OVER V 9 $ 9309 000000 CUC 9858. SOPRA go ge GB 4704 Mein Fleiſch 182 ist die Ach Vater deck' all' meine Sünde +9 de par ein Blut in der FRAN Fechte Tran mit dem Verdien te Chri lli zut. Der mit rechtschaffenem Herzen zu seinem Jesu sich nahende Sünder, In auserlesenen Buß-, BeichtCommunion Andachten Deren sich dessen Bußfertige und nach Jesu Liebesmahl sich sehnende Seele, sowohl zur Beichte, als auch zum Gebrauche des theuren Abendmahls des Herrn bedienen kann; nebst den und 2 In gebundener Schreib- Art abgefaßten Gott geheiligten alltäglichen Morgen- und Abend Andachten Benjamin Schmolckens. Neue, mit den sieben Buß- Pfalmen Davids, wie auch einigen geistreichen Gebeten und Liedern vermehrtere Auflage. Mit Allergnädigstem Privilegio. 3wickau, in der Höfer'schen Buchdruckerei. Sonst in Chemniß bey 3. C. Stößel. G6 470 1011 is t ॥ atmo othmina mpinis one sta Univ- Bibl. Glessen Geneigter Leser! 002 & Se ist ein großes Lob, und zugleich eine hohe Strafe wahrer Glückseligkeit für ein wahres Kind Gottes, wenn dasselbige vor Gott und wie Gott selbst für rechtschaffen erklärt wird; wie der heilige Geist dem David das Zeugniß giebt, als einem Manne nach dem Herzen Gottes, Sam. 14, 14. Apost. 13, 22. so wird Assa gerühmet, daß sein Herz rechtschaffen an dem Herrn sein Lebentang gewesen, 1. B. d. Kön. 15, 14. und Paulus nennet nicht nur aus herzlicher Liebe, sondern auch nach der Eingebung des alle Dinge forschenden Geistes, Timotheum seinen rechtschaffenen Sohn im Glauben, 1 Tim. 1, 2. Dergleichen herrlichen Namen legt er auch Tito bey, Tit. 1, 4. Uch! wie mancher Christ gäbe aller Welt Titel und Herrlichkeit darum, wenn er, so oft sich sein Herz vor dem himmlischen Vater in gläubiger Unterredung ausschüttet, allemal den gnädigen Zuruf von seinem Gott hören sollte, welcher dem Nathanael widerfuhr, als der Heiland fagte: Siehe! ein rechter Ifraeliter, in welhem tein Salsch ist, Joh. 1, 47. Uber hier )( 2 dir bleibet Vorrede. bleibet wohl, theils zu großer Betrübniß der Frommen, theils zu empfindlicher Beschämung der Gott losen wahr, was die Weisheit Salamonis nach langem Forschen beklaget: Viele Menschen werden fromm gerühmet, aber wer will finden einen, der rechtschaffen fromm sey? Wer fann sagen: Ich bin rein in meinem Herzen, und lauter von meiner Sünde? Sprüchw. 20, 6. 9. Absonderlich ist dieses unmöglich, wo die Augen Gottes das Gericht halten, die heller sind, denn die Sonne; Sir. 23, 28. vor welchen auch die Himmel nicht rein, und die Heiligen nicht ohne Tadel sind, Hiob 15, 15. Diese Augen sehen nicht durch die Finger, sie sehen in die dun. kelsten und innersten Winkel. Sie ergründen das menschliche Herz, das der Mensch selbst nichter gründen kann. Jer. 17, 9. 10. Daher David spricht: Unsere Missethat stellest du vor dich, unsere unbekannte Sünde ins Licht vor dein Angesicht; Ps. 90, 8. fintemal alles blos und entdeckt ist vor deinen Augen, Ebr. 4, 13. was sonst dem Menschen verborgen ist, und er selbst sich zu verbergen suchet. Nachdem also Gott alles beschlossen unter die Sünde, auf daß er sich aller erbarme: Gal. 3, 22. Röm. 11, 22. So ist er endlich ein rechtschaffener Diener Gottes, in deß Geist kein Falsch ist, und der seine Missethat nicht verschweiget, Pf. 32, 2. sich selbst nicht heuchelt; sondern sein eigener strenger Richter wird, und bey Erkenntniß seiner vielen Sünden Gott mit einer täglichen Buße entgegen gehet, ihm seine Sünden bekennet, dabey auch keine andere Hülfe suchet, oder rühs Vorrede. rühmet, als göttliche Barmherzigkeit, die Christus darum erworben, damit der Sünder, der sie gar nicht verdient, daselbst Ruhe für seine Seele finde, wenn er sich eingefunden. Denn Gott siehet das Herz an, 1. Sam. 16, 7. Er prüfet Herz und Nieren, Pf. 7, 10. und seine Augen sehen nach dem Glauben, Jer. 5, 2. Die Reue muß also rechtschaffen seyn, jedoch nicht knechtisch. Sie entstehet aus der Betrachtung der Gerechtigkeit Gottes, die den Sündern den Fluch drohet, weil verflucht seyn soll, wer nicht alle Worte des Gesetzes erfüllet, daß er darnach thue, 5 B. Mof. 27, 26. Ist sie aber einmal in die Flamme ge= setzt, so wird die Gluth durch das Del der Barmherzigkeit Gottes vermehret und erhalten. Petrus empfand ohnfehlbar, nach der entseglichen Verläugnung seines Heilandes, die Pfeile der Gerechtig-= keit Gottes in seinem Gewissen. Er war mehr erschrocken, als betrübt. Als ihn aber Jesus liebreich anblickte, da fing er ernstlich an bitterlich zu weinen, weil er sahe, daß er den betrübet, der ihn je und je so herzlich geliebet, und aus lauter Gnade und Güte zu sich gezogen, Jer. 31, 3. Es weinet also ein rechtschaffener bußfertiger Sünder über seine Sünde mehr aus Liebe zu seinem beleidigten himmlischen Vater, als aus Furcht vor der Strafe eines eifrigen Gottes. Die Furcht ist wie Mosis Stab, die bey vielen 3weis feln den Fels des Herzens aufreißet, und Löcher macht, durch welche aber hernach sich die Liebe in milde Fluthen ergießet, 4 Mos. 20, 8. Doch je mehr die salzigen und bittern Gewässer der )( Reve Vorrede. Reue fallen, desto häufiger laufen die Ströme des lebendigen Waffers zusammen, die von dem Leibe des Heilandes fließen, Joh. 7, 28. auf eine Seele, die nach Gott geschrieen, wie der Hirsch schreyet nach frischem Wasser, Pf. 42, 1. Sch meine, der Glaube an das unendliche Verdienst Christi vermehret sich im Herzen. Er siehet das von sei nem Heiland gebüßet und versöhnet, was der Sünder verbrochen. Er fiehet das Geset erfüllet, welches dem Fleische unmöglich war zu erfüllen. Er eignet sich dieses gläubig zu, aus dem Worte zur Vergebung der Sünde und ewigen Seligkeit! So wird der Mensch lebendig, Eph. 2, 5. gerecht, Röm. 4. und selig, Röm. 8, 24. Das Undenken der herzlichen Barmherzigkeit Gottes, das Bedenken der heilsamen Gnade Gottes züchtiget ferner das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, Sit. 11, 12. die noch in den Gliedern herrschen. Der brennende Altar des Herzens wird durch das himmlische Feuer der Liebe Gottes unterhalten in der Liebe. Die Liebe führet zur Zucht; zur Gerechtigkeit und zur Gottseligkeit. Der bekehrte und nunmehr versöhnte Mensch thut rechtschaffene Früchte der Buße, Matth. 3, 8. Er sucht ein rechtschaffen Herz zu haben, das er halte die Gebote, Zeugnisse und Rechte, daß ers alles thue, 1 Chron. 30, 19. denn wer gehorsam ist in allen Stücken, der ist rechtschaffen, 2 Cor. 2, 19. Er liebet Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüthe, und seinen Nächsten als sich selbst, Matth. 22, 37. Nachdem ihn Gott Vorrede. Gott einmal gepflanzet zu einem süßen Weinstock, einen ganz rechtschaffenen Saamen, so hütete er sich, durch die Kraft Gottes, nicht wiederum zu gerathen zu einem bittern wilden Weinstock, Jer. 2, 21. Gleichwie. Christi Verdienst ihm der Grund des Glaubens zur Weisheit, Gerechtig keit und Erlösung ist, 1 Cor. 3, 11. also giebt ihm Chrifti Vorbild eine reitzende Unterweisung zur Heiligung, 1 Petr. 2, 21. so wird Christus den Gläubigen alles in allem, 6 Cor. 15, 28. Col. 3, 11. fintemal er ihnen gemacht ist von Gott zur Weisheit und Gerechtigkeit, und zur Heiligung, und zur Erlösung, 1 Cor. 1, 10. Wiewohl nun die verdrehte Natur zu keiner Vollkommenheit in diesem Leben gelanget, so will doch Gott mit dem zufrieden seyn, und das für vollkommen und rechtschaffen halten, was der Mensch in der Einfältigkeit feines gläubigen Herzens Gott zum Dienste darbringet; wie wir oben gesehen, daß Assa, Thimotheus und andere von dem heiligen Geist, als rechtschaffene gerühmt werden, die doch, wie alle Menschen, ihre Fehler hatten. Denn der Glaube an das Verdienst des Heilandes ersehet alles, was dem menschlichen Gehorsam fehlet; fintemal nichts verdammliches ist an denen, die durch den Glauben in Christo Jesu sind, Röm. 8, 1. Nur muß eine rechtschaffene Buße und ein inbrünstiges Gebet diese Gemeinschaft unterhalten. Das ist das rechtschaffene Wesen in Chrifto, aber auch die größte Kunst eines Christen. Die Bosa heit achtet ihrer nicht, die Einfalt verrichtet sie nicht, und die Trägheit des Herzens versäumet selbige. )( 3 Die Vorrede. Diesem Uebel nun abzuhelfen, hat schon der heis lige Geist in seinem Worte die Gebete rechtschaffener Herzen aufzeichnen lassen, damit der Bosheit zu wehren, der Einfalt fortzuhelfen, und die Trägheit aufzumuntern. Eben diesen Zweck haben andere geistreiche Männer gehabt, wenn sie die Gebete, so ihnen die Erleuchtung des göttlichen Worts eingegeben, die inbrünstige Andacht angegeben, die Versuchung der mancherlei Widerwärtigkeiten aber oft abgedrungen, auch zum allgemeinen Nußen anderer öffentlich aufgesetzt. Aus dieser schönen Fülle und Vorrath sind gegenwärtige Andachten und Gebete mit Fleiß ausgelesen worden, die bes sonders den Zustand eines sich zu Gott im Beichta stuhl und Abendmahl nahenden rechtschaffenen Christen, vor, in, und nach solcher höchstwichtigen Handlung, betreffen. Wir wünschen nur von Herzen! daß der barmherzige Gott unsern redlichen Zweck hierbey erfüllen wolle, der darin besteht, daß seine Ehre befördert, und rechtschaffene Seelen in ihrer vertraulichen Unterredung mit ihrem Gott kräftig unterhalten werden mögen. Er erhöre seine Kinder, die in diesen Gebeten ihr Herz vor ihm ausschütten werden, und beweise seinen Wohlgefallen an derselben durch wirkliche Ertheilung des Trostes und Segens, den er andächtigen Betern verheißen hat. Nach Vorrede. Nacherinnerung. Ni icht nur der beständige gute Abgang dieses Buches, und der daher mehrmal wiederholte Druck, sondern auch die an mehr als einen Ort fündlich unter= nommene Nachahmung und Nachdruck desselben, sind ein unwidersprechlicher Beweis, daß diese unsere Anstalt und Verfassung auserlesener Andachten mit fast allgemeinem Vergnügen überall wohl aufgenommen worden. Wir zweifeln daher auch nicht an dem das durch bewirkten heilsamen Nußen bey vielen rechtschaffenen Seelen. Nur ist zu bedauern, daß die Nachdrucker ihre unchristliche Gewinnsucht verrathen, und hiermit fehen lassen, daß ihr Herz weder gegen Gott, noch gegen ihren Nächsten rechtschaffen sey. Sie trachten mit solchen verbotenen Griffen nach des Nächsten Gut, und hoffen gleichwohl von Gott das Gedeihen dazu, dessen Hoffnung das siebente Gebot ihnen schlechterdings untersagt. Wir wünschen ihnen keinen Unsegen; finden aber auch in dem ganzen Worte Gottes für solche ungerechte Nachdrucker keinen Sea gen verheißen. Sie sollten ja endlich die Worte Luthers, deren Wahrheit so vielfältig schon durch den betrübten Ausgang unrechtmäßiger Nachdrucker bestätigt worden, bei sich Statt finden lassen: ,, So fähret der Geist zu, und thut unsern Buchdruckern ,, diese Schalkheit und Büberey, das andere bald her,, nach drucken und also der Unsern Arbeit und Unkosten ,, berauben ihren Gewinn, welches eine rechte große öffentliche Rauberey ist, die Gott auch wohl strafen ,, wird, und keinem ehrlichen christlichen Menschen wohl anstehet." In solcher unbilligen Absicht sind verschiedene( welche, so sie nicht aufhören sollten, endlich mit Naz Vorrede. Namen zu nennen seyn werden,) mit diesem Büchlein zu Werk gegangen! es aber auch damit gar sehr verderbet, daß sie die schönen Gebete in der Ordnung, Wort und Verstand verstimmelt, und mit andern Gebeten ausgetauschet. Einige haben es unter andern erdichteten Namen nachgedruckt, um ihren durch Nachdruck nicht rechtschaffen bleibenden Namen zu verbergen, und um durch solche Künste den Nächsten zu hintergehen, und, dem äußern Scheine nach, vor. geben zu können; Dieses sey der rechte mit recht. schaffenem Herzen zu seinem Jesu sich nahende Sünder; da sie doch eines ganz andern in ihrem nicht rechtschaffenen Herzen überzeugt gewesen, und die hierdurch betrogenen Käufer sich vielfältig nachher fiber solche Hintergehung beklaget haben. Inzwischen hat uns der Eifer und Fleiß noch mehr ermuntert, auf dessen möglichste Verbesserung und Vollständigkeit zu denken. Und da des bußfertigen Das vids Bußpsalmen ohnstreitig der Kern aller Bußges bete sind, so werden sie hiermit eingerückt, und die daben befindlichen Gebete und Lieder legen nicht nur den Inhalt der Psalmen deutlich vor Augen, sondern sind auch also eingerichtet, daß der wahre Verstand derselben auch von dem Einfältigsten daraus erlernt, und was das Vornehmste ist, mit der nöthigen Zueignung begriffen werden kann. Gott, der Gebet erhöret, und zu dem deswegen alles Fleisch kommt,( Pf. 65, 3.) lasse hieraus seine Ehre ferner erwachsen; er lasse auch diese Vermehrung bey diesem Büchlein gesegnet seyn; er lasse auf alle, die es brauchen, den Geist des Gebets ruhen immerdar zum Heil ihrer Seelen, Amen. Vers Register. Verzeichniß der darin enthaltenen Andachten. Von der Buße und Beichte. I. Von der Beichte zu Hause. Morgengebet am Tage, da man zur Beichte gehet Seite 1 Vermahnung zur Buße Nothwendigkeit zur Buße Nußen der Buße Gebet um rechtfchaffene Buße Bereitung zur Prüfung Prüfung und Erkenntniß der Sünden Buß Klagen wegen sündlicher Sicherheit Prüfung nach den zehn Geboten Buß Gedanken wegen übertretenen Tauf- Bundes Bereitung der Sünden II. In der Kirche. Gebet, wenn man in die Kirche gekommen ist Fortgesette Klage über die Sünde Demüthige Buß- Thränen in gebundener Rede Zutritt zur Gnade Gottes Um Vergebung der Sünden Drey bewegliche Seufzer vor dem Eintritt in den Beicht- Stuhl Kurze Beicht- Formel Ausführlichere Beicht- Formel III. Nach der Beichte in der Kirche. Die über Vergebung der Sünden getröstete und erfreuete Seele Die auf die schuldige Dankbarkeit des neuen Gehorsams bedachte Seele Danksagung in gebundener Rede Beym Ausgang aus der Kirche Subr IV. Su bause. Um neuen Gehorsam Abend Gebet nach erhaltener Absolution RECE Troft: Gedanken auf das morgende Abendmahl 16810 215 17 22 25 15 49 1854 66 66 69 41 45 63 64 68 72 78 81 87 88 90 94 Von Register. Von dem heiligen Abendmahl I. Vor dem Genuß zu banse. Morgengebet an dem Tage, da man die Seelen, Seite Speise genießen will. Bereitung zum vorbabenden heiligen Werk Gebet um heiligen Muth Betrachtung der Liebe Gottes 99 102 105 108 II. In der Kirche. Heilige Freude über die Herrlichkeit des Liebesmables Gebet um Beystand und würdige Genießung Ermunterung zum gläubigen Empfangen Beym Hintreten zum Altar Beym Empfange des wahren Leibes Beym Umgehen um den Altar Beym Empfange des wahren Blutes III. Nach Genuß des Abendmahls in der Kirche. Danksagung 125. Wenn man aus der Kirche gehet 128 IV. 3n banse. 111 113 116 121 123 123 124 125 Troft: Gedanken über die Wahrheit der Einsetz ungs Worte im Abendmahl Trost Gedanken, daß das heilige Abendmahl noch 129 132 136 so kräftig sey, als es zuerst gestiftet worden Besondere Danksagung zu Gott dem Vater Zu Gott dem Sohn 137. 3u Gott dem heiligen Geist 140 Danksagung für die geistliche Verbindung. Ermunterung zur Liebe Jefu 141 147 Gebet um beständige Erhaltung der geschenkten Wohlthaten Jesu 150 153 Um Heiligung und Wachsthum im Guten Gebet, worinnen Gott um die Regierung des ganzen Christenthums und Lebens angerufen wird Abendgebet an dem Tage, da man die heilsame Seelen Speise genossen hat 155 167 171 Die sieben Buß- Pfalmen Davids, nebst den darauf gerichteten sehr geistreichen Gebeten und Liedern Unhang Hrn. Schmolkens alltäglicher Morgen- u. AbendUndachten in gebundener Rede v. 199 bis zu Ende. Jefus JESUS. Der mit rechtschaffenem Herzen zu seinem JESU sich nahende Sünder. I. Vorbereitung zurrechtschaf fenen Buße und Beichte. Vor der Beichte zu Hause. Die I. Andacht. Morgen- Gebet an dem Tage, da man zur Beichte gehet. Jetzt steht vom Schlafe auf ein großes Sündenkind, Gieb, Jesu, daß ich heut' bey dir auch Gnade find'. Herr, wi err, wie soll ich dir vergelten alle deine Wohlthat, die du mir er. wiesen? Du hast mich diese Nacht vor dem Satan, der umher gehet, wie ein A brül. Der zu Jesu nahende Sünder, brüllender Löwe, mächtiglich beschüßzet, so, daß ich diesen heutigen Tag, an welchem ich mit Wehmuth und Traurigkeit an meine Sünden denke, frisch und ge sund erlebet habe. Wer bin ich, Herr, Herr, und was ist Gutes an mir, daß ich so unzählige Wohlthaten von dir genieße? Ich bin ein großer und schwerer Sünder( Sünderin). Meine Sünde ist mir über mein Haupt gewachsen, und meine Schuld ist groß bis in den Him mel. Dennoch hast du Geduld mit meinen Sünden, und läsfest mich in denselben nicht gar verderben und umkom. men. Als dortjener Zöllner, im Evangelio, Christum rufen hörte, stand er auf; ich bin jetzt vom natürlichen Schlafe erwacht, ich will auch aus dem Sündenschlafe aufstehen, und meinem rufenden Jesu folgen. Sein Ruf ist zur Buße. Ich will mich derowegen schicken, und diesen Tag Gott mit Buße, Reue, Leid und Erkenntniß meiner Sunden in seinem Tempel begegnen. Herr, du 2 vor der Beichte, zu Hause. du hast sonst Sünder angenommen, und mit ihnen gegessen; du wirst mich Sünder heute auch annehmen, und mir Gnade widerfahren lassen. Ich traue diesen deinen Worten: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Daraufwage ich es, und gehe heute hin zu deinem Diener, der im Beichtstuhle an deiner Statt sißet, und will dir meine Missethat nicht verhehlen. Regiere mir meinen Sinn und mein gan zes Herz, daß es sich gänzlich reinige von allem Bösen. Gieb mir auch die gewisse Zuversicht und das Vertrauen in mein Herz, daß alle diejenigen Sünden, wor über ich wahre Reue und Leid habe, und die ich sowohl im Herzen als mit dem Mund beichte und bekenne, mir von deinem Diener ebensowohl vergeben werden, als wenn du zugegen wärest, und mich davon losspråchest. Denn ſolches lehren mich auch deine selbst eigenen Worte, da du zu deinen Jüngern sprachest: Nehmet hin den heiligen Geist; 22 wel3 Der zu Jesu nahende Sünder, welchen ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Anbey bitte ich dich, liebster Heiland, du wol lest mich diesen ganzen Tag vor groben Lastern und vor wissentlichen, vorsätzlichen Sünden bewahren. Und so auch mein schwaches Herz voneiniger Sünde sich sollte überwältigen lassen; so wirke du doch alsbald in mir eine wahre unverfälschte Buße, daß dieselbe auf glei. chem Wege der Sünde alsobald nachfolge, und sie sich nicht vermehren möge. Behüte mich auch heute vor allen mei nen geistlichen und leiblichen Feinden, damit keiner mich in meiner Buß- An. dacht störe, noch verhindere. Und weil vornehmlich diese Zeit der Satan ſehr geschäftig ist, und durch Anstiftung al lerhand Böses den bußfertigen Sünder am Gebet und guten Vorhaben hindern will: so bitte ich dich, du Leberwinder der Hölle und des Todes, daß du mir kräftig beystehen, und mich wider die li stigen 4 vor der Beichte, zu Hause. stigen Anläufe des Satans beschützen wollest. Nimm in Gnaden hinweg alles andere, so mir heute an meiner Andacht hinderlich seyn könnte. Regiere auch mein Herz und Sinn, daß ich nicht mit wissentlichem Groll, Zorn und Feindschaft in den heiligen Beichtstuhl trete; sondern vorher die Wortewohl zu Herzen fasse: Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem Altare deine Gabe, und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe. Thate ich dieses nicht, so würde mir mein Kirch-, Beicht- und Abendmahlgehen nichts helfen, sondern mich nur desto mehr zur Verdammniß befördern. Derowegen, sanftmüthiger Jesu! verleihe, daß ich aus Herzensgrund meinen Feinden möge vergeben; verzeihe mir auch zu dieser Stunde, schaff mir ein neues Leben. Schaff in mir, Gott, ein 2 3 rei. 5 6 Der zu Jesu nahende Sünder, reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erhöre dieses mein andächtiges Morgengebet in einem andächtigen und auf das theure Verdienst Jesu festgegründeten VaterUnser 2c. Die II. Andacht. Vermahnung zur Buße. Auf! auf! meine Seele, aus dem Sündenschlafe, und säume nicht långer, dich mit deinem Gott zu versöhnen, welchen du mit deinen vielfältigen Sünden, bösem Wesen und gottlosem Leben bisher so sehr erzürnet hast. Săume nicht, säume nicht, und spare ja nicht deine Buße långer, auf daß der Zorn Gottes dich nicht übereile, und du unbereitet zum Abschiede aus dieser Welt erfunden, und in die ewige Verdammniß hernachigestoßen werdest. Bedenke doch dein Elend und deinen jämmerlichen vor der Beichte, zu Hause. 7 chen Zustand in diesem Leben. Denn es ist hier gar bald um dich geschehen; darum siehe wohl zu, wie du dich verhal test. Denn heute bist du ein Mensch, und morgen nicht; und wie du dann ge lebt, also wirst du auch deinen Lohn empfangen. Darum sey allezeit bereit, und lebe in steter Buße, also, daß dich der Tod nicht unbereitet finde. Viele Leute sterben plötzlich, unbereitet und unversehens, mit denen es dann sehr gefährlich um ihre Seele stehet; denn in der Stunde, in welcher man es nicht vermeynet, wird des Menschen Sohn kommen. Alsbald, wenn nun die letzte Stunde kommt, so wirst du dein und deines Lebens Lohn viel anders empfinden: denn du wirst traurig werden, daß du säumig und hinlässig gewesen bist. Darum, mein lieber Freund, thue jetzt was du thun kannst, denn du weißt nicht, wenn du stirbst, und was dir nach dem Tode erfolget. Sammle undergånglichen Reichthum, dieweil du Zeit 24 hast. 8 Der zu Jesu nahende Sünder, hast. Gedenke an nichts mehr, als an dein Heil; halte dich auf dieser Erde als ein Pilgrim, dem die Weltgeschäfte nichts angehen. Behalte dein Herz frey und aufgehoben zu Gott, denn du hast hier keine bleibende Stätte; dahin sen de dein Gebet und Seufzen mit Thrånen, auf daß dein Geist selig nach dem Tode zu dem Herrn einzugehen erlangen möge, Amen. DielII. Andacht. Nothwendigkeit der Buße. Thue Buße! Es ist schon die Art dem Baume an die Wurzel geleget. Matth. 3, v. 10. N un, meine Seele, was du thun willst, das thue bald. Eine Sache, daran die Seligkeit hångt, leidet keinen Aufschub. Wer hier in der Zeit der Gnade nicht höret, wenn Gott ruft, der ruft am jüngsten Tage gewiß ver geblich: Dihr Berge, fallet über mich! Willst du deine Buße anfangen, so thue es im Namen des Anfängers und Voll vor der Beichte, zu Hause. 9 Vollenders des Glaubens, rühmlich deines Herrn Jesu. Und ich sage nochmals: Thue es beyZeiten! Verziehe nicht dich zum Herrn zu bekehren, und schiebe deine Buße nicht von einem Tage auf den andern. Höre, was dein Geist den Gemeinen saget: Thue Buße! es ist die Art den Bäumen schon an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht wird gute Früchte bringen, der wird abgehauen und in das Feuer geworfen werden. Da bedenke nun deine Seligkeit. Hüte dich vor dem Zorne Gottes und seiner Gerechtigkeit; fliehe zu seiner Barmherzigkeit, und begegne deinem Gott mit rechtschaffener Bußfertigkeit. Warum wolltest du verziehen? An ei nem Augenblick hanget die ganze Ewigkeit. Dein Leben ist nichtig, die Zeit flüchtig; der Tod gewiß, die Stunde aber ungewiß. Der Satan feyert nicht, und Gottes Reich verziehet nicht. Die Gnadenthüre ist jetzt offen; bald, bald aber wird sie zugeschlossen. Meine 25 Seele! 10 Der zu Jesu nahende Sünder, Seele! sey eine kluge Jungfrau, und schmücke deine Lampen. Jetzt kannst du noch Del finden, aber bald wird Allles zerrinnen. Darum heute, da du die Stimme deines Gottes hörest, so verstocke dein Herz nicht. Bald bist du nimmer da. Die IV. Andacht. Nußen der Buße. Ich empfinde Furcht und Schrecken; Meine Seele, laß dich wecken! Der er Sünder Freund meint es treu. Meine Seele folge gutem Rath, schicke dich und begegne deinem Gott. So wahr, als ich lebe, spricht er, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gott losen, sondern will, daß er sich bekehre, und lebe. Er will dir ein neues Herz schaffen; du sollst aber zuvor Reue und Leid über deine begangenen Sünden empfinden. Er will dir einen neuen Geist schenken; du sollst aber zuvor dein Fleisch Freu vor der Beichte, zu Hause. kreuzigen, samt den Lüsten und Begierden. Er will das steinerne Herz von dir wegnehmen; du sollst es ihm aber nicht widersetzlich vorbehalten. Er will dir ein fleischernes Herz geben; du sollst es aber nicht wieder aufs neue verhärten. Er will einen solchen Menschen aus dir machen, der in seinen Geboten wandelt; du sollst aber auch Lust haben an dem Geseße des Herrn, und reden von seinem Geseße Tag und Nacht. Er will aus dem Sünder einen bußfertigen Menschen, aus dem Bösen einen Frommen, aus dem Gottlosen einen Gerechten, aus dem Kinde des Todes und der Hölle ein Kind des Lebens und der ewigen Seligkeit machen. Ist das nicht gut ge meint? Meine Seele, folge gutem Rath; liebe den Sündenschlaf nicht lån. ger. Der dich warnet, ist dein Freund; der dich einschläfert, ist dein Feind. Der letzte trachtet dir nach Leib und Leben, nach Seele und Seligkeit. Fliehe hin! fliche zu Jesu, und seufze: Die Ang| t 11 12 Der zu Jesu nahende Sünder, Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen! Ich will vom Sündenschlaf nunmehro auferstehn, Und durch rechtschaffne Buß' zu dir, mein Jesu, gehn. Die V. Andacht. Gebet um rechtschaffene Buße. S nådiger, barmherziger Gott, der du geduldig bist, von großer Güte und Treue! Du rufest uns täglich durch die Gnaden- Predigt deines Wortes zur christlichen Bekehrung, und läsfest in dei nem Namen allen Menschen verkündigen Buße und Vergebung der Sünden; dazu auch, so hast du mit uns Geduld, nach deiner Langmüthigkeit und unausſprechlichen Barmherzigkeit, indem daß du die Sünder nicht plößlich überfällst auf frischer That und Mißhandlung, mit deinem gerechten Zorn und Gerichte dieselben zu strafen, sondern giebeſt Raum und Frist zur Bekehrung, daß nie vor der Beichte, zu Hause. 13 niemand billig über dich zu klagen hat, und dich beschuldigen kann; denn es ist ja nicht dein Wille, daß jemand soll verloren werden, sondern daß sich jedermann zur Buße bekehre, und das ewige Leben habe. O lieber Gott, du weißt unsers Fleisches Trägheit, und des Herzens Härtigkeit, daß wir durch die Erb. fünde dermaßen verrückt, und so tief in die Sünde gefallen sind, daß wir von uns selber nicht können aufstehen, oder wiederkehren. Darum bitte ich dich, durch die Wunden Jesu Christi, meines Herrn, bekehre mich, so werde ich bekehret; denn du bist mein Gott, und so ich bekehret werde, thue ich Buße. Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Siehe, ich bin wie ein verirrtes und verlornes Schaaf; suche deinen Knecht( Magd), auf daß ich nicht vergesse deine Gebote. Beschneide du die Vorhaut meines Herzens, entsündige mich, daß ich rein werde, wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Schaf Der zu Jesu nahende Sünder, Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Siehe mich an in der Maaße, wie du angesehen haft Mariam Magdalenam, die bußfertige Sünderin, als sie lag zu deinen Füßen, und herzlich weinte über ihre Missethat; und den Zöllner im Tempel, als er an seine Brust schlug und um Gnade bat. Verleihe mir ernstlich Reue und Leid über meine Sünde, und einen wahren Glauben, mit rechter Zuversicht auf deine Gnade, dazu würdige Früchte der Bu ße. Laß mich die Zeit meiner Heimfnchung erkennen, und den Reichthum dei. ner Güte nicht verachten, auf daß ich die angenehme Zeit und den Tag des Heils nicht versäume, noch verziehe, mich zu dir, meinem Gott und Herrn, zu bekehren, meine Buße nicht aufschie be von einem Tage zum andern, daß ich mich heute diesen Tag bessere, Amen. Die 14 vor der Beichte, zu Hause. Die VI. Andacht. Bereitung zur Prüfung. Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, das verborgen ist, es sey gut oder böse. Pred. 12, v. 14. 15 S weh! wer wird da bestehen? Mein Gewissen ladet mich jetzt vor Gottes Gericht. Mich důnkt, ich sehe den strengen Richter auf dem GerichtsStuhle. O weh mir! der Glanz seiner Majestät erschrecket mich. Ach! was soll ich thun, daß ich nicht verdammet werde? Gott sißzet auf dem Stuhle, ein gerechter Richter; meine begangenen Sünden kla. gen mich vor ihm an. Weh mir! die Ge richtsbücher sind schon aufgethan. Ich sehe nicht allein alle meine Werke und Worte, sondern auch alle meine Gedanken aufgeschrieben. Das Urtheil ist abgefasset, der Stab ist gebrochen. Was will ich antworten? Wie will ich bestehen? Am besten, die Schuld erkannt und sich gedemüthiget. Ich falle daher nie 16 Der zu Jesu nahende Sünder, nieder vor deinem Angesichte, o du gerechter Richter! und verhehle meine Mis sethat nicht. Ach siehe meine thránenden Augen! Siehe mein zerschlagenes Herz! Höre das Seufzen meines Mundes! Siehe das Händeringen und Brustschlagen! Ich weiß, ich habe nichts als ewige Bestrafung verdienet; aber, Herr, laß Gnade vor Recht gehen. Handle nicht mit mir nach Gerechtigkeit, sondern nach Barmherzigkeit. Ach! Herr, schone, mir nicht nach Sünden lohne. Willst du denn mir nicht verzeihen? Ach, Vater! ach mein Vater, willst du denn dein Ant. litz von deinem Kinde abwenden? Bin ich dessen unwürdig? Schau die Wunden deines Sohnes an; derselbe hat für mich genug gethan. Auf dessen Verdienst traue ich; wer will mich beschuldigen Er ist mein Fürsprecher; wer will mich verdammen? Höre diesen, mein Gott, wenn er für mich bittet. Verstoße mich nicht, wenn ich in diesem Namen bete. Antworte mir, mein Vater, willst du dein vor der Beichte, zu Hause. dein Kind wieder zu Gnaden annehmen? Ja, ich bin barmherzig, und will nicht ewiglich zürnen! Allein, erkenne deine Missethat, daß du wider den Herrn, deinen Gott, gesündiget hast. Nun, Herr, das will ich thun. Ich will noch Heute eine genaue Prüfung meines bisHer geführten Lebens anstellen. Gieb mir nur alles zu erkennen, und rühre mir das Herz. Thue dieses, mein Vater, um deines lieben Sohnes Jesu wil len. Amen. Die VII. Andacht. Prüfung und Erkenntniß der Sünden. Sünder, ach! wach auf von Sünden, Willst du noch Genade finden. 17 Meine eine Seele, dein Gott hat dich erwecket, daß du geſonnen bist, dich der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi theilhaftig zu machen. Ach denke doch nicht, daß es eine so leich. te Sache sey. Ich bin ein Sünder, soB Has 18 Der zu Jesu nahende Sünder, haben meine Untugenden mich und mei. nen Gott von einander geschieden, und ohne ernstliche Buße darf ich mich nimmermehr zu ihm nahen; widrigenfalls würde ich mich selbst in das Gericht und in die Verdammniß stürzen. Ich kann mir selbst nicht heucheln, noch mein Thun vor Gott schmücken. Mein Gewissen überzeuget mich, daß ich unrecht gewandelt, und die Werke der Finsterniß mehr als die Werke des Lichts geliebet habe. Sollte ich nun ohne Erkenntniß der Sünden vor den Sündentilger treten, oder mit frecher Sicherheit zu seinem Tis sche kommen, und mit unreinem Herzen die allerheiligsten Gaben empfan. gen? Gehe nun in dich, und betrachte deine unselige Gestalt mit dem Spiegel des göttlichen Gesetzes. Ach Gott! ich muß vor mir selbst erschrecken, wenn ich bedenke, wie oft ich dich, meinen liebreichen Vater, wissentlich beleidiget; wie oft ich Jesum, meinen Heiland, durch muthwilligeSünden von neuem gekreu ziget; vor der Beichte, zu Hause. 19 ziget; wie oft ich den heiligen Geist, meinen Tröster, vorsätzlich betrüber und aus dem Herzen hinausgestoßen habe. Die Engel, welche mich begleiten sollen, habe ich durch einen unheiligen Wandel traurig gemacht, und dagegen dem Teufel, dem Mörder meiner Seele, durch die Werke des Fleisches ein Lachen zugerichtet. Dem Nächsten, dem ich ein Vorbild in der Gottseligkeit seyn sollen, bin ich ein Aergerniß, und mir selbst ein eigener Feind der Seligkeit gewesen. Ich habe wohl eher, wie die Thoren, in mei nem Herzen gesprochen: Es sey kein Gott. Und so ich es ja nicht mit dem Munde bekennet, habe ich ihn dennoch mit den Werken verläugnet. An der Welt, und was in der Welt ist, der Augen Lust, und des Fleisches Lust und hoffårtigen Leben habe ich meine Lust; aber an dem, welches in dir meines Herzens Freude und Trost seyn soll, einen Ekel und Ueberdruß gehabt. Wo ist die kindliche Furcht, die ich deinem Na32 men 20 Der zu Jesu nahende Sünder, men, wo ist die Ehre, die ich deinem Worte und Dienste schuldig bin? Ach! mein Mund schämet sich, die Sünden zu nennen, deren mich deine Gebote überzeugen; und doch habe ich mich nicht ges scheuet, dieselben nicht allemal heimlich, sondern wohl öffentlich zu begehen. Wo ich mich hinwende, schreyet mein Gewis sen mich an: Verflucht ist, wer nicht alle Worte des göttlichen Gesetzes erfüllet, daß er darnach thue. Ach! wo soll ich hingehen vor deinem Geiste, und wo soll ich hinfliehen vor deinemAngesichte? Ueberall wird mich dein Gericht verfolgen, und mein Gewissen mich anklagen und verdammen. Ach daß meine Augen zu Thránen Quellen würden, und mein Herz Blut weinen könnte! Ach Gott! bin ich gleich nicht werth, daß du mich hörest, so höre doch nur dein Wort, welches du geredet und geschworen hast, du wollest nicht den Tod des Sünders. Bin ich unwürdig, daß du mich ansiehest, so siehe doch nur Jesum nach der Beichte, zu Hause. 21 sum Christum an, und erbarme dich meiner, um ſeinetwillen. Zerknirsche und zerschlage mir mein Herz, daß ich zu wah. rer Erkenntniß der Sünden, durch die Erkenntniß zu ernstlicher Reue, nach der Reue zu getrostem Glauben, durch den Glauben zu rechtschaffener Lebensbesserung gelange. So wahr, als ich geste. hen muß, daß ich unter den Sündern der Vornehmste bin, so wahr wirst du ja auch dieß theure, werthe Wort an mir bleiben lassen, daß Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Meine Bekehrung stehet aber nicht in meiner Macht, darum suche ich sie in deiner überschwenglichenGnade. Bekebre du mich, so werde ich bekehret! Verneuere mich am Geiste meines Gemüthes, verändere mein Herz, heilige meine Seele, entferne von mir alle Ei telkeit, die mich von dir abwendig macht, und tödte in mir alle Begierden, die mich an einem neuenLeben verhindern wollen. Du, lieber Gott, ich verlasse mich auf B3 dich 22 Der zu Jesu nahende Sünder, dich; kannst du mich wohl verlassen? Ich falle dir in die Arme; kannst du mich) wohl verstoßen und verwerfen von deinem Angesicht? Mein Herz sagt mirs, daß dir dein Herz bricht, und du dich mein erbarmen mußt. So sey mun wieder zufrieden, meine Seele! denn der Herr thut dir Gutes. Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, und noch weiter thun wird. Amen, Halleluja. Die VIII. Andacht. Buß- Klage wegen sündlicher Sicherheit. ch Herr, du gerechter Gott, groß von Nath und machtig von That! Du hast nicht nur über das abtrünnige Ifrael eifern müssen! Ich recke meine Hand aus den ganzen Tag zu einem un gehorsamenVolke, das seinen Gedanken nachwandelt, auf einem Wege, der nicht gut ist; sondern auch ich selbst muß mit erschrockenem Herzen vor dir bekennen, daß vor der Beichte, zu Hause.. 23 daß ich sogar sicher meinen Lüsten nachgehangen, und meine Ohren zu deinen Worten nicht geneiget. Du hast mich gerufen; und ich wollte nicht hören. Du strecktest deine Hand aus, mich zu dir zu ziehen; aber ich habe dir den Rücken zu. gekehret. Du ließeß mich an die Buße erinnern; aber ich dachte, es ist noch Zeit genug. Du botest mir Gnade an; aber dieselbe mißbrauchte ich, nur aufmehrere Freiheit zu fündigen. Warum bin ich doch so verblendet gewesen? Habe ich denn nicht bedacht, daß mich der Tod plötzlich überfallen und vor dein Gericht hinreißen könnte? Ich bin ja mehr als zu ernstlich gewarnet: Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt; darum, welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abge hauen und in das Feuer geworfen. Ist mir denn die Gefahr meiner Seele bey so unseligem Zustande nicht zu Herzen gegangen? doch ich kann nicht läugnen, daß ich gemeinet: Buße dürfte man nicht 34 eher 24 Der au Jefu nahende Sünder, eher thun, als bis man zum Beichtstuhl ginge, da denn die bisher begangenen Sünden aufeinmal hinweg genommen würden. Ach! also habe ich deine Gnade auf Muthwillen gezogen; da ich doch ein anders bedenken sollen, was da gesagt ist: Spare deine Buße nicht, bis du krank wirst, sondern bessere dich, weil du noch fündigen kannst. Berziehe nicht, fromm zu werden, und harre nicht mit der Besserung deines Lebens bis in den Tod. Verziehe nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und schiebe es nicht von ei nem Tag auf den andern; denn sein Zorn kommt plößlich, und wird es rächen, und dich verderben. Da ich nun auf Gnade gefündiget, wäre ich ja werth, daß mir mit Ungnade gelohnet würde. Aber, weil es noch heute heißet, da die angenehme Zeit und der Tag des Heils noch währet, vom Schlafe der Sünden aufzustehen; so werfe ich mich, Bater, in die Arme deiner Barmherzigkeit und bitte um die Gnade, die ich zu vor der Beichte, zu Hause. 