wäscht sie sich mit den Thränen der aufrichtigsten Reue von den alten Sünden, und sie erneuert sich wieder durch einen kräftigen Vorsatz*). Der vernachläßiget die Wa chsamkeit über sein Leben, der nicht erforschet, was er thut, was er redet, was er denket, was er verachtet, oder was er nicht weiß; dieser wandelt nicht vor sich selbst; denn er weiß gar nicht, wer er in seinen Sitten und Thaten ist; der ist sich gar nicht gegenwärtig, der sich keine Mühe gibt, sich täglich zu erforschen oder zu erkennen. Der heilige Mann erkannte genau, wie nothwendig, wie du aus seinen Worten abnehmen kannst, nicht bloß die Gewissenserforschung überhaupt, sondern die tägliche Gewissenserforschung ist. Erschrecke nicht hierüber, meine Philothea. Handle mit deiner *) Gregor Hom. 4 in Ezech. 227 Seele doch wenigstens so ehrlich, wie mit deinem Körper und deinen Kleiden, deinem Vermögen und mit deiner Hauswirthschaft; wie oft schaust du deinen Körper und ganz besonders dein Gesicht im Spiegel an; wie oft untersuchst du deine Kleider vor dem Anziehen, vor dem Ausgehen; du fragst sogar von Zeit zu Zeit andere, wie du aussteht, und wie oft zählest du dein Geld und deine Schuldbriefe, und wie oft schaust du bei seiner Hauswirthschaft nach, und fragest dich, ob sie vorwärts oder rückwärts geht? Wie genau bekümmerst du dich um Alles, wodurch du deine äußeren Verhältnisse verbessern kannst! Ist deine Seele nicht mehr werth, als alle Güter dieser Erde?- - Ph. Ich sehe es jetzi recht gut ein, daß darin nicht nur mein Glend seinen Grund hat, daß ich die Gewissenserforschung vernachläßiget, sondern auch nur einzig und allein sich dadurch einiger Maßen das allgemeine Glend und die Blindheit erklären läßt, in welcher Tausend und abermal Tausend leben, die in ihren Geschäften so viel denken, sich bemühen, versuchen, beobachten, und verbessern. Denn, 15* 228 wie wäre es sonst möglich, daß Schüler die Zeit gedankenlos mit Tändeleien verschleudern, welche ihren Studien gehört. Wie bald würden sie, wenn sie ihr Gewissen erforschten, darauf kommen, daß sie diesen guten Freund verlassen, diesen Ort meiden, diese Gegenstände lernen, das Geld so anwenden, um die Zeit aufstehen, um diese Zeit schlafen gehen müssen, wenn sie nicht als Tagediebe, Betrüger ihrer Geschwister und Mörder ihrer Aeltern auf den Gerichtstag zittern wollen sc. Wie könnte ein Familienvater von dem Betragen und den Fehlern der Untergebenen nichts wissen und fortleben, ohne das Unglück zu ahnen, welches er durch seine Pflichtvergessenheit bei den ihm Anvertrauten veranlaßt? Wie würde wohl Jemand länger in der Sünde fortleben, wenn er sein Gewissen ordentlich erforschen würde? Ich glaube auch, daß die Menschen gewiß ihr Gewissen oft erforschen würden, wenn es ihnen nicht so ginge, wie es mir oft geht. 21. Wie geht es denn dann dir? Was für Hindernisse findest du in der Erforschung des Gewissens? Sei aufrichtig und offenbare mir dein Glend! -- 229 Ph. Oft und oft habe ich schon angefangen, mich täglich zu erforschen, bei jeder heil. Beicht mache ich den neuen Vorsag, mein Gewissen von nun an ordentlich und jeden Tag zu erforschen, ich erforsche es wohl, aber wie?- Gib mir hierin einen Unterricht, und sage mir, wie ich es anfangen soll, um mein Gewissen ordentlich zu erforschen. A1. Wenn du mir gehorchen willst, so will ich dir eine einfache Weise angeben, welche dir Anfangs gute Dienste leisten wird. Wenn du schlafen gehst, so knie dich nieder, bitte Gott innig um Seinen mächtigen Beistand und um Seine Erleuchtung, nachdem du dich mit einem lebendigen Glauben in die Gegenwart Gottes versetzt hast. Dann frage dich, wann bin ich heute aufgestanden? Ferners, was habe ich heute von der Zeit meines Aufstehens bis jetzt gedacht, geredet, begehrt, gethan? Mit wem bin ich heute zusammen gekommen? was hab' ich mit ihm geredet?- Wie habe ich mich gegen Gott, gegen mich, gegen meine Aeltern, oder Geschwister oder Freunde oder Dienstleute und Bekannte betragen? Warum war ich so und nicht anders? - - - - 230 Wenn man zur heil. Beichte sich vorbereitet, so kann man vielleicht einen sogenannten Beichtspiegel zu Hilfe nehmen, um sich leichter an Alles zu erinnern, was man Gott Mißfälliges oder Sündhaftes gethan, geredet, begehrt und gedacht habe.- Im Uebrigen rathe ich dir, frage deinen mit Gottes Gnade gewählten Beichtvater, der wird dir die ferneren Unterweisungen und etwa noch nothwendigen Belehrungen geben, bis du dahin kommst, daß du dein Gewissen ordentlich erforschen lernst. Unterlasse es aber keinen Tag, dein Gewissen zu erforschen; folge hierin meinem Beispiele. Du wirst bald aus eigener Erfahrung kennen lernen, wie nothwendig die Gewissenserforschung ist, und wie gut ich dir gerathen habe, daß ich dir sie so dringend ans Herz zu legen suchte. Du wirst es in kurzer Zeit einsehen, wie viel du in den verloren haft, daß du dich so lange um die Gewissenserforschung nicht bekümmert haft.- - - Ph. Diese mir angegebene Weise kommt mir eben nicht so schwer ausführbar vor. Ich werde mir Mühe geben, deinen Rath so viel wie möglich zu befolgen. Während du von ba 231 SARIGOLO der Gewissenserforschung gesprochen haft, fiel mir ein, daß man, wenn man sein Gewissen so erforscht, auch mehr Sünden erkennen wird, und daher gewiß auch die öftere als jährliche zweimalige Beicht nothwendig werden wird. Denn wer könnte es wohl aushalten in einer solchen Menge von Sünden; die lernt man fennen, und das besonders dadurch, daß man bei den größeren Sünden auf die Frage nicht vergißt: wie oft hast du das gethan? z. B. wenn man ein wenig zornmüthig war, und man ärgert sich jede Woche nur einmal, so sind das in einem Jahre schon 52 Sünden. Al. Die heil. Beicht, meine Philothea, ist so wichtig, daß ich dir auch hierüber einige Aufschlüsse geben muß. Ich bin auch ganz bereit dazu, schenke mir nur deine ungetheilte Aufmerksamkeit; ich werde dir davon so viel sagen, als es die Umstände erlauben. Denn die Kraft, welche eine gut abgelegte Beicht verleiht und die oft fühlbaren Gnaden Gottes, die der Herr in dem heil. Bußsakramente den Demüthigen ertheilt, bin ich nicht im Stande, ganz vollständig zu beschreiben. - 760 - 232 -- XXX. Die heilige Beicht. A1. Die heil. Beicht gehört zu den wichtigsten Gegenständen. Ich verdanke biese Er fenntniß dem heil. Carl Borromäus, der mir hierüber einen besonderen Unterricht ertheilt hat. Ph. Das dachte ich selbst schon öfters, daß man die Nothwendigkeit und die Würde der heil. Beicht viel zu wenig betrachtet; denn sonst könnte man sie doch nicht so gleichgiltig behandeln, wie es nur leider zu oft geschieht, und ich mich auch zu meinem größten Schmerze selbst anklagen muß. Man bleibt, wie ich bemerkte, immer nur bei den Worten stehen: Beichten heißt, seine Sünden dem Priester bekennen, um von ihm davon losgesprochen zu werden. Man denkt selten darüber im Ernste nach, was mit diesen Worten angezeigt wird, was das sagen will: Ich beichte, ich gebe mich schuldig? At. Mit den Worten, seine Sünden bekennen, um davon losgesprochen zu werden, wird viel, sehr viel angedeutet; denn damit wird Gottes Liebe, Weisheit, Gerechtigkeit, 233 Barmherzigkeit und des Sünders Armseligkeit und Abhängigkeit von Gott, und des Menschen Schwäche angezeigt.- Gottes Liebe fannst du in dem erkennen, daß Er dem fündigen Menschen ein so leichtes Mittel bestimmte, welches ihm zur Gnade Gottes, der Ruhe des Gewissens und Verzeihung der Sünden verhelfen kann. Seine Liebe erfand ein so zweckmäßiges Mittel, den Menschen öfters bei der Hand gleichsam in sein Inneres zu führen, und daselbst seine Fehler und Sünden, die er bekennen soll, kennen zu lernen, und ihm gleichsam zuruft: Willst du leben, so denke über dich nach, und bekenne, was du Sündhaftes begangen hast. Das setzte Er sogar als Bedingung der Verzeihung der Sünden. Nicht mehr so leicht und schnell sollten dem Menschen die nach der heil. Taufe begangenen Sünden nachgelassen werden, wie bei der heil. Taufe. Dadurch offenbaret Sich Gott der Herr als Denjenigen, Der den Menschen genau so belohnt, und genau so bestraft, wie er es verdient. Dabei handelt Er als ein barmherziger Vater, der den Tod des Sünders nicht will, sondern daß er sich befehre, und daß er lebe; = 234 denn eben durch die Einsetzung der heil. Beicht, spricht Er: Kommt her, die ihr mühselig seid, ich will euch helfen. Er führt den Menschen nicht zu einem Erzengel, sondern zu einem Menschen, dem Priester, den Er zu Seinem Stellvertreter gemacht hat, damit sich der Sünder demüthige, und diese Demuth macht ihn vor Gott wohlgefällig. Er läßt einen schwachen Menschen Seine Stelle vertreten, damit der. Sünder ein liebreiches Urtheil findet, mit Mitleid daß wunde Herz geheilt werde, und an der Seite eines sichtbaren Freundes durch Wort und Beispiel den Weg leichter gehen kann, der zum ewigen Leben führet. Während der Sünder über sein Glend nachdenket, seine Sünden erforschet, lernet er kennen, wie armselig, hilflos und ohnmächtig er ist; wie sehr er von Gott abhänget. Ich kann dich versichern, daß große Sittenverderbniß würde sehr bald verschwinden, wenn die heil. Beichten immer so abgelegt werden würden, wie es Gott haben will. Denn sage es selber, wie Viele bereiten sich wohl auf die heil. Beichte so vor, wie ste follen? Wie Viele erforschen ihr Gewissen mit dem Ernste und der Genauigkeit, die wir oben - - oy 260 235 berührt haben? Wie Viele haben sich denn durch einen aufrichtigen Schmerz über ihre Sünden, der Verzeihung derselben und der Lossprechung würdig gemacht?-- Darum, meine Philothea, bereite dich jederzeit auf die heil. Beicht würdig vor. Wenn du dir vorgenommen hast, zur heil. Beicht zu gehen, so bestimme dir eine Zeit, in der du dein Gewissen mit aller Aufmerksamkeit vor dem Bildnisse deines gekreuzigten Heilandes erforschen willst.- - Hast du deine Sünden vollständig erkannt; so bitte Gott mit wahrer kindlicher Innigkeit um die Gnade einer innerlichen Liebesreue. Erwäge, wen du beleidiget hast, was du durch die Sünde verloren hast, wie gut Gott ist, Den du beleidiget hast, wie viele Gnaden du aus Seiner gütigen Hand von dem ersten Tage deiner Geburt bis auf den gegenwärtigen Augenblick empfangen hast.- Er hat dich erschaffen, Er hat dich mit den 5 Sinneswerkzeugen versehen; Er hat dich bis jetzt erhalten, beschüßt und genährt; Er hat deine Schicksale gelenkt; Er hat Seinen Sohn für dich in den Tod hingegeben. Und dann betrachte, was du durch Seinen Sohn empfangen haft, -- Hoteka Cha - - 236 Der dir das Alles reichlich gespendet hat: Den hast du beleidiget.- - - - Hast du die Herzensreue erweckt, so vergiß auf den Vorsatz nicht; denke nach, wie du werden willst, was für Hauptueigungen du hast, und wie du ihnen widerstehen kannst. Bestimme gleich die Gelegenheiten zur Sünde, die du mit allem Ernst meiden willst, und welche Mittel du anwenden willst, die Sünden zut meiden. Nimm dir auch zugleich kräftig vor, ein anderer Mensch zu werden, und deine Standespflichten mit aller Treue zu erfüllen. So vorbereitet, kannst du getreft dich dem Beichtvater nahen, und mit kindlicher Einfalt und Aufrichtigkeit dein Herz vor ihm aufschließen. Er ist dann im Stande, dir heilenden Balsam in deine blutenden Wunden zu gießen und die mit Gottes mächtigem Beistand zu helfen. Gib auf jedes Wort, welches er zu dir spricht, Acht, und nimm es an, als wenn es Gott selbst dir ans Herz legen würde; denn im Beichtstuhle redet der Priester im Namen Gottes, Dessen Stelle er vertritt. PH. Wie oft soll man den zur heil. Beichte gehen? Die Kirche befiehlt es jährlich nur we( 9) Kay hey Bl gehorcho cha CHOCHOCHO 237 nigstens Einmal. Daß das zu selten ist, begreife ich wohl. Al. Darauf kann ich dir keine bestimmte Antwort geben, sondern muß dich an einen gewissenhaften und gottliebenden geistlichen Vater anweisen, der dich genau kennt. Uebrigens rathe ich dir, wenn du in der Welt lebst, die heil. Beicht nie über acht Wochen zu verschieben. Ich beichtete alle acht Tage, und das zu meinem größten Seelennußen. Bist du ein Glied eines geistlichen Vereines, so bestimmen die besondern Vorschriften desselben die Zeit. Ich kann dir nur sagen, daß dein Gewissen um so zarter und reiner wird, je öfter du bei demselben Beichtvater würdig vorbereitet beichten wirst, und das ein wahrhaft christliches Leben ohne oftmaliger heil. Beicht gar nicht denkbar ist. Ph. Ich habe oft, sehr oft in den Predigten und den Christenlehren schon gehört, daß von der wahren Reue sehr viel abhängt, und wie ich glaube, sogar die öftere h. Beicht; denn wer seine Sünden wahrhaft bereuet, der wird gewiß nicht lange in der Sünde leben wollen. Ich bemühte mich schon öfters nicht bloß - 238 - zu einer natürlichen, sondern zu einer wahren, aufrichtigen, übernatürlichen und der vollkommenen Neue zu kommen; war aber sehr selten so glücklich, und das nur mit der größten Anstrengung. Könntest du mir dazu nicht auf irgend eine Weise behülflich sein? AI. O ja, mit Freuden, merke dir nur jedes Wort, daß ich dich nicht zu deinem Verderben unterweise. - XXXI. Von den Beweggründen zur wahren Neue. Al. Ich erinnere dich, bevor ich dir das vorstelle, was du überdenken sollst, daß wir ohne Gott nichts vermögen, darum rufe zuerst recht innig zu Gott, Er möge dich erleuchten; dann überdenke folgende Wahrheiten: Ich habe Den beleidiget, Der mich immer geliebt hat, und selbst in meinen Sünden noch liebet. Ich habe Dessen vergessen, Der meiner nie vergaß, Den habe ich beleidiget, Der meiner bis jetzt schonte, Der mich hätte verdammen können, wie so viele andere Sünder. Stelle dir die Fragen: SO SOCTO 239 Glaubst du, daß Christus der Herr für uns geboren, gegeißelt, mit Dornen gekrönet, gefreuziget worden ist, um uns von der Verdammniß und der Gewalt des Satans zu befreien? Haltest du für wahr, daß Er von dir für so große Wohlthaten nichts verlangt, als daß du Seine Gebote beobachtest und die Sünde verlassest? Warum hast du das nicht gethan? Willst du es denn in Zukunft thun? Willst du vielleicht deinem Gott und Herrn lieber sagen, daß du nicht viel thun willst für das, was Er für dich gethan hat?- Glaubst du, daß es eine Hölle und eine ewige Ver. dammniß gibt, daß sich der Mensch durch eine jede Todsünde der ewigen Strafe schuldig macht, und ganz gewiß in das ewige Feuer kommt, wenn er ohne wahrer Buße aus dieser Welt geht? Wenn du das glaubst, wie kannst du dich so weit vergessen und so ost, so schwer fündigen?- 1 - - Weißt du denn, daß der Mensch nicht weiß, wann und wo er sterben wird? Haft du noch von Niemanden gehört, daß er plözlich gestorben fei? Was andere getroffen hat, kann das nicht auch dich treffen?- Bedenke, 11 240 welcher Gefahr du dich aussetzest?— Warum liebst du denn Gott, den Schöpfer, weniger als Seine Geschöpfe? Weißt du vielleicht nicht, daß man durch eine einzige Sünde Gott verliert? Ziehst du wirklich eine Speise, einen Trank, ein Geld, einen Freund oder sonst etwas Gott vor? Auf diese Weise fahre fort, dich zu fragen, dich zu erinnern, und du wirst ganz gewiß dich über deine Kurzsichtigkeit und deine Gedankenlosigkeit wundern und erschrecken. Du wirst über deine Sünden eine wahre und aufrichtige Neue erwecken, du wirst bald erfahren, daß Gott einen zerknirschten Geist und ein gedemüthigtes Herz nicht verachtet. - - Ph. Ich glaube, daß das die Hauptursache ist, wegen welcher so viele Menschen ohne Reue zur heil. Beichte gehen, weil sie sich über die Sünden nur ganz oberflächlich fragen; weil sie nie erwägen, was eine einzige Sünde für ein Unglück ist, weil sie nie bedenken, daß das, was in der heil. Schrift, und mündlichen Ueberlieferung und überhaupt in der katholischen Kirche von dem Sünder, seinen Strafen, seinem Verluste, seinem Elende gelehrt wird- 241 reine, unläugbare und ewige Wahrheit ist; daß das eben so Wahrheit bleibt, und wenn es auch Millionen Gedankenlose nicht achten und in Zweifel ziehen, als daß die Sonne ein Alles beleuchtender und erwärmender Körper bleibt, und wenn auch Millionen Blinde rufen: Es gibt keine Sonne, es gibt keinen erleuchtenden, feinen erwärmenden Körper. Al. Da hast du zum Theile recht, meine Philothea; mache daher du dir diese Erinnerungen zu Nußen. Glaube du fest, und übe deinen lebendigen Glauben, damit die Menschen deine Werke sehen, und deinen Vater preisen, Der im Himmel ist. Sage dir bei jeder Glaubenswahrheit, die du liefest, die du in der Kirche, oder im Umgange mit rechtgläubigen Menschen und Christen hörest: das ist wahr, das ist unfehlbar wahr, das ist ewig wahr, das brachte die Heiligen zur Besinnung, das zog sie von der Welt zurück, das führte Reuethränen in ihre Augen, das kräftigte fle zur Verachtung der vergänglichen Genüsse, das machte sie im Geiste arm; daß zwang sie zur öfteren heil. Beicht, das belebte ihre Schnsucht nach dem wahren Brote des Lebens, das 16 242 lehrte sie Gott suchen, und Den, Welchen Er gesandt hat. Ph. Ich bin entschlossen, deinen Winken zu folgen, und deine wohlmeinende Erfahrung bereitwillig anzunehmen und zu bewahren. ährend ich aber das ausspreche, so zittere ich, indem mir meine Armseligkeit einfällt, und ich schon erkenne, daß ich meinen guten Willen nicht trauen darf, und ich bin nahe daran, zu verzagen. - AI. Zittere nicht, komme und höre mich, ich will dir den Weg, die Wahrheit und das Licht zeigen.- XXXII. Von der heil. Communion. 21. Deine mir neulich mitgetheilte Besorgniß fordert mich auf, dir etwas mitzutheilen, was ich selbst oft kennen gelernt habe. In meiner Jugend war ich so glücklich, den heil. Carl Borromäus kennen zu lernen, und zwar bei einem Besuche, den er bei meinen Neltern machte. Gott wendete sein Herz zu mir, und er redete mit mir öfters mit wahrer Innigkeit, und entzündete mein gutwilli 243 ges aber schwaches Herz. Er erkannte gleich meinen guten Willen, er wußte als ein so erfahrner Seelenarzt, wie schwach mein Wille ist, er sah die vielen und großen Gefahren, die meiner Unschuld, die meinem Glauben und meinen Verhältnissen drohten. Sein Glaube an die Kraft der Gnade, die Christus in den heil. Sakramenten hinterlegt hatte, war lebendig und unerschütterlich, klar stand vor seiner Seele die Wahrheit, die Christus aussprach: Ohne Mich könnt ihr nichts thun; darum hielt er auch die heil. Sakramente nicht vielleicht für eine bloß erweckende, auffrischende Ceremonie, sondern die bindenden und lösenden Worte und Jesu Ermahnungen für die weckenden Gnaden Gottes; er erkannte die Hinterlage des Opferverdienstes Jesu, für die Stärke, die mächtigen Worte des Stellvertreter Gottes, und die Reden des Gesalbten des Herrn, für die Rettungsmittel der zagenden Sünder, für die Bewahrer jener Stärke und Kraft, die die Märtyrer im Leideskampfe stärkte, die jahrelange Leidenden mit Freude erfüllte, und die mit Mühe Lernenden mit Weisheit begnadigte. Darum fragte er mich, 16* KG 244 ob ich denn schon die heil. Communion empfangen habe. Als ich es ihm verneinen mußte, unternahm er selbst den Unterricht zur heil. Communion, und ich war so glücklich, aus seiner Hand das erste Mal Denjenigen zu empfangen, nach Dem ich mich so lange sehnte. Diesen Augenblick hielt ich mein ganzes Leben hindurch für den heiligsten, wichtigsten, und dieser gesegnete Augenblick hat für meinen Beruf entschieden, und für mein ganzes Leben; da ich aus diesem gläubigen Munde die Worte des Herrn vernahm, so erwachte in mir ein Glaube an die wahrhafte Gegenwart Jesu Christi unter den Gestalten des Brotes und Weines, daß ich vor Hoffnung und Liebe glühte, und den Augenblick kaum erwarten zu können glaubte, in welchem ich mich mit Dem vereinen konnte, Den meine Seele liebte; er rieth mir auch die heil. Communion oft würdig zu empfangen. Diesen Rath befolgte ich auch, und ich empfing dieselbe immer mit neuer Freude alle acht Tage. Die öftere würdige Empfangung des Hochwürdigsten Gutes rathe ich auch dir.- Ph. Wenn man schon in der Jugend das - 245 fennen lernt, so ist das freilich ein großes Glück; aber in der leichtsinnigen Jugend, wer nimmt sich da die Zeit, wer hat die Geduld, wer wagt die Mühe, die Würde und die Gnaden des hochheiligen Sakramentes dem jugendlichen Herzen recht nahe zu legen? Ja, ich wüßte wahrlich nicht, wie ich es anfangen sollte, einem Kinde jene Liebe zu Jesu, fene Heilige Scheu und zugleich Sehnsucht einzupflanzen, die dem Kinde in dem Hochwürdigsten Gute das größte Gut erkennen, Jesu als das einzige Gut verlangen lehrt.