3337 عمرها Heinrich Bertling Frankfurt a. M.- N.O.14 Eichwaldstr. 45 Das Jahr der Kirche. Das Jahr der Kirche von Ida Gräfin Hahn- Hahn. Mainz, Verlag von Franz Kirchheim. 1854. 48 3337 Univ.- Bibl. Giessen Dem Hochwürdigsten Herrn Hermann, Erzbischof von Freiburg, dem guten Hirten, dem treuen Bekenner. Vorwort. Das Jahr der Kirche ist das Jahr des übernatürlichen Menschen. Es weiß nichts von unsers Erdballs Frühling, Sommer, Herbst und Winter, die sich um die Sonne der irdischen Schöpfung herum wenden und abwickeln. Das Jahr der Kirche wendet sich um das unerschaffne Licht, um die Sonne der Gerechtigkeit, um Christus und um Sein Werk der Erlösung herum. Als Seine getreue Braut, der Er den Auftrag hinterlassen hat, dieses Sein Werk für alle Zeit der Menschheit zu vermitteln und für deren Heil und Heiligung in Seinem Sinn, mit Seiner Kraft, durch Seine Gnade zu sorgen- hat die Kirche einen ewigen unwandelbaren Inhalt. Aber ihre Kinder, die Menschen, haben auf Erden ein sehr VIII kurzes, ungewisses, flüchtiges Leben, das sich auf eine Handvoll Jahre beschränkt. Da hält sie denn diesen vergänglichen Jahren von Staub und im Staube ihr übernatürliches Jahr gegenüber auch eine regelmäßige Abtheilung der Zeit, aber belebt von der Sonne der Gnaden und daher auch voll ewigem Inhalt. In jedem ihrer Jahre geht sie das ganze Werk der Erlösung durch, beginnend mit der Sehnsucht des gefallnen Menschen nach Gott, im Advent schließend mit der Vereinigung des geheiligten Menschen mit Gott bei dem Weltgericht. Wie einen Diamant, der in tausend Lichtern und Farben von wunderbarer Schönheit glüht und funkelt, legt fie das Gotteswerk in die köstliche goldene Fassung der Sonn-, Fest- und Feiertage jedes Jahres hinein. So umfaßt denn das Jahr der Kirche die ewige Bestimmung der ganzen Menschheit und jeder einzelnen Seele, eine Bestimmung, die sich in Erwartung der Gnade, Kampf mit - - IX der Gnade, Verherrlichung durch die Gnadevon der Incarnation, der Passion, der Eucharistie ernährt, bis die Seele zu ihrem letzten Ziel gelangt: Vereinigung mit Gott durch die vollkommne Liebe. Nach diesem Ziel müssen wir Alle uns hinkämpfen, dazu sind wir geschaffen; und diesen innern Kampf mit allen Wechselfällen von Sehnsucht, Hoffnung, Reue, Trauer, Dank, Freude, Schmerz, Entmuthigung, Vertrauen, Liebe macht ein Kind der Kirche, eine Seele, in diesen Liedern durch. Schritt vor Schritt folgt sie betrachtend der göttlichen Gnade, die sich in der Menschwerdung Gottes so unendlich lieblich- im bittern Leiden und Sterben so unendlich rührend offenbart, und dennoch! dennoch! die Wunde des ersten Abfalls nicht eher in der Seele schließt, als bis sie ihr letztes, ihr höchstes Wunder der Liebe thut und das erhabene Mysterium der Eucharistie einsegt. Nun steht der Seele ein —— X Mittel zu Gebot, um sich mit dem göttlichen Bräutigam der Seelen zu vereinigen! nun hat sie das Brod des ewigen Lebens empfangen! darum schaut sie vom hochheiligen Frohnleichnamsfest an, welches triumphirend den Triumph der Liebe Gottes feiert auf Einzelne aus der langen Prozession Derjenigen hin, welche sich durch die h. Eucharistie zur Gemeinschaft mit dem göttlichen Leben erhoben haben, und welche, beschirmt von der H. Mutter Gottes, dem erhöhten Kreuz und dem h. Vorkämpfer St. Michael Erzengel am Tage Aller- Heiligen ihre Verherrlichung erhalten. Daß die Seele der AllerHeiligen- Prozession sich anschließen könne, wenn fie will- dazu führt die treue Mutter, die Kirche, fie sorgsam an der Hand; doch wie sie den Weg geht, ob mit den Märtyrern oder den Büßern oder den Bekennern- ob in der Einsamkeit oder in der Welt: das gehört den besondern Führungen Gottes an. Aber die Seele weiß, daß sie trog - - - XI aller Gnaden treulos ist, und daß am Schluß ihrer irdischen Pilgerfahrt nicht Aller- Heiligen, sondern Aller- Seelen- Tag sie erwartet und auch das nur durch Gottes übergroße Barmherzigkeit. Daher fleht sie am letzten Sonntag des Kirchenjahrs, wo die Kirche Christus den Weltrichter verkündet, ganz versenkt in ihre Unwürdigkeit um nichts als um Gnade und um den Schutz der h. Jungfrau Maria- und das ist der Schluß dieser Lieder. Wohl habe ich gesucht, sie mit einiger Andacht zu schreiben. Da ich aber sehr wenig, ach! vielleicht gar nicht, auf die Einsprechungen des heiligen Geistes zu lauschen verstehe: so fürchte ich, bei einem leeren Wortklang geblieben zu sein. Daher bitte ich dich, mein Leser, thue du alle Andacht, alle Liebe, allen Geist, alle Innigkeit, alle Werke hinzu, die mir mangeln, und die Gott wohlgefälliger sind als meine Worte; herrliche du Ihn mehr, indem du diese Lieder ver XII liefest, als ich es that, indem ich sie schrieb;- und erwirb mir durch deine fromme Fürbitte, daß der liebe Gott mich führen wolle zu Seiner vollkommnen Liebe. Amen. Mainz, am Aller- Heiligen- Tag, 1. November 1854. Ida Hahn- Hahn. Un die Kirche. Inhalt. Erste Abtheilung. Die Incarnation. Der erste Adventsonntag Der zweite Adventsonntag Der dritte Adventsonntag Der vierte Adventsonntag Die großen Antiphonen. I. O Sapientia! II. O Adonaï! III. O radix Jesse! IV. O clavis David! V. O Oriens!. VI. O Rex gentium!. VII. O Emmanuel! Das heilige Weihnachtsfest. 1. Die heilige Nacht 2. Die Morgendämmerung 3. Der Tag Der zweite Weihnachtstag. Fest der heiligen unschuldigen Kinder. Fest der Beschneidung des Herrn( Neujahrstag.) . . • . • Seite 1 13 18 23 25 27 29 32 36 39 43 47 51 54 56 61 65 67 DR Fest der Erscheinung des Herrn( Heiliger Dreikönigstag.) Fest der Darstellung Jesu im Tempel( Mariä Lichtmeß.) Erster Sonntag nach Epiphanie 3weiter Sonntag nach Epiphanie. Dritter Sonntag nach Epiphanie Vierter Sonntag nach Epiphanie. Fünfter Sonntag nach Epiphanie. Sechster Sonntag nach Epiphanie. Der Sonntag Septuagesima Der Sonntag Seragesima Der Sonntag Quinquagesima. XIV Der Chardonnerstag Der Charfreitag. 3weite Abtheilung. Die Passion. Der Aschermittwoch Fest der fünf Wunden unseres Herrn Jesu Christi Der erste Fastensonntag. Der zweite Fastensonntag Der dritte Fastensonntag Der vierte Fastensonntag Der Passionsfonntag. Fest der Dornenkrone unseres Herrn Jesu Christi Der Palmsonntag. Lamentationen. . I. Die Improperien. II. Die mystische Passion III. Die Passion IV. Die Kreuzesanbetung • Seite 70 77 81 83 84 86 88 90 92 94 96 99 103 108 112 116 119 122 126 130 134 138 143 146 150 153 Der Charsamstag. Oftertag Oftermontag XV Dritte Abtheilung. Die Eucharistie. Der weiße Sonntag Erster Sonntag nach Ostern Zweiter Sonntag nach Ostern. Dritter Sonntag nach Ostern Vierter Sonntag nach Ostern Fünfter Sonntag nach Ostern Fest der Himmelfahrt Christi Sechster Sonntag nach Ostern. Zur Vorvesper. Zur Matutine 3u Laudes Zur Prim Zur Terz Zur Sert Zur Non. Zur Prozession Zur Vesper. Zur Complet Pfingstsonntag. Pfingstmontag. Der heilige Dreifaltigkeitssonntag Das Fest des hochheiligen Frohnleichnams. . Fest der Geburt des heiligen Johannes des Käufers. Fest der hh. Apostel St. Petrus und St. Paulus Seite 158 162 165 171 174 176 178 180 182 184 187 190 195 198 202 206 209 212 215 218 221 223 226 230 233 235 XVI Fest der Heimsuchung Mariä Fest der heiligen Büßerin St. Maria Magdalena Fest des heiligen Drdensstifters St. Ignatius von Loyola Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes Fest der ersten christlichen Märtyrin, der heiligen Jungfrau St. Thecla Fest des heiligen Erzengels St. Michael Fest des heiligen Ordensstifters St. Franciscus Seraphicus Fest der heiligen Klosterjungfrau St. Theresia Fest Allerheiligen. Aller- Seelen- Tag Fest der Kirchweihe Der letzte Sonntag im Kirchenjahr Fest des heiligen Martyrers St. Laurentius Fest der Himmelfahrt Mariä Fest des heiligen Abtes und Kirchenlehrers St. Bernardus Fest der heiligen Wittwe und Ordensstifterin St. Francisca de Chantal 261 Fest des h. Bischofs und Kirchenvaters St. Augustinus. 264 Fest der Geburt Mariä. 268 271 . Seite 239 • 243 246 250 253 257 274 278 281 285 288 293 296 300 An die Kirche. ,, Surge, amica mea." Cant. cant. Holde Braut des Heißgeliebten, Liebste du des Schmerzbetrübten, Blutgetaufte Gottesbraut! Du wie Er von Leid gequälet, Doch von Liebe nur beseelet, Die vom Kreuz hernieder thaut. Mühsam gehst du deine Pfade, Du, die neue Bundeslade, Segenvoll und gnadenreich- Reich an Dornen um die Schläfe, Reich an Myrrhen bis zur Hefe, Deinem Gott an Schmerzen gleich. 1 Hahn- Hahn, Das Jahr der Kirche. 24 Deine Hände hart gebunden, Deine Brust zerfleischt von Wunden, Deine Augen thränenschwer, Im zerrissenen Gewande, An den Füßen harte Bande, Aber Strahlen um dich her- Strahlen, die aus Dorn erblühen, Die vom Blute purpurn glühen, Silbern von der Thräne Glanz; Strahlen, die aus Wunden sprießen, Aus des Schmerzes Lächeln fließen, Ew'gen Opfers ew'ger Kranz. Ja, du bist mit ihm gekrönet! Ob in Ketten, ob verhöhnet, Bist des Gottessohnes Braut! Haft mit Ihm den Kelch getrunken, Bist mit Ihm an's Kreuz gesunken Und mit Golgatha vertraut. 3 Könnten Engel dich beneiden, Wär' es um dein heil'ges Leiden, Das in dir als Liebe brennt. Könnten Seraphim mißgönnen, Wär's, weil sie den Schaß erkennen, Den du birgst- im Sacrament Deinen Brautschaß, der dem Bronnen. Seines Herzens ist entronnen, Als Er, dein Blutbräutigam, Dich in Seine Wunden tauchte, Seine Seele in dich hauchte, Dir sich gab als reines Lamm. O du Hochgebenedeite, Ew'gem Leben du Geweihte, Mutter du und Königin; Ueberfließend reich an Segen, Gehst du, wie im Perlenregen, Seiner Gnaden friedlich hin. 4-38Trägst, wie Er, das Kreuz gelassen, Läßt für deine Huld dich hassen, Lohnst mit Liebe Feindes Spott, Läßt die frohe Botschaft tragen Bis zu den entfernsten Tagen, Ziehst die Seelen hin zu Gott. Harrst geduldig ohne Klagen, Wenn sie dich an's Kreuze schlagen, Grade dann ist Er dir nah! Die Erlösung ward gewonnen, Weil Er ließ das Reich der Sonnen Für das blut'ge Golgatha. Droben Licht und Nacht hienieden, Hier nur Kampf und droben Frieden: So wollt' Er durch's Leben gehn. Und so will auch dich Er führen, Droben sollst du triumphiren, Droben erst auf Tabor stehn. Seelen ihr, die ihr die Steine, Die lebend'gen, im Vereine Zu dem Bau der Kirche seid, Schmelzt euch rein wie Gold zusammen In der Buß' und Liebe Flammen, Ew'gem Leben eingereiht. Sehnt ihr euch nach Seinem Segen, D so wandelt auf den Wegen, Die für euch Er zärtlich ging. Folgt dem menschgeword'nen Gotte Aus Judäa's Felsengrotte, Bis Er todt am Kreuze hing. Ließ Sein Gottesherz Er quälen, Menschenherz, weshalb nicht wählen, Daß auf dir der Schmerz auch liegt? Einstens wird dein Gott es wägen, Dann bringt dir die Schwere Segen, Wenn es schwer vom Kreuze wiegt. Erste Abtheilung. Die Incarnation. Soli Deo Gloria. Der erste Adventsonntag. ,, Scientes quia hora est jam nos de somno surgere." ad Rom. 13. Es steigt die Flut, es decket Nacht die Erde, Entfesselt ist der Elemente Wuth, Die Stürme rasen und es sprüht vom Heerde Der Sünden auf des Brandes wilde Glut. Durch's Mark der Schöpfung bebt ein banges Zittern, Sie fühlt des schweren Augenblicks Gewicht, Sie fühlt die Hand des Herrn in Ungewittern, Sie schreit zu Ihm: Halt ein mit dem Gericht! Und darf sie flehn? darf sie, die sündenschwere, Mit ihrer Schuld sich nahen Seinem Thron, Und wähnen, daß Er ihre Stimme höre? Klingt ihre Bitte nicht wie bittrer Hohn? 10 Hat Er nicht oft, wie oft! zu ihr geflehet: „ O Kind, geliebtes, kehre um zu Mir?" Sie aber hat den Liebesruf verschmähet Und wähnt nun doch, Er neige sich zu ihr! Halt ein, vermessne Welt, mit deinen Bitten, Beflecket ist dein Mund, die Hand nicht rein; Sie hat im Kampfe wider Ihn gestritten, Sie kann kein würdig Opfer mehr Ihm weihn. Ein wohlgefällig Opfer ist Ihm Eines, Erfasse das, gerettet wirst du sein! Wählst du es nicht, so hilft dir keines- keines! Dich rettet nur das Kreuz- das Kreuz allein. 1 In Staub und Asche siehst du ja zerstäuben, Was stolz geprahlt mit Weisheit, Heldenkraft; Kein Palast wird im Sturme stehen bleiben, Gebrochen wird der Tempelsäulen Schaft. Und wie auf's Schlachtfeld voll von blut'gen Leichen, Wie beim Orkane Wogen auf dem Meer, So wälzet sich Zerstörung ohne Gleichen Von West und Ost, von Nord und Süden her. 11 Die Menschheit steht an ihrem Untergange: Die Leiber leben nur! Am Seelentod Erlabt sich höhnisch die uralte Schlange, Die damals ihn im gift'gen Apfel bot. Drum wogt ein wildes, fieberheißes Schmachten, Ein Drängen nach unmöglichem Genuß, Vernichtend weil ein unersättlich Trachten- Durch alle Herzen, wie ein Lavafluß. Drum greifen gierig zitternd tausend Hände Nach Freudenwein im goldnen Festpokal. Doch spricht der Mund, wenn er geschlürft zum Ende: „ Hinweg damit! der Rausch ist matt und schaal!" Drum greifen sie nach goldnen Diademen, Nach Rosenkronen, Myrth- und Lorbeerkranz: Die sind zu tragen schwerer, als zu nehmen; Drum heißt es bald: Hinweg mit falschem Glanz!" - Drum greifen angstvoll oft mit innerm Beben, Das sich verschleiert hinter stolzem Blick, Nach einem Anker ste, der ihrem Leben Die Ruhe geben soll, dies eing'ge Glück. 12 Doch ihre Anker tanzen auf den Wogen Und sinken nimmermehr zum festen Grund, Vom Wellenschlag zerbrochen und verbogen, Ringt sich das Herz mit ihnen müd' und wund. Dann fällt die Seele wie im Fieberschlafe, Verzehrt von heißer Leidenschaften Brand, Des Bösen Spielball und der Sinne Sclave, In Zweifel und in der Verzweiflung Hand. Dann taumelt sie aus ihrem Todesschlummer Nur auf zu Missethat, zu Fluch und Spott, Und heult als Grablied ihrem eignen Kummer: „ Gieb dich zufrieden! sei dir selbst dein Gott!" Aus diesem Knäuel von verwirrten Ketten, Von bunten Schlangen und von Flitterpracht, Will eine Hand, o Seele, dich erretten, Zum Tag dich führen aus der Lüge Nacht. Wach auf! wach auf! es dämmert schon die Frühe!- Du kannst nicht gehn?- du bist zu matt? zu schwach? Thu nur die Augen auf und steh!- o stehe, Es kommt auch dir das Heil, der neue Tag! - Der zweite Adventsonntag. ,, Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes." Sions Volk, du auserwähltes, Hochbegnadetes vom Herrn, In dem Kampf für Ihn gestähltes, Nie ist dir die Gnade fern! Immer ruht Jehova's Segen Ueber deiner Hütte Dach; Immer schweben deinen Wegen Seine Engel vor und nach. Auf Chaldäa's grünen Auen Bricht er Abrams Zelte ab, Heißt ihn wandeln voll Vertrauen An des Glaubens Pilgerstab, Heißt verlassen ihn die Erde Seiner Väter und sein Haus, Führet ihn zum neuen Herde In's verheißne Land hinaus. 14 Aus Egypten mit dem Volke Geht Er durch den Wüstensand, Tags wie eine lichte Wolke, Nachts, ein heller Feuerbrand; Thürmt die Welle auf zum Walle, Macht das Meer zum sichern Damm, Und begräbt im Wogenschwalle Pharao und seinen Stamm. Auf der vierzigjähr'gen Reise Schlummert Seine Sorgfalt nicht: Heut den Bronnen, morgen Speise, Immer giebt Er, was gebricht. Wachsam, daß kein falscher Göze Zum Verderben führe sie, Schreibt Er donnernd die Gesebe Moyses auf dem Sinaï; - Nimmt als treuer Seelenwächter Die Verhärteten nicht an, Nur erneuerte Geschlechter Führet Er nach Canaan. 15 3 Dort, wo Milch und Honig fließen, Feigen blühn und Del und Wein, Wo Sarona's Rosen sprießen, Spricht Er: Volk, dies Land ist dein! Und wie eine goldne Fessel, Die an Himmlisches gemahnt, Wenn zum Herzen Dorn und Nessel Böser Lust den Weg sich bahnt: Schickt Er einen goldnen Reigen Auserkorner fort und fort, Die dem Volk die Pfade zeigen, Deutend ihm Jehova's Wort. Schicket ihm die starken Richter Samuel und Gedeon; Schickt ihm seine großen Dichter, David und den weisen Sohn; Schickt Propheten, Zukunftskünder, Klagend, lehrend in die Welt, Drohend diesem Volk der Sünder;- Aber ihre Kraft zerschellt- 16348 Bricht an diesen Eisennacken, Diesen Stirnen starr wie Erz! Wohl! muß das Leid sie packen, Oft geschmeidig macht der Schmerz. Und Jehova's Blize zücken Zürnend über sie dahin Ungebrochen sind die Tücken, Ungehorsam bleibt der Sinn! 1 Wird Er nun hinweg Sich wenden? Wie ein Häuflein Staub und Sand, Unwerth Seiner Gnade Spenden, Sie vernichten mit der Hand? Nein! und wenn sie Ihn vergessen, Er, der Gott, Er bleibt getreu, Denn Sein Wort gilt ungemessen, Ewig machtvoll, ewig frei. Und Sein Wort verheißt den Retter, Der aus diesem Volk ersteht, Wie aus Nacht und Sturm und Wetter Licht hervor die Sonne geht. -8 17 348 Denn Er will die Borneskinder Taufen mit der Liebe Glut, Also daß der schwerste Sünder In der Gnade Frieden ruht. Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. Der dritte Adventſonntag. Gaudete in Domino semper et iterum die gaudete; Dominus enim prope est." 66 Verstehst du jest, o Seele, Was Gott für dich gethan? Erkennst du deine Fehle? Klagt deine Schuld dich an? Hat Er dir nicht gegeben, Was Sions Volk Er gab: Des Glaubens sichres Leben Und der Verheißung Stab? Wollt' Er dich nicht entführen Egyptens Sclaverei, Durch Wundertroft dich rühren In Leidens Wüstenei? Durch Sein Geseß dich binden An ew'ger Wahrheit Recht, In Seiner Gnade gründen Ein heiliges Geschlecht? 19 Durch Seines Segens Fülle Dein Herze an Sich ziehn, Auf daß dein starrer Wille Geschmeidigt sei durch Ihn; Durch Weise und Propheten Erleuchten deine Bahn, Damit nicht die Athleten Der Leidenschaft dir nahn? Mit strenger Zornesruthe Dein schuldig Haupt bedräun, Und von dem bösen Blute Des Troßes dich befrein?- Dies Alles, meine Seele, Was Sions Kinder sahn, Das hat trop deiner Fehle Für dich auch Gott gethan. Und du?- du hast verwegen Im Stolz dich aufgebäumt, Mit Füßen auf den Segen Getreten ungesäumt, 2* 20 Du hast, statt Ihn zu ehren, Gekniet vor Gößen hohl, Gehäuft auf den Altären Idole auf Idol. Und nun, da deine Schaale Befunden ward so leicht, Daß dir beim Sündenmale Die Wange scheu erbleicht- Daß zitternd vor dem Grimme Des Rächers du erbangst Und nach der Gnade Stimme Aus tiefster Brust verlangst: Nun horch! welch Wunderklingen Durchbebt das Erdenrund? Welch fremdes süßes Singen Umschwebt der Seher Mund? Ein König wird verkündet, Mit Namen, Wunderbar," Der eine Welt entsündet, Das Heil macht offenbar.. 21 Mit dem Beginn der Leiden Beginnt der Trostes Spruch, Um segnend zu begleiten Der Sünde alten Fluch: Es taget einst die Stunde, Da wird die Menschheit frei, Da flicht vom Erdenrunde Die wüste Tyrannei. Da wird ein König dringen Beseligend in's Land, Wird aus den Fesseln ringen, Was Sünde hält gebannt. Und diese alten Lieder Vom König Wunderbar, Sie tönen neu jeßt wieder, Sie klingen laut und klar. Horch auf! die Stimme höre! Sie sucht und ruft auch dich: Thu Buße und bekehre Sich, wer vom Pfade wich! 22 8 Der Wüstenrufer klaget: D Seele, kehre um! Siehst du denn nicht- es taget Das Evangelium. Der vierte Adventsonntag. , Rorate coeli desuper et nubes pluant justum; aperiatur terra et germinet Salvatorem." In tiefer Stille ruht die Erde, Ihr Treiben schweigt, ihr Lärm ist stumm; Sie harret auf das neue Werde, Das göttliche Mysterium, Das ewig nimmer zu ergründen Der reinen Jungfrau im Gebet, Des Himmelsboten Worte künden Im armen Haus zu Nazareth. In tiefer Stille ruhn die Engel, Verhüllt ihr strahlend Angesicht, Ganz leise bebt ihr Lilienstengel Und ihrer Flügel Silberlicht; In seliger Erwartung Lauschen, Ob nicht der Augenblick jest da, Wo ste des Gnadenstromes Rauschen Verkünden durch ihr„ Gloria!" 84-24 In sehnender Erwartung Stille Hält sich das Herz und blickt empor, Ob das Geheimniß sich erfülle, Ob Er nicht sprengt der Wolken Thor Ob Blatt und Blume Ihn erzeugen, Den Retter, der den Tod bezwingt- Ob sich die Sterne Dem nicht neigen, Der seiner Welt Erlösung bringt. - - O ebnet Ihm die rauhen Wege, O füllet aus das Thal, die Schlucht! O werft von Berg zu Berg Ihm Stege, Dem Gott, der Seine Menschen sucht! Dem Friedensfürsten, der den Frieden Herab aus Seinem Himmel thaut, Also daß jede Seel' hienieden Das Heil des ew'gen Wortes schant! 29 Die großen Antiphonen. Esurientes implevit bonis." Ev. Luc. 1. Wie die Flut, vom Mond empor gezogen, Ueber alle Ufer ruhlos steiget- Der Magnet inmitten Sturm und Wogen Bitternd aber fest nach Norden zeiget: Also schlägt die Sehnsucht große Wellen Ueber alle irdisch engen Schranken, Also strebt sie zu den Trostesquellen Sich mit Liebesarmen hinzuranten. Also, wenn auch bebend und voll Zähren, Schaut sie festen Blicks zur klaren Höhe, Wo das Heil wohnt, das dem Jammer wehren Und in Segen wandeln wird das Wehe. Wie Thessaliens alte Bauberinnen Wundersam und rastlos Lieder sangen, Um des Bann's Magie damit zu spinnen, Drin sie selbst des Mondes Leuchte zwangen: 426 48Also singt die Sehnsucht ihre Lieder, Daß sie ihr das Licht vom Himmel brächten, Klagend bald und dann so zärtlich wieder, Wie ein Alpenhorn in stillen Nächten; Also zieht sie gleich den stillen Schwänen Durch das Meer des Jammers und der Thränen, Bis in Jubel all ihr Leid zerronnen, Sie erstirbt in der Erfüllung Wonnen. Univ.