ув 4519 ote Tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen, enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Gefänge für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende, wie auch Sprüche, Seußzer und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen, ersten Teile veffer, auf ihr Wunsch nebſt Fest Andachten, F+ affoin Buk-, Beicht-, kommunion-, Wetter-, Kriegs-, Teurungs-, Pest- und Friedens- Gebeten, und einem täglichen Gebetbüchlein für Schwangere, gebärende, Wöchnerinnen und Anfruchtbare von Johann Friedrich Stark, weil. evangel. Prediger und Kons.- Rat zu Frankfurt a. M. Mit dem Bildnis des Verfassers und vier biblischen Bildern. Neue Ausgabe. Ren- Ruppin. Verlag von F. W. Bergemann. Jb 46 4519 Univ.- Bibl. Giessen 002 Vorrede an den geneigten Lesser. Hiermit lege ich dem Leser mein tägliches Handbuch zum dreizehnten Male dar. Zwar scheinen die gegenwärtigen Zeiten den Gebetbüchern gar nicht geneigt zu sein, indem sich ein Teil der Leute bei seinem Aufstehen eher an seine Geschäfte, als an das Gebet erinnert, bei dem Schlafengehen aber die schlummernden Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch gebrauchen kann. Wenn nun solche Seelen geschickt wären, ohne Hülfe eines Buches aus ihrem Herzen ein Gebet zu thun, und ihr Verlangen Gott vorzutragen, so könnten sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber dazu auch nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen nicht allein schläfrig im Christentum, irdisch gesinnt und ungeschickt zu allem Guten werden, sondern weil sie sich nicht durchs Gebet Gott heiligen und übergeben, kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und Sünderin zu Eitelkeiten und fündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun solchen in die Welt verliebten Leuten eine Aufmunterung zum Gebet nötig wäre, so findet sich eine andere Art Menschen, welche es für eine Schande halten, ein Gebetbuch im Hause zu haben, und sich eines solchen Zuflusses heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich völlig damit vergnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte sie aber wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelenzustand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Gemüte nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will. Kinder Gottes gehen hierin, nach meiner Erfahrung, den Mittelweg; nämlich: lesen sie ein Morgen- oder Abendgebet, so bekommen sie dadurch allerlei schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiermit aber ist ihre Andacht nicht geendigt, sondern sie tragen Gott insbesondere ihr besorgliches Leiden, Bekümmernis, obschwebende Gefahr, betrübte Umstände und die Ihrigen vor; setzen sie dazu noch eine andere Betrachtung, so wird den ganzen Tag, wenn es mit Andacht geschehen, die Seele dadurch erquickt, und bei Gelegenheit an das Gelesene erinnert werden. In dieser Absicht habe ich, auf Anraten Gott liebender Freunde, in dem ersten Teile dieses Handbuches eine Änderung gemacht. Sie meinen, es wäre veffer, auf jeden Tag, als nur immer Ein Morgen- und Abendgebet zu haben; ihr Wunsch ist gewesen, daß die besondern Betrachtungen möchten mit jedem 6 Tag verbunden werden, weil sie sonst gar ausgesetzt bleiben. Ich habe demnach dieses alles mir gefallen lassen, und nicht allein einem jeden Tage eine Morgen- und Abendandacht bestimmt, sondern auch demselben zwei besondere Betrachtungen beigefügt, damit die Seelen mit denselben abwechseln, oder auch ihre Andacht des Tages dreimal ermuntern und unterhalten können. Außer dieser Versetzung der Betrachtungen habe ich in dem Werk wenig geändert, ohne daß ich die Poesie, wo sie so hart klingt, gemildert habe. Und weil man zu diesen Beiten so viel von Krieg, ansteckender Seuche und Teurung, womit die Länder heimgesucht, vernimmt, so hat der Herr Verleger gemeint, es fei wohlgethan, wenn man andächtigen Seelen in solchen Jammerstunden Anleitung gebe, die Not des Nächsten und ihre eigene Not in Bitte, Gebet und Fürbitte vorzutragen. Und da uns der getreue Gott in unserm deutschen Vaterlande den edeln Frieden geschenkt hat, so habe ich auch zu diesen Freudenfesten eine Andacht hinzufügen wollen. Eben um dieser Ursache willen ist diese Auflage auch mit Fest. Andachten vermehrt worden, damit in solchen Tagen der müde Geist in Gott erfreuet, irdisch gesinnte Menschen aber erinnert werden, wie Festtage keine Spazier-, Lauf-, Sauf-, Spiel- und Tanztage, sondern Bet-, Lob- und Danktage sein sollen. Es scheint, die bösen Gewohnheiten bleiben ein fündliches Erbgut, welches eine Zeit der andern überliefert, so daß man mit Nikolaus und Clemangis einerlei Jammerklage noch führen muß, daß an keinem Tage mehr Sünden getrieben werden, als an Sonn- und Festtagen. Du aber, o dreieiniger Gott, wirke in allen Betenden eine herzliche und inbrünstige Andacht. Laß die Gesunden in den Tagen, da Du sie mit Wohlergehen begnadigst, in Deiner Erkenntnis und Liebe zunehmen, und sich Schätze sammeln, damit sie sich in Not und Tod aufrichten können. Erfreue die Betrübten in ihren Jammerstunden, versichere sie Deiner Allmacht, Weisheit und Treue. Überzeuge die Kranken von Deiner ewigen Liebe, und laß die Sterbenden nach dem Vorbilde Jesu sich dem Willen des Vaters übergeben. Umfaffe, treuer Bater! alle Betenden mit Deiner Gnade. Schließe sie, o Jesu! in Deine Wunden ein, und lasse, o Geist der Gnade und des Gebets! ſte Deiner Gemeinschaft im Leben, Leiden und Sterben beständig genießen! Amen. Start. Vorrede. Seele Dumeide st mich auf einer grnner Apc uführest mich zam frischer Was fer. Ps 23 V2 Jesus: Weißt du nich daß dich Got tes Güte zur Buße leitet. Rom 2 V.4. Bist du gesund von Leib und fröhlich Don Gemüthe so such der Seele Geil, und preise Galtes Güte. Lucae10,39 Xv AL. v. W.FE IST Erster Teil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Gesunde. INI Vor- Sabbath. Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst vor. Aufmunterung. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen. Psalm 27, 4. € 8 s hat der weise Gott sogleich nach dem Sündenfall dem ersten Menschen, Adam, die Opfer angewiesen, welche seine Kinder Kain und Abel von ihm wiederum empfangen, indem von dieser beiden Opfer im 1 Buche Moje 4, 3. 4. ausdrückliche Meldung geschieht. Diese Opfer geschahen nun nicht stillschweigend, sondern sie bekannten dabei ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben, bezeugten ihren Glauben an den künftigen Messias, Jesus Christus, der auch würde sein Blut für die Menschen vergießen, wie das Opfertier, ja, sie lobten bei solchen Opfern Gott für die empfangenen Wohlthaten und predigten von dem Namen des Herrn. Hierzu war der siebente Tag bestimmt, als welchen Gott selbst zur Ruhe geheiligt hatte, da er in sechs Tagen die Welt erschaffen und am siebenten ruhete. Diese Art von Gottesdienst ist immer von den Erzvätern gehalten worden, bis Gott in der Wüste ließ die Hütte des Stifts aufrichten, nach welcher Bild Salomo hernach den Tempel baute. Im neuen Testament feiern die Christen Gott dem Herrn auch einen Tag, nämlich den Sonntag, als an welchem Tage Christus ift auferstanden und der heilige Geist ist ausgegossen worden; wenn nun solcher Tag herbeikommt, so soll ein gläubiger Christ 1) des Sonnabends, nach Feierabend, sein Gemüt von irdischen Dingen frei machen und seine Arbeit niederlegen. 2) Er soll sich auf den bevorstehenden Sonntag bereiten mit Beten und Gott loben für die vielen Wohlthaten, welche er die 10 Erster Teil. Für Gesunde. Woche über empfangen. 3) Er soll dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man des Sonntags erklärt, in der Bibel aufschlagen und darüber eine Betrachtung anstellen und sich also zu andächtiger Anhörung des göttlichen Wortes bereiten. 4) Soll er in Zeiten sich mit solchen guten Gedanken zur Ruhe legen, damit er am Sonntag desto früher und munterer bei dem Gottesdienst erscheinen könne. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! Ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, daß du mich die vergangenen sechs Tage ſo gnädiglich erhalten und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hast. Du hast meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen, dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Geht nun weg, ihr irdischen Geschäfte, weicht von mir, ihr Sorgen! jest baue ich in meinem Herzen Gott einen Tempel auf, es soll ein Bethaus werden, darin ich meinem Gott allein dienen will. Ich vergesse was dahinten ist, ich lege meine Arbeitslasten und Hantierungen nieder, und richte meinen Sinn allein zum Himmel, zu Gott, um mich in ihm zu erfreuen. Oder unaussprechlichen Liebe des großen Gottes, welcher den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat; dieſe Ruhe ist ein Andenken der Ruhe im Paradiese, da wir ohne mühsame Arbeit allezeit Gott zu dienen und zu loben wären beschäftigt gewesen. Diese Ruhe ist ein Bild der künftigen Himmelsruhe; denn es ist den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben angehen wird, da werden sie von aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen und von Sünden befreit sein. Ach, gnädiger Gott, laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hinbringen; bewahre mich vor bösen Gesellschaften, daß nicht etwa der Satan Vorbereitung zum Gottesdienst. durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, und hilf, wenn er sie mir schickt, daß ich ihnen nicht folgen möge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christentum, zu deinem Lobe und Dienste verordnet hast, nicht möge in Müßiggang, Faulheit, Uppigkeit, Lustbarkeit und Sünden hinbringen, und dadurch meiner Seele den größten Schaden zufüge, sondern gieb mir deinen heiligen Geift, daß ich den ganzen Tag, vom Morgen bis an den Abend, dir opfere und zu deinem Dienst anwende. Wecke mich frühe auf, daß ich der erste zum Lob, zum Gebet und zu dem Gesang bei dem Gottesdienst erscheinen möge. Erhalte mein Herz in steter Andacht, daß keine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und so sich einige melden, daß ich sie ja durch deine Kraft vertreibe; oder wenn Satan mir einen bösen Nachbar schicken will, der ein irdisches Geschwäß in deinem Hause anfangen wollte, so verleihe mir Stärke, daß ich ihm kein Gehör geben, sondern mit meiner Aufmerksamkeit ihn zu deinem Dienste erwecken und aufmuntern möge. Wenn dein Wort gepredigt wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen und als einen teuren Schatz darin bewahren möge. Hilf, daß ich an diesem Sonntage auch in meinem Christentum mich erbaue, in der Erkenntnis der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere, heilige, befehre und zu einem neuen Menschen mache, auf daß ich wie an Jahren, also an dem inwendigen Menschen, an Glauben und Frömmigkeit wachsen und eine neue Kreatur, ja ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutsamlich bewahren und den Tag mit Gebet und Lobgesängen schließen. Ach laß mich stets des angehörten Wortes eingedenk verbleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun, 11 12 Erster Teil. Für Gesunde. und also beweisen möge, ich sei kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Worts. So laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude zu dem ewigen Sabbath durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. Ich will ins Gotteshaus Mit Gottes Kindern gehen, Ich will in reinem Schmuck Vor seinem Altar stehen, Mein Herz soll höchst vergnügt In seinem Willen ruhn, Der Leib soll nichts als Not- Und Liebeswerke thun. Komm heute in mein Herz, Du König aller Frommen! Laß mit dir Segen, Heil Und Seelen- Frieden kommen, Die Sonne deiner Gnad' Kehr' heute bei mir ein, So wird mir dieser Tag Ein rechter Sonntag fein. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringt mir lauter Freude, Es ist mein größter Trost Und meiner Seelen Weide, Es ist mein liebster Schatz, Den ich auf Erden hab', Der mich erquicken soll, Bis man mich trägt ins Grab. 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget, Und mich bestraft, wenn sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaub' nach diesem Wort, Und leb' nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. 3. Es ist mein Honigseim, Damit ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterfeit In meinem Herzen habe. Wie süß ist's meiner Seel', Wenn fie in Trübsal steckt, Wenn ihr des Trostes Quell Im Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schatz, Groß über alle Schäße, Daran ich mich allein In Not und Tod ergöße; Den Schatz raubt mir kein Feind Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist. 5. Pflegt Gold und Silber gleich Ein eitler zu erwählen, Viel lieber ist dein Wort Den gottgelaßnen Seelen; Wenn man dein Wort und Gold Ihr stellet vors Gesicht, So greift sie nach dem Wort, Und acht't des Goldes nicht. 6. Ratgeber suchen die, So da im Zweifel stehen, Dieselben sind dein Wort, Dahin pfleg' ich zu gehen; Frag' ich, was thu' ich jetzt, Geht's übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort, Was ich erwählen soll. Morgen- Andacht am Sonntag. 13 7. Nach diesem Lebenswort Will ich nun einhergehen, Es soll mein Leitstern sein, D, darnach will ich sehen, Wozu es mich anweist, Das thu' ich ungescheut, Und meid' mit allem Fleiß Das, was es mir verbeut. 8. Ach! nimm doch nicht hinweg Das Wort von meinem Munde, Ach! laß es sein mein Trost Bis in die Todesstunde; Wenn sich mein Mund verschließt, Nimmt keine Speis' mehr ein, So laß dein liebes Wort Der Seelen Speise sein. 9. So hab' ich Unterricht, Dieweil ich werde leben, Ich hab' auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben, Und was dein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Sieh, das erlang' ich dort In jener Herrlichkeit. Morgen- Andacht am Sonntag. Anfmunterung. Herr, höre mein Wort, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Ps. 5, 2. 3. Unser ganzes Leben ist nichts anderes, als Beten und Danken, nämlich, daß wir alle Tage Gott in unserm Gebet anrufen um seinen Segen, Hülfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches erlangen, daß wir ihm herzlich dafür danken. Darum, gläubiger Christ, wenn du des Morgens erwachst von deinem Schlaf, so erhebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen auf gen Himmel, denke nicht gleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern falle erst nieder auf deine Kniee, danke Gott und empfehle dich seinem gnädigen Schutz. Denke nicht, du versäumest viel, wenn du solltest eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet mit Lesung eines Kapitels aus der Bibel oder aus Johann Arndts wahrem Christentum anwenden. O nein, die aufs Gebet verwendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde sein. Darum, wenn du erwachst und des Morgens gesund aufstehst, gedenke 1) wie viele fromme Christen, welche vielleicht frömmer sind, als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Weh, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber haft dergleichen diesmal nicht empfunden. Gedenke 2) wie andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal geraten sind, dir aber fehlt nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, daß du an demselben dich nicht wider ihn, oder den Nächsten verfündigen mögeft. Bitte Gott 4) er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Berufswegen segnen. Ja 5) übergieb dich Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner 14 Erster Teil. Für Gesunde. Liebe stehen, von ihm reden, an ihn denken und mit Wissen und Willen ihn nicht beleidigen mögest, und alsdann zweifle nicht, der Herr wird dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören, und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen, was dir an Leib und Seele wird nützlich und selig sein. Morgengebet am Sonntag. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken. Allmächtiger, gnädiger Gott! du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre, wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden; wer sollte dich nicht ehren, o liebreicher Vater! Ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demütigem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen, und deine Güte und Treue wiederum an mir hast neu werden lassen. Begleite und schüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag sonderlich ein Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele sein. Du hast nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, daß du dein Werk in mir haben mögest. O, darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich Schäßze möge sammeln, welche mich in Not und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rost fressen, da die Diebe nicht nach graben oder stehlen. Ich freue mich des, das mir geredet ist, daß wir werden hinauf in das Haus des Herrn gehen, und meine Füße stehen sollen in deinen Thoren, Jerusalem. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste und seinen Tempel zu besuchen. Mein Gott, das soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lob- und Danklieder anzustimmen, eifrig zu beten und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Morgen- Andacht am Sonntage. 15 Meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Thäter des Wortes werden. Öffne mir das Herz wie der Lydia, daß ich den Samen des Wortes mit Freuden annehme, schließe hernach mein Herz zu, daß mir ihn Satan nicht wiederum raube. Laß mich heute in meinem Christentum, in der Erkenntnis Jesu Chrifti Glauben, Liebe in der Verleugnung meiner selbst, Absterben der Welt, einen festen Grund legen, auf daß ich die künftige ganze Woche daran gedenke, es ausübe und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schickt, daß ich nicht meine dir geheiligten Stunden der Welt überlasse, oder ihrer fündigen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen soll, aufopfere, und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche noch drücken könnte! Ach, laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selber, o Jesu, mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. Heiliger Geist, du Himmelslehrer, Mächtiger Tröster und Bekehrer, Ach, laß meines Herzens Schrein Ewig deine Wohnung sein. Amen. Morgen- Gesang. Mel.: Wach auf, mein Herz, und singe. 1. Die Nacht ist nun vergangen, Drum will ich gleich anfangen Mit Singen und mit Beten Vor Gottes Thron zu treten. 2. Gleich wie die Mütter pflegen Die Kinder sanft zu legen, Nach ihnen oft zu sehen, Und um ihr Bett zu stehen; 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben, Ich hab' in Schutz und Segen In deinem Schoß gelegen. 4. Mein Herze und Gemüte Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schutz erhalten. 16 Erster Teil. Für Gesunde. 6. Laßt uns den Tag hinbringen Mit Loben, Beten, Singen, In Glaub' und Liebe stehen Und keine Sünd' begehen. 7. Erheben sich die Glieder, D Gott, so kommt auch wieder Die Unruh', Kreuz und Sorgen Schon an dem frühen Morgen. 8. Ach! hilf mir alles tragen, Wend ab des Kreuzes Plagen, Und laß nach Angst und Weinen Die Freudensonne scheinen. 9. Leit mich auf guten Wegen Und gieb mir deinen Segen, Und daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 10. Du wollst mein Herz regieren, Mit Gottesfurcht auszieren, Daß ich mich dir ergebe, Und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott, erhör mein Flehen, Und laß die Bitt' geschehen, So will ich deinen Namen Von Herzen preisen. Amen. Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin. Anfmunterung. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth. Meine Seele verlangt und sehnet sich nach den Vorhöfen des Herrn, mein Leib und Seele freut sich in dem lebendigen Gott. Ps. 84, 2. 3. Unter andern herrlichen Wohlthaten, welche Gott dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhetag in der Woche bestimmt hat, darin er von allen Arbeiten, Lasten und Bemühungen soll befreit fein, ja er hat auf diesen Tag auch einen besonderen Segen gelegt, welches Segens die werden teilhaftig werden, die ihn andächtig hinbringen. Ist es nun eine Wohlthat, so soll ein wahrer Christ sich hüten, 1) daß er den Tag nicht mit Faulheit und Müßiggang zurücklege; denn so feiern Pferde und Ochsen und andere Lasttiere den Sonntag. 2) Er soll sich hüten, daß er den Tag nicht anwende zu Fressen, Saufen und Üppigkeit; denn was alle Tage Sünde ist, das ist des Sonntags doppelt Sünde. 3) Soll er sich hüten, daß er nicht den Sonntag mit Arbeit entheilige, mit irdischen Geschäften, als spazieren fahren, Schulden eintreiben, Rechnungen durchgehen, Arbeitsleute bestellen; denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüt. Hierzu ist zu rechnen, wenn man des Sonntags gerne Gastereien anstellt, zu Gaste geht, oder spielt, tanzt und luftige Gesellschaften sucht; dies alles verhindert die Seele an ihrer Erbauung, an der Ruhe in Gott, an dem Wachstum im Christentum, und ist ganz wider den Endzweck des Sabbaths, und die solches thun, sind auch keine rechten Kinder Gottes, sondern Maul- Christen, welchen, wie sie sagen, kein Tag so lang wird, als der Sonntag. Ein wahrer Christ weiß den Sonntag besser anzuwenden zur Ehre Gottes und seiner Seele Bestem. 1) Zur Ehre Gottes: mit Beten, Loben, Andächtige Sonntagsfeier. 17 Singen, Betrachtung der Güte und Wohlthat Gottes, die er die Woche und Zeit seines Lebens empfangen. 2) Zu seiner Seele Bestem, daß er den Tag widme zum Hören des göttlichen Wortes, damit er in der Erkenntnis Gottes und seinem Christentum zunehmen möge. 3) Dieses alles aber soll er thun, nicht etwa eine oder eine halbe Stunde, sondern den ganzen Tag; denn das dritte Gebot redet von dem ganzen und nicht von dem halben Tag. Ach gewiß, an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen! Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen drückt! Die Alten haben gesagt: Wie man hört Gottes Wort, so geht auch die Nahrung fort. 4) Hat man Gottes Wort gehört, so behalte man es in einem feinen und guten Herzen; man lebe darnach und bringe die Lebensregeln sobald in die Übung, und sammle sich dabei einen Vorrat an Trostlehren und Machtsprüchen, deren man sich in Not und Tod bedienen könne. Gebet. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, laſſet uns freuen und fröhlich darin sein. Heute ist es des Herrn Tag und der mir von Gott geschenkte Ruhetag, derhalben will ich ihn zu Gottes Ehren mit Danken und Beten hinbringen. Ich danke dir, o Gott, für deine vielfältigen Gaben, die du mir an diesem Tage erteilt. Auf einen Sonntag ist Jesus, mein Heiland aus dem Grabe auferstanden, und der heilige Geist über die Apostel ausgegossen worden, darum erinnere ich mich an dieſem Tage billig meiner Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist, und der Mitteilung des heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ist ausgegossen worden. Ich danke dir für dein heiliges, reines Wort, das du an diesem Tage läsfest predigen zum Unterricht und Erbauung meiner Seele. Ich danke dir für alle leiblichen und geistlichen Wohlthaten, die ich Zeit meines Lebens von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du mich von Jugend auf geleitet, geführt, erhalten und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele gethan haft. O, wer kann doch deine Wohlthaten alle nennen, die da unzählig find! nicht allein aber soll dieser Stark's Handbuch. 2 18 Erster Teil. Für Gesunde. Tag mein Danktag, sondern auch mein Bettag sein. Ich bitte dich, mein Gott und Vater, laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen; behüte mich vor Verführungen, eitlen Gedanken, bösen Gesellschaften. Ach! daß alle meine Adern Zungen, und meine Blutstropfen Stimmen wären, dich, o dreieiniger Gott und Vater, Sohn und heiliger Geist, zu loben und zu preisen. Ach, daß keine Stunde verginge, in welcher ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegele in meinem Herzen das gehörte Wort, daß ich daran fleißig gedenke, darnach mein Leben und Wandel einrichte; und da ich nun eine Woche älter geworden bin, so gieb, daß ich in deiner Erkenntnis, Liebe und Frömmigkeit zunehmen und an dem inwendigen Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gieb mir deinen heiligen Geist, der mich die künftige Woche und die ganze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gieb deinen Segen zu meinen Arbeiten und Verrichtungen und laß mich in deiner Gnade meine übrigen Tage und Jahre verleben, bis ich endlich werde dahin gelangen, da ich mit Danken und Beten dir einen ewigen Sabbath im Himmel feiern werde. Heute ist des Herren Ruhetag, Vergesset aller Sorg' und Plag', Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Hallelujah. Sonntags- Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 1. Der Sonntag ist des Herren Tag, Den läßt uns Gott erleben, Damit ein jeder ruhen mag, Dazu ist er gegeben; Ach, bringet doch denselben hin, Daß Seele, Herz, Gemüt und Sinn Gen Himmel sich erheben. 2. Den Tag hat Gott zur Ruh' und Rast Und seinem Dienst geweihet, Und ihn von aller Arbeitslast Aus großer Gnad' befreiet; Hier soll von allem seinem Thun Der Herr und das Gesinde ruhn, Und sich in Gott erbauen. 3. Verflucht ist, wer ein Werk vornimmt, Das Gott nicht selbst erlaubet, Und diese Zeit, die Gott bestimmt, Mit Arbeit ihm beraubet; Wer Wollust, Wucher, Sünden sucht, Der ist und bleibt von Gott verflucht Und wird ohn' Segen bleiben. Andächtige Sonntagsfeier. 4. Dies aber soll man eifrig thun, Man soll den Tag hinbringen, Weil unsre Seel' in Gott soll ruhn Mit Lesen, Beten, Singen; Man höre fleißig Gottes Wort An dem von ihm bestimmten Ort Und diene Gott von Herzen. 19 5. Am meisten denk an Gottes Macht, Wenn dein Aug' um sich schauet, Wie er die Schöpfung hat vollbracht, Da er die Welt gebauet, Mit Wolken sie schön eingehüllt, Mit reichen Gaben angefüllt, Zum Nuß und Freud' der Menschen. 6. Betrachte, wie auch Jesus Christ An diesem Tag erstanden Und aus dem Grab gegangen ist, Nachdem die Todesbanden Darinnen waren abgelegt! Wohl dem, der gläubig das erwägt Und Jesum dafür preiſet. 7. Der heil'ge Geist ist sichtbarlich Am Sonntag ausgegossen, O Reichtum! welcher gnädiglich cher gnädiglich Auf uns auch kommt geflossen. Denn dieses Geistes Kraft und Licht, Versaget uns der Höchste nicht, Zum Glauben uns zu bringen. 8. An diesem Tage sollst du auch Dich deiner Tauf' erfreuen, Und in der stillen Seelenruh' Den Bund mit Gott erneuen, Und denk daran die ganze Woch', Ja auch, so lang du lebeft noch, Erfreu dich deiner Taufe. 9. Hierbei erwäge alle Zeit, Was Gott dir hat gegeben, Wie er nach seiner Gütigkeit Erhält annoch dein Leben, Wie er dich schützet und ernährt, Wie dich sein heilig Wort noch lehrt, Und zu dem Himmel führet. 10. Du sollst in deinem Christentum An diesem Tag zunehmen, Und dich zu deines Gottes Ruhm Der Frömmigkeit nicht schämen, Du sollst in Gottes Tempel stehn, Wenn andere der Sünd' nachgehn, Und sein Wort fleißig lesen. 11. Dem Wort gieb in dem Herzen Platz, Und zeig es in den Früchten, Und sammle in dir einen Schatz, Der dich einst kann aufrichten In Traurigkeit, in Angst und Not, In Krankheit, Trübsal und im Tod, Ja auf dem Sterbebette. 12. So wird dir Gott auch gnädig sein, Es stellet sich der Segen, Ach! glaub es, bei dir reichlich ein, Auf allen deinen Wegen, Und so wirst du beglücket stehn, Und als ein Gotteskind eingehn Zur wahren Sabbathsruhe. Der gläubige Christ erwägt den dreifachen Sabbath. Aufmunterung. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So laffet uns nur: mit Fleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe, daß unser keiner da hinten bleibe. Hebr. 4, 9. 11. Wenn ein wahrer Christ den Sonntag Gott wohlgefällig hinbringen will, so hat er sich dabei zu erinnern, daß ein dreifacher Sab2* 20 Erster Teil. Für Gesunde. bath zu feiern ist: 1) ein wöchentlicher Sabbath, wenn er den Sonntag anwendet zur Betrachtung der Wohlthaten, so er von Gott empfangen; er muß aber 2) auch feiern einen täglichen oder geistlichen Sabbath, welcher nicht darin besteht, daß man gar die Arbeit unterlassen und immerdar feiern solle, sondern durch den täglichen Sabbath wird verstanden, wenn der Mensch feiert von Sünden; wie er des Sonntags feiert von der Handarbeit, so feiert er alle Tage von Üppigkeit und Bosheit. Er hütet sich, daß er nichts Böses rede wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses thue, entweder allein, oder in Gesellschaft anderer Leute, daß er sich auch durch andere nicht lasse verführen, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt erhalte. Wie er nun dieses meidet, also befleißigt er sich unter seiner Arbeit, öfters an Gott zu denken, zu Gott zu seufzen und ihn um seines heiligen Geistes Regierung und Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geistliche und tägliche Sabbath, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun den wöchentlichen Sabbath andächtig, und diesen täglichen eifrig gefeiert hat, der kann versichert sein, er werde 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin besteht, daß die gläubigen und auserwählten Kinder Gottes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübsal, von aller Sünde befreit, Gott schauen von Angesicht zu Angesicht, immer mit ihm umgehen, ihn Loben und ihm ohne Aufhören dienen. O, ein heiliger und herrlicher Sabbath, der niemals wird gestört werden. Nun, dahin werden die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jesu werden verharren bis in den Tod. Gebet. Heiliger und barmherziger Gott, da ich heute an diesem Tage den Sabbath und Ruhetag feierlich begehe, an welchem ich nach deiner heiligen Verordnung von aller meiner Wochenarbeit befreit bin, damit ich mich aus deinem Wort erbauen und in dir erfreuen könne; ach, so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in wahrer Andacht mit Anhörung, Lesen und Betrachten deines heiligen göttlichen Wortes ihn hinbringen, dagegen aber alle fündlichen Zerstreuungen, Uppigkeiten, böse Gesellschaften und Sünden meiden möge. Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichen Sabbath des täglichen geistlichen Sabbaths, darin ich von Sünden ruhen und ablassen, und dir meinen Leib und Seele, Erwägung des dreifachen Sabbaths. 21 wie auch mein ganzes Leben heiligen soll. Nun, mein Gott, das soll hinfort durch deine Gnade meine tägliche Arbeit sein, daß ich thue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüste und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen und mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott, gieb, daß dieser geistige und tägliche Sabbath meines Herzens niemals möge verstört werden; bete du in meinem Herzen, finge in meinem Herzen, lehre in meinem Herzen, so ist mein Herz dein geheiligter Tempel. Wenn ich denn nun nach deinem Rat meine Lebenstage, und zugleich auch diesen geistlichen Sabbath werde geendet haben, so führe du mich, o Gott, ein zu dem himmlischen ewigen Sabbath, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen himmlischen Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubinen anstimmen. Ach, mein Gott, laß mich dereinst zu solcher Seligkeit gelangen. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron, Da die Seraphinen prangen, Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist! Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Es bricht der Sabbath an, Der Tag, den fromme Seelen, Um mit Gott umzugehn, Zu ihrer Ruh' erwählen, Der Tag, der heilig ist, Den Gott selbst hat gemacht, Der wird von ihnen auch Erbaulich hingebracht. 2. An diesem pflegen sie Ganz früh vor Gott zu treten, Sie bringen ihn auch hin Mit Lesen, Singen, Beten; Ihr Herz ist von der Erd' Allein zu Gott gericht't, Es freuet sich in ihm Und seinem Gnadenlicht. 3. Ein Sabbath wird darauf, Wenn dieser nun vergangen, Als welcher geistlich heißt, Von ihnen angefangen, Da sie von Sünd' und Schand' Und von der Bosheit ruhn; Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, thun. 22 Erster Teil. Für Gesunde. 4. Der Sabbath hört nicht auf, Er währt durchs ganze Leben, Indem sie alle Stund' Ihr Herz zu Gott erheben, Des Herzens Harfe spielt, Die Zunge lobet Gott, Und dieser Sabbath währt Sogar bis in den Tod. 5. Der ew'ge Sabbath wird Nach diesem erst angehen, Dort in der Seligkeit, Woselbst die Frommen stehen In großem Glanz und Licht, Wie Sonnen angekleid't, Wo Ruhe, Fried' und Freud' Sie labt in Ewigkeit. 6. Wohlan, wer einst auch will Zu dieser Ruh' gelangen, Der muß den Sabbath hier, Wie sich's gebührt, anfangen; Er sei und bleibe fromm, Und nehm' im Glauben zu; So kommt er nach dem Tod Zur wahren Sabbathsruh'. Abendgebet am Sonntag. Herr, bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. O du lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich ist deine Güte, welche du den Menschenfindern erzeigest! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen haft; du hast meine Seele gespeiset mit dem Brot des Lebens, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigseim. Ach, laß dein Wort Zeit meines Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, daß ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln, oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin nicht wert aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan hast. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt, o mein Schuß, mir zur Seite, habe acht auf mich und schließe mich in deinen Schuß ein, laß mich beständig ein Licht in dem Herrn sein, und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis. Laß dein Wort, das ich gehört und gelernt, künftig in Abendgebet am Sonntag. mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben in der Frömmigkeit, Gottesfurcht, Absterben der Welt und einer heiligen Übergabe an dich wahrnehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten wider die Hiße und Anfechtung, und wider die feurigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Wende Feuer und Wassersnot und alles Unglück von mir und den Meinigen ab und laß alle Betrübten, Kranfen und Sterbenden deine reiche Gnade genießen; so soll morgen früh unser aller Mund deines Ruhmes voll sein, und wir wollen erzählen, was du Gutes uns an Leib und Seele gethan haft. Verzeihe mir! wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedient, wie ich billig gesollt, und nimm deswegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche alles neu an mir sein, schenk mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen; laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und fliehen, damit jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Hilf, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um den Leib bekümmert sei. Ich sehe mich, mein Gott, nach meiner Ruhestätte um; ich erinnere mich dabei an meine Grabftätte, darin ich ruhen werde, bis du mich an dem frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, in deine Kammer zur Ruhe; du aber, meine Seele, in die Wunden Jesu. 23 Laß mich, Herr, nicht von dir wanken, In dir schlaf' ich sanft und wohl; Gieb mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröt' angehet Und man von dem Bett aufstehet. Amen. 24 Erster Teil. Für Gesunde. Abend: Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich leg' zu meiner Ruh'; Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Gr drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Da Jesus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehen, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin. Es soll mein Geist und Seel' allein Mit meinem Gott beschäftigt sein. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt, Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil sich mit Gott das Auge schließt; Ich bin, mein Gott, weil du bei mir, Wenn ich erwach', auch noch bei dir. 4. Ach, Gott, wend alle Angst und Schmerzen In Gnaden diese Nacht von mir; Ach, wirke stets in meinem Herzen, Ich such' die Hülf allein bei dir; Laß Unglück, Schrecken, Not und Pein, O Gott! von mir entfernet sein. 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonsten zugehört, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wieder aufersteh', Ich alles unverletzet seh'. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben, Und immer um mein Bette stehn; Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen sehn; So schlaf' ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Ich fürchte nicht des Satans Schrecken, Noch seiner Rotten Macht und List, Weil Gott mich selber will bedecken, Und weil mein Jesus bei mir ist; Darf Satan mir kein Licht austhun, So muß er mich auch laffen ruhn. 8. Es gehn zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht. Mein Mund bricht aus in Freudenlieder Bei eingebrochner finstrer Nacht; Ich steh' mit Jesu wieder auf Und führe fröhlich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl des Tags, als auch bei Nacht Hiermit, o treuer Gott, ergeben, Ach! hab du selber auf mich acht. Ach! laß mich dir empfohlen sein, Denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib' ich denn in Jesu Wunden, Und schlafe in denselben ein. Auch in den letzten Todesstunden Werd' ich da wohl verwahret sein; Darinnen will ich auferstehn Und zu des Lammes Hochzeit gehn. Danksagung nach Anhörung des göttlichen Wortes. 25 Der gläubige Chrift dankt Gott nach angehörtem göttlichen Wort. Aufmunterung. Seid aber Thäter des Worts und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrügt. Jac. 1, 22. Wie alle göttlichen Wohlthaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, also auch die Anhörung des göttlichen Wortes, und fie sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. Weltkinder bilden sich ein 1) der Sonntag sei zu ihrer üppigkeit und Luftbarkeit eingesetzt, da sie, von der Arbeit frei, ihrem Fleisch sollen Vergnügen machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, wenn sie noch viel thun, als eine Ceremonie des Morgens zu dem Gottesdienste, Nachmittag aber zur Lust, auf die Jagd, zum Spiel, zum fündlichen Vergnügen, da sie einen Spaziergang vornehmen und hernach, wo nicht berauscht, doch mit eitlen Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Thorheiten nach Hause kommen. 3) Weltkinder achten das gepredigte Wort nicht, und wenn man sie Montags fragen sollte, was ihnen ihr Kirchgang genützt, was sie gehört, was sie gelernt, so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, daß sie nicht glauben und selig werden. Luc. 8, 12. 4) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in die Übung. Wahre Kinder Gottes aber, wie sie den Tag mit Gott und mit Gebet angefangen haben, also 1) hören sie mit Andacht das Wort Gottes an. 2) Das Gehörte wiederholen sie zu Hause, schreiben es auf und freuen sich darüber als über einen großen Schatz. 3) Sie denken die ganze Woche daran, und trachten es in Übung zu bringen. Es hatte im alten Testament der Herr die Tiere zum Opfer erwählt, welche wiederkäueten: Und die Seelen sind ihm auch die liebsten, welche das gehörte oder gelesene Wort wiederkäuen, erwägen und aus demselben immer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen, und sich also damit zum ewigen Leben erbauen. Gebet. du gnadenreicher Gott! wie kann ich dir genugſam danken, dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag haft erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehört und vernommen habe, wie ich soll recht glauben, fromm leben und dereinsten selig sterben. Du haft mir lassen kund werden, was dein gnädiger Wille 26 Erster Teil Für Gesunde. an mir sei, du hast mich lassen lehren, was ich soll meiden und was ich soll thun. Ach ja, du läsfest dich nicht unbezeugt, damit niemand eine Entschuldigung habe. Du giebst uns dein heiliges Wort und deine heiligen Sakramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unſerm Heil gebrauchen sollen; dein heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach, barmherziger Gott! bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter des Wortes sei. Was hilft mir alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum versiegele, o Gott, selbst in mir, was ich gehört und gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thätig und kräftig. Ach, du Thürhüter! schließe doch mein Herz sobald zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in dasselbe gegangen ist, damit es Satan mir nicht raube, daß ich leer wieder nach Hauſe gehen müsse. Gieb, daß ich mich spiegele nach dem Grempel so vieler tausend Menschen, die zwar dein Wort, o Gott! anhören, aber sich nicht bekehren, nicht frommer werden, noch die Bosheiten, Unarten und fündlichen Gewohnheiten ablegen, sondern vielmehr boshafter und frecher werden und bleiben. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen und verklagen, da sie des Herrn Willen gehört, gewußt und doch nicht darnach gethan haben! Ach; mein Gott, laß mich diese Woche nun frommer und gottseliger werden; gieb, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, darüber mich erfreue und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Wort vernommen, ich solle sanftmütig, demütig und barmherzig sein; ach! so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit daran mich erinnere, und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feinde liebe, mich selbst verleugne, und den Univ- Bibl. Giessen Danksagung nach Anhörung des göttlichen Wortes 27 Armen und Elenden gerne Gutes thue. Habe ich gehört, ich solle gegen meine bösen Lüfte und Gedanken streiten, mich verleugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen; ich soll züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gieb mir Kraft und Stärke, daß ich mich darin täglich üben und es vollbringen möge. Ob es zwar gleich im Anfang und in großer Schwachheit geschieht, daß ich doch fortfahre in der Heiligung, und mich je mehr und mehr reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach, laß mich mit deinem heiligen Wort umgehen, wie die Weltfinder mit ihren irdischen Schäßzen, welche sie einschließen und wohl bewahren; so gieb mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, teuern Glaubenslehren, kräftigen Ermahnungen zur Heiligung des Lebens, als einen lieben und werten Schatz in meinem Herzen bewahren, ja auch täglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz und Trübfal, in Krankheit, ja in dem Sterben daraus einen Trostspruch nach dem andern hervorlangen könne. Ja, mein Gott, laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Erkenntnis deines Willens und an Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott, wir danken dir, Daß du uns dein Wort gegeben. Gieb uns Gnade, daß auch wir Nach demselben heilig leben; Du wollst selbst den Glauben stärken, Daß er thätig sei in Werken. Höchster Gott! ach, sei gepreist, Der du lehrft, was wir thun sollen, Schenk uns deinen guten Geist, Gieb uns auch ein eifrig's Wollen, Laß es ferner wohlgelingen. Gieb zum Wollen das Vollbringen. Amen. Gejang. Mel.: 0 Gott, du frommer Gott. 1. Wer Gottes Wort anhört, Der soll auch darnach leben, Und also seinem Gott Sein Ohr und Herze geben; Viel Hören hilft uns nichts, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man nach wie vor Die frechen Sünden treibt. 28 Erster Teil. Für Gesunde. 2. Hörst du aus Gottes Wort Die wahre Buße lehren, So thu auch wahre Buß'; Fang an, dich zu bekehren, Und werd ein neuer Mensch; Ach! bleib nicht, wer du bist, Ja, ändre dich bei Zeit, Und werd ein frommer Christ. 3. Hörst du, man solle sich Den Bösen nicht gleichstellen; So sollst du dich auch nicht Zu ihrer Rott' gesellen; Was böse Menschen thun, Das thue du doch nicht, Sei fromm und wandle stets Vor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß Jesus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll Und alle Sünden hassen; So folge ihm auch nach, Bestreb dich immerdar, Daß du gesinnet bist, Wie Jesus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ Nicht nach dem Fleische leben, So Lasse dieses Wort Dir stets vor Augen schweben, Folg deinem Herzen nicht Und steh auf deiner Hut, Vollbringe nicht, wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, Gottselig, züchtig wandeln, Und niemals wider Gott Und sein Gewissen handeln; So folge dieser Stimm', Verlaß die Sündenbahn, Und fang durch Gottes Kraft Ein neues Leben an. 7. Hörst du, man solle stets Den Nächsten herzlich lieben, Und das, was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm ausüben; So lieb ihn wie dich selbst, Verfolg und haß ihn nicht, Und so vollbring an ihm Die anbefohlne Pflicht. 8. Ja, was du Gutes hörst, Das soll von dir geschehen, Das lasse alsobald In die Erfüllung gehen, So hast du recht gehört, So hast du Trost und Freud', Und gehst durch Jesu Blut Dereinst zur Seligkeit. 9. Mein Gott, verleih mir Gnad', Daß ich die Himmelslehren Mög' immerdar mit Fleiß Zu meinem Nutzen- hören, Daß ich, was ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu', Und also hier und dort Gelang' zu meiner Ruh'. Morgengebet am Montag. Laß mich frühe hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich. Thue mir fund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlangt nach dir. Heiliger, gütiger und allein weiser Gott, der du den Himmel erschaffen, und die Erde gegründet und verordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsternis, und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen; ich lobe und preise dich für Morgengebet am Montag. deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnädiglich erhöret und mich die vergangene Nacht vor Krankheit und anderem Übel be-. hütet, und das Meinige mit deinem Schuß umgeben hast. Herr, groß sind deine Werke, die du an den Menschen thust, deine Güte reicht, so weit der Himmel iſt, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Ich schlief, und du wachtest; ich war im Schlaf den Toten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach, mein Gott! sei auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und Tröster, meine Zuflucht und Erbarmer; laß deine Augen über mir offen sein, daß ich unter deinem Geleit unverletzt in meinem Beruf ein- und ausgehen, und den Abend nach deinem Willen wiederum unverletzt erreichen möge. Mein Gott! laß deinen Segen mit und bei mir sein, in allem, was ich in deinem Namen anfange, dazu gieb selber Rat und That, und laß mich niemals etwas wollen, was du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlichte auch das Licht des heiligen Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in deiner Furcht, in deiner Liebe und Gehorsam hinbringe. Schaffe in mir, o Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist; verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich fündige, und wenn man mich zu sündigen verleiten will, so laß ihn mich erinnern, und durch seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an, Herr Jesu, fleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, Herr Jesu, wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandle im Rate der Gottlosen, noch size, da die Spötter sißen, welcher Freundschaft deine Feindschaft ist; und so ich will der Welt Freund 29 30 Erster Teil. Für Gesunde. sein, und mit ihnen ihre sündliche und alte Gewohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach, mein Gott! drücke in mein Herz die Worte: Wandele vor mir und sei fromm. O, wie viele fangen eine Woche an, aber vollenden sie nicht, und sind am Ende derselben frank oder schon begraben. Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche niemand dich schauen wird. Laß mich gottseliger Worte, unsträflichen Wandels und heiliger Gedanken befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade und in deinen Wunden, o Jesu! erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, die Liebe des Sohnes heilige mich, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werfen. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Der gläubige Christ bittet um Segen beim Anfang der Woche. Anfmunterung. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Kol. 3, 17. Hat at man Ursache zu beten und zu flehen, wenn ein Tag anbricht, wie vielmehr soll ein gläubiger Christ sein Herz und Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will. Wie viele Menschen haben den Sonntag, als den ersten Tag in der Woche, gesund erlebt, und sind den Sonntag darauf schon begraben gewesen. Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen; aber ehe sie geendet, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, taasend Thränen und Händeringen geendet haben. Nun, mein lieber Christ, das kann mir und dir auch widerfahren, darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott sich wenden. Es soll aber ein gläubiger Christ 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle heiligen, ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verletzen, den Nächsten betrüben und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. Er soll die Bitte um Segen für die angefangene Woche. 31 Woche über des Gebets und des Gottesdienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirchen- und Betstunden fleißig besuche. 2) Und weil es nicht liegt an unserm Rennen und Laufen zur Arbeit, soll er sonderlich Gott um seinen Segen anrufen; aber auch mitten unter der Arbeit an Gott gedenken und mit Gebet die Arbeit anfangen, fortsetzen und vollenden. 3) Er soll behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleicht, bis endlich die letzte Todes- oder Sterbe- Woche kommt, da unsere Seele soll vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schutz vollenden, und sollte er es ihm auch eine Kreuzwoche werden lassen, so wird er doch darin sein Helfer, Netter und Beistand sein und bleiben. Gebet. du liebreicher und barmherziger Gott! Ich fange unter deinem Beistande eine neue Woche an. Ich weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird; wie viel Übel und Unglück fann uns in einem Tag begegnen, wie vielmehr in einer ganzen Woche; darum komme ich gleich im Anfange derselben zu dir und empfehle mich dir ganz und gar. Ach, mein Gott! gieb mir deinen heiligen Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geist das Zeugnis gebe, daß ich ein Kind Gottes sei. Segne mich diese Woche; segne meinen Ausgang und Eingang. Segne meine Berufsarbeit und Geschäfte; segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hülfe kommt; meine Hülfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht; wenn du mich hältst, so falle ich nicht; darum laß deine Treue und Güte mich allerwege behüten. Segne auch alles, was mein ist, und laß es in deinem Segen blühen. Ach, mein Gott und treuer Vater! schüße und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück; laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schuß und in deiner Gnade stehen. Bewahre 32 Erster Teil. Für Gesunde. mein Haus um und um, wie das Haus Hiobs; laß um mich und um das Meinige deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unglück stürzen, so groß es auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nicht unerhört von dem Throne deiner Gnade weggehen. Bewahre mich vor schweren Sünden, weise mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nicht aus deiner Gnade falle, sondern darin beständig bleibe bis in den Tod. Gieb, daß ich diese Woche möge frommer und gottseliger werden, in deiner Erkenntnis und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachsen, und in meinem Glauben darreichen möge Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit, wenn nun die letzte Lebenswoche einbricht, ich deiner Gnade möge versichert sein. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich alles unter deinem mächtigen Beistand ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter aus aller Not. Nun, ich befehle mich dir mit Leib und Seele und allem, was ich habe, in deinen gnädigen Vaterschuß, wie auch alle fromme Christen. Darauf so sprech' ich Amen Und zweifle nicht daran, Und geh' in Gottes Namen Die vorgeschriebne Bahn; Und streck' aus meine Hand, Greif' an das Werk mit Freuden, Dazu mich Gott bescheiden In mein'm Beruf und Stand. Gejang. Mel: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will die neue Woch' Mit dir, o Gott! anheben; Du wollst mir deinen Geist Und deinen Segen geben; Im Anfang steh mir bei, Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. Bitte um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 33 2. Ohn' deinen Segen kann, Mein Vater! nichts gedeihen, Drum wir, o Segensgott, Um Segen zu dir schreien; Ach, komme selbst zu uns, Und greif das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja, es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen, Und mit Bekümmernis An seine Arbeit gehen, Wenn du nicht selbst mitgehst Und stehest mit dabei, Daß Anfang und das End' Von dir gesegnet sei. 4. Drum komm, o Gott, zu mir, Und gieb mir deinen Segen, Denselben wollest du In meine Arbeit legen! Ach, segne all mein Thun; Ach, jegne meine Tritt', Und teile gnädiglich mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch' hinbringen. Laß meine Arbeit sein: Dich loben, beten, singen; Bewahre mich vor Sünd' Und großer Missethat, Und wenn ich Buße thu', So schenk mir deine Gnad'. 6. Mein Gott! begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch' Ein Kreuz mir auferlegen, So biet mir deine Hand, Und steh mir kräftig bei; Ja trage selbsten mit, Daß mir's erträglich sei. 7. Nun, was du Gutes wirft Mir diese Woch' erweisen, Dafür soll dich, o Gott! Mein Mund und Herze preisen; Ach, laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen sein; Bis ich durch Jesu Blut Geh' zu der Freude ein. Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. Es segne uns Gott, unser Gott; es jegne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Psalm 67, 7. 8. Ein jeder Mensch betet und bittet etwas von Gott; dabei soll aber ein jeder wohl erwägen, wie er betet und was er bittet. Ach, der meisten Gebet geht nur auf das Irdische und Vergängliche, welches sie aber oft zu ihrem Schaden sich bitten. Ein gläubiger Christ bittet 1) um leibliche Dinge, um Gejundheit, Segen, Nahrung, Abwendung von Gefahren, Hülfe in Not, Beistand im Leiden, Errettung aus Unglück, und dergleichen Gebet kann Gott wohl leiden, weil er dieses alles uns in seinem heiligen Wort verheißen hat. Aber der gläubige Chrift bleibt nicht dabei stehen, dieses ist das Geringste, weil es ihm Gott ohne sein Bitten zuweilen zufallen läßt. Er bittet 2) besonders um geistliche Dinge, um den heiligen Geist, um ein frommes Herz und das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist. Röm. 14, 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachstum im Guten, Heiligung und die Gaben des heiligen Geistes; dieses ist das Vornehmste, Starks Handbuch. 3 34 Erster Teil. Für Gesunde. was er von Gott bitten und verlangen kann, und wenn ihm solches verliehen wird, so hält er es für seinen größten Reichtum. Ein gläubiger Christ bittet 3) auch um ewige Dinge, nämlich um ein seliges Ende, fröhlichen Abschied aus diesem Leben, um den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, damit er Gottes Angesicht schauen, mit weißen Kleidern angethan sich nach dem Kampfe ewiglich in Gott erfreuen könne. Also muß ein Gläubiger beten, besonders um geistliche und himmlische Güter, wenn er recht und Gott wohlgefällig beten will, dabei er aber 4) sich muß eines unsträflichen, christlichen Wandels befleißigen, damit er auch so lebe, daß ihm Gott die geistlichen und himmlischen Güter mitteilen könne, welche ein unwiedergeborner und böser Mensch nicht empfangen kann. Gebet. du reicher und gnädiger Gott, wie groß und Herrlich, wie reich und mächtig bist dü! du hast alles und kannst auch alles geben. Siehe, ich dein Kind, komme zu dir und bitte dich um deine Gaben. Du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde; daher alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir; denn alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch! das du nicht empfangen hast! Ach, mein Gott und Vater, mache mich besonders an meiner Seele reich; gieb mir deinen heiligen Geist, gieb mir ein frommes Herz, befehre mich, erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und ein wahrer Christ werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, daß ich die böse Lust besiege, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und Seele dir zu deinem Opfer ergebe, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ſei. Siehe, mein Gott, wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unterworfen bin, darum leite du mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführt werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu, und Bitte um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 35 eine neue Kreatur sei, so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger Gott und Vater! für mich in dem Irdischen, du weißt, was ich bedarf, du siehst, was mir fehlt; aber gieb mir nichts nach meinem, sondern alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach, so gieb mir einen gesunden Leib zu desto glücklicherer Verrichtung meines Berufes und Standes, in den du mich gesetzt haft. Gieb mir Nahrung und Kleidung, weil du weißt, daß ich ohne dieselbe nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen, behüte mich vor Unglück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich. Du hast mich in die Welt erschaffen, so wirst du mich auch wohl zu ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe alle meine Anliegen und Sorgen auf dich. Ach Gott! sorge für dein Kind, erhalte dein Kind und laß mich deiner Vatertreue und Gnade hinfort reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Vater, nicht um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hast, so hoffe ich noch größere Güter. Denn hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hier zu empfangen habe, so wäre ich der elendeste Mensch. Darum, mein Vater! gieb mir auch die himmlischen Güter, erhalte mich im Glauben bis an mein letztes und seliges Ende; laß mich an meinem Ende auf Chrifti Tod abscheiden; die Seele nimm hinauf zu dir, zu deinen Freuden. Gieb mir auch, wenn es dein heiliger Wille ist, ein vernünftiges Ende und bringe mich nach dem Abschied aus diesem Leben zu der Schar der Außerwählten in den Himmel, daß ich mit ihnen gekrönt, verklärt, mit weißen Kleidern geziert, dein heiliges Angesicht schauen, und mich in dir ewiglich erfreuen möge. Ach, mein Gott! höre die Stimme meines Flehens, und weigere nicht, was mein Mund bittet. Gieb mir von den irdischen Dingen so viel, als dir gefällig und mir 3* Erster Teil. Für Gesunde. beilsam und selig ist, aber in geistlichen und himmlischen Dingen gieb mir ein reiches Maß deiner Gnade, und bringe mich als dein Kind dermaleinst zu der Versammlung der Heiligen im Licht, daß ich hier im Glauben und Liebe, und dort in der Ewigkeit mit dir vereinigt bleibe. Meinen Ausgang segne Gott, Meinen Eingang gleichermaßen; Segne auch mein täglich Brot, Segne all mein Thun und Lassen; Segne mich mit jel'gem Sterben, Und mach mich zum Himmelserben. Amen. 36 Sejang. Mel: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Vater, denk an mich! Ach, gieb mir deinen Segen, Und thue auch an mir, Wie treue Väter pflegen; Gieb, was ich nötig hab', Und was mir nüßlich ist; Ich schau' allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach, gieb mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben; Und wirst du mir dabei Ein frommes Herze geben, So bin ich reich genug, So bin ich recht beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gieb mir mein täglich Brot, Gesundheit auch desgleichen; Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit weichen. Wend alles Unglück ab, Begleit mich aus und ein, Und laß bei Tag und Nacht Mich dir empfohlen sein. 4. Laß mich in Jesu Chrift Hier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut Die Seligkeit ererben; Laß mich vor deinem Thron In weißen Kleidern stehn, Und, Herr! dein Angesicht mit allen Frommen sehn. 5. Mein Gott! erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd' noch meine Lust An deiner Gnade schauen; Mein Herze, Geist und Sinn Sei dir allein geweiht, Mein Segen, Freud' und Schatz Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan! ich bin erhört, Gott wird's aus Gnaden geben; Drum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben; Mein Vater schenke mir, Dieweil ich leb' auf Erd', Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd'. Abendgebet am Montag. Anfmunterung. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn allein du, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. Psalm 4, 9. Ist die Dankbarkeit eine schöne Tugend, welche Gott und Menschen wohlgefällt, so soll auch ein gläubiger Christ derselben eingedenk sein, Abendgebet am Montag. 37 wenn ihn nun Gott einen Tag hat erleben und den Abend erreichen lassen. Es ist zu beklagen, daß viele Menschen Tage, Wochen, Monate, ja ganze Jahre hinbringen, und nicht erkennen, was Gott an ihnen gethan; sie genießen des göttlichen Schutzes, Beistandes, Hülfe, und danken ihm nicht einmal dafür; meinen, es müßte so sein, sie müßten gesund, glücklich und im Wohlsein ihre Zeit hinbringen; Gott müßte also sie erhalten und es ihnen lassen wohlergehen. Darum, o gläubiger Christ, sondere dich ab von solchen undankbaren Seelen; hast du den Tag unter dem Schutz und Beistande Gottes glücklich zurückgelegt, fängt die Sonne an unterzugehen, und will nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und Beten. 1) Danke Gott, daß er den Tag über dich vor Unglück bewahret, und denke, wie viel Menschen vielleicht den Tag, an dem dich kein Leiden berührt, in das größte Unglück gekommen, ihre Gesundheit verloren, des Abends krank und in großen Schmerzen auf ihr Bett gelegt worden sind, da sie am Morgen noch frisch und gesund waren; ja wie viele sind in einem Tage arm geworden durch Feuer und Unglück, die am Morgen noch nichts davon wußten. 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden; untersuche deine Reden und deine Thaten; hast du den Tag über etwas geredet wider Gott und den Nächsten; hast du etwas vollbracht, das wider dein Gewissen und Christentum ift, o! alsdann auf, und bitte es Gott ab, ehe du schlafen gehst. 3) Gedenke, vielleicht ist diese Nacht deine letzte, vielleicht wird in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern, o darum mache Frieden mit deinem Gott, ehe du die Augen schließest. 4) Bitte Gott um Schutz und seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück von dir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlaf erwachst, so denke an Gott, danke ihm, so schläfst du in seinen Armen und unter der heiligen Engel Schußz sanft und selig. Abendgebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. O, du ewiger und allmächtiger Gott! dieses sind meine Abendgedanken, da ich mich zur Ruhe begeben will. O wie soll ich dir genugsam danken, daß du mich aus- und einbegleitet haft, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen, du hast mich gespeiset und getränft, du hast mich getröstet und erquickt, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis auf 38 Erster Teil. Für Gesunde. den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohlthaten find lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe aufmuntern; darum, so lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Vergieb mir, o Herr! vergieb mir aus Gnaden, wenn ich heute das Vorbild meines Jesu nicht vor Augen gehabt, und deine Gebote aus den Augen gesetzt, hingegen nach der Welt und mit der Welt gelebt, und meinen Begierden freien Lauf gelassen habe; wäreft du nicht ein langmütiger Gott, ja, der Vater der Barmherzigkeit, so lebte ich nicht mehr, indem kein Mensch so lange zusehen könnte, wie du mir Zeit zur Buße und Umfehr gegeben hast. Ach, Herr! ich schuldige mich, und thue Buße im Staub und in der Asche.. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden, wie ein Nebel, und gedenke derselben nimmermehr. Ich gelobe dir hiermit an in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Übel; drücke mir selbst, wenn ich einschlafe, die Augen zu, mein Jesu! Ach, drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, daß ich deiner nicht vergesse. Meine Seele mit Begier Träume stets, o Gott! von dir, Daß ich feste an dir hange, Und auch schlafend dein verlange. Sei mein Licht in der Finsternis, mein Helfer in der Not; mein Herz hält mir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Antlig. Ich weiß nirgends hin, als zu dir, o allmächtiger Gott! Mein Vater ist bei mir, warum sollte ich mich fürchten, wenn ich schon einsam liege und schlafe. Mein Jesus, meiner Seele Licht, ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht schließet. Der heilige Geist ist bei mir, der erhält das Zeugnis in meinem Herzen, daß ich ein Kind Danksagung für die Gesundheit. 39 Gottes sei, ob ich schon von mir selbst nichts weiß; bin ich also in den Schuß des dreieinigen Gottes eingeschlossen, so schlafe ich sicher wie Jakob; ich schlafe getroft wie ein Kind an seiner Mutter Brust; ich schlafe beschützt, wie Petrus. Gedenke, Herr! doch auch an mich In dieser schwarzen Nacht, Und schenke du mir gnädiglich Den Schutz von deiner Wacht. Drauf schließ' ich meine Augen zu Und schlafe fröhlich ein; Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh'; Wer wollte traurig sein? Amen. Der gläubige Chrift dankt Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Es ist beffer, einer sei arm und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein ist besser, denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn groß Gut. Es ist kein Reichtum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude des Herzens Freude gleich. Sir. 30, 14-16. Gleichwie Gott unterschiedliche Gaben den Menschen austeilt, geiſtliche und leibliche, so mag wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten mit rechnen die Gesundheit. Ein gesunder Mensch ist ein glückseliger Mensch, wenn er dabei fromm ist, er ist aber auch der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückselig ſei, sehen wir daher, weil er Gott und seinen Nächsten ungehindert dienen, feinen Beruf abwarten und viel Gutes verrichten kann. Ist aber der Mensch nicht fromm bei seiner Gesundheit, so mißbraucht er dieſe edle Gabe auf das entsetzlichste zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O! wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, Zunge, Augen und Leib nicht so viel Sünden ausübe, daher auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder dereinst eine schwere Verantwortung und Strafe folgen wird. Ein wahrer Christ erkennt diese edle Wohlthat der Gesundheit, 1) wenn er seine gefunden Glieder ansieht, so dankt er Gott dafür. 2) Er wendet seine Gesundheit an, Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Christentum zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) seinen Beruf treu und aufrichtig zu vollbringen. 5) Er erkennt, daß die Gesundheit kein ewiges und beständiges Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lähmung der Glieder und ein ungesunder Körper einfinden könne. 6) Er miß 40 Erster Teil. Für Gesunde. braucht deshalb in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht in Mutwillen, Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheit und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht sage: das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit; wie denn also Gott manchem gesunden aber unbändigen Menschen Zaum und Gebiß durch Zuschickung eines ungesunden Leibes muß anlegen, damit er aufhöre zu sündigen 7) Ein frommer Christ betet auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsam angewendet. Gebet. du gnädiger und barmherziger Gott! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweisest, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und Gnade erhältſt, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen läsfest. Nun, mein Gott! ich erkenne, daß dieses ist eine der guten Gaben, welche von dir, o Vater des Lichts! von oben herab kommen. Herr! Herr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren läsfest! Sehe ich doch tåglich vor meinen Augen Menschen, die fränklich, elend und schwach sind! Höre ich doch viele klagen, daß fie in vielen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind, als ich, und viel andächtiger beten, als ich; mir aber giebst du gute Gesundheit, Kraft und auch Stärke. Ach Herr! ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan haft und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott! daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche zur Üppigkeit, Wollust, Hoffart und Frechheit, sondern gieb mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich in Zukunft und Zeit meines Lebens meine Gesundheit anwende zu deinem Lobe und deiner Ehre, zum Nußen meines Nächsten und Vollbringung der Ge Danksagung für die Gesundheit. 41 schäfte meines Berufs. Erhalte mir nach deinem heiligen Rat und Willen meine Gesundheit und geraden Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen, und in deinem Tempel Lob- und Danflieder anstimmen könne. Gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich meine gesunden Glieder und Kräfte heilige zu deinem Dienst, und meinen gesunden Verstand zum Wachstum in deiner Erfenntnis anwende. O, mein Gott! gieb mir Kraft und Stärke, in dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gesund im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübfal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung und getroft im Tode sei. Ach! heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O Gott, du frommer Gott, Du Urquell aller Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben; Gefunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib'. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden, Und haft Glück auf dieser Erd', So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trotzig werd'; Denk in deinem Glück und Prangen, Wie dir's eh'mals ist gegangen; Denk im Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 2. Bist du nun gesund und stehest, Denk auch an das Krankenbett; Wenn du fröhlich einhergehest, Denk auch an die Lagerstätt'; Bist du wiederum genesen, Denke, daß du krank gewesen; Denk im Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 3. Blüht dir Freud' und lauter Glücke, Steht es um dich wohl jetzund, Denk bisweilen auch zurücke, Wie es auch vor diesem stund, Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; Denk im Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schätzen, Denke dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergötzen, Daß es vordem nicht so war; Selig, wer die Demut liebet, Wenn ihm Gott viel Güter giebet; Denk im Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 42 Erster Teil. Für Gesunde. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen; Und wenn da ein Armer steht: Denk, so bin ich auch gestanden In dergleichen Trübsalsbanden; Denk im Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 6. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demutsschranken, Führen dich zur Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebest. Bleib in deinen Augen klein, So wird Gott dir gnädig sein. Morgengebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfft, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich diesen Morgen wiederum gesund haft lassen von meinem Lager aufstehen, und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahret hast. Wie groß ist deine Güte, Herr, daß Menschen unter dem Schatten. deiner Flügel trauen und unter denselben so mächtig bewahrt werden. Ich schaue nach der Finsternis wiederum das Sonnenlicht; gieb mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Lichte wandele, und alle Werke der Finsternis fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedient, und meinen Mund, Glieder und Sinnen nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten gerichtet habe, wovon ich dereinst vor deinem Gericht eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz zu deinem Dienst auf mit Leib und Seele; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und denken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiligt sein. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, darin ich als dein Kind in deinen Armen gelegen, nun wieder von neuem lebe, so weiß ich nirgends hin, als zu dir; ich klopfe an deine Gnadenthüre, ich wende mich wieder zu der Segens Freude über die Wiedergeburt. 43 quelle, aus welcher ich nehme einen Segen nach dem andern; eine Hülfe nach der andern; denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich; wenn du deine Hand austhuft, so wird alles gesättigt mit Wohlgefallen. Gieb mir guten Rat, wenn ich Rat bedarf; richte meine Anschläge und Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß ich diesen Tag meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Gott! so schweige mir nicht; auf daß nicht, wo du schweigeft, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem heiligen Chor. Laß das Gebet der Glenden, Traurigen, Kranken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Ja, richt mein ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben In's Todes Rachen hin, Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich selig sterben, Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Amen. Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. Anfmunterung. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. 1 Petr. 1, 3. 4. Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig können glückselig machen. Ist nun etwas, dessen sich ein Gläubiger rühmen und darüber er sich freuen kann, so ist's die Wiedergeburt, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlanget 1) die Kindschaft bei Gott; Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen und uns nicht verlassen will. Wir 44 Erster Teil. Für Gesunde. haben empfangen 2) die Gerechtigkeit Jesu Christi; alles, was Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben hat, das ist uns in der heiligen Taufe geschenkt und zu eigen gegeben worden. Ja, wir sind in ihn gepflanzet, er ist der Weinstock, wir sind die Reben, durch ihn erlangen wir neue Stärke zum Guten, Licht, Weisheit und Gnade. 3) Uns ist erteilt die Einwohnung des heiligen Geistes, der will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge und Mund regieren; unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche einwohnende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wir wachsen im Glauben, Frömmigkeit, Gottesfurcht, wie ein neugebornes Kind an Kräften und Jahren. 4) Wir erlangen auch die ewige Seligkeit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Seligkeit sollen teil haben. Wer dieses erwägt, der muß sich billig und herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe sich auch vor, 1) daß er die empfangene Gnade nicht wieder verliere, 2) daß er würdig wandele in seinem Beruf, 3) daß er die Welt nicht wieder lieb gewinne, oder mit Unwiedergebornen und Weltkindern vorsäßlich sündige und sich ihnen nicht gleich stelle, 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sei, wie die lieben Kinder; daß er dem Herrn Jesu nachfolge, und des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hülfe und Beistand wird genießen, hier in der Zeit, und auch dort in Ewigkeit. Gebet. Großer Gott und liebster Vater! wie kann ich genugsam deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe! O welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgeteilt, daß du mich zu deinem Kinde angenommen hast. Rühmen Menschen ihre Glückseligfeit, die sie erlangen durch ihre hohe Geburt, durch Besizung hoher Ehrenstellen, großen Reichtum, ansehnliche Güter; siehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin, denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Freude über die Wiedergeburt. 45 Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßzen; ja, er wird mich niemals und in keiner Not verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch große Freudigkeit im Sterben, da wird er mich als sein Kind erquicken, laben, trösten, und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gieb mir, o lieber Vater! deinen heiligen Geist, der mich an diese Herrlichkeit fleißig erinnere. Ich bin noch in der Welt, und lebe unter den Menschenkindern; ach, bewahre mich, daß ich nicht mit den Weltkindern sündige und Böses thue, noch mich ihnen gleich stelle. Sehe ich jemanden Böses thun, höre ich etwas Böses reden, so laß mich gedenken, ich sei ein Gottesfind, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen. Laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindesrecht und Kindesteil an Gott und an dem Himmel nicht feil ist, um deine Lustbarkeit, Eitelkeiten und Gewohnheiten zu genießen. Mein Jesu! du weißt, daß ich dich lieb habe, und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht allezeit und in der That so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach, nimm doch meinen Willen gnädig an, und laß mich mein Leben im Glauben und Frömmigkeit, Heiligkeit, Reinigkeit und findlicher Demut führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich wie dein Kind leben und sterben, und wie dein Kind zur Himmelsfreude gelangen möge. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf'; Du bist mir daher auch gewogen, Haft mich zum Kind genommen auf. Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gejang. Mel.: Jesu, der du meine Seele. 1. Wer nicht wieder ist geboren Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort beweist: Denn es muß auf dieser Erden Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Seligkeit. 46 Erster Teil. Für Gesunde. 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf' und Gottes Wort; Wird man dem nicht widerstehen, Stoßet man die Gnad' nicht fort, So wird man gar bald empfinden, Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt Gott ins Herzenshaus, So treibt er die Sünd' hinaus. 3. Und wird auch zugleich gegeben, Gott der werte heil'ge Geist, Der fängt an ein neues Leben, Das die Lafter aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen; Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit; Muß die Welt und Sünd' verachten, Wachsen in der Frömmigkeit, Er muß gänzlich unterlassen, Und von Grund der Seele haffen, Was er vorher hat geliebt Und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, Beten, Gott zu Ehren Ist des neuen Menschen Sinn; Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuziehn; Gottes Willen zu verrichten, Ist des neuen Menschen Dichten; Also wird er gänzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr sei. 6. Also muß in dir vorgehen Eine Herzensänderung; Also muß man an dir sehen Eine Lebensheiligung; Daß Herz, Sinnen und Geberden Ganz in dir erneuert werden; Daß sie Glaub' und Lieb' auszier', Daß sie Gottes Geist regier'. 7. Ach, mein Gott! hier fall' ich nieder, Fördre in mir dieses Werk, Andre Sinnen, Herz und Glieder, Gieb mir deines Geistes Stärk', Daß ich ja nicht werd' verloren, Sondern wieder sei geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr' Und dich liebe mehr und mehr. 8. Laß mich auch in diesem Stande Immer bleiben, o mein Gott! Bis daß meine Lebensbande Einst zerreißen durch den Tod, Daß mich nichts von dir abtreibe, Und du mein, ich dein verbleibe; Alsdann geh' ich aus der Zeit In die frohe Ewigkeit. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferwecke hat, so wirst du selig. Röm. 10, 9. Herr! stärke uns den Glauben. Luc. 17, 5. So o unglückselig ein ungläubiger Mensch ist, so glückselig ist die Seele die im Glauben und in der wahren Erkenntnis Gottes, Jesu Christi un ihres Heils steht. Denn ein Ungläubiger ist gleich einem Gemach, dari Bitte um Erhaltung des Glaubens. fein Licht ist, darin es finster und unangenehm ist; aber eine gläubige Seele ist gleich einem Gemach, darin es helle ist, und darin ein Licht scheint, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern Gott ist's, der ihn in uns anzündet, entweder in der heiligen Taufe, wenn der heilige Geist reichlich über uns ausgegossen wird, oder durchs Wort Gottes, dadurch der Mensch anfangs eine Erkenntnis und Wissenschaft seines Heils erlangt, durch Gottes Kraft dem Wort Beifall giebt, es für eine göttliche Wahrheit in seinem Herzen hält, sodann in fester Zuversicht Gott faffet, sich Jesum Christum und sein heiliges Verdienst zueignet, und nach diesem Wort zu glauben, zu leben und zu sterben sich mit Gott entschließt. Deswegen soll ein gläubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben und zur Erkenntnis Jesu Christi gebracht, und dadurch vor Juden, Türken und Heiden glücklich gemacht hat. 2) Er soll sich seines Taufbundes und der darin erlangten Herrlichkeit erinnern, und den darin mit Gott gemachten Bund nicht mutwillig übertreten. 3) Soll er Gottes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und mehr erleuchtet, zu größerer Erkenntnis gelangen möge. 4) Was er hört und lieft, soll er in die Übung bringen, und seinen Glauben in den Werken zeigen. Daher 5) es einem wahren Christen nicht soll genug sein, zu sagen: ich glaube, sondern er soll auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmut und dergleichen in seinem ganzen Leben hervor leuchten lassen. Er soll auch nicht etwa nur eine Zeitlang glauben, sondern im Glauben Gott getreu bleiben bis in den Tod. So kann er sich auch getrösten, daß er werde das Ende seines Glaubens davon tragen, nämlich der Seelen Seligkeit. 47 Gebet. du gnadenreicher Gott! welche große Barmherzigfeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntnis meines Heils gebracht hast. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist Jesus Christus mit seinem Verdienst, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort Gottes und die heil. Sakramente. Dieses alles weiß ich nicht nur, sondern gebe dem allen Beifall; ich sezze darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht, und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben und diese Erkenntnis bin ich unterschieden von Erster Teil. Für Gesunde. ungläubigen Juden, Türken und Heiden. Ach! du gnadenreicher Gott, verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Erkenntnis in mir lebendig mache. Selig seid ihr, so ihr es wisset, aber selig seid ihr, wenn ihr es auch thut. Gieb mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein toter Hirn- und Scheinglaube, sondern ein lebendiger Glaube werde. Weil ich Jesum Chriftum als meinen Heiland kenne, so will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben, als die ganze Welt, ihm auch allein dienen, und nichts vollbringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böse Welt mich anreizt; außer ihm soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. Erkenne ich die Mittel der Seligkeit, so will ich sie auch unter deinem Beistand zu meiner Seligkeit anwenden; dein Wort will ich andächtig hören, darnach leben; was dein Wort verbietet, will ich fliehen und meiden; hingegen die Pflichten und Tugenden, die es mir anbefiehlt, in deiner Gnade durch des heiligen Geistes Beistand zu vollbringen trachten; das heilige Abendmahl soll mich heiligen durch und durch; ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens und zu meiner Seligkeit als eine Speise der Heiligung mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach, mein Gott! vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und den Gehorsam, daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottesfürchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ möge leben, und als ein wahrer und frommer Christ dermaleinst selig sterben. 48 Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht; Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, Herr Jesu, nach dem Streit In der frohen Ewigkeit. Abendgebet am Dienstag. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach, Herr! stärke meinen Glauben; Ach! mein Glaube wird gar schwach; Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hülf' läßt finden, So will fast mein Glaub' verschwinden; Wo ist denn mein Herr und Gott? Sprech' ich jetzt in meiner Not. 2. Wo sind seine Allmachtsproben, Wo ist seine Vaterhand, Welche andre freudig loben? Bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet, Weiß er nicht, wie's um mich stehet; Ist mein Leiden ihm zu groß, Daß er mich läßt hülfelos? 3. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen; Ja, ich glaube festiglich, Daß du alles wohl kannst machen; Drum so komm und stärke mich). Herr, ich glaube, daß du lebest, Und stets um und bei mir schwebest; Daß dein Auge auf mich sieht, Ob die Hülfe schon verzieht. 49 4. Herr! ich glaube, daß mich Armen Jesus auch erlöset hat, Daß er will sich mein erbarmen, Daß ich bin in seiner Gnad', Daß mein Jesus in dem Leiden Nimmer werde von mir scheiden, Nur mein Herz empfind't es nicht, Weil mir Stärk' und Hülf' gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde; Stärke mich doch fort und fort; Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus deinem Wort; Lehre mich dir fest vertrauen, Und auf die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir giebst, Ob du schon die Hülf' aufschiebst. 6. Ja, laß deinen Geist mich trösten; Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Not am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du noch an mich gedenkest, Und mir deine Hülfe schenkest, Wenn da kommt die Stund' und Zeit, Die zur Hülfe ist bereit. Abendgebet am Dienstag. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen thun? also spreche ich jetzt, o du gnädiger und liebreicher Gott, in dieser Abendstunde und sage dir demütigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schußze, liebreichen Fürsorge, gnädigen Führung und reichen Segen haft zurücklegen lassen. Herr, deine Güte ist groß und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der Herr ist nahe allen, die ihn mit Ernst anrufen, er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, er hört ihr Schreien und hilft ihnen. Ach, Starts Handbuch. 4 50 Erster Teil. Für Gesunde. mein Gott! wie geschwind geht doch ein Tag dahin; wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind entfliehen unsere Jahre. Darum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Chrifti, daß ein jeder empfange, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gutes oder böses. Darum richte ich mich selbst und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? Hast du auch etwas Gutes gedacht? Ist Gott heute mit dir vereinigt geblieben, oder hast du ihn mit vorsätzlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet; hast du geſprochen, was ehrbar, was keusch, was wohl lautet? Ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder bist du von Narreteidingen und schandbaren Worten übergeflossen? Wo seid ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübt, ihr Hände? Was habt ihr gehört, ihr Ohren? Ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? Ach, mein Gott, wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, o! wie werde ich bestehen? Ach Herr! nimm weg mit dem abweichenden Tag meine Übertretungen. O Jesu! tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. O heiliger Geist! versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, daß ich nicht, wenn diese Nacht die letzte sein sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott! freigesprochen. so schlafe ich mit Frieden und hüte mich morgen mis größerem Fleiße vor allem dem, das dich betrüben kann. Mein Vater, deine Liebe decke mich und die Meinigen Mein Jesu, in deinen Wunden ruhe ich sanft und wohl O heiliger Geist, thue du den letzten Seufzer in meinen Bitte um Heiligung des Herzens. 51 Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände Gottes empfehle. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell' ich mich doch wieder ein; Hat mich doch dein Sohn verglichen Durch sein' Angst und Todespein; Ich verleugne nicht die Schuld, Aber deine Gnad' und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets in mir befinde. Amen. Der gläubige Chrift bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen. Hebr. 12, 14. Wenn sich ein gläubiger Christ in seinem natürlichen Verderben ansieht, so erinnert er sich: 1) daß er sich nicht selbst heiligen kann, sondern das ist ein Werk Gottes; 2) deshalb braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenkt an seine heilige Taufe, darin der heilige Geist über ihn ausgegossen worden und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forscht fleißig, ob er diesen guten Geist in den reiferen Jahren durch mutwillige Sünden wiederum vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abendmahl eine Speise der Heiligung ist, darum trachtet er, wenn er dasselbe empfängt, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder mögen geheiligt werden. Gottes Wort hört er andächtig, schreibt und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung fortfahren möge. 3) Denn es soll die Heiligung geschehen, sowohl in der Seele, als an dem Leibe, durch Gottes Kraft und des heiligen Geistes Wirkung. Ist die Seele geheiligt, so müssen die Zunge, die Worte, Werke, ja das ganze Leben in der wahren Heiligung geführt werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst im Alter oder auf dem Totenbette, sondern so lange man noch beten und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstande gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten; wenn man ungefähr bei Weltkindern sich befindet, da sollen wir in Gebärden, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben und daß der heilige Geist unsern Mund und ganzes Leben regiere. Solche geheiligten Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen- im Lichte gelangen. Gebet. du heiliger Gott! ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme erflingt: Ihr sollt heilig 4* 52 Erster Teil. Für Gesunde. ſein, denn ich bin heilig; und wieder: Ohne die Heiligung fann niemand den Herrn schauen. Wenn ich nun dieses erwäge, und dagegen halte mein unheiliges Herz, unheiligen Gedanken, Worte und Werke, so gerate ich oft in große Angst, und ich schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, da ich leider nach dem Trieb meines Herzens und nach der Gewohnheit der Weltmenschen mitgesündigt, und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidigt habe. Ach, soll niemand dein Antlig schauen ohne die Heiligung, o wie wenige werden dann selig werden, o wie viele werden verdammt werden! Herr hilf! die Heiligen haben abgenommen! O darum, du heiliger Gott! gieb mir dieses alles wohl zu erkennen, damit ich mich möge stets der wahren Heiligung inwendig und auswendig befleißigen. O Jeſu! heilige mich durch deine Gerechtigkeit, Verdienst und Blut, ach! schenke mir von Natur Unheiligen deine Heiligkeit, auf daß ich darin, als meinem schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen und bestehen könne. Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Gedanken umgehen möge. Heilige meinen Mund, daß er nichts Unanständiges, Unchristliches und Böses reden möge. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wolle und vollbringe, was dir gefällig ist. O heiliger Gott! ziehe mich ab von der Welt; vereinige mich mit dir, damit ich in mir durch deinen heiligen Geist das Zeugnis habe, daß ich ein Kind Gottes, neugeboren sei, und in der Gnade stehe. Laß aber auch diese Heiligung wahrhaftig sein, daß ich nicht etwa nur heilig sei, und der Heiligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, sondern daß ich auch möge heilig sein, und mich der Heiligung bestreben an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, und wenn ich ja unter Weltkindern Morgengebet am Mittwoch. 53 und ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich alsdann als ein Kind Gottes möge reden, leben und thun, und bleiben in solchem seligen Stande bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Freudenlicht. Du bist heilig, läßt dich finden, Wo man rein und sauber ist; Fliehst hingegen Schand' und Sünden, Wie die Tauben Stank und Mist; Mache mich, o Gnadenquell, Durch dein Waschen rein und hell; Laß mich fliehen, was du fliehest; Gieb mir, was du gerne siehest. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Soll ohn' die Heiligung Den Herren niemand schauen, Und ausgeschlossen sein Von jenen Himmelsauen; So tracht' ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög' Zur wahren Heiligkeit. 2. Doch mich zu heiligen, Erfordert hohe Kräfte; Das kommet Gott nur zu, Denn das ist sein Geschäfte; Drum bringe mich, o Gott! Zur wahren Heiligung; Ach, wirke du in mir Des Herzens Anderung. 3. Ach! heilige mein Herz; Gieb heilige Gedanken; Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken. Ach! lasse Herz und Geist Beständig heilig sein; Mach es von schnöder Lust, Von Sünd' und Bosheit rein. 4. Ach! heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände; Daß ich sie nur allein Zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Händ' Sind ja dein Eigentum; Drum brauch' ich sie allein Zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott! heil'ge mich, Ja, heil'ge Seel' und Leben, Als welche ich hiemit Dir will zu eigen geben. Hilf, daß ich also leb' Und thue wie ein Christ, In welchem Jesus lebt, Und der in Gnaden iſt. 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinsten sterben; Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben Mit allen Heiligen; Da werd ich ewig rein, Im schönsten Priesterschmuck Von dir gezieret sein. Morgengebet am Mittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir. O gnädiger und liebreicher Gott, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schuß, ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Thron deiner Gnade, und danke dir, daß du die Erster Teil. Für Gesunde. vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet, und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret haft. Gelobt sei der Herr täglich, und gelobt sei sein heiliger Name ewiglich. Mein Gott! du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten und meine Seele dir zum Eigentum und Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, willst auch nicht, daß ich verloren gehe, sondern daß ich mich bekehre und lebe; o so laß mich diesen Tag auch dazu anwenden, daß ich schaffe, selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt, laß auch die übrigen drei Tage unter deinem Schuß und Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich; wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte und hilf mir. Ach, mein Mittler Jesu! bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Not und Tod mich wende, und von dir Hülfe erlangen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein. Laß mich, o allerliebster Heiland! heute in deine heiligen Fußstapfen treten und wandeln, wie du gewandelt hast, so werde ich den Verführungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzens leicht entfliehen. Sei bei mir in meinen Berufswegen; ich spreche mit völligem Glauben: Herr! ich lasse dich nicht, du segneft mich denn. 54 Segne mich im Schlaf und Wachen; Segne meinen Schritt und Tritt; Segne mich in allen Sachen, Teil mir deinen Segen mit; Laß mich gesegnet sein von dir, Und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir richten, und wenn es sich in der Weltluft und Weltsünde verwickeln und belustigen will, so gieb mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Vater! in deine Liebe, mein Jesu! in deine Wunden einsenke, Bitte um Abziehung von der Welt. 55 daß es sich nicht von deiner Gemeinschaft verirre und am Abend noch darin gefunden werde. Steht mir heute ein Kampf vor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die Meinigen dir befohlen sein, und laß allen Betrübten und Kranken mitten in ihrem Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich, o Herr! und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch heute Mein Beschützer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Röm. 12, 2. Wenn enn ein gläubiger Christ erwägt, daß die Weltliebe ist, wie das Unkraut, das von selbst in der Seele wächst, hingegen aber die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott, wie eine schöne wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß und Mühe erst muß da hinein gesetzt und wohl bewahrt werden; so kann er daraus erkennen, was man für Sorge und Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß die Welt in ihm und außer ihm sei. Welt in ihm sind die bösen Lüfte, Tücke, Begierden und Gedanken seines Herzens. Welt außer ihm sind der bösen Menschen Exempel, Lockungen, Verführungen. 2) Diesen allen aber muß ein wahrer Christ widerstehen, den aufsteigenden Lüften und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und den Weltreizungen durch Vermeidung der Welt, Gesellschaften, Gewohnheiten, Manieren und Lebensarten. 3) Weil nun dieses nicht stehet in unsern eigenen Kräften, so muß er Gott um seine Hülfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Dieses Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen und einsperren wollte, mit niemand reden und umgehen, sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindern nicht fündige, und ihre bösen Werke und Thaten nicht nachthue. Denn, wenn wir mit gar keinem Gottlosen umgehen sollten, so müßten wir nach Pauli Ausspruch die Welt räumen. Wir sollen in der Welt sein, wie Josef in Agypten, Lot in Sodom, 56 Erster Teil. Für Gesunde. Daniel und seine Freunde in Babel, welche alle der Städte und Leute Sünde nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein auf etliche Tage geschehen, wenn man Gott seine Sünden bekennen und zu dem heiligen Abendmahl gehen will, sondern diese Arbeit soll beständig sein. Ist die Welt aus dem Herzen heraus, so geht Jesus ein. Gebet. Barmherziger Gott, du Liebhaber der Menschen! wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns haft in unsern vielen Fehlern und Schwachheiten, und strafest uns nicht auf frischer That und wie wir es verdienen. Ach, du haft mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst kenne und das Verderben meines Herzens einsehe. Ich fühle Welt in mir und Welt außer mir; ich finde Welt in mir, nämlich die bösen Gelüfte meines Herzens, sündlichen Neigungen und Trieb zum Bösen. Ich finde Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sündenerempeln und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach leider! mein natürlich unartiges Herz hat viel mehr Lust und Freude daran, als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführt wird. Ach wehe mir, daß ich so lange, so oft und viel mich durch die Welt reizen und verführen lasse; ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, wenn ich an die Thorheit meiner Jugend gedenke, da ich leider, ach leider! der Welt mehr gedient, als dir, meinem Gott! der Welt mehr zu Gefallen gethan, als dir, der Welt mehr angehangen, als dir, aber auch damit dich beleidigt, mein Gewissen verleßt und dich zum Zorn gereizt habe. Siehe da, mein Gott! ich fehre um und thue Buße im Staub und in der Asche. Ach, ziehe mich selbst von der Welt ab, mein Gott! damit du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein heiliger Geist heilige mich durch und durch und vertreibe die Welt aus mir; stelle Bitte um Abziehung von der Welt. 57 mir vor das klägliche Ende der Weltfinder, damit ich dich liebe und nicht die Welt, daß ich dir folge und nicht der Welt, daß ich dich höre und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von neuem laufen und fündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht, und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienft erschaffen hast, daß ich den neuen Menschen soll täglich anziehen, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gieb, daß ich beständig verachte die vergängliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Weltlust und Weltfreude lauter Angst, Zerstreuung, ein böses Gewissen und das Seelenverderben folgt. Reiß aus meinem Herzen, was noch Welt und Weltliebe heißt, und pflanze deine heilige Furcht in mir. Du Schöpfer aller Dinge, Du väterliche Kraft, Regierst von End' zu Ende Kräftig aus großer Macht; Das Herz uns zu dir wende, Und kehr ab unsre Sinnen, Daß sie dir nicht entrinnen. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Du willst, o lieber Christ! Dich dieser Welt gleichstellen, Und zu den Sündern dich Und ihrer Luft gesellen, Und meinest, das sei recht; Allein ich sage nein, Ein wahrer Christ muß nicht Ein solches Weltkind sein. 2. Du meinst, es stünde nicht, Ganz sonderlich zu wandeln; Behutsam, fromm und still In seinem Thun zu handeln; Du schämest dich zu sein Ein solcher Sonderling, Und sprichst: man lacht mich aus, Und achtet mich gering. 3. Allein dran kehr dich nicht; Wo Gottes Wort hinzielet, Was Gott in seinem Wort Mit Ernst dir anbefiehlet, Sieh, darnach richte dich, Und lasse Welt sein Welt; Sie sage, was sie will, Thu du, was Gott gefällt. 4. Denn saget Gott nicht selbst: Ihr sollet heilig leben, Wie ich auch heilig bin; Ihr sollt euch mir ergeben! Und stellet Christus nicht Erster Teil. Für Gesunde. 58 Sich selbst zum Vorbild dar, finnet war? 5. Die Frommen haben nie Das Böse ausgeübet, Dem Bösen nie. zu lieb Den lieben Gott betrübet, Und also mach es auch; Halt deine Seele rein; Leb heilig und gerecht; Denn also muß es sein. 6. Sieh, Noah lebte nicht, Wie andre Menschen lebten; Es waren acht, die sich Recht fromm zu sein bestrebten; Ach! denke, denke dran, Wenn du die Bösen siehst, Wie wohl, wenn du mit Fleiß Die Sündenwege fliehst. Daß wir gesinnet sein, Wie er ge7. Gedenk, was that denn Lot In jenen Sodomslanden, Darinnen sich kaum vier, Die Gott recht liebten, fanden; Er wurde zwar gequält, Und fündigte doch nicht; Sein Herz und Wandel war Allein zu Gott gericht't. 8. Wie, hat denn Josef auch Ägyptens Sünd' getrieben? Ist nicht auch Daniel In Babel fromm geblieben? So mache du es auch, Ob man schon wenig find't, Die da von Herzen fromm Und Christi Jünger sind. 9. Du mußt nicht mit der Welt Zu ihren Sünden gehen; Du mußt in Gottesfurcht Und seiner Liebe stehen, Und thut es keiner nicht, So thu du es allein, So wirst du deinem Gott Recht angenehm stets sein. 10. Ach Gott! erinnre mich An diese Lebenspflichten; Ich will mich gern nach dir Und deinem Willen richten. Ich sage hiermit ab Der Welt- und Sündenfreud', Und bleibe dir getreu In Zeit und Ewigkeit. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Weise mir, Herr, deine Wege, daß ich wandele in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ps. 86, 4. Es ist dieses Leben nichts anderes als ein Weg; wenn wir geboren werden, so treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so hört mit dem Leben der Weg auf und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was wir für einen Weg im Leben gehen. Gehen wir den guten Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endigt sich derselbe in der Himmelsherrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg des Unglaubens, Bosheit, Gottlosigkeit, so endigt er sich zur Hölle in der ewigen Verdammnis. Wenn nun das ein Christ erwägt, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg und den breiten Höllenweg, aber er soll mit allem Fleiß auf dem Himmelswege gehen; 2) damit er aber darauf treten und bleiben Bitte um Gottes Regierung und Leitung. möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle; 3) bittet er Gott um sein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie andere Weltmenschen leben, und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen und nachfolgen, so hört Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja er weicht gar von ihm; 4) wenn nun ein Wanderer einen Geleitsmann notwendig hat, der ihm den rechten Weg weise, also bedarf auch ein gläubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hierzu aber gehört die Einwohnung des heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? 1 Kor. 3, 16. Hat man aber diesen treuen Geleitsmann in und bei sich, so wird er auch die Gedanken, Zunge, Sinne und Begierden regieren; 5) dieser heiligen Regierung widersetzt sich der gläubige Christ nicht, er widerstrebt auch dem heiligen Geiste nicht, sondern läßt sich führen, ermuntern und leiten, und ist versichert, daß er wird wohl geführt werden, hier zeitlich und dort ewiglich. O selige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat. 59 Gebet. Herr! du erforschest mich, und kenneft mich, du versteheft alle meine Wege. Ach! du siehst und weißt es doch wohl, mein lieber Gott! wie ich ein herzliches Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen und also zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen, und davon Jesus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Wege und Vorhaben abführt. Bald verführt mich mein eigenes Herz durch böse Gelüfte, bald reizt mich die Welt mit ihrem bösen Erempel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und Herrn; ich verlebe mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach leite und führe mich nach deinem Rat! Du hast ja gesagt: Ich will dich mit meinen Augen leiten. Herr, hier bin ich; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott, der du 60 Erster Teil. Für Gesunde. haft dein Volk trockenen Fußes durch das rote Meer, und unverletzt durch die Wüsten in das gelobte Land geführt. Ach! führe mich durch die Gefahren dieses Lebens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverleßten Gewissen in das ewige Leben. Ich ergebe dir mein Herz, Mund, Glieder und ganzes Leben. Regiere mein Herz und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glieder, daß ich mit meinen Händen nicht möge nach verbotenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sünden- und Höllenwegen wandeln. Regiere meinen Mund und Zunge, daß sie weder Flüche, noch schandbare, unchristliche und unanständige Worte vorbringen. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an und nimmermehr mutwillig wider dich fündigen, damit ich ein rechter und frommer Christ heißen und auch sein möge. Ach, laß nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachbeit widerstrebe, und überlaß mich nicht meinem eigenen Willen oder Führung; wenn ich mich führe, so werde ich verführt; gieb mir eine heilige Behutsamkeit in allem meinem Thun, und schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich mich nach dir, deinem Wort und meines Jesu Erempel allein richten möge. Ja, leite mich mit deinen Augen, Und richt mein ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben In's Todes Nachen hin, Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich selig sterben Und nach dem Tod ererben Des ew'gen Lebens Haus. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Bater! gieb mir auch die Gabe, Die du allen bitten heißt; O wie wohl, wenn ich sie habe! Gieb mir deinen guten Geist. Vater, ich hab' groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach! erhöre meine Bitt: Teile deinen Geist mir mit. 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich leb' hier in der Zeit, Wie ich mich nun soll bekehren, Und wie ich in Frömmigkeit Soll be Abendgebet am Mittwoch. 61 ständig einhergehen, Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist Und sich gründ't auf Jesum Christ. 3. Es soll dieser Geist mich führen Allezeit auf ebner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab' gethan; Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach' Folgen diesem Führer nach. 4. Es soll dieser Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigkeit, Wenn die Not am allergrößten; So darf ich zu keiner Zeit In den Angst- und Trauertagen Und im Leidenssturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugnis giebt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden Oft zwiefachen Widerstand, Den ich kaum kann überwinden, So soll deine Vaterhand Mir den Geist auch zwiefach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Möge stark im Glauben sein Und von groben Fehlern rein. 6. Werter Geist im Himmelsthrone, Gleicher Gott von Ewigkeit Mit dem Vater und dem Sohne, Komm zu mir, ich bin bereit; Meine Seele, Geist und Leben Will ich dir zur Wohnung geben; Komm, ach komm! und nimm es ein, Laß es deinen Tempel sein. 7. Ach, bewahre mich vor Sünden, Ach, laß meine Zuversicht Sich auf Jesum Christum gründen; Werter Geist, verlaß mich nicht! Ach, durch deine Liebestriebe Stärke mich in Glaub' und Liebe; Führe mich durch diese Zeit In die frohe Ewigkeit. Abendgebet am Mittwoch. Ich liege und schlafe und erwache, denn der Herr erhält mich. O du heiliger, gütiger und allein weiser Gott! du hast mich heute diesen vergangenen Tag abermals erfahren lassen, daß du der rechte Vater bist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden; du haft nach deiner unendlichen Güte für mich gesorgt, daß es mir nicht gemangelt hat an irgend einem Gute. Ach Herr! ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du an mir beweiseft. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er täglich an mir thut, der ich nur Staub und Asche bin! Verschmähe nicht das demütige Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergieb mir, o gnädiger Gott, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich begangen habe. Hilf, daß ich Crfter Teil. Fur Gesunde. mit meinen Kleidern alle bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, dieselben morgen und Zeit meines Lebens hasse und lasse, daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen und ihn nimmer wieder anziehe. Laß mich die bevorstehende Nacht, samt allen meinen Anverwandten und Hausgenossen, unter dem Schuße deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich; aber laß, o Jesu! du Sonne der Gerechtigkeit, deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Erfülle mich im Schlaf mit guten Bewegungen, auf daß, wenn ich erwache, dein Name und Gedächtnis immer in meinem Herzen sei, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnädigen Führung auf meinem Lager bei schlaflosen Nächten reden und denken, und dadurch alle unnüßen Sorgen und fündlichen Gedanken vertreiben möge. Erneuere im Schlaf meine Kräfte, daß ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wacht ein Hirte bei seiner Herde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele empfohlen sein. So du aber zur Prüfung meines Glaubens, Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über mich verhängen wolltest, so denke, mein Gott, daß ich dein Kind sei, daß ich ohne dich nichts vermag, und daß es dir, als meinem Vater zukomme, Errettung und Hülfe von deinem Heiligtum zu senden. In Traurigkeit erfreue mich; im Elend erquicke mich; wenn ich verlassen bin, so nimm dich mei ner herzlich an. Laß deine Allgegenwart und allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden abhalten. Ich hebe auch bei der einbrechenden Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. 62 Herr! es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin; Zeige mir auch selbsten an, So ich was nicht recht gethan, e Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. Amen. Bitte um wahre Liebe zu Gott. 63 Der gläubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge angezündet werden. Aufmunterung. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. 1 Joh. 4, 16. 19. Gott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Gläubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Die Liebe ist das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nächsten Herz aufs genaueste zusammen verbindet. Ein gläubiger Christ bittet demnach 1) Gott, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen, und dieselbe in ihn ausgießen wolle; denn auch diese Gabe gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, dadurch Gottes Liebe in ihm kann anfangen und vermehrt werden, nämlich die andächtige Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Stehet er in der Liebe Gottes, so muß er solche auch beweisen in einem heiligen christlichen Wandel, anständigen Reden, Gott wohlgefälligen Werken; denn Liebe ist gleich einem Feuer, welches jeine Flammen und Rauch nicht verbergen kann. 4) Er muß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht wie Demas die Welt wieder lieb gewinne; denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters, deswegen muß er aus Liebe zu Gott Welt und Weltfreundschaft und Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod, und also in der Liebe Gottes sterben. 6) Diese Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren. Man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre in der Luft und Liebe der Welt hingebracht, aber darüber die Liebe Gottes vergessen hat, welches ein Christ nun, da ihm Gott die Augen aufgethan, soll mit desto inbrünstigerer, heftigerer und beständigerer Liebe ersetzen, und in solcher Liebe beharren bis in den Tod. Gebet. du liebreicher, gnädiger Gott! du bist allein liebenswürdig, dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieben. Ach! ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübnis meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem treuen Univ. Bibl. Giessen Erster Teil. Für Gesunde. Schöpfer und liebreichen Vater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu dem heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbfünde in mir erloschen, sondern daß ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade, und dem Trieb des heiligen Geistes nicht allezeit Platz gegeben, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, ändere doch mein Herz; reiße aus demſelben alle Welt- und Sündenliebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; denn so jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters! Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischeslust, Augenluft und hoffärtigem Leben, dazu ich leider von Natur geneigt bin, und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine reine, wahre Liebe zu dir, daß ich dich, als das höchste Gut, um deiner selbst willen allein lieben und alle Eitelkeiten fliehen möge. Denn will ich ein rechtes Kind Gottes sein, so muß die Sünden-, Welt- und eigene Liebe zum Herzen hinaus, und du mußt über alles allein geliebt werden. Darum komme ich, mein Gott! zu dir und bitte dich, ach! gieb mir deinen heiligen Geist, der diese edle, notwendige und christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge; in dessen Kraft will ich dich, mein Gott, von Herzen und beständig lieben; meine Seele soll an dich denken; mein Mund soll von dir reden; du sollst mir lieber sein, als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und Herrlichkeit, ja als alle Menschen. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu sündigen; aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Personen und Gesellschaften entschlagen; aus Liebe zu dir will ich anfangen, rech fromm zu werden, und allein nach deinem Wink und Willen mein Leben einrichten; dich will ich ehren und fürchten, dir dienen, folgen und gehorchen. Ach, du lieb reicher Gott! entzünde diese Liebe in meinem Herzen i 64 Morgengebet am Donnerstag. 65 mehr und mehr, daß ich dich nicht nur einige Tage, Wochen und Jahre lieben, sondern daß sie immer zunehmen und bis an mein seliges Ende dauern möge. Gieb mir Mut, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stärke mich alsdann durch deinen mächtigen Beistand. Ach, laß mich in Liebe mit dir vereinigt sein in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott, Ja, dich um deinetwillen; Nichts in der Welt, nicht Lust und Spott Soll meine Liebe stillen; Sollt' keine Höll' und Himmel sein, Daß mich zur Liebe triebe, So wärst du mir genug allein, Warum ich dich nur liebe. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach, daß sich doch Gottes Liebe Tief ergöffe in mein Herz! Ach, daß sie doch immer triebe Meine Seele himmelwärts! Ach, daß doch all mein Beginnen, Ach, daß alle meine Sinnen, Herz und Seele ins= gesamt, Wär' durch Gottes Lieb' entflammt. 2. Ach, daß diese Liebe riffe Aus mir alle Lieb' der Welt! Ach, daß ich mich stets beflisse, Das zu thun, was Gott gefällt, Und aus Lieb' ihn nicht betrübte, Nie, was ihm mißfällt, ausübte, Daß die Welt mir bitter wär' Und Gott süßer mehr und mehr. 3. Ach, daß diese Lieb' mich brächte Zur Vereinigung mit Gott, Daß ich stets an ihn gedächte Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verflöffe, Da ich nicht der Lieb' genösse, Daß ich ihm mit Lieb' nachging', Und mit Liebe ihn umfing'! 4. O du Liebe, so ergieße Dich in mein Herz tief hinein, Daß ich dadurch ganz zerfließe, Und dein eigen möge sein, Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich sitze, schlaf' und gehe, Dir zu Liebe alles thu', Und aus Liebe in dir ruh'. 5. Laß mich in der Lieb' auch sterben, Wenn ich geh' aus dieser Zeit, Führe mich als deinen Erben In die frohe Ewigkeit; Diese Lieb' laß mich genießen, Bis ich werd' die Augen schließen, Und gehn zu den Freuden ein, Wo wird lauter Liebe sein. Morgengebet am Donnerstag. Herr! Perr! höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmStarts Handbuch. 5 Erster Teil. Für Gesunde. herziger Gott, ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so väterlich ernährt und bewahrt hast, sondern daß du auch diese vergangene Nacht mein Schuß und Beistand gewesen bist, also daß ich zu deinem Lob wiederum gesund von meinem Lager aufstehen und das angenehme Tageslicht anschauen kann. O du Liebhaber des Lebens, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbst nichts, aber dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret; du hast mich und mein Haus mit deiner Engelwacht umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück beschädigen könne. Du haft mich durch eine sanfte Ruhe erquickt, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete entbehren müssen, da ich wohl eben so viel, ja noch mehr Züchtigung verdient, als sie, indem ich dir für die unsäglichen Wohlthaten, die ich Zeit meines Lebens empfangen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, meinen Schöpfer und Erhalter, erfordert hätte, nämlich ein immerwährendes Lob und demütigen Dank. Nun ich will heute anfangen, durch deine Gnade zu ersetzen, was ich durch meine Schuld versäumt habe. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen und mich dir zu eigen zu ergeben. Ich habe mir vorgesetzt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten, oder mit Narreteidingen und sündlichen unnüßen Worten eine schwere Rechenschaft auf mich laden. Ich will meinem Fuße wehren alle sündlichen Wege; mein Auge soll nicht schauen nach verbotenen Dingen und Perso: nen; ich will meine Hände nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit, und mein Ohr abwenden von loser Lehre und bösem Geschwäß, welches gute Sitten verdirbt. Hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott, zu deinem Dienste ergeben, ach, wohne in mir; heilige, leite und reinige mich 66 Bitte um wahre Liebe des Nächsten. 67 immer mehr und mehr durch deine Gnade. Laß mich diesen Tag immer mit frommen Leuten umgehen, und so ich ja berufshalber und unverhofft zu Bösen komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden, Thaten und Befleckungen. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit kindlicher Zuversicht auf deine Fürsorge freudig und getroft verrichte und deinen Segen aller Orten empfinden möge. Nun, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis in die frohe Ewigkeit. Meinen Ausgang segne Gott, Meinen Eingang gleichermaßen; Segne auch mein täglich Brot, Segne all mein Thun und Laffen; Segne mich mit sel'gem Sterben, Und mach mich zum Himmelserben. Amen. Der gläubige Chrift bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. Aufmunterung. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner: Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. 1 Joh. 4, 20. 21. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet; dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt. Also beschreibt Christus das Kennzeichen seiner wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, 34., nämlich, daß man sie daran erkennen sollte, wenn sie würden ihren Nächsten lieben. Es soll niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er seinen Nächsten haßt, o nein! Es ist aber unser Nächster 1) unser Freund, Wohlthäter und Verwandter; wenn man nun solche liebt, so ist das zwar unsere Schuldigkeit; es ist aber noch keine ausnehmende Christentugend, denn die ungläubigen Heiden lieben auch ihre Freunde, Gutthäter und Verwandte, die ihnen nichts zuwider thun. Es ist unser Nächster 2) auch unser Nachbar, Fremder und Mitbürger, der uns nei5* 68 Erster Teil. Für Gesunde. det, vervorteilt und haßt. Bei der letzten Art der Nächsten soll man die Liebe am meisten blicken lassen, 1) daß man ihnen nicht allein nichts Böses wünsche, nicht schelte, Böses mit Bösem vergelte, sondern vielmehr alles Gute gönne, Liebe und Freundschaft erweise, und sie liebe als sich selbst. 2) Gegen die Feinde soll man Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verbannen, mit Worten und Werken beweisen, daß man ohne Groll und Haß ein liebreiches Herz zu ihnen trage, und thue in der That und Wahrheit, was Christus sagt: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matth. 5, 44. 