25 zuvor verachtet habe. Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte! Strafe mich nicht in deinem Zorne, und züchtige mich nicht in deinem Grimm! Gedenke, daß du noch der alte liebe Gott bist, der so oft mitten im Zorne Gnade erzeiget hat, und dessen Langmüthigkeit nicht müde wird. Willst du die Sünde nach der Strenge deiner Gerechtigkeit heimfuchen, so suche sie oft in den Wunden Jesu Christi, da hinein habe ich sie gele. get. Aber da wird dein Herz anders Sinnes werden, daß du nicht mit mir handeln kannst nach meinen Sünden, noch mir vergelten nach meiner Missethat. Deß will ich mich trösten und dir danken, daß bey dir die Vergebung und viel Erlösung ist, und daß du mich erldfet aus allen meinen Sünden. Amen. Die IX. Andacht. Prüfung nach den zehen Geboten. Entziehet euch, liebster Bruder und Schwester, auf eine kleine Zeit aller 35 Gesell Der zu Jesu nahende Sünder, Gesellschaft, gehet in eure Kammer allein, haltet mit eurem Gewissen Rechnung, leget vor euch die heiligen zehn Gebote, forschet genau nach, wie ihr dieselben in Acht genommen, schmeichelt euch nicht, entschuldiget euch nicht, sondern bekennet mit Thränen Gott eure Mifsethat, und denket, daß bey einem jeden Gebot Gott euch zurufet: Deine Sünde schreyet zu mir, was hast du gethan? 1 Mos. 4. Prüfet demnach also euer Gewissen, und stehet bey einer jeden Frage mit zerknirschter Seele stille. 26 Was hast du gethan, meine Seele, wider das erste Gebot? Hast du auch bishero Goft vor Augen und im Herzen gehabt, und dich gehütet, daß du in keine Sünde gewilliget, noch wider Got tes Gebote gethan? Hast du auch, wenn dich der Teufel, oder die Welt, oder dein Fleisch und Blut zur Sünde reizen wollen, sie kråf tig abgewiesen? Gott fiebet, Gott höret, Gott merkt es, Gott wird mich dessenwe gen richten! Darum sey demnach ferne von mir, daß ich ein solch groß Uebelthun, und in Gegenwart meines Gottes sündigen sollte! Oder hast du bey Begehung deiner Sunde nicht einmal an das allsehende Auge, an das allhörende Ohr Gottes gedacht; oder so du Univ- Bibl. Glessen vor der Beichte, zu Hause. du gleich daran gedacht, es wenig geachtet? Hast du auch nach vollbrachter SündenThat mehr gesorger und dich bemühet, daßes nur die Menschen nicht erführen, und vor ihnen verschwiegen bliebe, als wie du Gott vers föhnen inschtest, und dich also mehr vor Menschen gefürchtet und gescheuet, als vor dem Hochheiligen gerechten Gott? Hast du auch alles, was du vorgenommen, blos darum gethan, daß du deinen Gott ehrtest, oder um dein selbst willen, damit du Ehre und Ruhm vor der Welt haben möchtest? Hast du auch, wenn du etwas Gutes und Löbliches ausgerichtet, Gott allein es zugeschrieben, der has be es gethan, dusenst nur das Werkzeug ge= wesen; oder hast du Gott seine Ehre geraus bet, und deiner Geschicklichkeit, Kunst, Weisheit, Mühe folches zugetheilt, dabero auch über deine Gaben dich gefreuet? Haft du auch alle Mühe angewendet, daß du deinen Gott recht erkennen möchtest, und wie viel Stunden hast du die Woche angewendet, daß du in deinem Glauben möchtest zus nehmen; oder ist dieses deine geringste Sor ge gewesen? Hast du auch deinen Gott von Herzen geliebet, und ist auf der Welt dir nichts so lieb als dein Gott gewesen; oder hast du deine Ehre, deinen Eigennug, die Gunst großer Leute, deine Freude, diene eige= 27 28 Der zu Jesu nahende Sünder, eigenen Neigungen, Gott vorgezogen, und um Vergnügung dieser wider Gott dich vera fündiget? Hast du auch deinen Gott bey gros Bem, schwerem, anhaltendem Kreuze so lieb gehabt, als bey guten Tagen; oder bist du ungeduldig über deinen Gott geworden, und bast wider deinen Herrn gemurret? Hast du auch, meine Seele, deinem Jeju, der dich so brünstig geliebet, für seine große Marter und Qual, die er deinetwegen ausgestanden, täglich berzlich gedanket, und zur Dankbarkeit dein Herz Jesu wieder einzig und allein übergeben; oder hast du wenig an deinen leis denden Jefum gedacht, und hat allen Sünden und Lastern dein Herz offen gestanden? Hast du auch deinem Fleische um Chrifti wil len wehe gethan, um Chrifti willen dich selbst verläugnet, mit aller Macht und Gewalt deis nen sündlichen Lüsten widerstanden, und dein Fleisch gekreuziget; oder bast du gewandelt nach deinen eigenen Lüsten? Hast du auch oft böse Gedanken von Gott gehabt, wenn du dich in seine Gerichte nicht finden können, indem er den Bdsen es wohl und den Frommen übel gehen lassen, und den gerechteilen Richter für einen ungerechten Gott gehalten? Hast du auch Gottes Langs muth und Barmherzigkeit, da er dich bey Begehung einer Sünde nicht alsobald ges straft, vor der Beichte, zu Hause. 29 ftrafet, gemißbrauchet, immer aufs neue ges fündiget, und gedacht: Gott ist gnädig, er wird mir es wohl vergeben? Hast du auch in der Noth dich auf Gott einzig verlaffen; oder mehr auf Menschen, ihre Freundschaft, Reichthum, Macht und Gewalt gesehen, und Menschen zu deinem Gott gemacht? Was hast du gethan, meine Seele, wider das andere Gebot? Hast du auch jemals einen falschen Eyd gethan, und damit alle Hülfe Gottes vers schworen? Hast du auch den Eyd, sodu bey Antretung deines Amts und Standes abs legen müssen, treulich gehalten, und demsel ben genau nachgelebt; oder hast du wenig an solchen Eyd gedacht? Duweißt wohl nicht mehr, was du geschworen; oder haft ihn wohl wiffentlich und vorsäglich übertreten, und bist also ein Meineidiger? Hast du auch deine Lippen gewöhnet, aller Schwüre dich im gemeinen Leben zu enthalten, und deine Worte ja, ja, nein, nein, seyn laffen; oder bast du öfters deine Seele, die doch nicht dein ist, sondern Christi Eigenthum( ins dem er sie an sich gekauft mit seinem Blute) aus Christi Händen geriffen und verschwo ren bey: Gott weiß es?( der ein allzu schnels ter Zeuge ift) oder Gott strafe mich!( deffent Stra 30 Der zu Jesu nahende Sünder, Strafe unerträglich) etwas liederlicher Wei: se bejahet? Hast du auch die hochheiligen Sakramente durchFluchen geschändet? Haft du auch das verdammliche Fluchen dir ab zugewöhnen ernfilich geforget, deffenwe: gen Gott angerufen, und dich ferner das für gehütet; oder ist dieses deine wenigste Gorge gewesen? Hast du auch deinen Näch: sten, der liederlich geschworen, ernstlich ges strafet, und seine Mißhandlung ihm zu Ges müthe geführet? oder hast du vielmehr ihn, indem du seine Rede unbesonnen in Zwei fel gezogen, zum Schwören gereizet, auch wohl, je heftiger er gefluchet, desto mehr da: zu gelachet, und hierdurch seines Fluchens dich theilhaftig gemacht? Hast du auch Lust an Wahrsagern, Aberglauben, Segenspre chen gehabt, verlorne Sachen dadurch wie der erhalten, dir oder den Deinigen Krank Heiten vertreiben wollen, und hiermit dem Teufel treue Dienste geleistet? Was hast du gethan, meine Seele, wider das dritte Gebot? Hast du auch deinem Gott von Grund des Herzens gedanket, daß er dich in einer sol chen Kirche laffen geboren werden, in wels cher sein heiliges Wort rein gelehret, und die heiligen Sakramente nach seiner Einsegung aus: vor der Beichte, zu Hause. 31 ausgetheilet werden? Hast du auch ihn brünstig angerufen, daß er noch sein Wort ferner unter uns unverfälscht bis an das Ende der Welt erhalte, und wie vielmal danfest und betest du also die Woche; oder hast du aus Undankbarkeit daran wenig ges dacht? Hast du auch, daß durch das Bad der heiligen Taufe Gott zu seinem Kinde dich angenommen, Gott herzlich dafür gedanket und wie vielmehr geschieht es die Woche? Wie vielmal hast du in der Beichte zugesaget, frómmer zu werden, von wissentlichen Sünden abzustehen und hast es dennoch nicht gehalten? Hast du auch den Sonntag deinem Gott zu seinem Dienste ganz ergeben; oder hast du denselben zu deinen weltlichen Ges schaften, ja dfters zu Linmäßigkeiten in Ef sen und Trinken oder andern Lüsten, Gott abgestohlen? Bist du auch allemal aus keiner andern Ursache, als aus herzlicher Andacht, in die Kirche gegangen, weil deine Seele ges hungert nach dem Brode des Lebens, dem Worte Gottes; oder hast du aus bloßer Gewohnheit, weil es Sonntag und damit die Leute nicht übel von dir reden möchten, die Predigt besuchet? Hast du dich zu rechter Zeit in der Kirche eingefunden, mitheiligen Liedern und Gebeten Gott zuvor um Segen zum Lehren, als auch, daß er dein Herz zu 32 Der zu Jesu nahende Sünder, zu fruchtbarem Hören, durch deinen Geist ges schickt mache, herzlich angerufen; aber hast du gemeinet, das Liedersingen und das Anrufen um Beystand Gottes des heiligen Geistes gehe dich nichts an, wenn du gleich unbereitet kámest, wenn der Prediger schon auf der Kanzel stünde? Hast du auch die Predigt andächtig und aufmerksam mit ans gehört, und dir vorgeseßt, daraus zu ler: nen, wie du deinen Glauben stärken, dein Leben hinführo ändern und bessern, und in Todesnoth dich trösten möchtest; oder hast du dich den Teufel einschläfern laffen, oder ihm die Zunge unter währender Predigt zu plaudern geliehen, oder das Herz geöffnet, daß er durch allerley Gedanken das Wort von deinem Herzen genommen, und du aus wenig Predigten was gelernet? Hast du auch, wenn der Prediger ein Laster, dem du ergeben gewesen, gestrafet, dir vorgeseget, felbiges hinfübro zu fliehen; und ist es geschehen; oder haben die Predigten bey dir nichts gefruchtet, und bist aus keiner from: mer geworden? Hast du auch, wenn der Prediger dich gestraft, auf ihn geschmähet, ihn verfolget, und hierdurch den heiligen Geist, der durch den Prediger dich auf den rechten Weg leiten wollen, erbittert? Haft du auch dein Gesinde von der Sonntags Feyer vor der Beichte, zu Hause. 33 Feyer abgehalten, und ihm allerley Dienste an demselben auferleget? Hast du auch die Bibel lieb gehabt und fleißig darinnen gelesen; oder bekümmerst du dich wenig um das Wort des lebendigen Gottes, so daß wohl eine Woche hingebet, ehe du auch nur obenhin ein Capitel liesest? Hast du auch eis nen Scherz mit der Bibel, oder mit geistli chen Liedern getrieben? auch solcheLeutegers ne gehöret, die zur Kurzweil und Narrentheidungen des allerheiligsten Gottes Wort anzuführen wissen, und solchen gottlosen Mißbrauch, andern zu großem Aergerniß, wieder erzählet? Hast du auch viele Dinge in der Bibel, weil sie deiner Vernunft nicht glaubwürdig vorkommen, in Zweifel gezogen, und dich hierdurch an dem heiligen Geiste verfündiget? Was hast du gethan wider das vierte Gebot? Hast du auch für die Obrigkeit fleißig gebetet, daß der Geist des Herrn auf ihr ruhe, Gott fie regiere, ihr heilige Rathschläge eingebe, sie beschüße und wider alle Feinde, vertheidige, oder hast du deine Fürbitte unters laffen? Hast du auch dich gelüften laffen, wider deine Obrigkeit, die Gott an seine Statt gesetzet, Boses zu reden? Hast du auch der Obrigkeit löbliche Ordnung in Acht genomC men, 34 Der zu Jesu nahende Sünder, men, oder derselben widerstrebet? Hast du auch als ein Vater oder Mutter deiner Kin der und deines Gefindes dich treulich ange: nommen, und, daß sie in wahrer Erkenntnif Gottes und christlichem, ehrbarem Wandel wohl erzogen würden, dich eifrig bemühet; oder sorgest du mehr für den Leib deiner Kinder, die Seele mag bleiben, wo sie will Und weil du abgerichtetes Gesinde hast, da mit es nicht von dir ziehe, übersiehest du ihm allen Muthwillen? Hast du auch als ein harter Vater oder Mutter deine Kin der aus Ungeduld verwünschet? Was hast du gethan wider das fünfte Gebot? Hast du auch mit Seufzen dein Leben ver: kürzet? Hast du dich bisher der Unmäßig: keit des Trunkes ergeben, und ist es dir jego wohl ein Ernst, allen Rausch und Völlerey hinführo zu meiden; oder ist dir eine solche Gesellschaft lieber, als Gott der heilige Geist in der nüchternen Seele? Erinnerst du dich auch öfters deines Todes, und bereitest dich alle Tage dazu; oder ist es dir verdrießlich, wenn man viel vom Tode redet? Haſt du aus Ungeduld dir nicht den Tod oft gewün schet? Hast du dir auch viele Feinde muth: willig und ohne Noth gemacht? Hast du deinem Feinde von Herzen alle Fehler ver geben; vor der Beichte, zu Hause. 35 geben; oder bist du auf Rache bedacht gewesen, und hast dich bemühet, wie du ihn in al les Elend und Jammer stürzen möchtest? Und wie stehts jego um dein Herz? Dürstet es nicht auch nach Rache? Hast du nicht auch andere Leute deinem Feinde auf den Hals geheget? Hast du nicht auch deinem Nächsten den Tod gewünschet, und auf sei: nen Tod gehoffet? Hast du jemand an seis nem Leibe Schaden gethan, deffen Blut zu Gott um Rache schreye? Was hast du gethan wider das sechste Gebot? Hast du dein Ehebette jemals beflecket? Hast du einen andern Ehegatten niemals angesehen, ihn zu begehren, und also die Ehe vor Gott gebrochen? Hast du deinen Ehegatten mit aller Vernunft behandelt, deffen Fehler und Schwachheit übertragen; oder bist du ein Wütherich in deinem Hause ge wesen? Hast du sonst und außer dem Ehestande unzuchtigen Gedanken nachgehangen, und dich darüber ergößet? Hast du mit deiner Zunge, mit welcher du den Leib des unbefleckten Lammes Gottes und das reine Blut Jesu oft genoffen, unanständige und unzüchtige Reden geführt? Hast du mit árgerlichen Geberden, leichtfertiger Kleidung, Entblößung, unschuldigen Seelen Ges € 2 36 Der zu Jesu nahende Sünder, Gelegenheit zur ergerniß, unkeuschen Leu ten Gelegenheit zu mehrerer Ausschweifung gegeben, und hierdurch öffentlich an den Tag geleget, das Lafter der Hurerey find in deinem Herzen mehr Gehorsam mit ſei nem leichtfertigen verdammlichen Gebote als dein keuscher Jesus mit seinem ernster Verbote: Wehe dem Menschen, durch wel chen Vergerniß kommt? Hast du auch di Glieder Christi genommen und Huren Glieder daraus gemacht? Hast du aud Ehebruch und Hureren wohl für groß Sünde gehalten? Was hast du gethan wider das siebente Gebot Hast du alle das Deinige mit gutem Recht, und ist von fremdem ungerechten Gut darunter nichts untermenget; oder stecken viele Thránen armer bevortheilter, betro gener, gedrückter Leute darunter? Ver dienst du auch deinen Lohn mit allem Recht oder nimmst du das Geld, es mag für dich arbeiten, wer da will? Hast du Wittwer. und Waisen auf die Art vorgestanden und geholfen, wie du wünschest, daß es den Deini gen nach deinem Tode auch also ergehe; oder bast du deiner Unmündigen( die doch Gott zu einem mächtigen, allwissenden und sich ih rer mit allem Eifer annehmenden Vater ha ben) vor der Beichte, zu Hause. ben) Vermögen unter das deine gemischet? Hast du deine Arbeiter auch billig bezahlet; oder hast du ihnen den Lohn abzudrücken gesuchet, fie damit lange aufgehalten, wors über sie zu Gott seufzen müssen? Bist du auch im Handel und Wandel mit deinem Nächsten ehrlich umgegangen; oder hast du dich bemüber ihn zu bevortheilen und zu bes trügen? Hast du deines Herrn Dienste auch treulich vorgestanden; oder hast du mehr auf deinen Nußen geseben, und mit seinem Vermögen diebischer Weise dich bereichert? Hast du auch vom bescherten Gegen Gottes armen Leuten willig Gutes gethan; oder verweigerst du ihnen das Brod, so dir Gott anvertrauet, daß du es unter fie austheilen folltest? Fragest du auch allemal was darnach, und machest dir ein schweres Gewissen, wenn du etwas mit Unrecht bekommest; oder bist du wohl zufrieden, wenn du nur deinen Zweck erreichest, es geschebe durch was für Mittel es immer wolle? 37 Was hast du gethan wider das achte Gebot? Bist du den Lügen von Herzen feind; oder hast du bisher die Wahrheit auch geſparet, und bey vielen Begebenheiten ungescheuet gelogen, ob du gleich gewußt, daß Gott die Lugner umbringt? Hast du auch vor der € 3 Obriga Der zu Jesu nahende Sünder, Obrigkeit, wenn du als Zeuge begehret wor den, die Wahrheit redlich ausgefaget; oder hast du dich dessen geweigert, und lieber ge sehen das Unrecht wäre vertuscht worden oder wohl gar aus Liebe oder Haß, um Ge schenks willen, ein falsches Zeugniß gegeben? Hast du deine Freude gehabt, wenn von deinem Nächsten etwas Böses geredet wor den, und dasselbe, ungeachtet du nicht ge wußt, ob es wahr sey, alsobald, damit nur ſei ne Schande weit offenbar würde, andern erzählet? Hast du deinen Nächsten verhöhnet und verspottet, und alle seine Verrichtun gen schnöde getadelt? Haben auch die Tod ten in der Erde vor dir Ruhe haben kön nen oder hast du auch mit bösen Nachreden die Verstorbenen beleidiget? Bist du auch falsch gewesen; hast du deinem Nächsten gu te Worte gegeben, und im Herzen gar an ders gedacht, da du wohl gewußt, der Herr bat Greuel an den Falschen? 38 Was hast du gethan wider das neunte und zehnte Gebot? Hast du auch deinen Nächsten in unnöthis ge Prozesse geführet, ibn um das Seinige zu bringen? Hast du auch in ungerechten Sa chen deinen Nächsten gedienet? Hast du auch Luft bekommen zu deines Nächsten Gus vor der Beichte, zu Hause. 39 Gütern, oder sonst etwas aus seinem Vermögen und wie du selbiges erlangen mögest, Anschläge bey dir selbst gemacht? Hast du Andern ihr Gesinde verführet, und durch allerley Kunstgriffe an dich gelocket? Haft du auch Gott herzlich den Fall deiner ersten Aeltern abgebeten, und daß du, weil du in Sünden empfangen und geboren bist, Gott hochlich beleidiget, dahero auch in alle Sunden und Laster nun gefallen, von Grund der Seelen bereuet; oder hast du dir einges bildet, du könntest nicht dafür, daß Adam gefallen sey? Mein Bruder! meine Schwester! ach! was habt ihr gethan? Fühlet ihr nicht bald die Angst der Sünden? Schläget euch nicht euer bisher unbewegliches Herz, wie dem David? Bebet es nicht, wie das des Zöllners? Gehen nicht eure Sünden über euer Haupt? Werden sie euch nicht, wie eine schwes re Last, zu schwer, und fallet ihr nicht bald unter dieser Sündenlaft zu Boden? Ach! das ist ein ganz klein Eramen, und führet fo große Sünden euch zu Gemüthe. Solltet ihr schärfer nachfragen, sie werden euch eure Sünden ergreifen, daß ihr deren Ende gar nicht sehen könnet; mehr werden ihrer seyn, als Haare auf eurem Haupte. Werdet ihr genau forschen, wie oft nur eine Sünde ihr von € 4 40 Der zu Jesu nahende Sünder, von diesen Missethaten begangen, so wird auch der Sand am Meere nicht zureichen, nach welchem ihr eure Sünden zählen könn: tet! Ach was habt ihr gethan? Was wollet ihr aber mit solchen Sünden anfangen? O Elende! wie wollet ihr mit denselben vor Gott bestehen? Höret das schreckliche Urtheil an, das der gerechte Gott über euch dieser Sünden wegen fället: Wei: chet von mir, ihr Lebelthäter! Matth. 7, 23. Ich bin nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt. Wer Böses thut, bleibet nicht vor mir. Pf.5, 5. Offenbar sind die Werke des Fleisches, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Gal. 5,9. Verflucht sey der, der solche Sünde thut! so ist euer Gott gegen euch jego gesinnet, solche Gedan: ken führet er über euch, so ist sein Herz von euch gewendet, so brennet sein Grimm über euch, so ist der Himmel euch verschloffen! O ihr Elenden! was habt ihr gethan? Hier über erschrecket nun von Herzen, finner dies sem Elende reiflich nach, so werdet ihr wahrs lich Furcht und Schrecken in eurer Seele gar bald empfinden, und den Jammer und Herzeleid verstehen lernen, in welchen die gerathen, die den Herrn, ihren Gott, nicht fürchten. Alles euer Lachen wird sich als: denn in Weinen, und eure Freude in Trau rigs vor der Beichte, zu Hause. rigkeit verwandeln; die Angst, die Seelen Angst wird nichts als lauter Seufzen: Q weh, daß ich so gefündiget habe! aus euch pressen, zu einem Seufzer nach dem andern antreiben: Gott sey mir großen, ja unter allen Sündern dem allervornehmsten Sünder gnädig! Mit Thränen werdet ihr euer böses Leben befeufzen. Die X. Andacht. 41 Buß- Gedanken wegen übertretenen Taufbundes. u großer und gerechter Gott, der die dich lieben und deine Gebote halten. Ach lieber Herr! wenn gleich alle meine Glieder zu lauter Zungen würden, könn. ten sie doch den Reichthum deiner Gnade weder aussprechen, noch nach Würden preisen, daß du mich armes verlornes Menschen. Kind in dem Schooße deiner wahren Kirche wiedergeboren, und deinen Bund in der heiligen Taufe mit mir aufgerichtet hast. Da bin ich ein Christ, oder welches gleichviel, dein € 5 aus Der zu Jesu nahende Sünder, auserwähltes, beiliges und geliebtes Kind geworden. Du hast mir den Eingang in dein Gnaden- Reich auf Erden geöffnet, und die Anwartschaft des Erbes im Reiche deiner himmlischen Herrlichkeit vermacht. Ja, wenn gleich alle meine Glieder zu lauter Zungen würden, könnten sie doch den Reichthum solcher Gnade weder aussprechen, noch nach Würden preisen. Allein, wenn auch mein Haupt ganz voll Wasser wäre, und meine Augen zu Thránen Quellen würden, könnten sie doch die Sünden nicht genug beweinen, daß ich den Tauf- Bund so schändlich übertreten. Du bist gerecht, ich aber muß mich schämen. Du hast mich mit deinem Ebenbilde geschmücket, solches in Heiligkeit und Gerechtigkeit an meiner Seele zu tragen; aber, leider! ich habe es von mir geworfen, und durch unheiligen Wandel meine Glieder gegeben zum Dienste der Ungerechtigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern. Du 42 vor der Beichte, zu Hause. 43 Du hast mich zu deinem Kinde ange. nommen; ich aber habe dich in Frevel und Ungehorsam gelassen, bin von dir abgefallen, und zu einem boshaften Saamen, zu einem schändlichen Kinde, zu einem Kinde von großer Missethat geworden. Du hast mir gegeben den Bund eines guten Gewissens; aber mit wie vielen Brandmahlen beschämet, und mit wie vielen Aergernissen beißet mich nicht mein Gewissen, meines ganzen Lebens halber! Ich habe angelobet, dem Teufel und allem seinen Wesen und Werken zu entsagen; ach, was habe ich lieber gethan, als dem Teufel gedienet? Wozu bin ich williger gewesen, als den Willen der Welt und die Lüste des Fleisches zu erfüllen? Ach! weinet ihr Augen, und weinet, wenn es seyn kann, blutigeThrånen! Zerknirsche dich, mein Herz, in bitterer Buße! Ringet euch, ihr Hånde, denn ich habe gesündiget im Himmel und vor Gott, und bin nicht werth, daß ich sein Kind heiße. Rufest du, gerechter 44 Der zu Jesu nahende Sünder, der und eifriger Gott, mir entgegen: Weiche von mir, du Uebelthäter; ich habe es verschuldet, denn ich bin vondir gewichen. Verwirfst du mich von deinem Angesicht, und willst du mich ganz verleugnen; ich habe es verdient, denn ich habe dein Wort verworfen, und dich verleugnet. Ich hoffe aber doch, daß der Bund auf deiner Seite noch fest stehet. Habe ich nicht geglaubet, so bist du doch treu geblieben; du kannst dich selber nicht läugnen. Dein, Herr unser Gott, ist die Barmherzigkeit und die Vergebung. Ach! so laß doch deine unendliche Gnade an mir kein Ende nehmen. Ich stelle dir den großen Engel des Bundes, meinen Heiland Jesum Christum, in seiner ewigen Erlösung vor Augen, und mit seinem Verdienste zwischen dich und mich ins Mittel. Blicke doch denselben an, so wirst du ja auch daran gedenken, was du mir in ihm versprochen hast. Und darum wird dir dein Herz brechen, daß du vor der Beichte, zu Hause. 45 du dich mein erbarmen mußt. So nimm mich wieder zu Gnaden an. Erneuere deinen Bund mit mir, und laß mich die Kraft der Taufe, die da ist in Vergebung der Sünden, selig genießen. Sprich doch ein Wort deiner ewigen Liebe: Siehe da, ich gebe dir meinen Bund des Friedens. Ich will meinen Bund nicht entheiligen, noch ändern, was aus meinem Mund gegangen ist. Darauf will ich hoffen und deiner Gnade mich trösten. Jesu, Jesu, mein Herr Jesu, sey mein Fürsprecher! Ach! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Die XI. Andacht. Bereuung der Sünde. Gedenke, wovon du gefallen bist, und thue Buße, und thue die ersten Werke. Wo aber nicht, werde ich kommen bald. Offb. 2, v. 5. du sündhafte Seele! was thust du! lenzustandes sehr übel bestanden. Die Rechenschaft wird schwer werden. Sie he, 46 Der zu Jesu nahende Sünder, he, es kommt der Tag des großen Ge richts; er kommt schnell und ist nahe. O du unfruchtbarer Baum, du haſt keine Früchte. Du wirst abgehauen und in das ewige Feuer geworfen wer den. O du dürres, untüchtiges Holz; du bist auch des ewigen Feuers wohl würdig. Was willst du antworten an jenem Tage, da du Rechenschaft geben sollst von deinem ganzen Leben, wie du es angewendet hast, auch bis auf den kleinsten Augenblick? Ach wollte Gott, daß meine Augen Thränen Quellen wåren, und ich Tag und Nacht weinen könnte, und nicht ablassen. Hast du zu vor getrauert, o du elender Sünder, so traure noch mehr. Hast du geheulet und geweinet, heule und weine noch mehr. Siehe, der wird Richter seyn, den du mit Sünden und Ungehorsam so vielfältig haft erzürnet. Ach wehe mir! an wem habe ich mich versündiget! Ach wie übel habe ich gethan! O Zorn des Allmächtigen! falle nicht auf mich. O vor der Beichte, zu Hause. 47 O Grimm des Allerhöchsten, wie kann ich dich erdulden! O was Angst und Elend wird da seyn! Hier werden mich anklagen uneine Sünden; dort wird mich schrecken die strenge Gerechtigkeit Got tes. Unter mir wird seyn der schreck liche Abgrund. Ueber mir der strenge Richter. In mir ein böses Gewissen, außer mir die brennende Welt. So der Gerechte kaum erhalten wird, wo soll denn ich armer Sünder erscheinen? Wo soll ich hin? Wo soll ich bleiben? Verborgen seyn, ist unmöglich. Erscheinen ist unerträglich. Liebster Heiland, zu dir fliehe ich, verstoße mich nicht, wie ich's wohl verdienet habe. Siehe doch, hier liegt der bußfertige Zöllner vor dir auf seinen Knieen zu deinen Füßen, und bittet um Gnade. O Jesu, mein Heis land! tröste mich um deines Namens willen. Hast du mich erlöset; so laß mich auch nicht verdammet werden. Aus großer Güte hast du mich erschaffen; so laß mich doch nicht um meiner Sünde willen 48 Der zu Jesu nahende Sünder, willen verloren werden. Mein Herr Jesu! was hülfe es dir, wenn ich ver loren würde? Was für Nußen hät test du davon, wenn ich verdamme würde? Ja, Herr Jesu, wer wollte dei nen Namen preisen? Es loben dich j die Todten nicht, noch die, so zur Hölle fahren; wiewohl ich nicht an deiner Gnade zweifeln will. Die Verheißung habe ich in deinem Worte! Wo sich der Gottlose bekehret von seinen Sünden so soll aller seiner Uebertretung, die e begangen hat, nicht gedacht werden. Mein Herz und Gewissen habe ich un tersuchet. Ich habe mich vieler Sün den schuldig befunden. Ich habe euch sol che bekennet und von Herzen bereuet. Bald will ich mit dem Zöllner zum Tem pel des Herrn gehen. Daselbst will ich mich Gott unter Augen stellen; an sei ner Statt dem Beicht- Vater meine Sünden offenbaren, der mir auch an Gottes Stelle aus Gnaden solche ver geben, und wie jenem Gichtbrüchigen zuru vor der Beichte, in der Kirche. 49 zurufen wird: Sey getrost, mein Sohn, ( meine Tochter,) dir sind deine Sünden vergeben! Herr, laß mir diese Gnade widerfahren, um des theuern Verdienstes meines Herrn und Heilandes Jesu willen, und erhöre noch zuletzt diesen meinen andächtigen Buß- Seufzer: Straf mich nicht in deinem 3orn, Großer Gott, verschone; Ach! laß mich nicht seyn verlor'n, Nach Verdienst nicht lohne. Hat die Sünd' Dich entzünd't, Lösch ab in dem Lamme Deines Zornes Flamme. II. Vor der Beichte, in der Kirche. Gebet, wenn man in die Kirche gekommen ist. Gott, groß von Rath und mächtig von That, unendlich an Gnade und reich an Barmherzigkeit über alle, die dich anrufen, ich habe mein Herz D im 50 Der zu Jesu nahende Sünder, im Verborgenen vor dir ausgeschüttet, jetzo aber erhebe ich es auch zu dir in dei nem Hause. Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost. Denn du hast gesagt: an welchem Orte ich mei nes Namens Gedächtniß stiften werde, da will ich zu dir kommen, und dich seg. nen. Erfülle es jetzo an mir, und be. selige mich mit dem Segen der Verges bung aller meiner Sünden. Du hast, o mein süßer Jesu, du mei. ne Freude, mir Leben und volle Gnüge verheißen: wo Zwey oder Drey versam melt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Mache doch an. jeho diesen theuerwerthen Trost wahr, und komm zu mir und allen, die nach deinem Heile durstig sind, mit der Ge rechtigkeit deines ewigen Verdienstes. Gott heiliger Geist, mein Licht und Pfand des Erbes, du hast versprochen: Ich will sie erfreuen in meinem Bet Hause. O, so laß mich jetzo darinnen hören Freude und Wonne, daß die Ge beine vor der Beichte, in der Kirche. 51 beine fröhlich werden, die von Angst der Sünden zerschlagen sind. So wende dich zum Gebete deines Knechts und zu seinem Flehen, Herr, mein Gott, auf daß du hörest das Lob und Gebet, das dein Knecht heute vor dir thut, daß deine Augen offen stehen über mir an der Ståtte, davon du ges saget haft: Dein Name soll da seyn. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Ståtte thut. Erhöre es in deiner Wohnung im Himmel, und wenn du es hörest, wollest du gnädig seyn! Nun, die Worte, die ich von dem Herrn geflehet habe, müssen nahe kommen dem Herrn, unserm Gott, und mein Herz sey rechtschaffen, mit dem Herrn, meinem Gott, zu wandeln in seinenSit ten, und zu halten seine Gebote, Amen. Die II. Andacht. Fortgesetzte Klage über die Sünde. du heiliger, gerechter, barmherziger Gott! ich klage und bekenne dir D2 mit 32 Der zu Jesu nahende Sünder, mit reuigem, zerknirschtem und zerschla genem Herzen und in tiefster Demuth meine Lebertretung und Missethat. Ach Herr, viel sind meiner Sünden, wie Sand am Meer, sie gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last find sie mir zu schwer geworden; wie groß ist meine Missethat, daß sie gen Himmel steiget und schreyet! Willst du mit mir rechten, so kann ich dir auf tausend nicht eins antworten. Ach! welch eine un reine Masse bin ich! Wie bin ich durch das tödtliche Gift der Erb- Sünde so jammerlich an Leib und Seele verderbet; siehe, ich bin aus sündlichem Saa men gezeuget, meine Mutter hat mich in Sünden empfangen; vom Haupt bis auf die Fußsohlen ist nichts gesundes an mir. Ach Herr! wer will einen Reinen finden, da keiner rein ist? Ach ich bin ein böser Zweig aus einem giftigen Baume! Alle meine Kräfte sind verderbet, mein Verstand ist verfinstert, mein Wille ist dir widerspenstig. Sch er's vor der Beichte, in der Kirche. 53 erkenne dich nicht, ich liebe dich nicht von Herzen, ich vertraue dir nicht gånzlich. Meines Herzens Dichten und Trachten ist böse von Jugend auf immerdar. Wie ein Brunnen sein Wasser quillt, ſo quillt aus meinem Herzen die Sünde; da gehet heraus Verachtung, Låsterung, Hoffart, Lügen, Eigenliebe und Ehre, Ungehorsam, Feindschaft, Zorn, Rachgier, Ungeduld, Unzucht, Ungerechtigkeit, Geiz, allerley böse Lüste, über wel. che du, o gerechter Gott, das Urtheil gesprochen hast: Die das thun, sollen das Reich Gottes nicht erben. Ach mein Gott, mein Schöpfer und Erlöser, ich klage dir, daß ich zwar nach deinem Bilde geschaffen bin, aber dasselbige verloren habe, und bin geworden das Bild des Satans. Das ganze Reich des Satans ist, leider! in mir mit aller Bosheit und Untugend, ich bin ein Werkzeug des Satans geworden. Ach Herr, mein Gott! mein Elend ist größer, denn ich dirs klagen kann. Ich bin ein Gräuel D3 in 54 Der zu Jesu nahende Sünder, in allem meinem Wesen und Thun, alle meine Gerechtigkeit ist wie ein unsauber Kleid. Ich verwelke in meinen Sün den, wie die Blätter! meine Sünden werden mich noch dahin führen wie ein Wind. Ach Gott! ich habe alle deine Gebote gemißbrauchet, mit allen mei nen Gliedern und Kräften des Leibes und der Seele dir widerstrebet, mit Leib und Seele habe ich der Sünde und dem Teufel gedient. Ach! ich bin aus dei ner Gnade gefallen in deinen ewigen Zorn, aus der Seligkeit in die Ver dammniß, aus dem Leben in den ewigen Tod, aus dem Himmel in die unterste Hölle. Ach Herr! ich bin der verlorne Sohn, der seine Güter so schändlich um gebracht hat; ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; ich wäre werth, daß du mich aus deinem Hause stießest, und nimmermehr wieder aufnähmest. Ich bin der Knecht, der dir, meinem Herrn, zehntausend Pfund schuldig ist, und ich habe in Ewigkeit nichts zu bezah. len. vor der Beichte, in der Kirche. 55 len. Ich bin der Mann, der unter die Mörder gefallen, die haben mich ausgezogen, und des schönen Bildes Gottes beraubet, und haben mich an Leib und Seele so sehr verwundet, daß mich kein Mensch heilen kann. Darum hilf mir, mein Gott und Herr! schaffe mir Beystand in der Noth, denn Menschen- Hül. fe ist kein Nüße. Bekehre du mich, Herr, so werde ich bekehret, hilf du mir, so ist mir geholfen, denn du bist mein Ruhm. O Herr, wer kann das böse Herz andern, und ein neues schaffen? Du, Herr allein, du getreuer Schöpfer in guten Werken. Wer kann die tiefen und abscheulichen Sünden- Bunden heilen? Du, Herr, und dein Wort, wel ches alles heilet. Nimm weg das böse, steinerne Herz, und schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, D4 und 56 Der zu Jesu nahende Sünder, und der freudige Geist enthalte mich. Ich bin das verlorne Schaaf; wenn du mich nicht suchest, so irre ich ewiglich, und bleibe ewig verloren. Nimm mich auf deinen Rücken, und bringe mich wieder zu der Heerde deiner Gläubigen. Gieb mir eine göttliche Traurigkeit, die da wirket eine heilsame Reue zur Se ligkeit, die Niemand gereuet; und daß mein Herz durch den Glauben bereitet werde, fähig zu werden deines Trostes, und der hochwürdigen Vergebung der Sünden. Gieb mir einen zerknirschten Geist, ein zerbrochenes, reuiges Herz! laß meine Augen Thränenquellen wer den, meine Sünden herzlich zu bereuen, mit Petro und Maria Magdalena. O mein Herr und Gott! wenn ich Tag und Nacht weinte, konnte ich mein Elend nicht genug beseufzen. Ach mein Gott! das reuet mich nicht so sehr, und thut mir nicht so wehe, daß ich den Tod, Hölle und Verdammniß verdienet habe, denn das habe ich billig verdient, als daß vor der Beichte, in der Kirche. 57 daß ich dich, meinen Gott, meinen Schö pfer, meinen lieben Vater, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, meinen getreuen Hirten, meinen eigenen wahrhaf tigen Tröster, so hoch, so oft, so vielfäl tig, so gröblich, so schändlich beleidiget und erzürnet habe, und dir so undank bar gewesen bin für deine Liebe und Treue, Wohlthat und Barmherzigkeit. Ach, wie werde ich bestehen vor deinem Angesicht, vor deinem gerechten Gericht, vor allen heiligen Engeln und Auserwählten? Ach, wo soll ich hingehen vor deinem Geist, wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Deine rechte Hand wird mich doch an allen Orten finden und halten, ich kann und weiß nicht mehr, als dieses einige: Bater! ich habe gefündiget im Himmel und vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Ach! ich habe mich der Kindschaft verluſtig gemacht, ich habe aufgehört dein Kind zu sein durch meinen Ungehorsam, und habe alles mein Kindes- Reu verD5 loUniv.- Bibl. Giessän 58 Der zu Jesu nahende Sünder, loren! Aber ich glaube, du habest noch nicht aufgehöret mein Vater zu seyn, denn deine Barmherzigkeit ist groß, und währet von Ewigkeit zu Ewigkeit; dar um erbarme dich meiner, und siehe nicht an meine Sünde, sondern deine unend liche, ewige Gnade und Barmherzig keit, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Amen. Die III. Andacht. Demüthige Buß- Thränen. in gebundener Rede. Mein Gott! ein Gott! hier windet sich ein Wurm zu deinen Füßen, ein Sünder blickt zu dir aus Asch und Staub empor; es drücket mich dein Zorn, es beißt mich mein Gewis sen, und dein Gesetze stellt mir Fluch und Strafe vor. Wo soll ich Armer hin? Ich bin der größte Sünder, denn meine Miffe: that steigt bis zum Himmelan; und ich ges höre nicht mehr unter deine Kinder, die Holle hat bereits den Rachen aufgethan. Wer giebt mir Thränen genug, mein Elend zu beweinen? Wo lauf ich in der Angst vor deinem Grimme hin? Die Sonne will nicht vor der Beichte, in der Kirche. 