- Bibl. Giessen I. ,, O Sapientia!" ew'ge Weisheit, die du auf dem Munde Der weltenschöpferischen Allmacht wohnst, Und strahlend mit dem ew'gen Licht im Bunde, Im sonnumflossnen reinen Glanze thronst: O sich uns Seelen, die du licht erschaffen, Wie wir von deinen Pfaden uns verirrt! Wie wir nicht brauchen deine klaren Waffen, Weil Todesnacht uns Herz und Hand verwirrt; Wie wir den Liedern lauschen der Syrenen, Gesungen auf des lauten Lebens Meer, Weil sie ein Widerhall den wirren Tönen In eigner Brust, von Leidenschaften schwer; Wie trop des falschen Liedes Zauberlüge Wir unbekehrt zur falschen Weisheit stehn, Und wie uns auch das schaale Blendwerk trüge, Wir nach dem Irrlicht unsers Dünkels gehn; 28 348 Wie Nachtgevögel und Gethier und Schlangen In diesem Wirrsal heimlich uns sich nahn, Und Weisheitsfrüchte, die wir heiß verlangen, Benagen mit begierdengift'gem Zahn! In Mild' und Kraft schufst Du zu Deiner Ehre Das All und waltest mild und kräftig fort. O komm, und bring der echten Wahrheit Lehre Als Leuchte unserm Fuß: das Gottes- Wort. II. 99 O Adonaï!" Der Du die Donnerkeile Mit einem Hauche führst, Der Du des Blizes Pfeile Mit Deinem Wink regierst, Der Du auf Wolken fährest, Zur Are machst den Stern, Den rauhen Nordwind lehrest, Zu dienen Dir, dem Herrn; - Der Du erschienst als Flamme Im Dornbusch unverbrannt, Und Moyses ganzem Stamme Errettung haft gesandt; Der Du auf Sina's Spiße Geseße ihm verlichn, Als Griffel brauchst die Blize, Die den Granit durchziehn; - 30 O Du des Volkes Führer, Du Wolkensäule hell, Erretter und Regierer Des Hauses Israel: O komm' und woll' uns führen An Deiner starken Hand, Daß wir uns nicht verlieren In dem Egypterland! Daß wir den falschen Gözen Nicht unser Opfer weihn, Daß wir von Sündenneßen Die Seele uns befrein, Daß wir nicht ganz verloren In Wüsten untergehn, Dereinst vor Sions Thoren Durch Dich gerettet stehn. D komm zu unsern Zelten, Brich unser Lager ab, Führ' uns zu andern Welten Mit Deinem Feldherrnstab! - 31 Breit' aus die starke Rechte, Wir harren ihrer fromm Errette Deine Knechte, O Adonai, komm! III. O radix Jesse!" Gnadenzeichen, Wunderblüte, Die einst aus Jesse's Wurzel sprießt, Dich sucht das Auge, das sich müde Von Erdenbildern traurig schließt. Wann blühst Du auf im höchsten Prangen Von mildem Duft, von Farbenpracht, Von Regenbogenglanz umfangen, Bon Sonnenlicht, von Sternennacht! Wann schlägst Du auf die goldnen Blätter, Dran Kraft und Unschuld so gepaart, Daß jeder Sturm und jedes Wetter Zerschellt am Lilienschafte zart. Wann steigest Du zum Licht der Sonne, Zu solcher Herrlichkeit empor, Daß Dich begrüßet voller Wonne Frohlockend aller Völker Chor. 4 - 33 Wann wehest Du als Siegesfahne Von Sions heil'gem Berg herab, Erleuchtung bringend blödem Wahne, Dem Irrthum und der Lüg' ein Grab, - Kampf hienieden, Den großen Herzen- - Den Thränen einen Perlenthron, - Den stillen Seelen frommen Frieden, Den treuen Streitern- großen Lohn. - Den Schwachen Wunderkraft inmitten Von Angst, Versuchung, Qual und Schmerz; Den Starken, die auf's Blut gestritten Die Ruh an ihres Gottes Herz. O Blume Du, mit Thau beladen, Der aus dem höchsten Himmel träuft, O öffne Deinen Kelch der Gnaden, Der die Erlösungsfrucht uns reift - Dann senket sich auf unsre Tage Der Geist der frommen Furcht des Herrn, Dann ist die Eintracht keine Sage, Dann ist das wahre Glück nicht fern; Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 3 34 Dann wohnt Gerechtigkeit und Glaube In jeder Brust, an jedem Herd; Dann liegt der Göße tief im Staube, Dann schweigt der Krieg, dann ruht das Schwert. Dann wohnt der Wolf beim blöden Schaafe Und bringt ihm weder Furcht noch Weh; Dann locket eine Streu zum Schlafe Den Panther und das scheue Neh. Dann spielet vor dem Nest des Drachen Des Säuglings unbefangne Hand, Und unschuldsvolle Knaben lachen Das Schlänglein an, das sie umwand. Dann auf der Weide sind geschaaret Das Lamm, der Löwe und das Rind, In stiller Eintracht, still bewahret Vom Hirten einem kleinen Kind. Dann ist der Stachel alles Bösen Gebrochen von der Gnadenkraft, Die, um die Menschheit zu erlösen, O Wunderblume, Dich erschafft. - 435 Erstehe bald, Du heiliges Zeichen, Erhöre Deines Volkes Flehn, Ein solches Sehnen ohne Gleichen Sahst Du noch nie durch Seelen gehn. O komm und stille ihr Verlangen, Das mit der Sehnsucht Stimme spricht! Laß nicht vom Himmel Dich umfangen D komm! o komm! o zögre nicht! 3* IV. ,, O clavis David!" Klag', o klage, meine Seele, Deine bittern Thränen zähle, Seufze deinen Jammer aus. An verlassenen Gestaden Stehst du bang mit Schmerz beladen, Fern von deiner Heimath Haus. Wein', o meine Seele, weine, Wasche dich in Zähren reine, Sündenmoder wasche ab. Siehe, wie du bist gefangen, Durch der Leidenschaft Verlangen, Wie in eines Kerkers Grab. Waren dir denn nicht beschieden Sions Tage reich an Frieden, Du bethörtes Israel? Und zu Babyloniens Flüssen Bist du jego hingerissen, Trinkst aus einem bittern Quell. 37 Hängst an Babels Weidenzweigen, Die sich traurig zu dir neigen, Die geliebte Harfe auf; In dem Well- und Windgeflüster Seufzest du und schauest düster Auf der grünen Wogen Lauf. Von den Lippen bebt dir leise Deiner Schwermuth Trauerweise, Klage nur, nicht mehr Gesang: Freiheit! Freiheit! ich- gebunden! „ Ich von Fesseln schwer umwunden, " So die eigne Hand errang. „ Leben! süßes heil'ges Leben! „ Ich- dem Tode hingegeben, „ Leiche in des Leibes Sarg! „ Licht, o Licht!- und ich im Schatten, „ Weil die Sünde sich im matten „ Dämmerlicht der Täuschung barg. „ Hätt' ich treu zu euch gehalten, „ Würde Friede in mir walten, „ Ungetrübt, ein stiller See. 38 „ Doch der findet keinen Frieden, „ Der von dem Geses geschieden, „ Selbst sein Heil verkehrt in Weh. „ O Erlösung, Wort der Worte! „ Sprenge auf des Kerkers Pforte, ,, Wenn dich Reue rühren mag! „ Stern, der Jacobs Haus beschienen, „ Ja, du scheinst jest auf Ruinen, Doch du kündest an den Tag. 11 „ Goldner Schlüssel Davids, sprenge „ Die Gefängnißthür, die enge, „ Die sich öffnet Dir allein! " Zepter Du in Jacobs Hause, „ O zerbrich die düst're Klause, „ Laß mich nicht gefangen sein! " Was Du schließest, bleibt geschlossen, „ Wo Du öffnest gnadumflossen, ,, Geht's mit Dir zum Sieg hervor. „ Laß mich nicht in Retten liegen, „ Laß mit Dir mich kämpfen, siegen- Komm! thu' auf der Gnade Thor. V. ,, O Oriens! Wohl decket Nacht die Erde, Ein Dunkel für und für, Leid schleicht zu jedem Herde, Tod klopft an jede Thür. Ein Leichenfeld, verpestet, Dehnt sich von Strand zu Strand, Vom Blute raucht gemästet Der tausendjähr'ge Sand. Wohl nagt die alte Schlange In jede Brust sich ein, Wohl ist vom bösen Hange Der Reinste selbst nicht rein; Des Weinbergs vollen Segen Trifft gift'ger Mehlthau schwer; Wohl zieht geschmückt, verwegen, Das Laster laut einher. 40 Wohl deckt der Dämm'rung Grauen Mit Schatten Mond und Stern Was thut es uns! wir schauen Des Aufgangs Licht von fern! Das Licht, das in der Höhe Mit Rosenfarben malt, Das Licht, das jedes Wehe Mit Wonnen überstrahlt;Das Licht, das, hell wie Sonnen, Von Finsterniß befreit, Ein unerschöpfter Bronnen Der Allbarmherzigkeit. Das Licht vom wahren Lichte, Davor der Cherub bebt, Mit zagem Angesichte Des Fittigs Schleier hebt; Das um die goldnen Stühle Der Patriarchen glänzt, Der Engel Saitenspiele Mit tausend Kronen kränzt, - 41 4 Das der Propheten Kunde Zur Feuerschrift durchſprüht, Und aus des Martyrs Wunde Als Rosenflamme glüht;- Das Hölle, Erd' und Himmel Durchzuckt mit Gottes Kraft, Und einen neuen Himmel, Und neu die Erde schafft; Das eine Welt von Sünden In's Bad der Läut'rung taucht- Wie Spren der Lüge Binden Von allen Stirnen haucht. - D Licht, das wir nicht schauen Und doch im Glauben sehn, Aus Paradiesesauen Wirst du hernieder gehn, Den Himmel wirst du malen Mit wunderbarem Reiz, Denn alle Deine Strahlen Vereinen sich im Kreuz Univ.- Bibl. Giessen 42 38O wie es glüht und winket Hoch über Grab und Tod, Wie es vom Blute blinket Ein Stern im Morgenroth! O Kreuzeslicht, erscheine, Geh' auf am Firmament, Und alle Seelen eine 3m ew'gen Orient! VI. ,, O Rex gentium!" Einst als über alles Hoffen Abram hoffte auf Dein Wort, Ist Erfüllung eingetroffen; Ewig lebt bei Dir es fort! Darum steht auch ungebrochen Meiner Seele Zuversicht, Denn, o Herr, Du hast gesprochen, Du betrügst die Hoffnung nicht. Hast gesagt: ,, Aus erznen Thüren, Ketten, Riegeln, eisenschwer, Werde Ich dich siegend führen, Glorreich wandeln vor dir her; Geben dir verborg'ne Güter, Gnadenschäße, unbekannt, Bin, o Israel, dein Hüter, Hab' mit Namen dich genannt. 848 44 38 Aus des Nichts urew'gen Nächten Schuf ich weisheitsvoll das All; Trug dich, Kind, in meiner Rechten, In der Hand den Erdenball. Habe nicht vor dir geschwiegen, Rief dir zu von Ewigkeit: Mir soll jedes Knie sich biegen, Jedes Lob sei Mir geweiht. Zu den fernsten Erdengrenzen, In die Ewigkeit hinein, Soll Mein Name strahlend glänzen, Jeglich Volk ihn benedein; Denn Ich bin dein Gott, der Eine, Dein Erretter für und für! Mein Volk! sei auch das Meine! Israel, kehr' um zu Mir. Könnte sich die Mutter wenden Fort von ihres Schooßes Sohn- Meine Liebe kann nie enden, Sie begehret keinen Lohn. 45 Israel, sie will Vertrauen, Nimmt dich zärtlich bei der Hand, Führt zu wasserreichen Auen Dich in der Lebend'gen Land. Wenn die Hügel vor Mir zittern, Das Gebirg vor Mir erbebt, Nichts soll deine Ruh' erschüttern, Weil Mein Friede dich umschwebt. Nicht vor Durst wirst du ermatten, Leiden nicht vom Sonnenbrand; Denn du gehst im kühlen Schatten, Still im Schatten Meiner Hand. Gehst zur Stadt, die Ich errichte, Deren Mauern von Rubin, Deren Wälle Sapphir lichte Gehst zur ew'gen Sion hin." Dies, o König, hat verkündet Dein Gesandter, der Prophet; Die Verheißung aber schwindet, Wenn Erfüllung aufersteht. 46 48Und die Hoffnung rankt zum Worte Sich mit Frühlingstrieb empor, Schmiegt sich um der Gnade Pforte, Windet sich um's Friedensthor; Legt vor dessen goldnen Stufen Ihre Blumenkränze ab, Wird nicht müde, laut zu rufen: König! König! komm herab. Komm, o König aller Gnade, Eckstein Du der Gottesstadt, Das Gekrümmte mache grade, Und was hungert, mache satt. Zög're nicht, bis noch bethränter, Trüber noch wird unser Blick; Komm, o König! o Ersehnter! Gieb uns Frieden, bring' uns Glück! VII. O Emmanuel!" 99 thauet, ihr Himmel, herab den Gerechten, Du Erde umfang' Ihn mit Blumengeflechten, Ihr Wolken, o wölbet ein duftiges Thor, Ihr Blüten entsendet des Wohlgernchs Süße, Ihr Bäume und Ströme, o flüstert Ihm Grüße, Frohlocke, du Schöpfung, dein Gott tritt hervor. Nicht hat uns das Wort der Verheißung gelogen, Er kommt aus den Himmeln von Liebe bewogen; Er fürchtet kein Elend, Er scheut keinen Spott! Er will, um die Herzen an Seines zu lenken, Sich ganz in das Wesen der Menschheit versenken, Der liebebesiegte, gewaltige Gott, 48 3 Er will, um die Seelen von Schulden zu lösen, Selbst zahlen- und blutig! die Strafen des Bi Will sterben, um ihnen das Leben zu leihn; Sein göttliches Blut will in Qual Er vergießen, Damit sie das Bad der Erlösung genießen Und froh ihr gerettetes Leben Ihm weihn. - Dann will Er das höchste der Wunder entfalten, Will Seinem Bild ähnlich die Seele gestalten, Umschmelzen ihr Wesen mit göttlicher Glut; Er will in ganz schlichter unscheinbarer Hülle, Aus Fülle der Liebe ihr geben die Fülle Der göttlichen Liebe im heiligsten Gut. D Du, der versteht, was es heißet, zu lieben, Der in Deine Hand Du uns sorgsam geschrieben, Der zärtlich beim Namen uns Irrende ricf; Der mild uns verheißen: Nach all' deinem Leide Da tröste Ich Selbst dich mit ewiger Freude! Deß Herz immer wachte und wenn Er auch schlief: 849 O Du, Dessen Name schon Wonne verkündet, Die jeder ersehnet und keiner sonst findet, Erfüll' die Verheißung: Gott wird mit euch sein! Er hat die Altäre erkoren zu Thronen, Dort ist Seine Ruhe, um ewig zu wohnen, Dort ladet uns Alle der Liebende ein. O komm, Du Ersehnter des Menschengeschlechtes, Du König und Träger des göttlichen Rechtes, O komm in die sehnende harrende Welt! O laß Dich, Geliebter, allendlich bewegen, Und gönn' uns der göttlichen Gegenwart Segen, Verlaß in der Sonne Dein strahlendes Zelt. Ja komm, o Du König der Glorie, zur Erde, Verweile voll Gnaden am menschlichen Herde, Durchstrahle das Leben, verkläre das Grab! Die Seele verschmachtet vor dürftendem Sehnen, Das Herz und das Aug' sind ein Brunnen der Thränen, Geliebter, was zögerst Du? steige herab. Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 50 O wenn Du mich hörtest, wie wollt' ich Dich rufen Wie fröhlich erklimmen die rauhesten Stufen, Die wildesten Pfade, um rasch Dir zu nahn. Ich wollte, was sonst ich geliebt, Alles hassen Ich wollte, was sonst mir das Glück war, verlassen Um Dich zu besißen, um Dich zu umfahn! Wo soll ich Dich suchen? wie kann ich Dich finden Ich mögte mit Ketten der Liebe Dich binden, Ich mögte Dein eigenstes Eigenthum sein! Ich mögte Dein Leben, als meines durchleben, Ich mögte mein Wesen dem Deinen verweben, Unsterblich Dich lieben und Dich nur allein! 1 Laß endlich, Geliebter, an's Herz mich Dir sinken, Und laß mich Dein Herzblut, das heilige, trinken, Laß nicht mehr von Schleiern Dein Antlik umweh Verlaß Deinen Himmel! der Tag ist gekommen! Bu flammender Lieb' ist die Sehnsucht entglommem Die Braut, o Emmanuel, die Braut will Dich seh Das heilige Weihnachtsfest. 1. Die heilige Nacht. ,, Filius meus es tu, ego hodie genui te.". Die Menschheit schläft und träumt von ihren Sünden, Von seinem Rausche ruht das Laster aus, Bergessenheit sucht stumpf der Schmerz zu finden, Die Armuth sieht im Traum ein goldnes Haus. Der Schlaf! der Schlaf! für alle Unerlösten Das höchste Labsal- hüllt die Seelen ein; Nur schlafend, träumend, können sie sich trösten Mit Lügenruh und falschen Friedens Schein. - Der Himmel wacht! Denn nimmer wird er schauen Solch' Wunder, wie er diese Nacht gesehn: Der Gottessohn verläßt die Wonneauen, Um liebentbrannt ins Thränenthal zu gehn. 52 348– Um all' die Sünden in Sein Herz zu fassen Und ihre Strafen auf Sein reines Haupt, Um schmerzenreich am Kreuze zu erblassen, Verbrecher gleich von Haß und Wuth umschnau Um auf ein Leben voll des bittern Leidens Den bittern Martertod herabzuzichn, Um von der Krippe bis zum Tag des Scheiden Als ein lebend'ges Opfer zu erglühn, Das dem gerechten Richter dar sich bringet, Das Schwert des Zorns entwindet seiner Han Durch Liebe die Gerechtigkeit bezwinget, Durch Liebe knüpft der Gnaden altes Band. Der Unerschaffne nimmt des Staubes Hülle In dürftiger gebrechlicher Gestalt. Der Weltenschöpfer gibt der Gottheit Fülle In eines schwachen Kindes Allgewalt. Dem Weltenkönig wird zum Thron geboten In einem Stall ein wenig Stroh und Moos; Der Richter der Lebendigen und Todten Ruht in der armen Jungfrau Mutterschooß! 53 Die Engel knien und beten all' voll Staunen An ihres Gottes ewig weisen Rath- Mit ihren heil'gen Harfen und Posaunen, Stehn stumm sie da- vor solcher Gottesthat. Sie sehn sich fragend an und flüstern leise; Sie sangen sonst das Lied von Gottes Macht- Sie lernen heute eine neue Weise, Die Gottes- Liebe, in der heil'gen Nacht. Da jauchzt ein überirdisch sel'ges Klingen Durch alle Himmel wie ein Jubelmeer, Da rauschet taubengleich auf Silberschwingen Zur stillen Welt herab ein Engelheer. Zur armen Erde sei die hehre Kunde Von Gottes Menschwerdung herabgebracht, Und es vernehmen aus der Engel Munde Die schlichten Hirten sie auf ihrer Wacht: Die Ehr' sei Gottes in der heil'gen Höhe, Der Friede sei mit dir, o Menschenkind! Die frohe Botschaft kommt in deine Nähe Vom Himmelreich- und wie es sich gewinnt. 54 Wirf ab vom Herzen alten Wahnes Hüllen, Zerreiß der Seele Fesseln unverzagt Denn sich! dem Menschen nur von gutem Wille Ist unser Gruß des Friedens zugesagt. 2. Die Morgendämmerung. ,, Lux fulgebit hodie super nos, quia natus nobis Dominus." Auf, auf! ihr Hirtenknaben, Das neue Licht bricht an, - Die heil'gen Engel haben Es jubelnd kund gethan! O wandert nicht so träge, Das Kripplein ist so nah, Es führen euch die Wege Zum Hirtenkönig ja. Was längst von ihm entfaltet Isaias der Prophet, Zu Wirklichkeit gestaltet Heut' in Erfüllung geht: 855 Mit einem Hirtenstabe In zarter Kinderhand, Beherrscht ein kleiner Knabe Das weite Heerdenland. Sein Reich wird ohne Ende, Wird ohne Grenzen sein, Wird Seiner Gnaden Spende In Ewigkeit sich freun. So lang ein Lamm verschlagen Fernab der Hürde irrt, Bringt Er es heim getragen, Der göttlich gute Hirt. Zu Füßen ruht die Erde Dem neuen Herrscher still, Gehorsam folgt die Heerde, Die Keinem dienen will. Dies Kind in einem Stalle, Er ist der König, Er! Auf, auf, ihr Hirten, Alle! Geboren ist der Herr. 56 283. Der Tag. , Puer natus est nobis." O Kindlein in der Krippe, O laß Dich benedein, Der frommen Hirten Lippe Ich mögte sie mir leihn. Ich mögt' auf dunkelm Pfade, Wie sie nach Bethlem gehn, Mich drängen zu der Gnade, Dich, süßes Kind, zu sehn. Bist Du's, der uns erlösen, Der uns erretten soll Vom Todesfluch des Bösen, Du Knäblein wundervoll? Ein Vater künft'ger Zeiten, Ein Friedenskönig- Du? Ist das auf Dich zu deuten In armer Krippenruh? 57 3 Von Sehern ward's verkündet, Von Engeln angesagt, Die Schaar der Hirten findet Die Wahrheit, die hier tagt. Mit ihnen tief im Staube Will ich am Kripplein knien, Damit auch Lieb' und Glaube In meiner Seel' erglühn. ODu allewig Eines Geheimnißreiches Wort, Licht unerschaffnes, reines, Du bist der Gnaden Hort! Du hast das All gebildet Aus wüster leerer Nacht, Getrennet und entwildet Der Elemente Macht. In Dir ist alles Leben Und Leben Eins mit Licht; Den Menschen war's gegeben, Doch sie begriffen's nicht! 84 58 Sie wandten ihre Wege Ab von der Sonne Pracht, Und wählten finstre Stege Und gingen in die Nacht. Und jest, da Du Erbarmen Mit ihrem Leide haft Mit offnen Liebesarmen Hernieder kommst als GastJezt, da Du, Herr der Welten, Zum Knechte Dich gemacht, Als armes Kind willst gelten, Entäußernd Dich der Macht: - Jeg: kommst Du zu den Deinen In rührender Gestalt, Und ach, es rühret Keinen, Die Herzen bleiben kalt! Statt freudig hingerissen 3u nahen Deinem Licht, Fliehn sie zu Finsternissen Vor Deinem Angesicht. - 59 Doch nein! nicht Alle wenden Sich ab mit Stolz und Schen, Und mit den reichsten Spenden Belohnst Du ihre Treu: Wer Dich empfing auf Erden, Dem hast Du Macht verliehn, Ein Gotteskind zu werden Und in Dein Reich zu ziehn. So laß Dich denn begrüßen, Fürst der zukünft'gen Zeit! Den Namen Dein, den süßen, Ruf ich in Ewigkeit. O Jesu, armer Knabe, Willst Bruder sein mir hier, Und bist einst über'm Grabe Der strenge Richter mir! Drum will ich voll Vertrauen, So innig und so lang In's Kinderaug' Dir schauen, Daß mir vor Dir nicht bang; Univ.- Bibl. Giessen 60 Daß ich im Menschensohne Anbete fort und fort, Der Gottesliebe Krone: Das fleischgewordne Wort. Der zweite Weihnachtstag. ,, Jerusalem, Jerusalem, quae occidis Prophetas et lapidas eos, qui ad te missi sunt." Der König ist in Seiner Welt erschienen Und hat Bests von Seinem Thron genommen; Die Braut erglüht im liebenden Willkommen, Um Ihn zu ehren, freudig Ihm zu dienen. Sie wünscht Kleinodien vor Ihm auszubreiten, Sein junges Auge fröhlich zu ergößen; Sie sucht nach köstlichen und seltnen Schäßen, Die würdig ihre Huldigung Ihm deuten. Er soll der Auserwählten Sich nicht schämen! Ein Purpurkleid darf nicht dem König fehlen, Die Krone nicht von strahlenden Juwelen Doch sie ist arm!- woher die Schäße nehmen? Da bleibt ihr thränenvolles Auge hangen Am Zeichen Seiner Himmelskönigswürde, Am Kreuz der zarten Schultern schwere Bürde; O süßer Trost! Gestillt nun ist ihr Bangen. - 62 Wer Sich das Kreuz als Zepter hat erkoren, Wer auf dem Kreuz Sein Ruhebett gefunden, Und an dem Kreuz der Liebe Todeswunden, Um in Sein Reich zu retten, was verloren: Der will nicht Purpur und Juwelen haben, Wie sie die Könige der Welt umstrahlen Auf ihrem Thron, bei ihren Freudenmalen! Wer Seelen sucht, Den müssen Seelen laben. Wer durch Sein Opfer sprengt der Sünde Ketten Wer Sich dem bittern Tod hat hingegeben, Zu kaufen für die Braut das Gnadenleben, Sie in die Ewigkeit hinein zu retten: Der will auch Seines Blutes Früchte sehen Die Liebe, die in's Reich der Himmel eilet, Die Treue, die auf Golgatha verweilet- Und nicht die Schäße, die als Staub verwehen. - O sel'ge Braut, du hast, was Er begehret! In Seiner jungen Herrschaft Erstlingstagen Kannst du zu Ihm in heil'ger Ehrfurcht sagen: Hier ist ein Kleinod, das Dich würdig ehret, 63 Hier ist der Erstlingsmärtyrer der Deinen! Er bringt des Königsmantels Purpurhelle, Gefärbt von seines Blutes klarer Welle, Die Krone Dir von rohen blut'gen Steinen. Er hat vergebens nicht von Dir empfangen Des heil'gen Geistes wundervolle Gnaden, Womit die Auserwählten Du beladenDrum wird er vor dem Martertod nicht bangen. Er thut im Volke große seltne Zeichen, Und heil'ge Weisheit ist es, die er lehret, Und Jeder schweigt und staunet, der ihn höret, Die Weltweisheit muß seiner Lehre weichen! Da sie die Wahrheit nimmer tödten können, Die Feinde, die sich vor der Lüge beugen, So rächen sie sich an dem Wahrheitszeugen, Dem sie die hohe Wunderkraft mißgönnen. Als Stephanus entrückt der finstern Erde Den Himmel offen sieht, die sel'gen Geister, Und auf dem Gottesthron den Herrn und Meister, Und es erzählt in betender Geberde: 64 Da steinigen sie ihn im wilden Grimme! Er aber, wie sich's ziemt dem Gnadenkinde, Erfleht Vergebung für der Feinde Sünde, Entschlafend betet er mit lauter Stimme. Und wie Dein göttlich Blut ihn hat geworben, So folgt dem seinen auch der schönste Segen Wie Blüten auf den warmen Maienregen Und für den Jüngling Saul ist er gestorben. Fest der heil. unschuldigen Kinder. ,, Sine macula sunt ante thronum Dei." Apocal. Kommt ein Festeszug geschritten, Streut man Blumen vor ihm hin, Daß auf rauhem Pfad nicht walle König oder Königin; Daß der Sieger in den Schlachten Statt des Blutes. Blüten schaut, Sicher bei dem jungen Gatten Wandele die zarte Braut. - Doch Dein Festzug, Gottesknabe, War ja eine bange Flucht Durch die Nacht, zum fremden Lande, Weil des Mörders Stahl Dich sucht. Ob für Dich die Wege dunkel, Ob sie über Felsen gehn, Ob Dich Dornen blutig rißen- Niemand ach! hat hingesehn. Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche, 5 66 Dennoch rieseln zarte Knospen, Weiße Blüten um Dich her, Bang umweht von bittern Klagen, Schmerzbethaut und thränenschwer. Gierig nach dem Reich der Erde, Füllt der blutige Tyrann Durch den Mord der zarten Kinder Nur Dein Reich, den Himmel, an. Selig, daß für Dich sie starben In des Lebens Morgenroth, Aehnlich Dir, dem Gotteslamme, Wie im Leben, so im Tod. Sündenlose reine Opfer, Steh'n sie Deinem Throne nah, Und ihr Klaggeschrei hienieden Klingt nun als Alleluja! Fest der Beschneidung des Herrn. ( Neujahrstag.) ,, Vocatum est nomen ejus Jesus." Ev. Luc. 2 1 Es naht der Gottessohn der Tempeischwelle - Des langen Opferlebens erster Gang- Das Bad der Läuterung in reiner Quelle Zahlt Er für uns in seiner Liebe Drang. Die heil'ge Mutter trägt ihn zu den Stufen Des Altars zärtlich und besorgt hinan Da wird Sein Name in die Welt gerufen, Da löst sich von der Welt der alte Bann. - - D Jesus! Seligmacher und Befreier! Die arme, sünd'ge Erde, todeskrank, Frohlocket Dir in des Triumphes Feier Für ihre Heilung und Erlösung Dank. Sie trägt als Banner Deinen süßen Namen, Da beugt sich Stirn und Knie und Herz vor Dir; Er ist auf Deinem Rettungswerk das Amen, Er schließt den Höllenmächten Thor und Thür. 5* 68 8 Wohl müssen sie ihn huldigend bekennen, Doch ihre Huldigung ist grimmer Zorn, Sie knirschen in der Ohnmacht Haß, zu nennen Den Namen, der sie trifft mit ew'gem Dorn, Der ihnen zeigt, wofür sie einst erforen Das Gottesreich voll Liebe, Licht und Macht; Und zeigt, wohin sie sich aus Wahl verloren Das finst're Reich voll ew'ger Trauernacht. - - So dumpf das Klaggeheul im Feuermeere, So freudenhell preist englischer Gesang Durch alle Himmel dieses Namens Ehre, Er selbst melodischer als Harfenklang. Der Name Jesu und der Seraph schwebet, In Glut entzückt, von Liebeswonn' erfüllt! Der Name Jesu- und der Cherub bebet, Und betet an, das Antlig stumm verhüllt! Der Name Jesu- und es stürzt der Göze, Es fliehet der Dämonen wüster Chor, Die Seele reißt sich aus der Lügen Neße, Zu Riesenkraft erstarkt das schwache Rohr. Der Name Jesu und die Todten wandeln, Die Blinden sehn, die Kranken sind gesund- Der Wundername soll das All verwandeln, Drum thut auch Alles seine Wunder kund. - 69 Du, dem die Kraft für Ewigkeit gegeben, Von Sünd' und Tod die Seele zu befrein, O führ im Glaubensdienst zum ew'gen Leben, Du süßer Name Jesu, mild mich ein! Und bis dahin Und manche Thräne aus dem Auge fließt- Da ruf' ich Dir in meinen schwersten Stunden: O süßer Name Jesu, sei gegrüßt! - wenn Blut aus manchen Wunden Fest der Erscheinung des Herrn. ( Heiliger Dreikönigstag.) ,, Surge, illuminare Jerusalem, quia venit lumen tuum et Gloria Domini super te orta est." Isai. 2. Aus des Mittags flammenheißer Zone Ging von Saba einst die Königin Zu dem ringsum hochgepries'nen Throne Salomo's, des weisen Königs, hin. Wie dahinziehn stolz des Stromes Wogen, Drinnen gold'ner Schaß ruht tief versenkt, Sind ihr Dromedare nachgezogen, Die der schwarze Aethiopier lenkt; Die dem König Saba's Schäße brachten, Teppiche und purpurnes Gewand, Elfenbein und Ambra und Smaragden, Duftend, glühend in dem Wüstensand. 71-38Sinnend bei der schlanken Palmen Rauschen, Fühlt sich arm die reiche Königin, Für die Schäße Weisheit einzutauschen, Däucht ihr hoher köstlicher Gewinn. Weisheit Friede! der in irdischen Stürmen, Als Bussole, nicht vom Sturm berührt, Wenn der Abgrund gähnt, sich Wellen thürmen, Schaumumbraust das Schiff zum Hafen führt. Weisheit- Friede! der wie Balsam linde, Glut und Brand der Leidenschaft besiegt, Und sich hehr, wie eine Opferbinde, Um die stolze heiße Stirne schmiegt. 1 Also zog die Königin des Südens Zu des weisen Königs heil'gem Thron, Zu dem Tempel in der Stadt des Friedens, Dürstend nach der langen Reise Lohn. Was sie fand? es waren fromme Lehren, Weise Reden; sie vernahm sie froh. Doch das ew'ge Wort war nicht zu hören, Bis Er kam, der neue Salomo.- 848 72 8 Kam und zog der Himmelsheere Schaaren, Als Trabanten Seiner Königsmacht, Boten Seines Friedens, ach! des wahren, In Judäa's rauhe Winternacht. Ihre Weisen, die zum Jubel luden, Hörte nur der Hirt im Heerdenzelt, Taub im Schlafe liegt das Volk der Juden, Ihre Orgien singt die Heidenwelt! Nicht Posaunen, jubelnde Fanfaren, Völkerzuruf nicht begrüßt den Herrn, Nur am Himmel scheint im wunderbaren Fremden Lichtesglanz ein neuer Stern. Augen, die an Erdenschönheit hangen, Schauen nicht empor zum Firmament, Doch die Magierkönige verlangen Heiß nach ihm im fernen Orient. Sie verlassen ihre Heimathlande, Als am Horizont er sich erhebt, Sie zerbrechen des Gewöhnens Bande, Die so oft der Wahrheit widerstrebt. 73 Z Sorglos und im freudigen Vertrauen Auf den Mund, der die Verheißung gab, Ziehen sie, als Jacobs Stern sie schauen, In die Fremde mit dem Wanderstab. Wie vor Israel die Feuersäule, Schwebt er still und klar vor ihnen her, Weckt die Sehnsucht nach dem süßen Heile Seiner Botschaft mehr und immer mehr, Leihet Flügel ihrem raschen Schritte, Hebt der Mühsal bleiernes Gewicht;- Endlich über Bethlem's ärmster Hütte Bleibt er stehen- dort verlöscht sein Licht. Denn ein and'res ist drin aufgegangen! Jenes ew'ge, das der langen Nacht Trüben Irrthums, in der Schuld befangen, Gnad'- und wahrheitsvoll ein Ende macht. Selig vor dem wunderbaren Gotte Fallen betend sie auf's Angesicht, Und die nackte, düst're Felsengrotte Prangt durch ihre Gaben reich und licht. 74 348Gold zuerst dem Könige der Ehren, Gold, das stolze, seiner Majestät! Weihrauch dann, den Opferduft, den hehren, Der des Gottes Altar süß umweht! Myrrhen endlich, um Ihn zu begraben, Den Gekreuzigten, den Menschensohn, Den die Myrrh' auf Golgatha wird laben, Dem die Krippe und das Kreuz ein Thron! Diese Gaben, die der Magier Glaube Dem verheiß'nen Friedensfürsten weiht, Lohnt Er göttlich reich; denn aus dem Staube Hebt Er sie empor zur Seligkeit. Der Verheißung Sehnsucht, der sie trauten, Ließ nicht zu, daß Zweifel sie beschlich. Die Erfüllung ward ihr Lohn: sie schauten Ihn, den Retter! und gerettet sich. - Stehe auf, steh auf, o meine Seele, Zög're nicht, verlaß dein Vaterland! Ach, daß nimmer dir's ein Wahn verhehle: Nicht der Erde kurzer nichtiger Tand - 8 75. Deine Heimath ist, wo Er verweilet, Ist hier Bethlem und Calvaria! Deine Gaben gieb Ihm ungetheilet, Wie die Magier; - du auch haft sie ja. Gieb Ihm Gold: o gieb Ihm alle Güter Deiner Habe, deines Herzens hin, Werde arm aus Liebe zum Gebieter, Der da selig pries der Armuth Sinn. Gieb Ihm Weihrauch: sieh das Wölkchen schweben Vom Altare und in Duft entfliehn; Deinen Willen mußt du so Ihm geben Im Gehorsam still verhauche ihn. Gieb Ihm Myrrhe, Seele, und entsage! Denk', daß Er für dich die Myrrhe trank, Als Sein Aug' an Seinem Leidenstage Ueber dich in Schmerzen brechend sank. Myrrhe hat für Ihn die höchsten Reize, Bringe Ihm dich selbst als Myrrhe dar, Und Er nimmt dich an Sein blutig Kreuze, Opfert dich mit Sich auf dem Altar. 76 Bleibe nicht in jenen Finsternissen, So die Welt um ihre Kinder spinnt! Jede Schling' und Kette sei zerriffen, Zieh dem Sterne nach- die Zeit verrinnt! Laß zurücke Land und Herz und Krone, Ketten, Ketten find's! zerbrich, zerbrich! Und erlöst siehst du im Gottessohne und gerettet dich! Deinen Retter- 1 Fest der Darstellung Jesu im Tempel. ( Mariä Lichtmek.) ,, Ecce! venit." Malach. 3. König Du der ew'gen Ehren, Herr, allmächt'ger Du, der Welt, Sieh, Du nahst der Stadt, der hehren, Drin Dein Königsthron gestellt. Jauchzt das Volk in freudigem Wogen Nicht dem starken Herrscher zu? Unerkannt kommst Du gezogen, Arm, ein Säugling, nahest Du. - Herr Du über Tod und Leben, Herr der heil'gen Engelschaar, Nur Dein Hauch- die Welten beben, Und das Nichts ist, was es war! 8478 Und Du nahst den Tempelpforten, Dem Geseß in Demuth treu, Kommst, wie nur die Aermsten dorten, Mit der Turteltauben zwei. Ward der Erstgeborne immer In dem Tempel dargebracht; Du, verhüllend jeden Schimmer Deines Thrones, Deiner Macht, Läßt Dich dar dem Vater bringen Als ein Kind von Bethlem's Flur, Während Preis Dir Engel singen, Erstling Du der Kreatur. Welterlöser, Fürst der Seelen, Sions ew'ger Bräutigam! Einst wirst Du den Kreuzweg wählen Als ein blutig Opferlamm. Opfermuth in heil'ger Seele, Bringt Dich Mutterliebe dar, Und Du gehst, Lamm ohne Fehle, Aus dem Stalle zum Altar. 79 Süßes Lamm! zu dem Altare Drängte Dich der Liebe Macht, Der für dreiunddreißig Jahre Du zum Opfer Dich gebracht; Als es ward am Kreuz vollzogen, Bliebst Du doch dem Altar treu, Bringst dort ohne Blutes Wogen Stets Dein Opfer, täglich neu. Also liebst Du Opfergluten, Daß Dein Lieben sie erhöhn, Daß Du willst zu Tod Dich bluten, Um aus Liebe zu erstehn.- Aber wir! erkauft vom Lamme, Folgen Seinem Opfer nicht! Herr! am blut'gen Kreuzesstamme Geh mit uns nicht in's Gericht! Aber wir, vom Licht umflossen! Rein durch Deines Blutes Strahl, Deines Opfers Festgenossen, Taumeln zu der Gözen Mahl. 80 Nicht im Arme, nein! im Herzen Halten wir das höchste Gut Und wir löschen aus die Kerzen Deiner Gnad' im Frevelmuth! - Erster Sonntag nach Epiphanie. ,, Ecce, dolentes quaerebamus te." Luc. 2. Ich suche Dich mit Schmerzen, Du bist nicht mehr im Haus, Ich selbst aus meinem Herzen, Mein Heiland, trieb Dich aus. Ich ging auf falschen Wegen Und ließ Dich gar allein! Dahin ist nun der Segen, Bei Dir zu ruh'n, zu sein. „ Und hast du mich verloren, So kehre um zu Mir, Im Tempel neugeboren Schenk' Ich auf's Neu Mich dir. 6 Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 82 " O folge deinem Rather Und laß mich nie allein! Wie Ich bei meinem Vater, So mußt du bei Mir sein." Zweiter Sonntag nach Epiphanie. ,, Nondum venit hora mea." Ev. Jo. 2. Heilige Mutter, auf die Schaale Meines Herzens blicke hin! Ach, kein Wein zum Hochzeitmale. Schlechtes Wasser ist darin. Dem Geliebten brächt' ich gerne Feuerwein in Liebesglut, Doch die Kraft der Lieb' ist ferne, Matt das Herz und kalt das Blut. Heil'ge Mutter, nur zwei Worte Gönne Deinem armen Kind, Denn ich weiß, der Gnaden Pforte Deffnet Dir der Heiland lind. „ Meine Stund' ist nicht gekommen," Sprach Er einst zu Deinem Flehn; Aber Du bliebst unbeklommen Und das Wunder ist geschehn. - 6* Dritter Sonntag nach Epiphani ,, Volo! mundare!" Ev. Matth. 8. Sich den Aussaß meiner Sünden, Herr, und laß mich Rettung finden! Kennst Du noch in dieser Wildniß Mich einst Gottes Ebenbildniß? Ach, ich darf nicht zu Dir treten, Aber beten laß mich, beten: Denk' an Deine bittern Leiden, An Dein Kreuz, an Dein Verscheiden! Sprich mit Deinem reinen Munde Nur ein Wort und ich gesunde. Eins bei Dir ist That und Wille, Ist Barmherzigkeit in Fülle!- —— 84 85 „ Ich will: sei rein und gehe, Sprich! Daß des Priesters Aug' dich sehe." Mög' im Glauben fest befunden Ich an Deinem Wort gefunden! Vierter Sonntag nach Epiphani ,, Imperavit ventis et mari et facta est tranqui litas magna." Ev. Matth. 8. Du schläfst, o Herr, bei diesem Sturme, Du lenkst des Nachens Steuer nicht, Bersagst die Kraft dem armen Wurme, Verhüllst vor ihm der Gnade Licht? O sich, wie Bliße mich umzücken, Die Welle gierig nach mir langt, In all des nächt'gen Sturmes Tücken Sich, wie das matte Herz erbangt. Doch nein! ich will nicht scheu verzagen, Im schwanken Nachen will ich knien, Des Todes Grauen still ertragen Und still zu Deiner Liebe fliehn. -887 Du hörst mein Schreien aus den Tiefen Und läßft der Gnade bald den Lauf: Du schläfft ja nur, um mich zu prüfen Um mich zu trösten wachst Du auf. Fünfter Sonntag nach Epiphanie superseminavit zizania in medio tritici." Ev. Matth. 15. 29 - In der Seele Aue, Die Du mild gepflegt, Hat Dein Feind, der schlaue, Gift'ges Kraut gelegt. Wo Du hast begoffen Mit der Liebe Blut, Schießen wilde Sprossen Auf in Uebermuth. D die alte Schlange Lebt und webet noch, Und wir tragen bange Ihrer Ringel Joch! -889 Heiland, Dir befehle Ich das Erntefeld, Ach! daß meine Seele Nicht dem Feind verfällt. Sechster Sonntag nach Epiphanie ,, Simile est regnum coelorum grano sinapis." Ev. Matth. 13. Mein Heiland, wenn Dein Auge sähe In meiner Brust das Senfkörnlein, Das wachsen soll zur höchsten Höhe- O wie glückselig wollt' ich sein! - Das Wahre kann ich nicht entdecken, Bald rühm' ich mich, bin bald verzagt; Jest seh' ich Glanz und dann nur Flecken, Heut' tropig, morgen gramzernagt. Und wollen mich die Menschen loben, So macht es mir das größte Weh: Wen je die Welt recht hoch erhoben, War sicher in des Bösen Näh! 91 Drum will ich Schleier um mich legen, Und was man spricht, das sei mir gleich! Will still das Demuthskörulein pflegen Den besten Keim für's Himmelreich. - Der Sonntag Septuagesima. ,, Multi enim sunt vocati, pauci vero electi." Ev. Matth. 20. In eilfter Stunde hast Du mich gedungen, Erbarmend sahst Du meine leere Hand, Mit der ich wund und müde mich gerungen, Und zwischen Nichts in Nichtigkeiten stand. Ein Handgeld hast Du liebend mir verlichen: froh dem Dienste mich zu weihn, Die Gnade Die Hoffnung daß nach kurzer Arbeit Mühen, Mein reicher Lohn der Zehner werde sein. 1 L Doch ich, o Herr, seit jener eilften Stunde, Was habe ich in Deinem Dienst gethan? Wie war ich treulos Deinem Gnadenbunde, Wie wandt' ich schlecht das reiche Handgeld an! 93 Gedungen hast Du mich, die Gnade fehlet Mir nicht Berufen sein, nicht aber auserwählet- O Herr, bewahr' mich vor so schwerer Schuld! - und doch verscherz' ich Deine Huld? Der Sonntag Sexagesima. ,, Exiit qui seminat seminare semen suum." Ev. Luc. 8. In Dornen und auf Steine, Mein Heiland, fiel Dein Wort, Nun klage ich und weine: Die Vögel trugen's fort! Nun sehe ich mit Schmerzen, Wie groß und schwer die Schuld, Es bringen trene Herzen Die Früchte in Geduld. Nun gehst auf Kreuzwegs Steinen Du müden Schritt's für mich, Und scharfe Dornen einen Zum blut'gen Kranze sich. 95 38 Zermalm' in Reueschmerze, Mit Dornen mich und Stein, Und in's durchfurchte Herze Dein Wort- o pflanz' es ein. Der Sonntag Quinquagesima. ,, Respice: fides tua te salvum fecit." Ev. Luc. 18 Wie jener Blind' am Wege mögt' ich beten! Sie sagten: Jesus wird vorüber gehn; Und nicht gedenkend seiner tausend Nöthen, Rief er das Eine nur: O laß mich sehn! - Wie oft bist Du an mir vorbeigegangen, Mir zugewandt Dein göttlich Angesicht, Doch sinnbethört war ich und traumbefangen, Zersplittert mein Gebet- ich sah Dich nicht. Doch weilst Du liebend stets in meiner Nähe Und mahnest mich: Was Du geglaubt, geschieht! So gieb, o Herr, daß ich dereinst Dich sehe, Wenn dieser Erde eitler Schein entflieht. 3 weite Abtheilung. Die Passion. Hahn.Hahn. Das Jahr der Kirche. Der Aschermittwoch. ,, Memento homo quia pulvis es et in pulverem reverteris." Wohl ist der Gott in Seiner Welt erschienen, Voll Demuth in des Fleisches Staubgewande, Um liebevoll als Vorbild ihr zu dienen, Erniedrigt in der ärmsten Armuth Bande. Wohl spricht Er ihr mit Seinem holden Munde, Durch Seines Opfers unbegrenzte Größe, So zärtlich zu, daß, treu dem neuen Bunde, Sie dieser Liebe nimmermehr vergäße. Doch treulos ist sie- und dieselben Seelen, Die heute noch gekniet an Seiner Krippe Und Ihm gelobt, ihr ewig Heil zu wählen Sie preifen morgen mit entweihter Lippe Die Gößenbilder, deren Dienst ste fröhnen; Sie zieh'n die Fessel straff, statt sie zu lösen; Sie geh'n nicht nach dem Tag, dem ewig schönen, Sie schreiten tropig in die Nacht des Bösen. 7* 100 Des Staubes Reiz ist für des Staubes Kinder Bezaubernder, als der Verheißung Wonnen, Des Himmels Seligkeit gilt ihnen minder, Als oft ein Trunk aus gift'ger Freude Bronnen. Daß Er verschmähte dieser Erde Reize, Um zur Verschmähung sie auch anzuwerben Sie fassen's nicht!- Ihr Engel, bringt das Kreuz Der Herr des Weltalls muß am Kreuze sterben! Mein Gott und Herr! Dein göttlich Licbesleben Und alle Gnaden, die Du schon gespendet, Und alle Glorie, die Du einst willst geben, Sie haben nicht mein Herz zu Dir gewendet! Es ist umstrickt vom Schlangenncß der Sünden, Die schillernd einen Abgrund überspinnen; Soll die Erlösung Eingang in ihm finden, So laß Dein Blut in Strömen, laß es rinnen. Dann wird es grauend vor sich selbst erschauern, Vor seiner Schuld, die also Du gebüßet, Und ahnen wird's, weshalb ein heilig Trauern Dein göttlich schönes Angesicht umfließet. 101 Z Dies Trauern spricht: O komm zum Born der Gnaden; Verschmähet hast Du eisig Meine Thränen, So laß dich rein in Meinem Blute baden! Dich rein zu seh'n, ist Meiner Liebe Sehnen. Den Brautkranz, Seele, sollst du dir erwerben, Du weißt, Ich kann ihn nur den Treuen geben! Ich gehe jest, am Kreuz für dich zu sterben, Vielleicht bleibst du Mir dann getren im Leben. Ermiß, wie groß, wie tödtlich deine Schulden Am Lösegelde, das dein Schöpfer fødert: Es ist Mein Blut! es ist mein bitt'res Dulden! Vielleicht, daß aus dem Mitleid Liebe lodert. Vielleicht, o Herr?- Du stirbst gewiß im Leiden, Und nicht gewiß bist Du, mich treu zu finden? O Ulebermaß der Liebe!- Nein, nicht scheiden Will ich von Dir! ich will's von meinen Sünden! O komm, du Aschenkreuz, auf meine Stirne, O kommt in meine Brust, ihr Kreuze alle, Als Buße, daß ich Ihn nie mehr erzürne, Als Reue, daß Er mich erhebt vom Falle; 102- Als Liebeszeichen, daß mit Ihm ich theile, Was Er aus Liebe einst zu mir umfangen; Als Mahnung, daß ich nur im Staube weile Für kurze Frist voll Kampfes Müh' und Bangen; Als Heileskraft, daß ich in Asche klage Und meiner Sünden Unzahl heiß beweine, Auf daß dereinst an des Gerichtes Tage Ich mit dem Kreuzmal an der Stirn erscheine. Fest der fünf Wunden unseres Herrn Jesu Christi. - vulneratus est propter iniquitates nostras." Jesa. 53. Im Osten steht ein Zeichen In wunderbarer Pracht, Die Sterne drob erbleichen, Die Sonne wird zu Nacht. Es sind fünf Purpurmale Nach Kreuzes Art gestellt, Draus fließt mit fremdem Strahle Ein Leuchten um die Welt. Das sind nicht blut'ge Wunden, Die bitt're Qualen schrei'n; Das Leiden ist verschwunden, Verklärt der Marter Schein. 104 48Als unser Herr im Tode Sein mildes Haupt gesenkt, Da wurden es Kleinode, Die unser Gott uns schenkt. Auf deine Knie, Seele, Und bete stumm sie an! Mit frommer Andacht wähle Eins der Kleinodien dann. Nimm's in dein Herz und schließe, Wie im kristall'nen Schrein, Die Gabe drin, die süße, In deiner Liebe ein. Zuerst ein Purpursiegel, Das ganz in Flammen brennt: Das ist der rechte Riegel, Der von der Welt Dich trennt. Einst sprach Er:„ eingeschrieben " Hab' Ich dich Meiner Hand;" Er ist beim Wort geblieben, Du stehst dort eingebrannt. 105 Dann eine Purpurrose Erblüht in stiller Ruh: Sie deckt mit zartem Schooße Ihr Bett von Dornen zu. Die Liebe beut, die ächte, Dir Rosen dar mit Lust, Und drückt das Dorngeflechte Still in die eigne Brust. Siehst du die Purpurnelke, Der Liebe Fackel glühn? Daß nimmer ste verwelke, Muß fie in Funken sprühn. Sie facht das heil'ge Feuer, Das Er der Welt gebracht, Daß freier es und treuer Durchloht die Erdennacht. Nun sich das vierte Zeichen, Den purpurnen Rubin: Sein Glanz kann nie entweichen, Kein Wechsel wandelt ihn. 106- In fester, starter Helle Lenkt er des Eifers Schritt, Wenn der dem Tod, der Hölle Siegreich entgegen tritt. O heil'ge Purpurtraube, Was wäre wohl ihr gleich! Dem Flüchtling aus dem Staube Wirbt sie ein Königreich. Sie füllt des Graales Schaale, Die stillt des Durstes Glut, Und labt beim Gottesmale Ihn- ach! mit Gottes Blut. Von diesen Wundergaben, Was, Seele, wählst du heut?- Ich muß sie Alle haben Als bräutliches Geschmeid! Das Siegel auf den Willen, Ihn prägend, daß ich Sein; Und auf der Stirn des stillen Dornrosenkranzes Schein. - - 107 Die Fackel will ich tragen, Tren in Barmherzigkeit; Mit dem Rubin mich wagen Voll Muth in jeden Streit; Und sie, die Purpurtraube, Sie soll mir Kraft verleihn, zu geh'n aus diesem Staube In's Himmelreich hinein.- Wohl sind die hehren Güter Jeßt dein, o Gnadenkind! Die Demuth sei ihr Hüter, Sonst weht sie fort der Wind. Nicht du haft ste erworben, Wie oft der Stolz es denkt! Dein Gott, für dich gestorben, Der hat sie dir geschenkt. Der erste Fastensonntag. ,, Ecce Angeli accesserunt et ministrabant ei Ev. Matth. 4. In eine Wildniß zu der Wüste Thieren Ließ sich der Gottessohn vom Geiste führen, Als Er getauft der Jordansflut entstieg. Er will entsagend dort Sich vorbereiten, Um uns zu lehren: Wollt ihr mit Mir streiten, So führet gegen euch den ernsten Krieg. Und als Er still dies große Opfer brachte, Und büßend vierzig Tag' und Nächte wachte, Da trat ihm der Versucher schlau heran; Den Hungernden mögt' er durch Brot berücken, Den Demuthvollen soll der Stolz umstricken, Und Habsucht dem Entsagenden sich nahn. 109 Umsonst! Erfüllt vom göttlichen Geseze Zerreißt des Satans schlaugewebte Neße Mit Seines Vaters Wort der Gottessohn. Und statt des Wüstenwild's, das Ihn umgeben, Sieh, wie die Engel schon hernieder schweben, Shm dienend, wie auf seinem ew'gen Thron. - Du, Seele, schweifft auf blumenreichen Auen Mit leichtem Sinn umher, und dir will grauen, Daß durch die Wüste deine Wege gehn. Dort lagert das Gethier der Leidenschaften, Dort werden Satans Stricke dich umhaften, Dort wirst du einsam mit dir selber stehn. Und mit gelähmten, angsterfüllten Sinnen Sollst du den Kampf, den blutigen, beginnen? Das Herz erzittert und das Blut erstarrt! Verzage nicht! in diesen schweren Stunden. Wird dir von Engelhand der Kranz gewunden, Der, wenn im Kampf du siegest, deiner harrt. - - 110 38 Verzage nicht! du wirst auf Nattern schreiten, Dein Fuß wird über Basilisken gleiten, Du bist behütet vor der Viper Gift. O ruf' Ihn an, den göttlichen Beschirmer, Dann werden Löw' und Drache schwache Würmer, Dann bist du sicher, daß kein Pfeil dich trifft. Ja bete, bete! thue Buß' und bete! Der späte Abend und die Morgenröthe, Sie müssen wach dich finden im Gebet. Denn steh! du mußt jeßt in die Wüste gehen, Du mußt in's Antlit dem Versucher sehen, Und hast nur eine Waffe: das Gebet. D wenn du siegft- o der glücksel'gen Stunde! Dann trittst du mit den Engeln ein zum Bunde, Die in der Wüste dienen unserm Herrn. Wo nicht?-o arme Seele, dann geselle Dich zum Gethier und flich die heil'ge Stelle, Und halte dich im Staube von Ihm fern. - 111 3 Noch immer steht dein Heiland in den Wüsten, Mit Ihm die Seelen, die in Liebe büßten, Um Ihn die Geister aus des Himmels Reich. Noch immer schleicht um Ihn des Satans Tücke, Er weist sie mit des Vaters Wort zurücke: Der Weg der Kirche ist dem Seinen gleich. Der zweite Fastensonntag. transfiguratus est ante eos." Ev. Matth. 