3 Alle min Birt a 88 92 of 98 3688 1618024 Alle soit Goill Evangelisches Gebetbuch für alle Morgen und Abande der Woche in vierfacher Abwechslung, für die Fest- und Feiertage, für sights and Communión, fowie für besondere Bilen hmo Lugen, Seber, Mulcald, Saberwag, rubi, Gcer, Lajeniud, Spener, Reumann, Henold, Frante, Gameld, Cinct, Terlergta,-Sterr. Root sp sielen anders Gatiesmännern. Fünfschule, AuSINGE Alles mit Goff! Evangelisches Gebetbuch für alle Morgen und Abende der. Woche in vierfacher Abwechslung, für die Fest- und Feiertage, für Beichte und Communion, sowie für besondere Beiten und Lagen. von Luther, Musculus, Habermann, Arndt, Scriver, Lassenius, Spener, Neumann, Arnold, Franke, Schmold, Stark, Tersteegen, Storr, Roos und vielen andern Gottesmännern. Mit einem Stahlstiche. fünfzehnte Auflage. Stuttgart. Verlag von W. Kizinger ( früher: Verlags, Magazin). 1866. GB 3688 Univ.- Bibl. Giessen 2 Sing Inhalts- Berzeichniß. Seite: Bitte um die Gabe des Gebetes. Arndt. 1 Tägliches Gebet. Luther 3 Morgen- und Abendgebete für alle Tage der Woche. Erste Woche. Morgengebet am Sonntag. Lassenius Abendgebet am Sonntag. Arnold Morgengebet am Montag. Start Quirsfeld Abendgebet am Montag. Morgengebet am Dienstag. Arndt Abendgebet am Dienstag. Derselbe. Frande Morgengebet am Mittwoch. Abendgebet am Mittwoch. Derselbe Embden Morgengebet am Donnerstag. Abendgebet am Donnerstag. Roos Morgengebet am Freitag. Sch moit. Abendgebet am Freitag. Augustinus Morgengebet am Sonnabend. Kapff. Abendgebet am Sonnabend. Heym ● 8 9 11 12 15 17 . 19 . 21 22 . 24 . 27 . 28 31 . . 35 38 40 Zweite Woche. Morgengebet am Sonntag. Schmolk Abendgebet am Sonntag. Lösch. Morgengebet am Montag. Ullmann Abendgebet am Montag. Musculus Morgengebet am Dienstag. Stölzlin Abendgebet am Dienstag. Bail Morgengebet am Mittwoch. Abendgebet am Mittwoch. Derselbe 42 44 44 Scriver 46 48 50 Morgengebet am Donnerstag. Habermann Abendgebet am Donnerstag. Habermann. 51 IV Seite. 53 56 Morgengebet am Freitag. Hey m Abendgebet am Freitag. Steiger Morgengebet am Sonnabend. Rosenmüller 59 Abendgebet am Sonnabend. Storr 61 Dritte Woche. 63 66 68 70 Morgengebet am Sonntag. Sturm Abendgebet am Sonntag. Stark-. Morgengebet am Montag. Baur Abendgebet am Montag. Theremin Morgengebet am Dienstag. Bafilius Abendgebet am Dienstag. Savonarola Morgengebet am Mittwoch. Alcuin Abendgebet am Mittwoch. Derselbe Morgengebet am Donnerstag. Gerson 71 72 73 . 74 74 75 Abendgebet am Donnerstag. Kempis Morgengebet am Freitag. Rheinhard.. 76 Abendgebet am Freitag. 3ollikofer .. 79 81 Morgengebet am Sonnabend. Neumann Abendgebet am Sonnabend. Roos 84 Vierte Woche. Spitta Gebauer Morgens am Sonntag. Lavater Abends am Sonntag. Neumann Morgens am Montag. Schmolk Abends am Montag. Morgens am Dienstag. Abends am Dienstag. Hersel Morgens am Mittwoch. Knat Abends am Mittwoch. Neander Morgens am Donnerstag. Buchner Abends am Donnerstag. Nebel Morgens am Freitag. Derselbe Abends am Freitag. Knat Morgens am Sonnabend. Lavater . . . . .85 86 . 88 89 90 91 92 93 93 95 95 96 98 V Seite: Abends am Sonnabend. A. d. Engl. v. Knapp 99 Morgen- und Abendgebete für die Festund Feiertage. Kapff.. 100 Start . 102 105 Morgengebet am Advenifest. Abendgebet am Adventfest. Am heiligen Christabend. Wagner Morgengebet am ersten Weihnachtstage. Arnold 106 Abendgebet am ersten Weihnachtstage. Derselbe 108 Morgengebet am zweiten Weihnachtstage. Ka pff 110 Abendgebet am zweiten Weihnachtstage Morgengebet am dritten Weihnachtstage, dem Johannistage. Kapff 111 . 114 115 118 Abendgebet am dritten Weihnachtstag. Scriver Gebet am Jahresschluß. Stark . Morgengebet am Neujahrstage. Lösch. 120 Abendgebet am Neujahrstage 123 125 Abendgebet am Erscheinungsfeste. 128 130 Morgengebet an Fastnacht. Kapff Abendgebet an Fastnacht. Lösch 132 Gebet am Aschermittwoch. Lavater 134 140 Morgengebet am Palmsonntag. Storr. 138 Abendgebet am Palmsonntag. Harms. Morgengebet in der Charwoche. Lassenius 142 Abendgebet in der Charwoche. Tersteegen 144 Morgengebet am Gründonnerstag. Quirsfeld 149 Abendgebet am Gründonnerstag. Arnold 150 Morgengebet am Charfreitag. Moller Abendgebet am Charfreitag. Sailer Gebet am Schluß der Charwoche. Storr. Morgengebet am Ostersonntag. Rheinhard Abendgebet am Ostersonntag. Tersteegen Morgengebet am Ostermontag. Arnold. Abendgebet am Oftermontag. Lösch Morgengebet am Himmelfahrtsfest. Tersteegen 168 . Morgengebet am Erscheinungsfeste. Storr Sailer ● ● 152 155 157 158 161 163 166 VI Seite: Abendgebet am Himmelfahrtsfeste Tersteegen. 170 Morgengebet am Pfingstsonntag. Rheinhard 173 Abendgebet am Pfingstsonntag. Anselm. 175 Morgengebet am Pfingstmontag. Stark. 177 Abendgebet am Pfingstmontag. Scriver. 179 Morgengebet am Trinitatisfest. Arndt. 181 Abendgebet am Trinitatisfest. Spitta.. 185 Morgengebet am Tage Mariä Reinigung. Quirsfeld. 186 Abendgebet am Tage Mar. Reinigung. Schlegel 187 Morgengebet an Mariä Verkündig. Schwarz 188 Abendgebet an Mariä Verkündigung. Sailer 190 Morgengebet am Tage Joh. d. Täufers. Scriver 190 Abendgebet an demselben Tage. Arnold. 193 Morgengebet am Bußtage. Dräseke.. 194 Abendgebet am Bustage. Theremin 196 Morgengebet an einem Aposteltage. Kapff 199 Abendgebet an einem Aposteltage. Roos. 201 Morgengebet am Reformationsfeste. Ruß wurm 202 Abendgebet am Reformationsfeste. Spener 205 Gebet am Kirchweihfeste. Burk. . 206 208 Gebet am Schlusse des Kirchenjahrs. Ries Beicht- und Communion- Gebete. Bußgebete: 1. Augustinus 2. Musculus 3. Ritter. 4. Pardey Prüfung des Herzens vor Gott. Lavater Morgengebet am Beichttage. Staiger. Kürzeres Morgengebet am Beichttage. Arnold Gebet vor der Beichte. Rost Gebet für die z. Erstenmal Beichtenden. Geiser Gebet nach der Beichte. Habermann.. Gebet für die erste Beichte. Geiser Abendgebet am Beichttage. Arnold 211 212 213 216 220 223 226 227 229 230 231. 232 VII Morgengevete am Communiontage: 1. John. 2. Scheibel Morgengebet für die, welche das Erstemal zum Tisch des Herrn gehen. Krüger. Gebete vor der Abendmahlsfeier: 1. Neumann 2.. Beim Hingehen zum Altare Beim Empfange des Leibes Christi. Beim Empfange des Blutes Christi. Rosenmüller Beim Erwachen am Morgen. Beim Aufstehen Beim Weggehen vom Altare. Gebet nach der Abendmahlsfeier. Scheibel. Abendgebet am Communiontag. John. Abendgebet am Tage der ersten Abendmahlsfeier. Bail. Gebete für besondere Beiten und Lagen. Während des Waschens Beim Ankleiden Seite: 233 235 ● 237 238 240 241 242 242 242 243 244 248 248 249 249 Tischgebete. 249 Beim Stundenschlag 251 Beim Geläute der Abendglocke. Hermann. 252 Wenn man bei Nacht erwacht. Sailer. 253 Segen. Derselbe. Fürbitte eines Kindes für seine Eltern. Derselbe. Gebet eines Schulkindes. Krüger. 245 Morgengebet für Kinder. Burk. 253 Kürzeres Morgengebet für Kinder. Derselbe.. 254 Abendgebet für Kinder. Derselbe. 255 Kürzeres Abendgebet für Kinder. Derselbe.. 257 Bitte eines Kindes um geistigen und leiblichen 257 259 260 Gebet für Waisen. Derselbe. 261 263 Morgengebet am Confirmationstage. Scheibel. Entschließungen am Tage d.Confirmation. John 265 Abendgebet am Confirmationstage. Kapff. 273 VIII Gebet des Vaters oder der Mutter am Confirmationstage eines Kindes. Flatt.. Gebet eines Jünglings oder einer Jungfrau. Gebet bei der Verlobung. Kapff. Gebet für Verlobte. Flatt. ● ● ● Morgengebet am Trauungstage. Glaß. Gebet am jährlichen Gedächtnißtage der ehelichen Verbindung. Ries ● ● Gebet christlicher Eheleute. Arndt Gebet für Eheleute, die sich Kinder wünschen. Krüger Dankgebet einer Schwangeren Morgengebet einer Schwangeren Abendgebet einer Schwangeren. Kapff Gebet in der Stunde der Entbindung. Lassenius Fürbitte bei anhaltenden Kindesnöthen Dankgebet nach einer glücklichen Entbindung. Dankgebet der Mutter für eine glückliche Entbindung. Lassenius • Seite: Dankgebet des Vaters. Krüger Gebet der Eltern vor der Taufe eines Kindes Gebet nach der Taufe eines Kindes. Kapff. Gebet einer Wöchnerin am Tauftage ihres Kindes. Flatt Gebet einer Wöchnerin beim ersten Kirchgange. Kapff. Gebet der Eltern für ihre Kinder Gebet der Eltern für das Wohl ihrer Kinder Gebet einer Wittwe, die Kinder hat. Patrit. Gebet einer finderlosen Wittwe. Krüger. Gebet im Alter. Lavater. 274 277 278 281 283 286 289 291 292 294 296 297 299 300 301 303 304 306 307 308 310 312 314 316 317 320 322 324 Morgengebet am Geburtstage. Conrad Abendgebet am Geburtstage. Lösch Gebet am Namenstag. Lavater Reise- Gebete. Gebet beim Antritt einer Reise. Habermann 326 IX Morgengebet auf der Reise. Ries Abendgebet auf der Reise. Dankgebet nach glücklich vollbrachter Reise. Ne uDerselbe mann. Gebete für die Jahreszeiten. Morgengebet im Frühling. Flatt Abendgebet im Frühling. Derselbe Gebet für die Früchte des Feldes. Habermann Gebet im Sommer. ● Gebet nach einer spärlichen Ernte Gebet nach Mißwachs und Hagelschlag Gebet im Herbst. Flatt Gebet im Winter ● ● Gebet um fruchtbare Witterung. Patrik Gebet bei anhaltender Nässe. Arnold. Gebet bei anhaltender Dürre. Patrik Patrik.. 341 Gebet bei einem Gewitter. Arndt 340 342 ● Gebet nach dem Gewitter. Habermann 343 Gebet nach einem verderblichen Hagelwetter. 344 Gebet beim Beginne der Ernte. Kapff. 346 Gebet nach einer reichlichen Ernte 347 348 350 351 353 ● Seite: 327 328 ● 329 330 333 336 337 340 Gebete in Leiden, Trübsalen und Nöthen. Gebet für Leidende. Gerson Gebet in Leiden und Trübfal. 3ollitofer. Gebet um Geduld im Kreuz. Lassenius Gebete für Kranke und Sterbende. Tägliches Vorbereitungsgebet auf den Tod: 1. Schmolke. 2. Rosenmüller ● Gebet in allgemeinen Nöthen. Arnold.. 359 Gebet in Kriegsnoth 362 356 356 358 364 365 366 368 370 Tägliches Gebet eines Kranten: 1. Start. 2. Burckhard Gebet um Wiederherstellung der Gesundheit Morgengebete für Kranke: 1. Arnold.. 371 X Morgengebete für Kranke: 2. Demme Abendgebete für Kranke: 1. Arnold. 2. Kapff Fürbitte für einen Kranken. Dem me Gebet der Eltern bei gefährlicher Krankheit eines Kindes. Flatt. Fürbitte für einen kranken Ehegatten. Nies. Dankgebet nach wieder erlangter Gesundheit: 1. Rosenmüller 2. Start Gewissensprüfung auf d. Krankenbette. Arnold Gebet des Kranken vor der Communion... Gebet nach der Communion Gebet u. Abschiedsworte eines Sterbenden. Starf Ein anderes Gebet eines Sterbenden. Luther. Fürbitte für einen Sterbenden Gebete und Seufzer, einem Sterbenden vorzusprechen. Stark und Arnold Gebet der Umstehenden nach erfolgter Auflösung: 1. Stark. 2. Rosenmüller Das Vater unser. 1. Savonarola Vater unser in dem Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Vergieb uns unsere Schuld Führe uns nicht in Versuchung Erlöse uns von dem Uebel Durch Jesum Christum, unsern Herrn Amen Seite: 372 2. Mahlmann. 3. Witschel 375 376 377 379 380 382 384 387 390 391 393 395 395 396 400 400 404 Dein Reich komme 405 ● Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel 406 Gib uns heute unser täglich Brod 407 409 410 411 411 412 412 414 398 399 Bitte um die Gabe des Gebetes. Gnädiger, liebreicher Vater! Du hast mir befohlen, zu beten, und Dein lieber Sohn hat es mich gelehrt; Dein heiliger Geist erinnert mich oft in meinem Herzen des Gebetes. Ich weiß, daß alle vollkommenen Gaben von Dir, Vater des Lichtes, kommen müssen, und daß kein wahres beständiges Gut, keine Hülfe, und kein wahrer Trost ohne Gebet erlangt werden können. Dennoch bin ich so lässig und träge zum Gebet, und rechne mehr auf meine Arbeit und Klugheit, als auf Deine Hülfe und Gnade. Ach, vergieb mir diese Sicherheit, Thorheit und Verachtung Deiner hohen Verheißung. Wende von mir die Strafe, womit Du den Verächtern Deiner Gnade drohest, und gieb mir den Geist der Gnade und des Gebetes. Laß mich Deine tröstliche Verheißung bedenken: daß selig werden soll, wer Deinen Namen anrufet; daß Du antworten willst, wenn wir zu Dir reden; daß Du nahe bist denen, die Dich anrufen. Alles mit Gott! 1 2 Entzünde mein Herz mit inniger und brünstiger Andacht, damit mein Gebet Dir angenehm sey und gehe nicht an mir vorüber. Erfreue mein Gemüth mit dem Lichte Deiner Gnade, und reinige meine Lippen, durch das himmlische Feuer Deines Geistes. Erhöre mein Gebet und laß es Dir wohlgefallen, wenn ich meine Hände zu Dir aufhebe! Erwecke in mir einen heiligen Durst nach Deiner Gnade, und laß mich Deine Herrlichkeit im Glauben sehen, wenn mein eigenes Elend mich niederbeugt und meine Augen mit Thränen füllet. Ach Herr, der Du die Herzen kennest und prüfest, Du weißt, wie unbeständig menschliche Gemüther sind, viel beweglicher als die Welle von dem Winde. Befestige selbst meine Seele, und nimm von mir den zerstreuten Sinn, daß ich nicht durch mancherlei Gedanken hin und her beweget werde. Regiere Du das Schifflein meines Herzens mit dem Hauche Deines Geistes, und bezwinge den Sturm, daß es ruhig in mir werde, um Dich ohne Hindernisse anzuschauen und in himmlischer Stille mit Dir vereinigt zu bleiben. Führe mich in die Einsamkeit, wo ich die Welt vergesse und Du Dich mir offenbareſt. Erneue Herz, Sinn und Gemüth, und entferne durch Deine Gnade Alles, was die Liebe zu Dir hindert, jegliche Neigung des sündlichen Willens und des Unglaubens. Laß mein Gemüth eine Wohnung Deines heiligen Geistes seyn, daß ich Dich anrufe, Dich lobe und Dir danke, und 3 ein Zeugniß meiner Kindschaft empfange. Erfülle mich mit Liebe, Trost und Stärke; gieb mir den Frieden, der von Dir kommt; die Andacht, die Dich überall sucht und findet; und die Freude, die nie von mir kann genommen werden. Laß mich mit Dir, mein Vater, und mit Deinem Sohne, als meinem Herrn und Haupte, durch die Wirkung Deines Geistes immer mehr vereiniget werden, und mache mich zu einem lebendigen Gliede der Gemeinde im Himmel und auf Erden, die Deinen Willen thut und Dich mit gläubiger Zuversicht der Erhörung im Namen Jesu Christi anrufet. Amen. Johann Arndt. Tägliches Gebet. Lieber himmlischer Vater, ich erkenne es allewege und Du siehest auch und weißest es, daß ich allenthalben, wo ich gehe und stehe, inwendig und auswendig, mit Leib und Seele in das höllische Feuer hinein gehöre. Das weißest Du auch, o Vater, daß meinethalben nichts Gutes in mir ist, nicht ein Haar auf meinem Haupte, es gehöret doch Alles in den Abgrund der Hölle zu dem leidigen Teufel. Was soll ich viel Worte davon machen? Aber lieber Vater, ich bitte wieder allewege, ich sei meinethalben was ich wolle, so bitte ich dennoch und will es von Dir auch gebeten haben alle Tage, daß Du Dein 4 Aufsehen und Aufmerken nicht haben wollest auf mich, und wollest Deine Augen nicht kehren und wenden auf mich, als auf einen solchen Sünder wie ich bin. O es ist sonst mit mir verloren und verdorben und wenn hundert tausend Welten auf meiner Seite wären; sondern das bitte ich Dich, Du wollest Dein Aufsehen und Aufmerken also auf mich haben, daß Du wolleft Deine Augen kehren, wenden und richten auf das Angesicht Deines liebsten Sohnes Jesu Christi, Deines Gesalbten, meines Mittlers, Hohenpriesters und Fürsprechers, meines Heilandes, Erlösers und Seligmachers, und wollest mir um seinetwillen, ich bitte Dich, lieber Vater, gnädig und barmherzig sein, und wollest mir um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen verleihen ein seliges Ende und eine fröhliche Auferstehung, und mir hier und dort helfen am Leib und an der Seele. Und um seines rosenfarbenen Blutes willen, das er so mildiglich am Stamme des Kreuzes zur Verzeihung und Vergebung meiner Sünden vergossen hat, bitte ich, lieber himmlischer Vater, daß Du dasselbige Blut Jesu Christi, Deines lieben Sohnes, an mir armen Kreatur, meiner mannigfaltigen Sünden halber, die da nicht auszusprechen, noch auszurechnen sind, nach Deiner Gerechtigkeit nicht wollest lassen verloren seyn, sondern wollest es nach Deiner grundlosen Barmherzigkeit den Nußen und die Frucht lassen schaffen und ausrichten, dazu es von Dir in Ewigkeit verordnet und von Deinem lieben 5 Sohn Jesu am Kreuze auch vergossen ist; als nämlich, daß Du nur es wollest gereichen und kommen lassen zur Vergebung meiner Sünden, auf daß welche Stunde und welchen Augenblick bei Nacht oder bei Tag Du kommest und anklopfest und meinen Geist, welchen Du mir zuerst hast eingeblasen, wiederum hinwegfordern wollest, so bitte ich Dich allewege, lieber Vater, daß Du Dir denselben meinen Geist und meine Scele wollest ja lassen befohlen seyn in Deine Hände. Amen. D. Martin Luther. Morgen- und Abendgebete für alle Tage der Woche. Erste Woche. Morgengebet am Sonntag. Ewiger, allmächtiger Gott! ich danke Dir von ganzem Herzen, daß Du mich bewahret und beim Leben erhalten hast, bis dieser Tag herbeigekommen ist. Meine Augen sehnen sich, Herr! nach Deinem Heil und nach dem Worte Deiner Gerechtigkeit. Ich freue mich, daß mir geredet ist, daß wir heute werden in das Haus des Herrn gehen, zu schauen die schönen Gottes 6 dienste des Herrn und anzubeten den Herrn im heiligen Schmucke. Ach Herr! hilf und laß Alles wohlgelingen. Laß mich mit Frohlocken wallen zu Deinem Hause, unter dem Haufen derer, die da feiern. Laß mich voll Geistes werden und reden von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, auch Dir, dem Herrn, lobsingen aus reinem Herzen, und Dir, o Gott und Vater, im Namen Jesu Dank sagen. Laß Dir heute gefallen die Rede meines Mundes und die stille Andacht meines Herzens. Herr, der Du wohnest im Heiligthum, wende von mir ab alle sündlichen Gedanken und erneue in mir den innerlichen Menschen, damit ich mit Deinem heiligen Geiste erfüllet werde. Laß mich lieb haben den Ort, wo Deine Ehre wohnet, und meine Seele verlangen nach Deinen Vorhöfen. Hilf mir, daß ich selbst der heilige Tempel sey, wo Dein heiliger Geist wohnet. Mache mich fertig in allen guten Werken, zu thun Deinem Willen, und schaffe in mir was vor Dir gefällig ist durch Jesum Christum. Dieß ist der Ort Deiner Anbetung, wo man höret die Stimme des Dankes und wo man prediget alle Deine Wunder. Hier bete ich zu Dir zur angenehmen Zeit. So gieße auch über mich aus den Geist der Gnade und der Liebe, damit ich mit Freudigkeit zu Deinem Throne trete, Barmherzigkeit empfange und Gnade finde. Laß uns alle einerlei gesinnet seyn nach Jesu Christi, auf daß wir einmüthig mit Einem Munde 17 loben Dich Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, durch den Du uns zur Seligkeit erwählet hast, ehe der Welt Grund gelegt worden ist. Mache uns ferner tüchtig zum herrlichen Eigenthum unseres Herrn Jesu Christi und zum Erbtheil der Heiligen im Lichte. Laß uns mehr und mehr reich werden in aller Erkenntniß und Erfahrung, damit wir prüfen mögen, was das Beste sei, auf daß wir lauter und unanstößig bleiben bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Herrlichkeit, Dir zum Lob und Ehre. Und weil Du durch die Predigt Deines Wortes selig machen willst Alle, die daran glauben, so gieb Deinem Diener, daß er mit freudigem Aufthun seines Mundes fund mache das Geheimniß des Evangeliums, daß er darin freudig handle und rede, wie es sich gebühret. Deffne auch mein Herz, wenn ich zuhöre, damit ich darauf Acht habe, was geredet wird; gieb mir die Kraft, Deinen Willen zu vollbringen und die Wunder an Deinem Gesetze zu erkennen. Schenke mir, o Vater! den Geist der Weisheit zu Deiner Erkenntniß, und erleuchtete Augen, damit ich sehe, was da sey die Hoffnung unseres Berufes, und welcher da sey, der Reichthum Deines herrlichen Erbes an Deinen Heiligen. Laß den Samen Deines Wortes bei mir ein gutes Land antreffen, damit ich das Wort höre und behalte in einem reinen guten Herzen, und Frucht in Geduld bringe; damit ich es aufnehme, nicht als Menschenwort, sondern als Dein Wort; 8 daß ich es höre und darnach thue. Heilige mich in Deiner Wahrheit, denn Dein Wort ist die Wahrheit, und laß endlich mit Freuden kommen, einen Sabbath nach dem andern, um Dich anzubeten in der heiligen Stadt, in dem neuen Jerusalem. Dir sey Preis, Ehre und Dank, der Du lebest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. D. Johann Lasſenius. Abendgebet am Sonntag. Dir allein sey Preis und Lob gebracht, o heiliger Herr und Gott, der Du uns heute Dein Licht haft helle werden lassen, und uns so viel Gnade an Leib und Seele gegeben hast. Ach, bewahre Du doch selbst in unseren Herzen, was Dein Geist durch Dein Wort in uns gepflanzet hat, damit wir viele Frucht bringen in Geduld zum ewigen Leben. Vergieb uns Alles, worin wir Deinem vollkommenen Willen nicht nachgelebt haben mögen. Laß auch den neidischen Feind diese Nacht oder sonst uns nicht schaden, noch das Gute, so Du uns gezeiget hast, rauben. Auch wollest Du sonst aus Gnaden wachen über Alles, was Du uns gege= ben und in Deiner heiligen Ordnung anvertranet hast. Sey unser Licht in unserer Seele, wenn es dunkel wird, sey unsere Kraft bei aller Schwachheit, unser Schuß, Heil und Leben. In Dein liebevolles Herz, Herr Jesu, ergeben wir 9 uns, Du einiges Heil unserer Seelen. Seße Deinen heiligen Sabbath in uns beständig fort und laß uns auch im Traume mit Dir reden. Erinnere uns des gehörten Wortes allezeit, damit alle unsere Sinne und Gedanken zu Dir gerichtet bleiben, damit es in uns immerfort Sonntag, und in unserem Gemüthe ein heller Schein Deines Lichtes bleibe, der Du unsere einzige Ruhe und Seligkeit seyn mußt ewiglich, Amen, durch Deinen heiligen Geist, Amen. M. Gottfried Arnold. Morgengebet am Montag. thi Du liebreicher und barmherziger Gott! ich fange unter Deinem Beistande eine neue Woche an, weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird. Wie viel Uebel und Unglück kann uns in Einem Tage begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche! Darum komme ich gleich im Anfang derselben zu Dir und empfehle mich Dir ganz und gar. Ach, mein Gott! gieb mir Deinen heiligen Geist, der mich heilige, liebe und regiere, und somit mir das Zeugniß gebe, daß ich ein Kind Gottes sey. Segne mich diese Woche, segne meinen Ausgang und Eingang, segne meine Berufsarbeit und Geschäfte, segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu dem Himmel, von 10 welchem mir Segen und Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn Du mich leitest, so irre ich nicht. Darum laß Deine Treue und Güte mich überall behüten. Segne auch Alles, was mein ist, und laß es in Deinem Segen blühen. Ach mein Gott und treuer Vater! schütze und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück; laß mich bei Tag und Nacht in Deinem Schuße und in Deiner Gnade stehen. Bewahre mein Haus und laß um mich und das Meinige Deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, wie groß er auch sey. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu Dir rufe, und laß mich nicht unerhört von dem Throne Deiner Gnade gehen. Bewahre mich, Herr! vor Sünden, zeige mir Deine Wege, leite mich in Deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich Deinen Namen fürchte. Erfülle mein Herz mit heiliger Furcht vor Dir, daß ich nicht aus Deiner Gnade falle, sondern beständig darin bleibe bis in den Tod. Gieb, daß ich diese Woche möge frömmer und gottseliger werden, in Deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und in meinem Glauben darreichen Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit wenn einſt die letzte Lebenswoche einbricht, ich Deiner Gnade versichert sey! 11 Sollte diese Woche mir eine Kreuzeswoche werden, so stärke mich durch Deinen heiligen Geist, damit ich Alles unter Deinem mächtigen Beistande ertragen und überwinden möge. Sey Du selbst mein Helfer und Erretter aus aller Noth. Nun, ich befehle mich mit Leib und Seele und mit Allem was ich habe, in Deinen gnädigen Vaterschuß, wie auch alle frommen Chriſten. Sey Du uns allen gnädig und beweise Dich auch in dieser Woche als den Heiland aller Menschen, besonders Deiner Gläubigen. Amen. Johann Friedrich Stark. Abendgebet am Montag. Ach bleibe bei uns, Herr! denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. Liebster Gott! Du bist diesen Tag über mit Deinem Schuß und Schirm, mit Deiner Güte und Barmherzigkeit, mit Deiner Liebe und Treue stets um und bei mir gewesen, dafür ich Dich nicht genugsam loben, rühmen und preisen kann. Du wirst ja auch diese Nacht über mit Deiner großen Gnade bei mir und um mich seyn. Du hättest zwar Ursache genug, von mir zu weichen, indem ich Dich, o Herr! mit meinen Sünden so oft und viel beleidige. Du fichest aber wohl, lieber Vater! daß in mir, das ist in meinem Fleische, leider nichts Gutes wohnet. Wollen 12 habe ich wohl, aber zu vollbringen das Gute finde ich nicht. Nun, was ich nicht kann, das hat mein Jesus für mich gethan. Was ich versehen und Böses begangen, das hat mein Jesus für mich bezahlet und gebüßet. So nimm denn, himmlischer Vater! zwischen mir und Dir diesen Mittler und Versöhner an. Ich will mich nun zur Ruhe legen und Dir, o großer Gott und Vater! Leib und Seele anvertrauen, in Hoffnung, daß sie bei Dir wohl aufgehoben seyn werden. Schlafe ich, so wache Du, Herr! über mich. Sey Du mein Schirm und Schild wider die feurigen Pfeile des Satans, daß sie mich nicht treffen mögen. Ach schließe mich doch als Dein armes Kind selbst in Deine liebreichen Vaterame ein, damit mich kein Unfall rühre. Laß mich ruhen und sicher seyn unter Deinen Flügeln, damit ich mit David singen und sagen könne: Ich liege und schlafe ganz im Frieden, denn Du allein, Herr! hilfest mir, daß ich sicher wohne. Amen. Johann Quirsfeld. Morgengebet am Dienstag. Barmherziger, gnädiger Gott! Du Vater des ewigen Lichtes und Trostes, dessen Güte und Treue alle Morgen neu sind, Dir sey Lob, Ehre und Dank gesagt für das liebliche Tageslicht, und daß Du mich in vergangener Nacht 13 gnädiglich bewahret und mir einen sanften, ruhigen Schlaf verliehen hast. Laß mich nun in Deiner Gnade und Liebe, in Deinem Schuß und Schirm wieder fröhlich aufstehen und das liebe Tageslicht nüßlich und froh gebrauchen. Vor allen Dingen aber erleuchte mich mit dem ewigen Lichte, welches ist mein Herr Jesus Christus, daß er in mir leuchten möge mit seiner Gnade und Erkenntniß. Bewahre in meinem Herzen das Licht des Glaubens, mehre dasselbe und stärke es. Erwecke Deine Liebe in mir, befestige die Hoffnung. Gieb mir wahre Demuth und Sanftmuth, damit ich wandle in den Fußtapfen meines Herrn Jesu Christi, und laß die Furcht vor Dir zu jeder Zeit vor meinen Augen seyn. Treibe von mir aus alle Finsterniß und Blindheit des Herzens. Behüte mich diesen Tag und alle Zeit vor Aberglauben und Abgötterei, vor Hoffart, vor Lästerung Deines Namens, vor Verachtung Deines Wortes, vor Ungehorsam, vor Haß und Zorn, damit die Sonne diesen Tag nicht möge über meinem Zorne untergehen. Behüte mich vor Feindschaft und Neid, vor Unzucht, vor Ungerechtigkeit, vor Falschheit und Lügen, vor dem schädlichen Geize, vor aller bösen Lust und Vollbringung derselben. Erwecke in mir einen Hunger und Durst nach Dir und Deiner Gerechtigkeit. Lehre mich thun nach Deinem Wohlgefallen. Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß, Herr! mir heute begegnen das Heer 14 Deiner heiligen Engel, wie dem Jakob; thue denselben Befehl, daß sie mich auf allen meinen Wegen behüten, mich auf den Händen tragen, damit ich meinen Fuß nicht an einen Stein stoße. Ich befehle Dir heute meine Gedanken, mein Herz meine Sinne und alle meine Anschläge. Ich befehle Dir meinen Mund und alle meine Worte. Ich befehle Dir alle meine Werke, damit sie zu Deines Namens Ehre gereichen und zum Nutzen meines Nächsten. Mache mich zum Gefäße Deiner Barmherzigkeit, zum Werkzeuge Deiner Gnade. Segne all' mein Thun. Laß meinen Beruf glücklich fortgehen, und wehre allen denen, die ihn hindern. Ich befehle Dir meinen Leib und meine Seele, meine Ehre und mein Gut. Laß Deine Gnade und Güte mich allezeit begleiten. Halte Deine Hand über mich, ob ich gehe oder stehe, size oder wandle, wache oder schlafe. Segne meine Nahrung, gieb mir, was Dein Wille ist, zu meiner Nothdurft, laß mich jedoch Deine Gaben nicht mißbrauchen. Behüte uns Alle vor Krieg, Hunger und Seuchen, und vor einem bösen schnellen Tode. Behüte meine Seele und meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigfeit. Bescheere mir ein seliges Ende und laß mich des lieben jüngsten Tages und der Erscheinung der Herrlichkeit meines Herrn Jesu Chrifti mit Verlangen und Freuden warten. Gott der Vater segne mich und behüte mich; Gott der Sohn erleuchte mich mit seinem Antlig 15 und sey mir gnädig, Gott der heilige Geist erhebe sein Antlig über mich und gebe mir seinen Frieden! Amen. Johann Arndt. Abendgebet am Dienstag. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! ich sage Dir Lob und Dank, daß Du Tag und Nacht geschaffen, Licht und Finsterniß unterschieden hast, den Tag zur Arbeit, die Nacht zur Ruhe, auf daß sich Deine Kreatur darin erquicken möge. Ich lobe und preise Dich in allen Deinen Wohlthaten und Werken, daß Du mich durch Deine göttliche Gnade und durch Deinen Schutz den vergangenen Tag hast vollenden und die Last und Plage desselben überwinden und zurücklegen lassen. Es ist ja genug, lieber Vater! daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe. Du hilfst ja immer eine Last nach der andern ablegen, bis wir endlich zur Ruhe und zu dem ewigen Tage kommen, wo alle Plagen und Noth aufhören werden. Ich danke Dir von Herzen für alles Gute, das ich diesen Tag von Deiner Hand empfangen habe. Ach, Herr! ich bin zu gering aller Barmherzigkeit, die Du mir täglich erzeigest. Ich danke Dir auch für Abwendung des Bösen, so mir diesen Tag hätte begegnen können, und dafür, daß ich unter dem Schatten des Höchsten und dem Schirme des Allmächtigen vor allem Unglück und vor schweren 16 Sünden behütet geblieben bin. Ich bitte Dich herzlich und kindlich: vergieb mir alle meine Sünden, die ich diesen Tag begangen habe mit Gedanken, Worten und Werken! viel Böses habe ich gethan, viel Gutes habe ich versäumet. Ach sey mir gnädig, mein Gott! sey mir gnädig! Laß heute die Sünde bei mir absterben, und gieb, daß ich immer wieder gottesfürchtiger, heiliger, frömmer und gerechter aufstehe, daß mein Schlaf kein Sündenschlaf sey, sondern ein heiliger Schlaf, daß meine Seele und mein Geist immer mit Dir wachen, mit Dir reden und handeln. Segne meinen Schlaf, wie den des Erzvaters Jakob, als er im Traume die Himmelsleiter sah und die heiligen Engel, und den Segen empfieng. Laß mich von Dir reden, wenn ich mich zu Bett lege, Deiner gedenken, wenn ich erwache; laß Deine Gebote in meinem Herzen bleiben, ob ich schlafe oder wache. Gieb mir, daß ich nicht erschrecke vor dem Grauen der Nacht, daß ich mich nicht fürchte vor plößlichem Schrecken, sondern recht schlafe. Behüte mich vor schrecklichen Träumen, vor Einbruch, vor Feuer- und Wassergefahr. Siehe, der uns behütet, schläfet nicht; siehe der Hüter Israels schläfet und schlummert nicht! Sey Du, o Gott! mein Schatten über meiner rechten Hand; laß Deine heiligen Wächter mich behüten, und Deine Engel sich um mich lagern und mir aushelfen. Wecke mich morgen zur rechten Zeit wieder auf zu Deinem Lob und Preis, damit ich mit neuen 17 Kräften Dir dienen möge. Wenn aber diese Nacht nach Deinem unerforschlichen Rathschlusse die letzte seyn soll und mein Stündlein gekommen wäre, so verleihe mir einen seligen Schlaf und eine selige Ruhe in Jesu Christo meinem Herrn! Amen. Johann Arndt. Morgengebel am Mittwoch. Lieber, himmlischer Vater! ich lobe und preise Dich auch für diese Nacht, die Du mich haft überleben, und für diesen Tag, den Du mich hast wieder erleben lassen. Laß das rechte göttliche und himmlische Leben, das aus Dir ist, durch den Geist der Gnade in mir neu werden, damit nicht ich lebe, sondern Christus in mir, und ich im Glauben des Sohnes Gottes stets erneuert werde als eine Pflanze der Gerechtigkeit zu grünen und zu blühen, Dir zum Preise, und auszubrechen in lebendige und Dir wohlgefällige Früchte des Geistes, meinem Nächsten zu Nutz und Dienst. Ich ergebe mich Dir aufs Neue, o Vater! Mache mit mir, was Dir wohlgefällt. Reinige, läutere und bewahre mich, damit ich ein rechtschaffener Christ sey und zu dem Israel Gottes gehöre, über welchem ist Friede und Barmherzigkeit. Ich begehre keine Ehre als Deine Kindschaft, keinen Reichthum als die Gerechtigkeit Jesu Christi, keine Freude als die gnadenreiche Einwohnung des heiligen Geistes. Für Alles mit Gott! 2 18 mein Leibliches wirst Du wohl sorgen, denn Du hast gesagt: ich will Dich nicht verlassen noch versäumen! Doch bewahre mich vor Müssiggang. Laß mich arbeiten nicht aus Geiz, sondern in herzlicher Liebe gegen meinen Nächsten. Laß Deine Barmherzigkeit sich ausbreiten über alle Menschen, die auf Erden wohnen, und Deine Güte über alle Deine Geschöpfe. Gedenke Deiner Kinder, die Dich kennen, und in der Einigfeit des Geistes verbunden sind als lebendige Glieder an ihrem hochgelobten Oberhaupte Jesu Christo. Laß unser Aller Gebet Ein Gebet seyn vor Dir durch Christum, in welchem Du uns Dir selbst angenehm gemacht hast. Sey Du selbst eine ewige Vergeltung allen denen, die mir Liebe beweisen. Meine Beleidiger siehe mit erbarmenden Augen an und vergicb ihnen, gleichwie ich ihnen von Herzen vergebe. Alle meine Angehörigen lege ich in Deine Liebesarme; Kirchen und Schulen, Obrigkeit und Unterthanen, befehle ich Dir, mein Gott! Ach, siche an den elenden Zustand in allen Ständen; mache Dich auf und hilf uns, damit Deine Ehre gerettet und des gottlosen Wesens ein Ende werde. Hilf den Armen und Elenden, die zu Dir rufen. Herr, mein Gott! verschmähe mein Gebet nicht, sondern erhöre mich um Jesu Christi willen. Amen. August Hermann Franke. 19 Abendgebet am Mittwoch. Ich lobe und preise Deinen heiligen Namen, ewiger dreieiniger Gott! weil Du mich erhöret und mein Gebet nicht verschmähet hast, das ich heute in der Morgenstunde vor Dein heiliges Angesicht gebracht habe. Zwar ist mir von Deiner wunderbaren Güte um meiner Schwachheit willen noch das Meiste verborgen, darum kann ich Dich nicht so völlig und kräftig loben, als ich schuldig bin, ja als ich durch Deine Gnade wünsche und verlange. Doch preise ich Dich mit meinen Lippen nach dem Maaße Deiner Gnade, die Du mir dazu darreichest, beides für die erkannten und unerkannten Wohlthaten, bis ich dahin gelange, wo ich sie alle erkennen, ja Dich selber von Angesicht zu Angesicht anschauen werde. So lange ich hienieden bin, will ich Dich besonders preisen für das liebe Kreuz, welches Du mir als einem Jünger Christi täglich auflegest, um meine Seele von den Lüsten dieser Welt zu befreien und an Dich zu gewöhnen. Nun ist ja dieses Tages Last und Hiße überstanden unter Deinem gnädigen Beistande. So wird ein Schritt nach dem andern aus diesem Elende der Welt zurückgelegt, und wir kommen unserer ewigen Herrlichkeit immer näher. Indessen hast Du Geduld mit uns und verzeihest reichlich alle unsere Sünden. Darum habe ich auch einen freien Zutritt zu Dir, mein Vater! 20 in dem Blute Jesu Christi, welches mich abgewaschen und von allen meinen Sünden gereiniget hat. Wie groß ist Deine Liebe, daß Du mich also aus Gnaden selig gemacht hast, mein Vater! Ich werfe Deine Gnade nicht weg, ob ich wohl alle Gebrechen und Untugenden an mir erkenne. Auch weißt Du, daß es meines Herzens Verlangen ist, völlig davon befreit zu werden, und daß mich ganz besonders diese sterbliche Hülle drückt, weil ich mich in derselben nicht recht zu Dir aufschwingen noch mich völlig mit Dir vereinigen kann, sondern immer von der Sünde, die mir anklebt, träge gemacht werde. Doch laß mir nur diese Gnade wiederfahren, mein Vater! daß mein Christenthum bis an das Ende rechtschaffen sey, und daß ich Deine Gnade zu meinem täglichen Wachsthum nicht vergeblich empfange, so genüget mir. So nimm mich denn in Deine Ruhe, lieber Vater! ich lege mich in Deine Arme im gläubigen Vertrauen Deiner Gnade. Schließe mir mit Deiner segnenden Vaterhand die Augen zu und bleibe indessen vereinigt mit meinem Geiste, daß der Satan keine Macht über mich finde. Behüte gnädiglich meinen Leib und meine Seele und Alles, was Du mir gegeben hast. Erbarme Dich auch aller Menschen in der Welt, erbarme Dich aller Deiner Kinder, meiner Mitbrüder und Mitschwestern in Christo Jesu, und laß auch sie an diesem Abend mein armes Gebet mitgenießen. Deffne mir dann an dem morgenden 21 Tage wieder die Augen und erfülle meinen Mund aufs Neue mit Deinem Lobe, damit ich so lange Dich preise und Dir zu Ehren lebe, bis der Abend dieses zeitlichen Lebens herankommt und Du mich ins Grab zur Ruhe legest, aber mich dann wieder auferweckest an dem rechten Ruheund Freudentage Deiner Kinder, wo meine Sonne ewiglich nicht untergehen wird, sondern ich in ewiger Wahrheit und Klarheit vor Dir leben werde! Amen. August Hermann Franke. Morgengedet am Donnerstag. Mein Herr und mein Gott! ich danke Dir inniglich und von Herzen, daß Du verwichene Nacht so gnädig und väterlich mich und alle die Meinigen vor Schaden und Gefahr behütet und bewahret, und uns mit einander wiederum frisch und gesund diese Morgenstunde haft erleben lassen. Ich bitte Dich nun demüthiglich, Du wollest aus lauter Gnaden uns unsere Sünden, die wir wachend oder schlafend begangen haben, väterlich verzeihen und heute diesen Tag in Deinen göttlichen Schuß Dir lassen befohlen seyn meinen Leib und meine Seele und alle die Meinigen, ihrer Aller Leib und Seele und alles das Unsrige. Mein Gott! erhebe heute Dein göttlich Angesicht über uns und segne uns; 22 breite Deine Hand über uns aus und bedecke uns unter dem Schatten Deiner Flügel; umgieb uns mit Deinen heiligen Engeln; wehre und steure dem Bösen und bösen Leuten, daß sie keine Macht noch Gewalt an uns finden. Und weil Du bist das ewige, selbstständige Licht, so bitte ich Dich, Du wollest in meinem Herzen wohnen, meinen Verstand und mein Gemüth erleuchten, damit ich in der Erkenntniß Deines göttlichen Willens und Deiner Geheimnisse von Tag zu Tag möge wachsen und zunehmen und ehrbarlich wandeln, als am Tage: nicht in Ueppigkeit, nicht in Wollust und Ünzucht, nicht in Hader und Neid, sondern daß ich möge anziehen Jesum Christum im rechten Glauben und durch gottseliges Leben. Auch mein Licht lasse leuchten vor den Leuten, damit sie meine guten Werke schen und meinen Vater im Himmel preisen. Und wenn ich hier genug gelebet habe, so wollest Du mich bringen an das Licht der ewigen Seligkeit, Alles um des theuren Verdienstes Jesu Christi meines Heilandes willen. Amen. Joachim Embden. Abendgebet am Donnerstag. Wir danken Dir, Vater unseres Herrn Jeſu Christi, der Du um seinetwillen auch unser Vater 23 bist, daß Du uns heute viel Gutes erwiesen, da wir als Sünder nur Zorn und Strafe verdient hätten. Wir preisen Deine Geduld und Langmuth, womit Du uns trägst, und Deine Güte, welche ewiglich währet. Die Wohlthaten, die Du uns täglich erweisest, überzeugen uns, daß wir einen Fürsprecher haben, der gerecht und die Versöhnung für unsere und der ganzen Welt Sünde ist, weil wir ohne dieselbe Deine Wohlthaten nicht empfangen könnten. Im Vertrauen auf diesen Fürsprecher bitten wir nun, daß Du ferner für uns Arme, die wir nichts haben, als was Du uns giebst, nach allen unseren leiblichen und geistlichen Bedürfnissen sorgen, und Deine Barmherzigkeit ewiglich an uns beweisen wollest. Du hast uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besigen. Weil Du die Liebe bist, so darf sich unser Herz darüber freuen, daß Du so gerne hilfst, so gerne tröstest und ein Wohlgefallen an der Bekehrung und am Leben, nicht aber am Tode des Sünders hast. Vergieb uns daher unsere Sünden und reinige uns von denselben, damit wir tüchtig werden, die Seligkeit, zu der Du uns berufen hast, zu erlangen und zu besitzen. Gieb uns Deinen heiligen Geist, den Geist der Weisheit und der Offenbarung zu Deiner Erkenntniß, den Geiſt der Kraft und der Liebe und der Zucht zu einem heiligen Wandel. Tilge durch diesen Deinen Geist alle unordentlichen Begierden und alle Unruhe, die heute bei der Verrichtung un 24 serer zeitlichen Geschäfte in uns entstanden sind, damit wir im rechten Frieden einschlafen können. Dein allmächtiger Schuß wende alle Unglücksfälle, die uns in dieser Nacht begegnen könnten, von uns ab, und morgen begegne uns mit Deiner Güte, die alle Morgen neu ist. Amen. M. Magnus Friedrich Noos. Morgengebet am Freitag. Gott! Du unerforschliches Meer aller Vollkommenheit, Du Geber alles Guten und Brunnquell aller Gnade! in dieser Morgenſtunde komme ich zu Dir wie ein Kind zu seinem Vater, um mit Dir zu reden und Dir zu danken für das Gute, das Du mir schon erwiesen hast, und Dich zu bitten um den Segen, den ich auch ferner nöthig habe. Du hast, mein Heiland! an diesem Tag der Woche das große Werk der Erlösung ausgeführt. Deine Seele, o göttlicher Erlöser! ist betrübt gewesen bis in den Tod und Du hast Höllenangst ausgestanden, weil die Sünden aller Menschen auf Dir lagen; Dein Leib hat Schmerzen gelitten, Dein heiliges Haupt ist zerrissen worden durch die Dornenkrone, Deine unschuldigen Wangen sind verletzt worden, Dein holdseliges Angesicht ist verunehrt worden durch die Gottlosen, Deine Ohren mußten hören die 25 entseßlichsten Gotteslästerungen, Deine Hände und Füße wurden mit Nägeln schmerzlich durchbohrt und das Alles erduldetest Du aus lauter Liebe gegen uns arme Sünder. Ach theurer Heiland! laß mich doch diese Deine große Liebe recht erkennen und mich vor der Sünde hüten, wodurch ich Dir so viel Mühe ge= macht habe und die Dich Dein theures Blut gekostet hat. Gekreuzigter Jesu! auch ich will mein eigen Fleisch kreuzigen sammt seinen Lüften und Begierden. Du hast mich frei gemacht, mein Erlöser! von der Sklaverei des Satans und der Sünde durch das theure Lösegeld, das Du bezahlet hast, laß mich daher nicht unter die Knechtschaft der Sünde gerathen, sondern die herrliche Freiheit des neuen Bundes genießen und das föstliche Kleinod meines allerheiligsten Glaubens behalten bis an mein Ende. Herr Jesu! Du Anfänger und Vollender meines Glaubens, laß mich in Deine Fußtapfen treten und Dir nachfolgen. Deine Lehren seyen mein Unterricht; Dein Leben und Wandel ein Muster meiner Nachfolge; Deine Demuth, Deine Geduld mein Beispiel; Dein leidender und vollbringender Gehorsam meine Gerechtigkeit; Deine Schmach meine Ehre und Dein Tod mein Leben. Laß mich auch diesen Tag heilig zubringen, und bei fleißiger Wahrnehmung meines Berufes nicht vergessen, für meine Seele zu sorgen. Laß meine Gedanken nicht eitel, meine Worte Niemand ärgerlich, und mein Thun und Lassen 26 nicht sündlich seyn, sondern laß mich immerdar Deine heiligen Wege wandeln. Laß mein Herz nicht hoffärtig, und meine Augen nicht stolz werden, wenn Stunden des Glückes und Segens kommen. Laß mich auch nicht kleinmüthig werden, wenn ein böses Stündlein da ist. Armuth und Reichthum gieb mir nicht, laß mich nur mein bescheiden Theil dahin nehmen. Solltest Du mir mehr, als ich nöthig bedarf, zugedacht haben, so gieb mir dabei die Gnade, dasselbe recht zu gebrauchen, damit es nicht zum Schaden meiner Seele diene. Bewahre mich vor Geiz und Verschwendung Deiner Gaben. Zorn und unzeitige Gelindigkeit laß ferne von mir seyn. Laß mich heute und immerdar aufrichtig gegen Dich, den Herzenskündiger, liebreich gegen meinen Nächsten, treu in meinem Amte und fleißig in meinem Berufe bezeigen, daß mich mein Gewissen nicht verklage, wenn ich meinen Wandel prüfe, und ich also diesen Tag meines Lebens in Segen und Gottseligkeit zu den übrigen Tagen meines Lebens füge. Und wenn endlich meine Wallfahrt zurückgelegt und die Zeit meiner seligen Himmelfahrt gekommen ist, wo Du mich wirst frei machen von diesem Leibe des Todes: so wollest Du mich aufnehmen zu der vollkommenen Freiheit der Kinder Gottes, wo mich keine Sünde mehr betrüben wird, sondern wo ich Dir in vollkommener Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen und Dich loben und preisen werde immer und ewiglich. Amen. Benjamin Schmolf. Univ.- Bibl. Giessen 27 Abendgebet am Freitag. Ich danke Dir, Herr mein Gott! für die wunderbare Liebe, mit welcher Du uns Unwürdige durch Deinen geliebten Sohn errettet haft; denn also liebtest Du die Welt, daß Du Deinen Eingeborenen dahin gabst, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das ist das ewige Leben, daß wir Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. O unermeßliche Liebe, Du gabst den Sohn dahin, um den Knecht zu erlösen und jeder Gewalt des Bösen zu entreißen. Christus ward Mensch und starb den Tod des Kreuzes zu unserem Heile. Er ist das Lamm, welches die Sünden der Welt hinwegnahm, welches sterbend unsern Tod vertilgte, und auferstehend unser Leben erneuerte. Wie können wir vergelten, o Gott! diese große Wohlthaten Deiner Barmherzigkeit? Wie sollen wir Dich loben und Dir danksagen? Erhabenüber alles Erkennen ist Deine grenzenlose Liebe. Laß Dir wohlgefallen das Stammeln unseres Mundes und den kindlichen Dank unseres Herzens! Vernimm in Deiner Herrlichkeit die schwachen Seufzer unserer Seele, die wir Dir dar 28 bringen, für alle Erbarmungen, womit Du uns in Deinem Sohne, unserm Heilande, zu Hilfe kamst. Er starb für unsere Sünden, und stand auf zu unserer Rechtfertigung, und herrschet nun in Ewigkeit zu Deiner Rechten und bittet für uns. Du hast ihm alle Macht gegeben, daß in seinem Namen sich unsere Kniee beugen, und alle Zungen bekennen sollen, daß er der Herr sey zu Deiner Ehre. Gott, allmächtiger Vater! gelobet sey Dein heiliger Name in Ewigkeit! O mache uns würdig, himmlischer Vater! der großen Verheißung Deines Sohnes. Vollende was Du begonnen hast, und laß uns immer reichlicher zum Genusse Deiner Gnade gelangen. Würdige uns tiefere Blicke in das Geheimniß Deiner Erbarmungen, und zerstreue alle Finsternisse unseres Herzens durch die Strahlen Deines ewigen Lichtes. Stärke, kräftige und gründe uns durch die helle Erkenntniß unseres Erlösers! Siehe, wir lieben ihn, hilf uns stärker ihn lieben. Siehe, wir glauben, hilf unserem Unglauben! Amen. Augustinus. Morgengebet am Sonnabend. Rühmet den Herrn, die ihr ihn fürchtet; denn er hat nicht verachtet noch verschmähet das 29 Elend des Armen und sein Antliß vor ihm nicht verborgen. Ja, Du erhörest das Gebet, Du trener Gott! darum kommit alles Fleisch zu Dir; Du machest fröhlich was da lebet, sowohl am Morgen wie am Abend. Auch in dieser Nacht hast Du uns wieder geholfen und läsfest uns heute fröhlich und gesund den Schluß dieser Woche erleben. O Herr! Deine Güte reichet so weit der Himmel ist, und Deine Wahrheit so weit die Wolken gehen; Deine Gerechtigkeit ſtehet fest wie die Verge, und Dein Recht, wie die große Tiefe. Wie theuer ist Deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten Deiner Flügel trauen! Darum danken wir Dir für alle Deine Gnade und lobsingen Deinem Namen, Du Höchster! Du selbst wollest uns erwecken, daß wir ohne Unterlaß Deiner Treue gedenken, daß wir am Morgen Deine Gnade, am Abend Deine Wahrheit verkündigen. Aber hilf uns, daß auch all' unser Wandel Dich preise und all' unser Than und Lassen Dich ehre. Dir sind wir uns schuldig mit Allem, was in uns und an uns ist. Heilige Du uns zu Opfern, die Dir völlig angehören und und die da lebendig, heilig, unsträflich und Dir wohlgefällig sind. Dazu erwecke uns alle Morgen; wirke beständig in unsern Herzen durch Deinen heiligen Geist und schaffe uns zu neuen Menschen, auf daß wir in Dir verbleiben und in Dir völlige Hoffnung und einen festen Fels des Heiles haben mögen, wenn auch eine Woche um 30 die andere dahin fliehet. Ach, es ist ja Alles eitel. Alles, was wir sehen mit den Augen unseres Leibes, muß vergehen; alles Fleisch iſt wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grafes Blume. Das Gras verdorret, die Blume fällt ab; Du allein bleibst ewiglich und nur in Dir haben wir ewiges Leben und voll Genüge. Denn Du hast verheißen, Du wollest Deine Heerde weiden wie ein Hirte, und die Lämmer in Deine Arme sammeln und an Deinem Busen tragen und die Schafmütter führen. Ach erfülle das auch an uns heute und alle Tage. Sey heute unser allmächtiger Schutz und Segen, leite uns an Deiner Hand, damit wir nicht abweichen von Deinen Wegen, weder zur Rechten noch zur Linken. Hilf uns zu einem gesegneten Schlusse der Woche, erwecke uns heute zu ernstlicher Prüfung unserer selbst, damit wir diese Woche überschauen, und merken, wo wir gefehlt haben, und uns demüthigen vor Dir. O Herr! wirke selbst in uns die wahre Buße und Veränderung an Herz und Sinn. Bereite uns zu, daß Du unter uns wohnen könnest, mache uns den heutigen Tag zu einem stillen Vorsabbath unserer Seele, ziehe selbst uns die hochzeitlichen Kleider an, damit wir morgen Deinen heiligen Sabbathtag im rechten Segen feiern mögen. O treuer Vater! bleibe bei uns, schenke uns auch hente Deine Hilfe unter allen Umständen, und laß nichts Böses über uns herrschen. O Herr! sey uns gnädig und erfülle an uns Deine Ver 31 heißung: daß wohl Berge weichen und Hügel hinfallen mögen, aber Deine Gnade soll nicht von uns weichen und der Bund Deines Friedens soll nicht hinfallen. Ja, offenbare an uns Deine Treue, dreieiniger Gott, Vater Sohn und heiliger Geist. Herr hilf, o Herr laß wohlgelingen, erhebe Dein Angesicht über uns und gieb uns Deinen zeitlichen und ewigen Frieden. Amen. M. S. 6. Rapff. Abendgebet am Sonnabend. Lieber himmlischer Bater! ich erscheine in dieser Abendstunde vor Deinem Angesichte und bekenne vor Dir, daß ich nicht so gelebt habe, wie ich hätte thun sollen. Das sagt mir mein eigenes Herz, es sagt es mir besonders am Schlusse dieser Woche. Aber doch hast Du, o Herr! Deine Gnade nicht von mir gewendet. Wie viele bekannte und unbekannte Uebel und Gefahren hast Du durch Deine gnädige Vorsehung von mir abgewandt! Vor wie viel Sünden hast Du mich Schwachen bewahrt! Wie viele geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich und die Meinigen aus Deiner freigebigen Hand empfangen! Kann ich Dir wohl genug dafür danken? und geben nicht jeder Tag, jede Stunde, jeder Augenblick meines Lebens mir neue Beweise von Deiner väterlichen Huld, und neue Verpflichtung zur Dankbarkeit und zum Gehorsam gegen Dich? 32 Aber o mein Gott! wie vieler Nachläßigkeit und Trägheit zum Guten, wie vieler Vergehungen und Fehler muß ich mich täglich vor Deinem Angesichte beschuldigen! Hilf mir, o Herr! daß ich mich vor Deinem Angesichte prüfe und Rechnung mit mir halte, mich selber richte, auf daß ich nicht gerichtet werde. Habe ich, so frage ich mich, in Deiner Furcht gewandelt und den Gedanken von Deiner Allgegenwart beständig in meiner Seele zu unterhalten gesucht? Habe ich mir das Beispiel meines Herrn und Heilandes zum Muster der Nachahmung vorgesetzt, und durch mein Verhalten bewiesen, daß ich ein Nachfolger des demüthigen, des sanftmüthigen, des wohlthätigen und himmlisch gesinnten Jesu sey? Habe ich jede Gelegenheit, mich selbst zu bessern, Ändern nüßlich zu werden, begierig ergriffen, allen Reizungen zum Stolz, zur Eitelkeit, zum Zorn, zur Wollust widerstanden und mich recht sorgfältig gehütet, weder mit Gedanken und Begierden, noch mit Worten und Werken zu fündigen? Habe ich meine Zeit, meine Kräfte, mein Amt und meine Güter so wohl ange= wandt, als ich hätte thun follen? Habe ich meine Pflichten gegen Dich, gegen meinen Nächsten und mich selbst mit der Willigkeit und dem Eifer erfüllet, wie es Deine Wohlthaten und meine Schuldigkeit von mir fordern? Habe ich Niemand Gelegenheit gegeben, über mich zu seufzen? Hat Liebe und Vertraulichkeit diese Woche mit dem Umgange mit 33 nen Freunden und Gefährten, oder Selbſtsucht und Üneinigkeit unter uns geherrscht? Habe ich Niemand Unrecht gethan, Niemand listig hintergangen? Bin ich in einer solchen Verfassung, daß ich freudig sterben und mich einer seligen Ewigkeit getrösten könnte, wenn es Dir gefallen sollte, mich diese Nacht oder bald sterben zu lassen? Ach Gott! jetzt ist es Zeit an die Ruhe zu denken, aber ich denke mit Scham und Betrübniß an meine Sünden. Herr! wer kann merken, wie oft er fehle? Verzeihe mir daher auch die verborgenen Fehler. Gehe nicht ins Gericht mit mir, Deinem sündigen Geschöpfe, denn vor Dir ist kein Lebendiger gerecht. Ich bekenne Dir meine Sünden und Üebertretungen, ich bereue sie von ganzem Herzen und bitte um Jesu willen um Vergebung. Ich entschließe mich, vor Deinem Angesichte immer mehr und mehr von allen Befleckungen des Geistes mich zu reinigen, der Sünde abzusterben und dem Guten nachzukommen. Stärke mich selbst, o Gott! bei diesem Vorsatze. Gieb, daß ich die folgenden Tage heiliger als die vergangenen zubringen möge. Muß ich mit Menschen umgehen, so laß mich dabei des Umganges mit Dir, mein Gott, nicht vergessen und meinen himmlischen Wandel nie aus den Augen seben. Hege ich Neid und Haß gegen irgend einen Menschen in meinem Herzen, so laß den Schlaf ferne von mir seyn, bis ich ihm verzeihe, bis ich ihm mit Aufrichtigkeit Gutes wünsche und ihm solches wirklich zu erAlles mit Gett: 3 34 zeigen geneigt bin. Ja, Herr! laß mich so einschlafen, wie ich zu sterben und dereinst vor Deinem Richterstuhle zu erscheinen wünsche. Ach Du ewiger und unveränderlicher Gott! wir sterbliche Menschen legen einen Tag nach dem andern zurück und kommen unvermerkt von einer Woche zur andern näher zur Ewigkeit. Ziehe unsere Sinne von der Eitelkeit ab und laß uns ernstlicher für die Ewigkeit sorgen. Mache uns stark im Glauben; laß uns ritterlich wider Alles, was Sünde heißt, kämpfen, damit wir die Krone des Lebens empfangen. Welch ein Glück wird das für uns seyn! Denn thust Du uns schon so viel Gutes in dieser Welt, wo wir noch sündigen, o was wird erst droben im Himmel geschehen, wo wir Dich nicht mehr beleidigen? Jedoch, o Herr! so lange ich noch nach Deinem Willen in dieser Sterblichkeit wallen muß, befehle ich Dir mich und alle die Meinigen. Beschüße uns auch in dieser Nacht und laß keine Plage sich unseren Hütten nahen. Schenke uns einen erquickenden Schlaf und heilige unsere Herzen zur morgigen Sonntagsfeier. Tröste, barmherziger Gott, alle meine elenden Mitmenschen, die in dieser Nacht durch Schmerzen und Krankheit oder durch andere Arten des Elendes der Ruhe beraubt sind und mit Verlangen auf das Tageslicht warten. Stärke die Sterbenden und laß sie Gnade vor Dir finden. Steuere allen nächtlichen boshaften Unternehmungen und befehre die Gottlosen, welche im Finstern Böses 35 thun. Erbarme Dich über alle Sünder. Erhöre dieß mein Gebet um Jesu, Deines Sohnes willen. Amen. M. Johann Gottlob Heym. Zweite Woche. Morgengebet am Sonntag. Gott Vater! mein Schöpfer! O wie heilig ist dieser Tag, an welchem Du selbst geruhet hast! Ich komme von der Ruhe und gehe zur Ruhe. Geruhet habe ich diese Nacht in Deinen Armen, dafür danke ich Dir; diesen Tag willst Du in meinem Herzen ruhen, darüber freue ich mich. Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen, laß es nun auch Licht werden in meinem Herzen, Du Vater des Lichtes, damit ich in Deinem Lichte, sehe das Licht und darinnen wandle. Bewahre meinen Fuß, wenn ich heute zu Deinem Hause gehe. Meine Seele verlanget und sehnet sich nach Deinen Vorhöfen. Lege Dein Wort in meinen Mund. Erfülle mit Deiner Stimme meine Ohren. Erleuchte mit Deiner Wahrheit meine Augen. Rühre mit Deinem Finger meine Lippen. Erfülle mit Deiner Süßigkeit mein Herz. Laß meine Gottes 36 furcht nicht Heuchelei seyn und meinen Gottes= dienst nicht Menschenwerk. Wenn ich in Deinem Vorhof stehe, so sey mein erster Seufzer: Gott sey mir Sünder gnädig! Gott Sohn mein Heiland! dieser Tag ist Dein Tag. An demselben bist Du auferstanden. Ach laß mich heute auferstehen vom Irrthum zur Wahrheit, von der Sünde zur Heiligkeit, von der Trauer zur Freude. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ach, rede heute in Deinem Heiligthum, so bin ich froh. Ich lege mich an Deine Brust. Tränke mich mit der Milch des lauteren Evangeliums. Komm durch Dein Wort in mein Herz, damit ich reichen Trost von Deinem Hause habe. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich Deinen Namen fürchte. Baue dieses Land und wässere es, denn Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle. Streue Deinen Samen auf ein gutes Feld, damit es hundertfältige Früchte bringe. Laß Dein Wort leuchten als das Licht auf meinem Weg zum Himmel, so werde ich Lust an Deinen Zeugnissen und selbst einen fröhlichen Sabbath haben. Gott heiliger Geist, mein Tröster! dieser Tag ist auch Dein Tag, an welchem Du sichtbar bist ausgegossen worden. Ergieße Dich heute auch über mich. Zeige mir an diesem Sonntage die Sonne der Gerechtigkeit und das Heil unter ihren Flügeln. Lehre Du mich innerlich, 37 wenn ich das Wort höre. Laß es mir durch die Ohren in's Herz gehen. Schreibe es durch Deine Finger in meinen Sinn. Reinige mich in der Buße. Befestige mich im Glauben. Erbaue mich in der Liebe. Bessere mich im Leben. Tröste mich in der Anfechtung. Bereite mich zu einem seligen Sterben. So werde ich nicht nur Hörer, sondern auch Thäter Deines Wortes seyn. Du aber wirst geben das Wollen und Vollbringen und das gute Kleinod in mir bewahren bis auf den Tag meiner Erlösung. Heilige Dreifaltigkeit! heilige mich heute durch und durch. Sey Du Alles in mir, so vermag ich Alles durch Dich. Mache Dir einen Tempel in meinem Herzen, so wird meinem Hause heute Heil widerfahren. Komme nicht nur zu mir, sondern bleibe auch in mir. Die Gemeinde der Gläubigen sey an diesem Tage Ein Herz und Eine Seele. Niemand diene Dir mit falschem Herzen. Bewahre alle Frommen in heiliger Ruhe, bis wir jene Ruhe finden, welche dem Volke Gottes beschieden ist. Dort werden wir mit allen Auserwählten einen ewigen Sabbath halten. Amen. Benjamin Schmolk. 38 Abendgebet am Sonntag. Barmherzig und gnädiglich bist Du, o Gott! das warst Du vor der Welten Beginn, so lange Menschen in ihrer Schwachheit strauchelten, in ihrem Leichtsinne sanken, in ihrer Thorheit wider Dich sich empörten. So zeigtest Du Dich, als Du Jesum vom Himmel sandtest, um uns zu erlösen vom Elend der Sünde; als Du ihn hingabst in den blutigen Tod, den Bund der Versöhnung zu stiften. So zeigtest Du Dich, als die Verheißung der Gnade ausgieng in alle Lande und das Wort der Versöhnung ge= predigt ward allen Völkern. Barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue bewiesest Du auch heute Dich an uns und an Tausenden, die in Wehmuth Dir naheten und Trost bei Dir fanden, die die Opfer ihrer Treue und Buße vor Dir niederlegten und mit dem Reichthum der Entfündigung und Begnadigung zurückkehrten in ihr Haus. Den Barmherzigen und Gnädigen haben wir in Dir gefunden in dem Maaße, in welchem wir vor Deiner Allwissenheit uns demüthigten, vor Deiner Gerechtigkeit mit heiligem Ernste erzitterten, Deine Gnade mit tiefer Inbrunst suchten. Deine helfende Rechte in freudigem Glauben umfaßten. In unsere reuige und zerknirschte Seele träufelst Du den milden Thau des Trostes hernieder, und wir fühlten unsere Bangig 39 feit und Zagen gehoben, unser Sehnen gestillt, unser inbrünstiges Flehen erhört. Dein freudiger Geist erfülle unsere Brust; mit neuem Tugendmuthe und heiter schauen wir auf zu Deinen Höhen und weihen uns aufs Neue Dir zum Eigenthum. Dank Dir und Ehre für diese Barmherzigkeit und Treue, welche Du wieder an uns verherrlichet hast. Wenn wir an jedem Abend Dich für die Huld preisen, womit Du im Leiblichen uns getragen und vor Gefahren beschirmt hast; wie viel mehr müssen wir Deine Gnade im Geistigen Lobpreisend verkündigen, Du der uns ohne Ende beglücket, erfreuet und segnet. Du, barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue, der Du Gnade erweisest im tausendsten Gliede, und vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde, wer hat Dich würdig genug gepriesen, wer hat Dir innig genug gedankt? Mit allem, was wir sind und haben, übergeben wir uns Dir im kindlichen Vertrauen: Du wirst es wohl machen. Du, der unsere Schwachheit trägt, unsere Fehler verzeiht, der nicht mit uns rechtet nach unsern Sünden, noch uns vergilt nach unsern Missethaten, beschirme uns im Dunkel der Nacht, erquicke mit Deinem Frieden unsere müde Seele, gieße Ruhe aus über unsere ermatteten Glieder; wecke uns am Morgen zu neuer Uebung unserer Pflichten, laß in dem Frieden, der uns beseligt, in der neuen Kraft der Heiligung, die uns erfüllt, in der immer steigenden Festigkeit zum 40 Guten, die wir durch Deine Gnade gewinnen, in dem Wachsthum für Deinen Himmel uns es empfinden, wie barmherzig und gnädig, wie geduldig und von großer Güte und Treue Di bist. Herr! nimm unseres Herzens letzte frohe Rührungen an diesem Abend wohlgefällig auf; sey Du uns Schutz und Hilfe, Trost und Retter! Amen. Dr. Joh. Christoph Ernst Lösch). Morgengebet am Montag. Herr! durch Deine Güte fangen wir mit diesem Morgen unsere Wochenarbeit von Neuem an. Deine ewige Liebe und Treue, die uns mit Deinem Segen bisher überschüttet hat, gehe denn auch heute uns abermals auf. Wer sind wir denn, o Gott! daß Du uns bis hieher gebracht hast? Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den wir vor Dir haben sollten. Wir thun nicht immer und so ganz vollkommen, was wir thun sollten. Unsere Gedanken, wie gar übel sind sie öfters, und unser Herz ist bald trotzig, bald verzagt. Ach, so gedenke denn auch heute unser nach Deiner groBen Barmherzigkeit und nach Deiner Verheißung, daß Alle, die an Deinen Sohn glauben, und nach diesem Glauben leben, nicht sollen verLoren werden, sondern das ewige Leben haben, 41 Verlaß uns nicht und ziehe die Hand nicht von uns ab, Gott unser Heil! Lehre uns auch heute und die ganze Woche thun nach Deinem Wohlgefallen. Dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. Wir wissen nicht, was uns in dieser angefangenen Woche begegnen kann. Ach, behüte Du uns vor allem Uebel, behüte unsere Seele und unsern Leib, unsern Eingang und Ausgang. Wehre allem Bösen, welches uns das Ziel unseres Christenthums verrücken könnte. Laß uns aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, damit Alles, was wir thun, in Dir gethan sey! Gieb zu unserer Arbeit dem Leibe Kraft und Gesundheit, dem Gemüthe Ruhe und Zufriedenheit, und erfreue uns mit Deinem göttlichen Beistande. Erhalte uns den Segen, den Du uns bisher hast zufließen lassen. Ernähre, versorge, beschüße uns. Gieb uns Weisheit, unsere Zeit wohl anzuwenden. Legest Du uns eine Last auf, so hilf uns und laß uns allezeit erfahren, daß Du ein Gott seyst, der uns von allem Uebel und Unglück erlösen wird. Segne uns und zeige uns Dein Heil. Und wie Alles auf Dich wartet, so segne auch heute und in dieser Woche alle gute Nahrung und die wohlgefällige Arbeit, und gieb, daß ein Jeder sich dabei redlich nähre, und mit gutem Gewissen vor dir wandle. Ja, thue Deine milde Hand allenthalben auf, und erfülle Alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Denke an uns und 42 segne uns! Segne alle Menschen, die Dich lieben. Segne uns Alle um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen! Amen. Dr. Anton Heinr. Ludw. Ullmann. Abendgebet am Montag. Gnädiger, gütiger, barmherziger Gott und Vater! Dir sagen wir Dank und preisen Dich von Herzen, daß Du uns sündige Menschen an diesem Tage nicht nach unserem Berdienste, sondern aus lauter Gnade und Barmherzigkeit als gnädiger Gott und Vater vor allem Üebel und Unfall behütet hast. Wir bitten Dich, Du frommer und getreuer Vater! Du wollest uns arme Geschöpfe Deiner großen Gnade auch fernerhin befohlen seyn lassen und uns diese Nacht in gleicher Gnade und Güte behüten, damit wir mit reinem Herzen in Dir einschlafen und frisch und gesund wieder erwachen und aufstehen, Dir zu dienen, Dich zu loben und zu preisen. Herr Jesu Christe! Dir klagen und bekennen wir alle unsere Sünde und Missethat, welche Dir besser als uns bekannt sind, und womit wir Dich diesen Tag in Werken, Worten oder Gedanken erzürnet haben, und bitten Dich, Du wollest mit uns armen Sündern nicht ins Gericht gehen, sondern um Deines bittern Leidens 43 und Sterbens willen uns gnädig seyn und Alles gnädiglich vergeben, und uns also in Deinem Frieden, in Deiner Gnade und Barmherzigkeit einschlafen und seliglich in Dir ruhen lassen. Insonderheit aber wollest Du, frommer Herr Jesu Christe! uns einft, wenn es Dein göttlicher Wille ist, in Deiner wahren Erkenntniß, im festen Glauben und im Frieden zu Dir selig einschlafen lassen, und uns zu Deiner herrlichen Zukunft, zum ewigen Leben mit großen Freuden erwecken. Oheiliger Geist! Dich rufen wir an und bitten Dich herzlich, daß Du diese Nacht bei uns seyn und bleiben wollest, auf daß, wenn der Leib ruhet und schläft, Dir unser Herz wache und Dich stets vor Augen habe, daß sich der böse Feind nicht zu uns nahe, sondern daß wir unter Deinem Schutz und Schirme mögen seliglich ruhen und mit fröhlichem Herzen wieder aufstehen, um unser Leben zu Deiner Ehre anzuwenden. So bitten wir Dich auch insonderheit, daß Du als unser inniger Trost und unsere Stärke mit großer Gnade bei uns seyn wollest, wenn wir uns heute oder morgen ins Sterbebette zur ewigen Ruhe niederlegen sollten; daß wir in Deinem Troste, in Deiner Stärke und Kraft seliglich zum ewigen Leben einschlafen mögen! Amen. Dr. Andreas Muskulus. 44 Morgengebet am Dienstag. Du allmächtiger Gott und Vater des Lichtes, der Du wohnest in einem Lichte, wo Niemand zukommen kann, der Du aus der Finsterniß den Morgen machest, und die Sonne dem Tage zum Lichte giebst. Dir bringe ich das frühe Dankopfer meines Mundes, weil Du mich das Sonnenlicht nach der Finsterniß wieder haft erblicken und den Tag wieder gesund antreten lassen. Ach Herr! laß mit dem Tageslicht auch Deine Gnade neu aufgehen! Gieb neues Licht, neue Freudigkeit, neues Leben und neue Seligkeit. Laß mein Licht, mein Glück und meine Wohlfahrt hervorbrechen wie die schöne Morgenröthe, und wenn ich im Finstern site, sey Du mein Licht. O Herr Jesu Christe! Du Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf mit Deiner Gnade in meinem Herzen. Erleuchte, erfreue und erwärme dasselbige. Bewahre mich vor den Werken der Finsterniß, laß mich in Deinem Lichte wandeln, Dir folgen, immer frömmer werden und dereinst gelangen zu der himmlischen Klarheit um Deines hochtheuren Verdienstes willen. Amen, o Herr Jesu! Amen. Bonifacius Stölzlin. Abendgebet am Dienstag. Durch Deine Gnade, allmächtiger Gott! habe ich auch diesen Tag glücklich zu Ende gebracht. 45 Große Barmherzigkeit hast Du auch heute wieder an mir gethan. Wie vielerlei Leiden hätten mich treffen, mich traurig und elend machen, in wie manche schwere Sünde hätte ich fallen können! Aber wie väterlich hast Du mich vor Allem bewahret, und wie viel Gutes habe ich aus Deiner Hand auch heute empfangen! Wie soll ich Dir, mein Vater! vergelten alle Wohlthat, die Du ganz unverdienter Weise mir erzeiget hast? Dir will ich dafür danken und Deinen Namen preisen hier und dort in Ewigkeit. Zu Dir, o Gott! von dem allein alles Gute kommt, flehe ich auch jeßt, im Vertrauen auf Deine Gnade, um Verzeihung alles dessen, was Dir heute mißfällig in meinem Verhalten gewesen, und bitte Dich, schenke mir immer mehr Lust und Kraft, alle von Dir empfangenen Güter und Segnungen ganz nach Deiner Absicht und zu Deinem Wohlgefallen anzuwenden. Hilf mir, stets so gesinnt zu seyn und so zu handeln, daß ich, wenn der Abend meines Lebens herannaht, in der freudigen Zuversicht eines besseren und vollkommeneren Lebens diese Welt verlassen und dann zum Genusse jener ewig dauernden Wonne und Seligkeit im Himmel gelangen möge, die mir mein Herr und Heiland Jesus Christus zubereitet hat. Dir, Herr und Vater, übergebe ich meinen Leib und meine Seele, mein Leben und alle meine Schicksale. Dein allmächtiger Schutz bedecke auch in dieser Nacht mich und die Meinigen, damit 46 ein fester Schlaf uns erquicke und dadurch die Kräfte durch Erfüllung unserer Pflichten auf den kommenden Tag wieder gestärkt werden. Alles, was Du, allweiser Vater! nüßlich und selig für uns erkennest, das schenke uns um Deiner unendlichen Liebe willen durch Jesum Christum. Amen. Johann Samuel Bail. Morgengebet am Mittwoch. Herr Gott, himmlischer Vater! in dieser Morgenstunde befehle ich meinen Leib und meine Seele in Deine liebreiche und gnadenvolle Regierung, in Deinen mächtigen Schuß, in Deine väterliche Aufsicht, Fürsorge und Treue. Laß mir heute kein Uebel begegnen und keine Plage meinem Hause sich nahen. Laß Deine heiligen Engel mich und die Meinigen auf allen Wegen begleiten. Laß Deinen heiligen Geist uns kräftig regieren und unser Herz zu kindlichem Ge= horsam lenken, damit wir von den Wegen der wahren Gottseligkeit nicht abweichen. Laß den Satan und die böse Welt keine Macht finden, uns an Leib oder Seele, an Gut oder Ehre zu schaden. Segne mich heute an Leib und Seele, segne meinen Ausgang und Eingang, segne meine Haushaltung und Nahrung. Laß mir in allen meinen Geschäften und Vornehmen, 47 Dein himmlisches Licht leuchten, Deine Kraft mich stärken, Deine Liebe in mich dringen, Deine Furcht mir beiwohnen, damit ich in Gerechtigkeit wandle, meinen Taufbund stets vor Augen habe, meinem Nächsten mit aufrichtiger Liebe und Sanftmuth, Demuth und Freundlichkeit, Dienstwilligkeit und Wahrheit begegne, und die Worte im Herzen habe: Wie ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr. Erhalte mir auch, Herr! die Gesundheit des Leibes und des Gemüthes, so lange ich hier wallen soll. Laß mich die Zeit, die mir noch zu leben beschieden ist, wohl und christlich anwenden zu Deines herrlichen Namens Ehre, zu meines Nächsten Dienst und zu meiner eigenen Besserung. Gieb mir die Gnade, daß ich mich meiner Sterblichkeit stets erinnere und meine Gedanken allezeit von dem Zeitlichen auf das Himmlische und Ewige richte. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet, und das Ziel, so Du mir in Gnaden gesetzt, erreicht habe, so verleihe mir nach Deiner großen Barmherzigkeit um Jesu Christi willen ein sanftes, fröhliches und seliges Ende. Laß mich, mein Gott und Vater! in der Versicherung Deiner Liebe und des himmlischen, ewigen Erbes, in Deiner Gemeinschaft, Herr Jesu! durch wahren Glauben, in Deinem Troste, Gott, heiliger Geist! sanft und selig einschlafen. Lieber Herr Jesu! Du haft für uns Alle den Tod erduldet, daher bitte ich Dich 48 um Deines blutigen Schweißes und Deiner schweren Todesangst willen, stehe mir bei und hilf mir in meiner letzten Noth. Lindere und hilf mir überwinden alle Angst und Schmerzen. Bewahre mich vor allen Anfechtungen des Satans und laß nicht zu, daß er meine Seele bei ihrem Abschiede störe und betrübe. Behüte mich vor Ungeduld und erzeige mir die Gnade, daß ich alles Irdische willig und fröhlich verlassen, und um bei Dir, mein Jesu! zu seyn, mit Lust scheiden möge. Erfülle alsdann Deine theure Verheißung, die Du versprochen: Du wollest Deinen Schäflein, die Deine Stimme hören und Dir folgen, das ewige Leben geben; sie sollen nimmermehr umkommen und Niemand solle sie aus Deiner Hand reißen. Dann kann mich weder die Macht der Welt, noch irgend eine Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes von Dir und Deiner ewigen Liebe scheiden. Amen, o Herr Jesu! Amen. Christian Scriver. Abendgebet am Mittwoch. Jesu, mein Heiland, mein Beschüßzer! Nachdem. die liebe Sonne mit ihrem Glanze von uns gewichen, treten an ihre Stelle so viele tausend hellleuchtende liebliche Sterne, welche mir alle von Deiner unbegreiflich großen Güte predigen. Denn 49 der Himmel erzählet Deine Ehre und die Sterne verkündigen Deiner Hände Werk. So lobe und preise ich Dich nun für Deine überschwängliche Gnade, die auch an diesem Tage mein Himmel, meine Decke und mein Schutz gewesen ist, obgleich ich meiner mannigfaltigen und vielen Sünden wegen nur Strafe verdient hätte. Die wolltest Du, Herr Jesu, mir aber um Deiner heiligen Wunden, um Deines vergossenen Blutes und Deines ganzen Verdienstes willen gnädiglich vergeben, und mir diese Nacht eine friedliche Ruhe und sanften Schlaf verleihen. Ich lege mich schlafen mit dem Leib ins Bett, mit der Seele an Dein gnädiges Herz. Solltest Du aber etwa diese Nacht mich aus der Welt abfordern, wie ich denn Deinen Willen zu meinem eigenen Besten nicht wissen kann, so mögtest Du mich, mein Jesu! zum ewigen Leben einführen. Soll ich jedoch nach Deinem göttlichen Gefallen noch länger leben, so laß mich morgen durch Deine Gnade fröhlich und gesund wieder erwachen und aufstehen, um Dich mit freudigem Herzen zu preisen und zu loben. Segne mich, Gott Vater, der Du mir Leib und Seele gege= ben und mich bisher gnädiglich erhalten haft! Segne mich, Herr Jesu, Du Sohn Gottes, der Du meinen Leib und meine Seele durch Dein Blut Dir zum Eigenthum erkauft hast! Segne mich, Gott heiliger Geist, der Du meinen Leib und meine Seele durch Dich selbst zum ewigen Leben versiegelt hast! Dir, dem dreieinigen und Alles mit Gott! 4 50 ewigen Gott, sei Lob, Preis und Dank in Ewigkeit! Amen. Christian Scriver. Morgengebet am Donnerstag. Gelobet seyst Du, o Gott! der Du mein höchster Trost, mein Schutz und meine Hilfe bist, daß Du mich in der vergangenen Nacht, nach Deiner großen Barmherzigkeit, an Leib und Seele vor Schaden und Gefahren bewahret und gesund an diesen Tag haft kommen lassen. Ich bitte Dich nun durch Jesum Christum, Deinen lieben Sohn, Du wollest mich auch heute in Deinen göttlichen Schuß nehmen, mich beschirmen und bewahren, innerlich und äußerlich, daß mir kein Arges widerfahre. In Deine Hände befehle ich meinen Leib und meine Seele, alle meine Gedanken, Worte und Werke, mein Thun und Lassen, meinen Ausgang und Eingang. O Herr Gott! schaffe es mit mir, wie Du willst und weißt, daß es zu Deiner Ehre und meiner Seligkeit am Besten sey. Erhalte mich in Deiner Furcht und wahren Erkenntniß. Behüte mich vor den Werken der Ungerechtigkeit; und so ich etwa aus Gebrechlichkeit sündigen würde, so wollest Du, ich bitte Dich, Deine Barmherzigkeit nicht von mir nehmen, Deine Gnade nicht von mir wenden, Deine Hilfe mir nicht entziehen. Denn es ist sonst kein anderer Gott noch Helfer; vor Dir ist kein Anderer 51 gemacht, so wird auch nach Dir feiner seyn. Du allein bist der Erste und der Lette und außer Dir ist kein Gott. Darum rufe ich jetzt zu Dir: laß Deine Güte über mich walten, laß mich frühe hören Deine Gnade, denn ich hoffe auf Dich. Leite meinen Fuß auf rechter Straße, daß ich nicht wandle im Rathe der Gottlosen, noch trete auf den Weg der Sünder, noch size, wo die Spötter sizen; sondern, daß ich all meines Herzens Lust und Liebe habe an Deinem Worte und an Deinen Geboten, und darin mich übe Tag und Nacht durch unseren Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem heil. Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Jch. Habermann. Abendgebet am Donnerstag. Gelobet fey Gott der Herr, der allein Wunder thut, gelobet sey sein heiliger Name ewiglich und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden. Ich will täglich rühmen von Gott, und des Abends soll ihm mein Mund danken für und für: denn wenn ich rufe, so höret er mich; wenn ich flehe, so neiget er seine Ohren zu mir, und wenn ich bete, so merket er auf meine Stimme. Der Herr ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hülfe, wenn mich Noth betroffen hat. Darum sage ich Dir, ewiger Gott, Lob und Preis, daß Du mich diesen Tag väter 52 lich behütet hast vor allem Unfall und Schaden, mir hätten begegnen können. Mein Herz ist fröhlich und meine Seele preiset Dich für alle Deine Güte und Barmherzigkeit. Meine Zunge soll ihr Gespräch von Dir haben und immer sagen: Hochgelobet sey Gott, gesegnet sey sein heiliger Name! Ich bitte Dich, Du wollest mir aus Gnaden nachlassen Alles, was ich heute wider Dich gethan habe, und mich diese Nacht sammt Allem, was mir angehört, beschüßen. Sey Du, o Herr, mein Schild und mein Schatten. Bewahre mich vor allem Uebel und behüte meine Seele; sey mir gnädig, denn auf Dich allein traue ich. Ich hoffe auf den Herrn und rufe zu Gott, dem Allerhöchsten. Siehe, der mich behütet, schläft nicht; siehe, der Hüter Israels schläfet und schlummert nicht. Er wird meinen Gang erhalten auf rechter Bahn, daß ich nicht strauchle und meine Tritte nicht wanken. Er wird meinen Fuß nicht gleiten lassen, denn sein Wort ist ein Licht auf meinem Wege. Darum, wenn ich mich lege, so werde ich mich nicht fürchten, sondern süß schlafen. D Herr Gott! erhebe über mich das Licht Deines Antlißes, auf daß ich mich lege und schlafe ganz in Frieden, und sicher wohne unter Deinem Schirme. Denn Du, Herr! allein hilfft mir. In Deinem Namen will ich mich nun zur Ruhe legen und meine Augen schlummern lassen. Du wirst mich fröhlich wieder 53 erwecken zu Lob und Ehren Deiner göttlichen Majestät, durch Jesum Christum! Amen. Johann Habermann. Morgengebet am Freitag. Christe, Du Lamm Gottes, der Du trägst die Sünde der Welt, erbarme Dich unser und gieb uns Deinen Frieden. Amen. Heute, an einem Freitage, bist Du, mein Jesus! gekreuzigt worden. Kann wohl etwas Erwecklicheres für mein Herz in dieser Morgenstunde seyn? Dir, o Herr Jesu! habe ich es zu danken, daß ich noch lebe, daß ich gesund erwacht bin, daß ich so viele göttliche Wohlthaten genieße. Ohne Dich und Deinen Erlösungstod wäre die Erde ein Ort der Qual, ein Vorgeschmack der Hölle gewesen. Ach, theuerster Heiland! laß mich doch Deine Liebe recht erkennen. Für mich bist Du verrathen und verkauft; für mich verspottet, verspeiet, gegeißelt und getödtet worden. Für mich und zur Vergebung meiner Sünden hast Du Dein Blut vergossen. Wie kann ich Dir all diese Liebe vergelten? gekreuzigter Heiland! der schwache Dank, den ich Dir allein darbringen kann, ist, daß ich mir die Früchte Deines heiligen Leidens aneigne und sie zu meiner Heiligung benüße. Darum will ich von jest an, mein Fleisch freuzigen sammt den bösen Lüsten und Begierden; fleißig will ich mich vor Sünden hüten, wo 54 durch ich Dir so viel Mühe gemacht. Auf Dich will ich meine ganze Seligkeit gründen, Deinen Befehlen lebenslang gehorsam seyn und Dein Beispiel nachahmen. Deine Demuth, Deinen Fleiß und Deine Arbeit, Deine Andacht im Gebet, Deine Liebe gegen die Feinde, Dein menschenfreundliches Herz, das Alles soll mich zur Nacheiferung anreizen. Besonders sollst Du mir heute, o Jesu! vor Augen und im Herzen schweben. Dein Andenken soll mich bewegen, den ganzen Tag heilig zuzubringen. Die Erinnerung an Dein Leiden und Sterben soll mich nie verlassen, und mir insonderheit Muth geben in allen Anliegen, die ich vor Gott bringe. Ach, mein Gott! in dem Namen Jesu Christi danke ich Dir für alle die Gnade, die Du mir dieſe Nacht erzeigest hast. Um dieses meines Erlösers willen empfehle ich mich und die Meinigen, wie alle Menschen, an diesem neuerlebten Tage in Deinen göttlichen Schuß und in Deine Fürsorge. Um Jesu willen bitte ich Dich um Vergebung aller meinen Sünden. Gieb, daß ich an Deiner Vaterliebe nicht verzage, noch verzweifle. Wie könntest Du doch meine Verdammniß wollen, da Du selbst Deinen eingebornen Sohn für mich in den Tod gegeben? Laß mich Deine Gnade nur nicht verscherzen und in meinen Sünden beharren, sondern laß sie vielmehr in mir eine so feurige Liebe entzünden, daß ich mit Deiner Kraft jede Sünde überwinden kann. Segne heute meine Berufsarbeit und gieb 55 mir dazu die nöthigen Kräfte. Laß mich Alles in Dir anfangen und mit Lust errichten. Schenke mir so viel von äußeren Gütern, daß ich mich und die Meinigen versorgen kann. Giebst Du mir etwa mehr als ich bedarf, so gieb Gnade, damit ich es recht brauche, und es nicht zum Schaden meiner Seele diene. Gieb mir ferner ein keusches Herz. Ach, Herr Gott, Vater im Himmel und Herr meines Lebens, behüte mich vor unzüchtigen Gedanken, Blicken, Worten und Werken und wende von mir alle bösen Lüſte. Von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes will ich mich reinigen, und fortfahren in der Heiligung und in der Furcht Gottes, wozu mich Christus, mein Heiland berufen hat. Endlich gieb auch, daß ich im Unglück nicht verzagt sey. Der Gott, der seinen eingeborenen Sohn für uns in den Tod gegeben; wie sollte er uns durch ihn nicht Alles schenken? Jesus erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht, und ist erhoben in den Himmel zur rechten Hand Gottes. Darum unverzagt! die Leiden dieser Zeit sind nichts gegen die Herrlichkeit, die einst an uns soll offenbaret werden. Dulden wir hier mit Jesu, so werden wir auch mit ihm herrschen. Diese Zuversicht soll mich auch heute trösten, wenn mir Unglück begegnen sollte. Jesus am Kreuz, aber Jesus auch im Himmel, sißend zur Rechten Gottes. Mag es gehen, wie Gott Er weiß die Seinen zu erretten aus aller Noth. Es ist noch eine Ruhe vorhanden will. Univ.- Bibl. Giessen 56 für das Volk Gottes; deß bin ich fröhlich! Amen. J. G. Herm. Abendgebet am Freitag, heiliger, allwissender Gott! Du durchschauest unser Innerstes und erkennest unser ganzes Wesen, das leider noch so dunkel ist vor Deinem Lichte. O welch ein herrliches Reich ist Dein Reich, das Reich der Gläubigen, die Gemeinschaft derer, die an Dir halten, die Dich lieben, Dich mit Worten und Werken verehren. O wenn wir doch Alle zu den Deinen gehörten und Gnade fänden vor Deinen Augen, und, obwohl wir Sünder sind, als Deine Kinder angenommen würden! O laß uns dies hoffen, barmherziger, liebreicher Vater! Du hast uns schon so viel Treue und Barmherzigkeit erzeiget, daß wir wohl ferner auf Deine huldvolle Güte, auf Dein väterlich Erbarmen vertrauen dürfen. Du bist es ja, durch den wir bisher vor gänzlichem Untergange bewahret blieben; Dir haben wir es zu verdanken, daß wir den Rückweg wieder fanden, wenn wir vom rechten Pfade abirrten; Du hast uns wieder aufgerichtet, wenn wir straucheln wollten; Du hast uns neu gestärkt, wenn wir am Ermatten waren. Und in allen diesen Gnadengaben, die wir empfiengen, 57 sehen wir nur Verheißungen noch größerer Güter, die Deine unbegrenzte Langmuth uns aufbehalten hat. Sie sind uns Beweis dafür, daß Du uns durch Christum erretten willst vom Verderben, und erhalten zum ewigen Leben. O Du Gott der Herrlichkeit, Vater unseres Herrn Jesu Christi, Du hilfst uns durch den Geist der Weisheit und der Offenbarung, damit wir Dich immer besser erkennen; Du erleuchtest die Augen unseres Verstandes, damit wir je mehr und mehr einsehen, welches die Hoffnung unseres Berufes und der Reichthum des herrlichen Erbes sey, das Du den Deinen bereitet hast, und die überschwängliche Größe der Kraft, welche Diejenigen stärket, die da glauben. Du hast unsere Herzen gewonnen, und da sie solchen Frieden und solche Freude bei Dir gefunden haben, so wollen sie bei Dir auch bleiben. Hilf uns, o Gott! daß die selige Hoffnung, die da unter steter Buße auf die herrliche Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi wartet, nie mehr gestört werde durch ungöttliches Wesen und weltliche Lüste. Laß uns nie mehr vergessen, daß wir Dein theuer erkauftes Eigenthum sind. Habe Geduld mit unseren Schwachheiten; aber lasse nicht zu, daß sich unsere Herzen auch nur auf kurze Zeit wieder von Dir abwenden. Alle unsere Gedanken, alle unsere Worte und Werke sollen bezeugen, welchen Fleiß wir anwenden, um Dir wohlzugefallen! O wie arm und elend wären wir, wenn wir uns begnügen müßten 58 mit den Scheinfreuden, welche dieſe Erde darbietet! D wer könnte die Größe unserer Schuld ermessen, wenn wir uns abermals zur Sünde, die uns täuschet und betrüget, zurückwenden wollen! Ach schenke uns doch Beständigkeit und beharrliche Treue. Wenn die Welt uns reizet, so wecke die Erinnerung an das herbe und bittere Leid, welches sie bereitet, in uns wieder auf, und leite uns an, mit diesem die tiefe Freudigkeit und die erhabene Wonne zu vergleichen, die wir in Deiner Gemeinschaft und in dem Bewußtseyn Deiner Gnade empfinden. Allmächtiger, beschüße uns vor Wankelmuth und Muthlosigkeit. Wie viel Großes ist schon geschehen in Deinem Reiche und dieses ist nur Andeutung des Größeren, das noch kommen wird. O laß auch uns Antheil haben an dieser Hoffnung, die die Gläubigen beseelt und sie immer jung und ewig kräftig erhält! Laß auch uns wirken, daß Dein Reich komme, wirken an uns und schaffen in Deinem Weinberge, damit wir uns freuen können, wenn die Saat des Guten gedeihet, und damit uns recht heiter anbreche der Tag der Vergeltung! Amen. Karl Staiger. 59 Morgengebet am Sonnabend. Barmherziger, langmüthiger Gott und Vater aller Menschen, der Du Deine Sonne alle Tage aufgehen läsfest über Böse und Gute, ich danke Dir von Herzen, daß Du mich diesen Morgen wieder gesund hast erleben lassen. Ich danke Dir für die Ruhe und Erquickung, die Du mir in der verflossenen Nacht geschenket haſt. Laß mich nun heiter und zufrieden mein Leben und meine Berufsgeschäfte fortseßen, und laß mir den großen Zweck, warum ich auf der Welt lebe, immer vor Augen seyn! Möchte ich nie vergessen, daß Du mich siehest, hörest, alle meine Verrichtungen und die geheimsten Gedanken und Gesinnungen meines Herzens auf das Genaueste kennest, und daß Du einst auch die verborgensten Handlungen, auch die leisesten Regungen meines Willens an das Licht bringen, und einem Jeden ohne Ansehung der Person nach seinen Gedanken, Worten und Werken vergelten wirst, Laß diese wichtigen Wahrheiten während des ganzen Tages mir tief im Sinne liegen und mein Herz erfüllen, damit ich mich vor der Sünde und jeder Versuchung hüte, und meinen Pflichten wie allen christlichen Tugenden mit freudiger Entschlossenheit und treuem Eifer Genüge leiste. In einem so kurzen Leben, wie das gegenwärtige ist, würde schon ein einziger Tag wichtig seyn, wenn ich auch sicher wäre, das äußerste Ziel des irdischen Lebens zu erreichen. Um wie viel 60 wichtiger muß mir daher jeder Tag dadurch werden, weil ich nicht weiß, ob ich vielleicht das letzte Mal erwacht und aufgestanden bin. Herr, mein Gott, lehre mich das wohl erwägen, Nichts aufschieben, alle Augenblicke wohl zu Rathe halten, und mit meiner Zeit sparsam umgehen. Gieb mir Gelegenheit, Lust und Vermögen, heute recht viel Gutes zu thun! Laß meine Liebe zu meinem Mitmenschen aufrichtig, herzlich, frei von allem Stolze, thätig und unverdrossen seyn! Gieb, daß ich keinem auf irgend eine Weise ein Aergerniß gebe oder Jemand zur Sünde verführe. Regiere mich, daß ich aus Ehrfurcht gegen Dich jede Dir mißfällige Rede und That ſorgfältig vermeide. Erwecke mich bei dem Genusse Deiner Wohlthaten auch Deiner zu denken, mich Deiner Güte mit gerührtem Herzen zu erfreuen, und Dir dafür zu danken. Möge ich im Genusse Deiner täglichen Wohlthaten Dich nie leichtsinnig vergessen. Bewahre mich, Allmächtiger! vor Unglück und Noth. Gieb mir wenigstens Muth, Standhaftigkeit und ein lebendiges Vertrauen zu Dir, wenn sich mir heute Widerwärtigkeiten und Leiden nahen sollten. Nie will ich an Dir verzagen, sondern auch im Kummer und Mißgeschick Deiner Liebe mich tröſten. Stärke meine Seele zu demüthiger Unterwerfung unter Deine heil. Religion, um meinen Willen ganz in den Deinigen hinzugeben, und in allem meinem Vornehmen, Deinen Worten zu folgen! Amen. M. Georg Hieron. Rosenmüller, 61 Abendgebet am Sonnabend. Banket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Wer kann die großen Thaten des Herrn ausreden und alle seine löblichen Werke preisen? Ich danke Dir auch von ganzem Herzen: ich will Dich erhöhen, mein Gott, Du König, und Deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich will Dich täglich und auch jetzt am Ende dieser Woche loben und Deinen Namen verherrlichen. Denn, wer bin ich, Herr! und was ist mein Haus, daß Du mich bis hierher gebracht haft? O Du hast diese ganze Woche über nicht mit mir gehandelt nach meinen Sünden und mir nicht vergolten nach meinen Missethaten. Du hast mir Leben und Wohlthat erzeiget und durch Dein Aufsehen haft Du meinen Ödem bewahret. Ich bin am Tage unter Deinem Schirme gesessen, Du Höchster, und in der Nacht durfte ich ruhen unter Deinem Schatten, Allmächtiger! Warum sollte ich nicht am Ende dieses Tages und in dieser Woche von ganzem Herzen zu Dir sprechen: Meine -Zuversicht und meine Burg! O- wohl ein treuer Gott, auf den ich hoffe, auf den ich mich in völligem Glauben lehne. Denn Du hast mich und mein Haus diese ganze Woche vor so mancherlei Unfall in Gnaden bewahret. Wie viel, wie reichlich haft Du mir täglich vergeben. Wie herzlich hast Du Dich meiner Seele angenom 62 men, daß sie nicht verderbe. Und ob Du uns auch gezüchtiget und mit Leiden und Widerwärtigkeiten heimgesuchet, so hast Du uns doch nicht dem Tode übergeben, sondern es ist uns zu Nuß geschaffen, daß wir Deine Heiligung erlangen. Dieß Alles erkennet meine Seele wohl und meine Lippen preisen Dich, daß Du uns bisher mit Deinem geistlichen und leiblichen Segen in reichem Maße überschüttet, auch uns in und durch so mancherlei Trübsale viel Gutes erwiesen hast. Ach vergieb mir um Jesu Christi willen alle meine Sünden, welche ich wider Dich, wider meinen Nächsten und wider mich selbst begangen habe. Schaffe mir, Gott, ein reines Herz durch das Blut Jesu, Deines Sohnes, und einen neuen Geist durch Deinen heiligen Geist. Und gleichwie Du mir aus Gnaden meine vielen Uebertretungen erlässest, welche ich mir diese Woche hindurch habe zu Schulden kommen lassen, also neige auch mein Herz durch Deine Erbarmungen zur Erbarmung gegen Alle, die mich beleidigt haben, damit ich auch von Herzen einem Jeglichen seine Fehler vergebe. Jch weiß ja nicht, ob nicht in dieser Nacht mit dem Ende dieser Woche auch das Ende meines Lebens einbrechen könnte. Darum laß mich nicht in der Sünde des Zornes und der Unversöhnlichkeit, noch sonst in einem Laster sterben oder verderben, sondern in Christo Jesu meinem Heilande, erfunden werden. In diesem tröste ich mich: Du Herr, bist meine Zuversicht und Du Höchster, bist 63 stets meine Zuflucht. Nur bereite mich, die Meinigen und Alle, die nach Dir fragen und das Heil von Dir lieb haben, durch Deine Kraft, daß ein Jeder das Werk, das Du ihm befohlen hast, von Tag zu Tag treulich ausrichte und am Ende seines Lebens, mit Freuden vollendet habe, damit das Ende unseres Lebens, es komme heute oder morgen, eine Befreiung von dem Dienste des vergänglichen Wesens und ein Anfang der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes in jener Welt sen. Das thue, lieber Vater, um Jesu Christi, Deines lieben Sohnes, unseres Herrn und Heilandes willen. Amen. M. Joh. Christian Storr. Dritte Woche. Morgengebet am Sonntag. Gott, unser Vater, mit Freude und Dank erscheinen wir jetzt vor Deinem Angesichte und freuen uns des Lebens, welches Du uns neu geschenkt, so wie alle Wohlthaten, die wir von Dir empfangen haben. Wir danken Dir für den Schuß, den Du uns in der verflossenen Nacht hast angedeihen lassen, für die Ruhe, durch welche unser Körper erquickt worden ist, 64 für den neuen Morgen, den Du uns hast erleben lassen. Herr, wir sind unwürdig aller Barmherzigkeit und Treue, die Du uns fortwährend erzeigeſt! Dieser Morgen giebt uns eine wiederholte Ermunterung, zu erkennen und zu thun, was zu unserem wahren Glücke dient. Laß uns dazu besonders den heutigen Tag gebrauchen, der zu Deinem feierlichen Dienste bestimmt iſt. Dein Geist mache uns tüchtig, Dir recht wohlgefällig zu dienen und Dein Wort andächtig zu betrachten. Wenn wir Dich öffentlich mit unseren Brüdern anbeten, so gieb uns eine lebendige Empfindung Deiner Allgegenwart, Deiner Güte und Heiligkeit, damit wir Dich im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Wenn wir Dir und Deinem Sohne Jesu Christo Loblieder singen, so laß es mit Andacht und Inbrunst geschehen. Wenn wir öffentlich oder in der Einsamkeit zu Dir beten, so laß unser Herz ganz zu Dir gerichtet und mit Glauben und Liebe erfüllet seyn. Wenn wir Dein Wort betrachten oder verkündigen hören, so mache es durch Deinen Geist kräftig in unserem Herzen, damit wir erleuchtet und überzeugt, gebessert und geſtärkt, ermuntert und getröstet werden mögen. So laß diesen Tag für uns einen Tag des Segens seyn, dessen wir uns einst erfreuen, wenn wir zu der Versammlung Deiner Kinder gelangt seyn werden, die Dich, den Dreieinigen, ewig anbeten, Dir ewig in Heiligkeit und Unschuld dienen. 65 Alle unsere Mitchristen empfehlen wir an diesem Tage Deinem Segen und Deiner Gnade, barmherziger Vater! Erbarme Dich der Verirrten und führe sie auf den Weg der Wahrheit und der Seligkeit. Bekehre die Lasterhaften und gieb, daß heute Viele durch Dein Wort gewonnen werden. Stärke die Schwachen im Glauben, damit sie immer vollkommener, immer feſter in der Erkenntniß Jesu Christi und in der Uebung aller christlichen Tugenden werden möchten. Gieb heute allen Traurigen Trost und Freude, allen Kranken Erquickung und Hoffnung. Sorge väterlich für die Bedürfnisse aller Deiner Kinder und Deines ganzen Reiches. Laß Wahrheit und Gottseligkeit, Friede und Liebe unter den Bekennern Deines Sohnes Jesu Christi ausgebreitet und dadurch die allgemeine Glückseligkeit befördert und erhalten werden. Im Uebrigen überlassen wir uns Deiner weisen und gnädigen Regierung. Du weißt, was wir an Leib und Seele bedürfen; unter Deiner Leitung treten wir auf's Neue mit frohem Muthe unsere Pilgrimschaft an. Schenke uns nur ein gutes Gewissen und die Versicherung Deiner Gnade: dann wird alles Uebrige, was uns begegnet, zu unserem wahren Glücke dienen. Erhöre unser Gebet um Jesu Christi, unseres Heilandes willen! Amen. M. Christoph Christian Sturm. Alles mit Gott! 5 66 Abendgebet am Sonntag. Herr! bleib' bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. O Du lebendiger, allmächtiger Gott! wie unbegreiflich sind Deine Werke, wie unaussprechlich ist Deine Güte, welche Du den Menschenkindern erzeigest. Wir können von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem Du den vergangenen Tag uns viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast. Du hast unsere Seele ge= speisest mit dem Brode des Lebens und uns aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; Dein Wort ist unserem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigseim. Ach laß Dein Wort unser ganzes Leben hindurch ein Licht auf unsern Wegen bleiben, damit wir darnach unsern Gang richten, dann werden wir nicht straucheln oder aus Deiner Gnade fallen. Du bist auch unser Erretter, unser Beistand im Leiblichen gewesen, so daß wir gesund diesen Abend erreicht haben. Wir sind nicht werth aller Barmherzigkeit, die Du an uns gethan hast. Wenn sich nun unsere Glieder zur Ruhe legen, so stehe Du, o Hüter, an unserer Seite; Habe Acht auf uns und schließe uns in Deinen Schuß. Laß das beständige Licht nur in Dir seyn und uns keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß. Laß Dein Wort, das wir gehöret, als heiligen Samen in uns aufgehen, dessen Früchte man in unserem Leben, in 67 der Frömmigkeit, in der Gottesfurcht, in dem Absterben der Welt und in der heiligen Hingebung an Dich wahrnehmen möge. Sen unser Schirm und Schutz in der bevorstehenden Nacht. Der Herr ist unser Licht und unser Heil, vor wem sollten wir uns fürchten? Der Herr ist unseres Lebens Kraft, vor wen sollte uns grauen? Wende Feuer- und Wassernoth, sowie alles Unglück von uns ab und laß allen Betrübten, Kranken und Sterbenden Deine Gnade zufließen, so wird morgen früh unser Aller Mund Deines Ruhmes voll seyn, und wir wollen erzählen, was Du uns Gutes an Leib und Seele gethan hast. Verzeihe, wenn wir nicht mit solchem Eifer Dir heute gedient, wie wir billig gesollt, und nimm deswegen Deine Gnade nicht von uns. Laß in der neuen Woche Alles neu an uns seyn, schenke uns eine neue Liebe und ein neues Verlangen nach Dir, einen neuen Trieb, Dir zu dienen und zu gehorchen. Laß uns die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und fliehen, damit Jedermann erkenne, daß wir den Sonntag nicht vergebens hingebracht haben. Hilf uns fleißig erwägen, daß wir eine unsterbliche Seele haben, damit wir mehr um die Seele als um den Leib bekümmert seyen. Wir sehen uns, o Gott! nach unserer Ruheſtätte um; wir erinnern uns dabei an unsere Grabesstätte, darin wir ruhen werden, bis Du uns an dem frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. Dazu, zu dieser 68 Nuhe, die Du Deinem Volke bereitet haſt, wollest Du uns vorbereiten, stärken, kräftigen und gründen um Deiner Gnade willen! Amen. Johann Friedrich Stark. Morgengebet am Montag. Guter, gnädiger Gott! empfange zuerst den innigsten Dank unseres Herzens für die Ruhe der Nacht, womit Du uns erquicket und zu den Arbeiten des Tages gestärket hast. Dieser Morgen fordert uns wieder auf, die Arbeiten unseres Berufes anzufangen und zu wirken, so lange unser Erdentag währet. Heilig sey uns Dein Wille, theuer die Pflicht, die uns obliegt, wichtig der Beruf, den Du uns angewiesen hast. Che wir unsere Geschäfte beginnen und ehe sich uns das Geräusch des Tages nahet, wollen wir diese ftillen Augenblicke anwenden, um an Dich, unseren himmlischen Vater, zu denken! Wir wollen das Vorbild unseres Erlösers, der zum Heile der Welt wirksam war, so lange sein Tag währte, uns recht einprägen, damit wir immer darauf bedacht seyn mögen, mit redlichem Eifer in unserem Berufe Deinen Willen zu thun. Ja, wir müssen wirken, o Gott! und wir wollen wirken, was Du uns aufgetragen hast; wir 69 wollen als Christen dulden, was Du uns auferlegest, und nicht murren, wenn wir des Tages Last und Hipe tragen sollen. Und wenn es uns schwer wird und uns muthlos die Hände sinken, und wenn wir klagen müssen in unserem Herzen: Ach, Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen das Gute finde ich nicht! so laß uns bedenken, wie kurz der Tag ist und mit welch' erquickender Ruhe Du am Abende die Geduld und Treue Deines schwachen Knechtes Lohnest. Wie bald wird selbst der Abend unseres Lebens erschienen seyn! Tausende von denen, die heute zum neuen Daseyn erwachten, sind schon nahe der Nacht, in welcher Niemand wirken kann; sie entschlafen noch, ehe die flüchtigen Stunden dieses Tages dahin sind. So blicken wir denn mit feierlichem Ernste auf das Wirken, das Du, Ewiger, in diesem Erdenleben von uns forderst, und auf das Tagewerk, das wir hienieden vollenden sollen. In jeder Stunde ergeht an uns Dein Ruf: Wirket in der Welt für den Himmel, arbeitet an eurem Herzen und thut Gutes, veredelt euch und beglücket die Menschen! Das sind die Werke, die wir vollenden sollen. Gott! wir weihen uns ihnen mit voller Kraft und mit freudigem Eifer. Nichts von dem, was Du uns aufgabst, wollen wir leichtsinnig auf die ungewisse Zukunft verschieben. Kurz ist die Zeit der Aussaat; laß sie uns treu benüßen für die ewige Ernte. O sey Du, göttlicher Heiland! Laß unser Führer, bis unser Tag sich neiget. . 70 uns von Dir lernen, sanftmüthig, demüthig, geduldig und Gott gehorsam zu werden. Führe Du uns zum Vater, damit wir Gnade und Ruhe für unsere Seele finden, wenn die Nacht kommt, wo Niemand wirken kann! Amen. Samue! Baur.. Abendgebet am Montag. Deine Pilger sind wir, o Gott! Du willſt es und hast es also geordnet, daß die Dinge um uns her sich in unaufhörlichem Wechsel bewegen, daß auch in unserem Inneren Gefühle, Gedanken und Entwürfe vorrüberrauschen, und daß der Tod, die größte aller Veränderungen, die Reihe derselben beschließe. Aber Du hast uns nicht dem Gefühle dieser Vergänglichkeit, nicht der niederschlagenden Trauer, nicht der Verachtung des Lebens, die daraus hervorgehen würden, überlassen. Offenbaret hast Du uns das ewig Bestehende, nämlich Dich selbst und die Rathschläge Deiner Liebe und Weisheit. Berufen hast Du uns zu einem Streben, das Jugend und Alter, Zeit und Ewigkeit verbindet und das, weil es auf die Aehnlichkeit mit Dir, dem unendlich Vollkommenen, gerichtet ist, auch niemals aufhören kann. Und empfangen sollen uns dereinst, 71 wenn wir hier nach Heiligung rangen, die Gemeinschaft mit Dir, heiliger Vater! und Deine ewige Stadt, die auf einem unwandelbaren Grunde erbauet ist. So sind wir denn auch Deine Bürger, sind es schon jetzt, sobald wir das Unvergängliche, wie Du uns dazu aufforderst, ergreifen. Gieb denn, Gott! daß wir stets Dich vor Augen haben, Dich, den Ünvergänglichen, wenn Alles verschwindet, Dich, den Unwandelbaren, wenn die Bewegung der irdischen Dinge uns fortreißt. Gieb, daß wir jagen nach dem vorgesteckten Ziele, nach dem Kleinode, welches uns Deine himmlische Berufung in Christo Jesu vorhält, und stärke uns Pilger, wenn wir ermüden, durch das Vorgefühl unseres Bürgerrechtes in Deiner herrlichen Stadt, wo der Baum des Lebens ewig grünet und unvergängliche Früchte trägt! Amen. Dr. Franz Theremin, Morgengebet am Dienstag. Ewiger Gott! Du ursprungloses und unvergängliches Licht, Schöpfer aller Kreatur, Du Quelle der Barmherzigkeit, Du Meer der Güte, Du unergründliche Tiefe der Leutseligkeit! laß leuchten über uns das Licht Deines Antlizes! Herr, scheine in unsere Herzen, Du wahrhaftige Sonne der Gerechtigkeit, und erfülle mit Deiner Lieblichkeit unsere Seelen, Lehre uns allezeit 72 an Deine Gerichte denken und von ihnen reden, und Dich ohne Unterlaß als unsern Herrn und Wohlthäter bekennen. Nichte nach Deinem Willen die Werke unserer Hände und leite uns auf rechtem Wege, damit wir thun mögen, was Dir wohlgefällig und angenehm ist, damit auch durch uns Unwürdige Dein heiliger Name verherrlicht werde, der Name des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, dem allein gebühret Ruhm, Ehre und Anbetung in Ewigkeit! Amen. Bafilius. Abendgebet am Dienstag. allmächtiger, ewiger Gott! der Du Dich einen himmlischen Vater unser Aller genannt hast, auf daß wir Deine himmlischen Kinder seyn möchten: gieb, daß Dein allerheiligster Name durch Frömmigkeit des Sinnes und Wandels in uns geheiliget werde. Schaffe, daß das Reich Deiner Gnade und Barmherzigkeit in unser Herz einziehe. Verleihe, daß wir Deinem Willen gehorchen bis in den Lod, Fleisch, Welt und Hölle überwinden und eines Sinnes unter einander leben, wie die himmlischen Heerschaaren. Gieb uns, Herr, das tägliche Brod zur Nahrung des Leibes, gieb uns das Brod Deines Wortes zur Speise unserer Seelen. Hilf, daß wir unseren Feinden und Beleidigern freundlich begegnen und ihnen ihre Fehler gerne ver 73 geben, damit auch Du uns unsere Sünden verzeihen mögest. Laß uns nicht in zu tiefe Anfechtung fallen und verderben, sondern schenke uns in aller Trübsal die liebliche Empfindung Deines väterlichen Sinnes. Endlich gieb, gütigster Vater! daß wir von allem Uebel des Leibes und der Seele durch Deine Gnade erlöst, zum Erbtheile des Himmels, das uns durch das Blut Deines Sohnes erworben ist, erhoben und in Gemeinschaft der Engel der ewigen Freude theilhaftig werden, durch Jesum Christum, unsern Heiland, welchem sammt Dir und dem heiligen Geiste sey Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen. Savonarola. Morgengebet am Mittwoch. Wir danken Dir, allmächtiger Vater, daß Du uns in dieser Nacht gnädiglich behütet haſt. Laß uns nun, gütigster Herr!. den kommenden Tag so in Deinem Dienste vollbringen, wie es Dir wohlgefällt. Gieb uns Demuth, Weisheit und Geduld. Halte Deine Augen offen über uns vom Aufgange des Lichtes bis zu dessen Untergange und wende Deine Ohren zu unseren Gebeten. Sende Deine Engel zu unserem Schuße, richte unsere Schritte auf den Weg des Friedens, damit wir ohne Anstoß in Deinen Geseßen wandeln mögen durch unsern Herrn Jesum Christum! Amen. Alcuin. 74 Abendgebet am Mittwoch. Herr Gott! Regierer und Beschüßer aller Dinge, der Du das Licht von der Finsterniß geschieden hast, wir bitten Dich inständigst: laß bei der Finsterniß der kommenden Nacht uns Deine Rechte bedecken, damit wir allzumal fröhlich die Morgenröthe wieder hervorbrechen sehen. Gieb uns Deinen Frieden vom Himmel, o Herr! damit wir in diesem schlafen und mit Christo erwachen mögen, der mit Dir und dem heiligen Geiste regieret in Ewigkeit! Amen. Alcuin. Morgengebet am Donnerstag. Allmächtiger Gott! Dein Wille geschehe wie Dein Wille im Himmel, also auch auf Erden. ist es, daß wir schwache und arme Menschen auf dem Wege Deiner Gebote zu Dir wandeln sollen. Aber wie mag das geschehen, wenn Du uns nicht regierest und leitest? Ach, lieber Vater, führe uns selber zu Dir; überlaß uns nicht unserm Rathe, überlaß uns nicht unserm Willen. Ziehe uns zu Dir, wie Du willst, sey es durch Unglück oder Glück, durch Engel oder Menschen, durch das Gefühl Deiner süßen Gnade oder Deines gewaltigen Armes. Nun, Herr! wir hoffen auf Dich, Du wirst uns nicht umkommen, Du wirst Deinen Willen in uns und an uns geschehen lassen. Amen. Gerson. 75 Abendgebet am Donnerstag. Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkeſt, o Gott! oder das Menschenkind, daß Du Dich seiner annimmst! Wie hätten wir es je verdienen können, daß Du uns Deine Gnade gewährest, und wie dürften wir klagen, wenn Du uns verließest; oder was könnten wir Dir vorhalten, wenn Du nicht erhörest, was wir bitten? Ach, wir sind nichts und vermögen nichts; wir haben nichts Gutes aus uns selbst; wir sind ohnmächtig und streben nach dem Nichts; und wenn Du uns nicht unterstüßest und innerlich stärkest, so würden wir durchaus lau und zuchtlos werden, Du aber, o Herr! bist immer derselbe und bleibeſt in Ewigkeit allezeit gut, gerecht und heilig; Du machst Alles wohl und ordnest Alles mit Weisheit. Wir aber beharren nicht, sondern sind veränderlich wie die Zeit, und es wird nur besser, wenn es Dir gefällt, uns Deine helfende Hand zu reichen. Du allein kannst helfen ohne menschlichen Beistand und uns so sehr befestigen, daß unsere Augen sich nicht mehr wenden, sondern allein zu Dir blicken und in Dir ruhen. hätten wir doch gelernt, auf menschlichen Trost zu verzichten und Dich allein zu suchen, dann könnten wir zuversichtlicher Deine Gnade erwarten, dann würden wir bald Deine Tröstung in neuem Maaße und mit heiliger Entzückung genießen! Dank sey Dir, von dem Alles kommt, so oft 76 uns etwas Gutes zu. Theil wird. Deiner wollen wir uns rühmen und in Deinem Namen uns freuen. Denn was könnten wir von uns rühmen, da wir so leer, unstät und schwach sind? Dein Name werde gelobet und nicht der unsrige; Dein Werk werde gepriesen und nicht was wir vollbringen. Sey Du unser Ruhm und die Freude unseres Herzens. Denn aller menschliche Ruhm, alle zeitliche Ehre, alle weltliche Hoheit, was sind sie gegen Deine ewige Herrlichkeit anders, als Eitelkeit und Thorheit! O ewige Wahrheit, unendliche Liebe, Herr, Du unser Gott! Dir allein sey Ehre, Lob und Ruhm! Amen. Thomas von Kempis. Morgengebet am Freitag. Der Du von Gott gesandt auf Erden erschienen bist, um unser Retter von der Gewalt des Bösen zu seyn, und uns aller Segnungen Gottes theilhaftig zu machen, Herr Jesu! auf Dich soll unser Blick sich lenken, bei Dir soll er verweilen, an Deiner Herrlichkeit soll er mit Ehrfurcht hangen. Zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung bist Du uns von Gott gesandt; von Dir sollen wir lernen; unter Deinem Einflusse sollen wir besser werden; mit Dir sollen wir siegen über alle Noth der 17/17 Erde und über alle Uebel, die uns umgeben. Laß es uns gelingen mit Dir, der so herrlich überwunden hat und unser Vorbild geworden ist; laß es uns gelingen, Deinen Sinn zu fassen, erwärmt zu werden von Deiner himmlischen Tugend, und uns gestärkt und erhoben zu fühlen, durch Deine Kraft. Ach, Du weißt es aus Erfahrung, wie uns zu Muthe ist, denn Du biſt versucht worden, gleichwie wir; Du hast selbst hier gelebt und gekämpfet, und bist würdig geworden einen Namen zu empfangen, der über alle Namen ist, und bist gesetzt worden zur Rechten der Majestät im Himmel. O laß uns fühlen, warum wir hier sind; laß uns empfinden, was wir werden sollen; laß uns, gestärkt durch Dein Vorbild, mit Eifer Alles vollenden, was uns hier obliegt! Wie erquickt es unser Herz, daß auch Du im Staube gelebt, daß Du Theil genommen hast an jedem Kummer, an jeder Noth, an jedem Leiden, das auf Erden wohnt! Uns umringen noch die Uebel, die Du besieget hast, uns erwarten noch vielfache Kämpfe, aber wir treten getrost in die Fußstapfen, die Du uns gelassen, und hoffen auf Deine Gnade, die sich nach ihrer Kraft in unserer Schwachheit mächtig zeigen will. Von Dir geehrt, mit Dir vereinigt und auf den Thron Gottes erhoben, erblicken wir unsere Natur. So laß uns denn fühlen, was wir werden sollen, wohin wir uns aufschwingen 78 können, da Du Mensch warst wie wir, und uns freundlich Deine mächtige Hand reichest. Wir wollen würdig wandeln nach dem Evangelium, wir wollen kämpfen für den Glauben und auf keinem Wege erschrecken. Und Du wirst Deinen Treuen helfen, Herr Jesu! denn wir haben Dein Wort: ich bin bei Euch alle Tage. Auch an uns erfülle Deine Verheißung; laß uns Glauben halten, stark seyn und überwinden. Dürfen wu nicht Alles hoffen von Deiner Macht, von Deiner Erbarmung, von Deiner Liebe, die stärfer war als der Tod? Wirst Du uns nicht einst erretten von allem Uebel und uns aushelfen zu Deinem Reiche? O vollende Dein großes Werk auch an uns; immer heiliger, immer himmlischer laß unsere Natur werden und Dir folgen in die Herrlichkeit, Dir, der Du uns Gott erkauft hast mit Deinem Blute. Wie hast Du uns getröstet, Herr Jesu! Welche Aussicht hast Du uns geöffnet! Welchen Lohn der Treue hast Du uns gezeiget! Da, wo wir kämpfen sollen, hast Du selbst gekämpft, und umgeben mit unserer Schwachheit, versucht wie wir, hast Du ausgedauert und Treue bewiesen und überwunden. O reiche uns selbst die Hand, gieb uns die Kraft, Dir zu folgen und verzeihe es unserer Schwachheit, wenn wir zuweilen zagen oder straucheln. Die Bahn des Lichts ist auch uns geöffnet und wir sind alle bestimmt, Dir nachzufolgen. Neiche uns die Hand, allmächtiger 79 Retter, und erfülle uns mit Muth und Kraft, Dir nachzustreben. Wohl uns, wenn wir scheidend bekennen dürfen: wir haben Dich verklärt auf Erden und vollendet das Wort, das Du uns gegeben hattest, daß wir es thun sollen. O dann verkläre uns selbst bei Dir und laß uns Deine Herrlichkeit schauen! Amen. Dr. Franz Volkmar Reinhard. Abendgebet am Freitag. Herr, unser Gott! Du bist heilig und gerecht, wir aber sind von unreinen Lippen und sündigem Herzen. Wir bekennen Dir unsere vielfältigen Sünden und bitten Dich um gnädige Vergebung derselben im Namen und um Deines lieben Sohnes, unseres Heilandes Jesu willen. Sind wir Sünder, so sind wir doch Deine Geschöpfe. Verwirf nicht das Werk Deiner Hände, siehe uns gnädig an von dem Throne Deiner Herrlichkeit; laß Dein Angesicht über uns leuchten in Glück und Barmherzigkeit. O Gott! der Du einen Bund der Gnade und des Lebens mit uns aufgerichtet hast, was war in uns, das Dich zu einem solchen Gnadenwerke bewogen hatte? Darum habe Mitleid mit uns, erbarme Dich unser und verfahre nicht mit uns 80 nach unserer Unwürdigkeit, sondern nach der Größe Deiner unendlichen Barmherzigkeit. Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ach, Herr! was soll denn hindern, daß wir selig werden, weil wir nichts Anderes begehren, als uns aufrichtig zu Dir zu bekehren! So lege denn selber Hand an das Werk; bekehre Du uns, so werden wir bekehret; schaue uns an mit den Augen Deiner Barmherzigkeit. Deine Hände haben uns bereitet, wie solltest Du uns denn verachten? Da wir wandelten in den eigenen bösen Wegen, haſt Du mit großer Geduld auf unsere Bekehrung gewartet, uns auch jetzt gnädig zu Dir berufen; solltest Du uns nun nicht einen Blick Deiner Gnade senden? Ja, Herr! wir wissen, Du wirst es thun, denn es ist Dein Wesen, gnädig zu seyn. Wohlan denn, o Vater! schaue Deinen Sohn an, wie viele Schmerzen er unseretwegen gelitten; siehe an sein heiliges Blut, welches um Verzeihung für uns bittet. Warum hast Du uns, o Herr, die Erkenntniß Deines Sohnes gegeben und den Glauben an sein Blut? Hast Du es darum gethan, daß wir unsere Erlösung von ferne sehen, aber sie nicht erlangen sollten? Nein, Du bist viel zu liebevoll, Dein Wort versichert uns Deiner Gnade. So bitten wir denn, getreuer Vater! Du wollest uns in Gnaden anschauen in diesem Deinem liebsten Sohne, und also um Christi willen auch ins gnädig seyn. 81 Laß uns hinfort Dir wohlgefällig leben; versichere uns Deiner Gnade durch das kräftige Zeugniß Deines heiligen Geistes, damit wir uns in Dir freuen und fröhlich seyn mögen.- Höre uns, o Gott alles Trostes, und wende Dich zu uns, damit wir Dich loben und ewiglich preisen! Amen. Georg Joachim Zollikofer. Morgengebet am Sonnabend. Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn und vergiß nicht, was er Dir Gutes gethan hat. O Du ewiger und starker Gott! wie unerforschlich ist Deine Weisheit, wie groß ist Deine Gnad und Liebe, wie überschwänglich ist Deine Barmherzigkeit und Langmuth, wie unbegreiflich ist Deine Allmacht und Güte, die Du uns erwiesen hast. Ja, Herr, wir erkennen unsere Niedrigkeit und Unwürdigkeit vor Dir, wir sind nichts und Du bist Alles, wir sind unverständig und sündig, Du bist weise und gnädig; ich bin ungehorsam und arm, Du bist geduldig und freigebig. Ach! wir sind zu geringe aller Wohlthaten, die Du an uns gethan haft. Wunderbar sind Deine Werke und wahrhaft sind Deine Verheißungen; gerecht sind Deine Strafen und gnädig Deine Züchtigungen; treu bist Du in Deinen Zusagen und Deine Liebe ist über Alles, Alles mit Gott! 6 82 denn sie ist höher als der Himmel und tiefer als das Meer. Wir sind Deine Geschöpfe und Deine Kinder, Du bist unser Schöpfer und Vater; wir sind Deine Diener und Schuldner, und Du bist unfer Herr und Wohlthäter; von Dir haben wir Alles, und ohne Dich sind wir Nichts. Darum sey gelobet, Gott, himmlischer Vater! daß Du uns an's Licht gerufen und zu Deinem Ebenbilde gemacht, und uns eine vernünftige Seele gegeben hast; sey geprieſen, daß Du uns im Schooße der Kirche Christi hast lassen geboren werden, daß Du Dich auch unser erbarmet, uns Deinen Sohn geschenket, und ihn auch für uns zu einem Fürsprecher und Erlöser, Heiland und Mittler gemacht hast. O wie erfreulich ist sein Evangelium, wie tröstlich sind seine Zusagen, wie köstlich ist seine Erlösung, wie kräftig ist sein Leiden und Sterben! Auch wir sind versöhnet und durch den Glauben eingegangen in das Himmelreich, und Dein heiliger Geist, o Gott! dieser Tröster in aller Noth, schaffet in uns das Wollen und Vollbringen, und macht uns geschickt zum ewigen Leben. Er ruft uns, er hilft uns und kräftiget uns durch seine Gemeinschaft. O sey gelobet in Ewigkeit, daß Du uns arme, verderbte Menschen aus unserem Elende gerissen, durch das Wort des Evangeliums uns berufen, unsere finstere Seele erleuchtet, unser krankes Herz geheilet, unsere verlorenen Kräfte erneuert, und uns also zu neuen Menschen gemacht hast, zu Erben des 83 ewigen Lebens. O Gott! wie viel sind wir Dir schuldig! Wie hast Du uns von unserer Kindheit an bis auf diesen Tag mächtig erhalten, väterlich versorgt und wunderbar geführt! Aus mancher Noth hast Du uns errettet, vor manchem Unglücke behütet, in manchem Kummer getröstet. Als wir frank waren, hast Du uns genesen lassen; als wir irrten, hast Du uns zurecht geholfen; als wir fündigten, haſt Du Geduld mit uns gehabt; unsere Buße hast Du angenommen, unser Gebet erhört, unsere Arbeit gesegnet. Immerdar hast Du uns das tägliche Brod bescheeret und uns erfreuet, und auch im Alter wirst Du Dich unser annehmen. Habe Dank für diese Gaben Deiner Güte, für Freunde und Geliebte, die Du uns gegeben; für den Stand, den Du uns angewiesen; für jedes Gute, das Du durch uns geschehen ließest; habe Dant auch für diesen Tag, den Du uns wieder schenkest, für die Ruhe der vergangenen Nacht und für das gesunde Leben, mit welchem Du uns erwachen ließest. O wie viele Menschen sind in dieser Stunde hier und anderswo arm und elend, verlassen und tief betrübt! Wie sehr hast Du uns ihnen vorgezogen, liebreicher Vater! und womit haben wir Deine Liebe verdienet? O laß Dein Angesicht über Alle leuchten, die Dich in ihrer Noth anrufen, und segne sie nach Deiner Güte; uns aber laß allezeit erkennen, wie Du zu rühmen und zu loben bist, und unsere Seele möge nicht müde werden, Dich 84 zu preisen und Dir zu danken, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen. Kaspar Neumann, Abendgebet am Sonnabend. Dir nahen wir uns, o barmherziger Gott und Vater! Am Ende dieses Tages und dieser Woche, und bitten Dich, Du wollest uns alle unsere Sünden vergeben, und unsere Seelen durch das Blut Jesu reinigen, um in Deinem Frieden einschlafen und mit Deinem Willen die neue Woche mit fröhlichem Herzen antreten zu können. Unser Leben ist voller Fehler und Gebrechen, auch unsere besten Werke sind mangelhaft vor Dir, Vieles, das wir gedacht, geredet und gethan haben, war böse und sündhaft. Und doch kennen wir uns selber nicht ganz, Du aber, o Gott! kennest uns und unser Leben vollkommen. Wie arm und elend, wie unrein und gebrechlich müssen wir vor Deinen Augen seyn! Und doch bist Du barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue, und läsfest uns dessen froh werden, daß wir einen Fürsprecher bei Dir haben, nämlich Deinen Sohn Jesum Christum, der gerecht und der die Versöhnung für unsere und der ganzen Welt Sünde geworden ist. Im Namen Deines Sohnes bitten wir Dich, o himmlischer Vater! um 85 Vergebung unserer Sünden und um die Reinigung unserer Seele von jeder Sünde. Wir bitten Dich aber auch, daß Du unsere Herzen mit reiner Liebe erfüllen und uns dadurch tüchtig machen wollest, Dir anzuhängen und Deine Gebote mit Freuden zu halten. Tilge in uns das Andenken an Alle Beleidigungen, die uns widerfahren sind. Laß keinen Haß und keine Rachgier in uns wurzeln. Lehre uns erkennen, wie klein und heilsam alles Leiden in der Welt sei, und wie uns auch der Nächste nicht ohne Deine heilige Zulassung beleidigen könne. Sollen wir des Leidens Deines Sohnes, welches ja größtentheils auch von Menschen herkam, theilhaftig seyn, so mache uns auch seiner Geduld, Sanftmuth und Liebe theilhaftig. Und gleichwie er jetzt Freude die Fülle und liebliches Wesen zu Deiner Rechten ewiglich genießt, also führe uns endlich auch in Deine Ruhe und Freude ein. Amen. M. M. F. Roos. Vierte Woche. Morgens am Sonntag. ODu, der einst im Grabe lag, Herr! heilig sey uns dieser Tag! An diesem Tage giengest Du Verklärt aus Deiner Grabesruh! 86 Wie unaussprechlich war entzückt Die Schaar, die näher Dich erblickt! O möchten, Christus, wir uns Dein, Gleich Deinen Jüngern herzlich freu'n! Du lebst, und lebst für uns, und bist Auch unser, unser Jesus Christ! Du siehst und hörst uns, beten wir, Und unser Flehen dringt zu Dir. Und von dem Himmel rufest Du Im Geist auch unsern Herzen zu: Ihr Kindlein! Friede sey mit euch, Auch euer ist mein Himmelreich! Vergäßen wir nur Deiner nicht, Nur Lust wär' uns die schwerste Pflicht! Du lebst für uns, o glaubten wir: Wir lebten und wir stürben Dir! Drum send' uns, Jesus, Deinen Geist, Der stets an Dich uns denken heißt, Sey immer nah' uns, Jesus Christ, Der Du vom Tod erstanden bist! Joh. Kaspar Lavater. Abends am Sonntag. Nun bricht die finst're Nacht herein, Des Tages Glanz ist todt: Jedoch, mein Herz, Schlaf noch nicht ein, Geh', rede vor mit Gott. O Gott, Du großer Herr der Welt, Den Niemand sehen kann, Du siehst ja mich in Deinem Zelt, Hör' auch mein Seufzen an. 87 Den Tag, den ich nunmehr vollbracht, Der war besonders Dein; Drum hätt' er auch bis in die Nacht Dir sollen heilig seyn. Vielleicht ist dieses nicht geschehen, Denn ich bin Fleisch und Blut, Und pfleg' es öfters zu versehen, Wenn gleich der Wille gut. Und such' ich Deinen Gnadenthron, Sieh' meine Schuld nicht an, Und denke, daß Dein lieber Sohn Für mich genug gethan. Schreib' Alles, was man heut' gelehrt, In unsre Herzen ein, Und lasse die, so es gehört, Dir auch gehorsam seyn. Erhalte ferner noch Dein Wort, Und thu' uns immer wohl, Damit man stets an diesem Ort Gott diene, wie man soll. Indessen such' ich meine Ruh'; O Vater! steh' mir bei, Und gieb mir Deinen Engel zu, Daß er mein Wächter sey. Gieb Allen eine gute Nacht, Die heute recht gelebt, Und beff're den, der unbedacht Hat wider Dich gestrebt. Wofern Dir, Herr! mein Thun gefällt, So hilf mir morgen auf, 88 Daß ich noch ferner in der Welt Vollbringe meinen Lauf. Und endlich führe, wenn es Zeit, Mich in den Himmel ein; Da wird in Deiner Herrlichkeit Mein Sabbath ewig seyn. Amen. Kaspar Neumann. Morgens am Montag. Ein neuer Tag, ein neues Leben Geht mit der neuen Woche an; Gott will mir heut' auf's Neue geben, Was mir sonst Niemand geben kann. Denn hätt' ich seine Gnade nicht, Wer gäbe sonst mir Trost und Licht? Ich grüße diesen lieben Morgen Und küsse Gottes Vaterhand, Die diese Nacht so manche Sorgen In Gnaden von mir abgewandt. Ach Herr! was bin ich Armer doch? Du sorgst für mich; ich lebe noch. Nun das erkennet meine Seele Und giebt sich selbst zum Opfer hin; Doch weil ich noch in dieser Höhle Mit Noth und Tod umgeben bin, So weich' auch heute nicht von mir, Denn meine Hülfe ist bei Dir! Mein Glück in dieser neuen Woche Soll nur in Deinem Namen blüh'n, Ach, lass' mich nicht am Sündenjoche Mit meinem Fleisch und Blute zieh'n. 89 Gieb Deinen Geist, der mich regiert Und mich nach Deinem Willen führt. Soll ich mein Brod mit Kummer essen, So laß es doch gesegnet seyn, Und was Du sonst hast zugemessen, Das richte mir zum Besten ein. Ich bitte nicht um leberfluß, Nur was ich nöthig haben muß. So thue nun, mein Gott, das Deine, Und laß mich auch das Meine thun. Behüte Beides, Groß und Kleine, Daß sie in Deinen Händen ruh'n, Und daß ein Jeder diesen Tag Mit Dir vergnügt beschließen mag. Amen. B. Schmolf. Abends am Montag. Vollendet hat der Tag die Bahn, i Sein Licht der Abend ausgethan, Und überall die dunkle Nacht Die Zeit der Ruhe hergebracht O reicher Gott! nun segne Du Uns diese Nacht zu guter Ruh'. Was Du uns Gutes hast bescheert, Wie Du uns heut' versorgt, ernährt, In aller Fährlichkeit beschüßt, Uns zugewendet was uns nüßt: Wir danken dafür inniglich Und Herz und Lippen preisen Dich. Was aber Uebels wir gethan, Das rechn' aus Gnaden uns nicht an: 90 Wir klagen Dir's mit Reu und Schmerz Und zeichnen unser Haus und Herz Mit Deines lieben Sohnes Blut Zu Glaubenstrost und Glaubensmuth. Nun gieb uns Ruhe, die erquickt, Nach der das müde Auge blickt. Des Wächters Hut und Wachsamkeit, Der Thor' und Riegel Festigkeit, Das Lager weich und warm und dicht: Das Alles giebt die Ruhe nicht. hältst Du nicht selbst im Herzen auf Der Sorgen und Gedanken Lauf, So fährt es aufgeregt einher Wie ein vom Sturm bewegtes Meer, Und manche Stunde stiller Nacht Wird Ruhe suchend hingebracht. Drum bring' Du unser Herz zur Ruh' Und schließ uns bald die Augen zu. Mit Deiner Güte decke uns, Bu rechter Zeit erwecke uns. Dann sey Dir unser Dank gebracht Für Dein Geschenk, die gute Nacht. Amen. Karl Joh. Philipp Spitta. Morgens am Dienstag. Die dunkle Nacht ist wieder fort, Es strahlt die Sonn' auf's Neue, Und mit ihr strahlt nach seinem Wort Uns Gottes Lieb' und Treue. Er hat uns süßen Schlaf geschenkt Und frische Kraft gegeben. 91 Zur Arbeit Muth in's Herz gesenkt, Und neue Lust zum Leben. Sey Dir, o Herr! dafür gedankt Aus innerstem Gemüthe! Wenn Alles um uns fällt und wankt, Fest stehet Deine Güte! Sie ist ein Pfeiler in der Noth, Ein Schirm vor Furcht und Schrecken, Sie läßt bei Früh- und Abendroth Uns ihre Fülle schmecken. Das Herz ist froh, der Geist ist hell, Auf denn zum Tagewerke! Es wird ein steter Freudenquell, Wenn man's mit Lust und Stärke Nach Gottes Willen treibt und schafft Und fleißig regt die Hände, Bis es mit unverdross'ner Kraft Geführet ward zu Ende. Wie bald doch kommt die Nacht herbei, Wo Niemand mehr kann schaffen! So laß uns alle Kräfte treu Und fest zusammenraffen, Daß wenn die Abendwolken nah'n Und Nacht deckt Land und Meere, Auch unsre Arbeit sey gethan Gott, unfrem Gott zur Ehre! Amen. Dr. August Gebauer. Abends am Dienstag. Müde bin ich, geh' zur Ruh', Schließe meine Augen zu; 92 Vater, laß die Augen Dein Ueber meinem Bette seyn! Hab' ich Unrecht heut' gethan, Sieh es, lieber Gott, nicht an; Deine Gnad' und Jesu Blut Macht ja alle Schaden gut. Alle, die mir sind verwandt. Gott, laß ruh'n in Deiner Hand! Alle Menschen, groß und klein, Sollen Dir befohlen seyn. Kranken Herzen sende Ruh', Nasse Augen schließe zu! Laß, die noch im Finstern gehen, Bald das Licht in Jesu sehen! Amen. Louise Hersel. Morgens am Mittwoch. Ich danke Dir, mein Herr Jesus Christ! Daß Du mir gnädig gewesen bist, Mit Deinen Flügeln mich hast bedecket Und fröhlich wieder vom Schlaf erwecket. O sey nun bei mir den ganzen Tag, Daß ich nichts Böses begehen mag. Ach! reinige mich von meinen Sünden Und laß mich Trost und Vergebung finden, Gieb mir einen frischen, fröhlichen Muth, Ein Herz, das gern Deinen Willen thut, Dein nimmer vergißt, Dich lobt und preist, Dich stets anfleht um den heiligen Geist. Amen. Gustav Knack. 93 Abends am Mittwoch. Entflohen sind auch dieses Tages Stunden, An dem wir noch des Lebens Glück empfunden; Mit frohem Dank laßt uns den Herrn erheben, Durch den wir leben. Noch immer läßt er uns Erbarmung finden, Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden; Wir häufen Schuld auf Schuld, er läßt uns leben Und will vergeben. Wie unwerth sind wir, Vater, Deiner Treue Prüf' unser Herz, es fleht zu Dir voll Reue. Ach laß es uns von Dir im Glauben stillen, Um Christi willen. Uns wohlthun ist Dein göttliches Vergnügen, Dein Aufsehn schüßt uns, wenn wir hülflos liegen. Und wir entfeelt, umhüllt von Finsternissen, Von uns nichts wissen. War dieß für uns der letzte Tag auf Erden, Soll unser Schlaf ein Todesschlummer werden: Dann weckst Du uns, die wir Dir sind ergeben, Zum ew'gen Leben. So legen wir getroft zur Ruh' uns nieder; Seh'n wir erfreut die Morgensonne wieder, Dann preisen wir mit heiterem Gemüthe, Herr! Deine Güte. Amen. Christ. Friedr. Neander. Morgens am Donnerstag. Der schöne Tag bricht an, Die Nacht ist abgethan, 94 Die Finsterniß vergangen: Laß uns Dein Licht umfangen, Du, unsre Sonn' und Leben, Der Welt zu Heil gegeben! Befiehl der Engel Schaar, Daß sie uns heut' bewahr'. Wenn Du die Hand ausstreckest Und uns damit bedeckest, So laß sammt unsern Sünden Das Uebel von uns schwinden. Laß uns in Deiner Hut Das thun, was recht und gut, Und gleich als Kinder leben, Die Dir sich ganz ergeben, In Deinen Wegen gehen Und fest im Glauben stehen. Befällt uns Kreuz und Noth, So hilf, Du trener Gott, Daß wir in allen Stücken Uns drein geduldig schicken; Denn Dir nicht widerstreben Ist ja das beste Leben. Gieb Speis und Trank dem Leibe, Daß er bei Kräften bleibe, Und soll die Seele scheiden, So sey's zu Deinen Freuden, Daß wir auf Deinen Namen Getroft hinfahren. Amen. M. August Buchner. 95 Abends am Donnerstag. Nimm diese Nacht, o treuer Vater, Dein armes Kind in Deine Hut; Sey Du mein gütiger Berather, Und wasche mich mit Jesu Blut Von Allem, was ich heut gethan, Und nimm sein Opfer für mich an. Ich lege mich jeßt fröhlich nieder Als Dein begnadigt Eigenthum; Erwecke mich auch morgen wieder Zu Deines großen Namens Ruhm, Wenn meine Augen schlafen ein, So laß die Seele bei Dir seyn. Amen. Ch. Nicbel Morgens am Freitag. Für mich erschienst Du, Herr! auf Erden Aus Deines Himmels Herrlichkeit, Und wandeltest in Knechtsgeberden, Von Schmach gebeugt und bittrem Leid. Du wardst verhöhnt um meinetwillen, Mein Sündenheer war Deine Last, Und um mein armes Herz zu stillen, Bist Du zuletzt am Kreuz erblaßt. Von dorther rufst Du mir entgegen: ,, Das Alles, Alles that ich dir, Und überfüllte dich mit Segen: Was aber thust du mir dafür?" Ich stehe weinend und bekenne, Daß ich noch immer treulos bin, 96 Daß ich noch nicht vor Liebe brenne, Noch Dein nicht bin mit Herz und Sinn; Daß ich Dich noch so oft verlasſe, Du Allerliebenswürdigster! Und wandle auf der Sünder Straße, Getrennt von Dir, Du treuer Herr! Es thut mir aber bitter wehe Und macht mir schweres Herzeleid, Und seufzend komm' ich, Herr! und flehe Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! Laß Deine Huld mir ferner scheinen, Nimm Deinen Geist nicht weg von mir Und zähle ganz mich zu den Deinen, Daß ich Dir diene für und für: Mich ganz in Deinen Tod versenke, Stets wandl' in Deinem Liebeslicht, Und wo ich sey, an Dich nur denke, Bis ich Dich schau' von Angesicht. Amen. Gustav Knack. Abends am Freitag. Ach! halt uns fest, Herr Jesu Christ! Daß unser Herz Dich nie vergißt Und daß wir Dir und Deinem Wort Getreu verbleiben fort und fort. Lehr' unsre Schwachheit uns verstehen, Daß wir auf Deine Kraft nur sehen; Zeig' uns, wie krank und arm und blind Wir ohne Dich, Herr Jesu! sind. Erbarm' Dich unser, liebster Herr! Daß unser Herz sich recht bekehr' 97 Und von dem eiteln Land und Schein Sich wende nur zu Dir allein. Sey unser steter Freund und Gast In Arbeit wie zur Zeit der Raſt; Behüt' uns vor Gefahr und Noth, Und schüß' uns vor dem ew'gen Tod. All' unsre Wege, Werk und Thun Laß, Herr! in Deinen Händen ruh'n, Und unser Sinnen und Verstand Sey Dir auf ewig zugewandt. Will uns die Sünde feindlich nah'n, So nimm Dich gnädig unser an; Gieb uns Dein Schwert und steh' uns bei, Daß unser Kampf zum Siege sey. Brich unsre Bande selbst entzwei Und mach' uns ganz vom Bösen frei, Daß wir nur Dir als unserm Herrn In Furcht und Liebe dienen gern. Gieb, daß wir demuthsvoll und still Dir folgen, wie Dein Geist es will; Mach' uns an Himmelsgütern reich Und unser Herz dem Deinen gleich. Den Schmuck der Welt lehr' uns verschmähen Und ganz auf Deinen Wegen gehen; Nach Deines Friedens sel'gem Licht Sey unsre Seele stets gericht't. Gieb, daß wir fest auf Dich vertrauen In Freud' und Schmerz, in Angst und Grauen; Und wenn wir kindlich zu Dir flehen, So laß es nicht umsonst geschehen. Alles mit Gott 7 98 Beschüß' uns, Herr! mit Deinem Heer, Sen unser Fels und starke Wehr, Und gieb, daß wir Lob, Preis und Dank Dir sagen unser Lebenlang. G. Knak. Morgens am Sonnabend. Wie, wenn ich heute sterben sollte, Wie wär', o Seele, dir zu Muth: Bist du, wie Gott dich haben wollte, In seinen Augen rein und gut? Kannst du vor deinem Gott bestehen, Vor ihm, der heilig, heilig ist, Dem Richter in das Antlig sehen, Der in des Herzens Tiefen liest? Sprich, würdest heute du mit Freuden Den Todesengel wohl empfah'n, Von Allem, was dir lieb ist, scheiden Und einsam geh'n die dunkle Bahn? Antworte nicht zu dreist, zu flüchtig, Dich täusche keines Schmeichlers Mund; Leicht zeigt dein Selbstvertrau'n sich nichtig, Erwägst du deiner Thaten Grund. Aus welcher Absicht, welchem Triebe Quillt dein gerühmtes Christenthum; Erfüllt dich Jesu Christi Liebe, Nicht Lüsternheit, noch Menschenruhm? Im Sterben, ach, im Sterben sinken Der falschen Tugend Stüßen ein, Den Scheinchrist stellt der Herr zur Linken, Wem Christi Geist fehlt, ist nicht sein. Suchst du in Allem Gottes Ehre, Lebst du nur Christo und nicht dir, 99 Als wenn dir Jesus sichtbar wäre Und täglich sagte: Folge mir!? Ist nichts als Sünde dir verhaßter, Fühlst du zu jedem Siege Kraft, Bekämpfst du auch die liebsten Laster, Bist Herr du deiner Leidenschaft? Ach nein! ich muß mich selbst verdammen, Ich bin kein Heiliger, kein Christ; Mein harren des Gerichtes Flammen, Wenn Du mir, Herr, nicht gnädig bist. Ja, zagen müßt' ich und erbeben, Riefst Du vor Deinen Thron mich heut'! Ach Vater, laß es Ernst mir werden, Mach' mit dem Sterben mich vertraut; Laß mich so heilig sein auf Erden, Daß vor dem Tod mir nicht mehr graut. Amen. Joh. Kaspar Lavater. Abends am Sonnabend. Der Herr hat wieder uns geführet Voll Treu' durch eine Wochenzeit; f Drum suchen wir, wie sich's gebühret, Im Sabbath Fried' und Sicherheit. Der Sonntag ist der beste Tag, Wohl dem, der ewig ruhen mag. Huld floß vom Herrn zu jeder Stunde, Sie ruft uns auf zum Lobgesang; Er schüßte, heilte jede Wunde Und stand uns bei auf unserm Gang. Er bleibt barmherzig, treu, gelind, So oft wir auch undankbar sind. 100 In Jesu Namen hör' uns flehen, O Herr! zeig' uns Dein Angesicht; Laß unsre Schulden untergehen In Deiner Gnade sel'gem Licht. Laß uns von allen Sorgen ruh'n, Und nur die Werke Gottes thun. Wenn uns der Strahl des Morgens wecket, Sey Deine Gegenwart nicht fern; Gieb dann Dein Heil uns aufgedecket, Hilf schauen uns das Licht des Herrn, Und laß, wenn wir zur Kirche geh'n, Im Geist die Ewigkeit uns seh'n. O laß des Evangeliums Kunde Besiegen jedes Sündenherz. Laß Dein Erbarmen jede Wunde Ausheilen, stillen jeden Schmerz. Laß hier uns jeden Sabbathschein Ein Bild der ew'gen Ruhe seyn! Amen. Aus dem Englischen von A. Knapp. Morgen- und Abendgebete für die Fest- und Feiertage. Morgengebet am Adventseft. Allmächtiger Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi! mit Dank und Anbetung werfen wir uns nieder vor dem Throne Deiner Gnade und preisen Deinen heiligen Namen, daß Du 101 uns abermals den Morgen eines neuen Kirchenjahres erleben lässest. O wie können wir Dir genugsam danken für alle die Gnadenerweisungen, womit Du bis auf diesen Augenblick unsere unsterblichen Seelen erquickt und uns gesegnet hast mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum! So hoch der Himmel über der Erde ist, läsfest Du Deine Gnade über uns walten; so fern der Morgen ist vom Abend, läsfest Du unsere Uebertretung von uns seyn. Deine Gnade währet von Ewigkeit zu Ewigkeit und Deine Gerechtigkeit auf Kindeskind. Darum sollen alle Deine Heiligen Dich loben und die Ehre Deines Königreiches rühmen. Insbesondere preisen wir Dich, daß Du zum Anfange dieses Kirchenjahres uns die große Wahrheit von dem Kommen Deines eingeborenen Sohnes hinstellest. Dieses Kommen macht ja Alles neu. Schenke dadurch auch uns neue Herzen und bereite uns selbst durch Deinen heiligen Geist, damit in uns und in aller Welt die Thäler erhöhet und alle Berge und Hügel erniedriget werden, auf daß Jesus Christus, der hochgelobte König der Ehren, einziehe in uns und ewiglich in uns bleibe als unser Licht und Leben. O treuer Heiland! komme zu uns und mache Wohnung in unseren Herzen, schenke uns Deinen Frieden; Du kommst ja als ein sanftmüthiger König, reich an Gnade und Erbarmung. Komme zu uns mit dem ganzen Segen Deines heiligsten Lebens, Leidens, Sterbens und Univ.- Bibl. Giessen 102 Auferstehens. Laß uns allezeit wandeln im Lichte Deiner Gnade, und gieb, daß Alles in uns und an uns sich Dir als dem rechten Herrscher zu Füßen lege, und daß wir nicht erschrecken dürfen vor Deinem Kommen zum Gerichte, sondern frohe Hoffnung haben in Dir.. O dreieiniger Gott! segne uns das neue Kirchenjahr, segne jeden Gottesdienst und alle kirchlichen Anstalten sammt allen Dienern und Gliedern der Kirche; segne heute und alle Tage unser Gebet und den Gebrauch Deiner heiligen Sakramente. Laß durch diese theuren Gnadenmittel Deine Kirche unter uns äußerlich und innerlich gebaut und befestiget werden. Alles zur Ehre Deines hochheiligen Namens und uns zur ewigen Seligkeit. Amen. S. E. Kapff. Abendgebet am Adventfeft. Du gnadenreicher Jesu! der Du bist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, ich danke Dir, daß Du mich diese heilige Zeit unter Deinem Schuße und durch Deine Gnade abermals hast erleben lassen. Ach! gieb Deines heiligen Geistes Kraft, damit ich sie möge in Deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der Du gewesen, ehe noch der Welt Grund gelegt war, bist in's Fleisch gekommen, ein wahrer Mensch 103 geworden, damit Du uns möchtest glücklich und selig machen. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu Dir in den Himmel kommen, darum kommst Du zu uns auf Erden, auf daß Du uns Alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Fremde, ja Gefangene und Gottes Feinde geworden, aber durch Deine allerheiligste Ankunft soll Alles wieder gut gemacht werden. Ogroße Gnade! o unaussprechliche Liebe! um Deinetwillen, o Jesu! sollen die Fremden Freunde, die Gefangenen Erlöste, die Feinde Gottes Geliebte, die Sünder Kinder und die Gefallenen wieder aufgerichtet werden. Denn das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort, daß Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch selig, führe mich auch in Dein Freudenreich! Gieb mir zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, damit ich Dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht anhöre, im Herzen behalte und annehme; damit ich im Glauben, wie in Deiner Erkenntniß und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachse und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeige, als da sind Keuschheit, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam, Frömmigkeit, und mir Deine Ankunft eine selige und heilsame sey. Ach, bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: Er kam in sein Eigenthum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. O Herr Jesu! ich nehme Dich 104 auf im Glauben, ich liebe Dich, ich ehre Dich, ich folge Dir. Komm herein, Du Gesegneter des Herrn! warum suchest Du draußen? ich habe mein Herz Dir durch Deine Gnade bereitet. Komm in mein Herz, ich will Dich als meinen einzigen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben fassen und Dein Verdienst und Deine Gerechtigkeit mir zueignen. Komm in mein Herz; ich will aus Liebe zu Dir alle weltlichen Eitelkeiten und Lustbarkeiten, alle Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit Du allein meiner Seele Inhaber und meines Herzens Beherrscher seyst. Ach wohne in mir, heilige mich Dir, erhalte mich in Deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich und suche in Dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen: denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich seyn? O Jesu; Du kamst als ein König; ach, regiere hinfort in meinem Herzen, damit die Sünde nicht mehr darin herrschen könne. Du kamſt als ein Gerechter; ach, mache mich gerecht und schenke mir das Kleid Deiner Gerechtigkeit. Du kamst arm, daß Du mögest reich machen meine Seele, reich im Glauben und an himmlischen Gütern. Du kamst demüthig; ach, mache mich demüthig, damit ich von Dir lerne Demuth und Sanftmuth, um dieselben in meinem Leben bei allen Gelegenheiten auszuüben. D Du König der Ehren! ziehe in die Thore mei 105 nes Herzens ein; siehe, ich thue sie durch Deine Kraft weit auf; regiere mich hinfort mit Deinem heiligen Geiste, damit ich Deine Wohnung und Dein Tempel beständig bleiben möge bis an mein seliges Ende! Amen. Johann Friedrich Stark. Am heiligen Chriflabend. Vom Himmel kommt der starke Held, Der Retter der gefall'nen Welt; Die Heerschaar jauchzt, des Himmels Pracht Umstrahlt die Hirten in der Nacht. Und seht, ein Bote Gottes schwebt 3u ihnen, deren Herz erbebt, Und spricht, mit Huld im Angesicht: O fürchtet euch, ihr Lieben, nicht! Wißt, großes Heil verkünd' ich euch: Der Sohn des Höchsten ward euch gleich; Geboren ist in Davids Stadt Er, der des Lebens Fülle hat. Er spricht's, entschwebt und ihn umringt Ein strahlend Chor, das Gott lobsingt; Es jauchzt der Engel feiernd Heer: Gott in der Höhe, Gott sey Ehr'! Und Friede herrsch' und Seligkeit Auf seiner Erde jederzeit; Gott freue seiner Menschen sich Und segne sie nun ewiglich. 106 Anbetend stammeln ihren Dank Die Hirten in dem Preisgesang, Erheben freudig sich und geh'n Nach Bethlehem, ihr Heil zu seh'n. Laßt unser's Heiles uns erfreu'n, Und Gott von Herzen dankbar sein; Den Sohn verehren, lieben ihn, Der uns zum Trost als Mensch erschien. Erfüllen laßt uns sein Gebot Und tren ihm seyn bis in den Tod; Dann schauet er, der ihn uns gab, Mit Wohlgefallen stets herab, Und nimmt uns nach vollbrachtem Lauf In seinen Himmel freudig auf; Indeß schallt hier schon unser Dank Mit seiner Engel Preisgesang. Amen. Johaun Christian Wagner. Morgengebet am ersten leihnachtstag. Herr Jesu Christe, mein Heiland! dessen Güte nicht zu zählen, ich bete Dich an als die allertheuerste Gabe des himmlischen Vaters, die er mir und aller Welt geschenket hat: daß er Dich, den Sohn der Liebe, zu uns armen Sündern auf die Erde gesendet und von der Jungfrau Maria hat gebären lassen. Nun bist 107 Du ganz unser mit Deiner Gottheit und Menschheit. Einen solchen Heiland sollten wir haben, der uns tiefgefallene Menschen von allen Sünden und dem damit verbundenen Elende des Leibes und der Seele in Zeit und Ewigkeit vollkommen erlösete. Nun können wir mit Freuden ausrufen: Alles und in Allem Christus! Denn Du bist das wahre Lebensbrod, und meine Seele kann nicht hungern. Du bist der Brunnen des lebendigen Wassers, und meine Seele kann nicht dürsten. Du bist mein Licht, und ich kann nicht in Finsterniß bleiben. Du bist meine Freude, wer kann mich betrüben? Du bist mein Beistand, wer kann mir's abgewinnen? Du bist meine Wahrheit, wer kann mich verführen? Du bist mein Weg, wie kann ich mich verirren? Du bist meine Weisheit, wer kann mich betrügen? Du bist meine Gerechtigkeit, wer kann mich verdammen? Du bist die Heiligung, wer kann mich verwerfen? Du bist meine Erlösung, wer kann mich gefangen halten? Du bist mein Friede, wer kann mich unruhig machen? Du bist mein Gnadenthron, wer kann mich richten? Du bist mein Mittler, wer kann mich bei Gott in Ungnade bringen? Du bist mein Fürsprecher, wer kann mich verklagen? Du bist mein König, wer kann mich aus Deinem Reiche stoßen? Du bist mein Hohepriester, wer kann mein Opfer verwerfen? Du bist mein Seligmacher, wer kann mich unglücklich machen? Wie könnte ich ein größeres Geschenk haben? Dieß Geschenk 108 ist mehr werth, als ich nichtswürdiger Sünder, als alle Menschen, als aller Welt Sünde, Jammer und Elend. Ach, sende einen Strahl der Herrlichkeit aus Deiner Krippe in mein finsteres Herz, damit ich Dich im ruhigen Glauben erkennen lerne. Dann wäre mir kein Unfall zu groß und kein Kreuz zu schwer. Denn Du bist in mir Alles und in Dir ist Alles mein, es sey das Leben oder der Tod, es sey das Gegenwärtige oder das Zukünftige. Alles ist mein, ich aber bin Dein; Du aber bist Gottes. Laß mich dieses große Heil recht wahrnehmen und heilige mich Dir selbst zum Opfer dafür. Laß mich stets in Deiner Liebe ruhen, laß mich durch die Freude in Dir mein Elend vergessen, die Sünde hassen, die Welt mit ihrer Lust verschmähen, Dir im Glauben gehorsam, und in meinem letten Stündlein nur in Dir erfunden werden! Alles um Deines Namens willen, Du Seligmacher aller verlorenen Sünder. Amen.ian! G. Arnold. Abendgebet am ersten Valeihnachtstag. ewiger Vater unseres Herrn Jesu Christi! wir bitten Dich durch die heilige Erscheinung Deiner Leutseligkeit und Freundlichkeit: schenke uns Deinen liebsten Sohn zum rechten Christ 109 geschenk in unsere Herzen, damit Du auch an uns ein Wohlgefallen haben mögest. Schließe auf Dein Vaterherz und gieb uns diesen Schaß geistig, wie Du ihn vormals leiblicher gabſt und auf die Erde sandtest. Mache uns seiner heiligen Menschwerdung in der That theilhaftig, damit wir Alle die Seligkeit fassen und genießen, die Du uns bereitet und er uns gebracht hat. O Du liebster Jesu! reiche uns Deine heilige Hand aus Deiner Krippe und rufe uns zu Dir, denn Du bist gekommen, uns zu holen aus diesem Jammerthale; Du, unsere Hoffnung, unser Heil, unser Alles! Entzünde die Herzen mit der Flamme Deiner Huld, die Dich aus der Herrlichkeit in's Elend trieb. Diese müsse in uns die Sehnsucht erwecken, Dich im Geiste zu umfangen und zu bewahren, damit uns nichts von Dir scheide. Befestige Dein Vorbild in uns in Sanftmuth und Demuth, in Geduld, in Verläugnung und Armuth des Geistes, in Gehorsam und Treue der Wahrheit, in kindlichem, lauterem Sinn nach Deinem Wandel. Gnade und Wahrheit ist durch Dich geworden, so werde sie auch in uns. Den Frieden hast Du gebracht, der sey auch unser eigen. Die Sünder willst Du selig machen, darum mache auch uns selig. Und weil Du auf das Niedrige siehest, so laß uns doch willig in Mangel, in Verachtung und Schmach, in Verfolgung und Trübsal zufrieden sein, Dir im Kreuz nachfolgen und mit Deinem Leiden Gemeinschaft 110 haben, welches von Deiner Geburt anfing, auf daß wir auch mit Dir herrschen in Ewigkeit. Hochgelobet seyst Du, o Heiland! Amen. G. Arnold. Morgengebet am zweiten Fleihnachtstag. Herr Jesu Christe! der Du vom Himmel gekommen bist auf diese Erde, damit wir von der Erde selig in den Himmel kommen möchten: wir danken Dir, daß Du durch Deine heilige Menschwerdung und Deinen blutigen Tod die Kräfte Deiner Gottheit in uns gelegt, und unsere Schwachheit, unser Elend also verkläret hast, daß wir unter allen Schmerzen und Leiden den Himmel offen sehen, und unseren Geist in Deine Hände befehlen können. In der Kraft dieser Verklärung hast Du so viele Blutzeugen Deines Namens freudig die schwerste Marter überwinden lassen, und ihr Blut zu einem Samen neuen Lebens für Deine Gemeinde ge= macht. Insbesondere preisen wir Dich, daß Du dem Märtyrer Stephanus verliehen hast, den guten Kampf zu kämpfen, und hast ihm beigelegt die Krone der Gerechtigkeit. O laß uns von ihm lernen, wie das wahre Leben aus dem Tode fließt, und wie unser alter Mensch sterben muß, wenn Du in uns geboren werden sollest. Laß uns nie vergessen, daß Deine Geburt den 111 Himmel öffnet nur für die, welche mit Dir sich hingeben zum gleichen Tode, also daß der alte Mensch sammt Dir gekreuziget werde und wir hinfort der Sünde nicht mehr dienen. So nur bist Du unser Leben, und Sterben unser Gewinn. O das schenke uns, wie Deinem Diener Stephanus. Hilf, daß wir uns nicht in dieses irdische Leben einbauen, sondern bei allen Lebensgedanken auch das Sterben in und mit Dir in Rechnung nehmen. Mache so unsere jetzige Christfreude zu einer rechten Sterbensfreudigkeit, wie ja Deine Geburt eine Geburt zum Sterben wie zum Leben war. Ziehe unsere Seelen ganz in Dich hinein, erfülle uns tief mit einem heiligen Heimweh nach Deinem Reiche, damit wir Alles vergessen, was dahinten ist, und nur trachten nach dem was vor uns ist, nach dem Kleinode, welches uns vorhält unsere himmlische Berufung in Dir o Heiland! Amen. S. G. Kapff. Abendgebet am zweiten Weihnachtstag. Lob und Dank sey Dir gesagt, ewiger, barmherziger Gott, daß Du Deinen eingeborenen Sohn Jesum Christum gesandt hast in die Welt zu unserer Seelen Seligkeit. O laß uns den ganzen Segen seiner Geburt genießen, damit er uns antreibe zur wahren Besserung und Sinnes 112 änderung. Hilf, daß wir dieselbe fortseßen bis an unser Ende, und lehre uns Christum lieb haben, welches besser ist als alles Wissen. In Dir, o Jesu! liegen die Schäße der wahren Weisheit verborgen. Du hast uns mit Gott versöhnet, und uns dadurch die nie versiegende Quelle des Trostes und der Beruhigung geöffnet. Du kamst vom Himmel hernieder, nicht um uns nur für die wenigen Tage dieser Pilgerschaft zu beglücken, Dir verdanken wir auch die zuversichtliche Hoffnung seliger Unsterblichkeit. Du betratest die Erde in armer Gestalt, und lagst entfernt von aller Pracht in einer Krippe, wie könnten wir in Deiner Nachfolge auf Reichthümer, auf Hoheit und auf sinnliche Genüsse zählen? Ob Du wohl hätteſt mögen Freude haben, erduldetest Du doch das Kreuz, und achtetest der Schande nicht, um die, so an Dich glauben durch Deine Armuth reich, und durch Dein Leiden ewig selig zu machen. So führe uns Deine Fußstapfen, und heilige uns nach Deinem Bilde, damit wir der Welt entsagen und uns nicht durch ihre Eitelkeit verblenden lassen. Laß uns hinsehen auf die Beispiele der ersten Christen, welche so muthig und standhaft Deinen Namen vor aller Welt verkündigten, und mit der größten Freudigkeit ſelbst dem Tode entgegen giengen. Laß ihre Kraft uns mächtig stärken, und erfülle uns mit Muth und Standhaftigkeit, damit kein Leiden und keine Trübsal, keine Schmach und kein 113 Spott der Welt uns von Dir abwendig machen. Lehre uns mit Stephanus aufblicken zum Himmel, auf die Krone des Lebens, die einst alle treuen Kämpfer belohnen wird. Doch, göttlicher Erlöser, führe uns nicht in Versuchung; Du weißt ja, wie weit unsere Kräfte reichen, stelle unseren Glauben nicht auf größere Proben, als er bestehen kann, und erhalte uns durch Deines Geistes Kraft treu bis an's Ende. Laß uns alle sündlichen Lüste fliehen, damit wir Dir ganz angehören; so sind wir gewiß, wo der Herr ist, werden auch seine Diener seyn. Du hast uns geliebet und erlöset, o Heiland! so laß Dir auch unsere Seele als ein theures Pfand empfohlen seyn. Nimm unseren Leib und unseren Geist in Deinen Schutz, wenn Feinde uns schaden wollen. Niemand kann uns erretten, Niemand uns helfen als Du! so haben wir Dich von Jugend auf gefunden bis auf diese Stunde. Darum sind wir auch getrost immerdar: denn bei Dir ist Alles, was uns erfreuen und beglücken kann. Dir übergeben wir uns in guten wie in bösen Tagen; verherrliche Deinen Namen an uns und durch uns. Bleibe auch in dieser Nacht unser Licht und laß uns in Deinem Frieden ruhen. Amen. Alles mit Gott! 8 114 Morgengebet am dritten& teihnachtstag, dem Johannistag. Treuester Heiland, der Du uns geliebet haſt, ehe die Welt gegründet war, und bist aus unbegreiflicher Liebe herabgekommen in unser armes Fleisch und Blut, wir danken Dir von Grund unserer Seele, daß Du durch die Offenbarung Deiner überschwänglichen Liebe auch in unsere kalte, liebeleere Herzen die Kraft der Liebe ausgegossen hast. Du hast uns zuerst geliebt, wie könnten wir anders, als Dich wieder lieben von ganzem Herzen und mit allen Kräften! Hilf Du uns dazu durch Deinen heiligen Geist und gieb, daß aus unserer Betrachtung Deiner heiligen Geburt die edle Frucht einer wahren, innigen Liebe hervorgehe. Segne dazu besonders auch das Andenken an den Jünger der Liebe, dem die Feier dieses Tages gewidmet ist. Wie er an Deiner Brust lag, und Nichts kannte und liebte als Dich, so vereinige uns mit Dir; ja, wie Du in uns eingegangen bist durch Deine Menschwerdung, so laß uns eingehen in Dich und ewiglich bleiben in Dir. Du bist die Liebe und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Dir und Du in ihm. Wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Dich und hat in Dir das Leben. Wer nicht lieb hat, der kennet Dich nicht und bleibt im Tode, dem bringt auch die Christtagsfreude keinen Se 115 gen, dem bist Du ein Geruch des Todes zum Tode. O so erfülle uns ganz und völlig mit Liebe, damit wir ausgehen aus uns selbst und uns Dir allein übergeben; damit wir in Dir auch unsere Brüder lieben nicht mit Worten, und mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. O mache das Vorbild Deines Jüngers Johannes recht kräftig an uns, damit wir gleich ihm durch Liebe neu geboren werden zum heiligen Leben der Liebe, in welchem wir Eins sind mit Dir, und jetzt schon einen Vorschmack haben von der Herrlichkeit, die Du uns verheißen hast. Amen. S. C. Rapff. Abendgebet am dritten Weihnachtsabend. Lob und Dank sey Dir gesagt, ewiger, allmächtiger Gott! daß Du mich mit diesem Tage das freudenreiche Fest der heiligen Geburt Deines eingeborenen Sohnes in Frieden und Ruhe hast beschließen lassen. O barmherziger Vater! Du hast mir nicht allein gegeben, was ich bedurfte zur Leibes- Nahrung und Nothdurft, sondern auch meine Seele mit dem Troste Deines heiligen Evangeliums, welches lauter Gnade und Seligkeit verheißt, so reichlich erquicket, daß ich durch solche heilsame Erkenntniß Deines heiligen Gnadenrathschlusses weit reicher und glück 116 seliger geworden bin, als wenn ich alle Schäße der Welt erlangt hätte. Diesen herrlichen Schab, der bis in die Ewigkeit währet, verfiegle jetzt in meinem Herzen und hilf, daß ich der himmlischen Weisheit immer weiter nachforsche, welches Niemand thut, denn der den Herrn fürchtet; und wer sich an Gottes Wort hält, der findet sie. Und sie wird diesem begegnen wie eine Mutter, und wird ihn umfangen wie eine Braut. Sie wird ihn speisen mit Brod des Verstandes und wird ihn tränken mit Wasser der Weisheit. Dadurch wird er stark werden, daß er fest stehen kann, und wird sich an sie halten, daß er nicht zu Schanden werde. Sie wird ihn erhöhen über seinen Nächsten, und wird ihm seinen Mund aufthun in der Gemeinde. Sie wird ihn krönen mit Freude und Wonne und ihn mit ewigem Namen begaben. Aber die Thoren finden sie nicht, und die Gottlosen können sie nicht ersehen, denn sie ist ferne von den Hoffärtigen, und die Heuchler wissen nichts von ihr. Diese himmlische Weisheit verleihe mir, o mein Herr und Gott! und vertilge Alles in meinem Herzen und in meiner Seele, was derselben zuwider ist; besonders meinen angeborenen Hochmuth und meine Heuchelei, welche beide vor Dir ein Gräuel sind, indem die Weisheit Gottes in keine Seele kommt, die der Sünde dienet. Bekräftige mich durch die heilige Geburt Deines Sohnes in der Wiedergeburt, welche Du mir in der heiligen Taufe aus Gnaden geschenket hast, und hilf mir dieselbe 117 bis an mein Ende in steter Erneuerung durch wahre Buße und Neue über meine Sünden fortsezen. Lehre mich Christum, welcher sich durch seine Menschwerdung so tief erniedrigt hat, mein Bruder zu werden, recht lieb haben, welches besser ist, denn alles Wissen, und verbanne dagegen alle Liebe der Welt und ihrer Eitelkeit aus meinem Herzen, weil es sich durch das Zeitliche so leicht verblenden läßt. O mein lieber Gott und Herr! laß mich nun mit heiligen Gedanken einschlafen, auch bei Nacht Dein gedenken, und gieb, daß ich meine Seele wieder zu Dir richte, sobald ich durch Deine Gnade vom Schlafe erwacht seyn werde. Behüte mich vor allem Uebel, welches mir die Nachtruhe stören könnte. Wende väterlich ab von mir und von Allen, welche Dich von Herzen suchen und anrufen, jegliche Gefahr des Leibes und der Seele, und behüte mich vor einem bösen und schnellen Tode. Sollte es aber Deinem göttlichen Willen nicht gefallen, mich den neuen Morgen erleben zu lassen, so verleihe mir ein ruhiges und seliges Ende, bringe mich zu Deinen Auserwählten, mit denen ich Dich sammt Deinem Sohne Jesu Christo und dem heiligen Geiste in Ewigkeit loben und preisen werde. Amen. Christian Scriver. 118 Gebet am Jahresschluß. Wie soll ich dem Herrn vergelten all seine Liebe und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großes an mir gethan, dessen bin ich fröhlich! Also, o Du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, spricht meine in Deiner Gnade sich erfreuende Seele, weil ich nun abermals unter Deinem Schußze und Beistande ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie groß ist Deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten Deiner Flügel tranen! Sie werden trunken von den reichen Gütern Deines Hauses; Du tränkest sie mit Wonne als wie mit einem Strome, denn bei Dir ist die lebendige Quelle, und in Deinem Lichte sehen wir das Licht. Mein Gott! der Tage im Jahre sind viele, aber Deiner Wohlthaten sind noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahre kann man zählen, aber die Wohlthaten, die Du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke Dir, daß Du mir dieses Jahr Dein heilig Wort hast lauter und rein predigen lassen, und somit mir den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heile angewiesen hast. Ach versiegle Alles, was ich gehört habe, in meinem Herzen und gieb mir Deinen heiligen Geist, damit ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke Dir, daß Du mich in Deinem heiligen Mahle mit Deinem heiligen Leib und Blut geſpeiset und getränket hast; ach, laß es in mir 119 zur dauernden Glaubensstärkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke Dir, daß Du mir oft die Sünde vergeben und die verdienten Strafen abgewendet hast. Gieb mir Kraft, damit ich mich im neuen Jahre vor der Sünde hüte und sie nicht wieder vorsäßlich begehe. Ich danke Dir, daß Du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung gegeben, mir Gesundheit verliehen, das Unglück abgewendet, mein Kreuz erleichtert, und in meinem Elende mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet, Du hast in Noth mich erhöret und mein Gebet zu Deinem Throne dringen lassen. Du hast in der Trübsal mir Hülfe gesendet vom Heiligthume und mich geſtärket aus Zion. Du hast Deinen Segen über mich ausgeschüttet, und Dein Angeficht nicht vor mir verborgen, da ich zu Dir rief. Du liebreicher Vater hast mich, Dein Kind, an Deiner Hand geführt; Du mächtiger König hast mich, Deinen Unterthanen, wider meine Feinde beschüßet; Du getreuer Hirte, hast mich, Dein Schäflein, auf grüner. Aue geweidet. Deine Weisheit hat mich das ganze Jahr hindurch geleitet, Deine Liebe hat mich bedecket, Deine Hülfe hat mich erfreuet, Deine Gnade hat mich erhalten, Deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, Deine milde Vaterhand hat mir Alles gegeben, was ich bedurfte, Dein allsehendes Auge hat Acht auf mich gehabt und meinen Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein Uebel begegnete. Hast Du mich auch zuweilen 120 viele und große Angst erfahren lassen, so hast Du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich zuweilen auch viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch Deine Tröstungen meine Seele ergößzt. War mir oftmals Gefahr und Noth nahe, so war auch Deine Hülfe nahe, und Dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen. Ach, mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, auch diejenigen, so ich im verflossenen Jahre begangen habe. Strafe mich deßwegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe mir um Jesu willen. Herr, gedenke nicht der Sünden meines Lebens, gedenke aber meiner mit Deiner Barmherzigkeit und mit Deiner Güte. Herr, Herr! so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe Dich demüthig an; bleibe auch mein Schutz und gnädiger Gott in dem neuen Jahre; halte Deine Hand über mich und laß mich Deinem Schutze, Deiner Liebe und Gnade auch fernerhin befohlen seyn. Amen. J. Fr. Start. Morgengebet am Neujahr. Mit dankgerührtem Herzen preisen wir an diesem Morgen Deine Güte und Treue, o Gott! der Du nie müde wirst, uns zu segnen und zu 121 beglücken; preisen Dich für alle Güter und Freuden, welche Du im entschwundenen Jahre uns zugetheilt, für jede erfüllte Hoffnung, für jedes gelungene Streben, für jede glücklich vollbrachte That! Aber unsere Lippen preisen Dich auch für jede drohende Gefahr, die uns schreckte, und die Du gnädig abgewendet hast; für jedes Leiden, das uns drückte, und in welchem Du unser Trost, unser Helfer gewesen bist; für jede Trübsal, die uns läuterte und wieder näher zu Dir hinführte. Preis Dir und Ehre für jeden Gewinn an geiſtigen und himmlischen Gütern, für jede Belehrung, jede Warnung, jede Ermunterung, jeden Trost, jede Begnadigung, welche aus Deinem Worte uns zugeflossen sind! Es ist Deine Gnade, daß wir noch leben und uns des Daseyns freuen; es ist Dein Erbarmen, daß wir gläubig zu Dir aufschauen und Dir kindlich nahen können. Dein Vaterauge hat uns auch in dieser Nacht behütet, und uns den Morgen eines Jahres im Frohgefühle des Dankes begrüßen lassen. Ja, Deine Güte ist es, daß wir noch leben, und Deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern ist alle Morgen neu. Wie, sollten wir nicht anbetend niedersinken, und Dir die Opfer der heiligsten Rührung weihen? Jauchzet ihm ihr Lippen! Bringe ihm Dank meine Seele! Vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, er, der dir alle Deine Sünden vergiebt und alle deine Gebrechen heilet; der dein Leben vom Verderben erlöset, der Dich krönet mit Gnade und Barmherzig 122 keit! Mit David Lobpreisen wir: Bei Gott ist unser Heil, unsere Ehre, und der Fels unserer Stärke; unsere Zuversicht ist in Gott! Dir, treuer Hirte, Dir, Vater voll Erbarmen, übergeben wir uns Alle, im Namen Jesu Christi mit kindlicher Zuversicht: Du wirst Alles wohl machen. Nimm uns heute in Deinen allmächtigen Schuß und laß uns Deine Barmherzigkeit wieder erfahren, die alle Morgen neu, Deine Treue, die so unermeßlich groß ist. Sey uns in diesem neuen Jahre nahe mit Deiner Gnade, damit kein Unglück uns creile und uns keine zu schwere Versuchung treffe; sey uns in diesem neuen Jahre nahe mit Deiner Gnade, damit wir täglich weiser und besser, vollkommener und Dir wohlgefälliger werden. Kein Tag gehe vorüber, der nicht mit frommen Rührungen, mit heiligen Vorsägen, mit guten Thaten bezeichnet wäre. Herr! unser Leben enteilet, als flöge es davon. Olehre uns, die flüchtige Zeit mit Thaten der Unvergänglichkeit zu bezeichnen, lehre uns, jeden Augenblick für unser ewiges Heil zu nüßen, mache uns mit jedem Tag geschickter und würdiger, einst einzugehen in das Reich Deiner Herrlichkeit. Vielleicht nahet uns im Laufe des Jahres der letzte unserer Tage. Herr! dann verlasse uns nicht im Tode, dann nimm Du unsere Seele in Gnaden auf zu der Gemeinde der Gerechten, die an Deinem Throne Dich preisen. Du bist unser Theil, darum hoffen wir auf Dich! Amen. D. 3. C. E. Lösch. 123 Abendgebet am Neujahrstag. Herr meine Zeit, und Herr der Ewigkeit! der erste Tag dieses Jahres ist verflossen, und mir ein neuer Beweis Deiner Liebe, Erbarmung und Fürsorge gewesen. Deine Geduld hat mich getragen, Deine gütige Hand hast Du über mich gehalten, damit mir kein Unfall begegnete, und reicher Segen ist auf mich herabgeflossen. Du hast mir heute von Neuem in Deinem Worte den Weg zum Leben kund gethan, und mir die Pflichten an's Herz gelegt, die ich erfüllen muß, wenn ich Dir wohlgefallen und nach dieser Zeit eine frohe Ewigkeit gewinnen will. Göttlicher Erlöser! Dir danke ich es, wenn ich mit freu-. diger Erhebung des Herzens zu meinem Vater und mit ruhigem Blicke in die Zukunft diesen Tag angefangen und beschlossen habe. Gelobet seyst Du, Dreieiniger! daß Du mich nicht verstößeſt! Verwirf mich auch meiner heutigen Sünden wegen nicht vor Deinem Angesichte! Befestige den heute von mir erneuerten Vorsatz: Dir in Zukunft getreu zu leben, allen Sünden und sündlichen Gewohnheiten abzuſterben, und immer besser und vollkommener zu werden. Ich will nicht länger in der Eitelkeit dieser Welt mein höchstes Gut suchen, denn das Wesen dieser Welt vergehet. Ich will in Deiner Kraft die Versuchungen des Fleisches und der 124 Welt überwinden; die Wohlthaten, welche Du mir schenken wirst, nicht mißbrauchen, sondern ich will Dich fürchten und lieben, und alle Pflichten, welche mein Stand und Christenberuf von mir fordern, treulich zu erfüllen streben. Ach, möchte doch kein Tag in diesem Jahre vergehen, an welchem ich nicht einen guten Grund für das Zukünftige legte! Aber, Herr! ohne Deine Kraft und stärkende Gnade sind meine heiligsten Gelübde eitel. So gieb mir denn Deinen Geist, damit ich meine frommen Entschließungen auszuführen vermöge. Erinnere mich stets an die Flüchtigkeit meiner Tage, und an die Ungewißheit, ob ich dieses Jahr noch durchleben oder in demselben vor Deinem Richterstuhl gefordert werde, damit ich bereit sey, wenn Du rufest, Dir freudig in die Ewigkeit zu folgen. O Du, dessen Jahre kein Ende nehmen, der Du immer bleibest wie Du bist, laß Deine Gnade nicht von mir weichen und den Bund Deines Friedens nicht hinfallen! Laß auch mich den Bund des Glaubens und eines guten Gewissens unverbrüchlich halten! Laß dieses Jahr für mich ein Jahr Deines Wohlgefallens werden, damit, wenn das Ende meiner Tage in demselben erfolgen sollte, ich von Dir in die Wohnungen des Friedens eingeführt werde. Mit diesem heiligen Gedanken laß mich einschlafen. Erquicke mich mit einem sanften, stärkenden Schlafe, und laß mich morgen zu Deinem Lobe wieder fröhlich erwachen. Amen. 125 Morgengebet am Erscheinungsfest. Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über Dir. Denn siehe, Finsterniß bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über Dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir! O Du Glanz der Herrlichkeit, Licht von Licht aus Gott geboren, ich lege mich mit beschämtem Herzen vor den Thron Deiner Gnade, weil Du mich nicht nur die vergangene Nacht vor so mancherlei leiblicher Noth mit Deiner göttlichen Güte bewahret hast, sondern auch, weil Du mich mit dem natürlichen Licht dieses Tages Dich selbst, als das wahrhaftige Licht des Lebens, in Deinem Evangelium erblicken läsfest. Nun ist die Verheißung Deines Vaters erfüllt, da er zu Dir sprach: Es ist ein Geringes, daß Du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten, und das Verwahrloste in Israel wieder einzubringen, aber ich habe Dich auch zum Licht der Heiden gemacht, daß Du seyest das Heil bis an der Welt Ende. Nun bist Du herrlich vor mir, und die Welt erkennet, daß Dein Gott Deine Stärke ist. So bist Du auch mein Licht. Darum lobe ich Dich, an diesem Tage mit den 126 Heiden und lobsinge Deinen Namen. Ich freue mich nach Deinem Worte mit Deinem Volke. Mein armes, mit Sünden verwundetes Herz eilet zu Dir als der Wurzel Jesse, die nun durch die Predigt des Evangeliums als ein Panier, als eine Fahne allen Völkern aufgeſtecket ist, damit auch ich Ruhe und Herrlichkeit in und bei Dir finden möge. O liebstes Licht, was hilft es mich, daß ich geboren bin, wenn ich Dich nicht sehe, habe und genieße? Und wenn Du mich nicht erleuchtest, so ist Alles vergebens, was ich beginne und vornehme, um mir selbſt zu rathen oder zu helfen. Darum erleuchte mich, Herr! mein Licht, daß ich Dich nicht versäume. Ach, ich bin leider von Natur todt in der Eitelkeit meines Sinnes, wie alle Heiden; darum mache mich lebendig, Du Licht der Welt! Ich bin verfinstert am Verstand und entfremdet von dem Leben Gottes, gleichwie sie, wegen der Unwissenheit, die in mir ist; darum sprich Du: es werde Licht! so bin ich ein Licht in Dir. O mache vermittelst Deiner Gnade mich so gegehorsam, wie die Weisen aus Morgenland. Ich habe nicht so weit zu Dir, wie jene. Das Wort von Deiner Gnade ist mir nahe in meinem Munde und in meinem Herzen. So öffne mir die Augen, daß ich sehen möge die Wunder Deiner Liebe gegen uns arme Sünder in Deinem Evangelium. Bewege mein Herz kräftiglich, damit ich Dir auch so ungesäumt wie sie als meinem Licht einmal nachfolgen möge; dann werde 127 ich nicht mehr in Finsterniß wandeln, sondern in Dir das Leben haben. Ich weiß ja nicht, wie lange Du mir noch als das Licht des Lebens in dieser Zeitlichkeit nahe bist; darum erwecke mein Herz, Dich als mein Licht in völligem Glauben zu ergreifen, damit mich die Finsternißß nicht überfalle. Die Liebe zur Finsterniß hat mich schon lange und hart gequält, ach Herr Jesu! mache mich endlich frei davon, daß ich in Deinem Lichte das Licht sehe. O daß dieser Tag, an dem Du Dich den Erstlingen aus den Heiden offenbarest, auch meinem Herzen ein Tag Deiner Offenbarung würde! Erscheine mir denn aus Gnaden, Du heller Morgenstern! Gehe mir auf, Du Sonne der Gerechtigkeit, und gehe mir niemals unter. Heilige vielmehr durch Deine göttliche Liebe den Weg, den ich gehe, daß er glänzet wie ein Licht, das da fortgehet und leuchtet bis auf den vollen Mittag, bis kein Wechsel mehr seyn wird des Lichtes und der Finsterniß, und ich würdig werde, Dich als mein Licht, mein Lamm und meinen Tempel zu schauen von Angesicht zu Angesicht. Amen. Joh. Chr. Storr. 