Gb 33 60 дв der guten Gretchen Hummel. beim Abschied von M Zinzelhausen Ziegelhausen 9. Mar 1895. ihrem Pfarrer Furt. Helen Graphos Heil. Alphons von Lignori, aus der Versammlung des heiligsten Erlösers. Besuchungen des Allerheiligsten Altars- Sakramentes und der allzeit unbefleckten göttlichen Mutter Maria. Dom heiligen Alphons Maria von Liguori, Bischof von St. Agatha der Gothen, Stifter des Ordens vom heiligsten Erlöser zc. Nebst Morgen-, Abend-, Meß-, Beicht-, Kommunionund zahlreichen anderen Gebeten und Betrachtungen aus den Schriften desselben heiligen Verfassers. mit Gutheißung des Hochwürdigsten Erzbischöflichen Ordinariates München- Freising. Druck und Verlag von Carl Aug. Seyfried u. Comp., München. MINIA Gb 3360 Gen.- Vic. Nro. 5392. Das Ordinariat des Erzbisthums München- und Freifing bezeugt hiemit, daß in dem Behuss einer neuen Auflage zur oberhirtlichen Censur vorgelegten Andachtsbüchlein mit dem Titel: Besuchungen des allerheiligsten AltarsSakramentes und der allezeit unbefleckten göttlichen Mutter Maria, vom heiligen Alphons Maria von Liguori zc., nebst Morgen-, Abend-, Meß-, Beicht, Kommunion- und zahlreichen andern Gebeten und Betrachtungen aus den Schriften desselben heiligen Verfassers; neue Uleberseßung," nichts enthalten sei, was der katholischen Glaubens- und Sittenlehre entgegen wäre. München, den 9. November 1858. Dr. Joseph Prand, Dompropst und General- Vicar. Univ.- Bibl. Giessen An den Leser. Der diese neue Ausgabe veranstaltet hat, bittet dich, lieber Leser, du wollest ihn, möge er nun noch leben, oder schon gestorben sein, dem allerheiligsten Sakramente an= empfehlen, so oft du bei dem Besuche desselben dieses Büchlein zur Hand nimmst. Er verspricht dagegen, für einen Jeden, der ihm diesen Liebesdienst erweiset, in der heiligen Messe zu beten. 1* An die allzeit unbefleckte Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Peine heiligste Königin! indem ich dieses geringe Büchlein, das von der Liebe zu deinem Sohne handelt, an das Licht treten lasse, weiß ich es Niemanden besser zuzueignen, als dir, geliebteste Mutter, die du unter allen erschaffenen Wesen die größte Liebe zu Ihm trägst. Durch Darbringung dieser fleinen Spende, die lediglich aus der Absicht entstanden, daß in den gläubigen Seelen die Liebe zu Jesus Christus immer zunehmen möge, glaube ich deinem Herzen besonders wohlgefällig zu sein; du verlangst ja so sehr, daß Alle Ihn lieben, wie Er es verdient. Dir also weih' ich das Büchlein, wie es nun ist; nimm es gütig auf; beschüßz' es und bewirke, nicht etwa, daß ich Menschenlob VI ärnte, sondern daß diejenigen, die es lefen, in Zukunft mit größerer Hingebung und größerem Eifer der zärtlichen und außerordentlichen Liebe entgegenkommen, die unser sanftester Heiland durch sein Leiden und durch die Einseßung des allerheiligsten Sakramentes uns hat beweisen wollen. Ich leg' es dir also mit der Bitte zu Füßen, du wollest die Gabe sowohl, als den Geber als dein Eigenthum hinnehmen; dieser hat ja so lange schon all seine Hoffnung auf dich geseßt, und er wünscht und verlangt fich immer glücklich zu preisen und es zu sein, o geliebteste Frau, als dein lieberfüllter, wiewohl unwürdigster Diener Alphons von Liguori, aus der Versammlung des heiligsten Erlösers. Kurze Abhandlung über die Nothwendigkeit des Gebetes, seine Wirkung und die Bedingungen seiner Wirksamkeit. 1. Von der Nothwendigkeit des Gebetes. Die Behauptung Luthers und Calvins, den Menschen sei nach dem Sündenfalle Adams die Beobachtung des göttlichen Geseßes unmöglich geworden, war eine Lästerung; und ein von der Kirche verworfener Frrthum war auch das Vorgeben, einige Gebote könnten selbst von den Gerechten nach dem Maße ihrer gegenwärtigen Kräfte unmöglich befolgt werden, da ihnen zu deren Erfüllung die göttliche Hilfe abgehe. Denn die heil. Kirchenversammlung von Trient hat, Siz. 6. Kap. 11, ausdrücklich erklärt, daß Gott nichts Unmögliches wolle, 8 sondern uns ermahne, zu thun, was wir können mit der Kraft der überschwänglichsten Gnade, um welche wir auch nachsuchen sollen, zum Bollbringen dessen, was wir nicht vermögen, wozu uns aber Gott seine Hilfe gewiß verleihen werde. Daher lehren auch die Gottesgelehrten gemeiniglich mit der Sarbonne,*) Gott gebe, oder biete wenigstens Allen entweder die nächste Gnade an zur Befolgung der Gebote, oder doch die entfernte des Gebetes, vermittelst welcher dann ein Jeder die nächste zur Erfüllung der göttlichen Vorschriften erlange. Gleichwohl können wir nicht zweifeln, daß in dem gegenwärtigen Zustande der verderbten menschlichen Natur die Beobachtung des göttlichen Gebotes sehr schwer, ja sogar moralisch unmöglich ist ohne Gottes besonderen Beistand, der größer sein muß, als jener, dessen man im Stande der Unschuld bedurfte. Nun aber verleiht Gott, menschlicher Weise gesprochen, diese besondere Hilfe nur denen, die ihn darum bitten. Nach der Lehre des heiligen Augustin werden außer den *) Theoloaische Fatult. in Baris. ersten anregenden Gnaden, die ohne unser Zuthun an uns gelangen, wie z. B. die Berufung zum Glauben oder zur Reue, alle übrigen, und besonders die Gnade der Beharrlichkeit, nur denen verliehen, die beten. Buch der Beharrlichkeit, Kap. 5. Hieraus schließen die Gottesgelehrten Suarez, Habert, Layman, der Bater Segneri und andere mit dem heiligen Klemens von Alexandrien, dem heiligen Basilius, dem hl. Augustinus und dem hl. Johannes Chrysostomus, daß das Gebet für die Erwachsenen ein unentbehrliches Hilfsmittel sei; daß also ein Gläubiger, phne sich Gott zu empfehlen und die zu seinem Heile nöthigen Gnaden zu erbitten, nach menschlicher Voraussicht nicht selig werden könne. Sowie nach dem Ausspruch des heiligen Chrysostomus der Leib zum Leben der Seele bedarf, so ist für die Seele das Gebet vonnöthen, um sich in der göttlichen Gnade zu er halten. Denselben Sinn haben auch die Worte Jesu Christi, daß man allzeit beten und nicht nachlassen müsse. Lut. 18,1. Ter heilige Jakobus sagt dasselbe mit den Worten: Ihr erhaltet nicht, weil ihr nicht bittet. Jaf. 4, 2. Die gleiche 10 Bedeutung haben die Worte unsers Erlösers: Bittet, so wird euch gegeben werden. Luf. 11, 9. Wenn demnach, sagt die heilige Theresia, wer da suchet, findet, so wird, wer nicht sucht, auch nicht finden. Gott will, daß alle selig werden; aber Er will auch, daß wir um die zur Seligkeit nöthigen Gnaden nachsuchen. Und nicht einmal dieß wollen wir thun? Wir beendigen diesen ersten Punkt, indem wir aus dem Gesagten den Schluß ziehen, daß, wer nicht betet, gewiß zu Grunde geht. Alle Heiligen sind durch Beten selig und heilig geworden. Alle Verworfenen sind durch Unterlassung des Gebetes ihrem Schicksal anheim gefallen; hätten sie gebetet, so wären sie gewiß nicht ins Verderben gerannt. Ihre größte Verzweiflung in der Hölle wird in dem Bewußtsein bestehen, daß sie so leicht hätten selig werden können, hätten fie Gott um seinen Beistand angefleht, daß nun aber die Zeit hiezu dahin ist. 2. Von der Wirksamkeit des Gebetes. Die heilige Schrift entbält eine Fülle von Stellen, durch die uns der Herr zu 11 verstehen gibt, daß Er alle unsere Bitten erhöret. Bald spricht Er: Er rujet zu Mir, und Ich erhöre ihn. Pf. 90. 15. Bald: Wenn ihr den Vater in Meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird Er es euch geben. Joh. 16, 23. Bald: Rufe zu Mir am Tage der Trübsal, so will Ich dich erretten. Pi. 49, 15. Bald: Wer blieb verschmäht, der Ihn angerufen? Ecclesiasticus 2. 12. An einer andern Stelle: Ehe denn sie rufen, werde Sch erhören: und indem sie noch reden, will Ich hören. If. 65, 24. Wieder an einer andern: Gebenedeit sei Gott, der nicht abwies mein Gebet, noch seine Barmherzigkeit von mir. Pf. 65, 20. Immer steht unser Gebet mit der Barmherzigkeit Gottes im Einklang, daher wir, um mit dem heiligen Augustin zu reden, uns sehr freuen müssen, wenn wir Veranlaffung haben, uns Gott zu empfehlen, weil wir, während wir beten, sicher sein dürfen, daß Gott uns erhöret. Wieder an einer andern Stelle heißt es: Wenn ihr in Mir bleibet, und Meine Worte in euch bleiben: so möget ihr bitten, was ihr immer wollet, es wird euch gegeben werden. Joh. 15, 7. 12 Daher sagt Theodoretus, das Gebet vermöge Alles; es sei nur Eines, erlange aber Alles. Nach dem heiligen Bonaventura erlangt man durch das Gebet jegliches Gut und wird von jeglichem Uebel befreiet. Und wenn uns je, fügt der heilige Bernhard hinzu, der Herr die Gnade, um die wir bitten, nicht gewähret; so können wir mit Zuversicht hoffen, daß Er uns dafür eine andere verleiht, die uns nüßlicher ist. O Herr! ruft David aus, Du bist voll der Güte und des Erbarmens gegen Alle, die zu Dir flehen. Der heilige Jakobus sagt, daß der Herr den Bittenden nicht mit färglicher Hand spendet, wie die Menschen auf Erden, deren Reichthum beschränkt ist; sondern daß Gott, dessen Reichthum keine Gränzen hat, und dem immer, je mehr Er gibt desto mehr zu geben übrig bleibt, mit freigebiger Hand noch mehr austheilt, als um was wir Ihn bitten können, ohne uns unsere Zudringlichkeit im Bitten vorzuwerfen. Dieß rührt daher, weil seine Güte ausströmender Natur ist. Darum hat Gott, der seinem Wesen nach die unendliche Güte ist, nach den Worten des hei 13 ligen Leo, das höchste Verlangen, uns seine Güter und seine Seligkeit mitzutheilen. Der Herr forget für mich, spricht David, Pf. 39, 18. Eben dieser Umstand vermochte den heiligen König zum Ausruf: Herr, wenn ich zu Dir rufe, so ertenn' ich sogleich, daß Du mein Gott, die unendliche Güte bist, und verlangest, daß wir zu Dir um Deine Wohlthaten flehen, denn kaum bitten wir Dich um Deine Gnade, so gewährst Du sie uns sogleich. Eines Tages erschien vor dem Heiland ein Aussäßiger und sprach: Herr, wenn Du willst, so kannst Du mich reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an, und sprach: Ich will, sei gereinigt. Matth. 8, 2. 3. Als ob Er sagen wollte: Wie, mein Sohn, zweifelst du, daß Ich dich heilen will? Weißt du nicht, daß Sch dein Gott bin und wünsche, Alle glücklich zu sehen? Warum bin Ich vom Himmel auf die Erde gekommen, wenn nicht, um Alle zufrieden zu stellen? Ja, Ich will; sei geheilet. Viele beklagen sich über Gott, daß Er ihnen die gewünschten Gnaden nicht gewähre. Vielmehr, sagt der heilige Bernhard, beklagt sich Gott über sie, weil sie 14 Ihn nicht bitten, und so Ihm die Hand schließen, die Er nach seinem Wunsche zum Wohlthun öffnen möchte. Beklagt euch nicht über Mich, sagt der göttliche Erlöser bei Johannes, Kap. 16, wenn ihr von Mir die Gnaden nicht erlangt habt, die Euch nöthig waren; jammert vielmehr über euch, weil ihr sie nicht bei Mir gesucht und darum nicht erhalten habt. Bittet von nun an, und ihr werdet vollkommen zufrieden sein. Die Mönche der ersten Christenheit hielten einst unter sich Rath, um auszumitteln, welches die zur Erlangung der Seligkeit nüßlichste Andachtsübung sei; fie entschieden sich für das Bittgebet, das mit den Worten beginnt: Deus, in adjutorium meum intende etc. etc. O Gott! hab Acht auf meine Hilfe: Herr, eile mir zu helfen. Ps. 69, 2. Der Pater Paul Segneri sagt von sich selber, er habe früher fich bemüht, bei seinen Betrachtungen innere Regungen zu erwecken; nachdem er aber den großen Nußen und die Nothwendigkeit des Gebetes erkannt, habe er hauptsächlich sich angelegen sein lassen, im Gebete zu verweilen. Wie kommt es aber, daß Einige beten und doch nicht 15 erhalten? Sie bitten, sagt der heilige Jatobus, fie bitten aber nicht, wie sie sollen, und darum erhalten sie nicht. Viele suchen die Gnaden, aber ohne die gehörigen Bedingungen. Untersuchen wir daher, welches die zur Erlangung der Gnaden nothwendigen Bedingungen des Gebetes sind. 3. Von den nothwendigen Bedingungen zur Wirksamkeit des Gebetes. 1. Das Gebet muß demüthig sein. Nach dem heiligen Jakobus erhört Gott die Bitten der Stolzen nicht, sondern widersteht ihnen; dagegen ist er durchaus bereit, die Bitten der Demüthigen zu erhören. Das Gebet einer demüthigen Seele dringt sogleich zum Himmel, er scheint vor dem göttlichen Throne und verläßt denselben nicht, ohne daß Gott es gnädig anblicke und erhöre, nach den göttlichen Worten: Seid demüthig von Herzen. Ecclefiafticus 2, 2. Je größer du bist, desto mehr demüthige dich in Allem, so wirst du bei Gott Gnade finden. Ebenda 3. 20. Und sei auch die betende 16 Seele eine noch so große Sünderin, so kann Gott, nach der Versicherung Davids, ein Herz nicht verschmähen, das seine Sünden in Demuth bereut. 2. Das Gebet muß vertrauensvoll sein. Der heilige Geist versichert uns, Niemand sei getäuscht worden, der sein Vertrauen auf Gott gesetzt habe. Wer ist verschmäht worden, der Ihn angerufen? Ecclesiasticus 2, 12. Der Herr sprach zur heiligen Gertraud, daß, wer Ihn vertrauensvoll anrufe, Ihn gewissermaßen nöthige, sein Gebet in Allem zu erhören. Das Gebet, sagt der heilige Johannes Klimatus, thut dem Herrn Gewalt an, aber eine Gewalt, die ihm angenehm und lieb ist. Warum läßt sich Jesus Christus im Gebete des Herrn, das Er uns zur Erlangung aller zu unserm Heile nöthigen Gnaden gelehrt hat, nicht Gott, nicht Herr, nicht Richter, sondern Vater, Vater unser nennen? Weil Er will, daß wir Gott mit demselben Vertrauen um seine Gnade anflehen, mit dem ein armer oder Franker Sohn seinen eigenen Vater um Nahrung oder Hilfe bittet. Ist ein Sohn dem Hungertode nahe, so darf er es nur 17 seinem Vater offenbaren und dieser wird ihn sogleich unterstüßen; ist er von irgend einer giftigen Schlange gebiffen worden, so braucht er die Wunde nur dem Vater zu zeigen, und dieser wird sogleich das in seinem Besize befindliche Heilmittel anwenden. Darum sprach unser Heiland: Was ihr immer im Gebete begehret, glaubet nur, daß ihr es erhaltet, so wird es euch werden. Mart. 11, 24.& s genügt demnach, mit Vertrauen zu beten, um von Gott zu erlangen, was wir wollen. Warum, sagt der heilige Auguftin, hätte uns der Herr so sehr zum Gebet um Gnaden ermahnet, hätte Er sie uns nicht gewähren wollen? Das chanaäische Weib, deren Tochter vom Teufel besessen war, bat Jesum Christum, daß Er sie befreie mit den Worten: Herr, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner: meine Tochter wird arg von einem bösen Geiste geplaget. Matth. 15, 22. Der Herr antwortete: Ich bin nicht für euch Heiden gesandt, sondern zum Heile der Juden. Jene verlor gleichwohl den Muth nicht, sondern bat wiederholt mit Vertrauen: Herr, Du kannst mich trösten, hilf mir! Jesus erwiderte: Das Brod Liguori, Besuchungen zc. 2 18 der Kinder soll man nicht den Hunden vorwerfen. Sie aber sprach: Herr, auch den Hündlein gewährt man die Brosamen, die vom Tische fallen. Als nun der Herr das große Vertrauen dieses Weibes sah, lobte Er fie, und gewährte ihr die Gnade mit den Worten: D Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst. Des Vertrauens also bedarf es zur Erlangung dessen, was wir bei Gott nachsuchen. Worauf aber, mag einer fragen, müssen wir dieses Vertrauen gründen? Ich antworte: Auf die Güte Gottes und auf die uns von Ihm gemachten Verheißungen, als Er sprach: Bittet, so wer det ihr empfangen. Joh. 16, 24. Und wer möchte fürchten, sagt der heilige Augustin, daß ihm das fehlschlage, was ihm von Gott, der Wahrheit selber, zugesagt worden? 3. Das Gebet muß beharrlich sein, sonst wird man die ewige Seligkeit nicht erlangen. Die Gnade der Seligkeit ist nicht die einzige, sondern eine Kette von Gnaden, welche alle in der Gnade der Beharrlichkeit bis ans Ende ihren Ver einigungspunkt finden. Nun aber muß dieser Kette der Gnaden eine andere, 19 eine Kette, so zu sagen, unserer Gebete entsprechen. Ueber die Parabel des heiligen Lukas im 11. Kapitel, in welcher von einem Freunde die Rede ist, der, um sich der Zudringlichkeit eines andern zu entziehen, vom Bette aufstand und ihm die verlangten Brode gab, bemerkte der heilige Augustin: Wenn nun ein solcher Freund, bloß um sich vom Ungestüm des andern zu befreien, wider seinen Willen die Brode hergibt, um die jener bittet; um wie viel eher wird uns Gott seine Gnaden verleihen, der so großes Verlangen trägt, uns von seinen Gütern mitzutheilen, wenn wir Ihn darum anflehen; Gott, der uns zum Bitten ermahnet, und dem die Unterlassung desselben mißfällt? Gott will uns also die Seligkeit und alle hiezu nöthigen Gnaden gewähren, aber Er will, daß wir im Gebete beharrlich seien, ja sogar, wie Cornelius a Lapide sagt, bis zur Zudringlichkeit. Die Menschen auf Erden können die Budringlichkeit nicht ertragen; aber Gott erträgt uns nicht allein, sondern will sogar, daß wir Ihm mit Bitten um Gnaden zur Last fallen, hauptsächlich um Sie Gnade der heiligen Beharrlichfeit. 2* 20 Zwar tann die Beharrlichkeit bis ans Ende, nach der Erklärung der Kirchenversammlung von Trient, Sig. 6. Kap. 23, von uns nicht verdient werden, da sie durchaus eine uns von Gott freiwillig ertheilte Gnade ist; nichtsdestoweniger, fagt der heilige Augustin, kann man die Beharrlichkeit gewissermaßen durch Bitten sich gewinnen. Daher wird, wer um Beharrlichkeit fleht, wiewohl er sie nicht verdienen kann, sie dennoch, nach dem Bater Suarez, unfehlbar erlangen. Um diese Gnade der Beharrlichkeit aber, sagt der Cardinal Bellarmin, darf man nicht blos einmal flehen, sondern man muß, um sie täglich zu erlangen, auch täglich darum bitten. Daher spricht Jesus Christus, man müsse nie aufhören zu beten, sonst könnte man der Versuchung unterliegen. Darum wachet und betet allezeit, damit ihr würdig geachtet werdet, allem dem zu entgehen, was da kommen wird, und zu bestehen vor dem Menschensohne, Lut. 21, 36. Darum ermahnt auch der heil. Paulus seine Jünger: Bittet und hört nicht auf zu beten. Glückselig der Mensch, spricht Gott, der Mich höret, und der an meinen Thüren 21 wacher Tag für Tag. Sprüchw. 8. 34. Deßwegen ermahnt uns Jesus Christus im Evangelium und trägt uns sogar auf, zu beten, da folgende Worte nicht bloß einen Rath, sondern auch eine Vorschrift enthalten: Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; tlopfet an, so wird euch aufgethan werden. Lut. 11, 9. Es könnte scheinen, der Ausdruck bittet" möchte genügen; wozu bedurfte es noch des„ suchet" und" flopfet an?" Nein, es war nicht überflüssig, dieses hinzuzufügen; der Heiland wollte uns damit einschärfen, daß wir es machen müssen, wie die Armen, welche betteln gehen. Wenn diese das gesuchte Almosen nicht erhalten und abgewiesen werden, so hören sie nicht auf, es zu suchen und wieder zu suchen und sogar an die Thüre zu klopfen, wenn sie den Hausherrn nicht mehr sehen, bis sie sehr beschwerlich und lästig werden. So sollen wir nach dem Willen des Herrn auch thun; wir sollen bitten, wiederum bitten und nicht aufhören zu bitten, bis Er uns beisteht, uns aufrecht hält und nicht zugibt, daß wir uns durch die Sünde von Ihm trennen. Dieß sollen wir nicht bloß am Morgen 22 beim Aufstehen thun, sondern mehrmal im Tage; beim Anhören der heiligen Messe; in unseren Betrachtungen; bei der Danksagung nach der heiligen Rommunion; beim Besuche des allerheiligsten Sakramentes; bei der Gewissenserforschung am Abend; hauptsächlich aber bei irgend einer Anfechtung, insbesondere bei der Versuchung zur Unkeuschheit. Wer hier nicht wenigstens durch Anrufung der heiligsten Namen Jesus und Maria seine Zuflucht zu Gott nimmt, wird leicht straucheln und fallen. Jemand könnte einwenden: Ich bin ein Sünder und Gott erhöret die Sünder nicht, wie man bei dem heiligen Johannes 9, 31 liest: Wir wissen aber, daß Gott die Sünder nicht erhöret. Hierauf ist zu erwidern, daß nicht Jesus Christus, sondern der Blindgeborne dieses gesagt hat. Daher ist ein solcher Saß an sich falsch. In einem einzigen Falle, sagt der heilige Thomas, kann er wahr sein, wenn die Sünder bei Gott etwas in ihrer Eigenschaft als Sünder nachsuchen und um etwas bitten, das ihnen zur Sünde behilflich sein sollte. Einer riefe z. B. Gott um seinen Beistand an, um sich an 23 seinem Feinde zu rächen, dann würde Gott ein solches Gebet gewiß nicht erhören. Wenn aber einer um etwas für seine ewige Seligkeit Ersprießliches bittet. was thut es. daß er ein Sünder ist? Wäre er auch der Lasterhafteste auf der Welt gewesen, er mag nur beten und er wird gewiß erlangen, um was er bittet. Die Verheijung ist dieselbe für alle; denn Jeder, der bittet, empfängt. Luk. 11, 10. Wer bittet, sagt der heilige Thomas, braucht die Gnade, um die er fleht, nicht gerade verdient zu haben. Es reicht hin, daß er bittet, und er wird sie erlangen. Der Grund hievon liegt nach demselben heiligen Kirchenlehrer darin, daß die Kraft des Gebetes, etwas zu erlangen, nicht von dem Verdienste dessen herrührt, der da bittet, sondern von der Barmherzigkeit und Treue Gottes, der freiwillig und rein aus Güte verheißen hat, den Bittenden zu erhören. Wenn wir beten, brauchen wir zur Erlangung der Gnaden nicht Gottes Freunde zu sein; gerade das Gebet, fügt der Engelgleiche bei, macht uns zu feinen Freunden. Was man nicht durch Freundschaft erlangt, sagt auf gleiche Weise der hei 24 lige Johannes Chrysostomus, erlangt man durch Bitten. Um uns zum Gebete mehr anzufeuern und uns, wenn wir beten, der Gnade zu versichern, gab uns Jesus Christus folgende große besondere Verheißung: Wahrlich, wahrlich, sage Ich euch, wenn ihr den Vater in Meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird Er euch geben. Joh. 16, 23. Gleichsam, als hätte Er gesagt: Wohlan, o Sünder, ihr verdienet zwar keine Erhörung vor Gott, Meinem Vater: wenn ihr aber Gnaden wollet, so bittet darum in Meinem Namen, das heißt durch Meine Verdienste, und Ich verspreche Euch mit Gewißheit, wahrlich, wahrlich, jage Ich euch, was eine Art Betheuerung ist, daß ihr von meinem Vater Alles erlangen werdet, um was ihr bittet. D welch ein schöner Trost für einen armen Sünder, wenn er weiß, daß seine Fehler nicht hindern können, jede Gnade zu erlangen, um die er bittet, indem Jesus Christus uns verheißen hat, daß Gott uns Alles gewähren werde, um was immer wir durch seine Verdienste Jhn anflehen. Wir müssen aber die göttliche Ver heißung nicht so verstehen, als ob sie fich 25 nicht auch auf zeitliches Wohl, sondern bloß auf geistliche Gnaden beziehe, die zum Heile der Seele nüßlich oder nothwendig sind. Wohl werden wir, wie wir oben gesagt haben, die Gnaden erlangen, um die wir im Namen und durch die Verdienste Jesu Christi bitten: aber was dem Seelenheile schadet, sagt der heilige Augustin, darum kann man im Namen des Erlösers nicht bitten. Darum gewährt uns Gott dieses nicht und kann es uns nicht gewähren. Warum? Weil er uns liebet. Der Arzt, der es mit dem Kranken gut meint, erlaubt ihm gewiß die ihm schädlichen Speisen nicht. Wie Viele, wären sie krank oder arm, würden die Sünden nicht begehen, in die sie verfallen. Viele bitten Gott um Gesundheit oder Vermögen; da Er aber sieht, daß diese Dinge Veranlassung zur Sünde oder Lauheit würden, so gewährte Er sie Ihnen nicht. Daher müssen wir immer um zeitliche Güter mit der Bedingung bitten, wenn sie uns zum Seelenheil gereichen. Wenn wir also sehen, daß Gott sie uns nicht verleiht, so dürfen wir versichert sein, daß der Herr sie uns versagt aus Liebe zu uns und weil Er 26 fieht, daß das, um was wir bitten, unsrer Seligkeit Schaden brächte. Oft bitten wir Gott, er möge uns von irgend einer lästigen Versuchung befreien, die uns um seine Gnade bringen wolle. Aber Gott befreit uns nicht davon, sondern läßt eine solche Anfechtung zu, auf daß die Seele in der Liebe zu Ihm sich befestige. Nicht Versuchungen und böse Gedanken bringen uns Schaden und trennen uns von Gott; sondern die Einwilligung zum Bösen Widersteht die Seele mit Gottes Gnade der Versuchung, so macht sie einen großen Schritt vorwärts in der Vollkommenheit. Der heilige Paulus erzählt von sich, er habe, während. er von unreinen Anfechtungen geplagt worden sei, dreimal zum Herrn gebetet, daß Er ihn davon befreie. Was antwortete ihm der Herr? Er sprach: Es genüget mir meine Gnade. 2 Kor. 12, 9. Deßwegen bitten wir Gott in den Versuchungen, die uns überfallen, daß Er uns entweder davon befreie, oder wenigstens seine Hilfe zum Widerstande gegen dieselben verleihe. Wenn wir Ihn so bitten, so dürfen wir versichert sein, daß der Herr uns widerstehen hilft: In der Giessen 27 Trübsal, sagt Gott selbst, hast du Mich angerufen, und Ich hab' dich erlöjet, hab' dich gehöret im Dunkel des Wetters. Pf. 80, 8. Oft überläßt uns der Herr dem Sturme zu unserm größern Wohle; aber unterdessen erhört Er uns insgeheim und gibt uns seine stärkende Gnade zum Widerstand und zur Ergebung. Daher wiederhole ich, um alle Gnaden, die zu unserm Heile nothwendig sind, sollen wir bedingungsweise bitten; und wenn wir sehen, daß sie uns Gott nicht verleiht, so dürfen wir versichert sein, daß sie uns Gott zu unsrer größern Wohlfahrt versaget. Die geistlichen Gnaden aber gibt uns Gott gewiß, wenn wir Ihn darum bitten. Gott liebt uns mehr, sagt die heilige Theresia, als wir uns selber lieben. Darum hat Gott, nach dem heiligen Augustin, ein größeres Verlangen, uns Gnaden zu erweisen, als wir haben, solche zu empfangen. Daher pflegte auch die heilige Maria Magdalena de' Pazzi zu sagen: Gott sei gewissermaßen der Seele, die Ihn bitte, verbunden, als ob Er zu ihr spräche: Seele, ich danke dir, daß du Mich um Gnaden ersuchest. Dann ist es, als ob Ihm die Seele den Weg 28 öffne, Gutes zu thun und sein Verlangen zu stillen, das darin besteht, Allen Gnaden zu erweisen. Und wie könnte Gott eine Seele nicht erhören wollen, die nur nach dem verlangt, was Ihm angenehm ist? Wenn die Seele zu Ihm sagt: O Herr, ich bitte Dich nicht um Reichthümer, Ehrenstellen, Erdengüter, sondern nur um Deine Gnade; erlöse mich von der Sünde; gib mir einen guten Tod; verleihe mir den Himmel, und unterdessen schenke mir Deine Liebe, welche nach dem heiligen Franz von Sales diejenige Gnade ist, um die man Gott vor Allem bitten soll; gib mir Ergebung in Deinen Willen, da in dieser Tugend die ganze Liebe zu Gott besteht: wie sollte Gott solche Bitten nicht erhören! Und welche Gebete sagt der heilige Augustin, wirst Du, o Gott, erhören, wenn nicht diese, die ganz nach Deinem Willen sind? Wenn wir um solche geistliche Gnaden bitten, so kommt uns die Begierde, fie zu erlangen, sagt der heilige Bernhard, gewiß von Gott selbst. Daher der Heilige, zu Gott gewendet, ausruft: Wozu gäbest Du mir dieß Verlangen, wenn Du mich nicht erhören wolltest? 29 Demnach will der Heilige sagen: Während Du, o Herr, mich zum Gebet um diese Gnaden anspornst, darf ich überzeugt sein, daß Du mich erhören willst. Ueber Alles aber müssen die Worte Jesu Christi bei Lukas 11, 13. unser Vertrauen beim Gebet um die geistlichen Gnaden beleben: Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wißt; wie viel mehr wird euer Vater im Himmel den guten Geist denen geben, die Ihn darum bitten! Laßt uns also beten und immer um solche Gnaden flehen, wenn wir selig werden wollen. Das Gebet sei uns das Liebste, sei unsere Beschäftigung für das ganze Leben. Und bitten wir Gott um besondere Gnaden, so laßt uns flehen, im Gebet auch fünftig zu verharren; denn hören wir auf zu beten, so sind wir verloren. Was ist leichter, als beten! Was ist es denn für eine Anstrengung zu sagen: Herr, steh mir bei; Herr, hilf mir, gib mir Deine Liebe! u. s. w. Was gibt es Leichteres als dieß! Thun wir es aber nicht, so können wir nicht selig werden. Laßt uns also beten, sagt der heilige Vernhard, und Maria um ihre 30 Fürbitte anrufen. Wenn wir uns Marien anempfehlen, so können wir versichert sein, daß sie uns erhöret und Alles für uns erbittet, was wir verlangen. Ihr kann es weder an Macht noch an Willen zu unserm Beistand fehlen, sagt derselbe Heilige. Und der heilige Augustinus ruft: Erinnere dich, o Frau, der Fall ist noch nie vorgekommen, daß einer zu dir seire Zuflucht genommen hätte und verlassen worden wäre. Und der heilige Bonaventura sprach: Wer Maria anruft, findet Seligkeit; darum nannte er sie: Heil derer, die dich anrufen! Laßt uns also immer beten, Jesus und Maria anrufen und nicht müde werden zu beten. Ich schließe; aber ehe ich ende, kann ich nicht umhin, mein Mißfallen darüber zu äußern, daß, während die heilige Schrift und die Bücher der heiligen Väter die Ulebung des Gebetes so oit empfehlen, wenige andere Bücher, wenige Prediger und Beichtväter davon sprechen; und wenn sie davon Erwähnung thun, so geschieht es nur, wie im Vorbeigehen. Ich aber, der ich die Nothwendigkeit des Gebetes einsehe, sage, daß alle Erbauungsbücher ihren Lesern; 31 alle Prediger in allen ihren Vorträgen den Zuhörern; alle Beichtväter in jeder Beichte ihren Beichtfindern nichts mehr einprägen sollten, als das immerwährende Gebet mit den ermahnenden Worten: Betet, betet, betet, und hört nie auf zu bèten; betet ihr, so werdet ihr gewißlich selig werden; betet ihr nicht, so werdet ihr gewiß verloren gehen. Lebensregel für jeden Christen nebst Morgen- und Abend- Andachten. I. Am Morgen. Sobald du am Morgen erwacht bist, auch so oft du in der Nacht aufwachst, bezeichne dich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes; erhebe dein Herz zu Gott; danke Ihm für die empfangenen Wohlthaten; erscheine vor dem Thore seiner Barmherzigkeit, wie ein Armer vor der Thüre des Reichen um Almosen bittet, und sprich: Sieh an, o Herr, einen armen Bedrängten, der an dem Thore Deiner Barmherzigkeit anklopft und Dich um Beistand und das Almosen Deiner Gnade anflecht. Verleih mir, ich bitte Dich, die Gnade, Dich zu lieben und meinen Nächsten wie mich selbst, aus Liebe zu Dir. 33 Gib mir Beharrlichkeit im Guten bis ans Ende, Geduld, christliche Liebe, Demuth u. s. w. Auch die Vögel in der Luft suchen, sobald sie erwacht sind, ihre Speise und Deine Vorsehung reicht sie ihnen dar. Reich' auch Du mir, o gütiger Vater, die geistige Speise Deiner Gnade, auf daß ich Dir zu dienen und Dich nach Gebühr zu lieben vermöge. Ich betheure Dir, o Jesus und Vater, daß der einzige Beweggrund meines Handelns heute und immer der sein wird, in Allem Deinen heiligsten Willen zu vollbringen; und ich erbiete mich, jegliche Mühsal, Unbild und Schmach zu erdulden, um pünktlich Deinen heiligsten Willen zu vollziehen. Und du, mein elender Leib, magst du mit dem heiligen Franz von Sales sprechen, und du meine Eigenliebe, ja, ihr beide werdet mein ganzes Leben hindurch meine Todfeinde sein; gegen euch werde ich immer Krieg führen und zur Strafe für euren Uebermuth verurtheile ich euch, unter den Zähnen der Trübsal und Schmach zermalmet zu werden und zu modern unter der Erde der Demuth und der Verachtung, auf daß ihr am Tage des Gerichtes hundertLiquori, Besuchungen 2c. 3 34 fache Früchte des ewigen Lebens traget. Jesus, Maria und Joseph, euch widme und weih' ich mein Herz, meine Seele, meine Freiheit, und meinen ganzen Willen; seid immer meine Geleitschaft Tag und Nacht, zu Hause und außer demselben und ganz vorzüglich in der Stunde meines Todes. Bleib nicht zu lange im Bette, und beim Ankleiden beobachte die strengste Schamhaftigkeit und die größte Eile; versage deinem Leibe jegliche Verzärtelung und Weichlichkeit mit dem Gedanken, dieser Tag könnte der letzte deines Le bens sein; dann rufe den göttlichen Bei stand an mit den Worten: Bewahre mich gnädig, o Herr, vot aller Sünde am heutigen Tage! Dann kniee nieder und sprich andächtig nachstehende Gebete. Vorher will ich dir jedoch zu deiner Ruhe und zu deinem Vortheile einen wichtigen Rath ertheilen, den du befolgen sollst. Wenn du bei dei nen Gebeten und Andachtsübungen zer streut bist, mach' aus der Zerstreuung selber ein Gebet. Denkst du z. B. an eine Familienangelegenheit, ein Geschäft einen Vertrag u. s. w., so nimm deine 35 Zuflucht ohne im Geringsten aus der Fassung zu kommen, zu Gott, richte deinen Blick auf Ihn, und sprich: O Herr! ich empfehle Dir diese Angelegenheit, dieses Geschäft, diesen Vertrag, ordne Du Alles an und gib, daß Alles zu Deiner größern Ehre und zum Heile meiner Seele gereiche. Dieß wiederhole, so oft dir solche Berstreuungen kommen. Verwendest du hierauf auch die ganze dem Gebete bestimmte Zeit, so thut das nichts, denn du hast ja schon ein für den geistliches und zeitliches Wohl hinlänglich gutes und nüßliches Gebet verrichtet. Nimm dich jedoch in Acht, daß du nicht absichtlich Veranlassung zu solchen Berstreuungen gebest. Morgengebete. Im Namen Gottes des Vaters u. s. w. Mein Gott, mein Schöpfer und Erlöser, ich glaube fest, daß ich vor Deinem Angesichte bin, und daß Du in Deiner Allgegenwart mich überall erblickest; ich bete Dich an mit zur Erde gesenkten Augen und preise Dich in Ge3* 36 meinschaft mit den Engeln und Seligen im Himmel. Ich gelobe, ein wahres Kind der heiligen römisch- katholischen Kirche zu sein und zu leben und zu sterben in ihrem wahren Glauben, an dem ich festhalte, weil Du, die untrügliche Wahrheit selber, ihn geoffenbaret hast; ich bin mit Freuden bereit, für ihn tausendmal mein Blut zu vergießen. Ich sehe alle meine Hoffnungen auf Dich, weil Du die unendliche Barmherzigkeit bist, und vertraue, nicht wegen meiner Verdienste, sondern wegen Deis nes für mich vergossenen kostbaren Blutes, daß Du mich erlösen werdest und daß ich jedes zeitliche, geistige und ewige Gut von Dir empfangen werde, um das ich Dich demüthig bitte. Ich liebe Dich von ganzer Seele, über Alles, weil Du das höchste Gut bist, und um Dich noch mehr zu lieben. wünsche ich mir die Herzen aller Seraphim: ich wünsche auch, daß alle Menschen Dich mit mir zugleich lieben. Es schmerzt mich unendlich und mehr als jedes andere Uebel, daß ich Dich durch so viele Sünden beleidiget habe, 37 nicht allein, weil ich dadurch das Paradies verloren und die Hölle verdient, sondern hauptsächlich, weil ich Dich, mein einziges und höchstes Gut, betrübt habe. Ich bitte Dich aber in tieffter Demuth, Du wollest mir meine Sünden vergeben, und ich fasse den festen Vorsaß, unter Deinem Beistande Dich nie mehr zu beleidigen. Unendlichen Dank sage ich Dir für die zahllosen Wohlthaten, die Deine Güte mir verliehen hat und fortwährend noch verleiht; ich danke Dir nicht allein für die mir bekannten Wohlthaten, sondern auch für diejenigen, die ich nicht kenne, und für alle jene, die Du mir noch in Zukunft gnädig verleihen willst. Ich lege mich ganz in Deine allerheiligsten Hände und übergebe mich ganz Deinem heiligen Willen, damit Du über mich verfügest, nicht nach meinem Gefallen, sondern allein zu Deiner größern Ehre und für die Wohlfahrt meiner Seele. Alle meine Gedanken, Worte und Werke vereinige ich mit dent, was Jesus Christus auf dieser Erde verrichtet hat, und bringe sie Dir in voller Demuth 38 dar durch die Vermittlung meines hei ligen Schußengels; sie seien Dir in der Absicht geweiht, Dir allein zu gefallen und zu gehorchen, mit Ausschluß jedes irdischen Beweggrundes. Ja, mit jedem Athemzuge möchte ich mit aller Inbrunst ein Liebeswerk verrichten. Da ich aber nicht alle guten Werke ausüben kann, die ich thun möchte, so opfere ich Dir, o Mein Gott, dafür meine brennendste Begierde, so viel Gutes zu thun als alle Heiligen. Willig nehme ich aus Deinen allerheiligsten Händen jedes Kreuz und alle Drangsal dieser Welt, und opfere fie zur Ehre des gekreuzigten Jesu, der schmerzhaften Mutter und für die Genugthuung meiner Sünden. Litanei zur Aufopferung. Herr, erbarme Dich meiner! Christe, erbarme Dich meiner! Herr, erbarme Dich meiner! Christe, höre mich! Christe, erhöre mich! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich meiner! 39 Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich meiner! Gott heiliger Geist, erbarme Dich meiner! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich meiner! Du, der Du aller Liebe und Verehrung würdig bist, erbarme Dich meiner! Du, den Niemand genugsam ehren und loben kann, erbarme Dich meiner! Alle meine Gedanken, Worte und Werke also, und mich selber ganz und gar, opfere ich Dir auf, o mein Gott! Alle meine Bewegungen und Athemzüge opfere ich Dir auf, o mein Gott! Alle Schläge meines Pulses und meines Herzens opfere ich Dir auf, o mein Gott! Alle Empfindungen meines Leibes und alle Kräfte meiner Seele opfere ich Dir auf, o mein Gott! Meinen Todeskampft und Schweiß zum Voraus opfere ich Dir auf, mein Gott! Alles, was ich thun, erfahren und leiden werde opfere ich Dir auf, o mein Gott! Zur Anbetung Deiner heiligsten, gött lichen Majestät, opfere ich Dir Alles auf, o mein Gott! 40 8u Ehr' und Lob Deines heiligsten Namens*) Bu meiner Freude an Deinen unendlichen Vollkommenheiten und an Deinem unermeßlichen Rühme, Bu meiner Unterwerfung unter Deine unbegränzte Hoheit, 8um Dank für alle Deine Wohlthaten und Gnaden, Zur Genugthuung für meine Sünden, Zur Sühne für alle in Deinem Dienste begangenen Nachlässigkeiten, Zur Erfüllung meiner Obliegenheiten und Pflichten, Zur Ueberwindung der bösen Neigungen der Reize und Versuchungen der Feinde meiner Seele, Sur Uebung der christlichen Tugenden meines Standes, Sur Erlangung jeder Gnade und der nöthigen Hilfe, Zur Gewinnung der Ablässe, deren ich fähig bin, Zur Theilnahme an jedem guten Werke, welches in der katholischen Kirche geschieht, *) Opfere ich Dir Alles auf, o mein Gott! 41 Sur Erlangung der Gnade, die heiligen Sakramente für Leben und Sterben würdig zu empfangen,*) Zur Vorbereitung auf einen glücklichen Ausgang aus dieser Welt, Zur Erreichung von Hilfe, Gnade und Trost für alle Jene, für welche ich zu beten verbunden bin, Einzig aus Liebe zu Dir, aus alleiniger Begierde Dir zu gefallen und aus Wunsch Deine Ehre und Deinen Ruhm zu befördern, Im Vereine mit jener reinsten Abficht, welche stets die Heiligen und Gerechten hatten, Im Vereine mit jener vollkommensten Absicht, mit welcher sich die heiligste Jungfrau opferte, Im Vereine mit jener göttlichen Absicht, mit welcher Dein göttlicher Sohn sich Dir ganz hingab, Gebet. Empfange, liebevollster Vater, dieſe meine Aufopferung, welche ich mit 3uversicht in das liebreichste Herz Jesu *) Opfere ich Dir Alles auf, o mein Gott! 42 niederlege; nimm wegen seiner unendlichen Verdienste Alles gnädig und gütig auf, was ich Dir heute darbringe, und entzünde in mir immer mehr das Verlangen, in allen Dingen nur Deine gröBere Ehre zu suchen und überall Deinen Ruhm zu befördern, damit ich einst würdig werde, Dich zu besigen in jenem seligen Aufenthalte, wo Deine Auserwählten Dich loben und preisen in alle Ewigteit. Amen. Anmerkung: Es ist eine sehr nützliche Andacht, wenn man alle sieben in diesem Buche befindlichen Litaneien, oder einige davon oft betet, auch zu andern, als den hier angemertten Gelegenheiten und Zeiten; denn sie ent halten die vorzüglichsten Tugendübungen eines jeden Christen. Ich gelobe, daß ich nie einer Versuchung oder einem sündlichen Gedanken nachgeben will, welche der böse Geist mir eingeben möchte. Ich beabsichtige, alle mir erreichbaren Ablässe zu gewinnen: die einen, so weit es möglich ist, für die armen Seelen im Fegfeuer, die andern für mein Seelenheil. Und darum bitte ich Dich, o Gott, für die Erhöhung der heiligen Kirche; für die Ausrottung 43 der Keßereien; für die Befehrung der Ungläubigen; für den Frieden und die Eintracht unter christlichen Fürsten und für Alles, was ich nach der Absicht der heiligen Bäpste zu bitten verbunden bin. Gib mir, o Herr, ich bitte Dich von ganzer Seele, in diesem Leben Verzeihung meiner Sünden; Hilfe zur Vermeidung der Sünde und Deine heilige Liebe; im Tode aber die endliche Gnade und nach dem Tode den Ruhm des Paradieses. Auch bitte ich Dich, guter Gott, verleihe mir Gesundheit des Leibes und Frieden der Seele, um Dir besser zu dienen und Dich mehr zu lieben; befreie mich von allem Unglück, vom plößlichen Tode und von jeder Gefahr. Um die gleiche Gnade bitte ich Dich für meine geistlichen und weltlichen Obern; für meine Verwandten, Freunde und Wohlthäter; für jene, die mich beleidigt haben, und denen ich von Herzen verzeihe; und für jene, die in meine Fürbitte eingeschlossen sein wollen. Ich bitte Dich, o Gott, für alle Sterbenden, daß Du ihnen ein seliges Hinscheiden verleihest; für Alle, welche in eine Todsünde gefallen sind, daß Du 44 ihnen die Gnade schenkest, sich wieder zu bekehren. Ebenso bitte ich Dich auch für alle Seelen im Fegfeuer, insbesondere für die meiner Verwandten, Freunde und Wohlthäter; für alle Seelen, welche Dir und der heiligsten Jungfrau am theuersten sind für die, welche noch lange nicht, und für die, welche bald aus den Flammenqualen erlöst werden. Und zu diesem Ende weihe ich Dir, mein Gott, alle meine Gebete, die heilige Messe, die Andachten und guten Werke nicht bloß dieses Tages, sondern auch meines ganzen Lebens. Amen. Vater unser, der Du bist in dem Himmel u. s. w. Gegrüßet seift du Maria u. s. w. Salve Regina. Sei gegrüßt, Königin der Welt, Mutter der Barmherzigkeit; sei gegrüßt, heilige Jungfrau, du nach Gott, all unsere Hoffnung und unser süßester Trost in diesem Leben. Wir Alle, arme Verbannte und elende Evenstinder, flehen um deine Hilfe. Unter Weinen und 45 Wehflagen seufzen wir nach dir in diesem betrübten Thal der Zähren. Da du unsere Fürsprecherin bist, so wirf einen gnädigen Blick auf uns, und erlange für uns, daß wir am Ende unserer Verbannung hienieden, Jesus, unsern Erlöser, die Frucht deines Leibes, für immer schauen und besißen mögen, osanftmüthige, barmherzige und süße Jungfrau Marial Zum heiligen Schutzengel. Engel Gottes, du mein Schutzengel, da Gott in seiner unendlichen Güte mich deinem Schuße hat anvertrauen wollen, so erleuchte mich gnädig am heutigen Tage, beschirme, vertheidige, leite und regiere mich. Amen. In den Heiligen. Demüthig flehe ich zu allen Heiligen, Legt heute Fürbitte für mich ein bei dem Herrn, damit Er gnädig mir beistehe und mich erlöse. Und du, geliebtester N. N., dessen Namen ich unwürdiger Weise trage, erlange mir die Gnade, ich bitte dich, daß ich durch schuldige Nachahmung deiner Heldentugenden mein Leben bessern 46 möge. Beschüße mich an Leib und Seele; gib, daß ich im Guten standhaft sei, und alles Böse meide; und insbesondere steh' mir bei im Augenblick meines Todes. Amen. Der englische Gruß. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom heil. Geiste. Gegrüßt seist du Maria, u. s. w. Maria sprach: Sieh', ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte. Gegrüßt seist du Maria, u. s. w. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat sichtbar unter uns gewohnet. Gegrüßt seist du Maria, u. s. w. Jesus, Maria und Joseph, Euch gebe ich mein Herz und meine Seele; seid immer meine Begleiter, Tag und Nacht und vorzüglich in der Stunde meines Todes. Amen. Jesu liebevoll, Ach, hätt' ich, wie ich soll, Dich nie betrübt! Was ich an Dir begangen, Sei, dieß ist mein Verlangen, Nie mehr verübt! Dein Segen, o Gott, allmächtiger Vater, Sohn und heiliger Geist, komm' auf mich herab und bleibe stets bei mir. Amen. II. 47 Im Verlaufe des Tages verrichte, sobald du kannst, Folgendes: 1) Weihe dich eine halbe Stunde der Andacht, lies eine Betrachtung und suche fromme Anmuthungen und Ge bete in dir zu erwecken; unterlaß dieses nicht, so wenig aufgelegt du dich fühlen magst. Der Papst Benedikt XIV. ver lieh mehrjährigen Ablaß einem Jeden, der sich eine halbe Stunde täglich der Betrachtung weihet; und vollkommenen Ablaß demjenigen, der dieses einen Monat lang fortsetzt, und inzwischen beichtet, und die heilige Kommunion empfängt. 2) Unterlaß es nicht, die heilige Messe zu hören. 3) Lies eine halbe, oder wenigstens eine Viertelstunde in einem geistlichen Buche. Univ.