11 Aschenkreuz auf meiner Stirne, Halte Wach' am Sinnenthor, Strahl' gleich segnendem Gestirne Meinen dunkeln Wegen vor. Sinke wie ein zarter Schleier Zwischen mir und dieser Welt, Deren buntes Farbenfeuer Oft mein Ang' geblendet hält. Schönheit, wundervolle Gabe, Die dem ew'gen Born entrann, 3wingst mit deinem Zauberstabe Jedes Herz in holden Bann. Auf in reiner Luft sie wallen, Denn die Huld verkläret sie. Aber ach! berauscht auch fallen Vor dem Gözen sie auf's Knie. 113 Ahnend, daß die ew'ge Schöne Aller Sehnsucht Dürsten stillt - Daß im Aug' den Plaß der Thräne Einst mit ihrem Glanz sie füllt- Haschen wir den Abglanz immer In des Irdischen sünd'ger Spur, Huldigen dem falschen Schimmer Nicht dem Gott! der Kreatur! - 1 Schließet euch, o meine Augen, Vor der trügerischen Pracht! Was soll euch ein Trugbild taugen? Was ein Irrlicht in der Nacht? Auf die Asche senkt euch wieder, Denkt: in solch ein Aschenkleid Stieg der Herr des Lichts hernieder, Barg drin Seine Herrlichkeit. In dem schweren Staubgewande Ging Er gnädig einst umher, Löste mild der Seelen Bande, Machte leicht, was hart und schwerBahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 8 114 Z8 Alles, um euch zu erlösen Von des Staubes Zauberluft, Von der Schönheit Bann, dem bösen, Der umgarnt die volle Brust. Einst auf Thabor warf den Schleier, Warf das Aschenkleid Er fort, Und in der Verklärung Feuer Schauten Ihn die Jünger dort, Sahen ohne Furcht und Grauen Seiner Schöne milde Pracht, Wie am ew'gen Tag Ihn schauen Wir auch, wenn dahin die Nacht. Doch nichts darf Sein Leiden stören! Wolken zieh'n vor das Gesicht. Horch! es ruft:„ Ihn sollt ihr hören!" Und verschwunden ist das Licht. Was, o Herr, was soll ich hören? Darf auch ich zum Thabor gehn? Willst Du Dich vor mir verklären? Soll ich Deine Schönheit sehn? 115 „ Selig sind die reinen Herzen, „ Denn einst werden Gott sie schaun." Herr! nimm hin zwei Opferkerzen, Die ich biete voll Vertraun: Nimm und schließ' die Augen beide Vor dem Zauber dieser Welt, Daß kein Staub von ird'scher Freude Durch das Aug in's Herz mir fällt. 8* Der dritte Fastensonntag. ,, Erat Jesus ejiciens daemonium." Ev. Luc. 11. Geschmückt und gereiniget stehet das Haus, Der Herr trieb in Gnaden den Bösen hinaus; Er Selbst warf zu Boden des Gözen Altäre, Damit die erlösete Seele Ihn ehre. Sie ist jest nicht mehr die Gefang'ne in Haft, Sie ist die Befreite durch göttliche Kraft; Jeßt wird dem Erretter inbrünstig sie danken, Ihm Trene geloben und Lieb' ohne Wanken. Jeßt wird sie mit Ihm bis nach Golgatha gehn, Und preisend und flehend am Kreuze stehn O Seele, umfließt dich die Gnade vergebens? Wie bist du versunken in Hoffart des Lebens! 11 - 117 Wie spinnt sie dich ein in den thörichten Wahn, Du habeft das Wunder der Rettung gethan, Du habest den Feind aus dem Felde geschlagen, Du brauchtest nicht mehr vor Versuchung zu zagen. Du wachest und beteft nicht mehr- und dein Feind Hat gegen dich schlau sich mit andern vereint. Wo Einer sonst war, da sind jetzt ihrer Sieben. O Seele, du bist nicht in Demuth lieben! - Wenn dich der Versucher zur Höhe je führt Und spricht: Gieb die Ehre mir, die mir gebührt, Dann will ich die Reiche der Erde dir geben, Doch darfst meinem Dienste du nicht widerstreben: Was Seele, du stolze, was thätest denn du? Ich fürchte, du riefest verwegen ihm zu: Gieb her deine Reiche, wohl will ich sie nehmen, Doch mir zu huld'gen mußt du dich bequemen! 118 Du würdest, daß Gott dich erschaffen, vergessen, Die Ehre des Schöpfers dir rauben vermessen, Du ständest mit Lucifer selber im Bunde, Und gingest wie er an dem Stolze zu Grunde. Jest trägst auf der Stirne das Kreuz du von Asche, Es mahnt an Zerknirschung! wohlan denn, so wasche Mit Thränen der Reue dem Heiland die Füße. Du huldigst dem Staube?- 3m Staube denn büße! 99 Der vierte Fastensonntag. Unde ememus panes? Ev. Joan. 6. Noch nicht genug an der Versuchung Qualen? Noch and'rer Neße stark gewebte Schlingen? Der Augen Lust lockt dich mit falschen Strahlen; Des Lebens Hoffart sucht dich zu bezwingen Umsonst!- Ein neuer Feind tritt teck hervor. Vermagst du ihn zu Boden nicht zu ringen, So sprengt er auch für sie das Thor. Der Feind bewohnt nicht deine Augen beide, hat nicht in deiner Brust nur aufgeschlagen Den Thron der Hoffart und der Neugier Weide! Ganz and're Macht mußt du an ihm beklagen. Dein ganzes Ichdas ist sein festes Schloß, Und der Tyrann drin herrschend ohne Zagen, Es ist das Fleisch mit seinem Troß. - 120 Das ist dein Kamerad für diese Erde! So gleichet ihr denn zwei Galeerensclaven, Die nothgedrungen theilen die Beschwerde, Denn eine Kette fesselt sie im Hafen! Er folget dir mit jedem Athemzug, Er hängt dir an im Wachen und im Schlafen- Ein Bleigewicht dem Seelenflug. Die Kette zwischen euch- das ist die Sünde! In's Lebensmark ist sie hinein gedrungen, Sie legt um deine Stirn des Nebels Binde, Sie leckt nach dir mit gierig gift'gen Zungen; Und du?- o wie vertheidigst du dich schlecht! O hättest du nur Einmal sie bezwungen, Dein Kamerad-- er wär' dein Knecht! Jeßt dienst du ihm und seinem bösen Willen, Du fütterst ihn, anstatt ihn karg zu nähren; Wonach er giert, willst du die Gier ihm stillen, Ein ernst Gebot dünkt dich sein frech Begehren. Du schlägst dem Trägen nimmer ab sein Brot, Suchst ihm das Spielzeug täglich noch zu mehren, Und wenn es auch der Erzfeind bot! 121 Und bist du froh bei diesem Luftgelage?- Du bist es nicht, fühlst dich vom Staub geknechtet, Trägst zähneknirschend seines Joches Plage, Weißt für das ew'ge Leben dich geächtet, Durch deine Schuld verfallen ew'gem Tod, Der fest und fester seine Schlingen flechtet Bis Nacht einbricht- ohn' Morgenroth! - Hinweg! Benuße diese gnadenvollen Stunden. Siehst du das Volk in großen Schaaren ziehen Zum Berge, wo den Heiland es gefunden? Da horcht es auf Sein Wort und alle Noth Des Leibes ist im Seelenglück verschwunden. Er aber spendet Wunderbrot. Du haft noch Zeit, ihr zu entfliehen! Er hat mit Seinem Volk ein mild Erbarmen, Er kennt der Seelen Hunger, ihr Verlangen, Das Himmlisches begehrt, obgleich die armen So glühend oft an Lust der Erde hangen. Er giebt das Brot, das ihren Hunger stillt, Er löst, was Sinnenherrschaft hat gefangen Wohlauf! zum Berge, wo die Gnade quillt! - Der Passionssonntag. ,, Novi testamenti mediator est." ad Hebr. 9. Calvaria, du kahler armer Hügel, Du winz'ge Stätte in dem weiten All, Erwählt bist du zum blutig rothen Siegel Des Freibriefs der Erlösung nach dem Fall! Der Berge König du, zumal geschmücket Mit allen Ehren, die einst Höh'n gekrönt Du Sinaï, von Gottes Bliz umzücket, Du Moriah, wo des Sohns Geduld versöhnt! Du Ararat, wohin die Arche gehet, Der in der Sündflut sich der Mensch vertraut; Du Sion, wo der Tempel auferstehet, Der neue, der sich in drei Tagen baut; Du Thabor, wo im blutverklärten Glanze Den ew'gen Bräutigam die Seele sah: So strahlest du in deinem Dornenkranze, O du begnadeter Calvaria! 123 Vier Ströme einst aus Edens Garten flossen Als Segensboten in die Welt hinein; Au' ward die Wüste, drin sie sich ergossen, Und Frucht und Blume ward der Steppe Stein: Es steht ein Quell, gefasset in Smaragden, Der überperlt, und ringsum grünt der Sand; Nach Süd und Nord, nach Ost und Westen brachten Sie frische Fülle so in's dürrste Land. Doch nur der Erde galt der reiche Segen, Die klare Flut erquickt die Lippe nur; Dem Leibe, der bestaubt auf Staubeswegen, Dem spület sie hinweg des Staubes Spur. Dem Durst der Seelen hat sie nichts zu geben, Der Seele Flecken badet weg sie nicht, Der Seelen Müde kann nicht sie beleben, Der Nacht der Seele bringet sie kein Licht. Calvaria, du Schaale von Rubinen, Der Born des Heiles, der auf dir entsprang, Um eine Welt voll Sünden zu entfühnen, Die nach Erlösung schmachtet, tovesbang: 124-- Der fließt in tiefen, mächt'gen Purpurwellen, Ein Meer der sel'gen Rettung, durch die Zeit; Der fließt in unversiegbar reichem Quellen Von den Altären in die Ewigkeit. Und vom Altar in Herzen, in Millionen, Die aufersteh'n vom schweren Seelentod, Vom Todesschatten, wo beklemmt sie wohnen, Entgegenflieh'n der Liebe Morgenroth. Denn Liebe lebt in jedem Purpurtropfen, Ein jeder weiht zum Liebesleben ein, An jeder Herzensthür mit lindem Klopfen Erklingt das holde Wort:„ Laß mich herein!" „ Laß Mich in dir der Liebe Leben leben Und dich beseelen mit der Liebe Hauch, Du hast den Tod in Leiden Mir gegeben, Dafür errett' ich dich vom Tode auch. Nur sei die heil'ge Liebe nicht verloren, Womit Mein Gottesherz dein Herz umschließt; Aus Liebe ist der Purpurstrom geboren, Mein Herzblut ist's, das dir zu Liebe fließt." 125 34 Wie einst der Taube silbernes Gefieder Geheimnisvoll den Jordan überrauscht, So klingt geheim es auf dem Strome wieder, Wenn nur das Herz dem Wort des Geistes lauſcht. So weil', o Herz, an diesem Purpurbronnen, So liege denn im Schmerz der Liebe da, Und lieblicher als seine liebsten Wonnen, Set ihm der blut'ge Berg Calvaria. Fest der Dornenkrone unseres Herrn Jesu Christi. ,, Exivit ergo Jesus portans coronam spineam Ev. Jo. 19. Krone, meine süße Krone, Alle Himmel öffnen sich, Und ich sch' vor Gottes Throne Engel schweben, haltend dich. Heller als des Himmels Strahlen, Als der Heil'gen Glorienglanz, Sind die Stacheln an dem kahlen Blutgetränkten Dornenkranz. Warum strahlst du, süße Krone, Solchen Glanz aus, sonnenklar? Zum Gespött, zum bittern Hohne Flocht und brachte man dich dar, 127 3 Und ein Haupt, das wundgeschlagen, Eine Stirne leichenblaß, Muß mit heißer Qual dich tragen, Feucht vom Schweiß, vom Blute naß. Und es muß der Mann der Schmerzen, Unnennbar erschöpft vom Leid, Wund am Leibe, wund im Herzen, Mit der Krone Schmachgeschmeid Bittern Wegs zur Richtstatt steigen Und gekreuzigt an dem Pfahl Sterben unter deinen Zweigen, Hohnvoll scharfe Dornenqual. Ja! Hängt des Himmels Seligkeit, Denn der Kranz hat von dem Zorne Unsers Gottes uns befreit. Dornen, die seit Adams Sünde Sinnbild sind dem Sündenfluch, Wurden eine Opferbinde, Die das Lamm aus Liebe trug. - und doch an diesem Dorne 128 Dornen, Sprossen alles Bösen, Wuchernd in der Sinne Schooß, Riß, um uns vom Fluch zu lösen, Blutend Er vom Haupt uns los. Daß nicht unser Fuß mehr irre, Dem der Dorn den Weg geraubt, Schlang Er Sich das Dorngewirre Um Sein göttlich reines Haupt. Daß nicht Pein der ew'gen Strafe Uns ereile im Gericht, Scheut Er Selbst, der Liebe Sclave, Dorn und Wunden für uns nicht. Tagt den Seelen hier im Streite Mählig dann des Friedens Ruh, Zärtlich führt Er Seine Bräute Still der Dornenkrone zu. Seines Erdenlebens Habe, Dornen theilt Er ihnen mit, Seiner Liebe Morgengabe, Dornen sind es, die Er litt. - 129 4 Droben giebt Er Liebesfülle, Doch ihr Preis ist Dornenschmerz- 1 Süße Krone, lege stille Dich hienieden um mein Herz. bahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. Der Palmsonntag. ,, Hosanna in excelsis; miserere nobis, fili David," Sie ziehen Ihm entgegen Mit Palmen in der Hand, Sie streuen auf den Wegen Laubgrün ihm und Gewand. Sie jubeln:„ In den Höhen Hosanna, Davids Sohn! Heil Sion! du wirst sehen Den König auf dem Thron!" So vom Hebräer Volke Erklingt der Jubel laut, Als schon des Leidens Wolke Er schwarz gethürmet schaut; So bringen sie Ihm Ehre, Sein königliches Recht, Als Er des Kreuzes Schwere Schon trägt als ärmster Knecht. 131 Z Ob Hirten einst mit Psalmen Im Kripplein Ihn begrüßt 1 Ob jeßt der Gruß mit Palmen Den Einzug Ihm versüßt- Ob man Ihm Blumen streuet, Mit Kränzen Ihn umflicht- Sein Schmerz ist stets erneuet Vor Seinem Angesicht. Du siehst Dich, Mann der Schmerzen, Als Wurm in Deinem Blut; Du siehst der Feinde Herzen Durchgrollt von blinder Wut; Du siehst auf allen Wegen Vom Leide Dich bedroht; Du wirst auf's Kreuz Dich legen Gehorsam bis zum Tod. Der Dornenkranz gewunden Ward Dir schon dazumal, Als Du Dein Bett gefunden: Das Kripplein kalt und schmal; 9* Univ.- Bibl. Giessen 132 Dein Kreuzweg hat begonnen Mit voller Kreuzeswucht, Da Du dem Tod entronnen Als Säugling auf der Flucht. Die scharfen Geißelschläge Hast Du so oft verspürt, Als auf der Lüge Wege Dein Volk Du sahst verführt; Der Galle bittern Tropfen Schlürfst Du im tiefen Schmerz, So oft nach langem Klopfen Du ließt ein taubes Herz. Als jeßt bei Simons Male Ein Weib Dich still begrüßt, Aus der Albasterschaale Mit Narden Dich begießt; Da sieht aus ihren Gaben Dich nur Dein Leiden an: „ Sie hat, Mich zu begraben, Ein gutes Werk gethan."- 133 Z4 O Herr, zu Deinen Füßen Sieh mein betrübtes Herz! Doch statt der Narden fließen Nur Thränen Deinem Schmerz, Und statt der Palmenzweige, Womit Dein Fuß umlaubt, Knie ich vor Dir und beuge Im Staub mein schuldig Haupt. Und keine Schaale bringe Bon Alabaster ich- O nein! o nein! ich zwinge Zum Leidenskelche Dich. Weh! meine Sünden füllen Den Kelch Dir, Gottessohn! Und blutig meinctwillen Beginnt die Passion. Lamentationen. Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum." Ein Dürsten giebt es wie nach Wasserquellen Der müd gehegte Hirsch verblutend rennt, Vom schroffen Ufer in des Sees Wellen Sich stürzt, weil ihn die Todeswunde brennt, Nicht achtend, daß die Klippen ihn zerschellen!- O Menschenherz, du kennst den Durst; er nennt Sich Durst nach Liebe. Ein Schmachten giebt's- wie sich der Fieberkranke Auf seinem Marterbette ächzend streckt, Wenn ihn in wachem Tranme der Gedanke An Scheiterhaufen und an Flamme schreckt- Nach Kühlung schmachtet er, des Brandes Schranke! O Menschenherz, in dieser Qual versteckt, Ist Durst nach Liebe. 135 - Ein Schnen giebt's wie wenn auf wilden Wogen Im Sturmestanz der schwache Kahn sich bäumt, Der bleiche Schiffer, den der Wind betrogen, Nach Herd und Heimath ſehnsuchtsvoll sich träumt Wie schaut er auf dann nach dem Friedensbogen! O Menschenherz, in dieser Sehnsucht keimt Der Durst nach Liebe. Und Einsamkeiten giebt's— in fernsten Weiten, In nächster Nähe, im Gewühl der Welt, Im eignen Haus- wohin die Füße schreiten, Die Dede ist's, die Dich gefangen hält. Bernichtung brütet in den Einsamkeiten Auf dir, o Menschenherz, und es zerfällt, Weil leer von Liebe. Und eine Klage giebt's vom stillen Munde Ringt nimmermehr sie los sich klar und frei, Ihr trüb Verließ steht in des Busens Grunde, Denn spräche sie, so wär's ein Todesschrei. Sie bricht hervor erst in der leßten Stunde D armes Menschenherz, ist sie dir neu Die Klag' um Liebe? 136 Dies Dürsten, dieses Sehnen, dies Verschmachten, Die Einsamkeit und Klage, alle Pein, Und alle Schmerzen, so die Seel' umnachten, Gelindert werden sie durch Lieb' allein! Wenn sie, o Menschenherz, dir Folter brachten, Den Balsam goß in deine Wunden ein Der Trost der Liebe. Und wer bist du, daß Liebe du gefunden, Du wankelmüthiges, du starres Herz! Du Nebelbild, in Ohnmacht hingeschwunden, Du troßiger und spröder Block von Erz! Und du- du haft an diese Welt gebunden Zu deinem Troste mit gewalt'gem Schmerz Den Gott der Liebe! Er stirbt in einem Meer von bittern Qualen, Von Einsamkeit und Durst und Sehnsuchtsglut; Ergossen haben sich die Bornesschaalen Auf ihn herab für deiner Sünden Flut; Und ohne daß Ihm Liebessterne strahlen, Bergießt er klagend still für dich Sein BlutDer Gott voll Liebe. - 137 348 Und herzzerschneidend klinget diese Klage, Die Erde bebet und der Himmel weint, Die Sterne zittern bis zum jüngsten Tage, Daß keine Liebe ihrem Gott sich eint; Die Engel seh'n sich an in stummer Frage: O Wunder, daß ein Gott am Kreuz erscheint, Im Tod der Liebe! Und du, o Menschenherz, kannst du sie hören Die Klage, daß umsonst Er Lieb' ersehnt, Und dennoch kalt von Ihm hinweg dich kehren? Und nicht Sein Auge, das für dich bethränt, Durch deiner armen Liebe Trost verklären? Dann hast du nie geliebt und nur gewähnt Den Traum von Liebe. - Wenn Lieb und Liebe mit einander sterben Ist das nicht süß? Nur Trennung bringt ihr Noth! Doch leeren, ungeliebt, den Kelch, den herben, Weil den Geliebten daraus Gift bedroht, - Und ungeliebt in Schmach und Jammer sterben, 3u wenden vom Geliebten ab den Tod Ist Gottes Liebe! 95 - Der Chardonnerstag. sciens Jesus quia venit hora ejus. Ev. Jo. 13. Die Zeit ist da! die Stunde ist gekommen Des Lösegelds, verwirkt im Paradies, Das Adam, von der Sünde Last beklommen, Vom Fall zermalmt, auf immerdar verließ. Gekommen ist die blutig ernste Stunde, Die der gerechte Richter, Gott, begehrt, Durch die Er mahnend spricht mit strengem Munde: So viel ist deine Rettung, Seele, werth. Die Zeit ist da, zu der seit grauen Tagen Der Menschheit Herz verschmachtend sich gedrängt, Nach der die Weisen aller Völker fragen, In die sich fromme Ahnung treu versenkt; Nach der die heil'gen Scher heiß sich sehnen, Die vor dem Auge des Propheten schwebt, Die der Sibylle Blick, umwölkt von Thränen, Zum Heil der Zukunft hoffnungsfroh erhebt. 139 Die Zeit ist da, der Sünden Schuld zu lösen, Die seit Jahrtausenden sich angehäuft, Die mit dem nimmerleeren Kelch des Bösen Zerstörend Gift in alle Adern träuft. Wohlan, ihr Adern, werdet denn zerrissen! Zerbrochen, du vergiftetes Gebein! Du böses Blut, du wirst nun rinnen müssen, Du Angstschweiß, bade trübe Stirnen rein! Die Zeit ist da! Erhoben ist die Waage! Schau hin, o Mensch, auf deiner Schuld Gewicht. Auch deinen Sünden allen gilt die Klage, Auch ihre Strafe tilgt dies Blutgericht. Schau, wie der Hochmuth sich in Adam bäumte, Da er gehört:, Gott gleich wirst du jest sein"- Berhehl dir nicht, die alte Schlange säumte Auch nicht bei dir!- bist du von Hochmuth rein? Nun sich, da knict demuthvoll zum Schooße Kleingläub'ger Menschen Er- der ew'ge Sohn; Den Fuß wascht ihnen Er- der Hoffahrtslose, Wie es des Knechts Geschäft um armen Lohn. 140 8Als so der Demuth That Er wollt' erproben Den Brüdern sie verstanden ihn noch nicht! Doch alle Engel in dem Himmel droben, Sie fielen nieder auf ihr Angesicht. - Dem ersten Menschen war das ew'ge Leben Verheißen, doch als des Gehorsams Preis. Der Baum mit Todesfrucht erhub sich neben Dem lichten Baume mit dem Lebensreis. Und seine goldne Frucht, die gnadenreiche, Hat ungehorsam dort der Mensch verschmäht, Der nun im Reich der Gnade eine Leiche, So todt wie du vor Gottes Auge steht. Nun sich aus dieser Schauerwelt von Leichen, Von Moderduft, der Leichen neu gebärt, Kann nur der Seclentod dem Leben weichen, Das sich erneut im Gnadenquell verklärt. Hat Ungehorsam Gnade einst verloren, So soll der Mensch Gehorsams Wunder sehn, Soll schen Gott, aus Gnad' als Mensch geboren, Gehorsam in den Tod des Kreuzes gehn. - 141 348Der erste Mensch verpflanzt in sein Geschlechte Den Reim des Todes durch die böse Luft, Und lüstern auf allein'ger Herrschaft Rechte Nimmt auf dem Thron sie Plaß der Menschenbrust. Stets ungesättigt schreit sie stets nach Freude, Nach unvergänglichen Genüssen gar- O wehe! sie vergaß, daß ihre Weide Ein Sodomsapfel voller Asche war. Nun sich der bösen Lust die Waage halten, Der Sühne unverschuldet bitt'res Leid! Sieh dort den Staub des Todes sich entfalten, Sich hier das Leben im verklärten Kleid. Im Leide muß das Ew'ge Leben sterben! Der Gott, der Sich am Kreuz zu Tode ringt, Errettet dich vom ewigen Verderben, Indem Er dir als Gnadenfrucht Sich bringt. Ermiß die Schuld, so aus dem Garten Eden Den ersten Menschen in die Wildniß trich, Nicht an des Todes Qual, der Sünde Fehden, Der Elends- Erbschaft, die der Menschheit blieb: - 142 28 O nein! die Frucht in Eva's schwachen Händen Wird nicht gebüßt durch eine Welt von Weh! Den Fluch des Gottes- Zornes kann nur wenden Der Kelch im Garten von Gethsemane. 99 Der Charfreitag. I. Die Improperien. Popule meus, quid feci tibi?—" Mein Volk, hab' Ich dich je gekränket?- Warum denn kränkst du mich so sehr, Daß Ich, durch dich in Leid versenket, Ersterbe in der Trübsal Meer? Ich schüßte dich auf Wüstenwegen, Ich speisete durch Wunder dich, Ich führt' dich in ein Land voll Segen Und du?- du schleppst zum Krenze Mich! Als Weinberg voll der schönsten Neben, Mit treuer Liebe hegt' Ich dich; Was hast du grausam Mir gegeben? Essig statt Weins hast du für mich. 144 Für dich hab' Ich mit schweren Plagen Gezüchtigt das Egypterland, Und du hast Mich auf's Blut geschlagen, Gegeißelt mit verwegner Hand. Für dich wälzt' Ich des Meeres Wogen Dem Pharao zu jähem Tod, Und du hast bösen Rath gepflogen, Als Mein Verräther dir sich bot. Ich that dir auf die salz'gen Fluten, Du thust Mein Herz auf mit dem Speer; Ich lenkte dich als Wolk' in Gluten, Du lenkest Mich zum Richtplaß her. - Mit Manna hab' Ich dich genähret, Mit Lebenswasser dich getränkt; Du haft mit Wunden Mich versehret, Den Gallentrank Mir vollgeschenkt. 145 Ich brach für dich die festen Thore Der Könige von Canaan; Du brachst den Zepter mir vom Rohre, Bogst Mich zum Hohn mit Feßen an. Zum Königsvolke reich an Gnaden Erhub dich meine freie Wahl; Mit einem Dornenkranz beladen Erhebst du mich Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. am Kreuzespfahl. 10 II. Die mystische Paſsion. ,, Rex sum ego." ,, Ave, Rex." Ev. Jo. 19. Du nanntest Selbst Dich König, Als Du verhöhnt, gequält, Dem Spott des Pöbels fröhnig, Zu Mördern wirst gezählt; Als Du von Wunden branntest, Durch Balsam unversüßt- Doch weil Du so Dich nanntest- Mein König, sei gegrüßt! Ja! bist mit Königszeichen Gar herrlich schön geschmückt, Wie man in irdischen Reichen Sie nimmer hat erblickt. Ein Herrscher dieser Erde Er stieß es weg als Spott Mit zürnender Geberde!