Gb 43 84 mimary Kirbaling you demau, der ewiesen, wel on ihm wie beiden Or Drücklich en uun n 20082 964383 Eister Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gefänge für: Gefunde Vor's Sab.bat Der glaubige Chrift- bereitet sich zum Gottesdienst.. Aufmunterung Psalm 27, g. 4. ins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich in. House des Herrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die yönen o tesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen Es hat der weise Goit, sogleich nach dem San denfall, dem ersten Menschen Adam die Opfer ngewiesen, welche seine Kinder Eain und Abel ihm wiederum empfangen, indem you okien iden, Opfern im 1.B. Mos: 4, 0 klich Meldung geschiehrt. Diese Opfer geld un nicht stillschweigend, sondern dabei, be ar Der glaubige Chrift bereitet fich fie ihre Günden, baten Gott um Vergebung elben, bezeugten ihren Glauben an den künf n Mestam, Jefum Chriftum, der auch würde Blu für die Menschen vergießen, wie das er Thier. Ja, fie lobten bei solchen Opfern t für die empfangenen Wohlthaten, und preen auch von dem Namen des Herrn. Hiezu der fiebente Tag bestimmt, welchen Gott zur Ruhe geheiliget hatte, da er in sechs en die Welt erschaffen, und am siebenten ru Bu sen. Diese Art des Gottesdienfles ist immer den Erzvätern gehalten worden, bis Gott er Wüste ließ die Hütte des Stifts aufrich nach deren Bild Salomon hernach den Tem bauete. Im neuen Testament feiern die Chris Gott dem Herrn auch einen Tag, nämlich Sonntag, als an. welchem Tag Christus is estanden, und der heilige Geist ausgegoffen Wenn nun solcher Tag herbei kommt, ein glaubiger Christ 1) des Sonnabends in en Feierabend, sein Gemüth von irdischen jen frei machen, und seine Arbeit niederlegen. foll 2) sich auf den bevorstehenden Sonntag ten mit Beten, und Gott loben für die vie Wohithaten, welche er die Woche über emgen. Er soll 3) dasjenige Evangelium oder tel, welche man des Sonntags erklärt, in der I aufschlagen, darüber eine Betrachtung alln, und sich also zu andächtiger Anhörung de ichen Worts bereiten. Er soll 4) in Zeiten mit solchen guten Gedanken zur Ruhe leger iter am Sonntag desto früher und munter bem Gottesdienst erscheinen könne. Univ. Bibl. Giessen T zum Gottesdienst. Gebet Gnädiger und barriverziger Gott! ich komme an diesem Tag vor dein Heili ges Angesicht mit Loben u. Danken, daß du mich die vergangenen fechs Tage so guidiglich erhalten, u. die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hast. Duhast meinen Eingang u. Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Gehefnun weg ihrirdischen Geschäfte! weicht von mir ihr Sor gen! jest bau ich in meinem Herzen Gott einen Tempel auf! Es soll ein Bethaus werde, darin ich meinem Gott'alleth dienen will. Ich vergesse, was dahinten ist, ich lege meine Arbeitslasten and Hand thierung nieder, und richte meinenShin allein zum Himmel, zuGott, un min ihm zu erfreuen. Oder unaussprechli hen Liebe des großen Gottes, welcher den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat, diese Ruhe 22 Der glaubige Christ bereitet fich ist ein Andenken der Ruhe im Paradiese, dawirohnemühsame Arbeitallzeit Gott zu dienen und zu loben wären beschäftigt gewesen. Diese Ruheistein Bild derkünftigen Himmelsruhe; denn es ist denKindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben angehen wird; da werden sie von aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen, und von Sünden befreit seyn. Ach gnädiger Gott! laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hinbringen. Bewahre mich vor bösenGesellschaften, daß nicht etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, und hilf, wenn er sie mir schicket, daß ich ihnen nicht folgen möge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christen thum, zu deinem Lobe und Dienst ver ordnet hast, nicht möge in Müßiggang, Faulheit, leppigkeit, Luftbarkeit und Sünden hinbringen, und dadurch me Jam Gottesdienst. nerSeele den größtenSchadenzufügen; sondern gieb mir deinen heiligen Geiſt, daß ich den ganzen Tag, von dem Morgen bis auf den Abend, zu deinem Dienst anwende. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit feine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und so sich ja einige melden, daß ich sie durch deine Kraft vertreibe; oder so Satan mir einen bösen Nachbar schicken wollte, der ein irdisch Geschwäß in deinem Hause anfangen wollte, so verleihe mir Stärke, daß ich ihm kein Gehör gebe, sondern mit meiner Aufmerksamkeit ihn zu deinem Diensterwecken n. aufmuntern möge. Wenn dein Wort geprediget wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz faffen, als eine thenernSchat darin bewahren möge. Hilf, daß ich an diesem Sonntag auch in meinem Christenthum mich erbaue, in der Erkenntniß der Wahrheit zunehme, damit dasgepredigte und gehörte Wort mich ändere, hei lige, bekehre, und zu einem neuen Neu 6 Der glaubige Chrift bereitet fich schen mache, auf daß ich, wie an Jahren, also an dem inwendigen Menschen, an Glauben und Fromigkeit wachsen, und eine neue Kreatur, jaein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutsam verwahren, und den Tag mit Gebet und Lobgesängen schließen. Ach! laß mich stets des angehörten Worts eingedenk bleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun, und also beweisen möge, ich sey kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thiter des Worts. So laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude, zu dem ewigen Sabbath durch Jesum, meinem einigen Erlöser u. Seligmacher einführen wirst. Ich will in Gottes Haus mit Gotteskindern gehen, ich will in reinem Schmuck vor seinem Altar stehen, mein Herz soll höchst vergnügt in seinem Willen ruhn, der Leib soll nichts als Noth- u. Liebes jum Gottesdienst. 7 Werke thun. Komm heute in mein Herz, du König aller Frommen, laß mit dir Segen, Heil und Seelenfrieden kommen, die Sonne deiner Gnod kehr heute bei mir ein, so wird mir dieser Tag ein rechter Sonntag seyn, Amen. Gefang. Mel. D Gett! du frommer Gott. Mie ie lieblich ist dein Wort, es bringt mir lauter Freude, es ist mein höchster Troft und meiner Seele Weide, es ist mein liebster Schatz, den ich auf Erden hab, der mich erquicken soll, bis man mich trägt ins Grab! 2. Es ist dein Wort mein Licht, das mit den Weg recht zeiget, und mich bestraft, wenn sich mein Fuß zum Irrweg neiget, ich glaub uach diesem Wort, und leb nach diesem Wort, so bringt mich dieses Licht auch an den Freudenort. 3. Es ist mein Honigsfeim, damit ich mich erlabe, wenn ich viel Bitterfeit in meinem Herzen habe. Wie süß ists meiner Seel, wenn sie in Trübsal steckt, wenn.it des Troftes Quell im Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schatz, groß über alle Schätze, daran ich mich allein in Noth und Tod ergöße, den Schatz raubt mir kein Feind und keiner Feinde List, weil er gar wohl- verwahrt in meinem Herzen ist! 5. Pflegt Gold und Silber gleich ein Eitler zit erwählen, viel lieber ist dein Wort der Gottgelaßnen Seelen; wenn man dein Wort und Gold ihr stellet vors Gesicht, so greift sie nach dem Wort, und acht't des Goldes nicht. 8 Aufmunterung zum 6. Rathsleute suchen die, so da im Zweifel stehen, dieselben sind dein Wort, dahin ich pfleg zu gehen; frag ich, was thu ich jetzt, gehts übel oder wohl? so zeiget mir dein Wort, was ich erwählen soll. 7. Nach diesem Lebenswort will ich nun einhergehen, es soll mein Leitstern seyn, o! darnach will ich sehen, womit es mich anweist, das thu' ich ungescheut, und meid mit allem Fleiß das, was es mir verbeut. 8. Ach nimm doch nicht hinweg das Wort aus meinem Munde, ach! laß es seyn mein Trost bis in die Todesstunde; wenn sich mein Mund zu schleußt, nimmt keine Speis mehr ein, so laß bein liebes Wort der Seelen Speise seyn. 9. So hab ich Unterricht, dieweil ich werde leben, ich hab auch Trost, wenn ich soll meinen Geist aufgeben; und was dein Wort verspricht in dieser Gnadenzeit, sieh, das erlang ich dort in jener Herrlichkeit. Aufmunterung zum Morgen- Gebet am Sonntag. Psalm 5, v. 2. 4. Herr, höre mein Wort, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Unser ser ganzes Leben ist nichts anders, als Beten und Danken: nämlich, daß wir alle Tage Gott in unserm Gebet anrufen um seinen Segen, Hülfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches er. langen, daß wir ihm herzlich dafür danken. Dar um, glaubiger Chrift! wenn du des Morgens er wachest von deinem Schlaf, so hebe vor allen Din gen deine Augen auf gen Himmel, denk nicht gleich) an deine Geschäfte und Arbeit, lauf nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern falle erst nieder auf deine Kniee, dante Gott und empfehle dich seinem gnä, digen Schuß. Denke nicht, du versäumest zu viel, Morgen- Gebet am Sonntag. wenn du solltest eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet anwenden. Onein, die aufs Gebet gewendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde seyn. Darum, wenn du erwacheft, und des Morgens gefund aufstehest, bedenke: 1) wie viele fromme Christen, welche vielleicht from. mer sind als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber haft dergleichen nicht empfunden. Bedente. 2) wie Andere in der Welt in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal gerathen sind, dir aber fehlet nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, daß du an demselben dich wider ihn und den Nächsten nicht verfündigen mögest. Bitte 4) Gott, er wolde den Tag über dich begleiten, bewahren, und in deinen Geschäften und Berufswegen seguen. Ja übergieb dich 5) Gott. also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn denken, und mit Wissen und Willen ihn nicht beleidigen mögest, und alsdann zweifle nicht, der Herr wird dein Seufzen und Ge bet in Guaden erhören und den Tag über dir das. jenige geben und verleihen, was dir an Leib und Seele wird nüglich seyn. Morgen- Gebet am Sonntag. Herr! früh wollest du meine Stimme hören, früh will ich mich zu dir schiden. Allmächtiger, gnädiger Goit! du 9 10 Morgen- Gebet am Sonntag. bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre, wer sollte dich nicht fürchten? Du König der Heiden! wer sollte dich nicht ehren? Oliebreicher Vater! ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demütht= gem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um michu.die Meinigengeschla gen, und deine Güte u. Treue wiederum an mir hast neu lassen werden. Begleite und schüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag einen Erbeuungs- und Erquicungstag für meine Seele seyn. Du hast nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, daß du dein Werk in mir haben mögest. O darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich Schäße moge sammeln, welche mich in Noth und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rostfressen, da die Diebe nicht nach-. graben noch stehlen. Mein Gott! daß soll heute meine Lust seyn, dein Wort zu hören, in die mich zu erbauen, dir zu Eh Morgen- Gebet am Sonntag ren Lob- und Danklieder anzustimmen, eifrig zu beten u. mein Herz dir zu schenFen. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer seyn, sondern ein Thäter des Worts werden. Deffne mit das Herz, wie der Lidia, daß ich den Saamen des Worts mit Freuden aufnehme, schließ hernach mein Herz zu, daß mir ihn Satan nicht wieder raube.Laß mich heute in meinem Christenthum, in der Erkenntniß Jesu Christi, Glauben, Liebe, in der Berläugnung meiner selbst, Absterben der Welt, einen festen Grund legen, auf daß ich die künftige ganze Woche daran denke, es ausübe und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Berführungen, wenn derSatan seine Werkzeuge an mich schicket, daß ich nicht meine dir geheiligten Stunden der Welt überlasse, oder ihrer fündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen foll, aufopfere, und eben damit einen 11 Morgen- Gebet am Sonntag, sowereFluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche noch drücken könnte. Ach laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sey du selbst, o Jesu! mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen, bis ich droben mit dir unzertrennlich vers einigt werde. Heiliger Geist, du Himmels- Lehrer, mächtiger Tröster und Be= kehrer, ach laß meines Herzens Schrein ewig deine Wohnung seyn, Amen. Morgen- Gesang. 3 Mel. Wach auf, mein Herz! und singe. ie Nacht ist nun vergangen, brum will ich gleich anfangen, mit Singen und mit Beten vor Gottes Thron zu treten. 12 2. Gleichwie die Mütter pflegen die Kinder sanft zu legen, nach ihnen oft zu sehen, und um ihr Bett zu stehen. 3. So hat auch Gottes Lieben bas Unglück weggetrieben. Ich hab in Schutz und Segen in seinem Schoos gelegen. 4. Mein Herze und Gemüthe erkennt die große Güte, die es hat alle Stunden in dieser Nacht eypfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, laßt uns dem Dant erweisen, der Junge mit den Alten in sei nem Schutz erhalten. Gebet am Sonntag. 13 6. Laßt uns den Tag hinbringen mit Loben, Beten, Singen, in Glaub und Liebe stehen, und feine Sünd begehen. 7. Erheben sich die Glieder, o Gott! so kommt auch wieder die Unruh, Kreuz und Sorgen schon an dem frühen Morgen. 8. Ach, hilf mir alles tragen, wend ab des Kreus zes Plagen, und laß nach Angst und Weinen bie Freudensonne scheinen. 9. Leit mich auf guten Wegen, und gieb mir deinen Segen, und daß ich, wo ich gehe, dich stets vor Augen sehe. 10. Du wollst mein Herz regieren, mit Gottesfurcht auszieren, daß ich mich dir ergebe, und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott! erhör mein Flehen, und laß die Bitt geschehen, so will ich deinen Namen von Herzen preisen, Amen. Der glaubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. Aufmunterung. Psalm 84, v. 1. 2. 3. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn, mein Leib und Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Unter uter andern herrlichen Wohlthaten, welche Gott dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhetag in der Woche bestimmet, daran er von aller Arbeit, Last und Bemůhungen soll befreit seyn, ja er hat auf diesen Tag einen sonderbaren Segen gelegt, welches Segens die werden theilhaftig werden, die ihn andächtig hinbringen. Ist es nun eine Wohlthat, so soll ein 14 Der glaubige Chrift bringt wahrer Chrift fich bûten: 1) daß er den Tag nicht mit Faulheit und Müßiggang zurücklege; denn fo feiern Pferde und Ochsen und andere Laftthiere den Sonntag. 2) Daß er den Tag nicht anwende zu Freffen, Saufen, Ueppigkeit; denn was alle Tage Sünde ist, das ist des Sonntags dop. pelte Günde. 3) Daß er nicht den Sonntag mit Arbeit entheilige, mit irdischen Geschäften, als Spazierenfahren, Schulden eintreiben, Rechnun gen durchgehen, Arbeitslente bestellen; denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüth. Die solches thun, find noch keine rechten Kinder Gottes, sondern Maulchriften, welchen, wie sie fagen, tein Tag so lang wird, als der Sonntag. Ein wahrer Chrift weiß den Tag beffer anzuwenden zur Ehre Gottes und zu feiner Seele Bestem. 1) Zur Ehre Gottes mit Beten, Loben, Singen, Betrachtung der Güte und Wohlthat Gottes, die er die Woche und die Zeit seines Lebens empfan gen. 2) 3u seiner Seele Bestem, daß er den Tag widme zum Gehör göttlichen Worts, damit er in der Erkenntniß Gottes und feinem Christenthum zunehmen möge. 3) Dieses alles aber foll er thun, nicht etwa eine Stunde, sondern den gan. zen Tag: denn das dritte Gebot redet von dem ganzen Tag. Ach gewiß, an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen. Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen drücket. Die Alten haben ge sagt: Wie man höret Gottes Wort, so gehet auch die Nahrung fort. 4) hat man Gottes Wort geboret, so behalte man es in einem feinen guten Herzen, man lebe darnach und sammle sich dabei einen Vorrath an Troftlehren und Machtsprüchen, deren man sich in Noth und Tod bedienen könne. den Sonntag andächtig hin. Gebet. Dieß ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasset uns freuen und fröhlich darinnen seyn. Heute ist des Herrn Tag, und der mir von Gott geschenkte Ruhetag; derohalben will ich ihn zu Gottes Ehren, mit Danken und Beten hinbringen. Ich danke dir, o Gott! für deine vielfältigen Gaben, die du an diesem Tag mir ertheilet. Auf einen Sonntag ist Je= fus, mein Heiland, aus dem Grabe auf erstanden, und der heilige Geist über die Apostel ausgegossen, darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erldsung, die durch Jesum Christum geschehen ist, und der Mittheilung des heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ist ausgegossen wor de. Ich danke dir für dein heiliges reines Wort, so du an diesem Tage lasest predigen zum Unterricht u. Erbauung meiner Seele. Ich danke dir für alle leibliche u. geistliche Wohlthaten, die ich Zeit mei nes Lebens von deiner Baterhand em15 16 Der glaubige Chrift bringt pfangen habe, daß du mich von Jugend auf geleitet, geführt, erhalten, und sehr viel Gutes an Leib u. Seele gethan haft. O wer kann doch deine Wohlthaten alle nennen, die da unzählig sind! nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, son dern auch mein Bettag seyn. Ich bitte dich, mein Gott und Bater! laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen. Behüte mich vor Verführungen, eiteln Gedanken, bösen Gesellschaften. Ach, daß keine Stunde vergienge, darin ich nicht dein Lob außbreitete! Versiegle in meinem Herzen das angehörte Wort, daß ich daran fleißig denke, darnach mein Le ben und Wandel einrichte, und da ich nun eine Woche älter worden bin, so gieb, daß ich in deiner Erkenntniß, Liebe u. Frommigkeit zunehmen, und an dem inwendigen Menschen wachsen möge. Jch bit te dich, gieb mir deinen heiligen Geist, der mich die künftige Woche und die gan ze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gieb deinen den Sonntag andächtig hin. Segen zu meiner Arbeit und Verrichtungen, und laß mich in deiner Gnade meine übrigen Tage ferner erleben, bis ich endlich werde dahin gelange, da ich mitDanken u. Beten dir einen ewigen Sabbath in dem Himmel feiern werde. Heut ift des Herren Ruhetag, vergesset allerSorg und Plag, verhindert euch mit Arbeit nicht, kommt vor des Höchsten Angejicht, Halleluja. 17 Sonntags- Gesang. Mel. Allein Gott in der Höh' sey Ehr. er Sonntag ist des Herren Tag, den läßt uns Gott, erleben, damit ein Jeder ruhen mag, dazu ist er gegeben; ach! bringet boch denselben hin, daß Seele, Herz, Gemüth und Sinn gen Himmel fich erheben. 2. Den Tag hat Gott zur Ruh und Raft, und seinem Dienst geweihet, und ihn von aller Arbeitslaft aus großer Gnad befreiet; hie soll von allem seinem Thun der Herr und das Gesinde ruhn, und sich in Gott erbauen. 3. Verflucht ist, der ein Werk vornimmt, bas Gott nicht selbst erlaubet, und diese Zeit, die Gott bestimmt, mit Arbeit ihme raubet. Wer Wolluft, Bucher, Sünden sucht, der ist und bleibt von Gott verflucht, und wird ohn Segen bleiben. 4. Dieß aber soll man eifrig thun, man soll den Lag hinbringen, weil unsre Seel in Gott folt ruhn, mit Lesen, Beten, Singen; man höre fleifiig Out B 18 Der glaubige Chrift tes Wort, an dem von thm bestimmten Ort, und diene Gott von Herzen. 5. Am meisten denk an Gottes Macht, wenn dein Aug um dich schauet, wie er die Schöpfung hat vollbracht, da er die Welt gebauet, mit Wolken sie schön eingehüllt, mit reichen Gaben angefüllt, zum Nuß und Freud der Menschen. 6. Betrachte, wie auch Jesus Christ an diesem Lag erstanden und aus dem Grab gegangen ist, nachdem bie Todesbanden darinnen waren abgelegt; wohl dem, der gläubig das erwägt, und Jesum dafür preiset. 7. Der heil'ge Geist ist sichtbarlich am Sonntag ausgegossen, o Reichthum, welcher gnädiglich auf uns auch kommt geflossen. Denn dieses Geistes Kraft und Licht versaget uns der Höchfte nicht, zum Glauben uns zu bringen. 8. An diesem Tage sollst auch du dich deiner Tauf erfreuen, und in der stillen Seelenruh den Bund mit Gott erneuen, und denk baran die ganze Woch, ja, auch so lang du lebeft noch, erfreu dich deiner Taufe. 9. Hiebei erwäge allezeit, was Gott dir hat gege ben, wie er nach seiner Gütigkeit, erhält annoch dein Leben, wie er dich schüßet und ernährt, wie dich sein heilig Wort noch lehrt, und zu dem Himmel führet. 10. Du sollst in deinem Christenthum an diesem Tag zunehmen, und dich zu deines Gottes Ruhm, der Frömmigkeit nicht schämen; du sollst in Gottes Tempel stehn, wenn Andere der Sünd nachgehn, und sein Wort fleißig lesen. 11. Dem Wort gieb in dem Herzen Play, und zeig es in den Früchten, und sammle in die einen Schaß, der dich einst kann aufrichten in Traurigkeit, in Angst und Noth, in Krankheit, Trübsal und im Tod, ja auf dem Sterbebette. 12. So wird dir Gott auch gnädig seyn, es stel erwäget den breifachen Sabbath. 19 let sich der Segen, ach! glaub es, bei dir reichlich ein auf allen deinen Wegen, und so wirst du beglücket stehn, und als ein Gotteskind eingehn zur wahren Sabbathsruhe. Der glaubige Christ erwäget den dreifachen Sabbath. Aufmunterung. Chr. 4, v. 9. 11. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So lasset uns nun Fleiß thun, einzugehen zu dieser Ruhe, daß unser keiner dahinten bleibe. Wenn ein wahrer Chrift den Sonntag Gott wohlgefällig hinbringen soll, so hat er sich da. bei zu erinnern, daß ein dreifacher Sabbath zu feiern ist: 1) Ein wöchentlicher Sabbath, wenn er den Sonntag anwendet zur Betrachtung der Wohlthaten, so er von Gott empfangen; ein täglicher oder geistlicher Sabbath, welcher nicht darin beslehet, daß man gar die Arbeit unter laffen folle, sondern durch den täglichen Sabbath wird verstanden, wenn der Mensch feiert von Sünden. Wie er des Sonntags feiert von ber Handarbeit, so feiert er alle Tage von Uleppigfeit und Bosheit. Er hütet sich, daß er nichts Boses rede wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses thue, entweder allein oder in Gefell schaft anderer Leute, daß er sich auch durch andere nicht laffe verführen, sondern seine Geele von der Welt unbefleckt balte. Wie er nur dieses meinet, also befleißiget er sich, unter seiner Arbeit öfters an Gott zu denken, zu Gott zu fenfzen, und ihu um seines heiligen Geistes Betfland anzuflehen: und siehe, das ist der geifiliche mid tägliche Sab bath, den ein Kind Gottes stets feiern follet B2 20 Der glaubige Chrift erwäget nun hat den wöchentlichen andächtig, und diesen täglichen Sabbath eifrig gefeiert, der tann verfichert seyn, er werde 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin bestehet, daß die glaubigen und auserwählten Kinder Got tes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübsal, von aller Sünde befreit, Gott schauen von Angesicht zu Angesicht, ihn loben, und ihm ohne Aufhören dienen. O ein heiliger und herrlicher Sabbath! der niemals wird gestört werden. Nur dahin werden die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jefu werden verharren bis in den Tod. Gebet. Heiliger und barmherziger Gott! da ich heute an diesem Tage den Sabbath und Ruhetag begehe, daran ich nach deiner heiligen Verordnung von aller meiner Wochenarbeit befreiet bin, damit ich mich aus deinem Wort erbauen und in dir erfreuen könne; ach so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in wahrer Andacht, Anhörung, Lesung und Betrachtung deincs heiligen göttlichen Worts ihn hinbringen, hingegen aber alle sündliche Zerstreuungen, leppigkei: ten, böse Gesellschaften u. Sünden mei den dreifachen Sabbath. 21 den möge! Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichenSabbath destäglichen geistlichen Sabbaths, darin ich von Sün den ruhen und ablassen, und dir meinen Leib u. Seele, wie auch mein ganzes Leben heiligen soll. Nun, mein Gott! das soll hinfüro durch deineGnademeine tåg= liche Arbeit seyn, daß ich thue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüste und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, und mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott! gieb, daß dieser geistliche u. täglicheSabbath meis nes Herzens niemals möge zerstöret werden, und führe mich endlich ein zu dem himmlischen ewigen Sabbath, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen himmlischen Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubinen anstimmen. Ach mein Gott! laß mich dereinst zu solcher Seligkeit gelangen. Da wird seyn das Der glaubige Christ erwäget x. Freudenleben, da viel tausend Seelen schon, sind mit Himmels- Glanz umgeben, stehen da vor Gottes Thron, da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt, Gott der Vater, Sohn u. Geist, Amen. 22 cfang. Met. O Gott! du frommer Gott & ³ 3 bricht der Sabbath an, der Tag, den fromme Sees leit, um mit Gott umzugehn, zu ihrer Ruh erwählen, der Tag, der heilig ist, den Gott selbst hat ges macht, der wird von ihnen auch erbaulich hingebracht. 2. An diesem pflegen sie ganz früh vor Gott zu treten, fic bringen ihn auch hin mit Leser, Singen, Beten, ihr Herz ist von der Erd allein zu Gott gericht, es freuet sich in ihm und seinem Gnadenlicht. 3. Cin Sabbath wird darauf, wenn dieser nun vergangen, als welcher geistlich heißt von ihnen angefangen, da sie von Sünd und Schand, und von der Bosheit ruhn, und das mit allem Fleiß, was Gott befiehlet, thun. 4. Der Sabbath hört nicht auf, er daur't durchs Gott ganze Leben, indem sie alle Stund ihr Herz zu erheben; des Herzens Harfe spielt, die Zunge lobet Gott, und dieser Sabbath währt sogar bis in den Tod. 5. Der ew'ge Sabbath wird nach diesem erst anges hen, dort in der Seligkeit, wo selbst die Frommen stehen, in großem Glanz und Licht, wie Sonnen ange fleid't, wo Ruhe, Fried und Freud fie labt in Ewigkeit. 6. Wohlan, wer einstens will zu dieser Ruh gelangen, der muß den Sabbath hie, wie sichs gebührt, Abend- Gebet am Sonntag. 23 anfangen; er sey und bleibe fromm, und nehm im Glauben zu, so kommt er nach dem Tod zur wahren Sabbathsruh. Abend- Gebet am Sonntag. Herr! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Odu lebendiger, allmächtiger Gott! wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich ist deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! ich kann von Gnaden. Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast, du hast meine Seele gespeiset mit dem Brod des Lebens, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigseim. Ach! laß dein Wort Zeit memes Lebens ein Licht auf meinen Begen bleiben, daß ic darnach meinen Gang richte, so werde ich niot straucheln, oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch ein Cure 24 Abend- Gebet am Sonntag. ter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreichet habe. Ich bin nicht werth aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan haft. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt mir zur Seite, hab Acht auf mich, und schließ mich in deinen Schuß ein. Laß dein Wort, das ich gehört und gelernt, in mir als einen heili gen Saamen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmige Feit, Gottesfurcht, und im Absterben der Welt, wahrnehmen möge. Sey mein Schirm und Schatten wider die Hike und Anfechtung, und wider die feurigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem follt ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende alles Unglück von mir und den Meinigen ab, und laß alle Be trübten, Kranken und Sterbenden deine reiche Gnade genießen: so soll morgen früh all unser Mund deines Ruhms soll Abend- Gebet am Sonntag. seyn, und wir wollen erzählen, was du Gutes uns an Leib und Seele gethan hast. Verzeihe mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedient, wie ich billig gesollt, und nimm deßwegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche alles neu an mir seyn, schenke mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und flichen, damit Jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Hilf, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um den Leib bekümmert sey. So gehe dann hin, mein Leib, in deine Kammer, zur Ruhe, du aber, meine Seele, in die Buna den Jesu. Laß mich, Herr! von dir nicht wanken, in dir schlaf ich sanft und wohl; gieb mir heilige Gedanken, und bin ich gleich Schlafes voll: so laß doch den Geist in mir, zu dir wachen für und für, 26 Abend Gebet am Sonntag. bis die Morgenroth angehet, und man von dem Bett aufstehet, Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. lege mich in Jesu Wunden, wenn ich mich leg zu meiner Ruh, ich bleib im Schlaf mit ihm verbunben, er drücket mir die Augen zu; ich fürchte nicht bie finstre Nacht, da Jesus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehen, der kommt mir nie aus meinem Sinn, mein Herz foll immer auf ihu sehen, wenn ich nun eingeschlafen bin; es soll mein Geist und Seel allein mit meinem Gott beschäftigt ſeyn. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, als welche Gottes nicht vergißt, das kann den Schlaf mir süße machen, weil sich mit Gott das Auge schließt. Ich bin, mein Gott! weil du bei mir, wenn ich erwach, auch noch bei dir. 4. Ach Gott! wend alle Angst und Schmerzen in Gnaden diese Nacht von mir, ach wirke stets in meinem Herzen, ich such die Hülf allein bei dir; laß Unglück, Schrecken, Noth u. Pein, o Gott! von mir entfernet seyn. 5. Laß also mir und auch den Meinen, und was mir sonsten zugehört, dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, daß alles bleibe ungestört, daß, wenn ich wieder aufersteh, ich alles unverletzet seh. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben, und immer um mein Bette stehn, laß ihn das Unglück von mir treiben, auf mich und alle Frommen schn, so schlaf ich sanft in Gottes Hut, der auch im Schlaf mit Gutes thut. 7. Sch fürchte nicht des Satans Schrecken, noch feiner Morten Macht und Lift: weil Gott mich selbsten wat zudecken, und weil mein Jefus bei mir Univ- Bibl. 27 Gebet nach angehörtem göttlichen Wort. barf Satan mir kein Licht austhun, so muß er mich auch lassen ruhn. 8. Es gehn zur Ruhe meine Glieder, nachdem der Sonntag ist vollbracht. Mein Mund bricht aus in Freudenlieder bei eingebrochner finstrer Nacht; ich steh mit Jesu wieder auf, und so vollführ ich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben sowohl bei Tag als auch bei Nacht, hiemit, o treuer Gott! ergeben, ach, hab du selbsten auf mich Acht; ach! laß mich bir empfohlen seyn, denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib ich denn in Jesu Wunden, und schlafe in denselben ein. Auch in den letzten Todesstunden werd ich da wohl bewahret seyn, darinnen will ich auferstehn, und zu des Lammes Hochzeit gehn. Der glaubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Wort. Aufmunteung. Jacobi 1, v. 22. Seyd Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch nicht selbst betrüget. Mie Zie alle göttlichen Wohlthaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, also auch die Anhörung des göttlichen Worts, und sind hier. in von den wahren Kindern Goites weit unter schieden. 1) Weltkinder bilden sich ein, der Sorutag sey zu ihrer Ueppigkeit und Luftbarkeit eingesept, da sie von der Arbeit fret, ihrem Fleisch sollen Vergnügen machen, welches doch genadfalsch ist. 2) Weltfinder gehen, wenn sie noch viel thun, des Morgens zu dem Gottesdienste, Nachmittags aber zur Luft, auf die Jagd, zuun Spiel, in indz lichen Bergnügen, da sie hernach; wo nicht be rauscht, doch mit eitten Gedanken, findlichen Der glaubige Chrift danket Gott Berftrennngen und weltlichen Thorheiten nach Hause kommen. 3) Weltfinder achten das gepre. digte Wort nicht, und wenn man sie Montags fragen wollte: was ihnen ihr Kirchengang genugt, was sie gehört, was sie gelernt? so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort segleich wieder von ihren Herzen genommen, auf daß sie nicht glauben und selig werden, Luc. 8, v. 12. 4) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in die Ulebung. Wahre Kinder Gottes aber, wie fie. den Tag mit Gott und mit Gebet angefangen ha. ben, also 1) hören sie mit Andacht das Wort Gottes an; 2) wiederholen sie zu Hause das Gehörte, schreiben es auf, und freuen sich darüber, als über einen großen Schaß; 3) denken sie die ganze Woche daran, und trachten, es in die Ulebung zu bringen. Es hatte im alten Testament der Herr die Thiere zum Opfer erwählt, welche wiederkäueten; und die Seelen find ihm auch am liebsten, welche das gehörte und gelesene Wort wiederkäuen, erwägen, und aus demselben immer nene Nahrung, Kraft und Saft faugen, und sich also damit zum ewi. gen Leben erbauen. 28 Gebet. du gnadenreicher Gott! wie kann ich dir genug danken, dich loben und preisen, daß du mich diesen Sontag haft erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehört und vernommen habe, wie soll ich recht glauben, fromm le a nach angehörtem göttlichen Wort. 29 ben, und dereinst selig sterben. Du hast mir lassen kund werden, was dein gnädiger Wille an mir sey, du hast mich lassen lehren, was ich meiden soll und was ich soll thun. Ach ja, du läsfest dich nicht unbezeugt, damit niemand eine Entschuldigung habe. Du giebst uns dein heiliges Wort und heil. Sakramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unserm Heil ges brauchen sollen! dein heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach, barmherziger Gott! bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern einThater des Worts sey. Was hilft mich alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum versiegle, o Gott! selbst in mir, was ich gehört und gelesen habe, u.mache es auch in mir lebendig, thätig und kräf tig. Ach, du Thürhüter! schließ doch mein Herz zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in dasselbige gegangen ist, damit es Satan mir nicht taube, und ich leer wieder nach Hause ge 30 Der glaubige Chrift danket Gott hen müsse. Gieb, daß ich mich spiegle an dem Erempel so vieler tausend Menschen, die zwar dein Wort, o Gott! anhören, aber sich nicht bekehren. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hö ren, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen und verklagen, da sie des Herrn Willen gehört, gewußt, und doch nicht darnach gethan haben? Ach mein Gott! laß mich diese Woche nun frömmer u.gottseliger werden; gleb, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, dar über mich erfreue, und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Wort vernommen, ich sollte sanftmüthig, de müthig und barmherzig seyn: ach! so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit daran mich erinnere, u.niemals in Zorn, Rach gier, Stolz und Unbarmherzigkeit vera falle, sondern meine Feinde liebe, mich felbft verläugne, und den Armen und Elenden gerne Gutes thue, habe ich gehört, ich solle gegen meine bösen Lüfte nach angehörtem göttlichen Wort. 31 undGedanken streiten, mich verläugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen. Ich soll züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gieb mir Kraft und Stärke, daß ich mich darin täglich üben und es vollbringen moge. Ob es zwar gleich im Anfang in großer Schwachheit ge= schiehet, daß ich doch fortfahre in der Heiligung, und mich je mehr und mehr reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach! laß mich mit deinem heiligen Wort umgehen, wie die Weltkinder mit ihren indischen SchåBen, welche sie einschließen, und wohl bewahren: so gieb mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten.theuren Glaubenslehren, Fräftigen Ermahnungen zur Heiligung des Lebens, als einen lieben und werthen Schoß in meinem Herzen bewahren, ja auch täglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz, in Trübfal, in Krankheit, ja in dem Sterben daraus einen Trostipruch 32 Gebet nach angehörtem göttlichen Wort. nach dem andern hervorlangen könne. Ja, mein Gott! laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Erkenntniß deines Wil lens, und Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott! wir danken dir, daß du uns dein Wort gegebe, giebGnas de, daß auch wir nach demselben heilig leben, du wollst selbst den Glauben stårken, daß er thätig sey in Werken. Höchster Gott! ach sey gepreist, der du lehrst, was wir thun sollen, schenk uns deinen guten Geist, gieb uns auch ein eifrigs Wollen, laß es ferner wohl gelingen, gieb zum Wollen das Vollbringen, Amen. Gesang. Mel. O Gott! bu frommer Gott. Mer er Gottes Wort anhört, der soll auch darnac leben, und also seinem Gott sein Ohr und Herze geben; viel Hören Hilfet nichts, wenn man boch gottlos bleibt, und wenn man auch wie vor, die frechen Sünden treibt. 2. Hörst du aus Gottes Wort die wahre Buße lehren, so thu auch wahre Buß, fang an, dich zu befehren, und werd ein neuer Mensch; ach! bleib nicht, wer du bist, ja, änd're dich bei Zeit, und werd ein frommer Chrift. Morgen Gebet am Montag: 33 3. Hörst du, man solle sich den Bösen nicht gleich stellen, so sollst du dich auch nicht zu ihrer Rott gesels len; was böse Menschen thun, das thue du doch nicht, sey fromm und wandle stets vor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß Jesus hat ein Vorbild uns ge laffen, wie man recht wandeln soll, und alle Sünden haffen, so folge ihm auch nach, bestreb dich immerbar, daß du gesinnet bist, wie Jesus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ nicht nach dem Fleische leben, so lasse dieses Wort dir stets vor Augen schweben, folg deinem Herzen nicht, und steh auf deiner Hut, vollbringe nicht, wozu dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, gottselig, züchtig wandeln, und niemals wider Gott und sein Gewissen handeln; so folge dieser Stimm, verlaß die Sündenbahn, und fang durch Gottes Kraft ein neues Leben an. 7. Hörst bu, man solle stets den Nächsten herzlich lieben, und das, was dir gefällt, mit Fleiß an ihm ausüben; so lieb ihn, wie dich selbst, verfolg und haß ihn nicht, und so vollbring an ihm die anbefohlne Pflicht. 8. Ja, was du Gutes hörst, das soll von dir ge= schehen, das lasse alsobald in die Erfüllung gehen, so hast du recht gehört, so hast du Trost und no, und gehst durch Jesu Blut dereinst zur Seligteit. 9. Mein Gott! verleih mir Gnad, daß ich die Him melslehren mög immerdar mit Fleiß zu meinem Nuzen hören, daß ich, was ich gehört, mit großer Sorgfalt thu, und also hie und dort gelang zu deiner Ruh. Morgen- Gebet am Montag. Qaß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Thue mit kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich C Morgen Gebet am verlanget nach dir. Heiliger, gütiger uno allein weiser Gott! der du den Himmel erschaffen, und die Erde gegründet und verordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, u. auf das Licht die Finsterniß, und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Bich erquicken mögen. Ich lobe und preise dich für deine Weisheit und Batertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnádiglich erhöret, und mich die vergangene Nacht vor Krankheit und anderm Ulebel behütet, und das Meinige mit deinem Schuß umgeben hast. Herr! groß sind deine Werke, die du an den Menschen thust, deine Güte reichet, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen; ich schlief und du wachtest, ich war im Schlaf den Todten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wteder sehen lassen. Ach mein Gott! sey auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und Tröster, meine Zuflucht und Erbarmer, laß deine Augen 34 Morgen- Gebet am Montag. 35 über mich offen seyn, daß ich unter deinem Geleit unverlekt in meinem Beruseinund ausgehen, und den Abend nach deinem Willen wiederum unbeschädigt erreichen möge. Mein Gott! laß deinen Segen mit und bei mir seyn in allem, was ich in deinem Namen anfange, dazu gieb selber Rath und That, und las mich niemals wolle, was du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlicht auch das Licht des heiligen Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in delner Furcht, Liebe und Gehorsam hinbrine ge. Schaffe in mir, o Gott! ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm beinen heil. Geist nicht von mir, laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich fündige, und wenn man mich zu fün digen verleiten will, so laß ihn mich erin nern und durch seine merliche Bestrafungen davon abhalten. Ich legemeine Klei der an, Herr Jesu! kleide mich mit dem 62 36 Morgen- Gebet am Montag. Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, Herr Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandle im Rath der Gottlosen, noch siße, da die Spötter sißen, welcher Freundschaft deine Feindschaft ist; und so ich will der Welt Freund seyn, und mit ihnen ihre sündliche und alte Ge wohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach, mein Gott! drücke in mein Herz die Worte: wandle vor mir, und sey fromm. O! wie viele fangen eineWoche an, aber vollenden sie nicht, und sind am Ende derselbe krank oder schon begraben. Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche Niemand dich schauen wird. Laß mich gottseliger Worte, unsträflichen Wandels und heiliger Gedanken befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, die Liebe des Sohnes heilige mich, u. die Gemeinschaft des heiligen Geistes Gebet im Anfang der Woche. 37 mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Mit Segen mich beschütte, mein Herz sey deine Hütte, dein Wort sey meine Speise, bis ich gen Himmel reise. Der glaubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Coloff. 3, v. 17. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das that alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater burch ihn. Hat at man Ursache zu beten und zu flehen, wenn ein Tag anbricht, wie vielmehr soll ein glaubiger Christ sein Herz und Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will. Wie viele Menschen haben den Sonntag als den ersten Tag in der Woche gesund erlebet, und find den Sonnabend darauf schon begraben gewesen. Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe sie sie geendiget, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, tausend Chränen und Hände- Ringen geendet haben. Nan, mein lieber Christ! das kann dir und mir auch widerfahren, darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott sich wenden; es soll aber eit glanbiger Christ 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle heiligen, ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verlegen, den Nächslen betrüben und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. Er soll 2) die Woche über des 38 Der glaubige Chrift bittet, Gebets und des Gottesdienstes nicht vergeffen, son dern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sountage, sondern auch in der Woche die Kirchen- und Betslunden fleißig besuche. Und weil es nicht liegt an unserm Rennen und Laufen zur Arbeit, soll er 3) sonderlich Gott um seinen Segen anrufen, oder auch mitten unter der Arbeit an Gott denken, und mit Gebet die Arbeit anfangen und vollenden. Er soll 4) behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben, und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleiche, bis endlich die Sterbe. woche kommt, da unsere Seele soll vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schuß vollenden, und sollte er es ihm eine Kreuzwoche werden lassen, so wird er doch darin fein Helfer, Retter und Beistand seyn und bleiben. Gebet. du liebreicher und barmherziger Gott! ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an. Ich weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird; wie viel Ulebels und Unglück kann uns in einem Tag begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche; darum komme ich gleich im Anfang derselben zu dir, und empfehle mich dir ganz und gar. Ach mein Gott! gieb mir deinen heiligen um Segen im Anfang der Woche. 39 Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geist das Zeugniß gebe, daß ich ein Kind Gottes sey. Segne mich diese Woche, segne meinen Ausgang und Eingang. Segne meine Berufsarbeit und Geschäfte, segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht, wenn du mich håltst, so falle ich nicht, darum laß deine Treue und Güte mich allweg behüten. Segne auch alles, was mein ist, und laß es in deinem Segen-blühen. Ach, mein Gott und treuer Vater! schüße und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück, laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schuß und Gnade stehen. Bewahre mein Hans um und um, wie das Haus Hiobs, laß um mich und um die Meinigen deine Engel 40 Der glaubige Christ bittet eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, so groß er auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nicht unerhört von dem Thron deiner Gnade weggehen. Bewahre mich vor schweren Sünden, leite mich in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Gieb, daß ich diese Woche möge sfrömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachse, damit, wenn nun die lehte Lebenswoche einbricht, ich deiner Gnade möge versichert seyn. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich alles unter deinem mächtigen Beistand ausstehen und überwinden könne. Sey du selbst mein Helfer u. Erretter aus aller Noth. Nun ich befehle mich dir mit Leib und Seele, und Allem, was ich habe, in dei um Segen im Anfang der Woche. 41 nen gnädigen Vaterschuß, wie auch alle fromme Christen. Darauf so sprech ich Amen, und zweifle nicht daran, Gott wird es all's zusammen, ihm wohlgefallen lan; drauf streck ich aus mein' Hand, greif an das Werk mit Freuden, dazu mich Gott bescheiden, in meinem Beruf und Stand, Amen. Gesang. Mel. O Gott! bu frommer Gott. Ich Ich will die neue Woch mit dir, o Gott! anheben, du wollft mir deinen Geist und deinen Segen geben; im Anfang steh mir bei und weiche nicht von mir, daß ich am Ende noch vereinigt sey mit dir. 2. Ohn deinen Segen kann, mein Vater! nichts gedeihen, drum wir, o Segensgott! um Segen zu dir schreien, ach komme selbst zu uns, und greif das Werk mit an, weil es durch dich allein befördert werden kann. 3. Ach ja, es ist umsonst, am Morgen früh aufste hen, und mit Bekümmerniß an seine Arbeit gehen! wenn du nicht selbst mitgehst, und stehest mit dabei, daß Anfang und das End von dir gesegnet sey. 4. Drum komm, o Gott! zu mir, und gieb mir deinen Segen, denselben wollest du in meine Arbeit legen; ach segne all mein Thun, ach segne meinen Tritt, und theile gnädiglich mir dement Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit die ganze Woch hinbringen, laß meine Arbeit seyn, dich loben, beten, sin 42 Der glaubige Chrift bittet gen, bewahre mich vor Sünd und großer Missethat, und wenn ich Buße thu, so schenk mir beine Gnad. 6. Mein Gott! begleite mich auf allen meinen Wegen, und willt du diese Woch ein Kreuze mir auf legen, so beut mir deine Hand, und steh mir kräftig bei, ja trage selbsten mit, daß mirs erträglich sey. 7. Nun, was du Gutes wirst mir diese Woch erweisen, dafür soll dich, o Gott! mein Mund und Herze preisen; ach laß mich als dein Kind dir stets empfohlen seyn, bis ich durch Jesu Blut geh zu der Freude ein. Der glaubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Pfalm 67, v. 7. 8. Es fegne uns Gott, unser Gott, es segue uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Fin jeder Mensch betet und bittet etwas von Gott; dabei aber ein jeder wohl erwägen oll, wie er betet, und was er bittet; ach! der meisten Gebet gehet nur auf das Irdische und Bergängliche, welches sie aber oft zu ihrem Scha Sen sich bitten. Ein glaubiger Chrift bittet 1) um leibliche Dinge, um Gesundheit, Segen, Nah. tung, Abwendung der Gefahren, Hülfe in Noth, Beistand im Leiden, Errettung aus Unglück. Er- bittet 2) absonderlich um geistliche Dinge, um den heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist, Rom. 14, v. 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachstbum in deat Buten, Heiligung und die Gabe des heil. Geistes, dieses ist das Bornehmste, was er von Gott bitten, um zeitlichen, getfilichen und ewigen Segen. 43 kann. Ein glaubiger Chrift bittet 3) auch um ewige Dinge, nämlich um ein seliges Ende, fröhlichen Abschied aus diesem Leben, und den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, damit er Gottes Angesicht schauen, mit weißen Kleidern angethan, sich nach dem Kampf ewiglich in Gott erfreuen könne. Dabei er aber 4) fich muß eines unsträflichen chriftlichen Wandels befleißigen, damit er auch so lebe, daß ihm Gott die geistlichen und himmlischen Güter mittheilen könne, welche ein unwieder. geborner und böser Mensch nicht empfangen kann. Gebet. du reicher und gnådiger Gott! wie groß und herrlich, wie reich und machtig bist du, du hast alles, und kannst auch alles geben. Siehe, ich dein Kind, komme zu dir, und bitte dich um deine Gaben, du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde; daher alles, was ich Gutes an mir habe, daß kommt von dir, denn alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch! das du nicht empfangen haft? Ach, mein Gott und Bater! mache 44 Der glaubige Christ bittet mich sonderlich an meiner Seele reich. Gieb mir deinen heiligen Geist, gieb mir ein fromes Herz, bekehre mich, erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und wahrer Christ werde. Hilf mir kimpfen und arbeiten, daß ich die bösen Lüste bezwinge, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und Seele dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sey. Siehe, mein Gott! wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unterworfen bin, darum leite du mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführet werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an demLeibemeines Jesu, und eine neue Kreatur sey: so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorgeauch, ognádiger Gott und Vater! für mich in dem Irdischen, du weißest, was ich bedarf, um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 45 du siehest, was mir fehlt, aber gieb mir nicht nach meinem, sondern alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach! so gieb mir einen gesunden Leib zu desto glücklicherer Verrichtung meines Berufs und Standes, darein du mich gesehet hast. Gieb mir Nahrung und Kleidung, daß du weißest, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen, behüte mich vor Unglück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, Herr! segnest, das ist gesegnet ewiglich. Du hast mich in die Welt erschaffen, so wirst du mich auch wohl zu ernähren u. zu versorgen wissen. Ich werfe all mein Anliegen undSorgen auf dich. Ach Gott! sorge für dein Kind, erhalte dein Kind, und laß mich deiner Vatertreue und Gnade reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Vater! nicht um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hast, so hoffe ich noch größere Güter. Den hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hie em= 46 Der glanbige Chrift bittet pfangen habe, so wäre ich der elendefte Mensch. Darum, mein Vater! gieb mir auch die himmlischen Güter, erhalte mich im Glauben bis an mein lektes und seliges Ende. Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm hinauf zu dir, zu deinen Freuden. Ach mein Gott! höre die Stimme meines Flehens, und weigere nicht, was mein Mund bittet. Meinen Ausgang segne, o Gott! meinen Eingang gleicher Maßen, segne auch mein täglich Brod, segne all mein Thun und Lassen, segne mich mit sel'gem Sterben, und mach mich zum Himmelserben, Amen. Gefang. Mel. Gott! du frommer Gott. Mein ein Vater! denk an mich, ach! gieb mir deinen Segen, und thue auch an mir, wie treue Väter pflegen; gieb, was ich nöthig hab, und was mir nüglich ist, ich schau allein auf bich, weil bu mein Vater bist. 2. Ach! gieb mir deinen Geist, das wahre Seelenleben; und wirst du mir dabei ein frommes Herze geben, so bin ich reich genug, so bin ich recht beglückt, weil mich dein guter Geist mit seinen Gaben schmückt. um zeitlichen, geistlichen und ewigen Gegen. 47 3. Gich mir mein täglich Brod, Gesundheit auch beßgleichen, laß deinen Segen nicht von meiner Are beit weichen, wend alles Unglück ab, begleit mich aus und ein, und laß bei Tag und Nacht mich dir empfohlen seyn. 4. Laß mich in Jesu Christ hie leben und auch sterben, und laß mich durch sein Blut die Seligkeit ererben, laß mich vor deinem Thron in weißen Kleidern stehn, und Herr! dein Angesicht mit allen Frommen sehn. 5. Mein Gott! erhöre mich, auf dich steht mein Vertrauen, ich werd noch meine Luft an deiner Gnade schauen, mein Herze, Geist und Simm sey dir allein geweiht, mein Segen, Freud und Schatz. bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan, ich bin crhört, Gott wirds aus Gna den geben, brum will ich Mund und Herz mit Dank zu ihm erheben. Mein Vater! schenke mir, dieweil ich leb auf Erd, was du mir zugedacht: nur daß ich selig werd. Aufmunterung zum Abend- Gebet am Montag. Psalm 4, v. 9. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, dann bn allein, Herr! hila fest mir, daß ich sicher wohne. It die Dankbarkeit eine ſchöne Tugend, welche und ein glaubiger Chrift derselben eingedenk seyn, wenn ihn nun Gott hat den Abend erreichen laffen. Es ist zu beklagen, daß viele Menschen Tage, Wochen, Monate, ja ganze Jahre hinbringen, und nicht erkennen, was Gott an ihnen gethan; sie genießen des göttlichen Schußzes, und danken ihm nicht einmal dafür, meinen, es müffe so seyn, Gott 48 Aufmunterung zum müßte also sie erhalten, und es ihnen laffen wohk ergeben. Darum, o glaubiger Chrift! sondere dich ab von solchen undankbaren Seelen. Hast du den Tag unter dem Schuß und Beistand Gottes glücklich zurückgelegt, fängt die Sonne an unterzugehen, und will es nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und mit Beten. 1) Danke Gott, daß er den Tag über dich vor Unglück bewahrt, und denke, wie viel Menschen vielleicht den Tag, daran dich kein Leiden berühret, in das größte Unglück gekommen, des Abends krant und in großen Schmerzen auf ihr Bette sind geleget worden, da sie den Morgen noch frisch und gesund waren. 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Reden und deine Thaten; hast du den Tag über etwas geredet wider Gott und den Nächsten; hast du etwas vollbracht, das wider dein Gewiffen und Christenthum ist, o alsdann bleibe auf, und bitte es Gott ab, ehe du schlafen gehest. 3) Be. denke, vielleicht wird in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern, o darum mache Frieden mit deinem Gott, ehe du die Augen schließeft. 4) Bitte Gott um Schutz und seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück von dir abtrei. ben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlaf erwachest, denke an Gott, danke ihm, so schläfest du in seinen Armen und unter der heiligen Engel Schuß fanft und selig. Abend- Gebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr! hilfest mir, daß ich Abend- Gebet am Montag. sicher wohne. O du ewiger und allmächtiger Gott! dieses sind meine Abendgedanken, da ich mich zur Rube begeben will. O wie soll ich dir genug danken, daß du mich aus und ein begleitet hast, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen. Du hast mich gespeiset und getränket, du hast mich getröstet und erquicket, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, und durch dich u. deineGnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohlthaten sind lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe aufmuntern, darum so lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen Heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Bergieb mir, o Herr! vergieb mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines Jesu nicht vor Augen gehabt, und deine Gebote aus den Augen geseht, hingegen nach der Welt und mit der Welt gelebt, u. meinen Begierden freien Lauf gelassen habe; D 40 50 Abend- Gebet am Montag. wärest du nicht ein langmüthiger Gott, so lebte ich nicht mehr. AchHerr! ich thue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr. Ich gelobe dir hiemit an in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen, u. meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellunge des Feindes, vorllnglück und allem Ulebel, drücke mir selbst, wenn ich einschlafe, die Augen zu, und laß mich auch schlafend dein verbleiben. Sei mein Licht in der Finsterniß, mein Helfer in der Noth; mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlit suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Antlig. Bin ich in dem Schuß des dreieinigen Gottes eingeschlossen, so schlafe ich sicher, wie Jakob; ich schlafe getrost, wie ein Kind an seiner Mutter Brust; ich schlafe beschützt, wie Petrus. Gedenfe, Herr! doch auch an mich, in dieser Gebet für die Gesundheit. 51 schwarzen Nacht, und schenke mir genddiglich den Schuk von deiner Wacht. Drauf schließ ich meine Augen zu, und schlafe fröhlich ein; mein Gott wachtjekt in meiner Ruh, wer wollte traurig seyn? Der glaubige Christ danket Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Syrach 30, v. 14-16. Es ist beffer, einer sey arm, und dabei frisch und gesund, dann reich und ungesund. Gesund und frisch seyn, ist besser, dann Gold, und ein gesunder Leib ist besser, dann groß Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und feine Freude des Herzens Freude gleich. Gleichwie Gott unterschiedliche Gaben den Menschen austheilt, geistliche und leibliche, so mag man wohl unter die leibliche als eine der vornehmsten mitrechnen: die Gesundheit. Ein gesunder Mensch ist ein glücklicher Mensch, wenn er dabei fromm ist; er ist aber auch der unglücklichste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückselig fey, sehen wir daber, weil er kann Gott und seinem Nächsten ungehindert dienen, seinem Beruf abwarten, und viel Gutes verrichten. 3ft aber der Mensch nicht fromm bei seiner Gesund. heit, so mißbraucht er diese edle Gabe auf das entseglichsle zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, flumm und blind, oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, Zunge, Augen und Leib nicht so viel Sünden übete, daher auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder eine schwere VerantD2 52 Der glaubige Christ danket Gott Ein wahrer wortung und Strafe folgen wird. Christ erkennet diese edle Wohlthat der Gesund. heit: 1) wenn er seine gefunden Glieder anfiehet, so danket er Gott dafür. Er wendet seine Gesundheit an: 2) Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Christenthum zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu er. weisen; 4) seinen Beruf treulich und aufrichtig zu vollbringen. Er erkennet 5), daß die Gesundheit kein ewiges und beständiges Gut sey, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein unge. sunder Leib einfinden könne; er mißbrauche derhalben 6) in gefunden Tagen seine Gesundheit nicht zu Muthwillen, Verwegenheit und Bosheit, da mit, wenn die Krankheit und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht fage: das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Ge sundheit. Ein frommer Christ betet 7) auch fleißig in gefunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsam angewendet. Gebet. D du gnådiger u. barmherziger Gott! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweisest, indem du mich nicht allein in deinem Schuk undGnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen läsfest. Nun mein Gott! ich erkenne, daß dieses ist eine für feine Gesundheit. 53 der guten Gaben, welche von dir, o Va= ter des Lichts! von oben herab kommen. Herr, Herr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren läsfest? Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die krånklich, elend und schwach sind. Höreich doch viele kla gen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind, als ich, und viel andächtiger beten, als ich, mir aber giebst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach Herr! ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan hast, und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott! daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart und Frechheit, sondern gib mir wohl zu erken= nen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich Zeit meines Lebens meine Der glaubige Chrift danket Gott Gesundheit anwende zu deinem Lob und Ehren, zu Nuk meines Nächsten und Vollbringung der Geschäfte meines Berufs. Erhalte mir nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und geraden Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Hauß besuchen, und in deinem Tempel Lob- und Danklieder anstimmen könne. O mein Gott! gieb mir auch Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gesund sey im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübfal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung, und getrost im Tode. Ach heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O Gott! du frommer Gott! du Brunnquell aller Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben, gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib ein unverleßte Seel und rein Gewissen bleib, Amen. 54 für seine Gesundheit. Sesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Geht birs wohl nach deinem Leiden, und haft Glück auf dieser Erd, so ist dieses wohl zu meiden, daß dein Herz nicht trotzig werd; denk in deinem Glück und Prangen, wie dirs ehmals ist gegangen; denk in Glück und Herrlichkeit, auch an die vergangne Zeit. 55 3. Bist du nun gesund und stehest, denk auch an das Krankenbett; wenn du fröhlich einher gehest, denk auch an die Lagerstätt; bist du wiederum genesen, denke, daß du frank gewesen; denk in Glück und Herrlichkeit auch an die vergangne Zeit. 3. Blüht dir Freud und lauter Glücke, stehets um dich wohl jetzund, denk bisweilen auch zurücke, wie es doch vor diesem stund: wie es schlecht um dich aussahe wie das Elend dir war nahe; denk in Glück und Herrlichkeit auch an die vergangne Zeit. 4. Bist du reich und groß von Schätzen, denke dabei immerdar, um in Gott dich zu ergößen, daß es vor dem nicht so war; selig, wer die Demuth liebet, wenn ihm Gott viel Güter giebet; denk in Glück und Herrlichkeit auch an die vergangne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, darauf dirs nach Wunsche geht, sollt du in die Tiefe schauen, und wenn da ein Armer steht, denk, so bin ich auch gestanden in dergleichen Trübsals- Banden; denk in Glück und Herrlichkeit auch an die vergangne Zeit. 6. Diese seligen Gedanken, halten dich zu aller Zeit in den wahren Demuths- Schranken, führen dich zur Frömmigkeit, daß du nimmer dich erhebeft, vielmehr Gott die Ehre gebeft. Bleib in deinen Augen klein, so wird Gott dir gnädig seyn. 56 Morgen- Gebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfest, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott! dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich diesen Morgen wiederum gesund hast lassen von meinem Lager aufstehen, und meinen Leib vor Schaden, und meine Seele vor Sünden bewahrt hast. Wie groß ist deine Güte, Herr! daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel so mächtig lich bewahret werden. Ich schaue nach der Finsterniß wiederum das Sonnenlicht; gieb mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Licht wandele, und alle Werke der Finsterniß fliche. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedienet, und meinen Mund, Glieder und Sinne nach der Welt Gewohnheiten undThorheiten gerichtet habe, wofür ich dereinst vor deis Morgen- Gebet am Dienstag. nem Gericht eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz zu deinem Dienst auf, mit Leib undSeele; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und denken, als was dir ge= fällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiligt seyn. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Gieb mir guten Rath, wenn ich Rath bedarf, richte meine Anschläge u. Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß ich diesen Tag meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nachste verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, Herr mein Gott! so höre die Stimme meines Flehens. Laß das Ges bet der Elenden, Traurigen, Kranken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Ja, richt mein ganzes Leben allzeit nach deinemSinn, u. wenn 57 58 Der glaubige Chrift freuet fich ich es soll geben ins Todes Rachen hin, wenns hie mit mir wird aus, so laß mich selig sterben, und nach dem Tod ererben des ewigen Lebens Haus, Amen. Der glaubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. Aufmunterung. 1 Petr. 1, v. 3. 4. Gelobet sey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todien, zu einem unvergänglichen und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Wer er sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Wer sich freuen will, der freue sich über sol. che Dinge, die ihn ewig können glückselig machen. Ist nun etwas, deffen sich ein Glaubiger rühmen, und darüber er sich erfreuen kann, so ists die Wiedergeburt, daß er getauft, und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlangt: 1) die Kindschaft bei Gott; Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen, und uns nicht laffen will. Wir haben empfangen: 2) die Gerechtigkeit Jesu Christi; alles, was Jesus hat durch sein Leiden und Sterben erworben, das ist und in der heiligen Taufe geschenkt und zu eigen gegeben worden. Uns ist ertheilt: 3) die Einwohnung des heiligen Geißles, der will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge und Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche einwohnende seiner Wiedergeburt.@ 59 Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wir wachsen im Glauben, Frömmigkeit, Gottesfurcht, wie ein neugebornes Kind an Kräften und Jahren. Wir erlangen 4) auch die ewige Seligkeit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Seligkeit follen Theil haben. Wer dieses erwägt, der muß fich billig herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe fich auch vor, 1) daß er die empfangene Gnade nicht wiederum verliere; 2) daß er würdiglich wandele in seinem Beruf; 3) daß er die Welt nicht wiederum lieb gewinne, oder mit Unwiedergebornen und Weltkindern vorsätzlich fündige, und fich ihnen nicht gleich stelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sey, wie die lieben Kinder, daß er dem Herrn Jesu nachfolge, und des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hülfe und Beistand wird genießen hie in der Zeit, und auch dort in der Ewigkeit. 100 Gebet. Großer Gott und liebster Vater! wie kann ich genug deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe. O welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitge= theilt, da du mich zu deinem Kinde ange= nommen hast! Rühmen Menschen viel 60 Der glaubige Chrift frenet fich ihreGlückseligkeit, die sie erlangen durch ihre hoheGeburt, Besibunghoher Ehrenstellen, großen Reichthums, ansehnlicher Güter; siehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir mit zur Herrlichkeit erhaben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßen, ja er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch große Freudigkeit im Sterben, da wird er mich als ein Kind erquicken, laben, trösten und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Sehe ich Jemand Böses thun, höre ich Böses reden, so laß mich gedenken, ich sey ein Gotteskind, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen; seiner Wiedergeburt 61 laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindsrecht und Kindstheil an Gott und an dem Himmel nicht feil ist um deine Lustbarkeit und Eitelkeit. Mein Jesu! du weißt, daß ich dich lieb habe, und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht alle= zeit und in der That so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach! nimm doch mein Wollen gnädig an, und laß mich mein Leben im Glauben und Frömmigkeit, Heiligkeit, Reinigkeit und kindlicher Demuth führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich wie ein Kind leben und sterben, und zur Himmelsfreude gelangen möge. Ich habe Jesum angezogen, schon längst in meiner heiligen Tauf, du bist mir auch daher gewogen, hast mich zum Kind genommen auf, mein Gott! ich bitt durch Christi Blut, machs nur mit meinem Ende gut, Amen. Gesang. Mel. Jesu, der du meine Seele. 9 er nicht wieder ist geboren aus dem Wasser und aus Geift, der ist ewiglich verloren, wie es 6 Gebet um die Wiedergeburt. Gottes Wort ausweist; denn es muß auf dieser Erden der ein neuer Mensch noch werden, welcher will nach dieser Zeit kommen in die Ewigkeit. 2. Es muß die Geburt geschehen durch die Tauf und Gottes Wort, wird man dem nicht widerstehen, stößet man die Gnad nicht fort, so wird man gar bald empfinden, wie die Unart wird verschwinden; denn kommt Gott ins Herzens- Haus, so treibt er die Sünd hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben Gott, der werthe heilige Geist, der fängt an ein neues Leben, das die Lafter aus uns reißt; er erneuert alle Sin nen, Worte, Werke und Beginnen, treibet uns zum Guten an, daß man Gott recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit, muß die Welt und Sünd verachten, wachsen in der Frömmigkeit; er muß gänzlich unterlassen, und von Grund der Seele haffen, was er hat vorher geliebt, und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, Beten, Gott zu Ehren, ist des neuen Menschen Sinn, von der Welt zu Gott sich kehren, neue Kräfte anzuziehn, Gottes Willen zu verrichten, ist des neuen Menschen Dichten, also wird er gänzlich neu, als obs nicht der Mensch mehr sey. 6. Also muß in dir vorgehen eine HerzensNenderung, also muß man an dir sehen eine Lebens- Heiligung, daß Herz, Sinnen und Gebärden ganz an dir erneuert werden, daß fie Glaub und Lieb auszier, daß sie Gottes Geist regier. 7. Ach mein Gott! hie fall ich nieder, fördre in mir dieses Werk, ändre Sinnen, Herz und Glieder ,. gieb mir deines Geistes Stärk, daß ich ja nicht werd verloren, sondern wieder sey geboren, daß ich als bein Kind dich ehr, und dich liebe mehr und mehr. 62 Gebet um Erhaltung des Glaubens. 63 8. Laß mich auch in diesem Stande immer blei= ben, o mein Gott! bis daß meine Lebensbande einst zerreißen durch den Tod, daß mich nichts von dir abtreibe, und du mein, ich dein verbleibe, alsdann geh ich aus der Zeit in die frohe Ewigkeit. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. Röm. 16, v. 19. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sey, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Tobten auferwecket hat, so wirst du selig. Luc. 17, v. 5. Herr! stärke uns den Glauben. o unglückselig ein unglaubiger Mensch ist, fo glückselig ist die Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntniß Gottes, Jesu Christi und ihres Heils stehet. Denn ein Unglaubiger ist gleich einem Gemach, darin kein Licht ist, darin es finster und unangenehm ist, aber eine glaubige Seele ift gleich einem Gemach, darin es helle, und darin ein Licht scheinet, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, fondern Gott ifts, der ihn in uns anzündet. Dero. wegen soll ein glaubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glanben und Erkenntniß Jesu Chrifti gebracht, und dadurch vor Juden, Türten und Heiden glücklich gemacht hat. Er soll 2) fich seines Taufbundes und der darin erlangten Herrlichkeit erinnern, und den mit Gott gemachten Bund nicht muthwillig übertreten. soll 3) Gottes Wort fleißig und mit Andacht anEr hören, damit er immer mehr und mehr erleuchtet 64 Der glaubige Christ bittet Gott zu größerer Erkenntniß gelangen mdge, und fet nen Willen in den Werken zeige. Daher es etnem wahren Christen nicht soll genug seyn, zu sa. gen: ich glaube; sondern er soll 3) auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmuth und dergleichen in seinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. So kann er sich auch getröften, daß er werde das Ende seines Glaubens davon tragen, nämlich der Seelen Seligkeit. Gebet. du gnadenreicher Gott! welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntniß meines Heils gebracht hast. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist Jesus Christus, mit seinem Verdienst, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort Gottes und die heiligen Sakramente. Ich sehe darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht, und weiß nun den rechten Pimmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben bin ich unterschieden von unglaubigen Juden, Türken und Heiden. Ach, dugnadenreiHer Gott! verleihe mir deinen heiligen um Erhaltung des Glaubens. 65 Geist, daß er diese Erkenntniß in mir lebendig mache. Selig seyd ihr, so ihr es wisset, aber selig seyd ihr, wenn ihr es auch thut. Gieb mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein todterHirn- u.Scheinglaube, sondern ein lebendiger Glaube werde. Was dein Wort verbietet, will ich flichen u. meiden, hingegen die Pflichten und Tugenden, die es mir befiehlt, in deiner Gnade, durch des heiligen Geistes Beistand, zu vollbringen trachten; das heilige Abendmahl soll mich heiligen durch und durch, ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens, und zu meiner Seligkeit als eine Speise der Heiligung mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach mein Gott! vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und Gehorsam, daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottes= fürchtiger u. dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer & 66 Gebet um Erhaltung des Glaubens. Christ leben und selig sterben möge. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht, du, du kannst mich stärker machen, wenn mich Sünd und Tod ansicht; deiner Güte will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen, dich, Herr Jesu! nach dem Streit, in der frohen Ewigkeit, Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. A ch Herr! stärke meinen Glauben, ach! mein Glanbe wird gar schwach; Satan denkt ihn mir zu rauben, da sich häuft mein Ungemach; weil sich keine Hülf läßt finden, so will fast mein Glaub verschwinden; wo ist doch mein Herr und Gott? Herr und sprech ich jetzt in meiner Moth. 2. Wo sind seine Allmachtsproben, wo ist seine Vaterhand, welche Andre freudig loben, bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet, weiß er nicht, wies um mich stehet, ist mein Leiden ihm zu groß, daß er mich läßt Hülfe los? 3. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, ja ich glaube feftiglich, daß du alles wohl kannst machen, drum so fomm und stärke mich. Herr! ich glaub, daß du noch lebest, und stets um und bei mir schwebest, daß dein Auge auf mich sieht, ob die Hülfe schon verzicht. 4. Herr! ich glaube, daß mich Armen, Jesus auch erlöset hat, daß er sich will mein erbarmen, daß ich bin in geiner Gnad, daß mein Jesus in dem Leiden, Abend Gebet am Dienstag. 67 númmer werde von mir scheiden, nur mein Herz empfind't es nicht, weil mir Stärk und Hülf gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde, stärke mich doch fort und fort, schenke deinem schwachen Kinde neue Kraft aus deinem Wret, lehre mich dir fest vertrauen, und auf die Verheißung schauen, die du in dem Wort mir giebst, ob du schön die Hülf aufschiebst. 6. Ja laß deinen Geist mich trösten; deinen Geist nimm nicht von mir, wenn die Noth am allergrößten, der mich überzeugt von dir, daß du noch an mich gedenkest, und mir deine Hülfe schenkest, wenn da kommt die Stund und Zeit, die zur Hülfe ist bereit. Abend- Gebet am Dienstag. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen thun? Also spreche ich, o du gnädiger und liebreicher Gott! in dieser Abendstunde, und sage dir demüthigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schuß und reichen Se= gen haft zurücklegen lassen., Herr! deine Güte ist groß, und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernſt anrufen, er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, er höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ach, mein Gott! wie ge 68 Abend- Gebet am Dienstag, schwind gehet doch ein Tag dahin, wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind verfließen unsere Jahre. Darum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, u. ich davon muß. Siehe, meine Lage find eine Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, daß ein Jeder empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sey Gutes oder Böses. Darum richte ich mich selbst, und frage: Meine Seele, wie hast du hente den Tag hingebracht? Hast du auch etwas Gutes gedacht? Ist Gott heute mit dir vereinigt blieben, oder hast du ihn mitvorsätzlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredt, hast du gesprochen, was ehrbar, was teusch, was wohl lautet? Ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder bist du mit Narrentheidungen und schandbaren Worten übergeflossen? Abend- Gebet am Dienstag. 69 Wo seyd ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübet, ihr Hände? Was habt ihr gehöret, ihr Ohren? Ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? Ach mein Gott! wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, o! wie werde ich bestehen? Ach Herr! nimm weg mit dem abweichenden Tage meine Uebertretungen. Jesu! tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. D heiliger Geist, versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, daß ich nicht, wenn diese Nacht die letzte seyn sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott! freigesprochen, fo schlafe ich mit Frenden, und hüte mich morgen mit größerem Fleiß vor allem, was dich betrüben kann. Mein Bater! deine Liebe decke mich und die Meinigen. Mein Jesu! in deinen Wunden ruhe ich sanft und wohl. O heiliger Geift! thue 70 Der glaubige Christ bittet, du den lektenSeufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in deine Hände Gottes empfehle. Bin ich gleich von dir gewichen, stell ich mich doch wieder ein, hat mich doch dein Sohn verglichen, durch sein' Angst und Todespein; ich verläugne nicht die Schuld, aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich stets an mir empfinde, Amen. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Ebr. 12, v. 14. Faget nach dem Frieden unter einander und der Heiligung: ohne welche wird Niemand den Herrn sehen. We enn sich ein glaubiger Christ in seinem natürlichen Verderbeu ansiehet, so erinnert er sich 1) daß er sich selbst nicht heiligen kann, sondern das ist ein Werk Gottes; 2) derohalben braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er denket an seine heil. Taufe, darin der heil. Geist über ihn ausgegossen worden, und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forschet fleißig, ob er diesen guten Geist in den erwachsenen Jahren durch muthwillige Sünden wiederum vertrieben habe. Er weiß, daß das heil. Abendmahl eine Speise der Heiligung ist, darum trachtet er, wenn er dasselbe empfängt, daß dadurch Seel und Leib mögen gehei Gott wolle sein Herz Heiligen. 71 ligt werden. Gottes Wort bört er andächtig, und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung fortfahren möge. 3) Denn es soll die Heiligung geschehen sowohl an der Seele, als an dem Leibe durch Gottes Kraft und des heil. Geistes Wirkung. Ist die Seele geheiligt, so muß das ganze Leben in der wahren Heiligung geführt werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst im Alter oder auf dem Todbette, sondern die. weil man noch beten und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstand gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zei. ten, bei allen Gelegenheiten, wenn man ungefähr bei Weltkindern sich befindet, da sollen wir in Gebärden, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heilige Geist unsern Mund und ganzes Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zuc Wohnung der Heiligen im Licht gelangen. Gebet. du heiliger Gott! ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme erklingt: Ihr sollt heilig seyn, denn ich bin heilig; und wiederum: ohne die Heiligung wird Niemand den Herrn schauen. Wenn ich nun dieses erwäge, u. dagegen halte mein unheiliges Herz, unheilige Gedanken, unheilige Worte, unheilige Werke, so gerathe ich in große 72 Der glaubige Chrift bittet, Angst, und schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, da ich leider nach dem Trieb meines Herzens u. nach der Gewohnheit der Welt- Menschen mitgesündiget, und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidigt habe. Ach! soll Niemand dein Antliß schauen ohne die Heiligung, o wie wenig werden dannfelig seyn, wie viele verdammt werden! dann hilf, Herr! die Heiligen haben abgenommen. O darum, du heil. Gott! gieb mir dieses alles wohl zu erkennen, damit ich mich möge der wahren Heiligung inwendig und auswendig befleißigen. O Jesu! heilige mich durch deine Gerechtigkeit, Verdienst und Blut, ach! schenke mir von Natur Unheiligen deine Heiligkeit, auf daß ich darinnen als meinem schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen u. bestehen könne. Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Gedanken möge umgehen. Heilige meinen Mund, daß er nichts Un 73 Gott wolle sein Herz heiligen. anständiges, Unchristliches und Böses möge reden. Heilige meinen Willen, damit ich das allein will u. vollbringe, was dir gefällig ist. Laß diese Heiligung wahrhaftig seyn, daß ich nicht etwa nur beilig sey, u. der Heiligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, sondern daß ich auch möge heilig seyn und mich der Heiligung bestreben an allen Orten zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, und wenn ich gar unter Weltkindern und ihrer Ge sellschaft leben muß, daß ich alsdann als ein Kind Gottes möge reden, leben und thun, und in solchem seligen Stande bleiben bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Le benslicht. Du bist heilig, läßt dich fin den, wo man rein und sauber ist, fliehf hingegen Schand und Sünden, wie die Tauben Stank und Mist; mache mich o Gnadenquell! durch dein Waschen rein 74 Gebet um Heiligung des Herzens. und hell, laß mich flichen, was du fliehest, gieb mir, was du gerne siehest, Amen. Gefang. pinta Mel. O Gott! du frommer Gott. oll ohn' die Heiligung den Herren Niemand schauen, und ausgeschlossen seyn von jenen Himmelsauen, so trachte ich mit Fleiß in dieser Gnadenzeit, daß ich gelangen mög zur wahren Heiligkeit. S 2. Doch mich zu heiligen erfordert hohe Kräfte, das kommet Gott nur zu, denn das ist sein Geschäfte: brum bringe mich, o Gott! zur wahren Heiligung, ach! wirke du in mir des Herzens Aenderung. 5. Ach! heilige mein Herz, gieb heilige Gedanken, baß meinte Tritte nie von deiren Wegen wanken. Ach! laffe Herz und Geist beständig heilig seyn, mach es von schnöder Lust, von Sünd und Bosheit rein. 4. Ach! heilige mich ganz, die Glieder, Mund und Hände, daß ich sie nur allein zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Händ find ja dein Eigenthum, drum brauch ich sie allein zu deines Namens Ruhm. 5. Ach mein Gott! heil'ge mich, ja heil'ge Seel und Leben, als welche ich hiemit dir will zu eigen geben, hilf, daß ich also leb, und fhue wie ein Christ, in welchem Jesus lebt, und der in Gnaden ist. 6. In solcher Heiligung laß mich dereinsten sterben, laß mich durch Christi Blut das Freudenreich ererben, mit allen Heiligen, da werd ich ewig rein, im schönsten Priesterschmuck von dir gezieret seyn. 75 Morgen- Gebet am Mittwoch. Mann ich erwache, bin ich noch bei dir. O gnädiger und liebreicher Gott! mein Fels, meine Burg und Erretter, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schuß, ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Thron deiner Gnade, und danke dir, daß du die vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet, und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret hast. Gelobet sey der Herr täglich, und gelobet sey sein heiliger Name ewiglich. Mein Gott! du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten, und meine Seele dir zum Eigenthum und Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, willst auch nicht, daß ich verloren werde, sondern daß ich mich bekehre und lebe; v so laß mich auch diesen Tag dazu anwenden, daß ich schaffe, selig zu wer 76 Morgen- Gebet am Mittwoch. den, mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurück gelegt, laß auch die übrigen drei unter deinem Schuß und Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich, wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte, und hilf mir. Ach mein Mittler Jesu! bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Noth und Tod laufen, und von dir Hülfe erlangen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider mich seyn? Sey bei mir in meinen Berufswegen. Ich spreche mit völligem Glauben: Herr! ich lasse dich nicht, du segnest mich dann. Segne mich im Schlaf u. Wachen, segne meinen Schritt und Tritt, segne mich in allen Sachen, theil mir deinen Segen mit. Gesegnet laß mich seyn von dir, und nimm denSegen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufs- Geschäften mein Herz Morgen- Gebet am Mittwoch. 77 fleißig zu dir richten, und wenn es sich in der Welt- Luft und Welt- Sünden verwickeln u. belustigen will, so gieb mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Bater! in deine Liebe, mein Jesu! in deine Wunden einsenke, daß es sich nicht von deinerGemeinschaft verirre, und auf den Abend noch darin gefunden werde. Stehet mir heute ein Kampf vor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein fündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde an, so stårke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die Meinigen dir befohlen seyn, und laß allen Betrübten und Kranken mitten in ihrem Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich, o Herr! und leite meinen Gang nach deinem Wort, sey und bleibe du auch heute mein Beschüßer und mein Hort, nirgends als bei dir allein, kann ich recht bewahret seyn, Amen. 78 Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Röm. 11, v. 2. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung tures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sey der gute, der wohlgefällige und vollkommene Gotteswille. Men enn ein glaubiger Christ erwäget, daß die Weltliebe ist wie das Unkraut, das von selbst in der Seele wächset, hingegen aber die Frucht Gottes, und die Liebe zu Gott wie eine schöne wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß und Mühe erst muß da hinein gesetzt und wohl bewahrt werden; so kann er daraus erkennen, was man für Sorge und Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß Welt in ihm und auf ser ihm sey; Welt in ihm find die bösen Lüste, Tücke, Begierden und Gedanken seines Herzens; Welt außer ihm find der bösen Menschen Erempel, Lockungen und Verführungen. Diesen allen aber muß ein wahrer Chrift 2) widerstehen, den auf. steigenden Lüften und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Reizungen durch Ver. meidung der Welt Gesellschaften, Gewohnheiten und Lebensarten. Weil nun dieses nicht steht in unsern eigenen Kräften, so muß er 3) Gott um feine Hülfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Dies fes Abziehen von der Welt muß nicht so gesche. ben, als ob man sich einschließen und einsperren wollte, mit Niemand reden und umgehen, son. dern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltfindern nicht sündige, und ihre bösen Werke und Thaten nicht nachthue. Denn wenn wir mit gar keinem Gottlosen umgehen sollten, so müßten 79 Der glaubige Chrift bittet, Gott 2c. wir nach Pauli Ausspruch die Welt räumen. Wir follen in der Welt seyn, wie Joseph in Egypten, Loth in Sodom, Daniel und seine Gesellen in Babel, welche aber der Städte und Leute Sünden nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein auf etliche Tage geschehen, wenn man witt Gott seine Sün den bekennen, und zu dem heil. Abendmahl gehen, sondern diese Arbeit soll beständig seyn. Ist die Welt aus dem Herzen heraus, so gehet Jesus ein. Gebet. Barmherziger Gott! du Liebhaber an der Menschen, wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns hast in unsern vielen Fehlern und Schwachheiten, und strasst uns nicht auf frischer That, und wie wir es verdienen. Ach! du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst kenne, und das Verderbniß meines Herzens einsebe. Ich füble Welt in mir und Welt außer mir: Ich finde Welt in mir, nämlich die bösen Gelüste, meines Herzens, sündlichen Neigungen und Triebe zum Bösen. Ich finde Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, 80 Der glaubige Chrift bittet, die mich mit ihren Sünden- Erempeln und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach leider! mein natürlich unartig Herz hat viel mehr Lust und Freude daran, als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführt wird; ach wehe mir, daß ich so lange, so oft u. so viel mich durch die Welt reizen u. verführen lasse! Ich schåme mich, meine Augen vor dir aufzuhe ben, wenn ich an die Thorheit meiner jungen Jahre denke, da ich leider, ach leider! der Welt mehr gedient, als dir meinem Gott, der Welt mehr zu Gefallen gethan, als dir, der Welt mehr angehangen, als dir, aber auch damit dich beleidigt mein Gewissen verleßt, u. dich zum Zorn gereizt habe. Siehe da, mein Gott! ich kehre um, und thue Buße im Staub und in der Asche. Dein heiliger Geist heilige mich durch und durch, und vertreibe die Welt aus mir. Stelle mir vor das klågliche Ende der Weltkinder, damit ich dich liebe, und nicht die Welt, daß ich dir Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 81 folge, und nicht der Welt, daß ich dich höre, und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von Neuem laufen und fündigen will, erhalte mich als lezeit in deiner Furcht, und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienst erschaffen hast, daß ich den neuen Menschen soll täglich anziehen, der nach Gott geschaf fen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Got tesfurcht und den Himmel süßer. Gieb, daßichbeständig verachte die vergångliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Weltlust und Weltfreude lauter Angst, ein biß Gewissen und daß Scélen- Verderben folgt. Reiß aus meinem Herzen, was noch Welt und Weltliebe heißet, und pflanze deine heilige Furcht in mir. DuSchöpfer allerDinge, du väterliche Kraft! regierst von End zu Ende, kräftig aus eigner Macht, das He uns zu dir wende, u. kehr ab unsere Sinnen, daß sie nicht von dir irren, Amen. F Unly, Pist, Giessen Der glaubige Chrift bittet, 82 A bind& e fang. Mel. O Gott! du frommer Gott. 7100 Du willst, o lieber Chrift, dich dieser Welt gleich stellen, und zu den Sündern dich und ihrer Luft gesellen, und meinest, das sey recht; allein ich sage nein, ein wahrer Christ muß nicht ein folches Weltkind seyn. 2. Du meinst, es stünde nicht, ganz sonderlich zu wandeln, behutsam, fromm und still in seinem Thun zu handeln, du schämest dich zu seyn ein folcher Sonderling, und sprichst: man lacht dich aus, und halt dich für gering. 3. Allein, dran kehr dich nicht! wo Gottes Wort hinzielet, was Gott in seinem Wort mit Ernst bir anbefiehlet, sieh, darnach richte dich, und lasse Welt seyn Welt, sie sage, was sie will, thu du, was Gott gefällt. 4. Denn, faget Gott nicht selbst: ihr sollet heilig leben, wie ich auch heilig bin, ihr sollt euch mir er geben; und stellet Christus nicht sich selbst zum Fürbild dar, daß wir gesinnet seyn, wie er gesinnet war? 5. Die Frommen haben nie das Böse ausgeübet, den Bösen nie zu lieb den lieben Gott betrübet: und also mach es auch, halt beine Seele rein, leb heilig und gerecht, denn also muß es seyn. 6. Sich, Noa lebte nicht, wie andre Menschen lebten, es waren acht, die sich recht fromm zu seyn bestrebten; ach denke, denke dran, wenn du die Bösen fiehst, wie wohl! wenn du mit Fleiß die Sünderwege fliehst. 7. Gebent, was thate Loth in jenen Sodoms Landen, barinnen sich kaum vier, die Gott recht liebten, fanden; er wurde zwar gequält, und sündigte doch nicht, sein Herz und Wandel war allein zu Gott gericht. Gott wolle ihn regieren und leiten. 83 8. Wie, hat denn Joseph auch Egyptens Sand getrieben? Ist nicht auch Daniel in Babel fromm geblieben? So mache du es auch, ob man schon wenig find't, die da von Herzen fromm, und Christi Jünger sind. 9. Du mußt nicht in der Welt, zu ihren Sünden gehen, und mußt in Gottesfurcht und seiner Liebe stehen, und thut es keiner auch, so thu du es allein, so wist du deinem Gott recht angenehme seyn. 10. Ach Gott! erinnre mich an diese Lebenspflichten, ich will mich gern nach dir und deinem Willen richten. Ich sage hiemit ab der Welt und Süne denfreud, und bleibe dir getren in Zeit und Ewigkeit. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Psalm 86, v. 11. Weise mir, Herr! deine Wege, daß ich wandle in der Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Es ist dieses Leben nichts anders, als ein Weg: wenn wir geboren werden so treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so hört mit dem Leben der Weg auf, und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was wir für einen Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir einen guten Weg des Glanbens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so en digt sich derselbe zu der Himmels Herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg des Unglaubens, Bosheit, Gottlosigkeit, so endigt er sich zur Hölle, in der ewigen Verdammniß. Wenn nun das ein Christ erwägt, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg und den breiten Hollen825 84 Der glaubige Chrift bittet, weg, aber er soll mit allem Fleiß den Himmels. weg gehen. 2) Damit er aber darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung auflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle. 3) Bittet er Gott um sein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie andere Weltmenschen leben, und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen und nachfol. gen, so hört Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja er weicht gar von ihm. Wie nun ein Wanders. mann einen Geleitsmann von Nöthen hat, der ihm den rechten Weg weise: also bedarf auch ein glaubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hiezu aber gehört die Einwohnung des heil. Geistes im Hers zen, daß es von ihm heiße: wiffet ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seyd, und der Geist Gottes in ench wohnet? 1 Cor. 3, v. 16. Hat man aber diesen treuen Geleitsmann in sich und bei sich, so wird er auch die Gedanken, Zunge, Sinnen und Begierden regieren. 4) Dieser heiligen Regierung widersetzt sich der glaubige Christ nicht, sondern läßt sich führen, ermuntern und feiten, und ist versichert, daß er wird wohl geführt werden, hie zeitlich und dort ewig. O felige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat. Sebet.ja is Herr! du erforschest mich und kennest mich, du verstehest alle meine Wege. Ach! du siehest und weißt auch wohl, 85 Gott wolle ihn regieren und leiten. mein lieber Gott! wie ich ein herzliches Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen, und also zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen, und davon Jesus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hie, bald dort eine Verführung von dem guten Weg abführt. Bald verführt mich mein eigen Herz durch böses Gelü sten, bald reizt mich die Welt mit ihrem bösen Erempel, ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und Herrn, ich verlehe mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach! leite u. führe mich nach deinem Rath. Du hast ja gesagt: ich will dich mit meinen Augen leiten. Herr! hie bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott! der du hast dein Volk trockenen Fußes durch das rothe Meer, und unverleht durch die Wüste in das gelobte Land geführt; ach! 86 Der glaubige Chrift bittet, führe mich durch die Gefahren dieses Les bens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverleßten Gewissen in das ewige Leben. Ich ergebe dir mein Herz, Mund, Glieder und ganzes Leben. Regiere mein Herz, und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glieder, daß ich mit meinen Händen nicht möge nach verbotenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sünden- und Hollen- Wegen gehen. Regiere meinen Mund und Zunge, daß sie wederFlüche, noch unchristliche u.unanständige Worte vorbringe. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an u.nimmermehr muthwillig wider dich fündigen, damit ich ein rechter und frommer Christ heißen und auch seyn möge. Achlaß nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachheit widerstrebe, und überlaß mich nicht meinem eigenen Willen oder Führung, wenn ich mich führe, so werde ich verführt. Ja, leite mich mit deinen Augen, und richt Gott wolle ihn regieren und leiten. 87 mein ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn ich es soll geben in's Todes Rachen hin, wenn's hier mit mir wird aus, so laß mich selig sterben, und nach dem Tod ererben des ewigen Lebens Haus, Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. ater! gieb mir auch die Gabe, bie du alle bitten heißt, o wie wohl, wenn ich sie habe, gieb mir deinen guten Geist; Vater! ich hab groß Verlangen, diese Gabe zu empfangen, ach! erhöre meine Bitt, theile deinen Geist mir mit. 2. Es soll dieser Geist mich lehren, weil ich lebe in der Zeit, wie ich mich nun soll bekehren, und wie ich in Frömmigkeit soll beständig einhergehen, wie ich soll im Glauben stehen, welcher da lebendig ist, und sich gründ't auf Jesum Chrift. 3. Es soll dieser Geist mich führen allezeit auf ebner Bahn, und mein Herze kräftig rühren, wenn ich Böses hab gethan; er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach, folgen diesem Führer nach. 4. Es soll dieser Geist mich trösten in dem Kreuz und Traurigkeit, wenn die Noth am allergrößten, fo darf ich zu keiner Zeit in den Angst- und TrauerTagen, und im Leidens- Sturm verzagen, weil ber Geist mir Zeugniß giebt, daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden oft zweifachen Widerstand, den ich kaum fann überwinden, 88 Abend- Gebet am Mittwoch. so soll beine Vaterhand, mir dein Geist auch zweifach geben, daß ich, weil ich werde leben, möge stark im Glauben seyn, und von groben Fehlern rein. 6. Werther Geist im Himmelsthrone, gleicher Gott von Ewigkeit, mit dem Vater und dem Sohne, komm zu mir, ich bin bereit, meine Seele, Geift und Leben will ich dir zur Wohnung geben; fomm ach komm! und nimm es ein, laß es deinen Tempel seyn. 7. Ach! bewahre mich vor Sünden, ach! laß meine Zuversicht, sich auf Jesum Christum gründen, werther Geist, verlaß mich nicht! ach! durch deine Lies bestriebe stärke mich in Glaub und Liebe, führe mich durch diese Zeit in die frohe Ewigkeit. Bitk Abendgebet am Mittwoch. du heiliger, gütiger und allein weiser Gott! du hast mich diesen Tag abermals erfahren lassen, daß du der rechte Vater bist über alles, was Kinder heißet im Himmel und auf Erden, du hast nach deiner unendliche Güte für mich gesorgt, daß es mir nichtgemangelt hat an irgend cinem Guten. Ach Herr! ich bin zugez ring aller Güte und Treue, die du an mir beweisest. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wahlthaten, die er täglich an mir thut, der ich nurStaub und Äsche bin. Verschmähe nicht das demüthige Abend Gebet am Mittwoch. 89 Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergieb mir, o gnådiger Gott! was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich begangen habe. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern alle bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, u. ihn nimmer wieder anziehe. Laß mich die bevorstehende Nacht fammt allen meinen Anverwandten und Hausgenossen unter deinem Schuß und Gnade sanft u. ruhig schlafen. DieSonne verbirgt sich, ach laß o Jesu! du Sonne der Gerechtigkeit, deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Eta neue im Schlaf meine Kräfte, daß ih munter und fröhlich den Tag erlebe.Wachet ein Hirte bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele empfohlen seyn. So du aber, zur Prüfung meines Glaubens, Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag 90 Der glaubige Chrift bittet oder Nacht über mich verhängen wollteft, so gieb mir den gehorsamen Sinn Abrahams, und den geduldigen Geist Hiobs. Laß deine Allgegenwart und allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden abhalten. Ich hebe auch bei der anbrechende Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Herr! es ist von meinem Leben wiederum ein Tag dahin: lehre mich nun Achtung geben, ob ich fromm gewesen bin, zeige mir auch selbsten an, so ich was nicht recht ge than, und hilfjeßt in allen Sachen guten Feierabend machen, Amen. Der glaubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge angezündet werden. Aufmunterung. 1 Joh. 4, v. 16. 19. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. Gott ott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und nm wahre Liebe zu Gott. 91 Die Glaubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Liebe ist das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nächsten Herz aufs ge naneste verbindet. Ein glaubiger Christ demnach bittet 1) Gott, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen wolle. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, dadurch Gottes Liebe in ihm fann angefangen und vermehrt werden, nämlich die an. dächtige Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Steht er in der Liebe Gottes, so muß er auch solche beweisen in einem heiligen christlichen Wandel, anständigen Reden, Gott wohlgefälligen Werken; denn die Liebe ist gleich einem Feuer, welches seine Flammen und Rauch nicht kann verbergen. 4) Er muß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht wie Demas die Welt wie. der lieb gewinne; denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Derohalben muß er aus Liebe zu Gott die Welt meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführt. 5) In ſol. cher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod. ( 6) Die Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren; man soll sich schä men, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre in der Lust und Liebe der Welt hingebracht, aber darüber die Liebe Gottes vergessen hat. Gebet. du liebreicher, gnädiger Gott! du bist allein liebenswürdig, dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Q 92 Der glaubige Chrift bittet Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieben. Ach! ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübniß meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem liebreichen Vater, zuJesu, meinem Erlöser und Seligmacher, u. zu dem beiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbsünde in mir erloschen, sondern daß ich auch deiner rufenden u. wirkenden Gnade nicht allezeit Plaß gegebe, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, andre doch mein Herz reiß aus demselben alle Welt und Sündenliebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist, denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben, dazu ich leider von Natur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine wahre Liebe zu dir, daß ich dich, um wahre Liebe zu Gott. 93 als das höchste Gut, um dein selbst willen allein lieben, u. alle Eitelkeit flichen möge. Denn, will ich ein rechtes Kind Gottes seyn, so muß die Sündenwelt u. eigene Liebe zum Herzen hinaus, und du mußt über Alles allein geliebet werden. Darum komme ich, mein Gott! zu dir, u. bitte dich, ach gieb mir deinen heiligen Geist, der diese christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge, in dessen Kraft will ich dich meinen Gott von Herzen und beständig lieben, meine Seele soll an dich denken, mein Mund soll von dir reden, du sollst mir lieber seyn, als alle Welt u. Weltfreude, als alles Glück und Herrlichkeit. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu fündigen, ausLiebe zu dir will ich mich aller sündlichen Gesellschaft entschlagen, aus Liebe zu dit will ich anfangen, recht from zu werden, und allein nach deinem Willen undLeben einrichten, dich will ich ehren und fürchten; dir dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott! entzünde diese Lie 94 Gebet um wahre Liebe zu Gott. be in meinem Herzen, je mehr und mehr, daß sie bis an mein seliges Ende dauern möge. Gieb mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stårke mich alsdann durch deinen mächtigen Beistand. Ach! laß mich in Liebe mit dir vereinigt seyn in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott! ja dich um deinetwillen; nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott soll meine Liebe stillen; und sollt kein' Holl und Himmel seyn, was mich zur Liebe triebe, so wärst du mir genug allein, warum ich dich nur liebe, Amen. Gesang. AS! Mel. Alle Menschen müssen sterben. ch! daß sich doch Gottes Liebe tief ergöße in mein Herz, ach! daß sie doch immer triebe meine Seele himmelwärts, ach! daß doch all mein Beginnen, ach! daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgefamint, wär durch Gottes Lieb entflammt. 2. Ach! daß diese Liebe riße aus mir alle Lieb der Welt! ach, daß ich mich stets befliße, das zu thun, was Gott gefällt, und aus Lieb ihn nicht betrübte, nie, was ihm mißfällt, ausübte, daß die Welt mir bitter wär, und Gott süßer mehr und mehr. 3. 26 baß diese Lieb mich brächte zur Vereini Morgen- Gebet am Donnerstag. 95 gung mit Gott, daß ich stets an ihn gedächte, un verrückt bis in den Tod, daß kein Augenblick verflöße, daß ich nicht der Zieb genöße, daß ich ihm mit Lieb nachgieng, und mit Liebe ihn umfieng. 4. O du Liebe! so ergieße dich in mein Herz tief hinein, daß ich dadurch ganz zerflöße, und dein eigen möge seyn, daß ich in der Liebe stehe, wo ich fizze, schlaf und gehe, dir zur Liebe alles thu, und aus Liebe in dir ruh. 5. Laß mich in der Lieb auch sterben, wenn ich gehe aus der Zeit, führe mich als deinen Erben in die frohe Ewigkeit; dieser Lieb laß mich genießen, bis ich werd die Augen schließen, und auch gehn zur Freude ein, wo wird lauter Liebe seyn. Morgen- Gebet am Donnerstag. Herr! höre höre mein Wort, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so väterlich ernährt u. bea wahrt hast, sondern daß du auch die vers gangene Nacht mein Schuh u. Beistand bist gewesen, also, daß ich zu deinem Lob wiederum gesund von meinemLager auf stehen u. daß angenehme Tageslicht an 96 Morgen- Gebet am Donnerstag. schauen kan. Odu Liebhaber desLebens! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbst nichts, aber dein Auf sehen hat meinen Odem bewahret; du hast mich und mein Haus mit deiner Engel Bach umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück hat beschädigen können. Du hast mich durch eine sanfte Ruhe erquicket, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geångstete haben entbehren müssen, da ich wohl eben so viel ja noch mehr Züchtigung verdient, als fie, indem ich dir für die unsägliche Wohl thaten, die ich Zeit meines Lebens empfangen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, mein Schöpfer und Erhalter! erfordert hätte. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen. Ich habe mir vorgesekt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten. Ich will meinem Fuß wehren alle sündlichen Wege; mein Morgen- Gebet am Donnerstag. Ange soll nicht schauen nach verbotenen Dingen und Personen, ich will meine Hände nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit, und mein Ohr abwenden von loser Lehre und losem Geschwäß, wels ches gute Sitten verderbt. Hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott! zu deis nem Dienst ergeben, ach! wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade, laß mich diesen Tag immer mit frommen. Leuten umgehen, und so ich ja Berufs halben, und unverhofft zu Bösen komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichenReden u.Thaten. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbemit kind= licher Zuversicht auf deine Vorsorge freudig verrichte, und deinen Segen em pfindenmöge.Nunhebe ich meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mirHülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis in die frohe S 97 Der glaubige Chrift bittet Ewigkeit. Meinen Ausgang fegneGott, meinen Eingang gleicher Maßen; seg= ne auch mein täglich Brod, segne all mein Thun und Lassen, segne mich mit sel'gem Sterben, und mach mich zum Himmelserben, Amen. st 98 Der glaubige Christ bittet, Gott wolle dieLiebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. Aufmunterung. 1 Joh. 4, v. 20. 21. So Jemand spricht: ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebet, ben er fiehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dieß Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, auch seinen Bruder liebe. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet, dabei wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seyd, so ihr Liebe un ter einander habt. Also beschreibet Christus das Kennzeichen seiner wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, v. 34. nämlich, daß man sie daran erkennen sollte, wenn sie würden ihren Nächsten lieben. Es soll Niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er schon seinen Nächsten haffet, o nein! Es ist aber unser Nachfter 1) unser Freund, Wohlthäter und Verwandter. 2) Auch unser Nachbar, Fremder und Mitbürger, selbst wenn er uns neidet, vervor. theilet und haffet. 3) Gegen die Feinde soll man alle Bitterfeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verdammen, mit Worten und Werken beweisen, daß man ein liebreich Herz und wahre Liebe des Nachflen. 99 an ihnen trage, und thue in der That und Wahr. heit, was Chriftus sagt: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, fo euch beleidigen und ver folgen, auf daß ihr Kinder seyd eures Vaters im Himmel, Matth. 5, v. 44. 45. Gebet. Ach du liebreicher Gott! der du uns herzlich liebst, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen, wie du uns liebst. Ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe. gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich soll te meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben, als mich selbst, ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen giebest, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre. Ich sollte meinen Feind, der mich hasset, schmähet, vers folget, drücket, herzlich lieben, ihm Gutes wünschen, ja ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du allwissender 100 Der glaubige Chrift bittet Gott! fichest und weißest, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernt ist, wie leider! wenn du meinem Nächsten wohl thust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichst, mir aber nicht, daß ich darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott! wie das Bitten für meine Feinde so träge und ge= ring ist. Ach, mein Gott und Vater! ich erkenne daraus das Elend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchemStandederwahren Jünger und Jüngerinnen Jcsu bin, wie ich billig seyn sollte, welche man daran erkennen wird, daß sie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohlthäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach ändre doch mein rachgieriges u. deinem heil. Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Guade meinen Nächsten herzlichu. aufrichtig lieben möge, als mich selbst. Ver leihe mir Kraft und Stärke, daß ich mei um wahre Liebe des Nächsten. 101 nemNächstengerne und mit Freuden das gönne, was du ihm giebst, und nicht deßwegen betrübt drein sehe, wenn du mich nicht mit gleicher Wohlthat erfreueft. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, wie Judas ihn küffe, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahren, so gieb mir Kraft, daß ich es mit Sanftmuth überwinde, nichts Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, sondern dagege ihnenSegenu.alles Gu te anwünsche.Herr mein Gott! dusieheft, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankomt, aber durch deine Gnade u.Beistand wird es mir möglich werden. Laß mich an andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jedermann, ohn Eigenmuß und Heuchelschein, und wie du mirs erwiesen, aus reiner Lieb allein, Amen. Uni Der glaubige Chrift Gefang. In Mel. D Gott! bu frommer Gott. Ist dann die Liebe gar aus dieser Welt verschwunben, da wenig Liebe mehr bei Christen wird ge= funden? Die Liebe sollte ja bei Christi Jüngern seyn, warum ist Falschheit, Tück bei ihnen so gemein? 2. Ach! in der letzten Zeit wird alle Lieb erkalten, und gar geringe seyn bei Jungen und bei Alten. It diese Zeit schon da, so machet euch bereit zum lieben jüngsten Tag und zu der Ewigkeit. 3. Wo findet man jetzt Lieb, wo sind die Liebesproben? Die Liebeswerke sind fast gänzlich aufges hoben; wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu? Regiert bie Falschheit nicht, und lauter Heuchelei? 4. Die Liebe ist hinweg, man findet kein Ver trauen, man barf auf Reines Wort anjeßo fast mehr bauen. Ein anders denkt das Herz, ein anders red't der Mund, und schöne Worte gehn doch nicht aus Herzensgrund. 5. O falsche böse Welt! Gott fennet deine Stücke, bu bist boll Haß und Lift, voll Bosheit und voll Tücke, bu haft die Liebe nicht, und doch der Liebe Schein, und dieser falsche Schein soll wahre Liebe seyn. 6. Allein wer keine Lieb will an dem Nächsten üben, und kann von Herzensgrund auch seinen Gott nicht lieben; brum glaube nur gewiß, der ist kein Gottesfind, bei dem man lauter Haß und keine Liebe find't. 7. Mein Gott! verleih mir Gnad, daß ich in Lieb umfassen, und Gutes gönnen mag, die mich aus Feindschaft haffen. Ach! mache selbst mein Herz von aller Bosheit rein, daß ich auch in der Lieb mög Christi Jünger seyn. 8. Laß deine Liebe mir vor meinen Augen stehen, und laß mich ihrer Spur mit allem Fleiß nach102 will Jesu nachfolgen. 108 gehen, ja, daß ich mich betracht, und an mir nehme ab, wie es in jedem Fall mein Nächster gerne hab. 9. Laß beinen guten Geist, den Geist der Treu und Liebe in meinem Herzen seyn, damit ich Lieb ausübe; gieb mir ein redlich Herz, das ohne Falschheit sey, voll Lieb und ohne List, und ohn Betrügerei. 10. So leb ich als bein Kind, und werd dahin gelangen, wo alle Glaubigen in Liebe sich umfangen, wo Liebe iminer blüht in der Vollkommenheit, und ute aufhören wird in alle Ewigkeit. Der glaubige Christ will Jesu nachfolgen. Aufmunterung. Matth. 16, v. 24. Will mir Jemand nachfolgen, der verläugne fich felbft, und nehme fein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Herr err! fiehe, ob ich auf bösem Wege bin? So foll ein glaubiger Christ täglich seufzen, Pf. 139, v. 24. Fragt ein behutsamer Wandere mann fleißig nach dem Wege, so soll ein Glanbiger fich fleißig des Himmels. Wegs erkundigen. Es find viele Verführer ausgegangen, spricht Jo. hannes, darnm soll ein wahrer Christ sich wohl fürsehen, daß er nicht verführt werde. Ein glaubiger Christ folgt 1) demnach nicht den Welttindern, die ihn wollen mitnehmen zu ihren sünd. lichen Gesellschaften, viel weniger folgt er dem Trieb feinee bösen Herzens, sondern er denkt alle zeit, so ihm etwas in die Gedanken kommt: Ift das auch recht? Er folgt auch nicht dem Satan, sondern er folgt 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellt, was er glauben, was er thum und unterlaffen soll, das ist seine Lebensregel; was die nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen 104 Der glaubige Chrift Abscheu. Er folgt sonderlich 3) dem Herrn Jefu, der und hat ein Vorbild gelassen, daß wir follen nachfolgen seinen Fußstapfen; die Fußstapfen Jesu aber find: feine Demuth, Gehorsam, Geduld, Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er folgt 4) auch dem Erempel frommer Christen. Siehet er an frommen Chri ften Eifer im Gebet, Chrerbietigkeit, Mildigkeit und andere Tugenden, so trachtet er auch solche nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beständig bleiben bis in den Tod, so wird an folchen Seelen auch erfüllet werden, was Johannes Offenbarung 14, v. 4. faget: Sie folgen dem Lamme nach in dem ewigen Leben. Gebet. Ich mein Gott und Herr! mein einziges Verlangen ist, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese, die Auserwählten im Himmel gehen dem Lamme nach, wo es hingeht, aber ich erkenne auch mohl, daß derjenige, welcher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlichkeit, ihm auch muß nachfolgen in dieser Zeit, dieweil er noch in der Welt lebt. Wann ich dieses bedenke, so bin will Jefu nachfolgen. 105 ich recht um mein Heil bekümmert, ich sebe viele Vorgänger, u. weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Satan ladet mich ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen, und die Welt stellt ihm ihre Exempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor Augen, allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen, nåmlich zur Hölle und Verdammniß. O darum will ich dir, o Jesu! nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir nachfolgen im Glauben, Liebe, Demuth, Gehorsam, Frömmigkeit und Keuschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelaffen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen, dieses Vorbild soll mir imer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Jesu meinen himmlischen Bater lieben, ehren, seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Erempel meinen Nächsten lieben, und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel meinen Feinden gern verzeihen. Ich will nach seinem Er 106 Der glaubige Chrift empel bemüthig werden, weil er spricht: lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. Nun dieß ist mein heiliges Vorhaben, dazu wollest du mir Kraft verleihen. Ach erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Weltkinder Gebärden, Worte und Eitelkei ten vor mir sehe, damit ich gedenke, wo gehest du hin, o Welt? dein Gang ist nicht zu Jesu und zu der Seligkeit ge richtet. Hilf, daß ich mich selbst frage: ist dieses auch der rechte Himmelsweg? Gieb, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich seyn soll und wer ich bin. Ich soll seyn ein Kind Gottes, ein Nachfolger Jesu. Ich soll mich von der Welt unbefleckt halten. Hilf, daß ich in deiner Nachfolge beständig verharre bis in den Tod. Ich folge Jesu nach in Gottesfurcht und Glauben, in wahrer Frömmigkeit, die soll mir Niemand rauben, in Demuth folg ich ihm; werd ich im Folgen schwach, so stark mich seine Hand, ich folge Jefu nach, Amen. 107 will Jefu nachfolgen. Sefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Jefu bleibet meine Freude, obschon in der Welt nichts bleibt, er ist meiner Seelen Weide, von dem mich nichts Irdisch treibt; such ich Freud in diesem Leben, kanr. mir solche Jesus geben, drum soll Jesus nur allein meiner Seele Freude seyn. 2. Sesus bleibet meine Sonne, ob die Sonne untergeht, er bleibt meiner Seelen Wonne, ob schon alles traurig steht; wird mir nur nach meinem Wete nen diese Sonne wieder scheinen, ach! so stehets um mich wohl, und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden jedennoch meiri bester Freund, leb ich unter vielen Feinden, so wird er doch nie mein Feind; sein Herz ist mit mir verbunden, und ich hab an ihm gefunden, was ich in der Welt nicht find, ja, an feines Menschen Kind.. 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, ob mirs an Vergnügen fehlt, mein Vergnügen ist sein Fügen, mich vergnügt, was er erwählt, drum sprech ich mir foll in allem, was nur dir gefällt, gefallen, mein Vers gnügen ist dein Will, deinem Willen halt ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergößen, sonsten acht ich keine Lust, außer ihm und seinen Schäßen, ist mir sonst kein Schatz bewußt; mein Gut und die beste Gabe, die ich hie auf Erden habe, ist mein Jesus nur allein, solls auch dort im Himmel seyn. 6. Drum will ich an Jesy hangen, wo ich gehe, wo ich steh, denn dieß ist nur mein Verlangen, daß ich immer ihm nachgeh; was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübfal und kein Leiden; ich folg, ob ich gleich bin schwach, Jesu, Gottes Lamme nach. 7. Wählt, ihr Menschen, o erwählet, mit mir dieſes höchste Gut, wenns euch gleich an vielem 108 Abend- Gebet om Donnerslag. fehlet, so habt einen guten Muth, suchet Jesum, halt't ihn feste, bieses ist das Allerbeste, so habt ihr in aller Noth Hülfe und auch Trost im Tod. Abend- Gebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O liebreicher Gott und Vater! hie komme ich abermal mit vielen Wohlthaten von dir überhäuft u. begnadigt in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig bast du mich angesehen, daß ich den Abend unbeschädigt habe erlebet, deine Langmuth hat meiner ge schont, daß du mich nicht nach Verdienst gestraft hast. Ach! verzeihe mir alle Ulebertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidigt habe. Job sollte stärker werden, wider die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel; aber wer kann merken, wie oft er fehle, verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich Abend- Gebet am Donnerstag. 109 doch inskünftige mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidigt. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbars men, wärst du nicht ein so barmherziger Gott, Herr! wer würde noch leben! Ich lege mich nun zur Ruhe, meinGott! ach schließe du selbst die Thür hinter mit zu, wie an dem Kasten Noa, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in den Schuh nehmen, daß meine sichtbare und unsichtbare Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen ins Bette auch gedenke, wie ich dereinst wer= de mit Erden zugedeckt, aber am jüngsten Tage wieder auferweckt werden. Laß mich alle Tage also hinbringen u. schlieſsen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens trößten könne, auf daß ich bereit sey, zu welcher Stun de du kommen wirst, mich heinzuführen. Odreieiniger Gott! unter deinem Schirm u. Schild kann mich keine Noth und Tod verleßen. DeineLiebe u.Schuß, 1/10 Abend- Gebet am Donnerstag. v Vater! deine Wunden, o Jesu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! find die Wagenburg, darin ruhe ich sanft, und liege darin wohl verwahrt, davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schußes genießen, wie auch alle Arme und Elende. Stärke im Schlaf meine Kraft, und laß mich nach deinem Wohl= gefallen das Tageslicht wieder erbliden, Herr! laß mich ruhig schlafen ein, hilf, daß mich nichts erschrecke, und wenn die rechte Zeit wird seyn, alsdann mich wieder wecke, daß ich an meine Arbeit tret, wenn ich zuvor hab durchsGebet dir meine Werk befohlen. Verschmäh, o Gott, mein Vater! nicht mein Seufzen, Bitt und Flehen; laß mich dich, Jesu, wahres Licht, auch in dem Finstern sehen, o heiliger Geist! am letzten End mit deinem Trost dich zu mir wend, daß ich drauf sanft einschlafe, Amen. 111 Der glaubige Chrift erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sey. 135 Aufmunterung. Psalm 73, v. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Gre ben. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist da doch Gott allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. 948 as höchste Gut zu haben und zu besigen ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen, aber darin haben die meisten gefehlt, daß fie nicht gewußt, welches das allerhöchste und allerbeste Gut sey. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen seyn, und muß uns im Leiden und Tod, in Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut: 1) nicht Reichthum, welchen Biele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten, denn er verläßt uns im Tode. 2) Chre und Glück ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Gerechte in Verachtung und Schande, das Glück verwandelt sich in Jammer und Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor allen irdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, aber sie ver schwinden doch im Lode. Derohalben suchet ein glaubiger Christ sich ein wahres beständiges Gut welches aber 4) allein Gott ist; hat er Gott, fo hat er alles, die größte Ehre, den größten Reichthum, die größte Weisheit, und zwar in Zeit und Ewigkeit. Gott erfrenet den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquickt ihn im Tode, bleibt mit ihm ver einigt in Ewigkeit. Zu diesem Gut können wir ge 112 Der glaubige Chrift erkennet, langen, 5) durchs Gebet, Anhörung des göttli chen Worts, Betrachtung desselben, und durch Beistand des heiligen Geistes, nur 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße, und die Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Luft sein höchstes Sut seyn laffe.. Gebet. du gnadenreicher Gott! wie bist du doch so herrlich, so vollkommen! Wer dich hat, der hat alles, der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach! schreibe doch diese Erkenntniß tief in mein Herz, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach bewahre mein Herz vor der Welt- Menschen Thorheit, welche meinen, wenn sie groz Be Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum befißen, oder groß Bergnügen und Herrlichkeit erlangen, so hatten sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt; diese Güter verlassen die Menschen im Tode, folge ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackend und blos, ja ohne Gott. daß Gott allein das höchste Gut sey. 113 O darum gieb, daß ich das wahre Gut von dem vergånglichen wohl unterscheide du dreieiniger Gott! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut, du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen, so ver einige dich mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit; sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und Rost unterworfen, kann sie ein Unglück zernichten, so bleibt mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen, mit dem gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reise, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja mit ihm komme ich dereinst auch in die froheEwigkeit. Darum, mein Gott! wann ich nur dich habe, so frag ich nichts nach Himel und Erden, hab ich dich, so hab ich das wahre Leben. darum wohne in mir, bleib bei mir, so hab ich einen Helfer in Kreuz u. Elend, einen Beistand in Nöthen, den größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja die allersüßeſte $ Der glaubige Christ erkennet 2c. Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltkinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich doch Gott nicht. Ach Herr! wen ich nur dich habe, ey, so sag ich allem abe, legt man mich gleich in das Grab, ach Herr! wann ich nur dich hab, Amen. on line 3 moro opinio 114 Mel. Alle Menschen müssen sterben.DE Gott bin ich immer fröhlich, in Gott bin ich Gott ist selbst die Seligkeit. Darum laß die Welt einfallen, laß das Ungewitter knallen, bleibet nur der Höchfte mein, so kann ich vergnüget seyn. 2. In Gott hab ich Trost und Frieden, denn ich bin mit ihm versöhnt, der den Himmel mir beschieden, ist mein Jesus, der mich frönt, drum kann ich im Frieden sterben, und in Fried den Himmel erben, Fried in dieser Lebenszeit, Fried in alle Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher rasten, er ist meiner Seele Rub; zu Gott, wie zu Noa Kasten, eil ich, wie gas Täublein zu; Ruh im Leben, Ruh im Herzen, Nuh in Trübfal, Nuh in Schmerzen, Ruh in Leiden, Ruh in Noth, Ruh im Grabe, Ruh im Tod. 4. In Gott bin in, reich an Schätzen, welche keiz ne Zeit zerstreut, Freud, Vergnügen und Ergößen, und des Trostes Süßigkeit wird mir schon von Gott gegeben, schaue doch in diesem Leben; wie wirds nicht in vollem Schein herrlich in dem Himmel seyn. 5. Drum will ich in Gott verbleiben, er ist meiner Seele Zier, nichts soll mich von ihm abtreiben, so bin Morgen- Gebet am Freitag. 115 ich vergnüget hier, und bin auch mit Gott verbunben in den letzten Lebensstunden, mein Gott, meines Lebens Licht, weicht von mir in Tod auch nicht. sopt di Morgen- Gebet am Freitag.in Mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Gnädiger und liebreicherGott, mein Vater, Erlöser und Heiligmacher! ich erhebe in dieser Morgen- Stunde mein Herz und Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majestát, von welchem mir Zeit meines Lebens, und auch die vergangene Nacht gar viele Wohlthaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meis ne Stärke, mein Scuk, mein Erretter, mein Alles gewesen. Aller dieser Wohl thaten, mein Gott und Herr! erkenne ich mich unwürdig. Du haft mitten in der Finsterniß an mich gedacht, und melnen Leib und Seele vor allem Schaden und Gefahr väterlich behütet; darum lobe ich dich, und lobsinge deinem Namen. Der Herr hat Großes an mir ge than, deß bin ich fröhlich. Sey, o liebreicher Gott! auch diesen Tag mein Bel02 116 Morgen- Gebet am Freitag. stand, leite und führe mich nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erden. Gieb mir heute und allezeit ein, was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Munde nicht Beleidige. Lehre mich, was ich thun soll, daß ich nichts Böses thue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herz klopfen, wenn sich meine Gedanken von dir veritren wollen. Laß, o Jesu! dein blutiges Bild mich vor Augen sehen, daß dadurch alle Lust zur Sünde in mir vertrieben werde. Also wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe, und in dem neuen We sen des Geistes wandle. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgieb mich und die Meinigen mit deinem Schuß, wie das Haus Hiobs; bewahre mich, wie den Der glaubige Chrift bittet um Demuth. 117 Jakob; hab Acht auf mich, wie auf Eliaz daß ich unter deinem Schuß den Abend wiederum fröhlich erlebe. Meinen Leib und meine Seele, samt dem Willen und Verstand, großer Gott! ich dir befehle, unter deine starke Hand, Herr! mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigenthum, Amen. 1970shotch( 19Te Der glaubige Christ bittet um Demuth. nch 1981 Auf munterung. 1 Petr. 5, v. 5. 6. Haltet fest an der Demuth, denn Gott widerstehet den Hoffärti gen, aber den Demüthigen giebt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu feiner Zeit. Unter denjenigen Sünden, dawider ein glaubt. ger Chrift zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmuth des Herzens, welcher hernach in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur nach dem Sündenfall, aber demüthig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht Semüthig wird, kann Gott nicht gefallen, und auch nicht Christi Jünger seyn. Wenn nun dieses ein glaubiger Christ erwägt, so bittet er Gott um ein demüthiges Herz 1) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch! was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort balten, Liebe üben, und demüthig seyn vor dei nem Gott, Micha 6, v. 8. Er wird gegen Gott aber demüthig werden, wenn er bedenkt Gottes 118 Der glaubige Chrift billet Hobett, Majestät und Herrlichkeit, und hingegen auch erwägt, wie er ein armer Wurm, ja nichts als ein elender Mensch ist, den Gott in einem Augenblick verderben kann. Es wird ein gläubi. ger Christ demüthig werden 2) gegen den Näch. ften, wenn er bedenkt, wie fein Nächster vielleicht viel frömmer, andächtiger, und daher Gott ange. nehmer sey als er; ja, daß er im Grabe wie der ärmste Bettler zu Asche werde. Es wird ein glaubiger Christ auch demüthig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwägt, daß er alles, was er hat, alle Gaben, Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergeben nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der thm alles bald neh. men könne, daber er nicht damit prangen soll. Er stellet sich, damit er auf keinerlei Weise. stolz werde, fleißig vor das Erempel des demüthigen Jesn, der sich unter Gott und alle Kreaturen erniedrigte, und uns zuruft: Lernet von mir, ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. $ 101 1960, and placile come be t Großer, heiliger und barmherziger Gott! der du bist der Hohe und Erhabene, vor dessen Thron alle Auser= wählten in Demuth ihr Antlih bedecken; ich bekene und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre und zum Hochmuth geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, um Demuth.ne ( 119 welche ein Anfang allerSünde ist, vergif tet, daß ich oft vergesse, daß ich Staub und Asche bin. Ach mein Gott! gieb mir doch ein demüthig Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, damit ich mich unter deiner gewaltigen Hand demüthigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts häbe, als Sünde, Tod und Verdammniß; was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern alles als dein Geschenk ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demuth in mein Herz, daß ich dir gehorchen, dich fürchten, ehren, dir dienen, dich anbeten und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Näch 120 Der glaubige Christ bittet sten, daß ich ihn niemals gegen mich ver achten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffartigen noch nie gefallen, aber daß du aufdie demüthigeSeele dein Licht, Trost, Gnade und Güte hast reichlich fließen lassen, wende von mir ab alle hoffårtigen Gedanken, gieb, daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewahre mich vor Ehrgeiß, Ruhmredigkeit, daraus nichts als Berachtung gegen den nächsten entspringt. Drücke in mein Herz das Bild meines demüthigen Heilandes, der sich unter Engel u. Menschen erniedrigt hat. Ist mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben, und dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des de um Demuth. 121 Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von Niemand Ehre begehre, sondern alle Ehr, allen Ruhm dir allein beilege. Gieb mir in wahrer Niedrigkeit des Herzens zu erkennen, daß alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth in Frieden und Einigkeit mit Jedermann leben. Laffe mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Jesu seyn, so wer de ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmuth ist des Satans Sünd, davor bewahre mich in Gnaden. Und so dir ja gefallen sollte, mein Gott! mich inSpott und Verachtung fallen zu lassen, so gieb mir Kraft und Stärke, daß ich alles mit Demuth, Gelassenheit u. Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demůthigung und desto größeren Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen lasſe. Herr, Herr! verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Bei 122 Der glaubige Christ bittet um Demuth. stand dieses alles zu vollbringen. Selig sind die Demuth haben und sind allzeit arm im Geist, rühmen sich gar keiner Gaben, daß Gott werd allein gepreist, danken dem auch für und für, denn das Himmelreich ist ihr: Gott wird dort zu Ehren sehen, die sich selbst gering hie schätzen, Amen. als ein člbin pim hané dlm 2012 su Sefang. rbemira Mel. Alle Menschen müssen sterben. emuth ist die schönste Tugend, aller Christen Ruhm und Chr, denn sie zieret unsre Jugend, und das Alter noch vielmehr; pflegen sie nicht auch zu loben, die zu großem Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld, und was herrlich in der Welt. 2. Siche, Jesus war demüthig, er erhob sich selbften nicht, er war freundlich, liebreich, gütig, wie uns Gottes Wort bericht; man befand in seinem Leben gar kein Prangen und Erheben, drum spricht er zu mir und dir: Lernet Demuth doch von mir. 3. Wer der Demuth ist beslissen, ist bei Jedermann beliebt, wer da nichts will seyn und wissen, der ists, dem Gott Ehre giebt; Demuth hat Gott stets gefalTen, sie gefällt auch denen allen, die auf Gottes Wegen gehn, und in Jesu Liebe stehn. 4. Demuth machet nicht verächtlich, wie die stolze Welt ausschreit, wenn sie frech und unbedächtlich bie Demüthigen anspeit; Stolze müssen selbst gestehen, wenn sie Fromme un sich schen, daß doch Demuth edler ist, als ein frecher stolzer Chrift. Der glaubige Chrift bittet um Sanftmuthy. 123 5. Demuth bringet großen Segen, und erlanget Gottes Gnad, an ihr ist gar viel gelegen, denn wer diese Tugend hat, der ist an der Seel geschmü ket, und in seinem Thun beglücket, er ist glücklich in der Zeit, selig auch in Ewigkeit. in l 6. Diese eble Demuthsgaben, so da find des Glau bens Frucht, wird ein jeder Chrifte haben, welcher fie von Herzen sucht; wo der Glaub wird angezündet, da ist Demuth auch gegründet, Glaube, Hoffnung, Demuth, Lieb, kommt aus Gottes Geistestrieb. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein, es foll Demuth in Gebärden, Demuth soll im Herzen seyn, Demuth gegen meine Freunde, Demuth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen Gott, Demuth auch in Kreuz und Spott. 8. Auf die Demuth folget Wonne, Gottes Gnade in der Zeit, und dort in der Freudensonne, Friede, Licht und Herrlichkeit; da wird Demuth Herrlich prangen, und die Ehrenkron erlangen; was man hier gering geacht't, leuchtet dort in Himmelspracht. Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth. Au f munterung. Ara 1919G 1900 S nimicu 1 Petr. 2, v. 21-23. Chriftus hat und ein Borbild gelassen, daß wir follen nachfolgen feinen Fußßapfen, welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Welcher nicht wieder schalt, da er gefcholten ward, nicht drohete, da er litte, er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Menn ein Mensch in seinem Christenthum und in seiner Bekehrung hat einen guten Anfang gemacht, daß er sich von äußerlichen groben Sün. den gereinigt, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, lleppigkeit, Leichtfertigkeit, Un - so gerechtigkeit, Spielen, Welt Gesellschaften, 124 Der glaubige Christ bittet e muß er bedacht seyn, auch das Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stolz, Neid, Zorn, Haß und Nachgier, und sich der Sanftmuth befleißigen. Die besteht darin: 1) Daß man nicht Böses mit Bosem vergelte, nicht aus Haß, Zorn und Rach. gier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmüthig seyn, und diese edle Tugend befißgen, können wir nicht eher wissen, bis uns ein Feind angreift, der nach unserer Ehre, Gut und Namen trachtet; denn wer da gleich im Zorn entbrennt, flucht, schilt, droht, bei dem wohnt der sanftmüthige Geist Chrifti nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider die Sanftmuth, Schuß gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief, und sich in des Kaisers Schuß begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Apoft. Geschichte 25, v. 11. 4) Es steht wahren Kin dern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Thiere im Grimm und Bitterkeit zu verfolgen. 5) Bei sol. cher Verfolgung, wenn uns ein Feind drückt, will Gott eine Probe unsers Glaubens sehen, und uns zur Erkenntniß der vorher begangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgedrückt haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmuth find: im Herzen verzeihen, für die Feinde beten, Matth. 5, 54., ihnen Gutes wünschen, alles Gute thun, alles Gute gönnen, und zur Versöhnung willig feyn. nidusaus uns Te projak e be t. 0310076.#nd ຄື thomon du liebreicher Gott! der du die Liebe selbst bist, und willst deine Liebe ist um Sanftmuth 15 125 in mein Herz ausgießen durch den heiligen Geist. Ach! ich klage dir mit betrübe ter Seele, daß mein Herz oft gar widers spenstig und unbändig ist. Es sollen in demselben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit seyn; aber ach! ich finde leider statt dieser christlichen und nothe wendigen Tagend: Eigensinn, Ha Born, Rachgier, Feindschaft, durch wel che ich angetrieben werde, wieder zu schelten den, der mich schilt, Böses zu vergel ten dem, der mir Unrecht thut, und Ra che an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hatt Wenn ich aber o Gott! aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches thun, nicht sollen ins Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sey der Kinder Gottes und der wahren Christen Art: ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teu fels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaftig und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du lieb 126 Der glaubige Chrift, bittet reicher Gott! and gieb mir deinen heil, Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Erem pel meines Jesu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohete, daß er sich an ihnen künftig rächen wollte, da er litt, stellte aber vielmehr alles dem heim, der da recht richtet. Ach! gieb mir auch einen folchen stillen, fanftmüthigen und fried fertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalte, und die Sonne über meinem Zorn nicht unterge hen lasse. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge seyn wie ein Tauber, der nicht höret, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut, zur Zeit, wenn mich mein Feind schmähet, Hingegen gieb Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl geht, ihm alles Gute wünsche, ja ihm gern helfe, u. wohl thue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder um Sanftmuth. 127 in Worten, Gebärden und Werken spie ren lasse, sondern wie gegen Federmann, so auch gegen meine Feinde in dem Herz zen sey mitleidig, mit Worten freundlich und aufrichtig, mit Gebärden holdselig, und mit Werken wohlthätig, damit durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert, und all mein Gottes dienst und Andacht nicht verwerflich wer de. Gieb, daß ich von Herzen verzeihe und vergebe meinen Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Missethaten verzeihen sollst, daß ich nicht tåglich wider mich selbst beten möge. Laß auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmüthigen verheißen hast. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die wider dieſe Tugend aufsteigende Lust, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleins durch deine Gnade in die Häuser des Friedens versetzt werde. O Šeele! schaue Jesum an, bier kannst du 128 Gebet um Sanftmuth. recht erkennen, was wahre Demuth heiß sen kann, und was wirSanftmuth nennen, er stellet sich zum Muster dar; wie Jesus nun gefinnet war, so sey du auch gesinnet. Das Böse sucht er alsobald mit Gutem zu vergelten, man hörte, wenn die Welt ihn schalt, ihn niemals wieder schelten; er giebt es seinem Vater hin, so sanft ist deines Jesu Sinn, so sey du auch gesinnet, Amen. adds. maniam adepaa Se onu wit& eifan gud god lim Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. ich doch, wie mein Feind mich schmähet, großer Gott! ach höre doch, großer Gott! du lebst ja noch. Sich, wie er mit mir umgehet, wie er tobet, ruft und schreit, und mich fast vor Zorn anspeit. 2. Höre, Herr! ach hör sein Schelten, aber ach verleih mir Gnad, daß ich niemals in der That, noch mit Worten mög vergelten, was er wider mich ausübt, und mich bis aufs Blut betrübt. 3. Gieb, daß ich nicht wieder hasse, daß ich schweige, wenn er schilt, und für Gutes Bös vergilt, daß ich in Geduld mich fasse und ertrage als ein Christ, was dem Feind beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, wenn er mir aufs schlimmste flucht, und nichts als mein Unglück sucht, und daß ich ihm mög begegnen mit gelaff'nem, stillem Muth, ob er mir gleich Unrecht thut. Abend- Gebet am Freitag. 129. 5. Lasse mich auf Jesum sehen, der ba gar nicht wieder schalt, noch mit Bösem Bös noch mit Bösem Bös vergalt, und darinnen ihm nachgehen, daß ich als ein Gotteskind, ihn mit Sanftmuth überwind. 6. Ach! laß deinen Geist mich stärken, wenn mein Feind mir setzet zu, daß ich ihm da Gutes thu, daß in meinen Wort und Werken, sie nicht finde Bitterfeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, daß er nicht mehr wider mich, rede also freventlich; ja, du wolleft ihn bekehren, daß der werd hinfort mein Freund, welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach! du wollest ihm verzeihen, was er wider mich gethan, rechne doch es ihm nicht an. Und du wollt ihm Gnad verleihen, daß wir leben nach dem Streit stets in Fried und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben, daß wir sterben als versöhnt, und mit deiner Gnad gekrönt, laß uns beid' den Himmel erben, zu der LammesHochzeit gehen, und dein Antlitz ewig sehen. Abend- Gebet am Freitag. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. du großer und starker Gott! laß auch in der bevorstehenden Nacht dels ne heilige Engel sich um mich lagern, und mich mit ihrem mächtigen Schuk umgeben; hast du den Engeln des Tages befohlen, daß sie mich behüten auf allen I 130 Abend- Gebet am Freitag, meinen Wegen, so laß sie auch des Nachts um mein Bette stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu! laß nichts Schäd liches sich zu mir nahen, ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wo ich mich hingewendet, und in meine Berrichtungen deinen Segen gelegt: du hast zu allem, was ich in deinem Namen angefangen, Glüc gegeben. Ach, daß heute meine beständi ge Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich so groß Uebel thun, und wider Gott sündigen. Ach verzeihe mir aus Gnaden, was ich diesen Tag Böses vollbracht, geredt und gedacht ha be. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut be zahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich dech, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Gutes getban; laß mich solche deine Abend- Gebet am Freitag. 131 Güte zur Buße leiten. Laß din heißes Blut und treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, daß ich dich niemals mehr moge beleidigen, der du so viel Gutes an mir gethan hast. Ich lege mich nun zur Ruhe nieder, es kann auch diese Nacht meine lehte Nacht werden, ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege; aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde, das steht allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens. Aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater! in deinen Bun den, o Jesu! in deiner Gemeinschaft, o werther heiliger Geist! einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu die sem zeitlichen Leben nicht wieder auf stehen sollte. Ich lege mich in Jesu Wunden, wenn ich mich lege zu der Ruh, ich bleib im Schlaf mit ihm ver bunden, er drücket mir die Augen zu, ich fürchte nicht die finstre Nacht, well Jesus um mein Bette wacht, Amen. in spidinedion sais a midd J2 132 gation fads) dustis EsBlad nid And will 5063 ur to Der glaubige Christ bittet um den heiligen 500 Geist. Blowa Aufmunterung. No Gapsalm 51, v. 12. 13. Schaff in mir Gott ein reines Herz, und gieb mir einen neden gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Um m den heiligen Geist zu bitten ist die allernothwendigste Bitte; denn 1) in diesem Leben haben wir vonnöthen einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster, nun das ist der heilige Geist, der führt uns in alle Wahrheit, er lehrt uns Jefum Christum erkennen, und verklärt ihn in uns, er tröftet uns in allerlei Leiden und Trübfal, ja in der Stunde des Todes; wer hie den beiligen Geist nicht hat in seinem Herzen, der kann nicht selig werden. 2) Derohalben sind das die un glücklichsten Menschen, die ohne den heiligen Geist find, die können nicht fromm werden, noch fromm leben, sondern fündigen und fallen. Hat uns Gott aber den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich floßen durch muth. willige Sünden und ein gottlos Leben, sondern täglich seufzen: nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 3) Solche Seelen stehen in der wah. ren Vereinigung mit Gott und in dem Stande der Seligkeit. In midald bi dose moond Up Gebet. Großer Gott! heiliger Bater! fiche, ich armes Kind komme zu dir, und bitte dich um eine nothwendige Gabe, Gebet um den heiligen Geist. 133 um den heiligen Geist, welchen du haft gnädiglich verheißen allen, die dich darum anrufen, darum sende ihn von oben herab, von deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er sey mein Führer, der mich leite nach deinem Rath, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist vollbringe. Ach! ich sehe so viele Irrwege und Sündenwege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmähworten reizen, ich solle mit ihnen fündigen und Böses thun Ach Gott! leite mich in deiner Wahr heit, erhalte mein Herz bei dem einigen daß ich deinen Namen fürchte. Stell meiner Seele allezeit vor, wenn mir di Welt und Welt- Sünden wollen gefal len, daß mich solcher breite Weg in das Verderben führet. Ach! gieb mir deine heiligen Geist, den Geist der Wahrheit der mich lehre; den Geist des Trostes der mich erquicke; denGeist der Freudig feit, der mich erfreue in Traurigkeit 134 Der glaubige Chrift bittet den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Kreatur und neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sey ein Kind Gottes. O werther heiliger Geist! ach heilige mich, du siehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sün den ist, aber du fichest auch, wie ich durch deine Gnade davor einen herzlichen Aba scheu habe. Ach es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübt, und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit ergebe ich mich dir in deine heilige Führung u. Regierung. Du sollst seyn meines Lebens Kraft, meines Herzens Trost, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens. Ach heilige mich durch und durch, damit mein Geist samt Seel und Peib möge unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Mache us meinem Herzen deinen Tempel, und vohne darinnen. Du heiliges Feuer, um den heiligen Geift. 135 brenne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüfte und Begierden. Regiere u. führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führest. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Troft nehmen will: ich sey kein Kind Gottes, ad! so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, u. daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübfal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben; gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sey. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe u. Beistand verschwindet, daß ich werde der Herrlichkeit theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. Vater! gieb mir auch die Gabe, die du Alle bitten heißt, daß ich sie empfind und habe, gieb mir deinen heil'gen Geist, denn ich habe groß Verlangen, diese 136 Gebet um den heiligen Geift. Gabe zu empfangen, ach! erhöre meine Bitt, theile deinen Geist mir mit.p Gesang. Mel. 3euch ein zu deinen Thoren, Ach komm doch in mein Herze, o werther heiliger Geist! sey meiner Seelen Kerze, der sie zum Himmel weist, und mach sie neu und rein; ich habe groß Verlangen, o Geist! dich zu empfangen, ach fehre bei mir ein. 2. Komm, gieb mir neue Stärke in meinem Christenthum, und heil'ge meine Werke zu deinem Dienst und Ruhm, ach mache mich ganz neu, daß ich stets bet und singe, und nur allein vollbringe, was dir gefällig sey. 3. Komm, heil'ge meinen Willen, und reiß ihn von der Welt, damit ich mög erfüllen, was dir, mein Gott! gefällt, ich geb mich gänzlich dir, regiere meine Sinnen, mein Leben und Beginnen, und wohne stets in mir. 4. Ja ändre Herz und Leben, und heil'ge gänzlich mich, heb auf das Widerstreben, daß alles richte fich allein nach deinem Trieb, daß ich die Sünde haffe, das Böse unterlasse, und wachs in deiner Lieb. 5. Laß meine Lippen sprechen, was chrbar ist hinfort, damit sie nicht ausbrechen in freche Sündenwort; sey meiner Zunge Herr, daß sie Gott lob und preise, dem Nächsten Lieb erweise, und dien zu beiner Ehr... 6. Ich will von mir ausgehen, wann du gehst bei mir ein, und auf dein Winken sehen, dir ganz zu Dienste seyn, du bists, den ich erwähl, ich will mich bir ergeben, du sollst nun seyn mein Leben und meiney Seelen Seel. 7:/ Wann du mun haft genommen in meinem Her3n Blab, wann du zu mir gekommen, so sollst du seyn 137 Morgen- Gebet am Sonnabend. mein Schatz, dieweil ich an dir hab den allerbesten Führer, den Tröster und Regierer, die allerbeste Gab. 8. Wird sich mein Leben enden, daß ich abscheiden soll, so ist in deinen Händen mir auch im Sterben wohl, zerrinnt des Lebens. Saft, daß ich nicht mehr fann beten, so wirst du mich vertreten durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd erblassen, so sprich den Trost mir zu: ich seye nicht verlassen, ich komm zu meiner Ruh. Im letzten Kampf und Streit hilf du mir fräftig ringen, und seliglich durchdringen zur Himmels- Herrlichkeit. natis Morgen- Gebet am Sonnabend. Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Starker und allmächtiger Gott! ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beswüßet, so mäch tig bedecket, daß keine Gefahr noch Leiden mich beunruhigen könne. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder voll bracht werde, was dir zuwider seyn könn te. Mein Jesu! der du bist das U und das O, der Anfang und das Ende, ic habe nun abermal durch deineGnade dae 138 Morgen- Gebet ain Sonnabend. Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die lehte Woche und der lehte Tag meines Lebenskommen werde, u. laß mich alle Wochen und Tage anfangen und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schamen oder beklagen möge, daß ich ges lebt habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen, behüte meinen Ausgang und Eingang, segne meine Arbeit, stehe mir in allen Fällen bei, und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Ich freue mich schon auf den morgenden Sontag, da ich soll ruhen von aller meiner Arbeit, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung, Deiligung und Bekehrung in mir haben mögest. Darum, o heil, Geist! Fehr bei mir ein, und laß mich deine Woh nung seyn, o komm, du Herzenssonne! du Himmelslicht, laß deinen Schein bei mir und in mir kräftig seyn, zu steter Freud und Woune. Laß mich, durch dich fromm zu leben, jeßt anheben, und Der glaubige Christ erkennet sc. 139 mit Beten, oft derhalben vor dich treten, Amen. pipse fit done notist ident Der glaubige Christ erkennet die immerwäh rende Gütte Gottes. od Aufmunterun g. thin 119 Klagt. Jer. 3, v. 22. 23. 12 Die Güte des Herrn ists, daß wir nicht gar aus find, seine Barme herzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber währef in Ewigkeit, wie David im 136. Pfalm denn seine Güte währet ewiglich," bei allen Verfen wiederholt. Gottes Güte ist wie eine Mut. ter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, verpflegt und erzieht, so thut auch Gott an uns Menschen. Diese nun erkennt ein glaubiger Christ, 1) daß es sey eine unverdiente Gute; wollte er nach unserm Verdienst mit uns Handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken; es ist 2) eine immerwährende Güte, wenn ein glaubiger Christ sein ganzes Le ben ansiehet, von seiner Geburt, in seiner Kindheit, Jugend und fortwachsenden Jahren, so ist es lan ter Güte Gottes, was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirket; was wir besigen im Leiblichen, das hat uns Gottes Gute gegeben. Ja, was noch mehr zu verwundern, ist es 3) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlo. ſen genießen; über die läffet er seine Sonne scheinen, er giebt ihnen Nahrung und Kleidung, nur der Einwohnung des heil. Geistes werden sie nicht theilhaftig, weil sie ihr Herz davor verschließen. 140 Der glaubige Christ erkennet Ein glaubiger Christ läffet sich aber durch Gottes Güte auch zur Buße, Liebe Gottes und Gottes. furcht leiten, und ist versichert, daß er auch der selben genießen wird bis in den Tod. dodamit 19 spiduale TC Gebet. Gott, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkeft sie mit Wolluft, wie mit einem Strom. Nun solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott! fie ist bei mir alle Tage, alle Stunden neu gewesen. Deine Güte hat mich, da ich geboren war, wie eine Pflegmutter auf die Arme genommen und erzogen. Deine Güte hat mich in der Jugend an der Hand geführt, und allerOrten beglei tet. Deine Güte hat in den erwachsenen Jahren mich versorgt, erhalten, ernährt, und mir viel Gutes beschert. Ja, deine Gute hat bis auf dieseStunde, da ich vor dir stehe, über mich geschwebt, und mich mit Segen, Gnade und Trost erfüllt. die immerwährende Güte Gottes. 141 Diese deine Güte hat mich bewahrt vor Unglück und Schaden, und ist mit mir aus- und eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möchte. Diese deine Güte hat auch meine Seeledurchdenheiligen Geistgebeiliget, und zu deiner wah ren, lebendigen Erkenntniß gebracht. Ach mein Gott! laß deine Güte ferner über mich walten, und verlaß mich nicht im Alter, wenn ich grau werde, laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schoos, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigenthum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wieder auf den Weg der Buße und des Friedens. Für alle deine mir erwiesene 142 Der glaubige Christ erwägt Gute danke ich dir, und lobe dich von Grund meiner Seele, nicht allein lobė ich dich allhie, dieweil ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott! auch preisen in alle Ewigkeit. Darum, o meine Liebe! die ich oft betrübe, hie in dieser Welt, dir dankt mein Gemüthe, wegen deinerGüte, die mich noch erhält, die mir oft gar unverhofft hat geholfen in den Klagen, Noth, Leid, Angst und Sagen, Amen. invio: 2. ditalia Gefang. nomom de Gottes Mel. Freu dich sehr, o meine Seele! ottes Liebe, Gnad und Güte werden alle Morgen neu, das erfennet mein Gemüthe und auch seine Baterstreu; Gott hat viel an mir gethan, mehr als ich aussprechen kann; ich hab alle Tag und Stunden Gottes Treu und Güt empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung Segen, Wohlergehn reichlich aus Genaden geben, sondern er läßt mich auch sehn, wie es seiner Güt gefällt, daß er alles noch erhält, ja mit jedem frühen Morgen, hebt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe, und die wahre Seelenfrend, seines Geistes süße Triebe, zu der wahren Frömmigkeit, Trost, wenn mich mein Leiben quält, Hülf, wenn mich mein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 143 4. Solche Güt hab ich erfahren in dem ganzen Lebenslauf, und in diesen späten Jahren höret sie auch noch nicht auf: wenn ich morgens früh auf steh, und des Abends schlafen geh, läßt sie mir an meiner Seelen nie an einem Guten fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, weil ich lebe in der Zeit, und dem Höchsten Dank erweisen in der frohen Ewigkeit. Ach, mein Gott! ich bitte dich, lasse deine Güte mich allezeit zum Troft genießen, bis ich werd die Augen schließen. Der glaubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmunterung. 29 siden 1 Joh. 3, v. 2. 3. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht ers schienen, was wir seyn werden. Wir wissen aber, wenn es era scheinen wird, daß wir ihm gleich seyn werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich, gleichwie er auch rein ist. Ein wahrer Chrift soll dreierlei täglich erwägen, wer er sey, nämlich ein Kind Gottes, was er an Gott habe, einen Vater, einen Wohlthäter und den allerbesten Freund, und was er von Gott noch zu erwarten habe, nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stärken, und Verachtung gegen alles sündliche Leben erwecken. Dann 1) große Herrlichkeit haben die Glaubigen schon allhier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frie den mit Gott, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Vorsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott; gegen diese Herrlichkeit sind Silber, Gold, Geld, und alle königlichen Kronen 144 Der glaubige Christ erwägt sie für nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeit haben fie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des drei. einigen Gottes, die Gesellschaft der heil. Engel und Auserwählten, Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlseyn, und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein glaubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei vorfallenden Trübsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinst alles Leiden in ein ewiges Jauch. zen verwandelt werden. Sonderlich aber soll er 4) diese Herrlichkeit nicht verscherzen durch ein sünd. liches Weltleben, sondern bedenken, er sey zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibt er im Glauben und siehet das Irdische an als etwas Vergängliches, das er verlaffen muß, hingegen schickt er sein Herz oft da hinein, wo er ewig wünscht zu seyn. Gebet. Wie gnådig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott! daß du nicht allein den Menschen zu großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, da er gefallen war, wieder eine groBe Herrlichkeit zugesagt haft allen, welche da werden die Gnade annehmen, und im Glauben und heiligen Leben dem Trieb deines heiligen Geistes folgen. die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 145 Denn solche wiedergeborne und gebeiligte Seelen können sich trösten, sie haben in der Zeit schon eine große Herrlichkeit, nämlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit Chrifti, die Einwohnung des heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allezeit getrost in ihrem Ge bet treten und von dir in Nöthen Hülfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine grö ßere kommen, nach dieser Zeit: denn wenn die Seele ist vom Leib geschieden, so soll sie fröhlich gelange zum Anschauen deines Angesichts, fie soll deinen Heili gen zugesellt, und mit himmlischer Freude erfüllt werden. Zu folder Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen, da soll er verklärt werden, und leuchten wie die Sonne. Ach mein Gott! verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichkeit möge allezeit vor Augen haben. Ach! erhalte mich im Glauben und Frommigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verⓇ 146 Der glaubige Chrift erwägt führen will, bedenke, wer ich sey, nåm= lich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge lieb haben, und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen. Hilf, daß ich möge vorsichtig wandeln, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lied haben. Der Leib zwar in der Erden von Würmern wird verzehrt, doch auferweckt soll werden, durch Christum neu verklärt, wird leuchten als die Sonne, und leben ohn' alle Noth, in himmlischer Freud und Wonne, was schad't mir dann der Tod Amen. die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 147 Gesang. Mel. D Gott! bu frommer Gott ich, es ist alles mir zum Eigenthum gegeben, was Gott nur ist und hat: ja schon in diesem Leben ist es schon alles mein, das Recht und der Genuß erquicket mich gar oft in süßem Ueberfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, weil seine Vaterstreue, Verpflegung, Lieb und Schutz wird alle Morgen neue, er ist mein Licht, mein Heil, mein Helfer und mein Gott, mein Beistand und mein Troft in aller meiner Noth. 3. Und Jesus ist auch mein, sollt ich mich nicht erfreuen? Was darf ich Noth und Lod, das Grab und Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit, und sein Verdienst ist mein, soll ich deßwegen nicht von Herzen fröhlich seyn? 4. Der heil'ge Geist ist mein, denn er hat mich geschmücket im Glauben, Licht und Kraft, in ihm leb ich beglücket in diesem Thränenthal, mein Jesus schenket mir dieß Pfand der Seligkeit, zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, als welchen mir erworben, mein Jesus, der da ist am Kreuz für mich gestorben, ich lebe over sterb, so weiß ich wohl wohin, weil ich durch Jesu Blut ein Himmelserbe bin. 6. Und so bin ich ja reich bei diesen großen Schägen, denn diese Schäße sind, die mich allein ergößen, ja, selig bin ich schon in dieser Gnadenzeit, da ich den Vorschmack hab von jener Herrlichkeit. 7. Doch droben wird mein Heil in vollem Glanz anheben, in Frieden, Troft und Ruh in jenem Freudenleben, da werd ich herrlich foot in froher Himmelspracht, und werd da ewig fennwohin ich stets gedacht. R2 148 Abend- Gebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandle, so ist der Herr mein Licht. O du liebreicher und gnådiger Gott! jetzt endigt sich der Tag und zugleich auch die Woche, aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hü gel hinfallen, aber deine Gnade weichet nicht von deinen Kindern. Nun dieſe ewige Gnade hat mich auch diese Woche erleben laffen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, das weiß ich nun, nämlich, daß ich gesund derselben Ende erreichen sollte. Deiner Wohlthaten sind diese Woche viel gewesen, du hast mein Gebet erhört, mich behütet, mir guten Rath mitgetheilt, mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht GnadenLiebes- und Segensgaben von dir empfangen habe, ja keine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohlihaten auf mich geflossen sind. Jest habe ich, was ich im Anfang gewün Abend Gebet am Sonnabend. 149 schet. O der großen Gnade, Liebe und Barmherzigkeit! Ich gedenke aber heute, am Schluß der Woche auch an meine Sünden; sind viel meiner Uebertretungen gewesen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Thun und Lassen vollbracht, daß ich nicht so treulich für meine Seele gesorgt, nicht so viele Stunden dir gewidmet, als ich billig håtte sollen. Ach Herr, Herr! vergieb mir diese Sunden; straf mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sey auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her, laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Ich bin nun eine Woche älter, und auch einen Schritt nåher zur Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die lehteStundemeines Lebens einbrechen werde, auf welche hernach die lange Ewigkeit folgen ſoll, darum bilf, daß ich alle Wochen, TagrundStunden 150 Der glaubige Christ banket Golt also anwende, daß ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hie bin ich ein Pilgrim, im Himmel ist mein Vaterland, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen wirst abwischen, und sie mit ewiger Freude ergößen. Hiemit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke, ich bereite mich auf den morgenden Sonntag, den ich mit Beten, Singen und Betrachtung deines heiligen Worts hinbringen will. Gieb mir dazu deines heil. Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder durch Menschen, noch von meinem eigenen Herzen möge verhindert werden. Weicht nichtige Gedan= Fen hin, wo ihr habt euren Lauf, ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf, Amen. Der glaubige Christ danket Gott am Ende der Woche. Aufmunterung. Pfalm 116, v. 12. Die soll ich bem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut. Es gebel ein Tag und eine Woche unsers Lebens dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen am Ende der Woche. 151 näher zu unserm Tode; unterdeffen ist doch der gütige Gott so barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes thut an Leib und Seele, und unser Herz erfüllt mit Freuden. Nun das sollen auch die Gedanken seyn eines glaubigen Christen am Ende der Woche. 1) Er dankt Gott für den Segen, den er hat empfangen, für den Schuß, darunter er hat die Woche glücklich hingebracht, für die Hülfe, die er hat erlangt, wenn er Gott mit seinem Gebet auflebt. Hört er, daß Andere die Woche über sind betrübt worden, so hat er Mitleiden mit ihnen, und rühmt Gottes Güte, der ihn mit dergleichen Leiden verschont hat. Ein glaubiger Christ erwägt 2), daß Gott durch folche beharrliche Beweisung der Güte ihn zur Buße leite, darum berent er am legten Tage der Woche, was er an jedem Tage Boses vollbracht, und läsfet also den letzten Tag der Woche seinen Bet, Buß- und Dauktag seyn. 3) Er bittet auch um ferneren Schuß, Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche. 4) Er erwägt, daß also alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird, barauf bereitet er sich in wahrem Glauben an Jefum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heilige Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf Gott schaue, als von welchem alle gute Gaben kommen, sich der gött. lichen Gnade überläßt, in der Liebe Jefu bleibt, und also im Stande ist, nach Gottes Willen selig zu leben und zu sterben, wenn sein Sterbe. stündlein, Sterbewoche und Sterbejahr vorhanden ist. 152 Der glaubige Chrift danket Gott Gebet. De er Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der Herr geholfen. Also spreche ich billig, mein Gott und Herr! da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebt habe. Herr! wie theuer ist deine Güte, daß Menschen- Kinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du beschirmest sie, du erhältst sie, du bewahrest sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach mein Gott! du hast in dieser Woche deineFlügel über mich ausgebreitet, und hast mich gesund erhalten, hast mich gesegnet, begleitet, bewahret, an Leib und Seele viel Gutes gethan, haft auch die Meinigen deines Schuhes und deiner Gnade lassen genießen. Darum lobe den Herrn meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen, lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ach ja, wie viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade auf am Ende der Woche. 153 gerichtet; wie viele haben eine Trauerund Kreuzwoche gehabt, aber mich haft du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie viele haben Elend und Fam mer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuß unverleßt gebliebe, dafür sey hochgeliebet, hochgelobet und geprie= sen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schuß undGnade, habe Dank für deine Liebe und mächtigen Beistand, habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach mein Gott! verzeihe mir auch aus Gnaden, was ich in dieser Woche Unrecht gethan habe. Um der blutigen Wunden Jesu Chrifti willen schone, und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen all mein Lebenlang. Sey Lob und Preis mit Chren Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, der woll in uns vermehren, 154 Gebet am Ende der Woche. was er aus Gnaden uns verheißt, daß wir ihm fest vertrauen, und ganz verlaffen auf ihn, von Herzen aufihn bauen, daß unser Herz, Muth und Sinn, ihm mögen fest anhangen; drauf singen wir zur Stund, Amen, wir werdens erlangen, glauben sie aus Herzensgrund, Amen. Gefang. Nun Mel. Werde munter mein Gemüthe. un die Woche ist verflossen, Seele, so bedenke dich, was du Gutes haft genossen, da dein Gott so mildiglich, aufgethan die Vaterhand und viel Guts dir zugewandt, und anjetzt in großem Segen, dich sie läßt zurücke legen. 2. Danke ihm für seine Gaben, die er reichlich ausgestreut, und die auf dein Bitten haben dieſe Woche dich erfreut; wer ist, der erzählen kann, wie viel Gott ihm Guts gethan? Schau, wie Gottes Brünnlein fließen, die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise deine große Güte mun bei diesem Wochenschluß, und ermuntre dein Gemüthe, da du noch in dem Genuß seiner vielen Wohlthat stehst, und noch täglich mehr empfähst; keine Stunde ist vergangen, da du nicht haft Guts empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe aller deiner Sünden Schuld, und aus Gnaden dir verleihe ferner seine Batershuld; sprich, mein Vater! sich nicht an, was ich Böses hab gethan, laß die Sünd und Straf der Sünden auch mit dieser Woch verschwinden. Gebet um Vergebung der Sünden. 155 5. Laß mich beine Gnad auch spüren, wenn die neue Woch anbricht, ach du wollest selbst mich führen, o du meiner Seelen Licht! Leib und Seel, und was ist mein, laß dir stets empfohlen seyn, deine Gnad laß bei mir bleiben, und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt auch in der neuen Woche meine letzte Woch und Tag seyn zugleich mit angebrochen, oder daß ein Kreuz und Plag mich empfindlich treffen soll, ach, so mache alles wohl, bei dir kann ich nicht verderben, in dir kann ich selig sterben. Der glaubige Christ beichtet, und bittet Gott seine Sünden ab. Aufmunterung. Psalm 51, v. 3. 4. Gott sey mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meis ner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Einen Finen gnädigen Gott haben ist wohl der feligste Stand eines Christen. Zwar meint die Welt, Reichthum haben, geehrt seyn, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glückseligkeit, aber sie betrüget sich, das alles muß vergehen. Glaubige Chriften untersuchen derhalben 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes slehen; 2) wenn sie zur Beicht gehen, so denken fie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Vergebung derselben, sie trau. ren darüber, und nehmen ihre Zuflucht zu der Barmherzigkeit Gottes, und zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demüthig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners widerfahren las fen, so trösten sie sich deffen, trachten aber 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem sie sich laffen 156 Der glaubige Christ beichtet, den heiligen Geist regieren, fie befleißigen sich ei nes christlichen Lebens, und beweisen solches auch in Neden, Worten und Werken, fliehen die La. ster und vorigen fündlichen Gewohnheiten, als. dann wissen fie, daß fie im Leben und Sterben einen gnädigen Gott haben werden. Gebet. Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich armer Sünder komme vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich herzlich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach mein Gott! ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig erzürnt habe mit bösen Gedanken, Worten und Werken. Herr, Herr! das betrübet mich, und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heiligeTaufe gemacht zum Schäflein deiner Waide, und zum Glied an deinem Leib, darum ich deine Stimme allein hören sollte. Ja ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach, was soll ich sagen? Ich habe mehr der Welt und und bittet Gott seine Sünden ab. 157 meines Fleisches als deine Stimme ge= hört, und habe vielfältig gethan, was dirzuwider ist. Oder Blindheit meines Herzens! o der Thorheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wider mich, und meiner Sünden ist mehr als Sand am Meer. Ach! nach deiner große Barmherzigkeit erbarme dich über mich, rechne mir nicht zu, was ich Böses gethan, sondern rechne mirzu, was Je= fus Christus, mein Heiland, für mich ge= than, um Jesu willen sey mir armen Sünder gnädig. Ich will ein neues und frommes Leben anfangen, und wider dich, o dreieiniger Gott! nicht mehr muthwillig und vorsäßlich fündigen. D Jesu! voller Gnad, auf dein Gebot und Rath kommt mein betrübt Gemithe zu deiner großen Güte; laß du auf mein Gewissen ein Gnadentropflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, 158 Der glaubige Chrift beichtet, die schöne rothe Fluth, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke, Amen. Sefang. Mel. D Gott! du frommer Gott. Ach geh nicht ins Gericht mit deinem armen Kin de, ach Vater! schone doch, hilf, daß ich Gnade finde, hab ich gesündiget und Uebels oft gethan, ach, ach! nimm doch dein Kind in Gnaden wieder an. 2. Ich beuge meine Knice, und meine Augen weis nen, daß ich so gar befleckt jetzt muß vor dir erscheinen. Ach, Vater! sich nicht an die große Missethat, ach ich verhehl sie nicht, ich bitte dich um Gnad. 3. D wehe, daß ich hab, o Vater! bein vergessen, und bei der Sünder Schwarm mit Lust und Freud gesessen; o wehe! daß die Sünd mich hat ganz blind gemacht, und dadurch meine Seel in diesen Stand. gebracht. 4. Ach laß in Jesu Blut mich Gnade, Gnade fins ben, laß deines Zornes Grimm, durch ihn getilgt, verschwinden; schau mich in Jesu an, und schenk mir deine Huld; vergieb mir meine Sünd, erlaß mir meine Schuld. 5. O werther guter Geist! der du mir Kraft gege= ben zur Buß und Besserung, ach ändre ganz mein Leben, daß ich mit solchem Fleiß Gott dien nun immerbar, wie ich ein Sündenknecht mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad der Sündenlust ab sterben, ich will durch Jesu Blut die Seligkeit ererben, so lang der Athem- Hauch noch gehet aus und ein, so lang soll Herz und Geist nur dir gewidmet seyn. 159 und bittet Gott feine Sünden ab. Noch ein Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mas as soll ich Sünder nun anfangen, da mein Gewiffen mir aufwacht, ach, ach! was hab ich doch begangen, daß ich hab meinen Gott veracht? Gerechter Gott! verstoß mich nicht, ach geh nicht mit mir ins Gericht. 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret den rechten Weg der Seligkeit, ich hab mich aber nicht bekehret in meiner großen Sicherheit; gerechter Gott! verstoß mich nicht, ach geh nicht mit mir ins Gericht. 3. Erzürnter Gott! verzeih mir Armen, verzeih mir meine schwere Schuld, ach schenke mir durch dein Erbarmen, um Jesu Willen Gnad und Huld; gerechter Gott! verstoß mich nicht, ach geh nicht mit mir ins Gericht. 4. Ich fliehe hin zu Jefu Wunden, als welcher mich erlöset hat, wo alle Sünder Gnad gefunden, da hoff und suche ich auch Gnad; gerechter Gott! verstoß mich nicht, ach geh nicht mit mir ins Gericht. 5. Ja, ändre mun mein ganzes Leben, und fang ein fromines Leben an; ich will mich dir, mein Gott! ergeben, und nicht mehr thun, was ich gethan; gerechter Gott! verstoß mich nicht, ach geh nicht mit mir ins Gericht. Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Röm. 6, v. 12. 13. Laffet die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, thr Gehorsam zu leisten in euren Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde enre Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, fondern beger 160 Der glaubige Chrift bittet bet euch selbst Gott, als die da aus den Tobten lebendig sind, und eure Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit. Die ie Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine llebertretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das Unrecht. Nun aber will ein glaubiger Chrift nicht gerne von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten, noch Unrecht thun, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heil. Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht alle. zeit so vollkommen ins Werk richten kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf be. fleht darin: 1) der glaubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, nämlich mit Vorsatz und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wiffentlich und vorsäglich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er wollte auch gerne sein ganzes Herz, Seele, Geist und Leben seinem Gott heiligen und weihen, so bekümmert ihn oft ein einziges sündliches Wort, das er geredet, es betrübt ihn ein böser aufsteigender sündlicher Gedanke, und so er in der That Gott oder den Nächsten beleidi. get, so seufzt er darüber. In diesem Kampf 3) nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen die Sünde und Welt überwinden. 4) Soll er nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine auf. steigenden Lüfte und Gedanken desto mehr Acht haben, die Orte und Personen meiden, dadurch er in Sünden kann geflürzt werden. So fann er auch 5) versichert seyn, weil er in einer heiligen Verfaf. sung stehet, und Verlangen hat, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräf ten zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; um Kraft wider die Sünde. 161 Jesus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja das herzliche Verlangen ihm laffen wohlgefallen. Sebet. Starker und allmächtiger Gott! der du alles weißest, was in dem Menschen ist. Ach du siehest, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde. Ich wollte gern von Herzen fromm seyn und bleiben, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen vollbringen; aber ich fühle ein ander Gesek in meinen Gliedern, daß da widerstrebet dem Gesek in meinem Gemüthe. Wenn ich meine, ich stånde nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oft erfahre, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid, Widerwillen gegen den Näch sten zeigt, daß fündliche Gedanken sich in meinem Herzen einfinden, ja daß ich fündige mit unbedächtlichen Worten, unanständigen Werken. Ach! ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin, 162 Der glaubige Christ bittet reinige du mich, Herr! so werde ich rein. Ich erkenne durch deine Gnade, daß Sünde thun ein großes Ulebel sey, davon ich gerne frei werden wollte, daher ich dawider in deiner Kraft támpfe, und doch zuweilen überwunden werde. Allein eben dieser elende Zustand betrübt mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehest ja, mein Gott! wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräften, darum komme ich zu dir, und bitte dich, gieb mir Kraft, der Sünde zu widerstreben, laß deinen heil. Geist in mir wohnen, und mein Herz reinigen. Gieb mir auch das Bollbringen, stärke mich an dem inwendigen Menschen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern möge ablegen. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und auſser mir zu überwinden. Nun, ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet: um Kraft wider die Sünde. 163 Christus; ach hilf mir, mein Gott! und gieb, daß ich sey von Herzen fromm, damit mein ganzes Christenthum auf richtig und rechtschaffen sey, nicht Augenschein und Heuchelet, Amen. Gefang. Ja Mel. Alle Menschen müssen sterben. Ich will von der Welt ausgehen, weil ich lebe in der Welt, weil ich an ihr das muß sehen, was aufs Höchste mir mißfällt, nämlich Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich haffen durch des heiligen Geistes Kraft, und die böse Welt verlassen, die nur an der Sünde haft, Gott will ich mein Herz ergeben, und in ihm beständig leben, mein Herz soll sein eigen seyn, ihm gehört es auch allein. 3. Werd ich zwar wohl bleiben müssen in der Welt noch eine Zeit, so will ich doch nicht mittreiben ihre Weis' und Sündenfreud, ich will immer seyn beflissen, daß ich hab ein gut Gewissen, daß es bleibe unbefleckt, von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, bei dem gehet Jesus ein, was von Welt geleeret ftehet, wird mit Gott erfüllet seyn; bleibet gleich der Leib auf Erden, wird die Seel doch himmlisch werden, so ist meinem Leibe wohl, und die Seel ist freudenvoll. 5. Ach mein Gott! verleih aus Gnaden, daß ich gehe aus der Zeit, damit ich nicht leide Schaden an der Seelen Seligkeit; iver der Welt Gewohnheit liebet, und den Ausgang stets aufschiebet, den erhascht zuletzt der Tod, und stirbt also ohne Gott. £ 2 164 Der glaubige Christ will 6. Drum will ich aus Babel fliehen, fondre du mich selbsten ab, eh der Tod mich heißet ziehen aus dem Leben in das Grab, ja ich will der Welt abfterben, und entgehen dem Verderben, so komm ich ins Himmels- Zelt, wann ich gehe aus der Welt. Der glaubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. Aufmunterung. Röm. 12, v. 1. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch eble Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das ba lebendig, beilig und Gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottesdienst. Es muß sich jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes sind, dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst und alles, was wir haben, Gott auch wiederum aufopfern. Diese Opfer des alten Testaments muß. ten 1) feyn freiwillige Opfer. Der Mensch muß nicht in der Welt fromm leben aus Furcht der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist es ein gezwungenes Opfer. 2) Die Opfer mußten Gott ganz, und nicht halb gebracht werden; derohalben sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen und von ganzer Seele, und aus allen Kräften Gott lieben, und, uns ihm ergeben. 3) Diese Opfer mußten unbefleckt seyn, darum man tein Lahmes oder Blindes Gott bringen durfte. Wir sollen uns hüten, daß wir Seele und Leib nicht beflecken, denn eine mit Sünden verunreis nigte Seele mag Gott nicht in seinen Himmel auf nehmen. 4) Gott hat sonderlich ein Belieben getra. gen an Opfern, welche noch jung waren, an jäh. fich Gott zum Opfer geben. 165 rigen, zweijährigen Lämmern, um uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht sol. len warten bis ins hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in der blühenden Jugend Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht wieder austauschen oder wegnehmen; so soll ein Christ in seinem guten Vorhaben beständig seyn. Gebet. Herr, Herr, Gott! der du deinem Bolk Israels befohlen, dir täglich Opfer zu bringe, welche dir mußten ganz gebeiliget und übergeben werden.Siehe, ich bringe dir mein glaubiges u. bußfertiges Herz, das wirst du nicht verachten. Schopfere dir auf meinen Willen, ich will nun nicht mehr vollbringe, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir auf meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen, u. niemals mehr zu schandbaren Worten und Narrentheidungen mißbrauchen. Ich opfere dir auf mein Herz, das erfülle mit einem lebendigen Glauben, mit deiner Gnade und deiner Liebe, ja mit einer wahren Frömmigkeit 166 Der glaubige Christ will Ist es ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach! so wasche es mit dem Blute Jesu Christi, welches ich in wahrem Glauben annehme, ach! reinige es durch deinen heiligen Geift, heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regierest und herrschest. Ich opfere dir auf mein Leben, das will ich nach deinem heiligen Wort, nach dem guten Trieb des heil.Geistes führen. Ich opfere dir auf meine Glieder, hilf, daß sie mo gen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß ich sie nicht zurSünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie mir mögen geheiligt bleiben. Wie das Geopferte mit Niemand durfte mehr Gemeinschaft haben, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern. Ja ich will mich dir aufopfern, dieweil ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette, denn da möchte cs zu spåt seyn. Ach Herr! der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend haftOpfer angenommen, { 167 fich Gott zum Opfer geben. siehe auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich es dir etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselbe vielleicht nahe; habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumt, so wirst du doch deßwegen mein Opfer nicht verachten, ich bringe es dir im Glauben, wie Abel, ach! schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit, ich will nun die übrige Zeit meines Lebens deinEigenthum verbleiben. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, Niemand kan uns scheiden; ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut, mir zu gut, in den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich dich fasse, und dich nicht, o mein Licht! aus dem Herzen lasse; laß mich, laß mich hingelangen, wo du mich und ich dich lieblich werd umfangen, Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ein Gott! faß mich den Wunsch erreichen, darnach ich seufze für und für, daß ich nicht möge von dir weichen, und du auch nimmermehr von mir. Mein 108 Der glaubige Chrift betet Hilf, daß ich also leb auf Erb, daß ich hie fromm, dort selig werd. 2. Gieb, daß ich Jesu Blut und Wunden ergreif in wahrer Zuversicht, und mit ihm bleibe fest verbunden, bis daß erlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb auf Erd, daß ich hie fromm, dort selig werd. 3. Und daß ich mög die Sünde meiden bei jeglicher Gelegenheit, und alles, was da mich kann scheiden von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, daß ich hie frommn, dort selig werd. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle beständig in der Frömmigkeit, nie wider mein Gewissen handle, und nicht versäum die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, daß ich hie fromm, dort selig werd. 5. So kann ich endlich selig sterben, und fröhlich gehen in mein Grab, weil ich im Sterben werde erben, was ich hie schon im Vorschmack hab. Hilf, daß ich also leb auf Erd, daß ich hie fromm, dort selig werd. Der glaubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. 1 Cor. 11, v. 26. So oft ihr von diesem Brod esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Lod verkündigen, bis daß er kommt. Unter andere Stärkung des Glaubens und der Liebe gegen Gott und den Nächsten gehört auch das heilige Abendmahl, in welchem sich Jesus will mit unsern Seelen vereinigen, darinnen wohnen, dieselben reinigen, heiligen und in Frömmigkeit er halten bis ans Ende. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein glaubiger Chrift nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche we gen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Zorn, Rachgier, bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 169 Hochmuth, Wohlleben so zerstreut find, daß fie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) Es. gehet ein glaubiger Christ auch nicht aus Gewohn. heit zu dem heiligen Abendmahl, sondern er kommt dazu mit einem demüthigen, andächtigen und glaubigen Herzen, welches da ist voll guten Vorsages, in der Liebe Jesu und Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahl sich seinem Gott, ganz ergebe, kraft dieser Seelen. speise alle Tage frömmer, andächtiger und eifri ger werde in seinem Christenthum und Ausübung chriftlicher Tugenden, ja seinem Gott im Glauben und Frömmigkeit getreu bleibe bis in den Tod. Gebet. Mein Jesu! wie kann ich genug deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod haft gegeben, sondern auch deinen heiligen Leib und Blut zu meinerSeelen Speise in dem heiligen Abendmahl eingeseht hast. Liebe! dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt und erquickt mich zum ewigen Leben. Dadurch bleib ich in dir und du in mir, du lebst in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke, daher kann 170 Der glaubige Chrift betet mich meine Sünden nicht schrecken, und Satan nicht verdammen; dann in deinem Gnadenmahl empfange ich das Ldsegeld für meine Sünden. Hie empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin gegeben, bie empfange ich das Blut, das für mich ist vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilgt worden. Du hast in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, so ich empfangen, mir den heil. Geist zum Pfand und das neue Leben gegeben, dadurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sakrament, giebst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, dadurch du das geistliche Leben in mir willst erhalten und stärken. Ach mein Gott! heilige meine Seele, stårke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Jesu, wahres bei dem Genuß des Heil. Abendmahls. 171 Brod des Lebens, hilf, daß ich ja nicht vergebens, oder mir vielleicht zum Schaden, komm zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dieß Gnadenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie hie auf Erden, mög ein Gast im Himmel werden, Amen. ADEC Gesang. Mel. Allein Gott in der Höb' sep Ebr. Jeſu! meiner Seelen Licht, mein Troft und mein Verlangen, ich hab vor deinem Angesicht dein Liebesmahl empfangen; ach, wohne doch hinfort in mir, damit ich möge stets vor dir in wahrem Glauben prängen. 2. O Liebe! die du mich so liebst, und schenfft mir deine Liebe, da du dich mir zur Speise giebsft; ach! daß ich ewig bliebe, mit dir, o Lebenslicht! vereint, und durch dein theures Blut vereint, daß mich nichts von dir triebe. 3. Der Vater hat mir heut geschenkt den Frieben meiner Seelen, ich bin gespeiset und getränft, was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in Jefu bin, so ist die Sündenangst dahin, und kann mich nicht mehr quälen. 4. Mein Jesu hat mein Herz erfüllt mit seiner süßen Freude, mein Hunger ist durch ihn gestillt auf dieser Seelemwaide; dein Leib, o Jesu! und dein Blut sind das gewisse Pfand und Gut, daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heil'ge Geist giebt mir dabei den Trost, 172 Der glaubige Chrift betet der mich erfreuet, daß ich nun in der Gnade sey, dieweil der Bund erneuert, ja daß ich bin ein Gotteskind, das bei Gott Trost und Gnade find't, bas keine Ungnad scheuet. 6. Gott Lob! der meine Seele hat so herrlich wollen speisen, um dadurch neue Lieb und Gnad mir Armen zu erweisen, den will ich dafür allezeit, auch in der frohen Ewigkeit, mit stetem Lobe preisen. Ein Anders. Jesu! da ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut bist in die Welt gekommen, daß du möch test mich zum Erben des ewigen Lebens machen. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, dadurch meine Sünden u. Strafen sind von mir ge nommen, und deine Gerechtigkeit mir geschenkt worden. Ich denke an deinen Tod und Auferstehung, dadurch mir Le ben u.Seligkeit ist mitgetheilt. Ich weiß v Jesu! um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und Him melsfreude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu! bin und bei dem Genuß des heil. Abendmahle. 173 du in mir. Ach! so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe u. regiere darinnen, laß mich dein Eigenthum ſeyn in Zeit und Ewigkeit. Mußte das Manna in ein reinGefäß gelegt wer= den, ach so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses Seelenpfand würdig empfangen, und beständig zu meines Glaubens Stärkung, meines Lebens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. Oheiliger Geist! erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wieder muthwillig fündige, aus der Gnade falle, u. dasLetzte mit mir nicht ärgerwerde, den das Erste, sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit verharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit möge davon tragen. Jesus sey mein Speis und Trank, Jesus sey mein Lobgesang, Jesus sey 174 Gebet beim heil. Abendmahl. mein ganzes All, Jesus sey mein Freudenschall; endlich laß, o höchstes Gut! Jesu, laß dein theures Blut, deine Wunden, deine Pein, meine Rast im Tode seyn, Amen. Gesang. Mel. Nun last uns Gott dem Herren. ein Jesus sey gepreiset, daß du mich haft gespeiset mit deiner Himmelsgabe, die ich empfangen habe. Mein 2. Dein Leib, der Seele Leben, ist mir jetzund gegeben, dein Blut hab ich genossen, das du für mich vergossen. 3. Weil Jesus zu mir kommen, und mein Herz eingenommen, so ist er nun der Meine, und ich bin auch der Seine. 4. In Jesu bin ich fröhlich, in Jesu bin ich se lig, er wird mir Gnad erzeigen, denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein Jesu! Seel und Leben will ich dir ganz ergeben, ach! machs mit mir in allen, nach beinem Wohlgefallen, 6. Dich, dich will ich umfassen, du wirst mich nicht verlassen, es soll kein Kreuz und Leiten mich mun von Jesu scheiden. 7. Und wenn ich einst soll sterben, so nimm mich, deinen Erben, hinauf zur Freud und Wonne, wo bu bist Licht und Sonne. Taktie 175 Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit. Aufmunterung.a Psalm 37, v. 37. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird es zuleßt wohl gehen. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der allerheiligsten Tugenden, nicht allein, weil sie eine Frucht des Glaubens ist, sondern auch, weil sie des Menschen Seele, Leib und Chre vor Sünden und Schanden bewahret. Diese Tugend ist eine Zierrath der, Jugend, und steht den Alten auch wohl an. Gott selbst ermahnt den in der Fremde reisenden Abraham dazu: Wandle vor mir und sey fromm, 1 Mof. 17, 1. Zur Frömmigkeit aber ist nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn die findet man auch bei den Heiden, sondern sie muß entstehen aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes, und aus dem innern Grund der Seele. 2) Zu solcher Frömmigkeit gehört nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott. und den Nächsten, sondern auch eine Unsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte. 3) Diese Frömmigkeit soll aber beständig seyn bis ans Ende. Bis daß mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit, Hiob 27, 5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirket wird, so hat sie auch die herrlichste und schönste Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. hom som Der glaubige Chrift bittet Gebet. Heiliger Gott! ach, ich weiß faft nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit u. sündliches Wesen bedenke. Du rufft auch mir zir: wandle vor mir und sey fromm, und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja bleibe from und halte dich recht, denn solchen wirds zuletztwohlgehe. Aberach, meine Frömmigkeit ist leider noch nicht weit gekommen, ich bin leider in die Welt, in das Welt- Wesen, in die Welt- Gewohnheiten, Welt- Eitelkeiten bisher geflochten gewesen; wo aber die Welt eingeht, da geht Christus aus, und wo die WeltLiebe sich befindet, da hört die Frömmigkeit auf. Weil ich aber insglchem verderb ten Zustand dir nicht gefallen kann, ach! so gieb mir ein frommes Herz. Verleihe mirGuade, daß ich mich möge einer wahrenFrömmigkeit befleißigen, daß ich dich über alles liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe, ja, daß ich allezeit wie 176 um Frömmigkeit. 177 ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen siehet, ob sie es auch erlauben, ich auch möge erst in dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Christen anstehe. Ist so mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede, ja Werke und Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein Gott! ich habe diesen Entschluß in deinem Namen gefaßt, gieb mir dazu Gnade, Kraft, Stärke und Barmherzigkeit. Habe ich in den verflossenen Jahren nicht nach diesem Kleinod ge= trachtet, so verzeihe es mir um Christi willen; was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumt, will ich nun mit desto größerem Eifer ersehen, und nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott! von Herzen fromm werden und fromm bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinst auch selig sterben könne. Dazu gieb mir deines heil. Geistes m 178 Gebet um Frömmigkeit. Kraft um Jesu Christi willen. Gieb mir ein frommes Herz, du Geber aller Gaben, das soll mein Reichthum seyn, den ich begehr zu haben, das soll seyn meine Zierd, mein Ruhm und schönste Pract, denn fromm seyn wird bei Gott und Engeln hoch geacht, Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mein ein allergrößter Fleiß auf Erden, soll künftighin darin bestehn, daß ich von Herzen fromm mög werden, und auf den Himmelswegen gehn; ist Frömmigkeit der Bösen Spott, so ist sie doch beliebt bei Gott. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde, ist dieses nicht ein großes Glück? Drum schaden ihnen keine Feinde mit ihrem Hasse, Neid und Tück, denn Gott weiß wohl, was sie anficht, der gute Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrücket, biswei len eine lange Zeit, doch werden sie herausgerücket, aus ihrer Angst und Traurigkeit; ihr Trauren wird in Freud verkehrt, ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, der Zutritt stehet ihnen frei, nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei; Gott weichet von den Frommen nicht, der Herr ist ſelbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, auf Leiden folget Troft und Freud, sie werden großen Segen finden nach ausgestandnem Herzeleid; Gott wirft ins Feuer solche Ruth, die seinen Kindern wehe thut. Gebet der Eltern für ihre Kinder. 179 6. Die Frommen können sich getrösten, baß keine Noth sie stürzen wird, ist gleich die Noth am allergrößten, so bleibt doch Gott ihr Schutz und Hirt; o Schäflein! habe guten Muth, du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ists, der ihnen helfen kann, drum wissen sie sich wohl zu fassen, er nimmt sich ihrer Kinder an; spricht man: nun ist das Unglück da, so sprechen sie: und Gott ist nah. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, als welcher ihrer sich annimmt, ihr Seufzen ist ihm unverborgen, drum hat er schon die Stund bestimmt, darin er ihre Sorgen stillt, und sie mit Trost unb Freud erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, sie sterben ja auf Jesum Chrift, sie werden Kron und Himmel erben, der ihnen längst bereitet ist, sie sind schon selig in der Zeit, und kommen dort zur Herrlichkeit. Glaubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebet vor. Aufmunterung. Efaj. 8, d. 18. Siehe, hie bin ich, und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat. Und ist keines von ihnen verloren. Joh. 17, v. 12. etwas, welches frommien Eltern sehr am Herzen liegt, fo find es ihre Kinder. Gewiß, Kinder find theure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern ferdern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, so tragen sie 1) dieselben Gott fleißig im Gebet vor, ebe sie geboren werden, und hernach kommen sie niemals vor Gott, fie bringen ihr Kind mit, Es bitten aber fromme Eltern absonderlich, daß Gott ihren Kindern gebe ein frommes Herz und den heil. Geift, der sie heilige, M 2 180 Glaubige Eltern tragen regiere und führe, als welches der rechte Grund der Glückseligkeit ist. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehört, daß fie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig, und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf; darum follen sie dieselben unterrichten laffen in der Erkenntniß Gottes, und sie zum Gebet und christ. lichen Wandel anhalten. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrlos. ten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt auch den Eltern Schmach und Schande, indem fie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schan de erleben müssen. Nachläßige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zärteln ihnen feine Wohlthat erwiesen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit! du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und danke, welche ich aber ansehe als theure Pfänder, die du mir anvertraut hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie an als Seelen, die Jesus mit seinem heiligen Blute erkauft, die der heilige Geist in ihre Kinder Gott im Gebet vor. 181 der heiligen Taufe geheiligt, und welche duzudeinen Kindern angenommen haft, darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht, wo man sein missen wird, so soll deine Seele anstatt seiner Seele seyn. Darum, o Vater aller Gnaden! komme ich zu dir, und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor, ich will thun, was ich kann, ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie ermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten, aber ach Herr, Herr! thue du das Beste. Ich habe sie in der heil. Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt, siehe, solches thue ich auch in meinem Gebet; ach! segne meine Kinder, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen. Gieb ihnen ein glaubiges, demüthiges, gehorsames u. frommes Herz, daß sie wie das Kind Jesus zunehmen au Alter, Weisheit 182 Glanbige Eltern tragen und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild Jesu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen Gott und unverleht Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach! laß meine Kinder seyn in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig, damit sie niemand mit ihrem Reden und Thun ein Aergerniß geben, und dadurch ein schwer Gericht auf sich ziehen. Behüte sie vor Verführungen und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heil. Geist an deine allerheiligste Gegenwart. Dein Engel begleite sie, wenn sie auß- und eingehen, dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in derFremde sind, gieb ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobid, führe sie durch deinen heil. Engel aus der Gefahr, wie den Loth, und laß fie der Engel Schuß u. Wacht genießen, ihre Kinder Gott im Gebet vor. 183 wie den Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir auch ein Kinder- Kreuz zuzuschicken, so verleihe mir in solchemLeiden Geduld, daß ich bedenke, daß ohne dich nichts ge= schehe. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehe, daß ich auch an ihnen die Vergånglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, u. dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben als das wahre und vollkommenste Gut, so erhalte mich auf die sem Dornenweg in festem Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du Alles, auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen den Segen, versorge fie, pflege ihrer, gieb ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen. Sey ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheiten, und ihr Rathgeber. Pflanze in ihnen die wahre Frömigkeit, erhalte sie in deinem Segen, damit ich Troft undFreude an ihnen erleben möge. 181 Gebet der Eltern für ihre Kinder, Laß mich am jüngsten Tag mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, u. zu deinem Preis sagen: stehe, hie bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben hast, ich habe deren keines verloren. Ach Gott! segne meine Kinder, nimm dich ihrer treulich an, thu an ihnen auch nicht minder, als du haft an mir gethan; segne ihren Schritt und Tritt, theil den Segen ihnen mit, laß es ihnen wohlergeben, und in deiner Gnade stehen, Amen. Gesang. Mel. O Gott! du frommer Gott. zu haft, o großer Gott! die Kinder mir gegeben, und. du erhältest sie im Wohlfeyn und im Leben, ach! dafür dank ich dir als eine liebe Gab, die ich von deiner Hand, mein Gott! empfangen hab. 2. Seh ich die Kinder an, so muß ich zwar befennen, daß sie sind alle mein, weil sie sich von mir nennen, jedoch sie sind auch dein; brum fomme ich zu dir, und trage im Gebet dir meine Kinder für. 3. Ach! pflanz die Gottesfurcht in ihrer aller Seçlen, daß sie, was dir gefällt, in ihrem Thun erwählen, erfülle ihren Geist mit wahrer Frömmigkeit, mit Keuschheit, Glaub und Lieb, und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden mit jedem Jahr zunehnen, und zum Gehorsam sich, ohn Widerspruch Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 185 bequemen, schenk ihnen Kraft und Stärk, gieb Weisheit und Verstand, und führ sie immerdar an deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist sie allezeit vegteren, laß mich an ihrem Thun des Glaubens Früchte spüren, gieb ihnen Jakobs Glück, und Josephs Frömmigkeit, Tobiä folgsam Herz, und Segen allezeit.. 6. Und wenn sie in der Welt viel Böses sollten fehen, so laß sie nimmermehr auf bösen Wegen gehen, wend ihre Augen ab von Sünd und Eitelfeit, bewahre ihre Seel vor Stolz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will zur Sünde sie verführen, so laß fie deine Furcht und Gegenwart verspüren, und habe auf sie Acht, begleite ihre Tritt; begleite sie und geh, wo sie hingehen, mit. 8. Erhalte sie gesund, und zeigen sich Gefahren bei Tage oder Nacht, so lasse sie bewahren der Engel güldnes Heer, die immer auf sie sehn, daß sie in deiner Gnad und milden Segen stehn. 9. Und noch eins bitt ich dich, das wollest du mir geben, laß mich ja nimmermehr an ihnen Schand erleben, auch nicht nach meinem Tod; ach Gott! erhöre mich, verleihe solches mir und ihnen väterlich. 10. Laß mich an jenem Tag auch meine Kinder sehen, daß sie vor dir verklärt, zu deiner Rechten stehen, auf daß ich sagen kann: hie bin ich und die Gab, die Kinder, die ich längst von dir empfangen hab. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Efaj. 6, v. 1. 2. 3. Ihr Kinder, seyd gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat. auf daß dirs wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. 186 Fromme Kinder beten Unter Inter andere schwere Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehört auch die Sünde, wenn sich Kinder an ihren Eltern verfündigen. Obgleich die Eltern von der ersten Stunde der Geburt mit den Kindern Mühe, Laft und Verdruß haben, so ists ihnen doch am em. pfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herr. isch, unartig und boshaftig gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, als in welchen sie billig ih. nen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Gesundheit, Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten; 2) ihre Eltern lieben, zu ihrem Dienst hurtig und willig seyn, threr pflegen, wenn sie Frank find; 3) ihren Eltern gehorchen, daß sie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widersprechen, wenn sie ihnen etwas heißen und befehlen; auch wenn sie sich verheurathen wollen, ohne der Eltern Wissen und Willen sich nicht heim. lich vermählen, welches lauter Fluch und Unglück nach sich zieht; 4) ihre Eltern ehren im Herzen, daß fie erkennen, Gott habe die Eltern an seine Stätte gefeßt, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern alles giebt; 5) daß fie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder find rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohl gehen kann, wenn sie nicht die Sün. den und Bosheiten, welche sie an ihren Eltern begangen haben, vor ihrem Tode durch eine herz. liche und schwere Buße mit tausend Thränen bereuen. 187 O für ihre Eltern. Gebet. 9h du gnädiger u. barmherziger Gott! ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von fromen und christlichen Eltern haft lassen geboren werden, das ist die erste Wohlthat, die du mir erwiesen. War meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt, daß ich, v mein himmlischerBater! durch die beil. Taufe in deine Arme gelegt wurde, darin du mir den heiligen Geist zum Pfand meiner Kindschaft und himmlischen Erbes gegeben, so laß diesen guten Geist mich immerdar leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in Acht nehmen. Ich liege mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht, und bitte dich, ach! laß meine Eltern gefund, bewahre sie vor Unglück, segne ihre Nahrung, ihre Arbeit und Beruf, gieb ihnen langesLeben, vergilt ihnen die mir erwiesene Treue, die ich nicht erzählen u. nimmermehr vergelten kann, mit geistlichen und himlischen Ga 188 Fromme Kinder beten ben. Gieb mir, o himmlischer Vater! ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gieb, daß ich mir immer vor Augen stelle das Erempel meines Jefu, der dir, seinem himmlischen Vater, nicht alleingehorsamwar, sondern auchseinem Pflegvater Joseph und seiner Mutter Maria, damit ich mit einem kindlichen Gehorsam meinen Eltern zu aller Zeit u. auch in ihrem Alter lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch meinen Ungehorsam und Widerspenstigkeit den Fluch u. Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedroht ist, sondern daß es mir möge hie zeitlich und dort ewig wohl gehen. Gieb mir ein ehrerbietig Herz gegen sie, daß ich in Demuth ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten, und für ihre Eltern. $ 0 189 ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch anziehen werden, wie ihr Hemd, und alles Segens, den du frommen Kindern verheissen hast, werden beraubt bleiben. Gieb mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht verfündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter ge= worden, und mit was für Mühe ich erzogen bin, damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüth solches Zeit meines Lebens erkennen, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen Unverstandsjahren meinen Eltern etwas zuwider gethan, das bitte ich dir, o Gott! und meinen Eltern in Demuth ab, und verspreche, daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehorsam u. driftlicher Ausführung zu erfreuen. Verleihe mir deinen heil. Geist, daß ich im Glauben und Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes gebührt, möge wandeln, damit ich 190 Gebet frommer Kinder für ihre Eltern. mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner rechten stehen und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Du sollst ehren und gehorsam seyn dem Bater und der Mutter dein, und wo dein' Hand ihnen dienen kann, so wirst du langes Leben hann, Amen. Gefang. Mel. D Gott! bu frommer Gott. ch will, o großer Gott! vor deinen Thron jetzt tre ten, und als ein frommes Kind für meine Eltern beten; der du die Kinder pflegst in Gnaden anzusehu, ach laß auch meine Bitt und Herzenswunsch geschehn 2. Die Eltern haben mich in ihr Gebet geschlos sen, eh ich geboren war, und weil ich bin entsprossen von Christen, so bin ich durch sie zur Tauf gebracht, barin ich einen Bund mit bir, o Gott! gemacht. 3. 