- AI. Das ist eben nicht so schwer. Ph. Es gibt wohl hierüber viele Anweisungen und Unterrichte und Vorarbeiten in allen Sprachen. Jedoch ist selbst hierin eine Wahl sehr schwer. - 21. Mein Meister kannte diese Unterrichte nicht, und er gab mir dennoch einen viel besseren Unterricht hierin, als alle Meister zu geben vermögen; er hatte selbst einen festen Glauben, den er im Gebete und im Betrachten der ewigen Wahrheiten nährte; er kannte seine Schwäche und war stark in Gott, von Dem er zuversichtlich Hilfe erwartete, er hatte eine Go 246 wahre Gottesliebe nicht bloß im Munde, sondern im Herzen, und ein jedes Wort, das er von der Liebe Jesu, die in diesem allerheiligsten Saframente ist, sprach, entflammte sein Herz selber immer mehr, und sein vom Feuer der göttlichen Liebe entzündetes Herz brach durch die funkelnden Augen und seine Blicke trafen mein jugendliches Herz. Seine Verachtung der Welt, seine Selbstverläugnung, seine eigene Unschuld waren seine Anweisung, seine Erklärung, sein Unterricht. Sein Mund sprach's, meine Seele glaubte es, mein Herz empfand - es, und meine Sehnsucht war immer größer und mein Auge wurde heller, und mein Blick schaute immer mehr und mehr die arme Welt in ihren Träumereien, Betrügereien, hilflosen Täuschungen und Eitelkeiten. Willst du aber jemanden anweisen, so rathe ich dir Folgendes: Lehre ihn zuerst die Armseligkeit der Menschen, dann Jesum kennen. Endlich erzähle die Hilfe, die Er den Menschen angedeihen ließ, nach dem einfachen Katechismus. Der Verstand hat dabei das Wenigste zu thun, bete oft mit deinem Zöglinge, besuche das Hochwürdigste mit ihm, lasse für ihn beten, - 247 und du wirst dich bald überzeugen, daß du nicht bloß deinen Zögling allmälig zu Dem bringest, Der die Kleinen einladet, sondern du wirst selbst inniger an die Thore des unbegreiflichen Gnadenschatzes anklopfen und rufen: Herr komme komme bald, komme oft, komme mit allen Deinen Gnaden; denn stehe, o Herr, bereit ist mein Herz, bereit ist mein Herz! Ph. Ich möchte mich zuerst selbst recht bereiten lernen; denn ich erkenne nur zu gut, daß ich bis jetzt das noch sehr schlecht verstanden habe, was das Religionsbuch von dem sagt, warum der Herr Jesu das allerheiligste Sakrament eingesetzt hat. Bis jetzt habe ich nicht verstanden, wie viel in den Worten liegt: Jesus Christus hat das allerheiligste Sakrament eingeseget, um: 1. die Seele zum ewigen Leben zu nähren; 2. um uns an Seiner Liebe und an Sein Leiden zu erinnern. Al. Gut, sei also mein Schüler, und laß es dich nicht verdrießen, wenn ich dir einen kleinen Unterricht hierin gebe; denn nur leider brennt das Feuer der göttlichen Liebe auf so - G 248 vielen Altären in so vielen Herzen ohne zu entzünden; daher ist die Kälte in der Kirche Gottes unter ihren Kindern so groß, daß Viele sogar bei hellloderndem Feuer erfrieren! Ph. Nun sehe ich schon viel besser ein, woher es kommt, daß es heut zu Tage in der christlichen Welt so armselig aussieht. Es läßt sich erklären, wie es fomme, daß die Welt jetzt so voll Eigenliebe, so geistlos, so genußsüchtig ist, daß so wenige thatkräftig ihre Liebe gegen den leidenden Nächsten offenbaren; wiewohl darüber sehr viel gesprochen und Lärm gemacht wird, so zwar, daß man beinahe glauben könnte, das jetzige Jahrhundert sei das wohlthätige. Betrachtet man die Wohlthaten, wie sie gespendet werden, so ist das ganze nur ein Kreuzerlärm, während in der gläubigen Vorzeit einzelne für Gottes Ehre und das Wohl der Menschheit leisteten, was jetzt ganze Staaten und Nationen kaum vermögen. Geschehen noch gröBere Liebeswerke, so geschehen sie nur mittelft lauter weltfluger Einführungen, durch allerlei Kunstgriffe, welche eine rein natürliche Weisheit an die Hand gibt, die allenfalls ein 1204 C C G G C 6 0 249 kluger Heide ebenso finden könnte. Von dem einzigen wahren Beweggrunde, dem christlichen Glauben, der unerschütterlichen Hoffnung und der heiligen göttlichen Liebe hört man nichts; daher ist auch auf den menschlichen Bemühungen wenig oder gar kein Segen. A1. So ist es, meine liebe Philothea; so lange es unter den Sterblichen so aussieht, ist für die verklärten Freunde schlechte Hoffnung, daß sich ihre Zahl vermehren werde. - - Sei demnach mein Schüler; ich will dir zeigen, was du thun sollst, um dich der Segnung der heil. Communion recht bald erfreuen zu können. XXXIII. Vorbereitung zum würdigen Empfange des hochwürdigsten Sakramentes des Altars. Ph. Wovon hängt denn der würdige Empfang des Hochwürdigsten Sakramentes ganz besonders ab?- 21. Ganz besonders hängt der würdige Empfang davon ab, daß du fest und lebendig für wahr haltest und glaubest, daß Jesus 250 Christus im allerheiligsten Sakramente wirflich, wahrhaftig und wesentlich zugegen sei, und zwar als Gott und Mensch, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, und so lange zugegen bleibt, als die Gestalten nicht verzehrt sind. Glaubst du das fest, bist du davon wahrhaft überzeugt, so wird dir das Uebrige leicht, die Vorbereitung sogar nothwendig erscheinen, und du wirst selbst sagen, wenn du eine Unterweisung in der Vorbereitung liesest, diese Erinnerungen sind ja ganz überflüßig, das versteht sich von selbst, alles Andere wäre ja sogar gottlos.- Wenn du einen wahren Glauben an die Gegenwart deines Gottes hast, so wirst du dir alle Mühe geben, dein Gewissen so genau als möglich zu erforschen, um Alles kennen zu lernen, was deinem Gott mißfällt; du wirst auch eine herzliche Reue darüber empfinden, deinen guten Erlöser so oft beleidiget zu haben; dein Vorsatz wird Ernst sein, du wirst dir dann gewiß oft zurufen: Dein Leben soll und muß jetzt anders werden, wohin führt dich dieses gedankenlose Zeitverlieren, die Gelegenheit zur Sünde muß 251 beseitigt werden; sterben muß deine böse Neigung, deinem Gott willst du jetzt leben. Meinen Vater will ich aufsuchen, um einen got= tesfürchtigen Arzt will ich mich umschauen, der mir meine. Wunden heilen hilft, einem gottliebenden Richter will ich mein Elend vortragen, und genug will ich thun von ganzem Herzen. Mit wahrer Zerknirschung wirst du dann jederzeit hingehen, um Gnade und Verzeihung zu erlangen, und das nicht vielleicht einmal, sondern sehr oft. Bist du dann rein, so erneuere deinen Glauben an deinen gegenwärtigen Herrn und Gott; denke dir, der Allmächtige, Höchst gütige will zu dir kommen, Der dir Alles geben kann und will, was dein armes Herz braucht. Dabei wird dein Herz gewiß nicht kalt bleiben, sondern es wird entzündet ausrufen, Dich, o großer, o gütiger Heiland! Dich soll mein Herz nicht lieben? Du wirst sagen: o Gott, o Herr, o Jesu, was willst Du, daß ich thun soll, an was soll ich jetzt denken? Und Sein ewiges Wort wird dir antworten: Denke an Meine Liebe und an Mein Leiden; denn das -wollte Ich bei der Einsetzung. 08535 - XC9 - 252 Dieser Glaube wird dich gewiß auch hinführen und machen, daß du dich vor Ihm demüthig niederknieft und Den anbetest, der alle Macht hat im Himmel und auf Erden. Du wirst demüthig vor Ihm als armer Sünder oft wiederholen: O mein Gott, erbarme Dich meiner Seele! — Ph. Was du gesagt, ist sehr einfach; ich verstehe dich sehr gut, und finde es auch nicht so schwer, um es zu befolgen. Bei deinen Erinnerungen fiel mir nur Eines bei, um was ich dich noch gerne fragen möchte, nämlich, wie man denn den Glauben in der Weise stärken und bewahren könne? 21. Der Glaube, wie du weißt, ist wohl eine Gabe Gottes, darum ist das Erste, daß man im anhaltenden Gebete darum flehet und ohne Ende rufet: O Gott! vermehre meinen Glauben! Stärken und beleben kann man ihn auch ganz besonders dadurch, daß man die Werke der leiblichen und geistlichen Barmherzigkeit fleißig, in reiner Absicht, Gott zu Liebe übet. Versuche es nur einmal, und gib aus reiner Liebe zu Gott Almosen, unterweise Andere, be- Boy 253 suche in der Absicht Kranke, so wirst du bald sehen, wie sich dein Herz erweitert, und deine Begierde sich nach dem Himmlischen richtet. Ph. Wann soll man denn anfangen, sich auf die heil. Communion vorzubereiten?- AT. Ich rathe dir so zu leben, daß dein ganzes Leben eine Vorbereitung auf die heil. Communion ist. Warum sollte man das nicht, da jeder Mensch ohnedieß immer so leben soll, als wenn ihn Gott jeden Augenblick absordern würde, weil er nie weiß, wann Gott sagt: Lege Rechnung von deiner Haushaltung; denn du wirst hinfort nicht mehr über Meine Güter verfügen können; Ich will sie einem treueren Haushälter übergeben. - Ph. Da muß ich dir ganz und gar beistimmen; indem ich wohl weiß, daß der Herr uns die Worte nicht einmal vorsprach: Wachet und betet, denn ihr wisset nicht, zu welcher Stunde der Herr kommen wird. Al. Vergiß diese Worte nie, denn sie gehen auch dich an; dann aber bereite dich insbesonders am Abend vor der heil. Communion ordentlich vor. Schenke deiner Seele auch einige Stunden, nachdem du deinem Leibe 254 ganze Jahre geschenkt haft, und vergiß nicht, daß dir die ganze Welt nichts nüßen würde, wenn du sie auch besäsfest, an deiner Seele aber Schaden leiden würdest, und daß deine Seele mehr werth ist, als der Leib. Gehe einige Tage vorher in die heil. Messe und den heil. Segen, besonders am Tage der heil. Beicht. Erforsche mit dem Beistande Gottes dein Gewissen genau, erwecke Reue und Leid, bete die Litanei von dem hochwürdigsten Gute, vom Herzen oder Namen Jesu, bete den Kreuzweg oder die Litanei vom Leiden Christi, ließ das Leben der Heiligen Gottes; vergiß nie ein Stück aus der Leidensgeschichte Jesu zu lesen, wie sie in jedem Evangelien- Buche zu finden ist. Lege dich mit besonderer Sammlung des Gemüthes nieder, und erwachest du bei der Nacht, so frohlocke: Lobpreise, meine Seele, freue dich, denn Morgen wirst du mit dem Heiland vereint werden; das Leben empfängst du. Bald- recht bald kommt dein Gott in dein Herz! St Stehe frühe auf, bete, versöhne dich noch mit denen, welche du beleidiget, und gehe schweigend und nachdenkend in die Kirche, wo du die heil. Communion empfangen willst. Auf dem Wege selbst frage - - -- - - 1207 30y 2528 255 dich öfters: Wo gehe ich him, wenn will ich empfangen? zu welchem Tische geh' ich jetzt? In der Kirche angelangt, bete, erforsche dein Gewissen, erneuere deine Vorsätze, erweck' dein Verlangen nach Jesu, beichte vollständig, und tritt dann mit gläubigem Gemüthe hin zum Tische des Herrn. Wenn der Altardiener zum Confiteor läutet, so erwecke noch einmal Reue und Leid. Wenn der Priester das Mifereatur betet, so rufe knieend: Herr Jesu! erbarme Dich meiner, und verzeihe mir meine Sünden, damit mein Herz Dich würdig empfangen kann. Das Ulebrige findest du in jedem Gebetbuche. Nach der heil. Communion bezeichne dich alsogleich mit dem heil. Kreuze, schlage freudenvoll an deine Brust und sprich: O mein süßester Jesus, Dir will ich jetzt leben, Dir will ich sterben, Dein will ich von nun an sein im Leben und im Tode. - - - - Gehe dann ehrerbietig von der heil. Communion hinweg, und laß nun dein Herz mit deinem Gott reden, Der in demselben mit Seiner Gnade auf eine besondere Weise wohnet. Der Tag sei dir jedesmal ein heiliger Tag, an dem 168 256 Tage bete andächtiger, führe deine Vorsäge getreuer aus, und zeige, daß es dir mit deiner Reue ernst war, und du wirst bald erkennen, daß in dem allerheiligsten Saframente des Altars die wahrhaftige Speise der Seele, das Brot des Lebens verborgen ist, welches, würdig zu empfangen, wahre Christen stets verlangen. Ph. Wenn man so die heil. Communion empfängt, so glaube ich es selbst, daß man sich in kurzer Zeit überzeugt, daß der Schwache aus eigener Schule schwach bleibt, weil er sich dort keine Krast holt, wo er sie bekommt und nur allein bekommen kann. Ich will deine Winke beachten, und leben, wie ich es jetzt erkannt habe. Al. Das habe auch ich seit der Zeit beobachtet, als ich es von dem heil. Carl Borromäus erlernt habe. Seit dieser Zeit empfing ich das heil. Brot des Lebens oft, und ich bereitete mich jederzeit mit großem Fleiße dazu vor*). Ich fing jederzeit mit einer genauen und sorgfältigen Prüfung meines Seelenzustandes an, um zu wissen, ob und was ich *) Cep. 17. 257 gegen den Willen Gottes gethan habe. Dann beichtete ich so vollständig als möglich. Meine Beichte war gewöhnlich mit Thränen der Reue begleitet. Meine Fehler, welche mir solchen bitteren Schmerz verursachten, bestanden weniger in Werken, els vielmehr in kleinen Vernachlässigungen, weil ich niemals glaubte, eine That vollbracht zu haben, die der Erleuchtung entsprechend gewesen wäre, welche mir der Herr gegeben hatte, um zur größeren Vollkommenheit zu gelangen. An dem Tage vor meiner heil. Communion waren meine Gespräche, meine Gedanken, meine Buße, so wie auch meine Betrachtungen und Herzensergießungen auf das heil. Sakrament gerichtet; die Liebe Gottes in diesem hochheiligen Sakramente rührte mich oft dergestalt, daß ich alle Morgen, wenn ich der heil. Messe beiwohnte, über die Liebe Gottes weinen mußte. XXXIV. Von der öftern heil. Communion, und besonders von der geistlichen heil. Communion. Ph. Ja wahrlich, wer die Liebe des in dem allerheiligsten Saframente verborgenen 17 258 Gottes recht kennt, der kann freilich nicht mehr fragen: Ist es genug, wenn ich alle Jahre. vier Mal diese Seelenspeise empfange? 21. Diese Frage in der Weise wird ihm nicht in den Mund kommen. Du wirst es auch leicht einsehen, daß diese Frage immer ein Zeichen ist, entweder von Unglauben, oder von der eigenen Schwäche und Armseligkeit, und nicht von der Erkenntniß der Gnaden, die hier verborgen für den würdigen Empfänger aufbewahrt werden, und die Ein Gott mit dem Empfange verbunden, und dann selbst verkündigen ließ. Der Christ soll vielmehr mit dem glühenden Verlangen fragen: Wie oft darf ich denn dieses Brod der Engel genießen? Wann darf ich mich meinem guten Gotte nahen? zu wem soll ich armer Sünder, o Jesu, gehen, denn nur Du haft die Worte des ewigen Lebens. Ich wenigstens kann dich versichern, daß ich noch bevor ich in den geistlichen Stand getreten bin, jeden Sonn- und Festtag, selbst in Mailand, wo ich mich in Geschäftsangelegenheiten befand, nach meiner früheren Gewohnheit in der Kirche zum heil. Fidelis, welche den Vätern der Gesellschaft Jesu gehörte, das - 30y estleys 259 heil. Abendmahl empfangen habe. Ja ich kann dir sagen, daß ich diese Tage kaum erwarten konnte. Ph. So würde es gewiß Jedem gehen, der- die Glaubenslehren von dem allerheiligsten Sakramente erwäget und mit Aufmerksamkeit öfters betrachtet. Ich muß dir eingestehen, daß in mir, während du mit mir sprachst, ein eigenes Verlangen entstand, die heil. Communion öfters zu empfangen. Denn zu wem sollte der arme Mensch wohl lieber und öfters gehen, als zu Dem, Der allein die Speise des ewigen Lebens hat. Ich glaube auch, daß diese Meinung und dieses Verlangen viele denkende Katholiken mit mir schon längst getheilt hätten, wenn die öftere heil. Communion nicht öfters mit Schwierigkeiten verbunden wäre. Al. Was soll denn der Empfang für Schwierigkeiten haben? Vielleicht die Furcht vor dem Spotte und dem Hohne der Unwissenden und Gedankenlosen, die schmähen, was sie nicht verstehen? Vielleicht der Mangel an Zeit, daß kann doch wohl bei einer so heiligen, für das ewige Leben so nothwendigen Sache kein wahres Hinderniß sein. Was denn sonst noch? 17* 260 Ph. Die Schwierigkeiten haben nicht selten ihren Grund ini Mangel an Priestern, die mit tausend Geschäften, die ihnen durch ihren schweren Beruf aufgebürdet sind, überhäuft, beim besten Willen nicht zu leisten vermögen, was für eine Seele nöthig wäre, die zur oftmaligen heil. Communion zugelassen werden kann. Wird die oftmalige heil. Communion ohne einer ernsten und wahrhaften Anleitung zum innerlichen Leben erlaubt, so sind derlei Seelen den größten Gefahren ausgesetzt, ewig verloren zu gehen. Denn so wie man leider nicht selten bei so blinden Communicirenden bemerfen kann, wird eine solche Seele eitel, geistig stolz, kraftlos, eine Gewohnheitssünderin, lieblos, verstockt, Alles bekritteln, Priester und Laien richten und verurtheilen. Solche Menschen maßen sich nicht selten eine gewisse Herrschaft über die Ausspendung der göttlichen Geheimnisse an, ohne Demuth, ohne Liebe, ohne Kraft sind sie dann Parteigänger, verdammen Alle, welche nicht so gehen, schauen und seuszen, wie sie. Das sind, meine ich, solche, welche meinen, zur heil. Communion gehöre weiter nichts, als ein paar Gebetsseufzer, ein andächmay 261 tiges Gesicht beim Empfange, und dann ein Paar Schläge an die Brust, und somit ist es aus.- - 21. Leider machtest du eine richtige Bemerkung; darum rathe ich dir, dich von Solchen ferne zu halten, welche sehr oft zur heil. Communion gehen, dabei ihre Pflicht vergessen, lügenhaft, ehrabschneiderisch und dann zweizüngig sind. Ihr Umgang ist für dich gefährlich, und sie werden dich nie erbauen, sondern mit der Zeit zu einem privilegirten Raisonneur machen. Der erste berührte Bunkt, in Betreff der Priester, ist vielsagend, und enthält viel Beklagens-, Beweinenswerthes, was jedoch in diese Unterweisung nicht gehört. Ich rathe dir nur, daß du besonders in den Quatemberzeiten den Herrn der Ernte, und in dieser Zeit mehr als je, bittest, auf daß Er würdige Arbeiter in Seinen Weinberg sende, damit die von Ihm gepflanzten Reben nicht aus Mangel der Pflege verdorren. Uebriges lehrt uns auch die heil. Kirche, daß man sich auch mittelft eines lebendigen Glaubens mit Jesum GCHOCHOCHG 262 Christum geistiger Weise auf eine Gott sehr wohlgefällige Weise vereinen kann. Eine solche Vereinigung nennt man die geistliche Communion. - - Ph. Gott sei es gedankt, daß du, mein liebliches Vorbild, von einem Gegenstande zu reden anfangest, über den ich schon längst einen ordentlichen Aufschluß gehabt hätte. Denn ich hörte ost schon sagen, daß die Heiligen Gottes manchen Tag zwei bis drei Mal und auch noch öfters geistlich communicirt haben, und daß diese heilige Communion Gott sogar bisweilen wohlgefälliger sei als die wirkliche, und daß Gott solche geistlich Communicirenden öfters mit viel mehr Gnadenschäßen beglückt entließ, als die wirklich Communicirenden. Sage mir, was ich zu beobachten habe, um die geistliche Communion würdig zu empfangen. Al. Du hast richtig bemerkt, daß sie würdig empfangen werden soll; denn zu der geistlichen Communion gehört vor Allem ein reines Herz, daher mußt du vor dem Empfange dein Gewissen mit aller Sorgfalt erforschen und eine wahre Reue erwecken, und wenn es nöthig ist, sogar beichten; dann belebe dei là ch 263 nen Glauben, stärke deine Hoffnung und entzünde deine Liebe. Erwecke dann in dir das aufrichtige und sehnsuchtsvolle Verlangen, dich mit deinem Jesus innigst zu vereinigen, und bitte Ihn, Er möchte Sich mit dir vereinigen und dir alle Seine Gnaden mittheilen. Das kannst du machen, so oft du das Hochwürdigste besuchst, bei jeder H. Messe, bei dem heil. Segen, also jeden Tag; die beste Weise findest du in den Schriften der Heiligen, als: den Besuchungen des Hochwürdigsten, von Liguori. 0853 Ph. Da finde ich auch Gelegenheit genug dazu; denn an vielen Orten ist das Hochwürdigste immer zur Anbetung ausgesetzt( wie in Wien das 40stündige Gebet, in der FrohnleichnamsOktav von 4 Uhr Früh bis 6 Uhr Abends). Ich habe auch schon so Manches von dem Besuchungsbuche gehört, welches solche Unterredungen mit dem in den Brotsgestalten verborgenen Gott enthalten soll. Noch nie beachtete ich es, was das Alles zu bedeuten hat. So ging es mir bis jetzt, wie hundert Anderen, die bei der Kirche vorübergehen das Geläute der Glocken vernehmen, als wenn das Alles fie 264 nichts anginge, es bloße Formen wären. und nicht zum ernsten Nachdenken auffordern würde. -- học hỏi cá A 1. Ueberhaupt rathe ich dir, wenn du vollkommen werden willst, oft und oft das Hochwürdigste zu besuchen, und dort alle deine Anliegen deinem Heilande vorzutragen; dir dort Erleuchtung, Rath, Wissenschaft, Trost, Stärke und wahre Gottseligkeit zu holen. Mir wurde diese heilige Uebung zur anderen Natur, ich fand darin Ruhe und Erholung*). Ich besuchte das heiligste Altarssakrament sehr oft, darum war mir auch, als ich in das Noviciat eingetreten bin, der Befehl meiner Oberen sehr angenehm**), der mich dem Gebrauche nach in das Profeßhaus schickte, um daselbst während einiger Wochen bei der heil. Messe zu dienen; denn schon in meinem väterlichen Haufe habe ich bei der heil. Messe sehr gerne ministrirt. *) Cepari. 114. **) Cep. 96. - Die Heil. Messe, die so Wenige kennen, die heil. Messe, liebe Philothea, ist die lieb 265 lichste und erhabenste Handlung, ist das größte Wunder, das je geschehen ist und geschehen konnte. Gib dir doch einige Mühe, dieselbe genau kennen zu lernen. Betrachte die Würde und Heiligkeit der heil. Messe ja nie von dem oft beinahe Gott entehrenden Benchmen des unwissenden Altardieners, sondern von dem Wunder der heil. Handlung aus. Da erscheint dir dann der Priester, die geheiligten Kleider desselben, der Altar, der Altardiener, Alles bis zum Kleinsten groß, erhaben, wahrhaft gotteswürdig. O ich bitte Dich, gib dir viele Mühe, die heil. Messe recht genau kennen zu lernen. Dein Herz wird die Liebe Jesu hinziehen zu jenem wunderbaren Tische, rufen wirst du: O wie blind bin ich doch bis auf den gegenwärtigen Augenblick gewesen, daß ich so selten, so zerstreut, so unandächtig, so gedankenlos diesem furchtbaren, diesem segensreichen Opfer beiwohnte! Wie thöricht und glaubenslos habe ich doch bis jetzt gehandelt, daß ich die geringste zeitliche Beschäftigung der Beiwohnung der heiligen Messe vorzog, mich durch den Besuch eines langweiligen Freundes oft abhalten ließ, einer Handlung bei1 ----- 266 zuwohnen, bei der die Engel Gottes unsichtbar dienen, Jesus Christus handelt, der Diener des Allerhöchsten die Hände und die Zunge leiht, und die Heiligen Gottes Gott mit uns loben und preisen wollen. O ich bitte dich, vergiß meine Bitte nicht, und wohne oft dieser heiligen Handlung bei, welche die gläubigen Katholiken als die heiligste der ganzen Religion nur anstaunen und anbeten können, bei welcher der schwankende Akatholik wegen des Alterthums und der beinahe aus lauter Schriftworten bestehenden Gebete rufen muß: Wir tragen die Bibel unter dem Arm, die Katholiken loben mit derselben ihren Gott; selbst die Heiden müssen in größter Verwunderung gestehen: Der Gott der Katholiken ist ein großer Gott, wer ist Ihm gleich? denn sie zeigen durch ihren Dienst, mit dem sie Ihn ehren, daß sie erkennen, daß der Himmel und die Erde voll sind von Seiner Herrlichkeit. Du wirst reich gesegnet, erfüllt mit der himmlischen Tröstung, genährt mit der geistigen Communion, leicht in deinem Beruf das einbringen, was du scheinbar durch die Beiwohnung bei der heil. Messe versäumt hast. Du wirst gewiß eine Art Trauer - GACE - Okey L 005 267 empfinden, daß du kein Priester bist, ihre Würde und aber auch ihre große Verantwor tung begreifen, die auf sie wartet, wenn sie den Herrn nicht behandeln als den Herrn der Heerschaaren, als ihren Gott, Herrn und Richter. Du wirst für jeden Priester beten, wenn du ihn zum Altare gehen stehst, um das heil. Meßopfer Gott darzubringen, damit ihm Gott die Gnade verleihe, auf Alles vergessen zu können, was nicht göttlich ist. Du wirst dich gewiß nie ausschließen, wenn du sonst kannst, dem Priester am Altare zu dienen, ja es für eine besondere Gnade halten, am heiligsten Orte dem Herrn aller Herren in der Person des Priesters dienen oder ministriren zu können.