- Voll Demuth nimmt's der Gott. 147 Du aber haft gefaget: „ Von dieser Welt ist nicht „ Mein Neich" - und sieh! hier taget Der Wahrheit ew'ges Licht! So laß denn auch uns Alle, Die nach dem Lichte gehn, Durch Dich erlöst vom Treu unter'm Kreuze stehn. vom Falle, Auf diesem harten Throne Ruhst an drei Nägeln Du, Es deckt die Dornenkrone Dich, Schmerzenskönig, zu. So rufft Du: Wer beladen Von Schmerzen ist, komm her! In Meinem Reich der Gnaden, Da wiegt ihr Joch nicht schwer. Und in den wunden Händen Hältst Du des Zepters Rohr Und winkst damit, zu wenden Des Schwachen Blick empor: 10* 148 Im Reiche meiner Milde Bin Ich des Schwächsten Kraft; Er fliche nur zum Schilde, Den ihm die Demuth schafft. Und mit dem rothen Kleide Bist Du zum Trost geschmückt, Wenn sich in Todesfreude Der Martyr roth erblickt. Du sprichst: Im Reich der Qualen Wer trägt, als Ich, wohl mehr? Drum trinkt die Marterschaalen Nur bis zur Hefe leer. Und Deine Ordenszeichen, Der Ehren Schmuck und Preis, Sind Wunden ohne Gleichen, Sind Stricke, Schläge, Schweiß. Mein Reich ist tief umnachtet Sprichst Du dem Hohn geweiht; Kommt her, die ihr verachtet Wie cuer König seid! 1 - 149 Mein König, laß mich gehen Zu Dir mit festem Schritt, Dein Reich will ich erflehen, Mein Kreuz drum bring' ich mit. An's Kreuz geschlagen werden Ist Jedem ja vergönnt, Der sich auf dieser Erden Kind der Erlösung nennt. O gieb mir Deine Krone, Mein König, in die Hand! Mit Deiner Schmach und Hohne O mache mich bekannt! O laß Dein Rohr mich tragen, Gedenkend eitler Schuld, Und an Dein Kreuz geschlagen, Harr' aus ich in Geduld. III. Die Passion. 99 , Et inclinato capite, tradidit spiritum." Ev. Jo. 19. Es ist vollbracht! Das Opfer ist gefallen, Dem Haß zum Fluch, der Liebe zum Gewinn. Der ew'ge Bater blickt mit Wohlgefallen Auf Seinen Sohn, das kamm, am Pfahle hin. Es schreit mit seinem stummen bleichen Munde, Mit seinem Todeskampf zu Ihm empor, Und schweigend spricht aus jeder heißen Wunde Die Marterfülle, die es sich erkor. Das Opfer fiel- ficl, weil Er Selbst es wollte, Nicht, weil der Juden Haß gen Ihn entflammt, Das Pharisäervolk Ihm blutig grollte, Nicht weil ein Caiphas schäumend Ihn verdammt. D nein! es legt sich auf die Schlachtbank nieder Und bietet dar zu unerhörter Qual Mit stummen Lippen seine reinen Glieder Aus heißer Liebe ewig freier Wahl. 151 348 So wie mit freiem Willen Adam wählte Und gegen Gott zur Schlange übertrat, Und nicht die Gnaden, noch die Gaben zählte, Die ab ihn mahnen von der bösen That: So trat das Lamm mit seinem freien Willen 3u Gott hinüber jest im Sühnetod, Zählt nicht die Martern, die ihm überfüllen Den bittern Kelch, so ihm das Leiden bot. Und weil der erste Mensch die Adamskinder, Im Keim verderbt, in seinen Abfall zog, Also, daß bald die Missethat der Sünder Auf Erden die Gerechten überwog: So hat das Lamm auf jenen Keim gegossen Sein göttlich Blut, und ihn gereint, verjüngt, Damit ein neu Geschlecht in frischen Sprossen Als Blume der Passion das Kreuz umschlingt. Dies schaut der ew'ge Bater!- Doch, o Seele, Was siehst denn du?- Du siehst den Pfahl der Schmach, Daran dem Gotteslamm für deine Fehle Und Missethaten Herz und Ange brach. 152 348Du siehst den reinen Leib zerfleischt von Streichen, Die Er für deine Sündenschuld empfing- Sein Angesicht in Schmerz und Tod erbleichen, Weil Er statt deiner an dem Kreuze hing. Du siehst das Volk im Wahnwiß Ihn verachten; Warum verachtet es nicht licber dich? Du siehst Ihn dürstend ungelabt verschmachten- Und sorgsam denkst du an dein elend Ich! Du hörst Ihn klagen:„ Hast Du mich verlassen, Mein Gott!"- und dich, verließ dich Gott wohl schon? Du siehst von einem Mörder selbst Ihn hassen, Der Liebe König auf des Kreuzes Thron. Zu wem, o Seele, wirst du dich gesellen, Du, deine eig'ne böse. Mörderin! Wirst du voll Hohn dich zum Berächter stellen? Trittst du zum Kreuz des Reuevollen hin?- O Secle, wähle Buß' und Kreuz und flehe: „ In Deinem Reich, o Herr, gedenke mein!" Vielleicht spricht tröstend Er zu deinem Wehe: Im Paradiese wirst du bei mir sein." IV. Die Kreuzesanbetung. , 0 crux ave, spes unica.“ Ach! Er ist herabgesunken Von dem grausam harten Pfahle, Und die Klage, thränentrunken, Folgt ihm nach zum Felsenmale, Jammernd durch das Abendroth: Er ist todt, ach! Er ist todt! Der Geliebte ist verschwunden, Ruht umhüllt mit Leichenlinnen Seele, denk' an Seine Wunden, Um in Zähren zu zerrinnen, Daß für dich Er litt den Tod: Er ist todt, ach! Er ist todt! -848 154 Sich des Heiligthumes Leere, Sich statt Farben schwarze Trauer, Sieh die Oede der Altäre, Ringsum düst're Grabesschauer- Ein verlaff'nes Golgatha. Nur das Kreuz - das Kreuz ist da! Süßes Kreuz, zurückgelassen Hat Er dich als unser Erbe! Wollte zärtlich dich umfassen, Dich mit deiner Leidensherbe; Dankbar gabst dafür Ihm du Nach der Qual die lette Ruh. Ach die flüssigen Korallen Und die rieselnden Rubinen! Sind vom Himmel sie gefallen, Wo als Morgenroth sie schienen? Nein! die lichte Rosenflut Brach hervor aus Seinem Blut. 135 Ach der reine Perlenregen, Welch ein Schaß und welche Fülle! Thaute solch ein holder Segen Aus dem Strahl der Sterne stille? Nein! kein Thau aus Wolken fließt- Thränen sind's, die Er vergießt. Ach, drei feltne Wunderpfeile Mit der glühroth güldnen Spize! Flogen sie in Liebeseile Feurig nieder mit dem Blike?- Nein, es ist der Nägel Erz, Dran Er hing im größten Schmerz. Ach, was steht denn da geschrieben Als Gestirn in Finsternissen? Sieh, wie mächtig ist Mein Lieben, Da dein Schuldbrief ist zerrissen; Ich schlug ihn an's Kreuz mit Mir, Zahlte Leid und Tod dafür. - 1568Süßes Kreuz! so reich verzieret Hat dich unser Gott in Hulden, Daß wir lernten, tief gerühret, Frendig nun für Dich zu dulden, Für des Schmuckes heil'ge Pracht, Den Sein Opfer dir gebracht. O so will ich dich umfassen, Dich mit Thränen und mit Küssen, Weil mein Heiland so verlassen, Kreuz, an dir hat sterben müssen, Weil du bist der Hochaltar, Wo Sein blutig Opfer war. Küssen will auf rauhem Stege Ich dich treu in dunkeln Stunden; Denn es sind ja Rosenwege, Wo ich Seine Spur gefunden Denn es ist ja Sonnentag, Folg' ich Seinem Gange nach!- 1 157 Küssen dich in dem Gewirre Tausend arger Leidenschaften, Daß die Seele nicht verirre, Nicht in Schlingen bleibe haften; Fackel du auf meiner Bahn, Zeigst den Weg zum Himmel an! Steh' ich einst vor dessen Pforten Zagend und von Angst beklommen, Zeig' ich, süßes Kreuz, dich dorten, Und der Vater spricht: Willkommen! Nennst du dies mein Kleinod DeinWill Ich dir in ihm verzeih'n. Der Charsamstag. ,, O felix culpa." Welch ein Schreck voll frohem Bangen Zittert durch die Morgenluft! Blendend, wie des Blißes Prangen, Schwebt ein Engel dar zur Kluft, Und die Wächter angstumfangen Stürzen nieder vor der Gruft. Doch die zarten, frommen Frauen Treten mit den Spezerein, Nach dem heil'gen Leib zu schauen, In das leere Grab hinein, Fühlen nur ein freudig Grauen Vor des Engels Glorienschein. 159 4 Aber als die Magdalene Leer die heil'ge Stätte fand, Weint sie Thräne über Thräne, Trostlos ringt sie wund die Hand, Irrt umher mit Klaggestöhne, Bis der Meister vor ihr stand. Sie, die große Sünderinne, Die Verachtete der Welt, Sie, sie wird zuerst es inne, Als sie Ihm zu Füßen fällt, Daß das Leben sie gewinne, Weil das Grab nicht mehr Ihn hält. Und sie wird ein sel'ger Bote, Der in voller Freude eilt, Daß noch vor dem Morgenrothe Jeder ihre Wonne theilt, Weil erstanden jeßt der Todte Und auf Erden lebend weilt. 160 Er, der ihre Sündenbanden Mit der Liebe Flammenschwert Mild zerschmolz- ist auferstanden, Aus dem Grab zurückgekehrt! O wenn Qualen sie umwanden, Dieses Glück ist Qualen werth! Hat Er jeßt den Tod besteget Und der Hölle schrecklich Thor An den Sieger angeschmieget Dringt mit Ihm die Seele vor, Und mit dem Befreier flieget Aus dem Grab sie einst empor. - Reue kann allein ergründen, Welchen Schaß Erlösung bringt; Liebe nur kann Reue finden, Die zu Gott hinüber dringtDrum Bergebung für die Sünden, Wenn die Neu' das Herz bezwingt. 161 K Sel'ge Nacht, die Ihn geboren, Die Ihn in die Welt gebracht! Aber die, so auserforen, Zeugin Seiner Siegesmacht, Gehn Ihn sah aus Grabesthoren O die dreimal sel'ge Nacht! In der Sünde bitt're Wogen Taucht uns All' die erste Schuld! Doch da sie herab gezogen Des Erlösers Gnad' und Huld, Und zur Rettung Ihn bewogen O die dreimal sel'ge Schuld! Dahn- Hahn, Das Jahr der Kirche. - 11 Oftertag. Surrexit." - - Ev. Marc. 16. Das leid ist vorüber, die Wonne ist da, Die Klage verstummt im Alleluja, Der Tod ist besieget, die Schlange gekettet, Das Leben erneut und der Mensch ist gerettet. Dreich benedeit ist die ganze Natur, Im Meer der Erlösung ruht die Kreatur, Es fließt ein unendlicher wonniger Regen Von Gnaden hernieder, der Schöpfung zum Segen O freue dich, Seele, der Winter entfloh, In's Land zieht der Frühling so lieblich und froh, Der Morgenwind säuselt den Nachtthau vom Laube, Im Waldesgrün girret die Stimme der Taube. Schau, rings ist verwandelt in Leben der Tod: Der schmähliche Kreuzpfahl vom Blut erst noch roth, Ist ganz überdeckt mit unsterblichen Rosen, Die Balsam verhauchend, ihn zärtlich umkosen. 163- Die Strafe der Sünden nach göttlichem Zorn, Die finstere Krone von stechendem Dorn Verwandelt erstrahlt sie von himmlischem Lichte, Macht Demant, Gestirne und Sonnen zunichte. Ein Grabmal im Felsen, so schwarz wie die Nacht, So kalt wie der Winter- verwandelt zur Pracht Der hoffnungsschön strahlenden ew'gen Aurore, Zum Palmengeschmückten Unsterblichkeitsthore! Fünf Wunden von Nägeln, vom tödtenden Speer, Nicht brennen und nagen sie qualenvoll mehr; Sie sind nun verwandelt in mächtige Sonnen, Vor denen die Nächte der Sünde zerronnen. Der arme verhöhnte gekreuzigte Knecht, Der Mann der Schmerzen, der Mann ohne Recht, Der lebt' wie ein Bettler und starb wie ein Sünder, Der ist nun der König der Weltüberwinder! - Die Seele geknechtet von Asche und Staub, Der wilden Begierden behaglicher Raub. Sie ist nun erlöst von der Leidenschaft Binde, Kind Gottes geworden, nicht Kind mehr der Sünde. 11* 164- Altväter, die ihr aus dem Kerker aufgingt, Ihr Engel, die ihr sie im Himmel empfingt, Propheten, die ihr mit begeisterten Zungen Den ewigen Ostertag jubelnd besungen- 1 Ihr Heil'gen mit leuchtenden Kronen geschmückt, Ihr feurigen Märtyrer liebeentzückt, Und ihr, armer Sünder unzählbare Schaaren, Frohlockt ob dem Heil, das der Welt widerfahren. Frohlockt! Denn der Seele verlorenes Glück, Des Ebenbilds Gottes- das ließ Er zurück! Das riß Er verblutend aus Dornen und Nessel, Dem sprengt mit dem Krenze Er sterbend die Fessel. Frohlockt! Das verlorene Unschuldsgewand, Das reicht Er mit Seiner durchstochenen Hand, So glänzend gewaschen, wie Schwanengefieder, Im heiligen Blut- der Geretteten wieder. Frohlockt! Dem erlöseten Menschengeschlecht Erkaufte der Gott das verlorene Recht, Im Kampf mit der giftigen Schlange zu siegen, Vom Tode befreit, in den Himmel zu fliegen. 1 Oftermontag. ,, Mane nobiscum, quoniam advesperaseit." Ev. Luc. 24. Du willst schon wieder von uns scheiden, Und haft in allzu kurzer Frist Uns kaum gezeigt, daß nach dem Leiden Du Auferstandner bei uns bist! O bleibe, es will Abend werden, Und ohne Dich wie bald ist's Nacht! Das Licht verschwindet von der Erden, Mit Dir, der Du das Licht gemacht. — Wohl haft Du lieblich uns gegrüßet, Gesprochen:„ Friede sei mit euch!" Wohl wissen wir, Dein Wort umschließet Verheißung wie Erfüllung gleich. Doch wenn der Trennung starrer Schleier Nun scheidend zwischen uns sich legt, Wie bald erlischt des Herzens Feuer! Es glühet nur, von Dir gepflegt. 84 166 348 Wohl brannten unsre kalten Herzen, Doch nur entflammt von Deiner Näh. Ach, fern Dir sind's erloschne Kerzen, Sind schnell versenkt in's alte Weh. Ohn' Dich ist Wahrheit, Weg und Leben Verschüttet wie im Wüstensand. Fehl geh'n wir, gehst Du nicht daneben, Und müd'- wenn nicht an Deiner Hand. In Sumpf und Meer verlockt uns Blinde Das Irrlicht und der Wandelstern;- Bleibt nicht der Vater bei dem Kinde, Wenn ihm Gefahren drohn von fern? Und Dir, der höchsten Liebe Spiegel, Dir hätten wir umsonst geklagt? Und hast:„ Komm unter Meine Flügel, Jerusalem!" wie oft! gesagt. Und hast gesagt:„ Sieh, alle Tage Für alle Zeit bin Ich bei euch!" O halte Wort! denn unsre Klage Erstürmte selbst Dein Himmelreich. 1 167-3 Dein heilig Wort mußt Du uns lösen, Der Menschheit Glaube hängt daran, Wir sind noch lange nicht genesen, Dein Amt, noch ist's nicht abgethan. Wohl stiegst herab Du zu der Erde, Ein Kind, ein Knecht, daß Gottes Fluch Gelöst durch den Gehorsam werde Doch das ist nicht für uns genug! Wohl war's die Strafe unsrer Sünden, Die Gottes Lamm hier für uns trug, Daß statt des Rechts wir Gnade finden Doch ach, für uns ist's nicht genug! - Wohl bist Du glorreich auferstanden, Bewältigend des Todes Spruch, Zerbrechend alle Höllenbanden. Doch alles Das ist nicht genug: Mensch werden, sterben, auferstehen, Ein Gott für Sein Geschöpf! o nun Laß uns ein neues Wunder sehen! Wir brauchen es Du wirst es thun. 1 168 Drum wolle nicht von hinnen scheiden, O steh, der Abend bricht herein! Getrennt von Deinem Lichte leiden Wir Pilger allzu herbe Pein. Dein göttlich Antlig laß uns sehen, Dein göttlich Herz sei nicht uns fern! Denn muß die Sonne untergehen, So schickt sie ja den Abendstern. Dritte Abtheilung. Die Eucharistie. 99 Der weiße Sonntag. Omne quod natum est ex Deo vincit mundum." Ep. Jo. 1. Bu wunderbarem Glück erkoren Hat euch, o Kinder, Gottes Gnade: Ihr gingt, als unser Herr geboren, Zuerst für ihn die Leidenspfade, Euch traf der Haß, euch traf Verderben, Ihr durftet schuldlos für Ihn sterben. Nun ist Er aus dem Grab erstanden, Nun hat den Tod Er überwunden, Befreit uns von der Sünde Banden, Den Weg der Gnade uns gefunden, Um zu des Himmels sel'gen Thüren, Wer immer glaubt und liebt, zu führen. 172 348Nun ruft Er auf die Schaar der Seinen:- Wer hat den ersten Kranz erworben? Dihr Glückseligen, ihr Kleinen! Ihr seid zuerst für Ihn gestorben, Empfangt zuerst nun auch Sein Leben, Er will Sich Selbst zuerst euch geben. Im Gnadenleben neu geboren Nehmt ihr nun Theil an Seinem Siege, Die Hölle hat die Macht verloren, Die Bosheit knirscht, es bebt die Lüge, Ihr seid jest Herr, sie sind die Knechte- O Kinder, wahrt die heil'gen Rechte! Ihr könnt mit Ihm jeßt überwinden Den Fürst der Welt, die alte Schlange, O laßt euch stark im Kampfe finden, Folgt nicht der Welt, wie sie auch prange, Sie hat euch ew'ge Qual beschieden, Und Er verheißt euch ew'gen Frieden. 173 Gedenket jener ersten Kinder! Sie gaben Ihm im Tod ihr Leben, Ihr müßt Ihm liebend jest nicht minder Im Leben euer Leben geben, Müßt euch verlassen, mit Ihm gehen, Müßt täglich sterbend auferstehen. O Seele, werde gleich dem Kinde, In Demuth stell' dich zu den Kleinen, In Reinheit fliehe jede Sünde, In Einfalt wolle sein, nicht scheinen, Dann gehst auch du auf Kindeswegen Der ew'gen Kindschaft Glück entgegen. Erster Sonntag nach Ostern. ,, Venit Jesus januis clausis et dixit: Pax vobis." Ev. Luc. 2. Der Du durch verschloff'ne Thüren Deinen Weg geöffnet fandest, Ohne Riegel zu berühren, In der Jünger Mitte standest Wedtest bei dem Friedensgruße Sie mit frohem Glaubensstrale, Und des Thomas Lieb und Buße Zeigend ihm die heil'gen Male: Ach, Du siehst auch jest verschlossen Und versperrt der Menschen Herzen, Die, der Sünde Festgenossen, Ihre weißen Kleider schwärzen; 84 175 Siehst die Schwachen, wie sie zagen, Siehst die Spötter, wie sie höhnen, Siehst troß allen Luftgelagen Weit und breit ein Meer von Thränen; Siehst, wie sie nach Flitter greifen, 3rr im wirren Weltgetriebe, Glaubensleer fernab Dir schweifen, Ach von Dir, dem Herrn der Liebe. O so wende Deine Schritte Doch zu meines Herzens Pforten, Schreite fiegreich in die Mitte, Grüße mich mit Friedensworten! Nicht, als ob ich besser wäre, Minder haftete am Staube, Wärmer suchte Deine Ehre- Nein!. - Doch Herr, ich glaub', ich glaube! Zweiter Sonntag nach Ostern. ,, Ego sum pastor bonus." Ev. Jo. 10. Im heil'gen Liebesdrange Durchwandelt Er die Flur, Verfolget treu und bange Verirrten Lammes Spur. Der Hände Wunden röthen Den Hirtenstab mit Blut, Des Fußes Weg voll Nöthen Ist Dorn und wilde Flut. Der kalte Nachtthau feuchtet Die Locken dornbekränzt, Kein Stern am Himmel leuchtet, Sein liebend Aug' nur glänzt. - 177 3 Wem folgt Er in's Gefilde, Zur Wildniß ohne Ruh, Wen sucht des Hirten Milde?- O Seele, das bist du! Hahn- Hahn Das Jahr der Kirche. 12 Dritter Sonntag nach Ostern. ,, Vado ad Patrem." Ev. Jo. 16. Bum Vater willst Du gehen, Zum Thron im ew'gen Licht? Wir sollen nicht mehr sehen Dein göttlich Angesicht? Wir sollen künftig leben Vom bittern Sehnsuchtsbrot, Und Trost soll uns nur geben, Daß Deine Hand es bot? Daß eine kleine Weile Nur unsre Trauer währt, Und dann zu unserm Heile In Wonne sich verklärt? 179 Deine kleine Weile Von Dir getrennt zu sein, Die fliehet nicht in Eile, Die Weile ist nicht klein. Nah Deinem süßen Herzen, Fern ihm nur kurze Zeit: Ist Meer von Lust und Schmerzen, Ist eine Ewigkeit. 12* Vierter Sonntag nach Ostern. ,, Expedit vobis ut ego vadam." Ev. Jo. 96. Was, Seele, kannst denn du ergründen, Durchschaust du der Erlösung Plan? Ist wohl dein Auge frei von Binden Und dein Verstand wohl ohne Wahn? Auch du willst trauern mit den Jüngern, Weil du am Irdischen noch klebst! Du willst das Leid dir selbst verringern, Weil du noch nicht für's Leiden lebst. Hörst du denn nicht, was Er verheißen: „ Ich gehe, weil es euch so frommt, Der Tröster wird euch unterweisen, Der, wenn ich heimging, zu euch kommt." 181 Verharre standhaft im Gebete, Der treue Beter ist umkreist Von Gnadenfülle!- bete, bete, O Seele, um den heil'gen Geist. Fünfter Sonntag nach Ostern. ,, Si quid petieritis Patrem in nomine meo, dabit vobis.c Ev. Jo. 16. Vor Gottes Thron hin darf ich treten, Und wo der Seraph kniet und schweigt, Darf ich in Deinem Namen beten, Und hoffen, daß Du mir geneigt. Und in dem Kranz der Cherubinen, In der Erzengel heil'gem Chor, Und wo Dir sel'ge Geister dienen, Da leihst Du gnädig mir Dein Ohr. zu groß die Huld! Zu viel der Gnaden! In dieser Wunderliebe Meer Will ich mich rein von Wünschen baden, Durch die so oft das Herz mir schwer. 183 Frei von der Last bitt' ich dann stille, Gicb, daß mein Herze ewig sagt: Mein Herr und Gott, Dein heil'ger Wille Gescheh an Deiner armen Magd. Fest der Himmelfahrt Christi. ,, Dominus Jesus assumptus est in coelum et sedet a dextris Dei." Ev. Marc. 16. " 9 Sein heilig Erdenwallen ist vollendet, Die arbeitschweren Tage sind erfüllt, Er geht zum Vater, der ihn ausgesendet, Vom Schatten einer Wolke überhüllt. In Wolken schleiert Er sein ganzes Leben, Aus Lieb und Demuth vor den Seelen ein, Die vor dem Glanz des ew'gen Worts erbeben, Geblendet durch der Wahrheit vollen Schein. Denn nicht im Schauen sollen sie die Pfade Des Lebens gehn; der Glaube ist ihr Licht. Er ziemt dem Kindersinn und einst, o Gnade! Ist er es, der den Sel'gen Kronen flicht. Drum waren auf des Menschgewordnen Wegen All überall ihm Wolkenschleier nah, Jest auf des Delbergs frühlingsgrünen Stegen, Wie sie der Tempel einst, der Thabor sah. 185 Und weiße Himmelsboten sprachen helle: Wen sucht, o Galiläer, euer Blick? Ihr schaut nie mehr den Herrn auf dieser Stelle, Er ist im Himmel! Doch Er kehrt zurück! Er kehrt zurück an jenem ernsten Tage, Wann abgelaufen ist das Rad der Zeit. Als Richter dann und auf gerechter Waage Prüft Er die Seelen für die Ewigkeit. O Seele, bebst du nicht bei dem Gedanken: Gewogen wirst du für die Ewigkeit Geöffnet sind dir wohl des Wettlaufs Schranken, Doch du bist weit vom Ziele, ach wie weit! Du sollst auf deinem' staub'gen Pilgerzuge, Von Staub umwehet, deines Weges gehn, Und doch in dir verklärt zum Himmelsfluge Die Schwingen spannen- ach, kann das geschehn? - Getrost, o Seele! Er, der dich erschaffen, Und dir bestimmt hat solch erhabnes Ziel, Er rüstet dich mit siegesstarken Waffen, Wenn du ihn bittest: Herr, ich brauche viel! 186 Drum theilte deine Menschheit Er hienieden, Drum litt Er ja den Tod des Sünders hier, Drum bracht' Er, auferstanden, die den Frieden, Ging in verklärter Menschheit neben dir. Drum stieg Er auf zum Bater in den Höhen, Mit der verklärten Menschheit Lichtgewand! Des Menschen Gottvereinung ist geschehen, Als Er, der Gottmensch, in der Wolke schwand. Wenn du, o Seele, einst im Tod verschwindest, Wie in der Wolke, sorge, daß dein Kleid, Worin du deinen Herrn und Richter findest, Verkläret sei von innrer Heiligkeit. Und kannst du zagen, daß Er dich verlassen, Weil ihn dein stumpfes Auge nicht erblickt? Er, der da sprach: Mein Kreuz mußt du umfassen! Er hat so lieblich dir das Kreuz geschmückt. Nun will Er dich in der Verklärung schauen, Nun fordert Er dein gläubiges Gebet. Dann schickt Er dir aus lichten Himmelsaucn Den Geist der Heiligung den Paraclet. 99 Sechster Sonntag nach Ostern. Charitas operit multitudinem peccatorum." Ep. I Pet. II. Du willst uns verkläret, o Herr, bei Dir sehen, Du zeigst in der Liebe zum Himmel die Bahn, Du gönnst uns die Wonne, um Liebe zu flehen, Du läßt nur die Liebe die Krone empfahn. Wir sollen, wir ärmliche Staubesgestalten, Verfallend dem Moder, verwandt mit dem Thier, Bestegen die irdischen niedern Gewalten, Bewaffnet mit Liebe, mit Liebe zu Dir! Wir sollen, wir flüchtigen Aschengebilde, Wir Raub der Verwesung, gestempelt mit Tod, Zum Leben erstehn, das die göttliche Milde Im Tode der Liebe den Liebenden bot. 188 Wir sollen, geächtete Kinder der Sünden, Die Stirnen gezeichnet mit brennendem Mal, Zum ewigen Preise der Lieb' uns verbünden Der seligen Geister liebender Zahl. Wir sollen im Irdischen länger nicht wühlen, Und gönnen den Dieben und Motten den Schap; Denn da wo zum Hasse die Engel einst fielen, Da winket und öffnet die Lieb' uns den Plaß. Ohülle uns ein in die Purpurgewande Zum Brautfest der Liebe, in rosige Zier, Und führe uns in der Lebendigen Lande, Denn Leben ist Liebe ist Liebe zu Dir. - Der goldene Schleier des Glaubens zerstäubet, Es fällt, wie die Blüte, das Hoffnungskleid. Der purpurne Mantel der Liebe nur bleibet, Verbrämt mit dem köstlichsten Edelgeschmeid. 