88 hat mich ihre Lieb zur Schule lassen gehen, und mich in meinem Thun auf Jesum heißen sehen, ihr Herz war immerbar, bei Tage und bei Nacht, mit unermüd'tem Fleiß nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb sie wieder herzlich lies ben, laß ihre Liebe mir ins Herze seyn geschrieben, damit ich dankbar fey, so viel ich immer fann, und bleibe eingebent, was sie an mir gethan. 5. Ach laß sie viele Jahr zu meinem Troft erleben, und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben, erhalte sie, o Gott! auf lange späte Jahr, damit ich sie noch seh in ihrem grauen Haar. 6. Ach schenke ihnen doch, o Vater! deinen Segen, laß beinen Segen seyn auf allen ihren Wegen; Gebet bei einem Ungewitter. 191 erhalte, was du giebst, und was du haft beschert, das fegne, daß es werd durch deine Gnab vermehrt. 7. Gieb mir ein willig Herz, daß ich mich lase ziehen, daß ich nach ihrem Rath die Sünde möge fliehen, daß ich gehorsam sey, ohn' allen Widerspruch, und ferne von mir bleib ber sonst gebrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud, und keine Schand erleben. Ach laß mir deine Furcht, mein Gott! vor Augen schweben; schenk mir ein frommes Herz, daß ich die Sünde scheu, und bleibe bir, o Gott! in Glaub und Liebe treu. 9. Laß mich an jenem Tag auch meine Eltern fe hen in großer Herrlichkeit zu deiner Rechten stehen, und laß mich auch daselbst, durch Jesu. Blute rein, mit Himmelsglanz geschmückt, bei meinen Eltern seyn. Der glaubige Christ betet bei entstandenem Ungewitter. Aufmunterung. Psalm 18, v. 12. 13. 14. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze bicke Wolken, barinnen er verborgen war. Bom Glanz vor ihm trennten sich bie Wolken mit Hagel und Blißen. Und der Herr bonnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Bligen u den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose erweckt zu werden, gehören auch die Gewitter; denn da will der sonst freche Mund so bald beten, nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Furcht der Strafe. Glaubige Chriften erkennen zwar: 1) daß Donner und Blig von natürlichen Ursachen ent stehen, aber auch 2), daß dieselben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Kreaturen wider die bösen Menschen waffnen faun, also iste ihm auch leicht, Menschen und Vieh zu erschlagen, 192 Der glaubige Chrift betet und durch seine Blize Häuser, Flecken und Städte anzuzünden, daher sollen 3) fromme Christen von dem gráulichen Fluch, da man mit Wetter und Donner flucht, sich enthalten, hingegen 4) bei entstandenem Ungewitter nicht kleinmüthig werden und aus Angst verzagen wollen, welches ein Zei chen eines schlechten Vertrauens zu Gott ist, sondern 5) fich erinnern, daß Gott Blitz und Don. ner in seinen Händen hat, und daß er sie wohl werde schüßen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mebr mit Gebet zu Gott wenden, und daraus ihr Nichts und Gottes Alles erkennen, wie Gott ein mächtiger Gott sey, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verbrennen könnte, und demnach 7) fich vor diesem majestätischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein wenn es donnert, sondern auch wenn die Sonne scheint, und sich hüten, ihn mit Wor ten und Werfen zu beleidigen, sonderlich aber also leben, daß man eines gnädigen Gottes sich ver. fichern könne zu allen Zeiten, auch wenn er uns wollte in einem Wetter von der Welt abfordern. Gebet. du starker und allmächtiger Gott! ich höre deine Stimme in den Wolken; wie deine Blike leuchten, und wie dein Donner brüllt. Stark ist dein Arm und groß deine Gewalt, und wann du wolltest, so könntest du mich u, alle Men bei entstandenem Ungewitter. 193 schen in einem Augenblick sammt allen Kreaturen zu Boden schlagen. Aber ach Herr, Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Uebertretung, gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grim. Ich erkenne mit wahrer Demuth meines Herzens, daß ich wohl verdienet hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verdürbest und zerschmettertest. Aberach, du langmüthiger Gott! verschone meiner bei diesem Ungewitter. Gott! sey mir gnådig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; ach! es ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidigt, und mit Gedanken, Worten und Wer ken erzürnt habe; ach! ich bitte umGnade u. Vergebung aller meiner Sünden und Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpfund auch dein Kind bin; wo sollen aber Kine N 194 Der glaubige Chrift betet der in ihren Nöthen und Aengsten hin, als zu ihrem Vater? Darum komme ich zu dir, o mein Vater! und bitte dich, sey deinem Kinde gnädig, schüße mich, be= wahre mich, stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre und kein Strahl verleße. Ach Herr Jesu, du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürbitter u. Heiland! sey nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; ach! eile zu mir, sey mir ein starker Schuß, verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab. Gott, mein Heil! siehe, ich stehe von allen Kreaturen und Men schen verlaffen, aber ach! verlaß du mich nicht, erbarme dich mein, u. errette mich. Ich halte mich an dich, o Jesu! ich schreie mit den Jüngern: Herr! hilf uns, wir verderben. Odu werther heil. Geisterwecke mein Herz zum Gebet u. Andacht, damit ich durch dieses Ungewitter möge erweckt u. fromm gemacht werden. Hilf, daß ich acht gebe, wen du durch dein heil. Wort an mein Herz schlägst, daß ich Bu bei entstandenem Ungewitter. 195 Be thun, mich bekehren und von Sünden ablaffen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren sünd lichen Reden, Sitten und Gewohnhei ten gleich fielle. Ddu beilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich und über alle fromme Christen, bedecke mit deiner allmächtigen Hand meinLeib undLeben) Haus und Hof, bewahre die Früchte auf demFelde, laß den Bliß nicht mein Haus anzünden, oder mich verleßen, sey du mein Beistand in der Noth, denn Menfchen- Hülfe ist kein Rüße. Ach du mach tiger Scubherr deiner Kinder! schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schuß und Schirm sicher wohnen. Ach Herr! wer ist dir gleich? der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist, der du uns weckest und deckest, ach! verschone meiner, und laß mich auch dies sesmal Gnade und Errettung finden. Herr Gott Vater im Himmel, erbar me dich über uns! Herr Gott Sohn, N2 196 Der glaubige Chrift betet der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über uns! sey uns gnådig, verschone uns, lieber Herre Gott! sey uns gnádig, hilf uns, lieber Herre Gott! vor Feuer- und Wassersnoth, behüt uns, lieber Herre Gott! vor einem bösen schnellen Tod, behüt uns, lieber Herre Gott! schlag nicht bei uns ein, frommer Gott, sich an des Herren Jesu Tod. Du heil. Dreieinigkeit! nimm Leib und Seel in deine Hut, bewahr auch Häuser, Haab und Gut. Verschon uns, lieber Herre Gott! und wende von uns dieſe Noth, so wollen wir zu aller Zeit stets rühmen deine Gütigkeit, Amen. Purbros Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. achen. Gott! ott! wir hören deine Stimme, wie das Wetter tobt und brüllt, und mit Schrecken uns anfüllt, wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd und Luft erregst, und uns zu der Buß bewegst. 2. Hören wir den Donner knallen, wie er grausamlich herfährt, und fast Stadt und Land umfehrt, wie so harte Schläge fallen, so erzittert und erbebt, alles, was auf Erden lebt. je bei entstandenem Ungewitter. 197 3. Ja, wir sehen beine Blißen, wie das Feuer auf uns schießt, und wie Ströme auf uns fließt; so, daß wir erschrocken sigen, und uns fürchten, ob du nicht uns willst fordern vor Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter kommen wir zu dir, o Gott! ach hilf uns aus dieser Noth; o bu Helfer und Erretter, großer Gott! erbarme dich, sich uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, ber uns beschüßt, da es also schrecklich blitt, alles muß zu Grunde gehen, wenn du uns nicht selbsten deckst, und die Hülfeshand ausstreckft. 6. Gott! wie groß ist deine Stärke, o wie groß ist deine Macht, die oft wird gering geacht't; deine großen Allmachtswerke zeigen Blitz und DonnerStrahl, großer Gott! jetzt überall. 7. Treuer Vater! schone, schone, nimm uns auf in deine Hut, schüß uns vor des Wetters Wuth, schau auf uns von deinem Throne, treuer Vater! steh uns bei, mach uns von der Strafe fre. 8. Wann wir dich nicht wollen hören, alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluth und Brand, daß sie Stadt und Land zerstören, Jedermann zur Züchtigung, und zur Lebens- Besserung. 9. Und sich nicht an unsre Sünden, die ein Jeder hat gethan, ach nimm uns in Gnaben an. Laß den Bliz doch nicht anzünden unsre Häuser, Haab und Gut, wend ab Feuer und Wasserfluth. 10. Ach wir beben und erzittern, wann uns in die Ohren schallt, wie dein Donner schrecklich knallt; ach, in solchen Ungewittern übest du oft Straf und Recht über einen bösen Knecht. 11. Ach, du kannst uns jetzt auch strafen, wenn. dein Wetter schläget ein, wo wir jest versammelt seyn; ach willst du uns denn hinraffen, Vater der Barmherzigkeit! schon uns doch zu dieser Zeit. 198 Der glaubige Chrift danket Gott 12. Siche nicht an unsere Sünden, siehe doch an Jesum Christ, der für uns gestorben ist; um deßwillen laß uns finden Hülf, Grrettung, Trost und Gnad, die er uns erworben hat. 13. Ach Herr! hilf uns, wir verderben, ach Herr! hilf, verlaß uns nicht, o Gott! unsre Zu versicht, laß uns nicht in Sünden sterben, linderst du nicht deinen Zorn, so sind wir gewiß verlor'n. 14. Ach du großer Gott! behüte Menschen, Viehe, Feld und Land vor Verwüstung, Fluth und Brand; Herr! nach deiner großen Güte laß den Sturm vorüber gehn, und uns deine Hülfe sehn. 15. Ach bedecke unsre Früchte, decke unsre ganze Stadt, und das, was ein Jeder hat, mach es nicht im Zorn zunichte; du bist, der uns helfen kann, ach Herr! nimm dich unser an. 16. Ach Herr! höre uns in Gnaden, theil uns deinen Segen mit, ach! erhöre unsre Bitt: laß das Wetter uns nicht schaden; ach! wir fallen dir zu Fuß, sich an unsre wahre Buß. 17. Daher wollen wir erkennen, wenn du uns anjeßt befreist, daß du unser Gott noch seyft, und dich unsern Vater nennen, welcher seine Kinder schont, und nicht nach den Werfen lohnt. AIR 18. Ja, wir wollen immer preisen deine große Wunder- Macht, welche über uns gewacht, und dir fröhlich Dank erweisen, nicht nur hier in dieser Zeit, sondern auch in Ewigkeit. Der glaubige Christ danket Gott nach einem Ungewitter. 10 Aufmunterung. Hiob 37, v. 5. Gott donnert mit seinem Donner greulich, und thut große Dinge, und wird doch nicht erkannt. nach einem Ungewitter.@ 199 Soft ott donnert mit seinem Donner. Er regieret die mit Dünsten und Feuer geschwängerten Wolfen. Er leitet dieselben nach seinem Wohlgefallen. Er ziebt in den Wolken vorüber an den Menschen; fie erschrecken; selbst das unvernünftige Vieh geräth in Angst und Zittern; denn grenlich donnert Gott mit seinem Donner. Er thut große Dinge. Starke Bäume läßt er durch seinen Blizz zersplittern, läßt Häuser anzünden, Menschen und Thiere zerschlagen; aber er reinigt auch die Luft durch sein Gewitter, und erquickt Felder, Wiesen und Garten. Große Dinge thut er durch seinen Donner, und wird doch nicht erkannt. So lange der Blizz durch die Wolken fährt und der Donner brüllt, find die meisten Menschen zaghaft und nie. dergeschlagen, sobald aber das Gewitter vorüber ist, so wird alles vergessen, was der Herr des Gewitters Großes an ihnen gethan hat. O! der sträflichen Unempfindlichkeit! O! der schändlichen Undankbarkeit! Anders aber bandelt der wahre Christ. Er bewundert die Majestät, die Größe und Herrlichkeit deffen, der in den Wolken donnert. Wenn der Donner über seinem Haupt hin. rollt, und die Blize um ihn leuchten, so ergiebt er sich getrost in die Hand des Herrn, und wenn glücklich das Wetter vorüber ist, so lobt und preist er die Güte und Treue seines Gottes. Gebet. Gelobt sey Gott, daß er die Gefahr so glücklich abgewendet hat! Mir war bange, da ich deine mächtige Stim me, du perr aller Herren, in den Lüf 200 Der glaubige Chrift danket Gott ten hörte. Groß war die Gefahr, in der ich mit den Meinigen schwebte; aber du, Herr! hast mein kindliches Gebet erhört, und die Gefahr abgewendet, und Haus und Hof und die prangenden Feldfrüchten mit allmächtiger Hand beschirmt. Deine Gûte ist es, daß wir unter dem Schatten deiner Flügel trauen, und nun wieder sicher wohnen können. Das erkennet meine Seele wohl.Gerührt komme ich daher vor dich, und sage dir Lob, Preis und Dank, daß du auch jekt Großes an mir gethan haſt. Ich will deine Güte nie vergessen, und in allen Nöthen, die mich noch treffen könnten, daran denken, daß wir an dir einen Gott haben, der da hilft. Dein Gewitter, gütiger Gott! ist bei uns glücklich vorüber gegangen, und hat lauter Spuren deines Segens zurück ge= lassen, anstatt der befürchteten Gefahr. Vielleicht hat es anderswo Schaden gethan; ach! dann erbarme dich der Beschädigten in Gnaden. Erwecke Alle, 201 nach einem Ungewitter. die du beschüßt hast, zum Mitleiden und zur Hülfe; denn das ist der rechte Dank für deine geleistete Hülfe, wenn wir Nothleidenden beistehen. Laß mich als einen treuen Haushalter mit meinen Gütern umgehen. Nimm auch in Zukunft all das Meinige in deinen gnádigen Schuh. Schenke uns ferner ge= funde und fruchtbare Witterung, und bewahre uns vor jedwedem Unglück. Führe uns auf ebener Bahn, und laß am großen Tage des Gerichts uns zum ewigen Leben eingehen. Ach! laß mich ja nicht aus der Acht, wenn uns dein jüngster Tag erscheinet, der Tag, da vor Gericht gebracht auch das, so man hier nicht gemeinet; laß mich zu deiner Rechten ste hen, und zu desLammes Hochzeit gehen; mein Jesu! dann hab Acht auf mich, so will ich ewig preisen dich, Amen. Der glaubige Christ betet, wann er sich von Haus auf die Reise begiebt. Aufmunterung. Psalm 121, v. 5-8. Der Herr behüte dich; der Herr ist dein Scatten über dei ner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, 202 Der glaubige Chrift betet, noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allent Uebel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit. Von Hause zu reifen können einen glaubigen Chri. ften vielerlei Ursachen antreiben, theils die Be. rufsgeschäfte, theils die Liebe des Nachften, theils der Zustand der Gesundheit; denn lleppigkeitsund Wollusts. Reisen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, warum ein glaubiger Shrift eine Zeitlang sein Haus und das Seinige verlassen muß, so soll er solche Reise 1) mit Gott antreten, und bedenken, daß Gott aller Orten bei ihm in frem. den Landen sey, der alles sieht und hört, daher er fich auch selbst, als vor Gottes Angesicht ehrbar, züchtig, fromm und chriftlich aufführen soll. 2) Ein glaubiger Christ soll sich Gottes Schutz und Gna. de bei dem Antritt feiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gefunden und gera. den Gliedern wieder nach Hause bringen wolle. 3) Er soll auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter befehlen, daß er durch seine beiligen Engel alles in seine heilige Verwahrung nehmen, vor Feuer, Wasserfluth und Unglück indeffen bewahren wolle. 4) Er soll bitten, daß Gott ihn all das Seinige und die Seinigen unver letzt und gesund wieder wolle antreffen lassen. Gebet Guddiger und barmherziger Gott! ich habe mir vorgenommen, auf eine Zeit mich von den Meinigen u. von meinem Hause zu entfernen; darum komme wenn er sich auf die Reise begiebt. 203 ich zu dit, und bitte dich, ach fegne mef= nen Ausgang und Eingang; in deinem Namen will ich diese Reise antrete, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten und unter deinem Schuh wollest du mich wieder nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schuß ungeben, wie den Jakob, laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulo, laß deiner Engel Schaar mit mir aus- und heimreisen, wie mit Joseph und Maria, und dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück befreit bleibe. Ach du Hüter Israel! der du weder schlässt noch schlummerst, sey beiTag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie umElifa, damit sich keinUnglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spåt, in Wäldern und Feldern, mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israels mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet haft, Gieb, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in meine Ohren erschallen die Worte, die 204 Der glaubige Christ betet du Abraham mit auf die Reise gabest, als er von Haus reisen sollte: wandle vor mir und sey fromm. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von paus mich nicht lasse des Bösen gelüsten, behüte mich vor Böllerei, Uleppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, Außübung derSünden undSchanden. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause kehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen, wende mein Herz ab, wen in demfelben böse Lüste entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Ich befehle dir all das Meine, das ich zu Hause hinterlasse, bewahre das selbe vor Dieben, vor Feuer und Waf sersnoth, und laß mich alles unversehrt wieder antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach mein Gott! ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen, wende alle Gefahr, Schaden, Unglück u.Krankheit in Gna wenn er sich auf die Reise begiebt. 205 den von ihnen ab. Sey ihr Schußherr, erhalte sie, begleite sie, bewahre sie, und laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft. Ach Herr Jesu! der duunterder Gestalteines Wandersmans mit den zwei Jüngern gereist bist, sey auch bei mir auf meiner Reise, erfülle mein Herz mit guten Gedanken, Gieb mir fromme Gefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten und sündlichen Reden uns an dir nicht versündigen, sondern an dich denken, und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Ge spräch von deinerGüte, von deinen Wundern, von deiner Treue u. Wahrheit halten mögen. Ach mein Gott! in deinem Namen habe ich diese Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dichmit den Meinigen dafür herzlich loben u. preisen unser Lebenlang. Sende deinen Engel vor mir her, den Weg für mich zu bereiten, befiel, daß er dem Satan wehr und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr! in 206 Gebet eines Christen auf der Reise. deinen Schuß, daß ihre List, Gewalt und Truß mir nimmer könne schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, die mich wünschen bald zu sehen, laß auf sie, als auf die Deinen, deine Gnadenaugen sehen; führe sie doch allermeist, großer Gott! durch deinen Geist, daß sie nim mermehr gerathen in Gefahr und Miss sethaten, Amen. nur Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Mein ein Gott! ich bin von Haus gegangen, durch deinen Beistand bin ich hier, mit dir hab ich es angefangen, ach, weiche auch hie nicht von mir; o treuer Wächter Israel, dir, dir empfehl ich meine Seel. 2. Ich will hie meine Zeit zubringen, zu deiner Chr und deinem Ruhm, mit Bitten, Flehen, Danten, Singen, als dein geliebtes Eigenthum; begleite mich, wenn ich ausgeh, bewahr mich, wo ich bin und steh. INTE 3. Laß mich allhie behutsam wandeln in Gottes furcht und Frömmigkeit, nicht wider mein Gewissen Handeln, und hilf mir, daß ich allezeit dich gegenwärtig vor mir sehr und nicht auf bösen Wegen geh. 4. Laß in den Reden mich erwägen, du lieber Va ter!-Hörest gut, und daß auf allen meinen Stegen, du alles fichest, was ich thu, ach bring mir nicht aus meinem Sinn, daß du auch seyeft, wo ich bin. 5. Ach lasse, großer Gott! den Meinen, du kennest fie, sie sind zu Haus, auch deine Gnadensonne Gebet eines Christen in fremden Landen. 207 scheinen, theil ihnen beinen Segen aus; ach laß es ihnen wohl ergehn, laß mich sie fröhlich wieder sehn. 6. Bewahre ste vor Angst und Schrecken, und wende alles Unglück ab, dein' Gnadenflügel wohl bedecken, die ich zurück gelassen hab, ach treuer Vater! sie sind dein, ach laß sie dir befohlen seyn. den 7. Ach, wache, treuer Menschenhüter! durch deis ner guten Engel Wacht, auch über meine Haab und Güter, und habe fleißig darauf Acht, wend Unglück, Wasser, Fluth und Brand, in Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, o Vater der Barmherzigkeit! Laß mich gesund nach Hause lehren, durch deine Gnad zu seiner Zeit, indessen, Herr! beschüße mich vor allem Unglück väterlich.sin 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, ach theil mir deinen Segen mit, ach laß doch meine Bitt geschehen, behüte meinen Schritt und Tritt; so will ich mit der Frommen Schaar dich preisen jeßt und immerdar. Gebet eines der sich in fremdenLanden aufbålt. Gefang. 10 13 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. gainen Mein ein Gott! ich bin in fremden Landen, entfernt von meines Vaters Haus; wer gehet mir allhie zu Handen, wer hilfet mir in Nöthen aus? Mein Gott! o meine Zuversicht! verlaß mich in der Fremde nicht. 11/3. Gru 119/1191 911/ ge 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen, auf meiner guten Freunde Rath, mit dir hab ich es angefangen, und sprech derhalben früh und spat. bleib in der Fremde stets bei mir, ich weiche nicht, mein Gott! von dir. Baptio 3. Beschere mir viel gute Freunde, an welchem Ort ich kehre ein, und lasse mir auch meine Feinde durch 208 Gebet eines Christen in fremden Landen. deine Gnade gewogen seyn; du bist mein Freund, bich halte ich, auch in der Fremde lieb ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, die Glieder, Kräfte und Gesicht, Gesundheit wollest du mir geben, verlaß mich auch in Krankheit nicht, gedenk, daß dies ses ist dein Kind, das in der Fremd sich krank befind't. 5. Behüte mich vor Sünd und Schanden, bewahre mein Gewissen rein, und laß mir auch in fremden Landen, Herr! deine Furcht vor Augen seyn, daß ich gedenk, dein Angesicht sieht, was in fremdem Land geschicht. 6. Gieb, daß ich freche Sünder hasse, und flieh' die Häuser, wo sie sind, und mich da niemals fin den lasse, wo man verübet Schand und Sünd; gieb, daß ich denke für und für und wandle in der Fremd vor dir. 90 973433 0 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe in der er kannten Glaubenslehr, daß mich nichts von der Wahrheit treibe, nicht Reichthum, Wollust, Glück und Chr; wer dich verläugnet in der Zeit, der bringt sich um die Seligkeit. 8. Gieb mir, mein Gott! auch deinen Segen, beschere mir mein täglich Brod, sey stets bei mir auf meinen Wegen, und sey mein Beistand in der Noth; laß mich in deinem Segen stehn, ach Vater! laß mirs wohlergehn. 9. Ach segne mich im Schlaf und Wachen, ach segne meinen Schritt und Tritt, ach segne mich in allen Sachen, ach theil mir deinen Segen mit, gieb mir ein frommes Herz dabei, damit ich recht gesegnet sey. pin 10. Du wollest dieß Gebet erhören nach deiner großen Gütigkeit, und diese Bitte mir gewähren, so will ich nun und allezeit mit Freuden sagen Jedermann, was du mir Gutes haft gethan. 209 Der glaubige Christ bittet um ein unverleßt Gewissen. Aufmunterung. 2 Cor. 1, v. 12. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugniß unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf Grden gewandelt haben, allermeist aber bei euch. 9te ie meisten Menschen tragen große Sorge für ih. ren Leib, denselben gefund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; aber ach! daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewiffen rein und unbefleckt zu erhalten. Das Gewissen ist 1) gleich dem Auge, welches tein Stäublein Leiden kann, es ist eines bd. sen Menschen Ankläger, Zenge und Nichter, ja das Andenken der Sünden bleibt im Gewiffen, wie Schmarren im Gesicht. 2) Am jüngsten Tage wer. den Gott und das Gewissen Zeugen seyn, dawider man nichts wird einwenden können. Ein glaubi. ger Christ wird ein unverlegt Gewissen behalten, 3) wenn er fleißig Gottes Wort hört und liest, und darnach sein Leben anstellt, und in allem, was er vornimmt zu reden oder zu thun, bedenkt, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Worte erlaube? Wenn er ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet, denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgehet, leicht gebrennt oder benett wird, also wird das Gewissen im Umgang mit gewiffenlosen Leuten leicht verlegt. 5) Sonderlich wird das Gewissen bewahrt durch ein andächtiges, eifriges Gebet, und durch die Vorstellung des all. gegenwärtigen Gottes, vor dessen Augen wir immer wandeln. D Der glaubige Christ bittet Gebet. Herr, mein Gott! wie groß ist deine Güte undLiebe, die du an uns beweisest. Du giebst uns Leben und Gesundheit, und läsfest es uns wohlergehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach mein Gott! dieses alles sind deine Geschenke und Gaben, aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth werden, wenn in dem gesunden Leib, und bei allen Gaben u. Gütern nicht ein rein und unverlehtGewissen ist. Darum, o mein Gott! erbarme dich über mich und erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verleße. Das Gewissen ist wie das Auge, wenn in das felbe nur das geringste Stäublein komt, so ist es unruhig, es thrånet, es wird roth, und man kann es nicht recht aufthun; so gehts auch mit dem Gewissen; hat man wider dasselbe etwas vollbracht, so wird es unruhig, es verklagt, verdamtu.wenn es recht aufwacht, so getrauet man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach mein Gott! ich möchte gern eine 210 211 um ein unverlegt Gewissen. unverleßteSeeleu.ein reinGewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o darum regiere mich durch deinen heil. Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gut Gewissen so ein edlesKleinodu. sanf tes Kiffen; wer will mich verklagen, wen mich mein Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zuGott durchy unsern Herrn Jesum Chriftum. Ber kann mich betrüben, wenn mich meinGewissen erfreuet, wer kann mich ångsten u. kranken, wenn mich mein Gewissen tristet u. aufrichtet? O mein Gott! laß mich diesen Schaß wohl bewahren. Hilf mir, daß ich niemals etwas reden möge, welches mir eine Gewissensangstverursachen könnte; hilf mir, daß ich nie in eineSuns de einwillige dadurch ich eine schwereLaft auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben oder auf dem Todtbette drücken, oder mir deinen Zorn u. Strafe erwecken könne, ac! bewahre 02 222 Der Betrübte tröstet sich betrübt, erfreue es, es ist voller Angst, erbarme dich und hilf ihm. Ich will, dies weil ich lebe noch, das Kreuz dir fröhlich tragen nach, mein Gott, mach mich dazu bereit, es dient zum Beste allezeit, Amen. Gesang. Mich Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, und wäre es auch noch so groß, mein Vater! du wirst bei mir bleiben, ach nimm mich auf in deis nen Schoos; in Trübsal, Kreuz und aller Noth, verlaß ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in seinen Händen, was mich betrübt und heftig quält, ich weiß, er kann es leichtlich wenden, weil es ihm nicht an Mitteln fehlt; in Trübfal, Kreuz und aller Noth verlaß ich mich auf meinen Gott. 3. Ich weiß, Gott wird von mir nicht weichen, wo Kreuz ist, da ist Gott nicht weit, er wird mir seine Hand barreichen, der Vater hilft zur rechten Zeit; in Trübsal, Kreuz und aller Noth verlaß ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, denn er betrübt nicht immerdar, er macht daraus oft grüne Maien, was eine scharfe Ruthe war; in Trübfal, Kreuz und aller Noth verlaß ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wenn Gottes Stund wird schlagen, so höret auch mein Elend auf, indessen will ich's willig tragen, Gott hemmt der wilden Wellen Lauf; in Trübsal, Kreuz und aller Noth verlaß ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, brum halt der Hülfe Gottes.. 223 ich ihm im Glauben still, er wird mir meine Bitt gewähren, daß ich ihm ewig danken will; in Trübfal, Kreuz und aller Noth, verlaß ich mich auf meinen Gott. Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. nim 2 u f munterung. ni Psalm 121, v. 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Deine Hülfe zu haben in seinem Leiden und Elend, ist wohl betrübter als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) Gott kann ihnen helfen; 2) Gott will ihnen helfen; 3) Gott hat schon oft geholfen. Auf solche Hülfe follen Be trübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten; denn was der Herr zusagt, das hält er gewiß: sein Wort laß dir gewisser seyn, und ob dein Herz spricht lauter nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen sie sich erin. nern, Gott könne thun über alles, was wir bitten und verstehen; er werde ihr Helfer, ihr Vater, ihr Trößler, ihr Erretter, ihr Beistand selbst seyn. Ja das ist eine Wohlthat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unser Leiden lindert. Gebet. blood Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach! wo soll ich mich anders hinwende, an wen soll ich anders denken, 224 Der Betrübte tröftet fich in meinem Leiden und Kummer, als nur an dich, mein Gott? Ach! du hast mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen lassen. O darum höre auch jetzt mein Gebet, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! und wenn ich rufe, so erhöre mich. Von deiner Hand ist mir das Leiden, so ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du Herr, Herr! tödtest und machst lebendig, du führst in die Hölle und wieder heraus. Du Herr machst arm und machst reich, du erniedrigest und erhöhest. Du erhebst den Dürftigen aus dem Staub, und erhöhest den Armen aus dem Koth, darum spreche ich im Glauben: Herr! hilf mir. Du hast gesagt: ehe sie rufen, will ich antworten, und wann sie noch reden, will ich hören, mein Herz bricht mir gegen dir, daß ich mich dein erbarmen muß; darum will ich auch dir nicht Zeit undStundevorschrei ben, wenn du helfen sollst. Stärke mich der Güte Gottes, 225 indessen durch deinen heil. Geist, stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen, gieb mir Geduld und Kräfte, mein Leiden zu tragen. Ach mein Vater! du hast noch keinen verlassen, verlaß mich auch nicht; du hast Betrübte allezeit erfreuet, erfreue mich auch; du hast den Elenden geholfen, hilf mir auch, wenn, wie und wo du willst, das alles sey deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiemit ganzlich heimgestellt. So sey denn wieder zufrieden, meine Seele! was betrůbest du dich, u. bist so unruhig in mir? Harre aufGott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Herr Jesu Chrift! groß ist die Noth, worinnen ich thu stecken; ach hilf, mein allerliebster Gott! schlaf nicht, laß dich erwecken. Niemand ist, der mir helfen kann, keine Kreatur nimmt sich mein an, ich darfs auch Niemand klagen. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn! zu dir steht mein Vertrauen, du bist der rechte Gnadenthron; wer nur P 226 Der Betrübte tröstet fich auf dich thut bauen, dem stehst du bei in aller Noth, hilfft ihm im Leben und im Tod, darauf ich mich verlasse, Amen. Gefang. Hat Mel. 3ion flagt mit Angst und Schmerzen. at mich denn Gott gar verlassen, jetzt in meiner Traurigkeit! Ich weiß feinen Troft zu fassen in dem bittern Kreuz und Leid; ach! wo ist doch nun mein Gott in der großen Angst und Noth? Ach! wo soll ich ihn doch finden, da die Noth nicht will verschwinden. 2. Willst du meiner nicht gedenken, denk doch, daß du Vater bist; soll das Leiden nicht versinken, das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such, ist ja nichts als dein Verspruch, wirst du selbigen erfüllen, so wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben, ich weiß, Gott verläßt mich nicht, er wird meinen Glauben üben und auch meine Zuversicht, scheint er fern von mir zu seyn, so gedenkt er dennoch mein, seine Lieb fann mich nicht hassen, noch mich in der Noth verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, gehet es gleich wunderlich, meine Noth will ich ihm klagen, er wird helfen väterlich; meine Noth ist ihm bekannt, und mir seine starke Hand, diese kann mein Leiden wenden, und mir seine Hülfe senden. 5. Ich will Gott im Glauben faffen, wie es Glaubigen gebührt, ich will nimmer von ihm lassen, es ist gut, wie er mich führt; fühl ich gleich die scharfe Ruth, sind doch diese Wege gut, die mein Vater mit mir gehet, und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde fommen, kommt sie 227 der Barmherzigkeit Gottes. eben nicht gleich heut, da mein Leib mir weggenome men, da mein Vater mich erfreut; vielleicht ist die Stunde nah, ja vielleicht ist sie schon da, da es heißt: du bist erhöret, bir ist deine Bitt gewähret. 7. Sey getroft, o meine Seele, fasse dich in detnem Gott, sage, klage und empfehle ihm alleine deine Noth, sonsten schweige gänzlich still, es geschehe Gottes Will,.er wird mit den Gnadenblicken, dich zu seiner Zeit erquicken. Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. All Aufmunterung.( 11 Psalm 103, v. 8. 9. 13. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Wie fich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Mie ie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu thun haben. Allein ein betrübtes Kind Gottes soll verfichert seyn: 1) daß sein getreuer Gott im Himmel wiffe all sein Leiden, Elend und Kreuz, wie groß und. schwer es sey, wie lange es daure, und wie empfind. lich es der Seele sey; nicht allein aber weiß es Gott, sondern 2) er erbarmet sich auch des Elenden. In Betrachtung dessen, daß Gott also barmherzig ist, foll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott seine Zuflucht nehmen denn die Betrübten sollen getrößtet werden. 4) Gott erweiset aber seine Barmherzigkeit gegen die Elen den, theils wenn er ihnen giebt Frendigkeit und ge trosten Muth, theils wenn er in ihrem Leiden ih nen Stärke giebt, daß sie es ausstehen und tragen können, theils aber auch, wenn er es gar von ihnen P2 228 Der Betrübte tröstet fich nimmt. Erbarmet ficb ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten in seinem Elend nicht verderben lassen. i third of the abinte Gebet.net du barmherziger Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende bat, dessen Güte alle Morgen neu wird; siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete vor dein allerheiligstes Angesicht, u. schütte meinen großen Kummer und betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammerstand und großes Elend, das mich getroffen hat, meine Seele ist be trübt, mein Geist geängstet, und Leiden hat mich umgeben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern. Menschen wollen sich theils meiner nicht anehmen, theils wissen sie meine Noth nicht, theils mag ichs auch nicht offenbaren, aber dir, o Gott! klage ich es mit betrübtem Her zen, ich weiß, du bist barmherzig, u. láss sest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Wittwe, die da weinte um ihr Kind; es jammerte dich S4 der Barmherzigkeit Gottes. 229 des Volks, welches nichts zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verknüpft. O darum komme ich zu dir und spreche: ach erbarme dich über mich! Ach Gott! ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen hast, darum spreche ich: ach mein Vater! erbarme dich deines armen und verlassenen Kin des. Mein Jesu! ich bin ja mit deinem heiligen Blut erkauft: darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. O du werther heil. Geist! lege das Zeugniß in meine Seele, daß ich bei allem meinem Leiden dennoch ein Kind Gottes sey, und wenn ich im Beten matt werde, und fast nicht mehr beten kann, so schreie du in mir das Abba lieber Vater; siehe, ich sinke, ach biete mir deine Hand! ach Herr! nach deiner großen Barmherzigkeit starkemeinen Glauben, erhalte mich 230 Der Betrübte erwäget in meinem Elend, gieb mir alle Tage neue Kräfte, daß mein Glaube nicht aufhören, daß meine Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du hast mich ja noch niemals vers lassen; ach! so verlaß mich jetzt auch nicht, hilf deinem Kinde, daß zu deiner Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach! ich kenn' sein Vaterherz, er ist schon auf Hülf bedacht, meine Trübfal, Angst und Schmerz, und was mich sonst traurig macht, wird sich alsdan sogleich wenden, wenn er mir wird Hülfe senden, drum mein Vater! komm zu mir, Herz und Auge thrånt nach dir, Amen. 16 dimance& ef ang. na Mel Gott! du frommer Gott, mi Mohl bein, ber Gott vertraut in allen feinen Sachen, und alles dem heimstellt, der es weiß wohl zu machen, wohl dem, der da sein Haupt mur legt in Gottes Schoos, der wird ganz ruhig feyn, und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, als welchem nichts unmöglich, sein starker Allmachtsarm kann helfen unverzüglich, was uns dünft allzuschwer, das ist bei ihm gar leicht, weil alle Noth von uns, wenn er's befichlet, weicht. die göttlichen Verheißungen. 231 3. Wohl dem, der Gott vertraut, kannst du kein Mittel finden, und meinest, deine Noth wär nicht zu überwinden; so trau dem weisen Gott, der alle Hülfe hat, bei dem ist Rath und That, wenn du bist ohne Rath. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, denn seine Liebesproben muß jede Kreatur mit frohem Munde loben; der jeder Kreatur die Nahrung reichlich giebt, der forget auch für dich, weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut, und nicht den Menschenkindern, sie sind gar oftmals falsch, und suchen zu verhindern das, was uns nützlich ist; ob fie, was uns gebricht, wohl wissen und verstehn, so helfen sie doch nicht. 6. Drum will ich immerdar dir, meinem Gott, bertrauen, auf deine Baterhand in meiner Trübfal schauen; ach Gott! ich komm zu dir, ach sorge du für mich, ach nimm dich meiner an, und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan, ich traue Gott, es mag mir nun auch gehen, wie's meinem Gott gefällt; ich bleib darauf bestehen, daß Gott den nicht verläßt, der feste auf ihn baut, weil dem geholfen wird, der seinem Gott vertraut. Der Betrübte erwåget die göttlichea Verheißungen. Aufmunterung. Psalm 91, p. 14-16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen, er kennet meinen Na men, darum will ich ihn schüßen. Er rufet mich an, so will id ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn heraus reißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langen Leben, und will ihm zeigen mein Heil. o sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschlägt so herrlich richten die göttlichen Guaden- Ver heißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübte 232 Der Betrübte erwäget bedenken: 1) alle göttlichen Verbeißungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht einbilden, als ob die Verheißungen nur Mose, David und denen gegeben sind, die dazumal lebten, nein, fie zielen auch auf uns, denn Paulus spricht, Rom. 15, 4.: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre gefchrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Ferner foll er 2) bedenten, alle göttlichen Verheißungen werden erfüllt werden in der Zeit, die Gott bat bestimmt. Dar, um soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern in Demuth und im Glauben die Hülfe erwarten. 3) Soll ein Betrübter be. denken, daß die Verheißungen Gottes von der Hülfe, Erlösung, Errettung, Befreiung von allem Ulebel, bisweilen auch in diesem Leben erfüllt werden, so daß Kranke gefund, Traurige erfreut, Clende errettet, Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllt. In Betrachtung deffen soll 4) ein Betrübter stille seyn, und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so viel Tausend schon erfüllt hat. Gebet. Herr, mein Gott! mein Herz hålt dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlik suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Antlik. Ich weiß in meiner Bekümmerniß nirgends Trost und Rath zu finden, als bei dir, bei dem mein Herz Trost, die göttlichen Verheißungen. 233 Hülf und Rath, allzeit gewiß gefunden hat; sonderlich suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen, darinnen finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligthum, ich suche in deinem heiligen Worte ein stärkendes Manna für meine hungrige Seele, und ein lebendiges Wasser für meine matte Seele. Du hast gesagt: ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Ach Herr! die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Du hast gesagt: fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Du hast gesagt: es sollen wohl Bergeweichen u.Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach Herr! erbarme dich doch meiner, ach! weiche nicht von mir, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, dein feuriger Geist erhalte mich. Dein heiliges Wort stellt V 234 Der Betrübte erwägetis dich mir vor als einen mächtigen Gott, als einen liebreichen, besorgten Bater, als einen starken Helfer, als einen gnådigen Beistand, als einen gewissen Erretter, darauf verlaß ich mich, deß tröste ich mich. Darum sey wieder zufrieden, meine Seele, der Herrverstößt nichtewiglich, er betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich demnach, meineSeele, u. bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern, meine Seele wartet auf den Herrn, bis er uns gnädig werde. Fasse mich in deine Arme, und erquicke mich, verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil. Auf dich will ich vertrauen in meiner schweren Zeit, es mag dich nichts gereuen, du wendest alles Leid, dir sey es heimgestellt, mein Leib, mein Seel, mein Leben, und was er mir gegeben, Herr mach's, wie's dir gefällt, Amen. die Absicht Gottes im Kreuz. 235 bemar Gefangan bie Mel. Alle Menschen müssen sterben. Ma ann wird Gottes Stunde kommen, ach! wann kommet doch die Zeit, ach! wann wird mir abgenommen meine Klage, Kreuz und Leid? Seufz' ich doch darnach von Herzen, wart ich doch darauf mit Schmerzen, es spricht oft mein matter Mund: ach! wann schläget Gottes Stund? 2. Ach! ich zähle alle Stunden, und fast jeden Glockenschlag, bis ich habe Hülf gefunden; in der Nacht wie an dem Tag sprech ich oftermal mit Wei nen: ach! wann wird die Stund erscheinen, die zur Hülfe ist bestimmt, die mein Leiden von mir nimmt? 3. Doch ich will dir nicht vorschreiben, es geschehe, Herr! dein Will, dir will ich getreu verbleiben, dir halt ich geduldig still; willst du mit der Stund verziehen, will ich drum nicht von dir fliehen, sondern rufe mit Gewalt: ach! fommt deine Stunde bald? s ou 4. Ach! laß deine Stund anbrechen, deine Stund, o lieber Gott! Laß mich einmal fröhlich sprechen; nunmehr hört auf meine Noth; nach dem Winseln, nach dem Schreien laß mir Hülfe angedeihen, alle Noth bricht gleich entzwei, wann die Stunde kommt herbei. 5. Ach mein Vater! hör mein Flehen, sich, es betet Herz und Mund, laß mich bald erfreuet sehen die erwünschte Hülfesstund; wirst du deine Stunde schicken, so wird sich mein Geist erquicken. Ach mein Vater! höre mich, höre mich genädiglich. Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. Aufmunterung. Ebr. 12, v. 11. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket uns nicht Freude, sonder Traurigkeit zu feyn, aber darnach wird sie geben eine friedsam Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet finb. 236 Der Betrübte erwäget aid Menn enn das Kind die Züchtigung empfindet, weint es, und meint, es geschehe ihm gar zu wehe was ists dann Wunder, wenn Betrübte oftmals nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuz schicken sollen? Ein Betrübter soll erwägen: 1) Gott will uns durchs Kreuz nicht ins Verderben bringen, sondern uns daraus erretten; wenn der Bundarzt in die Wunde schneidet, beißende Sachen auflegt, so will er sie heilen und säubern; und durch Trübsal will uns Gott abziehen von der Welt, und uns zu sich ziehen. 2) Sieht Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Kreaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, daß wir ihn allein lieben sollen, und unfere Freude an ihm haben. Ja, wenn er sieht, daß wir durch die beständige Glückseligkeit, Ruhe und Wohlergehen sollten träg zum Gebet, und in unserem Christenthum nachläßig werden, so läßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wiederum nach ihm verlangen, und in sei. ner Liebe und Erkenntniß zu wachsen trachten. Bei diesem Allem aber bleibt er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und gütiger Gott, der uns herzlich liebt. Gebet. Mein Gott! der du mich in so große Traurigkeit und Betrübniß sehest, daß mein Herz geängstet, mein Mund voll Seufzen u. meine Augen voll Thranen sind, ach! ich weiß nicht, wo ich mich hinwenden soll. War ich nicht glück die Absicht Gottes im Kreuz. 237 flig? Hatte ich nicht Ruhe? Woher kommt solche Unruhe? Ach mein Jammer ist groß! aber ich will darum nicht von dir fliehen, mein Hirte! hast du mich durch diesen harten Schlag niedergeschla gen, ach so richte mich wieder auf mit deinem Fräftigen Wort, damit ich möge erwägen, marum du mir dieses Elend zus geschickt haft. Ich weiß ganz gewiß, daß dißKreuz mich getroffen nicht zu meinem Verderben, sondern da du mich in solchen traurigen Zustand sehst, willst du prüfen meine Liebe, ob ich dich auch sowohl in guten als in bösen Tagen lieben will? Du willst prüfen meine Glauben, ob ich auch glaube, du senest ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elend erretten, und in demselben erhalten könne? Du willst. prüfen meine Geduld, ob ich dir zu Ehren dief Kreuz gerne tragen will? Du willst prü fen mein Vertrauen, ob ich dir über alles vertrauen, u. auf dich, auf deine Gnade Liebe und Barmherzigkeit bauen will 238 Der Betrübte erwäget sid du willst prüfen meine Hoffnung, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen ist, und deinem Wort und Verheißungen Glauben beimessen will? Ja, mein gnädiger Gott und Vater! du willst mich dadurch von der Welt, ihrenLüsten, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir halten soll. Wohlan, mein lies ber Gott! ich will so werden, wie du mich haben willst, ich will das tragen, was du mir auflegst, gieb mir deinen heil. Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermogen mittheile. Ich will gern geduldig feyn, es währe, so lang es wolle. Ich will mich auch der Welt und weltlichen Gesellschaften entschlagen, und dir allein anhangen, daß ich ein Geist mit dir werde; so wird dieses Kreuz mich reinigen, Sund meiner Seele nüßlich seyn. Die Hülfe wird schon anbrechen zu rechter dZeit. Gott wird mich nicht verlassen, vob ich verlaffen bin, in Gott will ich mich niaffen; mein Herz, Gemüth und Sinn, mo treulich an ihn halten, und ihm ver die Absicht Gottes im Kreuz. 239 trauen fest, und den nur lassen walten, der mich niemals verläßt, Amen. wist dann fre udgall2 nd Sum Gefang. MAS Sna Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Ich gebe mich in Gottes Willen, wenn Kreuz und Trübsal mich ansicht, mein Jesus kann den Jammer stillen, ob man mir alle Hülf abspricht, und ob es gleich mir wehe thut, so ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört nicht zu den Dingen, die Anfangs gehen bitter ein, und gleichwohl großen Nußen bringen, wenn sie nur ausgestanden seyn; fühl ich gleich oft die scharfe Ruth, so ist doch die ses Kreuz mir gut. 3. Laß seyn, daß mich das Glücke fliehet, so weiß ich doch, Gott fennet mich, und daß mich feine Weisheit ziehet, ganz von der Welt allein zu sich; empfind ich gleich die Unglücksfluth, so ist doch dieses Kreuz mir gut. Birol 100 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, dazu ich keinen Anlaß geb', so will mich Gott demüthig machen, daß ich mich nicht zu hoch erheb; ich achte nicht der Feinde Wuth, vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, hine gegen viel von Herzeleid, so führt mich Gott, bas kann ich sagen, auch dadurch zu der Frömmigkeit. Zwar fränkt es heftig Fleisch und Blut, jedoch ist dieses Kreuz mir gut. 6. Und muß ich oftermal empfinden: Anfechtung, Angst und Traurigkeit, so hilft mirs Gott doch überwinden, und schenkt mir süße Seelenfreud; drum hab ich einen frohen Muth, weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 240 Der Betrübte bittet 7. Ich sehe wohl in allen Leiden, ob es gleich lang und heftig heißt, daß es mich nicht von Gott will scheis den, vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; er reißt mich aus der Höllenglut, drum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Hebr. 10, v. 35. 36. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut, und die Verheißung empfahet. Geduld eduld ist eine Frucht des Geistes, sie kommt von Gott, und der muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und herz. licher beten, je heftiger sein Leiden anseßt, wie dort von Chrifto ftehet: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Derohalben soll der Betrübte erwägen: 1) das sey Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibt, und mit sich läst umgehen, wie Gott will; er weiß, daß seine Trüb. fal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott im Kreuz doch herz. lich liebe, und daß er nicht habe aufgehört, Vater zu seyn, ob er ihn gleich mit Kreuz belegt hat. Darum 2) murret ein Betrübter nicht wider Gott, ob es gleich lang und schwer wird, sondern sagt: ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch die heftigen Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmüthig werden wollen, so muß er Gott um Stärke anrufen. Gott aber stärkt Betrübte, theils wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen giebt, es werde das Kreuz bald aufhören, theils, er wolle fie nicht verlaffen, theils auch, wenn er einige Hülfe und Linderung ihnen widerfahren läßt. Dadurch um Geduld und Stärke. 241 4) wird ein Betrübter wieder stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Gebet. Herr, mein Gott! mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend und Jammer ist dir wohl bekannt; dieß ist mein Trost, daß ich weiß, es komme von geliebten Händen; ich habe es mir nicht gemacht, sondern du hast es mir aufge legt; hast du es mir aufgelegt, so hilf mirs tragen. Und weil dieGeduld auch gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach, so verleihe mir dieselben nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkst, wenn du mir hilfft und beistehst, so kann ich Alles, so vermag ich Alles, so wird es mir nicht schwer werden; ich vermag Alles durch den, der mich machtig macht, Christus. Greif mich auch nicht zu heftig an, damit ichs kann ausstehen. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stärke die müden Hände, erhalte die firauchelnden Kniee, sage meinem verzagten Her 2 242 Der Betrübte bittet zen: dein Jesus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du hilfst, so ist mir geholfen; darum hilf mir, o mein Heil! Stelle doch meinerSeele vor, es sey dein heiliger Wille, daß ich also leiden, u, mein Kreuz tragen soll; darauf ich mich den mit Freuden entschließe, und sage: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübniß liebest, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit dauern werde, ja daß dieser ZeitLeiden nicht werth sey der Herrlichkeit, diean uns soll offenbar werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seyest, daß dieses Kreuz nicht sey ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade. Stelle meiner Seele vor daß Exempel der Geduld meines lieben Heilandes Jesu Christi, der allesgeduldigauf sich nghm. Gieb, daß ich ihm in solcher Gelaffenheit durch deine Gnade nachfols ge; gieb, daß ich mit dulde und leide, das um Geduld und Stärke. 243 mit ich auch mit zur Herrlichkeit erhaben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzereißen, meinen Glauben nicht schwächen, und das Gebet verhindern, sondern gieb mir neue Kraft und neuen Muth, wann ich einen Sturm ausstehen muß, oder ausgestanden habe. Ja stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen u. dein kräftiger Beistand mich erquicken werde. Du bist mein Fels, meine Burg, mein Hort, mein Schild, meine Kraft, sagt mir dein Wort, meine Hülf, mein Heil, mein Leben, mein stars ker Gott in aller Noth, wer mag dir widerstreben? Amen. Gefang. Mel. O Gott! du frommer Gott. Mein ein Gott! verzeuch doch nicht, ach sich, wie ich muß weinen; wann willst du, o mein Licht! zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause hab ich Kreuz, und geh' ich schon oft aus, so geht mein Leiden mit, und kommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff ich alle Tag, sieh, heute wird es besser, allein das Leiden wird faft alle Tage größer, ich werde schwach und matt, mein Herze ift beklemmt, es ift mein Angesicht mit Thränen überschwemmt. 3. Durch langes Leiden will auch die Geduld ver22 244 Der Betrübte bittet schwenden, weil sich die Linderung sogar nicht will einfinden, ich warte von dem Tag bis auf die stille Nacht, und in der Nacht bin ich schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, mein Gott! die Hülf verzichen, wie wird es mir ergehn? Ach! wo foll ich hinflichen? Ach Gott! verzeuch doch nicht, ach eile doch herbei; ach Herr! wann machst du mich von meinen Banden frei. 5. Die Hülfe steht bei dir, sie steht in deinen Händen, du kannst mit einem Wort mein Leiden schleunig wenden; ach wende dich zu mir, komm und errette mich, erleicht're mir mein Kreuz, ach Gott! erbarme dich. 6. Das Leiden ist nicht schwer, wenn du mir hilfest tragen; ich will, wenn du mitträgst, von keinem Leiden sagen; denn trägeft du mit mir, fo trägst du das Gewicht, ich habe zwar das Kreuz, und fühl die Last doch nicht. 7. Ach ja, mein Herr und Gott! laß mich bie Stund erblicken, da du nach meinem Leid, mich endlich wirft erquicken, ach schenke mir dereinst die lang gewünschte Stund, darnach mein Herze seufzt, und der betrübte Mund. 8. Wirst du mir diese Gnad, o großer Gott! erweisen, so will ich, weil ich leb, dafür dich herzlich preisen; mein Freudenwort soll seyn nach ausgestandner Noth: Wie gnädig ist doch Gott! der Herre Zebaoth! C Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübfal. Aufmunterung als Efaj. 38, v. 14. 17. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Laube, meine Augen wollten mir brechen. Herr! ich leide Noth, lindre mirs. Siehe, um Trost war mir sehr bange. 36 um Abnehmung der Trübfal. 245 Du aber haft dich meiner Seele herzlich angenommen, daß fie nicht verdürbe. Denn du wirsest alle meine Sünden hinter dich zurücke. Gott ott hat seinen Kindern eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem oder in dem ewigen Leben, es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um die Erfüllung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Derowegen 1) wenn sie empfinden ihres Kreuzes Hef. tigkeit, Bitterfeit und Langwierigkeit, dürfen fie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle. Denn so machte es ja Christus, unser Heiland, selbst, welcher um Wegnehmung des bittern Kelchs den himmlischen Vater anflehte; hiemit legen Betrübte ihr Vertrauen und Zuversicht zu der Au, macht Gottes an den Tag. Jedoch 2) beffer ists, wir tragen das von Gott geschickte Kreuz willig. Diese Bitte um Abnehmung der Trübfal soll 3) and eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir Gott de fto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oft niederschlägt, und zu heiligen Uebungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt seyn aus Ungeduld, oder um der Weltluft und Weltfreude wieder zu ges nießen, so sieht man leicht, daß Gott ein solches Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleisch. lich, eitel und irdisch gesinnt, fo läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es, als ein heiliges Feuer, diese Stoppeln und Unreinigkeit des Herzens aus. gebrennet hat. 10 p& ebet. du gnadenreicher Gott! der du die Betrübten u. Elenden anfichest und 246 Der Betrübte bittet my dich erbarmst aller deiner Werke, ach siehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe allhier vor der Thür deiner Gnaden, und flehe dich um Hülfe an. Die Vaterhand, die mich verwundet, muß mich hei len; der mich getödtet, muß mich wieder lebendig machen. Darum, du gnadenreicher Gott! komme ich zu dir und spreche: Herr, hilf mir! ach erbarme dich meiner, laß mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Ach! laß mich doch deine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur ein Stück desselben von mir. Du willst dich vor deinen Glaubigen nur einen kleinen Augenblick ver= bergen, und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach mein Gott! wie lange willst du mein so gar vergessen, wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir; ists denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, das du noch inein Vater seyft, der sich über mich um Abnehmung der Trübfal. 217 erbarmen wolle; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sey. Ach! wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir; diristjanichts unmöglich. Herr Zebaoth ist dein Name, groß von Rath und machtig von That. Du bist der Trost Israels und ihr Nothhelfer, darum verlaß mich nicht; hilf mir, errette mich und sey mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! ist aber deine Hülsesstunde noch nicht da, so stärke michinwendig, und gieb mir solche Kraft, daß ich es ferner tragen köne, denn wenn tu, o lieber Vater! mit mir trågst, oder mir es linderst; wenn ich in deiner Kraft einher gehe, so will ich es auch als ein Ab nehmen halten, darüber mich freuen und dir danken; willst du mir es aber in diesem Leben nicht abnehmen, sondern ist es dein heiliger Rath, daß ich mich bis in den Tod damit tragen solle, so geschehr dein 248 Gebet um Abnehmung der Trübfal. Will. Soll ich noch mehr hier leiden, so steh mir, Herr! durch deine Kraft zurSetten, fein ritterlich, beständiglich, hilf mir mein' Widersacher all bestreiten, Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Ma ann wird mich mein Gott erhören? Ach! wie lang verzeucht er doch, will er sich nicht zu mir fehren, weg zu thun das schwere Joch? Ach! ich muß ja faft vergehen, wenn er mich nicht will ansehen; nimmt sich meiner Gott nicht an, ach so ists um mich gethan. 2. Hat mir's Gott doch ja versprochen, daß er mich erhören woll, wenn die Stund ist angebrochen, die mir Hülfe bringen soll; bei dem Wort will ich ihn faffen, und darauf mich fest verlassen; was er mir verheißen hat, kann er leisten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten: schaue Vater! auf dein Kind; ich will immer vor ihn treten, wie die, so verlassen sind; ich will seufzen, weinen, flehex, aller Orten ihm nachgehen, ihm schick ich die Seufzer zu, bis ich habe Hülf und Nuh. 4. Soll ich in dem Jammergarten, hier in dem Gethsemane, länger auf die Hülfe warten, so will ich in Ach und Weh nicht an Gottes Hülf verzagen, und mein Kreuz geduldig tragen, jeh ich meinen Jesum hier, in dem Garten noch bei mir. 5. Nun wohlan, ich bin vergnüget, es geh, wie es gehen soll, wie es mein Gott mit mir füget, fo thut er der Seelen wohl. Endlich werd ich noch lobsingen, und ihm meine. Opfer bringen; ja erzählen Jedermann, was er an mir hat gethan. Ispberry Meshe ne 249 Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Klagl. Jer. 3, v. 31, Der Herr verstoßet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, unb erbarmet sich auch wieder nach seiner großen Güte, denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Ale lle Trübsal wird leicht, wenn man hofft, es werde bald beffer werden. Hiebei soll ein Betrüb ter sich vorstellen, 1) daß sein Glend gewiß ein Ende nehmen werde, und vielleicht noch in diesem Leben; wie Gott also Davids Fluch, Hiskia Krankheit, Hiobs Elend, der Wittwen Thränen, des Gicht brüchigen Schmerzen noch in diesem Leben gewen. det. Am allergewiffeften aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und wenden nach dem Tode, und abwischen alle Thränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, daß seine Seele pon der Welt weg zu Gott getrieben werden soll, so bleibet der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag fich enden hie zeitlich oder dort ewig. Gebet. Ah da großer Gott! wie ist doch mein Leiden so schwer und groß, wie du selbst weißest, aber doch soll mein Glaube, Hoffnung und Vertrauen deßwegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübfal meine Augen aufhebenza den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, 250 Der Betrübte erwäget nämlich zu dir, allmächtiger, gütiger und barmherziger Gott. Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, ja nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du hast versprochen, daß du die Mühseligen und Beladenen erquicken wolleft; nun ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung, ach! gieb mir, wenn es zu deiner Ehre und meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch, und was mein Mund bittet.Denn du bist meine Zuversicht, Herr, Herr! von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann alles ändern. Ach so andere, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zustand. Nun sehe ich deinen heil. Rath, du hast mich demüthig, fanftmüthig und fromm machen wollen, mich zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben, und meine Hoffnung auf dich stellen soll, u. da nun dieses außgerichtet ist, so nimmst du meine Trübsal wieder von mir, und läsfest mein Gemůthe, das vorher ganz unruhig war, wie den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 251 der still, gelassen und zufrieden werden. O welche herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! o welch großer Nußen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu verfertigen. Meine Thränen sollen ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Dornen, die mich stechen, sollen Rosen tragen, nach dem Kampf soll derSieg, nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der frühliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird am jüngste Tag die fröhliche Erlösug seyn, wenn ich von allem Uebel erlöset in das himmlische Freudeuleben eingehen werde. Ist dieses denn das erstemal, daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual, bisher gehabt auf Erden, wir sind wohl mehru, 232 99 Der Betrübte erwäget s. s hoch gekränkt, und doch hat Gott uns darauf geschenkt ein Stündlein voller Freuden, Amen. Gefang. Mel. O Gott! du frommer Gott. War ann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar verlassen? Mein Heil! wann werd ich dich zu meinem Trost umfassen? Ach, wenn mein Seelen freund ja ferne von mir weicht, wer ist, der in dem Kreuz mir seine Hand barreicht? 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sich, Andre find beglücket, sie stehn in Herrlichkeit, mit Wohl ergehn geschmücket, nur ich muß traurig gehn, ja ich muß gehn allein, in meinem Jammerstand, von Gott verlassen seyn. 3. Es will mir bie Geduld in meinem Kreuz verschwinden, dieweil ich Jesum fast weiß nirgends mehr zu finden, wo ich mich nun hinwend, sieh, da verbirgt er sich, und wo ich nach ihm greif, sich, ba verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch? Ach höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: wenn kommt mein Jesus? sagen; o Jesu! komm doch bald, die Zeit wird mir so lang; o Jesu! komm doch bald, mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus kommet bald, o Seele! sey doch stille, und stell dein Trauren ein, es ist so Gottes Wille; weil Jesus sich nicht zeigt, so schmeckst du Bitterfeit, doch bald erquickt er dich mit süßer Seclenfreud. 6. Dein Jesus kommet bald, du liegst in seinen Armen, sey freudig, er wird sich in Gnaden bein erbarmen, er fieht dein Leiden wohl, sich da, in Gebet betrübter Wittwen. 253 furzer Zeit, erquickt er deinen Geist mit Troft und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald; er wird dich nicht verlassen, denn du bist ja sein Kind, wie könnt er dich denn haffen? Schau doch auf Andre nicht, bie da beglücket stehn, bald wird dir auch dein Licht nach trüber Nacht aufgehn. 8. Dein Jesus kommet bald; er wird sich zu dir nahen, sein Mund und Arm wird dich aufs freunde lichste empfahen. Auf Seele! sey getroft, dein Heiland ist bir nah, nun ist dein Wunsch erfüllt: dein Jesus, sieh, ist da. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. 2 B. Mof. 22, v. 22. 23. Jmein Mann in eforben. Ihr sollt keine Wittwen und Waisen beleidigen; wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. ch bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid trägt, und mein Mann ist gestorben. Also beschreibt das kluge Weib von Thekoa eine Wittwe, 2 Sam. 24, 4. Es ist der Wittwensland 1) ein Trauer. stand, indem ein Weib ihres Ehemanns Hülfe, Rath, Troft, Gegenwart und Freundlichkeit ent. behren muß, welches auch reichen Wittwen gar empfindlich ist; armen Wittwen thut es desto we het, weil ihnen die Person durch den Tod geraubt ist, welche sie und ihre Kinder ernährt, und durch Gottes Segen versorgt hat. Es ist der Wittwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oft unchristliche Leute an Wittwen Gewalt üben, ihnen das Ihrige nehmen, sie drücken, verachten, ihnen Unrecht thun. Es ist aber der Wittwenstand 3) ein von Gott beschüßter Stand; Gott hat allen Men 254 Betrübte Wittwen schatten schen anbefohlen, daß sie keine Wittwen und Wat fen beleidigen sollen, und hat ihnen gedroht, wenn fie ihnen Unrecht thun würden, so wollte er es rå. chen. Gott hat verheißen, er wolle der Wittwen Mann, ihr Helfer und Richter seyn. In dessen Be trachtung follen fromme Wittwen 1) nicht an Gott verzagen; denn ist ihr Mann gestorben, so ist doch Gott nicht gestorben. 2) Sie sollen dieses annehmen als eine Probe ihres Vertrauens und Hoffnung auf Gott. Darum sollen fie 3) im Ge bet anbalten, Gott eifrig dienen, ein frommes, ftil. les und christliches Leben führen, so wird auch Gott fie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. Gebet. du barmherziger und gnädiger Gott! der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden, ach! es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rath gefallen, mich in den bes trübten Wittwenstand zu sehen. Meine Sone ist am hellen Mittag untergegangen, und die Krone meines Hauses ist ab gefallen. Ich bin ein Weib, das Leide trågt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rath und That suchen? Ach mein Gott! ich komme zu dir. Du hast in deinem heiligen Wort verheißen, du wolleft the Herz vor Gott aus. 255 seyn der Wittwen Richter und der Wai sen Vater: ich, der Herr, bin dein Mann, Gott Israel ist mein Name. Ach so sey auch jeho mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zu flucht und der Meinigen Bater.Sieh an meine Thránen, sich an mein Seufzen, und erbarme dich mein. Mein Gott und Bater! ich glaube von Herzen, daß du mich und die Meinigen ohne Mann schüzen, ernähren, versorgen kannst. Herr! führemich, wie Naemi, versorge mich, wie die Ruth, segne meinen Delkrug, wie der Wittwe in Israel, laß das Mehl u. Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe in Sarepta, wisde meine Thränen ab, und sprich zu mir: weine nicht, wie duzu der Wittwe zu Nain sprachest. Ach Herr! beschere mir mein tägliches Auße kommen, segne meinen Aus- und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versfor ge mich u. die Meinigen nach deiner Vers heißung. Ich sehe alle meine Zuversicht auf dich, lebendigen Gott, dir vertraue ich 256 Betrübte Wittwen schütten von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bist weise genug, mich zu erhalten; du bist mächtig genug, mich zu schü hen, du bist reich genug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig ge= nug, mir alles zu geben, was ich vonndthen habe; du bist allgegenwärtig ges nug, in allen Nöthen mir beizustehen, zu helfen und zu erretten.Berläßt sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen, vertraut ein Kranker dem Arzt sein Leib und Le ben an, warum sollte ich dir, o allmächti ger und weiser Gott! nicht vertrauen? Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen; Vater und Mutter verlassen mich, aber du, oHerr! nimmst mich auf. Siehe, um Trost ist mir gar bange, du aber hast dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Gieb, daß ich diesen einsamen Stand im Glauben und Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, niemanden ein Nergerniß gebe; denn ich weiß ihr Herz vor Gott aue. 257 fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott! Gnade nach dem Leis den, Hülfe nach der Betrübniß, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden, und gieb mir Huld und Gnade bei Jedermann. Wittwen find in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schoos, ihrer will er sich erbarmen, war die Noth auch noch so groß, den ein ungerechter Mann tastet Gottes Auge an, der die armen Waisen zwicket, und der Wittwen Herze drücket. Wenn sie bleiben in den Schranken, darein sieGott hat gestellt, und von ihme niemals wanken, weil er sich zu ihnen hält, sollen sie im Himmelsschloß werden alles Kummers los, da soll nicht mehr, wie auf Erden, Wittwen- Noth gehöret werden, Amen. R Gebet betrübter Wittwen. Gefang. Mel. O Gott! bu frommer Gott. ghr hr Wittwen seyd getroft, laßt ab von eurem Weinen, es will der starke Gott zu eurem Trost erscheinen; er ist der Wittwen Mann, verzagt vor Trauren nicht, und setzt auf dieses Wort all eure Zuversicht. 258 2. Der Herr ist euer Mann, der wird euch nicht verlassen, wenn ihr zu finken scheint, so will er euch umfassen; der Herre Zebaoth, der Herr ist euer Mann, hier steht ein starker Fels, der nimmt sich euer an. 3. Der Herr ist euer Mann, der wird euch schon versorgen; ist euer Angstgeschrei dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, den Jammer, der euch quält, er aber ist der Herr, der euch im Kreuz erhält. 4. Der Herr ist euer Mann, der wird sich schon erbarmen, er höret eure Stimm, er trägt euch in den Armen, er will deß, der euch fränft, ein strenger Richter seyn, brum stellt das Ach und Weh, und bittres Weinen ein. 5. Der Herr ist euer Mann, der wird euch reichlich geben, was ihr vonnöthen habt in eurem ganzen Leben, Gott, der nach seinem Nath zu Wittwen euch gemacht, der ist auf euer Heil und Unterhalt bedacht. 6. Der Herr ist euer Mann, der wird euch reichlich trösten, er reißet euch heraus, wenn eure Noth am größten; er wischt die Thränen ab, drum sprecht: du bist mein Gott; mein Gott! ach steh mir bei in aller meiner Noth. 7. Der Herr ist euer Mann, drum sollt ihr ihm vertrauen, und eure Zuversicht auf diesen Felsen bauen; vertraut ihr ihm allein, so werdet ihr noch sehn, wie es in diesem Stand euch wird nach Wunsche gehn. Gebet verlaffener Waisen. 259 8. Nur bienet eurem Gott mit Singen, Danken, Beten, kommt jede Stund und Tag vor seinen Thron getreten, und klagt ihm eure Noth; bleibt in der Frömmigkeit, und steht im Glauben feft, und in Zufriedenheit. BIGHT OF 9. Gott, frommer Wittwen Gott! und Vater frommer Waisen, du wollest gnädiglich, sie schützen, kleiden, speisen; sie wissen nirgends hin, denn nur zu dir allein, drum wollest du ihr Gott und treuer Vater seyn. 10. Versorg der Wittwen Haus, die Waisen wollst du leiten, ach Bater! schau, wie sie, zu dir die Hand ausbreiten, ach höre ihre Stimm, und nimm dich ihrer an, du bist der Waisen Gott, und frommer Wittwen Mann. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. Aufmunterung. Psalm 27, v. 10. Mein Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf. ft ein betrübter Stand, so ist der Waisen, und unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen müssen. So betrübt aber dieser Stand ist, so wirkt er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen von Vater und Mutter verlaffene Kinder gedenken, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben. Es follen 2) fromme Waisen gedenken, daß Gott oft den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlaffene Kinder ohne Bater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja sie in Ehren bringen und reichlich fegnen könne, wie er davon schon viel tausend R 2 260 Verlaffene Waisen Erempel uns vor Augen gestellt, die mit fröhlichem Munde sagen wie Jakob: ich hatte nichts als diesen Stab, da ich über den Jordan gieng. Von Haus nahm ich zum Wanderstab die Ar. muth und mein Leben, drum alles, was ich jezo habe, das hat mir Gott gegeben. Es sollen aber auch 3) Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen Jedermann demüthig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wan del fromm, in ihren Verrichtungen treu, in allem ihrem Thun aufrichtig seyn, sonderlich aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sün de willigen, und thun wider Goites Gebot. Berden sie sich in diesen Schranken haiten, so wird sie Gott gewiß nicht verlaffen, er wird fie wunderlich, doch herrlich führen, daß fie Gottes Allmacht und Güte Zeit ihres Lebens werden rühmen können. Gebet. Ndugnädiger, barmherziger Gott u. Bater! ich armes verlassenes Kind werfe mich allhie nieder vor deinen erhabenen Thron, und bitte dich in Demuth und von Herzen, nimm dich meiner als ein Vater an. Ach! es hat dir nach deinem weisen Rath gefallen, mich meiner Eltern Vorsorge u. Pflege zu berauben; wo soll ich nun hin? Ich bin ein Waise ge klagen Gott ihre Noth. 261 worden, ich habe keinen Vater mehr, wer will sich jetzt meiner annehmen? Derowegen, liebreicher Gott und Vater! komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich meiner, auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe, du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Ach mein Gott! du giebst Speise den Vögelein, die auf freiem Felde fliegen, du kleidest die Blumen, du versorgest das Wild im Wald; ach! so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen, und dich meiner erbarmen, und mir gnädig seyn; mein Auge sehnt sich nach dir. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Erempel stehen mir vor Augen, deren Kinder, welchen du Vater und Mutter hast lassen sterben, sie aber dennoch herrlich geführt, versorgt und ernährt hast. Ach Gott! der 262 Verlaffene Waisen du Moses aus dem Wasser gezogen, ach, schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast über mich zusammen schla gen. Ach Herr Jesu! der du der Kinder dich haft treulich angenommen, und sie gesegnet, ach! segne mich auch, nimm mich in die Arme der Barmherzigkeit, trage mich, und bewahre mich vor Unglück. Ach du werther heiliger Geist, der du die Glaubigenführest, führe mich auch. Weise mir, Herr! deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namenfürchte. Ach du dreieiniger Gott! sey mein Erhalter, der mich schüket, mein Helfer, der mir beistehet, mein Geleitsmann, wenn ich aus- oder einreise. Ach, beschere mir gute Freunde, wo ich ein- oder ausgehe, erwecke mir Gönner und Gutthäter, die sich meines Elends erbarmen, laß meinePfleger und Vormünder mit Liebe ge gen mich erfüllt seyn; thue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade, bewahre sie vor Unglück, und vergilt ihnen mit zeitli klagen Gott ihre Noth. 263 Gem, geistlichem und himmlischem Segen, was sie Gutes an mir thun, Gieb mir ein demüthig und gehorsam Herz daß ich durch Widerspenstigkeit, Bosheit und sündliche Unarten mich der Gunst u. Wohlthaten meinerGönner uicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armuth dich möge verläugnen, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich allezeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu muthwilligen Sünden verführt werde. Laß mich nicht in Unkeuschheit gerathen, und behüte mich vor verkehrten Herzen. O du gnädiger Gott und Vater! schrecke mich ab von den gottlosen Wegen, warne mich, wenn ich fündigen will, erinnere mich, wenn ich des Bösen mich) will gelüsten lassen, halte mich, wenn ich falle, hole mich herum, wenn ich irren will, stärke mich, wenn ich schwach bin, mache mich gesund, wenn ich krank bin. 264 Gebet verlaffener Waisen. Otreuer Gott und Bater! ich ergebe mich dir ganz und gar, ach! laß meinen Ausund Eingang dir befohlen seyn. O wie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohl thust; meine Zunge soll sagen: das hat Gott gethan, Gott hat mich gesegnet, erhalten, bekleidet, geführt, versorgt, ja ich will Federmann erzählen, wie du als ein gnädiger Bater dich gegen mich erwiesen hast. Ach Herr, Herr! höre das Gebet des verlassenen Waisen, höre die Stimme deines Kindes! ich weiß, du kannst mir helfen, ach Herr! so hilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preis sagen kann: der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Denn, weil du mein Gott und Vater bist, dein Kind wirst du verlassen nicht, du väterliches Herz! ich bin ein armer Erdenklos, auf Erden weiß ich keinen Trost, Amen. Gefangalo allo ghr Mel. O Gott! bu frommer Gott. hr Waisen, weinet nicht, wie, wollt ihr euch nicht faffen? Verlaffet euch auf Gott, der wird euch Der Betrübte klagt sc. 265 nicht verlassen; sind gleich die Eltern todt, fo lebet dennoch Gott, dieweil Gott aber lebt, so habt ihr keine Noth. 79009550 2. Gott ist und bleibet stets der Vater frommer Waisen, der will ste insgesammt beschüßen, fleiden, speisen, dem übergebet euch, der nimmt sich euer an, seht, Gott ist euer Schuß und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, der wird euch schon versorgen, er fennet eure Noth, die ist ihm unverborgen, ob ihr schon wenig habt, der Vorrath ist sehr klein, so will Gott euer Gott und treuer Pfleger seyn. 4. Habt einen guten Muth, Gott hat es ja vera heißen, daß er Verlassene aus Trübsal wolle reißen, das gehet euch auch an, ihr werdet balde sehn, das Wort wird auch an euch in die Erfüllung gehn. 5. Ja glaubet, bleibet fromm, und geht auf Gottes Wegen, erwartet mit Geduld den euch verheißnen Segen, und weichet nicht von Gott, vertraut ihm allezeit, so blühet euer Glück in Zeit und Ewigkeit. Der Betrübte klagt über die Schwachheit seines Glaubens. The Aufmunterung.e 1 Efaj. 42, v. 3. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen. Herr! stärke uns den Glauben. Luc. 17, v. 5. guber Jeft etwas, das eine glaubige Seele schrecken wenn einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer lebendiger Glaube sey, daher denn der Zweifel entstehet, ob fie auch selig werde. Solchen geängsteten Seelen dient zum Trost, 1) daß ein im Namen Jefu auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet sey. 2) Wenn man gerne glauben 266 Der Betrübte tlagt wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirkung ist des heiligen Geiftes; ein Gottloser begehret nicht zu glauben. 3) Der Satau kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen. 4) Ob die Glaubens- Freudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Fünklein unter der Asche da ist, ob man es schon nicht siehet. 5) Die gewiffe Probe, daß man den Glauben ha. be, ist der Kampf und Haß wider die Sünde, daher anch die Früchte des Glaubens entstehen, Gal. 5, v. 22. Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geangstete Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu thun. 6) Gebet, Lesung der heiligen Schrift, Geduld, auf Gott harren, stärket den Glauben. 7) Christus ist auch für die Schwachglaubigen ge. storben, und bittet für sie, daß ihr Glaube nicht auf. höre. Und wenn du das schon nicht glauben kannst, so its doch wahr, weil es die heilige Schrift sagt. Gebet. No du gnadenreicher Gott! ich weiß aus deinem heiligen Wort, daß der Glaube allein selig mache, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen könne. Weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden wollte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zünde in meinem Geiste an das über die Schwachheit seines Glaubens. 267 Licht des wahren Glaubens, dadurch ich dich als den einigen wahren Gott recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbaret hast, u.daß ich deinem geoffenbarten Worte möge von Herzen glauben, und deine Verheißung von deinerGnade und der Vergebung der Sünden, die mir durch Jesum erworben, mit festem Vertrauen und Zuversicht möge annehmen. Denn mich dünket zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde noch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren. Dieses klage ich dir, mein Gott! darum, weil ich weiß, daß alle guteGaben und alle vollkomme neGaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht Jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach! so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glimmende Töchtlein auslöschen. Mein Gott! schreibe den Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, Blut und Tod Jesu ge 268 Der Betrübte flagt über fündliche, as gründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieinigerGott! nämlich an dich, o himmlischer Bater! als einen Schöpfer, an dich, o Jesu! als unsern einigen Erlöser und Seligmacher, an dich, o heiligerGeist! als unsern Heiligmacher und Tröster, hält, auch ein Glaube sey, der dir gefalle und auch selig mache. Ach mein Jesu! bitte auch für mich, wie du für Petrum gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre, versiegle in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft, und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sey; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle um deiner heiligen Fürbitte willen. Und du werther heiliger Geist! wirke in mir die wahren Früchtedes Glaubens, treibe mich heilige mich, regiere mich, ja wohne in mir, und gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sey. Mehre und erhalte in mir diese Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage süßer u. empfind garstige und gotteslästerliche Gedanken. 269 licher; wirst du dieses mir, o dreieiniger Gott! verleihen, so will ich gerne mit meinem schwachen Glauben zufrieden seyn. O mein Gott! vor den ich trete, jekt in meiner großen Noth, höre, wie ich sehnlich bete, laß mich werden nicht zu Spott; mach zunicht des Teufels Werk, meinen schwachen Glauben stårk, daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage, Amen. Eine andere Klage über Anfechtung. SO 1195 Der Betrübte klaget über fündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken. 20 mr Aufmunterung.is dan slipbuts 1 Cor. 11, v. 7. 8. 9. mwish Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schläget, dafür ich dreis mal den Herrn geslehet habe, daß er von mir weiche, und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Guade genügen, dann meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Betrübt ist es, einen Kranken klagen hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes, aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über fündliche und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) geiftliche Anfechtungen, Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, als nach deffen Willen sie dieses leiden müssen; ohne Gottes Willen kann nicht ein 270 Der Betrübte klagt über sündliche, Härlein von eurem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen dergleichen Seelenangst widerfahren. 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die garstigen und abscheulichen Gedanken, und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kennzeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen. 4) Dieser Schrecken über die läfterlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß Jesus und der heilige Geist noch im Herzen wohne; wäre Satan darinnen, wie die Angefochtenen meinen, so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Durch lästerliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesung des Wortes Gottes abhalten laffen, sondern viel, und auch oft beten und le. fen. 6) Können sie auch wegen den bösen Gedanten weder beten noch an Gott denken, so ist ihre Klage schon ein Gebet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen, denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Guade, ja sie beten durch ihr Win. seln und Klagen am beftigsten, eifrigsten und fraftigsten. 7) Ob sie sich gleich einbilden, sie erzürnen Gott in allen Dingen, was sie thun, so nimmte ihnen Gott nicht übel auf, und siehet ih. ren Willen und ihr Verlangen an. 8) Sie fol len geduldig ausharren, denn Gott erfreuet, erquickt und tröstet sie wieder. 9) Diese Anfechtungen machen den Menschen demüthig, andächtig, für. fichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag, ja diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, Laulichkeit im Gebet und Anhörung des göttlichen Worts reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nu garstige und gotteslästerliche Gedanken. 271 zen? 10) Diese Gründe soll man, einen nach dem andern, betrachten, oder von Freunden Gottes fie weiter auslegen lassen, und dabei leibliche Arznei gebrauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder aufs Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern chriftliche Leute, Kinder oder Gesinde immer um sich haben; mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen, ist auch erbaulich: man lese auch fleißig das 8. Kapitel an die Römer, ingleichem den 27. und 88. Pf. Gebet. Ach du heiliger Gott! der du wohnest unter dem Lob Israel, und welchen alle heilige Engel und Auserwählte ohne Unterlaß loben und preisen, ich betrübte Seele klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lobe gewaltig verhin dert werde durch garstige und lästerliche Gedanken, welche in meinem Herzen so oft und fast täglich aufsteigen. Du allwissender Gott weißt jawohl, daß sie mich wie die feurigen Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ångsten; aber du weissest auch, daß ich darüber erschrecke, bitterlich weine, wenn ich die feurigen Pfeile empfinden muß. Ach mein Gott! rechne 272 Der Betrübte flagt über fündliche, mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschiehet; du siehest, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich darüber seufze, wie ich davor einen Abscheu habe, u. sie gerne aus dem Herzen vertreiben wollte. Ach Herr! laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ach! sey mir gnädig, den ich bin schwach. O wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Erquicke mich, du dreieiniger Gott! und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Ge= genwart und reichen Trost wieder empfinden, ja gieb mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte, und damit ich mich aufrichte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach so gieb mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich den= noch ein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sey. Du hast gesagt: es sollen garstige und gotteslästerliche Gedanken. 273 nicht zu Schanden werden, die auf dich harren. Herr! auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zuSchanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit, hilf mir. Sey mir ein starker Fels, und eine Burg, daß du mir hilfst; um deines Namens willen wollest du mich leiten u. führen. Du hast gesagt: deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewigeGnade aufgehen. Ach Herr, Herr! laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach mein Vater! laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnehmest; stårke mich, hilf mir, bewahre mein Herz mit einer Mauer, umgieb es wie das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Gedanken nicht mehr hinein kommen, ja daß ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott! du wirst mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu deiner Zeit 274 mnd Der Betrübte tlagtigting gar davon befreien wirst. Jesu, du Brunn aller Gnaden, der du Niemand von dir stößt, der mit Schwachheit ist beladen, sondern allen Trost einflößt; soll ihr Glaube noch so klein, als ein kleines Senfkorn seyn, wollst du sie doch würdig schäßen, große Berge zu versehen. Las mich Gnade vor dir finden, der ich bin voll Traurigkeit; hilf du mir selbst überwinden, so oft ich muß in den Streit; meinen Glauben täglich mehr', deines Geistes Schwert verehr, damit ich den Feind kann schlagen, alle Pfeile von mir jagen, Amen. od po namicind KEHO Klage wegen låsterlicher Gedanken. und samand& esang. Mel. O Gott! bu frommer Gott. ch klage dir, o Gott! mit hochbetrübter Seelen, quälen; ach! böse Lästerung, Gedanken wider dich entstehen oft bei mir, und dieses ängstet mich. 2. Ach! wo soll ich doch hin, wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht, ach Gott! dir will ichs klagen, du fennst des Herzens Grund, und weißt wohl meinen Sinn, wie ich in folchem Stuem in lauter Jammer bin. wegen lästerlichen Gedanken. 275 3. Ach wär ich doch, mein Gott! der Pfeile überhoben; ich quäl und martre mich, wenn sie so grausam toben; ach wenn mein Herze nur an dich, mein Gott! gedenkt, so wirds im Augenblick in Läfterung versenkt. 4. 68 wird ein jedes Wort im Herzen mir vers fehret, ja, man verdreht das Wort, so mir vielleicht entfähret; ich höre andre Wort, als ich im Herzen hab, und diese große Qual frißt mir das Herze ab. 5. Ach! schaue meine Noth, bald will mich der verdammen, der selbst verdammet liegt mit Ketten in den Flammen; balb kommt ein Feuerpfeil, Gott wüßte nichts von mir! ich wäre, o mein Gott! gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung mischt sich in allen Dingen, in alles, was ich thu, in Lesen, Beten, Singen, was ich zu deiner Ehr und Ruhm vollbringen soll, das scheint, als macht ich es nur meines Unflaths voll. 7. Ich kann der Läfterwort sogleich mich nicht entschlagen, ich muß sie oft gar lang ohn meinen Willen tragen; ach rechne mir nicht zu das, was ich leiden muß, und dem ich widersprech, ich leid es mit Verdruß. 8. Mein Gott! dir ist bekannt, wie heftig ich mich wehre, wie ich mich bald zu bir, bald zum Gebet hinkehre, ich schreie tausendmal: mein Gott ich mein's so nicht, ich sage nicht, was mir die Lästerung verspricht. 1003 Her 10 U Collion ton i Sujaa 52 stands mabilishal mpan Gebet gegen låsterliche Gedanken. Gefang. 6010 Mel. Gott! bu frommer Gott. ch liege hier vor dir mit hochbetrübtem Herzen, ich klage dir, mein Gott! die großen SeelenSchmerzen; die Angst, die ich empfind in mir ohn Unterlaß, macht meine Seele wund, mein Aug von Thränen naß. 276 2. Ach Gott! ich leide dieß nach deinem Vaterswillen, ich weiß, du kannst die Angst zu seiner Zeit schon stillen, ach! ich bin ja dein Kind, ich bin dein Eigenthum; du bist mein Gott und Herr, mein Freund, mein Trost und Ruhm. 3. Ach! die Anfechtung ist ein Zeichen deiner Gnaden, sie säubert Seel und Geist, und bringet keinen Schaden, sie reiniget das Herz von Sünd und Eitelkeit, fie treibet mich zu Gott und wehrt der Sicherheit. 150 100 4. Gefället es denn dir, mein Herze rein zu machen, durch ein so scharfes Feuer, so fast aus Satans Rachen wie schwarzer Dampf aufsteigt, so bleib ich doch bei dir, ach stehe mir nur bei, und weiche nicht von mir. 5. Ach ja! ich merke wohl, ich bin vielmehr im Leiden, ich treibe nicht das Werk, das ich gern wollte meiden, ich schlöße gerne zu des matten Herzens Haus, und trieb die Lästerung, wenns möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer, der annoch in meiner Seele quillet, der Streit, den ich empfind,( wird er schon nicht gestillet,) ja der vielmehr anhält, wenn sich per Sturm erhebt, sieh, der versichert mich, daß Jesus in mir lebt. Gebet gegen iästerliche Gedanken. 277 37. Und kommts zuweilen auch, daß ich nicht mehr kann beten, und daß ich bin ganz scheu, vor dich, o Gott! zu treten, so weiß ich doch gewiß, daß dieß mein Angstgeschrei vor deinem Gnadenthron ein eifrigs Beten sey. 8. Ach Gott! die Noth ist groß, doch dir nicht vorzuschreiben die Zeit und Hülfesstund, so will ich gerne bleiben in diesem Kampf und Sturm, gieb mir nur Kraft dazu, und schenk mir nach dem Kampf die süße Seelenruh. 9. Will auch die Lästerung zu keiner Zeit mein schonen, so willst du doch, o Gott! in den Betrübten wohnen; ach wohne auch in mir, und rufe auch mir zu: sieh da, ich bin bei dir, du Hochbetrübter du. 10. Laß meinen Glauben nicht, o Seelenfreund! aufhören, ach! laß den Lästergeist die Andacht nicht mehr stören; zeig mir nach meiner Angst dein gnäbig Angesicht, und nach der Finsterniß ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach großer, starker Gott! ach stärke meinen Glauben, damit der Satan nie denselben könne rauben, versichere du mich, du seyft mein Herr und Gott, mein Vater, der mich liebt, mein Hel fer in der Noth. 12. Und weil du Niemand haft in Anfechtung verlassen, so will ich deine Gnad mit frohem Muth umfassen, ach! sende mir doch bald die rechte Hülfeszeit, da sich in Trost und Freud verkehrt die Traurigkeit. 13. Sieh an bie Jammerklag, die Thränen mei ner Wangen, ich schrei dir immer nach, bis ich werd Hülf erlangen, und schweizest du gleich still, so schrei ich doch zu dir, und sprech ohn Unterlaß: Mein Gott! ach hilf doch mir. 14. Mein Gott! erbarme bich, sich an mein bit 278 Troft gegen lästerliche Gedanken. ters Weinen, ach! laß bein Gnabenlicht in meiner Seele scheinen, ach Gott! erquicke mich, und gieb mir Freudigkeit, ach! gieb mir Troft und Sieg nach diesem Kampf und Streit. nos fioth Trost gegen låsterliche Gedanken. win Setta Gefang. 4 de MERR In voriger Melodie. 01. Wprobl eicht, weichet nur von mir, ihr fündliche Gedanken, ich bleibe Gott getreu, von dem will ich nicht wanken, ich achte euer nicht, und eure Läfterung, ihr bienet mir vielmehr zur Seelenreinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, was gegen mich ge schiehet, ja, was mein Will nicht ist, und was mein Herze fliehet, und davor Abscheu hat! Gott tennet meinen Sinn, daß ich hie nicht im Thun, vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung erweckt 1 tausend Schmerzen, ich seufze immerdar mit hochbetrübtem Herzen; doch sie ist außer mir, ins Herze kommt Re nicht, dawiber streite ich, daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft ich nur noch widerspreche, und alle Läfterpfeil durch seinen Geist zerbreche, so schabt der Pfeil mir nicht; mein Jesu ist doch mein, in ihm bin ich gerecht, in seinem Blute rein. 5. Zwar fühl ich oftermals, wie Satans Engel chläget, und giftig diese Wort mir an mein Herze leget; doch was kann ich dafür, daß ich geschlagen werd, weil ohne Schläg zu seyn das matte Herz begehrt. Troft gegen lästerliche Gedanken. 279 6. Gott sieht den Jammer wohl, mein Seufzen, Weinen, Schreien, und wird zu seiner Zeit mich schon davon befreien, weil ich für solche Wort hab Schrecken, Furcht und Scheu, sd schenk mir, Gott! die Schuld auf meine Buß und Reu. 7. Ja, tobet immerhin, ihr lasterhaften Worte, ja tobet, wie ihr wollt in mir an allem Orte, Gott ist dennoch mein Freund, ich achte euer nicht, mein Jesus ist mein Troft und meiner Seele Licht. 8. Ihr habet mich von ihm bisher noch nicht vertrieben, ihr könnet es auch nicht, ihn will ich ewig lieben, und weils mein Will nicht ist, daß ihr im Herzen seyd, so bleib ich Gottes Kind in meinem Herzenleid. 9. Ach ja! ich werde schon auch einst noch überwinden, ich werde Ruh und Trost in Jefu Wunden finden, ich seh den Himmel schon mit Freuden wieder an, ich freue mich in Gott, wie ich vorhin de solmit gethan. she Aliw ing and difes oli AC Ende des zweiten Theils our Jungi ispijat mutta monis not disle e dilis didic and thin mind a Bot of d si6 vism si pested pls se sool da su disor 190 Botir stur tindi 400 trt Rupt 9007 SO am sed sasputed 39 s sidun 150( 137 lide of Molenscoin stofnstunart ustamat Hachinja, nisi disiput pe maisons those usagungend lid 1, Plese noi dur 3 of some id t EDISON 80 woote nint( stofunded 1000 Gine tich HD on mollo in time d) 3000 mytie Horn? Homme Dritter Theil Stadi are toomrad fin Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Kranke. Flans andsil pengamanism Morgen- Gebet eines Kranken. Aufmunterung. monit Flede di stor Psalm 55, v. 17. 18. Ich will zu Gott rufen, und der Herr wird mir helfen. Des Abends, Morgens und Mittags will ich flagen und heulen, fo wird er meine Stimme hören, d bgleich Gott einen Menschen läffet krank wer. den, so soll er darum nicht das Gebet einstel len, sondern desto eifriger beten; ja, je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll auch das Gebet werden, wie auch Christus that, wie Lucas bezeuget, c. 22, 44. Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Goit Jemanden auf das Krankenbette niedergelegt, so soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott ermuntern, und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht geleisteten Schuß. Ist die Nacht betrübt und unruhig gewesen, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist die Nacht ruhig und erträglich gewesen, so soll er Gott dafür danken. 2) Hat er also sein Herz III. Theil. Jesus. Secle. Ich will dich nicht verlassen Nach dir Herr verlanget noch von dir weichen Jos. 1,5. mich Pf. 25, 1. Am Kranken- Bette steht, dein Jesus dich zu trösten, Das glaube wenn die Noth dir scheint am allergrösten. 22 18 21 Jumpisartis noutbon phon ng did bon dio Morgen- Gebet eines Kranken. 281 am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er nun sein Gebet vor Gott bringen, und sich den Tag über in seinen Schuß und Obhut empfehlen, fleißig au Gott denken, geduldig leiden, was er ihm zuschickt. 3) Er soll sich dabei erinnern, daß Jesus auch bei ihm an seinem Krankenbette sey, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja daß er ihn will da lehren und unterrichten. Vielleicht ist der Kranke in gesunden Tagen tein fleißiger Kirchengänger oder andächtiger Beter gewesen; diesen Fehler will ihm Gott vorstellen, daß er nun desto andächtiger beten lerne, und sehe, wie es ihm an Troft und Erbauung mangle, weil er in guten Tagen keinen Vorrath und guten Schatz an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Gottes und seines Worts gewesen, so will ihm Gott Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in die Uebung bringen soll, was er von der Ge duld, Vertrauen auf Gott, Gelaffenheit, Ergebung in den Willen Gottes gehört hat. Gebet.idn WTA D du heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich komme vor deinen allerheiligsten Thron, und danke dir, daß du mich diesen Tag wieder haft erleben lassen. Du weißest, Herr! wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht habe, jeden noch kann ich nicht genug deine Güte prei sen, daß du mich das Licht der Sonne 282 Morgen. Gebet eines Kranten. wiedersehen und alleSchmerzen undulngemach glücklich haft vorüber gehen las sen. O du Gott der Liebe! ich danke dir für deine unendliche Liebe; v du starker Gott! ich danke dir für deinen Segen u. Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewacht, deine Hand hat mich bedecket, deine Gnade hat mich erhalten. mein Gott! die Sonne gehet wieder auf, ach, laß auch deine Gnade neu über mich auf gehen; gieb mir mit diesem Tage neue Kräfte, neue Gnade und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. Herr mein Gott! es hat dir gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen; wohlan, ich will daraufbleiben, so lange es dirgefällt, pielleicht willst du mich dadurch absondern von meinen gewohnten Sünden, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögest, wie ich soll für meine Seele sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu unterſuchen, ob ich dir gedient, dich geehrt, dir gehorcht habe, daß ich darüber mich betrübe Morgen Gebet eines Kranten, 283 mich vor dir schåme, und wahre Buße thue, auch mit dir einen neuen Bund mache, und also schaffe mit Furcht und Zit tern, selig zu werden. Gieb, daß ich, o Jez su! den ganzen Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, Blut undTod denken, und daß mahre Heil und das ewige Wohlseyn meiner Seele betrachten. Gieb mir einen schönen Trostspruch nach dem andern in mein Herz, der deiner Vaterliebe mich versihere, deineGnade mir versiegle, und deiner baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor geschwinde Zu fällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunden und allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit; willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden lassen empfinden, so bleibe nur bei mir, u. weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und alles mit Gelassenheit und stillem Muth anneh 284 Morgen, Gebet eines Kranken. men, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott! hie bin ich mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt, du bist mein Va= ter, ich bin dein Kind, du kannst mein Leben mir erhalten, und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen, und deine Barmherzigkeit herzlich preisen über alles, was du an mir gethan hast. Meinen Leib u. meineSeele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott! ich dir befehle, unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehrund Ruhm, nimm mich auf, dein Ci genthum. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende, und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh führe nach dem Himmel zu, Amen. sisid sef ang. pucho Mel. Freu dich sehr, o meine Seele! Unter nter meinem Schmerz und Weinen, nach zurückgelegter Nacht, seh ich jetzt die Sonne scheinen, welche alles fröhlich macht; darum fang ich fröhlich an, so viel ich in Schwachheit kann, diesen Tag mit Beten, Singen und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt frank befinde, Herr! das ist Abend Gebet eines Kranken. 285 dein Will und Rath, welcher mir, als deinem Kinde, dieses zugeschicket hat; nun ich nehm es gern auf mich, ja ich trag es williglich; was du pflegeft aufzulegen, ist nicht ohne Gnad und Segendoj p astino 3. Dieser Tag ist angefangen, weil mich deine Gnad erhält, laß mich auch das End erlangen, wenn es dir, mein Gott! gefällt, lindre meinen Schmerz und Noth, ach mein Vater, Herr und Gott! Jesu, meiner Seelen Sonne, schenfe mir heut Troft und Wonne. 4. Doch es soll dein Will geschehen, Herr! dein Wille nur allein, wie du willst, so solls mir gehen, so will ich zufrieden seyn; ich will leben, wenns dein Will, auch im Leiden halt ich still, ich will mich zum Tod und Leben dir hiemit, mein Gott! ergeben. gir 5. Ségne alle Arzeneien, segne mich je mehr und mehr, laß dieselben mir gedeihen, Herr! zu deines Namens Ehr, hör in Gnaden mein Gebet, wenn ich glaubig vor dich tref, daß ich dich im Glauben faffe, und mich fest auf dich verlasse. ns! 6. Endet heute sich mein Leiden, daß mirs besser wieder werd; soll ich von der Welt abscheiden, der ich bin nur Staub und Erd; Herr! das überlaß ich dir, wie du willst, geschehe mir, dein bin ich mit Leib und Seele, du bist's, dem ich mich empfehle. Dje Abend- Gebet eines Kranken. 05 Aufmunterung. Psalm 77, v. 2. 3. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott, zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgestrecket, und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wann ich betrübet bin, so denke ich an Gott, wann mein Herz in Aengsten ist, so rede ich. HORT Man ann der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwägt, welche ihm sowohl bei Tag, als bei 286 Abend Gebet eines Kranken. Nacht begegnen können, so soll er ja niemals auf stehen oder schlafen gehen, er habe sich dann sammt Leib und Seele dem mächtigen Schutz des gnädigen Gottes befohlen. Sonderlich soll das ein Kran ker thun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag herum geholfen, so soll er 1) Gott für feinen gnädigen Beistand danken. Kommt nun die Nacht herbei, davor fich Kranke sonderlich zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet fich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle ge. fährliche Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich also mit Leib und Seele Gott befohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreiei. nige Gott werde auch des Nachts sein Licht und Lebenskraft seyn, er werde an seinem Bette ste. hen, fein pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden ver. geben und gnädig seyn. Mit solchen guten Gedan Fen soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe, Schutz und Guade übergeben. di lot dragy masiar dhi ndodh and the bet. dan ding in on t Ach du barmherziger Gott! ich habe nun wieder einen Tag überlebt, Herr, Herr! du hast nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sey deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Sonderlich preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag meine Schmerzen und Krankheit mir hast tra Abend Gebet eines Stranten. 287 gen helfen. Ach Herr! du legst eine Last auf, aber du hilfft auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Er hört das Schreien der Elenden, u. weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach großer Gott! die Nacht bricht herein, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet, und spre= che: Mein Vater! ach, bleibe bei mir, und weiche diese Nacht nicht von mir. Ja, befiehl dem Engel, daß er komm, und uns bewach, dein Eigenthum, gieb uns die lie ben Wächter zu, daß wir vormSatan haben Ruh; so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns seyn, o heilige Dreieinigkeit! wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir alle ge= fährlichen und plöhlichen Zufälle, lindere meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst undUnglück. Ach him 288 Abend Gebet eines Kranken. lischer Vater! bleibe doch bei deinem kranken Kinde; wenn du mit deinerGnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O Jesu! die Sonne gehet unter, und weicht von uns, aber du, oSoñe der Gerechtigkeit! weiche nicht von mir. O mein Jesu! fasse mich diese Nacht in deinen Arm, deine Linke liege unter meinem Haupt, und deine Rechte decke mich. Odu werther heiliger Geist! du Tröster der Betrübten u. Bei stand der Elenden, bleibe bei mir, stärke mich, erhalte mich in wahrem Glauben und christlicher Geduld. O du heilige Dreieinigkeit! nimm mich auf in deinen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich, der Herr laffe sein Angesicht leuch ten über mich, und sey mir gnådig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Und sollt ja diese Nacht die lehte seyn in diesem Jammerthal, so g Abend Gebet eines Kranken. 