59 nicht mehr zu meiner Bosheit scheinen, ich seh die Engel schon vor meinen Lastern fliehu. Wie viel, wie groß, wie schwer sind meine Missethaten! mehr, als der Sand am Meer, als Tropfen in der See. Wo bin ich, leis der! hin mit meiner Schuld gerathen! In meinen Obren schallt mir lauter Ach und Weh. Ich habe Gottes Bild mit Lastern sehr beflecket, der Taufbund ist verlegt. Ich bin in Sünden todt. Ich habe Sodoms Frucht und Satans Koft geschmecket, jegt folgt auf Zucker Gift, auf Wollust Höllens Noth. Was hab ich doch gethan! Vers fluchenswerthe Sünde, in was für Abgrund stürzt dein wohlverdienter Lohn! das ist ein Schlangen- Stich, den ich jegund empfinde, es brennt der Hölle Gluth in meinem Herzen schon. Es liegt nicht nur in mir die Wurzel alles Bösen, daß mein Verstand ganz blind, mein Wille ganz verkehrt. Ich gebe fort und fort dem Satan was zu ldfen, wenn er, wie Weizen, mich zu sichten hat begehrt. Das hab ich ja geliebt, was du befiehlst zu bassen, hingegen das gehaßt, was doch zu lieben war. Nichts Gutes ist in mir in allem Thun und Laffen, mein ganzes Leben stellt mir lauter Gräuel dar. Mir fehlt die wahre Furcht, das kindliche Vertrauen, die Liebe, da man dich von Herzen lieb 60 Der zu Jesu nahende Sünder, lieb gewinnt. Wie mancher Abgott läßt in mir Altåre bauen, auf welchen Eigen nuß den Weihrauch angezünd't. Dein theurer Name ist von mir geschim pfet worden, wie manchen Schwur hab ich vergeblich nur gethan? Ich stand bey deinem Dienst nur in dem Heuchler- Orden, ich lebt nicht darnach, und rufte dich doch an. Der Sabbath hat mich oft in Welt: Geschäften funden, ich hörte wohl dein Wort, dod bracht ich keine Frucht, und wenn die Füß gleich in deinem Tempel standen, so hat dat Herze doch die Lust der Welt gesucht. Dit Ebre bin ich oft denselben schuldig blieben die du mir vorgesetzt, und habe sie betrübt; ich gab für Segen Fluch, und haßte für das Lieben, ohn was ich sonsten mehr für Bos heit ausgeübt. Durch Haß und Neid bin ich ein Mörder oft gewesen, wie unrein sind bey mir Herz, Augen, Ohr und Mund! Der Eigenmug hieß mich auf fremdem Ab fer lesen, das scharfe Zungen- Schwerdt schlug oft den nächsten wund. So hielt die bose Lust mich meistentheils gefangen, mid lüftete zu viel nach der verbotnen Frucht; und also blieb mein Herz in Satans Rege hangen, der Leib und Seele nur mit sich zu stürzen sucht. Ach! was ergreif ich nun? Ich höre Gottes Drauen, sein Bogen ist ge= vor der Beichte, in der Kirche. 61 gespannt, sein Pfeil schon drauf gelegt. Ach! darf ich Aermster denn gar nicht um Gnade schreyen? Ist Niemand, der mit mir noch ein Erbarmen trágt! Ach Vater! darf ich noch die Augen auf dich richten? Ist auch ein böses Kind noch deiner Gnade werth? Ich weiß sonst keinen Ort, wohin ich könnte flüchten; schau das verlorne Kind, das jeßund wiederkehrt. Hier lieg ich, Herr, vor dir, und will in Angst zerflie ßen: ach höre nur ein Wort: Ach! ach Barmherzigkeit! Laß mich nur einen Blick, nur einen Blick genießen, mein Herze stirbt mir sonst vor lauter Herzeleid. Mach mit mir, was du willst, ich will es alles leiden, nur stoß mich ewiglich aus deis ner Gnade nicht. Denn soll ich ohne Trost von deinen Augen scheiden, so ist der Stab schon da, den mir dein Llrtheil bricht. Sind meiner Sünden viel, so lege doch dagegen die Tropfen, die dein Sohn für mich vergof fen hat. Dies Blut schrey auch für mich, drum laß dich doch bewegen, und sieh auf sein Verdienst, nicht auf die Missethat. Mein Herze läßt dich nicht, und meine Glaubens: Armen verschränken sich so fest um deine Füße hier, bis dir das Herze bricht durch gnädiges Erbarmen, ach, deß getröst ich mich, dein Eid verheißt es mir. Gott Lob! du 62 Der zu Jesu nahende Sünder, du zeigest mir ein gnädigs Angesichte, ich fehe keinen Bliß, nur lauter Sonnenschein. Und da ich mein Gebet zu deinem Throne richte, so will mein Jesus selbst der Redner für mich seyn. Es locket mich dein Wort, es ruft mich deine Güte, wie herzlich wohl wird mir nach meiner Beichte seyn! So nah ich denn zu dir mit gläubigem Gemü the, laß deinen Geist in mir ein starkes Ab: ba schreyn. Mein Herz ist schon bereit, sich vor dir auszuschütten, gieb, daß ein jedes Wort aus Grund der Seele geht; und wo mein Mund zu schwach im Beichten und im Bitten, so hast du ja ein Ohr, das auch mein Herz versteht. Ich beuge meine Knie in meines Jesu Namen, du mußt mir gná: dig seyn, so wahr du lebst, mein Gott! du haft ein Wort geredt, und das ist Ja und Amen; du willst der Sünder Buß, und nicht des Sünders Tod. Gieb deinem Diener Kraft, mein Herze recht zu brechen; wenn mein Gewissen sich mit deiner Huld getröst, so laß mir auch alsdenn Bergebungs Worte sprechen, denn was er lösen wird, ist auch bey dir geldst. Die Hand, die er mir wird auf meinen Scheitel legen, wirft alle meine Schuld in Christi Wunden- Meer; hingegen giebt sie mir des armen Zöllners Segen, und stellt mir deine Huld aufs neue wies 63 vor der Beichte, in der Kirche. wieder her. Wohlan, ich nabe mich zu deis nem Gnaden- Throne, hier sißt nicht nur ein Mensch! Du selbst, o Gott! bist hier. Darum erbarme dich, Gott Vater, sammt dem Sohne, auch du, o werther Geist, und also beicht' ich dir. Die VI. Andacht. Zutritt zur Gnade Gottes. A ch Gott! gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte, denn vor dir wird kein Lebendiger gerecht seyn. Wie ist mir so herzlich leid, daß ich wider dich, meinen Gott, so gar oft und erschreck lich gesündiget habe! Aber ich tröste mich dessen, daß dein lieber Sohn, Jesus Christus, in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, welcher alle meine Sünden auf sich geladen, und dafür genug gethan, sein theures Blut für mich am Kreuze vergossen mildiglich, und mich damit von allen Sünden rein abgewaschen, und mir geschenket seine Gerechtigkeit und Unschuld, den Sieg wider Sünde, Hölle, Teufel und Tod, und 64 Der zu Jesu nahende Sünder, und sie unter meine Füße gelegt. Sol ches glaube ich, wiewohl schwächlich, doc herzlich, o Herr! stårke meinen Glauben. Die V. Andacht. Um Vergebung der Sünden err Jesu Christe, mein ewiger Ho Versöhner, wie treulich hast du die ver lornen Schaafe gesuchet, die Sünder zur Buße gerufen, am Kreuze für di Ulebelthäter gebeten, deines Vaters Her dadurch versöhnet, vertrittst auch noch alle bußfertigen Sünder, und bittest für sie bey deinem himmlischen Vater. Sie be, ich bin ein Kind des Zorns, alles Dichten und Trachten meines Herzens ist nur böses immerdar; ich weiß, daß in mir nichts Gutes wohnet, Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen des Guten finde ich nicht, denn das Gute, so ich will, thue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, thue ich. Aber Herr, ich kann nicht merken, wie oft ich fehle, meine vor der Beichte, in der Kirche. 65 meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Aber, Herr Jesu, du haſt fie von mir genommen und getragen. Mein Erlöser, mein Heiland, mein Fürsprecher, mein Beystand mein Hel fer, erbarme dich mein, zu dir habe ich allein Zuflucht, laß mich bey dir, wie in einer Felsenhöhle, Sicherheit gegen die Schrecken des Satans und der Hölle finden. Wende alle Plagen von mir gnådiglich ab, daß ich nicht im Grimme verzehret werde; bleib mein Fürsprecher am jüngsten Gerichte, daß ich nicht darf hören die schreckliche Stimme: Weichet von mir, alle Ulebelthäter; ich habe euch nie erkannt! Du aber kennest mein Herz, daß es mit Reue und Traurig keit zerbrochen und zerschlagen ist; das felbige opfere ich dir, mit deinem Blute besprenget, das wirst du nicht verachten. Erfülle an mir deine Verheißung, da du sagest: Es sollen alle, die an mich glauben, nicht verloren werden, son. F dern 66 Der zu Jesu nahende Sünder, dern das ewige Leben haben. Ach Herr! ich glaube, hilf meinem Unglauben, laß mich nicht in meinen Sünden verder. ben, noch die Strafe ewiglich über mir bleiben; die Strafe liegt auf dir, du haft sie erlitten, auf daß wir Friede hät ten, und durch deine Wunden sind wir geheilet. Darauf will ich mich verlaf sen, im Glauben hoffen und erwarten des Glaubens Ende und die ewige Se ligkeit, Amen. Drey bewegliche Seufzer vor dem Eintritt in den Beichtstuhl. Gott Vater! kommt der verlorne Sohn( die verlorne Tochter) und fällt dir um den Hals: Vater! ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; laß dichs aber jammern, und nimm mich wieder an. Dieser dein Sohn war todt, Jebte eßt vor der Beichte, in der Kirche. 67 todt, und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden wor. den. Nimm ihn wiederum zuGnaden an! Gott Sohn! Jeffe Sesu, mein Heiland und Fürsprecher! mein Herz hålt dir jetzt vor dein Wort: Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinausstoßen. Jetzt komme ich) zu dir mühselig und mit Sünden beladen; erquicke mich nach deinem Worte. Du mein Helfer, hast mir zugesagt, in welcher Stunde der arme Sünder zu dir seufzet, soll ihm geholfen werden; ach so erhöre nun jezzo mein ängstliches Seufzen, und hilf mir! Nichts mehr denn du, Herr Jesu, mein, dein Tod laß mir das Leben seyn, du haft für mich bezahlet. Gott der heilige Geist! D u Geist der Gnaden und des Gebets! erhöre jetzt in Gnaden mein armes Sünder- Gebet, und vertritt € 2 mich 68 Der zu Jesu nahende Sünder, mich bey meiner Schwachheit auf das be sre mit unaussprechlichem Seufzen. Du reicher Tröster aller betrübten Herzen! lege jetzt deinen süßen Trost in den Mund meines Beicht- Vaters, damit er durch dein Wort mein geängstetes Ge wissen befriedige, und durch die tröst liche Absolution der ewigen Seligkeit mich versichere! O heilige Dreyeinig Feit! Erbarme dich meines großen Jam mers, Schwachheit und Elendes, und vergieb mir alle meine Sünde und Miß sethat, Amen. Kurze Beicht- Formel Wohl- Ehrwürdiger zc. Goff ott sey mir Sünder gnådig! Dieß ist meine Beichte voll Reue und Glauben. Aller Gebote Gottes gebe ich mich schuldig zu aller Strafe. Mit ist leid, daß ich wider den Herrn gesün diget habe; glaube aber, daß das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes mich rein machet von aller Sünde. Um deß willen vor der Beichte, in der Kirche. 69 willen bin ich hierher gekommen, das Wort des Lebens zu hören, welches mir mein Herr Beichtvater an Gottes Statt sprechen wollen: Der Herr hat deine Sünde weggenommen. Du wirst nicht sterben, sondern gerechtfertiget in dein Haus gehen. Gott lehre mich in Zu kunft thun nach seinem Wohlgefallen. Sein guter Geist führe mich auf ebener Bahn! Amen. Ausführlichere Formel. mein Sünden Tilger Jesus hat mir heut gerufen: Komm her zu mir, der( die) du mühselig und beladen bist, ich will dich erquicken. Auf diese Gnadenvolle Einladung erscheine ich mit meiner schweren Sünden- Bürde anjeßzo hier im heiligen Beichtstuhle, und will solche von mir auf die Schultern meines Jesu legen, der sie in die Tiefe des Meeres werfen, und ihrer nimmer gedenken soll. Nun € 3 bes Beicht 70 Der zu Jesu nahende Sünder, bekenne ich hier vor Gott dem Allwis senden, wie ich zeithero, theils aus Schwachheit, theils aus Bosheit, sehr gestrauchelt und mit vielen wissentlichen Sünden meinen Gott beleidiget habe. Ich bin nachlässig gewesen in meinem Christenthume, saumselig in meinem Stande und Berufe, und kaltsinnig in meiner Christen- Pflicht. Die edle Zeit habe ich in Sünden und Eitelkeit zuge bracht, und meine Gaben nicht zu Got tes und des Nächsten Ehre angewendet. Dem heiligen Geiste habe ich in mir wi derstrebet; hingegen mein Herz der Welt und ihren Lüsten eingeräumet. Meine Augen sind geizig und unzüchtig gewe sen. Meine Ohren haben der Lüge, Verläumdung und bösem Geschwätze offen gestanden. Meine Zunge hat nach Schaden getrachtet, und mit Lügen wie ein Scheermesser geschnitten. Meine Hånde haben nach ungerechtem Gut ge trachtet. Meine Füße sind eilend ge wesen zu Schaden und Sünden, meis ne 74 vor der Beichte, in der Kirche. ne Begierde unkeusch und unersättlich. Ich habe oft gesündiget und keine Neue darüber gehabt. Ich habe oft Besse. rung versprochen, und sie doch nimmer gehalten. Jetzt komme ich aufs neue, und bitte um Gnade; jetzt verspreche ich Besserung aufs neue, will sie aber beffer als zuvor halten. Weil nun mein Hei land Ihnen, als einem Haushalter über seine Geheimnisse, des Himmelreichs Schlüssel gegeben, und gesagt: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden seyn, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los seyn: so bitte ich, jetzt auch den Löse- Schüssel an mir zu gebrauchen, und an Gottes Statt mich von meinen Sünden loszuzählen; auch zu mehrerer Versicherung dessen, und zu Stárkung meines schwachen Glau bens, den wahren Leib und Blut meines Erlösers darzureichen. Widerfähret mir diese Gnade, so werde ich meiner Bürde entlediget und meine Ge € 4 beine 72 Der zu Jesu nahende Sünder, beine fröhlich werden, die so zerschlagen sind. Ja, ich werde an meiner Seele gesund und ewig gerecht und selig werden. Dazu verhelfe mir das theure Verdienst Jesu Christi, meines Erlösers, Amen. III. Nach der Beichte, in der Kirche. Die I. Andacht. Die über Vergebung der Sün den getröstete und erfeuete Seele. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergeben, und alle deine Gebrechen geheilet; der dein Leben vom Verderben erlöset und dich gekrönet hat mit Gnade und Sarmherzigkeit. Pf. 103, v. 1.4. Ilt est Freude im Himmel bey den En geln Gottes über einen Sünder, der Buße thut; sollte denn ich im Geiste nicht vor gutem Muthe jauchzen, da der Trost der Vergebung der Sünden mich ere nach der Beichte, in der Kirche. 73 erfreuet! Ach! ich danke dir, Herr, daß du zornig gewesen bist über mich, und dein Zorn sich gewendet hat, und tröster mich. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht. Denn Gott der Herr ist meine Stärke, und mein Psalm und mein Heil. Ich habe mit Freuden Wasser geschöpfet aus dem Heil- Brunnen. Nun habe ich erfahren, daß Gott nicht Lust hat am Verderben des Sünders; sondern predigen läßt Buße und Vergebung der Sünden allen, die sich zu ihm kehren. Nun ist der Stein, der mich auf dem Herzen gedrückt, weggewälzet. Nun sind die Vorwürfe, die mein Gewissen beunruhiget, vertilget. Nun ist meine Seele aus der Angst, darinnen sie zagte, gerissen. Ich bin gerecht und rein, ich bin erwählet, und ist nichts Verdammliches anmir, dieweil ich in Christo Jesu bin. Nun kann ich sagen: Mein Gewissen beißt mich nicht, meines ganzen Lebens halben. Denn alle Ungerechtigkeit des & 5 Le 74 Der zu Jesu nahende Sünder, Lebens ist weggenommen, und ich bin nun eine ganz erneuerte Kreatur mei nes Gottes. Ich war elend, Gott aber hat mir geholfen. Ich war ein Sün, der, und Gott hat mich gerechtfertiget. Ich war abgewichen, und Gott hat mich wieder angenommen. Ich war verdammet, und Gott hat mich selig gemacht. Ach Herr, was ist der Mensch), daß du sein gedenkest? Und das Menschenkind, daß du es so achtest? O wie lieblich sind deine Tröstungen, wie gnå. dig deine Züchtigungen, wie wahrhaf. tig deine Berheißungen! Unermeßlich ist deine Gnade, überschwenglich deine Liebe, unerforschlich deine Güte, unergründlich deine Barmherzigkeit, denn alles ist, wie du selber bist. Darum lobet dich meine Seele, dich rühmet mein Geist, dich preiset mein Herz, dir dan. ket mein Mund, und alle meine Kräfte freuen sich in dir. Jauchzet, ihr Himmel! freue dich, Erde! lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! denn der Herr hat sein Volk getro. nach der Beichte, in der Kirche. 75 getröstet, und erbarmet sich seiner Elenden. Kommet doch her zu mir alle, die ihr Gott fürchtet, alle, die ihr Jesum lieb habt, ich will erzählen, was er an mei ner Seele gethan hat. Sie war todt inSünden, und siehe, sie lebet in seiner Gerechtigkeit. Ich war in Stricke des Verderbens verwickelt, und er hat mich los gemacht. Ich war aus seiner Gnade gefallen, und er hat den Bund seines Friedens mit mir erneuert. Er hat meine Finsterniß licht gemacht, und mei ne Traurigkeit in Freude verwandelt. Sein Wort hat mich getröstet, sein Blut hat mich gereiniget, sein Verdienst ist mir zugerechnet. Bin ich nun in ihm gerecht, so ist mir kein Gesetz gegeben, da smich verklaget. Bin ich in ihm versöhnet, so ist keine Schuld da, die mich verdammet. Bin ich mit ihm eins worden, so ist keine Gewalt, die mich von seiner Liebe trennen kann. Ach mein Herr Jesu, möchte doch mein Herz in Liebe 76 Der zu Jefu nahende Sünder, Liebe gegen dich feurig brennen, und im Loben und Danken deines Namens zerfließen! Lobet mit mir meinen Jesum, ihr, seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß der Preis seiner Liebe im Himmel und auf Erden erschalle. Und du, o Gott heiliger Geist! du hast das Herz mit deinem Trost erfüllet; wie sollte nicht der Mund dessen mit Freude und Ruhm übergehen? Du haft in mir erwecket eine göttliche Traurigkeit, welche gewirket eine Neue über meine Sünde, die mich nicht gereuet; wie sollte ich es vergessen? Du hast das Wort der Absolution in mir kräftig ge macht, daß ich durch Vergebung der Sünden nunmehro eben so heilig und selig hin, als ich in der Taufe war; wie sollte ich es verschweigen? und vor gu tem Muthe nicht ausrufen: Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! Den durch die Sünde verderb ten Tempel des Herzens hast du wieder zu nach der Beichte, in der Kirche. zu deiner heiligen Wohnung zugerichtet; wie sollte ich dir dasselbe nicht zu einer beständigen Behausung überlassen? Hilf mir nur, hilf die fündigen Lüfte dämpfen, die bösen Begierden überwinden, meinen Willen brechen, den alten Adam tödten, das Fleisch kreuzigen, und den Untugenden widerstreben, damit der alte Mensch je mehr und mehr aufhöre, und der inwendige neue Mensch von Tage zu Tage zunehme, daß ich Gott wohlgefällig in der Wiedergeburt wandeln möge. O dreyeiniger Gott! laß mich die heutige Gnade noch täglich vor deinen Augen finden Weise mir deinen Weg, daß ich) wandle in deiner Wahrheit. Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Ruste mich aus mit Kraft aus der Hö he, damit ich den Glauben und ein gut Gewissen behalte, die Werke des Flei sches hasse, und das verheißene ewige Erbe empfange. Erhalte mein Herz bey 77 78 Der zu Jesu nahende Sünder, bey dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Das soll hinführo meine Freu de seyn, daß ich mich zu Gott halte, und meine Zuversicht setze auf den Herrn Herrn, daß ich verkündige alle deinThun. Ehre sey Gott dem Vater, der mich erschaffen und zu Gnaden angenommen! Ehre sey Gott dem Sohne, der mich erIsset und in seinem Blute gereiniget! Ehre sey Gott dem heiligen Geiste, der mich geheiliget und die Vergebung der Sünden in mir versiegelt hat! Ehre sey der hochgelobten Dreyeinigkeit, die mein Erbgut bleibet, unaufhörlich hier in der Zeit und dort in der Ewigkeit, Amen, Amen, Amen. Die II. Andacht. Die auf die schuldige Dankbar keit des neuen Gehorsams bedachte Seele. Siche zu, du bist gesund geworden, fündige fort nicht mehr, daß dir nicht etwas ärgeres widerfahre. Joh. 5, 14. Ja ch erinnere mun meine Seele an ihre Seligkeit mit Freuden, und sage: Ich nach der Beichte, in der Kirche. 79 Ich bin gerechtfertiget! nunmehro bin ich von allen meinen Sünden gereiniget und losgesprochen. Nun hat keinen Theil mehr an mir der Teufel, die Hölle und der Fluch des Gesetzes. Ich habe jetzo von meinem Erlöser die erfreuliche Stimme vernommen: Sey getrost, deine Sünden sind dir vergeben. Aller deiner Sünden, die du gethan hast, soll nicht mehr gedacht werden. Nun ist mein Herz ruhig, und meine Seele fröhlich in meinem Gott. Ich sage nun getrost mit Paulo: Mir ist Barmher zigkeit widerfahren. Du, Herr, hast nicht mit mir gehandelt nach meinen Sünden, und mir nicht vergolten nach meiner Missethat. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet; also hast du, Herr, dich über mich erbarmet. Du hast mich Verlornen gesucht, mich Verirrten wieder zurecht gebracht, und mich Müden erquicket. Ich will, mein Gott, solche deine Barmherzigkeit und Wun der erzählen, und davon sagen, wiewohl fie 80 Der zu Jesu nahende Sünder, sie nicht zu zählen sind. Darum freue ich mich nun, ich bin fröhlich in dir, und lobe deinen Namen, du Allerhöch ster. Gieb auch nun, daß ich meine ge thane Zusage halte, und die vorigen Sündenwege nicht wiederum betrete. Wese mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott, dein guter Geist füh re mich auf ebener Bahn; erhalte mei nen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Nun ich mache mir mit David den Vorsatz, mich zu hüten, daß ich nicht fündige; Chris stus selbst rufet mir zu, und spricht: Siche zu, du bist an deiner Seele gesund geworden, sündige fort nicht mehr, daß dir nicht etwas ärgers widerfahre. David brach nicht wieder die Ehe, nach dem er einmal von seinem Falle aufge standen war. Petrus verleugnete Chri stum nicht wieder, nachdem er seine Sün den bitterlich beweinet hatte. Zachaus betrog nach der Beichte, in der Kirche. 81 betrog niemanden wiederum aufs neue, nachdem er einmal das unrechte Gut von sich gethan hatte. Nun, Herr, ich bin auch vieler schwerer Sünden theilhaftig gewesen; aber ich habe sie herzlich bereuet, und du hast sie mir auch vergeben. Ich will gleichfalls ablassen und mit Vorsatz keine wiederum begehen, sondern durch deine Gnade christlich le ben, geduldig leiden, durch Christi Verdienst selig sterben, und freudig in den Himmel eingehen. Amen. Die III. Andacht. Danksagung in gebundener Rede. Gelobet sey der Herr, der mein Gebet erhöret, der meine Thränen- Buß in Gnaden angesehn. Nun ist des Satans Reich in meiner Brust zerstdret, wie Gott verheißen hat, so ist es auch geschehn. Die Llebertretung ist ben ihm nunmehr vergeben, die Missethat getilgt, die Sünde zuge= deckt. Vor war der Tod in mir, nun wie derum das Leben; wie freundlich ist der F Herr, 82 Der zu Jesu nahende Sünder, Herr, ich hab' es schon geschmeckt. Umfin: gen mich zuvor der Hölle Band und Strik ke, so leitet mich nun Gott an Liebes- Seilen hin; anstatt der Höllen- Gluth feh ich nun Himmels Blicke, weil ich durch ChristiBlut mit Gott versöhnet bin. Ich, das verlorne Kind, bin jegund wiederfunden, ich, das vers lorne Schaaf, bin glücklich aufgesucht. Ich nahm das Lösegeld aus meines Jesu Wun: den, deß Gegen schüget mich, wenn das Ge seze flucht. Die schwere Sünden- Laft liegt auf des Lammes Rücken, die LinschuldChri fti hat die Blöße zugedeckt. Ich darf mich nun nicht mehr vor Moses Stecken bücken, weil Jesus gegen mich die Hand schon aus gestreckt. Für mein zerbrochnes Herz ließ Gott das Herze brechen, ich schlug an meine Brust, und Jesu Bruft ward wund; er felbsten sprach für mich, was ich nicht konnte sprechen, und was ich redete, gab er mir in den Mund. Wo ist ein Gott wie du, du Vater aller Gnaden, der an der Sünder Tod gar kein Gefallen hat? Du läffelt uns viel mehr durch Buße zu dir laden, und deiner Gnad ist mehr, als unsrer Missethat. Ach Vater! habe Dank für deine große Treue, daß du mich Aermsten nicht von dir verste: ßen hast. Es reuet dich dein Zorn bey meiner Herzens- Reue, du wirfst die Ruthe hin, die. du nach der Beichte, zu Hause. 83 du auf mich gefaßt; dein Antlig klärt sich auf, ich seh die Sonne scheinen, da mir zuvor dein Blick ein Blitz und Donner war; erst mußt ich wohl vor Schmerz, doch jezt vor Freuden weinen, und mein zerknirschtes Herz wird nun ein Dank Altar. Wie soll ich deine Huld nach Würdigkeit erheben! Mein Mund ist viel zu schwach, mein Herz ist viel zu schlecht, ein solches Opfer dir, wie du verdienst, zu geben; ach Herr! du biſt zugleich so gnädig, als gerecht. Ich nahm an Bosheit zu, du aber an Erbarmen; die Buße schob ich auf, doch du die Gnade nicht. Ich fiel dir aber nicht aus deinen VaterArmen; ich liebte Finsterniß, du aber warst mein Licht. Ich war vor kurzer Zeit recht gottlos noch gesinnet, und deine Langmuth ging mir auf dem Fuße nach. Jetzt, da nun Jefu Blut auf meine Seele rinnet, so höre ich, was dein Mund für Gnadens Worte sprach: Es hieß: Getroft mein Kind, die Sünden sind vergeben. O Segen! der mir selbst den Himmel offen zeigt. O Urs theil, welches mir von neuem giebt das Leben. Ausspruch! der dein Herz vollkommen zu mir neigt. Du willst kein Adama, wie billig, aus mir machen, dein Herz ist andres Sinns, ich bin dein Ephraim; drum rettest du dein Kind auch aus der Hölle F2 Ras 84 Der zu Jesu nahende Sünder, Rachen, die Gnade geht für Recht, und Lie: be löscht den Grimm. So habe tausend Dank, daß du für Höllen- Brand den Him: mel haft geschenket, der schon verscherzet war; nun steh ich wiederum in einem Gnaden: Stande, und biete Herz und Hand zu dei nem Dienste dar. Was in dem Himmel ist, wird über mich sich freuen, daß ein ver lornes Schaaf sich wiederfunden hat; ich selbsten werde mich durch deine Kraft er neuen, und keinen Weg mehr gehn, den ich als Sünder trat. Ach stecke selbst das Ziel den großen Missethäten, und hast du mich einmal vom Sündenschlaf erweckt, so laß mich nimmermehr in einen Stand gera then, da man aufs neue sich mit Sünden sehr befleckt. Jesu, treuster Freund! ich muß dich nicht vergessen, du hast das Beste bier in meiner Noth gethan, daß mich der Höllen Schlund nicht plößlich aufgefressen; und ich mich von der Schuld befreyet sehen kann. Wie ist mir doch so wohl, wie leicht ist mir das Herze, da meine Seele sich in deine Wunden schmiegt, und mein Gewissen weiß von keinem Sünden- Schmerze, dieweil der schwere Stein im tiefen Meere liegt. Es ist kein ander Heil, als dein Verdienst und Sterben, dein Kreuz, das kann allein des Himmels Schlüssel seyn; wer dich zum Mitt nach der Beichte, in der Kirche. 85 Mittler hat, entgehet dem Verderben, und erndtet für den Fluch nur lauter Segen ein. O große Liebes: Treu, ich hatte dich betrübet, und hast du deinen Feind der Lie be werth geschätzt; hat jemand auf der Welt inbrünstiger geliebet, als du, Immanuel, den, der dich hat verletzt? Unzählig Dank sey dir, du gingst zur Todesstätte, und hast den Richterstuhl zum Gnaden- Thron gemacht; und da mein Mund zu Gott um Gnad' und Rettung flehte, hast du dich selbst für mich zum Opfer dargebracht. Du blutigs Opfer du, du selbst auch Hoherpriester, durch dein Genugthun fällt die Schuld, die mich verband; einStrich, mitBlut gemacht, durchstreichet das Register, in welchem ich bisher schwarz angeschrieben stand. Mich kann nun kein Gesetz und Satan mehr verklagen, dem ist der Mund gestopft, und jenes ist vergnügt. Wird man inskünftige nach meiner Sünde fragen, so wiffe man, daß fie in Jefu Wunden liegt. Kein Balsam thut so wohl als wie der Troft der Seelen, der durch des Priesters Mund aus deinem Herzen floß. Nun schrecken mich nicht mehr der Hölle Trauer Höhlen, ich liege wiederum in deinem weichen Schooß. Du haft von neuem dich mit Blute mir ver schreiben; ach laß mein Leben auch dir ganz F3 erges 86 Der zu Jesu nahende Sünder, ergeben seyn; der Handschlag ist geschehen, es heißt nicht Spott getrieben, ich soll mich bessern; nun du wirst es mir verleihn. Es soll nicht mehr geschehn, wie ich mich hier verpflichtet, mein Nimmerthun wird hier die beste Buße seyn; doch gieb mir deinen Geist, der mich stets unterrichte, und flöße deine Kraft zum neuen Leben ein. O Geist voll Rath und That! hast du das Werk vollendet, und mich allein be: kehrt, mein steinern Herz erweicht, hat mir dein heiligs Amt den Segen zugewens det, gieb, daß mein Vorsatz auch die Kräfte nun erreicht. Ach leit und führe mich, so lang ich leb' auf Erden, führ ich mich ohne dich, so werd ich leicht verführt; allein dein Zug kann mir zur besten Bahne werden, dein Finger zeiget mir, was mir zu thun ge: bührt. Nun, Sünde, weiche fort, du bist die Frucht der Höllen, von mir sey dir nunmehr auf ewig abgesagt; mein Herze will ich hier in Jesu Hände stellen, so leb ich ganz getrost, so sterb ich unverzagt. Be reit indessen nur die Tafel deiner Wunder, und lade, Jesu, mich zu deiner Hochzeit ein; entzünd' in meiner Brust den wahren Glaubenszunder, und laß mein Hochzeitkleid und Schmuck dich selber seyn. So geh ich wohlgeschickt vom Beichtstuhl zum Altare, was nach der Beichte, in der Kirche. 87 was du dort zugesagt, versiegelst du mir hier; gieb, daß ich dieses Wort in meiner Bruft verwabre: Gott Vater, Sohn und Geist, vergiebt die Sünde dir. Die VI. Andacht. Wenn man aus der Kirche gehet. Wie ie lieblich sind mir heute deine Woh nungen gewesen, Herr Zebaoth! Mein König und mein Gott! Ich habe gebeten um Vergebung der Sünden, die habe ich von der Hand deines Die ners genommen, ich habe deine Gnade gesucher, die habe ich in deinem Worte gefunden. Ich habe an deinem Herzen angeklopfet, das hast du mir voll Segen und Liebe aufgethan. Der Herr segne dich, du Wohnung der Gerechtigkeit, du heiliger Berg, du evangelisches Zion, in welchem mir so viel Gutes widerfahren! Ich freue mich aber deß, was mir gesagt ist, daß ich morgen wieder in das Haus des Herrn F4 gehen, 88 Der zu Jesu nahende Sünder, gehen, und bey meinem Jesu ein seliger Geist am Tische des Lebens seyn werde. Nun, der Segen des Herrn sey über mir an Leib und Seele! Amen. ZAGR IV. Nach der Beichte, zu Hause. Die I. Andacht. Um neuen Gehorsam. Ich will mich hüten, daß ich nicht wiederum fündige. Ps. 39, v. 1. Spot ch bin der allmächtige Gott, wandle vor mir, und sey fromm. Wie mich dünkt, so rufest du mir jetzund zu, lieb. ster Vater im Himmel! Siehe, dein Kind ist bereit, deinen Willen zu erfüllen. Ein neuer Mensch), ein neues Leben. Schreibe du selbst mit lebendigen Buch staben ein solches Leben in mein Herz, wie du es gern haben willst. Was ich nicht weiß, das lehre mich; was ich nicht habe, das gieb mir; was ich nicht sehe, das weise mir; was ich habe, das vermehre und erhalte mir! O du Brun ustan nen nach der Beichte, zu Hause. 89 nen der Weisheit! sey du meine Weißheit, Rath, Licht und Auge. Verleihe mir glücklichen Fortgang in dem Werke, das du in mir angefangen hast, und hilf, daß ich weislich und gottesfürchtig wandele, wie einem frommen Christen gebühret. Heilige meine Seele, und schaffe in mir ein reines Herz. Entzünde in mir alle Tugenden, die deinem Willen gleichförmig sind. Behüte mich vor der List des Teufels, auf daß ich nicht in seine Stricke falle, nicht in Sünde, und aus der Sünde in die Strafe gerathe, und dein gerechtes Mißfal. len mir zuziehe. O du Gott des Trostes, tröste mich in allen meinen Nöthen und Trübsalen! Gieb meinem Geiste das Zeugniß, daß ich ein Kind Gottes sey. Erhalte mich allezeit, und verlaß mich nicht. Stehe mir bey im Leben und Tode. Erquicke mich, ehe ich von hinnen fahre. Rede mich auch an in meiner leßten Sterbe Stunde, und sprich zu meiner Seele: Ich bin dein F5 Heil! 90 Der zu Jesu nahende Sünder, Heil! Erfülle mein Herz mit Freuden, und mache mich zu deinem Tempel in diesem Leben und in alle Ewigkeit! Dei ne Barmherzigkeit, die da Himmel und Erde erfüllet, die umfange auch mich armen Sünder! Dieselbe schüßze und bewahre mich vor allem Ulebel! Die selbe segne mich, und mache mich selig hier und dort ewiglich, durch meinen lieben Erlöser und Seligmacher, Jesum Chri stum, Amen. Die II. Andacht. Abend- Gebet nach erhaltener Beichte und empfangener Absolution. Die Seel' hat heute Ruh' empfangen, Jeht soll der Leib sie auch erlangen. o lobe nun auch den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir diesen Tag Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergeben, und alle deine Gebrechen geheilet; der dein Leben vom Verderben erlöset, und dich gekrőnet mit Gnade und Barmherzigkeit. Herr 91 nach der Beichte, zu Hause. Herr Gott Vater, und Herr meines Lebens! ich preise dich in dieser AbendStunde, daß es heute diesen Tag nicht gar mit mir aus gewesen, daß deine Barmherzigkeit noch kein Ende gehabt, sondern, wie bishero alle Morgen, so auch absonderlich diesen heutigen, solche über mich neu, und deine Treue groß gewesen. Ewiges Lob und Dank sey dir gesagt, daß du mir heute meine Sünden unter Augen stellen, dieselben auf mein demüthiges Bekenntniß vergeben, und in solche mit Vorsatz nicht wiederum zu willigen, und treulich warnen lassen. Liebster Jesu, wie soll ich dir vergelten die Wohlthat, die du heut an meiner Seele gethan? Ich kam zu dir dürftig und elend, aber du sahest mich mit Gnaden Augen an. Ich kam zu dir mühselig und mit schweren Sünden beladen; du aber hast mich erquicket. Ich war von der Sünde gefesselt und gebunden, und mein Leben war nahe bey der Hölle; aber du hast mich wiederum frey ge₂ Der zu Jesu nahende Sünder, gemacht, und meine Seele vom Verderben errettet. Darum freue ich mich nun, und bin fröhlich in dir, und lobe deinen Namen. Herr Gott heiliger Geist! betrübt war heute meine Seele in mir, ich kam zu dir mühselig beladen und trau rigen Herzens; aber du hast mich bey dem himmlischen Vater aufs beste vertreten mit unaussprechlichem Seufzen, und mit deinem süßen Trost kräftig wie Derum aufgerichtet, allerheiligste Dreyeinigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Ich habe mit großer Freudigkeit heute gestanden vor deinem Gnaden- Stuhle, Barmherzigkeit empfan gen und Gnade gefunden zu der Zeit, da mir Hülfe noth gewesen; sey dafür gelobet in alle Ewigkeit! Haben mich etwa diesen Tag, nach empfangener Abs solution, einige Schwachheits- Sünden wiederum übereilet, so laß dieselben nicht einwurzeln, sondern vergieb mir solche noch, ehe ich meine müden Augen schlie ße. Vollführe das gute Werk, das du 92 nach der Beichte, zu Hause. 93 du in mir angefangen hast, zu deines Namens Ehre bis auf den Tag deiner Erscheinung und Herrlichkeit. Der Hů. ter Israel, der du weder schläfest noch schlummerst, ich befehle dir diese Nacht meinen Leib und Seele. Laß deine heiligen Engel sich um mein Bette her lagern, damit weder der Fürst der Finsterniß, noch böse Menschen mir einiges Unglück zufügen mögen. Hilf, daß ich in Friede und Ruhe unter deinen GnadenFlügeln diese Nacht einschlafe, und das morgende Tageslicht, an welchem ich Christi Leib und Blut, zur Stärkung meines Glaubens und Versicherung mei ner Seligkeit genießen will, gesund und mit Freuden erblicken möge. So will ich mich mun in mein Bette legen, und schlafen ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, Hilfst mir, daß ich sicher wohne. Vorher aber empfehle ich mich dir nochmalen treulich in einem andächtigen und auf das theure Verdienst Jefu fejt gegründeten Bater Unser zc. Die Der zu Jesu nahende Sünder, Die III. Andacht. Trost- Gedanken auf das morgende Abendmahl. elig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Auf diese Verheißung deines Jesu freue dich, meine Seele. Es ist um diese Nacht zu thun, wird der Tag anbrechen, an welchem du mit dem Manna des Lebens gespeiset, und aus dem Felsen des Heils ge. tränket werden sollst. Heilige dich dazu mit würdiger Bereitung. Denn die Heiligkeit Jesu ist dir geschenket. Laß dich keine Sünden irre machen; denn sie sind vergeben. Laß dich deine Unvollkommenheit nicht abschrecken; denn sonst dürftest du nimmermehr zu Jesu kommen. Er ist so gnädig und freundlich, daß er das zerstoßne Rohr nicht zerbricht, noch den glimmenden Docht aus löscht. Laß auch alle Vernunft schwei gen; denn dieß Sakrament ist höher, denn 94 nach der Beichte, zu Hause. 