189 Das heilige Blut mit den Purpurkorallen, Der heilige Geist mit der Flamme Rubin, Vom Kreuz und aus Liebe hernieder sie wallen, Zum Himmel, zur Liebe empor uns zu ziehn. Pfingstsonntag. ,, Paraclitus autem Spiritus sanctus, ille vos docebit omnia. Ev. Jo. 14. Die Schöpfung wich aus ihren Bahnen, Fiel heim dem Fluch, versank im Tod, Und folgte der Empörung Fahnen, Die Lucifer dem Adam bot. Und was des Baters Huld geschaffen, Für's ew'ge Licht in Gnadenpracht, Das kehrte wider ihn die Waffen Und wählte frei die ew'ge Nacht. Da kam der Sohn! In höh'rer Weise Begann die zweite Schöpfung Er Und zog aus irrendem Geleise Die Menschheit zu dem Gnadenmeer, Das- seiner Liebe Frucht und Spiegel- Der Wunden Heilung in sich schloß, Bezeichnet mit dem Kreuzessiegel Aus dem durchbohrten Herzen floß. 191 Nun kommt der Geist! Mit Macht beflügelt, Vom Bater und vom Sohn gesandt, Hat er das Testament entsiegelt, Das er an's Krenz genagelt fand. Dem Werk vom Vater und vom Sohne, Der Schöpfung, der Erlösung Plan, Fügt nun der heil'ge Geist als Krone Die Heiligung im Glauben an. Er nimmt vom Aug' die trübe Wolke, Verstanden wird das Testament Von diesem neugebornen Volke, Das jeßt sein heilig Amt erkennt, Den wahren Tempel zu begründen Voll Glaubenskraft und voll Vertraun, Daß nimmer Muth und Segen schwinden, Um Gottes Kirche zu erbaun. Er nimmt vom Herzen trübe Schleier, Verstanden wird das Testament: Ein überirdisch Liebesfeuer In allen Seelen flammt und brennt. 192 Es fallen still der Selbstsucht Schranken, Verzehrt von dieser heißen Glut, Die, schmelzend Willen und Gedanken, Zur Einheit drängt, in Einheit ruht. Er nimmt die bange Angst den Wesen, Den Erdendruck der Kreatur, Sie fühlt bestimmt sich zum Genesen, Sie ahnet in sich Gottes Spur. Sie ist nicht mehr der graue Kieſel, Die Flamme zuckt durch sie dahin Und wandelt sie im Blutgeriesel Zum liebesfeurigen Rubin. Sie irrt nicht länger wie verloren In ihres Lebens Wildniß fort! In Gnade ist sie neugeboren, In Liebe hat sie ihren Hort. Und dieser Liebe Gnadenfülle, Die keines Engels Lippe nennt, Rauscht durch des Festes hehre Stille: Erbrochen ist das Testament! 193 Die Seel' im Schmuck der Wundergnaden, Bräutlich gekrönt vom Diadem, Folgt höh'rem Lichte auf den Pfaden Zum himmlischen Jerusalem. Und als sie geht im ernsten Reigen Zum Opferthron, zum blut'gen Lamm, Da säuselt es von Palmenzweigen, Da klingt es um den Bräutigam: Wenn du den Lauf getreu vollendet, Im Glaubenskampf genug gethan, Verwaltet hast, was Ich gespendet, Nehm' Ich als Braut dich liebend an. Du mußt im irdischen Getümmel Zur Liebesstreiterin dich weihn, Wenn du dereinst in meinem Himmel Gekrönte Siegerin willst sein. Soll deine Stirn das Siegel tragen, Das funkelnd die Erwählten weist, Must bau'n am Tempel ohne Zagen Für Vater, Sohn und heil'gen Geist, Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 13 8194 2+ 3 Den, auf den Fels für Ewigkeiten Gegründet, jeglich Auge schaut, Palladium der fernsten Zeiten An Meiner Kirche, Meiner Braut. Pfingstmontag. -" Lux venit in mundum" Ev. Joann. 3. Du wundervollste Gabe, Heil'ger Geist, Du himmlisch Licht, Tröster ach! Du kommst zur Labe Aller, denen Trost gebricht. Höre denn auch auf mein Flehen, Komm in meines Herzens Haus, Wolle, ach, es nicht verschmähen, Sieht's auch elend darin aus. Schau, wie es so schwach beschaffen, Wie es bebt im tiefsten Mark, Wenn der Feind erhebt die Waffen! Tröster Du! o mach' es stark. 13* - 196 Schaue, wie es hart geschlossen, Daß der Gnade Thau, so reich, Wie auf Stein herab geflossen! Tröster Du! o mach' es weich. - Schaue, wie es kränkelt immer, Von dem Wurm des Ich's benagt, Matt vom eignen Klaggewimmer!- Mach' es heil und unverzagt. Schaue, wie es arm am Gute, Dran nicht Rost, nicht Motte zehrt, Reich nur ist am Uebermuthe O Dein Schaß sei ihm bescheert! - Schau', wie wüst es und verdorben, Trug nur ist und eitler Schein, An der Sünde Gift gestorben! Neues Leben schaff ihm ein. 1 197 Schaue, wie es ohne Werke Troßig seine Wege sucht, Früchte will der eignen Stärke!- - Gieb ihm Du der Demuth Frucht. Schaue, wie es ohne Frieden Ab sich müht und doch von Ruh Träumt für's ärmliche Hienieden!- Gieb ihm Himmelsfrieden Du. Schaue, wie es dürstend schmachtet Und nach Liebe, Liebe strebt!- Zeig' ihm denn, wo nie umnachtet, Wechsellose Liebe lebt. Heil'ger Geist, o nicht vergebens Flehe ich zu Dir so heiß! Auf den Wildling meines Lebens Pfropfe Du ein Christus- Reis! Der heil. Dreifaltigkeitssonntag. ,, Baptizantes eos in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti.- Et ecce, ego vobiscum sum omnibus diebus usque ad consummationem saeculi." Ev. Matth. 28. Du hast Dir Deine Braut gestaltet, In Deiner Kraft fie so geweiht, Daß sie in Deinem Namen schaltet, Hochheilige Dreifaltigkeit. Du haft den Zepter ihr gegeben, Der dieser Königin gebührt, Und mit dem Spruch vom ew'gen Leben Die Lippe feurig ihr berührt. Das Kreuz in seiner vollen Herbe- Das ist ihr Zepter! er ertheilt Der Kinderschaar ein göttlich Erbe, Wenn bei der Mutter treu sie weilt. 199 Der Spruch in seinem engen Rahmen Erfüllet das, was er verheißt: Die Taufe spendet Gnad' im Namen Vom Vater, Sohn und heil'gen Geist. Der ersten Schöpfung Urgebilde Entstiegen aus der Wasserflut, Auf deren dunkler Chaoswilde Der Geist der Kraft und Liebe ruht. Und einem zweiten Wasserspiegel Entsteigt sie wieder neubelebt, Als über ihr auf Silberflügel Der Gnade Geist, die Taube schwebt. Weil sie aus Liebe war geschaffen, Steht nach der Liebe all ihr Drang; Doch ihre Todeswunden klaffen, Die Nacht umwölkt den irren Gang. Sie weiß nicht wie, wohin, sich retten, Die Sünde lockt, sie sieht nicht klar, Sie fällt in falscher Liebe Ketten Sie wußte nicht, was Liebe war. 200 Sie lernt' es wieder, als am Stamme, Des Kreuzes dort ihr Opfer starb; Sich schlachten ließ gleich stummem Lamme, Mit seinem Blut ihr Heil erwarb. Da drängte sie sich zu dem Bade, Das rosig aus der Brust ihm floß, Ein neues Element, die Gnade, In ihre starren Adern goß. Zu diesem Bad, rein gleich Kristallen, Und wärmer als der Sonne Glut, In Schaar auf Schaar die Kinder wallen, Es hält die Braut dabei die Hut. Wer da geboren, ist verloren, Tod ist sein Leben, nicht'ger Schein, Will er nicht wiederum geboren, Ein Kind der neuen Schöpfung sein. Und strahlend, wie sie aus dem Herzen Des Vaters in das Weltall trat, Wie sie der Sohn in Todesschmerzen Am Kreuze sich vermählet hat 1 1 201 Wie bräutlich ihr der Geist die Stirne Mit lichter Ehrenkrone kränzt, Der leuchtender als die Gestirne, Als Sonnenmeere, fie umglänzt Das ew'ge Lamm zu ihrer Rechten: So steht die Braut auf's Kreuz gestüßt, Und schaut aus ihren Erdennächten Zur Taube auf, die sie beschüßt; Und die Millionen, die da kamen Und kommen bis an's End' der Zeit, Sie taufet sie in Deinem Namen, Hochheilige Dreifaltigkeit. - Und wer verkrüppelt in die Höle Der Schlangenbrut, der gift'gen, sank Die ihm das Mark aus seiner Seele, Das Licht aus seinem Auge trank- Dem hat die Kirche neu gegeben Das Heil, das ihm verloren war: Sie hat geboren Den zum Leben, Den Eva einst zum Tod gebar. Das Fest des hochheiligen Frohnleichnams. ,, Et verbum caro factum est." Ev. Joann. I, 14. Zur Vorvesper. ,, Sacerdos in aeternum Christus Dominus secundum ordinem Melchisedech panem et vinum obtulit." Durch Geist und Wasser neugeboren, Vom Aussaß, der sie schlug, befreit, Ist jetzt die Seele auserkoren Für's Morgenroth der Heiligkeit. Der sich der Sonne Strahlensprühen Erwählet hat zum Luftgezelt, Der sieht in jenem Morgenglühen Die heil'ge Dämmrung seiner Welt. Denn jenes Rosenglanzes Flammen Empfingen ja ihr Licht durch Ihn, Um einst mit ihrem Quell zusammen In einem Sonnenherd zu glühn. 203 Doch ziehn noch immer trübe Nächte Mit Wolk' und Nebeldunst einher, Und machen geltend. alte Rechte, Umspinnen ach! die Seele schwer. Um diesen Pestqualm zu ertödten, Errichtet Er nun den Altar Im Licht der ew'gen Morgenröthen, Vom Glanz des ew'gen Opfers klar: Ein Abelsopfer, dessen. Düfte Vor Gottes Thron ein Weihrauch sind, Ein Balsam, der den Hauch der Grüfte Unschädlich macht dem Gotteskind. Uns uns zu Liebe und zur Ehre Des ew'gen Vaters bringt Er dar, Der eingeborne Sohn, der hehre, Sein Fleisch und Blut leibhaftig, wahr. Als ew'ger Hoherpriester gründet Er dies Geheimniß wundersam, Selbst der Altar, der uns entsündet, Selbst Opfernder und Opferlamm. 204 Er reicht der Engel Wunderspeise Den Hungernden beim Abendmal, Als Zehrung auf der Wüstenreise Durch dieses Daseins Thränenthal. Er spricht: Nimm hin mein Fleisch zum Leben, Du wirst in mir in dir Ich sein; Mein Leib, für dich dahin gegeben, Ist dieses Brot, ist dieser Wein. - So oft du kommst, will Ich dich laben, So oft du kommst, gedenke mein; Denn Ich, dein Gott, in diesen Gaben Als Gott und Mensch kehr' bei dir ein. Hast du mich liebend aufgenommen, So geh' zum Kampf gerüstet hin, Und heil'ge dich und sei vollkommen, Weil Ich, dein Gott, vollkommen bin. Ich bin bei dir bis zu dem Ende, Mein Tod versöhnt des Vaters Zorn, Mein Segen füllet deine Hände, Mein Leben ist dein Lebensborn. - 205 Nun geh', und halte deine Krone, Die bräntliche, im Glauben rein, Dann wirst du einst auf meinem Throne Auch meine Braut im Schauen sein. Bur Matutine. ,, Hic est panis qui de coelo descendit. Qui manducat hunc panem, vivet in aeternum.“ Ev. Jo. 6. Noch ist nicht erstanden die Sonne, Doch jubelt die selige Welt In süßer Erwartung, voll Wonne Entgegen dem siegreichen Held, Der heut im Triumphe durchwallet. Das Reich, so entsproß seinem Blut, Vom jauchzenden Hymnus umhallet: Triumph dem Hochwürdigsten Gut! Das Lob, das durch alle Aeonen Von himmlischen Geistern erklingt- Das Lob, das auf goldenen Thronen Die Schaar der Gekröneten singt- Das, Seele, mit bebendem Munde Frohlock' unermüdlich wie sie; Heut preis' mit den Engeln im Bunde Das Wunder der Eucharistie. 207 O selige Kirche, du feierst Den Brautzug im festlichen Reihn, Mit Rosen und Weihrauchduft schleierst Du vor dem Geliebten dich ein. Er kommt von dem ewigen Hügel, Wo blutend als Lamm Er geruht; Er kommt auf der Liebesglut Flügel Im süßen Hochwürdigsten Gut. O schaue mit trunkenen Blicken Den göttlichen Bräutigam an, Empfange mit stillem Entzücken Den Segen, den Er dir gewann. O Er, den die Engel umschweben, Dem Seraphim huldigen, sich! Er Selbst hat Sein Selbst dir gegeben Im Wunder der Eucharistie. Dir ist es vergönnet zu hegen Dies Kleinod, der Liebe Juwel, In bräutliche Seelen zu legen Das göttliche Lamm ohne Fehl, 208 Die Herzen in Lieb' zu entzünden Für Ihn, der sie liebet mit Glut, Und der sich aus Liebe läßt finden Im süßen Hochwürdigsten Gut. D Kirche, wie bist du begnadet! Du trägst das Altarssacrament, Im göttlichen Blute gebadet, Zum Ziel, das alleine Er kennt. Du wandelst voll Lieb' und Vertrauen, Die Er dir in Gnaden verlich, Um einst in der Glorie zu schauen Den Gott statt der Eucharistie. 1 Bu Faudes. ,, Deus charitas est." I Joann. IV, 16. Liebe weiß von keinen Schranken! Nicht zu messen durch Gedanken, Nimmt sie ihren Wunderlauf, Steiget zu der Seele nieder, Schwingt mit ihr vereinigt wieder In den Himmel froh sich auf. Liebe weiß von keiner Enge! Zahllos will der Gaben Menge Sie in Gnadenflut verleihn. Hat sie dann nichts mehr zu geben, Giebt sie liebend selbst ihr Leben, Haucht die eigne Seele ein. Bahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 14 210 39. Liebe weiß von keiner Sünde! Freudig schlingt, die Opferbinde Um die Stirn sie am Altar; Will als Opfer gern verbluten, Um zu löschen Höllengluten, Drin die Welt gefangen war. O mein Heiland, mein Befreier, Mein Erretter, Vielgetreuer, So ist Deiner Liebe Macht: Kamst für mich vom Gottesthrone, Wardst für mich zum Menschensohne, Gingst für mich durch Erdennacht. Bist für mich auf's Blut geschlagen, Haft für mich das Kreuz getragen Und des Purpurmantels Spott- Haft für mich Dein reines Leben Wie ein Sünder hingegeben, O mein Heiland, Du, mein Gott! 211 Wolltest dann nach all dem Leiden Nicht von meiner Seele scheiden! Als Du aufführst himmelwärts, Ließst Du mir, o Welterneuer, In des Sacramentes Feier Meines Gottes ganzes Herz. Gönntest mir der Engel Speise, Schlicht verhüllt nach irdischer Weise, Ew'gen Lebens wahren Quell; Hast Dich erst für mich verzehret, Hast mich dann mit Dir genähret, Trenester Emmanuel. Laß, o laß Dein Blut mich trinken, Mich im Wonneschmerz versinken, So geliebt von Dir zu sein. Dir getreu laß mit Verlangen Kreuz wie Kronen mich umfangen, Denn ein Gott, ein Gott ist mein! 14* 31 Zur Prim. Praebe, fili mi, cor tuum mihi." Prov. XXIII, 26. Mein Herze willst Du haben? D Herr, es ist zu schlecht! Geziert mit meinen Gaben, Da wird es gut und ächt. Es kann ja nichts Dir geben, Als Asche statt der Glut. Ich werd' es neu beleben, Ich tauch' es in Mein Blut. Bethaut von bittern Zähren, Verlor es Glanz und Schein. Ich werde es verklären In all den Thränen mein. 213 Die Sünde hält's umwunden Mit finstrer Nacht und Tod. Ich berg's in Meinen Wunden, Da wird es rosenroth. Es hat ja ganz verloren Den rechten Weg zu Dir. Am Kreuze neu geboren, Da zieh ich es zu Mir. Es sucht zu widerstreben, Vom langen Troß gestählt. Mein Liebesdurst wird geben, Was ihm an Liebe fehlt. Es ist in Gram verschleiert, Ihm fehlt der Unschuld Glanz. So werde es erneuert Durch Meinen Dornenkranz. 214 Mit Undant Dein Erbarmen, Mit Schuld lohnt Dir's sein Glück. Mit ausgespannten Armen Wink Ich's zu mir zurück. Wie magst Du, Herr, nur finden An solchem Elend Reiz? Du fragst?- für seine Sünden Hing Ich am blut'gen Kreuz. An Deinem Liebesschmerze Zerschmilzt die Seele mir. Dann gieb Mir, Kind, dein Herze, Mein eignes nimm dafür. Bur Terz. „ Ecce, ego vobiscum sum omnibus diebus." Matth. 23, 20. Du bist bei mir alle Tage Und ich zage! Herr und König meiner Seelen, Könnte Deine arme arme Magd Wohl ein größer Glück sich wählen. Als dies Wort ihr zugesagt? Ist es nicht des Himmels Freude, So der Engel mit ihr theilt, Daß im Glücke, wie im Leide Nahe stets ihr Gott verweilt? Daß an seines Altars Stufen Liebend er sie stets empfängt, Daß sie nahn darf ungerufen, Wenn ihr Herz zu ihm sie drängt? 216- Daß sie in vertrauter Stille, Die kein Erdenlärm verstört, Aus des Herzens vollster Fülle Zu ihm spricht und auf ihn hört? Daß sie ihre tausend Sünden Weinend vor ihm offen legt, Um Barmherzigkeit zu finden, Wie Dein Herz, o Gott, sie hegt?- D Geliebtester der Seelen, Nicht genug, daß Du mich liebst, Um für mich den Tod zu wählen, Daß für mich Dein Blut Du giebst- Nein! Du König aller Welten Trittst in meines Herzens Schrein, Wie ein König zu den Zelten Einer armen Hirtin ein. 217 Senkst voll süßer Gnade stille Dich in meine kalte Nacht, Daß mein Herz an dieser Fülle Deines Herzens sich entfacht. Daß von Deiner Glut ein Funken Heil'ger Lieb' in ihm entbrennt, Daß von solcher Wonne trunken Es vom Erdenglück sich trennt. Daß von Deiner Liebe Wogen In der Gnade Ozean Still versinkend fortgezogen, Es der Welt sei abgethan. O so laß in Wonneschmerzen Mich geliebet untergehn, Gieb mir Tod in Deinem Herzen, Und mit Dir das Auferstehn, Ach, und sage: Wir sind Eins für alle Tage! Bur Sert. ,, Ecce, sto ad ostium, et pulso." Apoc. III, 20. Du bist in Deine Welt gekommen, zu lieben stiegst Du niederwärts, Doch ist zu keiner Lieb entglommen Der Menschen Brust von Stein und Erz. Du schufft die Welt mit Deinem Worte Und batest doch: O laßt mich ein! Und klopftest lind an manche Pforte Und lauschtest lang auf das Herein. Dein Kleid war roth vom Keltertreten, Dein Haar war feucht vom nächt'gen Thau, Voll Blut die Hand- vom Dornen jäten, Und wund der Fuß- vom Pfad so rauh. 219 Daß Du für sie die Pein gelitten, Und lebtest, starbest als ein Knecht, Sie achtet's nicht. trop Deiner Bitten! Des Bettlers Bitte scheint ihr schlecht. Nur Wenige hast Du gefunden, Die Leuchte brennend in der Hand, Wachsam bereit zu allen Stunden, Geschürzt zur Reise das Gewand; Bereit voll heiligem Verlangen, Zu pilgern in's gelobte Land; In Dir das Pascha zu empfangen, Des ew'gen Lebens Unterpfand. Und diese Deine Gnadenkinder Du ladest heut sie wieder ein, Mit Dir vereinigt Ueberwinder Von Welt und Fleisch und Tod zu sein. 848 220- Im himmelblauen Kleide heute, Im Kranz und mit der Krone Zier, Begrüßest zärtlich Du die Bräute, Die einst Dir öffneten die Thür. Und heißt sie wandeln in dem Reigen, Der Deines Thrones Stufen kränzt; Bis sich der Bilder Schatten neigen, Der ew'ge Tag für sie erglänzt. Bur Non. ,, Aperi mihi." Cant. 5, 2. „ Thu' mir auf"- Nicht das Ohr, um einzusaugen Ew'ger Lehren weisen Klang; Nicht zum Troste deine Augen, Wenn der Weltwust in fie drang. 1 Nicht den Geist, wenn ihm zerstieben End' und Anfang seines Seins, Wenn das Nichts ihm ist geblieben Nach der wilden Jagd des Scheins. Nein! denn Ich will bei dir bleiben, Ich will heimisch bei dir ruhn! Friedige das laute Treiben, Dämpfe dein geschäftig Thun. 222 Thu' mir auf dein tiefstes Herze, Weit auf, wie es sich gebührt, Wie das meine sich im Schmerze Aufthat, von dem Speer berührt. Thu' Mir auf und Mir alleine, Keinen Göttern neben Mir! Bin Ich nicht für dich der Eine, Bin Ich Nichts in Wahrheit dir? Thu' mir auf zu dieser Stunde, Fest entschlossen laß mich ein, Wenn du Meiner Lanzenwunde. Balsam willst und Heilung sein. Thu' mir auf- und tausch' zum Lohne Ueberreich den Himmel ein; Giebst du Mir dein Herz zum Throne, Will Ich Selbst dein Himmel sein. Zur Prozession. Quis est iste Rex Gloriae?" Geebnet die Wege! geöffnet das Thor! Es naht mit dem König stegjubelnd der Chor. Was Stimme hat, lobe und preise ihn laut! Was Schmuck hat, das schmücke sich froh mit der Braut! O senkt euch, ihr Hügel, ihr Berge euch neigt! Ihr Donner und Stürme und Wellen, o schweigt! O Sonne, entsende den lieblichsten Schein, Der König der Glorie, der Herrscher zieht ein. Ihr glücklichen Seelen im ewigen Licht, Ihr Heil'gen im Himmel, mißgönnt ihn uns nicht! O freut euch, ihr Engel, im neunfachen Reih'n, Der König des Weltalls- Er zieht bei uns ein. 224 Es dufte die Blume von Wohlgeruch reich, Es wölbe zum Dom sich der Baum und der Zweig, Es singe Hosanna die ganze Natur, Ihr Schöpfer und Herrscher durchwandelt die Flur! O Herzen der Menschen, wie jubelt denn ihr?- „ Er ist der Befreier- Befreite sind wir! Er ist unser König- wer dient 3hm nicht gern, Dem Knechte aus Liebe, dem gütigsten Herrn!" O Andacht, wie Weihrauch steig' auf himmelwärts! Glüh' rein wie die Kerzen, du gläubiges Herz! Du selber heut werde zum hehren Altar, Drauf bringe dich selber zum Opfer 3hm dar. Mein Heiland und König, was kehrest Du schon Zum Zelte zurück, zu der Liebe Thron? Wohl ist's Deine Lust, bei den Menschen zu sein, Drum schließt in den Kerker die Sehnsucht Dich ein. Im Feuer der Liebe Dein Herze dort brennt, Mit Flammen, wie nimmer die Erde sie kennt, Bereit zu ergießen die göttliche Glut In's Herz, das sich sehnt nach der läuternden Flut- 225 3 Bereit zu versenken Dein himmlisches Sein In's Mark unsrer Seele, in's tiefste hinein- Bereit zu verlieren Dich ganz und gar In's Menschenherz, das so oft treulos Dir war! O weile, Gefangner der Liebe, verweil', Du Held in der Liebe, Du einziges Heil! O kette an Dich uns! O zich' uns zu Dir Du bist der Erlöser Erlöste sind wir! Hahn- Hahn. - Das Jahr der Kirche. 15 Zur Vesper. ,, Fortis est ut mors dilectio." Cant. 8, 6. Er naht er naht der finstre Bote, Er hat die Hand nach mir gestreckt. Wer weiß, ob mit dem Abendrothe Nicht ew'ge Nacht die Wimper deckt; Ob nicht am Auge starr gebrochen Die lette Thräne hangen mag; Ob nicht das Herz nach langem Pochen Geschlagen hat den letten Schlag. - Wie ist er stark- der Tod! Zu Schanden L Vor ihm wird all des Geistes Wiß; Wo troßig stolz die Kraft gestanden, Er schmettert nieder sie wie Bliß. Wo üppig blüht des Lebens Fülle, Berührt von ihm- in Staub sie fällt; Die reichste, schönste Hoffnung stille Als Leiche in dem Arm er hält. 227 Wie ist er stark der Alles beuget! Das hellste Licht vor ihm erbleicht, Die teckste Lippe vor ihm schweiget, Der kühnste Sieger vor ihm weicht. Wie ist er stark! Der Schöpfung Krone, Das Meisterwerk er schont es nicht, Der ungerührt mit kaltem Hohne Die Seele von dem Leibe bricht. O süßer Herr des Lebens, So mächtig ist der Tod! Wir flichn vor ihm vergebens, Mit Recht von ihm bedroht. Doch seinem finstern Walten Genüber steht Dein Wort, Daran will ich mich halten Durch all' die Nächte fort. Du großer Ueberwinder Stehst an des Grabes Rand, Und rettest Deine Kinder hinein in's ew'ge Land. 15* 228 Das Blut an Deinem Kreuze, Rubin- und Rosenroth, Mit himmlisch süßem Reize Verkündet nicht den Tod. Es kündet neues Leben, Der Liebe Leben an, Die Kraft soll es mir geben, In der Dein Herz zerrann. Die Seele soll gesunden, Im Blute sich erneun; Der Tod soll überwunden, Die Sünde nicht mehr sein. Wenn drum mit kühlem Schauer Der dunkle Tod mich schreckt, So werde ohne Trauer Der Leib mit Staub bedeckt. Das Aug', das thränenfeuchte, Es schließe still sich zu, Das ew'ge Licht erleuchte Ihm seine Grabesruh. 8 229 Z Doch dann, o Herr, laß wehen Dein königlich Panier, Dann ruf zum Auferstehen, Die Seele ruf zu Dir. Wie Du mit Deiner Liebe Für mich den Staub besiegt, Gieb, daß zu Dir aus Liebe Auf von dem Staub sie fliegt. Zur Complet. ,, Ego dormio, sed cor meum vigilat." Cant. 5, 2. Burückgekehrt ist Er zu den Altären! Des Tabernakels enges, dunkles Zelt Umschließt ihn, den der Thabor sah verklären, Der mit dem Finger trägt die ganze Welt. Das Menschenauge, überhüllt vom Staube, Gewahret nur das zarte Opferbrot; Den Gott gewahrt das Seelenaug', der Glaube, Wie Du die Sonne siehst im Morgenroth. Da ruht Er willenlos, Er, dessen Werde Das All der Welten aus dem Nichts gemacht; Da ruht der Hirt inmitten seiner Heerde Und scheint zu schlummern- doch sein Herze wacht. 