289 nimm mich Herr in Himmel ein, zu deinem Freudensaal. Und also leb und sterb ich dir, du starker Zebaoth, im Tod und Leben hilf du mir aus aller Angst und Noth, Amen. Gefang. un di Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ch will mich nach der Ruh umsehen, weil mich die Krankheit müd gemacht, ich will mit Jesu schlafen gehen, der selbsten bei dem Kranken wacht, ich denk dabei an meinen Gott, ja auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; doch wenn ich Jesum bei mir habe, wenn ich mit ihm vereinigt bin, so schlaf ich aller Sorgen los, und ruhe sanft in seinem Schoos. 3. Wenn ich mich deck, denk ich, die Erde wird einsten also decken mich, wenn ich darein geleget werde; allein hab ich, o Jesu! dich, so ruh ich wohl in meinem Bett, und auch wohl in der Grabesstätt. 4. Ich denk, wenn ich das Licht austhue, weil man des Nachts nichts hat zu sehn, so wird auch, wenn ich komm zur Ruhe, mein Lebenslicht geschwind ausgehn; doch Jesus, meiner Seelen Licht, verlöscht in meinem Herzen nicht. 15. Ich denke, wenn ich mich entfleide, so kleidet man mich einsten aus, wenn ich von dieser Welt abscheide, und gehe in des Grabes Haus, fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen, und zu verriegeln Haus und Thür, damit ich mög der Ruh genießen, und mich kein frecher Feind berührt; so schließt T 290 Der Kranke bittet Gott um Geduld. mein Auge zu der Ruh, mein liebster Jefu felbften zu. 7. Ich werd auch von dem Bett aufstehen, wenn nun die Morgenröth anbricht, ich werde aus dem Grabe gehen, wenn Jesus, meiner Seelen Licht, mich auferweckt zur Herrlichkeit, und führet mich zur Himmelsfreud. diofe and 8. Dieß sind die seligen Gedanken, sieh, damit schlaf ich fröhlich ein, mein Herz soll nicht von Jesu wanken, ich will im Schlaf auch bei ihm seyn, D füßer Schlaf! o helle Nacht! da Jesus in dem Herzen wacht. se BIOC Rotues Der Kranke bittet Gott um Geduld. se mist e Aufmunterung. 1005 3d5d Pfalm 43, v. 5. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott iſt. juris Geduld ist euch vonnöthen, daß ihr den Willen Gottes vollbringet; und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig, eigenwillig, sondern geduldig und gelase sen seyn. Zur Geduld aber soll einen Kranten bewegen: 1) Christi Erempel, welcher in den größ ten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern war wie ein Lamm. 2) Der Krante foll bedenken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sey. Zur Geduld soll ihn 3) be. wegen die göttliche Liebe und Allmacht; was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen Der Kranke bittet Gott um Geduld. 291 verdient hätte: darum soll er anstatt der Ungeduld vielmehr in wahrer Buße und Glauben sich vor Gott demüthigen, und ihn um Gnade anflehen. Gebet. Barmherziger Gott, gnådiger Bater! siehe, ich armer Mensch liege aufmeinem Krankenbette, und kann nicht auss kommen, aber zu dir komme ich, und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach! es hat dir gefallen, statt der bisher genossenen Gesundheit mir diese Krankheit zuzuschicken; nun mein Gott und Vater! es geschehe dein Wille; gieb nur Geduld, daß ich alles trage mdge ohne Murren und ohne Widersprechen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollt ich jeht nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott, und schärft die Maßen, sein Gericht kan mich nicht ganz und gar verlass sen. Habe ich Gutes von dir empfangen, hast du mich in gesunden Tagen oft ers quickt und erfreuet, so will ich auch dieſe Leidenstage durch deine Kraft und Ge= duld annehmen, und mich in Demuth erT2 292 Der Kranke bittet Gott um Geduld. innern, wie ich viele gute und gesunde Stunden in meinem Leben genoffen, dagegen diese ewige Leidensstunden wie nichts zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott! daß du liebreich und gnädig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein Ende gewinne, daß ihrs könet ertragen. Sieh an dein schwaches und krankes Kind, und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht zu leiden, weil das Leiden mir soll zu meiner Heiligung dienen. Mein Gott! hie bin ich, machs mit mir, wie du willst, gieb mir deinen heiligen Rath, recht zu erkennen, daß diese Krankheit soll ein Feuer seyn, welches meine Unreinigkeit, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen, und mich reinigen soll; wie es soll seyn eine Bußglode, die mich aufwecke, an meine Sünden Der Kranke bittet Gott um Geduld. 293 zu denken, und dieselben herzlich zu be reuen; eine Betglocke, daß ich um Jesu willen, um seines Blutes undTodes willen die Vergebung aller meiner Ulebertretungen suche, ja eine Stimme, die mir zurufe: bestelle dein Haus, denke an deinen Tod und an dein Grab, bereite dich zur Ewigkeit; wohlan, so mache mich fertig und bereit, wie du mich haben willst dort in der Ewigkeit; denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Darum sey stille, meineSeele, was betrübst du dich und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, ja harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daßer meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Was willst du dich betrüben, o meine liebe Seel! du sollst den einzig lieben, der heißt Immanuel, vertraue ihm allein, er wird gut alles machen, und fördern deineSachen, wie dirs wird selig seyn. Denn Gott verlåsset keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den 294 Der Kranke bittet Gott um Geduld. Seinen, die ihm vertrauen fest; läßt fichs an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich, Amen. Gesang. Mel. 3ion Flagt mit Angst und Schmerzen. Seele. Ach ch wie lang soll ich noch kämpfen? Ach wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach wann bricht doch an die Zeit, daß ich nach dem Streit und Krieg trage davon Kron und Sieg? Ach ich werde unterliegen, ach ich werde doch nicht siegen. Gott. 2. Kämpfe nur getrost, o Seele! kämpfe, ich will bei dir seyn, fürchte dich nicht, daß dirs fehle, du bist nicht im Kampf allein, ich bin allezeit bei dir, halte bu dich nur zu mir, du sollst meine Hülf empfinden, du sollst herrlich überwinden. Seele. 3. Aber ach es währt zu lange, meine Kräfte find dahin; ach es wird mir angst und bange, weil ich so entkräftet bin; mein Leib ist von Schmerzen schwach, mein Mund schreiet Weh und Ach, Herz und Mund kann nicht mehr beten, ach, wer will mich doch erretten? Gott. 4. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, welchem aller Trost entgeht, kann gar leichtlich stärker machen, ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan, ich stärke dich, helfe dir auch guädiglich; stehe, du sollst herrlich siegen, und mit nichten unterliegen. Der Kranke bittet Gott um Geduld. 295 Seele. 5. Ach mein Leiden, das ich trage, ist sehr groß und allzuschwer, meine Trübsal, Angst und Plage häufet sich je mehr und mehr; auch Anfechtung stellt sich ein, und der Glaube wird gar klein; wer will meine Noth aussprechen, ach, das Rohr wird gar zerbrechen. ilgilt die media? Gott.and dani donists Gu C 756. Sey getroft in beinem Glauben, dessen Tocht erlöschet nicht, kein Feind soll denselben rauben, denk nicht, daß das Rohr zerbricht, wär es gleich noch einst so schwach, sich, ich führe deine Sach, ich will deinen Feind vertreiben, und dir soll der Sieg verbleiben. 14 Seele. 13 7. O mein Gott in deiner Stärke hab ich einen guten Muth, ich kenn deiner Allmacht Werke, wie diefelbe Wunder thut; nun wohlan, so steh mir bei, daß ich überzeuget sey, daß du werdest mich erretten, und auf meine Seite treten. 30 39 lo Gott. 8. Sich, die Kron ist aufgestecket, eil, vollende deinen Lauf, meine Hand ist ausgestrecket, sich, der Himmel steht dir auf; Wenne, Sonne, Trost und Freud, in der frohen Ewigkeit, weiße Kleider, Licht und Krone ist der treuen Kämpfer Lohne. one. Gott und Seele. 9. S. Nunmehr hab ich überwunden alle Noth mit meinem Gott. G. Und ich bleib mit dir verbunden in und nach der Todesuoth. S. Und wo führest du mich hin, wenn ich nun gestorben bin? G. In den Himmel zu der Wonne, wo ich selbsten bin die Sonne. 46 dinds um 140 haid stim Der Kranke bittet um Gottes Beistand. our Intrig A u f munterun g. 296 Psalm 54, v. 6. ng Siehe, Gott stehet mir bei, der Herr erhält meine Seele. En Leiden und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand haben, ist gar ein großer Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer feinen Freund und Beistand hat, der zu ihm spreche: wie geht dirs? so wiffen wir doch gewiß, daß Gott wird aller Elenden Beistand seyn. Damit 1) hat Gott allen seinen Kindern Hülfe und Gnade verheißen; darum soll ein Kranker nicht verzagen, und fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen, und zu rechter Zeit ihm Hülfe und Rettung leisten. 2) Dieser Beistand wird gespürt, entweder in der Erhaltung des Kranten, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte giebt, auch das schwere Leiden auszustehen. Ja, Gott is getreu, der ift nahe bei uns, wenn wir meinen, er sey weit von uns entfernt. nebet. du getreuer Gott! du siehest, wie ich in einem elenden u.betrübtenStand mich befinde, meine Kräften nehmen ab, meine Gestalt verschwindet, u. des KreuzesLast drückt mich immer heftiger. Herr, Herr Gott! der du hörest mein Flehen, Gebet um Gottes Beistand. 297 und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir, und verlaß mich nicht, ich haltedirvordeine Verheißung, wenn du mich versicherst: fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott: ich stärke dich, und erhalte dich, und helfe dir auch durch dierechte HandmeinerGerechtigkeit; und wiederum: ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Nun mein Gott! auf dein Wort verlaffe ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nöthig, ich kann das Leiden nicht tragen, wann du nicht bei mir bleibst und mir tragen hilfst; die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Ach! wie bald ist diese irdische Hütte meines Leibes gebrochen, wie bald versinke ich, wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ists um mich gethan, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Baterhand mich nicht hältst. It mirs tröstlich, wenn meiner guten Freunde etliche sowohl des Tages um mich ste 298 Der Krante bittet hen, als auch des Nachts bei mir wachen; o wie viel tröstlicher ists mir, wenn du, mein Gott! bei mir bist. Menschen können mich wohl bedauern und beklagen; aber wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Arzt bei mir. Deineallerheiligste Gegenwartwirdmich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindern, und meine Angst stillen. D darum verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Weichet eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein Gott! auch nicht von mir weichen; laß mich deine Gegenwart empfinden durch eine innere Freude und Bergnügen, durch einen kräftigen Trostspruch und süßen Gedanken, und tröste mich in meinem Leiden. Ach, mein Gott! stårke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilfmir kämpfen, hilf mir siegen und überwinden, durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin, ich vermag alles durch den, der mich machtig machet, am Gottes Beistand. 299 Christus. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! ich bitt, du wollest seyn von mir nicht feru, mit deiner Hülf und Gnade; die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himmel und Erden frag ich nicht, wenn ich dich nur kann haben; und wann mir gleich mein Herz zerbricht, so bist du doc mein' Zuversicht, mein Theil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst, Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! in Schanden laß mich nimmermehr, Amen. Gesang. Mel. O Gott! du frommer Gott. Mein Gott! verlaß mich nicht, so will ich eifrig flehen, bis ich von meinem Kreuz mich werd errettet sehen; ich kenn dein Vaterherz, wenn der Betrübte schreit, so bleibest du von ihm mit deiner Hülf nicht weit. 2. Mein Gott! verlaß mich nicht, ohn dich bin ich verlassen, und weiß auf dieser Grd sonst keinen Trost zu fassen; ach wende doch zu mir dein süßes Gnadenlicht, ach eile doch herbei, du meine Zuversicht. 3. Mein Gott! verlaß mich nicht in diesen meinen Nöthen, du wirst, mein Helfer! nicht mich in denselben tööten; die Noth ist jetzo groß. Er+ barmer, komm herbei, und mach in Gnaden mich von diesen Banden frei. 300 Der Kranke erkennt, 4. Mein Gott! verlaß mich nicht in diesen großen Schmerzen, ich schrei, mein Gott zu dir aus fast zerbrochnem Herzen, du weißt und siehest wohl, wie weh mir jetzo ist, und ich weiß auch gar wohl, daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott! verlaß mich nicht, ach, hilf mir überwinden, und laß, mein Vater! doch mich deine Hand empfinden; erscheine mir, mein Heil! fo schreiet Herz und Mund: ach! eile doch herbei mit deiner Hülsesstund. 6. Ich will für diese Gnad dich, weil ich lebe, preisen, und dankbar allezeit mich gegen dich erweisen mit Ruhm und Lobgesang, und sagen Jedermann: ach! preiset Gott mit mir, der mir viel Guts gethan. Der Kranke erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sev. Aufmunterung. Hiob 14, v. 1. 2. Der Mensch vom Weibe geboren, lebet kurze Zeit, und ist voll Unruhe; gehet auf, wie eine Blume, und fället ab; fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. bgleich alle Menschen sterblich sind, auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die allerwenigflen an ihre Sterblich keit, sondern wenn sie gefund find, und wenn es ihnen wohl geht; darum muß fie Gott bisweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschiebet durch Krankheit; denn wenn er die Gefunden läſfet schwach, die schönen Rosen welk, die starken Riesen durch Krankheit matt werden, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen alle Tage an ihre Sterblichkeit gedenken. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meint, wenn man an den Tod nicht gedächte, so stürbe daß er ein Mensch und sterblich sey.! 301 man nicht, denn man mag daran denken oder nicht, fo kommt unfer Ende, wenn es Gott gefällt. jio Gebet. Mein Gott! es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen, um dadurch mich an meinen Tod zu erin nern. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit vor dir, u. mein Leben ist wie nichts vor dir, ach! wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Mein Gott! ich bin Erde, und muß wieder zu Erde werden. Darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schoos der Mutter an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen gescht ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht, derohalben ich auch oft in gesunden Tagen gebeten: ach Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich alles muß verlassen, mein Hab, Gut, 302 Der Krante erkennet, e Ehr, Glück, und was ich in der Welt be size. Ich habe hier keine bleibende Ståt= te, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskiam: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben, und nicht lebendig bleiben; so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende denke, daß ich mir vorstelle: siehe da, dieses ist vielleicht mein lehtesLager und mein leßtes Jahr; diese Krankheit zeigt vielleicht an, daß die Lebenstage, die du auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich mich möge mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens zum seligen Sterben bereiten. Siehe, mein Gott! hie bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich zuvor recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich möge in deiner Gnade und selig sterben. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt, er machs mit mir, wies ihm gefällt, soll ich allhie att daß er ein Mensch und sterblich fey. 303 noch länger leben, nicht widerstreben, seinem Willen thu ich mich ergeben. Mein Zeit und Stund ist, wann Gott will, ich schreib ihm nicht vor Maas und Ziel; es sind gezählt all' Hårlein mein, beid groß und klein, fällt keines ohn' den Willen sein, Amen. Gefang. Mie Mel. D Gott! du frommer Gott. Die sind wir so gar nichts, wer dieses wird betrachten, der wird nur Gott allein, der alles ist, hoch achten, denn wer sein lauter Nichts beleucht't in Gottes Licht, der ist es, der mit mir demüthig also spricht: 2. Ich bin Nichts, denn von Gott empfieng ich Leib und Leben, das hat er mir, und nicht ich selber mir gegeben; vorhero war ich nichts, bis seine Schöpfershand mich machte, da ward ich den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe nichts von mir, denn nackend bin ich kommen, wie konnte aus dem Nichts was werden mitgenommen? Von Gott kommt alles her, es ist auch alles sein, ich hab nichts ohne Gott, ohn' ich hab ihn ist gar nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst; von Gott ist mir entzündet des wahren Glaubens Licht, und bleibt auf ihn gegründet; entzieht er mir sein Licht, und seiner Weisheit Schein, so muß ich ohne Licht und ohne Weisheit seyn. 5. Ich kann nichts von mir selbst; von Gott hab ich die Kräfte, er giebt mir Muth und Stärk, erhält 304 Der Kranke ergiebt sich, dem Willen Gottes die Lebenssäfte, burch ihn kann ich allein mich regen, hören, schn; trüg mich nicht seine Hand, so würd ich bald vergehn. 6. So bin ich ja gar nichts, doch das soll mich fromm machen, ich will die stolze Welt in ihrem Nichts verachten, die sich gar viel einbild't, und auf ein nichts verläßt, und meinet, daß ihr Nichts doch sey das Allerbest. 7. Gott ist das Allerbest, sein Alles soll vor allen mir, der ich gar nichts bin, auf ewig wohlgefallen. Du einig Alles, gieb, daß ich auch diesen Tag dein Alles und mein Nichts mit Ernst erwägen mag. 8. Du armier Mensch, du Nichts, was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas seyn, das Gott dir nicht gegeben? Wer da will Etwas seyn, der wird zu nichts gemacht, wer aber Nichts will seyn, der wird empor gebracht. 9. Fahr hin, o Welt! fahr hin, dein Nichts kann nichts ergößen, wer dich für Etwas hält, weiß Nichtes hoch zu schätzen, mein Alles ist mein Gott, dem leb und sterbe ich, und bin durch ihn beglückt und ewig seliglich. St Der Kranke ergiebt sich, dem Willen Gottes zu leben und zu sterben.com.msd Aufmunterung. fit nds 3100m 0 Matth. 26, v. 39. Und Jesus gieng ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! ists möglich, so gehe dieser Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willt.php A Gottes Wille ist allezeit der beste, solches pflegen wir wohl zu sagen, aber wenn man sich Gottes Willen einig und allein unterwerfen soll, da empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein zu leben und zu sterben. 305 Kranker demnach, welchen Gott auf sein Krankenbett niedergelegt hat, soll 1) bedenken, daß es Gottes Wille sey, daß er in solchem Zustande sich befinde. Er soll 2) aufsehen auf das Erempel Jesu Christi, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Bater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Darum 3) ist dieses das allerbeste, daß ein Kranker sage: siehe Herr! hie bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt, ich will länger leben, wenn du willst, ich will auch gerne sterben, wenn du willst. Gebet. du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott! ich komme mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron. Ich sehe, o liebster Gott! es ist dein heiliger Wille, daß ich soll krank liegen, und eine Zeit lang der edlen Gabe der Gesundheit entbehren. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch sterben, wenn du willst. Nach deinem Willen bin ich lange Zeit gesund gewesen, nach deinem Willen will ich auch nun krank seyn. Ja mein Gott! wenn ich könnte wider deinen Willen gesund werden, so wollte ich es doch nicht thun, sonÚ1 306 Der Krante ergiebt sich, dem Willen Gottes dern will lieber auf meinem Krankenbett deinen gnädige Rathschluß vollbringen. Darum will ich in diesem Zustand mit meinem Jesu sprechen: Bater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Und wiederum: des Herrn Wille geschehe, soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich noch langer loben, ja die Jah re, die du mir schenken und länger leben lassen wirst, will ich zu deinen Ehren und in der wahren Frömmigkeit hinbringen. Gefällt es dir aber, daß ich von diesem Bager nicht soll aufkommen, und an dies ser Krankheit sterben, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich diese Hütte des Leibes einmal aba legen muß; aber ich weiß auch, daß du deinen Glaubigen haft einen Bau bercis tet, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbtheil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich mich nicht freu en, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu cilen, und der zu leben und zu sterben. 307 Kinder Gottes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Ursache, um Berlängerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir beides hart an, ob es nicht bes fer wäre, aufgelöst und bei Christo zu seyn, meinen Jesum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, da ich ihn nicht gesehen. Darum mein Gott! ich überlasse dir alles, du weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe, hie bin ich, der Herr thue mit mir, was ihm wohlgefällt.err wie du willst, so schicks mit mir, im Leben und im Sterben, allein zu dir steht mein Begier, laß mich doch nicht verderben, erhalt mich nur in deiner Huld, sonst wie du willst, gieb mir Geduld, dein Will der ist der beste, Amen. 1918 Gefang. Dent Mel. Gott! bu frommer Gott ch will, was Jesus will, das soll mein Wahlspruch werden, den wiederhol ich ficts, dieweil ich leb auf Erden; mein Will ist gar verkehrt, und trifft das Beste nicht, drum soll er nur allein auf Jesum seyn gericht. 2. Ich will, was Jesus will, will er, daß ich soll leben, wohlan, ich will es auch, er wird auch Kräfte 112 308 Der Krante ergiebt sich dem Willen Gottes 2c. geben, ich bin in seiner Hand, ihm leb und sterbe ich, er führ und leite mich, ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will, will er, daß ich soll leiden, wohlan, ich will es auch, ich bin bereit zu beiden;-geht Jesus mur voran, so geh ich gerne mit, denn seine Gegenwart versüßt die sauren Tritt. 4. Ich will, was Jesus will, will er, daß ich soll weinen, wohlan, so will ich auch, er wird schon laffen scheinen die Sonne nach dem Leid, denn seine Gütigkeit wischt alle Thränen ab, und hilft zu rechter Zeit. 5. Ich will, was Jesus will, will er, daß mich soll plagen die Bosheit meiner Feind, und mich ins Antlig schlagen, wohlan, ich will es auch, er gebe mir nur Muth, und sein Geist stärke mich, wenn man mir Unrecht thut. 6. Ich will, was Jesus will, will er, daß ich verlassen von Jedermann soll seyn, ja, daß man mich soll hassen, wohlan, ich will es auch, verläffet er mich nicht, so acht ichs nicht, daß mir der Menschen Hülf gebricht. 7. Ich will, was Jesus will, soll ich dereinst frank werden, wohlan, ich will es auch, ich bih ja Staub und Erden; wie bald zerbricht ein Glas, ihm ist ja alles leicht, weil auf sein Wort so bald die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was Jesus will, will er, daß ich soll sterben, wohlan, ich will es auch, durch ihn werd ich ererben das mir versprochne Reich, ich geh zur Erbschaft ein, und bleis im Vaterland, wo ich soll ewig seyn. W 100 femmisto 1 309 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz und Trübsal von Gott kommt. Aufmunterung. 2 Sam. 2, v. 6. Der Herr tödtet und machet lebendig, führet in die Hölle und wies der heraus. Gott ist die Liebe, der die Menschen herzlich liebet. Solche Liebesproben erfahren glaubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohlthaten Gottes. Sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist aber Gott die Liebe, so giebt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellt: 1) meine Trübsal kommt nicht her von einem Feind, der mich baffet, sondern von einem Gott, der mich liebet. Darum soll sich 2) ein Kranker in Gott faffen, und fleißig zu Gott rufen und beten, mit Freuden und gutem Muth den Himmel ansehen und denken: wer es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Sonderlich soll er 3) fich nicht laffen irre machen in seiner Krankheit, Heftigkeit seiner großen Schmerzen, und der scheinen. den Gefahr, denn hie stehet abermals der Trost fest: Gott leget uns eine Laft auf, aber er hilft uns auch; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet, Pf. 28, v. 20. 21. Gebet Herr Gott! barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du 310 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz giebst Missethat, Uebertretung und Sünde, siehe, ich armer Mensch liege allhie vor dir, und bitte: ach! schaue auf mich von deinem hohen Thron, und er= höre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und Trübsal von dir komme; deine Hand schlägt, aber sie heilet auch, sie verwundet und verbindet; wenn aber meine Krankheit vom Himmel kommt, so schaue ich auch wieder gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Er den gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehen ema pfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Die Bäume auf demFelde stehen bisweilen in voller Bluthe, herrlich mit Blättern und Früchten geziert, die Sonne bestrahlet und erwärmet sie, allein des Winters sehen sie todt und erstorben aus, müssen Sturm und Froß leiden, und dieses alles kommt und Trübsal von Gott kommt. 311 von dir, o Gott! O darum will ich auch bedenken, daß dieses die Zeit meines Leidens und Trübfal sey, die du mir zugedacht und bestimmet hast. Ja, wie du weißt, wo ein Stern stehet, ob er hoch oder niedrig stehet an dem großen Himmel, also weißt du auch, wie es um mich jeho stehet. Du meißt, wie schwer ich trage, dir ist bewußt, wie lang ich leide, dir ist auch bekannt, wie viel ich Kräfte habe, dieß alles auszustehen. Ddarum, lieber Gott! lege auf, so viel du willst, nur gieb mir Kraft und Stärke, daß ichs auch tragen könne. Ich weiß, ohne deinen Willen kann nicht ein Haar von meinem Haupt fallen, wie viel weniger kann ich denn krank werden? Fällt kein Sperling auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Ungemach und Krankheit unterworfen seyn, ja gar sterben ohne deinen Rath und Willen. Kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; kommt es von meinem Vater, und aus einem Der Krante erkennet, daß das Kreuz liebevollen Herzen, nicht zu meinem Ber derben, sondern zum Besten meinerSeele. Züchtige mich, mein Vater! doch mit Maßen, daß du mich nicht gar auf reibest. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder; verbirgest du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten; laß leuchten dein Angesicht, so genese ich. Ich will gern in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdient habe, denn sein Zorn währet einen Augenblick, und er hat Luft zum Leben. Ohn deinen Wil len kann mir nichts begegnen, du kannst verfluchen und auch wieder segnen, ich bin dein Kind, und habs verdient, gieb warmen Sonnenschein nach trübem Regen. Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, daß ich nur sollt vor Leid mein Herz abfressen, mitten in der Noth denk ich an Gott, ob er mich gleich mit Kreuz und Angst thut pressen, Amen. es Gefang. He Mel. D Gott! bu frommer Gott. Fin Gotteskind zu seyn, und doch mit Kreuz gebrü det, kann wohl beisammen stehen, es bleibet doch 312 und Trübsal von Gott kommt. 313 geschmücket inwendig. an der Seel, mit Glaub und Frömmigkeit, ob's gleich auswendig steht in lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, wird dorten Kronen tragen, wer hier viel seufzt und weint, wird dort vor Freuden sagen: du bleibst ein Gotteskind auch mitten in der Noth, auch mitten in dem Kreuz bist du geliebt bei Gott. 3. Sieh, Jesus, Gottes Sohn, trägt eine Dornenfrone, und bleibt doch Gottes Sohn, er litte Spott und Hohne, und bleibt bei Gott geehrt, drum räumet sichs gar wohl, zu seyn ein Gottes= kind, und doch des Leidens voll. 4. Bleib deinem Gott getreu im Glauben und Vertrauen, so wirst du seine Hülf gar bald mit Freuden schauen; und sollst du in der Welt in lauter Trübsal seyn, was schadt's? wenns nur am End geht in den Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, ob gleich die scharfen Ruthen, die Augen machen naß, und auch das Herze bluten; Gott liebet solches Kind, das stets gen Himmel sieht, und in der größten Noth zu feinem Vater flieht. 6. Drum sey getroft in Gott, die Stunde wird bald kommen, in welcher dir dein Kreuz wird endlich abgenommen; ob deiner Leiden schon gar viel und heftig sind, so bist und bleibst du doch ein wahres Gottestind. Der Kranke erkennt den Nußen der Krankheit. Aufmunterung. Joh. 11, v. 4. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werde. Der Krante erkennet du Krankheiten großen Nußen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben; denn nicht allein spricht er: es wird der Leib abgemat. tet, und kommt in Todesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Be. schwernisse und Untoften, so mit der Krankheit verknüpft sind. Allein dem allen ungeachtet brin get die Krankheit Nugen, bisweilen dem Leibe selbst, indem die Unreinigkeit der Natur verzehret, und auch die Gesundheit hernach dauerhafter wird. Sonderlich aber bringet Krankheit der Seele ei. nen herrlichen Nugen. Denn 1) dadurch holet Gott manchen Menschen herum von seinen Sün. denwegen; wie gehet mancher freche Sünder dahin in seiner Frechheit, achtet weder Gott noch fein Wort, häufet Sünden mit Sünden, solchen aber reißet Gott gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, Schmerzen und Leiden, daß et nüchtern werde aus des Satans Stricken; 2) es bringet aber auch Krankheit den Frommen Nugen, denn sie lernen daraus erkennen Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit, welches alles sie vorher wohl gewußt und geglaubet, aber nunmehr erst recht erfahren haben. Man lernt sich Gott ergeben, den Tod sich vorstellen, zum feligen Absterben sich bereiten, an den Himmel fleißig denken, ja feine Seele in Gottes Hände empfehlen. Wenn dieses ein Kranter bedenket, so wird er mit Gott auch in der Krankheit wohl zufrieden seyn. Q 314 Das Gebet. lieber Gott und Bater! ich merke wohl, welches dein heiliger Rath den Nußen der Krankheit. 315 über mich sey, nämlich, daß dieses mein Leidensjahr, meine Leidenswoche, ja Leidenszeit seyn soll, darin die Glücks sonne eine Zeit lang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächt, und die Leibeskräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein Gott! daß du, ehe du mich also heimgesuchet, vorher deine Wege haft erkennen lassen, nämlich, daß der Kreuzesweg auch ein Himmelsweg sey, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thust. Ich sehe wohl, mein Gott! daß du mich von der Welt wirst abziehen, du wirst mir die Welt bitter, und den Himmel süße machen, daß ich soll verläugnen das ungöttliche Wesen, u. die weltlichen Lüste, und züch tig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren. Freilich, wenn uns wohl ist, und wir von keiner Trübsal wissen, so důünket uns, wir seyen nur in der Welt, daß wir irdisch Gut 316 Der Kranke erkennet sammeln, oder aber, daß wir mit der Welt scherzen, Gesellschaft halten, uns in ihre Weise, Wege und Sitten schicken sollen; aber weil das unserer Seelen Verderben und ewige Verdammniß würde seyn, so pflegest du nach dieser Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach mein Gott! es scheinet, du wollest mit mir jeßo auch allein sprechen, und mir sagen: ich soll mich vorsehen vor der Welt Sünden, Verführungen, Bosheiten, Gewohnheiten. Du willst mir einreden: ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich soll mich der Welt nicht mehr gleich stellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkenen, welches da sey der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille. Nun, mein Gott! dieses will ich auch thun; wirst du mich lassen gesund werden, so will ich frömmer werden, eifri ger beten, das Böse meiden, meine vorigen bösen Gewohnheiten ablege, dierte und Menschen, wo und womit ich gesün den Nugen der Krankheit. 317 diget, meiden, und nun ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Wenn du nun gesehen, mein Gott! daß ich auch in meinem Christenthum bin tråg, im Gebet nachläßig, hingegen zur Sünde willig, und der Welt Lust zu genießen fertig gewese, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heilzu gedenken, und vom Sündenschlaf aufzustehen: wache auf, der du schläfest, sprichst du zu mir, ich will dich reinigen von dem vorigenUnflath. Ja ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit willst an meinen Tod erinnern, daß ich, wann ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe undGůte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesucht hättest. Nun Herr! so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen haft; mach durch diese bittere Arznei meine Seele gesund. Heile durch diesen scharfen Schnitt und Schmerz der Sünden Der Kranke erkennet 2c. Eiter- Beulen? Wasche durch diese scharfeLauge meinellnarten ab, und gib, daß ich in wahrer Buße und Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige, in den Wunden Jesu Hülfe, Rath, Trost und Bergebung meiner Sünden suche u. finde. Mach mir stets zuckersüß den Himmel, und gallenbitter diese Welt, daß mir in diesem Weltgetümmel die Ewigkeit sey vorgestellt; mein Gott! ich bitt durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut, Amen. 318 Gefang. Fra Mel. Alle Menschen müssen sterben. Prankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, und was sonsten mich anficht, reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; will mein Gott mich gleich betrüben, will ich ihn doch herzlich lieben, er verbleibet doch mein Gott, in der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen von der Welt und Sicherheit, daß ich alle Sünd soll fliehen, und nicht meine Seligkeit mög durch eigne Schuld verlieren, er will meinen Geist so zieren, daß er ewig soll allein seine reine Wohnung seyn. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, so ist es ein Liebeszug, daß ich Gottes Wege gehe, und vermeide Selbstbetrug, daß ich ihn erkennen lerne, und Der Kranke setzt sein Vertrauen 2c. 319 mich von der Welt entferne, hier seh ich, wie Gottes Treu alle Morgen werde neu. sil 4. Jesu! schließ in deine Wunden meine matte Seele ein, laß in meinen Jammerstunden, dieſe ihre Wohnung feyn; es sey Seele, Leib und Leben, treuer Vater! dir ergeben, schüße, stärk, erquicke mich in dem Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl in deine Hände, liebster Jesu! met nen Geist, stärke mich bis an mein Ende, wenn das Lebensband zerreißt, so laß mich mit Freuden schauen jene schöne Himmels- Auen, führe mich durch Kampf und Streit zu der Seelen Seligkeit. Ne Der Kranke sest sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung.# 10 Pf. 30, v. 3. 4. Herr, mein Gott! da ich zu dir schrie, machtest du mich gefund. Herr! du hast meine Seele aus der Hölle geführet; du hast mich lebendig erhalten, da die in die Hölle( das Grab) fuhren. Nichts ist freundlicher und tröstlicher in gefähr lichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann, ich weiß, der kann mir helfen; und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen fagen, aber von Gott ist er deffen gewiß. Diese Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen: 1) au dem Erempel Anderer, wenn er höret, wie Gott Todte lebendig gemacht, Todtkranken wieder auf geholfen, so kann er feftiglich schließen, der allmächtige Gott, der dazumal geholfen, der lebet noch. 2) Soll ein Kranter gedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln, zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen, er kann auch das geringste 320 Der Kranke segt sein Vertrauen Kräutlein und Arznei segnen, daß es muß das Ue. bel der Krankheit heben, und die Gesundheit befördern. Wenn dieses ein Kranker erwäget, so soll er fein stille seyn in Gott, anhalten im Gebet, und Gottes Hülfesstunde erwarten, dabei auch Arznei gebrauchen, sich aber vor allen abergläubischen Dingen, Segensprechereien und Gaukeleien hüten, und versichert seyn, der Allmächtige könne helfen, wann seine Stunde wird kommen seyn. unatore debet. A mein Herr und mein Gott! du siehest, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie eine Plage alle Morgen neu da ist, meine Krankheit weichet nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein lehtesLager seyn soll- Die ses nun stelle ich in deinen heiligen Wil len, ich will leben und sterben, wenn es dir gefällt. Meine Tage sind eine Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deiz nen Händen, du hast mir ein Ziel geseht, das werde ich nicht übergehen. Du hast auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihr noch keiner da war. Jedennoch lasse ich deßwegen den Muth nicht fallen, sondern auf die göttliche Allmacht 321 ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn. Ich weiß, daß du bist ein allmächtiger Gott, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen. Ach ja! des Herrn Hand ist nicht verkürzet, der Helfer in Israel kan allen Fammer wenden, jaer kann überschwenglich thun über alles, was wir wissen und verstehen. Er kann erretten alle, die zu ihm treten. Derowegen schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich, auf schwache Men= schen, nicht auf mich, denn ich bin krank und elend, sondern über mich, zu dir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche auch jeßt mit dem glaubigen Hauptmann: Herr sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund, ja sprich ein Wort, fo werde ich von allem meinem Leiden bea freiet werden. Ich weiß, bei dem Herrn ist kein Ding unmöglich. Herr, mein Gott! der du den kranken Hiskiam ge= fund gemacht, das kranke Weib von ihe rem elenden Zustande errettet, den Sicht€ 322 Der Kranke setzt sein Vertrauen sc. brüchigen geheilet, den Jüngling erwedet, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtigerSchuhherr deinerGlaubigen! Hilf mir auch, erbarme dich meiner auch, thue ein Zeichen an mir, daß mir es wohl gehe, jedoch also, wie dir es wohl gefällt; ich weiß, du kannst es thun nad deiner Allmacht, und du wirsts auchthun nach deiner Güte, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Noth, er kann mich alle zeit retten aus Trübfal, Angst und Nda then, mein Unglück kann er wenden, e8 steht in seinen Händen, Amen.mon Gefang. Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott Raffet doch den weisen Gott alle Sachen machen, überlasset eure Noth, Kümmerniß und Plagen seiner Weisheit; er weiß wohl, wie es muß ergehen, wann und wo, und wie er soll euch in Noth beistehen. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maße, fraget nicht mit Ungebühr, was er thu' und lasse; er fangt ja nicht heute an erst für euch zu sorgen, dem Gott, der euch helfen kann, ift gar nichts verborgen. 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht, wie er's soll Der Kranke, erinnert sich 2c. 323 anfangen, wie es werde ausgericht, daß ihr möcht gelangen zu dem rechten Zweck und Ziel, folget seinen Wegen, haltet seiner Führung still, und erwart't ben Segen. 4. Was der weise Vater thut auf der weiten Erden, das muß uns gewißlich gut und recht heilsam werden, giengen auch die Sachen nicht, wie wir gerne wollten, und wie sie nach unserm Licht anders gehen sollten. 5. O du weiser Gott! dir sey alles heimgestellet, stehe mir in Gnaden bei, machs, wie dirs gefället, mach es mit mir wunderlich hier auf dieser Erden, lieber Vater! führe mich, laß mich selig werden. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. 1 Petri 3, v. 21. Die heilige Taufe ist nicht das Abthun des Unslaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. J.R Cift ein Name tröstlich, so ist es des Vaters Name, und ist eine Herrlichkeit groß, so ist es, ein Kind Gottes zu seyn. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes aber ist ein christlicher Kranker ge. langt durch die heilige Taufe, da er hat einen Bund mit dem dreieinigen Gott gemacht. Dieser nun soll ihn anfrichten und fröhlich machen, allein er soll auch 1) als ein Kind alles, was ihm widerfährt, des himmlischen Baters Willen und Rath überlaffen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Bater erweisen. 2) Hat er in gesunden Tagen den himmlischen Vater erzürnt, wie ein Weltkind ge. lebt, so soll ers ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten, und eine wahre Lebens- Aenderung sich € 2 324 Der Kranke erinnert sich vornehmen, und gewiß glauben, Gott werde sich auch über sein krankes Kind erbarmen. 8 Gebet. Herr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! siehe, ich dein Kind bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer mehr finde; ich sehe hin und her, und frage nach Hülfe, aber Niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmüthig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen, und ihm meine Noth klagen. Eilet in der Noth das Schäflein zu feinem Hirten, das Kind zu seinem Bater, der Unterthan zu seinem König, o mein König! o mein Vater! o mein Hirte! ſo komm ich auch zu dir. O du dreieiniger Gott! gedenke doch, daß ich dein Kind bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe; siehe, hie kommt ein armes Kind zu dir, meine Lieben und Freunde könen mir nicht helfen; darum, o mein himmlischer Vater! nimm du mich auf. Erbarmte sich der seines Taufbundes. 325 Königische über seinen Sohn, der todtkrank war, bemühte er sich, ihm zu helfen, ach mein Vater! erbarme dich meiner auch, hilf mir auch. Gieng der Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, Jesu nach und sprach: Herr! meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komm, und mache sie lebendig; so gehe ich auch, meinGott und Vater! dir nach und sage: ist's dein Wille, so mache mich gesund, und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger, weiser, gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders hin in seiner Noth, als zu seinem Vater? Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Bater erbarmt über seine Kinder, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten; ach! erbarme dich auch über mich. Bin ich ein ungehorsam Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewi 326 Der Krante erinnert sich chen, stell ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlornenSohne Hülfe widerfahren, so nim mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben zu dir komme und spreche: Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer über mich. Wann du willstSünde zurechnen, Herr! wer wird bestehen? In solchem Bertrauen, mein Vater! warte ich auf deine Hülfe, ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes seyn, Frank und elend und mit vielerlei Kreuz belegt seyn, wohl könne bei einander stehen; darum auch Satan mich in meiner kindlichen Zuversicht nicht frre machen soll. Allein laß mich auch bald dein väterlich Herz erblicken, daß du meiner nicht vergesse habest, laß mich deine Baterhand empfinden. Betrübtes Herze, sey zufrieden, ob dich schon tausend Kummer plagt; der Himmel bleibt dir doch beschieden, den dir dein Jesus zugesagt; stellt sich schon Noth und Krankheit ein, so will doch Gott dein Bater seyn, Amen. si feines Taufbundes. minne fang Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten, ch bin getauft, ich steh im Bunde durch meine Tauf mit meinem Gott, so sprech ich stets mit frohem Munde in Kreuz, in Trübfal, Angst und Noth; ich bin getauft, deß fren ich mich, die Freude bleibet ewiglich.er ind i sad so Cine dunk On 28 Jch bin getauft, ich hab empfangen das allerschönste Ehrenkleid, darin ich allezeit kann prangen allhier und in der Herrlichkeit; ich bin mit Jesu Blut erkauft, und ich bin auch damit getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben zu gleicher Zeit der heil'ge Geist, der heiliget mein Herz und Leben, dafür sey ewig Gott gepreist; o Zierde! welche große Pracht, die mich gerecht und selig macht. 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, mich schließt das Buch des Lebens ein, mein Vater wird mich ewig. lieben, und seinem Kinde gnädig seyn, es ist mein Name Gott bekannt, mein Name steht in seiner Hand. 327 5. Ich bin getauft, was kann mir schaben? Jeh bin und bleibe Gottes Kind, ich weiß, ich bin bei Gott in Guaden, bei dem ich Troft und Hülfe find; dann wann ich weine bitterlich, so spricht mein Va ter: hie bin ich. 6. Ich bin getauft, nichts kann mir fehlen, dieweil mein Vater an mich denkt; wer kann die Wohlthat all erzählen, die er mit wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, der giebt mir firmer mehr und mehr. 57. Ich bin getauft, ihr Feitde weichet, ich fiehe unter Gottes Schutz, der seinen Kind die Hand dark reichet, was acht ich eure Macht und Truß; taft't ihr ein Gotteskind nicht an, und glaubt, daß Gott es schützen famig 328 Der Kranke gründet sich auf die 8. Ich bin getauft, und bin zufrieden mit meines Vaters Lieb und Treu, ich werde von ihm nie geschieden, mein Liebestrieb wird stündlich neu; wie es mein Vater schickt und fügt, so ist mein Herz mit ihm vergnügt. TILL AND 9. Ich bin getauft, ob ich gleich sterbe, was schadet mir das fühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, das ich bei Gott im Himmel hab; nach meinem Tod ist mir bereit des Himmels Freud und Feierkleid. 2 m nid Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. Aufmunterung.do? 3507 2 Tim. 4, v. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und wird mir aus: helfen zu seinem himmlischen Reich. Welchem sey Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und an Trost fehlen, wann sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu thun haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen sie glauben, der dreieinige Gott werde fie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlaffen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in der Jugend geführt, in folgenden Jahren ernährt, und bis daher väterlich erhalten hat. 2) Ihr Erlöser Jesus Christus wird sie auch nicht verlaffen; dann der da hat für fie Marter, Bein und Tod gelitten, hat sein heiliges Blut für sie vergoffen, sollte der sie in der Krankheit ohne Hülfe laffen? 3) Ihr Hei. ligmacher, der werthe heilige Geist, wird sie auch nicht verlaffen, der wird alsdann sie trösten, erquicken, erfreuen, und ihnen Zeugniß geben, daß sie Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 329 Gettes Kinder seyen, obgleich ihre Krankheit, Lei. den und Schmerzen anhalten. Wann ein Kranter diesen dreifachen Troft im Herzen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen, und feftiglich glauben, seine Hülfe sey nicht ferne. STOOP: Gebet. du heiliger, dreieiniger Gott! da ich mich schwach befinde an meinem Leibe, so will ich doch deßwegen nicht schwach werden in meinem Glauben und Vertrauen zu dir; denn die auf den Herrn hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Last meiner anhaltenden Krankheit bisweilen mich kleinmüthig machen, allein ich ermuntere mich gleich wieder durch deinen heil. Geist, und sonderlich auch damit, daß ich mir die von dir schon längst empfangenen Wohlthaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, du meinSchöpfer! der du mich aus nichts erschaffen, und bis auf diese Stunde mein Leben erhalten haft? Ist denn des Herrn Hand verkürzet? Dnein, die Hand, die mich bisher geleitet und erhalten, wird mich auch in 330 Der Kranke gründet sich auf die meiner Krankheit erhalten. Liebe ist es, daß du mir bisher haft so lange Zeit Ge= sundheit geschenkt. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Zustände von mir abgewendet, Lic be ist es, daß du mir bis auf den heutigen TagGnade, ja so viel Gnade und Barmherzigkeit hast widerfahren lassen, darum ergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen, mein Erlöser! der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöset haft? du hast meiner Seele dich so herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, o so wirst du auch meinem armen und Franken Leibe Hülfe lassen angedeihen. Odu Gottes- Lamm! das der Welt Sünde trägt, erbarme dich mein in mei nem gegenwärtigen Leiden. Solltest du mich verlassen, o mein Heiligmacher! der du Leib und Seele geheiliget, und sie in der heiligen Taufe dir zum Tempel ge weihet, und darinnen bisher gewohnet hast? Du wirst gewiß auch in meiner 331 Wohlthaten des dreieinigen Gottes. Schwachheit mein Beistand, ja mein Tröster bleiben, und mit Zeugniß geben, daß ich ein Kind Gottes sey, ob ich gleich mit Leiden und Trübsal umgeben bin. Darum willich gutes Muthsseyn in meis nen Schmerzen und Leiden, und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen, der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigenthum erwäblet, der heis lige Geist hat dich seines süßen Trostes und seligen Einwohnung versichert; darum ist alles mein, die Gnade Gottes ist mein, das Verdienst und die Gerechtig Feit Jesu ist mein, der kråstige Trost des h. Geistes ist mein, ja der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist mein. O! so will ich mich um meinen kranken Leib nicht bekümern, sondern mein Anliegen auf den Herrn werfen, und dem Gott vertrauen, der mir soviel Gutes erwiesen. Ach mein Vater! ich verlasse mich auf dich, o Jesu! zu dir flehe ich, o heiliger Geist! dir ergebe ich mich. Herr Gott 332 Der Kranke gründet sich auf die ic. Vater! was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn! was du hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist! was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sey Lob, Ehre und Preis jeßt und in Ewigkeit. Keinen hat Gott verlassen, der ihm vertraut allzeit, und ob ihn schon viel hassen, geschieht ihm doch keinLeid; Gott will die Seinen schüßen, zuleßt erheben hoch, und geben, was thut nüßen hie zeitlich und auch dort, Amen. Sefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ft Gott für mich, so bin ich fröhlich, und hab ich selig durch Gottes Gnad und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, drum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, so trifft mich doch das Wetter nicht; ist mir das Kreuz gleich schwer und bitter, so bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei, und macht mich von der Trubsal frei. 3. Jft Gott für mich in Trauertagen, wenn lauter Ungemach mich schreckt, so will ich dennoch nicht verzagen, weil seine Vaterhand mich deckt; Gett ist für mich, weil sich mein Leid in Freud verkehrt zu seiner Zeit. Der Krante will sein Leiden 2c. 333 4. Jft Gott für mich in meinen Nöthen, wenn nun der harte Kampf angeht, so werden sie mich doch nicht tödten, dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, der hilfet mir 1901 1579916) bl aus aller Noth. thin 7 5. Ist Gott für mich im Mißgeschicke, das unverhofft mich überfällt, so weich ich dennoch nicht zurücke, weil seine Hand mich treulich hält. Gott ist für mich in Sturm und Wind, und wachet treulich für sein Kind. 6. Ist Gott für mich, so wird sich enden der Jammer, der mich heftig plagt, mein Gott wird sich von mir nicht wenden, die Hülfe bleibt mir unversagt; ist Gott für mich, getroft mein Geift! Gott ist es, der mein Beistand heißt. 7. Ist Gott für mich, wenn ich nun sterbe, so höret auf mein Kampf und Streit, es kommt die Stunde, da ich erbe die Ehrenfron und Seligkeit; Gott ist für mich, wenns Herze bricht, und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Psalm 39, v. 10. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst's wohl machen. du mein gar Wie lange verbirgst du dein Antlig vor mir? So seufzen oft fromme, bettliegerige Chriften in ihren Krankheiten, Pf. 13, v. 1. Gottes Stunde währet ihnen oftmals allzulange, wenn sie viele Tage, Wochen und Monate ausbleibt, alsdann geht es bei Vielen nicht ohne Murren ab. Allein so weit soll 334 Der Krante will sein Leiden es ein frommer Kranker nimmermehr kommen las fen, sondern gedenten: 1) Gott vergißt und verläßt uns nicht in dem Leiden, Trübfal und Krankheit, denn das wäre wider seine Verheißung. 2) Sollte das Kreuz auch schwerer werden, so soll doch deß. wegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes, Derohalben 3) soll man unter stets anhal. tendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hülsesstunde erwarten. and 300 30119 0 driet of int id not man Gebet. She told D du heiliger und weiser Gott! ich sehe deinen heiligen Rath und Willen an mir, daß ich soll, so lang es dir gefällt, auf meinem Bette zubringen, woblan, ich widerspreche deinem heil. Willen nicht, ich will nicht wider dich murren, sondern sagen: siehe, hie bin ich, der Herr machs mit mir, wie es ihm wohlgefällt; sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Mein Vater wirdmir für Arznei nicht Gift einschenken. Ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesündigt. Ach das bitte reLeiden kann meiner Seele nicht anders als heilsam seyn, obgleichFleisch u. Blut ohne Murren tragen, 335 davor einen Abscheu bat. Du bist mein Bater und Gott gewesen von Jugend auf, so wirst du es in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange also liegen u. leiden, mein Gott! gib mir zuweilen eine Erquickstunde, darin du mich von mei nen Schmerzen befreiest, und mein Leis den linderst. Soll ich viel leiden, so gieb mir auch viel Kräfte, du weißt ja, wie schwach ich bin, u. wie ich nicht viel mehr ausstehen kann; greif mich nicht zu hef= tig an, damit ich nicht vergehe; du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl noch Stein, wie balde geht ein Wind herz ein, so fall ich hin und sterbe. Ach! mas che es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde, hilf mir tragen, ja trage mich, und nimm mich in deinen Schoos. Soll mein Leiden schwerer. werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit deiner Gnadenhülfe und Beistand von mir; soll ich noch mehr betrübte Näch te haben, so laß mich nur deinen Trost em 336 Der Kranke will sein Leiden pfinden, daß du dennoch mein Vater und mein Freund seyest. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickst, so willst du sie nicht verderben, sondern zu dir ziehen. So ziehe mich dann, mein Gott! durch diese Krankheit von den bisen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott! ob du mich gleich låsseſt also leiden, so will ich deßwegen nicht von dir fliehen; mein Hirte! führest du mich die Dornenwege, die meinen Leib und Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen ge= hen. Ich habe dich geliebt, da du mir gabest Gesundheit, und da du es mir lieBest wohlergehe, darum will ich dich auch lieben in Krankheit, Leiden u. Schmerzen; ich weiß, du kannst mir helfen, und wirst mir helfen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, soll ich jest nicht auch etwas tragen? From ist Gott und schärft ohne Murren tragen. 337 mit Maßen, sein Gericht kann mich nicht ganz und gar verlassen, Amen. Gesang. Mel. Wer nur ben lieben Gott läßt walten. at dir dein Gott ein Kreuz beschieden, und fließt mit Thränen dein Gesicht, so sey mit deinem Gott zufrieden, und murre ja dawider nicht; faß deine Seele in Geduld und tröste dich des Höchsten Huld. 2. Sich, der Gott, der dich frank kann machen, und wirft dich auf das Sterbebett, dem sind es ja gar leichte Sachen, daß er dich wiederum errett. Er machet frank, er macht gesund in dieser und in jener Stund. 3. Ach! murre nicht, Gott hats verheißen, er will dein treuer Beistand seyn, und dich aus allen Nöthen reißen, sich, dieses trifft auch jeho ein; ver= traue Gott, es kommt die Zeit, vielleicht ist seine Hülf nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben, und sagen: siehe, hie bin ich, dir will ich sterben und guch leben, dir überlaß ich gänzlich mich; machs mit mir in der Zeit und Welt, mein Vater! wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget, und mit Geduld das auf sich nimmt, was Gottes Liebe ihm aufleget, dem ist die Hülfe schon bestimmt, der wird erquickt hier in der Zeit, und dorten in der Ewigkeit. Y 338 Der Kranke schickt sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. 1 Cor. 11, v. 28. Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brod ,. und trinke von diesem Kelch. Es soll billig ein jeder Christ also leben, daß er alle Augenblick selig sterben könne. Soll nun also ein gesunder Mensch sich auffübren, wie vielmehr ein Kranker. Ein Kranker thut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine. Sünden denke, und auf die Versöhnung mit Gott bedacht sey. 2) Diese Versöhnung aber geschiehet, wenn der Kranke im Glauben Gott um Vergebung seiner Sünden anflehet; dabei 3) zu erinnern, daß man mit ſeiner Buße und deni Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zun ge figet, bis Verstand und Kräfte weg sind, sondern bei Zeiten, dieweil man noch beten, und sich mit Gott verföhnen kann. Wird sich also der Mensch au Gott wenden von Grund seiner Seele, so wird er um Jesu Chrifti willen im Leben und Sterben Gnade erlangen. Gebet. Herr, Herr Gott! barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch will in den Wunden meines Je= su Gnade und Vergebung der Sünden suchen, u. zu einem seligen Abschied aus Der Krante schicket fich sc. 339 dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott! mich auf dieses Krankenbett zu legen, weil ich aber nicht weiß, ob ich gesund wieder davon aufste= hen, oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meineSeele versor gen, u. das Uebrige dit, meinem gütigen und barmherzigen Gott befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich mich noch versöhnen kann, was ich gesündigt, wie oft ich gesündigt, und wie schwer ich gefündigt. Ich will dich um Verzeihung bitten, dieweil ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemüthskräfte verlieren wens den, da ich weder beten noch an dich denken kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum seligen Sterben bereg, ber that sich damit den größten Nuhen, nämlich. diesen, daß, wenn er gefund wird, er sich vorSünde hüte, die er auf seinem Krankenbette erkennet und bereuet hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sey, er 9 24 340 Der Kranke schicket fich sterbe wohl und bereitet. Dieses sind auch meine Gedanken, mein Gott! ich will nach erlangter Vergebung meinerSünden das heilige Abendmahl empfangen, und sodan geduldig, freudig und glaubig erwarten, wie du es mit mir machenwirst. Derohalben falle ich auf die Kniee und bete: ach! sey deinem Kinde gnädig, rechne mir nicht zu die Sünden meiner Jugend und die Thorheiten meiner jungen Jahre. Ach Herr! sey gnädig meiner Missethat, die da groß ist um Jesu, meines Heilandes, willen. Ach mein Gott! gieb Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, daß ichs zu deinen Ehren und meinem Heil vollbringen möge. Ich komme jetzt zu dir allhie in meiner Noth geschritten, und thu dich mit ge beugtem Knie von ganzem Herzen bitten: verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab begangen, Amen. zum Genuß des heiligen Abendmahls. 341 Gesang. Mel. O Gott! du frommer Gott. Ja will anjetzo mich zum Liebesmahle nahen, und Jesu Leib und Blut zu meinem Troft empfa= hen; ach mein Gott! stärke mich, ach weiche nicht von mir, daß ich im Andachtstrieb vereinigt bleib mit dir. 2. Vertreibe doch in mir die sündlichen Gedanfen, und lasse deinen Geist von meinem Geist nicht wanken; verbind, mein Jesu! dich mit meinem Geist und Sinn, daß ich der Lieb genieß, darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eiteles jetzt meine Andacht stören, ach! laß mich Freud und Wonn in meiner Seele hören; ach Jesu! steh mir bei, ach!" bitte du für mich, bring mein Gebet vor Gott, und hilf mir gnädiglich. 4. Ach heilige mein Herz, ach heilige die Sinnen, mein Jesu! nimm sie ein und wohne selbst darinnen, ach mach sie allesammt recht heilig, schön und rein, und laß sie immerdar dein Haus und Wohnung seyn. 5. Erweck zugleich in mir die wahre Seelenstille, daraus die Seelenfreud und wahre Andacht quille, darin ich schmecken mög, Herr! deine Süßigkeit, die Gegenwart, den Trost, und wahre Seelenfreud. 6. Hab ich dann deinen Leib wahrhaftiglich genossen, hat auch dein theures Blut, das du für mich vergoffen, mich füßiglich erquickt, so bleibe auch in mir, damit ich, weil ich leb, auch leb, mein Heil! in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, die in mir angefangen, zum größten Licht und Glanz von Tag zu Tag gelangen; du Sündenlust geh aus, mein Jesus gehet ein, er nimmet Leib und Seel zu seinem Tempel ein. 342 EN Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Aufmunterung. 3750 Hiob 42, v. 6. Ich schuldige mich, und thue Buße im Staub und in der Asche. Es ist ein feiner und löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abend vor Gott sich stellen, und überlegen, was sie des Tages über geredt, gedacht und gethan, und also ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott aussöhnen. Soll aber diefes alle Tage geschehen, wie vielmehr soll es ein Kranker nicht versäumen. Dann er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, einer Woche oder eines Monats, sondern feines ganzen Lebens; er soll sich fragen: wie er seine gesunden Tage angewendet, ob er fie zur Ehre Gottes, zum Nußen des Nächsten hingebracht? Er soll untersuchen wo, wie oft und wie schwer er in gesunden Tagen gefündiget habe? 2) Soll ein Kranter nach der Untersuchung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen. 3) Kommt man auf dem Krankenbette zur Erkenntniß seiner Sünden, so soll ein Kranter für seine Krankheit Gott danken, der ihm die Augen geöff net, daß er sein Elend erkannt, und die Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch man muß auch, was man in der Krank heit verspricht, in gesunden Tagen getren halten, damit auf das treulose Versprechen nicht etwas Aergers erfolge. 343 Gebet um Vergebung der Sünden. Gebet. 9h dugnådiger und liebreicher Bater! ich lebe, und weiß nicht, wie lang, ich muß sterben, und weiß nicht wann, darum komme ich vor deinen Gnadenthron, und bitte dich demüthig um Vergebung aller Sünden, die ich Zeit meines Lebens begangen. Mein Gott! ich habe leider meine gesunden Tage nicht allemal angewendet zu deinen Ehren, zum Gottesdienst, zum Wachsthum in meinem Christenthum, und zur Frömmigkeit, darum du auch Ursache hast, mich mit Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe und den Mißbrauch meiner Gesundheit nebst den übrigen Sünde bereuen möge. Berzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebet und frömmer gelebt habe, als leider geschehen. Ach Gott! gedenke nicht der Sünde meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. O wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor dei 344 Der Kranke bittet Gott nem Richterstuhl soll Rechenschaft geben von einem jeglichen unnüßen Wort, das ich geredet habe. O wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist! Und soll ich von meinem ganzen Leben, Werken und Thaten Rechenschaft geben, ach! mer kann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in glaubiger Zuversicht auf Jesum Christum, meinen Herrn und Heiland, u. bete: ach! um seiner Wunden willen erbarme dich über mich, um seines vergossenen Blutes willen vergieb mir alle meine Sünden, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herre Gott! Ich schäme mich, mein Gott! die Augen vor dir aufzuheben, ich schäme mich der vorigen Jahre und der begange= nen Sünden: ach hätte ich es doch nicht gethan; ach hätte ich doch frömmer und christlicher gelebt, darum gelobe ich dir, o Gott! ein neuesLebenanzufangen- Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, um Vergebung der Sünden. 345 so will ich die Fahre, die du mich auf Erden inskünftige leben läsfest, zu deinen Ehren im Glauben und in der wahren Frömmigkeit hinbringen, und will all mein Lebenlang denken an diese Krankheit, und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach Herr! sey deinem Kinde gnådig, und tilge alle meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit um deinerGüte willen.DJesu voller Gnad! auf dein Gebot und Rath, kommt mein betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte, laß du auf mein Gewiffen ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke, Amen. Gesang. Gott! du frommer Gott. Sünder komme wieder, ich kehre um Mel. Ich armer I vom fall tieter nieder, und bitte herzlich um Genad: Ach Gott! denk nicht, was ich gethan, ach nimm mich armen Sünder an. 346 Der Kranke betet vor dem Genuß 2. Nun seh ich erst, was ich begangen, ich fühl' der Sünden Angst und Pein, ach! laß mich wieder Gnab erlangen, ach! laß mich nicht verloren seyn. Ach Gott! denk nicht, was ich gethan, ach nimm mich armen Sünder an. 3. Ach! ich betrübe mich von Herzen, ach! sich an dein verirrtes Kind, daß da mit Thränen, Reu und Schmerzen bei dir sich wiederum einfind't; ach Gott! denk nicht, was ich gethan, ach nimm mich grmen Sünder an. 4. Ach Jesu! deine rothen Wunden sind meine Zuflucht allezeit, darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried und Seligkeit; ach! denk doch nicht, was ich gethan, ach nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein ander Leben führen, ach! schenk mir deines Geistes Gab, ein Jeder soll nun sehn und spüren, daß ich mich ganz geändert hab; ach Gott! denk nicht, was ich gethan, ach nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Job. 6 ,, v. 54. 55. Wer mein Fleisch isset, und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. 348 as heilige Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen, soll sich ein jeder wahrer Christ befleißigen; solches nun kann ein Kranker sonderlich thun. 1) wann er sich vorher recht untersuchet. 2) Ein Kranter soll auch denken: vielleicht ist die. fes das lettemal, daß ich das Heilige Abendmahl des heiligen Abendmahls. 347 empfange, und derohalben mit einem desto festeren Vorhaben im Glauben und Frömmigkeit zu verharren sich vornehmen. 3) Haben Fromme gewünscht, daß ihr legtes Wort Jesus, ihre legte Speise das heilige Abendmahl, und ihr letter Gedanke der am Kreuz hangende Jesus seyn möge, wie, soll denn nicht sich ein Kranker freuen, wenn er des einen Stücks auf seinem Krankenbette theilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde? 4) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gefund zu werden, so wäre es höchst Unrecht und ein Aberglaube. mm Gebet. Piebster Jesu! ich bin Willens, das von dir eingesetzte Liebesmahl zu empfangen, weil ich nicht weiß, wenn ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gericht Gottes erscheinen möge, so will ich mich von Neuem mit dir vereinigen, auf daß du in mir, und ich in dir sey und bleibe. Ich will das heilige Abendmahl zu Hause empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit deiner Gnadengegenwart mich erfreuen und erquicken werdest. Ach liebster Seelenfreund! du bist ja nahe den Elenden, 348 Der Franke betet vor dem Genuß du erfreuest die Betrübten, du hilfft denen, die ein zerschlagen Gemüth haben, so laß auch mein Herz erfreuet und meine Seele durch diese himmlische Speise und Trank erquickt werden. Oliebster Jesu! da ich in heiliger Andacht dein himmlis sches Freudenmahl auf Erde halten will, und ich sonst keine Verhinderung habe, ach! so steure den Schmerzen und der Krankheit, und gieb mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert u. ungestört kone mein Vorhaben vollbringen. Ich verkündige deinen Tod, underinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und Schmerzen, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzestod, und alles, was du für mich gethan; ich denke daran, und danke dir auch dafür und spreche Nun danke ich dir von Herzen, Jesu! für die gesammte Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben bittern Tod, für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Klagen, Arbeansstraße. Liber des heiligen Abendmahls. 349 für dein' Angst und tiefe Pein, will ich ewig dankbar seyn. Ich erinnere mich auch an die Einsehung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und tránkest zum ewigen Leben. Ich glaube deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaftigen Gottes; ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahl empfange deinen wahren Leib u. dein wahres Blut. Nun diese himmlische Speise und Trank soll mich stårken im Glauben, daß ich mit Gott versöhnet sey; die himmlische Speise und Trank soll mich trösten, daß ich nicht verloren sey, sondern das ewige Leben habe; diese himmlische Speise und Trank soll mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünden habe, und mit dir vereiniget bin, der du bist die Versöhnung für unsere Sünden, ja für der ganzen Welt Sünde. Diese himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nämlich an die 350 Gebet vor dem heil. Abendmahl. ewige Freud und Herrlichkeit, wozu du mich nach meinem Tode führen wirst. O mein Seelenhirte! führe dein Schäf lein auf grüner Aue, speise mich mit dem Brod des Lebens, erquicke mich mit deinem heiligen Blut. Alsdann habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünde, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlet hast, dadurch bin ich selig. Ach wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund! nach deiner Güte, ac wie pfleg ich oft mit Thränen, mich nach dieser Kost zu sehnen; ach wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trank des Lebens Fürsten! wünsche stets, daß mein Gebeine sich durch Gott mit Gott vereine, Amen. Gefang. Mel. Allein Gott in der Höh' sey Ehr. allerliebstes Seelenpfand, dem nichts an Hoheit gleichet, und welches von des Höchsten Hand mir jetzt wird dargereichet; der Seelen allerhöchstes Gut, des Herren Jesu Leib- und Blut, will ich jegund empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich, doch damit diese Liebe recht herrlich offenbare sich, und mir Gebet nach dem heil. Abe..dmaht. 354 vor Augen bliebe, so giebt er dieses Pfand dabei, daß er mit mir verbunden sey, und ewig bleiben wolle. 3. Dieß Pfand versichert mich aufs Neu', daß alle Sünd. vergeben, und daß mir Gott genädig sey, daß ich hinfort soll leben in seiner Liebe, Huld und Gnad, die er mir jetzt versiegelt hat durch diese Seelenspeise. 4. Ja, bieses Pfand versichert mich, daß ich soll auferstehen am jüngsten Tage seliglich, und zu der Freud eingehen; weil ich dieß Pfand empfangen hab, so bleib ich nicht in meinem Grab, wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank, der mich gespeist ,. und Herrlich hat getränket, der solche Gnade mir ers weist, und selbsten sich mir schenket, dem schenk ich mich hinwiederum, und bleibe nun sein Eigenthum im Tod und auch im Leben.. 6. Hert Jesu! ja dir lebe ich, dir, dir will ich auch sterben, ich bin gewiß, du nimmest mich mun an zu deinem Erben; zum Erben hie in dieser Zeit, zum Erben dort in Ewigkeit, so sterb ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Gal. 2, v. 209. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir; benn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich setoft für mich dargegeben. leichwie ein wahrer Christ allezeit Gott herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfangen, wie vielmehr soll ein KranSt 352 Der Kranke betet nach dem Genuß ter Gott von Grund des Herzens loben, wenn er daffelbe mit gutem Verstand hat genießen können. Hiebei aber ist zu erinnern, 1) daß man sich nicht einbilde, daß das heilige Abendmahl eine Verän. derung verursache in der Krankheit; dazu ist es nicht eingesetzt, davon haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch ein Kranter nicht empfangen, damit er sehe, ob er gefund werden oder sterben solle, sondern er folle es gebrauqy.c zur Stärkung des Glaubens, Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seelen Seligkeit. Hat er es also empfang in der Ordnung, wie es Christus eingesetzt, so hat er Gott dafür zu preisen, und mit stillem Herzen und glaubiger Seele fich Gott zu ergeben. Gebet. Mein Jesu! mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu ema pfangen, ehe dann ich sterbe. Nun dieses Verlangen ist mir erfüllt und geftilit worden; du hast mich gespeiset und getrånket mit deinem heil. Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Lobe den Herrn, meine Seele, u. vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Herr! nun låsfest du deinen Diener im Frieden fahren, dann meine Augen haben deinen Heiland gesehen. DJesu! des heiligen Abendmahls.- 353 lebe in mir, schenke nfir eine dir ganz ergebene Scele. Erbalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, u. laß dein liebliches- und süßes Andenken immer in meinem Herzen seyn. Willst du rich, o Gott! nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe dein Sille. Ich weiß, meine Sünde ist mir sergeben, darum darf ich mir nicht fürchten, vor dich zu treten; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenkt; wann ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dich, o Gott! komme, so wirst du mich um derselben willen von dem Gericht frei und lossprechen. Ich weiß, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes, in dem Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistandes des heiligen Geistes. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so fahre ich selig aus der Welt, und werde auch ewig selig seyn. Dieß ist eine große Wohlthat, die du, o 3 354 Der Kranke betet nach dem Genuß Gott! an meiner Seele gethan hast, daß ia bei gutem Verstand dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himmlische Speise und Trank stärke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist dann auch mein Wunsch erfüllt, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl seyn. Verleihe mir auch, daß mein leßtes Wort, das ich auf der Welt rede, möge Jesus, und meine letzten Gedanken, die ich habe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben, und auf sein heiliges Verdienst gerichtet seyn, so weiß ich, daßich selig sterben werde. Sey Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, GottSohn, Gott heiliger Geist, der woll in uns vermehren, was er aus Gnaden uns verheißt, daß wir ihm fest vertrauen, uns ganz verlasse aufihn, von Herzenauf ihn bauen, daß unser Herz, Mundu.Sin ihm feste thun anhangen, drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werden's erlangen, glauben wir von Herzensgrund. des heiligen Abendmahls. Gesang. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele! Nun Jun ist meine Seel gespeiset, dafür sey mein Gott gepreiset; mit der Speis ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben; Jesus hat sich ihr geschenfet, sie hat sich in ihm versenket! sie hat seine Lieb' empfunden, o der süßen Freudenstunden. 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum selig zu empfangen; nun empfind ich Ruh und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden. Wie hoch ist mein Herz geehret, da mein Jesus eingekehret, da er in mein Herz gekommen, und hat Wohnung da genommen. 355 3. Er soll auch mein Herz regieren, es mit Licht und Recht auszieren; Scele, Geist und alle Simen, Worte, Werke und Beginnen, sollen stets in allen Dingen, was mein Jesus will, vollbringen, ich will nichts mehr thun und denken, ich will Jesu ganz mich schenken. 4. Durch ihn will ich heilig werden, daß ich, weil ich deb auf Erden, auch mein Geist sammt Seel und Leibe, mit ihm fest vereinigt bleibe; er soll meinen Geist durchdringen, und dadurch mich dahin bringen, daß ich, wie ein wahrer Rebe, in ihm wie ein Weinstock lebe. 5. Jesus, Jesus soll mich stärken, daß mit meinem Thun und Werken, ich befördre seine Ehre, sonsten aber nichts begehre, und dem Bösen widerstehe, in Gehorsam ihm nachgehe. Jesu! ach laß mirs gelingen, und viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach! laß doch in solchem Stande reißen meine Lebensbande; ach! laß mich in solchem Leben, meinen Geist dereinst aufgeben. Laß in meinen Todesstunden mich fest seyn mit ihm verbunden, also kann ich selig sterben, und das Freudenreich ererben. 3-2 356 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Aufmunterung. Jac. 5, v. 14. 15. Ist Jemand frank, der rufe zu sich die Aeltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten, und salben mit Del in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und so er Sünde ges than hat, wird sie ihm vergeben seyn. Ein andächtiges Gebet ist allezeit vonnöthen in ge.. funden Tagen, warum sollte es ein Kranker ver geffen, sonderlich wenn er Arznei gebraucht. Was die Arznei und deren Gebrauch anlangt, so soll ein Kranter 1) den Arzt und die Arznei nicht verach. ten, und nicht denken, wenn ich gesund werden soll, so taun mich Gott ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen. Nein, also soll man nicht denken, denn das heißet Gott versuchen. Gott hat nicht verheißen, und ohne Mittel zu helfen; was uns nun Gott nicht verheißen hat, das können wir auch nicht von ihm fordern. Welche die Arzuci verachten, und also sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht auf den Arzt und die Arznei setzen, sondern auf Gott; wie denn unter die Sünden des Königs Affa gezählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Aerzie gesucht, und ihnen mehr denn Gott vertrauet habe, 2 Chron. 16, 12. Darum 3) soll ein Kranter die Mittelstraße wählen, mit seinem Mund und Her. zen soll er beten, und mit seinem Vertrauen anf Gottes Hülfe die Arznei ergreifen, und sie also gebrauchen; auf solche Weise weißt er, daß sie ihm wird gesegnet feyn. 357 Gebet beim Gebrauch der Arznei. Anubic Gebet. du großer Gott! du siehest den Zustand, darinnen ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen, du siehest in die verborgensten Winkel, du siehest auch auf mein Krankenbette, du weißt, wie mir zu Muthe ist. Ach mein Gott! ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen, meine einzige Hoffnung aber stehet auf dich, denn du bist der Herr, unser Arzt. Jedoch weil du läsfest Kräuter aus der Erde wachsen, und die Arzneimittel selbst erschaffen hast, welche da sollen zurGesundheit der Menschen dienen, so will ich dergleichen unter herzlicher Anrufung und mit Gebet auch zu mir nehmen; ach lege du selbst deinen Segen hinein; segne die Arznei, die ich in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange, laß sie dir gedeihen zur Erstattung und Wiedererlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Jan Der Kranke betet, Schmerzen, und auch zur Erquickung meiner Schwachheit. Sprichst du deinenSegen dazu, so mag auch das geringste Kräutlein mir helfen. Ich nehme die Arznei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubt haft, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich Hebe meine Augen aufgen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand faffe, ich seufze zu dir vor dem Gebrauch, in dem Gebrauch und nach dem Gebrauch. Wann du sie mirnun anschlagen läsfest, so werde ich wieder genesen, dann meine Tagestehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts gedeihen, drum ich, v Segens- Gott! um Segen zu dir schreie; was du, Herr! segnest, das ist gesegnet ewiglich. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses Mittel dir herzlich danken, aber auch bedenken, daß mich nicht Kraut und Pflaster, sondern deine Gnade erhalten, und deine Hand geheilet hat. Ich will 358 359 wenn er Arznei gebraucht. mit Hiskia dein Lob bei Jedermann ausbreiten. Hor, ach hör mein seufzend Schreien, du allerliebstes Baterherz, wollst alle Sünden mir verzeihen, und lindern meinen großen Schmerz; erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer! über mich, Amen. Gesang. Met. 3ion flagt mit Angst und Schmerzen. er in Kreuz und Trübfal stecket, schau den Himmel fleißig an, wer den bittern Kreuzkelch schmecket, welchen Niemand trinken kann, der gedenk deßwegen nicht, als ob Gott sein Angesicht von ihm hätte gar gewendet, wenn er nicht die Hülf gleich sendet. A2. Vielmehr soll er wohl erwägen, daß die Stunde ist bestimmt, da Gott, wie die Väter pflegen, unsern Kreuzeskelch wegnimmt, da das Leiden wieder weicht und ein frohes End erreicht, daß man nach dem Kreuz und Leiden preise Gott mit Andiy Herzensfreuden. 910 3. Auch die bittern Arzeneien nimmt ein Frommer fröhlich ein, und weiß, daß sie ihm gedeihen und ganz heilsam werden seyn; eifrig beten und dabei seufzen, wenn die Arzenei man will zu dem Munde bringen, wird zu vielem Heil gelingen, s 4. Großer Gott! an deinem Segen, sprech ich jetzt mit Herz und Mund, ist es mir allein gelegen, daß ich wieder werd gesund; lege deine Kraft hin ein, ach! laß sie gesegnet seyn; laß die Krank 360 Der Kranke bittet heit bald verschwinden, und mich Stärk und Linderung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Leben steht bei dir, soll ich annoch länger leben, wie du willst, geschehe mir; in dem schweren Leibesschmerz weiß ich, daß dein Vaterherz nach dem Weinen, Seufzen, Schreien, mich vom Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Aufmunterung. Hiob. 16, v. 6. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht, laß ich es anstehen, so gehet er nicht von mir. Mird ird ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er deßwegen nicht wider Gott murren, sondern alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 1) darf er um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden gethan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Noth, warum nicht ein Kind Gottes? 2) In großen Schmerzen aber soll er denken an seine großen Sünden, die er Zeit Lebens begangen, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen find; er soll aber auch denken an Gottes große Barmherzigkeit, und an seine große Allmacht, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 3) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lang beten, so seufze er zu Gott, und wisse, daß solche kurze Herzens. seufzer nicht werden unerhört bleiben. 4) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. um Linderung der Schmerzen. 361 hobi od sebet. Herr! höre mein Gebet, vernimm mein Flehen, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. Ach! ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meiner Leibesschwachheit in Gnaden ansehen, und meine Schmerzen und mein großes Leiden lindern. Du hast ja verheißen, du wollest uns nicht lassen versuchen über unser Vermögen, sondern machen, daß die Bersuchung so ein Ende gewinne, daß wirs können ertragen. Ach siche, mein Gott! die Schmerzen nehmen überhand, meinLeib ist matt, meine Kräfte haben abgenommen, meine Zunge klebt an meinem Gaumen, meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand, das Gesicht vergehet mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Ach wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Verzeuch nicht, mein Gott! du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nachte 362 Der Kranke bittet schon seyn viel geworden, du haft selbst gehört mein Winseln, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Elend und in meinen Schmerzen? Wo weiß ich hin? wo kann ich hin? denn nur zu dir allein, dem Herrn, meinem Gott. O liebster Jesu! der du dem to benden Meer haft befohlen, sich zu legen, ach! befiehl auch meinenSchmerzen, daß sie sich legen müssen, der du den Sichtbrüchigen mit einem Worte geheilet hast, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten, und so Bieles ausgestanden habe. Aus der Tiefe rufe ich, Herr! zu dir, meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hülfevon einer Morgenwache bis zur andern; denn ich weiß, bei dem Herrn findet man Hülfe. Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen, errette mich u. vergieb mir meine Sünden um deiner Güte willen, doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Ach Gott! um Linderung der Schmerzen. 363 erbör meinSeufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; du weißt mein Schmerz, erkennst mein Herz, hast du mirs aufgelegt, so bilf mirs tragen, Amen. Gefang. Mel. O Gott! du frommer Gott. Ah mein Gott! hilf mir doch, du fichest, wie mirs gehet, ach! dir ist wohl bewußt, wie schlecht es um mich stehet, du weißest meinen Schmerz mehr, als ich sagen kann, drum hilf mir gnädiglich, sonst ists um mich gethan. 2. Ach, mein Gott! hilf mir doch, auf dich steht mein Vertrauen, ach! Laß mich deine Hülf mit Freuden bald recht schauen; du bists, der Hülfe leift't, ja du bists ganz allein, drum stelle dich doch bald zu meiner Hülfe ein. 3. Ach mein Gott! hilf mir doch, zu wem soll ich sonst fliehen, wenn du mir deine Gnad und Hülfe willst entziehen? Gewiß ich weiche nicht, ich lasse nicht von dir, wenn du mir hilfest aus, und nimmst apture die Noth von mir. 4. Ach mein Gott! hilf mir doch, ich weiß, du kannst mich retten, drum wollest du es thun in diesen meinen Nöthen, du kannst es, du bist Gott, dem nichts unmöglich ist, du willst es, weil du auch zugleich mein Vater bist. 5. Ach mein Gott! hilf mir doch, daß ich dein Lob erheben, und dich auch preisen mög, dieweil ich werde leben, und sagen allezeit: getroft, Gott lebet noch! und währt es noch so lang, sich, mein Gott hilft mir doch. 364 el, angelina d CHIPOAL Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. Aufmunterung. Jef. 49, v. 14-16.. Zion spricht: der Herr hat mich verlassen; der Herr hat mein vers gessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie dessels ben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen, stehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Verursacht es bei einem Armen eine große Freude, einen reichen Woblthäter, bei Verlaffenen, einen starken Beistand zu haben, so kann auch ein Kranker große Freudigkeit haben in seiner Keankheit und Leiden, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hiebei aber ſoll er merken, 1) daß nicht ein jeder Verzug der Hülfe ein Verlaffen sey; denn manche Kranke, wenn Gott nicht gleich nach der Rechnung bald hilft, schreien und sprechen: Gott habe sie verlaf fen, allein so soll man nicht denken; Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, bilft er doch, wanns nöthig ist. Darum bleibt der Kranke 2) dabei, daß er im Glauben sage: Gott kann mich nicht verlaffen, ich bin sein Kind- Gott kann mich nicht verlaffen, er hat mirs verheißen-Gott fann mich nicht verlaffen, er hat mir vor diesem schon oftmals geholfen. Wird er sich also in Gott faffen, so wird er den Verzug der Hülfe in Geduld leiden, und endlich herrlich sehen, daß er von Gott nicht verlaffen worden sey. 365 Der Krante seufzt zc. htG e bet. du allerliebster Gott und Vater! der du mich je und je geliebet, und aus großer Liebe zu dir gezogen, siehe, ich armer Kranker komme zu dir, und bitte dich demüthig, du wollest mich nicht verlassen in meiner Leibesschwachheit. Menschen sprechen: ich kann euch nicht helfen, und so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich von dir nicht verlassen bin; denn Gott verläßt der keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seine, die ihm vertrauen sest; läßt sichs an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie meinLeiden so lange währet. Am Abend denke ich, morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; ja in der Nachtrufe ich oft: Hüter, ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach mein 366 Der Krante seufzt, Gott! vergiß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird. Ach! laß mich doch dieLast nicht gar erdrücken, nimm weg den Stein, der auf mir liegt, die Ruthe, die mich schlägt, die Schmerzen, die mich plagen. Wo soll ich dann hin, wan du mich verlassen willst? Willst du mir nicht helfen, so kann mir keine Kreatur helfen, willst du mich verlassen, so bin und bleibe ich ohne Hülfe. Allein ich weiß, du verläsfest mich nicht, ich halte a dir deine Verheißung vor, da du versprochen: ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Die auf den Herren harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Israel läugnet nicht, er wird sei nem Volk Kraft geben, und den Elennden, der keinen Helfer hat, erretten, und denSeelen der Armen gnädig seyn. Nun auf dein Wort traue ich, und hoffe, du wirst deine Zusage treulich halten im fe Himmel. Du kannst mich nicht verlas sen, denn ich bin dein Kind; bin ich doch 0 le 111 CARAC fe et Di DI Gott wolle ihn nicht verlaffen. 367 dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut; ich bin dein Eigenthum, darum wirst du und kannst du mich, dein Kind und Eigenthum, nicht verlas sen; du hast mich noch nie verlassen, in meinen Leiden und Trübsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsalen über mein Haupt zusammen schlugen, so wirst du es dießmal auch nicht thun. Darauf gebe ich mich zufrieden, darauf verlasse ich mich, und bin gutes Muths, und sage: Herr, ich lasse dich nicht, du hilfest mir dann, auf eine solche Art und Weise, als es dir gefällt. Wo soll ich mich dann wenden hin? Zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rath, allezeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Christ, Amen.. 368 Der Krante erinnert sich. seines Todes. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Ich trage mein Kreuz nicht alleine, mein Jeſus mit mir, ich auch der Seine, er stehet mir bei für und für; ich trag mein Kreuze nicht allein, dieß soll mein Trost und Zucker seyn. 2. Den Beistand hat er mir versprochen, und auch die Hülf zu seiner Zeit, wenn nun die Stunde angebrochen, so weichet auch mein Herzeleid; drum wird mein Glaube niemals klein, ich trage mein Kreuz nicht allein. G 3. Sich, Gott ist es, durch dessen Gnade ich bis auf diesen Tag noch steh, der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, ob ich gleich fühle Angst und Weh, daß ich aus großem Schmerz oft wein' doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun will ich es geduldig tragen, und währte es gleich noch so lang, sollt ich an Gottes Hülf verzagen, um Hülfe ist es mir nicht bang; Gott stellt sich bald zur Hülfe ein, ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein treuer Gott! dir will ich trauen, verlasse mich im Kreuze nicht, auf deine Liebe will ich schauen, bis meine Hülfesstund anbricht; laß mich im Kreuze nicht allein, du bist ja mein und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. 2 Tim. 4, v. 6. 7. 8. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden; ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glanben gehalten. Hinfort ist mir beigeleget die Krone der Gerech Der Kranke erinnert sich seines Todes. 369, tigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, ber gerechte Rich ter geben wird, nicht mir aber allein, sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben. ich seines Todes erinnern ist eine nügliche Sache, denn 1) dadurch zieht man sein Herz von der Eitelkeit und von Sünden ab, man sieht alles Irdische an als Dinge, die man nicht kann in den Himmel nehmen, die man nicht kann behalten, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern ist auch 2) eme nothwendige Sache, denn welche da meinen, der Tod sey noch weit von ihnen entfernt, die werden oft frech, üppig, boshaftig, vertiefen sich in die Welt, und stellen sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod ungefähr, so gehen sie gewiß verloren. 3) Man soll aber nicht denken, daß es ein Zei chen zum Tode sey, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bestellt, sein Testament macht, und sich zum seligen Sterben bereit hält; o nein, darum stirbt Niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott sein Lebensziel bestimmt hat. Man soll 4) auch sich seine Todesstunde nicht so gar schrecklich vorstellen, wie manche Kranke thun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar gesagt: der Tod sey das er. schrecklichste unter allen schrecklichen Dingen; Chriften aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Gemeinschaft des heil. Geistes, was ist daran schrecklich? Ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Frende? Gebet. Herr, es ist genug, nimm meine Seele hin: also seufze ich zu dir, mein Gott! da ich in meiner großen Schwachheit die [ a 370 Der Kranke erinnert immer größer wird, wohl merke, daß meines Lebens Ziel de ist. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu seyn. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht, ich habe in gesunden Tagen oft an ihn gedacht, darum komt er mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Täublein Noȧ mit Freuden zu dem Kasten kehrte; wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterland eilet: also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pilgrimschaft in das himmlische Freudenland, da wird nach dem sehnlichen Berlangen ein him lisches Umfangen meines Jesu folgen. Ich weiß, daß der Tod einem glaubigen Christen ist ein sanfter Schlaf und ein Durchgang in das ewige Leben. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Gott ist mein Vater, Jesus mein Fürsprecher, der heilige Geist mein sich seines Todes. 371 Führer und Tröster; zu dem komme ich, zu dem gelange ich, warum soll ich mich fürchten? Wann mein Jesus von seitnem bevorstehenden Tod redete so sprach er: ich gehe zum Vater. Ja, liebster Je= sus, ich will dir auch nachsprechen: wann ich sterbe, so gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mich fürchten zu sterben? Jesus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein, warum sollt ich nicht fröhlich seyn! Der Leib kommt in die Erde, aber die Seele fähret zu Gott; sie gehet aus der Welt in den Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus dem Trauren in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Bonne, zur Sonne, zum ewigen Bergnügen. Sehe ich doch, wie Jesus seine Arme ausbreitet, und mich als sein Kind empfangen will; wie so viel tausend GlauA a 2 372 Der Kranke erinnert bige mich aufnehmen wollen. Darum bin ich getrost, ich vergesse was dahinten ist, nämlich die Erde und alles Frdische, und strecke mich nach dem, was davornen ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Wie wohl wird mir seyn, wann ich aufgelöset bin; wie selig werde ich seyn, wann ich in Jesu Armen bin; wie vergnügt werde ich seyn, wann ich durch den Tod in das ewige Leben bin durchgedrungen. Kann uns doch der Tod nicht tödten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöthen, schleußt das Thor des bittern Leidens und macht Bahn, daß man kann gehen zu ewigen Freuden, Amen. Gefang. Mel. Wann mein Stündlein vorhanden ist. Mer er da will als ein frommer Christ nach Gottes Willen sterben, durch Jesu Blut versichert ist, den Himmel zu ererben, der kämpfe und bereite sich, damit er alsdann seliglich von hinnen mög abscheiden. 2. Vor Allem fall er Gott zu Fuß, beweine seine Sünden, er thu in Zeiten wahre Buß, daß er mög Gnade finden; er hafse jede böse That, sich seines Todes. 373 und was er sonst begangen hat in seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Chrift, und flieh zu dessen Wunden, der da der Sünder Zuflucht ist, damit er werd entbunden von aller Ungerechtigkeit, und nehm dieß Blut zum Sterbekleid in seinen Todesstunden. 4. Er führ sodann in Frömmigkeit ein gottgefällig Leben; hab Gott im Herzen allezeit; er soll sich auch bestreben, daß er sich nie von Gott abwend, und bleibe fromm bis an sein End, wie Gott es hat befohlen. 5. Er fliehe aber allermeist die schnöden Sündenwege, und was da sonst von Gott abreißt; er steh nicht auf dem Stege, auf welchem freche Menschen sind, er lebe als ein Gotteskind, und meide, was Gott haffet. 6. Er halte stets mit Beten an in den gesunden Tagen; er bete, weil er beten kann, die Noth Gott vorzutragen, so wird Gott das Gebet ansehn, wenn seine Lippen starrend stehn am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit mit seinem Feind versöhnen, der ihn mit Zorn und Bitterfeit hat pflegen zu verhöhnen, daß er ein liebreich Herze hab, eh' man ihn träget in das Grab, und seinen Feind verlasse. 8. Er flebe nicht an dieser Erd mit seinem Geist und Herzen, die Welt ist unsrer Lieb nicht werth, und bringet viele Schmerzen, wenn man sie nur verlassen soll, hingegen thut derselbe wohl, der nach dem Himmel trachtet. 9. Mein Gott! verleih mir deine Gnad, daß ich die Welt nicht achte, und gerne folge deinem Rath, und ihn mit Fleiß betrachte, auf daß, wenn 374 Der Kranke betrachtet sein Grab nun es dir gefällt, ich wohlbereitet aus der Welt zum Himmel mög eingehen. BE Der Kranke betrachtet sein Grab und Auferstehung. Aufmunterung. Joh. 11, v. 25. Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stirbet. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Wer er als ein Christ sein Grab ansiehet, der wird davor nicht erschrecken, so finster es auch immer seyn mag; denn 1) ist es eine Ruhekammer, da wir von allen Schmerzen, Jammer, Kummer und Herzeleid sollen befreit werden. Der Leib soll 2) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun aus. gernhet haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, leuchten wie die Sonne, und mit der Seele wieder vereinigt werden. Wollte mau 3) einwenden: ich muß aber die lieben Meinigen auf Erden verlassen, so soll man denken, daß im Himmel ein allgemeines Wiedersehen seyn wird. Werden die Unsrigen im Glanben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nimmermehr von ihnen wieder geschieden werden. Was die leiblichen Gaben betrifft, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Wann dieses alles von einem Kranken erwägt wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht erschrecklich vorkommen. und Auferstehung. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! fiehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben, ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viel Trübsal und Leiden zur Ruhe bringen. Vor dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird seyn meine Schlafkammer; mein Elend, Krankheit und Leben kommt nicht mit mir ins Grab, das muß draußen bleiben. O stiller Ort, v ange= nehme Ruhestätte! wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib in deinen Schoos gelegt werden? Das Grab hat mir Jesus selbst geheiligt, er hat mirs zur Ruhestätte gemacht, als er nach ausgestandnem Leiden dareingelegt wurde, da hörte sein Schmerzen und all sein Jammer auf. So hat der Herr auch meinem Leib eine Ruhekammer bereitet in der Erde, und der Seele einen Erquickungsort im Himmel. Suchen Menschen weiche Betten 375 376 Der Kranke betrachtet sein Grab zur Ruhe, siehe, so sind sie gegen mein Grab nicht zu vergleichen. Im weichen Bette muß mancher Schmerzen und Ungemach aussteben, aber in meinem Grabe wird kein Unglück sich zu mir nahen, und kein Schmerz wird mich rühren. So ist das Grab ein von allen Leiden und Schmerzen befreites Bette. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? Ich werde ja nicht darinnen bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder erwecken. Wer an mich glaubt, spricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So soll mein Grab denn nur ein kleiner Aufenthalt seyn, darin mein Leib wird schlafen, bis Jesus wird kommen und sprechen: Stehet auf ihr Todten, und kommet vor Gericht. Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes und werden hervorgehen. Wann und Auferstehung. 377 ich nun diese Stimme hören werde, so werde ich auferstehen aus meinem Grabe, mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereinigt, mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlicht werden, ich werde leuchten wie die Sonne, ja alle Schwachheit um und an wird von mir seyn abgethan. Grünet das Waizenkorn wieder hervor, wann es in der Erde erstorben zu seyn scheint, ſo werden auch meine Gebeine wieder versammelt. Es wird gesået verweßlich und wird auferstehen unverweslich; es wird gesået in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gesået ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein mit geistlichen und himmlischen Eigenschaften begabter Leib. Was hier krånket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen. Weil du vom Tod erstanden bist, werd ich im Grab nicht bleiben, mein höchster Trost dein Auffahrt ist Todesfurcht kann sie vertreiben; dann wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets 378 Der Kranke betrachtet sein Grab zc. bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden. So fahr ich hin zu Jesu Christ, mein Arm thu ich ausstrecken, ich schlafe ein und ruhe sein, kein Mensch wird mich aufwecken, denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthür aufthun, mich führen zum ewigen Leben, Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ch scheue mich nicht vor dem Grabe, ich sehne mich vielmehr darnach, weil ich da rechte Ruhe habe, nach ausgestand'nem Weh und Ach; wer sich noch vor dem Grabe scheut, der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, darein mein Leib mit Freuden zieht, weil in derselben aller Jammer auf einmal von mir weicht und flieht; wer schrecklich von dem Grabe spricht, der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, die Sorg und Kümmerniß von mir, und lässet mich da sanfte raften, o großer Gott! dieß dank ich dir; auch von den Sünden, Angst und Bein werd ich im Grab befreiet seyn. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, seht, Jesus deckt mich selber zu, es ist die beste Ruhestätte, da Niemand störet meine Ruh; dem Leibe ist im Grabe wohl, die Seel ist bei Gott freudenvoll. 5. D'rum bleibt im Grab und Jesu Wunden mein Leib und Seele wohl bewahrt, sie haben 379 Gebet wegen erlangter Gesundheit. beide Höhlen funden, da sie zur Herrlichkeit verspart verbleiben, bis der große Hirt sie wiederum verein'= gen wird. 6. O schönes Grab!.o kühle Erde! o schwarze Gruft, doch sanfter Schoos! darinnen ich recht glücklich werde, von Leiden, Trübsal, Unglück los. Herr! meinen Geist befehl ich dir, die Ruh gönn meinem Leibe hier. Der Kranke danket Gott wegen der wieder erlangten Gesundheit. Aufmunterung. Joh. 5, v. 14. Siehe zu, du bist gefund worden, fündige fort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergers widerfahre. Daß die meisten Kranken gerne beten, ist gewiß, und daß die meisten mit dem Munde Gott viel versprechen, wie sie, wann fie Gott laffe gefund werden, wollen neue Kreaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleißige Kirchgänger wer. den, ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen die allerwenigsten halten, lehrt leider die tägliche Erfahrung. Daher soll ein wahrer Chrift, wann ihn Gott von dem Krankenbette befreiet hat, 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes Allmacht ihn auf einmal aufs Bette hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet und ihn von der Todesgefahr gnädiglich befreiet habe. 2) Es soll ein solcher Kranter, der nun wieder gesund worden ist, sein auf dem Sterbebette gethanes Versprechen halten. Denn es ist besser, nichts versprechen, als das Versprochene. nicht hal. ten. 3) Hat er wieder, wie Hiskias, nene Kräfte erlangt, so soll er nicht allein zu Hause auf seinen 380 Der Kranke danket Gott Knieen dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, sondern auch in das Haus Gottes eilen, und daselbst vor Gottes Angesicht sich niederwerfen; auch Andern dadurch Gelegenheit geben, die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Lebensgefahr fleißig erwägen, und dem all. mächtigen, dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen. Gebet. du allmächtiger und gnädiger Gott! ich trete vor dein allerheiligstes Angesicht, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem KranFenbette wieder aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Angststunden, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, darin ich schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet, du hast mich wieder auf meine Füße gestellet, daß ich aus- und eingehen kann. Deine Gnade hat mein Klagen verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freuden gegürtet. Herr, Herr! du hast Großes an mir ge wegen wieder erlangter Gesundheit. 381 than, deß bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bisher geholfen. Denn das weiß ich fürwahr: wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Dann du, o Gott! hast nicht Lust an unserm Verderben; nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Batertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden: daher will ich mein Lebenlang denken an die Angst meiner Seele, aber ich will auch rühmen, v allmächtiger Gott! vor der großen Gemeine, was du an mir gethan hast; du hast die Arznei ge= segnet, du hast meine Schmerzen gelindert, du hast mir Stärke gegeben, das Leiden zu überwinden, du hast nach den mühsamen und elenden Nächten mir Erquickungstage bescheret, und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater er 382 Der Krante danket Gott barmt. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen: lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir, ihr, die ihr jemals, wie ich, in Nöthen, Krankheit undLeiden gewesen seyd, den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörte der Herr, und half uns aus allen unsern Nöthen. Die den Herrn in ihrem Elend im Glauben ansehen, und mit Gebet anrufen, deren Angesicht wird nicht zu Schanden, er låsset sie nicht betrübt von seinem Throne weggehen, son dern er erbarmt sich ihrer gnädiglich. Ach mein Gott! laß diese mir erwieseneGnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen seyn. Nun weiß ich, u. hab es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, denn du kannſt die Todten lebendig, Kranke gesund, die Schwachen stark und Betrübte fröhlich machen. Ach! ich habe in meinem wegen wieder erlangter Gesundheit. 