95 denn aller Engel Weisheit, und überschwenglich über aller Menschen Verstand. Entschlage dich alles Vorwißzes in Fragen und Grübeln. Denn je mehr du willst wissen, je weniger wirst du verstehen. Glaube nur in Einfältigkeit des Herzens. Denn das sind Worte voll Geist und Leben, voll Kraft und Wahrheit: Nehmet, esset, das ist mein Leib; trinket alle daraus, das ist mein Blut. Ach, selig sind, die zum Abendmahle des Lammes berufen sind. Sol. che Seligkeit wird sich auch an dir offen. baren, o meine Seele, Jesus wohnet schon durch den Glauben indir. Morgen aber wird er zu deiner desto größern Gewißheit sich auch sakramentirlich unter den äußerlichen Mitteln des Brodes und Weines mit dir vereinigen. Omit was für geistlichem Segen in himmli. schen Gütern wirst du nicht gesegnet seyn? Du empfängst das Gegengift wider das tödtliche Sünden Gift. Dein Glaube ruht auf unbeweglichen Grundvesten 96 Der zu Jesu nahende Sünder, vesten der Seligkeit. Denn eben den Leib, den Jesus für mich zur Versöhnung am Kreuze geopfert, esse ich; eben das Blut, das er im Garten, in der Geisselung, und aus seinen fünf Hauptwunden zu meiner Gerechtigkeit ver gossen, trinke ich. Gott versiegelt und bestätigt von neuem den Bund eines guten Gewissens, den er mit dir in der Taufe aufgerichtet. Du wirst zu einer auserwählten, eigenthümlichen Stadt Gottes, welche heißet: Hier ist der Herr! Du wirst ein Mitgenosse aller Güter Christi! Heilig in seiner Heiligkeit, ge recht in seiner Gerechtigkeit, selig in sei ner Seligkeit, vollkommen in seiner Vollkommenheit. Was für eine geistliche Kraft und Stårke wirst du nicht überkommen? War das Wasser und geröstete Brod, das der Engel dem Propheten Elia in der Wüste brachte, so kräftig, daß er darauf vierzig Tage und Nächte nach einander konnte fortgehen, bis zu dem Berge nach der Beichte, zu Hause. 97 Berge Horeb; wie vielmehr wirst du, Kraft der geistlichen Speise und Trankes, so dir Jesus darreichet, durch die Wüste dieser Welt fortwallen, bis du kommst zum Berge Zion, und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten, und zu dem Mittler des neuen Testamentes, Jesu. Du hast den Held in dir, der die Werke des Teufels zerstöret, den Tod getödtet, und über die Hölle triumphiret hat; vor wem wolltest du dich fürchten? Und wie gewiß kann ich meiner künftigen Auferstehung aus dem Grabe seyn? Wurde durch ein Wunder jener todte Mann, als er die Gebeine des Propheten Elisa im Grabe berührete, lebendig, so kann auch ich nimmermehr im Tode bleiben, weil ich des lebendigG ma Der zu Jesu nahende Sünder, machenden Leibes und Blutes Chriſti theilhaftig geworden bin. Mein allerliebster Jesu, in solchem Lebens- Troste vollbereite, stårke, kråftige und gründe mich durch deinen freudigen Geist. Ich gehe nun und schlafe in deinen Armen, ich ruhe in deiner Liebe, und erwache in deiner Gnade, da du rufen wirst: Kommet her zu mir! esset, meine Lieben, trinket, meine Freunde! Ach, wenn ich nur dich habe, was will ich mehr? Amen. 98 Der vor dem heil. Abendmahl, zu Hause. 99 Der mit rechtschaffenem Herzen zu Jesu Liebes- Mahl sich nahende Sünder. I. Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls, zu Hause. Die I. Andacht. Morgen- Gebet an dem Tage, da man die Seelen Speise genießen will. Nachdem ich wohl geruht, will ich mein Bett verlassen, Heut wird die Seele Gott mit seiner Lieb umfassen. Gott Rott Lob! die Nacht ist dahin, und aus der Finsterniß ist ein lichter Morgen geworden. Du Sonne der Gerechtigkeit, gehe auch diesen Tag in meinem Herzen auf, und vertreibe alle Finsterniß aus meiner Seele. Ich sage dir ewig Lob und Dank, du Vater der G2 BarmUniv.- Bibl. Giessen Der zu Jesu nahende Sünder, Barmherzigkeit, daß du mir gestrigen Tages die schwere Sünden- Last hin. weg genommen, die Nacht mich sanft ruhen, und das heutige Licht gesund er. blicken lassen. Dieß ist nun heute ein Tag, den mir der Herr gemacht hat; meine Seele, freue dich und sey fröhlich; dein Jesus will dich heute mit geistlichen Gütern speisen und tränken, und dir Beweise der höchsten Liebe geben. Höre nur, wie freundlich er dir zurufet: Komm zur Hochzeit, die Mahlzeit ist bereit. JB, meine Liebe, trink, meine Freundin und werde trunken. O welch eine er. freuliche Einladung! Ich will mich jeßzund zu dieser theuren Mahlzeit schi cken und bereiten. Gieb, liebster Jesu, daß ich mit meinem vergånglichen Leibes- Schmucke das rechte hochzeitliche Kleid anziehe, und meine Seele schön ausschmücke, damit ich als ein würdiger Gaft erscheinen möge. Hinweg mit aller sündlichen Pracht und Hoffart! Hin weg mit aller irdischen Welt- Freude! Hin 100 vor dem heil. Abendmahl, zu Hause. 101 Hinweg mit allen Lüsten hienieden auf Erden! sie sind nichts gegen diese himmlische Herrlichkeit, welche allen Verstand übertrifft. Ich werde heute trunken werden von den reichen Gütern des Hauses Gottes. Ich werde heute in dem heili gen Sakramente berufen zu der Hochzeit des Lammes, da werde ich zu Tische sitzen mit Abraham, Isaak und Jakob, und die Fülle haben in Gott und meinem Herrnewiglich. Gieb, liebster Herr Jesu, daß ich dieses hohe Werk heute ja wohl überlege, mich prüfe und in wahrem Glauben hinzunahe, damit mir diese theure Seelen- Speise nicht zum Tode und Verdammniß, sondern zum Leben und ewiger Seligkeit gereichen möge. Theile mir deinen heiligen Geist mit, der mich recht zubereite und wohl geschickt mache. Jetzt klopfet er an bey mir, in meinem Herzen durch sein Wort; verleihe mir die Gnade, daß ich ihm wil lig aufthue im Glauben und im Ge horsam, auf daß er das rechte AbendG3 mahl 102 Der zu Jesu nahende Sünder, mahl bey mir balte, und ich mit ihm. Erhalte mich auch diesen ganzen Tag im heiligen Leben und Wandel, behüte mich vor bösen Gedanken, unnüßen Worten und sündlichen Werken. Steure dem Satan und gottlosen Menschen, daß ſie mir weder am Leibe noch an der Seele einigen Schaden und Unglück zufügen mögen. Laß mich auch den Abend die. ses Tages gesund und fröhlich erleben, damit ich dir mein gebührendes AbendOpfer bringen, und für erzeigte Gnade und Wohlthat danken, und dich rühmen und preisen möge, Amen. Hieraufbete ich im Geiste und wahrer HerzensAndacht das heilige Vater- Unser 2c. Die II. Andacht. Bereitung zum vorhabenden heiligen Werke. Moblauf, meine Seele, dieß iſt ein Tag des Heils, ein Tag der Güte, ein Tag der Liebe, ein Tag des Trostes, ein Tag des Lebens, da dir der Himmel auf vor dem heil. Abendmahl, zu Hause. 103 aufgeschlossen, das ewige Erbgut versichert, undGott sich selbst dir zumEigenthume geben wird. O mein Jesu, mein allerliebster Freund, ich danke dir, daß du mich denselben erleben lassen. Du willst dich mit mir vereinigen. Woher kommt mir das, daß mein Jesus, mein Herr und mein Gott, zu mir kommt? Bin ich doch nicht werth, daß du unter mein Dach gehest, vielweniger in mein Herz. Aber so dringet dich deine Liebe, so treibet dich deine Begierde nach mei ner Seligkeit. O wie sind deine Werke so groß! Wer ihrer achtet, der hat eitel Lust daran. So laß mich meines Herzens Freude und Wonne in deinem Geheimnisse em pfinden. Verleihe mir heilige Gedanken, daß ich alles Jrdische vergesse, und von fremden Dingen in der Andacht nicht verhindert werde. Ach! in allem hilf meiner Schwachheit auf, und sey du meine Stärke. O wenn ich doch so würdig wäre, als ich seyn sollte! $ 4 Doch 104 Der zu Jesu nahende Sünder, Doch in dir und mit dir wird mir nichts mangeln. Ich habe zwar unter deinem Kreuze nicht gestanden, deine Wunden nicht ge sehen, in deine Någelmale nicht meine Finger, noch meine Hand in deine Seite gelegt; aber dennoch gedenke ich an dein verdienstliches Leiden, und genieße alle Kraft desselben durch den Glauben an dich. Im Glauben umfasse ich dich am Kreuze, als meinen Erlöser, und weiß, daß mein Erlöser lebet. Im Glauben sehe ich deine Wunden zu meiner Beruhigung, und weiß, daß ich durch diesel. ben bin heil. geworden. Im Glauben betrachte ich die Nägelmale deiner Hån de, als das Buch des Lebens, und weiß, daß du mich hineingezeichnet. Im Glauben verberge ich mich in deine Seite, als die Höhle meiner Zuflucht, und weiß, daß mich nichts von deiner Liebe scheiden kann. So komm doch, mein Jesu, und erfreue die Seele deines Knechts( deiner Magd) vor dem heil. Abendmahl, zu Hause. 105 Magd) mit deinem Liebes- Mahle! Ich kleide mich an, und erinnere mich, daß ich dich selber angezogen. Ich schmücke mich zu Ehren meines heutigen geistlichen Hochzeittages, und denke daran, daß ich vor Gott in deiner Gerechtigkeit prange. Ich gehe hin in dein Haus, und der Weg ist mir zu meinem Heile gebahnet. Freuet euch mit mir, und send fröhlich, ihr Gerechten, und rühmet alle, ihr Frommen. Die III. Andacht. Gebet um heiligen Muth. Selig sind, die da hungert und dürftet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Matth. 5, v. 6. heiliger Gott, wer kann unter den Menschen sagen, ich bin rein in meinem Herzen, und lauter von meinen Sünden? Wer kann sich rühmen, daß er wisse etwas Gutes zu denken von ihm selber? Wie kann der natürliche Mensch vernehmen, was des Geistes 5 Got 106 Der zu Jesu nahende Sünder, Gottes ist? Es ist ihm eine lautere Thorheit, er kann es nicht begreifen. Und niemand kann Jesum einen Herrn nennen, ohne dich, oGott heiliger Geist! Wie sollte ich denn mich kennen ohne deine Hülfe prüfen, waschen und reini gen? Wie sollte ich von mir selber kön nen wissen. was für Gedanken zu dem heiligen Abendmahl gehören? Wie kann ich ohne deine Lehre fassen das große geistliche Geheimniß? und wie werde ich würdig zu der Tafel meines Jesu kommen, wo du mich nicht selber würdig dazu führest? Wie du mit dei ner heiligen Kraft geschwebet über mei nem Tauf- Wasser; mich wiedergebo ren zu einem Kinde Gottes, und reich lich zu allem Guten erneuert haft: also breite auch anjeßo die Fittige deiner Gnade über mich armen Sünder; wa sche, reinige und erneure mich, daß ich mit rechtschaffenem, bußfertigem Herzen zu dieser himmlischen Mahlzeit kommne. Entferne von mir alle Gegenstände, die fremde vor dem heil. Abendmahl, zu Hause. 107 fremde Gedanken und unreine Begierden im mir erwecken können. Wende von mir ab alle Aergerniß der Welt, und behüte mich vor unzuchtigem Gesichte. Ich hungere und dürfte nach der Gerechtigkeit, hilf, daß ich satt werde. Gieb daß durch dieß Geheimniß des neuen Testamentes der Glaube in mir vermehret, die Hoffnung gestärket, die Liebe entzündet, das schwache Gewissen getrostet, und alle Anfechtungen überwunden werden. Weil ich aber auch soll heilig seyn, weil mein Gott heilig ist, so heilige mein Herz, daß Christus gern darinnen wohne. Heilige meinen Mund, daß er seinen heiligen Leib und Blut würdig empfange. Heilige meine Ge danken, daß sie es thun zu seinem Ge dächtniß. Heilige meine Zunge, daß sie seinen Tod verkündige, bis er kommt. Heilige meine Ohren, daß sie Acht haben auf die Worte des Testamentes: Für euch gegeben und vergossen zur Ver. gebung der Sünden. Heilige meine Augen, 108 Der zu Jesu nahende Sünder, gen, daß sie stets auf den Stifter dieses Abendmahls sehen. Heilige meine Han de, daß sie sich emporheben vor und nach dem Abendmahl ohne Zorn und Zweifel. Heilige meine Füße, daß sie mit gebüh render Verehrung und Andacht sich nei gen. Ja, heilige meinen Leib und Seele, daß ich, und alles, was in mir ist, sen ein rechter Tempel Gottes, eine Wohnung des heiligen Geistes, und ein Thron der ganzen heiligen Dreyeinigkeit. D heiliger Gott! heilige mich in der Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit, Amen. Die IV. Andacht. Betrachtung der Liebe Gottes. Meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mast- Wich ist geschlachtet, und alles bereitet, kommet zur Hochzeit. Matth. 21, v. 4. Liebe über alle Liebe! O wie hat so Liebe selbst bereitet uns einLiebes. Mahl. Sie vor dem heil. Abendmahl, zu Hause. 109 Sie setzt sich selbst mit ihren Gästen an die Tafel, ist fröhlich, und spricht: Esset, meine Lieben, trinket, meine Freunde, und werdet trunken! O allerholdseligster Menschen Freund, Jesu, was für ein theures Pfand giebst du mir doch im heiligen Abendmahl. Du giebst mir eben denselben Leib zu essen, den du für mich in den Tod gegeben, und eben das felbe Blut zu trinken, daß du für mich vergossen. Ach, was für ein Großes ist doch das! Ein Großes war es, daß dort der lahme Mephiboseth vom Könige David aufgenommen wurde, daß er täglich an seinem Tische sollte das Brod essen, darüber er sich auch selbst verwunderte, und sagte: Wer bin ich, dein Knecht, daß du dich wendest zu einem todten Hunde, wie ich bin! wie viel. mehr sollte ich sagen, der du, König aller Könige, mich an deiner GnadenTafel speisen willst? Ein Großes war es, daß du in den Tagen deines Fleisches bey Lazaro in Bethanien einkehrtest; noch 110 Der zu Jesu nahende Sünder, noch ein Größeres, daß du in das Haus Zachai, eines Zöllners, gingst, und all. da die Mahlzeit hieltest; aber ein weit Größeres ist es, daß du zu mir in mein so fündlich Herz einkehrest, und nicht allein Gast, sondern auch die Speise sel ber bist. Alsdort Obed- Edom die Lade des Bundes in seinem Hause beherberg, te, ward er so reichlich von Gott gesegnet, daß sich jedermann darüber verwundern mußte. Ach wie vielmehr werde ich an Leib und Seele gesegnet seyn, wenn du, Herr Jesu, als der wahre Gnadenstuhl, der durch die Lade des Bundes vor. gebildet worden, im heiligen Abendmahl zu mir kommst, und in meinem Herzen Herbergest. Ach so komm doch, süßer Seelengast! erquicke und labe mich mit dei ner himmlischen Speise undTrank. Ver binde dich mit mir, und gieb mit dein eigen Fleisch und Blut, so will ich dir hin wiederum mein Herz geben, und dir im wahren Glauben also anhangen, daß wir inEwigkeit ungeschieden bleiben. Amen. II. Bor vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 111 II. Vor dem heiligen Abendmahl, in der Kirche. Die I. Andacht. Heilige Freude über die Herrlichkeit des Liebes- Mahles. Wen da dürstet, der komme zu mir und trin. te. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Joh. 7, v. 31. Offb. 21, v. 6. wie heilig ist diese Ståtte! hter ist und hier ist die Pforte des Himmels! So sage ich billig jetzund mit Jakob, da ich hierher gekommen bin, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen. Denn hier kommt der Herr des Himmels und der Erde zu uns herab, und ladet uns zu seiner Gnadentafel, auf welcher er uns sein eigen Fleisch und Blut vorsehet. Hier freuen sich die Engel Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Da sehen wir den Herrn im feurigen Busche, der 112 Der zu Jesu nahende Sünder, 500 der da brennt, und doch nicht verbrennt. Ach, wie freudig ist mein Herz, daß es an diesen Ort gelangt, wo es das himm lische Manna regnet. Hier ist Christus, der mich lebendig machen will, der ich in Sünden todt bin. Er nahet sich zu mir und erinnert mich durch diese theuern Liebes- Zeichen seines Todes an seine mir erworbenen Wohlthaten. Er versiegelt sein neues Testament, und vereiniget sich mit uns aufs festeste. Ich soll alle sei. ne Wohlthaten genießen, Vergebung der Sünden und ewige Seligkeit empfangen. Oder erwünschten Befreyung von der ewigen Höllen Pein! Christi, mit seinem Leib und Blut gespeisete und getränkte Gliedmaßen, können nimmermehr umkommen, sondern müssen ewig mit ihm leben. Dort soll ich einmal das Brod mit ihm essen in seinem Nei che, und mit Wollust, als mit einem Strome, getrånket werden, wenn ich hier seinen Leib und Blut würdiglich empfange. Nun, Herr Jesu! mich hun gert vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 113 gert und dürstet heut nach dir, so speiſe und tränke mich denn, nach deiner tröst lichen Verheißung; auf dieser Welt iſt doch keine herrlichere, müßlichere und annehmlichere Kost zu finden. Laß mich als einen würdigen Hochzeitsgast in wahrer heiliger Andacht hinzutreten, damit ich dich dermaleinst dafür im ewigen Leben loben, rühmen und preisen könne! Amen, das gieb mir, Herr Jesu, aus Gnaden, Amen. Die II. Andacht. Gebet um Beystand und würdige Genießung. Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. Matth. 11, v. 20. A llerfreundlichster Jesu! auf dein Herz ist beschwert mit vielen und großen Sünden; derselben suche und wünsche ich ledig und los zu seyn. Ich weiß aber kein anderes Mittel, davon entlediget. H zu 114 Der zu Jesu nahende Sünder, zu werden, als deinen allerheiligsten Leib und Blut, welches du am Stamme des Kreuzes reichlich und überflüssig für mich vergossen. Ich gestehe aber, ich bin viel zu unwürdig zu dieser Gnaden- Tafel. Meine Sünde ist es, die mich unwürdig machet, daß ich nicht hinzugehen kann. Mein Herz, welches deinen theuren Leib und Blut zur Versicherung deiner Liebe und kräftigen Beywohnung empfangen soll, das ist, leider! mit Bosheit und Unreinigkeit angefüllet, daß es mich also zu einem solchen heiligen Hochzeit- Gaste ganz unwürdig macht. Billig erschrecke ich daher, wenn ich bedenke deine große Majestät, o Herr! vor welcher auch die Engel nicht bestehen können, sondern in Demuth ihr Angesicht bedecken müssen. Du bist wie ein verzehrendes Feuer. vor welchem auch die Berge wie Wachs zerschmelzen müssen. Darum zittere und bebe ich, weil ich ein unreiner fündlicher Mensch bin, voller Greuel und Unrecht. Deine Gnade allein ist mein Trost, vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 115 Trost, daß du nicht mit mir handeln wirst nach meinen Sünden. Daher beuge ich mich in Demuth vor deinem hochheiligen Angesicht, und gehe in tiefster Niedrigkeit hinzu, und zweifle nicht, weil du alle arme Sünder zu dieser Gnaden- Tafel ladest, du werdest auch mich gnädig aufnehmen. So freue dich demnach, meine Seele, bey deiner großen Furcht; jauchze und jubilire, denn du hast einen leutseligen und freundlichen Herren zu deinem Wirthe, der dich ohne alles Ansehen deiner Person, an Leib und Seele erquicken will. Gott wie theuer ist deine Güte, daß Menschen Kinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, du trånkest sie mit Wollust, wie mit ei nem Strome. Denn bey dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. So laß mich demnach diese hochheilige Speise und Trank nicht nur mit meinem Munde genießen, H2 son 116 Der zu Jesu nahende Sünder, sondern auch in mein betrübtes Herz auffassen, daß ich dadurch mit dir ver einiget, aller deiner Güter möge theil. haftig werden, und wir ungeschieden, du in mir und ich in dir, hier und dort ewig bleiben, Amen. Die II. Andacht. Ermunterung zum gläubigen Empfangen. Auf meine [ uf, meine Seele! jeßzo wiederholet Gott, dein Gott, sein gnådiges Wort, das er vor Zeiten durch den Mund seiner heiligen Propheten geredet hat: Höret mir doch zu, und esset das Gute, so wird eure Seele in Wol lust fett werden. Neiget eure Ohren her, und kommet her zu mir; höret, so wird eure Seele leben. Denn ich will mit euch einen ewigen Bund machen, nämlich die gewissen Gnaden Davids. Ach mein lieber Vater im Himmel! Dein Kind kommt zu dir. Offenbaremir den Reichthum deiner Gnade. Komm mir vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 117 mir entgegen und erfreue mich mit deinen Wohlthaten! O daß mein Glaube als ein Berg vor dir stünde! O daß doch meine Hoffnung ihren Anker recht fest in mein Herz werfen möchte! Nun merke ich, daß du mich lieb hast, weil du mir deinen eingebornen Sohn zum Pfande schenkest. Ich betrübe mich, daß ich mich nicht so erfreuen kann, als ich wollte. Ich binn nicht gänzlich ohne Furcht, da doch mein Herz mit gutem Muthe ganz sollte erfüllet seyn. Also erkenne ich, daß Alles auf deine Gnade ankommt. Ich bringe eine schwache Seele, står. ke sie; eine kalte Seele, wärme sie; eine durstige Seele, erquicke sie; eine blöde Seele, tröste sie. Sprich, mein Herzenstreuer Gott, sprich zu mir: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöset. Ich habe dich bey deinem Namen gerufen. Du bist mein. Weil du so werth bist vor meinen Augen geachtet, mußt du auch herrlich seyn, und ich habe dich lieb, dar53 um 118 Der zu Jesu nahende Sünder, um gebe ich dir mein allerliebstes Gut, zur Versicherung deiner Gnade, und zur Hoffnung meiner Seligkeit. Ich stärke dich, ich helfe dir auf, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Ge rechtigkeit. Ach wohl mir! von nun an will ich mich selig preisen. Denn der Herr, unser Gott, ist mein Gott, und meine Seele ist in ihm genesen. O Jesu, mein Heiland, nach dir ver langet mich, meine Seele dürstet nach dir, wie ein dürres Land. Habe ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so gehe nicht vor deinem Knechte( deiner Magd) über. Siehe, ich habe mich unterwunden, dir meine Seele zur Wohnung anzubieten, wiewohl ich Erde und Aschebin. Das Thor meiner Lippen öffnet sich, die Thüre des Herzens schlie Bet sich auf. Weihe es zu deinem Tem pel, den du mit deiner Gnadengegen wart erfüllest. Heilige es zu deinem Schlosse, darinnen du regierest. Erwähle es zu deinem Palaste, darinnen du vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 119 du herrschest. Bereite es zu deinem Paradiese, darinnen du deine Lust has best. Ja, mache es zu deiner Wohnung, aus welcher du nimmermehr weichest. So komme herein, du Gesegneter des Herrn, warum stehest du draußen? Laß heute dem Hause meines Herzens Heil widerfahren, und bringe mit dem Reichthum deiner Güte die Süßigkeit deiner Liebe, die Ehre deiner Herrlichkeit, die Fülle deiner Gnade, die vollkommene Kraft deiner Gerechtigkeit. Mein Herz und dein Herz sey ein Herz, welches auch der Tod nicht trennen kann. Nimm mich dir, und gieb dich mir. In dir lebe ich, in dir muß ich sterben. In dir bin ich gerecht; in mir bin ich nichts denn Sünde. In dir bin ich selig; in mir lauter Verdammniß. Darum komm, und mache mich theilhaftig deines Leibes und Blutes. So habe ich den Eckstein meines Glaubens, den Felsen meines Heils, den Trost meines Lebens, die herrliche Freyheit vom Fluche 54 des 120 Der zu Jesu nahende Sünder, des Gesetzes und von allen Sünden, die Kraft wider alle Anfechtung, und den Vorschmack des Lebens, wo Freude die Fülle, und leibliches Wesen zu deiner Nechten ist immer und ewiglich. Ich begehre nicht zu leben, wenn du nicht meines Lebens Leben bist; ich sehne mich nicht in den Himmel, wenn ich dich darinnen nicht finden sollte; und viel weni ger verlange ich etwas auf Erden, wenn du nicht mein höchstes Gut bleibest. Ich wende mich auch zu dir, mein heiliger Geiß! und opfere dir meine heißen Seufzer. Ohne dich kann ich Jesum nicht meinen Herrn heißen, noch mit festem Bertrauen an ihm hangen. Darum habe du dein Werk in mir, und breite jeßzo auch deine Gnaden- Gegenwart über mich, daß ich eine neue Kreatur werde. Erfülle mich mit Luft und Kraft, in Heiligkeit und Gerechtig. keit vor dir zu wandeln. Heilige mich zu Gott gefälliger Würdigkeit. Er leuchte mich bey diesem großen Geheim niffe. vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 121 nisse. Führe mein Herz mit allen Begierden in den Himmrl. Mache mich stark im Glauben. brünstig in der Liebe, fröhlich in der Hoffnung, geduldig in aller Gottseligkeit. Rufe in meinem Herzen: Abba, lieber Vater: Vertritt mich aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen, und hilf meiner Schwachheit auf. Treibe mich, und gieb Zeugniß meinem Geiste, daß ich Gottes Kind, Gottes Erbe, und Christi Miterbe sey. Nun die Gnade Gottes des Vaters segne, die Liebe meines Herrn Jesu Christi erfreue, der Trost des heiligen Geistes erquicke mich! Amen! Die IV. Andacht. Beym Hinzutreten zum Altar. Herr Jesu! mit Begier Nah' ich mich jeßt zu dir, Du kannst mich tröstlich laben; Laß mich seyn einen Gast, Den du erwählet haft! Was kann ich Beffers haben? H5 Lieb Der zu Jesu nahende Sünder, Liebſter Jeſu! Ich komme jetzt, mich mit dir auf das innigste zu verbinden. Wie der Hirsch schreyet nach fri schem Wasser, so schreyet meine Seele, Gott! zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Ich öffne dir mein Herz, mache es zu deiner heiligen Wohnung, daß ich dich stets vor Augen habe, und meine Seele dich anbete, und sich über deiner süßen Gegenwart freuen möge. O mein lieb ster Jesu! gieß dein Blut in mein Herz, ja umgieb dasselbe gleichsam wie mit ei nem Strom, damit ich durch deine bren nende Liebe möge durch und durch ent zündet werden. O süßester Jesu! ziehe mich ganz und gar, meinen Leib und Seele, zudir. Mache mich zu einem heili gen Tempel; laß mich nie vergessen, daß ich theuer erkauft bin, damit ich dich an meinem Leibe und an meinem Geist, recht preisen möge; so bleibe ich dein und du bleibest mein, und niemand wird uns scheiden, bis wir dort in dem himm lischen 122 vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 123 lischen Vergnügen beysammen seyn in ewigen Freuden, Amen. Die V. Andacht. Anderes. Ein Freu reue dich, meine Seele, nun findest du den, den du liebest; halte ihn, und laß ihn nimmermehr. Was die Augen des Leibes nicht sehen, das erblicket der Glaube; was die Zunge nicht schmecket, daß empfindet das Herz. Was die Vergebung nicht verstehet, darinnen kann Gott überschwenglich thun. Hilf mir, mein Herr Jesu, in dieser Stunde; erbaue mich auf meinem allerheiligsten Glauben. Behalte mich in deiner Liebe. Ach mein trauter Jesu, stärke mich kräftiglich! Amen. Die VI. Andacht. Bey Empfangung des wahren Leibes. Sey mir doch zu tauſendmalen will. Jeju mein 124 Der zu Jesu nahende Sünder, 0 mein Leben! Jesu mein einiger Trost! Jesu, du Grundveste meiner Seligkeit! Ach ja, stärke und erhalte mich im wah ren Glauben zum ewigen Leben! Amen. Die VII. Andacht. Beym Umgehen um den Altar. ey mun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr thut dir Gutes. So wahr als ich jetzo das ge segnete Brod mit dem Munde gegessen, so wahr habe auch ich in, mit, bey und unter demselben den wahren Leib meines Jesu empfangen, der für mich in den Tod gegeben ist. Und so wahr wird er mir auchbey dem gesegneten Kelch seintheures Blut mittheilen, das für meine Sünde vergossen ist. Der Name des Herrn sey gelobet und gebenedeiet! Bater Unser 2. Die VIII. Andacht. Bey Empfangung des wahren Blutes. esu, mein Jesu, den Hunger meiner Seele hast du gestillet, jeßo tránkest du nach dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 125 du sie auch in ihrem Durste. Tausend, tausendmal sey dir, liebster Jesu, Dank dafür; dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig! Amen. Sms Der Bußfertige und Danksagende Sünder. III. Nach dem Genusse des heiligen Liebesmables, in der Kirche. 61 Die I. Andacht. Danksagung. Ich habe Jesu Fleisch gegessen, Ich hab' ſein Blut getrunken hier; pils Nun kann er meiner nicht vergessen, 392 Ich bleib' in ihm, und er in mir. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. Nun un ist der Hunger gestillet; nun ist der Durst gelöschet. Jesus hat mich an seiner Tafel gespeiset; er hat mich 126 Der zu Jesu nahende Sünder, mich gekränket, und sich mir eigen ge. schenket. Dafür lobe nun den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ist das nicht eine überaus große Gutthat, daß der König aller Könige seine Wohnung in mein Herz gemacht; daß sich der Allerheiligste mit mir verbunden; daß der Erlöser zu dem Gefangenen, der Herr zu seinem geringsten Knechte, der Ge rechte zu dem Ungerechten, der Allervollkommenste zu dem Sünder gekom. men? Der Allerelendeste hat erlanget das ewige Gut, welches mit bringet alle Seligkeit, allen Reichthum, alle Ehre, alle Heiligkeit, alleFröhlichkeit, ja ewige Seligkeit und selige Ewigkeit. O mein Herr Jesu, was werde ich dir für Dank bringen? Was für Lob und Preis? O du Freund meiner Seele, für diese große Wohlthat sage ich dir, so viel ich vermag, schuldiges Lob und Dank. O mein Jesu! durch dieses heilige Brod, und durch diesen himmlischen Wein blei vor dem heil. Abendmahl, in der Kirche. 127 bleibe mit mir inniglich vereiniget. D wie gar süß und lieblich ist dein allerbeiligstes Fleisch; o wie angenehm ist dein kostbares Blut. OFleisch Chriſti, des unbefleckten Lammes, welches meiner Seele das Leben bringt! wie soll ich dir diese große Liebe wiederum vergel ten? Du hast dich mir geschenket; ich schenke mich dir hinwiederum. Nimm vorlieb mit der Gabe, die du mir erst gegeben. Ich will solche Liebe nie aus meinem Herzen und Gedanken lassen. Vergesse ich dein, mein Jesu, so werde meiner Rechten vergessen. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebes- Urmen faffen! Du sollst seyn meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücken bricht, Sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiermit zu deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. Die 128 th Der zu Jesu nahende Sünder, Die II. Andacht. Wenn man aus der Kirche gebet. esegnet feyst du dem Herrn, du hei liges Haus, in welchem mir heute mehr geschenkt worden, als Schäße im Himmel und auf Erden sind; dafür der dreyeinige Gott gerühmt und geprie sen sey immer und ewiglich! Gebe Gott, daß du niemals mit falscher Lehre entweihet, vor Kriegsgefahr niemals geschlossen, und von keinem Christen besuchet werdest, welcher sei nem Gott im Glauben nicht treu verbleibe. Er verleihe mir auch nach seiner Gnade, daß ich des heutigen Segens in dir noch vielmals theil haftig werde, um meines Herrn Jesu willen, welchen ich liebe und lobe mein Lebenlang, Amen. Bater Unser 2c. s flise sic Der nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 129 Der an Jesu Gnaden- Tafel Gespeisete Sünder. IV. Zu Hause. Die I. Andacht. Trost- Gedanken über die Wahrheit der Einsegnungs- Worte im Abendmahl. Hem err Jesu, mein Heiland und Seligmacher! Herr Jesu, mein Auserwählter und Geliebter! Herr Jesu, mein Bluts- Freund und Bruder! ich lobe, ich rühme, ich preise dich für dein theures Nacht- und Liebes- Mahl, daß du zum Troste meines Herzens, zur Freude meiner Seele, zur Stärkung meines Glaubens, eingesetzt hast. Ich glaube, und bin gewiß, daß ich deinen wahren, wesentlichen, lebendigen Leib empfange, wenn ich das gesegnete Brod esse; und bin deß in ungezweifelter ZuJ ver 130 Der zu Jesu nahende Sünder, versicht, daß ich dein wahres, wesentli ches Blut genieße, wenn ich den gesegneten Wein trinke. Ich halte mich an die klaren deutlichen, unverändert wie derholten Worte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Und nehme also meine Vernunft gefangen unter deinen Gehorsam. Du sprichst nicht, das be. deutet, sondern, das ist; nicht ein Zeichen des Leibes und Blutes, sondern selbst mein Leib, der für euch gegeben, mein Blut, das für euch vergossen wird. Du bist der ewige Gott, und haft mir solche theure Güter, in einem un widerruflichen und durch dein Blut und Tod bestätigten Testamente, zum Un terpfande meiner künftigen Seligkeit, vermacht; wie solltest du da mit Wor ten spielen, oder mich in einem solchen Geheimnisse, zu Gefahr meiner Seele, ungewiß lassen? Du bist der allweiseste Gott, in welchem verborgen liegen alle Schäße der Weisheit und Erkenntniß, bey dessen Einsicht aller Menschen Witz und nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 131 und Klugheit zur Narrheit werden muß. Darum hast du am besten gewußt, wie du dein Testament einrichten und die Worte desselben setzen sollen, daß ſie Geist und Kraft, und Worte des ewi gen Lebens werden. Du bist der allmachtige Gott, dem kein Ding unmöglich, und dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist; dannenhero kannst du auch hierinnen überschwenglich thun, allen und jeden Tischgästen deinen Leib und dein Blut, unter Brod und Wein, abzutheilen. Du bist der wahrhaftige Gott, ja die Wahrheit ſelber; so muß auch dieß dein Wort wahr. haftig seyn, und was dudarinnen zuge saget hast, wirst du gewiß halten. Du bist der allergetreueste Gott; wie könntest du mich in dieser allerheiligsten Handlung betrügen? Und so ich auch, welches nimmermehr seyn kann, betrogen wäre, daß ich deine Meinung nicht recht verstanden, so wirst du mires dennoch nicht zurechnen, weil ich mich an den deutli32 chen 132 Der zu Jesu nahende Sünder, chen Buchstaben deiner Einsetzung ge halten, und dieselbe in Einfältigkeit des Herzens geehret habe; wiewohl ich auch hier Grundgewiß nicht irre. Darauf ist mein Gewissen freudig und mein Herz getrost. Stärke nur solchen Glauben in mir, und befestige mich darinnen, daß ich dir treu verbleibe bis in den Tod, und die verheißene Krone des Lebens empfange, da du mich sättigen wirst mit den rei chen Gütern deines Hauses im Himmel, und mich trånken mit Wollust, als mit einem Strom. Ach wenn werde ich da hin kommen, daß ich dein Angesicht schaue, mein allerliebster Jesu! Die III. Andacht. Trost- Gedanken, daß das heil. Abendmahl noch so kräftig sey, als es zuerst gestiftet worden. Es kann ja wohl, o Herr Jesu Chri ste, du Sonne der Gerechtigkeit und Licht des Lebens! kein höher Zeugniß dei nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 133 deiner Liebe gegen uns arme, aber zu Gnaden angenommene Sünder ausge sonnen werden, als daß du deinen Leib für uns sterben, und dein Blut für uns vergießen lassen. Allein, war es denn nicht schon genug, daß du durch das Opfer deines Leibes und Blutes ein für alle mal das Gesetz erfüllet, den Zorn Got tes versöhnet, alle Sünden gebüßet, Gerechtigkeit erworben und eine ewige Erlösung zuwege gebracht hattest? Wir konnten weiter nichts mehr begehren, als wenn du uns der Kraft deines Verdienstes im Evangelio versichert, und unsern Glauben auf dasselbe gewiesen hättest. Denn gleichwie alle Gläubigen, vom Anfange der Welt, in dir gerecht worden im Glauben an dich, da du noch kommen solltest; also hätten wir ja die Gerechtigkeit auch erlanget, durch den Glauben an dich, da du bereits gekommen, und nach vollbrachter Erlösung wieder aus der Welt gegangen bist. War es denn sogar nöthig, uns densel33 ben 134 Der zu Jesu nahende Sünder, ben deinen Leib, der für uns geopfert und dasselbe dein Blut, das für uns vergossen worden, noch im Abendmahle zu essen und zu trinken gegeben? Ach! hierfrufet ein Abgrund der Liebe den andern, und du hast wohl recht dein ganzes Herz ausgebreitet, wie treu es gegen uns gesinnet sey. Wir hätten wohl in Anfechtung und Zweifel gera then mögen, ob das Versöhn- Opfer deines Leibes und Blutes auch uns an ginge? Ob es etwa seine Kraft ver loren? Oder ob du auch noch an uns gedächtest, indem schon tausend und viel hundert Jahre verflossen, da du dich für die Menschen dargegeben? Vielleicht möchte es nur die angehen, die damals gelebt hätten? Ach nun! aller Anfechtung vorzukommen, allen Zweifel zu tilgen und alle Schwachheit stark zu machen, hast du das allerfesteste Siegel der Gerechtig keit uns gelassen, und reichest uns eben denselben deinen Leib, der gestorben, im Brode, nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 135 Brode, und eben dasselbe dein Blut, das vergossen, im Weine dar, uns zu versichern, daß die Kraft deiner Erlösung unserm Glauben noch eben so frisch, ſo neu, so vollgültig, so tröstlich sey, als sie in der Stunde gewesen, da du am Kreuze gehangen. Tausend- tausend mal sey dir, liebster Jesu, Dank dafür! Ich hatte mich unterwunden zu deinem heiligen Tische zu kommen, und da stand ich unter deinem Kreuze, und nahm aus deinem Tode die gewisse Versicherung, daß alle meine Sünden auf dich geworfen sind, daß du dein Blut zur Versöhnung meiner Sünden vergossen, und mir die Gnade meines himmlischen Vaters, und die ewige Seligkeit erworben habest; so daß ich nun nicht ins Gericht kommen werde. Wer will mich nun und alle Auserwählte Gottes beschuldigen? Ich habe Jefum, den gerechten Jesum. Seine Gerechtigkeit ist meine Heiligkeit, sein Heil mein Erbtheil, sein Opfer meine 34 Ver Der zu Jesu nahende Sünder, Versöhnung, sein Tod mein Leben; was kann mich ångstigen? Jesus ist meine Ruhe; was darf mich anfeinden? Jesus ist mein Friede; was will mich schrecken? Jesus ist meine Zuversicht; was will mich anfechten? Jesus ist mein Trost; was will mich verdammen? Je fus ist meine Seligkeit. Ein solcher ist mein Jesus, mein Jesus ist ein solcher. Wohl mir! Amen. Die III. Andacht. 