- Bibl. Giessen 48 4) Widme unfehlbar im Tage eine Besuchung dem allerheiligsten Sakramente, und verweile dort bei Erweckung von frommen Empfindungen, vorzüglich des Dankes, der Liebe, der Reue, des Gebetes; und bitte unsern Herrn Jesus Christus um Standhaftigkeit im Guten und um seine heilige Liebe. Ebenso weihe zugleich auch der allerheiligsten Jungfrau Maria eine Besuchung bei irgend einem Gnadenbild, und bitte sie um dieselbe Gnade der Standhaftigkeit und der Liebe zu Gott u. s. w. III. Am Abende verrichte folgende Gebete: Mein Herr und mein Gott, der Du in Deiner Ünermeßlichkeit überall gegenwärtig bist, sieh mich hier vor Dir im Staube knieen zu Deiner Anbetung, ehe ich mich zur Ruhe begebe. Nimm gnädig auf den innigsten Dank meines Herzens, den ich Dir darbringe für alle Wohl 49 thaten und Gnaden, welche Du mir diesen Tag hindurch erwiesen hast. Erleuchte meinen Geist, auf daß ich meinen Undank erkenne, und rühre meinen Willen, auf daß ich ihn beweinen und mich bessern. möge. Kurze Gewissenserforschung. Habe ich meinen Gott beleidigt mit Gedanken: der Unkeuschheit, des Haffes, der Rache, des Neides, des Stolzes? Geschah es mit meinem Willen; oder habe ich sie zu entfernen gesucht, sobald ich sie bemerkte? Mit Worten: Habe ich den Namen Gottes und Mariens unnüz ausgesprochen? Habe ich gelogen, Flüche und Verwünschungen ausgestossen? Habe ich mir Lästerungen, unzüchtige Worte und Murren zu Schulden kommen lassen? Mit Werken: Habe ich meinem Nächften geschadet? Beim Kaufen und Verkaufen betrogen? Habe ich zu viel gegessen und getrunken? Bin ich meinen Eltern und Vorgesetzten ungehorsam gewesen, und hab' ich sie betrübt? Mit Unterlassung: Habe ich die Gebete in freiwilliger Bertreuung verrichtet? Liguori, Besuchungen 2c. 50 Hab' ich versäumt, die heilige Messe zu hören, oder sie in Berstreuung angehört? Hab' ich die Pflichten meines Standes verabsäumt? Hab' ich die Zeit in Müßiggang, in unnüßen Reden und Besuchen zugebracht? u. s. w. Rene und Leid. Ich bereue, o mein Gott, Alles u. f. w. Dann bete Glaube, Hoffnung und Liebe; das Vater unser; den englischen Gruß; das Salve Regina, wie oben, sowie auch das Gebet zu deinem Namenspatron; die Litanei zur heiligen Jungfrau, und nachfolgende Litaneien oder abwechslungsweise einen Abend die, einen andern eine andere Litanei mit den darauffolgenden Gebeten. Litanei zur Danksagung. Herr, erbarme Dich meiner! Christe, erbarme Dich meiner! Herr, erbarme Dich meiner! Christe, höre mich!" Christe, erhöre mich! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich meiner! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, 51 Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du, der Du von Ewigkeit her beschlossen hast, mir Gutes zu thun, Du, der Du Deine Allmacht, Weisheit und Güte zu meinem Wohl ausgeübt haft, Du, der Du mich jeden Augenblick mit neuen Wohlthaten und Gaben überhäufest, Du, der Du nicht einmal, nachdem ich Dich beleidigt, Deine milde Hand von mir abgezogen hast, Weil Du mich vor vielen Anderen nach Deinem Bilde erschaffen hast, danke ich Dir, o Herr! Weil Du mit eine unsterbliche Seele gegeben haft,**) Weil Du meine Seele fähig gemacht haſt, Dich zu erkennen, zu lieben und eivig zu besigen, Weil Du mich mit gesundem Leibe, geraden Gliedern und den gehörigen Sinnen ausgestattet hast, *) Erbarme Dich unser! **) Danke ich Dir, o Herr! 52 Weil Du viele Dinge zu meinem Dienste erschaffen hast,*) Weil Du mir einen Schußengel zu meiner Leitung und Vertheidigung gegeben hast, Weil Du mich bis jett väterlich erhalten und ernährt hast, Weil Du mich von den Fesseln des bösen Feindes durch das Leiden und Sterben Deines göttlichen Sohnes befreiet hast, Weil Du mich zur wahren katholischen Kirche berufen hast, Weil Du zu meinem Wohl die heiligen Satramente eingeseßt hast, Weil Du mir jo viele andere Heilmittel verschafft haſt, Weil Du mich nach so vielen Sünden noch nicht verworfen, und, wie ich es verdient hätte, zur Hölle verdammt haft, Weil Du mich vor unzähligen zeitlichen und ewigen Leiden und Drangfalen bewahrt hast, Weil Du so oft meine Arbeiten und Unternehmungen gesegnet hast, *) Dante ich Dir, o Herr! 53 Für alle Wohlthaten, irdischen und überirdischen Gnaden, welche Du mir bis jest ertheilt haft und in Zukunft noch ertheilen wirst,*) Für alle innern und äußeren Bedrängnisse, Für alle väterlichen Zurechtweisungen und Züchtigungen, Für alle Wohlthaten, die ich bis jetzt nicht nach Verdienste geschätzt habe, Für alle Gaben und Gnaden, die ich nur zu sehr mißbraucht habe, Für alle Gnaden und Wohlthaten, welche Du mir, wäre meine Sündhaftigkeit nicht ein Hinderniß gewesen, würdest erwiesen haben, Für Deinen göttlichen Schuß und der seligsten Jungfrau Maria, meines Schußengels, des heiligen Michael, des heiligen Joseph und aller Heiligen Beschirmung, welche Du mir im Augenblicke meines lebten Todeskampfes verleihen wirst, jeßt und alsdann, Für alle Gnaden und Vorrechte, welche Du der heiligsten Christi verliehen hast, Menschwerdung *) Danke ich Dir, o Herr! 54 Für alle Gnaden und Vorrechte, welche Du der seligsten Jungfrau ertheilt haft,*) Für alle Gnaden und Begünstigungen, welche Du den Engeln und Auser wählten gewährt hast, Für alle Gnaden und Begünstigungen, welche Du allen Kreaturen erzeigt hast, Im Vereine mit jener Dantjagung, welche die streitende Kirche Dir darbringt und in Bufunft darbringen wird, Im Vereine mit jener Danksagung, welche Dir die triumphirende Kirche darbringt und in alle Ewigkeit im Himmel darbringen wird. Gebet. O Gott der unendlichen Güte, in Deine allerheiligsten Hände empfehle ich meine Seele und meinen Leib: Nimm an, o Herr, alle meine Athemzüge dieser Nacht, als eben so viele Dantjagungen, für die Wohlthaten, welche ich von Dir empfangen habe; als eben so viele Bitten zur Erlangung aller Gnaden und aller Hilfe, deren ich zu meinem Seelenheile *) Danke ich Dir, o Herr! 55 bedarf; und endlich als eben so viele Neußerungen der Liebe zu Dir, mein Schöpfer und liebreichster Vater! Ich empfehle mich auch deinem mächtigen Schuße, o holdselige Mutter Maria, so wie auch dem Schuße aller Heiligen des Paradieses. Endlich empfehle ich Dir, o Herr, Alle, welche mit dem Tode ringen; gib ihnen, guter Gott, die Gnade, welche sie zu ihrem Seelenheile bedürfen; und die Seelen der abgeschiedenen Gläubigen mögen durch Deine Barmherzigkeit im Frieden ruhen. Dein Segen, o Gott, allmächtiger Vater, Sohn und heiliger Geist komm' auf mich herab und bleibe stets bei mir. Amen. IV. Lebensregeln. 1. Beichte und kommunizire wenigstens einmal in der Woche, und öfter, wenn du kannst. Die heilige Kirchenversammlung von Trient lehrt, die heilige Kommunion sei diejenige Arznei, 56 welche uns von den täglichen Sünden befreit und vor den Todsünden bewahrt. Geh aber nicht öfter zum Tische des Herrn, ohne den Rath eines Geistlichen. Darum wähle dir einen guten Beichtvater und verlaß ihn nicht ohne wichtige Ursache; von ihm laß dir rathen in allen deinen geistlichen und auch in den wichtigsten zeitlichen Angelegenheiten. Der heilige Philipp Neri pflegte zu sagen: Diejenigen, welche Fortschritte machen wollen auf dem Wege des Heiles, mögen sich einem gelehrten Beichtvater anvertrauen; ihm mögen sie gehorchen an Gottes Statt. Wer so handelt, der kann versichert sein, daß er von seinen Werken Gott keine Rechenschaft abzulegen hat. Denn Christus selbst hat gesagt: Wer euch höret, der höret Mich, und wer euch verachtet, der verachtet Mich. Luk. 10, 16. Hast du noch keine allgemeine Beicht abgelegt, so thue es jest; denn sie ist ein sehr wirksames Mittel, das Leben zu ordnen; und es wäre gut, wenn du sie bei deinem gewöhnlichen Gewissensrath verrichtetest, damit er dich desto besser leiten könne. 2. Meide den Müßiggang, böse Gesell 57 schaften, unzüchtige Reden, besonders ichlechte Gelegenheiten, hauptsächlich folche, bei denen Gefahr für die Enthaltsamkeit droht. Darum sei auch vorfichtig mit deinen Augen, damit sie nicht auf gefährlichen Gegenständen verweilen. Wer nicht die freiwilligen gefährlichen Gelegenheiten flieht, besonders solche, bei welchen er öfters zu fallen pflegte, für den ist es eine sittliche Unmöglichkeit, sich in der Gnade Gottes zu erhalten. Wer sich gern in Gefahr begibt, spricht der Herr, kommt darin um. 3. In Versuchungen trane dir nicht selber, noch deinen Vorsäßen und Versprechungen. Vertraue allein auf die göttliche Hilfe, und darum nimm jogleich deine Buflucht zu Gott und der heiligen Jungfrau. Bei Anreizungen zur Unfeuschheit sei besonders auf deiner Hut, und sprich nicht so zu sagen mit der Bersuchung. Der beste Rath ist der: Erneuere dann den Vorsatz, lieber sterben zu wollen, als Gott zu verlieren; bezeichne dich schnell, ohne zu reden, mit dem Beichen des heiligen Kreuzes; empfiehl dich Gott und der heiligen Mutter und rufe öfter die heiligsten Namen Jesus 58 und Maria an, welche eine besondere Kraft haben gegen unehrbare Einflüsterungen, und höre nicht auf, sie anzurufen, bis die Versuchung von dir weicht. Wir haben nicht Kraft genug, diesem großen Feinde des Fleisches zu widerstehen; aber Gott verleiht die Kraft biezu Allen, die Ihn darum bitten, so wie Jeder, der nicht darum bittet, fast immer unter liegt. Den gleichen Rath befolge bei Bekämpfung der Versuchungen wider den Glauben; betheuere, ohne zu reden, daß du für den heiligen Glauben sterben wollest; und dann wird es besser sein, anstatt den Glauben zu erwecken, lieber andere gute Erweckungen, nämlich der Liebe, der Reue und der Hoffnung vor zunehmen. 4. Begehst du irgend eine läßliche Sünde, so erwecke in dir Liebe zu Gott, und Reue; verheiße Besserung, beruhige dich und kümmere dich nicht weiter. Sich zu sehr beunruhigen über einen begangenen Fehler ist selber der größte Fehler: denn ein bekümmertes Gemüth kann nichts Gutes mehr verrichten. Solltest du aber unglückseliger Weise eine schwere Sünde begehen, so erwecke sogleich voll 59 kommene Reu' und Leid, zur Wiedererlangung der göttlichen Gnade, mit dem Vorsaße, nicht mehr zu sündigen; gehe dann, sobald als möglich, zur Beichte. 5. Höre, so oft du kannst, eine Predigt an. Gut wäre es auch, wenn du in irgend einem Kloster, oder wenn das nicht sein kann, in deinem eigenen Hause geiſtliche Uebungen vornähmest und dich acht Tage lang im Jahre dem Gebete und der Lesung frommer Bücher widmetest mit Entfernung jeder zerstreuenden Unterhaltung. Auf gleiche Weise lebe einen Tag in jedem Monat in Zurückgezogenheit, und verrichte Beicht und Kommunion. Suche auch den Umgang mit Personen auf, welche sich vorzugsweise der Angelegenheit des ewigen Heiles widmen. 6. Bewahre vorzüglich der heiligen Jungfrau eine besondere zarte Verehrung in einer eigenen täglichen Andacht. Unterlaß es nie, zu ihrer Reinigkeit drei Ave Maria zu beten am Morgen beim Aufstehen und am Abend beim Schlafengehen, und bitte sie, dich vor aller Sünde zu behüten; dann bete den Rosenkranz und die Litanei mit der Betrachtung der Geheimnisse. Gehst du aus den 60 Hause oder nach Hause, so bitte fie um ihren Segen mit einem Ave Maria, und begrüße sie, eben so oft du einem Marienbilde begegneft. Wenn die Uhr schlägt, so antworte: Gegräßt seist du Maria, u. s. w., dann sprich: Jesus und Maria, ich liebe Euch; laßt nicht zu, daß ich Euch beleidige. Nach dem Rathe deines Beichtvaters faste am Samstage und an den Vorabenden der sieben Feste der Mutter Gottes; verrichte auch die neuntägige Andacht an allen diesen Festen sowohl, als auch an den Festtagen der Geburt Christi, Pfingsten und deines Namenspatrones. 7. Sei darauf bedacht, in allen Un glücksfällen, welche dir zustoffen, dich immer in den Willen Gottes zu ergeben, und dich zu beruhigen mit den Worten: So will es Gott, so will auch ich; oder: So hat es Gott gewollt, Sein Wille geschehe. Bete dann, wenn es die Zeit erlaubt, folgende Litanei. Wer so thut, sammelt sich große Verdienste für das Paradies, und lebt immer im Frieden. Wer sich hingegen nicht in den göttlichen Willen ergibt, verdoppelt nur seine Leiden; denn er muß sie doch ertragen, er 61 mag wollen oder nicht; dazu bleibt ihm die verdiente Strafe für die Ungeduld, womit er sie erdüldet hat. Litanei zur Ergebung in den göttlichen Willen. ( Täglich oder auch öfter im Jahre zu beten.) Herr, erbarme Dich meiner! Christe, erbarme Dich meiner! Herr, erbarme Dich meiner! Christe, höre, mich! Christe, erhöre mich! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich meiner! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du, der Du Alles zum Voraus siehst und kennest. Du, der Du Alles leitest und ordnest, Du, der Du Alles wunderbar zu seinem Biele führest nach Deinen heiligsten Absichten, Du, der Du Böses zulassest, um daraus Gutes zu ziehen zum Frommen Deiner Auserwählten, *) Erbarme Dich meiner! 62 In allen Dingen also, gegenwärtigen und zukünftigen,*) In allen Ereignissen, sowohl günstigen als ungünstigen, In allen Betrübnissen, Leiden, Drang falen, Strafen, Beschwerden und Un glücksfällen, In meinem gegenwärtigen Stande so wohl, als auch im künftigen, In allen meinen Unternehmungen, Be theiligungen und Geschäften, In allem meinen Vermögen und Befib thum, In Rücksicht auf Erlangung oder Verlust der Ehre, des guten Namens oder des Ansehens, In Rücksicht auf Erlangung oder Verluſt von Hab' und Gut, Freunden und Verwandten, In Rücksicht auf Gesundheit, Leben und Tod, In Rücksicht auf mich selber und meine Angehörigen, In Rüsicht auf alle Engel und alle Menschen, In allen Orten, Beiten und Umständen, *) Geschehe Dein heiligster Wille,& Gott! 63 Wenn auch meine schwache und verderbte Natur etwa jammern sollte, geschehe dennoch Dein heiligster Wille, D Gott! Wenn es auch meiner Eigenliebe und meiner Sinnlichkeit hart scheinen sollte, geschehe dennoch Dein heiligster Wille, o Gott! Wenn es auch zuweilen meinem Verstande unbegreiflich scheinen sollte, ges schehe dennoch Dein heiligster Wille, o Gott! Einzig für Dich, zu Deinem größeren Gefallen, Deiner Ehre und Deinem Ruhme, geschehe in Allem Dein heis ligster Wille, o Gott! Mit allen Gerechten und Heiligen im Himmel und auf Erden wünsche ich von Herzen, daß in Allem geschehe Dein heiligster Wille, o Gott! Mit der heiligsten Mutter Maria wünsche ich von Herzen, daß in Allem geschehe Dein heiligster Wille, o Gott! Mit Jesus Christus auf dem Kalvarienberg wünsche ich von Herzen, daß in Allem geschehe Dein heiligster Wille D Gott! 64 Gebet. Ich bete, o mein Gott, Deinen hei ligsten Willen in tiefster Demuth an, und unterwerfe mich vollkommen Deinen unerforschlichen Rathschlüssen und gerechtes sten Anordnungen. Und da die Erfüllung Deines Gebotes die Grundlage jeder Vollkommenheit, die Richtschnur jeder Tugend, und der einzige Ursprung jeder wahren Ruhe und Zufriedenheit ist; so wünsche und bitte ich mit Inbrunst, daß an mir und von mir, an Allen und von Allen, an jedem Orte und zu jeder Zeit, Dein gerechtester, heiligster, erhabenster und liebreichster Wille in allen Dingen geschehe, und gepriesen und erhöht werden möge in Ewigkeit. Amen. Besuchungen des Allerheiligsten Altarssakramentes. Einleitung. Der heilige Glaube lehrt, und wir find verbunden, es für wahr zu halten, daß Jesus Christus in der konsefrirten Hostie unter der Gestalt des Brodes wahrhaft gegenwärtig fei. Wir müssen aber zugleich auch wissen, daß er auf unsern Altären wie auf einem Throne der Liebe und Barmherzigkeit weilet, um Gnaden zu spenden und seine Liebe zu uns dadurch zu zeigen, daß Er Tag und Nacht im Verborgenen unter uns bleibt. Wohl weiß man, daß die heilige Kirche das Fronleichnamsfest mit feierlicher Oktav und so vielen festlichen Umgängen und Aussetzungen des Allerheiligsten hauptsächlich darum geſtiftet Liquori, Besuchungen 2c. 5 66 hat, damit die Menschen die liebreiche Gegenwart Jesu Christi in dem allerheiligsten Sakrament des Altares dankbar erkennen und mit rührender Andacht verehren mögen. O Gott, wie viel Unbild und Verachtung mußte der liebreiche Erlöser in diesem Sakramente erdulden und muß es noch täglich von eben denselben Menschen, denen zu Liebe er hienieden auf den Altären zurückgeblieben ist. Wohl beklagte Er sich hierüber bei jener Jhm in Liebe ergebenen Dienerin, der Klosterfrau Margaretha Alacoque. Der Verfasser des Buches von der Andacht zum Herzen Jesu erzählt es auf folgende Weise: Als sie sich einst gerade vor dem allerheiligsten Sakramente auf hielt, zeigte ihr Jesus sein Herz auf einem Flammenthrone mit einer Dornenfrone und einem Kreuze darüber und sprach dann so zu ihr: Sieh hier das Herz, welches die Menschen so sehr ge liebt hat, daß es sie nicht stärker hätte lieben können, und welches sich, um ihnen seine brennende Liebe zu zeigen, gleichsam verzehret; aber statt der Er kenntlichkeit empfange Ich nur Undank von den meisten durch Unehrerbietung, 67 Kälte, Entheiligung und Verachtung, die fie mir erweisen in diesem Sakramente der Liebe; und was mich noch am meisten schmerzt, ist, daß Ich dieses von solchen Herzen erfahren muß, die Mir besonders geweiht sind. Hierauf verlangte Jesus von ihr, daß jeder erste Freitag nach der Fronleichnams- Oktave zu einem besonderen Feste bestimmt werde zur Ehre seines anbetungswürdigen Herzens, an welchem die Ihm besonders in Liebe ergebenen Seelen durch ihre Huldigungen und Anmuthungen trachten sollen, die Verachtung wieder gut zu machen, welche Er von den Menschen in diesem Satramente des Altares erduldet habe; und Er verhieß reichliche Gnade allen denen, die Ihm diese Ehre erweisen. Dieß Alles drückt nun dasselbe aus, was der Herr schon einmal durch seinen Propheten gejagt hat, daß Er seine Freude finde, unter den Menschen zu wohnen, da er sie nicht verlassen kann, obgleich sie ihn verlaffen und verachten. Dieses zeigt auch zugleich, wie sehr seinem Herzen diejenigen angenehm sind, welche Ihn oft besuchen und Ihm Gesellschaft leisten in den Kirchen, wo das Altarssakrament 68 ausgesetzt ist. Er trug der heiligen Maria Magdalena de' Pazzi auf, daß sie Ihn drei und dreißigmal im Tage in dem allerheiligsten Sakramente besuche, und diese seine geliebte Braut gehorchte Ihm, indem sie sich bei jeder Besuchung dem Altar nicht nur geistig, sondern auch förperlich so sehr näherte, als sie konnte. So wird nämlich in ihrer Lebensbeschreibung erzählt. Mögen aber alle jene frommen Seelen, welche oft vor dem allerheiligsten Altarssakramente ver weilen, reden und Zeugniß geben von den Gaben der Erleuchtung. den Liebesflammen und den himmlischen Gefühlen, die sie dort empfangen haben! Der Diener Gottes, Pater Aloys, La- Nusa, ein großer Missionär in Sicilien war schon als weltlicher Jüngling so sehr von Liebe zu Jesus Christus eingenommen, daß er sich fast nicht von Ihm losreißen konnte; so groß war das Entzücken, das er dort empfand, daß er sich große Gewait anthun mußte, wie sein Lebensbeschreiber erzählt, sich von dem Herzen Jesu zu trennen, als ihm sein Beichtvater zur Uebung des Gehorsames auftrug, nie mehr als eine Stunde dort zu verweilen. 69 Gerade so ungern trennt sich ein Kind, wenn es von der Mutterbrust genommen wird, während es noch mit der größten Begierde die Milch einsaugt. Und wenn er nun doch gehen mußte, so stand er noch lange, wie man erzählt vor dem Altare und neigte sich zu wiederholten Malen, als ob er sich nicht verabschieden könnte von seinem geliebten Herrn, dessen Gegenwart ihm so süß und angenehm war. Auf gleiche Weise wurde auch dem heiligen Aloys Gonzaga befohlen, sich nicht vor dem allerheiligsten Saframente aufzuhalten. Wenn er nun da vorüberging und sich von der sanften Kraft seines Herrn angezogen fühlte, zu bleiben, ſo ging er rasch davon und sprach in zärtlichem Liebestone: Entferne Dich von mir, o Herr, entferne Dich! Auch der heilige Franz Xaver fand dadurch Erholung von so vielen Beschwer den, die er in Indien ertrug, daß er bei Tag seine Zeit dem Heile der Seelen widmete, bei Nacht aber vor dem allerheiligsten Sakramente im Gebete verweilte. Dasselbe pflegte der heilige Franz Johann Regis zu thun, der zuweilen die Kirche verschlossen fand, sich aber damit 70 tröstete, daß er in Regen und Kälte vor der Kirchenthür kniete, um wenigstens so von weitem seinen Tröster in dem allerheiligsten Sakramente zu verehren. Wenn der heilige Franz von Assisi einen Kummer hatte, ging er sogleich zu Jesus in dem Sakramente, um Ihm denselben mitzutheilen. Eine sehr zärtliche Verehrung trug auch zum allerheiligsten Sakramente der heilige Wenzeslaus. Dieser heilige König hatte eine solche Liebe zu Jesus im Satramente, daß er nicht blos eigenhändig Waizen und Trauben sammelte, Hostien und Wein daraus bereitete und sie dann zum Gebrauche bei den Messen vertheilte, sondern auch noch zur Nachtzeit, im Winter, die Kirche besuchte, wo das Venerabile ausgesetzt war. Von dergleichen Besuchungen empfing seine schöne Seele solche Flammen göttlicher Liebe, daß die Hiße derselben sich auch dem Körper mittheilte, so zwar, daß er dem Schnee, wenn er ihn berührte, die Strenge der Kälte benahm. Man weiß nämlich aus seiner Lebensbeschreibung, daß der heilige König in einer Nacht mit einem seiner Diener ausging. Diesen nun fror der 71 maßen, als er auf dem Schnee einherwandelte, daß der König Mitleid mir ihm hatte, und ihm befahl, seine Füße hinter ihm her nur in seine eigenen Fußstapfen zu seben; und so geschah es denn, daß der Diener keine Kälte mehr empfand. So kann man in diesen Besuchungen noch andere Beispiele lesſen, mit welcher Inbrunst Gott liebende Seelen vor dem Sakramente verweilten. Uebrigens wirst du sehen, daß alle Heiligen für diese süßeste Andacht eingenommen waren; denn wir können auf Erden keine größere Freude, fein liebenswürdigeres Kleinod finden, als Jesum im Sakramente. Gewiß ist auch diese unter allen Andachtsübungen die erste und, nach den Sakramenten, Gott die liebste und nüßlichste. Mögest auch du, o fromme Seele ,. fie beginnen! Reiße dich los, von der Gesellschaft der Menschen und halte dich von nun an täglich einige Zeit, mindestens eine halbe oder eine Viertelstunde, in irgend einer Kirche auf vor Jesus im Sakramente. Versuch es nur, und du wirst sehen, welchen großen Nußen du daraus ziehst. Wisse, daß die Zeit, welche du in Andacht vor dem allerheiligsten 72 Sakramente zubringst, dich am meisten im Leben unterhält und einst im Tode und in der Ewigkeit dich tröstet. Vielleicht auch gewinnst du mehr in einem viertelstündigen Gebete dort, als in allen Andachtsübungen des Tages. Swar erhört Gott nach seiner Verheißung: Bittet, und es wird euch gegeben werden, eines Jeden Gebet an jedem Orte; aber es lehrt der Jünger, daß Jesus in dem allerheiligsten Sakramente seine Gnaden reichlicher vertheilt an Je den, der Ihn besucht. Auf gleiche Weise pflegte der selige Heinrich Suso zu sagen, daß Jesus Christus im Sakramente auf den Altären mehr als anderswo die Gebete der Gläubigen erhöret. Wo haben auch die heiligen Seelen ihre schönsteu Entschließungen geholt, als eben zu den Füßen des allerheiligsten Sakramentes? Wer weiß, ob du nicht auch vor dem Allerheiligsten den Entschluß faffest, dich ganz Gott zu weihen. Ich muß dir, in diesem Buche, wenigstens aus Dankbarfeit gegen meinen Jesus im Sakramente, folgende Wahrheit mittheilen. Ich bebefinde mich durch diese Andacht der Besuchung des allerheiligsten Sakramentes, 73 obgleich ich sie mit so vieler Kälte und Unvollkommenheit gepflogen, außerhalb der Welt, in welcher ich zu meinem Unglücke bis zu meinem sechsundzwanzigsten Jahre gelebt habe. Glücklich wärest du, wenn du dich früher als ich von der Welt trennen und dich ganz deinem Herrn geben könntest, der sich auch dir ganz hingegeben. Glücklich wärest du, ich wiederhole es, nicht bloß im ewigen, sondern auch schon in diesem Leben. Glaube mir, daß Alles Thorheit ist, Festlichkeiten, Schauspiele, Gesellschaften, Spaziergänge. Dieß sind die Güter der Welt, aber voll Galle und Dornen; glaube dem, der es erfahren und diese Erfahrung beweint. Sei versichert, daß eine Seele, welche mit inniger Andacht vor dem allerheiligsten Sakramente verweilet, von Jesus Christus mehr Trost empfängt, als die Welt mit allen ihren Festen und Spaziergängen ihm geben kann. O welch ein Entzücken, vor einem Altare zu sein, im Glauben und in zärtlicher Andacht und vertraulich mit Christus zu reden, der dort gerade deßwegen gegenwärtig ist, um zu hören und zu erhören, die Ihn anrufen! Welch ein Entzücken, Ihn 74 um Verzeihung zu bitten für zugefügte Beleidigungen; Ihm seine Noth zu klagen, wie ein Freund dem Freunde, zu dem man sein ganzes Vertrauen hat: Ihn um seine Gnade, seine Liebe, seine Seligkeit zu bitten; und vor allem, welch ein himmlisches Gefühl, in Liebeserweckungen vor dem Herrn zu stehen, welcher im Altare für uns zum ewigen Vater bittet und in Liebe zu uns entbrennt! Denn nur diese bewirkt es, daß Er so verborgen, verkannt und von den Undankbaren verachtet, hienieden verweilet. Doch wozu noch viele Worte? Verkostet und sehet. Pf. 38. 9. Was dann die Besuchungen der heilig sten Jungfrau betrifft, so ist die Meinung des heiligen Bernhard berühmt und allgemein angenommen, daß Gott nur durch die Hand der Mutter Maria Gnaden ertheilt. Daher bezeugt Pater Suarez, es sei jetzt die Ansicht der gesammten Kirche, daß die Fürbitte Mariens nicht bloß nüßlich, sondern auch nothwendig jei zur Erlangung der Gnaden. Der Grund hievon ist, daß die Kirche die Worte der heiligen Schrift auf Maria anwendet und ihr in den Mund legt: 75 Kommet Alle zu mir, denn ich bin die Hoffnung aller Güter! Dann fügt fie noch bei: Glückselig der Mensch, der mich höret, und der an meinen Thüren wachet, Tag für Tag, und meiner wartet an der Schwelle meiner Thüre. Wer mich findet, findet das Leben, und schöpfet das Heil von dem Herrn. Sprüchw. 8. 34 u. 35. Gleichsam als hieße es: Glücklich, der emsig jeden Tag an die Thüre meiner mächtigen Fürbitte kommt, denn indem er mich findet, findet er das Leben und die ewige Seligkeit. Darum will ich die heilige Kirche mit Recht, daß oir sie Alle unsere gemeinschaftliche Hoffe nung nennen mit den Worten: Sei gegrüßt, unsere Hoffnung! Der heilige Bernhard, welcher Marien den ganzen Grund seiner Hoffnung nannte, sagt darum auch: Laßt uns Gnaden suchen, laßt uns sie suchen durch die Hilfe Mariens; sonst werden wir, wenn wenn wir nämlich ohne ihre Fürbitte um Gnade flehen, nach dem Ausspruche des heiligen Antonius, versuchen, ohne Flügel zu fliegen und Nichts erlangen. In dem Buche von den gegenseitigen Zuneigungen von Vater Auriemma liest 76 man, wie unzählige Gnaden die Mutter Gottes denen erwiesen, welche die nüßliche Andacht, sie in den Kirchen oder vor ihren Bildern zu besuchen, geübt haben. Es sind darin erwähnt die Gnade, welche sie dem seligen Albert Maria, dem Abt Rupert, dem Pater Suarez dadurch erzeigt hat, daß sie für sie besonders die Gabe des Verstandes erlangte, wodurch sie in der Folge wegen ihrer großen Wissenschaften in der Kirche so berühmt geworden. Es ist ferner die Rede von den Gnaden, welche sie dem Johann Bergmanns, von der Gesellschaft Jesu, erwiesen, welcher Marien täglich in einer Kapelle des römischen Kollegiums besuchte und betheuerte, daß er aller Liebe der Welt entsage, um nach Gott nur die heiligste Jungfrau zu lieben. Auch schrieb er unter ihr Bildniß die Worte: Ich werde nicht ruhen, bis ich eine zärtliche Liebe gegen meine Mutter Maria erlange. Noch werden die Gnaden angeführt, welche sie dem heiligen Bernhardin von Siena verliehen, der sie als Jüngling täglich in einer Kapelle am Stadtthore mit den Worten besuchte, die liebe Frau habe ihm das Herz geraubt. 77 Darum nannte er sie auch seine Geliebte und sprach, er könnte nicht umhin, sie oft zu sehen. Durch ihre Hilfe erlangte er auch die Gnade, der Welt zu entsagen, und wurde nachmals ein großer Heiliger und Apostel Italiens. Vereinige daher auch mit der Besuchung des allerheiligsten Sakramentes täglich die Besuchung der heiligsten Jungfrau in irgend einer Kirche oder doch wenigstens im Hause vor einem frommen Bilde. Thust du das mit Liebe und Vertrauen, so kannst du große Dinge von der liebreichen Frau erwarten, welche nach dem Ausspruche des heiligen Andreas von Kreta gewohnt ist, demjenigen große Gaben zu verleihen, der ihr auch nur den geringsten Dienst erweiſet. Ueber die geistliche Kommunion. Da bei jeder der folgenden Besuchungen des allerheiligsten Sakramentes die geistliche Kommunion empfohlen wird, so mag es gut sein, ihr Wesen und ihren Nußen zu erklären. Die geistliche Kommunion besteht nach dem heiligen Thomas, in einem brennenden Verlangen, 78 Jesus im Sakramente zu empfangen und in liebreicher Umfassung desselben, als ob man ihn schon empfangen hätte. Wie sehr aber diese geistlichen Kom munionen Gott angenehm seien, und welche Gnaden man durch dieselben er lange, gab der Herr seiner Dienerin Paula Maresca zu verstehen, der Stif terin des Klosters der heiligen Katharina von Siena in Neapel. Er zeigte ihr, wie es in ihrer Lebensbeschreibung heißt, zwei kostbare Gefäße, ein goldenes und ein filbernes, und sprach zu ihr, daß Er in dem goldenen ihre Kommunionen des Sakramentes, und in dem silbernen ihre geistlichen Kommunionen aufbewahre. Zu der seligen Johanna vom Kreuz sprach Er, daß sie, so oft sie die geistliche Kom munion empfange, eine ähnliche Gnade erlange, wie durch die eigentliche Kommunion. Zudem braucht man ja nur zu wissen, daß die heilige Kirchenversammlung von Trient die geistliche Kommu nion sehr anpreiset und die Gläubigen zur Uebung derselben ermuntert. Alle frommen Seelen pflegen darum auch diese heilge Ulebung der geistlichen Kommunion häufig vorzunehmen. Die 79 selige Agathe vom Kreuz verrichtete fie zweihundert Mal im Tage. Bater Beter Faber, der erste Genosse des heiligen Ignaz pflegte zu sagen, daß zum würdigen Empfange der eigentlichen Kommunion die Uebung der geistlichen höchst nüßlich sei. Man ermahnt demnach einen Jeden, welcher in der Liebe zu Jesus Christus Fortschritte machen will, die geistliche Kommunion wenigstens einmal bei jeder Besuchung des allerheiligsten Saframentes und in jeder Messe zu verrichten. Besser wäre es bei diesen Gelegenheiten dreimal, am Anfang, in der Mitte und am Ende zu wiederholen. Diese Andacht ist von größerem Nußen, als Einige glauben, und zugleich so leicht. Die oben erwähnte selige Johanna vom Kreuz sagte, daß die geistliche Kommunion verrichtet werden könne, ohne von Jemand beobachtet zu werden, ohne Nothwendigfeit nüchtern zu bleiben, und ohne Erlaubniß des Beichtvaters; wir können sie zu jeder uns gelegenen Stunde verrichten; durch Erweckung der Liebe iſt Alles geschehen. 80 Gebet zur geistlichen Kommunion. Ich glaube, o mein Jesus, daß Du im allerheiligsten Sakramente zugegen bist, ich liebe Dich über Alles, und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich jetzt nicht wirklich in der heiligen Kom munion empfangen kann, so doch we nigstens geistig in mein Herz. Ich um fasse Dich, wie wenn Du schon bei mir erschienen wärest und vereinige mich ganz mit Dir. Laß nicht zu, daß ich mich je von Dir trenne. Oder: Ich glaube an Dich, o Jesus, im allerheiligsten Sakramente, ich liebe Dich und verlange nach Dir. Komm in mein Herz. Ich umfasse Dich; o verlaß mich nie mehr! O nicht geliebte, nicht gekannte Liebe! ( Worte der heiligen Maria Magdalena de' Pazzi.) O mein Verlobter, wann wirst Du mich an Dich reißen! ( Worte des heiligen Petrus von Alcantara.) guter Jesus, meine süße Liebe, Entzünd' mein Herz, erweck' ihm heil'ge Triebe, Auf daß es Dich allein nur immer liebe! 81 Es lebe Jesus, unsere Liebe, unser Leben, unser Alles; es lebe Maria, unsere Hoffnung! Amen. Linunddreißig Besuchungen. Allerheiligsten Altarssakramentes. Vorbereitungsandacht zu jeder Besuchung. Jesus Christus, mein Gott und Herr, der Du aus Liebe zu den Menschen Tag und Nacht in diesem Sakramente gegenwärtig bist, und voll des Erbarmens und der Liebe Alle erwartest, rufest und aufnimmst, die da kommen Dich zu be ſuchen; ich glaube, daß Du in dem allerheiligsten Sakramente des Altars zugegen bist, ich bete Dich an aus dem Abgrund meiner Nichtigkeit und danke Dir für alle Gnaden, die Du mir erwiesen hast. Ich danke Dir besonders dafür, daß Du Dich selbst in dieſem allerheiligsten Sakramente mir geschenkt. Liquori, Besuchungen zc. 6 des 82 daß Du Deine allerheiligste Mutter Maria mir als Fürsprecherin gegeben und mich gerufen hast, Dich in dieser Kirche zu besuchen. Ich begrüße nun Dein liebreichstes Herz und beabsichtige durch diese Begrüßung dreierlei: Erstens, Danksagung für diese große Gabe; zwei tens, möglichste Entschädigung für alle Unbilden, die Du in diesem allerheiligsten Sakramente von allen Deinen Feinden erduldet hast; drittens, Anbetung Deiner an allen Orten der Erde, wo Du im Sakramente am wenigstens verehrt und am meisten verlassen bist. Omein Jesus, ich liebe Dich von ganzem Herzen, es schmerzt mich tief, daß ich Deine unendliche Güte schon so oft beleidigt habe. Mit Deiner Gnade nehme ich mir vor, Dich in Zukunft nicht mehr zu betrüben. Elend zwar, wie ich bin, weihe ich mich jetzt doch Dir ganz; ich übergebe Dir meinen Willen, meine Neigungen, meine Wünsche, Alles, was ich habe, und ver zichte ganz darauf. Von nun an schalte mit mir und mit Allem, was mich be trifft, nach Deinem Gefallen. Nur nach Dir verlange ich und nach Deiner hei ligen Liebe, nach der Beharrlichkeit bis 83 ans Ende und der vollkommenen Erfüllung Deines allerheiligsten Willens. Ich empfehle Dir die Seelen im Fegfeuer, vorzüglich jene, welche die größte Andacht zu dem allerheiligsten Sakramente und zu der allerseligsten Jungfrau getragen. Ich empfehle Dir auch alle Sünder. Endlich, mein liebster Erlöser, vereinige ich alle meine Gefühle mit den Gefühlen Deines liebreichsten Herzens und opfere sie, so vereint, Deinem ewigen Bater, und bitte Ihn in Deinem Namen, das Er aus Liebe zu Dir sie aufnehme und erhöre. Erste Besuchung. Si quid sitit, veniat ad me. Joan. 7. Wenn Jemand Durst hat; der komme zu Mir. Betrachtung. Sieh die Quelle jeglichen Gutes, Jesum im allerheiligsten Sakramente, welcher uns zuruft: Wenn Jemand Durst hat, der komme zu Mir. Joh. 7. 21. O wie viele Gnadenströme haben die Heiligen immer aus dieser Quelle des aller6* 84 heiligsten Sakramentes geschöpft, wo Jesus uns alle Verdienste seines Leidens mittheilt, wie es der Prophet voraussagte: Ihr werdet Wasser schöpfen mit Freuden aus den Quellen des Heilandes. f. 12, 3. Die Gräfin von Feria vom Orden der heiligen Klara, jene große Schülerin des ehrwürdigen P. M. Avila, wurde wegen des häufigen und langen Aufenthaltes vor dem Sakramente die Braut des Sakramentes genannt. Als man sie fragte, was sie denn so viele Stunden lang vor dem Venerabile thue, antwortete sie: Ich möchte ewig davor verweilen. Ist denn Gott nicht wesent lich darin zugegen, welcher einst die Freude der Seligen sein wird? Guter Gott, was thut man davor und was nicht! Man liebt, man lobt, man dankt, man bittet. Was thut denn ein Armer vor einem Reichen? Was ein Kranter vor einem Arzte? Was ein Durstiger vor einer klaren Quelle? Was ein Hungriger vor einer reich besetzten Tafel? Gebet. Omein liebenswürdigster, süßester, geliebtester Jesus, Leben, Hoffnung, Klei 85 nod, einzige Liebe meiner Seele, o wie viel mußtest Du erdulden, bis Du bei uns in diesem Sakramente verbleiben konntest! Du mußtest sterben, um auf unsern Altären im Sakramente gegenwärtig zu sein. Wie viele Unbilden mußtest Du dann in diesem Sakramente erfahren, um uns mit Deiner Gegenwart beistehen zu können! Alles hat Deine Liebe und Dein Verlangen nach unserer Liebe überwunden. Komm aljo, o Herr, komm und zieh ein in mein Herz; verschließ es für immer, auf daß keine Kreatur mehr eingehe und Theil nehme an der Liebe, die Dir allein mur gebühret und die ich nur Dir ganz weihen will; beherrsche mich Du allein, mein liebster Erlöser, Du allein besige mich ganz; und wenn ich Dir zuweilen nicht vollkommen gehorche, 10 züchtige mich mit Strenge, auf daß ich in Zukunft gewarnet sei, nach Deinem Willen nur Dir allein zu gefallen. Gib, daß ich nichts Anderes mehr wünsche, noch ein anderes Vergnügen suche, als Dir angenehm zu sein, Dich auf den Altären häufig zu besuchen, mich mit Dir zu unterreden, Dich in der heiligen Kom 86 munion zu empfangen. Es mag, wer da will, andere Güter suchen, ich liebe und verlange nichts als den Reichthum Deiner Liebe. Um dieses allein will ich an den Stufen des Altares bitten. Gib, daß ich mich selber vergesse, auf daß ich mich nur Deiner Güte erinnere! Selige Seraphim, ich beneide euch nicht um eure Herrlichkeit, sondern um eure Liebe zu eurem und meinem Gott. Lehret ihr mich, was ich zu thun habe, um Ihn zu lieben und Ihm zu gefallen. Stoßgebet. Mein Jesus, Dich allein will ich lieben, Dir allein will ich gefallen! Anmerkung: Zuletzt verrichtet man die geistliche Kommunion; dann besucht man die heilige Mutter Maria vor irgend einem ihrer Bilder. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Ave, gratia plena! Gegrüßet seist du, Gnadenvolle! Eine andere Quelle des größten Glückes für uns ist unsere Mutter Maria, 87 so reich an Gütern und Gnaden, ſagt der heilige Bernhard, daß Niemand auf der Welt ist, der nicht daran Theil nähme. Voll der Gnaden war die jeligste Jungfrau, wie der Engel ihr zurief: Sei gegrüßt, voll der Gnaden! Aber nicht bloß für sich, sondern auch für uns empfing fie nach den Worten des heiligen Betrus Chrysologus diesen großen Schaß der Gnaden, auf daß sie alle ihre Verehrer daran Theil nehmen lasse. Stoßgebet. Ursache unserer Freude, bitt' für uns! Gebet zur seligsten Jungfrau. ( Täglich am Ende jeder Besuchung zur Erlangung ihres mächtigen Schußes zu verrichten. Heiligste, unbefleckte Jungfrau und Mutter Maria! zu dir, der Mutter meines Herrn, der Königin der Welt, der Fürsprecherin, Hoffnung, Zuflucht der Sünder, wende ich mich heute, der ich der elendeste unter allen bin. Ich verehre dich, o große Königin, ich danke dir für alle Gnaden, die du mir bis jest erwiesen, insbesondere dafür, daß du 88 mich so oft von der Hölle befreit hast, die ich verdiente. Ich liebe dich, o lie benswürdigste Frau und aus Liebe zu dir verspreche ich, dir immer zu dienen und Alles anzuwenden, auf daß du auch von Andern geliebt werdest. Auf dich sebe ich meine ganze Hoffnung, meine ganze Seligkeit. Nimm mich auf zu deinem Diener und gewähre mir deinen Schuß, o Mutter der Barmherzigkeit! Und da du bei Gott so mächtig biſt, so befreie mich von allen Versuchungen, oder erlange mir die Kraft, sie zu überwinden bis in den Tod. Von dir erbitte ich mir die wahre Liebe zu Jesus Chri stus, von dir hoffe ich einen guten Tod. Meine Mutter, ich bitte dich durch deine Liebe zu Gott, mir immer beizustehen, besonders aber im letzten Augenblicke meines Lebens. Verlaß mich nicht, bis du mich unter den Seligen im Himmel erblickest, zu Lob und Preis deiner Barmherzigkeit in alle Ewigkeit. Dieß ist meine Hoffnung. Amen. Bweite Besuchung. 89 Panis, quem ego dabo, caro mea est, pro mundi vita. Joan. 6. Das Brod, das Ich geben werde, ist mein Fleisch, für das Leben der Welt. Betrachtung. Da das Brod, nach dem Ausspruche des frommen Paters Nieremberg, nicht bloß gespeiset, sondern auch aufbewahrt werden kann, so wollte Christus unter der Gestalt des Brodes auf Erden zurück bleiben, nicht bloß zur geistlichen Behrung und Vereinigung mit den liebenden Seelen durch die heilige Kommunion, sondern auch zur Aufbewahrung im Allerheiligsten, auf daß Er uns so stets gegenwärtig sei und uns an seine Liebe erinnere. Der heilige Paulus jagt: Er entäußerte Sich selbst und nahm Knechtesgestalt an. Phil. 2, 7. Was sollen wir erst sagen, wenn wir sehen, daß Er die Gestalt des Brodes annahm. Keine Sunge vermag es auszusprechen, sagt der heilige Beter von Alkantara, wie groß die Liebe Christi zu einer jeden im Stande der Gnade befindlichen Seele 90 ist; darum wollte ihr dieser süßeste Bräutigam, als Er dieses Lehen verließ, das allerheiligste Sakrament zum Andenken hinterlassen, in welchem Er selbst zurüd blieb, auf daß seine Abwesenheit ihr keine Veranlassung sei, Ihn zu vergessen; auch wollte Er zur lebendigen Erinnerung an Sich fein anderes Unterpfand zwischen beiden, als Sich selber. Gebet. Da Du nun, o mein Jesus, in diesem Allerheiligsten wohnest, um die Bitten der fündigen Menschen zu vernehmen; so höre heute das Flehen des Undankbarsten unter allen. Mit Reue und Er fenntniß meiner Sünden werfe ich mich vor Dir im Staube nieder. Vor allem vergib mir, daß ich Dich beleidigt habe. Ach! mein Gott, hätte ich Dich nie be trübt! Dann aber bitte ich noch um etwas. Da ich Deine höchste Liebens würdigkeit erkannt habe, so fühle ich mein Herz mit Liebe zu Dir erfüllt und mit sehulichem Verlangen, Dir zu gefallen; aber ich habe hiezu keine Kraft, wenn Du mir nicht beistehst. Gib, o Herr, 91 dem ganzen Weltall Deine große Macht und unendliche Güte zu erkennen; mache mich, Deinen großen Widersacher, zu Deinem großen Verehrer; Du kannst und willst es. Ergänze in mir Alles, was mir fehlt, auf daß ich Dich wenigstens so sehr lieben möge, wie ich Dich früher beleidigt habe. Ich liebe Dich über Alles, mehr als mein Leben, o Jesus, mein Gott, meine Liebe, mein Alles. Stoßgebet. Mein Gott und mein Alles! Die geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Thronus gratiae. Der Thron der Gnade. Darum sagt der heilige Paulus: Lasset uns mit Buversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden, wenn wir Hilfe nöthig haben. Hebr. 4, 16. Nach den Worten des heiligen Antonin ist dieser Thron Maria, durch welche Gott alle Gnaden vertheilet. Oliebreiche Königin, wenn du ein so großes Ver 92 langen hast, den Sündern beizustehen, fieh hier einen großen Sünder, der seine Zuflucht zu dir nimmt; sende mir kräftige und schnelle Hilfe. Stoßgebet. Einzige Zuflucht der Sünder, erbarme dich meiner!( Der heilige Auguſtin.) Gebet wie S. 87. Dritte Besuchung. Delicae meae, esse cum filiis hominum. Prov. 8, 31. Meine Lust ist, bei den Mens schenkindern zu sein. Betrachtung. Sieh da Jesus, unsern Herrn! Ga war Ihm nicht genug, hienieden aus Liebe zu uns zu sterben, sondern Er wollte auch nach Seinem Tode unter uns bleiben in dem allerheiligsten Sakramente und uns beweisen, daß Er seine Lust findet unter den Menschenkindern. Oihr Menschen, ruft die heilige The resia aus, wie könnt ihr Gott beleidigen, 93 der es beweiset, daß Er in euch Seine Lust findet? Jesus also findet seine Lust bei uns, finden wir sie auch bei Jeſus? Wir besonders, die wir die Ehre genießen, in seinem Balaste zu wohnen? Wie sehr halten sich die Untergebenen geehrt, denen der König eine Stelle in ſeinem Balaste anweiset! Nun denn, hier ist der Palast des Königs, dieses Haus, in welchem wir wohnen mit Jesus Christus. Laßt uns Ihm Dank sagen und Nutzen ziehen aus der Unterredung mit Ihm. Gebet. Mein Gott und mein Herr, ich erscheine vor diesem Altare, auf welchem Du Tag und Nacht für mich weilest. Du bist die Quelle alles Guten, der Arzt jeden Uebels, der Reichthum jedes Armen; sich mich hier zu Deinen Füßen, unter allen Sündern der ärmste und schwächste, der Dich um Barmherzigkeit anfleht. Habe Erbarmen mit mir! Mein Elend soll mich aber nicht entmuthigen, wenn ich Dich in diesem Sakramente erblicke, der Du vom Himmel auf die Erde gekommen bist, bloß um mir Gutes zu 94 thun. Ich lobe Dich, ich danke Dir, ich liebe Dich, und wenn Du willst, daß ich Dich um etwas bitte, so ist es dieses: Ich will Dich nicht mehr beleidigen; gib mir Licht und Gnade, daß ich Dich aus allen Kräften liebe. Herr, id liebe Dich aus ganzer Seele, ich liebe Dich mit allen meinen Gefühlen. Gib daß ich es in Wahrheit sage und immer verkünde in diesem Leben und in alle Ewigkeit. Heiligste Jungfrau, mein heiligen Schußpatrone, alle heiligen Engel des Paradieses, stehet mir bei in meiner Liebe zu meinem liebreichsten Gott. Stoßgebet. Jesus, Du guter Hirt, wahrhaftes Brod, erbarme Dich meiner! Die geistliche Kommnnion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Alligatura Salutaris. Band des Heils. Ihre Fesseln werden dir zu starken Brustwehr werden; denn in ihr ist An nehmlichkeit des Lebens, und ihre Bande sind Bande des Heiles. Ettles. 6, 30, 31. 95 Der fromme Pelbart sagt, daß die Andacht zu Maria eine Kette der Gnadenwahl sei. Bitten wir also unsere liebe Frau, daß sie uns immer mehr binde mit Fesseln der Liebe an das Vertrauen auf ihren Schuß. Stoßgebet. O sanfte, o milde, o süße Jungfrau Maria! Gebet wie S. 87. Vierte Besuchung. Non habet amaritudinem conversatio illius, nec taedium convictus illius, sed laetitiam et gaudium. Sap. 8. 16. Ihr Umgang hat nichts Bitteres und ihre Gesellschaft nichts Widriges, sondern Lust und Freude. Betrachtung. Die Freunde der Welt finden so großes Vergnügen unter sich, daß sie ganze Tage beisammen zubringen. Vor Jesus im Sakramente zu weilen, hat nur für den etwas Widriges, der Ihn nicht liebet Die Heiligen haben das Giessen. 