231 34 O heil'ger Sehnsucht volle Seele schmiege, Schmieg' fest dich an dies treue Gottesherz, Nimm's auf in deines! Sonst nicht geht's zum Siege, Sonst taumelst kraftlos du stets erdenwärts. Sieh jene Leiter, deren goldne Sprossen Vom Erdenstaub zum Himmelsthore stehn; Sich die Gestalten, die von Licht umflossen, Umkränzt von Strahlen, selig aufwärts gehn. O sich die hellen silberweißen Schleier, Durchblinkt von ihrer Herzen Rosenglut! Sie ist entzündet an dem Liebesfeuer Des Herzens, so auf dem Altar dort ruht. Das hauchte ihnen jene Naphthafunken, Die unauslöschlichen, für's Leben ein, Als sie, vom Sacrament der Liebe trunken, Sich badeten in Blut und Myrrhenwein. 232 Das zog sie fort und fort auf Himmelspfade, Das macht zu Märtyrern der Liebe sie Die Heiligen, die Lieblinge der Gnade, Entsproffen sind sie der Eucharistie. Fest der Geburt des h. Johannes des Täufers. , Ecce Agnus Dei." Ev. Joann. I, 36. Du hast Ihn uns verkündet, Du riefft: O Gotteslamm, Das eine Welt entsündet!" Als Er zum Jordan kam. Doch nie zuvor begrüßte Dein Aug' den Menschensohn, Du lebtest in der Wüste Seit deiner Kindheit schon. Denn als dich noch getragen Verhüllt der Mutter Schooß, Begann für dich zu tagen Dein wunderbares Loos. 234- Du Knabe warst erforen, Von jeder Sünde rein, Noch che du geboren, Geheiliget zu sein. Drum flohst du in die Wüste, In's Terebinthen- Thal, Besiegtest die Gelüste Von Welt und Fleisch zumal. Und durch dein Büßerleben, Allein, mit Gott allein, Ward dir die Macht gegeben, Sein Morgenstern zu sein; Am Jordan zu erkennen, Der ist, ch' Abram ward, Lamm Gottes Ihn zu nennen, Den Golgatha erharrt; Die ewigen Geschicke Klar wie den Tag zu sehn, Weil nur des Heiligen Blicke Das Heilige verstehn. Fest der hh. Apostel St. Petrus und St. Paulus. ,, Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam- et tibi dabo claves regni coelorum." Ev. Math. XVI, 18-19. - Wie Alpengipfel auf zum Himmel schießen, Und Berg und Hügel, Thal und Wald und Aun, Rings lagernd hin um die granitnen Riesen, Jahrtausende der Beste sich vertraun; Und wie die weißen Gipfel blendend ragen In's Himmelblau mit ihrem Helm von Schnee, Und ewig licht auf ihrer Stirne tragen, Den Sternen nah, entrückt dem Erdenweh: - So stehn sie da die beiden Glaubensriesen, Der Kirche Pfeiler, Männer von Granit! Mit Schwert und Schlüssel sind sie angewiesen, Zu gehn durch alle Welt im Siegerschritt. 236 - Der Schlüssel deutet uns der Sendung Erben: Nur was er löset- das geht himmelwärts. Das Schwert sagt: Ohne Liebe bis in's Sterben Wär' all des Glaubens Werk ein tönend Erz. Apostelfürst! was war's, das dich erkoren, Zum Fundament und Haupt der Kirche sett? Heißblüt'ger Fischer! warst du nicht verloren Durch Troß und Schen?- und bist der Hirte jest, Der sichtbar an des Unsichtbaren Stelle Die Heerde weidet und die Brüderschaar Stärkt an des Glaubens nie versiegter Quelle, Die durch die Zeiten strömet rein und klar. - Sein Wille war's! Das Aug des Herrn erkannte Dein feurig Herz- und als der heil'ge Geist Mit seiner Glut es taufte, da entbrannte Zur Lieb' es, die herab die Gnade reißt. So mächtig war, Gewaltiger, die Gnade, Die ringsum dich mit Gottes Kraft umfloß, Daß, wo sich Kranke nahten deinem Pfade, Dein bloßer Schatten Heilung auf sie goß. 237 Sein Wille ist's! In dem gewaltgen Schatten Da ist auch heut der Heerde sichre Hut, Da weidet sie auf ewig grünen Matten, Da stillt das Lebenswasser Durftes Glut. Und kommen Kranke o wie frisch erheben Sie Geist und Herz nach langer schwerer Pein. Der ew'ge Hirte haucht ein ewig Leben Dem Stellvertreter seines Amtes ein. 1 Und du, o Paulus, hoher Glaubensbote, Du Völkerlehrer! dein bestegend Wort Gewinnt der frohen Botschaft Geistigtødte, Dem Sclaven und dem Fremdling einen Hort. In der Entzückung warst du hingerissen Zu Wonnen, die kein sterblich Aug' gesehn, Doch mußtest du in Kreuzes Finsternissen Durch alle Qualen der Versuchung gehn! Was du für's Evangelium gewonnen, Das schließt der einen Heerde fest sich an; Die Offenbarung strömt aus einem Bronnen, Und Alle glauben, kämpfen wie ein Mann 238 8 Für den Gekreuzigten, der auferstanden Aus seinem Grabe in den Himmel flog, Und aus der Lüge und der Sünde Banden Empor die Seelen an sein Kreuze zog; In jenes Reich, zu dessen Strahlenthoren Nur ein Weg führt, die nur ein Schlüsſel sprengt! Wer da nicht geht, der hat den Weg verloren, Wer da nicht anklopft- was ist dem verhängt?O glücklich wir, die wir die Pfeiler schauen, Apostel zwei, auf denen ruht der Dom! Die wir dem Schlüssel und dem Schwert vertrauen, Dem Hirten und dem heil'gen Wort zu Rom. Fest der Heimsuchung Mariä. ,, Benedicta tu inter mulieres." Ev. Luc. 1, 42. Wem rauscht so melodisch die Palme, Wem rieselt so fröhlich der Bach, Wem neigen sich Blumen und Halme, Wem beugt sich die Ceder zum Dach, Wem lacht in so sonnigem Strahle Die grünende duftende Au?- Sie kommt über Berge und Thale Sie kommt, Unsre Liebe Frau! - Die Vögelein singen ihr Grüße, Die Morgenluft küßt ihre Hand, Es küßt ihr das Kräutlein die Füße, Der Thau küßt den Saum am Gewand. 240- Und Eilande fern in den Meeren, Und Sterne im himmlischen Blau Erwiedern, die Pilgrin zu ehren, Den Gruß Unsrer Lieben Frau. Sie wandelt. und wo sie geschritten, Da blühet es wunderbar, Und herrlich geht sie inmitten Der Engel unsichtbarer Schaar. Denn wie vor der Sonne erbleichen Die Sterne zu silbernem Thau, So müssen die Himmlischen weichen Dem Glanz Unsrer Lieben Frau. Jest naht sie der gastlichen Schwelle, Elisabeth steht in der Thür, Bom Geiste erfüllet zur Stelle, Tritt sie zu Maria herfür. Und selig den Gaft sie empfahet: Wie kommt mir das Glück, daß ich schau Die Mutter des Herrn, daß mir nahet Der Frauen gesegnetste Frau! - 241 Und siehe! Das Kind, das umfangen Von Schleiern des Herzens fie trägt, Das drängt sich mit Liebesverlangen Zu Ihm, daß es sehnend sich regt. Der heilige Geist, der sie Beide Erfüllt mit prophetischer Schau, Frohlocket mit seliger Freude In Unserer Lieben Frau. Sie bringt ja zu gläubigen Seelen Den Heiland der Welt, ihren Sohn. Vergangene Zeiten erzählen Ihr herrliches Gnadenloos schon. Und all' die Geschlechter lobpreisen, Bis tief in der Zukunft Grau, Rastlos in des Jubels Weisen Das Heil Unsrer Lieben Frau. O trage aus himmlischen Höhen, In Fülle der seligen Ruh, Das Heil, das der Täufer gesehen, Auch uns, deinen Gläubigen, zu. Sahnachahn. Das Jahr der Kirche, 16 242 Denn du bist noch immer beladen, Du Rose, mit mystischem Thau, Du Mutter der göttlichen Gnaden, O du Unsre Liebe Frau! Fest der heiligen Büßerin St. Maria Magdalena. ,, Surgam" Cant. 3. Sie hat geglaubt- ihr Glaube gab ihr Frieden, Sie hat geliebt ihr ist die Schuld verziehn, Sie hat gebüßt!- kein Aug' sah je hienieden So heißer Buße Flammenschmerzen glühn. 1 Als sie in Thränen aufgelöst, von Neue Zermalmt zu ihres Heiland's Füßen lag, Und Er sie nicht verstieß- da ging auf's Neue Vor ihrer dunkeln Seele auf der Tag. Da stand fie auf- und den Juwel der Liebe, Den immer sie gesucht und nirgends fand, Weil er verfinstert war von Staubestrübe Den hielt urplößlich sie in ihrer Hand. 16* 244 48 Da stand sie auf aus allen ihren Sünden, Wie aus dem Kerker geht die Königin; Und all die Flitterschlingen, die sie binden, Wirft sie für den Juwel der Liebe hin. Da stand sie auf- und ging mit Ihm zum Kreuze Und leert den herben Kelch auf Golgatha. Wohl abgebüßt hat sie die Erdenreize, Als sie von Seinem Blut bethaut sich sah! Da stand sie auf- und sucht die heil'ge Leiche, Und weint im Garten an der leeren Gruft, Bis der Erstandne vor die Thränenbleiche Mildlächelnd tritt und sein, Maria!" ruft. Da stand sie auf- und warf in's Läutrungsfeuer Der Buße sich, so wie der Phönix thut; Den Flammentod begehrend, um in neuer, Erhöhter Kraft zu steigen aus der Glut. 245 Da stand sie auf Die strahlend durch ihr Büßerleben wehn, Um schmerzgereinigt zu des Himmels Thronen Als Phönix heil'ger Liebe einzugehn. 1 aus himmlischen Vistonen, Fest des heiligen Ordensstifters St. Ignatius von Loyola. ,, Ecce, ego mitto vos sicut agnos inter lupos." Ev. Luc. 10, 3. Seit Lucifer von seinem goldnen Stuhle Aus ew'gem Lichte in den Abgrund fiel, Kennt er ein Labsal nur im Feuerpfuhle, Nur eine Lust ist ihm sein Spiel und Ziel: Haßt er sich selber auch- er kann nicht sterben- So haßt er denn das Licht, das er verließ, Und sucht in ew'ger Nacht Die zu verderben, Die Gott statt seiner zu dem Lichte wies. In alle Geister, die von Hochmuth trunken Ihm folgten in sein nächtliches Gebiet, Weiß er zu hauchen sengend heiße Funken Vom Hassesheerd, der ihm im Busen sprüht. - 247 Sind sie entbrannt, so schickt er die Genossen In Schaaren dort, vereinzelt da und hie Zur Erde, und wo Todesfrüchte sprossen, Da haben sie gewirkt, da säten sie. Und immer gleiten sie wie glatte Schlangen Ganz leise in die unbewachte Brust, Und wecken nach Verbotenem Verlangen Und stacheln auf die dreifach böse Luft, Und zischen mit gespaltnen, gift'gen Zungen Das alte Zauberlied: Wirst sein wie Gott!" Und schleppen Den, der that, wie sie gesungen, Zum Höllenabgrund hin mit Fluch und Spott. 17 Doch eine ist es unter diesen Schlangen, Die trägt ein gülden Krönlein auf dem Haupt, Die spielt den König, weiß geschickt zu fangen Den, der an ihre falsche Hoheit glaubt. Dem Reich des Lichts, mehr als Barbarenhorden, Bringt sie Gefahr denn sie entlarvt sich nie; Und Niemand weiß die Seelen so zu morden, Wie dieser Schlangenkönig Härefie. O ihr, von eurem Herrn als geist'ge Sonnen Hoch auf den Leuchter Allen vorgestellt, Ist euer Licht in Irrlichtschein zerronnen, So legt sich Todesschatten auf die Welt; So wächst der Schierling da, wo Rosen standen, Der Upasbaum wo sonst ein Palmenhain, Und wo sich Reben um die Ulme wanden, Da wuchert das Schmaroßerunkraut drein. - 248 Und Nebel lagern sich mit Moderdüften Auf's unbebaute sumpfige Gefild, Bebrüten Molch und Schlange in den Klüften Verirrter Seelen! O welch trübes Bild! Und doch so treu! Denn in dem Priesterthume Fand Lucifer Genossen seiner Wuth, Wie in dem Silberkelch der Lilienblume 3u nisten wagt des eklen Wurmes Brut. - Die grüßt der Schlangenkönig als die Seinen, Schlüpft in ihr Herz, daß es voll Troß sich bäumt, In ihren Geist, auf daß sie stolz verneinen, Und in ihr Blut, das frechbegierlich schäumt. 249 Und Ueberläufer aus dem Reich des Lichtes, Genügt der eigne Abfall ihnen nicht; Uneingedenk des eignen Strafgerichtes Ziehn sie Millionen mit in das Gericht. Du hellste eine jener geist'gen Sonnen, Ignatius, o Sionswächter du! Erstrahlend von der Wahrheit Lichtesbronnen, Führst du den Lichtstrom Millionen zu. In deinem Strahl, an deiner Glut erglühen Nun Rosen, wo der Schierling einst getrost, Und statt des Upasbaumes Palmen blühen, Und Traub an Traube an der Rebe stroßt. - So sendest deine Söhne du in Schaaren, Gewalt'ge Schnitter, auf das Erntefeld, Um Gottes Glaubenssegen treu zu wahren Bei allen Saaten in der weiten Welt. Stark im Gehorsam lassen sie sich senden, Mit reichen Garben kommen sie zu dir; Die Sichel in den thatenvollen Händen, Das ist ein Kruzifix und ein Brevier. Fest des heiligen Martyrers St. Laurentius. Qui odit animam suam in hoc mundo, in vitam aeternam custodit ea." Ev. Jo. 12, 25. Sind es Rosen duftig blühend, Um des Festes Saal zu schmücken? Sind's Rubinen köstlich glühend, Königsbräute zu entzücken? Meeresblumen dort, Korallen, Die an goldnen Schnüren strahlen? Ist's der Sammetpolster wallen, Drauf die Purpurdecken prahlen, Drum die Sommerlüfte weben, Drum die Balsamdüfte schweben, Das die Engel rings umgeben? 251 Hier mit schlanken Palmenzweigen, Dort mit weißem Lilienstengel, Da mit Fahnen, die sich neigen, Schweben sie, die holden Engel! Ihre Harfen süß erklingen, Und die Flöten weich ertönen Ist das nicht ein himmlisch Singen, Das sich löst in Wonnethränen? Reich geschmückt auf's Allerbeste Ist der Plaß zum frohen Feste Docm- - wo sind die Hochzeitsgäste? Sieh! ein Jüngling kommt gegangen, Neben ihm die wilden Schergen, Aber er kann sein Verlangen, Seine Seligkeit nicht bergen, Einen Martertod zu finden, Sich als Christen zu bekennen, Sich mit Jesu zu verbinden, Um sich nie von ihm zu trennen. Und sie zerren um die Wette Nieder ihn zur Purpurstätte! Weh! ein Rost! - ein Feuerbette!- - 252349 Wie das zischt und glüht und rauchet! Solche Qual ward nie erfunden Doch Laurentius meint, er tauchet In das Blut aus Jesu Wunden, Um in diesem Strom der Gnaden, Der das Irdische verzehret, Seine Seele kühl zu baden, Während Pein den Leib verheeret- Um dem Gotteslamm zur Seite Einzugehn im Hochzeitskleide Zu des Himmels sel'ger Weide. 1 Fest der Himmelfahrt Mariä. ,, Assumpta est Maria in coelum, gaudent Angeli." Wonnetag der ganzen Erde, Voll heißem Flehn und Jubelschall; O Freudentag der Himmelsheerde, O Gnadentag den Sündern all! Maria schwebt zum Gottesthrone Von Engelhand getragen hin, Empfängt vom Sohn die ew'ge Krone, Maria ist nun Königin. Nun weben strahlend ihr die Sterne Das Diadem um's Angesicht! Als Schemel ihres Fußes gerne Dient ihr des Mondes mildes Licht. 254 38Die Sonnen schmelzen weich zusammen In Morgenroth und Abendgold, Und weben aus den Rosenflammen Ihr einen Mantel wunderhold. Wie schöne Schmetterlinge schweben, Beseligt in der Sonne Strahl, So huldigen ihr mit Freudebeben Die Engelschaaren allzumal. Mit lilienreinen Händen halten Sie ihres weiten Mantels Rand, Und breiten seine lichten Falten Beschüßend über Meer und Land. Den Thron erbauen sie aus Rosen, Aus Palmen einen Baldachin, Der goldnen Harfen süßes Kosen, Melodisch weht's durch Blumen hin. Als Teppich dient der Regenbogen, Entstiegen aus den Thränen lind, Die still in lauter Wonne Wogen Der Engel weint um's Menschenkind. 255 O Menschenkind, sich deines Gleichen Auf ew'gem Thron im Königskleid! O sieh der Engel Glanz erbleichen Vor ihrer Wunderherrlichkeit! O fieh, ein Weib aus Staub geboren, Beherrschend jeßt den Cherubin! Ein Weib, das einst die Welt verloren, Jest aller Himmel Königin. 1 Die Alten auf den goldnen Stühlen, Die Seraphim in Liebesglut, Unschuld'ge Kindlein, die dort spielen Im ewig heitern Kindesmuth, Die Lehrer mit dem Honigmunde, Propheten mit dem tiefen Wort, Der Martyr mit verklärter Wunde, Sie knien All' am Throne dort. Der Jungfraun wundervoller Reigen, Der Priester heil'ge Opferschaar, Der ew'gen Wahrheit treue Zeugen, Die großen Büßer reueklar- 256 343Sie jubeln durch die Himmelsweiten, Zum Fuß des Thrones hingeschmiegt: Maria wollte für uns streiten, Maria hat für uns gestegt! Und Alle, die zum Kampf auf Erden Mit hochgeschwungnem Banner ziehn, Und die, um heilig einst zu werden, Nicht vor dem Schmerz des Opfers fliehn, Und die sich auf das Kreuze lehnen, Auf ihren Hort, mit heil'gem Truß, Und die nichts haben als nur Thränen Maria ist ihr Aller Schuß. Dann ist noch Eine die steht ferne, Im Schatten, wagt sich nicht hervor, Und schaut zum holden Meeressterne Mit ihrer armen Lieb' empor, Und fleht: Zum ärmsten deiner Kinder Sieh gnadenvoll und mildreich hin, Du Königin der armen Sünder, Denk an mich arme Sünderin! 1 Fest des heil. Abtes und Kirchenlehrers St. Bernardus. ,, Memorare, o piissima Virgo Maria." St. Bern. Duftig steigt in Sarons Thale Aus der grünen Blätter Pracht, Wie Rubinen aus Smaragd, Eine Ros' im Sonnenstrahle, Und das goldne Licht der Sonnen. Und der Blume rosig Licht Trennen ihre Flammen nicht Beid' in Liebe sind zerronnen. Eine Biene kommt geflogen, Sucht ein süßes Honigmal; Aber keine Blum' im Thal Hat die Biene angezogen, Dahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 17 258 Als die Rose- die alleine, Ganz von Sonnenlicht durchwebt, Selbst ein Sonnenleben lebt Sie, die Gnadenvolle, Reine. Denn Maria ist die Rose; Und ein Jüngling hoher Art, Demantfest und lilienzart, Flieht der wilden Welt Getose, Flieht der Erde wüft Getriebe, Ihre Nektarbecher schaal, Ihre Blumenkränze fahl. Sucht im Himmel seine Liebe. - Als Maria er gefunden, Und durch sie den Gottessohn, Herrschend von des Kreuzes Thron, Bleibt er süß mit ihr verbunden. Wie die Bien', im Kelch versunken, Satt sich schlürft am Blütenstaub, Heimwärts trägt den süßen Raub- So von Liebe ist er trunken. 259 Und er zieht die Schaar der Seinen Zu der Gottesliebe hin, Der fünf Brüder Kriegersinn Muß im Kloster ihm sich einen. Glühend, daß er sie gewinne, Reißt sein gottentflammtes Wort Tausende zum sichern Port Von Clairvaur in heil'ger Minne. Und von seinem Honigmunde Fließt ein neuer Flammenstrom, Als die Klage tönt von Rom: Christen, seht die tiefe Wunde! Seht das heil'ge Land in Ketten! Wo das Kreuz, die Krippe stand, Schaltet frech der Heiden HandChristen auf, ihr müßt es retten! Horch! Bernardus ruft zum Kreuze, Und von heil'gem Muth entbrannt Ziehet aus das Abendland O das Kreuz hat seine Reize! 17* 260 Doch er wird hinauf gezogen, Immer himmlischer gesinnt, Wie der Tropfen Thau zerrinnt, Der die Sonne aufgesogen. Und in strahlenden Visionen, In der Wunder hehrer Nacht, Drin ihm taget ew'ge Pracht, Mag nur seine Seele wohnen. Stieg sie mit des Aars Gefieder Auf zur höchsten Sonnenbahn, Sinkt zurück ste, wie der Schwan, Tönt verhallend süße Lieder. Einen Regenbogenrahmen Um das Kreuz und um sein Herz, Bilden ihm in Lust und Schmerz Jesu und Mariä Namen. Aufgelöst von heil'gem Sehnen Vor dem Muttergottesbild, Seufzt er: Jungfrau süß und mild- Und verläßt dies Thal der Thränen. Fest der heiligen Wittwe und Ordensstifterin St. Francisca de Chantal. ,, Inventa una pretiosa margarita abiit et emit eam." Ev. Matth. 13, 46. Sie hat die Perle früh gefunden Und treu in reiner Brust gehegt! An reiches Glück der Welt gebunden, Im vollen Kranz der Freudenstunden, Ward sie von Gnade nur bewegt. Ihr Auge hing am Himmelreiche, Ihr Herz am Seelenbräutigam, In Demuth trug fie blut'ge Streiche; An des Gemahls geliebter Leiche Stand sie ergeben wie ein Lamm. 262 8 Nun war ihr Erdenglück zerronnen, Nun tauchte sie ihr ganzes Sein, So wie der Aar in's Licht der Sonnen, So wie der Schwan in Silberbronnen, In Gottes heil'ge Liebe ein. Und als noch schwache Stunden kamen, Griff sie zum glühend rothen Erz Und brannte Jesu süßen Namen - 3u ihrer Opferung das Amen In Flammenzügen auf ihr Herz. - Nun ist umsonst des Baters Bitte, Der lieben Kinder flehend Wort; Gott ruft sie ab aus ihrer Mitte, Und weinend stumm, mit festem Schritte Geht über ihren Sohn sie fort. Sie, die so reich an allen Gaben, An Lieb, an Schönheit macht sich arm, Um an dem Reichthum sich zu laben, Der karg hier darbt, um dort zu haben, Reich nur an fremder Noth und Harm. - 263 Und wie sie sich der Armuth Schwelle Zum Haus erwählt, der Tröftung baar, So schmiegt des stolzen Herzens Welle Sie eng in des Gehorsams Zelle, Gehorsam, wie's ihr Meister war. Und Er, der sagte: hundertfalten Für das, was du Mir gabst- geb' Ich!— Er hat auch ihr sein Wort gehalten: Ein kraftvoll segenreiches Walten Regt in dem frommen Hause sich. Für all das Gut, das sie gegeben, Giebt Er nun hundert Klöster hin; Statt in der Kinder Kreis zu leben, Ihr nach erkorne Töchter streben, Der großen Ordensstifterin.. Und statt des Vaters ward zum Lohne Ein Vater ihrer Seel' ertheilt, Ein Heiliger, mit dem zur Krone Des ew'gen Lebens vor dem Throne Des Gotteslammes froh sie eilt. Fest des h. Bischofs und Kirchenvaters St. Augustinus. ,, On veut trouver la vie dans ce qu'on aime." Conf. III, 1. Ein lodernd Herze, das mit seinen Flammen An zwei der Ketten angeschmiedet schwebt, Die beide aus dem Durst nach Liebe stammen, Der unauslöschlich in den Herzen lebt! Zum tiefsten Abgrund reicht die eine Kette, Und jedes Glied an ihr ist glühend Erz, Und Schlangen schillernd gleiten um die Wette. An diesen Ringen auf- und niederwärts. Ihr Ende ruht in ewig dunkeln Nächten, Wohin kein Dämmerstrahl des Lichtes fällt; Ein finstrer Engel in der ries'gen Rechten Mit wildem Blicke krampfhaft feft sie hält. 265 Die and're Kette steigt in Demantringen Empor zur Sonnenhöhe leuchtend klar, Wie sich des Weihrauchs Wolken aufwärts schlingen Beim heil'gen Opfer vor dem Hochaltar. Ihr Ende schwimmt in eines Seees Wogen, Deß goldner Spiegel dehnt sich ohne Strand; Ein lächelnd Kind, zur stillen Flut gebogen, Hält treu und feft die Kette in der Hand. Es schwankt das Herz an diesen beiden Ketten, Wie auf der Flut vor Anker schwankt der Kahn; Es kann sich droben- kann sich unten betten: In wahrer Liebe und im Liebeswahn. O Elend ersten Abfalls! Jene Feffel, Die Martern bringt, die nimmer Ruhe gönnt, Des Abfalls Sohn erwählt sie frei! Die Neffel Drückt er in's Herz, die ihm das Herz verbrennt. Wohl zuckt durch's Herz der ew'gen Schönheit Ahnen, Nach Lieb' und Wahrheit ächzt die öde Brust, Und dennoch wählt zur Hölle er die Bahnen, Wählt ihre Feuerkette: böse Luft! 266 Der Stolz des Lebens und der Sinne Flammen, Und falschen Wissens Gier des Geistes Fluch- Sie schmieden jene Kette stark zusammen, Die Augustinus in Verzweiflung trug, Er ringt, er schreit, er schmachtet nach dem Leben, Das ohne Wechsel aus der Liebe quillt, Und nähret doch ein heimlich Widerstreben, Das wegzuwerfen, was sein Herz nicht füllt. Doch, Sohn des Abfalls, bist auch Sohn der Gnade! Der gute Hirt folgt seinem Schäflein treu, Bewachet sorgsam all die irren Pfade, Erspähet, wann die Stunde günstig ſei. Kein Staubgeborner kennet die Sekunde, Wo Gnade wie ein Blig rührt irdischen Sinn, Und wo der Wille reicht die Hand zum Bunde, Und zu der Gnade spricht: Jest nimm mich hin! - - Und auch für Augustinus kam die Stunde, Die selige, wo er den Todesschlaf Abschüttelte und wo zum Höllengrunde Die Schlangenkette fuhr und wo der Sclav 8 267 Als Herrscher einzog in die Stadt der Seele, Und hinter sich das Thor des Willens schloß, Und mit dem Gnadenwasser seine Fehle, Mit Reuethränen seine Schuld begoß; Und wo sein Herz, ein lodernd Liebesfeuer, Für ewig an der Demantkette hing; Und wo ein heil'ger Gram, der Reue theuer, Die Tage der Vergangenheit umfing- Der Wahrheit Quell, den er so lang gemieden, Durch die erlöste Brust sich labend wand Und er, der ruhelose, Ruh' und Frieden In Gottes Stadt, der Gottesliebe fand. Fest der Geburt Mariä. ,, Maria, de qua natus est Jesus." Ev. Matth. 