4 128 Abendgebet am Erscheinungsfest. Jesu! Du erleuchtest Jeden, der in die Welt eintritt. Du hast mich hingeleitet zum Lichte des heiligen, christlichen Glaubens; des Glaubens der in Liebe thätig zu allem Glauben, und in Hoffnung mächtig zu allem Troste ist. Das Licht des Glaubens ist Gnade. Wir saßen im Schatten des Todes und wußten nicht einmal, daß wir von der Finsterniß umgeben waren. Da kamst Du liebevoll vom Himmel herab, sahst uns freundlich an, nahmst uns brüderlich bei der Hand, führtest uns in die Gegend des Lichts und zeigtest uns Deinen Vater und den Weg, wie wir zu ihm kommen könnten. Das Licht des Glaubens ist Deine Gnade, denn ohne Dich, ohne Deinen Geist würden wir Dich und Deinen Vater nicht kennen, und ohne Erkenntniß Deiner und Deines Vaters hätten wir kein ewiges Leben in uns. Der heilige christliche Glauben ist große Gnade. Was ist der Mensch ohne Glauben? Es fehlt ihm in Hinsicht auf seine ewigen Angelegenheiten das Auge zum Sehen, das Ohr zum Hören. Ohne Glauben wäre ich blind und taub, könnte den Vater und den Sohn nicht erkennen, könnte ihre Stimme nicht hören und ihr nicht folgen. Der Glaube ist für mich nicht nur eine unverdiente, sondern auch eine unverdienbare Gnade. Wäre mir kein Licht aufgegangen, wie den Weisen im Mor 129 genlande; wäre mir die Freudenbotschaft von Jesu Christo nicht verkündigt worden, hätte mich die Kraft des heiligen Geiſtes nicht belebet, was wäre mein Glaube? Und hätte Jesus diese Gabe nicht erzogen und erhalten: wie oft wäre mein Glauben schon verloren? Hätte mich der Geist Jesu Christi nicht vor Thorheit und Sünde bewahret: ich hätte mich ja selbſt verblendet, ich hätte mir selbst das Auge des Glaubens ausgerissen. Gewiß, ich fühle es, daß mein Glaube Deine Gabe ist, o Jesus! denn Du, durch den alle gute Gabe kommt, hast mir Kraft zum Glauben, und mit dem Glauben Kraft zu allem Guten dargereicht. Dich preise ich dankbar, daß Du mich zum wundervollen Lichte geleitet hast; zu Dir flehe ich, daß alle Völker der Erde, von Deinem Lichte erleuchtet. Deine Erbarmungen erkennen und Deine Huld preisen möchten. Oder um den Wunsch, der mir am nächsten liegt vor Dir auszugießen: daß doch die, welche sich nach Deinem Namen nennen, durch würdige Früchte des Glaubens, durch reine Thaten der Liebe, durch ein lichthelles Leben die Kraft Deiner Lehre unverfennbar darſtellten und in der That beweisen, daß sie Deine Angehörigen seyen, Kinder des Lichtes. Amen. 3. M. Sailer. Alles mit Gott! 9 130 Morgengebet an Fastnacht. Herr Jesu Christe, Du Heiland der ganzen Welt, wir armen Sünder beugen uns in den Staub vor Dir, und sagen Dir Lob und Dank, daß Du uns nicht lassen willst im Elend unserer Sünde und Verdorbenheit, sondern hast Dich unser erbarmet und auf Dich genommen unsere Schuld und Strafe. O wie können wir in aller Ewigkeit Dir genug danken, daß Du an unserer Statt das bitterste Leiden und den schrecklichsten Tod willig übernommen hast, auf daß wir Frieden hätten, und statt der Verdammniß unserer Natur die Gerechtigkeit erlangen, die vor Gott gilt. Herr! wer sind wir, daß Du Dich unser so annimmst und uns schenkest, was Dein ist, und auf Dich nimmst, was unser ist? Was sind wir, daß Du Deine Gnadenzeit uns täglich offen läsfest und uns auch jetzt wieder die heilige Zeit schenkest, wo mir Deines theuern Leidens und Sterbens besonders ge= denken und daraus Kräfte der zukünftigen Welt ziehen sollen? Herr, Dir sey Lob, Preis und Ehre für jeden Tag und jede Stunde dieser heiligsten Zeit, während welcher Du ernstlicher mit uns reden und segensreicher zu uns kommen willst. Ja, komme, Herr! komme zu uns und in uns; verkläre Dich in uns mit der ganzen Kraft Deines vollgültigen Verdienstes; gieße über uns alle Segnungen und Kräfte Deiner reinen und heiligen Gottmenschheit aus; laß 131 uns die Früchte Deines Todes reichlich genießen, und erquicke und nähre uns mit denselben für das ewige Leben. Omache uns die theure Zeit, in welche wir morgen eintreten, recht gesegnet durch ernstliche Erweckung zur Buße, durch gründliche Wiedergeburt in Dein Leben, und durch alle Früchte eines wahren Glaubens, einer reinen Liebe und einer gewissen Hoffnung des ewigen Lebens. Mache in dieser ernsten Vorbereitungszeit uns Dein heiliges Wort besonders theuer und wichtig, und schenke uns dadurch viel Licht über unsere Finsterniß, viel Reue und Leid über alle unsere Sünden, viel Demuth über unser großes Elend; erfülle uns mit der rechten Heilsbegierde, damit wir in uns selbst nichts mehr suchen, sondern alles Heil nur aus Dir und in Dir finden. Erwecke uns zu einem fleißigen und von Herzen dankbaren Andenken an Dein blutiges Leiden und Sterben, damit wir darauf unsere Herzen richten, und uns mit Deinem Tode wie mit einem Lieblingsgedanken beschäftigen. Durch diese heiligen Bilder vertreibe aus unsern Herzen alle Sünden und Weltbilder; möge Dein heiliger Geist in uns wohnen als wie in Tempeln, die gereinigt sind durch Dein Blut. O nimm doch alle Thorheiten und Verkehrtheiten der Welt von uns hinweg, bewahre uns vor fündlichen Neigungen, hilf uns fliehen alle Narrentheidinge und Scherze, die sich nicht ziemen, und mache diese ernste Zeit dazu gesegnet, daß wir immer mehr der Welt 132 absterben und unser Fleisch sammt seinen Lüften und Begierden kreuzigen. Herr! heilige Dich selbst in unseren Herzen, erneuere in uns Dein vollkommenes Ebenbild, und sey uns allenthalben und allezeit nahe mit Deiner Weisheit, Gerechtigkeit und allmächtigen Hülfe! Amen. S. E. Kapff. Abendgebet an Fastnacht. Dem Andenken an Dich, göttlicher Mittler, den heutigen Tag zu weihen, gelobten wir am Morgen. Nur im Aufblicke zu Dir ist es uns gelungen, den Versuchungen der Eitelkeit und Weltlust zu entgehen und unser Herz unbefleckt zu bewahren. Im Aufblicke zu Dir heiligen wir des Tages leßte Stunden, und bringen Dir, fern vom Geräusche der Thoren, die in wilder Lust sich ergehen, der Liebe Zoll, des Dankes Opfer. Im Aufschauen zu Dir suchen wir für's ganze Leben Muth zum Kämpfen, Kraft zum Dulden, Freudigkeit zum Siegen und zum Ueberwinden. Einen Glauben, welcher sich über die Welt aufschwingt, eine Gotteskraft, die sich über jede Versuchung des Lebens siegreich emporhebt; eine Selbstverläugnung, die Gefahr, Verfolgung und Tod nicht scheut; einen Muth, welcher in den Stun 133 den der schwersten Pein nicht bricht; eine Liebe, die das eigene Leben zum Opfer bringt, gewahren wir an Dir, göttlicher Mittler; schauen in Deinem Dulden und Kämpfen den Finger der ewigen Allmacht, die aus Trübsal den Frieden, aus der Erniedrigung die Verherrlichung, aus dem Untergang den glorreichen Sieg herbeiführet. Wir schauen auf zu Dir, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, und fühlen uns zu Deiner Gotteskraft erhoben, zu Deiner Selbstverlängnung ermuthigt, zu Deiner Liebe begeistert. Wir erkennen es, daß auch unsere Schicksale in den Händen eines Gottes ruhen, welcher Alles zum herrlichen Ende führet. Wir haben auch heute in Dir Erhebung und Stärkung gefunden, Ermuthigung zum Guten, Kraft im Kampfe, Trost in Widerwärtigkeit, Stärke in der Versuchung, Friede und Freudigkeit im Geiſte. Dein Vorbild stärke uns lebenslang in der Vollbringung alles Guten. Will die Welt uns locken, und reizen, wollen Feinde uns bedrohen, will der Sinnlichkeit Macht uns umstricken, will der Liebe Glut in uns erkalten, dann stärke Du uns mit Kraft aus Deinen Höhen, dann lehre Du uns dem Dienste der Sinnlichkeit entfliehen, die Welt mit ihrer Lust verachten, dem Feinde mit Muth begegnen, das Aeußerste mit Freudigkeit tragen, und das schwerste Opfer für Pflicht und Recht willig darbringen. Zu solchen heiligen Entschließungen stärke uns in den kommenden Tagen die Betrachtung Deines Leidens 134 und Sterbens. Dein Bild stehe uns immer lehrend, mahnend und warnend zur Seite; es sey uns tröstend in den Stunden der Trübsal, und erfülle uns im Kampfe mit heiliger Gotteskraft. Auch in dieser Abendstunde schauen wir auf zu Deiner erhabenen Größe, und suchen im Hinblicke zu Dir die Quelle unseres Friedens, den Grund unserer Hoffnung. Dir sey Anbetung, Preis und Ehre! Amen. Dr. 3. Chr. E. Lösch. Gebet am Aschermittwoch. Jeder Tag der heiligen Zeit, die heute ihren Anfang nimmt, sey, o Herr und Heiland! für uns ein Tag des ernsten Nachdenkens. Ohne Betrachtung Deiner leidenvollen Liebe soll sie keinem hingehen. Was ist mehr werth von uns beherzigt zu werden, als Dein unaussprechliches Leiden, Du Allerunschuldigster, als Deine unvergleichbare Liebe, Du göttliche Langmuth in Menschengestalt, und wann sollen wir dieß mehr beherzigen als in den kommenden Tagen, von der Christenheit zu diesem Zwecke beſtimmt! Erwecke uns zum gewissenhaftesten Ernste, zur möglichsten Sammlung unserer Gedanken, zur weiſesten und christlichsten Benützung dieser heiligen Zeit! Kein Leichtsinn bemächtige sich unser, keine 135 Trägheit müsse uns übernehmen, kein Kaltsinn uns beschleichen, keine Zerstreuungssucht uns losreißen von dem heiligen Geschäfte des allerchristlichen Nachdenkens. Dein heiliger Geist vergegenwärtige uns die Tage Deines Leidens, Deines Bangens und Zagens, Deiner Gebundenheit und Mißhandlung, Deiner Schmerzen und Beschimpfungen, Deiner Geißelung und Krönung, Deines Hinausführens und Tragens des Kreuzes, Deiner Entkleidung und Anfechtung, Deines Schwebens zwischen Himmel und Erde! Dein heiliger Geist erleuchte uns, zu erkennen die Reinheit Deiner Unschuld, die Vollkommenheit Deiner Geduld und Ergebung; zu erkennen Deine Gottes- und Menschenliebe, Deine Langmuth und Großmuth. Dein heiliger Geist lehre uns im neuen Lichte erkennen alle Zwecke und Absichten Gottes bei Deiner Aufopferung für das Menschengeschlecht, das Verdienst Deines Leidens und Todes werde uns klarer. Nicht um Deinetwillen mußtest Du leiden und sterben! was Du Littest, geschah um der Menschen willen, um der Sünder willen erduldetest Du einen Tod, den nur Sünder zu sterben verdienen. Dein heiliger Geist lehre uns täglich erkennen die tausend seligen Folgen und Wirfungen Deines Leidens und Todes, lehre uns deutlicher verstehen die trostvollen Worte: Du seyest unserer Sünden willen dahingegeben, Du seyest das Versöhnungsopfer unserer und der ganzen Welt Sünde geworden, Du habeſt 136 Dein Leben zum Lösegeld gegeben für Viele! So wenig wir davon verstehen mögen, ist es uns doch klar genug, daß wir Deinem unschuldigen Tode die Vergebung und Vergütung unserer Sünden zu verdanken haben; daß Dein allervollkommenster Gehorsam. bis zum Tode am Kreuze Dir unendliche Rechte über das Menschengeschlecht gab, Begnadigungsrechte, wie sie kein Mensch von der göttlichen Gerechtigkeit je verdienen konnte. Du hattest Ansprüche auf unendliche Belohnungen für einen beispiellosen Gehorsam, den Du freiwillig übernahmst. Gott erfüllte alle Deine Ansprüche überschwänglich; Gott erhöhte Dich über Alles, was hoch heißet in der sichtbaren und unsichtbaren Welt: Gott gab Dir einen Namen über alle Namen, und Macht über alle Mächte. Gekreuzigter Nazarener! Du wurdest König der Erde und des Himmels; alle guten und bösen Mächte wurden Dir unterthan. Vollkommen kannst Du nun selig machen Alle, welche durch Dich zu Gott kommen wollen. Deine unbeschreiblichen Leiden führten Dich zu unbeschreiblicher Herrlichkeit. Deine Liebe ist Beſeligungslust, und Deine Herrlichkeit ist Beseligungskraft. Du allervollkommenster Mensch bist das würdigste Haupt der Menschheit. Es weiche nun alle Furcht, denn Du starbst aus Liebe für uns. Es verschwinde alles Mißtrauen; Du heiligster Mensch bist vollkommen Gottmensch und Gott der Menschen. Du bist die Liebe, dieß 137 zeigt Dein Kreuzestod; Du bist allmächtig, dieß zeigt Deine Auferstehung und Erhöhung über Alles. Kein Mensch und kein Engel können lieben, wie Du liebtest und noch liebest! kein Mensch und kein Engel können helfen, retten, beseligen wie Du. O Du in allen menschlichen Leiden Geprüfter, durch Leiden ohne Gleichen, durch Geduld ohne Gleichen zum vollkommensten Mittler und Hohepriester, Vollendeter, o Du unsträfliches Lamm Gottes, das aller Welt Sünden trägt, wie sollen wir Dich in diesen heiligen Tagen auch nur einigermaßen würdig verehren; wie Dir danken für Deine ewige, allbeseligende Liebe; wie in Deinen heiligen Liebessinn eindringen, und uns Etwas zu eigen machen von Deiner heldenmüthigen Geduld, von Deiner kindlichen Ergebung vor Gott, der Dich die dunkelsten und unerklärbarsten Wege führte! Wie sollen wir etwas erlangen von Deiner erfreulichsten Liebe und von Deiner langmüthigsten Großmuth, und wenn wir nichts von dem in uns aufnähmen, wie könnten Dir unsere Lobpreisungen gefallen! Soll nicht der Zweck aller Betrachtungen und Uebungen Aehnlichkeit mit Dir seyn? O daß uns doch dieser würdigste Zweck immer gegenwärtiger, wichtiger, dringender und erweckender sey! Herr, Du kennest unsere Schwäche, unter deren Last wir versinken sollten und doch nicht versinken dürfen um Deinetwillen, Du Helfer der Schwachen! O Du Mitleidigster und Mächtigster, beweise Dich in 138 unserer Schwachheit mächtig, damit diese heiligen Tage uns unvergeßlich und ihre seligen Wirkungen in uns unvertilgbar sein mögen! Amen. 3. K. Lavater. Morgengebet am Palmfonntag. Herr Jesu Christe, Du Lamm Gottes, das der Welt Sünde weggenommen hat, erbarme Dich über uns und gib uns Deinen Frieden. Amen. Gott, meine Seele singet Dir, und meine Lippen preisen Deinen heiligen Namen, daß Du mich nach Deiner ewigen Erbarmung diesen ersten Tag der großen und stillen Woche hast erleben lassen, in welcher Dein eingeborener Sohn für die ganze Welt, also auch für mich elenden Sünder, in unzähliger Marter und Pein den Tod am Kreuze gestorben ist! Nun, so müsse mir denn in dieser großen Woche auf's Neue groß werden meine ewige Erlösung, die ich durch Deinen Sohn Jesum Christum, meinen lieben Herrn, erworben habe. Herr Jesu, ach daß alle Welt vor Dir, der durch Leiden des Todes mit Preis und Ehren gekrönet! und nun im heiligen Tempel zur Rechten des Vaters sizet, stille würde in dieser großen Woche; stille 139 in den Häuſern, stille auf den Straßen, ſtille bei Tag und bei Nacht. Doch mache nur vor Allem mein Herz, das unruhige Uebel, stille in und vor Dir, Du stiller Jesus! Sammle durch Deinen ewigen Geist, in welchem sich Dein Vater geoffenbaret hat, mein zerstreutes Herz, um Deine Stimme zu hören, wenn Du mir in mein Inneres rufest: Mir hast Du Arbeit gemacht mit Deinen Sünden, und Mühe mit Deinen Missethaten; ich aber tilge Deine Uebertretung um meinetwillen, und gedenke Deiner Sünden nicht! Ja, daß auf Deinem himmlischen Zuruf: Daran gedenke, Jakob; Israel, vergiß mein nicht! aus dem innersten Grunde meines neuen Herzens widerschalle: Ich denke daran, lieber Herr Jesu! und will Dir dafür von heute an auf's Neue dankbar seyn. Ich will Dein Leiden und Sterben nicht mißbrauchen, sondern mit allem Ernste verehren. Ich begehre, Deinem Kreuze unterthänig, gleichförmig und gehorsam zu werden, bis ich in Wahrheit sagen kann: Ich bin mit Christo gekreuziget; ich bin mit ihm gestorben, auf daß ich Gott liebe; ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir! Dein erster Eingang in diese Welt und Dein ganzer Wandel darin in Gehorsam, Armuth und Niedrigkeit verpflichtet mich schon fattsam zu Deinem Opfer und Eigenthume. Aber da Dich Leiden ohne Zahl bis zum Tode am Kreuze ergriffen, und so gar Nichts an Deiner heiligen Menschheit ist verschont geblieben 140 im Gericht, hast Du mich dadurch Dir so sehr verbunden, daß, verläugnete und vergäße ich Deiner, Du mit allem Rechte meiner ewiglich vergäßest und mich vor Deinem Vater verläugneteſt. So segne denn, erbarmender Heiland! Deines Leidens Anfang, Fortgang und Ausgang an mir. Segne den Anfang desselben durch einen gründlichen und völligen Glauben mit wahrhaftigem Herzen an Deinen Namen. Segne den Fortgang Deiner Leiden zur Gründung der Erkenntniß des Geheimnisses Deines Kreuzes, Deiner Liebe und Deines Todes. Segne den Ausgang Deiner Leiden an mir durch Geduld, daß ich stille bleibe unter allen Widerwärtigkeiten, mich Deinem Willen opfere, und so aushalte durch Großes und Kleines, durch Böses und Gutes bis an's Ende; daß ich mich dann ewiglich bei Dir in Deiner Herrlichkeit erfreuen könne um Deines allertheuersten Verdienstes willen! Amen. 3. Chr. Storr. Abendgebet am Palmſonntag. Sonst, o Jesu, zogest Du uns Dir nach, wo Du zu lehren standest, in den Schulen an Schiffen, an dem Berge, der zum Tempel ward durch Deine Lehre, und wir folgten Dir; 141 denn Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Jezt aber führest Du uns gen Jerusalem, nicht sowohl daß wir sehen, was Du thust, sondern was Du Leidest. Hilf uns, Dir dahin zu folgen, wo in stiller Einsamkeit die schrecklichen Vorgänge, die nun bald eintreten, an Dir vorübergehen; wo Du unter Deinen Zwölfen sißest und das herrliche Verlangen aussprichst, noch einmal das Osterlamm mit ihnen zu genießen; dahin, wo Du ringest mit Gott in Gethsemane; wo Du vor den Richtern stehest, und wo über Dich, den der Prophet ohne Gestalt und Schöne bezeichnete, der menschlich empfindende Pilatus ausruft: Sehet, welch ein Mensch! Unter das Kreuz rufest Du uns, um zu hören das Wort, welches schneidet wie ein Schwert: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Hilf uns, Dir dahin zu folgen! Zünde den Glauben an, damit wir in seinem Lichte sehen; für uns geschieht das, für uns leidest Du! damit aus dem Glauben die Liebe und die Dankbarkeit aufflammen. Oder, weil Du die Seelenführung besser verſteheſt, willst Du zuvor die Liebe in's Herz legen, damit an ihr der Glauben erglimme, Du bis in den Tod uns Liebender! Um Glauben, um Liebe bitten wir, denn beiderlei Stab iſt uns Schwachen nöthig: reich ihn uns! Amen! Klaus Harms. 142 Morgengebet in der Charwoche. Allmächtiger Gott! wir erkennen vor Deinem Angesichte, daß wir von Natur Knechte der Sünde und Kinder des Zornes sind. Unsere Sünden verbergen Dein Angesicht vor uns, und Du hörest uns nicht. Wir können Dir auf Tausend nicht Eins antworten; dennoch hast Du uns, da wir noch Deine Feinde waren, so ſehr geliebet, daß Du Deinen einzigen Sohn für uns in den Tod dahin gegeben. Er ist der Glanz Deiner Herrlichkeit und das Ebenbild Deines Wesens, gleichwohl aber hast Du ihn die Gestalt eines Knechtes annehmen und in Niedrigkeit geboren werden lassen, damit wir durch ihn die Kindschaft empfiengen und des ewigen Lichtes theilhaftig würden. Er war der Größte und wurde der Geringste, der Reichste und wurde der Aermite, der Beste unter allen Menschenkindern und wurde der Verachtetſte. Er erniedrigte sich selbst und kam Allen zu dienen, damit er uns Alle reich und selig mache. In seinem Munde war kein Betrug gefunden, und Du hast all' unsere Ungerechtigkeit auf ihn gelegt. Er trug unsere Sünde und lud auf sich unsere Schmerzen; er ist unserer Missethat willen verwundet, und unserer Sünde willen geschlagen worden. Die Strafe lag auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch 143 seine Wunden sind wir geheilet. Er erfüllte alle Gerechtigkeit, auf daß dieselbe uns Ungerechten zugerechnet, und wir bekleidet würden mit seiner Herrlichkeit und Unschuld, damit unsere Schande und unsere Blöße nicht an's Licht kommen. Seine Seele ist betrübt und traurig gewesen bis in den Tod, nur damit unsere Seelen getröstet würden und wir Ruhe hätten. Er ist verspottet, verspeiet und geschlagen wor= den, damit wir von unserer Schmach befreiet würden. Ja, Vater! er hat uns theuer erkauft mit seinem Blute. Er hat am Stamme des Kreuzes gelitten, damit wir, vom Fluche des Gesetzes erlöset, mit himmlischen Gütern gesegnet und erfüllet würden. Er ist unter die Uebelthäter gerechnet worden und hat uns dadurch in die Gesellschaft der heiligen Engel gebracht. Er ist in's Grab gelegt worden und hat unsere Sünde mit sich hinabgenommen und unsere Uebertretungen versiegelt. Seine Krankheit ist unsere Gesundheit, seine Leiden unsere Erquickung, seine Wunden unsere Arznei, seine Verspottung unsere Ehre, seine Traurigkeit unsere Freude, sein Gehorsam unsere Vollkommenheit, sein Blut unsere Reinigung, sein Gefängniß unsere Erlösung, seine Banden unsere Frei heit, sein Tod unser Leben. Darum, o gnädiger Vater! sehe an die vollkommene Genugthung unseres Bürgen Jesu, Deines Sohnes, der ein Mittler zwischen Dir und uns ist, der geſtorben ist für unsere Sünden, und aufer 144 wecket um unserer Gerechtigkeit willen. Laß uns begreifen mit allen Heiligen, welches da sen die Breite, die Länge und die Tiefe und die Höhe der Liebe, mit welcher uns Dein Sohn geliebet hat. Seine Liebe war stärker als der Tod. Ja, Herr Jesu Christe! Du bist unser Haupt, wir sind Deine Glieder; gieb, daß wir Dir gleichförmig werden, an dem Fleische leiden und von den Sünden ablassen. Kreuzige durch Deine Kraft den alten Menschen in uns mit allen seinen bösen Lüsten und Begierden; tödte durch Deinen Tod unsere Glieder, damit der Leib der Sünden vergehe, und wir ihnen nicht mehr dienen. Herr, unser Fleisch ist schwach, stärke Du uns im geistigen Kampfe, dann werden wir den Sieg behalten. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, Deine Gewalt ist ewig und Dein Königreich hat kein Ende. Durch Dich ist der Tod überwunden in dent Siege. Gott sey Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum. Ziehe uns Dir nach, um mit Dir zu leben und zu dulden, und um mit Dir zut herrschen. Ø Du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, erhöre uns! Amen. Johann Lassenius. Abendgebet in der Charwoche. Jesu Christe! Du unschuldiges Lamm Gottes, der Du die Sünden Aller am Stamme des 145 Kreuzes getragen hast, erbarme Dich unser jetzt und immerdar. Wir arme, fluchwürdige Sünder wollen uns in tiefer Demuth beugen vor Deinem heiligen und gnädigen. Angesichte. Wir wollen Dich anschauen in dieser Abendstunde, wie Du um unserer Sünde willen und um uns zu erlösen am Stamme des Kreuzes hängest, und wollen Dir unser Bekenntniß zu Füßen legen. Ach ja, du unschuldiges Lamm, Du leidest nicht um Deiner Sünden wegen: denn unsere vielen Sünden sind die Ursachen Deiner Pein und Deiner Schmerzen. Wir haben übel ge= handelt. Wir haben gesündiget und dadurch ewige Strafe verdient. Wir haben gesündiget o Herr! durch das Vergessen Deiner heiligen und gerechten Gebote. Wir haben gesündiget durch falsche und sündliche Liebe unserer selbst, indem wir nicht Dich, sondern die Welt hochschätten. Wir haben gesündiget mit unserem Willen, weil wir ihn Dir entgegengeseßt, weil wir nach dem Gutdünken unseres Herzens und nicht nach dem Winke Deiner heiligen Augen gehandelt haben. Wir haben gesündiget, indem wir Deiner Gnade und Deinem heiligen Geiste widerstanden; indem wir so viele theure Mittel der Gnade versäumet und gering geachtet, und keine Frucht davon gebracht haben, wozu Du uns dieselben gegeben hattest. Wir haben gesündiget, Herr! mit unseren gottlosen Thaten, mit unseren unnöthigen und sündlichen Worten, Alles mit Gott 10 146 mit unseren eiteln Begierden, die uns von Dir abwendig machten. Alle diese und unzählige andere unerkannte Sünden sind es, die Du ge= tragen hast. Ja, meine und der ganzen Welt Sünde trugest Du, o Lamm Gottes! Darum drückte Dich das Leiden so schwer, daß Du in der großen Angst Deines Herzens ausrufen mußtest! Mein Gott! mein Gott! warum haſt Du mich verlassen! So littest Du, damit wir nicht ewig von Gott und seinem frendevollen Anblicke verlassen seyen. O Jesu! Du Sohn Gottes des Allerhöchsten, selbst ewiger Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Wer kann das Geheimniß und das Wunder begreifen, daß Du, der ewige Sohn Gottes, wegen uns ein so tiefes und entseßliches Leiden über Dich genommen hast, um dadurch für uns eine vollkommene und ewige Versöhnung und Erlösung zu stiften! O laß Dein Leiden auf's Neue ticf in unser Herz gelegt sein, damit wir Deine Liebe recht verehren! damit wir nicht nur mit den Lippen und mit äußerlichen Geberden, sondern im Geiste und in der Wahrheit Dir dafür Dank sagen und Dir Ehre geben; damit unser Herz und Alles was wir haben, fortan nicht mehr uns oder irgend einer Kreatur, sondern Dir allein gehöre. Ja, Herr! laß Dein Leiden unsere Herzen auf's Neue zu tiefster Reue über alle unsere Sünden erweichen. Präge uns einen tiefen Abscheu vor allen, auch den kleinsten Sünden 147 ein. O, daß wir Dir wenigstens von jetzt an keine Last mehr auflegen, und Dich nicht von Neuem kreuzigen möchten mit unseren Sünden, und Deine Wunden nicht mehr erneuern möchten mit unsern Missethaten! O liebster Heiland! laß mir bleibend eingeprägt sein das große Gewicht der Sünde, so wie die Heiligkeit Gottes, die sich durch Dein Leiden offenbaret hat. Erfülle uns mit heiliger Furcht vor Deiner göttlichen Majestät, laß uns in derselben wandeln und fromm sein, um einst ohne Furcht und Schrecken vor unserem Gott erscheinen zu können. Bringe uns in die wahre Gemeinschaft mit Deinem Leiden, Kreuz und Sterben; laß uns Deinem Tode ähnlich werden, indem wir der Welt und ihren Lüsten, der Sünde und allen Eitelkeiten absterben; laß uns durch willige Aufopferung auch des Liebsten Dir, der uns so unendlich viel gegeben, unseren schwachen Dank beweisen, und den Lohn für Deine Schmerzen darbringen. O Herr! möge die Beständigkeit in Deinem Kreuze auch uns in allen Leiden zum Vorbilde dienen, um mit Dir alle Noth zu überwinden und um Erben Deines himmlischen Reiches zu werden. Ja, Herr Jesu, laß uns Dir nachfolgen, wo Du auch hingehest. Du willst uns als Mittler wieder zu unserem Gotte hinführen. Nun so nimm mich armes Kind, nimm uns Alle in der Finsterniß dieser argen Welt bei der Hand. Univ.- Bibl. Giessen 148 Führe uns, damit wir uns nicht verirren, sondern den richtigen Pfad der Absterbung unserer selbst und aller Sünden erwählen und festhalten mögen; damit wir durch Dich, unser einziger Weg und Führer, im lebendigen Glauben zu unserem Gott und Vater Hingeführt werden und eindringen in das Allerheiligste Deiner innigen und ewigen Gemeinschaft. O Jesu! wenn uns Alles verläßt, dann verlasse Du uns nicht. Denn wenn wir nichts mehr haben, und nur Dich im Herzen behalten und an Dir mit wahrem unverrücktem Glauben festhalten, dann werden wir mit Dir, unserem Heilande, eingehen in Dein ewiges Reich. Segne, o Herr Jesu! alle die Deinigen. Ach, daß doch Keiner verloren gehe! Halte fest, die Du erkaufet hast mit Deinem Blute, und laß unsere Seelen in Deinen Augen theuer sein. Stehe bei allen bedrückten und verlassenen Herzen. Ja, Herr! segne Dein ganzes Zion, die Heerde Deiner Waide. Deine Liebe, o Herr! sey uns stets nahe, um einst zur ewigen Freude zu gelangen. Erhöre unsere Bitte, doch nicht um unserer Würdigkeit willen, sondern aus freier Barmherzigkeit zur Verherrlichung Deines großen Namens in Zeit und Ewigkeit. Amen. Gerhard Tersteegen. 149 Morgengebet am Gründonnerstag. liebster Herr Jesu! wie kann ich Dich genugsam loben und preisen für die unaussprechliche Liebe und Wohlthat, die Du mir an dem heutigen Tage erwiesen hast. Du trittst heute den schweren Gang an, auf welchem Du durch Dein bitteres Leiden und Sterben der ganzen Welt Sünde geduldig büßen willst. Und siehe, che Du hingehest, machst Du mit uns noch einen Bund, das ist das neue Testament in Deinem Blute, das für die Sünde der Welt vergossen ward. O heiliger Bund! o heiliges Testament! darin Du uns armen Sündern Deinen heiligen Leib und Dein theures Blut zum Pfande der erhabensten Liebe giebst, daß wer Dein Fleisch isset und trinket Dein Blut, in Dir bleiben soll und Du in ihm. Ja, Du verheißest uns, wir sollen das ewige Leben haben und Du wirst uns am jüngsten Tage auferwecken zum ewigen Leben. D gieb, liebster Jesu! daß ich solch theures Liebesmahl, das heute zum erstenmale Deine Jünger genossen, nicht geringe achte, sondern allezeit mit wahrer Andacht beherzigen möge. Gieb, daß ich es stets im wahren Glauben und in herzlicher Andacht würdig gebrauche und genieße, und hilf, daß solch theures Liebespfand nach Deinem Wort und erster Einseßung unter und bei uns immerdar unverfälscht ausgetheilt werden möge, da 150 mit auch wir, wenn wir von diesem Brode essen und von diesem Kelche trinken, nach des Apostels Lehre Deinen Tod verkündigen, bis Du kommst und uns von dieser armen Erde einholest in Deine Herrlichkeit. Dann werden wir in Deinem Reiche zu Tische sißen und trunken seyn von den reichen Gütern Deines Hauses ewiglich. Amen. Johann Quirsfeld. Abendgebet am Gründonnerstag. Herr Jesu! richte meine Augen in dieſer Abendstunde und allezeit auf Dein innerliches Leiden, daß Du im Garten Gethsemane unter so unaussprechlichen Aengsten über meine Sünden ausgestanden hast. Laß doch die blutigen Schweißtropfen, die Du daselbst vergossen, so kräftig in meine Seele fließen, daß sie mir sowohl im ganzen Leben einen Eindruck Deiner ewigen Liebe, als auch vornehmlich im Sterben die nöthige Kraft geben. Vereinige mich mit Dir im Glauben und nimm meinen Willen in den Deinigen auf, damit ich mich dem himmlischen Vater in Dir opfere und mich willig in alles Leiden, was Du über mich beschlossen hast, ergebe. Laß Dein Blut mich durchdringen zur wahren Reinigung vor aller Befleckung 151 des Fleisches und des Geistes. Und wie Du zu Deinem Vater so demüthig auf den Knieen flehetest, also wirf mich durch Deines Geistes Kraft tief vor Dir nieder, und befreie mich von aller Hoffart und Eigenwilligkeit. Mache mich Dir ganz und gar überlassen, daß nicht mein, sondern Dein Wille an mir vollbracht werde. Hilf mir wachen und beten, daß ich nicht in Anfechtung falle; muntere mich immer von Neuem auf, wenn ich mit den Jüngern schlafen möchte. Mache nur meinen Geist willig, wenn je das Fleisch schwach wird. Und sollte auch mir in meinen Nöthen oder in der letzten Todesstunde der Angstschweiß ausbrechen, so mache mich Dir dennoch getreu bis an den Tod. O getreuer Heiland! sey Du bei mir in allen Anfechtungen, gleichwie Dich der Engel in Deiner Schwachheit stärkte. Ach, bitte für mich allezeit, als mein getreuer Hohepriester, der Du Dich selbst dem Vater für mich geopfert hast. Denn Du biſt und bleibst ja barmherzig und hast Mitleiden mit meiner Schwachheit, weil Du versuchet worden bist allenthalben, obwohl ohne Sünde. Darum hilf mir auf durch Deine Angst und Noth in allem Kreuz und Elend, so mir jeßt oder fünftig begegnen möchten. Lehre mich aber im Wachen und Beten beharren und laß mich nicht lässig werden im Kampfe; wecke mich allezeit auf und richte mich wiederum zurechte, damit ich nicht in Anfechtung falle, sondern endlich gewinne und den Sieg behalte. Alles kraft 152 Deiner bittern Angst und großen Schmerzen! Amen. G. Arnold. Morgengebet am Charfreitag. Dieß ist der Tag, Herr Jesu! Deines allerheiligsten Leidens und Sterbens, der große Tag unserer Versöhnung, an welchem Du unschuldiges Lamm Gottes Dich hast opfern lassen am Stamme des Kreuzes, und Dein Leben für uns zum Schuldopfer gegeben hast. O Jesu! Du ewiges Gut, der Du an diesem guten stillen Freitage Deinem Vater für mich stille gehalten, und seinen Zorn um meinetwillen gehorsam bis in den Tod getragen: gieb, daß ich heute auch halte den rechten, guten, stillen Freitag mit rechten, guten Gedanken und in stiller Andacht, damit ich mich durch wahren Glauben Deines Opfers theilhaftig mache. Hilf, daß ich auch stille sey von allen weltlichen Geschäften, diesem großen Werke recht nachdenke, und mich dessen von Herzen freue und tröste. Mein Herr Jesu! Du bist ja der gerechte Knecht Deines Vaters, der wohl und weislich gethan, und seinen Willen gehorsam verrichtet hat. Durch Dein Blut und durch Deinen Tod ist uns die ewige Erlösung und Reinigung gestiftet und erworben. Freilich warst Du der Allerverachtetste 153 und Unwertheste, voller Schmerzen und Krankheiten, ja Du warst so verachtet, daß man das Angesicht vor Dir verbarg. Ja wohl haben sie Deiner nicht geachtet, Dir in das heilige Angesicht gespieen, Dich den Uebelthätern gleich gerechnet, und wie ein Schaf zur Schlachtbank geführet. O Jesu! Du treuer Knecht, wie schwer und angstvoll war Deine Arbeit, aber wie hoch und werth ist Dein Verdienst! Gelobet sey Dein heiliger Name für Deine bittere Marter, für Deine unerhörte Schmach, für Deine unaussprechliche Seelenangst, die Du für mich ausgeſtanden hast. O fürwahr, Du trugest unsere Krankheit und ludest auf Dich unsere Schmerzen; Du bist unserer Sünde willen geschlagen worden. Ich bin die Ursache Deines Jammers, und alle Noth und Angst habe ich Dir zubereitet mit meinen Sünden. Meine Sünden waren die Dornen und Geißeln, womit Dein Haupt zerrissen und Dein heiliger Leib gequälet wurde, mein Missethaten waren die Nägel, die Deine Hände und Füße durchgruben. Aber dennoch hast Du das Leben zum Opfer gebracht, die Strafe liegt auf Dir, auf daß wir Friede hätten, durch Deine Wunden sind wir geheilet worden. Ja, also hast Du Vieler Sünden getragen, und machest Viele gerecht durch Deine Erkenntniß. Du hast viele Heiden besprenget mit Deinem Blute und sollst nun alle gläubigen Herzen zum Antheile haben. Ich danke Dir, Herr Jesu Christe! daß Du 154 mich durch Dein eigenes Blut erlöset und mit Deinem Vater versöhnet hast. Ich danke Dir, o Gott, mein Vater, daß Du mich durch Deinen Sohn hast versöhnen lassen. Ich danke Dir, o Gott, heiliger Geist! daß Du mich die rechte Erkenntniß meines Heilandes gelehrt und mir wahren Glauben an seinen Namen in's Herz gegeben hast, wodurch ich Trost und Frieden in meinem Gewissen empfinde. Hilf nun, Herr Jesu, mein Heiland und mein Seligmacher, hier zeitlich meine Sünden zu erkennen, damit sie mir nicht ewig über mein Haupt gehen; gieb, daß ich meine Missethaten hier zeitlich bereue, auf daß sie mir nicht ewig zu schwer werden; verleihe, daß ich meinen Ungehorsam hier zeitlich beweine, damit ich ihn dort nicht ewig betrauern und beklagen muß. O Du treuer Heiland! der Du für mich bezahlet- hast, laß mich nicht ohne Buße in meinen Sünden sterben, sondern gieb, daß ich beide, mich und Dich, recht erkenne, und mich stets in Demuth vor Dir schuldig gebe, Dich aber allezeit für meinen Erlöser halte und erkenne; ja, daß ich mich auf Dich, meinen Mittler, aus allen Kräften verlasse, und mir Deinen Sieg und Deine Ueberwindung mit wahrem Glauben zueigne; auf daß ich alle menschlichen Gerichte, so wider mich gehen, mit aller Freudigkeit für Nichts achte, noch in irgend einer Angst oder Anfechtung verzage; auch mich vor Deinem Gerichte, das Du am jüngsten Tage halten wirst, nicht entseße. 155 O Gott mein Vater! gieb, daß ich mich zu Dir um Deines lieben Sohnes willen mit nichts Anderem als mit Deiner väterlichen Gnade, Liebe und Treue versehe, und Deines lieben Sohnes Gehorsam und Verdienste allezeit für meine Gerechtigkeit halte. Gott, heiliger Geist, hilf, daß ich mich mit bußfertigem Herzen zu dem theuren Verdienste unseres Herrn Jesu wende, mich seiner tröste und durch wahren Glauben an ihn gerecht und selig werde. Verleihe mir auch, Herr Jesu! daß ich Dir in Kreuz und Leiden gehorsam nachfolge, mich täglich in die Verfolgung und in alle Widerwärtigkeiten der Welt schicke, und bereit sey, so es Dir gefiele, selbst das Leben um Deinetwillen zu lassen. Behüte mich, daß ich nicht sicher werde, Dein Blut nicht mit Füßen trete, und für Deine Liebe und Treue nicht undankbar sey. Gieb aber, daß ich alle Deine Wohlthaten mit Luſt anschaue, und die Predigt Deines heiligen Evangeliums mit Freuden höre; ja, Tag und Nacht dahin trachte, daß die schwere Arbeit Deines heiligen Leidens und Sterbens an mir nicht vergebens und verloren sey. Amen. Martin Moller. Abendgebet am Charfreitag. Der Du für uns am Kreuze erblaſset bist, so wie Du hat kein Mensch gelebt, kein Mensch 156 wie Du sein Leben beschlossen! O Du Einziger, der Alles, dessen Vollendung ihm aufgetragen war, ohne Ausnahme vollbracht hat! So wie Du hat Keiner gelehret, wie Du Keiner gehandelt! Wohlthun war Dein Leben, und Segen für alle Welt Dein Sterben. Die Gottheit wohnte, lebte, wirkte in Dir. Wer kann Deine Liebe aussprechen? Wie Du hat noch keiner geliebt: das Heil der Menschen war Deine Freude. Wer kann Deine Geduld nennen? Wie Du hat noch Keiner gelitten: Dulden in Liebe war Dein Geschäft. Wer kann Deinen Gehorsam gegen Deinen Vater messen? Wie Du hat sich Keiner gehorsam erwiesen: Gehorsam war Dein Leben und Dein Sterben. Du kamst auf die Erde herab aus Liebe für Alle, Du lebtest für Alle, Du starbst für Alle. So wie Du hat's Keiner vollbracht. Ewiger! Du bist der Vollbringer, Du der Vollender! Deine Lehre, Dein Beispiel, Deine Gnade ist Licht und Kraft und Leben. Gekreuzigter! am Kreuze hast Du es vollbracht; am Kreuze hast Du vollendet das Werk der Liebe, der Geduld, des Gehorsams. Am Kreuze ward Deiner Lehre, Deinem Beispiele das letzte Siegel aufgedrückt. Am Kreuze hast Du uns die Unsterblichkeit und das ewige Leben erkaufet. Am Kreuze hast Du uns die Vaterliebe Gottes und die Se ligkeit vollends zugesichert. Laß uns erkennen und fühlen, was wir an Dir haben, damit wir durch Dich werden, was wir durch Dich seyn 157 können. Du bist unser Heiland; Dein sind wir Alle in Zeit und Ewigkeit. Amen. F. M. Sailer. Gebet am Schluffe der Charwoche. Liebster Herr Jesu! ich habe Dich am Anfange dieser stillen und großen Woche um ein stilles Herz gebeten; mun bitte ich Dich auch am Schlusse derselben: gieb mir Gnade, daß ich meine Seele ganz beruhigen kann. Dein Tod am Kreuze hat Alles unter Deinen Freunden und Feinden stille gemacht, was zuvor voll Unruhe war. Alle, die dabei waren, fühlten die Macht Deines Todes, Du Kraft des Höchsten. Deine Freunde erschracken und wurden bestürzt; das tobende Volk wendete wieder um. Maria, Deine Mutter, durch deren Seele bei Deinem Kreuze ein scharfes Schwert drang, Deine Jünger und die übrigen heiligen Seelen waren stille den Sabbath über nach dem Geseze. Nun, so weihe auch mir diesen Tag zu heiliger Stille. Wenn das Wort von Deinem Leiden, welches ich in dieser Woche gehört, in meine Seele gedrungen, mein Gemüth ergriffen, und mich heilsam beunruhigt hat: ach, so gieb mir Gnade, daß ich in dieser Abendstunde meine unruhige Seele stille, und das, was mich so sehr betrübt, durch Deinen heiligen Geist von mir weiche. Und wenn ich mir nicht rathen lasse von Dir, so ist all Dein Leiden 158 bis zum Tod am Kreuze an meiner Seele verloren, und es wartet Nichts auf mich als ewige Unruhe an Leib und Seele zur gerechten Strafe. Da aber die Schäße des Heils, die in dem Geheimnisse Deines Kreuzes verborgen liegen, mir von Neuem so reichlich gezeigt worden sind: ach, so laß mich dieselben nun auch im stillen Geiſt des Glaubens ergreifen und genießen; laß mein Herz dadurch zur wahren Liebe gegen Dich entzündet werden und eine Frucht in mir aufgehen, die da bleibet in Zeit und Ewigkeit. Amen. Joh. Chr. Storr. Morgengebet am Ostersonntag. Mit dankbarer Freude komme ich an diesem festlichen Morgen zu Dir, Sohn des Allmächtigen, um Deinen Sieg über Tod und Grab, um Dein neues Leben in der Herrlichkeit zu feiern. Wie bald hast Du die Bande des Todes, die Dich umschlungen hielten, zerrissen; wie mächtig bist Du hervorgegangen aus der Gruft, aus der sonst kein Sterblicher zurückkehret; wie glücklich hast Du Dich emporgeschwungen zur besseren Welt, die Deiner wartete, um Dich mit Preis und Ehre von Gott gekrönt zu sehen! Jch bete Dich an, Ueberwinder des Todes und freue mich Deines Triumphes; denn für uns hast Du im Staube gelebt, für uns hast Du Dein Blut vergossen, für uns 159 lebſt Du von Neuem und kannst nun Alle jelig machen, die durch Dich zu Gott kommen. Bin ich durch Glauben und Liebe, durch Gehorsam und Treue verbunden mit Dir, den Gott gesetzt hat zum Herrn über Alles, und der herrschen wird bis alle seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt sind; so werde ich Theil haben an Deinem Siege und mit Dir zur Herrlichkeit erhoben seyn, O Jesu, der Du alle Uebel des Lebens besiegt und den Tod selbst überwunden. hast, erbarme Dich der Erlösten, die Dir folgen wollen, die wie Du das zu vollenden begehren, was ihnen aufgetragen ist. Den Entschluß, Dir zu folgen und mit Dir in einem neuen Leben zu wandeln, laß in mir reifen und zur Wahrheit werden; mit Freuden werde ich es fühlen, daß die, so mit Dir gestorben sind, auch mit Dir leben werden. Noch umgiebt mich das hinfällige Wesen, und ich weiß nicht, was mich treffen mag, bis meine letzte Stunde gekommen ist. Aber Du, der Du selbst gelitten und überwunden hast, und nach den Leiden des Todes mit Preis und Ehre gekrönt wurdeſt, Du wirst auch mich erlösen und mich einführen in Dein himmlisches Reich. Nimm Dich meiner Schwachheit an, der Du Dich emporgeschwungen hast über alles Elend der Welt; laß mich empfinden, daß ich berufen sey, Theilnehmer Deines Sieges und Mitgenosse Deiner Herrlichkeit zu werden; laß den erquickenden Hauch einer besseren Welt, in der Du lebest, Herr Jesu! die Stirne des 160 Müden kühlen; laß mich empfinden, daß ich Dein bin und Du mich erlösen wirst von allem Uebel. Noch fasse ich es nicht, was Du uns künftig seyn wirst. Aber daß wir durch Deine Auferstehung wiedergeboren sind, daß uns im Himmel ein unvergängliches Erbe erwartet, das glaube, das fasse ich! Immer fester, Herr Jesu! immer lebendiger und freudiger laß diese Hoffnung in mir werden, wenn der Abend kommt und mein Tag sich neiget, und auf den Flügeln dieser Hoffnung laß mich getrost und freudig zu Dir entschweben. O sen mir gesegnet, frohe, herzerhebende Aussicht, daß Ruhe auf die Tage der irdischen Noth, daß Sieg auf die Tage des Kampfes, daß Vergeltung auf die Tage der Selbstver= längnung und der Arbeit folgen werden! Dut sollst die Mühen erleichtern; Du sollst mich trösten, wenn ich Verachtung und unverdiente Bedrückung leide! Du sollst Labsal in die Schmerzen des Körpers mischen; Du sollst das Herz erquicken, wenn der Tod Alles verschlingt, was mir hier theuer war; Du sollst mir Muth einflößen, wenn das Grab auch vor mir sich öffnet, wenn ich selbst scheiden soll. O Herr Jesu! befestige diese Hoffnung in meinem Herzen und laß, je mehr der Tag des Lebens sich neiget, mir ihr Licht immer stärker und erfreulicher glänzen; und wenn meine letzte Stunde kommt, dann stärke, dann erquicke mich mit dem Vorgefühle des frohen Morgens, an welchem ich zu Deiner Herrlichkeit 161 erwachen werde. Du kannst den letzten Feind, den Tod, aufheben und vernichten, und ich sehe der Stunde getrost entgegen, wo dieser Leib von Erde zerstöret werden wird; denn ich bin Dein und werde anziehen das Unverwesliche; ich werde erwachen, um verklärt zu seyn zu Deinem Bilde. Erfüllt von dieser Hoffnung gelobe ich Dir fest zu bleiben und immer zuzu= nehmen in Deinem Werke. Gieb mir dazu die Kraft, Herr Jesu; laß mich den Frieden, der mich bei Dir erwartet, im Voraus empfinden; löse einst mit leichter Hand die Bande, die mich an diesen Körper fesseln, und laß mich dann eingehen zu Deiner Freude. Voll lebendiger Hoffnung soll mein Geist sich aufschwingen zu Dir. Deinen Händen, allmächtiger Vater! Deiner Liebe, Herr Jesu! Deiner zärtlichen Sorgfalt befehle ich mich; nimm mich dann auf und laß mich seyn, wo Du bist! Amen. Dr. F. V. Reinhard. Abendgebet am Ostersonntag. O Fürst des Lebens, Jesu Christe! Dich beten wir an in Deiner Kraft und Herrlichkeit, mit welcher Du gesieget hast über den Tod, über die Hölle und über alle Deine und unsere Feinde. Dir, o mächtiger Lebens- und FrieAlles mit Gott! 11 162 densfürst, wollen wir Ehre geben; Dir wollen wir huldigen als unserem Herrn und Könige; Dir wollen wir uns ergeben mit Allem, was wir sind und haben. Himmel und Erde müssen Dich anbeten, Alles müsse Dir Preis und Lob bringen. Jesu! erbarme Dich über uns und hilf auch uns zum Auferstehungstage; laß Deinen Kampf und Deinen Sieg an uns nicht vergeblich seyn. Laß es uns erfahren, daß Du lebest, daß Du Macht hast und gegenwärtig bist, um uns zu helfen. D wir führen unser Leben nur allzu sehr in eigener Kraft, im eigenen gebrechlichen Wirken, und erfahren zu wenig Dein Wirken in uns, weil wir ihm nicht Raum geben. Drück es doch tief in unsere Herzen ein, daß wir nicht ablassen vom Gebet, beständig bleiben in der Anhänglichkeit an Dich und an Deine lebendigmachende Geisteskraft. Ziehe uns aus dem Grabe in Dein Leben hinein, und laß uns der Welt immer mehr entfremdet werden. Dein göttliches Leben werde bekannt in unseren Herzen, werde uns immer lieber und wichtiger, damit wir als wahre Fremdlinge in dieser Welt leben mögen. Scheide unseren Sinn von Allem, was nicht in Dein Reich gehört; laß unseren ganzen Wandel zeigen, daß wir Dir angehören und Dich zum Herrn haben. Herr! wir erkennen Deine Oberherrschaft über uns, über unser Leben, über unser Sterben, über Seele und Leib; Dir gehört Alles zu. O gieb, daß wir Dir Alles willig 163 opfern und alle unsere Kraft Deinem Dienste weihen. Lehre uns vor Dir mit kindlichem, andächtigem Wesen zu wandeln; unverrückt unser einziges Augenmerk auf Dich gerichtet zu halten, und von Deinem Winke abzuhangen in allem Thun und Lassen. Werde immer völliger Herr in unserem Innern; laß Deine Herrschaft in uns ganz ausgebreitet werden; laß Dein Leben unsere Seele, unsere Kräfte, alle Sinne durchdringen, daß Alles voll Deines Lebens werde. Komm, Herr und König, ziehe ein in unser Herz, befiehl, herrsche und lebe ewiglich in uns als in Deinem Eigenthume. O Du treuer Herr! lehre uns Dir zu vertrauen im Leben und im Sterben, Dich für unser Eins und Alles zu halten, und mit Dir, Herr, einzugehen in Dein ewiges Reich. Jesu! erhöre uns nach dem Reichthum Deiner Gnade und zur Verherrlichung Deines großen Namens. Amen. G. Tersteegen. Morgengebet am Oftermontag. Du glorwürdigster Siegesfürst und Heiland! Dich bete ich an in Deiner großen Kraft und Herrlichkeit, die Du an allen Deinen Feinden bewiesen hast, indem Du sie zum Schemel Deiner Füße legtest. Gebenedeiet sey Deine 164 Liebe, daß Du auch um meinetwillen durch die Pforten des Todes gegangen, die Hölle zerstöret, den Teufel bezwungen und Alles Dir unterworfen hast, damit ich aus der Hölle Gewalt befreiet würde. Du hast der Sünde die Macht genommen, damit sie nicht mehr über mich herrsche, wenn ich ihr den Willen nicht lasse. Du bist darum für mich gestorben. und auferstanden, daß Du über Todte und Lebendige ein Herr seyest. Weil ich denn auch Einer von Deinen Erlösten bin, den Du durch Dein Sterben und Auferstehen zu Deinem Eigenthume erworben hast, aber an dem Du noch so viel Elend und Jammer an Leib und Seele findest, so bitte ich Dich, o mein Herr! laß mir Deine Auferstehung zu gut kommen. Siehe, ich liege in Sünden todt: ach, wecke mich auf zum neuen Leben des Geistes. Ich bin gefangen unter der Sünde Geseß: mache mich frei durch Deine Auferstehung aus dem Grabe. Hauche mich Todten an und sprich zu mir, daß ich lebe. Ja, sprich Dein lebendiges Wort in meine Seele, und gieb mir Deine bußerweckende Kraft, damit ich nicht ganz im Tode entschlafe, sondern alle Deine Verheißungen in mir lebendig und heilsam werden zur Seligkeit. Ach Herr! ich bitte nochmals: Mache mich Deiner Auferstehung theilhaftig und Deinem Tode ähnlich; laß all' Dein Verdienst und Deine Genugthuung an mir armem Sünder nicht verloren seyn. Stehe auf in meinem Herzen, o Heiland! 165 wecke mich auf von den Todten, gleichwie Du auferwecket worden bist durch die Herrlichkeit des Vaters. Tödte mein Fleisch durch wahre Buße, mache mich lebendig im Geiste, damit ich Dir zu Ehren und zum Zeugnisse Deiner Auferstehung der Gerechtigkeit wahrhaftig diene, weil auch ich durch Deine Wunden geheilt worden bin. Ja, du lebendiger Jesu! lebe Du in mir, und laß mich leben im Glauben an Dich, der Du mich geliebet und Dich selbst für mich hingegeben hast. Also lehre mich in der Kraft Deiner Auferstehung, in täglicher Buße ein neuer Mensch zu werden, um vor Dir in Gerechtigkeit und Heiligkeit zu leben. Weil aber Alles dieses nicht ohne Leiden geschehen kann, so lehre mich Dein Beispiel, geduldig auszuharren. Reiße mich nach und nach aus der Angst, und gieb mir nach der Traurigkeit Deine wahre Freude wieder, mit welcher Du die Jünger nach Deiner Auferstehung erquicket hast. Mache mich Deinem Bilde ähnlich und laß mich von Dir erwecket werden, damit ich vor Dir leben möge. Komme in mein Herz, und bringe den Frieden in meine Seele. Zeige mir Deine Wunden und Deine offene Seite im Glauben, so oft ich über innerliche und äußerliche Anliegen betrübt und rathlos bin. Ja, begegne mir mit Deiner Freundlichkeit und Treue, wie den Jüngern zu Emmaus. Mache mein Herz brennend nach Dir; öffne mir die Schrift, die von Dir zeuget, und stärke meinen Glauben durch 166 Deine kräftigen Lebensworte. Gehe ein in mein Herz, halte Dein Abendmahl mit mir, gieb Dich mir zu erkennen an der milden Mittheilung Deiner Lebensfrüchte, und beweise Dich als meinen erstandenen Siegesherrn im Leben und im Tode. Denn Du hast Alles in Händen und kannst erretten, die zu Dir treten. Darum komme ich auch zu Dir, als meinem Bruder, der nicht todt, sondern lebendig ist, und nehme von Dir im Glauben Leben und Seligkeit, ja Friede und Freude im heiligen Geiste. So werde ich Theil haben an Deiner Auferstehung und der Tod wird keine Macht über mich finden. Ja, kraft Deines neuen Lebens werde ich als ein Glied Deines Leibes nicht sterben, sondern leben, ob ich gleich zeitlich sterbe, und werde durch den Tod in's Leben zu Dir eindringen. Das hältst und giebst Du mir, kraft Deiner herrlichen Auferweckung, durch Deinen lebendigen Geist. Amen. Hallelujah! G. Arnold. Abendgebet am Oftermontag. Vorübergegangen ist die Feier des Oſterfestes, und hat mit seiner Freude, seinen Hoffnungen, seinem Triumphe Tausende getröstet und erhoben, und zu neuem Ringen nach der ewigen Welt entflammt, Auch unser Geist weilte bewundernd an Deinem Grabe, Du Fürst 167 des Lebens! und lernte mit dem Apostel triumphiren: Tod, wo ist Dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott sey Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch Jesum Christum! Auch wir fühlten uns gedrungen, aus tiefbewegter Seele jetzt mit Maria das anbetende: Rabbuni! mit Thomas das staunende: Mein Herr und mein Gott! hervorzustammeln. Auch uns brannte das Herz, wie jenen Jüngern, welche nach Emmaus giengen, wenn wir in stiller Einsamleit und in versammelter Gemeinde Dein Lob verkündigten, Du Todesüberwinder! Im Aufschauen zu Dir entschwanden uns die Stunden dieser festlichen Tage in seliger Freude; von Deiner Hand geleitet lernten wir uns zur höheren und ewigen Bestimmung aufzuschwingen, und all' unser Glauben und Lieben, unser Hoffen und Sehnen fand in Dir seine Verklärung. Was konnten wir inniger flehen, als: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget! Bleibe bei uns mit dem Troste, welchen Du in diesen Tagen über unsere Seele ausgegossen, mit der Kraft, mit welcher Du uns gestärket und ermuthigt haſt; laß uns auch in dieser Abendstunde empfinden, wie all' unser Hoffen, unser Friede und unsere Seligkeit nur in Dir ruhen. Bleibe bei uns mit all' den Segnungen, welche das Osterfest gewähret. Dein Friede begleite uns unter den Gefahren und Widerwärtigkeiten des Lebens, damit uns nie bange sey um Trost; Dein Wort 168 leite uns in allen Irrgängen, damit wir an Deiner Hand sicher wandeln. Deine Kraft sen mit uns, wenn Versuchungen uns nahen und durch diese unsere Tugend auf schwere Proben gestellt wird. Bleibe bei uns, so flehen wir an jedem Abende, so beten wir zu Dir mit jedem Morgen. Wenn uns alles Andere verläßt, dann bleibe Du unser Freund und Tröster, und beselige uns mit Deinem Frieden. Wenn wir wanken und straucheln, dann bleibe Du bei uns mit Deiner Gnade und verwirf uns nicht vor Deinem Angesichte. Wenn unser Glaube ermatten und unsere Liebe nachlassen will, dann bleibe Du bei uns und stärke uns durch Deines Geistes Kraft. Wenn einst die Todesstunde kommt, dann zeige Du uns im Lichte Deiner Auferstehung den Himmel offen, dann hebe unsere Seele hinauf in Dein ewiges Reich, und begleite sie droben mit reiner und seliger Freude! Amen. Dr. 3. Chr.