96 Paradies gefunden vor dem allerheilig sten Sakramente. Die heilige Theresia fagte nach ihrem Tode in einer Erscheinung zu einer Schwester ihres Ordens: Die Bewohner des Himmels, sowie der Erde sollen gleich sein an Reinheit und Liebe; jene in Freuden, diese in Leiden. Was wir im Himmel thun, vor der göttlichen Wesenheit, das sollt ihr auf Erden verrichten vor dem allerheiligsten Safra mente. Dieses ist also unser Himmel auf Erden. Gebet. unbeflecktes, für uns am Kreuze geopfertes Lamm, erinnere Dich, daß ich eine jener Seelen bin, die Du mit so großem Leiden und mit Deinem Tode erlöset hast. Gib, daß Du mein feiest und ich Dich nicht verliere, da Du Dich mir gegeben und täglich mir noch gibst, indem Du Dich aus Liebe zu mir auf den Altären opferst; gib, daß ich ganz Dir angehöre. Ich ergebe mich Dir ganz, auf daß Du mit mir thuest nach deinem Willen. Ich opfere Dir meinen Willen; feßle ihn mit den süßen Banden Deiner Liebe, auf daß er ewig unterworfen sei 97 Deinem heiligsten Willen. Ich will nicht mehr leben, um meine Begierden zu befriedigen, sondern allein, Deine Güte zu erfreuen. Vernichte Alles in mir, was Dir nicht gefällt; gib mir die Gnade, keinen andern Gedanken zu haben, als Dir zu gefallen, feinen andern Wunsch, als nach dem, was Du wünschest. Ich liebe Dich, mein liebster Erlöser, von ganzem Herzen; ich liebe Dich, weil Du von mir geliebt zu werden verlangeft; ich liebe Dich, weil Du der Liebe jo würdig bist: es schmerzt mich, daß ich Dich nicht liebe, wie Du es verdienest. Ich möchte sterben aus Liebe zu Dir. Nimm auf mein Verlangen, o Herr, und gib mir Deine Liebe! Amen. Stoßgebet. O Gott, ich ergebe mich ganz in Deinen heiligen Willen! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Inngfrau. Mater pulchrae delectionis. Mutter der schönen Liebe. Ich bin die Mutter der schönen Liebe, spricht Maria, jener Liebe nämlich, welche Liquori, Besuchungen 2c. 7 98 die Seelen verschönert. Die heilige Maria Magdalena de' Bazzi sah die heiligste Jungfrau umhergehen und einen süßen Saft vertheilen, welcher war die gött liche Liebe. Diese Gabe wird allein von Maria vertheilet; bei Maria laßt fie uns suchen. Stoßgebet. Meine Mutter, meine Hoffnung, gib, daß ich ganz deinem göttlichen Sohne gehöre! Gebet wie S. 87. Fünfte Besuchung. Passer invenit sibi domum et turtur nidum sibi, ubi ponat pullos suos: altaria tua, Domine virtutum, rex Ps. 83. meus et Deus meus. Der Sperling findet sich ein Haus und die Turteltaube ein Nest ihre Jungen darein zu legen: Deine Altäre, Herr der Heerschaaren, mein König und mein Gott. Betrachtung. Der Sperling, spricht David, findet sein Haus, und die Turteltaube ihr Nest Du aber, mein König und mein Gott 99 haft Deine Wohnung in den Altären genommen, damit wir Dich finden und Du bei uns bleibest. O Herr, Du bist so sehr von Liebe zu den Menschen durchdrungen, daß Du Alles thust, um auch ihre Liebe zu gewinnen. So gib denn auch, liebreichster Jesus, daß auch wir von Liebe zu Dir entbrennen; denn wie sollten wir nur mit Lauheit einen Gott lieben, der uns mit so großer Liebe zugethan ist! Zieh uns zu Dir hin mit der süßen Anziehungskraft Deiner Liebe. Laß uns Deine schönen und liebenswürdigen Eigenschaften erkennen. Gebet. O unendliche Majestät und unendliche Güte, Du liebst die Menschen so sehr, Du hast so viel gethan, um auch von ihnen geliebt zu werden, wie kommt es, daß so wenige unter den Menschen Dich lieben? Ich will nicht mehr wie früher unter der unglücklichen Zahl dieser Undankbaren sein; ich bin entschlossen, Dich und nur Dich nach Kräften zu lieben. Du verdienst es und befiehlt es mir so dringend; ich will Dich befrie7* 100 digen. Gib, o Gott meiner Seele, daß ich Dich vollkommen befriedige. Ich hoffe und bitte Dich darum durch die Verdienste Deines Leidens. Magst Du die Güter der Erde dem geben, der sie wünschet; ich verlange und suche allein den großen Reichthum Deiner Liebe. Ich liebe Dich, mein Jesus ich liebe Dich, unendliche Güte! Du bist mein ganzer Reichthum, meine ganze Zufriedenheit, meine ganze Liebe. Stoßgebet. Mein Jesus, Du hast Dich mir ganz hingegeben, auch ich ergebe mich Dir ganz. Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfran. Raptrix cordium. Räuberin der Herzen. Der heilige Bernhard nennt dich, D meine liebe Frau, die Entführerin der Herzen. Er sagt, daß du da und dort die Herzen hinwegnimmst durch deine Schönheit und Güte. Nimm denn auch, ich bitte dich, dieses mein Herz und meinen Willen; ganz überlaß' ich ihn 101 dir, opfere ihn Gott, vereint mit dem deinigen. Stoßgebet. Oliebreichste Mutter, bitte für mich! Gebet wie S. 87. Sechste Besuchung. Ubi thesaurus vester est, ibi et cor vestrum erit. Luc. 12. Wo euer Schatz ist, da ist euer Herr. Jesus Christus sagt: Wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Luk. 12. 34. Darum richten die Heiligen, welche teinen andern Schaß lieben und schäßen, als Jesus Christus, ihr ganzes Herz und ihre ganze Liebe auf das allerheiligste Sakrament. Liebreichster Jesus im Saframente, der du aus Liebe zu mir Tag und Nacht in dem Allerheiligsten weilest, ziehe, ich bitte Dich, mein Herz ganz zu Dir hin, auf daß ich an nichts Anderes denke, als an Dich, nichts Anderes liebe und suche und hoffe, als nur Dich allein. Thue es durch die Verdienste Deines Leidens, wodurch ich dieß suche und hoffe. 102 Gebet. Ach, mein Heiland im Sakramente und göttlicher Bräutigam, wie liebens würdig sind die zärtlichen Weisen Deiner Liebe, um Dir die Neigung der Seelen zu gewinnen! ewiges, Mensch gewor denes Wort, nicht genug war es Dir, für uns zu sterben; Du hast uns auch noch dieses Sakrament hinterlassen zur Gesellschaft, zur Speise und zum Pfande des Himmels. Du erscheinest unter uns bald als Kind in einem Stalle, bald als Armer in einer Werkstätte, bald als Angeklagter am Stamme des Kreuzes, bald als Brod auf dem Altare. Konntest Du noch mehr thun, um Dir unsere Liebe zu erwerben? O unendliches Gut, wann werde ich in Wahrheit anfangen, solch zärtliche Liebe zu erwidern? Ich will nur leben, o Herr, für Deine Liebe allein. Wozu dient mir das Leben, wenn ich es nicht ganz in Liebe zu Dir verbringe, zu Deinem Wohlgefallen, mein liebster Erlöser, der Du Dein ganzes Leben für mich verwendet hast? Was sollte ich denn außer Dir lieben? der Du die vollkommenste Schönheit, Freundlichkeit, Güte, 103 Liebe und Liebenswürdigkeit bist? Meine Seele lebe nur der Liebe zu Dir, sie zerfließe in Liebe bei der bloßen Erinnerung an Deine Liebe; beim bloßen Hören der Namen Krippe, Kreuz und Satrament, entbrenne sie vor Begierde, Großes für Dich zu thun, o mein Jesus, der Du allzu Großes für mich gethan und gelitten. Stoßgebet. Gib o Herr, daß ich, bevor ich sterbe, etwas vollbringe für Dich! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Quasi oliva speciosa in campis. Wie eine schöne Olive auf dem Felde. Ich bin, spricht Maria, die schöne Olive, aus welcher immer das Del der Barmherzigkeit träufelt. Ich steh' auf dem Felde, auf daß Alle mich schauen und Alle mich suchen. Laßt mich also mit dem heiligen Augustin ihr zurufen: Noch nie ist erhöret worden, daß, wer immer seine Zuflucht zu deiner Hilfe genommen, verlassen worden sei; ich werde doch nicht zuletzt der Unglückliche sein, der von dir ist verstoßen worden! 104 Stoßgebet. Gib mir die Gnade, meine Mutter Maria, daß ich stets meine Zuflucht zu dir nehme. Gebet wie S. 87. Siebente Besuchung. Ecce vobiscum sum omnibus diebus usque ad consummationem saeculi. Matth. 28. Sieh, Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Betrachtung. Dieser unser liebreicher Hirt, welcher sein Leben für uns, seine Schäflein ge opfert, wollte im Tode sich nicht von uns trennen. Sehet, spricht Er, Ich bin immer bei euch. Für euch bin ich auf Erden geblieben in diesem Sakramente. Hier findet ihr Mich, so oft ihr Mich suchet; Ich bin gegenwärtig zu eurer Hilfe und zu eurem Troste. Ich verlasse euch nicht bis ans Ende der Welt und so lange ihr auf der Erde verweilet. Es wollte der Bräutigam, sagt der hl. Petrus von Alkantara, seiner Braut in dieser weiten Entfernung eine Gesell 105 schaft zurücklaffen, auf daß sie nicht allein bleibe; darum hinterließ Er Sich selbst in diesem Sakramente als beste Gesell schaft, die Er nur geben konnte. Gebet. Freundlichster, liebreichster Herr und Erlöser, ich besuche Dich heute auf diesem Altare; Du aber erwiderst meinen Besuch mit weit größerer Liebe, wenn Du in der heiligen Kommunion bei mir einziehst. Dann bist Du mir nicht bloß gegenwärtig, sondern Du gibst Dich selbst mir zur Speise und vereinigst Dich gänzlich mit mir, so daß ich in Wahrheit sagen kann: Jesus, nun gehörst Du mir ganz! Da Du Dich mir also ganz hingegeben, so ist es billig, daß ich mich auch Dir ganz weihe. Doch ich bin ein niedriges Geschöpf, und Du bist Gott. Gott der Liebe, o Liebe meiner Seele, wann werde ich Dir auch in der That angehören, nicht blos in Worten? Du fannst dieses bewirken. Vermehre in mir das Vertrauen auf die Verdienste Deines fostbaren Blutes, auf daß ich gewiß die Gnade von Dir erlange, vor meinem Tode Dir ganz zu gehören. Du ver 106 nimmst, o Herr, die Bitten Aller, vernimm heute auch das Gebet einer Seele, welche Dich in Wahrheit lieben will. Ja, ich will Dich aus allen Kräften lieben, ich will in Allem deinem Willen gehorchen ohne Rücksicht auf Eigenmuß, Trost und Belohnung. Aus Liebe will ich Dir dienen, nur allein, um Dir zu gefallen, nur allein, um Dein Herz zu erfreuen, das mir mit so glühender Liebe entgegenkommt. Meine Belohnung jei eben die Liebe zu Dir. O geliebter Sohn des ewigen Vaters, nimm hin meine Freiheit, meinen Willen, all meine Habe, mich selber und schenke mir Dich. Dich liebe ich, Dich suche ich, nach Dir seufze ich, Dich will ich, nach Dir steht mein brennendes Verlangen! Stoßgebet. Jesus, mach mich ganz zu dem Deinigen! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Spes nostra. Unsere Hoffnung. Liebreichste Frau, die ganze Kirche ruft dich mit dem Gruße: Unsere Hoff 107 mung! Du bist also die Hoffnung Aller, du bist auch meine Hoffnung. Die ganze Grundlage der Hoffnung nannte dich der heilige Bernhard und rief dir zu: Auf dich hoffe, wer da verzweifelt! So will denn auch ich ausrufen: Meine Mutter, du rettest sogar die Verzweifelnden, auf dich setze ich alle meine Hoffnung! Stoßgebet. O Maria, Mutter Gottes, bitte Jesum für mich! Gebet wie S. 87. Achte Besuchung. Surge, propera, amica mea, forCant. 2. mosa, mea, et veni. Steh auf, eile, meine Freundin, meine Holde, und komme. Betrachtung. Steh auf, eile, meine Freundin, meine Taube, meine Schöne und komm! Hohel. 2, 10. Diese Worte an die heilige Braut ruft Jesus einer jeden Seele zu, welche Ihn im allerheiligsten Sakramente beſucht. Echebe dich, spricht Er, aus deinem Elend, Ich bin hier, um dich mit 108 Gnaden zu bereichern; tritt nahe herzu; fürchte nichts von meiner Majestät, welche sich erniedrigt hat in diesem Satramente, um dir die Furcht zu benehmen und dir Vertrauen einzuflößen: du bist nicht mehr Meine Feindin, sondern Meine Freundin, weil du Mich liebest, und weil Ich dich liebe. Meine Gnade hat dich verschönert. Komm und umfasse Mich und bitte um Alles, was du willst, mit großem Vertrauen. Daher hat auch, pflegte die heilige Theresia zu sagen, dieser große König der Herrlichkeit Sich im allerheiligsten Sakramente in die Gestalt des Brodes verwandelt und seine Majestät verhüllt, auf daß Er uns Muth einflöße, um uns mit um so größerem Vertrauen seinem göttlichen Herzen zu nahen. Nähern wir uns also Jesu Christo mit großem Vertrauen und mit Liebe, vereinigen wir uns mit Ihm und erbitten wir uns Gnaden von Ihm. Gebet. Welche Freude muß es für mich sein, o ewiges, für mich Mensch gewordenes und im Sakramente gegenwärtiges Wort, 109 zu wissen, daß ich vor Dir mich befinde, daß Du mein Gott bist mit unendlicher Majestät und unendlicher Güte, und daß Du so große Liebe zu meiner Seele trägst! ihr gottliebenden Seelen, wo ihr immer euch befinden möget, im Himmel oder auf Erden, lobet Ihn auch für mich. Meine Mutter Maria, stehe mir bei in der Liebe zu Ihm. Und Tu, liebreichster Herr, mache Dich zum Gegenstand all meiner Liebe. Versicher e Dich all meines Willens und besige mich ganz. Dir weibe ich meinen Geist, auf daß ich nur immer an Deine Güte denke; Dir weihe ich auch meinen Leib, auf daß er mir beistehe, Dir zu gefallen; Dir weihe ich meine Seele, auf daß sie Dir ganz angehöre. Ich wünsche, o Geliebter meiner Seele, daß alle Menschen die Zärtlichkeit Deiner Liebe zu ihnen erkennen möchten, auf daß sie alle nur zu Deiner Ehre und nach Deinem Wohlgefallen lebten, wie Du es verlangst und verdienest. Möchte ich wenigstens stets von Liebe entbrennen zu Deiner göttlichen Schönheit. Von nun an will ich thun, was ich kann, um Dir zu gefallen. Ich verspreche, Alles zu unterlassen, was 110 Dein Mißfallen erregen könnte, sollte es mich auch alle Mühe kosten, ja sollte ich Alles, sogar das Leben verlieren. Glücklich bin ich, wenn ich Alles verliere, um Dich zu erwerben, o Gott, mein Kleinod, meine Liebe, mein Alles! Stoßgebet. O Jesus, meine Liebe, zieh mich ganz zu Dir hin und besize mich ganz! Die geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfran. Monstra te esse matrem. Beige, daß Du eine Mutter bist. Wer klein ist, kehre bei mir ein. Sprichw. 9, 26. Maria ladet alle Kinder ein, die einer Mutter bedürfen, zu ihr, der liebreichsten aller Mütter, ihre Zu flucht zu nehmen. Der fromme Nierem berg sagt: Die Liebe aller Mütter ist ein Schatten im Vergleich mit der Liebe, welche Maria zu Jedem von uns trägt. Mutter meiner Seele, die du mich liebest und, nach Gott, mehr als Alle meine Seligkeit wünschest, mache offen bar, daß du meine Mutter bist. 111 Stoßgebet. Meine Mutter, bewirke, daß ich mich deiner stets erinnere! Gebet wie S. 87. Neunte Besuchung. Praecinctum ad mamillas zona aurea. Apoc. I. Gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Betrachtung. Ich sah Einen, der einem Menschensohne glich, angethan mit einem langen Kleide, und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. So spricht der heil. Johannes in der Offenbarung Kap. 1, 13. Auf diese Weise erscheint Jesus im Sakramente des Altares, die Brust voll der Gnaden, die Er uns durch seine Barmherzigkeit erzeigen will. Sowie eine Mutter die volle Brust dem Kinde darreicht, damit es die Milch daraus sauge und sie von der Bürde befreie; also ruft er uns zu: An den Brüsten wird man euch tragen. s. 66, 12. 112 Der ehrwürdige Bater Alparez sah Jesum im allerheiligsten Sakramente, wie er mit vollen Händen Gnaden zu ertheilen suchte. Von der heiligen Ka tharina von Sienna erzählt man, daß sie sich dem allerheiligsten Sakramente mit gleicher liebreicher Begierde näherte, wie ein Kind den Brüsten der Mutter. Gebet. O geliebtester eingeborener Sohn des ewigen Vaters, ich erkenne, daß Du der würdigste Gegenstand unserer Liebe bist. Ich verlange Dich so sehr zu lieben, wie Du es verdienest, zum mindesten so sehr, wie eine Seele nur verlangen kann, Dich zu lieben. Wohl sehe ich ein, daß ich, ein Verräther und allzu großer Widerfacher Deiner Liebe, es nicht verdiene, in Deiner Nähe zu stehen, wie ich in dieser Kirche vor Dir mich befinde; aber ich fühle dennoch, daß Du auch meine Liebe begehrest. Ich höre, wie Du mir zurufst: Gib mir, mein Sohn dein Herz! Spruchw. 23, 26. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, aus deinem ganzen Herzen. Matth. 22, 37. Sch begreife, 113 daß Du mich am Leben erhalten und noch nicht in die Hölle gesendet, auf daß ich mich gänzlich zu Deiner Liebe be kehre. Da Du nun auch von mir willst geliebt sein, so sieh, hier bin ich, o Herr, ich ergebe mich Dir, ich schenke mich Dir. Dich liebe ich, o Gott voll der Güte, boll der Liebe. Ich erwähle Dich als einzigen Herrn und König meines armen Herzens. Du verlangst es, ich will es Dir geben. Zwar ist es kalt und widerwärtig; aber wenn Du es annimmst, ſo wirst Du es ändern. Verwandle mich, o Herr, verwandle mich. Ich will nicht mehr wandeln, wie vordem, so undankbar, so lieblos gegen Deine unendliche Güte, welche so sehr mich liebet und eine unendliche Liebe verdienet. Gib, daß ich Dir von nun an die Liebe ersetze, welche ich früher versäumt habe. Stoßgebet. mein Gott, o mein Gott, Dich will ich lieben, Dich will ich lieben, Dich will ich lieben! Geistliche Kommunion wie S. 80. Liguori, Besuchungen 2c. 8 114 Begrüßung der seligsten Jungfrau. Mater misericordiae. Mutter der Barmherzigkeit. Ganz ähnlich ihrem Sohne Jejus ist die göttliche Mutter, welche als eine Mutter der Barmherzigkeit sich freuet, den Unglücklichen beizustehen und sie zu trösten. Ihr Verlangen, Allen Gnaden zu erweisen, ist so groß, daß Bernhardin von Bustis ausruft: Mehr Gutes sucht sie dir zu erweisen, und mehr Gnaden auf dich zu häufen, als du zu erlangen begehrest. Stoßgebet. Meine süße Hoffnung, weile immer in meinem Herzen! Gebet wie S. 87. Behnte Besuchung. In pace in idipsum dormiam et requiescam. Ps. 4. So will ich denn in Frieden schlafen und ausruhen./ Betrachtung. ihr Thoren der Welt, ruft der hei lige Augustin, ihr Unglücklichen, wohin eilt ihr zur Befriedigung eures Herzens! 115 Rommet zu Jesus, denn von Ihm allein fann euch jene Freude werden, welche ihr suchet. Sei du, meine Seele, nicht auch so thöricht, sondern suche Gott allein. Willst Du ihn bald finden, sieh, hier ift Er dir nahe. Trag ihm dein Anliegen bor, denn er weilt im Allerheiligsten, um Dich zu trösten und zu erhören. Die heilige Theresia sagt: Es ist nicht Jedem erlaubt, mit dem Könige zu sprechen! höchstens kann er hoffen, ihm durch Andere etwas vortragen zu lassen. Will man sich aber an Dich wenden, o König der Herrlichkeit, so braucht man dazu teinen Andern; denn Du bist immer bereit, allen Gehör zu geben im Saframente des Altares. Wer Dich da auffuchet, findet Dich immer und redet Dich vertraulich mit Du an. Gelingt es hingegen einem endlich mit dem Könige zu sprechen, welche Mühe muß er sich nicht darum geben! Die Könige lassen das Jahr durch nur selten Jemanden vor sich, Du aber hörst in diesem Sakramente Tag und Nacht uns Alle an, so oft wir es wünschen. 8* 116 Gebet. O Sakrament der Liebe, das Du sowohl in der heiligen Kommunion, als auf den Altären durch die Kraft Deiner Liebe so viele Herzen an Dich ziehst, welche, in Liebe zu Dir entbrannt und erstaunt über so große Güte, ein inneres, wohlthuendes Feuer empfinden, und stets an Dich denken: zieh auch mein elendes Herz zu Dir hin, welches auch sich sehnet, Dich zu lieben und als Diener Deiner Liebe zu leben. Von nun an lege ich alle meine Angelegenheiten, alle meine Hoffnungen, alle meine Wünsche, meine Seele, meinen Leib, Alles in Deine gütigen Hände. Nimm mich auf, o Herr, und verfüge über mich nach Deinem Gefallen. Ich will mich nicht mehr betlagen über Deine heiligen Anordnungen. Ich weiß, daß alle aus Deinem liebreichen Herzen hervorgehen, und alle aus Liebe zu mir und zu meinem Wohle geschehen. Genug ist es, wenn Du sie willst, dann will ich sie auch in Zeit und Ewigkeit. Bewirke Alles, was Du willst, in und mit mir; ich vereinige mich ganz mit Deinem Willen, welcher durchaus 117 heilig, durchaus gut, durchaus schön, durchaus vollkommen, durchaus liebenswürdig ist. Wille meines Gottes, wie lieb bist Du mir! Ich will immer verbunden mit Dir und innig vereint leben und sterben. Deine Freude ist meine Freude; Dein Verlangen sei auch mein Verlangen. Gott steh mir bei, gib, daß ich von nun an für Dich lebe, daß ich nur das wolle, was Du willst, und daß ich nur Deinen heiligen Willen liebe. Mag ich sterben aus Liebe zu Dir, da Du auch für mich gestorben und zur Speise geworden bist. Ich verfluche jene Tage, an denen ich meinen Willen zu Deinem so großen Mißfallen gethan. Ich liebe Dich, o göttlicher Wille, wie ich Gott selbst liebe, denn Du bist eins mit Gott. Ich liebe Dich also von ganzem Herzen, und ergebe mich Dir ganz und gar. Stoßgebet. O Wille Gottes, Du bist auch mein Wille! Geistliche Kommunion wie S. 80. 118 Begrüßung der seligsten Jungfrau. Thesauraria gratiarum. Schazmeisterin der Gnaden. Die große Königin spricht: Bei mir ist Reichthum und Ehre damit ich reich mache, die mich lieben. Sprüchw. 8, 11 und 21. Laßt uns Maria lieben, wenn wir an Gnaden reich sein wollen. Idiota nennt sie die Schatzmeisterin der Gnaden. Selig, wer mit Liebe und Vertrauen zu Maria seine Zuflucht nimmt! Meine Mutter, meine Hoffnung, durch deine Fürbitte hoffe ich heilig zu werden! Stoßgebet. Liebenswürdigste Mutter, bitte für mich! Gebet wie S. 87. Elfte Besuchung. Qui elongant se a te, peribunt. Die sich von Dir entfernen, gehen zu Grunde. Ps. 72. Betrachtung. Die heilige Theresia sagt: Laßt uns nicht von unserm lieben Hirten Jesus 119 uns entfernen und Ihn nicht aus dem Auge verlieren. Denn die Schäflein, welche ihrem Hirten nahe stehen, werden stets mehr geliebkost und beschenkt, und immer gibt Er ihnen einen besonderen Bissen von dem, was Er selbst ißt. Geschieht es, daß der Hirt schläft, so entfernt sich das Schäflein nicht von Ihm. bis Er aufwacht, oder es weckt Ihn selbst auf, und dann versieht Er es liebkosend mit neuen Gaben. Gebet. Sieh, ich bin Dir nahe, mein liebſter Erlöser im Sakramente, ich verlange fein anderes Geschenk von Dir, als Inbrunst und Ausdauer in der Liebe zu Dir. Ich danke Dir, o heiliger Glaube, für die Lehre und Gewißheit, daß in dem allerheiligsten Sakramente des Altars, in jenem Brode des Himmels, kein Brod, sondern Jesus Christus unser Herr, ganz und gar gegenwärtig ist aus Liebe zu mir. Mein Herr und mein Alles, ich glaube, daß Du im allerheiligsten Satramente gegenwärtig bist. Obgleid; Du Dich den leiblichen Augen verbirgit, 120 so erkenne ich Dich doch mit dem Lichte des heiligen Glaubens unter der konsekrirten Hostie als den König des Himmels und der Erde und als den Erlöser der Welt. O mein süßester Jesus, so wie Du meine Hoffnung, mein Heil, meine Stärke, mein Trost bist, so will ich auch, daß Du meine Liebe seiest und der einzige Gegenstand aller meiner Gedanken, meiner Wünsche und Begierden. Ich freue mich mehr über die höchste Seligkeit, die Du genießest und in Ewigfeit genießen wirst, als über jedes Gut, welches ich je in Zeit und Ewigkeit er reichen könnte. Meine höchste Zufriedens heit besteht darin, daß Du, mein liebster Erlöser vollkommen zufrieden bist, und daß Deine Seligkeit kein Ende nimmt. Beherrsche ganz meine Seele, o Herr, ich übergebe sie Dir ganz zum immerwährenden Besitze. Mein Wille, meine Sinne, meine Fähigkeiten mögen ganz Deiner Liebe und hienieden nur Deiner Freude und Herrlichkeit dienen. So war dein Leben, heilige Maria, du Mutter meines Herrn, die du Ihn zuerst geliebt hast. Steh mir bei und erlange für mich die Gnade, von nun an glückselig 121 in Gott zu leben, wie du es immer gethan haft. Stoßgebet. Mein Jesus, gib, daß ich ganz Dein sei, und daß Du ganz mir angehörest! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Beatus homo, qui vigilat ad fores meas quotidie, et observat ad postes ostii mei. Prov. 8. Selig der Mensch, der an meiner Thüre täglich wachet, und meiner harret an der Schwelle Meiner Pforte. Selig ist, wer nach dem Beispiele der Armen vor den Thüren der Reichen das Almosen der Gnaden aufmerksam juchet, vor den Thoren der Barmherzigkeit Mariens! Und seliger ist noch, wer überdieß die Tugenden, welche er an Maria wahrnimmt, vorzüglich ihrer Reinheit und Demuth, nachzuahmen trachtet! Stoßgebet. Maria, meine Hoffnung, komm du mir zu Hilfe! Gebet wie S. 87. 122 Bwölfte Besuchung. Deus charitas est, et qui manet in charitate, in Deo manet, et Deus in eo. 1. Joann. 1, 4. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Betrachtung. Wer Jesum liebt, bleibt in Jesu, und Jesus bleibt in ihm. Wenn Jemand Mich liebt, sagt Jesus selbst, so wird er Mein Wort halten und Mein Vater wird ihn lieben; Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Joh. 14, 23. Als der heilige Philippus Neri die Kommunion als Wegzehrung empfing, rief er beim Eintritt des allerheiligsten Saframentes: Da ist meine Liebe, da ist meine Liebe! Es rufe also jeder von uns in Gegenwart Christi im Sakramente: Da ist meine Liebe, da ist der Gegenstand meiner Liebe, meines ganzen Lebens und und der ganzen Ewigkeit. Gebet. Da Du nun, mein Herr und mein Gott, im Evangelium ausgesprochen hast, 123 daß ein Jeder, welcher Dich liebet, von Dir wieder geliebt wird, und daß Du Deine Wohnung in ihm nehmen willst, um ihn nie wieder zu verlassen: so liebe ich Dich über Alles. Liebe Du auch mich, weil mir Deine Liebe über alle Reiche der Erde geht. Möchtest Du also kommen und wohnen in der armen Behausung meiner Seele und sie nie mehr verlassen, oder besser, möchte ich Dich nie mehr daraus vertreiben; denn Du ziehst nicht aus, es sei denn, daß ich Dich mit Ge walt daraus verdränge. So wie ich Dich bordem vertrieben, so könnte ich es jetzt wieder thun. Ach! laß nicht zu, daß ich aufs Neue so verrucht und undankbar sei, Dich, nachdem ich so besondere Gnaden von Dir empfangen, wiederum aus meiner Seele zu verbannen. Doch es könnte geschehen, und darum will ich lieber sterben, o Herr, wenn es Dir gefällt, auf daß ich, im Tode mit Dir vereint, in Deiner ewigen Gemeinschaft leben möge. Ja, so hoffe ich, o mein Jesu! Ich umfasse Dich und drücke Dich an mein armes Herz. Gib, daß ich Dich stets liebe und von Dir geliebt werde. Ja, mein liebreichster Erlöser, ich werde 124 Dich immer lieben, Du wirst mich immer lieben. Ich hoffe, daß wir uns stets in alle Ewigkeit lieben werden, o Gott meiner Seele! Amen. Stoßgebet. Dich will ich immer lieben, o Jesu, und von Dir geliebt werden! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfran. Qui operantur in me, non peccabunt. Wer in Mir wirket, fündiget nicht. Eccl. 24. Wer sich meiner Verehrung weiht, spricht Maria, wird Beharrlichkeit im Guten erlangen; und wer sich bestrebet, mich auch bei Andern bekannt zu machen, wird die ewige Seligkeit erreichen. Eccl. 24. Fasse also den Vorsab, so oft und wo du kannst, von der Herrlichkeit und der Verehrung der Jungfrau zu reden. Stoßgebet. Mache mich würdig, dein Lob zu verfünden, o heilige Jungfrau! Gebet wie S. 87. Hol Dreizehnte Besuchung. 125 Sunt oculi mei et cor meum ibi cunctis diebus. 2. Paral. 7. Meine Augen und mein Herz sollent dortselbst weilen alle Tage. Betrachtung. Jesus hat uns im Sakramente des Altares diese schöne Verbeißung beſtätigt; da bleibt Er bei uns Tag und Nacht. Es konnte Dir genügen, o Herr, bloß den Tag hindurch in diesem Sakramente zu weilen in Gesellschaft und in Gegenwart der Verehrer. Wozu wolltest Du auch noch die Nacht hindurch hier bleiben, während welcher die Kirchen verschlossen, und die Menschen sich in ihre Wohnungen zurückziehen und Dich allein lassen? Doch ich begreife es; die Liebe hat Dich zu unjerm Gefangenen gemacht. Deine unendliche Liebe zu uns hält Dich auf der Erde zurück und gestattet Dir nicht, uns zu verlassen. Ach! liebreichster Erlöser, dieser Beweis deiner Liebe sollte schon hinreichen, alle Menschen an die Stufen Deines Altares zu bannen, bis man sie mit Gewalt hinwegtreibt, und im Weggehen sollten sie ihr Herz dort zurücklassen 126 und ihre ganze Liebe gegen den Mensch gewordenen Gott, der in dem Allerheiligsten allein weilet, um unsere Noth zu ersehen, und uns daraus zu befreien; um uns mit seinem göttlichen Herzen zu lieben und um seine geliebten Seelen am folgenden Tage wieder bei sich zu erwarten. Gebet. unend Ja, mein Jesu, ich will Dich erfreuen; ich will Dir meinen Willen und alle meine Neigungen aufopfern. liche, göttliche Majestät, Du haft Did uns in diesem göttlichen Sakramente nicht bloß darum hinterlassen, damit Du uns nahe und gegenwärtig seiest, sondern hauptsächlich, damit Deine geliebten Seelen Dich in der heiligen Kommunion empfangen mögen. Wer wird es aber wagen, Herr, sich Dir zu nähern und von Deinem Fleische zu essen? Wer könnte sich aber von Dir entfernen? Du verbirgst Dich eben darum unter der Gestalt der fonsekrirten Hostie, damit Du in uns eingehest und unsere Herzen befizest. Du brennest vor Begierde, von uns empfangen zu werden und mit uns 127 bereinigt zu bleiben. So fomm denn, mein Jesu, ich sehne mich, Dich zu empfangen, auf daß Du seiest der Gott meines Herzens und meines Willens. So viel an mir ist, o liebster Erlöser, trete ich an Deine Liebe ab Vergnügungen, Freuden; mein eigener Wille, Alles sei Dir geweiht. O Gott der Liebe, beherrsche mich und triumphire ganz über mich; zerstöre in mix Alles, was nur mein und nicht Dein ist. Laß nicht zu, göttliche Liebe, daß meine Seele, von Deiner Herrlichkeit erfüllt, Dich in der heiligen Kommunion empfange und sich doch wieder an die Kreaturen hänge. Ich liebe Dich, o mein Gott, ich liebe Dich und stets will ich Dich nur lieben. Stoßgebet. Bieh mich an Dich, o Herr, mit den jüßen Fesseln Deiner Liebe! Die geistliche Kommunion wie S. 80. 128 Begrüßung der selighten Inngfran. Quaeramus gratiam, et per Mariam gratiam. Suchen wir Gnade, und suchen wir sie durch Maria. Der heilige Bernhard ermahnt uns, Gnade zu suchen durch die Vermittlung Mariens. Sie ist der Schatz der göttlichen Gnaden, sagt der heilige Petrus Damianus. Sie kann uns bereichern. Darum ladet sie uns ein und ruft uns zu: Ist Jemand klein, der komme zu mir. Sprüchw. 9, 4. Liebreichste, erhabenste, freundlichste Frau, sieh herab auf einen armen Sünder, der sich dir anempfiehlt und ganz auf dich vertraut. Stoßgebet. Laßt uns unsere Zuflucht nehmen zu deinem Schuße, o heilige Mutter Gottes! Gebet wie S. 87. Vierzehnte Besuchung. 129 Haec requies mea in saeculum saeculi, hic habitabo, quoniam elegi eam. Dieß ist meine Ruhestätte ewiglich, hier will Ich wohnen, denn Ich habe sie mir außersehen. Betrachtung. So höre ich Dich rufen, liebevollster Jesu, aus diesent Allerheiligsten, worin Du weilest. Wenn Du nun Deine Wohnung unter uns auf den Altären durch Deine Gegenwart in dem allerheiligsten Sakramente auserwählt hast, und wenn Deine Liebe zu uns Dich Deine Ruhe dort finden läßt; so ist es billig, daß auch unsere Herzen immer in Liebe bei Dir wohnen, und jegliche Lust und Liebe bei Dir finden. selig seid ihr, ihr liebenden Seelen, die ihr auf der Welt teine schönere Ruhe findet, als in Gegenwart eures Jesus im Sakramente. Selig wäre auch ich, o Herr, wenn ich von nun an tein größeres Entzücken fände, als immer bei Dir zu sein und immer an Dich zu denken, der Du im allerheiligsten Sakramente auch immer an mich und meine Wohlfahrt denkest. Liquori. Besuchungen ic. 9 130 Gebet. Ach! warum habe ich so viele Jahre verloren, o Herr, ohne Liebe zu Dir. Unglückselige Jahre, ich verwünsche euch; dich aber segne ich, o unendliche Geduld meines Gottes, die du mich Undankbaren gegen Deine Liebe so viele Jahre lang ertragen. Und doch erwartest Du mich, den so Undankbaren. Warum, o mein Sott, warum? Auf daß ich einst, von Deiner Barmherzigkeit und Liebe besiegt, mich Dir gänzlich ergebe. Ich will Dir nicht mehr widerstehen, o Herr, ich will nicht mehr undankbar sein. Es ist billig, daß ich Dir wenigstens die mir noch übrige fürzere oder längere Zeit meines Lebens weihe. Von Dir, o mein Jesu, hoffe ich Hilfe, damit ich Dir ganz an gehöre. Du hast mich so sehr begnädigt, als ich Deine Liebe floh und verachtete, um wie viel mehr hoffe ich jeßt Deine Gnade, da ich Dich suche und Dich zu lieben verlange. Gib also, daß ich Dich liebe, unendlicher Liebe würdiger Gott! Ich liebe Dich von ganzem Herzen, ich liebe Dich über Alles, ich liebe Dich mehr, als mich selber, mehr als mein 131 Leben. Ich bereue es, daß ich Dich, unendliche Güte, beleidiget habe. Vergib mir und verleih mir zugleich mit Deiner Vergebung die Gnade, Dich in diesem Leben nach Kräften zu lieben bis in den Tod und im andern in alle Ewigfeit. Zeige der Welt, o allmächtiger Gott, das Wunder, daß eine so undankbare Seele, wie die meinige, eine von denen werde, die Dich am meisten lieben. Bewirke es, o mein Jesu, durch Deine Verdienste. Dieses wünsche ich und nehme es mir vor für mein ganzes Leben. Du, der Du mir dieses Verlangen einflößest, verleih mir dazu auch die Kraft. Stoßgebet. Ich danke Dir, mein Jesu, daß Du bis jetzt auf mich gewartet hast. Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Tota ratio spei mei. Der ganze Grund meiner Hoffnung. Reiner ist, sagt der heilige Germanius im Gespräche mit der seligsten Jungfrau, der selig werde, wenn nicht durch deine 9* 132 Fürbitte; Reiner, der vom Bösen befreit werde, wenn nicht durch dich; Keiner, der eine Gabe erhalte, wenn nicht durch dich. Wenn du mir also nicht beiſtehest. meine Hoffnung und meine Gebieterin so bin ich verloren. so kann ich nicht kommen, dich im Paradiese zu preisen. Aber ich vernehme von allen Heiligen, daß du keinen verlassest, der seine Zuflucht zu dir nimmt; nur der geht ſeinem Verderben entgegen, der es nicht thut. Ich Unglücklicher nehme also meine 3uflucht zu dir und seze meine Hoffnung auf dich. Stoßgebet des heiligen Bernhard. 190 Du bist mein ganzes Vertrauen, der ganze Grund meiner Hoffnung! Gebet wie S. 87. Fünfzehnte Besuchung. 133 Ignem veni mitteri in terram, et quid volo, nisi ut accendatur? Luc. 12. Feuer zu senden auf die Erde bin Ich gekommen, und was will Jch, als daß es brenne? Betrachtung. Es pflegte der ehrwürdige Pater Franzistus Olympius, ein Theatiner zu sagen, es gebe nichts auf Erden, was das Feuer der göttlichen Liebe in den Herzen der Menschen lebendiger ent zünde, als das allerheiligste Satrament des Altares. Darum erschien der Herr der heiligen Katharina von Siena im allerheiligsten Sakramente wie ein glühender Ofen der Liebe, aus welchem Ströme göttlicher Flammen ausgingen und sich über die Erde verbreiteten. Die Heilige war auch erstaunt, daß die Menschen leben können, ohne von Liebe zu entbrennen zu solch göttlicher Liebe gegen die Menschen. Gebet. Mein Jesu, entflamme mich für Dich; gib, daß ich nur an Dich denke, nur nach 134 Dir seusze und verlange, und nichts Anderes suche, als Dich. O wie selig wäre ich, wenn dieses Dein heiliges Feuer mich ganz ergriffe, und in mir mit den Jahren zugleich auch alle irdischen Neigungen verzehrte! Ogöttliches Wort, o mein Jesu, ich sehe Dich aus Liebe zu mir auf dem Altare ganz geopfert, ja gleichsam zerstört und vernichtet. Es ist demnach gerecht, daß auch ich, gleich Dir, der Du aus Liebe zu mir ein Opfer geworden, mich ganz und gar Dir weihe. Ja, mein Gott, mein erhabenster Herr, ich opfere Dir heute meine ganze Seele, mich selber ganz und gar, meinen Willen, mein Leben. Ich vereinige dieses mein geringes Opfer mit dem unendlichen Opfer, welches ewiger Vater, Dein Sohn und mein Erlöser, Jesus Christus mit Sich selber einst am Kreuze Dir darbrachte und täglich noch auf den Altären Dir darbringt. Nimm es also an durch die Verdienste Jesu Christi und verleihe mir die Gnade, es alle Tage meines Lebens zu wiederholen und zu sterben, mich selbst auf opfernd zu Deiner Ehre. Ich sehne mich nach der so vielen Märtyrern verliehenen 135 Grade zu sterben aus Liebe zu Dir. Wenn ich aber, o Herr, so großer Gnade nicht würdig sein sollte, so gib doch wenigstens, daß ich Dir mit meinem ganzen Willen mein Leben aufopfere, indem ich jenen Tod umfasse, welchen Du mir bestimmen wirst. Diese Gnade wünsche ich, o Herr! Ich wünsche zu sterben mit dem Willen, Dich zu ehren und Dir zu gefallen. Und von nun an opfere ich Dir mein Leben auf und meinen Tod, wie und wann er immer erscheinen wird. Stoßgebet. Ich will sterben, o Jesus, um Dir zu gefallen! Die geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligften Jungfrau. Quem vis, salvus erit. Selig wird derjenige, den du willst. Laß mich auch Dich anrufen, o süßeſte Frau, mit den Worten des heiligen Bernhard: Du, der ganze Grund meiner Hoffnung! Laß mich mit dem heiligen Johannes Damascenus sagen: Ich habe meine ganze Hoffnung auf dich geſeßt. 136 Erlange du mir durch deine Fürbitte Verzeihung meiner Sünden, Standhaftigkeit bis zum Tode, Befreiung aus dem Fegfeuer. Alle, welche selig werden, erlangen die Seligkeit durch deine Vermittlung. Erlange denn auch mir die Seligkeit, o heilige Jungfrau. Selig werden wird der, für den du Gnaden erflehst, sagt der heilige Bonaventura. Bitte also für mich, und ich werde selig werden. Du flehst aber für alle diejenigen, welche dich anrufen. Sieh also, ich rufe dich an mit den Worten des heiligen Bonaventura: Stoßgebet. Heil aller derjenigen, weiche dich ans rufen, bitte für mich, daß ich selig werde! Gebet wie S. 87. Sechszehnte Besuchung. 137 Numquid resina non est in Galaad, quare non est obducta cicatrix filiae populi mei? Jer. 8. 22. Ist denn kein Balsam mehr zu Galaad, warum heilt denn die Wunde der Tochter meines Volkes nicht? Betrachtung. Würden doch die Menschen stets ihre Zuflucht zum allerheiligsten Sakramente nehmen, um Heilung von ihren Leiden zu suchen, so wären sie gewiß nicht so elend, wie ich es jetzt bin. Der Prophet Jeremias rief klagend: Ist denn kein Balsam mehr zu Galaad? oder ist kein Arzt mehr da? Jerem. 8,22. Galaad in Arabien, nach der Bemerkung des ehrwürdigen Beda, reich an wohlriechenden Salben, ist das Sinnbild Jesu Chriſti, welcher in diesem Sakramente alle Heilmittel für unsere Leiden bereit hält. Warum denn, scheint uns der Heiland zuzurufen, warum denn beklagt ihr euch, ihr Söhne Adams über euere Leiden, da ihr doch in diesem Sakramente den Ärzt und das Heilmittel befizet für jegliches Leiden? Kommet zu mir alle, die ihr 138 mühselig und beladen seid, und Ich will euch erquicken. Matth. 11, 28. Jch will alio mit den Schwestern des Lazarus rufen: Herr, siehe, der, den Du liebest, ist krant. Johann. 11, 3. Gebet. Herr, ich bin der Elende, den Du liebest; meine Seele ist von Sünden verwundet. O mein göttlicher Arzt, ich komme zu Dir, auf daß Du mich wieder heilest; Du kannst mich wieder heilen, wenn Du willst. Siehe mich ganz an Dich, o süßester Jesu, mit der sanften Kraft Deiner Liebe. Ich will lieber mit Dir vereint sein, als die ganze Erde besitzen. Ich wünsche hienieden nichts Anderes, als daß ich Dich liebe. Ich habe Dir wenig zu geben, befäße ich aber auch alle Reiche der Welt, ich möchte sie bloß, um darauf zu verzichten aus Liebe zu Dir. Ich verzichte also auf das, worauf ich kann, auf alle Verwandte, alle Bequemlichkeiten, alle Neigungen, sogar auf allen geistlichen Trost; ich verzichte auf meine Freiheit, auf meinen Willen, Dir sei meine ganze 139 Liebe geweiht. Dich liebe ich, unendliche Güte, Dich liebe ich mehr als mich selber und hoffe, Dich ewig zu lieben! Stoßgebet. Dir gebe ich mich o mein Jesu, nimm mich doch auf! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Vere sum mater misericordiae. Wahrhaftig, ich bin die Mutter der Barmherzigkeit. Du sprachst zu der heiligen Brigitta, o seligste Mutter: Wie auch der Mensch gefündigt habe, wendet er sich wieder, von wahrer Besserung gedrungen, zu mir, so bin ich bereit, ihn aufzunehmen; auch sehe ich nicht auf die Zahl seiner Sünden, sondern mit welchem Willen er tommt. Denn ich verschmähe es nicht, seine Wunden zu salben und sie zu heilen, und heiße mit Recht die Mutter der Barmherzigkeit. Da du mich also heilen fannst und zu heilen verlangest, so nehme ich meine Zuflucht zu dir, o heilende Mutter mache gesund so viele Wunden 140 meiner Seele! Sage nur ein Wort der Fürbitte zu deinem Sohne und ich werde geheilet sein. Stoßgebet. Heilige Maria, erbarme dich meiner! Gebet wie S. 87. Siebenzehnte Beſuchung. Bonum est, nos hic esse. Matth. 17. Hier ist gut wohnen. Betrachtung. Die liebenden Seelen können kein größeres Vergnügen finden, als in Gegenwart geliebter Personen. Wenn wir also Jesum Christum recht lieben, so sind wir hier gerne in seiner Gegenwart. Er sieht und hört uns im Sakramente und wir sagen Jhm nichts? Trösten wir uns mit seiner Gesellschaft; freuen wir uns seiner Herrlichkeit und der Liebe, welche so viele liebende Seelen zum allerheiligsten Sakramente tragen; wünschen wir, daß Alle Jesum im Sakramente lieben und Ihm ihre Herzen weihen, weihen wir Ihm wenigstens all unsere innigste Zuneigung. Er sei unsere ganze Liebe, 141 unser ganzes Verlangen. Der Pater Salesius von der Gesellschaft Jesu fühlte sich schon getröstet, wenn er nur von dem allerheiligsten Sakramente reden fonnte. suchen Er konnte es nicht genug beWurde er an die Pforte gerufen, kehrte er in die Zelle zurück, ging er im Kloster umher, so richtete er es immer so ein, daß er bei diesen Gelegenheiten seinen geliebten Herrn aufs Neue besuchen konnte. Auch nahm man wahr, daß kaum eine Stunde im Tage verging, ohne daß er Ihn besuchte. Er verdiente denn auch endlich, durch die Hände der Keßer zu sterben, während er die Wahrheit des Sakramentes vertheidigte. Gebet. O hätte ich das Loos, bei einer so schönen Veranlassung zu sterben, bei Vertheidigung der Wahrheit dieses Saframentes, durch welches Du, o liebreichster Jesu, die Zärtlichkeit Deiner Liebe zu uns zu verstehen gegeben! Da Du aber, o Herr, so viele Wunder in diesem Saframente wirkest, wirke auch dieses, daß Du mich ganz an Dich ziehest. Schon 142 wünschest Du, daß ich Dir ganz angehöre. Du verdienst es nur zu sehr. Gib mir Kraft, daß ich Dich mit aller Innigkeit liebe. Magst Du die Güter dieser Erde hingeben, wem immer Du willst; ich verzichte gänzlich darauf. Ich seufze nach Deiner Liebe und will sie allein. Diese allein suche ich auf, und werde sie immer aufsuchen. Ich liebe Dich, o mein Jesu, gib, daß ich Dich allein nur immer liebe! Stoßgebet. Wann werde ich Dich in Wahrheit lieben, o Jesu! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Mater amabilis. Liebliche Mutter. Meine süßeste Königin, wie sehr ge fällt mir die schöne Benennung, womit dich deine Andächtigen anrufen: Liebliche Mutter! Ja, liebste Mutter, du bist allzuliebreich. Die Schönheit deiner Seele hat dir sogar die Liebe deines Herrn erworben. Der heilige Bonaventura sagt, daß dein bloßer Name so lieb 143 lich ist für die, die dich lieben, daß beim Nennen oder Hören desselben ihre Sehnsucht zu dir sich vermehrt. Es ist also recht, o liebreichste Mutter, daß ich dich liebe. Aber ich bin nicht zufrieden, dich bloß zu lieben, ich wünsche zuerst hienieden und dann dort oben im Himmel nach Gott derjenige zu sein, der dich am meisten liebet. Wenn dieses Verlangen zu fühn ist, so ist deine Liebenswürdigkeit daran Echuld und die besondere Liebe, die du mir erwiesen. Wärest du nicht so liebenswürdig, so wäre meine Sehnsucht nach dir nicht so stark; nimm also an dieses Verlangen, o liebste Frau, und zum Zeichen, daß du es angenommen, erlange mir von Gott die Liebe, um die ich dich bitte; denn die Liebe, die man zu dir trägt, gefällt ja Gott so sehr. Stoßgebet. Ich liebe dich sehr, o liebenswürdigste Mutter! Gebet wie S. 87. 144 Achtzehnte Besuchung. In conspectu angelorum psallam Tibi. Ps. 137. Im Angesichte der Engel will ich Dir lobsingen. Betrachtung. Einst wird Jesus Christus im Thale Josaphat auf dem Throne der Herrlichkeit sißen; nun aber im allerheiligsten Sakramente sitzt Er auf dem Throne der Liebe. Wenn der König zum Beweise seiner Liebe zu einem Hirten in das Dorf käme, welches dieser bewohnet; welche Undankbarkeit wäre es nicht, wenn diejer Dorfbewohner ihn nicht häufig besuchte, da er doch wüßte, daß der König ihn so sehr zu sehen wünicht, und daß er deswegen auch seine Wohnung dort aufgeschlagen hat. Gebet. O mein Jesus, nun begreife ich, daß Du aus Liebe zu mir gekommen bist, im allerheiligsten Sakramente des Altars zu wohnen. Ich möchte also Tag und Nacht in Deiner Nähe weilen, wenn ich es könnte! Wenn die Engel, o Herr, 145 Dich beständig umschweben, erstaunt über Deine Liebe zu uns, so ist es billig, daß ich, der ich Dich meinetwegen auf diesem Altare erblicke, Dich wenigstens durch meinen Aufenthalt bei Dir und durch das Lob Deiner Güte und Liebe zu mir zu erfreuen suche. Gott im allerheiligsten Satramente, o Brod der Engel, o göttliche Speise, ich liebe Dich; aber wir beide sind nicht zufrieden mit dieser meiner Liebe. Ich liebe Dich zwar, doch allzu wenig. Bewirke, o Jesu, daß ich die unermeßliche Schönheit und Güte erfenne, welche ich liebe. Gib, daß mein Herz alle irdischen Neigungen von sich weise, und Deiner göttlichen Liebe allein Raum gebe. Um meine Liebe zu Dir zu entzünden, und mich ganz mit Dir zu vereinigen, steigest Du täglich herab vom Himmel auf die Altäre, es ist also billig, daß auch ich an nichts anderes dente, als Dich zu lieben, Dich anzubeten und Dir zu gefallen. Ich liebe Dich von ganzer Seele, ich liebe Dich aus allen Kräften. Wenn du für diese Liebe mir etwas thun willst, so verleihe mir noch Liguori, Besuchungen 2c. 10 146 eine innigere Liebe zu Dir und ein größeres Verlangen, Dir zu gefallen. Stoßgebet. Jesu, meine Liebe, verleihe mir Geistliche Kommunion wie S. 80. Liebe! Begrüßung der seligsten Inngfrau. Refugium peccatorum, Zuflucht der Sünder. So wie jene armen Kranken, welche wegen ihres Elends von Allen verlassen find, allein in öffentlichen Krankenhäusern Obdach finden; ebenso werden auch die elendesten Sünder, obwohl von Allen gemieden, doch nicht von der Barmherzigteit Mariens verstoßen. Denn Gott hat sie gerade darum auf die Welt geſeßt, damit sie die Aufnahme, das öffentliche Krankenhaus der Sünder sei, wie der heilige Basilius sagt. Daher nennt sie auch der heilige Ephrem den Aufenthaltsort der Sünder. Wenn ich also, meine Königin, zu dir mich wende, so kannst du mich wegen meiner Sünden nicht verstoßen. Vielmehr habe ich ein 147 um so größeres Recht auf deinen Schuß, je elender ich bin, denn Gott hat dich zur Zuflucht der Elenden erschaffen. Daher wende ich mich zu dir, o Maria, unter deinen Schuß begebe ich mich. Du bist die Zuflucht der Sünder, sei denn auch die Zuflucht der Hoffnung meiner Seligkeit. Wenn du mich verstoßest, wohin soll ich mich wenden? Stoßgebet. O Maria, meine Zuflucht, bitte für mich daß ich selig werde! Gebet wie S. 87. Neunzehnte Besuchung. Ecce vobiscum sum omnibus diebus. Matth. 