- - - Daß ich mich so gerne vor dem Hochwürdigsten aufhalte und dasselbe besuche, war nicht unbekannt, weßwegen auch Jemand, der mein Porträt zu haben wünschte, auf den Gedanfen kam, mich gar als Anbeter des Hochwürdigsten malen zu lassen. Diese Andacht, versichere ich dich, erweckte in mir edle und er habene Gedanken, die ich dann bei der heil. Communion noch tiefer empfand. GOSTOSTING Ph. Das wundert mich nicht, und wird 6 Niemand wundern, der die Reinheit deiner Seele und die Sorgfalt kennet, mit welcher du dich zu dem Empfange deines Gottes jederzeit vorbereitet haft*). 268 A1. In der That diente mir die eine heil. Communion zur Vorbereitung auf die folgende. Die sechs Werktage in jeder Woche weihte ich der heiligsten Dreifaltigkeit, so, daß ich während der ersten drei Tage Gott für die im heiligsten Altarssakramente empfangenen Wohlthaten danfte, und während der andern drei Tage um die Gnade flehte, den nächsten Sonntag dasselbe würdig zu empfangen. Ueberdieß hatte ich jeden Tag meine bestimmten Stunden, in denen ich in die Kirche ging, und daselbst einige Zeit im Gebete vor dem Hochwürdigsten verweilte**). Wenn mir meine Vorgesetzten irgend eine Bußübung versagten, so verrichtete ich, um dafür genug zu thun, dem Rathe des Verfassers der Nachfolge Chrifti gehorchend, irgend eine innere Andacht, besuchte *) Cep. 97. **) Cep. 147. 269 das Allerheiligste, oder suchte andere Mittel zur Abtödtung meines Körpers auf. Von dem großen Nußen der öfteren heil. Communion und der Besuchung des Hochwürdigsten war ich ganz und gar durchdrungen. Daher benüßte ich auch eine jede Gelegenheit mit großer Sorgfalt, um die Menschen, mit denen ich zusammenkam, davon zu überzeugen, und Gott fegnete auch meinen guten Willen reichlich*). So mußte ich in einer wichtigen Angelegenheit, im Auftrage meiner Obern, im März 1590 nach Castiglione reisen. Nach Beendigung dieser Angelegenheit bat mich meine verwitwete Mutter, die Markgräfin, in einer Kirche zu predigen. Ich besprach mich hierüber mit meinen Gefährten, und er füllte ihren Wunsch an einem Sonnabende. Wiewohl ich wünschte, daß das nicht bekannt werden möchte, und sogar die Glocken zu läuten verboten habe; so war die Kirche doch voll. Ich ermahnte daher meine Zuhörer den folgenden Tag, als am letzten Sonntage in der Fastnachtszeit, das heil. Abendmahl zu empfangen. Ich redete nicht vergebens. Meine Einladung *) Cep. 174. - H GOTO 270 fand ein so williges Gehör, daß sämmtliche Beichtväter bis spät in die Nacht Beicht hören mußten. Meine Mutter, mein Bruder Rudolph und auch seine Gemahlin gingen mit einem guten Beispiele voran, und es folgten ihnen mehr als 600 Personen. Ich ministrirte bei der heil. Messe, und ertheilte den Communicanten den Friedenskuß. Diese fromme Handlung gewährte mir wahren, inneren fühlbaren Trost, und wie ich bemerkte, erbaute sie die Anwesenden, welche sich auch Nachmittag sogar bei der Erklärung des Katechismus, welche ich vornahm, einfanden. - Mein Jesus, den ich im Leben liebte, und dessen Ehre ich gerne mit Hundert Zungen verkündiget hätte, hat mich auch in der Krankheit und in der Todesstunde nicht verlassen*). Da ich bemerkte, daß die Bösartigkeit der Krankheit, welche in einem pestartigen Fieber bestand, solche Fortschritte machte, daß ich schon am siebenten Tage meiner Krankheit meinem Lebensende nahe war, so verlangte ich nochmals zu beichten, empfing aus der Hand des P. Rector *) Cep. 193. Joy 271 die heil. Wegzehrung und die h. Delung, und antwortete noch mit wahrem Herzenstroste auf alle Gebete, das machte, daß ich meinem Todestage mit Ruhe entgegen sah, und öfter wiederholte: Ich wünsche aufgelöst zu werden, um bei Christo zu sein*). So lebte ich in Vereinigung mit meinem Gott. Am Tage der Oc= tav des Frohnleichnamsfestes kam der Krankenwärter zu mir und sagte: Nun, mein Bruder! wir leben noch und sind noch nicht gestorben, wie du es geglaubt und gesagt haft. Ich versicherte mit Festigkeit, daß ich an demselben Tage sterben werde. Beim Weggehen traf der Krankenwärter seinen Genossen, zu welchem er sprach: Aloysius verharret in seinem Glauben, daß er noch heute sterben soll, und doch scheint er mir wohler, als die vorhergehenden Tage. Ein anderer Pater besuchte mich, und sagte zu mir: Bruder Aloysius, du sagtest, daß du diese Octav sterben würdest; heute ist schon der letzte Tag, und es scheint mir, als befindest du dich besser und wir dürfen hoffen, daß du noch länger bei uns bleiben werdest. Ich sagte ihm dann *) Cep. 210. -- - 272 ganz ruhig darauf: Der Tag ist noch nicht beendet. Diese Nacht werde ich sterben. Das wiederholte ich dreimal. Gegen Mittag bat Sie ich nochmals um die heil. Wegzehrung. verstanden mich nicht, ich mußte also, da mich meine Sehnsucht antrieb, nochmals rufen: Nicht die heil. Delung, sondern die heil. Wegzehrung. Gegen 6 Uhr Abends besuchte mich der P. Lambertini, der aus dem Noviciate gekommen war, da bat ich ihn, er möchte den P. Rector dahin zu vermögen suchen, mir die H. Wegzehrung zu reichen; dieß geschah. Er betete mit mir die Litanci des heil. Sakramentes, auf welche ich noch vernehmlich antwortete, dann dankte ich dem guten Pater mit einer lächelnden Miene und großer Zufriedenheit, endlich trat der P. Rector mit der H. Wegzehrung ein; dieß vermehrte meine Freude. Ich communicirte mit größter Andacht und Inbrunst, und hatte dabei die feste Ueberzeugung, daß ich mich auch sehr bald in meinem Gott erfreuen und Ihn im Himmel werde von Angesicht zu Angesicht sehen können. Alle Anwesenden weinten, als der Priester die Worte sprach, die mir so viele Freuden machten: Empfange, Bruder, die h. - - - 22 by 5204 Goha 273 Wegzehrung unsers Herrn Jesu Chrifti! O Philothea, liebe, diene, lobpreise deinen Heiland in Liebe, so ist Er gewiß auch dein Helfer in der Noth, und verläßt dich in der Todesstunde nicht. - Ph. Gott sei gepriesen für deine liebliche und bewegende Aufforderung. Du sollst an mir keinen tauben Zuhörer gehabt haben. Ich werde deine Mahnung wohl und oft beherzigen, und von Gott erwarte ich auf deine Fürbitte den nöthigen Beistand, um dir nachfolgen zu können. XXXV. Willst du ausharren in deinem Streben nach wahrer Glückseligkeit, so liebe die Mutter Gottes. Ph. So lange ich dich gleichsam reden höre, bin ich fest entschlossen, ein engelreines gottgefälliges Leben zu führen. Bald jedoch fühle ich mich wieder so schwach, daß ich glaube, nicht ausharren zu können. Al. Verzage deßwegen nicht, Gott läßt dich über deine Kräfte nicht versuchen und prü-. fen. Komme mit mir, ich will dich zu der führen, die mich geleitet, beschüßet und ge18 274 tröstet hat, ſo lange ich in dem vergänglichen verführerischen Jammerthale gelebt und mein Heil mit Furcht und Zittern gewirkt habe. - *) Cep. 89. - Ph. Wer ist denn jene, zu der du mich führen willst? A 1. Es ist jene, welche die Königin aller Heiligen war, ist und sein wird, die ich so oft begrüßte und zu der ich so oft sagte: Königin der Jungfrauen! Du Zuflucht der Sünder! bitte für mich. Nämlich: die H. Maria, die Mutter Gottes war meine Helferin in jeder Noth.- Als ich den Entschluß gefaßt hatte, in einen Orden einzutreten, so wandte ich mich zur Mutter Gottes*). Ich war 15 Jahr alt, ( 1583), und empfing am Tage der Himmelfahrt Maria in der Absicht die heil. Communion, um durch die Fürsprache der seligsten Jungfrau Maria die Erkenntniß zu erlangen, in welchen Orden ich treten und Gott dienen sollte. Da war mir, als wenn ich eine Stimme deutlich vernähme, ich soll in die Gesellschaft Jesu eintreten, und darüber mit meinem Beichtvater S 5307 50 y Lo 275 reden. Ich folgte diesen inneren Einsprechungen. Ich redete auch mit großer Freude von meiner himmlischen Mutter zu Florenz zu den jüngeren Mitgliedern der Bruderschaft der h. Jungfrau und pries die Vorzüge dieser Mutter und auch die Kraft ihrer Fürbitte.- Du haft auch nie Ursache zu verzagen, du hast die Mutter Gottes. Sie ist die Mutter der Barmherzigkeit, die Schaßmeisterin der himmlischen Reichthümer, die Thür des Paradieses. Liebe daher diese Mutter mit der ganzen Fähigkeit deines Herzens, mit der ganzen Neigung deiner Seele, sie ist die Freude Desjenigen, Der dir Alles durch sie gibt. Liebe sie daher wirklich. JIST? Willst du sie wahrhaft lieben, und eine wahre kindliche Andacht zu ihr erlangen, so bemühe dich aus ganzem Herzen ihre Tugenden nachzuahmen, denn dieß ist die größte Huldigung, die du ihr erweisen kannst. Du mußt daher, meine Philothea, schamhaft, demüthig und sittsam sein, wie die Jungfrau es war. Bewundere doch nicht das Wunder gedanken*) Cep. 183. 18* B 276 los, welches mit den Worten ausgesprochen ist, daß die heil. Maria ein Mensch, die Mutter Gottes ist, daß ihr der eingeborne Sohn Gottes unterthänig und gehorsam war; wisse vielmehr, daß eine jede keusche und züchtige Seele, welche ihre Reinheit und Unschuld bewahrt, die ewige Weisheit in sich aufnimmt, von Gott und Seiner Gnade nach dem Beispiele der Königin der Jungfrauen erfüllt wird. Des heil. Ambrosius Lehre merke dir. Bedenke, daß Maria ihre Freude in der Einsamkeit hatte. Sie war den Anblick des Menschen so wenig gewohnt, daß sie bei dem Anblicke des Engels erschrack. Sieh', so sind alle zarten unschuldigen Seelen; sie sind immer furchtsam, niemals sicherheitsvoll; sie zittern nicht selten für ihr engelreines Herz, wo nichts zu fürchten ist. Sie fürchten überall Gefahren und scheuen die Beleidigungen weniger als die Gefahren, weniger das, was mißfällt, als was gefällt, weniger das, was abstößt, als was anzieht. Der heil. Bernhard redet im gleichen Sinne: Sei daher demüthig, sei keusch, sei einsam. Vergiß nicht, daß die Himmelskönigin für dich bitten wird, wenn sie dich beeifert sieht, 277 ihrem geliebten Sohne zu gefallen; und ihrem göttlichen Sohne wirst du gefallen, wenn Er dich Seiner Mutter ähnlich sieht, die Er Sich Selbst gewählt hat. Ph. Ich will mich wahrhaft bemühen, Alles aufzubieten, um jenen nachzuahmen, die Mariens Lob in Wort und That beständig verkündigen.Roches Al. Hier habe ich dich nur noch vor etwas zu warnen, was dich leicht irre führen könnte. Richte dich nie nach denen, die für Alles entflammt sind, was die bloß äußere Verehrung Mariens betrifft, die du beschäftiget und bereitet stehst, Alles aufzuopfern, wo es sich darum handelt, ihre Altäre mit Blumen und Kränzen zu schmücken. Die ihr Heil für gefährdet halten, wenn sie nicht lange Gebete hersagen, und an allen zu ihrer Ehre eingesetzten Verbindungen Theil nehmen können. Sie bilden sich ein, Alles für Maria gethan zu haben, wenn sie ihre Herrlichkeit über die Chöre der Engel erheben, wenn sie ihre Demuth, Keuschheit und Sittsamkeit gepriesen haben, unnüße Lobsprüche, die sie nicht in den Himmel bringen, sondern verurtheilen werden. Höre, was - - 278 über diese Thoren, die ihren Gottesdienst in bloße äußerliche Formen segen, der Prophet im Namen Gottes redete: Weh' euch, in deren Fasten sich nicht mein Wille, sondern der eurige zeigt; denn ich verabscheue euren Gehorsam, kenne die Gebete und ich kann sie kaum erdulden. Isaias 58, 2.- - -- Laß daher, meine Philothea, Andern ihre unnützen Andachten, von denen ihr Herz nichts weiß. Daher ermüden sie auch gar bald, und werfen zulegt Alles weg, und laufen auf den Weg der Gottlosigkeit viel schneller, als die beständig Gottlosen. Ihre Werke sind unnütze Werke, ihre Gedanken sind unnüße Gedanken, Verwüstung und Verderben ist auf ihren Wegen. Is. 59, 7. Ihre oberflächliche Frömmigkeit wird ste nie schüßen, sie werden durch ihren eigenen Mund gerichtet werden, und Maria, welche sie gelobet haben, wird sie durch ihr Beispiel, das sie vernachlässiget haben, verurtheilen.-Liebe, meine Philothea, liebe das Stillschweigen, bewahre deine Lippen, und schließe mit deinen Augen einen Bund, unterdrücke die bösen Neigungen deines Herzens. Wenn du nichtbefohlene Werke thun willst, May 12 d boy by G C G C 279 frage dich früher, ob du die befohlenen schon gethan, und die nothwendigen nicht unterlassen haft. Thue, was dir Jesus Christus gesagt hat, so wirst du erlangen, was Er verheiBen hat. Denke einmal an die Weltkinder. Wovon reden sie gar so gerne? Womit rühmen sich so Viele mit Herzensfreude? Sie reden von ihrer hohen Geburt, den Verdiensten der Ahnen, ihren Adelstiteln, ihren Auszeichnungen und großen Bekanntschaften. Wie könntest du über Marien stumm bleiben als ein geliebtes Kind der Königin des Himmels und der Erde. Das erwog ich oft. Ich rühmte mich nie meiner vornehmen Abkunft, meiner Ahnen, meiner Verdienste. Meine Freude war, daß ich Gott zum Vater und Maria zur Mutter hatte. - Wenn du Maria liebst, so wird ihr Name oft auf deinen Lippen und immer in deinem Herzen sein, das um so mehr, da in diesem Namen eine besondere Kraft liegt, wie es die Geschichte lehrt, und ich es selbst schon oft erfahren habe. Dieser Name erfreut die heil. Engel, erschreckt den Teufel. Er sei dir mit dem Namen Jesu die kräftigste Waffe gegen die Gol 280 Feinde des Heiles. Besonders kräftig ist dieser Name in den Kämpfen, die dir die Welt und deine eigenen Begierden bereiten. In einem solchen Kampfe rufe sie an, und sie wird gegen dein Flehen nicht unempfindlich sein. Erwäge östers, daß sie dich geboren hat. Die göttliche Mutter hat dich auf dem Berge Golgotha, am Fuße des Kreuzes unter Schmerzen und Thränen geboren. Vergiß nie die Schmerzen dieser deiner Mutter. In heftigen Versuchungen, wenn deine Kräfte beinahe gebrochen sind, wenn deine Füße straucheln, wenn das böse Beispiel oder die Hiße der Jugend dich drängen, gedenke in deiner Seele, und vergiß nicht die Schmerzen deiner guten Mutter. Stehst du im Begriffe einzuwilligen in die Sünde, so wiederhole die Schmerzen, die Alengsten, mit denen deine geistliche Mutter dich geboren hat zum ewigen Leben.- - Bh. Wie glücklich machtest du mich durch deine liebevollen Ermahnungen, ich könnte deine salbungsreichen Worte fort und fort hören, o! dann würde ich gewiß bald stärker und vollkommener sein. A1. Wenn du auch meine Stimme nicht 2 033 281 hörest, so lies das, was ich dir angezeigt habe. Besprich dich öfters mit reinen Seelen, die sich vereinten, um sich wechselseitig zu ermuntern. und zu ermuthigen. Ph. Diese Vereine zu einem so erhabenen Zwecke kennt man ja jetzt gar nicht mehr. Man fürchtet sich vor diesen Vereinen, sonst blühte gewiß schon einer, um jenem die ganze Christenheit zu verschlingen drohenden Laster der Sinnlichkeit und des damit verbundenen Unglaubens und der Gleichgültigkeit gegen alles Heilige zu steuern. Denn was ist wohl daran Schlechtes, wenn mehrere sich Folgendes in der Gegenwart Gottes vornehmen: Wir wollen, so lange wir leben, Gott mit besonderer Liebe und treuem Eifer dienen, und das nach dem Tugendbeispiele eines Heiligen. Ganz be sonders wollen wir uns zum Gesetze machen, alle Gedanken, Begierden, Blick und die äußerlichen Sinne überhaupt im Zaume halten. Nichts wollen wir daher vorwißig ansehen, und ganz besonders für ein reines Herz sorgen; daher uns sobald wie möglich einem marianischen Bunde einverleiben lassen. Wir wollen uns alle ehrbar und anständig, mit christ- - Team 282 licher und jungfräulicher Bescheidenheit und Ehrbarkeit kleiden.- Wir wollen alle gefährlichen und bösen Gelegenheiten meiden, als: den Tanzboden und auch die Theater nicht besuchen u. s. w. Täglich wollen wir 3 Ave- Maria beten, und täglich die Vorsäße erneuern, besonders dem Heiligen nachzufolgen, und das in der Reinigkeit, in der Liebe zu Gott und zarten kindlichen Verehrung der Königin der Jungfrauen. Ein jeder, welcher das betrachtet, findet doch ganz gewiß nichts Anstößiges. Selbst der Ungläubige wird bekennen müssen, daß dadurch gewiß viel bezweckt werden könnte, wenn das Bezeichnete genau und im Geiste der Wahrheit befolgt werden würde. Alle Vorgesetzten würden sogar auffordern dazu, und keinem fiele es ein, eine mit dem zeitlichen und ewigen Wohle der Einzelnen und Gesammten so enge verbundene Verbrüderung zu hindern. Al. Meine Philothea, habe Mitleiden mit solchen, welche in den Verbindungen, die durch Eigennuß begründet, zur Befriedigung des Geizes erhalten, zur Verarmung und Entsittlichung dermaßen befördert werden, nichts ech 283 Schlechtes finden, und denke, sie wissen nicht was sie thun. Bete für sie, daß sie Gott von jedem Vorurtheile befreie und ihnen die Zeit gebe, daß sie es überdenken können, was das sagen will: Wir sind auf der Erde, um uns zu heiligen und dadurch das Himmelreich zu erobern, nicht aber bloß um reich zu werden. Sie verdienen auch alle Nachsicht; denn nie haben sie noch eine richtige Erkenntniß von den erhabenen Segensfrüchten einer solchen rein geistigen Vereinigung gleichgesinnter Seelen erlangt. Was sie davon erfuhren, waren nur Entstellungen, Entartungen, waren nur durch eine wachsame gesetzliche Macht abzustellende Mißbräuche; daher kam ihr Urtheil herüber, daher auch ihre Handlungsweise. Ph. Du sagst die Wahrheit. So ist es, darum laß uns im Gebete vereint den Herrn anflehen, und ewig die Ehre Seiner Heiligen vertheidigen, und laß uns inständig bitten, daß Er die erleuchte, denen Er die Schäße Seiner Liebe schon oft angeboten hat, die aber die Huld noch nicht verstanden haben. - -- Cook 284 XXXVI. Aufforderung zur AloysiAndacht. 0100355 CHIGOA Ph. Ich habe oft schon gelesen, daß du befonders denen beistehest, welche im Zweifel sind wegen ihrer Standeswahl. Al. Du hast vielleicht von Caspar Aicha gehört? Ph. Ja. Der war ein verlassener Jüngling und hatte ganz besondere Gnadengaben. Er war lange unschlüssig, wo er am sichersten sein Heil wirken könnte. In dieser groBen Herzensangst wandte er sich, wie ich las, zu dir, o heil. Aloysius, den er schon eine geraume Zeit findlich ehrte, und flehte, du wollest ihm die Gnade des Rathes erflehen. Er flehte nicht lange, so erkannte er auf außerordentliche Weise das Schicksal seiner verstorbenen Freunde, die sich durch ihre Gedankenlosigkeit und ihren jugendlichen Leichtsinn der ewigen Verdammniß schuldig gemacht haben. Diese Mittheilung machte den Jüngling so entschieden ernst, daß er keinen Augenblick mehr Anstand, in einem Orden sein Heil zu wirken. Noch mehr als bei diesem - may 60 285 sah ich deine liebreiche Theilnahme an dem Wohle der Menschen, in einer andern Begebenheit, die sich im Leben des Markgrafen Cajetan Franz zutrug. Als derselbe in Betreff der Standeswahl unschlüssig war, so las er deine Lebensgeschichte. Dadurch war er von der Liebe zu dir dergestalt entzündet, daß er sich alsogleich entschloß, dir nachzufolgen. Was er sich vorgenommen hatte, führte er auch wirklich aus. So verdankte der sterbende Karl Pau dir seinen Beruf, der am Todtenbette rief( 1621 zu Gent in Flandern): O wie gut, wie heilig ist der Patron der Gesellschaft Jesu im Himmel! Das Alles bewegt auch mich, dich, o liebreicher Jüngling! zu bitten, auf daß du meiner nicht vergißt. Jetzt erst kann ich es recht begreifen, wie der Papst Clemens VII. bei den Erzählungen von deinem Leben ausrufen konnte: O wie glücklich ist er! er ist im Bestze der ewigen Seligkeit! Ich habe schon oft gedacht, wie es möglich geworden ist, so vielen Gefahren zu entgehen, seiner Wachsamkeit müssen wir es wohl zuschreiben; ste hat ihn beschützt und geheiligt. Seine Heiligkeit hat den Frieden in seiner Familie erhalten. - 286 Sie hat an ihm einen mächtigen Fürsprecher im Himmel. 1 MONCH - *) Cep. 333. **) Cep. 225. Al. Gott ist gut, o liebe Philothea, und hat mein Gebet schon oft und oft erhört, und so manche Wohlthat den Bedrängten erwiesen, die viele zur Gottseligkeit antreibt und zu Gott führt. So wurde meine Mutter selbst. auf meine Fürbitte gesund, als sie im Jahre 1593 schwer krank war. Besonders viele Gnaden und Segen empfing ein Schneider durch meine Fürbitte*). Anton Urbian aus Siena, sechzehn Jahre alt, ein Schneider**), litt sehr an heftigen Kopfschmerzen und hatte dabei einen beständigen bösartigen Ausfluß; sein Gesicht war aufgeschwollen und seine Augen so angegriffen, daß er weder die Luft noch das Licht ertragen konnte. Zu diesem Uebel kam noch ein Fieber, welches ihn nöthigte, sich zu Bette zu legen. Sein Leiden dauerte schon einen Monat, als am linken Auge eine Geschwulst entstand, welche dasselbe ganz überzog, und WE G 287 nun konnte er auf dem Auge nichts mehr sehen. Sein Zustand wurde immer schlimmer, und es war zu befürchten, daß der Kranke auch das andere Auge verlieren möchte. Ein Arzt versuchte zweimal, ihm zu helfen, bemerkte aber, daß es nur schlimmer wurde, und wollte noch andere Mittel anwenden; doch diese gebrauchte man nicht, und der Arzi kam nicht mehr zu dem Kranken. Seine Schmerzen an beiden Augen vermehrten sich, und das Uebel dauerte fort, so, daß ihm keine Hoffnung der Genesung übrig blieb. Dieser Kranke hatte einen Töpfer zum heim, welcher einst zufällig ein Kind mit meinem Bildnisse sah. Der Töpfer fragte einen seiner Gefährten, was das für ein Heiliger ſei. Dieser erzählte ihm mehrere Wunder auf meine Fürbitte, und forderte ihn auf, mir seinen Neffen im Gebete zu empfehlen. Dieser Anverwandte befahl deßhalb seiner Schwester, das Bildniß unverzüglich zum Kranken zu bringen und ihn zu veranlas sen, sich meiner Fürbitte zu empfehlen. Bei Ausführung dieses Auftrags war sie fest überzeugt, daß dem Kranken durch meine - M - 288 Fürbitte geholfen, und hoffte sogar, daß er noch in der nächsten Nacht genesen würde. Es war schon spät, aber die Frau trug so fort das Bild zum Kranken. Sie erzählte ihm die Wunder, welche Gott auf meine Fürbitte wirkte, und forderte ihn auf, eine Art Gelübde zu thun. Anton empfing das Bild mit Verehrung und in demselben Augenblicke gewann er die Hoffnung zu genesen. Er kniete auf sein Bett nieder, und mit dem Bilde in der Hand versprach er fünf Vater unser und fünf Ave Maria zu Ehren des Heiligen auf dem Bilde zu beten, wofern er durch seine Fürbitte den Gebrauch des Gesichtes wieder erlange.