&. Lösch. Morgengebet am Himmelfahrtsfeft. Heiland, der Du aus Liebe zu uns Dich aller Deiner Herrlichkeit entäußert und Knechtsgeſtalt angenommen hattest, und gehorsam warest bis zum Tode am Kreuze; dem aber Gott einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist; o laß die Kraft Deiner Herrlichkeit unseren 169 Herzen bekannt werden, daß auch wir uns vor Deinem Namen beugen und Dir als unserem Könige dienen und nachfolgen. Wir danken Dir, Herr Jesu! daß Du durch Deine Himmelfahrt den Weg zum Himmel gebahnt, und Deines Vaters Herz uns aufgeschlossen hast. Du sizest zur Rechten der Kraft Gottes, damit Dir alle Herzen als ihrem rechtmäßigen Könige unterthan werden sollen. Siehe, hier sind Herzen, worüber Du als Herr, als triumphirender König herrschen und regieren sollest, deßhalb sende einen Blick Deiner Freundlichkeit auf uns herab. Herr Jesu! gieb uns ein himmlisches Herz, und laß uns durch Deine Gnade heute und immerdar bewahret werden vor allen eiteln und irdischen Gedanken; sammle uns in Deiner Gegenwart; fülle unser Gemüth durch Deine gnadenreiche Mittheilung; laß uns vor Deinem Angesichte gesegnet seyn. Herr! der Du den rechten Schlüssel der Erkenntniß hast, schließe durch Deinen heiligen Geist unsere Augen auf, damit wir sehen mögen Die Größe Deiner Herrlichkeit und die Ueberschwänglichkeit Deiner Liebe; damit wir mit ganzem Herzen, Sinn und Gemüthe anfangen mögen gen Himmel zu wandeln, vor Deinem Angesichte heilig zu leben und Dich zu lieben, Dich, der Du uns so sehr geliebet haſt. O Herr! vergieb um Deiner Liebe willen, daß wir zwar oft von Dir und Deiner Auffahrt zur Herrlichkeit gehört, aber 170 doch noch so wenig ihre Kraft in unseren Herzen empfunden haben. O daß wir Dir die Ehre geben und uns Deinem allmächtigen Scepter unterwerfen möchten! Verherrlichter Jesu! verherrliche Dich an uns, werde erkannt in Deiner Größe, werde geehrt und geliebt von uns und ziehe ein in unsere Herzen. Laß sie Deine Werkstätte seyn; schließe sie auf, damit wir ermuntert werden, Dir getrost nachzuwandeln, wie Du uns vorangegangen und das Ziel erreicht hast. Erhöre unser Seufzen, o großer Hohepriester zur Rechten Gottes, erwirb uns kraft Deiner Verdienste ein tröstliches Ja und Amen! G. Tersteegen. Abendgebet am Himmelfahrtsfeft. Jesu, Hochverklärter, Du unser Herr und König, in welcher Herrlichkeit hast Du Deinen Lauf vollendet! Wie haben Dich die himmlischen Schaaren bewillkommet, da Du in Dein Reich eingiengest als Sieger über Sünde, Tod und Hölle und Dich gesehzet hast zur Rechten Gottes! Auch wir Fremdlinge hier auf Erden begehren Theil zu nehmen an der Freude der Himmlischen, uns mit zu beugen und Dir die Ehre zu geben. Hosianna Dir, dem Sohne Davids, Hosianna Dir in der Höhe! Herrsche, o Jesu! 171 sende das Scepter Deines Reiches auf Zion, unterwirf Dir alle Herzen! Du bist gen Himmel gefahren; wir aber leben noch auf Erden. Du hast den Weg vollendet; wir aber wandeln noch auf dem schmalen, dornigen Wege. Hilf uns und laß durch Deine Schmerzenstritte die unsrigen gesegnet sein; laß all' Dein Thun, all' Dein Verläugnen, all' Dein Beten, all' Dein Leiden unser Thun, unser Verläugnen, unser Beten und Leiden heiligen. Stärke uns durch Deine Hand, damit wir auf dem angetretenen Wege zu unserer Himmelfahrt getrost fortwandern und nicht müde werden unter den Mühseligkeiten dieses Lebens. O lehre uns immer fortgehen auf dem seligen Wege, daß wir nicht als Anfänger stehen bleiben, sondern durch die Kraft Deines heiligen Geistes unsere Heiligung, Vollendung und Verklärung erfahren. Lehre uns die wahre innige Ulebung des Herzensgebetes, der stillen Einkehr, des beharrlichen Wartens auf die Zukunft des Geistes aus der Höhe. Jesu Christe, unser Heiland! Du als das Haupt bist herrlich: wir sind nur Deine Glieder. Du hast gesagt: ,, Wenn ich werde erhöhet seyn, so will ich sie alle zu mir ziehen." ziehe uns aus dem Verderben, aus dem sichtbaren und sinnlichen Wesen zu Dir in's himmlische Leben, um mit Dir da, wo Du nun bist, zu leben. Entferne aus uns allen irdischen Sinn, laß uns nicht versinken in das Vergängliche, 172 sondern nach der ewigen Stätte trachten, daß wir uns mit ganzem Herzen und völliger Liebe allein an Dich halten, und uns nur mit dem beschäftigen, was in Noth und Tod trösten und beſeligen kann. O Jesu, Fürst des Lebens, lehre uns muthiger mit Dir wandeln, der Welt und allen unseren Feinden getroft unter die Augen zu treten, und uns durch keinerlei Sturm oder Anfechtung schrecken zu lassen. Laß unsere Augen mit einem muthigen Glauben getrost auf Dich gerichtet seyn und Dir zuversichtlich trauen, daß Du uns bewahren, uns erretten und durchhelfen werdest mit Deiner Macht und Gnade, mit Deiner großen Barmherzigkeit. Komm, o Jesu! und richte Dein Königreich auf in unseren Herzen. Dir unterwerfen wir Alles, was wir sind und vermögen, Herz und Willen, Gedanken und Sinne; es müsse Dir Alles unterthan werden, es müssen alle Herzen der Gläubigen nach dem Winke Deines Wohlgefallens und vor Deinem heiligen Angesichte ihren Wandel führen. Unterwirf Dir, o mächtiger König, alle Diejenigen, die noch Deine Feinde sind. Sende Apostel und Boten aus, die die Größe Deiner Liebe, die Größe Deiner Herrlichkeit den Sündern preisen und bekannt machen, damit Dein Reich in allen Enden der Welt ausgebreitet werde. Ach Herr! wann wirst Du kommen in Deiner Kraft, um Dir die Herzen aller Völker zu unterwerfen! Wecke uns auf aus aller 173 Trägheit und Schläfrigkeit. Lehre uns mit brennenden Lampen, mit munterem Herzen vor Dir wandeln, und jederzeit den Tag unserer Heimführung gewärtigen, damit wir, wenn Du kommst, bereit erfunden werden. Gieb uns reichlich das Del Deines Geistes und Deiner Liebe, erhalte uns in beständiger Wachsamkeit und in unermüdetem Gebete. Weise uns himmelwärts, damit wir alle Tage Himmelfahrt halten, bis wir es vollkommen thun werden am Tage unseres Heimganges. Segne alle Deine Kinder auf dem ganzen Erdboden, bilde sie zu Himmelskindern, deren heiliger Wandel fie Alle zu Dir ziehe und Dir von Herzen unterthänig mache. Stärke sie Alle, stärke einen Jeglichen, Dir treu zu seyn bis an's Ende. O Herr! wir legen unsere Seufzer in Dein Herz. Bringe Du, der Priester im Heiligthume, unsere Gebete Deinem Vater dar, erwirb uns eine gnädige Erlösung, versiegle Dein Wort in unseren Herzen und erfülle unser Verlangen. Amen. G. Tersteegen. Morgengebet am Pfingstsonntag. Geist des Allmächtigen, der Du herabkamſt auf uns, um uns zu heiligen zu Deinem Tempel, 174 laß uns fühlen, welche Kraft, welcher Trost darin liegt, zu wissen, daß Dein Alles beseligender Hauch noch immer wirksam unter uns ist. Wir öffnen Dir unsere Brust, wir übergeben Dir unser Herz; laß uns den Frieden fühlen, den Du allein schenken fannſt! Vollende Dein heiliges Werk in unseren Seelen; laß uns immer reiner und freier, immer himmlischer und seliger werden; laß uns durch Dich bewahrt seyn zum ewigen Leben. Segne, belebe, unterstüße uns, und hebe uns zu Dir empor über Alles, was uns zerstreuet: erhebe uns zu dem Gefühle Deiner heiligen, Alles begleitenden Gemeinschaft. Noch umgeben uns die Fesseln, noch weilen wir in der sichtbaren Welt und fühlen ihren Druck, noch sind wir ihren Stürmen ausgesetzt und ringen mit ihren Uebeln. Aber wir zagen nicht, denn wir sind mehr als Staub und Erde. Dir, Geist des Herrn, sind wir verwandt, und empfinden Deinen himmlischen Einfluß. Du giebst Zeugniß unserem Geiste, daß wir Gottes Kinder seyen. D, um der Liebe des Vaters willen, der uns seinen eingeborenen Sohn geschenket hat, um der Huld des Sohnes willen, dessen Blut für uns geflossen ist, hilf unserer Schwachheit auf und stehe uns bei, wenn wir in Angst und Zagen nicht wissen, was wir beten sollen. Ach, zerstreue die Blendwerke, welche uns die Wahrheit so oft verbergen; hilf uns die Neigungen bezwingen, die sich oft so empören wider 175 Dein heiliges Gesetz! laß es uns immer deutlicher und lebendiger erkennen: nur der sey weise, der Dir gehorcht; nur der sey glücklich, der Deinen Geboten folgt. Jeder hier zugebrachte Augenblick ist so wichtig, und doch giebt es der Gefahren so viele; doch vergessen wir so leicht, wie schnell die Zeit der Vorbereitung verschwindet. O laß uns weise werden! Belebe in uns den Glauben, daß eine bessere Welt unser wartet, und gieb uns die Kraft, schon jetzt für sie zu leben. Immer inniger verknüpft laß uns werden mit der Gemeine, die Du heiligest, die Du dem Himmel weihest; erfülle uns mit ihrem Glauben, mit ihrer Liebe, mit ihrer Hoffnung. Denn von Dir, der mit seinem mächtigen Walten den heiligen Tempel der Gemeine Christi auf Erden noch immer erfüllet, von Dir, Geist des Herrn, erwarten wir Alles. Vollende das gute Werk, das Du in uns angefangen hast, und laß uns versiegelt seyn durch Deine Kraft auf den Tag Jesu Christi. Amen. Dr. Franz Volkmar Neinhard. Abendgebet am Pfingstsonntag. Du Liebe der Gottheit, heilige Gemeinschaft des allmächtigen Vaters und Sohnes, 176 allmächtiger heiliger Geist, der Du bist ein erbarmungsvoller Tröster der Trauernden, senke Dich kräftiglich in das Innerste meines Herzens, erhelle mit dem Glanze Deines Lichtes alle ungesehenen dunkeln Gründe, und befeuchte mit der Fülle Deines Thaues, was welk ist durch lange Dürre. Tränke mich mit dem Strome Deiner Lust, daß ich kein Verlangen mehr nach dem süßen Gifte weltlicher Freuden empfinde. Nichte mich, Herr! und scheide meine Sache von dem unheiligen Volke; lehre mich thun nach Deinem Wohlgefallen, denn Du biſt mein Gott. Ich glaube, bei wem Du einkehrest, den machst Du zu Deiner Wohnung. So komm denn, heiliger Geist! komm, gnädiger Tröster der trauernden Seele, der Du im Glücke sie wahrest und in der Noth ihr Beistand bist, der Du von Missethaten reinigest und Wunden heilest. Komm, Du Lehrer der Demüthigen und Vertilger der Hoffärtigen. Komm, Du erbarmungsvoller Vater der Wittwen und Waisen. Komm, Du Hoffnung der Armen und Di Labung der Matten. Komm, Du Stern auf dem Meere, Du Hafen im Schiffbruche. Komm, aller Lebendigen herrlichster Schmuck, aller Sterbenden einziges Heil. Komm, heiliger Geist, und erbarme Dich meiner, bereite mich Dir zu, und laß Dich in Gnaden zu mir herab, so daß Deiner Größe meine Niedrigkeit, und Deiner Stärke meine Du 177 Schwachheit nach dem Reichthume Deines Erbarmens gefallen möge, durch Jesum Christum, meinen Heiland, welcher mit dem Vater in Deiner Einheit lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Anselm von Canterbury. Morgengebet am Pfingstmontag. Dut Du willst Wasser gießen auf die Durſtigen, mein Gott! und Ströme auf die Dürre; Du willst Deinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Laß auch mich Theil haben an dieser herrlichen Gabe, und gieße sie in reichem Maße über mich aus; Erleuchte mich zum ewigen Leben, daß ich möge Jesum Christum wahrhaftig erkennen; heilige meinen Willen, daß ich nichts begehre und wünsche, als was Dir gefällt; gieb mir Muth und Kraft, auf Deinen Wegen zu gehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen, und als Dein wahres Kind zu leben. Mache mich fruchtbar in allen guten Werken; erquicke mich in der Hiße der Anfechtung, und versiegle in mir den Trost, daß ich in Deiner Gnade stehe. Ruhe auf mir, Du Geist der Weisheit, daß ich wandle in der ewigen Wahrheit. Behüte mein Herz vor Irrthum, und vertreibe daraus alle Finsterniß der Unwissenheit und Eigenliebe. Ruhe auf mir, Du Geist der heiligen Furcht, und befestige meine Seele, daß 12 Alcs mit Gott! 178 ich nimmer mit Willen sündige. Rufe auch mir, Du Geist der Liebe, und reiße Zorn, Neid und Rachgier aus meinem Gemüthe. Sey mein Tröster in der Trübsal, wenn die Wellen über mich zusammenschlagen. Sen meine Stärke, wenn ich schwach bin, und hilf mir, die Lüste des Fleisches unterdrücken. Laß in mir wachsen Glauben und Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld. Leite mich auf ebener Bahn, daß ich nicht anstoße, falle, oder thue wider Gottes Gebot. Siehe, wie ich von so vielen Versuchungen umgeben bin, bewahre mich daher, daß ich nicht von Dir weiche; zeige mir den Weg, den ich wandeln soll, denn mich verlanget nach Dir. Wenn ich selbst mich führen will, so irre ich; führest Du mich aber, so gehe ich den Weg Deiner Gebote. Siehe, mein Herz steht Dir offen, kehre ein mit Deinen reichen Gaben, befestige mich, gründe mich und erhalte in mir das gute Werk, das Du in mir angefangen hast. Ach schaffe in mir ein reines Herz; besiege in mir alle Herrschaft der Sünde; gieb mir ein geheiligtes und durch Deine Gnade erneuetes Gemüth. Wohne in mir und mache mich zu Deinem Tempel, dann habe ich das Pfand der Kindschaft und meiner Seligkeit. Weiche nicht von mir in der letzten Noth, und gieb mir einen Blick in jene Herrlichkeit, einen Vorgeschmack der ewigen Freude, wo ich nach dem Kampf zur Krone, und nach dem Leid zur Wonne getragen werde. Heiliger Geist, Du Kraft der Frommen, kehre 179 bei mir ein, ruhe auf mir, und sey ewiglich mein Theil! Amen. J. Fr. Start. Abendgebet am Pfingstmontag. Lob und Dank sey Dir gesagt, o Du ewiger und allmächtiger Gott! daß Du mich dieſe Tage, welche zur Ehre der Sendung des heiligen Geistes gewidmet sind, in Friede und Ruhe haft überleben lassen. O, was ist es für eine große und unaussprechliche Wohlthat, daß ich nicht nur im Schooße Deiner christlichen Kirche geboren bin, sondern daß Du mich auch bis auf diese Stunde in derselben gnädiglich erhalten hast. Besonders aber erkenne ich Deine väterliche Güte und Barmherzigkeit, weil Du mich diese Tage mit dem himmlischen Troste Deines heiligen und allein seligmachenden Wortes erquickt, und mir die gnadenreiche Sendung Deines heiligen Geistes hast verkündigen lassen, welcher das göttliche Licht ist, das unsere Seelen heiligen, erleuchten und auf den rechten Weg zum Himmel führen kann. Für diesen Deinen heiligen Geist, den Du im Namen Deines lieben Sohnes Jesu Christi gesandt haft, sey Dir ewiger Dank gesagt. Vergieb mir aber, gnädiger, barmherziger Vater, daß meine Pfingstandacht mit eiteln Gedanken, unnöthigen Sorgen und anderer Unruhe des Gemüthes vermischt gewesen ist. Ach, 180 ich bekenne Dir mit bußfertigem und zerknirschtem Herzen, daß ich diese Tage nicht also zugebracht, wie es die Dankbarkeit für ein so großes Geschenk und der schuldige Gehorsam gegen Deine göttliche Majestät erfordert hätten. O Gott, heiliger Geist, Du Tröster in aller Noth, Dir sey Lob und Dank für Dein gnadenreiches Kommen am ersten christlichen Pfingstfeſte, so wie für alle Segnungen, die mit Dir über die Apostel und über die ganze Christenheit ausgegossen worden sind. Ach, kehre Du auch ein in mein und aller Menschen Herzen, damit wir recht zu Dir bekehret und durch Dein himmlisches Licht kräftig erleuchtet werden. Entzünde in mir die göttliche Liebe und mache meine Zunge feurig, damit sie tüchtig werde, von Deiner unaussprechlichen Liebe Tag und Nacht zu reden und Deine Wunder zu verkündigen. Vertilge dagegen die Liebe der Welt in meinem Herzen, damit ich mich von ihrer Eitelkeit gänzlich befreie und die thörichten Lüſte des Fleisches meide, weil sie wider die Seele streiten. Tilge in mir allen Hochmuth, allen Geiz und die Begierde zu zeitlichem Reichthume; laß mich mit brünstiger Liebe und himmlischem Verlangen Dich allein, als das ewige und unendliche Gut, mit herzlichen Seufzern und stetem Gebete suchen. Lösche aus in mir allen Haß und Neid gegen meinen Nächsten, und entzünde in mir die wahre christliche Liebe, daß ich mich befleißige, alle Menschen ohne Unterschied zu 181 lieben, und ihnen nach allen Kräften und Vermögen Gutes zu thun. D Du Geist der Weisheit und des Verstandes, lehre mich die rechte Weisheit von oben, daß ich in meinem ganzen Leben vorsichtiglich wandle und in keine Sünde willige, damit Du, als ein reiner Geist, nicht wiederum aus meinem Herzen vertrieben werdest. Laß mich die bevorstehende Nacht in Deiner Liebe einschlafen und in derselben auch wieder erwachen. Du heilige und hochgelobte Dreieinigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, schüße mich in der Finsterniß der Nacht an Leib und Seele, Hab und Gut, und erbarme Dich aller Menschen. Bekehre diejenigen, welche Deine Wahrheit noch nicht erkannt haben. Durch Deine himmlische Erleuchtung führe sie auf den rechten Weg des Lebens; der Du lebest und regiereſt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Chr. Scriver. Morgengebet am Trinitatisfeft. Du allerheiligste, hochgelobte Dreifaltigkeit, Du ewiges, unendliches, unbegreifliches, unerforschliches Wesen, ich sage Dir Lob, Ehre und Dank für die göttliche Offenbarung Deiner heiligen Erkenntniß, in welcher das ewige Leben stehet; nämlich, daß wir Dich Gott den Vater, 182. und welchen Du gesandt hast, Jeſum Christum, Deinen lieben Sohn, in Kraft des heiligen Geistes erkennen. O Gott Vater! Dich erkenne, ehre, liebe und preise ich als meinen gütigen Vater, der der rechte Vater ist über Alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Dein lieber Sohn hat mir befohlen, Dich als meinen lieben Vater anzurufen, indem er sagte: Was ihr den Vater in meinem Namen bittet, daß wird er euch geben; desgleichen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Ach herzlieber Vater! Du haft mir zwei edle Gaben gegeben, Deinen lieben Sohn und den heiligen Geist; Dir sey ewig Lob und Dank für diese große unaussprechliche Liebe. O Gott Sohn, von Ewigkeit her gezeuget aus dem göttlichen Wesen des Vaters, Gott von Gott, wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gotte, Licht vom Lichte, Du wesentliches Ebenbild Deines himmlischen Vaters und Abglanz seiner Herrlichkeit, Du wahrhaftiger Gott und ewiges Leben, Du Anfang und Ende aller Dinge, durch welchen Alles erschaffen, das Sichtbare und Unsichtbare, das ganze Weltall und der Himmel, durch welchen alle Dinge gemacht sind und in welchem Alles bestehet! Du bist in der Fülle der Zeit Mensch geworden, und bist gesandt von Deinem himmlischen Vater, zu suchen und selig zu machen, was verloren war. Du biſt mein Fleisch und Blut geworden, mein Bruder, 183 mein Bräutigam, und hast Dich mit mir verlobet in Ewigkeit, in Gericht und Gerechtigkeit, und im Glauben. Du bist mein Erlöser, Fürsprecher, Gnadenstuhl, Hohepriester, Immanuel, König, Licht und Leben, Mittler, Nothhelfer, einiger Versöhner und Seligmacher, Gott und Mensch in Einer Person. Du sißest auf dem Stuhle der Herrlichkeit, zur Rechten der Majestät Gottes, hörest unser Gebet und Seufzen, und bist bei uns alle Tage bis an's Ende der Welt. Dir sage ich für Deine große Liebe, Leiden und Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Lob, Ehre und Dank. O Gott, heiliger Geist, ein ewiger, allmächtiger Gott, gleich ewig und allmächtig mit dem Vater und dem Sohne, der Du ausgehest und gesandt wirst vom Vater und von dem Sohne, als ein Geist des Vaters und des Sohnes, und machest uns zu Tempeln und Wohnungen der heiligen Dreieinigkeit; der Du uns neu gebärest, erleuchtest, heiligest und tröstest, Du bist unser einiger und allerhöchster Tröster, der bei uns bleibet ewiglich, auch wenn uns die ganze Welt und alle Kreaturen verlassen! Dir sage ich Lob, Ehre und Dank für die Wiedergeburt, Erleuchtung und Heiligung. O Du heilige Dreieinigkeit! unterschieden nach den Personen, unzertrennlich nach dem Wesen, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, Ein göttliches Wesen, Eine ewige Gottheit: wir bekennen drei unterschiedene Personen, gleich ewig, gleich 184 allmächtig, gleich heilig, gleich herrlich, gleich unermeßlich. Darum singen wir mit den Seraphinen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr Zebaoth; heilig ist Gott der Vater, heilig ist Gott der Sohn, heilig ist Gott der heilige Geist! und sagen mit Sanct Paulus: Von ihm, in ihm und durch ihn sind alle Dinge. Ihm sey Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen. ODu heilige Dreieinigkeit! komme zu uns und mache Wohnung bei uns; Du bist ja über uns Allen, in uns Allen, und bei uns Allen. O Herr Jesu! mwer Dich siehet, der siehet auch den Vater; Du bist im Vater und der Vater in Dir; Du hast unsere selige Taufe gestiftet durch den Namen der heiligen Dreieinigkeit, und durch dieselbige den ewigen Gnadenbund mit uns erneuert. Du bist wahrer Segen, durch welchen wir im Namen der heiligen Dreieinigkeit gesegnet werden. O Gott Vater! ſegne und behüte uns als Deine Kinder! O Gott Sohn! der Du unser Licht und Gnadenſtuhl bist, erleuchte uns durch Deine Gnade! O Gott heiliger Geist! in welchem wir Gottes väterliches Angesicht anschauen und des ewigen Friedens genießen, erhebe Dein Angesicht auf uns und gieb uns Frieden! Ach Gott Vater, Du ewige Liebe und Barmherzigkeit, Du unerschöpflicher Brunnen aller Güte! ach Gott Sohn, meine ewige Gerechtigkeit, Weisheit, Heiligkeit und Erlösung, mein Licht, mein Heil, mein Leben und meine Seligkeit! ach Gott 185 heiliger Geist, mein einiger und ewiger Trost, Friede, Freude, Stärke und Kraft! vereinige mich mit Dir, besiße und bewohne mein Herz, beschirme mich unter dem Schatten Deiner Flügel, segne mich, erleuchte mich, tröste mich in meiner letzten Noth, nimm meine Seele zu Dir, erwecke meinen Leib am jüngsten Tage zur ewigen Freude und laß mich Deine Herrlichkeit sehen ewiglich! Amen. Joh. Arndt. Be Abendgebet am Trinitatisfeft. O Vaterhand, die mich so treu geführet, O Vaterauge, das mich treu bewacht, O Vaterherz, das meine Bitte rühret, Und das mit ew'ger Liebe mein gedacht! Du wollest mich) denn ferner treulich leiten, Daß ich den graden Weg zum Himmel geh', Und mich zum ew'gen Leben vorbereiten, Es sey durch Lieb uud leid, durch Wohl und Weh. O mein Erlöser, der für mich gestorben, Und der mich Gott erkauft mit seinem Blut, Der mir Vergebung aller Schuld erworben, Daß nun mein Herz im Frieden Gottes ruht! Du wollest mich denn immer mehr erlösen, Von allen Banden völliger befrei'n, Bei aller List und aller Macht des Bösen Der Held, durch den ich endlich siege, seyn. Oheil'ger Geist, der du mit sanftem Triebe Mich strafest, tröstest, treibst und beten lehrst, 186 Der Du den Gottesfrieden und die Liebe, Die Hoffnung und den Glauben mir bescheerst! Regiere mich und drücke mir den Stempel Der Gotteskindschaft in die Seele ein, Und laß mich meines Gottes heil'ger Tempel Voll Stille, voll Gebet und Andacht seyn! Amen. Karl Joh. Philipp Spitta. Morgengebet am Tage Mariä Reinigung. Liebster Herr Jesu! der Du Dich in den Tagen Deines Fleisches freiwillig unter das Gesetz begeben hast, auf daß Du die, so unter dem Geseße waren, erlösetest und wir die Kindschaft empfingen: hilf, gleichwie Du von Deiner lieben Mutter Maria im Tempel dem Herrn dargestellt wurdest, daß ich mich selbst nach der Reinigung meiner Sünden dem Herrn darstellen, und meinen Leib begeben möge zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Laß mich mit Simeon Dir allein in Frömmigkeit und Gottesfurcht stets dienen, daß Dein heiliger und guter Geist auch in mir seyn und bleiben möge. Laß mich Dich selbst im wahren Glauben in mein Herz schließen, gleichwie Dich Simeon in seine Arme schloß, damit ich endlich auch mit Freuden mein Leben beschließen und gläubig rufen könne: Herr! mun läsfest Du Deinen Diener in Frieden fahren, wie Du ge 187 sagt haſt; denn imeine Augen haben den Heiland gesehen, welchen Du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preise Deines Volkes Israel. Dann nimm meine Seele auch in Deine Arme und trage sie selbst in Deine Herrlichkeit. Amen. Joh. Quirsfeld. Abendgebet am Tage Maria Reinigung. Wohlauf mein Herz, verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen. Er ist das Licht, d'rum sey gewiß, Er werd' auch deine Finsterniß Durch seinen Glanz erhellen. Ja, du sollst ihm sein Tempel seyn, Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat hier Lust zu wohnen; Doch hoffe nicht, daß Jesus Christ In solchen Herzen wohnhaft ist, Die noch der Lüste schonen. Was nur dem Fleische wohlgefällt, Das opf're die verkehrte Welt Dem Satan, ihrem Gotte. 10 Sie erntet Schaden bloß für Müh'; Für ihren Sündendienst wird sie Einft ewiglich zu Spotte. 1 Doch wer vom Geist, wie Simeon, Sich treiben läßt, hur Gottes Sohn Zum Heil begehrt zu haben, Gott fürchtet, sich der Welt entwöhnt, 188 Aus ihr sich nach dem Himmel sehnt, od Der opfert rechte Gaben. Wer durch das Wort, darauf er traut, Im Glauben seinen Heiland schaut, Der kann in Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verspricht, Er wird sich ihm in seinem Licht Dort herrlich offenbaren. Herr! mache mich gerecht und rein, Herr! laß mich stets voll Glauben seyn, Mich stets im Geiste leben; fucido Bis Du auch mich wenn Dir's gefällt, In Frieden wirst aus dieser Welt In Deine Wonn' erheben. Amen. Joh. Adolph Schlegel. Morgengebet an Mariä Uerkündigung. Wache auf, meine Seele, freue dich in Gott, deinem Heilande, danke deinem Gott, der die Zusage von der Erlösung des menschlichen Geschlechtes erfüllt und seinen Sohn in's Fleisch gesandt; sey fröhlich über deine Würdigkeit, daß Gott Mensch geworden und so viel an dich gewendet hat. Wer kann die Leutseligkeit Gottes, die er uns in der Sendung seines Sohnes bewiesen hat, genugsam preisen? Herr Christe, Du holdseliger Menschenfreund, ich danke Dir, daß Du in dem zarten, geheiligten Leibe der Jungfrau Maria menschliche Natur angenommen, 189 und uns mit Deinem Vater wieder versöhnet hast, ob wir's gleich nicht um Dich verdienten. Du hast eine selige Reise auf Dich genommen: aus dem Himmel bist Du gekommen in den Leib der Maria, aus dem Leibe der Maria auf die Erde, von der Erde an's Kreuz, vom Kreuz in's Grab, aus dem Grabe wieder in Dein Himmelreich. Und solches Alles um uns armer Sünder willen! Denn Du bist von Deinem Throne zu uns hernieder geſtiegen, auf daß wir dereinst zu der himmlischen Herrlichkeit erhoben würden; Du hast Dich gedemüthigt, auf daß wir herrschen möchten; Du bist unser Bruder geworden, auf daß wir Gottes Kinder seyen. Du hast uns nicht verschmähet, die wir Staub und Asche sind, und größere Liebe hätteſt Du uns nicht erzeigen können. Süßer Heiland! ich freue mich von Herzen und hoffe gewiß, Du werdest mir nicht zürnen und Dein eigen Fleisch und Blut nicht hassen. Ich tröste mich Deiner Heiligkeit, ob ich gleich fündig und unheilig bin. Du hast Durch Deine heilige Menschwerdung einen ewigen, unzertrennlichen Bund zwischen Gott und uns gemacht; Du hast, als wahrer Gott, auch menschliche Natur angenommen, auf daß Du als der rechte Mittler zwischen Gott und uns handeln, Gott versöhnen, unsere Noth und unseren Jammer erkennen, und uns reichlich trösten könntest. Du freundlicher Herr Jesu! ach komme zu mir mit Deiner Gnade, verachte mich nicht, denn ich bin Dein und begehre stets 190 Dein zu bleiben. Wo Du nun, mein Fleisch und Blut, herrschest, da werde ich auch durch Dich in Ewigkeit herrschen und regieren. Amen. Abendgebet an Mariä Verkündigung. Jesus Christus! wir glauben, daß Du den Schooß Deines Vaters verlassen, und im Schooße der Jungfrau Maria Mensch geworden bist. Du bist unser Immanuel, in Dir ist Gott mit uns! Wir glauben auch, daß Du uns zu Liebe Mensch geworden bist. Sei also, wir bitten Dich, unser Immanuel, und bleib' mit Deinem Lichte und mit Deiner Kraft stets bei uns, damit wir selbst gut und rein werden, und in Deinem Reiche so viel Gutes stiften, als wir können. Daß wir, wenn Du einst als Richter wiederkehrest, keine Ursache haben, vor Deiner Ankunft zu zittern, sondern würdig werden, ewig bei Dir zu seyn und Dich und Deinen Vater von Angesicht zu Angesicht ewig zu genießen! Amen. Morgengebet am Tage Johannis des Täufers. atDer Herr lebet, und gelobet sey mein Hort, und der Gott meines Heils müsse erhoben 191 werden. Erhebet den Herrn, unsern Gott, betet ihn an, denn er ist heilig. Ich will Dich preisen, mein Gott, Du König, und Deinen Namen loben immer und ewiglich. Besonders aber soll in dieser Morgenstunde mein Mund voll Ruhmes sein, weil Du mich die vergangene Nacht vor allem Unfall und vor jeder Gefahr so gnädig behütet und bewahret hast. O mein Gott und Herr! ich will nimmermehr vergessen, was Du Gutes an mir gethan hast, der Du mir ohne mein Verdienst und Würdigkeit eine Wohlthat nach der andern an Leib und Seele erzeigest; also daß sie nicht alle zu zählen, viel weniger auszusprechen sind. Unter diese Wohlthaten ist auch diejenige zu rechnen, deren ich mich an dem heutigen Tage mit dankbarem Herzen erinnere: daß Du hast Johannes als einen Propheten unserem Heiland vorgehen lassen, um den Weg zit bereiten und den Menschen von der Buße zu predigen, damit sie von Sünden gereinigt und zu Jesu Christo geführet werden möchten. Darum spreche ich mit dankbarem Gemüthe und freudigem Herzen: gelobet sey der Herr, der Gott Israels, denn er hat besucht und erlöset sein Volk und hat aufgerichtet das Heil in dem Hause seines Dieners David, als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten; daß er uns errettet von unseren Feinden und von der Hand Aller, die uns hassen. Und die Barmherzigkeit erzeigete unseren Vätern, und ge 192 dachte an seinen heiligen Bund und den Eid, den er geschworen hat unserem Vater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. O Du gnädiger und barmherziger Gott! hilf, daß ich heute durch den Beistand Deines heiligen Geistes in solcher Heiligkeit und Gerechtigkeit einhergehe, die Dir gefällig ist; laß besonders die Bußfertigkeit des Johannes meine Seele innig rühren, damit mein ganzes Leben eine immerwährende Buße werde. Durch Deine Barmherzigkeit hat uns ja besuchet der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsterniß und im Schatten des Todes, und daß er richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. So laß denn diesen Aufgang aus der Höhe, meinen Herrn und Heiland Jesum Christum, in mein von Natur verfinstertes Herz scheinen, damit er meine Füße auf den Weg des Friedens richte, mich dagegen von dem Wege, welcher zum Verderben führet, abhalte. Behüte mich vor Allem, was mir an Leib und Seele schaden kann; laß mich diesen Tag so zubringen, daß ich an jenem großen Gerichtstage, wo Du das Verborgene des Herzens richten wirst, nicht Ursache habe, die verlorene Zeit zu bereuen, die Deiner Ehre hätte gewidmet sein sollen. Vertreibe alle knechtische Furcht aus meinem Herzen und erhalte mich dagegen in kindlicher Furcht vor Dir, 193 damit ich einst bei der Ankunft Christi zum Gericht mit Freudigkeit vor ihm erscheinen und nicht zu Schanden werden möge. Du dreieiniger Gott! weil Du in mir wirkest das Wollen, so wirke auch das Vollbringen, und führe mich endlich auf dem Wege des Friedens zu jenem ewigen Frieden. Amen. Chr. Scriver. Abendgebet am Tage Johannis des Täufers. Allergetreuester Hirt und Retter unserer Seelen! Sende Dein helles Licht in unser Herz; breite es aus, damit alle Finsterniß und Dunkelheit vertrieben werde; richte unseren Gang auf den Weg des Friedens, damit wir in der Erkenntniß unseres wahren Heiles kräftig zunehmen, und gestärket mit aller göttlichen Kraft uns Dir anvertrauen und uns Dir als Eigen= thum völlig ergeben. Verbinde uns so innig mit Dir, daß wir aus Dir und Deinen Wunden stets neue Kraft schöpfen können, den guten Kampf des Glaubens getroft fortzukämpfen, und nicht zu ermüden, auch wenn die Prüfung noch so lange anhalten möchte; denn endlich wird die Zeit kommen, wo Du uns errettest von unsern Feinden und von der Hand Aller, die uns hassen. Ja, Herr Jesu! hilf unseren Unglauben und unsere Kleinmuth überwinden; lehre uns, alles Irdische zu verläugnen, den Glauben Alles mit Gott! 13 194 nicht durch Uneinigkeit zu schwächen, sondern denselben in Deinem lauteren Sinne zu erwecken. Laß Dir, o Aufgang aus der Höhe! in unseren Herzen den Weg bereitet werden, damit wir stark im Geiste werden, und wir aus Deiner Fülle Gnade um Gnade, Licht um Licht, Heil um Heil, Leben um Leben nehmen möchten. So werden wir uns auch innigst freuen, wenn Du Anderen die Erkenntniß des Heiles giebst, die da ist in Vergebung der Sünde, um Deinen Namen dafür ewiglich zu loben! Amen. G. Arnold. Morgengebet am Bußtage. Herr der Welten, Richter der Seelen, Geber des Lebens, Vater in Christo! wir bekennen Dir heute unsere Sünden. Und ob die Lippen schwiegen, die Thaten schweigen nicht. Unsere Thaten stellen ein langes, unwiderlegliches Zeugniß auf, daß wir Deiner nicht werth sind. Wir sind weder so treu gewesen mit Deinem Pfunde, als Du uns haben willst, noch so glücklich geworden durch Deine Güte, als Du uns machen willst. Auf welcher Seite wir uns prüfen, wir mangeln des Ruhmes, daß wir gethan hätten, was wir zu thun schuldig waren. Denn wie könnten wir göttlich gelebt haben? Uns beseelte ja nicht Deine Liebe. Uns täuschte und lockte, uns zerstreute durch Frrungen zur Linken und Rechten 195 die Welt mit ihrer Eitelkeit. Dem Scheine und Schatten liefen wir nach, und Dich ließen wir dahinten, Dich mit allem Reichthum Deiner Güte, Geduld und Langmuth. Siehe, Vater! das ist unser Verbrechen und unser Verderben; unsere eigene, große, ewigen Jammer gebärende Missethat ist das: Du bist uns noch nicht Alles geworden in Christo. Das macht irrig unser Urtheil, schwach unsere Kraft, lahm unseren Eifer, ruhelos unsere Seele. Das läßt uns zu keinem Frieden kommen und bringt unser Leben um seine Kleinode. Sogar das Maß unseres sittlichen Elendes verlieren wir in diesem Zustande, und all' Deine Gnade, weil sie verachtet wird, fällt in den Staub, ohne uns gesegnet zu haben. Herr! gehe nicht in's Gericht mit Deinen Knechten. Auf Tausend können wir Dir nicht Eins antworten. Herr, gehe nicht in's Gericht mit uns. Barmherzig und gnädig biſt Du, geduldig und von großer Güte, und kein Wechsel des Lichtes und der Finsterniß ist bei Dir. O lege das Gefühl davon in unsere kranken, verwundeten Herzen, laß uns nicht erliegen unter der Last der Schuld. Siehe an unsere Trauer und unser Heimweh nach Deinem Himmel. Siehe an unser Vertrauen auf die Gnade, die Du uns dargeboten haft in Christo, Vergieb um Jesu Christi willen aus Gnade alle unsere Sünden! Verstoß uns nicht von Deinem Angesichte, und laß es nicht mit uns ganz aus seyn, sondern wie sich ein Vater erbarmet über 196 seine Kinder, also erbarme Du Dich auch über uns! Siehe an, o Herr! unseren Entschluß, der Sünde abzusterben und der Gerechtigkeit zu leben; gründe ihn, stärke ihn, bewahre ihn, damit durch seine Vollführung zu Deinem Preise unser Zustand erneuert und unsere Seligkeit geschaffen werde. O erleuchte unsere Herzen, daß wir rechtschaffene, wahre Buße thun, alle wissentlichen und vorsäßlichen Sünden flichen und meiden, hingegen Dich und Dein heiliges Wort stets vor Augen haben, und durch Deine Gnade dem wohlverdienten Verderben zeitlich und ewiglich entgehen mögen. Das Alles wollest Du thun, o treuer, barmherziger Gott und Vater, um des theuren Verdienstes und der kräftigen Fürbitte Deines geliebten Sohnes Jesu Christi, unseres Herrn und Heilandes willen! Amen. Dr. Joh.. Bernh. Dräfele. Abendgebet am Bußtage. Heiliger und gerechter Gott! der Du wohnest in einem Lichte, zu welchem Niemand kommen kann; dem selbst die Engel mit verhülltem Antlig dienen; der da richtet und richten wird den Kreis des Erdbodens, zu geben einem Jeglichen nach seinen Werken; Herr! strafe uns nicht in Deinem Zorne, züchtige uns nicht 197 in Deinem Grimme; sey uns gnädig, denn wir sind schwach; leite uns, denn unsere Seele ist erschrocken; gehe nicht in's Gericht mit Deinen Knechten, denn vor Dir ist kein Lebendiger gerecht! Was sollte aus uns werden, wenn Du unsere Sünden heimsuchen wolltest mit zeitlichen und ewigen Strafen, wie sie es verdienen? Ach! dann würde es ja in der Zeit nichts als Leiden, in der Ewigkeit nichts als Verdammniß für uns geben. O erscheine uns nicht, gekleidet in Feuer, wie Du einst auf den Sinai herabkamst, gehüllt in Dunkel, Finsterniß und Ungewitter; sprich zu uns nicht Worte des Zornes, bei denen unser Herz vor Angst vergehen müßte! Erscheine uns nicht, wie einst dem Propheten, als ein Sturmwind, der die Felsen zerriß und die Erde erschütterte! Nein, Deine Gegenwart gehe an uns vorüber, wie ein gelindes, sanftes Säuseln, und Dein Geist gebe uns die Zuversicht, daß wir Dir nachrufen können: Herr, Herr Gott! Du bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Gnade und Trene; Du bewahrest Gnade am tausendsten Gliede und vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde! Ach, wir haben es ja aufgegeben, uns selbst zu rechtfertigen; wir sehen ja, wohin wir blicken, in uns und außer uns nichts als Sünde und Vergehungen; wir wissen ja, daß Du auf Erden Nichts findest, was Dir wohlgefallen könnte. Aber einen Ort giebt es dennoch auf Erden, auf den Du nicht ohne Gnade und Erbarmen herab 198 schauen wirst. Es ist der Ort, wo Dein Sohn sein großes Opfer für uns dargebracht, wo er sein Blut vergossen hat, das noch immerfort um Vergebung unserer Sünden bittet. O wenn Du beschließest, was unserer Kirche, unserem Volke widerfahren soll; wenn Du die Schicksale unseres häuslichen Lebens bestimmest; wenn Du dereinst unser Loos in der Ewigkeit feststellen wirst; dann, Herr! dann siehe nicht auf unsere Sünden; dann richte Deinen Blick auf das Verdienst Deines Sohnes; dann gedenke, daß er für uns gestorben ist. Dann, Sohn Gottes, bitte für uns und nimm Dich derer an, für die Du Dein Leben hingegeben hast. Wir begehren nicht blos Deines Geistes Trost für unsere zerschlagenen Herzen; wir begehren auch Deines Geistes Kraft, unsere Herzen umzuwandeln und zu heiligen. In unserer Kirche herrsche ein unverfälschter Glaube, der durch Liebe thätig sey und die Gemüther in Eintracht verbinde! Unter unserem Volke herrsche Zucht, Ordnung und Gehorsam. Jedes Haus werde zu Deinem Tempel geweiht! Der Fromme werde immer vollkommener; der Sünder bessere sich; der Leidende werde getröſtet; das mit Kummer und Sorgen beladene Herz erleichtert! Gieb Allen, wenn die letzte Stunde gekommen ist, ein sanftes, seliges Ende; nimm uns auf unter die Zahl der Deinen, daß wir in Deinem Heiligthume Dich loben und preisen mögen in alle Ewigkeit. Amen. Dr. Franz Theremin. 199 Morgengebet an einem Aposteltage. Jesu Christe! wir danken Dir, daß Du die heiligen Apostel durch Deine glorreiche Auferweckung gestärket und durch die Ausgießung Deines Geistes erleuchtet hast! zu verkündigen Dein Wort unter allen Völkern, und eine Gemeinde zu sammeln, die nach Deiner VerheiBung von der Hölle nicht überwältigt werden soll. Wir danken Dir, daß Du uns das reine Wort der Wahrheit bis auf diesen Tag erhalten hast, und heute noch Deine Diener und Zeugen unter Christen und Heiden sendest, um als Botschafter an Deiner Statt aller Welt zu predigen: laffet euch versöhnen mit Gott! O Herr, mache diese Predigt gesegnet in allen Herzen, öffne allen Zeugen Deiner Wahrheit die Thüren, daß sie Eingang finden und fruchtbaren Samen für die Ewigkeit ausstreuen. Und wie Du über die Apostel Deinen heiligen Geist ausgegossen hast, so gieße ihn heute noch über Alle aus, die Dein Wort verkündigen oder hören, auf daß Dein heiliges Licht erleuchte alle Finsterniß der Welt. O lege den Geist Deiner Apostel auf uns: mache uns felsenfest, wie Petrus; voll Liebe, wie Johannes; treu bis in den Tod, wie Jakobus; männlich stark, 200 wie Andreas; ohne Falsch, wie Bartholomäus; demüthig und bereit, Alles zu verlassen, wie Matthäus; gerecht und ernstlich in der Heiligung, wie Jakobus; eifrig wie Simon. Laß uns, wie Philippus, in Dir den Vater suchen und finden; führe uns, troß Thomas, durch alle Zweifel zum festen Glauben; offenbare Dich uns, wie dem Judas Cebedäus, und mache Wohnung in uns sammt dem Vater; bewahre uns vor den schrecklichen Sünden des Verräthers; laß uns dagegen das Loos auf's Lieblichste fallen, wie dem Matthias, und erfülle uns mit der Liebe, der Kraft und dem Feuereifer des Paulus, auf daß wir stark seyen in Dir und treiben Dein Werk, und Dir dienen in all' unserem Wandel zur Verherrlichung Deines Namens, zum Bau Deines heiligen Zions, und uns selbst zur ewigen Seligkeit. Und wie Du die Namen Deiner Apostel schreiben willst auf die zwölf Gründe Deiner himmlischen Stadt: also schreibe auch unsere Namen in das Buch des Lebens; ja trage sie als der ewige Hohepriester auf Deiner Brust, und bewahre uns durch das Wort der Apostel und Propheten zur ewigen Seligkeit in der Kraft Deines heiligen Geistes. Amen. S. E. Kapff. 201 Abendgebet an einem Aposteltag. Gütiger Gott und Vater! wir danken Dir herzlich, daß Du durch Deinen Sohn Jesum Christum die Diener Deines Wortes bestellt, und besonders durch die Apostel die trostreiche Nachricht von der Vergebung der Sünden und der ewigen Seligkeit dem menschlichen Geschlechte haft verkündigen lassen. Finsterniß bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker; ja, Aberglanben, Unglauben und Laster herrschten überall; aber über uns gieng auf das erfreuliche Licht der Weisheit und der helle Glanz des Evangeliums. Wir kennen den einzigen wahren Gott und den Mittler zwischen ihm und den Menschen, Jesum Christum, der unserer Sünden willen dahingegeben, und unserer Gerechtigkeit willen auferwecket worden ist. Wir haben nun die beste Anleitung zum seligmachenden Glauben, die treueſte Unterweisung zu einem heiliDank und Preis gen und gottseligen Leben. sey Dir, allgütiger Vater! für alle die Belehrungen und Ermunterungen, die wir aus den Schriften der Apostel und durch das Amt der Lehrer, welche die gestiftete Versöhnung predigen, erlangen. Gieb uns Deine Gnade, daß wir dem Beispiele jener heiligen Männer folgen. Durch einen unsträflichen Wandel wollen wir ihren Lehren und Ermahnungen gehorchen, uns für Wahrheit und Religion gerne aufopfern, um 202 würdig zu werden, einst in ihrer Verfammlung Dich, o Gott! ewig zu preisen! Dazu verhilf uns um Jesu Christi willen. Amen. Roos. Morgengebet am Reformationsfeste. Gott! Du bist es, der das Licht aus der Finsterniß hervorgehen hieß und einen hellen Schein in unsere Herzen fandte, damit wir erleuchtet würden, durch die Erkenntniß Jeſu Christi. Du bist es, der durch die Stifter der Kirchenverbesserung den entschlafenen Eifer und die erloschene Liebe zu Deinem ewigen göttlichen Worte wieder erwecket und entzündet hast. Du bist es, welcher die christliche Kirche, das Schifflein Deines Sohnes, das Häuflein Deiner Gläubigen mitten unter Deinen Feinden erhalten und beschüßzet hat, und noch beschüßet! Vor Dir, dreieiniger Gott! erscheinen wir am Morgen des heutigen Festes im tiefen Gefühle der Dankbarkeit und der Freude! Gelobet seyst Du, Herr unser Gott, daß Du besuchet hast und erlöfet Dein Volk von der Gewalt der Finsterniß, von den drückenden Ketten des Aberglaubens und der Lüge, und hast uns versezet in das Reich Deines lieben Sohnes, durch dessen Blut wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden. Wie sollen wir Dir genug danken, Vater! für die unaussprech 203 liche Wohlthat, daß Du den milden Glanz des Evangeliums in erneuerter Schönheit haft leuchten lassen über die Völker? Wir beten an die Wunder Deiner Gnade. Wir loben die Werke Deiner Heiligkeit. Herrlich hast Du mit Deinem Geiste und mit Deinen Gaben unsere frommen Väter ausgerüstet, die vor drei Jahrhunderten im lebendigen Glauben an Dich, in brennender Liebe zu Deinem Worte und zu Deinem Volke ritterlich kämpften für den wahren Glauben, für Dein seligmachendes Wort, für Dein armes Christenvolk. Heil uns, daß wir wieder einen freien Zugang haben zu dem lauteren erquickenden Quell des Lichtes und der Wahrheit, zu Deinem göttlichen Bibelworte. Nun hat der Fremde eine sichere Leuchte, der Wankende einen festen Stab, das verwundete Gewissen einen heilenden Balsam, das geängstigte Gemüth eine frohe Gewißheit seiner Erlösung; ja Alle, die Dir in Deinem Worte vertrauen, können nun durch Deine Gnade zur göttlichen Gemeinschaft Deines Geistes gelangen, zur Freude und Hoffnung des ewigen Lebens, zum Erbtheile der Heiligen im Lichte. Darum singt man mit Jauchzen vom Heil und von den Hütten der Gerechten; die Rechte des Herrn behält den Sieg. Wir werden nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werk verkündigen. Unser Gott ist groß und von großer Kraft, und ist unbegreiflich, wie er regieret 204 Er sendet seine Rede auf die Erde und sein Wort gehet schnell. Lobet, ihr Himmel, den Herrn; lobet ihn in der Höhe! Ihr Könige und alle Leute auf Erden, ihr Fürsten und alle Richter auf Erden, Jünglinge und Alte, sollet loben den Namen des Herrn; sein Name ist geheiligt! Aber Du, der in der Höhe und im Heiligthum wohnest, Allmächtiger, Allgütiger! laß Dir auch wohlgefallen das Lob unserer Herzen, das Gespräch unseres Mundes! Deine Gnade ist unser Leben! Hilf, daß wir uns nie Deines Evangeliums schämen, sondern vor Hohen und Niedrigen von Deinen Zeugnissen reden. Hilf uns, daß wir nicht bloß reden von den köstlichen Segnungen Deines Lichtes, sondern auch wandeln als Kinder des Lichtes! Erquicke uns nach Deiner Gnade, daß wir halten die Zeugnisse Deines Mundes! Und so die Bösen, Deine Widersacher und Feinde, Dein heiliges Wort uns rauben wollen, so sollen sie fallen und untergehen. Denn Jahre kommen und Jahrhunderte verschwinden, aber Dein Wort stehet fest im Himmel. Welch ein Wort des Trostes in unserem Elende! Oft will unser Herz erschrecken und verzagen, wenn es sieht, wie der Glaube auch jetzt wieder erloschen und die Liebe erkaltet iſt, wie die Lehre Deines Wortes verkannt, verdreht und verkehrt wird. Deshalb, o Herr! hilf und laß Alles wohlgelingen! Gieb uns die 205 Kraft Deines Geistes, daß wir Alle Deinem Worte durch Deine Gnade glauben, und göttlich leben hier zeitlich und dort ewiglich! Amen. J. G. Rußwurm. Abendgebet am Reformationsfeste. Ach liebster Jesu! Du Licht und Leben der Menschen, der Du gekommen bist zu erleuchten alle Welt: wir sagen Dir demüthigen Dank; denn Dein Licht kam sowohl durch Dich, als durch Deine Apostel und deren Nachfolger auf uns, mußte aber durch den treuen Dienst Deines Knechtes Luther und seiner Gehülfen wieder neu hervorgebracht werden, nachdem die Finsterniß überhand genommen und der Aberglauben das wahre Licht ausgelöscht hatte. Vergieb uns doch gnädiglich, daß auch wir bisher für die Wohlthat Deines Lichtes undankbar waren, und mit Werken der Finsterniß unsere geringe Achtung gegen dasselbe bezeugt haben. Daher hast Du auch gerechte Ursache, Dein Licht wieder von uns zu nehmen und dem Reiche der Finsterniß neue Gewalt zu geben. Laß uns solche Sünde herzlich und bußfertig erkennen, aber zur wahren Besserung. Gieße Dein Licht reich und klar in unsere Seele, damit wir die Wohlthat der Offenbarung Deines Evangeliums recht gründlich verstehen und getreulich beher 206 zigen; damit wir uns ferner bemühen uns von aller Finsterniß zu reinigen, dagegen Deinem Lichte immer mehr Bahn zu brechen. Gieb uns den Irrwahn der Abtrünnigen zu erkennen, laß uns mit denselben keine Gemeinschaft pflegen, noch uns von ihnen verführen. Gegen diese wollen wir uns waffnen mit der lebendigen Erkenntniß Deiner Wahrheit, und durch Deinen heiligen Geist auf den bevorstehenden Kampf vorbereitet und gestärkt seyn. Lehre uns ganz besonders Deinem Evangelium treu nachzuleben und zwar in herzlicher Dankbarkeit für die empfangenen Wohlthaten und zum Preise Deiner ewigen Wahrheit. Entziehe uns Dein Licht nicht wieder; geschehe es aber als Strafe der Undankbaren, die es mißbrauchen, so erhalte es doch denjenigen, die Dich im Geiste und in der Wahrheit lieben. Und wenn auch diese Zeit der Trübsal vorbei seyn wird, dann erleuchte uns wieder, und laß uns in Deinem heiligen Lichte wandeln bis zur vollkommenen Offenbarung Deiner Herrlichkeit. Der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste das ewige Licht bist ohne Wechsel, erleuchte und heilige uns durch Dein Wort! Amen. Spener. Gebet am Kirchweihfefte. Herr Jesu! Dir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, darum sammelst 207 Du eine Gemeinde, ein Volk zum Eigenthum, das da fleißig wäre in guten Werken. An allen Orten erschallt das Wort Deines Heils, und überall wird Dein Evangelium verkündet! Auch an uns hast Du in Gnaden gedacht. Unsere Vorfahren waren Heiden, sie verehrten Gößen, weil Finsterniß noch ihren Sinn deckte. Da kam Dein Licht der Wahrheit, und dieses Licht stürzte den Altar des Wahnes und der Verblendung. Wir errichteten heilige Gebäude, geweiht Deiner Verehrung und Anbetung im Geiste und in der Wahrheit. Dieses Heiligthum hast Du unter den Stürmen der Zeit bis auf den heutigen Tag erhalten; noch versammeln wir uns darin zur Anhörung Deines Wortes und zur Lobpreisung Deines Namens. Deine Gnade ist es, daß wir noch frei und ungehindert in Dein Heiligthum treten können, daß das Licht Deines Evangeliums unsere Seele erhellet, und daß die heiligen Sakramente unter uns in göttliche Kraft verwandelt werden. O wie viele gute Lehren, kräftige Ermahnungen, heilsame Bestrafungen, erquickende Tröstungen sind uns schon von heiliger Stätte herab vorgehalten worden; welch ein reicher Segen ist durch die heiligen Handlungen der Kirche schon auf unsere Gemeinde ausgegangen! Dank sey Dir, Du ewiger Heiland! für all' das Gute, das Du an uns und den Unsrigen gethan hast! Der heutige Tag soll wieder Zeugniß geben von Deiner Güte und von unserer Dankbarkeit, von Deinen 208 Wohlthaten und von unserer demüthigen Erkenntlichkeit. Dann werden wir in dem Dir geweihten Hause als Dir geweihte, geheiligte und gesegnete Menschen ein- und ausgehen; dann werden alle Häuser und Hütten unserer Gemeinde zu geweihten Kirchlein, darin Dein Wort reichlich wohnet, und wir uns unter einander lehren und ermahnen mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern. Ach, daß es bei uns einmal Ja und Amen werden möchte! Wir haben zwar schon oft Kirchweihe gehalten, aber nicht mit Dir, sondern mit den Gößen dieser Welt im Herzen kamen wir in Dein Haus und verfündigten uns während der Anhörung Deines Wortes, durch Gedanken, Blicke und Werke unzähligemal. O mache uns den heutigen Tag zu einem Segenstage, zu einem Lob- und Danktage. Wir wollen ihn nicht durch Verschwendung, Völlerei, Trunkenheit, Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Wesen entweihen. Vergieb uns, o Herr! solche große und schwere Sünden, und verleihe uns Deinen guten Geist, damit er uns Lehre Kirchweihe zu halten, wie es Dir gefällig ist, und uns nüße für die Ewigkeit! Erhöre uns um Deiner Güte willen! Amen. M. Philipp Daniel Burk. Gebet am Schlusse des Kirchenjahres. So hast Du denn, gütiger und barmherziger Gott! auch in dem zu Ende gehenden Kirchenjahre 209 große Dinge an uns gethan, haft unsere Seelen gesegnet mit himmlischen Gütern. Was ist uns von Natur unwissenden und zum Irrthume und Zweifel geneigten Menschen nöthiger, als das Licht der reinen Wahrheit, das uns den Weg zum Leben zeigt? Du hast durch Dein Evangelium unseren Geist aufgeklärt und einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß wir Dich als unseren Schöpfer und Herrn immer mehr erkennen und von Deiner Gnade gerührt, Dich recht verehren und lieben lernen. Wie elend wären wir mit unseren Fehlern und Sünden ohne eine gegründete Beruhigung des Gewissens, das uns mit Recht anklaget und verurtheilt! Du hast uns in der Predigt die Versöhnung durch Deine allgemeine Liebe verkündigt und auf den göttlichen Mittler hingewiesen, durch welchen allein das wahre Heil und das ewige Leben zu finden ist. Wie schwach zum Guten sind wir von Natur, wie nachlässig in der Erfüllung Deiner heiligen Gebote! Aber Du haſt uns von oben gestärkt, uns Deinen Geist in's Herz gegeben, und Glauben und Heiligung bewirft. Unser göttlicher Erlöser will uns sogar in die innigste Gnadengemeinschaft aufnehmen, wenn wir bei seinem Abendmahle bußfertig und gläubig erscheinen. Unsere Seelen sind durch Deine Verheißungen beruhigt, unsere Hoffnungen gestärkt, und wir zum Gehorsam gegen Dich ermuntert. Du hast uns nach Deiner Güte auf dem Wege des Glückes zur Buße geleitet, Alles mit Gott! 14 210 oder uns durch Kreuz und Trübsale gebeugt und gezüchtiget, um dadurch die Geduld und das Vertrauen auf Dich zu erproben. Für alle diese Wohlthaten, die uns zu Theil geworden sind, bringen wir Dir am Schlusse dieses Zeitraumes die Opfer des demüthigsten Dankes. Laß Dir solche in Gnaden wohlgefallen. Behüte auch fernerhin uns und alle Menschen mit Deiner unendlichen Liebe und Barmherzigkeit. Erhalte uns Dein göttliches Wort und die heiligen Sakramente. Vermehre das Begehren darnach und öffne uns immer reicher die Quellen der Erkenntniß. Laß unsere Liebe zum Guten, zur Tugend und zur Gottseligkeit stets feuriger und thätiger werden. Befestige unseren Vorsatz, den Lehren und dem Beispiele Jesu Chriſti treulich zu folgen, und gieb uns durch Deinen Beistand Muth und Kraft, die Lüste des Fleisches zu unterdrücken und auszurotten. Dein heiliger Wille sey die Richtschnur aller unserer Handlungen, und Deine in Chrifto zugesicherte Vaterliebe unser höchster Trost im Leben, Leiden und Sterben. Ach bleibe bei uns mit Deiner Gnade für und für! Wirke und wohne in uns durch Deine mächtige Kraft! Erneuere uns täglich nach Deinem Bilde. Mache uns immer vollkommener, einzugehen in jene bessere Welt, wo wir Dich ganz erkennen, und erhoben Dir dienen über allen Wechsel der Zeit werden ewiglich. Amen. 11 Nies. 211 Beicht- und Communion- Gebete. Bußgebete. 1. Vertreibe, o Herr! die Finsterniß, die auf meinem Herzen schwebet, auf daß ich Dich erkenne und liebe. Denn wer Dich erkennet, vergißt sich und kommt zu Dir, um sich in Dir zu freuen. Ich aber erkenne Dich wenig, darum liebe ich Dich wenig, und freue mich wenig in Dir. Ich habe die innere Freude verlassen und buhle um die Freundschaft der Welt. Mein Herz, das ganz Dein seyn sollte, habe ich der Eitelkeit hingegeben. Ich bin äußerlich, Du innerlich; ich Fleisch, Du Geist; ich denke und spreche über Zeitliches, und Du, o Herr, wohnest in der Ewigkeit. und bist die Ewigkeit. Höre mich, mein Schöpfer! Deine Kreatur bin ich, und gehe nun verloren; Deine Kreatur bin ich und sterbe nun. Deine Hände haben mich gemacht und gebildet; jene Hände, die einst für mich an's Kreuz geschlagen wurden. Verachte nicht das Werk Deiner Hände. Siehe, in ihnen stehe ich geschrieben; lies die 212 Schrift und rette mich. Verzeihe mir, daß ich mich unterwinde, mit Dir zu reden. Die Noth kennt kein Geseß, der Schmerz treibt mich zu sprechen, der Jammer zwingt mich Dich anzurufen. Ich bin krank, ich rufe zum Arzt; ich bin todt, ich feufze nach dem Leben. Du bist der Arzt, Du bist das Leben. Jesu von Nazareth! erbarme Dich meiner. O Licht, welches vorübergeht, warte auf mich, den Blinden, reiche mir die Hand, daß ich zu Dir komme und in Deinem Lichte das Licht sehe. Amen. Augustinus. 2. Ach mein Gott und mein Schöpfer! ich nahe mich Dir, um viel von Dir zu bitten und um Großes von Dir zu begehren, erkenne mich aber selbst nur werth Deines Zornes, Deiner Ungnade und der ewigen Verdammniß. Macht mich aber diese Unwürdigkeit zaghaft vor Dir, und hat mich die vielfältige Sünde von Dir abgesondert, so fasse ich doch wieder Muth, und meine Hoffnung belebt sich neu, weil Du allen Sündern, die Deine Gnade und Barmherzigkeit in aufrichtiger Reue anflehen, Deines lieben Sohnes wegen verzeihen und keinen verstoßen wirst! Ja, Herr! Deine Liebe hat aller Menschen Sünde jederzeit übertroffen. Du giebst 213 allen Sündern die trostreiche Zusage Deiner Verzeihung und der Wiedererlangung Deiner Gnade. Obwohl nun ich, als großer Sünder, meine Augen nicht zu Dir erheben darf, so nahe ich mich doch Dir, dem gnädigen und barmherzigen Gotte, mit der Zuversicht, Gnade und Barmherzigkeit zu finden. Ich bekenne mit Herz und Mund, daß ich übel vor Dir gethan, daß ich durch meine Sünden die ewige Verdammniß verdienet habe; flehe aber zu Dir, daß Du um meines Heilandes und Erlösers willen mir die Sünden gnädiglich vergeben und verzeihen wollest! Du verlangest ein zerknirschtes Herz und Gemüth; siehe, Herr! das gebe ich Dir. Nehme es als Opfer an und laß den verlorenen Sohn vor Deinem Angesichte wieder Gnade finden. Reinige mich von meinen Sünden durch Deinen lieben Sohn, meinen Herrn und Heiland. Amen. A. Muskulus. 