383 Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslast mir nicht abnehmen konnten, sondern wann du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elende vergangen; darum will ich nicht mehr nach eitlen Dingen trachten, sondern meine Freude an dir haben, ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden, und mich halten zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankens, und da man erzählt alle deine Wunder; ich will verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit ich bereit sey, wann du mit meiner Todesstunde und mit dem Ende meines Lebens kommen wirst, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmerniß, mein Gott! in meinem Herzen, doch deine Tröstung war gewiß die Arznei meiner Schmerzen. Immanuel! Trost Israel! je mehr du mich ver 384 Der Kranke danket Gott lehest, je mehr du mich ergdhest. Ich hatte viel Bekümmerniß, wenn ich den Tod bedachte, daß mir das finstere Grab ge= wiß nicht kleines Grauen machte. Immanuel! Trost Israel! weil du den Tod geschmecket, hat er mich nicht geschrecket. So hat ich viel Bekümmerniß, du aber vielmehr Liebe, dein Trost war mir so engelfüß, daß er die Angst vertriebe- Immanuel! Trost Israel! kannst du mich hie so trösten, so ist der Trost am größten. Gesang. Mic Mel. Wie soll ich dich empfangen. nie kann ich g'nugsam preisen, Herr! deine Wunderthat, und tiefen Dank erweisen für deine Lieb und Gnad, weil das, was mich gedrücket, mein Leiden ist dahin, und da ich hochbeglücket vom Tod errettet bin. 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, wenn er die Hülf erblickt, das Leben ist erneuert, die Seele ist erquickt, ja Sinnen und Gemüthe, und was nur ist in mir, das preiset seine Güte, mein Vater! für und für. 3. Drum soll mein Mund nicht schweigen, der wieder fingen kann, und dankbar sich erzeigen, dem der mir Guts gethan, mein Herz stimmt ein mit Freuden, und rühmet überall: wie Gott in meinem Leiden geholfen diesesmal. 4. Ich sahe mich verlassen, und du erhobest mich; wie kann ich g'nugsam fassen, daß du so gnädiglich wegen wieder erlangter Gesundheit. 385 von allen Trübsalsstunden, die dir und mir bekannt, mich väterlich entbunden durch deine starke Hand? 5. Ich konnte mir nicht rathen, ich war von Hülfe blos, doch sah ich Wunderthaten, da du in deinen Schoos mich als ein Vater legtest, und hieltest dich zu mir, und wie ein Kind mich hegtest, und sprachst: Ich bin bei dir. 6. Ja wohl, ich hab empfunden, daß du an mich gedacht, denn ich hab überwunden durch deines Armes Macht; ach ja! ich bin genesen, lobt Gottes Herrlichkeit, ich bin in Noth gewesen, und nun baraus befreit. 7. Herr! ich hab recht gesehen, was du an mir gethan, ich will es gern gestehen und sagen Jedermann, daß deine Macht und Stärke, vor der sich Alles neigt, sich hat in diesem Werke gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach! lernet Gott vertrauen, die ihr in Nöthen seyd, denn an mir könnt ihr schauen des Herren Gütigkeit, der kann das Unglück wenden, das euer Herz beschwert, und euch die Hülfe senden, so wie euch die ihr sie begehrt. 9. Mein Gott! ich werf mich nieder vor deinem Thron allhie, und singe Freudenlieder mit tiefgebeugtem Knie; ich, danke dir von Herzen mit meinem Geist und Mund, daß du mir nach den Schmerzen geschenkt die Freudenstund. 10. Dieweil ich werde Leben, und weil ich denken kann, soll mir vor Augen schweben, was du an mir gethan; dein Helfen, dein Regieren, dein Leiten hin und her, dein Sorgen und dein Führen vergeß ich nimmermehr. Bb Vierter Theil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. 2 Cor. 5, v. 10. Bir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Chrifti, auf daß ein Jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sey Gutes oder Böses. So wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet, ist Pauli Ermahnung 1 Cor. 11, 31. und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben un. tersucht, sich verklagt, um Jeju willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig seyn; denn wer seine Missethat erkennet und läffet, der wird Barmhergigkeit erlangen. Dieses nun soll auch ein Sterbender thun; er soll gedenken: 1) ich muß einmal vors Gericht, dann dem Menschen ist geseßt, ein. mal zu sterben, und hernach das Gericht. Dero. halben thut ein Sterbender 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit Gott versöhnt, Gott um des Blu Der Sterbende stellet sich sc. 387 tes Jesu willen um Vergebung bittet, und also Gnade erlangt, so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, schleunig oder langsam, so wird Gott seine Seele in Gnaden aufnehmen, und am jüngsten Gericht wird er als ein um Jesu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. Gebet. I weiß, mein Gott! daß den Menschen geseßt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht: derowegen stelle ich mich jekt vor dein Gericht, dieweil ich lebe, ich will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter Gott! ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote, und auch oft wissentlich übertreten, ich habe dich nicht geliebt von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräf ten, ich habe nicht den Fußstapfen meines Jesu allezeit nachgefolgt, noch mich den heiligen Geist leiten und führen lass sen, wie ich billig hätte thun follen. Ich gedenke, daß ich dein Kind bin in der heiligen Taufe geworden, aber daß ich nicht allemal wie ein Kind Gottes geBb2 388 Der Sterbende stellet fich lebt, daß ich in der Beicht und bei dem Genuß des heil. Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten, und mich wieder der Welt gleich gestellt habe. Herr! ich habe mißgehandelt, ja mich drückt der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget hast; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer worden. O gnädiger Gott! der du verheißen hast, du wolleft nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, siehe, ich komme und will Frieden mit dir machen. Ach! ich bereue meine Sünden, und falle vor deinem Richterstuhl nieder, und spre= che: Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott, heiliger Geist, erbarme dich über mich! Ich flehe, o Vater, zu deiner großen Barmherzigkeit, und spreche: Ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, ich bin nicht werth, vor das göttliche Gericht. 389 daß ich dein Kind heiße, aber ach! sey deinem Kinde gnädig und verstoß mich nicht. Ich fliche zu dir, o Jesu, mein Fürsprecher! ach, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Ach! um deines Blutes willen verzeihe mir meine Missethaten, um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden. Gott sey mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. O du werther heiliger Geist! zu dir flehe ich, ach schaffe ein neues Herz in mir, und heilige, teinige es, gieb mir das Zeugniß, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sey. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vorsaß, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in kindlichem Gehorsam. Ach! wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Seufzer, liebliche Todesbetrachtungen, verleihe mir eine erquickende Betrachtung des 390 Der Sterbende stellet fich Himmels und der Fünftigen Herrlich keit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: Sey getrost, mein Sohn! dir sind deine Sünden vergeben. D du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich, u. laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals Uebels gethan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Mein Jesu! wann ich vor Gericht soll treten, da man nicht entfliehen kann, ach! so wollest du mich retten, und dich meiner nehmen an; du allein, Herr! kannst es wehren, daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand seyd von mir noch nie erkannt, Amen. Gesang. Mel. O Gott! du frommer Gott. hr Tobten stehet auf! so wird die Stimme flingen, die uns am jüngsten Tag fann aus den Gräbern bringen; wie dieser Stimme Schall der Frommen Schaar ergößt, so wird der Bösen Rott dadurch in Furcht gesetzt. 35118 vor das göttliche Gericht. 391 2. Ihr Tobten stehet auf! ihr habt nun ausgeschlafen; ihr Frommen! kommt herbei, und stellt euch zu den Schaafen; Geliebtel gehet ein zur Freud und Herrlichkeit, euch ist das weiße Kleid, die Ehrenkron bereit. 3. Ihr Todten stehet auf! eilt, gehet aus ber Erden; ihr Bösen! ihr sollt jetzt zur Höll gestoßen werden; ihr habt.nicht fromm gelebt, geht zu der Höllenpein, es soll ber Ort der Qual nun eure Wohnung seyn. 4. Ihr Todten stehet auf! seht, hie find eure Glieder, Haut, Augen, Füß und Händ, die nehmet jego wieder, womit ihr Gott gebient, bem ist die Herrlichkeit, womit ihr Sünd gethan, dem ist die Straf bereit. 5. Jhr Todten stehet auf! euch Fromme soll umgeben ein heller Sonnenglanz, ihr sollt nun ewig leben; die Seele kehre sich nun ihrem Leibe zu, und hab mit ihm verknüpft, vergnügte Himmelsruh. 6. Ihr Todten stehet auf! ach möcht dieß Wort erschallen in aller Sünder Herz, so würden sie nicht fallen in schwere Missethat, denn wem das Herze bricht, und liebet Jesum nicht, der kommet ins Gericht. 7. Ihr Todten stehet auf! das soll mich nicht erschrecken; die Stimme wird den Leib zum Leben auferwecken; ich werde schön verklärt zum Freudenreich eingehen; und Herr! dein Angesicht mit allen Frommen sehen. 8. Im Glauben will ich dir, o Seelenfreund! anhangen, durch deines Geistes Gnad recht fromm zu seyn anfangen, damit, wenn auf dein Wort bie Todten auferstehn, ich mög von dir verklärt zur Seligkeit eingehn. 392 Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. AOK OUTRE Aufmunterung. Matth. 6, v. 14. 15. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himme lischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. 3 u der wahren Vorbereitung zum seligen Ster. ben gehört auch die Versöhnung mit dem Näch. sten: diese Versöhnung nun soll ein Sterbender nicht auf die lange Bank schieben, sondern sie in Zeiten, da sein Verstand noch vollkommen ist, vor. nehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten ist viel zuwider gethan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit ins Grab nehme, sendern ihnen von Herzen verzeihe. Wenn aber 2) er andern Leuten Verdruß angethan, und sie beleidigt hat, so soll er nicht eher ruben, bis er sich mit ihnen versöhnet, ja er soll sich nicht schämen, sie vor sein Sterbebette kommen zu lassen, und sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung zu bitten, oder wenn sie abwesend find, es ihnen schriftlich abzubits ten, oder wenn sie todt sind, Gott um Verzeihung deßwegen anzufleben. Hiebei soll man auch das Gestohlene und Entwendete, auch das dem Nächften mit Unrecht Entriffene wieder geben, oder seinen Erben, weil die Sünde nicht kann vergeben werden, wenn das Entwendete und Gestohlene, oder der Werth desselben nicht wieder gegeben wird. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden antreiben sowohl die christliche Schuldig Der Sterbende verzeiht 2c. 393 keit, als auch der göttliche Befehl und Bedrohung Matth. 6, v. 8. Wie du mit deinem Feind umgehest, so wird Gott mit dir umgehen. Gebet. Mein Gott! ich lebe, und weiß nicht, wie lang, muß sterben, und weiß nicht wann, darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, da mit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genennet das Haus des Friedens, darin keine unversöhnliche, rachgierige und mit Zorn und Haß angefüllte Seelen eingelassen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und Feindschaft reinigen, ich will gerne verzeihen und um Verzeihung bitten, damit mich Gott um Jesu willen als einen Versöhnlichen zu Gnaden aufnehme. Derohalben verzeih ich von Grund meiner Seele allen meinen Feinden, und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Gebärden beleidigt haben, ich verzeihe u. vergebe es ihnen nicht al 394 Der Sterbende verzeiht, lein mit dem Munde, sondern vor Gottes Angesicht, und von Herzen, ich will nun und nimmermehr daran denken, ich will es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen, und Gutes thun, wo und wenn ich nur kann; ja ich bitte für sie Gott, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern lassen wohlergehen zeitlich und ewiglich. Wie ich nun von Herzen verzeihe u. verziehen habe allen, die mich jemals erzürnt, oder mir etwas zuwider gethan haben, also bitte ich auch hiemit um Verzeihung alle diejenigen denen ich jemals zu nahe geredet, denen ich was zuwider gethan, oder Schaden und Verdruß zugefügt habe; ach! verzeihet es mir, ihr liebsten Freunde! um der Liebe Jesu willen, traget keinen Haß wider mich, ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe, ich bitte euch hiemit um Verzeihung von Herzen, mit Hand u. Mund, u. wollte Gott ich könnte euch hie vor meinem Sterbebette alle se and bittet um Verzeihung. hen, so wollte ich es auch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott! verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er sey, wer er wolle, aus Bosheit oderSchwachheit, wissentlich oder unwissentlich, habe zu Leide gethan, ach! vergieb mir es um deiner Barmherzigkeit willen. Ach! ge= denke nicht meiner Sünden und Misse= that. Ach mein himmlischer Vater, erbarme dich über mich. O mein Jesu, wasche mich von Sünden, und bitte für mich. Odu heiliger Geift, heilige mein Herz, und reinige es von allerUntugend. So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Berleih, daß ich aus Herzensgrund meinen Feinden mög vergeben; verzeih mir auch zu dieser Stund, schaff in mir ein neues Leben; dein Wort mein Speis laß allweg seyn, damit mein Seel zu nähren, mich zu wehren, wenn Unglück gehet daher, das mich bald möcht ab: Fehren, Amen. 395 396 Der Sterbende verzeiht zc. thiqmas e fang. JOOMMOD Mel. Freu dich sehr, o meine Seele! ch will Jedermann verzeihen, der da mich beleidigt hat; ach Gott! laß mir angedeihen diese unverdiente Gnad, daß ich, dein versöhntes Kind bei dir neue Gnade find; ich verzeih von Herzensgrunde, und versprech es mit dem Munde. 2. Mein Verlangen und mein Sehnen ist, mein Vater! dieß allein, daß ich mög mit allen denen völlig ausgeföhnet seyn, die mir sind von Herzen feind, ich hingegen bleib ihr Freund; wüßten sie doch, wie's mich fränke, wenn ich an mein Unrecht denke. 3. Ach verzeiht mir, liebsten Freunde, wenn ich euch erzürnet hab, bleibet doch nicht meine Feinde, seht, ich schicke mich zum Grab; ach ich hab mit Werk und Wort euch betrübet da und dort, ach das wollen wir aufheben, ach ihr wollets mir vergeben. 4. Ich will auch nicht mehr gedenken, was ihr wider mich gethan, laßt es uns einander schenken, nehmet meine Abbitt an: denft, ach denket nimmer nicht, was ich Böses angericht, alles sey hiemit verzichen, laßt uns alle Feindschaft flichen. 5. Großer Gott! da dieß geschehen, komm ich nun versöhnt zu dir, ach laß mich dein Antlitz sehen, großer Gott! verzeih auch mir, nimm weg meine Sündenschuld, schenk mir deine Lieb und Huld, laß mir keine Feindschaft schaden, nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, dieweil ich versöhnet bin, es geschehe Gottes Wille, dem geb ich mich gänzlich hin: Fried mit Menschen, Fried mit Gott, das versüßt die Todesnoth, also kann man selig sterben, und entgehen dem Verderben. 497 illo troc Der Sterbende nimmt Abschied, und giebt den Seinigen den Segen. Aufmunterung. Ap. Geſch. 20, v. 32. Nun, lieben Brüder! ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnaden, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter allen, die geheiliget werden. 1001 10 as Sterbende vor ihrem Tode von ihren Augehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern, wenn sie welche baben, den Se gen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaat, Jakob, Tobia, Christo Jesu und andern klärlich sehen. Solcher Segen nun 1) ist nicht vergebens; denn weil es ein Abschiedsgebet ist, so der Sterbende für die Seinen thut, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben, und im Namen Christi geschiehet, nicht unerhört bleiben. 2) Die letzten Worte der Sterbenden pflegen auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Nachdruck zu seyn, daher eine Ermahnung eines sterbenden Vaters oder Mutter oder Freundes nicht ſo bald vergessen wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüth hangen bleibt. Kinder aber sollen 3) ermahnt seyn, daß fie die Eltern bei gesunden Tagen nicht betrüben, und dadurch nicht verursachen, daß die Eltern ihnen keinen Segen binterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt; fromme christliche Eltern geben ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. Der Sterbende nimmt Abschied, Gebet. Ich nehme hiemit Abschied von allen Bekannten, Wohlthätern und Freunden, ich befehle sie dir, o großer Gott! in deinen Schuß, Liebe und Gnade; thue ihnen Gutes für die mit erzeigte Güte und Gütthaten, und da ich ihnen nicht alles vergelten kann, so wollest du ihr reicher Vergelter seyn. Ich verlasse meine Freunde, Berwandten und Bekannten, aber du, ogroßer Gott! wolleft sie nicht verlassen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und Frömmigkeit, damit wir einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Glaubigen und Kinder Gottes wieder zusammen kommen. Diejenigen aber, o getreuer Gott! die ich hinterlasse, und welchen mein Abschied von der Welt wird betrübt und schmerzlich seyn, denen gieb deinen reichen Segen. Der Herr segne euch, ihr meine geliebten Angehö398 und giebt den Seinigen den Segen. 399 rigen! er segne euch an Leib und Seel, er nehme euch in seinen Schuß, er beschere euch nach seiner våterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen, und bewahre euch vor allem Uebel. Nun fürchtet Gott und seyd fromm, seht euer Vertrauen auf ihn, und wisset, er wird sich über euch erbarmen, und euch gnädig seyn. Wendet euch nicht von ihm ab durch den Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seyd ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Lasset nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Ja der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euren Aus- und Eingang, daß ihr seyn und bleiben möget die Gesegneten des Herrn. Ogroßer Gott! ich habe sie gesegnet, laß sie auch gesegnet bleiben. Und nun, o dreieiniger Gott! nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgeldset und bei Christo zu seyn. Herr Jesu! 400 Der Sterbende nimmt Abschied, dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig. Mache mich und die Meinigen, o Jesu! ewig selig, Amen. 100 198 Gesang. Mel. Wann mein Stündlein vorhanden ist. Mein Pein Stündlein nahet sich herzu, daß ich von hier soll scheiden, um hinzugehn in meine Ruh, nach vielem Schmerz und Leiden; ich schicke mich zu meinem Tod, und sehne mich nach meinem Gott, der wird mich ewig weiden. 2. Ach Gott! es ist mir herzlich leid, daß ich bie. Welt geliebet, und lang gesucht die Eitelkeit, und dadurch dich betrübet; ach! tilge meiner Sünden Heer, gedenk derselben nimmermehr, und was ich ausgeübet. 3. Ich eigne mir zu Jesum Christ, sein Blut, Verdienst und Wunden, der meiner Seelen Zuflucht ist, mit dem bleib ich verbunden; o Jesu, Jesu! ich bin dein, ach! laß mich auch dein eigen seyn in meinen Todesstunden. 4. Darum bestell ich nun mein Haus, das will ich Gott empfehlen, ich theil hiemit den Segen aus, von Grunde meiner Seelen; Gott woll den Meinigen beistehn, und laß es ihnen wohlergehn, und nie an Hülfe fehlen. 5. Also will ich zu meinem Gott mein Herz und Geist erheben, ich fürchte mich nicht vor dem Lod, denn Jesus ist mein Leben; sieh, ich bin hie, ach! nimm mich hin, weil ich mit dir versöhnet bin, dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib in sanfter Ruhe decken, woselbsten er verwahret bleibt, bis Der Sterbende befiehlt sich Gott. 401 ihn Gott wird erwecken; ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht kann, wenn ich bin zu Grab gebracht, mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel empfehl ich dir in deine tiefe Wunden, o Jesu, Jesu! bleib bei mir in meinen Todesstunden, o Jesu! ach, verlaß mich nicht, bis daß ich hab dein Angesicht nach meinem Wunsch gefunden. 18. Im Glauben und in Frömmigkeit will ich mit Freuden sterben, und das so schöne Feierkleid durch Jesum Chriftum erben; ihm leb und sterb ich als ein Christ, der da bei Gott in Gnaden ist, und werde nicht verderben. 9. Und hiemit schlafe ich sanft ein, weil sich mein Leben endet, mein Jesus wird auch bei mir seyn, der sich schon zu mir wendet; fahr hin, mein Geist, zu deinem Gott, fahr hin zur Freude nach der Noth, mein Lauf ist nun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. Psalm 31, v. 6. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du haft mich erlöset, Herr! du getreuer Gott. Bater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Luc. 23, v. 48. Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch vielerlei zu befehlen und anzuordnen. Sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen darüber das Beste, nämlich ihre Seele. 1) Ein jeder rechtschaffene Christ soll täglich, wenn er sich des Abends schlafen legt, oder am Morgen aufsteht, seine Seele sammt dem Leibe in Gottes Schuß befeh. len. Thun aber das fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) thun Sterbende, sie haben vor sich ( c 402 Der Sterbende das Erempel ihres Heilandes, als er sterben woll. te, so sprach er: Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geift! So machte es auch Stephanus, als er unter den Steinen seufzete: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Dieses aber ist auch 3) höchst nöthig: man siehet au Sterbenden so vielerlei Veränderungen und Zufälle. O! wie wohl ists daun gethan, wenn man bei gutem Verstande Gott seine Seele anbefiehlet, und das Beste in gute Verwahrung bringet, im llebrigen aber sich in Gottes Willen zu leben und zu sterben überlasset. 4) 3st so alles bestellt, so stirbt man selig. Gebet. Barmherziger und liebreicher Gott! der du die Menschen läsfest sterben, und sprichst: kommet wieder, ihr Menschenkinder! der du deine Geliebte durch den Tod zu dir ziehest, und sie der Herrlichkeit theilhaftig machest, die uns Jesus mit seinem bittern Leiden und Sterben erworben. Ich sehe, daß meine Schwachheit eine lautredende Stimme wird, die mir zuruft: bestelle dein Haus, denn du mußt sterben. Mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen, halte deine Glaubenslampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann befiehlt sich Gott. 403 mein Stündlein sich wird nahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen, treib hinaus alle weltliche und sündliche Gedanken, daß ich mich allein an dir ergöße, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit mir vorstelle, und die Freude der Auserwählten. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen in mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächtniß behalte Jesum Christum, und sein vergossenes Blut und Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun die Todesstunde herbei kommt, so bewahre mich, wann es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtungen, schwerenGedanken, vor großen Schmerzen, laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir singe, rede und bete; und so mir ja dieSprache entfallen sollte, daß ich in meinem Herzen deiner Lieblichkeit genießen, und deine allerheiligt. 602 Der Sterbende Gegenwart empfinden möge. Gieb mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben, laß mich alsdann einen Blick thun in die frohe Seligkeit, gieb mir in der Todesstunde etliche Tropfen zu schmeden der himmlischen Süßigkeit, damit ich voll Freuden und Trost möge von hinnen abscheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verlässet, ach! nimm sie alsdann in deine Hände. Bedecke sie mit deiner vollkommesen Gerechtigkeit, und führe sie zur Himmelsfreude ein. Ich befehle dir auch meinen Leib in der kühlen Erde, verleihe demselben eine sanfte Rube, bis die letzte Posaune erklingen und rufen wird: stehet auf ihr Todten u. kommet vors Gericht! und laß mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich u. selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, so verleih mir, Herr! durch deine Gnad, daß es gescheh mit Freuden, mein Leib und Seel befehl ich 401 befiehlt sich Gott. 405 dir, o Herr! ein selig's End gieb mir durch Jesum Christum, Amen. Gefang. Mein Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. ein Gott! ich habe noch das Leben, das deine Hand verlichen hat, das will ich dir jetzt wieder geben, doch bitt ich noch um diese Gnad: wenn nun mein letztes End anbricht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch und kann noch beten, d'rum bete ich und komm zu dir, wirst du im Sterben zu mir treten, so ist mir wohl, so gnüget mir, und wenn der Tod mein Herze sticht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 3. Wann meine Todesstund erscheinet, und werde nach und nach gar blaß, wenn Jedermann mich klagt und weinet, und lieg im Todesschweiße naß, wenn sich entfärbet mein Gesicht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 4. Wenn mein Verstand sich wird verlieren, daß ich nicht mehr weiß, wo ich bin, so laß mich deinen Geift regieren, damit ich Jesum hab im Sinn, und so mich meine Sünd ansicht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 5. Wenn sich die blaßen Lippen schließen, daß man kein Wort mehr von mir hört, so laß mir diesen Troft zufließen: ich geb dir, was du haft begehrt; wenn meine Zunge nicht mehr spricht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 6. Wann das Gesichte wird vergehen zuletzt in einer Sterbenszeit, so laß mich dich im Glanze sehen, und zeig mir deine Herrlichkeit; auch wenn 406 Der Sterbende stellt verlöscht mein Angesicht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder sehn noch hören, man rufe mir zu noch so hart, so laß, Herr! deinen Geist mich lehren, und stärk den Glauben mehr und mehr, ja wenn ich nun soll vors Gericht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 8. Und liege ich nun ganz erstarret, so laß mich dir empfohlen seyn, und wenn man auf mein Ende harret, so laß mich selig schlafen ein; wenn dieses alles nun geschicht, alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden, und mit dem Todtenkleid umhüllt, so laß die Seele gehn im Frieden dahin, wo mich nur Freud erfüllt, da laß mich sehn dein Angesicht im hellsten Glanz, im schönsten Licht. 10. Liegt der entseeite Leib begraben, so schau im Grabe auch auf mich, laß mich da sanfte Ruhe haben; denn hab ich, schönster Jesu! dich, so bleibt der Leib mit Erd bedeckt, bis deine Hand ihn auf erweckt. 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen an jenem Tag aus meinem Grab, laß mich den Leib verFläret sehen, den ich allhie getragen hab, auf daß ich ganz mit Seel und Leib dein Eigenthum auf ewig bleib. Der Sterbende stellet eine HimmelsBetrachtung an. Aufmunterung. Ap. Gesch. 7, v. 55. Stephanus aber voll heiligen Geistes sahe auf gen Himmel, und fahe bie Serrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten eine Himmels Betrachtung an. 407 Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Nichts Süßers und Angenehmers kann einer glaubigen Seele seyn, als an Gott und an den Himmel zu denken. Im Himmel ist die Wohnung, Vaterland, Trost, Erbe, Krone, Herrlich. keit; ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also seyn mit einem Glaubigen, wie vielmehr mit einem Sterbenden? Bei den. Sterbenden finden sich allerlei traurige Dinge ein, der Abschied von den Ihrigen, der Umstehenden Thränen und dergleichen. Allein diefes kann verfüßet werden, wenn der Sterbende sein Herz schickt da hinein, wo er ewig wünscht zu seyn. 1) Thut der Abschied wehe, so soll er denken an die heiligen En gel und Auserwählten im Himmel, bei welchen und um welche er in Ewigkeit seyn wird. 2) Sie. bet er die Seinigen weinen, so soll er sich erinnern der ewigen Freuden, Wonne und Glückseligket, die auf ibn in dem ewigen Leben wartet, wo selbst kein Ach und Weh, und keine Thräne mehr seyn werden. Gebet. du gnädiger Gott! wie groß ist deine Liebeu- Gnadegegen uns Menschen? Nicht nur hilfst du uns, erhörst uns, erbarmst dich über uns, überschüttest uns mit vielen Wohlthaten, dieweil wir leben, sondern hast uns auch viele u. herr 408 Der Sterbende stellt liche Güter in dem Himmel aufgehoben, denn im Himmel sollen wir haben, o Gott! wie große Gaben. Derohalben stelle ich mir im Glauben vor deine große Majestät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohnest, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Außerwählten, nämlich alle Frommen, die je mals auf Erden gelebet haben, vor deinem Thron stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig dir zu Ehren anstimmen. Ja, ich stelle mir vor, wie bald ich auch werde unter ihnen stehen, wenn ich nun sanft und selig ge= storben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen, und mit einem weißen Kleide werde angethan seyn, ja ich werde selbsten leuchten wie die Sonne. O Herrlichkeit, o Seligkeit, die mir der Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit um Jesu willen mittheilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thüre zu solcher Herrlich eine Himmels. Betrachtung an. 409 keit aufthun wird. Ich schaue mit Freu den den Himmel an, denn es ist meine ewige Wohnung, hie haben wir doch keine bleibende Stätte. Diese Wohnung hat mir Jesus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erwor ben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schau ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, wo alle frommen Christen und Glaubigen versammelt sind. Dieweil ich auf der Welt bin, bin ich wie ein Pilgrim und Wandersmann, aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelangt bin, alsdann komm ich zur Ruhe, zum Frieden, und zu meinem ewigen Wohlseyn. Ich sehe den Himmel an mit Freuden, und denke, das ist mein Erbe; habe ich hie kein groß Erbe auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unbeflecktes Erbe aufbehalten. Ich gedenke, der Himmel ist das Paradies, darin Gott die Glaubigen ergößen wird, gegen wel 410 Der Sterbende stellt 2c. ches das Paradies auf Erden nur ein Schatten war. Ich will, mein Gott! wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenlande zu Salomo sagen: o mein Gott! o mein Jesu! mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt, du hast mehr Herrlichkeit und Gutes, denn das Gerücht, welches ich von dir gehöret habe. Komm, o Tod! du Schlafesbruder, komm und führe mich nun fort, löse meines Schiffleins Ruder, bringe mich in sichern Port, es mag, wer da will, dich scheuen, du kannst mich vielmehr erfreuen, denn durch dich komm ich hinein zu dem süßen Jesulein, Amen. Gesang. Hie Mel. 3ion flagt mit Angst und Schmerzen. ie ist gut seyn, also sagen dorten in der Himmelsfreud, die da Kron und Palmen tragen, angekleid't mit Herrlichkeit, o wie ist uns hie so wohl! wir sind alles Trostes vell, wir sind aller Angst entbunden, alles Leiden ist verschwunden. 2. Hie ist gut seyn, denn wir sehen nunmehr Gott von Angesicht, wir sind selig, weil wir ste= Der Sterbende erwägt 2c. 411 hen in dem größten Glanz und Licht, uns ist nunmehr ewig wohl, wir sind alles Trostes voll; Klarheit hat uns ganz umgeben hier in diesem Freudenleben. 3. Hie ist gut seyn, wir genießen lauter Wonne, lauter Freud, hie an diesem Orte fließen Ströme aller Süßigkeit, hie weiß man von keiner Klag, nichts von Trübsal, Angst und Plag, unser Antlitz ist voll Wonne, welches leuchtet wie die Sonne. 4. Hie ist gut seyn, denn hie schweben vieler tausend Engel Heer, als bei welchen wir nun, leben in der größten Zier und Ehr, hie erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schaar: zu den Engeln, zu den Frommen sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun will ich im Glauben bleiben, und auch in der Frömmigkeit, davon soll mich nichts abtreiben, weil ich lebe in der Zeit, so werd ich: Hie ist gut seyn! stimmen mit den Frommen ein, und nach ausgestand'nem Leiden gehen auf den HimmelsWaiden. Der Sterbende erwägt die Verheißung Gottes. Aufmunterung. Matth. 25, v. 34. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters! ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Sterbende haben Labfal und Erquickung vonnothen sowohl am Leibe als auch an der Seele. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gold und Geld, nicht Ehre und weltliche Pracht, sondern das Wort Gottes; davon sagt David: dein 412 Der Sterbende erwägt Wort ist meines Herzens Troft. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Troftsprüche in sein Herz faffen, damit man in der Sterbensnoth einen reichen Vorrath haben möge. Sonderlich aber soll ein Sterbender 1) fich erinnern oder erinnern laffen der herrlichen und göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift finden von der göttlichen Hülfe, Beistand, Gegenwart und Guade. 2) Soll er solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zn ihm rede, denn Gott redet in der heiligen Schrift mit Allen, und einem Jeden insonderheit. Hat er nun solche Verheißungen vor sich, so soll er 3) fich darauf verlaffen, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; verzeucht der Herr die Verheißung, so wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit wahr machen. Gebet. Du gnadenreicher Gott! wie süße sind deine Verheißungen, die du mir in deinen Worten gethan hast, wenn du sprichst: Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen; und wiederum: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; und ferner, wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, ich gehe hin, euch die Stätte zu die Verheißung Gottes. 413 bereiten, ich will wieder kommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seyd, wo ich bin. Ja wenn ich versichert werde, Jesus bete für mich und sey meinFürsprecher, und daß der heilige Geist mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. Odu gnädiger Gott! erfülle dieſe Verheißungen an mir; ach! die Noth wird immer größer, ach! sey und bleibe bei mir in meiner leßten Noth. Ach! verlaß mich nicht, stehe bei mir, o Jesu! laßmich gelangen zu der Herrlichkeit, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet hast. O Jesu! sey mein Fürsprecher; bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach du werther heiliger Geist! stehe mir bei in meiner Schwachheit, und gieb mir Kraft und Stärke. Steht mir ein schwerer Kampf vor, so hilf mir fiegen und überwinden. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun, du gnadenreicher Gott! ich halte mich an 414 Der Sterbende deine Verheißung, und glaube, du werdest sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir Elenden erfüllen. Ich glaube deinem Wort, ich traue auf dein Wort, mein Herz hält dir für dein Wort, ihr föllt mein Antlik suchen, darum suche ich, Herr! dein Antlik. Ach dein Wort ist in meinem Leben imer mein Trost u. Freude gewesen, ach laß es in meinem Tode mein Labsal und Erquickung seyn. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß anbricht, erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden, tröste mich, wenn Hören und Sehen mir vergehet, o du dreieiniger Gott! alsdann laß in meinem Herzen mich hören Freud und Wonne, als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit. O du großer Gott! erhöre, was dein Kind gebeten hat, Jesu, den ich stets verehre, bleibe ja mein Schuß und Rath, und mein Hort, du wertherGeist, der duFreund und Troster heißt, höre doch mein sehnlichs Fle: hen, Amen, ja es soll geschehen, Amen. 415 betrachtet die Himmelsfreude. Gesang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. ch sterbe gern, warum sollt ich mich vor dem pfleget sich auf meinen Tod zu freuen, ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit mich droben in der Ewigkeit gar herrlich wird erneuen. 2. Ich sterbe gern, denn nach dem Tod wird sich mein Glück anheben, für Trübsal, Jammer, Angst und Noth wird Gott mir Freude geben, das Thränenmaas wird voller Wein, daß Trauren lauter Jauchzen seyn in solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd dereinsten auferstehen, und herrlich aus der finstern Erd und meinem Grabe gehen; ich werd verklärt in Glanz und Licht des Allerhöchsten Angesicht mit Lust und Freude sehen. 4. Ich sterbe gern, dieß bleibt mein Wort, bis daß ich werde kommen zu Gott an jenen Freudenort, zur schönsten Schaar der Frommen. Ach wann bricht an die Freudenzeit, da ich zur HimmelsHerrlichkeit auch werde aufgenommen. Der Sterbende betrachtet die Himmels. freude und Gesellschaft. Aufmunterung. Off. Joh. 7, v. 9. 10. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend und vor dem Lamm, angethan mit weissen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sey dem, der auf dem Stuhl fizet, unserm Gott und dem Lamm. 416 Der Sterbende betrachtet Mas as könnte sich ein Sterbender Süßers und Angenehmers vorstellen, als wenn er an die Himmels Freude und Himmels. Gesellschaft dentet, welche einen Frommen hie auf Erden oftmal ergößen. Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden siehet, anschauen als Dinge, die er bald verlassen, und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Betrachtungen haben, theils von der Himmels. Freude, wie er nach dem Ab. schied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versetzt werden. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen an, fiellen über die himmlische Gesellschaft, wie er nun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen Gottes, und kommen zu viel tausend Engeln und Auserwählten. Wenn also ein Sterbender diese himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückselig. keit sich vorstellet, so wird ihm sein Leben versüßet, ja er wird dadurch heilige Bewegungen in seiner Seele empfinden. 017-100 DIAME Gebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen, ach! wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesichtschauen, und vor deinemThron mit allen Engeln und Auserwählten stehen werde. welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn S Die Himmelsfreude und Gefe Tschaft. 417 ich von diesem Leibe geschieden und selig gestorben bin! welche Herrlichkeit wartet auf mich! Ich werde schauen den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht; was ich hie geglaubet, werde ich dort schauen, was ich nicht begreifen kann, werde ich dort vollkommen wis sen und erkennen, da werde ich völlig durchstrahlet, durchleuchtet, und mit himmlischem Licht erfüllet seyn. Darum seufze ich und bete mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott! zu dir, meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue! Das ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hie geglaubet, und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süs sigkeit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen. Hie bin ich unter Menschen, ja ich habe unter Freunden und D D 418 Der Sterbende betrachtet Feinden müssen mein Leben hinbringen, allein in der Herrlichkeit werde ich antref fen viel tausend heilige Engel, welche in großem Glanz und Licht um Gottes Thron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, anstimmen. Ich werde da antreffen alle Frommen und Auserwählten, die von Anfang der Welt her gelebt haben. Ich werde antreffen meine Liebsten und Freunde, die vor mir gestorben sind, mit denen werde ich in der süßen Gemeinschaft ewiglich bleiben. O wie wohl wird alsdann meiner Seele seyn! Alsdann werde ich nach dem Verlangen zum Um fangen kommen, ich werde bei dem Herrn seyn allewege, da wird mich keine Trübsal mehr anrühren, und dieses wird nicht etwa nur eine Stunde, oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig, ohne Aufhören. Ach! daß ich den Leibeskerker heute noch verlassen müßt, und käm an den Sternenerker, da sonst nichts als Freude ist, da wollt ich mit Wortge die Himmelsfreude und Gesellschaft. 419 prånge, bei der Engel großen Menge, rühmen deiner Gottheit Schein, allerliebstes Jefulein! Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Melche füße Himmelsfreude, welche große Herrlichkeit! o welchprächtiges Gebäude ist den Frommen zubereit't in den schönen Himmelsauen, die sie einsten sollen schauen; ach! mein Geist ist ganz entzückt, wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, denn da kommt kein Böser hin, da wird der nur angenommen, der gelebt nach Christi Sinn; hie ist Gott selbst Licht und Sonne, hie ist gut seyn, hie ist Wonne, hie genießt man allezeit lauter Licht und Seligkeit. 3. Da läßt Gott sich selbsten sehen, den fein Aug auf Erden sieht, in dem Sehen wird entstehen Trost, Vergnügen, Freude, Fried, in dem Schauen ist Erfreuen, das ergößet stets von Neuem, Aug und Seel wird nimmer satt, das hie voll Vergnügen hat. 4. Ja in diesem Freudenleben, an dem freudenvollen Ort, sieht man viele Engel schweben, die um Gott sind hier und dort, in dem schönsten Glanze prangen, und des Höchsten Lob anfangen; ich stimm auch mit ihnen ein, wenn ich werd bei ihnen seyn. 5. Da find't man der Frommen Schaaren voller Pracht und Herrlichkeit, die zuvor in Trübsal waren, und in tausend Herzeleid, helle glänzen wie die Sonne, leben in der größten Wonne, steD02 420 Der Sterbende tröstet fich Hen- da vor Gottes Thron, schön geziert mit ihrer Kron. 6. Unabläßig Gott zu loben, ist der Frommen Werk allhier, von den Seiten und von oben glänzet alles wie Saphyr; die man hie betrübt verlasfen, kann man freudig dort umfassen, da, da ist das Wiedersehen, das da ewig wird bestehen. 7. Auf! auf! Lasset uns bestreben, die wir noch find in der Welt, daß wir einst nach diesem Leben kommen in des Himmels Zelt; laßt im Glauben uns feft stehen, und auf Gottes Wegen gehen, und ergreifen Jesum Chrift, der der Weg zum Himmel ist. 8. O mein Gott! laß mich gelangen auch zu dieser Herrlichkeit, ach verzeih, was ich begangen meine ganze Lebenszeit; kleide mich mit reiner Seide, führ mich zu der Himmelswaide, da ich mit der Frommen Schaar dich will loben immerdar. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Hobel. Sal. 2, v. 5. 6. er erquicket mich mit Blumen. Haupt, und seine Rechte herzet mich. Seine Linke lieget unter meinem Eine glaubige Seele ist versichert von des dreieinigen Gottes Beistand. 1) Der himmlische Vater wird an seine Vaterstreue denken, und feinem Kinde beistehen. 2) Jesus Christus wird die durch sein Blut erkaufte Seele in dem legten Todeskampf nicht allein laffen. 3) Der heilige Geist wird durch seinen kräftigen Trost fie erqui cken. Vergeht gleich Hören und Sehen, vergeben alle Sinnen, so weiß doch ein Sterbender, daß die des Beistandes des dreieinigen Gottes. 421. Verheißung: Ich bin bei dir in der Noth, auch in der Todesnoth werde an ihm erfüllt werden. O wohl dem, welchen Gott dieses alles in sei. nem Sterben empfinden läffet. Gebet. Komm, Herr Jesu! und nimm meine Seele hin. Ich habe schon deine Süßigkeit geschmecket, darum verlangt und dürstet mich nach den vollen Stromen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, dann ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorgt, ernährt, geleitet und geführt, sollte der jeko, da mein Lebensende nahet, von mir weichen? O nein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem kranken Kinde, und hilft ihm, so viel er kann, wie vielmehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen Beistandes meines himmlischen Baters getrösten? Nun wird mein himmlischer Bater mir das Erbe austheilen, daß mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, daß er mir 422 Jall Der Sterbende tröstet sich d von Anfang der Welt bereitet hat. Sters ben kommt mir nicht erschrecklich vor, ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Christo, diese Gemeinschaft habe ich im Glauben hie angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leib Jesu Christi, davon er das Haupt ist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern gehet, so weiß auch mein Jesus, wie es jetzt um mich stehet. Ich bin in ihm und er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir seyn in dem Sterben. Gleichwie er die Seinigen ges liebt hat bis ans Ende, da er sich für sie in den Tod gegeben, also liebt er sie auch, wenn sie sterben sollen. Wann ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle Bitterkeit des Todes durch seinen Tod weggenommen. Der Tod des Beistandes des dreieinigen Gottes. 423 ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, der hat sich mein Herz zum Tempel geheiligt in meinem Leben, der wird auch mit mir vereinigt bleiben im Tode. Der mich so oft in meiner Trübsal getröstet, im Leiden erfreuet, im Elend erquickt, im Kreuz erhalten, der wird mich in der letzten Stunde nicht verlassen, sondern Zeugniß geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sey. Ja, weil er ist das Pfand unsers Erbes, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sey, und zu der völligen Befißung eingehen werde. Der Vater reicht mir die Krone dar; Jesus führt mich an der Hand zur Freude; der heilige Geist ziert mich mit Licht und Wonne; die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben; alle Auserwählten und Frommen empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib, deß tröst ich mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib in Todesnoth und Der Sterbende tröstet sich zc. Schmerzen; denn wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden, Amen. Gesang. 421 Mel. Wann mein Stündlein vorhanden ist. Ich freue mich auf meinen Tod, und laß mir gar nicht grauen, ich komme bald zu meinem Gott, den werd ich ewig schauen von Angesicht zu Angesicht, beglänzet mit dem Freudenlicht, in jenen Himmelsauen. 2. Ich komm alsdann zu Jesu Christ, den werd ich bei mir sehen, der hier mein Trost und Freude ist, zu dem will ich dort gehen; zu dir, o Jesu, Gotteslamm! und wie die Braut dem Bräutigam, zu deiner Rechten stehen. 3. Der Engel ungezählte Schaar sind die, so mich empfangen, ich werd mit ihnen immerdar in größter Klarheit prangen; hie werd ich in dem Freudenreich seyn denen Seraphinen gleich, und dieß ist mein Verlangen. 4. Ach ja! im Himmel treff ich an viel tausend, tausend Frommen, mit weißen Kleidern angethan, die da sind aufgenommen, nach ausgestandnem Kreuz und Leid zu solcher großen Herrlichkeit, zu denen werd ich kommen. 5. O Freud, o Trost, der da mein Herz wird ewiglich umgeben, denn da ist keine Angst und Schmerz, und kein betrübtes Leben. Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquickung, Ruhe, Fried und Freud wird sich da recht anheben. 6. Alsdann wird mir seyn ewig wohl, wenn ich hab überwunden, wie werd ich seyn des Trostes voll, Der Sterbende will auf Jefum Chriftum c. 425 wenn mein Leid ist verschwunden! o Freudenstunde, brich doch an, daß ich zu Jesu kommen kann, und bleib mit ihm verbunden. Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Aufmunterung. Ap. Gesch. 7, v. 58. Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. & 8 tlagen Sterbende oft, wie sie mit allerlei Gedanken so viel zu thun haben, welche nicht wei. chen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, thut ein Glaubiger wohl, 1) wenn er sich im Glauben und heiliger Betrachtung vorstellt Jesum am Kreuz, und dabei diese guten Gedanken hat: Jefu Wunden sind für mich geschlagen, sie sollen auch in meinem Tode meine einzige Zuflucht seyn. Jesu Blut ist auch für mich vergoffen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir möge versüßt, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführt werden. Bei diesen guten Betrachtungen soll er 2) auch alle seine Zuversicht auf diesen Heiland der Welt setzen, er soll Chrifti Gerech. tigkeit und Verdienst sich zueignen, vor Gott treten und sagen: Ach! um meines Jesu Gerechtigkeit, Blutes, Todes, Wunden und Verdienstes willen sey mir gnädig, darauf lebe und sterbe ich, und dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. Jesu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, 426 Der Sterbende will so wende ich mich einzig und allein zu dir, und spreche: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. O mein Erldser! du hast mich erlöset von der Sünde und Gewalt des Teufels mit dem heiligen Blut, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben. Ach! laß mir dieses Blut zu statten kommen, daß ich gerecht vor deinem Richterstuhl beſtehen könne. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher, ach! so vergieb mir meineSünde, schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit, führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, ob schon mein Leben aufhört, weil ich in dir und du in mir lebest. Du bist der Weg, ach! führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit, ach! du hast bisher alle deine Gnaden- Verheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch dieselbe, die du mir verheißen: wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn, wenn 427 auf Jefum Chriftum sterben. ich erhöhet werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. Herr! laß deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuz für mich gestorben, wie du deine Arme ausgebreitet, wie dein heiliges Blut ist vergossen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen. Ach! dein heiliges Blut wasche mich und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamm des Kreuzes hat schlachten lassen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnt. Du bist mein Hoherpries ster, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft; der Friedefürst, der mich in die Häuser des Friedens aufnimmt. DJesu! ich komme bald zu dir, indessen fasse und halte ich dich im Glauben, und spreche: Meinen Jesum laß ich nicht. Ja, an Jesum will ich allein denken, der 428 Der Sterbende will auf Jefum Chriflum zc. soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken und Ueberlegen, und alles seyn. Weg ihr eitele Gedanken, an Je= su Verdienst und vergossenem Blut will ich mich ergößen, seine heilige Wunden will ich mir vorstellen, seines bittern Leidens will ich mich getrösten, und mein lehtes Wort soll Jesus seyn, ja meine leßten Gedanken sollen Jesus, Jesus seyn. Erschein du mir zum Bilde in meiner letzten Noth, wie du, Herr Christ, so milde, dich hast geblut't zu todt, da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken, wer so stirbt, der stirbt wohl, Amen. Gesang. Mel. Gott! du frommer Gott. will mit frohem Muth in Jesu Wunden eilen, I Pfeilen, ach öffne mir dein Herz, und nimm dein Küchlein ein, hier soll mein Aufenthalt und wahre Wohnung seyn. 2. Ich will mich glaubensvoll in diese Wunden senken, ich will an Jesu Blut und sein Ver Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 429 dienst gedenken, sein Blut ergreif ich jetzt in voller Zuversicht, und bricht mein Herze schon, so bricht mein Glaube nicht. 3. O Blut, o heißes Blut! das immer annoch fließet auf jedes glaubig Herz, das immer noch ge= nießet der, welcher Buße thut; o Blut, o heißes Blut! ich eigne mich dir zu, du allerhöchstes Gut. 4. Ich ruhe hier getrost in diesen offnen Wunden, ich bleibe nun mit dir, o Jesu! fest verbunden, kein Schmerz, kein Leid, kein' Freud reißt mich nunmehr von dir; ich lasse nicht von dir, ach lasse nicht von mir. 5. Sieh, ich will nimmermehr von diesen Wunden weichen, bis ich darinnen werd des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Fried und Freud, der Seelen Seligkeit; zeuch meinen Geist nach dir, durch die gespaltne Seit. 6. Und endlich will ich auch in diesen Wunden sterben, und in denselbigen der Seelen Heil ererben; und schlaf ich glaubensvoll in Jesu Wunden ein, so wird mein Leib und Seel gar wohl verwahret seyn. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. 1 Rön. 19, v. 5. Es ist genug, so nimm nun, Herr! meine Seele, ich bin nicht besser, denn meine Väter. Mem enn im alten Testament Jemand Gott dem Herrn eine Gabe brachte, so mußte es kein gezwungenes, sondern ein freiwilliges Opfer seyn. So ist es auch mit unserm Sterben, es muß ein Mensch nicht sterben mit Murren und Widerwil 430 Der Sterbende bittet len, sondern er soll Gott anrufen, er wolle ihm ein filles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Gebet. Barmherziger gnädigerGott! ich mer ke, daß die Zeit meines Abschieds vorhanden ist, da ich soll im Frieden fahren, und zur Ruhe mich niederlegen; mein Gesicht vergehet mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheint, es wird bald anders mit mir werden, darum komme ich zu dir, und thue mein lehtes Gebet, welches darin bestehet: Mein Leib und Seel befehl ich dir, o Herr! ein seligs End gieb mir um Jesu willen. Herr Gott, himmlischer Bater! der du mich haft erschaffen, bisher versorgt und erhalten, ach nimm meine Seele in Gnaden an. O Jesu! der du mich mit deinem Blut erlöset und abgewaschen hast, ach laß mich in wahrem Glauben auf dein Verdienst und Blut selig sterben. Ach Herr Jesu! in deine Hände befehle ich meinen Geist. O werther heiliger Geist! um ein seliges Ende. 431 mein Tröster und Beistand, ach verlaß mich nicht, gieb mirFreudigkeit und Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sey, ja bete in mir und mit mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. O mein Jesu! öffne mir die Himmelsthüre, begleite und führe mich zu dem ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Ach mein Gott! erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtniß behalte Jesum Christum; und so ja meine Augen früh brechen sollten, so erquicke mich inwen= dig in meiner Seele mit deinem himmlischen Trost undLicht. Laß Jesum immerdar vor meiner Seele stehen, gieb, daß ich mich über sein Blut erfreue, seines Verdienstes mich getröste, und seine Gerechtigkeit in wahremGlauben ergreife. Gib mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes und seliges Ende. O dreieiniger Gott! segne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit, und meinen Eingang in die frohe 432 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Ewigkeit. Der Herr segne mich und behüte mich! der Herr lasse sein Antlik leuchten über mich, und sey mir gnädig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließ ich meine Augen zu, und befehle mich Gott und seiner Gnade. Nun will ich mich ganz wenden zu dir Herr Christ allein, gieb mir ein selig's Ende, send mir dein Engelein, führ mich ins ewige Leben, das du erworben hast durch dein Leiden und Sterben und blutiges Verdienst, Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Au ufgelöset bald zu werden, wünschet mein erfreuter Geist, ich verlasse gern die Erde, weil mein Jesus mich schon speis't mit des Himmels Süßigfeiten, und verbleibet mir zur Seiten; wenn ich Jefum bei mir hab, fürcht ich nicht das finst're Grab. 2. Brecht ihr Augen, brecht geschwinde, laßt vergehen euer Licht, weil ich hie schon Jesum finde, mit hellglänzendem Gesicht; auf dem finstern To Gebet der Umstehenden für Sterbende. 433 beßwege, auf dem schönen Himmelsstege, ist mein Auge Jesus Christ, der mein Licht und Leben ist. 3. Und du rother Mund erblasse, ja ihr Lippen schließt euch zu, weil ich, da ich Jesum fasse, komme zu der Himmelsruh. Jesus wird mich schon vertreten, er wird kräftig für mich beten; Jesus, Jesus ist mein Mund in der letzten Todesstund. 4. Ja ihr Ohren mögt euch schließen, ich brauch euer nun nicht mehr, mein Trost muß von innen fließen, darauf ich mit Freuden hör; ich seh schon bie Freudensonne, mein Ohr höret Freud und Wonne. Was ist das für ein Gesang? Ist es nicht der Ene gel Klang. 5. Du mein Herz zerspring mit Freuden, edles Leben fahre hin! mich wird nichts von Jesu scheiden, weil ich ja in ihme bin; Jesum hab ich schon gefunden, und ich bleib mit ihm verbunden; wenn das Herz in Stücken bricht, so bricht dieses Band doch nicht. 6. Ja ihr fast erstarrten Glieder, durch den falten Todesschweiß legt euch nur ins Grabe nieder, weil ich schon versichert weiß, Jesus wird das Grab aufdecken, und euch wieder auferwecken; ja euch schön, mit Glanz erneut, bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergebne Seele, dich empfehl ich meinem Gott, gehe aus der Leibeshöhle, geh aus aller Angst und Noth, geh zur Freude nach dem Klagen, geh zur Wonne nach den Plagen, geh zur Himmelsfreude ein, o wie wohl wird dir da seyn. Gebet der Umstehenden für Sterbende. D du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir; siehe, wir kommen jego auch zu dir, und tragen dir in unserm Gebet diesen Sterbenden vor. Herr Gott Vater im Himmel! Ee 434 Gebet der Umstehenden für Sterbende. erbarme dich über ihn; er ist dein Kind, welches du in der heiligen Taufe zu Gnaden und zu deinem Kinde aufgenommen hast, siehe, dein Kind ist krank, dein Kind will sterben, ach! laß ihn seinen Kindes. theil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seelen Seligkeit; vergieb ihm alle seine Sünden die er Zeit seines Lebens wider dich gethan, und fiehe ihn in Gnaden an. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über diesen Sterbenden; du haft ihn mit deinem heiligen Blute erlöset, du bist auch für ihn gestorben, ach! darum rechne ihm nicht zu seine Sünden, sondern rechne ihm zu deine Gerechtigkeit und dein Verdienst, wa. sche ihn mit deinem heiligen Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn als einen durch dein Blut Gereinigten, vor dem Throne Gottes erscheinen. Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glanben, gieb Zeugniß seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sey, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, heilige ihn, stärke ihn und begleite ihn zum ewigen Leben. O du heilige Drei. einigkeit! nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an; gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Uebertretung, gedenke aber seiner nach det ner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte wil. len. Nimm seine Seele in deine Hände, und laß fie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt erstorbenen Leib am jüngsten Tage fröhlich und herrlich. Indeffen Herr, Herr! da seine Noth und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht aus dem Sinne kommen das Andenken des gekreuzigten Jesu; wenn seine Augen brechen, so laß einen hel. len Schein in seiner Seele aufgehen, ja, o Jesu! du rechter Morgenstern, erleuchte ihn zum ewigen Sebet, den Sterbenden vorzusprechen. 435 Leben. Ach! wenn nun mein Mund fich schließet, daß er nicht mehr beten kann, so bete du für ihn, o Jesu! sey sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater, bilf ihm kämpfen und überwinden, und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm seyn. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach! so stärke ihn, und sey sein Beistand. O dreieiniger Gott! bleibe du bei ihm, und erhalte ihn im Glau ben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich vollenden wird. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du haft erlöset, Herr Gott Heiliger Geist, was du haft geheiliget, das befehlen wir in deine Hände, deinem heiligen Name sey Lob, Ehr und Preis, jetzt und in Ewigkeit, Amen. Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden den Sterbenden vorspres chen können*). Esaj. 49, v. 14. 15. Zion Dion spricht: der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Gott verläßt der Keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest; läßt sichs an wunderlich, so laß dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger Gott! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde; o mein *) Fromme Christen thun auch wohl, wenn sie selbige bei gefunden Tagen sich bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Gehör vergehen follte, sich selbst in Gott ermuntern können. € ¢ 2 436 Seufzer, Sprüche und Gebete, Gott! du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach bleibe es auch jego. O Jesu! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. Owerther heiliger Geist! stärke mich, erhalte mich im festen Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlaffe ich mich. Psalm 42, v. 1. 2. Wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott! zu dir. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott, wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue. Laß deine Engel mit mir fahren auf Eliä Wagen roth, und meine Seele wohl bewahren, wie Lazarum nach seinem Tod; laß sie ruhen in deinem Schoos, erquicke sie mit Freud und Trost, bis der Leib kommt aus der Erden, und mit ihm wird vereinigt werden. Jesu, du Licht meiner Seele, wenn meine Augen wollen dunkel werden, so laß meiner Seele aufgehen die himmlische Klarheit; weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen. Ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich doch kein Unglück, denn mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jesu! bleibe bei mir, stärke mich im Glauben, und laß mich dein Eigenthum seyn, hie zeitlich und dort ewig. Psalm 40, v. 18. Ich bin arm und elend, der Herr aber forget für mich; du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht. den Sterbenden vorzusprechen. 437 Wo soll ich mich dann wenden hin? Zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rath allzeit gewiß gefunden hat, Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu! auf dich verlaß ich mich von Grund meiner Seele, bringe meinen matten Leib zur Ruhe, und meine Seele nimm auf zu der ewi gen Himmelsfreude. Ach höre, o Jesu! mein schwaches Seufzen. Sey mein Beistand in der Noth; du mein Seligmacher und Erretter, errette mich, löse mich auf, und mache mich selig. Ach! komm doch bald, erlöse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich. Efaj. 41, v. 10. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand mei ner Gerechtigkeit. O Herr Christ, du Morgenstern! der du ewiglich aufgehst, sey von mir jezund nicht fern, weil mich dein Blut hat erlöst; hilf, daß ich mit Fried und Freud mög von hinnen fahren heut, ach! sey du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse. Jesu! mein einziger Fürbitter bei deinem himm lischen Vater, der du zu der Rechten Gottes figest, und vertrittst uns, ach! bitte auch für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, du werther heiliger Geist, du Tröster in aller Noth, bleibe du mir mit deinem Trost bis an mein lettes Ende. Ich habe einen starken Beistand, mein Vater ist bei mir, mein Jesus ist bei mir, der hei 438 Seufzer, Sprüche und Gebete, lige Geist ist bei mir, ja auch die Engel find bet mir, so will ich mit Freuden sterben. Pf. 73, v. 23. Dennoch bleibe ich stets an dir, dann du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich zu Ehren an. Hilf, daß ich ja nicht wanke von dir, Herr Jefu Chrift! den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist; hilf mir ritterlich ringen, ach habe auf mich Acht, bis ich mag fröhlich fingen: Ich habs mit Gott vollbracht. Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herre Gott! ich weiche nicht von dir, ach bleibe du auch bei mir. Jesu! wann mein Kampf angehet, so hilf mir ringen, so hilf mir fiegen und überwinden. Ich bin ja dein Eigenthum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit. Bist du mit mir, fo fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. Matth. 25, v. 23. Ey du frommer und getreuer Knecht! du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel segen, gehe ein zu deines Herrn Freude. Nun, ich warte mit Verlangen auf den süßen Augenblick, wann du kommist, mich zu umfangen; komm, ich weiche nicht zurück, nimm mich auf zu deinen Frommen, komm, ich heiße dich willkom. men, komm, ach komm, o Gottes Lamm! nimm mich auf mein Bräutigam! O Jesu! dir will ich durch deines Geiftes Beistand getren verbleiben bis in den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund, mein Hirte! ich laß dich nicht, mein Seelen- Bräutigam! außer den Sterbenden vorzusprechen. 439 bir kann mich nichts ergößen. Führe mich, o lieb. ster Freund! aus dem Elend zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Hiob 19, v. 25. 26. 27. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde hernach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen, denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, dem hab ich mich ergeben, mit Freud fahr ich dahin. Mit Freud scheid ich von dannen, zu Christ dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme, und ewig bei ihm sey. Ja hiemit ergeb ich mich dir, o dreieiniger Gott! in deinen Schuß und Gnade, meine theuer erkaufte Seele befehl ich dir; ich sterbe und werde auch wieder auferstehen; ich sterbe, und werde ewig leben in der Himmelsfrende. O dreieiniger Gott! bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, verkürze meine Schmerzen, versüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem inuerlichen Trost deines heiligen Geißes; denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst Jesu leb und sterb ich. Laß mich bald dein Freudenangesicht schauen in der ewigen Himmelsfreude. Psalm 17, v. 15. Ich will schauen dein Angesicht in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ach! ich habe schon erblicket diese große Herelichkeit, jezo werd ich schön geschmücket mit dem weißen Himmelskleid; mit der güld'nen Ehren 440 Seufzer, Sprüche und Gebete, krone steh ich da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Ach mein Jesu! freudig ist meine Seele, wenn fie an deine Herrlichkeit denket, die du mir bereitet hast. Ich verlaffe gern die Welt, weil ich zu mei. nem Jesu komme, zu meinem Seelenbräutigam, 1 o wie wohl, o wie selig werd ich seyn, wenn er meine Seele nach so vielen ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Trübsalen erquicken wird. Buch der Weisheit 3, v. 1. 2. 3. Der Gerechten Seelen find in Gottes Hand, und keine Plage rühret sie au; von' den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Ab. schied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben, aber sie sind im Frieden. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all Noth und Qual, weil dich nun Christus, dein Herre, ruft aus diesem Jammerthal; aus Trübfal und großem Leid sollst du fahren in die Freud, die kein Ohr jemals gehöret, und in Ewigkeit auch währet. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elend zu Gott, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leiden zur Freude: darum freuet sich meine Seele. O mein Gott! hie bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrlich, mache fie selig. Mein Jesu! ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und Leben ungeschieden seyn. 2 Cor. 5, v. 1. Wir wissen, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Da wird seyn das Frendenleben, da viel tausend den Sterbenden vorzusprechen. 441 Ach Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, stehen da vor Gottes Thron; wo die Seraphinen prangen, und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt Gett der Vater, Sohn und Geist. Ach lieber Herr Jesu! v lieber Herr Jesu! verfiegle diesen Trost in verfiegle dieſen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde; wenn ich nun dieß Haus und dieß mein Sterbebette verlassen werde, welch ein herrliches Haus, welch eine Freudenstätte hat mir mein Jesus bereitet! da ist keine Angst, Jammer und Elend mehr, sondern Freu. de, Trost, Herrlichkeit; weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich anhangen, auf deine Gnade verlaß ich mich, auf deinen Troft sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. Csaj. 35, v. 10. Die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen, ewige Freude wird über ihrem Haupte seyn, Freude und Bonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzer werden weg seyn. Nun es wird dennoch geschehen, daß ich auch nach kurzer Zeit meinen Heiland werde sehen in der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Noth, Müh und Furcht, zuleßt der Tod, aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. O Jesu! laß mich bald in dein himmlisches Zion kommen. Ich habe hie lange genug das Thränen. brod gegessen, ach! laß mich bald das süße Engel. und Himmelbrod kosten. Seufzer und Schmerzen sind hie meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach! laß meine Seele einen Blick in deine 442 Seufzer, Sprüche und Gebete, Herrlichkeit thun, erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. 2 Tim. 4, v. 7. 8. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtig. keit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die feine Erscheinung lieb haben. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth, durch seine heil'gen fünf Wunden bin ich versöhnt mit Gott. O Jesu! hilf mir glücklich überwinden, wenn nun der letzte Kampf angeht, steh mir bei, so wird er mir leicht werden; stärke mich, wenn ich kraftlos bin, mein Helfer! hilf mir in meiner Angst, und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heil. Verdienst bedecke meine Sünden; halte mich, den Elenden, zu deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folget die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich gezieret, und von meinem Jesu gekrönet werden nach meinem Tode! Zeige mir die Krone, die du mir beigelegt haft, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. Off. Joh. 2, v. 10. Cap. 3, v. 5. fo Sey getren bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der foll mit weißen Kleidern angéthan werden. Schaut mich in meinem Kranze, darin ein Sieger prangt, beschaut mich in dem Glanze, den meine Seel erlangt! ich trag die Himmelskrone, ich 443 den Sterbenden vorzusprechen. glanz in Himmelspracht, damit hat Gottes Sohne, mein Jesus mich bedacht. Von meines Jesu Liebe will ich nimmermehr laffen, ich habe ihn geliebt in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in meinen Tod. O Jesu! um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe, dir will ich getreu bleiben im Glauben, dir getreu sterben. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf ich ein. Rom. 8, v. 38. 39. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Jesum, Jesum will ich lieben hier und dort in Ewigkeit, sollten mich gleich hier betrüben aller Jammer, alles Leid, was frag ich nach Höll und Tod? Jesus hilft mir aus der Noth, der wird mich zur Freude führen, wo die Seinen jubiliren. Ja, das ist mein Schluß: meinen Jesum laß ich nicht. Ich bleibe im Glauben, ich halte mich an ihn; der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht. Jesus ist mein, ich bin sein; ich lege mich in meines Jesu Arme, darin will ich selig leben und sterben, o wie wohl! Jac. 1, v. 12. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erdul. det, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. 444 Seufzer, Sprüche und Gebete, Herzlich thut mich verlangen nach einem sel'gen End, weil ich hie bin umfangen mit Trübfal und Elend; ich hab Lust abzuscheiden von dieser bösen Welt, sehn mich nach himmlischen Freuden, o Jesu! komm nur bald. Ach ja, o Jesu! komm zu mir, ach komm doch bald, mein Aufenthalt, und nimm mich hin in Fries den, gieb mir Geduld und Stärke, ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib und Seele; er. halte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O Jesu! hilf mir durch deine große Gnade und Barm. herzigkeit zur ewigen Frend und Seligkeit. Herr Gott, der du bist unsere Zuflucht für und für, sey auch meine Zuflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Selig. macher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. Psalm 31, v. 6. In deine Hände befehl ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr du getreuer Gott. Gleichwie sich fein ein Vögelein in hohle Bäum verstecket, wanns trüb hergeht, die Luft unftät, Menschen und Vieh erschrecket: also, Herr Christ! mein' Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden, wann Sünd und Tod mich bracht in Noth, hab ich mich drein gefunden. Darin ich bleib, ob Seel und Leib hie von einander scheiden, so werd ich dort bei dir, mein Hort, seyn in ewigen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger Gott! zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Wunden Jesu Christi, zu der Gütigkeit des heil. Geistes. Diesem dreieinigen Gott befehle ich mei. nen Leib und Seele. Ach! nimm dein Täublein auf, ich komm in vollem Lauf; breit aus die Flü 445 den Sterbenden vorzusprechen. gel beide, o Jefu! meine Freude, und nimm dein Küchlein ein; will Satan mich verschlingen, so laß die Engel singen: dieß Kind soll unverleget seyn. Ebr. 12, v. 22. 23. Ihr seyd kommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeinde der Erstgebor. nen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gett, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Mein Gott! ich bin bereit, zum Himmel einzugehen, und im verklärten Glanz vor deinem Thron zu stehen, was soll ich auf der Welt in Trübfal länger thun? Ach! hole mich zu dir, dort kann ich sicher ruhn. Herr! eile mit mir fort, hie wird mirs gar zu lange, den Himmel wünsch ich mir, daß mich die Freud umfange, da ich dich schauen kann in alle Ewigkeit, ach! eile bald mit mir, mein Gott! ich bin bereit. Mein Jesu! wie herrlich wird der Anblick seyn, wann ich dich werde in deiner Herrlichkeit, und alle Engel und Auserwählten in dem Himmel antref fen. Nun darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde, und komme zur Herrlichkeit; ich verlasse das Elend, und komme zur Freude; ich verlasse die Menschen, und komme zu den heiligen Engeln. Joh. 10, v. 27. 28. Meine Schaafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umfommen, und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Ich bin ein Glied an deinem Leib, deß tröst ich 446 Seufzer, Sprüche und Gebete, mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib in Todesnoth und Schmerzen; denn wo du bist, da komm ich hin, daß ich stets bei dir leb und bin, drum fahr ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte Jesu! bringe mich, dein armes Schäflein, nun zur Himmelsfreude, laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen; Satan hat keinen Theil und Recht an mir, aber dein Eigenthum bin ich gewesen, und will es auch ewig seyn. Ach! nimm meine Seele, wie ein mattes Schäflein, in deine Arme, und bringe es zur ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig, wenn ich bei meinem Jefu bin! 5. 14, 0. Off. Joh. 14, v. 13. Selig find die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja der Geist spricht: daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. O Herr! gieb mir in Todespein ein säuber lich Gebärde, und hilf, daß mir das Herze mein, fein sanft gebrochen werde, und wie ein Licht ohn alles Weh, auf dein unschuldig Blut vergeh, das du für mich vergoffen. Ach Herr! sprich meiner Seele den Trofst ein: ich werde in dir sterben. O Jesu! du hast in mir gelebet und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, in dei nen Wunden, in deiner Gnade, bringe mich zum ewigen seligen Leben, da werde ich ruhen von meiner Arbeit, von meinen Leiden und Schmerzen; o Jesu! höre mich, ja komm, Herr Jesu! 2 Tim. 4, v. 16. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und aushelfen zu seinem himmlischen Reich, wel. chem sey Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. den Sterbenden vorzusprechen. 447 Gott Lob! die Stund ist kommen, da ich werd aufgenommen ins schöne Paradeis: ihr Frommen follt nicht klagen, mit Freuden sollt ihr sagen: dem Höchften sey Lob, Ehr und Preis. Gott eilet mit den Seinen, läßt sie nicht lange weinen in diesem Thränenthal; ein schnell und selig Sterben, ist schnell und glücklich erben des schönen Himmels Ehrenfaal. O großer Gott! denke in Gnaden an mich, und erbarme dich, gch gieb mir ein vernünftiges, stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erlösungstag, und meine Todesstunde ist die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens; laß mich freudig anhören den Trost, der mir versprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und Hoffnung bezeugen könne, und so eriöse mich durch ein seliges Ende von allem Uebel. Matth. 25, v. 34. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Im Himmel ist gut wohnen, wo mit dem Ch renkleid mein Jesus wird belohnen der Frommen Herzeleid; da glänzt der Leib und funkelt, gleichwie ein Edelstein, das Licht wird nicht verdunkelt, im Himmel ist gut seyn. Ach mein Jesu! laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören, sprich meiner Seele alsdann zu: Komm her, du Gesegnete; ja laß Leib und Seele am jüngsten Tag mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführt werden. Indessen 448 Seufzer, Sprüche und Gebete, faffe ich dich im Glauben, und erlange in die und durch dich den Segen und das Erbe. Efaj. 61, v. 10. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. O Jerusalem du Schöne, ach wie helle glän. zest du; ach wie lieblich Lokgetone hört man da in sanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne, jegund gehet auf die Sonne, jegund gehet an der Tag; der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfrende versüßet mir alle Bitterfeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, Jesus ist bei mir, der tröstet mich, der erhält mich; ach mein Gott! leg mir an das himmlische Freudenkleid, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet hast. Deine Gerechtigkeit ist meine Ge. rechtigkeit, und darum weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott, durch unsern Herrn Jesum Christum, ja ich habe Leben und Seligkeit zu gewarten; wie schön werde ich da gezieret stehen vor dir. Joh. 3, v. 16. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht, du, du kannst mich stärker machen, wenn mich Sünd und Tod anficht; deiner Güte will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen, dich Herr Jesu! nach der Zeit in der frohen Ewigkeit. den Sterbenden vorzusprechen. 449 Ach liebster Gott und Vater! laß- mich auf Jefum Christum sanft und selig ven hinnen scheiden, ich weiß, du hast mich auch geliebet, und mit deinen Sohn gegeben, ich habe auch an ihn geglaubet, und will in solchem Glauben an ihn verharren bis an den letzten Augenblick meines Lebens. Ach! ver. sichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich hie geglaubt, möge schauen in dem ewigen Leben! Ach Jeful stehe mir bei, verlaß mich nicht. 1 Petr. 1, v. 18. 19. Wiffet, deß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset feyd von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem theuren Blut Chrifti, als eines unschuldigen und unbe. fleckten Lammes. Du hast mich ja erlöset von Sünd, Tod, Teufel und Höll, es hat dein Blut gekostet, d'rauf ich mein' Hoffnung stell; warum soll mir dann granen vor Tod und höllischem G'sind? Weil ich auf dich thu bauen, ich bin ein felig's Kind. Ich komme, o großer Gott! vor dich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blute zugeeignet habe. Q du Lamm Gottes! das du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner. Ach gerechter Gott! siehe nicht an meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heiligkeit, dieselbe ergreife ich, auf sein Ver. dienst sterbe ich, um deßwillen sey mir gnädig und barmherzig. Ap. Gesch. 4, v. 12. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Ff 450 Seufzer, Sprüche und Gebete, Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu. Jesus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn, er hat mir das Heil erworben, drum fahr ich mit Freuden hin, hin aus diesem Weltge. tümmel in den schönen Gottes- Himmel, schane solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Jesu! mein einziges Heil und meine Zuflucht, ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße Jesus. name und das Andenken seines vergoffenen Blutes, feiner Wunden, seiner heiligen Person, soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen und Gedanken bleiben. Herr Jesu, dir leb ich, Herr Jesu, dir sterb ich, Herr Jesu, dein bin ich todt und lebendig, Amen. 1 Joh. 2, v. 1. 2. Ob Jemand fündiget, so haben wir einen Für. sprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der ge recht ist, und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde. So fahr ich hin zu Jesu Christ, mein Arm thu ich ausstrecken, so schlaf ich ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken, dann Jesus Chri stus, Gottes Sohn, wird mir die Himmelsthür aufthun, mich führen zum ewigen Leben. O großer Gott! die Zeit kommt herbei, daß ich soll abscheiden von der Welt, und vor dein Gericht treten; ach himmlischer Vater! erbarme dich über mich, und nimm mich, als dein Kind, das du erschaf fen und geliebet hast, in Gnaden auf. O Jesu! bitte für mich, du bist mein Mittler, Fürbitter und Seligmacher. Nimm weg meine Sünden, kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. O wer den Sterbeuden vorzusprechen. 451 ther heiliger Geist! wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringest zu der ewigen Himmels Wohnung. Ebr. 4, v. 12. Laffet uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen, und Gnade finden auf die Zeit, wann uns Hülfe noth seyn wird. Stärk mich mit deinem Freudengeift, heil mich mit deinen Wunden, wasch mich mit deinem To. desschweiß in meinen legten Stunden, und nimm mich einst, wann dir's gefällt, in wahrem Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten. Ach ja! um Jefu willen werde ich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich und sey mir gnädig und barmherzig! Amen. 2 Cor. 5, v. 21. Gott hat den, der von feiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. In deine Seite will ich fliehen an meinem bittern Todesgang, durch deine Wunden will ich ziehen ins himmelische Vaterland, in das schöne Paradeis, d'rein der Schächer that sein' Reis', wirst du mich, Herr Chrift, einführen, und mit ew'ger Klarheit zieren. Jesu! du haft weggenommen meine Sünden, du haft mir deine Gerechtigkeit geschenket; deß freue ich mich, deß tröste ich mich. Christi Blut und Ge rechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, Ff2 452 Senfzer, Sprache und Gebete, damit werd ich vor Gott bestehen, wenn ich in Himmel werd eingehen. Off. Joh. 21, v. 4. In dem neuen Jerusalem wird Gott abwischen alle Thränen von der Glaubigen Augen, und der Tod wird nicht mehr seyn, noch Leid, noch Ge. schrei, noch Schmerzen wird mehr feyn. O wie felig seyd ihr doch ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen, ihr seyd entgangen aller Noth, die uns jetzt hält gefangen. Christus wischet ab al eure Thränen, ihr habt schon, wornach wir uns noch sehnen, euch wird gesungen, was durch keines Menschen Ohr allhie gedrungen. Komm, o Jesu! komm mich auszuspannen, lös mich auf, und führ mich bald von dannen, bei dir, o Sonne! ist der frommen Seelen Freud und Wonne. Ach Jesu! ich freue mich auf die Stunde, da ich werde dein Freudenangesicht sehen. Da wird mein Leib leuchten wie die Sonne, und meine Augen werden nicht mehr von Thränen naß, sondern voll Licht und Glanz seyn; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich zur Herberge, bei dir aber bin ich in meinem rechten und ewigen Vaterland. 1 Joh. 1, v. 7. So wir im Lichte wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jefu Chrifti, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Wann endlich ich soll gehen ein zu deines Neiches Freuden, so soll dein Blut mein Purpur seyn, ich will mich darein kleiden; es soll seyn meines Hauptes Kron, mit welcher ich will vor den Thron des ewigen Vaters gehen, und dir, dem er mich an den Sterbenden vorzusprechen. 453 vertraut, als eine wohlgeschmückte Braut zu deiner Rechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin leb und sterb ich. Es ist nichts Verdammliches an mir, weil ich in seiner Gemeinschaft stehe. Jesu Blut heiliget und macht mich rein. O himmlischer Vater! fiehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darum komme ich zu dir. Joh. 1, v. 29. Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes! unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit gefunden geduldig, wiewohl du warest verachtet, all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarm dich unser, o Jesu! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleib mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden, Amen. Joh. 17, v. 24. Vater! ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seyn, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Ifts nun dein Will, so stell dich ein, mich selig zu verseßen; ach ewiglich bei dir zu seyn, kann meine Seel ergößen; eröffne dich, du Himmelssaal, damit ich nach der Noth und Qual zu meinem Jefu komme. O welch eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das seyn, wenn ich zu dir, ò Jesu! kommen, und dich von Angesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hie schon geliebet, ehe ich dich ge 454 Senfzer, Sprüche und Gebete, sehen habe, wie werde ich mich dann mit unaussprechlicher Freude ergößen, wenn ich nun hin. tomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten. O wie groß ist deine Herrlich. keit! Ach! ziehe mich zu dir, und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Röm. 14, v. 7. 8. Unser keiner lebt ihm selber, unfer keiner stirbt ihm selber; leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! ich bitte, du wollest seyn von mir nicht fern mit deiner Hülf und Gnade; die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himmel und Erden frag ich nicht, wenn ich dich nur kann haben; und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, bist du doch meine Zuversicht, mein Theil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! in Schanden laß mich nimmermehr. Ogroßer Gott! ich bin dein geworden in der heil. Taufe, ich bin dein geblieben durch den Glauben, laß mich im Sterben auch dein Eigenthum seyn. O Jesu Christe, Gottes Sohn! der du für mich haft g'nug gethan, ach schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. 2 Tim. 2, v. 8. Haltet im Gedächtniß Jesum Chriftum, der auferstanden ist von den Todten. Erschein du mir zum Bilde, zum Trost in mei ner Noth, wie du, Herr Christ! so milde, dich haft geblut't zu todt, da will ich nach dir blicken, da will 455 den Sterbenden vorzusprechen. ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken: wer so stirbt, der stirbt wohl. Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; Jesu, ich umfasse dich, in mein Herz drück ich dich; ach weiche nicht von mir, mich verlanget nach dir, o mein Heiland! wäre ich bei dir. Luc. 23, v. 42, 43. Herr! gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommest. Jesus antwortete ihm: Währlich, ich fage dir, heute wirst du mit mir im Paradies seyn. Besfehlst du Jesu deinen Geist, eh du dein Leben hier beschleußst, in deines Vaters Hände, so greif dann, liebster Jesu! zu, nimm meine Seel in diesem Nu in deine treuen Hände. Senk ein die blutbesprigte Seel in deine blutige Seitenhöhl', jegt und an meinem Ende. Mein Jesu! mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach! nimm meine durch dein rothes Blut erkaufte Seele auf in deine heilige Hände. Ach! laß sie dir befohlen seyn, daß sie zur Freude in das Paradies eingehe. Ich spreche auch mit dem glaubigen Schächer: Herr Jesu! gedenke mein, gedenke, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigenthum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit seyn. 1 Tim. 1, v. 15. Das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Jesus Christus kommen ist in dig Welt, die Sünder selig zu machen. Jesus! du haft weggenommen meine Sünden durch dein Blut, laß es, o Erlöser! kommen meiner Seligkeit zu gut; und dieweil du so zerschlagen, haft die Sünd am Kreuz getragen, ey, so sprich mich endlich frei, daß ich ganz dein eigen sey. 456 Seufzer, Sprüche und Gebete, Herr, ich warte auf dein Heil! Jesus macht die Sünder selig, er macht mich auch selig. Jesus nimmt die Sünder an, er nimmt mich auch an. Ich bin meines Jesu eigen, und bleibe sein eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, und fehe, wie Jesus mich zu sich rufet. Psalm 73, v. 25. 26. falm 73, Wenn ich nur dich habe, so frag ich nichts nach Himmel und Erde, wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch Gott! alle. zeit meines Herzens Troft und mein Theil. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du selbst herfür, wenn mir am allerbängsten wird um das Herze seyn, so reiß mich aus den Aeng. sten kraft deiner Angst und Pein. O Jesu! mein Leben endet sich, ach! nimm mich auf zu dir. Mein Hirte! nimm dein Schäflein, mein Vater! nimm dein Kind, mein Jesu! nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich, und so schließe ich meine Augen zu. Off. Joh. 7, v. 9. 14. Darnach sahe ich, und siehe eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern vor dem Thron stehen, und vor dem Lamm mit weißen Kleidern angethan, und Palmen in ihren Händen. Und er sprach zu mir: Diese finds, die kommen sind aus großer Trübfal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht durch das Blut des Lammes. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das den Sterbenden vorzusprechen. 457 für eine Schaar? welche zieret eine Krone, glänzend gleich den Sternen klar, singen Halleluja all, loben Gott mit großem Schall. di R O wie groß wird seyn die Bonne, wenn wir werden allermeist schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heiligen Geist. Großer Gott! dir sey bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Ach mein Jesu! ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst geben. Ich wasche indeffen meine Seele in deinem heiligen Blut, und eigne mir es zu, ach nimm mich um deffen willen auf in dein ewiges Freudenleben. Luc. 23, v. 26. Bater! in deine Hände befehle ich meinen Geist. Ap. Gesch. 7, v. 58. Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Herr! meinen Geist befehl ich dir, mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, nimm mich in deine Hände; o wahrer Gott! aus aller Noth hilf mir am letzten Ende. O mein Jesu! dein letztes Wort am Kreuze soll auch mein letztes Wort in meinem Leben seyn: Herr Jesu! dir leb ich, dir sterb ich, dein bin ich todt und lebendig. 2 Petr. 3, v. 13. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welcher Gerechtigkeit wohnet. O Gottesstadt, o güldnes Licht, o Wohnhaus aller Freuden! wann schau ich Gottes Angesicht? Wann endet sich mein Leiden? Wann schmeck ich feine große Güte? O Lieb! es brennet mein Ge müthe; ich lieg und seufze mit Begier: o Jesu! See 458 Seufzer und Gebete lenfreund, hol mich zu dir. O Gott! wie selig werd ich seyn, wenn ich aus diesem Leben zu dir geh in dein Reich hinein, das du mir dort wirst geben. Ach Herr! wird denn der Tag bald kommen, daß ich zu dir werd aufgenommen? Ach Herr! wann kommt die Stund heran, daß ich in Zion jauchzen kann. 114 O du heil. dreieiniger Gott! nimm jetzt meine Seele auf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komm, Herr Jesu! ich warte auf dich, ach führe mich ein zu deiner Freude. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen. Herr Gott Sohn! was du hast erlöset. Herr Gott heil. Geist! was du haft geheiliget, das befehl ich dir in deine Hände, deinem heil. Namen sey Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit! Amen. Seufzer u. Gebete eines Sterbenden. Aus dem Gesang: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. A mein Jesu! mein lettes Sterbstündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum erhalte mich im Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlaffe, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden, o Jesu! all meine Hoffnung sege. Ach, in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung, laß deine Linke unter meinem Haupte seyn, und deine Rechte mich decken. Erwecke mich in meinem Sterbstündlein durch den Trost des heil. Geistes, und bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt. 459 eines Sterbenden. Und ich soll fahren meine Straße. Ach ja, mein Jesu! ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater; o wie freue ich mich, daß ich zu meinen himmlischen Vater, zu meinem Jesu kommen soll, da werde ich Friede, Freude, Troft, Wonne antreffen. O wie wohl wird mir da seyn! Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sey bei mir, o Jesu! schenke mir des Glaubens Freudigkeit, und deines Trostes Süßigkeit, und damit ich diese Todesfahrt mit Freuden antreten und vollbringen möge, So gleit du mich, Herr Jesu Christ! Ach ja, o Jesu! begleite mich aus diesem zeitlichen in das ewige Leben. Ists auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette, und nimm meine Seele auf, wann fie vom Leibe scheidet. Wann ich meine Leibesangen im Tode schließe, so laß meine Seelenaugen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich bringest zu deiner heiligen Wohnung, zu den heil. Engeln, und zu der Schaar der Auserwählten. Ja, begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters, als dein Eigenthum, damit ich daselbst Gnade erlangen, und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde.. In meinem Abschied aus dieser Welt stehe bei mir, und GUN Mit Hülf mich nicht verlasse. Ach! es kann mir in meinem Sterbstündlein Niemand helfen, als nur du, o Jesu! allein. Hilf mir, und stärke meinen Glauben; hilf mir, und gieb 460 Seufzer und Gebete Zeugniß meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sey, und jetzt als ein Kind Gottes das ewige Erbe empfangen werde; ja verlaß mich nicht, wann ich im Tod erblasse. Verlaß mich nicht, wann mir die Augen brechen: alsdann sey und bleibe du das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wann mir das Gehör vergehet, alsdann leh. re, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wann mir die Spras che vergehet, und ich nicht mehr beten kann, als, dann bete für mich, o Jesu! o heiliger Geist, bete in mir und vertritt mich bei Gott mit unaussprech. lichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude; ach, nimm Meine Seele an meinem letzten End', In deinen Schuß und Gnade auf. O Jesu! du haft meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft, ach wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines Lebens, ach so gieb mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich möge mein Herz, Augen und Ge müthe zu dir richten, und beten, so lange die Zunge lallen kann, seufzen, so lange der Athem in mir ist, ja, daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freu. den und zu meinem Trost vernehmen kann; gieb mir ein fröhliches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich möge deiner Gemeinschaft, o Jesu! im Sterben genießen, und durch den Trost und Beistand des heiligen Geistes erquickt werden. Gieb mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe, und mit dir vereinigt bleibe vor dem Tode, in dem Tode und nach dem Tode. Dª eines Sterbenden. 461 mit das möge geschehen, so übergebe ich dir meine Seele, und Befehl sie, Herr! in deine Hånd. O wie wohl wird sie darin bewahret seyn. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmelsfreude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl seyn. Deine Hände sind mächtige Hände, Niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, die hat keinen Theil an mir; nicht der Satan, den hast ja du überwunden. Deine Hände find treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben seyn, denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an den jüngsten Tag; da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder vereinigen, und sodann Leib und Seele der Himmelsfreude genießen laffen: Verleihe mir nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Troft, nach dem Elend die Erquickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet hast. 2. Meine Sünd' mich werden krånken sehr. Ach ja, mein Jesu! ich gedenke heute, an meine Sünden, und ist mir herzlich leid, daß ich dich so oft und so vielfältig erzürnt habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidiget habe; ach hätte ich es doch nicht gethan! Aber, o Jesu! durch dein unschuldig Blut, die 462 Seufzer und Gebete schöne rothe Fluth, wasch ab all meine Sünden, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, ins Meer fie tief versente. Ach, mein Jesu! wenn meine Sünden vor mein Krankenbett treten, mich ängsten, verdammen und verklagen wollen, so tritt du zu meiner Seite, und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heil. Geist. Nun dessen tröste ich mich, wenn Mein Gewissen mich wird nagen. Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich muß über meine Sünden ausstehen. O Sünde, wie bitter bist du auf dem Todbette, wie machst du mir so angst und bange; aber o Jesu! um deines vergoffenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Ulebertretungen, um deiner heiligen Wunden wil Ien erbarme dich über mich. Um deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. Ach! ich läugne nicht meine Misfethaten und Sünden, ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viel find. Denn ihrer sind viel wie Sand am Meer. Ich habe viel gesündigt mit Gedanken, viel habe ich gefündigt mit meinen Worten und unnügen Reden, viel habe ich gesündigt mit meinen Werken und Thaten von Jugend auf bis auf diese Stunde; so du nun, Herr! willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? Willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jegliches unnüßes Wort Nechenschaft geben, so bin ich verloren; willst du mich richten und mir geben nach meinen Werken, o wie wird es mir ergehen! Ach was soll ich Sünder machen? ach was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an! 463 eines Sterbenden. Doch will ich nicht verzagen. Und warum sollte ich verzagen? der himmlische Vater wird ja sein armes, bußfertiges Kind nicht verfloßen. Ich will nicht verzagen, Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Außerwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht macht; wer will verdammen? Chriftus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher fißt zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der heilige Geist wird mein Beistand bleiben auch in meiner Todesnoth, und mir Zeugniß geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sey, daß meine Sünden mir um Jefu willen sollen vergeben seyn. Gedenken will ich an deinen Tod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jesu! am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie du für mich dein Blut vergoffen haft, und sagen: siehe das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes! unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allezeit gefunden geduldig, wiewohl du wareft verachtet, alle Sünd haft du getragen, sonst müßten wir verzagen, erbarme dich meiner, o Jesu! So soll nun immer in meinem Herzen seyn Jesu bitteres Leiden und sein vergoffenes Blut, ja, Herr Jesu! deine Wunden roth, Laß mir in mein Herz eingeschrieben seyn. Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden, in dieselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleich. wie sich fein, ein Vögelein in hohle Bäum verste 464 Seufzer und Gebete cket, wenns trüb hergeht, die Luft unftät, Men. schen und Vieh erschrecket. Also Herr Christ! mein' Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden, wenn Sünd und Tod mich bracht in Noth, hab ich mich brein gefunden. Jesu Blut, Tod und Wunden sollen meine legten Gedanken, und Jesus, Jesus, Jesus mein letztes Wort seyn. O Jesu Christe, Sohn Gottes! der du für mich haft g'nug gethan, ach schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Troft und Helfer mein. Ja, Herr Jesu! deine Wunden, Die werden mich erhalten, Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließt man meinen Leib in den Sarg ein, fo will ich meine Seele in die Wunden Jesu einschließen. Darin wird sie erhalten werden, daraus kann sie kein Seelenfeind vertreiben; in die sen Wunden ruhet fie, und wird gebracht zu der Schaar der Frommen. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib. O welch ein großer Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich ein Glied an deinem heiligen Leibe bin. In der heiligen Taufe bin ich neu ge. boren worden, da bin ich geworden ein Glied der christlichen Kirche, deren Haupt Jesus ist, ist aber Jesus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich seyn werde, wo mein Jesus ist. Jesus aber ist in der Herrlichkeit, da werde ich auch hin kommen. Er hat verheißen: wenn ich erhöhet wer de von der Erde, so.will ich sie alle nach mir ziehen. eines Sterbenden. 465 O Jesu! du bist ja erhöhet zur Rechten deines himmlischen Vaters, zeuch mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude; ach ja, du wirst mich als dein Glied theilhaftig machen deiner Herrlichkeit. Deß tröst ich mich von Herzen. Ein herrlicher Trost! Weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja Gottes Erbe, und ein Mit erbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen, und zur Herrlichkeit erhaben werden. O sollte ich denn nicht gerne sterben, nicht gerne mitleiden und mitdulden, damit ich auch mitherrschen und mitleben möge? Das soll auch mein beständiger Trost seyn. Jesus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen; Jesus, mein Heiland, wird mich selig machen, darum sage ich auch: mein Jesu! ● Von dir ich ungeschieden bleib, Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch Niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, we. der Hohes noch Tiefes mich scheiden soll von. der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn. Ja nichts, nichts soll mich von Jesu scheiden, kein Kreuz und Krankheit, kein Kampf und Augst meiner Seele, ja auch der Tod nicht. Leib und Seele mögen sich scheiden, aber Jesus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; muß ich scheiden aus der Welt und von meinen Freunden, von Jesu aber doch nimmermehr. O Jesu! ich habe dich in mein Herz eingeschloffen, darin will ich dich in wahrem Glauben fest halten, bis du mich bringest zu deiner himmlischen Herrlichkeit: Jesus ist mein, und ich bin meines Jesu allezeit, auch S g Seufzer und Gebete In Todesnoth und Schmerzen: Ja, mein Jesu! du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth; so erfülle auch deine Gna denverheißung. Ist die Todesnoth die legte Noth, so wirst du sie, mein Heiland! mit deiner Gegenwart verfüßen. Erschein du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde, dich hast geblut't zu todt; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken, und will sagen: Herr Jesu! ich laß dich nicht, du segnest mich dann; Herr Jesu! dir leb ich, Herr Jesu! dir sterb ich, Herr Jesu! dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der flirbt wohl, dann 466 Wann ich gleich sterb, so sterb ich dir, Ja, mein Jesu! ich will gerne sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in deine Herrlichkeit kommen werde. Ich will im Glauben sterben, und mich auf dein Verdienst, Blut und Tod verlaffen. Sch flerbe fröhlich und selig, denn ich sterbe dir, aus Verlangen nach dir, ich sterbe als dein Kind, wel. ches du bisher haft geliebet, ich sterbe als dein Schafiein, welches Niemand aus deiner Hand reißen kann, ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet ist. Dann Ein ewiges Leben hast du mir, O Jefn! wie freue ich mich auf dieses Leben, auf diese Herrlichkeit; habe ich hie gehabt wenige gute Tage, und mein täglich Brod ist gewesen Müh und Klage, so werde ich hingegen in dem Himmel haben lauter gute Tage, Freudentage, Erquicungstage; da wird mein Heiland abwischen alle Thränen von meinen Augen. O selige Stunde, eines Sterbenden. 467 wann ich zu dieser Freude gelangen werde! und daß ich auch dazu gelangen werde, weiß ich gewiß, denn dieß Freudenleben hast du mir Durch deinen Tod erworben. Du bist, o Lamm Gottes! für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde; für mich bist du verspeiet, gefreuziget und ge tödtet, dein Tod verfüßet meinen Tod, es kommt alles mir zu gut: dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen; tausend, tausendmal fey dir, liebster Jesu! Dank dafür. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. O darum sey getrost, meine Seele, und schaue mit Frenden gen Himmel. Jesus hat die den Himmel erworben, und dir daselbst eine Stätte bereitet. O wohlan, habe ich hie auch keine bleibende Stätte, endigt sich mein Leben, bricht mein Herz, so weiß ich schon wohin: zu Jesu, meinem Heiland. Dann ich weiß, wann dieses Haus meiner irdischen Hütte des Leibes durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbauet, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist im Himmel, und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, O ein herrlicher Trost! den mir Gottes Wort giebt; wann ich schon sterbe, so will ich doch wieder auferstehen. Ist das nicht ein großer Troft für mich? Und der entstehet daher, weil mein Jesus vom Tode auferstanden ist; er ist für mich am Stamm des Kreuzes gestorben als das unschuldige Lamm Gottes, er ist auch begraben worden, er Gg2 468 Seufzer und Gebete ist aber wiederum fiegreich am dritten Tage aufer. standen. Jesus ist erstanden, ich werde auch auf. erstehen. Jesus lebt, ich soll auch leben. Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so Werd ich im Grab nicht bleiben. Jesus wird mir mein Leben wieder geben, Leib und Seele, die durch den Tod getrennt waren, werden in der seligen Auferstehung wieder vereis nigt werden. So wenig das Grab meinen Je. fum hat halten können, so wenig wird es mich auch halten, wenn die letzte Trompete erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, dieweil mein Leib da ruht von aller Sorge, aller Arbeit, allen Schmerzen, und meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquicket und getröstet werden. Ja mein Het land! nicht allein erfreuet mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist. Als Jesus von den Todten auferstanden war, so fuhr er gen Himmel, und gieng in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist vorangegangen, ich folge nach; ich werde auch eine herrliche Him. melfahrt halten. Meine Seele wird segleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem Herrn in den Wolken entgegen gerücket werden, da dann Leib und Seele mit einander sollen zu ihres Herrn Frende eingehen. Das soll mein höchster und herzlichster Trost in meinem Sterben bleiben: Jesus lebt, ich werde auch leben; Jesus ist gen Himmel gefahren, ich werde auch ihm nachfahren. Jesus ist in die Herrlichkeit eingegangen, und ich werde eines Sterbenden. 