- Sogleich betete er dieß im festen Vertrauen auf meine Fürbitte und machte drei Mal das Kreuz auf seine Augen; hierauf legte er sich wieder nieder und schlief ein. Morgens gegen fünf Uhr träumte er, daß er geheilt sei und an seine Arbeit gehen könne. Als er erwachte und keinen Schmerz an den Augen mehr fühlte, glaubte er wirklich, er sei geheilt; da es aber noch sinster war, konnte er sich dessen nicht vollkommen überzeugen; er rief seinen Oheim und sagte zu ihm:„ Ich - ^ 289 glaube, daß ich genesen bin, denn ich fühle keinen Schmerz mehr an meinen Augen, und ich kann sie ohne Mühe öffnen."- Als es Tag geworden, trat die Tante ins Zimmer, und als Anton das Licht wieder erblickte, schrie er ganz außer sich: Tante, ich sehe, ich sehe, ich bin geheilt." Bei diesen Worten trat ste 11 und ihr Bruder näher zum Bette, und beide fanden seine Augen vollkommen hergestellt; die gewöhnliche Flüssigkeit und Hiße hatte sich verloren, und die Geschwulst war beinahe verschwunden. Die guten Leute dankten sogleich aus ganzem Herzen dem Herrn und mir für diese große Gnade. Anton, der früher weder die Luft, noch das Licht vertragen konnte, stand sogleich auf und ging in die h. Messe.- Hierauf begab er sich wieder an seine Arbeit, und übte wie früher sein Schneiderhandwerk. Ueber dieses Wunder wurde vor dem Gerichtshofe des Erzbischofs*) von Siena verhandelt, wobei die Aerzte eidlich erklärten, daß diese Heilung übernatürlich und göttlich sei. . ME Johann Justiniani, ein vornehmer Genuese, ſpäter Jeſuit, wurde den 3. Juni 1605 in Rom *) Cep. 236. 19 Gichae 290 so krank, daß die Aerzte seine letzte Stunde schon anzeigten, und man ihm die h. Sakramente in aller Gile reichte. Am Abend fiel ihm ein, mich zu bitten, daß ich für ihn zu Gott um Gesundheit flehe. Dieß sein Gebet, welches er in der Kirche vor meinem Grabe verrichtete, verbunden mit dem Gelübde: Wenn ich gesund werde, so will ich täglich durch ein ganzes Jahr dieses dein Grab besuchen, 5 Vater unser mit den Ave Maria beten, und in deiner Kapelle eine silberne Denktafel zur Dankbarkeit aufhängen. Am Abende des nächsten Tages war er so schwach, daß der Arzt alle Hoffnung aufgab, selbst der Krankenwärter sagte: Bereiten sie sich so gut sie können, auf die heil. letzte Wegzehrung und die heil. Delung vor. Der Kranke erneuerte sein Gelübde; küßte meine Reliquien, die man ihm gereicht hatte, und machte damit auf den kranken Theil des Körpers das Kreuz. Augenblicklich ging ein Stein mit allen bösartigen Säften von ihm, und nach drei Tagen ging er schon zum Grabe und erfüllte sein Gelübde mit aller Treue, und bald darauf ging er spazieren. Den 21. Juni ließ er die silberne Votivtafel aufhängen. - - 291 Don Vincenz von Gonzaga, der Herzog von Mantua, wurde sehr schwer krank, und wurde, wie er selber an den Gesandten in Rom schrieb, auf meine Fürbitte gesund: „ Ich kann nicht umhin, Ihnen zu melden, wie ich schon die Wirkungen des Schußzes unseres seligen Anverwandten, Aloysius von Gonzaga erfahren habe. Auf meiner Rückreise wurde ich in Florenz von meinem gewöhnlichen Uebel am Knie befallen. Ich machte dem Heiligen fromme Versprechungen und verehrte die Reliquie( die er bei seiner Anwesenheit in Rom unter dem Papst Paul V. vom Markgrafen von Castiglien, Gesandten des Kaisers, erhielt), die ich von Euer Excellenz erhielt; sogleich nahmen die Schmerzen wunderbarer Weise ab, und das llebel verließ mich in derselben Stunde. Hier angekommen, erkrankte ich von Neuem, und zwar lebensgefährlich, ich erneuerte mein Gelübde, und ich kann nicht sagen, wie schnell auch diesmal das Uebel verschwand, und zu seiner Verherrlichung ist mir diese göttliche Gnade geworden, von welcher ich glaubte, Euer Excellenz sogleich in Kenntniß setzen zu müssen. Ich bitte Sie daher, 19* - 292 mich es sogleich wissen zu lassen, wenn der H. Vater genehmigt haben wird, daß man Altäre errichte, um unsern heiligen Anverwandten auch öffentlich verehren zu können, damit ich mein Versprechenerfüllen und bei meinen Unterthanen die Verehrung dieses Heiligen mehr und mehr verbreiten kann. XXXVII. Wunderbare Geschichte Wolfgangs von Asch, der sich besonders durch seine Verehrung des heil. Aloysius von Gonzaga auszeichnete. melthe Wolfgang von Asch, aus Landshut gebürtig, hatte sich während der Zeit seiner Studien zu München, im Jahre 1617 durch eine Verkühlung solches Augenleiden zugezogen, daß er zu studieren aufhören mußte, und kein Arzt ihm mehr helfen konnte. Endlich verlor er noch das ganze Gedächtniß; das dauerte schon steben Monate. Von aller menschlichen Hilfe auf Erde verlassen, wandte er sich am Feste Mariä Verkündigung zur Mutter Gottes und bat fie vor ihrem Bildnisse um Hilfe. In wenig Tagen war dem Wolfgang, als ob er vier Jesuiten sehe: nämlich den heil. Ignatius, den H. Franziskus Xaverius, mich und cok 0 293 den H. Stanislaus. Diese Erscheinung machte ihm ein wenig Hoffnung, die sich auch bald verwirklichte. Es kam zu der Zeit ein gewisser Lambergen aus Veltlin nach München, um dort fortzustudieren. Derselbe erzählte von meinem Bildnisse, das man in Veltlin ganz vorzüglich verehrte, und von dem Dele, welches in der vor dem Bilde brennenden Lampe ist, und bei Krankheiten vertrauungsvoll auf meine Fürbitte mit vielen Segnungen gebraucht worden ist. Der Professor, P. Spaiger, ließ sich von Lambergen ein solches Del geben, brachte es dem Wolfgang, und erzählte ihm das Gehörte. Dadurch ward sein Vertrauen so belebt, seine Hoffnung so stark, daß er sich schon im Voraus für gesund glaubte. Er empfing als Vorbereitung die h. Sakramente, dann bestrich er dreimal mit dem Dele seine Augen und Wolfgang war für immer gesund. In Gleichem erhielt er sein verlornes Gedächtniß wieder, und in kurzer Zeit wußte er meine Lebensgeschichte, wie sie Cepari beschrieben hat, ganz auswendig. Nun reiste er dreimal nach Rom zu meinem Grabe, um dort seine Dankbarkeit laut auszusprechen. Auf der ersten - - 294 Reise wurde er von einem ruchlosen Schwäher, der ein Chirurg war, und von Trient aus mit ihm ging, befreit, nachdem er mich um Hilfe angerufen hat. 11 Im Anfang September kam er nach Ferrara durch Bologna, wo ihn auf dem Weg sechs Räuber anfielen und ihm alles wegnahmen. Er rief aus dem innersten Herzensgrunde zu mir um Hilfe. Da wurde er durch den außerordentlichen Zuruf getröstet: ,, Sei ruhig, und fürchte nichts."" Was!" schrie Wolfgang, was, mein theurer Aloysius, wirst du mir in dieser dringenden Noth nicht helfen? Könntest du mich verlassen?" Er hörte abermals: 11 " Mein Sohn, du wirst nicht verlassen sein," und ich fragte ihm, mit Zulassung Gottes sichtbar neben ihn gehend: Brauchst du etwas." Wolfgang erkannte, daß diese Hilfe keine gewöhnliche sei, und sprach: Ich sehe wohl, o mein ehrwürdiger Vater, daß Ihr nicht von dieser Welt seid!"- Ich fragte ihn: Wo gehst du hin? Als er sagte, er gehe nach Rom, um die Uleberreste meines lieben Aloysius zu verehren, welchem ich nächst Gott zu verdanken habe, daß ich wieder sehe! sagte ich: Und - QCP 295 ich gehe auch nach Rom, wandte mich 6 dann zu den Räubern, die eben mit dem Einpacken des Gestohlenen beschäftigt waren, und rief: Seid ihr Christen! Diese Worte trieben fie in die Flucht. Von nun an begleitete ich ihn. Wir kamen bei einer Kapelle vorüber, in der allerlei Gemälde aus meinem Leben waren, auf die ich ihn aufmerksam machte. Einmal blieben wir in einem Gasthause, da kamen zwei Religiosen, die sich sehr leichtsinnig betrugen. Da nahte ich mich ihnen und sprach: Glaubt ihr denn, daß euer H. Patriarch und Ordensstifter sich so betragen hat, wie ihr; daß er in den Himmel aufgenommen worden wäre, wenn er so geistlos geredet hätte, wie ihr? Das genügte, die Ordensmänner zur Besinnung zu bringen. So kamen wir nach Rom. In Rom bei meinem Grabe nahm ich von meinem glücklichen Wolfgang Abschied. Wolfgang ging wieder nach Hause, und baute dort in seinem Schlosse eine Kapelle zu meiner Verehrung. Im Jahre 1631 trat er seine zweite Pilgerreise nach Rom an, und endlich kam er zu den Schweden, und Gustav Adolph, der - 296 König von Schweden, ließ ihn drei Jahre als Geißel im Gefängnisse schmachten, wo er schon für todt gehalten, dann aber auf meine Fürbitte gegen alles Vermuthen der Aerzte so schnell genas, daß der protestantische Gustav ausrief: Bei ihnen wird die Heilkunde mit den Aerzten zu Schanden, denn wir hielten Sie für todt; und er gestand selbst die übernatürliche Geneſung. Wolfgang legte als Greis das Zeugnis der Wahrheit schriftlich mit folgenden Worten ab: Ich Wolfgang von Asch, Domherr, Kirchenrrath u.s.w., bezeuge in Gegenwart Gottes, des ganzen himmlischen Hofes und der heil. Kirche, und beschwöre, daß dieß Alles nicht allein wahr sei, sondern daß ich noch Vieles hinzufügen könnte. Dieses Alles bestätige ich u. f. w.*) Das eigene Werk des P. Biedermann mit Gutheißung des Fürstbischofs von Freisingen, Adami 1640 aufgelegt, erzählt die Geschichte ausführlich. Im December 1620 wurde der Cardinal Horatius Lancelloti gefährlich frank; einige *) Boll. Tom, 4. Juni. p. 1078. 50 297 Tage darauf ging es viel besser mit ihm, aber er wurde wieder schlechter und verlor die Sprache. Man ließ seine Schwester Henriette kommen; auf das inständige Bitten des Bruders des Cardinals, fie möge dem Kranken doch durch meine bereits allbekannte mächtige Fürsprache die Gnade erslehen, wieder sprechen zu können, damit. er im Stande sei, wenigstens sein Testament zu machen, brachte Henriette die ganz Nacht im Gebete für ihn zu, und ließ ihn mit obbenanntem Dele falben. Kaum war dieß geschehen, so erlangte der Cardinal auch die Sprache wieder; am folgenden Morgen machte er sein Testament. Der Bruder erkannte es wohl, daß er diese Gnade ohne Zweifel meiner Fürbitte zu verdanken habe, und er gelobte, die Kapelle, welche er in der alten Kirche des römischen Collegiums zu errichten begonnen hatte, auch zu vollenden.- Dessen Sohn Scipio Lancelloti wurde auf Fürsprache meiner zwei Mal geheilt, und aus Dankbarkeit gegen seinen Wohlthäter gab er, als die alte Kirche abgetragen und folglich auch die Kapelle vernichtet wurde, welche sein Vater hatte erbauen lassen, die Summe 298 von fünftausend römischen Thalern her( etwa 10,000 Gulden C. M.), welche zur Errichtung einer schöneren und prächtigeren Kapelle in der neuerbauten Kirche angewendet wurde. Sein Sohn führte diesen Bau aus und fügte noch eine bedeutende Summe hinzu. Im Jubeljahre 1700 wurde sie beendet, und man bewundert sie noch heute in der Kirche des Heil. Ignatius zu Rom. - Ph. Auch ich will gerne und freudig mich an die Zahl jener anschließen, und mich bemühen einen Verein zu vergrößern, durch den den Menschen und besonders der Jugend so viele Wohlthaten zugeflossen sind. D heiliger Aloystus! bitte auch du bei Gott für uns, die wir einen guten Willen haben, damit uns Gott die Kraft und Ausdauer gebe, damit bald, recht bald unter deinem Schuße ein Verein blühe, der die Bewahrung jungfräulicher Unschuld und die Ehre Gottes zum Ziele hat, und der in heiliger Freude wie einst singe: Lied an den heil. Aloysius. Schönstes Vorbild jeder Tugend, sei, Aloysius, gegrüßt, der du schon in zarter Ju- coh Joy CO Chey 299 gend hoch begnadet worden bist. O wie glänzte seit der Taufe hell an dir der Unschuld Kleid! und im ganzen Lebenslaufe ward es nie von dir entweiht. - In der Kindheit Morgenröthe war kaum dein Verstand erwacht, suchtest du schon im Gebete dein Vergnügen Tag und Nacht. Steigend auf der Andacht Schwingen, fand dein Herz in Gott sein Ziel; nimmer war es abzubringen durch ein tändelnd Kinderspiel. Rein warst du, gleich deinem Engel, der dich treu geleitet hat, und beweintest kleine Mängel gleich der größten Missethat.- Ach, wie neßten heiße Thränen dir dein schmachtend Angesicht, als mit Gott dich zu versöhnen, du erschienst im Bußgericht.- Einem Seraph gleich, entzücket fandst du dich am Tische ein, wo uns Jesus Selbst beglücket, uns will Gast und Speise sein. O wie glühte dein Verlangen nach dem wahren Himmelsbrot, fromm und oft Ihn zu empfangen, deinen hier verborgnen Gott. Kindlich zart ward deine Liebe zu der Himmelskönigin, du gabst ihr aus reinstem Triebe dein Gelübd' zum Opfer hin, allzeit rein und logo BG 300 keusch zu leben, wie ihr Beispiel dir gezeigt. Du bleibst ihr als Sohn ergeben, ste als Mutter dir geneigt! 10199 - - Früh hast du den Kampf vollendet. Zu dem Lohne rief dich Gott, den Er Allen reichlich spendet, die getreu sind bis zum Tod.- Laßt mich, riefst du freudig, eilen, hin in's schöne Vaterhaus; nicht mehr mag ich hier verweilen; gern zieh ich von hinnen aus." Bitt für uns, wenn die Gefahren droh'n von Hölle, Welt und Fleisch, daß die Treue mir bewahren, daß wir bleiben fromm und keusch. Bitt', daß wir nur Gutes üben. Uns vor jeder Sünde scheu'n;- daß wir allzeit hier und drüben mögen Gottes Kinder sein. Bitt', daß wir der Sünden Menge, unfrer Seele wahren Tod, tilgen durch der Buße Strenge, wie es Jesus uns gebot; daß Er uns stets frei von Sünden, und zum Leben neu erweckt, möge an dem Tische finden, den Sein Allmachtswort gedeckt. Wenn auch wir zur Jungfrau flehen, wie du kindlich sromm gethan, nimmt auch sie, wie dir geschehen, mild sich unsrer Nöthen an. Vald vergeht dieß kurze Leben, und der Erde PROCTO 301 schnöder Tand. Ist es gut vollbracht, dann schweben wir hinauf in's Vaterland.- - Wo du stehst an Gottes Throne, in der Auserwählten Schaar, reicht der Herr auch uns die Krone, ste, die nimmer welket, dar, in der Engel hohen Weisen wollen wir, mit dir erfreut, den Dreieinigen dann preisen durch die ganze Ewigkeit. A 1. Ich will gewiß nicht unterlaffen zu bitten. Beherzige das Gefagte, nimm dir ernstlich vor, alle Jahre die alle Jahre die 6. Sonntage wenigstens zu halten, das Uebrige wird Gott gewiß geben. Es wird der hohe Werth der Unschuld wieder erkannt sein, und man wird bald wieder die Worte verstehen: Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen. Ph. Erslehe mir deinen Segen, ich will den Vorsatz zur Lebensbesserung machen, und dann handeln, wie ich gleich dir gelernt habe, übe die Betrachtung, die Andacht bei dem Gebete, und ganz besonders die brennende Liebe in der heil. Communion! Bringe du selbst meine Gebete und Werke dem Allerheiligsten dar, — 302 damit dadurch Gott verherrlichet, und ich heiliger werde. Amen. I. Sonntag. Betrachtung der Unschuld und Reinigkeit des heiligen Aloysius. O wie schön ist ein keusches Geschlecht! Unsterblich ist sein Andenken; denn er ist bei Gott und den Menschen anerkannt, und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinigfeit davon.( Weisheit 4-1.) Denke dir den lieblichen Jüngling Aloysius mit einem weißen Kleide angethan, und der schönen Lilie in der Hand, und als wenn er dir zuriefe: Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen. I. Punkt. Betrachte die hohen Vorzüge eines jungfräulichen und reinen Herzens. Die Unschuld stellt die Menschen den Engeln gleich; daher achteten sie sogar die Heiden, daher auch ihre großen Vorrechte selbst bei den Gottlosen. Gott selbst zeichnete die Unschuld aus. Maria 303 die seligste Jungfrau wählte er zur Braut des heil. Geistes, zur Mutter Seines eingebornen Sohnes, der Vorläufer Jesu Christi, Sein Nährvater, Seine Lieblingsjünger waren jungfräuliche Männer. Alles duldete Jesus unter Seinen Aposteln, nur keinen Unkeuschen. Die Unschuldigen sind die Nächsten bei dem Throne Christi, sie folgen dem Lamme allenthalben, und singen ein neues Lied, das sonst Niemand singen kann. Alles, was man hochschätzen mag, ist mit einer keuschen Seele nicht zu vergleichen; daher gaben so viele Jünglinge und Jungfrauen eher das Leben hin, bevor sie zugegeben hätten, daß ihre Seele oder ihr Leib befleckt worden wäre. - 11 II. Bunft. Obgleich Aloysius von Gott die außerordentliche Gabe besaß, von einer jeden Versuchung des Fleisches frei zu sein, so wandte er doch Alles an, um die Keuschheit zu bewahren. Er beherrschte seine Augen, daß er, wiewohl er mehrere Jahre am Hofe des Kaisers war, die Kaiserin nicht kannte. Er entfernte sich, als ein ergrauter Sünder - - 304 unehrbare Reden führte. Er mied die öffentlichen Unterhaltungen, und fasteite seinen Leib durch strenge Fasten; er liebte die Einsamkeit und das Stillschweigen; er war schüchtern vor den Menschen, vertraulich mit Gott, Den er nie vergaß, kindlich mit Maria, die er seine Mutter nannte, und einfältig ging er um mit seinem heil. Schußengel, den er zärtlich liebte. - Vorsäge. Ich nehme mir diese Woche ernstlich vor, östers allein zu bleiben, eine kleine Betrachtung über den Werth eines reinen Herzens anzustellen, und die Tagzeiten von der seligsten Jungfrau Maria öfters zu beten. Im Ausschlagen unehrbarer Gedanken will ich diese Woche besonders eifrig sein; mein Herz will ich besonders Aloysius übergeben, und bei der Gewissenserforschung mich ganz vorzüglich in Betreff der jungfräulichen Reinigkeit prüfen. Sollte ich so unglücklich sein, einer kleinen Unlauterkeit mich schuldig zu machen, so will ich mir eine besonders strenge Buße dafür auferlegen. Ich will den schönen Spruch dieser Woche oft wiederholen: Jugend und Tugend reimen - con 305 sich am besten zusammen; beide mit einander bilden einen irdischen Engel. Ich will über meine Sinne wachen, will beten und die Gelegenheit zur Sünde fliehen. Beispiel. Der heil. Aloysius zeichnete selbst folgende weise Lehre auf: Wenn du ein heftiges Verlangen nach einer Tugend in dir bemerkest, so rufe ganz besonders den Heiligen an, welcher in der Tugend ganz vorzüglich ausgezeichnet war. Denn so, wie derjenige, welcher einen Kriegsdienst bei einem irdischen Fürsten zu erlangen wünscht, denselben um so leichter bekommt, wenn er den General desselben zum Fürsprecher hat, eben so ist es auch mit der Erlangung der Tugenden. - Dieß zeigte sich besonders in einer Frau zu Parma. Dort lebte eine leichtsinnige Frau, welche ein sehr verworfenes Leben führte. Eines Tages hörte ste einen sehr seeleneifrigen Prediger, dessen Donnerstimme ihr Herz dergestalt erschütterte, daß sie voll Herzensangst den Entschluß faßte, eine reumüthige Beichte - 20 AGICH - 306 abzulegen und sich zu bessern. Sie kam richtig zum Beichtvater, der, wie natürlich, mit allem Ernste darauf bestand, alle sündhaften Verbindungen aufzugeben und ein besseres Leben zu führen; das jedoch vermochte sie nicht. Dazu hatte sie noch keinen Muth. Der Beichtvater verschob die Lossprechung von einer Woche auf die andere, allein vergebens. Endlich sagte er: Gehen sie zum Altare des heil. englischen Jünglings Aloystus, der ein so reines und unschuldiges Herz hatte, und bitten sie ihn, so gut sie können, er wolle ihnen für ihr so verunreinigtes Herz nur ein wenig von seiner Reinigkeit erflehen, und wenn ste diese Guade erlangen, so versprechen sie ihm zur Dankbarkeit mit einem recht einfältigen Her zen für die gewährte Bitte ein silbernes Herz bei seinem Altare zu opfern und am Vorabende seines Festes zu fasten. Die arme Sünderin nahm diesen Vorschlag an. Unter häufigen Thränen legte sie das Gelübde vor dem Bildnisse des Heiligen ab.- Kaum hatte sie den Rath des guten Beichtvaters befolgt, als sie sich angetrieben fühlte, alsogleich zu ihrem Beichtvater zurückzueilen, um ihm zu erzählen, con 59 307 was sie in ihrem Herzen empfand. Als ste vor dem Beichtvater kniete, sprach sie: Guer Hochwürden, ich befolgte ihren Rath so gut ich konnte. Nachdem ich das vor dem Altare ausgesprochen hatte, was ich sagen sollte, so fühlte ich auf einmal eine gar merkwürdige Veränderung in meinem Innern. Ich kann jetzt ohne Zittern und Abscheu gar nicht mehr an meine früheren Verbindungen denken, die ich doch früher um die ganze Welt nicht aufgegeben hätte. Das verdankte ich Niemand als der mächtigen Fürbitte des Heil. Aloysius. Alsogleich erfüllte sie ihr Gelübde, und mit Thränen der Freude hängte sie ohne Verzug Sie daß silberne Herz beim Altare auf.- fing ein ernstes Büßerleben an, zog sich in die Einsamkeit zurück, fasteite ihren Körper durch Fasten und den Bußgürtel, und von dieser strengen Lebensweise war nichts im Stande, sie abzubringen. Nach dem Verlaufe von 6 Monaten legte sie eine Generalbeichte ab, hatte keinen andern Wunsch, alsbald zu sterben, um nicht mehr in die alten Sünden züruck zu fallen. Zur Dankbarkeit ließ sie das heil. Meßopfer zur Ehre des heil. Aloysius 20* v 155580 G - G 308 aufopfern. Da die heil. Messe gelesen wurde, war sie zu Hause und ohne etwas zu wissen, daß gerade um diese Zeit die heil. Messe aufgeopfert werde, bat sie zur selben Stunde um eben diese Gnade, um die der Priester bei der heil. Messe bat. Als die heil. Messe zu Ende war, wurde sie schwer krank, und verlangte die heil. Sakramente, um sich auf den Tod würdig vorzubereiten, wiewohl die herbeigerufenen Aerzte versicherten, es sei bei ihr nicht im Geringsten eine Todesgefahr.- Nach dem Empfange der heil. Sakramente ließ sie ihre Mutter und ihre Hausgenossen kommen, um von ihnen Abschied zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit sprach sie: Ich bitte euch nur noch um Eines, bevor ich sterbe. Verzeihet mir alle meine Fehler und Vergehungen, womit ich euch geärgert habe, und denket nicht an die Sünderin, sondern an die Büßerin. Alle brachen bei diesen Worten in lautes Schluchzen aus. Die gute Büßerin starb nach wenigen Tagen mit dem festesten Vertrauen auf die Verdienste Jesu Christi. Ihr Leichnam wurde in die Kirche gebracht; viele Menschen näherten sich, um das Kreuz, - - GO 309 welches die Verstorbene in Händen hatte, zu küssen. Unter andern kam auch einer, mit dem sie früher in naher Verbindung stand. Auch er nahte sich der Leiche; während er sie küßen wollte, so kam ihm ein ganzer Guß faulen Blutes in das Gesicht, und er mußte das Gericht Gottes anbeten, und bekennen: Ich verblendeter Sünder bin nichts anders werth*). - Gebet. O Gott, du Liebhaber der Reinigkeit, der du nicht bloß die Werke richtest, sondern auch die Herzen prüfest, laß nicht zu, daß ich dich je durch einen unerlaubten Gedanken beleidige. Dir opfere ich meinen Leib und meine Seele durch die jungfräulichen Hände der allerreinsten Jungfrau, die meine Schußfrau ist, und durch die Fürbitte des englischen Jünglings Aloysius, den ich zu meinem Patron erwählt habe. Sei mein Schutz und Schirm und meine Hilfe, so lange ich in diesem schwachen Fleische wandle, damit ich einst nach einem unbefleckten Leben das neue Lied singe, das nur die Reinen singen können. Amen. *) Boll. Tom. 4. Juni. pag. 1052. 