136 Besondere Danksagung zu Gott dem Vater. Wie wohl hast du gelabet, O lieber Vater! deinen Gast; Ja mich so reich begabet, Daß ich jetzt fühle Freud' und Rast! O wundersame Speise! O süßer Lebenstrank, O Liebs- Mahl, das ich preise Mit einem Lobgesang! Indem es hat erquicket Mein Leben, Herz und Muth; Mein Geist, der hat erblicket Das allerhöchste Gut. Dir nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 137 ir sey für die große, unschäßbare Dank gesagt. Wie hättest du, lieber Vater, mich besser trösten können? Wie hättest du mich mehr deiner Gnade versichern, und der Verheißung des ewigen Lebens vergewissern können? Gieb doch, daß ich dies nimmermehr aus meinem Herzen lasse; sondern alle Augenblicke bedenke, daß ich in Christo habe deine Gnade, die Vergebung der Sünden, das Leben und Seligkeit. Gieb, daß es meinen schwachen Glauben stärke, mein bló. des Gewissen tröste, mein Gemüth erquicke, und zu allem Guten neue Kräfte schaffe. Stehe mir ferner mit deiner Gnade kräftig ben, damit das Licht meines Glaubens niemals verlösche. Erhalte mich bey meiner rechten Hand, lei. te mich nach deinem Rath und nimm mich endlich mit Ehren an. Zu Gott dem Sohn. So lang ich leb' auf Erden, Mein Mund dich, Jesu, preisen soll, 35 Daß 138 Der zu Jesu nahende Sünder, Daß du mich läffeft werden Von dir und durch dich satt und voll, Du hast mich selbst getränket Mit deinem theuern Blut Und dich zu mir gelenfet, O unvergleichlich Gut! Nun werd ich ja nicht sterben, Weil mich gespeiset hat, Der immer kann verderben, Mein Trost, Schaß, Hülf und Rath! Riebster Immanuel! dir sey Lob und Dank gesagt, daß du mich würdig geschäßzet haft zu deiner Gnaden- Tafel zu kommen, und darauf deinen wahren Leib und dein wahres Blut, zur Beförderung der ewigen Seligkeit, gege ben. Ich bitte dich, du wollest nun fer ner an mir armen Sünder in Gnaden lassen erfüllet werden, das du gesaget haft: Wer mein Fleisch isset, und trin ket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auf erwecken. Ach Herr Jesu! in dir bin ich gerecht und heilig, ein Kind und Erbe des ewigen Lebens. Außer dir ist keine Ver nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 139 Berheißung, keine Gnade, keine Vergebung der Sünden, keine Gerechtigkeit, kein Leben noch Seligkeit. Darum so halte ich mich an dich, ich senke mich ganz in dich, ich verberge mich in deine Wunden, ich ruhe in deiner eröff neten Seite, und lasse dich nicht, du segnest mich denn. Zu Gott dem heiligen Geist. Hilf, daß in wahrer Heiligkeit Ich führe meine Lebenszeit, Sey meines Geistes Stärke! Daß mir hinfort sey unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust, Und seine Sündenwerke; Rühre, führe Meine Sinnen und Beginnen Von der Erden, Bis ich werd dein Erbe werden. uch dir sey herzlich Lob und Dank gesagt, du werther heiliger Geist! Wie hätte ich Jesu Liebes- Mahl würdiglich empfangen können, wenn du mich nicht dazu bereitet hättest! Ach du edler Tro 140 Der zu Jesu nahende Sünder, Tröster! ich bitte dich demüthiglich, komme jetzt und allezeit zu mir, und erfülle mit deiner Gnadengite mein Herz, meine Sinne und alle meine Gedanken; erhalte das Licht des Glaubens in mei nem Verstande; entzünde brünstige Liebe in meinem Herzen; erwecke Friede und Versöhnlichkeit in meinem Gemü the; gieb Andacht in meine Ohren, Zucht in meine Augen, Psalmen und Lobge. sänge auf meine Zunge, das Gebet in meinen Mund, heiligen Beruf unter meine Hände, und den Weg des Herrn unter meine Füße. Verlaß mich in der gegenwärtigen Noth und trübseligen Zeit nicht mit deinem Troste, denn ich bin doch sehr gedemüthiget. Hilf durch deine Kraft meiner Schwachheit, denn ich bin deren sehr bedürftig! Stehe mir endlich bey mit deiner Gnade, bis an mein letztes Ende. Du höchster Trost in aller Noth, Hilf, daß ich nicht fürchte Schand und Tod, Daß in uns die Sinne nicht verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen, Kyrie eleison! Die nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 141 Die IV. Andacht. Danksagung für die geistliche Verbindung. A! ( Aus dem hohen Liede Salomonis genommen.) sch! Herr Jesu Christe, du Schönster unter den Menschenkindern, du holdseliger Freund unserer Seelen, du haft gesagt: Ich will mich mit dir verloben in Ewigkeit, ich will mich mit dir vertrauen in Gericht und Gerechtigkeit; ja, im Glauben will ich mich mit dir verloben, und du sollst den Herrn erkennen. Ich danke dir von Herzen, für deine inbrünstige, herzliche, heilige und reineLiebe, damit du mich allezeit geliebet hast. Du hast deine Liebe bewiesen in deiner heiligsten Menschwerdung, da du menschliche Natur, das ist, menschlichen Leib und Seele in Einigkeit der Person angenommen, und mit deiner ewigen Gottheit unzertrennlich und unauflöslich in Einigkeit hier vereinigt. Ach welch eine tröstliche, liebliche und holdselige Ver eini 142 Der zu Jesu nahende Sünder, einigung ist das, daß Gott Mensch ist, und Mensch Gott ist! Was könnte doch freundlicher und leutseliger seyn? Da mit hast du bezeuget, daß du dich auch also mit mir und allen Gläubigen verei nigen wollest, daß wir mit dir ein Leib, ein Fleisch und Bein, ein Geist und Herz seyn sollen. Dazu hast du verordnet die heilige Taufe, und dadurch dich mit mir vereiniget, vermählet und verbunden, daß sie mir sey ein Bund eines guten Gewissens mit dir. Und weil du deine zarte, edle, menschliche Natur, die du angenommen, geheiliget hast, daß sie engelrein ist, ja mehr denn engelrein, ohne Makel und Sünde, sauber und unbefleckt; so hast du mich in der heili gen Taufe, weil du dich mit uns vereinigen wollen, auch gereiniget durch das Wasser Bad im Worte, und hast dirzugerichtet eine Gemeine, die heilig sey, die nicht habe einen Sündenflecken oder Runzel, sondern daß sie heilig sey, unstråflich, rein und vollkommen. Rein ins haft nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 143 hast du uns mit deinem Blut gewaschen; denn deine Reinigung ist vollkommen, daß kein Schandfleck ist übergeblieben. Hast uns auch mit dir durch den heili gen Geist vereiniget, und zu einem Leibe verbunden; und vereinigest uns auch mit dir durch das heilige Nachtmahl, durch Genießung deines heiligen Leibes und Blutes, damit du dich uns gar zu eigen giebst. Dein Leben, dein Geist, dein Fleisch und Blut, ja deine Gottheit und Menschheit ist unser, der ganze Christus ist unser eigen, und du willst in uns seyn, und wir sollen in dir seyn. Du hast aus großer Liebe deinen heiligen Leib und Blut für uns geopfert am Kreuz. Weil du uns einmal liebgewonnen, so hast du so eine beständige Liebe gegen uns, die stärker ist, denn der Tod, dein Eifer ist fest und unbeweglich, ihre Glut iſt feurig, und eine Flamme des Herrn, daß auch viel Wasser nicht mögen diese Liebe auslöschen, noch die Ströme ersäufen; und wenn einer alles Gut in sei nem 144 Der zu Jesu nahende Sünder, nem Hause um diese Liebe gehen wollte, so gilt es alles nicht. Ach mein Freund, wie freudig ist dein Herz! Wie wacker ist deine Liebe; da ist die Stimme meines Freundes, siehe, er kommt, und hüpfet auf den Bergen, und springt auf den Hügeln. Mein Freund ist gleich einem Reh oder jungen Hirsch. Mein Freund ist weiß und roth, auserkoren unter viel tausenden. Roth ist er um seines blutigen Verdienstes willen, da er den Rock seiner menschlichen Natur in Wein beer- Blut gewaschen, wie Jakob von ihm geweisfaget, zur Vergebung meiner blutrothen Sünden. Weiß ist er um seiner Unschuld und erworbenen Gerech tigkeit willen, womit er das Gesetz erfüllet. Auserkoren ist er unter viel tausenden, ja unter allen Menschen, weil doch kein andrer Mensch, als der Mensch Christus Jesus, die Menschen erlösen, noch Gott versöhnen konnte. Ach, du allerschönster Bräutigam, entzünde eine herzliche, innigliche, brünstige Gegenliebe nach dem heil. Abendmahl, zu Hause. 145 liebe in mir, küsse mich mit dem Kusse deines Mundes, erquicke mich mit den Blumen deines edlen, lebendigen Geruchs, lobe mich mit den Alepfeln deiner Lieblichkeit, lege deine Linke unter mein Haupt, und deine Rechte herze mich. Ach komm, mein Freund, in deinen Garten, in mein Herz, und iß deine edlen Früch te; seßze mich wie ein Siegel auf deinen Arm; nimm weg aus meinem Herzen alles, was deine Liebe in mir hindert; entkleide meine Seele von aller Creaturund Welt- Liebe, mache sie lauter von allen irdischen Dingen, daß du dich allein mit mir vermählen und vereinigen kannst, daß du sie allein haben und besitzen mögest, und kein anderer mit dir. Du schönster Hoherpriester im heiligen Schmuck, eine Jungfrau mußt du zur Gemahlin haben, die nicht mit der Weltund mit fremder Liebe bedeckt ist; eine solche Seele nimmst du ganz an, und sie nimmt dich ganz an; eine solche Seele hast du tausendmahl lieber, als ein lie. K ber 146 Der zu Jesu nahende Sünder, ber Buhle seinen Buhlen; über eine sols che Seele freuest du dich tausendmal mehr, als sich ein Bräutigam freuet sei. ner Braut; einer solchen Seele offenba rest du dich und dein ganzes Herz. Wer dich herzlich liebet, dem offenbarest du dich herzlich. Ach! meine Seele, vergiß der ganzen Welt, und wende dich ganz zu deinem Bräutigam, so wird er Lust an deiner Schöne haben, so wird er sich mit dir vereinigen, und du wirst den Herrn erkennen; er hat dir ja seine Lie be ganz ergeben, und dadurch sich mit dir vereiniget. Daß du dich aber mit ihm nicht ganz vereinigen kannst, das macht, daß du ihm deine Liebe nicht ganz gegeben hast. Ach! wie gehet dieser liebe ste Bräutigam umher und suchet eine liebende Seele, eine reine Jungfrau, mit welcher er sich vermählen möchte. Ach, er hat solche gläubige heilige Seelen so lieb, daß er tausend Himmel verließe, und wohnete in einer solchen liebhaben den Seele; mit derselben nimmt er alles gleich, nach dem heil. Abendmahl, zu Hause. 147 gleich, Glück und Unglück, Leben und Tod, er nimmt einer solchen Seele Kreuz auf sich, und er trågt es, als wäre es sein eigen; er leidet mit ihr, er führet ſie durch Kreuz und Trübsal, durch Hölle und Tod mit sich, und so wenig als Kreuz und Tod ihm seine menschliche Natur nehmen und von ihm trennen und abreißen können, so wenig können auch Trubsal, weder Schwert noch Hunger, weder Hohes noch Tiefes, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Leben noch Tod, ihn eine solche Seele nehmen und von ihm scheiden, denn er hat sich mit derselbigen in Ewigkeit verlobet. Ach hilf, Herr Jesu! daß wir das erkennen, diese hohe Himmels- Vermählung und ewige Vereinigung recht bedenken, und mit dir ewig verlobet, vermählet und vereiniget bleiben, Amen. Die V. Andacht. Ermunterung zur Liebe Jesu. Moblauf nun, meine Seele! dich bat dein Jesus anjeßo seines heiligen K2 Lei 148 Der zu Jesu nahende Sünder, Leibes und Blutes theilhaftig gemacht, und deiner Sünden- Last dich gnädig entbunden, mit dir sich abermal verlo. bet, seine Liebe dir zu einem gewissen Unterpfand im Sakrament gereichet; weg nun, Satan, du sollst hinführo nichts mehr mit meiner geheiligten Seele zu schaffen haben; mein Jesus hat meine Seele ganz eingenommen, und wird sie bis ans Ende besißen. Weg, Welt! mit deiner Lust; mein Jesus ist meine Freu de, meine Wonne, er theilet mit mir seinen Leib und Blut; soll ich ihn nicht wieder lieben? Ja, ich will ihn lieben bis ans Ende. Und du, mein Herr Je su, der du mich anjetzo abermal an deinem heiligen Tisch gespeiset und ges trånket hast, gieb mir die Gnade und Beystand deines heiligen Geistes, daß ich in deiner Liebe beständig und fest, bis an mein Ende, verbleibe, mich davon nichts abtreiben lasse; sondern wie ich an jeßo aufs neue mit dir mich verlobet, und deinen Leib und Blut genossen, ich also auch nach dem heil. Abendmahl, zu Hause. 149 auch hinführo als dein Kind leben und deiner allerheiligsten Gegenwart mich nicht möge verlustig machen. Ach! Herr Jesu, wehre dem Satan, wehre der Welt, wehre meinem eigenen verderb ten Fleisch und Blut, daß es mich nicht aufs neue von dir abführen möge; du siehest, Herr Jesu, wie diese Feinde mir die Glückseligkeit meiner Seele mißgonnen. Ach! Herr Jesu! laß sie alle durch deine Gnade und Beystand zu Schanden werden, und erhalte du mich, als dein Kind in deiner Liebe, erfülle mein Herz mit deiner Kraft und heilbringen. den Gnade, und erhalte mich bey dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Nun wohl, mein Herr Jesu, ich freue mich in deinem Heil, und meine Seele ist fröhlich in ihrem Gott, welcher sich anjetzo wieder zu ihr gewendet hat, und ihr gnädig geworden. Ach! Herr Jesu, meine Liebe, verlaß mich nimmermehr, um deiner theuren Zusage willen, Amen. K 3 Die Der zu Jesu nahende Sünder, Die VI. Andacht. Gebet um beståndige Erhal tung der geschenkten Wohlthaten. Liebreicher Herr Jeſu, dir ſage ich von daß du mich dei 150 nem heiligen Leibe und Blute gespeiset und getränket hast. Ach, wer bin ich, daß du mich Unwürdigen gewürdiget hast, von deinem Tische zu essen? Ich danke dir für alle deine Liebe und Treue, für deine Menschwerdung, für dein heis liges, holdseliges Evangelium, für dei nen Todeskampfund blutigen Schweiß, für alles dein heiliges Leiden, für die Schläge, für die Schmach, für die er duldete Verspeiung, für die schmerzliche scharfe Dornen Krone, für deine Wun den, für alle deine Schmerzen, für deine Thránen, für dein Seufzen, für deine Angst, für die Kreuzigung, für den er bärmlichen Tod, für alle deine Wohl thaten, die du mir dadurch erworben, für die Erfüllung des Gesetzes, für die Ver nach dem heil. Abendmahl, zu Hause. 151 Vergebung der Sünden, für die voll. kommene Bezahlung und Genugthu. ung für meine Missethat, für die Verföhnung deines himmlischen Vaters, für die erworbene und geschenkte Gerechtig, keit, für die Heiligung durch den heili. gen Geist, für das ewige Leben, welcher Wohlthaten allein du mich durch den Glauben theilhaftig gemacht, und durch das hohe theure Pfand deines Leibes und Blutes im Sakrament versichert hast. Ach wie könntest du mir doch ein höheres Pfand deiner Liebe geben; und eine größere Versicherung meiner Erldfung, der Vergebung der Sünden und des ewigen Lebens! Gieb, daß ich deiner großen Liebe nimmermehr vergesse, deines heiligen Todes stetiglich gedenke. Dein heiliger Leib und Blut heilige, segne, erhalte meinen Leib und Seele, und behüte mich vor allen Sünden. Ach, mein Erlöser und Seligmacher! lebe du inmir, und ich in dir, vertreib aus mei nem Herzen alle Untugend, besiße du K4 es 152 Der zu Jesu nahende Sünder, es allein mit deiner wahrhaftigen Hei ligkeit. Meine Seele hat sich mit dir vereiniget, sie ist nun zur herrlichenFrey. heit der Kinder Gottes erhoben wor den; wie sollte sie sich wieder zum Knecht der Sünde und Unreinigkeit, wie sich ihres Adelswieder verlustigmachen durch die Eitelkeit und Nichtigkeit des Lasters, und sich selbst unwürdig achten einer sol chen Seligkeit? Ach! schmücke und ziere meine Seele mit geistlichem Schmuck, mit himmlischer Schönheit, mit starkem Glauben, feuriger Liebe, froher Hoff nung, mit edler Demuth, heiliger Ge duld, brünstigem Gebet, holdseliger Sanftmuth, sehnlichem Verlangennach dir allein, und nach dem ewigen Leben; daß ich mit dir allein eine selige Gemein schaft habe, ich esse oder trinke, schlafe oder wache, lebe oder sterbe, daß du bey mir, und in mir, und ich bey dir, und in dir ewig bleibe, daß ich ohne Unterlaß an dich gedenke, daß ich möge in diesem Glauben einschlafen, am jüngsten Tage fröh nach dem heil. Abendmahl, zu Hause. 153 fröhlich auferstehen, und in die ewige Freude eingehen. Die VII. Andacht. Um Heiligung und Wachsthum im Guten. So sie entflohen sind dem Unflathe der Welt durch die Erkenntniß des Herrn und Heis landes Jesu Christi; werden aber wiederum an dieselbige geflochten und überwunden, ist mit ihnen das letzte ärger geworden, denn das erste. 2. Petr. 2, v. 20. Ein neuer Mensch ein neues Leben! Nun, meine Seele, du bist gewa. schen, gereiniget und geheiliget, beflecke dich nicht wieder mit den vorigen Sünden. Ach, hilf doch, liebster Jesu! daß ich dir, nach meiner gethanen Zusage, hinführo fleißiger dienen möge, als es bisher, leider! geschehen ist. Laß mich nun anfangen, viel heiliger und from mer zu werden, weil ich dein theures Liebespfand nunmehro in meinem Herzen habe. Stärke und befestige du mich durch deinen heiligen Geist, und treibe K 5 mich 154 Der zu Jesu nahende Sünder, mich an zu wahrer rechtschaffener Got. tesfurcht. Gieb, daß mein Christen. thum mir möge ein rechter Ernst seyn, denn ich weiß wohl, daß du den Heuch lern und Maul Christen feind bist, und die von dir thust, die weder kalt noch warm sind. Liebster Heiland! mein einziger Wunsch ist, daß ich dir also die. nen könnte, wie ich gern wollte. Sie he, mein Herz ist jekund rechtschaffen gegen dich, erhalte mich nur bey diesem meinem Vorsatze. Laß mich von dem Wege zur Seligkeit nicht abweichen. Erleuchte mein Herz und Sinn, daß ich in allen Dingen prüfen möge, was deinem heiligen Willen gefällig sey. Gieb, daß ich nichts thue, oder vornehme, was deinen heiligen Augen zuwider ist. Denn du bist ja mein treuester Freund, darum will ich mich gern also gegen dich verhalten, wie es einem treuen und redlichen Freunde zustehet. Jesu! gieb das Wollen, gieb auch das Vollbringen; vollführe das gute Werk, das du in mir ange nach dem heil. Abendmahl, zu Hause. 155 angefangen hast, bis an den Tag Jesu Christi; und laß mich endlich sitzen an deinem Tisch, in dem Reiche deiner Ehre und Herrlichkeit, daß ich dich mit allen Auserwählten ewiglich rühmen und preisen möge. Herr, erhöre mich. Ich will dich preisen ewiglich, Amen. Nun Seele, geh mit Freuden heim, Denn dein Mund ist voller Lachen, Und dein Herz voll Honigseim, Ueber solche Wunder- Sachen! Schau! daß Christi Leib und Blut Auch bey dir die Wirkung thut. Denk an deines Jesu Pein, Und an seine Todes Schmerzen, dost bir Wandle vor dem Reinen rein, Gieb ihm Ruhm mit Mund und Herzen; So wirst du im Glauben schön Einst zur Himmels- Tafel gehn. Die VIII. Andacht. Gebet, worinnen Gott um Regierung des ganzen Christenthums und Lebens angerufen wird. mein himmlischer Vater, der du mich je und je geliebet, darum auch zu A! 156 Der zu Jesu nahende Sünder, zu dir gezogen hast aus lauter Gute, du hast, o Gott! meinen Gott und Hei land, meinen Bruder und Erlöser, auch mir zu gute gesande, welcher auch meine Sünden gebüßet, und für mich das Ge setz mit unendlichem Gehorsam erfüllet, durch dessen Wort, Leib und Blut, ich nach der ängstlichen Sünden Noth abermal erquicket worden, daß ich mit jauchzendem Muthe sagen kann: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Ach! laß doch diese Gnade an mir nicht vergeblich seyn, heiliger, barmherziger Gott, die in so reichlichen Strömen auf meine durstige Seele gegossen worden. Wohne in mei nem Herzen, aufdaß ich auch ferner dich liebe und dein Wort halte; daß ich daraus zu meinem Troste merke, ich sey ein würdiger Gast an deiner Tafel gewesen, wenn mein Glaube beständig seyn, und sich durch die Liebe gegen dich und den Nächsten thätig erweisen wird. Hilf, heiliger und mächtiger Gott, daß des Teu vor dem heil. Abendmahl, zu Hause. 157 Teufels Werk, die Sünde, in mir tåg. lich mit allen Lüsten, je långer, je kråftiger, zerstöret werde. Verhüte allen Unglauben, der aus dem thörichten Klügeln der Vernunft und Hintenan. setzung deines Wortes entstehet, und die Seele zur Abgötteren, zum Unge horsam, Mißtrauen, Widerspenstigkeit und Ungeduld, ja endlich gar zum Haß und Ekel, wider dich und deinen Willen verleitet. Du weißt, allwissender Va ter, daß das menschliche Herz troßig ist in Selbstgefälligkeit, Sicherheit, fundlichem Eifer und Eigenwillen; hingegen bey der Unwissenheit und Bergessenheit deiner Wege unbeständig und verzagt wird, daß es oft verzweifelt; dem allen baue vor, und so ich ja auch die Welt und ihre Freude allzu sehr geliebet, so gieb, daß ich doch nicht in Unbußfertigkeit und Verstockung falle. Erwecke in mir einen herzlichen Abscheu wider alles Fluchen und unnüßes Schwören, gegen Rache und Lästerung dei 158 Der zu Jesu nahende Sünder, deines Namens, deines Wortes, oder auch deiner Werke und Kreaturen. Laß nicht zu, daß ich im Gebet und übrigen dir gebührendem Dienste kaltsinnig oder verdrossen sey; wehre allem übeln Ver halten, sowohl gegen Vorgesetzte und Höhere, als auch gegen Niedrige und Geringe. Von Haß und Feindschaft, Zwietracht und Hader, Nachgierigkeit und Verfolgung, Neid und Unbarmherzigkeit, und alle dem laß mich ent. fernet seyn, welches mich oder den Näch sten zum Tode befördert, oder im Tode beschimpfet. Alle meine Gedanken und Werke der Finsterniß, und deren Ursachen, als geile Worte, üppige Klei der, unzüchtige Geberden, Unmäßigkeit oder Lüsternheit, laß meine Seele nicht verunreinigen; auch feste glauben, daß alles durch Diebstahl und Betrug Erworbene durch deinen unwandelbaren Fluch nicht nur zerrinne, sondern auch noch elender, als Verschwendung und Müßiggang mache, wie solches der tág nach dem heil. Abendmahl, zu Hause. 159 tägliche Untergang der herrlichsten Häuser zeiget. Herr, du bist Feind den blutgierigen und Falschen, also gieb doch, daß auch ich die Lügen, Schmeichelen und Verleumdung mit Ernst hasse, alle sünd. liche Lust, unmäßige Eigenliebe, und den armseligen Geiz durch die Kraft deines Geistes unterdrücke; hingegen der Heiligung nachjage, dich über alles fürch. te, dir über alles vertraue, dich überal. les liebe, dich allezeit mit allem meinem Thun und Denken lobe, den Tag deiner heiligen Ruhe feyre, das heilige Abendmahl zu rechter Zeit ehrerbietig, bußfertig und demüthig genieße, bey der einmal erkannten Wahrheit deines Wortes bleibe, dieselbe unerschrocken bekenne, und nicht in Irrthum, Vers suchung und Abfall unglücklich verleitet werde. Du, liebreicher und gerechter Gott, gieb, daß ich mich liebreich und gerecht gegen alle Menschen von Her zen, in Worten und Werken, erweise, auch 160 Der zu Jesu nahende Sünder, auch durch Anderer Falschheit, Undank und Unrecht mich doch von der klugen Aufrichtigkeit und dienstfertigem Wil len nicht abkehren lasse, sondern in allem denke, du, Herr, wirst es wohl machen. Laß mich in Demuth und Sanftmuth dir mein Jesu, nachfolgen, keusch und ehrbar in Worten, in Essen und Trin ken, und an allen Orten mich bezeigen, als einem Christen zustehet, der dich, o reiner Geist! im Herzen zu haben und zu behalten wünschet. Hilf, daß ich alle zeit in meinem Berufe etwas Gutes schaffe, das rechtmäßig Erworbene also eintheile, damit ich zu nöthiger Versorg ung meiner und der Meinigen, auch Verpflegung der Bedürftigen, allezeit etwas habe; gegen die, so mir Gutes gethan, mich bey jeder Gelegenheit dank bar erweise; des Nächsten Fehler so wie ich wünsche, daß auch mir geschehe, zu decke, entschuldige und alles zum Besten kehre; jedem das Seine herzlich gern gonne; mir an dem, was du mir verlie ben nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 161 hen, gnügen lasse; ohne einigen Zweifel glaube, daß dein Wille allezeit der beste sey, daher mich selbst verläugne, und die Schlüsse meines Willens dir, als meinem inwohnenden Heile gånzlich überlasse. Laß mich das Opfer meines Gebets in Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für mich und alle Menschen, sonderlich für die geist- und weltliche Obrigkeit, ohne Unterlaß vor dich bringen. Du, erbarmender Gott, haſt selbst gesagt, es liege nicht an jemandes Wollen, sondern an deinem Erbarmen, also verhindre du, und wende ab alle Hindernisse des wahren Christenthums, als da sind der Teufel, die Welt, unser Fleisch und Blut, Augen- Lust, Flei sches Lust und hoffärtiges Wesen, Unwissenheit, Einfalt, Sicherheit, fälsch. lich gefaßte Meinung, böse Gewohnheit; hingegen gieb mir die Mittel an die Hand, wodurch Böses getilget und Gutes erwecket werden kann, daß ich alle sündliche Gelegenheit vermeide, die & Sün 162 Der zu Jesu nahende Sünder, Sünden in ihren ersten Lüsten des Her. zens unterdrücke, dein Wort vor Augen habe, mich meines Taufbundes allezeit erinnere, das Sakrament deines Leibes und Blutes oft und mit vorhergegange ner wahren Buße gebrauche; zugleich mich prüfe, und im Christenthume um. sehe, ob ich vor mich gegangen, oder hin terwärts gewichen, täglich Buße thue, den guten Vorsatz auszuüben mich emsig befleißige, meine Seele zu steter Be trachtung des Guten und zu Befolgung desselben angewöhne, deinem Erempel, mein Erlöser, folge, auch andern From men nachahme, und mich zu ihnen, nach. dem es mein Stand und Beruf leidet, halte und solchen Unterredungen gern beywohne, die nüßlich sind zur Besserung, da es noth thut, und den Frommen holdselig ist zu hören. Bornehm. lich aber um alles dieses, und um die Regierung und Beystand des heiligen Geistes, rufe ich dich, hilfreicher Gott, im inbrünstigen Gebete an, damit ich alles nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 163 alles zu deiner Ehre anfange, führe und vollende; auch sonst des Guten mich nach Möglichkeit um deswillen befleißige, weil du allwissend, allgegenwärtig, all mächtig, gerecht und wahrhaftig bist, und also das Böse mit zeitlicher und ewiger Strafe, das Gute hingegen mit zeitlicher und ewiger Güte belohnen kannst und willst; weil der Teufel alle. zeit mich bey dir, und mein Gewissen mich bey mir selbst anklaget; weil die Sünde in Thorheit und Eitelkeit beſtehet; weil ich nicht weiß, wie nahe mir mein Ende ist; weil ich ohne dich nicht leben kann, und hingegen von dir alles habe; weil du mich wunderlich geschaffen, mit deinem theuren Blute erlöset, und kraftigst geheiliget; weil du mir das ewige Leben versprochen, ja weil meine Seele viel zu edel ist, als daß sie eine Wohnung der Sünde seyn soll, weil du in mir wohnen willst; weil endlich die wahrhaftigste, die beständigste und vollkommenste Klugheit und Glückseligkeit L2 iſt 164 Der zu Jesu nahende Sünder, ist, deinem Willen zu glauben und dir zu dienen. Darum hilf, daß ich alle Stu fen des wahren Christenthums, so viel die Schwachheit dieses Lebens zuläßt, besteigen, Leib und Seele, Verstand und Willen, und alle Begierden zu dir habe, Glaube, Liebe und Hoffnung durch Erleuchtung, Wiedergeburt, Rechtfers tigung, Heiligung, und Bekräftigung erhalten, behalten, geübet und vermehret werde, damit ich in und vor der Trubsal zur Geduld, von der Geduld zur Erfahrung, von der Erfahrung zur Hoffnung, und von der Hoffnung zum Nichtzuschandenwerden ansteige; meinen Nächsten und mich, ja auch deine übrigen Kreaturen in seiner Maaße, dich aber ohne Maaß und aus allen Kräften liebe, allen deinen Geboten ganz, durch mein ganzes Leben, von ganzem Vermögen, in allen Stücken, zu allen Zeiten, mit allem Ernste, nicht gezwungen, sondern freiwillig, nach komme, und also mit dir hier zeitlich in nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 165 im Glauben zum süßen Vorschmack des ewigen Lebens, dort aber im Schauen zum überschwenglichen Genuß des ewi. gen Lebens vereiniget bleibe. Endlich, du dreieiniger Gott, erbarme dich unser aller in allem, laß dein Wort ferner unter uns blühen und sich ausbreiten, bekehre die Sünder, erhalte die Gläubigen, tröste die Betrübten, stårke die Schwachen, rathe den Bldden, hilf den Unterdrückten, erlöse die Gefangenen, sende treue Arbeiter in deinen Weinberg, die rein lehren und recht leben, und schmücke sie mit vielem Segen. Schaffe ben allen Obrigkeiten heiligen Muth, guten Rath und rechte Werke, daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Wende ab Krieg, Theurung, Pestilenz, Feuers- und Wassers- Noth. Bessere Leute und Zeiten, gieb zu allem Handel und Wandel Gnade, Glück und Heil, und gebiete dem Segen, daß er mit uns sey in allem zu allem Guten; £ 3 ja 166 Der zu Jesu nahende Sünder, ja thue überschwenglich über alles, was wir bitten oder verstehen. Ach lieber Vater! Ich habe mich unterwunden mit dir zu reden, wiewohl ich Staub und Asche bin, und doch tröste ich mich gewisser Erhörung, du hast mich erschaffen, du hast mich erlöset, du hast mich geheiliget, du bist ein allgegenwärtiger, allwissender, allmächtiger und gnädiger Gott, du hast mir gewiß nicht umsonst befohlen zu beten, du giebst mir Kraft zu beten, du hast Erhörung verheißen, und mir sie schon oft gewähret. Mein Jesus vertritt mich, kraft seines Verdienstes, der heilige Geist giebt Zeugniß meinem Geiste, daß ich Gottes Kind bin, und vertritt mich mit unaussprechlichem Seufzen. Du bist ein Vater, und willst helfen. Du bist im Himmel, und kannst helfen. Du bist unser Vater nach der Verheißung, und mußt helfen, Amen. Vater Unser zc. Odu großer Gott, erhöre, was dein Kind zc. Die nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 167 Die IX. Andacht. Abend- Gebet an dem Tage, wenn man die heilsame Seelenspeise genossen hat. Nachdem die Seele Trost empfangen, Soll auch der Leib die Ruh erlangen. $ eiliger Vater im Himmel! du hast heute diesen Tag meiner Seele viel Gutes erzeiget. Derowegen will ich dir in dieser Abend- Stunde ein DankOpfer bringen, und deinen Namen loben. Ich danke dir von ganzem Herzen, denn du bist freundlich, und deine Gute währet ewiglich. Du hast aus unaussprechlicher Liebe mich heute, dein verlornes Kind wieder zu Gnaden angenommen, und mich deines himmlischen Erbes, welches ich durch mein böses Verhalten verscherzet gehabt, wiederum theilhaftig gemacht. Jesu, du Heiland aller Sünder, du hast mit deinem Blute den Zorn deines Vaters gestillet, für mich gebeten, mich, dein verirrtes Schäf £ 4 lein 168 Der zu Jesu nahende Sünder, na lein, wieder gesucht, über meine Buße mit deinen heiligen Engeln dich heute gefreuet, und bist jetzo ganz eins mit mir. O Gott heiliger Geist! du hast meine Gott wohlgefällige Buße und meine Andacht in mir gewirket! Du haft mir, o Gott! den Weg heute wieder gezeiget, den ich hinführo zum Him. mel wandeln soll. Nun bin ich gewiß, daß alle meine Sünden mir verziehen, und Gott keiner mehr gedenken wird. Ich bin gewiß, mein Gebet ist durch die Wolken gedrungen, und Gott hat es zu meinem Besten erhöret. Derowegen komme ich an dem Abende dieses Tages mit Jauchzen und Frohlocken, Gott! vor dein Angesicht. O Herr, ich bin zu geringe dieser großen, unaussprechli chen Barmherzigkeit, die du mir heute erwiesenhaft. Ich will solche zeitlebens rühmen und preisen, wiewohl sie nicht sattsam zu preisen ist. Aber zürne nicht, Herr, daß ich nun noch einmal mit dir rede: Mir ist bange, daß ich den Heute nach dem heil. Abendmahle, zu Hause. 169 heute mit dir gemachten Bund bald wieder übertreten und in die vorigen Sünden willigen möchte. Denn ich weiß, daß in mir, das ist, in meinem Fleische wohnet nichts Gutes; Wollen habe ich wohl, aber das Vollbringen des Guten finde ich nicht. So wird auch der Satan nicht ruhen, er habe mich denn wieder gebracht in vorigen Jammer und Noth; bedenke also, was für ein schwaches Geschöpf ich bin, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, laß ihn mich stets leiten auf ebener Bahn. Nun, ich übergebe mich dir und deiner Regierung ganz und gar, Herr, mein Gott, stårke mich, und hilf mir gnädiglich meine Buße und Lebens- Besserung voll. bringen, die ich mit ganzem Vertrauen auf dich vorgenommen habe. Ich gehe nun hin, der Ruhe des Leibes zu pfle. gen; o du Hüter Israels! der du weder schlafest noch schlummerst, laß mich ruhig und mit Frieden schlafen. Erhalte mich, daß ich sicher liege, schlafe und erwache, £ 5 und 170 Der zu Jesu nah. Sünder, nach d. Abendm. 2c. und nicht mit Schrecken erwecket werde. Laß deine Engel diese Nacht sich um mich her lagern, daß alle die Meinigen und das Meinige verwahret blei ben. Hilf, daß im Schlafe mein Herz stets zu dir wache, und wenn mir träumet, solches von niemand, als von dir sey. So schlafe ich nun ein im Namen Gottes des Vaters, Got tes des Sohnes, und Gottes des hei ligen Geistes; denn ich weiß, du allein, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. In deine Arme leg' ich mich, Du deckst mit deinem Segen mich. Hilf, daß mich nichts in meinem Zelt Aufweck, noch reg', bis dirs gefällt. Hierauf bete ich im Geiste und wahrer Herzens- Andacht das heilige Baters Unser 2c. Die Die sieben Bußpsalmen, nebst Gebeten 2c. 171 Die sieben Buß- Pfalmen, nebst darauf gerichteten Gebeten und Liedern. Der 6. Pfalm. In welchem David sowohl bittet, daß Gott nicht nach seiner Gerechtigkeit, sondern nach seiner Gnade mit ihm handeln wolle, als auch wegen gnädiger Erhö, rung danket. Uch Herr! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deis nem Grimm. Herr! sey mir gnädig, denn ich bin schwach! heile mich, Herr! denn meis ne Gebeine sind erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken; ach, du Herr! wie ſo lange! Wendedich, Herr! und errette meine Seele, hilf mir um deiner Güte willen. Denn im Tode gedenket man deiner nicht; wer will dir in der Hölle danken! Ich bin so můde vom Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht, und nege mit meis nen Thränen mein Lager. Meine Gestalt ist verfallen vor Trauern, und ist alt gewor den; denn ich allenthalben geängstiget werde. Weichet von mir alle, ihr Ulebelthäter! denn 172 Die sieben Bußpsalmen, denn der Herr höret mein Weinen. Der Herr höret mein Flehen, mein Gebet nimmt der Herr an. Es müssen alle meine Feinde zu Schanden werden, und sehr ers schrecken, sich zurückkehren, und zu Schans den werden plöglich. Gebet. Herr err, mein Gott! wie oft habe ich dein gerech tes Mißfallen wider mich gereizet? Wie sehr habe ich deinen Zorn und Strafe mit meinen Sunden verdienet? Wo würde aber ich armer Sünder bleiben, wenn du sie auch an mir vollziehen wolltest? Aber siehe doch an meinen geängstigten Geist, die Angst und Schrecken meiner armen Seele; wie lange soll mein betrübtes Herz noch unter solchem Jammer gequälet werden? Ach laß doch dein Gnaden Antlig wieder auf mich leuchten, so wird meine Seele davon genesen. Dir ist ja nicht gedienet, wenn einarmer Mensch in den Tod und in die Hölle versinken müßte. Da könnte ich deine Ehre, dazu du mich doch erschaffen und erldset hast, nimmer ausbreiten. Um solcher deiner Ehre willen erbarme dich doch über mich, und reiß mich aus der Sündenangst. Laß doch meine Thränen und mein Seufzen vor dich kommen, und meine Feinde, Sünde, Welt, Tod, Teufel und Hölle, deren Kraft und Nachdruck fühlen zu ihrer Beschamung. Ich weiß ja ihnen sonst nichts entgegen zu segen, o so nimm denn nebst Gebeten und Liedern. 173 denn dies mein Weinen und mein Beten an. Thue es um deiner Güte willen, so ist mir geholfen, und meinem Glauben bleibet der Sieg, dir aber die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Dank. Amen. Lied. Mel. Durch Adams Fall ist ganz verderbt. Ach Herr, ach strafe mich doch nicht in deinem Born und Grimme, verbirg dein zornig Angesicht und deine Richter Stimme. Uch Vater! ach erbarme dich, in mir wohnt nichts als Schrecken. Ich bin ganz schwach, drum heile mich von meinen Sündenflecken. 2. Herr! willst du nicht genädig seyn, und mir hier Hülf' erweisen? Wer wird dich in der heißen Pein der bangen Hölle preisen? Im Tode denkt man deiner nicht. Gieb, daß ich vor dem Grabe, nach meines Glaubens Zuversicht, noch Trost zu hoffen habe. 3. Die vormals freudige Gestalt ist ganz verdunkelt worden, ich bin von vielem Seufzen alt, der Schmerz will mich ermorden. Ich finde nichts als nur Gefahr auf dieser ganzen Erde, weil ich von meiner Feinde Schaar allstets verfolget werde. 4. Jhr Feinde, weicht mit eurer Macht! Der Herr erhört mein Weinen, er läßt mir nach der Trauers nacht die Gnadensonne scheinen. Der Herr ist voller Gütigkeit, er führt mir meine Sachen, er wird der Feinde bittern Neid noch hier zu Schanden machen. Der 32. Pfalm. Woh Von der Rechtfertigung eines armen Sünders vor Gott. ohl dem, dem die Llebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ift. 174 Die sieben Bußpsalmen, ist. Wohl dem Menschen, dem der Herr die Mifsethat nicht zurechnet, in deß Geist kein Falsch ist. Denn da ichs wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Heulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Som mer dürre wird, Sela. Darum bekenne ich dir meine Sünde, und verheble meine Mis sethat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Liebertretung bekennen, da vergabst du mir die Mifsethat meiner Sünden, Sela. Dafür werden dich alle Heiligen bitten zu rechter Zeit, darum wenn große Wafferfluthen kommen, werden sie nicht an dieselbigen gelangen. Du bist mein Schirm, du wollest mich für Angst behüten, daß ich errettet, ganz fröhlich rühmen könne. Sela. Ich will dich unterweisen, und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Seyd nicht wie Roß und Mäuler, die nicht verständig sind, welchen man Zaum und Gebiß muß ins Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen. Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfangen. Freuet euch des Herrn, und seyd frdhlich, ihr Gerechten, und rühmet, alle ihr Frommen. Ge= nebst Gebeten und Liedern. 175 Gebet. Herr err, mein Gott, wie meynest du es doch so Herzlich treu mit mir und meiner armen Seele. Du wolltest gern, daß es mir in Zeit und Ewige keit wohl gehen möchte! Ach verleihe mir denn Licht und Gnade, daß deine Unterweisung an mir nicht vergeblich sey. Gieb mir vor allen Dingen rechte Erkenntniß meiner Sünden, und wenn sich dann die Kraft derselben an mir beginnt zu äußern, so lasse mich darinnen nicht verderben; sondern führe mich durch deinen guten Geist auf den Weg der wahren Reue und eines ungefärbten Glaus bens, und laß mich in dem Blute meines Erldsers Jesu Christi die tröstliche Vergebung und Bedeckung aller meiner Sünden finden. Kommen dann die Wasserfluthen der Trübsale auf mich angelaus fen, so zeige dich als meinen Schirm. Laß sie doch nicht an meiner Seele mir zum Schaden gelangen, reiß mich aus aller Angst, daß ich errettet ganz fröhlich dich möge rühmen können. Damit ich aber nebst der Rechtfertigung auch deine Heiligung ers lange, so leite mich nach deinem Rath. Wenn andre sich zu dir nicht wenden wollen, so ziehe mich selbst dir nach. Wenn andre dort ewig ihre Plage tragen müssen, so laß mich dann von deiner Güte umfangen, und ewig ihrer froh werden, um Jess Chrifti willen, Amen. Lied. Die sieben Bußpfalmen, Lied. Mel. Es ist das beil uns kommen her. Wohl dem, dem Gott die Missethat genädig hat vergeben. Wohl dem, der Gott zum Freunde hat, der kann geruhig leben. Wohl dem, dem Gott die große Schuld, nach seiner Langmuth und Geduld, nicht zur Verdammniß schreibet. 176 2. Ich suchte das, was ich gethan, vor dir zwar zu verhehlen, doch Furcht und Schrecken fiel mich an, wie bange war der Seelen! Dein Zorn benahm mir alle Kraft, vom Seufzen war mein Lebenssaft fast auf einmal vergangen. 3. Drum will ich nicht, als wie vorhin, die Missethat verschweigen, ich will mit tiefgebeugtem Sinn dir meine Wunden zeigen. Dieweil du, wenn man ängstlich weint und seine Schulden nicht verneint, dich läsfest gnädig finden. 4. Ich will noch in der Gnadenzeit zu dir um Hülfe flehen, so kann ich unter Angst und Leid mich dennoch sicher sehen. Kommt schon die größte Wasserfluth, so hältst du mich in deiner Hut; ich darf vor nichts erschrecken. 5. Du bist mein Schirm und starker Held, du lässest mich nicht gleiten. Du wirst mich stets in dieser Welt mit deinen Augen leiten. Laß mich nicht, wie ein wildes Thier, das niemals kommen will zu dir, dem Zügel widerstreben. 6. Die Bösen plaget auf der Welt ihr schuldiges Gewissen, der aber, der zum Herrn sich hält, den wird die Güt umschließen; das will ich thun zu jeder Zeit, ihr Frommen, jauchzet! seyd erfreut, und rühmet, ihr Gerechten! Der nebst Gebeten und Liedern. Der 38. Pfalm. In welchem David über seine Sünde und Seelennoth, auch über seine Feinde klaget, und um Errettung von leiblichen und geistlichen Feinden bittet. 177 Serr err, strafe mich nicht in deinem Zorn, und zuchtige mich nicht in deinem Grimm. Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drücket mich. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Drohen, und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Meine Wunden stinken und eitern vor meiner Thorheit. Ich gehe krumm und sehr gebückt, den ganzen Tag gehe ich traurig. Denn meine Leiden verdorren ganz, und ist nichts Gesundes an meinem Leibe. Es ist mit mir gar anders, und bin sehr zerstoßen; ich heule vor Unruhe meines Herzens. Herr! vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Mein Herz bebet, meine Kraft hat mich verlaffen, und das Licht meiner Augen ist nicht bey mir. Meine Lieben und Freunde stehen gegen mir und scheuen meine Plage, und meine Nächsten treten ferne. Und die mir nach der Seele stehen, stellen mir, und die M mir 178 Die sieben Bußpfalmen, mir übel wollen, reden, wie sie Schaden thun wollen, und gehen mit eitel Lüsten um. Ich aber muß seyn wie ein Tauber, und nicht hören, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut. Und muß seyn, wie eis ner, der nicht höret, und der keine Widers rede in seinem Munde hat. Aber ich harre, Herr, auf dich, du Herr, mein Gott, wirst erhören. Denn ich denke, daß sie sich ja nicht über mich freuen; wenn mein Fuß wankete, würden sie sich hoch rühmen wider mich. Denn ich bin zu leiden gemacht, und mein Schmerz ist immer vor mir. Denn ich zei: ge meine Mifsethat an, und sorge für meine Sünde. Aber meine Feinde leben, und sind mächtig, und die mich unbillig haffen, sind groß. Und die mir Arges thun um Gutes, feßen sich wider mich, darum, daß ich ob dem Guten halte. Verlaß mich nicht, Herr, mein Gott! sey nicht ferne von mir. Eile mir beyzustehen, Herr, meine Hülfe. Gebet. He err! aller Herzens Kündiger! wem ist doch meine Schwachheit besser, als dir bewußt? Und wem dürfte ich sie doch freymüthiger klagen, als dir, meinem Gott? Ach wie groß ist meine Vergeffenheit, da ich ohne Unterlaß bedenken sollte, welch ein Greuel es um die Sünde sey, was für Angsts nebst Gebeten und Liedern. 179 Angstpfeile, was für Lasten, was für eiternde Wunden, was für Unruhe, was für Elend sie dem Leibe und auch der Seele bringen könne? Daher wird mein zur Sünde ohnedem geneigtes Herz oft allzusicher, daß es um so viel desto leichter wanket, und bald in diese, bald in jene Sünde fällt; aber eben damit deinen gerechten Zorn und Strafe nur allzuwohl verdient. Ach so schreibe denn, o alle mächtiger Gott! das alles, was du mir von der Sünde und ihren jammerlichen Wirkungen aus deinem Worte und mannigfaltiger Erfahrung haft wissen und erkennen lassen, durch deinen Finger, den werthen heiligen Geist, dergestalt kraftig in das Gedächtniß, ja ins Herz hinein, daß ich es nimmermehr vergesse, sondern dies von nun an in meinem ganzen Leben meine vornehmste Sorge seyn lasse, die begangenen Sünden herzlich zu bereuen, und mich derselben Vergebung je långer je fester zu versichern; hingegen auch vor neuen Sünden mich desto ernstlicher zu hüten, und nim. mermehr darein zu willigen. Habe ich aber, o ge rechter Gott! dich allbereits mit meinen Sünden aufgebracht, daß du um deiner Ehre und meines Besten willen nicht wohl anders kannst, als mich die Kraft derselben fühlen zu lassen, so strafe mich doch nur nicht in deinem Zorne, der meiner Seele unerträglich fallen würde, und züchtige mich nicht in deinem Grimme, der mich sonst gar aufreiben möchte. Ach verlaß mich doch nur nicht, und ziehe M 2 nicht 180 Die sieben Bußpsalmen, nicht von mir deine Hand ab, Gott, mein Heil! Ich bin ja ohnedem verlassen genug von innen und von außen. Mich hat alle Kraft verlassen, und muß mich auch von meinen Freunden verlassen, von vielen Feinden aber verfolget sehen; wie leicht ist es um einen Mißtritt geschehen, wo du, o mein treuer Vater! mir nicht eilends Beystand leistest. So eile denn mir beyzustehen, Herr, meine Hülfe; ich gründe mich im Glauben auf deines Soh nes Heilbringendes Verdienst, ich lebe und sterbe darauf, duwerdest mich um seinetwillen nicht verz lassen, sondern durch ihn Gnade finden, und ewig selig werden lassen, Amen. Lied. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut. Ach Herr! ach strafe mich doch nicht in deinem Zorn und Grimme; sieh doch wie mir das Herze bricht, und ich in Thränen schwimme. Ich bin von deinem Pfeil verwundt't, an meinem Leib ist nichts gesund; ich muß hier täglich heulen. 2. Mich drücket deine schwere Hand, es zittern alle Glieder. Dein Zorn ist gegen mich entbrannt, er wirft mich völlig nieder. Dein Drohen setzt mir heftig zu, und läßt mir keine Seelenruh vor meiner Sünden Menge. 3. Denn diese schlagen als ein Meer, ganz über mich zusammen. Die große Last ist mir zu schwer, sie will mich ganz verdammen. Und weil mich diese Bürde drückt, so geh ich krumm und sehr gebückt, und muß vor Thorheit weinen. 4. Auch nebst Gebeten und Liedern. 181 4. Auch trocknet aus der Lebenssaft in meinem ganzen Leibe; die Lenden sind ohn alle Kraft, ich weiß nicht, wo ich bleibe; die Angst durchfrißt ein jedes Glied, sonst sang ich manches Freudenlied, jeht heul ich nur vor Schmerzen. 5. Doch ist mir meine Noth und Pein, o Vater! nicht verborgen; drum wirst du auch barmherzig seyn, und für ein Mittel sorgen. Mein abgekränktes Herze bricht, und meiner matten Augen Licht ist ganz und gar verblichen. 6. Die Freunde, die mich sonst geliebt, die sehn mich jetzt nicht gerne; wenn meine Seele sich betrübt, so stehen sie von ferne. Ich bin der Feinde Hohn und Spott, mein Schmerz und meine tiefe Noth ist ihre größte Freude. 7. 3u aller dieser großen Schmach darf ich kein Wort nicht sprechen; jedoch, mein Gott! du siehst darnach, du wirst es endlich rächen. Ich bin zum Leiden ausersehn, doch wirst du mir, nach meinem Flehn die Vaterhände reichen. 8. Ich kenne meine Missethat, und hasse meine Sünde. Ich suche bey dir Hülf und Rath, ach Herr! ach komm geschwinde! Komm doch, du, meine Zuversicht; ach Vater, ach verweile nicht, dein armes Kind zu retten. Der 51. Pfalm. In welchem ein Gebet um Vergebung der Sünden, der evangelische Glaubenstrost und der neue Gehorsam enthalten. Gott sey mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meinen Sünden. Denn ich erkenne M 3 meine 182 Die sieben Bußpfalmen, meine Missethat und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein hab ich gefüns diget, und übel vor dir gethan, auf daß du recht behaltest in deinen Worten, und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst. Siehe, ich bin aus sündlichem Saamen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Siehe, du hast Lust zur Wahrbeit, die im Verborgenen lieget; du läsfest mich wissen die heimliche Weisheit. Ents fündige mich mit Ysop, daß ich rein werde, wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen bast. Verbirg dein Antlig von meinen Súnden, und tilge meine Misfethat. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Tröste mich wieder mit deiner Hülfe, und dein freudiger Geist enthalte mich. Denn ich will die Liebertreter deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekehren. Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme. Herr, thue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige. Denn du haft nicht nebst Gebeten und Liedern. 183 nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir es sonst wohl geben, und Brandopfer gefallen dir nicht. Die Opfer, die Gott gefallen, find ein geangsteter Geist; ein geangstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten. Thue wohl an Zion, nach deis ner Gnade, baue die Mauern zu Jerusalem. Dann werden dir gefallen die Opfer der Gerechtigkeit, die Brandopfer und ganzen Opfer; dann wird man Farren auf deinem Altare opfern. Gebet. du heiliger und gerechter Gott! welch hohe Ursache finde ich doch an mir selbst, mich in wahrer Herzensbuße vor dem Throne deiner allerheiligsten Majestát darnieder zu werfen. Du hast mir mein Gewissen durch treue Lehrer, wie Nathan das Gewissen Davids, rühren lassen, daß nunmehro meine Sünden in demselben rege geworden, und ich sonst nirgendshin, als zu deiner grundlosen Güte und Barmherzigkeit zu fliehen weiß. Ach! sey mir doch gnådig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. O wie habe ich es so hoch vonnöthen, nicht nur um meiner wirklichen vielen und großen Sünden wil len, die mir in ihrer furchtbaren Gestalt vor Au gen schweben, sondern auch um des tiefen Verders bens willen, darin ich von Mutterleibe an als ein M 4 Abfcheu 184 Die sieben Bußpfalmen, Abscheu vor deinem allerheiligsten Auge liege, Kein Wunder wäre es, wenn du mich långstens hättest verstoßen von deinem Angesicht, ich hätte es doch schon tausendmal verdient, das muß ich selbst ers kennen und bekennen, und obgleich mein eigen Herz, und alle Welt darüber dich tadeln wollte, so würs dest du doch recht behalten und rein erfunden werden. Du hast mich aber selbst, o gnadenreicher Vater! die sonst so tief verborgen liegende Wahrheit von meinem Sünden- Elend, aber auch die geheime Weisheit von der in Christo beygelegten Gnade und Seligkeit nunmehro wissen lassen, so komme ich denn hierauf in Buße und Glauben vor dein heiliges Angesicht, und suche in dem blutigen Verdienste deines Sohnes, meines Erlösers, die Reinigung von allen meinen Sünden. Ach! laß mich doch das trost und freudenvolle Wort vernehmen, daß meine Sünden mir vergeben, und ihrer ewig von dir nicht soll gedacht werden. Das mit aber mein fündliches Herz nicht wieder von neuem dich, meinen treuen Gott, beleidige, siehe, so liefere ich dir es hiermit in aller Demuth zu deinen Gnadenhånden, daß du nach deiner Gotteskraft es selbst von neuem schaffen und bilden wollest zu der dir wohlgefälligen Reinigkeit. Ach! laß es in deiner Gnade immer gewisser und im Guten mehr und mehr befestiget werden, und nimm zu dem Ende deinen heiligen Geist niemals mehr von mir. Hast du mir den Trost deines Heils von neuem nebst Gebeten und Liedern. 185 neuem mitgetheilet, so laß mir auch den, der mich darinnen bewahren kann, nämlich deinen Geist, der in mir wirke einen willigen und freudigen Heldengeist, um deinetwillen künftighin alles zu thun und zu leid en, was dir, meinem Gott, gefällt. Nur schone meiner gnädiglich, erbarme dich eines geångsteten Gewissens, und stelle es in mir durch deine Kraft zufrieden, daß ich mit fröhlichem Munde deinen Ruhm auch Andern verkündigen, und sie, in Buße und Glauben, gleiche Gnade bey dir zu suchen, bewegen möge. Kann ich schon, allerliebs ster frommer Gott! für solche Gnade irgend ein tüchtiges Opfer finden, so opfere ich dir doch hier: mit ein Herz von täglicher Buße geångstet und zerschlagen auf, das wollest du um des vollgültigen Versöhn- Opfers Jesu Christi willen nicht verachten. Laß nur dem Land, in welchem ich lebe, nicht meine und anderer meiner fündlichen Mitbürger ihre Ulebertretungen entgelten, o heiligster Vater! sondern fahre fort es zu erhalten und zu beschüßen, damit dir ohnellnterlaß ein angenehmer Gottesdienst darin geleistet werde, der dir um Christi willen wohlgefallen, und zu deines allerheiligsten Namens Verherrlichung gereichen möge in Zeit und Ewigkeit, Amen. Lied. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut. Erzeige mir Barmherzigkeit, o Gott, durch deine Güte, wenn ich des Herzens schweres Leid vor deinem M 5 Thron 186 Die sieben Bußpsalmen, Thron ausschütte. Uch Bater! ach erbarme dich! ach reinige und wasche mich von allen meinen Sünden. 2. Ich kenne meine Missethat, und von der Sünden Menge, die dich so sehr erzürnet hat, wird mir die Welt zu enge. Ich habe mich viel tausendmal, durch meiner Sünden große Zahl, an dir, mein Gott! vergangen. 3. Jch bin in fündenvoller Lust empfangen und geboren, und habe mich mit Vorbewußt sehr oft von dir verloren. Mein Herz steckt voller Uebermuth, gieb, daß durch deines Sohnes Blut ich rein gewaschen werde. 4. Uch Herr! laß mich doch noch einmal von Freud und Wonne hören! Denn des Gesehes Donnerstrahl will meine Ruh zerstören. Sieh doch nicht mein Verbrechen an, laß mich für das, was ich gethan, bey dir Genade finden. 5. Gieb mir ein Herz voll Reinigkeit und voller Tugend- Triebe; gieb, daß ich dich zu aller Zeit mit rechter Absicht liebe. Uch Herr! verwirf mich nicht von dir, dein guter Geist, der zeige mir die Bahn zum ewgen Leben. Der 102. Pfalm. Eine demüthige Bitte sowohl um Bergebung der Süns den und Abwendung des göttlichen Borns, als um die Zukunft des Messiä ins Fleisch. Herr! höre mein Gebet und laß mein zu dir kommen. Verbirg dein Antlig nicht vor mir in der Noth, neiz ge deine Ohren zu mir; wenn ich dich an: rufe, so erbóre mich bald. Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch, und meine nebst Gebeten und Liedern. 187 meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand. Mein Herz ist zerschlagen und verdorret wie Gras, daß ich auch vergesse mein Brod zu essen. Mein Gebein klebet an meinem Fleische vor Heulen und Seufzen. Ich bin gleich wie eine Rohrdommel in der Wüste; ich bin gleich wie ein Käußlein in den verstörten Städten. Ich wache und bin wie ein einsamer Bogel auf dem Dache. Täglich schmähen mich meine Feinde, und die mich spotten, schwdren bey mir. Denn ich effe Asche wie Brod, und mische meinen Trank mit Weinen, vor deinem Drohen und Zorn, daß du mich aufgehoben und zu Boden gestoßen hast. Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorre wie Gras. Du aber, Herr! bleibest ewiglich und dein Gedächtniß für und für. Du wollest dich aufmachen, und über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, daß du ihr gnädig seyst, und die Stunde ist gekommen. Denn deine Knechte wollten gern, daß sie gebauet würde, und sähen gern, daß ihre Steine und Kalk zugerichtet wür den. Daß die Heiden, Herr, deinen Namen fürchten, und alle Könige auf Erden deine Ehre. Daß der Herr Zion bauet, und er scheinet in seiner Ehre. Er wendet sich zum Gebet der Verlaffenen, und verschmähet ihr 188 Die sieben Bußpfalmen, ihr Gebet nicht. Das werde geschrieben auf die Nachkommen, und das Volk, das geschaffen werden soll, wird den Herrn los ben. Denn er schaut von seiner heiligen Höße, und der Herr siehet vom Himmel auf Erden, daß er das Seufzen der Gefangenen höre, und los mache die Kinder des Todes, auf daß sie zu Zion predigen den Namen des Herrn, und sein Lob zu Jerufalem. Wenn die Völker zusammen kommen, und die Königreiche, dem Herrn zu dienen. Er demüthiget auf dem Wege meine Kraft, er verkürzet meine Tage. Ich sage: Mein Gott! nimin mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage. Deine Jahre währen für und für. Du hast vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibest; sie werden verwandelt wie ein Kleid; wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibest, wie du bist, und deine Jah re nehmen kein Ende. Die Kinder deiner Knechte werden bleiben, und ihr Saame wird vor dir gedeihen. # 10 Gebet. Ho ochgelobter SohnGottes, mein Herr und Kö nig, wie geht es mir, als deinem Reichsges noffen, so übel; da ich verhoffte das Leben und volle Gnüge nebst Gebeten und Liedern. 189 Gnige zu haben! Mein Leben verschwindet wie ein Dampf! was schön, gesund und stark an mir ist, wird immer ungestalteter, saft- und kraftloser; mein Inwendiges ist voller Sorgen, Angst und Kümmerniß. Von jedermann muß ich mich vers lassen, und noch dazu verschmåhet und verspottet sehen. Solch Kreuz und Schmach bricht mir mein Herz, daß ich das Licht kaum mehr anschauen kann, und in bittern Thränen manchmal fast zers fließen muß. Was soll ich aber sagen, und wem soll ich doch die Schuld alles solchen Jammers geben? Ach mein Herr und mein Gott! ich muß mir vor deinem Angesichte selbst die Schuld, dir aber alle Ehre geben, daß du mir niemals unrecht thust, sondern mich billig um meiner Sünden wil lenzüchtigest. Du hattest ja der Gnaden- Wohlthaten genug an mir erwiesen, o getreuer Heiland! und mich an Ehre, Reichthum, Glück und Segen hoch erhoben; auch in dem Geistlichen so reichlich begabet und begnadiget. Ach! daß ich solche Gnade nur auch dankbarlich erkannt und niemals fie gemißbrauchet håtte; da es aber doch geschehen, so hat mich nun dein Zorn zu Boden gestoßen, und du haft auf dem Wege meines Lebens meine Kraft gebrochen und gedemüthiget. Doch siehe, ich nehme meine Zuflucht zu dir, der du mich also ge schlagen, in Hoffnung, du werdest mich auch wies derum verbinden und heilen. Verbirg doch dein Antlik nur nicht gar vor mir, und erhöre mich, da ich) 190 Die sieben Bußpsalmen, ich in meiner Angst jetzt zu dir schreye. Sey mir doch wiederum gnådig, und nimm dich meiner Seele herzlich an. Doch weil an mir ja nicht so viel als an der Kirche gelegen ist, so lasse dir am allermeisten ihre Noth zu Herzen bringen, die dir am besten bekannt ist. Es ist auf uns, als auf die spåten Nachkommen geschrieben, was du o großer König, haft von Alters her an deiner Kirche gethan, wie du sie nicht allein theuer erldset und erkaufet zu deinem Eigenthume, sondern auch bis diese Stunde mit so vielen Gaben und Segen begnadiget hast. Jetzt aber siehet es um sie von außen und innen hin und wieder jämmerlich. Seufzen doch aller Orten um der Wahrheit willen Bedrängte und Gefangene; Kinder des Todes giebt es hier und da, die ihres Lebens wegen alle Stunden in Gefahr stehen. Es reißen immer mehr Unordnungen ein, Bosheiten nehmen über: hand, und wird zuweilen der Grund des Glaubens angefochten. So mache dich denn auf, du König aller Könige, und erfülle doch die sehnlichen Wünsche deiner treuen Knechte, die über solchem Elende zu dir schreyen Tag und Nacht. Erwecke deren immer mehrere, die um den Schaden Josephs sich bekümmern, und selbst Fleiß an die Mauern deiner Kirche legen, damit dein Name môge immer mehr geheiliget werden unter uns, und dein Lob verherrs lichet würde. Ich will im übrigen mich gern des ohnedem vergånglichen Lebens begeben, wenn ich nur nebst Gebeten und Liedern. 191 nur dich habe, der du mir ewig bleibest. Du kannst auch ohne mich doch deine Kirche wohl erhalten, und durch die Kinder deiner Knechte dein Werk ausführen und vollenden. Laß mich nur dort deine Herrlichkeit in jenem Leben sehen, da du uns, o Herr Jesu, willst alles in allem seyn, Amen. Lied. Mel. Alle Menschen müssen sterben. Höre, Herr! mein sehnlich Beten, und verbirg dein Angesicht, wenn ich komm vor dich getreten, nur vor meinem Schreyen nicht. Denn all' meine Lebensstunden find als wie ein Rauch verschwunden. Mein Gebein ist wie ein Brand, schwer liegt auf mir deine Hand. 2. Mein Herz ist in mir zerschlagen, und verdorrt als wie ein Gras. Ich empfinde schwere Plagen, weil ich dein, o Gott, vergaß. Fast hab ich vor Leid vergessen, auch mein täglich Brod zu essen, und die übergroße Pein dringt tief in mein Herz hinein. 3. Gleich dem Käuzlein in verstörten Städten, sig ich einsam dort, jammre über die Beschwerden meiner Sünden fort und fort. Ruhe flieht mich, und ich wache, wie ein Vogel auf dem Dache; denke in der Einsamkeit an Gericht und Ewigkeit. 4. Alle Tage muß ich sehen, wie sich meiner Feinde Rott recht bemühet, mich zu schmähen; Asche ist mein täglich Brod; und der Trank, den ich genossen, ist mit Thränen übergoffen, weil mich so dein Drohen schreckt, und fast ganz zu Boden streckt. 5. Eile, Herr! dich aufzumachen, der du bleibest ewiglich; sorge selbst für meine Sachen; komm, und säume nimmer dich, eines Sünders, eines Armen dich in 192 Die sieben Bußpsalmen, in Gnaden zu erbarmen. Denn die Zeit ist wahrlich nah, und die Stunde ist schon da. 6. Hör! wie unter ihrer Bürde deine Kirche seufzend spricht: Ach! daß ich gebauet würde, Kalk und Steine zugericht't; daß ich aus dem Staub der Ers den möchte bald erhöhet werden, nur zu deines Na-* mens Ehr, großer König, Gott und Herr! 7. Doch du hörest unser Flehen, die wir jetzt verlassen sind, dieses wird die Nachwelt sehen, und von Kind zu Kindes- Kind, dich, der du hörst das Verlangen derer, die bisher gefangen, auch sie frey und tos gemacht, zu verehren seyn bedacht. 8. Laß die ganze Welt zergehen, wenn die Zeit vorhanden ist. Du bleibst dennoch ewig stehen, wie du je gewesen bist. Auch der Saame deiner Knechte, nebst dem gläubigen Geschlechte, wird durch deinen Gnadenschein, Herr! vor dir gesegnet seyn. Der 130. Psalm. Ein schönes Bußgebet, sammt Unzeigung der beständigen Hoffnung auf Gott, welcher durch Christum Israel aus allen Sünden erlöfen werde. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir! Herr, erbóre meine Stimme, laß deine Ohren merken, auf die Stimme meines Fle= bens. So du willst, Herr! Sünde zurechnen; Herr! wer wird bestehen? Denn bey dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte. Ich harre des Herrn, meine Seele bar: ret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seelewartet auf den Herrn, von einer Morgen= nebst Gebeten und Liedern. 193 genwach bis zur andern. Ifrael hoffe auf den Herrn; denn bey dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bey ihm. Und er wird Israel eridsen aus allen feinenSünden. Gebet. Herr Jesu, mein einiger und ewiger Erldser, welch eine Tiefe der Sünden, welch einen ungeheuern Abgrund des Verderbens und der Hölle sehe ich vor mir, sobald ich in mein Herz und Ges wissen gehe! Ich kann darüber anders nicht, als in die allertiefste Traurigkeit und Betrübniß verfal len. Erhielt mich nicht noch dein theures Gnadenwört, so müßte ich verzagen und verzweifeln; das aber sagt mir, dir, mein Heiland, zum ewigen Preis, daß du allein derjenige seyst, der mich herz aus kann reißen und aus der Tiefe der Sünden, und aus dem Abgrunde des Verderbens mir helfen. Darum rufe ich zu dir, o Jesu! aus allen Tiefen, darinnen ich stecke, nicht nur mit meiner Stim me, sondern vielmehr aus dem Grunde meines Herzens, du wollest doch ansehen meinen Jammer und Elend, und mir als Gnaden alle meine Sünden verzeihen und vergeben. Du hast dich ja deswegen fo tief in mein Elend herabgelassen, mir aus dem. selben zu helfen; darum wende ich mich in meinem Elende zu deiner Barmherzigkeit, und seufze: Ach laffe mich doch nur nicht in meinen Sünden sterben und verderben. Ich weiß, ben dir ist die Vergebung N und 194 Die sieben Bußpfalmen, und Gnade, ja viel Erldsung ist bey dir, die laß mir dann zu statten kommen. Du hast den Gläu bigen verheißen, daß du sie solche wollest genießen lassen. Ich glaube, lieber Heiland! hilf du nur selbst meinem Unglauben; ach ja, du heiliger Herr Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, o du ewiger Gott, laß mich doch nicht entfallen von dem rechten Glaubenstrost, Kyrie Eleison. Lied. Mel. Durch Adams Sall ist ganz verderbt. Aus tiefer Noth schrey ich zu dir, erhöre, Herr! mein Flehen. Ach neige dich doch, Herr! zu mir, mein Elend anzusehen, laß doch mein tausendfaches Ach dein Vaterherze rühren. Ach! siehe meinen Thränenbach, laß dein Erbarmen spüren. 2. Soll es nach meiner Missethat und meinen Sünden gehen, so weiß ich keinen sichern Rath; wer wird vor dir bestehen? Denn wo du nach der Sündenzahl willst deinen Ausspruch schärfen, so muß dein Zorn uns allemal in Ewigkeit verwerfen. 3. Jedoch die Hoffnung tröstet mich: Gott kann die Schuld verzeihen. Drum, Vater! ach erbarme dich; soll ich vergebens schreyen? Mein Herze hofft auf dich allein, vom Abend bis zum Morgen; ach! willst du nicht barmherzig seyn, und für mich Aermsten sorgen? 4. Ja, wollte gleich des Herren Ohr mein Elend nicht erhören, so will ich doch, als wie zuvor, mein Beten stets vermehren. Der Herr ist voller Gütigkeit, er wird nicht ewig schweigen. Er wird uns schon zu rechter Zeit die Gnadenstunden zeigen. Der nebst Gebeten und Liedern. Der 143. Pfalm. Bußgebet eines angefochtenen Herzens, daß Gott nicht nach seiner strengen Gerechtigkeit verfahren, es vielmehr von Feinden erretten, und durch seinen Geist auf ebner Bahn leiten wolle. err, erhöre mein Gebet, vernimm mein 195 höre mich um deiner Gerechtigkeit willen, und gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir ist kein Lebendiger ge= recht. Denn der Feind verfolget meine Seele, und schläger mein Leben zu Boden; er leget mich ins Finstere, wie die Todten in der Welt. Und mein Geist ist in mirgeangftet, mein Herz ist mir in meinem Leibe vers zehret. Ich gedenke an die vorigen Zeiten, und rede von allen deinen Chaten, und sage von den Werken deiner Hände. Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir, wie ein durres Land, Sela. Herr! erhöre mich bald, mein Geist verges het, verbirg dein Antlig nicht vor mir, daß ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Laß mich frühe hören deine Gnas de; denn ich hoffe aufdich. Thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Errette mich, mein Gott! von meinen Feinden; zu dir habe ich № 2 Zu= Die sieben Bußpsalmen, Zuflucht. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Herr! erquicke mich um deines Namens willen; führe meine Seele aus der Noth, um deiner Gerechtigkeit willen; und verstore meine Feinde, um deiner Güte willent, und bringe um alle, die meine Seele ånge stigen; denn ich bin dein Knecht. Gebet. 196 Ba armherziger und wahrhaftiger Gott! du haft uns befohlen, daß wir dich in allen unsern Nöthen anrufen sollen, und hast uns daneben gnås diglich verheißen, daß du uns erhören und uns ges ben wolleft, was uns nützt und heilsam ist. Wir armen Sünder fühlen allzumal unfere angeborne Unreinigkeit, und wissen, daß wir um unsererSünden willen, die uns bis in die Grube ankleben, nicht vor dir bestehen können. Darum bitten wir dich um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, du wollest doch ja nicht mit uns in das Gericht ges hen, und mit uns handeln nach deiner strengen Gerechtigkeit, damit wir nicht ewig verloren gehen. Owie erbärmlich ångftiget manchmal der Satan unser Gewissen, und wollte uns gern zur Verzweif lung bringen, dem ewigen Tod fiberantworten und des Trostes auf ewig berauben. Wir wissen aber, daß du bist gnädig und barmherzig, geduldig und nebst Gebeten und Liedern. 197 und von großer Güte; du hast je und allewege bußfertigen Herzen ihre Sünden vergeben, sie in der Angst nicht stecken lassen, sondern mächtiglich herausgerissen. So wende denn, o du getreuer lieber Vater! auch zu uns dein Gnaden. Antlik, und füh re unsere Seele aus der Noth um deiner Gerechtigkeit willen. Verstdre des bdsen Feindes Vornehmen, und rette uns von seiner schweren Versus chung; erleuchte und regiere uns hingegen durch Deinen heiligen Geist, daß wir auf deine Güte trauen nach deinem Wohlgefallen; als deine Kinder in unserm ganzen Leben wandeln, und endlich, von allem llebel Leibes und der Seele erlöset, dir ewigs lich für deine Treue und Güte danken mögen, Amen. Lied. Mel. Durch Adams Fall ist ganz verderbt. Herr! höre meine Seufzer an, um deines Namens willen. Komm, Herr! wie du zuvor gethan, mein Herzeleid zu stillen. Vernimm mein ängstliches Geschrey und mein bedrängtes Flehen. Steh mir mit deiner Güte bey, laß mich Erhörung sehen. 2. Ach! willst du denn mit deinem Knecht vor das Gerichte gehen; wir sind ja bös und ungerecht, wer wird vor dir bestehen? Der Feind verfolget überall die schreckenvolle Seele. Mein Geist fühlt täglich neue Qual in seiner Jammerhöhle. 3. Mein Herz, das denkt noch immerfort an die vers gangnen Zeiten. Ich suche stets dein heilig Wort und Wunder auszubreiten. Ich denke stets an deis N 3 nen 198 Die sieben Bußpsalmen, nebst Gebeten 2c. nen Bund, und an die großen Werke; ich mache deine Thaten kund, und dieses giebt mir Stärke. 4. Ich strecke meine matte Hand du dir um deinen Segen. Ich dürfte wie ein dürres Land, nach längst gehofftem Regen. Uch Herr, ach Herr! erhöre mich, eh meine Kräfte schwinden; mein armes Herze suchet dich, laß dich barmherzig finden. 5. Ich bitte nur Barmherzigkeit, befried'ge mein Gewissen. Laß mich nicht meine Lebenszeit in deinem 3orn beschließen. Bricht dir dein Vaterherze nicht, wenn ich in Thränen bade? Verbirgst du dennn dein Ungesichs? Uch Vater! ach Genade!* 6. Ich suche dich nur ganz allein, ich suche dich mit Thränen. Willst du so unerbittlich seyn? Erfülle doch mein Sehnen. Herr, zeige mir den sichern Steg, laß mich bedachtsam handeln. Gieb, Herr! daß ich den rechten Weg mög' ohne Anstoß wandeln. 7. Errette mich, mein starker Gott, von denen, die mich hassen. Du bist mein Helfer in der Noth, du wirst mich nicht verlassen. Ach nimm dich meiner gnädig an, laß mich in Demuth wallen. Dein Geist führ mich auf ebner Bahn, nach deinem Wohlgefallen. 8. Ach, Herr, erquicke meinen Geist, um deines Namens willen. Den Trost, den mir dein Wort verheißt, laß doch mein Herz erfüllen. Sey stets mein Stecken und mein Stab, laß mich von Freuden hören; so will ich dich bis an mein Grab in tiefster Demuth ehren. Unhang Anhang von 199 Benjamin Schmolckens, Past. Prim. und Inspect. der Evangelischen Kirchen und Schulen vor Schweidnit, Gott geheiligten Morgen- und AbendAndachten. In gebundener Schreibart, durch welche ein andächtiger Christ Gelegenheit findet, früh und spät sich seinem Jeſu zu überlaffen. Morgen- Andacht am Sonntage. Willkommen, lieber Tag, Tag über alle Tage! Du bist des Herren Tag, den er hat selbst gemacht. Mein Herze schläget schon bey deinem Glockenschlage, und giebt der Finsterniß mit Freuden gute Nacht. Wie schon siehst du doch aus, du angeneh mer Morgen, da deiner Sonne Glanz mir in die Augen lacht; doch lieget unter dir ein N 4 gró 200 Benjamin Schmolckens größer Licht verborgen, das mir ins Herze scheint, und deinen Sonntag macht. Mein Jesu, du bist es, du heißest meine Sonne, dich bet ich nur allein an diesem Morgen an. Geh in der Seele auf mit reiner Lust und Wonne, daß ich durch dich das Licht im Lichte sehen kann. Ich grüße deinen Tag, als einen Tag der Wunder, weil deine Wunderhand ihn oft gezeichnet hat. O lege du in mich den wahren Glaubenszunder; so fängt mein Herze Gluth durch deine Wunderthat. Das war der Ostertag, an welchem du erstanden; ach laß mich heute doch aus meinem Grabe gehn, befreie meinen Fuß von allen Todesbanden, und wirke selbst in mir ein geistlich Auferstehn. Gieß deinen Geist auf mich, und mache heute Pfingsten, wie weiland dieser Tag dadurch geheiligt ward; dein Wort erleuchte mich, daß ich nicht im Geringsten von diesem weichen mag, was du mir offenbart. Gieb Augen, welche dich und deinen Sohn erkennen; gieb Oh. ren, welche dir begierig offen stehn; gieb Lippen, die voll Geist in deinem Lobe brennen; gieb Füße, die mit Luft in deinen Vorhof gehn. Vor allem gieb ein Herz, das gleich dem guten Lande im Glauben und Geduld viel hundert Früchte bringt. Behüte meinen Sinn vor allem Mißverstande, damit das Morgen- und Abendandachten. 201 das gute Werk bey mir wohl auch gelingt. Mein Hirte, weide mich auf deiner grünen Aue, und führe mich, dein Schaaf, zur fri: schen Wasserquell; gieb, daß an deinem Wort ich deine Wunden schaue, so wird mein Herz erquickt, und mein Verständniß hell. Mich hungert, laß du mich mit LebensBrode speisen, mich dürftet, tránke mich vom Brúnnlein Ifrael; gieb deinen Dies nern Kraft, daß sie mich unterweisen, aus ihrem Munde gieß die reine Lebensquell. Dein Weinberg ist für mich, ach! laß mich Trauben bringen, und keine Herlinge statt reifer Früchte sehn. Erwecke Saft und Kraft, die bis zur Wurzel dringen, daß deine Wor te bald bey mir ins Leben gehn. Laß mich mein Antlig nicht im Spiegel so beschauen, wie einer, der vergißt, wie er gestaltet war; ein jedes Wort, das du mir läsfest anvers trauen, stell stets ein Denkmal mir im ganz zen Leben dar. Sobald mich dein Gesetz mit feinem Hammer troffen, sobald sey auch mein Herzzermalmet und zerknirscht; dein Evangelium steh mir auch wieder offen, wenn der geängst'te Geist nach deinem Worte dürft't. Laß mich die Woche durch in mei nem Wandel zeigen, daß das gehörte Wort fruchtbar gewesen sey; ja, laß mich nimmers mehr von deiner Vorschrift weichen, so ist N 5 auch 202 Benjamin Schmolckens auch jeden Tag mir deine Gnade neu. So geh ich in dein Haus, auf deine große Güte; und sege mich getroft zu deinen Füßen hin, verberge mich allhier in dein Gezelt und Hütte, daß ich ganz ungestört in deinem Dienste bin. Ach Herr! wie lieblich sind die Wohnungen zu nennen! Wie freuet sich mein Geist auf Zions Heiligthum! Dort seh ich Licht und Recht auf deinem Heerde brennen; dort predigt man dein Heil und deines Namens Ruhm. So wollst du nun mein Herz beym Einigen erhalten, daß deinen Namen ich mit Ernste führen mag; ja, laß doch deinen Geist in meiner Seele walten, so wird der Sonntag mir ein rechter Freudentag. Die Welt mag ihrer Lust nach eitlem Sinne pflegen, ich will, Gott belf es mir! kein Sabbathschänder seyn, und diese Worte mir tiefin mein Herze prágen: Stellt euch der Welt nicht gleich, dient euerm Gott allein. Bet ich, so sey mein Herz bey dir, o Gott, im Himmel, mein festlicher Gesang dring durch die Wolken ein; mach es ganz still in mir, laß alles Weltgetümmel, das sonst die Andacht stört, von mir verbannet seyn. Kein Schlaf verschließe mir die Augen und die Sinnen, kein Nachbar irre mich mit seiner Plauderey; ja, laß mich selber nichts je reden, noch beginnen, was Morgen und Abendandachten. 