45. Gebet. Ach, du liebreicher Gott! der du uns herzlich liebst und aus solcher Liebe uns an Leib und Seele viel Gutes thust, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen, wie du uns liebest! Ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher auf richtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach deinem Gebot lieben, als mich selbst; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen giebst, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre; ich sollte meinen Feind, der mich haffet, schmäht, verfolgt, drückt, herzlich lieben; ihm Gutes wünschen, ja, ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligfeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du, allwissender Gott! fiehest und weißt, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernt ist; wie leider! wenn du meinem Nächsten wohlthust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichst, mir aber nicht, ich darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott! wie das Beten für meine Feinde so träge und gering ist, daß ich sie in meinem Gebet entweder vergesse, oder so ich ja ihrer gedenke, weil dein Geist mich oft an diese Schuldigkeit erinnert, daß es doch leider mit wenig Bitte um wahre Liebe des Nächsten. 69 Worten geschieht. Ach, mein Gott und Vater! ich erkenne daraus das Eiend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen Jesu bin, wie ich billig sein sollte, welche man daran erkennt, daß sie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen Freunde und Wohlthäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach ändere doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten herzlich und aufrichtig lieben möge, als mich selbst. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächsten gerne und mit Freuden das gönne, was du ihm giebst, und nicht deswegen betrübt drein sehe, wenn du mich nicht mit gleicher Wohlthat erfreueft. Behüte mich vor aller Frechheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, und im Herzen doch ihm feind sei; wie Judas ihn küsse, und doch verrate; sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich muß ja der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahren, so gieb mir Kraft, daß ich es mit Sanftmut überwinde, nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute wünsche. Herr, mein Gott! du siehest, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und Beistand wird es mir möglich werden. Gieb, daß ich allezeit deine vollkommene Liebe, o himmlischer Vater! ansehe, da du uns Menschen, da wir noch deine Feinde waren, geliebet haft. Gieb, daß ich mir immer vorstelle die Liebe meines Jesu, der für seine Feinde gebetet und ihnen Gutes gethan hat. Schreibe mir in mein Herz die erbarmende Liebe des heiligen Geistes, welcher nicht müde wird, an meinem widerspenstigen Herzen zu arbeiten und anzuklopfen, damit ich dadurch zu einer wahren Liebe gegen 70 Erster Teil. Für Gesunde. meinen Nächsten bewogen werde, und also das Zeugnis erlange, ich sei ein wahrer Jünger Jesu. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben; Gern dienen jedermann Ohn' Eigennutz und Heuchelschein, Und wie du mir's erwiesen, Aus reiner Lieb' allein. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwunden, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Chrifti Jüngern sein; Warum ist Falschheitstück' Bei ihnen so gemein? 2. Ach! in der letzten Zeit Wird alle Lieb' erkalten, Und gar geringe sein Bei Jungen und bei Alten. Ist diese Zeit nun da, So machet euch bereit Zum lieben jüngsten Tag Und zu der Ewigkeit. 3. Wo findet man jetzt Lieb'? Wo sind die Liebesproben? Die Liebeswerke sind Fast gänzlich aufgehoben; Wo ist Aufrichtigkeit? Und wo ist Liebestreu'? Regiert die Falschheit nicht Und lauter Heuchelei? 4. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen. Man darf auf keines Wort Hienieden fast mehr bauen; Ein andres denkt das Herz, Ein andres red't der Mund, Und schöne Worte gehn Doch nicht aus Herzensgrund. 5. O falsche, böse Welt, Gott kennet deine Stücke; Du bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke; Du hast die Liebe nicht, Und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe sein. 6. Allein, wer keine Lieb' Will an dem Nächsten üben, Der kann von Herzensgrund Auch seinen Gott nicht lieben; Drum glaube nur gewiß, Der ist kein Gotteskind, Bei dem man lauter Haß und keine Liebe find't. 7. Mein Gott! verleih mir Gnad', Daß ich in Lieb' umfassen Und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feindschaft hassen; Ach! mache selbst mein Herz Von aller Bosheit rein, Daß ich auch in der Lieb' Mög Christi Jünger sein. 8. Laß deine Lieb' zu mir vor meinen Augen stehen, Und laß mich ihrer Spur Mit allem Fleiß nachgehen; Ja, daß ich mich betracht', Und an mir nehme ab, Wie es in jedem Fall' Mein Nächster gerne hab'. 9. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu' und Liebe, In meinem Herzen sein, Damit ich Lieb' ausübe; Gieb mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sei, Voll Lieb' und ohne List, Und ohn' Betrügerei. Nachfolge Jesu. 10. So leb' ich als dein Kind, Und werd' dahin gelangen, Wo alle Gläubigen In Liebe sich umfangen; Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit, Und nie aufhören wird In alle Ewigkeit. Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. Aufmunterung. Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Matth. 16, 24. Herr! siche, ob ich auf bösem Wege bin, so soll ein gläubiger Christ täglich seufzen. Pf. 139, 24. Fraget ein behutsamer Wandersmann fleißig nach dem Wege, so soll ein Gläubiger sich fleißig des Himmelsweges erkundigen. Es sind viele Verführer ausgegangen, spricht Johannes, darum soll ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführt werde. Ein gläubiger Christ folget demnach 1) nicht nach den Weltkindern, die ihn wollen mitnehmen zu ihren luftigen und sündlichen Gesellschaften, dadurch würde er seine Seele in allzu große Gefahr setzen, viel weniger folgt er dem Trieb seines bösen Herzens; sondern er denkt allezeit, so ihm etwas in die Gedanken kommt: Ist das auch recht? Er folgt auch nicht dem Satan und seinen Reizungen nach; sondern er folget nach 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellt, was er glauben, was er thun und unterlassen soll; das ist seine Lebensregel, was diese nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen Abscheu. Er folgt sonderlich nach 3) dem Herrn Jesu, der hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen. Die Fußstapfen Jesu aber sind: seine Demut, Gehorsam, Geduld, Sanftmut, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit. Hierin besteht die heilige und wahre Nachfolge. Er folget 4) auch nach dem Erempel frommer Christen; sieht er an frommer Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit, Mildigkeit und andere Tugenden, so trachtet er auch, solchen nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beständig bleiben bis in den Tod, so wird an solchen Seelen auch erfüllt werden, was Johannes sagt Offenbarung 14, 4: Sie folgen dem Lamm nach in dem ewigen Leben. Gebet. Ach, mein Gott und Herr! mein einziges Verlangen ist, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese: die Auserwählten im Himmel gehen dem Erster Teil. Für Gesunde. Lamme nach, wo es hingeht; aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, welcher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlichkeit, ihm auch muß nachfolgen in dieser Zeit, dieweil er noch in der Welt lebt. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert; ich sehe viele Vorgänger, und weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Satan ladet mich zwar ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen; die Welt stellt mir ihr Erempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor Augen, allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen, nämlich zur Hölle und Verdammnis. Darum will ich dir, o Jesu, nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir nachfolgen im Glauben, Liebe, Demut, Gehorsam, Frömmigkeit und Keuschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Jesu meinen himmlischen Vater lieben, ehren, seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Erempel meinen Nächsten lieben und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel meinen Feinden gern verzeihen. Ich will nach seinem Erempel demütig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Nun, dies ist mein heiliges Vorhaben, dazu wollest du mir Kraft verleihen! Ach! erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Weltfinder Gebärden, Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke: Wo gehest du hin, o Welt? dein Gang ist nicht zu Jesu und der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich selbst frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg? Gieb, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich sein soll und wer ich bin. Ich soll sein ein Kind Gottes, ein Nachfolger Jesu; ich soll mich von der Welt unbefleckt erhalten. Hilf, daß ich in deiner Nachfolge beständig verharre bis in den Tod. 72 Abendgebet am Donnerstag. Ich folge Jesu nach in Gottesfurcht und Glauben, In wahrer Frömmigkeit, die soll mir niemand rauben, In Demut folg' ich ihm; werd' ich ihm folgen schwach, So stärkt mich seine Hand. Ich folge Jesu nach. Amen. 73 Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus bleibet meine Freude, Ob schon in der Welt nichts bleibt. Er ist meiner Seelen Weide, Von dem mich nichts Ird'sches treibt. Such' ich Freud' in diesem Leben, Kann mir solche Jesus geben; Drum soll Jesus nur allein Meiner Seelen Freude sein. 2. Jesus bleibet meine Sonne, Ob die Sonne untergeht, Er bleibt meiner Seelen Wonne, Ob schon alles traurig steht. Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne wieder scheinen, D so stehet's um mich wohl Und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden Dennoch stets mein bester Freund; Leb' ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbunden, Und ich hab' an ihm gefunden, Was ich an der Welt nicht find', Ja, an keines Menschen Kind. 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Vergnügen fehlt; Mein Vergnügen ist sein Fügen: Mich vergnügt, was er erwählt; Drum sprech' ich: Mir soll in allem, Was nur dir gefällt, gefallen; Mein Vergnügen ist dein Will', Deinen Willen halt' ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergötzen, Sonsten acht' ich keine Lust; Außer ihm und seinen Schätzen Ist mir sonst kein Schatz bewußt. Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Ist mein Jesus nur allein, Soll's auch dort im Himmel sein. 6. Drum will ich an Jesu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh', Denn nur er ist mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh'. Was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübsal und kein Leiden; Ich folg', ob ich gleich bin schwach, Jesu, Gottes Lamme, nach. 7. Wählt mir, Menschen, o erwählet Mit mir dieses höchste Gut; Wenn's euch gleich an vielem fehlet, So habt einen guten Mut. Suchet Jesum, halt't ihn feste, Dieses ist das Allerbeste. So habt ihr in aller Not Hülfe und auch Trost im Tod. Abendgebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir. O reicher and liebreicher Gott und Vater! hier komme ich aber 74 Erster Teil. Für Gesunde. mals mit vielen Wohlthaten überhäuft und begnadigt in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnädig hast du mich angesehen, und wie ein Vater über sein Kind dich über mich erbarmt, daß ich den Abend unbeschädigt erlebt habe; deine Langmut hat meiner geschont, daß du mich nicht nach Verdienst gestraft hast. Ach, verzeihe mir alle Übertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidigt habe. Ich sollte stärker werden, wider die Sünde zu kämpfen, eifriger im Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel; aber wer fann merfen, wie oft er fehle, verzeihe mir auch die verborgenen Fehler, laß mich doch fünftig mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidigt. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, Herr, wer würde noch leben! Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott! ach, schließe du selbst die Thüre hinter mir zu, wie an dem Kasten Noah, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in Schuß nehmen, daß meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen ins Bett auch gedenken, wie ich dereinst werde mit Erde zugedeckt, aber am jüngsten Tage wieder auferweckt werden. Laß mich alle Tage also hinbringen und schließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens getrösten könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher Stunde du kommen wirst, mich heim zu führen. Wie ich liege und schlafe und doch noch Atem hole, o Jesu! so sei auch im Schlafe mit mir vereinigt. O dreieiniger Gott! unter deinem Schirm und Schild kann mich keine Not und Tod verletzen oder mir schaden. Deine Liebe und Schuß, o Vater! deine Wunden, o Jesu! dein Beistand, o werter heiliger Geist! sind die Wagenburg, darin ruhe ich sanft, und liege darin wohl verwahrt; davor muß der Satan flieher Erkenntnis, daß Gott allein das höchste Gut sei. 75 und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schußes genießen, wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlaf meine Kraft, und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht morgen wieder erblicken. Herr! laß mich ruhig schlafen ein; Hilf, daß mich nichts erschrecke, Und wenn die rechte Zeit wird sein, Alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit tret', Wenn ich zuvor hab' durchs Gebet Dir meine Werk' befohlen. Verschmäh, o Gott, mein Vater, nicht Mein Seufzen, Bitt'n und Flehen; Laß mich dich, Jesu, wahres Licht, Auch in dem Finstern sehen. O heil'ger Geist, am letzten End' Mit deinem Trost dich zu mir wend, Daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. Der gläubige Chrift erkennt, daß Gott allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott! allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Pf. 73, 25. 26. Das as höchste Gut zu haben und zu besitzen, ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; allein darin haben die meisten gefehlt, daß sie nicht gewußt, welches das allerhöchste und allerbeste Gut sei. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen sein, und muß im Leiden und Tode, im Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut 1) nicht Reichtum, welchen viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten, denn er verläßt uns im Tode, und kann alsdann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glückseligkeit ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Gerechte in Verachtung und Schande, die Glückseligkeit verwandelt sich in Jammer und Elend. 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor andern irdischen Gütern, daß man sie uns rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Deswegen sucht ein gläubiger Christ sich ein wahres, beständiges Gut, welches aber 4) Gott allein ist; hat er Gott, so hat er alles, die größte Ehre, den größten Reichtum, die größte Weisheit und zwar in Zeit und Ewigkeit. Gott erfreut den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquickt ihn im Tode, bleibt mit ihm vereinigt in Ewigkeit. Zu diesem Gut können wir gelangen 5) durchs Gebet, Anhörung des 76 Erster Teil. Für Gesunde. göttlichen Wortes, Betrachtung desselben, und durch Beistand des heiligen Geistes; nur 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße, und die Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Luft sein höchstes Gut sein laffe. Gebet. du gnadenreicher Gott! Wie bist du doch so herrlich, so schön, so vollkommen! Wer dich hat, der hat alles, der weiß alles, der kann alles, ja, der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach, schreibe doch diese Erkenntnis tief in mein Herz hinein, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach, bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Thorheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichtum befißen, oder großes Vergnügen und Herrlichkeit erlangen, so hätten sie das höchste Gut. Allein weit gefehlt! diese Güter verlassen die Menschen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackend und bloß, ja, ohne Gott. O darum gieb, daß ich das wahre Gut von dem vergånglichen wohl unterscheide. O du dreieiniger Gott! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut, du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen, ei, ereinige dich denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit; sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und Rost unterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück sie zernichten, so bleibt mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit dem gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reise, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein Gott, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichtum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. O darum lebe in mir, wohne Morgengebet am Freitag. in mir, bleibe in mir, so habe ich einen Helfer im Kreuz und Elend, einen Beistand in Nöten, den größten Reichtum in Armut, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja die allersüßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltfinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich Gott doch nicht; dieses höchste Gut behalte ich im Abscheiden aus der Welt, und wird mir alsdann noch vollkommener, noch trefflicher und noch herrlicher mit völligem Glanz und unaussprechlichem Genuß geschenkt werden. 77 Ach, Herr! wenn ich dich nur hab', Ei, so sag' ich allem ab; Legt man mich gleich in das Grab, Ach, Herr! wenn ich dich nur hab'. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. In Gott bin ich immer fröhlich; In Gott hab' ich lauter Freud'; In Gott bin ich reich und selig; Gott ist selbst die Seligkeit; Darum laß die Welt einfallen, Laß das Ungewitter knallen; Bleibet nur der Höchste mein, So kann ich vergnüget sein. 2. In Gott hab' ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt, Der den Himmel mir beschieden, Jst mein Jesus, der mich krönt; Drum kann ich in Frieden sterben Und in Fried' den Himmel erben; Fried' in dieser Lebenszeit, Fried' in alle Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher raften, Er ist meiner Seele Ruh'; Zu Gott, wie zu Noah Kasten, Eil' ich wie das Täubchen zu; Ruh' im Leben, Ruh' im Herzen, Ruh' in Trübsal, Ruh' in Schmerzen, Ruh in Leiden, Ruh' in Not, Ruh' im Grabe, Ruh' im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schäßen, Welche keine Zeit verstreut. Freud', Vergnügen und Ergößzen Und des Troftes Süßigkeit Wird mir schon von Gott gegeben, Schaue doch in diesem Leben, Wie wird's nicht in vollem Schein Herrlich in dem Himmel sein! 5. Drum will ich in Gott verbleiben, Er ist meiner Seelen Zier; Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, Und bin auch mit Gott verbunden In den letzten Todesstunden. Mein Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. Morgengebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, daß ich finge und lobe. Gnädiger und liebreicher Gott! mein 78 Erster Teil. Für Gesunde. Vater, Erlöser und Heiligmacher, ich erhebe in dieſer Morgenstunde mein Herz und Hände auf zu dem Throne deiner göttlichen Majestät, von welchem mir Zeit meines Lebens und auch die vergangene Nacht gar viele Wohlthaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schuß, mein Erretter, meine Burg, mein Nothelfer, mein Trost, mein Schirm, ja mein Alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott und Herr! erkenne ich mich unwürdig. Du haft mitten in der Finsternis an mich gedacht, und da mich die dunkeln Schatten umgaben, hast du meinen Leib und meine Seele vor allem Schaden und vor aller Gefahr väterlich behütet. Darum lobe ich dich und finge deinem Namen. Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich Sei, o liebreicher Gott, auch diesen Tag mein Beistand leite und führe mich nach deinem Rat und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Sage meinem Geist heute und allezeit, was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre mich, was ich thun soll, daß ich nichts Böses thue. Laß deines Geistes Zucht allezeit in meinem Herzen anklopfen, wenn sich meine Gedanken von dir verirren wollen. Laß, o Jesu! dein blutiges Bild mich stets vor Augen sehen, wie du an einem Freitag, zur Zeit deines bittern Leidens, haft blutigen Schweiß für mich am Ölberg geschwißt, blutig bist in dem Richthaus gegeißelt und blutig ans Kreuz angenagelt worden, wenn Fleisch und Blut sündliche Lüste in mir erregen. Zeigt sich heute außer mir vielleicht Gelegenheit zur Sünde, darein mein Herz willigen wollte, so zeige mir eben dies blutige Bild, daß dadurch alle Luft zur Sünde in mir erlöscht, ertötet und vertrieben werde. Also wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden in der ganzen Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe und in Bitte um Demut. 79 dem neuen Wesen des Geistes wandle. Gedenke auch im Leiblichen an mich, und segne mich, und laß mich alles Irdische als ein vergängliches Gut ansehen, daß ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bitte, so erhöre mich, wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgieb auch mich und die Meinigen mit deinem Schuß, wie das Haus Hiobs; bewahre mich wie den Jakob; habe auf mich acht, wie auf Elia, daß ich unter deinem Schuß den Abend wiederum fröhlich erlebe. Laß vor mir nicht kommen eine traurige Botschaft, sondern laß mich hören Freude und Wonne. Meinen Leib und meine Seele, Samt dem Willen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum! Amen. Der gläubige Christ bittet um Demut. Aufmunterung. Haltet fest an der Demut, denn Gott widerstehet dem Hoffärtigen, aber dem Demütigen giebt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöre zu seiner Zeit. 1 Petr. 5, 5. 6. Unter denjenigen Sünden, gegen welche ein gläubiger Chrift zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmut des Herzens begriffen, welcher hernach mit Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur nach dem Sündenfalle; aber demütig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demütig wird, kann nicht Gott gefallen, und auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein gläubiger Christ erwägt, so bittet er Gott um ein demütiges Herz 1) gegen Gott. Denn es ift dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6, 8. Er wird gegen Gott aber demütig werden, wenn er bedenkt Bottes Hoheit, Majestät und Herrlichkeit, wie ihn alle Engel und Seraphinen, Cherubinen und alle Auserwählten anbeten und preisen, und hingegen auch erwägt, wie er ein armer Wurm und Made, ja nichts 80 Erster Teil. Für Gesunde. als ein elender Mensch ist, den Gott in einem Augenblick verderben kann. Es wird ein gläubiger Christ demütig werden 2) gegen den Nächsten, wenn er sich gering gegen ihn achtet, und gedenkt, wie sein Nächster vielleicht viel frömmer, andächtiger und daher Gott angenehmer sei, als er, wie er habe ein Wort, eine Taufe, ein heiliges Abendmahl, einen Him mel, ja daß er im Grabe wie der ärmste Bettler wird verfaulen und zu Asche werden. Es wird ein gläubiger Christ auch demütig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwägt, daß er alles, was er hat, alle Gaben, Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Er stellet sich, damit er auf keinerlei Weise stolz werde, fleißig das Erempel des demütigen Jesu vor, der sich unter Gott und alle Kreaturen erniedrigte und uns zuruft: Lernet von mir, ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Gebet. Großer, heiliger und barmherziger Gott! der du bist der Hohe und Erhabene, vor dessen Thron Cherubinen, Seraphinen und alle Auserwählten in Demut ihr Antliş bedecken, ich bekenne und flage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre und zum Hochmut, mich über alles zu erheben geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche ein Anfang aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oftmals vergesse, daß ich Staub, Erde und Asche bin. Ach, mein Gott! gieb mir doch ein demütiges Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, damit ich mich unter deine gewaltige Hand demütigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werfen beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammnis, was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern alles als dein Geschenk und Gabe ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich über die Bitte um Demut. Menge der Wohlthaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demut in mein Herz, daß ich dir gehorchen, dich fürchten, ehren, dir dienen, dich anbeten und dich allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demut gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen, aber daß du auf die demütigen Seelen dein Licht, Trost, Gnade und Güte haft reichlich fließen lassen. Wende von mir ab alle hoffärtigen Gedanken, gieb, daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewahre mich vor Ehrgeiz, Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten entspringen. Drücke in mein Herz das Bild meines demütigen Heilandes, der sich unter Engeln und Menschen erniedrigt hat, welcher auch mir zuruft: Lernet von mir, denn ich bin von Herzen demütig, daß diese Stimme alle Augenblicke, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge. Ist mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehrt, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben und dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber freuen möge. Ach, mein Gott! hilf, daß ich umkehre, und werde wie die Kinder, die nichts von sich machen, daß ich nichts in meinen Augen werde. Gieb mir deinen heiligen Geift, daß ich der Sünde des Hochmuts täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von niemand Ehre begehre, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gieb mir in wahrer Niedrigkeit des Herzens zu erkennen, daß alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich nichts, als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demut, in Frieden und Einigkeit mit jedermann zu leben. Laß mein Herz alleStarts Handbuch. 6 81. 82 Erster Teil. Für Gesunde. zeit eine Wohnung des demütigen Jesu sein, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmut ist des Satans Sünde, davor behüte mich in Gnaden. Und so dir ja gefallen sollte, mein Gott! mich in Spott und Verachtung fallen zu lassen, daß mich mein Feind schmäht, und der Verräter mich mit Füßen tritt, ſo gieb mir Kraft und Stärke, daß ich alles mit Demut, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demütigung und desto größerer Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. Ach Herr, Herr! verleihe mir Kraft und Stärke, dürch deinen mächtigen Beistand dieses alles zu vollbringen. Selig sind, die Demut haben, Und sind allzeit arm am Geist, Rühmen sich gar keiner Gaben, Daß Gott werd' allein gepreist, Danken ihm auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr; Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich selbst gering hier schätzen. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Demut ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr', Denn sie zieret unsre Jugend, Und das Alter noch vielmehr; Pflegen sie auch nicht zu loben, Die zu großem Glück erhoben; Sie ist mehr als Gold und Geld Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe, Jesus war demütig, Er erhob sich selbsten nicht. Er war freundlich, liebreich, gütig, Wie uns Gottes Wort bericht't, man befand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben, Drum spricht er zu mir und dir: Lernet Demut noch von mir. 3. Wer der Demut ist beflissen, Ist bei jedermann beliebt; Wer da nichts will sein und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre giebt, Demut hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen allen, Die auf Gottes Wegen gehn, Und in Jesu Liebe stehn. 4. Demut macht uns nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtlich Die Demütigen anspeit; Stolze müssen selbst gestehen, Wenn sie Fromme um sich sehen, Daß doch Demut edler ist, Als ein frecher, stolzer Christ. 5. Demut bringet großen Segen, Und erlanget Gottes Gnad', An ihr ist gar viel gelegen: Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Bitte um Sanftmut. 83 Seel' geschmücket, Und in seinem Thun beglücket, Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 6. Diese edeln Demutsgaben, So da sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Christe haben, Welcher sie von Herzen sucht. Wo der Glaub' wird angezündet, Da ist Demut auch gegründet, Glaube, Hoffnung, Demut, Lieb' Kommt aus Gottes Geistes Trieb. 7. Ich will auch demütig werden, Demut macht das Herze rein, Es soll Demut in Gebärden, Demut soll im Herze sein, Demut gegen meine Freunde, Demut gegen meine Feinde, Demut gegen meinen Gott, Demut auch im Kreuz und Spott. 8. Auf die Demut folget Wonne, Gottes Gnade in der Zeit, Und dort bei der Freudensonne, Friede, Licht und Herrlichkeit; Da wird Demut herrlich prangen, Und die Ehrenkron' erlangen, Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. Aufmunterung. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litt, er stellte es aber dem heim, der da recht richtet. 1 Petr. 2, 21-23. Wenn ein Mensch in seinem Christentum und in seiner Bekehrung hat einen Anfang gemacht, daß er sich von äußerlichen groben Sünden gereinigt, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, üppigkeit, Leichtfertigkeit, Ungerechtigkeit, Spielen, Weltgesellschaften, so muß er bedacht sein, auch das Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stolz, Neid, Zorn, Haß, Rachgier, und sich mit Gebet der Sanftmut befleiBigen. Diese besteht darin, 1) daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht aus Haß, Zorn, Rachgier den Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmütig seien, und diese edle Tugend besigen, können wir nicht eher wissen, bis uns ein Feind angreift, der nach unserer Ehre, Gut und Namen trachtet, denn wer da gleich im Zorn entbrennt, flucht, schilt, droht, bei dem wohnt der sanftmütige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider die Sanftmut, Schutz gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief, und sich in des Kaisers Schutz begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Apost. 25, 2. 4) Es steht wahren Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Tiere in Grimm und Bitterkeit sich zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein 6* Erster Teil. Für Gesunde. Feind drückt, will Gott eine Probe unsers Glaubens sehen, und uns zur Erkenntnis der vorher begangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgedrückt haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmut sind: im Herzen verzeihen, für die Feinde zu beten, Matth. 5, 44., ihnen Gutes wünschen, alles Gute thun, alles Gute gönnen, nicht alle Scheltworte hören, nicht alles beantworten, und zur Versöhnung willig sein. 84 Gebet. du liebreicher Gott, der du die Liebe selbst bist, und willst deine Liebe in meinem Herzen ausgießen durch den heiligen Geist. Ach, ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oftmals gar widerspenstig und ungehorsam ist. Es sollen in demselben Demut, Liebe, Sanftmut und Gelassenheit sein zur Zeit, wenn mich mein Feind drängt, verfolgt und haßt; aber ach! ich finde leider, anstatt dieser christlichen und notwendigen Tugenden, Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wider den zu schelten, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilligerweise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott, aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches thun, nicht sollen ins Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sei der Kinder Gottes und der wahren Christen Art; ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, welcher rachgierig, boshaftig und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott! und gieb mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Erempel meines Jesu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohte, daß er sich an ihnen rächen wollte, indem er litt, stellte es aber alles dem heim, der da recht richtet. Ach! gieb mir auch einen solchen stillen, sanftmütigen und fried Bitte um Sanftmut. lichen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalten und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lassen, sondern ehe es noch Nacht wird, ehe ich noch einschlafe, meinen Feinden von Herzen verzeihen möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge sein wie ein Tauber, der nicht hört, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut, zur Zeit, wenn mich mein Feind schmäht. Hingegen gieb mir Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl geht, ihm alles Gute wünsche, gönne, ja ihm gerne helfe und wohlthue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Worten, Gebärden und Werten spüren lasse, sondern wie gegen jedermann, also auch gegen meine Feinde, in dem Herzen mitleidig, mit Wor ten freundlich und aufrichtig, mit Gebärden holdselig, mit Werken wohlthätig sei, damit durch meine Unverföhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert, und all mein Gottesdienst und Andacht nicht verwerflich werde. Gieb, daß ich von Herzen verzeihe und vergebe meinen Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Miffethaten verzeihen sollst, daß ich nicht täglich wider mich ſelbst beten möge. Laß den Segen auf mich kommen, welchen du den Sanftmütigen verheißen hast: Selig find die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die wider die Tugend aufsteigende Luft, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und einst durch deine Gnade in die Wohnungen des Friedens versetzt werde. O Seele, schaue Jesum an! Hier kannst du recht erkennen, 85 Was wahre Demut heißen kann, Und was wir Sanftmut nennen; Er stellet sich zum Muster dar: Wie Jesus nun gesinnet war, So sei auch du gesinnet. Das Böse sucht er alsobald Mit Gutem zu vergelten; Man hörte, wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten. Er giebt es seinem Vater hin, So sanft ist deines Jesu Sinn; So sei auch du gesinnet. Amen. Erster Teil. Für Gesunde. Gejang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott, ach höre doch! Großer Gott! du lebst ja noch! Sieh, wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast vor Zorn anspeit. 2. Höre, Herr, ach hör sein Schelten! Aber ach, verleih mir Gnad', Daß ich niemals in der That, Noch mit Worten mög' vergelten, Was er wider mich ausübt, Und mich auf das Blut betrübt. 86 3. Gieb, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt Und für Gutes Bös's vergilt, Daß ich in Geduld mich fasse, Und ertrage wie ein Christ, Was dem Fleisch beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir aufs schlimmste flucht, Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög' begegnen Mit gelaßnem, stillen Mut, Ob er mir gleich unrecht thut. 5. Lasse mich auf Jesum sehen, Der da gar nicht wieder schalt, Noch mit Bösem Bös's vergalt, Und darinnen ihm nachgehen, Daß ich als ein Gotteskind Ihn mit Sanftmut überwind'. 6. Ach, laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir setzet zu, Daß ich ihm da Gutes thu', Daß in meinem Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, du wolltest ihn bekehren, Daß er werd' hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach, du wollteft ihm verzeihen, Was er wider mich gethan, Rechne doch es ihm nicht an, Und du wollst ihm Gnad' verleihen, Daß wir leben nach dem Streit Stets in Fried' und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben, Daß wir sterben als versöhnt, Und mit deiner Gnad' gekrönt; Laß uns beid' den Himmel erben, Zu des Lammes Hochzeit gehn, Und dein Antlitz ewig sehn. Abendgebet am Freitag. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott, laß auch in der bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich her lagern, und mich mit ihrem mächtigen Schuß umgeben; hast du den Engeln des Tages befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so laß sie auch des Nachts als die Starfen Salomonis um mein Bette stehen. Ich lege mich nun Abendgebet am Freitag. 87 zur Ruhe, mein Jesu, ach bestreiche die Pfosten meines Herzens mit deinem heiligen Blut, daß nichts Schädliches sich zu mir nahe; ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wo ich mich hingewendet, und in meine Verrichtungen deinen Segen gelegt; du haft zu allem, was ich in deinem Namen angefangen, Glück gegeben. Ach! daß heute meine beständige Lehre Josefs Worte gewesen wären: Wie sollt' ich so ein groß Übel thun und wider Gott sündigen! Ach, verzeihe mir aus Gnaden, was ich diesen Tag Böses vollbracht, geredet, gedacht; laß mit dem abgehenden Tage auch meine Sünden und Sündenstrafe verschwinden, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? denn ich weiß gar wohl, daß also ist, daß ein Mensch nicht rechtfertig vor Gott bestehen mag; hat er Luft mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut bezahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenn mich doch, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Gut's gethan; laß mich solche deine Güte zur Buße leiten, denn du hast mich je und je geliebet und aus großer Liebe haft du mich zu dir gezogen. Laß dein heißes Blut und treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, daß ich dich niemals mehr vorsäßlich beleidigen möge, der du so viel Gutes an mir gethan hast. Ich lege mich nun zur Ruhe nieder, es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde; das steht allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens; aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater, in deinen Wunden, o Jesu, in deiner Gemeinschaft, o werter heiliger Geist, ein 88 Erster Teil. Für Gesunde. schlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich lege zu der Ruh'; Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Weil Jesus um mein Bette wacht. Amen. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. Aufmunterung. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Pf. 51, 12. 13. Um den heiligen Geist zu bitten, ist die allernotwendigste und seligste Bitte. Der heilige Geist ist nicht mit unter den Gaben, die uns Gott giebt ohne unser Gebet, wie das tägliche Brot, sondern derselbe wird nur denen gegeben, die ihn darum bitten, wie Christus spricht Luc. 11, 13. Deswegen ist 1) der heilige Geist eine Gabe, die nur denen wird gegeben, die sich wollen heiligen, reinigen und von ihm regieren lassen. 2) Um den heiligen Geist zu bitten, ist höchst notwendig, denn in diesem Leben haben wir einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster nötig: nun ist das der heilige Geist, der führt uns in alle Wahrheit; er lehrt uns Jesum Christum erkennen und verklärt ihn in uns, er tröstet uns in allem Leiden und Trübfal, ja in der Stunde des Todes. 3) Um den heiligen Geist sollen bitten Alte und Junge, Große und Kleine, die Eltern für sich und ihre Kinder, denn der heilige Geist ist das Pfand unseres Erbes; wer hier den heiligen Geist nicht in seinem Herzen hat, der kann nicht selig werden. Deswegen sind das die unglückseligsten Menschen, die ohne den heiligen Geist sind; die können nicht fromm werden, noch fromm leben, sondern fündigen und fallen, weil sie ohne diesen Regierer und Führer sind; ja, wer will sie auf ihrem Totenbette trösten und in der letzten Not erquicken? 4) Hat uns Gott aber den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich stoßen durch mutwillige Sünden und ein gottloses Leben, sondern täglich seufzen: Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 5) Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott und in dem Stande der Seligkeit. Gebet. Großer Gott, heiliger Vater! fiehe, ich armes Kind komme zu dir und bitte dich um eine notwendige Gabe, Bitte um den heiligen Geist. 89 um den heiligen Geist, welchen du gnädig verheißen haft allen zu geben, die dich darum anrufen; darum sende ihn von oben herab, von deiner heiligen Wohnung in mein Herz, daß er sei mein Führer, der mich leite nach deinem Rat, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach! ich sehe so viele Irr- und Sündenwege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich teils mit freundlichen, teils mit Schmähworten reizen, ich sollte mit ihnen fündigen und Böses thun. Ach Gott! leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt und Weltsünden wollen gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben und Verdammnis führt. Ach! gieb mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrbeit, der mich lehre, den Geist des Trostes, der mich erquicke, den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue in Traurigkeit, den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Kreatur und neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sei ein Kind Gottes, den Geist, das Pfand meines himmlischen Erbes. O werter heiliger Geist! ach heilige mich; du siehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünden ist, daher dann lauter unheilige Gedanken, Worte und Werke entstehen; aber du sieheft auch, wie ich durch deine Gnade einen herzlichen Abscheu davor habe. Ach! es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübt und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiermit übergebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung; du sollst sein meiner Seelen Weide, meines Lebens Kraft, meines Herzens Troft, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, meines Gedächtnisses Schaß, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens. Ach! heilige mich durch und durch, damit mein Geist samt Seele und Leib mögen unsträflich be Erster Teil. Für Gesunde. halten werden bis auf den Tag Jesu Chrifti. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel und wohne darin, meine Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit, daß ich damit nicht möge vorsäßlich und mutwillig fündigen. Mache mein Herz zu einem lebendigen Opfer, das Gott angenehm sei. Du heiliges Feuer, brenne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüfte und Begierden, auf daß ich auch die Kräfte meines Leibes zu deinen Ehren gebrauche. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führst. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Troft benehmen will, ich sei kein Kind Gottes, ach! so versichere mich durch deinen kräftigen Zuſpruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben. Sei und bleibe du der beständige Einwohner und Herr meines Herzens; gieb Zeugnis meinem Geiste, daß ich ein Kind Gottes sei. Tröfte mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe und Beistand verschwindet, daß ich werde der Herrlichkeit teilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. 90 Vater, gieb mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt, Daß ich sie empfind' und habe, Gieb mir deinen heil'gen Geist; Denn ich habe groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen, Ach! erhöre meine Bitt', Teile deinen Geist mir mit. Amen. Gesang. Mel.: Zeuch, ein zu deinen Thoren. 1. Ach, komm doch in mein Herze, Owerter heil'ger Geist, Sei meiner Seelen Kerze, Die sie zum Himmel weist, Und macht sie neu und rein. Ich habe groß Verlangen, O Geist, dich zu empfangen; Ach, kehre bei mir ein! 2. Komm, gieb mir neue Stärke In meinem Christentum, Und heil'ge meine Werke Zu deinem Dienst und Ruhm. Ach, mache mich Morgengebet am Sonnabend. 91 ganz neu, Daß ich stets bet' und singe, Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig sei. 3. Komm, heil'ge meinen Willen Und reiß ihn von der Welt, Damit ich mög' erfüllen, Was dir, mein Gott, gefällt. Ich geb' mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja, ändre Herz und Leben, Und heil'ge gänzlich mich; Heb auf das Widerstreben, Daß alles richte sich Allein nach deinem Trieb, Daß ich die Sünde hasse, Das Böse unterlasse Und wachs' in deiner Lieb'. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist hinfort, Damit sie nicht ausbrechen In freche Sündenwort'; Sei meiner Zunge Herr, Daß fie Gott lob' und preise, Dem Nächsten Lieb' erweise Und dien zu deiner Ehr'. 6. Ich will von mir ausgehen, Wenn du gehst bei mir ein, Und auf dein Winken sehen, Dir ganz zu Diensten sein; Du bist's, den ich erwähl, Ich will mich dir ergeben; Du sollst nun sein mein Leben Und meiner Seelen Seel'. 7. Wenn du nun hast genommen In meinem Herzen Plaz, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du sein mein Schatz, Dieweil ich an dir hab' Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab'. 8. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt der Lebenssaft, Daß ich nicht mehr kann beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd' erblassen, So sprich den Trost mir zu, Ich sche mich verlassen, Ich komm' zu meiner Ruh'; Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen Und seliglich durchdringen Zur Himmelsherrlichkeit. Morgengebet am Sonnabend. Herr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Starfer und allmächtiger Gott, dieses sind jetzt meine Gedanken am Ende der Woche, da du am letzten Tage derselben mich haft gesund von meiner Ruhe aufstehen lassen. Ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschüßzt, so mächtig gedeckt, daß keine Gefahr noch Leiden mich beunruhigen können. S 92 Erster Teil. Für Gesunde. mein Gott, so wenig die Sterne am Himmel, der Sand am Wasser, die Tropfen im Meere zu zählen sind, so wenig kann ich auch die Wohlthaten namhaft machen, welche ich Zeit meines Lebens und auch diese Woche von dir empfangen habe. Du bist diese Nacht nicht von meiner Seite gewichen; du hast alles Ungemach von mir abgewiesen. Du sprachst: mein Kind, nun liege, Troßz dem, der dich betrüge; Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen. Dein Wort, Herr, ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen, Von Not bin ich befreiet, Dein Schuß hat mich erneuet. Ach! laß mich diesen Tag beständig verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig den Tag hinbringen. Laß mich mit meinen Kleidern anziehen herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanftmut, Demut und Geduld; hingegen den alten Menschen mit seinen Werken, Ungerechtigkeit, Falschheit, Lügen, Zorn, Zanf, Zwietracht, Unreinigfeit und Bosheit ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider sein könne. Mein Jesu, der du bist das A und das O, der Anfang und das Ende, ich habe nun abermals durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebt; laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage so anfangen, fortseßen und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen möge, daß ich gelebt habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen, behüte meinen Ausgang und Eingang, segne meine Arbeit, stehe mir in allen Fällen bei und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Zerreiß das Sündenregister, welches ich diese Woche zusammengebracht; streiche es mit deinem Blute aus, und laß mich die neue Erkenntnis der stets währenden Güte Gottes. 93 Woche behutsamer, frömmer, aufrichtiger und dir ge= fälliger werden. Ich freue mich schon auf den morgenden Sonntag, da ich soll ruhen von aller meiner Arbeit, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung, Heiligung und Bekehrung in mir haben mögest. Darum, Dheil'ger Geist, kehr bei mir ein Und laß mich deine Wohnung sein; O komm, du Herzens- Sonne. Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei mir und in mir fräftig sein Zu steter Freud' und Wonne. Laß mich Durch dich Fromm zu leben, Jetzt anheben, Und mit Beten Oft voll Inbrunst vor dich treten. Amen. Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes. Anfmunterung. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigfeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Klagel. Jer. 3, 22, 23. Alles Ding hat seine Zeit! Gottes Güte aber währet in Ewigkeit, wie David im 136. Psalm: denn seine Güte währet ewiglich, bei allen Versen wiederholt. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für dasselbe sorgt, es verpflegt und erzieht; so thut auch Gott an uns Menschen. Dieses erkennt nun ein gläubiger Christ 1) daß es ist eine unverdiente Güte; ach, das haben wir nicht um Gott verdient, wollte er nach unserm Verdienst mit uns handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken. 2) Es ist eine uns notwendige Güte; wäre Gott nicht so gütig und barmherzig, so müßten wir verschmachten und vergehen, und würden nicht einen Tag, ja nicht eine Stunde leben können; denn wie ohne die Luft keine Kreatur leben kann, also auch nicht ohne die Güte Gottes. Ja, was das meiste, es ist 3) eine immerwährende Güte. Wenn ein gläubiger Christ sein ganzes Leben ansieht, von seiner Geburt, in seiner Kindheit, Jugend und fortwachsenden Jahren, so ist es lauter Güte Gottes; was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirkt; was wir besitzen im Leiblichen, das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehr zu bewundern, 4) es ist eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen; über die läßt er seine Sonne scheinen, er giebt ihnen Nahrung und Kleidung, nur der Einwohnung des heiligen Geistes werden sie nicht teilhaftig, weil sie ihr Herz davor zu 94 Erster Teil. Für Gesunde. schließen. Ein gläubiger Christ läßt sich aber Gottes Güte auch zur Buße, Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er also auch derselben genießen wird bis in den Tod. Gebet. Gott, wie groß ist die Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkeft sie mit Wollust, als mit einem Strom. Nun, solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott! fie ift bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja alle Jahre neu gewesen. Deine Güte hat mich, da ich geboren war, wie eine Pflegemutter auf die Arme genommen und hat mich erzogen. Deine Güte hat mich in der Jugend an der Hand geführt und aller Orten begleitet. Deine Güte hat mich in den erwachsenen Jahren versorgt, erhalten, ernährt und viel Gutes beschert. Ja, deine Güte hat bis auf diesen Tag und diese Stunde, da ich vor dir stehe, über mir geschwebt, deine Leuchte hat über mir geschienen und mich mit Segen, Gnade und Trost erfüllt. Diese deine Güte hat mich oftmals bewahrt vor Unglück und Schaden, deine Güte und Treue hat mich alle Wege behütet und ist mit mir ausund eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möchte. Diese deine Güte hat auch meine Seele mit himmlischem Lichte ausgeschmückt, hat durch dein Wort mich erleuchtet, durch den heiligen Geist mich geheiligt und zu deiner wahren lebendigen Erkenntnis gebracht. Ach, mein Gott! laß deine Güte ferner über mir walten, und verlaß mich nicht im Alter, wenn ich grau werde; laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schoß, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich, in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten, dir Erkenntnis der stets währenden Güte Gottes. mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigentum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit vielleicht fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wieder auf den Weg der Buße und des Friedens, und laß mich deine Gnade genießen hier zeitlich und dort ewig. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir und lobe dich von Grund meiner Seele. Nicht allein lobe ich dich allhier, dieweil ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott, auch preisen in alle Ewigkeit. 95 Drum, o meine Liebe, Die ich oft betrübe Hier in dieser Welt, Dir dankt mein Gemüte Wegen deiner Güte, Die mich noch erhält, Die mir oft Gar unverhofft Hat geholfen in den Klagen, Not, Leid, Angst und Zagen. Amen. Gejang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Gottes Liebe, Gnad' und Güte Werden alle Morgen neu; Das erkennet mein Gemüte Und auch seine Vatertreu'. Gott hat viel an mir gethan, Mehr als ich aussprechen kann; Ich hab' alle Tag und Stunden Gottes Treu' und Güt' empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung, Segen, Wohlergehn Reichlich und voll Huld gegeben, Sondern er läßt mich auch sehn, Wie es seiner Güt' gefällt, Daß er alles noch erhält; Ja mit jedem frühen Morgen Fängt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe Und die wahre Seelenfreud', Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren Frömmigkeit, Trost, wenn mich mein Leiden quält, Hülf', wenn mich ein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt' hab' ich erfahren In dem ganzen Lebenslauf, Und in diesen späten Jahren Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich morgens früh aufsteh', Und des Abends schlafen geh', Läffet fie es meiner Seelen Nie an einem Guten fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Höchsten Dank erweisen In der frohen Ewigkeit. Ach, mein Gott! ich bitte dich, Laffe deine Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd' die Augen schließen. 96 Erster Teil. Für Gesunde. Der gläubige Christ erwägt die fünftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmunterung. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleich wie er auch rein ist. 1 Joh. 3, 2. 3. Ein jeglicher wahrer Christ soll dreierlei täglich, ja stündlich erwägen: wer er sei, nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe, einen Vater, einen Wohlthäter und den allerbesten Freund; und was er von Gott noch zu erwarten habe, nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stärken und einen Haß und Verachtung gegen die Welt und gegen alles fündliche Leben erwecken. Denn 1) große Herrlichkeiten haben die Gläubigen schon hier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Not, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott; gegen diese Herrlichkeit ist Silber, Gold, Geld und alle königlichen Kronen für nichts zu achten. 2) große Herrlichkeiten haben sie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Einzug in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gemeinschaft der heiligen Engel und Auserwählten, die Freude, Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlsein und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein gläubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei vorfallenden Trübsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinst alles Leiden in ein ewiges Jauchzen verwandelt werden. Besonders soll er 4) diese Herrlichkeit nicht verscherzen durch ein sündliches Weltleben, sondern gedenken, er sei zu etwas Herrlicherem bestimmt; zu dem Ende 5) bleibt er im Glauben und in der Lebensheiligkeit, siehet das Irdische an als etwas Vergängliches, das er verlassen muß, hingegen schickt er sein Herz oft dahinein, wo er ewig wünscht zu sein. Gebet. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott! daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit und zu großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, da er gefallen war, wiederum eine große Herrlichkeit zugesagt haft allen, welche da Erwägung der künftigen Herrlichkeit der Kinder Gottes. 97 werden die Gnade annehmen und im Glauben und heiligen Leben dem Trieb deines heiligen Geiftes folgen; denn solche wiedergebornen und geheiligten Seelen können sich getrösten, sie haben in der Zeit schon eine große Herrlichkeit, nämlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit Chrifti, die Einwohnung des heiligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allezeit getroft in ihrem Gebet treten und von dir in ihren Nöten Hülfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere kommen nach dieser Zeit; denn wenn die Seele vom Leibe geschieden ist, so soll sie fröhlich zum Anschauen deines Angesichts gelangen; sie soll deinen Heiligen zugesellt und mit himmlischer Freude erfüllt werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen, da soll er verklärt werden und leichten wie die Sonne. Ach, mein Gott! verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichkeit möge allezeit vor Augen haben, wie ich im Sterben recht werde anfangen zu leben, wie mein Glend im Tode, nicht aber mein Leben in dir ein Ende nehmen werde und daß ich alsdann aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Trübsal zur Freude, aus der Angst zur Wonne, aus der Traurigkeit und dem Jammerthal zum Troft gelangen soll. Ach! erhalte mich im Glauben und Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, gedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge lieb haben und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen. Hilf, daß ich wie die Läufer, so in den Schranken liefen, aufmerksam waren auf alle Tritte, damit sie das Kleinod erlangten, auch möge vorsichtig wandeln, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich Starts Handbuch. 7 98 Erster Teil. Für Gesunde. habe meinen Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die feine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch auferweckt soll werden Durch Christum neu verklärt, Wird leuchten wie die Sonne Und leben ohne Not In himmlischer Freud' und Wonne; Was schad't mir dann der Tod? Amen. Gejang. Mel: Gott, du frommer Gott. 1. Sieh, es ist alles mir Zum Eigentum gegeben, Was Gott nur ist und hat, Ja, schon in diesem Leben Ist es auch alles mein; Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Überfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, Weil seine Vatertreue, Verpflegung, Lieb' und Schutz Wird alle Morgen neue, Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost In aller meiner Not. 3. Und Jesus ist auch mein, Sollt ich mich nicht erfreuen? Was darf ich Not und Tod, Das Grab und Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit Und sein Verdienst ist mein, Soll ich deswegen nicht Von Herzen fröhlich sein? 4. Der heil'ge Geist ist mein, Denn er hat mich geschmücket Mit Glauben, Licht und Kraft; In ihm leb' ich beglücket In diesem Thränenthal; Mein Jesus schenket mir Dies Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erworben Mein Jesus, da er ist Am Kreuz für mich gestorben; Ich lebe oder sterb', So weiß ich wohl wohin, Weil ich durch Christi Blut Ein Himmelserbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schätzen, Denn diese Schätze sind's, Die mich allein crgößen, Ja, selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab' Von jener Herrlichkeit. 7. Doch droben wird mein Heil In vollem Glanz anheben, Ir Frieden, Trost und Ruh' In jenem Freudenleben, Da werd' ich herrlich sein In froher Himmelspracht, Und werd' da ewig sein, Wohin ich stets gedacht. Abendgebet am Sonnabend. Abendgebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandele, so ist der Herr mein Licht. O du liebreicher und gnädiger Gott, jetzt endigt sich der Tag und zugleich auch die Woche; aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Verge weichen und Hügel hinfallen, aber deine Gnade weicht nicht von deinen Kindern. Nun, diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche erleben lassen; was ich im Anfang der Woche nicht wußte, das weiß ich jetzt, daß ich gesund derselben Ende erreichen sollte. Deiner Wohl= thaten sind diese Woche viel gewesen: du haft mein Gebet erhört, mich behütet, mir guten Rat mitgeteilt, mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und Segens- Gaben von dir empfangen habe, ja, feine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohlthaten auf mich geflossen sind. Jetzt habe ich, was ich im Anfang gewünscht. O der großen Gnade, Liebe und Barmherzigkeit! Ich gedenke aber heute am Schluß der Woche auch an meine Sünden; viel find meiner Übertretungen gewesen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Thun und Lassen vollbracht, daß ich nicht so treulich für meine Seele gesorgt, nicht so viel Stunden dir gewidmet, als ich billig hätte thun sollen. Ach, Herr, Herr! vergieb mir diese Sünde; ach, Herr Jesu! durchstreiche mit deinem heiligen Blute die ganze Sündenhandschrift dieser Woche, daß sie mir auf ewig verziehen und vergeben bleiben mögen. Herr! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her; laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Hilf, daß ich alle meine Sorgen auf dich werfe und in deiner Fürsorge, mein Vater, sanft ruhe. Ich bin nun eine Woche älter und auch einen Schritt näher zur Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner 7* V₂ 99 100 Erster Teil. Für Gesunde. Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche hernach die lange Ewigkeit folgen soll; darum hilf, daß ich alle Wochen, Tage und Stunden also anwende, daß ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hilf, daß ich mein Herz schon dahinein schicke, wo ich ewig wünsche zu sein. Hier bin ich ein Pilger, der nur sein Nachtlager auf Erden hat; aber im Himmel ist mein Vaterland und ewige Wohnung, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen wirft abwischen, ihnen die herrlichen Güter deines Hauses austeilen und sie mit ewiger Freude ergößen. Hiermit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke; ich bereite mich auf den morgenden Sonntag, den ich mit Beten, Singen und Betrachtung deines heiligen Wortes hinbringen will. Gieb mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder durch Menschen, noch von meinem eigenen Herzen möge verhindert werden. Weicht, nichtige Gedanken, hin, Wo ihr habt euren Lauf; Ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. Amen. Der gläubige Chrift dankt Gott am Ende der Woche. Aufmunterung. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut? Psalm 116, 12. Es geht ein Tag und eine Woche unsers Lebens dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen näher zu unserm Tode; unterdessen ist der gütige Gott so barmherzig, daß er uns bisher viel Gutes thut an Leib und Seele, und unser Herz erfüllt mit Speise und Freuden. Nun, das sollen auch die Gedanken jein eines gläubigen Christen am Ende der Woche. 1) Er dankt Gott für den Segen, den er empfangen hat, für den Schuß, darunter er die Woche glücklich hingebracht, für die Hülfe, die cr erlangt, wenn er Gott in seinem Gebet angefleht hat. Hört er, daß andere in der Woche in Unglück geraten, betrübt worden, gefallen sind, Schaden gelitten haben, von ihrem Elend und Jammer nicht befreit worden sind, so hat er Mitleiden mit ihnen und rühmt Gottes Güte Danksagung am Ende der Woche. 101 die ihn mit dergleichen Leiden verschont hat. 2) Ein gläubiger Chrift erwägt, daß Gott durch solche beharrliche Beweise seiner Güte zur Buße leite, darum bereuet er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht, und läßt also den letzten Tag der Woche seinen Versöhnungs-, Bet-, Buß- und Danktag sein. 3) Er bittet auch um ferneren Schuß, Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche; er empfiehlt sich Gott und seiner Gnade. 4) Er erwägt, daß also alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird; darauf bereitet er sich in wahrem Glauben an Jesum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heiligen Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf Gott schaue, als von welchem alle guten Gaben von oben herab kommen, sich der göttlichen Gnade überlasse, in der Liebe Jesu bleibe und also imstande sei, nach Gottes Willen selig zu leben und zu sterben, wenn sein Sterbestündlein, seine Sterbewoche und sein Sterbejahr vorhanden ist. Gebet. Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Bis hierher hat mir der Herr geholfen. Also spreche ich billig, mein Gott und Herr, da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erreicht habe. Herr! wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du beschirmst sie, du erhältst sie, du bewahrst fie, alle Morgen ist deine Güte neu. Ach, mein Gott! du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet und hast mich gesund erhalten, haft mich gesegnet, begleitet, bewahrt, an Leib und Seele viel Gutes gethan, haft auch die Meinigen deines Schußzes und deiner Gnade lassen genießen. Nun, das hat Gott gethan, das ist Gottes Werk, daß ich diese Woche so glücklich hingebracht habe. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen beiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ach ja, wie viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie viele haben eine betrübte TrauerUniv- Bibl. 102 Erster Teil. Für Gesunde. und Kreuzwoche gehabt, aber mich haft du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen. Wie viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuß unverleßt geblieben; dafür sei hoch geliebt, gelobt und gepriesen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schuß und Gnade, für deine Liebe und mächtigen Beistand, für alles Gute, was du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Ach, mein Gott! verzeihe mir auch aus Gnaden, was ich diese Woche unrecht gethan habe; ach! es ist mir leid, es reuet mich, ich betrübe mich darüber, und bitte um Barmherzigkeit und Vergebung meiner begangenen Sünden, um der blutigen Wunden Jesu Chrifti willen, um deren willen schone, und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden, und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen all mein Lebenlang. Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist! Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt, Daß wir ihm feft vertrauen, Und gänzlich hoffen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Mut und Sinn Ihm mögen fest anhangen; Drauf singen wir zur Stund': Amen, Wir werden's erlangen, Glauben wir aus Herzensgrund. Amen. Gejang. Mel.: Werde munter mein Gemüte. 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele, so bedenke dich, Was du Gutes haft genoffen, Da dein Gott so mildiglich Aufgethan die Vaterhand Und viel Gut's dir zugewandt, Und auch jetzt in großem Segen Dich fie läßt zurücke legen. 2. Danke ihm für deine Gaben, Die er reichlich ausgeftreut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen kann, Wie viel Gott ihm Gut's gethan? Schau, wie Gottes Brünnlein fließen, Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Güte Nun bei diesem Wochenschluß, Und ermuntre dein Gemüte, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohlthat stehst, Und noch täglich mehr empfähst; Keine Stunde ist vergangen, Da du nicht haft Gut's empfangen. Beichte und Abbitte der Sünden. 103 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Alle deine Sündenschuld, Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine Vaterhuld; Sprich: mein Vater, sieh nicht an, Was ich Böses hab' gethan; Laß die Sünd' und Straf' der Sünden Auch mit dieser Woch' verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad' auch spüren, Wenn die neue Woch' anbricht; Ach! du wollest selbst mich führen, du meiner Seele Licht! Leib und Seel' und was ist mein, Laß dir stets empfohlen sein; Deine Gnad' laß bei mir bleiben Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt' auch mit der neuen Woche Meine letzte Woch' und Tag Sein zugleich mit angebrochen, Oder daß ein Kreuz und Plag' Mich empfindlich treffen soll, Ach! so mache alles wohl. Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. Der gläubige Chrift beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. Aufmnnterung. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missehat und reinige mich von meiner Sünde. Pf. 51, 3. 4. Einen gnädigen Gott haben ist wohl der seligste Stand eines Christen. Zwar meint die Welt, Reichtum haben, geehrt sein, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glückseligkeit; aber sie betrügt sich, das alles muß vergehen, und bringt oftmals ein böses Gewissen, schwere Verantwortung und einen unseligen Tod. Gläubige Christen untersuchen deshalb 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so gedenken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben, sie bereuen, sie trauern darüber und nehmen ihre Zuflucht zu der Barmherzigkeit Gottes und zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demütig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners widerfahren lassen, so trösten sie sich dessen, trachten aber 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem sie sich lassen durch den heiligen Geist regieren; sie befleißigen sich eines christlichen Lebens, und beweisen solches auch in Worten und Werken, fliehen die Lafter und vorigen sündlichen Gewohnheiten, alsdann wissen sie, daß sie im Leben und Sterben einen gnädigen Gott haben werden. Gebet. Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich armer Sünder komme allhier vor dein aller Erster Teil. Für Gesunde. heiligstes Angesicht, und bitte dich herzlich und demütig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach, mein Gott, ich erkenne, daß ich dich leider vielfältig erzürnt habe mit vielen bösen Gedanken, Worten und Werken. Herr, Herr! das betrübet mich und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum Schäflein deiner Weide und zum Glied an deinem Leibe, darum ich deine Stimme allein hören und dir gehorsam sein sollte. Ja, ich sollte als dein Eigentum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach! was soll ich sagen? Ich habe mehr der Welt und meines Fleisches, als deine Stimme gehört, und habe vielfältig gethan, was dir zuwider ist. Oder Blindheit meines Herzens! o der Thorheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wider mich, und meiner Sünden ist mehr, als Sand am Meer. Ach! nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich. Ach, mein Vater! rechne mir nicht zu, was ich Zeit meines Lebens Böses gethan, sondern rechne mir zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan; ich ergreife sein für mich vergossenes Blut im wahren Glauben, ich eigne sein Verdienst mir zu und spreche: Ach! um Jesu willen sei mir armen Sünder gnädig. Ich will hinfort ein neues frommes Leben anfangen, und wider dich, o dreieiniger Gott, nicht mehr mutwillig und vorsäßlich fündigen. 104 O Jesu voller Gnad', Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt Gemüte Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rote Flut, Wasch ab all meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr'r nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke. Amen Beichte und Abbitte der Sünde. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Ach, geh nicht ins Gericht Mit deinem armen Kinde, Ach, Vater! schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde; Hab' ich gesündiget Und Übels oft gethan, Ach, ach! nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 105 2. Ich beuge meine Knie, Und meine Augen weinen, Daß ich so gar befleckt Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach, Vater, sich nicht an Die große Miffethat; Ach! ich verhehl' sie nicht, Ich bitte dich um Gnad'. 3. O wehe, daß ich hab', O Vater! dein vergessen, Und bei der Sünder Schar Mit Luft und Freud' gegessen! O wehe! daß die Sünd' Mich hat ganz blind gemacht, Und dadurch meine Seel' In diesen Stand gebracht. 4. Ach! laß in Jesu Blut Mich Gnade, Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm Durch ihn getilgt verschwinden; Schau mich in Jesu an, Und schenk mir deine Huld, Vergieb mir meine Sünd', Erlaß mir alle Schuld. 5. O werter guter Geist, Der du mir Kraft gegeben Zur Buß' und Besserung, Ach! ändre ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott dien' nun immerdar, Wie ich ein Sündenknecht Mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad' Der Sündenlust absterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben; So lang der Atemhauch Noch gehet aus und ein, So lang soll Herz und Geist Nur dir gewidmet sein. Ein anderes Beichtgebet. Herr, err, allwissender Gott! vor dem nichts ist verborgen, du siebest alles, was wir Menschen thun, du hörest, was wir reden. Aber ach, wenn ich daran gedenke, so muß ich mich schämen, daß ich so viel Böses geredet, gedacht und begangen habe; ach, wie viel Böses hast du bisher von mir gehört und gesehen! darum du wohl Ursache hättest, mich als ein ungehorsames Kind ewig zu verstoßen und gar in die Hölle zu stürzen. Aber ach! ich komme in der Gnadenzeit, ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, und spreche: Gott, sei mir Sünder gnädig. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm, wie ich es wohl verdienet habe. Gedenke nicht der Sünden meiner 106 Erster Teil. Für Gesunde. Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ja, um Jesu Blutes und Todes willen erbarme dich über mich. Herr, Herr! gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, du wirst nicht ewig zürnen, sondern dich meiner wieder in Gnaden erbarmen. Ach! handle nicht mit mir nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Ach Gott, du haft gesagt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich befehre und lebe. Ach! erbarme dich auch über mich, heiliger Gott! siehe mich nicht an in meinen Sünden, sondern siehe mich an in Jesu, deinem Sohn, meinem einzigen Heiland, Mittler und Seligmacher. Um seines vergossenen Blutes willen erbarme vich über mich! um seiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich! um seiner vollgültigen Gerechtigkeit willen, die ich im wahren Glauben ergreife, erbarme dich über mich! Laß mich den Trost in meinem Herzen empfin den, mir seien meine Sünden vergeben, und daß ich durch Jesum, meinen Heiland, mit dir versöhnet fei. Ich will durch deines heiligen Geistes Kraft mein Leben ändern und dir deine allerhöchste Gegenwart vorstellen, und gedenken, ich gehe, stehe und was ich immer thue, ſo stehest du da und siebest mir zu. Laß solche Gedanken nimmer aus meinem Herzen kommen. Ich komme jetzt zu dir allhie In meiner Not geschritten, Und thu' dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Verzeihe mir doch gnädiglich, Was ich mein Leben wider dich Auf Erden hab' begangen. Herr, mein Gott! vergieb mir's doch Um deines Namens willen, Uad thu in mir das schwere Joch Der Übertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb' Und dir hinfort zu Ehren leb' In kindlichem Gehorsam. Amen. Gefang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt wakten. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir aufwacht? Ach, ach! was hab' ich doch begangen, Daß ich hab' meinen Bitte um Kraft gegen die Sünde. 107 Gott veracht't. Gerechter Gott, verstoß mich nicht! Ach! geh nicht mit mir ins Gericht! 2. Gott und sein Wort hat mich gelehrt Den rechten Weg zur Seligkeit; Ich aber hab' mich nicht bekehrt In meiner großen Sicherheit. Gerechter Gott, verstoß mich nicht; Ach! geh nicht mit mir ins Gericht! 3. Erzürnter Gott, verzeih mir Armen, Verzeih mir meine schwere Schuld; Ach, schenke mir durch dein Erbarmen Um Jesu willen Gnad' und Huld. Gerechter Gott, verstoß mich nicht; Ach! geh nicht mit mir ins Gericht! 4. Ich fliehe hin zu Jesu Wunden, Als welcher mich erlöset hat; Wo alle Sünder Gnad' gefunden, Da hoff' und suche ich auch Gnad'. Gerechter Gott, verstoß mich nicht; Ach! geh nicht mit mir ins Gericht! 5. Ich ändre nun mein böses Leben Und fang' ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott, ergeben, Und nicht mehr thun, was ich gethan. Gerechter Gott, verstoß mich nicht; Ach! geh nicht mit mir ins Gericht. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Lasset die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit; sondern begebet euch selbst Gott, als die aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit. Röm. 6, 12, 13. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Übertretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das Unrecht. Nun aber will ein gläubiger Christ nicht gern von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten und unrecht thun, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit vollkommen ins Werk setzen kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf besteht darin: 1) der gläubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, nämlich mit Vorsatz und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wissentlich und vorsätzlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er auch gern sein ganzes Herz, Seele, Geist und Leben seinem Gott heiligen, übergeben und weihen möchte, so bekümmert ihn oft ein einzig sündlich Wort, das er geredet; es betrübt ihn ein aufsteigender böser, sündlicher Gedanke, er in der That Gott oder den Nächsten beleidigt, so seufzt er darüber. In diesem Kampf 3) nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christo und 108 Erster Teil. Für Gesunde. und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen, die Sünde und Welt überwinden. 4) Coll er nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine aufsteigenden Lüfte und Gedanken desto mehr Acht haben, die Orte und Personen meiden, durch die er kann in Sünden gestürzt werden. So kann er auch 5) versichert sein, weil er in einer heiligen Verfassung steht, und Verlangen hat, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, werde auch das Vollbringen dazu verleihen, Jesus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja das herzliche Verlangen ihm lassen wohlgefallen. Gebet. Starfer und allmächtiger Gott, der du alles weißt, was in den Menschen ist, ach! du siehest, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde; ich wollte gern von Herzen fromm sein und bleiben, dich nicht mehr erzürnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen und deinen heiligen Willen allein vollbringen; aber ich fühle ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstrebet dem Gesetz in meinem Gemüte. Wenn ich meine, ich stebe nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oftmals erfahren, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid, Widerwillen gegen den Nächsten zeigt, daß sündliche Gedanken sich in meinem Herzen einfinden, ja, daß ich sündige mit unbedächtlichen Worten, unanständigen Werken. Ach! ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin; reinige du mich, Herr, so werde ich rein. Ich erkenne in deinem Licht und durch deine Gnade, daß Sünde thun ein großes Übel, mein Verderben und meine Plage sei, davon ich gern frei werden wollte, daher ich dagegen in deiner Kraft kämpfe und doch zuweilen überwunden werde. Allein, eben dieser elende Zustand betrübet mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehest ja, mein Gott, wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich Bitte um Kraft gegen die Sünde. 109 aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräften; darum komme ich zu dir und bitte dich, gieb mir Kraft, der Sünde zu widerstehen; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen und mein Herz reinigen; laß ihn mich erinnern, wenn ich zornig, rachgierig, hochmütig werden will, daß er mir alsdann zurufe und spreche: Denke, du bist ein Chrift, denke, du bist ein Kind Gottes, oder du willst ein Kind Gottes sein, damit ich möge sanftmütig, demütig und fromm werden. Herr, du hast mir das Wollen gegeben, gieb mir auch das Vollbringen; stärke mich am inwendigen Menschen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablege und über sie herrschen möge. Mache mich stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. Nun, ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Ach, hilf mir, mein Gott! und Gieb, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christentum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augenschein und Heuchelei. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich lebe in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen, Was aufs höchste mir mißfällt, Nämlich: Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heil'gen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft't; Gott will ich mein Herz ergeben Und in ihm beständig leben: Mein Herz soll sein eigen sein, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd' ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mittreiben Ihre arge Sündenfreud! Ich will immer sein beslissen, Daß ich hab' ein gut Gewissen, Daß es bleibe unbefleckt, Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet Jesus ein, Was von Welt geleeret stehet, Wird mit Gott erfüllet sein; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel' doch himmlisch werden; So ist meinem Leibe wohl Und die Seele freudenvoll. 110 Erster Teil. Für Gesunde. 5. Ach, mein Gott! verleih aus Gnaden, Daß ich gehe aus der Zeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seelen Seligkeit; Wer der Welt Gewohnheit liebet Und den Ausgang stets aufschiebet, Den erhascht zuletzt der Tod, Und stirbt also ohne Gott. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, Sondre du mich selbsten ab, Eh' der Tod mich heißet ziehen Aus dem Leben in das Grab; Ja, ich will der Welt abfterben, Und entgehen dem Verderben, So komm' ich ins Himmelszelt, Wann ich gehe aus der Welt. Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. Aufmunterung. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Röm. 12, 1. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unſer eigen, sondern Gottes sind; dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst und alles, was wir haben, Gott wieder aufopfern. Die Opfer des Alten Testaments, daran Gott sollte ein Wohlgefallen haben, mußten 1) freiwillige Opfer sein. Der Mensch muß nicht in der Welt fromm Leben aus Furcht der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonft ist es ein gezwungenes Opfer; ja, wenn auch keine Hölle wäre, so wird ein wahrer Chrift aus Liebe zu Gott sich ihm zum Eigentum ergeben. 2) Die Opfer mußten ganz: Kopf, Eingeweide und Schenkel, und nicht halb gebracht werden; deswegen follen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen und von ganzer Seele und allen Kräften ihn lieben und uns ihm ergeben; ein halbgeteiltes Herz und Opfer verwirft Gott. 3) Die Opfer mußten unbefleckt sein, darum man kein Lahmes und Blindes Gott bringen durfte. Wir sollen uns hüten, daß wir Seele und Leib nicht beflecken, denn eine mit Sünden und Schandthaten verunreinigte Seele mag Gott nicht in seine heiligen Hände und in seinen Himmel aufnehmen. Gott hat besonders ein Wohlgefallen gehabt an Opfern, welche noch jung waren, an jährigen, zweijährigen Lämmern, uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht sollen warten bis in das hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in der blühenden Jugend Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht wieder austauschen oder wegnehmen; so soll ein Christ in seinem Vorhaben beständig sein. Übergabe zum Opfer an Gott. Gebet. Herr, Herr, Gott! der du deinem Volke Jsrael anbefohlen, dir täglich Opfer zu bringen, welche dir mußten geheiligt und übergeben werden, siehe, ich bringe dir mein gläubiges und bußfertiges Herz, das wirst du nicht verachten. Du hast mich, o himmlischer Vater! erschaffen, daß ich soll sein dein Eigentum. Du haft mich, o liebster Jesu, erlöft mit deinem Blute, daß ich in deinem Reiche soll leben, und dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Du hast mich, o werter heiliger Geist, geheiliget, daß ich soll sein deine Wohnung, und daß Christus in mir lebe. O, darum will ich mich dir auch wieder ganz und gar aufopfern und dir ergeben. Ich opfere dir meinen Willen; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich, sondern was du willst. Ich opfere dir auf meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen und niemals mehr zu schandbaren Worten und Narreteiding mißbrauchen. Ich opfere dir auf mein Herz, das erfülle mit lebendigem Glauben, mit deiner Gnade und deiner Liebe, ja mit einer wahren Frömmigfeit. Mußte in allen Opfern das Fett besonders dir geopfert werden, ja, würde ohne dasselbe kein Opfer dir angenehm gewesen sein, so laß dir auch meine Gabe gefallen. Ist es ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach! so wasche es mit dem Blute Jesu Chrifti, welches ich in wahrem Glauben annehme; ach! reinige du es selbst durch deinen heiligen Geift, heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regierest und herrscheft. Ich opfere dir auf mein Leben; das will ich nach deinem heiligen Wort und nach dem guten Trieb des heiligen Geistes führen. Ich opfere dir auf meine Glieder; hilf, daß sie mögen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie dir mögen geheiligt bleiben. Wie das Geopferte mit niemand durfte 111 112 Erster Teil. Für Gesunde. mehr Gemeinschaft haben, so will ich mich auch gern von der Welt absondern und von ihrer Gesellschaft wegbleiben. Ja, ich will mich dir aufopfern, so lange ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette, denn da möchte es etwa zu spät ſein. Ach Herr! der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend haft Opfer angenommen, fiehe auch in Gnaden meine Opfer an. Bringe ich es dir etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe, habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumt, so wirst du deswegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe es dir im Glauben, wie Abel; ach! schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit, ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigentum verbleiben. MAR Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben ett hit Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich dich faffe, mein Licht! Und dich nicht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich Und ich dich Lieblich werd' umfangen. Amen. Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, Und du auch nimmermehr von mir, Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 2. Gieb, daß ich Jesu Blut und Wunden Ergreif' in wahrer Zuversicht, und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß erlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 3. Und daß ich mög' die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, 113 Gebet bei dem Genusse des heiligen Abendmahls. Und alles, was da mich kann scheiden Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewiffen handle, Und nicht versäum' die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 5. So kann ich endlich selig sterben Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hier schon im Vorschmack hab'. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. Der gläubige Chrift betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. So oft ihr von diesem Brot effet, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. 1 Kor. 11, 26. Unter andere Stärkungen des Glaubens und der Liebe gegen Gott und den Nächsten gehört auch das heilige Abendmahl, in welchem sich Jesus mit unsern Seelen vereinigen, darin wohnen, dieselben regieren, heiligen und in der Frömmigkeit bis ans Ende erhalten will. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein gläubiger Christ nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Zorn, Rachgier, Hochmut, Wohlleben so zerstreut sind, daß sie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) Es geht ein gläubiger Chrift auch nicht aus Gewohnheit zum heiligen Abendmahl, sondern er kommt dazu mit einem demütigen, andächtigen und gläubigen Herzen, welches voll guten Vorsatzes ist, in der Liebe Jesu und Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahl sich seinem Gott ganz ergebe, kraft dieser Seelenspeise alle Tage frömmer, andächtiger und eifriger werde in seinem Christentum und Ausübung christlicher Tugenden, ja, seinem Gott im Glauben und Frömmigkeit getreu verbleibe bis in den Tod. Gebet. Mein Jeſu, wie kann ich genugsam deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod haft gegeben, sondern auch deinen heiligen Leib und Blut zu meiner Seelenspeise in dem heiligen Abendmahl eingesetzt haft! O Liebe! dein Tod bringt mir das Leben, und dein Leib und Blut stärkt Starfs Handbuch. 8 114 Erster Teil. Für Gesunde. und erquickt mich zum ewigen Leben. Dadurch bleibe ich in dir und du in mir; du lebst in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke; daher kann mich meine Sünde nicht schrecken und Satan nicht verdammen, denn in deinem Gnadenmahl empfange ich das Lösegeld für meine Sünden; hier empfange ich den Leib, der für mich in den Tod dahingegeben; hier empfange ich das Blut, das für mich vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilgt worden. So gewiß ich nun dasselbe empfange, so gewiß bin ich mit Gott versöhnt und habe Vergebung aller meiner Sünden. Du hast in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, das ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand und das neue Leben gegeben, wodurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Saframent, giebst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, wodurch du das geistliche Leben in mir erhalten und stärken willst. Ach, mein Gott! heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Gieb, daß meine Gedanken allezeit mögen bei dir sein; vertreibe aus meinem Herzen alle sündlichen Gedanken und Begierden und alles, was mich an meiner Andacht hindern kann, damit du in mir und ich in dir sein und bleiben möge in alle Ewigkeit. Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich ja nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden Komm' zu deinem Mahl der Gnaden, Laß mich durch dies Seeleneffen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie hier auf Erden, Mög' ein Gast im Himmel werden. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 1. D Jesu! meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab' vor deinem Angesicht Dein Liebesmahl empfangen; Ach! wohne Gebet bei dem Genusse des heiligen Abendmahls. 115 doch hinfort in mir, Damit ich möge stets vor dir In wahrem Glauben prangen. 2. O Liebe, die du mich so liebst Und schenkst mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise giebst! Ach, daß ich ewig bliebe Mit dir vereint, o höchstes Gut, Gereinigt durch dein teures Blut, Daß mich nichts von dir triebe. 13. Der Vater hat mir heut geschenkt Den Frieden meiner Seelen; Ich bin gespeiset und getränkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in Jesu bin, So ist die Sündenangst dahin, Und kann mich nicht mehr quälen. 4. Mein Jesus hat mein Herz erfüllt Mit seiner süßen Freude; Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieser Seelenweide. Dein Leib, o Jesu! und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heil'ge Geist giebt mir dabei Den Trost, der mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sei, Dieweil der Bund erneuet, Ja, daß ich bin ein Gotteskind, Das bei Gott Trost und Gnade find't, Das keine Ungnad' scheuet. 6. Gott Lob! der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch seine Lieb' und Gnad' Mir Armen zu erweisen; Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit Mit stetem Lobe preisen. Ein anderes Abendmahlsgebet. Jesu, indem ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch in deinem Gedächtnis. Ich gedenke an deine Liebe, wie du mir zu gut bist in die Welt gekommen, daß du mich möchtest zum Erben des ewigen Lebens machen. Ich gedenke an deine Marter, Bein, Blut und Wunden, wodurch meine Sünden und Strafen sind von mir genommen und deine Gerechtigkeit mir geschenkt worden. Ich gedenke an deinen Tod und Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit mitgeteilt ist. Ich weiß, o Jesu! um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und die Himmelsfreude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu, bin, und du in mir. Ach! so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe und re8* 116 Erster Teil. Für Gesunde. giere darin, laß mich dein Eigentum sein in Zeit und Ewigkeit; dein heiliger Leib speise mich, dein heiliges Blut tränke und erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schaß nimmermehr wieder verlieren, sondern daß du, mein Jesu, hinfort in mir leben, regieren und wohnen mögest. Mußte dort das Manna in ein reines Gefäß gelegt werden, ach! so reinige mein Herz durch wahren Glauben, wahre Buße, Liebe und Demut, damit ich dieses Seelenpfand würdig empfangen, und beständig zu meines Glaubens Stärkung, meines Lebens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O werter heiliger Geist, erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wieder mutwillig fündige, aus der Gnade falle, und das letzte nicht mit mir ärger werde, denn das erste, sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit, möge davon tragen. Jesus sei mein' Speis' und Trank, Jesus sei mein Lobgesang, Jesus sei mein ganzes All, Jesus sei mein Freudenschall; Endlich laß, o höchstes Gut, Jesu, laß dein teures Blut, Deine Wunden, deine Pein Meine Ruh' im Tode sein. Amen. Gejang. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herren. 1. Mein Jesu, sei gepreiset, Daß du mich hast gespeiset Mit dieser Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seelen Leben, Ist mir auch heut gegeben; Dein Blut hab' ich genossen, Das du für mich vergossen. 3. Weil Jesus zu mir kommen und mein Herz eingenommen, So ist er nun der meine, Und ich bin auch der seine. 4. In Jefu bin ich fröhlich, In Jesu bin ich selig; Er wird mit Gnad' erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein Jesu! Seel' und Leben Will ich dir ganz ergeben; Ach! mach's mit mir in allem Nach deinem Wohlgefallen. Bitte um Frömmigkeit. 117 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht verlassen; Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von Jesu scheiden. 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich, deinen Erben, Hinauf zu Freud' und Wonne, Wo du bist Licht und Sonne. Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Aufmunterung. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchem wird's zuletzt wohl gehen. Psalm 37, 37. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der allerheiligsten Tugenden, nicht allein, weil sie eine Frucht des Glaubens ist, sondern auch, weil sie des Menschen Seele, Leib und Ehre vor Sünden und Schanden bewahrt. Diese Tugend ist ein Zierde der Jugend und steht den Alten auch wohl an. Gott selbst ermahnt den in der Fremde reisenden Abraham dazu: Wandle vor mir und sei fromm. 1 Mos. 17, 1. Zur Frömmigkeit ist auch nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn die findet man auch bei den Heiden, sondern sie muß entstehen aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes und aus dem innern Grund der Seele. 2) Zu dieser Frömmigkeit gehört nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott und den Nächsten, sondern auch eine Unsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte; denn wo sich diese noch bei einem Menschen finden, da kann man nicht sagen, daß er fromm sei. 3) Diese Frömmigkeit soll aber beständig sein bis ans Ende. Es ist nicht genug, zwei oder drei Tage fromm sein, wenn man will zum heiligen Abendmahl gehen, sondern hier muß Hiobs Entschluß gelten: Bis mein Ende kommt, will ich nicht weichen von meiner Frömmigkeit. Hiob 27, 5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirkt wird, hat sie auch die herrlichste und schönste Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Gebet. Heiliger Gott! ach, ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und fündliches Wesen bedenke. Du rufft auch mir zu: Wandle vor mir und sei fromm, und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja, bleibe fromm und halte dich recht, denn solchem wird's zuleßt wohl gehen. Aber ach! meine Frömmigkeit ist leider 118 Erster Teil. Für Gesunde. noch nicht weit gekommen; ich bin leider in der Welt, in das Weltwesen, in die Weltgewohnheiten, Welteitelkeiten bisher versunken gewesen; wo aber die Welt eingehet, da gehet Chriftus aus, und wo die Weltliebe sich findet, da höret die Frömmigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustande dir nicht gefallen kann, indem nur die Gläubigen und Frommen dir angenehm find, ach! so gieb mir ein frommes Herz. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christentum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augenschein und Heuchelei. Verleihe mir Gnade, daß ich mich wahrer Frömmigkeit befleißigen möge, nicht etwa nur zum Schein und äußerlich, sondern daß meine Frömmigkeit möge im Herzen anfangen, daß ich dich über alles liebe, dir diene, und was dir gefällt vollbringe; ja, daß ich allezeit wie ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen sieht, ob sie es auch erlauben, ich auch möge erst in dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Chrie sten anstehe. Ist mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede; Werke und Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein Gott! ich habe diesen Entschluß in deinem Namen gefaßt; gieb mir dazu Gnade, Kraft, Stärfe und Barmherzigkeit. Habe ich in den verfloffenen Jah ren nicht nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Chrifti willen. Was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumt, will ich nun mit desto größerem Eifer ersetzen, und die noch übrige Zeit meines Lebens nicht nach der Menschen Lüften, sondern nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott, von Herzen und im ganzen Leben fromm werden und bleiben, damit ich als ein frommer Chrift dereinst auch selig sterben könne. Dazu gieb mir deines heiligen Geistes Kraft von oben herab, um Jesu Christi willen. Bitte um Frömmigkeit. Gieb mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben, Das soll mein Reichtum sein, Den ich begehr' zu haben. Das soll sein meine Zierd', Mein Ruhm und schönste Pracht, Denn fromm sein wird bei Gott Und Engeln hoch geacht't. Amen. 119 Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden Soll künftighin darin bestehn, Daß ich von Herzen fromm mög' werden Und auf den Himmelswegen gehn; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde; Ist dieses nicht ein großes Glück? Drum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Hasse, Neid und Tück, Denn Gott weiß wohl, was sie ansicht; Der treue Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrücket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie herausgerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit, Ihr Trauern wird in Freud' verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Der Zutritt stehet ihnen frei, Nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei; Gott weichet von den Frommen nicht, Der Herr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Troft und Freud', Sie werden großen Segen finden Nach ausgestandnem Herzeleid; Gott wirft ins Feuer solche Rut', Die seinen Kindern wehe thut. 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Not sie stürzen wird; Ist gleich die Not am allergrößten, So bleibt doch Gott ihr Schutz und Hirt'; O Schäflein, habe guten Mut, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann, Drum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: nun ist das Unglück da, So sprechen sie: und Gott ist nah. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, Als welcher ihrer sich annimmt; Jhr Seufzen ist ihm nicht verborgen, Drum hat er schon die Stund' bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt, Und sie mit Trost und Freud' erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf Jesum Christ, Sie werden Kron' und Himmel erben, Die ihnen längst bereitet ist, Sie sind schon selig in der Zeit und kommen dort zur Herrlichkeit. Erster Teil. Für Gesunde. Gläubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebet vor. Aufmunterung. Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat. Jef. 8, 18.. Und keines ist von ihnen verloren. Joh. 17, 12. Ist etwas, welches frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder sind teure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, 1) so tragen sie dieselben Gott fleißig im Gebet vor, ehe sie geboren werden, und nachher kommen sie niemals vor Gott, sie bringen denn ihr Kind mit. Es bitten aber fromme Eltern besonders, daß Gott ihren Kindern ein frommes Herz und den heiligen Geist gebe, der sie heilige, regiere, führe, welches der wahre Grund der Glückseligkeit ist, gegen welches Reichtum, Geschicklichkeit, Klugheit nichts zu achten ist. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehört, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig, und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf; darum sollen sie dieselben unterrichten lassen in der Erkenntnis Gottes, sie zu Gebet und christlichem Wandel anhalten, ihnen keine Erlaubnis geben, zu sündlicher, eitler Menschen Gesellschaft zu gehen, denn wenn sie das erlauben, so ist ihr Gebet vergebens, ja, sie spotten Gott mit ihrem Gebet. 3) Die versäumte Kinderzucht bringt den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrlosten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringt auch den Eltern Schmach und Schande, wenn sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande erleben müssen, bisweilen in ihrem Leben, doch gewiß nach ihrem Tode. Die versäumte Kinderzucht bringt auch Gottes Zorn auf die Eltern, wie zu sehen 1 Sam. 2, 29. Kap. 4, 18. 4) Nachlässige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zärteln ihnen keine Wohlthat erwiesen. 120 — Gebet. Herr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit, du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe und danke, welche ich aber ansehe als teure Pfänder, die du mir anvertraut haft, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie an als Seelen, die Jesus mit seinem heiligen Blut erkauft, die der heilige Geift in der Gebet der Eltern für ihre Kinder. 121 heiligen Taufe geheiligt, und welche du zu deinen Kindern genommen haft, darum bin ich bekümmert, daß ich ja feines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in acht; wo man sein missen wird, so soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnaden! komme ich zu dir und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will thun, was ich kann, ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie ermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten; aber ach! Herr, Herr! thue du das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe und sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit gelegt; siehe, solches thue ich auch jetzt in meinem Gebet. Ach! segne und begleite meine Kinder, wenn sie aus- und eingehen, erhalte sie in deiner beiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nie beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Gieb ihnen ein gläubiges, demütiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie, wie das Kind Jesus, zunehmen an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild Jesu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen Gott und unverletztes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach, laß meine Kinder sein in ihrem Leben andächtig, in ihrem Christentum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig, damit sie niemand mit ihrem Reden und Thun ein Argernis geben und dadurch ein schweres Gericht auf sich ziehen. Behüte vor Verführung und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie gedenken, du seieft bei ihnen zu Hause, in der Fremde, in der Kammer, bei Tage, bei Nacht, in der Gesellschaft und Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie aus- und eingehen; dein Engel bewahre sie, 122 Erster Teil. Für Gesunde. wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde find; gieb ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobias; führe sie durch deinen heiligen Engel aus der Gefahr, wie den Lot, und laß fie der Engel Schuß und Wacht genießen, wie den Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch Krankheit, oder ihr Absterben, oder ein Unglück, das ich an ihnen sehen muß, so verleihe mir in solchem Leiden Geduld, daß ich gedenke, daß ohne dich nichts geschehe, und daß die Kinder eher dein gewesen seien, als sie mein geworden, und daß du auch freie Macht habest, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch auf gemuntert werden soll, dich allein zu lieben, als das wahre und vollkommenste Gut, so erhalte mich auf die sem Dornenweg im festen Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du alles, auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könneft. Erteile ihnen auch im Leiblichen den Segen, versorge sie, pflege fie, gieb ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen; sei ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit und ihr Ratgeber, wenn sie guten Rats bedürftig sind. Gieb meinen Kindern eine fromme Seele, gesunden Leib, guten Verstand, und laß sie vor dir leben, damit sie dich allezeit ehren und preiſen. Pflanze in ihnen die wahre Frömmigkeit, erhalte sie in deinem Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen er leben möge. Ach Gott! erhöre mein Gebet, und gedenke, es find ja sowohl deine als meine Kinder, darum wollest du auch mein Seufzen für sie vor dem Thron deiner Gnade erhören. Bewahre mich, o Gott, daß ich keine Schande an meinen Kindern erleben möge, weder bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem Tode. Laß mich Gebet der Eltern für ihre Kinder. 123 am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen und zu deinem Preis sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott, und die Kinder, die du mir gegeben haft, ich habe derer feines verloren. Ja, mein Gott, verleihe mir Gnade, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß fie alle mit mir und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott! segne meine Kinder, Nimm dich ihrer treulich an, Thu an ihnen auch nicht minder, Als du haft an mir gethan. Segne ihre Schritt' und Tritt', Teil den Segen ihnen mit, Laß es ihnen wohlergehen Und in deiner Gnade stehen. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Du hast, o großer Gott! Die Kinder mir gegeben, und du erhältst auch sie Im Wohlsein und im Leben, Ach! dafür dank' ich dir, Als deine liebe Gab', Die ich von deiner Hand, Mein Gott! empfangen hab'. 2. Seh' ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie sich von mir nennen; Jedoch sie sind auch dein, Drum komme ich zu dir, Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 3. Ach, pflanz die Gottesfurcht In ihrer aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Erfülle ihren Geist Mit wahrer Frömmigkeit, Mit Keuschheit, Glaub' und Lieb' Und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen; Schenk ihnen Kraft und Stärk', Gieb Weisheit und Verstand, Und führ sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Thun Des Glaubens Früchte spüren; Gieb ihnen Jakobs Glück Und Josefs Frömmigkeit, Tobiä folgsam Herz Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen; Wend ihre Augen ab Von Sünd' und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel' Vor Stolz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß sie deine Furcht Und Gegenwart verspüren, Und habe auf sie acht, Bewahre ihre Tritt', Begleite fie und geh, Wo sie hingehn, selbst mit. 8. Erhalte sie gefund, Und zeigen sich Gefahren Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren Der Engel güldnes Heer, Die immer auf sie sehn, Daß sie in deiner Gnad' Und mildem Segen stehn. 124 Erster Teil. Für Gesunde. 9. Und noch eins bitt' ich dich, Das wollest du mir geben, Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand' erleben, Auch nicht nach meinem Tod; Ach Gott! erhöre mich, Verleihe solches mir Und ihnen väterlich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vor dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab', Die Kinder, die ich längst Von dir empfangen hab'. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat: auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebeft auf Erden. Eph. 6, 1-3. Unter andere schwere Sünden, dadurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehört auch die Sünde, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern verfündigen. Obgleich Eltern von der ersten Stunde der Geburt mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist's ihnen doch am empfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaftig gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, als in welchen fie billig ihnen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Gesundheit, Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten. Fromme Kinder sollen 2) ihre Eltern lieben, denselben gerne aufwarten, zu ihrem Dienst willig und gehorsam sein, und ihrer pflegen, wenn sie krank sind. Fromme Kinder sollen 3) ihren Eltern gehorchen, daß sie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widerbellen oder widersprechen, wenn sie ihnen etwas sagen und befehlen; auch wenn sie sich verheiraten wollen, ohne der Eltern Willen und Wissen sich nicht heimlich verbinden, welches lauter Fluch und Unglück nach sich zieht. Fromme Kinder sollen 4) ihre Eltern im Herzen ehren, daß sie erkennen, Gott habe die Eltern an seine Statt gesetzt, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern alles giebt. Daß sie sich auch ehrerbietig in Worten und Werken gegen sie erzeigen, sie nicht anfahren, ihnen unfreundliche und harte Worte geben, auch ihrer Eltern Ehre und Namen verteidigen. 5) Es sollen fromme Kinder gedenken, daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan; gedenke, wie sauer du deiner Mutter geworden bist, und mit was für Mühe und Arbeit dich dein Vater erzogen und ernährt hat. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder sind rechte Höllenbrände, Gebet frommer Kinder für ihre Eltern. 125 denen es nimmermehr wohl gehen kann, wo sie nicht die Sünden und Bosheiten, so sie an ihren Eltern begangen, vor ihrem Tode durch eine herzliche und wahre Buße mit tausend Thränen bereuen. Gebet. Ach, du gnädiger und barmherziger Gott! ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in dieser Welt hast laffen geboren werden. Das ist die erste Wohlthat, die du mir erwiesen. Wären meine Eltern Juden, Türfen oder Heiden gewesen, so wäre ich so verstockt und so ungläubig und ohne deine Erkenntnis, wie sie. War meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt, daß ich, o mein himmlischer Vater! durch die heilige Taufe in deine Arme gelegt würde, darin du mir den heiligen Geist zum Pfande meiner Kindschaft und himmlischen Erbes gegeben, so laß diesen guten Geist mich immerdar leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in acht nehmen. Ich liege allhier mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht und bitte dich: Ach, erhalte meine Eltern gesund, bewahre sie vor Unglück, segne ihre Nahrung, ihre Arbeit und Beruf; gieb ihnen langes Leben, vergilt ihnen die mir erwiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit gei stigen und himmlischen Gaben. Gieb mir, o himmlischer Vater, ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gieb, daß ich mir immer das Erempel meines Jesu vor Augen stelle, der dir, seinem himmlischen Vater, nicht allein gehorsam war, sondern auch seinem Pflegevater Josef und seiner Mutter Maria, damit ich mit meinem findlichen Gehorsam meinen Eltern zu aller Zeit und auch in ihrem Alter lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch meinen Ungehorsam 126 Erster Teil. Für Gesunde. und Widerspenstigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedrohet ist, sondern daß es mir möge hier zeitlich und dort ewig wohl gehen. Gieb mir ein ehrerbietiges Herz gegen sie, daß ich sie weder mit Worten noch Werken erzürne, daß ich in Demut ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen, bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten, und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch anziehen werden wie ihr Hemd, und alles Segens, den du frommen Kindern verheißen haft, auf ewig werden beraubt bleiben. Gieb mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht verfündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden und mit was für Mühe ich erzogen bin, damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüte solches Zeit meines Lebens erkenne, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen Kinderjahren meinen Eltern etwas zuwider gethan, das bitte ich hiermit dir, o Gott! und meinen Eltern in Demut ab, und verspreche, daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehorsam und christlichen Aufführung zu erfreuen. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich im Glauben und Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes gebührt, möge wandeln, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten ste ben und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Du sollst ehren und gehorsam sein Dem Vater und der Mutter dein; Wird deine Hand sie treulich laben, So wirst du langes Leben haben. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, o großer Gott! Vor deinen Thron jetzt treten, Und als ein frommes Kind Für meine Eltern beten; Der du die Kinder pflegst Gebet beim Ungewitter. In Gnaden anzusehn, Ach! laß auch meine Bitt' Und Herzenswunsch geschehn. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh' ich geboren war, Und weil ich bin entsproffen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Tauf gebracht, Darin ich einen Bund Mit dir, o Gott, gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb' Zur Schule laffen gehen Und mich in meinem Thun Auf Jesum heißen sehen; Ihr Herz war immerdar, Bei Tage und bei Nacht, Mit unermüd'tem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb' Sie wieder herzlich lieben; Laß ihre Liebe mir Ins Herze sein geschrieben, Damit ich dankbar sei, So viel ich immer kann, und bleibe eingedenk, Was sie an mir gethan. 5. Ach! laß sie viele Jahr' Zu meinem Trost erleben, Und wolleft auch dabei Gesundheit ihnen geben; Erhalte sie, o Gott! Auf lange späte Jahr', Damit ich sie noch seh' In ihrem grauen Haar. 127 6. Ach, schenke ihnen doch, O Vater! deinen Segen; Laß deinen Segen sein Auf allen ihren Wegen; Erhalte, was du giebst, Und was du hast beschert, Das segne, daß es werd' Durch deine Gnad' vermehrt. 7. Gieb mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rat Die Sünde möge fliehen; Daß ich gehorsam sei Ohn' allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib' Der angedrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud' Und keine Schand' erleben; Ach, laß mir deine Furcht, Mein Gott! vor Augen schweben, Schenk mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde scheu', Und bleibe dir, o Gott! In Glaub' und Liebe treu. 9. Laß mich an jenem Tag Auch meine Eltern sehen, In großer Herrlichkeit Zu deiner Rechten stehen; Und laß mich auch daselbst Durch Jesu Blute rein, Mit Himmelsglanz geschmückt Bei meinen Eltern sein. Der gläubige Christ bittet bei entstandenem Ungewitter. Aufmunterung. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze, dicke Wolken, darin er verborgen war. Vom Glanz vor ihm trennten sich die Wolken mit Hagel und Blitzen. Und der Herr donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blizen. Psalm 18, 12-14. Ju den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose Weltfinder pflegen geschreckt und zum Gebet erweckt zu werden, gehören auch die Gewitter, wenn Gott ein schweres, mit Donner und Blizzen vermischtes Ungewitter aufsteigen läßt; denn da will der sonst freche Mund so bald beten, nicht aus Liebe zu Gott, denn warum hat er es nicht vorher gethan? sondern 128 Erster Teil. Für Gesunde. aus Furcht der Strafe. Gläubige Christen erkennen zwar 1) daß Donner und Blize von natürlichen Ursachen entstehen, aber auch 2) daß diefelben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Kreaturen wider die bösen Menschen waffnen kann, also ist's ihm auch leicht, durch den Donner Menschen und Vich zu zerschlagen, und durch seine Blitze Häuser, Flecken und Städte anzuzünden; daher sollen 3) fromme Christen von dem greulichen Fluch, da man mit Wetter und Donner fluchet, sich enthalten, hingegen 4) bei entstandenem Ungewitter nicht kleinmütig werden, erschrecken und vor Angst verzagen wollen, welches ein Zeichen eines schlechten Vertrauens zu Gott ist, sondern 5) sich erinnern, daß Gott den Blitz und Donner in seinen Händen hat, und daß er sie wohl werde schützen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mehr mit Gebet Gott zu wenden, und daraus ihr nichts und Gott alles erkennen; wie Gott ein mächtiger Gott sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verderben könnte, und demnach 7) sich vor diesem majestätischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein wenn es donnert, sondern auch wenn die Sonne scheint, und sich hüten, ihn mit Worten und Werken zu beleidigen, sonderlich aber also zu leben, daß man eines gnädigen Gottes sich versichern könne zu allen Zeiten und auch wenn er uns wolle in einem Wetter von der Welt abfordern. Gebet. du starfer und allmächtiger Gott! ich höre deine Stimme in den Wolken, wie deine Blize leuchten und wie dein Donner brüllt und schlägt. Stark ist dein Arm und groß deine Gewalt, und wenn du wolltest, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick, samt allen Kreaturen zu Boden schlagen. Aber ach, Herr, Herr! gedenke an deine Barmherzigkeit und Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Übertretung, gedenfe aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Ach, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demut meines Herzens, daß ich wohl verdient hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verderbest und zerschmetterst. Aber ach, du langmütiger Gott! verschone 129 Gebet beim Ungewitter. meiner bei diesem Ungewitter. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit; ach! es reuet mich und ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidigt und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnt habe; ach! ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Übertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Angsten und Nöten hin, als zu ihrem Vater! Darum komme ich auch zu dir, o mein Vater, und bitte dich, sei deinem Kinde gnädig! Ach, Vater, schüße mich, bedecke mich, bewahre mich; unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht; verbirg mich heimlich in deinem Gezelt; stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre, kein Strahl verletze und fein Schlag treffe. Ach, Herr Jesu, du Sohn Gottes! mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland, sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; ach! eile zu mir, sei mir ein starker Schuß, verlaß mich nicht und thue nicht von mir die Hand ab, Gott mein Heil! Siehe, ich stehe von allen Kreaturen und Menschen verlassen, aber ach! verlaß du mich nicht, erbarme dich mein und errette mich. Ich halte mich an dich, o Jesu, ich verberge mich in deine heiligen Wunden; ich schreie mit den Jüngern: Herr hilf uns, wir verderben. O du werter heiliger Geist, erwecke mein Herz zum Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Ungewitter möge erweckt und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich hinfort acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägst, daß ich Buße thun, mich bekehren und von Sünden ablassen foll, damit ich alsdann willig böre, der Welt mich nicht in ihren sündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleichstelle. D, du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich und über alle fromme Christen, hedecke mit deiner allmächtigen Hand Starts Handbuch. 9 130 Erster Teil. Für Gesunde. meinen Leib und Leben, Haus und Hof; bewahre die Früchte auf dem Felde, laß den Bliß nicht mein Haus anzünden, oder deine Donnerschläge mich verlezen; sei du mein Beistand in der Not, denn Menschenhülfe ift kein nüße! Ach! du mächtiger Schutzherr deiner Kinder, schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schutz und Schirm sicher wohnen. Von deinem Donner regen sich die Berge, und die Erde erschüttert; wie sollte ich armer Erdenwurm denn nicht vor dir erbeben? Laß mich dar aus erkennen die Vergänglichkeit der Welt, wie alles, was wir sehen, dereinst im Feuer vergehen wird, damit ich mich in Fleischesluft, Augenluft und hoffärtiges Leben nicht möge verlieben, und dich damit zum Zorn reizen. Ach, Herr! bewahre mich vor einem bösen schnellen Tod; laß dieses Ungewitter glücklich und ohne Schaden vorüber gehen. Ach Herr! wer ist dir gleich? der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist, der du uns weckest und deckest; ach! verschone meiner und laß mich auch dies mal Gnade und Errettung finden. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott beiliger Geist, erbarme dich über uns! sei uns gnädig, verschone uns! lieber Herr Gott! sei uns gnädig, hilf uns! lieber Herr Gott! vor Feuer und Wassersnot be hüt uns! lieber Herr Gott! vor einem bösen, schnellen Tode behüt uns! lieber Herr Gott! schlage nicht bei uns ein, frommer Gott! fieh an des Herrn Jesu Tod. Befiehl dem Bliß, daß er nicht ein Unglück hier bei uns anricht'. Du heilige Dreieinigkeit! Nimm Leib und Seel' in deine Hut, Bewahr auch Häuser, Hab und Gut, Verschon uns, lieber Herre Gott, Und wende von uns diese Not, So wollen wir zu aller Zeit Stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. Gebet beim Ungewitter. Gejang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Gott, wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt Und mit Schrecken uns erfüllt; Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd' und Luft erregst, Und uns zu der Buß' bewegst. 2. Hören wir den Donner schallen, Wie er grausamlich herfährt, Und fast Stadt und Land umkehrt; Wie so harte Schläge fallen, So erzittert und erbebt Alles, was auf Erden lebt. 131.. 