469 auch bei meinem Eingang in den Himmel dersel. ben theilhaftig werden. Was kann mir denn nun füßer und angenehmer seyn als meines Jesu und meine zukünftige Himmelfahrt? Todesfurcht kann sie vertreiben. Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor, denn meine Seele gehet aus der irdischen zerbrechlichen Hütte, und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut, zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu Jesu, mei. ner Seelen Bräutigam; soll ich mich da denn fürchten? Ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur ab, meine Seele verlieret ihr Kreuz, und erlanget die himmlischen Güter, fie verläßt die Menschen, und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja, mein Jesu! was meine Todes. furcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir, Denn wo du bist, da komm ich hin, O welcher Troft ist das! Nach dem seligen Ab. schied aus diesem Leben soll ich gen Himmel fahren, und bei meinem Jesu in seiner Herrlichkeit seyn. Das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem Herrn. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. O welche Freude wird das seyn, wenn mich Jesus in seine Arme fassen, und zu der Herrlichkeit einführen wird! O wohlan, so bin ich wohl, wenn ich bin, wo Jesus ist, und dieses zn meinem Trost, Seufzer und Gebete Daß ich stets bei dir leb und bin, Darum wird er mich zu sich nehmen, daß ich bei ihm leben soll in der himmlischen Herrlichkeit. Auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung fol. gen. Ich soll vor seinem Thron stehen, und sein Antlig schauen, welches Anschauen die allerunaus. fprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben, und durch ihn ewiglich erquicket werden, und weil ich deffen überzeugt bin, 470 Drum fahr ich hin mit Freuden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sün den um Jesu Blutes und Todes willen vergeben sind. Ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferwe. cket werden, ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten, und zu meinem Jesu kommen; darum mit Freud fahr ich von dannen, zu Chrift, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme, und ewig bei ihm sey. Ich fahre hin mit Frenden aus der Welt in den Himmel, aus diesem Jammerthal in den Freudensaal, dann aus Trübsal, großem Leid soll ich fahren in die Freud, die kein Ohr nie hat gehöret, und in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Spricht mein Heiland: ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott; so spreche ich auch in meinem Sterben: ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himm. lischen Vater, zu meinem Jesu, zu dein heil. Geist, und also zu dem dreieinigen Gott, zu meinem Im eines Sterbenden. 471 mannel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bru der, ja zu meinem Erlöser fahre ich erlöste Seele hin. Und ach! wie verlangt mich, Jesum zu sehen in seiner Herrlichkeit, Jesum, den ich nie gesehen, aber doch lieb habe zu umfassen; darum Meine Arme thu ich ausstrecken, Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jesu, ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten, und nimmermehr zu lassen. Ich strecke meine Arme aus und rufe: ja komm, Herr Jesu! Ich erinnere mich, wie mein Jesus am Stamm des Kreuzes feine beiden Arme ausgestrecket, und also gestorben, als ob er mich umarmen wollte, so will ich jego auch sterben, mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfaffen. O mein Seelen Bräutigam! umfaffe mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlichet deinem himmlischen Vater dar. O welch ein se liger Eintritt wird das seyn, wann ich werde also von Jesu begleitet in den Himmel eingehen! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und ster. ben, dann wann ich so sterbe, 3 So So schlaf ich ein, und ruhe sein, Wann ich in den Armen Jesu ruhe, so schlaf ich sanft. Jesus in meinem Herzen, Jesus in mei. nem Sinn, in Gottes Namen schlaf ich ein. O eine süße Ruhe, die Niemand stören kann! Ich ruhe von meinem Kreuz, ich ruhe von allem Jammer, von Trauren und Betrübniß, ich ruhe von allen Schmerzen. O eine felige, himmlische Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie follte ich dann nicht sauft schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu? Daraus Seufzer und Gebete Kein Mensch wird mich aufwecken. Todte erwecken ist ein Werk Gottes, darum auch kein Mensch die Kraft hat, Todte zu erwe. cken. Aber mein Jesu! deine Stimme wird durch die Erde in die Gräber dringen, und die Todten werden auferstehen. O Jesu! so erwecke dann meinen Leib am jüngsten Tage zum ewigen Leben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen, denselben werde ich mir sehen, meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun. 472 Dann Jesus Christus, Gottes Sohn, Also lege ich nochmals mein Glaubensbekenntniß vor meinem Tode von Jesu ab. Er ist Jesus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der verheißene Gefalbte, ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja Gott selbst. Auf diesen Jesum Chriftum will ich fröhlich und selig sterben; das Blut Jesu Chrifli, des Sohnes Gottes, macht mich rein von allen Sünden. Nun derselbe Wird mir die Himmelsthür aufthun, ur Ach mein Jesu! wenn meine Lebensthür sich schließet, so thue mir auf die Himmelsthür. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht, ich habe auch durch den Glauben in der Lebenshet. ligkeit nach dem Himmel getrachtet, darum o Je. su! öffne mir die Himmelsthür, und sprich: Ey, du fromme und getreue Seele! gehe ein zu deines Herrn Freude; komm her, du Gesegucte! ererbe eines Sterbenden. 473 das Reich, das dir bereitet ist von Aubeginn der Welt. O wie felig werde ich seyn, wenn du mit solchen süßen Worten wirst Mich führen zum ewigen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führet, fo führe mich, o Jesu! in das ewige Leben. Nun bin ich bei Jesu, er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben verseßt in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich aus dem Glauben zum Schauen gelanget. Meinen lieben Gott von Angesicht werde ich an. schauen, daran zweifle ich nicht, in ewiger Freude und Herrlichkeit, die mir bereitet ist; ihm sey Lob, Preis in Ewigkeit. Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu: altet im Gedächtniß Jesum Christum, gedenket Haltet an sein bitteres Leiden und Sterben. Tröflet euch der Liebe des himmlischen Vaters, der euch in der heiligen Taufe zu seinem Kind angenommen, und auch jetzt als sein Kind in die ewige Herrlich keit will aufnehmen. Tröstet ench der blutigen Wunden Jesu Christi, die er sich auch für eure Sünden hat schlagen lassen, tröstet euch seines hei. ligen Blutes, das er auch für eure Sünden ver. goffen. Tröstet euch des Beistandes des heiligen Geistes, der euch geheiliget hat, auf diesen dreieinigen Gott lebet und sterbet selig, Amen. Segenswunsch über den Sterbenden. Fahre hin, du durch Jesum Chriftum thener erkaufte Seele! Fahre hin zu deinem lieben Gott und Vater in Jesu Christe, der dich erschaffen und geliebet hat, den du findlich gefürchtet und vertrau 474 Seufzer eines Sterbenden. er hat. Fahre hin zu deinem Herrn Jefu, dem theuersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich als sein Schäflein mit feinem Blut erkauft, an welchem du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu dem Tröster, dem heiligen Geist, der Trößter dich geheiliget, und dich zu seinem Tempel und Wohnung erkohren hat. Fahre hin aus dem Leibe in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen Gott, der segne deinen Ausgang und Eingang, und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der Herr segne dich, und behüte dich, der Herr erleuchte sein Angesicht über dich, und sey dir gnä. dig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden, Amen. Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden. D du heiliger und gerechter Gott! so hat es dir gefallen, diefen vor unsern Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach! laß uns an diesem Tod lernen, daß wir auch einmal also sterben und die Welt verlassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch wahre Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Welt Eitelkeit und Sünden dazu bereiten mö gen. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude, und erfülle an ihr alle Gnaden. Verheißungen, die du deinen Glau bigen in deinem heiligen Wort gethan, dem Leibe gönne in der Erde eine saufte und süße Ruhe bis an den lieben jüngsten Tag, da du alsdann Leib und Seele wiederum vereinigen, und zu der Herr. lichkeit einführen wir, damit der ganze Mensch, Der andächtige Chrift betrachtet 2c. 475 der dir hie gedienet, dort möge mit himmlischer Freude erfüllet werden. Tröste auch die durch diesen Tod Betrübte, und sey und bleibe der Hinterlaffenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand, verlaß sie nicht, und thue nicht von ih. nen die Hand ab, sondern laß sie deiner Güte, Gnade, Liebe, Trost und Hülfe reichlich genießen, bis du sie auch wirst dermaleins fröhlich und selig laffen sterben. Ach erhöre uns um deiner Barm herzigkeit willen! Amen. Fest- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur heiligen Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Aufmunterung. 3ach. 9, v. 8. Du Tochter Zion freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem fauche ze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Efel, und auf einem Füllen der Eselin. Ist eine Zeit, welche Gott ergebene Seelen gerne es die Festtage, an welchen die Christenheit die Wohl. thaten Gottes erwägt. Ein glaubiges Kind Got. tes freuet fich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenket. In der heiligen Ad. ventszeit betrachtet es 2) die Liebe des himmlilchen Vaters, der seines eigenen Sohnes nicht verschonet hat, sondern ihn in die Welt gefandt, den Menschen die Seligkeit zu erwerben. Er siehet 3) an die inbrünstige Liebe Jesu, welcher sich in unser ar 476 Der andächtige Christ betrachtet mes Fleisch und Blut verkleidet, damit er uns möge zum Himmel und Seligkeit bringen. Es preiset 4) die Guade des heil. Geistes, welcher die ge. schenkten Wohlthaten der glaubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellt, als ob sie heute erst wären geschehen. Daher läfset es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebets seyn, welches es mit Anhörung und Betrachtung des Worts Gottes, mit Anstimmung der Festlie. der, und einem stillen, gottseligen Wandel an fangt und vollendet. Gebet. du gnadenreicher Jesu! der du bist kommen, selig zu machen, was verloren ist; ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schuh und Gnade abermal hast erleben lassen. Ach gieb mir deines heiligen Geistes Kraft, daß ich sie möge in deiner Furcht mit heiz ligen Betrachtungen u. zu meiner Seele Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der du bist gewesen ehe noch der Welt Grund geleget war, bist ins Fleisch gekomen, ein wahrer Mensch geworden, daß du uns möchtest selig machen. Wir könnten wegen des schweren Sündenfalles nicht zu dir in den Himel zur heil. Adventszeit die Ankunft Chrifti. 477 kommen, darum komme du zu uns auf Erden, auf daß du uns alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Gottes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft soll alles wieder gut gemacht werden. D heilige Ankunft! dadurch wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren sollen angethan werden. Dan das ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gieb mir zu dieser heil. Zeit ein aufmerksames u. gehorsames Herz, daß ich möge dein heilig Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Herzen behalten u. annehmen, im Glauben, in deiner Erkenntniß und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen, und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als daß 478 Gebet zur Heiligen Adventszeit. sind: Keuschheit, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir möge eine selige und heilige Ankunft seyn. Ach! bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: er kam in sein Eigenthum, aber die Sei nen nahmen ihn nicht auf. Komm in mein Herz, ich will dich als meinen einzigen Erlöser, Heiland und Seligmachet im Glauben fassen, dein Verdienst und Gerechtigkeit mir zueignen. Komm in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Eitelkeiten, Lustbarkeiten, ja Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seelen Einwoh ner und meines Herzens Beherrscher seyest. Ach! wohne in mir, heilige mich in dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich, und suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen, dann wann mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich seyn? D Gebet zur heiligen Adventszeit. 479 Jesu! du kamst als ein König; ach regiere in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr in mir herrschen könne. Du kamst als ein Gerechter; ach mache mich gerecht, und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Du kamst arm, daß du mich mögest reich machen an meinerSeele, reich im Glauben und an himmlischen Gütern. Du kamst demüthig; ach mache mich demüthig, daß ich von dir lerne Demuth und Sanftmuth, u. dieselbe in meinemLebe bei allen Gelegenheite außübe. O duKönig der Ehren! ziehe auch in die Thore meines Herzens ein; siehe, ich thue durch deine Kraft sie dir weit auf, regiere mich mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und Tempel beståndig bis an mein seliges Ende bleiben möge. Mein Herz will dich auch haben gern, du Gottes- Sohn, du DavidsStern, du wahrer Weibes- Saamen, du Siloh, Heiland, Hirt und Heil, mein Bruder, Gnadenthron undTheil, komm in des Herren Namen! Komm König, Gebet zur heiligen Adventszeit. Friedefürst und Held, Erldser, Mittler, Lösegeld, du Licht und Trost der Heiden! o Seligmacher, Hülf und Schuk, Versöhner, Rath, Prophet und Truk, zeuch in mein Herz mit Freuden! Amen. Gesang. Mel. Gott! bu frommer Gott. Hier ier ist Immanuel, so laßt uns jetzo sagen, zur angenehmen Zeit, in diesen Freudentagen; hier ist Immanuel, der uns die Gnade bringt, und dem die Christenheit das Hosianna singt. 480 2. Hier ist Immanuel, den hat uns Gott gesendet, und mit demselbigen sein Herz zu uns gewendet; hier ist Immanuel, ach seht, wie Gott uns liebt, da er zu unserm Heil sein liebstes Kind dargiebt. 3. Hier ist Immanuel, der Fluch kann uns nicht schaden, das Opferlamm ist da, wir sind bei Gott in Gnaden; hier ist Immanuel, wir sind von Sünden frei, es fället uns kein Fall, so groß er immer sey. 4. Hier ist Immanuel, die Sünd ist nun verges ben, Gott schenkt uns Gnad um Gnad, wir sollen ewig leben; hier ist Immanuel, Gott will uns gnädig seyn, es macht uns Jesu Blut von allen Sün den rein. 5. Hier ist Immanuel, fein Unfall fann uns tödten, sich, Jeſus ist bei uns in allen unsern Nöthen; Hier ist Immanuel, erschreckt uns Angst und Noth, so hilft uns gnädig aus der wahre Mensch und Gott. 6. Hier ist Immanuel, laßt uns die Sünde hassen, und alle Lieb der Welt aus Lieb zu ihm verlassen; hier ist Immanuel, der Seelen Trost und Licht, den fasset Jedermann in Glaubens- Zuversicht. Gebet auf Weihnachten. 481 7. Hier ist Immanuel, wir können fröhlich sterben, wir werden durch den Sohn des Vaters Reich ererben; hier ist Immanuel, deß freut sich Leib und Seel, und spricht auch in dem Tod: hier ist Immanuel. Der andächtige Christ betrachtet auf Weih. nachten die Geburt Jesu Christi. Aufmunterung. Gal. 4, v. 4. 5. Da die Zeit erfüllet ward, fandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Geseß gethan, auf daß er die, so unter dem Geseß waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfiengen. SARE eine fin ft bei der Geburt eines königlichen Prinzen er zum Trost geboren ist, so kann Christi Jesu Geburt nicht anders als allen Menschen erfreulich feyn. Die Engel freuen sich in den Lüften, und verkündigen eine große Freude den Menschen, warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen: 1) über die erbarmende Liebe Gottes? welcher seines Soh. nes nicht hat verschonet, sondern ihn für uns dahin gegeben. 2) Ueber die Freundlichkeit Jesu? daß er sich nicht geweigert, ob er schon Gott und Gottes Sohn ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen, und ein kleines Kind zu werden. Es verwundern sich 3) Glau. bige in einer glaubigen Stille über den heilsamen Rath Gottes von unserer Seligkeit, daran tein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn sollte anstatt der Menschen leiden, und sie mit Gott versöhnen. Sie verwundern 4) sich über die unverdiente Gnade, welche Gott den Men. schen, die doch seine Feinde waren, Rom. 5, v. 10. anbietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten H h 482 Gebet auf Weihnachten. haben, ob sle deren schon höchst bedürftig waren. Daher 5) danken sie ihm desto herzlicher dafür, daß der Rath Gottes von unserer Seligkeit ihnen tund gemacht worden, begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, daß fie Jesum im Glauben annehmen und im gottseligen und frommen Wandel folgen. Derowegen ihnen auch die heiligen Weihnachttage Bet, Freuden, Lob. und Dank. tage werden. Gebet. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen seyn. D Herr! hilf, o Herr! laß wohl gelingen; gelobet sey, der da kommt im Namen des Herrn. Auf, meine Seele, und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und deiner Erbauung an, und sprich: 0 du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! ach! daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rühmen könnte. Gott ist die Liebe, dies ses erkennet mein Herz und Gemüth an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel ausgefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, daran kein 483 Gebet auf Weihnachten. Engel noch Mensch hätte denken können. du holdseliger Jesu! dir sey ewig Lob und Dank gesagt für deine Menschwer dung und Geburt, duwirst ein Menschenkind, damit wir möchten Gottes Kinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht erhöhet, du hast sie mit deiner Gottheit vereinigt. Liebe! o Gnade! so gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereinigt ist, so gewiß ist zwi schen Gott und Menschen eine ewige Freundschaft, ewige Versöhnung, ewiger Friede und ewige Liebe gestiftet. Wenn uns Gott in seinem Sohn ansiehet, so kann er nicht anders als uns gnädig seyn; hat er dieses Geliebten nicht geschonet, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Friede, Le= ben und Seligkeit. O der großen Liebe Jesu! der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Geburt heilige; er hat zugeH 12 484 Gebet auf Weihnachten. nommen an Alter und Weisheit, damit er unsere Jugend heiligte; bist willkom men, du edler Gast! die Sünder nicht verschmåhet hast, du kommst in's Elend her zu mir, wie soll ich immer danken dir! O mein liebster Seelenfreund! mein Bruder! ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübsal, einen Seligmacher, wann mich meine Sünden ängsten, einen Beistand in Nöthen, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führet, die Wahrheit, die mich lehret, das Leben, daß mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig macht, mein Hoherpriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missethaten, ein vollkomme nes Lösegeld für meine Ulebertretung. O werther heiliger Geist! wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Trost, dies Freude, dieses Heil abermal verkündigen läsfest. Ich freue mich von Grund Gebet auf Weihnachten. 485 meiner Seelen an diesem heiligen Feste und sage: mein Jesus ist mein, fein Berdienst ist mein, sein Himmel ist mein, das Kind ist mir, mir geboren, der Sohn ist auch mir gegeben, er hat auch mir die Gnade Gottes, die Kindschaft und das ewige Erbe, das uns aufbehälten ist im Himmel, erwerben und geschenket. D Jesu! den ich im Geist in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich bist du, wie freundlich bist du! ach verleihe mir Gnade, daß ich dein nimmermehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil! heilige mich, ich ergebe mich dir mit allem, was ich bin und habe; ach mein Bräutigam! umfahe mich, dir will ich leben, dir will ich dienen, aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach! laß mein Herz deine Wohnung seyn in Zeit und Ewigkeit. Schließ mich in deine Liebe, und halt mich darin, daß ich in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und 486 Gebet auf Weihnachten. der Seelen Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist Mensch geboren. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin, und weil Jesus in mir lebet. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben, nicht die Anklage des Ge wissens wegen meiner Sünde, hie ist mein Fürsprecher Jesus, Darum sag an, mein Herzens- Bräutigam, mein Hoffnung, Freud und Leben, mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, was soll ich dir doch geben? Ach nimm von mir Leib, Seel und Geist, ja alles, was Mensch ist und heißt, ich will mich ganz verschrei ben, dir ewig treu zu bleiben, Amen. sio pistole fan girnist on Se Mel. O Cott! du frommer Gott, welch ein Freudenfest, o welche frohe Stunden, da Jesus, Gottes Sohn, in Windeln wird gebunden; es ist mein ganzes Herz auf dieses Kind ges richt, und meine Andacht geht von seiner Krippe nicht. 2. O Lieb, o große Lieb! wer da mit mir bedenket, daß Gott uns seinen Sohn zum Leben hat geschenket; o große Vaterlieb! die uns so hoch geacht't, daß er in seinem Sohn sich uns zu eigen macht. 3. O Treue! Jesus ist zu uns vom Himmel kom Gebet auf Weihnachten. 487 men, hat an sich Fleisch und Blut, doch ohne Sünd, genommen. Er kommt, und bringet uns zur Kron, zur Herrlichkeit, zum Erbtheil, zu dem Heil, zur füßen Himmelsfreud. 4. O große Gnad! es kann ein jeder Gnad erlangen, wer diesem Jesu wird in Glaub und Lieb anhangen; o Gnade! die uns Trost und wahres Leben giebt, seht, dieser Gnad genießt, der Jesum herzlich liebt. 5. O Freude! uns're Sünd find insgesammt vergeben, vergeben in der Zeit und dort in jenem Leben; der Bürge ist nun da, ber stellt sich heute ein, will unser Lösegeld und Seligmacher seyn. 6. O Trost! so sind wir denn mit Gott ganz ausgeföhnet, wer glaubt, wird nicht verdammt, vielmehr durch ihn gefrönet; bes Herren Jesu Blut, Tod und Gerechtigkeit, ist unser schönster Schmuck, und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu! du wirst hie ein Menschenfind auf Erden, daß ich ein Gotteskind soll hie und dorten werden, du kommst und nimmst auf dich all meine Sündenschuld, hingegen schenkst du mir bes Vaters Lieb und Huld. 8. Du kommst und willst auch mir in Heiligung vorgehen, wie ich soll heilig seyn, das soll ich an dir sehen; wohlan, ich folge nach; mein Jesus nur allein foll, weil ich leben werd, mein Licht und Führer seyn. 9. Derohalben knie ich vor deiner Krippe nieder, ich stimm mit Freuden an die frohen Weihnachtlieber, nimin an den Lobgesang, nimm auch mein Herze an, weil ich dir, lieber Freund! nichts bessers geben kann. 10. Ich will allhie mit dir auf ewig mich verbinden, ach! laß mich neue Gnad bei deiner Krippe finden; mein Jesu! ich bin dein, ach sey und bleibe mein, und laß mich nimmermehr von dir geschieden seyn. 488 Der andächtige Christ betet und danket Gott am Beschluß des Jahres. Aufmunterung. Psalm 103, v. 1..2. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir tft, feinen hetligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Mann andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott erfreuen, wann er sie läs fet eine Woche oder Monat glücklich zurücklegen, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wann sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr erlebt haben? Ach wie viel Leiden kann uns in einem Tag begegnen, wie viel mehr in einem ganzen Jahr! Wann ein andächtiger Christ den Beschluß des Jahrs erblickt, so hebt er die Hände, Herz und Mund zum Himmel auf, und schließet es mit Loben, Danken und Beten, und zwar ist es ihm nicht genug, daß er etwa nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank! daß Jahr ist vorbei; sondern 1) daukt er Gott, daß er ihm dieß Jahr sein heiliges Wort zur Seelenheiligung hat lassen predigen, den Weg zum Him. mel weisen, daß er ihm durch das heilige Abend. mahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Vollbringung der Glau. bensfrüchte verliehen. Er fragt sich, ob er auch das Jahr über frömmer geworden, wie alt er nun an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sey, da er nach der alten fündlichen Ge burt abermal ein Jahr zurückgelegt hat. 3) Er bittet Gott auch herzlich und inbrünstig um Ver zeihung der begangenen Sünden, die er entweder wiffentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er 489 Gebet am Beschluß des Jahres. preiset Gott sodann für die vielen empfangenen leiblichen Wohlthaten, daß er ihn ernährt, versorgt, beschüßt, errettet, erhalten, gesegnet, bewahrt und begleitet. 5) Hat ihm Gott aber eine Krankheit, Leiden und Trübfal zugeschickt, aber auch wieder davon befreit, so soll er insonderheit ihm dafür danken, und sich am Ende des Jahrs so viel möglich erinnern, was in jeder Woche entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sey, auf daß also die letzten Tage des Jahres ihm Lob., Bet, Dank- und Bußtage werden mögen, daher er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahr anflehet. Gebet.m Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Also spricht meine, in deiner Gnade sich freuende Seele, da ich nun abermal unter deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott! wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du trånkest sie mit Wollust, als mit einem Strom, denn bei dir ist die lebendige Quelle, und 490 Der andächtige Chrift betet in deinem Licht sehen wir das Licht. Mein Gott! der Tage im Jahr sind viel, aber deiner Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahr kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heilig Wort hast lassen lauter und rein predigen, und darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen. Ach versiegle alles, was ich ge hört habe, in meinem Herzen, und gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich in deinem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut hast gespeiset und ge trånket; ac! laß es mir zu meiner Glaubensstärkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir die Sünde vergeben, und die verdienten Strafen abgewendet hast, ach gieb mir Kraft, daß ich mich in diesem Jahr davor hüte, und sie nicht wieder und danket Gott am Beschluß des Jahre. 491 begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleis dung bescheeret, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen haft. Du hast mic behütet, wie einen Augapfel im Auge, du hast mich beschirmet vor meinen Feinden, die nach meiner Seele stehen. Du hast in Noth mich erhört, und mein Gebet vor deinen Thron laffen dringen. Du hast deinen Segen über mich ausge schüttet, du hast dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du liebreicher Bater, hast mich, dein Kind, an deiner Hand geführt; du mächtiger König! hast mich, deinen Unterthanen, wider meine Feinde beschüßt; du getreuer Hirte! hast mich, dein Schäflein, auf grüner Aue geweidet; deine Güte und Treue hat mich von Anfang des Fahrs bis an das Ende begleitet. Deine Weisheit hat mich begleitet, deine Liebe hat mich bedeckt, deine Hülfe hat mich erfreu 492 Der andächtige Chrift betet n et, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Vaterhand hat mir alles gegeben, dein allsehendes Aug hat Acht auf mich gehabt, und meinen Aus- und Eingang behütet, daß mir kein Ulebel begeg nete. Darum, ach sehet und schmecket doch, wie freundlich der Herr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. Hatte ich zuweilen viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergößt. War mir oftmal Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hülfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen, und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach alle Sünden, die ich in diesem Jahr ge than habe. Ach strafe mich deßwegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um Jesu willen. Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber und danket Gott am Beschluß des Jahrs. 493 meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Herr, Herr! so beschließe ich dann das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demůthig an: bleibe auch mein Schuß u. gnådiger Gott in dem neuen Jahr, halte deine Hand über mich, und laß mich deinem Souk, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen seyn. Sey Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit ſeinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt, gebt unserm Gott die Ehre, Amen. 55] 18 Hagini Gesang. Mel. D Gott! bu frommer Gott. Wie ie ist mein Herz erfreut, wenn es vergrügt bedenfet, wie viel mir Gottes Hand in diesem Jahr geschenket, wie er mich hat versorgt und våterlich bewahrt, und mich gesund und wohl bis diese Stund verspart. 2. Wie kann ich solche Gnad, mein Vater! g'nugsam preisen? Ach könnt mein froher Geist recht dankbar sich erweisen: o daß doch all mein Blut wie eine Zunge wär, und jeder Aderschlag erhübe deine Chr! 4941 Gebet am Beschluß des Jahres. 3. Viel Gutes hast du mir in diesem Jahr erzeiget, und deinen Segensstrom mir reichlich zugeeignet, an Nothdurft, Speis und Trank hats niemals mir gefehlt, doch sind die Sterne eh', als deine Güt gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, wenn ich daben erwäge, und vor dir, treuer Gott! bußfertig über. lege, wie ich so undankbar dafür gewesen bin, unt daß ich nicht gelebt nach meines Jesu Sinn. 5. Denn ach, die Sündenkast liegt mir an meinem Herzen, ach, die genoff'ne Lust bringt jetze bitt're Schmerzen, daß ich gesündigt hab, ach leider! tausendmal, was sag ich tausendmal, so oft und ohne Zahl. 6. Du willst jedoch, mein Gott! dieselben mit verzeihen, und mir zur Besserung vom Himmel Gnad verleihen; nimm weg die Schuld und Straf vertilg sie ganz und gar, und straf deßwegen nicht mich in dem neuen Jahr. 7. Ich will mich dir hiemit zum Eigenthum ergeben, die Seele sammt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben, ach schließ die Meinigen in deine Vorsorg ein, und lasse, was ich hab, dir auch befohlen seyn. 8. Beschütze ferner mich, und gieb mir deiner Segen, erhalte, was ich hab, sey bei mir und hiegegen, wend ab des Unglücks Sturm, und bleibe stets mein Gott, und habe Acht auf mich im Leiden, Noth und Tod. 9. So will ich dann dieß Jahr, mit dir, mein Gott beschließen, ach laß im neuen auch mich deiner Hult genießen, und sollt dasselbige vielleicht das letzte seyn, so führ mich durch den Tod zur Himmelfreude ein. THRO A 495 Der andächtige Christ betet im Anfang des Jahrs. Aufmunterung. Psalm 90, v. 17. Der Herr, unser Gott, sey uns freundlich, und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja das Werk unserer Hände wolle er fördern. bgleich oftmals vorwißige Gemüther am Au- 2 fang des Jahrs gerne wissen möchten, ob ih nen das Jahr werde glücklich seyn: so stehet es doch nicht in eines Menschen Macht, solches Jemanden kund zu thun; denn zukünftige Dinge weiß der Herr allein. Daher ist allen zu rathen, welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist, daß fie, 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen; daß sie die Güte des Höchsten prei sen, der sie unter so vielen Sturmwinden des Leidens, unter so vielen Fluthen der Trübsal den. noch glücklich ein neues Jahr hat antreten lassen. Und gewiß, hat ein Schiff gut Glück, das durch Sturm und Wellen durchkommt, so hat man auch Gott auf den Knieen zu danken, wann er uns ein Jahr glücklich und gefund hat erleben laffen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danten fich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner wolle beschüßen, regieren und erhalten. Sie befehlen Gott ihren Leib und Seele, und alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschuß. 3) Sie befleißigen sich auch in dem neuen Jahr, andächtiger und frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr möge in die neue Geburt gehören. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren prangen, und sind doch dabei irdisch ge. finnt und der Welt ergeben, die haben keinen Ruhm 496 Der andächtige Chrift betet Denn die Frömmigkeit, als welche eine Frucht des Glaubens und der inwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei Anfang des Jahrs vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren, und darnach ihr Leben anzustellen. Gebet. Herr, Herr! barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß ist; siehe, ich habe unter deinem Schuß abermal ein neues Jahr angetreten. Herr! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen; du machest sie trunken von den reichen Gütern deines Hauses; Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Dieses alles habe ich, mein Gott und Vater! daß vorige Jahr wohlerfahren, darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen anfangen. Herr! frühe wollest du meine Stimme im Anfang des Jahrs. 497 hören, frühe wollest du darauf merken. Ach Herr! ich weiß nicht, was mir in dies sem neuen Jahr begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viel, das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche die Menschen können treffen, sind unzählig. Darum komme ich zu dir, o starker und liebreicher Gott! ich will mich gleich im Anfang deiner Gnade und Treue befehlen. Ach! da alles neu wird, das Land will von neuem grünen, die Sonne höher steigen, alles wird mit neuen Kräften belebet, so laß auch deine Güte u. Barmherzigkeit über mich neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnädigen Vater- Schuk, bewahre sie, daß ich dieselbe nicht mit muthwilligen Sünden beflecke. Herr Jesu! heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blute, Gott heiliger Geist! wohne in mir, laß sie deinen Tempel seyn. O wie ein gesegnetes Jahr wird mir dieses seyn, wenn ich, o himmlischer Vater! in Fi Ji 498 Der andächtige Christ betet deiner Gnade bleibe, und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich seyn, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu! wer= de stehen. O wie schön werde ich ge schmückt einher gehen, wenn du, werther heiliger Geist! in mir wohnen und mich regieren wirst. Sollte es aber deinem heiligen Rath gefallen, mich mit Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht von mir, und wenn ich Pein leide, so lindere mirs, und laß auch deine Erquickstunde erscheinen, da du mir alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, Herr, mein Gott! über die Meinigen, und über all das Meine; sey eine feurige Mauer um uns her, wie um Elia; bewahre uns rings umber, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines heil. Geistes, daß ich dieses Jahr recht from und ein wahres Kind Gottes werde, daß ich sey ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Thäter des Worts. Hilf, daß in dem neuen Jahr es von meiner Seele Zustand heißen möge: im Anfang des Jahrs. 499 Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu geworden: daß ich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, einen neuen Trieb, mich mit dir za vereinigen und in der Vereinigung zu bleiben. Ach heilige mich durch und durch, daß mein Geist sammt Seel und Leib mögen unsträflich erhalten werden bis auf den Tag JesuChrifti. Gieb mir einen neuen Eifer in meinem Christenthum. Segne meinen Beruf und Arbeit, segne meinen Ausgang und Eingang, gieb mir, was deine Segenshand mir bestimmt hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang dieses Jahrs bedenken, daß auch das lehte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereit halten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampen brennend, und meine Lenden gegürtet seyn lassen, dich, o mein Bräutigam und gnádiger Gott! mit Freuden zu empfangen, und zu deinem mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach gieb J12 500 Der andächtige Christ betet mirnach deinem Willen einen neuenSin und Geist, der, was dein Befehl unsheißt, mich lehr unverrückt erfüllen, daß mein Geist sammt Seel und Leib deines Geistes Wohnung bleib. Jesu! laß mich fröhlich enden dieses angefangene Jahr, trage mich auf deinen Händen, stehe mir bei in Gefahr. Ach hilf mir in meiner Noth, ach verlaß mich nicht im Tod: freudig will ich dich umfassen, wann ich muß die Welt verlassen, Amen.. Gesang. Gott Mel. Allein Gott in der Höh' sey Ehr. ott Lob, das neue Jahr bricht ein, es ist schon angehoben, ach! könnt ich doch recht dankbar seyn, und Gott vollkommen loben: ich schenk mich bir, ach schenk dich mir, mein Gott, mein Licht und Lebenszier, und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih mir deinen guten Geist, der Herz und Seel regiere, der mich im Glauben allermeist, und Gottesfurcht ausziere! der mich erfülle allezeit mit Hoffnung, Lieb und Herrlichkeit, und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich in Glaubensfreudigkeit in diesem Jahr zunehmen, und durch den siegesvollen Streit des Fleisches Lüfte zähmen, auf daß ich bleibe fromm hinfort, zu aller Zeit, an jedem Ort, und bleibe mein Regierer. im Anfang des Jahrs. 501 4. Ach großer Gott! verlaß mich nicht, wenn ich vor dich hintrete, wend nicht von mir dein Angesicht, wenn ich im Glauben bete, ach hör, erhöre meine Bitt, ach theil mir deine Hülfe mit, und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt noch mehr, o Gott! von dir, ach gieb mir deinen Segen, den wolle deine Liebe mir in meinem Thun beilegen, ach liebster Vater! segne mich, mein Auge schauet nur auf dich, ach bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, so wirst du für mich sorgen, es ist ja deiner Weisheit Licht mein Zustand nicht verborgen, drum sorg für mich auch dieses Jahr, wie du gesorget immerdar, und bleibe mein Versorger. 7. Soll mich auch treffen Kreuz und Leid, so beut mir deine Hände, verleih die Hülfesstund bei Zeit, daß sich die Trübfal wende, ach gieb mir Glauben und Geduld, erhalte mich in deiner Huld, und bleibe mein Erretter. 8. Ja, tröste mich zur Leidenszeit, und laß mich bald empfinden der Kinder Gottes Freudigkeit, laß alle Angst verschwinden; o Gott des Trostes! wende nicht von mir dein Licht und Angesicht, und bleibe. stets mein Tröster. 9. Soll auch dieß Jahr das letzte seyn, das ich noch soll erleben, so führe mich zur Freude ein, da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, die Krone nach dem Kampf und Streit, ja Herrlichkeit und Wonne. 502 Der andächtige Ebrist betrachtet das Leiden Jesu Christi im Anfang der h. Fastenzeit. Aufmunterung. 2 Cor. 5, v. 21. Gott hat dett, der von feiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. ie heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit Betrachtung des Leidens Jesu hin. gebracht, welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder Gottes ist. Ob nun aber gleich der Satan die Weltfinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Saufen, Maskeraden, Fres sen, Uleppigkeit und Gottlosigkeit anfangen, damit fie bezeugen, fie fragen nichts nach dem gekreuzigten Herrn Jesu, so sind doch wahre Kinder Got tes anders gefinnt, und haben davor einen Granel. 1) Sie fangen die Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich so viel möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor Augen, Jesum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht in dem Nichthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, im Grabe, und sprechen bei jeder Betrachtung: das ist alles für mich geschehen. 3) Sie laf sen mit der Fastenzeit ihre Andacht nicht verschwinden, sondern wie sie Zeit Lebens der Wunden Jesu fich getrösten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens im Gedächtniß den gekreuzigten und auferstande. nen Jesum. Welches Andenken 4) sie antreibt zur Die Der andächtige Chrift betrachtet zc. 503 Kreuzigung ihrer Lüfte und Begierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf dieser Welt, oder vorsäglich fündigen, damit sie der Sünde desto mehr. absterben, und geistlicher Weise auferstehen. Gebet. Ach Jesu! mein Jesu! wie groß ist deis ne Liebe, die du in deinem bittern Leiden mir erwiesen hast. Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der Herr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde ge= than hat; und siehe, du ergiebst dich in den allerschmählichsten Tod und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. O wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trägt meine Unheiligkeit, der Fromme trágt meine Bosheit, der Ge rechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden aufgelegt, damit mir deine Gerechtigkeit geschenkt würde. Mein Jesu! in deinem Leiden kan ich sehen den Zorn Gottes gegen die Sünde, den 504 Der andächtige Chrift betrachtet das Leiden Gräuel der Sünden, die Strafe der Sünden. Denn Gott hat um fremder Missethaten u. um zugerechneter Sünden willen dich, unschuldiges Lamm, am Delberg gemartert, und durch deiner Feinde Hände so erbärmlich zurichten lassen; wie hart werden dann aber einst gestraft werden, die durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur Lebens- Heiligung bewegen lassen. Mein Jesu! ich trete zu dir, und schaue dein Leiden glaubig an. Du gehest in den Garten Gethsemane, und schwißest blutigen Schweiß, ach! für mich, damit ich von der Gewalt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführt, verklagt und zum Tode verdammt, ach! für mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht gestellt werde, möge losgesprochen werden. Du wirst gegeißelt, und dein Leib fließet mit Blut, die Pflüger ziehen ihre Furchen lange auf deinem Rücken; ach für mich, damit ich nicht we Jefu Chrifti im Anfang der heil. Fastenzeit. 505 gen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführt; ach für mich, damit mein Todesgang mir heilsam und ein Durchgang zum Himmel, ja, ein Hingang zum Bater sey. Du wirst ge= Freuzigt; ach für mich: du Lamm Gottes hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuz; ach für mich, daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben; ach für mich, damit du mein Grab heiligen mögest. Ist daß nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Friede hätte, und davon befreit würde. Nun will ich dieß Leiden mir vor Augen sehen, ich sey auch, wo ich sey. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. War Israel von aller Schuld und Strafe frei, wann es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte, und 506 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden dessen heißes Blut vergießen sah: so weiß ich auch, weil du, o Jesu! du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes, für mich geschlachtet bist, und dein heißes Blut reichlich für mich vergossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auf fasse, in Gnaden mit Gott versöhnt bin. Dein Blut ist das rechte Opfer- Blut, das Versöhnungs- Blut, das Reinigungs- Blut, daß Besprengungs- Blut. O mein Jesu! an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich zur Sünde verleiten will, deine heilige Gestalt am Delberg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihren bösen Erempeln mich ihr gleich zu stellen reizen will. In deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen ångstet: ja, in meiner Todesstunde will ich von nichts als von dir, v Jesu! wissen, dein heiliger Jesus Jefu Chrifti im Anfang der heil. Fastenzeit. 507 name soll mein letztes Wort, deine blutige Gestalt mein letzter Gedanke, dein lektes Wort am Kreuz auch mein lehter Seufzer im Sterben seyn: Bater, in deine Hände befehl ich meinen Geist! In solcher meiner letzten Stunde, o Jesu! sey mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand, und erschein mir alsdann zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ! so milde, dich hast geblut't zu todt. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken, wer so stirbt, der stirbt wohl, Amen. Gesang. Mel. O Gott! du frommer Gott. & 3 stirbt mein bester Freund, mein Jesus, ach mein Leben, sich, er ist schon erblaßt, der Geist ist aufgegeben, er neiget nun sein Haupt am hohen Kreuzesstamm, er sinfet in den Tod, mein Seelenbräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, daß ich nicht möge sterben, daß ich errettet werd vom ewigen Verderben; ach ja, er stirbt für mich, für meine Sünd und Schuld, befreit mich von der Straf, und bringt mir Gottes Huld. 3. G8 stirbt mein bester Freund, und dennoch nicht mein Leben, mein Jesus bleibet tief in meine 508 Betrachtung über das Leiden Christi.18 Seel geschrieben; ich lieb ihn, weil ich leb, ich lieb ihn auch im Tod, ich lieb ihn in dem Kreuz und aller meiner Noth. 4. Ich will mit meinem Freund auch noch zu Grabe gehen, und, wie man ihn einsenft, mit Glaubensaugen sehen; mein Freund! hier ist mein Herz, da senke dich hinein, da soll dein Eigenthum und deine Ruhstätt seyn. 5. Ich will mein Herze dir hiemit zu eigen schenken, ich will bis in den Tod an deinen Tod gedenken, ach lebe, weil ich leb, mein Seelenfreund! in mir, und sterb ich dermaleinst, so sterb ich, Jesu! dir. Jesus in seinem Blute. 1907 Gesang. bio Mel. Freu dich sehr, o meine Seele! me chaue doch das bitt're Leiden, welches Jesus muß ausstehn, wie die Juden und die Heiden grausamlich mit ihm umgehn, kommt und schaut die Marter an, ob sie euch bewegen kann, ob vielleicht euch dieser Schmerze rühren inög das harte Herze. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, wie die Geisfeln blutig seyn, schauet, wie er Spott muß tragen, ja die allergrößte Pein, schauet doch der Feinde Wuth, schauet das vergoßne Blut, ob's euch könnt zurücke ziehen, daß ihr möcht die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet an dem hohen Kreuzesstamm, und die Seligkeit erwirbet, schauet an das Gotteslamm, wie sein heißes Blut noch fließt, und wie es die Augen schließt, ob's vielleicht die Sünder schrecken, und zur Buße möcht erwecken. e 4. Jesu, liebster Jesu! schreibe dicses alles in mein Herz, daß ich eingedenk verbleibe, wie dein Leiden, wie dein Schmerz, wie dein Sterben, wie dein Blut, Gebet am Charfreitag. 509 fommt mir Armen auch zu gut, daß ich möge daraus sehen, was auf Sünd für Straf ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, wo ich gehe, wo ich steh, daß ich, wo ich mich hinkehre, blutig dich vor Augen seh, blutig auf der Lagerstätt, blutig auf dem Sterbebett, blutig, wenn ich Schmerzen leide, blutig, wenn ich nun verscheide. 6. Jesu! stell dein Blut und Wunden immer vor mein Angesicht, in den Wunden hab ich funden Gnade, Leben, Troft und Licht; deine Marter, Tod und Pein soll im Tod mein Labsal seyn, und so lang ich werde leben, soll es mir vor Augen schweben. Der andächtige Christ erwäget den Todestag Jesu, oder den Charfreitag. Aufmunterung. Esaj. 57, v. 1. Der Gerechte kommt um, und Niemand ist, der es zu Herzen nehme; und heilige Leute werden aufgerafft, und Niemand achtet darauf. bgleich der Char- oder stille Freitag, welcher der Todestag unsers hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Schaam und Furcht vor Menschen stille hingebracht wird, so haben hingegen wahre Kinder Gottes sich diesen Tag zu ihrer sonderbaren Andacht erwählet. Sie erwägen, an demselben das Leiden Jesu 1) als ein aus Liebe auf sich genommenes Leiden. O große Lieb, o Lieb! ohne alle Maßen, die dich gebracht auf diese Marterstraßen. Liebe drang ihn, daß er Mensch wurde; Liebe bewegte ihn, daß er sich für uns dahin gab, und am Kreuze starb; 2) als ein unschuldiges Leiden. Denn er war heilig, rein und von den Sünden abgesondert, er hat auch keine 510 Der andächtige Christ erwäget Sünde gethan, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Es war 3) ein von sei. nem himmlischen Vater zugeschicktes und bestimm tes Leiden, denn weil er nach dem wohlbedachten Rath Gottes gelitten, Ap. Gesch. 2, v. 23., so wußte Jefus auch alles, was ihm begegnen sollte. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, in dem er alle Wunden empfunden und die Schmer. zen wohl gefühlt hat. Dieses alles zieht eine glau. bige Seele in Betrachtung, und läßt sich ein Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde, und ein Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen seyn. 2002 Gebet. du liebreicher und holdseliger Jesu! ich komme zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu erwägen. Ach! laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier, daß mirs nie kom me aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm! du hast gelitten, daß dir alle meine, ja aller Menschen Sün den aufgebürdet u. zugerechnet würden, so daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder angesehen wurdest. den Todestag Jefu, oder den Charfreitag. 511 Waren aber, unbeflecktes Lamm!, unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen wie die Wasserfluthen; da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetischen Lehramtes, aber in deinem Leiden wurde alles verdoppelt, da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammung zum Tode, daß du mußtest vor zwei Gerichten erscheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und von beiden zum Tode verdammt werden, sondern nachdem der Stab über dir gebrochen, und das Todesurtheil über dich gesprochen war, so mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeißelt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr MenschenFinder! ob ein Schmerz jemals gewesen sey wie unsers Jesu Schmerzen, sein Haupt war mit Dornen gekrönt, sein Leib mit Blut befloßen, und durch die scharfen, mit eisernen Hacken verwickel Der andächtige Christ erwäget tenGeißeln wund geschlagen, am Kreuze wurden Hände und Füße durchnagelt, die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein aber war sein heiliger Leib also erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß ſeine Seele betrübt war bis in den Tod; die Zornfluthen und Höllenangst griff ihn dermaßen an, daß er am Kreuz schrie: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? darauf endlich der Tod selbst folgte. Erwürgtes Lamm! das hast du mirzum Besten, zu meinem Trost, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil und zu meinerSeligkeit gelitten und ausgestanden. Denn so nicht wäre kommen Christus in die Welt, und an sich genommen unsere arme Gestalt, und für unsere Sünden gestorben williglich, so båtten wir müs sen verdammt seyn ewiglich. Nun aber, 512 den Todestag Jesu, oder den Charfreitag. 513 wenn ich an dich glaube, und dein heilig Blut in Glaubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge, und rechte Glaubensfrüchte bringe, so bin ich nicht verloren, sondern werde durch dich das ewige Leben haben; o mein Jesu! laß dein bitter Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen seyn, daß ich mich dessen tröste, dadurch fromm, gerecht und selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein heilig Bild vor Augen stehe, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiliget, gewaschen und gereiniget werde. Mein Jesu! wie dein Leiden mich aufrichtet, tröstet und erbauet, also auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach für mich hast du auch gebetet: Vergieb ihnen, vergieb dieser Seele, was sie wider dich gethan hat. Fürmich hast du geschrieen: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? daß ich niemals, nicht im Kreuze, KF 514 Der andächtige Chrift erwäget d nicht in Nöthen, nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tage verlassen würde. Für mich hast du gesagt: Mich dürstet. Ach gieb, daß ich im Glauben nach dir dürsten, und nach dir, wie ein Hirsch nach frischem Wasser, verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich hast du ge= sorgt, da du sprachest zu Johanne: Das ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich annehmen, und dich meiner erbarmen. Ach! laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradies seyn. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht. Nun ist alles gethan, was ich hätte thun sollen, nun ist alles gelitten, was ich hatte leiden sollen. Nun ist mir Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Kleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir den Todestag Jesu, oder den Charfreitag. 515 ein Trost- und Freudenwort werden: Bater! in deine Hände befehl ich meinen Geist; so will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir vorgesprochen. Wenn endlich ich soll gehen ein zu deines Reiches Freuden, so soll dein Blut mein Purpur seyn, ich will mich darein klaiden; es soll seyn meines Hauptes Kron, mit welcher ich will vor dem Thron des ewigen Vaters stehen, und dir, dem ich mich anvertraut, als eine wohlge= schmückte Braut, zu deiner Rechten gehen, Amen. to mat dhe Gefang. 2,0 Mel. Herzliebster Jesu, was bast du C. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, last uns andächtig an dem Kreuze stehen, laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen, den Tag hinbringen, O 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, er ftirbt, daß wir das Leben sollen erben, und daß nach unserm Tod sich mög anheben das Freudenleben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, und theilet allen aus gar große Gaben, er will, wann wir die Sündenwege fliehen, uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt und trägt, seht doch, die Dornenfrone, die man ihm aufgesetzt zum Spott und KF2 516 Gebet am Charfreitag, d Hohne, damit er in dem Himmel uns ergötze, die Kron aufseße. SP Er stirbt, seht, wie sein Blut noch fließet, das er als das Versöhnungsblut vergießet, dieß Blut wird uns versüßtes Labsal geben im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach schaut, sein Leib ist voller Wunden, darin die Seele Troft und Ruh gefunden, nun kann ich, da die Freistätt stehet offen, ja Gnade Hoffen. 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, weil er sich aller Menschen will erbarmen, er will auch mich in seine Arme fassen, mich nicht verlassen. 8. Mein Jesu! wärst du nicht also gestorben, so wären wir an Leib und Seel verdorben; nun aber kann mich Niemand mehr verdammen zur HöllenFlanimen. 9. Im Sterben schenkst du mir das Freudenleben, durch dich wird mir die Seligkeit gegeben, wer an dich glaubt, und wer da neu geboren, ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o Jesu! fassen, auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen, von deiner Liebe solle mich nichts scheiden, kein Tod noch Leiden. DIE HERE JO 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen, zur Gab und Opfer, wie Dankbare pflegen, besprengs mit deinem Blut, und mach es reine, denn es ist deine. 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, ach laß mich deinen guten Geist regieren, nimm meinen Geift an meines Lebens Ende in deine Hände. natin 197106 in mo ito 517 Der andächtige Christ freuet sich über die Auferstehung Jesu Christi. Aufmunterung. Off. Joh. 1, v. 16. Ich bin der Lebendige, ich war todt, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Höllen und des Todes. & 8 s ist die heilige Osterzeit eine Freudenzeit al ler Kinder Gottes, welche sich in ihrem auferstandenen Jesu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung; Gott ist versöhnt, er hat den Tod seines Sohnes für unfern Tod angenommen, und uns um seinetwillen das Leben geschenkt. Es freuen sich glaubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugnisse von der Auferstehung ihres Jesu. Ist es nicht ein herrliches Zeugniß, daß er zehenmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1 Cor. 15, v. 6., daß er fonderlich mit seinen Jüngern geredet, gegeffen, Ap. Gesch. 10, v. 41., sich von ihnen berühren und angreifen lassen? Joh. 20, v. 25., 1 Joh. 1, v. 1., welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Sie freuen sich, 3) weil ihnen ist versiegelt und versichert die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott, daß sie ungescheut im Glauben an Chriftum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wiederum zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jesu auch im Tode und Sterben sie erquicken wer. de. Sesus hat ihren Tod im Sterben verfüßet, und ihr Grab geheiligt, und sie sollen auch zum ewi gen Leben auferstehen. Derohalben 5) bringen fie 518 Der andächtige Christ freuet sich die heiligen Ostertage wie die übrigen Feste in Herzens. Andacht, mit Gebet, Singen und Be. trachtung der Wohlthaten GOttes hin, befleißigen fich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen, und ihr Sündengrab, das ist, ihre bösen Gewohnhei. ten, Unarten und Sünden zu verlassen, hingegen im Glauben und Heiligung ihr übriges Leben dem Herrn zu Ehren hinzubringen. Gebet. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten, die Rechte des Herrn ist erhöhet, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Auferstandener Jesu, mächtiger Siegesfürst Jesu Christe, Ueberwinder des Todes! aus deiner Auferstehung entsteht in meinem Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses heil. Fest begehe, sage mit gebeugtem Knie und gefalteten Händen: Gott sey Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum. Jesus ist erstanden von den Todten, das ist eine fröhliche Botschaft, der Bürge ist aus dem Kerker des Grabes losgelassen, darum muß die Sünde getilgt, Gott versöhnt und die Schuld bezahlt seyn. über die Auferstehung Jesu Chrifti. 519. Wer will uns verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr der auferweckt ist, welcher sißt zur rechten Hand Gottes, und vertritt uns. Jesus hat dem Tod die Macht genommen, und das Leben und ein unvergångliches Wesen an das Licht gebracht. Jesu, liebster Freund! deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich sage an diesem Feste: Jesu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden, und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja zum Hingang zum Va= ter gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen. Die Hölle erschreckt mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle; wer nun an ihn glaubt, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag! da mir mein Heil versichert, und 520 Der andächtige Christ freuet sich die Seligkeit bestätigt ist. Jesus lebt, und ich werde auch leben, hie im Glauben mit ihm vereinigt, und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auf erstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, so können dieGlieder nicht da hinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen, wie alle Menschen, sondern ich werde auferstehen als ein Kind Gottes, als ein Mit erbe Jesu Christi, kraft seines Verdienstes und Genugthuung. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht, ich sehe es an als eine Ruhekammer, als der Mutter Schoos, wo mich mein Heiland wird lassen schlafen, bis er wird sprechen: Stehet auf, ihr Todten! und kommt vor das Gericht. O der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben! Auferstandener Jesu! wie kann ich genug deine Gnade und Barmherzigkeit rühmen und preisen. Nun ist alles wieder. über die Auferstehung Jesu Chrifti. 521 gut gemacht, was durch Adams Fall war verdorben. Ach, mein Heiland! deine Auferstehung soll mir auch einen kräfti gen Trost in meinem Leiden geben. Du lagest verschlossen im Grabe, aber du giengest herrlich hervor, also wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hülfß- und Erquickungssonne wird mir wieder schei nen. Jesu! du bliebest nur drei Tage im Grab, also ist nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt, auf die mühsamen Leidensjahre kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du stundest auf, und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Någelmale waren nicht mehr blutig, sondern glänzend wie die Sonne. So wird mein Leib auch herrlich und verklärt werden, wann du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen, und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedient, und dir geheiligt sind gewesen, werden 522 Der andächtige Chrift freuet fich auch des Himmels Glanzes theilhaftig und verherrlicht werden. Ja, weil du, o Jesu! lebst, so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, ge= gen die Feinde beschüßen, in Traurigkeit erfreuen, im Tode erquicken, im Grabe bewahren, und dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? ich weiß, daß er mich herzlich liebt, wen mir gleich alle Welt stirbt ab, g'nug, daß ich Jesum bei mir hab. Er nährt, er schüßt, er tröstet mich, sterb ich, ſo nimmt er mich zu sich, wo er jetzt lebt, da komm ich hin, weil ich ein Glied seines Leibes bin, Amen. Gesang. Mel. Jesus meine Zuversicht. Cesus Iebt, deß freu ich mich, er ist von dem Tod erstanden, er hat von dem Grabe sich und von allen Todesbanden als ein starker Held befreit, o der großen Herrlichkeit! wicht to 2. Jesus lebt, er ist nicht todt, Laffet seine Feinde toben, er ist äußer Angst und Noth, lasset uns den 523 über die Auferstehung Jesu Chrifti. Herren Loben, der da nach dem Kampf und Krieg, hat erhalten Ruhm und Sieg. my bir list listin dris 3. Jesus lebt, denn er hat sich gar von vielen lassen sehen, darum glaub ich feftiglich, und darf nicht im Zweifel stehen; mir schad't nicht der Apfelbiß, denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, denn er nimmt sein Leben wieder, welches er aus freier Macht in den Tod geleget nieder, er starb zu der Leidenszeit, und stund auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, muß er ja seyn auferstanden, und wer ihm nicht widerstrebt, den macht er von Sündenbanden durch sein Leiden völlig frei, daß sein Leben in ihm sey. 6. Nun will ich das Freudenfest mit Gebet und Dank hinbringen, und dem, der das Grab verläßt, lauter Freudenlieder singen: Jesus, Jesus soll allein in dem Mund und Herzen seyn. 7. Nun ist alle meine Schuld ausgetilget und vergeben, und ich werd in Gottes Huld hie und dorten ewig leben, was ich sträflich an mir hab, liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin vor des Grabes finstrer Erden, weil ich ganz versichert bin, ich werd auferwecket werden; deckt mich nur mit Erden zut, hier ist meines Schlafes Ruh. 9. Weil mein liebster Jesus lebt, werd ich Hülfe bei ihm finden, wenn sich schon ein Sturni erhebt, muß er dennoch bald verschwinden, denn mein Jesus schüßzet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 10. Jesus lebt, der wird mich nicht in der Angst und Noth verlassen, auch nicht, wenn mein Anges ficht in dem Tode wird erblassen, alsdann führt mich seine Hand in mein wahres Vaterland.. 11. Jesus lebt, dieß Wort soll seyn auch mein 524 Der andächtige Chrift betrachtet Labsal in dem Sterben, das versüßt die Todespein, und befreit mich vom Verderben; nach dem Tod werd ich aufstehen, und zur Lammes- Hochzeit gehen. Stann Der andächtige Christ betrachtet die Him melfahrt Jesu Christi. Aufmunterung. thi Joh. 20, v. 17. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. ie Betrachtung der Himmelfahrt Jesu, unsers Heilandes, kann nicht anders, als einer glau bigen Seele sehr tröftlich und erfreulich seyn. 1) Er innert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil nun der Siegesfürst wieder dahin kehrte, nämlich in den Himmel, daher er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, dazu er gefandt war, den Menschenkindern Vergebung der Sünden, Ge rechtigkeit und Seligkeit zu erwerben. 2) Eine glaubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hie kei ne bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige fuchen müssen. Ist nun aber keine beständige Wohnung der Menschen auf Erden, so schicken sie ihr Herz da hinein, wo sie ewig wünschen zu seyn. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Leidens kommt, sie mögen die Stätte bereitet finden in der Herrlichkeit, so hab ten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt, sie ver laffen die Erde mit ihren Gedanken, und sind des Himmels eingedent, sie verlassen die Welt mit ih rer Liebe, und hangen Jesu im Glauben an. Sie 525 die Himmelfahrt Jefu Chrifti. verlaffen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Gebet. Gott fährt auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune, lobsinget Gott, lobsinget unserm König. Also besinge ich, mein Jesu! großer Sieges= fürst! deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen num alle unsere Feinde, nämlich der Teufel, die Welt, die Sünde und Tod unter deinen Füßen, du hast uns davon befreiet. Nachdem du gemacht hast die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in dem Himmel geseht zur Rechten der Majestät Gottes. Mein Jesu! dieses alles ist mir gar tröstlich, darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. Du fibest zur Rechten Gottes, und ver 526 Der andächtige Chrift betrachtet trittst uns, derohalben, wenn ich bete, so bete ich nicht allein, dein Geist betet in mir, und du bittest für mich, darum wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnådiglich erhört werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort denke: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seyd, wo ich bin. Dieses erquickt meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Ståtte bereitet, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen soll. Du bist mit Lob und Ehren gekrönt, und du hast auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du Kö nig der Ehren als ein gerechter Richtet geben wirst denen, die deine Erscheinung lieb haben. Du hast dein Reich einges nommen, und herrscheft über Himmel und Erde, im Reich der Natur, der Gna den und der Herrlichkeit, du wirst auch zu mir und allen Glaubigen einst sagen: Kommet her, ihr Gesegneten! ererbet das Reich, daß euch bereitet ist von An die Himmelfahrt Jefu Chrifti. 527 beginn der Welt. Du hast Gaben empfangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie uns, deinen Brüdern und Glaubigen, austheilest. Ach, mein Jesu! gieb mir eine zwiefache Gabe, der ich zwiefache Kraft und Trost vonnöthen habe. Gieb mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmuth, Demuth, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden, und dereinst die ewi ge Seligkeit. Weil du nun bist als daß Haupt erhöhet, so wirst du mich, als dein Glied, auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebt, so werde ich auch ewig bei dir seyn. O welcher Trost, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das! die mein Heiland seinen Glaubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. Ach, mein Jesu! laß mich seyn, wo du bist, ziehe mich zu dir, bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten, laß mich deine Herrlich 528 Der andächtige Christ betrachtet keit sehen, welche du deinen Glaubigen bereitet hast. Ob du gleich, o mein liebster Seelenfreund! deine sichtbare Ge genwart mir entzogen hast, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise, kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen. Ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth, du errettest mich in Gefahr, du erquickest mich im Leiden, du tröstest mich in aller Traurigkeit, und schüßest mich in aller Widerwärtigkeit. Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich dereinst sehen, und mich mit unaussprechlicher Freude in dir erfüllen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tage, wenn ich werde von den Todten auferstehen. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen, und meine künstige Wohnung, meine die Himmelfahrt Jefu Chrifti. künftige Krone, mit Glaubensaugen beschauen, ich will die Welt verlassen mit meinem Herzen, mit meinem Leben, ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, welche mich an dieser Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, dieweil ich lebe, dem Herrn, und wann ich sterbe, so sterbe ich dem Herrn: denn als= dann fahr ich hin zu Jesu Christ, mein'n Arm thu ich ausstrecken, ich schlafe ein und ruhe sein, kein Mensch kann mich aufwecken, denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthür aufthun, mich führen zum ewigen Les ben, Amen. Die geistliche Himmelfahrt. 529 Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Jefus sus fähret auf gen Himmel, und verläßt den Thränenbach, und ich folg durchs Weltgetümmel meinem liebsten Jesu nach; leiblich kanns zwar nicht geschehen, bis ich werde auferstehen, dennoch stellt mein Herz sich ein, alle Tag bei ihm zu seyn. 2. Ich verlasse diese Erde, ob ich gleich auf Erden L I 530 Gebet an Himmelfahrt Chrifti. leb, es soll mir nichts liebers werden, darnach ich am meisten streb, als im glaubigen Verlangen meinen Jesum zu empfangen, und im Geiste allèzeit anzusehn die Herrlichkeit. 3. Ich fahr auf mit meiner Liebe; Erd! ich liebe dich nicht mehr, weil ich in der Lieb mich übe, so ist Jesus mein Begehr; Heffart, Eitelkeit der Erden, Wollust, Pracht und Weltgebärden acht ich meiner Lieb nicht werth, als die Jesuma nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden, droben in der Himmelsfreud; Weltluft kann es nicht mehr binden, es schmeckt beffere Süßigkeit, es beschauet schon die Krone, die der Herr zum Gnadenlohne, sammt dem schönen Ehrenkleid, mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich noch hie leben, und umher auf Erden gehn, ja noch unter Menschen schweben, aber doch soll man nicht sehn, daß ich lieb die Sünd und Schanden, ihren Lauf und Sündenbanden, ja ich dräng mich nicht dazu, weil sie stören meine Ruh. 6. Meine Seele und Gedanken sind schon längst bei meinem Gott, als von dem sie nimmer wanken, nicht im Leben, nicht im Tod; wo ich bete, wo ich gehe, wo ich ruhe, wo ich stehe, wo ich bete, wo ich bin, ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun nichts mehr ergößen, als nur diese Himmelsreis', droben bei den Himmelsschäßen bin ich, die ich kenn und weiß; meine Nuhe, Freud und Sonne, mein Vergnügen, Trost und Wonne ist nicht, wo man mich jetzt sieht, sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren alle Tag und alle Stund, spar ich nicht zu späten Jahren, bis der Tod verschließt den Mund; nein, das thu ich schon bei Zeiten, will mich also recht bereiten, damit, wenn. mein End da ist, ich hinfahr zu Jesu Christ. Gebet am heil. Pfingsttage. 531 9. Also werd ich nichts verlieren, träget man mich gleich ins Grab, Jesus wird mich herzlich zieren, welchen ich im Glauben hab; sterb ich, wenn es Gott gefället, so ist schon ein Ort bestellet, den dein Heil mir hat bereit't dorten in der Ewigkeit. 10. Drum sey fröhlich, meine Seele, heb empor dein Augenlicht, diese Erd ist eine Höhle, da dir wenig Guts geschicht; schwing dich durch die Andachtsflügel zu dem güldnen Sternenhügel, wo dir stehet längst bereit tausendfache Herrlichkeit. sudion Der andächtige Christ erwägt die Ausgießung des heil. Geistes am heil. Pfingsttage. Aufmunterung. Luc. 11, v. 13. So thr, die ihr arg seyd, könnet euern Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben im Hin denen, die ihn bitten. Es hat die erbarmende Liebe Gottes nicht allein uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und Jesus uns mit seinem heil. Blute erkauft, sondern der hei. lige Geist, als die allerheiligste, nothwendigste und feligste Gabe, will uns in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerherrlichfle Gabe! Was könnte Gott mehr und größer an uns thun, als daß er uns sei nen Geist zum Führer und Wegweifer mittheill? Der heilige Geist ist auch 2) die allernothwendigste Gabe. Wir können ohne Reichthum, großen Ehrenstand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier noch in der Ewigkeit wahrhaft glückselig siyn. Daher ist er auch 3) die allerhöchste Gabe. Er ist das Pfand unsers Erbes, das Sies L12 532 Der andächtige Chrift erwäget die Ausgießung gel unserer Kindschaft, dadurch wir versichert wer. den, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewi. gen Lebens find. 4) Diese herrliche, nothwendige und selige Gabe will Gott allen geben, die ihn dar. um bitten. Diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allzeit heilsam sind, aber diese Gabe wird Gott Niemand versagen. 5) Ein andächtiger Chrift säubert sein Herz von der Welt. und Sündenlie. be, damit der gute und reine Geist in ihm Woh. nung nehme. Gebet. Indone Ich will Wasſer gießen auf die Durſtigen, und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie Welden an den Wasserbächen. Ach, liebster Jesu! diese gnädige Verheißung hast du an dem beiligen Pfingst feste erfüllt, da du über die Apostel deinen heiligen Geist reichlich ausgegossen, und sie damit zu dem Werk tüchtig ge macht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. O du werther heil. Geist! gieß dich in des heil. Geistes am heil. Pfingstfest. 533 reichem Maaße über mich aus. Der du in Feuerflammen dich deinen Aposteln geoffenbaret haft erleuchte mich zum ewigen Leben, erleuchte meinen Verstand, daß ich möge Jesum Christum erken= nen, heilige meinen Willen, daß ich nichts begehre und wünsche, als was dir gefällt. Wurden die Apostel, o du Geist der Stärke! durch dich angethan mit Kraft aus der Höhe, so stärke meinen Glauben, gieb mir Muth und Kraft, in deinen Wegen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen, und als ein wahres Kind Gotteszu leben. Du Geist der Gnaden und des Gebets! versiegle in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach! bete auch in mir und mit mir, ja lehre mich recht andächtig beten. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit! daß ich wissen und thun moge, was Gott gefällt. Ruhe auf mir, o Geist des Verstandes, daß ich wandele in deiner Wahrheit, erhalte mein 534 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des Herrn! pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nim mermehr mit Wissen u. Willen sündige. Ruhe auf mir, o du Geist der Liebe! und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und die Rachgier aus meinem Herzen. Sey mein Tröster in allem Kreuz und Trübfal, wenn die Fluthen mich wollen ersäufen, und die Wellen über mir zusammen schlagen. Sey meine Stärke, wenn ich schwach bin, hilf mir die Lüste des Fleisches dämpfen: hingegen laß in mir wachsen Glauben, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld. Sey mein Führer, der mich allezeit leitet auf ebener Bahn, daß ich nicht thue wider Gottes Gebot. Sey mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite, und Jesum in mir verkläre. O du rei nes Wasser! wasche mich, gieb, daß ich in dem Guten wachse und viele Früch te bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft des heil. Geistes am heil. Pfingstfest. 535 Jesum in der That einen Herrn möge heißen, nämlich meinen Jesum, meinen Erldser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und Seligkeit. Siehe, du Licht meiner Seele! wie ich in der Welt mit so vielen Berführungen umgeben bin, denn es sind viele Verführer ausgegangen: darum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche; zeige mir den Weg, darauf ich wandeln soll, denn mich verlangt nach dir. Wenn ich mich führen soll, so irre ich; wenn du mich aber führst, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werther heiliger Geist! bisher betrübt, so trage ich darüber herzlich leid; siehe, mein Herz steht dir offen. Ach lehre in dasselbe mit deinen reichen Gnadengaben ein, erfülle es mit allen christlichen Tugenden, befestige mich, gründe mich und erhalte in mir das gute Werk, das du in mir angefangen hast. Ach schaffe in mir ein reines Herz, tilge aus demselben alle Unarten, bdse Gewohnhei 536 Der andächtige Chrift erwäget die Ausgießung ten und alle Herrschaft der Sünden. Bleibe auch, v heiliger Geist! bei mir in aller Noth und im Sterben, schreie alsdann in mir das Abba lieber Vater! gieb mir einen Blick der Herrlichkeit, und einen Vorschmack der ewigen Freu de, da ich nach dem Kampf zur Krone gelangen werde. Heiliger Geist, du Kraft der Frommen! kehre bei mir Armen ein, und sey tausendmal will kommen, laß mich deinen Tempel seyn, reinige du selbst das Haus meines Her zens, wirf hinaus alles, was da mich kann scheiden von den süßen Himmels freuden. Schmücke mich mit deinen Gaben, mache mich neu, rein und schön, laß mich wahre Liebe haben, u. in deiner Gnade stehn. Gieb mir einen starken Muth, hilf mir zwingen Fleisch und Blut, lehre mich vor Gott hintreten, und im Geist und Wahrheit beten, Amen. Gesang. Mel. Gott! bu frommer Gott. Das as Pfingstfest freuct mich, weil Jesus seine Gaben, mit reichem Maas austheilt, die des heil. Geistes am beil. Pfingstfest. 537 wünscht mein Herz zu haben. Mein Jesu! schente mir auch deinen guten Geist, der mich von mir zu dir, und zu dem Himmel weist. 2. Ich irre allzusehr, wo mich dein Geist nicht. führet, und mein Herz ängstet sich, wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan, so leite mich, mein Licht, auf ebner Bahn, daß ich in deinem Licht zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb in Finsterniß, wo mich dein Geist nicht lehret, mein Herz bleibt unbelebt, wenn er es nicht befehret, und neue Lebenskraft in mei nem Geist entzünd't, auch meine Glaubensmacht auf Jesum Christum gründ't. 4. Ich kann mich selber nicht in meinem Leiden trösten, ich brauche reichen Trost, wann meine Noth am größten; darum so stehe mir mit deinem Trofte bei, daß ich ein Gotteskind auch in dem Leiden sey. 5. Wie kann ich mich, mein Gott! in Glaub und Lieb erhalten? Es werden diese bald ohn deinen Geist erkalten, darum so gieb mir Kraft, daß ich nicht von dir weich, bis ich nach meinem Kampf die Lebensfron erreich. bis ich nach 6. Mein Jesu! gieb mir doch, was ich dich hab ges beten, laß deinen guten Geist im Beten mich vertreten, daß ich in Frömmigkeit bring meine Tage hin, und richte meinen Lauf nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach! dein Geist helfe mir mein Fleisch und Blut bezwingen, daß ich in seiner Kraft mög gute Früchte bringen; ich sterbe williglich der Welt und Sünden ab, weil ich den guten Geist zu meinem Führer hab. 8. Du sollst, o werther Geist! in meiner Seelen bleiben, du sollst mich, o mein Licht! zu allem Guten treiben. Ach! bleibe allezeit vereiniget mit mir, laß mich geschmücket seyn durch dich, mit dir, in dir. 538 Der audächtige Christ erwäget 9. Und wird mein Wanderstab auch in dem Sterben brechen, so wirst du in dem Streit mir Troft und Muth zusprechen; ich geh durch Jesu Blut alsdann zur Freude ein, und werde schön verklärt in Jesu Armen seyn. Der andächtige Christ erwåget das Geheimniß der heil. Dreieinigkeit. Aufmunterung. 1 Joh. 5, v. 7. Drei find, die da zeugen im Himmel, der Bater, das Wort und der heilige Geist, und diese Drei sind Eins. Wan ann eine glaubige Seele das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit will in eine heilige Be. trachtung ziehen, so muß sie es machen, wie einer, welcher von der Sonne Licht und Nugen haben, und sich dessen bedienen will. Schauet er mit unver wandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er siehet lanter Finstermiß, ja nichts; hält er aber die Augen niedergeschlagen, und gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so siehet er viel, ja er siehet alles, was er sehen soll. Das Ge heimniß der heiligen Dreieinigkeit ist: 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß. Daher ha. ben sich viele an dieser Glaubenslehre gestoßen, und judiciren mit den Juden bis auf diesen Tag noch. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heil. Schrift uns deutlich beschriebenes Geheimniß, da von reden die herrlichsten Sprüche alten und neuen Testaments. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch dentlich be schrieben vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubt ein andächtiger Christ, bis er dereinst in dem ewigen Leben zum Schauen gelangen wird. Un das Geheimniß der heil. Dreieinigkeit. 539 terdeffen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzensdemuth an. Er preiset seinen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm an Leib und Seele gethan. Er danket seinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und der Höllengewalt befreiet. Er giebt seinem Heiligmacher sein Herz und ganzes Leben, und befleißiget sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er einst wird herr. lich sehen, was er hier geglaubt. Denn selig sind, die nicht sehen, und doch glauben. Sebet. fut un Heilig, beilig, beilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Also, o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ftimme ich mit allen Seraphinen und Cherubinen ein Loblied an, deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu besingen. O du einiges unerforschliches und unbegreifliches Wesen! mein Glaubehält sich einzig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, darin du dich mir herrlich geoffenbaret hast. Das ist das ewige Leben, daß sie dich, Ba= ter, der du allein wahrer Gott bist, 540 Der andächtige Christ erwäget das und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Bater aller Gnaden und Barmherzigkeit! der du dich als einen Bater mir kund gethan hast. Du hast nicht allein Jesum Christum, deinen einzigen Sohn, von Ewigkeit her gezeugt, sondern du bist auch der rechte Bater über alles, was da Kina der heißt im Himmel und auf Erden. Ach! du hast bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernährt, versorgt, bewahrt, erhalten, ja, du ernährst, versorgst und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater! nimm dich doch meiner, als deines Kindes herzlich und väterlich an. Herr Jesu, Gottes Sohn! ich habe dich aus deinem heiligen Wort erkennen lernen, als die andere Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem Himmlischen Vater von Ewigkeit her gezeugt, Gott von Gott, Licht von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise Geheimniß der heil. Dreieinigkeit. 541 entsprossen, ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur hat an sich genommen, um mich und alle Menschen zu erlösen von Sünd, Tod, Teufel und Hölle. O darum freue ich mich in dir, und bete dich an; du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hoherpriester, Mittler, Immanuel, Stligmacher und Hirt, in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünde dahin gegeben hat, dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten, durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zumLeben. In dir bin ich selig hier zeitlich und dort ewig. O du werther heiliger Geist! du hast dich in deinem Wort mir geoffenbaret als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgeht, ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleiches Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit. Du hast mich auch wiedergeboren in der heiligen Taufe, durch dich 542 Der andächtige Christ erwäget bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist. Du bist mein Heiligmacher, der mich erleuch tet, heiligt und im rechten Glauben er: hält. Du tröstest mich in allem Leiden, du erfreuest mich in Traurigkeit, und er quickst mich in Trübsal. Odu Geist der Gnaden und des Gebets! versiegle in mir den Trost, daß ich in Gnaden sey, gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sey. Erwecke mich zum Gebet, gicb mir Andacht im Gebet, gieb mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommet, lasset uns beten und knieen, und niederfallen vor dem Herrn, dem dreieinigen Gott! der uns gemacht hat, denn wir sind sein Volk und Schaafe sei ner Waide, er ist unerforschlich in seinen Wegen u. unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm, und durch ihn, und in ihm sind alle Dinge, ihm sey Lob, Ehr und Preis in Ewigkeit. D du dreieiniget Gott und Herr! gieb, daß ich dich im Glauben ergreife, und an deinem heili das Geheimniß der heil. Dreieinigkeit. 543 gen Wort, als an meiner Glaubens- und Lebensregel fest halte, bis ich aus dem Glauben zumSchauen gelangen werde. Indessen, mein Vater! decke mich mit deinen Gnadenflügeln, und segne mich. Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blut, und segne mich, mache mich gerecht und ewig selig. Herr Gott heil. Geist! erleuchte mich und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandeln, und droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. Glauben muß man hier und trauen, was Gott von sich selber sagt, dort hebt erstlich an das Schauen, wahrer Glaub nicht Zweifel tragt. Bin ich doch getaufet worden auf Gott Vater, Sohn und Geist, sein Wort mich zum Jordan weist, da aus offnen Himmelspforten Gottes Stimm von Jesu zeugt, und der Geist hernieder fleugt, Amen. Gesang. Mel. Dreieinigkeit der Gottheit. ch glaub an Gott, von dem wir alle lesen, daß er schon sey von Ewigkeit gewesen, und der hernach die Welt erschaffen hat, ein großer Gott von Majestät und Rath. 544 Der andächtige Christ erwäget sc. 2. Wer diesen Gott von Namen recht will fen nen, soll Vater, Sohn und heil. Geist ihn nennen, dieß ist sein Nam', dabei die Christenheit ihn kennt und nennt jetzt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist, geflossen, vom Vater ist der Sohn allein entsprossen, der hei lige Geist geht aus von beiden gleich, auch gleich an Macht und Ehr im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Seyn gegeben, des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, der heilige Geist erleuchtet und bekehrt, und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreie sind auf einen Thron erhoben, gleich, ewig, groß, allmächtig, gleich zu loben, die Majestät ist ihnen allgemein, Gott ist, und war, und wird auch ewig seyn. 6. Zwar die Vernunft, weil hie kein Grund zu finden, will oftmals sich zu rechnen überwinden, wie eins sey drei; doch wer da widerspricht, der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 7. Ein wahrer Christ glaubts feft, von Her zensgrunde, bekennts auch ohne Zweifel mit dem Munde, weil Gott sich selbst hat also fund gethan, so glaubet er, was er nicht fassen kann. 8. Des Vaters Lieb hat er schon oft empfunden, er suchet Trost in Jesu Blut und Wunden, wenn Gottes Geist ihn treibet, lehrt und rührt, so folgt er gern, weil er wird wohl geführt. 9. Und hiebei ruht sein Glaube und Gemüthe, und preiset stets des Allerhöchsten Güte; verharret auch in wahrer Frömmigkeit, bis er Gott schaut in Frieden nach dem Streit. 10. Mein Vater! Laß mich deine Gnad empfin den, mein Jesu! mach mich rein von allen Sünden, Gott heiliger Geist! ach nimm mein Herze ein, dreieiniger Gott! ich bin bein, du bist mein. 545 Der andächtige Christ betrachtet am Michaes lisfest den Schuß der heiligen Engel. Aufmunterung. Hebr. 1, v. 14. Die Engel find allzumal dienstbare Geister, ausgefandt zum Dienste, um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. EG s sind die heiligen Engel von Gott erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, welche allezeit um seinen Thron stehen, und seinen Befehl ausrichten. Daher 1) dankt ein glaubiger Chrift für die sonderliche Gnade, daß Gott den Menschen auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenkt bat. 2) Zu dem Ende treibt er dieselben durch muthwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreuet dieselben durch seine Buße und gottseligen Wandel. 3) Er trachtet auf Erden den Engeln gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preifen, zu danken, und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. 4) Ein glau biger Christ befleißiget demnach sich, Gottes Willen zu thun auf Erden, wie es geschieht im Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkommenheit, doch mit gleicher Willigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein Glaubiger nicht an, welche Ehre nur dem Herrn der Engel, aber nicht den Mitknech. ten gebührt, Off. Joh. 19, v. 10. 6) In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frommigkeit und Gottesfurcht beharrt ein glaubiger Christ bis an sein Ende, und weißt, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von Gott gebotenen Wegen ihn werden vor Un glück behüten, sondern auch in seinem Tode um sein Bette stehen, und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schoos begleiten. M m Der andächtige Christ betrachtet Gebet. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und lieb reicher Gott! wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schuh und Beistand bestellt hast. Herr, Herr! was ist der Mensch, daß du sein geden: kest, und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst, u. ihn so hoch achtest. O du Gott der Liebe! du hast nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbare Kreaturen, Himmel, Erde, Sonne, Luft und Meer, alle Früchte und Gewächse der Erden uns zum Ge nuß, sondern auch die uns unsichtbaren Kreaturen, die heil. Engel, zum Dienst verordnet, damit uns ja kein Uebel wi derfahren möge. Du weißest, liebreicher Bater! wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind, darum hast du ihnen Wächter bestellt, die um sie Tag und Nacht wachen, und alles Ulebel abwenden sollen. Du 546 am Michaelisfest den Schuß der heil. Engel. 547 weißest, wie viele und starke Feinde deine Kinder undGlaubigen um sich haben, den Fürsten der Finsterniß, den Satanas und sein Heer, darum hast du ihnen auch starke Helden zugegeben, die ihnen widerstehen, und deineGeliebten bewahren sollen. Ach mein Gott! wann eine Woche, ein Monat, ja ein Jahr nach dem andern vorüber geht, darin meine gesunden und geraden Glieder unverleht, mein Haus und Haabe unversehrt, ja, mein Gang ohne Fall und Anstoß bleibt, in dem kein Unglück sich zu mir nahet, sollte ich solches nicht deiner Va tertreue, Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Die ner mich also erhalten und behütet hast! O wie viele Gefahr hast du durch den mächtigen Schuß deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt. Nun, mein Gott! dafür sey hochgelie bet und hochgelobet von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, lieb reicher Bater! befiehl deinem Engel) M m 2 348 Der andächtige Christ betrachtet im ferner, daß er komm und mich, dein Eigenthum, bewache. Laß deinen Engel alle Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere Gottes begegneten, und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr von feinem Bruder Esau bevorstund. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher, wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir seyn in Nöthen, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und täglich Brod behüten, wie die Engel dem Elia Brod und Wasser brachten, und mich begleiten auf den Reisen, wie Tobiam. Ach du gütiger Gott! verleihe mir deinen heil. Geist, daß ich diese deine heiligen Geschöpfe nicht möge mit meinen Sünden betrůben, oder mit einem ruchlosen Leben von mir treiben, daß sie ferne stehen, und meiner Bosheit weichen müssen. Gieb, daß ich den Engeln schon in diesem Leben am Michaelisfest den Schuß der heil. Engel. 549 mdge gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam u. Preis, damit ich auch den Engeln gleichwerden möge in der frohen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel, soll mir immer in den Ohren und im Herzen erklingen. Mein Gott! laß auch deine h. Engel bei mir bleiben imSterben, damit sie alsdan meine Seele in Abrahams Schoos tragen, und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Ge meinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit seyn, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, anstimmen, und dich für alle, also auch für diese Wohlthat, ewig loben und preisen. Gott, aller Geister Geist, Herr aller Seraphinen! der seine Diener heißt uns Menschen zu bedienen, Herr Zebaoth! nur dir gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein! so laß sie uns begleiten, wann wir entschlafen seyn, so stelle uns zur Seiten die Wa 550. Gebet um den Schutz der heil. Engel. che deines Throns, die Starken Salo mons. Schaff, daß sie überall die Hand uns unterlegen, und laß uns keinen Fall aus ihrem Schoos bewegen, ihr Lager schließ uns ein, wann wir belagert seyn. Wann wir des Eiteln los, die Sterbe lieder singen, laß uns in Abrahams Schoos durch diese Träger bringen, mach uns in deinem Reich den Engeln selbsten gleich, Amen. Gesang. Mel. O Gott! bu frommer Gott. er Engel güldnes Heer, die immer vor Gott stehen, und seine Majestät, in hellem Glanze sehen, die werden täglich noch zu unserm Dienst gesandt, und was uns schaden kann, wird durch sie abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns auf allen unsern Wegen, bei Tag und auch bei Nacht, wenn wir uns schlafen legen; geht man zu dem Beruf, so gehen sie mit ( aus, und gehet man zurück, so gehn sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, auch andere Feinde wüthen, so sind die Engel da, die unsern Tritt behüten; fic wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, ihr Auge schlummert nicht, fie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab an unsern LebensItagen, so werden sie die Seel ins Freudenleben tragen, zur Ruhe nach der Last, zur Krone nach dem Streit, zur Freude nach der Angst, zum Trofte nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, wenn wir uns, Gott erge Gebet nach der Erndte. 551 den, und wie wir schuldig sind, nach Gottes Willen leben. Ach ja! wir sind gewiß, daß man da Engel findt, wo Fromme im Gebet und Lieb verbunden sind. 6. Ach Gott! wir danken dir für alle deine Gaben, und daß wir auch von dir zum Schutz die Engel- haben, die Helden sende uns in aller Angst und Noth, ach laß sie bei uns seyn im Leben und im Tob. 7. Verleih mir deine Gnad, daß ich annoch auf Er. den, mit stetem Lob und Preis den Engeln gleich mög werden, und deinen Willen thun, damit nach dieser Beit, ich leb den Engeln gleich in deiner Herrlichkeit. 18. Da soll dein Lob und Ruhm in Ewigkeit erkline gen, ba will ich hocherfreut das dreimal Heilig singen, mit aller Engel Chor und Auserwählten Schaar, dieß ist mein Herzenswunsch, Amen! es werde wahr. Gebete bei besonderen Gelegenheiten. Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Erndte. Aufmunterung. hos. 2, v. 8. 9. Sie will nicht wissen, daß ichs sev, der ihr giebt Korn, Most und Del, und ihr viel Silber und Gold gegeben, das sie haben Baal zu Ehren gebracht. Darum will ich mein Korn und Most wieder nehmen zu seiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Schaam bedeckt. +79 st eine in der Menschen Augen fallende herr. liche und große Wohlthat zu finden, so ist es die jährliche Erudte, wenn Gott die Saat des Winters in der Erde bewahrt, in den Sommertagen läffet blühen, wachsen und Frucht brin. gen, wenn er Hagel, Wetterschläge und Sturmwinde abwendet, und durch seinen Segen Scheu 552 Der andächtige Chrift danket Gott ren und Keller füllet. Aber ist auch eine von der Welt geringe und verachtete Wohlthat, dafür man Gott am wenigsten dankt, so ist es eben diese Erndte; denn da meinen die undankbaren Menschen, es müßte so seyn, es müßte also nach dem Lauf der Natur alles wachsen, dabei habe Gott nichts ge. than, derowegen Gott oftmals aus gerechtem Ge. richt läffet Mißwachs entstehen, damit Jedermann erkenne, daß das Land nichts geben könne, wenn der Herr nichts giebt, und daß nichts wachsen könne ohne feinen Segen. Ein glaubiger Christ ist anders gefinnt. Wenn er die vollen Aehren in der Erndte, und die mit Trauben beschütteten Weinstöcke er. blickt, 1) so hebt er seine Augen auf gen Himmel, und preist den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, der aus einem Körn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köst. liche Frucht hervorbringet. 2) Er rühmt die göttliche Vorsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spatregen zu seiner Zeit gegeben, Dürre, Hagelsteine und Ueberschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Erndte behütet. 3) Wann er nun die Zeit er lebt, daß die scharfe Sichel das Korn niederlegt, er es auch in die Scheuren fahren siehet, er in der Kelter die Trauben zerquetschen siehet, so nimmt er alle diese Gaben mit dankbarem Herzen und Händen an. 4) Er gebraucht auch dieselben, und nimmt sie zu sich mit Danksagung. Er er. kennt, daß Gott ihn nähre, versorge und erhalte. Ja, er läßt sich 5) Gottes Güte zur Buße lei. ten. Dankt man einem Wohlthäter, und erzürnt ihn nicht, der uns etwa ein Kleid, oder etwas zu unserm Unterhalt giebt, warum soll man den größ ten Wohlthäter nicht loben, der uns alles giebt? nach eingesammelter Erndte. Gebet. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Also spreche ich, mein Gott! da ich wiederum die gesegnete Erndtezeit erlebt habe. O du gnadenreicher Gott! wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest; du hast das Erdreich gegründet auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schäße gelegt, dasselbe muß uns die Früchte hervorbringen, die zu unserer Lebenserhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Sonderlich haft du, o liebreicher Vater! dieses Jahr gekrönt mit deinem Gut, deine Fußstapfen triefen noch vom Fett, du haft gefeuchtet die Berge von oben her, du hast das Land voll Früchte gemacht, die du schaffest. Du hast lassen Gras wachsen für das Vieh, und Saat zum Nußen der Menschen, daß du Brod auß der Erde bringest. Ach treuer Vater! du hast unsere Erndte behütet, der Him553 554 Der andächtige Chrift danket Gott mel hat die Erde erhöret, und die Erde hat Korn und Most hergeben; du haft uns gegeben Frühregen und Spatregen zu rechter Zeit, daher haben unsere Felder geblüht, und haben den von dir aus ihnen uns entspringenden Segen dargereicht. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreuet. Liebreicher Gott und Vater! du haft das ganze Feld und daß ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedeckt, du hast die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß alles zur Zeitigung ist gekommen, du hast alles bewahrt vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Ueberschwemmung. Wenn wir schliefen, so wachtest du, du warest unserer Felder Hu ter und Schußherr. Herr! deine Werke sind groß und viel, du hast sie alle weißlich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Kreaturen, Menschen und Vich, warten auf dich, daß du ihnen gebest Speise zu seiner Zeit; wenn nach eingesammelter Erndte. 555 du ihnen giebst, so sammeln sie, und wenn du deine Hand aufthust, so werden sie mit Gütern gesättigt. Ja wohl hast du, o reicher Gott! uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich geseg= net. Dafür danken wir dir von Grund unserer Seelen. Kommt, laßt uns beten, und knieen, und niederfallen, lasset uns mit Danken kommen in sein Haus, und mit Frohlocken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan, ja, der Herr hat Großes an uns gethan, deß sind wir fröhlich. Ach Herr, Herr! laß uns diese deine verliehene Gaben und Wohlthaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Batertreue erkennen. Ach GOtt! wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, so entziehe uns deßwegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. Bater! der du uns je und je 556 Der andächtige Chrift danket Gott geliebt, uns auch durch diese leiblich Wohlthaten zu dir ziehen, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem Herrlichen Geschenke den Wohlthäter erkennen sollen, hilf, daß uns deine Güt moge zur Buße leiten, daß, wenn wir deine Gaben vor uns sehen, wir allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir o du Brunnquell alles Gegens: Uni wie du durch diese Gaben unsern Leib era håltst, ach, so laß uns auch an dem in wendigen Menschen, an Glauben, Lie be, Frömmigkeit durch deine dazu ver ordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen, und aus ei ner Klarheit zur andern gelangen, bis wir dermaleins zum Genuß der himm lischen Güter in dem ewigen Leben, durch Jesum Christum werden aufge: nommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket und gefeuchtet unser Land, was geschadet und gekránket, hat Gott mächtig ab gewandt, Mond und Sterne, Sonnen nach eingesammelter Erndte. 557 schein haben müssen kräftig seyn, daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben. Weil dann, ehe wirs vermeinen, auch die Erndte dieser Welt endlich wird gewiß erscheinen, da zu schicken hat bestellt, Jesu seine Engelein, ey so laß uns Waizen seyn, den sie mit viel Jubiliren zu des Himmels Freude führen, Amen. Gesang. Mel. Nun lob mein Seel den Herren. ieh, es ist Gottes Segen mit großen Freuden eingebracht, wie sollten wir deßwegen auf Gottes Lob nicht seyn bedacht? Gott hat das Jahr gefegnet mit seinem großen Gut, und ist auf uns geregnet des Segens reiche Fluth. Wie viel sind doch der Gaben, die er uns zugewandt, die wir empfangen haben aus seiner Vaterhand. 2. Die Felder, Gärten, Wiesen hat man mit Freuden angeschaut, o Schöpfer! sey gepriesen, du, du haft sie so schön gebaut; sie waren recht beschweret, von Früchten überall, Gott hat sie uns vermehret, in Menge ohne Zahl ,, da wir sie abgelesen, o große Gottes- Gnad! ist ihr viel mehr gewesen, als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden, und was da lebt, das Vieh zugleich, kann nun gespeiset werden, so ist vom Segen alles reich, des weisen Schöpfers Güte, giebt Jedem seine Speis, darum soll das Gemüthe ausbreiten Gottes Preis. So vielen Kreaturen zu schaffen Unterhalt, das sind wahrhafte Spuren der göttlichen Gewalt. 558 Gebet nach der Erndte. 4. Ach! laßt uns diesen Segen und das von Gon geschenkte Gut in Undank nicht anlegen zur Wol luft, Saufen, Uebermuth; Gott kann ihn wiede nehmen durch Fluch und böse Zeit, wann wir uns nicht bequemen zur wahren Frömmigkeit; er was in Gottes Händen, und bleibet noch darein, er fan ihn wieder wenden, wenn wir boshaftig seyn. 5. Drum laßt uns dankbar werden, je reichlichen wir sind beschenkt, gleichwie sich zu der Erden da Haupt der vollen Aehren senkt, so lasset uns i Stille, in Demuth, Dankbarkeit, annehmen dies Fülle in dieser Gnadenzeit; je mehr uns Gott gegeben, je mehr soll Herz und Mund die große Gnad erheben, zu jeder Zeit und Stund. 6. Ja denkt bei diesen Gaben, die wir empfangen in der Zeit, was zu erwarten haben die Glaubiger in Ewigkeit, was in dem Freudenleben für einen reichen Ueberfluß uns Gott wird ewig geben, zum feligen Genuß. Das lasset uns erwägen hinfür ſpät und früh, damit auch dieser Segen hinauf zu Gott uns zich. Ein Anders. Mel. 3euch ein zu deinen Thoren. ie Erndt ist mun geschehen, die Frucht ist einge bracht, wir können alle sehen, wie wohl und Gott bedacht; der wunderbare Gott, der, was ba lebt, ernähret, hat wiederum bescheret, was uns dieß Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, sprecht: das hat Gett gethan! ein Jeder schau jetzunder die schöne Gabe an und laßt uns fröhlich seyn, ja lobt den, der uns liebet und sammelt, was er giebet, mit Herzensfreude ein. 3. Der Himmel hat erhöret die Erd zu seiner Zeit, kein Unglück hat gestöret des Feldes Fruchtbarkeit Der glaubige Chrift betet in Kriegszeiten. 559 der Regen macht es weich, der Sonnen Wärme spielte, des Höchsten Hand erhielte, und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren an diesem Tag mit Fleiß, für alle Kreaturen ist nun gewachsen Speis, der weise Schöpfer hat der Kreatur das Leben, und auch die Speis' gegeben, aus lauter Lieb und Gnad. 5. Wie fromme Väter pflegen fürs Haus besorgt zu seyn, so hast du auch den Segen gelegt aufs fünftig' ein. Du bist die reiche Quell, daraus viel Gaben fliessen, und welche sich ergießen auf unser Leib und Seel. 6. Doch wenn wir dich verlassen, und wenn wir haben satt, mit diesen Gaben prassen, die man in Händen hat, so ist es dir gar leicht, den Vorrath zu vermindern, daß von den bösen Kindern gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände, o Gott! mit Ueberfluß, allein zu solchem Ende, damit in dem Genuß wir loben, der uns liebt, und daß wir in dem Effen des Gebers nicht vergessen, der alles reichlich giebt. 8. Gleichwie die Sichel fället der hohen Nehren Pracht, und sie besonders stellet in eine stille Nacht, so nimm ein Beispiel ab, es wird der Tod uns fällen, und einsten zugesellen den Stillen in dem Grab. 9. Ach zeuch' uns von der Erden durch diese Gab zu dir, auf daß wir himmlisch werden, und bleiben für und für, so danken wir die heut für das, was wir empfangen, und was noch zu erlan gen, erwarten wir mit Freud. Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Aufmunterung. Klagl. Jer. 1, v. 20. Ach Herr! fiehe doch, wie bange mir ist, daß mirs im Leibe da von wehe thut, ein Herz wallet mir in meinem Leibe. Dann ich bin hochbetrübt, draußen hat mich das Schwert, und in 560 Der glaubige Chrift betet Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Im 2. Cap. v. 4. Der Herr hat seinen Bogen geſpannet, wie ein Feind. V. 5. Er hat vertilgt alle Palläste. V. 21. Gs lagen in den Gassen Kna ben und Alte, meine Jungfrauen und Jünglinge sind durchs Schwert gefallen. ie drei Landplagen, womit Gott ganze Länder und Städte verheeret und wüste macht, sind Krieg, Hunger und Pestilenz, Jer. 34, v. 17., welche auch Gott David vorlegte, 1 Chron. 22, v. 12. Krieg ist eine schwere Strafe; wenn Gott feinen Schuß einem Lande entzieht, so macht sich der Feind sobald auf. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung strafe, sind unterschiedlich: 1) Ungehorsam, Jef. 1, 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüften lebt, und die Furcht Gottes aus den Augen segt, B. Richt. 