203 was deines Wortes Lauf in mir zuwider sey. Gieb, daß ein guter Geist auf alle Seelen falle, die heute, Herr! vor dir in deinem Tempel stehn, damit das Wort nicht nur in ihre Herzen schalle, so lasse deine Kraft durch ihre Herzen gehen. Erhör die Betenden, und die, für die wir beten, laß sie in ih: rer Noth nicht ohne Hülfe stehn; gieb, daß die Beichtenden mit Reue vor dich treten, mit Glauben würdiglich zu deiner Tafel gehn; die allgemeine Noth laß dir zu Hers zen geben; nimm deiner Kirche dich und ih rer Glieder an, daß wir im Geiste hier vers knüpft beysammen stehen, und keines Feindes Macht dein Häuflein stürzen kann. Wohlan! durufest mich, so will ich mit dem Haufen zum Hause wallen gehen, wo dein Gedächtniß ist! Bewahre meinen Fuß, und laß mich also laufen, daß du mit Wahrheit, Weg, und auch das Leben bist. Laß mich nicht ohne dich alsdann zurückegehen, wenn ich gelehrt, vermahnt, gewarnt, getröstet bin. Laß einen Brand in mir nach deinem Wort entstehen, wie dort bey Emmahus der Jünger Herzen glühn. So ehr ich deinen Tag, odu Dreyeinigs Wesen, Gott Vater, Sohn und Geist, als dein geweihtes Fest, und werde diese Schrift an allen Wänden lesen: Gedenk des Sabbathtages, daß du ihn heiligest. Mor Benjamin Schmolckens Morgen, Lied. Mel. Meinen Jesu laß ich nicht. Licht vom Licht, erleuchte mich, bey dem nahen TodesLichte! Gnadensonne, stelle dich vor mein muntres Angesichte; wohne mir mit Glanze bey, daß mein Saba bath heiter sey. 204 2. Brunnquell aller Gütigkeit, laß mir deine Strös me fließen! Mache Mund und Herz bereit, dich in Andacht zu begrüßen. Streu das Wort mit Gegen ein, laß es in mir fruchtbar seyn. 3. 3ünde selbst das Opfer an, das auf meinen Lippen lieget. Sen mir Weisheit, Licht und Bahn, daß kein Irrthum mich betrüget, und kein fremdes Feuer brennt, welches dein Altar nicht kennt. 4. Laß mich heut und allezeit Heilig! Heilig! Heilig! fingen, und mich in die Ewigkeit mit des Geistes Flügeln schwingen; gieb mir einen Vorschmack ein, wie es wird im Himmel seyn. 5. Ruh' in mir, und ich in dir, bau ein Paradies ins Herze. Offenbare dich doch mir, und gieß meiner Ane dachtskerze immer neues Del hinzu, o du Liebesflamme du! 6. Dieser Tag sey dir geweiht. Weg mit allen Eitelkeiten! Ich will deiner Herrlichkeit einen Tempel zubereiten, nichts sonst wollen, nichts sonst thun, als in deiner Liebe ruhn. 7. Du bist mehr bls Salomon, laß mich deine Weisheit hören. Ich will deinen Gnadenthron mit gebeugten Knieen ehren, bis mir deine Sonne lacht, und den schönsten Sonntag macht. Abend. Morgen- und Abendandachten. 205 Abend- Andacht am Sonntage. Der Sonntag ist vollbracht, der Sonne Glanz verschwunden; mein Jesu, der du mir mehr als die Sonne bist, bestrable durch dein Licht die dunkeln Abendstunden, gieb deinen Schein der Nacht, die schon vorhanden ist. Entreiße meinen Geist den schwarzen Finsternissen, wenn inlich der sanf te Schlaf zum Todtenbilde macht; laß mich die süße Ruh in dir allein genießen, so wird ein Sonntag seyn auch mitten in der Nacht. Du hast mich durch dein Wort so treulich unterwiesen; du zeigtest mir so bell den Weg zur Seligkeit. Du ließt für Leidende des Trostes Strome fließen; du gabst den Wankenden, Herr, neue Festigkeit. Doch bört' ich auch dein Wort, wie ichs hab' hören sollen? War ich nicht Hörernur, nein, Tha ter auch dabey? Dir ewig treuzu seyn, war das mein eifrig Wollen? Und bin ich jego wohl von Schuld und Fehler frey? Allwissender! du wirst auch heute vieles finden, auch dieser Tag ist nicht von Schuld und Lastern rein; ich komme Gott, zu dir mit dem Gefühl der Sünden- ich könnte heute ja um vieles besser seyn. Bergieb mir meis neSchuld, und nimm mich nun aufs neue, ich 206 Benjamin Schmolckens ich bitte wehmuthsvoll, o Gott! zu Gnaden an. Sieh, ich gelobe dir, mein Mittler, neue Treue; dein Geist, der führe mich auf ebner Tugendbahn.-Schreib alles in den Sinn, was diesen Tag geschehen, und laß dein Wort in mir ja nicht vergebens seyn. Du, Herzenskündiger, kannst in das Herze sehen, ach! so bewahre mich vor allem Heuchelschein. Laß deine Lehre mich wie Milch und Honig speisen, damit die Frucht davon die ganze Woche bleibt; laß die Vermahnungen mich treulich unterweisen, wie man das Christenthum mit rechtem Eifer treibt. Laß deine Kröftungen wie lauter Zucker schmecken; wenn mich das Kreuze drückt, ach so verlaß mich nie! Laß deine Warnungen mich im Gewissen schrecken, daß ich die Sünde mehr als eine Schlange flieh. Dein Saamenkorn muff in mir verlangte Früchte bringen, daß ich kein fauler Baum in deinem Garten bin; dieß Kleinod wecke mich zum Laufen und zum Ringen; dieß Wort befestige in mir des Geistes Sinn. Hat Moses mich geweckt mit des Gesetzes Flüchen, so laß mir feinen Schall durch Ohr und Herze gebn; bat Jesus mich getrost't mit seinen Gegensſprüchen, so laß mich darauf fest in Noth und Tod bestehn. Der Glaube werde stark durch deines Geistes Lehren, die Liebe zünde fich Morgen und Abendandachten. 207 sich bey diesem Feuer an, die Hoffnung müsse sich in meinem Herzen mehren, so grünt ein Kleeblatt hier, das nie verwelken kann. Im Glauben laß mich dich und auch dein Wort bekennen, im Leben führe mich auf Christi Muster hin; im Leiden laß mich nichts von deiner Liebe trennen, im Sterben mache selbst den Tod mir zum Gewinn. Gieb, daß ich nicht allein ein Christ im Wis sen heiße, vielmehr ein wahrer Christ nach dem Gewissen sey; und daß ich mich mit Ernst der Heiligkeit befleiße, entfernt von eitlein Ruhin und schudder Heucheley. Laß mich vor allem dich von ganzem Herzen lieben und meinen Nächsten dann, als wenn ichs selber war; ja, laß mir dein Geset ins Herze seyn geschrieben, und was dein Wille Heischt, das sey auch mein Begehr. Bin ich auf dich getauft, und bin dein Glied gewor= den, so hilf, daß mich kein Feind von deinem Leibe reißt; dein Geist regiere mich im reis nen Christen: Orden, daß dich mein Inneres und auch mein Wandel preist. Gleich wie ein Hirsch, der hier nach frischem Wasfer schreyet, so schreyet meine Seele und dür stet, Gott, nach dir. Wenn komm ich doch dahin, wenn werd ich doch erfreuet dein Angesicht zu sehn in Zions schönster Zier? Wohlan! du wirst mich einst aus dieser Kirche 208 Benjamin Schmolckens Kirche führen, die nun die streitende auf Erden wird genennet; dort aber geht man ein zu andern Kirchenthüren, wo man Triumphe singt, und keinen Feind mehr kennt. Ich werde diese Lust hier in der Ferne schauen, bis daß mein Glauben mich zum wahren Schauen bringt; indessen will ich mich nur deiner Macht vertrauen, da abermal der Schlaf zu meinen Augen dringt. Sey über mir init Schuß, sen neben mir mit Segen, fey in mir, daß ich auch in dir verbleiben kann: so mag der Teufel dann mit aller Macht sich regen, mein Bette bleibet dann ein sichres Canaan. Ich werf in deinen Schooß auch alle ineine Lieben, o Vater! lege du auch deine Hand auf sie! Laß weder Stadt, noch Land Mord, Raub und Brand betrüben, so schallet überall dein Lobspruch morgen früh. Die neue Woche wird von neuer Güte sagen, denn die ist über uns an allen Morgen neu. Man wird nicht über Noth und über Mangel klagen: Gott ist für uns, wer ist, der uns zuwider fey? So geh ich denn zur Ruh, auch, wenn du willst, zu Grabe, gieß du nur Glaubensöl in meine Sampe ein, ich weiß, wenn ich genug und sanft geschlafen habe, daß dort im Himmel wird der rechte Sonntag seyn. Abend Morgen- und Abendandachten. Abend Lied. Mel. Nun ruhen alle Wälder. 201310 Der er Sabbath ist vergangen, ich habe mein Verlangen nach Herzenswunsch erfüllt. Gott hat mich unterweiset, mit Lebensbrod gespeiset, und meiner Seele Durst gestillt. 2. Sein Wort ruht nun im Herzen, drum leg' ich ohne Schmerzen auch meinen Leib zur Ruh; denn allen Sündenschaden deckt Jesus nun in Gnaden mit seinem theuern Blute zu. 3. du dreyein'ges Wesen, mein Geist ist schon genefen, weil ich dein Tempel bin. Ich habe Licht vom Lichte, dein leuchtend Angesichte treibt alle Finsternisse hin. 4. Du wirst schon bey mir wachen, und eine Sonne machen auch mitten in der Nacht; bis bey den Cherubinen ein Sonntag ist erschienen, der alle Nacht zu Tage macht. 5. Ich schlafe ganz vergnüget, denn wo mein Herze lieget, da ist der Engel Heer. Mich stört kein Weltgetümmel, es träumt mir nur vom Himmel. Uch wer doch nur bald droben wär. 209 Morgen- Andacht am Montage. Gott, der du Sonn und Mond am Himmel läffest scheinen, der Montag hat nunmehr den Sonntag abgelöst, und deine Gut und Treu ist täglich bey den Deinen, weil du nur immer auf und nimmer untergehst. Ich beuge meine Knie vor deiD nem 210 Benjamin Schmolckens nem Gnadenthrone, und opfre Dank und Ruhm für den verlieh'nen Schuß. Du wa rest in der Nacht mein Schild und meine Krone, drum bot ich aller Noth und allen Feinden Truß. Ich schlief, so hattest du die Augen offen stehen; ich lag, du standeſt mir zur recht und linken Hand. Ich war den Todten gleich, du hießt mich auferstehen, und machtest deine Huld aufs neue mir bekannt. Nimm hin die Erstlinge von dies fer neuen Wochen, der Anfang soll allein in deinem Namen seyn; was du mir gestern schon für Segen hast versprochen, das stelle heute sich in der Erfüllung ein. Der Mond muß ja fein Licht von seiner Sonne nehmen: ich nehme Licht und Heil, mein Jeſu, nur von dir; doch laß mich auch der Art des blaffen Mondes schämen, daß ich nicht Un bestand in meinem Schilde führ. Die Ruh ist nun vorbey, die Glieder sind erquicket, ich hülle meinen Leib in seine Kleider ein; gieb, daß die Seele sich mit Trauer kleidern schmucket, und wasche nun, o Gott, auch das Gewissen rein! Sey meines Leibes Licht, und auch das Licht der Seelen, daß ich den ganzen Tag ein Kind des Lichtes bin; vor deiner Augen Licht kann niemand sich verbeblen, drum leite meinen Fuß auf rechtem Wege hin. Zur Arbeit hast du mich und Morgen- und Abendandachten. 211 und nicht zum Müßiggange, in dieser Welt gebracht, wo Schweiß und Fleiß gebührt; so gieb mir deine Kraft, daß ich den Zweck erlange, zudem mich mein Beruf und mein Gehorsam führt. Erleuchte den Verstand, daß ich wohl unterscheide, was Nuß und Schaden bringt, was Fluch und Segen ist; den Willen bessere, daß ich das Böse meide und das hingegen thu, woraus der Segen fließt. Dein Geist regiere nich, daß ich recht christlich wandle, und denke, daß mein Lauf nur nach dem Himmel geht. Steh mir in allem bey, daß, was ich thu und handle, mir und dem Nächsten müßt, und deinen Ruhm erhöht. Gieb beydes, Rath und That, das Wollen und Vollbringen, daß nichts versäumet wird, auch nichts umsonst geschicht; den Anfang segne du, das Mittel laß gelingen, das Ende benedey, so ist es wohl verricht't. Du Aufgang aus der Höh, laß deine Güte thauen auf alles, was ich heut gedenke, red und thu; ich will allein auf dich und deine Gnade trauen, schließ du dein Herze nicht vor meinem Seufzen zu. Geh mit mir aus und ein auf allen meinen Wegen, dein Auge leite mich, dein Arm beschüße mich; sobald ein Unfall sich will wider mich erregen, sobald verberge du den Deinen hinter dich. Es muß ein je02 der 212 Benjamin Schmolckens der Tag auch seine Plage haben, drum werd ich heute wohl nicht ohne Kreuze seyn; doch wirst du mich, mein Gott, auch in der Trübfal laben, du richtest ja die Last nach unsern Schultern ein. Es sey dir heimgestellt, wie du willst mit mir fahren, ich neh me Lust und Last von deiner Schickung an; es muß dein Herze doch sich endlich offenbaren, wie es zu keiner Zeit was Böses meynen kann. Laß mich mein Bißlein Brod in stiller Rub genießen, gieb wenig oder viel, ich bin mit dir vergnügt; denn ich hab nur dabey ein freudiges Gewissen, so ist's ein großer Schatz, der mir im Herzen liegt. Behüte Leib und Seel por allen Unglücks fällen, besonders vor dem Fall, den uns die Sünde draut. Laß deine Gegenwart mir stets vor Augen stellen, die alles sieht und hört und richtet mit der Zeit. Geselle mich ja nicht zu gott'svergeffnen Leuten, man wird von ihrem Thun gar leichtlich anges steckt. Laß mich der Engel Schaar den ganzen Tag begleiten, die mich mit ihrem Schutz vor dem Verführer deckt. Bleib auch der Meinigen getreuer Gott und Ba ter, bewahre, sättige und überschatte fle; im Kummer sey ihr Trost, im Mangel ihr Berather, damit durch deine Hand ihr Wohlergehen blüh. Bewahre Stadt und Land Morgen- und Abendandachten. 213 Land vor allen Fährlichkeiten, hilf, daß kein Ungemach Lehr-, Wehr- und Nährstand trennt? Sey deiner Kirche Fels in diesen legten Zeiten, erhalt uns gnädiglich dein Wort und Sakrament. Nun, Herr! ich laß dich nicht, du hast mich denn geſegnet, sprich nur ein einzig Wort, so ist mein Wunsch erfüllt; so nehm ich alles an, was heute mir begegnet, und war es auch der Tod, wenn du, Herr! also willt. Ich leb und sterbe dir, es sey heut oder morgen, es kommt der letzte Tag doch endlich ganz gewiß; drum laß mich in der Zeit für meine Seele sorgen, so tret ich dort ans Licht nach aller Finsterniß. Indessen weil ich noch in dieser Hütte wohne, tret ich mein Amt und Pflicht in deinem Namen an; in deinem Namen sey's, Gott Vater, fammt dem Sohne, und du, o werther Geist! so ist es wohlgethan. Morgens Lied. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Ein neuer Tag ein neues Leben geht mit der neuen Woche an, Gott will mir heut aufs neue geben, was mir sonst niemand geben kann. Denn hätt' ich seine Gnade nicht, wer gäbe mir sonst Trost und Licht? 2. Ich grüße diesen lieben Morgen, und küsse Gottes Baterhand, die diese Nacht so manche Sorgen in D3 Sna 214 Benjamin Schmolckens Gnaden von dir abgewandt. Ach Herr! wer bin ich Armer doch? Du sorgst für mich, ich lebe noch. 3. Nun das erkennet meine Seele, und giebt sich selbst zum Opfer hin; doch weil ich noch in dieser Höhle mit Noth und Tod umgeben bin, so weich auch heute nicht von mir, denn meine Hülfe steht bey dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche soll nur in deinem Namen blüh'n. Ach laß mich nicht am Sündenjoche mit meinem Fleisch und Blute ziehn! Gieb deinen Geist, der mich regiert, und nur nach deinem Willen führt. 5. Soll ich mein Brod im Kummer effen, so laß es doch gesegnet seyn; und was du sonsten zugemessen, das richte mir zum Besten ein. Ich bitte keinen Ueberfluß, nur was ich nöthig haben muß. 6. So thue nun, mein Gott, das deine, und laß mich auch das meine thun. Behüte beyde Groß und Kleine, daß sie auf deiner Huld beruhn; auf daß ein jeder diesen Tag mit dir vergnügt beschließen mag. Abend- Andacht am Montage. S o weicht der erste Tag in dieser neuen Wochen, mein Jefu, habe Dank für deine Gut und Treu; und weil die finstre Nacht bereits hereingebrochen, so gieb, daß meine Ruh in dir gesegnet sey. Doch denk ich auch zuvor an meine Misfet haten, der Abend ladet mich zur ernsten Rechnung ein. In was für große Schuld bin ich bey dir ges rathen! Gedanken, Wort und Werk find nicht ganz vor dir rein. Dein Auge pats gefehn, Morgen- und Abendandachten. 215 fehn, dein Ohr hat es gehöret, und deine Hand hat es gewißlich angemerkt, wie oft mich Satan, Welt, und eigne Lust bethöret, ja, in der Bosheit noch erhalten und gestärkt. Vor dir ist alles blos, du prüfest Herz und Nieren, es kann das Innerste dir nicht verborgen seyn; und wollt ich gleich mein Thun mit eitlem Ruhme zieren, so gilt vor dir kein Scherz, kein falscher Heuchelschein. Allwis sender, du weißt die Menge meiner Sün den, die ich nicht alle weiß, und auch nicht zählen kann, die wird man groß und klein in deinem Buche finden; wie übel hab ich doch, o Herr! vor dir gethan! Wenn dein Gesete spricht, ich soll dich herzlich lieben, so hab ich mehr die Welt und ihre Luft geliebt. Was mir das Christenthum für Regeln vorgeschrieben, die bab ich niemals recht, wohl gar nicht ausgeübt. Mein Jeſus ist mir wohl mit Beyspiel vorgegangen, allein, wie folg ich ihm in seinem Wandel nach? Ich sollte Fleisch und Blut fest an das Kreuze hangen, so laß ich ihm den Zaum, und scheue Christi Schmach. Kein Wunder, wenn du mich gar nicht mehr kennen wolltest, weil ich nur allzuweit von dir gewichen bin; ja, wenn du, Herr, nach Recht mit mir verfahren wolltest, müßt ich vor deinem Zorn binab zur Hölle fliehn. Jedoch haft du geD4 fagt, 216 Benjamin Schmolckens sagt, ich soll dein Antlig suchen, mein Herze hält jegund dein eigen Wort dir vor; kehr deinen Zorn in Huld, und segne statt zu flu chen, mein hoffnungsvolles Herz steigt froh zu dir empor. Du wirst, was ich gethan, nicht an mir Armen rächen, du bist ein Gott voll Treue, voll Langmuth und Geduld. Durch Christum wirst du mir das gnåd'ge Urtheil sprechen: Im Glauben sey getrost, ich tilge deine Schuld. So wasche mich, mein Heil, von allen meinen Sünden, auch diese Nacht sey ich mit Leib und Seele dein; laß in derselben mich vor dir, Herr, Gnade finden, laß mich im Finstern auch ein Kind der Liebe feyn. Mein Geist erquicke sich durch deines Geistes Kräfte, daß, wenn der Leib schon schläft, das Herze dennoch wacht. Ertödte du in mir die sündlichen Geschäfte, dadurch uns oft der Feind die Rub zur Unruh macht. Zerbrich des Satans List, der in dem Finstern schleichet, du weißt, daß Fleisch und Blut nicht widerstehen kann; drum gieb, daß seine Macht mich doch ja nicht erreichet, und lege du ein Schloß dem bösen Vorsag an. Umgieb mich diese Nacht mit deinen Feuerflammen, umlagre Freund und Feind zu deines Namens Ruhm, und schließ die Meinigen in deine Hand zusammen, denn ich befehl sie dir, sie sind dein Eigen Morgen- und Ubendandachten. 217 Eigenthum. Vergiß, o Hüter, nicht, auch diese zu behüten, die arm, verwaist, betrübt, Frank und in Nöthen seyn! Steh bey den Sterbenden, und wenn sie gnug gelitten, ſo führe sie zur Ruh in deinen Himmel ein. Besonders sey dir, Herr, dein Zion anbe: fohlen, bewahre du dein Haus, und wer darinnen dienet; bis du uns einstens wirst ins andre Zion holen, wo deine Christenheit im rechten Flore grünt. Ich leg mich nun zur Ruh, doch sollt es ja gescheben, daß ich auf dein Geheiß zu Grabe müßte gehn, so laß mich auch dein Licht im Todes- Schlafe sehn, und auf den großen Tag mit Freuden auferstehn. Schließt euch, ihr Augen, zu in meines Jesu Namen, er wird auch über mir die Nacht mein Hüter seyn. Mein Seufzen ist erhört, denn Jesus spricht das Amen. Im Leben und im Tod, Erldser, bin ich dein. Abend Lied. Mel. Jesu, meine Freude, meines Herzens. Hirt deiner Schaafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag. Deine Wundergüte war mein Schild und Hütte den vergangnen Tag; sey die Nacht auch auf der Wacht, und laß mich von deinen Schaaren um und um bewahren. 2. Decke mich von oben, vor der Feinde Toben, mit der Vaterhuld, ein versöhnt Gewissen sey mein Schulters 218 Benjamin Schmolckens terissen, drum vergieb die Schuld; denn dein Sohn hat mich davon durch die tief geschlagnen Bunden gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben keine Noth betrüben, sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen in die Vaterarmen ohne Sorgen ein. Du bey mir, und ich bey dir, also sind wir ungeschieden und ich schlaf' in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer, und laß allen Jammer ferne von uns seyn. Sey du Schloß und Riegel, unter deine Flügel nimm dein Küchlein ein. Decke zu mit Schutz und Ruh, so wird uns nicht dürfen grauen vor des Satans Klauen. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Doch hast du beschlossen, daß mein Ziel verflossen, kommt die Todesnoth, so will ich nicht wider dich; bin ich nur mit dir verbunden, sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue in gewünschter Ruhe meine Augen zu. Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, o du Hüter du! Gute Nacht, nimm mich in Ucht! und erleb ich ja den Morgen, wirst du weiter sorgen. Morgen- Andacht am Dienstage. er Tag vertreibt die Nacht, das Dunkle weicht dem Lichte, die Morgendthe fagt den Glanz der Sonne an. Ach leuchte mir, mein Gott, mit deinem Angesichte, daß ich mit Freudigkeit gen Himmel ſehen kann. Giebst du mir jego Kraft, die Augen aufzumachen, so weck auch meinen Geist durch Morgen und Abendandachten. 219 durch deines Geistes Trieb; laß mein Gewiffen jetzt von neuem wieder wachen, du haft der Seele Licht, mehr als des Leibes, lieb. Soll ich des Tages Werk nach meiner Pflicht vollbringen, so reiche du mir selbst aus deiner Höhe Kraft. Laß Licht in den Verstand, Luft in den Willen dringen, du bist es nur allein, der alles Gute schafft. Mein erster Odem soll dein Morgenopfer heißen, mein erster Anblick soll nach deinen Bergen gehn; laß die Gedanken sich vom Irdischen entreißen; und mich vor deinem Thron in heißer Andacht stehn. Das Halleluja schallt aus meines Herzens Grunde zu deines Namens Ruhm, du Herrscher aller Welt. Der Lippen Harfenklang preißt dich in dieser Stunde, daß du die Wache haft so wohl bey mir bestellt. Dein Zelt, die Dunkelheit, hielt meinen Leib bedeckt, ich lag, als wie ein Kind, an seiner Mutter Brust; und wenn sonst da und dort die Nacht mit Grauen schreckt, war mir in deinem Schooß nichts Schreckliches bewußt. Durch deine Macht eil ich nun wieder aus dem Bette, durch deine Liebe zieh ich meine Kleider an; ja, wenn mich deine Kraft nicht neu belebet hatte, so ginge längst mein Fuß auf schwarzer Todtenbahn. Nun leb ich wiederum und lobe deine Güte, ich klopfe wieder an 8 220 Benjamin Schmolckens an vor deiner Gnadenthür, und bitte Vater, dich mit kindlichem Gemüthe, sey diesen Tag aufs neue mit deiner Huld bey mir. Ich trage meinen Schaß im irdischen Gefäße, die arme Seele schwebt in mancherley Gefahr, als ob ich in der Welt in lauter Dornen säße; drum stelle heute dich zu meis nem Schuße dar. Laß meine Tritte nicht von deinen Wegen gleiten, du weißt, wie bald der Feind uns einen Abweg zeigt; sey, wo ich geh und steh, mit deiner Furcht zur Seiten, gieb mir ein Herz, das sich nach deinen Rechten neigt. Will mein Beruf und Amt durch Mühe sauer werden, so stell mir vor, daß du es so geschaffen hast. Wer hat was ohne Fleiß auf dieser rauhen Erden? Wenn nicht die Sünde wår, so wäre keine Last. Der ganze Lebenslauf wird wohl ein Diensttag bleiben, so laß mich nur getreu in deinem Dienste seyn; und nicht nur obenhin mein Werk und Wesen treiben, so werden Fleiß und Müh sich auch der Erndte freun. Nichts bin ich ohne dich, durch dich vermag ich alles; ohn' dich ist alles Fluch, mit dir ist alles Heil. Regierst du meinen Gang, so fürcht ich keines Falles; von dei nem Segen kommt auch mein bescheiden Theil. Erhalt in meiner Brust ein ruhiges Gewissen, das mich am Ende nicht des Lebens 110 Morgen- und Abendandachten. bens halben beißt: ich bin ein Sterblicher, wie kann ich also wiffen, ob mich nicht heute noch der Tod zum Grabe weißt? Gieb, daß ich lebe so, als müßt ich heute sterben, so findet mich der Tod, wie er mich haben will; und reißt mich, wenn er kommt, durch ihn aus dem Verderben, und führt mit treuer Hand mich ans gewünschte Ziel. Nun schreibe diesen Tag in deine Bater- Hände mit einer solchen Schrift, die lauter Heil verspricht; daß ich ihn, als ein Christ, aufs christlichste vollende, so gieb mir Christi Kraft, und feines Geistes Licht. Soll ich auch diesen Tag die Baterruthe küffen, so schlage du nur zu, ich bleibe doch dein Kind; es wird doch alles mir zum Besten dienen müssen. Es ist kein Dorngenist, wo nicht auch Rosen sind. Nicht bitt ich nur für mich, ich bitt auch für die Meinen, die mein mit Blut und Muth auch sonst am Glauben seyn; laß ihnen insgesammt die Gnadensonne scheinen, schließ deine Christenheit in deine Schußhand ein. Laß deinen Gegens: quell auf Feld und Auen fließen, und krdne Jahr und Tag mit deiner Güt und Treu. Laß Heil und Friede sich in unserm Lande küssen. Verleih durch Jesum Christ, daß alles Amen sey. 221 Mora 222 Benjamin Schmolckens Morgens Lied. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt zc. Angenehme Morgenblicke, die mir Gottes Auge macht! Ich gedenke noch zurücke an die todtenschwarze Nacht, die mit ihren Finsternissen jeßt der Sonne weichen müssen. 2. Ach! wie tief lag ich begraben in dem Schlaf, als in dem Tod; jetzt kann ich mich wieder laben; daß ich lebe, macht mein Gott. Ach, Herr über Tod und Leben, soll ich nicht dein Lob erheben? 3. Gieb mir heut ein neues Leben, das nicht todt im Laster sey. Laß mich nicht am Eiteln kleben, mache mich vom Dienste frey, der das Joch der Hölle trås get, und der Sünden Dienste heget. 4 Niemand kann zwey Herren dienen; ach so gieb mich dir allein. Laß den Tag, der mir erschienen, einen heil'gen Tag mir seyn, daß ich dir zu Ehren lebe und des Glaubens Früchte gebe. 5. Dein Herz sey mit meinem Herzen, deine Hand mit meiner Hand; macht mir deine Ruthe Schmer zen, wird ein Kreuz mir zugesandt, ach! so gieb Ges duld zum Leiden, nach dem Leiden wieder Freuden. 6. Laß Gedanken, Wort und Werke heilig und ges segnet seyn, und des guten Geistes Stärke mir so Kraft als Trost verleihn; diesen Führer laß mich führen, diesen Beystand nicht verlieren. 7. Nun du wirsts am besten machen, denn auf dich kommt alles an; drum vollführe meine Sachen, daß ich klüglich handeln kann. Morgen, Mittag, Abend müssen nichts als lauter Gnade wissen. Abend. Morgen- und Abendandachten. Abend. Andacht am Diensttage. Mein Gott, der Abend hat sich wieder eingefunden, daß ich nun einen Schritt dem Grabe näher bin; ach wie vergeht die Zeit, wie eilen alle Stunden, wie bald ist doch ein Tag von meinem Leben hin! Drum gieb mir, Herr, ein Herz, das stets ans Ende denket, so oft als Tag und Nacht in ihrem Wechsel stehn; denn wie die Sonne sich zum Untergange lenket, so wird auch dermaleinst mein Leben untergehn. Eh ich zu Bette geh, so laß mich selber fragen: Ob ich den Dienstag auch dir einen Dienst getban? Und ob ich dem Beruf, den du mir aufgetragen, ſo treulich nachgelebt, daß ich bestehen kann? Es ist ja nicht genug, nur blos gelebt zu ha= ben, und wenn der Tod verbey, so liefe man zur Ruh; du forderst Rechenschaft von allen deinen Gaben. Thu Rechnung! rufst du mir vor meinem Bette zu. Ach! hier muß ich die Knie in tiefster Demuth beugen, wenn du, Herr, rechten willst, weiß ich kein Wortlein nicht, und muß aus lauter Schaam vor deinem Throne schweigen, nur schrey ich: Herr! ach geh nicht mit mir ins Gericht! Wo ist der Wucher denn von meinem Pfunde blieben, das du mir anvertraut in dieser Sterba 223 Benjamin Schmolckens Sterblichkeit? Du hast den Ueberschlag in allem aufgeschrieben, verschwendet hab ich nur die theure Gnadenzeit. Ich habe wohl geschmeckt, wie freundlich du gewesen, es ging kein Augenblick ohn' deinen Segen hin; doch hast du wenig Frucht für deine Huld gelesen, weil ich ein Schuldner stets in deinem Buche bin. Du hast mich mit Geduld so lange Zeit getragen, und den und jenen dort in Segen hingerafft, da du auch billig mich zu Boden können schlagen, weil deine Langinuth nichts zur Buße hat geschafft. Wenn du mich auch gestraft, so hab ich wohl versprochen, ich wollte frommer seyn, und deinen Willen thun; allein, wie öfters ist der Vorsatz schon gebrochen, die Sünde will nur stets vor meiner Thüre ruhn. Jegt schrecket mich dein Zorn, jest weckt mich mein Gewissen; wo soll ich aber hin vor deinem Antlik gehn? Hier wind ich armer Wurm mich, Herr, vor deinen Fü Ben, laß Gnade gehn für Recht, sonst kann ich nicht bestehn. Mein Hirte, suche doch das arme Schäflein wieder; nimm das ver lorne Kind, du lieber Vater, auf; laß deinen Gnadenstuhl zu meinen Seufzern nieder, hingegen meine Noth vor deinen Thron hinauf. Auch hast du noch ein Herz, so laß es jego wallen, hast du noch einen Trost, soruf ihn 224 Morgen und Abendandachten. 225 ihn mir doch zu; es darf ein Wortlein nur aus deinem Munde schallen, das von der Gnade spricht, so geb ich mich zur Ruh. Wohlan, ich zweifle nicht, mein Glaube heißt mich hoffen, der Friede zwischen uns ist wiederum gemacht; dein Sohn hat den Vergleich mit seinem Blut getroffen, so geb ich künftig mun den Sünden gute Nacht. Du wollst nur fünftigbin ein reines Herz mir geben, und einen neuen Geist durch deine Kraft verleihn; ich will dir nimmermehr mit Bosheit widerstreben, und ein gebor sam Kind vor deinen Augen seyn. Das Wollen ist bereit, gied du nur das Vollbringen, und mache morgen mich zur neuen Kreatur; so will ich dir, mein Gott, ein neues Dank- Lied singen und mein Ge lübde thun, das dir mein Herze schwur. Ich gehe nun vergnügt mit dir, mein Gott, zu Bette, wie ruhig kann ich seyn, ich bin verföhnt mit dir; und wenn ich sonsten nichts zu meinem Lager hätte, so schlaf ich ruhig ein, denn du bistja bey mir. Du Hüter Israels, ich werfe meinen Kummer aufdich, den Macht'gen, hin, der alles tragen kann; komm wiege meinen Leib in einen süßen Schlummer, und nimm der Seele dich, Herr, auch im Schlafe an. Solls aber anders seyn, daß sich nach deinem Willen die legte Las P ger= 226 Benjamin Schmolckens gerstatt in einen Sarg verkehrt; so sterb ich auf dein Wort und ruhe ganz im Stillen, weil Jesu Tod mir ja im Tode Ruh gewährt! O! welch ein Morgen wird im Zion dort er: scheinen, dort wird kein Diensttag nicht, ein rechter Freytag seyn; Egypten, gute Nacht! Gott führt zulegt die Seinen, da, wo kein Dienst- Haus ist, zur Himmelsfreyheit ein. Indeffen schlaf ich nun, sey du bey Groß und Kleinen, sie seyn hier oder da, mit deiner Bater- Hut; du wirst es treu mit uns, wie wir mit dir es meynen. Versiegle dies Gebot mit deines Sohnes Blut. Abend Lied. Mel. Christ, der du bist der helle Tag zc. Ein Tag geht nach dem andern hin, da ich noch ſtets im Leben bin; die Zeit verläuft, und ich mit ihr, nur du, mein Gott, bist stets ben mir. 2. Du giebest, daß ich manchen Tag mit Segen hinterlegen mag; und wenn mich eine Last gedrückt, so bist du es, der mich erquickt. 3. Hingegen ist mein Wandel nicht nach deinem Willen eingericht't; ich bin nicht werth, daß deine Gnad so lange mich verschonet hat. 4. Doch trau ich fest auf deine Huld, die größer ist als meine Schuld. Ich halte dich, und laß dich nicht, bis mir dein Mund den Segen spricht. 5. Uch segne, Vater, meine Ruh, und gieb mir dein Geleite zu; so schlaf ich, wie dort Jakob, ein, weil Engelheere um mich seyn. 6. Ge: Morgen und Abendandachten. 227 6. Getreuer Jesu, steh mir bey, und tritt des Satans Kopf entzwey, daß, wenn mich seine Lust bes kriegt, er bald zu meinen Füßen liegt. 7. Gieb, guter Geist, daß mir dein Licht auch in dem Dunkeln nicht gebricht; verleih mir einen solchen Sinn, daß ich im Schlafe wachend bin 8. Du heilige Dreyeinigkeit, dein bin und bleib ich allezeit; soll diese Nacht die letzte seyn, so leb und sterb ich dir allein. Morgen- Andacht an der Mittwoche. S( o kann ich abermal zu deinem Throne treten, Gott, aller Menschen Heil und meine Zuversicht; erhöre gnädig mich, erHör mein gläubig Beten, verwirf auch jego, Gott, mich armen Sünder nicht. Noch seh ich mich gesund, und fühle neues Leben, noch lacht mir freudenvoll, Herr, deiner Sonne Pracht. Du haft aufs neue mir die Meinis gen gegeben, und was ich sehe, freut sich deis ner Lieb und Macht. Auch ich, Herr, freue mich mit aufgehobnen Händen, das Herz, so wie der Mund, erhebet deine Macht; es foll sich Seel' und Leib zur Dankbarkeit verpfänden, dieweil du beydes hast so väterlich bewacht. Doch hab ich heute ja auch deine Huld vonndthen, drum nah ich mich zu dir mit brünstigem Gebet, umfaß und halte dich, du Hülf in allen Nöthen, voll Glaubens- ZuP2 ver 228 Benjamin Schmolckens versichert wie einst ein Jakob that. Ich laffe dich, Herr, nicht, bis du mich haft gesegnet, ich hab und halte dich, bis mir die Sonne lacht; so fürcht ich keinen Feind, der heute mir begegnet, ich hab und halte dich trok aller Feinde Macht. Nun bin ich heut ein Mensch, gleichwie die andern Tage, ich kann was menschliches erfahren und begehn; drum brauch ich deinen Geist, der sich ins Mittel schlage, daß ich der Sünde kann mit Ernste widerstehn. Durch diesen fübre mich auf der gebahnten Straße, die man die richtige vor allen andern heißt; und leite meinen Gang nach deines Wortes Maaße, daß mich kein Sündenfall so leicht zu Boden reißt. Nächstdem werf ich mein Neß in deis nes Sohnes Namen mit allen Freuden aus, wie du befohlen hast; gieb einen Segenszug, wie dort in Petri Hamen, und wenn mirs sauer wird, so mache Luft aus Last. Es lebt Niemand davon, daß er viel Güter heget; der größte Reichthum ist nur die Vergnüglichkeit. Hast du mir diesen Schaß im Herzen beygeleget, so frag ich nicht dar nach, was Andrer Herz erfreut. Du weißt, was ich bedarf, ich will dich lassen sorgen, weil du so lange Zeit schon haußgehalten bast; giebst du mir heute was, so giebst du es auch morgen, denn mein bescheiden Theil bast Morgen und Abendandachten. hast du schon abgefaßt. Laß mich vernünftig seyn bey allen meinen Werken, auch nichts zur Unzeit thun, auch nicht saumfelig seyn; schleicht sich ein Fehler ein, so laß mich ihn bald merken, und gieb mir Besserung zu meinem Besten ein. Du wirst mich heute wohl nicht mit dem Kreuz verschonen; es sey groß oder klein, so bring es immer her! Wer ohne Dornen will in dieser Wüste woh nen, der ist kein echter Christ, und alles Trostes leer. Sind meine Schultern schwach, du hast den breiten Rücken, der aller Frommen Kreuz und Trübfal überträgt; drückst du, so wirst du auch zu rechter Zeit erquicken, du heilst mit einer Hand, wenn gleich die andre schlägt. Und weil so in der Welt die Lebenszeit vergeßet, wenn immerfort ein Tag den andern abgeldst; so gieb, daß auch der Tod mir stets vor Augen steber, der uns nach aller Noth mit sanfter Rube tröst't. Wer weiß, ob ich den Tag zum Ende bringen werde? Du weißt es wohl, mein Gott; drum mache mich geschickt. Ich bin doch weiter nichts, als eine Hand voll Erde, wohl mir, wenn deine Hand mein Auge zugedrückt. Dech bin ich dir, mein Gott, noch in der Welt was nüße, ſo flöße heute mir ein neues Leben ein, erhals te, fráftige, versorge, leite, schüße mich als P 3 dein 229 230 Benjamin Schmolckens dein Eigenthum; ich will dir dankbar seyn. Leib, Seele, Freund und Feind, die Deinen und die Meinen, Kirch, Regiment und Haus, befehl ich deiner Hand; laß jedem überall dein Gnadenantlig scheinen, mach fruchtbar unser Herz, und auch das liebe Land. So bleibe denn bey uns auch mitten in der Woche, auch mitten im Beruf, auch mit. ten in der Noth. Du wirst es alles thun, der Mittler hats versprochen, zuletzt bist du bey uns auch mitten in dem Tod. Morgen Lied. Mel. Aus meines Herzens Grunde zc. Den Aufgang aus der Höhe, du Glanz der Herrlichkeit, durch deine Gnade gehe ich aus der Dunkelheit, den hellen Tag zu sehn. Ach lasse deine Strahlen mir recht vor Augen malen, wie wohl sey mir geschehn. 2. Ich lag in sanftem Schlummer, in der vergangnen Nacht, und dacht an keinen Kummer, der andre traurig macht. Damich das Licht anblickt, so leb ich gleichfalls wieder, und habe meine Glieder mit neuer Kraft erquickt. 3. Nun, Herr! von deinen Sorgen kommt alles Wohlergehn! Der Abend und der Morgen muß deinen Ruhm erhöhn. Uch halte ferner an, daß mein Berufsgeschäfte die neuen Lebenskräfte auch wohl genießen kann. 4. Erfüll mit deiner Gnade mein Herze früh und spat, daß mir kein Unfall schade; gieb beydes Rath und That. Erhalt in Lieb und Leid ein ruhiges Gewissen; soll ich mein Leben schließen. Uch komm! ich bin bereit. Abend, Morgen- und Abendandachten. Abend: Andacht an der Mittwoche. 