310 - Grundsäße des heil. Aloysius. Je länger wir auf dieser Welt leben, desto mehr wächst die Ungewißheit des ewigen Heiles! denn wir müssen sehr besorgen, daß die Engel, welche jetzt noch für uns fürsprechen, und bei Gott sind, wegen den noch zu begehenden Sünden unsere Ankläger werden. Fällt man auch nur in eine kleine Sünde, so wende man sich schnell zu Gott, flehe um Verzeihung derselben und um die Gnade, sie nicht mehr zu begehen. - II. Sonntag. Liebe zum allerheiligsten Sakramente. Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und Mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Denke dir den heil. Aloysius, wie er mit glühender Liebe, gefalteten Händen, mit auf das Hochwürdigste geheftetem Auge von heiliger Sehnsucht erfüllt, vor dem Altare kniet, und sich mit seinem Heilande vertraulich unterhält. 1. Punkt. I. Den der Herr an den Ort versetzt hat, wo Er ihn nähret, dem wird nie etwas fehlen. con 56 Joy 311 Bedenke: daß Gottes Sohn Selbst den Himmel verläßt, um Sich unter den Gestalten des Brotes und Weines zu verbergen. Er bietet Sein jungfräuliches Fleisch und Sein unschuldiges Blut dir zur Speise an. Sein Fleisch ist eine wahre Speise, Sein Blut ist wahrhaft ein Trank; wer davon ißt, der wird ewig leben. Ein schreckliches Mal. Wer bist du, und wer ist Der, Den du empfangen willst? Ein armes und hilfloses, sündhaftes, leichtsinniges, gedankenloses Geschöpf bist du. Und er ist reich an allen Gütern, der Herr aller Geschöpfe, der Heiligste, ja Gott der Lebendigen und Todten. Prüfe dich selbst, bevor du von diesem Brote ißest und aus diesem Kelche trinkest, damit du dich nicht Seines Gerichtes schuldig macheft; dann nahe dich Ihm mit Vertrauen; folge Seiner Einladung, denn Er wird dich erquicken. O Herr! Ich bin nicht würdig, daß Du unter mein Dach eingehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund sein! II. unft. -- - Der heil. Aloysius erkannte die Heiligkeit des großen Sakramentes, er verstand die große TIN 312 Liebe, die Gott in demselben bekannt machte, er sah wohl ein, wie der Geist beschaffen sein muß, wenn er seinen Heiland empfangen will. Er floh daher jede Sünde, er schmückte vor jeder heil. Communion sein Herz mit dem lebendigen Glauben an die Gegenwart in dem allerheiligsten Sakramente, er stärkte seine Hoffnung auf seinen Heiland und seine Worte, und entzündete durch sein anhaltendes Gebet und Betrachtung seine Liebe zu Jesu.- Am liebsten redete er von diesem Liebesmahle, gerne unterhielt er sich mit diesem freundlichen göttlichen Gaste, und um immer mit Ihm vereint zu bleiben, empfing er die heil. Communion sehr oft geistlicher Weise, besuchte seinen Erlöser stundenlang in dem Hochwürdigsten. Er diente bei der heil. Messe und wohnte derselben bei, sein Lieblingsgegenstand, und die wahre Demuth verkündigte er in seinem ganzen Benehmen. Die Nächstenliebe besaß er im vollen Maße, und so nahte er sich Dem, Der uns so sehr geliebt hatte. O himmlischer Seraphim, eben so sehnsuchtsvoll wie du, möchte ich das Osterlamm genießen, erflehe mir nur deine feurige Liebe zu meinem verborgenen Gott. - S 313 Vorsäge. In dieser Woche werde ich Früh und Abends nur mit gegen das Hochwürdigste gewandtem Gesichte beten, und meinen in dem hochheiligen Sakramente verborgenen Gott in einer Kirche knieend und mit brennender Liebe begrüßen und anbeten. Werde ich dann meinen Heiland in der Kirche besuchen, die ihm gefälligen Tugenden erwecken, und ihn oft geistlicher Weise empfangen, dem heil. Meßopfer besonders andächtig beiwohnen. Will ich keine Gelegenheit unterlassen, das hochwürdigste Gut auch in der heil. Hostie anzubeten, zum Kranken begleiten, dem heil. Segen beiwohnen, und mich besleißen so zu leben, daß ich das hochwürdigste Gut öfters empfangen kann.- - Rajes - Beispiel. Wie sehr die Andacht zum allerheiligsten Sakramente des Altars die Liebe des h. Aloy= stus gewähre, beweiset folgende beglaubigte Geschichte. Zu Tivoli lebte eine Dienerin Gottes, mit Namen Arsilia. Diese fromme Dienerin 314 Gottes bereitete sich einmal vor dem Altare des heil. Aloysius auf die heil. Communion vor. Als sie das Bildniß des Heiligen ansah, dachte sie dabei, wie viele Thränen der Heilige beim Empfange der heil. Sakramente allezeit vergossen haben wird, und bat dabei inständig, er wolle ihr einen Theil jener Neue zukommen lassen, welche er ganz besonders bei der ersten heil. Communion gehabt hat. Sie bat aber nicht lange, als sie eine so gewaltige Reue über ihre begangenen Sünden empfand, daß sie meinte, das Herz werde ihr vor Schmerz zerspringen. In diesem überaus großen Schmerz rief fie: Es ist genug, mein lieber Heiliger! es ist genug! Da war ihr aber, als hörte sie die Worte: Für deine Sünden genügt dieſe Reue noch nicht, und ihre Reue und Schmerz wurde noch heftiger, so daß sie kraftlos, wie todt zur Erde niederfiel. Nach einer Zeit kam es ihr vor, als sähe sie den heil. Aloysius, wie er ihr mit dem Dele aus der Lampe den Puls salbe, sie erholte sich darauf und kam ganz zu sich. Von dieser Zeit an weinte sie unaufhörlich. In diesem beispiellosen Schmerz tröstete sie der heil. Aloysius auf sehr wahrnehmbare - Moy 315 Weise, und ermahnte fie, fie möchte von dem Bußgeiste nicht ablassen, und erinnerte sie an die Leiden der armen Seelen im Fegefeuer, und die Peinen der Verdammten, und sprach: Sieh, was diese wegen ihren Sünden leiden! wie verschwinden deine Schmerzen im Vergleich mit den ihrigen. Diese Worte belebten ihren Bußgeist in einer Weise, daß sie nichts sehnlicher verlangte, als zu leiden; diesen Bußgeist erflehte sie auch für andere. So war zur selben Zeit ein Mensch schon das 33. Jahr in den fürchterlichsten Lastern begraben, ohne an eine Buße zu denken. Arsilia hörte das, und wandte sich alsogleich zu ihrem heil. Schuppatron. Der Heilige erhörte ihr Flehen, und erflehte diesem unglücklichen erblindeten Sünder und seinen Genossen die deutliche Anschauung des ariseligen Zustandes solcher Sünder. Es war ihnen nämlich, als wenn sie von einer unsichtbaren Hand unter dem Hohngelächter der verworfenen Geister ergriffen und fortgerissen würden. Da ste einander das Erkannte erzählten, ergriff sie eine solche Herzensangst und eine solche Reue, daß sie alsogleich ihre sündhaften Verbindungen aufgaben. Sie traten den Bußweg - - 316 an, und hingen zur Dankbarkeit bei dem Grabe des heil. Aloysius ein Bild auf, auf dem das schreckliche Gesicht abgebildet war*). Grundfäße des heil. Aloysius. Die ganze christliche Vollkommenheit erlangt man durch ein anhaltendes eifriges Gebet; denn wer dem Gebete nicht ergeben ist, wird nie zur Vollkommenheit gelangen. Wenn das Wassertrüb ist, oder von den Winden in Bewegung gesetzt wird, werden die umherstehenden Gegenstände darin nicht abgebildet. So ist es auch mit der Seele des Menschen, wenn sie mit Fehlern verunreiniget ist, und von den bösen Neigungen beunruhiget wird; so werden die himmlischen Vorstellungen zur Zeit des Gebetes in ihr nicht abgebildet werden. Wer sein Gemüth zu dem ewigen Reiche erhebt, wird die irdischen Fürstenthümer leicht verachten; denn die Krone und Zierden der Könige mit dem Himmelreiche verglichen, scheinen nur die Kleider eines Schauspielers zu sein, welche früher oder später wieder abgelegt werden. *) Bolland. Tom. 4. p. 1059. Moy 317 - - III. Sonntag. Verehrung Mariens. Maria ist ganz schön, und kein Flecken ist an ihr, der Herr hat sie von Ewigkeit her erwählt und begnadiget. Stelle dir vor, wie der heil. Aloysius vor dem Bildnisse der seligsten Jungfrau mit emporgehobenen Händen ruft: Maria, Mutter Gottes sei meine Mutter; ich liebe dich vom Herzen nimm mein Herz an! I. Punkt. Gott will uns Alles durch Maria geben. Maria ist die Mutter der Gerechten. Sie ist die Königin der Auserwählten und Jungfrauen. Brauchst du Stärke, durch sie bekommst du sie; willst du ein Sohn Gottes sein, so mußt du auch ein Sohn Mariens sein. Sie höret unsere Seufzer, ihr mitleidiges Herz vernimmt unser Flehen. Ihre mitleidigen Augen wendet sie denen zu, welche sich ihr ganz anvertrauen. Begib dich ganz in ihren Schuß, und du wirst bald erfahren, wie mütterlich sie für ihre Kinder sorgt, du wirst bald verkosten, wie lieblich sie ihre Säuglinge nährt, und bald sehen, wie - 318 sehr jene an Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen zunehmen, welche die holdselige Jungfrau pflegt. O heilige Jungfrau, würdige mich, daß ich dich jederzeit gebührend lobe, und gib mir wider alle deine Feinde Stärke. - 2. Punkt. Diese Mutter wählte sich Aloysius schon in seiner zartesten Jugend zum Muster. So oft er an die holdseligste Jungfrau dachte, von ihr redete, ihr heiliges Bildnis ansah, küßte oder an sein jungfräuliches Herz drückte, ihren Namen hörte, las oder aussprach, oder Lobgesänge, die ihr zu Ehren gesungen wurden, vernahm, oder ihre Feste feierte; so war sein. Herz voll Liebesgluth. Diese kindliche Liebe bewirkte auch, daß er seine gewöhnlichen Andachten zu ihr nie, selbst auf Reisen und in seiner Krankheit nicht unterließ. Ihre Feste feierte er jederzeit mit einer ganz besonderen Feierlichkeit, ihr Lob hatte er immer im Munde, und er versäumte keine Gelegenheit ihr Lob zu verkünden, und die Zahl ihrer Kinder zu vermehren. CROSS -- Kry ( 0) G may PAG 319 O heiliger Moyfius, du vielgeliebter Sohn Mariens! führe mich zu deiner Mutter, damit auch ich einst das Glück habe, fie- mit dir ewig zu preifen.- Vorsäge. - Diese Woche werde ich täglich die Tagzeiten von der unbefleckten Empfängniß Mariens oder Sie lauretanische Litanei, den Rosenkranz oder das Salve Regina beten. Alle Tage will ich d fie in ihrem Bildnisse in der Kirche oder auf der Gasse kindlich begrüßen, und ein Bildniß von ihr bei mir als Erinnerungszeichen tragen, und dasselbe öfters füßen. Am Samstage will ich etwas aus ihrer Lebensgeschichte lesen, oder von ihr mit Anderen reden. Ich will mir ihr zu Liebe eine kleine Buße auflegen, oder sonst etwas Gottgefälliges thun. Beispiel. Wie viel die Fürbitte des Heil. Aloysius bei der seligsten Jungfrau, der Königin der Jungfrauen vermochte, sehen wir in folgendem Beiſpiele: Es lebte vor mehr als 100 Jahren ein Edelmann, der besonders viel auszustehen hatte 320 von den unreinen Gedanken und der Langweil. Er wandte sich zum heil. Aloysius, um seine mächtige Fürbitte bei der Mutter des Herrn, und so wurde er frei von jeder Versuchung. Vor Freude ließ er bei dem Grabe des Heiligen eine Tafel aufhängen, auf der der Heilige vorgestellt war, wie er vom Himmel auf seine Verehrer Lilien herabstreut, mit der Umschrift: Er hat meine Lenden mit Stärke umgürtet und meinen Arm gekräftiget. Ein gleiches Glück erlangte auch ein Ordensmann in Bohlen. Er war sonst ein sehr frommer Mann. Gott ließ es jedoch zu, daß er von tausend Versuchungen gegen die Reinigkeit Tag und Nacht geplagt wurde; Er that Alles, um davon los zu werden. Er kafteite seinen Leib mit Fasten, er züchtigte ihn mit scharfem Bußgürtel; alles schien vergebens, Tag und Nacht weinte er über dieses Elend, und betete oft mehrere Stunden weis nend. Die Versuchung nahm immer zu. Endlich wurde er vom Geiste der Gotteslästerung befallen, indem es ihm schien, daß Gott und die Heiligen ihn nicht hören, und sich um ihn gar nicht bekümmern; ein und ein - LOO 321 halbes Jahr dauerte dieses Glend. Während er in seinem Elende zu seinem Beichtvater kam, so fiel dem ein, ihm zu rathen, er soll den heil. Aloystus zu seinem Schutzpatron wählen, und hing ihm eine Reliquie desselben um den Hals. Er gehorchte, und er war frei von jeder derartigen Versuchung*). Grundsäße des heil. Aloysius. Der Christ erlangt seine Stärke von der Furcht Gottes; denn wer Gott fürchtet, der hat sonst nichts zu fürchten. Es ist höchst gefährlich, wenn man sich von einer großen Neigung zu einem Geschöpf und zu einem erschaffenen Gute leiten fäßt. Einige leben ohne Eifer des Geistes, und ohne Bezähmung der bösen Neigungen; dieses kommt daher, weil sie Feinde des innerlichen Gebetes sind. - IV. Sonntag. Selbstverläugnung. Wer Mein Jünger werden will, verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich, und folge Mir nach. *) Bolland. Tom. 4. p. 1050. 21 cần bán nhà ( 6 322 Stelle dir vor, wie der heil. Aloysius als ein zartes schwächliches Kind in der falten Mitternacht aufssteht, sich niederfniet, betet und mit einer scharfen Geißel seinen unschuldigen Leib züchtiget. - - 1. Punkt. Wer wahrhaft fromm werden will, der muß sich vieles versagen, wenn auch die Natur weinet und sich empört. Er muß mit Christus nicht bloß bei der Brotvermehrung und beim letzten Mahl der Liebe sein wollen, sondern darf Ihn auch nicht auf dem Delberge vergessen, und muß mit Ihm auch bis auf den Calvarienberg gehen. Was erduldete der Lehrmeister, wie Er ganz verlassen in der Krippe weinte, unter großen Gefahren nach Egypten floh, mit unbegreiflicher Demuth in Nazareth gehorsamte, durch 40 Tage in der Wüste so strenge fastete, mit so vielen Beschwerden 3 Jahre den verstockten Juden predigte. Bedenke, welchen Durst, welchen Kummer, welchen Schmerz und welche Qual Er am Kreuze zu leiden hatte.- Folge, oder fange wenigstens an, Ihm nachzufolgen. D Herr, ich will mich selbst verläugnen, Cook CO 29 CHG 323 und mich würdig machen Deines Leidens und Deines Todes, ich will dir als Büßer freudig auf dem harten Wege der Buße getreu folgen. - 2. unft. Der heil. Aloysius wußte es sehr wohl, daß sich sein Geist nur dann frei zu Gott erheben kann, wenn sein Fleisch gedemüthigt ist. Daher faftete er viel in der Woche; er enthielt. sich von einer jeden Leckerspeise, er entzog sich den Schlaf, betete selbst bei der rauhen Winterszeit auf der Erde knieend. Er achtete nicht die Schmerzen seiner Krankheit, nie duldete er eine Bequemlichkeit, und lebte selbst am Hofe wie ein Einsiedler der Wüste.- Oheiliger Büßer, lenke und unterstüße meinen schwachen Willen, damit ich ein strenges Leben führen kann, und meinem Körper nie und nimmer etwas gestatte, was meinen Geist hindern könnte, sich mit dem zu beschäftigen, was Gott angeht, und mein Seelenheil betrifft. Vorsäge. 1. In dieser Woche nehme ich mir vor, alle meine äußern Sinne, ganz besonders aber die 21* GCHO CHOK gehoes 324 Augen, die Hände und die Zunge, bei jeder Gelegenheit sorgfältig zu beherrschen, und jede unrechte Neigung zu unterdrücken. 2. Will ich alle Leiden und Widerwärtigkeiten und jeden Schmerz, jeden Hunger und Durst, die Rohheit der Menschen, ihre harten Befehle mit Geduld ertragen. 3. Ich will mit Wissen meines Beichtvaters mir eine kleine Faste, ein kurzes Stillschweigen, eine lästige Arbeit auflegen. Dieses Alles will ich unter dem Beistande des heil. Aloysius thun. - Beispiel. Der Bußgeist und das Vertrauen, welches der heil. Aloysius auf Gott hat, belebte Viele zu demselben Vertrauen, und zu demselben Bußgeiste. Unter diese Zahl gehörte ein Jüngling, welcher das Leben des heil. Aloysius las, und ganz besonders darüber erstaunte, daß dieser unschuldige Jüngling ein so ernstes, so abgetödtetes und heiligmäßiges Leben führe. Er empfand gar bald in sich das heftige Verlangen, in die Fußstapfen des jungfräulichen - 325 Büßers zu treten. Dieses Verlangen war ganz besonders stark bei dem Bildnisse des Heiligen. Er ging daher aus der Kirche, in welcher der Heilige verehrt wurde, nach Hause, und fing mit einem solchen Eifer an, sich zu geißeln, und den Bußgürtel zu tragen, daß ihn sein Beichtvater mit allem Ernste davon abhalten mußte. Go - Auf gleiche Weise lebte ein anderer Mensch in der Gewohnheit der fürchterlichsten Laster, so zwar, daß ihm mit der Zeit selber ekelte, und er sein wüstes Leben ganz verabscheute. Er wollte immer sich aus diesem Gündenwust herausmachen, sobald er aber anfangen wollte, stellte sich ihm immer die Unmöglichkeit vor, seine vielen Banden zu zerreißen; felbst die abgelegten H. Beichten kamen ihm verdächtig vor, weil er keine wahre Besserung in seinem Lebenswandel bemerkte. Er nahm zu allerlei Mittel seine Zuflucht, aber Alles war vergebens. Endlich rieth ihm der Beichtvater: Gehen sie zum heil. Aloysius, wählen ste sich ihn zu ihrem Batron, und versprechen sie, um sich der Gnade mehr würdig zu machen, 6 Mal zu fasten. Der Büßer folgte 326 dem Rathe des wohlmeinenden Beichtvaters; er trat hin vor das Bildniß des heil. Aloystus, und dort gelobte er die 6 Fasttage. Nun meinte er, werde er erlangen, was er wünschte. Noch hatte er das Gelübde nicht gelöst, als er schon bemerkte, daß sein Herz geändert sei. Er empfand eine herzliche Neue über seine begangenen Sünden, und mit zitternden Gliedern erneuerte er den Vorsatz, in die Günden nicht mehr zurückzufallen. Sein Bußgeist wurde so rege, daß er nur eine Weise kennen lernen wollte, Gott genug zu thun. Wirklich war er von nun an frei von dem Rückfalle. So oft er versucht war, rief er den heil. Aloysius an, oder er nannte nur seinen Namen, so war er ganz frei, und die wahre Gottseligkeit kehrte wieder zurück*). - Grundsätze des heil. Aloysius. Man hat nie gehört, daß Einer zur hohen Vollkommenheit gelangt ist, welcher seinen Leib nicht mit Schlägen und andern Bußwerken, gleich einem widerspänstigen Laftthiere, gebän*) Bolland. Tom. 4. p. 1071. 327 diget hatte. Die freiwilligen Kafteiungen des Leibes muß man nicht bis ins hohe Alter verschieben, wo man keine Kräfte mehr dazu hat. Die Bußwerke sind in jedem Alter nöthig, in welchem der Geist Schaden leidet, wenn der Leib genährt wird. Wenn uns Jemand ermahnt, wir sollen nicht zu strenge mit unserem Leibe verfahren, so sollen wir antworten: Gott habe uns den Auftrag gegeben, daß wir den Leib wie einen Leibeigenen, der sich gegen seinen Herrn empört, behandeln und bewachen. 1 V. Sonntag. Eingezogenheit. Was ihr thuet, thuet Alles anständig und in guter Ordnung. Versezze dich im Geiste in das Ordenshaus zu Rom, wo der heil. Aloysius wohnte. Betrachte ihn, wie er mit niedergeschlagenen Augen, mit ehrfurchtsvoll gebietender Miene ernst einhergeht. 1. Punkt. Das äußere Benchmen ist der Zeiger des Inneren. Je mehr die Sinne bewacht, je ehr 328 barer jede Miene, Geberde, je züchtiger das ganze Thun und Lassen ist, desto gesicherter ist die Unschuld des Herzens. Unmöglich ist es, lange keusch zu bleiben, wenn die Thore der äußeren Sinne dem Feinde offen stehen; darum sei schamhaft im Blicke, eingezogen in deinem Benehmen, ehrbar im Neden. Wie Viele führten den Satan durch die Augen oder die Ohren in das Herz! Werde durch fremden Schaden klug. Binde, o Herr! meine Sinne, damit sie mich von dem Wege der Unschuld und Eingezogenheit nicht abführen, und auf der weiten Straße der ungebundenen Bosheit verderben. 2. Punkt. Aloysius liebte die Eingezogenheit ganz bes sonders. Er redete wenig, wenn er ging, so war er sittsam, sein Blick immer stets heiter und vorsichtig, jede seiner Bewegungen verkündete den jungfräulichen Engel im Fleische. Sein Auge schloß er jederzeit so sorgfältig, daß man gar nicht wußte, was er für Augen hatte. Drei Jahre war er am faiserlichen Hose und er wußte nicht, wie die Kaiserin aussah. So 50 329 benahm er sich bei allen Hoffesten eingezogen und besonders sittsam. Züchtiger Jüngling! laß dich durch mein Flehen bewegen, für mich zu beten, damit ich immer mehr und mehr meine Augen beherrschen, meine Ohren schließen und meine Zunge zähmen lerne. Vorsat. Diese Woche will ich mich aufrichtig bemühen, jeden Vorwig mit den Augen sorgfältig zu meiden, und will nur das ansehen, was ich ansehen muß. Ich will beim Anund Auskleiden sehr ehrbar, behutsam und züchtig sein. Ich werde nur reden, was nothwendig ist. Ich werde mich vor jedem unverschämten Worte hüthen, und mich aller unanständigen Scherze, Spiele und Freuden enthalten. - Beispiel. Im Jahre 1634 lebte zu Palermo ein junger Ordensmann, mit Namen Joseph Spinelli. Der wurde frank, und in dieser Krank heit wurde er so ohnmächtig, daß ihn selbst 330 das wiederholte Brennen nicht zur Besinnung bringen konnte. Diese Ohnmacht war besonders durch eine bösartige Feuchtigkeit erzeugt, welche ihn mit der Zeit ganz gelähmt hat. Zulegt wurde er auch stumm, und man erwartete jeden Augenblick seinen Tod; das Denken war ihm nicht möglich. In diesem Elende dachte er an den heil. Aloysius mit vertrauensvollem Herzen, und gelobte, er wolle am Vorabende vor seinem Feste fasten. Während er dieses Gelobniß machte, fühlte er in sich eine heftige Begierde nach stiller Zurückgezogenheit und Einsamkeit, sich ganz und gar dem Herrn zu weihen, und sich vorzunehmen, Niemand als Gott allein zu dienen. - - In der Nacht des 11. Februars, als er mit großem Eifer betete, roar ihm, als sehe er den heil. Aloysius in der Begleitung des ehrwürdigen Jünglings Berchmann, gleichfalls aus der Gesellschaft Jesu, zu ihm kommen. Da hörte er: Ermuntere dich, sei stark, denn es steht dir noch eine weite Reise bevor. Dieß zeichnete ver Kranke seinem Beichtvater auf und gab es ihm. In der nächsten Nacht kam Aloysius und Berchmann wieder zu einem Kranken und Aloysius 331 sagte Folgendes: Joseph! Gott verleiht dir den Gebrauch der Zunge; wisse jedoch, daß du aus gerechtem Urtheile Gottes dein ganzes Leben hindurch sprachlos hättest bleiben sollen; jene Gnade ist dir durch meine Fürbitte zu Theil geworden. Gott will, daß du deine Zunge zu Seiner Ehre heiligest; hüthe dich, daß du ste ja nie zu Seiner Entehrung mißbrauchest. Vergiß nie, daß dieß der Anfang deines Heiles und der klösterlichen Vollkommenheit sein soll, und du bist daher verpflichtet, jeden Tag den Vorsatz zu erneuern, daß du eifriger im Dienste Gottes werden willst. Lasse dich von den Beschwerden nicht abschrecken, sondern sei versichert, daß ich dein Führer sein werde. Hierauf erinnerte ihn der h. Aloysius an die gelobte Faste und sprach: Verspreche auch, jeden Tag eine Stunde, wegen der erlangten Gnade, an dem Communionstage aber eine halbe Stunde länger zu beten. Der Kranke that, was verlangt wurde. Aloysius berührte mit dem in ein kleines Gefäß, daß er bei sich hatte, getunkten Finger den Mund des Kranfen, und machte auf seinen Mund das heil. Kreuzzeichen. Augenblicklich erwachte der Kranke, und er konnte ungehindert reden, und er- - 332 zählte, was er vernahm, zur allgemeinen Erbauung. Den 16. Februar erschien ihm der heil. Aloysius wieder. Der gute Spinelli rief seinem geliebten Wohlthäter entgegen: Oh. Aloysius! ich fühle mich zu unwürdig, dir für deine besondere Hilfe gebührend zu danken. Aloys jedoch erwiederte: Ich verlange nichts anderes, als deine Heiligung; bemühe dich daher, daß du heilig werdest. Denn Gott erwartet große und viele Dinge von dir. Verlangst du, daß ich dein Führer werden soll? Der Kranke bat darum mit kindlicher Einfalt. Darauf erwiederte der heil. Aloysius: Sei gutes Muthes, ich werde auf deinem Wege dein Führer sein. Nenne dich aber von nun an Aloysius, damit dir dieser Name ein größerer Antrieb zur Vollkommenheit sei. Hierauf wurde der Kranke aufgefordert, die Ignatianischen geistlichen Uebungen zu machen, und das durch einen Monat, da tauchte er abermals den Finger in ein kleines Gefäß, welches er bei sich hatte, und bezeichnete zuerst die Füße, dann die Lenden, und endlich einen Arm, wobei er jedesmal den Namen Gottes anrief. Zuletzt setzte er vernehmlich 1134 333 die Worte bei: damit diese Bewegung zum ewigen Leben gereiche. Nach der Salbung trocknete Berchmann die Glieder ab. Darauf rief der heil. Aloysius: Wohlan, stehe auf! Aloystus, verlangst du noch etwas Anderes? Ja, erwiederte der Kranke, die vollkommene Gesundheit der Seele. Da rief der Heilige auf: Glücklich, daß du wußtest, was du begehren sollst; nun denn, so sollst du auch die Gesundheit der Seele haben; mache dich aber derselben mit allem Eifer würdig.