28 Sieh, ich bin bei euch alle Tage. Betrachtung. Es ist für Jeden angenehm, wenn er sich in Gesellschaft eines lieben Freundes befindet. Sollte es also für uns in diesem Thale der Zähren nicht tröstlich fein, in Gemeinschaft zu weilen mit dem 10* 148 besten Freunde, den wir haben, der uns alles Gute erweisen kann, der uns unendlich liebet und sich darum beständig bei uns aufhält? Sieh in dem allerheiligsten Sakramente fönnen wir mit Jesu nach unserm Gefallen reden, Ihm unser Herz öffnen, Ihm unsere Noth klagen und Ihm um seine Gnade bitten; furz, wir können in diesem Sakramente mit dem Könige des Himmels ohne Scheu und in allem Vertrauen umgehen. Joseph war allzuglücklich, als Gott mit seiner Gnade in seinen Kerker herabstieg, um ihn zu trösten, wie die heilige Schrift sagt. Weisheit 10, 13. 14. Aber noch viel glücklicher sind wir, weil wir auf dieser Erde der Trübsal unsern Mensch gewordenen Gott immer bei uns haben, der uns mit seiner wahrhaften Gegenwart beisteht an jedem Tage des Lebens, und so viel Liebe und Mitleid mit uns hat. Welch ein Trost ist es nicht für einen armen Gefangenen, einen lieben Freund zu haben, der ihm Gesellschaft leistet, ihn tröstet, ihm Hoffnung einflößet, ihm beispringt und darauf bedacht ist, ihm sein Elend zu erleichtern! Nun ist aber Jesus Christus unser guter Freund, 149 der in diesem Sakramente uns mit den Worten ermuthiget: Sehet, Ich bin ganz für euch hier, ich bin darum vom Dimmel in dieses Gefängnis gekommen, um euch zu trösten, euch beizustehen und euch zu befreien. Nehmet mich auf, geht immer mit mir um, drängt euch an Mich, dann werdet ihr euer Elend nicht fühlen und mit Mir in Mein Reich eingehen, wo Ich euch vollkommen selig machen will. Gebet. O Gott, da Du in Deiner unbegreiflichen Liebe Dich würdigest, auf unsere Altäre Dich hernieder zu lassen, um uns nahe zu sein, so verspreche ich Dir, Dich oft zu besuchen und mich, so oft ich nur kann, an Deiner süßen Gegenwart zu erfreuen, welche die Heiligen im Himmel mit Seligkeit erfüllt. könnte ich, in Anbetung und Liebe versunken, immer vor Dir weilen! Erwecke, ich bitte Dich, meine Seele, wenn sie aus Lanigkeit oder wegen weltlicher Geschäfte es vernachlässigt, Dich zu besuchen. Entzünde in mir ein großes Verlangen, Dir in diesem Sakramente nahe zu sein. Ach! 150 mein liebreicher Jesu, hätte ich Dich immer geliebt! Hätt' ich doch immer getrachtet, Dir zu gefallen! Mich tröstet, daß mir noch Zeit bleibt hiezu, nicht blos in dem andern Leben, sondern in diesem. Ich will es thun, ich will Dich in Wahrheit lieben, mein höchstes Gut, meine Liebe, mein Kleinod, mein Alles! Ich will Dich lieben aus allen meinen Kräften. Stoßgebet. Hilf mir, o Gott, Dich zu lieben! Geistliche Kommunion wie S. 87. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Invenies Mariam in manibus plenam misericordia et largitate. Du wirst Mariam finden, die Hände voll Erbarmen und Freigebigkeit Der andächtige Bernhardin von Busto sagt: Sünder, wer du immer sein magst, scheue dich nicht deine Zuflucht zu unserer Frau zu nehmen, mit Zuverficht auf ihre Hilfe, du wirst ihre Hände erfüllt finden mit Barmherzigkeit und Gnade. Und wisse, fügt er hinzu, daß diese mitleidige Königin in dir mehr Gutes zu thun wünscht, als du von ihr verlangeſt. 151 Oliebe Frau, ich danke Gott, daß Er dich mir zu erkennen gegeben. Wie unglücklich wäre ich, würde ich dich nicht fennen oder deiner vergessen! Schlimm würde es stehen um meine Seligkeit; aber ich preise und liebe dich, o göttliche Mutter, ich vertraue ganz auf dich, und in deine Hände lege ich meine Seele. Stoßgebet. O Maria, selig ist, wer dich kennt und auf dich vertraut! Gebet wie S. 87. Bwanzigste Besuchung. In illa die erit fons patens domui Israel et habitantibus in Jerusalem in ablutionem peccatorum. Zach. 13. An demselben Tage wird sich eine Quelle öffnen für das Haus Davids und die Bewohner Jerusalems zur Reinigung der Sünder. Betrachtung. Jesus im Sakramente ist diese von dem Propheten erwähnte Quelle, die 152 uns allen offen steht, und worin wir, so oft wir wollen, unsere Seele von allen Flecken der Sünde abwaschen können, die wir den Tag über uns zugezogen haben. Wenn der ehrwürdige Franziskus von Jesu, ein Barfüßer- Karmeliter, vor irchen vorbeiging, in welchen das Allerheiligste ausgesetzt war, so fonte er sich nicht enthalten, einzutreten, indem er sagte, es zieme sich nicht, daß ein Freund vor dem Hause seines Freundes vorbeigehe, ohne wenigens einzutreten, und ihn mit einem Worte zu begrüßen. Aber er begnügte sich nicht mit einem Worte, sondern verweilte so lange vor seinem geliebten Herrn, als er nur konnte. Gebet. Wenn Jemand einen Fehler begeht, welch schöneres Heilmittel gibt es wohl, als die Zuflucht zum allerheiligsten Sakramente! Ja, mein Jesu, ich nehme mir vor, dieß immer zu thun, da ich noch überdieß weiß, daß das Wasser dieser Deiner Quelle nicht bloß mich abwaschen, sondern mir auch Licht und Kraft verleihen kann, damit ich nicht falle, viel 153 mehr freudig alle Widerwärtigkeiten erdulde, und daß es mich zur Liebe zu Dir erkräftiget. Ich weiß, daß Du mich diesem Ende bei Dir erwartest, und daß Du die Besuchungen Derer, die Dich lieben, mit so großen Gnaden belohnest. Wohlan denn, mein Jesus, wasche mich von allen Sünden, die ich heute be gangen und die ich bereue, weil ich Dich beleidigt habe; gib mir Kraft, auf daß ich nicht wieder fündige und verleihe mir ein brennendes Verlangen, Dich über Alles zu lieben. O könnte ich immer in Deiner Nähe weilen, wie ehemals Deine treue Dienerin Maria Diaz, welche zur Beit der heiligen Theresia lebte, und von Bischof von Avila die Erlaubniß erhielt, im Oratorium einer Kirche zu wohnen, wo sie fast immer vor dem allerheiligsten Sakramente verweilte, das sie ihren Nachbarn nannte, und sie verließ ihren Ort nur, um zu beichten und die heilige Kommunion zu empfangen. Mein einziges und unendliches Gut, ich sehe, daß Du dieses Sakrament eingesetzt hast und auf diesem Altare verweilest, auf daß ich Dich liebe. Darum hast Du mir ein Herz geschenkt, das 154 fähig ist, Dich zu lieben. Aber warum liebe ich Dich nicht, ich Undankbarer? Oder, warum lieb' ich Dich so wenig? Gewiß ist es ungerecht, daß eine so liebenswürdige Güte, wie die Deinige ist, jo wenig geliebt werde! Mindestens verdiente Deine Liebe zu mir meine Gegenliebe. Du bist ein unendlicher Gott, ich aber bin ein niedriges Geschöpf. Nur wenig ist es, wenn ich für Dich sterbe, wenn ich mich aufreibe für Dich, der Du für mich gestorben und Dich täglich auf den Altären opferst aus Liebe zu mir. Du verdienest grenzenlose Liebe, ich will Dich auch grenzenlos lieben. Steh mir bei, o mein Jesu, steh mir bei, auf daß ich Dich liebe und Alles thue, was Dir gefällt, und was Du so sehr von mir wünschest. Stoßgebet. Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein! Hohl. 2, 16. Geistliche Kommunion wie S. 70. 155 Begrüßung der seligten Inngfrau. Omnibus se exorabilem praebet. Allen zeigt sie sich erbittlich. Meine süßzeste, barmherzigste und liebreichste Königin! Schön ist die Hoffnung, welche mir der heilige Bernhard mit den Worten zuruft: Du untersuchest, spricht er, nicht das Verdienst derjenigen, welche ihre Zuflucht zu deiner Barmherzigkeit nehmen, sondern du seiest bereit, Allen zu helfen, die dich darum bitten. Wenn ich also mich bittend dir nahe, so höre mich freundlich an, Vernimm das, um was ich dich bitte. Ich bin ein armer Sünder, der tausendmal die Hölle verdient hat. Ich will aber mein Leben bessern. Ich will meinen Gott lieben, den ich so sehr beleidigt habe. Dir weihe ich mich zum Leibeigenen; dir übergebe ich mich in diesem elenden Zustande. Bitte um meine Seligkeit; um die Seligkeit dessen, der dir angehört und nicht mehr sich selber. Hast du mich gehört, o gütige Frau? Ich hoffe, du haft mich gehört und erhöret. 156 Stoßgebet. Maria, dir gehöre ich an, bitte um meine Seligkeit! Gebet wie S. 87. singm 19 Einundzwanzigste Besuchung. illuc Ubicunque fuerit corpus, congregabuntur et aquilae. Luc. 17. Wo immer ein Leichnam ist, dort versammeln sich auch die Adler Betrachtung. Unter diesem Leibe verstehen die hei ligen Väter gewöhnlich den Leib Jesu Christi und unter den Adlern verstehen fie die von allem Irdischen losgetrennten Seelen, welche sich zum Himmel erheben und mit ihren Gedanken und Gefühlen stets nach demselben trachten, wo sie denn auch ihre beständige Wohnung aufschlagen. Diese Adler nun finden hienieden dort ihr Paradies, wo sie Jesus im Saframente erblicken; und es scheint als könnten sie nicht satt werden, bei Ihm zu verweilen. Wenn die Adler, sagt der heilige 157 Hieronymus, einen todten Körper wittern, fliegen sie aus der Ferne zu ihm herbei; um wie viel mehr nun haben wir Ursuche, zu Jesus im allerheiligsten Sakramente zu eilen, als zu der lieblichsten Speise für unsere Herzen! Darum haben sich denn auch die Heiligen in diesem Thale der Zähren wie lechzende Hirsche nach dieser Quelle des Paradieses gesehnt. Bater Balthasar Alvarez aus der Gesellschaft Jesu wandte oft, was er auch zu thun haben mochte, seine Augen dahin, wo er wußte, daß das heilige Sakrament sich befinde; er besuchte es häufig und zuweilen blieb er ganze Nächte davor. Er seufzte bei dem Anblicke der von Höflingen angefüllten Paläste, wo man einem Menschen alle Ehre erweiset, in der Hoffnung, dadurch irgend einen, wenn auch nur geringen Vortheil zu erlangen; während dagegen die Kirchen verlasſen stehen, wo der höchste Fürst der Erde thronet, der da in unserer Mitte auf der Erde verweilet, wie auf einem Throne der Liebe, reich an unermeßlichen und ewigen Gütern. Darum pries er auch die Ordensgeistlichen glücklich, welche in ihren Klöstern, so oft sie nur wollen, bei 158 Tag und Nacht, diesen großen Herrn im allerheiligsten Sakramente besuchen können, was den Laien nicht vergönnt ist. Gebet. Da Du nun, o liebreichster Herr, mit so großer Güte mich in Deine Nähe rufest, troß meiner Undankbarkeit gegen Deine Liebe und troß meiner Verworfenheit; so will ich darum doch den Muth nicht verlieren sondern mich nahe an Dich hindrängen. Aber verwandle mich ganz und entferne von mir jede Liebe, die nicht für Dich ist, jedes Verlangen, das Dir nicht gefällt, jeden Gedanken, der zu Dir sich nicht aufschwingt. Mein Jesu, meine Liebe, mein Kleinod, Dir allein will ich leben und Dir allein nur gefallen. Du allein nur verdienst meine ganze Liebe; Dich allein nur will ich lieben von ganzem Herzen. Ziehe mich ab von Allem, o Herr, und verbinde mich nur mit Dir, aber knüpfe mich so jehr an Dich, daß ich mich nie mehr von Dir trennen möge, weder in diesem noch im andern Leben. 159 Stoßgebet. O süßester Jesus, laß nicht zu, daß ich mich trenne von Dir! Die geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Advocata nostr. Unsere Fürsprecherin. Von Dionysius, dem Karthäuer, wird die heilige Jungfrau genannt: Die Füriprecherin aller Sünder, welche ihre Zuflucht zu ihr nehmen. Ta du also, D göttliche Mutter, das Amt hast, die Fürsprache und Vertheidigung der tief Gefallenen zu übernehmen, die sich an dich wenden; so sieh mich denn hier zu deinen Füßen; zu dir nehme ich meine Zuflucht und rufe mit dem heiligen Thomas von Villanova: Wohlan denn, versieh dein Geschäft und sei du die Vertreterin meiner Sache! Zwar bin ich nur allzusehr schuldig vor meinem Herrn, da ich Ihn nach so vielen mir verliehenen Wohlthaten und Gnaden so sehr beleidigt babe: aber das Unglück ist geschehen. Doch du kannst mich retten, du darfst 160 deinem Sohne nur sagen, daß du mich beschüßest, dann werde ich selig werden. Stoßgebet. Liebreichste Mutter, bitte für mich, auf daß ich selig werde! Gebet wie S. 87. Bweiundzwanzigste Besuchung. Numquid quem diligit anima mea, Cant. 3. 3. vidistis? Habt ihr Ihn nicht gesehen, den meine Seele liebt? Betrachtung. Die Braut im Hohenliede geht umher, den Geliebten zu suchen, und da fie Ihn nicht findet, fragt sie da und dort: Habt ihr Ihn, den meine Seele liebt, gesehen? Hohel. 3, 3. Damals war Christus noch nicht auf Erden. Wenn aber jeßt eine liebende Seele Ihn aufsucht, so findet sie Ihn immer im allerheiligsten Sakramente. Der ehrwürdige Bater Avila pflegte zu sagen, daß er unter allen heiligen Orten 161 teinen lieblichern wünschen und finden könne, als eine Kirche mit dem allerheiligsten Sakramente. Gebet. O Gott, unendliche Liebe, und würdig unendliche Liebe! Wie fonntest Du Dich so sehr erniedrigen, daß Du Dich, zum Aufenthalte bei den Menschen und zur Vereinigung mit ihren Herzen, unter den Gestalten des Brodes verborgen! Mensch gewordenes Wort, Du gingst so außerordentlich weit in Deiner Erniedrigung, weil Du so unendlich weit gehst in Deiner Liebe! Warum kann ich Dich nicht lieben mit aller Kraft meines Seins, da ich doch weiß, wie viel Du gethan zur Erwerbung meiner Liebe! Ich liebe Dich unaussprechlich, und darum ziehe ich vor Dein Wohlgefallen allen meinen Vortheilen und Wünschen; meine Freude ist, Dir zu gefallen, o Jesu, meine Liebe und mein Alles! Entzünde in mir ein inniges Verlangen, immer in Deiner Gegenwart zu weilen, o Jesu im allerheiligsten Sakramente, Dich zu embfangen und Dir Gesellschaft zu leiſten. Liquori, Besuchungen 2c. 11 162 Ich wäre ein Undankbarer, wollte ich nicht annehmen eine solche süße und freundliche Einladung. Ach, zerstöre in mir, o Herr, jegliche Hinneigung zum Irdischen. Du willst allein, o mein Schöpfer, der Mittelpunkt sein all meiner Liebe. Ich liebe Dich, o gütigster und liebreichster Gott! Nur Dich verlange ich von Dir. Ich will nicht meine Befriedigung, sondern die Deine, die mir genug ist. Nimm auf, o mein Jesus, dieses heiße Verlangen eines Sünders, welcher strebt, Dich zu lieben. Steh mir bei mit Deiner Gnade. Gib, daß ich, bis jetzt ein elender Sklave der Hölle, von nun an sei ein glücklicher Sklave Deiner Liebe. Stoßgebet. Ich liebe Dich über Alles, o Jeju, mein einziges Gut! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Ministra propitiationis. Vermittlerin der Gnade. Oliebenswürdigste Frau, ich bin ein Elender, der sich gegen deinen Sohn auf 163 gelehnt hat; aber reuevoll fehr' ich zurück zu den Füßen deiner Barmherzigkeit, auf daß du mir Berzeihung erlangest. Sag mir nicht, daß du es nicht könnest; der heilige Bernhard nennt dich ja die Spenderin der Vergebung. An dir ist es auch dem beizustehen, der in Gefahr sich befindet, nach den Worten des heiligen Ephrem. Wer aber ist in größerer Gefahr, als ich, o gütige Frau! Ich habe Gott verloren, und bin wohl schon der Verdammniß anheimgefallen, wenn mir Gott nicht vergibt. Ich kann Ihn aber wieder verlieren. Doch du kannst mir durch deine Fürbitte Alles erlangen; von dir hoffe ich jegliches Gut, Vergebung, Standhaftigkeit und das ewige Leben. Ich hoffe im Reiche der Seligen einer von jenen zu sein, welche durch deine Fürbitte gerettet, deine Barmherzigkeit am meisten preisen. Stoßgebet. In Ewigkeit will ich deine Barmherzigkeit singen, o göttliche Mutter. Gebet wie S. 87. 11* 164 Dreiundzwanzigste Besuchung. Qui me invenerit, inveniet vitam.ouf Prov. 8. 35. Wer mich finden wird, hat das Leben gefunden. Betrachtung. So viele Christen seßen sich einer Menge Müheseligkeiten und Gefahren aus, um die Orte des heiligen Landes zu besuchen, wo unser liebreichster Heiland geboren worden ist, gelitten hat und gestorben ist. Wir haben nicht nöthig, eine so lange Reise zu unternehmen, noch uns so großen Gefahren zu unterziehen. Der Herr ist uns nahe; Er weilt in der Kirche, wenige Schritte von unsern Häusern. Großes Gewicht, sagt der heilige Paulinus, legen die Pilger darauf, aus jenen heiligen Orten ein wenig Staub mitzubringen von dem Stalle, wo Christus geboren, oder vom heiligen Grabe, worin Er ist beigesett worden; mit welcher Inbrunst sollen nun wir nicht das allerheiligste Sakrament besuchen, wo Jesus persönlich zugegen ist, ohne daß wir Ihn erst aufsuchen müßten mit solchen Mühen und solchen Ge 165 fahren! Eine dem klösterlichen Leben geweihte Person, welcher Gott eine große Liebe zum allerheiligsten Sakramente verliehen, äußerte sich in einem Briefe unter Anderm auf folgende Weise: Ich habe erfahren, spricht sie, daß alles Gute, was ich besitze, mir vom allerheiligsten Sakramente gekommen. Ganz hab' ich mich Jesu im Sakramente geweiht und mich Ihm ganz hingegeben. Ich sehe unzäblige Gnaden bei Ihm, die Er darum nicht austheilt, weil man sich nicht hinbegibt zu diesem göttlichen Sakramente. Ich erblicke das große Verlangen unseres Herrn, seine Gnaden im Sakramente zu verleihen hehres Geheimniß! Oheilige Hostie! Was wäre außer dieser Hostie, worin Gott seine Allmacht mehr zu erkennen gäbe? Sie enthält alles, was Gott je für uns gethan hat. Beneiden wir die Seligen nicht; denn wir haben auf Erden denselben Herrn mit noch größeren Wundern seiner Liebe. Gib dir Mühe, daß Alle, mit denen du sprichst, sich dem allerheiligsten Saframente widmen. Ich rede so, weil dieses Sakrament mich in Verzückung verseßt, und ich kann nicht umhin, von Ihm zu 166 reden, da es so sehr geliebt zu werden verdient Ich weiß nicht, was ich anfangen soll für Jesum im Sakramente. So endet der Brief. Gebet. O Seraphim, die ihr, in süßer Liebe entbrannt, meinen und euern Herrn umgebet, da dieser König des Himmels doch nicht aus Liebe zu euch, sondern aus Liebe zu mir sich hat vergegenwärtigen wollen in diesem Satramente: lafset also ihr liebenden Engel, auch mich in Liebe entbrennen zu Ihm, entzündet mich mit eurem Feuer, auf daß ich in Gemeinschaft mit euch die Flammen der Liebe empfinde. O mein Jesu, laß mich erkennen die Größe Deiner Liebe zu den Menschen, auf daß beim Anblick solcher Liebe die Begierde in mir, Dich zu lieben und Dir zu gefallen, sich immer stärker erweise. Ich liebe Dich, o liebenswürdig ster Herr und will Dich immer lieben, bloß um Dir zu gefallen. 167 Stoßgebet. An Dich glaub' ich, Dich lieb ich und Dir ergeb' ich mich ganz, o mein Jesu! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Mater orphanorum. Mutter der Waisen. Der heilige Bonaventura nennt dich, o liebenswürdigste Jungfrau, die Mutter der Waisen; und der heilige Ephrem dazu noch die Beherbergerin derselben. Ach! diese armen Waisen sind wir, wir elende Sünder, die wir Gott verloren haben! Ich nehme also meine Zuflucht zu dir, o heiligste Jungfrau! Gott, meinen Vater, hab' ich verloren. Doch du bist meine Mutter; steh du mir bei, auf daß ich Ihn wiederfinde. In solcher Drangsal ruf' ich zu dir um Hilfe. Dstehe mir bei! Soll ich denn trostlos bleiben? Onein! Innozenz der Dritte sagt von dir: Wer hat dich je angerufen, dem du nicht Gehör und Beistand gegeben? Wer ist je zu Grunde gegangen, der zu dir seine Zuflucht genommen? Der allein geht zu Grunde, der sich nicht an dich 168 wendet. Nun denn, meine Königin, wenn du meine Seligkeit wünschest, so bewirke, daß ich stets dich anrufe und auf dich vertraue. Stoßgebct. Heilige Maria, gib mix Vertrauen. auf dich! Gebet wie S. 87. Vierundzwanzigste Besuchung. Vere, tu es Deus absconditus. Is. 45, 15 Wahrhaftig, Du bist ein verbor gener Gott. Betrachtung. Wahrlich, Du bist ein verborgener Gott. f. 45, 15. In keinem Werk der göttlichen Liebe erwahren sich diese Worte so sehr, als in diesem anbetungswürdigen Geheimniß des allerheiligsten Sakramentes, in welchem unser Gott verborgen zugegen ist. Dadurch, daß das ewige Wort Fleisch ist geworden, hat es seine Gott heit verborgen und ist unter Menschengestalt auf Erden erschienen; aber im allerheiligsten Sakramente verbirgt auch Jesus die Menschheit und erscheint mir 169 als Brod, um nach den Worten des heiligen Bernhard, unter dieser Gestalt seine Liebe uns zu beweisen. Gebet. Oliebster Erlöser, beim Anblicke dieses Uebermaßes Deiner Liebe zu den Menschen, gerathe ich außer mir, und weiß, o Herr, teine Worte zu finden! In diesem Sakramente gehst Du aus Liebe zu ihnen so weit, Deine Majestät zu verbergen und Deine Herrlichkeit zu verdunkcin; ja du gehst so weit, Dein göttliches Leben gleichsam zu vernichten. Und während Du auf den Altären verweilest, scheint es Dein einziges Geschäft zu sein, die Menschen zu lieben und ihnen Deine Liebe zu offenbaren. Aber welchen Dank erstatten sie Dir dafür, o göttlicher Sohn! Oliebevollster Jesu, laß es mich sagen, daß Du die Menschen allzusehr liebest, da Du sogar ihr Wohlergehen Deiner Ehre vorziehst. Wußtest Du nicht, was Allem diese Deine liebreiche Absicht Dich ausgesetzt hat? O ja, Du hast es vorausgesehen, wie ich es jetzt weiß, daß 170 der größere Theil unter den Menschen Dich nicht anbetet und nicht für den erkennen will, der du doch wahrhaft bist in diesem allerheiligsten Sakramente. Ich weiß, daß solche Menschen oft schon so weit gegangen sind, die heiligen, konsekrirten Hoftien mit Füßen zu treten, sie auf die Erde, ins Wasser und ins Feuer zu werfen. Staunen muß ich, daß sogar der größere Theil von denen, die an Dich glauben, o Gott, anstatt dieſe Schmach nach ihren Kräften durch ihre Huldigung wieder gut zu machen, durch ihre Unehrerbietung Dich nur um so mehr noch beleidigen, oder Dich einsam lassen auf den Altären, zuweilen ohne Licht und ohne die nöthige Verzierung. Okönnte ich, mein süßester Jesu, mit meinen Thränen, ja mit meinem Blute jene unglücklichen Orte abwaschen, an welchen Deine Liebe und Dein lieberfülltes Herz in diesem Sakramente so sehr ist verhöhnt worden. Wenn mir aber so viel nicht vergönnt ist, so wünsche ich wenigstens o Herr, und nehme es mir vor, Dich oft zu besuchen und Dich zu verehren, wie beute, als Ersaß für die Verachtung, die 171 Du von den Menschen empfängst in diesem göttlichen Geheimniß. Nimm auf, o ewiger Vater, diese geringe Ehrenbezeugung, welche heute der niedrigste unter den Menschen Dir darbringt, als geringen Ersaß für die Unbilden, welche Deinem göttlichen Sohne im allerheiligsten Sakramente zugefügt werden; nimm fie auf im Vereine mit jener unendlichen Ehre, welche Dir Jesus Christus am Stamme des heiligen Kreuzes erwiesen, und welche Er Dir täglich im_allerheiligsten Sakramente erweiset. könnte ich es doch bewirken, o Jesu, daß alle Menschen von Liebe zum allerheiligsten Sakramente entzündet würden! Stoßgebet. Oliebreichster Jesu, gib, daß man Dich erkenne und liebe! Die geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfran. Pelagus gratiarum. Meer der Gnaden. Wie viel Vertrauen hab' ich zu dir o mächtigste Frau, wenn ich zu dir mich 172 wende in meiner Angst um die ewige Seligkeit, und wenn ich bedenke, daß du, o göttliche Mutter, einerseits so reich bist an Gnaden, daß der heilige Johannes aus Damaskus dich das Meer der Gnaden nennt; der heilige Bonaventura die Quelle, in welcher alle Gnaden vereinigt sind; der heilige Ephrem die Quelle der Gnade und jeglichen Trostes; und der heilige Bernhard die Fülle jeglichen Gutes. Andererseits aber bedenke ich wieder, daß du so sehr geneigt bist, Gutes zu thun, und dich beleidigt findest, um mich der Worte des heiligen Bonaventura zu bedienen, wenn man sich nicht an dich wendet, um Gnaden zu suchen. Dreichste, weiseste und sanfmüthigste Königin! wohl sehe ich ein, daß du besser als ich die Bedürfnisse meiner Seele kennst, und mich mehr liebest als ich dich lieben kann. Welche Gnade nun soll ich erbitten von dir? Erlange mir also die Gnade, welche du für meine Seele am zuträglichsten hältst; bitte für mich um dieselbe bei Gott, dann bin ich zufrieden. 173 Sloßgebet. Gib mir, o Gott, iene Gnade, um welche Deine Mutter für mich bittet. Gebet wie S. 87. Fünfundzwanzigste Besuchung. Factus obediens usque ad mortem Phil. 2. Er war gehorsam bis zum Tode. Betrachtung. Der heilige Baulus preiset den Gehorsam Jesu Christi mit den Worten: Er war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Phil. 2, 8. In diesem heiligen Saframente aber ist er noch weiter gegangen; hier hat Er sich nämlich nicht nur dem ewigen Vater, sondern auch den Menschen gehorsam erweisen wollen, nicht nur bis zum Tode, sondern bis ans Ende der Welt. Er, der König des Himmels, steigt herab von dem Himmel aus Gehorsam gegen den Menschen; Er steigt herab auf die Altäre und verweilet daselbst aus Gehorsam gegen den Menschen. Dort iſt 174 er gegenwärtig, ohne sich von selbst zu entfernen; Er läßt sich sowohl in den Monstranzen ausstellen, als in die Tabernakel verschließen! Er läßt sich forttragen durch Straßen und in Häuser; Er läßt sich darreichen in der heiligen Kommunion dem Gerechten und Sünder. So lange Er auf Erden lebte, gehorchte Er nach dem Zeugnisse des heiligen Lutas der seligsten Mutter Maria und dem heiligen Joseph; in diesem Sakramente aber gehorcht Er so vielen Geschöpfen, als es Priester giebt auf der Erde. Gebet. Laß mich heute mit Dir reden, o liebreichstes Herz meines Jesu, aus dem alle Sakramente sind ausgegangen, hauptsächlich aber dieses Sakrament der Liebe. Ich möchte Dich aber so ehren und preisen, wie Du in unsern Kirchen durch das allerheiligste Sakrament den ewigen Vater preisen, Ich weiß, daß Du mich eben so liebest auf diesem Altare, als Du mich liebest am Stamme des heiligen Kreuzes, da Du unter so bitteren Leiden Dein göttliches Leben 175 aushauchtest. Erleuchte, o göttliches Herz, einen Jeden, der Dich nicht kennt, auf daß er Dich kennen lerne. Erlöse durch Deine Verdienste, oder erleichtere wenigstens jene unglücklichen Seelen im Fegfeuer, welche Dir ewig in Liebe vermählt sind. Ich bete Dich an, ich danke Dir und liebe Dich mit allen Seelen, welche in diejer Stunde Dich lieben auf Erden und im Himmel. Reinige mein Herz, o Du allerlauterstes Herz, von aller Anhänglichkeit an die Kreaturen, und erfülle es mit Deiner heiligen Liebe. Nimm Du mein Herz in Besiz, o süßestes Herz, auf daß es von nun an Dir immer gehöre und allezeit ausrufen könne: Wer wird mich scheiden von der Liebe Christi? Röm. 8, 35. Grabe ein, o allerheiligstes Herz, jene bitteren Leiden auch in mein Herz, welche Du so viele Jahre auf Erden erduldet aus Liebe zu mir, auf daß ich von nun an bei deren Betrachtung mich sehne nach allen Mühsalen des Lebens, oder sie doch wenigstens aus Liebe zu Dir geduldig ertrage. Demüthigstes Herz Jesu, mache mich theilha tig Deiner Demuth! Sanftmüthigstes Herz Jesu, 176 theile mir mit Deine Milde! Nimm von meinem Herzen alles hinweg, was Dir nicht gefällt. Bekehre es gänzlich zu Dir, auf daß es nur wolle und wünsche nach Deinem Willen. Bewirke zuletzt, daß ich nur lebe in deinem Gehorsam, aus Liebe zu Dir, nur um Dir zu gefallen. Nur zu sehr erkenne ich, wie viel ich Dir danke, wie sehr Du mich Dir haft verpflichtet. Nur wenig ja wäre es, wenn ich mich ganz Dir opferte, mich ganz Dir hingäbe. Stoßgebet. O Herz Jesu, Du allein beherrschest mein Herz! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfran. Arca Noë largior. Hilfreiche Arche Noah's. Der heilige Bernhard sagt, daß Maria jene himmlische Arche sei, durch welche wir, wenn wir zeitig dahin fliehen, gewiß vom Schiffbruch der ewigen Verdammniß befreit werden. Jene Arche, in welcher sich Nohe rettete bei der allgemeinen Ueberschwemmung der Erde, 177 war schon ein Vorbild Mariens; doch ist Maria nach der Bemerkung des Hesychius eine größere, stärkere und hilfreichere Arche. Dort fanden nur wenige Menschen und Thiere Aufnahme und Rettung; aber unsere Erretterin nimmt Alle auf, welche zu ihrem Schuße ihre Zuflucht nehmen, und führet sie sicher der ewigen Seligkeit entgegen. Wie arm wären wir, wenn wir Maria nicht hätten! Aber wie Viele gehen dennoch zu Grunde, o meine Königin! Warum? Weil sie zu Dir ihre Zuflucht nicht nehmen. Denn wer ginge verloren, der um deine Fürbitte flehet! Stoßgebet. Heiligste Maria, bewirke, daß Alle fich immer an dich wenden! Gebet wie S. 87. Liguori, Besuchungen 2c. 12 178 Sechsundzwanzigste Besuchung. Exulta et lauda, habitatio Sion, quia magnus in medio tui Sanctus Israel. Is. 12, 6. Frohlocke und juble, Bevölkerung Sion's, denn groß ist in deiner Mitte der Heilige Jsraels. Betrachtung. Gott, mit welcher Freude, welchen Hoffnungen und welchen Gefühlen müſsen wir Menschen erfüllt sein, die wir wissen, daß mitten unter uns, in unsern Kirchen, in der Nähe unsrer Wohnungen der Heiligste der Heiligen, der wahre Gott im allerheiligsten Sakramente des Altares weilet und lebet! Der, welcher durch seine Gegenwart die Heiligen im Himmel beseliget! Der, welcher die Liebe selber ist nach den Worten des heiligen Bernhard! Dieses Sakrament ist nicht blos ein Sakrament der Liebe, sondern die Liebe selber, der wahre Gott, welcher aus unendlicher Liebe zu seinen Geschöpfen die Liebe selbst ist und genannt wird. Aber ich höre Dich beflagen, mein Jesu, im Sakramente, daß Du auf die Erde gekommen bist, unser Gast zu 179 sein zu unserm Heile, und daß wir Dich nicht aufgenommen haben. Du hast Recht, o Herr; ich selbst bin einer jener Undankbaren, welche Dich allein gelassen haben, ohne Dich auch nur zu besuchen. Züchtige mich nach Deinem Gefallen, aber nicht mit der verdienten Züchtigung, Deiner Gegenwart beraut zu werden. Ach nein! ich will ja meine Kälte und Gleichgiltigkeit wieder gut machen. Ich will von nun an nicht bloß Dich häufig besuchen, sondern mich auch bei Dir aufhalten, so oft ich nur kann. Gebet. barmherzigster Heiland, gib, daß ich Dir treu sei und entflamme durch mein Beispiel auch Andere, Dir im allerheiligsten Sakramente Gesellschaft zu leisten. Ich höre die Worte des ewigen Vaters: Dieser ist Mein geliebter Sohn, welchem ich Wohlgefallen habe. Matth. 3, 17. Also der ewige Vater findet an Dir sein ganzes Wohlgefallen und ich armseliges Geschöpf sollte es nicht finden und nicht bei Dir weilen in diesem Thale der Zähren? an 12* 180 Overzehrendes Feuer, vernichte in mir jede Neigung zu den Geschöpfen; denn diese allein können mich Dir untreu machen und mich von Dir abziehen. Du kannst es, wenn Du nur willst. Du hast schon so viel für mich gethan, thue auch noch dieses, entferne aus meinem Herzen jede Liebe, die nicht zu Dir führt. Siehe, ich gebe mich Dir ganz hin; ich weihe von heute an mein ganzes noch übriges Leben der Liebe zum allerheiligsten Sakramente. Sei Du, o mein Jesu, meine Stärtung, meine Liebe im Leben und in der Stunde des Todes, da Du kommen wirst, meine Wegzehrung und mein Führer zu sein zu Deinem seligen Reiche. Dieß ist meine Hoffnung. Amen. Stoßgebet. Wann, o mein Jesu, werde ich Dein strahlendes Angesicht schauen. Geistliche Kommunion wie S. 80. 181 Begrüßung der selighten Inngfrau. Porta libertatis. Pforte der Freiheit. Bei dir, p heiligste Mutter, finden wir Heilmittel gegen alle unsere Leiden. Bei dir finden wir Stärkung unserer Schwäche, darum nennt dich der heilige Germanus die Stärkung unserer Schwachheit. Durch dich finden wir den Ausweg aus der Knechtschaft der Sünde, und darum nennt dich der heilige Bonaventura: die Pforte der Freiheit. Bei dir finden wir zuverlässigen Frieden, darum nennt dich auch der heilige Bonaventura: die sichere Ruhe der Menschen. Bei dir finden wir Erleichterung von unsern Mühseligkeiten im Leben, denn der heilige Laurentius Justinianus nennt dich: den Thron unserer Pilgerschaft. Bei dir finden wir endlich die göttliche Gnade und Gott ſelbst, denn der heilige Bonaventura nennt dich: den Thron der göttlichen Gnade. Brokus aber nennt dich: eine glückselige Brücke, über welche Gott, der durch unsere Schuld von uns sich entfernt hat, wieder einzieht mit seiner Gnade in unsere Seelen. 182 Stoßgebet. 1900 O Maria, du bist nach Gott meine Stärke, meine Freude, meine Freiheit, und mein Heil! Gebet wie S. 87. Siebenundzwanzigste Besuchung Non est alia natio tam grandis, quae habeat deos appropinquintes sibi, sicut Deus noster adest nobis. Deut. 4. 7. Es ist ein anderes Volk so groß, das seine Götter so nahe hätte, wie unser Gott nahe ist bei uns. Betrachtung. Als die Heiden von den Werken der Liebe Gottes hörten, riefen sie aus: O welch ein guter Gott ist der Gott der Christen! und in der That, wenn ihr die zabllosen Fabeln von einer Menge von Göttern, welche ihre unstete Einbildungskraft sich dachte und erfand, durchlesen wollt, so werdet ihr finden, daß es feinem unter jenen Menschen je eingefallen ist, sich einen Gott zu denken voll Liebe gegen die Menschen, wie es 183 unser Gott ist. Er hat nun, um seine Liebe seinen Verehrern zu zeigen, und fie mit Gnaden zu bereichern, ein solches Wunder der Liebe gewirkt, daß Er unſer Genosse geworden, und Tag und Nacht, in den Altären verschlossen, bei uns bleibt, so daß es scheint, als könne Er sich keinen Augenblick von uns trennen. Ein Gedächtniß stiftete Er, sagt David, in seinen Wundern, der gnädige und barmherzige Herr. Pf. 110, 3. Gebet. Du hast also, o süßester Jesu, zur Befriedigung Deines unendlichen Verlangens, immer uns gegenwärtig zu bleiben, das größte Deiner Wunder wirken wollen. Warum doch entfernen sich die Menschen von Dir? Wie können nie so lange getrennt von Dir leben und Dich so selten besuchen? Wenn sie auch eine Viertelstunde bei Dir ausharren, so scheint sie ihnen ein Jahrhundert. O Geduld meines Jesu, wie groß bist Du! ich begreife es, o Herr, sie ist darum so groß, weil Deine Liebe zu den Menschen so groß ist und diese nur drängt 184 Dich dazu, beständig unter so vielen Undankbaren zu weilen. Gott, der Du unendlich bist in Deinen Vollkommenheiten und unendlich in Deiner Liebe, laß nicht zu, daß ich auch in Zukunft mich unter der Zahl dieser Undankbaren befinde, wie bisher. Verleihe mir eine Liebe, welche angemessen sei Deinen Verdiensten und meiner Verpflichtung. Auch ich verweilte einige Zeit ungern in Deiner Gegenwart, denn ich liebte Dich gar nicht oder zu wenig. Wenn ich aber mit Deiner Gnade es dahin bringe, Dich innig zu lieben, so wird es mich nicht mehr verdrießen Tag und Nacht zu den Füßen des allerheiligsten Sakramentes zu bleiben. O ewiger Vater, ich opfere Dir Deinen eigenen Sohn, nimm ihn an für mich und verleih mir durch seine Verdienste eine so heiße und zärtliche Liebe zum allerheiligsten Sakramente, daß ich mich immer gegen irgend eine Kirche wende, wo Er im Sakramente gegenwärtig ist, und daß ich mit brennendem Verlangen die Zeit herbeiwünsche, in der ich hingehen kann, um bei Ihm zu bleiben. 185 Stoßgebet. O Gott, verleihe mir aus Liebe zu Jesu eine große Liebe zum allerheiligsten Sakramente! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligften Jungfrau. Propugnaculum fortissimum. Stärkste Schutzwehr. Maria ist jener Thurm Davids, von welchem der heilige Geist spricht, daß er inmitten von tausend Festungswerken erbaut und mit tausend Schilden und Waffen versehen ist zum Schuße derjenigen, welche dahin fliehen. Du bist also, o seligste Mutter, nach den Worten des heiligen Ignatius, des Martyrers, die stärkste Schußwehr für diejenigen, welche im Kampfe stehen. O welche Stürme habe ich beständig von meinen Feinden auszuhalten, die mich der Gnade Gottes und deines mächtigen Schußes, o liebreichste Frau, berauben wollen. Aber du bist meine Veste. Du verschmähst es nicht, für diejenigen zu kämpfen, welche auf dich vertrauen. Ver 186 theidige mich also, und streite für mich, der ich ganz auf dich vertraue und auf dich hoffe. Stoßgebet. O Maria, dein Name ist mein Schild! Gebet wie S. 87. Achtundzwanzigste Besuchung. Qui etiam proprio Filio, suo non pepercit, sed pro omnibus nobis tradidit illum: quomodo non etiam cum illo omnia donavit? Rom. 8. Da Gott Seines Eingebornen Sohnes nicht geschont, sondern Jhn für uns Alle dahingegeben hat: wie sollte Er in Ihm uns nicht auch Alles geschenkt haben? Betrachtung. Wir wissen, daß der ewige Vater Alles Jesu Christo gegeben, was Er selbst hat. Joh. 13. Laßt uns also unserm liebreichsten Gott fortwährend danken für seine Güte, Barmherzigkeit und Freigebigkeit; denn Er hat uns bereichern wollen mit jeglichem Gut und jeglicher Gnade da durch, daß Er uns Jesum im allerheilig sten Sakramente gegeben. 187 Gebet. AND THE So nun, Erlöser der Welt, Mensch gewordenes Wort, kann ich denken, daß Du mir ganz angehörest, wenn ich nur will; aber kann ich eben so auch sagen, daß auch ich Dir ganz angehöre, daß auch Du mich willst? O Herr, hilf mir und zeige der Welt nicht das Mißverhältniß und den Undank von meiner Seite, daß ich nicht Dein sein kann, da Du mich noch willst! Ach, möge dieß nie geschehen! Traf dieses ehemals zu, so sei es doch nicht mehr in Zukunft. Ich nehme mir heute ernstlich vor, mich Dir ganz zu weihen. In Zeit und Ewigkeit opfere ich Dir mein Leben, meinen Willen, meine Gedanken, meine Handlungen, meine Leiden. Sieh, ich bin ganz Dein. Wie ein Dir geweihtes Opfer nehme ich Abschied von Deinen Kreaturen und weihe mich Dir ganz. Verzehre mich mit den Flammen Deiner göttlichen Liebe. Ich will nicht, daß die Kreaturen Antheil haben an meinem Herzen. Deine Liebe zu mir, die ich sogar erfahren, als ich Dich nicht liebte, läßt mich hoffen, daß Du gewiß 188 mich jetzt aufnimmst, nun, da ich Dich liebe und mich Dir hingebe aus Liebe zu Dir. Ewiger Vater, ich opfere Dir heute alle Tugenden, Thaten und die Gefühle des Herzens Deines geliebten Jeju. Nimm sie an für mich um seiner Verdienste willen, die alle mir angehören, weil Er sie mir gegeben; verleihe mir alle Gnaden, um welche Jesus bei Dir für mich bittet. Mit diesen Verdiensten sage ich Dir Dank für die große Barmherzigkeit, die Du mir erzeigt hast. Durch dieselben trage ich die Schuld ab an Dich, welche ich durch meine Sünden aufgehäuft habe. Darum hoffe ich auch jede Gnade von Dir, Verzeihung meiner Sünden, Beharrlichkeit im Guten, den Himmel und besonders das höchste Geichent Deiner heiligen Liebe. Ich sehe wohl, daß ich selber meiner Besserung im Wege bin; aber du kommst meiner Schwachheit zu Hilfe. Ich bitte Dich darum im Namen Jesu Christi, welcher uns die Verheißung gegeben: Wenn ihr den Vater in Meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird Er es euch geben. Joh. 16, 23. Du kannst mir meine Bitte 189 also nicht verweigern. Alles, was ich wünsche, o Herr, besteht darin, Dich zu lieben, mich Dir ganz zu übergeben und nicht mehr so undankbar zu sein, wie bisher. Behüte und erhöre mich; gib, daß ich mich heute ganz zu Dir bekehre und nicht mehr aufhöre, Dich zu lieben. Ich liebe Dich, unendliche Güte; ich liebe Dich, meine Liebe, meine Seligkeit, mein Gut, mein Leben, mein Alles! Stoßgebet. Mein Jesu, mein Alles, Du verlangst nach mir, und ich verlange nach Dir! Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfrau. Portus vexatorum. Port der Bedrängten. Welche Erleichterung in meinem Elend, welchen Trost in meinen Drangialen, welche Stärfung bei Versuchungen empfinde ich nicht, wenn ich an dich mich erinnere und dich um Hilfe anflehe, o süßeste und heiligste Mutter Maria! Wohl habt ihr Recht, o ihr Heiligen, daß ihr unsere gütige Frau nennt: den Hafen der Be 190 drängten, wie du, o heiliger Ephrem; die Linderung im Unglück und die Stüße der Unglücklichen, wie du, o heiliger Bonaventura; die Ruhe unserer Thränen, wie du sie benennest, o heiliger Germanus! Heilige Maria tröste du mich; denn ich bin in Sünden versunken und von Feinden umgeben, ohne Tugend und kalt in der Liebe gegen Gott. Tröste du mich, und mein Trost bestehe in deiner Fürbitte für mich, auf daß ich ein besseres, neues Leben beginne, welches deinem göttlichen Sohne und dir wahrhaff wohlgefällig sei. Stoßgebet. Aendere mich, Maria, meine Mutter, ändere mich, denn du vermagst es durch deine Fürbitte! Mebet mie S. 8. Neunundzwanzigste Besuchung. Ecce sto ad ostium et pulso. Apoc. 3. 20. Sieh, ich stehe vor der Thüre und klopie an. Betrachtung. Oliebreichster Hirt, Du hast aus Liebe zu Deiner Heerde, nicht bloß am 191 Stamme des heiligen Kreuzes sterben, sondern auch auf den Altären unsrer Kirchen verborgen uns gegenwärtig bleiben wollen, um stets in unserer Nähe an die Thore unserer Herzen klopfen und Dir Eingang verschaffen zu können. O könnte ich mich Deiner Nähe erfreuen, wie Deine heilige Braut im Hohenliede, als sie ausrief: Unter seinem Schatten, wonach ich verlangt habe, size ich. Hohel. 2, 3. Ach! wenn ich Dich in Wahrheit liebte, o liebenswürdigstes, im allerheiligsten Satramente verborgenes Gut, so würde auch ich mich Tag und Nacht nicht von Dir entfernen; auch ich würde in der Nähe Deiner unter den Zeichen der heiligen Gestalten verhüllten Majestät verweilen und das göttliche Entzücken empfinden, welches jene Dir in Liebe ergebenen Teelen erfahren. Zieh mich an durch den Glanz Deiner Schönheit und der unendlichen Liebe, welche Du in diesem Saframente offenbarest. Dann, o mein Heiland, will ich die Kreaturen verlassen, und alle Freuden der Erde, um zu Dir, o mein Jesu, im Sakramente, zu eilen. 192 Gebet. welche Früchte heiliger Tugenden werden gleich jungen Pflanzen Gott geweiht von jenen seligen Seelen, welche liebenden Herzens vor Dir am Altare verweilen! Aber ich schäme mich, o Jesu, so leer an Tugenden und so entblößt vor Dir zu erscheinen. Du hast ja befohlen, daß, wer immer dem Altare sich nähert zu Deiner Verehrung, nicht ohne irgend eine Gabe erscheine. Du sollst nicht leer vor Meinem Angesichte erscheinen. Exod. 34, 20. Was habe ich also zu thun? Soll ich Dich nicht mehr besuchen? Doch dieses gefällt Dir ja nicht. Ich komme also arm wie ich bin: versieh Du mich mit allen den Gaben, die Du verlangst. Ich sehe wohl, daß Du in diesem Sakramente gegenwärtig bist, nicht bloß, um die zu belohnen, welche Dich lieben, sondern auch um den Armen Deine Gaben zu ertheilen. So beginne denn heute mit mir. Ich bete Dich an, König meines Herzen, Geliebter der Menschen! o Hirt, der Du Deiner Heerde mit so unendlicher Liebe zugethan bist; ich nahe dem Throne 193 Deiner Liebe, und weil ich nichts Anderes zu geben habe, so biete ich Dir mein armes Herz, auf daß es Deiner Liebe und Deinem Wohlgefallen allein nur geweiht sei. Mit diesem Herzen kann und will ich Dich lieben, so sehr ich vermag. So ziehe mich denn zu Dir hin und knüpfe mich fest an Deinen heiligen Willen, auf daß ich von nun an voll Ergebung mit Deinem heiligen Jünger ausrufen könne: Ich bin mit den Ketten Deiner Liebe Dir vereiniget! Vereinige mich ganz mit Dir, o Herr, und gib, daß ich mich selbst vergesse, um einst zu dem glücklichen Verluste aller irdischen Dinge und meiner selbst zu gelangen, und Dich allein finde, um Dich ewig zu Lieben! Ich liebe Dich, mein im Sakrament verborgener Herr, mit Dir vereinige ich mich; gib mir die Gnade, Dich zu finden, Dich zu lieben und Dich nie wieder zu verlassen! Stoßgebet. Mein Jesu, Du allein bist mir genug. Geistliche Kommunion wie S. 80. Liguori, Besuchungen 2c. 13 194 Begrüßung der seligsten Inngfrau. Via salvatoris. Weg zum Heilande. Der heilige Bernhardus nennt Maria den einzigen sichern Weg, zum Heilande zu gelangen und selig zu werden. Da also, du es bist, meine Königin, wie derselbe Heilige von dir sagt, die unsere Seelen zu Gott führt, so warte nicht darauf, daß ich selbst mich Gott nahe, sondern trage mich auf deinen Armen zu Ihm hin! So trage mich denn, und sollte ich Widerstand leisten, so trage mich mit Ge walt; zwinge nach Kräften meine Seele und meinen widerstrebenden Willen mit der süßen Anziehungskraft deiner Liebe, auf daß sie die Kreaturen meiden, nur allein Gott und seinen göttlichen Willen aufsuchen. Zeige dem Himmel deine Macht! Mache nach so vielen andern auch noch das Wunder deiner Barmherzigkeit offenbar, daß du den ganz zu Gott hinleitest, der so ferne von Ihm stand! 