3. Ich weiß, Herr! daß des Menschen Thun nicht stehet in seiner Gewalt, und stehet in Niemands Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte; ja ich weiß, Herr! daß auch mein Thun nicht stehet in meiner Gewalt; ich meine das Werk meiner Bekehrung, und stehet nicht 214 in meiner Macht, wie ich wandle auf dem Wege Deiner Gebote oder meinen Gang richte zur Versöhnung mit Dir. Denn ohne Dich weiß ich Nichts, ohne Dich verstehe ich Nichts, ohne Dich habe ich nichts, und ohne Dich kann ich Nichts thun. Ich bedenke, daß ich nicht tüchtig bin, und bekenne, daß ich nicht weiß, was ich beten soll, wie sich's gebühret, es sey denn, daß mich Dein Geist selbst vertrete. Darum wende ich mich zu Dir und ergebe mich Dir mit Leib und Seele. THE Ach Herr, mein Gott! handle Du mit mir nach Deiner Weisheit und nach Deiner Barmherzigkeit; hilf mir zu Deiner Wahrheit und fördere das Werk meiner Bekehrung und Versöhnung nach Deiner Leutseligkeit und Freundlichkeit. Herr, barmherziger Vater; regiere mich mit Deinem heiligen Geiste, daß ich gedenke meiner Sünde und Missethat, meines Ungehorsams und meiner Uebertretung; daß ich erwäge, was ich dadurch verdient habe, nämlich zeitliche und ewige Strafe, den ewigen Tod und Verdammniß. Ach Herr! hilf, daß ich davor erschrecke und dadurch bewegt werde, unverzüglich zur Buße und Bekehrung zu eilen, weil der Verzug zur Buße schädlich, und die Unterlassung verdammlich ist. Hilf, daß ich nicht in Seelenangst und Gefahr bleibe, und nicht von dem Tode in meinen Sünden übereilt werde, sondern daß ich heute noch Buße thue und mich bekehre, weil Deine Gnadenthüre noch 215 offen steht, und weil mir noch kann gerathen und geholfen werden. Ja, Herr! wirke selbst in mir die Buße und Bekehrung; mache mich dazu willig und gehorsam. Erwecke in mir eine aufrichtige Reue meiner Sünden, daß ich sie herzlich beseufze, beweine und beklage; besonders daß ich ernstlich bedenke, wie oft und wie lange ich gesündigt und Dich, o Gott! mit meiner Missethat und Uebertretung erzürnet habe. Ach Gott! laß mich aber nicht in dieser Herzensangst und Seelennoth bleiben, ziehe mich an Dein liebreiches Vaterherz; denn Du sprichst: ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe! Ja, zeige mir Deinen lieben Sohn Jesum Christum, den Du für mich in den Tod gegeben, wie er am Stamm des Kreuzes gehangen, und was er meiner Sünde willen gethan und gelitten hat. Rühre mein Herz durch seine heiligen Wunden, und präge mir fest ein, daß er auch mein Jesus, mein Heiland, mein Erlöser und Seligmacher sey. Mit seinem Leiden und Sterben, mit seinem Gehorsam und seiner Genugthuung hat er den Frieden mit Dir, Vergebung der Sünden, und Leben und Seligkeit für mich erworben! O getreuer Gott! bewege mein Herz zu einem guten Vorsatze und zu neuem Gehorsam, stärke mich, mein Leben zu ändern und zu bessern, von den Sünden abzustehen, das Böse 216 zu lassen, die Gelegenheit zur Sünde zu meiden, Gutes zu thun und Dir zu dienen nach Deinem Willen und Wohlgefallen. Ach Herr! erhöre mein Flehen und Bitten. Ach Herr! hilf, gieb und verleihe mir Deine Gnade zu meiner Bekehrung; lehre mich, was ich thun soll, unterweise mich, wie ich's machen soll; erinnere mich, zu erkennen meine Sünde und Uebertretung, um Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen. Schenke mir Trost und Erquickung, regiere und bekehre mich zur Besserung, wirke in mir, daß ich selig werde. Amen. 4. Melchior Ritter. Du langmüthige Liebe, die nicht müde wird, Verirrte zu suchen; die auch mich gesucht und mich in das Innerste meines Herzens ge= führt hat, um mich mir selbſt bekannt zu machen: mit schmerzlichem Kummer gewahre ich, wohin ich gerathen bin und kehre meine Füße zu Deinen Zeugnissen. Ich will in Demuth mich zu Dir, mein Vater! wenden, der Du Deine Hand nach dem Verlorenen ausstreckest und bereit bist, auch an mir Wunder der Barmherzigkeit zu beweisen. Ich will Dir meine Missethat bekennen, auf daß ich Begnadigung von Dir erlange. Wollte ich es verschweigen, so würde ich ohne Trost bleiben, und in der Angst meines Herzens verzagen. Mühselig und beladen kehre ich zu Dir zurück, Gott, mein Vater! der ich 217 des Lebens und Deiner unzähligen Wohlthaten nicht werth bin; nicht werth Deiner Langmuth, die mich bisher verschonet, die mich noch nicht dem Ausspruche Deiner strengen Gerechtigkeit unterworfen hat. Du bist heilig, ich aber bin voller Sünde und Unreinigkeit. Die verflossenen Tage meines Lebens hätten Zeugnisse eines unermüdeten Eifers im Guten ablegen sollen, aber sie sind nur traurige Beweise eines leichtsinnigen Herzens. Darf ich mich unterwinden, mit Dir zu reden, mit Dir, Du reinstes und vollkommenstes Wesen? Darf ich Dich anrufen, ich elender, sündiger Mensch? Längst hättest Du mich Deine züchtigende Hand können fühlen lassen, mich, der ich nur Unordnung in Deinem Reiche angerichtet; Du hättest mich meinem Verderben, das ich selbst gewählt, überlassen können; aber daß ich noch bin, daß ich noch zu Dir beten darf: o wie unwürdig fühle ich mich dieser Gnade! Du hast mich mit den Gütern Deines Hauses reichlich gesegnet, und ich-- mit welchem Undank habe ich Deine Liebe vergolten! Du haſt mir täglich viel Gutes gethan, mir aber ist es möglich gewesen, meinen Wohlthäter durch tausend Vergehungen zu kränken! Ich bin daher nicht mehr werth, als von Dir in jene schreckliche Gesellschaft der Verworfenen verwiesen zu werden. So Du willst Sünde zurechnen, Herr! wie werde ich vor Dir bestehen? An Dir habe ich gesündigt und übel vor Dir gethan, und mit Schrecken und Abschen denke 218 ich an meine Sünden zurück. O verlorene Stunden, die dem Dienste der Sünde geweiht waren, wie quälet mich euer Andenken! Könnte ich euch zurückrufen! Möchte ich jede Gelegenheit, Gutes zu thun, sorgfältig ergriffen haben! Welche Unterlassungen, welche Versäumnisse des Guten zeugen wider mich! Wo soll ich Trost und Erquickung für mein zerrissenes Herz finden? Wer reicht mir hülfreiche Hände, um mich aus der Tiefe meines Elendes zu retten? Ich müßte in meiner Sündennoth vergehen, ich müßte mit der Verzweiflung ringen, wenn ich Dein Wort, o Mittler! nicht hätte: daß Alle, die zu Dir kommen, nicht hinausgestoßen werden sollen. Rede für mich, Blut meines göttlichen Erlösers, das auch für meine unzähligen Sünden dahin strömte! Rede für mich in dem Gerichte Gottes. Ich sehe meine Zuversicht ganz auf die Gnade, die mir in Dir dargeboten wird. Ich bete Dich an als meinen Heiland und Seelenfreund. Auch mir zu Gute war Deine Seele betrübt bis in den Tod. Auch mir zum Troste riefest Du am Kreuze mit sterbenden Lippen: es ist vollbracht! Jch eigne mir Deine theuern Verheißungen gläubig zu, und stille mit denselben die schmerzhafte Wehmuth meines Herzens. ,, Laß dir," sprichst Du ,,, an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem 219 Namen gerufen, du bist mein. Mir haft du Arbeit gemacht in deinen Sünden, und mir Mühegemacht in deinen Missethaten. Ich tilge deine Uebertretung um meinetwillen, und gedenke deiner Sünde nicht." Hier ist der Grund, wo der Anker meines Glaubens sicher und fest ruhen kann, Dein unendliches Verdienst, o Jesu! An dieses soll sich daher mein Glaube halten. Ich entsage von ganzem Herzen Allem Anspruch auf Würdigkeit und auf eigenes Verdienst. Mich hungert und dürstet nur nach der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. O sei mir gesegnet, Hoffnung der Versöhnung! Es ist Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße thut, und meine Seele findet Ruhe. Um Trost war mir bange; Du aber, mein Gott! hast Dich meiner Seele angenommen, daß sie nicht verdürbe! Aus der Hand meines Versöhners nehme ich den Frieden hin, den die Welt nicht geben kann. Ich darf getrost und voll Zuversicht meine Augen zum Himmel aufheben. Ich bin begnadigt; Du willst meiner Sünden nicht mehr gedenken. Mit welchen Empfindungen des Dankes und des Lobes, o Langmüthiger und Erbarmender! soll ich Deinen Namen erheben! Wie soll ich Dir alle Treue und Barmherzigkeit vergelten, die Du an mir Unwürdigem gethan hast! O drücke 220 den süßen Trost Deines Evangeliums recht tief in meine Seele, und bewahre mich, daß ich ihn durch keine neuen Verfündigungen verlieren möge. Herr! ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn! Amen. E. A. Pardey. Prüfung des Herzens vor Gott. Herr! Du erforschest mich und kennest mich. Ich gehe oder liege, so weißt Du es. Du siehest alle meine Gedanken von ferne, und es ist kein Wort auf meiner Zunge, das Du, Herr, nicht Alles wissest. Vor Dir ist also mein Innerstes aufgedeckt. Kein Gedanke ist so flüchtig, der Dir unbemerkt bleiben könnte; keine Regung meines Herzens so leise, daß sie Deinem Blicke entginge. An Dich, o Gott, und an Deine Allwissenheit glauben, ist Eins. Was kann natürlicher sein, als daß ich mich oft vor Deinen Augen prüfe, mich erforsche und frage: wie erscheine ich dem Allwissenden, welch' ein Urtheil über mich fällt der Allwissende? Herr! lehre mich selbst prüfen, mir selbst den wahren Namen geben, mir redlich die Fragen beantworten: wie erscheine ich in Deinen Augen? 221 Ist Dein Geseß mir heilig? Dein Wille mir über Alles verehrungswürdig? Dein Wohlgefallen, Dein Beifall mir wichtiger, theurer, als der Beifall aller Welt? Handle, rede, denke ich recht vor Deinen Augen und nach Deinem Willen? Schweige ich, wo ich sonst nicht schweigen würde, weil mein Schweigen Dir gefälliger ist, als mein Sprechen? Dulde ich, was Du mir auferlegest, um Deinetwillen? Ist es mir Ernst, als Dein Kind vor Dir zu leben? Bin ich ein Christ, will ich es seyn, ganz seyn, allenthalben und allezeit seyn? Thue ich als Christ, was Keiner, der nicht Christ ist, thun würde? Jesus Christus! bist Du mein Augenmerk, Du mein Hauptgedanke, Du das, wovon ich immer ausgehe, worauf ich immer wieder zurückkomme? Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Du kennest meine tausendfache Schwäche, meine Unbeständigkeit, meines Geistes Flüchtigkeit; Du weißt, wie viel tausendmal ich Deiner vergeſse, wie leicht eine Kleinigkeit mich von Dir entfernen, und meiner Seele das Andenken an Dich entziehen kann. Jede Prüfung meines Sinnes und Herzens zeigt mir Blößen, deren ich mich schämen muß, wenn je noch Scham in mir ist. Jesus Christus! auf tausend Fragen, die Du mir vorlegen könntest, auf die ich ein freudiges Ja antworten sollte, müßte ich beschämt verstummen. Du könntest mich fragen: ist Deine Menschenliebe rein, uneigennüßig, 222 thätig, duldsam, langmüthig, schonend, nachsichs- voll, versöhnlich? Wie oft müßte ich sagen: Herr! gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knechte! Erbarme Dich meiner! Meiner Liebe fehlt, o wie oft, wie so gar oft, Reinheit und Leben. Wie darf ich mich fragen, und fragen soll ich mich doch: unterdrücke ich sogleich jede Regung der Eitelkeit, des Stolzes, des Neides, der Verachtung meines Nächsten? Erlaube ich mir kein scharfes, liebloses Urtheil über meine Nebenmenschen, auch über die nicht, welche mir nicht gut sind? Spreche ich immer die reinste Wahrheit, und fehlte der Wahrheit, die ich spreche, nie die Liebe? Herr, mein Gott! ich darf meine Augen nicht gegen Dich aufheben; flöße mir einen tiefen Abscheu ein gegen alle Unwahrheit! Frage ich mich, o mein Gott, vor Deinem Angesichte: kämpfe ich redlich gegen meine Lieblingssünde, weiche ich jeder Veranlassung dazu aus, widerstehe ich der ersten Regung, bekämpfe ich sie durch ernstes Andenken an Dich und an meine Pflicht? Thue ich das nicht, wie kann ich mich einen Christen nennen! Und wahrlich, ich thue es oft nicht. Ich schäme mich, meine Augen zu Dir zu erheben. Denn so kann es nicht fortgehen. Es muß mehr Ernst angewendet werden, mich selbst zu beherrschen und meinen Willen unter den Deinigen zu beugen. Es muß mehr nachgedacht, dringender und anhal 223 tender gebetet werden. Jede fräftige Selbstprüfung muß mich zu neuen, kraftvollen Entschlüssen erwecken, immer mehr muß ich an mir selbst und an der Vervollkommnung meines Geistes und Herzens arbeiten. Ach Herr! erbarme Dich meiner und erleuchte mich immer mehr mit dem Lichte Deiner Wahrheit, nur so erkenne ich mein sündhaftes Wesen, nur dadurch komme ich zum Gehorsam und zur Erfüllung Deines väterlichen Willens. Amen. J. K. Lavater. Morgengebet am Beichttage. Erforsche mich, Gott! und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich's meine, und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. O Du heiliger, allwissender Gott! ich muß mich selbst kennen lernen. Ich muß, welch' ein hartes Wort! Warum muß ich denn, und warum ist es nicht meine Freude, mit meinem innersten Wesen bekannt zu werden? Ach, die Sünde trennt mich von mir selbst, ich darf nicht in mein Herz hineinschauen, weil das Verderben in ihm lauert; es öffnet sich vor meinen erschrockenen Blicken wie ein finsterer Abgrund, ich bebe zurück und 224 schließe die Augen wieder. O hilf, barmherziger Vater, hilf, daß ich mich jetzt nicht trotzig abwende, sondern brich meinen Stolz, beuge meine Kniee, daß mich nicht doppelte Strafe treffe. Ach Herr! schone meiner und vergieb um Christi willen meine vielfältigen Vergehungen. Siehe, ich möchte verzagen und verzweifeln, dürfte ich nicht hoffen auf Deine Barmherzigkeit; und wenn Du Deine Liebe nicht freundlich und mild geoffenbaret hättest, so könnte ich freilich nur fliehen vor Dir, und müßte für's Beste halten, meine Fehler zuzudecken und zu vergessen. Allein ich habe ja Dein väterliches Zeugniß, daß Du Gnade erweisen, Missethat, Uebertretung und Sünde vergeben wollest. Deine Geduld selbst, die Du mir bisher erwiesen hast, ist als Seligkeit zu achten. Und so viele Fehler ich in mir entdecke, so entdecke ich eben so viele Beweise Deiner Huld und Güte. O das ermuthige mich, nachzuforschen, um meine Schwachheit und Deine Macht und Herrlichkeit kennen zu lernen. Ich will die Quellen meiner Verirrungen aufsuchen, damit ich demüthig und sorgsam werde, damit ich mich retten und heilen lasse. Gieb mir Wahrhaftigkeit und Festigkeit, dann kann ich unpartheiisch seyn. Stehe Du selbst an meiner Seite und halte mir die Tafeln Deines Gesezes vor, und wollte ich irgend einen Tag meines Lebens vergessen, so rufe ihn mir laut und mit dem Donner Deines Gerichtes 225 in's Gedächtniß! Wenn mir irgend eine Falte des Herzens verborgen bleiben sollte, so sende einen Strahl Deiner Klarheit, und offenbare mir die begangenen Sünden. Mache mir deutlich, daß auch der böse Gedanke und die Bereitwilligkeit zum Bösen vor Dir, dem Allwissenden, Sünde sey! überzeuge mich durch eigene Prüfung, daß der Keim und die Anfänge zu vielen Uebelthaten in meinem Herzen vorhanden seyen; ja daß ich unbedachtsam, boshaft oder von Fleischeslust hingerissen, die Einleitungen zu den größten Vergehen bereits getroffen hätte. Mißtrauen gegen Gott, Sonntagsentheiligung, Gößendienst, Feindschaft, Ungeduld, Neid, Unwahrheit, Lüsternheit, ist denn von diesen Flammen des Abgrundes kein Funfen in mir? Wird nicht dieser Funken nach und nach zum verderblichen Feuer? O Gott! lehre mich wachen und beten, und mich jetzt ohne Schonung meine schwächste Seite erkennen, damit ich hinfort mich möge in Acht nehmen. Ja, ich ahne meine Grundübel, ich erkenne deutlich den Hauptfehler: es ist nicht der heilige Geist, der mich regieret. Jch achte nicht seiner Mahnungen, suche aber meinen eigenen verderblichen Willen durchzuseßen. Es ist mir weniger daran gelegen, Gott zu gefallen und die Brüder zu erfreuen, als meinen eigenen Lüsten zu fröhnen. Das Urtheil der Welt gilt mir mehr, als das Gericht der Gerechtigkeit. O heiliger Gott! Du Herzenskundiger, bewahre Alles mit Gott 15 226 mich vor Selbstbetrug und eitler Täuschung, erinnere mich an meine Thaten, Worte und Gedanken; zeige mir mein ganzes Wesen, und enthülle mir mein Dichten und Trachten von Jugend an. Ich will nicht mehr blindlings gehen, um in den Abgrund des Verderbens zu ſtürzen, ich will nicht mehr leben wie ein Träumender, aber ich will wachen, und täglich, stündlich wissen, wo und wer ich bin. Jeden Tag will ich forschen, ob ich im Guten weiter gekommen, ob der Kampf wider die Sünde gelungen und leichter geworden sey. Denn diese Ungewißheit, wie ich zu mir selbst, wie ich zu Gott stehe, kann ich nicht länger ertragen. Ich mag nicht länger mein eigen Herz wie einen Fremdling betrachten, ich will es kennen lernen mit seinen guten und bösen Eigenschaften, mit seinen offenen Bestrebungen und seinen geheimen Neigungen. Deffne daher meine Augen, o Gott! laß die Stimme meines Gewissens kräftig reden und mich das Zengniß Deines Geistes nicht überhören. Amen. K. Staiger. Hürzeres Morgengebet am Beichttage. Treuester Herr Jesu Christe! auch heute bin ich durch Deine Gnade gesund von meinem Lager aufgestanden, daher bitte ich Dich, als 227 das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen, die in diese Welt kommen, erleuchtet: Du wolleft auch mein Herz mit der Gnade des heiligen Geistes erleuchten, damit ich mehr nach dem Himmlischen, als nach dem Irdischen trachte. Herr Jesu! wie Du mich aus der Finsterniß der Nacht an das helle Tageslicht gebracht hast, also befreie mich auch von der Finsterniß des Herzens und bewahre mich vor allen Werken der Finsterniß. Und da ich mir vorgenommen habe, in Deinem heiligen Namen heute zur Beichte zu gehen, mein Herz bußfertig gegen Dich auszuschütten und mich des Trostes Deiner Gnade auf's Neue versichern zu lassen, so regiere mich mit Deinem heiligen Geiste, damit ich dieses christliche Werk mit herzlicher Andacht und mit inniger Heilsbegierde verrichte, und durch dasselbe der gnädigen Vergebung aller meiner Sünden und meiner Seligkeit versichert werden möge. Wende mein Herz und meine Gedanken gänzlich ab von aller Bosheit und Weltliebe, behüte mich vor neuen Sünden und vor jedem Unfalle des Leibes und der Seele, verherrliche aber an mir Deine Barmherzigkeit zu ewigem Preise Deines heiligen Namens. Amen. G. Arnold. Gebet vor der Beichte. Mein Gott und Herr! wie ist doch meine Seele so betrübt, wie ist mein Herz voll Angst, 228 und mein Gewissen voll Traurigkeit wegen der vielen Sünden, die ich bisher begangen habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach, ihrer sind mehr, denn Sand am Meere, und weiß ich weder Trost noch Rath zu finden, als allein bei Dir, Herr! der Du reich bist an Barmherzigkeit und ein Vater alles Trostes. Der Du alle Mühseligen und Beladenen auf's Freundlichste zu Dir rufest, und ihnen Erquickung verheißest. Auf Deine Gnade verläßt sich mein Herz, deßhalb zweifle ich nicht, Du werdest mich wieder annehmen und meiner Sünden nicht mehr gedenken. Denn darum bist Du, o Herr Jesu Christe! in die Welt gekommen, um die armen Sünder selig zu machen, und bist gekommen, das Verlorene zu suchen. Hier bin ich als verlorenes Kind, nimm mich mit Gnaden an und schenke mir Deine Barmherzigkeit. Hilf mir meine Sünden herzlich bereuen und Deine Verzeihung mit gläubigem Herzen anzunehmen. Gieb Gnade, daß ich hinfort ein christliches und gottseliges Leben führe und Dir allezeit diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit, wie es Dir wohlgefällig ist. Laß mich bei Deinem heiligen Abendmahle ein würdiger Gast seyn, Deinen Leib essen und Dein Blut trinken zur Stärkung meines schwachen Glaubens, zur Besserung meines sündlichen Lebens und zum Pfande meiner ewigen Seligkeit. Und sollte ich wiederum aus Schwachheit fallen und straucheln, dann, Herr! richte mich auf und 229 schone meiner um Deines heiligen Namens willen. Hilf, daß mein Leben eine ſtete Buße sey, daß ich mich allezeit nach Deinem Worte und Willen richte, bis ich endlich in Dein Reich komme, wo alle Schwachheit aufhöret und keine Sünde mehr begangen wird; wo man Dich anschauet und Dir dienet in vollkommener Liebe und Freude von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Georg Rost Gebet für die zum Erftenmale Beichtenden. Ich erscheine vor Dir, o Gott! um Dich um Vergebung meiner Sünden anzuflehen. Ja, ich habe gesündiget und übel vor Dir gethan. Ich habe oft aus Leichtsinn, aus Uebereilung, aus bösen Gewohnheiten, und leider auch mit Vorsabz Deine heiligen Gebote übertreten. Voll Scham und Reue erkenne ich aber mein Unrecht, und fühle es tief und innigst, daß ich gesündigt habe, und nicht werth bin, Dein Kind zu heißen. O sey mir gnädig nach Deiner Güte, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und aller meiner Uebertretungen, gedenke aber meiner nach Deiner großen Barmherzigkeit. Erbarme Dich Deines armen, verirrten Kindes und öffne ihm Dein treues Vaterherz. Nimm mich wieder zu Gnaden an und vergieb mir alle Sünden um Jesu Christi willen. Ich verspreche es 230 Dir ernst und heilig, ich will besser und frömmer werden. Schaffe nur selbst in mir, o Gott! ein reines Herz und gieb mir einen neuen gewissen Geist und verwirf mich nicht vor Deinem Angesichte. Laß Dir wohlgefallen mein demüthiges Gebet und erhöre Dein flehendes, Dein tiefgebeugtes Kind. Amen. Joh. Christ. Dan. Geiser. Gebet nach der Beichte. allmächtiger, gnädiger und barmherziger Gott und Vater! ich sage Dir von Grund meines Herzens Lob, Ehre und Dank für die große Gnade und Wohlthat, die Du mir jett so väterlich erzeiget hast, indem Du mich armen Sünder abermals zu Gnaden angenommen und mir alle meine Sünden verziehen und vergeben, auch das ewige Leben auf's Neue zugesagt und versprochen hast um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Ich bitte Dich herzlich, Du wollest mich in dieser Gnade stets väterlich erhalten und mir den heiligen Geist verleihen, damit ich auf diese jest empfangene gnadenreiche Vergebung fest glauben und mich derselben allezeit und in allen Anfechtungen und Widerwärtigkeiten trösten möge. Verleihe mir auch die Gnade Deines heiligen Geistes, damit ich der Sünde hinfort nicht mehr diene, mich davor 231 hüte und meinem Fleisch nicht mehr den Willen lasse. Ich will von jetzt an durch ernstliches Gebet und Wachsamkeit der Sünde widerstehen, und mein ganzes Leben nach Deinem Willen anstellen und führen. Und bin ich darin zu schwach, so stehe mir durch Deinen heiligen Geist kräftig bei und hilf überwinden. Alles um und durch Deinen lieben Sohn, meinen Herrn und Heiland, Jesum Christum. Amen. F. Habermann. Gebet für die, welche zum Erstenmale zur Beichte gegangen sind. Dank, innigen Dank Dir, mein Gott und Vater! Du hast mein offenes, demüthiges Bekenntniß gehört und mir durch Jesum Gnade, Trost und Vergebung widerfahren lassen. Wie wohl thut es meinem Herzen, welch' unaussprechlich Glück ist mir jetzt zu Theil geworden! Du bist mein Vater, ich Dein Kind. Ich fühle mich wieder beruhigt, erquickt und gestärkt zu allem Guten. Nie will ich weichen von Dir und von Deinen heiligen Geboten. Du siehst es, wie voll mein Herz ist von guten Rührungen, frommen Empfindungen und heiligen Vorsäßen, deßhalb halte mich dabei und stärke mich immer mehr, Dir treu zu bleiben. Muthig will ich der Sünde und der Versuchung zum Bösen widerstehen; ich will ringen, kämpfen 232 und streiten, hilf Du mir glücklich überwinden. Dein Geist sey in meiner Schwachheit mächtig. Mit diesem Entschlusse will ich morgen das heilige Abendmahl genießen; laß es, o Gott! einen bleibenden Segen für meine Seele seyn. Amen. Joh. Christ. Dan. Geiser. Abendgebet am Beichttage. Herr Gott, himmlischer Vater! der Du gnädig, barmherzig und von großer Güte bist, ich danke Dir, daß Du Dich über mich elenden Sünder erbarmet und mir heute die Vergebung aller Sünden mitgetheilt hast. Mit Schmerzen und Trauer stand ich heute von meinem Lager auf, mit Freuden aber kann ich mich niederlegen; ich hatte Deinen Zorn verdient, Du aber hast mich mit Gnade gekrönet. Ich sollte verflucht seyn, und Du hast mich mit Segen überschüttet. Ich sollte zur Hölle verstoßen werden und Du hast mich in den Himmel gehoben. Denn indem mich Dein Diener von meinen Sünden losgesprochen, kam ich wieder in Deine Gnade und soll nun Theil haben mit den Auserwählten am ewigen Heile. Ach, wie lieblich klang in meine Ohren: Gehe hin mit Frieden, dir sind Deine Sünden vergeben! Wie süß schmecket der Trost in meinem Herzen, daß in Christi Blut und Tod mir alle meine Sünden 233 vergeben sind! Nun kann ich mich mit Freuden niederlegen, nachdem ich Deinem Namen gedankt und mich in Deinen gnädigen Vaterschuß befohlen habe.-- Ach, laß diesen herzlichen Trost Deiner gnädigen Vergebung der Sünden nie aus meinem Herzen schwinden; laß mich mit diesem Troste in Frieden einschlafen und mit Freuden wieder gesund erwachen, damit ich morgen zur Stärkung des Glaubens meines Herrn Jesu Leib und Blut empfange, mir zum Leben und zur ewigen Seligkeit. Amen. G. Arnold. Morgengebet am Communiontage. 1. Tiefgerührt beuge ich mich vor Dir, mein Gott und Vater! und preise Dich, daß Du mich den heutigen Tag zum Segen meiner Seele hast erleben lassen. Ja, hilf, Allgütiger! daß dieser Tag in Zeit und Ewigkeit für mich gesegnet sey. Dein Beistand ist mir unentbehrlich, wenn ich heute das Gedächtnißmahl meines Mittlers und Versöhners würdig feiern soll. Ach, ich bin ein schwacher Mensch, wie bald erfaltet meine Andacht, wie leicht zerstreuen mich irdische Angelegenheiten, darum flehe ich zu Dir um Hilfe. Entferne von mir, was mich verhindern könnte, meine ganze Aufmerksam 234 keit auf Jesum, den Anfänger und Vollender meines Glaubens zu richten. Erfülle mein Gemüth mit einer heiligen Begeisterung, daß meine Andacht unverstellt und feurig, mein Gebet innig, mein Gelübde redlich, daß mein Vertrauen und meine Hoffnung auf Dich unbeweglich seyen. Welch' himmlische Erquickung werde ich dann an Deinem Tische schmecken, göttlicher Versöhner! Unnennbare, hohe Empfindungen durchströmen meine Seele, weil ich heute ein Mitgenosse am Mahle der Liebe werden soll, das Du, Allliebender, im Angesichte des Todes zu meinem Heile verordnet hast. Ich will es öffentlich bekennen, daß ich Dir angehöre, ich will unter Deinem Kreuze die Größe Deiner Huld bewundern und mich ihrer mit heiligem Entzücken freuen. Ich will mich durch den Genuß Deines Leibes und Blutes auf's Innigste mit Dir verbinden und mich Dir zum ewigen Eigenthume weihen. Ach, Herr Jesu! der Du für mich den martervollen Kreuzestod erduldet hast, der Du es mir bei der Stiftung Deines Mahles so augenscheinlich zu erkennen gabst, daß Du nichts sehnlicher als meine Beruhigung und Rettung wünschest: erbarme Du Dich meiner, daß ich diesen Tag recht würdig feiere und Deinem Dienste alle fünftigen Tage meines Lebens heilige! Amen. Joh. John. 235 2. So ist mir also wieder angebrochen der Tag des Vorgefühles vom ewigen Leben, die Ahnung der Unſterblichkeit, der Tag, der mich mit meinem Erlöser verbindet, und ich der Welt entnommen werden soll; wo ich Eins seyn soll mit der Verklärung des Herrn, erfahren soll das gütige Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt. O könnte ich, Herr, mein Heil, doch ganz Gefühl seyn und mein Herz nur für Dich haben! Ich trete zu meiner gewohnten Umgebung, und jedes Zeichen meiner Thätigkeit zeigt mir etwas in der Welt, was ich liebe, was ich ehre, dem ich angehöre. Ach ich fühle mich so unbeschreiblich irdisch, und bange frage ich: Ob ich mich sehnen werde am Altare nach dem Himmel, um den ich jetzt flehe? Doch ich habe einen Heiland, der größer ist als mein Herz; ich habe Nichts für ihn, aber ich kann zu ihm beten, zu ihm seufzen. So vernimm denn, o Herr des Himmels! meinen schwachen Wunsch und mein unvollkommenes Wort. Ich kann nichts wollen, als die Welt und die Sünde, doch Du kannst ein anderes Wollen geben; mein Geist liebt Nichts als sein Wissen, seinen Besitz und seine Lust, aber Du kannst höhere Weisheit, köstlichere Schäße und himmlische Seligkeit geben. Ich weiß Nichts als meine Armuth und die Sehnsucht nach Deinem Reichthume, doch Du, o - 236 ewiger Quell aller Liebe, hast ja verheißen: Bittet, so- werdet ihr nehmen! So gib denn Himmelsfehnsucht, wo nur Freude an der Welt ist; tödte das Wollen meines Fleisches, auf daß Dein Geist es lebendig mache; tödte meinen Geiſt, auf daß er lebe in Deiner Liebe; Dich lieben ist ja nur Weisheit; Dir leben nur Friede; Dich genießen nur Freude. O, zeige mir über allem irdischen Lichte die Strahlen Deiner Herrlichkeit; gieb mir den Frieden, der höher ist als alle Vernunft, und laß mich genießen die Wonne der Verklärung. Herr, mein Heil, ich habe die Welt erkannt, ich habe sie leer gefunden an Wahrheit, an Liebe, an Trost; aber in Dir iſt die Fülle der Gottheit, ja, ich weiß, ich soll Dein sein, ich soll leben in Dir, und Du willst leben in mir. O, nähre meine sterbliche Hülle mit Deiner Verklärung und mache sie zum Tempel Deines Geistes; weihe mein Herz zur Wohnung Deiner Liebe; laß mich leben in Dir, wollen in Dir, dulden in Dir, sterben in Dir. Ahnung des ewigen Lebens! ich soll in dem Herrn, ich soll in dem Sohne Gottes leben, ich soll selig sein im Vater, wie er es ist. Wie schwindet die Welt, wie wird sie, o Freude! zum Jammer; bald werde ich meinen Gott, bald Alles haben. Laß mich, mein Heiland, Nichts mehr kennen, als Dich. Ich eile zu Deiner Liebe, und Du eilest, mich zu begnadigen. Amen. Dr. 3. G. Scheibel. — 237 Morgengebet für die, welche das Erstemal zum Tische des Herrn gehen. Herr! Du weißt es, daß ich sehnlich wünsche, an Deiner Gnade jezzt und ewig Theil zu haben. Du hast mich zu Deinem Kinde aufgenommen, Du hast mir bei meiner Einsegnung die gewisse Hoffnung geben lassen, daß ich an Deiner Gnade Theil haben soll. Heute naht für mich ein neuer, wichtiger, heiliger Augenblick. Du willst Dich selbst im heiligen Abendmahle mir zu genießen geben. Ich soll essen Dein Fleisch und trinken Dein Blut; Du selbst willst Dich durch diese sichtbaren Zeichen Deiner Gegenwart und Gnade mit mir auf ewig verbinden. Du willst das Abendmahl mit mir, und ich soll es mit Dir halten. O vergegenwärtige mir, soviel ich davon in meiner Schwachheit fassen kann, was Du für mich erduldet und gelitten hast. Laß mir es recht klar vor Augen schweben, wie Du in Gethsemane mit dem Tode rangest, wie Dir der Schweiß, gleich Blutstropfen, von der Stirne floß, wie Du auch meine Sünden trugest. Laß mir vor Augen schweben, wie Du Deinen Rücken durch Geißelstreiche zerreißen, Dein Haupt durch die Dornenkrone verwunden, Deine Hände und Füße durch die Nägel am Kreuze auf Golgatha durchbohren ließest. Laß von Deinem vergossenen Blute auch auf mich einen Tropfen fließen, damit ich Hülfe durch Dich finde. 238 Herr Jesu, mein Heiland! bereite Du mein Herz selbst vor, um als ein würdiger, nach Gnade hungernder Gast an Deiner Tafel zu erscheinen. Drücke Dein Marterbild meinem Herzen aufs Tiefste ein, um nie zu vergessen, wie theuer ich zu Deinem Eigenthume erkauft bin. Möge der Schein dieser Welt mich nie bethören und ich nur darnach trachten, durch Verachtung alles eiteln und sündlichen Wesens Dir allein zu leben, der Du für mich geſtorben bist. Sen meiner und Aller, die sich Deiner Tafel nahen, besonders derer, die heute zum Erstenmale die Unterpfänder Deiner Liebe empfangen, in Gnaden jetzt und ewig eingedenk! Amen. Friedrich Konrad Krüger. Gebet vor der Abendmahlsfeier. 1. mein Jesu! wie groß sind Deine Werke, wer ihrer achtet, der hat Lust daran. Du hast uns einen Tisch bereitet wider alle Feinde: Du speisest uns mit Deinem Leibe, Du tränkest uns mit Deinem Blute und gibst uns in Deinem Abendmahle die Gnade, die uns Dein Wort verkündigt hat. So machest Du uns theilhaftig der Versöhnung, so vereinigst Du Dich selbst mit uns auf verborgene Weise, so stärkeſt Du unsern Glauben und wirkest in uns alles Gute zum ewigen Leben. Darum habe Dank, 239 o mein Heiland! daß Du vor Deinem Tode das heilige Abendmahl eingesett; habe Dank, daß Du diese Ordnung bisher bei uns rein und unverändert erhalten und auch mich zu Deinem Gnadentische eingeladen haſt. Freilich bin ich, o liebster Jesu! nicht werth, daß Du in mein fündiges Herz eingehest; aber ich bin Deiner Hülfe bedürftig und voll Verlangen nach Deiner Gnade. Du hast mir Vergebung der Sünden versprochen, das glaube ich; Du hast mich eingeladen, darum komme ich als ein Armer zu dem Reichen, als ein Kranker zu dem Arzte, als ein Gefangener zu seinem Erlöser, als ein verlorener Sünder zu seinem Heilande! Verwirf mich daher nicht meiner ungerechtigkeit willen; beraube mich nicht der Kraft Deines Leibes und Blutes meines Undankes willen. Verleihe meiner Seele nur heilige Gedanken, um sich bei dieser hohen Feier über alles Irdische zu erheben und mit Niemand als mit Dir, ihrem gekreuzigten Heilande, umzugehen. Hilf, daß ich Deinen Leib und Dein Blut wohl unterscheide von allen irdischen und sichtbaren Dingen, und laß mich im Lichte Deines Geistes erkennen das Geheimniß, das in Deinem Mahle verborgen ist, und die Liebe, welche Du mir hier erweisest. Laß es mich begehen zu Deinem Gedächtnisse, um aufs Neue Dich, den Gekreuzigten, in dankvollem Gemüthe anzubeten und Deinen Tod zu verkündigen. Gieb mir Dein Fleisch und Blut im wahren 240 Glauben zu genießen, damit ich mich an Dein Wort halte: daß Dein Leib und Blut mir zu Theil werden zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben! So laß mich denn bei diesem heiligen Mahle die Kraft Deines Todes genießen. Du hast ja Deinen Leib auch für mich in den Tod gegeben, Dein Blut auch für mich vergossen, auch mir dadurch Vergebung der Sünden und das ewige Leben erworben. Entsündige mich durch Dein Opfer, damit ich rein werde, und hilf mir endlich durch Dein Leiden und Sterben, als das einzige Mittel meiner Erlösung, durch den Tod hindurch zum ewigen Leben. Amen. A. Neumann. 2. Gesegnet sei mir die heilige Stunde, in welcher ich das Gedächtniß des Leidens und Sterbens meines Erlösers begehen und die feierlichste und rührendste Versicherung von Deiner Liebe, himmlischer Vater empfangen soll. Verkläre durch Deinen Geist in meiner Seele die Größe dieser Liebe, die den Eingebornen für uns Alle dahingegeben hat. Mein Herr und Heiland Jesus Christus! wie liebreich ist Dein Herz, wie holdselig ist Deine Einladung, und wie heilsam sind Deine Wunden! Du bist das wahre Himmelsbrod, das meine Seele zu ſpeisen vermag. Darum bitte ich Dich, Du wollest 241 auch jeßt meine Seele mit Deinem heiligen Mahle erquicken. Sey Du, o Heiland, meine Gerechtigkeit, wenn meine Sünde mich anklagt; sei mein Fürsprecher, wenn Gottes Gesetz und mein Gewissen wider mich zeugen; sey mein Hohepriester und bitte für mich, wenn ich schwach in der Andacht bin; sey Du mir Licht und Leben, wenn ich Tod und Finsterniß in mir fühle; sey Du mir Schuß und Sieg, wenn Drangsale über mich kommen. O mein ge= treuer Herr und Hirte, laß meine Seele bei Deinem Tische die ganze Liebe und Freundlichkeit empfinden, womit Du mich bis zum Tode am Kreuze geliebet hast; laß sie schmecken Deinen göttlichen Trost, die Kräfte der künftigen Welt, die Freude des ewigen Lebens. Ja, laß meine Seele durch Dich immerdar erquickt und getröstet werden, auch in der leßten Stunde, damit sie mit guter Zuversicht bei dem Abschiede von dieser Welt sich Dir befehle, und mit Friede und Freude eingehe in die ewige Herrlichkeit! Amen. Beim Hingehen zum Altare. Dein heiliger Leib, o Herr Jesu Chriſte, mein Herr und Gott, gereiche und gedeihe mir zum ewigen Leben, und Dein theures Blut zur Vergebung aller meiner Sünden. Laß mir Alles mit Gott 16 242 Dein heiliges Sakrament nicht zum Gerichte, sondern zur Seligkeit und wahren Freude gereichen, und mache mich armen Sünder würdig, daß ich am Tage des letzten Gerichtes zur Rechten der ewigen Herrlichkeit fröhlich stehen möge. Amen. Beim Empfange des Leibes Chrifti. Habe Dant, mein Heiland, daß Du zum Opfer für mich Deinen Leib in dem schmählichsten Tode dargebracht hast. Hilf, daß ich mich Dir wiederum mit Leib und Seele zum Opfer ergebe, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Amen. Beim Empfange des Blutes Chrifti. Sei gelobet, mein Heiland, daß Du Dein Blut auch zur Vergebung meiner Sünden vergossen hast. Es reinige fortan immer mehr mein Gewissen von allen Untugenden und sündlichen, todten Werken zum Dienste des lebendigen Gottes! Amen. Rosenmüller. Beim teggehen vom Altare. Ich danke Dir, allmächtiger Gott! daß Du mich durch die heilsame Gnade des Leibes und 243 Blutes Deines Sohues, Jesu Christi, erquicket hast, und bitte Dich, Du wollest mir solches gedeihen lassen zum festen Glauben an Dich und zur herzlichen Liebe gegen Alle, durch Deinen Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet nach der Abendmahlsfeier. So habe ich nun Dich, meinen Herrn, meinen Heiland, meinen Jesum, meinen Gott, mein Alles, und wo finde ich Worte, um Dir zu danken und meine Seligkeit auszusprechen! Ich bin Dein und Du bist mein. So besitze ich nun Alles, was Du bist. Mein ist Deine Wahrheit, mein Dein Licht, Deine Herrlichkeit, mein Dein Himmelsfriede, mein Deine Kraft zu allem Guten, mein Dein Ueberwinden, mein Deine Seligkeit, mein Deine ganze Liebe. Mögen Herz, Welt und Satan noch manche Gefahr, manches Uebel bringen, oder kommt mir Jrrthum entgegen, so wirst Du mich erleuchten; ist mein Herz von Sorge und Angst erfüllet, so wird Dein Friede es beruhigen; lockt mich die Sünde und ihre Urheber, so halte mir die Krone des ewigen Lebens vor. Dulde ich, leide ich, ist Jammer und Mühe mein Theil: welche Thränen kannst Du nicht trocknen, und nie wird Deine Liebe mir mehr auflegen, als die Schwachheit Deines Kindes tragen kann. Sterbe 244 ich- ja, mein Heiland! jetzt, bald will ich sterben; der Tod führet ja zu Deinem Anschauen. Nun, mein Gott, mein Alles! ich bin selig in Deiner Liebe. Ich habe Nichts zu bitten, als: Laß mir Deine Liebe und bleibe in mir. Weiter bedarf und will ich Nichts, hier nur Deine Liebe, dort nur Deine Liebe, hier nur Dich, dort nur Dich, ewig nur Dich, mein Jesu! Amen. Dr. F. G. Scheibel. Abendgebet am Communiontage. Ju Dir, göttlicher Erlöser, erhebt sich meine Seele in dieser Abendstunde, um noch einmal mit tiefer Rührung und herzlicher Freude Deiner Liebe zu gedenken. Viel, unaussprechlich viel Gutes hast Du mir heute erwiesen. Durch den Genuß Deines heiligen Mahles bin ich meiner Begnadigung und Seligkeit gewiß geworden. An Deinem Tische habe ich Ruhe für mein bekümmertes Gewissen, Trost in meinen Leiden, Kraft zum Kampfe wider Welt und Sünde, Stärkung meiner Liebe zu allen meinen Brüdern, und die feierliche Bestätigung erlangt, daß ich zur Unsterblichkeit berufen, einst ewig bei Dir leben und des Himmels unnennbare Freude schmecken soll, Herr! ich bin wahrlich zu geringe Deiner Treue und Barmherzigkeit, aber verschmähe nicht den schwachen Dank, den ich Dir jetzt dafür bringe. Du stifteteſt das Mahl der Liebe, um mich zur treuen Gegenliebe auf 245 immer zu verpflichten. Von heute an sollen alle meine Empfindungen, Vorstellungen und Entschließungen nur Dir gewidmet seyn, und Alles, was ich künftig mit Worten oder Werken thue, geschehe nur zu Deiner Ehre. Wie könnte ich mich Deinen dankbaren, redlichen Verehrer nennen, wenn ich leichtsinnig die frommen Rührungen, die heute Dein guter Geist in mir erweckt hat, vergäße; wenn ich unter den sündlichen Zerstreuungen des Lebens meine heiligen Schwüre bräche, durch die ich mich heute Dir geheiligt habe, Dir, der Du für mich geſtorben und auferstanden bist! Nein, es sey stets mein innigster Wunsch und mein eifrigstes Bestreben, in Deinem Dienste Gutes zu wirken, so lange es noch Tag ist. Ich weiß ja nicht, wann die Nacht des Todes über mich hereinbrechen wird. Stärke daher meinen Glauben und Eifer in der Heiligung, daß sie mich nicht unvorbereitet übereile, ich aber mit würdiger Gemüthsstimmung diesen Tag beschließe. Deine Gnade, Herr Jesu! und die Liebe des Vaters, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes seyen stets mit mir zum ewigen Leben. Amen. 3. John. Abendgebet am Tage der ersten Abendmahlsfeier. Ehe ich mich zur Ruhe begebe, will ich auch in dieser stillen Abendstunde noch an Dich, 246 großer, liebevoller Wohlthäter, denken. Anbetung und Preis sei Dir, o Gott! daß Du mich zu einem Menschen geschaffen hast, der Dich zu erkennen und zu lieben fähig ist. Aber wie sehr wird dieses dankbare Gefühl dadurch erhöhet, daß ich ein Christ bin, daß ich Dich durch Jesum als meinen Vater erkennen darf. Ja, das ist das ewige Leben, das ist der Weg zur wahren Glückseligkeit, daß man Dich, den einigen wahren Gott, erkenne, und Jesum Christum, den Du zu unserer Beseligung in die Welt gesandt hast. Auch ich verehre Dich als meinen Vater, und Jesum als meinen Erlöser, und habe heute im Abendmahle ein Unterpfand Deiner Liebe erhalten. Wohl mir, nun kann ich mit Freudigkeit meine Laufbahn auf dieser Erde fortseßen, und mit frohem Muthe den Weg durch's Leben gehen; nun kann ich mit kindlicher Liebe und Zuversicht an Dich denken, und mir zu allen Zeiten und unter allen Umständen das Beste von Dir versprechen. Ewig unvergeßlich soll mir der heutige Tag sein; lebhaft will ich mich an denselben erinnern, so oft mich das eigene Herz oder das böse Beispiel Anderer verführen wollen. Ach, dann müsse in mir der Gedanke in seiner ganzen Stärke erwachen: an jenem feierlichen Tage, wo ich öffentlich in die Religionsgesellschaft der Christen aufgenommen wurde, habe ich es in Gegenwart vieler Zeugen, ja vor dem Allwissenden selbst feierlich versprochen, daß ich meinen christlichen Ueber= 247 zeugungen tren bleiben, und die Bahn der Tugend nicht verlassen will, es koste auch was es wolle! Die frommen Vorsäße, die ich heute bei der Feier des heiligen Abendmahles faßte, sollen in Thaten übergehen. Sorgfältig will ich über mich wachen, oft über mich nachdenken, mich oft an meine Pflicht erinnern, und die in mir erregten guten Gesinnungen durch das Gebet beleben. Ich bin als Christ zur Tugend und Seligkeit berufen, ich soll immer weiser, besser und glücklicher werden, und unter Deiner Aufsicht und Leitung, ewiger guter Vater der Menschen, werde ich auch sicher dieses Ziel erreichen. An Jesu hast Du mir einen untrüglichen Lehrer und Führer gegeben, an ihm will ich mich also festhalten, seinen Vorschriften und seinem Beispiel will ich willig folgen. Dies habe ich heute bei seiner Gedächtnißfeier heilig gelobt und will es auch halten. Ja, Jesu Lehre und Beispiel sollen mir die Richtschnur meines ganzen Verhaltens seyn. Du weißt es, Vater! ob ich es redlich meine. Lehre Du mich thun nach Deinem Wohlgefallen; Dein Geist sey mein Führer und Begleiter auf der Bahn der Tugend. Amen. I. S. Bail, 248 Gebete für besondere Beiten und Lagen. Beim Erwachen am Morgen. Gütiger Gott! ich danke Dir, ich bete Dich an, ich lobe und preise Dich; Ehre sei dem Vater, der mich erschaffen hat; Ehre sei dem Sohne, der mich erlöset hat; Ehre sei der allerheiligsten Dreifaltigkeit, von nun an bis in Ewigkeit! Amen. Oder: Gelobet fey die allerheiligste Dreieinigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! O ewiger Gott, erleuchte meine Seele, die Du nach Deinem göttlichen Ebenbilde erschaffen hast, daß sie Dich, ihren Schöpfer und Herrn, erkenne; segne sie mit Deiner Gnade, daß sie Dich wahrhaft liebe, und sich in Andacht und heiliger Sehnsucht zu Dir erhebe! Amen. Beim Auftehen. Ich stehe auf im Namen meines Herrn Jesu Christi, des Gekreuzigten, welcher mich und das ganze Menschengeschlecht mit seinem theuren Blute erlöset hat. Derselbe wolle mich an Leib und Seele vor allem Uebel behüten und bewahren, und mir auch geben, was mich in allem Guten fördern und befestigen kann zum ewigen Leben. Amen. 249 Während des Waschens. Erbarme Dich meiner, o Gott! nach Deiner großen Barmherzigkeit, und tilge meine Missethat nach der Fülle Deiner Erbarmungen. Wasche mich mehr und mehr von meiner Bosheit und reinige mich von meinen Sünden. Gütigster Jesu! Urquell der Reinheit, besprenge mich mit Deinem heiligen Blute, damit ich rein und Dir wohlgefällig werde. Komm, heiliger Geist! und erleuchte mein Herz mit Deinem himmlischen Lichte. Reinige mein beflecktes, befruchte mein dürres, heile mein frankes, erwärme mein kaltes, und beuge mein eigensinniges Herz, damit ich Dir mit kenschem Leibe dienen und mit reinem Herzen wohlgefallen möge. Amen. Beim Ankleiden. Ich lege, Herr! die Kleider an, Führ' Du mich auf der Tugend Bahn, Daß ich nach Deinem Willen lebe Und eifrig nach dem Himmel strebe. Tischgebete. Vor dem Effen. Aller Augen warten auf Dich, Herr! und Du gibst uns Speise zu seiner Zeit. Du thust Deine milde Hand auf und sättigest, was da lebet mit Wohlgefallen. Vater unser 2c. 250 Herr Gott himmlischer Vater! segne uns diese Deine Gaben, die wir von Deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen. Oder: Jesu, wir geh'n zu dem Essen, Laß uns- Deiner nicht vergessen, Denn Du bist das Himmelsbrod; Speis' zugleich auch unsre Seelen, Die wir Dir jetzt anbefehlen, Steh' uns bei in aller Noth; Hilf' uns, daß wir nach der Erden Deine Gäst' im Himmel werden. Komm Herr Jesu! sei unser Gast, und segne, was Du uns bescheeret hast. Amen. Oder: Herr! wir danken Dir von ganzem Herzen für die Gabe, die Du uns wiederum mittheilen willst. Segne sie zur Nahrung und Stärkung unseres Leibes, und zum Preise Deiner großen Barmherzigkeit durch Jesum Christum. Amen. Oder: Vater, segne diese Speise, Uns zur Kraft und Dir zum Preise. Amen. Nach dem Effen. Sei gelobet, Herr Gott, himmlischer Vater der Du unseren Leib mit Deinen Gaben ge 251 speiset und getränket hast; erfülle unser Herz nun auch mit Deiner Gnade, damit wir in allen guten Werken reichlich zunehmen, und vor Deinem Angesichte nie zu Schanden werden. Amen. Oder: Vater der Welt! Du hast uns Speise und Trank gegeben; wir danken Dir dafür und bitten Dich, Du wollest unter uns erhalten und mehren den Geist des Friedens, der Wohlthätigkeit und Mäßigkeit durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unseren Herrn. Amen. Oder: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er Dir Gutes gethan hat. Wir preisen Dich, Herr! für alle Gaben, womit Du uns erquicket hast. Schenke uns auch Deine geistigen Segnungen in himmlischen Gütern, und mache uns theilhaftig des Gnadentisches in Deinem Reiche. Amen. Beim Stundenschlage. Schon wieder ist eine Stunde des Lebens verflossen, und sie kehret nicht mehr zurück. So werden bald alle Stunden meines Daseyns verflossen sein, und mit ihnen alle Freuden dieser Welt. Gieb mir, o Herr! die Gnade, nie zu vergessen, sondern stets zu beherzigen die Worte: ,, Die Welt vergehet mit ihrer Lust; wer aber 252 den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit." Laß mich, o Gott! die Güter dieser Welt besigen, wie wenn ich sie nicht besäße; sie genießen, wie wenn ich sie nicht genossen; denn wie die verflossenen Stunden, so gehet vorüber das Wesen dieser Welt und ich mit ihm. Amen. Beim Geläute der Abendglocke. Hinunter ist der Sonne Schein, Die finst're Nacht bricht stark herein, Leucht' uns, Herr Christ, Du wahres Licht, Daß wir im Finstern wandeln nicht. Dank sey Dir, daß Du uns den Tag Vor Schaden, Angst und mancher Plag Durch Deine Engel haft behüt't Aus Gnad und väterlicher Güt. Womit wir heut' erzürnet Dich, Verzeih' es, Herr! uns gnädiglich, Und rechn' es uns'rer Seel' nicht zu, Laß schlafen uns in Fried' und Ruh'. Zur Wache Deine Engel stell', Daß uns der böse Feind nicht fäll'; Vor Leibes- und vor Seelennoth Behüt' uns diese Nacht, o Gott! Amen. Nikolaus Hermann. Oder: Ach bleib' bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort das helle Licht Laß ja bei uns auslöschen nicht. 253 In jeder schwer bedrängten Zeit Gieb uns des Glaubens Beständigkeit, Daß wir Dein Wort und Sakrament Ja rein behalten bis an's End. Laß uns in guter stiller Ruh' Das zeitlich Leben bringen zu, Und wenn das Leben neiget sich, Laß uns entschlafen seliglich. Amen. Wenn man bei Nacht erwacht. Vater! Du bist bei mir, wenn ich Dich gleich nicht sehe. Mit Freuden erinnere ich mich an Deine Gegenwart. Bei Tage bist Du mein Gott, und bei Nacht mein Hüter. Ich bete Dich an in der Mitternachtsstunde, wie am schönen Morgen, und danke Dir, daß man Dich zu allen Zeiten anbeten darf. Amen. J. M. Sailer. Morgengebet für Kinder. Die Nacht ist vergangen und ich lebe noch, bin gesund und munter, und meine lieben Eltern und Geschwister leben alle noch. Ich danke Dir, lieber himmlischer Vater! daß Du uns vergangene Nacht behütet, und uns diesen neuen Morgen gesund hast erleben lassen. Ich bitte Dich, o Vater aller Kinder, gieb Deine Gnade und Freude in mein Herz, damit ich gut, unschuldig, und als ein gehorsames Kind vor Dir lebe, und hilf mir, daß ich so fromm, gehorsam 254 und tugendhaft ſey, wie wenn ich Dich immer vor mir sähe, wiewohl ich Dich mit meinen leiblichen Augen nicht sehen kann. Du biſt doch immerdar bei mir und siehest Alles, was ich thue; ja, Du weißt Alles, was ich nur denke. Gib mir Deinen guten Geist, daß er mich vor allem Bösen bewahre und mir Alles Gute leicht und angenehm mache. Mit Freuden will ich das Gute lernen, was man mich lernen und thun läßt; mit Freuden will ich Alles unterlassen, was man mir verbietet und was mir schädlich ist. Das ist jetzt mein aufrichtiger Vorsatz, o mein lieber, allwissender Gott! das ist der redliche Wunsch meines Herzens vor Dir; mein lieber Heiland, in dessen Namen und auf dessen Geheiß ich mit meinem Gott so kindlich und vertraulich reden darf, wie mit meinem leiblichen Vater. Ich bitte auch für meine lieben Eltern und für meine lieben Geschwister: segne sie und behüte sie vor aller Gefahr und allem Unglück; gieb ihnen und mir und allen meinen Freunden, Nachbarn und allen Menschen, was uns nöthig und gut ist, sowohl für die Seele, als für den Leib. Ach, erhöre mich, lieber himmlischer Vater, durch Jesum Christum. Amen. M. Joh. Albrecht Burk. Nürzeres Morgengebet für Kinder. Job und Dank sei Dir gesagt, o lieber Gott und Vater! daß Du mich diesen Morgen wieder 255 gesund hast erleben lassen. Ich gebe Dir mein ganzes Herz, mache es gut, gehorsam und fromm. Dich will ich findlich lieb haben, Dir zur Ehre will ich leben, das Böse und allen Leichtsinn will ich meiden und nur am Guten meine Freude haben. Gieb mir dazu Deine Gnade und Kraft, dann werde ich Dir auf den Abend fröhlich und herzlich dafür danken. Amen. M. J. A. Burt. Abendgebet für Kinder. Wie soll ich Dir danken, Vater aller Menschen, Vater meiner lieben Eltern und Geschwister, und auch mein Vater! wie soll ich Dir danken für alles Gute, das Du uns heute wieder erwiesen hast! Du hast uns vor Unglück behütet und uns geschenket, um was wir Dich gebeten haben. Wie gut bist Du und wie viel Freude habe ich den ganzen Tag durch Dich genossen! Die liebreiche Sorgfalt meiner Eltern, die Mühe meiner Lehrer, das Vergnügen mit meinen Geschwistern, die Freude die mir andere Menschen gemacht haben, Speise, Trank, Kleidung, Wohnung, Gesundheit, Alles kommt von Dir, Du guter Vater und Wohlthäter! Ich danke Dir dafür von ganzem Herzen. Wie viele Menschen haben Mühe mit mir gehabt, wie übel wäre 256 ich daran, wenn Niemand für mich sorgen und Niemand sich meiner annehmen wollte! Aber bei allem dem muß ich auch nachdenken, ob ich alle Deine Wohlthaten recht angewendet, und wie ich diesen Tag zugebracht habe. Bin ich fleißig, aufmerksam, willig und gehorsam gewesen; habe ich oft an Dich, mein Gott gedacht, Dir oft und herzlich gedankt? Habe ich meinen lieben Eltern Freude gemacht, meinen Lehrern gefolgt, meine Geschwister geliebt? Bin ich immer zufrieden und guten Muthes, verträglich, friedfertig und dankbar gewesen? Ach, barmherziger, allwissender Gott und Vater! gieb mir meine Fehler, meinen Leichtsinn, Ungehorsam und alle Sünden zu erkennen, und laß mich nicht unachtsam dabei bleiben! Sie müssen mir von Herzen leid, und es muß mein ernster Wille seyn, der Sünde zu entsagen. Lieber Vater; verzeihe mir! Dein heiliger Geist leite und lehre mich, daß ich künftig frömmer werde! Was ich heute Gutes gesehen, gehört oder gelernt habe, das wollest Du, lieber himmlischer Vater! mir wohl in's Gemüth prägen. Laß es mich nicht vergessen, damit es mir noch lange müßlich und lehrreich sein möge. Beschüße und bewahre mich in der bevorſtehenden Nacht; bewahre meine lieben Eltern, Geschwister und alle Menschen. Gieb uns einen sanften, ruhigen Schlaf; und wenn ich nicht schlafen könnte, so laß mich etwas Gutes denken und mit Dir reden, liebster, unsichtbarer, allgegen 257 wärtiger Vater! Auch will ich an Andere denken, die krank oder arm sind und keine ruhige Nacht haben, und will für sie beten. Und wenn ich morgen durch Deine Gnade wieder erwache, so gieb mir Lust, auf's Neue nach Deinem Willen zu leben und Dich über Alles zu lieben, der Du uns ewig segnen wirst durch Deinen Sohn Jesum Christum. Amen. 3. A. Burt. Kürzeres Abendgebet für Kinder. mein liebreicher Gott! ich danke Dir, daß Du mich diesen Tag gesund erhalten haſt, und daß mir kein Unglück begegnet ist. Bewahre mich auch diese Nacht vor allem Uebel. Laß mich und meine lieben Eltern und Anverwandten ruhig schlafen und gesund wieder aufwachen, und thue allen mir bekannten und unbekannten Menschen Gutes durch Jesum Chriſtum. Amen. 3. A. Burk. Bitte eines Kindes um geistigen und leiblichen Segen. Lieber himmlischer Vater, von dem alles Gute kommt und der allen Menschen, und ins= besondere den Kindern, so viel Gutes thut, laß mich doch ein gutes christliches Kind seyn. Gieb 17 Alles mit Gott! 258 mir Deine Gnade, um nie zu vergessen, daß Du, o mein Gott! Alles siehest und hörest, was ich thue oder rede; daß Du von uns haben willst, wir sollen recht thun, fleißig lernen und den Eltern gehorsam seyn. Laß mich nie vergessen, wie väterlich Du für mich sorgest, und daß mir nichts begegnen kann, als was Du, mein lieber Vater, willst. Ich will immer an das denken, was Dein lieber Sohn Jesus Christus uns gelehret, wie viel Gutes er uns gethan und noch zu thun im Sinne hat, wenn wir ihm glauben und ihm gehorsam sind. Alles Böse will ich hassen und fliehen. Bewahre mich vor Gefahren, denen ich beständig ausgesetzt bin, und erhalte mir die Gesundheit. Laß mich alle Tage fleißiger, ordentlicher, besser und liebreicher werden. Behüte mich vor allen Sünden, vor allen bösen Gesellschaften, damit ich desto williger und begieriger bleibe, viel Gutes zu hören und zu lernen. Vergieb mir, lieber himmlischer Vater, alle meine Sünden. Zwar thue ich nicht immer Gutes und bin oft ungehorsam gegen Dich und gegen meine Eltern, aber ich bitte Dich um Gnade und Vergebung. Du, o mein Heiland Jesu Christe! kannst alles Uebel tilgen und allen Schaden, der auf die Sünde folget, gut machen; Du wirst es thun, wenn ich sie herzlich bereue und mich in Zukunft davor hüte. Laß mich allezeit so leben, daß ich stets mit Freuden mich selbst und andere Menschen an 259 sehen, ja mit Freuden an Dich denken kann, dann bin ich gewiß, zu Dir in den Himmel zu kommen, wenn ich heute oder morgen sterben sollte. Darum bitte ich Dich von Herzen, lieber himmlischer Vater, und ich hoffe und glaube, Du werdest mich erhören, wie Jesus Christus mir verheißen hat. Amen. J. A. Burk. Fürbitte eines Kindes für seine Eltern. Deine allgemeine Liebe, o mein lieber Gott und Vater! beweiset sich an allen Menschen. Deine Absicht ist, alle durch Jesum Christum zu retten und selig zu machen. Lege daher diese Liebe gegen alle Menschen auch in mein Herz und verleihe mir besonders Liebe und Gehorsam gegen meine guten Eltern. Ich bitte Dich, segne sie, bewahre sie vor allem Unglücke, erhalte sie gesund, erhöre ihr gläubiges und frommes Gebet, gieb ihnen Deinen heiligen Geist, damit sie mich zur Wahrheit, Tugend und Seligkeit leiten. Segne sie für die Mühe, die ich ihnen verursache, und laß sie Freude an mir erleben. Gieb, daß ich sie nie durch Ungehorsam oder unartiges Wesen betrübe. Erhalte sie mir noch lange durch Deine gnädige Vorsehung. Laß mich so leben und aufwachsen, daß ich einst im Alter ihre Stüße, Hülfe und Freude seyn kann! Ich will an Nichts mehr Freude finden, als am Gehorsam gegen Dich, 260 an der Erkenntniß Deines Heiles in Christo, und an dem rechtschaffenen Wandel im Glauben und in der Liebe zu Dir, durch welchen wir einst Alle mit einander selig werden. Amen. J. A. Burk. Gebet eines Schulkindes. Herr, mein Erlöser, Heiland und Seligmacher, Jesus Christus! Du bist einst auch als Menschenkind geboren und aufgewachsen. Da warst Du die Freude der Menschen, denen Dich der himmlische Vater anvertraut hatte. Da zeigte sich schon in der Kindheit die Stärke Deines Geistes. Stark war Dein Geist in der Ausübung alles Guten, stark im Kampfe gegen alles Böse. Du warst voll Weisheit, betrugst Dich nicht, wie unverständige Kinder sich zu betragen pflegen, die nur ihrem Eigensinne folgen. Mit Weisheit bereitetest Du Dich vor auf Deinen hohen Beruf. Du ließest keinen Tag vergehen, an dem Du nicht an Weisheit zugenommen hättest und in der Gnade Deines himmlischen Vaters gewachsen wärest. Jetzt lebst Du in der Herrlichkeit Deines Vaters; aber Du bist doch auch mein Erlöser, Heiland und Seligmacher. Ich darf es wagen, zu Dir zu kommen, weil ich weiß, daß Du die Sünder lieb hast, die sich zu Dir halten und mit ganzer Seele Dir angehören wollen. Du weißt, was im Menschen iſt, Du kennst auch mein Herz. Du weißt, daß 261 ich Dich lieb gewonnen habe, daß es mein Entschluß ist, Dir zur Ehre zu leben. Die Gelegenheit, die ich in der Schule bisher hatte und auch jetzt noch habe, Dich kennen und Dich lieben zu lernen, hast Du mir gegeben. Ich danke Dir von Herzen und preise diese Gnade mit ganzer Seele. Es ist ein großer Vorzug, den ich vor vielen Millionen Kindern habe, die in Gegenden leben, wo man Dein Evangelium nicht kennt und in denen keine Schulen sind, worin es gelehrt wird. Deffne mir nur ferner das Verſtändniß, damit ich immer mehr bekannt werde mit dem, was Du mir durch meine Lehrer sagen läsfest. Deffne mir aber auch das Herz, damit die Wahrheiten, die ich höre, sich mir unvergeßlich tief einprägen. Gieb mir jeden Tag, jede Stunde und jeden Augenblick die Kraft Deines Geistes, damit ich Dir nachfolgen kann. Dann werde auch ich stark im Geiste, voll Weisheit, und Deine Gnade ist mit mir. Das gieb um Deiner Liebe willen; dann werde ich meinen geliebten Eltern, meinem theuren Lehrer, allen gut gesinnten Menschen und Dir gefallen. Amen. F. K. Krüger. Gebet für Waisen. Mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf." Psalm 27, 10. Ja, mein Gott! das ist mein Trost, daß Du mich aufnimmst, und daß ich Zuflucht finde 262 bei Dir, weil mich Vater und Mutter verlassen haben. Ach, es ist wohl schwer, Vater und Mutter zu verlieren. Kein Mensch ersetzt mir, was ich an meinen lieben Eltern hatte. Keiner wird mich lieben, wie sie mich liebten.