- Hierauf reichte er ihm die Hand, segnete und verließ ihn. Der Kranke stand vollkommen gesund auf; daß wurde er augenscheinlich, wie es alle Aerzte mit einem Eide betheuerten. Bald darauf erhielt Spinelli von seis nem Obern den Auftrag, auf die philippinischen Inseln auf die Mission zu gehen. Mit Freuden unternahm er diese Reise unter dem Schuße des heil. Aloysius. So auffallend dieses Wunder war, so ist es doch nicht unerhört. Wer den alten Bund je mit Aufmerksamkeit gelesen hat, wird es gewiß wissen, wie wunderbar Gott im alten Bunde gegen jene war, die Ihn liebten. Man lese nur die Ge GRACEHO 334 schichte des Job, des Tobias, des Judas Machabaus und Anderer*). Grundsäße des heil. Aloysius. Wer anfängt, zu verkosten, wie süß und angenehm es ist, mit Gott umzugehen, Ihm zu dienen und Ihn zu lieben, der kann sich von einer so angenehmen Beschäftigung ohne Gewalt nicht mehr losmachen. Es ist ein Zeichen, daß man die Liebe Gottes besige, wenn man verlangt und wünscht, Ihn so inbrünstig lieben zu können, als es seine höchst liebenswürdige Majestät verdient, und wenn man Leid trägt, daß Er nicht so geliebt wird. Wer Gott lieben will, liebt Ihn doch nicht wahrhaft, wenn er nicht ein immerwährendes Verlangen hat, alle Mühseligkeiten und Beschwerden für Ihn zu leiden. VI. Sonntag. Die nächstenliebe des heil. Aloysius. Die Liebe ist stärker als der Tod. Wenn ich die Sprache der Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich wie *) Bolland. Tom. 4. Juni p. 1075. -- 66 335 ein tönendes Grz und eine klingende Schelle. 1. Cor. 13, 1. 6 Stelle dir den heil. Aloysius unter einer Schaar von Kindern vor, die er mit der Liebe Gottes bekannt machen will, und denke dir ihn an den Betten der Pestkranken, wie er ihnen die Betten richtet, sie im Glauben stärkt, ihre Klagen anhört und sie unermüdet bedient. -- Wyn 1. Punkt. Bedenke, worin die wahre Liebe besteht. Die wahre Nächstenliebe ist geduldig, gütig, ste beneidet Niemanden, sie handelt nie leichtsinnig, ste bläht sich nicht auf, sie ist auch nie ehrgeizig, nicht eigennüßig, nicht jähzornig: sie denkt nichts Arges, ste leidet Alles, sie glaubt Alles, sie hoffet Alles. Die Liebe beeifert sich, den Nächsten von der Sünde zu befreien, und mit Tugenden zu zieren; die wahre Liebe ruht nicht, so lange sie den Sünder ungebessert, nicht bekehret, oder in der Gefahr zu sündi- - digen sieht. Wie schön, wie beruhigend, erquickend, segens- und hoffnungsreich ist die wahre Liebe für die Gegenwart und die Zukunft! 336 Gib uns, o Herr, die Kraft, daß wir unser Licht allezeit vor den Menschen leuchten laffen, damit die Menschen unsere Werke sehen, und dann anfangen, Dich zu preisen, Der Du im Himmel bist.- - 2. Bunkt. Ein wahres Licht vor den Augen der Welt war der heil. Aloysius. Als Kind, als Jüngling, am Hofe, zu Hause, in dem Orden, und in jeder Gesellschaft offenbarte er sein lebendig gläubiges Gemüth vor den Augen der Menschen. Sein Anblick machte die Lästerer verstuminen, bekehrte die Sünder, stärkte die Frommen, erhob die Herzen der ganzen Umgebung. Seine Mitschüler spornte sein Fleiß zur Thätigkeit an, seine Ordensgenossen begeisterte sein Seeleneifer, seine Unschuld belebte die jungfräulichen Seelen, und seine liebliche Einfalt gewann ihm die Herzen aller Menschen. Die müßige Geschwäßigkeit fand an ihm einen Strafprediger, und wo er war, herrschte Freude im heil. Geiste.- Oliebreicher Jüngling, höre nicht auf für mich zu bitten, bis mein Herz für die Ehre O 22 y d 337 meines Gottes und das Seelenheil meines Nächsten glüht, damit ich mit allem Ernste mich bemühe, Seelen für Gott zu gewinnen. - Vorsäge. 1. Diese Woche werde ich jede böse Gesellschaft meiden; ich werde gottliebende Menschen suchen, um mit ihnen von Gott und der Ewigkeit zu reden.- 2. Ich will in meinem Berufe eifriger sein, und die Stunden der Muße damit zubringen, daß ich ein geistliches Buch lese. T 3. Ich will jede Gelegenheit benüßen, ja sie sogar aufsuchen, um meinem Nächsten einen Liebesdienst zu erweisen, oder ihm eine kleine Freude zu machen. 4. Ich will jede Abneigung, die ich vielleicht gegen Andere im Herzen empfinde, gänzlich un-terdrücken, und Alles anwenden, um das Feuer der wahren Nächstenliebe zu entzünden. Beispiel. Zu Neapel lebte im Jahre 1653 ein verarmter Schneider, welcher 40 Silberdukaten schuldig war. Schon nahte die Verfallszeit, und 22 338 der arme Mann fam immer in eine größere Bestürzung, weil er nicht wußte, wo er das Geld hernehmen soll, um die Schuld zu bezahlen. So irrte er ganz traurig und hilflos in Neapel herum. Es kam der 21. Juni, als er eben bei der Kirche des Collegiums vorüber ging, da sah er vor derselben das Bildniß des H. Aloysius, ohne zu wissen, daß dieß das Bildniß dieses Heiligen sei; ja er wußte noch gar nicht, daß es einen H. Aloystus gibt. Er starrte das Bild an, und da rief er in seiner einfältigen Herzenskümmerniß: Goldener Jüngling! was würdest du wohl von deinem Vermögen verlieren, wenn du meine Schuld bezahlen würdest?- Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder ganz traurig fort. Den andern Tag ging er zur Armenkassa, wo er das Geld bezahlen sollte; da begegneten ihm zwei Menschen, denen seine Schuld bekannt war. Diese Beiden kamen eben von dem Orte, und versicherten ihn, er brauche gar nicht hinzugehen, denn es sei ein junger Jeſuit gekommen, und habe in seinem Namen das Geld übergeben und die Schuld bezahlt. Darüber ganz angenehm erstaunt, erfundigte sich der 339 Schneider, wer denn der Heilige sei, der vor der Thüre der Kirche hängt, und sing an ihn zu verehren. Als er es erfuhr, daß der Heilige Aloysius heiße, so bekam er eine ganz besondere Ehrfurcht vor ihm.- Einmal stand er in seiner Werkstätte voll Traurigkeit, weil er nichts hatte, womit er den Seinigen den Hunger hätte stillen können. Da erschien der heil. Aloysius im Chorkleide und sprach: Ich bin der, welchem du dich besonders anempfohlen hast; fahre fort mich zu verehren, und ich werde fortfahren dir beizustehen*). - Vollkommener Ablaß. Clemens XII.( 1740) hat für sechs aufeinander folgende Sonntage so viele vollkommene Ablässe allen jenen verliehen, welche diese Sonntage mit dem würdigen Empfange der heil. Sakramente der Buße und des Altars, mit ernsten Betrachtungen, Gebeten und anderen Tugendübungen heiligen werden. Wie man die 6 Sonntage halten soll. *) Bolland. Tom. 4. Juni. p. 1805. 22* 340 1. Soll man jeden der 6 Sonntage die heil. Sakramente der Buße und des Altars würdig empfangen, und sich während der Woche öfters ernstlich vornehmen, fromm zu leben. - - 1 2. Soll man jeden der Sonntage 6 Vater Unser, Ave, die Ehre sei Gott sc., die Litancien und die kleinen Tagzeiten, zur Erinnerung an die 6 geistlichen Jahre des heil. Aloysius vor seinem Altare oder Bildnisse andächtig beten. 3. Soll man die unten angedeuteten Tugenden des heil. Aloysius mit dem Vorsage lesen, sich dieselben nach Kräften anzueignen. 4. Soll man sich wöchentlich einige besondere Tugendübungen vornehmen, und sich darüber bei der Gewissenserforschung genau Rechenschaft geben. 5. Soll man auch etwas aus dem Leben des heil. Aloysius oder einem andern geistlichen Buche lesen, als: Thomas v. Kempis, Philothea, Lenkerin der Sünder, von Ludwig von Granada. 6. Soll man sich in dieser Zeit ganz besonders vor jeder Sünde hüthen und daher alle Es 341 Gelegenheiten zur Sünde sorgfältig meiden, ale: den Müßiggang, böse Gesellschaften. 7. Soll man das Bildniß des heil. Aloyfius öfter mit kindlicher Einfalt ansehen, begrüßen, oder vielleicht gar küssen. 8. Soll man auch kleine äußerliche Bußwerke üben, als weniger und nichts außer der bestimmten Zeit effen, die Augen bezähmen, still schweigen, frei stehend beten, daß durch die Faste Grübrigte den Armen geben. 9. Soll man besonders Liebeswerke ausüben, als: Almosen geben, Kinder unterrichten, die Fehlenden liebreich ermahnen, für Andere beten, und ihnen gute Beispiele geben, und die täglichen gewöhnlichen Werke mit einer ganz besonderen guten Meinung vollkommen verrichten.$ 135 10. Soll man sich angelegen sein laffen, die Verehrung des heil. Aloysius auch andern bekannt zu machen, sie zur Andacht liebevoll einzuladen und zu ermuntern. - Täglicher Vorsatz. Ich N. N. stehe vor deinem heiligen Angesichte, o allwissender Gott, und verspreche 1342 dir vor meiner Mutter, der seligsten Jungfrau Maria, meinem heil. Schutzengel, dem heil. Aloysius und allen Deinen Heiligen, daß ich niemals bei unreinen Gedanken länger verweilen, oder gar in eine unerlaubte Begierde einwilligen will. Ich verabscheue und verwerfe jede Unlauterkeit, und will lieber sterben, als sündigen, und das so kostbare Kleid jungfräulicher Unschuld beflecken. Stehe mir bei, o heil. Jungfrau, hilf mir, mein heil. Schußengel, unterstüße mich, o heil. Aloysius, und alle Patrone meiner Unschuld. Du aber, o süßester Jesu! stärke und erhalte mich in diesem meinen Vorsatz in Ewigkeit. Amen. -- M Tagzeiten - zur Ehre der unbefleckten Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria. Zur Mette. V. Deffnet euch, meine Lippen, um Mariens Lob zu verkünden. R. Heilige Jungfrau steh' mir bei, gedenke auf meine Hilfe, und eile mir zu helfen. OG Ku 242 VERY 343 Die Ehre sei Gott dem Vater ic, Erheb' dich, Seele! um zu loben die Mutter der Barmherzigkeit, die über Engel weit erhoben in himmlisch froher Herrlichkeit im Himmel sist bei ihrem Sohne, auf einem glanzumgebnen Throne, und voller Milde niederschaut auf Jeden, der auf sie vertraut. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn, und Dir, o Geist! von Beiden, und uns des Himmel großer Lohn einst durch die Ewigkeiten. V. Der Allerhöchste hat sie auserwählt und Seiner Wohnstätte geheiliget. R. Er ist in ihr, sie wird nicht erschüttert werden. V. O mächtige Frau! erhöre mein Gebet. R. Und laß mein Rufen zu Dir gelangen. Heilige Maria, du Königin des Himmels, Mutter unseres Herrn Jesu Chrifti, und Gebieterin der ganzen Welt, die du Niemanden verlasfest und Niemanden verachtest: wende deine gütigen Augen gnädig auf mich und erslehe mir bei deinem vielgeliebten Sohne die Nachlassung aller meiner Sünden, damit ich, der ich heute deine makellose Empfängniß innigst verehre, den Preis der ewigen 344 Seligkeit erkämpfe, durch Jesum Christum. Amen. V. Bringe, o Jungfrau! mein Gebet vor dem Herrn. R. Und laß mein Nufen vor dir gelangen. V. Lasset uns den Herrn loben. R. Dank und Anbetung sei Gott. Verleihe allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe, und lasse ihnen das ewige Licht leuchten. Herr, lasse sie ruhen in Frieden. Amen. Zur Prim. Gegrüßet seist du, Maria. sc. V. O makellose Jungfrau, sei bereit mir zu helfen. R. Und verweile nicht mit deiner Fürbitte. Erheb' dich, Seele sc., wie Seite 343. Lobgefang. Wie unter niedrigen Gesträuchen hebt sich die Palme schön empor; so stehst du unter deines Gleichen in edler Größe weit hervor. Doch bist du sanft und mild, bescheiden; die stille Demuth muß entzückt die Schaar der Tugenden begleiten, die dich, o hohe Jungfrau! Polo GS 345 schmückt. O laß auch uns den Hochmuth hassen; er ist der Thorheit Eigenthum; der Stolze wird von Gott verlassen, er bleibt in Sünden und bleibt dumm. Laß uns die Demuth herzlich lieben, der Tugend Schmuck ist sie allein; nur die an ihrer Hand sie üben, die können Gott gefällig sein. - Antiphon. Sieh! ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach Seinem Willen. V. Ganz schön bist du, meine Mutter. R. Und keine Makel ist an dir. Heilige Maria sc., wie Seite 343. zu helfen. Zur Terz. V. O makellose Jungfrau, sei bereit mir R. Und verweile nicht mit deiner Fürbitte. Erheb' dich, Seele zc., wie Seite 343. Lobgefang. Zu wandeln stets nach Gottes Willen, und unter Seinem Angesicht, und treulich Sein Gefeß erfüllen, hieltest du für deine erste Pflicht. Er fandt' dir Kummer oder Freude, so war dein Herz nur Ihm geweiht; du gingest nie von Seiner Seite, und preisest ihn voll Dank 346 barkeit. O hilf uns auch so gläubig leben, uns unserm Vater innig weih'n, hilf uns, so fromm, so gottergeben, so dankbar gegen Ihn zu sein, daß wir in frohen Glückestagen nie weg von Seinen Wegen gehen, und in dem Unglück ohne Zagen auf Ihn, als unsern Vater, sehen. Antiphon. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gebenedeit. V. In den höchsten Räumen ist meine Wohnung. R. Und mein Thron in der Wolkensäule. Heilige Maria 2c., wie Seite 343. Zur Sext. Gegrüßet seist du, Maria sc. V. O makellose Jungfrau, sei bereit mir zu helfen. R. Und verweile nicht mit deiner Fürbitte. Erheb' dich, Seele zc., wie Seite 343. Lobgefang. Dich wählt der große Herr der Heere, dich unter Tausenden allein, zur unaussprechlich hohen Ehre, die Mutter Seines Sohns zu sein. Ihn nennst du deinen Eingebornen, dich 5 may 347 nennet Mutter jener Gott, Der uns, den Sündern und Verlornen, Erlösung bracht' durch Seinen Tod. O nimm auch uns zu deinen Kindern, du gnadenvolle Mutter, an, und bitte jenen, Der aus Sündern Gerechte, Fromme schaffen kann, daß wir voll Eifer uns bestreben zu thun, was uns dein Sohn gebeut, daß Er uns reich' nach diesem Leben die Krone der Unsterblichkeit. - Antiphon. Maria, siehe da deinen Sohn! Sohn, siehe da deine Mutter! V. Herrliche Dinge, o Stadt Gottes, sind von dir gesagt. R. Der Allerhöchste hat sie gegründet. Heilige Maria 2c., wie Seite 343. Zur Non. Gegrüßet seift du, Maria sc. V. O makellose Jungfrau, sei bereit mir zu helfen. R. Und verweile nicht mit deiner Fürbitte. Erheb' dich, Seele sc., wie Seite 343. Lobgefang. Maria weint der Wehmuth Thränen, ein scharfer Dolch dringt ihr durch's Herz; sie steht +4 348 die Sünder Jesus höhnen, sieht Ihn in heißem Todesschmerz. Er hängt am Kreuz, von Gott verlassen, aus weiten Wunden quillt Sein Blut, und trostlos sieht sie Ihn erblassen, den theuren Sohn, ihr einzig Gut. O Mutter! laß dein harteß Leiden, und Jesu Blut und Seinen Tod, uns Rettung, Gnad' und Huld bereiten, bei Dem durch Ihn versöhnten Gott. Gib heil'gen Abscheu uns vor Sünden, und wegen ihrer wahre Reu', daß wir auch weinen, bis wir finden, daß Gott mit uns versöhnet sei. Antiphon. Meine Augen sind von Thränen angeschwollen, und meine Wangen sind eingesunken vor Gram. # V. Wie eine Lilie unter Dornen. R. So ist die makellose Jungfrau unter den Menschenkindern. - - Heilige Maria 2c., wie Seite 343. Zur Vesper. Gegrüßet feist du, Maria se. dulff Erheb' dich, Seele zc., wie Seite 343. Lobgesang. Dein Ende naht, mit frommen Triebe verlangest du bei Gott zu sein; und Jesus lad't mit ( 9 1203 G 50 moy ELE 349 zarter Liebe die reine Mutter zu Sich ein. Dein Auge schließt sich, und die Seel' empfängt der Engel Jubelchor, dein Leib verläßt des Grabes Höhle und schwingt zum Himmel sich empor. Hilf, Mutter! daß wir gut und weise für Edelthaten uns bemüh'n; daß wir auf dieser Lebensreise stets standhaft nach dem Himmel zieh'n. Und wenn uns einst des Todes Grauen in schwarzer Mitternacht befällt, laß uns dein freundlich Antlig schauen, und führ' uns in die besf're Welt. Antiphon. Vor des Herrn Auge ist der Tod der Heiligen kostbar. V. Gebenedeit bist du unter den Weibern, R. Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Heilige Maria c., wie Seite 343. Zur Complet. Gegrüßest seist du, Maria zc. Erheb' dich, Seele 2c., wie Seite 343. Lobgesang. Nun ruhst du, Hochgebenedeite! geschmücket mit der Ehre Kranz; an deines lieben. Sohnes Seite, dein Kleid ist reiner Sonnen AGICO 350 glanz. Der Himmel und die Erde tönen dein Lob in Ewigkeiten hin; und alle Gaben Gottes krönen dich, Jungfrau, Mutter, Königin! O Mutter! die wir findlich ehren, o Mutter voller Lieb' und Treu'! steh' her auf uns in's Thal der Zähren, und steh' uns immer huldvoll bei. Erbitt' uns Nachlaß uns'rer Sünden, den Frieden Gottes, Himmelsruh'; hilf uns jest streiten, überwinden, und führ' uns einst dem Himmel zu! Antiphon. Die reine Jungfran wurde in Gottes Reich über die Chöre der Engel erhöhet, und mit der Jungfrauen Krone geziert. V. Tretet zu mir Alle, die ihr nach mir verlanget. R. Und sättiget euch an meinen Früchten. Heilige Maria, wie Seite 343. pillid. Schluß. Nimm, Mutter Jesu! uns're Bitte mit gnädigem Erbarmen an; hilf uns nach deiner großen Güte, da deine Macht uns helfen kann. Erbitt' uns Gottes reichen Segen, um tugendhaft, wie du, zu sein; zu wandeln stets auf Seinen Wegen, unschuldig, fromm und gut ᎧᎧᎧ 56 bo may 351 und rein. lind wenn sich uns're Tage enden, mach' uns des Todes Nahen süß, und führ' an deinen Mutterhänden uns hin in Gottes Paradies. Antiphon. Heilig bist du empfangen und geboren, und nie hat die Sünde einen Theil an dir gehabt. O Mutter Jesu! bitte für uns Gott den Vater, Deffen lieben Sohn du geboren hast. - Heilige Maria 2c., wie Seite 343. Antiphon. In Demuth betend, Herr! vor Dir lag der Jungfrau schönste Zierde; der Engel kommt, verkündet ihr der Mutter Gottes hohe Würde. Die Reinste, die wie Engel rein, wird Mutter und auch Jungfrau sein. Maria, Frau der ganzen Welt, von Gottes Rathschluß auserkoren, Den, Der zur Mutter dich gewählt den Schöpfer selbst hast du geboren. Frau, o Mutter unsers Herrn! o Himmelspfort', o Gnadenstern! komm' uns zu Hilf', erhör' das Fleh'n der schwachen und gefall'nen Sünder; laß deines Sohnes Gnad' uns seh'n! erbarm' dich über deine Kinder! wir bitten dich durch Jesu Christ, die du die beste Mutter bist. 352 Litanei zur ſeligsten Jungfrau. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christe höre uns!- Christe erhöre uns 2c.. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heiligste Jungfrau aller Jungfrauen, Du Mutter Jesu Christi, Du glorwürdigste Jungfrau, Du liebreichste Jungfrau, Du demüthigste Jungfrau, Du reinste Jungfrau, Du keuschefte Jungfrau, Du mildeste Jungfrau, Du wohlthätigste Jungfrau, Du schönes Beispiel aller Tugenden, Du gottergebenste Jungfrau, Du sanftmüthigste Jungfrau, Du Freundin der Menschen, Du Mutter der Armen, Du Trösterin der Betrübten, Du Zuflucht der Sünder, Du Helferin der Sterbenden, bitte für uns! 353 Du gnadenvollste Jungfrau, Du Beschüßerin reiner Seelen, 1 ---Du Freude des ganzen Himmels, Du liebreichste Mutter deiner Verehrer, Du Mutter der heil. Liebe, Durch deine erhabenste Würde, Durch die Güte deines edlen Herzens, Durch deine himmlische Güte gegen deinen eingebornen Sohn, Durch deine Liebe, mit der du Theil nahmst an allen Schicksalen Jesu, Durch deine Muttertreue, als du unter seinem Kreuze standeft, Durch deine innige Freude, als du den Auferstandenen erblickteft, Durch deine wehmuthsvolle Wonne, als Er segnend in den Himmel fuhr, Durch deine Freude, als der seligste Tod sich dir nahte, Durch dein Entzücken, als du zum ersten Mal eintratest in die Seligkeit, Durch jene Liebe, mit der dein Einges borner dich empfing, Durch deine ewige Herrlichkeit, Durch deine mütterliche Liebe gegen uns, 23 bitte für uns! C 354 Heilige Maria, bitte für uns! O Du Lamm Gottes ic. - ending Antiphon. Unter deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von aller Gefahr. O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mitlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne! Bitt für uns! Tagzeiten zu Ehren des heil. Aloysius. Vorbereitung. 1. Sieh' auf uns herab von oben, Gott! in dieser Andachtsstund'. In den Heil'gen Dich zu loben, singen wir mit Herz und Mund. Aloysens reine, Sitten sind der Gnade Meisterstück; schnell führt sie mit Riesenschritten ihn zu ewig wahrem Glück. 