195 Stoßgebet. Du fannst mich heiligen, o Mutter des Herrn, ich hoff' es von dir! Gebet wie S. 87. Dreißigste Besuchung. Cur faciem tuam abscondis? Job. 13. Warum verbirgst Du Dein Antlig? Betrachtung. Job erschrat, als er sah, daß Gott sein Angesicht vor ihm verbarg; wir aber, die wir sehen, daß Jesus Christus seine Majestät in dem allerheiligsten Satramente verbirgt, brauchen uns nicht zu fürchten, sondern vielmehr möge uns dieß mit Vertrauen und Liebe erfüllen. Denn gerade um unser Vertrauen zu vermehren und uns seine Liebe noch mehr zu beweisen, verbirgt Er sich unter der Gestalt des Brodes. Wer möchte es noch wagen, jich Ihm mit Vertrauen zu nahen, Ihm feine Gefühle und Wünsche zu offenbaren, wenn dieser König des Himmels in seinem Glanze und in seiner Herrlichkeit auf den Ältären erschiene! 13* 196 Gebet. O Jesu, wohin hat Dich Deine Liebe geführet, daß Du Dich in diesem allerheiligsten Sakramente unter der Gestalt des Brodes verborgen, damit Dich lieben und finden könne hienieden, wer immer nach Dir verlanget! Mit Recht empfahl der Prophet den Menschen, auf der ganzen Welt zu verkündigen, wie weit die Liebe unsers guten Gottes gegangen: Machet fund unter den Völkern seine Anschläge. f. 12. 4. O liebreichstes Herz Jesu, so würdig, die Herzen der Menschen zu befißen. Herz, ganz und immer erfüllt von den Flammen der reinsten Liebe; v verzehrendes Feuer, verzehre mich ganz und gib mir ein neues Leben voll Liebe und Gnade! Vereinige mich so sehr mit Dir, daß ich mich nie mehr von Dir trennen möge! Du, der Zuflucht der Seelen geöffnetes Herz, nimm mich auf! ODu, am Kreuze über die Sünden der Welt so betrübtes Herz, erwecke mir wahre Reue über meine Sünden! Ich weiß, daß Du in diesem göttlichen Sa kramente dieselben Gefühle der Liebe gegen mich bewahrest, wie bei Deinem 197 Tode am Kreuze und daß Du darum auch sehnlichst wünschest, mich ganz mit Dir zu vereinigen. Kann ich nun Deiner Liebe und Deinem Verlangen noch Widerstand leisten? Ach! liebster Jesu, um Deiner Verdienste willen verwunde mich, binde mich, feğle mich, vereinige mich ganz mit Deinem Herzen. Von heute an fasse ich mit Deiner Gnade den Entschluß, Dir, womöglich, dadurch zu gefallen, daß ich alle Rücksichten, alle Neigungen, jedes Widerstreben, jede Begierde und jeden Vortheil überwinde, die mich verhindern könnten, gänzlich nach Deinem Wohlgefallen zu leben. Laß mich, o Herr, meinen Vorsaß von nun an so ausführen, daß alle meine Werke, Gefühle und Neigungen in Allem Deinem göttlichen Willen gemäß seien. O göttliche Liebe entferne aus meinem Herzen jede andere Liebe! O Maria, meine Hoffnung, du vermagst Alles bei meinem Gott, erflehe mir die Gnade, bis zu meinem letzten Hauche ein treuer Diener der reinen Liebe Jesu zu sein. Dieß ist meine Hoffnung, und so geschehe es in Zeit und Ewigkeit. 198 Stoßgebet. Wer wird mich trennen von der Liebe Jesu Christi. Geistliche Kommunion wie S. 80. Begrüßung der seligsten Jungfran. Virgo clemens! O milde Jungfrau! Der heilige Bernhard bezeugt, daß die Liebe Mariens zu uns nicht größer und mächtiger sein kann, als sie ist, und daß sie stets reich an Liebe und Macht ist, uns zu bemitleiden und uns zu Hilfe zu kommen. Du bist also, o reine Himmelskönigin, mit Macht und Erbarmen reichlich versehen, und kannst und willst Jeden erlösen. Ich bitte Dich also heute und allezeit mit den Worten des heiligen Blasius: O heilige Maria, steh mir in dem großen Kampfe bei, den ich mit der Hölle zu bestehen habe: und wenn du siehst, daß ich strauchle und dem Falle nahe bin, so reich mir deine hilfreiche Hand, und unterstüße mich mit um so größerer Kraft! O Gott, welche Versuchungen habe ich noch zu überwinden 199 bis zu meinem Tode! Ach! Maria, meine Hoffnung, meine Zuflucht. meine Stüße, laß nicht zu, daß ich die Gnade Gottes je verliere; denn ich verspreche dir, immer sogleich in allen Versuchungen meine Zuflucht zu dir zu nehmen, mit den Worten: Stoßgebet. Steh mir bei, Maria; Maria, steh mir bei! Gebet wie S. 87. Einunddreißigste Besuchung. Jesus sedebat sic supra fontem. Joann. 4. Es saß nun Jesus so auf dem Brunnen. Betrachtung. O welch ein schöner Anblick war es, unsern liebreichen Erlöser an jenem Tage zu erblicken, an dem Er, von der Reise müde, ganz freundlich und liebevoll an einem Brunnen saß und die Samariterin erwartete, um sie zu bekehren und zu erlösen. Gerade so scheint es, als ob Er, nachdem Er vom Himmel auf unsere Altäre herabgestiegen, die als eben so 200 viele Gnadenbrunnen zu betrachten, sich jest mit uns auf eine liebreiche Weise unterhalte; es scheint, als ob Er die Seelen erwarte und einlade, Ihm wenigstens eine Zeitlang Gesellschaft zu leisten, damit Er ihnen so eine vollkommene Liebe zu Ihm einflößen könne. Von allen Altären, auf welchen Jesus Christus im Sakramente gegenwärtig ist, scheint er allen zuzurufen: Oihr Menschen, warum fliehet ihr vor Mir? Warum kommt ihr nicht in Meine Nähe, da Ich euch doch so sehr liebe und zu eurem Heile Mich so ganz und gar erniedrigt habe? Was fürchtet ihr? Ich bin jetzt nicht auf die Erde gekommen, um zu richten, sondern Ich habe mich in diesem Sakramente der Liebe bloß darum verborgen, um Gutes zu thun und selig zu machen einen Jeden, der seine Zuflucht zu mir nimmt. Laßt uns demnach bedenken, daß Jesus Christus sowohl im Himmel, als auch hienieden im allerheiligsten Sakramente des Altars Tag und Nacht das fromme Geschäft eines Fürsprechers für uns übernimmt, indem Er sich dem ewigen Vater als Opfer darbringt, um von Ihm Barm 201 herzigkeit und unzählige Gnaden zu erlangen. Darum sagt der fromme Thomas von Kempis: Wir müssen uns Jesus im Sakramente ohne Furcht vor Strafe und ohne Scheu nähern, wie ein Freund dem geliebten Freunde. Gebet. Laß also, o mein König und Herr, nach Deiner Erlaubniß mich im Vertrauen Dir nahen und Dir mein Herz öffnen mit den Worten: O mein Jesu, der Du voll Liebe bist zu den Seelen, wohl weiß ich, wie sehr Dich die Seelen betrüben. Du liebst sie und wirst nicht wieder geliebt; Du thust ihnen Gutes und empfängst dafür Verachtung; Du rufft ihnen zu und sie hören Dich nicht; Du bietest ihnen Gnaden an und sie verschmähen sie. Ach, mein Jesu, auch ich habe mich wahrlich eine Zeitlang zu jenen Undankbaren gesellt und Dich beleidigt; aber ich will mich bessern und in den Tagen, die noch von meinem Leben übrig sind, jene Beleidigungen dadurch wieder gut zu machen suchen, daß ich alles Mögliche thue, um Dir zu 202 gefouen. Sprich, o Herr, was Du von mir willst; auch ich will es ohne Rückhalt. Sege meinen Gehorsam auf die Probe; ich hoffe, daß ich bestehe! Mein Gott, ich verspreche Dir ernstlich, von nun an nie etwas zu unterlassen, was mir Dein Wohlgefallen erwerben kann, sollte ich auch darüber Alles verlieren, Eltern, Freunde, Achtung, Gesundheit, sogar das Leben. Möge Alles verloren gehen, wenn nur Dein Wohlgefallen mir bleibt! Glücklicher Verlust, wenn man Alles opfert und einbüßt zur Befriedigung Deines Herzens, o Gott meiner Seele! Ohöchstes, über Alles liebenswürdiges Gut, ich liebe Dich und vereinige dabei mein armes Herz mit den liebenden Herzen der Seraphim, ich vereinige es mit dem Herzen Mariä und mit dem Herzen Jesu. Mein ganzes Wesen ist durchdrungen von Liebe zu Dir und ich will immer nur Dich allein lieben. Stoßgebet. Mein Gott, mein Gott, ich bin Dein, und Du bist mein! Die geistliche Kommunion wie S. 80. 203 Begrüßung der seligsten Inngfran. Virgo potens! O mächtige Jungfrau! Der selige Amadäus sagt, daß die seligste Jungfrau Maria, unsere Königin, vor Gott stets das Amt unserer Fürsprecherin ausübe und mit ihren bei Gott Alles vermögenden Bitten als unsere Vermittlerin auftrete, denn sie sieht unser Elend, fügt er hinzu, und unsere Gefahren, und die barmherzige Frau bemitleidet uns und steht uns bei mit mütterlicher Liebe. Du siehst also, meine Fürsprecherin und meine liebreichste Mutter, du siehst das Elend meiner Seele, du siehst meine Gefahren und bittest für mich. So bitte denn für mich, und höre nicht auf zu bitten, bis ich selig bin und dir im Himmel danken kann. Es sagt mir der fromme Blasius, daß du, o süßeste Jungfrau, nach Jesus eine zuverlässige Vermittlerin des Heiles derer bist, die deine treuen Diener sind. Um diese Gnade bitte ich dich heute. Verleihe mir das schöne Loos, dein treuer Diener zu sein bis zum Tode, auf daß 204 ich dich im Himmel preisen möge, wo ich ewig nicht mehr von dir getrennt werde. Stoßgebet. O meine Mutter Maria, bewirke, daß ich stets dir angehöre. Gebet wie S. 87. Die heilige Messe. Im heiligen Meßopfer wird das erneuert, was Jesus Christus zur Ehre des Vaters und zum Heil der Welt mit sich am Kreuze gethan hat. Christus hat es selbst eingesetzt, um dem Vater fortwährend eine der Unermeßlichkeit seiner Größe entsprechende Ehre zu erweisen, und um für uns zu sorgen nach dem Maße unserer Bedürfnisse, so zwar, daß es die Gott angenehmste, für uns heilsamste und dem Christen angemessenste Verehrung ist, wenn wir täglich einer Messe beiwohnen. Um derselben mit Andacht beizuwohnen, denke dir im Priefter die Person Jesu Christi, welche sich ihrem ewigen Vater zu deinem Heile aufopfert, und fahre fort in folgenden Anmuthungen. 206 Wenn der Priester die hl. Meffe anfängt. Gott, ich verdiene es nicht, vor Dir zu erscheinen, denn ich bin ein elender Sünder, der es verdient hat, daß Du ihn für immer verstoßest! Aber wenn ich es dennoch wage, vor Deiner Majestät zu erscheinen, so geschieht es nur, um meine Fehler zu verabscheuen, mich zu bessern und von Dir Verzeihung zu er langen, indem ich alle meine Hoffnung auf das große Opfer sebe, welches Christus am Kreuze vollbracht hat, und für mich nun auf dem Altare erneuert. Darum flehe ich um Deine Gnade, o Herr, damit ich dasselbe mit eben dem Glauben und eben der Frömmigkeit anhören möge, mit welcher die heiligste Jungfrau demselben am Fuße des Kreuzes begewohnt hat. Zum Confiteor. Allmächtiger Gott, ich bekenne vor Dir, der allzeit unbefleckten Jungfrau Maria, und allen Heiligen, daß ich Dich oft und schwer beleidigt habe. Nun bereue ich meine Sünden von ganzem 207 Herzen, und bitte die heiligste Jungfrau, die Engel, Apostel und alle Heiligen des Himmels, daß sie für mich Barmherzigfeit und Seligkeit des Himmels erflehen mögen. Zum Introitus. Die ganze Erde bete Dich an, o Herr, und singe Loblieder Deinem heiligen Namen. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen. Zum Kyrie eleison. Bater des Erbarmens, habe Barmherzigkeit mit deinen Kindern. Liebevollster Jesu, habe Mitleid mit unserm Elende. Zum Gloria, ( wenn eines gesprochen wird). Ich erkenne Dich, o mein Jesu, als den Sohn des Vaters, Gott zugleich mit Ihm, als den Erlöser der Welt und den Herrn des Friedens. Ich lobe Dich und bete Dich an mit den Engeln und Hei ligen des Himmels. Gib, daß ich auch 208 wie ein Engel lebe auf Erden, damit ich einst Theil haben könne an ihrem Jubel im Paradiese. Zum Oremus. Erhöre, o Herr, durch die Verdienste Jesu Christi, die Gebete der Kirche und dieses Priesters, ihres Dieners; fehre stets Dein Herz unserer Noth zu, und verleihe uns Standhaftigkeit im Guten. Zur Epistel. Geist Gottes, der Du Dich gewürdigt hast, mit uns zu reden durch die Propheten und Apostel, gib, daß ich Deine Lehren benüße zu meiner Heiligung, und verleih mir die Gnade, das zu begreifen, was zu meiner Wohlfahrt gereicht, da mit ich es durch mein ganzes Leben in Ausübung bringe. Bewirke hauptsächlich, daß ich die zwei großen Vorschriften er fülle, welche das ganze Geseß und die Propheten umfassen, nämlich: Liebe Gott über Alles und deinen Nächsten, wie dich ſelbst. 209 Zum heiligen Evangelium. Du hast mich, o Herr, durch Deine Barmherzigkeit zum heiligen Lichte Deines Evangeliums gerufen; ich empfange gern dieses Gesetz der Liebe und danke Dir dafür. Aber ich bitte Dich, präge es in meinen Geist und in mein Herz ein, damit es die Richtschnur aller meiner Schritte und Gedanken, aller meiner Worte und Werke und meines ganzen Lebens werde, damit ich Dir nachahme, Dir gehorche und Dich liebe hier auf Erden, um Dir einst zu folgen zur ewigen Freude und Liebe in das selige Vaterland des Paradieses. Zum Credo, ( wenn eines gesprochen wird). Ich glaube und bekenne im Angesichte des Himmels und der Erde alle Wahrheiten, welche die heilige Kirche in Deinem Namen mir vorschreibt, weil Du, die untrügliche Urwahrheit, fie ihr geoffenbaret hast. Aber ich weiß, o Herr, daß der Glaube ohne gute Werke nicht genügt. Gib mir daher einen lebendigen Liguori, Besuchungen c. 14 210 Glauben, der es bewirke, daß ich die Wahrheiten, die ich glaube, auch in der That ausübe und zur Seligkeit gelange. Zum Dominus vobiscum. Bleib immer bei uns, o Herr, und laß nie zu, daß wir uns durch die Sünde von Dir trennen. Zur Aufopferung der Hoffie. O allerheiligster Vater, allmächtiger und ewiger Gott, ich bete Dich an und bringe Dir mit dem Briester dieses Opfer dar zur Ehre Deiner Majestät; zum Danke für alle Wohlthaten, die Du mir und allen Menschen erwiesen haft; zur Genugthuung für meine und aller Menschen Sünden. Auch bitte ich Dich durch eben dieses Opfer, daß Du die Sünder und Ungläubigen zu Dir be fehren und nie aufhören mögest, uns mit Deinen Wohlthaten zu überhäufen, bis wir zur Vollendung Deiner Herrlichkeit in den Himmel eingehen. Zur Aufopferung des Kelches. Ach, lieber Jesus, der Du dem himmlischen Vater zur Genugthuung für meine 211 Sünden Dein kostbares Blut hast vergießen wollen, erzeige mir die Gnade, mit demselben mein Herz von den häßlichen Flecken meiner Sünden zu waschen, damit ich es Deinem himmlischen Vater rein darbringen könne im Vereine mit Deinen Verdiensten. Zur Händewaschung. Wasche, o Gott, meine Seele rein von jedem Flecken der Sünde, während ich diese aufrichtig bereue; und bewahre sie vor Dir stets rein und makellos. Jum Orate Fratres. Nimm gnädig auf, o Herr, das Opfer, welches ich Dir darbringe mit meinem Herzen, meiner Mühsal und mit mir selber im Vereine mit dem Opfer Jesu Christi; und gib, daß ich mein ganzes Leben Deinem Dienste weihe. Zum Sursum Corda. Allmächtiger Vater, ewiger, heiliger Gott und Herr, mein Herz sehne sich stets nach Dir, o wahre Quelle jeglichen 14* 212 Gutes, und meine Zunge höre nie auf, Dir zu danken für alle Wohlthaten, welche ich von Dir empfangen habe, damit ich dann einst meine Danksagungen fortsegen könne mit den heiligen Engeln in der ewigen Glückseligkeit. Zum Sanctus. Du bist heilig, o Gott, und ich bin ein Sünder. Der ganze Himmel und die Erde sind voll von Dir, nur mein Herz ist leer. Erfülle es mit Dir selber durch Deine Gnade, o Herr! Zur Erinnerung an die Lebendigen. Mache mich, o Herr, durch Deine Barmherzigkeit der Früchte dieses hei ligen Opfers theilhaftig. Auch empfehle ich Dir die Ausrottung der Keßereien, Eintracht unter christlichen Mächten und die Erhöhung der heiligen Kirche. Laß Dir auch anbefohlen sein den heiligen Bater, der unser geistlicher Hirt ist, so wie, wer im Zeitlichen uns regieret; auch bitte ich für meine Familie, meine Eltern, Freunde, Wohlthäter, das Bater land, den Staat und für diejenigen, 213 welche in mein Gebet wollen eingeschlossen sein und auch für mich beten. Endlich laß Dir anbefohlen sein das christliche Volk, damit einst alle durch die Kraft diejes göttlichen Opfers an jeglicher Gnade reich mit mir selig sein können im ewigen Leben. Zum ftillen Gebete des Priesters. Durch dieses Opfer erkenne und bekenne ich den Dir schuldigen Gehorsam und die gänzliche Abhängigkeit von Dir, o wahrer, lebendiger und ewiger Gott! Und da ich durch Deine Gnade mich in der Gemeinschaft der katholischen Kirche befinde, und die allzeit glorreiche Jungfrau Maria verehre, die Mutter Gottes, unsers Erlösers Jesu Christi mit den heiligen Aposteln, Märtyrern und allen andern Heiligen; so bitte ich Dich, Du wollest mir durch ihre Verdienste und ihre Fürbitte gnädigst Deinen Schuß und Deine Hilfe verleihen und bewirken, daß aus meinen Augen reichliche Thränen der Reue fließen für meine und meines Nächsten Cünden: Du wollest mich auch meine Tage in Deinem Frieden hinbringen 214 lassen, mich von der ewigen Verdammniß befreien und mich aufnehmen unter die Zahl Deiner Auserwählten durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Zur Aufhebung der heiligen Hoffie. Jesus, Du Opfer unserer Versöhnung und unseres Heils, an Dich glaube ich, ich bete Dich an, und lade alle Kreaturen des Himmels und der Erde ein, Dich mit mir anzubeten und Dir zu danken. Zur Anfhebung des Kelches. Jesus, ich bete in dem Kelche Dein fostbarstes Blut an, das Du am Kreuze für unser Heil vergossen hast. Ach, schütte nun die Früchte davon über uns aus mit der Fülle Deiner Gnade, und heilige uns. Zur Erinnerung an die Verstorbenen. O Herr, Leben der Lebenden, Hoff nung der Sterbenden, Heil Aller, die auf Dich vertrauen, verleihe durch die Verdienste dieses Opfers auch den Seelen 215 im Fegfeuer bald ewige Ruhe unter den Seligen im Himmel; diejenigen seien Dir hauptsächlich empfohlen, o Herr, denen ich am meisten verbunden bin. Zum andern fillen Gebete des Priesters. Durch das unendliche Verdienst dieses anbetungswürdigen Opfers flehe ich Dich an, o Herr, habe Mitleid und Barmherzigkeit mit mir armen Sünder, der ich all mein Vertrauen auf die Fülle Deiner göttlichen Gnade setze. Laß mich eingehen in die Gemeinschaft Deiner heiligen Apostel, Märtyrer und aller Heiligen im Himmel, durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi unseres Herrn, welcher lebt und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Pater nofter. Vater unser, der Du bist in dem Himmel, geheiliget werde Dein Name, zukomme uns Dein Reich der Gnade hienieden und des Ruhmes jenseits; Dein Wille geschehe auf Erden eben so vollkommen, wie im Himmel von Deinen heiligen Engeln; gib uns heute die nö 216 thige Hilfe Deiner Gnade und Vorseh ung; vergib uns unsere Sündenschuld, wie auch wir aus Liebe zu Dir unsern Beleidigern vergeben; sei unsere Stüße in den Gefahren und Versuchungen; und erlöse uns endlich von allem Uebel. Amen. Zum Agnus Dei. O Du Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt, habe Barmherzigkeit mit mir armen Sünder, und gib mir den wahren Frieden, den Du allein geben kannst, den Frieden des Gewissens, den Frieden mit Dir und den Frieden mit meinem Nächsten. Zum Domine, non sum dignus. ( Hier verrichtet man die heilige Kommunion im Geiste.) O mein Jesus, mein Gott, einziges und höchstes Gut meiner Seele, o könnt ich doch auch das Loos so vieler Seelen theilen, welche voll Reinheit und Glauben sich Dir mit Andacht nähern und sich täglich an Deinem Himmelsbrode laben! Ich bitte Dich um Verzeihung wegen aller Sünden, die mich dessen unwürdig 217 machen und die ich auch verachte und verabscheue; es schmerzt mich im Innersten meines Herzens, daß ich Dich, mein einz ges und höchstes Gut, betrübt habe. In Zukunft will ich lieber sterben, als Dich je wieder beleidigen. Nimm darum mein aufrichtiges Verlangen gnädig an, mich mit Dir im Geiste in diesem Sakramente der Liebe zu vereinigen. Sieh ein in mein Herz, liebster Jesus, mit Deiner Gnade und vertilge in mir die Liebe zur Welt und zu ihren falschen Gütern; erfülle mich ganz mit Deiner Liebe und sebe mich in den Stand, Dich sobald als möglich im heiligen Liebesmahl zu empfangen, damit ich, ganz von Deinem Geiste beseelt, nur noch von Dir und für Dich lebe, um dann auch ewig bei Dir in den himmlischen Freuden zu weilen. Zum Schlusse der heiligen Messe. Allmächtiger Gott, heiligste Dreifal tigkeit, Vater, Sohn, und heiliger Geist, wie vielen Dank bin ich Dir schuldig, daß Du mich zu diesem großen Opfer zugelassen hast! Vergib mir meine Unachtsamkeit; bewahre in mir die Früchte 218 desselben mit lebendigem Glauben, fester Hoffnung und vollkommener Liebe, und verleihe mir gnädig Deinen Segen, jest, im Tode und am Tage des Gerichtes. Füge dann noch folgendes Gebet an den gefreuzigten Heiland bei, welches auch als Danksagung und Aufopferung nach der heiligen Messe dienen kann. I. Was soll ich Dir geben, o Herr, für Alles, was Du mir gegeben haft? Wie soll ich so viele Wohlthaten erwidern, die Du mir verliehen haft? Was soll ich Dir darbringen für Deine große Barm herzigkeit? wie undankbar bin ich gegen Dich gewesen, mein freigebigster und mitleidigster Wohlthäter! Ich werfe mich demüthig vor Dir nieder, und bitte Dich um Barmherzigkeit. Verzeih mir gnädig und rette mich durch Deine unendliche Sanftmuth. Zur Vergebung meiner Sünden und als Danksagung für die empfangenen Wohlthaten opfere ich Dir, o janster Jesus, jene unendliche Liebe auf, mit welcher Du, o Gott der unbe grenzten Erhabenheit, es nicht verschmäht hast, aus Liebe zu uns Mensch zu werden, 219 und auf dieser Welt dreiunddreißig Jahre zu leben unter vielen Drangsalen, Verfolgungen, Widersprüchen, Mühsalen und Anstrengungen. Ich opfere Dir auf jene Todesangst und jenen Blutschweiß, als Du dort im Garten auf der Erde knietest und zum Vater betetest. Ich opfere Dir auf Dein brennendes Verlangen zu leiden, als Du Dich freiwillig Deinen Feinden in die Hände liefertest. Ich opfere Dir auf Deine Gefangennehmung, die Schmähungen, Backenstreiche, Anspeiungen nebst allen anderen Qualen, welche Du im Hause des Annas, Kaiphas und Herodes unsertwillen für unsere Sünden gelitten hast. Alles dieses opfere ich Dir auf, und flehe Deine unendliche Güte an, daß Du um Deiner Verdienste willen mir meine Sünden vergeben, meine Seele reinigen und mich endlich in das ewige Leben einführen mögest. II. Ich opfere Dir auch noch auf, o füßer Jesu, die unvergleichlichste Demuth und Geduld, die Du bewiesest, als Du im Richthaus des Pilatus den Barabbas nachgesetzt, gegeißelt und mit Dornen ge 220 frönt, und zu größerer Schmach mit Purpur bekleidet und mit Backenstreichen und Anspeiungen in's Gesicht beschimpft wurdest. Ich opfere Dir auf Deine Müdigkeit, Deine schmerzhaften Schritte und die schwere Kreuzeslast, die auf Deine zarten Schultern aufgelegt wurde. Ich opfere Dir den Durst auf, der Dich quälte, und den bittern Trank von Galle, der Dir dargebracht wurde, nebst so vielen, andern Leiden, die Du mit so sanftmüthigem Herzen erduldetest. Alles dieses opfere ich Dir auf zugleich mit meinem höchsten Danke, den ich Dir darbringen fann, und ich bitte Dich bei Deinem Erbarmen, daß Du um dieser Deiner Verdienste willen mir meine Sünden vergeben, meine Seele reinigen und mich endlich in das ewige Leben einführen mögest. III. Ich opfere Dir auch noch auf, o sanfter Jesus, die bittern Schmerzen, welche Du littest, als Deine göttlichen Hände und Füße an das heilige Kreuz geheftet wurden, und als Dein kostbares Blut wie Ströme aus Deinen Wunden herab 221 kostbare floß. Ich opfere Dir dieses Blut auf, von welchem ein einziger Tropfen hinreichte, meine und der ganzen Welt Sünden auszulöschen. Ich opfere Dir auf die Güte und Sanftmuth, womit Du die Schmähungen und die Verachtung jener Bösewichter ertrugft, welche Dich mit Kopfschütteln verspotteten, während Du für sie zum Vater flehtest, daß Er ihnen vergeben möge. Ich opfere Dir auf alle jene schweren Qualen, welche Du erduldetest, als Du verlassen und jedes Trostes beraubt zwischen den beiden Schächern Dein Haupt neigteſt und Deine heiligste Seele am Kreuze aushauchtest, nachdem Du Deinen Geist in Demuth und Ehrfurcht Deinem Vater empfohlen hattest. Auch opfere ich Dir jenes tostbare Blut und heilsame Wasser auf, welches aus Deiner heiligen Seite floß, nachdem sie von dem Stiche einer Lanze durchbohrt war. Alles dieses opfere ich Dir auf zugleich mit meinem höchsten Danke, welchen ich Dir darbringen kann, und ich bitte Dich, daß Du um dieser Deiner unendlichen Verdienste willen mir meine Sünden vergeben, meine Seele reinigen und mich 222 endlich in das ewige Leben einführen mögest. Darum flehe ich Dich an, der Du lebest und regierest mit dem Vater und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Beicht- und KommmunionAndacht. Beicht- Andacht. Vorbereitung zur heiligen Beicht. Hiezu wird erfordert: 1) die Gewissens- Erforschung; 2) Reue über die Gott zugefügten Beleidigungen; 3) der Vorsatz, Shn tünftig nicht mehr zu beleidigen; 4) die Beichte vor einem dazu verordneten Priester; 5) der aufrichtige Wille, wahre Buße zu thun und der göttlichen Gerechtigkeit für die begangenen Sünden Genugthuung zu leisten. Gebet vor der Gewissenserforschung. Hier bin ich nun wieder zurückgekehrt, o himmlischer Vater, von dem unglücklichen Wege meiner Verirrungen; ich komme, um vor Deiner erhabensten 224 Majestät den gebührenden Boll meiner Anbetung, Verehrung und Unterwürfigfeit darzubringen, um mich vor Deiner Erhabenheit und Barmherzigkeit auf die Kniee zu werfen, damit ich Deine Gnade wieder erlangen könne. Ach! weise nicht von Dir, o mein Gott, mich armen Sünder, der von Dir Deine Milde erflehet. Ach! schenke mir Dein Erbarmen. Gib mir die Einsicht, ich bitte Dich, meine Undankbarkeit und meine Sünden zu erkennen, wie Du sie am Tage des Gerichts offenbaren wirst, und verleihe mir die Gnade, sie mit lebhaftem Schmerze zu verabscheuen und sie mit demüthiger Aufrichtigkeit zu beichten, damit ich von Dir Vergebung erhalten könne. Darum bitte ich Dich denn auch in tiefster Demuth, und hoffe sie von Deiner Barmherzigkeit zu erlangen, durch die unendlichen Verdienste Deines Sohnes Jesu Christi, meines liebreichsten Erretters und Erlösers. Heilige Maria, meine süße Hoffnung und sichere Zuflucht der Sünder, mein Schußengel, Heiliger meines Namens, meine heiligen Schutz- Patrone, alle Engel und Heilige des Paradieses, bittet für 225 mich, ich flehe euch darum an, und bewirket mir vom Herrn Hilfe und Barmherzigkeit, auf daß ich würdige Früchte der Reue bringen möge. Hierauf spricht man andere Gebete, je nach der besonderen Andacht, zu der seligsten Jungfrau, zum heiligen Schutzengel, zum Namens- Heiligen und zu allen andern Heiligen, um ihren Beistand zu erflehen. Gewiffenserforschung. Gedanken. Brüfe dich, ob du in Gedanken gefündigt hast gegen die Züchtigkeit, den Glauben, die Liebe; durch vermessenes Urtheil über deinen Nächsten; durch absichtliche Nahrung von Haß, Neid und bösem Willen gegen ihn; durch Stolz, Eitelkeit, Mißtrauen, Eigendünkel; durch größere Liebe zur Welt, als zu Gott und deiner Seele u. s. w. Worte. Prüfe dich, ob du den Namen Gottes und der Heiligen unehrerbietig ausgesprochen hast; ob du dir vorzuwerfen haft Lügen, Gotteslästerungen, Meineide, un Liguori, Besuchungen 2c. 15 226 züchtige Worte und Lieder, Verleumdungen, Verwünschungen, Zwietracht und Aergerniß u. dgl. Werke. Prüfe dich, ob du befördert haft Zorn, Mißhelligkeit, Rache, Haß, schlechten Umgang, Geiz, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, Unsittsamkeit, Unzucht u.s. w.; ob du Träumen und Aberglauben vertraut, schlechte Bücher gelesen oder ver breitet hast; ob du die Zeit übel ange wendet, deinem Berufe schlecht gewartet, Gesundheit und Vermögen vergeudet hast; ob du deinem Nächsten an der Seele, dem Leben, Vermögen, an Ehre und gutem Namen geschadet hast; ob du irgend sonst etwas gegen die Gebote Gottes oder der Kirche verübet hast. Unterlassung guter Werke. Prüfe dich, ob du die schuldige Ehr erbietung der Kirche, Aufmerksamkeit beim Gebete und der heiligen Messe, Verlangen nach den heiligen Sakramenten nicht bewiesen hast; ob du deine Werke und Arbeiten des Tages dem Herrn nicht aufgeopfert, die Feiertage nicht geheiliget 227 gure Gedanken, Gebet, das Wort Gottes, die Sakramente vernachlässiget haft; ob du die Versprechungen in der Taufe, die Reue und die von dem Beichtvater dir auferlegte Buße nicht erfüllt hast; ob du keine Liebe zum Nächsten, keine Unterwürfigkeit gegen deine Obern, keine Aufmerksamkeit auf die Pflichten deines Standes als Vater, Mutter, Hausherr, Knecht, Sohn, Kaufmann, Taglöhner, Verwalter u. s. w. gehabt haft; ob du endlich dir keine Mühe gegeben hast, dich von deinen Gewohnheitssünden zu reinigen, und auf dem Wege des Heils vorwärts zu schreiten. Betrachtungen zur Erweckung der Rene über die begangenen Sünden. Meine Seele, betrachte doch nur, was du gethan hast durch deine schweren Sünden. Unglückliche! Du hast den Frieden und das reine Hochzeitkleid der Unschuld verloren. Du hast den ewigen Tod verdient. Du hast Dich in die Leibeigenschaft des Satans begeben, in dessen Armen du dich jetzt befindest. Du hast 15* 228 die schöne und süße Freundschaft deines Gottes verloren, den du, Undankbare, aus deinem Herzen verbannt hast. Du haft seine Güte und unendliche Sanftmuth betrübet und beleidiget. Du hast seine Gerechtigkeit verachtet, deren Blizze und Züchtigungen du nun verdienest. Du hast seine Ehre vernachläffiget. Du haft seine Belohnungen verloren und das für seinen Fluch im Leben, im Tode und in der Hölle für immer verdienet. Du haft das anbetungswürdige Blut seines göttlichen Sohnes Jesus Christus ent heiliget. Sieh, meine Seele, die traurigen Wirkungen deiner Sünden, welche du in deiner Blindheit begangen hast um elenden Vortheils, rohen Vergnügens und um vorübergehender Befriedigung willen. Wohlan, meine Seele, wasche ab diese Matel mit deinen Thränen; verabscheue so großen Undank, den du dir hast zu Schulden kommen lassen gegen deinen so gütigen Vater; verachte deine Auflehnungen und Treulosigkeiten gegen deinen so sanftmüthigen und wohlthätigen Herrn und Meister. Erbarmen, Erbarmen, mein guter Bater, mein Gott, mein Herr, mein unendliches Gut, mein 229 Alles, Erbarmen über mich armen vom Wege des Heils Verirrten! Jeßt bereue ich es, daß ich Dich beleidigt habe; denn jetzt liebe ich Dich über Alles. Ja, ich liebe Dich, mein höchstes Gut, und will Dich immer lieben; ich verspreche Dir und bin bereit, lieber Alles zu leiden und zu verlieren, als Dich mit der geringsten Sünde je wieder zu beleidigen. Reue. Barmherzigkeit, o mein Gott, ich bereue es aus dem Grunde meines Herzens, daß ich Dich mit meinen Sünden so sehr beleidigt habe; es thut mir leid und ich bereue es, o Herr, daß ich Deine Gnade und das Paradies verloren und Deinen ewigen Fluch unter Qualen der Hölle verdient habe; aber unendlich mehr schmerzen mich meine Sünden und thun mir leid, unendlich mehr bereue ich sie und erröthe darüber, weil ich Dich, die höchste Güte und Majestät, würdig über Alles geliebt zu werden, so dreist beleidigt habe. O unglückselige Tage, welche ich so übel in der Beleidigung meines Gottes und der Verdammung meiner Seele zugebracht habe! Wäre ich doch eher ge 230 storben, als daß ich ein so großes Uebel begangen hätte! Im Vertrauen auf Deine Gnade verspreche ich Dir, Dich nie mehr zu betrüben und alle Gelegenheiten zur Sünde zu meiden, weil ich Dich über Alles liebe und fest entschlossen bin, Dich immer zu lieben, koste es, was es wolle. Gebet. mein Gott, der Du mit so großer Güte den reumüthigen verlornen Sohn wieder aufgenommen, dem Zöllner seine Veruntreuungen, der Magdalena ihre Ausschweifungen und Aergernisſe, dem Schächer am Kreuze seine Missethaten mit so großer Barmherzigkeit verziehen hast, hab' auch Mitleid mit mir und verleih mir gnädig, daß ich in diesem Saframente meine Seele mit dem Blute Jesu Christi von jeder Makel der Sünde rein wasche. Nimm mich wieder auf in Deine Freundschaft und bewahre mich darin, auf daß ich in Gemeinschaft mit jenen Bußfertigen im Himmel Deine Barmherzigkeit ewig preisen möge. Da rum flehe ich Dich an in aller Demuth, und solches hoffe ich von Deiner unend 231 lichen Güte und durch die Verdienste meines Heilandes Jesu Christi. Ein anderer Akt der Rene. Mein gekreuzigter Jesu, sieh mich hier zu Deinen Füßen, zugleich mit der reumüthigen Maria Magdalena; ich umfasse Deine allerheiligsten Wunden, und mit Thränen in den Augen bitte ich in aller Demuth um Verzeihung für meine Sünden. Ach! was habe ich gethan! was habe ich doch nur gethan! Ich elendes Geschöpf habe es gewagt, Dich, o unendliche Majestät, zu beleidigen. Nachdem ich so viele und so große Wohlthaten von Dir empfangen, habe ich das Herz gehabt, Dich zu betrüben, o mein Schöpfer, mein Wohlthäter, mein Erlöser, der Du für mich am Kreuze gestorben bist. Ich hätte nicht den Muth gehabt, einen lieben Freund zu beleidigen oder ein unschuldiges Lamm zu schlagen, und ich habe es gewagt, einen so liebreichen Gott noch einmal zu freuzigen! Judas hat Dich nur einmal verrathen, und ich tausend und tausend Mal, und dieß nur aus Leichtsinn; ich habe so oft ein ganz elendes Geschöpf Dir vorgezogen. 232 Gott, was hab' ich gethan! Warum sterbe ich nicht zu Deinen Füßen aus lauter Schmerz! Warum zerspringt mir nicht das Herz aus großer Reue; Undankbarer, der ich war! Ich weiß nicht, warum mich der Bliß des Himmels nicht zermalmt; warum die Erde sich nicht öffnet, um mich zu verschlingen! Nicht dieß schmerzt mich so unendlich, daß ich durch meine Sünden das Paradies verloren und die Hölle verdient, sondern daß ich Dich, o mein Gott, mein höchstes und liebenswürdigstes Gut, beleidigt habe. süßester Jesus, das Uebel ist schon geschehen, und ich würde es mit allem Blute meiner Adern auslöschen. Aber was soll ich jetzt thun? Wisse, daß zu Deinen Füßen ein Abgrund des Elendes steht, um den Abgrund Deiner Barmherzigkeit anzuflehen. Du bist da mit ausgespannten Armen und offener Seite, um die reumüthigen Sünder aufzunehmen. Ach weise mich nicht von Dir ab, wie ich es nur allzusehr verdiene; sondern vergib mir. Vergebung, o mein Gott, Vergebung! Unendliche Güte Gottes, so oft von mir beleidiget, Vergebung, o göttliche Gerechtigkeit, von mir nicht gefürch 233 tet, Vergebung! Göttliche Geduld, von mir so oft mißbraucht, Vergebung! Verflucht seist du Sünde, Ursache so großen Ulebels; ich verachte, verabscheue, hasse dich und fasse den festen Entschluß, dich nicht mehr zu beleidigen. Ich wiederhole auch eben so fest die Worte, welche die selige Katharina von Genua sprach, als sie den leidenden Jesus mit dem Kreuze auf der Schulter sah: Meine Liebe, keine Sünde mehr; eher den Tod, ja, tausendmal den Tod leiden, als wieder sündigen. Meine Liebe, teine Sünde mehr in Ewigkeit. Litanei zur Erweckung der Rene. Herr, erbarme Dich meiner! Christe, erbarnie Dich meiner! Herr, erbarme Dich meiner! Christe, höre mich! Christe, erhöre mich! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich meiner! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist. *) Erbarme dich meiner! 234 Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich meiner! Du, der Du Deine Allmacht und Güte leuchten lasseft durch Vergebung der Sünden,*) Du, der Du so geduldig die Bekehrung der Sünder abwarteſt, Du, der Du sie so liebreich zur Buße einladeſt, Du, der Du so große Freude bei ihrer Bekehrung empfindeſt, Weil ich gesündigt habe, schmerzt es mich vom Herzen, o Gott! Weil ich so oft und schwer gesündigt habe,**) Weil ich in Gedanken, Worten und Werken gesündiget habe, Weil ich mit Vorbedacht und Vermessenheit gesündiget habe, Weil ich mit großer Ausgelassenheit Deine heiligen Gebote übertreten habe, Weil ich Deine Gerechtigkeit nicht ge fürchtet habe, Weil ich Deine Liebe und Freundschaft verachtet habe, *) Erbarme Dich meiner! **) Schmerzt es mich vom Herzen, o Gott! 235 Weil ich Deine Barmherzigkeit, Güte und Geduld mißbraucht habe, schmerzt es mich von Herzen, o Gott! Weil ich mit meinen Sünden die Wunden und Schmerzen Deines göttlichen Sohnes, meines Erlösers Jesu Christi, wieder erneuert habe,*) Weil ich in diesem und jenem Leben Deine gerechten Vorwürfe verdient habe, Aber noch mehr und vor Allem um Deiner selbst willen, weil ich gegen Dich, unendliches Gut, undankbar gewesen bin, Weil ich Dich, grenzenlose Güte, beleidiget habe, Weil ich Dir, unerschöpfliche Barmherzigkeit, mißfallen habe, Weil ich Dich, o sanftester Bater, zum Born gereizt habe, Weil ich mich gegen Dich, o erhabenster Herr und liebreichster Vater, aufgelehnt und auf die Seite des Satans gestellt habe, Weil ich Dich, den ich nun aufs Höchste schäße, verachtet habe, *) Schmerzt es mich von Herzen, o Gott! 236 Weil ich Dich, den ich nun über Alles chre und liebe, beleidiget habe, schmerzt es mich von Herzen, o Gott! Im Vereine mit jenem innigsten Schmerze, welchen alle Büßenden gehabt haben,*) Im Vereine mit jenem äußersten Abscheu, welchen die heilige Jungfrau bei jeder, auch der kleinsten Sünde empfunden hat, Im Vereine mit jenem unbegreiflichen Schmerze, welchen Dein göttlicher Sohn im Garten von Gethsemane über meine und der ganzen Welt Sünden im Innersten seines Herzens empfunden hat. Gebet. Mein Gott, dessen Natur Barmherzigkeit und Verzeihung ist, ach, sieh nicht auf die Menge und Bitterfeit meiner Sünden und meines Undankes, sondern auf die Größe Deiner Barmherzigkeit. Wende nicht ab Deinen gütigen Blick von diesem meinem reumüthigen und zerfnirschten Herzen, welches mit Deiner Hilfe entschlossen ist, sich zu bessern, alle *) Schmerzt es mich von Herzen, o Gott! 237 Gefahren und bösen Gelegenheiten zu fliehen, alle Anreizungen zur Sünde von sich zu stoßen und lieber zu sterben, als Dich von Neuem mit einer einzigen auch nur der geringsten Sünde zu beleidigen. Züchtige mich, o guter Vater, wie es Dir gefällt, weil ich Alles verdient habe; aber wolle nicht, ich bitte Dich durch die Verdienste Deines geliebtesten Sohnes, welcher für mich am Kreuze starb, wolle nicht auf immer mich aus Deinem Anblicke verdammen und mir nicht die Gnade versagen, noch würdige Früchte der Buße bringen zu können. Steh mir bei, auf daß auch ich einst im Vereine mit allen heiligen Büßenden dort oben im Himmel Deine Barmherzigkeit für immer loben und preisen möge. Amen. Gebet zur seligsten Jungfrau und zu den Heiligen. O glorreichste Jungfrau Maria, Mutter Gottes, Zuflucht der Sünder, stehe mir bei mit deiner mächtigen Fürsprache; erlange mir eine vollkommene Reue über meine Sünden; lege mich armen Sünder zu den Füßen deines göttlichen Sohnes 238 Jesu Christi und bitte Ihn, daß er aus Liebe zu dir mir die Gnade verleihen möge, eine gute und heilige Beicht zu verrichten. Mein Schußengel, meine heiligen Schußpatrone, alle Engel und Heiligen des Paradieses, steht mir bei und erfleht mir von unserm göttlichen Erlöser die Gnade, diese Beicht mit wahrer Reue zu verrichten, als ob sie die letzte meines Lebens wäre, und durch sie vollkommenen Ablaß und Verzeihung meiner Sünden zu erlangen. Amen. Gebet nach der Beichte. Ich danke Dir, o mein Gott, für die große Wohlthat, daß Du mich zum Saframente der Buße zugelassen und mir Vergebung meiner Sünden gewährt haft, wie ich es von Deiner göttlichen Barmherzigkeit hoffe. Bestätige, o Herr, die Vergebung im Himmel, welche ich von Deinem Diener hier auf Erden empfangen habe. Ich verabscheue neuerdings alle meine Sünden, weil ich Dich, mein höchstes und einziges out, einer unendlichen Liebe und eines unendlichen Gehorsams würdig, beleidigt habe. Ich 239 erneuere in Deiner Gegenwart die heiligen Vorsäge, die Du mir eingeflößt haft und die Versprechungen, die ich gethan habe, Dich immer zu lieben, zu ehren und Deinen Geboten zu gehorchen. Befestige, o mein Gott mit Deiner mäch tigen Gnade diese Vorsäße und diese Versprechungen; unterstüße meine Schwäche und beschüße mich vor den Versuchungen meiner Feinde. Sieh meine Unwürdigkeit nicht an, ich bitte Dich, sondern blicke auf Deinen eingebornen Sohn Jesus Christus, meinen Mittler und Erlöser; sieh an seine Wunden und ſein kostbares, für mein Heil vergossenes Blut. In seinem Namen und durch seine unendlichen Verdienste höre, o gütigster Vater, auf meine Stimme; erhöre mein Gebet; heilige und errette meine Seele. Heilige Maria, alle Engel und Heiligen des Paradiejes, danket für mich meinem Gott für seine so große Barmherzigkeit, und erlanget mir im heiligen Liebesmahl Beharrlichkeit und Wachsthum im Guten. 240 Kommunion- Andacht. Vorbereitung zur heiligen Kommunion. Der Erlöser, sagte der heilige Franz von Sales, fann in feiner Handlung liebreicher und zärtlicher gedacht werden, als in der heiligen Kommunion, in welcher Er sich, so zu sagen, vernichtet und in Speise verwandelt, um sich mit dem Herzen und dem Leibe seiner Getreuen zu vereinigen. Darum sagt auch der gelehrte Gerson, daß es fein wirk sameres Mittel gibt, in der Seele Andacht und heilige Liebe zu Gott zu entzünden, als die heilige Kommunion. Und in Wahrheit, wenn wir von etwas Gott Angenehmem sprechen, was fann eine Seele Ihm Angenehmeres er weisen, als die heilige Kommunion empfangen? Die Liebe, so lehrt der heilige Dionys, trachtet vor Allem nach vollkommener Vereinigung; welche größere Vereinigung nun fann eine Seele mit Jesus eingehen, der da sagt: ,, Wer Mein Fleisch ist und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm." Jos hannes 6, 57. Der heilige Augustin 241 sagt:„ Wenn du täglich dieses Sakrament empfängst, so wird Jesus immer mit dir sein, und du wirst stets in der göttlichen Liebe wachsen." Wenn wir dann von der Heiligung unserer geistigen Schwächen reden, welches größere Mittel können wir finden, als die heilige Kommunion, die vom heiligen Konzilium zu Trient genannt wird:„ Ein Heilmittel, wodurch wir von der täglichen Schuld befreit und vor Todsünden bewahrt werden?" " Woher kommt es," fragt der Kardinal Bona, daß man bei so häufigem Empfange der heiligen Kommunion an so pielen Seelen gar keine Wirkung, sondern immer die gleichen Fehler wahrnimmt?" Er antwortet: Der Fehler liegt nicht an der Speise, sondern an dem, der sie empfängt."" Kann auch Jemand," sagt Salomon. Feuer in seinem Busen verbergen, ohne daß seine Kleider brennen?" Sprüch. Sal. 6, 27. Gott ist das Feuer, welches verzehrt. Er selbst fommt in der heiligen Kommunion, dieses göttliche Feuer anzuzünden; und wie kann man nun, sagt Wilhelm von Paris,„ das teuflische Wunder sehen, daß Liguori, Besuchungen 2c. 16 242 inmitten so großen Feuers die Seelen talt bleiben in der göttlichen Liebe?" Alles kommt von der wenigen Empfänglichkeit und insbesondere von der geringen Vorbereitung. Das Feuer entzündet plößlich das trockene Holz, aber nicht das grüne; denn dieses ist nicht empfänglich für's Brennen; darum haben die Heiligen einen großen Vortheil von dem häufigen Empfange der heiligen Kommunion gehabt; denn sie bereiteten sich sorgfältig darauf vor. Der heilige Aloys von Gonzaga verwendete drei Tage auf die Vorbereitung zur heiligen Kommunion und dann wieder drei Tage, um dem Herrn dafür zu danken. Eine Seele muß zur Vorbereitung auf die heilige Kommunion vor Allem zwei Dinge haben: Eine große Verach tung gegen alle irdischen Dinge, und eine große Begierde, in der göttlichen Liebe zu wachsen. Fürs Erste also muß die Seele jede Hoffnung aufgeben und Alles aus dem Herzen verbannen, was nicht auf Gott hinweiset. Wer gewaschen ist, bedarf nicht mehr, als daß er die Füße wasche, so ist er ganz rein. Joh. 13, 10. Dieß 243 sind die Worte Jesu Christi, welche nach der Erklärung des heiligen Bernhard so viel bedeuten als: Wenn man dieses Sakrament mit großer Frucht empfangen will, so muß man nicht bloß von den schweren Sünden, sondern auch an den Füßen, das heißt, von irdischen Begierden rein gewaschen sein, welche eben, weil sie an die Erde fesseln, Gott mißfallen, die Seele beflecken und die Wirkungen der heiligen Kommunion verhindern. Die heilige Gertraud fragte den Herrn, welche Vorbereitung für die heilige Kommunion Er von ihr verlange, und der Herr antwortete ihr: Keine andere, als daß du, frei von dir selber, Mich empfangest." Fürs zweite muß man bei der heiligen Kommunion eine große Begierde haben, Jesus Christus und seine heilige Liebe zu empfangen. Bei diesem heiligen Gastmahle, sagt Gerson, werden nur die Hungrigen gesättigt; und früher sagte die heilige Maria: Er hat die Hungrigen mit Gütern überhäuft. Der ehrwürdige Bater M. Avila schreibt: So wie Jesus Christus nicht eher auf die Welt kam, -16* 244 als bis man eine große Sehnsucht nach Ihm hatte, so kommt Er auch nicht zu der Seele, welche sich nicht nach Ihm sehnet; denn es ist nicht nöthig, daß man eine solche Speise demjenigen reicht, welcher nicht nach ihr verlangt. Der Herr sprach einst zu der heiligen Mechtild: Es gibt keine Biene, welche mit ebenso großer Begierde auf die Blumen fliegt, um den Honig daraus zu saugen, als ich aus inniger Liebe zu den Seelen komme in der heiligen Kommunion. Wenn also Jesus Christus ein so großes Verlangen hat, in unsere Seele zu kommen, so ist es billig, daß auch wir eine so große Sehnsucht haben, Ibn und seine göttliche Liebe in der heiligen Kommunion zu empfangen; denn der heilige Franz von Sales lehrt uns, daß die vorzüglichste Absicht einer Seele bei der heiligen Kommunion die sein müsse, indem sie denjenigen aus Liebe empfangen müsse, der sich allein aus Liebe uns hingibt. Litanei zur Erweckung des Glaubens vor der heiligen Kommunion. Herr, erbarme Dich meiner! Christe, erbarme Dich meiner! Herr, erbarme Dich meiner! Christe, höre mich! Christe, erhöre mich! 245 Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich meiner! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du, der Du nicht täuschen kannst, da Du die ewige Wahrheit und höchste Güte bist, Du, der Du nicht getäuscht werden kannst, da Tu die unendliche Weisheit biſt, Du, der Du Deine Kirche auf eine unerschütterliche Säule der Wahrheit gegründet und ihr den fortwährenden Beistand des heiligen Geistes verheißen hast, Daß Du ein sehr gerechter Richter bist, *) Erbarme Dich meiner! 246 der das Gute belohnet und das Böse bestrafet, glaube ich fest, o mein Gott! Daß Dein göttlicher Sohn Mensch ge worden und am Kreuze für das Heil der Welt geſtorben ist und für unsere Seelen im allerheiligsten Altarssakramente sich selbst als Speise hingegeben hat,*) Alles, was Du uns in der heiligen Schrift geoffenbaret hast, Alles, was die heiligen Apostel geprediget haben und was unsere heilige Mutter, die katholische Kirche, uns zu glauben lehret, Alle geschriebenen und nicht geschriebenen Glaubensartikel, Ohne irgend ein Baudern oder einen Zweifel, Mit gänzlicher Unterwürfigkeit meines Verstandes, Mit vollkommener Zustimmung meines Willens, Wegen Deines höchsten Ansehens, Deines untrüglichen Wortes und Deiner ewigen Wahrhaftigkeit, Auch den stärksten Versuchungen gegen den Glauben zum Troße, *) Glaube ich fest, o mein Gott! 247 Wenn ich darum auch verfolgt werden sollte, glaube ich fest, o mein Gott! Wenn ich darum auch all' mein Vermögen verlieren sollte,*) Wenn ich darum auch mein Leben hingeben müßte, Im Vereine mit jenem lebendigen Glauben, welchen alle Gerechten hatten, Im Vereine mit jenem standhaften Glauben, welchen die heiligen Martyrer hatten, Im Vereine mit jenem vollkommensten Glauben, welchen die seligste Jungfrau hatte. Gebet. O Gott, der Du im Uebermaß Deiner Güte mich zum wahren Glauben berufen haft, belebe auf's Neue in mir diesen heiligen Glauben; gib mir, ich bitte Dich, auch die Gnade, standhaft zu sein in demselben, bis ans Ende meines Lebens. Sieh herab mit barmherzigem Blicke auf so viele Keßer und Ungläubige, für welche Dein göttlicher Sohn sein kostbares Blut hat vergießen wollen; er*) Glaube ich fest, o mein Gott! 248 leuchte sie, auf daß sie Deine heiligen Wahrheiten erkennen, und stärke fie, auf daß sie sich bald vereinigen mit Deiner einzigen, wahren und heiligen katholischen Kirche, damit auch sie zugleich mit uns das ewige Heil erreichen können, Amen. Andachtsübungen vor der hl. Kommunion. Glaube. Ach! mein liebevollster Erlöser, wie viele beschwerliche und rauhe Berge mußtest Du übersteigen, um Dich mit mir in diesem allerheiligsten Sakramente zu vereinigen! Du mußtest übergehen von der Gottheit zur Menschheit; von Deiner Unermeßlichkeit zur Kindheit: von Deiner Herrlichkeit zur Knechtschaft; von dem Schooße des ewigen Vaters in den Schooß einer Jungfrau; vom Himmel in einen Stall; vom Throne Deiner Herrlichkeit auf einen Richtplaß. Und diesen Morgen noch sollst Du wieder von Deinem himmlischen Size herab steigen, um in meinem Herzen Deine Wohnung zu nehmen! Sieh, meine Seele, wie Jesus Christus, durchdrungen von der gleichen Liebe, 249 mit welcher Er für Dich am Kreuze gestorben, nun unter der Gestalt des allerheiligsten Sakramentes verborgen gegenwärtig ist. Und wie? Mit Inbrunst sehnt Er sich nach Deiner Gegenliebe aus der heiligen Hostie, wie hinter einem Gitter verschlossen, durch welches Er blickt, nicht aber erblickt wird; Er beobachtet dich, der du heute sein göttliches Fleisch zur Speise empfangen sollst; Er sieht, woran du denkst, was du liebest, verlangest und suchest und welches Opfer Du Ihm darbringest. Wohlan denn, meine Seele, bereite dich vor, Ihn zu empfangen, und rufe Ihm zuerst gläubig zu: So willst Du denn bald, mein geliebter Erlöser, Deine Wohnung in mir aufschlagen? Overborgener und von den meisten Menschen mißkannter Gott, ich glaube und befenne Dich, ich bete Dich an in dem allerheiligsten Sakramente als meinen Herrn und Erlöser. Um diese Wahrheit zu bekennen, gäbe ich gern mein Leben hin. Du kommst, um mich mit deiner Gnade zu bereichern und sich ganz mit mir zu ve einigen. Wie groß muß also mein Ver 250 trauen sein auf diesen Deinen so liebreichen Besuch! Vertrauen. Meine Seele, erweitere dich, Dein Jesus kann Dir alles Gute erweisen, denn Er liebt dich sehr. Hoffe also große Dinge von diesem deinem Herrn, der voll von Liebe und nur von Liebe durchdrungen zu dir kommt. Ja, mein lieber Jesus, meine Hoffnung, ich vertraue auf Deine Güte, daß Du, indem Du heute Dich selbst mir hingibst, in meinem armen Herzen die schöne Flamme reiner Liebe zu Dir und wahren Verlangens, Dir zu gefallen, entzünden wirst, damit ich von nun an nichts anderes wollen möge, als Deinen heiligen Willen. Liebe. O mein Gott, o mein Gott, wahre und einzige Liebe meiner Seele! Was konntest Du noch mehr thun, um von mir geliebt zu werden? Nicht genug war es Dir, o Herr, für mich zu sterben, sondern Du wolltest auch noch dieses große Sakrament einseßen, um Dich mir ganz hinzugeben, und Dich mit mir, 251 einem so undankbaren Geschöpfe ganz zu verbinden und zu vereinigen. Und was noch mehr ist, Du selbst ladest mich ein, Dich zu empfangen, und verlangst es so sehr, daß ich Dich empfange. O unermeßliche Liebe! Unbegreifliche Liebe! Unendliche Liebe! Gott will sich ganz mir hingeben. Kannst Du es fassen, meine Seele? Und was thust du? Was sagst Du? O Gott, o Gott, unendlich liebreicher und einziger Gegenstand, der aller Liebe würdig ist, ich liebe Dich aus ganzem Herzen, ich liebe Dich über Alles, mehr als mich selber, und mehr als mein Leben! Könnte ich Dich doch von Allen geliebt sehen! Könnte ich doch bewirken, daß Dich alle Herzen lieben, wie Du es verdienest! Ich liebe Dich, o liebreichster Gott, und vereinige mein Herz in der Liebe zu Dir mit den Herzen der Seraphim, dem Herzen der heiligsten Jungfrau und mit dem Herzen Jesu, Deines geliebteſten und liebevollsten Sohnes. Daher liebe ich Dich, o unendliche Güte, mit der Liebe, mit welcher Dich die Heiligen, Maria und Jesus lieben. Ich liebe Dich einzig und allein, weil Du der Liebe würdig bist, und um Dir zu gefallen. Siehet 252 aus von meinem Herzen, ihr irdischen Neigungen, ihr seid nicht für Gott. Mutter der reinsten Liebe, heiligste Maria, steh mir bei in der Liebe zu Gott, da Du so sehr verlangest, daß Er geliebt werde. Demuth. So ist denn, o meine Seele, der Augenblick gekommen, indem du das heilige Fleisch Jesu Christi zur Speise empfangen sollst? Bist du dessen auch würdig? Mein. Gott, wer bin ich, und wer bist Du? Wohl weiß und bekenne ich, wer Du bist, der sich mir zur Speise hingibt, aber wer und wie bin ich, der ich Dich empfangen soll? Ist es möglich mein Jesus, daß Du, o unendliche Reinheit, Verlangen tragest, in meiner Seele zu wohnen, welche so oft der Aufenthalt Deines Feindes und von so vielen Sünden befleckt war? Ich kenne, o Herr, Deine erhabene Majestät und meine Armseligkeit; ich schäme mich, vor Dir zu erscheinen. Ich möchte aus Ehrfurcht mich von Dir entfernen; wenn ich mich aber von Dir entferne, wohin gelange ich dann? Wem werfe ich mich 253 wieder in die Arme, und was wird aus mir werden? Nein, ich will mich nie von Dir trennen, sondern mich Dir immer mehr nähern. Es gefällt Dir, daß ich Dich zur Speise empfange, ja Du ladest mich dazu ein. Ich nahe mich Dir also heute, o liebreichster Erlöser, um Dich aufzunehmen; ich nahe mich Dir gedemüthigt und beschämt wegen meiner Sünden, aber voll von Vertrauen auf Deine Barmherzigkeit und Deine Liebe zu mir. Zerknirschung. Wie sehr reuet es mich, o Gott meiner Seele, daß ich Dich vorher nicht geliebt, sondern im Gegentheil Deine un endliche Güte zur Befriedigung meiner Neigungen so sehr betrübt und beleidiget habe! Ich habe Dir den Rücken zugewendet und Deine Gnade und Freundschaft verschmähet, kurz, ich habe Dich freiwillig verlieren wollen, o Gott! Ich bereue es und es schmerzt mich von ganzer Seele, o Herr! Ich verabscheue mehr, als alles Üebel, meine schweren und läßlichen Sünden, weil ich Dich, o unendliche Güte, damit beleidiget habe 254 Ich hoffe, daß Du sie mir schon vergeben hast; solltest Du mir aber noch nicht verziehen haben, o so vergib mir jest, bevor ich Dich empfange; wasche ab mit Deinem Blute meine Seele, in welcher Du bald Deine Wohnung aufschlagen wirst. Sehnsucht. Wohlan, meine Seele, die selige Stunde ist erschienen, in welcher dein Jejus in dein Herz einziehen soll. Sieh den König des Himmels, sieh deinen Gott und Erlöser, welcher sich dir schon nahet. Bereite dich vor, Ihn mit Liebe zu empfangen; rufe Ihn mit dem Verlangen: Komm, o mein Jesus, tomm in meine Seele, die sich nach Dir sehnet! Bevor Du Dich selbst mir hingibst, will ich Dir mein armes Herz schenken, nimm es gnädig an, und komme bald, davon Besiß zu nehmen. Komm schnell, o mein Gott, und zögere nicht länger! Mein einziges, unendliches Gut, mein fostbarstes Kleinod, mein Leben, mein Paradies, meine Liebe, mein Alles! Ich möchte Dich mit jener Liebe empfangen, mit welcher Dich die heiligsten und liebreichsten Seelen auf 255 nahmen und mit welcher Dich die seligste Jungfrau empfing; mit ihren Kommunionen vereinige ich auch die meinige. O meine Mutter Maria, seligste Jungfrau, schon nahe ich mich zum Empfange deines Sohnes. Ich möchte dein Herz und deine Liebe haben, mit welcher du zum Tische des Herrn gingst. Gib mir heute deinen Jesus, wie du Ihn den Hirten und Weisen gegeben. Aus deinen allerreinsten Händen will ich Ihn empfangen. Sag Ihm, daß ich dein andächtiger Diener bin; so wird Er liebreicher auf mich herabsehen und mich inniger mit sich vereinigen, nun da Er fommt. Danksagung nach der hl. Kommunion. Es gibt kein Gebet, welches Gott angenehmer und den Seelen müßlicher wäre, als das Dankgebet nach der heiligen Kommunion. Es ist die Meinung vieler gewichtiger Männer, eines Suarez, Kajetan Valenza, de Lugo und anderer, daß die heilige Kommunion, so lange die Gestalt des heiligen Sakramentes vorhanden ist, um so größere Gnaden in 256 der Seele verursache, je mehr diese zu neuen Tugendübungen sich vorbereitet. Auch lehrt die Kirchenversammlung von Florenz im Beschlusse Eugens IV. an die Armenier, daß das allerheiligste Sakrament dieselben Wirkungen in der Seele hervorbringe, wie die irdische Speise im Leibe, die, nachdem sie einmal in denselben eingegangen, je nach dessen Empfänglichkeit zu wirken fortfährt. Darum verweilen die frommen Seelen nach der heiligen Kommunion so lange im Gebete, als sie nur immer können. Der ehrwürdige Pater M. Avila brachte auch während seiner Missionen wenigstens zwei Stunden im Gebete zu. Der Pater Balthasar Alvarez sagte, man müsse sehr viel auf die Zeit nach der heiligen Kommunion halten, mit dem Gedanken, als vernehme man aus dem Munde Jesu Christi selbst die Worte, die Er zu seinen Jüngern sagte:„ Mich habet ihr nicht allezeit." Matth. 26, 11. Es ist nicht gut, wenn man sogleich nach der heiligen Kommunion zu lesen anfängt, wie es Einige thun; besser ist es, man widme einige Zeit frommen Betrachtungen dadurch, daß man aus sich 257 selbst mit Jesus redet, welcher alsdann in uns ist, aber daß man wenigstens eine Anmuthung, oder irgend ein herzliches Gebet öfter wiederholet. Christus wiederholte im Garten drei Stunden lang dasselbe Gebet. Also in Anmuthungen und Gebeten soll sich die Seele mit Jesus nach der heiligen Kommunion unterreden; denn man wisse, daß die Andachts- Uebungen nach der heiligen Kommunion größeren Werth und größeres Verdienst vor Gott haben, als zu anderer Zeit, indem dieselben während der Vereinigung Jesu Christi mit der Seele durch die Gegenwart Jesu gestärkt werden. Ueberdieß muß man bedenken, daß Jesus Christus nach der heiligen Kommunion geneigter ist, uns seine Gnaden zu ertheilen. Die heilige Theresia sagt, daß sich Jesus nach der heiligen Kommunion in der Seele niederlasse, wie auf einem Throne der Gnaden, und sie mit den Worten einlade: O Seele, ich bin eigens gekommen, um dir Gnaden zu erzeigen; verlange von Mir, was du willst und wie viel du willst, es soll dir werden. Liquori. Besuchungen zc. 17 258 Owie viele Schäße und Gnaden wirst du erlangen, fromme Secle, wenn du dich nach der heiligen Kommunion eine Stunde, oder wenigstens eine halbe mit Jesus unterredest! Darum fannst du folgende Gebete verrichten, welche ich für dich hier beifüge; ich ermahne dich aber, daß du auch nach Vollendung dieser Gebete fortfahren sollest, dich am Tage deiner Kommunion durch Beten und Betrachtungen mit Jesus, welchen du empfangen hast, vereiniget zu erhalten. Gebete nach der heiligen Kommunion. Glaube. Schon ist mein Gott und Erlöser erschienen, und hat mich besuchet und seine Wohnung in meiner Seele genommen. Schon ist mein Jesus in mir. Er ist gekommen, sich mit mir und zugleich mich mit Ihm zu vereinigen. So gehört mir denn Jesus, und ich gehöre Ihm: Jesus ist ganz mein, und ich bin ganz sein. unendliche Güte, o unendliche Barmherzigkeit, unendliche Liebe! Gott kommt, um sich mit mir zu vereinigen, um ganz mein eigen zu sein! Nun denn, 259 meine Seele, da du so eng mit Jesus verbunden bist, und mit Ihm eins geworden, was unternimmst du? Sagst du Ihm nichts? Redest du nicht mit deinem Gott, welcher eins ist mit dir? Wohlan denn, belebe deinen Glauben aufs Neue; denke, daß die Engel uni dich herumstehen in Anbetung ihres Gottes, welcher in deinem Herzen ist; bete auch du deinen Herrn an in dir. Sammle dich in dir selbst, und verbanne jeden andern Gedanken. Nimm alle deine Gefühle zusammen, und einige dich mit deinem Gott, und sage Ihm gleichfalls als Begrüßung: O mein Jesus, meine Liebe, mein unendliches Gut, mein Alles, sei ſtets willkommen in der armen Wohnung meiner Seele! Ach! mein Herr, wo bist Du? Wohin bist Du gekommen? In dieses mein Herz, das schlimmer ist als der Stall, wo du geboren wurdest, voll Anfechtungen, Eigenliebe und unordentlicher Begierden? Und wie haft Du kommen mögen, darin zu wohnen? Ich möchte Dir mit dem heiligen Petrus zu17* 260 rufen: Entferne Dich, o Herr von mir, der ich zu unwürdig bin, Dich, o Gott der unendlichen Güte, zu beherbergen; gehe und ruhe aus in jenen reinen Seelen, welche Dir mit so großer Liebe dienen. Doch nein, mein Erlöser! was sage ich! Verlaß mich nicht; denn sonst bin ich verloren. Dich umfasse ich, o mein Leben; an Dich klammere ich mich fest an! 3u thöricht bin ich gewesen, als ich mich von Dir losgerissen aus Liebe zu den Geschöpfen. Ich Undankbarer habe Dich gewaltsam von mir entfernt. Nun will ich mich nicht mehr von Dir trennen, o mein Kleinod! Mit Dir vereint will ich immer leben und sterben. Litanei von der Liebe zu Goff. Herr, erbarme Dich meiner! Christe, erbarme Dich meiner! Herr, erbarme Dich meiner! Christe, höre mich! Christe, erhöre mich! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich meiner! 261 Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich meiner! Gott heiliger Geist,*) Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du, der Du die unendliche Liebe und Vollkommenheit bist, Du, der Du gebietest, daß ich Dich liebe, Du, der Du aus Liebe uns Deinen göttlichen Sohn gegeben hast, Aus ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Gemüthe und aus allen Kräften, liebe ich Dich, o Gott! Mehr als alles Gut und alle Ehre,**) Mehr als alle Erleichterung und Befriedigung, Mehr als alle Genugthuung und Belohnung, Mehr als mich selber, und Alles, was ich besige, Mehr als alle meine Verwandten und Freunde, Mehr als alle Menschen und Engel, Mehr als alle Dinge im Himmel und auf Erden, Einzig wegen Deiner selbst, *) Erbarme Dich meiner! **) Liebe ich Dich, o Gott! 262 Weil Du das höchste Gut bist, liebe ich Dich, o Gott! Weil Du unendlich liebenswürdig bist,*) Weil Du in unendlichem Maße alle Vollkommenheiten und Schönheiten befizest, Wenn Du auch mit Trübsal und Widerwärtigkeiten mich heimsuchest, Wenn Du mir auch das Paradies nicht verheißen hätteſt, Wenn Du mir auch nicht mit der Hölle drohtest, Im Ueberflusse und in der Armuth, Im Glück und im Unglück, In Freuden und Leiden, In Gesundheit und Krankheit, Im Augenblicke des Todes und im letzten Kampfe, sollte ich bewußtlos sein, jest und alsdann, Im Leben und im Tode, In Zeit und Ewigkeit, Im Vereine mit jener Liebe, mit welcher Dich alle Heiligen und alle Engel des Himmels lieben, Im Vereine mit jener Liebe, mit welcher Dich die heilige Jungfrau liebte, **) Liebe ich Dich, o Goti! 263 Im Vereine mit jener unendlichen Liebe, mit welcher Du Dich selbst liebeſt und lieben wirst in alle Ewigkeit, liebe ich Dich, o Gott! Gebet. O Gott, der Du in unendlichem und unbegreiflichem Grade alle Schönheit, Vollkommenheit, Heiligkeit und Liebenswürdigkeit besißest, nimm von mir für immer jede ausschweifende, sinnliche und sündige Liebe, und entzünde in meinem Herzen das Feuer Deiner Liebe, welche Dein göttlicher Sohn Jesus Christus vom Himmel auf die Erde brachte, damit ich in Zukunft nur Dich allein und um Deiner selbst willen lieben, und von dieser reinsten Liebe verzehret. mit Dir dort oben leben möge, wo Deine Auserwählten sich Deiner in aller Vollkommenheit erfreuen und ohne Ende Dich lieben. Amen. Heilige Maria, und ihr, Seraphim und alle Seelen, die ihr Gott liebet mit reiner Liebe, verleihet mir eure Gefühle, auf daß ich kein unwürdiges Glied sei in der liebenden Schaar des Herrn. 264 Danksagung. Mein Gott und Herr, ich danke Dir für die Gnade, die Du mir heute dadurch erwiesen hast, daß Du Deine Wohnung in meiner Seele hast nehmen wollen. Nun aber möchte ich Dir einen Dank darbringen, welcher Deiner und der großen mir erzeigten Gunst würdig wäre. Doch was sage ich? Welches würdige Danfopfer kann ich armseliges Geschöpf Dir darbringen? Der Pater Segneri sagt, daß das angemessenste Gefühl einer Seele, welche zum Tische des Herrn geht, in dem Staunen bestehe, das sich in folgenden Gedanken und in diesen Worten fund gebe: Gott, du kömmst zu mir! o Gott, Du kömmst zu mir! Aber was soll ich Dir wiedergeben, o mein Jesus, der Du nach so vielen mir verliehenen Gaben Dich heute sogar mir selber gegeben? Nun, meine Seele, lobpreise Gott und danke Ihm, so gut du es vermagst. Und du, göttliche Mutter, und ihr, heilige Fürsprecher und mein heiliger Schußengel und alle Seelen, die ihr von Liebe zu Gott entflammt seid, kommet und danket für mich meinem Gott und lobet Ihn in 265 Bewunderung und Lobpreisung der allzugroßen Gnade, welche Er mir erwiesen hat. Aufopferung. Wenn der König einen armen Hirten inmitten seiner Heerde besuchet, was kann ihm dieser anders anbieten, als seine ganze Heerde, so wie sie ist. Da Du nun, o mein göttlicher König, die arme Wohnung meiner Seele besucht hast, so opfere ich sie Dir ganz und schenke sie Dir, sowie mich selber mit meimem Willen und aller meiner Freiheit. Du hast Dich mir ganz hingegeben: auch ich ergebe mich Dir ganz. Ich will, o mein Jesus, von nun an nicht mehr mir angehören, sondern Dir, Dir ganz und gar. Dein seien meine Sinne, auf daß sie mir bloß dienen mögen, Dir zu gefallen. Und welch größere Freude kann man haben, sagt der heilige Petrus von Alkantara, als Dir zu gefallen, o liebreichster, liebenswürdigster und anmuthigster Gott! Ich übergebe Dir alle meine Seelenkräfte und will, daß sie Dir allein angehören. Das Gedächtniß soll mir zu nichts anderm dienen, als zur Erinnerung an Deine Wohlthaten und Deine Liebe; der 266 Verstand zu nichts anderm, als um an Dich zu denken, der du auch immerwährend an mein Wohl denkest; der Wille zu nichts anderm, als Dich, mein Gott und mein Alles, allein zu lieben und nur zu woller, was Du willst. Ich opfere und weihe Dir also heute, o mein süßester Erlöser, Alles, was ich bin und habe, meine Sinne, meine Gedanken, meine Gefühle, meine Wünsche, meine Vergnügungen, meine Neigungen, meine Freiheit, furz in Deine Hände übergebe ich ganz und gar meinen Leib und meine Seele. Nimm an, o unendliche Majestät, das Opfer, welches der undankbarste Sünder, der je auf Erden gelebt hat, mit sich selber Dir darbringt; er opfert sich Dir jest ganz und gibt sich Dir hin. Verfahre mit mir, o Herr, nach Deinem Gefallen. Komm herab, o verzehrendes Feuer, du göttliche Liebe, und versenge in mir Alles, was mein ist und was Deinen allerreinsten Augen nicht gefällt, auf daß ich von nun an nur Dir eigen ſei, und nur allein lebe, um nicht bloß Deine Gebote und Rathschläge zu erfüllen, sondern auch, um nach Deinem 267 heiligen Verlangen und größern Wohlgefallen zu leben. Amen. Oheiligste Jungfrau, überbringe dieses mein Opfer mit eigenen Händen vor die allerheiligste Dreifaltigkeit, und bewirke, daß sie es aufnehmen, und mir die Gnade verleihen möge, ihr treu zu sein bis in den Tod. Amen, Amen, Amen. Biffe. Meine Seele, was thust du? Du haft teine Zeit zu verlieren; der gegenwärtige Augenblick ist kostbar, indem du alle Gnaden erlangen fannst, um welche du bittest. Siehst du nicht, wie der ewige Vater liebreich auf dich herab blickt, da Er in dir seinen geliebten Sohn wahrnimmt, den theuersten Gegenstand seiner Liebe. Entferne jeßt alle andern Gedanken, belebe deinen Glauben, erweitere dein Herz und bitte um Alles, was du nur willst. Vernimmst du nicht Jesus selber, welcher dir zuruft: Seele, sprich, was willst du von Mir? Ich bin eben deßwegen gekommen, um dich zu bereichern und zufrieden zu stellen. Bitte mit Ver 268 trauen, und du sollst erhalten, was du verlangest. Ach, mein sanftester Erlöser, da Du gekommen bist, um mir Gnade zu erweisen, und wünschest, daß ich Dich darum bitte, so verlange ich nicht Güter der Erde, nicht Reichthümer; nicht Ehrenstellen, nicht Vergnügungen, verleihe mir, ich bitte Dich, die innigste Reue über meine Sünden, verleihe mir Erleuchtung, damit ich die Eitelkeit dieser Welt erkenne, und damit ich einsehe, wie sehr Du geliebt zu werden verdienest. Nendere mein Herz, löse es ab von allen irdischen Neigungen, gib mir ein ganz Deinem heiligsten Willen ergebenes Herz, welches nichts anderes sucht, als Dein größeres Wohlgefallen, welches nach nichts anderem trachtet, als nach Deiner heiligen Liebe. Dieses verdiene ich zwar nicht, aber Du verdienst es, o mein Jesus, da Du gekommen bist, in meiner Seele zu wohnen. Ich bitte Dich darum um Deiner und Deiner heiligsten Mutter Verdienste und um der Liebe willen, welche Du zu Deinem ewigen Vater trägst. Litanei von der Hoffnung. Herr, erbarme Dich meiner! Christe, erbarme Dich meiner! Herr, erbarme Dich meiner! Christe, höre mich! Christe, erhöre mich! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich meiner! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, 269 Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du, der Du mir in Allem helfen kannst, Du, der Du mir in Allem helfen willst, Du, der Du mir zu helfen so oft verheißen hast, Alle mir nöthigen Gnaden also hoffe ich von Dir, o Herr! Verzeihung meiner Sünden**) Beständige Besserung meines Lebens Beistand in allen meinen Gedanken und Wünschen, in allen meinen Worten und Werken Bewahrung vor aller Sünde und vor *) Erbarme Dich meiner! **) Hoffe ich von Dir, o Herr! 270 aller Gelegenheit und Gefahr zur Sünde, hoffe ich von Dir, o Herr! Deinen kräftigen Beistand in Versuchungen*) Kraft und Geduld in Bedrängnissen und Widerwärtigkeiten Vervollkommnung in allen Tugenden Wachsthum in Teiner Gnade und Freundschaft Standhaftigkeit im Guten bis ans Ende Gesundheit des Leibes und nöthigen Lebensunterhalt Schuß vor Gefahren und Unglück Befreiung von plößlichem und unvorhergesehenem Tode Deinen göttlichen Schuß gegen die Angriffe des höllischen Feindes im Augenblicke meines Todes und im Todeskampfe Einen Tod voll Verdiensten und Tugenden Ewige Freude und Seligkeit bei Dir im Himmel Alles dieses ohne irgend ein Bedenken oder irgend einen Zweifel oder Kleinmuth, wenn auch die Hilfe verschoben *) Hoffe ich von Dir, o Herr! 271 würde, im Gegentheile mit aller Sicherheit und festem Vertrauen, hoffe ich von Dir, o Herr! Wenn mir auch alles Unglück widerfahren follte, hoffe ich Alles von Dir, o Gott! Wenn auch Alles sich gegen mich verschwören sollte, hoffe ich Alles von Dir, o Gott! Wenn es mir auch scheinen sollte, daß ich von Dir verlassen sei, hoffe ich Alles von Dir, o Gott! Nicht von meiner Geschicklichkeit oder von meiner Kraft, sondern von Dir hoffe ich Alles, o Gott! Nicht von der Gunst oder Macht der Menschen, sondern von Dir hoffe ich Alles, o Gott! Nicht von menschlichem Scharfsinn, Klugheit, Freundschaft und Wohlwollen, sondern von Dir hoffe ich Alles, o Gott! Ja einzig und allein von Dir hoffe ich Alles, o Gott! Von Deiner Allmacht, Barmherzigkeit, Vorsehung und Güte hoffe ich Alles, o Gott! Von Deiner unfehlbaren Treue in Erfüllung dessen, was Du verheißen hast, hoffe ich alles, o Gott! 272 Bon Deiner Gnade, welche Du Keinem verfagst, der von Herzen zu Dir ruft, hoffe ich Alles von Dir, o Gott! Durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, meines Erlösers, Vermittlers und Fürsprechers,*) Im Vereine mit jener beständigen Hoff nung und jenem beständigen Vertrauen, welches alle Gerechten des alten Testamentes in Dich geseßt haben, Im Vereine mit jener findlichen Hoffnung und jenem findlichen Vertrauen, welches alle Gerechten des neuen Testamentes in Dich gesetzt haben, Im Vereine mit jener vollkommensten Hoffnung und jenem vollkommensten Vertrauen, welches die seligste Jungfrau in Dich geſetzt hat, Gebet. O Gott, der Du denjenigen nicht verLaffest, welcher auf Dich vertraut, ich bitte Dich durch Deine Batergüte und durch Jesus Christus, Deinen eingebor nen Sohn, unterstütze diese meine Hoff nung und mein Vertrauen auf Dich, und *) Hoffe ich Alles von Dir, o Gott! 273 flöße mir ein immerwährendes Mißtrauen in mich selbst ein, auf daß ich in allen meinen Nöthen, Trübsalen, Widerwärtigkeiten und Gefahren nur allein zu Dir meine Zuflucht nehme, der Du mir mehr als alle Andern helfen kannst und weißt, was mir nüßlich ist. Dir also und Deiner liebreichsten Vorsehung überlasse ich mich ganz und gar. Bewirke, o mein guter Bater, daß ich Dir nie mißfalle, sondern Dir immer treu bleibe und endlich dahin gelange, wo Du die Hoffnung Deiner Auserwählten mit ewigem Ruhme krönest und erfüllest. Amen. Hier halte ein wenig inne, und bitte Jesus Christus um eine besondere Gnade für dich und deinen Nächsten. Vergiß dabei nicht die Sünder, und die Seelen im Fegfeuer. Bitte auch für mich, der ich dieses Buch zu deinem Wohle habe wieder abdrucken lassen, und es mit so Vielem noch vermehrt habe. Gebet. Ewiger Vater! Dein Sohn Jesus Christus selbst hat uns gesagt: Wenn ihr den Vater Meinem Namen um etwas bittet, so wird Er es euch gewähren. Liquori, Besuchungen 2c. 18 274 Aus Liebe also zu diesem Deinem Sohne, den ich jetzt in mir trage, erhöre mich und verleih mir das, um was ich Dich bitte. Geist Christi, heilige mich! Leib Christi, erlöse mich! Blut Christi, berausche mich! Wasser aus der Seite Christi, reinige mich! Leiden Christi, stärke mich! O gütigster Jesus, erhöre mich! Verbirg mich in Deinen heiligen Wunden! Laß nicht zu, daß ich mich von Dir trenne! Schüße mich vor dem bösen Feinde! Rufe mich in der Stunde meines Todes und gebiete, daß ich zu Dir komme, damit ich Dich mit allen Heiligen lobpreise von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Jesus und Maria, meine süßeste Liebe, für Euch will ich leiden und sterben; Alles an mir gehöre Euch, mir aber ganz und gar nichts. Liebesergießungen zu Jesus im 275 Allerheiligsten Altarssakramente. ( Diese können sowohl vor und nach der heiligen Kommunion, als auch beim Besuche des allerheiligsten Altarssakramentes gebetet werden.) I. Egredimine et videte, filiae Sion, regem salamonem, quo coronavit illum mater sua in die desponsationis suae. Cant. 3. Gehet heraus, ihr Töchter Sions, und schauet den König Salomon in der Krone, womit Ihn begränzt hat seine Mutter am Hochzeitstage. Oihr Töchter der Gnade, ihr Gott liebenden Seelen, gehet hervor aus den Finsternissen der Erde und betrachtet Jesus, euern König, mit einer Dornenkrone ums Haupt, einer Krone der Verachtung und des Schmerzes, womit Ihn die gottlose Synagoge, diese untreue 18* 276 Mutter, gekrönt hat am Tage seines Verlöbnisses, das ist am Tage seines Todes, wodurch Er sich am Kreuze mit den Seelen verlobte; gehet hervor aufs Neue, und sehet Ihn voll Barmherzigkeit und Liebe, nun da Er kömmt, sich mit Euch zu vereinigen in diesem Sakramente der Liebe. So viel hat es Dich also gekoſtet, liebster Jesus, Dich mit den Seelen zu vereinigen in diesem süßesten Saframente! Zuerst mußtest Du einen so bittern und schmachvollen Tod leiden Komm nun auch zu mir und vereinige Dich schnell mit meiner Seele. Diese war Dir eine Zeit lang feind wegen der Sünde; nun aber willst Du sie zu Deiner Braut aufnehmen durch Deine Gnade. Komm nun, o Jesus, mein Bräutigam, ich will Dich nicht mehr verrathen, ich will Dir immer treu sein. Als liebende Braut will ich einzig und allein trachten und darauf denken, wie ich nach Deinem Wohlgefallen lebe. Ich will Dich ohne Rückhalt lieben; ich will Dir ganz angehören, o mein Jesus, ganz und gar. 277 II. Fasciculus myrrhae dilectus meus mihi. Cant. 1, 12. Ein Myrrhenbüschlein ist mir mein Geliebter. Mein Geliebter ist mir ein Myrrhenbüschlein, das auf meiner Brust weilet. Hohel. 1, 12. Wenn das Myrrhenbäumlein verlegt wird, vergießt es aus den Einschnitten Thränen und heilsamen Saft. So wollte auch Jesus Christus, unser Herr, vor seinem Leiden sein göttliches Blut mit so herbem Schmerze aus seinen Wunden vergießen, um es uns dann ganz zu geben für unser Heil in diesem Brode des Lebens. Komm also mein theures Myrrenbüschlein, mein liebreichster Jesus, der Du für mich ein Gegenstand des Schmerzens und Mitleidens bist, wenn ich Dich für mich mit Wunden bedeckt erblicke am Stamme des Kreuzes; empfange ich Dich aber in diesem jüßesten Sakramente, so erscheinst Du mir viel lieblicher, als einem Durstigen eine auserlesene Traube. Komm also in meine Seele und labe und sättige mich mit Deiner heiligen Liebe. Ach. welche Süßigkeit ist es für 278 mich zu denken, daß ich in mir denselben Erlöser empfangen soll, welcher zu meiner Erlösung am Kreuze blutete und sich opferte. Nein, liebster Jesus, nie will ich Dich mehr von mir entfernen, nie wirst Du mehr von mir weichen. Immer will ich Dich lieben, immer mit Dir vereinigt und eng verbunden sein. Immer will ich Jesus angehören. Jesus wird stets mit mir sein, ja immer und allezeit. III. Dum esset rex in accubitu suo, nardus mea dedit odorem suum. Cant. 1. Wenn der König in seiner Ruheſtätte ist, gibt meine Narde ihren Wohlgeruch Wenn Jesus kömmt, um in der heiligen Kommunion in einer Seele zu wohnen, o wie sehr sieht und erkennt alsdann diese ihre Niedrigkeit im Lichte, welches dieser König des Himmels mit sich führt! Und wie die Narde für die niedrigste unter allen anderen Pflanzen gehalten wird, so bekennt sich dann die Seele als die geringste unter allen Kreaturen. Und welch angenehmen Geruch 279 gibt sie, so gedemüthiget, ihrem geliebten Könige, der sie darum auch einladet, fich immer inniger mit Ihm zu vereinigen. Wenn du also willst, o meine Seele, daß Jesus in dir ruhe, so erwäge deine Niedrigkeit, betrachte, wer du bist und was du verdienst, und erniedrige dich so sehr, als du kannst; entferne von dir jede Eigenliebe, welche Jesum nur von dir abhält und Ihn hindert, in deinem Innern zu ruhen. Komm zu mir, liebster Erlöser, und zeige mir durch Dein göttliches Licht meine Niedrigkeit, mein Elend, mein Nichts, auf daß Du gern in mir ruhen könntest, um Dich nicht mehr von mir zu trennen. IV. Sentite de domino in bonitate. Sap. 1, 1. Denket gut vom Herrn. Meine Seele, warum bist du so schüchtern und kleinmüthig beim Anblicke der unendlichen Güte und Liebe deines Herrn? Warum mißtrauest du dir selber? Da du dich nun würdig gemacht haſt, deinen Jesus in dir zu empfangen; so 280 sollen auch deine Gefühle in allem Vertrauen jener unendlichen Güte entsprechen, welche sich selber dir ganz hingibt. Sein Gericht ist zwar schrecklich, aber nur schrecklich für die Stolzen und Hartnäckigen; für die Demüthigen und Bußfertigen jedoch, welche Ihn zu lieben und Ihm zu gefallen wünschen, ist sein Urtheilsspruch ganz Barmherzigkeit und Liebe, indem er aus einem Herzen kommt voll Liebe und Mitleid. Er ist von der Art, daß David in Erwägung dieses Gottesgerichtes von Hoffnung, Freude und Trost überströmte. Ps. 118. O wie gut ist Gott gegen denjenigen, welcher seinen ganzen Willen in Uebereinstimmung zu bringen sucht! Mein Gott! meine Liebe, meine Hoffnung, mein Alles, Dich suche ich, Dich suche ich allein, um Dich zu lieben, um Dir zu gefallen und stets Deinen heiligen Willen zu vollbringen. Gib, daß ich Dich finde, nach Deinem Wohlgefallen lebe und nie mehr von Dir ablasse. 281 V. Vox dilecti mei pulsantis: aperi mihi, soror mea, dilecta mea, columba mea, immaculata mea. Cant. 5, 2. Die Stimme meines Geliebten er tlopft: thue mir auf, meine Schwester, meine Traute, meine Taube, meine Makelloſe! Mit diesen Worten ruft Jesus im allerheiligsten Sakramente demjenigen zu, der Ihn liebet und nach ihm verlanget: Deffne Mir dein Herz o Seele, und Ich will in dasselbe eingehen, um Mich mit dir zu vereinigen. So wirst du vereint mit Mir Meine Schwester durch die empfangene Aehnlichkeit; Meine Freundin durch Mittheilung meiner Güter; Meine Taube wegen der Gabe der Einfalt; Meine Unbefleckte wegen der Gabe der Reinigkeit, welche Ich dir verleihen will. Dane ruft Er weiter: Deffne Mir! Bedenke, Meine Geliebte, Ich habe die ganze Nacht deines schlechten in Finsterniß und Irrthümern zugebrachten Lebens hindurch gewartet. Sieh nun, Ich komme in diesem Sakramente, anstatt mit GeiBeln zu deiner Züchtigung, mit dem Haupthaar voll himmlischen Thaues zur Löschung deiner unreinen Flammen der 282 Liebe zu den Kreaturen, um in dir anzuzünden das selige Feuer Meiner heiligen Liebe. Komm also, o liebster Jejus, und bewirke in mir das, was Du bezweckest. Ich entsage der Liebe zu allem Irdischen, um ganz Dein zu sein; und auf daß Du mir das verleihest, was Du mir zu geben wünschest, richte ich mich ganz nach Deinem heiligen Willen. VI. Veniat dilectus meus in hortum suum, et comedat fructus pomorum suoCant. 4, 16. rum. Es tomme mein Geliebter in seinen Garten, und genieße die Früchte seiner Pflanzungen. Komm, mein Geliebter, in mein armes Herz, das eine Zeit lang unglückseliger Weise nicht Dir angehörte, nun aber durch Deine Gnade zu Dir zurückgekehrt ist. Komm, und koste in mir die Frucht jener Tugenden, welche Du selbst mir bringst mit Deiner Erscheinung. Reinige, o Herr, meine Seele, wenigstens zur Ehre Deiner Majestät, schmücke sie, entflamme sie mit Deiner Liebe und verschönere sie in Deinen Augen, auf 283 daß sie für Dich werde eine würdige Wohnung. VII. Ad ubera portabimini. Is. 66, 12. Man wird euch an den Brüsten tragen. Jesus richtet im allerheiligsten Saframente vom Altare aus an die frommen Seelen noch die süße Einladung: Kommt, sagt Er zu ihnen, und trinket Meine göttliche Milch, die Ich euch in diesem Sakramente darreiche, indem ich euch Mein eigenes Blut zum Getränke hingebe. Welcher Hirt, sagt der heilige Johannes Chrysostomus, weidet seine Schäflein mit seinem eigenen Blute? Sogar die Mütter übergeben den Säugammen ihre eigenen Kinder zu ernähren. Aber Du, o göttlicher Vater, voll Liebe zu den Seelen, willst sie tränken mit Deinem eigenen Blute. Die heilige Katharina von Siena hatte also Recht, daß sie sich der heiligen Kommunion lechzend nahte, zum Genusse jener göttlichen Milch, gerade so wie ein Kindlein ängstlich nach der Brust seiner Mutter verlangt. Mit Recht sagte auch jene heilige Braut, zu 284 ihrem Geliebten, daß sie nach der Erflärung der heiligen Kirchenväter die Milch dieses Sakraments mehr schätze, als alle Süßigkeiten der Erde, welche vorübergehend sind und eitel, wie die Lieblichkeit und Annehmlichkeit des Weines. Da Du mich heute, o mein liebſter Jesu, mit Deinem heiligen Blute in der heiligen Kommunion tränken willst, so ist es billig, daß ich gern entsage allen Ergözungen und Freuden der Erde. Ja, ich entsage ihnen allen und betheure, daß ich lieber will mit Dir alle Uebel erdulden, als fern von Dir alle Güter der Erde genießen. Statt aller Freude will ich mich nur bemühen, Dir Freude zu machen, und Dir zu gefallen, der Du verdienst, daß man Dich erfreue, foste es, was es wolle. Und mit dem heiligen Ignaz Lojola will ich Dir sagen: Gib mir, ich bitte Dich, nur Deine Liebe und Gnade; das genügt mir und ich bin zufrieden. 285 VIII. Comedite, amici, et bibite; er inebriamini, charissimi! Cant. 5, 1. Effet, Freunde, und trinket; Ge liebteste, werdet trunken! Die Freunde, das sind die Anhänger, welche kaum sich der göttlichen Freundschaft erfreuen, nähren sich zwar beim Empfange der heiligen Kommunion mit dem Fleische Jesu Christi, aber sie nähren sich mühsam. Diejenigen aber, welche Fortschritte gemacht haben, genießen Jesus nicht mehr mühsam. Unter den Allerliebsten aber sind jene Vollkommenen verstanden, welche, von heiliger Liebe berauscht, und fast ganz aus der Welt hinausgetreten, beinahe Dinge und sich selber vergessend, Leben zubringen, nur allein darauf bedacht, ihren Gott zu lieben und Ihm zu gefallen. alle irdischen ihr Mein liebster Jesus, noch bin ich nicht vollkommen, aber Du kannst mich vollkommen machen. Noch bin ich nicht Dein Allerliebster wegen meiner Sünden, denn ich bin undankbar und treulos gewesen, aber Du kannst es bewirken, daß ich es werde, wenn Du mich heute mit Deiner 286 heiligen Liebe berauschest. Komm, liebster Jesus und nimm meine Seele ganz in Besib. Befestige in mir Dein Reich, auf daß Du allein in mir herrschest, Deine Liebe allein mir befehle und ich Deiner Liebe allein gehorche. Berausche mich, berausche mich ganz; gib, daß ich die Kreaturen, mich selber meine Angelegenheiten und Alles vergesse, auf daß ich Dich allein nur liebe, o Gott, mein Kleinod, mein einziges Gut, mein Alles, nach Dir allein nur trachte, Dich allein nur suche, an Dich allein nur denke, Dir allein nur gefalle. Bewirke dieses durch die Verdienste Deines heiligen Leidens. Um dieses allein bitte ich Dich; auf dieses hoffe ich. IX. Fulcite me floribus, stipate me malis; quia amore langueo. Cant. 2. 5. Erquicket mich mit Blumen; stärket mich mit Aepfeln; denn ich bin trant vor Liebe. Krank ist die Seele vor Liebe, wenn fie, sich selbst und ihre Angelegenheiten vergessend, nur daran denket, wie sie 287 ihrer Sehnsucht nachhänge mit heiligem Verlangen, welches die Blumen bedeutet, und mit heiligen Werken, welche die Früchte der göttlichen Liebe find. O Gott, der Du in den allerheiligsten Sakramente gegenwärtig bist, da Du willst, daß ich Dir ganz angehöre, so mache aus mir, was Du willst. Bewirke, daß ich Alles vergesse, was nicht zu Deiner Liebe gehöret! Vermehre in mir immer die Begierde, Dir zu gefallen, und gib, daß diese Blumen nicht immer Blüthen seien; bewirke, daß sie auch Früchte werden, dadurch, daß ich etwas thue und leide für Dich, der Du für mich so viel gethan und gelitten. Gott, Du Gott meiner Seele, verleih mir die Gnade, daß ich Dich liebe, aber mit Werken, bevor mich der Tod überrasche. X. Dilectus meus candidus et rubicundus, electus ex millibus. Cant. 5, 10. Mein Geliebter ist weiß und roth; auserforen aus Tausenden. Unser geliebter Jesus ist ganz weiß wegen seiner Reinheit, und ganz roth 288 wegen der Flammen seiner göttlichen Liebe. Mein unbeflecktes Lamm, voll heißer Liebe gegen mich, wann wirst Du bewirken, daß ich Dir gleiche an Reinheit, wie Du rein bist, fleckenloseste Lilie, an Liebesfeuer für Dich, wie Du für mich in Liebe entbrennest? Ja ich entsage jeder andern Liebe und erwähle mir allein die Deinige, mein liebenswürdigster Gott, mein Alles. Geht, Kreaturen, was wollt ihr von mir? Geht, und laßt euch von dem lieben, der euch aufsuchet. Meinen Gott allein will ich, Ihm allein will ich mein ganzes Herz bewahren und alle meine Gefühle. XI. Benignitas et humanitas apparuit salvatoris nostri Dei. Tit. 3, 5. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unsers Heilandes, erschien. Dadurch, daß Er in diesem Satramente erscheint, gibt Er zu erkennen, wie weit die Zärtlichkeit seiner Liebe zu den Seelen gehe. Der heilige Augustin sagt: Die Worte, welche uns Jesus Christus in jener seligen Nacht zurief, scheinen sie 289 nicht eine Thorheit ohne den Glauben: Um euch zu zeigen, o Menschen, wie sehr Ich euch liebe, will Ich, daß ihr Mein Fleisch esset. O heiliger Glaube! Wer von uns hätte jemals so viel erwarten, wer auch nur daran denken können, hätte es Christus nicht gedacht und gethan? Als einige von den Jüngern Christi aus seinem Munde vernahmen, daß Er ihnen seinen Leib zur Speise geben wolle, sprachen sie, diese Rede sei hart für sie, sie können sie weder glauben, noch hören. Und sie kamen dahin, daß sie Ihn verließen, da sie Ihm nicht glauben wollten: und doch ist dieß eine verbürgte Wahrheit. Und was verlangt Jesus Christus von uns bei Allem, was Er für uns gethan, als daß wir Ihn lieben, wie es der Herr seinem Volke schon einmal zu erkennen gab. Deuteron. 10, 12. Ach! mein liebreichster Jesu, was verheißest und gibst Du demjenigen nicht Alles, welcher Dich liebet! Du verheißest; ihm Deine Liebe. Sprüchw. 