3. Ja, wir sehen deine Blizzen, Wie das Feuer sich ergießt Und wie Ströme auf uns fließt, So daß wir erschrocken sitzen Und uns fürchten, ob du nicht Uns willst fordern vors Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter Kommen wir zu dir, o Gott! Ach, hilf uns in dieser Not! O du Helfer und Erretter! Großer Gott! erbarme dich, Sieh uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, der uns beschützt, Da es also schrecklich blizt; Alles muß zu grunde gehen, Wenn du uns nicht selbsten deckst Und die Hülfehand ausstreckst. 6. Gott! wie groß ist deine Stärke, wie groß ist deine Macht, Die oft wird gering geacht't; Deine großen Allmachtswerke Zeigen Blitz und Donnerstrahl, Großer Gott, jetzt überall. 7. Treuer Vater! schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut, Schüß uns vor des Wetters Wut; Schau auf uns von deinem Throne, Treuer Vater! steh uns bei, Mach uns von der Strafe frei. 8. Wenn wir dich nicht wollen hören, Alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluch und Brand, Daß sie Stadt und Land zerstören, Jedermann zur Züchtigung Und zur Lebensbesserung. 9. Ach! sich nicht an unsre Sünden, Die ein jeder hat gethan, Ach! nimm uns in Gnaden an. Laß den Blizz doch nicht anzünden Unsre Häuser, Hab und Gut, Wend ab Feu'r und Wassersflut. 10. Ach! wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie dein Donner schrecklich knallt; Ach! in solchem Ungewitter Übest du oft Straf' und Recht Über einen bösen Knecht. 11. Ach! du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jetzt versammelt sein; Ach! willst du uns denn hinraffen? Vater der Barmherzigkeit, Schon uns doch zu dieser Zeit. 12. Siehe nicht an unsre Sünden, Siehe doch an Jesum Christ, Der für uns gestorben ist; Um deswillen laß uns finden Hülf', Errettung, Trost und Gnad', Die er uns erworben hat. 13. Ach, Herr! hilf uns, wir verderben, Ach, Herr! hilf, verlaß uns nicht; Q Gott, unsre Zuversicht! Laß uns nicht in Sünden sterben, Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlor'n. 9* 132 Erster Teil. Für Gesunde. 14. Ach! du großer Gott, behüte Menschen, Vieh und Feld und Land Vor Verwüstung, Flut und Brand; Herr, nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorüber gehn Und uns deine Hülfe sehn. 15. Ach! bedecke unsre Früchte, Decke unsre ganze Stadt Und das, was ein jeder hat, Mach es nicht im Zorn zunichte, Du bist, der uns helfen kann, Ach, Herr! nimm dich unser an. 16. Ach, Herr! höre uns in Gnaden, Teil uns deinen Segen mit; Ach, erhöre unsre Bitt', Laß das Wetter uns nicht schaden; Ach, wir fallen dir zu Fuß, Sieh an unsre wahre Buß'. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns auch heut befreist, Daß du unser Gott noch seist, Und dich unsern Vater nennen, Welcher seine Kinder schont Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wundermacht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen, Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Der gläubige Chrift danket Gott, wenn das Gewitter vorüber ist. Aufmunterung. Gott donnert mit seinem Donner greulich, und thut große Dinge, und wird doch nicht erkannt. Hiob 37, 5. Gleichwie alle Werke des Herrn, die er vor den Augen der Menschen thut, ungemein groß sind, und gleichwie ein jeder, der ihrer achtet, seine Luft, seine Freude, sein Vergnügen daran haben kann: also findet sich solches auch besonders, wenn man den Donner gehörig betrachtet. Entsteht gleich derselbe aus natürlichen Ursachen, so ist er doch immer in der Hand Gottes. Gott donnert mit seinem Donner. Er regiert die mit Dünsten und Feuer geschwängerten Wolken. Er leitet dieselben nach seinem Wohlgefallen. Er braucht sie, wozu er will, und läsfet sie das ausrichten, was ihm wohlgefällt. Sein Donner ist daher immer furchtbar. Wenn schon die Menschen, vermittelst der Kunst, Blitz und Wetter zu veranstalten wissen, so kommt es doch lange nicht demjenigen bei, was Gott durch den Donner verursacht. Furchtbar und schrecklich ist der Anblick und die Anhörung desselben. Die Menschen erschrecken. Das unvernünftige Vieh zittert und heult. Alles, was Odem hat, gerät in Angst und Furcht. Was beweiset wohl Gott dadurch anders, als seine große Macht und Herrlichkeit, nach welcher er alles kann in Bewegung setzen, sobald er nur seine Stimme, durch das Getöse in den Wolken, auf Erden hören läßt? Es thut aber Gott durch den Donner noch mehr. Er thut Danksagung nach dem Ungewitter: große Dinge, welche bald zum Schaden, bald zum Nutzen der Menschen ausschlagen; zum Schaden, wenn der Donner starke Bäume zersplittert, wenn er Häuser anzündet, wenn er Menschen oder Tiere erschlägt oder tötet; zum Nutzen, wenn er durch seine Erschütterung die schädlichen Dünste aus der Erde hervorbringt, wenn er die Luft reinigt, wenn er die Fruchtbarkeit des Erdbodens befördert. Bezeugt das nicht wiederum, daß das ein großer und herrlicher Goit sein müsse, der auf eine solche unbegreifliche Weise so große Dinge thun kann? Billig sollte dieses alle Menschen, die solche Thaten des Herrn öfters sehen, zur lebendigen Erkenntnis und zur demütigsten Verehrung desselben ermuntern. Dem ohnerachtet aber unterbleibet solches vielfältig. Gott aber thut durch seinen Donner große Dinge, und wird doch nicht erkannt. So lange die meisten Menschen das Prasseln des Gewitters hören, so sind sie zaghaft und niedergeschlagen, sobald aber dasselbe vorüber ist, so ist auch bei ihnen alles vorüber, so wird alles vergessen, so ist es nicht anders, als ob sie die Stimme des Herrn nicht gehört, als ob sie nicht gehört hätten, was er großes an ihnen gethan habe. Hat das Wetter Schaden gethan, so bezeugen sie ein flüchtiges Mitleiden und Bedauern gegen die, welche es betroffen hat. Ist es aber glücklich vorüber gegangen, so kommt solches gar nicht in Anschlag und Rechnung; und so bleibt ihnen Gott immer unbekannt. D! der harten Herzen, welche sich nicht wollen erweichen laffen! O! der sträflichen Unempfindlichkeit! O! der schändlichen Undankbarkeit! Wahre Christen hüten sich davor mit aller Sorgfalt. Sie sehen und betrachten mit Aufmerksamkeit die Werke der Natur, und lassen sich dadurch zu ihrem Schöpfer leiten. Das thun sie auch besonders, wenn der Gott der Ehren im Himmel donnert. Sehen sie ein Wetter aufsteigen, so bewundern sie die Majestät, Größe und Herrlichkeit deffen, der sølches veranstaltet. Hören sie den Donner über ihrem Haupte hinrollen, sehen sie die Blize um sich leuchten, so ergeben sie sich gelassen und getrost in die Hand des Herrn, in welcher sie immer sind, und erwarten in kindlicher Zuversicht von derselben alles Gute. Ist das Wetter glücklich vorüber, so erkennen sie, was Gott an ihnen gethan habe; sie danken ihm dafür; sie loben und preisen seine Güte und Treue mit Herz, Mund und Händen. Und das führet sie zu Gott, und bringt ihnen nichts als Heil und Segen. Dessen versichert sie der Wahrhaftige selbst, da er spricht: Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg, daß ich ihm zeige mein Heil. 133 Gebet. Auch mich verlangt nach deinem Heil, o du Gott meines Heils! Deswegen nahe ich mich jetzt zu deinem Erster Teil. Für Gesunde. Gnadenthrone, um dir mein schuldiges Lob- und Dankopfer darzubringen, da du mich aus Not, Schrecken und Gefahr so gnädiglich errettet haft. Mir war bange, da ich deine mächtige Stimme in den Lüften hörte, weil ich nicht wußte, was du mit derselben ausführen würdest. Ich nahm zu dir im Gebet meine Zuflucht, und empfahl mich und alles das Meine deiner väterlichen Fürsorge, und du verwarfest mich nicht, sondern haft dich meiner recht herzlich angenommen, und in der That gezeigt, daß du sehr gern hilfft. Wie leicht hätten deine Bliße können unsere Häuser und Wälder anzünden? Wie leicht hätte dein Donner können unsere Feldfrüchte zerschlagen? Wie leicht hätte das Ungestüm können unsere Güter und Habseligkeiten verzehren und gänzlich zernichten? Wie leicht hättest du können ein Adama aus uns machen und uns wie Zeboim zurichten? Und das hättest du mit Recht thun können, wenn du nach unsern Sünden hättest mit uns handeln und uns nach unsern Missethaten vergelten wollen, was wir damit verdient haben. Aber das hast du nicht gethan; du haft in Liebe an uns gedacht; du haft Gnade für Recht er gehen lassen; du hast uns mit Strafen verschonet, und dafür mit Wohlthaten überhäufet. Deine Güte ist es, o Gott, daß wir unter dem Schatten deiner Flügel trauen und nun wieder sicher wohnen können; deine Güte ist es, daß es nicht mit uns aus ist, und deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende; das erkennt meine Seele wohl. Gerührt, gebeugt und voller Dank komme ich daher vor dich und sage: Du, Herr! haft Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Bringet her dem Herrn Ehre und Macht. Betet ihn an im heiligen Schmuck. Es fürchtet ihn alle Welt! Jauchzet dem Herrn alle Welt, finget, rühmet und lobet. Laffet uns mit Danken vor sein Angesicht fommen und mit Psalmen ihm jauch zen! Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Lobe den 134 135 Danksagung nach dem Ungewitter. Herrn, auch du, meine Seele, und vergiß nimmermehr, was er auch jetzt Großes an dir gethan hat. Nun habe ich gesehen, wie du, o starker und allmächtiger Gott! das schwere und fürchterliche Wetter so bald, so gnädig abgewendet, und es ohne Schaden hast lassen vorübergehen; ach! erwecke mich dadurch, daß ich in allen Nöten, die mich noch treffen können, fest auf dich trauen und auf deine Güte Hoffen möge. Ich sehe nun wieder einen beitern Himmel; ach! laß mich auch hinfort immer schmecken und sehen, wie freundlich du seist. Ich habe nun deine Größe und Herrlichkeit aufs neue erkannt; ach, laß mich dieses dazu ermuntern, daß ich dich allezeit findlich fürchten, herzlich lieben, demütig verehren, und so vor dir wandeln möge, wie es dir gefällig ist. Ich habe nun deine wohlthätige Hand aufs neue empfunden; ach! laß mich, die Meinen und alle Menschen derselben noch ferner empfohlen sein. Sollte etwa das von uns weggezogene Gewitter an andern Orten Schaden und Unglück angerichtet haben, ach! so erbarme dich der Beschädigten in Gnaden. Regiere fie, daß sie deine Hand erkennen, die sie geschlagen hat, und sich unter dieselbe demütigen. Tröste und erquicke sie selbst. Ersetze ihnen wieder den Verlust, den sie erlitten haben, mit anderm Segen. Laß fie bald hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Laß aber auch mich die Gaben und Güter, welche du mir erhalten und gleichsam aufs neue geschenket hast, recht treulich und wohl verwalten, anwenden und brauchen. Laß mich mein täglich Brot mit Danksagung empfangen. Laß mich mit meinen Gütern als ein treuer Haushalter umgehen. Gieb, daß ich sie nie mißbrauchen und zur Wollust und üppigkeit anwenden, sondern daß ich sie jederzeit zu deiner Ehre, zu meinem Nußen und zum besten meines Nebenmenschen gebrauchen, und so dereinst mit meiner Rechnung freudig vor dir bestehen möge. 136 Erster Teil. Für Gesunde. Nimm auch in Zukunft alles das Meinige in deinen gnädigen Schuß, und bewahre es vor allem Verderben. Und sollte ja noch manches Wetter kommen, das mir den Untergang drohete, ach! so laß mich unverzagt auf deine Gnade trauen und recht zuversichtlich auf deine Güte hoffen. Laß mich da erfahren, daß der gewiß nicht zu Schanden wird, der nur dein harret. Ja, sollte es gar dein Wille sein, mich einmal durch ein Gewitter heimzusuchen und arm zu machen: ach! so mache mich vorher erst an der Seele recht reich, damit, wenn ich alles verliere, ich doch dich und deine Gemeinschaft und den Himmel behalte. Und wenn ich nur den Himmel frieg', so hab' ich alles zur Genüg'! Ach mein Vater! ach mein Heiland! ach mein Tröster, der du im Himmel wohneft, und mir von dannen unter dem verzogenen Wetter Schuß, Beistand und Hülfe verliehen haft, bringe mich doch auch zu dir in den Himmel, daß ich dich da von Angesicht zu Angesicht schauen, und dir ewig Lob und Dank sagen könne. Lehre mich durch dein Wort den rechten Weg wandeln. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen. Führe du mich selbst auf der ebenen Bahn. Erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Laß mich im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung treu bleiben, und von meiner Frömmigkeit nicht ablassen, bis mein Ende kommt, da mit, wenn der Herr Jesus an jenem großen Tage des Gerichts mit Feuerflammen, im Donner und Bliß, wird offenbar werden, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen und seinem Evangelio nicht gehorsam sind, ich nicht erschrecken, sondern mit Freuden mein Haupt auf heben und mit ihm zum ewigen Leben eingehen möge. Ach! laß mich ja nicht aus der Acht, Wenn uns dein jüngster Tag erscheinet, Der Tag, da vor Gericht gebracht Auch das, so man hier nicht gemeinet; Laß mich zu deiner Rechten stehen, Und zu des Lammes Hochzeit gehen; Mein Jesu! dann hab acht auf mich, So will ich ewig preisen dich. Amen. Gebet beim Antritt einer Reiſe. Gejang. Mel.: Auf meinen lieben Gott. 1. Vorüber ist die Not! Gelobet sei mein Gott! Der es so hat gewendet, Und seine Hülf' gesendet, Daß ich in keinen Schaden Und Jammer bin geraten. 2. Was ist wohl hieran schuld? Nichts, als des Vaters Huld, Nichts als des Heilands Beten Und seines Geists Vertreten; Das war's, was mich beschirmte, Da Blitz und Wetter stürmte. 3. Wie groß ist deine Treu'! Du standest mir da bei, Da deine Donner krachten, Und mich recht furchtsam machten, Da mein Gut und mein Leben War mit Gefahr umgeben. 137 4. Du rettest wunderlich! Dafür ich preise dich Und bitte deine Güte, Daß sie mich stets behüte, Wenn ja in manchen Nöten, Es scheint, du wollst mich töten. 5. Ach! da vergiß mein nicht! Laß mich dein Angesicht Vielmehr mit Freuden schauen, Auf deine Lieb' fest trauen, Und nicht verlassen werden, So lang ich leb' auf Erden. 6. Ja, gieb mir deinen Geist! Das bitt' ich allermeist, Daß er mich stets regiere, Daß er mich stets so führe, Daß ich nicht darf erschrecken, Wenn du mich wirst aufwecken. 7. Wenn da die letzt' Posaun' Erklingt, daß ich erstaun', So laß mich auferstehen, Zu dir im Himmel gehen! Da will ich deinen Namen Noch ewig preisen. Amen. Der gläubige Chrift betet, wenn er sich von Hause auf eine Reise begiebt. Aufmunterung. Der Herr behütet dich, der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit. Pf. 121, 5-8. Von Hanse zu reisen, können einen gläubigen Christen vielerlei Ursachen antreiben, teils die Berufsgeschäfte, teils die Liebe des Nächsten, teils der Zustand der Gesundheit; denn üppigkeit- und Wollustreisen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine notwendige Ursache vorhanden, warum ein gläubiger Christ eine Zeitlang sein Haus und das Seinige verlassen muß, so soll er solche Reise 1) mit Gebet antreten und gedenken, wenn er von Hause reiset, daß Gott an allen Orten bei ihm in fremden Landen sei, der alles sieht und hört, daher er sich 138 Erster Teil. Für Gesunde. auch selbst, als vor Gottes Angesicht, ehrbar, züchtig, fromm und christlich aufführen soll. 2) Soll ein gläubiger Christ sich Gottes Schutz und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gesunden und geraden Gliedern wieder nach Hause bringen wolle. Denn gewiß auf der Reise sind viele um Leib, Leben, Gesundheit und in Unglück gekommen. 3) Soll er auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter empfehlen, daß er durch seine heiligen Engel alles in seine Bewahrung nehmen, vor Feuer, Wassersnot und Unglück indessen bewahren wolle. 4) Soll er bitten, daß Gott ihn sowohl, als das Seine und die Seinigen unverletzt und gesund wieder wolle antreffen laffen. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, auf einige Zeit mich von den Meinigen und von meinem Hause zu entfernen, darum komme ich zu dir und bitte dich, ach, segne meinen Aus- und Eingang; in deinem Namen will ich die Reise antreten, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten und unter deinem Schuße wollest du mich wieder nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schuß umgeben, wie den Jakob, laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulo, laß deiner Engel Schar mit mir auß- und heimreisen, wie mit Josef und Maria und dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück, Dieben, Mördern und anderm Schaden befreit bleibe. Ach! du Hüter Israels, der du weder schläfst noch schlummerst, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Elisa, damit sich fein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spåt, in Wäldern und Feldern mit deiner heiz ligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israels mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet hast. Begleite mich, wenn ich reise; bleibe bei mir, wenn ich ruhe; wache für mich, wenn ich schlafe; ja, Herr, Herr! hab acht auf mich, wo ich mich hinwende, und laß mich deiner heiligen Obhut empfohlen sein. Gieb, daß mir alle Tage, ja Gebet beim Antritt einer Reise. 139 alle Stunden in meinen Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reise gabst, als er von Hauſe reisen sollte: Wandle vor mir und sei fromm, auf daß ich deine allerheiligste Gegenwart in der Fremde möge vor Augen haben. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Hause und auf der Reise mich nicht lasse des Bösen gelüsten, behüte mich vor Völlerei, Uppigfeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, Ausübung der Sünden und Schanden. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause zurückkehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen; wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüfte entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib, noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Hilf, daß ich gedenke, du höreft alles, was ich rede; du siehest alles, was ich thue, und wo ich gehe, stehe und was ich immer thue, daß du dastehest und höreft und siehest mir zu, auf daß ich nicht wider dich fündige, und deinen Zorn und Ungnade auf mich ziehe. Ich befehle dir alles das Meine, das ich zu Hause hinterlasse; bewahre dasselbe vor Dieben, vor Feuer und Wassersnot und laß mich alles unverstört und unversehrt wiederum antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach, mein Gott! ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen; wende alle Gefahr, Schaden, Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab; laß mich sie gesund wiedersehen. Sei ihr Schußherr; erhalte fie, begleite fie, bewahre sie und laß nicht eine traurige Botschaft vor meine Ohren kommen, sondern laß sie vor dir leben und deines Schußes und Gnade genießen. Laß mich auch zu seiner Zeit glücklich wieder nach Hauſe fommen, und unter deinem Schutz die Meinigen gesund wieder finden. Ach, Herr Jesu! der du unter der Gestalt eines Wanderers mit den zwei Jüngern gereift bist, sei auch bei mir auf meiner Reise, erfülle mein Herz mit 140 Erster Teil. Für Gesunde. guten Gedanken. Gieb mir fromme Gefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten und sündlichen Reden uns an dir nicht versündigen, sondern an dich gedenfen, und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wundern, von deiner Treue und Wahrheit führen mögen. Ach, mein Gott! in deinem Namen habe ich die Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinigen dafür herzlich loben und preisen unser Lebenlang. Send deinen Engel vor mir her, Den Weg mir zu bereiten; Befiehl, daß er dem Satan wehr' Und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr, in deinen Schutz, Daß ihre List, Gewalt und Truß Mir nimmer können schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, Die mich wünschen bald zu sehn; Laß auf sie, als auf die Deinen, Deine Gradenaugen sehn, Führe sie doch allermeist, Großer Gott, durch deinen Geist, Daß sie nimmermehr geraten In Gefahr und Missethaten. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier! Mit dir hab' ich es angefangen, Ach, weiche auch hier nicht von mir. O treuer Wächter Israel! Dir, dir befehl' ich Leib und Seel'. 2. Ich will hier meine Zeit zubringen Zu deiner Ehr' und deinem Ruhm, Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigentum; Begleite mich, wenn ich ausgeh', Bewahr mich, wo ich bin und steh'. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh' Und nicht auf bösen Wegen geh'. 4. Laß in dem Reden mich erwägen, Du, lieber Vater, hörest zu, Und daß auf allen meinen Stegen Du alles siehest, was ich thu'; Ach, bring mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seiest, wo ich bin. 5. Ach lasse, großer Gott, den Meinen, Du kennest sie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnadensonne scheinen, Teil ihnen deinen Segen aus; Ach, laß es ihnen wohlergehn, Laß mich sie fröhlich wiedersehn. 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wende alles Unglück ab, Dein Gnadenflügel woll' bedecken, Die ich zurückgelassen hab'; Ach, treuer Vater, sie sind dein, Ach, laß sie dir empfohlen sein. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält. 141 7. Ach wache, treuer Menschenhüter! Durch deiner guten Engel Wacht, Auch über meine Hab und Güter, Und habe fleißig darauf acht; Wend Unglück, Wasser, Flut und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigfeit! Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Güt' zu seiner Zeit; Indessen, Herr! beschütze mich Vor allem Unglück väterlich. 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach, teil mir deinen Segen mit! Ach, laß doch meine Bitt' geschehen, Behüte meine Schritt' und Tritt'; So will ich mit der frommen Schar Dich preisen jetzt und immerdar. Gebet eines, der sich in fremden Landen aufhält. Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus; Wer gehet mir allhier zu handen? Wer hilft mir nun in Nöten aus? Mein Gott, o meine Zuversicht, Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen Auf meiner guten Freunde Rat; Mit dir hab' ich es angefangen, Und sprech' derhalben früh und spat: Bleib in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein Gott, von dir. 3. Beschere mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich kehre ein, Und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad' gewogen sein. Du bist mein Freund, dich halte ich; Auch in der Fremde lieb' ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht; Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht: Gedenk, daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd' sich krank befind't. 5. Behüte mich vor Sünd' und Schanden, Bewahre mein Gewissen rein, Und laß mir auch in fremden Landen, Herr, deine Furcht vor Augen sein, Daß ich gedenk', dein Angesicht Sieht, was im fremden Land geschicht. 6. Gieb, daß ich fremde Sünder hasse, Und flieh' die Häuser, wo sie sind, und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand' und Sünd'; Gieb, daß ich denke für und für: Ich wandle in der Fremd' vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubenslehr', Daß mich nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichtum, Wollust, Glück und Ehr'; Wer dich verleugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. 142 Erster Teil. Für Gesunde. 8. Gieb mir, o Gott, auch deinen Segen, Beschere mir mein täglich Brot, Sei stets bei mir auf meinen Wegen, Und sei mein Beistand in der Not, Laß mich in deinem Segen stehn, Ach, Vater, laß mir's wohl ergehn. 9. Ach, segne mich im Schlaf und Wachen; Ach, segne meine Schritt' und Tritt'; Ach, segne mich in allen Sachen; Ach, teil mir deinen Segen mit; Gieb mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet sei. 10. Du wolleft dies Gebet erhören Nach deiner großzen Gütigkeit, Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit Mit Freuden sagen jedermann, Was du mir Gutes hast gethan. Der gläubige Chrift bittet um ein unverleßtes Gewissen. Aufmunterung. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugnis unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. 2 Kor. 1, 12. Die meisten Menschen tragen große Sorge für ihren Leib, denselben gefund zu erhalten; sie haben große Bemühungen um Güter zu erwerben, oder zu erhalten; aber ach! daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten! Das Gewissen ist 1) gleich dem Auge, welches kein Stäublein leiden kann, es ist eines bösen Menschen Ankläger, Zeuge und Richter; ja, das Andenken der Sünden bleibet im Gewissen, wie Schmarren im Gesicht. 2) Am jüngsten Tage werden Gott und das Gewissen Zeugen sein, dawider man nichts wird einwenden können, deswegen auch das Gericht bald wird geschehen sein, weil man diesen beiden Zeugen nicht widersprechen kann. Ein gläubiger Christ wird ein unverletztes Gewissen behalten, 3) wenn er fleißig Gottes Wort hört, liest und darnach sein Leben anstellt, und in allem, was er vornimmt zu reden und zu thun, gedenkt, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Wort erlaubt; wenn ez ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet; denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgeht, leicht gebrannt und verletzt wird: also wird das Gewissen bei ges wissenlosen Leuten leicht verleßt. 5) Sonderlich wird das Gewissen bes wahrt durch ein andächtiges, eifriges Gebet, und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen Gottes, als vor dessen Augen wir immer wandeln. Bitte um ein unverletztes Gewissen. Gebet. Herr, mein Gott! wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest! Du giebst uns Leben und Gesundheit, und läsfest uns es wohlgehen nach deiner Barmberzigkeit. Ach, mein Gott! dieses alles sind deine Geschenke und Gaben, aber sie werden uns wie ein bitterer Wermut werden, wenn in dem gesunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein reines und unverlegtes Gewissen ist. Darum, o mein Gott! erbarme dich über mich, und erhalte mich in deiner Furcht! daß ich mein Gewissen nicht verleße! Das Gewissen ist wie das Auge, wenn in dasselbe nur das geringste Stäublein fommt, ist es unruhig, es thränet, es wird rot und man kann es nicht recht aufthun; so geht's auch mit dem Gewissen; hat man wider dasselbe etwas gethan, so wird es unruhig, es verklagt, verdammt, und wenn es recht aufwacht, so getraut man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben! Ach, mein Gott! ich möchte gerne eine unverletzte Seele und ein reines Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o darum regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen, wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gutes Gewissen ein so edles Kleinod und sanftes Kissen! wer will mich verklagen, wenn mich mein Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Wer kann mich betrüben, wenn mein Gewissen mich erfreut? Wer kann mich ängsten und fränken, wenn mich mein Gewissen tröstet und aufrichtet? O, mein Gott, laß mich diesen Schaß wohl bewahren. Hilf mir, daß ich niemals etwas reden möge, welches mir eine Gewissensangst verursachen könnte. Hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden, oder in eine böse That einwillige, wodurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem 143 144 Erster Teil. Für Gesunde. ganzen Leben, oder auf dem Totenbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken könne; ach! bewahre mich vor den Vorwürfen des Gewissens und vor Gewissensangst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich aller Orten chriftlich und behutsam aufführe. Gieb, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart, und vor dir Böses zu thun mich scheue, und gedenke, du seieft ein Herzenskündiger, vor welchem nichts verborgen ist, und da ich mich nicht kann vor meinem Gewissen verbergen, sondern dessen Bestrafung, wenn ich Böses thue, so bald fühlen muß; da ich mich noch weniger vor dir, o allsehender und allwissender Gott! werde verbergen können. Gieb, daß ich aufsehe auf Jesum, meinen Heiland, und dessen heiligen Fußstapfen folge. Gieb, daß ich dein Wort als meine Glaubensregel nimmer lasse von mei nem Munde kommen, daß ich durch Verleugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort auch meine Lebensregel sein, damit ich nicht vor sätzlich dawider fündige, sondern mich in allem meinem Thun darnach richte. Ach, Herr Jesu! reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blute, verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke mir die stille und wahre Herzens- und Gewissensruhe. Ach! dein heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Ge wissen unverletzt und deine Wohnung in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben; Gesunden Leib gieb mir, Und daß in solchem Leib Ein' unverletzte Seel' Und rein Gewissen bleib'. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Ist mein Gewissen frei, Was frag' ich nach den Leuten, Die all mein Thun verdrießt Und alles übel deuten, Was nur von mir ge Bitte um ein unverletztes Gewissen. 145 schieht! Im Himmel ist, der zeugt Von allem meinem Thun Und der gewiß nicht leugt. 2. Ist mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was ihnen nur beliebt, Was darf ich darnach fragen, Was man mir falsch aufbürd't Und übel von mir spricht; Doch mein Gott siehet wohl, Wie unrecht mir geschicht. 3. Ist mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden, Ob man mich schon verdammt; Bin ich bei Gott in Gnaden, Was frag' ich nach der Welt; Mein Richter ist ja Gott, Drum ficht mich gar nicht an Der frechen Feinde Spott. 4. Ist mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten, Und darf vor meinen Gott Mit Freudigkeit hintreten; Gott sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weiß, daß ich nicht bin Mit dieser Sünd' befleckt. 5. Ist mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen, Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen. Ihr Tadeler, gedenkt, Gott kennet euch und mich, Drum sprecht hinfort nicht mehr Von mir so freventlich. 6. Mein Gott, du weißt, daß ich Nicht hab' die That begangen, Von wegen dieser Sünd' Kann meine Unschuld prangen; Mein Herz ist unbefleckt, Die Hände sind auch rein, Und kein Gewissenswurm Kann mir beschwerlich sein. 7. Verleihe mir Geduld, Daß ich es kann ausstehen, Wenn man läßt über mich Ein schnödes Urteil gehen; Ach! rechne keinem doch Die Missethaten zu, Und gieb mir Freudigkeit Und innre Seelenruh'. Starts Handbuch. 10 Zweiter Teil. Aufmunterungen, Gebete und Gefänge für Betrübte. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jef. 41, 10. Ist etwas, was eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es die Allmacht Gottes, denn diese ist der Betrübten Anker, daran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen, 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich, es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten; keine Last so schwer, er kann sie abnehmen; kein Unglück so heftig, Gott kann es abwenden. 2) Soll der Betrübte gedenken, daß andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie Gott dennoch daraus errettet hat, soll daher mit Freuden sprechen: Ach, Gott! du bist noch heute so reich, als du ewiglich gewesen bist, mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollen Betrübte sich erinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und deswegen den Mut nicht finken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie und wodurch und auf welche Weise ihnen könne geholfen werden, denn das alles soll man der göttlichen Weisheit, Güte und Treue überlassen. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der Herr, und eure Wege sind nicht meine Wege. Jes. 55, 8. Diese Betrachtung soll einer betrübten Seele ihr Vertrauen und Hoffnung stärken, weil sie weiß, Gott könne und wolle ihr helfen. Sie soll darum stille sein, hoffen, beten, Gott vertrauen, die Trübsal mit Geduld ertragen, und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben und sagen: Meine Hülfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121, 2. Seele: Wann tröfte ft du mich: Jesus: fürchte dich nicht ich bin bei dir! Der Herrist mir erschienen von ferne: Jehhabe dich jeu. je geliebet, darum habeich dich zu mir gezogen aus lauter Güte Jer. 31.V.3. 10* Trost aus der Allmacht Gottes. 149 Gebet. du gütiger und freundlicher Gott! du weißt und fiehst, wie mein Herz betrübt ist; es liegt auf demselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann; eine harte Laft, die ich kaum tragen kann. Darum komme ich zu dir, o allmächtiger Gott! ich schütte mein Herz aus vor dir, der du meine Zuversicht bist, ich werfe mein Anliegen vor mir auf dich und bitte dich, du wolleft mich versorgen, mich erretten und mir beistehen. Das von Wellen gejagte Schifflein hält sich an den Anfer, und ich halte mich an dich lebendigen und starken Gott! das gejagte Wild eilet zu den Bergen, und ich hebe meine Augen auf zu dir, o mein Fels, mein Erretter und mächtiger Schußherr! Ich will nicht verzagen, ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist, du kannst helfen, dir ist nichts unmöglich, darum, Herr! hilf mir, so ist mir geholfen, sprich nur ein Wort, so weicht meine Bekümmernis, so erlange ich Hülfe. Ach, mein Gott! ich weiß, du bist barmherzig; darum erbarme dich jetzt auch über mich Elenden; du weißt meinen Schmerz, kennest mein Herz, hast du mir's aufgelegt, so bilf mir's tragen. Ich weiß, du bist ein weiser Gott, du wirst Mittel und Wege wissen, die mir jetzt unbekannt sind. Ach! zeige mir ein Trostbrünnlein, wie dort der weinenden Hagar; sage mir Hülfe zu, wie ehemals der betrübten Witwe; hilf mir, wie dort dem verlassenen Elisa, und beweise deine große Güte an mir, wie an dem gefangenen Petrus. Laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir auf gehen, dadurch du mich versicherst: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer Gott, der noch keinen verlassen hat, darum wirst du mich auch nicht verlassen. O siehe, Herr, mein Gott! 150 Zweiter Teil. Für Betrübte. wie hier eine elende und hülflose Seele vor deinem Gnadenthrone liegt, sende mir Hülfe vom Heiligtum und stärke mich aus Zion. Herr, ich lasse dich nicht, du segneft mich denn. Mein Gott und Vater, wenn du mir nicht hilfft, wer soll mir denn helfen? Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, da hast du mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen und bisher darin getragen: ach! darum laß mich auch jetzt darin Hülfe finden. Ich schreie dir so lange nach, bis du sprichst: Dir geschehe, wie du willst. Ach, Gott! erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Not nicht gar verzagen; Du weißt mein'n Schmerz, Erkennst mein Herz, Hast du mir's auferlegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, wo ist nun mein Gott? So muß ich heute fragen, Weil ich von nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid Sich bei mir stellet ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen sein. 2. Ach, wo ist nun mein Gott? Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir sein Und mich der Not entreißen; Warum verzeucht er denn, Verbirgt sein Angesicht, Als wär' er nicht mein Gott, Als kennt' er mich jetzt nicht? 3. Ach, wo ist nun mein Gott? In diesen meinen Nöten, Die an das Leben gehn Und mich fast wollen töten? Zwar seine Allmacht ist Mir allzuwohl bekannt, Und doch empfind' ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach, wo ist nun mein Gott? Will er sich nicht erbarmen? Sieht er nicht meine Not? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja, ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit Mich einst erfreuen wird; Allein, wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübst du dich, Mein Herz, mit solchen Fragen? Gott lebet ja jetzt noch, Was willst du immer klagen? Der dich mit seiner Hülf' Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's nur, aud dieses Mal. auch 6. Es hat ja Gott noch nie In Nöten dein vergessen, Warum willst du denn jetzt So ängstiglich dich pressen, Gott sieht dein Leiden wohl Trost aus der Liebe Gottes. 151 Und läßt es so geschehn, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben sehn. 7. Verzage nicht an Gott; Willst du den nicht mehr kennen, Der da dein Vater ist, Und den du pflegst zu nennen Den allerbesten Freund? Drum stell dein Trauern ein, Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vater sein. 8. Mein Gott! ich hoff' auf dich, Ach, laß die Stunde kommen, Da meine große Last Mir werde abgenommen; Indessen steh mir bei Und hilf mir gnädiglich, Ach, Gott! erbarme dich, Ach, Gott! erhöre mich. Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Jes. 54, 7. 8. Einer betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, Kreuz und Leiden nichts Erfreulicheres vorkommen und gesagt werden als dieses, daß sie dennoch von Gott geliebt werde. Im schweren Kreuz ist das der erste Gedanke, der uns vom Satan und Fleisch beigebracht wird: Gott ist dein Feind, er liebt dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmermehr also betrüben und sein Gnadenangesicht vor dir verbergen. Allein, diesem Gedanken soll ein Betrübter kein Gehör geben, sondern ihm entgegenseßzen die ewige Liebe Gottes, welcher seine Kinder nicht verläßt, und sich erinnern, 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben- und doch ein Kind Gottes zu sein, wohl könne bei einander sein, denn Christus, der geliebte Sohn Gottes, hatte Trübsal genug, und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein Betrübter erwägen, daß Gott den liebt, den er in große Traurigkeit, Anfechtung und Kreuz läßt geraten. Ein Vater bleibt ein Vater, ob er das Kind liebkost, oder ob er es mit der Rute züchtigt. Dazu kommt 3) daß solches Kreuz der betrübten Seele nicht zugeschickt wird aus Zorn, zu ihrem Verderben oder Schaden, sondern daß fie Gottes Güte, Allmacht, Treue und Weisheit desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe Gottes ist unter dem Kreuz sehr beschäftigt, sie erhält den Betrübten, bewahrt ihn, stärkt ihn, segnet ihn, er wird zuweilen wunderbar erquickt und erfreut, die Last wird erleichtert, welches alles Proben der Liebe Gottes sind. Zweiter Teil. Für Betrübte. Gebet. Der Herr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter! Also seufze ich, mein Gott, in meiner jezigen Betrübnis und Angst der Seele. Ach, Herr! Herr! du weißt ja wohl, wie wehe mir ums Herze ist, wie voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich diese Not nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehst! Ach, verbirg doch dein Angesicht nicht länger von mir; mir ist angst, lindre mir's. Du hast mir von Jugend auf viel Liebes und Gutes erwiesen; ach! mit solcher Liebe umfasse mich auch jetzt in der Betrübnis meiner Seele. Ein Schäflein flieht, wenn es gejagt wird, zu seinem Hirten; ein Kind, wenn es geängstigt wird, geht zu seinem Vater. Darum komme auch ich, mein Hirte und mein Vater, zu dir. O großer Gott, du haft mir deinen Beistand versprochen: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Nun, o großer Gott! jetzt habe ich Hülfe nötig, stehe bei mir, jetzt weiche nicht von mir, jetzt verlaß mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht verlassen, deine Liebe ist zu brünstig, daß du dich meiner erbarmen mußt. Du haft mich je und je geliebet und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Umfasse mich jetzt mit deinen Liebesarmen; erhalte mich, daß ich nicht sinke, erquicke mich in meinen Leiden; laß mich hören Freud' und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen haft. Ziehe mir aus den Sack und umgürte mich mit Freuden, und laß meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Beweise auch an mir, was andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O 152 Trost aus der Hülfe Gottes. 153 du Gott der Liebe, versiegele den Trost in meinem Herzen, du babest mein nicht vergessen, so wenig wie ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater, siehe, dein Kind ist betrübt, erfreue es; es ist voller Angst, erbarme dich und hilf ihm. Ich will, so lang ich lebe noch, Das Kreuz dir fröhlich tragen nach; Mein Gott, mach mich dazu bereit, Es dient zum besten allezeit. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, Und wär' es noch so schwer und groß! Mein Vater, du wirst bei mir bleiben. Ach, nimm mich auf in deinen Schoß. In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in Gottes Händen, Was mich betrübt und heftig quält; Ich weiß, er kann es leichtlich wenden, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt. In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen, Wo Kreuz ist, da Gott nicht weit; Er wird mir seine Hand darreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit. In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlass' ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immerdar; Er macht daraus oft grüne Maien, Was eine scharfe Rute war. In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wenn Gottes Stund' wird schlagen, So höret auch mein Elend auf; Indessen will ich's willig tragen, Gott hemmt der wilden Wellen Lauf. In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlaff' ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, Drum halt' ich ihm im Glauben still; Er wird mir meine Bitt' gewähren, Des ich ihm ewig danken will. In Trübsal, Kreuz und aller Not Verlafs' ich mich auf meinen Gott. Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Aufmunterung. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 121, 1. 2. Zweiter Teil. Für Betrübte. Keine Hülfe zu haben in seinem Leiden und Elend ist wohl betrübter, als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten, 1) Gott kann ihnen helfen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich, nichts ist ihm zu schwer und nichts zu groß; er kann helfen in allem und aus allem. Betrübte sollen 2) gedenken, Gott will ihnen auch helfen, kraft der herrlichen Verheißungen, er wolle bei ihnen sein in der Not, er wolle sie herausreißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen. Betrübte sollen 3) erwägen die Erempel anderer, welchen Gott schon geholfen. Ach! andere sind vielleicht ärmer, unglücklicher, trauriger, verlaffener und elender gewesen, als sie, und doch hat solchen Elenden der Herr geholfen; warum wollte man denn seine Hoffnung fahren lassen? Auf solche Hülfe sollen Betrübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten, und fest glauben, die Hülfe bleibt nicht aus; denn was der Herr zusagt, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Herz spricht lauter nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen e sich erinnern, Gott könne thun über alles, was wir bitten und verstehen; er werde ihr Helser, ihr Vater, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beistand selbst sein. Haben sie Gott, so haben sie alles. Ja sie sollen auch 6) ihrer Traurigkeit Zeit laffen, denn das ist auch eine Wohlthat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unsere Leiden lindert. 154 Gebet. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach! wo soll ich mich anders hinwenden, an wen soll ich anders gedenken in meinem Leiden und Kummer meines Herzens, als nur an dich, mein Gott! Ach, du hast mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen lassen. O, darum höre auch jetzt mein Gebet, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, und wenn ich rufe, so schweige mir nicht, sondern erhöre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden, das ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du, Herr, Herri tötest und machst lebendig, du führst in die Hölle und wieder heraus. Du, Herr! machst arm und reich, du erniedrigst und erhöhst. Du erhebst den Dürftigen aus dem Staube und erhöhst den Armen aus dem Kot, Trost aus der Hülfe Gottes. 155 darum spreche ich im Glauben: Herr, hilf mir. Ach, du kannst helfen, du bist ja ein allmächtiger Gott, du willst mir helfen, denn du hast es mir verheißen. Vater, willst du dein Kind verlassen? Mein Vater, kannst du das Geschrei deines Kindes ertragen, daß du ihm nicht zu Hülfe kommst? Du hast gesagt: Ehe sie rufen, will ich antworten, und wenn sie noch reden, will ich hören; mein Herz bricht mir gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß! Ach! höre mich auch, höre das Geschrei meines Herzens und das wehmütige Klagen meines Mundes. Jedoch, mein Vater, ich weiß, daß du mich allezeit erhörst, darum will ich dir auch nicht Zeit und Stunde vorschreiben, wenn du helfen sollst, ich will gerne auf deine Hülfe warten. Stärke mich indessen durch deinen heiligen Geist; stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen; gieb mir Geduld und Kräfte, mein Leiden zu tragen, und laß mich endlich die Zeit erblicken, da du mich mit deiner Gnade erfreuft. Ach, mein Vater! du hast noch keinen verlassen, verlaß mich auch nicht; du haft Betrübte allezeit erfreut, erfreue mich auch; du haft den Elenden geholfen, hilf mir auch; wann, wie und wo du willst, das alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiermit gänzlich heimgestellt. So sei denn wieder zufrieden, meine Seele! was betrübst du dich und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Herr Jesu Christ, groß ist die Not, Worinnen ich thu' stecken! Ach, hilf, mein allerliebster Gott! Schlaf nicht, laß dich erwecken. Niemand ist, der mir helfen kann, Kein' Kreatur nimmt sich mein an, Ich darf's auch niemand klagen. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen; Du bist der rechte Gnadenthron, Wer nur auf dich thut bauen, Dem stehst du bei in aller Not, Hilfft ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Amen. Zweiter Teil. Für Betrübte. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hat mich Gott denn gar verlassen Jetzt in meiner Traurigkeit? Ich weiß keinen Trost zu faffen In dem bittern Kreuz und Leid; Ach, wo ist doch nun mein Gott In der großen Angst und Not? Ach, wo soll ich ihn doch finden, Da die Not nicht will verschwinden? 156 2. Willst du meiner nicht gedenken? Denk doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden nicht versinken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such', Ist ja nichts, als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben, Ich weiß, Gott verläßt mich nicht; Er will meinen Glauben üben Und auch meine Zuversicht; Scheint er fern von mir zu sein, So gedenkt er dennoch mein; Seine Lieb' kann mich nicht hassen, Noch mich in der Not verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Geht es mir gleich wunderlich; Meine Not will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Not ist ihm bekannt, Und mir seine starke Hand; Diese kann mein Leiden wenden, Und mir seine Hülfe senden. 5. Ich will Gott im Glauben fasfen, Wie es Gläubigen gebührt; Ich will nimmer von ihm lassen, Es ist gut, wie er mich führt; Fühl' ich gleich die scharfe Rut', Sind doch diese Wege gut, Die mein Vater mit mir gehet, Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut, Da mein Leib wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut. Vielleicht ist die Stunde nah, Ja, vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: du bist erhöret, Dir ist deine Bitt' gewähret. 7. Sei getroft, o meine Seele, Fasse dich in deinem Gott; Sage, klage und empfehle Ihm alleine deine Not, Sonsten schweige gänzlich still, Es geschehe Gottes Will'; Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit erquicken. Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Aufmunterung. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern und ewiglich Zorn halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Psalm 103, 8. 9. 13. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu thun zu haben. Allein ein betrübtes Kind Gottes soll versichert sein, 1) daß sein getreuer Gott im Himmel wisse all sein Trost aus der Barmherzigkeit Gottes. 157 Leiden, Elend und Kreuz, wie groß und schwer es sei, wie lang es dauere und wie empfindlich es der Seele sei; nicht allein aber weiß es Gott, sondern 2) er erbarmt sich auch des Elendes; dieses sehen wir an der betrübten Witwe zu Nain und allen Kranken und Elenden, denen er freiwillig entgegen gegangen und ihnen geholfen. So sprach er von dem Volke: Mich jammert des Volks, und von Zion heißt es: Darum bricht mir mein Herz gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. In Betrachtung dessen, daß Gott also barmherzig ist und Barmherzigkeit ausübt, soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott seine Zuflucht nehmen, denn die Betrübten sollen getröstet werden. 4) Gott erweist aber seine Barmherzigkeit gegen die Elenden, teils, wenn er ihnen Freudigkeit und getroften Mut giebt, teils, wenn er in ihrem Leiden sie erhält und Stärke giebt, daß sie es bestehen und ertragen können, teils aber auch, wenn er es gar von ihnen nimmt. Erbarmt sich ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten ohne Barmherzigkeit in seinem Elend auch nicht verderben laffen. Gebet. du barmherziger Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird, siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete vor dein allerheiligstes Angesicht, und schütte meinen großen Kummer und betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammerstand und großes Elend, das mich betroffen hat; meine Seele ist betrübt, mein Geist ist geängstigt, und Leiden hat mich umgeben ohne Zabi. Ich sehe mich um nach Helfern, aber ich finde feine. Menschen wollen sich teils meiner nicht annehmen, teils wissen sie meine Not nicht, teils mag ich es auch nicht offenbaren. Aber dir, o Gott! klage ich es mit betrübtem Herzen; ich weiß, du bist barmherzig und läsfest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Witwe, die da weinte um ihr Kind; es jammerte dich des Volkes, welches nicht zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verbunden. O, darum komme ich zu dir und spreche: Ach, erbarme dich über mich! Ach Gott, ich bin dein Geschöpf, darum 158 Zweiter Teil. Für Betrübte. wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen haft, darum spreche ich: Ach, mein Vater, erbarme dich deines armen und verlassenen Kindes. Mein Jesu! ich bin ja mit deinem heiligen Blut erkauft; bin ich doch dein ererbtes Gut, erkauft mit deinem teuern Blut, darum wirst du dich deines Eigentums erbarmen. DO, du werter heiliger Geist, lege das Zeugnis in meine Seele, daß ich bei allem meinem Leiden dennoch ein Kind Gottes sei, und wenn ich im Beten matt werde, und fast nicht mehr beten kann, so schreie du in mir das Abba, lieber Vater! Siehe, ich sinte, ach biete mir deine Hand! Herr, hilf mir, Herr, stehe mir bei! Herr, Herr! laß deine Barmherzigkeit groß an mir werden und gieb mir Freudigkeit des Herzens, ja schreibe und rufe stets in meine Seele die Worte: Du bist nicht verlassen; ich will mich deiner erbarmen, ich bin bei dir in der Not; ich will dich herausreißen und zu Ehren machen. Ach, Herr! nach deiner großen Barmherzigkeit stärke meinen Glauben, erhalte mich in meinem Elend, gieb mir alle Tage neue Kräfte und neues Vermögen, daß mein Glaube nicht möge aufhören, daß meine Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du sprichst: Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein trautes Kind? Ich denke wohl daran, was ich ihm geredet habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich seiner erbarmen muß. Denke an mich, du hast mir Gnade zugesagt, ich bin auch dein Kind, erbarme dich meiner. Du hast mich ja noch niemals verlassen, ach! so verlaß mich jetzt auch nicht, hilf deinem Kinde, das zu deiner Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach! ich kenn' sein Vaterherz, Es ist schon auf Hülf' bedacht, Meine Trübsal, Angst und Schmerz, Und was mich sonst traurig macht, Erwägung der göttlichen Verheißungen. Es wird alsdann bald sich wenden, Wenn er mir wird Hülfe senden; Drum, mein Vater, komm zu mir, Herz und Auge sieht nach dir. Amen. 159 Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wohl dem, der Gott vertraut, In allen seinen Sachen, Und alles dem heimstellt, Der es weiß wohl zu machen; Wohl dem, der da sein Haupt Nur legt in Gottes Schoß, Der wird ganz ruhig sein Und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Als welchem nichts unmöglich, Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unverzüglich, Was uns dünft allzuschwer, Das ist bei ihm gar leicht, Weil alle Not von uns, Wenn er's befiehlet, weicht. 3. Wohl dem, der Gott vertraut, Kannst du kein Mittel finden, Und meinest, deine Not Wär' nicht zu überwinden: So trau dem weisen Gott, Der alle Hülfe hat, Bei dem ist Rat und That, Wenn du bist ohne Nat. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, Denn seine Liebesproben Muß jede Kreatur Mit frohem Munde loben; Der jeder Kreatur Die Nahrung reichlich giebt, Der forget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut, Und nicht den Menschenkindern; Sie sind gar oftmals falsch, Und suchen zu verhindern Das, was uns nüzlich ist; Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und verstehn, So helfen sie doch nicht. 6. Drum will ich immerdar Dir, meinem Gott! vertrauen, Auf deine Baterhand In meiner Trübsal schauen; Ach Gott! ich komm' zu dir, Ach, sorge du für mich, Ach, nimm dich meiner an, Und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan, ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt! Ich bleib' darauf bestehen, Daß Gott den nicht verläßt, Der feste auf thn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. Der Betrübte erwägt die göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen, er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil. Ps. 91, 14-16. Zweiter Teil. Für Betrübte. So sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschlägt, so herrlich richten die göttlichen Gnadenverheißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübter gedenken, 1) alle göttlichen Verheißungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht einbilden, als ob die Verheißungen nur Mose, David und denen gegeben sind, die dazumal lebten; nein, sie zielen auch auf uns, denn so spricht Paulus Röm. 15, 4.: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Ferner soll er 2) gedenken, alle göttlichen Verheizungen werden erfüllt zu der Zeit, die Gott bestimmt hat. Darum soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern in Demut und Glauben die Hülfe erwarten. 3) Soll ein Betrübter gedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hülfe, Erlösung, Errettung und Befreiung von allem Übel bisweilen auch in diesem Leben erfüllt werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreut, Elende errettet, Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllt, wo alle Verheißungen Gottes in ihre vollkommene Erfüllung gehen. In Betrachtung dessen soll 4) ein Betrübter stille sein und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so viel Tausenden schon erfüllt hat. 160 Gebet. Herr, mein Gott! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Ich weiß in meiner Bekümmernis nirgends Trost, Rat und Hülfe zu finden, als bei dir, wo es mein Herz allezeit gefunden hat; besonders suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen. Darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligtum, und suche in deinem heiligen Worte ein stärkendes Manna und lebendiges Wasser für meine hungrige und durftige Seele. Du haft gesagt: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen. Ach Herr! die Angit meines Herzens ist groß, führe mich aus mei nen Nöten. Du haft gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigfeit. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hin Erwägung der göttlichen Verheißungen. fallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach, Herr! so erbarme dich doch meiner, ach! weiche nicht von mir, verwirf mich nicht von deinem heiligen Angesicht, dein freudiger Geist erhalte mich. O mein Herr und Gott! ich weiß, du wirst deine Zusage und Wahrheit treulich halten im Himmel; wäre dein Wort nicht mein Trost, so müßte ich vergehen in meinem Elend. Habe ich schon viele Bekümmernisse im Herzen, so erquicken doch deine Tröstungen meine Seele. Dein heiliges Wort stellt dich mir vor als einen mächtigen Gott, als einen liebreichen Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand und als einen gewissen Erretter; darauf verlasse ich mich, des tröste ich mich. Mein Herz ist getroft und unverzagt, und harret des Herrn. Darum sei wieder zufrieden, meine Seele, der Herr verstößt nicht ewiglich, er betrübt wohl, aber er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich dennoch, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache zur andern, meine Seele wartet auf den Herrn, bis er uns gnädig werde. Stärke, tröfte und erfreue meine abgemattete, traurige und betrübte Seele, richte meine niedergeschlagene und sinkende Seele auf! Fasse mich in deine Arme und erquicke mich, verlaß mich nicht und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil. Ich sehne mich nach dir, meine Seele verlangt nach dir und seufzt: wann tröftest du mich! Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit, Es mag ihn nichts gereuen, Er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt, Mein Leib, mein' Seel', mein Leben, Und was er mir gegeben, Er mach's, wie's ihm gefällt. Amen. 161 Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen? Ach, wann kommet doch die Zeit? Ach, wann wird mir abgenommen Meine Klage, Kreuz und 11 Starks Handbuch. 162 Zweiter Teil. Für Betrübte. Leid? Seufz' ich doch darnach von Herzen, Wart' ich doch darauf mit Schmerzen; Es spricht oft mein matter Mund: Ach, wann schläget Gottes Stund'? 2. Ach, ich zähle alle Stunden Und fast jeden Glockenschlag, Bis ich habe Hülf gefunden. In der Nacht wie an dem Tag Sprech' ich öfter noch mit Weinen: Ach, wann wird die Stund' erscheinen, Die zur Hülfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 3. Doch, ich will dir nicht vorschreiben, Es geschehe, Herr! dein Will', Ich will dir getreu verbleiben, Dir halt' ich geduldig still; Willst du mit der Stund' verziehen, Will ich drum nicht von dir fliehen, Sondern rufen mit Gewalt: Ach, kommt deine Stunde bald? 4. Ach, laß deine Stund' anbrechen, Deine Stund', o lieber Gott! Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf meine Not; Nach dem Winseln, nach dem Schreien Laß mir Hülfe angedeihen, Alle Not bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater, hör mein Flehen, Sieh, es betet Herz und Mund, Laß mich bald erfreuet sehen Die ersehnte Hülfestund'; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken, Ach, mein Vater, höre mich, Höre mich doch gnädiglich. Der Betrübte erwägt die Absicht Gottes im Kreuz. Aufmunterung. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Hebr. 12, 11. Wenn das Kind die Züchtigung empfindet, weint es und meint, es geschehe ihm gar wehe. Und so geschieht es denn, daß Betrübte sich oft nicht ins Kreuz schicken können. Ein Betrübter soll erwägen 1) Gott will uns durchs Kreuz nicht ins Verderben bringen, sondern uns daraus erretten. Wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet, beißende Sachen auflegt, so will er sie heilen und reinigen; und durch Trübsal will uns Gott abziehen von der Welt, und uns zu sich ziehen. 2) Sieht Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Kreaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, daß wir ihn allein lieben sollen und unsere Freude an ihm haben. Ja, wenn er sieht, daß wir durch die beständige Glückseligkeit, Ruhe, Wohlergehen wollen träge zum Gebet und in unserm Christentum nachlässig werden, so läßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wieder nach ihm verlangen und in seiner Liebe und Erkenntnis zu wachsen trachten. Bei diesem allen aber bleibt er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der uns herzlich liebt. 163 Erwägung der Absichten Gottes im Kreuz. Gebet. Mein Gott! der du mich jetzt in so große Traurigkeit und Betrübnis setzest, daß mein Herz geängstigt, mein Mund voll Seufzen und meine Augen voll Thränen find; ach! ich weiß nicht, wo ich mich hinwenden soll! War ich nicht glückselig, war ich nicht fein still? Hatte ich Ruhe? Woher kommt solche Unruhe? Ach mein Jammer ist groß! aber ich will darum nicht von dir fliehen, mein Hirte! Hast du mich durch diesen harten Schlag niedergeschlagen, ach! so richte mich wieder auf mit deinem Fräftigen Wort, damit ich möge erwägen, warum du mir dieses Elend zugeschickt haft. Ich weiß ganz gewiß, daß dieses Kreuz mich nicht zu meinem Verderben betroffen hat, oder daß es mir an meiner Seele Schaden bringen soll; o nein, du Liebhaber des Lebens, mein Vater! das ist dein Wille nicht, mich zu verderben und deinen Zorn an mir auszuüben; sondern, da du mich in solchen traurigen Zustand setzest, willst du průfen meine Liebe, ob ich dich auch in guten, wie in bösen Tagen lieben will. Du willst prüfen meinen Glauben, ob ich auch glaube, du seieft ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elende erretten und in demselben erhalten könne. Du willst meine Geduld prüfen, ob ich dir zu Ehren dieses Kreuz gerne tragen will. Du willst mein Vertrauen prüfen, ob ich auf dich und auf deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit vertrauen will. Du willst meine Hoffnung prüfen, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen ist, und deinem Wort und Verheißungen Glauben beimessen will. Ja, mein gnädiger Gott und Vater! du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüften, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir wenden und zu dir halten soll. Ja, du nimmst mir, was mich erfreut, damit ich allein meine Freude an dir haben soll; du nimmst mir das, was mich vergnügt, damit ich dich als mein 11* Zweiter Teil. Für Betrübte. höchstes und liebstes Gut hochachten soll. Wohlan, mein lieber Gott! ich will so werden, wie du mich haben willst; ich will das tragen, was du mir auferlegst; gieb mir deinen heiligen Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mitteile. Ohne dich ist's mir unmöglich, es zu bestehen; aber durch deinen Geist und gnädigen Beistand kann ich überwinden. Ich will auch gerne geduldig ſein und dir stille halten, es währe so lange, als es wolle. Ich will mich auch der Welt und weltlichen Gesellschaften entschlagen und dir allein anhangen, daß ich ein Geist mit dir werde, so wird dieses Kreuz mich reinigen und meiner Seele gar nüßlich sein. Die Hülfe wird schon anbrechen zu rechter Zeit. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich verlaffen bin; In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüt und Sinn Soll treulich an ihm halten Und ihm vertrauen fest, Und den nur lassen walten, Der mich niemals verläßt. Amen. 164 Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich anficht; Mein Jesus kann den Jammer stillen, Ob man mir alle Hülf abspricht; Und ob es mir gleich wehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die anfangs gehen bitter ein, Und gleichwohl großen Nußen bringen, Wenn sie nun ausgestanden sein; Fühl' ich gleich oft die scharfe Rut', So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß sein, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott kennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt allein zu sich; Empfind' ich gleich die Unglücksflut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb', So will mich Gott demütig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb'; Ich achte nicht der Feinde Wut, Vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; Zwar kränkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. Bitte um Geduld und Stärke. 165 6. Und muß ich öfter noch empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mir's Gott doch überwinden Und schenkt mir süße Seelenfreud'; Drum hab' ich einen frohen Mut, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl in allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von Gott will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Es reißt mich aus der Höllenglut, Drum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch not, auf daß ihr den Willen Gottes thut und die Verheißung empfanget. Hebr. 10, 35. 36. 11 Geduld ist eine Frucht des Geistes, sie kommt von Gott, und der muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und inniger beten, je heftiger sein Leiden anhält, wie dort von Christo stehet: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger." Deswegen soll der Betrübte erwägen 1) das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibt und mit sich läßt umgehen, wie Gott will; er weiß, daß seine Trübsal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott in Kreuz doch herzlich liebt und daß er darum nicht habe aufgehört, Vater zu sein, ob er ihm gleich ein Kreuz aufgelegt hat. Darum 2) murrt ein Betrübter nicht wider Gott, ob es gleich lang und schwer wird, sondern sagt: ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch heftige Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmütig werden wollen, so muß er Gott um Stärke anrufen. Gott aber stärkt Betrübte, teils wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen giebt, es werde das Kreuz bald aufhören, teils er wolle sie nicht verlassen, teils auch, wenn er ihnen einige Hülfe und Linderung widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wieder stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Vor Ungeduld soll sich ja ein Mensch hüten; denn Gott hat uns verheißen, er wolle uns helfen das Kreuz tragen, aber nicht die Ungeduld, weil dieselbe nicht von Gott, sondern von unserm Fleisch und Blut herkommt; die Geduld bringt eine rechte Stille des Herzens und des Gemüts. Gebet. Herr, vor dir ist alle meine Begierde und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ach, mein Gott, mein Zweiter Teil. Für Betrübte. Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend und Jammer ist dir wohl bekannt; dieses ist mein Trost, daß ich weiß, es kommt von geliebten Händen; ich habe es mir nicht gemacht, sondern du hast es mir aufgelegt; haft du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Und weil die Geduld auch gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach! so verleihe mir dieselben nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkst, wenn du mir hilfft und beistehst, so kann ich alles, so vermag ich alles, so wird es mir nicht schwer werden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Greife mich auch nicht zu heftig an, damit ich es ertragen kann. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stärke die müden Hände, erhalte die strauchelnden Kniee, sage meinem verzagten Herzen: Dein Gott ist König, dein Jesus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du mir hilfft, so ist mir geholfen; darum hilf mir, o mein Heil, um deines Namens willen, zu dir habe ich Zuflucht. Stelle doch meiner Seele vor, es sei dein heiliger Wille, daß ich so leiden und mein Kreuz tragen soll, worauf ich mich dann mit Freuden entschließe und sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und der Be trübnis dennoch liebst, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit und nicht ewig dauern werde, ja, daß dieser Zeit Leiden nicht wert seien der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seiest, daß dieses Kreuz nicht sei ein Zeichen des Zornes, sondern der Gnade. Überzeuge mich, es werde mein Nußzen sein, in dem ich dadurch zu dir gezogen werde. Stelle meiner Seele vor das Erempel der Geduld meines lieben Hei landes Jesu Christi, der alles geduldig auf sich nahm, und wie ein Lamm seinen Mund nicht aufthut. Gieb, 166 Bitte um Geduld und Stärke. 167 daß ich ihm in solcher Stille und Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gieb, daß ich mit dulde und mit leide, damit ich auch mit gekrönt, und mit zur Herrlichfeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gieb mir neue Kraft und neuen Mut, wenn ich einen Sturm bestehen muß oder bestanden habe; ja, stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen und dein kräftiger Beistand mich erquicken werde. Du bist mein Fels, meine Burg, mein Hort, Mein Schild, meine Kraft, sagt mir dein Wort, Meine Hülf', mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott in aller Not; Wer mag dir widerstreben? Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott! verzieh doch nicht, Ach sieh, wie ich muß weinen: Wann willst du, o mein Licht! Zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause hab' ich Kreuz, Und geh' ich ein und aus, So geht mein Leiden mit, Und fommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff' ich alle Tag': Sieh, heute wird es besser, Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer; Ich werde schwach und matt, Mein Herz ist sehr beklemmt, Es ist mein Angesicht Mit Thränen überschwemmt. 3. Durch langes Leiden will Auch die Geduld verschwinden, Weil sich die Linderung So gar nicht will einfinden: Ich warte von dem Tag Bis zu der stillen Nacht, Und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, Mein Gott! die Hülf' verziehen, Wie wird es mir ergehn? Ach, wo soll ich hinfliehen? Ach Gott! verzeuch doch nicht, Ach, eile bald herbei! Ach Herr! wann machst du mich Von meinen Banden frei. 5. Die Hülfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen; Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden. Ach, wende dich zu mir, Komm und errette mich, Erleichtre mir mein Kreuz; Ach Gott! erbarme dich. 168 Zweiter Teil. Für Betrübte. 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir hilfest tragen; Ich will, wenn du mich trägst, Von keinem Leiden sagen; Denn trägest du mit mir, So trägst du das Gewicht; Ich habe zwar das Kreuz, Und fühl' die Last doch nicht. 7. Ach ja, mein Herr und Gott! Laß mich die Stund' erblicken, Da du nach meinem Leid Mich endlich wirft erquicken, Ach, schenke mir dereinst Die lang erwünschte Stund', Darnach das Herze seufzt Und der betrübte Mund. 8. Wirst du mir diese Gnad', O großer Gott, erweisen, So will ich, weil ich leb', Dafür dich herzlich preisen. Mein Freudenwort soll sein Nach ausgestandner Not: Wie gnädig ist doch Gott, Der Herre Zebaoth. Der Betrübte bittet um Abnahme der Trübsal. Aufmunterung. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube, meine Augen wollten mir brechen. Herr! ich leide not, lindere mir's. Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber haft dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Denn du wirsst alle meine Sünde hinter dich zurück. Jef. 38, 14. 17. Gott hat seinen Kindern eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem oder in dem ewigen Leben; es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um Erfüllung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie darin sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Deswegen, wenn sie 1) ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterkeit und Langwierigkeit empfinden, dürfen sie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen möchte; denn so macht es ja Christus, unser Heiland, selbst, welcher um Wegnehmung des bittern Kelches den himmlischen Vater anflehte. Hiermit legen Betrübte ihr Vertrauen und Zuversicht zu der Allmacht Gottes an den Tag. Jedoch 2) soll diese Bitte um Abnehmen des Kreuzes mit einer gelassenen Ergebung in den Willen Gottes verknüpft sein; besser ist's, wir tragen das von Gott geschickte Kreuz willig, als daß er es uns wegen unsers Murrens abnimmt und im Zorn ein schwereres zuschickt. Diese Bitte um Abnehmung der Trübfal soll 3) auch eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir Gott desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oft zerstreut, niederschlägt und zu heiligen Übungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt sein aus Ungeduld, oder um die Weltluft und Weltfreude wieder zu genießen, so sieht man ja leicht, daß Gott ein solches Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel Bitte um Abnahme von Trübfal. 169 und irdisch gesinnt, so läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es, als ein heiliges Feuer, diese Stoppeln und Unreinigkeit des Herzens ausgebrannt hat. Gebet. du gnadenreicher Gott, der du die Betrübten und Elenden ansiehst und dich erbarmst aller deiner Werke, ach! siehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe hier vor der Thür deiner Gnade und flehe dich um Hülfe an. Du weißt ja, wie du mich betrübt haft, aber du weißt auch wohl, daß es mir niemand fann abnehmen, denn du allein. Die Vaterhand, die mich verwundet, die muß mich heilen; der mich getötet, muß mich wieder lebendig machen; ja, der mich in die Hölle geführt hat, muß mich wieder heraus führen. Darum, du gnadenreicher Gott! komme ich zu dir und spreche: Herr, hilf mir! ach, erbarme dich meiner! Dein Zorn währet einen Augenblick und du haft Lust zum Leben, aber dein Augenblick währet mir fast zu lange. Barmherziger Gott, der du in deinem Wort so liebreich deinen Kindern erlaubt haft, dich zu bitten: Bittet, so werdet ihr nehmen; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan! ach, laß auch mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Nimm meine Trübsal von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Ich will dir nicht Zeit und Stunde, Art und Weise vorschreiben, sondern deine Hülfe mit Geduld erwarten. Ach! laß mich doch deine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur einen Teil desselben von mir. Du willst dich vor deinen Gläubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen, und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach mein Gott! wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Ist's denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß 170 Zweiter Teil. Für Betrübte. du noch mein Vater seist, der sich über mich erbarmt; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sei. Ach, wie lang, ach, lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Dir ist ja nichts unmöglich; Herr Zebaoth ist dein Name, groß von Rat und mächtig von That. Du bist der Trost Israels und ihr Nothelfer, darum verlaß mich nicht; hilf mir, errette mich und sei mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem du mich so lange geplagt, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil! Ist aber deine Hülfestunde noch nicht da, so stärke mich inwendig und gieb mir solche Kraft, daß ich es dir zu Ehren ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater! mit mir trägst, oder mir es linderst; wenn ich in deiner Kraft einhergehe, so will ich es auch als ein Abnehmen halten, darüber mich freuen und dir danken. Willst du mir es aber in diesem Leben nicht abnehmen, sondern ist es dein heiliger Rat, daß ich mich damit bis in den Tod tragen soll, so geschehe dein Wille; nur laß mich nicht über mein Vermögen versucht werden, und versüße mir alle Bitterfeit der Trübsal mit dem Genuß deiner Liebe, mit deinem mächtigen Beistand und kräftigen Vorschmack des Himmels. Soll ich noch mehr um deinetwillen leiden, So steh mir, Herr! durch deine Kraft zur Seiten, Fein ritterlich, Beständiglich Hilf mir mein' Widersacher all bestreiten. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird mich mein Gott erhören? Ach, wie lang verzeucht er doch? Will er sich nicht zu mir kehren, Weg zu thun das schwere Joch? Ach, ich muß ja fast vergehen, Wenn er mich nicht will ansehen. Nimmt sich Gott nicht meiner an, Ach, so ist'e um mich gethan. 2. Hat mir's doch ja Gott versprochen, Daß er mich erhören woll', Wenn die Stund' ist angebrochen, Die mir Hülfe bringen soll. Bei dem Erwägung des fröhlichen Ausgangs des Kreuzes. 171 Wort will ich ihn fassen Und mich darauf fest verlassen; Was er mir verheißen hat, Kann er leisten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, Vater, auf dein Kind; Ich will immer vor ihn treten, Wie die, so verlassen sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, Allerorten ihm nachgehen, Ihm schick' ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hülf' und Ruh'. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethsemane, Länger auf die Hülfe warten, So will ich in Ach und Weh Nicht an Gottes Hülf' verzagen, Und mein Kreuz geduldig tragen, Seh' ich meinen Jesum hier In dem Garten noch bei mir. 5. Nun, wohlan! ich bin vergnüget, Es geh', wie es gehen soll, Wie es mein Gott mit mir füget, So thut es der Seele wohl. Endlich werd' ich noch lobsingen Und ihm meine Opfer bringen, Ja, erzählen jedermann, Was er hat an mir gethan. Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Der Herr verstößt nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte, denn er nicht von Herzen Menschen plagt und betrübt. Klagl. Jer. 3, 31-33. Alle Trübfal wird leicht, wenn man hofft, es werde bald besser werden; eine beschwerliche Reise wird kurz, wenn sie bald zurückgelegt ist. Hierbei soll ein Betrübter sich vorstellen, 1) daß sein Elend gewiß ein Ende nehmen werde und vielleicht noch in diesem Leben, wie Gott also Davids Flucht, Hiskias Krankheit, Hiobs Elend, der Witwe Thränen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben gewendet. Am allergewissesten aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und wenden in dem Tode; denn da soll ihnen die Krone, ein weißes Kleid, die Himmelsfreude zu teil werden, da will er abwischen alle Thränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, wenn er durch Leiden betrübt wird, daß seine Seele dadurch erbaut wird; denn nun hat er gesehen Gottes Allmacht, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit. Durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist sein Vertrauen aufgerichtet und sein Glaube gestärkt worden, und wenn auch durch das Kreuz die Weltliebe in ihm getilgt ist, daß er nun frömmer, andächtiger, christlicher, demütiger und sanftmütiger geworden ist, so hat er gewiß einen großen Nußen von seinem Kreuze, so bleibt der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag sich enden hier zeitlich, oder dort ewiglich. 172 Zweiter Teil. Für Betrübte. Gebet. gra Ach, du großer Gott! wie ist doch mein Leiden so schwer und groß, wie du selbst weißt; ein jeder Tag hat seine eigne Plage und jede Stunde fast ihr eigenes Leiden; aber doch soll mein Glaube, Hoffnung und Vertrauen deswegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübsal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, nämlich zu dir, allmächtiger, gütiger und barmherziger Gott. Jch weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, ja nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du haft versprochen, daß du die Mühseligen und Beladenen erquicken wolleft. Nun, ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung; ach, gieb mir, wenn es zu deiner Ehre und meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch und was mein Mund bittet. Denn du bist meine Zuversicht, Herr, Herr! von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann alles ändern. Ach! so ändere, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zu stand; erquicke mich, erfreue, erhöre mich. Daraus will ich erkennen deine große Allmacht, daß du aus den schwersten und größten Leiden erretten fannst. Daraus will ich erkennen deine große Güte, nach welcher du dich als ein Vater über mich erbarmt hast. Außer dieser Trübsal hätte ich vielleicht in meinem Christentum so viel nicht gelernt, als ich nun durch dies Leiden bin unterrichtet worden. Nun sehe ich deinen heiligen Rat; du haft mich demütig, sanftmütig undfromm wollen machen, mich zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben und meine Hoffnung auf dich stellen soll, und da nun dieses ausgerichtet ist, so nimmst du meine Trübsal wieder von mir, und lässest mein Gemüte, das vorher gar unruhig war, wieder stille, gelassen und zufrieden werden. O, welch herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! o welch großer Nußen ist aus mei Erwägung des fröhlichen Ausgangs des Kreuzes. 173 nem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu verfassen. Meine Thränen sollen ein Samen werden, daraus gute Früchte wachsen, die Dornen, die mich stechen, sollen Rosen tragen, nach meinem Kampf soll der Sieg und nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun, dafür danke ich dir und preise dich. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird einst am jüngsten Tage die fröhliche Erlösung sein, wenn ich, von allem Übel erlöst, in das himmlische Freudenleben eingehen werde! Ist dieses denn das erste Mal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir als Angst und Qual Bisher gehabt auf Erden? Wir sind wohl mehr und hoch gekränkt, Und doch hat Gott uns drauf geschenkt Ein Stündlein voller Freuden. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar verlaffen? Mein Heil, wann werd' ich dich Zu meinem Trost umfassen? Ach! wenn mein Seelenfreund So ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir seine Hand darreicht? 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sieh, andre sind beglücket; Sie stehn in Herrlichkeit, Mit Wohlergehn geschmücket; Nur ich muß traurig gehn, Ja ich muß ganz allein In meinem Jammerstand Von Gott verlassen sein. 3. Es will mir die Geduld In meinem Kreuz verschwinden, Dieweil ich Jesum fast Weiß nirgends mehr zu finden, Wo ich mich nur hinwend', Sieh, da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif', Sieh, da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch? Ach, höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein Jesus? sagen; O Jesu! komm doch bald, Die Zeit wird mir zu lang, O Jesu, komm doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus kommet bald; O Seele! sei doch stille, Und stell dein 174 Zweiter Teil. Für Betrübte. Trauern ein, Es ist so Gottes Wille; Weil Jesus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelenfreud'. 6. Dein Jesus kommet bald, Du liegst in seinen Armen, Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen. Er sieht dein Leiden wohl, Sieh da! in kurzer Zeit Erquickt er deinen Geist Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald, Er wird dich nicht verlassen, Denn du bist ja sein Kind, Wie könnt' er dich denn hafsen? Schau doch auf andre nicht, Die da beglücket stehn, Bald wird dir auch dein Licht Nach trüber Nacht aufgehn. 8. Dein Jesus kommet bald, Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Aufs freundlichste umfahen; Auf, Seele! sei getroft, Dein Heiland ist dir nah, Nun ist dein Wunsch erfüllt; Dein Jesus, sieh! ist da. Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. Ihr sollt keine Witwen und Waisen beleidigen. Wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien und ich werde ihr Schreien erhören. 2 Mos. 22, 22. 23. Ich bin eine Witwe, ein Weib, das Leide trägt, und mein Mann ist gestorben. Also beschreibt das kluge Weib von Thekoa eine Witwe. 2 Sam. 14, 5. Es ist der Witwenstand 1) ein Trauerstand, indem ein Weib ihres Ehemanns Hülfe, Rat, Trost, Gegenwart und Freundlichkeit muß entbehren, welches auch reichen Witwen gar empfindlich ist; armen Witwen thut es noch weher, weil ihnen die Person durch den Tod geraubt ist, welche sie und die Kinder ernährt und durch Gottes Segen versorgt hat. Es ist der Witwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oftmals unchriftliche Leute an Witwen Gewalt üben, ihnen das Ihrige nehmen, sie drücken, verachten, ihnen unrecht thun. Es ist aber der Witwenstand 3) ein von Gott beschützter Stand. Gott hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Witwen und Waisen beleidigen sollen, und hat ihnen gedroht, wenn sie ihnen unrecht thun würden, so wolle er es rächen. Gott hat verheißen, er wolle der Witwen Mann, ihr Helfer und Richter sein, der sich ihrer annehmen und ihre Sache ausführen und befördern wolle. Ja, er hat ihnen seinen besondern Segen, Beistand, Hülfe und Gnade zugesagt. In dessen Betrachtung sollen fromme Witwen 1) nicht an Gott verzagen, denn ist ihr Mann gestorben, so ist doch Gott nicht gestorben. 2) Sie sollen dieses annehmen als eine Probe ihres Vertrauens und Hoffnung auf Gott. 3) Es soll niemand an einer Gebet betrübter Witwen. 175 Kreatur hangen, oder sich darauf verlassen; wenn nun manches Weib meint, es könne sie und ihre Kinder niemand ernähren, als ihr Mann, so macht sie aus demselben einen Abgott, darum sie Gott von dieser Sünde will frei machen, und ihr zeigen, daß er sie und ihre Kinder auch ohne Mann erhalten und ernähren könne. Darum sollen sie 4) im Gebet anhalten, nicht argwöhnisch sein, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott sie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. Gebet. du barmherziger und gnädiger Gott! der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden, ach! es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rat gefallen, mich in den betrübten Witwenstand zu seßen. Meine Sonne ist am hellen Mittag untergegangen, und die Krone meines Hauses ist abgefallen; ich bin ein Weib, das Leid trägt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rat und That suchen? Ach, mein Gott! ich komme zu dir, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Antlik. Du hast in deinem heiligen Wort verheißen, du wolleft sein der Witwen Richter und der Waisen Vater; ich, der Herr, bin dein Mann, Gott Israel ist sein Name. Ach, so sei auch jetzt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinigen Vater. Siehe an meine Thränen, wie sie von den Wangen herabfließen, und laß sie zur gnädigen Erhörung gen Himmel steigen; siehe an mein Seufzen und erbarme dich mein. Gieb mir recht zu erkennen, daß ich deswegen von dir nicht verlassen bin, ob ich gleich ohne Mann leben muß, daß du, o ewiger und unsterblicher Gott, nicht gestorben bist, sondern ewiglich lebst, obgleich mein Mann begraben liegt. Ach! es scheint, daß du dadurch mich willst von allen Kreaturen abziehen, daß ich dir allein vertrauen und auf dich allein meine Hoffnung setzen soll. Mein Gott und Vater! ich glaube von Her 176 Zweiter Teil. Für Betrübte. zen, daß du mich und die Meinigen ohne Mann schüßen, ernähren und versorgen kannst; stärke diesen meinen Glauben nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Herr, thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohl gehe; führe mich, wie Naemi; versorge mich, wie die Ruth; segne meinen Ölfrug, wie der Witwe in Israel; laß das Mehl und Vorrat nicht abnehmen, wie bei der Witwe zu Sarepta; wische meine Thränen ab und sprich zu mir: Weine nicht, wie du zu der Witwe in Nain sprachst. Ach, Herr, beschere mir mein tägliches Auskommen, segne meinen Aus- und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinigen nach deiner Verheißung. Ich seße alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger Gott! dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bist weise genug, mich zu er halten, måchtig genug, mich zu schüßen, reich genug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig genug, mir alles zu geben, was ich nötig habe; du bist allgegenwärtig genug, in allen Nöten mir beizustehen, zu helfen und zu erretten. Verläßt sich ein Reifender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen; vertraut ein Kranfer dem Arzt seinen Leib und Leben an, warum sollte ich dir, o allmächtiger und weiser Gott! nicht vertrauen und mich auf dich verlassen? Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen. Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o Herr! nimmst mich auf. Siehe, um Trost ist mir gar bange, du aber haft dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe. Ich habe viel Bekümmernis in mei nem Herzen, aber deine Tröstungen und gnädigen Verheißungen ergößen meine Seele. Gieb, daß ich diesen einsamen Stand im Glauben und Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, an dir mich ergöße, niemand ein Ärgernis gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dient, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus Gebet betrübter Witwen. 177 der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott, Gnade nach dem Leiden, Hülfe nach der Betrübniß, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden, und gieb mir Huld und Gnade bei jedermann. Erhöre mein Gebet, gieb mir deinen Segen, führe mich an deiner Hand, sorge für mich und die Meinigen nach deiner gnädigen Verheißung. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, darum wirst du auch jetzt mein Schirm und Schatten sein, mich behüten und mir Gutes thun, bis du mich wirst zu der Herrlichkeit bringen, da ich mit fröhlichem Munde in Ewigkeit dich loben werde. Witwen sind in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schoß, Ihrer will er sich erbarmen, Wär' die Not auch noch so groß; Denn ein ungerechter Mann Tastet Gottes Augen an, Der die armen Waisen zwicket Und der Witwen Herzen drücket. Wenn sie bleiben in den Schranken, Drinnen sie Gott hat gestellt, Und von ihm ja niemals wanken, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmelsschloß Werden allen Kummer los; Da soll nicht mehr, wie auf Erden, Witwennot gehöret werden. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Witwen, seid getroft, Laßt ab von eurem Weinen; Es will der starke Gott Zu eurem Trost erscheinen. Er ist der Witwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht, Und setzet auf dies Wort All eure Zuversicht. 2. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch nicht verlassen, Wenn ihr zu finken scheint, So will er euch umfassen, Der Herr, Herr Zebaoth. Der Herr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich euer an. 3. Der Herr ist euer Mann, Er wird euch schon versorgen; Ift euer Angstgeschrei Dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält; Er aber ist der Herr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der Herr ist euer Mann, Der wird sich schon erbarmen; Er höret Starks Handbuch. 12 178 Zweiter Teil. Für Betrübte. eurs Stimm', Er trägt euch in den Armen; Er will des, der euch kränkt, Ein strenger Richter sein, Drum stellt das Ach und Weh Und bittres Weinen ein. 5. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr noch nötig habt In eurem ganzen Leben; Gott, der nach seinem Rat Zu Witwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil und Unterhalt bedacht. 6. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Not am größten; Er wischt die Thränen ab, Drum sprecht: du bist mein Gott! Mein Gott! ach steh mir bei In aller meiner Not. 7. Der Herr ist euer Mann, Drum sollt ihr ihm vertrauen, Und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch sehn, Wie es in diesem Stand Euch wird nach Wunsche gehn. 8. Nur dienet eurem Gott Mit Singen, Danken, Beten, Kommt jede Stund' und Tag Vor seinen Thron getreten, Und klagt ihm eure Not, Bleibt in der Frömmigkeit, Und steht im Glauben fest Und in Zufriedenheit. 9. Gott! frommer Witwen Gott, Und Vater frommer Waisen, Du wollest gnädiglich Sie schützen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgends hin, Denn nur zu dir allein, Drum wollest du ihr Gott Und treuer Vater sein. 10. Versorg der Witwen Haus, Die Waisen wollst du leiten; Ach, Vater! schau, wie sie Zu dir die Händ' ausbreiten, Ach! hör doch ihre Stimm' Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen Gott Und frommer Witwen Mann. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. Aufmunterung. Mein Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf. Pf. 27, 10. Ist je ein betrübter Stand, so ist es der der Waisen, wenn Kinder, von Vater und Mutter verlassen, unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen oder sich aufhalten müssen. So betrübt aber der Stand ist, so wirkt er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen von Vater und Mutter verlaffene Kinder ge denken, ob sie gleich keine Eltern haben auf Erden, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben, welcher ihr Vater in der heiligen Taufe geworden ist. Dieser himmlische Vater stirbt nicht, er ist reich, er hat Klage verlassener Waisen. 179 alles, was wir bedürfen; er ist mächtig, er kann alles geben, er ist ein weiser Gott, der alles wunderbar und herrlich auszuführen weiß. Es sollen 2) fromme Waisen denken, daß Gott oft mit Fleiß den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja sie zu Ehren bringen und reichlich segnen könne, wie er davon schon viel tausend Erempel uns vor Augen gestellt, die mit fröhlichem Munde jagen, wie Jakob: Ich hatte nichts, denn diesen Stab, da ich über den Jordan ging. Von Hause nahm ich den Wanderstab, die Armut und mein Leben, denn alles, was ich jetzt habe, das hat mir Gott gegeben. 3) Es sollen aber auch Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen jedermann demütig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in allem ihrem Thun aufrichtig sein, besonders aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, noch thun wider Gottes Gebot. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie Gott gewiß nicht verlassen, er wird sie wunderbar, doch herrlich führen, daß sie Gottes Allmacht und Güte Zeit ihres Lebens werden rühmen können. Gebet. Ach du gnädiger, barmherziger Gott und Vater, ich armes, verlassenes Kind werfe mich nieder vor deinem erhabenen Thron und bitte dich in Demut und von Herzen: nimm dich meiner als ein Vater an. Ach! es hat dir nach deinem weisen Rat gefallen, mich meiner Eltern Fürsorge und Pflege zu berauben; ach! wo soll ich nun hin? Ich bin eine Waise geworden, ich habe keinen Vater mehr; wer will fich jetzt meiner annehmen? Deswegen, lieber reicher Gott und Vater! komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich mein; auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe, du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Siehe, mein Vater und Mutter verlassen mich, aber ach, Herr! Herr! nimm du mich auf. Ach, mein Gott, du giebst ja Speise den Vögeln, die auf dem Felde fliegen, du kleidest die Blumen, du versorgst das Wild im Walde, ach! so wirst du auch als ein treuer Bater für mich sorgen, und dich meiner erbarmen und 12* 180 Zweiter Teil. Für Betrübte. mir gnädig sein; mein Auge sehnet sich nach dir, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O wie viele Erempel stehen mir vor Augen von Kindern, welchen du Vater und Mutter haft sterben lassen, sie aber dennoch herrlich geführt, versorgt und ernährt haft. Ach Gott, der du Moses aus dem Wasser gezogen haft, ach! schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast wollen über mich zusammenschlagen. Ach, Herr Jesu! der du der Kinder dich haft treulich angenommen, und sie gesegnet, ach! segne mich auch! nimm mich in die Arme der Barmherzigkeit, trage und bewahre mich vor Unglück. Ach, du werter heiliger Geist, der du die Gläubigen führst, wie die Jugend, ach! führe mich auch. Weise mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach, du dreieiniger Gott! sei mein Erhalter, der mich schützt, mein Helfer, der mir beisteht, mein Geleiter, wenn ich aus- und eingehe. Ach, gieb mir gute Freunde, wo ich aus- und eingehen darf, erwecke mir Gönner und Wohlthäter, die sich meines Elendes erbarmen, laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllt sein! thue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade, bewahre sie vor Unglück und vergilt ihnen mit zeitlichem, geistlichem und himmlischem Segen, was sie Gutes an mir thun. Gieb mir ein demütiges und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, Bosheit und sündliche Unarten mich der Gunst und Wohlthaten meiner Gönner nicht be raube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armut dich möge verleugnen, vom Glauben abfallen, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntnis und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist 181 Klage verlassener Waisen. mich allezeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu mutwilligen Sünden verführt werde. Laß mich nicht in Schlemmen und Unfeuschheit geraten, und behüte mich vor verkehrtem Herzen. Odu gnädiger Gott und Vater! schrecke mich ab von den gottlosen Wegen, warne mich, wenn ich sündigen will; erinnere mich, wenn ich des Bösen mich will gelüsten lassen; halte mich, wenn ich falle; hole mich herum, wenn ich irren will; stärke mich, wenn ich schwach bin; mache mich gesund, wenn ich frank bin. O treuer Gott und Vater! ich ergebe mich dir ganz und gar, ach, laß meinen Aus- und Eingang dir befohlen sein. O wie will ich dir danken, wie will ich dich loben, daß du mir so wohl thust! meine Zunge soll sagen: das hat Gott gethan, Gott hat mich gesegnet, erhalten, begleitet, geführt, versorgt, ja, ich will jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen mich erwiesen haft. Ach, Herr! Herr! höre das Gebet der verlassenen Waisen, höre die Stimme deines Kindes; du bist mein Vater in der heiligen Taufe geworden, in deine Arme haben mich meine Eltern nach meiner leiblichen Geburt gelegt; ach! du bist ein reicher und unsterblicher Vater, ach! darum sei deinem Kinde gnädig. Ich weiß, du kannst mir helfen, und willst mir helfen; Herr! so bilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preis sagen kann: Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Denn Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches- Herz; Ich bin ein armer Erdenkloß. Auf Erden weiß ich keinen Trost. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Waisen, weinet nicht! Wie? wollt ihr euch nicht fassen? Verlasset euch auf Gott, Der wird euch nicht verlassen: Sind gleich die 182 Zweiter Teil. Für Betrübte. Eltern tot, So lebet dennoch Gott, Dieweil Gott aber lebt, So habt ihr keine Not. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesamt Beschützen, kleiden, speisen; Dem übergebet euch, Der nimmt sich euer an, Seht, Gott ist euer Schutz Und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon versorgen, Er kennet eure Not, Die ist ihm nicht verborgen, Ob ihr schon wenig habt, Der Vorrat ist sehr klein, So will Gott euer Gott Und treuer Pfleger sein. 4. Habt einen guten Mut, Gott hat es ja verheißen, Daß er Verlaffene Aus Trübsal wolle reißen: Das gehet euch auch an, Ihr werdet es bald sehn, Das Wort wird auch an euch Noch in Erfüllung gehn. 5. Ja glaubet, bleibet fromm, Und geht auf Gottes Wegen, Erwartet mit Geduld Den euch verheißnen Segen, Und weichet nicht von Gott, Vertraut ihm allezeit, So blühet euer Glück In Zeit und Ewigkeit. Der Betrübte flagt über die Schwachheit seines Glaubens. Aufmunterung. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. Jes. 42, 3. Herr! stärke uns den Glauben. Luc. 17, 5. Ist etwas, das eine gläubige Seele schrecken kann, so ist's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer lebendiger Glaube sei, daher denn der Zweifel entsteht, ob sie auch selig werde. Solchen geängsteten Seelen dient zum Troste, 1) daß ein im Namen Jesu auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet, und ein schwacher Glaube sowohl ein wahrer und seligmachender Glaube sei, als der starke; ein kleines Kind ist ja sowohl ein Mensch, als ein großer und starker Mann. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirkung des heiligen Geistes ist; ein Gottloser begehrt nicht zu glauben. 3) Der schwache Glaube ergreift Jesum, sein heiliges Verdienst und Wunden, wie der starke; wenn man einem Kinde und einem starken Mann jedem einen Gulden in die Hand giebt, so hat einer so viel als der andere. 4) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen, weil er ja kein Licht des Nachts auslöschen kann. 5) Ob die Glaubensfreudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Fünklein unter der Klage über die Schwachheit des Glaubens. 183 Asche da ist, wenn man es schon nicht sieht. 6) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß wider die Sünde, daher auch die Früchte des Glaubens entstehen, Gal. 5, 22.: Liebe, Demut, Sanftmut, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geängsteten Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu thun. Wo diese sich aber an einem Menschen finden, da ist der Glaube und heilige Geist, denn es sind Früchte nicht des Fleisches, Gal. 5, 19., sondern des Glaubens und des heiligen Geistes; denn der Glaube und heilige Geift sind unzertrennlich. 7) Gebet, Lesen der heiligen Schrift, Geduld, auf Gott harren stärkt den Glauben.. 8) Der Glaube ist eine Gabe Gottes, Gott aber wird nicht mehr von dir fordern, als er dir gegeben. 9) Christus ist auch für die Schwachgläubigen gestorben, und betet für sie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du das schon nicht glauben kannst, so ist es doch wahr, weil es die heilige Schrift sagt. Gebet. Ach, du gnadenreicher Gott! ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig mache, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen könne. Weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden möchte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen gar so wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zünde in meinem Geiste an das Licht des wahren Glaubens, dadurch ich dich als den einigen, wahren Gott recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbart haft, und daß ich deinem geoffenbarten Worte von Herzen glauben möge, und deine Verheißungen von deiner Gnade und der Vergebung der Sünde, die mir durch Jesum erworben, mit festem Vertrauen und Zuversicht möge annehmen. Denn mich dünft zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren. Dieses klage ich dir, mein Gott! darum, weil ich weiß, daß alle guten Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach! so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glim 184 Zweiter Teil. Für Betrübte. mende Döchtlein auslöschen. Mein Gott, schreibe den Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, Blut und Tod Jesu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieiniger Gott! nämlich an dich, o himmlischer Vater! als unsern Schöpfer; an dich, o Jesu, als unsern einigen Erlöser und Seligmacher; an dich, o heiliger Geist, als unsern Heiligmacher und Tröster, hält, auch ein Glaube sei, der dir gefalle und auch selig mache. Gieb mir auch die Empfindungen des Glaubens durch eine innerliche Freudigkeit im Gebet, durch kräftigen Trost und freudige Hoffnung zu schmecken, wenn es also dein heiliger Wille ist. Ach, mein Jesu! bitte auch für mich, wie du für Petrus gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre; versiegele in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sei, daß mein schwaches Gebet Gott gefalle um deiner heiligen Fürbitte willen, daß dein Blut mich auch angehe, und daß ich dadurch gerecht und selig werden soll. Und du, werter heiliger Geist, wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens, treibe, heilige, regiere mich, ja, wohne in mir, und gieb Zeugnis meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Gelobet sei dein heiliger Name, daß ich in mir einen Abschen finde, Sünde zu thun; daß ich dagegen seufze und mit Gebet kämpfe, hingegen ein herzliches Verlangen habe, dir allein zu leben, zu dienen und zu gehorchen, worauß ich sehe, daß du dennoch in mir wohnest. Mehre und er halte in mir diese Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage süßer und empfindlicher; wirst du dieses mir, o dreieiniger Gott! verleihen, so will ich gerne mit meinem schwachen Glauben zufrieden sein. O mein Gott, vor den ich trete Jetzt in meiner großen Not, Höre, wie ich gläubig bete: Laß mich werden nicht zum Spott; Mach zunicht des Teufels Werk', Meinen schwachen Glauben stärk, Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. Amen. Klage über fündliche und gotteslästerliche Gedanken. 185 Eine andere Klage über Anfechtung. Der Betrübte klagt über fündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken. Aufmunterung. Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlägt, dafür ich dreimal den Herrn gefleht habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2 Kor. 12, 7-9. Betrübt ist es, einen Kranken klagen hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes, aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über fündliche, garstige und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dient zum Trost: 1) Geistliche Anfechtungen, Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, als nach dessen Willen sie dieses leiden müssen; ohne Gottes Willen kann nicht ein Härlein von ihrem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen solche Seelenangst widerfahren. 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die garstigen und abscheulichen Gedanken, und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kennzeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen, und daher nicht leiden können, daß dergleichen böse Dinge in ihrem Herzen aufsteigen. 4) Dieser Schrecken und Angst über die lästerlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß Jesus und der heilige Geist noch im Herzen wohne; wäre Satan darinnen, wie die Angefochtenen meinen, so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Solche lästerlichen Gedanken rechnet Gott den Seelen nicht zu, weil sie gegen ihren Willen geschehen und sie darüber seufzen, daran keinen Gefallen haben, und Angst empfinden, wenn sie kommen und ihnen widersprechen. 6) Anfechtung ist kein Kennzeichen des Zorns, sondern der Gnade Gottes; solche Seelen haben doch einen gnädigen Gott, wie an Hiob zu sehen, Gott ist nicht von ihnen gewichen, er ist noch im Herzen, aber er verbirgt sich vor ihnen. 7) Die Seele steht im Leiden, und nicht im Thun, wenn die Gedanken kommen, wie ein Haus, in das man Fenerkugeln wirft; darum soll er nur seinen Mund zuhalten, und die garstigen Gedanken in Worten nicht ausprechen, auch nicht Unverständigen erzählen, damit er nicht jemand ärgere. 8) Er soll immer widersprechen und sagen: Es ist nicht wahr, ich bin nicht verdammt. Satan ist verdammt, ich bin erlöst. Das garstige Wort ist nicht mein Wort, ich billige es nicht; weg aus meinem Herzen! Ich bin Gottes, Gott ist mein; wer ist, der uns scheide? 186 Zweiter Teil. Für Betrübte. 9) Durch lästerliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesen des Wortes Gottes abhalten lassen, sondern wenig, aber oft beten und lesen. 10) Weil solche Seelen sagen, sie wollen lieber auf Dornen gehen, am Leibe Schmerzen haben, als solche Gedanken haben; ja, weil sie sich auch vor Sünden und bösen Werken hüten, so ist es eine unwidersprechliche Probe, daß der Glaube, Jesus, der heilige Geist, ja die ganze heilige Dreieinigkeit noch im Herzen ist. 11) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten, noch an Gott gedenken, so ist ihre Klage schon ein Gebet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen; denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade; ja, sie beten durch ihr Winseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und kräftigsten. 12) Ob sie sich gleich einbilden, sie erzürnen Gott in allen Dingen, was sie thun, so nimmt's ihnen Gott nicht übel auf, er sieht ihren Willen und ihr Verlangen an; sie meinen, sie wären die Allerentfernteften von Gott, und sind ihm die Nächsten; sie meinen, sie wären die Bösesten, und sind die Treuesten; sie meinen, sie wären die Verstoßenen, und sind Gott die Liebsten. 13) Sie sollen geduldig ausharren, denn man hat kein Erempel, daß Gott die Seelen habe verlassen; denn er erfreut, erquicket und tröstet sie wieder; doch muß hier die Zeit erwartet werden, wie man eine Krankheit muß austoben lassen; mit der Zeit wird es sich schon nach und nach verlieren, geringer werden und endlich nachlassen. So haben es bisher die Frommen erfahren. 14) Diese Anfechtungen machen den Menschen demütig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag; ja, diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, Lauigkeit im Gebet und Anhörung des göttlichen Wortes reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nutzen? 15) Diese Gründe soll man einen nach dem andern betrachten, oder von Freunden Gottes weiter auslegen lassen, und dabei leibliche Arznei brauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die freie Luft, in Gärten oder aufs Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde um sich haben, ausgenommen, wenn man beten will. Mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen, ist auch erbaulich. Man lese auch fleißig das 8. Kapitel an die Römer, so wie den 27, und 28. Pfalm. Gebet. Ach, du heiliger Gott! der du wohneft unter dem Lob Israels, und welchen alle heiligen Engel und Aus erwählten ohne Unterlaß loben und preisen, ich betrübte Secle flage dir von Grund des Herzens, wie ich an dei Klage über sündliche und gotteslästerliche Gedanken. 187 nem Lobe gewaltig verhindert werde durch die garstigen und lästerlichen Gedanken, welche in meinem Herzen so oft und fast täglich aufsteigen. Du allwissender Gott weißt ja wohl, daß sie mich wie feurige Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängstigen; aber du weißt auch, daß ich darüber erschrecke und bitterlich weine, wenn ich die feurigen Pfeile empfinden muß. Ach, mein Gott! rechne mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschieht; du siehst, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich darüber seufze und davor einen Abscheu habe, und sie gerne aus dem Herzen vertreiben möchte. Ach, Herr! laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ich will den Kelch gern trinfen, den du mir, o lieber Vater! eingeschenkt hast. Laß es nur nicht ein Kelch des Zorns, sondern deiner Gnade sein. Ach! sei mir gnädig, denn ich bin schwach. O, wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Ach, verstoße mich deswegen nicht, weil ich es nicht ändern kann; sondern ich muß das leiden, aber deine Rechte, du Allerheiligster! kann alles ändern. Erquicke mich, du dreieiniger Gott, und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart und reichen Trost wieder empfinden; ja, gieb mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte, und damit ich mich aufrichte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach! so gieb mir auch große Geduld, viele Kraft und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gieb Zeugnis meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Nun, mein Gott! ich will auch diese Anfechtung gerne leiden, weil ich weiß, daß du mir sie nicht zum Verder= ben, sondern zu meiner Erweckung im Guten, zu meiner Reinigung von Sünden, bösen Ünarten und weltlichen Gewohnheiten, und zur Heiligung meines Lebens zu 188 Zweiter Teil. Für Betrübte. geschickt haft; sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Kommt er doch von geliebten Händen; dieses Feuer soll die bösen Lüfte und den alten Menschen aus meinem Herzen ausbrennen, und es dir, o großer Gott! zu einem Tempel und Wohnung heiligen. Darum spreche ich auch mitten in meiner Angst: Du bist doch mein Vater, Erretter, Helfer und treuer Beistand. Ach, sende deines heiligen Geistes Kraft in mein Herz, der mir helfe kämpfen und überwinden. Du haft gesagt: Es sollen nicht zu Schanden werden, die auf dich harren; Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit, eilend hilf mir. Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest; um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du haft gesagt: Deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach, Herr! Herr! laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach, mein Vater! laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnehmest; stärke mich, hilf mir, bewahre mein Herz mit einer Mauer, umgieb es, wie das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Gedanken nicht mehr hineinkommen, ja, daß ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott, du wirst mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen; lindre meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu deiner Zeit gar davon befreien wirst. Jesu, du Brunn aller Gnaden, Der du niemand von dir stößt, Der mit Schwachheit ist beladen, Sondern deine Jünger tröst't; Sollt' ihr Glaube noch so klein, Als ein kleines Senfkorn sein, Wollst du sie doch würdig schätzen, Große Berge zu versetzen. Laß mich Gnade vor dir finden, Der ich bin voll Traurigkeit; Hilf du mir selbst überwinden, So oft ich muß in den Streit; Meinen Glauben täglich mehr, Deines Geistes Schwert verehr, Damit ich den Feind kann schlagen, Alle Pfeile von mir jagen. Amen. Klage wegen lästerlicher Gedanken. Klage wegen lästerlicher Gedanken. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich klage dir, o Gott! Mit hochbetrübter Seelen Der scharfen Pfeile Sturm, Die mich entsetzlich quälen; Ach böse Lästerung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach, wo soll ich doch hin? Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht; Ach Gott, dir will ich's klagen; Du kennst des Herzens Grund, Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 189 3. Ach, wär' ich doch, mein Gott! Der Pfeile überhoben; Ich quäl und martre mich, Wenn sie so grausam toben; Ach! wenn mein Herze nur An dich, mein Gott, gedenkt, So wird's im Augenblick In Läfterung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort Im Herzen mir verkehret; Ja, man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret; Ich höre andre Wort', Als ich im Herzen hab', Und diese große Qual Frißt mir das Herze ab. 5. Ach, schaue meine Not, Bald will mich der verdammen, Der selbst verdammet liegt Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil, Gott wüßte nichts von mir, Ich wäre, o mein Gott! Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung Mischt sich in allen Dingen In alles, was ich thu', In Lesen, Beten, Singen; Was ich zu deiner Ehr' Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht' ich es nur meines Unflats voll. 7. Ich kann der Lästerwort' Sogleich mich nicht entschlagen, Ich muß sie oft gar lang Ohn' meinen Willen tragen; Ach, rechne mir nicht zu Das, was ich leiden muß, Und dem ich widersprech', Ich leid' es mit Verdruß. 8. Mein Gott! dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hinkehre; Ich schreie tausendmal: Mein Gott! ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Lästerung vorspricht. Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich liege hier vor dir, Mit höchstbetrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott! Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind' In mir ohn' Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Aug von Thränen naß. 190 Zweiter Teil. Für Betrübte. 2. Ach Gott! ich leide dies Nach deinem Vaterwillen, Ich weiß, du kannst die Angst Zu seiner Zeit schon stillen, Ach! ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigentum, Du bist mein Gott und Herr, Mein Freund, mein Trost und Ruhm. 3. Ach, die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, Die säubert Seel' und Geist, Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd' und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott Und wehrt die Sicherheit. 4. Gefället es denn dir, Mein Herze rein zu machen, Durch ein so scharfes Feu'r, So fast aus Satans Rachen Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib' ich doch bei dir, Ach! stehe mir nur bei Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja, ich merke wohl, Ich bin vielmehr im Leiden, Ich treibe nicht das Werk, Das ich gern möchte meiden; Ich schlösse gerne zu Des matten Herzens Haus, Und trieb' die Lästerung, Wenn's möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer, der dennoch In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind', Wird er schon nicht gestillet, Ja, der vielmehr anhält, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieh, der versichert mich, Daß Jesus in mir lebt. 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich mich fast scheu', Vor dich, o Gott, zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dies mein Angstgeschrei Vor deinem Gnadenthron Ein eifrig Beten sei. 8. Ach Gott! die Not ist groß, Doch dir nicht vorzuschreiben Die Zeit und Hülfestund', So will ich gerne bleiben In diesem Kampf und Sturm, Gieb mir nur Kraft dazu, Und schenk mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh'. 9. Will auch die Lästerung Zu keiner Zeit mein schonen, So willst du doch, o Gott, In den Betrübten wohnen; Ach! wohne auch in mir, Und rufe mir auch zu: Sieh da, ich bin bei dir, Du Hochbetrübter du. 10. Laß meinen Glauben nicht, D Seelenfreund, aufhören, Ach! laß den Lästergeist Die Andacht nicht mehr stören; Zeig mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht, Und nach der Finsternis Ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach, großer starker Gott! Ach, stärke meinen Glauben, Damit der Satan nie Denselben könne rauben, Versichere du mich, Du seist mein Herr und Gott, Mein Vater, der mich liebt, Mein Helfer in der Not. 12. Und weil du niemand haft In Anfechtung verlassen, So will ich deine Gnad' Mit frohem Mut erfassen; Ach sende mir doch bald" Die frohe Hülfezeit, Da sich in Trost und Freud' Verkehrt die Traurigkeit. Trost gegen lästerliche Gedanken. 191 13. Sich an die Jammerklag', Die Thränen meiner Wangen, Ich schrei' dir immer nach, Bis ich werd' Hülf' erlangen, Und schweigest du gleich still, So schrei' ich doch zu dir, Und sprech' ohn' Unterlaß: Mein Gott! ach hilf du mir. 14. Mein Gott! erbarme dich, Sieh an mein bittres Weinen, Ach, laß dein Gnadenlicht In meiner Seele scheinen, Ach Gott, erquicke mich, Und gieb mir Freudigkeit, Ach! gieb mir Trost und Sieg Nach diesem Kampf und Streit. Trost gegen die lästerlichen Gedanken. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Weicht, weichet nur von mir, Ihr sündlichen Gedanken, Ich bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht wanken, Ich acht' nun euer nicht, Und eurer Lästerung, Ihr dienet mir vielleicht Zur Seelenreinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschiehet, Ja, was mein Will' nicht ist, Und was mein Herze fliehet, Und davor Abscheu hat; Gott kennet meinen Sinn, Daß ich hier nicht im Thun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufze immerdar Mit Hochbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir, Ins Herz kommt sie ja nicht, Dawider streite ich, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft Ich nur noch widerspreche, Und alle Lästerpfeil' Durch seinen Geist zerbreche, So schad't der Pfeil mir nicht; Mein Jesus ist doch mein, In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühle ich oftmals, Wie Satans Engel schläget, Und giftig diese Wort' Mir an mein Herze leget; Doch was kann ich dafür, Daß ich geschlagen werd', Weil ohne Schläg' zu sein Das matte Herz begehrt. 6. Gott sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit- Mich schon davon befreien; Weil ich für solche Wort' Hab' Schrecken, Furcht und Scheu, So schenkt mir Gott die Schuld Auf meine Buß' und Neu'. 7. Ja, tobet immerhin, Ihr lästerhaften Worte, Ja tobet, wie ihr wollt, In mir an allem Orte, Gott ist dennoch mein Freund, Ich achte euer nicht, Mein Jesus ist mein Trost, Und meiner Seele Licht. 8. Ihr habet mich von ihm Bisher noch nicht vertrieben, Ihr könnet es auch nicht; Ihn will ich ewig lieben, Und weil's mein Will' nicht ist, Daß ihr im Herzen seid, So bleib' ich Gottes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja, ich werde schon Euch einst noch überwinden, Ich werde Ruh' und Trost In Jesu Wunden finden, Ich seh' den Himmel schon Mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin gethan. Dritter Teil. Aufmunterungen, Gesänge für Kranke. Gebete und Morgengebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich will zu Gott rufen, und der Herr wird mir helfen. Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören. Pf. 55, 17. 18. Dbgleich Gott einen Menschen läßt krank werden, so soll er darum nicht das Gebet einstellen, sondern desto eifriger beten; je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll das Gebet werden, wie Christus that. Ev. Lukas Kap. 22, 44.: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Gott jemanden auf das Krankenbette niedergelegt, so soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott ermuntern, und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht erfahrenen Schuß. Ist die Nacht betrübt und unruhig, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist aber die Nacht ruhig und erträglich gewesen, so soll er Gott dafür danken. 2) Hat er also sein Herz am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er sein Gebet zu Gott bringen, und sich den Tag über in seinen Schutz und Obhut empfehlen, fleißig an Gott gedenken, geduldig leiden, was er ihm zugeschickt. 3) Er soll sich dabei erinnern, daß Jesus audy bei ihm an seinem Krankenbette sei, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja, daß er ihn da lehren und unterrichten wolle. Vielleicht ist der Kranke in gesunden Tagen kein fleißiger Kirchengänger oder andächtiger Beter gewesen; diesen Fehler will ihm Gott vorstellen, daß er nun desto andächtiger beten lernt, und sehe, wie es ihm an Trost und Erbauung mangele, weil er in guten Tagen keinen Vorrat und guten Schatz an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Starts Handbuch. BUITEM Seele: Nach Dir Herr verlan. get mich Ps 25/ V.1 UNAJ NITY PINGE NAHON Jesus: Jchwill dich nicht verlas sen noch yondir wei. chen Am Krankenbette sitzt dein Jesus, dich zu trösten, das glaube, wenn die Noth dir scheint am allergrössten. Ev. Matth. 8 V 14.u15. 13 Morgengebet eines Kranken. 