4, v. 1., C. 6, v. 1. 3) Verachtung des göttlichen Worts, wenn man es entweder gar nicht hört, oder doch nicht darnach lebt, 3 Mof. 26, v. 27. 4) Abgötterei, Richt. 2, v. 12-14. Es mag auf eine grobe und subtile Weise gesche. ben, dahin die lleppigkeit, Hurerei, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Witt. wen, Beraubung der Armen gehört. Wann Gott aber dem Schwert ruft, und den Frieden weg. nimmt, Jer. 15, v. 6., so nimmt er auch die Kraft des Schwerts weg, P. 89, v. 44., daß viele Völker und ein großes Kriegsheer keine Sie. ge erhält, daher sie müssen fliehen vor ihren Fein den, Pf. 44, v. 11., darauf Zerstörung, Plünde. rung, Unterdrückung des Landes, und endlich Jammer und Elend folgt. Gebet. Frzürnter Gott! wir kommen mit gebeugtem Herzen vor dein allerheiligDie in Kriegszeiten. 561 stes Angesicht, und bejammern das große Elend, darein uns unsere großen Sünden und dein gerechter Zorn gesetzt hat. Herr, Herr! wir wohnten unter deinem Schuh sicher, uns durfte kein Schwert schrecken, da du unserer Feinde Feind, und unserer Widerwärtigen Widerwärtiger warest; wir giengen ruhig zu unsern Thoren aus und ein, und genoßen der Früchte des Landes ungestört. Aber nun, o großer Gott! hast du deinen Schuß und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht, er hat das Schwert gezuckt, er droht mit Verbrennen, Plündern, die Stádte zu verderben, und unser Land einzunehmen. Was sollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir diese Ruthen der Züchtigung längst verdient haben, wir haben leider des Friedens und der guten Zeit mißbraucht. Da wir sollten uns erbauen, und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam seyn, so ist bei uns leider EntheiNn 562 Der glaubige Chrift betet ligung des Sabbaths, Mißbrauch delnes heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bosheit mit den abscheulichsten Lastern imSchwunge gegangen. Wir schämen uns, erzürnter Gott! unsere Gräuel alle zu erzählen, die ohnedem in den Himmel schreien. Ach, barmherziger Gott! gedenke doch nicht unserer Missethaten, deren viele sind, wie des Sandes am Meer, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserem Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Gnade und Barinherzigkeit. Wir haben gesündiget, sind gottlos gewesen, und von deinen Geboten gewichen. Ach strafe uns nicht in deinem Zorn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm, D. Erbarmer! erbarmie dich über uns; willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, und wird kein Erretter in Kriegszeiten. 563 da seyn. Mächtiger Schuhherr der Elenden! stehe auf, daß nicht Menschen die Oberhand kriegen. Du kannst uns rüsten mit Stårke zum Streit, du kannst unter uns werfen, die sich wider uns seßen. Auf dich steht all unser Vertrauen und Hoffnung in dieser großen Noth. Wann Menschen wider dich wüthen, so legst du Ehre ein. Ach Gott! wie lange soll der Widerwärtige schmähen, und der Feind deinen Namen låstern, als ob uns Niemand aus seiner Hand erretten könne? Errette uns, Gott unsers Heils! und vergieb uns unsere Sünden um deines Namens willen. Nimm dem Feind den Muth, vertreibe ihn, und wache über unser Land, Häuser und Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen, und wende die Gefahr, darin wir schweben. Herr! dir ge= bührt die Ehre, daß du Schwerter zerbrichst, Spieße zerschlägst und Wagen mit Feuer verbrenneft. Erhöre uns Nn2 Der glaubige Christ betet Schreien, o liebreicher Gott! derer, die jeht in Gefahr stecken, und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden u. aus= stehen. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, der Kinder u. Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Kriegs ein baldiges Ende, und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. O großer Gott von Treu! weil vor dir Niemand gilt, als dein Sohn Jesus Christ, der deinen Zorn gestillt, so sich doch an die Wunden sein, die große Angst und bittre Pein, um seinetwillen schone, und nicht nach Werken lohne, Amen. 564 Gesang. Mel. Ach! was soll ich Sünder machen. Mas as für Jammer, was für Schrecken bringet nicht die Kriegesnoth, welche uns, erzürnter Gott! soll vom Sündenschlaf aufwecken; Angst und Noth vermehret fich, großer Gott! erbarme dich. 2. Ach, das Schwert ist scharf geweßet, welches uns erwürgen soll, ja, der Feind ist Zornes in Kriegszeiten. 565 voll, der sich schon das Ziel gesetzet, wte burch seine große Macht alles werde umgebracht. 3. Städt und Länder stehn verstöret, es bergießet Menschenblut diese starke Kriegesfluth, man erstaunet, wenn man höret, wie die Unbarmherzigkeit Alten und den Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, alles zittert, als les weicht, wer nur fliehen kann, der fleucht, sogar die verborgene Kammer, Thäler, Wälder, Wüstenet, ist vor Feindes Furcht nicht frei. 5. Höre, wie die Armen weinen, wenn man ih nen alles nimmt, und zur Knechtschaft sie bestimmt, wenn die Feuerflammen scheinen, man verheert, zerreißt, verbrennt, daß man kaum den Ort mehr kennt. 6. O der schrecklichen Gerichte! welche jetzt dein Zorn ausübt, gegen die, so dich betrübt; alles macht der Feind zu nichte, wenn du nicht, o Gott! aufwachst, und zur Hülfe dich aufmachst. 7. Ach wir fallen dir zu Fuße, rette uns aus dieser Noth, mächtiger Herr Zebaoth! Ach wir thun von Herzen Buße, schone, lieber Vater! schon, sich uns an in deinem Sohn. 8. Dessen Blut sich an in Gnaden, tilg damit die Missethat, welche dich erzürnet hat, laß den Feind uns nicht mehr schaden, gieb ihm nimmermehr den Sieg, großer Gott! in diesem Krieg. 9. Ach zerbrich des Feindes Waffen, und nimm ihm den stolzen Muth, räche das vergoff'ne Blut, nimm weg die verdienten Strafen, baue, was da liegt verheert, richt auf, was ist umgekehrt. 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, schließ des Jammers Pforte zu, schenk uns nach der Trübsal Ruh. Laß den edlen Frieden blühen, bringe das verwüste Land wiederum in guten Stand. 11. So soll, Herr! dein Lob erklingen, es soll 566 Der glaubige Chrift lobt und dankt Gott sagen Jedermann: siehe, das hat Gott gethan; und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Lieb und Gnad, der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja wir wollen hinfort leben in der wahren Frömmigkeit, und dir jetzt und allezeit unser Herz zum Opfer geben; also soll nach bittrem Schrei'n unser Mund voll Rühmens seyn. Der glaubige Christ lobt und dankt Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Pfalm 46, v. 9-12. Kommet her, und schauet an die Werke des Herrn, der auf Gra den solch Zerstören anrichtet. Der den Kriegen steuert in aller Welt, der den Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennet. Seyd stille und erkennet, daß ich Gott bin, ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakob ist unser Schuß, Sela. Keine eine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen, als: Es ist Friede! Da kommen die Geflüchteten wieder in die Häuser, die Verjagten haben Hoffnung, wieder zu den Shrigen zu kommen, das Land selbst erholt sich, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein glaubiger Christ erkennt, daß diese Gabe von oben herab komme, darum lobet er 1) Gott, daß er dem Zerstören, Rauben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht, und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Gewalt befreit sind. 2) Er dankt Gott, daß er bei die. sem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschügt hat. 3) Er erkennet, wie der edle Friede fey wie eine Sonne, die alles aufrichtet, wie ein Thau, der alles erquicket. 4) Er bittet Gott, er nach erlangtem Frieden. 567 wolle den Frieden lassen dauerhaft werden, und al. len Friedensstörern selbst wehren. 5) Er wendet die Friedenszeit nicht an zur Uleppigkeit und Wol listen, sondern in seinem Christenthum zuzuneh. men, und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Gebet. Herr, Herrl gnädig, barmherzig und von großer Güte, du hast aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserm Lande weggenommen, weil wir der guten Tage u. des Friedens mißbraucht haben. Du hast die Feinde uns zurStrafe gerufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren, und uns mitFurcht undSchrecken erfüllen. Obwir nun wohl verdient, daß dieser Krieg uns gar verderbt hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade ge= dacht, und den Königen Gedanken des Friedens gegeben, dafür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heerschaaren sind eins worden, das Schwert muß auf deinen Befehl wieder in die Scheide fahren. Die Geflüchteten kommen wieder, und wir können 568 Der glaubige Christ lobt und dankt Gott wieder ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise Jerusalem den Herrn, lobe Zion deinen Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Thore, und segnet deine Kinder darinnen, er schaffet deinen Gränzen Friede. Welch ein herrliches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreuet. Du erneuerst uns heute die gnådige Verheißung: Ihr sollt sicher in euren Landen wohnen, ich will Friede geben eurem Lande, daß ihr schlafet und Niemand euch schrecke, und also kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach Herr! erhalte diesen Frieden beständig, erhebe über uns dein Antlik und gieb uns den Frieden als ein herrli ches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk gelegt haft. Laß unsern Frieden seyn wie einen Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beståndig bleibt und quillt, den du allein erhältest Friede nach gewisser Zusage. Laß Gerechtigkeit und Friede sich immer küssen, und Gerechtigkeit vom Himmel nach erlangtem Frieden. 569 schauen. Gieb uns deinen heiligen Geist, daß wir den edlen Frieden nicht mißbrau chen zur Ueppigkeit, Völlerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen, und in der Furcht des Herrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land. Laß uns am Ende unserer Tage in Frieden fahren, und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. Herr Gott! dich loben wir für deine große Gnaden, daß du das ganze Land vom Kriegeslast entladen, daß du uns blühen läßt des güldenen Friedens Zier; drum jauchze alles Volk: Herr Gott! dich loben wir, Amen. Gesang. er Mel. Nun lob mein Seel den Herren. er Fried ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, kein Blut wird mehr vergossen, kein Land und Stadt wird mehr verstört; das Schwert ist eingestecket, der Bogen losgemacht, kein Feind ist, der uns schrecket, da uns der Friede lacht; darum soll heut vor allem, nach dieser KriegesNoth ein Freuden- Lied- erschallen, dem Herren Zebaoth. 2. O Friede, theure Gabe! o edles Kleinod! das du bift, dadurch nun unsre Haabe von Neuem 570 Gebet nach erlangtem Frieden. unser worden ist, da Gott dich uns gegeben, so giebt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh in dem ganzen Reich, die streitenden Gemüther sind nun zum Fried geneigt, der treue Menschenhüter hat uns die Gnad erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne beleucht't die Länder weit und breit, sie bringet Heil und Wonne, darum ist Jedermann erfreut; der Ackersmann kehrt wieder zu seinem Ackerbau, der Hirte spielet Lieder auf seiner grünen Au, die Schäflein waiden stille, weil sie kein Feind mehr schreckt, und da die Segensfülle das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert das alles, was er nun erreicht, daß Berg und Thal erzittert, und gleichsam von der Stelle weicht, so pflegt der Fried zu heilen das, was da ist verheert, und Saamen auszutheilen dem, was da ist verstört; man steht mit Lusten bauen die Häuser und das Feld, der Himmel scheint zu thauen, was unserm Geist gefällt. 5. Laß diesen Frieden dauren, o treuer Vater! lange Zeit, daß wir in unsern Mauren nicht mehr erfahren Krieg und. Streit! Ach habe stets Gedanken des Friedens uns zu gut, und halte in den Schranken der Fürsten Uebermuth, nimm wegen unserer Sünden uns nur den Frieden nicht, und laß uns Gnade finden, wenn schon dein Zorn anbricht. 6. Wir wollen nun vermeiden, da du uns diesen Frieden schenkst, was dich und uns kann scheiden, no Gott! und gnädig an uns denkst; dich wollen wir verehren, dich lieben, und allein das Herze zu dir kehren, und also dankbar seyn. Wir wollen stets befriegen der Sünden Lasterheer, und alle Luft besiegen, zu unsers Gottes Chr. 7. Und da in diesen Tagen der edle Friede also blüht, so laßt uns also sagen: Kommt, schaut des Gebet in Theurung und Hungersnoth. 571 Allerhöchsten Güt, der hat dem Krieg gesteuert; scht, das ist Gottes That, den Frieden uns erneuert, o unverdiente Gnad! Laßt Freudenlieder klingen dem Herren Zebaoth, und laßt uns fröhlich singen: Nun danket alle Gott. Der glaubige Christ betet, wenn Gott mit Theurung und Hungersnoth das Land heimsucht. Aufmunterung. Ezech. 4, v. 16. Du Menschenkind, fiehe, ich will den Vorrath des Brods zu Jes rusalem wegnehmen, daß sie das Brod essen müssen nach dem Gericht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maas mit Kummer trinken. Merden erden zahme und wilde Thiere mit Hunger gezüchtiget, daß sie etwas lernen, oder ihre wilde Art verlassen müssen, so pfleget Gott eben solchen Zaum und Gebiß den Menschen ins Maul zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott locket sie lange mit Wohlthaten, um sie damit zu sich zu ziehen, wenn sie aber durch solche Güte sich nicht laffen zur Buße. leiten, so schicket er Hunger ins Land, entweder durch Mißwachs oder Krieg, oder durch Theurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brod wegnimmt, daß man isset und nicht satt wird. Die Strafe kommt gemeiniglich, 1) wenn die Menschen das Wort Gottes ge. ring achten, und nur auf Wohlleben bedacht sind, Ef. 5, 13. 2) Wenn man fromme Lente und die Kir che Gottes verfolget, Jer. 11, 22. 3) Die Stimme der falschen Propheten gerne höret, Jer. 14, 15. 16. 4) Halsstarrig ist, Jer. 24, 10. 5) Ungehorsam bleibt, Ezech. 4, 16. 6) Wenn man Gewalt gegen Geringe verübt, 2 B. Sam. 21, 1. 2. Diese Hun. 572 Der glaubige Christ betet, wann Gott mit gersnoth bringt mit sich Armuth, Elend, Verschmachten. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amos 8, 11., so ist das Elend unaussprechlich. Gebet. Gerechter Gott! der du einem Jeden giebst nach seinen Werken, und låsfest Zorn, Trübsal und Angst kom men über die, so Böses thun; wir kom men vor dein allerheiligstes Angesicht, und schämen uns, daß wir uns derma: ßen an dir versündigt, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich hast du uns in den vorigen Jahren gespeiset, wir haben Brod die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben hätten uns sollen als Liebesseile zu dir, dem reichen Geber, ziehen, und zur Buße locken. Aber wie schändlich sind diese Güter zur Völlerei, Wohlleben, Ueber: fluß mißbraucht worden, so daß die Kreatur selbst über uns geseufzt, daß sie Theurung u. Hungersnoth das Land heimsucht. 573 von undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Händen empfangen worden. Was ists denn Wunder, daß ein fruchtbar Land nichts trågt um der Sünden willen derer, die darinnen wohnen? Du strafft uns mit Theurung, Mangel, Dürre, daß die Erde ihre Früchte kärglich giebt. Herr! höre das Schreien der Armen, die um Brod bitten, und nicht satt werden. Nimm doch zu Herzen das Winseln der Kinder, daß Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllt. Wir essen, und werden nicht satt, wir nehmen Speise zu uns, und verschmachten fast vor Hunger, und das Vieh ruft um Futter. Ach Herr, Herr! gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen hast. Deine Brünnlein haben Wasser die Fülle, darum suche das Land heim, und wässere es; laß den Himmel die Erde 574 Der glaubige Chrift betet, wann Gott mit erhören, und erhöre du uns selbst von deinem Heiligthum. Laß die Theurung aufhören, wende dich wieder in Gnaden zu uns, sättige die Hungerigen, erfreue die Armen, segne unser weniges Brod. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brod leben, sondern am meisten von dem Segenswort, das aus deinem Munde geht, und dadurch du Kraft in unsere Speise legst. Laß das Feld bald mit Früchten wieder erfüllt werden, ver mehre das wenige Mehl, wie der Witt we zi Sarepta, laß den geringen Bor rath genug seyn zur Erhaltung Vieler. Laß indessen dein Wort unsere Speise allweg seyn, uns damit zu nähren, denn das ist unser Herzenstrost, unser Honig und Honigseim.Wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Lebenlang. Ach Herr! sich an die große Noth, entzich uns nicht das liebe Brod, schütt deinen Segen aus; du bist ja unsere Zuversicht, drum bitten wir, verstoß uns nicht, Amen. Theurung u. Hungersnoth das Land heimsucht. 575 Gesang. Mel. 3ion Flagt mit Angst und Schmerzen. Mit it den scharfen Theurungsruthen machst du, o erzürnter Gott! unser hartes Herze bluten, ach die bittre Hungersnoth drohet uns den Untergang, sie macht, unsrer Seelen bang. Jammer hat uns ganz umgeben, da wir solche Noth erleben. 52. Es ist fast nicht auszusprechen, wie der Mangel alles drückt, es möcht dem sein Herze brechen, der die, Thränenfluth erblickt, welche diese Noth auspreßt, darein Gott uns sinken läßt. Schau, Erbarmer! auf die Armen, Vater! denk an dein Erbarmen. • 3. Mangel drücket Groß und Kleine, unser Vorrath ist dahin, Mangel schwächt uns Mark und Beis ne, Mangel quält uns uns immerhin, Mangel ruft der Arme aus, Mangel ist ins Reichen Haus, Mangel hat uns aufgerieben, daß uns nichts ist übrig blieben. 4. Ach, das machen unsre Sünden, diese stiegen Himmel an, daß man keine Hülf kann finden, die dem Mangel steuren kann! Frechheit und Halsstarrigkeit bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern: ach wir sind ja noch nicht satt; auf dem Feld und in den Kammern liegen viel vor Hunger matt, dort sieht man viel Arme stehen, die um Brod und Hülfe flehen, ja man hört das Vieh auch brüllen, es will seinen Hunger stillen. 6. Herr! du hast hinweggenommen deinen Segen von dem Brod, und ach! daher ist gekommen diese Theurung, diese Noth; unsere Speise sättigt nicht, welch ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Essen, und der Speis ist bald vergessen. 7. Herr! wir fallen vor dir nieder, rette uns aus dieser Last, gieb uns deinen Segen wieder, den du 576 Der glaubige Chrift betet in Pestzeiten. uns genommen haft; laß die Necker wieder blühen, nach dem Säen und Bemühen, laß sie reiche Früchte bringen, laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis uns nur mit deinem Worte, wenn es uns an Brod gebricht, wenn wir klopfen an die Pforte, Vater! so verstoß uns nicht; dieses wahre Lebensbred stärke uns in dieser Noth, auf der fetten Scelemwaiden ist leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, laß durch deine Segensfluth diese Theurungsnoth verschwinden, so wird alles wieder gut; dann soll unser Herz und Mund alle Tag und alle Stund sprechen: Gott hat Brod und Leben uns aus Gnaden wieder geben. Der glaubige Christ betet in Pestzeiten. Aufmunterung. 5 Mos. 28, v. 15. 21. 22. Wenn du der Stimme des Herrn deines Gottes nicht gehorchen wirst, so werden alle diese Flüche über dich kommen. Der Her wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis er dich vertilge, der Her wird dich schlagen mit Geschwulst, Fieber, Hiße, Brunst, Dürte, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. in 1974 Mann ann über die, welche Böses thun, Zorn, Trübfal und Angst kommen soll, Röm. 2, v. 8. 9., ſo gehören zu folcher Angst ansteckende Krankheiten und Pest. Diese Klage kommt meh, rentheils: 1) Wann die Menschen dem Worte der Warnung und Vermahnung keinen Glau ben beimessen, 4 B. Mos. 14, v. 12. 2) Wann man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dient, Jer. 14, 12. 3) Gott gar durch Unge, horsam aus den Augen seßt, Jer. 24, 10., Cap. 27, 8. 4) Die Diener Gottes verachlet, Jer. 29, 17. 5) Wenn das Volk frech und unbändig Der glaubige Christ betet in Bestzeiten. 577 wird, Ezech. 14, v. 19. 6) Wenn Hurerei und Mord im Schwunge geht, Ezech. 33, v. 26. 27. 7) Wenn keine Buß, Ermahnungen mehr angenommen werden, Amos 4, v. 10. 8) Um Ehebruchs willen, 4 B. Mos. 25, v. 9. 9) Um Gotteslästerung willen, 2 B. der Könige 19, v. 35. 10) Um Hochmuth, 2 Sam. 24, v. 15., und um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe einreißet, da ist nothwendig, daß man Buße thue, weil doch der Herr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt, derohalben auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählte. Gebet. ( tarker und allmächtiger Gott! groß ist dein Zorn gegen die muthwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohlthaten nicht lassen zur Buße leiten. Du handelst eine Zeitlang mit den Menschenkindern als ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Ver= schonen zu sich lockt, nachmals aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, beweisest du dich auch als ein strenger Richter. Dieses erfahren wir jetzt auch. Gerechter Gott! wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Seuche hervor thue, welche viel tausend OD 578 Der glaubige Chrifi betet in Pestzeiten. Menschen dahin rafft, so daß fast in jedem Hause Todte sind, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Haben wir nicht hohellrsache, zu befürch ten, du werdest auch das um sich reissende Uebel in unsere Gränzen schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott! gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor andern sind, welche du diese scharfe Ruthe läsfest empfinden; wir müssen vielmehr bekennen, daß wir werth sind, alle also umzukommen, wie jene. Es fin, det sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Worts und heili gen Sakramente, Halsstarrigkeit, Ulep pigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wollust, Stolz, ja, es ist fast keine Furcht Gottes im Lande, die Heiligen haben abgenommen, und der Glaubigen ist wenig unter den Menschen. Willst du nun Sünde zurechnen, Herr! wer wird vor dir bestehen? Ach Herr, Herr! wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlik suchen; darum suchen wir Der glaubige Chrift betet in Bestzeiten. 579 auch, Herr! dein Antlik. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; darum schuldigen wir uns, und thun Buße im Staub und in der Asche. Sieh nicht an unsere Sünden groß, sprich uns der= selben aus Gnaden los, steh uns in unserm Elend bei, und mach uns aller Strafen frei. Wir haben gesündiget mit unsern Våtern, wir haben mißgehandelt, und sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führt, daß er ablasse, und sage: es sey genug. Sind wir keiner Gnade werth, so sind wir sie doch bedürftig; sind wir alle Kinder des To= des, so hast du den Bußfertigen verheissen, du wollest Gnade vor Recht ergehen lassen. O! schenke uns deine Gnade und das Leben um Jesu, unsers einigen Mittlers und Fürsprechers millen. Erbarme dich, erbarme dich, Gott unser Erbarmer! über uns; sey uns gnädig, verschone unser, lieber Herr! 002 580 Der glaubige Christ betet in Bestzeiten. hilf uns, lieber Herre Gott! Erbarme dich der Armen und Elenden, welche durch diese heftige Seuche sind angegriffen, Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubt, und von allen Menschen verlassen sind, stehe ihnen mit Trost bei, und dein Geist gebe Zeugniß ihrem Geist, daß sie Kinder Gottes sind, ob sie gleich an dieser Plage sterben müssen. Ach Herr! erhöre unser Gebet, schüße unser Baterland, so wollen wir sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan. Ach Herr Gott! durch die Treue dein, mit Trost und Rettung uns erschein, beweis an uns deine große Gnad, und straf uns nicht auf frischer That, wohn uns mit deiner Güte bei, dein Zorn und Grimm fern von uns sey, Amen..d 243 610 euen Gefang. inte pe Mel. Wann mein Stündlein vorhanden ist. Was as große Angst und Herzeleid, läßt uns Gott jetzt erleben, da wir in dieser Jammerszeit in Todesnöthen schweben, und fast, o schreckliches Der glaubige Christ betet in Bestzeiten. 581. Gericht, vor des Würgengels Angesicht erzittern und erheben. 2. In mancher Stadt, in manchem Land hört man von lauter Leichen, kaum liegt der eine in dem Sand, muß dieser auch erbleichen; die Todten liegen überall von Alten, Jungen, ihre Zahl ist faſt nicht zu erreichen. 3. Dort stirbt ein Armer und verschmacht't, das Haus ist schon beschrieen, ein Jeder ist darauf bedacht, der Seuch sich zu entziehen; ein Andrer stirbt in Hungersnoth ohn' alle Pfleg, und kann dem Tod unmöglich mehr entfliehen. 4. Gerechter Gott! dieß läsfest du uns hören und fast sehen, und sprichst dabei: Kommt, sehet zu, so soll es euch auch gehen, wenn ihr von eurer Missethat, die mich zum Zorn gereizet hat, nicht werdet bald abstehen. 5. Ach ja, die große Sicherheit kann Niemand fast beschreiben, man weiß von keiner Frömmigkeit, ein Jeder läßt sich treiben von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung Gottes, Heuchelei, und also will man bleiben. 6. Willst du nach unserm Sündenmaß die scharfe Ruthen binden, und unsere Bosheit, Neid und Haß sammt andern schweren Sünden bestrafen mit der Seuch und Pest, davon du uns viel hören läßt, ach wer wird Gnade finden! 7. O Gott! wir fallen dir zu Fuß, ach Vater! schone, schone, wir thun mit Thränen herzlich Buß vor deinem Gnadenthrone; gedenke nicht, was wir gethan, und siehe uns in Gnaden an, in Christo, deinem Sohnc. 8. In Jesu Wunden wollen wir im Glauben uns einhüllen, wir bringen hie sein Blut vor dir, um dieses Blutes willen, wirst du uns Armen gnä 582 Der glaubige Christ betet zu Gott dig seyn, dieß heiße Blut kann doch allein die Zornesfluthen stillen. 9. Verleih uns doch gesünde Luft, und schenke uns das Leben; vertreib den gift'gen Pestesduft: wirst du uns dieses geben, so sollen Herze, Geift und Mund, dein Lob und Ruhm zu aller Stund mit tausend Dank erheben. Der glaubige Christ betet zu Gott bei anhals tender nasser Witterung. 1893 Aufmunterung. 1 Mof. 6, v. 17: Siehe, ich will eine Sündfluth mit Wasser kommen lassen auf Ers den, zu verderben alles Fleisch, darinnen ein lebendiger Odem ist, unter dem Himmel; alles, was auf Erden ist, soll untergehen. o sprach einst Gott zu dem frommen Noa, und als der wahrhaftige Gott erfüllte er seine Drohung, indem er alles auf Erden untergehen ließ bis auf die wenigen Geschöpfe, die mit Noa in den Kasten gegangen waren. Ob nun Gott gleich verheißen hat, er wolle die Welt mit einer allgemeinen lleberschwemmung nicht mehr züch. tigen, fo läßt er doch noch manchmal zur De math und Erweckung der Menschen Wasserfluthen, starte Regengüffe und eine anhaltende naffe Wit terung kommen. Wenn nun der Regen anhält und nicht aufhören will, vom Himmel herabzu. fallen, so erinnern sich wahre Christen dabei, daß 1) diese starken Regengüsse von Gott kommen; das macht fie getrost. 2) Daß Gott über ihre Sünden zürne; das bringt sie zur Buße. 3) Daß solche Wassergüffe gar leicht zu ihrem Verderben gereichen können; das erregt ihre Aufmerksamkeit, wie sie in Allem Gottes Allmacht 7 Comminge - bei anhaltender naffer Witterung. 583 unterworfen seyen. Das treibt sie zu Gott, daß sie zu ihm schreien und in ihrer Noth ihn anrufen mit findlichem und glaubigem Gebet. Wenn sie dieses thun, so wird sich Gott ihrer erbarmen, und ihnen fruchtbare Zeiten schenken, daß ihre Herzen wieder mit Freude erfüllt werden. Gebet. Großer und majestätischer Gott! der du den Himmel ausgebreitet, und die Erde gegründet und alles erschaffen haſt, was da lebet, webet und ist; wie schnell kannst du die Gestalt der Erde verändern, und ihr ihre Schönheit und Zierde nehmen. Das erfahren wir jetzt besonders, da du die Fenster des Himmels haft aufgethan und ohne Aufhören den Regen herabfallen läsfest. Die Sonne entzieht uns ihre erwärmenden und erquickenden Strahlen; das Auge erblickt nichts als schwere und trübe Wolken, welche das Erdreich mit Wasser bedecken; die Früchte des Feldes kommen der Fäulniß nahe; alles erregt einen fürchterlichen Anblick. Ach Herr! Herr! siehe doch an diesen unsern Jammer, 584 Der andächtige Christ betet zu Gott und erbarme dich über uns gnädiglich. Mit unsern Sünden haben wir es wohl verdient, daß du deinen Segen uns entziehst; aber laß Gnade für Recht er: gehen, und gedenke unserer im Besten. Du hast ja die theure Zusage gethan, daß du die Erde und ihre Bewohner nicht mehr mit Wasser vertilgen wolleft. Ach, du Gott voller Gnaden! so schließe die Fenster des Himmels, daß der Regen aufhöre, auf uns zu fallen. Heitere den trüben Himmel auf, und laß daß schöne Sonnenlicht wieder leuchten, daß das Gras wachse für das Vich und die Saat zum Nußen der Menschen. Erweiche unsere harten Herzen durch die uns erzeigte Güte und Treue, daß wir uns redlich bessern, und bis an un ser Ende vor dir wandeln, wie es dir gefällig ist. Und endlich, nach bewie fener Treue, nimm uns in Gnaden in dein ewiges himmlisches Reich auf. Hei lig, heilig werde, Gott! dein Name stets genannt; denn der Himmel und bei anhaltender naffer Witterung. 585 die Erde machen deinen Ruhm bekannt; deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Pracht hat doch nirgends ihres Gleichen, Gott! wer kann dein Lob erreichen? Amen. Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. Soll der Himmel allzeit weinen? soll er stets bede= cket stehn? soll uns keine Sonn mehr scheinen? soll man sie nicht wieder sehn? willst du denn, erzürnter Gott! nicht ansehen unsre Noth? Siehe, durch des Regens Triefen, schwellen auf fast alle Tiefen. 2. Alles stehet überschwemmet, alles faulet auf dem Feld, nichts ist, das den Regen hemmet, der da täglich häufig fällt; unsre Früchte zeitgen nicht, weil es an der Wärm' gebricht, was sich nach der Sonne schnet, steht mit Regensthau bethränet. 3. Alles trauret; was man siehet ist mit Wasser angefüllt, da die Sonn sich uns entziehet, ist der Himmel ganz verhüllt, ach es ist uns angst und bang, ein Tag scheint uns Wochen lang, weil so viele Tag vergehen, daß wir keine Sonne sehen. 4. Ach der Himmel will uns lehren, wie wir gar verstocket sind, daß man sich nicht will bekehren, daß bei uns fein Statt mehr find't, wenn man rufet: thut doch Buß! geht und fallet Gott zu Fuß! drum will uns. die Fluth ersäufen, wenn wir unsere Sünden häufen. 5. Ach es will der Himmel weinen, weil Niemand die Sünd beweint; wer ist doch von Groß und Kleinen, der es jetzt mit Gott recht meint? Wo ist Buße, Frömmigkeit, wahre Lebensheiligkeit? Drum kann, ob wir heftig schreien, keine Hülf uns angedeihen. 586 Der glaubige Chrift betet zu Gott 6. Ach Gott! thu dich doch erbarmen, halte doch den Regen ein; höre das Geschrei der Armen, gieb uns warmen Sonnenschein; sieh, wir kommen in der Zeit, unsre Sünden sind uns leid, und daß wir zu unsrem Schaden solche Straf auf uns geladen. 7. Schenk uns doch die Sonne wieder, ach Gott! so soll unser Mund singen Dank- und Freudenlieder, denk doch an den Gnadenbund, den der Regenbogen weist, und uns deine Gnad verheißt; laß uns sehen aufgerichtet, was der Regen hat vernichtet. 8. Laß die Wärme doch erquicken, was die rauhe Regenluft wolle auf dem Feld ersticken durch den kalten nassen Duft; ach du großer Gott! gebeut, daß da, wenn du willst, noch heut, von dem blauen Himmelssaale uns die liebe Sonn bestrahle. 9. Wenn du dieß Gebet erhöreft, und uns schenkst der Sonne Glanz, wenn du wiederum beschereft, was da schien verdorben ganz; wollen wir zu aller Zeit preisen deine Gütigkeit, daß du Sonne, Licht und Leben wiederum uns haft gegeben. Der glaubige Christ betet zu Gott bei anhal tender Hitze und Dürre. Aufmunterung. Jac. 5, v. 17. 18. Glias war ein Mensch, gleichwie wir, und er betete ein Gebet, baß es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahr und sechs Monden; und er betete abermal, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. Wie ie viel das Gebet des Gerechten vermöge, wenn es ernstlich ist, sehen wir aus dem Bei, ſpiel des Elias, welches uns der Apostel Jaco. bus vor Augen stellt. Irren aber würden wir in der That, wenn wir glauben würden, es sey in der Macht des Elias gestanden, dem Lande 587 bet anhaltender Hiße und Dürre. den Regen zu geben und zu nehmen. Nein! Gott allein ist der Herr des Regens. Gott ale lein kann solches alles thun. Gott also muß der Christ es zuschreiben, wenn der Regen kommt oder ausbleibt. Gnade ist es von Gott, wenn er zur rechten Zeit den Regen sendet; wo er aber solches unterläßt, so haben wir es als Strafe an zusehen. Denn wie jämmerlich steht es überall, wo der Regen fehlt, wo Hiße und Dürre drücket. Das ganze Land ist dann mitten im Sommer gleichsam mit einem Todtenkleide angezogen. In der That eine empfindliche Strafe! Wer könnte bei einem so traurigen Anblick gleichgül. tig bleiben? Darum wollen wir bitten, wie Elias, daß er das verdorrte Land wieder mit ei nem gnädigen Regen erquickte. Ein rechtschaffe. nes und ernstes Gebet hat der Herr noch nie ver. schmäht. Der Herr ist nahe allen, die ihn an. rufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er hört ihr Schreien und hilft ihnen. Gebet. Nun so bilf uns denn auch, o Herr, unser Gott! der du bist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, hilf uns in der großen Noth, die uns betroffen hat, und errette uns aus derselben gnädiglich. Du hast ehedem deinem Volke gedroht, wenn es deiner Stimme nicht gehor 588 Der glaubige Christ betet zu Gott chen würde, so wollest du den Himmel über seinem Haupte ehern und die Erde unter seinen Füßen eisern machen, so wollest du seinem Lande Staub und Asche für Regen geben. Es scheint in der That, als ob auch über uns der Him mel ehern und die Erde unter uns eisern geworden sey. Ach! wie traurig sieht es auf unsern Feldern und Wiesen aus! die Erde sperrt ihren Mund auf u. seufzt um Erquickung. Menschen und Thiere lechzen vor großer Hiße; die Bäume ver dorren, das Gras verwelkt, die Früchte können nicht wachsen; Bäche und Brunnen vertrocknen. Ach, Herr! sich doch drein und mache unserer Noth ein Ende! Freilich, wenn wir an unsere Sünden denken, so hatten wir noch viel härtere Strafen verdient. Aber, o Bater der Barmherzigkeit, sey gegen uns arme Sünder barmherzig, und wende dein gnädiges Angesicht wieder zu uns; er: quicke uns mit einem fruchtbaren und durchdringenden Regen, daß Menschen bei anhaltender Hitze und Dürre. 589 und Vich wieder Nahrung und Unterhalt finden mögen. Um Jesu Christi willen erhöre unser Flehen, und erbarme dich unser! Möge diese deine gerechte Sache uns zur wahren Buße leiten! Heilige du uns durch und durch, daß wir werden unstråflich bewahrt werden bis auf den Tag Jesu Christi. Erhöre uns, lieber Vater im Himmel! um deiner Liebe willen, um Jesu Christi willen erhöre uns! Amen! Amen, das ist, es werde wahr, du wollest es erfüllen, erhör und hilf uns immerdar um Jesu Christi willen; dann dein, o Herr! ist allezeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Reich, die Macht, die Ehre! Amen. Gefang. Mel. 3ion flagt mit Angst und Schmerzen. Nun un der Himmel bleibt verschlossen lange Zeit, o großer Gott! weil kein Regen sich ergossen, häufet sich auch unsre Noth; man sicht alles traurig stehn, und nach frischem Wasser gehn; Menschen, Vich, Laub, Gras und Nehren deinen Regenthau begehren. 2. Vater! gieb uns deinen Segen, willst du nicht mehr Vater seyn? Vater! gcb uns einen Re 590 Gebet bei anhaltender Hiße und Därre. gen, sonst bringt bei uns Theurung ein; fich', die Erd thut auf den Mund, schreiet dich an alle Stund, alles Laub will fast erblassen, wenn du nicht willst regnen lassen. Lab 3. Es verwelfen alle Früchte, das Getreid' steht fast verdürrt; was sonst blühte, wird zunichte, weil es feinen Saft verspürt; alles wird von Hiß vers brennt, daß man es fast gar nicht kennt; das Wild sucht auch vor Vermatten aller Orten kühbe Schatten. 4. Zwar wir habens wohl verdienet, daß der Him mel ehern ist, daß auch unser Feld nicht grünet, weil du annoch zornig bist über uns, die früh und spat häufen unsre Missethat; weil wir harte Herzen haben, soll uns auch kein Regen laben. 5. Weil wir nicht die Sünde flichen, wenig achten Gottes Wort, muß der Regen sich verziehen, fern von unserm Land und Ort; andre seh'n im Ueberfluß deines Regens Segensguß, nur auf unsre dürre Auen willst du nicht in Gnaden schauen. 6. Ach wir fallen vor dir nieder, bitten dich um Gnad und Huld; ach wir kehren heute wieder, wei nen über unsre Schuld; ach vergieb uns gnädiglich), womit wir erzürnet dich; ach wir wollen unser Leben dir zu deinem Dienst ergeben. 7. Ach erbarme dich in Gnaden über uns und unser Land, laß uns doch nicht ferner schaden der erhizten Sonne Brand; schließ den Himmel wieder auf, laß dem Regen freien Lauf; laß den Regen uns erblicken, Menschen, Vich und Feld erquicken. 8. Wirst du dieß Gebet erhören, o bu großer Ses gens- Gott! und uns unsre Bitt gewähren, wenden biese große Noth, daß du seyft mit uns versöhnt, daß das Feld aufs Neue grünt, wollen wir zu ale len Zeiten deine Gnab und Lieb ausbreiten. Communion- Gebete. 591 Gebet vor dem heiligen Abendmahl. O großer Gott! der du mich nun zu dem heil. Abendmahl rufest, ich flehe dich demüthig an, du wollest die göttliche Kraft des Blutes, welches mein liebster Heiland zur Vergebung meiner Sünden vergossen hat, auch mir ange= deihen lassen. Sende mir aus deiner himmlischen Wohnung dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich zu deiner heil. Tafel leiten, und ich daselbst die Empfindung deines Friedens, und die Gnade deines heiligen Geistes empfange. Reinige mein Herz, damit ich es demjenigen opfern könne, welcher sich selbst für mich gegeben hat. Erfülle meine Seele je mehr und mehr mit Buße, Glauben, Liebe, Eifer, Freudigkeit und Dankbarkeit. Gott! mein Herz sagt mir 592 Gebet nach dem um deinetwillen, ich soll dein Angesicht suchen. Ich suche es, o Herr! erlöse deinen Knecht, der( deine Magd, die) auf dich hoffet, Amen. Gebet nach dem heiligen Abendmahl. Allgenugsamer Gott, du einiges und höchstes Gut und bestes Vergnügen aller Frommen! in dir allein findet mein Herze seine beste Ruhe, und in deiner Gnade die höchste Freude. Die Welt mit allem dem, was sie Herrliches hat, gleicht den Aepfeln zu Sodom, die auswendig schön und inwendig voll Asche waren. Die Sünde mit ihrer kurzen Lust gebiehrt doch lauter Unlust, und zieht nach sich die Hölle und Ver dammniß. Ach Gott! laß mich doch alles wohl bedenken, und nicht lieb haben die Welt, noch alles, was in der Welt ist; denn die Welt vergehet mit ihrer Lust, Augenlust, Fleischbesluft und hoffärtiges Leben. Herr! wenn ich nur dich habe, so habe ich genug, heiligen Abendmahl. 593 wenn ich auch sonst in dieser Welt wenig oder nichts hätte. O wie wohl ist meiner Seele, wann ich an dir einen gnådigen Gott, und in mir ein unverleßtes Gewissen habe. Die Welt weißt von dieser Ruhe des Gewissens nichts, die deine Heiligen höher achten, denn aller Welt Schäße. Sey nun wieder zufrieden, o liebe Seele! denr der Herr thut dir Gutes. Er hat dich gespeiset an seiner Gnadentafel mit dem gekreuzigten Leibe, und dich erquicket mit dem vergossenen Blut seines allerliebsten Sohns. O große Gnade! darum lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Erhalte doch, o großer Gott! in meinem Herzen diesen Fries den mit dir, und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allen Leiden durch den Trost deines heiligen Geistes. Unsere Trübsal, die zeitlich P v 594 Der glaubige Christ lobt Gott und leicht ist, schaffet doch eine über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Es wird doch noch eine Zeit kommen, da du mich bringen wirst an den Ort der vollkommenen Ruhe. Da werde ich schauen dein Antlik in Gerechtigkeit, und satt werden, wann ich erwache nach deinem Bilde, Amen. Der glaubige Christ lobt Gott an dem wieder erlebten Geburtstage. Aufmunterung. Psalm 116, v. 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er täglich au mir thut? Geburtstage sollen billig Lob. und Danktage seyn, welche wir mit Beten und Singen, und innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen. Wahre Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Gute, 1) daß er sie von christlichen Eltern hat laffen geboren werden, welche sie zur Erkenntniß des Heils in Jesu Chrifto gebracht haben. 2) Daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand ges geben. 3) Sie vor Unglück bewahrt, und aus an dem wieder erlebten Geburtstag. 595 Gefahr errettet, und bisher erhalten hat. 4) Sie bitten Gott zugleich demüthig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in findlichem Gehorsam und Frömmig. keit hinzubringen. 5) Sic trösten fich, wenn sie also im Glauben und Liebe verharren, daß Gott ferner seine Gnadenflügel über sie ausbreiten werde. 6) Sie erinnern sich, daß dieses wohl die legte Feier des Geburtstags auf Erden könne gewesen seyn. Gebet. & miger, gütiger und barmherziger Gott! ich habe heute durch deine Gnade wieder meinen Geburtstag er= lebt. Dieser Tag soll mein Lob-, Betund Danktag seyn. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gu tes gethan hat. Preiset mit mir den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott! daß du mich nicht allein mit gefunden GliePp2 596 Der glaubige Christ lobt. Gott na dern, sondern auch von christlichen Eltern hast lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß, o dreieiniger Gott! von Jugend auf angeführt haben? Bin ich nun in deinen Armen auferzogen worden, so hast du mich in den folgenden Jahren geleitet, begleitet, haft mir Nahrung und Kleidung gegeben, und mich bis diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach, mein Gott! ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Kommet her, höret zu, ich will erzählen, was der Herr an meinem Leibe und an meiner Seele gethan hat. Aber ach! ich kann es nicht alles erzählen, es möchte eheJemand die Sterne am Himmel zählen, als dieGngdengaben, die ich von dir empfangen habe. Aus wie vielGefahren hast du mich errettet? wie viel Unglück abgewendet? Dein Geist hat mich gelehrt, regiert, ge führt, und wann ich fündigen wollte, mich inerlich gestraft und zurückgezogen. Werden nun meiner Jahre viel, mein an dem wieder erlebten Geburtstage. 597 Gott! sind deiner Wohlthaten viel, so denke ich heute auch an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach verzeihe mir dieselben um Jesu Wunden willen, tilge sie mit deinem heiligen Blute, und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir auf deinem Buche angeschrieben hast, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringen möge, auf daß dir all mein Thun und Leben wohl gefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel geseßt hast, so bewahre mich, daß ich es mir nicht abkürze durch Zorn, Uns måßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Frevelthaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schuß glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergångliche das 598 Der glaubige Christ danket Gott ewige und himmlische Leben um Jesu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Lob und Dank feiern, und singe jetzt: Nun lob mein Seel den Herren, was in mir ist, den Namen sein; sein Wohlthat thut er mehren, vergiß es nicht, o Herze mein; hat dir dein Sünd vergeben, und hielt dein Schwachheit groß, errett dein armes Leben, nimt dich in seinen Schoos, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt dem Adler gleich, der König schafft Recht, behütet die Leiden in seinem Reich, Am. Lob- und Danklied am Geburtstag. Mel. O Gott! du frommer Gott. Sieß ist der Liebe Tag, den hat mir Gott geschenfet, daran mein froher Geist mit tausend Luft gedenfet, was seine Treu und Güte bisher an mir gethan, drum stimm ich ihm zu liebe ein HerzensDanflied an. 2. Dieß ist der Tag, da ich bin in die Welt gekommen, und bin in meiner Lauf zu Gnaden aufgenommen, da mich mein Jesus hat durch sein Blut rein gemacht, und mich zu seinem Licht durch seinen Geist gebracht. an dem wieder erlebten Geburtstag. 599 3. Ich habe klein und arm der Sonnen Licht erblicket, ganz nackend ohne Kleid, doch Gott hat schön geschmücket den Leib und auch die Seel. Ich habe nichts von mir, was ich nun bin und hab, das kommt allein von dir. 4. Du reicher guter Gott! o wie viel Gnadengaben hast du mir mitgetheilt, die mich erfreuet haben: Gesundheit, Glück und Heil, des heiligen Geistes Licht, ergößt mich alle Tag, ach! ich weiß alles nicht. 5. Ja, ich weiß alles nicht. Mir würd's an Worten fehlen, wann ich der Gnadenfüll und Menge wollt erzählen. Drum sprech ich: Ruhm und Preis sey Gott, auch Dank und Ehr, der Wohlthat ist viel mehr, als Sandes an dem Meer. 6. Auf, jauchze heut mein Herz, laß auch die Stimm erklingen, ich will dir, treuer Gott! ein Freudenopfer bringen, der meinen Leib bewahrt, und meinen Geist erblickt, und mich bis diese Stund mit seinen Gaben schmückt. 7. Du wollest auch zugleich, o Vater! mir vergeben, womit ich dich betrübt in meinem ganzen Leben; lösch aus mit Christi Blut die Schuld und Missethat, womit dich Herz und Mund und That. erzürnet hat. 8. Ich will durch deine Gnad hinfort nicht vort dir weichen, laß mich des Lebens Ziel in dieser Welt erreichen, das du bestimmet haft, daß ich in Frömmigkeit, hinbringe dir zum Preis, die übrige Lebenszeit. 9. Das Ende meiner Tage verbleibet mir verborgen, drum will ich allermeift für meine Seele sorgen. Mein Herze liebet dich bis an das Lebensziel, es mögen meiner Jahre seyn wenig oder viel. 000 Gebet eines Christen am Geburtstag. 10. Indessen leg ich mich in meines Jesu Wunden, ich hab in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; das theure Jesus- Blut macht mich von Sünden rein, ich bleibe, weil ich leb, und auch im Tode sein. 11. So oft ich diesen Tag werd wiederum er leben, so will ich Herz und Mund zu dir, o Gott! erheben. So fang ich dieses Jahr als neugeboren an; ach es ist lauter Gnad, was du an mir gethan. 12. Ich feire diesen Tag mit innigstem Vergnügen, und will vor deinem Thron gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, ein jedes Tröpflein Blut soll rühmen, was an mir dein treues Lieben thut. 13. Nun ich befehle bir bis an mein letztes Ende, mein Leib und meine Seel in deine Vatershände. Bleib doch mein Lebenslicht, mein Tröfter, Helfer, Stab, bis ich in dir, durch dich den Lauf vollendet hab. 14. Und weil ich weiß, daß ich nicht werde ewig leben, so wolleft du aus Gnad den Himmel mir dort geben, so bin ich reich genug, und glücklich g'nug auf Erd', wann ich bei dir, o Gott! im Himmel leben werd. Ende des vierten Theils. Register der Gesänge. SCER A Ach daß sich doch Gottes Liebe Ach geh nicht ins Gericht Ach Herr! stärke meinen Glauben Ach komm doch in mein Herze Ach mein Gott! hilf mir doch Ach wie lang soll ich noch kämpfen Ach wo ist nun mein Gott.. Aufgelöset bald zu werden 9 S Das Pfingstfest freuet mich Demuth ist die schönste Tugend Der Engel güldnes Heer. Der Fried ist nun geschlossen Der Sonntag ist des Herren Tag. Die Erndt ist nan geschehen. Die Nacht ist nun vergangen Dieß ist der liebe Tag Du haft, o großer Gott Du willst, o lieber Chrift! dich & Ein Gotteskind zu seyn Es bricht der Sabbath an Es stirbt mein liebster Freund S ✦ Geht dirs wohl nach deinem Leiden Gottes Liebe, Gnad und Güte Gott Lob! das neue Jahr tritt ein Gott! wir hören deine Stimme. $ Hat dir dein Gott ein Kreuz Hat mich Gott denn gar verlassen Sie ist gut seyn. Hier ist Immanuel • ♦ 900 94 158 66 136 363 294 218 432 536 122 550 569 17 558 12 598 184 82 +312 22 507 55 142 500 196 337 226 410 480 Register der Gesänge. J Ich armer Sünder komme wieder Ich bin getauft, ich steh im Bunde Ich freue mich auf meinen Tod 602 Ich gebe mich in Gottes Willen Ich glaub an Gott, von dem wir alle lesen Ich flage dir, o Gott Ich lege mich in Jesu Wunden Ich liege hier vor dir. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe Sch trag mein Kreuze nicht alleine Ich sterbe gern Ich will anjeßo mich Ich will die neue Woch Ich will Jedermann verzeihen Ich will mich nach der Ruh umsehen Ich will mit frohem Muthe Ich will, o großer Gott Ich will von der Welt ausgehen Ich will, was Jesus will Jefus bleibet meine Freude Jesus fähret auf gen Himmet Jesus lebt, deß freu ich mich Ihr Todten stehet auf Ihr Waisen weinet nicht Ihr Wittwen seyd getroft In Gott bin ich immer fröhlich Ift dann die Liebe gar Ift Gott für mich Ist mein Gewissen frei K Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen. L Laffet doch den weisen Gott M Mein allergrößter Fleiß auf Erden Mein Gott! ich habe noch das Leben. Mein Gott! ich bin von Haus gegangen 4 ♦ 845 327 424 239 543 274 26 276 378 368 415 341 41 396 289 428 190 163 307 107 529 522 390 264 258 114 102 332 213 315 318 322 178 465 206 Register der Gefänge. Mein Gott, ich bin in fremden Landen Mein Gott, laß mich den Wunsch erreichen. Mein Gott! verlaß mich nicht Mein Gott! verzeuch doch nicht Mein Jesu, sey gepreiset Mein Stündlein nahet sich herzu Mein Vater, denk an mich Mich soll kein Kreuz von Gott Mit den scharfen Theurungs- Ruthen N Nun die Woche ist verflossen Nun ist meine Seel gespeiset Nun der Himmel bleibt verschlossen O O allerliebstes Seelenpfand D Jesu, meiner Seelen Licht O welch ein Freudenfest S Schaue doch das bittre Leiden Sich doch, wie mein Feind mich schmähet Sieb, es ist alles mir Sieh, es ist Gottes Segen Soll der Himmel allzeit weinen Soll ohn' die Heiligung 11. Unter meinem Schmerz und Weinen V Vater gieb mir auch die Gabe M Wann kommt mein Jesus doch. Wann wird Gottes Stunde kommen Wann wird mich mein Gott erhören Was für Jammer, was Was große Angst und Herzeleid Was soll ich Sünder nun anfangen Weichet, weichet nun von mir Welche füße Himmelsfreude. . 603 207 167 299 243 174 400 3146 222 575 154 355 589 350 177 486 509 128 147 557 585 71 281 87 252 235 248 564 580 159 278 419 604 Register der Gebete. Wer da will als ein frommer Chrift Wer Gottes Wort anhöret Wer in Kreuz und Trübsal stecket. Wer nicht wieder ist geboren Wie ist mein Herz erfreut Wie kann ich g'nugsam preisen. Wie lieblich ist dein Wort Wie sind wir so gar nichts Wohl dem, der Gott vertraut 0.1372 32 959 61 493 .884 piele in soods sid mel Register des täglichen Handbuch 8. Erster Theiltiszallo Morgen-, Mittag- und Abend- Andachten für Gesunde. 903 230 Der glaubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst Morgengebet am Sonntag. Der glaubige Christ bringet den Sonntag andächtig hin 13 Der glaubige Christ erwäget den dreifachen Sabbath 19 Abendgebet am Sonntag 92 30 Der glaubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Wort Morgengebet am Montag Der glaubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Der gl. Christ bittet um zeitl., geistl. und ewigen Segen Abendgebet am Montag 4 9 27 33 37 42 48 Der glaubige Christ dankt Gott für seine Gesundheit 51 Morgengebet am Dienstag Der glaubige Chrift freuet sich seiner Wiedergeburt 56 58 Der glaubige Christ bittet um Erhaltung des Glaubens 63 Abendgebet am Dienstag Der gl. Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen 70 Morgengebet am Mittwoch 67 75 Register der Gebete. Der gl. Chrift bittet, Gott wolle ihn v. der Welt abzieh. Der gl. Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten Abendgebet am Mittwoch Der glaubige Christ bittet um wahre Liebe zu Gott Morgengebet am Donnerstag, Der glaubige Christ bittet um Liebe zu dem Nächsten Der glaubige Christ will Jesu nachfolgen. Abendgeber am Donnerstag Der glaubige Christ erfennet, daß Gott allein das höchste Gut sey Morgengebet am Freitag Der glaubige Christ bittet um Demuth Der glaubige Christ bittet um Sanftmuth Abendgebet am Freitag Der glaubige Christ bittet um den heiligen Geist Morgengebet am Sonnabend ● Der glaubige Chrift erfennet die immerwährende Güte Gottes Der glaubige Christ bittet um Frömmigkeit Glaubige Eltern beten für ihre Kinder Fromme Kinder beten für ihre Eltern 605 78 83 88 90 139 Der glaubige Christ erwäget die fünftige Herrlichkeit 143 Abendgebet am Sonnabend 148 Der glaubige Chrift dankt Gott am Ende der Woche Der glaubige Christ bittet Gott seine Sünden ab Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde Der glaubige Christ will sich Gott zum Opfer geben Der glaubige Christ betet bei dem Genuß des heis ligen Abendmahls Der glaubige Christ betet auf der Reise Der glaubige Christ betet um ein gutes Gewissen 795 98 103 108 3 weiter Theil Für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes 111 115 117 123 129 132 137 150 155 159 164 179 185 Der glaubige Christ betet bei entstandenem Ungewitter 191 Der glaubige Chrift betet nach einem Gewitter 198 201 209 168 175 214 219 228 006 Register der Gebete. 235 240 Der Beträbte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes 227 Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen 231 Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 244 Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth Der Betrübte flaget über die Schwachheit seines Glaubens 265 Der Betrübte flaget über gotteslästerliche Gedanken 269 Dritter Theil ng Für Kranke. Morgengebet eines Kranten uno m. 150 Abendgebet eines Kranken Der Kranke bittet Gott um Geduld Gottes Beistand Beistand Der Kranke bittet um Gottes Der Kranke erfennet, daß er ein Mensch und sterblich sey Der Kranke ergiebt sich, Gottes Willen zu leben und zu sterben Der Kranke erkennet, daß Kreuz und Trübsal von Gott fommt ● Der Kranke erfennet den Nugen der Krankheit Der Kranke segt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht 249 253 259 ● 280 285 290 296 300 304 309 313 319 323 Der Kranke erinnert sich seines Taufbandes Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes 312 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen Der Kranke schickt sich zum Genuß des h. Abendmahls Der Kranfe bittet um Vergebung der Sünden Der Kranke betet vor dem Genuß des h. Abendmahls Der Kranke betet nach dem Genuß des h. Abendmahls 351 Der Kranfe betet, wenn er Arznei gebraucht Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen Der Krante seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen 361 Der Stranfe erinnert sich seines Todes 346 356 360 368 Der Kranke betrachtet sein Grab und Auferstehung 374 Der Kranke danket Gott nach erlangter Gesundheit 379 328 333 338 Register der Gebete. ierter Theil. Für Sterbende. 251 m Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung Der Sterbende nimmt Abschied und giebt den Sei nigen den Segen Der Sterbende befiehlt sich Gott ● Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. Der Sterbende erwäget die Verheißung Gottes Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben Der Sterbende bittet um ein seliges Ende Gebet der Umstehenden für Sterbende Seufzer, Sprüche und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen Seufzer und Gebete eines Sterbenden Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu ♦ . ● ● Segenswunsch über einen Sterbenden Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden Fest- Andachten. Der andächtige Christ erwäget Christi Ankunft im Fleisch Der andächtige Christ betrachtet die Geburt Jesu Christi 607 Der andächtige Christ betet am Beschluß des Jahrs Der andächtige Christ betet im Anfang des Jahrs Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi 386 392 397 401 406 411 415 420 425 429 433 435 458 473 473 474 475 481 488 493 502 Der andächtige Christ erwäget Chrifti Todestag oder den Charfreitag 509 Der andächt. Chrift freuet sich über Chrifti Auferstehung 517 608 Register der Gebete. Der andächtige Christ betrachtet Chrifti Himmelfahrt 524 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des 531 538 .. 545 beiligen Geistes Der andächtige Christ erwäget das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfest den Schuß der heiligen Engel Gebete bei besondern Gelegenheiten. Der andächtige Chrift danket Gott nach eingesammelter Erndte Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten Der glaubige Chrift lobet Gott nach erlangtem Frieden. Der glaubige Christ betet in Hungersnothi Der glaubige Christ betet in Pestzeiten Der glaubige Christ betet bei anbaltender nasser Witterung Der glaubige Christ betet bei anhaltender Hiße und ● Dürre. Gebet vor dem heiligen Abendmahl Gebet nach dem heiligen Abendmahl Der glaubige Christ lobet Gott an dem wieder erlebten Geburtstage . ● • 551 559 566 571 576 582 586 591 592 594 Tägliches Gebet- Büchlein für Schwangere, Gebårende und Sechswöchnerinnen; o enthaltend: Morgen- und Abend- Gebete, Aufmunterungen und Gesänge, wie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöthen zu sprechen und vorzusprechen, nebst Erinnerungs- und Trostgebeten für Unfruchtbare. Zur Ehre Gottes und Erbauung der christlichen Gemeinde herausgegeben von Johann Friedrich Stark, weil. evangelischem Prediger zu Frankfurt am Main. Reutlingen, Verlag von B. G. Kurg. 1847. 85 186 2 Th 18 MEN dun Japanas dan Vorrede an den geneigten und Gott liebenden Leser. It ein Werk, baran man Gottes Allmacht und Weis= augenscheinlich erkennen Empfängniß, der Wachsthum und die Erhaltung eines Kindes im Mutterleibe, und sodann die Geburt desselben. Hie mag die fluge Vernunft fragen und grübeln: Wie geht das zu? so wird sie doch nichts davon zu sagen wissen, wenn sie nicht mit der heiligen Schrift reden will, welche alle Ehre, allen Ruhm, alle Weisheit und Macht Gott allein zuschreibt, und also thut Gott alle Tage neue herrliche und unbegreifliche Wunderwerfe, wenn er ein Kind im Verborgenen bildet, erhält, die verschlossenen Bande öffnet und ans Licht bringt, ja auch her nach ihm zum Besten in der Mutter Natur also wirfet, daß ihre Speise und Trank nun nicht allein in Blut, sondern auch in süße Milch verwandelt wird. Wann David die Seelen in heiliger Betrachtung vorstellet, so dankt er Gott dafür, wenn er spricht: Ich danke dir dafür, daß ich wunderbarlich gemacht bin. Wunderbarlich sind deine Werke, und das erfennet meine Seele wohl. Es waren dir meine Gebeine nicht verborgen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erden, Pf. 139, v. 14. 15. Freilich macht der wunderbare Gott alles wunderbarlich über alles, was wir wissen und verstehen. Wann Hiob dieses göttliche Werk der Erschaffung und Bildung des Menschen erwäget, so spricht er: Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht, alles, was ich um und bei mir habe. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast. Hast du mich nicht wie Milch gemolken, 1* 4 Vorrede. und wie Käse lassen gerinnen, du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammen gefüget, Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem, Hiob 10, v. 10. 11. 12. Wenn wir diese und andere Redensarten der heiligen Schrift erwägen, so bleibt auch in diesem Werk Gott ein verborgener Gott, der Etwas aus Nichts macht, und stellt es dem Menschen zur Betrachtung und zur Verwunderung dar, daß er daraus Gottes Allmacht und Weisheit lerne. Beweiset aber Gott seine Weisheit und Allmacht in der Bildung des Menschen im Verborgenen, so leuchtet dieselbe noch herrlicher herfür in der Geburt; denn die kann kein Mensch befördern und glücklich machen ohne Gott. Es gebet aber in diesem Werk des großen Gottes, wie in andern göttlichen Werken und Wohlthaten; weil fie alle Tage geschehen, so achtet man sie gering, da sie uns doch zu Gott ziehen sollten, so daß man jegt fast nicht einmal mehr Gott bei der Geburt eines Menschen preiset, sondern es heißt mehrentheils: die Frau liegt im Kindbett, sie hat wieder ein Kind, und was dergleichen furze verächtliche Redensarten mehr sind. Gewiß, wann alle 25 Jahre der mit goldenen Sternet gezierte Himmel nur einmal erschiene, wie würden wir nicht die Nacht, da solches vorgienge, wachen, die Herr lichkeit betrachten, unsere Hände und Herz zu Gott er heben, und uns freuen, Gott loben und preisen! so aber, daß es öfters geschiehet, denkt fast Niemand an Gott Also gebet es auch mit der Geringachtung der Werke Gottes in der Hervorbringung eines Menschen zu. Da her auch Lutherus nicht unrecht gemeint, wenn er sagt: Wenn Gott seine Gaben auszutheilen und zu geben fär ger wäre, so würden wir ihm viel dankbarer seyn. Wenn er einen Menschen nur ließe mit einem Bein oder Fuß geboren werden, und gäbe ihm hernach in fiebenten Jahre das andere Bein, im vierzehnten Jahr erst eine Hand, und im zwanzigsten die andere, fo würden wir Gottes Gaben und Wohltbaten besſer erfen nen, auch viel lieber und werther haben. Bis hieher Lutherus. Vorrede. 5 Gottfelige Ehefrauen und wahre Chriften preisen Gott, wenn sie von der Geburt eines Kindes bören; beten und feufzen, wenn sie vernehmen, daß eine Person in solchem Werfe begriffen ist, weil sie wissen, daß ohne Gottes Gnade, Hülfe und Beistand fann fein Kind geboren werden. Ja, man sieht es zuweilen, wann Gott seine Hand ein wenig zurückhält, sein Angesicht verbirgt, seine Hülfe verzeucht, wie die Noth so groß, und wie die Umstehenden erblaffen, zu Gott schreien und sagen: Hie fann fein Mensch helfen, hie muß Gott helfen. Als nun das tägliche Handbuch für Gefunde, Betrübte, Kranke und Sterbende herausgekommen ist, so ist bald darauf dem Herrn Verfasser von dem weiblichen Geschlecht erwiesen worden, daß er des Zustandes der Schwangern, Gebärenden und Kindbetterinnen nicht gedacht, indem dieselben auch Trost und Unterricht gebrauchen. Und gewiß also, daß bei diesen Umständen das Gebet und Rufen zu Gott eines der heilsamsten Mitteln zu einer glücklichen Geburt ist. Denn fangt die Schwangerschaft an, da muß ja um Abwendung der Gefahren, des Schadens und um Verleihung des göttlichen Beistandes gebeten werden. Nahen sich die Nöthen herbei, so ist das Gebet und Fleben zu Gott der beste Anker, daran sich die durch Schmerzensfluthen geängsteten Seelen halten. Ist die Entbindung geschehen, und man tritt in das Wochenbett, wer wollte des Gebets, der Fürbitte und Danksagung vergessen? Auf diesen dreifachen Stand ist nun dieses Gebetbüchlein gerichtet, in welchem die Aufmunterung der Ehefrauen nügliche Erinnerungen mittheilt, das Gebet ihr Anliegen Gott vore trägt, und sodann ein Gesang die Andacht beschließt.. Zu den Sprüchen und Gebeten sind auch mitgezogen diejenigen, welche dem Herrn Verfasser von einigen christlichen Frauen an Händen sind gegeben worden, und die fie in dergleichen Fällen für erbaulich und erquickend schon gefunden haben. Weil aber etlicher Personen Ehestand unfruchtbar ist, die also dieser Gebete nicht bedürfen, so ist auch den Unfruchtbaren zu Gefallen eine Erinnerung und Trost angehängt, sammt einem Gebet und Gesang, damit sie 6 Vorrede. auch in diesem Fall fich Gottes Willen ergeben, in Gott fich erfreuen, und auch in diesem Stand im Vertrauen und Zuversicht auf die göttliche Liebe, Gnade und Hülfe mögen erhalten werden.. Du aber, o heiliger und starker Gott! sey der Schwangern Beistand, der Gebärenden Helfer, der Sechswöchnerinnen Schußherr, der Unfruchtbaren Troft und Zuversicht. Erquicke die Schwangern durch deine Stärke, erhalte sie durch deine Allmacht. Erfreue die Gebärenden durch eine fröhliche Entbindung, und schenke ihnen einen fröhlichen Anblick ihres geliebten Pfandes. Beschüße die Sechswöchnerinnen nach deiner Treue, bewahre sie vor allem Unfall, und verleihe ihnen einen fröhlichen Aus- und Kirchengang. Erwecke eine Freudigkeit bei den Unfruchtbaren, daß sie in deinen heiligen Willen ihren Willen ergeben. Stärke ihre Hoffnung und erhalte ihr Vertrauen. Segne auch die Arbeit zur Verherrlichung beines großen Namens, und zur Erbauung vieler Seelen, damit alle Leserinnen dadurch mögen ermuntert, erquickt und aufgerichtet werden, das thue durch deine Kraft, um Jefu Chrifti willen, Amen... Andachten für Schwangere. SA Die Schwangere verrichtet ihr MorgenGebet. Aufmunterung. Sin in jeglicher wahrer Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit gehet, sich dem Schuß und der göttlichen Gnade empfehlen, daß Gott seinen Leib und Seele in seiner gnädigen Obhut erhalten wolle. Soll aber ein jeder Mensch sich also in die Obhut Gottes empfehlen, wie vielmehr sollen es Schwangere thun. Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen: 1) Er wolle den Tag über sie in guten und heiligen Gedanken erhalten, damit sie an Gott denken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben, und mit ihm umgehen mögen. 2) Sie sollen Gott auch ihr Leben und Glieder befehlen, daß Gott wolle ihre Tritte bewahren, vor gefährlichen Fällen und anderem Unglück behüten. 3) Sie sollen auch ihre Frucht in die heilige Objicht Gottes fleißig empfehlen, daß fie möge wachsen, gestärket, wohl gebildet, und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllt werden. 4) Sonderlich aber sollen sie den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht alles übel nehmen, nicht alles genau suchen, oder sich über alles erzürnen, damit sie nicht über ihren Eigensinn und Zorn sich und ihrem verborge. nen Pfand Unglück, Krankheit oder den Tod gar Die Schwangere verrichtet verursachen. Werden sie sich also der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Troft, daß Gott seinem Engel über sie befehlen werde, der sie behüten wird auf allen ihren Wegen. 8 Morgen- Gebet. Herr Gott Vater, was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was du hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sey Lob, Ehre und Preis und Dank gesagt in dieser Morgen- Stunde und in alle Ewigkeit, Amen. du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott! der du selbst bist das Licht, bei wel chem ist kein Wechsel des Lichts und der Finsterniß, ich danke dir von Grund meiner Sees le, daß du mich in dieser Nacht so gnå: diglich bewahret, und mich dieses fröhliche Morgenlicht wieder haft erleben lassen. Odu Licht meiner Seele! gieb auch diesen Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, im Vertrauen und Hoffnung mdge gestärket werden. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich denken, in dir mich erfreuen, und deiner Gnade mich getrösten möge. Gieb, daß ich an diesem Tage nicht vorsäglich wider dich fündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder Gottes dir diene und vor dir wandele. Stelle mir deine allerheiligste ihr Morgen- Gebet. 9 Gegenwart vor Augen, damit ich dadurch möge desto mehr aufgemuntert werden, in der Heiligung fortzufahren, und dich nicht zu bes leidigen. Ich befehle dir Leib und Leben, Schritt und Tritt. Du hast mich, o du Gott aller Güte und Gnaden! in einen besondern Zustand gesetzt, darin ich auch deines besondern Schußes und Beistandes benöthigt bin. Darum bitte und flehe ich demüthig: o du Schußherr deiner Kinder! behüte meinen Ausgang und Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deine Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre mich, stårke mich, erhalte mich. Vertreibe von mir alles, was mir schädlich ist, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich den Abend wieder unter deinem Schuß erleben, da ich dir fröhlich danken will für alle Wohlthaten, die du mir an Leib und Seele so gnädig erwiesen hast. Nun der Herr segne mich und behüte mich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mich, und sey mir gnådig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Die Gnade des Vaters schuße mich, die Liebe Jesu decke mich, und des heil. Geistes Beistand erhalte mich jetzt und alles zeit. Ach! segne mich im Schlaf und Wachen, ach! segne meinen Schritt und Tritt, ach! seg 10 Die Schwangere verrichtet ne mich in allen Sachen, und theil mir deinen Segen mit, laß mich gesegnet seyn von dir, und nimm den Segen nicht von mir, Amen. Gesang. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. ch erblick die helle Sonne, nachdem nun die 3 nacht ist Bonne, sus ist mir schon im Sinn, mit ihm hab ich hingebracht die vergangene finstere Nacht, mit ihm bin ich aufgewachet, welches mich vergnüget machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen mit dir, Jesu, meine Freud! beten, loben, danken, singen, soll seyn meine Arbeit heut; Jesus, meine Zierd und Ruhm, meiner Seelen Eigenthum, der kommt nicht aus meis ner Seelen, dem will ich mich anbefehlen. 3. Ach! regiere meine Tritte, wende schweres Fullen ab, ach! behüte meine Schritte, stärke die verborgne Gab; ich befehl dem meine Frucht, welchen meine Seele sucht. Ach Herr! laß sie vor dir leben, und wollst ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, stehe mir in Gnaden bei, deinen Engel wollst du senden, daß er immer bei mir sey; wenn ich gleite, halte mich, sich, ich halte mich an dich; vor Erschrecken und Gefahren wollest du mich, Herr! bewahren. 5. Laffe seyn mein Herze still, ohne Zorn und Bitterkeit, daß mein Geist, Gemüth und Will, bleibe in der Frömmigkeit; Jesu, o mein Trost und Schild! laß dein lieblich. Jesus- Bild immer mir vor Augen schweben, in dem, was ich will anheben. 6. Jesus bleibt mir in Gedanken, Jesus schwebt in meinem Sinn, von ihm soll mein Herz nicht wanfen, er ist mein, wo ich auch bin. Meinen Jesum laß ihr Abend Gebet. 11 ich nicht, Jesus, meiner Seelen Licht, ist bei mir auf meinen Wegen, und ertheilet mir den Segen. 7. Hat darin, Jesu! dein Begleiten, meinen Schritt und Tritt bewacht, so will ich die Hand ausbreiten, nun bei angebrochner Nacht, will ich danken deiner Treu, welche alle Morgen neu, und mit Beten, Danken, Flehen, mit dir auch zu Bette gehen. $ Die Schwangere verrichtet ihr Abend- Gebet. Aufmunterung. welch eine große Wohlthat ist es, wann Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben läffet, wann er bei dem Niederlegen zu seiner Ruh sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welch herrliche Ruhe ist das, wenn man im Frieden mit Gott, im Frieden mit seinem Gewissen, im leiblichen Frieden und Vergnügen sich zur Bette begiebt; da kann der Mensch zum Lobe des dreieinigen Gottes fegen: Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Schläft er mit dankbarem Herzen und mit einem Gott lobenden Munde ein, so wird die nöthige Nachtruhe auch von Gott gesegnet seyn. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, Augen und Mund zu Gott erheben, wenn sie den Tag glücklich vollbracht haben, sie sollen Gott danken für ihre Erhaltung, für seinen Schutz und Gnade, und sollen sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit ferner empfehlen. Sie sollen Gott anrufen, er wolle abwenden, 1) allerlei Schrecken und Unglück, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangern öfters in die größte Gefahr können gesetzt werden. 2) Er wolle sie vor Krankheit und Schmerzen behüten. 3) Er wolle feine Segens. Flügel über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet seyn lassen. 12 Die Schwangere verrichtet Abend- Gebet. und Gott! ich erscheine vor deinem allerheiligsten Angesichte mit fröhlichem Herzen. Herr! wie theuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen; ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus- und eingegangen, unter demselben bin ich bewahrt worden, kein Unfall hat mich berührt, sondern habe munmehr den Abend gesund erreichet. Gelobet sey die Liebe des himlischen Vaters, der mich als sein Kind auf seinen Armen getragen bat. Gelobet sey Jesus Christus, mein Heiland, der mich an seiner Hand geleitet hat, daß mich kein Unfall hat stürzen können. Gelobet sey Gott, der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, bleibe auch diese Nacht bei mir. Breite deine Güte, Herr! Herr! über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und Seele vor allem Unfall; laß mich im Schlatim r mit dir umgehen, damit, wenn ich erwa, ich annoch bei dir sey. Siehe, ich weiß keinen Hel fer, denn nur allein dich, du Gott Ifraels. Laß deine Engel neben und um mein Bette was chen, daß mir und dem, was du mir aus Gnader verliehen, nichts schädlich seyn könne. Treiße aus meinem Herzen alle Sorgen, ihr Abend- Gebet. bdse Gedanken und falsche Einbildungen, treibe von meinem Bette und von meinem Hause alles, was mir Schaden und Unglück bringen kann. So lege ich mich dann in die Arme meines Gottes nieder, ich schlafe in den Armen meines Jesu, seine Linke ist unter meinem Haupt, und seine Rechte decket mich. du mein Schöpfer, Erldser und Heiligmacher! sey und bleibe bei mir. Du dreieiniger Gott! bist mein Licht und mein Heil; vor wem follte ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja, mir grauet vor nichts, weil Gott bei mir ist; ich fürchte mir nicht, weil ich Jesum bei mir habe. Ifts finster um mich, Jesus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der heilige Geist ist mein Trost und Beistand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schuß vorübergehen, daß ich errettet, beglücket, bewahret, erhalten die liebe Sonne erblicken möge! da soll mein Mund dich mit Freuden loben, und dir danken für alles, was du Gutes mir gethan hast. So oft die Nacht mein' Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen, so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dieß seyn mein Verlangen, daß ich mit lautem Schall mocht rufen überall: Jesu, Jesu! du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. So will ich dann nun schlafen ein, Jesu! in deinen Armen, dein' Aufsicht soll die Decke seyn, mein Lager dein Ers barmen, mein Kissen deine Brust, mein 13 14 Abend- Gebet einer Schwangern. Traum die süße Lust, die aus dem Wort des Lebens fließt, und dein Geist in mein Herz eingießt, Amen. Gefang. Mel. Werde munter mein Gemüthe. ich, die Sonn will von uns gehen, Jesu! geh doch nicht von mir, in der Noth will er auch stehen bei mir an dem Bette hier; o wie wohl bin ich bewacht, wenn auch in der finstern Nacht, Jesu Hände mich bedecken, daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Darum will ich mich ergeben, Jesus! deiner Treu und Gnad; ach! erhalte mir mein Leben, und was mir geschenket hat deine gnadenreiche Hand: du kennst das verborgne Pfand, auf das laß den Segen fließen, und mich deinen Schuß genießen. 3. Sich, hie bin ich, Menschenhüter, ach! behüt mich vor Gefahr, schütz die Meinen, Haus und Güter, wache bei mir immerdar; wenn ich schlaf, ſo wache du, decke du mich selbsten zu, laß mich sanft. und ruhig schlafen, unter deiner Engel Waffen. 4. Ich leg mich in Jesu Armen, ich leg mich in Jesu Schoos; o wie groß ist sein Erbarmen! seine Liebe ist sehr groß; sein Erbarmen ist mein Licht, seine Lieb verläßt mich nicht, so bin ich im Licht umgeben, wann ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun mit Jesu will ich schließen meine müden Augen zu, Jesu! ach laß mich genießen cine sanft und süße Ruh, segne mich und auch mein Kind, un auch die, so um mich sind; vor Angst, Schrecken und Gefahren wollest du uns, Herr! bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, wann ich ausgeschlafen hab, laß mich einstens fröhlich sehen, die Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. 15 annoch verborgne Gab; wenn ich gehe aus und ein, laß mich dir empfohlen seyn, laß kein Unglück, Herr! aus Gnaden, mir und meinem Kinde schaden. 7. Ich leg mich mit Jesu nieder, mit ihm steh ich wieder auf, und sing alsdann Freudenlieder, und vollführe meinen Lauf; Jesu! ich befehl mich dir, Jesu! weiche nicht von mir, so sprech ich in Jesu Namen nach dem Beten fröhlich Amen. Tägliche Betrachtungen einer Schwangern. Aufmunterung. Mann Gott eine Ehefrau den Chefegen empfin den läffet, so soll sie sich herzlich darüber erfreuen, und Gott dafür danken; aber sie soll sich auch vorstellen, 1) daß in diesem Stande fich viele Schmerzen und Beschwerlichkeiten einfinden, 2) daß Gott ist ein gnädiger Gott, der ihnen wird dieselben lindern, ein mächtiger Gott, der sie kann ihnen wieder abnehmen. 3) Kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall, so sollen sie sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sey, der sie als sein Kind nicht verlaffen werde; denn wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihnen wird Kraft geben, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen gar schwer vorkommen, daß sie meinen, sie können es nicht ausstehen, so sollen sie sich erinnern, daß bei Gott nichts unmöglich ist, und wenn er ein Wort spricht, so müssen. fich die stolzen Wellen und Schmerzen des Leidens und der Beschwerlichkeit legen. 4) Sollten die Schmerzen lange anhalten, so soll ihr Vertrauen " 16 Tägliche Betrachtung darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern gedenken, Gott habe die Stunde schon bestimmt, da er wieder helfen will. 5) Sprechet ihr aber: es laffen viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so antworte ich: Gott hat einem Jeden seine Todesstunde bestimmt. Wiffen nun Schwangere Erempel derer Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so sehen sie auch viele Erempel derer, welche glücklich entbunden, und fröhliche Kindermütter geworden sind; ja deren Anzahl ist ungemein größer, die der Herr crwünscht erlöset und ihnen ausges holfen hat, als derer, die in dem Stande gestorben find. Wann nun aber unter fünfzig oder hundert kaum eine gestorben und neun und neunzig fröhlich geboren haben, so ist das wider den Glauben und Liebe zu Gott, sich allezeit das Aergste oder das Schlimmste vorstellen wollen. Darum saget: der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, der wird mir auch helfen und mir auch beistehen, und darauf verlaffet euch von Grund eurer Seele, widersprechet allen zweifelhaften Gedanken, und schauet hingegen auf die mächtige und starke Hand Gottes. 6) Auch sollen sich Schwangere faffen, daß sie nicht durch Zorn und Eigensinn sich selbst den Tod bringen; dann weil ihnen in dem Stande als les schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer auf sich Acht geben. Es ist an vielen schwangern Weibern gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu schelten, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornia, boshaftig und empfindlich sind; alle Tritte und Schritte, so die Ihrigen thun, sind ihnen nicht recht; fie erzürnen sich über alles; keine Speise, fein Wort, fein Stuhl ist ihnen recht; da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Ulnart beten. Ja, ich einer Schwangern. 17 gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken wann ihre Frucht in solchem verbitterten Geblüt wächst, ob sie nicht schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die so ein widerspenstiges Gemüth haben, wie die Mütter in der Schwangerschaft gehabt haben. 7) Weil christliche Ehefranen gerne in solchem Stande zum heil. Abendmahl gehen, so haben sie desto mehr Ursache, sich selbst und ihre Frucht dem Herrn Jefu zu übergeben, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung zu bleiben. Gebet. Heili eiliger, gütiger und barmberziger Gott, ich komme zu dir, meine Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung dir vorzubringen. Du hast, o großer Gott! mir den Ehesegen widerfahren lassen, dafür ich dir von Grund meines Herzens danke, u. bitte dich, gönne mir auch zu seiner Zeit einen fröhlichen Anblick. Weil du aber, o gerechter Gott! auf diesen Stand viel Schmerzen gelegt hast, so nehme ich denselben unter deinen Beistand willig auf. Kommen demnach bittere Stunden, schmerze bafte Tage, schlaflose Nächte, Herr mein Gott! so weiche nicht von mir, ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all mein Leiden lindern, du bleibst auch mitten in den Leiden u. Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothhelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnådiger Gott. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja, fast unerträglich 2 18 Tägliche Betrachtungen werden, so will ich doch darum nicht verzagen. sondern mich erinnern, daß du, getreuer Gott! mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, damit ich es ertragen könne. Wenn ich seufze: ach! wie lang, ach! lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir; so gedenke doch an deine Hülfsstunde, und laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott! deine Allmacht vor Augen, daß ich nicht erschre den möge, wenn etwa Andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krankheiten ausstehen, ja gar in der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann mir bestån dig in meinem Gemüth eingeschrieben bleiben, wie des Jahrs über so viel hundert Schwan gere glücklich entbunden, die wenigsten aber von dir in der Geburt von der Welt abgesondert werden. Hilf mir in der Geburtsstunde, und erfreue mich mit einem gesunden und wohl gestalteten Kinde. Solltest du aber beschlossen haben, mir in diesem Stande mein Lebens ende zu bescheren, Herr! so geschehe dein Wille. Gieb mir aber, o mein Gott! indessen deinen beiligen Geist, der mich immer bei gu ten Gedanken erhalte; gieb mir einen stillen und sanften Muth, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod bringe. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des Gemüths ausge: einer Schwangern. 19 rüstet werden, laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne, und meine Traurigkeit in Freuden verkehren. Nun, Herr mein Gott! ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach! erhöre mich nach deiner Güte, errette mich nach deiner Verheißung, erbarme' dich meiner nach deiner Treue, hilf mir nach deiner Liebe, erfreue mich nach deiner Gnade, Amen. Gottseliger Umgang einer glaubigen Seele mit Gott. Gesang. Mel. Zion klagt mit Angst und Schmerzen. ch will stets mit Gott umgehen, er soll immer bei Ihme auf the wann gehe aus und ein; ohne ihn geh ich nicht aus, er ist auch bei mir zu Haus, ich kann nicht mehr ohn' ihn leben, nachdem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll stets an ihn denken, Gott ist, der mein Herz erfüllt, ich will es in ihm versenken, es soll seyn mit Gott umhüllt; scht, ich denke nun nicht mehr, Gott ist der Gedanken Herr, Gott ist alles mir in allen, ohn' Gott kann mir nichts gefallen. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen, Gott im Herzen, Gott im Mund; mein Mund soll davon ausbrechen, was da liegt im Herzensgrund; was mein Mund nur immer spricht, ist zu Gottes Ruhm gericht; Gott im Herzen, Gott in Worten, von Gott sprech ich aller Orten. 4. Mein Aug soll stets nach ihm schauen, dann Gott find ich überall, nicht nur in den Himmels- Auen, 2* 20 Gottfeliger Umgang 2c. sondern auch im Thränenthal; wo mein Auge nur blickt hin, da ist Gott in meinem Sinn, mich dünft, daß er vor mir stehe, wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit und Geschäften, da vergiß ich Gottes nicht, arbeit ich aus allen Kräften, bleibt mir Gott doch vor Gesicht; so bleibt mir die Arbeit leicht, weil mein Gott nicht von mir weicht; ohne Gott kann ich nichts machen, er muß seyn bei allen Sachen. 6. GB ich, so will ich empfangen von ihm alle meine Speis, trink ich, so ist mein Verlangen, daß zu meines Gottes Preis, dieses alles mir gedeih, und daß er stets bei mir sey, und mir Speis und Trank darreiche, und auch da nicht von mir weiche. 7. Will ich mich zu Bette legen, wann ich bin der Arbeit los, so ertheilt er mir den Segen, und ruh ich in seinem Schoos; ich schlaf in ihm sanfte ein, bin auch nicht im Schlaf allein, weil er sich nah zu mir machet, und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, steh ich mit Gott wieder auf; mein Verlangen, Sehnen, Sors gen ist, daß ich den Lebenslauf mit Gott führ, und daß fein Tritt, ja, fein Wort, kein' That und Schritt, feye meinem Gott zuwider, bis mein Haupt fich leget nieder. 9. Von Gott kann mich nichts abtreiben, Elend, Jammer, Kreuz und Leid, dieser Umgang soll auch bleiben, hie und dort in Ewigkeit; Leiden scheid't mich nicht von Gott, feine Trübfal, Angst und Noth, weil mich Gott nicht kann verlassen, so lang ich ihn werd umfassen. 10. Mein Umgang wird nicht zerrissen, wann zer reißt das Lebensband? Warum sollt ich das nicht wissen? hat er doch in seine Hand mich gezeichnet, daß er mich, will beglücken ewiglich, ja mir auch nach diesem Leben dort die Himmelskrone geben. 10 Die Schwangere erwäget 2c. 21 11. Ich werd auch mit ihm umgehen, wann ich bort im Himmelsglanz werd vor seinem Throne stehen, und von ihm durchstrahlet ganz werde gleich den Engeln seyn, ganz verkläret, hell und rein, und in Freuden, Licht und Wonne, leuchten wie die güldne Sonne. Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gleichwie Gott den Ehestand ſelbst eingeſetzt, und durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, daher er auch zu unsern ersten Eltern in dem Paradiese sprach: Seyd fruchtbar und mehret euch; also hat auch eine gottselige Ehefran sich in Gott zu erfreuen, wann sie solche Fruchtbarkeit vermerket. Sie soll dabei gedenken: 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, welche er etlichen giebt, andern aber versagt, damit die Menschen nicht etwas möchten ihrer Kraft zuschreiben. 2) Sobald nun eine Ehefrau einen solchen Segen Got. tes verspüret, soll sie gedenken: Gott habe in Gnaden an sie gedacht, wie es von Sara und Rahel heißet: Und der Herr gedachte an Sara, der Herr gedachte an Rahel. 3) Hierauf nun soll sie Gott danken, und glauben, ihr gegenwärtiger Stand scy von Gott, der habe ihr diesen Segen ertheilt. 4) Finden sich Schmerzen und Beschwerlichkeiten ein, so soll sie gedenken, daß Gott sie zu diesem Stande verord* net habe, aber daß er darum sie nicht verlassen wolle, sondern daß sie desto mehr ihr Vertrauen auf ihn setzen soll, da sie dann empfinden wird, wie der Herr alles herrlich machen wird. 5) Sie soll zu dem Ende im Gebet anhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe Jefn 22 Die Schwangere erwäget und wahren Frömmigkeit verharren, und versichert seyn, sie stehe in einem seligen und einem Gott wohlgefälligen Zustand, darin sie sich des Beistandes und der Hülfe Gottes getrösten könne. Gebet. D du liebreicher Gott und Vater! wie kann ich genug deine Vatertreue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und gesezet hast. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingesetzet sey. Du weißt, Herr! daß ich keines Mannes begehrt habe aus Leichtfertig keit, und meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzüchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mañ aber zu nehmen habe ich gewilliget in dei ner Furcht, in Keuschheit, dir zur Ehre. Dadu denn auch in Gnaden an mich gedacht, und eine Frucht des Leibes mir bescheret hast, so nehme ich solche als ein Geschenk von deiner Hand auf. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren. Sey in dem Stande mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre. Sey in diesem Stande mein Geleitsmann, der mich schüße, begleite und bewahre. Sey in diesem Stande meine Zuflucht, bei dem ich mein Herz ausschütte, der mich erfreue, wann ich betrübt bin, der mich erquicke, wann ich matt bin. Sey in diesem Stande mein Hel 23 ihren Gott wohlgefälligen Stand. fer, der mich versichere, ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Sey in die sem Stande mein Beistand, wann sich etwa Schmerzen und Beschwerlichkeiten einfinden sollten. Sey in diesem Stande mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande öffne, mich fröhlich entbinde, und mich erfreue. Sev in diesem Stande, o mein himmlischer Vater! meine Stärke; ach! trage, erhalte, stårke und erquicke mich. Sey in diesem Stande, o Jesu! mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete, und mein schwaches Gebet vor Gott bringe. Sey in diesem Stande mein Tröster, o Gott heiliger Geist! der mich tröste, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes sey, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hülfe versichere. Ja, du dreieiniger Gott! fey mit mir in diesem Stande, so werde ich wohl beglücket, beschützet, bewahret und errettet bleiben. Herr Jesu! leite meinen Gang, daß ich forthin mein Lebenlang nach deinem Willen walle; behüte mir mein' Seel und Leib, mich selbst in deine Hände schreib, damit ich ja nicht falle. Ach gieb mir, Jesu! deine Wunden alle Stunden zu betrachten, und die Welt für nichts zu achten, Amen. Gefang. Wie Mel. Allein Gott in der Höh' sey Ehr. ie hat der große Gott doch mich in Gnaden angesehen, wie hat er doch so gnädiglich erhört mein 21 Die Schwangere erwäget ihren Stand. glaubiges Flehen, so daß mein höchst erfreut Gemüth, erkennet seine Wundergüt, dafür sey Gett gepriesen. 2. Ist nicht mein Schöpfer, der da hat mir Leib und Seel gegeben, und fristet mir aus lauter Gnad das mir geschenkte Leben; ja, was ich habe in der Zeit, das kommt von seiner Gütigkeit, dafür sey Gott gepriesen. 3. Es hat mich Jesu theures Blut befreit aus Sae tans Stricken, und dieses allerhöchste Gut will mich auch stets erquicken, ja, dieses Blut das macht mich rein, darinnen werd ich selig seyn, dafür sey Gott geprieſen. 4. Es ist mir auch der heil'ge Geist zur Heilic gung gegeben, der mir den Weg zum Himmel weist, mich führt im ganzen Leben; er weiht mein Herz zu seinem Haus, und treibet alle Sünd hin aus, dafür sey Gott gepriesen. 5. Er theilet ferner mir auch mit den längst erwünschten Segen, er segnet meinen Schritt und Tritt in allen meinen Wegen; ja, was ich mit Gott immer thu, da fließet lauter Segen zu, dafür sey Gott gepriesen. 6. Sollt Leiden, Angst und Schmerzenswuth auf mich auch einst losgehen, so will er in der Trübsalsfluth mir doch zur Seite stehen, er hilft, wann Niemand helfen kann, er ist mein Trost und Helfersmann, dafür sey Gott gepriesen. 7. Ach! wie hat er so väterlich bishero mich geleis tet, und seine Gnade über mich die Flügel ausgebreitet. So leb ich dann in seiner Hut, und habe in Gott guten Muth, dafür sey Gott gepriesen. 8. Ja, wie kann doch mein schwacher Mund die Wohlthat her erzählen, viel Gutes thut er jede Stund dem Leibe und der Seelen. Er liebet, führet, leitet mich, ja er versorgt mich mildiglich, dafür sey Gott gepriesen. 9. Und was für große Herrlichkeit will er mir 25 Die Schwangere dantet Gott borten geben, daß ich in jener Ewigkeit bei ihm mög ewig leben; drum wann ich sterb, so sterb ich nicht, ich komm zu Gott, zur Freud, zum Licht, dafür sey Gott gepriesen. Die Schwangere danket Gott für ihre in Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Mann eine gottfelige Ehefrau die Fruchtbarkeit merket, so soll sie 1) Gott dafür danken, und fich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr auch nun ertheilet. 2) Hierauf soll sie behutsam wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sitsamkeit, Sanftmuth und christ. licher Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige Arbeit, unbedächtliche Geschäfte, vorwigiges Tragen und Heben, boshaftigen Zorn nnd andere Frechheiten geschehen kann. 3) Soll sie alsdann, wann sie merkt, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen, und ihn anrufen, er wolle fie bilden, erhalten, stärken, bewahren und zu seiner Zeit fröhlich an das Licht bringen. 4) Sie soll wider die Beschwerlichkeit ihres Standes nicht murren, nicht higig, zornig und rachgierig gegen ihren Ehemann und andere Personen seyn, als welches schon alles Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit, und folglich ein Undank seyn würde, welches gewiß Gott siehet, und solcher Person es fann entgelten lassen. Sebet. Herr err, allmächtiger Gott! der du bist ein Gott des Lebens, der du uns Allen Odem 26 Die Schwangere danket Gott und Leben giebst, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hast, ich danke dir, daß du auch an mich gedacht, und mich dieses Segens in meinem Ehestand theilhaftig gemacht hast. Du måchtiger Herr! hast mir eine größere Wohlthat erwiesen als andern, welche nach dieser Gabe seufzen, und nicht ers langen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir gethan hast. Ich befehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück, und was sonst das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Herr, wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderlich bildest! wie groß ist deine Allmacht, daß du sie ans Licht bringest! wie groß ist deine Güte, daß du auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältst und meh. rest. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich auch zu einer Werkstätte dieses deines herrlichen Werks bestimmt, und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht bast. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Kindermut ter werden, und das Verborgene mit Freu den erblicken. Herr! laß deine Güte und Treue mich alle Wege begleiten, behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchle, meine Glieder, daß deren keines zerbrochen, und meinen Leib, daß er nicht beschädiget werde. Erhalte die geschenkte Gabe, und laß sie dir empfohlen seyn. Indessen aber will ich auf deine Hülfe für ihre Fruchtbarkeit. 27 schauen; ich hebe meine Augen auf zu den Bers gen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem Herrn danken für all das Gute, das er an mir gethan hat. Lobe den Herrn, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel die Strome der Liebe geregnet, denke daran, was der Allmächtige gethan, der dir mit Gnade begegnet, Amen. Gesang. Mel. O Gott! du frommer Gott. Ich danke dir, mein Gott! für eine jede Gabe, die ich nun lebenslang von dir empfangen habe; nimm an den schlechten Dank, für deine große Gnad, die deine Vaterhand mir dargereichet hat. 2. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich haft erhöret, und was mein Herz gewünscht, aus Gnaden mir bescheret. Ach, ach! erhalte doch das anvertraute Pfand, das ich empfangen hab von deiner Segenshand. 3. Ich danke dir, mein Gott! daß du in meinem Le ben, mit großer Mildigkeit viel Gutes hast gegeben. Ach tausend, tausend Dank, hab Danf, Herr Zebaoth! für alle deine Gnad, ich danke dir, mein Gott. 4. Ich danke dir, mein Gott! daß du mir bei gestanden in manchem schweren Leid. in schweren Trübsalsbanden; ach! bleibe auch bei mir, wann sich die Noth einstellt, du bist es, der mich stärkt, du bifts, der mich erhält. 28 Die Schwangere empfiehlt Gott sich 5. Ich danke dir, mein Gott, daß du hast abgewendet so manches bittre Kreuz, und mir die Hülf gesendet; die Hülf, so weggethan die Angst, so ich gescheut, und mich nach Angst und Weh mit reichem Trost erfreut. 6. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich nie verlassen, auch nicht verlassen wirst, so lang ich werde haffen der Sünden Wust und Gräuel; sieh, ich verpflichte mich, daß ich dir dienen will hier und dort ewiglich. 6, das ich 7. Ach! bleibe doch mein Gott, ach! bleibe meine Stärke, mein Helfer, Schuß und Rath, damit ich Hülfe merke; wann nun die Noth einbricht, so steh mir kräftig bei, daß ich zu aller Zeit von dir geschüßzet sey. 8. Ach! bleibe doch mein Gott, hilf, daß ich überwinde, und in der Trübsalsstund die Hülse bet dir finde, so will mein froher Mund nach ausge standner- Noth stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein Gott! Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Mann eine gottfelige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merkt, so hat sie nebst ihrer Berufsarbeit sonderlich dieses zu thun: 1) Soll sie sich Gott fleißig alle Tage empfehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten. 2) Die Frucht Gott in ihrem Gebet treulich vortragen. 3) Denn das ist der Unterschied unter christlichen Ehefrauen und Unglaubigen, unter gottseligen Ehefrauen und leichtfertigen Huren. Unglaubige und Huren flu chen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, thun ihr und ihre Frucht. ( 294 wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottfelige Ehefrauen aber sind anders gesinnt; sie beten niemals, fie tragen denn ihr Kind Gott mit vor, fie rufen Gott an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es beim Leben erhalten, und gesund laffen geboren werden. 4) Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten alles, worein sie nach der Geburt fann eingewickelt werden. 5) 3Ja, fie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht nach der leiblichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. bint dal 351 09 nomsie at Gebet. beiliger Vater und Schöpfer aller Menschen, siehe ich komme vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich demüthiglich um deine Gnade. Du hast, o großer Gott! nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen; aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Darum, ach Herr, Herr! vor dir stehet all meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Herr, Herr! was aus Gnader gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ich befehle deinem våterlichen Gnadenschuß mich ganz und gar. Herr! habe Acht auf mich Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wann ich ausgehe, behüte mich, wann ich auf der Gassen bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Hause. 30 Die Schwangere empfiehlt Gott Laß meine Seele stille und vergnügt seyn. Laß meine Seele allzeit mit dir umgeben, in dir sich freuen, in dir sich ergößen. Laß mein Herz eine Wohnung Jesu und ein Tempel des heiligen Geistes seyn, daß Jesus in mir lebe, in mir wandle, mich regiere und heilige. Wende von mir ab alle Verdrüßlichkeiten, Zorn und Schrecken. Laß dein Aufsehen meinen Odem, Leben, Schritt und Tritt bewahren. Der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich aus und ein. Sm Namen des dreieinigen Gottes lege ich mich schlafen und stehe auf. Im Namen des dreieini gen Gottes gehe ich an meine Arbeit. O du drei einiger Gott! bewabre, behüte und schüße mich durch deine Kraft, trage mich auf deinen Hån den, behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Ulebel widerfabre, so will ich dir dafür danken, und dich lobenZeit meines Lebens. Ich befehle dir aber auch, odreieiniger Gott! meine Frucht, die ich trage, Herr! ich bete für sie, ich trage sie dir vor, ach! erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja, um Jesu willen. Ach! gieb meinem Kinde deinen heil. Geist. Laß es auch im Verborgenen mit deiner himm lischen Kraft, wie dorten Johannes, erfüllet werden. Sieb. ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich Zeit Lebens fürchten und lieben mdge. Gieb ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gesunden sich und ihre Frucht. 31 Leib, gute Leibes- und Gemüthsgaben. Hast du es aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Gemüthsgaben begnadigt, so lasse es nach seiner leiblichen Geburt auch bald durch die beilige Taufe wieders geboren werden. Du hast ja, o Jesu! gesagt: Laffet die Kindlein zu mir kommen, dann solchen ist das Reich Gottes. Du hast die Kinder auf deine Arme genommen, und gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme, und segne es auch, schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich deinen heiligen Geist; heilige und erneure es zum ewigen Leben; mache daraus ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm, und es mit dir dereinst zur ewigen Se ligkeit mdge theilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste auf den Herren, meinen Gott! er ist mir der Allerbeste, der mir beistehet in der Noth; er alleine soll es seyn, den ich nun von Herzen mein', Amen. Gesang. Mel. O Gott! du frommer Gott. ch weiche nicht von Gott, dem will ich mich empfehlen, dem Helfer, der mir hilft an Leib und an der Seelen; er ist mein, als mein Hort, mein' Burg und Zuversicht, mein starker, treuer Gott, mein Gott verläßt mich nicht. 2. Ich weiche nicht von Gott, ob mich gleich Schmerzen drücken, so weiß es mit Geduld, mein 32 Die Schwangere erinnert sich Herze auszuschicken; ach! in diesem größten Leid will ich beständig seyn, kommt Kreuz, so dring ich auch zu meinem Jesu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott, auch in den größten Nöthen, ob sie so heftig seyn, als wollten sie mich tödten; alsdann schrei ich um Hülf: Verlaß mich nicht, mein Gott! ach! komm, ach! rette mich aus aller Angst und Noth. 4. Ich weiche nicht von Gott, ihm will ich treu verbleiben, mich soll kein Ungemach von seiner Liebe treiben; ach ja, du treuer Gott! ich weiche nicht von dir, ach! bleib du auch bei mir, und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott, denn warum sollt ich weichen? Pflegt er nicht allezeit mir seine Hand zu reichen? Die Hand, die mich erhält, die Hand, die mich befreit, die Hand, die mich erquickt, und hilft mir allezeit. 6. Ich weiche nicht von Gott, auch nicht in Leis densstunden, da hab ich immerdar Nath, Heil und Trost empfunden; die Rettung stellt sich ein, die Stunde geht vorbei, daraus erkenn ich ja, daß mein Gott bei mir sey. 7. Ich weiche nicht von Gott, auch nicht, wann ich soll sterben, denn alsdann werde ich die Selig keit ererben; drum leb und sterb ich ihm, ich dien ihm in der Zeit, und bleib mit ihm vereint dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. betrübt zuweilen und schmerzhaft der Schwangern Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für die der göttlichen Verheißungen. 33 selben, da er ihnen seinen Beistand in der Noth zusagt, und ihnen verheißen: er wolle sie nicht verlassen noch versäumen, er wolle ihnen helfen, fie retten, sie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kraft- und Machtsprüche mehr find. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefran 1) sich bekannt machen, und sich deren getrösten. 2) Ob aber gleich die erwünschte Hülfe, die versprochene Reitung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheint, wenn sie dieselbe verlangt, so soll sie darum nicht verzagen, und meinen, die Verheißung sey aus, und werde gar nicht erfüllt werden; sondern 3) auf die Verheißung Gottes fest bauen, welcher, wann seine Hülfesstunde erscheint, auch, was er zugefagt, treulich halten wird. Indessen aber 4) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, daß die vorher betrübte mit Freuden und zum Ruhm des Allerhöchsten sagen wird: Bis hieher hat mir der Herr geholfen; der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Gebet. Mei ein Gott! mein Herz hålt dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlig suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Äntlig. Du weißest, mein Gott! daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann mir helfen, als nur du allein! Darum komme ich zu dir, und halte mich an dein Wort der Verheißung. Du sprichst: du wollest die Deinen nicht verlassen, ach! verlaß mich nicht. Du wollest bei ihnen seyn in der Noth; ach! meine 3 34 Die Schwangere erinnert sich Noth rückt heran, bleibe bei mir. Du wollest den Deinen helfen, ach! hilf mir. Du wollest sie stårken, ach! stärke mich. Duwollest sie her: aus reißen, ach! reiß mich heraus. Herr, ich weiß in meinem Zustand nirgends bin, als nur zu dir allein. Ich habe viel Sorge und Be kümmerniß und Aengsten in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößen meine Seele, dein Wort der Verheißung richtet mich auf. Weil ich dann weiß, daß du der Schuzherr dei: ner Glaubigen, der Helfer der Verlassenen, die Flucht der Betrübten, der Beistand der Hülflosen bist, so bin ich darüber guten Muths, und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten, wann meine Schmer zen und die Angst meines Herzens groß wird; da will ich seufzen: Herr! ich lasse dich nicht, du hilfest mir dann. Verzeuchst du die Hülfe, so erscheint sie endlich zum Trost der Elenden, du hilft ihnen herrlich. Du, Herr, legst eine Last auf, aber hilfft sie auch tragen, darum, wenn du meine Last mir tragen bilfst, so wird sie mir nicht zu schwer werden. Gott ist meine Zuver sicht und Stärke, eine Hülfe in den Nöthen, die mich getroffen haben, darum fürchte ich mich nicht; und warum sollte ich mich fürchten? ist doch der Herr bei mir. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getrost an meine bevorstehende Arbeit gehen, der göttlichen Verheißungen. 35 unter Gottes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. du gnädiger Gott! stårke meinen Glauben, befestige meine Zuversicht auf deine Verbeißung. Laß mich vor allem Unfall beschirmt, fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und singen, dir vertrauen, bis ich fröhlich entbunden dir in dem Tempel und Zeit meines Lebens für deine Wohlthaten in meinem Herzen Lob und Preis opfern werde. Amen, ja, das will ich glauben, denn hier hab ich Gottes Wort, das soll mir kein Teufel rauben, ich will immer fort und fort mich auf diesen Grund verlassen, und den Hoffnungsanker fassen, mit der starken Glaubenshand auch zugleich in diesem Stand. Amen. Gesang. Mel. Ach Herr! mich armen Sünder. Sott ott wird mich nicht verlassen, ob ich schon elend bin, in Gott will ich mich fassen, mein Herz, Gemüth und Sinn soll sich fest an ihn halten, und ihm vertrauen fest, ja, den nur lassen walten, der mich doch nicht verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen, was er mir zugesagt, darauf will ich fest bauen, mit ihme stets gewagt. Er wird sein Wort erfüllen, das mir die Hülf verspricht, und meinen Schmerzen stillen, wenn seine Stund anbricht. 3. Zwar däucht es mir oft lange, wann mich das Leiden treibt, dennoch ist mir nicht bange, weil Gott mir nicht ausbleibt. Er weiß gar wohl die Stunde, die er zur Hülf bestimmt; und da er aus dem Grunde das Leiden von mir nimmt. 3* 36 Die Schwangere erfreuet sich 4. Gott kann mich nicht verlassen, denn ich bin ja sein Kind; er kann ja die nicht hassen, die so sein eigen sind. Sollt er des Kindes Thränen ohn' Hülfe stets ansehn, und sollt mein seufzend Sehnen ihm nicht zu Herzen gehn? 5. Gott hat mich nie verlassen die ganze Lebenszeit, ob ich schon ohne Maßen trug Angst und Herzeleid. Sollt er denn nun anheben, da ich der Hülf begehr, und sie mir ja nicht geben? Das glaub ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich Gott trauen, denn er ift fromm und gut, und seine Hülfe schauen mit recht getrostem Muth; die Stunde wird nun kommen; alsdann, wann die anbricht wird mein Kreuz ab genommen, denn Gott verläßt mich nicht.. Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Man ann man die Empfängniß, Erhaltung, Wachs thum und Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Allmacht nicht genug prei sen; obne Gottes Allmacht kann kein Kind auf diese Welt geboren werden; und wenn eines ge boren wird, so ists allezeit ein Wunder vor aller Glaubigen Augen. Wenn denn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so sell sie 1) auf die Allmacht ihres Gottes sich verlaffen; so viel sie Kinder geboren siebet, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vorstellen. 2) Wenn nun die allmächtige Hand Gottes Andern geholfen, so kann sie sich auch getrösten, daß Gott ihr helfen werde. 3) Sie soll, wenn sich Kleinmüthigkeit etwa ein finden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist fein der Allmacht Gottes. 37 Ding unmöglich, Luc. 1, 37. 3ft nun Gott kein Ding unmöglich, so kann eine Schwangere fich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. 4) Sollten sich Umstände einstellen, die bei Andern viel. leicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch die gefährlichen Wunden heilen, alle schwere Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. 5) Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmächtige Hand unsichtbar auch da, die alles regieret, und durch deren Kraft alles glücklich ven statten gehen wird. Gebet. Mein Gott! wie freuet sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht denke, an deine allmächtigen Hände, die alles heben, alles tragen und aus allem erretten. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Stande an, so muß deine Allmacht alles allein thun, deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll. Deine Allmacht muß meine Beschwerlichkeit lindern, ja, deine Allmacht muß in meinen bevorstehenden Nöthen alles allein verrichten. Sehe ich meine Frucht an, so muß abermal deine Almacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und ans Tageslicht bringen. Dieses ist nun mein größter Trost jetzt und Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger Gott; bin ich schwach so bist dit stark; bin ich elend, so bist du allmächtig; bin ich ohnmächtig, so vermagst du alles. Diesen Trost 38 Die Schwangere erfreuet sich nun soll mir Niemand rauben. Gott kann mir helfen, und Gott will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn der vom Tode errettet. Darum, o allmächtiger Gott! befehle ich mich dir ganz und gar; wache über mich, erhalte mich in meiner Schwan: gerschaft; deine Allmacht lasse mich glücklich meine Zeit erreichen. Deine Allmacht stärke mich, wenn meine Geburtsstunde herännahet; deine Allmacht stehe mir bei, wann sie nun da ist. Deine Allmacht sey im Anfang, Mittel und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde. Ich will mich demnach nicht fürchten, es gehe, wie es will, ich habe ja einen allmächtigen Gott; ich will nicht verzagen, wenn die Noth groß wird, ich habe einen allmächtigen Gott; ich will guten Muths seyn, wenn ich arbeiten soll, denn ich habe einen allmächtigen Gott; ich will in meinen Nöthen schreien und seufzen: Odu all måchtiger Gott! hilf mir, siehe, ich verlasse mich auf dich, ich hoffe auf dich, dein Kind wartet auf deine Hülsesstunde. Eile auch, barmherziger Vatel! mit deiner Allmacht zu mir; laß mich hören Freudu. Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden die du zerschlagen hast. Deine Allmacht erhalte meine Frucht; deine Almacht gebe mir Kraft, ja, deine Allmacht erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung, so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen, u. sagen: Lobe den Herrn, meine Seele! u. der Allmacht Gottes. 39 vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich rief zum Herrn in meiner Noth: ach Gott, erhör mein Schreien! da halfmein Helfer mir. vom Tod, und ließ mir Hülf gedeihen; drum dank, ach Gott! drum dank ich dir; ach! danket, danket Gott mit mir; gebt unserm Gott die Ehre, Amen. Gesang. Mel. Gott! du frommer Gott. Mi ir haben einen Gott, der hilft zu allen Zeiten, wenn wir mit Ungemach und Trübsal müssen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid, und viele Schmerzen da, so ist auch Gott nicht weit, und seine Hülf ist nah. 2. Wir haben einen Gott, der hilft in allen Nöthen, die können nimmermehr, weil Gott mir hilft, mich tödten, und wären sie so groß, daß man's nicht glauben kann, noch größer ist doch Gott, der nimmt sich meiner an. 3. Wir haben einen Gott, der hilft in allen Leiden, und ist das Leiden hart, so solls mich doch nicht scheiden von meinem lieben Gott; dem ist ja Alles leicht, so leicht, daß auf ein Wort das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, der hilft und hört den Armen, der herzlich zu ihm schreit: er wird sich mein erbarmen; die Armen fiehet Gott, er hört, er sieht, er giebt zur Zeit, wann mir's ist müß, und wann es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, der hilft, soll man auch sprechen: Hie ist die Hülfe aus: alsdann will ich ausbrechen, und sagen: Hie ist Gott, ist der kein Helfer mehr? Ach ja! er hilft gewiß, zu seines Namens Chr. 40 Die Schwangere tröstet sich 6. Wir haben einen Gott, der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann ich fröhlich jetzo sagen: Mein Gott und Helfer lebt, auf den verlaß ich mich, aus allem Kreuz und Leid hilft er mir gnädiglich. 7. Wir haben einen Gott, der hilft, dieß soll verbleiben mein Trost, dieweil ich leb, ja, dieses will ich schreiben tief in mein Herz hinein; empfieng ich denn die Noth, so sprech ich auch getrost: Wir haben einen Gott. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Aufmunterung. Wann ann hülfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeit vor sich haben, so sind sie doch gutes Muths, wenn sie Jemand haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last er. leichtern, und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun dieses ist auch der Trost aller Schwangern. Hören sie 1) daß bei der Geburt Gefahr ent stehen kann, so sagen sie: Der Herr ist mit mir, dar um fürchte ich mich nicht. 2) Empfinden sie vielerlei Leiden, so sprechen sie zu Gott: Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht. 3) Wird ihre Last täglich ihnen schwerer, so erinnern sie sich: Der Herr leget eine Laft auf, aber er hilft auch tragen. 4) Fürchten sie sich vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wiffen sie, der Herr werde ihre Arbeit beglücken, und ihnen durchhelfen. Sollte nun fol ches Schwangern nicht einen guten Muth machen, sonderlich da sich Gott in der heiligen Schrift einen Helfer nennt? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß und recht geholfen. Menschen wollen oft gerne hel h der göttlichen Hülfe. 41 fen, und können nicht, aber Gott kann und will hel. fen; derohalben, obs schon nicht traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen doch ins Herz geschrieben bleiben: Der Herr ist mein Helfer. Gebet. Mas betrübst du dich, meine Seele! und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Sa, mein Gott! das ist mein Trost in gegenwärtigem Zustand, daß du meines Angesichts Hülfe seyn werdest. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannst alle Furcht durch deine herrliche Hülfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß vonThränen, du kannst sie abwischen, wann du mit deiner gnädigen Hülfe erscheinest. Darum will ich mich auf dich verlassen, und allem dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, entgegenseßen diesen Trost: Gott ist mein Helfer, und wird mein Helfer seyn und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott! eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei, wenn mir Hülfe noth ist. Herr! ich warte auf dein Heil, und rufe deine Hülfe; ich verlaffe mich auf deine Hülfe; wann du mir nicht hilfft, so bin ich verloren. Wird mein Leiden groß, Herr! so weiche mit deiner gnädigen Hülfe nicht von mir. Erscheint meine Geburtsstunde, so erscheine auch mit deiner Hülfe. Du bist meine einzi ge Zuflucht, mein Gott und Beistand, ich weiß ja keinen andern. Willst du mir nicht helfen, 42 Die Schwangere tröstet fich wer kann mich erretten? hilf du mir, Gott meines Heils! wann ich bete, so erhöre mich, hilf mir, wann die Noth angehet, hilf mir, wann es gefährlich aussiehet, hilf mir, wann meine Stunde kommt, alsdann will ich in freudigem Vertrauen mit meinem Jesu seufzen: Vater! hilf mir aus dieser Stunde. Hab ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freude verkehret werden. O wie berrlich hast du andern geholfen, ach! so hilf mir auch, du bist ja noch eben der starke, gnådige und allmächtige Gott, der du vormals gewesen. Herr! ich halte an mit Beten, wie das cananaische Weib, und sage: Herr, hilf mir! ja, ich gehe nicht von dir, ich lasse nicht ab, bis du mich mit deiner Hülfe erfreuet, und mir geholfen hast. Komm, ach Vater der Gnaden und Barmherzigkeit! und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich nicht kann geholfen werden. Komm, o Jesu! du Heiland aller Menschen! und hilf mir, bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm und hilf mir, o werther heiliger Geist! und versiegle in mir den Trost: daß meine Hülfes stunde bald anbrechen werde. Dreieiniger Gott! dir ergebe ich mich, dreieiniger Gott! zu dir flehe ich, auf dich verlasse ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hülfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Noth, reiß mich aus der Noth, da ich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. In der göttlichen Hülfe. 43 dessen frisch auf mein Herz! verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rath, Hülf will er dir theilen mit, der ist ein Schuß der Armen; obs oft steht bart, im Rosengart kann man nicht allzeit sizen; wer Gott vers traut, hat wohl gebaut, den will er ewig schüßen. Ja, ich will meine Zuversicht auf dich beständig seßen, du wirst, wann mirs an Hülf gebricht, mit Hülfe mich ergößen. Indessen will ich stille seyn, bis sich die Hülfe stellet ein, und deinen Namen preisen, Amen. Gefang. Mel. O Gott! du frommer Gott. Mein ein Gott ist ja bei mir, drum muß die Furcht verschwinden, weil sich in Noth und Tod Gott will bei mir einfinden mit seiner Hülf und Treu, mit Beistand, Trost und Rath, wie auch sein theures, Wort mir Hülf versprochen hat. 2. Mein Gott ist ja bei mir, kommt schon ein Kreuz gegangen, so will ich es mit Gott ohn alle. Furcht empfangen; kommt Kreuz, so kommt auch Gott, kommt das Kreuz nicht allein, und es ist mancherlei, so will Gott bei mir seyn. 3. Mein Gott ist ja bei mir, muß ich die Trübsal schmecken, so will ich mich dadurch zu seiner Lieb aufwecken; stellt sich die Trübsal ein, alsdann empfehl ich mich des Allerhöchsten Schuß, der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, und sollten Unglücksfluthen gar über mich hingehn, so ist es mir zum Guten; das Unglück weichet doch, ich werde davon los, weil mein Gott bei mir ist, und wär es noch so groß. 44 Andachten bei herannahender 5. Mein Gott ist ja bei mir, will auch die Nacht eindringen, bis sich die Hülf einstellt, so will ich hoffen, singen, und mich voll Zuversicht empfehlen Gottes Treu, der Treu, die Tag und Nacht, ja alle Stund ist neu. 6. Mein Gott ist ja bei mir, mich kann der Tod nicht tödten, des Höchsten Hülfe steht mir bei in allen Nöthen; mein Gott weicht nicht von mir, mein Gott verläßt mich nicht, mein Gott, mein Trost und Hülf': Gott meine Zuversicht. 7. Mein Gott ist ja bei mir, ich scheue nicht das Grab; das Grab erschreckt mich nicht, weil ich da Ruhe hab von aller Angst und Qual, es bringt mir süße Ruh, denn Gott, der bei mir ist, der deckt mich sanfte zu. 8. Mein Gott ist ja bei mir; Gott wird mir schon erscheinen zum Trost, zur Hülf, zum Heil, nach meinem bittern Weinen. Mein Herze sey getroft, stell dir die Hülfe für, und sprich mit frohem Muth: Mein Gott ist ja bei mir. Andachten für Gebärende. Andacht bei herannahender Geburtsstunde. Aufmunterung. Mann ann Paulus den christlichen Ehefrauen vir spricht, sie werden selig werden durch Kinder zeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kin dergebären fönuten Geligkeit erwerben; denn die Seligkeit hat allein Christus Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben; sondern er giebt ih Geburtsstunde. nen den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen Schmerzen müssen Kinder gebären, daß fie dennoch einen guädigen und versöhnten Gott hätten, und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, sie dennoch selig werden sollten. Nur 1) daß sie im Glauben bleiben; sie sollen ihr Vertrauen, wenn die Geburtsstunde herankommt nicht wegwerfen, nicht wider Gott murren, sondern im Glauben, Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart zugienge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und göttliche Almacht erinnern. 2) Sollen sie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben, und auch alsdann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! ich bitt', du wollest seyn von mir nicht fern mit deiner Hülf und Gnade. Sie sol len bleiben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen, wie gottfelige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gern das heilige Abendmahl empfangen, um das durch sich Gott zu heiligen und aufzuopfern. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachläßigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht um das Leben bringen, sondern dem guten Rath und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wenn aber lieblofe Mütter gegen ihre arme Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen, und nicht thun wollen, was ihnen Gott auferlegt, und was sie zu thun schuldig sind ( wovon Kaiserinnen, Königinnen und Fürstinnen nicht frei find), so werden sie Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen werden, daß sie ihnen durch Faulheit ihr Leben genommen, und sie also vor der Geburt getödtet haben. 45 46 Andacht bei herannahender 3) Endlich soll sie auch bleiben in der Heiligung sammt der Zucht, daß sie ein heiliges, züchtiges und christliches Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten, und in solcher Heiligung ihre Geburtsstunde erwarten. Gebet. Herr err allmächtiger Gott, getreuer, lieber Vater! es kommt nunmehr meine Geburtsstunde immer näher und näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hülfe und Gnade; ich nahe mich zu dir mit meinem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach! nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Gute und Barmherzigkeit. Komme zu mir, und bleibe bei mir in, unter und nach der Geburt; wann ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den allermächtigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gieb mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sey, und alle Furcht fahren lasse, daß ich getrost mich möge bezeugen, getrost stehen, getrost niedersehen, oder liegen, und mich getrösten: weil du bei mir bist, so werde alles glücklich von statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir alles leicht werden; ist der Herr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Sieb auch, lieber Geburtsstunde. 47 Gott, denen, die mit mir umgeben müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüglich alles anordnen, mir nichts zu wenig und zu viel thun, fegne ihr Beginnen, und beglücke ihr Vornchmen, daß sie mit mir und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. Verleihe mir, daß ich gutem Rath folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch mir selbst nicht Schaden, und meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen, und deßwegen eine schwere Verantwortung auf mich laden möge. Höre, ach gnàdiger Gott! mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilf mir bald, und hilf mir glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, und eine erfreute Kindermutter werden. Siehe, Herr! hie bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Verlaß mich nicht, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! bleibe bei mir in der äußersten Noth, und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde, meine Hoffnung, daß ich sie nicht laffe sinken. Nun vermag ich alles durch den, der mich mächtig machet, Christus. Der himmlische Vater seg ne, behüte und erhalte mich. Jesus Christus sey bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sey. Die Liebe des Vaters decke mich 48 Andacht und Troft bei die Gnade des Sohnes erquicke mich. Treulich will ich Gott bitten, und nehmen zum Beistand in ellen meinen Nöthen, die ihm gar wohlbekannt; umGeduld will ich stets bitten in allen Anliegen mein, er wird mich wohl behu. ten und mein Nothhelfer seyn, Amen. Gesang. Mel. 3ion klagt mit Angst und Schmerzen. Ah! hilf mir in dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit! so schrei ich mit Herz und Munde jetzt zu dieser Leidenszeit, ach! ich wende mich zu dir, großer Gott! ach hilf du mir, laß mich doch bald Hülfe finden durch ein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, sprich ein Wort so ist's geschehn, wirst du deine Hülfe senden, so wirds bald nach Wunsche gehn; komm, mein Gott! und lös das Band, reich mir deine Vaterhand, Herr! hilf mir in meinen Nöthen, sonsten werden sie mich tödten. 3. Herr! du hast es ja verheißen, daß du wollest bei mir seyn, und aus aller Noth mich reißen, hilf mir, Herr! denn ich bin dein; Helfer! hilf jetzt gnädiglich, großer Gott! erbarme dich; höre, rette, komm und eile, und doch länger nicht verweile. 4. Zwar ich will dir nicht vorschreiben deiner Hülfe Stund und Zeit, ich will doch geduldig bleiben in des Leidens Bitterfeit; gieb mir jetzo Kraft und Stärk hier zu diesem schweren Werk; ach! hilf selbsten mir arbeiten, und weitch nicht von meiner Seiten. 5. Herr! ich will dir fest vertrauen, währet es auch noch so lang, und auf deine Allmacht schauen, wäre mir auch noch so bang, sieh, ich sehne mich nach herannahender Geburtsstunde. 49 dir, Vater! Vater! hilf doch mir, hilf o Vater! deinem Kinde, hilf, mein Vater! doch geschwinde. 6. Ach, mein Gott! erhör mein Bitten, öffne was verschlossen ist, tritt jetzt selbsten in die Mitten, weil du doch der Helfer bist, leg du selber Hand mit an, die Hand, die mir helfen kann, sich, wie ich dich fest umfasse, und mich ganz auf dich verlasse. 7. In Gott hab ich Kraft und Stärke, in Gott hab ich guten Muth, der ist selbst mit in dem Werke, auf dem alle Hülfe ruht; Gottes Hülfe ist schon nah, wenn er spricht, so stehets da. Mein Mund ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O wie soll ich Gott dann preisen, wenn ich nun entbunden bin, wie will ich ihm Dank erweisen! Mein Gemüthe, Geist und Sinn, und auch mein erfreuter Mund soll für diese Hülsesstund, immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad und Ruhm erheben. Trost bei herannahender Geburt. Aufmunterung. & pflegen sich gottselige Ehefrauen oftmals zu ängstigen und unerfahren zu erschrecken, wann die Zeit der Geburt da ist; und warum wollt ihr erschrecken? Ihr habt ja Gott bei euch, der Gott, der euch hat die Schmerzen aufgelegt, der will sie euch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt: 1) Gott ist ein guter und gnädiger Gott. 2) Er ist getreu, der euch nicht läffet versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen. 3) Gott ist barmherzig, er wird sich auch über euch wie ein Vater über seine Kinder erbarmen. 4) Gott ist stark, was ihr nicht vermöget, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Erinnert euch, eure Schmerzen 4 50 Seufjer vor der Geburt. währen nicht lange, nicht Tag und Jahr, wie Davids Elend, und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde; und ob ja fichs länger verziehen sollte, so sprechet im Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht, und wieder an den Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. Sehet, dieses laffet euren Trost seyn bei eurer Geburt. Seufzer vor der Geburt. err allmächtiger Gott, wann ich dann nun merke, daß meine Stunde bald einbrechen wird, daß ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir und bitte dich, ach! weiche nicht von mir, ach bleibe bei mir, gieb mir Kraft zu gebåren, und entbinde mich gnädiglich, lindere die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlecht aufgelegt hast. O starker und allmächtiger Gott, hilf mir kraftig; meine Hülfe stehet bei dir; nach dir, Herr! verlanget mich; mein Gott, ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden; eile mir beizustehen, Herr, meine Hülfe! O Jesu! der du bist Mensch gebo ren worden, um deiner heiligen Geburt und Menschwerdung willen erbarme dich über mich, hilf mir aus dieser Stunde, und erhalte mich. werther heiliger Geist! bleibe in meinem Herzen, und schreie das Abba lieber Vater. Gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind Gottes sey. Odu heilige Dreieinigkeit! hilf mir, und erbarme dich über mich, Amen. Seufzer vor der Geburt. Ein Anders. du liebreicher Gott! der du uns Menschen herzlich liebest, und sonderlich in unsern Leiden und Schwachheiten uns beizustehen verheißen hast, du weißest ja den Stand, darin ich stehe, du siehest auch, wozu ich mich bereite, und was ich jetzt vorhabe; o darum stehet alle meine Hoffnung zu dir. Odu starker Gott! der du den verlassenen Hirschen im wilden Walde ohne menschliche Hülfe beistehest, ach! laß dir auch meine Leibesfrucht anbefohlen seyn, und segne die Hände, die zu der Geburt sich darbieten; leiste du mir felbst die beste Hülfe, und entbinde mich gnådiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stårke dich, und helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Auf solche deine gnådige Verheißung verlasse ich mich, und greif an das Werk mit Freuden, wozu mich Gott bescheiden, in meinem Beruf und Stand. Ich will getrost seyn, und auf deine Hülfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung und nach deinem Willen gerne leiden, was du mir auflegst, sey du mir nur nicht erschrecklich. Herr, Herr! meine Zuversicht in der Noth, sey und bleibe meines verschlossenen Pfandes gnädiger Gott; erhalte, o Herr! was deine Hände bereitet haben. Deffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande 4* 51 52 Seufzer bei und unter der Geburt. der Natur, wenn alle Menschen verzagen wol len, so beweise du an mir deine Macht und wun. derbare Güte. Sey mit deiner Kraft in meiner Schwachheit machtig, stärke mich an meinem Geist u.Leibe.Lindere und erleichtere mir meine Schmerzen, und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken, lege sie mir lebendig in meine Arme und Hände, so will ich mit aus gestreckten Armen und gefalteten Händen dir lobsingen, und was du mir gegeben, als ein Opfer und als ein Kind der heiligen Taufe dir wieder geben. Sollte aber in deinem heiligen Rath über mich beschlossen seyn, daß ich über dieser Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so ge schehe dein Wille, du bist mein Gott, mein Herr, mein Vater, ich deine Kreatur, deine Magd, dein Kind, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; ich aber bin bereit zum Leben und Tod, und wann du gleich mich tödten wollest, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, bestán digen Glauben und feste Zuversicht. Ich lieg im Streit und widerstreb, hilf, o Herr Christ! mirSchwachen, an deiner Gnad allein ich kleb, du kannst mich stärker machen, kommt nun An fechtung her, so wehr daß sie mich nicht umstoße, du kannst machen, daß mirs nicht bringt Ge fahr, ich weiß, du wirsts nicht lassen, Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. err, Herr! groß von Rath und machtig von That, siehe, bie bin ich, und seufze allein 53 Seufzer bei und unter der Geburt. nach deiner Hülfe. Hie kann kein Mensch helfen, als nur du allein. Derohalben flehe ich dich, mächtiger Nothhelfer! demüthig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißest ja meine Schmerzen, weil du selbst sie mir aufgeleget hast; ich size oder stehe, ich gebe oder liege, so ist es dir bekannt, und du, Herr! bist um mich. Du fiehest auch meine Thränen, und mein Seuf zen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht; du kannst überschwenglich thun über alles, was wir wis sen und verstehen; keine Noth ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe deine mächtige Hande haben mein Kind bereitet, sie haben es mit Fleisch und Haut angezogen, Leben und Wohlthat hast du ihm schon lange erwiesen, und durch dein Aufsehen seinen Odem bewahret. Darum bringe es auch ans Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit, Herr, Herr! der du so vielen Tausenden geholfen hast, an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch belfen, ich verlasse mich auf deis neGnade und Treue, die laß mich alle Wege bes büten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreis sen, ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Laß mich dabei das Meine treulich thun, damit ich auch ein gut Gewissen behalte, du aber starte mich Schwachen. Betrübtes Herz, sey wohlgemuth, thu nicht so gar verzagen, es 54 Seufzer bei und unter der Geburt. wird noch alles werden gut; all deine Schmerz und Klagen wird sich in lauter Fröhlichkeit verwandeln in gar kurzer Zeit, das wirst du wohl erfahren, Amen. Ein Anders. Ach gnädiger und barmherziger Gott! du hast gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preis sen; auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir, mein Vater! ich schreie zu dir in meiner Noth: ach! höre doch meine Stimme, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin, ach! laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. Herr! wann ich Noth leide, so lindere mirs; Jesu, du Sohn David! erbarme dich mein; durch deine heil. Geburt u. Menschwerdung bilf mir, lieber Herr Gott! stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich. Hei liger Geist! du Tröster in aller Noth, sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ångstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wann ich vor Angst nicht beten kann, o Jesu! so bitte für mich, o werther hei liger Geist! so vertritt mich bei Gott mit un aussprechlichem Seufzen. O dreieiniger Gott! reiche mir und meinem Kinde deine Hand, die wir unsere Herzen und Hände zu dir ausstrecken. Laß uns nicht verderben noch Schaden 55 Seufzer bei und unter der Geburt. leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht; nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm seyn ausgebreit't, ich wills auch hernach erweisen, und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes als dein Geschöpf in dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte sie gnådiglich durch deine Kraft, bilf, daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröh lich erblicken möge. Herr Gott Vater im Himmel! erbarme dich über mich, Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über mich, Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über mich, Amen. ● Ein Anders. & nådiger und starker Gott! es iſt die Stunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmt hast; darum wende ich mich zu dir, und schreie: Vater! hilf mir aus dieser Stunde. In deinem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden, Herr! mein Schöpfer, stebe mir bei, und stärke mich; Jesu, du Sohn Gottes! der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir, und erquicke mich, ach! umfasse mich mit deinen Armen, und erhalte mich. werther heiliger Geist! gieb mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk, erbarme dich meiner und erfreue mich. Odu heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, eile mir beizustehen. Steh auf, Herr! 56 Sprüche, Seufzer und Gebete, und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe, du Lamm Gottes! der du trågest die Sünde der Welt, erbarme dich über mich. Christe, du Lamm Gottes! der du trågest die Sünde der Welt, erbarme dich über mich. Christe, du Lamm Gottes! der du trågest die Sünde der Welt, verleihe mir den Frieden, Amen. Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöthen zu sprechen. Psalm 145, v. 18. 19. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien, und hilft ihnen. Ich wende mich von allen Dingen, und kehre mich zu Jesu Christ, ich weiß, es wird mir bald gelingen, weil Jesus nahe bei mir ist, mein' Hoffnung ist auf ihn gericht, ich halte ihn, und laß ihn nicht. Ich will wie Jakob mit ihm ringen, ich bete, weil er helfen kann; ich will ihm meine Lieder bringen, ich greife es mit Freuden an; ich rufe: Herr! ich laß dich nicht, bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach mein Jesu! sey jego nahe bei mir, und bleibe bei mir, bis du mir geholfen, ach thue doch, was ich begehre; ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hülfe. Psalm 43, v. 5. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichte Hülfe und mein Gott ist. Was frankst du dich, meine arme Seel! sey still und thu nicht wanfen, Gott ist meine Burg, in Nöthen zu sprechen. 57 mein Trost und Heil, das werd ich ihm noch danken; drück dich und leid eine kleine Zeit, auf Angst kommt Freud und Wonne. Ach mein Jesu! ich warte auf dein Heil, ich harre auf deine Hülfe, ach! laß sie mir bald er. scheinen, du allein bist meine Hoffnung, ach! erhöre mich, ach! erfreue mich, ach! entbinde mich, so will ich dir danken ewiglich. Efaj. 54, v. 6. 7. 8. Der Herr hat dich laffen im Geschrei seyn, daß du feyest wie ein verlaffen und von Herzen betrübt Weib. Ich habe dich ein klein Augenblick verlaffen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ach Jesu! hilf mir doch, auf dich steht mein Vertrauen, ach! laß mich deine Hülf mit Freuden bald anschauen, du bists, der Hülfe leift't, ja, du bists ganz allein, drum stelle dich doch bald zu meiner Hülfe ein. Ach mein Gott! erbarme dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein Gott. O barmherziger Gott! meine Augen schauen auf gen Himmel, und sehnen sich nach deiner Hülfe. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, deine Hand stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach Herr! wie lang, ach lange! ift. dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Efai. 59, v. 1. Siehe, des Herrn Hand ist nicht kurz, daß er richt helfen könne. Gottes Hände sind ohne Ende, sein Vermögen hat kein Ziel; ists beschwerlich, scheints gefährlich, meinem Gott ist nichts zu viel. Ich weiß, mein Gott! daß dir nichts unmög 58 Sprüche, Seufzer und Gebete, lich ist, darum vertraue ich auf dich; Herr! strecke deine Hand zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petro; deine Hand kann helfen aus Allem, in Allem, und von Allem. Ach Herr! schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. Psalm 91, v. 14. 15. 16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Nameu, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen, und will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Herr Jesu Chrift! groß ist die Noth, darin ich jest thu stecken, ach hilf, mein allerliebster Gott! schlaf nicht, laß dich ernecken; Niemand ist, der mir helfen kann, kein' Kreatur nimmt sich mein an, und bin ohn' dich verlassen. Ach mein Jesu! weil mir Niemand helfen kann als du, so eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei. Siehe, ich bin jezo in der Noth, ach! reiß mich nach deiner Verheißung heraus; ich begehre dein, hilf mir aus. Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr! dein Antlig. Efaj. 51, v. 10. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hin. fallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weis chen, und der Bund des Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Was ich nicht kann, das gieb du mir, du höch. fles Gut der Frommen! gieb, daß mir nicht des Glaubens Zier durch Trübsal werd entnommen; erhalte mich, o starker Hort, befest'ge mich in deinem Wort, behüte mich vor Murreu. Jesu! nimm deine Gnade und deinen heili. 59 in Nöthen zu sprechen. gen Geist nicht von mir; ach! weiche nicht von mir, stärke mich zu dem Werke und in dem Werke. Gedenke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht hast; kraft dieses Bundes bist du mein Vater und ich dein Kind; ach, mein Vater! denk an dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. Psalm 103, v. 13. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Weil du mein Gott und Vater bist, dein Kind wirst du verlassen nicht, du väterliches Herz! ich bin ein armer Erdenklos, auf Erden weiß ich keinen Trost. Ach mein gnädigster Gott und Vater, ich weiß keinen Trost und keine Hülfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: Ach, hilf mir, mein Vater! erbarme dich über mich, mein Vater! ach, laß dein Vaterherz erweichen, damit ich möge bald erfreuet werden, ach! du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen, thue es doch. Tob. 3, v. 22. 23. Das weiß ich fürwahr: Wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Guade. Denn nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weineu überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sey ewiglich Ehre und Lob, du Gott Ifrael. Es hat kein Unglück je so lang gewähret, es hat doch endlich wieder aufgehöret; bent mir deine Händ, und machs ein End, auf dieser Erd mein Herz sonst nichts begehrt. Ach Gott! laß mich nach meinen Schmerzen und Nöthen bald auch deine Hülfe sehen, du bist 60 Sprüche, Seufzer und Gebete, der Nothhelfer und starke Held, der allein helfen kann, erlöse mich, und laß mich Gnade finden, gehe nicht vorüber vor deiner Magd, du hast Lust zum Leben, darum erhalte mir und meinem Kinde das Leben; laß uns beide vor dir leben, daß wir deinen Namen preisen. Psalm 71, v. 1. 2. 3. Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit, und hilf mir aus; neige deine Ohren zu mir, und hilf mir. Sey mir ein starter Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zu gefaget hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. Herr Jesu Chrift! ich schrei zu dir aus hochbe. trübter Seele, dein' Allmacht laß erscheinen mir, und mich nicht länger quäle; viel größer ist die Noth und Schmerz, so anficht und betrübt mein Herz, als daß ichs kann erzählen. Ach Herr! mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt; Herr, Herr, je mehr die Noth groß wird, desto eifriger will ich um Hülfe schreien, ich will es in meinen Nöthen machen, wie mein Jesus, denn da er mit dem Tode rang, da betete er heftiger. Psalm 130, v. 6. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. Mein Gott! das ist auch und soll mein fester Entschluß bleiben, ich will nicht an deiner Hülfe zweifeln, wann es auch noch so lange währete; wollte der Herr sich vor mir verbergen, so wird er fich doch bald aufmachen und mir gnädig seyn. in 61 Nöthen zu sprechen. Esaj. 38, v. 14. 15. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube, meine Augen wollten mir brechen. Herr! ich leide Noth, lindere mirs. O wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat, und thuts auch. Aus der Tiefe rufe ich, will sonst Niemand hören mich, ach! so hör, o Jesu mein, du wirst ja der Helfer seyn. ( Die Antwort des Herrn Jesu.) In der Höh erhör ich dich, drückt der Schmerz dich jämmerlich; macht die Noth dem Herzen bang, meine Hülf verzeucht nicht lang. Ach Jesu! all meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer, ach! thu, wie du mir gesagt hast. Mit dir habe ich das Werk angefangen, ach! gieb du deinen Segen dazu. Hilf mir. und meinem Kind, laß uns einander fröhlich erblicken und vor dir leben. Herr! erbarme dich über uns. Psalm 25, v. 15-18. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn; denn der wird meinen Fuß aus dem Neze ziehen. Wende dich zu mir, und sey mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Her zens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergieb mir alle meine Sünde. Laß mich wiederum empfinden, mein Gott! deinen Frendenschein, hilf mich dieser Last entbinden, lindere die Schmerzenspein; wirst du mich nicht bald erquicken, wird die Last mich unterdrücken; ist mein Seufzen dann vergebens? wird mein Beten nicht erhört? Soll ich dann, o Hort des Lebens! bleiben immerdar beschwert? Laß den Schmerz vorüber gehen, und mich deine Hülfe sehen. Herr Jesu! ich blicke im Glauben nach dir; 62 Sprüche, Seufzer und Gebete, ach! komme zu mir, siehe, wie mir so wehe ist, stärke meinen Glauben, erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach! tritt du mir selbst zur Seite. Herr! höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach! ists bald Zeit, daß ich durch deine Hülfe erfrenet werde? Off. Joh. 22, v. 20. Siehe, ich komme bald. Ja komm, Herr Jesu! Herr! wann du mir nicht helfen wirst, so ists mit mir verloren, du bist allein der Lebensfürst, der uns zu gut geboren. Komm, Jesu! komm, ach komm zu mir, denn siehe, Herr! die Noth ist hier, du wirst mich nicht verlaffen. Ach mein Jesu! das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommest. Ach! komm, und entbinde mich, komm, und erfreue mich, komm, und errette mich, kemm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. Psalm 39, v. 8. 13. Nun Herr! weß soll ich mich trösten? ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, Herr! und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meine Thränen. Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, daß ich mir sollt aus Leid mein Herz abfreffen; mitten in der Noth denk ich an Sott, ob er mich gleich mit Kreuz und Angst that preffen. Herr Jesu! eile zu mir, hilf mir, mein Gott! mein Helfer! so ist mir geholfen. Ich weiß sonst keinen Rath in dieser Angst und Noth, darum flehe ich zu dir, ach! komm, ach! komm, ach! hilf du mir. Esaj. 40, v. 29. 31. Der Herr giebt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln, und nicht müde werden. in Nöthen zu sprechen. 63 Herr Jesu Christe, Gottes Sohn! zu dir steht mein Vertrauen; du bist der rechte Gnadenthron, wer nur auf dich thut bauen, dem stehst du bei in aller Noth, hilft ihm im Leben und im Tod, darauf ich mich verlasse. Ach, Herr mein Gott! gieb mir auch neue Kraft, verleihe mir Muth, Kraft und Stärke deines heil. Geistes; ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen, aber in meines Gottes Stärke vermag ich alles. Herr! stärke mich diesesmal, mein Gott! hilf fröhlich überwinden. Der Name des Herrn sey gelobet. Psalm 94, v. 17. 19. Wo der Herr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Be tümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröstun gen ergößten meine Seele. Meine Hülfe kommt vom Herrn, also will ich mich getrösten, wann die Hülfe scheinet fern, und die Noth am allergrößten; wann kein Mensch mir helfen kann, so schau ich den Himmel an. Herr, allmächtiger Gott! von dem alle Hülfe tommt, so auf Erden geschiehet, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Noth; auf deinen Befehl rufe ich, und sage: Herr! hilf mir, Herr! erbarme dich, nimm weg die Kümmerniß und Sorge meiner Seelen, schenke mir, was ich hoffe, gieb mir, was ich bitte, Herr! es steht in deinen Händen. Röm. 5, v. 3. 4. 5. Wir rühmen uns der Trübsalen dieweil wir wis. sen, daß Trübsal Geduld bringet, Geduid aber bringet Erfahrung, Erfahrung aber bringet Hoffnung, Hoffnung aber läffet nicht zu Schanden werden. Wer hofft in Gott, und ihm vertraut, der wird nimmer zu Schanden, und wer auf diesen Felsen baut, ob ihm schon kommt zu Handen viel Unfall hie, hab ich doch nie den Menschen 64 Sprüche, Seufzer und Gebete, sehen fallen; wer sich verläßt auf Gottes Troft, er hilft seinen Glaubigen allen. Ach Herr! hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit, ich warte auf deine Hülfe, ich hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die stehet bei dir; siehe an mich betrübtes Weib, und erfreue mich wieder; laß deine Stunde anbrechen, damit ich mit fröhlichem Munde dir danken möge. Sir. 35, v. 21. Das Gebet der Elenden dringet durch die Wol. ken, und läsfet nicht ab, bis es hinzu komme, und höret nicht auf, bis der Höchste darein sehe. Ach Gott! erhör mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, du weißt meinen Schmerz, erkennst mein Herz, hast du mirs aufgelegt, so bilf mirs tragen. Pflanz nur Ge duld durch deinen Geist ins Herze, und hilf, daß ich es acht für keinen Scherze, zu demer Zeit wend ab mein Leid, durch Mark und Bein dringt mir Schmerze. Herr, allmächtiger Gott! der du der Elenden Seufzen nicht verschmähest, und der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe an unser Gebet, welches wir dir in unserer Noth vortragen, und erhöre uns gnädiglich. Psalm 55, v. 2. 3. 6. Gott! höre mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen., merke auf mich, und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule. Furcht und Zittern ist mich angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Hoff, o du arme Seele, hoff, und sey unverzagt, Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken, er warte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. in Nöthen zu sprechen. 65 Ach Herr, Herr! du kannst helfen, denn du bist ein allmächtiger Gott, du willst helfen, du bist ja mein liebreicher Gott und Vater, ach! darum so erhöre mich, laß leuchten dein Antlig, so genese ich. 2 Cor. 6, v. 2. Gott spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jeßt ist der Tag des Heils. Wenn Noth und Hülf ermangeln muß, die alle Welt erzeiget, so kommt der Hülfe Ueber. fluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vaters. augen deme zu, der sonsten nirgends findet Ruh; gebt unserm Gott die Ehre. Bo Ach Herr! ist deine Stunde noch nicht gekommen? Herr, wie lange wirst du mein so gar verges sen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt meiner nicht, feine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig, ach! um aller deiner Güte willen errette mich. Ach wie lang, ach lange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Psalm 119, v. 170. 174. 175. Herr! laß mein Flehen vor dich kommen, errette mich nach deinem Wort. Herr! mich verlanget nach deinem Heil, und habe Luft an deinem Gefeße. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Nechte mir helfen. Ob sichs auließ, als wollt er nicht, so laß dich gar nicht schrecken, denn wo er ist am besten mit, da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser seyn, und ob dein Herz spräch lauter Nein, so laß dir doch nicht grauen. Herr, mein Gott! ich will jezzo durch all mein Elend und Schmerzen hindurch, und allein auf dich sehen; ich will nicht sehen neben und um 5 66 Sprüche, Seufzer und Gebete, mich, denn da finde ich schwache Menschen, sondern über mich, gen Himmel, auf dich, o allmächtiger Gott! ach, laß deine Gnade mir beistehen, und deinen Arm mir aushelfen; hilf du mir, Gott meines Heils, so ist mir geholfen. Jer. 31, v. 13. Ich will ihr Trauren in Freude verkehren, und sie trösten, und sie erfreuen nach ihter Betrübniß. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn, und thun an seinem Theile, als hätt' in sei. nem Sinn er deiner fich begeben, und sollst du für und für in Angst und. Nöthen schweben, so frag er nichts nach dir. Wirds aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, daß du's am Ende glaubst; et wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. Ach mein Gott! entbinde mich auch von meiner Last, verzeuch doch nicht länger mit deiner Hülfe, verkehre mein Trauren in Frenden, und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Be trübniß; bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; meine Zuversicht ist auf Gott. Psalm 121, v. 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Denn Gott verläßt der Keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest. Läßt sichs an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden sollst du schauen, wie Gott wird retten dich. Herr, dreieiniger Gott! ich habe alle meine Hoff nung auf dich gestellt, nach dir sehne ich mich. Herr Gott Vater! erbarme dich mein und meines Kin in Nöthen zu sprechen. 67 des. Herr Jesu, stärke mich, und stehe mir bei. O heil. Geist! erquicke mich mit deinem Trost, daß ich bald erfrenet, entbunden, erquicket, bald Hülfe er langen werde; dreieiniger Gott! erbarme dich mein. Habac. 2, v. 3. Die Weisfagung( die Verheißung der göttlichen Hülfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an den Tag kommen, und nicht außen bleiben. Ob sie aber verzeucht, so wartet ihr, sie wird kommen und nicht verziehen. Von Gott will ich nicht lassen, denn er läßt nicht von mir, führt mich auf rechter Straßen, wann ich geh in der Irr, er reicht mir seine Hand den Abend wie den Morgen, thut er mich wohl versorgen; sey's wo ich wohn im Land. Ach ja, mein Gott! ich laß dich nicht, du fegneft und hilfft mir dann. Laß doch auf den Verzug deiner Hülfe die fröhliche Hülfesstunde anbrechen. Indessen will ich anhalten mit Seufzen und Beten, und sagen: Herr Jesu, hilf fiegen, Herr Jefu, hilf ringen, meine Entbindung, mein Leben und meine Hülfe steht in deinen Händen. Psalm 13, v. 2. 3. Herr! wie lange willst du mein so gar verges fen? Wie lange verbirgst du dein Antlig vor nrir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Schaue doch, und erhöre mich. Ach! wann wirst du dich erbarmen über meine. schwere Pein? wann wirst du mir gnädig seyn? Ach, wann wirst du mich umarmen? Ach mein Gott, wie lang, ach lang! soll mir seyn so angst und bang? Ach, mein gnädiger und barmherziger Gott! da deine Hülfe verzeucht, ist mir angst, aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater, und ich 5* 68 Sprüche, Seufzer und Gebete, dein Kind. Ach! verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir, sprich nur ein Wort, so werde ich genesen: denn wenn du sprichst, so geschiehts, und wenn du gebeutst, so stehets da. Herr! erhöre mich gnädiglich. Jer. 17, v. 13. 14. 17. Herr! du bist meine Hoffnung; heile du mich, Herr! so werde ich heil. hilf du mir, fo ist mir ge. holfen; denn du bist mein Ruhm. Sey du mir nur nibt schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir Herr Jesu! steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rath, allzeit gewiß gefunden hat, Niemand jemals verlassen ist, der sich ver. laffen auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu! all' meine Hoffnung stehet jego zu dir und zu deiner Allmacht. Hilf mir, mein Heiland! bald, wenn es dein heiliger Wille ist, hilf mir, daß ich mich über deine Hülfe er, freuen kann. O wie will ich deinen Namen rüh, men, und lobsingen, wenn du mich herrlich erlöfet hast. Meine Zuversicht stehet im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 13, v. 6. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest. Ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut. Bin ich zu schwach, laß deine Tren mir an die Seite treten, hilf, daß ich unverdroffen sey zum Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herze hofft und glaubt, und im Gebet bestandig bleibt, so lang ists unbezwungen.d Odu getreuer Heiland und liebreicher Menschen. freund! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig fudea; darum suche ich auch, Herr! dein Antlig. Svets, du kannst helfen, und hilfst auch in Nöthen zu sprechen. 69 gern, darum hoffe ich auf dich, ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott! laß es jest Zeit seyn, Herr hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen stehet meine Hoffnung auf dich fest. mad Klagt. Jer. 3, v. 18-21.4 Mein Vermögen ist dahin, aber meine Hoffnung stehet auf dem Herrn. Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen mit Wermuth und Gallen getränket bin, du wirst daran gedenken, denn meine Seele faget mire. Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Wollte mich der Herr auch tödten, läffet ihn mein Herz doch nicht, er hilft mir aus meinen Nöthen, er bewahrt mein Lebenslicht, ob er sich schon anders stellt, und bei sich verborgen hält; der mir Leib und Seel geschenket, der ists, der jetzt an mich denket. Ach ja! mein Gott denket an mich, drum sprech ich: Der Herr denket af mich, und segnet mich; er laffet fein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Ver. mögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft zu gebären, so habe ich doch bei und in Gett Kraft und Stärke. Ich werde doch meine Lust an seiner Hülfe sehen. Psalm 71, v. 20. 21. Du läsfest mich erfahren viel und große Angst. und machest mich wieder lebendig, und holest mich wieder aus der Tiefe der Erde heraus. Du machest mich sehr groß, und tröstest mich wieder. Greif mich auch nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe, du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl noch Stein, wie balde geht ein Wind her. ein, so fall ich hin und sterbe. Ach Gott! willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach so greif mich nur nicht zu heftig an, du weißt mein Vermögen, meine Kraft 70 Sprüche, Seufzer und Gebete, ist dir nicht verborgen. O darum erquicke mich; wann ich sinke, so hebe mich; wann ich ohnmächtig werde, so labe mich; wann ich müde werde, so stärke mich. Herr Gott meines Lebens! erhalte mir und meinem Kinde das Leben, dafür soll dein Name ewiglich gerühmet und gepreiset werden. Efai. 12, v. 2. 5. dan Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher, und fürchte mich nicht: denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm, und ist mein Heil. Lobfinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich be wiesen; solches sey kund in allen Landen. meu Und weil ja nach deinem Rath, ich soll ein wenig leiden, so laß mich ja in deiner Gnad als wie ein Schäflein waiden, daß ich im Glauben die Geduld, durch die Geduld die edle Huld nach schwerer Noth erhalte. G 114 DR Ach ja, mein Gott! das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird, darum, weil du meine Stärke, mein Nothhelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung; dar um will ich stille seyn und hoffen; durch Stilleseyn und Hoffen werde ich stark seyn. Ich vermag al les durch den, der mich mächtig machet, Christus. Pf. 22, v. 12. 16. i bun gyd Sey nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hie kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet, und meine Zunge flebt an meinem Gaumen. Hast du dann, Jesul dein Angesicht gänzlich verborgen, daß ich die Stunde der Nächte muß warten bis Morgen? Wie hast du doch, Süßester, können annoch bringen die traurigen Sorgen? Mustidu denn, Liebster dich also von Herzen be. trüben, daß ich ein wenig lange bin außen ge in Nöthen zu sprechen. 71 blieben, weißt du dann nicht, wie sich mein Herze verpflicht, dich stets und ewig zu lieben. Ja deine Liebe und Trene, mein Jesu! ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht, dn hast mich je und je geliebet, und kraft derselben mir oftmals geholfen, und mich errettet, darum hoffe ich du werdest auch diesesmal mich erquicken; ob gleich meine Noth groß ist, meine Hülfe noch ferne scheint, und vor Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in dem allem mein Herz auf dich gerichtet, du wirst mich noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaube ich, das weiß ich; ach Herr! stärke meinen Glauben und Zuversicht. 3 Klagl. Jer. 3, v. 22. 23. 24. Die Güte des Herrn ists, daß wir nicht gar aus sind seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Trene ist groß. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Sollt es gleich bisweilen scheinen, als ob Golt verließ die Seinen, ey, so weiß und glaub ich dieß, Gott hilft endlich doch gewiß. Hülfe, die er aufge.. schoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wanns nöthig ist. Ach, mein gnädiger Gott! deine Hülfe ist bei mir neu, du stärkest und erhältest mich augenblicklich. Wie könnte ich ohne dich alles verrichten? Dein Aufsehen bewahret meinen Odem, du du stärkest Haupt und Hände. Darum bin ich nicht verlas. sen, Gott weichet nimmer von mir, und ich weiche nicht von Gott, darum wird auch meine Hülfes. stunde bald hereinbrechen, weil ich den bei mir habe, von dem alle Hülfe kommt. 019 Psalm 4, v. 2. d. Erhöre mich, wann ich rufe: Gott, meiner Se 72 Sprüche, Seufzer und Gebete, rechtigkeit der du mich tröstest in Anast, sey mir gnädig, und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der Herr seine Heiligen wunderlich führet; der Herr höret, wann ich ihn anrufe. Sey getroft in deinem Hoffen, hilft gleich Gott nicht wie du willst, er hat bald ein Mittel troffen, daß dein Wünschen wird erfüllt. Darum getreu, getreu aushalten mußt du deinem lieben Gott," ihn mußt du stets lassen walten, wann du nicht willst haben Spott, rufe nur! er ist schon hier, sein Herz brach ihm gegen dir, rufe mur! Gott ist vorhan. den, Hoffnung machet nicht zu Schanden. Ach, mein Gott! ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich dir vertrauen in meiner schweren Zeit; wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getreu aushalten. Führest du mich wunderlich, so führe mich nur selig, ich weiß, du bist und steheft neben mir, ob du gleich dich mit deiner Hülfe noch nicht offenbarest; ich spreche indeß im Glau ben: Eile mir beizustehen, Herr, meine Hülfe. Klagl. Jer. 3, p. 25. 26. Der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. Es ist ein köftlich Ding, geduldig seyn und auf die Hülfe des Herrn hoffen. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn mit mir Mitleiden haben, und mich, wie ich es bedürftig bin, mit Gnad und Hülfe laben. Ach! ärke meine schwache Hand, ach! heil, und bring in beffern Stand das Straucheln meiner Füße. Ja, mein Gott! auf dich barret meine Seele, und mein Vertrauen wanket nicht, du freundlicher Jesu, erquicke mich mit deiner Freundlichkeit in meinen Nöthen, richte auf die wankenden Füße. Stärke die matten Hände, ich hoffe auf deine Güte, in Nöthen zu sprechen. 73 ich warte auf dein Heil, und tröste mich mit deiner Gnade. O du Gott aller Gnaden! der du uns tro stest in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Psalm 17, v. 6. 8. the Ich rufe zu dir, daß du, Gott! mich wollest er hören. Neige deine Ohren zu mir, erhöre meine Rede. Beweise deine wunderbare Güte, du Hei land derer, die dir vertrauen. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. und ng Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen deiner großen Freundlichkeit, Jesu Christel dein Erbar. men helfe meiner Blödigkeit; wirst du mich nicht zu dir ziehen, ach! so muß ich von dir fliehen. Beuch mich mit den Liebesfeilen, zeuch mich kräftig, o mein Gott! ach wie lang willst du verweilen, starker Gott, Herr Zebaoth! doch ich hoff in allen Nöthen, wenn du mich gleich wolltest tödten. Ach Herr! bewähre vor Unglück mich und mein Kind, bedecke uns beide mit deinen Gnadenflügeln, höre mein Seufzen, und hilf mir; werden die Nöthen heftiger, so laß auch kräftigere Hülfe erscheinen, ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheinet, als ob du mich tödten wolltest. O deine Hand ist nicht verkürzt, ich sehe nicht auf mein Unvermögen, sondern auf dich, gnädigen, starken und barmherzigen Gott. Hiob 5, v. 18. 19. . Gott verleget und verbindet, er zerschmeißet, und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren. Bald wird mir Hülfe werden; was soll der feige Muth, nachdem ich was auf Erden gelitten, wird es gut. Dann werd ich fröhlich fingen: Auf Gott hab ich gebaut, drum muß es mir gelingen, wohl dem, der Gott vertraut. Sprüche, Seufzer und Gebete, Ach Gott! die vorige so oftmals mir geleistete Hülfe macht mir Muth, daß du auch diesesmal werdest mein Gott, Erretter und Beistand seyn. Du bist ja noch so stark, als du vormals gewesen, hast du so vielen geholfen, so beweise auch an mir deine Güte; so soll nach der Hülfe mein Mund voll Rühmens seyn, und ich will sagen: Das hat Gott gethan, der Name des Herrn sey gelobet.n QUE SE 5 Mos. 4, v. 31. 3 # 2019 Der Herr dein Gott ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht laffen, noch verderben; wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. 91/96 1159 Jefu, mein Erretter! fiehe, wie oft ich in Nöthen bin, ach! du bists, zu dem ich fliehe, sonsten weiß ich nirgends hin; darum fürcht ich keine Noth, keine Schmerzen, Kreuz und Tod, aus den größten Leidensketten weiß mein Jesus mich zu retten. Ach, mein Vater! gedenke an den Bund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast, ge. denke, daß du mein Vater bist, und ich dein Kind; Je. su! daß dn mich gewaschen und gereiniget haft mit deinem heil. Blute, zu dir fliehe ich und flehe dich um Hülfe in meinen Nöthen an, ach! errette mich, ach! erquicke mich, ach! erfreue mich.st Klagl. Jer. 3, v. 31. 33. OUR Old The Der Herr verstoßet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach sei ner großen Güte. Denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Kein' beffre Treu auf Erden ist, denn nur bei dir Herr Jesu Christ! ich weiß, daß du mich nicht verläßt, dein Zusag bleibt mir ewig fest, du bist mein rechter treuer Hirt, der ewig mich behüten wird. Ach ja, mein Hirte wird sein Schäflein, und mein in Nöthen zu sprechen. 75 Vater sein Kind nicht verlaffen; du hast mich betrůbet, mein Gott! ach so erfreue mich auch wieder; hast du mir den Segen gegeben, ach! laß mich ihn auch erblicken; lege mein Kind, o Jesu! mir lebendig in meine Arme; ich will es durch die heilige Taufe wieder in deine Liebesarme legen, und dir wieder geben, was du mir geschenket bast; ist es mein nach der Natur und leiblichen Geburt, so soll es dein werden nach der Wiedergeburt. nach der Psalm 68, v. 20. 21. 1991 Ind Gelobet sey der Herr täglich; Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. chi ha insiston Schickt mir Gott ein Krenz zu tragen, dringt herein Angst und Bein, sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Herr! du hast diese Last mir aufgelegt, ach, nimm sie mir auch wieder ab, du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Glaubigen. O wie leicht ist es dir, mich zu entbinden, die Bande zu lösen, die Thüre aufzuthun; bei dir ist nichts unmöglich; laß mich in diesem Vertrauen auf dich beständig bis zur Stunde meiner Erlösung verharren. stess tum Psalm 50, p. 15. d. C Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen.d 19. Ach Herr Gott! wie reich tröftest du, die gänzlich sind verlassen, die Gnadenthür steht nimmer zu, Vernunft kann das nicht faffen; sie spricht: Es ist nun all's verlor'n, dan doch das Kreuz hat neu gebor'n, die deiner Hülf erwarten. Ach mein Gott! ich warte auf deine Hülfe, ich bin ohne dich gänzlich verlassen, darum rufe ich 76 Gebete, in Nothen zu sprechen. dich an in meiner Noth: errette mich, erhöre mich, erbarme dich, ach! tröste mich mit demer Hülfe, und der freudige Geist erhalte mich dir. med Psalm 30, v. 9. 11. Ich will, Herr! rufen zu dir; dem Herrn will ich flehen. Herr! höre, und sey mir gnädig; Herr! sey mein Helfer. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nüßlich sey; wenn er uns nur hat treu erfunden, und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eb wir uns versehn, und läsfet uns viel Guts geschehn. Ach ja, Herr Jesu! laß deine Hülfesflunde bald erscheinen, deiner wart ich mit Verlangen. Indes sen will ich seufzen und flehen, du wirst mich ers hören, und mir nach deiner Verheißung aushelfen. daugio 79 Psalm 109, v. 21. 26. Herr, Herr! sey du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost, errette mich. Stehe mir bei, Herr, mein Gott! hilf mir nach deiner Gnade. Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Noth, er kann mich allzeit retten aus Trübfal, Angst und Nöthen; mein Unglück kann er wen den, es steht in seinen Händen. Dieß ist der Trost in allen meinen Leiden, daß Gott bei mir ist, der mächtige Schußherr. seiner Kinder, dem empfehle ich mich, der wird es wohl machen. dission Thee Anmerk. Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Gebete und Seufzer auf dem 455. und folgenden Blatte nachzuschlagen. 753 TD( IG 77 Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin danfet. Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. & in Fin Weib, wann sie das Kind zur Welt geboren hat, denket sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Weit geboren ist: also lehret der Mund der Wahrheit, Christus, Joh. 16, v. 21. Dieses läßt auch Gott gottfelige Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Entbindung alles Trauren fahren lassen, und nun Gott hoch preisen. Sie sollen Gott preisen: 1) für seine Aamacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie ge. stehen müssen daß ohne Gottes fonderbare Hülfe all ihr Bemüben wäre vergebens gewesen; 2) sie sollen Gottes Gnade rühmen, daß er ihre Geburtsschmerzen abgekürzt und gelindert hat; 3) sie sollen Gott danken, daß er sie ihr Kind mit Freuden erblicken laffen( oder so es ja todt wäre) daß es Gott zur ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen, und nach seiner Barmherzigkeit für das irdische Leben das himmlische Freudenleben gegeben habe; 4) sie sollen die ihnen von Gott geschenkte Ruhe durch Vorwitz oder Geiz, oder unnöthiges Ulmhergehen und Bemühungen nicht brechen, sondern derselben genießen und annehmen. Denn wenn manche Kindbetterinnen in den ihnen von Gott bestimmten Ruhetagen sich oftmals wollen groß machen mit Aus- und Eingehen, fallen aber in gefährliche Krankheiten, bekommen beschwer. liche Leibesschäden, unglückliche Zufälle, so mögen 78 Die Kindbetterin danket Gott fie es sich selbst und ihrem Vorwiß zuschreiben, und den Schaden tragen, daß sie haben weiser seyn wollen, als Gott, der ihnen eine Ruhe geordnet hat, fie aber dieselbe verachtet haben. Daher auch die Chemänner ihre Cheweiber in solcher. Ruhe nicht stören, sondern nach Gottes Ordnung ihnen gönnen sollen, was Gott den Sechswöchnerinnen bes fohlen, 3 Mof. 12. sie zu keiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbett zu verlassen nöthigen sollen; 5) fie sollen Gott täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem Uebel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe in fleißigem Gebet Gott täglich vortragen. Endlich 6) ſollen sie auch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchengang wolle halten lassen. Gebet. 3 Junio Allmächtiger, großer und starker Gott! ich erscheine allhie mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohlthat, damit du mich begnadigt hast. Sch preise dich, daß du meine Geburtsschmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden, und in der Geburt deine Hand über mich gehalten hast. Herr, wie groß ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke, du hieltest mich, da ich sinken wollte, du erquicktest mich, wenn ich schwachu, ohnmächtig werden wollte, du stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja du hast alles herrlich ausgeführt, mein Kind mir geschenket, mein Leben mir erhals ten, alles Unglück abgewendet, und mich nun nach Wunsch erfreuet. Lobe den Herrn meis 79. für ihre glückliche Entbindung. ne Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Geldbet sey der Herr, denn er hat erhört die Stimme meines Flebens; der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihnhoffet mein Herz, und mir ist geholfen, und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich; saget, die ihr erlöset sevd durch den Herrn: denn seine Güte währet ewiglich: die er aus der Noth erlöset hat, und die zum Herrn riefen in ihrer Noth, und sie errettet aus ihren Aengsten, die sollen dem Herrn danken um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein Gott! ich erzähle heute dein Werk mit Freuden, und ſage: Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Ach, mein Gott! laß aber auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Beschüße, stärke und erhalte mich auch in diesem meinem Wochenbette. Ach! bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlornen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. du Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit! breite deine Gnadenflügel 80 Die Kindbetterin danket Gott aus über mein Haus, bewahre es vor Feuerund Wassersnoth über mein Wochenbett, und laß mich darin gesund meine Zeit in Ges bet und in deiner Furcht hinbringen; mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und deinem Ruhm erhalten, und mir Gnade verleihen, daß ich dereinst mit erneuerten Leibeskraften und guter Gesundheit meinen Kirchengang balten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Handen, der große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an, uns zählig viel zu gut, und jetzo noch gethan. Gefang. Mel. Nun. freut euch liebe Christeng'mein. Selobet clobet sey der große Gott, der nun die Hülf gesendet, der meine große Angst und Noth hat gnädig abgewendet, der mein betrübt Geschrei erhört, und meine Bitte mir gewährt; lobt seine Gnad und Güte.. 2. Er ist in dieser Leidenszeit mein Beistand recht gewesen, durch seine große Gütigkeit bin ich nunmehr genesen, ach! sehet Gottes Wunder an, wie er so Herrlich helfen kann; lobt seine Gnad und Güte. 3. Wie war mir doch so angst und bang, doch wurd' ich nicht verlassen, es däuchte mir die Zeit zu lang, als wir in Nöthen saßen; nun ist verfehrt die Noth in Freud, die Traurigkeit in Süßigfeit; lobt seine Gnab und Güte. 4. Ja, seine starke Gotteshand hab ich jetzt 81 für ihre glückliche Entbindung. recht gespüret, als Menschenhülfe gar verschwand, hat Gott das Werk geführet. Es fand sich Gottes Hülfe ein, und tränfte mich mit Freudenwein; lobt seine Gnad und Güte. 5. Darum will ich zu keiner Zeit, o großer Gott! vergessen, daß ich in meiner Angst und Leid in deinem Schoos gesessen; ich saß in deinem Schooße wohl, und war auf dich vertrauensvoll; lobt seine Gnad und Güte. 6. Gott sey gelobet und gepreist, die Noth ist nun verschwunden, der alle Bande leicht zerreißt, der hat mich auch entbunden; o großer Gott! ich danke dir, ja danket, danfet Gott mit mir; lobt seine Gnad und Güte. 7. Ja, ich will nun mit Lob und Preis die Zeit mit Gott hinbringen, hinfüro auch mit allem Fleiß die große Gnad besingen; ich will ihn loben, wo ich geh, ich will ihn loben, wo ich steh; lobt seine Gnad u. Güte. 8. D großer Gott! ich danke dir für dein getreues. Lieben, daß du so gnädiglich bei mir in meiner Noth geblieben, und nunmehr mich davon befreit, dir sey Lob, Preis in Ewigkeit; lobt seine Gnad und Güte. Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. est Beten und Gott anrufen die tägliche Arbeit soll eine Sechswöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen, sonderlich da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wann sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes empfehlen hat, so kann sie auch defto getroster auf die göttliche Hülfe sich verlaffen. Es soll demnach eine Sechswöchnerin am Morgen 1) Gott danken für die verliehene Nachtruhe, 2) sich und ihr Kind 6 82 Die Kindbetterin verrichtet Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, seguen und bewahren wolle. 3) Sie soll auch mit guten Gedanken den Tag hinbringen, und die bestimmte Ruhe mit Danksagung genießen. 4) Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, dieselben mit Geduld ertragen, und glauben, daß der Gott, der so herzlich sie aus Nöthen gerissen, werde das übrige Weh auch in Gnaden abwenden. Gebet. D du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, Mund und Hande, und danke dir für den gnädigen Schuß, den du mir diese Nacht geleistet hast. Dein Engel hat um mein Bett gewacht, daß mich kein Unfall gerühret, du hast mich und mein Kind bewahret, und mich diesen Morgen fröhlich wieder die liebe Sonne erblicken lassen: Herr, Herr! wie groß ist deine Gute, welche alle Morgen neu ist. Deine Gnade hat mich die Nacht um geben, dein Schuß ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Darum auf, mein Geist und Seele! und lobe den Herrn, der dir so viel Gutes gethan hat. Herr, Herr! du bist immer, und auch diese Nacht mein Beistand gewesen, du hast deine Hand über mich ge halten, ich habe erfahren, wie gnådig, wie stark, wie allmächtig, wie lieblich, wie gütig du sevest. Herr, Herr! ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes gethan hast. Ich will den ihr Morgen- Gebet. 83 Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß es die Elenden hören, u. sich freuen. Preiset mit mir den Herrn, u. lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Furcht. Da ich Elende rief, hörete der Herr, und half mir aus allen meinen Nöthen. Darum soll auch mein Mund voll Rühmens seyn, und mein Herz soll ihm danken, ja, ich will mit gefalteten Handen seine Gnade preisen. Aber ach, Herr, Herr! laß mich auch diesen Tag deinem gnådigen Vaterschutz befohlen seyn. Ich befehle dir meinen Leib und Seele, ach! bewahre meine Seele und Gemüth vor schweren Gedanken, Angst und Betrübniß. Laß hingegen deinen heil. Geist in meinem Herzen wohnen, dasselbe beiligen, mit himmlischem Trost und Freude erfüllen, damit ich den Tag in deiner Furcht, innerlichem Seelenvergnügen, in der Liebe Jesu und kindlichen Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leibe wieder die verlornen Kråste, vermehre sie alle Tage, und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, widrige Zufälle, Krankheiten und Unglück, und lindere auch das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit noch auflegen wirst. Erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es wachsen und gedeihen zu 6* 84 Die Kindbetterin verrichtet deinem Preis. Nun dreieiniger Gott! ich bes fehle mich dir ganz und gar. Herr Gott Vas ter im Himmel! erbarme dich über mich, sey mir und meinem Kinde gnådig, vergieb mir meine Sünden, segne mich und bewahre mich vor allem Uebel. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über mich, sey mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein Jesus und Seligmacher, und laß deine Gnade, wie ein kühles Thau, diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stårke mich und erhalte mich. Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über mich, bete in mir, und gieb Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sey. Nun der Herr fegne mich, und behüte mich; der Herr erleuchte sein Angesicht über mich, und sey mir gnädig: der Herr erhebe sein Angesicht aufmich, und gebe mir Frieden. Und der Fries de Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, der bewahre mein Herz, Seele u. Sinn in Christo Jesu, unserm Herrn, Amen. Gesang. Mel. Wach auf, mein Herz! und singe. Die ie Nacht ist nun verschwunden, es hat sich eingefunden das Licht, der Tag, die Sonne, und Jesus, meine Wonne. 2. Mein Jesus war mir nahe, als ich die Sonn nicht sahe, er ist mir noch zugegen, und giebt mir seinen Segen. 3. Ich bin beschützt geblieben, das Unglück ist vertrieben, ich habe sanft geschlafen bei seiner Engel Waffen. ihr Morgengebet. 85 4. Kein Leid hat mich verletzet, sein Trost hat mich ergößet, mich hat kein traurigs Schrecken vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, daß du Gefahr und Schmerzen so gnädig abgewendet, und deine Hülf gesendet. 6. Ich lag in deinen Armen, ich schlief, und dein Erbarmen läßt mich jetzund auch sehen, der Sonnen Licht aufgehen. 7. Wie kann ich g'nugsam preisen, wie soll ich Dank erweisen dem, der mir Heil und Leben bis hicher hat gegeben. 8. Der Tag ist aufgegangen, mein Jesu, mein Verlängen, laß mich in deinem Segen ihn auch zurücke legen. 9. Kommt Kreuz, so komm geschwinde, hilf mir und meinem Kinde laß mich und es gedeihen, und uns in dir erfreuen. 10. O Jesu, meine Freude! o meiner Seelen Waide, laß mich in allen Dingen mit dir den Tag hinbringen. 11. Wenn ich will vor dich treten, ach! so erhör mein Beten, regiere meine Sinnen, begleite mein Beginnen. 12. Ach! stärke meine Glieder, gieb mir die Kräfte wieder, laß mich erfreut ausgehen, und deinen Altar sehen. 13. Bewahre mich vor Sünden, und laß mich Gnad empfinden, wenn ich das Leid dir klage, das ich noch an mir trage. 14. In jeder Tagesstunde will ich mit Herz und Munde, mit dankbarem Gemüthe stets preisen deine Güte. 15. Ist mun der Tag verflossen, darin ich hab genossen den Schuß, der mich umgeben, und mir erhält mein Leben. 86 Die Kintvetterin verrichtet 16. So will ich dir lobsingen, und mein Lobopfer bringen, und deinen großen Namen von Herzen preisen, Amen. Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. die zween Jünger Jefu bei sich hatten den Tag über gehabt, so wollten sie ihn auch nicht am Abend von sich lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, Herr! denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget, Luc. 24. Also soll auch eine Kindbetterin mit Gebet den Tag anfan. gen und beschließen, und die Guadengegenwart ih res Gottes sich zum Schuß in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie Gott danken, daß Gott den Tag über sie vor Schmerzen und Zufällen, und ihr Kind vor Unruhe bewahret. 2) Sollte aber Gott nach seinem Rath noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll fie Gott preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe hat ausstehen können, und er sie den Abend erleben lassen. 3) Hierauf soll sie fich und ihr Kind dem Schuß des dreieinigen Gottes zu der bevorstehenden Nacht empfehlen. 4) Sie soll sodann nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken, und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen ihres lieben Got tes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott denken, sich in ihm erfreuen, und sich ihn ergeben. Gebet. Als Is Herr err, allmächtiger Gott! wie soll ich dir genug danken für deine Liebe und Treue, die du mir diesen Tag erwiesen hast! Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schuß glücklich hingebracht, ich habe den Abend fröhlich erlebt, ihr Abend. Gebet. 87. die Schmerzen und Beschwerlichkeiten meines Standes hast du mir helfen tragen und überwinden, du hast mich beschüßer und bewahret, du bist mein u. meines Kindes gnädiger Vater, Schuß- Gott u. Beistand gewesen. Herr! da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen, u. mich mit Freuden gegürtet. Auf daß dir lobs finge meine Ehre, und nicht stille werde: Herr, mein Gott! ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedecket, ach! so breite auch deine Gute in dieser Nacht über mich aus; behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gethan habe. Ich will mich nun legen, o Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit! in deine Arme, und will sprechen: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, Herr! bilfst mir, daß ich sicher wohne. Befiel dem Engel, daß er komm, u. mich bewach dein Eigenthum, gieb uns die lieben Wächter zu, daß wir vor'm Satan haben Ruh; so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns seyn. Ja, großer Gott! in deinem Namen will ich jetzt einschlafen, u. meine Augen schließen, ach! wache du selbst um mein Die Kindbetterin verrichtet Bette, und treiße zurück alles, was meine Rube verstören kann. Herr Gott Vater! laß nur dein Vaterherz diese Nacht offen stehen. Herr Jesu, du Licht meiner Seele! umleuchte mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht: werther heiliger Geist! erwecke in mir auch heilige Begierden und Verlangen, finge und bete in meinem Herzen, und versiegle in mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sey. Odu dreieiniger Gott! laß mich also in deis ner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß ich, wann ich erwache, annoch bei dir sey. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, da ich alsdann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesene Wohlthaten loben und preisen will. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe Jesu decke mich, und der Beistand des werthen beiligen Geistes stårke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein Jesu! bei mir bleibe, D Seelenlicht! der Sünden Nacht vertreibe, geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit! er: leuchte mich, ach Herr! denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen; ach! laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen. Lebenssonn! erquicke meinen Sinn, ich laß dich nicht, da nun der Tag ist hin. Gesang. 88 Mel. O Gott! du frommer Gott. Herr err Jesu, wahres Licht! der Tag ist mun vergangen, es hat sich eingehüllt der Sonne güldnes Prangen; Herr Jesu, wahres Licht! ihr Abendgebet. 89 ach! weiche nicht von mir, laß mich vereinigt seyn auch diese Nacht mit dir. 2. Dir leb ich, weil ich leb, denn du haft mir mein Leben, sammt deinem Segenstrost aus großer Güt gegeben, dir leb ich, Seelenfreund! bir leb ich nur allein, mein Herz und Seele soll, Herr! deine Wohnung seyn. 3. Herr Jesu! gieb mir auch in dieser Nacht den Segen, ach! decke du mich zu, ich will zur Ruh mich legen, Herr Jesu! bleib bei mir, ach! siehe, es wird Nacht, hab auf mein Leib und Seel, mein Heiland! allzeit acht. 4. Dir sterb ich williglich, wenn ich dereinst soll sterben, denn du hast mich gemacht zu deinem Himmelserben, dir sterb ich jeden Tag, und sterb den Sünden ab, im Sterben leb ich dir, weil ich dich, Jesum! hab. 5. Dein bin ich Tag und Nacht, des Tags wirst du mich leiten, ach! weich des Nachts auch nicht, mein Gott! von meiner Seiten, dein bin ich allezeit, gesund, krank und betrübt, ich weiß in jedem Stand, daß mich mein Jesus liebt. 6. Todt und im Grabe seyn, pflegt andere zu erschrecken, doch aus dem Grab und Tod wird Jesus mich erwecken; todt und begraben seyn, ruft uns das Bette zu, doch Jesus weckt mich auf vom Tod und Schlafesruh. 7. Lebendig werd ich auch aus meinem Bett aufstehen, und nach genossener Ruh das Licht der Sonne sehen, lebendig bringt mich auch mein Jesus aus dem Grab, nachdem in seinem Arm ich ausgeschlafen hab. 8. Amen, erhöre mich, und laß mich süße schlafen, wend alles Unglück ab durch deiner Engel Waffen. Amen, nimm auf dein Kind, mit Jefu schlaf ich ein, mein Jesus soll im Schlaf in meinem Herzen seyn. 90 Die Kindbetterin betet vor und nach der Taufe ihres Kindes zu Gott. Aufmunterung. Chriftliche Eltern, welchen Gott Kinder schenkt, können sich nach der Geburt- derselben nichts angelegentlicher seyn lassen, als daß sie dieselben, so bald es die Umstände erlauben, durch die heil. Taufe in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen laffen. Da aber der Taufbund ein so wichtiger Bund ist für Zeit und Ewigkeit, so wird eine fromme Mutter ihr Kind 1) vor der Taufe Gott demüthig vortragen, daß er es möge zur heil. Taufe gelangen lassen, und es als sein Kind in Guaden aufnehmen, 2) nach der Taufe Gott für diese große Gnade danken, und das Kind in Gottes fernern Schuß befehlen. nd in Gottes fe Sebet. Che das Kind zur heiligen Taufe gelanget. du gnädiger und liebreicher Gott! der du der rechte Vater bist über alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden. Siehe, ich komme zu dir in wahrer Demuth meines Herzens, und trage dir mein neuges bornes Kind vor. Ach, barmherziger Gott! nimm doch den von dir geschenkten Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an, ach! laß es dein Kind seyn, beschirme und erhalte es. Du hast, o Jesu! gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, u.wehret ihnen nicht; siehe, ich bringe dir auch an diesem Eage mein Kind, gieb ihm deinen heil. Geist, der es durch Wasser und Geist wiedergebäre, der es heilige, regiere, und sein Herz mit Glauben und Gebet nach der heiligen Taufe. 91 himmlischen Lichte erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre, und verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht u. dir zum Preis erziehen könhe. Ach mein Gott! hiemit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigenthum; ich lege es, o himmlischer Bater! in die Arme deiner Barmherzigkeit, ach! versorge u. beschüße es. Ich übergebe es dir, o Jesu! wasche es mit deinem heil. Blute, verbirg es in deinen Wunden wider alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o Gott heil. Geist! zu deiner Pflege, ach! heilige es durch u. durch, damit sein Geist fammt Seel und Leib möge unstråflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Gebet. Wenn das Kind die heil. Taufe empfangen hat. Leaf Laß, o Gott! diesen Tag seyn meines Kindes Bundes, Segens- und Wiedergeburts Tag, und gieb, daß es dessen allezeit eingedenk bleibe, u. ich es oft daran erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals wieder brechen, und aus dem Stande der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heili gung verharren bis an sein Ende, da du es wirst als dein Kind und Erbe zu der ewigen Freude aufnehmen. Du Volk, das du getaufet bist, u. deinen Gott auch kennest, auch in dem Namen Jesu Christ, dich und die Deinen nennest, nimms wohl in Acht, und denk daran, wie viel dir Gutes sey gethan am Tage deiner Taufe. 92 Die Sechswöchnerin schicket sich Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchengang. Aufmunterung. Mann Gott eine Sechswöchnerin gnädiglich ihre sechs Wochen erhalten, ihre Kraft ihr wieder gegeben, sie gestärket, sie und ihr Kind vor Unglück bewahret, daß sie nun ihren Kirchengang halten kann, so soll ja allerdings ihr Mund voll Rühmens seyn, und den allerhöchsten Gott dankbar preisen und loben. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraft. los sie sich in ihr Bette gelegt, aber auch, wie Gott thre Kräfte erneuert, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. 2) Sie soll gedenken, wie andere Sechswöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, ja, gar gestorben. Wenn aber Gott fie davor bewahret, so soll sie dès Lobens und Dan. tens nicht vergessen. 3) Wenn sie über das auch ihr Kind frisch und gesund siehet, so hat sie Ursache, dieſe Hohe Wohlthaten Gottes demüthigst zu erkennen. 4) Ihr Kirchengang foll geschehen mit Andacht, einem dankbaren Herzen und lobenden Munde. 5) Sodann soll sie ihr Gebet, Fürbitte und Danksa. gung verrichten, Gett loben, sich und ihr Kind Gott befehlen, den Segen empfangen, und hernach der empfangenen Güte Gottes alles eingedenk bleiben. Gebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er an mir gethan bat? ja, der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. O du gnädiger und starker Gott! ich will nun meinen Aus- und Kirchengang halten, dir in deinem Tempel zu danken für deine gnädige Hülfe und starken Beistand, den du mir bast erwiesen. Herr Gott! du hast mich glücklich entbunden, mein Leben erhal ten, mein Kind mich fröhlich lassen erblicken. zu ihrem Kirchengang. 93 Du hast, o du gnadenreicher Gott! diese sechs Wochen mich erhalten, vor Unglück bewahret, du haft mir die verlornen Kräfte wieder gegeben, daß ich nun im guten Wohlseyn kann zu deinem Tempel mich nahen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörete mich, und tröstete mich. Der Herr ist meine Macht, mein Psalm und mein Heil. Herr! ich danke dir, daß du mein Leben in der Geburt erhalten; ich danke dir, daß du mir meine Kräfte wieder gegeben; ich danke dir, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten, und dir in deinem Tempel für alle empfangene Wohlthaten danken kann; ach Herr! nimm an das schwache Lobopfer meiner Lippen. Ach, mein Gott! laß diesen Ausgang gesegnet seyn, gieb mir mit jedem Tage mehr Kräfte, laß mein Kind wachsen zu deinem Preis. Ich bringe dir an diesem Tage ein paar Turteltauben: mein dankbares Herz und meinen lobenden Mund; ach! verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Versöhnopfer: Jesu Blut und Tod in wahrem Glauben; damit reinige mich und wasche mich. Schopfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich schon in der heil. Taufe gethan, ach! sey sein Vater, Pfleger, Schußberr, Erhalter und gnådiger Gott. Laß deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet seyn über mich und mein Kind, laß uns vor dir leben, und 94 Die Sechswöchuerin schicket sich deinen Namen preisen. Gieb, daß ich dieser Wohlthat allezeit eingedenk seyn und bleiben möge, damit ich im Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht beharren, und darin auch meine Kinder erziehen möge. Sieb mir u. meinen Kindern deinen beil. Geist, der uns erleuchte, beilige, regiere u. führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder werden zu deiner Herrlichkeit eingehen in das neue Jerusalem, wo du selbst Sonne und Licht bist. Ich will, so lang ich lebe bier, den Herren preisen für und für; viel Gutes hat er mir gethan, viel mehr als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, u. sonderlich zu diesemmal, hat er allein durch seine Hand das Unglück von mir abgewandt, Amen. Gefang. Gott Mel. Alle Menschen müssen sterben. ott hat mein Gebet erhöret, also sprech ich hochcrfreut, weil er das, was ich begehret, gnädiglich verlichen heut; nun erkennet mein Gemüthe, Gottes große Gnad und Güte, der betrübt, und doch zuletzt uns in Fried und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gcbet erhöret, meine Traurig keit und Klag hat nunmehro aufgehöret, nachdem dieser frohe Tag alles Ungemach vernichtet, mir ein Lachen zugerichtet, der nach der betrübten Nacht alles hat voll Freud gemacht. 3. Gott hat mein Gebet erhöret, denn als ich in Nöthen schrie, hat er sich zu mir gekehret und ges sprochen: Ich bin hie; ich bin hie, ich will dich retten, und an deine Seite treten, ich war, da bu riefest mir, gar nicht ferne mehr von dir. 4. Gott hat mein Gebet erhöret, preiset mit mir zu ihrem Kirchengang: 95 17 Alle Gott, der da gnädiglich gewähret alles das, was 11 uns ist Noth, der da liebreich den ansiehet, der im Glauben zu ihm fliehet, und zu uns in Trübsál spricht: Seyd getrost, ich laß euch nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret ,. traue ihm nur wer du bist, ich, ich bin jetzt nun gelehret, daß er unser Helfer ist; Gott kann schützen und auch decken, und zu uns'rer Hülf ausstrecken seine starke Hülfeshand, die mein Leiden hat gewandt. 6. Gott hat mein Gebet erhöret, also sprech ich, wo ich geh, meine Freud wird stets vermehret, wenn ich seine Hülf anseh: darum lern auf Gott vertrauen, und auf seine Hülfe bauen, so wirst du auch gleich wie ich, Hülf erlangen gnädiglich. Die gottselige Mutter danket Gott, wann ihr Kind entwöhnet wird. Aufmunterung. Hat eine gottfelige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, erneuert sie wenn nun das Kind soll entwöhnet werden. Denn ist das nicht eine große Gnade, daß. Gott die Milch dem zarten Kinde gedeihen lassen, daß es nunmehr gewachsen, stark geworden, und an Kräften zugenommen, daß es ohne Milch kann mit Speise erhalten werden? Darum soll 1) eine gottselige Mütter Gott danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Stärke gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kaun. 2) Sie soll Gott danken, sonderlich wenn sie ihr Kind selbsten gefillt, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben seinen Segen verliehen, ja dadurch ihr Kind gedeihen lassen. 3) Sie foll Gott anrufen, er wolle auch dem Kinde nun die Speise fegnen, es laffen aufwachsen zu seinen Ch ren, und wie es an Jahren zunimmt, auch sein Herz 96 Die gottfelige Mutter danket Gott mit den Gaben des heil. Geistes erfüllen. 4) Und weil auch die Kinder sich um diese Zeit zum Allein gehen bequemen, so soll die gottfelige Mutter Gott bitten, er wolle ihr Kind selbst gångeln, durch seinen heiligen Engel beiwohnen, vor schwerem Fall behüten, die gesunden und geraden Glieder erhalten, und also in seiner Gnade und Schutz von einem Alter zum andern gelangen lassen. Gebet. armherziger und gnådiger Gott! wie ist mein Herz erfreuet, daß ich nun auch die Zeit erlebet, daß ich mein Kind der Mutters brust entwöhnen kann. Oliebreicher Gott! du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, unter so vielen Zufällen erhalten, ihm sein zart Leben gefristet, und nunmehr so weit kommen lassen, daß es zu seiner Erhaltung stärkereSpeis se bedarf. Gelobt sey deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutter brust bisher gesegnet hast, daß es zu Kräften gekommen, und von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Segen, habe Dank für deinen Schuß, habe Dank für deine Treue und Gnade. O Herr! du thust alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutterbrust Speise und Trank in Milch verwandelst und derselben eine nåhrende Kraft beilegest, daß die Kinder da durch gelabet, erquicket und gestärket werden. Ach Gott! hast du nun meinem Kinde die Mutterbrust gedeiben lassen, ach! so segne ihm auch die übrige Speise und Trank, dazu wenn ihr Kind entwöhnt wird. 97 ich es angewöhnen will, gieb, daß es sich dazu williglich bequeme, laß es auch dadurch ferner wachsen, und mit jedem Tage, Woche und Jahr an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es will anfangen zu geben, begleite es durch deinen Engel, halte es, wenn es fallen will, behüte es, wenn Gefahr vorhanden ist. Ach! laß dieses mein Kind dir empfohlen seyn, an Leib und an der Seele, stårke es auch an dem inwendigen Menschen, heilige es durch deinen heiligen Geist, daß es in Gehorsam und Gottesfurcht sich gern erziehen lasse, nicht widerspenstig sich beweise, sondern als ein frommes Kind gern folge und höre; gieb ihm deinen. beiligen Geist und ein frommes Herz, damit ich allhier Freude an ihm erleben, und mit ihm zu deiner Herrlichkeit eingeben möge. Sehr groß, v Herr! ist deine Güt, die mich beschüßzet und behüt't, ich will sie rühmen hier auf Erd', so lang ich Athem haben werd, Amen. Gefang. Mel. Gott! bu frommer Gott. Der Herr, der große Gott, der seinen reichen Segen auf mich geschüttet hat, als einen sanften Regen, den preis ich diesen Tag, da ich und auch mein Kind, in allem Wohlergehen annoch im Segen sind. 2. Hat großes Ungemach viel andere gedrücket, so hat mit seiner Gnad der Höchste uns geschmücket; die Milch, die süße Speis, o welche große Gnad! ist, welche Gott! bisher mein Kind gesegnet hat. 3. An mir und meinem Kind sind Wunderding geschehen, das muß ich diesen Tag zu Gottes Preis geste7 98 Erinnerung und Trost hen, und beide schüßet er, er gab uns Kraft und Stärk, bis er an uns vollbracht sein großes Wunderwerk. 4. Gethau und auch geschenkt hat Gott in jeder Stund viel Guts in reichem Maas, ich rühms von Herzensgrund; er hilft, bewahrt, er liebt, hält uns in seiner Hut, er thut an uns noch mehr, als sonst ein Vater thut. 5. Deß bin ich fröhlich heut, mein Gott! was soll ich sagen? bu haft mein Kind und mich auf deiner Hand getragen. Ach segne uns hinfort, ach sich, wir sind ja dein, ach laß uns beiner Gnad allzeit empfohlen seyn. Erinnerung und Trost Unfruchtbare. für Mein Gott läßt Eheleute ohne Kinder seyn, daß sie wie Abraham sagen: Herr! was willst du mir geben? ich gehe dahin ohne Kinder, 1 Mof. 15, v. 2., so sollen sie 1) gedenken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit können natürlich seyn bei beiden Eheleuten, denn wie Gott nicht einerlei Natur allen Menschen giebt, also auch nicht einerlei Fruchtbarkeit. Wenn nun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deßwegen mit Gott zufrieden seyn, und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der sie liebe und ihnen gewogen sey. Wie viel Bäumlein zieren den Garten, und tragen doch keine Früchte, und man hat diesel. ben doch gerne im Garten stehen. Also find auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott einem viel, dem andern weniger giebt; Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so theilt er aus. Gott hat sich vorbehal für Unfruchtbare. 99 ten drei Schläffel: den Schlüssel zum Grabe, denn Niemand kann Todte auserwecken, als Gott; den Schlüssel zum Regnen, denn kein Göze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleib, da kann Niemand öffnen, wenn der Herr zuschließt, und Nic mand zuschließen, wenn der Herr öffnet. Ist aber diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädi. ger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelaffenheit und Hoffnung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sey, sols len sie daher abnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt. 4) Es follen unfruchtbare Eheleute bedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade er. weise, und ihres Leibes und Gemüths Zustand beffer erkenne, als sie selbst; denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie doch Gott viel. leicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in Erziehung der Kinder, als auch in Kinderkrenz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Chemann viele Störungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst verhinderten, ja, vielleicht würde das Kind viel Betrübniß machen, wenn es Gott nach seinem Rath wieder sterben ließe; darum, weil Gott die Stärke und Schwach. heit der Menschen besser kennet, als sie selbst, fo beweist er ihnen darin eine besondere Gnade, welche fie doch aus Uinverstand für keine Guade halten. 5) Sonderlich aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen, und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen. 6) Es sollen gottfelige Ehefrauen den Spruch 7.* 4 100 Erinnerung und Trost Pauli 1 Tim. 2, v. 15. nicht mißbrauchen, wenn es heißt: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibet im Glauben und in der Lie be, und in der Heiligung sammt der Zucht. Denn in dem Spruch sagt Paulus nicht, daß die Weiber follen durch Kinderzeugen selig werden; denn wir werden durch das Verdienst Jefu Chrifti, und um feines vergoffenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig, Rom. 3, v. 28. Rom. 5, v. 1., und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja gar keine Jungfrau selig werden können, welches wider Gott und sein heiliges Wort ist, sondern führt diesen Spruch zum Trost der Ehe. frauey an, nämlich: Ob ihnen Gott schou große Schmerzen in der Geburt aufgelegt, darum, weil sich das Weib im Paradies verführen laffen, und die Uebertretung und Sünde eingeführt hat, daß jedoch Gott in der Geburt ihnen wolle beistehen, durchhelfen; sie sollen doch selig werden, ob fie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühlen, nämlich, wenn sie wür. den in solchem Stande bleiben im Glauben an den Herrn Jesum, in der Liebe gegen Gott und den Menschen, in der Heiligung des Lebens, und in der Zucht und christlichen Wandel. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten, und im Gebet anhalten. Etliche Bäume tragen gleich das erste Jabe, etliche aber nach Verfluß vieler Jahre. Datum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen. Werfet euer Vertrauen ( auf Gott) nicht weg, welches eine große Beloh. nang hat, Ebr. 10, v. 35. Wie nun Gott nicht allen Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohlthatên giebt, sondern dem einen früher, dem andern später, also auch in diesen Gaben. für Unfruchtbare. 101 8) Hiebei sollen sich Cheleute auch fleißig hüten ver Mißvergnügen gegen ihren Ehegatten, wenn das Weib die Schuld auf den Mann, und der Mann fie auf das Weib schieben wollte, sondern bedenken, daß es Gott sey, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will, 1 Mof. 30, v. 2.; derobalben sie doch einander herzlich lieben und mit Gott zufrieden seyn sollen, weil teines von beiden ohne Gottes Gebet, Segen und Willen etwas dazu thun kann. Absonderlich aber sollen sie sich auch vor Argwohn, Reid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbtheilung fragen und trachten, sondern aufrichtig in der Liebe gegen einander verharren, die Ohrenbläfer abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal seyn muß, eine Verordnung machen. 9) Läßt Gott es frommen Chelenten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da die, welche Kinder haben, so oft am Gebet, am Gottesdienst und Erbauung durch die Kinder verhindert werden, so können sie desto mehr dem Dienst Gottes ungehindert und ungestört abwarten. 10) Schenkt Gott chriftlichen Eheleuten keine leibliche Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich lassen empfohlen seyn, frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule halten, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preifen, und auch vor Gott rühmen werden: diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket, Matth. 25. 11) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie etwa die Kinder nur als eine Gabe Gottes halten. Meinen sie, es sey eine Naturgabe, welche 102 Erinnerung und Troft fie selbst befördern könnten, so fehlen und irren fie, und will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sey; darum will er gebeten seyn. Wenn hie christliche Eheleute mir wollten entgegen seßen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bilten, und doch Kinder zeugen, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf zu Of fenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen tommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. Gottselige Eheleute sollen es also hie machen, wie dort Ifaat, von dem es heißt: Isaak aber bat den Herrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaat, daß Kinder eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der Heer ließ sich erbitten, und Rebekka, sein Weib, ward schwanger, 1 B. Mos 25, v. 21. Dieses alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstel. len, und sich gegen alles Murren, Ungeduld und Gemüthsunruhen bewahren. Gebet. Herr, Herr! was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder. Ach, mein Gott! ich sehe, wie du andern den Ehesegen mit reichem Maaß zutheilest, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten, und nicht gegeben; Herr, Herr! laß mich doch dieses alles mit chriftlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir leicht Kinder geben, u. mich fruchtbar machen kann, wenn du willst.. für Unfruchtbare. 103 Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebt, und seine Gnade noch nie versagt hat; darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen, du weißest am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht beschert hast. Giebst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß mich in dir desto mehr er freuen, daß ich dich herzlich lieben, an dir all mein Ergößen und Vergnügen haben möge. Laß mich indessen bleiben im Glauben an dich, dreieiniger Gott, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens, ja laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor Jedermann wandeln. Laß deinen heil. Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieser dein gnädiger Wille über mich sey, dem ich mich dann vonGrund meiner Seele ergeben will. Bewahre mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ches gatten, daß ich jedoch ihn herzlich liebe, ihn für mein Kind halte, und ihn lieber habe als zehen Söhne und Tochter. Ists dein Wille, daß ich eine Zeitlang warten, und du mich jedennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen, an mich, wie an Hanna, gedenken willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir aber keinen Erben geben, Herr! so soll das mein Erbe seyn: daß ich deine Wege halte. Jesus soll meines Herzens Trost und mein Theil seyn. Herr, Herr! es ist dir alles möglich; hast du Sara und Elisabeth 102 fie fe und 104 Erinnerung und Troft über die Zeit der Natur lassen schwanger wer den, so ist es dir auch ein Geringes, meine bis her unfruchtbare Ehezusegnen. Herr! laß dich erbitten, so will ich für die Gabe dir danken mein Lebenlang, und sie dir zum Preis un Ehren erziehen, ich will sie dir durch die heilige Taufe wieder schenken. Laß mich nicht scheel tomm sehen, wenn du Andern das Haus voll Kinder ihre fenba Gott daß en feßen bitten Bei giebst, sondern desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen u. verlassenen Kin dern erweisen, dieselben kleiden, versorgen, pfle gen. Nun, Herr! deine Güte sey über uns, die wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich hilf mir, gieb mir Kinder, wenn es dir wohl gefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Schande. Ists mir nützlich, so gewähr mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte, ists abe dein Wohlgefallen nicht, so will ich dir kei Kind abzwingen, ja, ich will wider deinen gná digen Willen nichts, und auch keine Kinder haben. Herr! ich habe mein Herz vor dir aug geschüttet; ach! schicke es, wie es mir selig, un dir gefällig ist. Sieb, daß ich meine Seele Geduld fasse, bis du mir deine Hülfe erzeige wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, so ha er schon den Schluß getroffen, er weiß di geduli beste Zeit und Ziel; ich harr auf ihn, denn i macht betrügt die Hoffnung nicht, ich bin vergnüg u.mic Ich bin vergnügt, wird mir nur geben d allerhöchste Wunder- Gott ein fröhlic Maa bisher Herr cher E Ehele von d sein 2 Sfaat wärer Heer ward alles len, Gemü Her g ich seh für Unfruchtbare. 105 Herz, gesundes Leben, und was sonst meiner Seele noth; das Ulebrige, wie er es fügt, befehl ich ihm, ich bin vergnügt, Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Uh Herr! was willst du mir geben, weil ich ohne Kinvee bin? Meine Zeit und auch mein Leben geht in vielem Kummer hin; Andre muß ich fröhlich sehen, und mit Kindern einhergehen, aber ich geh ganz allein, und muß stera bekümmert seyn. 2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, als ein zartes Kind zu sehn, mit ihm allezeit zu scherzen, mit ihm hin und her zu gehn; diefes pflegt mich zu cradben, und in tausend Freud zu setzen, doch die Freude hab ich nicht, weils an Kindern mir gebricht. 3. Warum thuft du an mir minder, als an Andern, lieber Gott! Andre haben viele Kinder, die kaum haben täglich Brod; mir giebst du sonst großen Segen, aber auch, mein Gott! hingegen giebst du mir nicht diese Gab, die ich oft erbeten hab. ● 4. Ach, mein Gott! ich will nicht fragen, thue nur, was dir gefällt, ich will dieses gerne tragen alles sey dir heimgestellt; ach! du weißest meir Begehren, willst du mirs, mein Gott! gewähren so geschehe, Herr! dein Will, deinem Willen hal ich still. 5. Laß, o Herr! mir deinen Willen immerda vor Augen seyn; deinen Willen lasse stillen, wa mein Wollen wendet ein, ja, laß mir, o Gott! allem, was nur dir gefällt, gefallen, daß ich chris lich mich bezeug, und gelassen stille schweig. 6. Ich will nichts von dir erzwingen, gieb m ja kein Kind im Zorn, es möcht mir soust Jar 100 Erinnerung und Troft für Unfruchtbare. mer bringen, und mir seyn ein scharfer Dorn, t mein Lebenlang mich stäche, und mir mein Ve gnügen bräche; was mich martert, quält und stid lieber Gott, das gieb mir nicht. 7. Ich weiß, daß du mich doch liebest, daß ich sti in deiner Gnad, ob du mir schon das nicht giebest, we mein Herz gebeten hat; hab ich dich, o meine Wonne mein Gott, meine Freud und Sonne! so bin ich bir yergnügt, wie's dein Wille mit mir fünt. 8. Soll ich feine Kinder haben, so soll meine Liebe Trieb sich allein in Jesu laben, dem schen. ich mein Herz und Lieb'; Jesu! deine Lieb' un Schöne ist mir lieber als viel Söhne, wenn ic Jesum bei mir hab. so hab ich die größte Gàb. 9. Nun mein Gott! ich bin zufrieden mit der mir bestimmten Theil, welchen du mir hast beschieden alles dient zu meinem Heil, darum will ich dir vertrauen, und auf deine Hülfe bauen, mach mein Herz vertrauensvoll, gieß mir, was ich haben soll. 10. Indeß will ich Jesum lieben, in Gott haben meine Freud, mich in Lieb' und Glauben üben, unt burch stille Mildigkeit armen Kindern reichlich geben daß sie Gott zu Ehren leben, ihnen helfen, Gott zum Preis; durch mein Wohlthun, Treu und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein Gott gedenket, was er mir bestimmet hat, wer weiß, was er mir noch schenket, wer weiß, was da seine Gnad mir noch zugedacht zu geben, wer weiß, werd ich noch erheben, nach der Hülfe Herz und Mund, wenn erscheint die Gnadenstund. 12. Herr! erhöre dieß mein Flehen, ach! nimm meine Seufzer an, lasse meine Bitt geschehen, du bits, der mir helfen kann, doch laß mich in allen Fälen, alles dir, mein Gott! heimstellen, daß ich, wie 3 immer geh, spreche: Herr! dein Will gescheh. Register der Gesänge. h Herr! was willst du mir geben ! bilf mir in dieser Stund er Herr, der große Gott ie Nacht ist nun verschwunden elobet sey der große Gott ott hat mein Gebet erböret ott wird mich nicht verlassen err Jesu! wahres Licht h danfe dir, mein Gottberblick die belle Sonne h weiche nicht von Gott h will stets mit Gott umgehen ein Gott ist fa bei mir ich, die Sonn will von uns gehen ie hat der große Gott, doch mich ir haben einen Gott, der hilft Register der Andachten. Andachten für Schwangere. ie Schwangere verrichtet ihr Morgengebet ie Schwangere verrichtet ihr Abendgebet ägliche Betrachtung einer Schwangern ie Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand ie Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit te Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Fruit ie Schwangere erinnert sich der göttl. Verheißungen ie Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gotth ie Schwangere trößtet sich der göttlichen Hülfe 405 48 97 88 27. 10 31 19 43 14 23 39 41 15 21 25 28 36 in ndacht bes berännabender Geburtsstunde roff et, berahnabendor Geburt muffer bot ber Gebu. ਵਿਦਵਈ 38 m Arbets di Li id Register der Anbachten, Abgten für Gebärende. 111 al tr fer bai hd unter der Geburt Ein Anders Ley Navets fche, Seuffer und Gebert, in Nöthen zu spreheit und fürztpreden ④ 49 50 班 25 58 44 Ansacien für Kindbetterinnen. Die Kindbellerin- banfer Gott für sbre glückliche Ent bindung Die Lintvetterin berrichtet ihr Morgengebet e Kindbettein verrichtet the Abendgebet Gebety ebe bak Rind, zu heil. Taufe gelanget Gebes then bos Find die beil. Taufe empfangen hat The Sechswöchnein dicter sich zu ihrem Kirchgang Die gortfelige Mutter banker Gott, wann ihr Kind enapõhnet wird Erinnerung und Trost Für Unfruchtbare 51 54 55 56 81 86 90 91 92 95 98 gilt der begannte ihren Ressen. samen wohl über den ent. Dit gehen دیگر این که m Inches Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 5 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 4 10 Red 11 LO 5 12 13 Magenta 14 6 15 White 1₁ 7 17 16 3/ Color 18 19 B.I.G. Black