8, 17. Du verheißest ihm, Dich zu ihm zu wenden," wenn gleich er Dir schon den Rücken gefehrt. Bach. 1, 3. Du verheißest ihm, mit dem Vater und dem heiligen Geiste Liguori, Besuchungen 2c 19 290 für immer in seiner Seele zu wohnen. Joh. 14. Und was solltest Du noch mehr ver heißen und geben, um die Menschen zu Deiner Liebe, hinzuziehen? Liebenswürdigster Herr Jesu, ja, ich verstehe Dich, Du willst auch von mir geliebt werden; ich liebe Dich auch von ganzem Herzen, und sollte etwas daran fehlen, so lehre mich die rechte Weise und bewirke, daß ich Dich unaussprechlich lieben möge. XII. Nolite me considerare, quod fusca sim; quia decoloravit me sol. Cant. 1, 5. Sehet mich nicht an, daß ich fo braun bin; denn die Sonne hat mich verfärbt. Die Heftigkeit meiner Leiden, sagte die heilige Braut, hat mich entstellt und verfärbt, um wie viel mehr muß ich dieses sagen, o liebster Jesus! Wenn ich aber schwarz bin von meinen Werken, so bin ich doch schön durch Deine Verdienste, o mein Erlöser! Schwarz war ich eine Zeit lang, als ich 291 allein stand und getrennt von Dir; aber nun, da ich mit Dir vereinigt bin, hat mich Deine Schönheit und Deine Liebe verschönert. So hoffe ich, o mein Jesus! Sei Du für immer gepriesen, aber laß nicht zu, daß ich Dich wieder verliere und zur alten Häßlichkeit zurückkehre. Ich liebe Dich, o unendliche Schönheit, und will, daß auch meine Seele immer schöner sei, damit sie stets Deinem göttlichen Auge gefalle und Du sie allezeit lieben könntest. XIII. Trahe me: post te curremus in odorem unguentorum tuorum. Cant. 1, 3. Siehe mich, so wollen wir Dir nacheilen nach dem Dufte Deiner Salben. Da Du, mein liebster Jesus, haft zu mir herabsteigen wollen, um Dich mit mir zu vereinigen in diesem Sakramente der Liebe, indem ich, an dieses Leben gefesselt, nicht zu Dir hinaufkommen kann; so zieh mich ganz zu Dir hin, o Herr! Ich will Dich nicht zu mir herabziehen, auf daß Du mir meine Wünsche 19* 292 gewährest; ich will vielmehr, daß Du mit Deiner sanften Anziehungskraft mich ganz zu Dir hinaufhebest, auf daß ich nichts anderes wünsche, noch thue, als allein Deinen allerheiligsten Willen. Es ist billig, daß alle meine Neigungen Deinen heiligen Anordnungen weichen. Vereinige mich ganz mit Dir; und, so verbunden, werde ich, emporgehoben über alle irdischen Begierden, zugleich mit Dir auf dem Wege der heiligen Tugenden wandeln, um endlich auszuruhen in diesem und im andern Leben, einzig und allein in Deinem göttlichen Willen. XIV. Introduxit me rex id cellam vinariam; ordinavit in me charitatem. Cant 2, 4. Er führte mich in den Weinkeller und ordnete in mir die Liebe. Unter diesem Weinkeller versteht der heilige Bonaventura die heilige Kom munion, in welcher die Seele, mit ihrem göttlichen Könige vereinigt, jenen Wein der Liebe verkostet, der die Begierden 293 nach irdischen Dingen unterdrückt, und durchaus eine geregelte Liebe einflößt, nämlich eine ehrsame gegen sich selber, eine theilnahmvolle gegen den Nächsten und die höchste gegen Gott, der über Alles geliebt zu werden verdient. Jesus, mein König und Herr meines Herzens, Du hast mich schon eingeführt in diesen seligen Keller Deiner Liebe, das ist in Dich selber, indem Du mich mit Dir vereinigtest durch dieses Sakrament der Liebe. Schon fühle ich, o Herr, mein Herz verändert. Ich fühle eine heilige Begierde, die mir Frieden verleiht, die in mir einen Abscheu vor allen unreinen Gelüsten erregt und mich entzündet mit reiner Liebe zu Dir, o Gott! Da Du mich haft eingehen lassen in diesen seligen Keller, so gestatte nicht, o mein Jesu, daß ich ihn je wieder verlasse. Da Du mit mir vereinigt bist, so verlaß mich nicht wieder. Reiße mich los von den irdischen Neigungen. Vereinige mich hienieden immer mehr mit Dir, damit ich einst volllommen vereinigt werde mit Dir im Himmel, wo ich Dich lieben werde aus allen meinen Kräften, von Angesicht zu Angesicht, ohne 294 Unterbrechung und Unvollkommenheit immer und ewig. XV. Dilectus meus discendit in hortum suum ad areolam aromatum, ut pascatur in hortis, et lilia colligat. Cant. 6, 1. Mein Geliebter ist hinabgegangen in seinen Garten zum Blumenbeetlein um im Garten zu weiden und Lilien zu pflücken. Da Du, mein süßester Erlöser, vom Himmel herabkommst, um in meiner Seele zu wohnen, so bilde sie durch Deine Gnade in Deinen Garten um, in welchem Du Dir angenehme Lilien und Früchte sammeln könnest. Verzein mir, wenn ich Dich beleidiget habe. Nimm mich wieder auf, wenn ich Dich auch früher verlassen, nun, da ich reun: üthig zu Dir zurückkehre. Gib mir jene Reinheit, die Du von mir verlangest; verleih mir Kraft, das zu thun, was Du von mir wünschest. Gewähre mir Deine wahre Liebe, dann werde ich nach Deinem Wohlgefallen handeln. Ich opfere Dir 295 alle meine Neigungen auf und wünsche, nur Dir zu gefallen. XVI. Totus desiderabilis. Cant. 5, 16. Ganz erwünschlich. Von der heiligen Braut wird ihr Geliebter der durchaus Wünschenswerthe genannt. Hohel. 5. Jesus erregte in den Seelen, die Ihn als Bräute lieben, die gleiche Sehnsucht, sei es, daß Er fie züchtige oder tröste, sei es, daß sie Ihn nahe empfunden oder ferne, denn Er thut Alles aus Liebe und um Liebe. Verfahre also mit mir, o mein Sesus, nach Deinem Willen. ich werde Dich immer lieben. Du magst mir Annehmlichkeiten oder Drangsale bereiten, so weiß ich, daß mir Alles aus Deinem liebenden Herzen kommt, und daß Alles zu meiner größten Wohlfahrt geschieht. Sieh, o Herr, mein Wille ist bereit, Alles anzunehmen, was Du über mich verfügest. Zu jeder Zeit, im Glück und im Unglück, will ich stets, o mein Schöpfer, Dich segnen und lieben. Ich suche und 296 und verdiene nicht Trost von Dir, da ich Dir durch meine Sünden so viel Schmerz verursacht habe; ich suche bloß Dir zu gefallen. Wenn Du nur zufrieden bist, so ertrage ich willig jedes Ungemach. Mein Jesus, ob fern oder nahe, immer wirst Du mir wünschenswerth und theuer sein; Du magst mich trösten oder züchtigen, immer will ich Dich lieben und Dir danken. XVII. Quae est ista, quae ascendit de deserto, deliciis affluens, innixa super dilectum? Cant. 8, 5. Wer ist diese, die aufsteigt aus der Wüste, überströmend von Lust, gesiützt auf den Geliebten? Glücklich sind jene Seelen, welche auf der Erde lebend, sie wie eine Wüste ansehen, sich von den sichbaren Dingen los reißen und nur allein für Gott leben, als wenn nichts anderes vorhanden wäre, als Gott, den sie allein lieben und dem fie allein zu gefallen suchen. So gehen fie gleichsam über die Erde hinaus, erheben sich über dieselbe und genießen das Entzücken, welches der allein fostet, der 297 nur Gott sucht und nur auf Ihn atte seine Hoffnungen seßet. Wer sind wohl jene glücklichen Seelen anders, als diejenigen, welche sich oft in reiner Liebe mit Christus im Sakramente vereinigen? Ja, mein Gott, so wünsche auch ich durch Deine Gnade von Allem losgerissen zu sein und Dir ganz zu gehören. Die Welt wird für mich von nun an eine Wüste sein, wo ich es vermeiden werde, mich an irgend eine Kreatur zu heften; ich will nur an Dich denken, als ob nur Du und ich vorhanden wären. Auf Dich allein will ich mein ganzes Vertrauen seßen, meine ganze Liebe, o Gott, meine Hoffnung, meine Liebe, mein Aules! XVIII. Si murus est, aedificemus super eum propugnacala argentea: si ostium est, compingamus illud tabulis cedrinis. Cant. 8, 9. Ist sie eine Mauer, so wollen wir silberne Bollwerke darauf bauen; ist sie eine Thür, so verwahren wir sie mit Zederbrettern. Gerade dieses thut Jesus, wenn Er zu einer Seele kommt in der heiligen 298 Kommunion. Sieh nur, wie sie eine allzuschwache Mauer ist, um den Angriffen der Hölle zu widerstehen; daher befestigt Er sie durch die Kraft des Saframentes mit silberner Schußwehr, das ist, mit seinem göttlichen Lichte. Sieh nur, wie eine zerbrechliche Thür sie ist; darum erneuert Er sie mit Brettern der Kraft und der Ausdauer, angedeutet durch das starke und unzerstörbare 3edernholz, das ist, mit den Gaben der heiligen Ehrfurcht, mit Losreißung von den Kreaturen, Liebe zum Gebet, heiligem Verlangen, und noch mehr mit der Gabe der göttlichen Liebe, Alles Stüßen der heiligen Beharrlichkeit. Jesus verkündigt uns, daß wie das irdische Brod das Leben des Leibes erhält, so das himmlische in der heiligen Kommunion das Leben der Seele. Wer Mein Fleisch ist und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Joh. 6, 57. Der hat das ewige Leben. Joh. 6, 55. Dieß sind die schönen Verheißungen, welche Jesus demjenigen macht, der Ihn im allerheiligsten Saframente empfängt. Ach! mein Jesus, wer ist gebrech 299 licher und untreuer, als ich! Du weißt, wie oft schon ich meinen Feinden nachgegeben, wie oft sie die Thüre, das ist, meinen Willen, erreicht haben, wo hindurch sie eingegangen sind, mich zu Grunde zu richten, dadurch, daß sie mir Deine Freundschaft entzogen. Ach! stärfe mich mit Deinem Lichte und Deiner Kraft, auf daß ich Dich nicht mehr verliere und von mir entferne, o mein Erlöser und Herr; sollte ich Dich je wieder beleidigen, so laß mich lieber sterben jetzt, da ich in Deiner Gnade zu stehen und mit Dir vereint zu sein hoffe. Ich wage es nicht mehr, ohne Dich zu leben, noch will ich es, mein liebster Jesus. Aber so lang ich lebe, bin ich fähig, im Willen zu schwanken und Dich aufs Neue zu verrathen, wie ich es früher gethan. Hilf mir also; steh auch Du mir bei und habe Mitleiden mit mir, o seligste Jungfrau, Mutter der Beharrlichkeit, und erlange mir diese Gnade von Deinem Jesus; bei Euch suche ich sie, von Euch hoffe und wünsche ich sie. 300 XIX. Inveni, quem diligit anima mea, tenui eum nec, dimittam. Cant. 3, 4. Ich fand Jhn, den meine Seele liebet. Ich hielt Jhn, und will Ihn nimmer lassen. So soll jede Seele sagen, die mit Jesus im allerheiligsten Sakrament ver eint ist. Kreaturen, ach! verlasset mich, entfernet euch aus meinem Herzen! Ich liebte euch eine Zeit lang, weil ich verblendet war, nun aber liebe ich euch nicht mehr und kann euch nicht mehr lieben; ich habe ein anderes, unendlich liebenswürdigeres Gut, als euch gefunden, dessen Schönheit meine ganze Liebe befizet. Diesem Geliebten habe ich mich ganz ergeben. Er hat mich als sein eigen angenommen, daher ich mir nicht mehr angehöre. Kreaturen, lebt wohl, euch gehöre ich nicht mehr an und werde euch nicht mehr angehören; ich bin und werde stets das Eigenthum meines Jesus sein. Er gehört auch mir und wird mir immer gehören: Ich hielt Ihn, und will Ihn nimmer lassen. Nun habe ich Ihn schon beim Empfange der heiligen Kommunion mit meinem Herzen vereiniget; in 3u 301 funft werde ich Ihn mit meiner Liebe festhalten und nicht mehr von mir lassen. Erlaube, mein liebreichster Erlöser, daß ich Dich innig an mich schließe, auf daß Du nicht mehr von mir getrennt werdest. Sieh, ich halte Dich fest umfaßt, o mein Jesus, ich liebe Dich und möchte Dich so sehr lieben, wie Du es verdienest. Meine einzige Freude und Ruhe sei, Dich zu lieben und Dir zu gefallen. Gebiete den Kreaturen, daß sie von mir lassen und mich nicht stören. Ach, wenn ich nicht will, können die Kreaturen nicht kommen, um mich zu stören und von Dir zu trennen. Befestige also meinen Willen; vereinige mein elendes Herz mit Deinem göttlichen Herzen, auf daß es immer Alles wolle, was Du willst. Thue dieses, o Herr, um Deiner Verdienste willen. Dieß ist meine Hoffnung. Amen. 30° XX. Surge, aquilo, et veni auster, perfla hortum meum, et fluant aromata illius. Cant. 4, 14. Erhebe dich Nordwind, und komme, o Süd, durchwehe meinen Garten, daß seine Düfte strömen. Weiche von mir, o schädlicher und falter Nordwind der irdischen Begierden, und komm du warme und angenehme Luft der heiligen Liebe des heiligen Geistes, die du ausgehst aus dem Herzen meines Jesus im allerheiligsten Safra mente! Ach! wehe du allein in meiner Seele, welche schon von Jesus zu seinem Lustgärtlein auserwählt worden ist. Wehe du allein, denn o welche neue und süße Gerüche heiliger Tugenden werden bei seinem Hauche von mir ausgehen! O Jesus, mein Jesus. Du kannst es bewirken, von Dir hoffe ich es. 303 XXI. Messui myrrham meam cum aromatibus, meis comedi favum cum melle Cant. 5, 1. meo. Ich habe meine Myrrhe mit meinen Gewürzen eingesammelt; ich habe den Honigfladen mit meinem Honig gegessen. Eine Seele, welche Jesum empfangen hat, muß sorgfältig Myrrhen sammeln, auf daß sie immer einen angenehmen Geruch derjenigen Tugenden von sich gebe, die aus der Abtödtung der Eigenliebe entstehen. Die Seele, welche Gott allein liebt, begnügt sich nicht mit dem Honig, sie will auch die Honigscheibe; daher spricht sie zu Jesus: Herr, mir genügen nicht Deine Tröstungen, wenn Du Dich mir nicht selber gibst, der Du die Quelle bist aller Tröstungen; mir genügen nicht die Früchte der Liebe, wenn Du nicht auch Dich mir gibst, der Du der Gegenstand meiner Liebe bist. Ja, ich sage Dir, o mein Jesus, daß Du allein mir genügest, ich bin bereit, auf alle Deine Süßigkeiten zu verzichten, wenn ich Dich nur allein besige, mein Gott und mein einziges Gut! Ich liebe Dich nicht, um mir, sondern um Dir zu 304 gefallen, der Du von mir geliebt werden willst, und auch alle Liebe von den Seelen verdienest, Du magst diese nun trösten oder mit Prüfungen heimsuchen. XXII. Nihil mihi decrit: in loco pascuae ibe me collocavit. Ps. 22, 1. Nichts wird mir mangeln; Er weidet mich auf guter Weide. Ach! mein liebreichster Jesus, da Du mich einladest an diesen Tisch der Liebe zum Genusse Deines göttlichen Fleisches, was kann mir nun noch fehlen! Was sollte ich wohl noch fürchten, wenn Du, allmächtiger Gott, mein Licht und mein Heil bist! Ich gebe mich Dir ganz hin, nimm mich auf und thue mit mir nach Deinem Gefallen, züchtige mich, zeige Dich erzürnt gegen mich, wenn Du willst, tödte mich, vernichte mich, stets will ich mit Job ausrufen: Auch wenn Er mich tödtet, will ich auf Ihn hoffen, 13, 15. Wenn ich nur Dein bin, wenn ich Dich nur liebe, so bin ich zufrieden, solltest Du mich auch mit aller Strenge behandeln, solltest Du mich sogar vernichten, wenn es so Dir gefällt. 305 XXIII. In manibus meis descripsi te; mur tui coram oculi meis semper. Is. 49, 16. Siehe, in Meine Hände hab' Ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor meinen Augen. Sieh, diese liebende Sorgfalt trägt Gott, für eine Seele, die Er für sich will; Er hat sie in seine Hände geschrieben, um ihrer nie zu vergessen; Er sagt, daß eine Mutter schneller den eigenen Sohn vergessen könne, als Er eine Seele im Stande der Gnade. Immer hat Er ein wachsames Auge auf die Schußwehr jener Seele, auf daß die Feinde ihr keinen Schaden zufügen. Unser gütiger Gott umgibt uns mit dem Schuße seines gütigen, ganz auf unser Wohl gerichteten Willens und so befreit er uns von allen Gefahren. Ach! mein Gott, unendliche Güte, der Du mich mehr als sonst Jemand liebest und meine Wohlfahrt wünschest, Dir übergebe ich mich ganz: es mag auch jede Hoffnung schwinden, wenn nur Du mir nicht fehleft. Ich erkenne, daß auch ich mitwirken muß, Deinen heiligen Willen zu erfüllen. Liguori, Besuchungen 2c. 20 306 Nichts anderes kann ich Dir sagen, als: Sieh, ich bin bereit und entschlossen, o mein süßer Jesus, zu thun, was Dir gefällt. Nichts anderes wünsche ich, als Deinen heiligen Willen zu vollbringen. Aber steh Du mir bei, sonst kann ich nichts Gutes thun. Lehre Du mich nicht allein Alles erkennen, sondern auch thun, was Dir gefällt. Gib, ewiger Vater, daß ich in Wahrheit sagen könne, was Dein Sohn Jesus Christus gesagt hat, als Er auf Erden wandelte: Ich thue allezeit, was Ihm wohlgefällig ist. Joh. 8, 29. Mein Gott, dieses wünsche ich, nach diesem trachte ich, dieses hoffe ich durch die Verdienste Deines Sohnes und der heiligsten Jungfrau. XXIV. Praebe, fili mi, cor tuum mihi. Prov. 23, 26. Gib mir, Mein Sohn, dein Herz. Sieh, meine Seele, das ist Alles, was der Herr von dir verlangt, da Er kommt, dich zu besuchen; Er will dein Herz und deinen Willen, Er übergibt sich dir ohne Vorbehalt, es ist also billig, 307 daß auch du dich ganz Ihm hingebest, darauf bedacht, halten. alle seine Gebote zu Deuter. 30, 8. Handle so, daß Jesus Christus, wenn Er dich wieder besuchen wird, sich freuen könne, alle seine Anordnungen von dir befolgt zu sehen. Mein Jesus, ich will Dir gefallen, stehe meinem Verlangen bei, gib mir Kraft und thue mit mir, wie Dir gefällt. XXV. Quid est, quod debui ultra facere vineae meae, et non feci? Is. 4, 5. Was hätte Ich meinem Weinberge noch mehr thun sollen, das Ich nicht gethan? Meine Seele, höre auf das, was dein Gott dir zuruft: Was sollte Ich noch mehr für dich thun, das Ich nicht gethan hätte? Ich bin Mensch geworden aus Liebe zu dir; vom Herrn zum Knecht herabgestiegen; Ich bin in einem Stalle geboren, einem Orte, wo die niedrigsten Geschöpfe entstehen; Ich habe Mein Leben für Dich gegeben am schmählichen Stamme des Kreuzes. Was blieb Mir noch übrig zu thun, als zu sterben für dich? Doch, 20* 308 Meine Liebe wollte noch mehr für dich thun und hat es gethan. Nach meinem Tode habe Ich Mich ganz als Speise hinterlassen wollen im allerheiligsten Sakramente. Sag Mir, was hätte Ich noch mehr thun sollen, deine Liebe zu gewinnen.? Du hast Recht, mein Erlöser und Herr, was kann ich Dir antworten? Ich weiß es nicht. Du bist gut gegen mich und ich undankbar gegen Dich. Ich bewundere Deine unermeßliche Güte, betrachte meine Unerkenntlichkeit und werfe nich zu Deinen Füßen nieder mit den Worten: Habe, mein Jesu, Mitleid mit mir, der ich deine Liebe mit so großem Undank belohnet. Räche Dich an mir und züchtige mich, aber verlaß mich nicht; züchtige und ändere mich, laß nicht zu, daß ich ferner im Undank gegen Dich lebe; gib, daß ich Dich wenigstens aus Dankbarkeit liebe, und Dir vor meinem Tode irgend einen Ersaß für Deine Liebe gewähre. 309 XXVI. Pone me ut signaculum super cor Cant. 8, 6. tuum. Seße mich wie ein Siegel auf dein Herz. Da ich Dir nun mein ganzes Herz geweiht habe, liebster Jejus, jo ist es nur allzu billig, daß ich Dich als Siegel der Liebe darauf drücke, um jeder andern Neigung den Eingang zu verschließen und allen zu zeigen, daß mein Herz Dir gehört und Du allein darüber gebieteſt; aber, was hast Du von mir zu erwarten, D Herr, wenn Du es verschmähst? Ich kann nichts anderes thun, als Dir mein armes Herz schenken, auf daß Du darüber verfügest nach Deinem Gefallen. Hier ist es ganz, ich gebe, weihe und opfere es Dir. Du sollst es für immer besißen, ich will keinen Theil mehr daran haben; wenn Du es liebest, so erhalte es Dir. Ach! laß es nicht mehr zu meiner Verfügung, denn ich würde Dir es neuerdings rauben. Oliebreichster Gott, unendliche Güte, da Du so sehr mich verpflichtet hast, Dich zu lieben, o so bitte ich Dich, bewirke, daß ich Dich liebe. Ich will nur leben, um Dich zu lieben, ich 310 will Dich nur lieben, um Dir zu gefallen. Der Du so viele Wunder wirkest, um in mein Herz eingehen zu können in diesem allerheiligsten Sakramente, wirke auch noch dieses andere, gib, daß ich Dir ganz angehöre, aber ganz und gar, ungetheilt und ohne Vorbehalt, so, daß ich in diesem und jenem Leben sagen könne, Du seiest der einzige Herr meines Herzens, mein einziger Reichthum. Heiligste Jungfrau, meine Mutter, meine Hoffnung, stehe du mir bei und ich werde gewiß erhört werden. Dieß ist mein Wunsch und meine Hoffnung. Amen. Kurze Liebesseufzer zu Gott. 1. Wer bin ich, o Herr, daß Du mich so sehr geliebt hast und so sehr von mir geliebt zu werden suchest? 2. O unendlich liebenswürdiger Gott, ich liebe Dich. Doch nein, ich muß vielmehr sagen, ich liebe Dich nicht. 3. Ich liebe Dich über Alles, mehr als mein Leben, mehr als mich selbst, und doch sehe ich, daß ich Dich zu wenig liebe. 311 4. OKönig des Himmels, mache Dich auch zum König meines Herzens und besige mich ganz. 5. Alles lasse ich zurück und bekehre mich zu Dir. Ich umfasse Dich und halte Dich fest; verschmähe mich nicht. Unermeßliches Gut, Dich liebe ich. 6. Schon hast Du Dich mit mir vereinigt; o Jesus, wie kann ich mich von Dir getrennt sehen? Ich liebe Dich, und werde es nie unterlassen, Dich zu lieben. 7. Verbinde Dich mit mir, o Herr; es halte Dich nicht von mir ab die Häßlichkeit meiner Sünden. 8. Wen sollte ich lieben, o Gott, wenn nicht Dich, mein Leben, meine Liebe, mein Alles! 9. Gott! Dich allein wähle ich mir zur Liebe. 10. Mein Erlöser, nichts anderes will ich von Dir, als Dich selbst. 11. O könnte ich mich ganz auflösen für Dich, der Du Dich ganz für mich hingegeben! 12. Nimm hin, o Herr, meinen ganzen Willen und verfüge über mich nach Deinem Gefallen. 312 13. Gott, wie wenig kennt man Dich! O Gott, wie wenig liebt man Dich! Ein Thor ist, der Dich nicht liebet! 14. Schon während des Sündigens wußte ich, wie sehr ich dir dadurch mißfalle, o Gott! Und doch that ich es und konnte es thun! 15. Wäre ich damals gestorben, so könnte ich Dich jetzt nicht mehr lieben. Nun da ich kann, will ich Dich lieben. 16. Laß nicht zu, o Herr, daß ich nach io vielen empfangenen Gnaden Dich aufs Neue verrathe; laß mich eher sterben. 17. Du hast mich ertragen, auf daß ich Dich liebe. Nun denn, so will ich Dich lieben. 18. Mein Gott, Du hast mich besiegt; nicht länger will ich Dir widerstehen, ich ergebe mich Dir. 19. Gott! wie viele Jahre habe ich verloren, in denen ich Dich hätte lieben können! 20. Dir weihe ich, o Gott, mein noch übriges Leben. Und wer weiß, wie viel mir noch übrig bleibet! 21. Was Reichthum! Was Ehre! Was Vergnügen! Gott! Gott allein wünsche ich 313 22. OKönig der Herzen, herrsche auch in meinem Herzen. Ach! zieh mich ganz zu Dir hin. 23. Verbinde mich mit Dir, o Gott, so daß ich mich nicht von Dir trennen könne. 24. Du wirst mich nicht verlassen und ich lasse nicht von Tir. So denn werden wir uns immer lieben, o Gott! 25. Ach! mache mich ganz zu dem Deinigen, ehe ich sterbe, o Jesus, meine Liebe, mein Leben, mein Kleinod, mein Alles! 26. Ach, mein Jesus, gib, daß ich Dich besänftiget sehe, sobald ich Dich zum ersten Male wieder erblicke. 27. Wann werde ich sagen können: Mein Gott, ich kann Dich nicht mehr verlieren? 28. Wann werde ich Dich unverhüllt schauen, o Herr, und Dich von Angesicht zu Angesicht lieben in alle Ewigkeit und aus allen meinen Kräften? 29. unendliches Gut, so lange ich also lebe, stehe ich in Gefahr, Dich zu verlieren. 30. Du hast mich allzusehr zur Liebe verpflichtet, o Jesus, so will ich Dich 314 auch lieben. Dich liebe ich, Dich liebe ich, Dich liebe ich! 31. ewiger Vater, aus Liebe zu Jesus schenke mir Deine Liebe. 32. Nimm auf zu Deiner Liebe einen der Unt ankbarsten, die je auf Erden ges lebt haben. 33. Gott! ich will Dich nach Kräften lieben hienieden, damit ich nach Kräften Dich liebe dort oben. 34. O Jesus, Du hast Dich ganz mir gegeben, ich gebe mich ganz Dir hin. 35. Welch größere Freude kann ich haben, als Dir zu gefallen, o Gott! 36. Liebster Jesus, wie sehr ich Dich beleidiget habe, so sehr will ich Dich lieben. 37. Ich liebe Dich, unendliche Güte, laß mich erkennen, welch großes Gut ich liebe. 38. O Jesus, Du bist der Weinstock und ich bin Dein Rebschoß, halte mich mit Dir verbunden und gib nicht zu, daß ich mich je von Dir losreiße. 39. Wie sehr freue ich mich, o Gott, daß Du unendlich glückselig bist. Herr, wo bist Du? 40. Bist Du bei mir oder nicht? Bin ich in Deiner 315 Gnade oder nicht? Wisse, daß ich Dich liebe, daß ich Dich mehr liebe als mich selber. 41. Verleihe mir, o Jesus, die Liebe, die Du von mir verlangeſt. 42. Ach hätte ich Dich doch immer geliebet! 43. Ach! wenn ich Dich doch liebte, o Gott, Dich liebte! Ich liebe Dich, doch allzuwenig. 44. Gib, o Herr, daß ich Dich nach Kräften liebe und Alles überwinde, um Dir zu gefallen. 45. Ich schenke Dir meinen Willen; ich wünsche nichts Anderes, als was Du verlangest. 46. Ich suche bei Dir nicht Befriedigung, nur will ich Dich befriedigen, mein Gott, meine Liebe, mein Alles! 47. Unendlicher Gott, ich bin nicht werth, Dich zu lieben: gestatte, daß ich Dich liebe. 48. Ich hoffe Dich ewig zu lieben, o ewiger Gott! 49. Du haft so viel für mich gelitten, o Jesus, ich will für Dich leiden, so viel Du willst. 50. Gott meiner Seele, ich getraue 316 mir nicht mehr zu leben, ohne daß ich Dich liebe. 51. O Willen Gottes, Du bist ganz meine Liebe! 52. Allmächtiger Gott, mache mich heilig! 53. Dein Ruhm wird es sein, o Herr zu bewirken, daß einer deiner Feinde ein großer Freund Dir werde. 54. Du hast mich aufgesucht, o Gott, als ich Dir entfloh, Tu wirst mich nicht von Dir weisen, nun da ich Dich suche 55. Liebreichster Jesus, Tu hast, um mich zu verschonen, Dich selbst nicht verschonet. 56. Ich danke Dir, daß Du mir Beit gibst, Dich zu lieben. Ja mein Gott, ich liebe Dich, ich liebe Dich und immer werde ich Dich lieben! 57. Gott, unendlicher Liebe würdig, es sei heute der Tag, an dem ich mich ganz zu Dir wende, meine ganze Liebe, mein Alles! 58. Züchtige mich nach Deinem Ge fallen, aber beraube mich nicht des Vermögens, Dich zu lieben. 317 59. Göttlicher Vater, Du hast mir Deinen Sohn gegeben, ich gebe Dir mich Elenden, nimm mich auf aus Mitleid. 60. Ich will, o Herr, das Mißfallen ersetzen, das ich Dir verursacht habe, dadurch, daß ich Alles thue, was in meinen Kräften steht, um Dir zu gefallen. 61. Ich will Dich lieben, o Gott, ohne Eigennuß, ohne Aufhören und ohne Vorbehalt. 62. Mein Jesus, für mich der Verachtung preisgegeben, gib, daß ich für Dich verachtet werde. 63. O Jesus, der Du für mich mißhandelt worden, gib, daß ich mit Liebe die Leiden dieses Lebens ertrage. 64. Ich möchte, mein Erlöser, für Dich sterben, der Du für mich gestorben bist. 65. Heute entschließe ich mich, Dir ganz mich hinzugeben. 66. Ach möchten Dich doch Alle lieben, wie Du es verdienest. 67. Gib, o Herr, daß ich nichts unterlasse, was zu Deinem Gefallen dienen kann. 68. Selig bin ich, wenn ich Alles verliere, um Dich zu gewinnen, mein Gott, mein Alles! 318 69. Jesus, der Du für mich ge opfert worden, ich opfere Dir meinen ganzen Willen. 70. Wann werde ich, o Gott, Dein eigen sein? 71. Ach, mein Jesus, wer Dich nicht liebt, der fennt Dich nicht. 72. Ich strebe, o Herr, mehr nach Deinem Wohlgefallen, als nach allen Freuden der Welt. 73. Gekreuzigter Jesus, warum entbrennen nicht Alle in Liebe zu Dir? 74. Du bist für mich gestorben, ach, könnte ich auch für Dich sterben, v Jesus, meine Liebe, mein Kleinod, mein Alles! 75. Herr, was soll ich Dir geben für Alles, was Du für mich gelitten hast! 76. Unendliche Güte, ich schäße Dich über Alles, ich liebe Dich von ganzem Herzen, ich übergebe mich Dir ganz; nimm an meine Liebe und verleihe mir noch größere. 77. Laß mich Alles vergessen, damit ich nur an Dich denke, meine Liebe, mein Alles! 78. Ich möchte Dich lieben nach Dei nem Verdienste; nimm an, o Gott, dieses 319 mein Verlangen und schenke mir Deine heilige Liebe. 79. Genug schon habe ich Dich beleidigt, nun will ich Dich lieben. 80. Gott, o Gott, ich bin Dein und Du bist mein. 81. Alles mag zu Grunde gehen, nur Gott nicht verlieren! 82. Gott foste, was er wolle, er ist nie zu theuer erkauft. 83. Du allein, o Jesus, Du allein genügst mir. 84. Maria, behüte mich und ziehe mich ganz zu Gott hin. 85. Liebreichste Mutter, ich liebe dich gar sehr! 86. Mutter, gib mir Vertrauen auf dich und bewirke, daß ich immer zu dir meine Zuflucht nehme. 87. Maria, du kannst mich retten und heiligen durch deine Fürbitte. Dieses hoffe ich. Habe Mitleiden mit mir. 320 Gebet um Beharrlichkeit bis aus Ende. Ewiger Gott, ich bete Dich an und danke Dir, daß Du mich erschaffen und durch Jesum Christum erlöset hast; daß Du mir so oft vergeben und vor so vielen Fehltritten mich bewahrt hast, in die ich aufs Neue verfallen wäre, hättest Du mir nicht mit Deiner Gnade Beistand geleiſtet. Aber die Feinde werden nicht ablassen, mich zu verfolgen bis zu meinem Tode. Wenn Du mir nicht beistehest, so werde ich Dich wieder beleidigen, schwerer als jemals. Um der Liebe Jesu Christi willen gib mir heilige Ausdauer. Jesus Christus hat uns verheißen, daß Du uns alle Gnade verleihen werdest, um die wir Dich in seinem Namen bitten. Also bitte ich Dich durch die Verdienste Deines göttlichen Sohnes um die Gnade, mich nie mehr von Dir zu trennen. Um diese Gnade bitte ich Dich auch für alle Andern, welche sich gegenwärtig Deiner Liebe erfreuen. Ich bin gewiß, daß, wenn ich fortfahre, Dich um Be 321 harrlichkeit zu bitten, ich sie erlangen werde; denn Du hast versprochen, den zu erhören, welcher Dich anruft. Nur das fürchte ich, ich möchte es bei irgend einer Gelegenheit unterlassen, mich Dir anzuempfehlen, und so Dich verlieren. Üm eine Gnade bitte ich Dich also im Namen Jesu und Maria, um die Gnade des beständigen Gebetes. Gib, daß ich in Versuchungen immer zu Dir meine Zuflucht nehme mit Anrufung der Namen Jesu und Maria. So hoffe ich mit Zuversicht, o Gott, in Deiner Gnade zu sterben und Dich im Paradiese zu lieben, wo ich sicher sein werde, mich nicht mehr von Dir zu trennen, und Dich in alle Ewigkeit zu lieben. Amen. Gebet um die heiligen Tugenden. Mein Gott und Herr, ich bitte Dich um der Verdienste Jesu Christi willen vor Allem um Dein heiliges Licht; laß mich erkennen die Eitelkeit der Güter dieser Erde, und daß es kein anderes Gut gibt, als die Liebe zu Dir, o höchstes und unendliches Gut! Laß mich erLiquori. Besuchungen 2c. 21 322 tennen meine Unwürdigkeit, und wie Du geliebt zu werden verdienst von Allen, hauptsächlich von mir, wegen der Liebe, die Du mir bewiesen. Verleihe mir heilige Demuth, auf daß ich mit Freuden alle Verachtung hinnehme, die ich von den Menschen werde zu erleiden haben. Gib mir schmerzliche Reue über meine Sünden. Gewähre mir Liebe zur heiligen Abtödtung bei Bekämpfung meiner Leidenschaften und bei Züchtigung meiner widerspenstigen Sinne. Flöße mir Liebe ein zum Gehorsam, den ich meinen Obern schuldig bin. Leite gnädiglich Alles, was ich thun werde, auf daß ich Dir allein nur gefalle. Gib mir heilige Reinheit des Leibes und Geistes und Lostrennung von Allem, was nicht zu Deiner Liebe geleitet. Gewähre mir großes Vertrauen zum Leiden Jesu Christi und zur Fürsprache der heiligsten Jungfrau. Flöße mir insbesondere innige Liebe zu Dir ein, und vollkommene Ergebung in Deinen göttlichen Willen. Auch empfehle ich Dir die Seelen im Fegfeuer, meine Eltern, Wohlthäter, Freunde, sowie alle jene, von denen ich irgend eine Beleidigung oder Schmach 323 erlitten; überhäufe sie, ich bitte Dich, mit allen Gütern. Ich empfehle Dir endlich die Ungläubigen, Keßer und alle Sünder. Da Du, o Gott, unendlicher Liebe würdig bist, laß Dich erkennen und lieben von Allen, hauptsächlich von mir, der ich gegen Dich am undankbarsten gewesen. Ich habe Dich sehr beleidigt; gib, daß ich Dich eben so sehr liebe und in den Himmel gelange, zu besingen Deine Barmherzigkeit immer und ewig. Heiligste Jungfrau, bitte Jesum für mich. Amen. 21* 324 Verschiedene Gebete, Andachtsübungen und Betrachtungen. Anweisung, vertraulich mit Gott zu reden. 1. Als der heilige Mann Job bedachte, wie Gott für das Wohl seiner Menschenkinder stets so väterlich sorgt, gleichsam als liege Ihm nichts mehr am Herzen, als uns zu lieben und unsere Liebe zu gewinnen, rief er in einer Unterredung mit dem Herrn staunend aus: Was ist der Mensch, daß Du ihn so groß hältst, oder was sebzest Du Dein Herz an ihn? Job. 7, 17. Wie irrig ist also die Ansicht, als sei ein vertrauter Umgang mit Gott ein Mangel an Ehrfurcht gegen seine unendliche Majeſtät. 325 Wahr ist es, du sollst, o fromme Seele den Herrn in tiefster Demuth verehren, und dich vor Ihm erniedrigen, besonders beim Gedanken an deine Undankbarkeit und alle Ihm zugefügten Beleidigungen; aber das soll dich keineswegs hindern, voll zärtlicher vertrauensvoller Liebe Ihm zu nahen. Er ist die unendliche Herrlichkeit, aber auch die unendliche Liebe und Güte. Niemand kommt Ihm gleich an hoher Erhabenheit, aber auch Niemand an inniger Liebe. Er ist nicht unwillig, nein, Er freut sich vielmehr darüber, wenn Du mit dem gleichen Vertrauen, mit der gleichen Freimüthigkeit und Zärtlichkeit zu Ihm kommst, womit das Kind seiner Mutter sich naht. Er selbst winkt uns zu seinen Füßen und empfängt uns mit der süßen Liebkosung: An den Brüsten wird man euch tragen, und auf den Knieen liebkosen. Wie einen, den seine Mutter liebkoset, so will Ich euch trösten. Jsai. 66, 12. 13. Gleichwie eine Mutter voll Zärtlichkeit ihr Kind auf dem Schooße wiegt, es nähret und liebkoset, so freuet sich Gott im Umgang mit den Ihm ganz ergebenen Seelen. 2. Bedenke, daß du weder Freund 326 noch Bruder, weder Vater noch Mutter, weder Gatten noch Geliebten hast, der dich mehr lieben könnte, als dein Gott. Die göttliche Huld ist das kostbare Kleinod, durch dessen Kraft wir arme Geschöpfe, wir elenden Knechte die geliebten Freunde unsers Schöpfers werden. Er hat, um unser Vertrauen zu vermehren, sich so zu sagen selbst erniedrigt; Er hat sich erniedrigt und ist Mensch geworden, um desto vertraulicher mit uns umgehen zu können. Um unser Vertrauen zu vermehren, ist Er als Kind auf Erden erschienen, darum ist Er arm geworden, und hat sich vor aller Welt ans Kreuz Heften lassen, darum bleibt Er unter den Gestalten des Brodes und Weines bei uns zurück, um unser Gefährte zu werden und sich auf das Innigste mit uns zu vereinigen. Du siehst also, Er liebt dich so sehr, daß es scheint, Er liebe nur dich allein! Deßwegen sollst auch Du nur Ihn allein lieben und keine andere Liebe haben, als die zu deinem Gott. Also fannst und sollst du von Ihm sagen: Mein Gott hat sich ganz mir geschenkt, auch ich will mich ihm ganz ergeben; Er hat mich auserwählt zu seinem Ge 327 liebten, und ich wähle Ihn aus unter Allen zu meiner einzigen Liebe. 3. Sprich oft zu Ihm: O mein Gott, warum liebst Du mich so sehr? Was findest Du Gutes an mir? Hast Du vergessen, wie oft ich Dich beleidigt habe? Wie liebevoll hast Du Dein Kind erzogen und mich, anstatt mich in die Hölle zu verdammen, mit Gnaden überhäuft! Wie könnte ich von nun an noch etwas Anderes lieben, als Dich, mein höchstes Gut, mein Alles? O liebens würdigster Gott! Hab' ich Dich früher beleidiget, so schmerzt mich das nicht am meisten, daß ich Strafe verdienet, sondern daß ich mir Dein Mißfallen zugezogen habe, o unendlicher Liebe würdiger Gott! aber ein zerknirschtes, demüthiges Herz wirst Du, o Gott, nicht verachten! daß in diesem wie im künftigen Leben nur Du allein der Gegenstand und das Ziel meiner Wünsche wärest! Du allein bist der Herr meines Herzens und meines Willens und wirst es ewig sein! Du, mein einziges Gut, mein Paradies, meine Hoffnung, meine Liebe! mein Ales! 328 4. Um dein Vertrauen auf Gott immer mehr zu befestigen, sollst du oft seiner liebevollen Führung gedenken, du sollst die Mittel der Barmherzigkeit dir wieder ins Gedächtniß rufen, deren Er sich bediente, dich abzulenken von deiner ungeordneten Lebensweise, von deiner Anhänglichkeit an das Irdische, und zurückzuführen zu seiner heiligen Liebe. Daher fürchte nicht mehr, Dein Vertrauen zu Gott möchte zu schwach sein, wenn du fest entschlossen bist, Gott zu lieben, und so sehr es in deiner Macht steht, Ihm zu gefallen. Die Barmherzigkeit, die Er an dir gethan, ist der sicherste Beweis seiner Liebe zu dir. Darum mißfällt Ihm das Mißtrauen derer, die Ihn von Herzen lieben und die Er liebt Willst du also das liebevolle Herz deines Gottes befriedigen, so zeige Ihm von nun an das größte Vertrauen und die größte Zärtlichkeit. Geliebte Seele, spricht der Herr, warum fürchtest du dich, und mißtrauest Mir? In meine Hände habe Ich dich gezeichnet: Siai. 49, 16, um Mich stets daran zu erinnern, dich mit Wohlthaten zu überhäufen. Fürchtest du vielleicht deine Feinde? Wisse, daß Ich stets 329 wache, dich zu schüßen, und dieß nie. unterlassen werde. Darum rief David frohlockend aus: Herr, wie mit einem Schilde hast Du mit Deinem Willen uns gekrönet. Pf. 5, 13. Wer kann uns schaden, o Herr, wenn Du mit Deiner Güte und Liebe uns vertheidigest und beschüßest? Aber vor Allem mußt du dein Vertrauen beleben durch den Gedanken an das große Geschenk seines eingebornen Sohnes, Jesus Christus. Wie fönnen wir noch fürchten, ruft der Apostel aus, daß Gott uns irgend ein Gut versagen werde, nachdem Er uns seinen eigenen Sohn geschenkt hat? 5. Meine Lust ist bei den MenschenKindern zu sein. Sprüchw. 8, 31. Das menschliche Herz ist, so zu sagen, Gottes Paradies. Gott liebt dich, liebe auch du deinen Gott! Er findet eine Freude daran, bei dir zu sein, o möchtest auch du eben so gern bei Ihm weilen, und dein ganzes Leben dich nie wieder von dem trennen, dessen liebenswürdiger Gesellschaft du dich in der Ewigkeit wieder zu erfreuen hoffest. 6. Gewöhne dich also, allein und dertraulich mit Ihm zu reden, mit Zuversicht 330 und Liebe zu Ihm wie zu deinem theuersten Freunde zu sprechen, der dich überschwänglich liebt. Es ist, wie gesagt, ein großer Irrthum, wenn man glaubt, man müsse mißtrauisch, wie ein furchtsamer Sklave, der verschämt und zitternd vor seinem Herrn steht, Gott nahen, aber man würde sich noch mehr irren, wenn man meinte, der Umgang mit Gott sei widrig und langweilig. Nein, wahr ist es: Sein Umgang hat nichts Bitteres, und seine Gesellschaft nichts Widriges. Weish. 7, 16. Frage die Seelen, die Gott wahrhaft lieben, und sie werden Dir bekennen, daß sie in den Leiden des Lebens keinen größeren Trost finden, als den liebevollen Umgang mit Gott. 7. Man verlangt feine unausgeſetzte Anstrengung deines Geistes von dir; eben so wenig will man, daß du allen deinen Arbeiten und Erholungen entsagest. Man will nichts anderes, als daß du, ohne deine Beschäftigungen zu vernachlässigen, dich in dieser Beziehung gegen Gott verhaltest, wie gegen diejenigen, die du liebst und die dich lieben. 8. Gott ist dir stets nahe; Er wohnt in deinem Herzen. Wir bedürfen bei 331 unserer Unterredung mit Ihm nicht der Ankündigung eines Dritten; Gott wünscht, daß du Ihm mit Vertrauen entgegen kommest. Sprich mit Ihm von deinen Geschäften, von deinen Plänen, von deinen Leiden und deinen Besorgnissen und von Allem, was dein ist. Thue es mit Vertrauen und Offenherzigkeit; denn Gott pflegt nicht mit den Seelen zu sprechen, die Ihm nicht entgegen kommen, und die, welche nicht gewohnt sind, mit Ihm umzugehen, werden auch seine Stimme nicht verstehen. Darum klagt der Herr: Unsere Schwester ist flein, was sollen wir mit ihr thun? Hohel. 8, 8. Wie kann ich mit ihr sprechen, sie versteht mich noch nicht? Gott wird sich uns als den mächtigsten und furchtbarsten Herrn zeigen, wenn wir seine Gnade verachten, aber Er wird auch im Gegentheil unser geneigtester Freund, wenn wir Ihn lieben; laßt uns also oft vertraulich und ohne Scheu mit Ihm reden. 9. Wahr ist es, du sollst stets mit Ehrfurcht vor deinem Gotte erscheinen; aber wenn Gottes Gnade dich seine Gegenwart fühlen läßt, und den Wunsch zu erkennen gibt, du mögest mit Ihm 332 reden, wie mit demjenigen, der Dich vor Allen liebet, so offenbare ihm deine Gefühle mit Freimüthigkeit und Vertrauen. Wenn du nach seiner Liebe verlangest, so wartet Er nicht, bis du Jhm nahest; Er kommt dir zuvor und bietet dir die Gnaden und Heilmittel, deren du bedarfst. Er wartet nur deßhalb, bis du redest, um dir seine Nähe zu zeigen und seine Bereitwilligkeit, dich zu hören und dich zu trösten. 10. Gott ist unermeßlich groß und deßhalb auch allgegenwärtig; aber zwei Orte sind es, die Er sich vorzugsweise zur Wohnung ausersehen: der eine ist der Himmel, wo Er in seiner Glorie thronet, und sie den Heiligen mittheilet; der andere ist auf der Erde, in der Ihm ergebenen Seele, die Ihn liebt. Gott wohnet im Himmel in unendlicher Herrlichkeit, aber dennoch ist Er unser guter Gott, der es nicht verschmäht, sich Tag und Nacht mit seinen treuen Dienern in Kammern und Einöden zu unterhalten, ihnen himmlischen Trost zu ertheilen, wovon ein einziges Wort alle Freuden der Welt aufwiegt, und nur der kann es gering schäßen, der seinen Balsam nie 333 empfunden: Verkostet und sehet, denn der Herr ist süß. Pf. 33, 9. 11. Freunde haben gewisse Stunden, in welchen sie sich miteinander unterhalten und sich dann wieder trennen; allein, wenn du nicht willst, brauchst du dich von Gott nicht mehr zu trennen. Du wirst ruhen und dein Schlaf wird süß sein, denn der Herr ist zu deiner Rechten! Er weicht nicht von deiner Seite, wenn du schläfst; Er denkt ſtets an dich, und bleibet bei dir, damit, wenn du in der Nacht erwachst, du seiner Nähe dir bewußt werdest, und Ihm Liebe, Ergebung und Dankbarkeit gelobest; so wird die angenehme, süße Unterhaltung mit Ihm nie unterbrochen. Bisweilen läßt Er dich doch sogar, wenn du schläfft, ſeine Stimme vernehmen, auf daß du nach dem Erwachen eilest, seine Wünsche zu erfüllen. 12. Am Morgen erwartet dich der Herr, um einige Worte der Liebe und des Vertrauens von dir zu hören, Er wünscht deine ersten Gedanken zu vernehmen und alle Handlungen, die du zu jeiner Ehre verrichten willst, so wie die Leiden, die du zu seinem Ruhme und 334 aus Liebe zu Ihm zu erdulden versprichst. Wenn Er nun so vor dir steht im Augenblicke deines Erwachens, so darfst du nie unterlassen, Ihn sogleich liebevoll anzusehen; wie wirst du dich dann freuen, von deinem Gott die frohe Kunde zu vernehmen, daß Er nicht mehr ferne von dir ist, wie zu der Zeit deiner Sünden, sondern daß Er dich liebet und von dir geliebt werden möchte, indem Er dir zugleich die lieblichen Worte zuruft: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen! 13. Vergiß nicht, wie die meisten Menschen zu thun pflegen, die süße Gegenwart deines Goites; unterhalte dich mit Ihm, so oft du kannst, denn Er wird darüber nicht ungehalten und un willig, wie die Großen dieser Erde. Wenn du Ihn wahrhaft liebst, wird es dir nie an Stoff zur Unterhaltung mit Ihm fehlen. Sage Ihm Alles, was dich und deine Angelegenheiten betrifft, wie du es einem geliebten Freunde mittheilen würdest. Stelle dir Ihn nicht vor als einen mächtigen Fürsten, der nur mit Personen höheren Standes umgehen und sich mit ihnen über wichtige An 335 gelegenheiten berathen will. Gott läßt sich gerne zu uns herab und freut sich, wenn wir Ihn zum Vertrauten der geringsten Angelegenheiten machen und Ihn über die unbedeutendsten Geschäfte berathen. Er liebt dich so sehr und sorgt so väterlich für dein Wohl, daß man glauben sollte, Er denke nur an dich allein. Ja, Er ist so sehr auf dein Heil bedacht, daß es scheint. seine Vorsehung schirme nur dich, seine Allmacht helfe nur dir, seine Barmherzigkeit und Güte wolle nur dich mit Wohlthaten überhäufen, um durch dieß zarte Zuvorkommen dein Vertrauen und deine Liebe zu gewinnen. So öffne Ihm denn freimüthig dein Herz und bitte Ihn, Er möge dich zur vollfommenen Erfüllung seines heiligen Willens leiten, auf daß alle deine Wünsche und Pläne nur sein Wohlgefallen und die Befriedigung seines göttlichen Herzens bezwecken. 14. Sage nicht: Weßhalb soll ich denn Gott meine Bedürfnisse mittheilen; Er sieht und kennt sie ja eher und besser, als ich selbst? Wahr ist es, Er kennt sie, aber Er thut, als ob Er die Noth nicht ¹enne, die du Ihm nicht mittheilst und 336 für welche du feine Hilfe verlangst. Unser Heiland wußte wohl, daß Lazarus gestorben war, doch gab Er es erst zu erkennen, nachdem Martha es Ihm angedeutet, und dann tröstete Er sie durch die Auferweckung ihres Bruders. 15. Sollte Krankheit, Verfolgung oder eine andere Beschwerde dich bedrohen, so nimm alsbald deine Zuflucht zum Sebete, damit Gott dich schüße und dir beistehe. Es ist genug, wenn du Ihm dein Leiden flagst, und Ihm zurufst: Sieh auf mich, o Herr, denn ich werde geplagt! Er wird dir Trost spenden, oder dir doch Kraft verleihen, jegliche Trübsal geduldig zu ertragen, was für dein wahres Wohl oft heilsamer sein wird, als wenn Er dich ganz davon befreite. Vertraue Ihm Alles, was dich quält, was du fürchtest, oder was dich betrübt, und sprich zu Ihm: O mein Gott, auf Dich setze ich meine ganze Hoffnung, Dir opfere ich dieß Leiden und ergebe mich ganz in Deinen heiligen Willen; habe Mitleiden mit mir, befreie mich von meinen Qualen, oder verleihe mir doch Kraft, sie zu ertragen! Er wird alsdann, nach seinem im Evangelium 337 gegebenen Versprechen, stets die Leidenden trösten, die zu Ihm ihre Zuflucht nehmen. Kommet zu Mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, und Ich will euch erquicken. Matth. 11, 28. 16. Gott sieht es nicht ungern, wenn du, vom Kummer niedergebeugt, bei deinen Freunden Trost und Erleichterung suchest, aber Er will, daß du besonders zu Ihm deine Zuflucht nimmst. Nachdem du dich aber an die Menschen gewendet und diese dein Herz nicht trösten konnten, so nimm deine Zuflucht zu deinem Schöpfer und sprich zu ihm: Herr, Menschen haben nur Worte, sie können mich nicht trösten und ich verlange ihren Trost nicht; Du bist meine ganze Hoffnung, meine ganze Liebe; bei Dir allein suche ich Trost; und mein Trost sei, daß ich in diesem Zustande nach Deinem Wohlgefallen handle. Siehe, ich bin bereit, dieses Leiden zu tragen, so lange ich lebe, ja, noch die ganze Ewigkeit hindurch, wenn es so Dein heiliger Wille ist! Stehe mir nur bei! 17. Fürchte nicht, daß Gott unwillig werde, wenn du dich bisweilen bei Ihm beklagst, mit den Worten: Herr, Du Liquori, Besuchungen 2c. 22 338 weißt, daß ich Dich liebe, und daß ich nur Deine Liebe wünsche; hilf mir aus Barmherzigkeit, und verlasse mich nicht! Und wenn die Trostlosigkeit dich zu lange darniederbeugen sollte, so vereinige deine Stimme mit des betrübten Jesu Klagen am Kreuze und rufe, Hilfe flehend: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Matth. 27, 46. Aber die Trübsal soll nur dazu dienen, dich noch mehr zu demüthigen, wenn du bedenkest, daß die fündigen Menschen ja gar keinen Trost verdienen. Um dein Vertrauen auf Gott noch mehr zu beleben, so be denke, daß Er zu deinem Wohle Alles thut und zuläßt. Und wenn dein Schmerz und deine Trostlosigkeit aufs Höchste gestiegen sind, dann sprich mit festem Muthe: Du wirst mich erleuchten, Du wirst mich trösten, auf Dich vertraue ich. Beruhige dich alsdann in der Ueberzeugung, daß noch Niemand verlassen wurde, der seine Hoffnung auf Gott setzte. Bedenke, daß dein Gott dich mehr liebt, als du je dich selbst nur lieben konntest! Was fürchtest du? David fand Trost, als er sprach: Der Herr forget für mich. Pf. 39, 15. Sprich demnach zu Ihm: Herr, ich werfe 339 mich in Deine Arme, ich will nur daran denken, Dich zu lieben und Dir zu gefallen. Sieh, ich bin bereit, Alles zu thun, was Du von mir verlangst. Du verlangst nicht bloß mein Wohl, sondern bist auch um dasselbe besorgt. Dir überlasse ich also die Leitung meines Heiles, auf Dich vertraue ich, und werde immer auf Dich vertrauen, denn Du willst, daß ich auf Dich meine ganze Hoffnung sebe. 18. Denket gut von dem Herrn und suchet Ihn in Einfalt des Herzens. Weish. 