195 Gottes und seines Wortes gewesen, so will ihm Gott Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in die Übung soll bringen, was er von der Geduld, Vertrauen auf Gott, Gelaffenheit, Ergebung in den Willen Gottes gehört hat. Gebet. du heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, ich komme jeßzt, da nun der Tag angebrochen, vor deinen allerheiligsten Thron, und danke dir, daß du mich diesen Tag wiederum haft erleben lassen. Du weißt, Herr, wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht habe, dennoch kann ich nicht genug deine Güte preisen, daß du das Licht der Sonne mich wieder sehen und alle Schmerzen und Ungemach glücklich haft vorübergehen lassen. O du Gott der Liebe! ich danke dir für deine Liebe; o du starker Gott! ich danfe dir für deinen Schuß und Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewacht, deine Hand hat mich bedeckt, deine Gnade hat mich erhalten. O mein Gott! die Sonne geht wieder auf, ach! laß auch deine Gnade neu über mir aufgehen; gieb mir mit diesem Tage neue Kräfte, Gnade und Geduld, mein Leiden willig zu tragen. Herr, mein Gott! es hat dir gefallen, mich aufs Krankenbett zu legen; wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt, vielleicht wirst du mich dadurch absondern von meinen Gewohnheiten, Sünden und ordentlicher Arbeit, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögest, wie ich soll für meine Seele sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedient, gehorcht und dich geehrt habe, daß ich darüber mich betrübe und vor dir mich schäme, und wahre Buße thue, auch mit dir einen neuen Bund mache, und also schaffe mit Furcht und Zittern, selig zu werden. Gieb, daß ich, o Jesu! den ganzen Tag möge mein Herz bei mir haben, eifrig beten, an deine Wunden, Blut und Tod gedenken und das wahre Heil und 13* 196 Dritter Teil. Für Kranke. das ewige Wohlsein meiner Seele betrachte. Gieb mir einen Trostspruch nach dem andern ins Herz, der deine Gnade mir versiegele und deiner Vaterliebe und baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor plößlichen Zufällen, inneren Schmerzen, betrübten Stunden und mancherlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigfeit, stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit. Willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden empfinden lassen, so weiche nicht und bleibe bei mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und alles mit Gelassenheit und stillem Mut annehmen, was dn mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott! hier bin ich, mache mit mir, wie es dir wohlgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind; du kannst mein Leben mir erhalten und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen und deine Barmherzigkeit herzlich preisen für alles, was du an mir gethan hast. Meinen Leib und meine Seele, Samt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle, Unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr'und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende, Und mich halt' in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh' Führe nach dem Himmel zu. Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh' ich jetzt die Sonne scheiner, Welche alles fröhlich macht; Darum fang' ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, Diesen Tag mit Beten, Singen Und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, Herr! das ist dein Will' und Rat, Welcher mir, als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat; Nun, ich nehm' es gern auf mich, Ja, ich trag' es williglich. Was du pflegest aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad' und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad' erhält, Laß mich auch das End' erlangen, Wenn es dir, mein Gott, gefällt, Lindre Abendgebet eines Kranken. meinen Schmerz und Not; Ach! mein Vater, Herr und Gott, meiner Seelen Sonne, Schenke mir heut Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will' geschehen, Herr! dein Wille nur allein;. Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden sein. Ich will leben, wenn's dein Will', Auch im Leiden halt' ich still; Ich will mich im Tod und Leben Dir hiermit, mein Gott, ergeben. 5. Segne meine Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr; Laß dieselben mir gedeihen, Herr! zu deines Namens Ehr'! Hör in Gnaden mein Gebet, Wenn ich gläubig vor dich tret', Daß ich dich im Glauben faffe, Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß es besser mit mir werd', Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd', Herr! das überlaß ich dir, Wie du willst, geschehe mir: Dein bin ich mit Leib und C Ich schr höret ist de sich n wenn sowohl b stehen of Ein hartes Geschick entriß uns plötzlich und unerwartet durch den Terrorangriff auf Kassel unsere geliebten Eltern. Joh. Hein. ich Kühlborn und Frau Minna Kühlborn geb. Hartmann 197 Jesu, im Alter von 60 Jahren. In stiller Trauer: Sohn Gustav Kühlborn( Obgefr. der Luftwaffe) Georg Nußbaum und Frau Therese geb. Kühlborn und alle Verwandten. Kirchhof, den 3. November 1943. Die Beisetzung hat am Sonntag, den 31. Oktober, in aller Sille auf dem Heimatfriedhof in Kirchhof stattgefunden. er= and vill tt, hm uf= ein mächtiget ein Kran vente einen Lag the the way for durchgeholfen, so soll er 1) Gott für seinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arznei gesegnet, hat er das Leiden den Tag über erträglich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen, dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an Gott versündigt hat. Kommt nun die Nacht herbei, davor sich Kranke besonders zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle alles Unglück, gefährliche Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich so mit Leib und Seele Gott empfohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreieinige Gott werde auch des Nachts sein Licht und seine Lebenskraft sein, er werde an seinem Bette stehen, seiner pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnädig sein, und sollte ihm auch in der Nacht das Todesstündlein bestimmt sein, so wird der dreieinige 196 Dritter Teil. Für Kranke. das ewige Wohlsein meiner Seele betrachte. Gieb mir einen Trostspruch nach dem andern ins Herz, der deine Gnade mir versiegele und deiner Vaterliebe und baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor plößzlichen Zufällen, inneren Schmerzen, betrübten Stunden und mancherlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigfeit, stärke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit. Willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden empfinden lassen, so weiche nicht und bleibe bei mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und alles mit Gelassenheit und stillem Mut annehmen, was dn mir auflegen wirst. Siehe, mein 18 Jahre alt sind. Marine- und Buftwaffenhelfer der fällt; du Hitler- Jugend und Pesucher von Unteroffizier- Vorschulen oder fliegertechnischen Vorschulen gelten nicht als Angehörige der mein Leba ehrmacht und fallen unter die Polizeiverordnung, wenn sie noch Ich Frage, wann gegeben Jugendnicht 18 Jahre alt sind. Zweifel haben sich ferner ergeben über die icher, der zu einer Abendvorstellung oder einem jugendverbotenen Film noch denn er für einen Erwachsenen besorgen. Eine Uebertretung liegt erst vor, wenn mirder Jugendliche die klar erkennbare Absicht zeigt, die Vorstellung zu beuchen. Die Straffälligkeit des Filmtheaterbesizers Meinder seiner Angestellten tritt erst ein, wenn der Jugendliche die Kontrolle passiert hat. Eine Ueberprüfungspflicht des Filmtheaterbesizers besteht Gro auch bereits beim Kartentauf. Die Filmtheaterbesizer und ihre Angestellten besitzen alle Rechte und Pflichten, um der Polizeiverordnung zu müssen nach ragen und die Ausweise prüfen. Personen, die sich weigern, entsprechende Dein ngaben zu machen, oder die Zweifel nicht beheben, können unter Betfung auf das Hausrecht auridaewiesen werden. Lift i Der euen. deine u an entum. Die Lohnsteuerkarte für 1944 b. 1946 men. P Gejang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh' ich jetzt die Sonne scheinen, Welche alles fröhlich macht; Darum fang' ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, Diesen Tag mit Beten, Singen Und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, Herr! das ist dein Will' und Rat, Welcher mir, als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat; Nun, ich nehm' es gern auf mich, Ja, ich trag' es williglich. Was du pflegest aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad' und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad' erhält, Laß mich auch das End' erlangen, Wenn es dir, mein Gott, gefällt, Lindre Abendgebet eines Kranken. meinen Schmerz und Not; Ach! mein Vater, Herr und Gott, meiner Seelen Sonne, Schenke mir heut Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will' geschehen, Herr! dein Wille nur allein;. Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden sein. Ich will leben, wenn's dein Will', Auch im Leiden halt' ich still; Ich will mich im Tod und Leben Dir hiermit, mein Gott, ergeben. 197 Jesu, 5. Segne meine Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr; Laß dieselben mir gedeihen, Herr! zu deines Namens Ehr'! Hör in Gnaden mein Gebet, Wenn ich gläubig vor dich tret', Daß ich dich im Glauben faffe, Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß es besser mit mir werd', Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd', Herr! das überlaß ich dir, Wie du willst, geschehe mir: Dein bin ich mit Leib und Seele, Du bist's, dem ich mich befehle. Abendgebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott, zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. Zu der Zeit meiner Not suche ich den Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgereckt und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott, wenn mein Herz in Angsten ist, so rede ich. Psalm 77, 2. 4. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwägt, welche ihm sowohl bei Tag als bei Nacht begegnen können, so soll er ja niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn samt Leib und Seele dem mächtigen Schutz des gnädigen Gottes empfohlen. Besonders soll das ein Kranker thun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag durchgeholfen, so soll er 1) Gott für seinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arznei gesegnet, hat er das Leiden den Tag über erträglich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen, dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an Gott verfündigt hat. Kommt nun die Nacht herbei, davor sich Kranke besonders zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle alles Unglück, gefährliche Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich so mit Leib und Seele Gott empfohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreieinige Gott werde auch des Nachts sein Licht und seine Lebenskraft sein, er werde an seinem Bette stehen, seiner pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnädig sein, und sollte ihm auch in der Nacht das Todesstündlein bestimmt sein, so wird der dreieinige 198 Dritter Teil. Für Kranke. Gott alsdann mit seiner Gnadengegenwart ihn umfassen, und seine Seele durch die heiligen Engel in den Himmel begleiten lassen. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe, Schutz und Gnade übergeben. Gebet. Ach, du barmherziger Gott! ich habe nun wieder einen Tag überlebt; Herr, Herr! du hast nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Besonders preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag meine Schmerzen und Krankheit mir haft tragen helfen. Ach, Herr! du legst eine Laft auf, aber du hilfft auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübt wohl, aber erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anrufen. Er hört das Schreien der Elenden und verweigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach, großer Gott! die Nacht bricht herein und es will Abend werden, darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet und spreche: Mein Vater! ach bleibe bei mir und weiche diese Nacht nicht von mir; ja, befiehl dem Engel, daß er komme und uns bewache, dein Eigentum; gieb uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh', so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein; o heilige Dreieinigkeit, wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir ab alle gefährlichen und plößlichen Zufälle, lindere meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach, himmlischer Vater! bleibe doch bei deinem kranken Kinde; wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wen sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O Jesu! die Sonne geht unter und weichet von uns, aber du, o Sonne der Abendgebet eines Kranken. 199 Gerechtigkeit! weiche nicht von mir. O, mein Jesu! faffe mich diese Nacht in deinen Arm, deine Linke liege unter meinem Haupte und deine Rechte decke mich. Gieb, daß ich mit dir einschlafe, und im Schlaf an deinem vergoffenen Blute mich ergöße, deiner Wunden mich erfreue und darin Trost, Vergebung der Sünden und Erquickung für meine Seele finde. O du werter heiliger Geift! es geht jedermann von mir, außer wenigen; aber ach! du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei mir, stärke und erhalte mich in wahrem Glauben und christlicher Geduld. O du heilige Dreieinigkeit, nimm mich in deinen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mich und sei mir gnädig, der Herr erhebe sein heiliges Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Und Sollt' diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, So nimm mich, Herr, in'n Himmel ein, Zu deinem Freudensaal. Und also leb' und sterb' ich dir, Du starker Zebaoth, Im Tod und Leben hilfst du mir Aus aller Angst und Not. Amer Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich will mich nach der Ruh' umsehen, Weil mich die Krankheit müd gemacht; Ich will mit Jesu schlafen gehen, Der selbsten bei den Kranken wacht; Ich denk' dabei an meinen Gott, Ja auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; Doch wenn ich Jesum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf' ich aller Sorgen los, Und ruhe sanft in seinem Schoß. 3. Wenn ich mich deck', denk' ich: die Erde Wird einst auch so bedecken mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab' ich, o Jesu! dich, So ruh' ich wohl in meinem Bett, Und auch wohl in der Grabesstätt'. 4. Ich denk', wenn ich das Licht austhue, Weil man des Nachts nichts hat zu sehn, So wird auch, wenn ich komm' zur Ruhe, Mein Lebenslicht geschwind ausgehn; Doch Jesus, meiner Seelen Licht, Verlischt in meinem Herzen nicht. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einst auch aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide, Und gehe in des Grabes 200 Dritter Teil. Für Kranke. Haus; Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen, Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich mög' der Ruh' genießen, Und mich kein frecher Felnd berühr'; So schließ mein' Augen zu der Ruh', Mein liebster Jesus, selbsten zu. 7. Ich werde aus dem Bett aufstehen, Wenn nun die Morgenröt' anbricht, Und freudig aus dem Grabe gehen, Wenn Jesus, meiner Seelen Licht, Mich auferweckt zur Herrlichkeit, Und führet mich zur Himmelsfreud'. 8. Dies sind die seligen Gedanken, Sieh, damit schlaf' ich fröhlich ein; Mein Herz soll nicht von Jesu wanken, Ich will im Schlaf auch bei ihm sein; O süßer Schlaf, o helle Nacht, Da Jesus in dem Herzen wacht! Der Kranke bittet um Geduld. Aufmunterung. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Psalm 43, 5. Geduld ist euch not, daß ihr den Willen Gottes thut; und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig, eigenwillig, sondern geduldig und gelassen sein. Zur Geduld aber soll einen Kranken bewegen 1) Christi Erempel, welcher in den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern war wie ein Lamm. Wenn wir denn ihm gleich werden wollen in der Herrlichkeit, so sollen wir auch, wie er, geduldig leiden. 2) Der Kranke soll gedenken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sei; denn kann kein Sperling auf die Erde, ja, kann kein Haar von unserm Haupte fallen, ohne Gottes Willen; wie viel weniger kann uns eine solche schwere Last und Krankheit ohne Gott aufgelegt werden! Zur Geduld soll ihn 3) bewegen die göttliche Liebe und Allmacht; was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen; wenn er ein Wort spricht, so werden die Kranken wieder gesund. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte, darum soll er anstatt der Ungeduld vielmehr in wahrer Buße und Glauben sich vor Gott demütigen und ihn um Gnade anflehen. 5) Soll der Kranke gedenken, Ungeduld macht das Kreuz nicht leichter, sondern schwerer, ja, Gott hat verheißen, er wolle unser Kreuz tragen helfen, das er uns auf erlegt; aber die Ungeduld zu tragen, hat er nicht verheißen, weil sie nicht von ihm, sondern von uns herkommt. Bitte um Geduld. Gebet. Barmherziger Gott, gnädiger Vater! siehe, ich armer Mensch liege hier auf meinem Krankenbette, und kann nicht bestehen; aber zu dir komme ich und trete vor deinen Gnadenthron. Ach, es hat dir gefallen, mit diesem Leiden mich väterlich zu belegen, und anstatt der bisher genossenen Gesundheit mir diese Krankheit zuzuschicken. Nun, mein Gott und Vater! es geschehe dein Wille; gieb mir nur Geduld, daß ich alles tragen möge ohne Murren und Widersprechen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt; sollt' ich jetzt auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen; sein Gericht kann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich manches Gute von dir empfangen, hast du mich in gesunden Tagen oft erquickt und erfreut, so will ich auch diese Kranfbeits- und Leidenstage durch deine Kraft mit Geduld annehmen und mich in Demut erinnern, wie ich viele gute und gesunde Tage in meinem Leben genossen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie nichts zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott, daß du liebreich und gnädig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich ertragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinnt, daß ihr's ertragen könnt. Mein Gott! du weißt auch wohl mein Vermögen und meine Schwachheit, du wirst mein Leiden nach meinen Kräften schon einrichten. Sieh an dein schwaches und krankes Kind, und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere mich nicht, zu leiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinst, weil das Leiden mir soll zu meiner Heiligung dienen. Mein Gott! hier bin ich, mach's mit mir, wie du willst; gieb mir deinen heiligen Rat zu erkennen, daß diese Krankheit soll ein Feuer sein, welches meine Unreinigkeit, die ich noch an meiner Seele 201 Dritter Teil. Für Kranke. habe, verzehren und wegnehmen und reinigen soll, wie es eine Bußglocke sein soll, die mich aufwecke, an meine Sünden zu gedenken und dieselben herzlich zu bereuen, eine Betglocke, daß ich um Jesu und seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Übertretungen suche, ja, eine Stimme, die mir zurufe: Bestelle dein Haus, gedenke an deinen Tod und an dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit. Wohlan! so mache mich fertig und bereit, wenn du mich haben willst in der Ewigkeit. Denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen wird. Dar um ſei stille, meine Seele, was betrübst du dich und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, ja, barre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. 202 Was willst du dich betrüben, O, meine liebe Seel'! Du sollst den einzig lieben, Der heißt Immanuel; Vertraue ihm allein, Er wird gut alles machen Und fördern deine Sachen, Wie dir's wird selig sein. Denn Gott verläsfet keinen, Der sich auf ihn verläßt; Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Amen. Gejang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. Seele. Ach! wie lang soll ich noch kämpfen? Ach! wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach! wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Kron' und Sieg? Ach! ich werde unterliegen, Ach! ich werde doch nicht siegen. Gott. Kämpfe nur getrost, o Seele! Kämpfe, ich will bei dir sein, Fürchte dich nicht, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein, Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir; Du sollst meine Hülf empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. Aber ach, es währt zu lange; Meine Kräfte sind dahin; Ach! es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin: Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach! Herz und Mund kann nicht mehr beten, Ach! wer will mich doch erretten? Bitte um Gottes Beistand. 203 Gott. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan! ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen, Und mit nichten unterliegen. Seele. Ach! mein Leide, das ich trage, Ist sehr groß und allzuschwer, Meine Trübfal, Angst und Plage Häufet sich je mehr und mehr, Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Not aussprechen? Ach! das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. Sei getroft in deinem Glauben, Dessen Docht verlöschet nicht, Kein Feind soll denselben rauben, Denk nicht, daß das Rohr zerbricht, Wär' es gleich auch noch so schwach, Sieh, ich führe deine Sach', Ich will deine Feind' vertreiben, Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. O mein Gott! in deiner Stärke Hab' ich einen guten Mut, Ich kenn' deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut; Nun wohlan! so steh mir bei, Daß ich überzeuget sei, Daß du werdest mich erretten, Und auf meine Seite treten. Gott. Sieh, die Kron' ist aufgestecket, Eil, vollende deinen Lauf, Meine Hand ist ausgestrecket, Sich, der Himmel steht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud' In der frohen Ewigkeit, Weiße Kleider, Licht und Krone Sind der treuen Kämpfer Lohne. Seele. Nunmehr hab' ich überwunden Alle Not mit meinem Gott. Gott. Und ich bleib' mit dir verbunden In und nach der Todesnot. Seele. Und wo führest du mich hin, Wenn ich schon gestorben bin? Gott. In den Himmel, zu der Wonne, Wo ich selbsten bin die Sonne. Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Siehe, Gott stehet mir bei, der Herr erhält meine Seele. Pf. 54, 6. In Leiden und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand zu haben, ist gar ein großer Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Beistand hat, der zu ihm spreche: Wie geht's dir? so wissen wir doch gewiß, daß Gott aller Elenden Beistand sein wird. Denn 1) Gott hat allen seinen Kindern Hülfe und Beistand verheißen, darum soll ein Kranter nicht verzagen, wenn er sieht, daß ihn jedermann verläßt, niemand sich seiner annimmt, und fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen, und zu rechter Zeit Hülfe und Rettung leisten. Hat 2) auch ein Kranker gute Freunde und Mittel, damit er sich helfen kann, und will doch nichts anschlagen, so soll er deswegen nicht kleinmütig werden, oder an der göttlichen Ver Dritter Teil. Für Kranke. heißung zweifeln, sondern gewiß sein, Gott werde in allen betrübten Trauerstunden mit seinem Beistand nahe bei ihm sein. 3) Dieser Beistand wird wahrgenommen, entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte giebt, auch das schwerste Leiden zu ertragen. Ja, Gott ist getreu, der ist oft nahe bei uns, wenn wir meinen, er sei weit von uns entfernt. 204 Gebet. du treuer Gott! du siehst, wie ich jetzt in elendem und betrübtem Zustande mich befinde, meine Kräfte nehmen ab, meine Gestalt verschwindet, und des Kreuzes Last drückt mich immer heftiger. Herr! Herr Gott! der du hörest mein Flehen, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir und verlaß mich nicht; ich halte dir vor deine Verheißung, in der du mich versicherst: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich und erhalte dich, und ich helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wiederum: ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Mein Gott! auf dein Wort verlasse ich mich; dein Beistand ist mir höchst nötig; ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibest und mir tragen hilfst. Die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Gedenke, daß ich aus Staub gemacht bin. Ach! wie bald ist diese irdische Hülle meines Leibes zerbrochen, wie bald versinke ich, wie bald ist mein Le ben dahin, wie bald ist's um mich gethan, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Vaterhand mich nicht hältst, und nach deiner Barmherzigkeit und gnädigen Verheißung mir beistehst. Dein Beistand ist mir ſehr tröstlich, denn bist du, mein Gott! bei mir, so fürchte ich mich nicht. Ist mir's tröstlich, wenn einige Freunde sowohl des Tages um mich stehen, als auch des Nachts bei mir wachen, o wie viel tröstlicher ist mir's, wenn du, mein Gott, bei mir bist. Menschen können mich Bitte um Gottes Beistand. 205 wohl bedauern und anklagen; wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindern und meine Angst stillen. O darum verlaß mich nicht, und wende nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil! Weicht eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein Gott, auch nicht von mir weichen; laß mich deine gnädige Gegenwart empfinden durch eine innere Freude und Vergnügen, durch einen kräftigen Trostspruch und süßen Gedanken, und tröfte mich also in meinem Leiden, wie einen seine Mutter tröstet. Ach, mein Gott! stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, bilf mir kämpfen, siegen und überwinden; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! Ich bitt', du wolleft sein von mir nicht fern Mit deiner Hülf' und Gnaden; Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erde frag' ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! In Schanden laß mich nimmermehr. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott! verlaß mich nicht! So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd' errettet sehen; Ich kenn' dein Vaterherz, Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm Mit deiner Hülf nicht weit. 2. Mein Gott! verlaß mich nicht! Ohn' dich bin ich verlaffen, Und weiß auf dieser Erd' Sonst keinen Trost zu fassen; Ach! wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht; Ach! eile doch herbei, Du, meine Zuversicht. 3. Mein Gott! verlaß mich nicht In diesen meinen Nöten! Du wirst, mein Helfer, nicht Mich in denselben töten; Die Not ist jetzo 206 Dritter Teil. Für Kranke. groß, Erbarmer! komm herbei, Und mach in Gnaden mich Von diesen Banden frei. 4. Mein Gott! verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen! Ich schrei', mein Gott! zu dir Aus fast zerbrochnem Herzen; Du weißt und siehest wohl, Wie wehe mir jetzt ist, Und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott! verlaß mich nicht! Ach! hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater, doch Mich deine Hand empfinden; Erscheine mir, mein Heil, So schreiet Herz und Mund, Ach! eile doch herbei Mit deiner Hülfestund'. 6. Ich will für diese Gnad' Dich, wie ich lebe, preisen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen Mit Ruhm und Lobgesang, Und sagen jedermann: Ach! preiset Gott mit mir, Der mir viel Gut's gethan. Der Kranke erkennt, daß er ein Mensch und sterblich sei. Aufmunterung. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit, und ist voll Unruhe, gehet auf, wie eine Blume, und fällt ab, fleucht wie ein Schatten und bleibet nicht. Hiob 14, 1. 2. Dbgleich alle Menschen sterblich sind, auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, besonders, wenn sie gesund sind und es ihnen wohl geht; darum muß sie Gott bisweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschieht durch Krankheit; denn wenn er die Gesunden läßt schwach, die schönen Rosen welk, die Starken durch Krankheit matt werden, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen deswegen 1) alle Tage an ihre Sterblichkeit denken, und sich derselben erinnern, wenn sie ihre Kleider aus- und ihr Schlafgewand anziehen, und dabei in ihrem Herzen denken: So werde ich nach meinem Tode entkleidet und mit meinem Totengewand umhüllt werden. 2) Läßt Gott einen Menschen krank werden, so soll er sich seinen Tod vorstellen. Es ist ein Betrug des Satans, der uns abhält, unserer Sterblichkeit uns zu erinnern. Wir mögen daran denken oder nicht, so kommt das Ende, wenn es Gott ges fällt. Wer sich aber zum seligen Tode bereitet, der stirbt desto seliger. 3) Es soll sich der Mensch seiner Sterblichkeit erinnern, wenn er an seine verstorbenen Nachbarn, Vorfahren und Freunde denkt, und glauben, die Reihe werde ihn auch treffen. Darum 4) selig ist, wer in Betrachtung der Sterblichkeit im Glauben Jesum Christum ergreift und in einem christlichen und frommen Leben verharret bis in den Tod, der wird, wenn er stirbt, nicht sterben, sondern um Jesu willen zur Seligkeit eingehen. Betrachtung der Sterblichkeit. Gebet. Mein Gott! es hat dir nach deinem heiligen Rat und Willen gefallen, mich aufs Krankenbett zu legen, und dadurch nicht allein mich von meinen Geschäften, meinen Sünden und sündlichen Gewohnheiten abzusondern, und zur wahren Buße aufzumuntern, sondern mich auch an meinen Tod zu erinnern, daß ich ein sterblicher Mensch sei. Siehe, meine Tage sind eine Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir; ach! wie gar nichts sind doch alle Menschen, die doch so sicher leben. Mein Gott! sind Krankheiten Vorboten des Todes, so erinnere mich gar wohl, daß ich ein Mensch und sterblich bin. Ich bin Erde und muß wieder zur Erde werden; darum sehe ich mein offenes Grab als der Mutter Schoß an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht, deswegen ich auch oft in gesunden Tagen gebetet: Ach, Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich alles muß verlassen, meine Habe, Gut, Ehre, Glück und was ich in der Welt besitze. Ich habe hier feine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskia:„ Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben und nicht lebendig bleiben," so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende denke, und mir vorstelle: Siehe da, dieses ist vielleicht mein lettes Lager und Jahr, diese Krankheit zeigt vielleicht an, daß die Lebenstage, die du auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich mich möge mit Gebet, Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens zum seligen Sterben bereiten. Stelle mir vor, mein Gott, daß ich deswegen nicht sterben muß, 207 208 Dritter Teil. Für Kranke. wenn ich mich schon zum seligen Sterben vorbereite, sondern daß ich dadurch von Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, Geift und Seele dir geheiligt werden, daß du eben deswegen mir die Krankheit zuschickst, daß ich mich prüfen, untersuchen, befehren, bereiten, der Welt abfterben und in dir leben soll. Siehe, mein Gott! hier bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich vorher recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich in deiner Gnade selig sterben möge. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt, Er mach's mit mir, wie's ihm gefällt, Soll ich allhier noch länger leben, Nicht widerstreben; Seinem Willen thu' ich mich ergeben, Mein' Zeit und Stund' ist, wenn Gott will. Ich schreib' ihm nicht vor Maß und Ziel; Es sind gezählt all Härlein mein, Beid', groß und klein, Fällt keines ohn' den Willen sein. Amen. Gejang. Mel.: Gott, dn frommer Gott. 1. Wie sind wir so gar nichts! Wer dieses wird betrachten, Der wird nur Gott allein, Der alles ist, hoch achten; Denn wer sein lauter Nichts Beleucht't in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demütig also spricht: 2. Ich bin nichts, denn von Gott Empfing ich Leib und Leben, Das hat er mir und nicht Ich selber mir gegeben; Vorher noch war ich nichts, Bis seine Schöpfershand Mich machte, da ward ich Den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe nichts von mir, Denn nackend bin ich kommen; Wie konnte aus dem Nichts Was werden mitgenommen? Von Gott kommt alles her, Es ist auch alles sein; Ich hab' nichts ohne Gott Und ohn' Gott ist nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst; Von Gott ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir sein Licht Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht Und ohne Weisheit sein. 5. Ich kann nichts von mir selbst; Von Gott hab' ich die Kräfte, Er giebt mir Mut und Stärk', Erhält die Lebenssäfte; Durch ihn kann Betrachtung der Sterblichkeit. 209 ich allein Mich regen, hören, sehn, Trüg' mich nicht deine Hand, So würd' ich bald vergehn. 6. So bin ich ja gar nichts, Und das soll mich fromm machen; Ich will die stolze Welt In ihrem Nichts verlachen, Die sich gar viel einbild't, Und auf das Nichts verläßt, Und meinet, daß ihr Nichts Doch jei das allerbest. 7. Gott ist das Allerbest', Sein Alles soll vor allem Mir, der ich gar nichts bin, Auf ewig wohlgefallen. Du einig Alles gieb, Daß ich auch diesen Tag Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas sein, Das Gott dir nicht gegeben? Wer da will etwas sein, Der wird zu nichts gemacht, Wer aber nichts will sein, Der wird empor gebracht. 9. Fahr hin, o Welt! fahr hin, Dein Nichts kann nicht ergößen; Wer dich für etwas hält, Thut Nichtiges hochschäßzen, Mein Alles ist mein Gott, Dem leb' und sterbe ich, Ich bin durch ihn beglückt Und ewig seliglich. Der Kranke ergiebt sich, dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Und Jesus ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. Gottes Wille ist allezeit der beste; solches pflegen wir wohl zu sagen; aber wenn man sich Gottes Willen einzig und allein unterwerfen soll, und das sich gefallen lassen, was unserm Willen zuwider ist, da empfindet man oft großen Widerstand. Ein Kranker, welchen Gott auf sein Kranfenbett niedergelegt hat, soll 1) bedenken, daß es Gottes Wille sei, daß er in solchem Zustand sich befinde; darum soll er sich hüten vor Ungeduld, denn sonst würde er zeigen, daß er mit Gottes Willen nicht zufrieden sei. Er soll 2) aufsehen auf das Erempel Jesu Chrifti, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Solche Gelaffenheit und Ergebung in den Willen Gottes gefällt Gott wohl, und ist ein Zeichen der Kinder Gottes. Ja 3) wenn man beständig Gottes Willen widerstreben wollte, so wird es doch nichts helfen; hat Gott beschlossen, daß dies Lager soll das letzte sein, so wird man es durch Widerwillen nicht abwenden, sondern des Herrn Nat und Wille wird Starts Handbuch. 14 210 Dritter Teil. Für Kranke. doch an uns erfüllt werden. Darum 4) ist dieses das allerbeste, daß ein Kranker sage: Siehe, Herr! hier bin ich, mach es mit mir, wie es dir gefällt; ich will länger leben, wenn du willst, auch gerne sterben, wenn du willst. Gebet. du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott! ich komme jetzt mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron, ob ich schon dem Leibe nach auf meinem Krankenbette bleiben muß. Ich sehe, o liebster Gott! es ist dein heiliger Wille, daß ich soll frank liegen, und eine Zeit lang der edlen Gabe der Gesundheit ent behren. Wohlan! ist es dein Wille, so soll es auch mein Wille sein, gefällt es dir, mir soll es auch gefallen, dein Wille und mein Wille soll nur ein Wille sein. Ich bin auch geboren nach deinem Willen und sterbe, wenn du willst. Nach deinem Willen bin ich lange Zeit gesund gewesen, und will nun auch frank sein nach deinem Willen, so lange du es meiner Seele für nüßlich und selig erkennen wirst. Ja, mein Gott! wenn ich gegen deinen Willen gesund werden könnte, so wollte ich doch nicht, sondern lieber auf meinem Krankenbett deinen gnädigen Ratschluß vollbringen. Drum will ich mit meinem Jesu ſprechen: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Des Herrn Wille geschehe; soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich loben; die Jahre, die du mir schenken und länger leben lassen willst, die will ich zu deiner Ehre und in wahrer Frömmigkeit hinbringen. Gefällt dir's aber, daß ich von diesem Lager nicht aufkomme, und an dieser Krankheit sterbe, so mache mich zum seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich die Hütte des Leibes ablegen muß; und ich weiß auch, daß du deinen Gläubigen einen Bau bereiteft hast, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbteil, mein Vaterland, mein Bürger recht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Betrachtung der Sterblichkeit. 211 Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen und der Kinder Gottes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Ursache, um Verlängerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir beides hart an, ob es nicht besser wäre, aufgelöst und bei Christo zu sein, meinen Jeſum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, da ich ihn nicht gesehen. Darum, mein Gott! überlasse ich dir alles, du weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, der Herr thue mit mir, was ihm wohlgefällt. Herr, wie du willst, so schick's mit mir, Im Leben und im Sterben, Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich doch nicht verderben; Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst, gieb mir Geduld, Dein Will' der ist der beste. Amen. Gefang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, was Jesus will, Das soll mein Wahlspruch werden. Den wiederhol' ich stets, Dieweil ich leb' auf Erden; Mein Will' ist gar verkehrt Und trifft das beste nicht, Drum soll er nur allein Auf Jesum sein gericht't. 2. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll leben, Wohlan! ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben, Ich bin in seiner Hand, Ihm leb' und sterbe ich, Er führ' und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll leiden, Wohlan! ich will es auch, Ich bin bereit zu beiden; Geht Jesus nur voran, So geh' ich gerne mit, Denn seine Gegenwart Versüßt die schweren Tritt'. 4. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll weinen, Wohlan! ich will es auch, Er wird schon lassen scheinen Die Sonne nach dem Leid, Denn seine Gütigkeit Wischt alle Thränen ab, Und hilft zur rechten Zeit. 5. Ich will, was Jesus will, Will er, daß mich soll plagen Die Bosheit meiner Feind' Und mir ins Antlitz schlagen, Wohlan! ich will es auch, Er gebe mir nur Mut, Und sein Geist stärke mich, Wenn man mir unrecht thut. 6. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich verlassen Von jedermann soll sein, Ja, daß man mich soll haffen, Wohlan! ich will es auch, Berläffet er mich nicht, So acht' ich's nicht, daß mir Der Menschen Hülf' gebricht. 7. Ich will, was Jesus will, Sollt' ich dereinst krank werden, Wohlan! 14* 212 Dritter Teil. Für Kranke. ich will es auch, Ich bin ja Staub und Erden, Wie bald zerbricht ein Glas; Ihm ist ja alles leicht, Weil auf sein Wort so bald Die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was Jesus will, Will er, daß ich soll sterben, Wohlan! ich will es auch, Durch ihn werd' ich ererben Das mir versprochne Reich, Ich geh' zur Erbschaft ein Und bleib'im Vaterland, Wo ich soll ewig sein. Der Kranke erfennt, daß das Kreuz und Trübsal von Gott kommen. Aufmunterung. Der Herr tötet und macht lebendig, führt in die Hölle und wieder heraus. 1 Sam. 2, 6. Gott ist die Liebe, der die Menschen herzlich liebt. Solche Liebesproben erfahren gläubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohlthaten Gottes; sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist aber Gott die Liebe, so giebt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellt: 1) meine Trübsal kommt nicht her von einem Feind der mich haßt, sondern von einem Gott, der mich liebt; sie kommt her von einem Vater, der mir von Jugend auf in vielerlei Gefährlichkeiten und Zufällen schon Hülfe erwiesen hat. Steht dieses in der Seele fest, so fließt daraus 2) ein herrlicher Trost; der Vater meint es nicht übel mit seinem Kinde, der treue Menschenfreund hat auch in dem zugeschickten Leiden ein liebreiches Herz behalten. Hierauf soll sich 3) ein Kranker in Gott faffen, und fleißig zu Gott rufen und beten, er soll sein krankes Haupt in den Schoß Gottes niederlegen, mit Freuden und gutem Mut den Herrn anrufen und denken: der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Besonders soll er 4) sich nicht durch die Heftigkeit seiner Krankheit, große Schmerzen und anscheinende Gefahr irre machen lassen; denn hier steht abermals der Troft feft: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Pf. 68, 20. 21. Gebet. Herr Gott! barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du vergiebest Missethat, Übertre tung und Sünde, der du deinen Zorn nicht ewiglich hältst, sondern siehst an die Elenden und richteft auf, die nieder Erkenntnis, daß Kreuz und Trübsal von Gott kommen. 213 geschlagenen Herzens sind, siehe, ich armer Mensch liege vor dir und bitte, ach! schaue auf mich von deinem Thron und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und Trübsal von dir kommt, deine Hand schlägt, aber sie heilt auch, sie verwundet und verbindet. Wenn aber meine Krankheit vom Himmel kommt, so schaue ich auch gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehen empfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Haben wir Gutes von Gott empfangen, sollten wir das Böse nicht auch annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bisweilen in voller Blüte, herrlich mit Blättern und Blüten geziert, die Sonne bestrahlt und erwärmt sie; allein im Winter sehen sie tot und erstorben aus, müssen Sturm und Frost leiden, und dieses alles kommt von dir, o Gott. Darum will ich auch denken, daß das die Zeit meiner Leiden und Trübsal sei, die du mir zugedacht und bestimmt haft. Du weißt, ob ein Stern hoch oder niedrig am großen Himmel steht, so weißt du auch, wie es jetzt um mich steht. Du weißt, wie schwer ich trage, wie lange ich leide und wie viel Kräfte ich habe, das alles zu bestehen. Darum, lieber Gott, lege auf, so viel du willst, nur gieb Kräfte und Stärke, daß ich's auch tragen könne. Ohne deinen Willen fällt kein Sperling auf die Erde und kein Haar von meinem Haupte, viel weniger kann mich Krankheit, Schmerzen und Unglück treffen und werde ich ohne deinen Rat und Willen sterben. Kommt mein Leiden von dir, o Vater! so kommt es von geliebten Händen und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater! doch mit Maß, daß du mich nicht gar aufreibest. Du betrübst mich, aber erfreust mich wieder; Dritter Teil. Für Kranke. verbirgst du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten, so genese ich. Ich will gerne in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdient habe. Denn sein Zorn währet einen Augenblick und er hat Lust zum Leben. Er wird sich über Zion erbarmen, und seinem Kinde gnädig sein. 214 Ohn' deinen Willen kann mir nichts begegnen; Du kannst verfluchen und auch wieder segnen; Ich bin dein Kind und hab's verdient. Gieb warmen Sonnenschein nach trübem Regen. Es war noch nie des Herrn Begehren, Daß ich mir soll voll Leid mein Herz beschweren; Mitten in der Not denk' ich an Gott, Ob er mich gleich im Kreuz nicht will erhören. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ein Gotteskind zu sein, Und doch mit Kreuz gedrücket, Kann wohl zusammenstehn; Es bleibet doch geschmücket Inwendig an der Seel' Mit Glaub' und Frömmigkeit, Ob's gleich auswendig steht In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Dornen trägt, Wird dort die Krone tragen! Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort von Freuden sagen. Du bleibst ein Gotteskind Auch mitten in der Not, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt von Gott. 3. Sieh, Jesus, Gottes Sohn, Trug eine Dornenkrone, Und blieb doch Gottes Sohn, Er litte Spott und Hohne, Und blieb bei Gott ge ehrt: Drum reimet sich's gar wohl, Zu sein ein Gotteskind, Und doch des Leides voll. 4. Bleib deinem Gott getreu Im Glauben und Vertrauen, So wirst du seine Hülf' Gar bald mit Freuden schauen, Und sollst du in der Welt In lauter Trübsal sein, Was schadt's, wenn's nur am End' Geht in den Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Obschon die scharfen Ruten Die Augen machen naß, Und auch das Herze bluten; Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht, Und in der größten Not Zu seinem Vater flicht. 1179140 6. Drum sei getrost in Gott, Die Stunde wird noch kommen, In Erkenntnis des Nutzens der Krankheit. 215 welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen, Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gotteskind. Der Kranke erkennt den Nutzen der Krankheit. Aufmunterung. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. Joh. 11, 4. Daß Krankheiten großen Nugen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben; denn nicht allein, spricht er, wird der Leib abgemattet, schwach gemacht und kommt in Todesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, so mit der Krankheit verbunden sind. Allein dem allen ungeachtet bringt die Krankheit Nutzen, bisweilen dem Leibe selbst, indem die Unreinigkeit der Natur verzehrt und auch die Gesundheit hernach dauerhafter wird. Besonders bringt Krankheit der Seele einen herrlichen Nutzen. Denn 1) dadurch holt Gott manchen Menschen herum von seinen Sündenwegen; wie geht mancher freche Sünder dahin, achtet weder Gott noch sein Wort, häuft Sünden mit Sünden, solchen aber reißt Gott gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, Schmerzen und Leiden, daß er nüchtern werde aus des Satans Stricken. 2) Es bringt aber auch Krankheit den Frommen Nutzen, denn sie lernen daraus erkennen Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit, welches alles sie vorher wohl gewußt und geglaubt, aber nun erst recht erfahren. 3) Nach der Krankheit wird auch bei frommen Seelen eine größere Liebe zu Gott, Eifer im Gebet, Aufrichtigkeit im Christentum verspürt. Man lernt sich Gott ergeben, den Tod vorstellen, zum seligen Sterben zubereiten, an den Himmel fleißig zu denken, ja, seine Seele in Gottes Hände zu empfehlen. Wenn dieses ein Kranker bedenkt, so wird er mit Gott in der Krankheit wohl zufrieden sein. Gebet. lieber Gott und Vater! ich sehe und merke wohl, welches dein heiliger Rat über mich ist, nämlich, daß dieses mein Leidensjahr, Leidenswoche, ja Leidenszeit sein soll, darin die Glückssonne eine Zeitlang verdunkelt, meine Gesundheit und die Leibeskräfte geschwächt werden sollen. Ich danke dir, mein Gott! daß du, ehe du mich heimgesucht, vorher deine Wege haft erkennen las 216 Dritter Teil. Für Kranke. sen, nämlich, daß der Kreuzesweg auch der Himmels weg sei, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thuft. Ich sehe wohl, mein Gott! daß du mich von der Welt abziehen, mir dieselbe bitter und den Himmel süß machen willst, daß ich soll verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben, und durch eine Herzliche Buße mich zu dir bekehren. Freilich, wenn uns wohl ist und wir von feiner Trübsal wissen, so dünkt uns, wir seien nur in der Welt, daß wir irdisch Gut sammeln, daß wir mit der Welt scherzen, fündigen, Ge sellschaft haben, uns in ihre Weise, Wege und Sitten schicken sollen; weil das unserer Seele Verderben und ewige Verdammnis sein würde, so pflegst du nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein Gott! es scheint, du wolleft mit mir jetzt auch allein sprechen und mir sagen, ich soll mich hüten vor der Welt Sünden, Verführungen, Bos heiten und Gewohnheiten; du willst mir sagen, ich solle die begangenen Sünden bereuen, ich solle mich der Welt nicht mehr gleichstellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches da sei der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille. Nun, mein Gott! dieses will ich auch thun, willst du mich ge fund werden lassen, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und mit welchen ich gesündigt habe, meiden und ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Weil du nun gesehen, mein Gott! daß ich auch in meinem Christentum bin träge, im Gebet nachlässig, hingegen zur Sünde willig und der Weltluft zu genießen fertig gewesen, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu gedenken und vom Sünden Erkenntnis des Nußens der Krankheit. 217 schlaf aufzustehen. Wache auf, der du schläfft, sprichst du zu mir, ich will dich reinigen von dem vorigen Unflat. Ja, ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit willst an meinen Tod und an das Ende meines Lebens erinnern, daß ich, wenn ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesucht hättest. Nun, Herr! so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen haft, zu deiner Ehre und zu meiner Seele Heil; mache durch diese bittere Arznei meine Seele gesund. Heile durch diese scharfen Schnitte und Schmerzen der Sünde Eiterbeulen. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab und gieb, daß ich in wahrer Buße und Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demütige, in den Wunden Jesu Hülfe, Rat, Troft und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach mir stets Honigsüß den Himmel Und gallenbitter diese Welt, Daß mir in diesem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt; Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich ansicht, Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben; Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Not. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd' soll fliehen, Und nicht meine Seligkeit Mög' durch eigne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe Und vermeid' den Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne und mich von der Welt entferne; Hier seh' ich, wie Gottes Treu' Wird mit jedem Morgen neu. 4. Jesu, schließ in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laß in meinen Jammerstunden Darin ihre Wohnung sein; Es sei Seele, Leib 218 Dritter Teil. Für Kranke. und Leben, Treuer Vater! dir ergeben, Schütze, stärk, erquicke mich n dem Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl' in deine Hände, Liebster Jesu! meinen Geist, Stärke mich bis an das Ende; Wenn das Lebensband zerreißt, So laß mich mit Freuden schauen Jene schönen Himmelsauen; Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seelen Seligkeit. Der Kranke setzt sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung. Herr, mein Gott! da ich zu dir schrie, machtest du mich gefund. Herr! du hast meine Seele aus der Hölle geführt, du hast mich lebendig behalten, da die in die Hölle( das Grab) fuhren. Ps. 30, 3. 4. Nichts ist freundlicher und tröstlicher in gefährlichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann: ich weiß, der kann mir helfen und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Diese Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen 1) an dem Exempel anderer, wenn er hört, liest oder weiß, wie Gott Tote lebendig gemacht, Todkranken wieder aufgeholfen, so kann er bestimmt schließen, der allmächtige Gott, der damals geholfen, lebe noch. 2) Es soll sich ein Kranker vorstellen die unumschränkte Macht des großen Gottes, die größer ist, als aller Könige in der Welt und aller Menschen; darum was uns Menschen unmöglich und zu schwer ist, das ist Gott möglich und gar leicht. 3) Soll ein Kranker gedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln, zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen; er kann auch das geringste Kräutlein oder Arznei segnen, daß es muß das Übel der Krankheit heben und die Gesundheit befördern. Wenn dieses ein Kranker erwägt, so soll er fein stille sein in Gott, anhalten im Gebet und Gottes Hülfe erwarten, dabei auch Arzenei und Hülfsmittel ge brauchen, die ihm von rechtschaffenen Ärzten vorgeschrieben werden, sich aber dabei vor allerlei abergläubischen Dingen, Segensprecherei und Gaukelei hüten, und versichert sein, der allmächtige Gott könne helfen, wenn seine Stunde wird gekommen sein. Gebet. Ach, mein Herr und Gott! du fieheft, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen da ist, meine Krankheit weicht nicht, und Vertrauen auf die göttliche Allmacht. 219 ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes sein soll. Dieses nun stelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wenn es dir gefällt. Meine Tage sind eine Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Händen, du hast mir ein Ziel gesetzt, das werde ich nicht übergehen. Du haft auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Tage werden sollen, als ihrer noch keiner da war; ich lasse deswegen den Mut nicht sinken, sondern hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn. Ich weiß, daß du bist ein allmächtiger Gott, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, daß du durch deine Allmacht auch Tote erwecken, die allergefährlichsten Kranfen wieder gesund machen und das größte Elend und Leiden lindern und aufheben fannst. Ach ja, des Herrn Hand ist nicht verkürzt, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja, er kann überschwenglich thun über alles, das wir bitten und verstehen. Er fann alle errets ten, die zu ihm beten. Ich schaue auf meinem Lager nicht auf schwache Menschen, nicht auf mich, denn ich bin frank und elend, sondern über mich, zu dir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche mit dem gläubigen Hauptmann: Herr! sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund, ja, sprich ein Wort, so werde ich leben, ich werde von allem meinem Leiden befreit werden. Ich weiß, bei dem Herrn ist kein Ding unmöglich. Herr! deine Allmacht hat kein Ende. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Mein Gott, der du den franken Hiskias gesund gemacht, das franke Weib von ihrem elenden Zustand errettet, die Gichtbrüchigen geheilt, den Jüngling errettet, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Schußherr deiner Gläubigen! Hilf mir auch, erbarme dich meiner, thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohlgehe. Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht. Doch wie es dir wohlgefällt, ich weiß, du fannst es thun 220 Dritter Teil. Für Kranke. nach deiner Allmacht, und du wirst es auch thun nach deiner Güte, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Not. Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöten, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. th end msdnot mir ist ned dur Gesang. le nis shen Mel.: Schwing dich auf zu deinem Gott. 1. Lasset doch den weisen Gott Alle Sachen machen, Überlasset eure Not, Kümmernis und Sachen Seiner Weisheit; er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo und wie er soll Euch in Not beistehen. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er thu' und lasse; Er fängt ja nicht heute an gar nichts für euch zu sorgen, Dem Gott, der euch helfen kann, Ift SUCHE 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht, Wie er's soll anfangen, Wie es werde ausgericht't, Daß ihr mögt gelangen Zu dem rechten Zwed und Ziel; Folget seinen Wegen, Haltet seiner Führung still, Und erwart't den Segen. ill 4. Was der weise Vater thut Auf der weiten Erden, Das muß uns gewißlich gut und recht heilsam werden; Gehen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie nach unserm Licht Anders gehen follten. 5. O du weiser Gott! dir sei Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's, wie dir's gefället; Mach es mit mir gnädiglich Hier auf dieser Erden, Lieber Vater, führe mich, Laß mich selig werden. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. Die heilige Taufe ist nicht das Abthun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. 1 Petr. 3, 21. Ist ein Name tröstlich, so ist es des Vaters Name, und ist eine Herrlichkeit groß, so ist es ein Kind Gottes zu sein. Wie nun dieses in dem ganzen Leben erfreuen kann, so kann es auch trösten in Krankheit. Diesen Trost soll ein Kranker nicht aus seinem Herzen lassen. Er soll denken: 1) Gott ist ein allmächtiger Vater, dem nichts unmöglich ist. 2) Gott ist ein treuer Vater, der es gut mit seinen Kindern meint. 3) Gott ist ein weiser Vater, der auch das bittere Kreuz seinen Kindern kann zu Trost aus der Erinnerung an den Taufbund. 221 einem heilsamen Mittel machen. 4) Ein gütiger und liebreicher Vater, der betrübet, aber sich auch wieder erbarmt. Wenn dieses ein Kranker bedenkt, so kann er sich herzlich freuen. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes ist aber ein christlicher Kranker gelangt durch die heilige Taufe, da hat er einen Bund mit dem dreieinigen Gott gemacht; dieses soll nun ihn aufrichten und fröhlich machen, allein er soll auch 1) sein als ein Kind; alles, was ihm widerfährt, des himmlischen Vaters Willen und Rat überlassen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in gesunden Tagen den himmlischen Vater erzürnt, wie ein Weltkind gelebt, so soll er es ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten und eine ahre Lebensänderung vornehmen, und gewiß glauben, Gott werde sich über sein krankes Kind erbarmen. Gebet. Herr Perr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! siehe, ich, dein Kind, bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer mehr finde; ich sehe hin und her, ich frage nach Hülfe, aber niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmütig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen und dem meine Not klagen. Eilet in der Not das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu dem Vater, der Unterthan zu seinem König! o mein König! o mein Vater! o mein Hirte! so komme ich auch zu dir. O du dreieiniger Gott! gedenke doch, daß ich dein Kind und getauft bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe. In diesem Bunde hast du mir zugesagt, du wollest mein Vater sein, du wolleft als ein Vater für mich sorgen, mir helfen und wie ein Vater an mir thun. Jesus hat mich mit seinem heiligen Blute abgewaschen und mir den Rock seiner vollkommenen Gerechtigkeit geschenkt, der heilige Geift hat sich reichlich über mich ausgegossen und schreit noch in meinem Herzen das Abba, lieber Vater! und giebt Zeugnis meinem Geist, daß ich Gottes Kind sei. O dreieiniger Gott! fiehe, hier kommt ein armes Kind zu dir, mein Vater und Dritter Teil. Für Kranke. Mutter verlassen mich, meine lieben Freunde können mir nicht helfen, darum, o mein himmlischer Vater, nimm du mich auf. Erbarmte sich der Königische über seinen Sohn, der todkrank war, bemühte er sich, ihm zu helfen, ach, mein Vater! erbarme dich mein und hilf mir auch. Ging der Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, Jesu nach und sprach: Herr, meine Tochter ist jeßt gestorben, aber komm und mache sie lebendig! so gehe ich auch, mein Gott und Vater! dir nach und sage: Ift's dein Wille, ist's mir heilsam, so mache mich gesund und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger, weiser, gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders hin in seiner Not, als zu seinem Vater! Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater erbarmt über seine Kinder, so erbarmt fich der Herr über die, so ihn fürchten. Ach, erbarme dich doch über mich. Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewichen, stell' ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlornen Sohne Hülfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben jetzt zu dir komme und spreche: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Wenn du willst Sünde zurechnen, Herr! wer wird bestehen? In solchem Vertrauen, mein Bater! warte ich auf deine Hülfe; ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes zu sein, und frank, elend und mit vielerlei Kreuz belegt, wohl bei einander sein können, darum soll Satan mich in meiner findlichen Zuversicht nicht irre machen; allein laß mich auch bald dein väterliches Herz erblicken, daß du meiner nicht vergessen habest, laß mich deine Vaterhand empfinden. 222 Trost aus der Erinnerung an den Taufbund. Betrübtes Herze, sei zufrieden, Ob dich schon tausend Kummer plagt, Der Himmel bleibt dir doch beschieden, Den dir dein Jesus zugesagt; Stellt sich schon Not und Krankheit ein, So will ich doch dein Vater sein. Amen. 223 Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich bin getauft, ich steh' im Bunde Durch meine Tauf' mit meinem Gott, So sprech' ich stets mit frohem Munde In Kreuz, in Trübsal, Angst und Not. Ich bin getauft, des freu' ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Ich bin getauft, ich hab' empfangen Das allerschönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen Allhier und in der Herrlichkeit. Ich bin mit Jesu Blut erkauft Und ich bin auch damit getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben Zu gleicher Zeit der heil'ge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig Gott gepreist, O Bierde, welche große Pracht, Die mich gerecht und selig macht. 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein; Mein Vater wird mich ewig lieben, und seinem Kinde gnädig sein; Es ist mein Name Gott bekannt; Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind; Ich weiß, ich bin bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hülfe find'; Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: Hier bin ich. 6. Ich bin getauft, nichts kann mir fehlen, Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohlthat all erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, Der giebt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde weichet; Ich stehe unter Gottes Schutz, Der seinem Kind die Hand darreichet; Was acht' ich euer Macht und Trup? Tast't ihr ein Gotteskind nur an, Und glaubt, daß Gott es schützen kann. 8. Ich bin getauft und bin zufrieden Mit meines Vaters Lieb' und Treu', Ich werde von ihm nie geschieden, Mein Liebestrieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater schickt und fügt, So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 9. Ich bin getauft, ob ich gleich sterbe, Was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab'. Nach meinem Tod ist mir bereit't Des Himmels Freud' und Ehrenkleid. Dritter Teil. Für Kranke. Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. Anfmunterung. Der Herr wird mich erlösen von allem Übel, und wird mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 2 Timoth. 4, 18. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und Krankheit nie an Troft fehlen, wenn sie bedenken, wer sie sind und mit wem sie zu thun haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen sie glauben, der dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Elend nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in der Jugend geführt, in spätern Jahren ernährt und bis dahin väterlich erhalten hat. Sollte Gott sein Geschöpf und das Werk seiner Hände verlassen? Verbergen kann er sich wohl, aber verlassen will er sein Geschöpf nicht. 2) Ihr Erlöser, Jesus Christus, wird sie auch nicht verlassen; denn er hat für sie Marter, Pein und Tod gelitten, hat sein heiliges Blut für sie vergossen; sollte er sie in der Krankheit ohne Hülfe laffen? o nein, seine Liebe ist zu brünstig. 3) Ihr Heiligmacher, der werte heilige Geist, wird sie auch nicht verlassen, der wird alsdann sie trösten, erquicken, erfreuen und ihnen Zeugnis geben, daß sie Gottes Kinder seien, obgleich ihre Krankheit, Leiden und Schmerzen anhalten. Wenn ein Kranter diesen dreifachen Trost im Herzen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen, und fest glauben, seine Hülfe sei nicht mehr fern. Doch aber 4) daß er dabei um Verzeihung bitte, was er dem dreieinigen Gott in gesunden Tagen zuwider gethan hat und in solchem guten Vertrauen die gnädige Hülfe geduldig und gläubig erwarte. Gebet. du heiliger dreieiniger Gott! da ich mich jetzt schwach befinde an meinem Leibe, so will ich doch nicht schwach werden in meinem Glauben und Vertrauen zu dir; denn die auf den Herrn hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Länge und die Laft meiner anhaltenden Krankheit mich kleinmütig machen, allein ich ermuntere mich wieder durch deinen heiligen Geist, und auch damit, daß ich mir die von dir schon längst empfangenen Wohlthaten vorstelle. Soll test du mich verlassen, mein Schöpfer! der du mich aus 224 225 Die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. nichts erschaffen und bis auf diese Stunde mein Leben erhalten haft? Ist denn des Herrn Hand verkürzt? O nein, die Hand, die mich bisher geleitet, geführt, gestärkt und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Du hast mich je und je geliebt, und mich an Liebesseilen bisher geführt. Liebe ist es, daß du mir bisher Gesundheit geschenkt hast. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Zustände von mir abgewendet. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag so viel Gnade und Barmherzigkeit widerfahren haft lassen, darum übergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen, mein Erlöser! der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöst haft? Du hast meiner Seele dich herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, o so wirst du auch meinem armen und franken Leibe Hülfe angedeihen lassen. Hat mich deine Liebe vom Fluch und Tod, ja aus der Hölle erlöst, so kann sie auch in meiner Kranfbeit mir bald helfen. O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich mein in meinem gegenwärtigen Leiden. Solltest du mich verlassen, o mein Heiligmacher! der du Leib und Seele geheiligt, und sie in der heiligen Taufe dir zum Tempel geweiht und darin bisher gewohnt haft? Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja mein Tröster bleiben und mir auch jeßt Zeugnis geben, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich gleich mit Leiden und Trübsal umgeben bin. Darum will ich guten Muts sein in meinen Schmerzen und Leiden, und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen; der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigentum, Bruder und Miterben erwählt; der heilige Geist hat dich seines süßen Trostes und seligen Einwohnung versichert; die Gnade Gottes, das Verdienst und die Gerechtigkeit Jesu, der kräftige Trost des heiStarts Handbuch. 15 226 Dritter Teil. Für Kranke. ligen Geistes, ja! der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist mein. Weil es denn so ist, will ich mich um meinen franken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den Herrn werfen und Gott vertrauen, der mir so viel Gutes erwiesen. Ach, mein Vater! ich verlasse mich auf dich. O Jesu! zu dir flehe ich. O hei liger Geist, dir ergeb' ich mich. Herr Gott Sohn! was du haft erlöst, Herr Gott heiliger Geist! was du haft geheiligt, das empfehle ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jeßt und in Ewigkeit. Keinen hat Gott verlassen, Der ihm vertraut allezeit, Und ob ihn schon viel hafsen, Geschieht ihm doch kein Leid; Gott will die Seinen schützen, Zuletzt erheben hoch, Und geben, was thut nützen, Hier zeitlich und auch dort. Amen. Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich, Und hab' im Leiden guten Mut, Auch in dem Tode bin ich selig Durch Gottes Gnad' und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, Drum bin ich alles Troftes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht; Ist mir das Kreuz gleich schwer und bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei Und macht mich von der Trübsal frei. 3. Ist Gott für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Baterhand mich deckt, Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Freud' verkehrt zu feiner Zeit. 4. Ist Gott für mich in meinen Nöten, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht töten, Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Und der mir hilft aus aller Not. 5. Ist Gott nun für mich im Unglücke, Das unverhofft mich übers fällt; So weich' ich dennoch nicht zurücke, Weil seine Hand mich treulich hält; Gott ist für mich in Sturm und Wind, Und wachet treulich für sein Kind. Willigkeit zur Ertragung des Leidens. 227 6. Ist Gott für mich, so wird sich enden Der Jammer, der mich heftig plagt; Mein Gott wird sich von mir nicht wenden, Die Hülfe bleibt mir unversagt; Ist Gott für mich, getrost mein Geist, Gott ist es, der mir Beistand leiſt't. 7. Ist Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit; Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenfron' und Seligkeit; Gott ist für mich, wenn's Herze bricht, Und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirft's wohl machen. Pf. 39, 10. Herr! wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? so seufzen oft fromme bettlägerige Christen in ihren Krankheiten. Ps. 13, 1. Gottes Stunde währt ihnen oft zu lange, wenn sie viele Tage, Wochen und Monate ausbleibt, dann geht es bei vielen nicht ohne Murren ab. So weit soll es ein frommer Kranker nicht kommen lassen, sondern gedenken: 1) Gott vergißt und verläßt uns nicht im Leiden, Trübsal und Krankheit, denn das wäre wider seine Verheißung; ob er zwar verzeucht, so harre sein, er thut auch das zum besten unserer Seele. 2) Sollte in dem langen Ausbleiben der Hülfe Gottes das Kreuz auch schwer werden, so soll doch deswegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Mißt man dem Kranken seine Arznei, zählt man die bittern Tropfen, die man ihm giebt, so sollen wir glauben, daß auch unser Kreuz abgewogen und abgemessen sei, denn Gott ist getreu, der uns nicht läßt versuchen über unser Vermögen. Deswegen 3) ist das Leiden schwer und vielerlei, währt es lange, so soll es doch unser Vertrauen nicht aufheben, sondern man soll unter stets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hülfe Gottes erwarten. Gebet. du heiliger und weiser Gott! ich sehe deinen heiligen Rat und Willen an mir, daß ich soll diese Tage und Wochen, so lange es dir gefällt, auf meinem Bett und im Hause zubringen. Wohlan! ich widerspreche deinem heiligen Willen nicht, will nicht wider dich murren, 15* 228 Dritter Teil. Für Kranke. sondern sage: Siehe, hier bin ich, der Herr mach's mit mir, wie es ihm wohlgefällt! sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? mein Vater wird mir nicht Gift für Arznei einschenken. Ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesündigt. Auch das bittere Leiden kann meiner Seele nicht anders, denn heilsam sein, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abschen hat. Du bist mein Gott und Vater von Jugend auf, so wirst du es jetzt in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich also liegen und leiden, mein Gott! mach's doch nicht zu lange, sondern gieb mir zuweilen eine Erquickungsstunde, darin du mich von meinen Schmerzen befreift und meine Leiden linderst. Soll ich viel leiden, so gieb mir auch viel Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann. Greife mich nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe; du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben steht; ich bin ja weder Stahl noch Stein, und wie bald geht ein Sturm herein, so fall' ich hin und sterbe. Ach! mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja, trage mich und nimm mich in deinen Arm und Schoß. Soll mein Leiden schwer werden, so weiche du nur nicht mit deiner Gnade, Hülfe und Beistand von mir. Soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur deinen Troft empfinden, daß du dennoch mein Gott, mein Vater und mein Freund seist. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickst, so willst du sie nicht verderben, sondern zu dir ziehen. So ziehe mich denn, mein Gott! durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott! ob du mich gleich läsfest also leiden, so will ich deswegen nicht von dir fliehen; mein Hirte! führst du mich in Dornenwege, die meinen Leib und Anschickung zum Genuß des heiligen Abendmahls. 229 Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebt, da du mir gabst Gesundheit, Glückseligkeit und es mir ließest wohl ergeben, darum will ich dich auch lieben in Krankheit, Leiden und Schmerzen; ich weiß, du kannst und wirft mir helfen. Gott hat mich in guten Tagen Oft ergötzt, Sollt' ich jetzt Nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen; Sein Gericht Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden, Und fließt mit Thränen dein Gesicht, So sei mit deinem Gott zufrieden, Und murre ja dagegen nicht, Faß deine Seel' nur in Geduld, Und tröste dich des Höchsten Huld. 2. Sieh, der Gott, der dich krank kann machen, Und wirft dich auf das Sterbebett, Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum errett't; Denn er macht krank und macht gesund Zu dieser und in jener Stund'. 3. Ach, murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll' dein treuer Beistand sein, Und dich aus allen Nöten reißen; Sich! dieses trifft auch jetzt noch ein; Vertraue Gott, es kommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hülf' nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben, und sagen: Siehe, hier bin ich; Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlaff' ich gänzlich mich. Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater, wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget, Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe ihm aufleget, Dem ist die Hülfe schon bestimmt, Der wird erquickt hier in der Zeit, Und dorten auch in Ewigkeit. Der Kranke bereitet sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. Anfmunterung. Der Mensch prüfe sich selbst und also esse er von diesem Brot und trinke er von diesem Kelch. 1 Kor. 11, 28. Es soll billig jeder Christ so leben, daß er jeden Augenblick ſelig fterben kann. Soll nun ein gesunder Mensch sich so benehmen, wie vielmehr 230 Dritter Teil. Für Kranke. ein Kranker! Ein Kranker thut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine Sünde denke und spreche: Ich denke heute an meine Sünde; denn weil um der Sünde willen Krankheit und Leiden kommen, und wer sich an seinem Schöpfer verfündigt, dem Arzt in die Hände fällt, so muß auch der Kranke auf die Versöhnung mit Gott bedacht sein. 2) Diese Versöhnung aber geschieht, wenn der Kranke mit Weinen und im Glauben Gott um Verzeihung seiner Sünden anfleht, und bußfertig das heilige Abendmahl empfängt. 3) Denn man soll sich nicht einbilden, man sterbe, wenn man das heilige Abendmahl genießt auf dem Krankenbette, denn es ist keine Speise zum Tode, sondern zum Leben und zu der Seelen Seligkeit; dabei 4) zu erinnern, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge sitzt, bis Verstand und Kräfte weg sind, sondern bald und beizeiten, dieweil man noch seinen Verstand hat, dieweil man noch beten und sich mit Gott versöhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott wenden von Grund seiner Seele, so wird er um Christo Jesu willen im Leben und Sterben Gnade erlangen. Gebet. Herr, Herr Gott! barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch bin bereit, mich mit dir zu versöhnen, meine Sünde dir herzlich abzubitten, die ich Zeit meines Lebens begangen. Ich will in den Wunden meines Jesu Gnade und Vergebung der Sünden suchen und also zu einem seligen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott! mich auf dieses Krankenbett zu legen, weil ich aber nicht weiß, ob ich wieder gesund aufstehen oder sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen, und das Übrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe, weil ich mich noch besinnen kann, wann, wie oft und schwer ich gesündigt; ich will dich um Verzeihung bitten, dieweil ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemütskräfte sich verlieren werden, da ich weder beten, noch an dich denken Anschickung zum Genuß des heiligen Abendmahls. 231 kann. Ich weiß wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, der stirbt deswegen nicht früher oder später, er thut vielmehr sich damit den größten Nußen, nämlich, daß, wenn er gesund wird, er sich vor der Sünde hüte, die er in seiner Krankheit erkannt und bereut hat, und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl vorbereitet. Dieses sind auch meine Gedanken, mein Gott! Ich will nach erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen, und dann geduldig, freudig und gläubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deswegen falle ich im Geiste vor dir nieder und spreche: Ach! sei deinem Kinde gnädig, ach! rechne mir nicht zu die Sünden meiner Jugend und die Thorheiten meiner jungen Jahre. Ach Herr! sei gnädig meiner Missethat, die da groß ist, um Jesu meines Heilandes willen! Ach, mein Gott! gieb Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, daß ich's zu deiner Ehre und meinem Heil vollbringen möge. Ich komme, Herr, zu dir allhie In meiner Not geschritten, Und thu' dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Verzeihe mir's doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab' begangen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will anjetzo mich Zum Liebesmahle nahen, Und Jesu Leib und Blut Zu meinem Trost empfahen; Ach, mein Gott! stärke mich, Ach! weiche nicht von mir, Daß ich im Andachtstrieb Vereinigt bleib' mit dir. 2. Vertreibe doch von mir Die sündlichen Gedanken, Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanken. Verbind, mein Jesu! dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb' genieß', Darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eitles mich In meiner Andacht stören, Ach! laß mich Freud' und Wonn' In meiner Seele hören, Ach, Jesu! steh mir bei! Ach, bitte du für mich, Bring mein Gebet vor Gott Und hilf mir gnädiglich. 232 Dritter Teil. Für Kranke. 4. Ach! heilige mein Herz, Ach! heilige die Sinnen, Mein Jesa, nimm sie ein, Und wohne selbst darinnen; Ach! mach sie allesamt Recht heilig, schön und rein, Und laß sie immerdar Dein Haus und Wohnung sein. 5. Erweck zugleich in mir Die wahre Seelenstille, Daraus die Seelenfreud' Und wahre Andacht quille, Darin ich schmecken mög', Herr! deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Troft Und wahre Seelenfreud'. 6. Hab' ich dann deinen Leib Wahrhaftiglich genossen, Hat auch dein teures Blut, Das du für mich vergossen, Mich süßiglich erquickt, So bleib auch du in mir, Damit ich, weil ich leb', Auch leb', mein Heil, in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, Die in mir angefangen, Zum größern Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du, Sündenlust, geh. aus, Mein Jesus gehet ein, Denn er nimmt Leib und Seel' Zu seinem Tempel ein. Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Aufmunterung. Ich schuldige mich und thue Buße im Staub und in der Asche. Hiob 42, 6. Es ist ein feiner und löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abend vor Gott sich stellen und übergeben, was sie den Tag über geredet, gedacht oder gethan, und also ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie viel weniger soll es ein Kranker versäumen? Denn er foll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, Woche oder Monats, sondern seines ganzen Lebens; er soll sich fragen, wie er seine gesunden Tage angewendet, ob er sie zur Ehre Gottes. zum Nutzen seines Nächsten hingebracht. Er soll untersuchen, wie oft und wie schwer er in gesunden Tagen gesündigt habe. Weil man auf dem Krankenbette mehr Zeit hat, so soll die Untersuchung ernstlicher geschehen. 2) Soll ein Kranker nach der Prüfung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen, weil er nicht weiß, wie nah oder fern es sei, daß er vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen soll. 3) Kommt ein Kranker zur Erkenntnis seiner Sünden, so soll er Gott dafür danken, der ihm die Augen geöffnet, daß er sein Elend erkannt, und Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch muß man auch, was man in Krankheit verspricht, in gesunden Tagen treulich halten, auf daß treulosen Versprechern nicht etwas Argeres widerfahre. Bitte um Vergebung der Sünden. Gebet. Ach, du gnädiger und liebreicher Vater! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, mich mit dir zu versöhnen, dich um Gnade und Vergebung meiner Sünden zu bitten, und dann auf meinem Krankenbette das heilige Abendmahl zu empfangen. Ich will es beizeiten thun, dieweil ich noch meinen völligen Verstand habe. Ich lebe, und weiß nicht, wie lange, ich muß sterben, und weiß nicht, wann; darum komme ich vor deinen Gnadenthron, und bitte dich demütig um Vergebung aller Sünden, die ich Zeit meines Lebens begangen. Mein Gott! ich muß gestehen, daß ich dich bisher vielfältig erzürnt. Ich habe leider meine gesunden Tage nicht allemal angewendet zu deiner Ehre, zum Gottesdienst, zum Wachstum in meinem Christentum und zur Frömmigkeit, darum du auch Ursache hast, mich mit Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe, und den Mißbrauch meiner Gesundheit nebst den übrigen Sünden bereuen möge. Verzeihe mir, daß ich dich nicht eifriger geliebt und frömmer gelebt habe, als leider geschehen. Ach Gott! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. O wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstuhl soll Rechenschaft geben von einem jeglichen unnüßen Wort, das ich geredet habe. O wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist. Und soll ich von meinem ganzen Leben, Werken und Thaten Rechenschaft geben, ach! wer kann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in gläubiger Zuversicht auf Jesum Christum, meinen Herrn und Heiland, und bete: Ach! um seiner Wunden willen erbarme dich über mich, um seines vergossenen Blutes willen vergieb mir alle meine Sünde, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! ich schäme mich, mein Gott! die Au233 234 Dritter Teil. Für Kranke. gen vor dir aufzuheben, ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden. Ach, hätte ich es doch nicht gethan! Ach hätte ich doch frömmer und christlicher gelebt! Darum gelobe ich dir, o Gott! ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden noch leben läsfest, zu deiner Ehre im Glauben und in wahrer Frömmigkeit zubringen, und sie als ein Geschenk zu meinem Leben annehmen, und will mein Lebenlang gedenken an diese Krankheit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach Herr! sei deinem Kinde gnädig und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Jesu voller Gnad', Auf dein Gebot und Nat Kommt mein betrübt Gemüte Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rote Flut, Wasch ab all meine Sünde, Mit Troft mein Herz verbinde, Und ihr'e nicht mehr gedenke, Ins Meer fie tief versente. Amen. Mehr Gebete können in meinem Beichtbuche, die, andächtige Seele" ges nannt, in der dritten Andacht nachgeschlagen werden. Gejang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 1. Ich armer Sünder komme wieder, Jch kehre um vom Sündenpfad, Ich fall' in tiefster Demut nieder, Und bitte herzlich dich um Gnad'; Ach, Gott! denk nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 2. Nun seh' ich erst, was ich begangen, Ich fühl' der Sünden Angst und Pein, Ach, laß mich wieder Gnad' erlangen, Ach, laß mich nicht verloren sein; Ach, Gott! den nicht, was ich gethan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 3. Ach! ich betrübe mich von Herzen, Ach! sich an dein verirrtes Kind, Das da mit Thränen, Reu' und Schmerzen Bei dir sich wiederum einfind't; Ach, Gott! denk nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 4. Ach, Jesu! deine roten Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Vergebung, Fried' und Seligkeit; Ach! denk doch nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. Gebet vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 235 5. Ich will ein ander Leben führen, Ach! schenk mir deines Geistes Gab'; Ein jeder soll nun sehn und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab'; Ach, Gott! denk nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Wer mein Fleisch iffet und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Joh. 6, 54. 55. Das as heilige Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen, soll sich ein jeder wahre Christ befleißigen; solches nun kann ein Kranker sonderlich thun, wenn er sich vorher recht untersucht. Denn 1) er ist alsdann von allen Hindernissen befreit, wodurch sonst bei der öffentlichen Gemeinde die Andacht bisweilen gestört wird, er kann in Andacht unverhindert beharren, wenn ihn Gott vor Schmerzen und Empfindungen der Krankheit bewahrt. 2) Das heilige Abendmahl zu Hause zu empfangen, soll sich niemand ein Gewissen machen, weil wir wissen, daß Jesus allerorten und alle Tage mit seiner Gnadengegenwart bei den Gläubigen zu sein verheißen. 3) Ein Kranker soll auch zu der Zeit gedenken: vielleicht ist dieses das letzte Mal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und deswegen mit einem defto festeren Vorhaben im Glauben und Frömmigkeit zu verharren sich vornehmen. 4) Haben Fromme gewünscht, daß ihr letztes Wort Jesus, ihre letzte Speise das heilige Abendmahl und ihr letzter Gedanke der am Kreuz hängende blutige Jesus sein möge, wie soll denn nicht ein Kranker sich eifreuen, wenn er des einen Stückes auf seinem Krankenbette teilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde? 5) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es höchst unrecht und ein Aberglaube. Gebet. Liebster Jeſu! ich bin willens, jetzt das von dir eingesetzte Liebesmahl, da ich auf meinem Krankenbette danieder liege, zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht 236 Dritter Teil. Für Kranke. ohne dich vor dem Gericht Gottes erscheinen möge, so will ich noch, dieweil ich lebe, mich von neuem mit dir vereinigen, auf daß du in mir und ich in dir sei und verbleibe. Ich will jetzt das heilige Abendmahl zu Hauſe empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit deiner Gnadengegenwart mich erfreuen und erquicken werdest. Ach, liebster Seelenfreund! du bist ja nahe bei den Glenden, du erfreuft die Betrübten, du hilfft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben, so laß auch jetzt mein Herz erfreut und meine Seele durch diese himmlische Speise und Trank erquickt werden. Ich habe zwar bei gesunden Tagen dasselbe auch mit der Gemeine empfangen, aber leider! nicht allemal mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit, als es wohl billig hätte sein sollen, weil der Menschen Menge, Gitelfeit und mein lüsternes Auge viele Verhinderungen verursacht haben; nun aber soll meine Andacht niemand stören, da ich in meiner Einsamfeit mich mit dir verloben und vereinigen will. O liebster Jesu! da ich also in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will, und ich sonst keine Verhinderung habe, ach! so steure den Schmerzen und der Krankheit, und gieb mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört könne mein Vorhaben vollbringen. Ich verfündige jetzt deinen Tod, und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und Schmerzen, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzestod und alles, was du für mich gethan. Ich denke daran und danke dir auch dafür und spreche: Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesamte Not, Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben, bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Für dein tausendfaches Klagen, Für dein' Angst und tiefe Pein Will ich ewig dankbar sein. Ich erinnere mich auch an die Ginsetzung des heiligen Abendmahls, in welchem du mich speiseft und tränfest Gebet vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 237 zum ewigen Leben. Ich glaube deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaftigen Gottes. Ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahl empfange deinen wahren Leib und dein wahres Blut; nämlich also: Wenn ich das gesegnete Brot empfange, so empfange ich unsichtbarerweise, o Jesu! deinen wahren Leib, und wenn ich den gesegneten Kelch empfange, so empfange ich unsichtbarerweise dein wahres Blut. Nun, diese himmliſche Speise und Trank soll mich stärken im Glauben, daß ich mit Gott versöhnet sei; diese himmlische Speise und Trank soll mich trösten, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünden habe und mit dir vereinigt bin, der du bist die Versöhnung für unsere Sünde, ja für der ganzen Welt Sünde; dieſe himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nämlich an die ewige Freude und Herrlichkeit, wozu du mich nach meinem Tode führen wirst. O Jesu! meiner Seelen Bräutigam! heilige und reinige mich, damit ich als deine Braut mich mit dir auf ewig verloben und vertrauen möge. O mein Seelenhirte! führe dein Schäflein auf grüner Aue, speise mich mit dem Brot des Lebens, erquicke mich mit deinem heiligen Blut. Alsdann kann mir der Satan nicht schaden, die Sünde mich nicht verdammen; hier habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünden, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlt hast, dadurch bin ich selig. Ach, wie hungert mein Gemüte, Menschenfreund, nach deiner Güte, Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach diesem Mahl zu sehnen; Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten, Wünsche stets, daß mein' Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. Amen. Gejang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 1. O allerliebstes Seelenpfand, Dem nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet; Der Seele Dritter Teil. Für Kranke. allerhöchstes Gut, Des Herren Jesu Leib und Blut Will ich heut froh empfangen. 238 2. Der Gott der Liebe liebet mich, Doch damit diese Liebe Recht herrlich offenbaret sich, Und mir vor Augen bliebe, So giebt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei Und ewig bleiben wolle. 3. Dies Pfand versichert mich aufs neu', Daß alle Sünd' vergeben, Und daß mein Gott mir gnädig sei; Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe, Huld und Gnad', Die er mir jetzt versiegelt hat Durch seine Seelenspeise. 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auferstehen Am jüngsten Tage seliglich, Und zu der Freud' eingehen; Weil ich dies Pfand empfangen hab', So bleib' ich nicht in meinem Grab, Wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank, der mich gespeist Und herrlich hat getränket, Der solche Gnade mir erweist Und selbsten sich mir schenket, Dem schenk ich mich hinwiederum, Und bleibe nun sein Eigentum Jm Tod und auch im Leben. 6. Herr Jesu! ja dir lebe ich Und dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nehmest mich Nun an zu deinem Erben, Zum Erben hier in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit; So sterb' ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir; denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben. Gal. 2, 20. Gleichwie ein wahrer Christ allezeit Gott herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfangen, wie vielmehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstand hat genießen können. Hierbei aber ist zu erinnern, 1) daß man sich nicht einbilde, auf das heilige Abendmahl ändere es sich mit dem Kranken; ja, es ändert sich mit seinem Seelenzustand, wenn er es würdig empfangen, nämlich er erlangt Vergebung der Sünden, Friede mit Gott, er gelangt in die genaue Gemeinschaft mit Jesu; daß aber das heilige Abendmahl eine Veränderung verursacht in der Krankheit, dazu ist es nicht eingesetzt, dafür haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch kein Kranker empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben solle, weil dieses ein Mißbrauch ist, sondern er soll Gebet nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 239 es gebrauchen zur Stärkung des Glaubens, Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seele Seligkeit. Hat er es also empfangen in der Ordnung, wie es Christus eingesetzt, so hat er 3) Gott dafür zu preisen, um mit stillem Herzen und gläubiger Seele fich Gott zu ergeben. Wenn man im Kriege das Beste hat in Sicherheit gebracht, so ist man zufrieden. Unsere Seele ist das Beste; haben wir die durch wahre Buße und Vereinigung mit Jesu Christo in die Hände Gottes empfohlen, so sind wir versichert, Gott werde es auch wohl mit dem Leibe machen. Gebet. Mein Jesu! mich hat herzlich verlangt, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe denn ich sterbe. Nun, dieses Verlangen ist mir jetzt erfüllt und gestillt worden; du hast mich gespeiset und getränket mit deinem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Ich liege hier auf meinem Bette, davon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, aber darauf ich auch sterben kann, wenn es dein heiliger Wille also ist; darum habe ich mich bereitet; meine Seele ist nun geneſen, nachdem ich mit Jesu vereinigt bin; ja ich will nun gerne sterben, nachdem ich, o Jesu! zu der genauesten Gemeinschaft mit dir gelangt bin. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Herr! nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O Jesu! lebe in mir, schenke mir einen gelassenen Mut, christliche Zufriedenheit und eine dir ganz ergebene Seele. Erbalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen sein. Willst du mich, o Jesu! nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten, denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenkt; wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenkleid 240 Dritter Teil. Für Kranke. vor dich, o Gott! fomme, so wirst du mich um derselben willen von dem Gericht frei- und lossprechen. Nun ich gerecht worden bin durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum; durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zum Gnadenthron eröffnet. Ich weiß, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes, im Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistandes des heiligen Geistes. So bin ich selig und sterbe selig, so fahre ich selig aus der Welt und werde auch ewiglich selig sein. Dies ist eine große Wohlthat, die du mir, o Gott! an meiner Seele gethan hast, daß ich jetzt bei gutem Ver stande dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himmlische Speise und Traak stärke und erhalte mich im wahren Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllt, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl sein. Verleihe mir auch, daß mein letztes Wort, das ich auf der Welt rede, möge Jesus, und meine leßten Gedanken, die ich habe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben, und auf sein heiliges Verdienst gerichtet sein, so weiß ich, daß ich fröhlich und selig leben und sterben werde. Ist Gott für uns, wer mag wider uns ſein? Ja, wer will mich scheiden von der Liebe Jesu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringt zu der Gemeinschaft der Heiligen und Auserwählten. Sei Lob und Preis mit Ehren, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, Der woll' in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt; Daß wir ihm fest vertrauen, Gänzlich verlassen auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Mut und Sinn Ihm möge fest anhangen, Drauf singen wir zur Stund': Amen, wir werden's erlangen, Glauben wir von Herzensgrund. Gebet beim Gebrauch der Arznei. Gesang. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 1. Nun ist meine Seel' gespeiset, Dafür sei mein Gott gepreiset; Mit der Speis' ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben, Jesus hat sich mir geschenket, Ich hab' mich in ihn versenket; Ich hab' seine Lieb' empfunden, der süßen Freudenstunden. 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum selig zu empfangen, Nun empfind' ich Ruh' und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden; Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein Jesus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen, Und die Wohnung hat genommen. 241 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren; Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen Sollen stets in allen Dingen, Was mein Jesus will vollbringen; Ich will nichts mehr thun und denken, Ich will Jesu ganz mich schenken. 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich, weil ich leb' auf Erden, Auch mein Geist, samt Seel' und Leibe, Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen, Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich wie ein wahrer Rebe, In ihm, meinem Weinstock, lebe. 5. Jesus, Jesus soll mich stärken, Daß in meinem Thun und Werken Ich befördre seine Ehre, Sonsten aber nichts begehre, Und dem Bösen widerstehe, Im Gehorsam ihm nachgehe, Jesu! ach, laß mir's gelingen Und viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach! laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebensbande, Ach! laß mich in solchem Leben Meinen Geist dereinst aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest sein in dir verbunden, Also kann ich selig sterben Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebraucht. Aufmunterung. Ist jemand frank, der rufe zu sich die Ältesten von der Gemeine, und laffe über sich beten, und salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und so er Sünde gethan hat, werden sie ihm vergeben sein. Gal. 5, 14. 15. Ein andächtiges Gebet ist schon in gesunden Tagen nötig, darum follte es kein Kranker vergessen, sonderlich wenn er Arznei gebraucht. Was den Gebrauch der Arznei betrifft, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten und nicht denken, wenn ich gesund werden soll, so kann mich Gott ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nichts helfen; nein, also soll man Starts Handbuch. 16 242 Dritter Teil. Für Kranke. nicht gedenken, denn das heißt Gott versuchen; Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen; was nun Gott nicht verheißen hat, das können mir auch nicht von ihm fordern. Welche die Arznei verachten, und so sterben, die sind Mörder an ihrem eigenen Leibe. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht auf den Arzt und Arznei seten, sondern auf Gott; wie denn unter die Sünden des Königs Assa gezählt wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Arzte gesucht, und ihnen mehr, denn Gott vertraut habe. 2 Chron. 16, 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen, mit seinem Munde und Herzen soll er beten und mit festem Vertrauen auf Gottes Hülfe die Arznei ergreifen und sie also gebrauchen; auf solche Weise weiß er, daß sie ihm wird gesegnet sein. Gebet. du großer Gott! du steheft den Zustand, darin ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen; du siehest in die verborgensten Winkel, du siehest auch auf mein Krankenbette und weißt, wie mir jetzt zu Mute ist. Ach, mein Gott! ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen; meine einzige Hoffnung aber steht auf dich, denn du bist der Herr, mein Ärzt. Jedoch weil du läsfest Kräuter aus der Erde wachsen, und die Arzneimittel selbst erschaffen haft, welche zur Gesundheit der Menschen dienen, so will ich solche jezt unter herzlicher Anrufung und mit Gebet auch zu mir nehmen; ach, lege du selbst den Segen hinein. Zwar weiß ich wohl, daß du ohne Arznei helfen und gesund machen fannst; denn wenn du nur ein Wort sprichst, so wird der Kranke gesund, und wenn du nur winkest, so muß die Krankheit weichen; allein weil du uns befohlen hast, auch der Mittel zu gebrauchen, so will ich in dieser Ordnung mich derselben bedienen, und bitte dich, o großer Gott, segne die Arznei, die ich jetzt in deinem Namen und in feftem Vertrauen auf dich empfange, laß sie mir gedeihen zur Erstattung und Wie dererlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung meiner Schwach Gebet beim Gebrauch der Arznei. 243 heit. Sprichst du deinen Segen dazu, so kann auch das geringste Kräutlein mir helfen; ja, Kraut und Pflaster hilft und heilt, wenn dein Segenswort dabei ist. Ich nehme die Arznei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubt haft, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand fasse, ich seufze zu dir vor dem Gebrauch, bei und nach dem Gebrauch. Wenn du fie mir nun gedeihen läsfest, so werde ich wieder genesen, denn meine Tage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts gedeihen, darum ich, o Segens- Gott! um Segen zu dir schreie; was du, Herr! ſegnest, das ist gesegnet ewiglich. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für die Mittel dir herzlich danken, aber auch gedenken, daß mich nicht Kraut und Pflaster, sondern deine Gnade erhalten und deine Hand geheilet hat; und will mit Hiskias dein Lob bei jedermann ausbreiten. Hör, ach hör mein seufzend Schreien, Du allerliebstes Vaterherz, Wollst alle Sünden mir verzeihen, Und lindern meinen großen Schmerz; Erbarme vich, Erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Amen. Gejang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stecket, Schau' den Himmel fleißig an, Wer den bittern Kreuzkelch schmecket, Welchen niemand trinken kann, Der gedenk' deswegen nicht, Als ob Gott sein Angesicht Von ihm hätte abgewendet, Wenn er nicht die Hülf' gleich sendet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stunde sei beſtimmt, Da Gott, wie die Väter pflegen, Unsern Kreuzeskelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht Und ein frohes End' erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden Preise Gott mit Herzensfreuden. 3. Auch die bittren Arzeneien Nimmt ein Kranker fröhlich ein, Und weiß, daß sie ihm gedeihen Und ganz heilsam werden sein; Eifrig beten und dabei Seufzen, wenn man die Arznei Will zu seinem Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 16* 244 Dritter Teil. Für Kranke. 4. Großer Gott! an deinem Segen( Sprech' ich jetzt mit Herz und Mund) Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd' gesund; Lege deine Kraft hinein, Ach! laß sie gesegnet sein; Laß die Krankheit bald verschwinden Und mich Stärk' und Lindrung finden. 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Leben steht bei dir; Soll ich dennoch länger leben, Wie du willst, geschehe mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich von Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Anfmunterung. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse ich es anstehen, so geht er nicht von mir. Hiob 16, 6. Die Krankheiten und Zustände des Leibes, in welche Gott einen Menschen versetzt, sind nicht einerlei; einigen schickt Gott eine Krankheit, dabei ihnen kein Glied, ja kein Finger wehe thut, andere aber werden von großen Schmerzen heimgesucht, wie solches die Erfahrung lehrt. Dieses soll uns erinnern: 1) Wenn man beten, Gott erkennen und sich mit Gott versöhnen will, daß man es fein in Zeiten thue, und nicht warte, bis man krank wird, wie Sirach sagt: Spare deine Buße nicht, bis du krank wirst. Denn wie will man in heftigen Schmerzen beten, an Gott gedenken und sich mit ihm versöhnen! Solches leiden die großen Schmerzen nicht. 2) Wird aber ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er deswegen nicht wider Gott murren, sondern alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Aber 3) darf er wohl um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden gethan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Not, warum nicht Kinder Gottes? 4) In großen Schmerzen aber soll er an seine großen Sünden denken, die er Zeit seines Lebens begangen, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch an Gottes große Allmacht und Barmherzigkeit denken, welche ihn davon befreien kann. Kann er 5) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lange beten, so seufze er zu Gott, und wisse, daß solche kurze Herzensseufzer nicht werden unerhört bleiben. 6) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. Gebet. Herr! err! Höre mein Gebet, vernimm mein Flehen, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. Ach! ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meis Bitte um Linderung der Schmerzen. 245 ner Leibesschwachheit in Gnaden ansehen und meine Schmerzen und mein großes Leiden lindern. Du haft ja verheißen, du wollest uns nicht über unser Vermögen versuchen lassen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's fönnen ertragen. Ach siehe, mein Gott! die Last wird mir fast zu schwer, die Schmerzen nehmen überhand, mein Leib ist matt, meine Kräfte haben abgenommen, meine Zunge flebt an meinem Gaumen, meine Gebeine sind verbrannt wie ein Brand, das Gesicht vergeht mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Ach! wie lange, ach lange iſt dem Herzen bange, mich verlangt nach dir! Verzeuch nicht, mein Gott! du erkennst, wie wehe mir ist, du weißt, daß der betrübten Tage und Nächte schon viel geworden sind, du hast selbst gehört mein Winseln, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Glend und in meinen Schmerzen? Ach! wo soll ich hin, wo weiß ich hin, wo kann ich hin, denn nur zu dir allein, dem Herrn, meinem Gott! Wenn ich allen Menschen meine Not flagte, würden sie wohl mit mir ein Mitleiden haben, aber mich doch nicht erretten. Darum komme ich zu dir, ich weiß, du kannſt mir helfen; es steht bei dir, sprich nur ein Wort, so werde ich leben. Oliebster Jesu! der du dem tobenden Meere haft befohlen, sich zu legen, ach! befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gichtbrüchigen mit einem Worte geheilet hast, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten und so vieles ausgestanden habe. Ach! komme zu mir mit deiner Hülfe, ehe mich der Schmerz gar aufreibt. Und soll ich ja nach deinem Rat noch länger Schmerzen leiden, so laß mich doch nach deiner Gnad' als wie ein Schäflein weiden, daß ich im Glauben und Geduld erwarte deine Vaterhuld, die meine Schmerzen stillet. 246 Dritter Teil. Für Kranke. Ach! lege deine Gnadenhand auf mich, so werde ich ge sund und von Schmerzen befreit. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hülfe von einer Morgenwache bis zur andern, denn bei dem Herrn findet man Hülfe. Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen; errette mich und vergieb mir meine Sünde um deiner Güte willen, doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Soll ich die Schmerzen noch länger tragen, so geschehe dein Wille; gieb mir, mein Gott! zuweilen einen Nafttag, da ich mich wieder erquicke, oder doch eine Stunde, darin ich mich erhole. Unsere Trübsal ist zeitlich und leicht, darum mache du mir meine Schmerzen leichter, und befreie mich endlich davon. Ach Gott! erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Not nicht gar verzagen; Du weißt mein'n Schmerz, Und kennst mein Herz, Hast du mir's auferlegt, So hilf mir's tragen. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Ach, mein Gott! hilf mir doch, Du siehest, wie mir's gehet; Ach! dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet! Du weißest meinen Schmerz, Mehr als ich sagen kann, Drum hilf mir gnädiglich, Sonst ist's um mich gethan. 2. Ach, mein Gott! hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen; Ach, laß mich deine Hülf Mit Freuden balde schauen; Du bist's, der Hülfe leist't, Ja, du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald Zu meiner Hülfe ein. 3. Ach, mein Gott! hilf mir doch, Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad' Und Hülfe willst entziehen; Gewiß, ich weiche nicht, Ich lasse nicht von dir, Bis du mir hilfest aus, Und nimmst die Not von mir. 4. Ach, mein Gott! hilf mir doch, Ich weiß, du kannst mich retten, Drum wollest du es thun In diesen meinen Nöten; Du kannst es, du bist Gott, Dem nichts unmöglich ist, Du willst es, weil du auch Zugleich mein Vater bist. Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. 247 5. Ach, mein Gott! hilf mir doch, Daß ich dein Lob erheben, Und dich auch preisen mög', Dieweil ich werde leben, und sagen allezeit: Getroft, Gott lebet noch, Und währt es noch so lang, Sieh, mein Gott hilft mir doch. Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. Aufmunterung. Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Jes. 49, 14. 15. 16. Verursacht es bei Armen große Freude, einen Wohlthäter, und bei Verlaffenen, einen starken Beistand zu haben, so kann auch ein Kranker große Freudigkeit haben in seiner Krankheit und Leiden, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hier soll er merken 1) daß nicht der Verzug der Hülfe ein Verlassen sei; denn manche Kranke, wenn Gott nicht gleich und nach ihrer Rechnung bald hilft, schreien und sprechen, Gott habe sie verlassen, allein so soll man nicht denken; Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben, hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nötig ist. Es soll ein Kranker 2) gedenken, Gott habe seine Stunde bestimmt, darin er helfen will, doch bis diese anbricht, soll er geduldig warten. Er soll auch 3) denken, ob er in gefunden Tagen Gott nicht verlassen habe; wäre es denn ein Wunder, wenn ihn solches Gott empfinden ließe? Hieran aber will ihn Gott erinnern durch den Verzug der versprochenen Hülfe. Darum bleibe der Kranke 4) dabei, daß er im Glauben sage: Gott kann und will mich nicht verlassen, ich bin sein Kind, er hat mir's verheißen. Er wird mich nicht verlassen, er hat mir schon oft geholfen. Wird er sich in Gott fassen, so wird er den Verzug der Hülfe in Geduld leiden, und endlich berrlich sehen, daß er von Gott nicht verlassen worden sei. Gebet. du allerliebster Gott und Vater! der du mich je und je geliebt und aus großer Liebe zu dir gezogen, siehe, ich armer Kranker komme zu dir und bitte dich demütig, du wolleft mich nicht verlaffen in meiner Leibesschwachheit. Du weißt ja, mein Gott! daß ohne dich mir nicht kann geholfen werden. Du bist der Mächtige in Jakob, 248 Dritter Teil. Für Kranke. der Schutz Israels, die Zuflucht der Betrübten, der Helfer der Elenden, der Beistand in der Not. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; er wird sich aufmachen und über Zion erbarmen, er wird mich in Gnaden ansehen. Menschen sprechen: Ich kann euch nicht helfen, und so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich von dir nicht verlassen bin. Denn Gott verlässet keinen, Der sich auf ihn verläßt; Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen feft; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen; Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach, mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden schon lange währet. Am Abend denke ich: morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; in der Nacht rufe ich oft: Hüter, ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach, mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird. Ach, laß doch die Laft mich nicht gar erdrücken, nimm weg den Stein, der auf mir liegt, die Nute, die mich schlägt, die Schmerzen, die mich plagen. Du weißt meine schwachen Kräfte wohl, wie viel ich ausstehen kann. Mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden gar mannigfaltig ist! es scheint, als ob sich die Trübsal nicht verringere, sondern vielmehr vermehre. Wo soll ich bin, wenn du mich verlassen willst? Hilfst du mir nicht, so kann mir keine Kreatur helfen; verläßt du mich, so bin und bleibe ich ohne Hülse. Allein, ich weiß, du verläßt mich nicht; ich halte dir deine Verheißung vor, da du gesprochen: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Die auf den Herrn harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben wie der Berg Zion. Der Held in Israel lügt nicht, er wird seinem Volke Kraft geben und den Elenden erretten, der keinen Helfer hat, und den Seelen der Armen Der Kranke seufzt, Gott wolle ihn nicht verlassen. 249 gnädig sein. Nun, auf dein Wort traue ich und hoffe, du wirst deine Zusage treulich im Himmel halten. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein teures Blut. Ich bin dein Eigentum, darum wirst und kannst du dein Kind und Eigentum nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen; du hast mich noch nie verlassen in meinen Leiden und Trübsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsal über mein Haupt zusammenschlugen, so wirst du es diesmal auch nicht thun. Darum gebe ich mich zufrieden, darauf verlasse ich mich und bin guten Muts, und sage: Herr, ich lasse dich nicht, du helfeft mir denn auf solche Art und Weise, wie es dir gefällt! Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rat Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Amen. Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich trage mein Kreuz nicht alleine, Mein Jesus träget es mit mir; Im Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet bei mir für und für; Ich trag' mein Kreuz nun nicht allein, Dies soll mein Trost und Hoffnung sein. 2. Den Beistand hat er mir versprochen Und auch die Hülf' zu seiner Zeit, Wenn nun die Stund' ist angebrochen, So weichet auch mein Herzeleid, Drum wird mein Glaube niemals klein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 3. Sieh, Gott ist es, durch dessen Gnade Ich bis auf diesen Tag noch steh', Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich vor großem Schmerz oft wein', Doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun will ich es geduldig tragen, Und währet es auch noch so lang; Sollt' ich an Gottes Hülf verzagen! Um Hülfe ist es mir nicht bang; Gott stellt sich bald zur Hülfe ein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein treuer Gott, dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht; Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hülfestund' anbricht; Laß mich im Krenze nicht allein, Du bist ja mein und ich bin dein. Dritter Teil. Für Kranke. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden, ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2 Timoth. 4, 6. 7. 8. 250 Sich seines Todes erinnern, ist eine nützliche Sache, denn 1) dadurch zieht man sein Herz von der Eitelkeit und Sünde ab, man sieht alles Irdische an als Dinge, die man nicht in die Ewigkeit nehmen kann, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern ist auch 2) eine notwendige Sache, denn die da meinen, der Tod sei noch weit von ihnen entfernt, die werden oft frech, üppig, boss haftig, vertiefen sich in die Welt und stellen sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod unvorbereitet, so gehen sie gewiß verloren. Sich des Todes erinnern, ist 3) gar heilsam, denn wer sich, bevor er stirbt, sein Ende fleißig vorstellt, dem kommt der Tod nicht erschrecklich vor; denn der Tod der Gläubigen ist nichts anderes, als ein Hingang zum Vater, als ein süßer Schlaf; wer fürchtet sich aber wohl, zum Vater oder zu Bette zu gehen? 4) Man soll aber nicht denken, daß das ein Zeichen zum Tode sei, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bes stellt, sein Testament macht und sich zum seligen Sterben bereitet; darum stirbt niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott sein Lebensziel bestimmt hat. Man soll 5) auch sich seine Todesstunde nicht so gar grausam und schrecklich vorstellen, wie manche Kranke thun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar gesagt, der Tod sei das schrecklichste unter allen schrecklichen Dingen; Chriften aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes; was ist dann schrecklich? Ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Freude? Gebet. Herr! es ist genug, nimm meine Seele hin, so seufze ich zu dir, mein Gott! da ich in meiner immer größeren Schwachheit wohl merke, daß meines Lebens Ziel da ist. Ich Ich begehre aufgelöst und bei Chrifto zu sein. fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht; ich habe bei gesunden Tagen oft an ihn gedacht, darum kommt Der Kranke erinnert sich seines Todes. 251 er mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Täublein Noahs mit Freuden zu der Arche fehrte, wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterlande eilet, also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pilgerschaft in das himmlische Freudenland; da wird nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines Jesu folgen. Ich weiß, daß der Tod einem gläubigen Christen ein sanfter Schlaf und ein Durchgang in das ewige Leben ist. Böse Menschen und Weltfinder mögen sich vor dem Tode fürchten, denn sie haben keinen gnädigen Gott, stehen nicht in der Gemeinschaft Jesu Chrifti, und haben ihr Herz Gott, dem heiligen Geist, nicht zur Wohnung übergeben; allein ich fürchte mich nicht zu sterben, weil ich alles dessen versichert bin. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Gott iſt mein Vater, Jesus mein Fürsprecher, der heilige Geist mein Führer und Tröster; zu dem komme und gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Meiner Seele Bräutigam wird mich, seine Braut, wohl empfangen. Wenn mein Jesus von seinem bevorstehenden Tode redete, so sprach er: ich gehe zum Vater. Ja, liebster Jesu, ich will dir auch nachsprechen: Wenn ich sterbe, so gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mich fürchten, zu sterben? Jesus ist mein, seine Gerechtigkeit, sein Verdienst, sein Himmel ist mein, warum sollte ich nicht fröhlich sein! Der Leib fommt in die Erde, aber die Seele fährt zu Gott; sie geht aus der Welt zum Himmel, ous der Eitelkeit in die Seligfeit, aus dem Trauern in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit, ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, Freud', Wonne, Sonne und zum ewigen Vergnügen. 252 Dritter Teil. Für Kranke. Sehe ich doch schon, wie die Engel um mein Bette stehen und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen; wie Jesus seine Arme ausbreitet und mich, als sein Kind, empfangen will, wie viel tausend Gläubige mich auf nehmen wollen. Darum bin ich getrost, ich vergesse, was dahinten ist, die Erde und alles Irdische, was ich darauf habe, und strecke mich nach dem, das da vorne ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gebalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigfeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Wie wohl wird mir sein, wenn ich aufgelöst bin! Wie selig werde ich sein, wenn ich in Jesu Armen bin! Wie vergnügt werde ich sein, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben durchgedrungen bin! Kann uns doch kein Tod nicht töten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöten; Schließt das Thor der bittern Leiden, Und macht Bahn, Daß man kann Gehn zu ew'gen Freuden. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wer da will als ein frommer Christ Nach Gottes Willen sterben, Durch Jeju Blut versichert ist, Den Himmel zu ererben, Der kämpfe und bereite sich, Damit er alsdann seliglich Von hinnen möge scheiden. 2. Vor allem fall' er Gott zu Fuß, Beweine seine Sünden, Er thu' in Zeiten wahre Buß', Daß er mög' Gnade finden; Er hafse jede böse That, Und was er sonst begangen hat In seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Christ Und flieh' zu dessen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd' entbunden Von aller Ungerechtigkeit, Und nehm' dies Blut zum Sterbekleid In seinen Todesstunden. 4. Er führ' sodann in Frömmigkeit Ein Gott gefällig Leben, Hab Gott im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von Gott abwend und bleibe fromm bis an sein End', Wie Gott es hat befohlen. Betrachtung über sein Grab und Auferstehung. 253 5. Er fliehe dabei allermeist Die schnöden Sündenwege, Und was da sonst von Gott abweist; Er steh' nicht auf den Stegen, Auf welchen freche Menschen sind; Er leb' auch als ein Gotteskind, Und meide, was Gott haffet. 6. Er halte stets mit Beten an In den gefunden Tagen; Er bete, weil er beten kann, Die Not Gott vorzutragen; So wird Gott das Gebet ansehn, Wenn seine Lippen harrend stehn Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit Mit seinem Feind versöhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterkeit Sonst pfleget zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab', Eh' man ihn träget in das Grab, Und seinen Feind verlaffe. 8. Er flebe nicht an dieser Erd', Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist diese Lieb' nicht wert Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlaffen soll; Hingegen thut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. 9. Mein Gott! verleih mir deine Gnad', Daß ich die Welt nichts achte, Und gerne folge diesem Rat Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir gefällt, Ich wohl bereitet aus der Welt Zum Himmel mög' eingehen. Der Kranke betrachtet sein Grab und Auferstehung. Aufmunterung. Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Joh. 11, 25. 26. Wer als ein Christ an sein Grab denkt, der wird davor nicht erschrecken, so finster es auch ist; denn 1) ist es eine Ruhekammer, da wir von allen Schmerzen, Jammer, Kummer und Herzeleid sollen befreit werden; wird aber der Frommen Leib ohne Schmerzen schlafen und ruhen, so wird 2) die Seele einer himmlischen und unendlichen Freude genießen, denn der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rührt sie an; Trost, Freude und Wonne wird stets um sie sein. Der Leibsoll 3) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun ausgeruht haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, leuchten wie die Sonne und mit der Seele wieder vereinigt werden. Wolle man 4) einwenden, ich muß aber die lieben Meinigen, Hab und Gut auf Erden verlassen, so soll man denken, daß in Himmel ein allgemeines Wiedersehen sein wird. Werden die Unfrigen im Glauben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen und dann werden wir nie mehr von ihnen geschieden. Was die 254 Dritter Teil. Für Kranke. leiblichen Güter betrifft, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Wenn dies alles von einem Kranken erwogen wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht erschrecklich vorkommen. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott! siehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben; ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viel Trübsal und Leiden zur Ruhe bringen. Denn nach dem Abschied aus diesem Leben muß mich all mein Leiden, Trübsal, Kreuz und Unruhe verlassen; ich gelange zur Ruhe, zur Freude, ich werde ergößt, erquickt, erfreut, nachdem ich in der Welt so viele elende Stunden und traurige Nächte gehabt. Vor dem Grabe fürchte ich mich nicht, denn siebe, es wird meine Schlafkammer sein; mein Elend, Krankheit und Leiden kommt nicht mit mir ins Grab, das muß draußen bleiben. O stiller Ort und angenehme Ruhes stätte! Wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib in deinen Schoß gelegt werden! Das Grab hat mir Jesus selbst geheiligt, er hat mir's zur Ruhestätte gemacht, als er nach ausgestandenem Leiden darein gelegt wurde, da hörten seine Schmerzen und all sein Jammer auf. So hat der Herr auch meinem Leib eine Ruhekammer bereitet in der Erde, und der Seele einen Erquickungsort im Himmel. Suchen Menschen schöne Häuser, weiche Betten zur Ruhe, so sind ste gegen mein Grab nicht zu vergleichen; aus einem schönen Hause kann man durch Feuer, Feinde und andere Zu fälle getrieben werden, in meinem Grabe wird mich niemand stören. Jesus wird meine Gebeine bewahren, daß deren keines wird verloren gehen, er wird auch meine vermoderten Gebeine wieder zusammen bringen. Im weichen Bette muß mancher Schmerzen und Ungemach ausstehen; aber in meinem Grabe nahet sich kein Un Betrachtung über sein Grab und Auferstehung. 255 glück, und kein Schmerz wird mich berühren. Das Grab ist ein von allen Leiden und Schmerzen befreites Bett, sobald jemand hinein gelegt wird, so hört sein Schmerz und Ungemach auf. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? Ich werde nicht darin bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder auferwecken. Wer an mich glaubt, spricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So ist mein Grab nur ein kurzer Aufenthalt, darin mein Leib wird schlafen, bis Jesus wird kommen und sprechen: Steht auf, ihr Toten! und kommt vors Gericht. Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes, und werden hervor gehen; wenn ich nun diese Stimme höre, so werde ich auferstehen aus meinem Grabe, mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereinigt, unsterblich gemacht und verherrlicht werden, und wie die Sonne leuchten, ja, alle Schwachheit um und an wird von mir sein abgethan. Grünt das Weizenkorn wieder hervor, wenn es in der Erde erstorben zu sein scheint, so werden auch meine Gebeine wieder gesammelt, mit Adern zusammengebunden und mit Haut überzogen werden. Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich; es wird gefäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft; es wird gefäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Was hier kränkelt, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Kaun Todesfurcht vertreiben; Denn wo du bist, da komm' ich hin, Da ich stets bei dir leb' und bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Mein'n Arm thu' ich ausstrecken; Ich schlafe ein und ruhe sein, Kein Mensch wird mich aufwecken; Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ewigen Leben. Amen. Dritter Teil. Für Kranke. Gejang. Mel.: Wer ur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da rechte Ruhe habe, Nach ausgestandnem Weh und Ach; Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben aller Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 256 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg' und Kümmerniff' von mir, Und lässet mich da sanfte raften, großer Gott! dies dank' ich dir; Auch von der Sündenangst und Pein Werd' ich im Grab befreiet sein. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette. Seht, Jesus deckt mich selber zu; Es ist die beste Ruhestätte, Da niemand störet meine Ruh'; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel' ist bei Gott freudenvoll. 5. Drum bleibt im Grab und Jesu Wunden Mein Leib und Seele wohlverwahrt; Sie haben beide Höhlen funden, Da sie zur Herrlichkeit verspart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum verein'gen wird. 6. O schönes Grab, o fühle Erde, O stille Gruft, o sanster Schoß, Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiden, Trübsal, Unglück los; Herr! meinen Geist befehl' ich dir, Die Ruh' gönn meinem Leibe hier. Der gläubige Chrift dankt Gott wegen der wieder erlangten Gesundheit. Aufmunterung. Siehe zu, du bist gesund geworden, sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Argeres widerfahre. Joh. 5, 14. Daß die meisten Kranken gerne beten, ist gewiß, und daß die meiſten mit dem Munde Gott viel versprechen, wie sie, wenn sie Gott gefund werden läßt, wollen neue Kreaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleißige Kirchengänger, und im Leben, Herzen und Sinn ganz neu wer den, ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen die allerwenigsten halten, lehrt leider die tägliche Erfahrung, da sie nach erlangter Gesundheit wieder so eitel, boshaft, unbändig, unartig und frech werden, wie sie vorher gewesen, wenn sie nur nicht schlimmer werden. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbette befreit hat, 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes Macht ihn 257 Danksagung für die wieder erlangte Gesundheit. auf einmal aufs Krankenbette hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet und ihn von der Todesgefahr gnädig befreit habe. 2) Es soll ein Kranker, der nun wieder gefund geworden ist, das in seiner Krankheit abgelegte Gelübde bezahlen, darum weil er es Gott und nicht Menschen versprochen. Denn es ist besser, nichts versprechen, als das Versprochene nicht halten. 3) Hat er wieder, wie Hiskia, neue Kräfte erlangt, so soll er nicht allein zu Hause auf seinen Knieen dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, sondern auch in das Haus Gottes eilen, und daselbst vor Gottes Angesicht sich niederwerfen, auch andern dadurch Gelegenheit geben, die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Todes- und Lebensgefahr fleißig erwägen, und dem allmächtigen, dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen, also im Glauben und gottseligen Wandel verharren, daß er hinfort, wenn etwa Gott unerwartet mit der Todesstunde kommen sollte, möge zum seligen Sterben und fröhlichen Ausgang aus diesem Leben bereit sein. Gebet. O du allmächtiger und gnädiger Gott! ich trete jezzt vor dein allerheiligstes Angesicht und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Kranfenbette wieder aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Angst, an das beschwerliche Leiden, die betrübten Nächte, die große Gefahr, darin ich lag und schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet, du hast mich wieder auf meine Füße ge= stellt, daß ich aus- und eingehen kann. Deine Gnade bat meine Klagen- verwandelt in einen Reigen, du haft meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden um gürtet. Herr, Herr! du hast Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bisher geholfen. Denn das weiß ich, wer Gott dient, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübſal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o Gott! haft nicht Luft an unserm Verderben; nach den Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, nach dem Heulen und Weinen überschütteft du uns Starts Handbuch. 17 258 Dritter Teil. Für Kranke. mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden; daher will ich mein Lebenlang gedenken an die Angst meiner Seele, aber ich will auch rühmen, o allmächtiger Gott! vor der großen Gemeine, was du an mir gethan hast. Du haft die Arznei gesegnet, meine Schmerzen gelindert, mir Stärke gegeben, das Leiden zu überwinden, nach den mühsamen und elenden Nächten mir Erquickungstage beschert, und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater erbarmet. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lov soll immerdar in meinem Munde sein; meine Seele soll sich rühmen des Herrn, damit es die Elenden und andern Kranken hören und sich freuen. Preiset mit mir, ihr, die ihr wie ich in Nöten, Krankheit und Leiden gewesen seid, und lasset uns mit einander den Namen des Herrn erhöhen. Denn da wir Elenden riefen, hörete der Herr und half uns aus allen unsern Nöten. Die den Herrn in ihrem Glend im Glauben ansehen, und mit Gebet anlaufen, derer Angesicht wird nicht zu Schanden, er läßt sie nicht betrübt von seinem Thron weggehen, sondern er erbarmt sich ihrer gnädiglich. Ach, mein Gott! laß diese mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein. Nun weiß ich und habe es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, daß du kannst die Toten les bendig, Kranke gesund, die Schwachen stark und Betrübte fröhlich machen. War ich dem Tode nahe, so hat deine Güte dieses Mal mein Leben noch erhalten. Darum, mein Gott! habe ich mir durch deine Gnade fest vorgenommen, die mir geschenkte Gesundheit, das aufs neue mir verliehene Leben, und die Jahre, die ich nach deinem Rat in der Welt noch bleiben soll, zu deiner Danksagung für die wieder erlangte Gesundheit. 259 Ehre anzuwenden und in der wahren Frömmigkeit zu zubringen. Ach! ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslaft mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elend vergangen; darum will ich hinfort nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, sondern meine Freude an dir haben; ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden und mich balten zu deinem Altar, da man hört die Stimme des Dankens, und da man erzählt alle deine Wunder; ich will, da mir diese besondere Gnade erschienen ist, verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit ich, wie die flugen Jungfrauen, bereit sei, wenn meine Todesstunde und das Ende meines Lebens kommen wird, zu der Hochzeit des Lammes, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmernis, Mein Gott! in meinem Herzen, Doch deine Tröstung war gewiß Die Arznei meiner Schmerzen. Immanuel! Troft Israel! Je mehr du mich verletzest, Je mehr du mich ergötzest. Ich hatte viel Bekümmernis, Wenn ich den Tod bedachte, Da mir das finstre Grab gewiß Nicht wenig Grauen machte. Immanuel! Trost Israel! Weil du den Tod geschmecket, Hat er mich nicht erschrecket. So hatt' ich viel Bekümmernis, Du aber vielmehr Liebe, Dein Trost war mir so engelsüß, Daß er die Angst vertriebe. Immanuel! Troft Israel! Kannst du mich hier so trösten, Dort ist der Trost am größten. Amen. Gejang. Mel.: Wie soll ich dich empfangen. 1. Wie kann ich g'nugsam preisen, Herr! deine Wunderthat, Und tiefsten Dank erweisen Für deine Lieb' und Gnad'; Weil das, was mich gedrücket, Mein Leiden ist dahin, Und da ich hochbeglücket Vom Tod errettet bin? 17* 260 Dritter Teil. Für Kranke. 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hülf' erblickt, Das Leben ist erneuet, Die Seel' ist auch erquickt, Ja, Sinnen und Gemüte, Und was nur ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater! für und für. 3. Drum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder singen kann, Und dankbar sich erzeigen Dem, der mir Gut's gethan! Mein Herz stimmt ein mit Freuden, Und rühmet überall, Wie Gott in meinem Leiden Geholfen überall. 4. Ich sahe mich verlassen ,, Und du erhobeft mich; Wie kann ich's g'nugsam fassen, Daß du so gnädiglich In allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt, Mich väterlich entbunden Durch deine starke Hand. 5. Ich konnte mir nicht raten, Ich war von Hülfe bloß, Doch sah ich Wunderthaten, Da du in deinen Schoß Mich als ein Vater legteft, Und hieltest dich zu mir, Ja, wie dein Kind mich hegteft, Und sprachst: Ich bin bet dir. 6. Ja wohl! ich hab' empfunden, Daß du an mich gedacht, Denn ich hab' überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja! ich bin genesen, Lobt Gottes Herrlichkeit, Ich bin in Not gewesen, Und auch daraus befreit. 7. Herr! ich hab' recht gesehen, Was du an mir gethan, Ich will es gern gestehen und sagen jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich alles neigt, Sich hat in diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach! lernet Gott vertrauen, Die ihr in Nöten seid, Denn an mir könnt ihr schauen Des Herren Gütigkeit, Der kann das Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und euch die Hülfe senden, So wie ihr sie begehrt. 9. Mein Gott! ich werf' mich nieder Vor deinen Thron allhie, Uni singe Freudenlieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freudenstund'. 10. Dieweil ich werde leben, Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir gethan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Dein Sorgen und dein Führen Vergefs' ich nimmermehr. Die Todten: Sie ruhen von ihrer Arbeit Offenb C14/ V43 Jesus: Kommet her, ihr Ge. segneten meines Vaters Maith C.25 34. Wie wohl ist meinem Leib nach ausgestandnem Leiden, wie wohl ist meiner Seel'injenen Himelsfreuden. A: Cor: Cap: 15. Vierter Teil. Aufmunterungen, Gebete und Gesänge für Sterbende. Der Sterbende stellt sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. 2 Kor. 5, 10. So wir uns selber richten, so werden wir nicht gerichtet, nach Pauli Ermahnung, 1 Kor. 11, 31., wenn der Mensch selbst sein Leben untersucht, sich verklagt, um Jesu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig sein; denn wer seine Missethat erkennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses soll ein Sterbender thun; er soll bedenken: 1) ich muß einmal vors Gericht, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, und danach das Gericht; dieses geschieht gleich nach dem Tode, da muß die Seele alsbald vor Gott erscheinen. Hat der Mensch, so lange er auf der Welt gewesen, geglaubt und fromm gelebt, so kommt er nicht ins Gericht, sondern weil die Sünden auf Erden um des Blutes Jesu willen vergeben sind, so wird ihrer im Himmel auch nicht mehr gedacht, sondern sie werden vergeben werden. Ein Gottloser aber muß ins Gericht, weil er ohne Versöhnung mit Gott gestorben ist. Deswegen thut ein Sterbender 2) wohl, wenn er beizeiten sich mit Gott versöhnt, Gott um des Blutes Jesu willen um Vergebung bittet, und also Gnade erlangt, so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, schnell oder langsam, so wird Gott seine Seele in Gnaden annehmen, und am jüngsten Gericht wird er als ein um Jesu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. 264 Vierter Teil. Für Sterbende. Gebet. Ich weiß, mein Gott, daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht; deswegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, dieweil ich lebe, und will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter Gott! weil ich nicht weiß, wie lange es noch währt, bis ich von der Welt abscheiden soll, so komme ich vor dein Gericht und klage mich selbst an. Ach! ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote und oft wissentlich übertreten, ich habe dich nicht geliebt von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften, ich habe nicht den Fußstapfen meines Jesu allezeit nachgefolgt, noch mich durch den heiligen Geist leiten und führen lassen, wie ich billig hätte thun sollen. Ich gedenke, daß ich dein Kind in der heiligen Taufe ge worden bin, aber daß ich nicht allezeit wie ein Kind Gottes gelebt, daß ich in der Beichte und bei dem Genusse des heiligen Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten und mich wieder der Welt gleichgestellt habe. Herr! ich habe mißgehandelt, ja mich drückt der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget haft; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer ges worden. O gnädiger Gott! der du mir verheißen haft, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, ich komme, weil ich noch bei gutem Verstande und Sinnen bin und will Frieden mit dir machen. Ach! ich bereue meine Sünden, und falle vor deinem Richterstuhl nieder und spreche: Herr Gott Va ter im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Ich fliehe, o Vater! zu deiner großen Barmherzigkeit und spreche: Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, ich bin nicht Stellung vor das göttliche Gericht. 265 wert, daß ich dein Kind heiße; aber ach! sei deinem Kinde gnädig, und verstoße mich nicht um meiner Übertretungen willen. Ich fliehe zu dir, o Jesu! mein Fürsprecher; ach! bitte für mich armen Sünder jetzt in der Stunde meines Todes. Denn ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Chrift, der gerecht ist, der ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünde; ach! um deines Blutes willen verzeihe mir meine Missethaten, um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. O du werter heiliger Geist! zu dir fliehe ich, schaffe ein neues Herz in mir, heilige und reinige es, gieb mir das Zeugnis, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sei, ja, wirke in mir eine wahre Buße, lebendigen Glauben und beiligen Vorsatz, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in findlichem Gehorsam. Ach! wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Seufzer, liebliche Todesbetrachtungen, verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels und der künftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: Sei getrost, mein Sohn! dir sind deine Sünden vergeben. Alsdann fürchte ich mich nicht zu sterben, weil ich weiß, daß die hier vergebenen Sünden auch im Himmel vergeben sind. O du beilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich und laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals unrecht gethan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Mein Jesu! Wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht entfliehen kann, Ach! so wollest du mich retten, Und dich nehmen meiner an; Du allein, Herr! kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr zu meiner linken Hand Seid von mir noch nie erkannt. Amen. Vierter Teil. Für Sterbende. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Toten, stehet auf! So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen; Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schar ergötzt, So wird der Bösen Nott' Dadurch in Furcht gesetzt. 266 men, 2. Ihr Toten, stehet auf! Ihr habt nun ausgeschlafen; Ihr Fromkommt herbei Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte! gehet ein Zur Freud' und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid Und Ehrenfron' bereit't. 3. Ihr Toten, stehet auf! Eilt, gehet aus der Erden; Ihr Bösen! ihr sollt jetzt Zur Höll' gestoßen werden, Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual Nun eure Wohnung sein. 4. Ihr Toten, stehet auf! Seht, hier sind eure Glieder, Haupt, Augen, Füß' und Händ', Die nehmet nun jetzt wieder; Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit, Womit ihr Sünd' gethan, Dem ist die Straf' bereit't. 5. Ihr Toten, stehet auf! Euch Fromme soll umgeben Ein heller Sonnenglanz, Ihr sollt nun ewig leben; Die Seele kehre sich zu ihrem Leibe zu, Und hab', mit ihm vereint, Vergnügte Himmelsruh'. 6. Ihr Toten, stehet auf! Ach! möcht' dies Wort erschallen In aller Sünder Herz, So würden sie nicht fallen In schwere Missethat; Denn wem das Herze bricht, Und liebet Jesum nicht, Der kommet ins Gericht. 7. Ihr Toten, stehet auf! Das soll mich nicht erschrecken, Die Stimme wird den Leib Zum Leben auferwecken. Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingehn, Und Herr! dein Angesicht Mit allen Frommen sehn. 8. Im Glauben will ich dir, O Seelenfreund! anhangen, Durch deines Geistes Gnad' Recht fromm zu sein anfangen, Damit, wenn auf dein Wort Die Toten auferstehn, Ich mög' von dir verklärt Zur Seligkeit eingehn. Der Sterbende verzeiht und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Matth. 6, 14. 15. Verzeihung und Bitte um Verzeihung. Ju der wahren Vorbereitung zum seligen Sterben gehört auch die Versöhnung mit dem Nächsten; diese Versöhnung soll ein Sterbender nicht verschieben, sondern sie in Zeiten, da sein Verstand noch vollkommen ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten viel zuwider gethan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit ins Grab nehme, sondern es ihnen von Herzen verzeihe, und, so es möglich, mit Wohlthaten oder durch gute Freunde ihnen kund thue, daß er ihnen verziehen habe. Wenn aber 2) er andern Leuten Verdruß angethan und sie beleidigt hat, so soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen versöhnt; ja, er soll sich nicht schämen, sie vor sein Sterbebett kommen zu laffen, und sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung bitten, oder, wenn sie abwesend sind, es ihnen schriftlich abbitten, oder, wenn sie tot sind, Gott um Verzeihung deswegen anflehen. Hierbei soll man auch das Gestohlene und Entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entriffene wieder geben, oder ihren Erben, weil die Sünde nicht vergeben werden kann, wenn das Entwendete oder Gestohlene, oder der Wert desselben nicht wieder ge= geben wird. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden antreiben sowohl die christliche Schuldigkeit, als auch der göttliche Befehl und die Drohung Matth. 6, 15., und wissen, daß er, weil er nicht verzeihen will, bei Gott auch nimmermehr Gnade erlangen werde. Wie du mit deinem Feinde umgehest, so wird Gott mit dir umgehen. 267 Gebet. Mein Gott! ich lebe und weiß nicht wie lange, ich muß sterben und weiß nicht wann, darum will ich mich beizeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genannt das Haus des Friedens, darin keine unversöhnlichen, rachgierigen und mit Zorn und Haß angefüllten Seelen eingelassen, sondern davon zurückgestoßen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und Feindschaft reinigen, ich will gern verzeihen und um Verzeihung bitten, damit mich Gott um Jesu willen als einen Versöhnten in Gnaden aufnehme. Ach! ich bin noch auf dem Wege zur Ewigkeit, darum will ich alle Feindschaft ablegen, in der gewissen Zuver 268 Vierter Teil. Für Sterbende. sicht, wie ich von Herzen verzeihe, so wirst du mir auch verzeihen. Deswegen verzeihe ich von Grund meiner Seele meinen Feinden, Widerwärtigen und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Gebärden beleidigt haben, nicht allein mit dem Munde, sondern vor Gottes Angesicht und von Herzen; ich will nie mehr daran denken und es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen und thun, wo und wann ich nur fann; ja, ich bitte für fie Gott, er wolle fie segnen, und es ihnen und ihren Kindern lassen wohlergehen, zeitlich und ewiglich. Wie ich nun von Herzen verzeihe und verziehen habe allen, die mich jemals erzurnt oder mir etwas zuwider zum Schaden oder Verdruß zugefügt haben, also bitte ich auch um Verzeihung alle die, denen ich je zu nahe geredet, denen ich etwas zuwider gethan oder Schaden und Verdruß zugefügt habe; ach! verzeiht es mir, ihr lieben Freunde, um der Liebe Jesu willen, tragt keinen Haß wider mich, ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe, ich bitte euch hiermit um Verzeihung von Herzen mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hier vor meinem Sterbebette alle sehen, so wollte ich es euch auch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott! verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er sei wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissentlich habe zu leide gethan, ach! vergieb es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Hiermit lege ich alle Feindschaft aus meinem Herzen nieder. Ich will mich nicht rächen und nicht mehr an das gethane Unrecht denken. Ach! gedenke nicht meiner Sünden und Missethat. Ach, mein himmlischer Vater! erbarme dich über mich. O mein Jesu, wasche mich von Sünden und bitte für mich. Odu heiliger Geist! heilige mein Herz und reinige es von aller Untugend. So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Abschied und Segen. Verleih, daß ich aus Herzensgrund Meinen Feinden mög' vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund', Schaff in mir ein neues Leben, Dein Wort mein' Speis' laß immer sein, Damit mein' Seel' zu nähren, Mich zu wehren, Wenn mein Unglück geht daher, Das mich bald möcht' abkehren. Amen. 269 Gejang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich will jedermann verzeihen, Der da mich beleidigt hat; Ach, Gott! laß mir angedeihen Diese unverdiente Gnad', Daß ich, dein verföhntes Kind, Bei dir neue Gnade find', Ich verzeih' von Herzensgrunde Und versprech' es mit dem Munde. 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Ist, mein Vater! dies allein, Daß ich möcht' mit allen denen Völlig ausgeföhnet sein, Die mir sind von Herzen feind, Ich hingegen bleib' ihr Freund; Wüßten sie's doch, wie's mich kränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 3. Ach! verzeiht mir, liebste Freunde, Wenn ich euch erzürnet hab', Bleibet doch nicht meine Feinde; Seht, ich schicke mich zum Grab! Ach, hab' ich mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort: Ach! das wollen wir aufheben, Ach! ihr wollet's mir vergeben! 4. Ich will auch nicht mehr gedenken, Was ihr wider mich gethan, Laßt es uns einander schenken, Nehmet meine Abbitt' an; Denkt, ach, denket nimmer nicht, Was ich Böses angericht't, Alles sei hiermit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer Gott! da dies geschehen, Komm' ich nun versöhnt zu dir, Ach! laß mich dein Antlitz sehen. Großer Gott! verzeih auch mir, Nimm weg meiner Sünden Schuld, Schent mir deine Gnad' und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Dieweil ich versöhnet bin, Es geschehe Gottes Wille, Dem geb' ich mich gänzlich hin; Fried' mit Menschen, Fried' mit Gott, Das versüßt die Todesnot; Also kann man selig sterben, Und entgehen dem Verderben. Der Sterbende nimmt Abschied und giebt den Seinigen den Segen. Anfmunterung. Nun, liebe Brüder! ich empfehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden. Ap.- Gesch. 20, 32. Vierter Teil. Für Sterbende. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern, wenn sie solche haben, den Segen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaak, Jakob, Tobias, Christo und andern deutlich sehen. Solcher Segen ist 1) nicht vergebens, weil er ein Abschiedsgebet ist, das der Sterbende für die Seinen thut; so wird es auch, wenn es aus dem Glauben und im Namen Christi geschieht, nicht unerhört bleiben. 2) Die letzten Worte der Sterbenden pflegen auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Erfolg zu sein, daher eine Ermahnung eines sterbenden Vaters, Mutter oder Freundes nicht so bald vergessen wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüt hängen bleibt. Wie es löblich ist, wenn ein Sterbender mit Beten, Segnen und Gutes wünschen von der Welt Abschied nimmt, so soll er sich 3) auch hüten, daß er niemandem Böses wünsche, weil das eine Art Rache sein würde, welche keinem Christen geziemt. Kinder aber sollen 4) ermahnt sein, daß sie die Eltern in gesunden Tagen nicht betrüben, ihnen Herzeleid machen, und dadurch verursachen, daß die Eltern ihnen eben keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt. Fromme christliche Eltern aber geben auch ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. 270 Gebet. Ewiger, gütiger und großer Gott! ich weiß nicht, wie nahe meines Lebens Ende sein mag, und du über mich gebieten und mich von der Welt abfordern wirst; darum will ich mich in Zeiten zum Sterben anschicken, besonders aber auch mit Beten und Singen. Ich nehme hiermit Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohlthätern und Freunden, ich empfehle sie dir, o großer Gott! in deinen Schuß, Liebe und Gnade; thue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe und Wohlthaten, und da ich ihnen nicht alles vergelten kann, so wolleft du an meiner Statt hinfort ihr reicher Vergelter sein. Ich verlasse meine Freunde, Verwandten und Bekannten, aber du, o großer Gott! wolleft sie nicht verz lassen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und Frömmigkeit, damit wir uns einander im ewigen Leben wiedersehen mögen. Ich gehe den Weg alles Fleisches; Abschied und Segen. ich gehe voran, aber im Himmel werden die Gläubigen und Kinder Gottes wieder zusammen kommen. Denjenigen aber, o getreuer Gott! die ich hinterlasse, welchen mein Abschied wird betrübt und schmerzlich sein, gieb deinen reichen Segen. Der Herr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen, er segne euch an Leib und Seele; er sei hinfort euer Vater, Versorger und Pfleger, er nehme euch in seinen Schuß, er beschere euch nach seiner väterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen und bewahre euch vor allem Übel. Nun fürchtet hinfort Gott, seid fromm und setzet euer Vertrauen auf ihn, denn er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig sein. Wendet euch nicht von ihm ab durch Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seid ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Lasset nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euren Ausgang und Eingang, daß ihr sein und bleiben möget die Gesegneten des Herrn. O großer Gott! ich habe sie gesegnet, laß sie auch gesegnet bleiben! Und hiermit lege ich mich in deine Arme, o dreieiniger Gott! nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöst und bei Chrifto zu sein. Herr Jesu! dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich tot und lebendig. Segne euch Gott der Herr, Ihr Vielgeliebten mein, Trauert nicht allzu sehr Über den Abschied mein; Beständig bleibt im Glauben, Wir werden in kurzer Zeit Einander wieder schauen Dort in der Seligkeit. Amen. 271 Gejang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Um hinzugehn zu meiner Ruh' Nach vielem Schmerz und Leiden. Ich schicke mich zu meinem Tod, Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig weiden. 272 Vierter Teil. Für Sterbende. 2. Ach Gott! es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet; Ach, tilge meiner Sünden Heer, Gedenk derselben nimmermehr, Und was ich ausgeübet. 3. Ich eigne mir zu Jesum Christ, Sein Blut, Verdienst und Wunden; Der meiner Seelen Zuflucht ist, Mit dem bleib' ich verbunden; O Jesu, Jesu! ich bin dein, Ach, laß mich auch dein eigen sein In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell' ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen, Ich teil' hiermit den Segen aus Von Grunde meiner Seelen. Gott woll' den Meinigen beistehn, Er laß es ihnen wohlergehn Und nie an Hülfe fehlen. 5. Also will ich zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn Jesus ist mein Leben; Sieh, ich bin hier, ach, nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib In sanfter Ruhe decken, Wo selbsten er verwahret bleibt, Bis ihn Gott wird erwecken; Ihr Schmer zen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zum Grab gebracht, Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel' empfehl' ich dir In deine tiefen Wunden, O Jesu, Jesu! bleib in mir In meinen Todesstunden; O Jesu! ach, verlaß mich nicht, Bis daß ich hab' dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und so das schöne Feierkleid Durch Jesum Christum erben; Ich leb' und sterb' auch als ein Christ, Der da bei Gott in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. 9. Und hiermit schlaf' ich sanfte ein, Weil sich mein Leben endet, Mein Jesus wird auch bei mir sein, Der sich schon zu mir wendet: Fahr hin, mein Geist, zu deinem Gott, Fahr hin zur Freude nach der Not, Mein Lauf ist nun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. In deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöset, Herr! du getreuer Gott. Ps. 31, 6. Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist. Luk. 23, 46. be= Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch vielerlei zu fehlen und anzuordnen, sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen dar über das Beste, nämlich ihre Seele. 1) Ein jeder rechtschaffene Chrift Der Sterbende befiehlt sich Gott. 273 soll täglich, wenn er sich des Abends schlafen legt, oder am Morgen aufsteht, seine Seele samt dem Leibe in Gottes Schutz befehlen, und das billig, weil er nicht weiß, was Gott den Tag oder die Nacht über ihn gebieten werde. Thun aber das fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) Sterbende thun; sie haben vor sich das Erempel ihres Heilandes; als er sterben wollte, sprach er: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; so machte es auch Stephanus, da er unter den Steinen seufzte: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Diese Sorge ist Gott angenehm; dadurch legt der Mensch seinen Glauben und Vertrauen zu Gott an den Tag. Dieses aber ist auch 3) höchst nötig; man sieht an dem Sterbenden so vielerlei Veränderungen und Zufälle; o wie wohl ist's dann gethan, wenn man bei gutem Verstande Gott seine Seele empfiehlt, und das Beste in gute Verwahrung bringt, im übrigen aber sich Gottes Willen a leben und zu sterben überläßt. 4) Ist so alles bestellt, so stirbt man selig. Gebet. Barmherziger und liebreicher Gott! der du die Menschen läsfest sterben und sprichst: Kommet wieder, ihr Menschenkinder! der du deine Geliebten durch den Tod zu dir ziehest und sie der Herrlichkeit teilhaftig machst, die uns Jesus mit seinem bittern Leiden und Sterben erworben hat. Ich sehe, daß meine Schwachheit eine laut redende Stimme wird, die mir zuruft: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben! Mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen! halte deine Glaubenslampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein wird herannahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele mit allen ihren Kräften dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen! treibe hinaus alle weltlichen, sündlichen und bösen Gedanken, daß ich mich allein an dir ergötze, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit und die Freude der Auserwählten mir vorstelle. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen an mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächtnis behalte Jesum Christum, und sein vergossenes Blut und Tod mir allezeit vor Augen stelle. Wenn nun Starks Handbuch. 18 274 Vierter Teil. Für Sterbende. die Todesstunde kommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtung, schweren Gedanken, vor großen Schmerzen und unanständigen Gebärden, laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, bis mir der Odem ausgeht, auf daß mein Herz, Mund und Geist vor dir singe, rede und bete; und so mir die Sprache entfallen sollte, daß ich in meinem Herzen deiner Lieblichkeit genießen und deine allerheiligste Gegenwart empfinden möge. Gieb mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben, laß mich dann einen Blick thun in die frohe Seligkeit; gieb mir in der Todesstunde etliche Tropfen zu schmecken der himmlischen Süßigkeit, damit ich voll Freuden und Trost möge von hinnen scheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verläßt; ach! nimm sie alsdann in deine Hände. Vater! in deine Hände befehle ich meine Seele; ja, Herr Jesu! nimm meinen Geist auf, bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit, und führe sie zur Himmelsfreude ein, wie eine Braut zur Hochzeitsfreude, wie ein Kind zum Erbe, bis sie am lieben jüngsten Tage wieder wird mit dem Leibe vereinigt werden. Ich befehle dir auch meinen Leib in der fühlen Erde, verleihe demselben ein sanfte Ruhe, bis die letzte Posaune erklingen und rufen wird: Steht auf, ihr Toten! und kommt vor Gericht, und laß mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Wenn ich dann werd' nach deinem Rat Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr! durch deine Gnad', Daß es gescheh' mit Freuden. Mein'n Leib und Seel' befehl' ich dir. O Herr! ein selges End' gieb mir Durch Jesum Christum. Amen. Gejang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bitt' ich noch um dieje Der Sterbende befiehlt sich Gott. 275 Gnad': Wenn nun mein letztes End' anbricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch, ich kann noch beten, Drum bet' ich auch und komm' zu dir; Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so g'nüget mir, Und wenn das Herz im Tode bricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 3. Wenn meine Todesstund' erscheinet, Und werde nach und nach gar blaß, Wenn jeder mich beklagt, beweinet, Und lieg' im Todesschweiße naß, Wenn sich entfärbet mein Gesicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 4. Wenn mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht mehr weiß, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren, Damit ich Jesum hab' im Sinn, Und so mich meine Sünd' ansicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 5. Wenn sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost zufließen: Ich gebe dir, was du begehrt; Wenn meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 6. Wenn das Gesichte wird vergehen Zuleßt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen, Und zeig mir deine Herrlichkeit. Auch wenn verlischt mein Augenlicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder sehn noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, Herr! deinen Geist mich lehren, Und stärk den Glauben mehr und mehr; Ja, wenn ich auch soll vors Gericht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 8. Und lieg' ich dann nun ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen sein, Und wenn man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein; Wenn dieses alles nun geschieht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden Und liege in dem Sarg bereit, So laß die Seele gehn in Frieden Zur Himmelsfreud' und Seligkeit. Und laß mich sehn dein Angesicht, Begleitet mit dem Freudenlicht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau im Grabe auch auf mich, Laß mich da sanfte Ruhe haben; Denn hab' ich, schönster Jeſu! dich, So bleibt der Leib mit Erd' umhüllt, Die Seel' mit Himmelsglanz erfüllt. 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen, Am jüngsten Tag aus meinem Grab; Laß mich den Leib verkläret sehen, Den ich allhier getragen hab', Auf daß ich ganz mit Seel' und Leib Dein Eigentum auf ewig bleib'. 18* Vierter Teil. Für Sterbende. Der Sterbende stellt eine Himmelsbetrachtung an. Aufmunterung. Stephanus aber voll heiligen Geistes, sahe auf gen Himmel und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Apost.- Gesch. 7, 55. 276 Nichts Süßeres und Angenehmeres kann einer gläubigen Seele sein, als an Gott und an den Himmel denken. Im Himmel ist ihre Wohnung, Vaterland, Trost, Erbe, Krone, Herrlichkeit, Verlangen, Freude; ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also sein mit einem Gläubigen, wie viel mehr mit einem Sterbenden? Bei dem Sterben stellen sich allerlei traurige Dinge ein; die finstere Erde, der Abschied von den Seinen, der Umstehenden Thränen, der letzte Todesstoß; dieses alles kann versüßt werden, wenn der Sterbende sein Herz dahinein schickt, wo er ewig wünscht zu sein. 1) Der finstern Erde soll er entgegen setzen die Herrlichkeit des Himmels, wo alles wird mit Licht erfüllet sein. 2) Thut der Abschied weh, so soll er gedenken an die Cherubinen, Seraphinen, heiligen Engel und Auserwählten im Himmel, bei welchen er in Ewigkeit sein wird. 3) Sieht er die Seinen weinen, soll er sich erinnern der ewigen Freude, Wonne und Glückseligkeit, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, wo kein Ach und Weh und keine Thränen mehr sein werden. 4) Der Todesstoß soll ihm keinen Schrecken bringen, weil er in den Armen Jesu und in der Gemeinschaft des heiligen Geistes stirbt. Wer also himmlische Gedanken hat, sich die Krone, das weiße Kleid und die Herrlichkeit des Himmels vorstellt, dem wird sein Sterbebett zum Paradies werden. Gebet. du gnädiger Gott! wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Menschen! nicht allein thust du uns Gutes, du hilfst, erhörst, erbarmst dich über uns, überschüttest uns mit vielen Wohlthaten, so lange wir leben, sondern haft uns auch viele und herrliche Güter im Himmel aufgehoben. Deshalb stelle ich mir schon im Glauben vor deine große Majestät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohnst, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Auserwählten, nämlich alle Frommen, die jemals auf Erden gelebt haben, vor deinem Thron Himmelsbetrachtung. stehen, die dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig dir zu Ehren anstimmen. Ich stelle mir vor, wie ich auch werde bald unter ihnen stehen, wenn ich sanft und selig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen und mit einem weißen Kleide werde angethan sein, ja, ich werde leuchten wie die Sonne. Herrlichkeit, o Seligkeit, o Glückseligkeit, die mir der Vater aller Gnade und Barmherzigkeit um Jesu willen mitteilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thür zu solcher Herrlichkeit aufthun wird. Kann ein irdischer König seinen Palast so herrlich ausschmücken lassen, daß man sich darüber verwundert und sich nicht satt sehen kann: wie groß und herrlich wird nicht die Pracht des himmlischen Königs und der Glanz des unendlichen Gottes sein? Deswegen will ich gerne sterben und die Erde verlassen; ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn da ist meine ewige Wohnung, hier habe ich keine bleibende Ståtte. Die Wohnung hat mir Jesus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schaue ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, woselbst alle frommen Christen und Gläubigen versammelt sind. Ich bin auf der Welt wie ein Pilger und Wandersmann, der immerfort reist; aber durch einen seligen Tod gelange ich in den Himmel zur Ruhe, zum Frieden und zum ewigen Wohlsein. Ich sehe den Himmel an mit Freuden, und denke, da ist mein Erbe; ich habe kein großes Erbe hier auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unbeflecktes Erbe aufbehalten. Ich denke, der Himmel ist das Paradies, darin Gott die Gläubigen ergößen wird, gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten war. Ich will, mein Gott! wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die 277 Vierter Teil. Für Sterbende. Königin aus dem Morgenlande zu Salomo, sagen: 0 mein Gott! o mein Jesu! mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt: du haft mehr Herrlichkeit und Gutes, denn das Gerücht ist, das ich von dir gehört habe. 278 Komm, o Tod, du Schlafesbruder, Komm und führe mich nun fort, Löse meines Schiffleins Ruder, Bringe mich am sichern Port; Es mag, wer da will, dich scheuen, Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm' ich hinein Zu dem lieben Jesulein. Amen. Gejang. Mel.: 3ion tlagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hier ist gut sein, also sagen Dorten in der Himmelsfreud', Die da Kron' und Palmen tragen, Angekleid't mit Herrlichkeit; O wie ist uns hier so wohl! Wir sind alles Trostes voll, Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. 2. Hier ist gut sein, denn wir sehen Nunmehr Gott von Angesicht, Wir sind selig, weil wir stehen In dem schönsten Glanz und Licht, Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll, Klarheit hat uns ganz umgeben Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut sein, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud', Hier an diesem Orte fließen Ströme voller Süßigkeit, Hier weiß man von keiner Klag', Nichts von Trübsal, Angst und Plag', Unser Antlitz ist voll Wonne, Welches leuchtet wie die Sonne. 4. Hier ist gut sein, denn hier schweben Vieler Tausend Engel Heer, Als bei welchen wir nun leben In der größten Zierd' und Ehr', Hier erhebet immerdar Gottes Lieb' der Frommen Schar; Zu den Engeln, zu den Frommen Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun will ich im Glauben bleiben, Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich nichts abtreiben, Weil ich leb' hier in der Zeit, So werd' ich hier ist gut sein" Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestandnem Leiden Gehen zu den Himmelsfreuden. 11 Der Sterbende erwägt die Verheißungen Gottes. Aufmunternng. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. Sterbende haben Labsal und Erquickung nötig an Leib und Seele. Die Seele wird aber erquicht durch das Wort Gottes; davon jagt David: Erwägung der Verheißung Gottes. Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trostsprüche sammeln, in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnot einen reichen Vorrat habe. Sonderlich soll aber ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der herrlichen göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift finden von der göttlichen Hülfe, Beistand, Gegenwart und Gnade. 2) Soll er auch solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm allein rede, und ihm die Verheißung gebe; denn Gott redet in der heiligen Schrift mit allen und einem jeden insonderheit. Hat er nun die Verheißung für sich, so soll er 3) sich darauf verlassen, und nicht zweifeln, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; thut er es nicht gleich in einem Augenblick, so verzeucht der Herr die Verheißung nicht, und wird sie doch herrlich zu seiner Zeit erfüllen. 279 Gebet. Du gnadenreicher Gott! wie süß sind die VerheiBungen, die du mir in deinem Wort zugesagt haft, wenn du sprichst: Ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; und wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen; ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, ich will wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Ja, wenn ich versichert werde, Jesus betet für mich und sei mein Fürsprecher, und daß der heilige Geist mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. O du gnädiger Gott! erfülle alle die Verheißungen an mir. Ach! die Not wird immer größer, sei und bleibe bei mir in meiner letzten Not. Verlaß mich nicht, stehe mir bei, o Jesu! laß mich gelangen zu der Herrlichkeit, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet hast. O Jesu! sei jetzt mein Fürsprecher; ach! bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach, du werter heiliger Geist! stehe mir bei in meiner Schwachheit und gieb mir Kraft und Stärke. Steht mir ein schwerer Kampf vor, so hilf mir siegen und überwinden. Habe 280 Vierter Teil. Für Sterbende. ich einen hohen Berg zu steigen, so verleihe mir Stärke. Steht mir noch eine harte Stunde vor, so hilf mir aus derselben; wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, ja, bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun, du gnadenreicher Gott! ich halte mich an deine Verheißungen, und glaube, du werdest sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir Elenden erfüllen. Ich glaube und traue auf dein Wort, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich, Herr, dein Antliß. Ach! dein Wort ist in meinem Leben immer mein Trost und Freude gewesen; laß es jetzt in meinem Tode mein Labsal und Erquickung sein. Kommt die Zeit, da mir um Trost bange wird, so nimm dich meiner Seele herzlich an. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß anbricht; erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden; tröste mich, wenn Hören und Sehen mir vergeht; o du dreieiniger Gott! alsdann laß in meinem Herzen mich hören Freud' und Wonne, ein Jubel- und Freudengeschrei als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit. O du großer Gott! erhöre, Was dein Kind gebeten hat, Jesu! den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schuß und Nat, Und mein Hort, o heil'ger Geist! Der du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich's Flehen, Amen, ja es soll geschehen. Amen. Gejang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich sterbe gern, und sollte ich mich vor dem Grabe scheuen? Mein Glaube pfleget oftmals sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Mich droben in der Ewigkeit Gar herrlich wird erfreuen. 2. Ich sterbe gern, denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben; Für Trübsal, Jammer, Angst und Not Wird Gott mir Freude geben, Das Thränenmaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen sein In solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd' Dereinsten auferstehen, Und 281 Betrachtung der Himmelsfreude. herrlich aus der finstern Erd' Und meinem Grabe gehen; Ich werd' verflärt im Glanz und Licht, Des Allerhöchsten Angesicht Mit Luft und Freuden sehen. 4. Ich sterbe gern, dies bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen Zu Gott an jenen Freudenort, Zur großen Schar der Frommen! Ach! wann bricht an die Freudenzeit, Daß ich zur Himmelsherrlichkeit Auch werde aufgenommen! Der Sterbende betrachtet die Himmesfreude und Gesellschaft. Aufmunterung. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend, und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhle sitzet, unserm Gott und dem Lamm. Offenb. Joh. 7, 9. 10. Wa as könnte sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die Himmelsfreude und Himmelsgesellschaft denkt, welche einen Frommen hier auf Erden oft ergößzt? Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden sieht, ansehen als Dinge, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Betrachtungen haben, teils von der Himmelsfreude, wie er nach dem Abschied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versetzt werden, wo lauter Wonne, Friede, Freude, Troft und Herrlichkeit ist, wo anstatt des Leidens und der Schmerzen ein ewiges Ergötzen ihn erfreuen wird. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtung austellen über die himmlische Gesellschaft, wie er nun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen Gottes, und kommen zu viel tausend Engeln und Auserwählten. Wenn also ein Sterbender die himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückseligkeit sich vorstellt, so wird ihm sein Leiden versüßt und die Stunde kurz werden, ja, er wird dadurch heilige Bewegungen in seiner Seele empfinden. Gebet. Wie lieblich find deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen; ach! wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen, 282 Vierter Teil. Für Sterbende. und vor deinem Thron mit allen Engeln und Außerwählten stehen werde! O welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig gestorben bin, weil ich in die Wohnungen des Friedens versetzt, mit Schmuck und Ehren gekrönt und des himmlischen Glanzes teilhaftig werde! O welche Herrlichkeit und Freude wartet auf mich! Ich werde schauen den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht; was ich hier geglaubt, werde ich dort schauen; was ich nicht habe begreifen können, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen; da werde ich völlig durchstrahlt, durchleuchtet und mit himmlischem Licht erfüllt sein. Welche Freude aber wird das sein, den großen, majestätischen Gott in seiner Herrlichkeit zu erblicken! darum seusze ich und bete mit Verlangen: Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott! zu dir; meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue! Das ist die höchfte Freude, Gott zu schauen, an den wir geglaubt und ihn nicht gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen; mein Leiden wird in Freude, mein Weinen in Jauchzen, meine Trübsal in Wonne, mein Elend in Ergößzen, mein Jammer in Trost und mein Herzeleid in lauter Herrlichkeit verwandelt werden. Im Himmel werde ich auch in einer allerliebsten und seligen Gemeinschaft leben; hier bin ich unter Menschen, ja, ich habe unter Freunden und Feinden müssen mein Leben hinbringen; allein in der Herrlichkeit werde ich antreffen so viel tausend heilige Engel, welche in großem Glanz und Licht um Gottes Chron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth! anstimmen. Ich werde da antreffen alle Frommen und Auserwählten, die von Anfang der Welt her gelebt 283 Betrachtung der Himmelsfreude. haben. Ich werde antreffen meine Liebsten und Freunde, die vor mir gestorben sind, mit denen werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewiglich bleiben. O wie wohl wird alsdann meiner Seele sein! Alsdann werde ich nach dem Verlangen zum Umfangen kommen; ich werde bei dem Herrn sein allewege, da wird mich keine Trübfal mehr anrühren, und dieses wird nicht etwa nur eine Stunde, oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig ohne Aufhören. Ach, daß ich die Liebesbande Heute noch verlassen müßt', Und käm' in die Heimatlande, Da sonst nichts als Freude ist! Da wollt' ich mit Wortgepränge Bei der Engel großen Menge Rühmen deiner Gottheit Schein, Allerliebster Jesu mein! Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Welche füße Himmelsfreude, Welche große Herrlichkeit, welch prächtiges Gebäude Ist den Frommen zubereit't In den schönen Himmelsauen, Die sie einsten sollen schauen! Ach, mein Geist ist ganz entzückt, Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Dort ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Böser hin, Dort wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Da ist Gott selbst Licht und Sonne, Da ist gut sein, da ist Wonne, Dort genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Dort läßt Gott sich selber sehen, Den kein Aug' auf Erden sieht, In dem Sehen wird erstehen Trost, Vergnügen, Freude, Fried'; In dem Schauen ist Erfreuen, Das ergößzet stets von neuem, Aug' und Seel' wird nimmer satt, Das dort voll Vergnügen hat. 4. Ja, in jenem Freudenleben, An dem freudevollen Ort, Sieht man viele Engel schweben, Die um Gott sind da und dort, Die im schönsten Glanze prangen, Und des Höchsten Lob anfangen; Ich stimm' auch mit Freuden ein, Wann ich werd' bei ihnen sein. 5. Da find't man der Frommen Scharen Voller Pracht und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren Und in tausend Herzeleid, Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes Thron, Schön geziert mit ihrer Kron'. 6. Unablässig Gott zu loben, Ist der Frommen Werk allhier; Von der Seite und von oben Glänzet alles wie Saphir; Die man hier be 284 Vierter Teil. Für Sterbende. trübt verlassen, Kann man freudig dort umfassen, Da, da ist das Wiedersehn, Das dort ewig wird bestehn. 7. Auf, auf! laffet uns bestreben, Die wir noch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in des Himmels Zelt, Laßt im Glauben uns fest stehen, Und auf Gottes Wegen gehen, Und ergreifet Jesum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. 8. O, mein Gott! laß mich gelangen Auch zu dieser Herrlichkeit; Ach! verzeih, was ich begangen Meine ganze Lebenszeit; Kleide mich mit reiner Seide, Führ mich zu der Himmelsweide, Da ich mit der Frommen Schar Dich will loben immerdar. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Er erquicket mich mit Blumen, seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte herzt mich. Hohel. Salom. 2, 5. 6. Die Gegenwart Gottes im Leiden kann nicht anders als einer Secle süß und tröstlich sein. Nun ist Gott nicht allein nahe bei allen Kreaturen, sondern er ist auch mit seiner Gegenwart besonders nahe bei den Gläubigen, im Leben und auch im Sterben. O sollte Gott den Frommen die Augen öffnen, wie dort dem Knaben Elisas; o was würden sie um ihr Bett für eine heilige Gesellschaft sehen! so viel heilige Engel, die sich schon freuen, daß sie wieder eine Seele zur Herrlichkeit begleiten sollen, wie auch oftmals fromme Sterbende gerühmt und gesagt: O wie helle ist es um mein Bett! seht ihr dort nicht das weiße Licht? welches gewiß heilige Engel waren. Besonders aber ist eine gläubige Seele versichert von des dreieinigen Gottes Beistand. 1) Der himmlische Bater wird an seine Vatertreue gedenken und seinem Kinde beistehen. 2) Jesus Christus wird die durch sein Blut erkaufte Seele in der letzten Todeskampfe nicht allein lassen. 3) Der heilige Geist wird auch durch seinen kräftigen Trost alsdann sie erquicken. Vergeht gleich Hören, Sehen und alle Sinne, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung:„ Ich bin bei dir in der Not," auch in der Todesnot an ihm werde erfüllt werden. O, wohl dem, welchen Gott dieses Alles in seinem Sterben empfinden läßt. Gebet. Komm, Herr Jesu! so spreche ich jetzt mit der geist lichen Braut, ja komm und nimm meine Seele hin! Ich Trost und Beistand des dreieinigen Gottes. habe schon deine Süßigkeit geschmeckt, darum verlangt und dürftet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorgt, ernährt, geleitet und geführt, sollte er jegzt, da mein Lebensende herzunaht, von mir weichen? O nein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem tranfen Kinde und hilft ihm, so viel er kann, vielmehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen Beistandes meines himmlischen Vaters getrösten. Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe austeilen, das mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, daß er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Sterben kommt mir nicht schrecklich vor; ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Christo; diese Gemeinschaft habe ich im Glauben hier angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leibe Jesu Chrifti, wovon er das Haupt ist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern geht, so weiß auch mein Jesus, wie es um mich steht. Ich bin in ihm und er in mir und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir sein im Sterben. Gleichwie er die Seinigen geliebt hat bis ans Ende, da er sich für sie in den Tod gegeben, also liebt er sie auch, wenn sie sterben sollen. Wenn ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle Todesbitterfeit durch seinen Tod weggenommen. Hier hat mein Jesus mich schon angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, dort wird er mir das weiße Kleid der Ehre und Herrlichkeit anlegen. Mein Seelenbräutigam führt mich zur Hochzeit, mein Seelenfreund macht 285 286 Vierter Teil. Für Sterbende. mich seiner Herrlichkeit teilhaftig. Mein Herr erfüllt an mir, was er gesagt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Der Tod ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes; er hat sich mein Herz zum Tempel geheiligt in meinem Leben, er wird auch mit mir vereinigt bleiben im Tode. Der mich so oft in meiner Trübsal getröstet, im Leiden erfreut, im Elend erquicket, im Kreuz erhalten, der wird mich in der letzten Stunde auch nicht verlassen, sondern Zeugnis geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Sollte mir auch die Sprache entfallen, daß ich nicht mehr beten kann, so wird er mich bei Gott vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Ja, weil er ist das Pfand unsers Erbes, so versichert er mir schon, daß ich ein Erbe des Himmels sei und zu der völligen Besitzung eingehen werde. Der Vater reicht mir die Krone dar, Jesus führt mich an der Hand zur Freude, der heilige Geist ziert mich mit Licht und Wonne, die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben, alle Auserwählten und Frommen empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib', Des tröst' ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnot und Schmerzen; Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. Amen. Gejang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und laß mich gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd' ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht, Beglänzet mit dem Freudenlicht In jenen Himmelsauen. 2. Ich komm' alsdann zu Jesu Christ, Den werde ich dann sehen; Der hier mein Trost und Freude ist, zu dem will ich dort gehen; Zu dir, o Jesu, Gottes Lamm! Und, wie die Braut dem Bräutigam, Zu deiner Rechten stehen. 3. Der Engel ungezählte Schar Sind die, so mich empfangen, Ich werd' mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen; Hier werd' Das Sterben auf Jesum Christum. 287 ich in dem Freudenreich Den hohen Seraphinen gleich, Und dies ist mein Verlangen. 4. Ach ja! im Himmel treff' ich an Viel tausend, tausend Frommen, Mit weißen Kleidern angethan, Die da sind aufgenommen Nach ausgestandnem Kreuz und Leid Zu solcher großen Herrlichkeit, Zu denen werd' ich kommen. 5. O Freud'! o Trost! der da mein Herz Wird ewiglich umgeben! Denn da ist keine Angst und Schmerz Und kein betrübtes Leben; Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquickung, Ruhe, Fried' und Freud' Wird sich da recht anheben. 6. Alsdann wird mir sein ewig wohl, Wenn ich hab' überwunden; Wie werd' ich sein des Trostes voll, Wenn mein Leib ist verschwunden! O Freudenstunde! brich doch an, Daß ich zu Jesu kommen kann, Und bleib' mit ihm verbunden. Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Aufmunterung. Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Ap.- Gesch. 7, 58. Es flagen Sterbende oft, wie sie mit allerlei Gedanken so viel zu thun haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, thut ein Gläubiger wohl 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung vorstellt Jesum am Kreuz, und dabei diese guten Gedanken hat: Jesu Wunden sind für mich geschlagen, sie sollen auch im Tode meine einzige Zuflucht sein. Jesu Blut ist auch für mich vergoffen; dieses Blut wäscht, reinigt und heiligt mich auch. Jesu ausgeſpannte Arme wollen auch mich umfassen und in den Himmel ziehen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Kreuz mir möge versüßt, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführt werden. Solche Gedanken werden die irdischen vertreiben, und das Gemüt ganz ruhig und still und das Herz freudig machen. Bei diesen guten Betrachtungen soll er 2) auch alle seine Zuversicht auf den Heiland der Welt setzen; er soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, vor Gott treten und sagen: Ach, um meines Jesu Gerechtigkeit, Blutes, Todes, Wunden und Verdienstes willen sei mir gnädig! darauf lebe und sterbe ich, dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. Jesu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, und die Vorboten des Todes sich 288 Vierter Teil. Für Sterbende. bei mir einstellen und verkündigen, daß meines Lebens Ende nahe sei, so wende ich mich allein zu dir und spreche: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! O mein Erlöser! du hast mich erlöst von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blut, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben. Ach! laß mir dieſes Blut zu statten kommen, daß ich dadurch gerecht vor deinem Richterstuhl bestehen könne. Will mich Satan verklagen, so zeige ich ihm deine blutigen Wunden; wollen mich meine Sünden verdammen, so ergreife ich dein heiliges Blut als gegebenes Lösegeld für meine Sünden. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher! ach, so mache mich denn selig; vergieb mir meine Sünde, schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit, führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, obschon mein Leben aufhört, weil ich in dir und du in mir lebst! Dieses Leben wird erst vollkommen, wenn ich ewig bei dir und mit dir leben werde, weil mich weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges von dir trennen kann. Du bist der Weg, führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit, du haft bisher deine Gnadenverheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch dieselben, die du mir gegeben. Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen. Nimm mich jeßzt zu dir, wo du bist. Herr! laß deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt haft. Ach! ziehe mich zu dir, zu dem völligen Ges nuß deiner himmlischen Güter. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuz für mich gestorben bist, deine Arme aus gebreitet, dein heiliges Blut vergossen und für mich dein Leben gelassen haft. Ach! dein heiliges Blut wasche und reinige mich von allen meinen Sünden, um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzig Das Sterben auf Jesum Christum. 289 feit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamm des Kreuzes hat schlachten lassen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnt. Du bist mein Hoherpriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft, der Friedefürst, der mich in die Wohnungen des Friedens aufnimmt. O Jesu! ich komme bald zu dir, darum fasse und halte ich dich im Glauben und spreche: Meinen Jesum laff ich nicht, Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Nur allein für ihn zu leben; Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laff ich nicht. Ja, an Jesum will ich jetzt allein denken, er soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken und Thun und Alles sein. Weg, ihr eitlen Gedanken, an Jesu Verdienst und vergossenem Blut will ich mich ergößen, seine heiligen Wunden will ich mir vorstellen, seines bittern Leidens will ich mich getrösten, und mein letztes Wort, mein letzter Gedanke soll Jesus, Jesus sein. Erscheine mir zum Bilde In meiner letzten Not, Wie du, Herr Christ, so milde Dich haft geblut't zu Tod, Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Ich will mit frohem Mut In Jesu Wunden eilen, Wenn mich der blaffe Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen, Ach! öffne mir dein Herz Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll mein Aufenthalt Und wahre Wohnung sein. 2. Ich will mich glaubensvoll In diese Wunden senken, Ich will an Jesu Blut Und sein Verdienst gedenken, Sein Blut ergreif' ich jetzt In voller Zuversicht, Und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 3. O Blut, o heißes Blut, Das immer dennoch fließet Auf jedes gläubig' Herz, Des immer noch genießet Der, welcher Buße thut; D Blut, o heißes Blut, Ich eigne dich mir zu, Du allerhöchstes Gut. Starts Handbuch. 19 290 Vierter Teil. Für Sterbende. 4. Ich ruhe hier getrost In diesen offnen Wunden, Ich bleibe min mit dir, O Jesu! fest verbunden, Kein Schmerz, kein Leid, kein Feind Reißt mich nun mehr von dir, Ich lasse nicht von dir, Ach! lasse nicht von mir. 5. Sieh, ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, Bis ich darinnen werd' Des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Fried' und Freud', Der Seele Seligkeit; Zeuch meinen Geist nach dir Durch die geſpaltne Seit'. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben, Und in denselbigen Der Seelen Heil ererben, Und schlaf' ich glaubensvoll In Jesu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel' Gar wohl verwahret sein. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. Es ist genug, so nimm nun, Herr! meine Seele, ich bin nicht besser, denn meine Väter. 1 Kön. 19, 4. Wenn im alten Testament jemand Gott dem Herrn eine Gabe brachte, so durfte es kein gezwungenes, sondern ein freiwilliges Opfer sein. So ist es auch mit unserm Sterben; es muß ein Mensch nicht sterben mit Verdruß, gezwungen, mit Murren und Widerwillen, sondern es soll 1) ein Mensch sich bekannt machen mit der Herrlichkeit, die uns in jenem Leben bereitet ist, die Güter, die Krone, das weiße Kleid, die Freude, die wir nach dem Tode erlangen sollen. Man soll 2) sich auch bekannt machen mit dem Weg, der zu dieser Herrlichkeit führet, welcher ist Jesus Christus, daß er im Glauben und heiligen Leben beharre bis in den Tod. Kommt dann nun die Stunde, die Gott zum Abschied bestimmt, so soll er 3) mit Freuden seine Augen aufheben gen Himmel und Gott um ein seliges Ende anflehen; dieses kann geschehen, wenn er dem dreieinigen Gott seinen Leib und Seele empfiehlt, Jesum Christum immer im Gedächtnis behält, andächtig betet, und so auf sein Stündlein wartet, dabei er auch Gott anrufen kann, er wolle ihm ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Sollten auch zuweilen einige un anständige Gebärden mit unterlaufen, so wird es doch den Umstehenden empfindlicher, als dem Sterbenden sein, welcher unterdessen in der süßen Gemeinschaft mit Jesu bleibt. Gebet. Barmherziger, gnädiger Gott! ich merke, daß mein Abschied vorhanden ist, daß ich soll in Frieden fahren Bitte um ein seliges Ende. 291 und zur Ruhe mich niederlegen; mein Gesicht vergeht mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheint, es wird bald anders mit mir werden; darum komme ich zu dir und thue mein letztes Gebet, welches darin besteht: Mein'n Leib und Seel' befehl' ich dir, o Herr! ein selig End' gieb mir um Jesu willen. Herr Gott, himmlischer Bater! der du mich hast erschaffen, bisher versorget und erhalten, ach! nimm meine Seele in Gnaden an. O Jesu, der du mich mit deinem Blut erlöst und abgewaschen hast, ach! laß mich im wahren Glauben auf dein Verdienst und Blut nun selig sterben. Ach, Herr Jesu, in deine Hände befehle ich meinen Geist. O werter heiliger Geift, mein Tröster und Beistand, ach! verlaß mich nicht, gieb mir Freudigkeit und Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei, bete in mir und mit mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern. Ich bin bereit, die Erde zu verlassen, und sehne mich allein nach dir, um bei dir, o dreieiniger Gott! zu sein. Hatte Israel ein Erlaßjahr, da es aus der Knechtschaft wieder zu seiner Freiheit und Eigentum fam, ach, mein Gott! wenn ich selig sterbe, so geht mein Erlaßjahr an, daß ich von allem Sündendienst und aller Kreuzeslaft befreit, zu der vollkommenen Freiheit der Kinder Gottes in dem ewigen Leben gelangen soll. O mein Jesu! öffne mir die Himmelsthüre, begleite und führe mich zu dem ewigen Leben, zu der Gemeinde der Heiligen im Licht. Ach, mein Gott! gieb mir ein vernünftiges Ende, daß ich möge meinen Verstand bis an den letzten Augenblick meines Lebens behalten. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtnis behalte Jesum Christum; und wenn meine Augen frühe brechen sollten, so erquicke mich inwendig an meiner Seele mit deinem himmlischen Troft und Licht. Laß Jeſum immer vor meiner Seele stehen; gieb, daß ich mich über sein Blut erfreue, in seine offene 19* 292. Vierter Teil. Für Sterbende. Seite mich verberge, seines Verdienstes mich getröfte und seine Gerechtigkeit im wahren Glauben ergreife. Gieb mir, wenn es dir gefällt, ein fanftes Ende. Behüte mich vor Ungebärden, Anfechtungen, Vorstellungen. Laß mein Herz, welches deine Wohnung hier gewesen, fein sanft gebrochen werden. Ach! laß mich in deinen Armen sanft verscheiden. Gieb mir ein seliges Ende, daß ich möge dein heiliges Angesicht bald mit Freuden erblicken. Odreieiniger Gott! segne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der Herr segne und hehüte mich! Der Herr laffe sein Antliß leuchten über mich und sei mir gnädig! Der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes lebe und sterbe ich, in ſeinem Namen schließe ich meine Augen zu und empfehle mich Gott und seiner Gnade. Nun will ich mich ganz wenden Zu dir, Herr Christ, allein, Gieb mir ein selig's Ende, Send mir dein' Engelein, Führ mich ins ew'ge Leben, Das du erworben hast Durch dein Leiden und Sterben Und blutiges Verdienst. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Aufgelöset bald zu werden Wünschet mein erfreuter Geist; Ich verlasse gern die Erden, Weil mein Jesus mich schon speist Mit des Himmels Süßigkeiten, Und verbleibet mir zur Seiten; Wenn ich Jesum bei mir hab', Fürcht' ich nicht das finstre Grab. 2. Brecht, ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon Jesum finde Mit hellglänzendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf dem schönen Himmelsstege Ist mein Auge Jesus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 3. Und, du roter Mund, erblaffe, Ja, ihr Lippen, schließt euch zu, Weil ich, da ich Jesum faffe, Komme zu der Himmelsruh'. Jesus wird mich schon vertreten, Er wird kräftig für mich beten, Jesus, Jeſus ist mein Mund In der letzten Todesstund'. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen, Ich brauch' euer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Darauf ich mit Freuden hör. Bitte um ein seliges Ende. 293 Ich seh' schon die Freudensonne, Mein Ohr höret Freud' und Wonne. Was ist das für ein Gesang? Ist es nicht der Engel Klang? 5. Du, mein Herz, zerspringst vor Freuden; Eitles Leben, fahre hin! Mich wird nichts von Jesu scheiden, Weil ich ja in ihm nun bin; Jesum hab' ich schon gefunden, Und ich bleib' mit ihm verbunden; Wenn das Herz im Tode bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 6. Ja, ihr fast erstarrten Glieder Durch den kalten Todesschweiß, teget nun ins Grab euch nieder, Weil ich mich versichert weiß, Jesus wird das Grab aufdecken Und euch wieder auferwecken, Und euch schön mit Glanz erneut Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergebne Seele, Dich empfehl' ich meinem Gott, Geh nun aus der Leibeshöhle, Geh aus aller Angst und Not, Geh zur Freude nach dem Klagen, Geh zur Wonne nach den Plagen, Geh zur Himmelsfreude ein. O wie wohl wird mir da sein! Gebet der Umstehenden für Sterbende. du heiliger, dreieiniger Gott! Vater, Sohn und heiliger Geist, du erhörst Gebet, darum fommt alles Fleisch zu dir; siehe, wir kommen jetzt zu dir und tragen dir in unserm Gebet diesen Sterbenden vor. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über ihn! du haft ihn erschaffen zu deinem Ebenbild; es ist deine Kreatur, es ist auch dein Kind, welches du in der heiligen Taufe in Gnaden aufgenommen haft; ach, darum erbarme dich über ihn; siehe, dein Kind ist frank und will sterben; ach! laß ihn sein Kindesteil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seele Seligkeit; vergieb ihm alle ſeine Sünden, die er Zeit seines Lebens wider dich gethan, und siehe ihn in Gnaden an. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über diesen Sterbenden; du haft ihn mit deinem heiligen Blut erlöst, du bist auch für ihn gestorben, darum rechne ihm nicht zu seine Sünden, sondern rechne ihm zu deine Gerechtigkeit und dein Verdienst; wasche ihn mit deinem heiligen Blut, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit und laß ihn als einen durch dein Blut Gereinigten vor dem Thron Gottes erscheinen. Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über diesen Vierter Teil. Für Sterbende. Sterbenden; erhalte in ihm den Glauben, gieb Zeugnis seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sei, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichen Seufzen; heilige, stärke und begleite ihn zum ewigen Leben. O du heilige Dreieinigkeit! nimm diesen Sterbenden zu Gnaden an; gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Übertretung, gedenfe aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Nimm seine Seele in deine Hände, und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt sterbenden Leib am jüngsten Tage fröhlich und herrlich. Verleihe ihm die sanfte Ruhe in der fühlen Erde, bis sich in der allgemeinen Auferstehung Leib und Seele wieder mit einander vereinigen und zur Himmelswonne eingehen werden. Herr, Herr! weil seine Not und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht aus dem Sinn kommen das Andenken des gekreuzigten Jesu; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Schein in seiner Seele aufgehen; o Jesu, du rechter Morgenstern, erleuchte ihn zum ewigen Leben. Wenn er uns nicht mehr sehen kann, so gieb, daß er dich, o dreieiniger Gott! beständig im Glauben sehe, bis er dich schauen wird von Angesicht zu Angesicht. Ach! wenn nun sein Mund sich schließt, daß er nicht mehr beten kann, so bitte du für ihn, Jesu! Sei sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater; hilf ihm kämpfen und überwinden, und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm sein. Bricht auch der Todesschweiß aus, so stärke ihn und sei sein Beistand. O dreieiniger Gott! bleibe du bei ihm und erhalte ihn im Glauben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich vollenden wird. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen; Herr Gott Sohn! was du hast erlöst; Herr Gott heiliger Geist! was du haft geheiligt, das empfehlen wir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. 294 Seufzer, Sprüche und Gebete. Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Amstehenden den Sterbenden vorsprechen können.*) 295 Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen; kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Jes. 49, 14-16. Gott verläßt der feinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger Gott! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde! O mein Gott! du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach, bleibe es auch jetzt. O Jesu! bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag meines Lebens hat sich geneigt. Owerter heiliger Geist! stärke und erhalte mich im festen Glauben bis an mein Ende; erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, dem sterbe ich; auf sein Verdienst verlasse ich mich. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott! zu dir, meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Ps. 42, 1. 2. Laß deinen Engel mit mir fahren Auf Elias' Wagen rot, Und meine Seele wohl bewahren, Wie Lazarum nach seinem Tod; Laß sie ruhn in deinem Schoß, Erquicke sie mit Freud' und Trost, Bis der Leib fommt aus der Erden, Mit ihr wird vereinigt werden. Jesu! du Licht meiner Seele, wenn meine Augen dunkel werden, so laß in meiner Seele auffgehen die himmlische Klarheit; weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen, zeige mir alsdann deine Gestalt, und laß mich sehen dein Bild, wie du am Kreuze dich zu Tode geblutet hast. Ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück, denn mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jefus, bleibe bei mir, stärke mich im Glauben, und laß mich dein Eigentum sein, hier zeitlich und dort ewig. Ich bin arm und elend, der Herr aber forget für mich; du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht. Ps. 40, 18. *) Fromme Christen thun auch wohl, wenn sie selbige bei gesunden Tagen sich bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Kranfheit das Gehör vergehen sollte, sich felbft in Gott ermuntern können. 296 Vierter Teil. Für Sterbende. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rat Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu! auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele, ach! komm und löse mich aus, bringe meinen matten Leib zur Ruhe, und meine Seele nimm auf zu deiner ewigen Himmelsfreude. Ach höre, o Jesu! mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Not; du mein Seligmacher und Erretter, errette mich, löse mich auf und mache mich selig. Gieb dem Satan keine Macht über mich. Thue mir jetzt die Thüre auf zum Himmel und zum ewigen Leben. Ach! komm doch bald, erlöse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jef. 41, 10. O Herr Christ, du Morgenstern, Der du ewiglich aufgehst, Sei auch jetzt von mir nicht fern, Weil dein Blut mich hat erlöst; Hilf, daß ich mit Fried' und Freud' Mög' von hinnen fahren heut; Ach! sei du mein Licht und Straße, Mich dein Beistand nicht verlasse. O Jesu, mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Vater, der du zur Rechten Gottes sizest und vertrittst uns, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, werter heiliger Geist! du Tröster in aller Not, bleibe bei mir bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starken Beistand, mein Vater, mein Jesus und der heilige Geist ist bei mir, so will ich mit Freuden sterben. Dennoch bleibe ich stets bei dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Pf. 73, 23. 24. Hilf, daß ich ja nicht wanke Bon dir, Herr Jesu Christ! Den schwachen Glauben stärke In mir zu aller Frist; Hilf ritterlich mir ringen, Ach! habe auf mich acht, Bis ich kann fröhlich) singen: Ich hab's mit Gott vollbracht. Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott; ich weiche nicht von dir, ach! bleibe du auch bei mir. Jesu, wenn mein Kampf angeht, so hilf mir ringen, siegen und überwinden; wenn die Angst meines Herzens groß wird, so führe mich aus meinen Nöten. Ich bin ja dein Eigentum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, Wonne und Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig und werde zur ewigen Freude eingehen. Seufzer, Sprüche und Gebete. 297 Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenig getreu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude. Matth. 25, 23. Nun, ich warte mit Verlangen Auf den süßen Augenblick, Wenn du kommst, mich zu empfangen, komm und weiche nicht zurück; Nimm mich auf zu deinen Frommen, Komm, ich heiße dich willkommen, Komm, ach komm, o Gotteslamm, Nimm mich auf, mein Bräutigam. O Jesu! dir will ich in deiner Kraft und durch deines Geiftes Beistand getreu verbleiben bis in den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund! ich fliehe nicht von dir, mein Hirte! ich lasse dich nicht, mein Seelenbräutigam! außer dir kann mich nichts ergößzen. Führe mich, o liebster Freund! aus dem Elend zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselbigen werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Hiob 19, 25-27. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, Dem hab' ich mich ergeben, mit Freud' fahr' ich dahin; Mit Freud' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm komme Und ewig bei ihm sei. Ja, hiermit übergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott! in deinen Schutz und Gnade; meine teuer erkaufte Seele empfehle ich dir; ich sterbe und werde wieder auferstehen und ewig leben in der Himmelsfreude. O dreieiniger Gott! bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, verkürze meine Schmerzen, versüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem innerlichen Trost deines heiligen Geistes; denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst Jesu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Freudenangesicht schauen in der ewigen Himmelsfreude. Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ps. 17, 15. Ach! ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit, Jetzt werd' ich gar schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid, Mit der goldnen Ehrenkrone Stehe da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Mensch beschreiben fann. Ach, mein Jesu! freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit und an die Freude denkt, die du mir bereitet haft. Ich verlasse gern die Welt, weil ich zu meinem Jesu komme, zu meinem Seelenbräutigam; o wie wohl, o wie selig werd' ich sein, wenn er meine Seele als seine 298 Vierter Teil. Für Sterbende. Braut wird zur Hochzeit einführen, mir das weißze Kleid anlegen, mir die Krone aufsetzen, und mich ewig nach so vielen ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Trübsalen erquicken wird. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rührt sie an; von den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie sind im Frieden. Weish. 3, 1-3. Freu dich sehr, o meine Seele! Und vergiß jetzt Not und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Rust aus diesem Jammerthal; Und aus Trübsal, großem Leid, Sollst du fahren in die Freud', Die kein Ohr jemals gehöret, Und in Ewigkeit auch währet. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elend zu Gott, aus der Last zur Lust, aus der Angst zur Freude, aus der Eitelkeit zur Seligkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leiden zur Freude, darum freuet sich meine Seele. O mein Gott! hier bin ich, so nimm meine Seele hin; mache sie herrlich, mache sie selig. Mein Jesu! ich bin dein, du bist mein; wir wollen im Tod und Leben ungeschieden sein. Wir wissen, so unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott gebaut, ein Haus nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. 2 Kor. 5, 1. Da wird sein ein Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron, Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt, Gott der Vater, Sohn und Geist. Ach, lieber Herr Jesu! versiegele diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dies Haus und dies mein Sterbebett verlassen werde. Welch eine herrliche Wohnung und Freudenstätte hast du mir bereitet! da ist keine Angst, Jammer und Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit, Wonne, Sonne. Ei ja, wären wir da! Weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich innig anhangen; auf deine Gnade verlasse ich mich, in deine Wunden verberge ich mich, auf deinen Tod sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. Die Erlösten des Herrn werden wieder kommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne wird sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird weg müssen. Jes. 33, 10. Seufzer, Sprüche und Gebete. 299 Nun, es wird dennoch geschehen, Daß ich auch nach kurzer Zeit Meinen Heiland werde sehen In der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Not, Müh' und Furcht, zuletzt der Tod, Aber dort ist allezeit Friede, Freud' und Seligkeit. Gedenke, o Jesu! ich bin durch dein Blut erlöst, laß mich auch bald in dein himmlisches Zion kommen. Ich habe hier lange genug das Thränenbrot gegessen; ach! laß mich bald das süße Engels- und Himmelsbrot fosten. Seufzer und Schmerzen sind hier meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach! laß mich hören Freude und Wonne, laß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit thun; erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird; nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2 Timoth. 4, 7. 8. Nun ich hab' überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Not Durch seine heil'gen Wunden, Bin ich versöhnt mit Gott. O Jesu! hilf mir glücklich überwinden; wenn nun der letzte Kampf angeht, stehe mir bei, so wird er mir leicht werden; stärke mich, wenn ich kraftlos bin, hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden; halte mich Elenden in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folgt die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich geziert und von dir gekrönt werden nach meinem Tod! Zeige mir die Krone, die du mir beigelegt haft, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angethan werden. Offenb. Joh. 2, 10. Kap. 3, 5. Schaut mich mit meinem Kranze, Darin ein Sieger prangt, Beschaut mich in dem Glanze, Den meine Seel' erlangt; Ich trag' die Himmelskrone, Ich glänz' in Himmelspracht, Damit hat Gottes Sohne, Mein Jesus, mich bedacht. Von meines Jesu Liebe will ich nimmer lassen; ich habe ihn geliebt in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in den Tod. O Jesu! um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe, dir will getreu bleiben im Glauben bis in den Tod. Jesus in meinem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf' ich ein. Vierter Teil. Für Sterbende. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Röm. 8, 38. 39. 300 Jesum, Jesum will ich lieben Hier und dort in Ewigkeit, Sollte mich gleich hier betrüben Aller Jammer, alles Leid; Was frag' ich nach Höll' und Tod? Jesus hilft mir aus der Not; Der wird mich zur Freude führen, Wo die Seinen jubilieren. Ja, das ist mein Schluß, meinen Jesum lasse ich nicht. Ich bleibe im Glauben, ich halte mich an ihn; der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht. Jesus ist mein, ich bin sein und lege mich in meines Jesu Arme, darin will ich selig leben und sterben; o wie wohl! Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Jak. 1, 12. Herzlich thut mich verlangen Nach einem sel'gen End', Weil ich hier bin umfangen Mit Trübsal und Elend; Ich hab' Lust abzuscheiden Von dieser bösen Welt, Sehn' mich nach Himmelsfreuden. O Jesu! komm nun bald. Ach ja, o Jesu! komm zu mir, ach komm doch bald, mein Aufenthalt, und nimm mich hin in Frieden, gieb mir Geduld und Stärke; ich übergebe mich dir ganz und gar mit Leib und Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O Jesu! hilf mir durch deine große Gnade und Barmherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. Herr Gott, der du bist unsere Zuflucht für und für, sei auch jetzt meine Zuflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. O wie verlanget mich, Gottes Angesicht zu sehen, bei den Engeln und Auserwählten zu sein, in himmlischem Glanz und Klarheit einherzugehen. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott. Pf. 31, 6. Gleichwie sich fein Die Bögelein 3n hohle Bäum' verstecken, Wenn's trüb hergeht, Die Luft unftät Menschen und Vieh erschrecken, Also, Herr Christ, Mein Zuflucht ist Die Höhle deiner Wunden; Wenn Sünd' und Tod Mich bracht in Not, Hab' ich mich drein gefunden. Darin ich bleib', Wenn Seel' und Leib Hier von einander scheiden, So werd' ich dort Bei dir, mein Hort, Sein in den ew'gen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger Gott! zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den Seufzer, Sprüche und Gebete. 301 blutigen Wunden Jesu Christi, zu der Gütigkeit des heiligen Geistes. Diesem dreieinigen Gott empfehle ich Leib und Seele. Ach! nimm dein Kind nun auf, ich komm' in vollem Lauf! breit aus die Flügel beide, o Jesu! meine Freude, und nimm dein Küchlein ein; will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: dies Kind soll unverletzet sein. Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion, zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Hebr. 12, 22. 23. Mein Gott! ich bin bereit, Zum Himmel einzugehen, und in verklärtem Glanz Vor deinem Thron zu stehen; Was soll ich auf der Welt In Trübſal länger thun? Ach! hole mich zu dir, Dort kann ich sicher ruhn. Herr! eile mit mir fort, Hier wird mir's gar zu lange. Den Himmel wünsch' ich mir, Daß mich die Freud' umfange, Da ich dich schauen kann In alle Ewigkeit, Ach! eile bald mit mir, Mein Gott! ich bin bereit. Mein Jesu! wie herrlich wird der Anblick sein, wenn ich dich werde in deiner Herrlichkeit und alle Engel und Auserwählten in dem Himmel antreffen! Nun darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde und das Elend, und komme zur Herrlichkeit und Freude; ich verlasse die Menschen und komme zu den heiligen Engeln. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmer umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Joh. 10, 27. 28. Ich bin ein Glied an deinem Leib', Des tröst' ich mich von Herzen, Von dir ich ungeschieden bleib' In Todesnot und Schmerzen, Denn wo du bist, da komm' ich hin, Daß ich stets bei dir leb' und bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte Jesu! bringe mich, dein armes Schäflein, nun zur Himmelsfreude; laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen, du bist mächtiger und stärker als der Satan, dein bin ich und will auch dein bleiben. Satan hat keinen Teil und Recht an mir; aber dein Eigentum bin ich gewesen und will es auch ewig sein. Ach! nimm meine Seele, wie ein mattes Schäflein in deine Arme, und bringe es zur ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig, wenn ich bei meinem Jefu bin! Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an; ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach. Offenb. 14, 13. Vierter Teil. Für Sterbende. Herr! gieb mir in Todespein Ein' unverstellt' Gebärde, Und hilf, daß mir das Herze mein Fein sanft gebrochen werde, Und wie ein Licht ohn' alles Weh Auf dein unschuldig Blut vergeh', Tas du für mich vergossen. Ach Herr! sprich meiner Seele den Troft ein, ich werde in dir sterben. Jesu! du hast in mir gelebt, und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, in deinen Wunden, in deiner Gnade; laß meinen Jammer, Kummer, Schmerzen und Leiden aufhören, hingegen bringe mich zum ewig seligen Leben, da werde ich ruhen von aller Arbeit, Leiden und Schmerzen. O Jesu! höre mich, ja komm, Herr Jesu! 302 Der Herr wird mich erlösen von allem Übel, und aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 2 Timoth. 4, 18. Gott Lob, die Stund' ist kommen, Da werd' ich aufgenommen Ins schöne Paradeis; Ihr Freunde sollt nicht klagen, Mit Freunden sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei Lob, Ehr' und Preis. Gott eilet mit den Seinen, Läßt sie nicht lange weinen In diesem Thränenthal; Ein schnell und selig Sterben, Ist schnell und glücklich erben Des schönen Himmels Ehrensaal. O großer Gott! gedenke in Gnaden an mich und erbarme dich, ach! gieb mir ein stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erlöfungstag, und meine Todesstunde ist die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach! erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens; laß mich freudig anhören den Trost, der mir vorgesprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und Hoffnung bezeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Übel. - Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. Im Himmel ist gut wohnen, Wo mit dem Ehrenkleid Mein Jesus wird belohnen Der Frommen Herzeleid; Da glänzt der Leib und funkelt Gleichwie ein Edelstein, Das Licht wird nicht verdunkelt, Im Himmel ist gut sein. Ach, mein Jesu! laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: komm her, du gesegnete; ja, laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführt werden. Indessen fasse ich dich im Glauben, und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. Jes. 61, 10. Seufzer, Sprüche und Gebete. 303 O Jerusalem, du schöne, Ach, wie herrlich glänzest du! Ach, welch lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh'! O der großen Freud' und Wonne, Da jetzt gehet auf die Sonne, Da jetzt gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude, das weiße Ehrenkleid versüßt mir alle Bitterfeit des Todes. Der Tod ist nicht bitter, Jesus ist bei mir, der tröstet und erhält mich. Ach, mein Gott! lege mir an das himmlische Freudenkleid der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet hast. Deine Gerechtigkeit ist mein, und darum weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, ja, ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten; wie schön werde ich da geziert stehen vor dir. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. s Herr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht, Du, du fannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd' und Tod ansicht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, Herr Jesu, nach dem Streit In der frohen Ewigkeit. Ach, liebster Gott und Vater! laß mich auf Jesum Christum sanft und selig von hinnen scheiden; ich weiß, du haft mich geliebt und mir deinen Sohn gegeben; ich habe an ihn geglaubt, und will in solchem Glauben verharren bis zum letzten Augenblick meines Lebens. Ach! versichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich hier geglaubt, möge schauen im ewigen Leben. Ach, Jesu, stehe mir bei, ach, verlaß mich nicht. Wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 1 Petri 1, 18. 19. Du hast mich ja erlöset Von Sünd', Tod, Teufel, Höll', Es hat dein Blut gekostet, Drauf ich mein' Hoffnung stell'; Warum sollt' mir denn grauen Vor Tod und Grabesnacht, Weil ich auf dich kann bauen, So bin ich froh gemacht. Ich komme, o großer Gott! vor dich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blut zugeeignet habe. D du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner. Ach, gerechter Gott! siehe nicht an meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heilig 304 Vierter Teil. Für Sterbende. keit; dieselbe ergreife ich, in seine Wunden verberge ich mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deswillen sei mir gnädig und barmherzig. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu. Apoft.- Gesch. 4, 12. Jesus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr' ich mit Freuden hin, Fort aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Schaue solche Freude an, Die fein Mensch beschreiben kann. Jesu, mein einziges Heil und meine Zuflucht! ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach, erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße Jesusname und das Andenken seines vergoffenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person, soll nun in meinem Munde, Herzen und Gedanken bleiben. Herr Jesu, dir lebe ich, Herr Jesu, dir sterbe ich, Herr Jesu, dein bin ich tot und lebendig. Amen. Ob jemand fündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist, und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt. 1 Joh. 2, 1. 2. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Mein'n Arm thu' ich ausstrecken, So schlaf' ich ein Und ruhe fein, Rein Mensch kann mich aufwecken; Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. O großer Gott! die Zeit kommt herbei, daß ich soll abscheiden aus der Welt und vor dein Gericht treten; ach, himmlischer Vater! erbarme dich über mich, und nimm mich als dein Kind, das du erschaffen und geliebt haft, in Gnaden auf. O Jesu, bitte für mich, du bist mein Mittler, Fürbitter und Seligmacher. Nimm weg meine Sünden, kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. O werter heiliger Geist! wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringest zur ewigen Himmelswohnung. Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen, und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hülfe not sein wird. Hebr. 5, 16. Stärk mich mit deinem Freudengeist, Heil mich mit deinen Wunden, Wasch mich mit deinem Todesschweiß In meinen letzten Stunden, Und nimm mich einst, wenn dir's gefällt, 3m wahren Glauben von der Welt zu deinen Aus erwählten. Seufzer, Sprüche und Gebete. 305 Ach ja, um Jesu willen werde ich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Herr Gott Vater im Himmel! erbarme dich über mich, Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über mich, Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über mich und sei mir gnädig und barmherzig. Amen. sor Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde ge= macht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 2 Kor. 5, 21. In deine Seite will ich fliehen An meinem bittern Todesgang, Durch deine Wunden will ich ziehen Ins himmelische Vaterland, In das schöne Paradies, Wohin dein Mund den Schächer wies, Wirst du mich, Herr Christ, einführen Und mit ew'ger Klarheit zieren. Jesu! du hast weggenommen meine Sünden, und hast mir deine Gerechtigkeit geschenket; was mein ist, meine Sünden und Schulden, sind dir auferlegt, und was dein ist, deine Gerechtigkeit, ist mir geschenket; des freue ich mich, des tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd' eingehn. In Jesu bin ich gerecht, in ihm bin ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine Gerechtigkeit, darin kann ich fröhlich sterben und Gott angenehm sein. Und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein. Offenb. Joh. 22, 4. Dwie selig seid ihr doch, ihr Frommen! Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen; Ihr seid entgangen aller Not, Die uns noch hält gefangen. Chriſtus wäscht euch ab all eure Thränen, Ihr habt schon, wonach wir uns noch sehnen; Euch wird gesungen, Was in keines Menschen Ohr allhier gedrungen. Komm, o Jesu! konim mich auszuspannen, Lös mich auf und führ mich bald von dannen; Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud' und Wonne. Ach Jesu! ich freue mich auf die Stunde, da ich werde dein Freudenangesicht mit verklärten Augen sehen. Da wird mein Leib leuchten wie die Sonne, und meine Augen werden nicht mehr von Thränen naß, sondern voll Licht und Glanz sein; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich zur Herberge, bei dir aber im rechten und ewigen Vaterland. So wir im Lichte wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. 1 Joh. 1, 7. Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Neiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur sein, Ich will darein mich kleiden, Es soll sein meines Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor dem Thron Des ew'gen Vaters Starks Handbuch. 20 306 Vierter Teil. Für Sterbende. stehen, Und dir, dem ich hier angetraut, Als eine wohlgeschmückte Braut Zu deiner Rechten stehen. In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin lebe und sterbe ich; o Jesu! du in mir und ich in dir. Es ist nichts Verdammliches an mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Nun gehe ich zur Herrlichkeit ein; Jesu Blut heiligt, kleidet, ziert und macht mich rein. O himmlischer Vater, siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darin komme ich zu dir. Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Joh. 1, 29. O Lamm Gottes unschuldig! Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warst verachtet, All Sünd' hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarme dich unser, o Jesu! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden! Amen. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Joh. 17, 24. Ist's nun dein Will', so stell dich ein, Mich selig zu versetzen; Ach! ewiglich bei dir zu sein, Rann meine Seel' ergötzen; Eröffne dich, du Himmelsfaal, Damit ich nach der Not und Qual Zu meinem Jesu komme. O, welch eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das sein, wenn ich zu dir, o Jesu, kommen und dich von Angesicht zu Angesicht schauen werde. Ich habe dich schon hier geliebet, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich mich dann mit unaussprechlicher Freude ergötzen, wenn ich nun hinkomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten! O wie groß ist deine Herrlichkeit! ich habe davon hier in diesem Leben nicht die Hälfte gehört, was ich mit Augen dort bei dir sehen werde. Ach, ziehe mich zu dir, und bereite mich zu einem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Amen. Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber; leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Röm. 14, 7. 8. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! Ich bitt', wollst sein von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gnaden; Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Himmel und Erde frag' ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst; Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! In Schanden laß mich nimmermehr. Seufzer, Sprüche und Gebete. 307 O großer Gott! ich bin dein geworden in der heiligen Taufe, ich bin dein geblieben durch den Glauben; laß mich im Sterben auch dein Eigentum sein. O Jesu Christe, Gottes Sohn! Der du für mich genug gethan, Schließ mich in deine Wunden ein; Du bist allein der ein'ge Trost und Helfer mein. Amen. Halte im Gedächtnis Jesum Christum, der auferstanden ist von den Toten. 2 Timoth. 2, 8. Erschein du mir zum Bilde, Zum Trost in meiner Not, Wie du, Herr Christ, so milde, Dich hast geblut't zu Tod; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; ach ja, o Jesu! ich halte jetzt im Gedächtnis deine Marter und Pein, dein vergossenes Blut und heiligen Wunden. Jesu, ich umfasse dich, in mein Herz drück' ich dich; ach, weiche nicht von mir, mich verlangt nach dir, o mein Heiland, wär' ich bei dir. Herr, gedenke mein, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihn: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Luf. 23, 42. 43. Befiehlst du, Jesu! deinen Geist, Eh' du dein Leben hier beschleußt, In deines Vaters Hände; So greif dann, liebster Jesu! zu, Nimm meine Seel' in diesem Nu In deine treuen Hände, Senk ein die blutbespritzte Seel' In deine blut'ge Seitenhöhl' Jetzt und an meinem Ende. Mein Jesu! mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach, nimm meine durch dein teures Blut erkaufte Seele auf in deine Hände. deine Hände. Ach, laß sie dir befohlen sein, laß sie zur Freude in das Paradies eingehen. Ich spreche auch mit dem gläubigen Schächer: Herr Jesu, gedenke mein, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigentum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit sein. Das ist je gewißlich wahr und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. 1 Timoth. 1, 15. Jesu! du hast weggenommen Meine Schulden durch dein Blut, Laß es, o Erlöser kommen Meiner Seligkeit zu gut, Und weil du so gar zerschlagen Meine Sünd' am Kreuz getragen, O, so spreche mich denn frei, Daß ich ganz dein eigen sei. Herr, ich warte auf dein Heil! Jesus macht die Sünder selig und 20* 308 Vierter Teil. Für Sterbende. macht mich auch selig. Jesus nimmt die Sünder an und nimmt mich auch an. Ich bin und bleibe meines Jesu eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel und sehe, wie Jesus mich zu sich ruft. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Pf. 73, 25. 26. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir, Wenn ich den Tod foll leiden, So tritt du dann herfür. Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Ängsten, Kraft deiner Angst und Bein. O Jesu! mein Leben endigt sich; ach! nimm mich auf zu dir. Mein Hirte! nimm dein Schäflein; mein Bräutigam! nimm deine Braut; mein Vater! nimm dein Kind; mein Jesu! nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir! So bete, wünsche ich, so schließe ich meine Augen zu. Amen. Darnach fahe ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern, vor dem Thron stehen, und vor dem Lamm, mit weißen Kleidern angethan und Palmen in ihren Händen. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider hell gemacht in dem Blute des Lammes. Dff. Joh. 7, 9. 14. Wer sind die vor Gottes Throne? zieret eine Krone, Glänzet gleich den Loben Gott mit großem Schall. Was ist das für eine Schar, Welche Sternen klar, Singen Hallelujah all, Owie groß wird sein die Wonne, Wann wir werden allermeist Schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heil'gen Geist. Großer Gott! dir jei bereit't Lob und Preis in Ewigkeit. Ach, mein Jesu, ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst geben. Ich wasche indessen meine Seele in deinem heiligen Blute; ich eigne es mir zu; ach, nimm mich um dessen willen auf in dein ewiges Freudenleben. Amen. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Luk. 23, 46. Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Ap.- Gesch. 7, 58 Herr! meinen Geist befehl' ich dir, Mein Gott! mein Gott! weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände; O wahrer Gott! Aus aller Not Hilf mir an meinem Ende. O mein Jesu! ich bete jetzt auch mit dir. Dein letztes Wort am Kreuze soll auch mein letztes Wort in meinem Leben sein. Herr Jeſu! dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich tot und lebendig. Seufzer und Gebete. 309 Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchem Gerechtigkeit wohnet. 2 Petr. 3, 13. O Gottesstadt, o goldnes Licht, O Wohnung aller Freuden! Wann schau' ich Gottes Angesicht, wann endet sich mein Leiden? Wann schmeck' ich seine große Güte? O Lieb'! es brennet mein Gemüte, Ich lieg' und seufze mit Begier: O Jesu, Seelenfreund! hol mich zu dir. O Gott! wie selig werd' ich sein, Wann ich aus diesem Leben Zu dir geh' in dein Reich hinein, Das du mir dort wirst geben! Ach Herr! wird denn der Tag bald kommen, Daß ich zu dir werd' aufgenommen? Ach Herr! wann kommt die Stund' heran, Daß ich in Zion jauchzen kann? O du heiliger, dreieiniger Gott! nimm jetzt meine Seele auf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komm, Herr Jesu! ich warte auf dich, führe mich ein zu deiner Freude. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn! was du haft erlöset, Herr Gott heiliger Geist! was du hast geheiligt, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit. Amen. Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Aus dem Gesang: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Ach, mein Jesu! mein Sterbestündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum lehre mich, daß mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Erhalte mich im Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden, • Jesu! meine Hoffnung setze. Ach! in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung; laß deine Linke unter meinem Haupte sein, und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbestündlein durch den Trost deines heiligen Geistes, und laß mich hören Freud' und Wonne, bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt, Und ich soll fahren meine Straße, Ach, mein Jesu! ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du, o Jesu! bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater; o wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu dir, meinem Jesu! kommen soll, da werde ich Friede, Freude, Trost, Wonne, Sonne, ein herrliches Kleid, eine schöne Krone antreffen. O 310 Vierter Teil. Für Sterbende. wie wohl wird mir da sein! da wird all mein Jammer und Elend aufhören, und ich werde zur Ruhe, zur Freude und zur Seligkeit gelangen. Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir, o Jesu! treibe von mir meiner Seelen Feinde, schenke mir hingegen des Glaubens Freudigkeit und deines Trostes Süßigkeit, und damit ich die Todesgefahr mit Freuden selig antreten und vollbringen möge, So g'leit du mich, Herr Jesu Christ! Ach ja, o Jesu! begleite mich aus dem zeitlichen ins ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du, o Jesu! mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette und nimm meine Seele auf, wenn sie von dem Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meine Seelenaugen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich bringest zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schar der Auserwählten. Ja, begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters als dein Eigentum, damit ich daselbst Gnade erlange und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus der Welt stehe mir bei und Mit Hülf' mich nicht verlasſe. Ach! es kann mir in meinem Sterbeftündlein niemand helfen, als nur du, o Jesu! hilf mir und stärke meinen Glauben, und gieb Zeugnis meinem Geist, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sein, und als Gottes Kind das ewige Leben empfangen werde. Verlaß mich nicht, wenn ich im Tode erblasse, und ich die Todesfarbe anziehe. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen, alsdann sei und bleibe du das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir das Gehör vergeht, alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergeht, und ich nicht mehr beten kann, dann bitte für mich, o Jesu! o heiliger Geist! bete in mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude; ach nimm Mein' Seel' an meinem letzten End' in deinen Schutz und Gnade auf. O Jesu! du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft; ach! wasche und reinige sie, damit ich als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines zeitlichen Lebens, ach! so gieb mir ein vernünstiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich möge mein Herz, Augen und Gemüt zu dir richten und beten, so lange die Bunge lallen kann; seufzen, so lange der Atem in mir ist, ja, daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann; gieb mir ein fröh Seufzer und Gebete. 311 liches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich möge deiner Gemeinschaft, o Jesu! im Sterben genießen, die Süßigkeit deiner Inwohnung empfinden und durch den Trost und Beistand des heiligen Geistes erquickt werden. Gieb mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe, und mit dir vereinigt bleibe vor und nach dem Tode. Damit das möge geschehen, so übergebe ich dir meine Seele, und Befichl sie, Herr! in deine Händ'. O wie wohl wird sie darin verwahret sein! Siehe, ich habe dir darin meine Seele alle Tage anbefohlen, so soll auch jetzt dies mein Gebet sein: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Mein Jesu! du hast meine Seele mit deinem heiligen Blut erlöst von der Sünde und von der Gewalt des Teufels, darum befehle ich sie dir, sie ist dein Eigentum und soll auch dein bleiben in Ewigkeit. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmelsfreude; zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl sein. Deine Hände sind mächtig, niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, die hat keinen Teil an mir, nicht der Satan, den hast du überwunden. Deine Hände sind treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben sein, denn Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an den lieben jüngsten Tag, da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder vereinigen und sodann Leib und Seele der Himmelsfreude genießen lassen. Indes, Herr Jesu! erfreue, tröste und erquicke meine Seele in deiner Herrlichkeit. Verleihe mir nach dem Glauben das Schauen, nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elende die Erquickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet hast. 2. Meine Sünd'n werden mich kränken sehr. Ach ja, mein Jesu! ich gedenke heute an meine Sünden, ich gedenke daran und ist mir herzlich leid, daß ich dich Zeit meines Lebens so lange, oft und vielfältig erzürnt habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach, ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidigt habe; ach, hätte ich es doch nicht gethan! und wenn ich es noch zu thun hätte, so wollte ich es nun nimmermehr vollbringen. Aber, o Jesu! durch dein unschuldiges Blut, die schöne rote Flut, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr'r nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke. Ach, mein Jesu! wenn meine Sünden vor mein Krankenbett treten, mich Vierter Teil. Für Sterbende. ängstigen, verdammen und verklagen wollen, so tritt, o Jesu! du zu meiner Seite, und zeige mir deine heiligen Wunden, und durchstreiche mit deinem heiligen Blut das Sündenregister, und versiegele in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heiligen Geist. Nun, dessen tröste ich mich, wenn 312 Mein Gewissen mich wird nagen; Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich muß über meine Sünden ausstehen. D Sünde, wie bitter bist du auf dem Totenbette, wie machst du so angst und bange. Aber ach, mein Jesu, ich bitte um Gnade; ach, verzeih mir doch gnädig, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden begangen habe. Jesu! um deines vergoffenen Blutes willen verzeih mir alle meine Übertretungen, um deiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich. Um deiner ewigen Liebe willen nimm mich in Gnaden an; Gott sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; wasche mich wohl von meiner Missethat und reinige mich von meinen Sünden. So wird mein Gewissen befriedigt und mein Herz beruhigt werden. Ach! ich leugne nicht meine Missethaten und Sünden, ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viel sind, Denn ihr'r sind viel wie Sand am Meer; Ist des Sandes am Meer viel, noch viel mehr sind meine Sünden; viel hab' ich gesündigt mit Gedanken, Worten und Werken, von Jugend auf bis auf diese Stunde; so du mun, Herr, willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? Willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jedes unnützes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren; willst du mich richten und mir geben nach meinen Werken, o wie wird es mir ergehen. Ach, was soll ich Sünder machen? Ach, was soll ich fangen an? Mein Gewissen klagt mich an! Doch will ich nicht verzagen, Und warum sollte ich verzagen? Der himmlische Vater wird ja sein armes, bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen, Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist; ja vielmehr, der auferweckt ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der heilige Geist wird mein Beistand bleiben auch in meiner Todesnot, und mir Zeugnis geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, daß meine Sünden mir um Jeſu willen sollen vergeben sein, daß die Barmherzigkeit Gottes mich in die Seufzer und Gebete. 313 Arme fassen wird. O darum, so oft mich Satan, meine Sünde und mein Gewissen ängstigen und kränken will, so sollst du, o Jesu! meiner Seele Zuflucht und mein Trost sein. Gedenken will ich an den Tod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jesu! am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie du für mich dein Blut vergoffen haft, und sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warst verachtet; all Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarm dich meiner, o Jesu! Dein Tod bringt mir das Leben; weil du für mich gestorben, so soll ich nicht des ewigen Todes sterben und verdammt werden, sondern durch dich das Leben haben. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. So soll nun immer in meinem Herzen sein Jesu bitteres Leiden und sein vergossenes Blut; ja Herr Jesu! deine Wunden rot laß mir in mein Herz geschrieben sein. Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden; in denselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleich wie sich fein die Vögelein in hohle Bäum' verstecken, wenn in den Höh'n die Wetter gehn und Mensch und Vich erschrecken! Also, Herr Christ! mein' Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden; wenn Sünd' und Tod mich bracht' in Not, hab' ich darein mich funden. In deine heiligen Wunden verberge ich mich, und will darin selig leben und sterben; darin ist meine Seele wohl aufgehoben. Floß aus deinen heiligen Wunden Wasser und Blut, so ist mir dadurch die Reinigung von meinen Sünden und die Bersöhnung mit Gott versichert worden. Jesu Blut, Tod und Wunden sollen meine letzten Gedanken und Jesus! Jesus! Jesus! meine letzten Worte sein. O Jesu Christe, Gottes Sohn! der du für mich haft g'nug gethan, schließ mich in deine Wunden ein, du bist allein der ew'ge Trost und Helfer mein. Ja, mein Herr Jesu! deine Wunden, Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließt man meinen Leib in den Sarg ein, so will ich meine Seele in den Wunden Jesu einschließen. Darin wird sie erhalten werden; da kann sie der Satan nicht rauben; daraus kann sie fein Seelenfeind vertreiben; in diesen Wunden ruht sie und wird gebracht zu der Schar der Frommen. 314 Vierter Teil. Für Sterbende. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, O welch ein großer Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich ein Glied an deinem heiligen Leibe bin. In der heiligen Taufe bin ich neu und wiedergeboren worden, da bin ich geworden ein Glied der christlichen Kirche, deren Haupt Jesus ist; ist aber Jesus mein Haupt und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich da sein werde, wo mein Jesus ist. Jesus ist aber in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen; läffet auch das Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Ja, mein Jesus wird mich auch nach sich ziehen in sein ewiges himmlisches Freudenreich. Er hat verheißen: Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle nach mir ziehen. O Jesu! du bist ja erhöht zur Rechten deines himmlischen Vaters; zeuch mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude! Ach ja! du wirst mich, als dein Glied, teilhaftig machen deiner Herrlichkeit. Des tröst' ich mich von Herzen. Ein herrlicher Trost! Wenn das Haupt die Krone trägt, so freuen sich alle Glieder, und weil mein Jesus mit Schmuck und Ehren gekrönt ist, so werde ich nach dem Kampf und Sieg auch empfangen ein herrliches Kleid und eine schöne Krone von der Hand des Herrn. Das ist ein gewisser Trost, denn weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja, Gottes Erbe und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen und zur Herrlichkeit erhoben werden. O, sollte ich denn nicht gern sterben, und gern mit leiden und dulden, damit ich auch mit herrschen und leben möge? Das soll auch mein beständiger Trost sein. Jesus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen; Jesus, mein Heiland, wird mich selig machen, darum sage ich auch: Mein Jesu! Von dir ich ungeschieden bleib'. Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes mich scheiden soll von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn. Ja, nichts soll mich von Jesu scheiden; Kein Kreuz und Krankheit, darin will ich beständig aushalten; kein Kampf noch Angst meiner Seele, darin wird mir mein Jesus beistehen und mir überwinden helfen; ja auch der Tod nicht, sondern der wird mir die Thür aufthun, daß ich zu Jesu eingehe. Ich will von Jesu ungeschieden bleiben im Leben, Leiden und Sterben; Leib und Seele mögen sich scheiden, aber Jesus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; ich muß 315 Seufzer und Gebete. scheiden aus der Welt von meinen Freunden, von Jesu aber nimmermehr. O Jesu! ich habe dich allzutief in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich im wahren Glauben festhalten; bis du mich bringst zu deiner himmlischen Herrlichkeit. Jesus ist mein und ich bin meines Jesu allezeit, auch In Todesnot und Schmerzen. Ist die Todesnot eine große Not, so ist sie mir doch keine Not, weil Jesus bei mir ist. Ja, mein Jesu! willst du in dieser Not von mir weichen? O du treuer Seelenfreund, das wirst du nimmer thun. Du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Not; so erfülle auch deine Gnadenverheißung. Da die Todesnot die letzte ist, so wirst du sie, mein Heiland, mit deiner Gegenwart versüßen. Erschein du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Not, wie du, Herr Christ! so milde dich haft geblut't zu Tod, da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken und sagen: Herr Jesu! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Herr Jesu! dir lebe ich, Herr Jesu! dir sterbe ich, Herr Jesu! dein bin ich tot und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir: Ja, mein Jesu! ich will gerne sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in den Himmel kommen werde. Ich will im Glauben sterben auf dein Verdienst, Blut und Tod. Ich sterbe fröhlich und selig, aus Verlangen nach dir, als dein Kind, welches du bisher haft geliebet, als dein Schäflein, welches niemand aus deiner Hand reißen kann, als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet ist. Denn Ein ew'ges Leben hast du mir Ja wohl ein Leben; denn im Himmel bei dir in der Freude wird kein Ach und Weh, keine Krankheit und Schmerz, kein Leiden und Tod mehr sein, sondern Freude, Trost, Friede und Erquickung, Süßigkeit, Klarheit und Herrlichkeit soll ewig sein und nimmermehr aufhören. O Jesu, wie freue ich mich auf jenes Leben und jene Herrlichkeit! habe ich hier wenig gute Tage gehabt, und ist mein täglich Brot Mühe und Klage gewesen, so werde ich hingegen im Himmel lauter gute Freuden- und Erquickungstage haben. Da wird alles Trauern und Weinen weg sein, da wird mein Heiland abwischen alle Thränen von meinen Augen. O jelige Stunde, wenn ich zu diesem Freudenleben gelangen werde! Daß ich auch dazu gelangen werde, hast du mir Durch deinen Tod erworben. Du bist, o Lamm Gottes! für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde. Für mich bist du verspeit, gekreuzigt und 316 Vierter Teil. Für Sterbende. getötet; dein Tod versüßt meinen Tod, es kommt alles mir zu gut; dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen, tausend, tausend Mal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür. Dein Tod ist auch mir zu gut geschehen, dadurch bin ich mit Gott versöhnt, dadurch habe ich Friede, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und der Seelen Seligkeit erlangt. Weil du nun lebst, so werde ich auch leben. O darum sei getrost, meine Seele, und schaue mit Freuden gen Himmel. Jesus hat dir den Himmel erworben und daselbst eine Stätte bereitet; er spricht: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Habe ich hier keine bleibende Stätte, endigt sich mein Leben, bricht mein Herz, so scheidet sich Leib und Seele, so weiß ich schon wohin: zu Jesu, zu Jesu, meinem Heiland! Denn ich weiß, wenn dies Haus meiner irdischen Hütte durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau von Gott erbaut, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist im Himmel, und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, O, ein herrlicher Trost, den mir Gottes Wort giebt, wenn ich schon sterbe, soll ich doch wieder auferstehen. Obschon mein Leib wird schwach und matt in die Erde gelegt, ob er gleich darin wird zu Staub und Asche werden, so wird er doch nicht im Grabe bleiben, sondern herrlich wieder auferstehen; er soll leuchten wie die Sonne in des Vaters Reich, er soll verklärt, verherrlicht und mit weißen Kleidern angethan werden. Ist das nicht ein großer Trost für mich, daß mein Jesus vom Tode auferstanden ist? Er ist als das unschuldige Lamm Gottes für mich am Stamm des Kreuzes gestorben und begraben worden, aber siegreich am dritten Tage auferstanden. Jesus lebt, ich soll auch leben. Freude, o Trost! sterbe ich gleich, und mein Leib wird in die Erde gelegt, er soll wieder hervor kommen, mit Unsterblichkeit und Herrlichkeit angethan, Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so Werd' ich in Grab nicht bleiben. Jesus wird mir mein Leben wieder geben, und auch meine Glieder, Leib und Seele, die durch den Tod getrennt waren, in der seligen Auferstehung wieder vereinigen. D, darum legt meinen Leib nur ins Grab, ich bleibe doch nicht darin, das ist meine Schlafkammer, wo ich sanft schlafe, bis mich Jesus wird erwecken. Da ist mein Ruhebett; nach so vielem Wachen, schweren Leiden und Ungemach komme ich nun zur Ruhe. In meinem Grabe deckt Jesus mich mit seinen Gnadenflügeln, er bewahrt meine Gebeine, bis er sie wird wieder vereinigen, mir meiner Seufzer und Gebete. 317 Augen Licht, Haupt und Hände, ja, alle Glieder wieder geben. So wenig das Grab meinen Jesum hat halten können, so wenig wird es mich halten, wenn die letzte Posaune klingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, weil mein Leib da ruht von Sorgen, Arbeit und Schmerzen; meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquickt und getröstet werden. Ja, mein Heiland! nicht allein erfreut mich deine fiegreiche Auferstehung, sondern auch Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Als Jesus von den Toten auferstanden war, fuhr er gen Himmel und ging in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist vorgegangen, ich folge nach, ich werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Toten werden wir dem Herrn in den Wolken entgegen gerückt werden, da dann Leib und Seele mit einander sollen zu ihres Herrn Freude eingehen. Ach, mein Jesu! stelle mir diese herrliche Himmelfahrt fleißig vor, daß ich mich derselben möge bei meinem Absterben getrösten; erinnere mich, daß ich nicht kann gen Himmel fahren, ehe ich dies Sterbliche abgelegt habe und entkleidet bin. Das soll nun auch mein höchster und lieblichster Trost in meinem Sterben bleiben: Jesus lebt, ich werde auch leben; Jesus ist gen Himmel gefahren in die Herrlichkeit, er wird mich auch aufnehmen und derselben teilhaftig machen; was kann mir denn nun süßer und angenehmer sein, denn mein Jesus und seine Herrlichkeit? Todesfurcht kann sie vertreiben; Ich weiß, daß ich sterbe, aber ich fürchte mich nicht, denn meine Seele geht aus der irdischen, zerbrechlichen Hütte und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Bater, zu Jesu, meiner Seele Bräutigam; sollte ich mich denn fürchten? Ich gelange zur Herrlichkeit, zum ewigen Licht, zur Freude, zur Krone und zum weißen Kleide, das macht mir aber keine Furcht, sondern Trost und Freude; ich sterbe nicht, sondern nur mein Elend, meine Seele verliert ihr Kreuz und erlangt die himmlischen Güter, sie verläßt die Menschen und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja, mein Jesu! was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir, Denn wo du bist, da komm' ich hin, O welcher Trost ist das! nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich gen Himmel fahren und bei meinem Jefu in seiner Herrlichkeit 318 Vierter Teil. Für Sterbende. sein. Das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem Herrn. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. O welche Freude wird das sein, wenn mich Jesus in seine Arme fassen und zu der Herrlichkeit einführen wird! D mein Heiland, wann kommt denn die Stunde der seligen Vereinigung und Heimführung? Nicht allein hast du mich von der Verdammnis und Hölle befreit, nicht allein hast du der Seele Seligkeit erworben, nicht allein bist du vorangegangen und hast mir die Stätte bereitet, sondern du willst mich auch zu dir aufnehmen, wie du allen deinen Kindern verheißen: Ich will euch zu mir aufnehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. O wohlan, so ist mir wohl, wo Jesus ist, und dieses zu meinem Trost, Daß ich stets bei dir leb' und bin, Darum wird er mich zu sich nehmen, daß ich bei ihm leben soll in der himmlischen Herrlichkeit, meines himmlischen Vaters Wohnung ererben und aller himmlischen Güter teilhaftig werden; nun hat meine Wallfahrt ein Ende und ich bin daheim. Ja, auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen und sein Antlitz schauen, welches die allerunaussprechlichste Freude sein wird; ich soll bei ihm leben und durch ihn ewiglich erquickt werden, und weil ich dessen überzeugt bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. Warum wollte ich nicht mit Freuden sterben? Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin nach Gottes Willen; getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille, wie Gott mir verheißen hat; der Tod ist mein Schlaf worden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sünden um Jesu Blutes und Todes willen vergeben sind; ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferweckt werden; ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten und zu meinem Jesu kommen; darum mit Freuden fahr' ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus dem Jammerthal in den Freudensaal; denn aus Trübsal und großem Leid soll ich fahren in die Freud', die kein Ohr nie hat gehöret, und in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, Spricht mein Heiland: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott, so spreche ich auch in meinem Sterben: Ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himmlischen Vater, Seufzer und Gebete. zu meinem Jesu, zu dem heiligen Geist, und also zu dem dreieinigen Gott, zu meinem Immanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja, zu meinem Erlöser fahre ich erlöste Seele hin. Zu meinem Seligmacher eile ich, der wird mich in den Himmel führen und als eine durch sein Blut gereinigte Seele in Gnaden annehmen. Ach! wie verlangt mich, Jesum zu sehen in seiner Herrlichkeit, Jesum, den ich nie gesehen und doch lieb habe, zu umfassen! Darum 319 Mein' Arm' thu' ich ausstrecken, Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jesu, ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und nimmermehr zu lassen. Ich umfasse Jesum schon im Glauben, ich halte ihn, ich lasse ihn nicht, bis er mich führt in seines Vaters Haus zur Seligkeit. Ich strecke meine Arme aus und rufe: Ja komm, Herr Jesu! Ich erinnere mich, wie mein Jesus am Stamm des Kreuzes seine beiden Arme ausgestreckt hat, und also gestorben ist, als ob er mich umarmen wollte; so will ich auch sterben, mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfassen. O mein Seelenbräutigam! umfasse mich auch und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O welch seliger Eintritt wird das sein, wenn ich also werde von Jesu begleitet, geführt in den Himmel eingehen. Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben; wenn ich so sterbe, So schlaf' ich ein und ruhe sein: Wenn ich in den Armen Jesu ruhe, so schlafe ich fanft. Jesus in meinem Herzen, Jesus in meinem Sinn; in Gottes Namen schlaf ich ein. O Jesu! mache mir mein letztes Ende und meinen Tod zu einem süßen und sanften Schlaf, daß ich still im Glauben und in deiner Liebe verscheide. Laß auch meinen Leib in der kühlen Erde sanft schlafen bis an den lieben jüngsten Tag. Schläft mein Leib, so ruht auch meine Seele in der ewigen Freude und Seligkeit. D eine süße Ruhe, die niemand stören kann! Ich ruhe von meinem Kreuz und ruhe von allem Jammer, von Trauer und Betrübnis, ich ruhe von allen Schmerzen. Deine felige und himmlische Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte ich dann nicht schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu? Daraus Kein Mensch wird mich aufwecken; Tote erwecken ist ein Werk Gottes, darum hat auch kein Mensch von sich selbst die Kraft dazu. Mein Jesu! du bist wahrer Gott und Mensch, du haft Macht und Gewalt, die Toten aus den Gräbern zu rufen; denn deine Stimme wird in die Gräber dringen und die Toten werden auferstehen. O Jesu! so erwecke dann meinen Leib am frohen jüngsten Tage 320 Vierter Teil. Für Sterbende. zum ewigen Leben, damit der Leib, der hier gedient, auch möge verherrlicht werden. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun. Denn Jesus Christus Gottes Sohn Also lege ich nochmals mein Glaubensbekenntnis von Jesu vor meis nem Tode ab. Er ist Jesus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der verheißene Gesalbte, ja er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja Gott selbst. Auf diesen Jesum Christum will ich fröhlich und selig sterben; das Blut Jesu Chrifti, des Sohnes Gottes, macht uns rein von allen Sünden. Nun, derselbe Wird mir die Himmelsthür aufthun, Ach, mein Jesu! wenn meine Lebensthür sich schließt, so thue mir auf die Himmelsthüre. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht, ich habe auch durch den Glauben in der Lebensheiligkeit nach dem Himmel getrachtet, darum, o Jesu! thue mir die Himmelsthüre weit auf, wenn ich beschließe meines Lebens Lauf. O Jesu! öffne mir die Himmelsthüre, und sprich: Ei, du fromme und getreue Seele, gehe ein zu deines Herrn Freude. Komm her, du gesegnete, ererbe das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. O wie selig werde ich sein, wenn du mit solchen süßen Worten wirft Mich führ'n zum ew'gen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führt, so führe mich, o Jesu! in das ewige Leben, das niemals aufhört, zur Herrlichkeit, die du mir erworben, zur Freude, die in Ewigkeit währt, so sterbe ich selig und fröhlich. Nun bin ich bei Jesu, er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben versetzt in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich aus dem Glauben zum Schauen gelangt. Meinen lieben Gott von Angesicht werde ich anschauen, daran zweifle ich nicht in ewiger Freude und Herrlichkeit, die mir bereitet ist; ihm sei Lob und Preis in Ewigkeit. Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu: Halte im Gedächtnis Jesum Christum, gedenke an sein bitteres Leiden und Sterben. Tröste dich der Liebe des himmlischen Vaters, der dich in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen und jetzt als sein Kind in die ewige Herrlichkeit will aufnehmen. Tröste dich der blutigen Seufzer und Gebete. 321 Wunden Jesu Christi, die er sich für deine Sünden hat schlagen lassen; tröste dich seines heiligen Blutes, das er auch für deine Sünden vergossen. Tröste dich des Beistandes des heiligen Geistes, der dich geheiligt hat; auf diesen Dreieinigen lebe und sterbe selig. Amen. Segenswunsch über den Sterbenden. Fahre hin, du durch Jesum Chriftum teuer erkaufte Seele. Fahre hin zu deinem lieben Gott und Vater in Chrifto Jesu, der dich erschaffen und geliebt hat, den du kindlich gefürchtet und ihm vertraut hast. Fahre hin zu dem Herrn Jesu, dem teuersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich als sein Schäflein mit seinem Blut erkauft, an welchem du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu dem Tröster, dem heiligen Geist, der dich geheiligt und dich zu seinem Tempel und Wohnung erkoren hat. Fahre hin aus dem Leiden in die Freude. Fahre hin aus aller Not zu dem lebendigen Gott; der segne deinen Ausgang und Eingang, und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr laffe leuchten sein Angesicht über dich und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen. Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden. du heiliger und gerechter Gott! so hat es dir gefallen, diesen vor unsern Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach! laß uns an diesem Tode lernen, daß wir auch sterben und die Welt verlassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch wahre Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Welteitelkeiten und Sünden dazu bereiten mögen. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude, und erfülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Gläubigen in deinem heiligen Wort gethan; dem Leib gönne in der Erde eine sanfte und süße Ruhe bis an den lieben jüngsten Tag, da du Leib und Seele wieder vereinigen und zu der Herrlichkeit einführen wirst; damit der ganze Mensch, der dir hier gedient, dort möge mit himmlischer Freude erfüllt werden. Tröste auch die durch diesen Tod Betrübten, und sei und bleibe der Hinterlaffenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand, verlaß sie nicht und thue nicht von ihnen die Hand ab, laß sie deiner Güte, Gnade, Liebe, Trost und Hülfe reichlich genießen, bis du sie auch wirst fröhlich und selig sterben lassen. Ach! erhöre uns, um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Starks Handbuch. 21 322 Vierter Teil. Festandachten. Festandachten. Der andächtige Christ betrachtet zur Adventszeit Chrifti Ankunft im Fleisch. Aufmunterung. Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel, und auf einem jungen Füllen der Eselin. Zach. 9, 9. Ist je eine Zeit, welche gottergebene Seelen gern mit Andacht hinbringen, so sind es die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohlthaten Gottes erwäget. Obgleich die meisten Namenchriften die heiligen Festzeiten teils mit üppigkeit und Wollust, teils mit Stolz und Kleiderpracht, teils mit Müßiggang und unartigem Geschwätz lassen vorbeigehen, und daher die Liebe und Gnade des Allerhöchsten wenig zu Herzen nehmen, sich auch in ihrem Christentum wenig erbauen, so ist hingegen ein gläubiges Kind Gottes ganz anders gesinnt, denn dasselbe 1) freut sich auf die bevorstehenden Festzeiten, um alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenkt. 2) In der heiligen Adventszeit betrachtet es die Liebe des himmlischen Vaters, der seines einzigen Sohnes nicht verschonet hat, sondern ihn in die Welt gesandt, zu leiden und zu sterben, um den Menschen die Seligkeit zu erwerben. 3) Es siehet an die brünstige Liebe Jesu, welcher sich in unser armes Fleisch und Blut gekleidet, damit er uns möge zum Himmel und zur Seligkeit bringen. Es preiset die Gnade des heiligen Geistes, welcher die geschenkten Wohlthaten den gläubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellt, zueignet und empfinden läßt, als ob sie heute erst wären geschehen. Daher läßt es 4) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebets sein, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, mit Anstimmung der Festlieder und mit einem stillen und gottseligen Wandel anfängt und vollendet. Gebet. du gnadenreicher Jesu! der du gekommen bist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schuß und Gnade abermals haft erleben lassen. Ach! gieb deines heiligen Geistes Kraft, daß ich sie möge in deiner Furcht, mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Zur Adventszeit. 323 Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der du bist gewesen, ehe noch der Welt Grund gelegt war, bist ins Fleisch gekommen, ein wahrer Mensch geworden, daß du uns möchtest erlösen und selig machen. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen, darum kommst du zu uns auf Erden, auf daß du uns alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Fremde, Gefangene und Feinde Gottes geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft soll alles wieder gut gemacht werden. Ogroße Gnade! o unaussprechliche Liebe! um deinetwillen, o Jesu! sollen die Fremden Freunde, die Gefangenen Erlöste und die Feinde Gottes Geliebte, die Sünder Kinder und die Gefallenen wieder aufgerichtet werden. O heilige Ankunft, dadurch wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen, und die wir vorher. aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren sollen angethan werden. Das ist je gewißlich wahr, und ein teuer wertes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gieb mir zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich möge dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht hören, im Herzen behalten und annehmen, im Glauben, in deiner Erkenntnis und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als da sind: Keuschheit, Demut, Sanftmut, Geborsam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir möge eine selige und heilsame Ankunft sein. Ach! bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ach, Herr Jesu! ich nehme dich auf im Glauben, ich liebe dich, ich ehre dich, ich folge dir; komm herein, du Gesegneter des Herrn, warum stehest du draußen? 21* 324 Vierter Teil. Festandachten. ich habe mein Herz dir durch deine Gnade bereitet. Konim in mein Herz, ich will dich als meinen einigen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben fassen, dein Verdienst und Gerechtigkeit mir zueignen. Komm in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltliche Eitelkeiten, Luftbarkeiten, ja Sünde und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Einwohner und meines Herzens Beherrscher seist. Ach! wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich und suche bei dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen, denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein! O Jesu, du kamst als König; ach! regiere hinfort in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr in mir herrschen könne. Du kamst als ein Gerechter; ach! mache mich gerecht und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott! denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, und mich mit dem Rock der Gerechtigkeit geschmücket. Du kamst arm, daß du mich mögest reich machen an meiner Seele, reich im Glauben und an himmlischen Gütern. Du kamst demütig, mache mich auch demütig, daß ich von dir lerne Demut und Sanftmut, und dieselbe in meinem Leben bei allen Ge legenheiten ausübe. O du König der Ehren! ziehe auch in die Thore meines Herzens ein; siehe, ich thue durch deine Kraft sie dir weit auf, regiere mich hinfort mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und Tempel beständig bis an mein seliges Ende bleiben möge. Mein Herz will dich auch haben gern, Du Gottessohn, du Davidsstern, Du wahrer Weibessamen, Du Siloh, Heiland, Hirt und Heil, Mein Bruder, Gnadenthron und Teil, Komm in des Herren Namen. Komm, König, Friedefürst und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, Du Licht und Trost der Heiden! O Seligmacher, Hülf' und Schuß, Versöhner, Nat, Prophet und Trutz, Zieh in mein Herz mit Freuden. An Weihnachten. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Hier ist Immanuel! So laßt uns jetzo sagen Zur angenehmen Zeit In diesen Freudentagen! Hier ist Immanuel! Der uns die Gnade bringt, Und dem die Christenheit Das Hosianna singt. 325 2. Hier ist Immanuel! Den hat uns Gott gesendet, Und mit demselbigen Sein Herz zu uns gewendet; Hier ist Immanuel! Ach seht! wie Gott uns liebt, Da er zu unserm Heil Sein liebstes Kind dargiebt. 3. Hier ist Immanuel! Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Opferlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Immanuel! Wir sind von Strafen frei, Es fället uns kein Fall, Wie groß er immer sei. 4. Hier ist Immanuel! Die Sünd' ist uns vergeben, Gott schenkt uns Gnad' um Gnad', Wir sollen ewig leben; Hier ist Immanuel! Gott will uns gnädig sein, Es macht uns Jesu Blut Von allen Sünden rein. 5. Hier ist Immanuel! Kein Unfall kann uns töten; Sieh, Jesus ist bei uns In allen unsern Nöten; Hier ist Immanuel! Erschreckt uns Angst und Not, So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und Gott. 6. Hier ist Immanuel! Laßt uns die Sünde hassen, Und alle Lieb' der Welt Aus Lieb' zu ihm verlassen; Hier ist Immanuel! Der Seelen Trost und Licht, Den fasse jedermann In Glaubenszuversicht. 7. Hier ist Immanuel! Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Immanuel! Des freut sich Leib und Seel', Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Immanuel! Der andächtige Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt Jefu Chrifti. Aufmunterung. Da die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Geſetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Gal. 4, 4. 5. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen Freude in dem ganzen Königreich, zu dessen Trost er geboren ist, so kann Christi Jesu Geburt nicht anders, als allen Menschen erfreulich sein. Die Engel freuen sich in den Lüften, und verkündigen große Freude den Menschen; warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen? 1) Über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht hat verschont, sondern ihn für uns dahingegeben. 2) Über die Freundlichkeit Jesu, daß er sich nicht 326 Vierter Teil. Festandachten. weigert, ob er schon Gott und Gottes Sohn ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen, und ein kleines Kind zu werden. Es wundern sich 3) Gläubige im Stillen über den heilsamen Rat Gottes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn sollte anstatt der Menschen leiden, und sie mit Gott versöhnen. Sie verwundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch seine Feinde waren, Röm. 5, 10., anbietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst bedürftig waren. Daher 5) danken sie ihm desto herzlicher dafür, nachdem der Rat Gottes von unserer Seligkeit ihnen kund geworden, begeben sich gern in die Ordnung des Heils, daß sie Jesum im Glauben aufnehmen und im gottseligen und frommen Wandel folgen. Deswegen ihnen auch die heiligen Weihnachtstage Bet-, Freuden-, Lob- und Danktage werden. Gebet. Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. O Herr, hilf! o Herr, laß wohlgelingen! gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Auf, meine Seele! und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und zu deiner Erbauung an, und sprich: O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! ach, daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rüb men könnte! Gott ist die Liebe; dieses erkennt mein Herz und Gemüte an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel gefunden, die Menschen zur Gnade zu brin gen, daran kein Engel noch Mensch hätte denken können, daß die mittelste Person in der Gottheit sollte Mensch werden, um dadurch die menschliche Natur wieder zu bheilen und zu reinigen. O du holdseliger Jesu! dir sei ewig Lob und Dank für deine Menschwerdung und Geburt; du wirst ein Menschenkind, damit wir möchten Gottes Kinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht ers höhet, du hast sie mit deiner Gottheit vereinigt und sie in den Rat der heiligen Dreieinigkeit gebracht. O Liebe, o Gnade! so gewiß die menschliche Natur mit der gött An Weihnachten. 327 lichen vereinigt ist, so gewiß ist zwischen Gott und Menschen eine ewige Freundschaft, Versöhnung, Friede und ewige Liebe gestiftet. Wenn uns Gott in seinem Sohne ansieht, so kann er nicht anders, als uns gnädig sein; er hat seines Geliebten nicht geschont, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? nämlich Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Frieden, Leben und Seligkeit. O der großen Liebe Jeſu! der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Geburt heiligte; er hat zugenommen an Alter und Weisheit, damit er unsere Jugend heiligte. Sei willkommen, du edler Gast! die Sünder nicht verschmähet hast, du kommst ins Elend her zu mir, wie soll ich's immer danken dir. O mein liebster Seelenfreund, mein Bruder! ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübsal, einen Seligmacher, wenn mich meine Sünden ängstigen, einen Beistand in Nöten, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führt, die Wahrheit, die mich lehrt, das Leben, das mich lebendig macht. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig macht, mein Hoherpriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missethaten, das vollkommene Lösegeld für meine Übertretung. O werter heiliger Geist! wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Trost, diese Freude, dieses Heil abermal verfündigen läsfest. Ich freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Feste und sage: Mein Jeſus ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein; das Kind ist mir geboren, der Sohn ist auch mir gegeben, er hat auch mir die Gnade Gottes, die Kindschaft und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, erworben und geschenket. O Jesu, den ich im Geist in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich und freundlich bist du! Ach, verleihe mir Gnade, daß ich 328 Vierter Teil. Festandachten. dein nie mehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil! heilige mich, ich ergebe mich dir mit allem, was ich bin und habe; ach, mein Bräutigam! umfasse mich, dir will ich leben, dir will ich dienen, aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach! laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung sein in Zeit und Ewigkeit. Schließ mich in deine Liebe und behalte mich darin, daß ich in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und der Seele Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist Mensch geboren, wenn ich nun an ihn glaube, so soll ich nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin, und weil Jesus in mir lebt. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben, nicht die Anklage des Gewissens wegen meiner Sünden; hier ist mein Fürsprecher Jesus. Drum sag an, inein Herzensbräutigam, Mein' Hoffnung, Freud' und Leben, Mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, Was soll ich dir doch geben? Ach! nimm von mir Leib, Seel' und Geist, Ja, alles, was Mensch ist und heißt; Ich will mich ganz verschreiben, Dir ewig treu zu bleiben. Amen. Gesang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. O welch ein Freudenfest, O welche frohe Stunden, Da Jesus, Gottes Sohn, In Windeln wird gefunden! Es ist mein ganzes Herz Auf dieses Kind gericht't, Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. 2. D Lieb', o große Lieb'! Wer da mit mir bedenket, Daß Gott uns seinen Sohn Zum Leben hat geschenket. O große Vaterlieb', Die uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 3.D Treue! Jesus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat er sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd' genommen; Er kommt und bringet uns Zur Kron', zur Herrlichkeit, Zum Erbteil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud'. Am Jahresschlusse. 329 4. O große Gnad'! es kann Ein jeder Gnad' erlangen. Wer diesem Jesu wird In Glaub' und Lieb' anhangen; O Gnade, die uns Troft Und wahres Leben giebt! Seht, dieser Gnad' genießt, Der Jesum herzlich liebt. 5. Freud'! denn unsre Sünd' Sind insgesamt vergeben; Vergeben in der Zeit Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich willig ein, Will unser Lösegeld und Seligmacher sein. 6. O Trost! so sind wir denn Mit Gott ganz ausgeföhnet; Wer glaubt, wird nicht verdammt, Vielmehr durch ihn gekrönet; Des Herren Jesu Blut, Tod und Gerechtigkeit Ist unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu! du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gotteskind Soll hier und dorten werden; Du kommst und nimmſt auf dich All meine Sündenschuld, Hingegen schenkst du mir Des Vaters Lieb' und Huld. 8. Du kommst und willst auch mir In Heiligung vorgehen, Wie ich soll heilig sein, Das soll ich an dir sehen; Wohlan, ich folge nach! Mein Jesus nur allein Soll, weil ich leb' auf Erd', Mein Licht und Führer sein. 9. Deswegen knie' ich hier Vor deiner Krippe nieder, Ich stimm' mit Freuden an Die frohen Weihnachtslieder; Nimm an den Lobgesang, Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund! Nichts Beßres geben kann. 10. Ich will allein mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach! laß mich neue Gnad' Bei deiner Krippe finden. Mein Jesu! ich bin dein, Ach! sei und bleibe mein, Und laß mich nimmermehr Von dir geschieden sein. Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Beschluß des Jahres. Aufmunterung. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Pj. 103, 1. 2. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott freuen, wenn er sie läßt eine Woche oder Monat glücklich zurücklegen, warum soll sich nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr gelebt haben? Wie viel Leiden kann uns in einem Tag begegnen, wie vielmehr in einem ganzen Jahr! Wenn ein andächtiger Christ den Schluß des Jahres erlebt, so hebt er Hände, Herz und Mund zum Himmel, und schließt es mit Loben, Danken und 330 Vierter Teil. Festandachten. Beten, und zwar ist es ihm nicht genug, daß er nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank! das Jahr ist vorbei; sondern 1) dankt er Gott, daß er ihm dieses Jahr sein heiliges Wort zur Seelenheiligung hat lassen predigen, den Weg zum Himmel weisen, durch das heilige Abendmahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Hervorbringung der Glaubensfrüchte verliehen. 2) Er fragt sich, ob er auch das Jahr über frommer geworden, wie alt er an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sei, da er allein nach der alten leiblichen Geburt abermals ein Jahr zurückgelegt hat. Er bittet 3) Gott auch herzlich und inbrünstig um Verzeihung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er preiset Gott für die vielen leiblichen Wohlthaten, daß er ihn ernährt, versorgt, beschützt, errettet, erhalten, gesegnet, bewahrt und begleitet hat. 5) Hat ihm Gott eine Krankheit, Leiden und Trübfal zugeschickt, aber auch wieder davon befreit, so soll er besonders ihm dafür danken, und sich am Ende des Jahres, so viel wie möglich, erinnern, was in jeder Woche oder Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sei, auf daß also die letzten Tage des Jahres ihm Lob-, Bet-, Dank- und Bußtage werden, dabei er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahre anfleht. Gebet. Wie ie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich! O du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! also spricht meine in deiner Gnade sich erfreuende Seele, da ich nun abermal unter deinem Schutz und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott! wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie werden trunken von den reichen Gü tern deines Hauses; du tränkest sie mit Wollust, als mit einem Strom; denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Mein Gott! der Tage im Jahre sind viele, aber deiner Wohlthaten noch viel mehr, Stunden und Minuten im Jahr kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwiesen, find unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heiliges Wort haft lassen lauter und rein predigen und Am Jahresschluffe. 331 darin mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen. Ach! versiegele alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen, und gieb mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben danach einrichte. Ich danke dir, daß du mich öfters in dem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut hast gespeist und getränfet; laß es mir zu meiner Glaubensstärfung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir öfters die Sünde vergeben und die verdiente Strafe abgewendet haft; ach, gieb mir Kraft, daß ich mich in diesem Jahre davor hüte und sie nicht wieder vorsätzlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung beschert, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, in meinem Elend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet wie einen Augapfel im Auge, du haft mich beschirmet vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in Not mich erböret, und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron dringen lassen. Du hast in meiner Trübsal mir Hülfe gesendet vom Heiligtum und mich gestärkt aus Zion. Du hast deinen Segen über mich ausgeschüttet, du haft dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du liebreicher Vater! hast mich, dein Kind, an deiner Hand geführt; du, mächtiger König! hast mich, deinen Unterthan, wider meine Feinde beschüßt; du getreuer Hirt! hast mich, dein Schäflein, auf grüner Aue geweidet; du hast mich lebendig erhalten, da jene in die Hölle fuhren; deine Güte und Treue hat mich von Anfang des Jahres bis an das Ende begleitet. Deine Weisheit hat mich geleitet, deine Liebe hat mich bedeckt, deine Hülfe hat mich erfreut, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Vaterhand hat mir alles gegeben, dein allsehendes Auge hat acht auf mich gehabt und meinen 332 Vierter Teil. Festandachten. Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein Übel begegnete. Sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat. Haft du mich zuweilen große und viele Angst erfahren lassen, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergößet. War mir oft mals Gefahr und Not nahe, so war auch deine Hülfe nahe und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach, mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach! alle Sünden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Ach! strafe mich deswegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um Jesu willen. Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Herr, Herr! so schließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demütig an, bleibe auch mein Schuß und gnädiger Gott in dem neuen Jahre; halte deine Hand über mich, und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerbin befohlen sein. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte; Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüte Mit seinem reichen Trost erfüllt; Dem Gott, der allen Jammer stillt; Gebt unserm Gott die Ehre! Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedenket, Wie viel mir Gottes Hand In diesem Jahr geschenket; Wie er mich hat versorgt Und väterlich bewahrt, Und mich gesund und wohl Bis diese Stund' verspart. 2. Wie kann ich solche Gnad', Mein Vater! g'nugsam preisen? Ach, könnt' mein froher Geist Recht dankbar sich erweisen! O, daß doch all mein Blut Nur eine Zunge wär', Und jeder Aderschlag Erhöhe deine Ehr'! Im Anfang des Jahres. 333 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget, Und deinen Segensstrom Mir reichlich zugeneiget; An Notdurst, Speis' und Trank Hat's niemals mir gefehlt, Doch eher sind die Stern', Als deine Güt', gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge, Und vor dir, treuer Gott! Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines Jesu Sinn. 5. Denn ach, die Sündenlast Liegt mir auf meinem Herzen, Ach! die genoßne Lust Bringt jetzt mir bittre Schmerzen, Daß ich gesündigt hab', Ach! leider tausendmal, Was sag' ich tausendmal? So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein Gott, Dieselben mir verzeihen, und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad' verleihen; Nimm weg die Schuld und Straf, Vertilg sie ganz und gar, Und straf deswegen nicht mich in dem neuen Jahr. 7. Ich will mich dir hiermit Zum Eigentum ergeben, Die Seele samt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben; Ach! schließ die Meinigen In deine Fürsorg' ein, Und lasse, was ich hab', Dir auch empfohlen sein. 8. Beschütze ferner mich Und gieb mir deinen Segen, Erhalte, was ich hab', Sei bei mir, und hingegen Wend ab des Unglücks Sturm, Und bleibe stets mein Gott, Zugleich hab acht auf mich Im Leben, Not und Tod. 9. So will ich denn das Jahr Mit dir, mein Gott, beschließen, Ach! laß im neuen auch Mich deiner Huld genießen; Und sollt' dasfelbige Vielleicht das letzte sein, So führ mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. Der andächtige Christ betet im Anfang des Jahres. Aufmunterung. Der Herr unser Gott sei uns freundlich, und fördere das Werk unserer Hände bei uns, ja das Werk unserer Hände wolle er fördern. Ps. 90, 17. Abgleich vorwitzige aber auch kleinmütige Menschen am Anfang des Jahres gern wissen möchten, ob ihnen das Jahr werde glücklich sein, so stehet es doch nicht in eines Menschen Macht, solches jemand kund zu thun, denn zukünftige Dinge weiß der Herr allein. Deswegen ist dieses allen zu raten, welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist, daß ſie 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen, die Güte des Höchsten preisen, der sie unter so vielen Sturmwinden des 334 Vierter Teil. Festandachten. Leidens, unter so vielen Fluten der Trübsal glücklich ein neues Jahr hat antreten lassen. Und gewiß hat ein Schiff großes Glück, das durch Sturm und Wellen durchkommt, so hat man auch Gott auf den Knieen zu danken, wenn er uns ein Jahr glücklich und gesund hat erleben lassen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner beschützen, regieren und erhalten wolle. Verlaß mich auch in diesem Jahre nicht, sprechen sie, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Sie befehlen Gott ihren Leib und Seele und alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschutz. 3) Sie befleißigen sich auch in dem neuen Jahre, andächtiger und frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr möge in die neue Geburt gehören. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren prangen, und sind doch dabei irdisch gesinnt und der Welt ergeben, die haben keinen größeren Ruhm, als ein alter Jude oder Heide, der sie vielleicht an Jahren übertrifft. Denn die Frömmigkeit, als welche eine Frucht des Glaubens und der inwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei Anfang des neuen Jahres vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren und darnach ihr Leben einzurichten. Gebet. Herr, Herr! barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis, fiche, ich habe unter deinem Schußz abermals ein neues Jahr angetreten. Herr! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! du machst sie trunken von den reichen Gütern deines Hauses, denn Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. Dieses Alles habe ich, mein Gott und Vater! das vorige Jahr erfahren, darum will ich das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen anfangen. Herr! frühe, im Eintritt des Jahres, wollest du meine Stimme hören; frühe, in den ersten Stunden desselben, wollest du darauf merken. Ach, Herr! ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahre begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viel, das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, Im Anfang des Jahres. welche die Menschen treffen können, sind unzählig. Darum komme ich zu dir, o starker und liebreicher Gott! und will mich gleich im Anfang deiner Gnade und Treue befehlen. Ach! da alles neu wird,- das Land will von neuem grünen, die Sonne höher steigen, alles wird mit neuen Kräften belebt, so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mich neu werden. Ich empfehle dir meine Seele in deinen gnädigen Vater- Schußz; bewahre sie, daß ich sie nicht mit mutwilligen Sünden beflecke. Herr Jesu! heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blute. Gott heiliger Geist! wohne in ihr, laß sie dein Tempel sein. O wie ein gesegnetes Jahr wird mir dieses sein, wenn ich, o himmlischer Vater! in deiner Gnade bleibe und als dein Kind lebe. O wie glücklich werde ich sein, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu! werde stehen. O wie schön werde ich geschmückt einhergehen, wenn du, werter heiliger Geist! in mir wohnen und mich regieren wirst. Ist des Königs Tochter herrlich geschmückt inwendig, so werde ich in diesem Kleinod dir auch gefallen. Und weil du mir bisher Leben und Gesundheit als edle Gabe verliehen, so wollest du dieselben mir auch in diesem Jahre, wenn es dein väterlicher Wille und meiner Seele heilsam ist, gnädiglich erhalten, damit ich zu deinem Dienste und zur Verrichtung meines Berufs tüchtig sein möge. Sollte es dir aber gefallen, mir Krankheit und Schmerzen aufzulegen, so weiche nicht von mir, und wenn ich Pein leide, so lindere mir's und laß auch deine Erquickungsstunde erscheinen, da du mir alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, Herr, mein Gott! über mich und die Meinigen, sei eine freurige Mauer um uns her, wie um Elisa, bewahre uns wie das Haus Hiob. Verleihe mir die Kraft deines heiligen Geistes, daß ich dieses Jahr recht fromm und ein wahres Kind Gottes werde, daß ich sei ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und 335 336 Vierter Teil. Festandachten. Thäter des Wortes. Hilf, daß in dem neuen Jahre es von meinem Seelenzustande heißen möge: Das Alte ist vergangen, es ist alles neu geworden, daß ich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, neue Triebe, mich mit dir zu vereinigen und darin zu bleiben. Ach! heilige mich durch und durch, daß mein Geist, samt Seele und Leib mögen unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Chrifti. Gieb mir neuen Eifer in meinem Christentum, im Guten zu wachsen und zuzunehmen. Segne meinen Beruf und Arbeit, segne meinen Ausgang und Eingang, gieb mir, was deine Segenshand mir bestimmt hat. Laß mich aber bei dem Anfang dieses Jahres gedenken, daß einst das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereit halten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Lenden gegürtet sein lassen, dich, o mein Bräutigam und gnädiger Gott! mit Freuden zu empfangen und zu deinem mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach! gieb mir nach deinem Willen Einen neuen Sinn und Geist, Der, was dein Befehl uns heißt, Mich lehr' unverrückt erfüllen; Daß mein Geist, samt Seel' und Leib, Deines Geistes Wohnung bleib'. Jesu, laß mich fröhlich enden Dieses angefangne Jahr, Trage mich auf deinen Händen, Stehe bei mir in Gefahr. Ach! hilf mir in aller Not Und verlaß mich nicht im Tod; Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich muß die Welt verlassen. Amen. Gejang. Mel.: Allein Gott in der Höh' jet Ehr'. 1. Gott Lob! das neue Jahr bricht ein, Es ist schon angehoben, Ach! könnt' ich doch recht dankbar sein, Und Gott vollkommen loben; Ich schenk' mich dir, ach, schenk dich mir, Mein Gott, mein Licht und Lebenszier, Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel' regiere, Der mich im Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere; Der mich erfülle jederzeit Mit Hoffnung, Lieb' und Heiligkeit und bleibe stets mein Führer. In der heil. Passionszeit. 3. Laß mich in Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen, Und durch den siegesvollen Streit Des Fleisches Lüfte zähmen; Auf daß ich bleibe fromm hinfort Zu aller Zeit, an allem Ort Und bleibe mein Regierer. 337 4. Ach, großer Gott! verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete; Wend nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach, hör, erhöre meine Bitt', Ach, teil mir deine Hülfe mit Und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt' noch mehr, o Gott! von dir: Ach, gieb mir deinen Segen; Den wolle deine Liebe mir In meinem Thun beilegen; Ach, liebster Bater! segne mich, Mein Auge schauet nur auf dich; Ach, bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich forgen; Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zustand nicht verborgen; Drum sorg für mich auch dieses Jahr, Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Versorger. 7. Sollt' mich auch treffen Kreuz und Leid, So beut mir deine Hände, Verleih die Hülfestund' beizeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach, gieb mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Huld, Und bleibe mein Erretter. 8. Ja, tröste mich zur Leidenszeit, Und laß mich bald empfinden Der Kinder Troft und Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; O Gott des Trostes! wende nicht Von mir dein Licht und Angesicht, Und bleibe stets mein Tröster. 9. Sollt' auch dies Jahr das letzte sein, Das ich noch soll erleben, So führe mich zur Freude ein, Da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Krone nach dem Kampf und Streit, In Herrlichkeit und Wonne. Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jeſu Chrifti im Anfange der heiligen Fastenzeit. Aufmunterung. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 2 Kor. 5, 21. Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit besonderer Betrachtung des Leidens Jesu hingebracht; welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder Gottes ift. Ob nun aber gleich der Satan die Weltkinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und 22 Starts Handbuch. 338 Vierter Teil. Festandachten. Andacht, sondern mit Saufen, Freffen, Maskeraden, üppigkeit und Gottlosigkeit anfangen, womit sie bezeugen, sie fragen nichts nach dem gekreuzigten Herrn Jesu, und treten sein Blut mit Füßen; so sind wahre Kinder Gottes anders gesinnt und haben daran einen Greuel. 1) Sie fangen die Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich so viel möglich aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor die Augen; Jesum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Richthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, im Grabe, und sprechen bei jeder Betrachtung: das ist alles für mich geschehen. 3) Wie sie nun diese heilige Betrachtung zu Hause und in der Kirche anstellen, so sind sie nicht vergnügt mit der äußerlichen Historie, fie lassen auch nicht mit der Fastenzeit ihre Andacht schwinden, sondern wie sie sich der Wunden Jesu im Leben und Sterben getrösten, so haben sie allezeit im Gedächtnis den gekreuzigten und auferstandenen Jesum. Welches Andenken sie 4) antreibt zur Kreuzigung ihrer Lüfte und Begierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf dieser Welt, oder vorsätzlich sündigen, damit sie der Sünde desto mehr absterben und geistlicher Weise auferstehen. Welcher Fleiß, Verlangen und Wunsch 5) von Gott zu ihres Lebens Heiligung wird gesegnet sein. Gebet. Ach, Jesu! mein Jesu! wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittern Leiden mir erwiesen hast. Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der Herr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde gethan hat; und siehe! du ergiebst dich in den allerschmählichsten Tod und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. Ö! wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trägt meine Unheiligkeit, der Fromme trägt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld, dir werden meine Sünden aufgelegt, da mit mir deine Gerechtigkeit geschenft würde. Mein Jesu! an deinem Leiden kann ich sehen den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Greuel und Strafe der Sünden. Denn hat Gott um fremder Missethaten und um zuge In der heil. Passionszeit. 339 rechneter Sünde willen dich, unschuldiges Lamm! so erbärmlich am Ölberg selbst gemartert, und durch deiner Feinde Hände so erbärmlich zurichten lassen, wie hart werden dann einst gestraft werden, die durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur Lebensbeiligung bewegen lassen? Mein Jesu! ich trete jetzt zu dir, und schaue dein Leiden gläubig an. Du gehest in den Garten Gethsemane und schwitzest blutigen Schweiß, ach, für mich! damit ich von der Gewalt des Satans befreit würde. Du wirst vor Gericht geführt, verklaget und zum Tode verdammet, ach, für mich! damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht stehe, Losgesprochen werde. Du hast vor Gericht lauter Ankläger, aber keinen Fürsprecher, ach, für mich! damit, wenn mich meine Sünden und mein Gewissen anflagen, du mein Fürsprecher sein mögest. Du wirst gegeißelt und dein Leib fließet mit Blut, die Pflüger ziehen ihre Furchen lang auf deinem Rücken, ach, für mich! damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführt, ach, für mich! damit mein Todesweg mir heilsam und ein Durchgang zum Himmel, ja, ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gekreuzigt, ach, für mich! du Lamm Gottes hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuz, ach, für mich! daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben, ach, für mich! damit du mein Grab( heiligen mögeft. Ist das nicht Liebe, nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Frieden hätte und davon befreit würde. Nun will ich dies Leiden mir vor Augen setzen, mich stets daran ergößen, ich sei auch, wo ich sei. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel' sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. War Israel von aller Schuld und Strafe frei, 22* 340 Vierter Teil. Festandachten. wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte und dessen heißes Blut vergießen sah, so weiß ich auch, weil du, o Jesu! du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes für mich geschlachtet bist und dein heißes Blut reichlich für mich vergossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden und mit Gott versöhnt bin. Dein Blut ist das rechte Ver föhnungsopfer, Reinigungs- und Besprengungsblut. O mein Jesu! an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich zur Sünde verleiten, deine blutige Gestalt am Ob berg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösen Grempel, mich ihr gleich zu stellen, reizen will. In deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen ängstiget; ja, in meiner Todesstunde will ich von nichts, als von dir, o Jefu! wissen; dein heiliger Jesusname soll mein letztes Wort, deine blutige Gestalt meine letzten Gedanken, dein letztes Wort am Kreuz auch mein letzter Seufzer im Sterben sein: Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist. In solcher meis ner letzten Stunde, o Jesu! sei mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand und alsdann Erscheine mir zum Bilde, Zum Troft in meiner Not, Wie du, Herr Christ, so milde Dich haft geblut't zu Tod'. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Es stirbt mein bester Freund, Mein Jesus, ach, mein Leben! Sieh, er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben; Er neiget nun sein Haupt Am hohen Kreuzesstamm, Es sinket in den Tod Mein Seelenbräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, Daß ich nicht möchte sterben, Daß ich errettet werd' Vom ewigen Verderben; Ach ja, er stirbt für mich, Für Am Karfreitag. 341 meine Sünd' und Schuld, Befreit mich von der Straf', Und bringt mir Gottes Huld. 3. Es stirbt mein bester Freund, Und dennoch nicht mein Lieben, Mein Jesus bleibet tief In meiner Seel' geschrieben; Ich lieb' ihn, weil ich leb', Ich lieb' ihn auch im Tod, Ich lieb' ihn in dem Kreuz Und aller meiner Not. 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen, Und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubensaugen sehen; Mein Freund, hier ist mein Herz, Da senke dich hinein, Das soll dein Eigentum Und deine Ruh'statt sein. 5. Ich will mein Herze dir Hiermit zu eigen schenken; Ich will bis in den Tod An deinen Tod gedenken; Ach! lebe, weil ich leb', Mein Seelenfreund, in mir, Und sterb' ich dermaleinst, So sterb' ich, Jesu! dir. Mico Jesus in seinem Blute. Gejang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bittre Leiden, Welches Jesus muß ausstehn Wie die Juden und die Heiden Grausam mit dem Herrn umgehn; Kommt und schaut die Marter an, Ob sie euch bewegen kann, Ob vielleicht euch dieser Schmerze Rühren mög' das harte Herze. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig sein; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja, die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wut, Schauet das vergoßne Blut, Ob's euch könnt' zurücke ziehen, Daß ihr mögt die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreuzesstamm Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das Gotteslamm, Wie sein heißes Blut noch fließt, Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße möcht' erwecken. 4. Jesu, liebster Jesu! schreibe Dieses alles in mein Herz, Daß ich eingedenk verbleibe, Wie dein Leiden und dein Schmerz, Wie dein Sterben und dein Blut, Komm' mir Armen auch zu gut, Daß ich möge daraus sehen, Was auf Sünd' für Straf' ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich steh', Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh', Blutig auf der Lagerstätt, Blutig auf dem Sterbebett, Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. 6. Jesu, stell dein Blut und Wunden Immer vor mein Angesicht; In den Wunden hab' ich funden Gnade, Leben, Trost und Licht. Deine Marter, Tod und Pein, Soll im Tod mein Labsal sein, Und so lang ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. 342 Vierter Teil. Festandachten. Der andächtige Christ erwägt den Todestag Jesu, oder den Karfreitag. Aufmunterung. Der Gerechte kommt um, und niemand ist, der es zu Herzen nehme. Und heilige Leute werden aufgerafft, und niemand achtet darauf. Jes. 57, 1. Abgleich der Kar- oder Stille Freitag, welcher der Leidens- und Todestag unsers hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Scham und Furcht vor Menschen stille zugebracht wird, so haben dagegen wahre Kinder Gottes sich diesen Tag zu ihrer besonderen Andacht erwählt. Sie erwägen an demselben das Leiden Jesu 1) als ein aus Liebe über sich genommenes Leiden. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maßen, die dich gebracht auf diese Marterstraßen. Liebe drang ihn, daß er Mensch wurde; Liebe bewegte ihn, daß er sich für uns dahingab und am Kreuze starb. 2) Als ein unschuldiges Leiden. Man soll nicht meinen, als ob der Heiland im geringsten etwas gethan, das der Strafe wert gewesen sei; denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesondert; er hat auch keine Sünde gethan, und ist kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Also war es ein von Seiten Jesu unverdientes Leiden, aber um unsertwillen nahm er es willig auf sich. Es war 3) ein von seinem himmlischen Vater zugeschicktes und bestimmtes Leiden; denn weil er nach dem wohlbedachten Rat Gottes gelitten, Ap.Gesch. 2, 23., so wußte Jesus auch alles, was ihm begegnen sollte. Aber damit sind die Juden nicht entschuldigt, als ob sie Gottes Willen vollbringen müssen; denn Gott hätte ihn vollends zu Tode martern können, als er schon im blutigen Schweiß auf der Erde lag; er hat aber der Juden Eigenwillen und Bosheit dazu gebraucht, deren Absicht nicht war, Gottes Willen zu erfüllen, sondern ihre Bosheit und Mutwillen an Christo auszuüben. Wie also Josefs Brüder ihn nicht verkauft haben, ihren Bruder zum großen Herrn zu machen, sondern sie gedachten es böse mit ihm zu machen, Gott aber dachte anders. 1 Mos. 50, 20. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlet hat. Dieses Alles zieht eine gläubige Seele in Betrachtung, und es läßt sich ein Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde, und ein Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen sein. Gebet. du liebreicher und holdseliger Jesu! ich komme zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu erwägen. Am Karfreitag. i Ach! laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier, Daß mir's nie komme aus dem Sinn, Wie viel ich dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 343 O du unschuldig erwürgtes Lamm! du hast gelitten, daß dir alle meine, ja aller Menschen Sünden, Schulden, Missethaten, Ungerechtigkeiten und Bosheiten aufgebürdet und zugerechnet würden, so daß du vor dem göttlichen Gericht als der größte Sünder, ja, als die Sünde selbst angesehen wurdest. Waren aber, unbeflecktes Lamm! unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen wie Wasserfluten; da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetischen Lehramts, aber in deinem Leiden wurde alles verdoppelt; da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammung zum Tode, daß du mußteſt vor zwei Gerichten erscheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und vor beiden zum Tode verdammt werden, sondern nachdem der Stab über dir gebrochen und das Todesurteil gesprochen war, mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeißelt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder! ob ein Schmerz jemals gewesen sei, als unsers Jesu Schmerzen; sein Haupt war mit Dornen gekrönt, sein Leib mit Blut beflossen und durch die scharfen mit eisernen Haken versehenen Geißeln wund geschlagen, am Kreuze wurden Hände und Füße durchnagelt, die Seite mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein war sein heiliger Leib so erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele betrübt war bis in den Tod; die Zorneswut und Höllenangst griff ihn also an, daß er am Kreuze schrie: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? 344 Vierter Teil. Festandachten. darauf endlich der Tod selbst folgte. Erwürgtes Lamm! das hast du alles mir zu gut und zum besten, zu meinem Trost und Frieden, zu meiner Erlösung und Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden, denn ſo nicht wäre gekommen Christus in die Welt, und sich angenommen unsere arme Gestalt, und für unsere Sünde gestorben williglich, so hätten wir müssen verdammt ſein ewiglich. Wenn ich an dich glaube, und dein heiliges Blut in Glaubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge, und rechte Glaubensfrüchte bringe, so bin ich nicht verloren, sondern werde durch dich das ewige Leben haben. O mein Jesu! laß dein bitteres Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein, daß ich mich dessen tröfte, dadurch fromm, gerecht und selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein heilig Bild vor Augen stehe. Laß dein Leiden, Blut und Wunden auf meine Hand und in mein Herz eingeschrieben stehen, daß bei jedem Atemzug nichts als Jesu Leiden, Blut und Tod in meinen Gedanken sei, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, gebeiligt, gewaschen und gereinigt werde. Mein Jesu! wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreuet, tröstet, erwecket und erbauet, also auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach, für mich hast du auch gebetet: vergieb ihnen und dieser Seele, was sie wider dich gethan hat. Für mich hast du ge schrieen: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? daß ich nie, nicht in Kreuz und Nöten, nicht im Sterben und vor Gericht, nicht am jungsten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig verlassen würde. Für mich hast du gesagt: Mich dürftet. Ach gieb, daß ich im Glauben dich wieder umfassen, nach dir dürsten und nach dir wie ein Hirsch nach frischem Wasser verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich haft du gesorgt, da du sprachst zu Johanne: Das ist deine Am Karfreitag. Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz in Trübfal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich annehmen, dich meiner erbarmen, für mich sorgen, mir helfen und gnädig sein. Ach! laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Versichere mich dessen in gesunden Tagen, rufe es mir zu auf meinem Sterbebett, laß es an mir erfüllt werden nach meinem Tode. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht. Nun ist alles gethan, was ich hätte thun, nun ist alles gelitten, was ich hätte leiden sollen. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Troft. Seliafeit. Die Krone dein Le und Fr fehle ic vorgesp Wenn end So soll de Es soll sei Des ew'ge Als eine ne Hart traf mich das Schicksal, als ich die traurige Nachricht erhielt, daß mein geliebter, herzensguter Mann, meiner Kinder treusorgender Vater, mein geliebter Sohn und lieber Bruder, Schwiegersohn, Schwager, Pate und Onkel Martin Kühlborn Schütze in einer Panz.- Jäg.- Abt. am 24. Januar 1945 im fast vollendeten 35. Lebensjahr im Westen den Heldentod fand. Wiedersehen war seine und unsere größte Holfnung. I In unsagbarem Schmerz: Frau Anna Elisabeth Kühlborn geb. Kühlborn, Minna und Erna( Kinder), Witwe Barbara Kühlborn( Mutter), Joh. Kühlborn( Schwiegervater), Obgfr. Ludw. Kühlborn( Bruder), z.Zt. im Osten, und Familie, Familie Andr. Führ, Familie Adam Rohde und alle Verwandten. Kirchhof, Heßlar, den 20. März 1945. Die Gedächtnisfeier findet am Sonntag, den 25. März, um 2 Uhr in der Kirche zu Kirchhof statt. 345 a, t= P= ir n Mel: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begeben, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mög' anheben Das Freudenleben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, und teilet allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir die Sündenliebe fliehen, Uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt und trägt, seht doch die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zu Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergöße, Die Kron' aufsetze. 344 Vierter Teil. Festandachten. darauf endlich der Tod selbst folgte. Erwürgtes Lamm! das hast du alles mir zu gut und zum besten, zu meinem Trost und Frieden, zu meiner Erlösung und Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden, denn so nicht wäre gekommen Christus in die Welt, und sich angenommen unsere arme Gestalt, und für unsere Sünde gestorben williglich, so hätten wir müssen verdammt ſein ewiglich. Wenn ich an dich glaube, und dein heiliges Blut in Glaubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, ich bin durch dich selig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge, und rechte Glaubensfrüchte bringe, so bin ich nicht norfaren fandanes based o ei, fie an andere achte abzutreten, aber die Saish daß ewige Bestimmungen sind doch so gehalten und so gefaßt, daß egliche Art von Menschenhandel mit Gefangenen aus= den alleschlossen ist. Wenn also in Jalta eine Absprache über sein, as Schicksal der deutschen Gefangenen in Amerika und und felichter getroffen worden iſt, dann haben die Regierunen in von aus mir nickonvention glatt aufgehoben, weil sie mit ihrer MaßTahme den Gefangenen feines vertraglich ausbedungeLeiden, ren Schubes berauben. Herz eins fich genau überlegen, ob es flug geweſen ist, ben als nd ob es für sie ratsam sein wird, dieses Versprechen sei, daßurchzuführen. Gerade Verlekungen der Roten- KrenzDie Regierungen Englands und Amerikas mögen Bestimmungen eigene gewascher diesmal ganz besonders heftig ausfallen dürfte, enn Roosevelt und Churchill das grenzenlose Berbre Leiden then beachen würden, die Gefangenen den bolichewisti bauet, also auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach, für mich hast du auch gebetet: vergieb ihnen und dieser Seele, was sie wider dich gethan hat. Für mich hast du ge schrieen: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? daß ich nie, nicht in Kreuz und Nöten, nicht im Sterben und vor Gericht, nicht am jüngsten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig verlassen würde. Für mich hast du gesagt: Mich dürftet. Ach gieb, daß ich im Glauben dich wieder umfassen, nach dir dürften und nach dir wie ein Hirsch nach frischem Wasser verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich hast du gesorgt, da du sprachst zu Johanne: Das ist deine n bt a 11 11 6 11 1 Am Karfreitag. 345 Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich annehmen, dich meiner erbarmen, für mich sorgen, mir helfen und gnädig sein. Ach! laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Versichere mich dessen in gesunden Tagen, rufe es mir zu auf meinem Sterbebett, laß es an mir erfüllt werden nach meinem Tode. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht. Nun ist alles gethan, was ich hätte thun, nun ist alles gelitten, was ich hätte leiden sollen. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Kleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir ein Troftund Freudenwort werden: Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist; so will ich beten, wie du mir vorgesprochen haft: Wenn endlich ich soll gehen ein Zu deines Reiches Freuden, So soll dein Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein kleiden; Es soll sein meines Hauptes Kron', Mit welcher ich will vor dem Thron Des ew'gen Vaters stehen, Und dir, dem ich mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut, Zu deiner Rechten gehen. Amen. Gejang. Mel Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begeben, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mög' anheben Das Freudenleben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, und teilet allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir die Sündenliebe fliehen, uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt und trägt, seht doch die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zu Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergöße, Die Kron' aufsetze. 346 Vierter Teil. Festandachten. 5. Er stirbet, sehet, wie sein Blut noch fließet, Das er, als das Versöhnungsblut, vergießet; Dies Blut wird uns versüßtes Labsal geben Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach schaut, sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh' gefunden; Nun kann ich, da die Freiheit stehet offen, Auch Gnade hoffen. dunignil 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlaffen. 90 30 8. Mein Jesu, wärst du nicht also gestorben, So wären wir an leib und Seel' verdorben; Nun aber kann mich niemand mehr verdammen Zur Höllenflammen. 9. Im Sterben schenkst du mir das Freudenleben, Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben; Wer an dich glaubt und wer da neu geboren, Ist nicht verloren. Ex hipogo 10. Ich will im Glauben dich, o Jesu! fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen; Von deiner Liebe foll mich ja nichts scheiden Kein Tod noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen, Zur Gab' und Opfer, wie Dankbare pflegen; Bespreng's mit deinem Blut und mach es reine, Denn es ist deine. 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach! laß mich deinen guten Geift regieren; Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende In deine Hände. Der andächtige Christ freut sich über die Auferstehung Jesu Christi. Aufmunterung. Ich bin der Lebendige; ich war tot, und siehe ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüffel der Hölle und des Todes. Offenb. Joh. 1, 18. Es ist das heilige Osterfest ein Freudenfest aller Kinder Gottes, welche sich in ihrem auferstandenen Jesu herzlich freuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung; denn nachdem Jesus von den Toten auferstanden, der sich als Bürge, für uns genug zu thun, dargestellt hatte, so ist auch die Bezahlung völlig geschehen. Gott ist versöhnt, er hat den Tod seines Sohnes für unsern Tod angenommen, und uns um seinetwillen das Leben geschenket. Es freuen sich gläubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugen und Zeugnisse von der Auferstehung An Ostern. 347 ihres Jesu. Ist es nicht ein herrliches Zeugnis, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1 Kor. 15, 5., daß er sonderlich mit seinen Jüngern. geredet, gegessen, Ap.- Gesch. 10, 41., sich von ihnen berühren und angreifen lassen, Joh. 20, 25., 1 Joh. 1, 1., welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Ja, der Unglaube wird durch einen jeden Gläubigen noch besiegt; weil Jesus in uns lebt, Gal. 2, 20., so muß er ja auferstanden sein und leben. Sie freuen sich 3) mit ihnen ist versiegelt und versichert die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott, daß sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wieder zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jesu auch im Tode und Sterben quicken werde; Jesus hat ihren Tod auch im Sterben versüßet und ihr Grab geheiligt, und sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Deswegen 5) bringen sie die heiligen Ostertage, wie die übrigen Feste, in Herzensandacht, mit Gebet, Singen und Betrachtung der Wohlthaten Gottes hin, befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen, und ihr Sündengrab, das ist ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden zu verlassen, hingegen im Glauben und Heiligung ihr übriges Leben dem Herrn zu Ehren anzuwenden. Gebet. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten, die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Auferstandener Jesu, mächtiger Siegesfürst Jesu Christi, Überwinder des Todes, starfer Simson! aus deiner Auferstehung entsteht in meinem Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses heilige Fest begehe, und sage mit gebeugtem Knie und mit gefalteten Händen: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum! Jesus ist auferstanden von den Toten, das ist eine fröhliche Botschaft! Der Bürge ist aus dem Kerfer des Grabes losgelassen, darum muß die Sünde getilget, Gott versöhnet und die Schuld bezahlet sein. Wer will uns verdammen, Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr der auferwecket ist, welcher sißt zur rechten Hand Gottes und vertritt uns. Jesus hat dem Tode 348 Vierter Teil. Festandachten. die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. O Jesu! liebster Freund! deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich sage an diesem Feste: Jesu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen, denn durch Chrifti Blut und Wunden, durch seine Auferstehung habe ich Vergebung aller meiner Sünden, so viel, so groß und schwer sie immer sind. Hier ist ein vollkommenes Lösegeld, eine vollkommene Erlösung; an Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja, zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan iſt ein überwundener Feind, wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen; wird er mich verklagen, so bittet Jesus für mich und schenkt mir seine Gerechtigkeit, darin ich vor Gott gerecht und selig bin. Die Hölle erschreckt mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle, wer nun an ihn glaubt, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert und die Seligkeit bestätigt ist. Jesus lebt und ich werde auch leben, hier im Glauben mit ihm vereinigt und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen, wie alle Menschen, sondern ich werde auferstehen als ein Kind Gottes, als ein Miterbe Jesu Christi, kraft seines Verdienstes und Genugthuung. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht, ich sehe es an als eine Ruhekammer, als der Mutter Schoß, als den Ort meiner Ruhe, wo mich mein Heiland wird schlafen lassen, An Ostern. 349 bis er wird sprechen: Stehet auf, ihr Toten! und kommt vor das Gericht. O der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben! Auferstandener Jesu! wie kann ich genugsam deine Gnade und Barmherzigkeit ausbreiten, rühmen und preisen? O Liebe, die mir das Leben und Seligkeit schenket! Nun ist alles wieder gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. Ach, mein Heiland! deine Auferstehung soll mir auch einen fräftigen Trost in meinem Leiden geben. Du lagst verschlossen im Grabe, aber du gingst herrlich hervor; also wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hülf- und Erquickungssonne wird mir wieder scheinen. O Jesu! du bliebst nur drei Tage im Grabe, also ist mir nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt; auf die mühsamen Leidensjahre kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du standest auf und hatteft einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig oder schmerzhaft, sondern glänzend wie die Sonne. So wird mein Leib auch herrlich und verklärt werden, wenn du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen, und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedient und geheiligt gewesen sind, werden auch des Himmels Glanz teilhaftig und verherrlicht werden. Ja, weil du, o Jesu! lebst, so habe ich an dir einen treuen beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschüßzen, in Traurigkeit erfreuen, im Tode erquicken, im Grabe bewahren und dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Wenn mir gleich alle Welt stürb' ab, G'nug, daß ich Jesum bei mir hab'. Er nährt, er schützt, er tröstet mich, Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich; Wo er jetzt lebt, da komm' ich hin; Weil ich ein Glied sein's Leibes bin... Amen. 350 Vierter Teil. Festandachten. Gejang. Mel.: Jesus, meine Zuversicht. 1. Jesus lebt, des freu' ich mich, Er ist von dem Tod erstanden, Er hat aus dem Grabe sich Und von allen Todesbanden Als ein starker Held befreit, der großen Herrlichkeit! 2. Jesus lebt, er ist nicht tot, Laffet seine Feinde toben, Er ist außer Angst und Not, Laffet uns den Herren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. Jesus lebt! denn er hat sich Von gar vielen lassen sehen, Darum glaub' ich feftiglich Und darf nicht im Zweifel stehen; Mir schad't nicht der Apfelbiß, Denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht In den Tod geleget nieder; Er starb zu der Leidenszeit Und stand auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja sein auferstanden, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sündenbanden Durch sein Leben völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. 6. Nun will ich das Freudenfest Mit Gebet und Dank hinbringen, Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freudenlieder singen; Jesus, Jesus soll allein. In dem Mund und Herzen sein. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd' in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich sträflich an mir hab', Liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finstrer Erden, Weil ich ganz gesichert bin, Ich werd' auserwecket werden; Deckt mich nur mit Erde zu, Hier ist meines Schlafes Ruh'. 9. Weil mein liebster Jesus lebt, Werd' ich Hülfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt, Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein Jesus schütet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 10. Jesus lebt! er wird mich nicht In der Angst und Not verlassen, Auch nicht, wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblaffen; Alsdann führt mich seine Hand In mein wahres Vaterland. 11. Jesus lebt! dies Wort soll sein Auch mein Labsal in dem Sterben, Das versüßt die Todespein, Und befreit mich vom Verderben, Nach dem Tod' werd' ich aufstehn Und zur Lammeshochzeit gehn. Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Chrifti. Aufmunterung. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Joh. 20, 17. Am Himmelfahrtsfeste. 351 Die ie Betrachtung der Himmelfahrt Jesu, unseres Heilandes, kann nicht anders, als einer gläubigen Seele sehr tröstlich und erfreulich sein. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil nun der Siegesfürst wieder dahin kehret, nämlich in den Himmel, daher er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, dazu er gesandt war. Sein Lauf kam ( in seiner Empfängnis und Geburt) vom Vater her, und er kehrte( in seiner Himmelfahrt) wieder zum Vater, nachdem er den Menschenkindern Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit hatte erworben. 2) Eine gläubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Es haben weder Fromme noch Gottlose eine beständige Wohnung auf Erden. Die Frommen verlangen es nicht, weil sie etwas Besseres wissen, und die Gottlosen, ob sie es gleich wünschen, erlangen sie es nicht, denn dem Menschen ist gefetzt, einmal zu sterben, hernach das Gericht. Ist nun aber keine beständige Wohnung der Menschen auf Erden, so schickt das Herz nur da hinein, wo ihr ewig wünscht zu sein. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, sie mögen die Stätte bereitet finden in der Herrlichkeit, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt, sie verlassen die Erde mit ihren Gedanken, und sind des Himmels eingedenk; sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe, und hangen Jesu im Glauben an. Sie verlassen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: Da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Gebet. Gott fährt auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune; lobsinget Gott, lobsinget unserm König. Also befinge ich, mein Jesu, großer Siegesfürst! deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werke der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde: Teufel, Welt, Sünde und Tod unter deinen Füßen, du bast uns davon befreit. Nachdem du gemacht hast die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Himmel geſetzt zur Rechten der Majestät Gottes. Mein Jesu! dies alles ist mir gar tröstlich, darüber freue 352 Vierter Teil. Festandachten. ich mich von Grund meiner Seele. So erfreulich mir deine Ankunft auf Erden war, so tröstlich ist mir deine Himmelfahrt. Du fizest zur Rechten Gottes und vertrittst uns; wenn ich bete, so bete ich nicht allein, dein Geift betet in mir, und du bittest für mich, darum wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädiglich erhöret werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid, wo ich bin. Dies erquicket meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehren gekrönt, und du haft auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren! als ein gerechter Richter geben wirst denen, die deine Erscheinung lieb haben. Du hast dein Reich eingenommen und herrscheft über Himmel und Erde, im Reich der Natur, der Gnade und der Herrlichfeit; du wirst auch zu mir und allen Gläubigen einst sagen: Kommt her, ihr Gesegneten, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du haft Gaben empfangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie uns, deinen Brüdern und Gläubigen, austeileft. Ach, mein Jesu! gieb mir eine zwiefache Gabe, der ich zwiefache Kraft und Troft nötig habe. Gieb mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmut, Demut, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden, und einst des Himmels Glanz und die ewige Seligkeit. Weil du nun als das Haupt erhöht bist, so wirst du mich, als dein Glied, auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebt, so werde ich auch ewiglich bei dir sein. O welcher Troft, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland seinen Gläubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verz heißt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Ach, Am Himmelfahrtsfeste. mein Jesu! laß mich sein, wo du bist, ziehe mich zu d da du zur Rechten Gottes erhöhet bist, bringe mich zur Schar der heiligen Engel und aller Auserwählten; laß mich deine Herrlichkeit sehen, welche du deinen Gläubigen bereitet hast. Ob du aber, o mein liebster Seelenfreund! deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hast, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise, kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getroft in allen Fällen; ich weiß, du bist bei mir in meiner Not, du errettest mich in Gefahr, du erquickest mich in Leiden, du tröftest mich in Traurigkeit und schüßzest mich in aller Widerwärtigfeit. Darum bin ich gutes Muts; der Herr Jesus ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was fönnen mir Menschen thun? Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich einst sehe, und mich unaussprechliche Freude in dir erfüllen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem ſeligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tage, wenn ich werde von den Toten auferstehen. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen, und meine künftige Wohnung, die fünftige Krone und bleibende Stätte, mein weißes Kleid mit Glaubensaugen beschauen; ich will auch die Welt, weil ich in der Welt bin, mit meinem Herzen, mit meinem Leben verlassen, und ihre Eitelfeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, welche mich an dieser Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, dieweil ich lebe dem Herrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich dem Herrn. Dann fahr' ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arm' thu' ich ausstrecken; Ich schlafe ein und ruhe sein, Kein Mensch kann mich aufwecken; Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. Amen. Starks Handbuch. 23 3554 Vierter Teil. Festandachten. Die geistliche Himmelfahrt. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus fähret auf gen Himmel, Und verläßt den Thränenbach, Und ich folg' durchs Weltgetümmel Meinem liebsten Jesu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag' bei ihm zu sein. 2. Ich verlasse diese Erden, Ob ich gleich auf Erden leb', Es soll mir nichts lieber werden, Darnach ich am meisten streb', Als im gläubigen Verlangen Meinen Jesum zu umfangen, Und im Geiste allezeit Anzusehn die Herrlichkeit. 3. Ich fahr' auf mit meiner Liebe, Erd', ich liebe dich nicht mehr! Weil ich in der Lieb' mich übe, So ist Jesus mein Begehr; Hoffart, Eitelkeit der Erden, Wollust, Pracht und Weltgeberden, Acht' ich meiner Lieb' nicht wert, Als die Jesum nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmelsfreud', Weltluft kann es nicht mehr binden, Es schmeckt beff're Süßigkeit; Es beschauet schon die Krone, Die der Herr zum Gnadenlohne Samt dem schönen Ehrenkleid Mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich noch hier leben, Und umher auf Erden gehn, Ja, noch unter Menschen schweben, Aber doch soll man nicht sehn, Daß ich lieb' die Sünd' und Schande, Ihren Lauf und Sünderbande, Ja, ich dräng' mich nicht dazu, Weil sie stören meine Ruh'. 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon längst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun nichts mehr ergößzen, Als nur diese Himmelsreis', Droben bei den Himmelsschätzen Bin ich, die ich kenn' und weiß. Meine Ruhe, Freud' und Sonne, Mein Vergnügen, Troft und Wonne, Ift nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren Alle Tag' und alle Stund, Spar' ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nun, dies thu' ich schon beizeiten, Will mich also recht bereiten, Damit, wenn mein End' da ist, Ich hinfahr' zu Jesu Christ. 9. Also werd' ich nichts verlieren, Träget man mich auch ins Grab, Jesus wird mich herrlich zieren, Welchen ich im Glauben hab'; Sterb' ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den mein Heil mir hat bereit't Dorten in der Ewigkeit. 10. Drum sei fröhlich, meine Seele! Heb empor dein Augenlicht, An Pfingsten. 355 Diese Erd' ist eine Höhle, Da dir wenig Gut's geschicht; Schwing dich durch die Andachtsflügel Zu dem goldnen Sternenhügel, Wo dir stehet längst bereit Tausendfache Herrlichkeit. Der andächtige Chrift erwägt die Ausgießung des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. Aufmunterung. So ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten. Luf. 11, 13. Es hat die erbarmende Liebe Gottes nicht allein uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und Jesus hat uns mit seinem heiligen Blute erkauft, sondern der heilige Geist, als die allerherrlichste, notwendigste und seligste Gabe, will uns auch in diesem Jammerthale leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerheiligste Gabe; was könnte Gott Höheres und Größeres an uns thun, als daß er uns seinen Geist und Führer und Wegweiser mitteilt. Es war der ewigen Liebe Gottes nicht genug, daß die heiligen Engel die Wächter sollten neben, um und bei uns sein, und uns behüten auf allen unsern Wegen; sondern der heilige Geist sollte auch in uns wohnen, damit Leib und Seele recht bewahrt und erhalten würde. Der heilige Geist ist auch 2) die allernotwendigste Gabe. Wir können ohne Reichtum, großen Ehrenstand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier noch in der Ewigkeit wahrhaftig glücklich sein. Daher ist er auch 3) die allerhöchste Gabe. Er ist das Pfand unseres Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, dadurch wir versichert werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens sind. Er ist uns höchst notwendig in Traurigkeit, Trübsal und Anfechtung, denn da versichert er uns, daß wir dennoch in der Gnade stehen; er vertritt uns, wenn wir zum Gebet unvermögend sind, bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern. 4) Diese herrliche, notwendige und selige Gabe will Gott allen geben, die ihn nur darum bitten; diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber diese Gaben wird Gott niemand versagen. 5) Ein andächtiger Christ säubert sein Herz von der Welt- und Sündenliebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehmen könne. Gebet. Ich will Wasser gießen auf die Durftigen und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über 23* 356 Vierter Teil. Feftandachten. alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie die Weiden an den Wasserbächen. Ach, liebster Jesu! diese gnädige Verheißung hast du an dem heiligen Pfingstfeste erfüllt, da du über die Apostel deinen heiligen Geist reichlich ausgegossen, und sie damit zu dem Werk tüchtig gemacht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verfündigen. Treuer Heiland, teile mir auch diese Gabe mit, gieb mir auch diese herrliche Gabe. O di werter heiliger Geist! gieße dich in reichem Maße über mich aus, der du in Feuerflammen dich über die Apoftel geoffenbart bast! Erleuchte mich zum ewigen Leben, er leuchte meinen Verstand, daß ich möge Jesum Chriftum erkennen; heilige meinen Willen, daß ich nichts begehre und wünsche, als nur was dir gefällt. Wurden die Apostel, du Geist der Stärke! durch dich angethan mit Kraft aus der Höhe, so stärke meinen Glauben, gieb mir Mut und Kraft, in deinen Wegen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen und als ein wahres Kind Gottes zu leben. O du gnädiger Regen, mache mich fruchtbar zu allen guten Werken, erquicke mich in der Hitze der Anfechtung, und gieb, daß ich viele Glaubens- und Lebensfrüchte bringen möge. Du Geist der Gnaden und des Gebets! versiegele in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach, bete auch in mir und mit mir, ja lehre mich recht andächtig beten, ermuntere mich zur Andacht und zum Lobe Gottes. Ruhe auf mir, du Geist der Wahrheit! daß ich wissen und thun möge, was Gott gefällt; ruhe auf mir, o Geist des Verstands! daß ich wandele in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Behüte meinen Verstand vor Irrtum, vertreibe daraus alle Finsternis der Unwissenheit und Eigenliebe. Hingegen zünde in mir an dein Licht, daß ich in deiner Liebe und Erkenntnis möge täg An Pfingsten. 357 lich zunehmen. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des Herrn! pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nimmermehr mit Wissen und Willen sündige. Ruhe auf mir, du Geist der Liebe! und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und die Rachgier aus meinem Herzen. Sei mein Tröster in allem Kreuz und Trübsal, wenn die Fluten mich wollen ersäufen und die Wellen über mir zusammenschlagen. Sei meine Stärke, wenn ich schwach bin; hilf mir die Lüfte des Fleisches dämpfen, hingegen laß in mir wachsen Glaube, Liebe, Demut, Hoffnung und Geduld. Sei mein Führer, der mich allezeit leitet auf ebener Bahn, daß ich nicht anstoße, falle oder thue wider Gottes Gebot. Sei mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite und Jesum in mir verkläre. Odu reines Wasser! wasche mich, gieb, daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft Jesum in der That einen Herrn möge heißen, nämlich meinen Jesum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und Seligkeit. Siehe, o du Licht meiner Seele! wie ich in der Welt mit so vielen Verführungen umgeben bin, denn es find viele Verführer ausgegangen; darum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche, zeige mir den Weg, darauf ich wandeln soll, denn mich verlangt nach dir. Wenn ich mich führen will, so irre ich: wenn du mich aber führst, so gehe ich den Weg deiner Gebote. habe ich dich, o werter heiliger Geist! bisher betrübt, so trage ich darüber herzlich Leid; siehe, mein Herz steht dir offen; ach! fehre in dasselbe mit deinen reichen Gnadengaben ein, erfülle es mit allen christlichen Tugenden, befestige, gründe und erhalte in mir das gute Werk, das du in mir angefangen haft. Ach! schaffe in mir ein reines Herz, tilge aus demselben alle Unarten, bösen Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünden. Nimm weg das steinerne Herz und gieb mir ein geheiligtes und 358 Vierter Teil. Feftandachten. durch deine Gnade geändertes Herz, und laß es deinen Tempel und Wohnung sein. So habe ich das Pfand meines Erbes und der Kindschaft, und so weiß ich auch gewiß, daß ich werde ewig selig werden. Bleibe auch, o werter heiliger Geist! bei mir in aller Not und im Sterben, rufe alsdann in mir das Abba, lieber Vater! gieb mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vor schmack der ewigen Freude, da ich nach dem Kampf zur Krone und nach dem Leiden zur Freude gelangen werde. Heil'ger Geist, du Kraft der Frommen! Kehre bei mir Armen ein, Und sei tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel sein, Reinige du selbst das Haus Meines Herzens, wirf hinaus Alles, was da mich kann scheiden Von den süßen Himmelsfreuden. Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön, Laß mich wahre Liebe haben, und in deiner Gnade stehn. Gieb mir einen starken Mut, Hilf mir zwingen Fleisch und Blut, Lehre mich vor Gott hintreten Und in Geist und Wahrheit beten. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil Jesus seine Gaben Mit reichem Maß austeilt, Die wünscht mein Herz zu haben; Mein Jesu, schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir Und zu dem Himmel weist. 2. Ich irre allzusehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstigt sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan, so leite mich, Mein Licht auf ebner Bahn, Daß ich in deinem Licht Zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb' in Finsternis, Wo mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret, Und neue Lebenskraft In meinem Geist entzünd't, Auch meine Glaubensmacht Auf Jesum Christum gründ't. 4. Ich kann mich selber nicht In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Not am größten, Darum so stehe mir Mit deinem Troste bei, Daß ich ein Gotteskind Auch in dem Leiden sei. 5. Wie kann ich mich, mein Gott! In Glaub' und Lieb' erhalten? Es würden diese bald Ohn' deinen Geist erkalten; Darum so gieb mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich, Bis ich nach meinem Kampf Die Lebensfron' erreich. Am Feste der heiligen Dreieinigkeit. 359 6. Mein Jesu! gieb mir doch, Was ich dich hab' gebeten, Laß deinen guten Geist Im Beten mich vertreten, Daß ich in Frömmigkeit Bring' meine Tage hin, Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach, dein Geist helfe mir Mein Fleisch und Blut bezwingen, Daß ich in seiner Kraft Mög' gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünde ab, Wenn ich den guten Geist Zu meinem Führer hab'. 8. Du sollst, o werter Geist! In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht! Zu allem Guten treiben, Ach! bleib du allezeit Vereiniget mit mir, Laß mich geschmücket sein Durch dich, mit dir, in dir. 9. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit Mir Trost und Mut zusprechen; Ich geh' durch Jesu Blut Alsdann zur Freude ein, Und werde schön verklärt In Jesu Armen sein. Der andächtige Christ erwägt das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. Aufmunterung. Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese Drei sind Eins. 1 Joh. 5, 7. Wenn enn eine gläubige Seele das Geheimnis der heiligen Dreieinigfeit will in eine heilige Betrachtung ziehen, so muß sie es machen, wie einer, welcher von der Sonne Licht und Nutzen haben und sich dessen bedienen will. Schaut er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er sieht lauter Finsternis, ja nichts; hält er aber die Augen niedergeschlagen, gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so sieht er alles, was er sehen soll. Das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit ist 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimnis, sie kann das nicht begreifen, ein Wesen und drei Personen; deswegen haben sich viele an dieser Glaubenslehre gestoßen, und urteilen mit den Juden bis auf diesen Tag noch. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich geschriebenes Geheimnis, davon reden die herrlichsten Sprüche alten und neuen Testaments. Am Jordan, da Christus getauft wurde, waren drei Personen zu schauen. Matth. 3, 17. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich beschrieben vor Augen. Diesem Wort des Lebens glaubt ein andächtiger Chrift, bis er einst in dem ewigen Leben zum Schauen gelangen wird. Unterdessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzensdemut an. Er preist seinen heiligen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm 360 Vierter Teil. Festandachten. an Leib und Seele gethan. Er dankt seinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und der Höllen Gewalt befreit. Er giebt seinem Heiligmacher sein Herz und ganzes Leben, und befleißigt sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er einst werde herrlich sehen, was er hier geglaubt; denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Gebet. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! O du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich stimme mit allen Seraphinen und Cherubinen ein Loblied an, deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu befingen. O du einiges, unerforschliches und unbegreifliches Wesen! mein Glaube hält fich fest, einzig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, darin du dich mir herrlich geoffenbaret haft. Das ist das ewige Leben, daß sie dich, Vater! der du allein wahrer Gott bist und den du gesandt hast, Jeſum Christum, erkennen. Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! der du dich als ein Vater mir fund gethan haft. Du hast nicht allein Jesum Christum, deinen einigen Sohn, von Ewigkeit her bezeugt, sondern du bist auch der rechte Vater über Alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Ach, du hast bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch mich ernährt, versorgt, bewahrt und erhalten, ja, du ernährst, versorgst und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. Odu barmherziger Vater! nimm dich doch meiner als deines Kindes herzlich und väterlich an. Herr Jesu, Gottes Sohn! ich habe dich aus deinem heiligen Wort erkennen lernen als die andere Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigkeit her bezeugt, Gott von Gott, Licht vom Licht, auf eine uns unbegreif liche Weise entsprossen. Ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur hat an sich genommen, um mich und alle Men Am Fest der heiligen Dreieinigkeit. 361 schen zu erlösen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. O darum frene ich mich in dir und bete dich an, du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hoherpriester, Gnadenthron, Mittler, Immanuel, Seligmacher und Hirte, in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünde dahingegeben hat, dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten, durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig hier zeitlich und dort ewig. O du werter heiliger Geift! du haft dich in deinem Worte mir geoffenbaret als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgeht, ein Geist des Vaters und des Sohnes, gleichen Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit. Du hast mich auch wiedergeboren in der heiligen Taufe; durch dich bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist. Du bist mein Heiligmacher, der mich erleuchtet, heiligt und im rechten Glauben erhält. Du tröstest mich in allem Leiden, du erfreust mich in Traurigkeit und erquickst mich in Trübsal. O du Geist der Gnade und des Gebets! versiegele in mir den Trost, daß ich in Gnaden sei, gieb Zeugnis meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Erwecke mich zum Gebet, gieb mir Andacht im Gebet, gieb mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommt, laßt uns beten und knieen und niederfallen vor dem Herrn, dem dreieinigen Gott, der uns gemacht, denn wir sind sein Volk und Schafe seiner Weide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge, ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Der Vater ist von niemand weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren; der Sohn ist von dem Vater nicht gemacht, noch geschaffen, sondern geboren; der heilige Geist ist vom Vater nicht gemacht, noch geschaffen, nicht geboren, sondern ausgehend. Unter diesen dreien Personen 362 Vierter Teil. Festandachten. iſt feine die erste, keine die letzte, feine die größte, feine die kleinste, sondern sie sind alle drei gleich. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott, und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist Ein Herr. O du dreieiniger Gott und Herr! laß mich in dieser Er fenntnis immer wachsen und zunehmen, und gieb, daß ich dich im Glauben ergreife und an deinem heiligen Wort, als meiner Glaubens- und Lebensregel, fest halte, und was ich nicht begreifen kann, doch von Herzen glaube, bis ich aus dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater! decke mich mit deinen Gnadenflügeln und segne mich. O Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blut und segne mich, mache mich gerecht und dort ewig selig. Herr Gott heiliger Geist! erleuchte und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandle und in deinem Lichte droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. Glauben muß man hier und trauen, Was Gott von sich selber sagt, Dort hebt erstlich an das Schauen, Wahrer Glaub' kein Zweifel trägt. Bin ich dort getaufet worden Auf Gott Vater, Sohn und Geist, Sein Wort mich zum Jordan weist, Da aus offnen Himmelspforten Gottes Stimm' von Jesu zeugt, Und der Geist hernieder fleucht. Amen. Gejang. Mel.: Dreieinigkeit, der Gottheit. 1. Ich glaub' an Gott, von dem wir alle lesen; Daß er schon sei von Ewigkeit gewesen, Und der hernach die Welt erschaffen hat, Ein großer Gott von Majestät und Rat. 2. Wer diesen Gott mit Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heil'ger Geist ihn nennen; Dies ist sein Nam', dabei die Christenheit Ihn kennt und nennt jetzt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist geflossen, Vom Vater ist der Sohn allein entsprossen, Der heil'ge Geist geht aus von beiden gleich, Auch gleich an Macht und Ehr' im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Sein gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heil'ge Geist erleuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreie sind auf einen Thron erhoben, Gleich ewig, groß, all Am Feiertag Michaelis. 363 mächtig, gleich zu loben, Die Majestät ist ihnen allgemein; Gott ist und war und wird auch ewig sein. 6. Zwar die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwinden, Wie eins sei drei; doch wer da widerspricht, Der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennt's auch ohne Zweifel mit dem Munde, Weil Gott sich selbst hat also kund gethan, So glaubet er, was er nicht fassen kann. 8. Des Vaters Lieb' hat er schon oft empfunden, Er findet Trost in Jesu Blut und Wunden; Wenn Gottes Geist ihn treibet, lehrt und rührt, So folgt er gern, Weil er ihn wohlgeführt. 9. Und hierbei ruht sein Glaube und Gemüte, Und preiset stets des Allerhöchsten Güte, Verharret auch in solcher Frömmigkeit, Bis er Gott schaut im Frieden nach dem Streit. 10. Mein Vater! laß mich deine Gnad' empfinden, Mein Jesu! mach mich rein von allen Sünden, Gott, heil'ger Geist! ach, nimm mein Herze ein, Dreiein'ger Gott! ich bin dein, du bist mein. Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfest den Schuß der heiligen Engel. Aufmunterung. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst, um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Hebr. 1, 14. Es sind die heiligen Engel von Gott erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, die allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Wenn ein großer König seine Leibwache und Aufwärter einem Andern zum Dienst stellte, so wäre es Liebe und Gnade. Daher 1) dankt ein gläubiger Christ für diese besondere Gnade, daß Gott nicht allein sich selbst den Menschenkindern mit allen seinen Gütern und Gnaden zum Genuß, auch Jesum Christum zum Heil der Seelen, den heiligen Geist zum Tröster und Führer, sondern auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenkt hat. 2) Er treibt dieselben durch mutwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreut sie vielmehr durch seine Buße und gottseligen Wandel. 3) Er tradhitet auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preisen, zu danken und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. Wer ein Teufel auf Erden, ich will sagen, ein widerspenstiger, halsstarriger, unbekehrter Mensch und frecher Sünder bis in den Tod bleibt, der kann nach seinem Tode den Engeln nimmermehr gleich werden. 4) Ein gläubiger Chrift demnach befleißigt sich nach der dritten Bitte Gottes Willen zu thun auf Erden, wie er geschieht im 364 Vierter Teil. Festandachten. Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkommenheit, doch mit gleicher Wichtigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein gläubiger Christ nicht an, welche Ehre nur dem Herrn, nicht den Mitknechten gebührt. Offenb. Joh. 19, 10. 6) In solcher Fassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharrt ein gläubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von Gott gebotenen Wegen ihn werden vor Unglück behüten, sondern auch in seinem Tode um sein Bette stehen, und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schoß begleiten. Gebet. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott! wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schuß und Beistand bestellt haft. Herr, Herr! was ist der Mensch, daß du sein gedenkeſt, und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst, und ihn so hoch achtest. Ist es eine hohe Ehre, wenn ein König seine Leibwache und Aufwärter einem geringen Mann mitgiebt, die ihm müssen zur Seite stehen, wie viel größere Herrlichkeit ist das, daß die heiligen Engel zum Schutz und zur Begleitung uns armen Menschen dienen müssen. O du Gott der Liebe! du hast nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Kreaturen: Himmel, Erde, Sonne, Luft, Meer, alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Kreaturen, die heiligen Engel, zum Dienst verordnet, damit uns ja fein Übel widerfahren möge. Du weißt, liebreicher Vater! wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind, darum hast du ihnen Wächter bestellt, die um fie Tag und Nacht wachen und alles Übel abwenden sollen. Du weißt, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Gläubigen um sich haben, den Fürsten der Finsternis, Satan und sein Heer, darum haft du ihnen auch starke Helden zugegeben, die jenen widerstehen und Am Feiertag Michaelis. 365 deine Geliebten bewahren sollen. Ach, mein Gott! wenn eine Woche, ein Monat, ein Jahr nach dem andern vorüber geht, darin meine gesunden, geraden Glieder unverleßt, mein Haus und Habe unversehrt, mein Gang ohne Fall und Anstoß bleibt, indem fein Unglück sich zu mir naht, sollte ich solches nicht deiner Vatertreue, Liebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich so erhalten und behütet haft? O wie viel Gefahr hast du durch den mächtigen Schutz deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt. Nun, mein Gott! dafür sei du hoch geliebt und gelobt von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, liebreicher Vater! befiehl deinem Engel ferner, daß er komm' und mich bewach', dein Eigentum. Laß deinen Engel alle Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere Gottes begegneten und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevorstand. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher, wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir sein in allen Nöten, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und täglich Brot behüten, wie die Engel dem Elia Brot und Wasser brachten; ja, laß sie um mich her lagern und mir ausbelfen, und mich begleiten auf den Reisen, wie Tobias. Ach, du gütiger Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich diese, deine heiligen Geschöpfe nicht möge mit meinen Sünden betrüben, oder mit meinem ruchlosen Leben von mir treiben, daß sie so ferne stehen und meiner Bosheit weichen müssen. Gieb, daß ich den Engeln in diesem Leben schon möge gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis, damit ich auch den Engeln gleich werden möge in der frohen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel, soll hinfort mir immer in den Ohren und dem Herzen erklingen. Mein 366 Vierter Teil. Festandachten. Gott! laß auch deine heiligen Engel bei mir bleiben im Sterben, damit sie alsdann meine Seele in Abrahams Schoß tragen und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit sein, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen, und das heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr Zebaoth! anstimmen, und dich für alle, also auch für diese Wohlthat, ewig loben und preiſen. Gott, aller Geister Geist, Herr aller Seraphinen! Der seine Diener heißt, Uns Menschen zu bedienen, Herr Zebaoth! nur dir Gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, So laß sie uns begleiten; Wenn wir entschlafen sein, So stelle uns zur Seiten Die Wache deines Throns, Die starken Salomons. Schaff, daß sie überall Die Hand uns unterlegen, Und laß uns keinen Fall Aus ihrem Schoß bewegen; Ihr Lager schließ' uns ein, Wenn wir belagert sein. Wenn wir, des Eiteln los, Die Sterbelieder singen, Laß uns in Abrams Schoß Durch diese Träger bringen, Mach uns in deinem Reich Den Engeln selber gleich. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Der Engel güldnes Heer, Die immer vor Gott stehen, und seine Majestät In hellem Glanze sehen, Die werden täglich noch Zu unserm Dienst gesandt, Und was uns schaden kann, Wird durch sie abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wenn wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehn sie mit uns aus, Und gehet man zurück, So gehn sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch andre Feinde wüten, So find die Engel da, Die unsern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr Auge schlummert nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab In unsern Lebenstagen, So werden sie die Seel' Ins Freudenleben tragen, Zur Ruhe nach der Laft, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben, Und, wie wir schuldig sind, Nach Gottes Willen leben. Ach ja, wir sind gewiß, Daß man die Engel find't, Wo Fromme im Gebet Und Lieb' verbunden sind. Am Dankfeste für Ernte- und Herbstsegen. 367 6. Ach Gott! wir danken dir Für alle deine Gaben, Und daß wir auch von dir Zum Schutz die Engel haben, Die Helden send' uns auch In aller Angst und Not, Ach! laß sie bei uns sein Im Leben und im Tod'. 7. Verleih mir deine Gnad', Daß ich dennoch auf Erden Mit stetem Lob und Preis Den Engeln gleich mög' werden, Und deinen Willen thun, Damit nach dieser Zeit Ich leb' den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will ich hocherfreut Das dreimal Heilig singen Mit aller Engel Chor Und Auserwählten Schar; Dies ist mein Herzenswunsch, Amen, es werde wahr! Der andächtige Chrift dankt Gott nach eingesammelter Ernte. Aufmunternng. Sie will nicht wissen, daß ich's sei, der ihr giebt Korn, Most und Öl, und ihr viel Silber und Gold gegeben, das sie haben Baal zu Ehren gebraucht. Darum will ich mein Korn und Most wieder zu mir nehmen zu seiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Scham bedeckt. Hof. 2, 8. 9. Ist eine in aller Menschen Augen fallende herrliche und große Wohlthat zu finden, so ist es die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat im Winter in der Erde bewahrt, im Sommer sie blühen, wachsen und Frucht bringen läßt; wenn er Hagel, Wetter und Sturm abwendet und durch seinen Segen Scheunen und Keller füllet. Aber ist auch eine vor der Welt geringe und verachtete Wohlthat, dafür man Gott am wenigsten dankt, so ist es eben diese Ernte; denn da meinen die undankbaren Menschen, es müßte also nach dem Lauf der Natur alles wachsen, dabei habe Gott nichts gethan, deswegen der erzürnte Gott oftmals aus gerechtem Gericht Mißwachs entstehen läßt, damit jedermann erkenne, daß das Land nichts geben könne, wenn der Herr nicht giebt, und daß nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein gläubiger Christ ist anders gefinnt; wenn er die vollen Ähren in der Ernte und die mit Trauben gezierten Weinstöcke erblickt, 1) so hebt er seine Augen auf gen Himmel, und preist den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, der aus einem Korn so viel Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köstliche Frucht hervorbringt. 2) Er rühmt die göttliche Fürsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Früh- und Spätregen zu feiner Zeit gegeben, Dürre, Hagel und Überschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Ernte behütet. 3) Wenn er nun die Zeit 368 Vierter Teil. Festandachten. erlebt, daß die Sichel das Korn niederlegt, und sieht es in die Scheunen fahren, und in der Kelter die Trauben zerpressen, so nimmt er alle die Gaben mit dankbarem Herzen und Händen an. 4) Er gebraucht auch dieselben, und nimmt sie zu sich mit Danksagung; er erkennt, daß Gott ihn nähre, versorge, erhalte. Ja, er läßt sich 5) durch Gottes Güte zur Buße leiten; dankt man einem Wohlthäter und erzürnt ihn nicht, der uns etwa ein Kleid oder etwas zu unserm Unterhalt giebt, warum soll man den größten Wohlthäter nicht loben, der uns alles giebt? Gebet. Danfet dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich! also spreche ich, mein Gott! da ich wieder die gesegnete Erntezeit erlebt habe. O du gnadenreicher Gott! wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest; du hast das Erdreich gegründet auf sei nem Boden, daß es bleibt immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schäße gelegt, dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unserer Lebens- Erhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Sonderlich haft du, o liebreicher Vater! dieses Jahr gekrönt mit deinem Gut; deine Fußstapfen triefen von Fett; du haft befeuchtet die Berge von oben her; du hast das Land voll Früchte gemacht, die du schaffest; du hast lassen Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nuß den Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest. Ach, treuer Vater! du haft dieses Jahr wieder uns deinen, wiewohl undankbaren Kindern, Speise und Trank geschenkt; du hast unsere Ernte behütet und die Erde mit Korn und Most erfüllet; du hast uns gegeben Früh- und Spätregen zu rechter Zeit, daher haben unsere Felder geblüht und den von dir uns entspringenden Segen dargereicht. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreut. Liebreicher Gott und Vater! du hast das Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedecket, du haft Am Dankfeste für Ernte- und Herbstsegen. 369 die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß alles zur Zeitigung gekommen ist; du hast unsere Felder behütet und bewahret vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Überschwemmung. Wenn wir schliefen, so wachtest du; du warst unserer Felder Hüter und Schußherr! Herr, deine Werke find groß und viel, du haft sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Kreaturen, Menschen und Vieh warten auf dich, daß du ihnen Speise gebeft zu seiner Zeit; wenn du ihnen giebst, so sammeln sie, und wenn du deine Hand austhust, so werden sie mit Gütern gesättigt. Ja wohl hast du, o reicher Gott! uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet. Nun, dafür danken wir dir von Grund unserer Seelen. Kommt, laßt uns beten und knieen und nieder= fallen, lasset uns mit Danken kommen in sein Haus, und mit Frohlocken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan, ja, der Herr hat Großes an uns gethan, des sind wir fröhlich! Ach Herr, Herr! laß uns diese deine verliehenen Gaben und Wohlthaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue erkennen. Ach Gott! wenn ja etliche Undankbare mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, ach! so entziehe uns deswegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater! der uns je und je geliebt, und uns durch deine leiblichen Wohlthäten zu dir ziehst, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem herrlichen Geschenke den Wohlthäter erkennen sollen; hilf, daß uns deine Güte möge zur Buße leiten, daß, wenn wir deine Gaben auf dem Tische vor uns sehen, in den Händen haben und in den Mund nehmen, wir allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir, o du Brunnquell alles Segens! und wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältst, ach, so laß uns auch an dem inwendigen Menschen an Glauben, 24 Starts Handbuch. 370 Vierter Teil. Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir einst zum Genuß der himmlischen Güter in dem ewigen Leben durch Jesum Christum aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket, Und gefeuchtet unser Land; Was geschadet und gekränket, Hat Gott mächtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein Haben müssen kräftig sein, Daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben. Weil dann, eh' wir es vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt Jesus seine Engelein, Ei, so laßt uns Weizen sein, Den sie unter Jubilieren In die Himmelsfreude führen. Amen. Gejang. Mel.: Nun lob, mein' Seel', den Herrn. 1. Sieh, es ist Gottes Segen Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deswegen Auf Gottes Lob nicht sein bedacht? Gott hat das Jahr gesegnet Mit seinem großen Gut, Und auf uns ist geregnet Des Segens reiche Flut; Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben Aus seiner Vaterhand. 2. Die Felder, Gärten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut, O Schöpfer! sei gepriesen, Du, du hast sie so schön gebaut; Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns verehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, O große Gottesgnad'! Ist ihr'r viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt, das Vieh zugleich, Kann nun gespeiset werden, So ist vom Segen alles gleich; Des weisen Schöpfers Güte Giebt jedem seine Speis', Darum soll das Gemüte Ausbreiten Gottes Preis; So vielen Kreaturen Zu schaffen Unterhalt, Das sind wahrhaftig Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach! laßt uns diesen Segen Und das von Gott geschenkte Gut In Undank nicht anlegen Zur Wollust, Saufen, Übermut; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Händen, Und bleibet noch darin, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig sind. 5. Drum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir sind beschenkt, Gleich wie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Ähren senkt, So laffet uns in Stille, In Demut, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle Am Dankfeste für Ernte- und Herbstsegen. 371 In dieser Gnadenzeit; Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad' erheben Zu jeder Zeit und Stund'. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Gläubigen in Ewigkeit; Was in dem Freudenleben Für reichen Überfluß Uns Gott wird ewig geben 3am seligen Genuß; Das lasset uns erwägen Hinfort so spät als früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh'. Ein anderer Gesang. Wiel.: Zeuch ein zu deinen Thoren. 1. Die Ernt' ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht; Wir können alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht; Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Hat wiederum bescheret, Was uns dies Jahr 2 Rüchlbern jeder Ja, freud 3 hat Der uns dégefr et G F.F.S./B. 36 Wesendorf/ Olams.!!. Fechu. Romp 4 Krea Kred Gna 5 dit a Daran Guven pueßen, und welche sich ergießen aus unsern Leib und Seel. 6. Doch wenn wir dich verlassen, Und wenn wir haben satt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrat zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände, Gott! mit Überfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir bei dem Effen Des Gebers nicht vergessen, Der alles reichlich giebt. 8. Gleich wie die Sichel fället Der hohen Ähren Pracht, Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nehmt ein Beispiel ab, Es wird der Tod uns fällen, Und einsten zugesellen Den Stillen in dem Grab. 24* 370 Vierter Teil. Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir einst zum Genuß der himmlischen Güter in dem ewigen Leben durch Jesum Christum aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getränket, Und gefeuchtet unser Land; Was geschadet und gekränket, Hat Gott mächtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein Haben müssen kräftig sein, Daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben. Weil dann, eh' wir es vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt Jesus seine Engelein, Ei, so laßt uns Weizen sein, Bie as Des Je= it, en 511 ft TET, O Sny gugreich, Kann nun gespeiset werden, So ist vom Segen alles gleich; Des weisen Schöpfers Güte Giebt jedem seine Speis', Darum soll das Gemüte Ausbreiten Gottes Preis; So vielen Kreaturen Zu schaffen Unterhalt, Das sind wahrhaftig Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach! laßt uns diesen Segen Und das von Gott geschenkte Gut In Undank nicht anlegen Zur Wollust, Saufen, Übermut; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Händen, Und bleibet noch darin, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig sind. 5. Drum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir sind beschenkt, Gleich wie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Ähren senkt, So laffet uns in Stille, In Demut, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle Am Dankfeste für Ernte- und Herbstsegen. 371 In dieser Gnadenzeit; Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad' erheben Zu jeder Zeit und Stund'. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Gläubigen in Ewigkeit; Was in dem Freudenleben Für reichen Überfluß Uns Gott wird ewig geben 3am seligen Genuß; Das lasset uns erwägen Hinfort so spät als früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh'. Ein anderer Gesang. Mel.: Zeuch ein zu deinen Thoren. 1. Die Ernt' ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht; Wir können alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht; Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Hat wiederum bescheret, Was uns dies Jahr ist not. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: das hat Gott gethan! Ein jeder schau jezunder Die schönen Gaben an; Und laßt uns fröhlich sein, Ja, lobet, der uns liebet, Und sammelt, was er giebet, Mit Herzensfreude ein. 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd' zu seiner Zeit, Kein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit; Der Regen macht es weich, Der Sonne Wärme spielte, Des Höchsten Hand erhielte Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Siegesspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Kreaturen Ist nun gewachsen Speis; Der weise Schöpfer hat Der Kreatur das Leben Und auch die Speis' gegeben Aus lauter Lieb' und Gnad'. 5. Wie fromme Väter pflegen Fürs Haus besorgt zu sein, So haft du auch den Segen Gelegt aufs Künstig' ein; Du bist der reiche Quell, Daraus viel Gaben fließen, Und welche sich ergießen Auf unsern Leib und Seel'. 6. Doch wenn wir dich verlassen, Und wenn wir haben fatt, Mit diesen Gaben prassen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrat zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hände, D Gott! mit Überfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir bei dem Essen Des Gebers nicht vergessen, Der alles reichlich giebt. 8. Gleich wie die Sichel fället Der hohen Ähren Pracht, Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nehmt ein Beispiel ab, Es wird der Tod uns fällen, Und einsten zugesellen Den Stillen in dem Grab. 24* 372 Vierter Teil. 9. Ach! zeuch uns von der Erden Durch diese Gab' zu dir, Auf daß wir himmlisch werden Und bleiben für und für; So danken wir dir heut Für das, was wir empfangen, Und was noch zu erlangen, Erwarten wir mit Freud'. Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. Aufmunterung. Ach, Herr! siehe doch wie bange mir ist, daß mir's im Leibe wehe thut; mein Herz wallet mir in meinem Leibe. Denn ich bin hochbetrübt; draußen hat mich das Schwert und im Hause hat mich der Tod zur Witwe gemacht. Klagl. Jer. 1, 20. Der hat seinen Bogen gespannt, wie ein Feind. c. 2, 4. Er hat vertilget alle Paläste. c. 2, 5. Es lagen in den Gaffen Knaben und Alte, meine Jungfrauen und Jünglinge sind durchs Schwert gefallen 2c. c. 2, 21. Die drei Landplagen, womit der erzürnte Gott ganze Länder und Städte verheert und wüste macht, sind Krieg, Hunger und Pestilenz, Jer. 10, 17., welche auch David vorlegte. 