231 ie Nacht ist wieder da, mein Bette ruft mich wieder; doch ruft mich auch mein Gott vorher zur Dankbarkeit. Drum werf ich mich allhier vor seinem Throne nieder, und habe Herz und Hand zur Andacht ihm geweiht. Doch fühl ich allzusehr, ich bin, o Herr! ein Sünder, ich hab auch heute viel vor dir nicht recht gethan. Verloren müßt ich seyn, nähmst du dich deiner Kinder, nähnst du dich meiner nicht voll Lieb und Langmuth an. Mein Glaube sagt es mir, du willst mich nicht verschmähen, es läßt es deine Huld und Christi Tod nicht zu; drum will ich nur getrost auf deine Güte sehen, in dir allein besteht die allerbeste Ruh. Doch weil ich noch an mir den Leib der Sünde trage, so lehre künftig mich dem Fleische widerstehn, daß kein Gewissenswurm an meinem Herzen nage, und meine Füße stets aufdeinen Wegen gehn. Ich will, vollbringe du, und soll ich morgen leben, so wirke selbst in mir rechtschaffne Besserung; mein ganz zer Wandel sey nur dir allein ergeben, ich leb und sterbe dir, so hab ich schon genung. Kein süßes Wort kann mir in meine Ohren schallen, als wenn du mir versprichst: Ich P4 bin 232 Benjamin Schmolckens bin bey dir in Noth! Ob tausend und noch mehr zu Recht und Linken fallen, so steh ich dennoch fest bey dir, Herr Zebaoth. Besonders laß die Nacht mich überall erfahren, du eben seyst der Gott, der unsre Zuflucht ist; wo deine Hand mich nur will decken und bewahren, so frag ich nicht ein Haar nach aller Feinde List. An Davids Bette stand: Ich lieg und schlaf in Friede, denn du Herr! Hilfest mir, auf daß ich sicher wohn; o tröste doch auch mich mit diesem Abendliede, ich lege mich mit dir, sey du mein Schild und Lohn. Hilf, daß kein Raub, noch Brand, noch ander Ungewitter uns aus dem Schlafe weckt, und unsre Ruhe stört. Sen auch der Meinen Schuß und gnädiger Behüter, daß keinen, wer sie seyn, ein Lingemach versehrt. Verleih im Schlafe mir auch heilige Gedanken. Nimm aller Menschen dich voll Gnad und Mitleid an. Sey bey den Traurigen, Verfolgten und den Kranken, daß jeder seine Noth bey dir vergessen kann. Laß den verwichnen Tag mir diese Lehre geben: Wie er als Mittwoch hier der Woche Mitte sey, so sey ich Sterblicher auch mitten in dem Leben mit Noth und Tod umringt, und nie vom Sters ben frey. Soll heute nun mein Schlaf sich mit dem Tode küssen, so nehm ich deinen Tod Morgen- und Abendandachten. 233 Tod, o Jesu! mit ins Grab, der kann die Bitterfeit im Tode mir versüßen: o selig! wer so stirbt, der scheider fröhlich ab. Abend Lied. Mel. Nun sich der Tag geendet ic. Wer unter deinem Schirme ruht, o Gott, von dir bewacht, der trotzt mit unerschrocknem Muth dem Grauen dunkler Nacht. 2. Umringt von stiller Finsterniß, sing ich dir, Herr, ein Lied. Mein Herz frohlockt, und ist gewiß, daß mich dein Auge sieht. 3. Der Tag ist schnell dahin geeilt, und deine Vaterhand hat mir viel Gutes zugetheilt, viel Böses abgewandt. 4. Auch in der Noth, und wenn ich litt, nahmst du dich meiner an; und so ist abermals ein Schritt zur Ewigkeit gethan. 5. Gott! wie ist deiner Huld so viel! Du machst die Prüfung leicht. Die Tage fliehn; bald ist mein Ziel der Pilgerschaft erreicht. 6. Doch dir befehl ich meine Zeit; so lang es dir gefällt, o Vater der Barmherzigkeit, leb ich in dieser Welt. 6. Ich trau auf dich, und zittre nicht, kein Unfall wird sich nahn; denn du bist meine Zuversicht von meiner Jugend an. 8. Mit Dunkelheit umringt, schließ ich die Augen betend zu; doch du, mein Vater, bist um mich und segnest meine Ruh. P5 Mor 234 Benjamin Schmolckens Morgen- Andacht am Donnerstage. Ermuntre dich, mein Geist, in dieser Mor genstunde, und feure meinen Mund zum Lobe Gottes an; erneuere die Pflicht von seinem Gnadenbunde, daß ich den neuen Tag auch recht begehen kann. Herr, der du meine Zeit in deinen Händen trågest, und meine Tage haft in deinem Buche stehn; der du den Odein noch in meiner Brust be wegest, und deine Kräfte läßst in meine Seele gehn. Ich rühme deine Huld, die nach dem dunklen Schatten ein helles Tagelicht mir wieder aufgesteckt; die Augen, welche sich mit Schlafverhüllet hatten, hat deine sanfte Hand gemächlich aufgeweckt. Daß mir mein Bette nicht zum Grabe könne werden, daß mich kein Feind gestört, kein Unfall hat berührt, und daß ich sonst noch frey von an deren Beschwerden, das alles hast du, Herr, ganz glücklich ausgeführt. Drum nimm, du höchstes Gut, den Dank für deine Güte, so sehr ich in der Zeit aus Schwachheit danken kann; nun kommt der neue Tag mit ei: ner neuen Bitte, nimm sie auch gnädiglich in Chrifti Namen an. Dieweil ich von mir felbst nichts Gutes kann vollbringen, so sey du überall mein Helfer und mein Hort; laß alles, Morgen und Abendandachten. 235 alles, was ich thu, durch deine Kraft gelins gen, erleuchte meinen Pfad, Herr, durch dein göttlich Wort. Ich bin ein armes Schaaf, wie leichte kann ich irren; drum gehe mir, mein Hirt, stets auf dem Fuße nach, und laß mich nicht ins Neß der Eitel: keit verwirren, so stürzt der Thorheit Schuld mich in kein Ungemach. Gieb, daß ich heute mag mit frommen Leuten wandeln, auch bey der bösen Schaar stets unanstößig seyn; las Denken, Reden, Thun, mich nach Gewiffen handeln, und schließ mich überall in deine Vorsicht ein. Soll ich mein täglich Brod mit Kummerfalzen effen, so lege deine Huld als einen Zucker bey; ich weiß, du wirst mich auch im Kreuze nicht vergessen, dein Herze sagt es mir, das über alles treu. Ich gebe dir mein Herz, lenkes nach deinem Willen; ich gebe dir das Ohr, gieb ihm des Wortes Frucht; ich gebe dir den Mund, laß ihn dein Lob erfüllen; mein Auge gebich dir, halt es in deiner Zucht. Ich gebe dir die Hand, laß sie was Gutes machen; ich gebe dir den Fuß, führ ihn auf ebner Bahn; ja alles geb ich dir, in allen meinen Sachen will ich dein eigen seyn, was ich nur bin und kann. Gieb dich hinwieder mir, laß mich dein Auge leiten, dein Ohr erhöre mich, dein Munderfreue mich; es steh mir deine Hand in aller Noth 236 Benjamin Schmolckens Noth zur Seiten, kein Linfall schrecket mich, hab ich nur, Vater, dich. Gieb, daß ich leb in dir, laß alles in mir sterben, was deines Reiches Macht in mir verhindern kann; der Satan, Welt und Fleisch gehn nur auf mein Verderben, und locken meinen Fuß auf breite Höllenbahn. Verbittre mir die Welt, die in dem Urgen lieget, und halt das wilde Fleisch durch dein Geset in Zaum; gieb, daß der Seele Feind mich nicht ins Nege krieget, und wenn er an mich setzt, so find er keinen Raum. Nun ich befehle dir mein'n Leib und meine Leiden, und sollte beydes auch den Tag zu Ende gehn; so will ich williglich auf dein Geheiß abscheiden, laß mich im Tode nur auf Chriftum feste stehn. Es ist das letzte doch, wenn wir gelebet haben, so macht der Tod den Schluß und führt uns aus der Welt; da wird der Himmel uns nach aller Arbeit laben, wo keine Hige mehr auf unsre Glieder fällt. Indieser Hoffnung will ich an die Arbeit gehen, und an dem Joche noch, so lang ich lebe, ziehn. Ach laß in deiner Huld mich und die Meinen freben, und deines Segens Kraft an allen Orten blühn. Sey unfer Aller Gott, jetzt und zu allen Zeiten, so werden wir dein Volk und deine Kinder seyn; es decke uns dein Schild bey allen Fährlichkeiten, Morgen- und Abendandachten. 237 ten, und deine milde Hand versorge Groß und Klein. So wird kein Donner uns am Donnerstage schrecken, und lauter Sonnenlicht um unsre Scheitel seyn; ja, wenn dein Donner wird uns zum Gerichte wecken, fo gehn wir freudenvell ins stille Zion ein. Morgen- Lied. Mel. Gott des bimmels und der Erden ze. Gott, du wohnst in einem Lichte, dahin niemand kommen kann; doch dein helles Angesichte schaut uns alle Morgen an, daß uns ein solch Licht umfaßt, welches du geschaffen hast. 2. Da der Vorhang aufgezogen, und die Nacht um uns gehüllt, und die Träume hingeflogen, die mit Schrecken angefüllt, sehen wir mit Freuden an, was du, Herr, an uns gethan. 3. Deinen Schild, der uns bedecket, salben wir mit Dankbarkeit. Deine Hand, die uns gewecket, küssen wir und sind erfreut, daß du noch an uns gedenkst, und uns neues Leben schenkst. 4. Unser wäre längst vergessen, unser Bette längst ein Grab; doch du wachtest unterdessen, bis der Schlaf sich wegbegab, und so ist, als stünden wir neugeboren hier vor dir. 5. O du hochgeprießner Schöpfer, laß nicht deiner Hände Werk: wir sind Thon, du bist der Töpfer; wir voll Schwachheit, du voll Stärk. Hast du uns ans Licht gebracht, schüß uns auch durch deine Macht. 6. Schreib du das, was wir verrichten, in das gros ße Segensbuch. Unser Reden, Thun und Dichten, sey vor dir ein Wohlgeruch, daß die angewandte Müh viel Gedeihen nach sich zieh. 7. Lock 238 Benjamin Schmolckens 7. Lock uns stets mit deinem Himmel, schreck uns mit der Hölle ab; zeig uns bey dem Weltgetümmel, daß zuleht noch folgt das Grab; daß man an das Ende denkt, und das Herz auf Klugheit lenkt. 8. Folgt der Tod uns auf dem Fuße, ach so schärf uns täglich ein, wie man immer in der Buße seiner muß gewärtig seyn, daß uns auch an diesem Tag kein Unglück begegnen mag. Abend- Andacht am Donnerstage. Der Tag ist wieder hin, mit ihm ein Theil des Lebens, und schon umfaffet mich die Finsterniß der Nacht. Wie hab ich ihn durchlebt? Verstrich er mir vergebens? Hab ich denn meine Pflicht so, wie ich soll, vollbracht? Wars in der Furcht des Herrn, daß ich ihn angefangen? Mit Vorsag, dies sen Tag der Tugend nur zu weihn? Mit Dank und mit Gebet, und eifrigem Ver: langen, keusch, züchtig und gerecht und Got: tes Freund zu seyn? Hab ich in den Beruf, den Gott mir angewiesen, so viel, als ich gekonnt, mir und der Welt genügt? Durch Eifer und durch Fleiß den Gott und Herrn gepriesen, der mir ihn anvertraut, und mich darinnen schüßt? Wie hab ich diesen Tag mein eigen Herz regieret? Hab ich auch wohl bedacht, daß Gott auf alles merkt? Hat mich im Stillen oft ein Blick auf Gott ge= Morgen- und Abendandachten. 239 gerühret, und hab ich im Vertraun auf ihn mein Herz gestärkt? Dachtich bey dem Genuß der Güter dieser Erden an Gott, durch den sie sind, an seine Lieb und Huld? Trug ich das Glück mit Dank, und Leiden und Beschwerden mit ihm ergebnem Sinn, und Demuth und Geduld? Hab ich durch Beyspiel auch die Meinen unterrichtet? War zu des Wohlthuns Pflicht mein Herz nicht zu bequem? Hielt ich zum Dienst der Welt mich schuldig und verpflichtet; und meines Nächsten Glück war mir das angenehm? Bereut' ich meine Schuld? Wollt ich die Lüfte dämpfen? Und war der kleinste Fehl auch mir von Herzen leid? Vollbracht ich diesen Tag mit Wachen, Beten, Kämpfen? Und bin ich, wenn Gott will, zum Sterben auch bereit? Gott, der du alles weißt, was könnt ich dir verhehlen? Ach geh, Allwis fender, mit mir nicht ins Gericht! Ich füh: le täglich noch die Schwachheit meiner Seelen, vergieb durch Christi Blut mir die ver: legte Pflicht. Ja, du verzeihest dem, den feine Sünden fränken; ich eile demuthsvoll, Allgütiger, zu dir. Du liebst Barmberzigkeit, und wirst auch sie mir schenken. Du bist auch diese Nacht der Wächter über mir. Ja, ja, du wachst, mein Gott, getrost geb ich zu Bette, ich halte mich an dich, und laffe 240 Benjamin Schmolckens laffe nicht von dir. Wenn aller Feinde Schaar mich nun umgeben hätte, so bin ich sicher gnug, denn du bist ja bey mir. Du bist mein Licht und Heil, vor wem sollt ich erschrecken? Du bist des Lebens Kraft, so grauet mir vor nichts; du bist mein Schirm und Schild, mein Stab, mein Schild und Stecken, so acht ich keine List des argen Bösewichts. Laß morgen deine Kraft mich wieder neu beleben, und wecke mich zu dem, was mein Beruf mich heißt; foll aber mich mein Schlaf dem Tode übergeben, so bitt ich, daß du mir mein Weg zum Himmel feyst. Ich bitt auch, Herr, für die, die du mir anvertrauet, laß Krankheit, Furcht und Noth von ihnen ferne feyn. Die Kirche, die du mir zu Ehren haft erbauet, erhalte dir zum Ruhm, denn sie, sie ist ja dein. Wohlan! ich lege mich, verschließ du meine Kaminer; ich schlafe, wache du, du Hüter in der Nacht. So ruf ich sorgenlos und frey von allem Jammer, und singe morgen froh dein Lob dir, Gott der Macht. Abend, Lied. Mel, Die Nacht ist vor der Thür. Die Nacht ist Niemands Freund, doch weil ich Jesum habe, so fürcht ich keinen Feind bey solcher Uebergabe; er ist's, der mir die Nacht zur besten Freundin macht. 2. Heb Morgen und Abendandachten. 241 2. Heb alle Feindschaft auf, Freund, der mein Hers ze liebet, und wo mein Lebenslauf dich da und dort bes trübet, so tilge meine Schuld mit Huld und mit Geduld. 3. 3war hab ich einen Feind, der voller List und Tücke, doch wo dein Antlik scheint, da weicht er bald zurüs de. Troß Teufel und der Höll'; hier ist Immanuel! 4. Ich werde diese Nacht als wie ein Todter liegen; drum lasse deine Macht sich um mein Lager fügen, und deiner Ullmacht Schein bey meiner Ohnmacht seyn. 5. Der Schlaf, des Todes Bild, heißt mich ans Grab gedenken; doch komme, wenn du willst, ich will mich gar nicht kränken. Mich bringt der legte Feind zu dir, mein bester Freund. Morgen- Andacht am Freytage. Wa ach auf, mein Herz, die Nacht entflieht mit schnellen Schwingen, geflohen ist dahin der Träume blaffes Bild; ich will mein frohes Lied dem treuen Wächter sins gen, der die vergangne Nacht in seinem Schuß mich hielt. Der belle Himmel zeigt von meines Schöpfers Güte, die immer neues Licht und neues Leben giebt und fors dert jegund auf mein dankbares Gemütbe, daß es mit Freuden sich in deinem Lobe übt. Du überreicher Gott, du Brunnquell aller Gnaden, groß von Barmherzigkeit und übergroß an Treu, vor deinem Vaterschuß wich aller Seelenschaden, der Leib war von Gefahr in deinen Armen frey, Du hattest Q mei= 242 Benjamin Schmolckens meine Ruh mit Engeln ganz umgeben, und ihre Wagenburg war meine Lagerstatt; so durfte nicht ein Haar vor Satans Grimme beben, wie eifrig er die Nacht mir nachge: stellet hat. Ach Herr! ich bin zu schwach, für alles dich zu preisen, so nimm nun für die That den guten Willen an! Ich will dir Lebenslang verbund'ne Pflicht erweisen, bis ich im Himmel dort dein Lob verbessern kann. Doch, meine Dankbarkeit ist eine neue Bitte: Der Freytag brauchet auch die Blicke deiner Huld; so zeichne demnach ihn mit deiner Wundergute, verbinde heute mich zu einer neuen Schuld. Laß mich den Tag begehn zu deines Sohnes Ehren, es war sein Leidenstag und auch sein Sterbetag; was könnt ich schönres wohl von seie nem Tode hören, als daß ich Bater dich in Christo nennen mag? Die Morgenrothe kann mit ihrem Purpur prangen; mir beißet Jesu Blut das schönste Morgenroth, darin die Sonne mir zum Leben aufges gangen, sonst war ich in der Nacht, ja gar in Sünden todt. Gieb also, daß ich stets an den Erlöser denke, daß ich ihn heute nicht aufs neue freuzige, und meine Blicke stets auf seine Wunden lenke, damit in mir die Kraft zur Befferung entsteh. Wenn sich Ge legenheit zu einer Sünde zeiget, so zeige mir fein Morgen- und Abendandachten. 243 fein Blut und seine Todespein, und wenn mein Herze sich zur Welt und Wollust neis get, laß seinen Kreuzestod mir bald vor Augen seyn. Sein Leiden tröste mich, bey meinen vielen Leiden; die Noth, die du gehabt, erleichtre meine Noth. Durch seinen Todeskampf für mich zur ewgen Freuden, sein Tod der schenke mir einst einen sanften Tod. So wird mir dieser Tag ein rechter Freytag bleiben, und keinesweges nicht der Bosheit Deckel seyn; du wirst ihn in dein Buch zu meinem Gegen schreiben, ich werde nun durch ihn von allen Sünden rein. Unddu, o Gotteslamm! laß mich dein Vorbild lieben, daß ich gehorsam bin, wie du gewesen bist; daß ich geduldig sey, wenn man mich will betrüben; daß meine Liebe treu, so, wie die deine ist. Dann bleibet mir der Trost: Hast du so viel gelitten, daß meine Seele nur nicht darf verloren gehn; so wirst du auch den Leib mit Segen überschütten, und mich, dein Gliedmaß, nicht im Kummer laffen stehn. Die Schädelstätte wird mir lauter Gnade thauen; wo du gedürftet haft, werd ich gesättigt seyn; wo dich dein Gott verließ, werd ich dein Antlig schauen; wo du getrauert hast, da werd ich mich erfreun, wo man dir alles nahm, wirst du mir alles geben; weil man dich hat entblößt, ziehst du Q2 mit 244 Benjamin Schmolckens mit Schmuck mich an; wo du gestorben bist, da wirst du mir das Leben; dein Weg zum Kreuze hin ist meine Himmelsbahn. Du wirst ein Fluch für mich, und ich durch dich ein Segen; du trugest Gottes Zorn, und ich die Huld davon. Das laß mich heute nun mit rechtem Ernst erwägen, daß ich die Sünde flieh, die dir gab solchen Lohn. Laß auf die Meinen auch Rath, Trost und Hülfe fließen, du hast sie auch erlöst, du, aller Menschen Heil, laß sie auch diesen Tag von keinem Unfall wissen, sen du ihr Trost, ihr Schuß, im Himmel einst ihr Theil. Und endlich segne auch, und krdne die Gemeine, die deiner Fahne folgt, und dich als König schäßt. Gieb, daß uns dermaleinst ein Freytag dort erscheine, der aus Egypten uns ins freye Land versett, Amen. Morgens Lied. Mel. Meinen Jesu laß ich nicht. Schließet euch, ihr Augen, auf, denn das Auge dieſer Erden will durch seinen neuen Lanf euch zur Morgenfackel werden. Seht, die Sonne geht euch vor und weißt euch zu Gott empor. 2. Lasset euern ersten Blick sich nach 3ions- Höhen wenden. Sehet auf die Nacht zurück, die Gott half so glücklich enden. Uch ein solcher Gott verdient, daß sein Lob beständig grünt. 3. Herr Gott, Vater, deine Treu hat wie Flügel mich bedecket, und jetzt wird sie wieder neu, da du mich Morgens und Abendandachten. 245 mich haft aufgewecket; ach was geb ich dir dafür, ich verehr mich selber dir. 4. Bin ich nun dein Eigenthum, so versorge mich auch heute; daß zu deines Namens Ruhm Lieb und Gegen mich begleite. Was ich thun und reden soll, alles dieß gerathe wohl. 5. Laß den Himmel offen seyn, wenn mein Herz sich zu dir hebet, und laß meine Seufzer ein, wenn die Noth vor Augen schwebet. Sprich ein gnädig Wort zu mir: Fürcht dich nicht, ich bin mit dir. 6. Gieb mir deinen Gnadenschein, laß mich doch zu allen Zeiten dir wie ein Augapfel seyn, und dein Untlih mich stets leiten. Sen mir immer Sonn und Schild, sonsten mach es, wie du willt. 7. Gieb, daß ich kein Brandmahl mir ins Gewissen heute mache. Halte dein Geset mir für, hilf mir, daß ich bet und wache, denn wer weiß, ob diesen Tag nicht mein Ende kommen mag. 8. Nun ich werfe mich auf dich, du kannst alles übertragen; deine Hand erhalte mich, wenn mich Kreuz und Unglück plagen. Kömmt der Abend dann her. bey, gieb, daß ich gebeffert sey. Abend- Andacht am Freytage. err Jesu! bleib bey mir, denn es will die finstre Nacht ist da; komin, kehre bey mir ein, mein bester Troft auf Erden, sey mir mit deiner Huld auch in dem Finstern nah. Der Freytag ist vorbey, ach war ich frey von Sünden, so würd ich auch bey dir Q3 fren 246 Benjamin Schmolckens frey von der Strafe seyn. Allein, so muß ich mich auch heute schuldig finden, mir fällt viel Böses jetzt und wenig Gutes ein. Ich Hab' es schlecht bedacht, wie du an diesem Tage für aller Menschen Schuld so schmerzlich haft gebüßt; wie dir dein Leidensgang durch ungemeine Plage, bis an des KreuzesStamm so fauer worden ist. Die Bande, die du trugst; die Dornen, die dich ritten; die Geißeln, die den Leib mit Striemen angefüllt; die Wunden, welche Blut mit gane zen Strömen schwißten; dein Durst, dein Gallentrank, dein blaffes Todtenbild, die hátten heute mir vor Augen sollen schweben; dir, du Gekreuzigter, sollt ich gewidmet seyn; doch, Jefu, überdenk ich auch mein heur'ges Leben, so muß auch wider mich der Tag ein Zeuge seyn. O unbeflecktes Lamm, auch ich schlug dir die Wunden, und meine Missethat bracht an das Kreuze dich; doch hab ich schon bey dir Heil und Erlösung funden; mein Glaub umfaffet dich, dein Kreuztod tröstet mich. Deintheur'r vergoß nes Blut floß auch für mich, den Armens wird dieser theure Schaß umsonst vergoffen seyn? Auch für den beut'gen Tag hoff ich bey dir Erbarmen; ich habe dich erlöst, fagst du, du bist ja mein. Ja, ja, du hilfest mir von meinen Sünden- Schmerzen, dein hei: liges Morgen und Abendandachten. 247 liges Verdienst macht alles wieder gut. Ich komm mit Reu und Leid, und mit beklominem Herzen, dich auch mit Zuversicht und glaubensvollem Muth. Ich will mein Fleisch und Blut hinfort ans Kreuze heften; die Welt soll künftig mir, ich ihr gekreuzigt seyn. Doch weil ich viel zu schwach in meinen eignen Kräften, so pflanze du mir selbst die Kraft zum Guten ein. Laß deine Kreuzespein durch mein Gewissen gehen, so oft als mich die Luft zu einer Sünde trägt. Traf dieß das grüne Holz, wie wirds ums durre stehen? Wie wird der Knecht ges straft, wenn Gott den Sohn so schlägt? Ganz ferne sey von mir, mich von was anders rühmen, als, Jesu, nur von dir, und deinem Kreuz allein. Das will ich nur als lein als meinen Trost beniemen, in dei: nen Wunden soll mein einzig Labsal seyn. Laß deine Trauernacht zur Freudennacht mir werden, dein Engel sey bey mir, der dich gestärket hat. Deinhartes Lager dort, am Delberg auf der Erden, schenkt mir, ich dankes dir, die schönste Ruhestatt. Doch laffe mich nicht so, wie deine Jünger schla fen, Gebet und Wachsamkeit erfordert auch mein Stand; o schüße mich nun auch mit deiner Allmacht Waffen, halt über meinen Leib, Erlöser, deine Hand. Wie du am Q4 Kreuze 248 Benjamin Schmolckens Kreuze dich dein Vater haft befohlen, so laß auch meinen Geist dir jetzt ergeben seyn. Willst du mich heute auch in deinen Him mel holen, so schlaf ich ganz getroft in deinen Wunden ein. Dein Kreuzweg führet mich aus allem Kreuz und Leiden, dein Tod macht meinen Tod zur rechten Lebensbahn, dein letztes Angstgeschrey erwirbtt mir Him melsfreuden, auf deinem Golgatha trefflich mein Thabor an. Du hast dich in der Noth der Deinen angenommen, so laß die Mei nen auch in deiner Obhut stehn. Will ihnen diese Nacht etwas zu nahe kommen, sprich nur ein einzigs Wort: Fort, laßt mir diese gehn! So will ich denn getroft die tragen Augen schließen, der müde Leib eilt nun der Ruhestättezu. Auch diese Nacht wird nichts von einem Unfall wiffen, denn du gewährest mir auch eine sanfte Ruh. Abend Lied. 1900 Mel. Werde munter mein Gemüthe. Auf, o Seele, werde munter! Lob ist immer deine Pflicht! denn die Sonne geht zwar unter, aber Gota tes Güte nicht. Heut auch hat sie mich genährt; heut auch Freud und Trost gewährt, vor Gefahren mich beschüßet, meine Schwachheit unterstüßet. 2. Stets verehret, hoch gepriesen, sey mein treuer Gott von mir; was du Gutes mir erwiesen, dankt mein ganzes Leben dir. Du hast, war ichs schon nicht werth, 249 Morgen und Abendandachten. werth, dennoch mein Gebot erhört, daß ich heut, als ich erwachte, dir in Jesu gläubig brachte. 3. Gott, da ich voll Dank's erzählte, wie so groß dein Wohlthun war; stellen sich auch meiner Seele die begangnen Sünden dar. Ihre Zahl ist gar nicht klein. Denn nicht Wort und Werk allein; nein, Gedanken und Geberden können mir zur Sünde werden. 4. Doch von ernster Ruh durchdrungen, wag ich's Gott, mich dir zu nahn. Sieh nicht die Beleidigungen, sieh den Tod des Mittlers an. Sprich mich frey von Straf und Schuld; schenk mir wieder deine Huld, laß Vergebung aller Sünden mich durch meinen Mittler finden. 5. Gieb nun bis zum frühen Morgen meinem Leibe fanfte Ruh. Durch dich schlaf ich ohne Sorgen. Wenn ich schlafe, wachst ja du. Seel' und Leib befehl ich dir. Walt allmächtig über mir. Sey auch du der Gott der Meinen, zähl sie alle zu den Deinen. 6. Uch laß uns kein banges Schrecken, Räuber nicht, nicht Feuersgluth, plößlich aus dem Schlafe we= den. Halt uns fest in deiner Hut. Hilf, wenn Kranks heit oder Tod uns im sichern Schlafe droht; schickst du aber schnelles Sterben, so geschehs nicht zum Verderben. 7. Höre, Vater! ach erhöre, was dein Kind von dir begehrt. D Sohn Gottes! dir zur Ehre werd es mir durch dich gewährt. Heilger Geist! laß mit Vertraun auf des Mittlers Tod mich baun. Hör, Dreyeiniger, mein Flehen. Umen, ja, es wird geschehen. Morgen- Andacht am Sonnabend. Der Erde Königin treibt den Glanz der Sterne, läuft den bestimmten Weg, Q5 mit 250 Benjamin Schmolckens mit Freuden, wie ein Held. Froh wallet fie herauf, und leuchtet uns von ferne, und weckt zum Lobe deß, der alles Fleisch erhält. O Vater alles Lichts! erleuchte mein Gewif fen, damit die Sündenmacht im Kurzen Abschied nimmt. Denn deine Kindschaft weiß von keinen Finsternissen, so wenig Tag und Nacht jemals zusammen stimmt. Entzünde meinen Mund zu lauter Lobessprüchen, und mache dir mein Herz zu einem Dankaltar; weil du die ganze Nacht nicht bist von mir gewichen, und alles abgewandt, was zu be: fürchten war. Nimm meine Seele hin zu deinem Eigenthume, ich gebe dir den Leib zu einem Tempel ein; verkläre dich in mir zu deines Vaters Ruhme, und laß mich festiglich mit dir vereinigt seyn. Ich bin jeBund bereit die Kleider anzulegen, zieh deine Liebe mir als einen Leibrock an, und schenk in Christo mir Gerechtigkeit und Segen, daß ich durch seine Kraft rechtschaffen wandeln kann. Ja, schmücke du mich selbst mit Glauben und mit Liebe, mit Keuschheit, mit Geduld, mit Demuth, Mäßigkeit, und füh: re meinen Fuß nach deines Geiftes Triebe, in wahrer Gottesfürcht und in Gelaffenbeit. Laß deine Gegenwart mir stets vor Augen schweben, die, wo ich geh und steh, mich wie die Luft umgiebt, und weil du al les Morgen- und Abendandachten. 251 les fiebst, so gieb mir so zu leben, daß sich dein Vaterblick nicht über mich betrübt. Verleihe deine Kraft, mir selbsten abzusterben, und für den alten Mensch den neuen anzuziehn; ja, was die Welt sonst liebt zu ihrem Selbstverderben, das laß mich alles zeit, wie vor der Schlange fliehn. Lind fuchet Satans Lift von dir, Herr, mich zu trennen, so starke du mich selbst zu guter Ritterschaft; und reizet mich die Welt, den Sünden nachzurennen, so stärke mich zum Kampf, durch deines Wortes Kraft. Gieb beydes, Rath und That, zum Sinnen und Beginnen, was ich in Chrifto thu, sey alles wohl gethan; und laß in dieser Welt mich nur so viel gewinnen, daß ich den Meinigen die Nothdurft reichen kann. Dein Segen machet reich, nicht aber unsre Müh, doch giebst du keinem was, der müßig gehen will; so schaff, daß meine Hand die Arbeit niemals fliehe, und fülle fie alsdann mit wenig oder viel. Kehrst du mit Trübsal ein, so mach es nur erträglich, das ist kein guter Tag, da man kein Kreuz nicht bat; dein süßer Trost macht mir die größte Noth behäglich, und alles Leid verschwindt, wenn Jesus zu mir naht. Die schwere Kreuzeslast macht doch ein leicht Gemüthe, das Herze hebet fich nur drunter mehr empor, und endlich schei= net 252 Benjamin Schmolckens net doch die treue Batergüte, wie heitrer Sonnenblick aus trüben Wolken war. Sey du mir Sonn und Schild, bey mir und bey den Meinen, wend ab Gefahr und Leid, Pest, Krieg und Hungersnoth; und sollte diesen Tag mein Ende gar erscheinen, so gieb durch Christi Blut mir einen sanften Tod. Ich lebe länger nicht, als du mein Ziel gestecket, der Tod klopft täglich auch bey meiner Schwachheit an; drum gieb, da jeder Tag zum Sterben mich erwecket, daß ich ihm freudiglich entgegen gehen kann. Laß mich indeffen nicht dem Namen nach nur leben, wer dich nicht liebt und ehrt, der ist lebendig todt; vielmehr laß allezeit mich zu erkennen geben, mein Leben sey aus dir; fo hats mit mir nicht Noth. Denn keiner lebt ihm selbst, kann auch ihm selbst nicht sterben; drum leb' ich, so leb' ich, sterb' ich, so sterb' ich dir, und also kann ich todt und lebend nicht verderben, du bist des Todes Herr, und meines Lebens Thur. Die Wo che wird sich auch mit diesem Tage schlie. Ben, ein gutes Ende macht auch alles andre gut! das aber wirst du, Herr, mir selbst verleihen müssen, du bist das A und O, so schließ ich wohlgemuth. Noch heute währt die Müh, denn morgen ist gut feyern, ein eing'ger Tag wird mich auf alle sechs erfreun, Morgen und Abendandachten. 233 freun, da werd ich meine Kraft in deiner Kraft erneuern; einst bricht nach kurzer Müh' der ew'ge Sabbath ein. Morgen- Lied. Mel. Die Nacht ist vor der Thür. Die Nacht giebt gute Nacht; der Tag herrscht schon auf Erden, Gott, der da beydes macht, soll hoch ges priesen werden. Du, Herr der ganzen Welt, hafst alles wohl bestellt. 2. Ja, sicher und recht wohl hat mich dein Schild bedecket, daß ich erkennen soll, wie deine Güte schmes det, und daß sonst keine Treu so groß als deine sey. 3. Uch láß dir meinen Dank in Schwachheit hier ges fallen, dein Lob soll lebenslang in meinem Munde schallen; ich werde niemals mein, nur dein alleine seyn. 4. Du wollst mich diesen Tag ins Buch des Segens schreiben, daß ich so leben mag, wie mich dein Geist wird treiben; durchdessenleitung führ mich immer mehr zu dir. 5. Mein Thun und Lassen laß dein Aufsehn nicht vers lassen, dein Wort sey Führer mir, den Lauf darnach zu faffen; gieb ein bescheiden Theil am Kreuz und auch am Heil. 6. Versorge meinen Mund, doch aber mehr die Sees le, erhalte sie gesund in ihrer Leibeshöhle; gieb einen Gnadenblick auch zu der Meinen Glück.. 7. Die Woche gehet nun mit diesem Tag zu Ende, drum hilf, daß ich mein Thun in deiner Kraft vollende, daß morgen mich dein Tag geruhig finden mag. 8. Laß mich die kurze Zeit des Lebens klüglich theilen, und nach der Ewigkeit mit frohen Schritten eilen; so leb ich, weil es gilt, so sterb ich, wenn du willt. Abend 254 Benjamin Schmolckens Abend- Andacht am Sonnabend. So o endigt sich der Tag zugleich mit dieser Wochen; ich endige, mein Gott, nur deine Gnade nicht! Ich habe heute zwar aufs neue viel verbrochen, doch tröstet mich dein Wort, du willst mein Sterben nicht. Und also werf ich dir mein Herz zu deinen Füßen, und klage reuevoll dir meine Misses that. Verstoß mich Armen nicht, sich hin auf Christi Büßen, weil er durch seinen Tod für mich bezahlet hat. Kein Mensch ist engelrein, wir allzumal sind Sünder, es mangelt uns der Ruhm, der uns vor Gott gebührt; jedoch dein Sohn hat mich und andre Sündenkinder vor deinen Gnadenstuhl durch sein Verdienst geführt. Ach streich die Schulden aus mit deinem theuren Blute, und kühle deinen Zorn in diesen Strömen ab; was er gelitten hat, das kom me mir zu gute, der Wunden tiefes Meer sen meiner Sünden Grab. Darauf verlaß ich mich, und so geh ich zu Bette, ich werde wieder Kind, du lieber Vater seyn; wenn ich auch diesen Trost bey meiner Ruh nicht hátte, so schlief ich ganz gewiß mit Furcht und Grauen ein. Doch ehe sich mein Haupt zum Schlafe niedersenkt, so brenn ich dir zuvor Morgen und Abendandachten. 235 zuvor der Lippen Weihrauch an; du haft mir so viel Heil die Woche durch geschenket, daß ich dir deine Treu nicht gnug verdanten kann. Kein Tag ging mir vorben, ich zählte keine Stunde, es war kein Augenblick, der nicht gesegnet bieß; mein Wohlseyn stand bey die auf einem festen Grunde, daran der arge Freund sich selbst den Kopf zerstieß. Du hast im Geistlichen die Seele wohl berathen, und auch im Irdischen den armen Leib bedacht; mein armes Leben zeugt von deinen Wunderthaten; du hast es auch mit mir im Kreuze gut gemacht. Dein Segen war bey mir, daß ich in meis nem Schweiße mein Brod mit Freuden aß, und mich begnügen ließ; es kam von deiner Kraft, und nicht von meinem Fleiße, wenn ich was Nützliches in meinem Stans de wieß. Wer weiß, was sonsten mich für Elend hätte troffen, wenn du das Beste nicht, o Gott! ben mir gethan; so hast du über mir dein Auge täglich offen, daß ich von mancher Noth befreyet leben kann. Was bin ich besser wohl, als andre Menschenkinder, die du die Woche durch mit Plagen heimgesucht? die andern strafest du, und fährst mit mir gelinder; da dein Gesetze mir, so wohl als ihnen flucht. O Langmuth! O Geduld! Ofreundliches Erbars 256 Benjamin Schmolckens barmen! Wo schreib ich solche Treu und folche Gnade hin? Ich werfe mich dafür in deine Liebesarmen, und sage, daß ich ganz und gar dein eigen bin. D Vater voller Huld! O Heiland voller Leben! O Geist voll Freundlichkeit! nimm dieses Opfer an; Herz, Mund und Hand soll dir Lob, Preis und Ehre geben, bis ich im Himmel dort vollkommen danken kann. Fahr aber fers ner fort mit deiner großen Gnade, voraus in dieser Nacht sey du mein Trost und Licht, daß mir kein Lingemach an Leib und Sees le schade, so gönne mir nur, Herr, dein gnádigs Angesicht. Hab ich nur deine Huld, so kann ich sicher liegen, so wird kein ban ges Leid sich meiner Wohnung nahn: fo kann des Feindes Macht mich nicht mit List bestegen, durch deinen Schuß bedeckt, wie ruhig schlaf ich dann! Der Träume Gaus felspiel laß meinen Sinn nicht schrecken, Fluth, Gluth und Dieberey sey fern von meiner Ruh; es müsse mich kein Leid und keine Sorge wecken; dein Flügel decke mich als wie ein Küchlein zu. Schließ eine Was genburg um mich und um die Meinen, sey Mauer, Schild und Wacht durch deine Cherubim. Ruht etwa Haupt und Herz auf harten Kummersteinen, so stelle mir zum Trost auch Jacobs Leiter hin. Laß morgen mich Morgen- und Abendandachten. 257 mich gesund zu deinem Throne treten, dein Sonntag wecke mich mit Loben wieder auf; so werd ich vor dir stehn, mit Hören, Singen, Beten, ach wie sehr freuet sich mein Herze schon darauf. Soll aber in der Nacht der Tod die Augen brechen, und dieser WocheSchluß der Schluß des Lebens seyn, so laß mir deinen Mund ein gnädigsUrtheil sprechen, und binde meine Seel in Lebens- Bundlein ein. Wo kann mir besser seyn, als droben in dem Himmel? Man trifft doch in der Welt nur Leidenswochen an. Mein Jesu! eile doch, daß ich dem Weltgetümmel die legte gute Nacht aufErden sagen kann. Indessen will ich mich dem Irdischen entreißen, und nurdes Himmlischen im Glauben mich erfreun; ein sanfter Cod wird mir mein Feyerabend heißen, und wenn ich aufersteh, mein ewger Sabbathfeyn. Abend: Lied. Mel. berzlich thut mich verlangen. Die Woche geht zum Ende, nicht aber Gottes Treu; denn wo ich mich hinwende, da ist sie immer neu. Die Zeit kann wohl verschwinden, nur Gottes Güte nicht; fie läßt sich täglich finden, und giebet Trost und Licht. 2. D Herr! durch deine Güte bin ich noch, was ich bin; mit dankendem Gemüthe leg ich mein Opfer hin, für alle Gnadengaben, die Leib und Seel erfreun; denn was wir Menschen haben, ist, Höchster, alles dein. 3. Die ganze Wochezeuget von deiner Gütigkeit, die du zu mir geneiget; ja meine Lebenszeit, vom Anfang bis R jegund 258 Benj. Schm. Morgen- und Abendandachten. jegunder, auf diesen Augenblick, rühmt deine Gnaden- Wunder im Glück und Ungelück. 4. Allein mein Herze bebet, wenn es zurücke denkt, wie übel ich gelebet, und dich, mein Gott, gekränkt; je mehr du mich geliebet, und mich verschonet hast, um desto mehr betrübet mich meine Sündenlast. 5. Uch strafe nicht im Grimme gehäufte Missethat; weil deine Baterstimme mich jetzt gerufen hat, so schrey ich: Ach erbarme, erbarm dich über mich; ich fall dir in die Arme, ach schone gnädiglich. 6. Mein Glaube heißt mich hoffen, es sey durch Chris sti Blut ein neuer Bund getroffen, und alles wieder gut; drum will ich dir geloben, auf ewig treu zu seyn; dein guter Geist von oben wird mir die Kraft verleihn. 7. Ich bin dein Kind aufs neue, drum gieb, daß diese Nacht mich auch dein Schuß erfreue, der alles sicher macht. Ich werde gleichsam sterben, der Schlaf gleicht ja dem Tod, doch kann ich nicht verderben, du lebst in mir, mein Gott. 8. Ja du, mein Gott, wirst machen, daß ich kann ruhig seyn, du wirst selbst wohl bewachen, und von Gefahr befreyn: dein Kind wird sicher liegen, als wenns im Himmel wär, will mich ein Feind bekriegen, deckt mich der Engel Heer. 9. Duwirst auch die versorgen, die mein u. deine seyn; so werden wir uns morgen in deiner Kraft erfreun. Wir werden Opfer bringen, und deiner Gnad und Macht mit Herz und Mund lobsingen, die uns so treu bewacht. 10. Soll das in diesem Leben die letzte Woche seyn, will ich nicht widerstreben, und mich im Geiste freun auf jenen Feyerabend, den Christi Tod gemacht, und diese Hoffnung habend, sprech ich nun gute Nacht. MAGES Inches 1 Centimetres Blue ¹2 ¹3 Cyan 2 5 6589 LOODOO ¹6 Farbkarte# 13 Green 1858 1900 17 3 8 Yellow 9 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8