2. Christen! seht mit frohen Blicken dieses schöne Muster an; jedes Herz wird es entzücken, das die Unschuld schauen kann. Schon die Blüthe seiner Jugend, da er kaum geboren Joy Soy 34 355 war, zeigte reife Frucht der Tugend, Ernt' auf 6 Ernt' von Jahr zu Jahr. Gebet. Siehe, o barmherziger Vater, auf uns herab, und verschmähe nicht unser Gebet, welches wir Dir zur Anbetung, der heiligsten und unbefleckten Jungfrau Maria zur Ehre und Deinem Diener Aloystus zum Lobe verrichten wollen. Komme uns mit Deiner Gnade zuvor, und stehe uns mit Deiner Hilfe bei, damit wir es mit Dir anfangen, und durch Dich andächtig vollenden. Stimme unsere Andacht gnädig zum Danke für alle Wohlthaten, besonders für alle Gnaden, die wir durch die Fürbitten des heil. Aloysius empfangen haben, und verleihe uns die besondere Gnade, in Deiner Liebe immer mehr zuzunehmen, in derselben freudig zu leben, selig zu sterben, und einst in der Zahl Deiner Auserwählten, Dich ewig loben und preisen zu können. Amen. Zur Mette. V. Deffne, o Herr! meine Lippen. R. Damit mein Mund Dein Lob würdiger verkündigen kann. 03355 23* BG 356 V. Komme mir, o Gott, zu Hilfe. R. Herr, eile mir zu helfen. Die Ehre sei Gott dem Vater sc. Lobgefang. 3. Himmel staunt! in Menschenhülle eine Seel', die Engel gleich! freu' dich, rd', in deiner Fülle! des Triumphs, auf dir erreicht. All sein Reden, all sein Handeln ist der Reinheit reinstes Bild, so wie selbst die Engel wandeln, wenn ein Körper sie umhüllt. 4. Nie kann so die Lilie prangen, wenn sie Sonnenlicht bemalt, wie aus Augen, Stirn und Wangen sanftes Licht der Unschuld strahlt. Keusche Sitten und Geberden, jungfräuliche Schüchternheit, sind der Unschuld Zierd' auf Erden, und des Himmels Augenweid'. Lehrspruch. Ein jungfräuliches Geschlecht ist schön und lieblich! Nie vergißt man es, denn es ist bei Gott und den Menschen bekannt, V. Selig sind die, welche ein reines Herz haben. R. Denn sie werden Gott anschauen. 242 Kay PAGELGELT 357 V. Bitte für uns, o heiliger Aloysius! R. Damit wir der Verheißung Christi würdig werden. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei Gott dem Vater 2c. Gebet. O Gott, Du liebender Vater keuscher Seelen, durch Dessen Gnade der heil. Aloysius die jungfräuliche Unschulo bis an das Ende seines Lebens makellos bewahret hat; gib uns Deine Gnade, damit wir von Dir gestärkt, und durch das Beispiel des heil. Aloystus ermuntert, die jungfräuliche Unschuld über Alles schätzen, nie etwas begehen, wodurch sie befleckt werden. könnte, und wir uns durch vollkommene Reinigkeit des Leibes und der Seele Deiner Liebe immer würdiger machen. Amen. 3ur Prim. V. Komme mir, o Gott, zu Hilfe. R. Herr! eile mir zu helfen. Die Ehre sei Gott dem Vater zc. Lobgesang. 5. Doch, was sollen diese Wunden, dieses Blut, das nieder rinnt? Was für Büßer ward GOHOO! CHOLLY FG Prog 358 freunden, warum übet es ein Kind, das niemals der Sünde Schlingen, keine Bosheit je gekannt? Will den Leib in Knechtschaft bringen, strafet ihn mit eigner Hand. And 6. Unschuld, ach! wenn du so büßest, was soll mir denn bitter sein! Schönes Muster! du versüßest jedes Leid und jede Bein. Buß mit Unschuld zu verbinden, war das reine Kind im Stand. Was begehrt ihr, meine Sünden? Buße bis zum Lebensrand. Lobspruch. Die mit Christo leben, haben ihr Fleisch sammt ihren Sünden und bösen Begierden gekreuziget. Gal. 5. V. Ein reumüthiger Geist ist ein Gott gefälliges Opfer. R. Ein Herz, welches sich bußfertig zu Dir, o Gott, wendet, wirst Du gewiß nicht verachten. V. Bitte für uns, o heil. Aloysius! R. Damit wir der Verheißung Chrifti würdig werden. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei Gott dem Vater ic. S 5 may 22 y 359 Gebet. - Verleihe uns, o Gott, die Gnade einer wahren Reue und einer aufrichtigen Buße, um würdige Früchte der Buße bringen zu können, damit wir, nicht durch die strenge Buße des heil. Aloysius, von Dir verurtheilt werden, sondern die Hoffnung haben, in die Zahl derer versetzt zu werden, die bis ans Ende ausge= harrt haben und den Weg der Abtödtung und des Kreuzes bis an das Ende gewandelt sind; darum bitten wir Dich durch Jefum Christum, unsern Herrn. Amen. Zur Terz. V. Komme mir, o Gott, zu Hilfe. R. Herr, eile mir zu helfen. Die Ehre sei Gott dem Vater 2c. Lobgefang. 7. Rühmet eure leeren Freuden, eitle Kinder dieser Welt! wird der Jüngling euch beneiden, dem der Herr allein gefällt? Muthig tritt er Fürstenkronen, Fürstenpurpur in den Staub. Beff're Güter, bess're Thronen zeiget ihm der feste Glaub'. - 360 8. Seine Unschuld zu bewahren, reißt er von der Welt sich los, flüchtet sich vor Weltgefahren in den stillen Klosterschooß. Weiche, Welt, mit deinen Lehren, zeig' den Andern deine Gunst. Nie soll mich dein Glück bethören, und der Eitelkeiten Dunst. Lehrspruch. Liebet weder die Welt, noch etwas, das der Welt gehört, denn in dem ist die Liebe des Vaters nicht, welcher die Welt liebt. V. Die Welt und ihre Begierden vergehen. R. Der bleibt in Ewigkeit, der den Willen Gottes vollzieht. V. Bitte für uns, o heil. Aloysius! R. Daß wir der Verheißung Christi würdig werden. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei Gott dem Vater 2c. Gebet. Erfülle, o Herr, unsere Herzen mit dem aufrichtigen Verlangen nach dem, was oben ist, zerreiße jedes Band, das uns an die Erde fesselt, verleihe uns das wahre Licht der Erkenntniß, damit wir uns von dem täu@g 361 schenden Schimmer der Welt nicht irre führen 29 lassen, und einst, wie der heil. Aloysius, ohne Furcht und Zittern in jene Herrlichkeit eingehen können, wo allein wahre Freuden und unvergängliche Güter zu finden sind. Amen. - 3ur Sert. V. Komme mir, o Gott, zu Hilfe. mi R. Herr, eile mir zu helfen. Die Ehre sei Gott dem Vater zc. Lobgefang. 9. Von der Liebe fast verzehret, brennt das Herz in voller Glut. Immer wird die Flamm' ernähret, denn er liebt das höchste Gut. Steiget Wünsche, steigt Gedanken mit der Liebesflamm' vermengt! Diese Lieb' hat keine Schranken, wie der Gott, Dem sie sich schenkt. 03355 10. Seraph', eilt herab zu singen, schlieBet ihn in euren Chor! Nein bleibt nur am Throne liegen, Er schwinget sich zu euch empor. Reiß' dich los mit edlem Triebe, Christenseel', von dieser Erd', Gott allein ist deiner Liebe, Gott allein ist deiner werth.and - Gall 362 Lehrspruch. Du sollst dem Herrn, deinen Gott aus deinem ganzen Herzen, aus deinem ganzen Gemüthe, aus deiner ganzen Seele, und aus allen deinen Kräften lieben. Dieß ist das größte und vorzüglichste Gebot. V. Gott ist die Liebe, wer Ihn nicht liebt, kennt Ihn nicht. R. Wer in der Liebe verharret, bleibt in Gott, und Gott in ihm. V. Bitt' für uns, o heil. Aloysius! R. Damit wir der Verheißung Chrifti würdig werden. Vater unfer. Ave Maria. Die Ehre sei Gott dem Vater zc. 119 - Gebet. cok Entzünde, o Gott, du Quelle aller Liebe, unsere Herzen. mit dem Feuer Deines Geistes, damit es jede Neigung zur Welt, und dem, was in der Welt ist, und so schnell vergeht, ganz verzehre. Hilf uns, Deinen Kindern, die wir 60/ uns vereinet haben, um die Tugenden Deines Lieblings zu betrachten, Dir für die Gnaden zu danken, die Du ihm, o Gott, so reichlich verboss. KG 363 liehen hast, daß wir Dir zu Liebe Alles thun, und Alles vollbringen, was uns Dir wohlgefällig, und Deiner ewigen Liebe immer würdiger macht; darum bitten wir Dich im Vertrauen auf die mächtige Fürbitte Deines Dieners Aloystus im Namen Jesu, Der mit Dir und dem heiligen Geiste in Ewigkeit lebet. Amen. mor Zur Non. V. O Gott, merke auf meine Hilfe. R. Herr, eile mir zu helfen. Die Ehre sei Gott dem Vater 2c. Lobgesang. 11. Wie die Andacht ihn entzücket, wenn er Augen, Mund und Herz auf die Wunden Jesu drücket, mit Ihm theilet Angst und Schmerz! und wie fließen Freudenthränen, Freudenthränen sonder Zahl; seht, er eilt mit heißem Sehnen, nein, er fliegt zum Gottesmahl! 12. was fühlen keusche Seelen, wenn sie rein von jeder Sünd', mit der Liebe sich vermählen, und vom Kelche trunken sind! Laßt uns auch mit Freudenzähren nach dem Kreuze Jesu fleh'n; uns mit Engelbrote nähren, und so fort zum Himmel geh'n. * TVA 1088 364 Lehrspruch. Ich will von meiner linschuld bis ans Ende meines Lebens nicht weichen. Ich bin mit Christus gekreuziget. Ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir. O Gott, sei und bleibe mein Gott in Ewigkeit. V. Kommet und esset. R. Trinket den Wein der heiligen Liebe, der für euch zubereitet ist. V. Bitte für uns, o heil. Aloysius! R. Damit wir der Verheißung Christi würdig werden. Vater unser. Ave Maria. Die Ehre sei Gott dem Vater 2c. Gebet. O mein gekreuzigter Heiland, wo soll ich hinfliehen, wenn ich verfolgt werde, wo soll ich Kraft suchen, wenn ich leide, wo Stärke finden, wenn ich schwach bin, wo Linderung holen, wenn ich geängstiget bin, wo mein taltes Herz entzünden, als unter Deinem Kreuze, auf dem Deine Liebe Dich fest hielt, von dem Dein Herz mich erquicket, und mich mit dem kostba= ren Blute der Versöhnung heilet. Sieh' mich 365 an, und gib mir Kraft und Stärke, damit ich erquickt mit der wahren Seelenspeise ausharre bis an das Ende, und einst auch aus deinem göttlichen Munde die trostreichen Worte vernehme: Noch heute wirst du bei Mir im Paradiese sein. Amen.- Zur Vesper. V. O Gott, merke auf meine Hilfe. R. Herr, eile mir zu helfen. Die Ehre sei Gott dem Vater zc. Lobgefang. 13. Mutter, steh', am Fuß' des Thrones liegt ein treues liebes Kind. Dein ist es, und deines Sohnes, rein wie du, fast ohne Sünd'. Kaum fängt an sein Mund zu lallen, fennet deines Namens Kraft. Dir Maria, zu gefallen, schwöret er die Jungfrauschaft. 14. Fest auf deine Macht gestüzet, wird er schon als Kind ein Held. Durch dein Mutterherz beschüßet, geht er freudig aus der Welt. Wer mit eifrigem Bestreben sich an Jesus ganz ergibt, muß auch für Maria leben, die so zärtlich Jesus liebt. glog 366 di ind Lehrspruch. Maria ist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung. Kommet zu ihr alle, die ihr nach ihr verlanget, und ihr werdet mit den Früchten des heil. Geistes gesättiget werden. V. Jesus übergab die Menschheit Seiner Mutter am Kreuze. R. Maria nahm sie als Mutter aus der Hand ihres vielgelieben Sohnes. V. Bitte für uns, o heil. Aloysius. R. Auf daß wir würdig werden 2c. Gebet. Liebreichste Mutter, erhabene Königin der Jungfrauen; stehe gnädig herab auf deine Kinder, strecke deine Arme über uns aus, und segne uns mittelst deiner mächtigen Fürbitte, damit wir die wahre Unschuld, die Reinheit der Liebe, die makellose Keuschheit des Leibes und der Seele bis an das Ende treu bewahren, und uns einst mit dir ewig freuen können. Amen. Zur Complet. V. O Gott, merke auf meine Hilfe. R. Herr, eile mir zu helfen. Die Ehre sei Gott dem Vater zc. bo 58 may 367 Lobgesang. 15. Seht die schöne Blum' der Tugend, die uns Gott noch kaum gezeigt, wie sie schon in zarter Jugend welkend sich zum Grabe neigt. Dank dem Vater voller Güte, daß er ste nicht welfen ließ: Er verseßt sie ganz in Blüthe von der Erd' ins Paradies. - 16. Geh' nun hin, die Kron' zu erben, edler Knab', sie ist bereit. Siegen heißt ein solches Sterben, so ein Leid ist Seligkeit. Wandle unter Engelschaaren mit der Goitheit Licht um hüllt, denn du hast in wenig Jahren viele, viele Zeit erfüllt. Lehrspruch. Selig ist der, welcher ohne Makel befunden worden ist, der dem Golde nicht nachging und seine Hoffnung nicht auf Schäße und Reichthümer setzte. Nur das Alter ist ehrwürdig, welches für die grauen Haare die Klugheit, und für das lange Leben die Unschuld hat. V. Er hat seinen Lebenslauf glücklich vollendet. R. Und doch hat er lange Jahre erfüllt. - 368 V. Bitte für uns, o heiliger Aloystus. R. Damit wir der Verheißung Christi würdig werden. - Gebet. Laß' mir, o Gott, die Kürze des menschlichen Lebens recht erkennen, damit ich die wenigen Tage, die mir deine Liebe noch schenfet, so benüße, daß ich am Ende desselben nicht Ursache habe, ste bereuen zu müssen, sondern getroft sagen kann: Herr! ich habe die Talente, die Du mir anvertraut hast, nicht verloren, sondern sie gut verwaltet, und übergebe sie Dir, wie dein Diener Aloysius, mit reichlichem Gewinne. Der Du mit dem Sohne und dem heil. Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit lebest und regiereft. Amen. - Tun Beschluß. 17. Kommet ihr Kleinen, kommt ihr GroBen, schlinget Kränz' um dieses Bild. Bringet Lilien und Rosen, und das Veilchen zart verhüllt. So verbindet schön im Kranze Demuth, Liebe, Reinigkeit. Windet Dornen um das Ganze, Dornen sind der Büßer Freud'. 18. Flechtet Del- und Lorberzweige um !!! 369 des Helden Haupt herum. König wird im Lie- E besreiche dieser durch sein Martyrthum. Und nun bringt ihm mit Vertrauen, Kinder, eure Herzen hin. Auf ihn sollt ihr sicher bauen, ehret, bittet, liebet ihn. - 19. Gib, Aloysius, uns Segen! segne deiner Kinder Schaar. Führe sie auf Tugendwegen, schütz' uns treu und immerdar. Hilf uns, daß wir hier auf Erden wandeln wie dem Himmel zu; immer mehr dir ähnlich werden, und dann sterben so wie du. Litanei von dem englischen Jünglinge Aloysius. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Chrifti, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heil. Geift, erbarme dich unser! 24 11-11 GREG 370 Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! - - Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Du Königin der Jungfrauen, Heiliger Joseph, Heiliger Ignatius, Heiliger Franziskus Xaverius, Heiliger Franziskus Seraphifus, Heiliger Aloystus, Du Spiegel der Unschuld und Reinigkeit, Du Vorbild der heiligen Zucht und Ehrbarkeit, Du lebendiges Muster der wahren Andacht und Gottes furcht, Du heldenmüthiger Verachter der Welt und ihrer Freuden, Du muthiger Streiter für Gottes Ehre, Du thätiger Eiferer für deinen heiligen Beruf, Du demüthiger Liebhaber der ewigen Güter, Du vollkommener Besieger der Welt, Du rüstiger Bekämpfer des Teufels, Du unermüdeter Beherrscher deiner Sinne, bitte für uns! 371 Du sorgfältiger Bewahrer deiner Augen, Du lieblicher Wächter deines Herzens, Du ernster Verachter der vergänglichen Freuden, - - Du unwandelbarer Verläugner deiner felbst, Du unerschrockener Bekenner Jeſu, Du glühender Anbeter des Hochwürdigsten, Du genauer Kenner deiner selbst, Du holdseliges Kind Mariens, Du wahrer Verehrer der Heiligen, Du glänzende Zierde der Jungfrauen, Du vortreffliches Vorbild der Studierenden, Du treuer Beschüßer der jungfräulichen Seelen, Du sichere Hilfe der Verlassenen, Du bleibende Zuflucht der Versuchten, Du beständiger Trost der Betrübten, Du stärkende Freude der Gottseligen, Du hilfreicher Arzt der Kranken und Leidenden, Du mächtiger Helfer Aller, die dich anrufen, 24* bitte für uns! GNCLICK 372 G Du großer Wunderthäter, Damit wir die jungfräuliche Unschuld allezeit hochschätzen und lieben, Damit wir immer reiner und unschuldiger werden, Damit wir die Welt und ihre Eitelkeit jederzeit recht erkennen und verachten, Damit wir die Gnade Gottes stets als das höchste Gut bewahren, Damit wir jede Sünde als das größte Uebel sorgfältig fliehen, Damit wir unsere Sinne beständig bewachen, Damit wir unser Gewissen jederzeit genau erforschen, Damit wir nicht vergessen, wie kurz das Leben ist, Damit unser Seeleneifer nie erkalte, Damit wir an Gott immer lebendiger glauben, zuversichtlicher hoffen und Ihn immer feuriger lieben, Damit wir uns nie scheuen, unsern Glauben freimüthig zu bekennen, Damit wir immer andächtiger im Gebete werden, bitte für uns! CLES 373 Damit wir unsern Beruf immer getreuer erfüllen, bitte für uns! Damit wir bis ans Ende ausharren, bitte für uns! O Du Lamm Gottes, Welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Du Lamm Gottes, Welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, Welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser. Ave Maria. V. Bitte für uns, o heiliger Aloysius! R. Auf daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Chrifti. - Oebet. O himmlischer Vater! Der Du dem heil. Aloysius die Unschuld des Herzens verliehen hast, gib auch uns, deinen gutwilligen DieBa IN REGNELS 374 nern und Dienerinnen die Gnade, das Kleid der Unschuld bis in den Tod rein bewahren zu können; entzünde in uns eine wahre Liebe zu Dir; beglücke uns mit jener vollfommenen Hingabe an Dein Vaterherz, die Dein gehorsamer Sohn Aloysius bis zu ſeinem Tode offenbarte. Präge die Erkenntniß des Werthes der jungfräulichen Unschuld und des überaus großen Lohnes für die Kämpfe makelloser Reinheit des Leibes und der Seele, unsern und ganz besonders den Herzen der Kleinen tief ein, und nie zu erliegen, sondern jederzeit für die Bewahrung der Unschuld muthig streiten, um einst die große Freude haben zu können, die Krone für die Kämpfe wegen der unbefleckten Reinigkeit zu erlangen, die jetzt das Haupt des heil. Aloysius ziert. Darum bitten wir Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - Gebet um Nachfolge des heil. Aloyfius. Wir bitten Dich, o Herr, erwecke und bewahre in uns den Geist der jungfräulichen Unschuld und Gottseligkeit, mit welcher Dir Dein 69 D 375 guter Sohn Aloysius gedienet hat, auf daß wir, mit demselben erfüllt, das lieben, was er geliebt hat, und nach dem allezeit leben, was er mit Wort und Beispielen gelehrt hat, darum bitten wir Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - Gebet um die Beständigkeit im Guten. O Gott, Der Du Deine Liebe durch den heil. Geist in die Herzen der Gläubigen giesest, gib auch uns, für welche zu Deiner Barmherzigkeit Dein standhafter Bekenner Aloyfius bittet, eine unveränderliche Liebe zu Dir und Deinem heiligen Willen, damit wir jene heiligen Begierden, welche wir auf Eingebung des heil. Geistes empfangen haben, mit ausdauerndem Eifer vollbringen, um einstens nicht bloß der großen Zahl der bloß Berufenen, sondern der wenigen Auserwählten beigezählet zu werden verdienen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. ( 56 376 Ablaßgebet, welches man am Schlusse der Andacht eines jeden Sonntags sprechen kann. - Ich hoffe, o Gott der Liebe und der Erbarmung, von Deiner unendlichen Barmherzigkeit, daß Du mir meine Sünden nachgelassen und die verdiente ewige Strafe in der heil. Beicht verziehen hast. Ich weiß aber auch, daß Du ein gerechter Gott bist, Der die Sünden wenigstens mit zeitlichen Strafen züchtiget, und würdige Früchte der Buße fordert. O Herr, wenn Du alle die Missethaten bestrafen willst, wer kann dann vor Dir bestehen? Deßhalb nehme ich meine Zuflucht zu dem unerschöpflichen Schaße der Verdienste meines Heilandes Jesu Christi und Deiner Heiligen, und bitte Dich, o Gott, Du wollest mich des heil. Ablasses theilhaftig machen, welchen Dein Statthalter auf Erden( für die sechssonntägige Andacht zur Ehre des heil. Aloysius) aus dem Gnadenschatze Deiner geheiligten Kirche spendet. Ich opfere daher in der Absicht alle zur Gewinnung des Ablasses vorgeschriebenen Gebete und Werke auf, und vereinige sie mit dem Leiden und Sterben deines gött 377 lichen Sohnes, mit den Verdiensten der seligsten Jungfrau und aller Heiligen, zur Nachlaffung meiner Sünden und der verdienten zeitlichen Strafen. - Ich empfehle Dir auch, o himmlischer Vas ter! die heilige römisch- katholische Kirche, und bitte Dich, sie in ihren großen Anliegen gnädig zu erhören; erhalte und regiere, erhöhe und verherrliche sie bei allen Nationen und verleihe, daß sie sich über den ganzen Erdkreis ausbreite. Vater unser 2c. 1. Erbarme Dich Deines Dieners und Statthalters auf Erden, des römischen Papstes, wie auch aller Bischöfe und Priester. Leite ste nach Deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heiles, damit sie durch Deine Gnade begehren und mit allem Eifer vollbringen, was Dir gefällt. Vater unser 2c. - 2. O Gott, Der Du den Frieden gibst, und die Eintracht segnest, verleihe allen chriftlichen Fürsten Frieden und wahre Einigkeit, verbinde ihre Herzen mit dem heiligen Bande der Liebe, damit sie gemeinschaftlich zu Deiner Ehre und zum Wohle der Christenheit wirken mögen. Vater unser 2c. 378 3. Allmächtiger, ewiger Gott, Der Du Alle selig machen willst, siehe gnädig auf die Seelen der Ungläubigen und Irrgläubigen herab, und mache, daß sie ihre Verblendung erkennen, jede Spaltung vernichte, jede Irrlehre verschwinde, und alle Völker in dem Schooße der katholischen Kirche sich vereiniVater unser 2c. gen. 4. Erbarme Dich, o Gott, aller verstorbenen Christgläubigen; verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen die Verzeihung ihrer Sünden, damit sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit gewünschet haben, durch gottselige Fürbitte erlangen. Amen.