1 Chron. 22, 12. Krieg ist eine schwere Strafe; wenn Gott seinen Schutz einem Lande entzieht, so macht sich der Feind sobald auf. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung straft, sind unterschiedliche. 1) Ungehorsam. Jes. 1, 19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüften lebt und die Furcht Gottes aus den Augen setzt. Buch der Richter 4, 1.; Kap. 6, 1. 3) Verachtung des göttlichen Wortes, wenn man es entweder gar nicht hört, oder doch nicht darnach lebt. 3 Mof. 26, 17. 4) Abgötterei. Richter 2, 12-14. Es mag auf eine grobe oder subtile Weise geschehen, dahin die Üppigkeit, Hurerei, Mord, unschuldiges Blut, Unterdrückung der Fremden, Witwen, Beraubung der Armen gehört. Wenn Gott aber dem Schwert rufet, und den Frieden wegnimmt, Jer. 15, 6., so nimmt er auch die Kraft des Schwertes weg, Pf. 89, 44., daß viele Völker und ein großes Kriegsheer keine Siege erhält, daher entsteht, daß sie müssen fliehen vor ihren Feinden, Pf. 44, 11., darauf Verstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes und endlich Jammer und Elend folget. Gebet. Erzürnter Gott! wir kommen allhier mit gebeugtem Herzen und Knie vor dein allerheiligstes Angesicht, und bejammern das große Elend, darin uns unsere vielen Sünden und dein gerechter Zorn gesetzt haben. Herr, Herr! wir wohnten unter deinem Schuß sicher, uns Gebet in Kriegszeiten. 373 durfte fein Schwert schrecken, da du unserer Feinde Feind und unserer Widerwärtigen Widerwärtiger warest; wir gingen ruhig zu unseren Thoren aus und ein, und genossen der Früchte des Landes ungestört. Aber nun, o großer Gott! hast du deinen Schutz und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht; er hat das Schwert gezückt, er droht mit Verbrennen, Plündern, die Städte zu verderben und unser Land einzunehmen. Was sollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir diese Strafe und Rute der Züchtigung längst verdient haben; wir haben leider des Friedens und der guten Zeit mißbraucht. Da wir sollten uns erbauen und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam sein, so ist bei uns leider Entheiligung des Sabbats, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bosheit mit den abscheulichsten Lastern im Schwange gegangen. Wir schämen uns, erzürnter Gott! unsere Greuel alle zu erzählen, die ohne dem in den Himmel schreien. Ach, barmherziger Gott! gedenke doch nicht unserer Missethaten, deren viel sind, wie des Sandes am Meer, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserem Gebete, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Wir haben gesündigt, Unrecht gethan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden und von deinen Geboten gewichen. Ach! strafe uns nicht in deinem Zorn und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Wir fliehen zu dem Gnadenthron zu Jeſu Chrifto, unserem einigen Helfer und Fürbitter. Ach! sich an sein Blut und Wunden. Erbarmer! erbarme dich über uns! willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, verschlingen, verbrennen und überwältigen, und wird kein Erretter da sein. Mächtiger Schußherr 374 Vierter Teil. der Glenden, stehe auf, daß Menschen nicht überhand gewinnen. Du fannst uns rüsten mit Stärke zum Streit, du kannst unter uns werfen, die sich wider uns setzen. Auf dich stehet all unser Vertrauen und Hoffnung in dieser großen Not. Wenn Menschen wider dich wüten, so legst du Ehre ein. Ach, Gott! wie lange foll der Widerwärtige schmähen, und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns niemand aus seiner Hand erretten könne! Grrette uns, Gott unsers Heils! und vergieb uns unsere Sünden um deines Namens willen. Nimm dem Feinde den Mut, vertreibe ihn und wache über unser Land, Häuser und Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen und wende die Gefahr, darin wir schweben. Herr, dir gebühret die Ehre, daß du Schwerter zerbrichst, Spieße zerschlägst und Wagen mit Feuer verbrennst. Erhöre das Schreien, o liebreicher Gott! derer, die jezt in Gefahr und in des Feindes Händen sind und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden und ausstehen. Erbarme dich der Armen, der Witwen, der alten und betagten Leute, der Kinder und Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges bald ein Ende, und erhöre unser Gebet um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. O großer Gott von Treu'! Weil vor dir niemand gilt, Als dein Sohn Jesus Christ, Der deinen Zorn gestillt, So sieh doch an die Wunden sein, Die große Angst und bittre Pein; Um dessen willen schone Und nicht nach Werken lohne. Amen. Gejang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnot, Die uns jetzt, erzürnter Gott! Soll vom Sündenschlaf aufwecken: Angst und Not vermehret sich, Großer Gott! erbarme dich. 2. Ach, das Schwert ist scharf gewetzet, Welches uns erwürgen foll. Ja, der Feind ist Zornes voll, Der sich schon das Ziel gesetzet, Wie durch seine große Macht Alles werde umgebracht. 3. Städt' und Länder stehn verstöret, Es vergießet Menschenblut Gebet bei Teurung und Hungersnot. 375 Diese scharfe Kriegesflut, Man erstaunet, wenn man höret, Wie die Unbarmherzigkeit Alten und den Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, alles weicht, Wer nur fliehen kann, der fleucht; Sogar die verborgne Kammer, Thäler, Wälder, Wüstenei Ift von Feindesfurcht nicht frei. 5. Höre, wie die Armen weinen, Wenn man ihnen alles nimmt, Und zur Knechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuerflammen scheinen! Man verheert, zerreißt, verbrennt, Daß man kaum den Ort noch kennt. 6. Oder schrecklichen Gerichte, Welche jetzt dein Zorn ausübt Gegen die, so dich betrübt! Alles macht der Feind zunichte, Wenn du nicht, o Gott! aufwachst, Und zur Hülfe dich aufmachst. 7. Ach, wir fallen dir zu Fuße, Rett uns doch aus dieser Not, Mächtiger Herr Zebaoth! Ach, wir thun von Herzen Buße, Schone, lieber Vater! schone, Sieh uns an in deinem Sohne. 8. Deffen Blut sich an in Gnaden, Tilg damit die Missethat, Welche dich erzürnet hat; Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gieb ihm immer mehr den Sieg, Großer Gott! in diesem Krieg. 9. Ach, zerbrich des Feindes Waffen Und nimm ihm den stolzen Mut, Räche das vergoßine Blut, Nimm weg die verdienten Strafen, Baue, was da liegt verheert, Richt auf, was ist umgekehrt. 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schließ des Jammers Pforte zu, Schenk uns nach der Trübsal Ruh'; Laß den edlen Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in guten Stand. 11. So soll, Herr, dein Lob erklingen; Es soll sagen jedermann: Siehe, das hat Gott gethan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Lieb' und Gnad', Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja, wir wollen hinfort leben In der wahren Frömmigkeit, Und dir jetzt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bitterm Schrei'n Unser Mund voll Rühmens sein. Der gläubige Christ betet, wenn Gott mit Teurung und Hungersnot das Land heimsucht. Aufmunterung. Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrat des Brotes zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brot effen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maß mit Kummer trinken. Hes. 4, 16. Werden zahme und wilde Tiere mit Hunger gezüchtigt, daß sie etwas lernen, oder ihre böse Art verlassen müssen, so pflegt Gott eben solchen Baum und Gebiß den Menschen ins Maul zu legen, wenn sie 376 Vierter Teil. nicht zu ihm wollen. Gott lockt sie lange mit Wohlthaten, um sie damit zu sich zu ziehen; wenn sie aber durch solche Güte sich nicht lassen zur Buße leiten, so schickt er Hunger ins Land, entweder durch Mißwachs oder durch Krieg, oder durch Teurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brot wegnimmt, daß man isset und nicht satt wird. Die Strafe kommt gemeiniglich, 1) wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten und nur auf Wohlleben bedacht sind. Jef. 5, 13. 2) Wenn man fromme Leute und die Knechte Gottes verfolgt. Jerem. 11, 22. 3) Die Stimme der falschen Propheten gerne hört. Jerem. 14, 15. 16. 4) Halsstarrig ist. Jerem. 24, 10. 5) Ungehorsam bleibt. Hef. 5, 16. 6) Wenn man Gewalt gegen geringe verübt. 2 Sam. 21, 1. 2. Diese Hungersnot bringt mit sich Armut, Elend, Verschmachten, daß Eltern ihre Kinder und andere Dinge vor Hunger effen. Wenn dazu noch der geiftliche Hunger kommt, Amos 8, 11., so ist das Elend unaussprechlich. Gebet. Gerechter Gott! der du einem jeden giebst nach seinen Werken, und läsfeft Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses thun; wir kommen vor dein allerheiligstes Angesicht und schämen uns, daß wir uns so an dir verfündigt haben, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich hast du uns in den vorigen Jahren gespeist; wir haben Brotes die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben hätten uns sollen als Liebesseile zu dir, dem reichen Geber, ziehen und zur Buße locken. Aber wie schändlich sind deine Güter zur Völlerei, Wohlleben, Überfluß mißbraucht worden, so daß die Kreatur selbst über uns geseufzt, daß fie von undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Händen empfangen worden. Was ist denn Wunder, daß ein fruchtbares Land nichts trägt, um der Sünden willen derer, die darinnen wohnen? Du ftrafest uns mit Teurung, Mangel, Dürre, daß die Erde ihre Früchte färglich giebt, daher die Teurung das Land hart drückt. Herr! höre das Schreien der Armen, die ums Brot bitten und nicht satt werden. Nimm doch zu Herzen daß Gebet bei Teurung und Hungersnot. Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuſer erfüllt. Es scheint, du habest den Segen von unserer Speise genommen. Wir essen und werden nicht satt, wir nehmen viele Speise zu uns und verschmachten fast vor Hunger, und das Vieh, die unvernünftige Kreatur, ruft um Futter zu ihrem Schöpfer. Ach Herr, Herr! gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen hast. Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, darum suche das Land heim und wässere es selbst, laß den Himmel die Erde erhöhen und erhöre du uns von deinem Heiligtum. Laß die Teurung aufhören, wende dich wieder in Gnaden zu uns, sättige die Hungrigen, erfreue die Armen, segne unser weniges Brot, so wir nach dem Gewicht und mit Kummer täglich zu uns nehmen. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brot leben können, sondern am meisten von deinem Segenswort, das aus deinem Munde geht, und dadurch du Kraft in unsere Speise legest. Laß das Feld bald mit Früchten wieder erfüllet werden, vermehre das wenige Mehl, wie der Witwe zu Sarepta; laß den geringen Vorrat genug sein zur Erhaltung vieler. aß indessen dein Wort unsere Speise alleweg' ſein, uns damit zu nähren, denn das ist unsers Herzens Trost, unser Honig und Honigseim; wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Lebenlang. Ach Herr! sich an die große Not, Entzich uns nicht das liebe Brot, Schütt deinen Segen aus; Du bist ja unsre Zuversicht, Drum bitten wir, verstoß uns nicht. Amen. 377 Gejang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Mit der scharfen Teurungsruten Machst du, o erzürnter Gott! Unser hartes Herze bluten; Ach, die bittre Hungersnot Drohet uns den Untergang, Sie macht unsre Seele bang, Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Not erleben. 378 Vierter Teil. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel alles drückt, Es möcht dem sein Herze brechen, Der die Thränenflut erblickt, Welche diese Not auspreßt, Darin Gott uns sinken läßt. Schau, Erbarmer! auf die Armen, Vater! denk an dein Erbarmen. 3. Mangel drücket Groß und Kleine, Unser Vorrat ist dahin; Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel ruft der Arme aus, Mangel ist in's Reichen Haus; Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns nichts ist übrig blieben. 4. Ach, das machen unsre Sünden, Diese steigen himmelan, Daß man keine Hülf' kann finden, Die dem Mangel steuern kann; Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid, Ungehorsam und Wohlleben müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern: Ach, wir sind ja noch nicht satt, Auf dem Feld und in den Kammern Liegen viel', vor Hunger matt; Dort sieht man viel Arme stehni, Die um Brot und Hülfe flehn, Ja, man hört das Vieh auch brüllen, Es will seinen Hunger stillen. 6. Herr, du hast hinweggenommen Deinen Segen von dem Brot, Und ach, daher ist gekommen Diese Teurung, diese Not; Unsre Speise sättigt nicht, Welch ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Effen, Und der Speis' ist bald vergessen. 7. Herr, wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last, Gieb uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast; Laß die Acker wieder blühn, Nach dem Säen und Bemühn Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis' uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brot ge= bricht, Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater! so verstoß uns nicht; Dieses wahre Lebensbrot Stärke uns in dieser Not, Auf der fetten Seelenweiden Ist leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segensflut Dieſe Teurungsnot verschwinden, So wird alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag' und alle Stund' Sprechen: Gott hat Brot und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Aufmunterung. Wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, nicht gehorchen wirst, so werden alle diese Flüche über dich kommen. Der Herr wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis er dich vertilge. Der Herr wird dich schlagen mit Geschwulst, Fieber, Hite, Brunft, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. 5 Moſ. 28, 15. 21. 22. Gebet bei Pestzeiten. Wenn enn über die, welche Böses thun, Zorn, Trübsal und Angst soll kommen, Röm. 2, 8. 9., so gehören zu solcher Angst ansteckende Krankheiten und Pest. Diese Plage kommt mehrenteils 1) wenn die Menschen. dem Worte der Warnung und Vermahnung keinen Glauben beimessen. 4 Mos. 14, 12. 2) Wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dient. Jer. 14, 12. 3) Gott gar durch Ungehorsam aus den Augen setzt. Jer. 24, 16. Kap. 27, 8. 4) Die Diener Gottes verachtet. Jer. 20, 18. 5) Wenn das Volk frech und unbändig wird. Hes. 12, 19. 6) Wenn Hurerei und Mord im Schwange geht. Hef. 33, 26. 27. 7) Wenn keine Bußvermahnungen mehr angenommen werden. Amos 4, 10. 8) Um Ebebruchs willen. 4 Mos. 25, 9. 9) Um Gotteslästerung willen. 2 Kön. 19, 35. 10) Um Hochmut. 2 Sam. 24, 25., und um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe einreißt, da ist notwendig, daß man Buße thut, weil doch der Herr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt, deshalb auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählte. 379 Gebet. Starker und allmächtiger Gott! groß ist dein Zorn gegen die mutwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohlthaten nicht lassen zur Buße leiten. Du handelst eine Zeitlang mit den Menschenkindern als ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Verschonen zu sich locket, nachmals aber, wenn sie deine Gnade auf Mutwillen ziehen, so beweisest du dich auch als ein strenger Richter. Dieses erfahren wir jetzt auch; gerechter Gott! wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Seuche zeigt, welche viele tausend Menschen dahinrafft, so daß fast in jedem Hause Tote sind, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Das macht dein Zorn, daß sie so verderben, und dein Grimm, daß sie so plößlich dahin müssen. Haben wir nicht hohe Ursache, zu befürchten, du werdest das um sich reißende Übel in unsere Grenzen und in unsere Stadt schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott! gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor andern sind, welchen du diese scharse Rute läsfest empfinden; wir müssen vielmehr bekennen, daß wir wert sind, alle also umzufommen. Es findet 380 Vierter Teil. sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Wortes und der heiligen Sakramente, Halsstarrigkeit, Uppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wollust, Stolz, ja es ist fast keine Furcht Gottes im Lande, die Heiligen haben abgenommen und der Gläubigen sind wenige unter den Menschen. Willst du nun Sünde zurechnen, Herr! wer kann vor dir bestehen? Ach Herr! Herr! wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suchen wir auch, Herr! dein Antlig. Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, darum schuldigen wir uns und thun Buße im Staub und in der Asche. Siehe nicht an unsere Sünden groß, sprich uns derselben aus Gnaden los, steh uns in unſerm Elend bei, und mach uns aller Strafe frei. Wir haben gesündigt mit unsern Vätern, wir haben mißgehandelt und sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgeengel, der das Racheschwert führt, daß er ablasse und sage: es sei genug. Laß uns leben, so wollen wir deinen Namen rühmen. Sind wir keiner Gnade wert, so sind wir ihrer doch bedürftig; sind wir alle Kinder des Todes, so hast du den Bußfertigen verheißen, du wollest Gnade für Recht ergehen lassen. O so schenke uns deine Gnade und das Leben um Jesu, unsers einigen Mittlers und Fürsprechers willen; erbarme dich, erbarme dich, Gott, unser Erbarmer, über uns! sei uns gnädig, verschone unser, lieber Herr! sei uns gnädig, hilf uns, lieber Herr Gott! Erbarme dich der Armen und Elenden, welche durch die heftige Seuche angegriffen sind und die Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubt und von allen Menschen verlassen sind; stehe ihnen mit Trost bei, und dein Geist gebe Zeugnis ihrem Geist, daß sie Kinder Gottes sind, ob sie gleich an dieser Plage sterben müßten. Ach Herr! erhöre unser Gebet, schüße unser Vaterland, so wollen wir sagen: der Herr hat Großes an uns gethan, und du kannst erretten alle, die zu dir treten. Gebet bei Pestzeiten. 381 Ach Herre Gott! durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein'; Beweis an uns dein' große Gnad' Und straf uns nicht auf frischer That; Wohn uns mit deiner Gnade bei, Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. Amen. Gejang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Was große Angst und Herzeleid Läßt Gott uns jetzt erleben, Da wir in dieser Jammerzeit In Todesnöten schweben, Und fast, o schreckliches Gericht! Vor des Würgengels Angesicht Erzittern und erbeben. 2. In mancher Stadt, in manchem Land Hört man von lauter Leichen; Kaum liegt der eine in dem Sand, Muß dieser auch erbleichen; Die Toten liegen überall Von Alten, Jungen, ihre Zahl Ist fast nicht zu erreichen. 3. Dort ftirbt ein Armer und verschmacht't, Das Haus ist schon beschrieen, Ein jeder ist darauf bedacht, Der Seuch' sich zu entziehen; Ein andrer stirbt aus Hungersnot Ohn' alle Pfleg' und kann dem Tod Unmöglich mehr entfliehen. 4. Gerechter Gott! dies läsfest du Uns hören und fast sehen, Und sprichst dabei: Kommt, sehet zu, So soll es euch auch gehen, Wenn ihr von eurer Missethat, Die mich zum Zorn gereizet hat, Nicht werdet bald abstehen. 5. Ach ja, die große Sicherheit Kann niemand fast beschreiben, Man weiß von keiner Frömmigkeit, Ein jeder läßzt sich treiben Von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung Gottes, Heuchelei, Und also will man bleiben. 6. Willst du nach unserm Sündenmaß Die scharfe Rute binden, Und unsre Sünden, Neid und Haß Samt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch' und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach, wer wird Gnade finden? 7. Ach Gott! wir fallen dir zu Fuß, Ach Vater! schone, schone, Wir thun mit Thränen herzlich Buß' Vor deinem Gnadenthrone, Gedenke nicht, was wir gethan, Und sich uns doch in Gnaden an In Christo, deinem Sohne. 8. In Jesu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen. Wir bringen hier sein Blut vor dir, Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig sein, Dies heiße Blut kann doch allein Die Zornesfluten ſtillen. 9. Verleih uns doch gesunde Luft Und schenke uns das Leben; Vertreib den gift'gen Pestesduft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herze, Geist und Mund Dein Lob und Ruhm zu aller Stund' Mit tausend Dank erheben. 382 Vierter Teil. Der gläubige Christ lobt und dankt Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Kommt her und schauet an die Werke des Herrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet. Der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, Wagen mit Feuer verbrennt. Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin, ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela. Pf. 46, 9. 12. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen, als: es ist Friede! da kommen die Geflüchteten wieder in ihre Häuser, die Verjagten haben Hoffnung, wieder zu den Ihrigen zu kommen, das Land selbst erholt sich und grünet vor Freuden, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein gläubiger Christ erkennt, daß diese Gabe von oben herab komme, darum stimmen sein Herz und Mund zusammen. Er lobet Gott 1) daß er dem Verstören, Rauben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht, und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreit sind. 2) Er dankt Gott, daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschützt und nicht zum Raube in die Hände der Feinde gegeben hat. 3) Er erkennt, wie der edle Friede sei wie die Sonne, die alles aufrichtet, wie ein Tau, der alles erquickt. 4) Er bittet Gott, er wolle den Frieden lassen dauerhaft werden und allen Friedensstörern wehren. 5) Er wendet die Friedenszeit an nicht zur Üppigkeit und Wollüsten, sondern in seinem Christentum zuzunehmen und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Gebet. Herr, Herr, gnädig, barmherzig und von großer Güte! du haft aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserm Lande weggenommen, weil wir der guten Tage und des Friedens mißbraucht haben, deswegen ein blutiger Krieg entstanden; du haft die Feinde uns zur Strafe gerufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun wohl verdient, daß dieser Krieg uns gar verderbet hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, und hast den Königen und Feldherren Danksagung nach erlangtem Frieden. 383 Gedanken des Friedens gegeben, dafür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heerscharen sind eins worden; das Schwert muß auf deinen Befehl wiederum in die Scheide fahren! Die Geflüchteten fommen wieder und wir können aus unsern Thoren wieder ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise Jerusalem den Herrn! lobe Zion deinen Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Thore und segnet deine Kinder darinnen, er schaffet deinen Grenzen Frieden. Welch ein herrliches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreut. Du erneuerst uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sollt sicher in eurem Lande wohnen, ich will Frieden geben eurem Lande, daß ihr schlafet und niemand euch schrecke, und soll kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach Herr! erhalte diesen Frieden beständig zu unsern Zeiten, erhebe über uns dein Antlitz und gieb uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk gelegt haft. Laß unser Friede sein, wie ein Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibt und quillt, denn du allein erhältst Friede nach gewisser Zusage. Laß Gerechtigkeit und Friede sich immer küssen, und Gerechtigkeit vom Himmel schauen. Gieb uns deinen heiligen Geist, daß wir den edeln Frieden nicht mißbrauchen zur Uppigkeit, Völlerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen und in der Furcht des Herrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land, habe allezeit Gedanken des Friedens über uns. Laß uns am Ende unserer Tage in Frieden fahren, und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. Herr Gott! dich loben wir Für deine große Gnaden, Daß du das ganze Land Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blühen läßt Des goldnen Friedens Zier, Drum jauchze alles Volk: Herr Gott! dich loben wir. Amen. 384 Vierter Teil. Gesang. Mel.: Nun lob, mein' Seel', den Herrn. 1. Der Fried' ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen, Kein Land und Stadt wird mehr verstört; Das Schwert ist eingestecket, Der Bogen losgemacht, Kein Feind ist, der uns schrecket, Da uns der Friede lacht; Darum soll heut vor allen, Nach dieser Kriegesnot, Ein Freudenlied erschallen Dem Herren Zebaoth. 2. O Friede, teure Gabe! O edles Kleinod, das du bist, Dadurch nun unsre Habe Von neuem unser worden ist, Da Gott dich uns gegeben, So giebt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh' in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüter Sind nun zum Fried' geneigt, Der treue Menschenhüter Hat uns die Gnad' erzeigt. 3. Die helle Friedenssonne Beleucht't die Länder weit und breit; Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist jedermann erfreut; Der Actersmann kehrt wieder Zu seinem Ackerbau, Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au; Die Schäflein weiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt, Und da die Segensfülle Das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert Das alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Thal erzittert Und gleichsam von der Stelle weicht; So pflegt der Fried' zu heilen Das, was da ist verheert, Und Samen auszuteilen Dem, was da ist verstört; Mit Luft sieht man nun bauen Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu tauen, Was unserm Geist gefällt. 5. Laß diesen Frieden dauern, O treuer Vater! lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern Nicht mehr erfahren Krieg und Streit; Ach! habe stets Gedanken Des Friedens uns zu gut, Und halte in den Schranken Der Fürsten Übermut; Nimm wegen unsrer Sünden Uns nur den Fries den nicht, Und laß uns Gnade finden, Wenn schon dein Zorn anbricht. 6. Wir wollen nun vermeiden, Da du uns Frieden schenkst, Was dich und uns kann scheiden, O Gott, und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar sein; Wir wollen stets bekriegen Der Sünden Lasterheer, Und alle Luft befiegen Zu unsers Gottes Chr'. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns alle sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt'; Der hat dem Krieg gesteuert, Seht, das ist Gottes That, Den Frieden uns erneuert, unverdiente Gnad'! Laßt Freudenlieder klingen Dem Herren Zebaoth, Und laßt uns fröhlich singen: Nun danket alle Gott. 385 Kommunion- Gebete. Kommunion- Gebete. Gebet vor dem heiligen Abendmahl. O großer Gott! der du mich nun zu dem heiligen Abendmahl rufest, ich flebe dich demütig an, du wolleft die göttliche Kraft des Blutes, welches mein liebster Heiland zur Vergebung meiner Sünden vergossen hat, auch mir angedeihen lassen. Sende mir aus deiner himmlischen Wohnung dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich zu deiner heiligen Tafel leiten, und ich daselbst die Empfindung deines Friedens und die Gnade deines heiligen Geistes empfange. Reinige mein Herz, damit ich es demjenigen opfern könne, welcher sich selbst für mich gegeben hat. Erfülle meine Seele je mehr und mehr mit Buße, Glauben, Liebe, Eifer, Freudigkeit und Dankbarkeit. Gott! mein Herz sagt mir um deinetwillen, ich soll dein Angesicht suchen. Ich suche es, o Herr! erlöse deinen Knecht( deine Magd), der( die) auf dich hofft. Amen. Gebet nach dem heiligen Abendmahl. Algenugsamer Gott, du einziges, höchstes Gut und bestes Vergnügen aller Frommen! in dir allein findet mein Herz seine beste Ruhe, und in deiner Gnade die höchste Freude. Die Welt mit allem dem, was sie Herrliches hat, gleicht den Äpfeln zu Sodom, die auswendig schön und inwendig voller Asche waren. Die Sünde mit ihrer kurzen Luft gebieret doch lauter Unlust, und zieht die Hölle und Verdammnis nach sich. Ach Gott! laß mich doch alles wohl bedenken, und nicht lieb haben die Welt, noch alles, was in der Welt ist; denn die Welt vergehet mit ihrer Luft, Augenluft, Fleischesluft und hoffärtigem Leben. Herr! wenn ich nur dich habe, so habe ich genug, wenn ich auch sonst in dieser Welt wenig oder nichts hätte! Deine Gnade ist noch besser denn Leben. O wie wohl ist meiner Seele, wenn ich an dir 25 Starts Handbuch. 386 Vierter Teil. einen gnädigen Gott, und in mir ein unverletztes Gewissen habe. Die Welt weiß von dieser Ruhe des Gewissens nicht, die deine Heiligen höher achten als aller Welt Schäße. Sei nun wieder zufrieden, o liebe Seele! denn der Herr thut dir Gutes. Er hat dich gespeist an seiner Gnadentafel mit dem gefreuzigten Leibe, und dich erquicket mit dem vergossenen Blut seines allerliebsten Sohnes. O große Gnade! darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan. Erhalte doch, o großer Gott! in meinem Herzen diesen Frieden mit dir, o Gott! der allen Verstand übertrifft, und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allem Leiden durch den inwendigen Trost deines heiligen Geistes. Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet doch eine über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Es wird doch noch eine Zeit kommen, da du mich bringen wirst an den Ort der vollkommenen Ruhe. Da werde ich schauen dein Antlig in Gerechtigkeit, und satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Amen. Der gläubige Chrift lobt Gott an dem wiederum erlebten Geburtstage. Aufmunterung. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir thut. Psalm 116, 12. Geburtstage, an welchen wir das Licht dieser Welt erblicket, sollen billig Lob- und Danktage sein, welche wir mit Singen und Beten, mit innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen, besonders wenn wir erwägen die großen und vielen Wohlthaten, welche wir zeitlebens bis hierher von der treuen Hand Gottes empfangen haben, daß er uns in der Kindheit und Jugend bis auf diese Stunde auf den Armen ge Lob Gottes am Geburtstage. 387 tragen hat. Allein daran denken die wenigsten. Arme und Geringe achten den Tag nicht viel; an Höfen wird zwar des Tages gedacht und wird gefeiert, aber wie? Mit kostbaren Mahlzeiten, mit Tanzen und Springen, welches wohl kein Lob- und Danktag, noch ein Gott wohlgefälliger Tag kann genannt werden. Wahre Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Güte, 1) daß er sie von christlichen Eltern hat lassen geboren werden, welche sie zur Erkenntnis des Heils in Jesu Christo gebracht haben; 2) daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben, welches eine große, aber unbekannte Wohlthat Gottes ift. 3) Sie vor Unglück bewahrt, und aus Gefahr errettet und bisher erhalten hat. 4) Sie bitten Gott zugleich demütig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in kindlichem Gehorsam und Frömmigkeit hinzubringen. 5) Sie trösten sich, wenn sie also im Glauben und Liebe verharren, daß Gott ferner seine Gnadenflügel über sie ausbreiten werde. 6) Sie erinnern sich, daß dieses wohl die letzte Feier des Geburtstages auf Erden sein könne. Gebet. wiger, gütiger und barmherziger Gott! ich habe heute durch deine Gnade wieder meinen Geburtstag erlebt, an welchem du mich von meiner Mutter nicht allein an das Tageslicht gebracht, sondern auch durch die heilige Taufe zu deinem Kinde auf- und angenommen hast. Darum soll dieser Tag mein Lob-, Bet- und Danktag sein. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiſet mit mir den Herrn und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott! daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, wohlgestaltetem Leibe, welches eine große Wohlthat ist, sondern auch von chriftlichen Eltern haft lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntnis, o dreieiniger Gott! von Jugend auf angeführt haben. Hättest du mich von Juden, Heiden und Türfen lassen entsprießen, so wäre ich viel25* 388 Vierter Teil. leicht so blind und verstockt als sie. Nun aber fenne und liebe ich dich und habe in dir der Seele Leben und Seligfeit erlangt. Ich bin in deinen Armen auferzogen, du haft mich in den folgenden Jahren geleitet, begleitet, haft mir Nahrung und Kleidung gegeben, und mich bis diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach, mein Gott! ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft. Kommt her, böret zu, ich will erzählen, was der Herr an meinem Leibe und an meiner Seele gethan hat. Aber ich kann es nicht alles erzählen; die Sterne am Himmel kann man eher zählen, als die Gnadengaben, die ich von dir empfangen habe. Aus wie viel Gefahren hast du mich errettet? Wie viel Unglück abgewendet? Dein Geist hat mich gelehrt, regiert, geführt, und wenn ich fündigen wollte, mich innerlich bestraft und zurückgezogen. Werden nun meiner Jahre viel, mein Gott! find deiner Wohlthaten viel, so gedenke ich heute auch an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach! verzeihe mir dieselben um Jesu Wunden willen; tilge sie mit deinem heiligen Blute und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir auf deinem Buche angeschrieben hast, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringen möge, auf daß dir all mein Thun und Leben gefallen möge! Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel gesetzt hast, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Frevelthaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schuß glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergängliche das ewige und himmlische Leben um Jesu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich die Lob Gottes am Geburtstage. 389 sen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Lob und Dank feiern und singen: Nun lob, mein' Seel', den Herren, Was in mir ist den Namen sein; Sein' Wohlthat thut er mehren, Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein' Sünd' vergeben Und heilt dein' Schwachheit groß, Errett't dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoß; Mit Segen überschüttet, Verjüngt, dem Adler gleich, Der König schafft Recht, behütet, Die leid'n in seinem Reich. Amen. Lob- und Danklied am Geburtstage. Mel.: 0 Gott, du frommer Gott. 1. Dies ist der liebe Tag, Den hat mir Gott geschenket; Dran mein erfreuter Geist Mit tausend Lust gedenket, Was seine Treu' und Güt' Bisher an mir gethan, Drum stimm' ich ihm zu Lob Ein Herzensdanklied an. 2. Dies ist der Tag, da ich Bin in die Welt gekommen, Und bin in meiner Tauf' Zu Gnaden angenommen; Da mich mein Jesus hat Durch sein Blut rein gemacht, Und mich zu seinem Licht Durch seinen Geist gebracht. 3. Ich habe klein und arm Das Sonnenlicht erblicket, Ganz nackend, ohne Kleid; Doch hat Gott schön geschmücket Den Leib und auch die Seel'. Ich habe nichts von mir; Was ich nun bin und hab', Das kommt allein von dir. 4. Du reicher, guter Gott! O, wie viel Gnadengaben Hast du mir mitgeteilt, Die mich erfreuet haben: Gesundheit, Glück und Heil, Des heil'gen Geistes Licht Ergött mich alle Tag'. Ach! ich weiß alles nicht. 5. Ja, ich weiß alles nicht; Mir würd's an Worten fehlen, Wenn ich der Gnaden Füll' Und Menge wollt' erzählen. Drum sprech' ich: Ruhm und Preis Sei Gott! auch Dank und Ehr'! Der Wohlthat ift viel mehr, Als Sandes an dem Meer. 6. Ach! jauchze heut, mein Herz, Laß auch die Stimm' erklingen; Ich will dir, treuer Gott! Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt Und meinen Geist erquickt, Und mich bis diese Stund' Mit seinen Gaben schmückt. 7. Du wollest auch zugleich, O Vater! mir vergeben, Womit ich dich betrübt In meinem ganzen Leben; Lösch aus mit Christi Blut Die Schuld und Missethat, Womit dich Herz und Mund Und That erzürnet hat. 8. Ich will durch deine Gnad' Hinfort nicht von dir weichen. Laß mich des Lebens Ziel In dieser Welt erreichen, Das du bestimmet hast, Daß ich in Frömmigkeit Hinbringe dir zum Preis Die übrig' Lebenszeit. 9. Das Ende meiner Tag', Das bleibet mir verborgen; Drum will 390 Vierter Teil. ich allermeist Für meine Seele sorgen, Mein Herze liebet dich, Bis an das Lebensziel, Es mögen meiner Jahr' Sein wenig oder viel. 10. Indessen leg' ich mich In meines Jesu Wunden; Ich hab' in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; Das teure Jesusblut Macht mich von Sünden rein, Ich bleibe, weil ich leb', Und auch im Tode sein. 11. So oft ich diesen Tag Werd' wiederum erleben, So will ich Herz und Mund Zu dir, o Gott, erheben, So fang' ich dieses Jahr Als neugeboren an; Ach! es ist lauter Gnad', Was du an mir gethan. 12. Ich feire diesen Tag Mit innigstem Vergnügen, Und will vor deinem Thron Gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, Ein jedes Tröpflein Blut Soll rühmen, was an mir Dein treues Lieben thut. 13. Nun, ich empfehle dir Bis an mein letztes Ende Mein'n Leib und meine Seel', In deine Vaterhände. Bleib doch mein Lebenslicht, Mein Tröster, Helfer, Stab, Bis ich in dir, durch dich Den Lauf vollendet hab'. 14. Und weil ich weiß, daß ich nicht werde ewig leben, So wolleft du aus Gnad' Den Himmel mir dort geben, So bin ich reich genug Und glücklich auch auf Erd', Wenn ich bei dir, o Gott! Im Himmel leben werd. Gebet bei anhaltender nasser Witterung. Großer und majestätischer Gott, der du den Himmel ausgebreitet, die Erde gegründet und alles erschaffen hast, was da lebet, webet und ist, wir sehen es mit unsern Augen, daß du alles regierest und alles schaffeft, was du nur willst. Wie bald kannst du nicht die Gestalt der Erde verändern! Wie bald kannst du ihr nicht ihre Schönheit und Zierde nehmen! Wie bald kannst du uns nicht wieder das Gute und den Segen entziehen, den du uns vor kurzem gezeigt hattest! Das erfahren wir jetzt besonders, da du die Fenster des Himmels haft aufgethan und ohne Aufhören den Regen herabfallen läffest. Alles ist traurig und betrübt; alles erregt einen fürchterlichen Anblick; die Sonne entzieht uns ihren wärmenden und erquickenden Schein; das Auge und Herz wird niedergeschlagen, da es nichts als schwere und trübe Wolken erblickt; das Erdreich ist mit Wasser bedeckt; das Gras und die Früchte des Feldes sind der Fäulnis nahe; die Flüsse schwellen und drohen mit Überschwemmung; die Wege werden unbrauchbar und hindern vielleicht Handel und Gewerbe, und wer weiß, was noch für Schaden und VerInft aus dieser Not, die uns jetzt getroffen hat, entstehen kann. Ach Herr, Gebet bei anhaltender nasser Witterung. 391 Herr! siehe doch an diesen unsern Jammer, und erbarme dich über uns gnädiglich. Du zeigst uns jetzt gar deutlich, daß du über uns zürnest. Und wir erkennen es auch gar wohl, daß wir mit unsern Sünden, mit unserm Ungehorsam, mit unserer Untreue und Widerspenstigkeit diesen deinen Zorn erregt haben. Ja, ja, wir sind Sünder, große Sünder, und mangeln gänzlich des Ruhms, den wir vor dir haben sollen. Wir haben gesündigt im Himmel und vor dir, und sind nicht wert, daß wir deine Kinder heißen. Wir haben's verdient, recht wohl verdient, daß du uns deinen Segen entziehst und dafür deine Ungnade empfinden läsfest. Wir bekennen dir deswegen unsere Sünden, und verhehlen unsere Missethaten nicht. Wir demütigen uns vor dir in wahrer Buße, und bitten dich um Erbarmung und Gnade. Ach! so erbarme dich denn wieder über uns, nachdem du uns so empfindlich geschlagen und betrübt hast. Gedenke an uns und segne uns. Gedenke unserer im besten. Gedenke, daß wir nur Staub und Asche sind. Gedenke an die vollkommene Versöhnung Jesu, und laß um derselben willen auch nunmehr bei uns Gnade für Recht ergehen. Du hast ja verheißen, so lange die Erde stehe, soll nicht aufhören Samen und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hiße, Tag und Nacht. Du hast ja zugesagt, du wollest sättigen alles, was da lebet auf Erden, mit Wohlgefallen. Du hast ja die teure Zusage gethan, daß du die Erde und ihre Bewohner nicht mehr mit Wasser vertilgen und ausrotten wollest. Ach! daran gedenke doch auch jetzt. Ach! das erfülle doch auch an uns, o du Gott voller Gnaden und Wahrheit! Thue die Fenster des Himmels zu und gebiete dem Regen, daß er aufhöre, auf uns zu.fallen. Heitere den trüben Himmel auf, und laß uns das schöne Sonnenlicht wieder leuchten. Trockne und erwärme damit die allzu feuchte Erde. Gieb dem Gras und allem Gewächse ein neues Leben. Bringe alles wieder hervor und zu seiner Zeitigung und Reife, damit wir zu seiner Zeit den nötigen Vorrat an Korn, Most und Öl, und allem dem, was zu unserer Erhaltung nötig ist, mit Freuden einsammeln können. Verleihe uns ferner ein fruchtbares und gedeihliches Wetter Bewahre uns vor Hagel und Ungewitter. Schenke Frühregen und Spätregen zu seiner Zeit, und laß die liebe Sonne des Land immer wieder erquicken, wenn du es gewässert hast, daß so das Gras wachse für das Vieh und die Saat zum Nußen der Menschen. Laß uns aber auch als 392 Vierter Teil. dann deine Gaben, die du uns so wunderbar erhalten und so gnädig beschert hast, mit Danksagung empfangen, und nimmermehr vergessen, was du Großes an uns gethan hast. Erweiche besonders noch unsere harten Herzen durch die uns erzeigte Güte und Treue, daß wir uns redlich bessern, alle wissentlichen Sünden meiden, der Frömmigkeit und Tugend nachjagen, und bis an unser Ende vor dir wandeln, wie es dir gefällig ist. Und dann nimm uns auch, nach bewiesener Treue, in Gnaden auf in dein ewiges, himmlisches Reich. Da wollen wir dir weit vollkommener danken für alle uns erzeigten Wohlthaten, als wir hier in der Schwachheit thun konnten. Da wollen wir, wenn alles wird wohl klingen, dir ewig Lob und Dank singen. Heilig, heilig, heilig werde, Gott! dein Name stets genannt, denn der Himmel und die Erde machen deinen Ruhm bekannt; deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Pracht hat doch nirgend ihres Gleichen; Gott! wer kann dein Lob erreichen? Amen. Gebet bei anhaltender Hiße und Dürre. Nun, so hilf uns denn auch, o Herr, unser Gott! der du bist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, in der großen Not, in welcher wir uns jetzt zu dir nahen und dich um deine Barmherzigkeit anrufen; hilf uns in der großen Not, welche uns nunmehr betroffen hat; hilf uns, und errette uns wieder aus derselben gnädiglich. Du haft ehedem deinem Volke gedroht, wenn es deiner Stimme nicht horchen, wenn es nach deinen Geboten und Rechten nicht thun würde, so wollest du den Himmel über seinem Haupte ehern und die Erde unter seinen Füßen eisern machen, so wolleft du seinem Lande Staub und Asche für Regen geben, so wollest du es also strafen, bis es vertilgt würde. Diese gerechte und schreckliche Drohung fängst du nun auch bei uns an zu erfüllen. Du hast uns schon eine Zeitlang mit einer anhaltenden Hitze und mit einer alles verzehrenden Dürre heimgesucht. Du hast schon eine geraume Zeit den Himmel wirklich vor uns verschlossen und den Wolken geboten, daß sie entweder von uns fliehen, oder uns doch keinen Regen geben sollten. Es scheint in der That, als ob der Himmel über uns ehern und die Erde unter uns eisern geworden sei. Ach! wie trau Gebet bei anhaltender Hitze und Dürre. 393 rig und erbärmlich sieht es deswegen auf den Feldern und Wiesen, auf den Bergen und in den Thälern, in den Frucht- und Weingärten, ja allenthalben aus! Die Erde sperrt ihren Mund auf und seufzt um Erquickung. Menschen und Thiere lechzen vor großer Hitze; die Bäume verdorren; das Gras verwelkt; die Früchte können nirgend wachsen und zu ihrer Zeitigung kommen; es mangelt dem Vieh an Futter, und unjere Flüsse, Bäche und Brunnen müssen endlich vertrocknen, daß wir an Wasser Mangel haben. Und welche traurige Folgen können nicht noch daraus entstehen? Ach Herr, Herr! siehe doch darein, und mache dieser unserer Not ein Ende. Wir müssen es allerdings vor deinem heiligen Angesicht bekennen, daß wir wegen unsers beständigen Ungehorsams gegen deine Gebote, daß wir wegen des schändlichen Undanks gegen deine vielen Wohlthaten, daß wir wegen des großen Mißbrauchs des Guten, das du uns erzeigst, dergleichen schwere Strafen gar wohl verdient haben. Ja, wir müssen gestehen, daß du gar nicht unrecht hättest, wenn du wegen unserer vielfältigen Missethaten uns mit noch weit härteren Strafen belegtest. Aber, o Vater der Barmherzigkeit! siehe, wir fallen dir gebeugt und gedemütigt zu Fuße, und bitten dich, vergieb uns doch unsere großen Sünden, und wende dein gnädiges Angesicht doch wieder zu uns. Erbarme dich über uns, und wende doch diese schwere Plage endlich von uns ab. Du bist es ja, der uns Menschen viel Gutes thust, du bist es, der du uns vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten giebst, und unsere Herzen erfüllst mit Speise und Freude; du feuchtest die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffeft; du läsfest Gras wachsen für das Bich und Saat zum Nutzen der Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest; aller Augen warten deswegen auf dich, daß du ihnen Speise gebeft zu seiner Zeit. Ach! so denke denn auch jetzt an uns um deines Namens willen, und erquicke uns mit einem fruchtbaren und durchdringenden Regen. O du allmächtiger Schöpfer und Erhalter aller Dinge! thue doch die Fenster des Himmels auf, suche das Land, das nach deiner Güte lechzt, einmal wieder heim, und wässere es, daß die Früchte auf den Äckern und in den Obst- und Weingärten zu ihrer Reife kommen, daß die Gewächse in den Feldern aufwachsen, daß das Gras auf den Wiesen Hervorkomme, daß Menschen und Vieh allenthalben wieder Nahrung und Unterhalt finden mögen. Sind wir gleich, o Gott! un 394 gehorsame Kinder bis hierher gewesen, so sind wir doch noch durch Christum deine versöhnten Kinder; und daher rufen wir dich um seinetwillen demütig an, du wollest unser Flehen in dieser so dringenden und anhaltenden Not gnädig erhören und alles, was da lebt, mit Wasser von oben herab fröhlich machen. Behüte auch ferner unser Land und unsere Wohnung vor ansteckenden Seuchen, vor Feuer, vor Teurung und vor andern wohl verdienten Plagen. Laß uns die jetzt empfundene Strafe dazu dienen, daß wir uns forthin bessern und von Herzen zu dir bekehren. Gieb deinen Geist zu dem Ende in unser Herz, daß er ganz andere Leute aus uns mache, nämlich solche Leute, die in deinen Wegen treulich wandeln, deine Gebote halten und darnach thun. Heilige du uns selbst durch ihn durch und durch, daß unser Geist, samt der Seele und dem Leib, mögen unsträflich bewahrt werden bis auf den Tag Jesu Christi. Nun, Herr, unser Gott! wir hoffen auf deine Güte, ach! laß uns vor dir leben und deinen Ruhm verkündigen. Erhöre unser Gebet, so wollen wir dir für deine Gnade herzlich dankbar sein, und deinen Namen hoch preisen, so lange wir leben, hier zeitlich und dort ewiglich. Erhöre uns, lieber Vater in dem Himmel! denn du bist doch unser Gott. Erhöre uns nach deiner unermeßlichen Treue, nach welcher du uns Beistand und Hülfe in aller Not haft zugesagt. Erhöre uns um deiner selbst willen. Amen, Amen, das ist, es werde wahr, du wollest es erfüllen, erhör und hilf uns immerdar, um Jesu Christi willen; denn dein, o Herr! ist allezeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Reich, die Macht, die Ehre! Amen. Vierter Teil. Tägliches Gebetbüchlein 310 HIE für Schwangere, Gebärende und Böchnerinnen; enthaltend Morgen- und Abendgebete, Aufmunterungen, Trost- und Erquickungs- Andachten und Gesänge, sowie auch Sprüche, Seufzer und Gebete, welche in Nöten zu sprechen und vorzusprechen sind, und Erinnerung, Trost, Gebete und Gesänge für Unfruchtbare. Bur Ehre Gottes und Erbauung der chriftlichen Gemeinde herausgegeben ( als den V. und VI. Teil des täglichen Handbuchs) von Johann Friedrich Start, weil. evangelischem Prediger zu Frankfurt a. M. Neu- Ruppin. Verlag von F. W. Bergemann. 187 Vorrede. An die geneigten und Gott liebenden Leser. { 1 Ist je ein Werk, daraus man Gottes Allmacht und Weisheit augenscheinlich erkennen kann, so ist es die Empfängnis, das Wachstum und die Erhaltung eines Kindes im Mutterleibe, und sodann die Geburt desselben. Hier mag die kluge Vernunft fragen und grübeln: Wie geht das zu?" so wird sie doch nichts davon zu sagen wissen, wenn sie nicht mit der heiligen Schrift reden will, welche alle Ehre, allen Ruhm, alle Weisheit und Macht Gott allein zuschreibt, und also thut Gott alle Tage neue, herrliche und unbegreifliche Wunderwerke, wenn er ein Kind im Verborgenen bildet, erhält, Leib und Leben giebt, hernach die verschloffenen Bande öffnet und ans Licht bringt, auch ihm zum Besten in der Mutter Natur also wirkt, daß ihre Speise und Trank nun nicht allein in Blut, sondern auch in süße Milch verwandelt wird. Wenn David die Seele in heiliger Betrachtung vorstellte, so dankt er Gott dafür, wenn er spricht:„ Ich danke dir, daß ich wunderbarlich gemacht bin, wunderbarlich sind deine Werke, und das erkennt meine Seele wohl. Es waren dir meine Gebeine nicht verborgen, da ich im " Verborgenen gemacht war, da ich gebildet war unten in der Erde." Pf. 139, 14. 15. Freilich macht Gott alles wunderbar über unser Wissen und Verstehen. Wenn Hiob dieses göttliche Werk der Erschaffung und Bildung des Menschen erwägt, so spricht er: ,, Deine Hände haben ,, mich gearbeitet und gemacht, alles, was ich um und bei mir habe. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast. Hast du mich nicht wie Milch gemolken, und wie Käse gerinnen lassen, du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammen" gefügt, Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahrt meinen Odem." Hiob 10, 10-12. Wenn wir diese und andere Redensarten der heiligen Schrift erwägen, so bleibt auch in diesem Werke Gott ein verborgener Gott, der etwas aus nichts macht, und stellet es dem Menschen zur Betrachtung und Verwunderung dar, daß er daraus Gottes Allmacht und Weisheit lerne. 11 11 Vorrede. 397 Beweiset aber Gott seine Weisheit und Allmacht in der Bildung des Menschen im Verborgenen, so leuchtet dieselbe noch herrlicher hervor in der Geburt, denn die kann kein Mensch befördern und glücklich machen, ohne Gott allein. Wenn der aufschließt, so kann niemand zuthun, und wenn der zuschließt, so kann niemand aufthun, deshalb auch bei der Geburt des Menschen alle Kunst, Vorwitz und Übereilung gefährlich ist, sondern hier muß in Geduld und mit Gebet die Stunde Gottes erwartet werden, bis es Gott gefällt, die Bande zu öffnen und das im Verborgenen bereitete schön gebildete Meisterstück vor der Menschen Augen zu legen, wie auch David die Geburt des Menschen Gott allein zuschreibt. Ps. 22, 10. Wenn der geistreiche Herr Scriver dieses Werk Gottes bei der Geburt und vorangegangenen Schöpfung und Bildung des Menschen erwägt, so führt er davon die schönen Worte: ,, Die größten Künstler, als: Maler, Bildhauer, Uhrmacher verbergen ihre Arbeit, und pflegen, wenn sie an einem öffentlichen Orte dieselben verfertigen müssen, sich mit Decken und Umhängen zu umgeben, bis sie dieselbe völlig verfertigt „ haben, alsdann stellen sie selbige jedermann zum Beschauen dar. Also, „ wenn ich auf Menschenweise von ihm reden mag, hält's auch unser Gott, „ der Künstler über alle Künstler; er bearbeitet den Menschen im Ver„ borgenen des Mutterleibes, und verdeckt solche seine Arbeit dermaßen, „ daß kein menschliches Auge ihm zusehen, noch sie selbst, welche die Werk„ statt ist, es wissen kann, wie es damit zugehe. Sie vernimmt und em„ pfindet wohl, daß der große Baumeister in ihr ein großes Werk angefangen hat, wie er aber damit verfährt, das kann sie nicht begreifen. „ Der menschliche Verstand forscht zwar fleißig und mutmaßt, so gut er „ kann, wie es damit zugeht, muß aber endlich selbst gestehen, daß er ein „ Geringes oder wohl nichts davon erraten kann, zumal die Gelehrten sich noch nicht darüber vergleichen können, wie die Frucht im Mutterleibe ernährt wird, wie sie Atem holt, welches das erste oder letzte von den Gliedern ist, wie und wann sie beseelt wird, und dergleichen. Wenn nun aber das lebendige und edle Kunstbild fertig ist, so bringt es sein „ Meister ans Licht, und stellt es alles zur Verwunderung dar, auf eine solche Weise, darüber, wenn es nicht zu oft geschähe, aller menschliche Wizz erstaunen würde." Seelenschatz IV. Teil. 6. Pr. im§ 30, 11 11 p. m. 145. 11 17 Es geht aber in diesem Werke des großen Gottes wie in den andern göttlichen Werken und Wohlthaten; weil sie alle Tage geschehen, so achtet man sie gering, da sie uns doch zu Gott ziehen sollten, so daß man jetzt fast nicht einmal mehr Gott bei der Geburt eines Menschen preiset, sondern es heißt mehrenteils: die Frau liegt im Kindbett, sie hat wieder ein Kind! und was dergleichen kurze verächtliche Redensarten mehr sind. 398 Vorrede. Gewiß, wenn alle fünfundzwanzig Jahre der mit goldenen Sternen gezierte Himmel nur einmal erschiene, wie würden wir nicht die Nacht, da solches vorginge, wachen, die Herrlichkeit betrachten, unsere Hände und. Herz zu Gott erheben, uns freuen, Gott loben und preisen; so aber, da es öfters geschieht, denkt fast niemand an Gott. Also geht es auch mit der Geringachtung des Werkes Gottes in der Hervorbringung eines Menschen zu. Daher auch Luther nicht unrecht gemeint, wenn er sagt: Wenn Gott seine Gaben auszuteilen und zu geben kärglicher wäre, so würden wir ihm viel dankbarer sein. Wenn er einen Menschen nur ließe mit einem Bein oder Fuß geboren werden, und gebe ihm hernach im siebenten Jahr das andere Bein, im vierzehnten Jahr eine Hand, und im zwanzigsten die andere, so würden wir Gottes Gaben und Wohlthaten besser erkennen, auch viel lieber und werter haben." Gottselige Ehefrauen und wahre Christen preisen Gott, wenn sie von der Geburt eines Kindes hören, beten und seufzen, wenn sie vernehmen, daß eine Person in solchem Werk begriffen ist, weil sie wissen, daß ohne Gottes Gnade, Hülfe und Beistand kein Kind kann geboren werden. Ja, man sieht es zuweilen, wenn Gott seine Hand ein wenig zurückhält, sein Angesicht verbirgt, seine Hülfe verzieht, wenn die Not groß ist, und wie die Umstehenden erblassen, zu Gott schreien und sagen: Hier kann kein Mensch helfen! Hier muß Gott helfen! 11 11 Als ich früher ein tägliches Handbuch für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende herausgegeben, so ist mir bald hernach von dem weiblichen Geschlecht verwiesen worden, daß ich des Zustandes der Schwangeren, Gebärenden und Kindbetterinnen nicht gedacht, indem dieselben auch Trost und Unterricht brauchen. Und gewiß ist's also, daß bei diesen Umständen das Gebet und Flehen zu Gott eines der heilsamsten Mittel zut einer glücklichen Geburt sei; denn fängt die Schwangerschaft an, da muß um Abwendung der Gefahren, Schadens und Verleihung des göttlichen Beistandes gebeten werden. Nahen sich die Nöten herbei, so ist das Gebet und Flehen zu Gott der beste Anker, darin sich die durch Schmerzen geängsteten Seelen halten. Ist die Entbindung geschehen, und man tritt in das Wochenbett, wer wollte des Gebets, Fürbitte und Danksagung vergessen? Auf diesen dreifachen Stand ist nun dieses Gebetbüchlein gerichtet, in welchem die Aufmunterung den Ehefrauen nützliche Erinnerungen mitteilt, das Gebet ihr Anliegen Gott vorträgt und sodann ein Gesang die Andacht beschließt. Zu den Sprüchen und Gebeten habe ich auch diejenigen mitgezogen, welche mir von einigen christlichen Frauen zur Hand gegeben worden sind und die sie in dergleichen Fällen für erbaulich und erquickend gefunden haben. Weil aber einiger Personen Ehestand unfruchtbar ist, die also dieser Vorrede. 399 Gebete und Unterricht nicht bedürfen, so habe ich auch den Unfruchtbaren zu Gefallen eine Erinnerung und Trost angehängt samt einem Gebet und Gesang, damit sie auch in den Willen Gottes sich ergeben, erfreuen, und auch in diesem Stand im Vertrauen und Zuversicht auf die göttliche Liebe, Gnade und Hülfe mögen erhalten werden. O heiliger und starker Gott! sei der Schwangern Beistand, der Gebärenden Helfer, der Sechswöchnerinnen Schuhherr, der Unfruchtbaren Trost und Zuversicht. Erquicke die Schwangern durch deine Stärke, erhalte sie durch deine Allmacht. Erfreue die Gebärerin durch eine fröhliche Entbindung, und schenke ihnen einen fröhlichen Anblick ihres geliebten Pfandes. Beschüße die Sechswöchnerinnen nach deiner Treue, bewahre sie vor allem Unfall, und verleihe ihnen einen fröhlichen Aus- und Kirchengang. Erwecke eine Freudigkeit bei den Unfruchtbaren, daß sie in deinen heiligen Willen ihren Willen ergeben. Stärke ihre Hoffnung und erhalte ihr Vertrauen. Segne auch diese Arbeit zur Verherrlichung deines großen Namens und zur Erbauung vieler Seelen, damit alle Leserinnen dadurch mögen ermuntert, erquickt und ausgerichtet werden, das thue durch deine Kraft um Jesu Christi willen. Amen. AG Andachten für Schwangere. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ein jeder wahre Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit geht, sich dem Schutz und der göttlichen Gnade empfehlen, daß Gott seinen Leib und Seele in seiner gnädigen Obhut erhalten wolle. Gewiß ist es eine große Wohlthat Gottes, wenn der Mensch gesund des Morgens aufsteht, unter dem Beistand Gottes gesund den Tag hinbringt und des Abends sich wieder gesund in sein Bett niederlegen kann; und daß dieses eine besondere göttliche Wohlthat sei, sieht man daher, weil mancher Mensch einen unglücklichen Tag hat, da er am Morgen gesund, des Abends oft krank, lahm, verwundet, mit verletzten Gliedern sich zu Bett muß bringen lassen. Soll aber ein jeder Mensch sich also in die Obhut Gottes empfehlen, wie viel mehr sollen es Schwangere thun. Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen. 1) Er wolle den Tag über sie in guten und heiligen Gedanken erhalten, damit sie an Gott gedenken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben und mit ihm umgehen mögen. 2) Sie sollen Gott auch ihr Leben und Glieder befehlen, daß Gott wolle ihren Tritt bewahren, vor gefährlichen Fällen und anderm Unglück behüten. 3) Sie sollen auch ihre Frucht in die heilige Obhut Gottes fleißig empfehlen, daß sie möge wachsen, gestärkt, wohl gebildet und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllt werden. 4) Besonders aber sollen sie den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht alles übel nehmen, nicht alles genau untersuchen oder sich über alles erzürnen, damit ſie nicht über ihren Eigensinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfande Unglück, Krankheit oder den Tod gar zuwege bringen. Werden sie sich also der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Trost, daß Gott seine Engel über sie befehlen werde, die sie behüten auf allen ihren Wegen. Morgengebet. Herr Gott Vater! was du erschaffen hast, Herr Gott Sohn! was du erlöst haft, Herr Gott heiliger Geist! was du geheiligt haft, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt in dieser Morgenstunde und in alle Ewigkeit. Amen. Morgengebet. 401 O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott! der du selbst das Licht bist, bei welchem kein Wechsel des Lichts und der Finsternis ist, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieser finstern Nacht so gnädiglich bewahrt und mich haft dieses fröhliche Morgenlicht wiederum erleben lassen. O du Licht meiner Seele! gieb auch diesen Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, im V trauen und Hoffnung möge gestärkt werden. Heilige meine Seele, dai ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich gedenken, in dir mich erfreuen und deiner Gnade mich getrösten möge. Gieb, daß ich an diesem Tage nicht vorsätzlich wider dich sündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder Gottes dir diene und vor dir wandle. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart vor Augen, daß du allezeit um und bei mir seist, alles hörst, was ich rede, alles siehst, was ich thue, damit ich dadurch möge desto mehr aufgemuntert werden, in der Heiligung fortzufahren, und dich nicht zu beleidigen. Ich befehle dir auch meinen Leib und Leben, meinen Gang, Schritt und Tritt. Du hast mich jetzt, o du Gott aller Güter und Gnade! in einen besondern Stand gesetzt, darin ich auch deines besondern Schutzes und Beistandes benötigt bin. Darum bitte und flehe ich dich demütiglich: O du Schutzherr deiner Kinder! behüte meinen Ausund Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deinen Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre, stärke und erhalte mich. Vertreibe von mir alles, was mir schädlich ist, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich dann den Abend wieder unter deinem Schutze erleben, da ich dir fröhlich danken will für alle Wohlthaten, die du mir an Leib und Seele so gnädiglich erwiesen hast. Nun, der Herr jegne und behüte mich! der Herr Lasse sein Angesicht leuchten über mich und sei mir gnädig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Die Gnade des Vaters schütze mich, die Liebe Jesu decke mich und des heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt und allezeit. Ach, segne mich im Schlaf und Wachen! Ach, segne meinen Schritt und Tritt! Ach, segne mich in allen Sachen, Und teil mir deinen Segen mit; Laß mich gesegnet sein von dir, Und nimm den Segen nicht von mir. Amen. Gejang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich erblick die helle Sonne, Nachdem nun die Nacht ist hin; Ich erblick' auch meine Wonne, Jesus ist mir schon im Sinn; Mit ihm hab' 26 Starts Handbuch. 402 Andachten für Schwangere. ich hingebracht Die vergangne finstre Nacht, Mit ihm bin ich aufgewachet, Welches mich vergnüget machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen Mit dir, Jesu, meine Freud'! Beten, Loben, Danken, Singen Soll sein meine Arbeit heut; Jesus, meine Zierd' und Ruhm, Meiner Seele Eigentum, Der kommt nicht aus meiner Seelen, Dem will ich mich anbefehlen. 3. Ach, regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab; Ach, behüte meine Schritte, Stärke die verborgne Gab'; Ich befehl' dem meine Frucht, Welchen meine Seele sucht; Ach Herr! laß sie vor dir leben, Und wollst ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bei, Deinen Engel wollst du senden, Daß er immer bei mir sei; Wenn ich gleite, halte mich, Sieh, ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren Wollest du mich, Herr! bewahren. 5. Lasse sein mein Herze stille, Ohne Zorn und Bitterkeit, Daß mein Geist, Gemüt und Wille Bleibe in der Frömmigkeit; Jesu, o mein Trost und Schild! Laß dein lieblich Jesusbild Immer mir vor Augen schweben In dem, was ich will anheben. 6. Jesus bleibt mir in Gedanken, Jesus schwebt in meinem Sinn; Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein, wo ich auch bin; Meinen Jesum laff' ich nicht; Jesus, meiner Seele Licht, Ist bei mir auf meinen Wegen, Und erteilet mir den Segen. 7. Hat denn, Jesu! dein Begleiten Meinen Schritt und Tritt bewacht, So will ich die Händ' ausbreiten Nun bei angebrochner Nacht; Ich will danken deiner Treu', Welche alle Morgen neu, Und mit Beten, Danken, Flehen Mit dir auch zu Bette gehen. Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. welch eine große Wohlthat ist es, wenn Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben läßt, wenn er bei dem Niederlegen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O, welche herrliche Ruhe ist das, wenn man im Frieden mit Gott, im Frieden mit seinem Gewissen, in leiblichem Frieden und Vergnügen sich zu Bette begiebt; da kann der Mensch zum Lobe des dreieinigen Gottes sagen: Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich! Schläft er also dann mit dankbarem Herzen und mit einem Gott lobenden Munde ein, so wird die nötige Nachtruhe auch von Gott gesegnet sein. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, Augen und Mund zu Gott erheben, wenn sie nun den Tag glücklich vollbracht haben; sie sollen Gott danken Abendgebet. für ihre Erhaltung, seinen Schutz und Gnade, und sollen sich Goth Liebe und Barmherzigkeit ferner empfehlen. Ist die Nacht, wie man spricht, keines Menschen Freund, wie viel weniger der Schwangeren. Sie sollen demnach Gott anrufen, er wolle abwenden 1) allerlei Schrecken und Unglück, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangeren öfters in die größte Gefahr gesetzt werden können. 2) Er wolle sie vor Krankheit und Schmerzen behüten. 3) Er wolle seine Segensflügel über fie und ihre Frucht beständig ausgebreitet sein laffen. 4) Bricht der frohe Morgen an, so sollen sie wiederum mit Lob vor Gott erscheinen und mit David sagen: Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Abendgebet. Gnädiger, liebreicher und barmherziger Gott! ich erscheine allhier vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröhlichem Herzen. Herr, wie teuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus- und eingegangen; unter demselben bin ich bewahrt worden; kein Unfall hat mich gerührt, sondern ich habe nunmehr den Abend gesund erreicht. Gelobt sei die Liebe des himmlischen Vaters, der mich als sein Kind auf seinen Armen getragen hat. Gelobt sei Jesus Christus, mein Heiland, der mich an seiner Hand geleitet hat, daß mich kein Unfall hat stürzen können. Gelobt sei Gott der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! bleibe auch diese Nacht bei mir. Breite deine Güte, Herr, Herr! über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und Seele vor allem Unfall, laß mich im Schlaf immer mit dir umgehen, damit, wenn ich erwache, ich dennoch bei dir sei. Siehe, ich weiß keinen Helfer, denn nur allein dich, du Gott Israel. Laß deinen Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir und dem, was du mir aus Gnaden verliehen, nichts schädlich sein könne. Treibe aus meinem Herzen alle unnötigen Sorgen, böse Gedanken und falsche Einbildungen; treibe von meinem Bett und Haus alles, was mir Schaden und Unglück bringen kann. So lege ich mich denn in die Arme meines Gottes nieder; ich schlafe in den Armen meines Jesu; seine Linke ist unter meinem Haupt und seine Rechte deckt mich. Odu mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher! sei und bleibe du bei mir. Du dreieiniger Gott! bist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? du bist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Ja mir graut vor nichts, weil Gott bei mir ist; ich fürchte mich nicht, weil ich Jesum bei mir habe. Ift's 26* 404 Andachten für Schwangere. finster um mich, Jesus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der heilige Geist ist mein Trost und Beistand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schutz vorüber gehen, daß ich errettet, beglückt, bewahrt, erhalten die liebe Sonne erblicken möge, da soll mein Mund dich mit Freuden loben, und dir danken für alles, was du Gutes an mir gethan haft. So oft die Nacht die Ader schlägt, Soll dich mein Geist umfangen; So vielmal sich mein Herz bewegt, Soll dies sein mein Verlangen, Daß ich mit lautem Schall Möcht' rufen überall: O Jesu, Jesu! du bist mein, Und ich auch bin und bleibe dein. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen; Dein' Aufsicht soll die Decke sein, Mein Lager dein Erbarmen; Mein Kissen deine Brust, Mein Traum die süße Luft, Die aus dem Wort des Lebens fließt, Und dein'n Geist in mein Herz ergießt. Amen. Gejang. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. 1. Sieh, die Sonn' will von uns gehen; Jesus geht doch nicht von mir; In der Nacht will er auch stehen Bei mir an dem Bette hier; O wie wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht Jesu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Drum will ich mich ganz ergeben, Jesu! deiner Treu' und Gnad'; Ach! erhalte mir mein Leben, Und was mir geschenket hat Deine gnadenreiche Hand; Du kennst das verborgne Pfand, Auf das laß den Segen fließen, Und mich deinen Schutz genießen. 3. Sieh, hier bin ich, Menschenhüter! Ach, behüt mich vor Gefahr! Schütz die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immerdar; Wenn ich schlaf', so wache du, Decke du mich selber zu; Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen. 4. Ich leg' mich in Jesu Armen, Ich leg' mich in Jesu Schoß; O wie groß ist sein Erbarmen; Seine Liebe ist sehr groß; Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb' verläßt mich nicht; So bin ich mit Licht umgeben, Wenn ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun, mit Jesu will ich schließen Meine müden Augen zu; Jesu, ach! laß mich genießen Eine sanfte, süße Ruh'; Segne mich und auch mein Kind, Und auch die, die um mich sind; Vor Angst, Schrecken und Gefahren Wollest du uns, Herr! bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wenn ich ausgeschlafen hab'; Laß mich einst doch fröhlich sehen Die jetzt noch verborgne Gab'! Wenn ich gehe aus und ein, Laß mich dir befohlen sein, Laß kein Unglück, Herr, aus Gnaden Mir und meinem Kinde schaden. Tägliche Betrachtungen. 405 7. Ich leg' mich mit Jesu nieder, Mit ihm steh' ich wieder auf, Und fing' alsdann Freudenlieder, Und vollführe meinen Lauf; Jesu! ich befehl' mich dir, Jesu! weiche nicht von mir, So sprech' ich in Jesu Namen Nach dem Beten fröhlich Amen. Tägliche Betrachtungen einer Schwangeren. Aufmunterung. Wenn Gott einer Frau den Ehesegen empfinden läffet, so soll fie sich herzlich darüber freuen, und Gott dafür danken; aber sie soll sich auch vorstellen, 1) daß in diesem Stande sich viele Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden, davon sie vorher im ledigen Stande nichts gewußt und empfunden hat. Diese Schmerzen aber sind von Gott dem weiblichen Geschlecht nach dem Sündenfall auferlegt. 1 Mos. 3,16. Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. 2) Kommen aber die Schmerzen also von Gott, so sollen sie denken, daß Gott auch ein gnädiger Gott ist, der ihnen dieselben lindern wird; ein mächtiger Gott, der sie ihnen wieder abnehmen kann; ja, weil denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen müssen, so werden auch diese Beschwerlichkeiten, welche die Schwangerschaft mit sich bringt, auch den Schwangern zu vieler Erbauung und Übung im Christentum gereichen; sie können dabei lernen Gottes Weisheit, Güte, Allmacht, Hülfe und Segen, welches alles sie außer diesem Stande unmöglich hätten wissen können. 3) Kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall, so sollen sie sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sei, der sie als sein Kind nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihnen Kraft geben werde, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen gar schwer vorkommen, daß sie meinen, sie können es nicht ausstehen, so sollen sie sich erinnern, daß bei Gott nichts unmöglich ist und, wenn er ein Wort spricht, so müssen sich legen die stolzen Wellen und Schmerzen des Leidens und Beschwerlichkeit. 4) Sollten aber die Schmerzen lange anhalten, so soll doch ihr Vertrauen darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern gedenken, Gott habe die Stunde schon bestimmt, da er wieder helfen will. Er spricht oft zu uns wie zu Maria, seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen; deswegen muß man auch den Verzug der göttlichen Hülfe im Glauben und mit Geduld ertragen und sich auf die göttliche Verheißung verlassen, wenn er spricht: Ich will dich nicht verlassen. 406 Ändachten für Schwangere. noch versäumen. 5) Sprecht ihr: Aber es laffen viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so antworte ich: Gott hat einem jeden seine Todesstunde bestimmt. Wissen nun Schwangere Exempel von Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so sehen sie auch viele Erempel derer, welche glücklich entbunden und fröhliche Kindermütter geworden sind, ja, deren Anzahl ist ungemein größer, die der Herr erwünscht erlöst und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in dem Stande gestorben sind. Wenn nun aber gegen fünfzig oder hundert kaum eine gestorben, und neun und neunzig fröhlich geboren haben, so ist das wider den Glauben und Liebe zu Gott, sich allezeit das Argste oder das Schlimmste vorzustellen, das ist ein Mißtrauen gegen Gott, und eine schwere Sünde, wenn man an Gott verzweifeln wollte, und sagen: Ob Gott gleich so vielen Hunderten, ja Tausenden geholfen, so wird er mir doch nicht helfen! Wer hat euch das gesagt? Wer hat euch dies Mißtrauen in den Sinn gepflanzt? Kennt ihr vielleicht Gottes Güte und Allmacht nicht; darum kehrt es vielmehr um und saget: Der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, wird mir auch helfen und beistehen; und darauf verlasset euch von Grund eurer Seelen, widersprecht allen zweifelhaften Gedanken, und schaut hingegen auf die starke und mächtige Hand Gottes. 6) Gesetzt aber, Gott hätte einer Schwangeren ihr Lebensende in der Schwangerschaft und Geburt bestimmt, so stirbt sie doch selig, denn sie stirbt in ihrem Beruf! Gleichwie es ein seliger Tod wäre, wenn eine fromme Seele über dem Gebet, ein Prediger auf der Kanzel, ein Mensch in der Austeilung der Almosen, ein König auf seinem Thron, der den Armen Recht spricht, stürbe: also ist's auch ein seliger Tod, wenn eine Ehefrau in ihrer Schwangerschaft und Geburt ihren Geist aufgeben sollte, denn sie stirbt in ihrem Beruf, in einem Gott wohlgefälligen Stande, der Tod solcher gottseligen Ehefrauen ist wert geachtet vor dem Herrn, und er wird sie mit Wonne nach so vielem Leiden und Schmerzen in der ewigen Himmelsfreude sättigen, umgeben und erquicken. Wie man aber selig stirbt, und wann man selig sterben soll, das alles sollen wir der göttlichen Weisheit überlassen; wenn ich nur selig werde, wenn ich nur in den Himmel komme, soll eine gläubige Seele sagen, so mag es der Herr machen und schicken auf was für einen Weg, oder in was für einen Stand er immer wolle. 7) Jedoch sollen Schwangere sich auch fassen, daß sie nicht durch Zorn oder Eigensinn sich selbst den Tod bringen, denn weil ihnen in diesem Stande alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer auf sich acht geben. Gs ist an vielen schwangern Weibern gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu schelten, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornig, boshaft und empfindlich sind; alle Schritte und Tritte, so die Thrigen thun, find Tägliche Betrachtungen. 407 ihnen nicht recht, sie erzürnen sich über alles; keine Speise, kein Wort, kein Stuhl ist ihnen recht; da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Unart beten, denn wenn sie durch dergleichen Zorn und Erbitterung sich die Galle rege machen, daß dadurch gefährliche Schwachheit, hizige Fieber, Friesel und dergleichen tödliche Krankheiten entstehen, so müssen sie nicht sagen: Das hat Gott gethan! sondern das haben sie selbst ge= than, und ihre Schwangerschaft bringt sie nicht ums Leben, sondern ihr Zorn und Eigensinn. Ja, ich gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem erbitterten Geblüt wächst, zunimmt und geboren wird, ob sie nicht schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die so ein widerspenstig Gemüt haben, wie die Mütter in der Schwangerschaft gehabt haben. Deswegen soll hier eine christliche Ehefrau sich selbst überwinden und in Gott fassen, und sich nicht selbst den Tod und eine böse Geburt durch ihre Schuld herbei ziehen. Werden sie Gott darum anrufen, es wird der, von dem alle guten Gaben herab kommen, auch diese Gnade nicht versagen, ja, alsdann können sie sich im Leben und Sterben eines gnädigen Gottes getrösten. 8) Und weil auch christliche Ehefrauen gern in solchem Stand zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie alsdann um desto mehr Ursache, sich selbst und ihre Frucht dem Herrn Jefu zu übergeben, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung zu bleiben. Gebet. Heiliger, gütiger und barmherziger Gott! ich komme zu dir, meine Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung dir vorzubringen. Du hast, o großer Gott! mir den Ehesegen jetzt widerfahren lassen, dafür ich dir von Grund meines Herzens danke, und bitte dich, gönne mir auch zu seiner Zeit einen fröhlichen Anblick. Weil du aber, o gerechter Gott! auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach gelegt hast, so nehme ich dieselben unter deinem Beistand auch willig auf. Kommen demnach betrübte Stunden, schmerzhafte Tage, schlaflose Nächte, Herr, mein Gott! so weiche nicht von mir! ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all mein Leiden lindern, du bleibst auch mitten in dem Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnädiger Gott; der du sie mir verordnet und aufgelegt, haft auch die Kraft und Stärke, sie zu mäßigen. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja fast unerträglich werden, so will ich doch darum nicht verzagen, sondern mich erinnern, daß du, getreuer Gott! mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ich es ertragen könne. Wenn ich seufze: Ach! wie lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir; so 408 Andachten für Schwangere. gedenke doch an deine Hülfestunde, und laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott! deine Allmacht vor Augen, ja, schreibe sie mir in mein Herz hinein, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krankheit ausstehen, ja gar in der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann mir beständig in meinem Gemüte und Gedächtnis eingeschrieben bleiben, wie das Jahr über so viel hundert Schwangere glücklich entbunden werden, die wenigsten aber von dir in der Geburt von der Welt abgefordert werden. Darum will ich auch deiner Allmacht trauen, und flehe dich demütig an, laß mich auch eine fröhliche Kindermutter werden. Hilf mir in der Geburtsstunde, und erfreue mich mit einem gefunden und wohlgestalteten Kinde. Solltest du aber beschlossen haben, mir in diesem Stande mein Lebensende zu bescheren, Herr! so geschehe dein Wille; ich weiß, ich sterbe alsdann in meinem Beruf, ich sterbe in deinen Armen als dein Kind, ich sterbe selig und du werdest mich zu der igen Freude und Seligkeit einführen. Gieb mir aber, o mein Gott! indessen deinen heiligen Geist, der mich immer bei guten Gedanken erhalte; gieb mir einen stillen und sanften Mut, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod bringe; gieb, daß ich meinen Zorn mäßigen und also nicht mich selbst ums Leben bringen möge. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des Gemüts ausgerüstet werden; laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Nun, Herr mein Gott, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach! erhöre mich nach deiner Güte, errette mich nach deiner Verheißung, erbarme dich meiner nach deiner Treue, hilf mir nach deiner Liebe, erfreue mich nach deiner Gnade. Ich weiß, du hast mein noch nie vergessen, Daß ich mir sollt' vor Leid mein Herz abfressen; Mitten in der Not Denk' ich an Gott, Ob er mich gleich mit Schmerz und Angst thut pressen, Daß ich durch deinen Geist mög' überwinden, Und mich allzeit in deinem Haus mög' finden Zum Preis und Dank Mit Lobgesang; Mit dir thu' ich aus Liebe mich verbinden. Amen. Gottseliger Umgang einer gläubigen Seele mit Gott. Gejang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ich will stets mit Gott umgehen, Er soll immer bei mir sein, Auf ihn will ich allzeit sehen, Wenn ich gehe aus und ein; Ohne ihn Tägliche Betrachtungen. 409 geh' ich nicht aus, Er ist auch bei mir zu Haus; Ich kann nicht mehr ohn' ihn leben, Nachdem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll stets an ihn denken, Gott ist, der mein Herz erfüllt, Ich will es in ihn versenken, Es soll sein mit Gott umhüllt, Seht, ich denke nun nicht mehr, Gott ist der Gedanken Herr, Gott ist alles mir in allem, Ohn' Gott kann mir nichts gefallen. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen, Gott im Herzen, Gott im Mund; Mein Mund soll davon ausbrechen, Was da liegt im Herzensgrund; Was mein Mund nur immer spricht, Ist zu Gottes Ruhm gericht't; Gott im Herzen, Gott in Worten, Von Gott sprech' ich allerorten. 4. Mein Aug' soll stets nach ihm schauen, Denn Gott find' ich überall, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Thränenthal; Wo mein Auge nur blickt hin, Da ist Gott in meinem Sinn; Mich dünkt, daß er vor mir stehe, Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit und Geschäften, Da vergess' ich Gottes nicht, Arbeit' ich aus allen Kräften, Bleibt mir Gott doch vor Gesicht; So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein Gott nicht von mir weicht; Ohne Gott kann ich nichts machen, Er muß sein bei allen Sachen. 6. Eff' ich, so will ich empfangen Von ihm alle meine Speis'; Trink' ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines Gottes Preis Dieses alles mir gedeih', Und daß er stets bei mir sei, Und mir Speis' und Trank darreiche, Und auch da nicht von mir weiche. 7. Will ich mich zu Bette legen, Wenn ich bin der Arbeit los, So erteilt er mir den Segen, Und ich ruh' in seinem Schoß; Ich schlaf' in ihm sanfte ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah zu mir machet, Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, Steh' ich mit Gott wieder auf; Mein Verlangen, Sehnen, Sorgen Ist, daß ich den Lebenslauf Mit Gott führ', und daß kein Tritt, Ja, kein Wort, kein' That und Schritt Seie meinem Gott zuwider, Bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Von Gott kann mich nicht abtreiben Elend, Jammer, Kreuz und Leid, Dieser Umgang soll auch bleiben hier und dort in Ewigkeit; Leiden scheid't mich nicht von Gott, Keine Trübsal, Angst und Not, Weil mich Gott nicht kann verlassen, So lang ich ihn werd' umfassen. 10. Mein Umgang wird nicht zerrissen, Wenn zerreißt das Lebensband; Warum sollt' ich das nicht wissen, Hat er doch in seine Hand Mich gezeichnet, daß er mich Will beglücken ewiglich, Ja, mir auch nach diesem Leben Dort die Himmelskrone geben. 11. Ich werd' auch mit ihm umgehen, Wenn ich dort im Himmelsglanz Werd' vor seinem Throne stehen, Und von ihm durchstrahlet ganz; 410 Andachten für Schwangere. Werde gleich den Engeln sein, Ganz verkläret hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne Leuchten wie die goldne Sonne. Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gleichwie Gott den Ehestand selbst eingesetzt und durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, daher auch zu unsern ersten Eltern im Paradiese sprach: Seid fruchtbar und mehret euch; also hat auch eine gottselige Ehefrau sich in Gott zu erfreuen, wenn sie solche Fruchtbarkeit bemerkt. Sie soll dabei gedenken, 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, die er etlichen giebt, andern aber versagt, damit die Menschen nicht möchten etwas ihrer Kraft zuschreiben. 2) Sobald nun eine Ehefrau solchen Segen Gottes verspürt, soll sie gedenken, Gott habe in Gnaden an sie gedacht, wie es dort von Sara und Rahel heißet: und der Herr gedachte an Sara und Rahel. 3) Soll sie sich zufrieden geben, Gott danken und glauben, ihr gegenwärtiger Stand sei von Gott, der habe ihr diesen Segen erteilt; sie soll sich erinnern, wenn sie aus- oder eingeht, so gehet sie unter dem Schuß und Geleite Gottes, Gottes heilige Engel haben eine besondere Aufsicht auf sie. 4) Finden sich Schmerzen und Beschwerlichkeiten ein, so sollen sie gedenken, daß Gott sie zu diesem Stande verordnet habe, aber daß er darum sie nicht verlassen wolle, sondern daß sie desto mehr Vertrauen auf ihn setzen sollen, da sie dann empfinden werden, wie der Herr alles herrlich machen wird. Sie sollen zu dem Ende 5) im Gebet anhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe Jesu und wahren Frömmigkeit verharren, und versichert sein, sie stehen in einem seligen und Gott wohlgefälligen Zustande, darin sie sich des Beistandes und der Hülfe Gottes getrösten können, und was sie nach Gottes Willen in solchem Stande bitten, das wird Gott ihnen auch nach seiner Barmherzigkeit gnädig geben und verleihen. Gebet. du liebreicher Gott und Vater! wie kann ich genugsam deine Vatertreue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und gesetzet hast. Herr! du hast in Gnaden an mich gedacht, und mich dieser Gabe und Frucht des Ehestandes teilhaftig gemacht. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingesetzt sei; du weißt, Herr! daß ich keines Mannes begehrt habe aus Leichtfertigkeit, und meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und 411 Erwägung ihres Standes. habe mich nicht zu unzüchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu nehmen habe ich gewilligt in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zu Ehren. Da du denn auch in Gnaden an mich gedacht und die Frucht des Leibes mir beschert hast, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand auf. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren; sei mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre, und laß es vor den Thron der Gnade kommen. Sei mein Geleitsmann, der mich schüße, begleite und bewahre; sei mein Trost, wenn ich betrübt werde, und gieb mir deinen Freudengeist, der mir das Zeugnis gebe, daß ich dein Kind sei. Sei meine Zuflucht, bei dem ich mein Herz ausschütte; der mich erfreue, wenn ich betrübt bin; der mich erquicke, wenn ich matt bin; mein Helfer, der mich versichere: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen. Sei mein Beistand, wenn sich etwa Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden sollten; mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande öffne, mich fröhlich entbinde und mich erfreue. Sei, o du himmlischer Vater! meine Stärke; ach! trage, erhalte, stärke und erquicke mich. Sei, o Jesu! mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete und mein schwaches und zuweilen unter vielen Schmerzen abgeschicktes Gebet vor Gott bringe. Sei mein Tröster, o Gott heiliger Geist! der mich tröste, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes sei, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hülfe versichere. Ja, du dreieiniger Gott! sei mit mir, so werde ich wohl beglücket, beschützet, bewahret und errettet bleiben. Herr Jesu! leite meinen Gang, Daß ich forthin mein Lebenlang Nach deinem Willen walle, Behüte mir mein' Seel' und Leib, Mich selbst in deine Hände schreib, Damit ich ja nicht falle. Ach, gieb! Mein' Lieb'! Deine Wunden Alle Stunden 3u betrachten, und die Welt für nichts zu achten. Amen. Gejang. Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 1. Wie hat der große Gott doch mich In Gnaden angesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein gläubig's Flehen; So daß mein höchst erfreut Gemüt Erkennet seine Wundergüt', Dafür sei Gott gepriesen. 2. Ift's nicht mein Schöpfer, der da hat Mir Leib und Seel' gegeben, und fristet mir aus lauter Gnad' Das mir geschenkte Leben? Ja, was ich habe in der Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit, Dafür jei Gott gepriesen. 3. Es h+ mich Jesu teures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und 412 Andachten für Schwangere. dieses allerhöchste Gut Will mich auch stets erquicken; Ja, dieses Blut, das macht mich rein, Darinnen werd' ich selig sein, Dafür sei Gott gepriesen. 4. Es wird mir auch der heil'ge Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weist, Mich führt im ganzen Leben; Er weiht mein Herz zu seinem Haus, Und treibet alle Sünd' hinaus, Dafür sei Gott gepriesen. 5. Er teilet ferner mir auch mit Den längst erwünschten Segen, Er segne meine Schritt und Tritt' In allen meinen Wegen; Ja, was mit Gott ich immer thu', Da fließet lauter Segen zu, Dafür sei Gott gepriesen. 6. Sollt' Leiden, Angst und Schmerzenswut Auf mich auch einst losgehen, So will er in der Trübfalsflut Mir doch zur Seite stehen, Er hilft, wenn niemand helfen kann, Er ist mein Trost und Helfersmann, Dafür sei Gott gepriesen. 7. Ach! wie hat er so väterlich Bisher mich doch geleitet, Und seine Gnade über mich Wie Flügel ausgebreitet; So leb' ich denn in seiner Hut, Und habe in Gott guten Mut, Dafür sei Gott, gepriesen. 8. Ja, wie kann doch mein schwacher Mund Die Wohlthat all erzählen; Viel Gutes thut er alle Stund' Dem Leibe und der Seelen; Er liebet, führet, leitet mich, Ja, er versorgt mich mildiglich, Dafür sei Gott gepriesen. 9. Und was für große Herrlichkeit Will er mir dorten geben, Daß ich in jener Ewigkeit Bei ihm soll ewig leben; Drum wenn ich sterb', so sterb' ich nicht, Ich komm' zu Gott, zu Freud' und Licht, Dafür ſei Gott gepriesen. Die Schwangere dankt für die Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Dbgleich die meisten Menschen meinen, daß Kinder eine„ Naturgabe" wären, so lehrt doch die heilige Schrift uns ein anderes, wenn sie schreibt: Siehe, Leibesfrucht ist ein Geschenk." Daher auch gläubige Eheleute diese Gabe unter anderen Gaben von Gott zu erbitten haben. Was Huren und andere ungläubige Personen anlangt, so erlangen sie zwar diese Gabe, weil Gott der Natur ihren Lauf läßt, indem sie nicht zur Ehre Gottes Kinder zeugen, sondern nur ihre sündliche Brunst löschen wollen. Bei gläubigen und frommen Eheleuten aber ist es ein anderes, die nehmen die Kinder als eine Gabe Gottes dankbarlich an. Wenn eine gottselige Ehefrau die Fruchtbarkeit merket, so soll sie 1) Gott dafür danken und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes Danksagung für die Fruchtbarkeit. 413 ihr auch nun erteilet. 2) Hierauf soll sie behutsam wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanftmut und christlicher Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige, unbedächtige Arbeit, vorwitziges Tragen und Heben, boshaften Zorn und andere Frechheiten geschehen kann. 3) Soll sie sodann, wenn sie merket, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen, und ihn anrufen, er wolle es selbst bilden, erhalten, stärken, bewahren und zu seiner Zeit fröhlich an das Licht bringen. 4) Sie soll wider die Beschwerlichkeit ihres Standes nicht murren, nicht hizig, zornig und rachgierig gegen ihren Ehemann, Gesinde und andere Personen sein, welches schon ein Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit und folglich Undank sein würde, welches gewiß Gott sieht, erkennet und merket, und solcher Person es kann entgelten lassen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott! der du bist der Gott des Lebens, der uns allen Odem und Leben giebt, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hast; ich danke dir, daß du auch an mich gedacht und mich dieses Segens in meinem Ehestande teilhaftig gemacht hast. Du mächtiger Herr! haft mir eine größere Wohlthat erwiesen, als andern, welche nach dieser Gabe seufzen und sie nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir gethan haft. Ich empfehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück und was sonst das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Wirke in mir eine christliche Behutsamkeit im Gehen und Arbeiten, damit ich nicht selbst das verderbe, was deine Hand verliehen hat. Herr! wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderlich bildest; wie groß ist deine Allmacht, daß du sie selber ans Licht bringst; wie groß ist deine Güte, daß du auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältst und mehrest. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich auch zu einer Werkstätte dieses deines herrlichen Werkes bestimmt und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht hast. Ach, führe das angefangene Werk durch deine Gnade herrlich hinaus; erhalte, was du haft gegeben; stärke, was du haft verliehen; bewahre, was du hast geschenkt. Laß mich meine Zeit glücklich unter deinem Schutz hinbringen. Laß vor meine Augen keine Schreckensgestalt und vor meine Ohren keine entsetzliche Botschaft kommen, und wenn nach deinem Rat solches mir widerfahren sollte, so erhalte meine Frucht durch deine af mächtige Hand. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Kindermu. werden und das Verborgene mit Freuden erblicken. Herr! laß sich 414 Andachten für Schwangere. Güte und Treue mich auf allen Wegen begleiten; behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchle, meine Glieder, daß der keines zerbrochen, und meinen Leib, daß er nicht beschädigt werde. Erhalte die geschenkte Gabe und laß sie dir empfohlen sein. Indessen aber will ich auf deine Hülfe schauen; ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem Herrn danken für alles Gute, das er an mir gethan hat. Lobe den Herrn, der deinen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; Denke daran, Was der Allmächt'ge gethan, Der dir mit Gnaden begegnet. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich danke. dir, mein Gott! Für eine jede Gabe, Die ich nun Lebenslang Von dir empfangen habe. Nimm an den schlechten Dank Für deine große Gnad', Die deine Vaterhand Mir dargereichet hat. 2. Ich danke dir, mein Gott! Daß du mich hast erhöret, Und was mein Herz gewünscht, Aus Gnaden mir bescheret. Ach, ach! erhalte doch Das anvertraute Pfand, Das ich empfangen hab' Von deiner Segenshand. 3. Ich danke dir, mein Gott! Daß du in meinem Leben Mit großer Mildigkeit Viel Gutes hast gegeben; Ach, tausend, tausend Dank, Hab Dank, Herr Zebaoth! Für alle deine Gnad', Ich danke dir, mein Gott! 4. Ich danke dir, mein Gott! Daß du mir beigestanden In manchem schweren Leid, In schweren Trübsalsbanden; Ach! bleibe auch bei mir, Wenn sich die Not einstellt, Du bist es, der mich stärkt, Du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke dir, mein Gott! Daß du hast abgewendet So manches bittre Kreuz Und mir die Hülf' gesendet, Die Hülf', so weggethan Die Angst, so ich gescheut, Und mich nach Angst und Weh Mit reichem Trost erfreut. 6. Ich danke dir, mein Gott! Daß du mich nie verlassen, Auch nie verlassen wirst, So lang ich werde hassen Der Sünden Wust und Greu'l; Sieh, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will Hier und dort ewiglich. 7. Ach! bleibe doch, mein Gott! Ach! bleibe mein Stärke, Mein dieelfer, Schutz und Rat, Damit ich Hülfe merke, Wenn nun die Not eine hricht; Ach! steh mir kräftig bei, Daß ich zu aller Zeit Von dir gedankeret sei. Empfehlung der Leibesfrucht an Gott. 415 8. Ach! bleibe doch, mein Gott! Hilf, daß ich überwinde, Und in der Trübsalsstund' Die Hülfe bei dir finde; So soll mein froher Mund Nach ausgestandner Not Stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein Gott! Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Wenn nun eine gottselige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merket, so hat sie nebst ihrer Berufsarbeit sonderlich dieses zu thun: 1) Soll sie sich Gott alle Tage und Stunden fleißig empfehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten. 2) Dieselbe in ihrem Gebet treulich vortragen. 3) Das ist der Unterschied zwischen christlichen Ehefrauen und Ungläubigen, unter gottfeligen Ehefrauen und leichtfertigen Huren. Ungläubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, thun ihr wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne Gottselige Ehefrauen aber sind hier anders gesinnt; sie beten niemals, sie tragen denn ihr Kind Gott mit vor; sie rufen Gott an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es beim Leben erhalten und gesund lassen geboren werden. 4) Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten alles, worin sie nach der Geburt kann eingewickelt werden. 5) Sie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht nach der leiblichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. Gebet. heiliger Vater und Schöpfer aller Menschen! fiehe, ich komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich demütiglich um deine Gnade. Du hast, o großer Gott! nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen, aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Viele Mütter haben Kinder empfangen, aber nicht geboren; wie viele haben sich einer lebendigen Frucht erfreut und haben es nicht erlangt. Darum, ach Herr, Herr! vor dir steht alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Herr, Herr! was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ich befehle deinem väterlichen Gnadenschutz mich ganz und gar. Herr! habe acht auf mich bei Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wenn ich auf der Straße bin, und bringe mich gesund und unbe= schädigt wieder nach Hause. Laß meine Seele stille und vergnügt sein. Laß meine Seele allezeit mit dir umgehen, in dir sich freuen, an dir sich 416 Andachten für Schwangere. ergötzen. Laß mein Herz eine Wohnung Jesu und ein Tempel des heiligen Geistes sein, daß Jesus in mir lebe und wandle, mich regiere und heilige. Wende von mir ab alle Verdrießlichkeiten, Zorn, Schrecken; ungestaltete Menschen laß nicht vor meine Augen kommen, und so es geschehen sollte, so bewahre meine Frucht. Laß dein Aufsehen meinen Odem, Leben, Schritt und Tritt bewahren. Der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich aus und ein. Im Namen des dreieinigen Gottes lege ich mich schlafen und stehe auf. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich an meine Arbeit. O du dreieiniger Gott! bewahre, behüte und schütze mich durch deine Kraft, trage mich auf den Händen, behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Übel widerfahre, so will ich dir dafür danken und dich loben Zeit meines Lebens. Ich empfehle dir aber auch, o dreieiniger Gott! meine Frucht, die ich trage. Herr! ich bete für sie, ich trage sie dir vor, ach! erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja, um Jesu willen. Ach! gieb meinem Kinde deinen heiligen Geist. Laß es auch im Verborgenen mit deiner himmlischen Kraft, wie dort Johannes, erfüllt werden. Gieb ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich zeitlebens fürchten und lieben möge. Gieb ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gesunden Leib, gute Leibes- und Gemütsgaben. Hast du es aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Gemütsgaben begnadigt, so laffe es. nach seiner leiblichen Geburt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Du hast, o Jesu! gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes. Du haft die Kinder auf deine Arme genommen und gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme und segne es auch; schenke ihm das Pfand deiner Kindschaft, nämlich deinen heiligen Geist; heilige und erneuere es zum ewigen Leben; mache daraus ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm und es mit mir dereinst der ewigen Seligkeit möge teilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste Auf den Herren, meinen Gott; Er ist mir der allerbeste, Der mir beisteht in der Not; Er allein soll es sein, Den ich nur von Herzen mein'. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich empfehlen, Dem Helfer, der mir hilft Am Leib und an der Seelen! Er ist mein Fels, mein Hort, Mein' Burg und Zuversicht, Mein starker, treuer Gott; Mein Gott verläßt mich nicht. Erwägung der göttlichen Verheißungen. 417 2. Ich weiche nicht von Gott, Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß er mit Geduld Mein Herze auszuschmücken; Ach! in dem größten Leid Will ich beständig sein; Kommt Kreuz, so dring' ich auch Zu meinem Jesu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott, Auch in den größten Nöten, Ob sie so heftig sein, Als wollten sie mich töten; Alsdann schrei' ich um Hülf': Verlaß mich nicht, mein Gott! Ach komm, ach! rette mich Aus aller meiner Not. 4. Ich weiche nicht von Gott, Ihm will ich treu verbleiben, Mich soll kein Ungemach Von seiner Liebe treiben; Ach ja, du treuer Gott! Ich weiche nicht von dir, Ach! bleib du auch bei mir Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott, Denn warum sollt' ich weichen; Pflegt er nicht allezeit Mir seine Hand zu reichen, Die Hand, die mich erhält, Die Hand, die mich befreit, Die Hand, die mich erquickt Und hilft mir allezeit. 6. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht in Leidensstunden, Denn ich hab' immerdar Rat, Heil und Trost empfunden; Die Rettung stellt sich ein, Die Stunde geht vorbei, Daraus erkenn' ich ja, Daß mein Gott bei mir sei. 7. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht, wenn ich soll sterben, Denn alsdann werde ich Die Seligkeit ererben; Drum leb' und sterb' ich ihm, Ich dien' ihm in der Zeit, Und bleib' mit ihm vereint Dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. So betrübt und schmerzhaft zuweilen der Schwangeren Zuſtand iſt, so tröftlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für dieselben, da er ihnen seinen Beistand in der Not zusagt und ihnen verheißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen, er wolle ihnen helfen, sie retten, fie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kraft- und Machtsprüche mehr sind. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau 1) sich bekannt machen und sich deren getrösten. 2) Sie soll sich erinnern, daß die Verheißungen Gottes alle Menschen angehen, daher sie auch getrost sich darauf verlassen kann. 3) Ob aber gleich die erwünschte Hülfe, die versprochene Rettung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheint, wenn sie dieselbe verlangt und vonnöten hat, so soll sie darum nicht verzagen und meinen, die Verheißung sei aus, und 27 Starks Handbuch. 418 Andachten für Schwangere. werde gar nicht erfüllt werden; sondern 4) auf die Verheißungen Gottes fest bauen, welcher, wenn seine Hülfeftund' erscheint, auch, was er zusagt, treulich halten wird. Indessen 5) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freuden und Ruhm des Allerhöchsten sagen wird: Bis hierher hat mir der Herr geholfen, der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Gebet. Mein Gott! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suche ich auch, Herr! dein Antlitz. Du weißt, mein Gott! daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann mir helfen, als du nur allein? Darum komme ich zu dir und halte mich an dein Wort der Verheißung. Du sprichst: du wollest die Deinen nicht verlassen, ach! verlaß mich nicht; du wollest bei ihnen sein in der Not, ach! meine Not rücket heran, bleibe du bei mir; du wollest den Deinen helfen, ach! hilf mir; du wolleft sie stärken, ach! stärke mich; du wolleft sie herausreißen, ach! reiß mich heraus. Herr! ich weiß in meinem Zustand nirgends hin, als nur zu dir allein. Ich habe viel Sorgen, Bekümmernis und Ängsten in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzen meine Seele, dein Wort der Verheißung richtet mich auf. Weil ich denn weiß, daß du der Schutzherr deiner Gläubigen, der Helfer der Verlassenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hülflosen bist, so bin ich darüber gutes Muts und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten; wenn meine Schmerzen und die Angst meines Herzens groß wird, da will ich seufzen: Herr! ich lasse dich nicht, du hilfft mir denn. Verzeuchst du die Hülse, so erscheint sie endlich zum Trost der Elenden, du hilfft ihnen herrlich. Du, Herr! legst eine Last auf, aber hilfst sie auch tragen; darum, wenn du meine Last mir tragen hilfft, so wird sie mir nicht zu schwer werden. Du bist meine Zuversicht gewesen, da ich noch an meiner Mutter Brüsten war; darum sollst du auch meine Zuversicht bleiben Zeit meines Lebens und in allen Fällen; Gott ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hülfe in den Nöten, die mich getroffen haben, darum fürchte ich mich nicht, und warum sollte ich mich fürchten, ist doch der Herr bei mir. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getrøst an meine bevorstehende Arbeit gehen, unter Gottes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. O du gnädiger Gott! stärke und befestige meinen Glauben; befestige meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich, vor allem Unfall beschirmt, fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen Freude über die Allmacht Gottes. 419 will ich beten und singen, dir vertrauen, bis ich, fröhlich entbunden, dir in dem Tempel und Zeit meines Lebens für deine Wohlthaten in meinem Herzen Lob und Preis aufopfern werde. Amen, ja ich will es glauben, Denn hier hab' ich Gottes Wort, Das soll mir kein Teufel rauben, Ich will immer fort und fort Mich auf diesen Grund verlassen, Und den Hoffnungsanker faffen Mit der starken Glaubenshand Auch in diesem meinem Stand. Amen. Gejang. Mel.: Ach Herr! mich armen Sünder. 1. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich schon elend bin; In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüt und Sinn Soll sich fest an ihm halten, Und ihm vertrauen fest, Ja, den nur lassen walten, Der mich doch nicht verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen, Was er mir zugesagt, Darauf will ich fest bauen, Mit ihm sei es gewagt; Er wird sein Wort erfüllen, Das mir die Hülf' verspricht, Und meine Schmerzen stillen, Wenn seine Stund' anbricht. 3. Zwar dünkt es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt, Dennoch ist mir nicht bange, Weil Gott mir nicht ausbleibt; Er weiß gar wohl die Stunde, Die er zur Hülf' bestimmt, Und da er aus dem Grunde Das Leiden von mir nimmt. 4. Gott kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja sein Kind; Er kann gewiß nicht hafsen, Die da sein eigen sind; Sollt' er des Kindes Thränen Ohn' Hülfe stets ansehn, Und sollt' mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen gehn? 5. Gott hat mich nie verlassen Die ganze Lebenszeit, Ob ich schon ohne Maßen Trug Angst und Herzeleid! Sollt' er denn nun anheben, Da ich der Hülf' begehr', Und sie mir gar nicht geben? Das glaub' ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich Gott trauen, Denn er ist fromm und gut, Auf seine Hülfe schauen Mit recht getrostem Mut; Die Stunde wird nun kommen; Alsdann, wenn die anbricht, Wird mein Kreuz abgenommen, Denn Gott verläßt mich nicht. Die Schwangere erfreut sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängnis, Erhaltung, Wachstum und Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Allmacht nicht genug preisen; ohne Gottes Allmacht kann kein Kind auf dieser Welt geboren 27* 420 Andachten für Schwangere. werden, und wenn eins geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Gläubigen Augen. Wenn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf die Allmacht ihres Gottes sich verlassen; so viel sie Kinder geboren siehet, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vorstellen. 2) Wenn nun die allmächtige Hand Gottes andern geholfen, so kann sie sich auch getrösten, daß Gott ihr helfen werde. Sie soll 3) wenn sich Kleinmütigkeit einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Luk. 1, 37. Sollten sich 4) Umstände einstellen, die bei andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen, denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch die gefährlichen Wunden heilen, alle schweren Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. 5) Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmächtige Hand sichtbar auch da, die alles regiert, und durch dessen Kraft alles glücklich von statten gehen wird. Gebet. Mein Gott! wie freuet sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht gedenke, an deine allmächtige Hand, die alles heben, tragen und aus allem erretten kann. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Stande an, so muß deine Allmacht alles allein thun; deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll, meine Beschwerlichkeiten lindern, ja, in meinen bevorstehenden Nöten alles allein verrichten. Sehe ich meine Frucht an, so muß deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und ans Tageslicht bringen. Dieses ist nun mein größter Trost Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger Gott! Bin ich schwach, du bist stark; bin ich elend, du bist allmächtig; bin ich ohnmächtig, du vermagft alles. Diesen Trost soll nun mir niemand rauben, Gott kann und will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet. Ist Gott allmächtig, so kann mir kein Leid widerfahren, so werde ich herrlich errettet werden. Darum, o allmächtiger Gott! empfehle ich mich dir ganz und gar, wache über mich, erhalte mich in meiner Schwangerschaft, deine Allmacht laſſe mich glücklich meine Zeit erreichen; sie stärke mich, wenn meine Geburtsstunde herannaht, und stehe mir bei, wenn sie nun da ist; sie sei im Anfang, Mittel und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde. Deine Allmacht entbinde mich fröhlich und lasſe mich einen erwünschten Anblick erleben. Ich will mich demnach nicht fürchten, es stehe, wie es will, ich habe ja einen allmächtigen Gott. Ich will nicht verzagen, wenn die Not groß wird; ich will gutes Muts sein, wenn ich arbeiten soll, denn ich habe einen allmächtigen Gott! ich will Freude über die Allmacht Gottes. 421 in meinen Nöten schreien und seufzen: O du allmächtiger Gott! hilf mir; siehe, ich verlasse mich auf dich, ich hoffe auf dich, dein Kind wartet auf deine Hülfestunde. Eile auch, barmherziger Vater! mit deiner Allmacht zu mir; laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Deine Allmacht erhalte meine Frucht, gebe mir Kraft und erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung, so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen und sagen: Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich rief zum Herrn in meiner Not: Ach Gott, erhör mein Schreien! Da half mein Retter mir vom Tod Und ließ mir Hülf' gedeihen; Drum dank', ach Gott! drum dank' ich dir! Ach danket, danket Gott mit mir, Gebt unserm Gott die Ehre. Amen. Gefang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wir haben einen Gott, Der hilft zu allen Zeiten, Wenn wir mit Ungemach Und Trübsal müssen streiten, Ist schon viel Kreuz und Leid Und viele Schmerzen da, So ist auch Gott nicht weit, Und seine Hülf' ist nah. 2. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Nöten, Die können nimmermehr, Weil Gott mir hilft, mich töten, Und wären sie so groß, Daß man's nicht glauben kann, Noch größer ist doch Gott, Der nimmt sich meiner an. 3. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Leiden, Und ist das Leiden hart, So soll es mich nicht scheiden Von meinem lieben Gott; ja alles leicht, So leicht, daß auf sein Wort Das Leiden von Dem mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, Der hilft und hört den Armen, Der Herzlich zu ihm schreit, Er wird sich sein erbarmen; Die Armen siehet Gott; Er hört und sieht und giebt Zur Zeit, wenn mir's ist nüß, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft, sollt' man auch sprechen: Hier ist die Hülfe aus; Alsdann will ich anbrechen, Und sagen: hier ist Gott! Ist der kein Helfer mehr? Ach ja, er hilft gewiß Zu seines Namens Ehr'. 6. Wir haben einen Gott, Der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich jetzo fröhlich sagen: Mein Gott und Helfer lebt, Auf den verlass' ich mich, Aus allem Kreuz und Leid Hilft er gar gnädiglich. 422 Andachten für Schwangere. 7. Wir haben einen Gott, Der hilft, dies soll verbleiben Mein Trost, dieweil ich leb', Ja, dieses will ich schreiben Tief in mein Herz hinein, Empfind' ich dann die Not, So sprech' ich auch getrost: Wir haben einen Gott. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Aufmunterung. Wenn enn hülfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeit vor sich haben, so sind sie doch gutes Mutes, wenn sie jemand haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last erleichtern und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun, dieses ist auch der Trost aller Schwangeren. Hören sie 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagen sie: der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. 2) Empfinden sie vielerlei Leiden, so sprechen sie zu Gott: Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht. 3) Wird ihre Last ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich: Der Herr legt eine Last auf, aber er hilft auch tragen. 4) Fürchten sie sich vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der Herr werde ihre Arbeit beglücken, und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches den Schwangeren nicht guten Mut machen, sonderlich, da sich Gott in der heiligen Schrift einen Helfer nennt? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß und recht gern geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen und können nicht, aber Gott kann und will helfen; deshalb ob's schon noch so traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen in das Herz geschrieben bleiben: Der Herr ist mein Helfer. Gebet. Was betrübst du dich, meine Seele! und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Ja, mein Gott! das ist mein Trost im gegenwärtigen Zustande, daß du meines Angesichts Hülfe sein werdest. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannst alle Furcht durch deine herrliche Hülfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Thränen, du fannst sie abwischen, wenn du mit deiner gnädigen Hülfe erscheinest. Drum will ich mich auf dich verlassen, und allem dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, entgegensetzen diesen Trost: Gott ist und wird mein Helfer sein und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott! eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei, wenn mir Hülfe not ist; Herr! ich warte auf dein Heil und auf deine Hülfe; ich verlasse mich auf deine Hülfe; wenn du mir nicht hilfft, so bin ich verloren; wird Trost der göttlichen Hülfe. 423 mein Leiden groß, Herr! so weiche mit deiner gnädigen Hülfe nicht von mir. Erscheint meine Geburtsstunde, so erscheine auch mit deiner Hülfe. Du bist meine einzige Zuflucht, mein Gott und Beistand, ich weiß ja keinen andern. Willst du mir nicht helfen, wer kann mich erretten? Hilf mir, Gott meines Heils! wenn ich bete, und erhöre mich; hilf mir, wenn die Not angeht, wenn es gefährlich aussieht; hilf mir, wenn meine Stunde kommt; alsdann will ich im freudigen Vertrauen mit meinem Jeſu seufzen: Vater! hilf mir aus dieser Stunde. Habe ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. O wie herrlich hast du andern geholfen, ach! so hilf mir auch; du bist ja noch eben der starke, gnädige und allmächtige Gott, der du vormals gewesen. Herr! ich halte an mit Beten, wie das kananäische Weib, und sage: Herr! hilf mir; ja, ich gehe nicht von dir, ich lasse nicht ab, bis du mich mit deiner Hülfe erfreuet und mir geholfen haft. Komm, ach Vater der Gnade und Barmherzigkeit! und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich nicht kann geholfen werden. Komm, o Jesu! du Heiland aller Menschen, und hilf mir; bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm, und hilf mir, o werter heiliger Geist! und versiegele in mir den Trost, daß meine Hülfestunde bald anbrechen werde. Dreieiniger Gott! dir ergebe ich mich, zu dir fliehe ich, auf dich verlasse ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hülfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Not, reiße mich aus der Not, da ich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. Indeſsen Frisch auf, mein Herz! verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rat, Hülf' will er dir teilen mit, Er ist ein Schutz der Armen. Ob's oft steht hart, Im Rosengart' Kann man nicht allzeit sizzen, Wer Gott vertraut, Hat wohl gebaut, Den will er ewig schützen. Ja, ich will meine Zuversicht Auf dich beständig setzen, Du wirst, wenn mir's an Hülf' gebricht, Mit Hülfe mich ergößzen. Indessen will ich stille sein, Bis sich die Hülfe stellet ein, Und deinen Namen preisen. Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott ist ja bei mir, Drum muß die Furcht verschwinden, Weil sich in Not und Tod Gott will bei mir einfinden Mit seiner Hülf' und Treu', Mit Beistand, Trost und Rat, Wie auch sein teures Wort Mir Hülf' versprochen hat. 2. Mein Gott ist ja bei mir, Kommt schon ein Kreuz gegangen, So will ich es mit Gott Ohn' alle Furcht empfangen; Kommt Kreuz, 424 Andachten für Gebärende. kommt auch Gott, Kommt es auch nicht allein, Und es ist mancherlei, So will Gott bei mir sein. 3. Mein Gott ist ja bei mir; Muß ich die Trübsal schmecken, So will er mich dadurch Zu seiner Lieb' aufwecken; Stellt sich die Trübsal ein, Alsdann empfehl' ich mich Des Allerhöchsten Schutz, Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, Und sollten Unglücksfluten Gar über mich hingehn, So ist es mir zum Guten; Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein Gott bei mir ist, Und wär' es noch so groß. 5. Mein Gott ist ja bei mir, Will auch die Nacht eindringen, Bis sich die Hülf' einstellt, so will ich hoffen, singen, Und mich voll Zuversicht Empfehlen Gottes Treu', Der Treu', die Tag und Nacht, Ja alle Stund' ist neu. 6. Mein Gott ist ja bei mir, Mich kann der Tod nicht töten, Des Höchsten Hülfe steht Bei mir in allen Nöten; Mein Gott weicht nicht von mir, Mein Gott verläßt mich nicht, Mein Gott, mein Trost und Hülf', Gott meine Zuversicht. 7. Mein Gott ist ja bei mir, Jch scheue nicht das Grabe; Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe habe Von aller Angst und Qual, Es bringt mir süße Ruh', Denn Gott, der bei mir ist, Der deckt mich fanfte zu. 8. Mein Gott ist ja bei mir, Gott wird mir schon erscheinen Zum Trost, zur Hülf', zum Heil, Nach meinem bittern Weinen; Mein Herze sei getroft, Stell dir die Hülfe für, Und sprich mit frohem Mut: Mein Gott ist ja bei mir. Andachten für Gebärende. Andacht bei herannahender Geburtsstunde. Aufmunterung. Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie würden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kindergebären könnten die Seligkeit ererben, denn die Seligkeit hat allein Jesus Christus durch sein Leiden und Sterben erworben, sondern er giebt ihnen den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen Schmerzen müssen Kinder gebären, daß sie dennoch einen gnädigen und 425 Bei herannahender Geburtsstunde. versöhnten Gott hätten, und wenn sie auch über die Geburt sterben müßten, sie dennoch selig werden sollten. Nur 1) daß sie im Glauben bleiben; sie sollen ihr Vertrauen, wenn die Geburtsstunde herankommt, nicht wegwerfen, nicht wider Gott murren, sondern im Glauben, Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart zuginge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und göttliche Allmacht erinnern. 2) Sollen sie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben, und auch alsdann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! ich bitt', du wolleft sein von mir nicht fern mit deiner Hülf und Gnade. Sie sollen bleiben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen, wie gottselige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gern das heilige Abendmahl' empfangen, um dadurch sich Gott zu heiligen und aufzuopfern. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht ums Leben bringen, sondern dem guten Rat und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wenn aber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen und nicht thun wollen, was ihnen Gott auferlegt, und was sie zu thun schuldig find( wovon Kaiserinnen, Königinnen und Fürstinnen nicht frei sind, und eben wie andere Weiber sich verhalten müssen): so werden sie Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen werden, daß sie ihnen durch Faulheit ihr genommen und sie also vor der Geburt getötet haben. 3) Endlich sollen sie auch bleiben in der Heiligung samt der Zucht, daß fie ein heilig, züchtig und christliches Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten und in solcher Heiligung die Geburtsstunde erwarten. Leben Gebet. Herr, allmächtiger Gott, getreuer, lieber Vater! es kommt nunmehr meine Geburtsstunde immer näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hülfe und Gnade; ich nahe mich zu dir mit meinem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach! nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Güte und Barmherzigkeit. Komm zu mir und bleibe bei mir in, unter und nach der Geburt; wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den mächtigsten Helfer und den allertreuesten Freund bei mir. Gieb mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sei und alle Furcht fahren lasse; daß ich getroft mich möge erzeigen, getroft stehen, getrost niedersitzen oder liegen, und mich getrösten, weil du bei mir bist, so werde alles glücklich von statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft 426 Andachten für Gebärende. und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir alles leicht werden; ist der Herr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Gieb auch, lieber Gott! denen, die mit mir umgehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüglich alles anordnen, mir nicht zu wenig und zu viel thun; segne ihr Beginnen und beglücke ihr Vornehmen, daß sie mit mir und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. Verleihe mir, daß ich gutem Rat folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch mir selbst nicht Schaden und meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen, und deswegen eine schwere Verantwor= tung auf mich laden möge. Höre, ach gnädiger Gott! mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilf mir bald und glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, und eine erfreute Kindermutter werden. Siehe, Herr! hier bin ich; mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; verlaß mich nicht und thue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil! bleibe bei mir in der äußersten Not, und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde; meine Hoffnung, daß ich sie nicht lasse sinken. Nun vermag ich alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der himmlische Vater segne, behüte und erhalte mich. Jesus Christus sei bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unwahraussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugnis meinem Geist, daß haftig Gottes Kind sei. Die Liebe des Vaters decke mich, die Gnade des Sohnes erquicke mich. Treulich will ich Gott bitten Und nehmen zum Beistand In allen meinen Nöten, Die ihm gar wohl bekannt. Um Geduld will ich stets bitten In allen Anliegen mein, Er wird mich wohl behüten Und mein Nothelfer sein. Amen. Gejang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ach, hilf mir in dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit; So schrei' ich mit Herz und Munde Jetzt zu dieser Leidenszeit; Ach, ich wende mich zu dir, Großer Gott! ach, hilf du mir; Laß mich doch bald Hülfe finden Durch dein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's geschehn; Wirst du deine Hülfe senden, So wird's bald nach Wunsche gehn; Komm, mein Gott, und lös das Band, Reich mir deine Vaterhand. Herr! hiif mir in meinen Nöten, Sonsten werden sie mich töten. 