1, 1. Mit diesen Worten ermahnt uns der heilige Geist, mehr Vertrauen in die göttliche Barmherzigkeit zu setzen, als Furcht vor seiner Gerechtigkeit zu hegen; weil Gott mehr geneigt ist, Gutes zu thun, als zu strafen, wie der heilige Jakobus jagt: Die Barmherzigkeit aber ist erhaben über das Gericht. Sat. 2, 13. Deßwegen ermahnt uns der heilige Apostel Petrus, daß wir uns in der Furcht über unsere zeitlichen und ewigen Angelegenheiten der Güte unsers Gottes ganz überlassen sollen, da Er die größte Sorgfalt für uns trägt. Alle eure Sorge werfet auf Ihn, denn Er forget für uns. 1. Petr. 5, 7. Wie schön drückt David 22* 340 dies aus, indem er sagt: Unser Gott ist ein Gott, der helfen kann. s. 67, 21. Dieß bedeutet nach Bellarmins Erklärung, daß das eigentliche Geschäft des Herrn nicht darin besteht, zu verdammen, sondern zu erlösen; denn droht Er auch denen, welche Ihn verachten, mit seiner Ungnade, so verheißt Er doch seine Barmherzigkeit Allen, die Ihn fürchten, nach den Worten Mariens: Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die Ihn fürchten. Luk. 1, 50. Ich führe, andächtige Seele, alle diese Stellen aus der heiligen Schrift darum hier an, damit du, wenn dich der Gedanke ängſtiget, ob du wohl selig werdest, ob du wohl auserwählt seist, oder nich, deinen Muth aufrichtest, wenn du in den Verheißungen Gottes sein Verlangen erkennef, dich zu erlösen, im Falle du entschlossen bist. Ihm zu dienen und Ihn zu lieben. 19. Wenn du eine dir angenehme Nachricht erhältst, so mache es nicht, wie die meisten ungetreuen, unerkenntlichen Menschen zu thun pflegen, welche zur Beit des Unglücks ihre Zuflucht zu Gott nehmen, aber zu Zeiten des Glücks Ihn vergessen und sich nicht um Ihn be 341 fümmern. Zeige Ihm dann die gleiche Treue, die du einem liebenden Freunde beweisen würdest, der sich deines Wohles freut. Eile, Ihm deine Freude mitzutheilen, lobe Jhn, danke Ihm, und ertenne Alles als Gabe seiner Hand an; freue dich des Glückes, das seine Liebe dir bereitet, denn bei Gott allein findest du Freude und Trost. Sprich zu Ihm: O mein Jesu, ich preise Dich und werde stets Dich preisen für so viele Gnade; denn ich habe nicht deine Gnade verdient, sondern nur deine Strafe für meine Sünden. Sprich zu Ihm mit den Worten der heiligen Braut: Herr, ich danke Dir, ich vergesse nicht die Wohlthaten, die Du mir erwiesen und stets noch erweisest, und bringe Dir Rühm und Ehre dafür in Ewigkeit! 20. Wenn du aber deinen Gott wahrhaft liebst, so sollst du dich mehr über seine, als über deine eigene Seligkeit freuen. Wer einen Freund herzlich liebt, freut sich seines Glückes mehr, als des eigenen Wohlergehens. Tröste dich also mit dem Gedanken, daß Gott unendlich selig ist. Sprich oft zu ihm: Liebe mich, Herr, ich freue mich mehr Deiner Selig 342 feit, als meines Glückes, weil ich Dich mehr liebe, als mich selbst. 21. Einen andern Beweis des Vertrauens, der das Wohlgefallen Gottes im höchsten Grade erregt, ist, wenn du, so oft du einen Fehler begangen hast, dich nicht schämst, Ihn sogleich demüthig um Verzeihung anzuflehen. Bedenke, daß Gott so sehr geneigt ist, den Sündern zu verzeihen, daß Er ihren Verlust beflaget, wenn sie sich gleich von Ihm entfernt haben, und seiner Gnade erstorben sind. Und darum ruft Er ihnen liebreich zu: Warum sollt ihr sterben, Haus Israel? Bekehret euch und lebet. Ezech. 18, 31. 32. Er verspricht, jede Seele, die Ihn verlassen hat, und wieder in seine Arme zurückkehrt, freundlich aufzunehmen. Bekehret euch zu Mir, so werd' ich mich zu euch kehren. Zach. 1, 3. O möchten die Sünder es einsehen, mit welcher Barmherzigkeit der Herr sie ers wartet, um ihnen zu verzeihen! O, wenn fie sein Verlangen fennten, sie nicht zu strafen, sondern sie bekehrt zu sehen, sie zu umarmen und an sein Herz zu drücken! So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr, Ich habe kein Wohlgefallen am Tode 343 des Gottlosen, sondern daß der Gottloje sich bekehre von seinem Wege und lebe. Ezech. 33, 11. Er fügt noch hinzu: Kommet und klaget über Mich. Wenn eure Sünden wie Scharlach wären, sollen sie weiß werden wie Schnee, und wenn fie roth wie Purpur wären, so sollen sie weiß werden wie Wolle. Ifai. 1, 18. Wie wenn Er sagte: Ihr Sünder, bereuet es, Mich je beleidigt zu haben und kommt zu Mir; wenn Ich euch nicht verzeihe, so macht mir Vorwürfe und behandelt mich als einen Untreuen. Doch ich werde mein Wort nicht brechen ,. wenn ihr kommt. Wisset, daß Ich durch Meine Gnade eure Gewissen, seien fie auch noch so schwarz von euren Sünden, weiß machen werde wie Schnee. 22. Endlich erklärt uns Gott, daß, wenn eine Seele es bereut, Ihn beleidigt zu haben, Er alle ihre Sünden vergißt. Ich will all seiner Missethaten, die er begangen, nicht mehr gedenken. Ez. 18, 22. Erhebe also, wenn Du irgend einen Fehler begangen hast, deine Augen sogleich zu Gott bezeige Ihm deine Liebe und bekenne Ihm demüthig deine Schuld, baue fest auf seine Verzeihung und sprich: 344 Herr, das Herz, das Dich liebt, ist krank, ist voll Wunden: heile mich, ich habe gefündigt. Du suchst die reumüthigen Sünder, siehe einen derselben zu Deinen Füßen, der Dich sucht. Das Uebel ist gethan, was soll ich nun anfangen? Du willst nicht, daß ich verzage, selbst nachdem ich gesündigt habe, bist Du mir noch zugethan; und ich liebe Dich noch, ja mein Gott, ich liebe Dich von ganzem Herzen; ich bereue es, Dein Mißfallen erregt zu haben, und verspreche, es nie wieder zu thun; Du, mein süßer, mein sanftmüthiger, mein barmherziger Gott, verzeihe mir! Sprich auch zu mir, wie einst zu Magdalena: Deine Sünden sind dir vergeben! Gib mir Kraft, Dir künftig treu zu bleiben! 23. Richte dann, um den Muth nicht finken zu lassen, noch einen besonderen Blick auf Jesus am Kreuze. Opfere dem ewigen Vater seine Verdienste und hoffe sicher auf seine Vergebung, weil Er, um dir zu verzeihen, seines eigenen Sohnes nicht verschonet hat. Sprich vertrauensvoll zu Ihm: Mein Gott, siehe, Dein eigener Sohn ist für mich gestorben, ver zeihe mir aus Liebe zu Ihm! Beachte 345 besonders, o fromme Seele, den Rath, welchen dir die Seelenhirten geben, nach jedem begangenen Fehler sogleich deine Zuflucht zu Gott zu nehmen, und sollte es auch des Tages hundertmal geschehen; wenn du zum Herrn deine Zuflucht genommen hast, darfst du zufrieden sein; sonst wirst du, wegen des begangenen Fehlers, muthlos und unruhig werden, du wirst dich seltener mit Gott unterhalten, dein Vertrauen wird wanken, das Verlangen nach seiner Liebe wird erfalten, und du wirst nur wenig fortschreiten auf dem Wege des Herrn. Wenn du hingegen sogleich deine Zuflucht zu Gott nimmst, Ihn um Verzeihung bittest und Ihm Besserung versprichst, so werden deine Fehler dir sogar den Weg bahnen zu seiner göttlichen Liebe. Bei Freunden, die sich von Herzen lieben, wird die Freundschaft erst recht innig, wenn einer den andern beleidigt und ihn dann reumüthig um Verzeihung bittet. So sei es auch in deinem Umgange mit Gott. Strebe darnach, daß deine Fehler dazu dienen, dich enger an die Liebe deines Gottes zu knüpfen. 24. Treue Freunde berathen sich mit 316 einander, wenn sie über eine eigene oder über irgend eine fremde Angelegenheit in Zweifel gerathen. So unterlaß auch du niemals bei deinem Gott vertrauensvoll um Trost nachzusuchen und Ihn zu bitten, Er möge dich erleuchten, das zu beschließen, was sein heiliger Wille von dir wünscht. Sage mir, o Herr, was willst Du, daß ich thun oder antworten soll, ich bin dazu bereit! Oder wie der heilige Samuel sagt: Rede, o Herr, denn Dein Knecht hört. 25. Beweise deinem Gott auch noch das Vertrauen, Ihm nicht nur deine eigene Noth, sondern auch die Noth Anderer anzuempfehlen. Wie wohlgefällig muß es Gott sein, wenn du bisweilen deinen eigenen Vortheil vergisſest, Ihm von seiner Verherrlichung redest, und Ihm das Elend Anderer Flagst, besonders derer, die über ihre Qualen seufzen; wenn du Ihn bittest. Er möge Mitleid haben mit seinen geliebten Seelen im Fegfeuer, die nach seinem Anschauen sich sehnen, und mit den armen Sündern, denen seine Gnade noch nicht zu Theil geworden ist. Sag ihm noch insbesondere ihretwegen dieses: Herr, Du 347 bist so sehr liebenswerth, Du verdienst unendliche Liebe; wie fannst Du gestatten, daß so viele Menschen, die Du mit Wohlthaten überhäufst, Dich doch nicht erkennen und nicht lieben wollen, Dich beleidigen und verachten? Ach, mein liebenswürdigster Gott, laß Dich erkennen und lieben! Dein Name sei angebetet und geliebet von aller Welt. Deine Liebe lenke die Herzen. O laß mich nicht von Dir gehen, ohne mir eine Gnade für die armen, unglücklichen Seelen zu gewähren, für die ich Dich bitte. 26. Es heißt, daß im Fegfeuer eine besondere Strafe, nämlich die Strafe des Schmachtens, derer warte, welche in diesem Leben nur ein geringes Verlangen nach dem Himmel trugen. Und mit Recht, denn sie zeigten sich gleichgiltig gegen das größte Gut, gegen das Reich Gottes, welches unser Erlöser uns durch seinen Tod errungen hat. Vergiß also nicht, fromme Seele, oft nach dem Himmel zu seufzen und deinem Gott zu sagen, daß die Zeit, bis du Ihn von Angesicht zu Angesicht werdest schauen und lieben können, dir eine Ewigkeit zu sein scheine. Sehne dich nach dem Au 348 genblick, der dich abruft aus diesem Ort der Sünde und des Verderbens, wo wir stets des Verlustes der göttlichen Gnade gewärtig sein müssen; und der dich einführt in jenes Vaterland der Liebe, wo du deinen Gott aus allen Kräften lieben wirst. Sprich oft zu Ihm: So lang ich hier auf Erden lebe, bin ich stets in Gefahr, Dich, o Herr, zu verleugnen und deine Liebe zu verlieren. Wann werde ich aus diesem Leben scheiden, wo ich Dich stets beleidige, um Dich von ganzer Seele lieben zu können, und mich mit Dir zu vereinigen ohne Furcht Dich je wieder zu verlieren? So sehnte sich die heilige Theresia nach Gott, sie freute sich, wenn sie die Glocke schlagen hörte, denn sie dachte, daß nun wieder eine Stunde ihres Lebens vorüber sei, in der sie hätte sündigen und ihren Gott verlieren können. Sie sehnte sich so sehr nach dem Tode und nach dem Anschauen ihres Gottes, daß sie aus Sehnsucht nach dem Tode starb; weshalb sie auch in einem ihrer zärtlichen Lieder ausrief: Ich sterbe, weil ich nicht sterben kann! 27. Aus allem bisher Gesagten geht hervor: Du mußt, um deinem liebevollen 349 Gott zu gefallen, darnach trachten, so oft du kannst, beständig und im engsten Vertrauen mit Ihm zu reden; Er wird es gewiß nicht verschmähen, dir zu antworten, und auch mit dir zu sprechen. Und wenn auch deine Ohren seine Stimme nicht vernehmen, so wird Er, wenn du der Liebe zu den Kreaturen entsagst, um dich allein mit deinem Gott nur zu unterhalten, viel deutlicher noch zu deinem Herzen reden. Ich will sie in die Wüste führen und zu ihrem Herzen sprechen. Ofee. 2, 14. Gott wird dann zu dir reden durch Eingebungen, durch innere Erleuchtung, durch Erkenntniß seiner Güte, durch süße Rührung deines Herzens, durch Zeichen der Vergebung deiner Sünden, durch Vorgeschmack des innern Friedens, durch Hoffnung auf den Himmel, durch innere Seligkeit, durch jene Süßigkeit, die aus dem Bewußtsein seiner Gnade quillt, durch die innigste Vereinigung mit Ihm. Kurz, Er wird die Sprache der Liebe reden, welche die Seelen, die Ihn lieben und Ihn nur iuchen, wohl verstehen. 28. Damit du nun alles Gesagte leicht übersehen und dir ins Gedächtniß zurück 350 rufen könnest, so will ich dir hier eine Anleitung geben, wie du alle Handlungen, die du den Tag über verrichteſt, Gott wohlgefällig machen kannst. Wenn du am Morgen aufwachst, sei dein erster Gedanke, die Seele zu Gott zu erheben und seiner Ehre Alles, was du den Tag über thun und leiden wirst, zum Opfer darzubringen. Bitte Ihn, dir mit seiner Gnade beizustehen. Verrichte alsdann die andern Theile des Morgengebetes; erwecke Dankgefühl und Liebe in deinem Herzen, flehe um seinen Beistand, und versprich Ihm, diesen Tag so zuzubringen, als wäre er der lebte deines Lebens. Der Pater Saint Jure lehrt, man müsse des Morgens gleichsam einen Vertrag mit dem Herrn schließen; man müſſe, nämlich jedesmal, wenn man ein ge wisses Zeichen macht, wie zum Beiſpiel: die Hand auf das Herz legt die Augen zum Himmel oder zu einem Kruzifix erhebt und Aehnliches, dabei die Absicht haben, die Liebe zu Ihm zu erwecken, den Wunsch zu beleben, Gott möchte von aller Welt geliebt werden, und sich selbst Ihm zum Opfer darbringen und so fort. Nachdem du dieses gethan, und deine 351 Seele in die Seitenwunde Jesu Christi unter dem Schirme Mariens verborgen und den ewigen Vater gebeten hast, aus Liebe zu Jesu und Maria dich diesen Tag über in seinen heiligen Schuß zu nehmen, so eile, ehe du deine Geschäfte beginnst, wenigstens eine halbe Stunde lang zu beten, oder eine Betrachtung anzustellen. Mögest du darin besonders die Schmerzen und die Verachtung, die Jesus während seines Leidens erdulden mußte, zum Gegenstande deiner Betrachtung wählen; alle liebenden Seelen thun dieß besonders gern, weil das Leiden Christi am meisten dazu geeignet ist, Liebe zu Gott in ihren Herzen zu entzünden. Drei Andachtsübungen sind es vor allen, deren du dich befleißen mußt, wenn du im geistlichen Leben dich vervollkommnen willst: Die Andacht zum Leiden Christi, zum allerheiligsten Sakramente, und zur allerseligsten Jungfrau Maria. Auch mußt du, während des Gebetes, oft Reue, Liebe zu Gott erwecken und dich Ihm aufopfern. Der ehrwürdige Pater D. Karl Caraffa, Stifter des Predigerordens pflegte zu sagen: daß eine ernstliche Erweckung der Liebe 352 zu Gott, die wir im Morgengebete Ihm aussprechen, hinreiche, uns den ganzen Tag über eifrig im Dienste Gottes zu erhalten. 29. Nebst den frommen Handlungen, Beichte, Kommunionen, vorgeschriebenen Gebeten u. s. w. mußt du ehe du deine Geschäfte beginneft, entweder Handarbeit oder etwas Anderes, je nach den Erfordernissen deines Standes, ja nicht vergessen, jede Arbeit deinem Gott zu weihen und Ihn zu bitten, Er möge dir beistehen, fie ohne Fehler zu vollbringen. Unterlasse auch nicht, oft einen Blick auf dein Inneres zu werfen und dich mit Gott zu vereinigen, wie es die heilige Katharina von Siena zu thun pflegte. Thue Alles, was du thust, mit Gott und für Gott. Wenn du dein Zimmer oder dein Haus verlasseſst oder wieder dahin zurückkehrest, so empfiehl dich stets der heiligen Mutter mit einem: Gegrüßet seist du Maria! Wenn du zu Tische gehst, so opfere deinem Gott den Widerwillen oder das Vergnügen, welche du beim Essen und Trinken empfinden wirst. Danke Ihm nach der Mahlzeit und sprich: Herr, wie viel Gutes erweisest Du mir, der ich Dich so oft 353 beleidigt habe! Im Verlaufe des Tages vergiß ja nicht, in einem geistlichen Buche zu lesen, das allerheiligste Sakrament und die allerseligste Jungfrau zu besuchen; des Abends bete einen Rosenkranz, erforsche dein Gewissen, und erwecke Glaube, Hoffnung, Liebe, Reue. Nimm dir ernstlich vor, dich zu bessern, und im Leben und Sterben die heiligen Sakramente zu empfangen in der Absicht, die damit verbundenen Ablässe zu gewinnen. Wenn du zu Bette gehst, so denke daran, daß du verdient hättest, im höllischen Feuer zu brennen, küsse dein Kruzifir und sprich: Ich schlafe darüber in Frieden und ruhe. ₁. 4. 9. 30. Laß mich dir hier die Ablässe kurz andeuten, die mit den verschiedenen Gebeten und Andachtsübungen verbunden sind. Es ist gut, wenn du früh Morgens schon dir vornimmst, den Tag hindurch alle möglichen Ablässe zu gewinnen. Wer Glaube, Hoffnung und Liebe erweckt, gewinnt jeden Tag sieben Jahre, und wer einen Monat lang damit fortfährt, erhält einen vollkommenen Ablaß, den er den Seelen im Fegfeuer oder sich selbst für die Stunde des Todes zuwenden Liquori, Besuchungen 2c. 23 354 Auch kann. Suche auch alle Ablässe zu gewinnen, welche an folgende Gebete geknüpft sind: den Rosenkranz, den englischen Gruß dreimal im Tage, die lauretanische Litanei, das Salve Regina, Ehre sei Gott dem Vater, gebenedeit sei die heilige unbefleckte und reinste Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria, gelobt sei das allerheiligste Sakrament des Altars, von nun an in Ewigkeit. gewinnst du einen Ablaß, wenn du das Haupt neigst bei den Worten: Ehre sei dem Vater, und bei dem Namen Jesus und Maria; ferner, wenn du die heilige Messe hörest, eine halbe Stunde dem innerlichen Gebete weihest, wobei du selbst einen vollkommenen Ablaß gewinnen kannst, wenn du damit einen Monat lang fortfährst und inzwischen beichtest und kommunizirest. Endlich ge winnst du einen Ablaß, wenn du die Kniee beugest vor dem Allerheiligsten, und zuletzt, wenn du ein Kreuz küsſest. Trachte also alle diese Ablässe zu gewinnen. 31. Damit du stets die Sammlung deines Gemüthes erlangen und soviel als möglich mit Gott vereinigt bleiben 355 könnest, so gewöhne dich, in Allem, was du siehst und hörst, etwas zu finden, was dich an Gott und Ewigkeit erinnert. Wenn du z. B. die Wassertropfen rinnen siehst, so denke daran, daß also unser Leben dahineilt, und wir stündlich dem Tode uns nähern. Wenn du ein Licht siehst, das aus Mangel an Del erlischt, so erinnere dich, daß eines Tages dein Leben auch so enden wird. Bist du Beuge eines Begräbnisses oder erblickst du Leichen, so bedenke, daß auch du einst werden wirst, wie dieje. Wenn du siehst, wie die Großen dieser Erde sich ihrer Würden und Reichthümer freuen, so bemitleide ihre Thorheit und sprich: Mein Gott ist mir genug! Jene rühmen sich solcher Nichtigkeiten; ich will mich nur der Gnade Gottes und der Liebe zu Ihm rühmen! Siehst du pomphafte Leichenbegängnisse oder prachtvolle Grabmäler verstorbener großer Herren, so sprich: Wenn diese verdammt sind, wozu nüßt ihnen dann all die Pracht! Betrachtest du die ruhige oder stürmisch bewegte Meeresfläche, so erwäge, welch ein Unterschied zwischen einer in der Gnade Gottes stehenden und einer in Ungnade gefallenen 23* 356 Seele besteht. Ein verdorrter Stamm sei dir das Bild einer von Gott verlassenen Seele, die nur, wie jener Baum, ins Feuer geworfen zu werden verdient. Sollte es dir je begegnen, einen mit ichwerer Schuld beladenen Verbrecher zu sehen, der schamroth und zitternd vor Angst und Schrecken vor seinem Richter, vor seinem Vater oder einen seiner Obern tritt, so stelle dir vor, welche Angst und Furcht den Sünder vor dem Richterstuhle Christi ergreifen muß. Wenn das Rollen des Donners dich mit Furcht ergreift, so gedenke des Zagens der armen Verdammten, die beständig in der Hölle den Donner des göttlichen Zornes vernehmen. Wenn du je die traurigen Worte eines zum Tode Verurtheilten hören sollteſt, der also spricht: Gibt es denn kein Mittel mehr, mich vom Tode zu erretten? so schließe daraus, wie groß die Verzweiflung einer zur Hölle verdammten Seele sein muß, welche ausruft: Es gibt kein Mittel mehr, mich vom ewigen Untergange zu retten! 32. Wenn du mit dem Auge wohlthunende Landschaften, Seeufer, Blumen 357 und Früchte erblickest, so sprich: O welch schöne Gegenstände hat Gott meinetwegen auf dieser Erde geschaffen, auf daß ich Ihn liebe, und wie viel größere Freuden warten meiner im Himmel! Die heilige Theresia sagte beim Anblick lieblicher Hügel und Thäler: Diese werfen ihr stets ihre Undankbarkeit gegen Gott vor. Der Abt Rancé, Stifter der Trappisten sagte, daß diese schönen Werke Gottes ihn an die Pflicht erinnern, Gott zu lieben. Eben so rief auch der heilige Augustinus aus: Himmel und Erde, Alles sagt mir, daß ich Dich lieben soll, o Herr! Man erzählt von diesem frommen Manne, daß er, wenn er auf den Feldern Blumen und Kräuter erblickte, sie mit einem Stäblein abschlug mit den Worten: Schweiget, werfet mir nicht immer meine Undankbarkeit gegen Gott vor; ich habe euch verstanden, schweiget, saget nichts mehr! Wenn die heilige Maria Magdalena de' Pazzi einen schönen Apfel oder eine Blume in die Hand nahm, so fühlte sie ihr Herz so sehr von göttlicher Liebe entbrennen, daß sie ausrief: o mein Gott, Du warst von Ewigkeit her darauf bedacht, mir durch diesen Apfel, durch 358 diese Blume ein Zeichen Deiner Liebe zu geben! 33. Das beständige Hineilen der Flüsse und Bäche nach dem Meere erinnere dich daran, daß auch du also dein einziges Gut, deinen Gott nur aufsuchen sollst. Wenn du fährst oder reitest, so sprich zu dir selbst: Wie sind diese unschuldigen Thiere bemüht, mir zu dienen; bin ich auch so eifrig, meinem Gott zu dienen und ihm nur zu gefallen? Wenn du siehst, wie ein Hund wegen eines armseligen Stückes Brod seinem Herrn so getreu ist, so bedenke, wie viel mehr du Ursache hast, deinem Gott treu zu sein, der dich erschaffen hat, dich erhält, dich beschirmt und dich mit Wohlthaten überhäuft. Hörest du den Gesang der Vögel, so sprich: Siehe, o Seele, wie diese Thierchen ihren Schöpfer loben! und was thust du? Lobe auch du Ihn durch Erweckung der Liebe, dagegen erinnere dich, wenn der Hahn kräht, daß auch du, wie Petrus, deinen Gott verleugnet hast, und erneuere deinen Schmerz und deine Thränen. Erinnert dich, ein Haus oder ein Ort an frühere Sünden, so wende dich zu Gott und sprich: Der Sünden 359 meiner Jugend und meiner Unachtsamkeit gedente nicht! B₁. 24, 7. 34. Siehst du Thäler in üppiger Fruchtbarkeit prangen, weil die Gebirgswasser sie durchströmen, so erwäge, daß Gottes Gnade nur der demüthigen Seele zu Theil wird, des Stolzen Herz aber ihre Süßigkeit nie empfindet. Wenn du in eine schön geschmückte Kirche trittst, jo sei sie dir das Bild einer Seele, welche in der Gnade Gottes steht und ein wahrer Tempel des Herrn ist. Betrachtest du das Meer, so gedente der göttlichen Größe und ÜnermeßlichkeitErblickst du Feuer oder ein auf dem Altare brennendes Licht, so sprich: Wie viele Jahre sollte ich schon in der Hölle brennen? Aber du, o Herr, hast mich verschont; gib, daß dieses mein Herz in Liebe gegen Dich entbrenne, wie dieses Holz und diese Lichter brennen! Erhebst du deine Blicke zum Sternenhimmel, so sprich mit dem heiligen Andreas Avellinus: Freuet euch, meine Füße, ihr werdet einst über diesen Gestirnen stehen. 35. 3ur öfteren Erinnerung an die liebevollen Geheimnisse unsers Erlösers mögen dir folgende Gegenstände dienen. 360 Wenn du Heu, eine Krippe oder einen Stall erblickst, so gedente des Jesusfindes im Stalle zu Bethlehem. Siehst du eine Säge, einen Hammer oder Bretter, so erinnere dich deines Jesu, wie er in der Werkstätte zu Nazareth arbeitete. Seile, Dornen, Nägel, Holz sollen dir die Schmerzen und den Tod deines Erlösers vergegenwärtigen. Wenn der heilige Franz von Assist einem Lamm begegnete, so fing er an zu weinen, indem er ausrief: O mein Herr, für mich wurdest Du wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt! Erblickst du einen Altar, einen Kelch oder ein Meßgewand, so gedenke der großen Liebe deines Herrn Jesu Christi, der sich selbst im allerheiligsten Sakramente dir geschenkt hat! 36. Während des Tages mußt du dich oft deinem Gott aufopfern, wie die heilige Theresia es that, indem sie sprach: Herr, da bin ich, thue mit mir, was Du willst, sage mir, was ich für Dich thun joll, ich bin zu Allem bereit! Wiederhole dann, so oft du kannst, die Erweckung der Liebe zu Gott. Die heilige Theresia sagte, daß die Erweckungen der Liebe dem Holze gleichen, das in unserm Her 361 zen die Flammen der göttlichen Liebe unterhält. Begehst du einen Fehler, so demüthige dich sogleich vor Gott und suche durch Erweckung der eifrigsten Liebe deinen Fehler wieder gut zu machen. Trifft dich ein Mißgeschick, so opfere dieß Leiden dem Herrn, indem du dich in seinen heiligsten Willen ergibst. Mache es dir zur Gewohnheit, bei allen Widerwärtigkeiten so zu sprechen: So will es Gott, so will ich es auch! Die Erweckung der Ergebung in Gottes Willen ist eine von den Liebesbezeugungen, die Ihm die angenehmsten sind. 37. Wenn du einen Entschluß faßest, oder Jemanden einen wichtigen Rath gibst, so empfiehl dich zuerst Gott, dann handle. Wiederhole des Tages, so oft du kannst, die Bitte: O Gott, habe Acht auf meine Hilfe: Herr, eile mir zu helfen! Ps. 69. 2. Die heilige Rosa von Lima sprach: Herr, steh mir bei, überlasse mich nicht mir selbst! Erhebe deine Blicke oft zu einem Kruzifix oder zu einem Bilde Mariens in deinem Zimmer, und unterlaß nicht, häufig die Namen Jesus und Maria anzurufen, besonders in der Stunde der Versuchung. Da Gott 362 die unendliche Güte ist, so wünscht Er auch nichts mehr, als uns seine Gnade mitzutheilen. Der ehrwürdige Bater Alphons Alvarez sah eines Tages unsern Erlöser, der mit vollen Händen Gnaden zu spenden suchte. Der Herr will aber, daß wir Ihn darum bitten, sonst zieht Er seine Hand von uns zurück, während Er fie dagegen Allen öffnet, die Ihn anrufen. Wer hat je, heißt es im Ecclefiafticus, seine Zuflucht zu Gott genommen, und Gott hat ihn nicht erhöret! Und David schreibt, daß der Herr Denen große Barmherzigkeit erzeigt, die Ihn anrufen. 38. Gut ist der Herr Denen, die auf Ihn hoffen, der Seele, die Ihn suchet. Klagel. Jerem. 3. 35. Ich werde gefunden von Denen, die mich nicht suchten, Ich werde Denen offenbar, die nicht nach Mir fragten. Röm. 10. 20. Wenn also der Herr sich von denen finden läßt, die Ihn nicht suchen, um wie viel lieber wird Er erst denen entgegenkommen, die Ihn suchen, um Ihm zu dienen und Ihn zu lieben. Die heilige Theresia endlich ruft uns zu, daß sich die Gerechten auf dieser Erde in der Liebe nach den 363 Seligen im Himmel zu richten haben. Nun aber verkehren die Heiligen im Himmel nur mit Gott, sie haben keinen andern Gedanken und keine andere Freude, als an seiner Herrlichkeit und seiner Liebe. So mußt du denn auch hienieden leben. Gott sei deine einzige Seligkeit, der einzige Gegenstand deiner Liebe, der einzige Zweck deiner Handlungen und Wünsche, bis du in die ewige Herrlichfeit eingehst, wo deine Liebe durchaus vollendet und vollkommen sein wird, und all deine Wünsche ganz und gar befriedigt werden. 364 Gebete zur göttlichen Mutter auf jeden Tag der Woche. Sonntag. Gebet zur seligsten Jungfrau Maria, um durch ihre Fürbitte Vergebung der Sünden zu erlangen. Zu deinen Füßen, o göttliche Mutter, erscheint ein unglücklicher, der Hölle verfallener Sünder, der sich zu dir flüchtet und auf dich vertrauet. Ich verdiene zwar nicht einmal einen Blick von dir; aber ich weiß, daß du im Hinblicke auf deinen Sohn, der zur Erlösung der Sünder gestorben ist, die höchste Begierde hast, den Gefallenen beizustehen. Sieh, o Mutter der Barmherzigkeit, auf mein Elend herab und erbarme dich meiner. Ich höre, wie dich Alle die Zuflucht der Sünder, die Hoffnung der Verzweifeln den und die Hilfe der Verlassenen nennen. 365 Darum bist du auch meine Zuflucht, meine Hoffnung, meine Hilfe. Rette du mich durch deine Fü.bitte. Steh mir bei aus Liebe zu Jesus. Reiche die Hand einem armen Gefallenen, der sich dir anempfiehlt. Ich weiß es, daß es dir zum Troste gereicht, einem Sünder beizustehen, so sehr in kannst. Rette mich also, da du mir noch helfen kannst. Durch meine Sünden habe ich die göttliche Gnade und meine Seele verloren. Nun lege ich mich in deine Hände; belehre mich, was ich zu thun habe, um die Gnade Gottes wieder zu erlangen; ich bin zu Allem bereit. Er weiset mich zu dir, auf daß du mir beistehest, und Er will, daß ich meine Zuflucht zu deiner Barmherzigkeit nehme, damit nicht bloß die Verdienste deines Sohnes, sondern auch deine Fürbitte mir zur Seligkeit verhelfen mögen. An dich wende ich mich also; du legst für so viele Andere Fürbitte bei Jesus ein, thue es auch für mich. Sag Ihm, daß Er mir verzeihe und Er wird mir verzeihen. Sag Ihm, daß du meine Se ligkeit wünscheft, und Er wird mich selig machen. Mache offenbar, wie du 366 denen Gutes thust, welche auf dich vertrauen. Dieß ist meine Hoffnung. Amen. Montag. Gebet zur seligsten Jungfrau um Standhaftigkeit im Guten. Himmelskönigin, ich bin so lange auf den Wegen des Satans gewandelt; nun aber weihe ich mich zu deinem immerwährenden Dienste, und biete mich an, dich zu ehren und dir zu dienen mein ganzes Leben lang. Nimm mich auf und weise mich nicht ab, wie ich es verdient hätte. O meine Mutter, auf dich habe ich all meine Hoffnung geseßt; von dir erwarte ich meine ganze Glückseligkeit. Ich preise Gott und danke Ihm, daß Er mir durch seine Barmherzigkeit dieses Vertrauen zu dir verliehen hat, das ich für ein großes Unterpfand meines ewigen Heils ansehe. Ach! wie oft bin ich früher in Sünde verfallen, weil ich meine Zuflucht nicht zu dir genommen habe. Nun aber hoffe ich durch die Verdienste Jesu Christi und durch deine Fürbitte, daß ich Vergebung meiner Sünden erlangen werde. Aber ich kann noch einmal die 367 göttliche Gnade verlieren; die Gefahr hat noch nicht aufgehört; die Feinde schlafen nicht. Wie viel neue Versuchungen bleiben mir noch zu überwinden übrig! Ach! meine liebenswürdigste Mutter, beschüße mich und gestatte nicht, daß ich neuerdings von ihnen unterjocht werde. Steh mir allzeit bei. Ich weiß gewiß, daß du mir beistehen wirst, und mit deiner Hilfe werde ich überwinden, wenn ich mich dir anempfehle. Nur das befürchte ich, daß ich bei Gelegenheit der Versuchung es unterlasse, dich anzurufen, und sodann unterliege. Ich bitte dich daher um diese Gnade. Bewirke, daß ich mich bei den Anfechtungen der Hölle immer zu dir wende mit den Worten: Maria, steh mir bei! Mutter, laß nicht zu, daß ich Gott verliere. Dienstag. Gebet zur seligsten Jungfrau um einen guten Tod. O Maria, wie wird mein Tod beschaffen sein? Wenn ich jetzt meine Sünden betrachte und an jenen großen, entscheidenden Augenblick meiner Errettung oder meiner ewigen Verdammniß denke 368 nach meinem leßten Hauche und nach meinem Gerichte, so zittere ich vor Bestürzung und Verwirrung. O meine liebreichste Mutter, meine Hoffnungen sind auf das Blut Jesu Christi und auf deine Vermittelung gestellt. O Trösterin der Betrübten, verlaß mich dann nicht; unterlaß es nicht, mich zu trösten in jener großen Betrübniß. Wenn jetzt schon die Gewissensbisse über die begangenen Sünden, die Ungewißheit der Vergebung, die Gefahr des Rückfalles in die Sünde, die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit mich so sehr ängstigen; wie wird es erst alsdann sein? Wenn du mir nicht beistehest. so bin ich verloren. Ach! barmherzige Mutter, bewirke in mir vor meinem Ende große Reue über meine Sünden, wahre Besserung und treues Festhalten an Gott in dem mir noch übrigen Leben. Und wenn ich endlich an das letzte Ziel meines Daseins gelange, so steh mir bei, o Maria, meine Hoffnung, in den großen Nöthen, in welchen ich mich dann befinden werde, und stärke mich, daß ich nicht verzweifle beim Anblick meiner Missethaten, die mir der böse Feind vor Augen halten wird. Erlange für mich die Gnade, dich 369 alsdann öfter anzurufen, damit ich mit deinem und deines allerheiligsten Sohnes süßesten Namen im Munde verscheiden möge. Ja, seligste Frau, vergib mir meine fühne Bitte, komm selber herab und tröste mich mit deiner Gegenwart, bevor ich verscheide. Diese Gnade haft du so vielen, welche dir ergeben waren, gewährt, daß ich sie auch für mich wünsche und hoffe. Ich bin zwar ein Sünder, und verdiene sie nicht; aber ich bin dein Verehrer, ich liebe dich und sebe ein großes Vertrauen in dich. Maria, ich erwarte dich, laß mich nicht trostlos. Sollte ich aber so großer Gnade alsdann nicht würdig sein, so stehe mir wenig stens vom Himmel herab bei, auf daß ich aus diesem Leben scheide mit der Liebe zu Gott und zu dir, um Euch im himmlischen Paradiese ewig zu lieben. Mittwoch. Gebet zur seligsten Jungfran um Befreinng von ewiger Strafe. liebenswürdigste Frau, ich danke dir, daß du mich so oft schon von der Hölle befreiet hast. Wie oft habe ich Liquori. Besuchungen 2c. 24 370 fie verdient durch meine Sünden. Ich Armer stand schon nahe daran, zu jenem ewigen Gefängniße verdammt zu werden, und vielleicht wäre der Richteripruch bei meiner nächsten Sünde ausgeführt worden, wenn du mir nicht mitleidsvoll deinen Beistand verliehen hättest. Nicht einmal von mir angerufen, sondern allein durch deine Güte hieltest du die göttliche Gerechtigkeit noch zurück, überwandest meine Härte und brachtest mich dahin, auf dich zu vertrauen. Und ach! in wie viele andere Verbrechen wäre ich später noch verfallen bei den Gefahren, denen ich ausgesetzt war, wenn du, liebreichste Mutter, mich nicht davor be wahrt hättest durch die Gnade, die du für mich erlangt hast. Ach! meine Königin, befreie mich auch noch ferner von der Hölle. Denn was wird mir deine Barmherzigkeit und Buneigung, die du mir schon erzeigt hast, helfen, wenn ich verdammt werde? Wenn ich dich auch eine Zeit lang nicht geliebt habe, so liebe ich dich jetzt nach Gott über Alles. O laß nicht zu, daß ich mich von dir ab wende und von Gott, der mir durch deine Fürbitte so große Barmherzigkeit 371 erwiesen hat. Liebreichste Frau, laß nicht zu, daß ich dich ewig hassen und dir fluchen müsse am Orte der Verdammniß. Könntest du es über dich bringen, einen deiner Diener, der dich liebt, verdammt zu sehen? D Maria, wie rufst du mir zu? Soll ich ewig verloren sein? Ja, wenn ich dich verlasse. Aber wie sollte ich noch das Herz haben, dich zu verlassen? Wie könnte ich die Liebe vergessen, die du zu mir getragen? Da du nun so viel für mich gethan haſt, göttliche Frau, so vollende dein Werk; fahre fort mir beizustehen. Willst du es? Aber was sage ich? Wenn du mich so sehr begünstigtest, während ich dich vergessen hatte, was kann ich erst jett hoffen, da ich dich liebe und mich dir anempfehle? Nein, wer sich dir empfiehlt, fann nicht zu Grunde gehen; nur der allein eilt dem Verderben entgegen, welcher zu dir feine Zuflucht nicht nimmt. Ach! meine Mutter, überlaß mich nicht mir selber, sonst bin ich verloren, sondern bewirke, daß ich mich stets an dich wende. Rette mich, meine Hoffnung, rette mich von der Hölle; vor Allem aber befreie mich von der Sünde, welche allein mich 24* 372 in den ewigen Verdammungsort führen kann. Donnerstag. Gebet zur seligften Jungfrau um Erlangung der ewigen Seligkeit. OKönigin des Himmels, die du Gott am nächsten thronest über allen Schaaren der Engel, aus diesem Thale des Elends rufe ich zu dir, ich armer Sünder, und bitte dich, gönne mir einen gnädigen Blick, welcher, wohin er auch fällt, überall Gnaden verbreitet. Sieh, o göttliche Mutter, in welchen Gefahren ich schwebe jeßt und in Zukunft, so lange ich auf dieser Erde lebe, in den Gefahren, meine Seele, den Himmel und Gott einzu büßen. Auf dich, o seligste Frau, habe ich alle meine Hoffnungen gesetzt. Ich liebe Dich, und sehne mich, sich bald zu sehen und zu preisen im himmlischen Paradiese. Ach! Maria, wann wird jener Tag herankommen, an dem ich zu deinen Füßen mich gerettet sehen, und die Mutter meines Heilandes und meine Mutter, die sich so sehr für mein Heil verwendet hat, erblicken werde? Wann 373 werde ich jene Hand küssen, welche mich so oft von der Hölle befreit und mir so viele Gnaden gespendet hat, da ich durch meine Schuld verdiente, von Allen gehaßt und verlassen zu werden. O heilige Maria, ich bin in meinem Leben sehr undankbar gegen dich gewesen; aber wenn ich ins himmlische Paradies gelange, wird mein Undank aufhören; dort will ich dich nach Kräften lieben jeden Augenblick und in alle Ewigkeit, und meine Undankbarkeit dadurch gut machen, daß ich dich stets preise und dir danke. Vor Allem aber bringe ich Gott meinen innigsten Dank dar, daß Er mir ein so großes Vertrauen auf das Blut Chrifii und cuf dich verliehen hat, die du mich erretten und von den Sünden befreien, auch mir beistehen mögest, daß ich Licht und Kraft erlange zur Erfüllung des göttlichen Willens, um endlich zur ewigen Seligkeit eingehen zu können. So viel haben deine Diener gehofft und keiner ist zu Schanden geworden. Nein, auch ich werde nicht zu Schanden werden. O Maria, du wirst mich unfehlbar erretten. Bitte deinen Sohn Jesus Christus, so wie auch ich zu Ihm bete, daß Er durch 374 die Verdienste seines heiligen Leidens dieses Vertrauen in mir immer erhalten und vermehren möge; o dann werde ich selig werden. Freitag. Gebet zur seligften Jungfrau um Erlangung der Liebe zu ihr und zu Jesus Christus. O Maria, ich sehe ein, daß du das edelste, erhabenste, reinste, schönste, gütigste, heiligste, kurz das liebenswürdigste aller erschaffenen Wesen bist. Owenn Alle dich, o gütige Frau, so kennten und liebten, wie du es verdienest! Aber es ist für mich ein freudiger Trost, daß so viele selige Seelen im Himmel und auf Erden von Liebe zu deiner Güte und Schönheit erfüllt sind. Besonders freue ich mich, daß Gott selbst dich allein mehr liebt, als alle Menschen und Engel zusammen. Auch ich elender Sünder liebe dich, meine liebenswürdigste Königin, aber noch viel zu wenig; ich wünsche eine größere und zärtlichere Liebe zu dir. Hilf mir sie erlangen; denn die Liebe zu dir ist ein großes Vorzeichen zum ewigen Leben und eine Gnade, 375 welche Gott nur denen verleiht, die Er selig machen will. Auch bin ich, o meine Mutter, deinem göttlichen Sohne allzusehr verpflichtet; ich sehe, daß er eine unendliche Liebe verdient. Du, die du Anderes nicht wünschest, als Ihn geliebt zu sehen, erlange mir hauptsächlich diese Gnade. Bewirke in mir eine große Liebe zu Jesus Christus. Du erlangest Alles von Gott, was du willst; ach! erlange mir daher die Gnade, mit dem göttlichen Willen dermaßen verbunden zu werden, daß ich von Ihm nie getrennt werden möge. Ich suche keine irdischen Güter, feine Ehrenstellen, keine Vergnügungen, feine Reichthümer; ich suche bloß, was dein Herz am meisten wünschet: ich suche die Liebe zu meinem Gott. Solltest du mir nicht beistehen in diesem meinem Wunsche, der dir so wohlgefällig ist? Ach! du unterstüßest mich gewiß, du bittest für mich. So bitte denn für mich, und höre nicht auf zu bitten, bis du mich im himmlichen Paradiese siehst, außer Gefahr, meinen Herrn je wieder verlieren zu können und sicher Ihn mit dir, 376 meine liebreichste Mutter, in alle Ewigkeit zu lieben. Samstag. Gebet zur seligften Jungfrau um Erlangung ihrer Fürsprache. Oseligste Mutter, ich sehe ein, wie viele Gnaden du mir erwirkt hast, ich sehe aber auch ein, wie undankbar ich dafür gewesen bin. Der Undankbare ist der Wohlthaten nicht mehr würdig; aber darum will ich nicht aufhören, auf deine Barmherzigkeit zu vertrauen, welche größer ist, als mein Undank. O meine große Fürsprecherin, erbarme dich meiner! Du theilest alle Gnaden aus, welche Gott uns Elenden verleiht; und er hat dich darum so mächtig, reich und gütig gemacht, damit du uns in unserem Elende beistehest. Ach! Mutter der Barmherzigfeit, verlaß mich nicht in meiner Armuth. Du bist die Fürsprecherin der elendesten und verlassendsten Sünder, welche ihre Zuflucht zu dir nehmen: vertheidige auch mich, der ich mich dir empfehle. Sage mir nicht, daß meine Sache schwer zu gewinnen sei, da doch die verzweifeltsten 377 Angelegenheiten, wenn sie von dir vertheidigt werden, alle gewonnen werden. In deine Hand lege ich also mein ewiges Heil; dir übergebe ich meine Seele; diese war verloren, aber du mußt sie durch deine Vermittlung erretten. Ich will unter deine besondern Diener aufgenommen werden. Verstoß mich nicht! Du suchest die Bedrängten auf, um ihnen zu helfen; verlaß nicht einen elenden Sünder, der sich zu dir flüchtet. Sprich für mich, und dein Sohn erfüllt Alles, um was du nachsuchest. Nimm mich unter deinen Schuß, dieß ist mir genug. Ja, wenn du mich beschüßest, fürchte ich nichts, weder meine Sünden, denn du heilest den Schaden, welchen ich mir durch diese zugezogen habe; noch die bösen Geister, denn du bist mächtiger als die ganze Hölle; noch meinen Richter Jesus Christus selber, denn durch eine einzige Bitte von dir wird Er besänftigt. Nur fürchte ich, daß ich es unterlasse, mich dir zu empfehlen, und so werde ich zu Grunde gehen. Meine Mutter, erwirke mir Verzeihung aller meiner Sünden, Liebe zu Jesus Christus, heilige Ausdauer im Guten, einen guten Tod und endlich das 378 himmlische Paradies. Erwirke mir besonders die Gnade, daß ich mich dir ftets anempfehle. 3war sind das zu große Gnaden für mich, und ich verdiene sie nicht; aber sie sind nicht zu groß für dich, da du so sehr geliebt wirst von Gott, der dir darum auch Alles gewährt, um was du Ihn bittest. Du darfst nur den Mund öffnen, und Er versagt dir nichts. Bitte also Jesu für mich; sag Ihm, daß du mich beschüßest, und Er wird sich meiner erbarmen. Meine Mutter, auf dich vertraue ich, auf diese Hoffnung stüße ich mich, und in eben derselben will ich auch leben und sterben. Amen. Inhalt. Kurze Abhandlung über die Nothwendigkeit des Gebetes, seine Wirkung und die Bedingungen seiner Wirksamkeit: 1) Von der Nothwendigkeit des Gebetes 7 2) Von der Wirksamkeit des Gebetes 10 3) Von den nothwendigen Bedingungen zur Wirksamkeit des Gebetes 15 Lebens- Regel für jeden Christen nebst Morgen- und Abend- Andachten: Seite Am Morgen Morgen- Gebete Litanei zur Aufopferung Salve Regina Zum heiligen Schutzengel Zu den Heiligen Der englische Gruß 32 35 88 4 5 45 46 38 44 45 380 Seite Im Verlaufe des Tages.. 47 Am Abend.. Kurze Gewissenserforschung Reue und Leid.. Litanei zur Danksagung ● ● Lebensregeln. Litanei zur Ergebung in den göttlichen Willen. Besuchungen des allerheiligsten AltarsSakramentes: Einleitung 65 Ueber die geistliche Kommunion.. 77 Gebet zur geistlichen Kommunion. 80 Einunddreißig Besuchungen des allerheiligsten Altarssuchung. Erste Besuchung Zweite Besuchung Dritte Besuchung Vierte Besuchung Fünfte Besuchung sakramentes: Vorbereitungsandacht zu jeder Be48 49 50 50 55 61 81 83 89 92 95 98 Sechste Besuchung. Siebente Besuchung Achie Besuchung Neunte Besuchung Zehnte Besuchung Eilfte Besuchung Zwölfte Besuchung Dreizehnte Besuchung Vierzehnte Besuchung Fünfzehnte Besuchung Sechszehnte Besuchung Siebenzehnte Besuchung. ● 381 Seite 101 . 104 . 107 111 114 118 122 ● 125 129 133 137 140 Achtzehnte Besuchung. 144 147 Neunzehnte Besuchung Zwanzigste Besuchung Einundzwanzigste Besuchung. 156 151 160 173 Zweiundzwanzigste Besuchung Dreiundzwanzigste Besuchung Vierundzwanzigste Besuchung. Fünfundzwanzigste Besuchung. Sechsundzwanzigste Besuchung. 178 Siebenundzwanzigste Besuchung. 182 Achtundzwanzigste Besuchung. Neunundzwanzigste Besuchung Dreißigste Besuchung. Einunddreißigste Besuchung 186 190 . 195 . 199 Die heilige Messe . 205 ● • 164 168 382 Beicht- und Kommunion- Andacht: Beicht- Andacht ..223 Vorbereitung zur heiligen Beicht 223 Gebet vor der Gewissenserforschung 223 Gewissenserforschung 225 Betrachtungen zur Erweckung der Reue über die begangenen Sünden 227 Litanei zur Erweckung der Reue 233 Gebet zur seligsten Jungfrau und zu den Heiligen. Gebet nach der Beichte. Kommunion- Andacht ● ● ● ● Seite 237 238 .240 Vorbereitung zur heiligen Kommunion 240 Litanei zur Erweckung des Glaubens vor der heiligen Kommunion 245 Andachtsübungen vor der heiligen Kommunion ● Danksagung nach der heiligen Kommunion 248 255 Gebete nach der heiligen Kommunion 258 Litanei von der Liebe zu Gott 260 Litanei von der Hoffnung 269 Liebesergießungen zu Jesus im allerheiligsten Altarssakramente.. 275 Kurze Liebesseufzer zu Gott... 310 Gebet um Beharrlichkeit bis ans Ende 383 Seite 320 Gebet um die heiligen Tugenden 321 Verschiedene Gebete, Andachts- Uebungen und Betrachtungen: Anweisung, vertraulich mit Gott zu reden. Gebete zur göttlichen Mutter auf jeden Tag der Woche: Sonntag. Gebete zur seligſten Jungfrau Maria, um durch ihre Fürbitte Verzeihung der Sünden zu erlangen. 324 364 Montag. Gebet zur seligsten Jung367 frau um Standhaftigkeit im Guten 366 Dienstag. Gebet zur seligsten Jungfrau um einen guten Tod Mittwoch. Gebet zur seligsten Jungfrau um Befreiung von ewiger Strafe . 369 384 Donnerstag. Gebet zur seligſten Jungfrau um Erlangung der ewigen Seligkeit Freitag. Gebet zur seligsten Jungfrau um Erlangung der Liebe zu ihr und zu Jesus Seite . 372 ● Samstag. Gebet zur seligsten Jungfrau um Erlangung ihrer Fürsprache 374 . 376 Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 15 44 6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 10 Red 11 12 5 13 14 Magenta 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 00