- Vater unser ac. Morgengebet. Im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesu stehe ich auf, und beginne den Tag im Vertrauen auf die mächtige Fürbitte des Heil. Aloysius. Ich nehme mir heute mit der Gnade Gottes ernstlich vor, nach dem Beispiele des heil. Aloysius zu wandeln, meine Ges danken und Begierden, meine Augen und 379 meine Zunge sorgfältig zu überwachen, als ein treuer Sohn( treue Tochter) der Mutter Gottes, meinem Heilande mit reinem Herzen und keuschem Leibe allezeit zu dienen, und im Kampfe gegen die Welt, dem Teufel und der Sinnlichkeit standhaft auszuharren, damit ich am Abende keine Ursache habe, den Tag zu bereuen, sondern dafür freudig danken kann, daß ich den Tag im lebendigen Glauben angefangen, in der unerschütterlichen Hoffnung fortgesetzt, und in der wahren Liebe vollendet habe. Um diese Gnade, o Herr, flehe ich zu Dir, Der Du meinen aufrichtigen Willen, stündlich besser zu werden, erkennest, und Dessen Name die Engel in Ewigkeit preiſen. - Amen. - Abendgebet. Was habe ich seit der Zeit meines Aufstehens gethan, was habe ich unterlassen? warum betrug ich mich so gegen Gott, gegen meinen Nächsten, gegen mich? oor siste Beschämt muß ich an mein fündiges Herz schlagen und rufen: Vater, ich habe aber17 380 mals gesündiget vor Dir und vor den Menschen, erbarme dich meiner nach Deiner großen Barmherzigkeit! Gib mir eine so deut liche Erkenntniß einer Sünde, wie Deinem Liebling Aloysius, damit ich mit Thränen der Buße Dich versöhne und mein Herz reinige." Vater, verzeihe mir, damit ich mich getrost in Deine Arme empfehlen und ruhig schlafen kann, um morgen mit neuen Kräften Deinen Namen würdiger preisen, deinem treuen Diener Aloysius mehr Freude machen und Dir sammt dem Sohne und dem heil. Geifte das lebendige Zeugniß unerschrocken geben zu können. Heilige Maria! schüße auch du mich, wie den heil. Aloysius, und erflehe mir die beständig bewachende Gegenwart der heil. Engel, damit ich befreit bleibe von jedem Traume, welcher mein Herz beflecket, welches ich Dir freudig übergebe. Amen. - Meßanda ch t. Mit wahrer Freude und inniger Andacht trete ich zu dem Altare, vor dem der heilige Aloystus so gerne verweilte, um daselbst mei D 381 ne Schuld, meine Schuld, meine allergrößte Schuld zu bekennen. In Demuth erhebe ich mein sündiges Herz zu Dir, und rufe: Herr, zeige mir Deine Barmherzigkeit, und laß mich Dein Heil sehen. Feßle Du, o Gott, während der Zeit des unblutigen Opfers unsere Herzen mit dem Feuer des heiligen Geistes, damit auch wir gleich deinem jungfräulichen Kinde Aloysius von den heiligen Flammen einer keuschen Liebe erwärmt, von aller Anfechtung bewahrt, in der Versuchung gestärkt, Dir mit keuschem Leibe und reinem Herzen dienen, bis der Herr Jesus zum Gerichte kommt, damit Er nichts an uns finde, was uns Deiner Anschauung berauben könnte, Der Du mit dem Sohne und dem heiligen Geiste in ungetheilter Einigkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit lebest. Amen. - Gebet zur Zeit heftiger Versuchungen gegen die Reinigkeit des Herzens.. Heiliger Aloysius! mit Thränen erhebe ich mein vom Kampse ermattetes Herz und 56 382 zitternd vor der Gefahr, falte ich meine Hände und flehe zu dir, um deine mächtige Fürbitte. Sieh' an meinen guten Willen, und die großen Versuchungen, von denen ich gepeiniget werde; wende dich von mir nicht hinweg und verlasse mich jetzt nicht, sondern bitte bei Gott für mich, damit Er mein armes Herz stärke, meine Gedanken reinige, damit ich Ihn durch keine Zerstreuung beleidige, sondern mit Dir vereint Ihn wahrhaft lobe, preise, anbete und von Ihm begnadiget das Haus verlasse und in meinem Berufe gewissenhaft lebe. - Bum Gloria. CHOICE OF Meine Seele frohlocket und jubelt in heiliger Freude über dich, o großer, mächtiger Gott; denn Du nur allein bist aller Liebe, alles Robes und aller Anbetung würdig, weil nur Du allein heilig, allein der Herr, du allein der Allerhöchste bist, und von Deiner Herrlichkeit Himmel und Erde voll sind. Gebet. Vor Deinem heiligen Angesichte, o großer Gott, erscheine ich, um deiner unendlichen RAC - 383 Majestät diese Andacht aufzuopfern. Nimm sie gnädig an, zur Ehre Deines heil. Namens, zur Anbetung des allerheiligsten Sakramentes, zum Andenken des Leidens und Sterbens Jesu Christi, zur Verehrung der seligsten Jungfrau Maria, wie auch des englischen Jünglings Aloystus, den du mit so vielen Gnaden geziert, und jetzt so sehr verherrlichet haft. Auf die Fürsprache des heil. Aloysius gewähre mir die Gnade, daß ich seine schönen Tugenden, welche ich betrachten will, eifrig nachahme, und mit ihm in der ewigen Seligkeit vereiniget werde. Amen. Bur Epistel. Deine heiligen Apostel, o Jesu, lehrten den wahren Weg, der zum Heile führet. Sie sind mit dem Zeichen eines lebendigen Glaubens vorangegangen, ihr Wandel und ihre Schriften verkündigen mir deine heilige Kirche jeden Tag; verleihe mir die besondere Gnade, daß auch ich, wie der heilige Jüngling Aloysius, jederzeit apostolisch lebe und einst in dem lebendigen Glauben, der festen Hoffnung und der Alles hingebenden Liebe apostolisch sterben kann. Amen. - 384 - Bum Evangelium. Täglich, o mein Gott, erinnert mich dein heiliges Evangelium, daß der Himmel und Erde vergehen, Deine Worte aber ewig bestehen; präge auch diese Wahrheit meinem Herzen tief ein, damit ich mich nicht so sehr nach dem Vergänglichen sehne, sondern mich alle Tage meines Lebens so frage, wie einst dein wahrer Diener Aloystus: Nüßt das oder nüht jenes etwas zum ewigen Leben, und ich daher doch endlich einmal nicht bloß mit dem Körper, sondern auch in Wahrheit mit dem Geiste auf stehe und nach deinem Worte unermüdet wandle. 3um Eredo bete den Glauben. Bum Offertorium. Gerne möchte ich Dir Alles geben, was ich habe, wenn du es verlangen würdest. Ich weiß, daß du nur eines verlangest, und dafür dich selber schenkest. Freudig bring' ich Dir mein Herz dar, und lege es auf die geheiligten Opfergaben, die Dir jetzt dein Priester aufopfert. Segne meinen aufrichtigen Willen, und verlaffe mich nie in deiner Gnade, weil ich dann cat KG 385 wahrhaft arm wäre, und wenn ich auch die ganze Welt besäffe. Amen. - - LGS Bur heiligen Wandlung. Ich vermag es nicht, mein Gott, Deine Liebe recht so zu fassen, wie der seraphische Jüngling Aloystus. Vertrauensvoll flehe ich durch ihn zu Deiner Barmherzigkeit, um einen Strahl Deiner Gnade, damit ich verstehe, was jetzt geschieht, würdig Den anbete, Der jetzt fommt, mich mit Dem vollkommen verföhne, Der Sich Dir jetzt mit Leib und Seele als Gott und Mensch durch den Priester aufopfert, damit ich von nun an nur Dir lebe, nur Dir sterbe. Amen. Bur heiligen Communion. Wie glücklich fühle ich mich in dem Augenblicke, der sich jetzt naht! Ich kann- meinen Heiland, wenn auch nicht dem Leibe nach- doch wenigstens geistiger Weise empfangen. Heilige mich, mein guter Jesus, wie du das Herz des heil. Aloysius so oft geheiliget, und auf Deine Ankunft vorbereitet hast, damit ich Dich würdig empfangen kann. 25 386 Nach der heiligen Communion. Bleibe bei mir, o mein Erlöser, und befreie mich immer mehr von jeder sündhaften Neigung. Gib mir Liebe zum Gebet, Geduld in Leiden, Eifer zur Arbeit, Kraft in der Versuchung, Klugheit in meinen Geschäften, Gerechtigkeit im Umgange, und endlich verleihe mir eine glückselige Sterbestunde. Das Gebet. Seite 374. Zum Schlusse der heiligen Messe. Lasse mich heute, mein Herr Jesu, nicht ohne Segen von Dir gehen. Verzeih mir jede Zerstreuung, und gib mir einen heil. Engel zum Begleiter mit, damit er mein Herz vor jeder sündhaften Begierde bewahre, mir in jeder Versuchung helfe und mich vertheidige, in der Prüfung stärke und meine Gedanken in Deiner Allgegenwart jederzeit erhalte, damit ich in jedem Augenblicke als ein wahrer katholischer Christ denke, begehre, rede und handle, und ich einst jenen Lohn mit Zuversicht erwarten darf, den Du dem wahren und unbescholtenen Sohne Deiner Kirche verheißen hast, Der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste regierest und lebest in Ewigkeit. Amen. 387- Beichtgebete. Ganz ergriffen bin ich, wenn ich, o heil. Aloysius, deinen Ernst betrachte, mit dem du dich jederzeit auf die heil. Beicht vorbereitet hast. Du Meister jeder Tugend, stehe mir doch bei, und helfe mir mittelst deiner kräftigen Fürbitte, damit ich alle meine Sünden so erkenne, wie ste vor den Augen Gottes sind, durch eine wahre Reue tilge und während ich vor meinem Beichtvater. kniee und mich als armer Sünder anklage, so bitte Gott für mich, damit ich vollständig und reumüthig beichte, keine Sünde verschweige oder mit Umständen bekenne, daß dein Stellvertreter durch mein Bekenntniß irre geführt wird. Verschaffe du mir, heiliger Bekenner, durch dein Gebet ein gelehriges Herz, welches die liebreichen Ermahnungen des Priesters freudig aufnimmt, und einen kräftigen Willen, um auszuführen, was ich mir an dem geheiligten Orte vorgenommen habe,- damit ich nach jeder heil. Beicht sündenfreier, gottgefälliger und immer vollkommener werde. Amen. Nach der heil. Beicht die vollkommene Neue. 16 25* Golly Golly Gollay - 388 Gebet zur heil. Communion. Mit welcher Sehnsucht, o Heiland, würde ich mich Deinem Tische nahen, wenn mein Herz dem Herzen deines Lieblings gleichen würde. So aber muß ich erröthen, wenn ich meine Sündhaftigkeit betrachte, und dabei an Deine Langmuth und Liebe denke. Ich weiß wohl, daß nur Du mich so heiligen kannst, daß ich Dich würdig empfangen kann. Mache mich doch wahrhaft würdig, und stille mein Verlangen, du liebender Bräutigam jungfräulicher Seelen. Beglücke mich mit den Segnungen, die Du denen verheißen haft, die Dein Fleisch würdig essen, und Dein Blut nach deiner Vorschrift trinken, dann komme, komme mit Deiner Alles verzehrenden Liebe, und verlasse mich nicht. Gebet nach der heil. Communion. O glückliches Herz! nun wohnt in dir Der, Welcher jungfräuliche Herzen wahrhaft liebt, dein Gott, dein Heiland, dein Erlöser, dein Alles wählte dich zu Seiner Wohnung und zum Gnadenthron. Bitte deinen Seelenbräutigam, auf daß Er dich nicht verlasse, sondern GOO 389 dich beglücke mit Seiner ewigen Gegenwart. O Schau an, Jesu! das Elend des Herzens, das Du bewohnst, und heile seine Wunden, bereichere es mit Deinen Gnaden; erfülle es mit wahrer Gottseligkeit, belebe es mit dem Feuer Deiner Liebe, damit es in Zukunft nie mehr für die Welt, das Vergängliche, das auf ihr ist, schlage, sondern nur für Dich, Der Du sein Leben, seine Wahrheit, und sein Weg dorthin bist, wo Du mit dem Vater und dem heil. Geiste als gleicher Gott lebeft in Ewigfeit. Amen. - Monatliche GedächtnißtageE des heiligen Aloysius. Ablaßtag. Jänner, den 7., 1740 verleiht Clemens XII. für die sechs seiner Verehrung gewidmeten Sonntage vollkommenen Ablaß. Weihungstag. Februar, den 25., 1588 empfängt Aloysius vie ersten heiligen Weihen. Geburtstag. März, den 9., 1568 wird Aloysius zu Castilien 390 geboren, und gelobet im Jahre 1577, wahrscheinlich d. 25. dieses Monats, die ewige Keuschheit. Giorietag. April, den 4., 1600 sieht Magdalena von Pazzis die himmlische Glorie des heil. Aloysius. Erhöhungstag. Mai, den 21., 1605 ward das Bildniß des h. Aloysius zum ersten Male zur Verehrung ausgesetzt. Sterbetag. Juni, den 21., 1591 stirbt Aloysius in dem Collegium der Jesuiten zu Rom. Erster Communiontag. Juli, 1580 empfängt Aloysius das erste Mal das allerheiligste Altars sakrament. Berufstag. August, den 25., 1583 erkennt Aloysius zu Madrid deutlich den Beruf, in die Gesellschaft Jesu zu treten. Seligsprechungstag. September, den 26., 1605 wird Aloysius vom Papste Paul V. selig gesprochen. Verkündigungstag. October, den 19., 1605 wird mit Erlaubniß eben dieses Papstes zuerst die Lebensgeschichte des heil. Aloysius im Drucke der Welt bekannt gemacht. Gelübdetag. November, den 21., 1785 tritt Aloysius in die € 66. 391 Gesellschaft Jesu ein, und legt im Jahre 1587 die Ordensgelübde ab. Heiligsprechungstag. December, den 31., 1726 setzt Benedict XIII. Aloysius in die Zahl der Heiligen. - Diese Tage sollen die Pflegekinder des h. Aloyfius mit besonderer Andacht zubringen, wozu ihnen gegenwärtiges Büchlein hinlänglichen Stoff darbieten wird. Geistliche Lieder, zum Gebrauche beim öffentlichen Gottesdienste. Meßgefang. Bum Introitus. Wir werfen uns darnieder, Vor Dir, Gott Sabaoth! Erhöre uns're Lieder, Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir Es andachtsvoll besingen, Und wohlge fallen Dir. Bum Gloria. Gott Vater! Dir gehöret Lob, Nuhm und Dank und Ehr', Was uns're Ruhe störet, Verstatte nimmermehr; Auf Erden laß' uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir Dir fröhlich dienen, von Furcht und Angst befreit. 1955 392 - Bum Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium, Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott Selber hat's gelehret, Der nicht betrügen kann; Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. Bum Credo. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath, Gott, Den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat; Von Ihm ist ausgegangen Sein Sohn, Der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen Durch Gott den heil'gen Geist. almareste Zum Offertorium. Herr! laß' doch diese Gaben Dir wohlgefällig sein, Die wir geopfert haben; Es ist zwar Brot und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut, Das ist uns hier auf Erden, Und den Verstorb'nen gut. Bum Sanctus. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und dreimal heilig fingen Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von Deinem Ruhm; Hilf, das bekehret werde Das blinde Heidenthum. Nach der Wandlung. Hier bet' ich auf den Knieen, Verborg'ner Gott Dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was Du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen, Dein 393 Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens sein. - Bum Agnus Dei. Erfreut euch, fromme Seelen, Ein Wunder ist gescheh'n; Der Herr will sich verhehlen, Kein Auge kann Ihn seh'n; In Brot- und Weinsgestalten Ist Jesu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. Bum Segen des Priesters. Da wir nunmehr gehöret Die Messe wie man soll, So sei auch Gott geehret! Er mach' uns segensvoll, Und laß' es sich gefallen, Was wir allhier gethan, Er bleibe bei uns Allen, So sind wir wohl daran! Lied vom heiligsten Herzen Jesu. Im Tone:" Im Himmel nnd auf Erden 2c." 1. Dem Jesu Herzen singe, Mein Herz, in Liebeswonn'! Durch alle Wolken dringe Der laute Jubelton: Gelobt, gebenedeit Soll sein zu jeder Zeit Das heiligste Herz Jesu, In alle Ewigkeit. 2. O Herz, für mich gebrochen, Aus übergroßer Huld, Mit einer Lanz' durchstochen, Ob meiner Sündenschuld! Gelobt zc. 3. O Herz, so mild gefloßen, Von Wasser und 394 von Blut, Wie strömet ausgegossen Vom Kreuz die Gnadenfluth! Gelobt sc. 4. O Herz, in lauter Flammen, Von Liebe ganz verzehrt, In dieses Herzens Namen Wird Alles mir gewährt! Gelobt sc. 5. Herr Jesu! eine Bitte, Nur Ein's verlang' ich hier: In Deines Herzens Mitte Gib auch ein Pläßchen mir! Gelobt 2c. 6. 3war bin ich voller Sünden, Ein Lamm, das sich verirrt; Doch sieh, ich laß' mich finden Von Dir, o guter Hirt! Gelobt zc. 8. Wie Du von Herzen milde, Und demuthsvoll und rein, So soll nach Deinem Bilde Mein Herz gestaltet sein! Gelobt 2c. 9. Hinweg mit allen Trieben, Worin die Welt sich freut! Nur Jesum will ich lieben, Ihm sei mein Herz geweiht! Gelobt ic. 10. Wer gibt mir Taubenflügel Zu Jesu Herzen hin, Daß über Berg und Hügel Zu Ihm ich möge flieh'n! Gelobt zc. 11. In dieses Herzens Wunde, In meiner Seele Ruh'; In Glück und Leidensstunde, Ruf ich der Welt dann zu: Gelobt ic. 12. Und wenn die Augen brechen, Entflieht der Erde Schein, will ich noch sterbend sprechen: Herr Jesu, ich bin Dein! Gelobt sc. olehole 395 - Lied vor dem heiligsten Altarssakramente. 1. Komm, o fromme Christenschaar! Wirf dich nieder am Altar;( Denn es stellt in Brotsgestalten Sich dein Heiland dar). 2. Hier ist Jesus Fleisch und Blut, Hier das allerhöchste Gut.( Keine Seele geht verloren Unter Seiner Huth.) 3. Sei geehrt, gebenedeit, Trost in Widerwärtigkeit!( Allen, die sich Dir vertrauen, Wahre Sicherheit!) 4. Gib uns Segen, großer Gott! Wundervolles Himmelsbrot!( Hilf den Deinen und bewahre S vor aller Noth.) 5. Gib uns wahre Buß' und Reu', Mach' uns von den Sünden frei:( Daß nach Glauben, Hoffen, Lieben Unser Trachten ſei.) 6. Ist nun unf're Pflicht gethan, Und vollend't des Lebens Bahn,( O dann nimm zu Deinen Freuden Uns're Seelen an). 7. Sei gelobt, gebenedeit, Heiligste Dreieinigfeit!( Jesus Preis im Sakramente Bis an's End' der Zeit.) Das Te Deum Laudamus. 1. Großer Gott! wir loben Dich, Herr! wir preisen Deine Stärke; Vor Dir neigt die Erde sich, 396 Und bewundert Deine Werke; Wie Du warst vor aller Zeit, So bleibst Du in Ewigkeit. - 2. Alles, was Dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, Stimmen Dir ein Loblied an: Alle Engel, die Dir dienen, Nufen Dir stets ohne Ruh': Heilig, heilig, heilig zu! 3. Heilig, Herr, Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! Starker Helfer in der Noth! Himmel, Erde, Luft und Meere Sind erfüllt mit Deinem Ruhm, Alles ist Dein Eigenthum. 4. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge Schickt zu Deinem Thron empor Neue Lob und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schaar Lobt und preis't Dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Erdenkreis Loben Große und auch Kleine Dich, Gott Vater, Dir zum Preis Singt die heilige Gemeine; Sie ehrt auch auf Seinem Thron Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehrt den heil'gen Geist, Welcher uns mit Seinen Lehren Und mit Troste kräftig speift, Der, o König voller Ehren, Der mit Dir, Herr Jefu Chrift! Und dem Vater ewig ist. 7. Du, des Vaters ew'ger Sohn, Hast die Menschheit angenommen, Du dist auch von Deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen; Gnade hast Du uns gebracht, Von der Sünde frei gemacht. 8. Nunmehr steht das Himmelsthor Allen, wel che glauben, offen; Du stellst uns dem Vater vor, 397 Wenn wir findlich auf Dich hoffen. Endlich kommst Du zum Gericht; Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh', Herr! Deinen Dienern bei, Welche Dich mit Demuth bitten, Die Dein Blut dort machte frei, Als Du für uns hast gelitten; Nimm uns nach vollbrachtem Lauf Zu Dir in den Himmel auf. 10. Sieh Dein Volk in Gnaden an; Hilf uns, segne, Herr! Dein Erbe. Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe; Hilf, daß es durch Buß und Fleh'n Dich im Himmel möge seh'n! 11. Alle Tage wollen wir Dich und Deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten Dir Ehre, Lob und Dank erweisen, Gib, daß wir von Sünden heut, Und von Lastern sein befreit. 12. Herr, erbarm', erbarme Dich! Ueber uns, Herr! sei Dein Segen, Deine Güte zeige sich, So wie wir zu hoffen pflegen. Auf Dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren sein. Inhalt. 1. Von dem Werthe eines reinen Herzens 2. In einem jeden Stand und in einem jeden Geschlecht kann man unschuldig und heilig leben 3. Wer wahrhaft fromm werden will, muß doch vor Allem wissen, und darf es nie vergessen, warum er auf der Welt ist 4. Die Freuden des Himmels ● 5. Die vorzüglichsten Hindernisse auf dem Tugendwege, den Aloysius wandelte und jeder Fromme gehen soll 6. Der verkehrte und schwache Wille steht einem jeden Menschen im Wege, der gerne besser werden möchte 7. Das, was man sieht, ist für den sehr gefährlich, der Gott wahrhaft lieben lernen will 8. Viele, welche wahrhaft christlich leben wollen, fallen in die Schlinge der Gaumenlust 9. Der viel redet, wird es in der wahren Frömmigkeit nicht gar weit bringen 10. Unser schwächlicher Körper hindert den Menschen nicht selten im Fortschreiten in der Vollkommenheit 11. Hindernisse auf dem Wege zur vollkommenen Liebe Gottes legen oft sogar die Eltern. 12. Besonders hindert die Welt mit ihren Reden denjenigen, welcher ein wahrhaft gottseliges Leben führen will Seite 3 11 19 33 46 55 62 67 72 81 87 102 13. Die Beispiele der Welt hindern gewaltig, und bereiten zur Zeit einer Versuchung einen heftigen Kampf 111 14. Die Reichthümer werden von dem Feinde der Gott seligkeit nicht selten dazu gebraucht, den Menschen von Gott abzubringen 15. Die Armuth des heil. Aloysius als Ordensmann 16. Der Ehrgeiz verwirrt nicht selten den gutwilligsten Menschen 115 122 1.25 බව වැඩ Inhalt.. 17. Sehr Viele täuscht der Satan mit den nichtigen Hoffnungen 18. Die bösen Gesellschaften reißen oft das schwache Gemüth von Gott zur Welt hin. 19. Das Bücherlesen hat auf das Leben eines jeden Menschen viel Einfluß 20. Der rechte Gebrauch der Zeit verschafft dem Menschen viele Siege über sich und die anderen Versuchungen 21. Sei demüthig und du wirst in kurzer Zeit vollkommen sein 22. Der strenge Gehorsam ist eine der vorzüglichsten Früchte einer wahren Demuth 23. Von der Liebe Gottes. 24. Die wahre Liebe zu Gott wird durch eine aufrichtige Nächstenliebe entzündet, erhalten und bekannt 25. Wer vollkommen werden will, muß oft beten 26. Die Eigenschaften des Gebetes 27. Von dem Betrachten 28. Fortseßung der Unterweisung im innerlichen Gebete ( der Betrachtung) 29. Die ordentliche Gewissenserforschung ist für jeden nothwendig, der wahrhaft fromm werden will 30. Die heilige Beicht 31. Von den Beweggründen zur wahren Reue 32. Von der heil. Communion 33. Vorbereitung zum würdigen Empfange des hochwürdigsten Sakramentes des Altars 34. Von der öftern heil. Communion, und besonders von der geistlichen heil. Communion 35. Willst du ausharren in deinem Streben nach wahrer Glückseligkeit, so liebe die Mutter Gottes 36. Aufforderung zur Aloysi- Andacht 37. Wunderbare Geschichte Wolfgangs von Asch, der sich besonders durch seine Verehrung des heil. Aloysius von Gonzaga auszeichnete Lied an den heil. Aloysius G8 Seite 133 143 148 156 161 172 178 186 196 205 212 220 224 232 238 242 249 257 273 284 292 298 Inhalt. 1. Sonntag Betrachtung der Unschuld und Reinigkeit des heiligen Aloysius 2. Sonntag. Liebe zum allerheiligsten Sakramente 3. Sonntag. Verehrung Mariens 4. Sonntag. Selbstverläugnung 5. Sonntag. Eingezogenheit 6. Sonntag. Die Nächstenliebe des heil Aloysius Vollkommener Ablaß. Täglicher Vorsatz Tagzeiten zur Ehre der unbefleckten Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria Litanei zur seligsten Jungfrau Tagzeiten. Vorbereitung Litanei von dem englischen Jüngling Aloysius Gebet um Nachfolge des H. Aloysius Gebet um die Beständigkeit im Guten ● Ablaßgebet, welches man am Schlusse der Andacht eines jeden Sonntags sprechen kann Morgengebet Abendgebet. Meßandacht Beichtgebete Gebet zur Zeit heftiger Versuchungen gegen die Reinigkeit des Herzens Gebet zur heil. Communion Gebet nach der heil. Communion Monatliche Gedächtnißtage des h. Aloysius Meßgesang. Lied vom heiligsten Herzen Jesu Lied vor dem heiligsten Altarssakramente Das Te Deum laudamus. ● Seite 302 310 317 321 327 334 339 341 342 352 354 369 374 375 376 378 379 380 381 387 388 - 389 391 393 395 Inches 1 Centimetres Blue 2 1 3 4 Cyan 2 5 6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8