1, 16. Laß dich tausendmal begrüßen, Du vielholdes liebes Kind! Sich uns jubelnd dir zu Füßen, Wie's die Engel jubelnd sind. Jedes Herz im Freudendrange Nehm' an deinem Feste Theil, Du zertrittst den Kopf der Schlange, Allen Menschen bringst du Heil. Heute giebt's im Himmelssaale Einen Festtag zu begehn, Weil im dunkeln Erdenthale, Kindlein, du das Licht gesehn. 269 Nicht Geschöpfe, sel'ge Geister Freu'n allein sich Deiner heut Auch der Schöpfer, Herr und Meister Einig in Dreifaltigkeit.. Ew'ger Vater! diesen Schimmer, Diesen Abglanz Deiner Pracht, Trug in Deiner Schöpfung nimmer, Was da schuf je Deine Macht! Sie, die unbefleckt empfangen, Sündenlos Dir lebt und rein O wie muß Dein Auge hangen An der liebsten Tochter Dein. 1 Milder Sohn! der Du die Seelen Nur nach ihrer Demuth wägst, Heute kannst Du sie erwählen, Der Du Dich in's Herze legst. Heute hast Du sie gefunden, Mutter sie nach Deinem Sinn, Hast Dein Herz ihr schon verbunden, Unsrer Miterlöserin. 270 Heil'ger Geist, der Liebe Quelle, Dein Verlangen wird erfüllt! Siehe, wie der Liebe Welle In dem Kinde überquillt. Jungfräulich wird sie umfangen Gottes Sohn, ihr anvertraut, Wird vor keinem Opfer bangen, Deine jungfräuliche Braut. Sel'ges Kind! die Himmelskrone Flechten schon die Engel Dir, Deinem reichen Gnadenthrone Nahn als arme Bettler wir; Gnaden kannst Du zahllos streuen, Gottes Schäße sind ja Dein! Thut sich Gott im Himmel freuen, Gnadenfroh laß uns auch sein. Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes. ,, Et ego, si exaltatus fuero a terra, omnia traham ad meipsum." Ev. Jo. 12, 32. Im Himmel Du- und wir hienieden, In Glorie Du und wir in Nacht, Du selig in des Sieges Frieden, Im Staube wir, in Kerkers Schacht! Vor dem die Engel bang erscheinen, Du herrschend auf dem ew'gen Thron Was, o mein Heiland, kann vereinen Das Menschenkind dem Gottessohn? - Das Kreuze ist's, das Du erfunden, Das, menschgeworden, Du umfingst, Woran Du die drei blut'gen Stunden Vor Deinem bittern Tode hingst; 272 8 Das mächtiger denn Himmelsfreuden Dich zog zum Blut- und Thränenthal Der Erd' und ihrer Sündenleiden Das Kreuz des Heiles selig Mal. - - Das ist der Welt nun aufgepräget, Und das erlöste Aug' erblickt, Wie es an jedes Herz sich leget, An jede Brust sich leise drückt; Wie es mit linden Mutterarmen Dem Zagenden so tröstlich winkt, Als Rettungsanker voll Erbarmen In's Meer der tiefsten Sünden sinkt;- Als Leuchtthurm über Klippen schwebet, Dem Kahn zum Heil in Sturmesnacht; Als Banner mächtig sich erhebet, Wo wild im Herzen tobt die Schlacht; Als Feuersäule vor den Schritten Des Pilgers zieht im Wüstensand; Als Ruhbett harrt, wo heiß gestritten Der Streiter, der den Sieg verstand. 273 48Der Gott- am Kreuz hat Er vollzogen Sein Brautfest mit der Kreatur; Bom heißen Liebesdrang bewogen, Eint Er sich ihrer Staubnatur, Und stirbt gestraft für ihre Sünden In Angst und Qual der Menschen Tod, Und läßt sie Gottes Leben finden In Ewigkeit durch Seinen Tod. - Ja! dieser Liebe heilig Zeichen, Das ist des Kreuzes blut'ger Stern. Drum wandeln, ohne zu erbleichen, Die Heiligen den Kreuzweg gern. Er stieg zum Kreuz herab sie steigen. Hinauf und Seinem Herzen nah Im feierlichen lichten Reigen Zum Brautfest auf Calvaria. Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. - 18 Fest der ersten christlichen Märtyrin, der heiligen Jungfrau St. Thecla. ,, Liberasti me a rugientibus praeparatis ad escam." Eccl. 31. Der Jungfrau Sohn ist in die Welt gekommen Mit jungfräulicher Liebe weißem Kranz; In jungfräulichen Seelen ist entglommen Verlangen nach der weißen Rose Glanz Verlangen nach des Namens süßem Schalle, Womit das weiße Lamm die Bräute grüßt, Die, weiß vom Kleide, stets ihm folgen Alle, Von deren Mund ein neues Lied Ihm fließt. 1 Als Thecla hört- den Griechen fremde MähreVon diesem Gott, der reinen Jungfrau Sohn, Der eine wunderbare Liebeslehre Den Seelen predigt von dem Kreuzesthron: - 275 Da wendet rasch sie von dem Gift, dem süßen. Der Griechenweisheit ab den hohen Sinn Und seßet sich zu des Apostels Füßen, Sanct Pauli ernfte, fromme Jüngerin. Da wendet sie sich ab von jenem Schatten, Den diese Erde Glück der Liebe nennt, Verschmäht den ihr erkornen jungen Gatten, Weil eine andre Liebe in ihr brennt Weil sie Maria's Sohn, den Gott, den Reinen, Den Bräutigam der Jungfraun sich erwählt, Und um im Opfer sich mit ihm zu einen, Mit Leib und Seele sich nur ihm vermählt. - O wehe ihr! Die weiße Rosenblume Mißgönnet ihr der Thoren blinde Wuth! Da geht sie selig zu dem Marterthume, Zur rothen Rose, hochgefärbt in Blut. Doch sieh! Die Leoparden und die Lenen, Die wild mit gier'gem Rachen Thecla nahn, Wie wunderbar bezähmt zurück sie scheuen, Und schleichen winselnd aus des Circus Bahn! 18* 276 Zum Scheiterhaufen denn! Ein lohend Feuer Vollzieh der Götter Rache an dem Weib! Doch sieh! die Flamme weht als goldner Schleier Um Thecla's keuschen jungfräulichen Leib. Wohlan! was nicht den Bestien ist gelungen Und was der Scheiterhaufen nicht gethan Vollenden mögen es die Natterzungen, Laß sehen, was vermag der Viper Zahn! - Hinweg mit ihr zur grausen Schlucht der Schlangen, Dort sei der trop'gen Thörin sichres Grab!- Und wilde Henkersfäuste fie umfangen Und stürzen in den Abgrund sie hinab. Doch sieh'! ein Blisstrahl fährt mit ihr hernieder und trifft das giftig züngelnde Gethier; Noch einmal schäumt's und bäumt's im Ring sich wieder, Und hingeschmettert liegt's zu Füßen ihr. - Da überfällt ein namenloses Grauen Die Henker selbst, sie heißen Thecla gehn.- Sie ging und mit demselben Gottvertrauen, Womit sie Len und Natter angesehn- 277 348 Zu dem Geliebten in die tiefste Dede, Und diente ihm mit jungfräulichem Sinn, Und kämpfte einsam durch des Lebens Fehde, Zum ew'gen Brautkranz sich als Siegerin. Denn nicht Triumph ob Drache, Leu und Flammen, Gewährt dem Kämpfer höchsten Siegesruhm, Und nicht nur Martern, die von dorther stammen, Gewähren Anrecht an das Marterthum. Nein! Thecla's Siege waren erst vollkommen, Als sie die Drachen der Natur bezwang, Und durch die Flammen, ihrer Brust entglommen, Sich rein mit jungfräulicher Seele rang. Fest des h. Erzengels St. Michael. Quis ut Deus?** Held, der du gen Lucifer mit Flammenschwert einst rangest, Und des Gehorsams Apostat und seinen Aufruhr zwangest; Der mit den treuen Engeln du die abgefallnen bandest, Und muthig in Gehorsams Kraft die Hölle überwandest; Der du gen Satans Liste standst, um Moyses Grab zu schüßen, Für Josua und Gedeon, um sie im Kampf zu stüßen; Für Israel, als es in Haft an Babels Flüssen klagte, Bis ihm befreit das Morgenroth auf Sions Höhen tagte. 279 Du Feldherr aller Himmlischen, du Führer sel'ger Heere, Du Rüstzeug Gottes, auserwählt zu Seiner Kirche Ehre, O schaue aus dem Reich des Lichts auf's dunkle Thal der Erde, Und kämpfe vor mit blankem Schwert der auserwählten Heerde. Wohl haben wir das Kreuzpanier, uns fest herum zu schaaren, Wohl auch den heil'gen Leib des Herrn, die Streitkraft uns zu wahren Sein heilig Opfer, täglich neu, um uns an Gott zu binden; Sein heilig Blut im Sacrament, als Bad für unsre Sünden. Doch ach! des Satans List ist groß, ach, groß wie unsre Schwäche! Hält er uns fest, so retten uns nicht Klag' und Thränenbäche! 280 Er schlinget uns in Fesseln ein, die scheinbar rosig blühen; Doch falsch ist dieser Rosenglanz es ist der Hölle glühen. Einst fiel der schöne Morgenstern vom Himmel aus dem Reigen Der Cherubim, die strahlend sich dem Thron des Lichtes neigen. O wenn sich vom Gehorsam macht der schönste Cherub ledig Was bleibt dann uns als das Gebet: ,, Gott sei mir Sünder gnädig!" Und weil Er's ist, so gab er dich zum Horte unsern Seelen. Umstrahlst uns mit der Wahrheit Schild, daß wir den Weg nicht fehlen. Gen ew'ge Nacht für's ew'ge Licht kämpfft siegreich du die Kriege O hilf auch uns im leßten Streit mit Deinem Schwert zum Siege. 1 Fest des heiligen Ordensstifters St. Franciscus Seraphicus. „ Mein Gott und mein Alles!" St. Fr. Seraph. Wundervoll Gebenedeiter, Sel'ger Armuth sel'ger Sohn, Von der Erde Wucht Befreiter, Seraphgleich hienieden schon; Nichts hast du genannt dein eigen, Alles ließt du selig dreift, Arm wie's Vöglein auf den Zweigen, Arm an Gütern, arm im Geist. Froh entronnen irdischen Wogen, Schwimmend in der Gnade Meer, Bist du durch die Welt gezogen, Arm wie Christus, reich wie Er. 282 Denn in dem erlösten Herzen Trugst du, jeder Habe baar, Deines Meisters Liebesschmerzen, Der dein Gott und Alles" war. Von der Sünde Mal genesen, Schautest mit verklärtem Blick Du zur Lieb', die dich erlesen, Hell hinauf und hell zurück. Aus der Gottesliebe Bronnen Schöpftest du den süßen Strahl, Der da glühet mehr als Sonnen, Lichtend Tag und Nacht zumal; Der die Freuden und die Schmerzen Kläret mit der Liebe Lust, Wie zu legen du im Herzen Leid und Freud auf's Kreuz gewußt; Den als Zepter du geschwungen Siegreich über alle Welt, Weil der Haft du dich entrungen, Drin der Fluch verstrickt uns hält; 283 Den als Blis du fühn geschmettert In des Lebens irre Nacht, Der Dein Leuchtthurm, sturmumwettert, Manchem Schiff ist Trofteswacht; Der die Lippen dir entriegelt Segnend zu der Liebe Preis; Der die Predigt dir besiegelt, Schmelzend all der Herzen Eis. Darum flohn zahllose Seelen Froh zu dir, der Armuth Sohn, Leidensdurstig zu erwählen Der Entsagung Dornenthron; Denn sie sah'n dich durch die Worte Der Verheißung überreich: Geistig Armen thut die Pforte Auf sich an dem Himmelreich. Darum mit Gestirn und Blume Sprachst du traulich ohne Schen, Nieft zu Gottes Preis und Ruhme Dir die Vögelein herbei, 284 Sangest frohe Matutinen Mit den Schwalben groß und klein, Und gebietest Schweigen ihnen, Wenn du beten willst allein. Denn du lebtest nicht das Leben Des gefangnen Adams- Sohn, Ueber die Natur erheben Dich gewalt'ge Siege schon. Um so mehr wirst du ihr Meister, Als du unterjochst dein Ich; Höher stets zum Reich der Geister Schwingst mit starkem Flug du dich. In des Schauens trunknen Thränen Schwebst du in Alverno's Hain; Sich! Ein Seraph stillt dein Sehnen, Ganz mit Jesu Eins zu sein, Trifft dich, an das Kreuz gebunden, Mit dem Feuerpfeile mild: Tragend deines Meisters Wunden, Stirbst du, sein vollendet Bild. Fest der heiligen Klosterjungfrau St. Theresia. Quien a Dios tiene Nada le falta ,, Solo Dios basta." St. Teresa. Gott nur genügt. Wer sich an Gott schmiegt, Dem wird nichts fehlen - Schimmernde Taube! still auf den Höhen Seligen Carmels ruhet dein Flug, Heiligen Geistes tiefinnerstes Wehen Zeigt dir, was je die Propheten gesehen, Trägt dich, wohin die Erwählten er trug; Hebet dich hoch wie auf Adlers Gefieder, Badet dein Aug' in der Urquelle Licht, Deffnet dein Ohr für seraphische Lieder, Sentet in deine Entzückung sich nieder, Küßt deinen Mund, der Seraphisches spricht. - 286 Tochter des Carmels, wer lehrte dich beten, Gab dir das Wort, das der Himmel erhört? Bist du die Schülerin alter Propheten, Horchtest du, wie sie lobpriesen und flehten? Nein! nur die Liebe hat dich belehrt! Tochter des Carmels, wer lehrte dich lieben? Flammte der Seraph mit Gluten dich an? Hattest Aeonen du, um dich zu üben? War deine Seele in Eden geblieben! Nein! nur dein Bräutigam hat es gethan! Tochter des Carmels, wie bist du zu neiden! Hebt sich nicht wonnig frohlockend dein Herz, Schwebend im Aether unsäglicher Freuden, Ewig geborgen vor Qualen und Leiden? Nein! dein Geliebter giebt Trübsal und Schmerz Schickt Er den Engel- bald hat er gefunden - Mit dem entzündeten Pfeil deine Brust. Untergetaucht in das Blut seiner Wunden, Sollst du bei ihm nur am Kreuze gefunden, Finden, gleich Ihm, in dem Leid deine Lust. 287 38 Läßt Er sein göttliches Antliß dich schauen, Spricht Er dir Trost in die Seele hinein Schleunig verbannt aus den himmlischen Auen, Schleicht in dein Herz ein unnennbares Granen, Fühlst in der Trennung verdoppelte Pein. - Aber du leertest den Becher, den herben, Hieltest wie Nektar ihn hoch in der Hand. Wer nicht um Leiden der Liebe will werben, Wer sich nicht sehnet vor Liebe zu sterben, Hat nie die göttliche Liebe gekannt. Fest Allerheiligen. Beati sunt etc." Selig sind, die, arm im Geiste, Reich nur durch der Demuth Zier! Kindesdemuth gilt das Meiste: Denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind die sanften Seelen, Die nicht kennen Zorn und Hohn, Still nur ihre Sünden zählen: Selig sie auf Erden schon. Selig sind, die Trauer tragen Bei des Irdischen Flitterschein: Nach den flücht'gen Schmerzenstagen Will Gott selbst ihr Tröster sein. 289 Selig sind, die rastlos streben, Hungernd nach Vollkommenheit: Er, der Lebensbrot gegeben, Sättigt sie zur rechten Zeit. Selig, die Erbarmen üben, Und die Hand, die liebend giebt: Gott wird die barmherzig lieben, Die im Nächsten Ihn geliebt. Selig sind die Herzensreinen, Wandelnd auf der Unschuld Au'n: Die hienieden Ihm sich einen, Werden Gott einst droben schau'n. Selig sind, die Frieden haben, So die Zwietracht nie gekannt: Ew'ger Frieden soll sie laben, Kinder Gottes einst genannt. Hahn- Hahn. Das Jahr der Kirche. 19 290 Selig, die Verfolgung leiden, Weil sie folgen Gottes Sohn: Er vergilt mit Himmelsfrenden, Er wird Selbst ihr großer Lohn. Wie acht goldne Bäume steigen Diese Worte auf, so klar; Unter ihren vollen Zweigen Sammelt sich der Heiligen Schaar. Wollen sie die Frucht genießen, Die am Tag so lieblich lacht, Müssen sie den Baum begießen In der Thränen Regennacht. Wollen sie den Lohn erringen, Wollen sie den ew'gen Sieg: Müssen sie den Himmel zwingen, Selber künden sich den Krieg. 291- Sind sie droben- 1 Voll das Maß, mehr als gerecht! o dann mit Er Wir, der Heiligen Geschwister, Sind vom nämlichen Geschlecht. Sind mit seinem Fleisch genähret, Und mit seinem Blut erkauft; Durch sein Wort sind wir belehret, Seinem Namen nur getauft. Und wir wollten träg' und feige Nicht Gewalt dem Himmel thun? Pflegen nicht die goldnen Zweige, Vor der Zeit behaglich ruhn? O ihr Heil'gen, das sei ferne, Dieses Elend wendet ab! Kämpfen wollen wir ja gerne, So wie ihr, bis in das Grab. 19* - 292 Bittet, daß für uns vergossen Nicht umsonst sei Gottes Blut, Daß wir nicht umsonst genossen All des ew'gen Heiles Gut! Bittet, daß im Strom der Gnaden, Fließend von des Kreuzes Höhn, Wir den alten Menschen baden Und dann himmlisch auferstehn. Bittet, daß beim Tempelbaue, Dran Er will der Eckstein sein, Jeglichen von uns Er schaue Recht als den lebend'gen Stein. Bittet! strecket eure Hände Rastlos zu dem Throne hin! Bittet um ein selig Ende Für mich arme Sünderin! 1 Aller- Seelen- Tag. ,, Requiem aeternam." Ihre Sieger hat die Kirche droben Licht geschaaret um des Lamms Panier, Auf die Throne im Triumph erhoben, Ihre Stirn geschmückt mit Königszier. Ihre Streiter hat die Kirch' hienieden- Selig, wer zu ihnen ward geschaart! Denn es geht durch Krieg zum großen Frieden, Und zur Heimath nach der Pilgerfahrt. Ihre leidenden und armen Glieder Hat die Kirche in der Zwischenwelt, Die für unsre abgeschiednen Brüder Zwischen Erd' und Himmel Gott gestellt. Denn die Gnadenzeit, um Ihm zu dienen, Ist geschwunden mit dem Erdenlicht, Und des Himmels Sonnen scheinen ihnen, Die vom Staub befleckt, noch lange nicht. 294 49 Nur der Reine schwebt auf Engelschwingen Zu dem reinen Lamm im Paradies; Nur der Reine kann zum Antlig dringen Gottes, wie der Heiland es verhieß. Nur den Reinen trägt die reine Liebe, Die vollkommne, in den Gottesschooß! Unsrer Liebe, irr im Weltgetriebe, Fällt sobald nicht dieses süße Loos. Unsre Liebe, wie Asbest in Flammen, Muß die Feuerprobe erst bestehn, Muß wie Gold aus Schlacken erst zusammen Schmelzend aus der Läutrung Tiegel gehn. Unsre Liebe, die das Kreuz hier scheute, Hier den Weg des Kreuzes floh so bang, Diesen kurzen Weg der Königsbräute Dwie klagt sie, daß der dort so lang! Arme Seelen! Eures Wirkens Stunden Sie erloschen mit der Erde Schein; Stille Nacht hält leidend euch gebunden, Euch verzehrt der Sehnsucht herbste Pein. 295 Arme Seelen! ach, wie schmerzdurchglühet Späht hinauf ihr nach dem ew'gen Tag! Ach, wie lauscht ihr heiß und abgemühet, Ob der Gnade Wort euch rufen mag! Arme Seelen, trauert nicht zu bitter, Denn der Kirche Kinder seid auch ihr; Und die treue Mutter bricht das Gitter, Deffnet eures dunklen Kerkers Thür, Bringt das heil'ge Opfer für euch heute, Das Erlösungsopfer zärtlich dar, Und mit Liebe giebt euch das Geleite Des Gebets der Christenbrüder Schaar. Freuet euch und jubelt, arme Seelen, Daß ihr Kinder dieser Mutter seid, Die euch Lieb' und Gnade, nicht zu zählen, Ueber's Grab hinaus mit Treue weiht. Von der Wiege bis zum lesten Schritte Geht ihr Trost und Labung nimmer aus, Und allendlich führt euch ihre Bitte In's ersehnte, ew'ge Baterhaus. Fest der Kirchweihe. ,, Ecce tabernaculum Dei cum hominibus." Apoc. 21. Mit dir hab' ich mein Lied begonnen, Für dich verklingt der lette Laut! Ein Tröpflein Thau ist so zerronnen In Glut und Glanz der ew'gen Sonnen, O heil'ge Kirche, Gottesbraut! Gesammelt hast du deine Kinder, Genährt am Herzen liebewarm; Der ächten Perle sel'ge Finder, Den Büßer, wie den armen Sünder, Sie All umschließt dein Mutterarm. Da sind sie, die Du, Herr, gegeben, - - Spricht heut Dein mildes frohes Wort- Gerettet für das ew'ge Leben, Sich', wie das Herz zu Dir sie heben Versammelt am geweihten Ort. 297 Wo du, o Herr, in ihrer Mitte Voll grenzenloser Liebe weilst, Auf dem Altar in dunkler Hütte Umringt von Klage, Hoffnung, Bitte, Das Erdenleid der Deinen heilft. Da sind sie! Keines ist verloren! Besprengt hat sie das Gotteslamm Mit seinem Blut und neugeboren Sind sie zu Bräuten auserkoren Für Ihn, der Seelen Bräutigam. Nun knien sie vor Deinem Throne, Dem irdischen, auf dem Altar, Und seh'n im Glauben jene Krone, Die Du, dem schweren Kampf zum Lohne, Verheißen haft der treuen Schaar. Gieb ihnen, Herr, den Kranz der Ehren, Bezahlt mit Dorn, der Dich umwand, Das weiße Kleid, das sie begehren, Und trockne ihres Auges Zähren Mit Deiner wund durchbohrten Hand. 298 Laß ihre Namen eingetragen Im Buch des ew'gen Lebens stehn, Daß überwindend sie entsagen, Und nicht, wann es wird aufgeschlagen, Zur Linken Dir verloren gehn. Laß ihrer Stirn das heil'ge Zeichen! Nie lösch' es aus, nie strahl' es matt! Mag leuchtend es zum Tage reichen, Wenn Sonn' und Sterne scheu erbleichen Im Wunderglanz der Gottesstadt. Wann einst der Kampf ist ausgestritten, Vom Lamm besieget Tod und Welt, Dann öffnest Du der Himmel Mitten Und sammelst zu den ew'gen Hütten Sie, die hier dienten Deinem Zelt. Dann sinken alle Staubesschleier, Zerstiebt der Lüge bunter Schaum, Des Sündensieges Ungeheuer, Erlischt des Scheines flackernd Feuer, Berrinnt der Erde Nebeltraum. 299 8Dann thun sich auf die Perlenthüren Vor den kristallnen Straßen weit, Die zu des Thrones Stufen führen, Wo Engel goldne Harfen rühren, Wo Du gebeutst in Herrlichkeit. Wo unterm ew'gen Sternendome Du thronst von Cherubsgluth umglüht; Wo am lebend'gen Wasserstrome, Umweht vom himmlischen Arome, Der Baum der Frucht des Lebens blüht. Von wo Dein Wort das All durchklinget: „ Ich komme bald! Mit Mir der Lohn! O selig, wer da kämpft und ringet, Und selig, wer gewaschen bringet Sein Kleid in Blut vor meinen Thron!" Der lette Sonntag im Kirchenjahr. , Tunc parebit signum Filii hominis in coelo et tunc plangent omnes Tribus terrae." Ev. Matth. 14. ,, Wenn Du wieder wirst erscheinen In des Richters strenger Macht, O was wird das für ein Weinen! In den Herzen- welche Nacht! Wenn der Gnade Sonnenwende Nimmermehr der Erde winkt, Wenn der Sünde Spiel zu Ende Und die Welt in Flammen sinkt! Wenn die Stern' vom Himmel fallen, Hin der Sonne stolzes Licht, Wenn Posaunen drohend hallen Kündend an das Weltgericht! 301 Wenn die Todten auferstehen Aus dem Grabe jäh geweckt, Al' sich Alle wiedersehen, Von Entsegen wachgeschreckt. Wenn das Kreuz, das Kreuz erscheinet Und der Richter dran gelehnt Richtet nicht wie wir's gemeinet, Wie's der faule Knecht gewähnt. Unbestechlich wird Er winken, Unerbittlich ist der Spruch: Die zur Rechten!- Die zur Linken! Ew'ges Heil! Weh, ew'ger Fluch! - Herr, wie sollen wir's ertragen, Wir erliegen heißer Angst! Ach, der Tag wird mir schon tagen, Wenn die Seele Du verlangst! Die gewaltigen Gesichte Wohl dem Weltall ferne drohn, Doch im einzelnen Gerichte Nahen Jeglichem sie schon. 302- Jeden wirst Du prüfend fragen: Thatest du, was Ich gebot? Hast du treu Mein Kreuz getragen? Heiltest du des Bruders Noth? Lebtest du nach den Geboten?- Wohl! so geh' zum Leben ein! Doch wenn nicht- wirst mit den Todten Ewig du begraben sein. Hab' Ich nicht an dich verschwendet All das reiche ew'ge Gut? Ward Ich selber nicht gesendet, Floß für dich nicht all mein Blut? Hab mein Wort Ich nicht gesprochen, Tröstend dich in jeder Qual? Ach! und nicht das Brot gebrochen, Deiner Seele selig Mahl? Hat der heilige Geist ergossen Nicht auf dich den Gnadenstrom? Machte nicht er zum Genossen Deines Gottes dich, Atom! 303 480 Wardst nicht wieder du geboren, Kind du Meiner Braut genannt? Auserlesen, auserkoren, Fielst du an der Mutter Hand?- Alles hab' ich, Herr der Gnaden, Blut und Liebe, Lehr' und Licht, Doch mit tiefer Schuld beladen Bangt mir sehr vor dem Gericht. Drum, bei Deiner Herzenswunde! Gieb das Eine, was mir Noth: Gnade meiner leßten Stunde, In Maria's Schooß den Tod Amen. Druck von Florian Kupferberg in Mainz. Inches 1 Centimetres Blue HX₂ 2 2+ Cyan 2 5 ++ 4² 6 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 8 1+ 1 19 B.I.G. Black