3. Herr! du hast es ja verheißen, Daß du wolleft bei mir sein, Und aus aller Not mich reißen; Hilf mir, Herr! denn ich bin dein; Helfer, Bei herannahender Geburt. 427 hilf doch gnädiglich! Großer Gott, erbarme dich! Höre, rette, komm und eile, Und doch länger nicht verweile. 4. Zwar will ich dir nicht vorschreiben Deiner Hülfe Stund' und Zeit; Ich will doch geduldig bleiben In des Leidens Bitterkeit; Gieb mir jetzt auch Kraft und Stärk' Hier zu diesem schweren Werk! Ach, hilf selbst jetzt mir arbeiten, Und weich nicht von meiner Seiten. 5. Herr! ich will dir fest vertrauen, Währet es auch noch so lang, Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang; Sich, ich sehne mich nach dir; Vater, Vater! hilf du mir; Hilf, o Vater! deinem Kinde, Hilf, mein Vater! doch geschwinde. 6. Ach, mein Gott! erhör mein Bitten, Öffne, was verschlossen ist, Tritt du selbst jetzt in die Mitten, Weil du doch mein Helfer bist, Leg du selber Hand mit an, Die Hand, die mir helfen kann; Sich, wie ich dich fest umfasse Und mich ganz auf dich verlasse. 7. In Gott hab' ich Kraft und Stärke, In Gott hab' ich guten Mut, Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hülfe ruht; Gottes Hülfe ist schon nah, Wenn er spricht, so stehet's da; Mein Mut ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O wie will ich Gott dann preisen, Wenn ich nun entbunden bin, Wie will ich ihm Dank erweisen; Mein Gemüte, Geist und Sinn, Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hülfestund' Immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad' und Ruhm erheben. Troft bei herannahender Geburt. Aufmunterung. Es pflegen sich gottlose Ehefrauen oftmals zu ängstigen und Unerfahrene zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist; aber warum wollt ihr erschrecken? ihr habt ja Gott bei euch; der Gott, der euch hat die Schmerzen auferlegt, der will sie euch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt 1) Gott ist ein guter und gnädiger Gott; er meint es nicht böse mit euch, denn denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen; weil er ein gnädiger Gott ist, so wird er euch Gnade erzeigen und euer Elend und Jammer ansehen. 2) Er ist getreu und weiß eure Kräfte und Vermögen besser denn ihr selbst; Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen. 3) Gott ist barmherzig, er wird sich auch über euch, wie ein Vater über seine Kinder erbarmen. 4) Gott ist stark; was ihr nicht vermögt, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in dem Schwachen mächtig. Sehet nicht an eure geringe Kraft und Stärke, sondern Gottes Macht; 428 Andachten für Gebärende. ihr sollt es auch nicht thun, sondern Gott will alles thun, und eure Hände, Arme und Glieder stärken; wie David Gott allen Ruhm beilegt und spricht: Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen, auf dich bin ich geworfen. 5) Erinnert euch, eure Schmerzen währen nicht lange, nicht Jahr und Tag, wie Davids Elend, und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde, und so sich's ja länger verziehen sollte, so sprecht im Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht noch sorgen. Seht, dies laßt euren Trost sein bei eurer Geburt. Seufzer vor der Geburt. Herr, Perr, allmächtiger Gott! da ich denn nun merke, daß meine Stunde bald einbrechen wird, daß ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir, und bitte dich, ach weiche nicht von mir, ach bleibe bei mir, gieb mir die Kraft zu gebären und entbinde mich gnädig; lindere die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlecht aufgelegt haft; doch da du sie der Eva und ihren Töchtern aufgelegt zur Zeit, da du sie wieder begnadigt, und Jesum, den Weibessamen und Versöhner der Menschen, verheißen hattest, so sehe ich die bevorstehenden Schmerzen nicht an als eine Strafe eines zornigen Richters, sondern vielmehr als eine Züchtigung eines liebreichen und versöhnten Vaters, welche ein Andenken des Sündenfalls sein soll, aber auch eine Erinnerung, daß ich durch Jesum Christum versöhnt bin. Darum, o starker und allmächtiger Gott! hilf mir kräftig; meine Hülfe stehet bei dir, nach dir, Herr! verlanget mich; mein Gott! ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden; eile mir beizustehen, Herr, meine Hülfe! O Jesu, der du bist Mensch geboren worden, um deiner heiligen Geburt und Menschwerdung willen, erbarme dich über mich; hilf mir aus dieser Stunde und erhalte mich. O werter heiliger Geist, bleibe in meinem Herzen und schreie das Abba, lieber Vater! Gieb Zeugnis meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind Gottes sei. du heilige Dreieinigkeit! hilf mir und erbarme dich über mich. Amen. Ein anderes Gebet. du liebreicher Gott, der du uns Menschen herzlich liebest und besonders in unsern Leiden und Schwachheiten uns beizustehen verheißen haft, du weißt ja den Stand, darin ich stehe; du siehest, wozu ich mich bereite und was ich jetzt vorhabe; o darum stehet alle meine Hoffnung zu dir. O du starker Gott! der du den verlassenen Hirschen im Walde ohne menschliche Hülfe, wenn sie in Schnee und Frost ihre Jungen haben, beistehst, ach, laß dir auch meine Leibesfrucht anbefohlen sein und segne Seufzer bei und unter der Geburt. 429 die Hände, die zu der Geburt sich darbieten; leiste du mir selbst die beste Hülfe, und entbinde mich gnädiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch; ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißung verlasse ich mich, und greife an das Werk mit Freuden, wozu mich Gott beschieden in meinem Beruf und Stand. Ich will getroft sein und auf deine Hülfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung und nach deinem Willen gern leiden, was du mir auflegst; sei du mir nur nicht schrecklich, Herr, Herr! meine Zuversicht in der Not. Sei und bleibe meines verschlossenen Pfandes gnädiger Gott; erhalte, o Herr! was deine Hände bereitet haben. Öffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur, und wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise du an mir deine Macht und wunderbare Güte. Sei mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig, stärke mich an meinem Geist und Leibe, lindere und erleichtere mir meine Schmerzen, und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken; lege sie mir lebendig in meine Arme und Hände, so will ich mit ausgestreckten Armen und gefalteten Händen dir Lob singen, und, was du mir gegeben, als ein Opfer und als dein Kind in der heiligen Taufe dir wieder geben. Sollte aber in deinem heiligen Rat über mich beschloffen sein, daß ich über diese Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille; du bist mein Gott, mein Herr, mein Vater, ich deine Kreatur, deine Magd, dein Kind, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; ich aber bin bereit zum Leben und Tod, und wenn du mich gleich töten wollteft, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuversicht. Ich lieg' im Streit und widerstreb', Hilf, o Herr Christ, mir Schwachen; An deiner Gnad' allein ich kleb', Du kannst mich stärker machen; Kommt nun Anfechtung, Herr! so wehr, Daß sie mich nicht umstoße; Du kannst machen, daß mir's nicht bring' Gefahr, Ich weiß, du wirst's nicht lassen. Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. Herr, Herr! groß von Rat und mächtig von That! siehe, hier bin ich und seufze allein nach deiner Hülfe. Hier kann kein Mensch helfen, als nur du allein. Ich erkenne zu deinem Preis, daß die Geburt eines Menschen ein Wunderwerk ist, welches du allein befördern mußt, und steht in keines Menschen Macht, ein Kind zur Welt zu bringen. Deshalb flehe ich dich, mächtiger Nothelfer! demütig an, du wolleft deine Allmacht beweisen. Du weißt ja meine Schmerzen, weil du selbst ſie mir aufgelegt haft; ich sitze oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir 430 Andachten für Gebärende. bekannt, und du, Herr, bist um mich. Du siehest auch meine Thränen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht, du kannst überschwenglich thun über alles, was wir wissen und verstehen; keine Not ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe, deine mächtigen Hände haben mein Kind bereitet, sie haben es mit Fleisch und Blut angezogen, Leben und Wohlthat hast du ihm schon lange erwiesen und durch dein Aufsehen seinen Odem bewahret. Darum bringe es auch ans Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. Herr, Herr! der du so vielen Tausenden geholfen haft an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch helfen; ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Not, ich will dich herausreißen, ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Laß mich dabei das Meine treulich thun, damit ich auch ein gutes Gewissen behalte, du aber stärke mich Schwachen. Betrübtes Herz, sei wohlgemut, Thu nicht so gar verzagen. Es wird noch alles werden gut, All deine Schmerz' und Klagen Wird sich in lauter Fröhlichkeit Verwandeln in gar kurzer Zeit, Das wirst du wohl erfahren. Amen. Ein anderes Gebet. Ach gnädiger und barmherziger Gott! du haft gesagt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen; auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir. Abba, mein Vater! ich schreie zu dir in meiner Not, ach höre doch meine Stimme und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin, ach laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden. Herr! wenn ich Not leide, so lindre mir's. Jesu, du Sohn Davids! erbarme dich mein; durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber Herre Gott! stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich. Heiliger Geist, du Tröster in aller Not, sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, o Jesu, so bitte für mich; o werter heiliger Geist! so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. O dreieiniger Gott! reiche mir und meinem Kinde die Hand, die wir unser Herz und Hände zu dir ausstrecken. Laß uns nicht verderben noch Schaden leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht; nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm sein ausgebreit't, ich will's auch hernach erweisen und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes, als dein Geschöpf, in dieser Not nicht verderben, Sprüche, Seufzer und Gebete. 431 sondern erhalte sie gnädiglich durch deine Kraft; hilf, daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröhlich erblicken möge. Herr Gott Vater im Himmel! erbarme dich über mich; Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über mich; Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über mich. Amen. Ein anderes Gebet. Gnädiger und starker Gott! es ist die Stunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmt hast, darum wende ich mich zu dir und schreie: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! In deinem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden. Herr, mein Schöpfer, stehe mir bei und stärke mich; Jesu, du Sohn Gottes, der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir und erquicke mich; ach, umfasse mich mit deinem Arm und halte mich. O werter heiliger Geist, gieb mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk, erbarme dich meiner und erfreue mich. Odu heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, eile mir beizustehen. Stehe auf, Herr! und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich über mich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich über mich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, verleihe mir den Frieden. Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ps. 145, 18. 19. Ich wende mich von allen Dingen Und kehre mich zu Jesu Christ; Ich weiß, es wird mir bald gelingen, Weil Jesus nahe bei mir ist; Mein' Hoffnung ist auf ihn gericht't, Ich halte ihn und lass' ihn nicht. Ich will, wie Jakob, mit ihm ringen; Ich bete, weil er helfen kann; Ich will ihm meine Lieder bringen, Ich greife es mit Freuden an; Ich rufe: Herr! ich lass' dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach, mein Jesu! sei jetzt nahe bei mir und bleibe bei mir, bis du mir geholfen; ach, thue doch, was ich begehre; ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hülfe. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Ps. 42, 12. Andachten für Gebärende. Was fränkst du dich, mein' arme Seel'? Sei still und thu nicht wanken, Gott ist mein' Burg, mein Trost und Heil, Das werd' ich ihm noch danken, Schick dich und leid ein' fleine Zeit, Auf Angst folgt Freud' und Wonne. 432 Ach, mein Jesu, ich warte auf dein Heil, ich harre auf deine Hülfe; ach, laffe sie mir bald erscheinen; du allein bist meine Hoffnung; ach, erhöre mich, ach, erfreue mich, ach, entbinde mich, so will ich dir danken ewiglich. Der Herr hat dich lassen im Geschrei sein, daß du seieft wie ein verlassen und von Herzen betrübt Weib. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlaffen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein nig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Jes. 54, 6-8. Ach Jesu! hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen! Ach, laß mich deine Hülf' Mit Freuden bald anschauen; Du bist's, der helfen kann, Ja, du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald zu meiner Hülfe ein. Ach, mein Gott, erbarme dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein Gott. O barmherziger Gott, meine Augen schauen auf gen Himmel und sehnen sich nach deiner Hülfe. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir; deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach, Herr! wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne. Jes. 58, 1. Gottes Hände Sind ohn' Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel; Ist's beschwerlich, Scheint's gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. Ich weiß, mein Gott, daß dir nichts unmöglich ist, darum vertraue ich auf dich. Herr, strecke deine Hände zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petro; deine Hand kann helfen aus allem, in allem und von allem. Ach, Herr! schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er fennt meinen Namen, darum will ich ihn schüßen; er rust mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not; ich will ihn heraus reißen und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Ps. 91, 14-16. Herr Jesu Christ! groß ist die Not, Darin ich jetzt thu' stecken, Ach, hilf, mein allerliebster Gott! Schlaf nicht, laß dich erwecken; Niemand ist, der mir helfen kann, Kein' Kreatur nimmt sich mein an; Ich bin ohn' dich verlassen. Ach, mein Jesu! weil mir niemand helfen kann, als du, so eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei. Siehe, ich bin jetzt in der Not, ach reiße mich nach deiner Verheißung heraus; ich begehre dein, hilf Sprüche, Seufzer und Gebete. 433 mir aus. Mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund des Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Jef. 54, 10. Was ich nicht kann, das gieb du mir, Du höchstes Gut der Frommen; Gieb, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal merd' entnommen! Erhalte mich, o starker Hort, Befest'ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. O Jesu, nimm deine Gnade und deinen heiligen Geist nicht von mir; ach, weiche nicht von mir, stärke mich zu und in dem Werke. Gedenke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht. Kraft dieses Bundes bist du mein Vater und ich dein Kind; ach, mein Vater! denk an dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten. P₁. 103, 13. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches Herz; Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Ach, mein gnädiger Gott und Vater! ich weiß keinen Trost und keine Hülfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: Ach, hilf mir, erbarme dich über mich, mein Vater! ach, laß dein Vaterherz erweichen, damit ich bald möge erfreut werden; ach, du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen thue es doch. Das weiß ich fürwahr, wer Gott dient, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden; deinem Namen sei Lob, du Gott Israels. Tob. 3, 21-23. Es hat kein Unglück je so lang gewähret, Es hat doch endlich wieder aufgehöret, Beut mir dein' Händ', Und mach's ein End', Auf dieser Erd' Mein Herz sonst nichts begehrt. Ach Gott! laß mich in meinen Schmerzen und Nöten bald auch deine Hülfe sehen, du bist ja der Nothelfer und starke Held, der allein helfen kann; erlöse mich und laß mich Gnade finden, gehe nicht vorüber vor deiner Magd; du hast Luft zum Leben, darum erhalte mir und meinem Kinde das Leben; laß uns beide vor dir leben, daß wir deinen Namen preisen. Herr! ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir aus; neige 28 Starts Handbuch. 434 Andachten für Gebärende. deine Ohren zu mir und hilf mir. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen, denn du bist mein Fels und meine Burg. Pf. 71, 1-3. Herr Jesu Christ! ich schrei' zu dir Aus hochbetrübter Seele, Dein' Allmacht laß erscheinen mir, Und mich nicht länger quäle; Viel größer ist die Not und Schmerz, So ansicht und betrübt mein Herz, Als daß ich's kann erzählen. Ach Herr! mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt. Herr, Herr! je mehr die Not groß wird, desto eifriger will ich um Hülfe schreien; ich will es in meinen Nöten machen, wie mein Jesus, welcher, da er mit dem Tode rang, da betete er heftiger. Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern. Pf. 130, 6. Und ob es währt bis in die Nacht, Und wieder an den Morgen; Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. Mein Gott! das ist und soll auch mein fester Entschluß bleiben; ich will nicht an deiner Hülfe zweifeln, wenn es auch noch so lange wahrt; will der er sich vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen und mir gnädig sein. Amen. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollen mir brechen, Herr! ich leide Not, lindre mir's. O wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat, und that's auch. Jes. 38, 14. 15. Aus der Tiefe rufe ich, Will sonst niemand hören mich, Ach! so hör, o Jefu mein! Du wirst ja der Helfer sein. ( Die Antwort des Herrn Jesu.) Ja wohl, ich erhöre dich, Drückt der Schmerz dich jämmerlich, Macht die Not dem Herzen bang, Meine Hülf' verzeucht nicht lang. Ach Jesu! alle meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer. Ach thue, wie du mir zugesagt hast. Mit dir habe ich das Werk angefangen, ach, gieb du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kinde; laß uns einander fröhlich erblicken und vor dir leben. Herr, erbarme dich über uns! Amen. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend; die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten; siehe an meinen Jammer und Elend, und vergieb mir alle meine Sünde. Pf. 25, 15-18. Laß mich wiederum empfinden, Mein Gott! deinen Freudenschein, Hilf mich dieser Last entbinden, Lindere die Schmerzenspein; Wirst du mich nicht bald erquicken, Wird die Last mich unterdrücken. Ist mein Seufzen denn vergebens, Sprüche, Seufzer und Gebete. 435 Wird mein Beten nicht erhört? Soll ich denn, o Hort des Lebens, Bleiben immerfort beschwert? Laß den Schmerz vorüber gehen und mich deine Hülfe sehen. Herr Jesu! ich blicke im Glauben nach dir; ach komm zu mir, siehe, wie mir so wehe ist; stärke meinen Glauben, erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach, tritt du selbst mir zur Seite. Herr, höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach, ist's bald Zeit, daß ich durch deine Hülfe erfreut werde? Siehe, ich komme bald. Amen, ja komm, Herr Jesu. Offb. Joh. 22, 20. Herr! wenn du mir nicht helfen wirst, So ist's mit mir verloren, Du bist allein der Lebensfürst, Der uns zu gut geboren; Komm, Jesu! komm, ach komm zu mir! Denn siehe, Herr! die Not ist hier, Du wirst mich nicht verlassen. Ach, mein Jesu! das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommst. Ach, komm und entbinde mich; komm und erfreue mich; komm und errette mich; komm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. Amen. Nun, Herr! wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meine Thränen. Ps. 39, 8. 13. Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, Daß ich mir sollt' vor Leid mein Herz abfressen; Mitten in der Not Denk' ich an Gott, Ob er mich gleich mit Kreuz und Angst thut preſsen. Herr Jesu! eile zu mir; hilf mir, Gott, mein Helfer, so ist mir geholfen. Ich weiß sonst keinen Rat in dieser Angst und Not, darum fliehe ich zu dir; ach komm, ach komm, ach hilf mir. Amen. Der Herr giebt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler; daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Jef. 40, 29. 31. Herr Jesu Christe, Gottes Sohn! Zu dir steht mein Vertrauen. Du bist der rechte Gnadenthron; Wer nur auf dich thut bauen, Dem stehst du bei in aller Not, Hilfft ihm im Leben und im Tod; Darauf ich mich verlasse. Ach Herr, mein Gott! gieb mir auch neue Kraft; verleihe mir Mut, Kraft und Stärke deines heiligen Geistes; ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen, aber mit meines Gottes Stärke vermag ich alles. Herr, stärke mich dieses Mal; mein Gott, hilf fröhlich überwinden. Der Name des Herrn sei gelobt. Amen. 28* Andachten für Gebärende. Wo der Herr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmernis in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößen meine Seele. Pf. 94, 17. 19. Meine Hülfe kommt vom Herrn; Also will ich mich getrösten, Wenn die Hülfe scheinet fern Und die Not am allergrößten; Wenn kein Mensch mir helfen kann, So schau' ich den Himmel an. 436 Herr, allmächtiger Gott, von dem allein alle Hülfe kommt, so auf Erden geschieht, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Not; auf deinen Befehl rufe ich und sage: Herr hilf mir, Herr erbarme dich, nimm weg die Bekümmernis und Sorge meiner Seele, schenke mir, was ich hoffe, gieb mir, was ich bitte. Herr, es steht in deinen Händen. Wir rühmen uns der Trübsal, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Röm. 5, 3-5. Wer hofft in Gott und dem vertraut, Der wird nimmer zu Schanden, Und wer auf diesen Felsen baut, Obschon ihm kommt zu Handen Viel Unfall hie, Hab' ich doch nie Den Menschen sehen fallen! Wer sich verläßt auf Gottes Trost, Er hilft den Seinen allen. Ach Herr! hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit; ich warte auf deine Hülfe, ich hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die steht bei dir; siehe an mich betrübtes Weib, und erfreue mich wieder. Laß deine Stunde anbrechen, damit ich mit fröhlichem Munde dir danken möge. Das Gebet der Elenden dringt durch die Wolken und läsfet nicht ab, bis es hinzu komme, und hört nicht auf, bis der Herr drein sehe. Sirach 35, 21. Ach Gott! erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Not nicht gar verzagen, Du weißt meinen Schmerz, Erkennst mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Pflanz mir Geduld durch deinen Geist ins Herz, Und hilf, daß ich es acht für feinen Scherz, Zu deiner Zeit Wend ab mein Leid; Durch Mark und Bein dringt mir der Schmerz. Herr, allmächtiger Gott! der du der Elenden Seufzen nicht verschmähst, und der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe an unser Gebet, welches wir dir in unserer Not vortragen, und erhöre uns gnädiglich. Gott, höre meine Gebete, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen; merke auf mich und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule. Furcht und Zittern ist mir angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Pf. 55, 2. 3. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt, Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken, Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn' der schönsten Freud'. Sprüche, Seufzer und Gebete. 437 Ach Herr, Herr! du kannst helfen, denn du bist ein allmächtiger Gott; du willst helfen, du bist ja mein liebreicher Gott und Vater; ach, darum so erhöre mich; laß leuchten dein Antlitz, so genese ich. Gott spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Seht, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. 2 Kor. 6, 2. Wenn Trost und Hülf ermangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt der Hülfe Überfluß, Der Schöpfer selbst und neiget Die Bateraugen dem noch zu, Der sonsten nirgend findet Ruh', Gebt unserm Gott die Ehre. Ach, Herr! ist deine Stunde noch nicht gekommen? Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt mein nicht, seine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig; ach, um aller deiner Güte willen errette mich. Ach, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Herr, laß mein Flehen vor dich kommen, errette mich nach deinem Wort. Herr, mich verlangt nach deinem Heil und habe Luft an deinem Gesetze. Laß meine Seele leben, daß ich dich lobe, und deine Rechte mir helfen. Ps. 119, 174. 175. Ob sich's anließ, als wollt' er nicht, So laß dich gar nicht schrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken; Sein Wort laß dir gewisser sein, Und ob dein Herz spräch' lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen. Herr, mein Gott! ich will jetzt durch all mein Elend und Schmerzen hindurch und allein auf dich sehen; ich will nicht sehen neben und um mich, denn da finde ich schwache Menschen, sondern über mich, gen Himmel, auf dich, o allmächtiger Gott! ach, laß deine Gnade mir beistehen und dein Arm mir aushelfen; hilf du mir, Gott meines Heils! so ist mir geholfen. Ich will ihr Trauern in Freude verkehren, und sie trösten, und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis. Jer. 31, 13. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Teile, Als hätt' in seinem Sinn Er deiner sich begeben Und sollst du für und für In Angst und Nöten schweben, Als frag' er nichts nach dir. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am wen'gsten gläubst; Er wird dein Herze lösen Von der so schweren Last, Die du zu feinem Bösen Bisher getragen hast. Ach, mein Gott, entbinde mich auch von meiner Last; verziehe doch nicht länger mit deiner Hülfe, verkehre mein Trauern in Freude, und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Bekümmernis; bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; ineine Zuversicht ist auf Gott. 438 Andachten für Gebärende. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Pf. 121, 1. 2. Denn Gott verläßt der keinen, Der sich auf ihn verläßt, Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir nur nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Herr, dreieiniger Gott! ich habe alle meine Hoffnung auf dich gestellt, nach dir sehne ich mich. Herr Gott Vater, erbarme dich mein und meines Kindes! Herr Jesu! stärke mich und stehe mir bei. O heiliger Geist, erquicke mich mit dem Trost, daß ich bald erfreut, entbunden, erquickt, bald Hülfe erlangen werde. Dreieiniger Gott! erbarme dich mein. Die Weissagung( die Verheißung der göttlichen Hülfe) wird ja noch erfüllt werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht außen bleiben; ob sie aber verzeucht, so harre ihrer, sie wird kommen und nicht verziehen. Hab. 2, 3. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich auf rechter Straßen, Da ich sonst irrte sehr; Er reicht mir seine Hand; Den Abend als den Morgen Thut er mich wohl versorgen, Sei's wo ich wohn' im Land. Ach ja, mein Gott! ich lasse dich nicht, du segneft mich und helfest mir denn. Laß doch auf den Verzug deiner Hülfe die fröhliche Hülfestunde anbrechen. Indessen will ich anhalten mit Seufzen und Beten, und sagen: Herr Jesu! hilf siegen. Herr Jesu! hilf ringen. Meine Entbindung, mein Leben und meine Hülfe steht in deinen Händen. Herr! wie lange willst du mein so gar vergessen, wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Wie soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängstigen in meinem Herzen täglich? Schaue doch und erhöre mich. P₁. 13, 2. 4. Ach! wann wirst du dich erbarmen Über meine schwere Pein, Wann wirst du mir gnädig sein? Ach! wann wirst du mich umarmen; Ach, mein Gott! wie lang, ach lang Soll mir sein so angst und bang? Ach, mein gnädiger und barmherziger Gott! da deine Hülfe verzieht, ist mir angst, aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater und ich dein Kind. Ach, verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir, sprich nur ein Wort, so werde ich genesen; denn wenn du sprichst, so geschieht's, und wenn du gebeutst, so steht's da. Herr, erhöre mich gnädiglich. Herr, du bist meine Hoffnung. Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen, denn du bist mein Ruhm. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Not. Jer. 17, 13. 14. 17. Sprüche, Seufzer und Gebete. 439 Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, Herr Jefu! steht mein Sinn, Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rat Allzeit gewiß gefunden hat. Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu, alle meine Hoffnung steht jetzt zu dir und zu deiner Allmacht; hilf mir, mein Heiland, bald, wenn es dein heiliger Wille ist; hilf mir, daß ich mich über deine Hülfe erfreuen kann. O wie will ich deinen Namen rühmen und lobsingen, wenn du mich herrlich erlöset haft. Meine Zuversicht steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist, und mein Herz erfreut sich, daß du so gerne hilfst; ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut. Pf. 13, 6. Bin ich zu schwach, laß deine Treu' mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdrossen set Zum Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herze hofft und traut, Und im Gebet beständig glaubt, So lang ist's unbezivungen. O du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund; mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlig. Ich weiß, du kannst helfen und hilfft auch gern, darum hoffe ich auf dich, ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott, laß es jetzt Zeit sein. Herr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen steht meine Hoffnung auf dich feste. Mein Vermögen ist dahin, aber meine Hoffnung steht auf den Herrn. Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen mit Wermut und Galle getränkt bin. Du wirst daran gedenken, denn meine Seele sagt mir's. Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Klagl. Jer. 3, 18-21. Wollte mich der Herr auch töten, Läffet ihn mein Herz doch nicht; Er hilft mir aus allen Nöten, Er bewahrt mein Lebenslicht; Ob er schon sich anders stellt, Und bei sich verborgen hält; Der mir Leib und Seel' geschenket, Der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja, mein Gott denkt an mich, darum spreche ich: Der Herr denkt an mich und segnet mich, er läßt sein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft zu gebären, so hab' ich doch bei mir und in Gott Kraft und Stärke; ich werde noch meine Lust an seiner Hülfe sehen. Du lässest mich erfahren viele und große Angst, und machst mich wieder lebendig, und holst mich wieder aus der Tiefe der Erde heraus. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder. Pf. 71, 20. 21. Greif mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe, Du weißt wohl, was ich tragen kann, Wie's um mein Leben stehe: Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Wie balde geht ein Wind herein, So fall' ich hin und sterbe. Andachten für Gebärende. Ach, Gott! willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach, so greife mich nur nicht zu heftig an; du weißt mein Vermögen, meine Kraft ist dir nicht verborgen. O darum erquicke mich; wenn ich sinke, so hebe mich; wenn ich ohnmächtig werde, so labe mich; wenn ich müde werde, so stärke mich. Herr, Gott meines Lebens! erhalte mir und meinem Kinde das Leben; dafür soll dein Name ewiglich gerühmt und gepriesen werden. Amen. 440 Siehe, Gott ist mein Heil; ich bin sicher und fürchte mich nicht, denn Gott der Herr ist meine Stärke, mein Psalm und mein Heil. Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen; solches sei kund in allen Landen. Jes. 12, 2. 5. Und weil ich ja nach deinem Rat Hier soll ein wenig leiden, So laß mich ja in deiner Gnad' Als wie ein Schäflein weiden, Daß ich im Glauben die Geduld, Und durch Geduld die edle Huld Nach schwerer Not erhalte. Ach ja, mein Gott! das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird. Darum, weil du meine Stärke, mein Nothelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung. Darum will ich stille sein und hoffen; durch Stillesein und Hoffen werde ich stark sein. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, denn es ist hier kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet und meine Zunge klebt an meinem Gaumen. Pf. 22, 12. 16. Hast du denn, Jesu! dein Angesicht gänzlich verborgen, Daß die Stunde der Nächte muß warten bis morgen? Wie hast du doch, Süßester, können dennoch Bringen die traurigen Sorgen? Mußt du denn, Liebster! dich also von Herzen betrüben, Daß ich ein wenig zu lange bin außen geblieben, Weißt du denn nicht, Wie sich mein Herze verpflicht't, Dich stets und ewig zu lieben? Ja, deine Liebe und Treue, mein Jesu! ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht; du hast mich je und je geliebt, und kraft derselben mir oft geholfen und mich errettet; darum hoffe ich, du werdest auch diesmal mich erquicken; obgleich meine Not groß ist, meine Hülfe noch ferne scheint, und vor Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in dem allen mein Herz auf dich gerichtet, du wirst mich noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaub' ich, das weiß ich; ach, Herr! stärke meinen Glauben und Zuversicht. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Sprüche, Seufzer und Gebete. 441 Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Klagl. Jer. 3, 22-24. Sollt' es gleich bisweilen scheinen, Als verließe Gott die Seinen, Ei, so weiß und glaub' ich dies: Gott hilft endlich doch gewiß. Hülfe, die er aufgeschoben, Hat er drum nicht aufgehoben: Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wenn's nötig ist. Ach, mein gnädiger Gott! deine Güte ist bei mir nicht nur alle Morgen, sondern alle Augenblicke neu; du stärkst und erhältst mich augenblicklich. Wie könnte ich ohne dich alles verrichten; dein Aufsehen bewahret meinen Odem, du stärkest Haupt und Hände. Darum bin ich nicht verlassen. Gott weicht nimmer von mir und ich weiche auch nicht von Gott. Darum wird auch meine Hülfestunde bald hereinbrechen, weil ich den bei mir habe, von dem alle Hülfe kommt. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott, meine Gerechtigkeit! der du mich tröftest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der Herr seine Heiligen wunderlich führt; der Herr hört, wenn ich ihn anrufe. Ps. 4, 2. 4. Sei getreu in deinem Hoffen, Hilft gleich Gott nicht, wie du willst, Er hat bald ein Mittel troffen, Daß dein Wünschen wird erfüllt. Drum getreu, getreu aushalten Mußt du deinem lieben Gott, Ihn mußt du nur lassen walten, Wenn du nicht willst haben Spott; Rufe nur, Er ist schon hier, Sein Herz bricht ihm gegen dir, Rufe nur, Gott ist vorhanden, Hoffnung machet nicht zu Schanden. Ach, mein Gott! ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich dir vertrauen in meiner schweren Zeit; wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getreu aushalten. Führest du mich wunderlich, so führe mich nur selig; ich weiß, du bist und stehst neben mir, ob du gleich dich mit deiner Hülfe noch nicht offenbarest; ich spreche indessen im Glauben: Eile, mir beizustehen, Herr, meine Hülfe! Der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hülfe des Herrn hoffen. Klagl. Jer. 3, 25. 26. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn Mit mir wohl Mitleid haben, Und mich, wie ich's bedürftig bin, Mit Gnad' und Hülfe laben. Ach! stärke meine schwache Hand, Ach! heil und bring in bessern Stand Das Straucheln meiner Füße. Ja, mein Gott, auf dich harret meine Seele und mein Vertrauen wanket nicht. Du, freundlicher Jesu, erquicke mich mit deiner Freundlichkeit in meinen Nöten, richte auf die wankenden Füße, stärke die matten Hände; ich hoffe auf deine Güte, ich warte auf dein Heil und tröste mich 442 Andachten für Gebärende. -deiner Gnade. D du Gott aller Gnaden! der du uns tröstest in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Ich rufe zu dir, daß du, Gott! mich wolleft erhören; neige deine Ohren zu mir; höre meine Rede. Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Ps. 17, 6. 8. Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen Deiner großen Freundlichkeit; Jeſu Christe! dein Erbarmen Helfe meiner Blödigkeit; Wirst du mich nicht zu dir ziehen, Ach! so muß ich vor dir fliehen. Zeuch mich mit den Liebesseilen, Zeuch mich fräftig, o mein Gott; Ach, wie lang willst du verweilen, Starker Gott! Herr Zebaoth! Doch ich hoff' in allen Nöten, Wenn du mich gleich wolltest töten. Ach Herr, bewahre vor Unglück mich und mein Kind, bedecke uns beide mit deinen Gnadenflügeln, höre mein Seufzen und hilf mir; werden die Nöte heftiger, so laß auch kräftigere Hülfe erscheinen, ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheint, als ob du mich töten wollest. D, deine Hand ist nicht verkürzt, ich sehe nicht auf mein Vermögen, sondern auf dich, gnädigen, starken und barmherzigen Gott. Gott verletzet und verbindet; er zerschmeißet und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Unglück rühren. Hiob 5, 18. 19. Bald wird mir Hülfe werden, Was soll der feige Mut? Nachdem ich was auf Erden Erlitten, wird es gut. Dann werd' ich fröhlich singen: Auf Gott hab' ich gebaut, Drum muß es mir gelingen, Wohl dem, der Gott vertraut. Ach Gott, die vorige, so oftmals mir geleistete Hülfe macht mir Mut, daß du auch dieses Mal werdest mein Gott, Erretter und Beistand sein. Du bist ja noch so stark, als du vormals gewesen. Hast du so vielen geholfen, so beweise auch an mir deine Güte. So soll nach der Hülfe mein Murd voll Rühmens sein, und ich will sagen: Das hat Gott gethan, der Name des Herrn sei gelobt! Der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott, er wird dich nicht verlassen noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. 5 Mos. 4, 31. Jesu, mein Erretter! siehe, Wie oft ich in Nöten bin, Ach, du bist's, zu dem ich fliehe, Sonsten weiß ich nirgends hin; Darum fürcht' ich keine Not, Reine Schmerzen, Kreuz und Tod, Aus den größten Leidensketten Weiß mein Jeſus mich zu retten. Ach, mein Vater! gedenke an den Bund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast; gedenke, daß du mein Vater bist und ich dein Sprüche, Seufzer und Gebete. 443 Kind. Jesu, der du mich gewaschen und gereinigt haft mit deinem heiligen Blute, zu dir fliehe ich und flehe dich um Hülfe in meinen Nöten an; ach, errette, ach, erquicke, ach, erfreue mich. Der Herr verstößt nicht ewiglich, er betrübt wohl, und er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte. Denn er nicht von Herzen die Menschen plagt und betrübt. Klagl. Jer. 3, 31. 33. Rein' befre Treu' auf Erden ist, Als nur bei dir, Herr Jesu Christ; Ich weiß, daß du mich nicht verläßt; Dein' Zusag' bleibt mir ewig fest; Du bist mein rechter, treuer Hirt, Der ewig mich behüten wird. Ach ja, mein Hirte wird sein Schäflein, und mein Vater sein Kind nicht verlassen; hast du mich betrübt, mein Gott, ach, so erfreue mich auch wieder; hast du mir den Segen gegeben, so laß mich ihn auch erblicken; lege mein Kind, o Jesu, mir lebendig in meine Arme, ich will es durch die heilige Taufe wieder in deine Liebesarme legen, und dir wieder geben, was du mir geschenket hast; es ist mein nach der Natur und leiblichen Geburt, so soll es dein werden nach der Wiedergeburt. Gelobt sei der Herr täglich; Gott legt uns eine Laft auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Ps. 68, 20. 21. Schickt mir Gott ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Wer es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie eiß wohl, er soll All mein Unglück enden. Herr! du hast diese Last mir aufgelegt, ach, nimm sie mir auch wieder ab; du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Gläubigen. Dwie leicht ist es dir, mich zu entbinden, die Bande zu lösen, die Thüre aufzuthun; bei dir ist nichts unmöglich; laß mich in diesem Vertrauen auf dich beständig bis zur Stunde meiner Erlösung verharren Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Pf. 50, 15. Ach Gott! wie reichlich tröstest du, Die gänzlich sind verlassen, Die Gnaden. thür steht nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen; Sie spricht: Es ist nun all's verlor'n, Da doch das Kreuz hat neu gebor'n, Die deiner Hülfe warten. Ach, mein Gott, ich warte auf deine Hülfe; ich bin ohne dich gänzlich verlassen, darum rufe ich dich an in meiner Not; errette mich, erhöre mich, erbarme dich; ach, tröste mich mit deiner Hülfe, und der freudige Geist erhalte mich dir. Ich will, Herr! rufen; zu dir, dem Herrn, will ich flehen. Herr, höre und sei mir gnädig; Herr, sei mein Helfer. Pf. 30, 9. 11. 444 Andachten für Kindbetterinnen. Er kennt die rechten Freudenstunden; Er weiß wohl, was uns nützlich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und siehet feine Heuchelei, So kommt Gott, eh' wir's uns versehn, Und läsfet uns viel Gut's geschehn. Ach ja, Herr Jesu, laß deine Hülfestunde bald erscheinen; deiner warte ich mit Verlangen. Indessen will ich seufzen und flehen, du wirst mich erhören und mir nach deiner Verheißung aushelfen. Herr, Herr, sei du mit mir um deines Namens willen, denn deine Gnade ist mein Trost; errette mich! Stehe mir bei, Herr, mein Gott! hilf mir mit deiner Gnade. Pf. 109, 21. 26. Auf meinen lieben Gott Trau' ich in Angst und Not, Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöten, Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Dies ist mein Trost in allem meinem Leiden, daß Gott bei mir ist, der mächtige Schutzherr seiner Kinder. Dem empfehle ich mich; der wird's wohl machen. Anmerkung. Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Gebete und Seufzer Seite 309 nachzuschlagen. Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin dankt Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. Ein Weib, wenn sie das Kind zur Welt geboren hat, denket nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist; also lehrt der Mund der Wahrheit, Christus, Joh. 16, 21. Dieses läßt auch Gott gottseligen Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Entbindung alles Trauern fahren lassen, und nun Gott hochpreisen. Sie sollen Gott preisen 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie gestehen müssen, daß ohne Gottes besondere Hülfe all ihr Bemühen wäre vergeblich gewesen; 2) sie sollen Gottes Gnade rühmen, daß er ihre Geburtsschmerzen abgekürzt und gelindert hat; 3) sie sollen Gott danken, daß sie ihr Kind mit Freuden erblickt haben( oder so es ja tot wäre, daß es Gott zur Danksagung für glückliche Entbindung. ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen, und nach seiner Barmherzigkeit für das irdische Leben das himmlische Freudenleben gegeben habe); 4) sie sollen die ihnen von Gott geschenkte Ruhe durch Vorwitz oder Geiz, oder unnötiges Umhergehen und Bemühen nicht brechen, sondern derselben genießen und annehmen. Denn wenn manche Kindbetterinnen in den ihnen von Gott bestimmten Ruhetagen sich oftmals wollen groß machen mit Aus- und Eingehen, fallen aber in gefährliche Krankheiten, bekommen beschwerliche Leibesschäden, unglückliche Zufälle, so mögen fie es sich selbst und ihrem Vorwitz zuschreiben, und den Schaden tragen, daß sie haben weiser sein wollen, als Gott, der ihnen eine Ruhe geordnet und für nötig erachtet hat, sie aber dieselbe für unnötig gehalten und verachtet haben. Daher auch die Ehemänner ihre Eheweiber in solcher Ruhe nicht stören, sondern nach Gottes Ordnung ihnen gönnen sollen, was Gott den Sechswöchnerinnen befohlen( 3 Mos. 12.), fie zu feiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbette zu verlassen nötigen sollen; 5) sie sollen Gott täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem Übel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe im fleißigen Gebet Gott täglich vortragen. Endlich 6) sollen sie auch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchengang wolle halten laffen. 445 Gebet. Allmächtiger, großer und starker Gott! ich erscheine allhier mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohlthat, damit du mich begnadigt hast. Ich preise dich, daß du meine Geburtsschmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden, und in der Geburt deine Hand über mich gehalten hast. Herr! wie groß ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke! Du hieltest mich, da ich sinken wollte; du erquicktest mich, wenn ich schwach und ohnmächtig werden wollte; du stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja, du haft alles herrlich ausgeführt, mein Kind mir geschenkt, mein Leben mir erhalten, alles Unglück abgewendet, und mich nun nach Wunsch erfreuet. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Gelobt sei der Herr, denn er hat erhöret die Stimme meines Flehens; der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hoffet mein Herz, und mir ist geholfen; mein Herz ist fröhlich und ich will ihm danken mit einem Liede. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich, saget, die ihr erlöset seid durch den Herrn, denn 446 Andachten für Kindbetterinnen. seine Güte währet ewiglich; die er aus Not erlöset hat, und sie zum Herrn riefen in ihrer Not, und sie errettet aus ihren Angsten, die sollen dem Herrn danken um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein Gott! ich erzähle heute dein Werk mit Freuden und sage: Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Ach, mein Gott; laß aber auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden; beschüßze, stärke und erhalte mich auch in diesem meinem Wochenbette. Ach, bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlorenen Kräfte bald wieder und laß mich jeden Tag stärker werden. O du Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit! breite deine Gnadenflügel aus über mein Haus; bewahre es vor Feuer- und Wassersnot über mein Wochenbett und laß mich darin gesund meine Zeit in Gebet und in deiner Furcht hinbringen; mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und zu deinem Ruhm erhalten, und mir Gnade verleihen, daß ich einst mit erneuerten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchgang halten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun danket alle Gott, Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden; Der uns von Mutterleib' Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut, Und jetzt auch noch gethan. Amen. Gesang. Mel.: Nun freut euch, lieben Christgemein'n. 1. Gelobet sei der große Gott, Der nun die Hülf' gesendet, Der meine große Angst und Not Hat gnädig abgewendet, Der mein betrübt Geschrei erhört, Und meine Bitte mir gewährt. Lobt seine Gnad' und Güte. 2. Er ist in dieser Lebenszeit Mein Beistand recht gewesen, Durch seine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach, sehet Gottes Wunder an, Wie er so herrlich helfen kann. Lobt seine Gnad' und Güte. 3. Wie war mir doch so angst und bang, Doch ward ich nicht vers lassen; Es deuchte mir die Zeit zu lang, Als wir in Nöten saßen; Nun ist verkehrt die Not in Freud', Die Traurigkeit in Süßigkeit. Lobt seine Gnad' und Güte. 4. Ja, seine starke Gotteshand Hab' ich jetzt recht gespüret, Als Menschenhülfe gar verschwand, Hat Gott das Werk geführet; Es fand Morgengebet. 447 sich Gottes Hülfe ein, Und tränkte mich mit Freudenwein. Lobt seine Gnad' und Güte. 5. Darum will ich zu feiner Zeit, O großer Gott, vergessen, Daß ich in meiner Angst und Leid In deinem Schoß gesessen; Ich saß in deinem Schoße wohl Und war auf dich Vertrauens voll. Lobt seine Gnad' und Güte. 6. Gott sei gelobet und gepreist, Die Not ist nun verschwunden, Der alle Bande leicht zerreißt, Der hat mich auch entbunden; O großer Gott, ich danke dir, Ja, danket alle Gott mit mir. Lobt seine Gnad' und Güte. 7. Ja, ich will nun mit Lob und Preis Die Zeit mit Gott hinbringen, Hinfüro auch mit allem Fleiß Die große Gnad' befingen; Ich will ihn loben, wo ich geh', Ich will ihn loben, wo ich steh'. Lobt seine Gnad' und Güte. 8. O großer Gott! ich danke dir Für dein getreues Lieben, Daß du so gnädiglich bei mir In meiner Not geblieben, Und nunmehr mich davon befreit, Dir sei Lob, Preis in Ewigkeit. Lobt seine Gnad' und Güte. Die Kindbetterin verrichtet ihr Morgengebet. Anfmunterung. Ist Beten und Gott anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen, wie vielmehr soll eine Sechswöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen; besonders, da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes befohlen hat, so kann sie auch desto getroster auf die göttliche Hülfe sich verlassen. Es soll demnach eine Sechswöchnerin Morgen 1) Gott danken für die verliehene Nachtruhe, und wenn dieselbe ohne zurückgebliebene Schmerzen vollbracht ist, 2) sich und ihr Kind Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, segnen und bewahren wolle. 3) Sie soll auch mit guten Gedanken den Tag hinbringen und die bestimmte Ruhe mit Danksagung genießen. 4) Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, dieselben mit Geduld ertragen und glauben, daß der Gott, der so herrlich aus Nöten gerissen, werde das übrige Wehe auch in Gnaden abwenden. Gebet. du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, Mund und Hände, und danke dir für den gnädigen Schuß, den du mir diese Nacht geleistet haſt. 448 Andachten für Kindbetterinnen. Dein Engel hat um mein Bett gewacht, daß mich kein Unfall gerührt; du hast mich und mein Kind bewahrt, und mich diesen Morgen fröhlich wieder die liebe Sonne erblicken lassen. Herr, Herr! wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neu ist. Deine Gnade hat mich die Nacht umgeben, dein Schutz ist um mich gewesen und deine Barmherzigkeit hat mich bedeckt, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Nun, das hat Gott gethan, das ist ein Werk seiner Liebe und Treue. Darum auf, mein Geist und Seele! und lobe den Herrn, der dir so viel Gutes gethan hat. Herr, Herr! du bist immer und auch diese Nacht mein Beistand gewesen, du hast deine Hand über mich gehalten, ich habe erfahren, wie gnädig, wie stark, wie allmächtig, wie liebreich und gütig du seist. Herr, Herr! ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes gethan hast. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht; da ich, Elende, rief, hörte der Herr und half mir aus allen meinen Nöten. Darum soll auch mein Mund voll Rühmens sein und mein Herz soll ihm danken; ja, ich will mit gefalteten Händen seine Gnade preisen. Aber ach Herr, Herr! laß mich auch diesen Tag deinem gnädigen Vaterschutz anbefohlen sein. Ich empfehle dir meinen Leib und Seele; ach, bewahre meine Seele und Gemüte vor schweren Gedanken, Angst und Betrübnis, laß hingegen deinen heiligen Geist in meinem Herzen wohnen, dasselbe heiligen, mit himmlischem Trost und Freude erfüllen, damit ich diesen Tag in deiner Furcht, innerlichem Seelenvergnügen, in der Liebe Jesu und kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leibe wieder die verlornen Kräfte, vermehre sie alle Tage und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, widrigen Zufälle, Krankheiten und Unglück, und lindere das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit auflegen wirft. Erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es wachsen und gedeihen zu deinem Preis. Nun, dreieiniger Gott! ich empfehle mich dir ganz und gar. Herr Gott, Vater im Himmel! erbarme dich über mich, sei mir und meinem Kinde gnädig, vergieb mir meine Sünden, segne mich und bewahre mich vor allem Übel. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland! erbarme dich über mich, sei mein Fürbitter, mein Jesus und Seligmacher, und laß deine Gnade wie ein kühler Tau diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke und er halte mich. Herr Gott heiliger Geist! erbarme dich über mich, bete in mir und gieb Zeugnis meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Nun, der Herr segne mich und behüte mich; der Herr erleuchte sein Morgengebet. 449 Angesicht über mich und sei mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, der bewahre mein Herz, Seele und Sinn in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. Gesang. Mel.: Wach auf, mein Herz, und finge. 1. Die Nacht ist nun verschwunden, Es hat sich eingefunden Das Licht, der Tag, die Sonne, Und Jesus, meine Wonne. 2. Mein Jesus war mir nahe, Als ich die Sonn' nicht sahe, Er ist mir noch zugegen Und giebt mir seinen Segen. 3. Ich bin beschützt geblieben, Das Unglück ist vertrieben, Ich habe sanft geschlafen Bei seiner Engel Waffen. 4. Kein Leid hat mich verletzet, Sein Troft hat mich ergötzet, Mich hat nicht Angst und Schrecken Vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen So gnädig abgewendet Und deine Hülf' gesendet. 6. Ich lag in deinen Armen, Ich schlief, und dein Erbarmen Läßt mich jetzt wieder sehen Der Sonne Licht aufgehen. 7. Wie kann ich g'nugsam preisen, Wie soll ich Dank erweisen Dem, der mir Heil und Leben Bis daher hat gegeben. 8. Der Tag ist angefangen, Mein Jesu, mein Verlangen, Laß mich in deinem Segen Ihn auch zurücke legen. 9. Kommt Kreuz, so komm geschwinde, Hilf mir und meinem Kinde, Laß mich und es gedeihen Und uns in dir erfreuen. 10. O Jesu, meine Freude! O meiner Seelen Weide! Laß mich in allen Dingen Mit dir den Tag hinbringen. 11. Wenn ich will vor dir treten, Ach, so erhör mein Beten, Regiere meine Sinnen, Beglücke mein Beginnen. 12. Ach, stärke meine Glieder, Gieb mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen Und deinen Altar sehen. 13. Bewahre mich vor Sünden Und laß mich Gnad' empfinden, Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. 14. An jeder Tagesstunde Will ich mit Herz und Munde Und dankbarem Gemüte Stets preisen deine Güte. 15. Ist nun der Tag verflossen, Darin ich hab' genossen Den Schutz, der mich umgeben Und mir erhält mein Leben: 16. So will ich dir lobsingen, Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen Von Herzen preisen. Amen. Starts Handbuch. 29 Andachten für Kindbetterinnen. Die Kindbetterin verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. Wenn dort die zween Jünger Jesum den Tag über bei sich gehabt hatten, so wollten sie ihn auch am Abend nicht von sich lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, Herr! denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Luk. 24. Also soll auch eine Kindbetterin mit Gebet den Tag anfangen und beschließen, und besonders die Gnadengegenwart Gottes sich zum Schutz in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie Gott danken, daß Gott den Tag über sie vor Schmerzen und Zufällen, und ihr Kind vor Unruhe bewahrt hat. 2) Sollte aber Gott nach seinem Rat noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie Gott preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe hat ausstehen können, und er sie den Abend hat erleben lassen. 3) Hierauf soll sie sich und ihr Kind dem Schutz des dreieinigen Gottes in der bevorstehenden Nacht empfehlen. Gewiß sind alle Unglücksfälle uns Menschen gefährlich und betrübt, und verursachen Schrecken; wie viel mehr einer Kindbetterin, welche unvermögend ist, einer Gefahr zu entlaufen, und zu schwach ist, vielerlei Leiden auszustehen. 4) Sie soll sodann nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen und Schoß ihres lieben Gottes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott gedenken, sich in ihm erfreuen und ihm ergeben. 450 Sebet. Herr, allmächtiger Gott! wie soll ich dir genugsam danken für deine Liebe und Treue, die du mir diesen Tag erwiesen hast. Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schutz glücklich hingebracht, den Abend fröhlich erlebt, die Schmerzen und Beschwerlichkeiten meines Standes hast du mir helfen tragen und überwinden; du hast mich beschützt und bewahrt, und bist mein und meines Kindes gnädiger Vater, Schuß, Gott und Beistand gewesen; Herr! da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen und mich mit Freuden gegürtet, auf daß dir lobsinge meine Ehre und nicht stille werde; Herr, mein Gott! ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedecket, ach, so breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus, behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gethan habe. Ich will mich nun, o Gott aller Gnade und Fürbitte für die Kinder. 451 Barmherzigkeit! in deine Arme legen und sprechen: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du allein, Herr! hilfft mir, daß ich sicher wohne. Befiehl dem Engel, daß er komm' und mich bewach', dein Eigentum; gieb uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh', so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein. Ja, o großer Gott, in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schließen; ach, wache du selbst um mein Bett und treibe alles zurück, was meine Ruhe stören kann. Ob aber mein Leib schläft, so soll doch mein Geist immerdar zu dir wachen und bei dir sein, und in dir sein Vergnügen haben. Herr Gott Vater! laß mir dein Vaterherz diese Nacht offen stehen, damit ich im Schlafe an deiner Allmacht, Güte, Liebe, Weisheit und Barmherzigkeit mich erfreuen möge. Herr Jesu, du Licht meiner Seele! erleuchte mich auch in dieser Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht, daß ich deiner Wunder und deines Blutes mich getrösten, dein lieblich Jesusbild in meinem Herzen bewahren und damit einschlafen möge. Owerter heiliger Geist! erwecke in mir auch heilige Begierden und Verlangen; singe und bete in meinem Herzen und versiegele in mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sei. du dreieiniger Gott! laß mich also in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß ich, wenn ich erwache, noch bei dir bin. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, da ich alsdann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohlthaten loben und preisen will. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe Jesu decke und der Beistand des werten, heiligen Geistes stärke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein Jesu! bei mir bleibe, O Seelenlicht! der Sünden Nacht vertreibe; Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, ach Herr! denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wenn meine Glieder schlafen, Ach! laß die Seel' im Schlaf auch Gutes schaffen; D Lebenssonn'! erquicke meinen Sinn, Ich lass' dich nicht, da nun der Tag ist hin. Die Kindbetterin trägt Gott im Gebet ihre Kinder vor. Aufmunterung. Wenn Gott den Eltern Kinder gegeben, so geht nicht allein die Sorge für sie an, sondern es findet sich auch bei ihnen eine Liebe zu der Kinder zeitlichem und ewigem Heil, und ein Verlangen nach ihrer Wohlfahrt; dieses alles aber muß mit Gebet von Gott erhalten werden, weil 29* 452 Andachten für Kindbetterinnen. es mit gehört unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts. Es soll demnach 1) eine fromme Mutter ihr neugebornes Kind Gott demütig vortragen, daß er es wolle zur heiligen Taufe gelangen lassen und in derselben es in seine Arme als sein Kind und zu seiner Pflege, Fürsorge, Liebe und Gnade aufnehmen. 2) Läßt es Gott an Jahren zunehmen, so muß es in das Abend- und Morgengebet, ja auch in die täglichen Seufzer eingeschlossen werden, daß Gott es wolle mit seinem heiligen Geist regieren, ihm ein frommes Herz verleihen, gute Gesundheit, Wachstum und Gedeihen geben, seine geraden Glieder erhalten, und es vor Unglück und Schaden bewahren. 3) Das Gebet und die Sorgen frommer Eltern nehmen mit zunehmenden Jahren zu, daß ihre Kinder müssen in der christlichen Lehre unterrichtet, gegründet und zu der Erkenntnis Jesu Christi gebracht werden, welchen Schatz ihren Kindern mitzuteilen, sie weder Kosten und Mühe noch Fleiß sparen sollen. 4) Gehen sie in die Fremde, oder kommen sie unter die Weltkinder in den späteren Jahren, so nehmen die Sorgen der Eltern zu, aber es muß auch desto eifriger gebetet werden; da machen es fromme Eltern wie Hiob, welcher alle Abend ein Opfer für seine Kinder brachte, um Gott anzurufen, er wolle seinen Kindern gnädig sein und ihnen ihre Sünden vergeben. Es rufen fromme Eltern Gott an, er wolle ihre Kinder vor Verführung bewahren, sie in keine schweren Sünden und Schanden fallen lassen, sie durch seinen guten Geift auf ebener Bahn leiten, und es ihnen lasfen zeitlich und ewig wohl ergehen. 5) Sie haben auch das Vertrauen zu Gott, wenn sie an guter Zucht, Vermahnung in dem Herrn, vernünftiger Erziehung nichts haben mangeln lassen, daß er ihr Gebet auch werde erhören, und so die Kinder eine Zeitlang irre gehen sollten, daß er sie nach seiner Weisheit wieder herumzuholen wissen werde. 6) Wobei sie dann das Kinderkreuz, das ihnen Gott nach seinem wunderbaren Rat auflegt, mit Geduld und Vertrauen auf Gott ertragen sollen, bis er auch dasselbe lindern, oder nach seiner Barmherzigkeit wieder wegnehmen wird. Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt. du gnädiger und liebreicher Gott! der du der rechte Vater bift über alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden, siehe, ich komme zu dir in wahrer Demut meines Herzens, und trage dir mein neugeborenes Kind vor. Ach, barmherziger Gott! nimm doch den von dir mir geschenkten Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an; ach, laß es dein Kind sein, beschirme und erhalte es. Du hast, o Jesu! gesagt: Laffet die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; Fürbitte für Kinder. 453 siehe, ich bringe dir auch an diesem Tage mein Kind; gieb ihm deinen heiligen Geist, der es durch Wasser und Geist wiedergebäre, heilige, regiere, und sein Herz mit Glauben und himmlischem Licht erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre, und verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum Preis erziehen könne. Ach, mein Gott! hiermit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigentum; ich lege es, o himmlischer Vater! in die Arme deiner Barmherzigkeit; ach, versorge und beschütze es. Ich übergebe es dir, o Jesu! wasche es mit deinem heiligen Blute, verbirg es in deinen Wunden wider alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o Gott heiliger Geist! zu deiner Pflege, ach heilige es durch und durch, damit sein Geist samt Seele und Leib mögen unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Laß diesen Tag sein meines Kindes Bundes-, Segens- und Wiedergeburtstag, und gieb, daß es dessen allezeit eingedenk bleibe, und ich daran es oft erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals wieder brechen, und aus dem Stand der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heiligung beharren bis an sein Ende, da du es wirst als dein Kind und Erbe zur ewigen Freude aufnehmen. Du Volk, das du getaufet bist, Und deinen Gott auch kennest, Auch in dem Namen Jesu Christ Dich und die Deinen nenneft, Nimm's wohl in acht und denke dran, Wie viel dir Gutes sei gethan Am Tage deiner Taufe. Amen. Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. Herr, allmächtiger Gott, Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! siehe, du haft unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und preise. Wenn ich aber, mein Gott! meine Kinder ansehe als teure Pfänder, die du mir anvertraut, die Jesus mit seinem heiligen Blute erlöset, und die du in der heiligen Taufe zu deinen Kindern angenommen hast, ach, so bin ich bekümmert, daß ich keins derselben durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in acht; wo man sein missen wird, soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnade! ich komme zu dir, und trage dir meine Kinder vor; ich will thun, was ich kann, aber thue du das beste; ach segne meine Kinder, begleite sie, wenn sie aus- und eingehen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie nimmermehr mögen mit schweren Sünden dich beleidigen oder betrüben, oder sich Schaden und Schande verursachen. Schreibe meinen Kindern Jesum ins Herz, laß Jesum in ihrem Herzen wohnen, ihr Herz heiligen, damit sie nimmermehr einen gnädigen Gott und ein gutes Andachten für Kindbetterinnen. Gewissen verlieren mögen. Behüte sie vor Verführung und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie gedenken, du seist bei ihnen zu Hause, in der Fremde, des Tages und bei Nacht, in der Gesellschaft und Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie ein- und ausgehen; dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind; gieb ihnen allezeit deinen Engel zum Gefährten, wie dem jungen Tobias; führe sie durch deine Engel aus der Gefahr, wie den Lot; laß sie der Engel Schutz genießen, wie den Jakob. Sollte aber dir gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch den Tod oder Krankheit, oder Unglück meiner Kinder, so gieb mir Geduld in solchen Leiden, daß ich gedenke, ohne dich kann nichts geschehen; die Kinder hast du mir gegeben, du hast auch Macht, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du mich auch durch meiner Kinder Tod zu dir ziehen, daß ich dadurch dich allein zu lieben soll aufgemuntert werden, so erhalte mich auf diesem Dornenwege doch im Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du, wie alles, also auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könntest. Gieb auch im Leiblichen meinen Kindern den Segen mit, versorge sie, ernähre sie, pflege fie; gieb ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein treuer Vater an ihnen, sei ihr Helfer in Gefahren, ihr Beistand im Leiden, ihr Ratgeber, wenn sie Rats bedürftig sind, ihr Erhalter im Unglück, ihr Arzt in Krankheit. Gieb ihnen eine fromme Seele, guten Verstand und gesunden Leib, und laß sie vor dir leben und dich ehren und preisen. Gieb ihnen ein gehorsames und demütiges Herz, laß sie aufwachsen durch deinen Segen, und laß mich an ihnen Trosft und Freude erleben. Ach Gott! erhöre mein Gebet und gedenke, es sind ja sowohl deine als meine Kinder, darum wollest du auch mein Seufzen für meine Kinder vor dem Thron deiner Gnade erhören. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen und zu deinem Preis sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben hast; ich habe deren keines verloren. Ja, mein Gott! verleihe, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern sie mit mir und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott! segne meine Kinder, Nimm dich treulich ihrer an, Thu an ihnen auch nicht minder, Als du haft an mir gethan; Segne ihren Schritt und Tritt, Teil den Segen ihnen mit, 454 Laß es ihnen wohl ergehen, Und in deiner Gnade stehen. Amen. Vorbereitung zum Kirchgang. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. Du hast, o großer Gott! 2c. Dieser Gesang ist vorn Seite 123 abgedruckt und daher dort nachzuschlagen. Die Wöchnerin schickt sich zu ihrem Aus- und Kirchengang. Aufmunterung. 455 Wenn enn Gott eine Sechswöchnerin gnädig ihre sechs Wochen erhalten, ihre Kraft ihr wiedergegeben, sie gestärkt, sie und ihr Kind vor Unglück bewahrt hat, daß sie nun ihren Kirchengang halten kann, so soll ihr Mund voll Rühmens sein, und den allerhöchsten Gott dankbar preisen und loben. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bett gelegt, aber wie Gott ihre Kräfte erneuert, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. 2) Sie soll gedenken, wie andere Sechswöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, nach ihren sechs Wochen ein schweres Lager und Unglück gehabt, ja gar gestorben sind; wenn aber Gott sie davor bewahrt, so soll man des Lobens und Dankens nicht vergessen. 3) Wenn sie überdies auch ihr Kind frisch und gesund sehen, so haben sie Ursache, diese hohe Wohlthat Gottes demütig zu erkennen. 4) Ihr Kirchengang soll demnach geschehen mit Andacht, mit einem dankbaren Herzen und lobenden Munde; sie soll sich erfreuen, wenn sie in die Vorhöfe des Herrn tritt und zu dem Altar sich naht. 5) Sodann ihr Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten, Gott loben, sich und ihr Kind Gott befehlen, den Segen empfangen und hernach der empfangenen Güte Gottes allezeit eingedenk verbleiben. Gebet. Wie Sie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er an mir gethan hat? Ja, der Herr hat Großes an mir gethan, des bin ich fröhlich. Odu gnädiger und starker Gott! ich will nun meinen Aus- und Kirchengang halten, dir in deinem Tempel zu danken für deine gnädige Hülfe und Beistand, den du mir hast erwiesen. Herr Gott! du hast mich glücklich entbunden, mein Leben erhalten, mein Kind mich fröhlich erblicken lassen. Du hast, o gnadenreicher Gott! diese sechs Wochen mich erhalten, vor Unglück bewahrt; du haft mir die verlorenen Kräfte wieder gegeben, daß ich nun in gutem Wohlsein kann zu deinem Tempel mich nahen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr 456 Andachten für Mütter. erhörte und tröstete mich. Der Herr ist meine Macht, mein Psalm und mein Heil. Herr! ich danke dir, daß du mein Leben in der Geburt erhalten, ich danke dir, daß du mir meine Kräfte wieder gegeben, daß ich nun durch deine Kräfte meinen Ausgang halten und dir in deinem Tempel für alle empfangenen Wohlthaten danken kann. Ach Herr! nimm an das schwache Lobopfer meiner Lippen. Ich freue mich dessert, das mir geredet ist, daß ich soll in den Tempel gehen und meine Füße stehen sollen in den Thoren des geistlichen Jerusalems. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn. Ach, mein Gott, laß diesen Ausgang gesegnet sein, gieb mir mit jedem Tage mehr Kräfte; laß mein Kind wachsen zu deinem Preis. Ich bringe dir an diesem Tage ein Paar Turteltauben, mein dankbares Herz und meinen lobenden Mund, ach, verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Versöhnopfer: Jesu Blut und Tod in wahrem Glauben, damit reinige mich und wasche mich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind, wie ich es schon in der heiligen Taufe gethan; ach, sei hinfort sein Vater, sein Pfleger, Schutzherr, Erhalter und gnädiger Gott. Laß aber deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet sein über mich und mein Kind, laß uns vor dir leben und deinen Namen preiſen. Gieb, daß ich dieser Wohlthat allezeit eingedenk sein und bleiben möge, damit ich im Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht beharren, und darin auch meine Kinder erziehen möge. Gieb mir und meinen Kindern deinen heiligen Geist, der uns erleuchte, heilige, regiere und führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder werden zu deiner Herrlichkeit eingehen, in das neue Jerusalem, woselbst du Sonne und Licht bist. Ich will, so lang ich lebe hier, Den Herren preisen für und für; Viel Gutes hat er mir gethan, Viel mehr, als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, Und sonderlich zu diesem Mal Hat er allein durch seine Hand Das Unglück von mir abgewandt. Amen. Gejang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Gott hat mein Gebet erhöret, Also sprech' ich hocherfreut, Weil er das, was ich begehret, Gnädiglich verliehen heut; Nun erkennet mein Gemüte Gottes große Gnad' und Güte, Der betrübt, und doch zuletzt Uns in Freud' und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gebet erhöret, Meine Traurigkeit und Klag' Hat nunmehro aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vers nichtet, mir ein Lachen zugerichtet, Der nach der betrübten Nacht Alles hat voll Freud' gemacht. Danksagung bei Entwöhnung ihres Kindes. 457 3. Gott hat mein Gebet erhöret, Denn als ich in Nöten schrie, Hat er sich zu mir gekehret Und gesprochen: ich bin hie! Ich bin hier, will dich erretten Und an deine Seite treten; Ich war, da du riefest mir, Gar nicht ferne mehr von dir. 4. Gott hat mein Gebet erhöret, Preiset mit mir alle Gott, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was mir ist not; Der da liebreich den anfiehet, Der im Glauben zu ihm fliehet, Und zu mir in Trübsal spricht: Sei getrost, ich lass' dich nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret, Traue ihm nur, wer du bist, Ich, ich bin es nun gelehret, Daß er unser Helfer ist; Gott kann schützen und auch decken, Und zu unsrer Hülf' ausstrecken Seine starke Hülfehand, Die mein Leiden hat gewandt. 6. Gott hat mein Gebet erhöret, Also sprech' ich, wo ich geh', Meine Freud' wird stets vermehret, Wenn ich seine Hülf' anseh'; Darum lern' auch Gott vertrauen Und auf seine Hülfe bauen, So wirst du auch, gleich wie ich, Hülf' erlangen gnädiglich. Die gottfelige Mutter dankt Gott, wenn ihr Kind entwöhnt wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, so erneuert sich das Gebet, wenn nun das Kind soll entwöhnt werden. Denn ist das nicht eine große Gnade, daß Gott die Milch dem zarten Kinde gedeihen lassen, daß es nunmehr gewachsen, stark geworden und an Kräften zugenommen, daß es ohne Milch kann mit Speise erhalten werden? Darum soll 1) eine gottselige Mutter Gott danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Speise hat gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kann. 2) Sie soll Gott danken, besonders wenn sie ihr Kind selbst gestillt, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben seinen Segen verliehen, ja dadurch ihr Kind hat gedeihen lassen. 3) Sie soll Gott anrufen, er wolle auch dem Kinde nun die Speise segnen, es aufwachsen lassen zu seiner Ehre, und wie es an Jahren zunimmt, auch sein Herz mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllen. 4) Und weil auch die Kinder um die Zeit sich zum Alleingehen bequemen, so soll die gottselige Mutter Gott bitten, er wolle ihr Kind selbst gängeln, durch seinen heiligen Engel bewahren, vor schwerem Fall behüten, die geraden und gesunden Glieder erhalten, und also in seiner Gnade und Schutz von einem Alter zum andern gelangen laffen. Andachten für Mütter. Gebet. Barmherziger und gnädiger Gott! wie ist mein Herz erfreuet, daß ich nun auch die Zeit erlebt, daß ich mein Kind der Mutterbruft entwöhnen kann. Oliebreicher Gott! du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, unter so vielen Zufällen erhalten, ihm sein zartes Leben gefristet und nunmehr so weit kommen lassen, daß es zu seiner Erhaltung stärkerer Speise bedarf. Gelobet sei deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutterbrust bisher gesegnet hast, daß es zu Kräften gekommen und von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Schuß, habe Dank für deine Treue und Gnade. O Herr! du thuft alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutterbruft Speise und Trank in Milch verwandelst, und derselben eine nährende Kraft beilegst, daß die Kinder dadurch gelabet, erquicket und gestärkt werden. Ach Gott! haft du nun meinem Kinde die Mutterbrust gedeihen lassen, ach! so segne ihm auch die übrige Speise und Trank, dazu ich es angewöhnen will; gieb, daß es sich dazu williglich bequeme, laß es auch dadurch ferner wachsen, und mit jedem Tage, Woche und Jahr an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es will anfangen zu gehen; begleite es durch deine heiligen Engel; halte es, wenn es fallen will; behüte es, wenn Gefahr vorhanden ist. Ach, laß dies mein Kind dir empfohlen sein an Leib und Seele; stärke es auch an dem inwendigen Menschen, heilige es durch deinen heiligen Geist, daß es in Gehorsam und Gottesfurcht sich gern erziehen lasse; nicht widerspenstig sich beweise, sondern als ein frommes Kind gern folge und höre. Gieb ihm deinen heiligen Geist und ein frommes Herz, damit ich Freude an ihm allhier erlebe, es einst zur ewigen Himmelsfreude mitnehmen, und mit ihm zu deiner Herrlichteit eingehen möge. 458 Sehr groß, o Herr! ist deine Güt', Die mich beschützet und behüt't, Ich will sie rühmen hier auf Erd', So lang ich Atem haben werd'. Amen. Gejang. Mel.: Gott, du frommer Gott. 1. Der Herr, der große Gott, Der seinen reichen Segen Auf mich geschüttet hat, Als einen sanften Regen, Den preis' ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind In allem Wohlergehn Und noch im Segen bin. 2. Hat großes Ungemach Viel andere gedrücket, So hat mit Erinnerung, Trost und Gebete für Unfruchtbare. 459 seiner Gnad' Der Höchste uns geschmücket, Die Milch, die süße Speis', welche große Gnad'! Ist, welche Gott bisher Dem Kind geſegnet hat. 3. An mir und meinem Kind' Sind Wunderding' geschehen, Das muß ich diesen Tag Zu Gottes Preis gestehen; Uns beide schüßte er; Er gab uns Kraft und Stärk', Bis er an uns vollbracht Sein großes Wunderwerk. 4. Gethan und auch geschenkt Hat Gott in jeder Stunde Viel Gut's im reichen Maß, Ich rühm's von Herzensgrunde; Er hilft, bewahrt, er liebt, Hält uns in seiner Hut, Er thut an uns noch mehr, Als sonst ein Vater thut. Des bin ich fröhlich heut, Mein Gott, was soll ich sagen? Du hast mein Kind und mich Auf deiner Hand getragen. Ach! segne uns hinfort, Ach! sich, wir sind ja dein, Ach! laß uns deiner Gnad' Allzeit empfohlen sein. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Ich habe oftmals gottselige Ehefrauen, welche Gott ohne Kinder und Leibeserben dahin gehen läßt, hören sprechen, daß man wohl Troft, Aufmunterung und Gebet für allerlei Stände des weiblichen Geschlechts, als für Schwangere, Gebärende und Sechswöchnerinnen fände, aber, daß man die, welche Gott mit Leibesfrucht nicht erfreuen will, ohne Aufmunterung und Trost ließe. Deshalb habe ich denn, da ich den Fruchtbaren zum Trost, nach der Gnade meines Gottes, einigen Unterricht erteilt, auch denen, welchen Gott keine Kinder giebt, über ihren Zustand meine Gedanken eröffnen wollen. Wenn demnach Gott läßt Eheleute ohne Kinder sein, daß sie wie Abraham sagen: Herr, was willst du mir geben, ich gehe dahin ohne Kinder? 1 Mos. 15, 2., so sollen sie 1) gedenken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit können natürlich sein bei beiden Eheleuten; denn wie Gott nicht einerlei Natur allen Menschen giebt, also nicht einerlei Fruchtbarkeit. Wenn nun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur gelegt hat, so sollen sie deswegen mit Gott zufrieden sein, und wissen, daß er doch darum ihr 460 Erinnerung, Trost und Gebete gnädiger Gott ist, der sie liebe und ihnen gewogen sei. Hat eine Tulpe schon nicht so viel Blumen als der Rosenstock, so ist sie doch dem Gärtner und Herrn des Gartens ein liebes Gewächs. Wie viel Bäumlein zieren nur den Garten und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. Also sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott einem viel, dem andern weniger giebt; Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so teilt er aus. Gott hat sich vorbehalten drei Schlüssel: den Schlüssel zum Grab, denn niemand kann Tote auferwecken als Gott; den Schlüssel zum Regen, denn kein Göze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleibe, da kann niemand öffnen, wenn der Herr zuschließt, und niemand zuschließen, wenn der Herr öffnet. Ift aber diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zornes Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daher annehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt; er giebt ihnen leibliche Gaben, Gesundheit, Segen, Nahrung, Wohlergehen, welches alles er zuweilen denen, die Kinder haben, nicht so reichlich erteilet, sondern Krankheit, Kinderkreuz und Elend ihnen reichlich zumißt. Gott giebt ferner denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben, als Freude in Gott, Frieden mit Gott, die Gerechtigkeit Jesu Christi, Trost und Wonne. Dadurch sie ja abermals überzeugt werden, daß Gott nicht zornig über sie sei; denn wer unter Gottes Zorn und Ungnade steht, der muß gewiß der himmlischen Gaben entbehren. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute gedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüts Zustand besser erkenne, als sie selbst; denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie Gott doch vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, als auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Ehemanne viel Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst hindern, vielleicht würde das Kind viel Betrübnis machen, wenn es Gott nach seinem Rate wieder sterben ließ; darum weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser kennet, für Unfruchtbare. 461 als sie selbst, so beweiset er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für keine Gnade halten. 5) Besonders aber sollen sich Eheleute wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst giebt ihnen Gott im Zorn Kinder; vielleicht muß die murrende Mutter ihr Leben oder Gesundheit darüber verlieren, oder wenn das nicht geschieht, so gerät ein solches im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken, Jammer, Verdruß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Lebenlang in Angst, Betrübnis und Traurigkeit setzet, welches Früchte ihrer unverständigen Bitte sind. Wie mancher mit Unverstand von Gott erbetene Sohn ist seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden. 6) Es sollen hierbei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1 Tim. 2, 15. nicht mißbrauchen, wenn es heißt: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibt im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung, samt der Zucht. Denn in dem Spruch sagt Paulus nicht, daß die Weiber sollen durch Kinderzeugen selig werden, denn wir werden durch das Verdienst Jesu Christi und um seines vergossenen Blutes willen vor Gericht gerecht und selig, Röm. 3, 28.; c. 5, 1., und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja keine Jungfrau selig werden können, welches wider Gott und sein heiliges Wort ist; sondern er führt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich: ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt auflegt, darum, weil sich das Weib im Paradies verführen ließ und die Übertretung und Sünde eingeführt hat, daß jedoch Gott bei der Geburt ihnen wolle beistehen und durchhelfen; sie solle doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühle, nämlich, wenn sie würde in solchem Stande bleiben im Glauben an den Herrn Jesum, in der Liebe gegen Gott und Menschen, in der Heiligung des Lebens und in der Zucht und christlichem Wandel. Deswegen ist dieser Spruch ein Trostspruch in Kindesnöten, und eine Versicherung der Seligkeit derer, welche in Kindesnöten sterben, daß sie der Schmerzen, die wegen der Sünde auferlegt sind, ungeachtet doch sollen selig werden, aber er zeigt keine Ursache der Seligkeit der Weiber an. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten und im Gebet anhalten. Etliche Bäume tragen gleich das erste Jahr, etliche aber nach Verlauf vieler Jahre. Darum sollen fromme Cheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen: werfet euer Vertrauen( auf Gott) nicht weg, 462 Erinnerung, Trost und Gebete welches eine große Belohnung hat. Hebr. 10, 35. Wie nun Gott nicht allen Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohlthaten giebt, sondern dem einen früher, dem andern später, also auch in diesen Gaben. 8) Hierbei sollen sich auch Eheleute fleißig hüten vor Mißvergnügen gegen ihren Ehegatten, wenn das Weib die Schuld auf den Mann, oder der Mann auf das Weib schieben wollte, sondern gedenken, daß es Gott sei, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will. 1 Mos. 30, 2. Deswegen sie einander doch herzlich lieben und mit Gott zufrieden sein sollen, weil keins von beiden ohne Gottes Gaben, Segen und Willen etwas dazu thun kann. Besonders aber sollen sie sich auch vor Argwohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbteilung fragen und trachten, sondern aufrichtig in der Liebe gegen einander verharren, die Ohrenbläser abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal sein muß, eine Verordnung machen. 9) Läßt Gott es frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da die, so Kinder haben, so oft am Gebet, am Gottesdienst durch die Kinder gehindert werden, so können sie desto mehr den Dienst Gottes ungehindert und ungestört abwarten. 10) Schenkt Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich lassen empfohlen sein, frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule halten, zu ihrei Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tag als Vater und Mutter preisen, und vor Gott rühmen werden: diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket. Matth. 25. 11) Gott giebt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zuweilen keine Kinder, auch darum, weil er siehet, daß künftig schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Land einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen vor dem Unglück wegrafft und seine lieben Kinder, ehe das Sturmwetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskias verheißen und dem heiligen Augustinus erwiesen, welches allerdings eine große Gnade Gottes ist, so ist es ja eine Wohlthat, wenn Gott keine Kinder giebt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündflut geschah, nicht erleben und erfahren. 12) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, daß sie die Kinder auch als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der That sind, halten. Meinen sie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen durch für Unfruchtbare. 463 Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei, darum er will gebeten sein. Wenn hier christliche Eheleute mir wollten entgegensetzen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten und doch Kindrr zeugen und bekommen, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf, zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen kommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Luft abzukühlen. Sollen es also hier gottselige Eheleute machen, wie dort Isaak, von dem es heißt: Und Isaak bat den Herrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaat, daß Kinder nicht allezeit eine Naturgabe, sondern eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der Herr ließ sich erbitten, und Rebekka, sein Weib, ward schwanger. 1 Mof. 25, 21. Dieses alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen, und sich gegen das Murren, Ungeduld und Gemütsunruhe bewahren, und gedenken: Ist ihr Haus einsam und ohne Kinder, daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler tausend heiliger Engel sein werden, mit welchen sie sich in Ewigkeit vor dem Thron des dreieinigen Gottes erfreuen sollen. Gebet. Herr, Herr! was willst du mir geben? ich gehe dahin ohne Kinder; ach! mein Gott! ich sehe, wie du andern den Ehesegen mit reichem Maße zuteilest, aber mir haft du denselben bisher vorenthalten und nicht gegeben. Herr, Herr! laß mich doch dies alles mit chriftlicher Gelaffenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir leicht Kinder geben und mich fruchtbar machen kann, wenn du willst. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebet und seine Gnade noch nie versagt hat, darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen; du weißt am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht beschert hast. Sollte ich etwa zu schwach in der Geburt, zu träge in der Erziehung der Kinder, oder zu niedergeschlagen im Kinderkreuz sein, so erkenne ich daraus deine Güte, die mich schonen und mich nicht über mein Vermögen versuchen lassen will. Giebst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß mich in dir desto mehr erfreuen, daß ich dich herzlich liebe, an dir all mein Ergößzen und Vergnügen haben möge. Laß mich indessen bleiben im Glauben an dich, dreieiniger Gott! in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens; ja laß mich in Zucht und Erinnerung, Trost und Gebete Ehrbarkeit vor jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses sein gnädiger Wille über mich sei, dem ich mich dann von Grund meiner Seele übergeben will. Bewahre indessen mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich ihn jedoch Herzlich liebe, als mein Kind halte und ihn lieber habe, wie zehn Söhne und Töchter. Ist es dein Wille, daß ich eine Zeitlang warten, und du mich dennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen, an mich wie an Hanna gedenken willst, so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen. Willst du mir aber keinen Erben geben, Herr! so soll das mein Erbe sein, daß ich deine Wege halte. Jesus soll meines Herzens Trost und mein Teil sein. Herr, Herr! es ist dir alles möglich; hast du Sara und Elisabeth über die Zeit der Natur lassen schwanger werden, so ist es dir auch ein Geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. Herr! laß dich erbitten, so will ich für die Gabe dir danken mein Lebenlang, und sie dir zum Preis und Ehre erziehen; ich will sie dir durch die heilige Taufe wieder schenken. Laß mich auch nicht scheel sehen, wenn du andern das Haus voll Kinder giebst, sondern desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern era weisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, Herr! deine Güte sei über uns, wie wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gieb mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande. Ist mir's nützlich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte; ist es aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich dir kein Kind abzwingen; ja, ich will wider deinen gnädigen Willen nichts und auch keine Kinder haben. Herr! ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach! schicke es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gieb, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hülfe erzeigen wirst. 464 Ich bin vergnügt in meinem Hoffen, Denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, So hat er schon den Schluß getroffen, Er weiß die beste Zeit und Ziel; Ich harr' auf ihn, denn so betrügt Die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt, wird mir nur geben. Der allerhöchste Wundergott Ein fröhlich's Herz, gesundes Leben, Und was sonst meiner Seele not; für Unfruchtbare. Das Übrige, wie er es fügt, Befehl' ich ihm,- ich bin vergnügt. Amen. 465 Gejang. Mel: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach, Herr! was willst du mir geben, Weil ich ohne Kinder bin; Meine Zeit und auch mein Leben Geht in vielem Kummer hin; Andre muß ich fröhlich sehen Und mit Kindern einhergehen, Aber ich geh' ganz allein Und muß stets bekümmert sein. 2. Nicht erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind zu fehn, Mit ihm allezeit zu scherzen, Mit ihm hin und her zu gehn; Dieses pflegt mich zu ergötzen Und in tausend Freud' zu setzen; Doch die Freude hab' ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht. 3. Warum thust du an mir minder, Als an andern? lieber Gott! Andre haben viele Kinder, Die kaum haben's täglich Brot; Du giebst mir sonst großen Segen, Aber ach, mein Gott! hingegen Giebst du mir nicht diese Gab', Die ich oft gebeten hab'. 4. Ach, mein Gott! ich will nicht fragen, Thue nur, was dir gefällt; Ich will dieses gerne tragen, Alles sei dir heimgestellt; Ach! du weißt ja mein Begehren, Willst du mir's, mein Gott! gewähren, So geschehe, Herr! dein Will', Deinem Willen halt' ich still. 5. Laß, o Herr! mir deinen Willen Immerdar vor Augen sein, Deinen Willen lasse stillen, Was mein Wollen wendet ein; Ja, laß mir, o Gott, in allem, Was nur dir gefällt, gefallen, Daß ich christlich mich bezeig' Und gelassen stille schweig'. 6. Ich will nichts von dir erzwingen; Gieb mir ja kein Kind im Zorn, Es möcht' mir sonst Jammer bringen und mir sein ein scharfer Dorn, Der mein Lebenlang mich steche Und mir mein Vergnügen breche; Was mich martert, beißt und sticht, Lieber Gott, das gieb mir nicht. 7. Ich weiß, daß du mich noch liebest, Daß ich steh' in deiner Gnad', Ob du mir schon das nicht giebest, Was mein Herz gebeten hat; Hab' ich dich, o meine Wonne, Mein Gott, meine Freud' und Sonne, So bin ich in dir vergnügt, Wie's dein Wille mit mir fügt. 8. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein an Jesu laben, Dem schenk' ich mein Herz und Lieb'; Jesu, deine Lieb' und Schöne Ist mir lieber als viel Söhne; Wenn ich Jesum bei mir hab', So hab' ich die größte Gab'. 9. Nun, mein Gott, ich bin zufrieden Mit dem mir bestimmten Teil, Welches du mir hast beschieden; Alles dient zu meinem Heil. 30 Starts Handbuch. 466 Erinnerung, Trost und Gebete für Unfruchtbare. Darum will ich dir vertrauen Und auf deine Hülfe bauen; Mach mein Herz vertrauensvoll, Gieb mir, was ich haben soll. 10. Indes will ich Jesum lieben, In Gott hab' ich meine Freud', Mich in Lieb' und Glauben üben, Und durch stille Mildigkeit Armen Kindern reichlich geben, Daß sie Gott zu Ehren leben, Ihnen helfen, Gott zum Preis, Durch mein Wohlthun, Treu' und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein Gott gedenket, Was er mir bestimmet hat, Wer weiß, was er mir noch schenket, Wer weiß, was da seine Gnad' Mir noch zugedacht zu geben, Wer weiß, werd' ich noch erheben Nach der Hülfe Herz und Mund, Wenn erscheint die Gnadenstund'? 12. Herr, erhöre dies mein Flehen; Ach, nimm meine Seufzer an, Laffe meine Bitt' geschehen, Du bist's, der mir helfen kann; Doch laß mich in allen Fällen Alles dir, mein Gott, heimstellen, Daß ich, wie es immer geh', Spreche: Herr, dein Will' gescheh'! Register der Betrachtungen und Gebete. Erster Teil. Für Gesunde. Seite Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst vor 11 Morgengebeta m Sonntag 15 Der gläubige Christ bringt den Sonntag andächtig hin... Der gläubige Christ erwägt den dreifachen Sabbat.. 18 .. Abendgebet am Sonntag Der gläubige Chrift dankt Gott nach angehörtem göttlichen Wort.. 27 Morgengebet am Montag 30 Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. ● ● ● ● . 33 Abendgebet am Montag. 36 Der gläubige Christ dankt für seine Gesundheit. Morgengebet am Dienstag. Der gläubige Christ freut sich seiner Wiedergeburt Der gläubige Christ bittet um Erhaltung des Glaubens Abendgebet am Dienstag Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. 21 24 32 ● 39 .. 4342 46 49 51 Morgengebet am Mittwoch Der gläubige Chrift bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen 55 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn leiten.. .. 58 61 Abendgebet am Mittwoch Der gläubige Christ bittet um Liebe zu Gott. ● Morgengebet am Donnerstag. Seite Der gläubige Christ bittet um Liebe zu dem Nächsten Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. ● ● 30* 53 63 65 .. 67 Abendgebet am Donnerstag. Der gläubige Christ erkennt, daß Gott das höchste Gut sei. 75 77 Morgengebet am Freitag Der gläubige Christ bittet um Demut 79 Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. 71 83 Abendgebet am Freitag 86 Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist Morgengebet am Sonnabend.. 73 88 91 468 Der gläubige Christ erkennt die immerwährende Güte Gottes. Der gläubige Christ erwägt die tünftige Herrlichkeit Register der Betrachtungen und Gebete. Abendgebet am Sonnabend ● ● ● Seite Der gläubige Christ dankt Gott am Ende der Woche... Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. 103 bittet um Kraft wider die Sünde 107 will fich Gott zum Opfer geben betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 110 .. 113 . 93 96 ● 99 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes 146 tröstet sich der Liebe Gottes 151 tröstet sich der Hülfe Gottes 153 tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes erwägt die göttlichen VerheiBungen erwägt die Absicht Gottes im Kreuz. 162 bittet um Geduld und Stärke. 165 bittet um Abnahme der Trübsal 168 100 156 159 Morgengebet eines Kranten. ... 192 Abendgebet eines Kranten 197 Der Kranke Zweiter Teil. Für Betrübte. Seite bittet Gott um Geduld... 200 bittet Gott um Beistand.. 203 erwägt, daß er ein Mensch und sterblich sei... ergiebt sich, Gottes Willen zu leben. Der gläubige Christ betet um Frömmigkeit 206 209 Gläubige Eltern beten für die Kinder Fromme Kinder beten für die Eltern.. . 117 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Unge● Dritter Zeil. Für Kranke. Seite . 120 witter... dankt Gott, wenn das Gewitter . 124 vorüber ist.. betet, wenn er sich auf die Reise begiebt bittet um ein unverletztes Gewissen.. ● . 127 Seite . 132 Der Betrübte erwägt den fröhlichen Ausgang des Kreuzes Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Not. Der Betrübte flagt über Schwachheit seines Glaubens flagt über gotteslästerliche Ge danken 137 142 . 171 Seite . 174 178 . 182 ● . 185 Seite Der Kranke erkennt, daß das Kreuz und die Trübsal von Gott komme. 212 erkennt den Nutzen der Krankheit 215 setzt sein Vertrauen auf die gött218 220 liche Allmacht erinnert sich seines Taufbundes gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes 224 will sein Leiden ohne Murrentragen 227 Register der Betrachtungen und Gebete. Der Kranke bereitet sich zum heiligen Abendmahl. 229 bittet um Vergebung der Sünden 232 betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. 238 betet, wenn er Arznei gebraucht 241 Seite Seinigen den Segen. 235 Der Sterbende stellt sich vors göttliche Gericht 263 verzeiht und bittet um Verzeihung 266 nimmt Abschied und giebt den befiehlt sich Gott. Vierter Teil. Für ● 269 272 stellt eine Himmelsbetrachtung an 276 erwägt die Verheißungen Gottes 278 betrachtet die Himmelsfreude. 281 tröstet sich des Beistandes des ● Seite 284 dreieinigen Gottes. will auf Jesum Christum sterben 287 bittet um ein seliges Ende.. 290 Der andächtige Christ betrachtet Christi Ankunft ins Fleisch 322 betrachtet die Geburt Jesu Christi 325 betet am Beschluß des Jahres. 329 betet im Anfang des Jahres. 333 betrachtet das Leiden Jesu Christi 337 erwägt den Todestag Jesu oder den Karfreitag. freuet sich über Christi Aufer. stehung betrachtet Christi Himmelfahrt. erwägt die Ausgießung des h. Geistes erwägt das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit... Der Kranke betet um Linderung der Schmerzen 244 seufzt, Gott wolle ihn nicht ver342 346 350 lassen.. erinnert sich seines Todes betrachtet sein Grab und Auf355 Fest- Andachten. Seite 359 erstehung.. dankt Gott für erlangte Gesundheit. Sterbende. ● ● Gebet der Umstehenden für Sterbende Seufzer, Sprüche und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen • ● Seufzer und Gebete eines Sterbenden 469 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu Segenswunsch über einen Sterbenden Seite ● ● . 247 250 253 256 . 293 Seite . 321 Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden ist.. 321 295 Der andächtige Chrift betrachtet am Michaelsfeste den Schutz der heiligen Engel. 363 dankt Gott nach eingesammelter Ernte.. 309 Der andächtige Christ lobt Gott am Geburtstag Gebet bei anhaltender naffer Wit320 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten betet in Hungersnot betet in Pestzeiten. 378 lobt Gott nach erlangtem Frieden 382 Kommunion- Gebete 385 terung Gebet bei anhaltender Hitze u. Dürre Seite . 367 372 375 386 390 392 470 Register der Betrachtungen, Gebete und Gesänge. Andachten für Schwangere. Seite Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet Tägliche Betrachtungen einer ● Schwangeren Die Schwangere erwägt ihren Gott wohlgefälligen Stand.... 410 ● • . 402 Andacht bei herannahender Geburtsstunde ● ● Trost bei herannahender Geburt. Seufzer vor der Geburt Ein anderes Gebet.. 400 Andachten für Gebärende. Seite ● 405 ● 424 427 428 428 Die Kindbetterin dankt Gott für ihre glückliche 444 Entbindung.. verrichtet ihr Morgengebet.. 447 verrichtet ihr Abendgebet.. 450 trägt Gott im Gebet ihre Kinder vor. .: 451 Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt.. Die Schwangere dankt Gott für ihre Fruchtbarkeit 412 empfiehlt Gott sich und ihre Frucht erinnert sich der göttlichen VerAudachten für Kindbetterinnen. Seite 452 heißungen 417 freut sich über Gottes Allmacht 419 tröstet sich der göttlichen Hülfe. 422 .. 415 Seufzer während der Geburt.: Ein anderes Gebet.. Noch ein anderes Gebet Sprüche, Seufzer und Gebete, in Nöten zu sprechen.. ● Register der Gesänge. Seite Ach! daß sich doch Gottes Liebe. 65 Ach! geh nicht ins Gericht.. 105 Ach, Herr! stärfe meinen Glauben 49 Ach! komm doch in mein Herze. Ach, mein Gott! hilf mir doch Ach! wie lang soll ich noch kämpfen Ach! wo ist nun mein Gott 90 246 202 . 150 Die Ernt' ist nun geschehen ● ● Gebet frommer Eltern für ihre Kinder ● ● ● Seite Die Sechswöchnerin bereitet sich zu ihrem Aus- und Kirchengang 455 Die gottselige Mutter dankt Gott, wenn ihr Kind entwöhnt wird. 457 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare ● . 453 ● ● Seite 429 430 431 ● 431 ● Seite Seite 292 Aufgelöset bald zu werden. Das Pfingstfest freuet mich. 358 Demut ist die schönste Tugend 82 Der Engel güldnes Heer. 366 Der Fried' ist nun geschlossen.. 384 Der Sonntag ist des Herren Tag 20 459 371 5 Die Nacht ist nun vergangen. Dies ist der liebe Tag. Du hast, o großer Gott Du willst, o lieber Christ, der Welt Ein Gotteskind zu sein. Register der Gesänge. ● Es bricht der Sabbat an Es stirbt mein bester Freund. Geht dir's wohl nach deinem Leiden Gottes Liebe, Gnad' und Güte. Gott Lob! das neue Jahr bricht ein Gott! wir hören deine Stimme. Hat dir dein Gott ein Kreuz. Hat mich denn Gott gar verlassen Hier ist gut sein. Hier ist Immanuel ● · Ich armer Sünder komme wieder Ich bin getauft, ich steh' im Bunde Ich freue mich auf meinen Tod. Ich gebe mich in Gottes Willen. Ich glaub' an Gott, von dem wir Ich klage dir, o Gott. Ich lege mich in Jesu Wunden. ● ● 325 234 223 286 164 362 189 26 Ich liege hier vor dir 189 Ich scheue mich nicht vor dem Grabe 256 Ich trage mein Kreuz nicht alleine 249 280 Ich sterbe gern und sollte ich.. Ich will anjetzo mich zum Liebesmahle Ich will die neue Woch' Ich will jedermann verzeihen.. Ich will mich nach der Ruh' umsehen.. Ich will mit frohem Mut. Ich will, o großer Gott Ich will von der Welt ausgehen. Ich will, was Jesus will.. Jesus bleibet meine Freude Jesus fähret auf gen Himmel. Jesus lebt, des freu' ich mich. Ihr Toten, stehet auf. Ihr Waisen, weinet nicht Ihr Witwen, seid getroft In Gott bin ich immer fröhlich. ● . ● ● ● . ● Seite 17 389 123 57 214 23 340 ● ● ● ● ● ● ● 41 95 336 131 ● 229 156 278 231 32 269 199 289 126 109 211 73 354 350 266 181 177 77 Ist denn die Liebe gar. Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich. Ist mein Gewissen frei. 226 144 Kommt, laßt uns Christi Todestag 345 Krankheit, Leiden, Angst und ● ● ● ● Schmerzen 217 Lasset doch den weisen Gott. 220 Mein allergrößter Fleiß auf Erden 119 Mein Gott, ich habe noch das Leben Mein Gott, ich bin von Haus gegangen Mein Gott, ich bin in fremden Landen. Mein Gott, laß mich den Wunsch Mein Gott, verlaß mich nicht.. Mein Gott, verzieh doch nicht Mein Jesu, sei gepreiset . Mein Stündlein nahet sich herzu. Mein Vater, denk an mich Sieh, es ist Gottes Segen Soll ohn' die Heiligung 471 . ● Seite 70 . Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben. Mit der scharfen Teurungsruten. Nun, die Woche ist verflossen. Nun ist meine Seel' gespeiset.. O allerliebstes Seelenpfand O Jesu, meiner Seele Licht O welch ein Freudenfest Schauet doch das bittre Leiden. ● Sieh doch, wie mein Feind mich. Sieh, es ist alles mir ● ● Inter meinem Schmerz und Weinen Vater, gieb mir auch die Gabe. Vorüber ist die Not.. Wann kommt mein Jesus doch. Wann wird Gottes Stunde kommen Wann wird mich mein Gott erhören Was für Jammer, was für 274 140 141 112 205 167 116 271 36 153 377 102 241 237 114 328 341 86 98 370 53 196 60 137 173 161 170 Schrecken 374 Was große Angst und Herzeleid. 381 472 Register der Gesänge. Seite Was soll ich Sünder nun anfangen 106 Weicht, weichet nur von mir.. 191 Welche füße Himmelsfreude 283 Wer da will als ein frommer Chrift 252 Wer Gottes Wort anhört... 29 Wer in Kreuz und Trübsal stecket 243 ● Der Herr, der große Gott Die Nacht ist nun verschwunden Du hast, o großer Gott Gelobet sei der große Gott Gott hat mein Gebet erhöret. Gott wird mich nicht verlassen Register der Gesänge für Schwangere. Seite Ach, Herr! was willst du mir geben 465 Ach! hilf mir in dieser Stunde 426 458 449 455 446 457 419 ● ● ♥ Wer nicht wieder ist geboren Wie ist mein Herz erfreuet. Wie kann ich g'nugsam preisen Wie lieblich ist dein Wort. ● Ich danke dir, mein Gott. Ich erblick' die helle Sonne . 14 Wie sind wir doch gar nichts.. 208 Wohl dem, der Gott vertraut.. 159 ● ● ● ● Ich weiche nicht von Gott.. Ich will stets mit Gott umgehen. Mein Gott ist ja bei mir. Seite 45 Sieh, die Sonn' will von uns gehen Wie hat der große Gott doch mich Wir haben einen Gott, der hilft. 332 259 Seite 414 401 416 408 423 404 411 421 Nachwort zur Stereotyp- Ausgabe. Im Namen Jesu! Amen. Als die Eltern des Blindgebornen( Joh. 9, 21.), welchen der Heiland sehend gemacht hatte, von den Juden gefragt wurden, antworteten sie: ,, Er ist alt genug, lasset ihn selbft für sich reden." Das vorliegende Buch ist nun schon gegen hundert Jahre bei Vätern, Kindern und Kindeskindern, in vielen tausend Familien als ein lieber Hausfreund einheimisch und findet namentlich in jetziger Zeit alljährlich in erhöhtem Maße in tausenden von Haushaltungen dieselbe freundliche Aufnahme. Es bedarf daher weder einer Einführung noch sonstiger Lob- und Empfehlungsbriefe, obwohl diese StereotypAusgabe sich vor allen andern vorhandenen in jeder Beziehung aufs vorteilhafteste auszeichnet; es soll selbst für sich reden, es ist alt genug. Ich beabsichtige daher nicht, über dieses Buch noch etwas weiter zu sagen, sondern ich wende mich mit meiner Ansprache gerade an dich selbst, geliebter Leser. In der Hoffnung, daß es der treue Heiland an deinem Herzen segnen möge, wollen wir unter seinem Beistande erwägen: 1) Den Mißbrauch, sowie den rechten Gebrauch der Gebetbücher. 2) Was das wahre Gebet sei. 3) Wie und wodurch man dazu gelange. 1. Obgleich alle erleuchteten Menschen, auch diejenigen, welche gute Gebetbücher verfaßt, zu allen Zeiten bezeugten, daß das wahre - 474 Nachwort. Gebet eine ganz andere Übung sei, als ein Gebet aus dem Buche abzulesen: so hat sich doch bei vielen in der Christenheit der große Irrtum auf beklagenswerte Weise bis auf unsere Zeit fortgepflanzt, als ob das, leider oft gar gedankenlose Ablesen einer Gebetsformel in den Augen Gottes für erhörliches Gebet gelten könne! Manche würden sich an dem lieben Gott recht ärgern, wenn er ihnen das geben wollte, was gerade in dem Gebet begehrt wird, welches sie aus dem Buche abgelesen haben. Wie verblüfft würde sich z. B. der Jüngling oder die Jungfrau stellen, wenn ihnen ein Hindernis in den Weg träte, daß sie am Sonntagabend einen Vergnügungsort nicht besuchen könnten, obgleich sie am Morgen desselben Tages aus ihrem Gebetbuch gebetet, Gott wolle sie vor Gesellschaften bewahren, welche ihrem Seelenheil gefährlich sein könnten. Wenn der Raum es gestattete, könnte ich viele Beispiele aus dem Leben anführen, wie so gar viele Menschen jeden Standes und Alters, die doch die Gebetbücher fleißig und regelmäßig gebrauchen und sonst gar gottesdienstlich sind, so ihre Schoßz- und Lieblingssünden haben, die sie gerne beibehalten möchten und es ihnen gar leid thun würde, wenn Der der liebe Gott Ernst machen wollte, sie davon zu befreien. abgöttische Mißbrauch, welcher von vielen ihr ganzes Leben hindurch mit den Gebetbüchern getrieben wird, ist wohl das Gefährlichste, was dem Menschen begegnen kann. Bei dem bloßen Gebrauche des Gebetbuches, ohne wahres Herzensgebet, hat man zwar das Wort der Wahrheit im Kopf und Mund, aber nicht die Wahrheit des Wortes im Herzen lebend. Was das Wort Gottes Bekehrung und Wiedergeburt nennt, weiß man mehr aus Büchern als aus Erfahrung, und glaubt den Schatz schon gefunden zu haben, wenn man sich nur alle die teuern Verheißungen zueignet, welche Gott seinen wahren Kindern in seinem Wort gegeben hat. Weil man sich fortwährend im Lesen, Beten und Singen übt und sich von groben Lastern enthält, so merkt man nicht einmal, daß das vermeintliche Wachstum und Fortgang im geistigen Leben ein Stillstehen, wo nicht gar ein Zurückgehen ist. Auf diesem Wege hält man sich bei der Schale auf und kommt nie zum Kern des wahren Christentums; man erlangt keine Kraft, durch den Geist die Lüfte des Fleisches zu töten; alle - Nachwort. 475 Untugenden bleiben in ungebrochener Kraft bestehen, und ob man auch zuweilen dagegen kämpft, so überwindet man doch nicht und macht endlich Friede mit der Sünde, gegen welche man doch bis aufs Blut kämpfen sollte. Darum gelangt man zu keiner wahren Gemeinschaft mit Gott in Christo, zu feiner Seelenruhe und beständigem Frieden; man hat keine sichere Aussicht, mit Abraham, Isaak und Jakob im Reiche Gottes zu Tische zu sitzen, und wird sich einst in der wichtigsten Angelegenheit betrogen finden und dies sich selbst zuzuschreiben haben, weil man das gedankenlose Ablesen von Gebeten aus Büchern für wirkliches Gebet hielt, was es doch nie war, nie sein konnte und nie sein wird. Darum, geliebter Leser, prüfe dich beizeiten, ehe es zu spät ist, und bedenke, daß gute Ge= betbücher dir zwar Anleitung zum Gebet geben können, aber bei dem Gebrauch derselben darfst du nicht stehen bleiben. Wenn du des vollen Segens teilhaftig werden willst, mußt du dich befleißigen, dein Herz vor Gott auszuschütten, wie dort Hanna, 1 Sam. 2, 18. Der Verfasser eines der besten Gebetbücher nennt sein Gebetbuch eine Krücke, welcher sich vernünftigerweise nur Lahme bedienen müßten. Für Christen, glaubt er, sollte es so unnötig sein, als ein Briefsteller für ein Kind, welches seinen geliebten Eltern schreiben will.. Ein anderer, der die Gebetbücher weder verwerfen noch verwehren will, weil der rechte Beter auch damit umzugehen wisse, vergleicht sie dennoch mit den Rechenbüchern, in denen man alles ohne Mühe gleich finden könne, ohne die Rechnung selbst zu machen oder zu verstehen. Alle rechten Beter sind darüber einig, daß es schädlicher Mißbrauch sei, wenn man aus dem Gebetbuch wirklich ohne weiteres zu beten meint, und daß nur der sie recht gebrauche, der darin Anleitung sucht, um recht beten zu lernen. —— 2. Was ist nun aber das wahre Gebet? Das wahre Herzensgebet ist nicht ein Lesen aus dem Buche, sondern es ist ein Nahen zu Gott, ein Reden mit Jesu und durch ihn zum Vater über alles, was uns bewegt. Es ist die Lebensluft, das Atmen des inwendigen Menschen, ein- Dürsten nach Gott, ein Reden von und aus dem Herzen zu Gott, ein Wallen des Herzens zu Gott 476 Nachwort. hin. Das heilige Gebet ist ein unaussprechliches, merke dir, ein unaussprechliches Seufzen des Geistes; ja oft ein Hoffen und Stillesein zu Gott( Psalm 62, 2.), weil man kein Worte mehr finden kann und das Herz, der Geist, vor Gott mehr sagt, als die Zunge aussprechen kann. Wenn du vor Gott stille bist, alsdann redet Gott zu dir, und ein Wort, das Gott zu dir redet, ist besser, als tausend Worte, die du zu ihm redest. Der Geist darf nicht von der Form gebunden werden, sondern er muß sich die Form selbst schaffen. Es ist das Gebet ein ganz eigenes Wort, eine ganz eigene Kraft, ein ganz eigenes Licht und Feuer, und kann durch gar nichts ersetzt werden. Gebete find keine Betrachtungen, sondern ihrem Kern nach rein musikalisch, was namentlich Stark erkannt und gefühlt hat. So stellen es alle Beter, am besten aber David in seinen Psalmen dar. Kein Beter kann sich aber solche musikalische Gefühle und Töne von andern borgen, sondern sie müssen aus dem eigenen Herzen kommen, wenn sie als ein angenehmes Rauchopfer zu dem Thron der Gnade aufsteigen und wieder mit Segen auf ihn herabkommen sollen. Dieses Feuer darf aber nur vom Altar des Herrn genommen werden, d. h. der heilige Geist muß es in dir angezündet haben. Darum hüte dich, daß du nicht fremdes Feuer vor den Herrn bringst und davon verzehrt werdest, wie einst den Söhnen Aarons geschah ( 3 Moje 10, 1. 2.), sondern laß dir dies Beispiel des Ernstes Gottes zur Warnung dienen. 3. Aber wie und wodurch gelange ich zum wahren Geistes- und Herzensgebet? Sobald du redlich über deinen Seelenzustand nachzudenken anfängst und es dir mit dem Seligwerden ein rechter Ernst wird, ist auch schon der Anfang mit dem Herzensgebet gemacht. Dein Gebetbuch wie jedes andere gute Erbauungsbuch und alles, was dich bisher auf so unbegreifliche Weise in deinem pharisäischen und selbstgerechten Sinn bestärkte, wird dir fortan im Gebet und Umgang mit Gott förderlich sein; auch dein irdischer Beruf, namentlich aber das Lesen des Wortes Gottes wird das Wesentlichste dazu beitragen. Wenn du dein Gebetbuch zur Hand nimmst und deine Gebete von nun an mit Nachwort. 477 Nachdenken liefest, so wird dich jedes Blatt überzeugen, daß du ein untreuer Knecht gewesen und dich selbst mit deinen Morgen-, Abend-, Tisch- und sonstigen Gebeten schwer an deinem Herrn und Gott verfündiget hast. Es wird dir klar werden, wie dein Herz bis dahin nicht mit dem Geist der Gebete, welche du auch noch so pünktlich und regelmäßig hergesagt und abgelesen, übereinstimmte. Du wirst erkennen, daß du das Gebet, welches der Herr uns selbst gelehrt, nicht nach seinem Sinn gebetet. Du hast gebetet:„ Unser Vater in dem Himmel," aber gehandelt, als ob kein Gott im Himmel wäre; " Dein Name werde geheiligt," aber mit all deinem Denken, Reden, Sehen, Hören und Thun ist es dir nie um die Heiligung des Namens Gottes zu thun gewesen.- Auch um das kommen des Reiches Gottes, um Erfüllung seines Willens, um Vergebung deiner Schulden, um Führung aus der Versuchung und Erlösung vom Übel hast du gebetet, aber es ist dir darum nicht in Wahrheit zu thun gewesen: sondern haft mehr an dich, als an das Reich Gottes gedacht; mehr deinen als Gottes Willen zu erfüllen dich beflissen; bist den Versuchungen nachgelaufen, statt sie zu fliehen, und um die Erlösung von der Sünde, als von dem größten Übel, ist es dir gar nicht zu thun gewesen, du haft sie im Gegenteil genährt und gepflegt u. s. w. Solche Versehen, Versäumnisse und Vergehen, die man sich so vielfach zu Schulden kommen läßt, könnte ich dir noch zu tausenden aufzählen; aber sie werden dir alle von selbst einfallen; dein ganzes früheres Leben wird wider dich zeugen; jedes Gebet in deinem Buche wird dir ein neues Schuldenregister vorhalten, und mit Schrecken wirst du in dir jenen Knecht erkennen, welcher zehntausend Pfund schuldet und mit welchem sein Herr nun in aller Strenge zu rechnen angefangen hat. Du wirst deine große Geistesarmut zu fühlen beginnen. überzeugt, daß du nicht bezahlen und auf tausend nicht eins antworten kannst, wirst du in bangem Schrecken in deinem Gebetbuche solche Gebete aufsuchen, um welche du dich früher nie bekümmert hatteft, z. B. Gebet eines wegen seiner Sünden bekümmerten Herzens; um aufrichtige Reue; um wahre Bekehrung; Vergebung der Sünden; um den heiligen Geist; um zu Gott;- um Abscheu gegen die Sünde; um Liebe um Herzensdemut; — - - - 478 Nachwort. in schweren Anfechtungen; in Versuchungen, Zweifel u. s. w.- Aber es wird dir alles nicht genügen; du wirst das Buch schließen und aus der Tiefe deines Herzens mit dem Zöllner rufen:, Gott, sei mir armen Sünder gnädig; Herr, gehe nicht ins Gericht mit mir; Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!" 2c. Dein großes Sündenelend und die Angst deines Herzens wird dich auf Golgatha zum Kreuz deines Erlösers hinziehen; hier wirst du in der Marter und Qual deines Heilandes erkennen und im Geiste empfinden, wie sehr Gott die Sünde verabscheut und wie schrecklich er sie straft. Du wirst aufs neue in der Angst deines Herzens rufen:, Herr Jesu, erbarme dich meiner um deines vergossenen Blutes willen; sei gnädig meiner Missethat, gehe nicht ins Gericht mit mir, sondern wenn du in dein Reich kommst, gedenke meiner; denn ich will ja nichts als Schächers Los und Zöllners Recht, und fehlt mir dies, so steht es schlecht. 11 11 Dein Verlangen, das jetzt eben so aufrichtig ist, als das jenes Schächers, wird auch denselben Erfolg haben; du wirst im Geiste auch die Stimme des Herrn vernehmen: Noch heute wirst du bei mir im Paradiese sein," wirst deine Augen aufheben zu dem, der für dich blutet und stirbt. Und wie dich deine Sünden noch vor kurzem auf dem Herzen brannten, so wird nun die Liebe Gottes dein Herz entzünden. Der heilige Geist wird dir nun bezeugen, daß du ein Kind Gottes seiest. Du wirst das Wort des Herrn: Mich dürftet" verstehen und merken, daß jener Durst deiner armen Seele galt. Deine Seele wird hinwider auch nach ihm dürften, und du wirst mit dem Psalmisten rufen: ,, Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, o Gott, nach dir." Du wirst hinfort weder nach Himmel noch Erde etwas fragen wollen, sondern sprechen: ,, Herr, wenn ich nur dich habe 2c.!" Der Herr wird dich nun auch zu der innern Ruhe bringen, die er seinem Volke verheißen hat. Du wirst anfangen, dich zu wundern über die Macht der Gnade, die nun in deinem Herzen wirksam ist, und würdest es kaum glauben können, wenn es die Freundlichkeit des Herrn dir nicht so deutlich und be= stimmt durch den heiligen Geist bezeugte, der ja nicht lügen kann — Nachwort. 479 Da du nun gewiß bist, daß du mit Gott, deinem Vater, durch den Tod seines Sohnes versöhnt bist, so wird hinfort nur der eine Wunsch dein Herz bewegen, dem zu leben, welcher für dich in Not und Tod ging und die Strafe auf sich nahm, die dich von Ewigkeit zu Ewigkeit hätten treffen müssen, wenn er dich nicht davon ausgelöst hätte. Seinem Ebenbilde täglich ähnlicher und in ihm erfunden zu werden, wird nun dein einziges, unverrücktes Ziel sein und bleiben, so lange du hienieden pilgerst. Noch tausend Dinge, die du früher nicht kanntest und wovon du keine Ahnung hattest, wirst du nun im Umgange mit deinem Heilande erfahren, und wenn du treu bleibst, bald davon zeugen können, daß hier mehr gegeben wird, mehr genossen werden kann, als alle Bücher, die darüber geschrieben wurden, davon sagen können. Du wirst, wie einst die Königin vom Mittag( 1 Könige 10, 7.), verwundert bekennen, daß dir nicht die Hälfte gesagt wurde von all dem Guten, das der Herr hat und giebt.( 1 Kor. 2, 9.) Du wirst nicht allein wie jene Samariter( Joh. 4, 42.) ausrufen: Wir glauben nun nicht mehr um deiner Rede willen; wir haben selbst gesehen und erkannt;" sondern du wirst auch mit David andern zurufen und sprechen: ,, Kommt, sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist." Auf diesem Punkte angelangt, hat dein Gebetbuch seinen Zweck an dir erreicht; es hat dir dazu gedient, dich beten zu lehren. Du wirst es aber darum jetzt nicht verachten, sondern statt wie du früher es zur Hand nahmst, um eine knechtische Pflicht zu erfüllen, wirst du es jetzt mit Liebe ergreifen und dich mit kindlichem Dank gegen den Herrn freuen, manches darin niedergelegt zu finden, was nun der Geist von oben dich unmittelbar lehrt. Du wirst jetzt selbst er= fahren, daß ein rechter Beter auch mit dem Buche gehörig umzugehen weiß, und mit Woltersdorf( Evangel. Psalmen No. 145) freudig dankend einstimmen: H Wenn mich das Buch gelehret, Wie man zum Herrn sich kehret, So wird mein Herz zu Buche, Daß ich ihn selber suche. Erinnert mich, ihr Blätter, An mich und meinen Retter! Entzündet mein Verlangen, Die Gabe zu empfangen! Nur sollt ihr mich im Beten Nicht binden noch vertreten, 480 Nachwort. Alsdann geht auf die Seite, Daß ich mich selbst ausbreite. Wenn ich nun mit ihm spreche, Sag' ich, was mir gebreche, Was meine Seele kränke, So wie ich fühl und denke. So steht's in keinem Buche, Und eh' ich's da erst suche, Gießt sich mein Herz schon über; Das ist dem Vater lieber." Auf die Frage, ob denn jeder, welcher recht beten lernen will, ganz in der angegebenen Weise sich vom geistigen Tode zu einem wahren Leben durchdringen müsse? antworte ich: Die Erfahrungen, von welchen hier die Rede ist, mußt du allerdings auch an deinem Herzen machen; und so lange du davon nichts weißt, bist du noch tot in deinen Sünden und haft keinen Anteil an der Gerechtigkeit, welche Chriftus am Kreuze den Sündern erworben hat, und die allein vor Gott gilt. Daß sich aber der Geift an keine Form bindet, sondern sich dieselbe selbst schafft, ist bereits oben erwähnt. Gott führt die Seinen wunderlich, und zwar jeden so, daß, wenn er nicht mutwillig widerstrebt, er auf dem nächsten Wege zum Ziele kommen fann. Sei getreu und folge seinem Zuge, so wird er auch dich selig führen und erretten, und du wirst ihn preisen. Amen. Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, wolle aufs neue das vorliegende Buch mit seinem reichen Segen begleiten, und diesen Segen auch dir, lieber Leser, zu gut kommen lassen. Und somit empfehle ich dich seiner erbarmenden Liebe und dem Worte seiner Gnade. Theophilus. Drud von E. Buchbinder in Neu- Ruppin. Inches Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 5 6 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8