- Doch, was ich bei Menschen nicht finde, das finde ich bei Dir, Du Vater der Waisen! Ach! Du hätteſt mir nicht die Eltern genommen, wenn Du nicht hätteſt ihre Stelle bei mir versehen und selbst als Vater für mich sorgen wollen. Ja, Du bist mein rechter Vater, und ich habe das große Glück in Jesu Christo, Dein Kind zu heißen. Da kann ich ja nicht verlassen seyn. Denn Du, Allmächtiger! der Du Alles kennest, hast mich viel lieber, als mich Vater und Mutter lieben konnten. Bewahre mich nur, daß ich Dich nie vergesse. Dann wäre es freilich um mich geschehen; dann würde ich wahrhaft verlassen seyn. Nein, mein Vater! ich will mich zu Dir halten, ich will bei Dir meine Hülfe suchen, will gerne auf Deine Vaterſtimme merken und Deine Gebote halten; dann fann ich ruhig Dir alle meine Wege befehlen. Du leitest mich nach Deinem Rathe und nimmst mich endlich mit Ehren an. O wie herrlich ist die Hoffnung, einmal dorthin zu kommen, wo Du mir ein ewiges Erbe bereitet hast. Da giebſt Du mir auch meine lieben Eltern wieder. O welche Freude, wenn sie dort ihr Kind willkommen heißen. Welche Freude, wenn wir dort einander wieder finden, um mit einander ewig zu leben und ewig selig zu seyn. Diese Freude hast 263 Du, Herr Jesu! mir mit Deinem blutigen Tode erworben. Wie theuer ist Dir, meine herrlichste Hoffnung, mein liebreichster Trost, mein größtes Glück, worauf ich mich schon jetzt herzlich freue, zu stehen gekommen! Darum bist Du werth, daß ich Dich über Alles liebe, Dir mein Herz zu eigen gebe und Dir, als meinem Herrn in allen Stücken gehorche. Das ist auch mein bester, heiliger Vorsatz, den ich hier vor Deinem Angesichte erneuere. Und da Du mir das Wollen gegeben hast, so schenke mir auch nach Deiner Gnade das Vollbringen und sey mit Deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig. Wohlan! ich trachte, wie Du es haben willst, zuerst nach Deinem Reiche und nach der Gerechtigkeit, die vor Dir gilt, und da weiß ich auch und glaube es gewiß, daß mir eine zeitliche Noth nicht zufallen wird, weil Du mich nicht verlassen noch versäumen kannst. Amen. F. K. Krüger. Morgengebet am Confirmationstage. Heiliger, allgerechter Gott und Vater! welch einen wichtigen Tag des Segens und des Heiles hast Du heute für mich anbrechen lassen! Du weihtest mich einst durch Dein Wort, durch Deinen Geist in der heiligen Taufe zu Deinem Kinde und nimmst mich heute auf in die schon 264 erfahrenere Gemeinde Deines Sohnes, damit ich die höchsten Segnungen Deiner Liebe erlangen möge. Nimm, himmlischer Vater! meinen unvollkommenen, doch durch Deine Gnade mit treuem Kinderherzen dargebrachten Dank. Tausend Wohlthaten hast Du mir von Anfang meines Lebens her erzeigt. Meine Eltern, meine Gesundheit, meine Kräfte, alle meine Freuden sind die Geschenke Deiner Liebe, sind die Gaben Deiner Barmherzigkeit. Doch die größte ist ja, daß ich Dein Wort kennen gelernt, daß ich weiß: auch meine vielfachen Sünden, meinen Leichtsinn, meinen Ungehorsam vergiebst Du mir, mein himmlischer Vater! Du hast für sie Deinen eingeborenen Sohn selbst in den Tod gegeben, er lebet nun für mich und hat auch für mich bei Dir die Stätte bereitet. Ja, Du bittest auch heute für mich, mein Heiland, mein Jesus! Und weil Du weißt, wie schwach, wie strauchelnd Dein Kind ist, so giebst Du mir Deinen heiligen Geist. Nun, mein Gott, mein Erlöser! laß mich nicht aus Deiner treuen Hand, laß mich heute nicht nur erinnert werden an Deine Lehren, laß sie auch meinem Herzen unvergeßlich seyn; keine jugendliche Lust, keine irdische Begierde tilge sie aus meiner Seele. Das größte Erdenheil sey mir nun dieß, daß ich Dein bin, Deiner Gemeinde angehöre und mit ihr in Dir lebe. Himmlischer Vater! erhöre mein Flehen um Jesu willen. Amen. Dr. J. G. Edeitd. 265 Chriftliche Entschließungen am Tage der Confirmation. Sey mir gesegnet, heiliger Tag meiner Confirmation, der mir als der wichtigste meines Lebens unvergeßlich seyn soll. Ich lege heute das feierliche Bekenntniß ab, daß ich Jesu göttliche Religion für mein theuerstes Kleinod halte. Ich gelobe heute, daß ich die Bibel als die einzige Richtschnur meines Glaubens, als die fe= steste Stüße meiner Gottseligkeit verehren will. Ich gelobe heute, allem Leichtsinn zu entsagen und so zu denken und zu leben, wie es sich für Christen ziemt, die Gott als ihren Vater lieben; die wissen, daß sie durch den eingeborenen Sohn Gottes theuer erlöset sind, um der Sünde abzusterben, der Gerechtigkeit zu leben und sich vom Geiste Gottes leiten und regieren zu lassen. Das bekenne und gelobe ich vor Gott, dem Allgütigen, der sich seit meines Daseyns so väterlich an mir verherrlicht hat, und deßhalb die gerechtesten Ansprüche auf meine Dankbarkeit und Gegenliebe machen kann. Das bekenne und gelobe ich vor Gott, dem Allmächtigen, dessen Blick bis in das Innerste des Herzens dringt, und der wohl weiß, ob ich es redlich meine; in 266 dessen Hand mein ganzes Schicksal liegt, und der mich verurtheilen oder begnadigen kann. Das gelobe ich vor Gott, dem gerechten Richter, der an jenem großen Tage über die Erfüllung meines Schwures Rechenschaft verlangen wird! O wie könnte ich es wagen, mit einem zerstreuten, eiteln Herzen, ohne Andacht und ohne Rührung vor dem Angesichte meines Vaters, meines Wohlthäters und meines künftigen Richters zu erscheinen. Zu Dir, o dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! dem ich mich zum ewigen Eigenthume ergebe, zu Dir flehe ich um Gnade und Erbarmung. Rüste mich, mit der Kraft von oben, die in dem Schwachen mächtig ist, damit ich ein gutes Bekenntniß ablege und meine Gelübde mit unveränderlicher Treue halte. Das Bewußtseyn Deiner Allwissenheit, Allmacht und Gerechtigkeit erfülle meine Seele mit einem heiligen Schauer, und das Andenken an Deine ewige Vaterhuld gebe mir Muth und Freudigkeit und lasse mich getrost auf Deine Güte hoffen. Deine Menschenliebe, eingeborener Sohn vom Vater, die Dich bewog, die Herrlichkeit des Himmels zu verlassen, um zur tiefsten Stufe des menschlichen Elendes hinabzusteigen, namenlose Prüfungen zu übernehmen und gehorsam zu werden bis zum Tod am Kreuze; Deine unaussprechliche Erbarmung, der auch ich meine Erleuchtung, meine Versöhnung und meine Seligkeit verdanke, sollen mich zur innigsten und 267 reinsten Gegenliebe entflammen. O möchte ich es heute recht lebendig fühlen, wie hoch ich Dir verpflichtet bin und von Dankbarkeit durchdrungen, Dir mein ganzes Herz zum Opfer bringen. Geist vom Vater und vom Sohne, erfülle Du heute mein Herz, daß ich die Glückseligkeit ein Christ zu seyn, erkenne; daß ich den festen Entschluß fasse, in der Nachfolge meines Erlösers zu leben, zu leiden und zu sterben. Vollende, Herr! das gute Werk des Glaubens und gieb zum Wollen das Vollbringen nach Deinem Wohlgefallen. Das Evangelium Jesu soll mir über Alles ehrwürdig und theuer bleiben. Ich glaube, daß es der höchste Beweis der göttlichen Erbarmung ist, und erkenne es mit tiefer Rührung, daß ich durch die Gnade Gottes an seinem Segen Antheil nehme. Ich betrachte Jesum als den größten Wohlthäter des menschlichen Geschlechtes und rufe aus der Fülle meines Herzens: Herr! wohin soll ich gehen, Du hast Worte des ewigen Lebens! Ich habe geglaubt und erkannt, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" Diese Ueberzeugung sollet ihr mir nicht rauben, die ihr im Dünkel hoher Weisheit die Bibel und das Christenthum verachtet und behauptet, daß ihr derselben nicht bedürfet. Ihr sollet sie nicht erschüttern, die Ihr Alles für falsch erkläret, was mit den Säßen streitet, die ihr euch selbst gebildet habt und die ihr durch eure Vernünftelei und Zweifelsucht die festen Stüßen meines 268 Glaubens wankend machen wollet. Meine chriſtlichen Ueberzeugungen sollet ihr mir nie entreißen, die ihr mit frecher Stirne das verlästert, was mir und allen wahren Christen heilig ist. Weder Beifallsbezeugungen noch Tadel, weder Lockungen noch Drohungen, weder Spott noch Schmeicheleien sollen mich verblenden. Ich will stets ein festes Vertrauen auf die Untrüglichkeit des Evangeliums behaupten. Ich will es nie vergessen, daß nur bei Jesu Heil zu finden, und daß kein anderer Name, darinnen wir sollen selig werden, den Menschen gegeben ist, als der Name Jesu. Sey Du stets, o Jesu, göttlicher Erlöser! meine Zuflucht, wenn sich mein Verstand nach Wahrheit sehnt. Sey Du stets mein Führer auf der Bahn der Tugend. Sey Du stets in Bekümmernissen mein tröstender Freund. Halte mich fest an Deiner Hand und leite mich einst zum Himmel! Und um Dir stets tren ergeben zu bleiben, will ich meine christlichen Einsichten immer mehr erweitern und immer fester gründen. Wie könnte ich so thöricht seyn, mir einzubilden, daß meine Religionserkenntniß schon vollkommen sey und keiner Erweiterung und Befeſtigung bedürfe. Wenn ich auch den Unterricht der gewissenhaftesten Lehrer so treu als möglich benüßt habe, so ist doch nur der gute Grund gelegt, auf dem ich weiter fortbauen muß. Darum will ich jede Gelegenheit benüßen, die 269 mich im Glauben befestigen kann. Ich will aufmerksam und fleißig in dem Worte Gottes forschen; mit Bescheidenheit will ich Alles prüfen und meine Einsichten in den Zusammenhang und hohen Werth der Schriftwahrheiten raſtlos zu vermehren suchen. Ich will mich erbauen durch die gewissenhafte Abwartung der gemeinschaftlichen Gottesverehrung und mich oft und gern über Gegenstände der Religion mit frommen und erfahrenen Freunden unterhalten. Ich will auf die göttlichen Wirkungen des Evangeliums achten und mein Herz der Kraft der Wahrheit öffnen. So sollen meine Vorstellungen von dem väterlichen Rathschlusse Gottes, von seiner Vorsehung, von meinem göttlichen Erlöser, von dem Gnadenbeistande des heiligen Geistes, von meinen Pflichten und meiner Bestimmung an Gründlichkeit gewinnen. Was würde es mir aber helfen, wenn ich gerne das Christenthum äußerlich verehrte und von seinem göttlichen Inhalte die richtigste Erkenntniß hätte und doch keine Anwendung davon auf meinen Wandel machen wollte? Aber dazu ist mir die Erkenntniß der Wahrheit gegeben, daß sie mich zur Gottseligkeit anleite, im Kampfe mit der Sünde unterstüße und in der Nachfolge meines Heilandes mich treu erhalte. Ich trete jetzt in ein reiferes Alter; es werden Neigungen und Leidenschaften in mir erwachen, die ich bisher nicht kannte; ich bin jetzt mehr, 270 als in den Jahren der Kindheit, meiner eigenen Leitung überlassen; ich komme in neue Gesellschaften und Verbindungen; mich umringen von allen Seiten die Gefahren der Verführung. Aber ich will mich nicht täuschen lassen durch den Betrug der Sünde. Ich will über meine Seele wachen und mich vor dem Allwissenden an jedem Tage zur strengen Rechenschaft über mein Verhalten ziehen. Mein Lebenlang will ich Gott vor Augen und im Herzen haben und mich hüten, daß ich in keine Sünde willige, noch thue wider die Gebote meines Gottes. Ich will Gott mehr gehorchen, als den Menschen. Ich will den ersten Fehltritt meiden und alle Lockungen zum Bösen standhaft von mir weisen. Wie sollte ich ein so groß Uebel thun und wider den Herrn, meinen Gott, wider den Vater meines Lebens, wider Jesum, meinen großmüthigen Erretter, sündigen? Und wenn ich mich aus Leichtsinn und Unerfahrenheit verirre, so will ich den ersten Regungen des Gewissens folgen und voll Scham und Reue den Abweg, der zum Verderben führet, fliehen. Ja, mit einem unveränderlichen Eifer will ich aus Liebe zu Gott, meinem höchsten Wohlthäter, aus Liebe zu Jesu, der mich mit seinem Blute theuer erkaufet hat, jede Pflicht erfüllen, die ich heute übernehme. Ich will unter dem kräftigen Beistande des heiligen Geistes stets ein Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehr 271 barkeit. Es ſey und bleibe mein eifrigstes Bestreben, das Gute zu wirken, so lange es Tag ist; Gott über Alles zu lieben und meinen Nächsten als mich selbst; Treue zu beweisen in dem Berufe, den mir die Vorsehung angewiesen hat; nach allen meinen Kräften die Wohlfahrt meiner Brüder zu befördern; durch meine Sanftmuth und Demuth, durch meine Selbstverläugnung und Geduld zu zeigen, daß ich ein würdiger Bekfenner des Namens Jesu sey. Nichts soll mich je von seiner Liebe trennen. Ich will wachen, kämpfen, beten und im thätigen Glauben an Jesum beharren, bis sich Leib und Seele scheiden! Wenn der leichtsinnige Weltmensch im Taumel sinnlicher Zerstreuung für die Freuden der Sünde die Ruhe seines Herzens hingiebt, so genießt dafür der Jünger Jesu die edlen Freuden der Gottseligkeit und des Bewußtseyns der Gnade Gottes. Wenn jener Fluch und Verderben auf sich häuft und um sich her verbreitet, so begleitet diesen der Segen der Frömmigkeit. Wenn jener im Gedränge des selbstverschuldeten Elends muthlos verzagt, so nimmt dieser mit Dank und kindlicher Ergebung die Leiden an, die ihm sein Vater sendet, zuversichtlich überzeugt, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Wenn jener voll Verzweiflung stirbt, so entzückt diesen in seiner letzten Stunde ein 272 Vorgefühl des Himmels und versüßet ihm die Bitterfeit des Todes. O wie könnte ich einen Augenblick Bedenken tragen, ob ich Segen oder Fluch, Leben oder Tod erwählen sollte! Wie, ich sollte je ein Verächter, ein Feind, ein Spötter der Lehre werden, die ich heute mein höchstes Kleinod nenne? Ich sollte je meinem heiligen Gelübde durch meinen Wandel Hohn sprechen und mein Herz mit dem schändlichsten Meineid belaſten? Jch sollte meine Unschuld, meine Ruhe, die Hoffnungen der Meinigen, meine Wohlfahrt auf der Erde und meine Se ligkeit freventlich zerstören? Ich sollte mir die schrecklichste Beängstigung auf die große schwere Stunde häufen, in welcher meine Seele einst mit der Angst des Todes ringt? Ich sollte durch meinen Leichtsinn und durch meine Pflichtvergessenheit bewirken, daß meine Bekannten, meine Lehrer, meine Eltern, die heute tiefgerührt meine heiligen Gelübde hören, am jüngsten Tage auftreten müßten, um mit blutendem Herzen wider mich zu zeugen? Allerbarmer! laß mich standhaft bleiben im Glauben und in der Tugend bis an's Ende, damit ich hier ruhig und zufrieden leben, und einst aus den Händen Jesu den Lohn der Treue, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen möge. Dein Segen, der Segen des Vaters, des Sohnes und des 273 heiligen Geistes sey dazu mit mir bis in Ewigkeit! Amen. I. John. Abendgebet am Confirmationstage. mein gnädiger Gott und Vater! von ganzem Herzen danke ich Dir, daß Du heute so große Barmherzigkeit an mir gethan, und mich in Deinen theuren Gnadenbund aufgenommen hast. Dafür will ich Dich loben, mein Gott, immer und ewiglich. Meine Seele erhebe den Herrn, und mein Geist erfreue sich Gottes, meines Heilandes, denn er hat große Dinge an mir gethan, er, der da mächtig und dessen Name heilig ist, und dessen Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten! Beweise das auch an mir, gnädiger Gott und Heiland, laß mir den heutigen Tag einen reichen Segen bringen für Zeit und Ewigkeit; befestige meinen Willen und meine Gedanken, daß ich lebe als Dein Eigenthum, und hilf mir durch Deinen heiligen Geist Alles, was ich heute gelobt, treulich zu halten und von dem Bunde, den ich mit Dir geschlossen, niemals abzufallen. Ach so Viele können nur mit Schmerz und bitterer Réue auf ihre Confirmation zurückblicken, so Viele müssen nach kurzer Zeit mit Schande gestehen, daß sie die Versuchungen nicht überwunden und ihr Gelübde nicht gehalten haben. 18 Alles mit Gott! 274 Vor solchem Abfalle wollest Du mich in Gnaden bewahren und mich erfüllen mit Deinem heiligen Geist, damit mich nichts von Dir scheide, sondern ich in Dir allezeit meine höchste Freude und mein höchstes Gut finde. Außer Dir ist ja doch kein Friede und keine Ruhe, ohne Dich ist alles finster und alle selbstgemachten Wege sind nur die des Verderbens. Darum erhalte mich nur in Deiner Liebe, o treuester Heiland! bewahre mir alle die Heilsgüter, die Du mir an Deinem Kreuze erworben und heute verheißen hast. Laß auch meinen äußeren Lebensgang glücklich seyn, regiere alle meine Schritte durch Deine allmächtige Gnade; hilf, daß Freud und Leid mir zu reichem Segen gereichen und alle Dinge mir zum Besten dienen. O Herr! führe mich auf den Weg des Friedens, und durch diese Zeit in Glauben, Liebe und Hoffnung zur seligen Ewigkeit. O heiliger Vater, erbarme Dich meiner! Du barmherziger Heiland, bedecke mich mit Deinem heiligen Verdienste. O heiliger Geist, laß Dein Licht allezeit hell in mir leuchten und leite mich zu Deiner Wahrheit. Amen. S. C. Rapff. Gebet des Vaters oder der Mutter am Confirmationstage eines Kindes. Vater im Himmel! mit tief bewegtem Gemüthe trete ich heute vor den Thron Deiner 275 Gnade. Das Kind, welches Du mir geschenket hast und Dir schon durch die heilige Taufe geweiht war, wird heute aufs Neue Dir und Deinem Sohne Jesus Christus geweiht. Nimm, gnädiger Gott! meinen demüthigen Dank für die Treue und Barmherzigkeit, die Du an diesem Kinde vom ersten Augenblicke seines Lebens an, und eben damit auch an mir gethan hast, denn durch Deine allmächtige Güte steht es heute gesund vor Deinem Angesichte. Du hast es im Laufe von vierzehn Jahren vor tausendfachen Gefahren, die sein Leben und seine Gesundheit bedrohten, beschüßet, und hast dadurch große Sorgen von den Herzen der Eltern ge= nommen. So empfange ich heute dieses Kind als neugeschenkt aus Deiner Hand. Aber Du, treuer Vater und Erzieher aller Menschen, hast nicht nur für das leibliche, sondern auch für das geistliche Wohl dieses Kindes gesorgt. Du haft ihm Gelegenheit verschafft, in dem, was für Zeit und Ewigkeit nöthig und heilsam ist, unterrichtet zu werden; Du hast es mit Deinem Worte und Evangelium bekannt werden lassen; Du hast dafür gesorgt, daß manches Saatkorn des Wahren und Guten in seine zarte Seele gelegt wurde; Du hast durch Deinen Geist so manche gute Gedanken, fromme Gefühle und Entschließungen in seinem Herzen geweckt. Gedenke, Vater! nicht der Sünden seiner bisherigen Kindheit und Jugend, sondern laß es um Jesu Christi willen, den es heute als seinen Er 276 löser und Versöhner bekennet', Verzeihung bei Dir finden. Vergieb auch mir alle Versäumnisse und Fehler bei seiner Erziehung und Bildung; mache Du nach Deiner allerbarmenden Liebe wieder gut, was ich durch unzeitige Strenge oder Nachgiebigkeit, durch Unachtsamkeit oder Mangel eines guten Beispieles verdorben habe. Laß den Tag der Erneuerung seines heiligen Taufbundes für mein Kind segensvoll für Zeit und Ewigkeit werden, und schenke ihm aufs Neue die ganze Taufgnade. Präge ihm heute tief ein, welches Glück es sei, ein Erlöster Jesu Christi, ein Bekenner seines Evangeliums, ein Mitglied seiner Gemeinde zu sein. Mache seinem Herzen den Segenswunsch, der am Altare über ihm ausgesprochen wurde, unvergeßlich und nimm es auf's Neue in Deine gnädige Obhut und Leitung. Wache über seine, durch das theure Blut Deines Sohnes erkaufte Seele, daß sie nicht durch die Lüste der Jugend entweiht und befleckt werde, und bewahre es vor der Verführung der Welt und seines eigenen Herzens. Laß die heiligen Empfindungen, die Dein Geist am heutigen Tage in ihm weckte, nicht erkalten, mir aber schenke Kraft und Weisheit, die ferneren Jahre seiner Jugend mit Deinem Beistande so zu leiten, daß es zu Deinem Wohlgefallen reifer an Verstand und fester in allem Guten werde. Schließe heute den Himmel, dessen Seligkeit ihm Dein Sohn Jesus Christus erworben hat und für welchen es geweiht wird, 277 seinem inneren Auge auf, damit es diesen Himmel ganz in sein Herz aufnehme, und den großen Zweck, hienieden für die Ewigkeit zu leben, nie aus den Augen verliere. Ja ich übergebe heute Dir und Deinem Sohne Jesú dieses mein liebes Kind. Heilige es an Geist und Leib, damit es unsträflich erfunden werden möge am Tage des Gerichtes. Gefällt es früher oder später Deiner Weisheit und Liebe, das irdische Band zwischen mir und meinem Kinde durch den Tod zu trennen, so bereite mich oder mein Kind so für die Ewigkeit, daß ich einst mit Freudigkeit vor Deinem himmlischen Throne ausrufen möge: Siehe, Herr! hier bin ich und das Kind, das Du mir gegeben haſt! Laß auch mir, dreieiniger Gott! meinen heiligen Taufbund heute auf's Neue wichtig werden, und es meine vornehmste Sorge seyn, mich selbst und das Kind, das Du mir anver= traut hast, der ewigen Seligkeit theilhaftig zu machen. Amen. Flatt. Gebet eines Jünglings oder einer Jungfrau. Gott! der Du uns durch Deinen Sohn belehret haſt: Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen," bewahre mich vor jeder Versuchung und Lockung, vor jedem bösen Reize und vor der Gelegenheit, die 278 Reinheit des Herzens zu verlieren. Gieb, daß ich mit ungetrübtem Bewußtsein und ruhigem Gewissen voll Vertrauen und frohem Muthe mich meinem Berufe widmen möge, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet bei der Verlobung. Lieber himmlischer Vater! der Du überschwänglich thuest über all unser Bitten und Verstehen, wir lobsingen Deinen Namen, daß Du unsere Seelen zusammengeführet hast, und uns mit einander auf ewig verbinden willst. O wie selig sind wir in Dir, wie hast Du durch Deine wunderbare Vaterliebe uns schon auf dieser Erde eine Ahnung des Himmels geschenfet! Denn lieben und geliebt werden ist ja der Himmel auf Erden. Darum danken wir Dir aus allen Kräften und preisen Dich für die gnädige Führung, durch welche Du unsere Herzen zusammengebracht und verbunden hast, daß wir einander heute vor unsern lieben Eltern und Freunden das feierliche Versprechen ewiger Treue geben dürfen. O verleihe uns dazu Deinen göttlichen Segen. Sey Du allezeit das Band unserer Herzen, damit wir Eins seyen in Dir; heilige unsere Liebe, hilf, daß wir Dich über Alles lieben, weil Du allein vollkommener Liebe würdig und 279 aller wahren Liebe Quell und Ziel bist. Ja, erfülle an uns Deine Verheißung, da Du sprachst: ,, Ich will mich mit Dir vertrauen in Gerechtigkeit und Gericht, in Gnade und Barmherzigkeit, ja, im Glauben will ich mich dir verloben, und du wirst den Herrn erkennen." Das thue an uns, o Du gnädiger und barmherziger Gott! damit wir in der Liebe zu Dir für unser ganzes Leben die Kraft einer ewigen, Dir wohlgefälligen Liebe gegen einander haben mögen, und so vorerst mit Dir, und dann durch Dich miteinander auf ewig verlobt seyen. Herr Jesu Christe! Du bist ja, um Dich völlig mit uns zu verbinden und zu vermählen, in unser armes Fleisch und Blut hereingetreten, und haſt mit Deinem eigenen Blute unsere Seelen erkauft, damit wir Dein seyn sollen mit Allem, was wir sind und haben. Nun so nimm uns auch so, wie wir mit einander verbunden vor Dich treten, zu Gnaden an! Wasche uns durch Dein heiliges Blut, kleide uns in den Gott wohlgefälligen Schmuck Deiner Gerechtigkeit, und verseze uns in Deine völlige und ewige Gemeinschaft, auf daß Du Alles in uns seyest und Dein heiliger Geist all' unsere Sinne und Glieder, Gedanken und Wünsche regiere und uns durch und durch heilige. So mache denn unsere Verbindung zu einer wahren Segensquelle für unser ganzes Leben, und hilf, daß wir einst vor Deinem Throne uns darüber freuen dürfen. Wehre dem bösen Feinde, uns 280 zu schaden und unsere Liebe zu stören, beruhige Alle, die etwa über unsere Verbindung böse oder neidisch sind. Laß uns mit einander Gnade finden vor Dir und den Menschen, hilf, daß unsere Liebe uns niemals hinderlich werde in dem Einen, was Noth thut, damit wir stets und unverrückt bleiben im Gehorsam Deiner Wahrheit und in Erfüllung aller unserer Pflichten. Bewahre uns vor aller Leidenschaft der Natur, vor Selbst- und Menschenvergötterung, damit wir einander nicht höher achten und lieben als Dich. O Herr! sey uns allezeit nahe mit Deiner Hülfe, stärke uns, das Versprechen, das wir einander gaben, treulich zu halten, damit auch durch uns und unsere Verbindung Dein großer Name verherrlichet werde. O gnädiger Vater! Dein Segen begleite uns allenthalben und alle Zeit. O treuester Heiland! Deine Liebe erfülle uns und führe uns durch diese Welt hindurch in Deinen Himmel. O heiliger Geist! Deine Kraft durchdringe uns mit göttlichen Lebenskräften, und Dein Licht erhelle unser ganzes Leben, bis wir mit allen Engeln und Auserwählten Dich anbeten werden im Heiligthume! Amen. S. E. Kapff. 281 Gebet für Verlobte. Himmlischer Vater! weiser Regierer aller unserer Begegnisse! Du hast unsere Herzen verbunden, Dank sey Dir für Deine weise und gütige Führung! Du bist das Licht und bist die Liebe! Mit dieser Ansicht, der seligsten und heiligsten, betrachten wir unsere Verbindung. Im Lichte der Wahrheit laß uns wandeln, stets dessen eingedenk, daß wir einst auch im Lichte des Himmels als Deine vertrautesten Freunde mit einander wandeln sollen. Dein Licht reinige uns von Allem, was Dir, dem Gott der Liebe und des Lichtes mißfallen, was uns den Frieden des Herzens und den frohen Genuß der Gemeinschaft mit Dir stören würde. Dein Licht ordne alle unsere Triebe. Nur was von Dir, dem ewigen Geiste, stammt und ins Ewige hinüber reicht, nur das ist einer ewigen Vereinigung fähig. Nur Herzen, im Lichte und in Liebe verbunden, gehören einander wahrhaftig, und nicht nur für diese Welt, sondern auch für den Himmel an. Daher ist die Verbindung mit Dir, Du Licht- und Liebevollster, eine Verbindung nicht von dieser Welt; nein, sie ist himmlischen Ursprunges und enthält die Bürgschaft des ewigen Lebens. Laß uns also Eins seyn in Dir; Eins im Trachten und Ringen nach dem himmlischen Kleinode; Eins in unseren Gesinnungen. Laß uns, um diese Ver 282 einigung zu erhalten, mit gemeinschaftlicher Aufmerksamkeit die Bildung Deines Geistes annehmen. Wir beide sind schwache Werkzeuge, doch brauchbar in Deiner Hand. Fühlt sich das Eine durch Dich gestärkt, so lehre Du es um so williger die Last des Andern zu tragen und zu erleichtern. Aber welch ein ganz eigenes, bewundernswürdiges Licht leuchtet uns von Golgatha her über unseren Bund! Wir sollen in der Dahingabe an's Kreuz für Deine Gemeinde nicht nur ein Bild, sondern ein Muster für unsere Verbindung anerkennen. O! wenn wir Dich, für Deine Gemeinde blutend und sterbend, im Geiste anschauen: wie heilig, wie rein, wie selig, wie aufopfernd wird sich Eins für das Andere bemühen in den Beschäftigungen eines durch Liebe wirksamen Glaubens! Welch unerschöpflicher Reichthum der schönsten Gedanken und Pflichten geht aus dieser Ansicht hervor. Leichter oder schwerer wird freilich der Gang des Pilgers, je nachdem er einsam oder in Gesellschaft wandelt. Denn die Reisegesellschaft bringt eine Theilnahme an den Freuden und Leiden mit sich. Wir fühlen es also tief, welch eine ernste Absicht unsere Reise damit gewinnt, daß wir von nun an als die unzertrennlichsten Lebensgefährten mit einander wandern sollen. Doch Deine Führung, die uns zusammengebracht hat, wird uns segnen, trösten, ermuntern und hilfreich überall begleiten. Du ordnest und leitest je unsere 283 Reise. Du wirst also unserem Gange die zweckmäßigste Richtung und das erwünschte Ziel geben. Wird auch an mancher Stelle unseres Weges der Fall eintreten, daß wir mit Thränen unsere Aussaat auf den Geist zu beſtellen haben, so sieht die Christenhoffnung in hellem Lichte bereits die künftige Freudenernte. Aus Freuden und Leiden flicht Deine weisſe Liebe das Band, an dem Du uns zum Himmel leitest. So vereinigen wir uns denn vor Dir feierlich in dem Entschlusse: Herz und Herz regiert zusammen, Suchen wir bei ihm nur Ruh, Alle unsere Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu. Er das Haupt, wir seine Glieder, Er das Licht, und wir der Schein, Er der Meister, und wir Brüder, Er ist unser, wir sind sein! Amen. Flatt's Gebetbuch. Morgengebet am Trauungstage. Mit einem Herzen voll Liebe und Dank nahe ich mich Dir, o Herr! der Du die Liebe bist und stets Freude und Segen über Deine Welten verbreitest! Mit Huld und Liebe blickeſt Du auch auf mich herab, und wirst nicht müde, 284 mich zu erfreuen und zu beglücken. Einen wichtigen und rührenden Beweis Deiner gränzenlosen Güte gegen mich hast Du mir abermals dadurch gegeben, daß Du mir eine Seele zugeführt hast, die ich mit Vertrauen und inniger Liebe umfassen kann; die an mir mit gegenseitigem Vertrauen und gleicher Liebe hängt; mit der ich bald im engsten, traulichsten Vereine die Bahn meines Lebens fortwandeln, und gute und böse Tage, Freud und Leid, Glück und Unglück treulich theilen soll, bis der Tod das schöne, heilige Band löst, das uns heute auf's Innigste verbindet. Welche heitere Aussichten öffnen sich meiner Seele, welche erfreuliche Hoffnungen schwellen meine Brust, welch nie gefühlte Wonne erfüllet mein Herz! O nimm dafür meinen wärmsten Dank, Allgütiger! dessen Werk auch die glückliche Verbindung ist, der heute das Siegel der Unauflösbarkeit vor Deinem Altare aufgedrückt werden soll. Laß auf dieser Verbindung Deinen himmlischen Segen ruhen; laß sie für mich immer eine Quelle reiner Freuden und ein Mittel sein, meine Veredlung zu befördern, und mich um das Wohl der menschlichen Gesellschaft verdient zu machen. Es ist das schönste und edelste Verhältniß, in welches ich treten soll; o daß ich in dasselbe mit allem Ernste, mit Ueberlegung, mit frommer Gesinnung und mit dem festen Vorsatz treten möge: die großen und wichtigen Pflichten, die es mir auferlegen wird, immer tren und redlich zu erfüllen. Die 285 theure, geliebte Seele, die Du mir zugeführt hast, um mich zu begleiten, sie unterstüße und erheitere mich auf der oft so rauhen Bahn des Lebens, sie finde in mir ganz das, was sie sucht und wünscht; ihrem Wohle sey mein ganzes Daseyn geweiht, mit unverleßbarer Treue und der zärtlichsten Liebe hänge mein Herz an ihr, und Nichts sey im Stande, die Achtung und Zuneigung zu vertilgen, die ich für sie fühle. Ihre Tage zu erleichtern, zu verschönern und zu beglücken darauf sey immer mein Bestreben hingerichtet. Wahre Frömmigkeit, ein tugendhafter Sinn, heitere Thätigkeit, Nachsicht, Schonung, Milde, Versöhnlichkeit seyen in dem schönen Verhältnisse, in melchem ich nun leben soll, meine treuen Begleiterinnen. Dann wird unter den glücklich Verbundenen gegenseitige Achtung und Zuneigung herrschen; und ist auch das erste Feuer leidenschaftlicher Liebe verraucht, so werden doch die Herzen immerfort mit inniger Freundschaft an einander hängen und sich glücklich fühlen in ihrem Vereine. Alles, was das Vertrauen und die Liebe schwächen könnte, wodurch ich mich jetzt so beglückt fühle, werde von mir auf das Sorgfältigste vermieden, aber dafür Alles gethan, was das Band ehelichen Vertrauens und ehelicher Zuneigung noch fester knüpfen könnte. Kommen in meinen künftigen Verhältnissen auch Tage, die mir nicht gefallen wollen, liebevolle Theilnahme und liebreicher Beistand werden sie mir erleichtern, und Du, 286 o Herr! wirst sie zu rechter Zeit wieder in Tage der Freude verwandeln, wenn ich nur immer treu und redlich thue, was die Pflicht gebeut. Die schönsten, süßesten Freuden der Erde, die Freuden des häuslichen Lebens, werden mein. Olaß mich ihren hohen Werth immer anerkennen und schäßen, Allgütiger! und sie allen betäubenden, rauschenden und prunkvollen Zerstreuungen der Erde vorziehen. In meinem Hause laß mich den Himmel finden; einer stillen, einfachen Lebensweise laß mich getren bleiben, durch wohlgeordnete nüßliche Thätigkeit meine Tage bezeichnen, und denen, die Du mir gegeben hast, alles das seyn, was ich ihnen seyn foll! Dann, o davon bin ich ganz überzeugt, wird Dein Segen auf mir und den Meinen ruhen, und ich werde- getrost dem Augenblicke entgegen sehen, in welchem Du mich aus ihrer Mitte rufeft. Sey mit mir, o Herr! sey mit dem Gegenstande meiner Liebe, und ziehe nie Deine Hand von uns ab! Amen! Jakob Glatz. Gebet am jährlichen Gedächtnißtage der ehelichen Verbindung. Des Herrn Rath ist wunderbar und er führet Alles herrlich hinaus." So zeuget jeder Christ, der seine zurückgeegte Laufbahn aufmerksam betrachtet, von Dir, 287 Du weiser Regierer unserer Schicksale! Er findet unzählige Beweise Deiner Liebe, die sein Glück, beſtimmte; Deiner Weisheit, die den Plan dazu so herrlich entwarf; Deiner Macht, die diesen herrlichen Entwurf so glücklich hinausführte. Auch ich, o bester Vater! auch ich rufe heute voll des süßesten Gefühles, voll des herzlichsten Dank's mit der stärksten Ueberzeugung aus: Dein Rath ist wunderbar und Du führest Alles herrlich hinaus! Wunderbar war Dein Rath über mich in meinem ganzen bisherigen Leben. Besonders wunderbar war Dein Rath in der zu meinem Glücke bestimmten Verbindung, mit dem besten Gatten( der besten Gattin), mit welchem( welcher) mich Deine Liebeshand heute vor... Jahren durch unauflösliche Bande vereiniget hat. Ja! Deine zärtliche Vaterliebe war es, die mir das unaussprechliche Glück einer frommen Che bestimmte; Deine Weisheit führte mich auf so manchen verborgenen, oft auch dornigen, allezeit aber heilsamen Wegen zu meiner Bestimmung; Deine Macht räumte Alles weg, was mich hindern konnte, glücklich zu werden. Ewiger Dank sey Dir für Deine weisen Führungen, auch für alle Leiden, die mich zu meinem jeßigen Glücke vorbereiten mußten! Ewiger Dank für so manchen Segen, den Du uns bescheeret, für so manches Kreuz, das Du uns auferlegt, für so manche Hülfe und Errettung, 288 die Du uns erwiesen hast! Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir gethan hat und noch thut? Ich bin zu geringe der Treue, die Du, Herr! an mir gethan hast. Ich fühle es, ich kann Dir nicht würdig genug danken, Du liebreichster, treuester Vater! Ich wende mich daher zu dem, der meine Empfindungen heiligen und meine Dankopfer Dir angenehm machen kann, zu Dir, dem Geber aller meiner Glückseligkeiten, zu Jesus Christus! Denn das unaussprechliche Glück einer zufriedenen Che hast Du mir verschafft, und hättest Du mir nicht den Himmel erworben, wie könnte ich einen Vorgeschmack davon empfinden? Hättest Du, o Gott! mir nicht das Leben meines theuren Gatten( meiner theuern Gattin) erhalten, wie könnte ich mich heute so freuen? So treten wir nun, o Gott durch Deine Vaterhand geleitet, das... Jahr einer beglückten Ehe an. Deine große Güte, welche wir heute preisen, werde uns mit jedem Tage neu! Erhalte uns Beide in Deiner Gnade, in herzlicher Liebe gegen einander, und auf dem Wege der Tugend und Gottseligkeit. Dein guter Geist führe uns auf der ebenen Bahn eines rechtschaffenen Christenthums; er gebe uns Kraft, die Beschwerlichkeiten des häuslichen Lebens, so wie unsere gegenseitigen Schwachheiten mit Geduld zu tragen; er bewahre uns aber auch 289 daß Keines des Anderen Fehler aus Zärtlichkeit übersehe oder nachahme; er regiere uns, daß Eines dem Anderen auf dem Wege zum Himmel durch frommes Beispiel vorgehen möge. Šo bin ich gewiß, daß Du uns noch mehr Segen schenken wirst. Dort, wo Du uns vollkommen glücklich machen willst- dort werden wir Dir mit höheren Lobgesängen danken für das sanfte Gefühl, das Du in uns erwecket hast; dort werden wir Dich herrlicher als jett preisen, daß Dein Rath über uns so wunderbar gewesen und Du Alles so herrlich hinausgeführet hast. Amen. Nies, Gebet christlicher Eheleute. Barmherziger, gnädiger Gott, lieber Vater! Du hast uns nach Deinem gnädigen Willen und Deiner göttlichen Vorsehung in den heiligen Ehestand gesetzt, um nach Deiner Ordnung darin zu leben; darum erfreuen wir uns auch Deines Segens. Ach lieber Gott! laß uns allezeit in Deiner göttlichen Furcht mit einander leben; denn wohl dem, der den Herrn fürchtet und Freude hat an seinen Geboten. Laß uns vor allen Dingen Dein Wort ehren und gerne hören, uns in Frieden und Einigkeit leben, damit wir Dir und den Menschen gefallen mögen. Laß uns in Zucht und EhrAlles mit Gott! 19 290 barkeit bleiben, damit in unserem Hause Ehre wohne und wir einen ehrlichen Namen behalten. Gieb Gnade, daß wir unsere Kinder in Deiner Furcht und in der Ermahnung Deines Wortes auferziehen; schenke ihnen ein gehorsames Herz, auf daß es ihnen wohl gehe und sie lange leben auf Erden. Gieb uns auch das tägliche Brod und segne unsere Nahrung. Bewahre unser Haus, unser Hab und Gut vor allem Unglück; denn Alles, was wir haben, hast Du uns gegeben, darum wollest Du es auch gnädig schüßen. Gieb uns auch, lieber Gott! frommes und getreues Gesinde und bewahre uns vor ungetreuen Dienstboten; denn Du ordnest und regierest Alles und bist Herr über Alles, belohnest alle Treue und Liebe und bestrafest alle Untreue. Und wenn Du uns Kreuz und Trübsal zusenden willst, so gieb Geduld, uns gehorsam Deiner väterlichen Prüfung zu unterwerfen und mache es gnädig mit uns. Fördere unsern Gang vor Dir und habe Lust an unseren Wegen. Fallen wir, so verwirf uns nicht sondern halte uns bei der Hand und richte uns wieder auf. Lindere unser Kreuz und verlasse uns nicht in unserer Noth. Laß uns das Zeitliche nicht höher lieben als das Ewige; denn wir haben ja Nichts in die Welt gebracht und werden auch nichts mit hinausnehmen. Darum laß uns nicht dem leidigen Geize, der eine Wurzel alles Uebels ist, nachhangen, sondern dem Glauben und der Liebe und ergreifen das 291 ewige Leben, dazu wir berufen sind. Gott der Vater segne uns und behüte uns; Gott der Sohn erleuchte sein Angesicht über uns und sey uns gnädig; Gott der heilige Geist erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Die heilige Dreieinigkeit bewahre unseren Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigfeit. Amen. Joh. Arndt. Gebet für Eheleute, die sich Kinder wünschen. dalas da geschrieben ist in Deinem Worte, o Gott! das ist uns Alles zur Lehre geschrieben. Daß Dein Knecht Isaak um hesegen Dich bitten durfte und nicht vergeblich bat, das dienet uns heute noch zum Beispiele, wie man sich auch mit solchem Anliegen Dir nahen darf. Darum find wir getrost und fürchten uns nicht, mit unserem vereinten Gebete um gleichen Segen für unseren Ehestand vor Deine Augen zu treten. Sagt uns doch Dein Wort! alle unsere Sorgen sollen wir auf Dich werfen. Und Du bist ja unser Vater, dem wir ohne Rückhalt unser Herz aufschließen und vor den wir selbst das allerkleinste Anliegen bringen können. Nun, so wollen wir auch Dir unser herzliches Anliegen empfehlen. Ist es Dir wohlgefällig, so laß zu dem, was Du uns aus Gnade, ohne unser Verdienst und Würdigkeit schon gegeben 292 hast, nun noch die Vater- und Mutterfreude kommen. Doch, wie Du willst, o Herr! denn wir wissen und glauben, daß Du Alles auf's Beste ordnest. Wir sehen nur, was vor uns liegt; Du aber siehest Alles und hast bei Allem unser fernstes, unser ewiges Wohl im Auge. Sollten wir vor Dir als solche erfunden werden, die dem Geschöpfe mehr als dem Schöpfer ihr Herz zuwenden würden, oder sieht Dein allsehendes Auge, daß wir die schweren Vaterund Mutterpflichten versäumen würden, ach dann, o Herr! dann laß um Deiner Barmherzigkeit willen unseren Wunsch nicht in Erfüllung gehen. So befehlen wir Dir voller Ergebung dieses Anliegen unserer Herzen. Gefällt es Dir, uns die gewünschte Freude zu machen, so wollen wir sie mit innigem Danke aus Deiner Hand empfangen, und auch durch diesen Beweis Deiner Gnade und Freundlichkeit uns näher zu Dir hinziehen lassen. Gefällt es Dir nicht, so sind wir auch zufrieden und glauben, daß Du es auf's Beste mit uns meinst und uns mehr liebst, als wir fühlen und verstehen. Erhalte uns diesen Sinn und stärke uns in diesem Glauben! Amen. G. K. Kruger. Dankgebet einer Schwangeren. Du gnädiger und getreuer Gott und Vater! Dir danke ich von ganzer Seele, daß 293 Du mein Flehen nicht verachtet und den Wunsch meines Herzens zur frohen Hoffnung gemacht hast. Meine Seele erhebet den Herrn und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen, er, der da mächtig und heilig ist, und dessen Varmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. O, wer ist wie der Herr, unser Gott, der sich so hoch gesetzt hat und auf das Niedrige siehet im Himmel wie auf Erden; der den Geringen aufrichtet und erhöhet den Armen, der die Unfruchtbare im Hause wohnen macht, daß sie eine fröhliche Mutter werde, Hallelujah! Mein Mund soll des Herrn Lob sagen und seinen heiligen Namen immer und ewiglich preisen! Herr! laß Dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und den Dank meines Herzens, Du mein Hort und mein Erlöser! Ach, so viele sehnen sich nach der Hoffnung, die Du mir nun in Gnaden geschenket hast, aber ihre Bitte bleibet unerhört. Wer bin ich, daß Du Dich mir so gnädig zeigest, und wie kommt es, daß Du Dich meiner so annimmst? O Herr! ich bin nicht werth aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir thust! Hilf mir, für Deine Gnade allezeit dankbar zu seyn und bei den Beschwerden. meines Zustandes nie zu vergessen, wie viel ich Dir zu danfen habe. O stärke mich, daß ich meinen Willen Dir ganz unterwerfe und Dir in allem stille halte. Laß Alles gedeihen zur Ehre Deines 294 heiligsten Namens und mir zu zeitlicher und ewiger Freude. Amen. Morgengebet einer Schwangeren. Gnädiger Gott und Vater! von welchem kommt alle gute und vollkommene Gabe, Du Vater des Lichtes, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel, Dir danke ich aus allen Kräften, daß Du bis auf diesen Augenblick Deine Gnade und Treue an mir geoffenbaret, und heute wieder nach der finstern Nacht Dein freundliches Tageslicht hast leuchten lassen. Insbesondere preise ich Dich, daß Du mit fröhlicher Hoffnung mich gesegnet und die Frucht meines Leibes bis hieher erhalten hast. Wie viel Schaden und Unglück hätte mich treffen können, hätte Deine Hand mich nicht allezeit gehalten. Darum preise ich Deine Gnade und lobsinge Deinen heiligen Namen. Du, Herr, bist meine Stärke und mein Schild, auf Dich hoffet mein Herz; denn mir ist geholfen und mein Herz ist fröhlich. Auch für die Zukunft vertraue ich auf Dich. Laß mich nicht zu Schanden werden in meiner Hoffnung, errette mich aus aller Noth durch Deine Macht und Gnade, neige Dein Ohr zu mir und hilf mir in allen Bedürfnissen. Sey mir ein 295 starker Fels und eine feste Burg und leite und führe mich um Deines heiligen Namens willen. In Deine Hände empfehle ich meine Seele und meinen Leib; Du wollest über mich wachen und mich bewahren vor allem Unglück, Schaden, Schrecken und Gefahr. Laß dem bösen Feinde keine Macht über mich und umgebe mich mit Deinen heiligen Engeln, damit ich sicher sey vor allen bösen Einflüssen und Eindrücken. O Herr! erbarme Dich über mich und gedenke an die Frucht meines Leibes. Erhalte sic in fröhlichem Gedeihen und erfreue mich durch ein gesundes und wohlgestaltetes Kind; hilf, daß es eine gesunde und heilsame Nahrung von mir bekomme, schenke ihm kräftige Sinne und gieb, daß sein Leib die Wohnung einer Seele werde, die durch Deinen heiligen Geist erleuchtet und geheiliget sey. O Herr! schaffe Dir ein Kind der Gnade, nicht des Zornes; ein Geschöpf zur Ehre, nicht zur Unehre. O treuer Vater! Deine Gnade regiere uns heute und alle Tage! O liebster Heiland! Deine Weisheit erquicke und führe uns auf rechter Bahn zur wahren Heimath! O heiliger Geist! Deine Kraft und Weisheit erleuchte uns heute, bewahre uns vor Sünde, und behüte mich und die Meinigen durch seine allmächtige Gnade! Laß mich alle Sorgen vergessen, nimm alle meine Anliegen auf Dich und thue an mir in all' meinen Bedürfnissen nach Deiner großen Barmherzigkeit. Dir sey Ehre durch meinen Wandel, und alle Welt 296 lobe Deinen heiligen Namen immer und ewiglich! Amen. Abendgebet einer Schwangeren. Lieber himmlischer Vater! Deinem Namen sey Ehre, Preis und Dank, daß Du auch diesen Tag mich wiederum glücklich haft zurücklegen lassen und mich und die Frucht meines Leibes in Gnaden bewahret hast. D'Herr! Dein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Am Morgen, Mittag und Allend will ich Dir danken für all' das Gute, das ich von Dir empfangen habe. Bleibe auch in der bevorstehenden Nacht mein allmächtiger Schuß, mein Trost und Hülfe; bewahre mich in Gnaden vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, bereite Deine Hand über mich aus wie einen Schild, unter dem ich sicher ruhe; halte alles Böse von mir entfernt und stelle Deine heiligen Engel um mich her; damit sie mich vor jeglichem Unfalle schüßen. Laß keinen Schrecken, keine plößliche Angst und Noth über mich kommen; beschütze mich vor Krankheitsanfällen, Schmerzen und anderen Störungen, und laß Dir die Frucht meines Leibes herzlich empfohlen sein. Gib ihr Wachsthum, Gesundheit und Kraft, und bereite Alles so zu, daß ich mich einer glücklichen Niederkunft erfreuen möge. Hast Du aber beschlossen, mich von dieser Erde wegzunehmen, 297 so gieb daß mein Tod eine Geburt in Dein himmlisches Reich sey. O heiliger Vater! sey mir allezeit nahe mit Deiner Gnade. O hochgelobter Heiland! erhalte mich in ewiger Gemeinschaft mit Dir, und segne mich und die Frucht meines Leibes mit der ganzen Kraft Deines heiligen Verdienstes, damit wir durch Dein Leiden, Sterben und Auferstehen auch Deines Lebens und Deiner Herrlichkeit theilhaftig werden. Oheiliger Geist! Du Tröster unserer Seelen, heilige uns durch und durch, damit Seele und Leib unsträflich erhalten werde bis auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi. Amen. Agnes. E. Kapff. Gebet und Seufzer in der Stunde der Entbindung. 1. Ach, gnädiger und barmherziger Gott! Du hast gesagt: ,, Rufe mich an in der Noth, so. will ich dich erretten und du sollst mich preisen." Auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde zu Dir, mein Vater! Ich rufe zu Dir in der Noth, ach höre doch meine Stimme und verbirg Dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich Dein Kind bin! Ach! laß mich doch nicht über meine Kraft Schmerzen leiden. Herr! wenn ich Noth leide, so lindere sie mir. Jesu! Du Sohn Davids, erbarme Dich 298 mein! Durch Deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber Herr Gott! Stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich! Heiliger Geist! Du Tröster in aller Noth, gieb meiner Seele den Trost, daß ich bald eine fröhliche Mutter werde. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, so vertrete bei Gott mein Seufzen und meine Schmerzen. Odreieiniger Gott! reiche mir und meinem Kinde Deine Hand. Beweise an uns Deine Kraft, so will ich rühmen und loben Deine Macht. Laß die Frucht meines Leibes, als Dein Geschöpf, in dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte sie gnädig durch deine Kraft. Herr Gott, Vater im Himmel, erbarme Dich über mich; Herr Gott, heiliger Geist, erbarme Dich über mich! Amen. Joh. Laffenius. 2. dind Der Herr giebt den Müden Kraft, und Stärke den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, empfangen neue Kraft, daß sie nicht müde werden." Ach Herr, mein Gott! gieb auch mir neue Kraft, Muth und Stärke durch Deinen heiligen Geist. Ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen; aber durch meines Gottes Stärke vermag ich Alles. Herr, stärke mich, hilf fröhlich 2 299 überwinden, um Deiner Barmherzigkeit willen! Amen. 3. ,, Herr! wie lang willst Du meiner so gar vergessen? wie lange verbirgst Du Dein Antlit vor mir?" D Herr! hilf mir Durch Deinen heiligen Geist, hilf mir aushalten in der Noth, stärke mich durch Deine Verheißungen, erfülle sie gnädig an mir, und laß mich Deine seligmachende Nähe recht lebendig erfahren. Bleibe beständig bei mir, halte mich durch Deine Hand und hilf mir bald aus der Stunde der Angst, wie Du zugesagt hast. Amen. Fürbitte bei anhaltenden Kindesnöthen. Und ob es währet bis in die Nacht und wieder bis zum Morgen, soll unser Herz an Deiner Macht, mein Gott! nicht verzweifeln. Deiner Erbarmung, o Herr! Deinem Schuße und Deiner Hülfe empfehlen wir Mutter und Kind. Laß sie nicht verderben in ihrer großen Noth. Stärke sie und hilf, daß die Mutter bald ihr Kind, und dieses das Licht der Welt erblicken möge. Gieb, daß wir dir für eine glückliche Entbindung mit frohen Lippen danken und Dich preisen können. Erhöre uns, o barmherziger Vater! erhöre uns um Jesu Christi, Deines lieben Sohnes willen. Amen. 300 Dankgebet nach einer glücklichen Entbindung. Heiliger und allmächtiger Gott! wir nahen Deinem allerheiligsten Angesichte, um Dir unseren demüthigsten und herzlichsten Dank zu sagen, daß Du unser Gebet und Flehen erhöret, daß Du so gnädig geholfen, dieser Deiner Magd eine glückliche Entbindung geschenket, und ihre Schmerzen und Betrübniß in Freude und Wonne verwandelt hast. Nimm den innigsten, demüthigsten Dank für Deinen mächtigen und gnädigen Beistand, dessen wir uns stets dankbar erinnern werden! Laß diese und alle anderen Wohlthaten unsere Herzen rühren und uns zur rechtschaffenen Liebe, Furcht und Vertrauen auf Dich, und zu einem beständigen Gehorsam gegen alle Deine Gebote erwecken! Fahre fort, o Herr, Deine wunderbare Güte gegen diese Christin zu beweisen, ihre Lebensgeister wieder zu erquicken und ihre Gesundheit zu stärken! Und wenn sie ihre vorigen Kräfte wieder erhalten hat, so laß auch ihrem Gemüthe die Liebe und Gnade, welche Du ihr erwiesen hast, unvergeßlich. seyn, und sie die übrige Zeit ihres Lebens ganz zu Deinem Lobe und zu Deiner Verherrlichung anwenden! Besonderen Dank sagen wir Dir, o Gott, Du Urheber des Lebens und Geber aller guten Gaben, für den Segen, den Du durch die Geburt eines lieben Kindes unserer Familie gnädig geschenket hast. Wir nehmen es als eine 301 Gabe Deiner Huld an, empfehlen es mit freudigem Herzen Deiner Fürsorge und übergeben es Dir zum Dienste in Deiner Furcht. Laß es in den Tagen seiner Kindheit Deiner Vorsehung besonders werth, und sein Leben theuer seyn vor Deinen Augen! Gieb, daß sein Geist dem Guten geöffnet, mit der Erkenntniß Deines Evangeliums bereichert, mit Glauben und Früchten der Heiligung geziert werden möge! Gieb, daß die Unschuld und Aufrichtigkeit seiner jungen Seele bewahret bleibe vor den Fallstricken der Welt! Laß es lange leben zu seinem ewigen Glücke, zur Freude und Stüße seiner Eltern, zum Nußen der Welt und zu Deiner Ehre. Einst aber nimm es auf zum ewigen Leben durch Jesum Christum, unsern Herrn! Amen. M. G. H. Rosenmüller. Dankgebet der Mutter für eine glückliche Entbindung. Allmächtiger, großer und starker Gott! ich erscheine mit Freuden vor Deinem allerheiligsten Angesichte, und lobe Dich für die herrliche und große Wohlthat, womit Du mich begnadigt hast. Ich preise Dich, daß Du meine Schmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden, und bei der Geburt Deine Hand über mich gehalten haſt. 302 Herr! wie groß ist Deine Allmacht, wie herrlich ist Deine Stärke! Du hieltest mich, da ich sinken wollte; Du erquicktest mich, da ich schwach und ohnmächtig war; Du stärktest mich, als alle Kräfte schwinden wollten. Ja, Du haft Alles herrlich ausgeführt, mein Kind mir geschenfet, mein Leben mir erhalten, alles Unglück abge= wendet, und mich und meinen Ehegatten nun nach Wunsch erfreuet. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er Dir Gutes gethan hat. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Gelobet sey der Herr, denn er hat erhöret meine Stimme und mein Flehen. Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hoffet mein Herz und mir ist geholfen, mein Herz ist fröhlich und ich will ihm danken mit meinem Liede. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich; die er aus der Noth erlöset hat, da sie zum Herrn riefen, und sie errettet aus ihren Nengsten, die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern und erzählen sein Werk mit Freuden! Ja, mein Gott! ich erzähle heute dein Werk mit Freuden, und sage: Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Ach, mein Gott! laß auch Deine Barmher 303 zigkeit an mir groß werden. Beschüße, stärke und erhalte mich in dem Wochenbette. Bewahre mich und mein Kind vor allem Unfalle, vor Krankheit und gefährlichen Zufällen. Schenke mir die verlorenen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. Du Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit, breite Deine Gnadenflügel aus über meine Wohnung und über mein Wochenbett, und laß mich darin gesund meine Zeit in Gebet und in Deiner Furcht hinbringen. Mein Kind aber wollest Du zu Deinem Preise und zu Deinem Ruhme erhalten und mir Gnade verleihen, daß ich dereinst mit erneuerten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchgang halten, in Deinem Tempel erscheinen, und vor Deinem Angesichte mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Amen. Joh. Lassenius. Dankgebet des Vaters. Nun, Herr! ist Freude in meinem Herzen, Freude in dem Herzen meines Weibes, Freude in meinem ganzen Hause. Du hast mein Gebet erhört, Du hast die Angst meines Weibes angesehen, und ihre Trauer in Freude verwandelt. Du hast mir durch sie ein Unterpfand Deiner Liebe, Deiner Gnade, Deines Erbarmens gegeben. Du hast das Kind im Mutterleibe gebildet. Du läsfest es mich sehen 304 und ich freue mich seines Anblickes. Mein Herz preiset Deine Gnade, die ewiglich währet.Herr! ich fürchte, ich ehre, ich liebe und lobe Dich von ganzer Seele. Ach, daß ich tausend Zungen hätte, Deine Gnade zu preisen. Höre um Jesu Christi willen das Stammeln meines Mundes mit Wohlgefallen. Du weißt, ich habe auf's Neue den Entschluß gefaßt, mit meinem Weibe Dir zu dienen in Gerechtigkeit. Stärke und belebe täglich diesen Entschluß, damit wir nicht wanken. Du kennest unsern innigsten Wunsch, das neugeborene Kind nur Dir zu heiligen, gieb ihm daher die Gnade, daß es Deinen Bund halte, so lange es auf Erden leben wird. Hilf ihm Dich zu fürchten und Deine Gebote zu halten, schreibe sie ihm in den Sinn, zeichne sie in sein Herz, daß es thue, was Du in Deinem heiligen Worte gebietest. Dann kommt auf das Kind der Segen Deiner Gnade, als das kostbarste Erbgut, das ich ihm zurücklassen kann. Erbarme Dich ferner des Kindes und seiner Mutter, und sey Du mächtig in den Schwachen. Amen. F. K. Krüger. - Gebet der Eltern vor der Taufe eines Kindes. Wir nahen uns Dir, o Gott! in Dank und Andacht, weil wir heute unser Kind zur heiligen Taufe 305 bringen. Wir bitten Dich, Herr! sey und bleibe ihm Vater, Erhalter und Bewahrer! Um so größer die Gefahren sind, in welchen das zarte Leben schwebet, desto dringender ist unser Flehen: Nimm des Kindes wahr, du treuer Gott! Wir legen es in Deine Hände und blicken hinauf zu Dir, um Deine Gnade für daſselbe herabzurufen! Siehe, wir bringen unser Kind in Deine Gemeinschaft zur Erlangung eines ewigen Lebens. Gleichwie Du ihm die leiblichen Augen gegeben, so bereite in ihm den Sinn, nach welchem es künftig Dich und Jesum Christum erkenne, welche Erkenntniß das ewige Leben ist. Denn durch ihn sind Dir Alle, welche getauft werden und glauben, angenehm. Dir! Gott Sohn! bringen wir unser Kind in der heiligen Taufe dar, Dir, unserem Erlöser und Versöhner. Nimm es mit Liebe und Sorgfalt auf. Du fragest ja nicht nach seiner Herkunft, sondern sprichst: Lasset die Kindlein zu mir kommen!" O noch segnest Du fie, Du unsichtbar gegenwärtiger, ewiger Gottessohn, der Du überall bist, wo Dein Wort vernommen wird. Wir bringen Dir, Gott heiliger Geist! unser Kind; Dir, Du Kraft aus der Höhe, Du Segen von oben. Beginne heute Dein Werk an demselben, durchdringe seine Seele, laß es rein werden von der Sünde seines natürlichen Ursprunges! Das ist heute unser Gebet zu Dir. Auf welchen Glauben unser Kind getauft wird, in demselben Alles mit Gott! 20 306 beten wir; in dem Glauben an Dich, Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen. Gebet der Eltern nach der Taufe eines Kindes. Barmherzig und gnädig ist der Herr, ge= duldig und von großer Güte! So hast Du Dich auch heute an uns und unserem lieben Kinde erzeiget, Du treuer Gott und Vater! D welchen Reichthum von Gnade hast Du diesem schwachen, hülflosen Geschöpfe zugesichert und verheißen! Wie ruhig können wir es jetzt in Deine Vaterarme legen, mit welch froher Hoffnung können wir es in das Leben einführen, nachdem es Dein Kind geworden ist, Du die Sorge für dasselbe auf Dich genommen, und ihm den Himmel als seine Heimath aufgethan hast. Wir danken Dir, Du ewige Liebe, und bitten Dich, alle Verheißungen an ihm treulich zu erfüllen. Laß es von jetzt an Deinem eingeborenen Sohne ganz einverleibt bleiben; erhalte es im beständigen Besize und Genusse aller der Güter, die Du ihm in der heiligen Taufe zugesichert hast; hilf ihm, den Bund mit Dir treulich zu halten und sich als Dein Opfer und völliges Eigenthum zu ergeben. O hilf, Herr! daß es nach Deinem Wohlgefallen zu Lob und Preis Deines heiligen Namens auf 307 das Treulichste und Gottseligste auferzogen werde; hilf uns, daß wir an diesem Erben Deines Reiches Alles thun, was zu seinem Heile nöthig ist, und segne unsere Arbeit. Erhöre unser Gebet, und laß dieses Kind mit uns und allen Heiligen das versprochene Erbtheil im Himmel empfangen durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen. S. G. Rapff. Gebet einer Wöchnerin am Tauftage ihres Kindes. Herzlich lieb habe ich Dich, Herr! meine Stärke, mein Gott, auf den ich traue, mein Schuß und mein Trost! Ich will Deinen Namen loben immer und ewiglich. Herr! was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß Du Dich seiner annimmst? Auch an dem heutigen Tage muß ich es zu Deiner Verherrlichung bekennen, daß ich nicht werth bin aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir gethan hast. Durch Deine Gnade bin ich( auf's Neue) Mutter geworden; mir ist ein Kind geboren, das ich für Dein Reich, Herr Jesus Christus, bilden soll. Ich flehe deßhalb heute zu Dir, Du wollest dieses mein neugeborenes Kind Deiner segensvollen Taufgnade theilhaftig machen; Du wollest es aufwachsen lassen zu Deinem Preise, und verleihen, daß es stark 308 werde im Geiste und zunehme an Weisheit, Alter und Gnade bei Dir und den Menschen. Ja, gütigster Gott, der Du auch mich einst durch die Taufe in die Gemeinde der Christen aufgenommen, und mir den erfreulichen Antheil an den Rechten und Hoffnungen Deiner Kinder geschenket hast, Dir übergebe ich hiermit auch mein Kind. Begnadige es mit den Wohlthaten der Erlösung Jesu, und leite es durch Deinen Geist auf den Weg des Guten. Sollte es aber seinem Taufbunde untreu werden: ach, Vater! so verstoße es nicht, sondern führe es wieder zurück und bewahre es vor der Sünde! Dir übergebe ich es ganz mit Leib und Seele, mit allen Kräften und Sinnen; Du hast es erschaffen, hast es vom Verder= ben durch Deinen Sohn erlöst; ach, heilige es durch Deinen Geist und erhalte sein Herz bei dem Einigen, daß es Deinen Namen fürchte. Dein sen es, o getreuer Gott! jetzt und immerdar. Amen. Flatt. Gebet einer Wochnerin beim ersten Kirchgange. Herr! mein Gott! Dir danke ich von ganzem Herzen, daß Du bis hicher geholfen und mich mit meinem lieben Kinde durch die vielen Gefahren des Wochenbettes gnädiglich hindurchgebracht hast. D wie viel Noth und Jammer hätte uns treffen können; wie viele Schmerzen und Krank 309 heiten hast Du in Gnaden von uns abgewendet! Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Unser Herr ist von großer Kraft, und ist unbegreiflich, wie er regieret. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja! O Herr, wirke selbst in mir das rechte Lob, ich kann Dir ja in Ewigkeit nicht genug danken für das, was Du an mir gethan hast. Erfülle mein Herz mit ewigem Danke und Liebe gegen Dich, daß ich ganz Dein Eigenthum bleibe. Dir bin ich ja alle Kräfte des Lebens und der Seele schuldig, deßhalb hilf mir Dich allezeit und unter allen Umständen durch meinen Wandel zu ehren. Insbesondere erfülle mich mit Weisheit und Kraft, damit ich mein Kind er= ziehe in Deiner Furcht und zu Deiner Ehre. O siehe, ich weihe Dir den Liebling meines Herzens, wie die fromme Hannah ihren Sohn Dir geweihet hat, nimm dieses Opfer gnädig an und laß es ewig in Dir bleiben als Gefäß Deiner Gnade und als Werkzeug Deines Willens. Schenke mir einen solchen Sinn, daß ich mein Kind Dir täglich auf's Neue übergebe, es stets nur als ein Pfand von Dir betrachte, daß ich es auch täglich mit neuem Danke als ein unverdientes Gnadengeschenk von Dir annehme. Mache meine Liebe vernünftig und heilig, daß ich das Kind, das durch die heilige Taufe Dein Kind geworden ist, Dir zuführe und als Dein Eigenthum bewahre. Ach, ich habe ja keine 310 sehe meine KinDazu hilf Du größere Sorge, als die, daß ich der in der Wahrheit wandeln. in Gnaden, erfülle uns Alle, Vater, Mutter und Kinder, mit Deinem heiligen Geiste, und heilige uns Dir selbst. Laß es bei unserem neugeborenen Kinde gehen, wie bei Deinem lieben Sohne, von dem es nach der Darstellung im Tempel heißt, daß er wuchs und stark wurde im Geiste, voller Weisheit und Gnade bei Dir und den Menschen. Schenke mir jetzt wieder die volle Kraft und Gesundheit zu allen Geschäften, regiere all' mein Dichten und Trachten, Thun und Lassen, und bereite mich durch Alles, was Du mich erfahren läsfeſt, für Dein ewiges, himmlisches Reich. Herr! thue an mir nach Deiner großen Barmherzigkeit um Jesu Christi willen. Amen. S. C. Kapff. Gebet eines Vaters oder einer Mutter für ihre Kinder. Vater der Barmherzigkeit! vor Deinem Gnadenthrone gedenke ich mit innigster Bewegung meiner theuren Kinder, die Du mir anvertraut hast, und für deren Pflege, Bildung und Leitung ich Dir verantwortlich bin. Ich bitte Dich im Namen Deines lieben Sohnes: Du wollest mir jede Nachlässigkeit, die ich mir bei ihrer Erziehung zu Schulden kommen ließ, erbarmend vergeben und 311 mich und sie vor den Folgen derselben gnädig bewahren. Erleuchte mich immer mehr mit dem Geiste der Weisheit, daß ich vor allen Dingen mich Dir selbst heilige, und dadurch zur Besserung der jungen Seelen beitrage. Gieb mir den Geist Deines Sohnes, in dessen Kraft ich fie Dir täglich opfern und zu Deinem Dienste darstellen, auch im Namen Jefu segnen und ihnen alles Gute erbitten möge. Erfülle mich selbst mit Furcht und Liebe zu Dir, damit ich meine Kinder zum Gehorsam gegen Dich anweise und sie Dir zuführe durch unermüdete Ermahnung und Unterweisung in allem Guten. Schenke mir Deinen göttlichen Vaterfinn und Geduld, um meine Kinder nicht abzuschrecken. Doch laß mich sie nicht verwöhnen, weil sie als von Natur zum Bösen geneigt, der Zucht wohl bedürfen. Lehre mich diese Zucht gegen sie mit Weisheit und Liebe zur rechten Zeit zu gebrauchen, um Dir einst dafür zu danken. Aber laß auch mich allezeit meine natürliche Verderbniß mit Demuth erkennen, und mich und sie Deiner Zucht und Besserung stets kindlich unterworfen seyn. Dazu aber bedarf ich, o Herr! Deiner Weisheit; daher flehe ich, lege sie in mein Herz, um die theuern Meinigen nach Deinem Willen zu regieren, überall das rechte Maaß zu halten, und Deine Gebote an mir und den Meinigen vollbringen zu können. Neige die Kinderherzen zu Dir, daß sie Deinem Geiste folgen und ihres lieben Jesu Christi Stimme 312 recht vernehmen lernen. Ach, bewahre ihre armen Herzen vor den zahllosen Aergernissen und bösen Gewohnheiten der Welt, laß sie nicht von dem allgemeinen Verderben zur Verdammniß fortgerissen werden. Noch weniger lasse zu, daß ich ihnen selbst ein böses Beispiel gebe, oder nur zeitliche Güter für sie sammle, und dadurch meine und ihre Seelen beschwere. Halte mir dagegen stets vor Augen die Rechenschaft, die ich Dir einst von meinem Verfahren abzulegen habe. Schaffe in uns, was Dir wohlgefällt, und lehre uns Jesum Christum erkennen, an ihn glauben und seinem Worte und Beispiel folgen! Im Zeitlichen geschehe an uns Dein Wille; nur rette unsere Seele in dieser argen Welt, damit ich einst vor Deinem Throne mit Wahrheit sagen kann: Siehe, hier bin ich und die Kinder, die Du mir gegeben hast! Erfülle es an mir und allen gläubigen Eltern, um Deines Kindes Jesu Christi willen und durch die Wirkung Deines heiligen Geistes. Amen. G. Arnold. Gebet der Eltern für das dohl ihrer Kinder. Sorge Herr! für uns're Kinder, Sorge für ihr wahres Heil! Sind sie gleich, wir wir, nur Sünder, Haben doch an Dir sie Theil. 313 Sie sind in der Taufe schon Dir geweiht und Deinem Sohn, Darum leite Deine Gnade Sie auf ihrem Lebenspfade. Der Du sie bisher erhalten, Selbst bei manchem Unglücksfall, Wollest über ihnen walten Immerdar und überall. Bricht Gefahr für sie herein, Wollst Du ihr Beschützer seyn; Wenn in Noth sie zu Dir flehen, Laß sie Deine Hülfe sehen. Dringt auf sie von allen Seiten Der Verführer Schaar heran, Laß doch ihren Fuß nicht gleiten, Halte sie auf rechter Bahn. Regt in ihrer eignen Brust Sich mit Macht die böse Lust: Gib dann, daß sie muthig kämpfen Und den Reiz der Sünde dämpfen. Herr! erhalte Deinem Reiche Uns're Kinder doch getreu! O, daß keines von Dir weiche Und dereinst verloren sey! Immer geh' ihr frommer Sinn Und ihr Streben darauf hin: Christo ganz sich zu ergeben Und zur Ehre Dir zu leben. Haben sie den Kampf geendet, Obgesieget in dem Streit, 314 Haben sie den Lauf vollendet In des Glaubens Freudigkeit: Dann, o Vater! führe Du Sie der ew'gen Heimath zu, Und laß sie nach sanftem Sterben Deines Himmels Freuden erben. Christlicher Hausaltar. Gebet einer Wittwe, die Kinder hat. Gott! ich habe nach Deiner weisen Leitung, die ich anbetend verehre, den theuern Gefährten meines Lebens verloren, und bin dadurch des süßesten Trostes meines Lebens beraubt worden. Ach! gedenke doch des betrübten, kummervollen Zustandes Deiner armen Magd, welche Dich um Gnade und Erbarmung bittet; tröste mich mit der aufrichtigen Empfindung Deiner Allgegenwart, und erhebe mein Herz durch innige Andacht und volles Vertrauen auf Dich. Ich hätte allezeit für so mannigfaltige Beweise Deiner Liebe gegen mich danken sollen, vorzüglich für den langen Genuß des Segens, dessen Werth ich erst recht empfinde, da ich ihn nicht mehr genieße. Verzeihe mir, daß ich für diese und andere Wohlthaten nicht so dankbar gewesen bin, als ich hätte seyn sollen, und daß ich keinen so guten Gebrauch davon gemacht habe, als ich hätte machen können. Nimm deßhalb Deine Güte nicht von mir, sondern schenke 315 sie mir auch ferner und unterstüße mich durch die Kraft Deines guten Geistes, damit ich im Stande sey, mein Unglück mit einem demüthigen und geduldigen Herzen zu ertragen! Mäßige meine Leidenschaften und befreie mich von allen mißvergnügten und mißtrauischen Gedanken; ich will alle meine Sorgen nur auf Dich werfen, denn Du behütest die Waisen und die Wittwen. Laß mich an Deine große Liebe in Christo Jesu gedenken, so kann ich allezeit frohlocken; erhebe mein Herz zu jenen himmlischen Freuden, an jenen seligen Ort, wo Er ist; hilf mir, ihm durch ein reines und gottseliges Leben nachfolgen und meine Kinder so sorgfältig zu erziehen, daß sie auch uns einst in jene Herrlichkeit nachfolgen können. Laß Deinen Segen allezeit auf ihnen ruhen; und weil sie nun die Mutter allein haben, so gieb mir um so mehr. Weisheit, Eifer und Sorgfalt für ihre wahre Glückseligkeit. Laß sie zum Troste meiner Wittwenschaft in der Gottseligkeit zunehmen, damit wir uns gerne zum Gebete und zur Danksagung, zum Lesen der heiligen Schrift, zur Gemeinschaft mit unserem Erlöser und zu allen übrigen christlichen Handlungen vereinigen. Bereite uns zu allen Umständen, in welche wir nach Deiner weisen Leitung kommen können, damit weder Reichthum noch Armuth, weder Ehre noch Verachtung, weder Gesundheit noch Krankheit uns von Deiner Liebe in Christo Jesu scheiden, sondern wir mit Geduld 316 in guten Werken verharren, bis wir endlich die Krone des Lebens empfangen, welche Du denen verheißen hast, die Dich lieben. Amen. Patrik. Gebet einer kinderlosen Wittwe. Herr meiner Tage! es hat Dir gefallen, mich in den Wittwenstand zu versehen. Ich beuge mich unter Deinen heiligen Willen. Denn was Du thust, ist recht, auch wo Deine Wege nicht unsere Wege sind. Noch ist es mir verborgen, warum Du unser Eheband zerrissen hast. Aber ich weiß, daß denen, die Dich lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen, und daß Keiner verlassen ist, der auf Dich, Herr! seine Hoffnung setzt. Du hast mir freilich eine Stüße genommen, die viel bei den Menschen gilt. Ich habe sie mit Schmerzen sinken sehen. Doch Du hast es gethan, Du, ohne den ja keine menschliche Stüße etwas nüßen kann. Was ich früher in der Verbindung mit meinem Gatten Gutes genoß, war doch Alles nur Dein Werk. Und Du, der einzige Geber aller guten Gaben, bist mir nicht gestorben. Dich habe ich und Dich behalte ich, wenn mich auch alle Welt verlassen sollte. Darum halte ich mich zu Dir, und nach dem großen Vorrechte, das ich in Jesu Christo habe, bringe ich alle meine Sorgen vor 317 Dich, klage Dir kindlich, was mir fehlt, und bitte um Rath und Hülfe, wo ich deren bedürftig bin. Ach wie gut, daß ich ganz offen und vertraut mit Dir als meinem Vater reden kann. Mache nur das zu meinem liebsten Geschäfte, dann werde ich mich nie einsam und verlassen fühlen. Doch lasse Deinen Willen in allen Stücken mir heilig seyn. Bewahre mich, daß ich nie eigene Wege gehe; Deine Hand führe und leite mich nach Deinem, nicht nach meinem Willen. Und komme ich dann zum Ziele meines Pilgerlaufes, so führe mich dahin, wo ich mit Deinen Auserwählten und mit den Lieben, die mir vorangegangen sind, Dich freudig anbete, lobe und preise in alle Ewigkeit, durch Jesum Christum. Amen. F. K. Krüger. Gebet im Alter. Du trugest mich, mein Gott und Vater! bis in's Alter. Ich bete Dich an. Du wirst mich nicht verlassen im hohen Alter. Unzählige Wohlthaten erwiesest Du mir von früher Jugend an bis auf diese Stunde. Meine Zunge kann Dich nicht genug preisen, und mein Herz Dich nicht froh und dankbar genug anbeten. Wer zählet die Gaben, die Du mir schenktest; die Freuden und Genüsse, die Du mir gewährteſt; die guten Gedanken, die Du mir einflößtest; die Beweise 318 Deiner Langmuth, die ich von Dir empfieng! Du thatest mir wohl durch tausend bekannte und unbekannte Hände; Du lehrtest mich durch tausend Zungen; Du ermuntertest mich durch tausend Worte Deines Geistes! Ich kann nicht genug nachdenken über alle Beweise Deiner Huld; nicht genug danken und anbeten, aber auch nicht demüthig genug um Vergebung meiner zahllosen Thorheiten und Vergehungen bitten. Wie die Zahl meiner Jahre, so die Zahl Deiner Wohlthaten und meiner Sünden; wie jeder Tag mir neue Wohlthaten von Dir brachte, so vermehrte auch jeder Tag die Zahl meiner Fehler und Sünden. O mein Gott! möchte ich mit jedem Tage froher und Deiner unveränderlichen Huld täglich gewisser werden! Demüthig wünsche ich alle meine Fehler zu erkennen; herzlich und voll Scham sie alle zu bereuen. Kann irgend etwas noch gut gemacht werden, so lehre es mich, mein Gott! so gieb mir Ernst und Kraft, es auf die möglichste Weise zu thun. Erwecke den ernsten Willen in mir, auch jetzt noch jeder Schwachheit, jeder sündlichen Gewohnheit, jeder Neigung entgegen zu treten, welche mir das Scheiden aus dieser Welt und das Erscheinen vor Deinem Richterstuhle schwer machen könnten! Herr, mein Gott! laß es mir recht Ernst seyn meinen christlichen Sinn zu vervollkommen! Die Beschwerden, die das Alter mit sich bringt, lehre mich mit kindlichem Sinne und anbetender Unterwerfung ertragen. Langmüthiger Hei 319 land! Du trugest und trägst mich noch mit bewundernswürdiger Geduld, und leitest mich mit schonender Hand, so daß ich Dich nicht genug preisen und im Gefühle meiner Schwachheiten mich nicht genug vor Dir demüthigen kann. Deine Liebe ist ein Pfand, daß Du mich nie verlassen und mir nie mehr auflegen wirst, als ich bei meiner Schwachheit tragen mag. Vater meines Lebens! in Deinen Schooß werfe ich mich mit täglich neuem Vertrauen. O möchten die letzten Tage meines Lebens lauter frohe, Dir gewidmete, festliche Danktage seyn! D lehre und erwecke mich, meine noch übrigen Kräfte auf die würdigste und nüßlichste Weise zu verwenden! Bewahre mich vor allen Fehlern und Schwachheiten, denen das Alter so leicht ausgesetzt ist! Lehre mich besiegen alle Ungeduld, alle üble Laune, alle Unzufriedenheit und Klagesucht! Lehre mich täglich froher und dankbarer das Gute, das ich genieße, zu überdenken. Du liebest einen fröhlichen Empfänger wie einen fröhlichen Geber. Erhalte mir dieſe fröhliche Heiterkeit bis zur letzten Stunde meines Lebens! In Dir, o mein Gott und mein Heiland! laß mich froh und zufrieden bleiben! Sei Du hier und dort meines Lebens Lust und Seligkeit! Amen. Joh. Kaspar Larater. 320 Morgengebet am Geburtstage. Der heutige Tag, o mein Gott! fordert mich ganz vorzüglich auf, Dir für alles Gute, das Du bisher an mir gethan hast, mit gerührtent Herzen den innigsten Dank darzubringen. Es ist der Tag, an welchem mein Leben auf Erden anfing, und auf den nun schon so viele Tage und Jahre gefolgt sind, die alle von Deiner Güte zeugen. Wenn ich bedenke, wie wunderbar und doch wie liebreich Du mich von dem Augenblicke an, wo ich zum Leben erwachte, geführet haft; in wie mancher Gefahr, der ich zu erliegen glaubte, Du mich erhalten; wie väterlich Du für meine Nahrung und Unterhalt, für meine Unterweisung und Erziehung, für Gesundheit und irdische Wohlfahrt durch die, denen ich nächst Dir mein Daseyn zu danken habe, gesorgt haft; wie manchen glücklichen und frohen Tag Du mir in der verflossenen Lebenszeit geschenfet; wie oft Du meine Klagen und meine Leiden in Glück und Freude verwandelt haft: dann, mein Gott! preise ich in Anbetung und Dank Deinen herrlichen Namen, und weiß nicht Worte zu finden, um meine Empfindungen auszudrücken! Aber dabei nöthigt mich das Gewissen, Dir, Allwissender! aufrichtig zu bekennen: ich bin viel zu geringe, o Gott! aller der Barmherzigkeit und Treue, Die Du bisher an mir gethan haft! Ich kann Dir die Wohl 321 thaten, die Du mir erzeiget, die Segnungen, womit Du bisher mein Leben begnadigt hast, niemals vergelten; ja ich kann Dir nichts, als beständige Treue und unverbrüchlichen Gehorsam gegen Deine Gebote geloben, um meine Bekehrung und Heiligung in Deiner Furcht zu vollenden und so die Absicht zu erfüllen, zu welcher Du mich erschaffen, durch Christum begnadigt und zu einem ewig seligen Leben berufen hast.- Stehe mir in der Erfüllung dieses Gelübdes bei, gütiger Gott, und lehre mich -thun nach Deinem Wohlgefallen; Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Ich fange mit diesem Tage einen neuen Abschnitt meines irdischen Lebens an. Dir allein ist bekannt, ob meiner Tage hier auf Erden noch viele oder wenige seyn werden; ihre Zahl stehet bei Dir: Du hast meinem Leben das Ziel geseßt, das ich nicht überschreiten kann. In der festen Ueberzeugung, daß mein Leben in Deiner Hand stehet, daß mir Nichts begegnen kann, als was Du über mich beschlossen hast und was zu meinem Frieden dient, übergebe ich Dir alle meine künftigen Schicksale; Du, Herr! wirst Alles wohl machen: Du wirst, wenn ich nur nicht von Dir weiche, auch mich nicht verlassen noch versäumen; von Deiner Hand geleitet, werde ich auf dem Pfade des Lebens sicher gehen; das dunkle Thal des Todes, durch welches ich früher oder später wandeln muß, wird mir dann nicht schrecklich seyn. Und nach diesem Leben Alles mit Gott! 21 322 fange ich ein neues, besseres an, das kein Ende hat, sondern das bei Dir ewig währt, und allen meinen Wünschen ein vollkommenes Genüge leistet! Amen. Conrad. Abendgebet am Geburtstage. Mit Lobpreisung Deines Namens Allliebender! habe ich den heutigen Morgen begonnen, habe ich die Huld gerühmt, welche mir Daseyn und Leben geschenket, welche mich mit tausendfachen Segnungen beglückt und mich gnädig erhalten hat bis zu diesem Tage. Ich denke jener Zeit, wo mich die Eltern mit ihrer Zärtlichkeit und Liebe beglückten. Mit derselben Liebe hast Du, der rechte Vater aller Kinder, mich getragen lebenslang, hast Dich auch heute wieder gegen mich als den Barmherzigen bewiesen, dessen Wohlthun kein Ende nimmt. Ein Tag der Freude ist mir vorübergegangen. Mit erhöheter Jnnigkeit sind die Meinigen am Morgen mir genahet, haben durch freundliche Geschenke, wie durch wohlwollende Wünsche, den Tag ausgezeichnet, der mich in's Leben führte, und an ihrer Hand entschwand er mir in Heiterkeit und Segen. Das Herz voll Dankes zu Dir erhoben, Du Gnadenreicher, fühlte ich die Fülle Deiner Wohlthaten um só reicher, und habe auf's Neue erfahren, daß ein dankbares Herz 323 zweifach beglückt wird, weil es doppelte Empfänglichkeit für alle die guten und vollkommenen Gaben besitzt, die Du uns täglich und stündlich zuwendest. Ja, es ist ein köstliches Ding, Dir, o Herr! zu danken und Deinen Namen zu lobsingen, am Morgen Deine Gnade, am Abend Deine Wahrheit zu verkündigen. Erhalte mir ferner Gesundheit und Leben, so lange Deine Weisheit es für gut findet; gieb mir von der Erde Güter mein bescheiden Theil, und laß mich in kindlicher Zufriedenheit genießen, was Du mir zutheilest. Bewahre die Liebe derer, die Du mir zur Beglückung und Verschönerung des irdischen Daseyns gegeben hast, und laß uns Hand in Hand vereinigt durch's Leben wandeln und unserer hohen Bestimmung für den Himmel immer mehr entgegen reifen. Was Du für die Zukunft über mich beschlossen haben magst, Herr Dein Wille geschehe! Lehre mich in drohenden Gefahren aufschauen zu Dir, dessen Arm nicht zu kurz ist, zu helfen, dessen Hand nicht zu schwach ist, zu retten. In Trübsalen und Nöthen lehre mich in Deiner Nähe Trost suchen und im Festhalten an Dir jede Prüfung der Erde so benüßen, daß sie mir zum bleibenden und ewigen Gewinne werde. Halte Deinen schüßenden Arm auch in dieser Nacht über mich und die Meinen, und laß uns am andern Morgen wieder neu gestärkt erwachen, damit wir Deine Gnade und Wahrheit, die wir jegt preisen, wieder verkün 324 digen können. Soll das Jahr, welches ich heute begonnen habe, soll diese Nacht, der ich entgegen gehe, die letzte meines Lebens seyn, Herr! dann führe mich so, daß ich auch dort mit den Engeln und den vollendeten Geistern Deine Wahrheit verkündigen, Deine Gnade jauchzend rühmen kann. Amen. Dr. J. Chr. E. Lösch. Gebet am Namenstage. Leichtsinn, o Gott, ist der Menschen Natur; Leichtsinn macht, daß wir das Allerwichtigste vergessen. Guter Vater, wie schäme ich mich, daß ich meine Taufe so oft vergesse, an die mich mein Name doch so oft erinnern sollte! Ich bin in meinen ersten Tagen auf Erden getauft und Dir, Vater Jesu Christi und mein Vater! geheiligt worden. Ich ward in die Gemeinde Deiner Auserwählten aufgenommen, in die Familie Jesu Christi; ich ward erklärt als Dein Kind, als ein Jünger Deines Sohnes, als ein Genosse Deines heiligen Geistes. Geist meines Gottes, der alles Gute wirkt, Erinnerer an jede heilige Wahrheit, Lehrer dessen, was kein Mensch mich lehren kann, Erwecker aller gottgefälligen Gesinnungen lehre mich jeden Tag mehr meine Christen- und Menschenwürde zu erkennen! Meine Taufe müsse mir in Deinem Licht immer wichtiger werden. Ich gehöre — 325 zu einem heiligen Geschlechte, dessen Vater der Allmächtige, dessen erstgeborener Bruder Jesus, der Sohn Gottes, dessen unmittelbarer Führer der Geist der Wahrheit ist. Heiliger Geist, leite mich zur Quelle der Wahrheit, um zu erfahren, was ich bin, was ich thun und lassen soll, um als würdiges Glied der heiligsten Gottesfamilie zu leben. Vater, heiligstes Wesen! die Geister, die Du schufft, sollten sie nicht nach Heiligkeit streben? Warum bin ich auf Deinen Namen getauft, wenn ich nicht strebe, Dir ähnlich zu werden? Sohn Gottes, Haupt der heiligen Gemeinde, Urbild aller Liebe! ich bin auf Deinen Namen getauft; wann werde ich nie mehr vergessen, daß ich Dein Jünger bin, und als Dein Jünger denken und handeln soll? Ach! wann werde ich mich der hohen Ehre freuen, Dein Jünger, Dein Zögling, und von Dir gesegnet zu seyn? Wann werde ich von den Rechten, die mir die Taufe auf Deinen Namen giebt, den besten Gebrauch machen? Geist Jesu Christi, ohne dessen Licht es dunkel in meiner Seele ist, wann wirst Du mich erleuchten über die unermeßlichen Vortheile, welche mir die Taufe auf Deinen Namen versichert? Dreieiniger Gott! ich klage mich an, daß ich das Unschäßbarste so oft mißachte, so oft unbenutt lasse! Meine Taufe versichert mir die Liebe des Vaters, die Gnade des Sohnes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes. O es sey dieser Tag der letzte meines Leichtsinnes 326 gegen das unermeßliche Glück, gegen die tausendfache Wohlthat, gegen die unaussprechliche Ehre, ein Kind des Ewigen, Allmächtigen, ein Bruder des Sohnes Gottes und ein Genosse des heiligen Geistes zu seyn! O möchte ich, so oft ich meinen Namen schreibe oder nennen höre, mich aller der Seligkeiten freuen, welche mir meine Taufe verbürgt und verpfändet! Amen. Joh. Casp. Lavater. Reise- Gebete. Gebet beim Antritte einer Reise. Allmächtiger Gott! in Deinem Namen und mit Anrufung Deiner Barmherzigkeit will ich die Reise, die ich mir vorgenommen, antreten. Denn Du bist unser Gott, Du behütest unseren Eingang und Ausgang, und richtest unsere Füße auf ebene Bahn, daß sie nicht gleiten. Ich bitte Dich, Du wollest Deine heiligen Engel mir zur Seite geben, um mich zu behüten auf allen Wegen, um unter dem Schatten ihrer Flügel ruhig zu reisen. Führe mich auf rechter Straße und bringe mich gesund und froh wieder zu den Meinigen. Bewahre mich vor allem Uebel des Leibes und der Seele, laß alle Unglücksfälle, Krankheiten und andere Nöthen ferne von mir bleiben und gieb Glück und Segen zu meinem Vornehmen. Sey Du bei mir, wie Du 327 mit Jakob gewesen bist; und wie Du die Kinder Ifraels auf ihrem Zuge bei Tag und Nacht geleitet hast, so sey immerdar bei mir, schüße, beschirme und versorge mich. Sey und bleibe mein Gefährte und Hüter. In Deine Hände befehle ich meinen Leib und meine Seele, deßgleichen Haus und Hof und Alles, was mir gehört. Hilf, daß ich zu den Meinen wiederfehre und sie alle gesund, unversehrt und unbeschädigt wieder finde, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unseren Herrn, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit! Amen. Joh. Habermann. Morgengebet auf der Reise. Wer unter dem Schuße des Höchsten ist, und unter dem Schatten des Allmächtigen wohnet, der spricht zu Gott: Du bist meine Zuversicht und mein Trost. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat! In diesem festen Vertrauen zu Deiner Macht und Güte, die ich auch in verwichener Nacht erfahren, setze ich denn an diesem Tage mit getrostem Muthe meine Reise fort. Sey Du mein Schuß wider alle Gefahren, die mir begegnen könnten. Sey Du auch der mächtige Schuß aller der Meinigen, die ich zurückgelassen habe; behüte sie vor Sünden und allen betrübenden Zufällen. Bringe mich gesund an den Ort 328 meiner Bestimmung. Segne meine Verrichtungen zum Vortheil der Meinigen und vieler anderen Menschen, und laß mich Alles, was ich vorhabe, in Deinem Namen thun, damit es wohl gelinge; ja gieb, daß ich an allen Drten vor Dir wandeln und von Herzen fromm seyn möge. Dann will ich Dich für alle diese Wohlthaten täglich loben und preisen, mein Leben vornehmlich zur Verherrlichung Deines Namens zubringen, und endlich, wenn ich diese Pilgrimschaft geendiget habe, Dir dort in jenem himmlischen Vaterlandé ewig Dank sagen. Amen. Ries, Abendgebet auf der Reise. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir! Weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jef. 41, 10. Täglich erfüllest Du diese tröstliche Verheißung an mir, o Du getreuer Gott! und ich habe auch an dem heutigen Tage aus Erfahrung gelernt, daß die, welche Dich fürchten, kein Unglück trifft. Du warest bei mir mit unsichtbarer Kraft! Du hast mein Leben und meine Gesundheit erhalten, meine Glieder zur Vollendung der Tagreise gestärket, alle Fährlichkeiten von mir abgewendet und mich den Ort erreichen lassen, wo mein müder Leib ruhen und sich wieder erquicken konnte. Nimm hin den demüthigen 329 Dank für alle Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir gethan hast. Vergieb mir nur! geliebter Vater! alle Sünden, womit ich mich auf irgend eine Art an Dir vergangen haben mag. Laß um Christi willen Deine Gnade nicht von mir weichen. Bewahre mich wider alle Gefahren der Nacht. Laß mich den Morgen fröhlich wiedersehen, um mit frohem Herzen zu sagen: Gott ist bei mir; ich bin sicher und fürchte mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor was sollte mir grauen? Seine rechte Hand schüßet mich, seine Güte leitet und segnet mich. Amen! Das wollest Du an mir gnädig erfüllen, um Jesu Christi willen. Amen. Ries, Dankgebet nach glücklich vollbrachter Reise. Großer Gott! der Du überall bist, und durch dessen Vorsehung alle Dinge regiert werden, Du bist der Herr, welcher herrschet über Himmel und Erde, über das Meer und Alles, was darinnen ist. Du bereitest den Menschen ihren Weg in fremden Landen, Dir sind Wind und Meer gehorsam! Siehe, ich habe Dich am Anfange meiner Reise angerufen und Dir mein Werk befohlen. Du hast mein Gebet erhöret, hast mir treulich geholfen und mich wieder glücklich nach Hause gebracht. Ohne mein Ver 330 dienst und Würdigkeit hast Du mich mit Geduld getragen und bist meine Zuversicht und Zuflucht gewesen, daß mir kein Uebel begegnet ist. Dein Engel hat mich begleitet, Deine Fürsorge hat mich regieret, und Deine väterliche Güte hat mich so gnadenreich beschüßet, daß ich es nicht genug zu rühmen vermag. Darum trete ich jetzt mit Freude vor Dein Angesicht und danke Dir, Du gnädiger und barmherziger Gott! von ganzem Herzen, daß Du auf dem Wege, den ich gegangen, mit mir warst; daß Du mich vor Schaden und Unglück, vor Elend, Noth und Ungemach behütet, und Alles, was mir begegnet ist, zum Besten gewendet hast. Gelobet und gepriesen sei Dein heiliger Name, o Herr! Du hast mir geholfen; darum sollst Du auch mein Gott seyn immer und ewiglich! Ja, laß mich nie vergessen, was Du an mir gethan hast; erhalte mich in beständigem Danke gegen Deine Barmherzigkeit. Vergieb mir um Christi willen alle meine Sünden, die auch in dieser Zeit vorgekommen sind. Behüte mich auch fernerhin vor allem Bösen, und laß mich Deinem Gnadenschuße befohlen sein jetzt und in Ewigkeit! Amen. Kaſpar Neumann. Gebet für die Jahreszeiten. Morgengebet im Frühling. Burch Deine Gnade, Unendlicher! haben wir 331 wieder die angenehme Zeit des Jahres erlebt, die uns ganz besonders zur Betrachtung und Bewunderung der Größe und Güte unseres Schöpfers einladet. Wir mögen gen Himmel oder auf die Erde blicken, so finden wir überall Veranlassung zum Staunen und zur Freude. Die ganze so herrlich geschmückte Natur, der Glanz der Morgensonne, das Frohlocken aller Geschöpfe, der Gesang Alles verder Vögel, die Schönheit der Flur kündiget uns Deine Größe, Allmächtiger! Zu Dir steigt in dieser Morgenstunde von der ganzen Schöpfung ein Opfer des Dankes empor; die Lerche bewillkommt mit ihrem Gesang den Anbruch des Tages, und stillschweigend ermuntert jede Blume, jedes Gräslein, jeder blühende Baum zu frohen Dankgesängen. Und wir sollten bei diesem Anblicke stumm oder gefühllos bleiben? Wir sollten noch säumen, unser Morgenlied anzustimmen und Deine Allmacht und Liebe anzubeten, welche so große Werke und so herrliche Wunder thut? Wie sehr sind wir von Dir geliebt! Wie herrlich hat Deine Güte vor allen andern Geschöpfen uns dadurch ausgezeichnet, daß wir in den entzückenden Schönheiten und Schäßen der Natur Deine ewige Kraft und Gottheit fühlen und erkennen können! Heilige Pflicht und Freude sei es uns daher, zu Dir, dem Urheber alles Guten, unsern Geist zu erheben, und demuthsvoll die Größe Deiner Macht und Liebe zu bekennen. Doch, wie können wir Dich würdig genug preisen, Unend* - 332 licher! Du bist zu erhaben, als daß unser Verstand Deine Größe fassen, und unser Lied Deine Majestät ausdrücken könnte. Ünaussprechlich groß ist die Gnade, daß wir, Geschöpfe aus Staub und Erde, uns Deinem erhabenen Throne nahen, und Dich, den. Schöpfer des ganzen Weltalls, in Jesu Christo unsern Vater nennen dürfen! O stärke uns, Du getreuer Gott! auch durch den Anblick Deiner Allmacht und väterlichen Freundlichkeit in den herrlichen Werken der Natur zu dem Glauben und Vertrauen, daß Du uns in jedem Anliegen, in jeder Noth mit Deiner Gnade beistehen werdest. Ruft uns ja Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, felbst auf, hinzuschauen auf die Blumen des Feldes, auf die Vögel in der Luft, um an ihnen erkennen zu lernen die zärtliche Fürsorge unseres himmlischen Vaters für die Geschöpfe seiner Hand. Wenn nun die Pracht und die Herrlichkeit der verjüngten Natur, die doch vergänglich ist, unser Herz erhebt zum Dankgebet gegen Dich, Bater unseres Herrn Jesu Christi, und in ihm Vater unser Aller! O so laß uns auch der herrlichen Verheißung in Deinem Worte gedenken daß Du einst Alles neu machen werdeſt. Wir wollen daher die neuerlebte Frühlingszeit dazu benußen, daß wir in derselben uns immer mehr in der Hoffnung freuen lernen des großen Frühlings 333 morgens, an welchem Deine Allmachtshand Alles, was im Todesschlafe lag, erwecken und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, die unvergänglich sind, und wo Du, Herr, selbst die Sonne sein wirst! Damit wir aber einst selige Bewohner dieser neuen Schöpfung werden, so mache uns dazu tüchtig durch den gnädigen Beistand Deines heiligen Geistes. Gewähre uns diese Bitte nach Deiner Verheißung, um unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi willen! Amen. Flatt. Abendgebet im Frühling. Wie herrlich, wie lieblich ist die Jahreszeit, in welcher wir durch Deine Gnade, Herr und Vater unseres Lebens, zurückgekehrt sind; durch Thäler und Höhen wehet der Odem des Lebens und der Freude. Ueber lachenden Gefilden geht die Sonne unter; das Abendroth glänzt an den silbernen Blüthen der Bäume, und von Gärten und Wiesen wehen liebliche Wohlgerüche umher. Welche feierliche Ruhe waltet um uns! Welche Stille, als ahneten schweigend alle Wesen die segnende Nähe des Ewigen und Allgewaltigen! Herr! Schöpfer und Erhalter des unermeßlichen Weltalls! wie verherrlichen sich jetzt überall, wo der holde Frühling seine unzählbaren Schönheiten entfaltet, Deine Macht und Güte! Preis Dir, 334 daß auch wir uns seiner wiederum erfreuen, Deine Größe bewundern und Deine Segnungen genießen können! Schön ist die Erde, ein unermeßlicher Schauplaßz täglich sich erneuernder Wunder. Der Himmel, der im milden Sternenlicht über uns glänzt, verkündigt Deine Ehre; die Nachtigall, die in blühenden Gebüschen ihr Lied hören läßt; das Würmchen, das dort im Grase wie ein Edelstein funkelt; die Blume, die mit lieblichen Farben und süßen Wohlgerüchen prangt; alle die mannigfaltigen Reize, mit welchen jetzt die Gefilde prangen, sind lauter unwiderlegbare Zeugen Deiner Macht und Liebe, Du aller Wesen Vater und Freund! Verherrlicht, in ihrer ganzen Fülle anerkannt und verehrt sei überall Deine unaussprechliche Größe! Demüthiger Dank, herzliche Liebe und frommes Vertrauen werde von Allen, denen Du das selige Vermögen gabst, Dich in Deinen Werken zu finden, mit gefühlvoller Freude Dir zum Opfer gebracht! Auch unser Herz sei voller Dank und Freude, auch unsere Seele erhebe Dich, Vater des Frühlings! Du erneuerst die Gestalt der Erde, die brausenden Stürme des Winters verstummen auf Dein Geheiß, durch Dich erwachen die Fluren vom Todesschlafe, und kleiden sich neubelebt mit jugendlicher Anmuth und Fülle. Denn Du hältst die Sonne in ihrer Bahn und die Erde in ihrem Kreislaufe, daß so lange sie stehet, nicht aufhöre der Wechsel 335 der Saatzeit und der Ernte, des Frostes und der Hitze, des Tages und der Nacht. Dir sey Anbetung und Ehre! Zu Dir, dem Vater des Frühlings, erhob sich in der Morgenstunde dankvoll unser Herz; mit dem Gedanken an Dich und Deine Macht und Güte wollen wir auch den heutigen Tag enden! ja, der Gedanke an Dich sey unsere feligste Beschäftigung, so lange wir hienieden leben. Stärke Du, Ewiger! unser schwaches Herz, daß die seligen Gefühle des Dankes, der Liebe, des Vertrauens nie in uns erkalten. Denn Du hast uns ja nicht für dieſe vergängliche Erde erschaffen, sondern willst uns durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unseren Erlöser, mit ewigen Gütern und Freuden beseligen. Gieb uns Deinen guten Geist, und sende, wenn der Eifer, Dir wohlgefällig zu werden, ermatten sollte, Licht und Kraft aus Deiner heiligen Höhe, daß auch wir hienieden blühen und reifen für die Gefilde ewiger Anmuth und ewigen Friedens, zu denen Du Deine Treuen am Ziele der Erdenwallfahrt erheben willst. Jeßt umfange uns die Ruhe der Nacht, und der Schlummer schließe unsere Augen. Dir, treuer Vater! übergeben wir uns, und liegen und schlafen ganz im Frieden, denn Du, Herr! schaffest, daß wir sicher wohnen. Amen. Flatt. 336 Gebet für die Früchte des Feldes. Herr, allmächtiger Gott, Du König des Himmels und der Erde! der Du durch Deine überschwängliche Güte den ganzen Erdboden mit allerlei Früchten zierest und erfüllest, daß alles Lebende Nahrung findet; ich bitte Dich um Deiner Barmherzigkeit willen, Du wollest unser Land segnen, daß es seine Früchte gebe. Denn wir können von uns selbst nicht ein Körnlein aus der Erde hervorbringen, oder demselben helfen, wo Du nicht das Gedeihen giebst. Darum verleihe den Früchten gedeihliche Witterung, daß sie wachsen und wohl gerathen. Behüte sie vor Hagel und Ungewitter, vor Verheerung, vor Ungeziefer und allem Schaden. Laß das Land nicht feiern in Deinem Zorne, daß es nicht öde liege und unfruchtbar bleibe. Schließe den Himmel nicht zu in Deinem Grimme um unserer Sünde willen, sondern gieb uns Regen und fruchtbare Zeiten. Suche das Land heim, wässere es und mache es reich. Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. O Herr! laß wohlgerathen die Früchte des Landes, tränke seine Furchen, fruchte sein Gepflügtes, segne sein Gewächs; kröne das Jahr mit Deinem Gute, daß die Anger voll Schafe und die Auen mit Korn prangen, daß man jauchzet und singet. So laß Dir auch, lieber Gott! in Deinen gnädigen Schuß befohlen seyn den Samen und 337 alle Früchte des ganzen Erdreiches; erhalte sie, daß sie nicht beschädigt werden. Behüte uns vor Mißwachs, vor Theurung, vor Hunger und Kummer. Siehe, wir bekennen unsere Sünden mit reuigem Herzen und flehen zu Dir, unserem Gott, Du wollest gnädig seyn der Sünde Deines Volkes; uns nicht verlassen mit leiblicher Nahrung, sondern unser Leben erhalten und uns versorgen mit aller Nothdurft, auf daß wir in allen Dingen Deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen und Dich preisen, der Du uns reichlich ernährest an Leib und Seele, hier zeitlich und dort ewiglich! Amen. Joh. Habermann. Gebet im Sommer. Die Hälfte des Jahres ist vorüber, und jeden Tag hatte ich Ursache, Deine Güte zu preisen, Vater, der Du in dem Himmel bist! Ich bin zu schwach, das mannigfaltige Gute, welches ich in dieser Zeit von Dir empfangen habe, zu erkennen; aber bekennen will ich, daß ich Dich für den Urheber meines Glückes und einer jeden Freude halte. Auch wenn ich leide, glaube ich, daß Deine väterliche Hand mich heimsuchet, um mich auf mein Unrecht aufmerksam zu machen. Empfange, guter Gott! meinen Dank für alle Gnaden, die Du mir und allen Alles mit Gott! 22 338 meinen Mitmenschen erwiesen hast. Deine Barmherzigkeit läßt mich Verzeihung meiner Sünden hoffen. Wenn selbst der Gerechte fällt, wie öfter werde ich schwacher Mensch Dich, o Gott! beleidigt haben? Vater! der Du mich bisher erhalten haſt, bewahre das Korn auf den Feldern, das nun seiner Reife entgegen gehet. Wichtiger, als das zeitliche Brod, ist mir jenes, welches mich zum ewigen Leben ernähret. Um dieses bitte ich Dich mehr, als um das andere. Gieb meinem Herzen einen festen Grund, damit das Gute in mir nicht absterbe, weil in der Natur Alles verdorret, was kein gutes Erdreich hat. Wenn die brennende Sonnenhiße auf mein Haupt fällt, so laß mich denken, daß ich das Brod im Schweiße meines Angesichts essen soll, weil ich Sünder bin. Ich will mich darüber nicht beklagen, sondern zu Deiner Ehre, o Gott! arbeiten; denn ich weiß, daß Du alle Schweißtropfen und Thränen vom Angesichte der Deinen abtrocknen wirst. Die Leiden sind mir so nothwendig, als die heiße Sonne den Feldfrüchten, welche ohne diese nie reif würden. O möchte ich einst würdig seyn, als gute Frucht in das Haus des himmlischen Vaters eingebracht zu werden! Dieß ist die Hoffnung, in der ich lebe und arbeite; ich will aber auch handeln wie Du willst, Vater! der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen lässet. Wichtiger als die Sonne ist mir Deine Gnade, die mich zum 339 Guten erleuchtet und erwärmet; entziehe daher Deine Hülfe dem schwachen Kinde nicht. Gieb mir eine heilsame Furcht vor der Sünde, denn diese entziehet mir Deine Liebe und bringt Strafe über mich, gleich wie sich die Wolken zum schrecklichen Ungewitter sammeln. Sehe ich Deine Bliße durch die Luft zucken, so lehre mich meine Zuflucht zur Buße nehmen, weil dieſe allein Deine Ungnade von mir abwendet. Erschüttert der Donner die Erde, so laß auch mein Innerstes vor Reue über meine Sünden und vor Ehrfurcht gegen Dich erbeben. Sonne unter, so will ich an meinen ken, der vielleicht nahe ist; sehe ich sie aufgehen, so will ich mich freuen, daß auch ich einst auferstehen werde. Doch, habe ich mich wahrhaftig zu einem seligen Tode vorbereitet? Lebe ich so, daß ich ruhig sterben und herrlich auferstehen werde? Wie man lebt, so stirbt man gemeiniglich; und wie der Tod, so die Auferstehung. Wehe mir, wenn Du, himmlischer Vater, bei mir vergebens auf die Früchte der Besserung wartest! Ich will mir neue Mühe geben, besser zu werden; unterstüße meinen Vorsatz mit der Stärke Deiner Gnade, Vater meines Herrn und Erlösers Jesu Christi! Amen. Geht die Tod den 340 Gebet um fruchtbare Witterung. Gott! Du Schöpfer und Erhalter aller Dinge! Du läsfest das Gras und die Kräuter wachsen, und befiehlst der Erde, daß sie Korn hervorbringe. Blicke herab von Deinem heiligen Himmel! Segne Dein Volk und das Land, in welchem wir wohnen, damit es fruchtbar werde. Laß auch uns in aller Weisheit und Gottseligkeit wachsen und reiche Früchte guter Werke bringen zur Verherrlichung Deines Namens und zu unserem beständigen Troste in dieser und in der zukünftigen Welt, durch Jesum Christum, unseren Erlöser. Amen. ' Patril. Gebet bei anhaltender Nässe. Allmächtiger, gerechter Gott, der Du den Himmel mit Dunkel bekleidest und durch finsteres Gewölk Deine Sonne verdeckest! Du haſt einst die unbußfertige Welt wegen ihrer großen Bosheit mit der Sündfluth bestrafet, und Alles, was Odem hatte auf Erden, verderbet. Wir werden jetzt auch unserer Uebertretungen willen mit ungewöhnlichem Regen und anhaltender Nässe heimgesucht, wodurch dem Lande und seinem Gewächse großer Schaden geschieht. Barmherziger Gott, hilf uns und nimm die Strafe unserer Sünden, den jetzt so verderblichen Regen, gnädig von uns. Siehe den Zeugen in den 341 Wolken, den Regenbogen, an und erinnere Dich Deiner Zusage: Es soll hinfort keine Sündfluth mehr kommen, die die Erde verderbe. Halte uns, Wahrhaftiger! was Du uns damit zugesagt hast. Wende Dich wieder zu uns; laß uns Dein Gnadenangesicht leuchten, laß uns die holde Sonne wieder scheinen! Gieb gesundes, fruchtbares Wetter; gieb uns unser täglich Brod immerdar! So werden wir ersehen, daß wir Deine rechten Kinder sind, für die Du treulich sorgest, und werden Dich als unseren rechten Vater ehren und preisen all unser Leben lang. Amen. G. Arnold. Gebet bei anhaltender Dürre. Gott! Du strafest uns mit Recht wegen unserer Undankbarkeit und wegen des Mißbrauches Deiner Wohlthaten, indem Du uns jetzt mit verderblicher Dürre heimsuchest, die den armen Landmann in Gefahr setzt, die Arbeit seiner Hände zu verlieren. Nimm daher unsere aufrichtige Buße an und vergieb dem Volke seine Sünden nach Deiner Gnade. Bethaue die Erde wieder und erweiche sie durch fruchtbaren Regen. Erneure durch Deine Güte die Gestalt der Erde, damit die Heerden auf dem Felde wieder vor Freuden hüpfen und springen. Herr! erhöre das Gebet der Armen und Dürftigen! 342 Laß es genug seyn, daß wir unser Brod im Schweiße des Angesichts essen müssen, und strafe uns nicht durch den Mangel des vornehmsten Theils unserer Nahrung. Erbarme Dich des armen Landmannes bei seiner beständigen, mühsamen Arbeit, und laß ihn die Früchte derselben genießen um Christi willen. Ihm, unserem Heilande sammt Dir, Vater der Gnaden, und dem heiligen Geist sey Ehre und Herrlichkeit, jetzt und in Ewigkeit. Amen. Patrif. Gebet bei einem Gewitter. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger, lieber Vater! der Du gewaltig, schrecklich und herrlich bist, wenn Du Deine Macht uns zeigest: wir arme schwache Geschöpfe erkennen Deine Gewalt, denn Du bewegest die Erde, daß sie bebet und die Berge sich regen! Wir erschrecken vor Deiner Macht und erkennen, daß wir durch unsere Sünden verdient hätten, zu Grunde zu gehen. Aber weil wir Deine Kinder sind, und sonst nirgends hinfliehen können, als zu Deiner väterlichen Gnade und Barmherzigkeit, so rufen wir im Elende und im Jammer zu Dir, und bitten Dich um Hülfe durch Deinen lieben Sohn, Jesum Christum! Ach, Herr Gott, der Du bist ein Vater der Barmherzigkeit und ein Gott alles Trostes, strafe und züchtige uns nicht. Laß 343 Deine Blize, die da schrecklich leuchten, weder unser Haus noch Hof beschädigen. Sey bei uns in der Noth und behüte uns vor einem bösen schnellen Tode. Tröste, stärke und erhalte uns im wahren Glauben und in kindlicher Zuversicht und Vertrauen auf Deine Gnade und Barmherzigkeit. Bedecke mit Deiner allmächtigen Hand unseren Leib und Leben, Haus und Hof, und Alles, was wir haben; bedecke uns mit Deinen Gnadenflügeln, daß das Ungewitter ohne Schaden vorübergehe. Ach Herr! weil Donner und Blizz, Feuer und Wasser, Hagel und Sturmwind Deinem Befehle gehorchen müssen, so sey uns gnädig und verschone uns! Zeige Dich uns als den wahren Nothhelfer, als den rechten Schuß zur Zeit der Noth, und laß uns Dein Vaterherz wieder sehen durch den heiligen und starken Namen Jesus Christus, welchem mit Dir und dem heiligen Geiste sey Ehre, Herrlichkeit, Lob und Preis in alle Ewigkeit. Amen. Joh. Arndt. Gebet nach dem Gewitter. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater! der Du gesagt hast: Rufe mich an in der Noth, will ich dich erretten, und du sollst mich preisen, wir sagen Dir von Grund unserer Herzen Lob und Dank, daß Du unser Gebet in Gnaden erhöret und dieses gefahrdrohende Wetter haſt vorübergehen lassen, ohne uns an Leib und 344 Gut zu schaden. Dadurch hast Du uns abermals Dein treues Vaterherz zu erkennen gegeben und uns nicht nach unseren Sünden und Missethaten vergolten. Hilf, barmherziger Vater! um Deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, uns auf Deine ernstlichen und väterlichen Warnungen aufrichtig zu bessern, in Deiner Furcht zu leben und auf die Zukunft Deines lieben Sohnes uns täglich bereit zu halten. Laß uns diesem mit Freuden entgegen gehen, den Himmel, in welchem Freude, Friede und Gerechtigkeit wohnen, mit Dir und ihm einnehmen und ewig besigen! Amen. Joh. Habermann. Gebet nach einem verderblichen Hagelwetter. allmächtiger, barmherziger Gott und Vater! Du hast uns heimgesucht und in den Wirkungen Deiner Macht bewiesen, was Du thun kannst, wenn Du im Zorne mit uns reden willst. Siehe, die Fluren trauern mit uns, und wir demüthigen uns unter Deine starke Hand und bekennen; wir haben gesündiget und sind ungehorsam gewesen; Du aber, Herr! bist gerecht und Deine Gerichte sind unsträflich. Du hast uns zwar in diesem schrecklichen Wetter Hartes widerfahren lassen, daß wir ohne Thränen, ohne ängstliche Sorge und Kummer die verheerten Fluren nicht ansehen können; aber dennoch hast Du uns nicht ganz verstoßen und Deine Barm 345 herzigkeit von uns genommen, sondern uns in dieser Trübsal die Gnade erwiesen, daß wir an Leib und Leben, an Haus und Hof unversehrt geblieben sind, und noch viele Gaben Deiner Hand genießen dürfen. Deine Güte ist es, daß wir nicht ganz verloren sind, Deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Wir hoffen noch, daß Du gnädig seyn und uns helfen werdest. O schenke uns diesen lebendigen Glauben und Vertrauen auf Deine allwaltende Vorsehung. Dein Segen kann mit dem Wenigen, was noch übrig ist, aller unserer Nothdurft abhelfen. Und wenn wir auch nach Brod gehen müßten, so wirst Du uns nicht auf dem Wege verschmachten lassen, sondern eben so mitleidig und hülfreich an uns denken, wie an das Volk in der Wüste, da Du sprachest: ,, Mich jammert des Volkes, denn sie haben Nichts zu essen." Ach, um Deiner großen Barmherzigkeit willen sey uns gnädig! Erseße uns den Verlust der zeitlichen mit ewigen Gaben. Uebe uns durch dieses Unglück in der Verläugnung des Irdischen, um desto ernstlicher nach dem Himmlischen zu trachten. Stille unser betrübtes, zagendes Herz durch Deine gnädige Hülfe. Laß uns unser bescheiden Theil dahin nehmen und Keinen in der Versuchung des Mangels unterliegen. Stärke unsere Gesundheit zu den Geschäften dieses Lebens und eröffne uns die Wege zu unserer Nahrung. Du hast das Elend der Armen noch nie verachtet, noch verschmähet! 346 O so eile denn uns beizustehen, Herr! unsere Hülfe! Auf Dich sind wir gewiesen von Mutterleibe an, Du bist unser Trost! Ach Herr, sey gnädig! Laß Dein Antlig über uns leuchten, daß wir genesen. Amen. Gebet beim Beginne der Ernte. Gnädiger Gott und Vater, der Du verheißen hast: ,, so lange die Erde stehet, soll nicht aufhören Samen und Ernte, Frost und Hiße, Sommer und Winter, Tag und Nacht," wir danken Dir von Herzen, daß Du die Früchte des Feldes wieder zur Reife gebracht hast, und wir nun hingehen können, zu schneiden und zu sammeln in unsere Scheunen. Aller Augen warten auf Dich, und Du giebst Speise zur rechten Zeit. Du thust Deine milde Hand auf und erfüllest Alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Darum soll unser Mund Dein Lob sagen, und alles Fleisch lobe Deinen heiligen Namen immer und ewiglich. Verherrliche Deine Gnade auch jetzt an uns, daß wir die Gaben, die Du uns schenkest, in Gesundheit und guter Witterung einernten. Laß Alles leicht und in Ordnung zugehen; schenke uns zufriedene Herzen, um nicht mehr zu begehren, als da ist, und um uns durch schnöden Undank nicht zu versündigen. Laß uns unter beständigem Aufblicke zu Dir und herzlichem Danke gegen Deine Gnade die Arbeit verrichten, und begleite uns 347 auf allen Schritten und Tritten, daß wir Deinen Segen erfahren und durch Deine allmächtige Nähe an Leib und Seele gestärket und erquicket werden. Gieb uns stets zu bedenken, daß Du auch bei uns einst solche Garben suchen wirst, und, wenn wir als leeres Unkraut erfunden werden, Du uns verbrennen wirst mit ewigem Feuer. Schenke uns Deinen heiligen Geist, daß er in uns schaffe, was vor Dir wohlgefällig ist, und erfülle uns mit Früchten der Gerechtigkeit zu Deinem Preise durch Jesum Christum, unsere einzige Hoffnung in Zeit und Ewigkeit. Amen. S. C. Kapff. 1100 Gebet nach einer reichlichen Ernte. Vater aller Menschen! Vertrauend Deinem heiligen Worte und Deiner väterlichen Fürsorge, streueten wir auch in diesem Jahre den Samen aus; Du gabst ihm Fruchtbarkeit und der Frucht ihre Reife. Du ließest Deinen Regen träufeln, Du hießest Deine Sonne auf- und untergehen, Du gebotest den Winden, Du bändigtest die Stürme, Du verhütetest Ueberschwemmungen und den verderblichen Hagel. Du schmücktest Wiesen und Gärten, Wald und Hain, Berg und Thal; Du legtest stärkende Nahrungs= kraft in die goldene Aehre der Felder und Fluren; Du fülltest mit Segen unsere Scheunen und Vorrathskammern. D Du liebreicher 348 Versorger und Erhalter aller Menschen; Dich preise Himmel und Erde, und Alles, was darin ist; und Alles, was danken kann, danke Dir, denn Du, Herr! bist gnädig und barmherzig und von großer Güte. Deine Barmherzigkeit erstrecket sich über alle Deine Werke. Himmlischer Vater! heilige die Gefühle unserer Freude und Dankbarkeit, daß wir in Weisheit den Erntefegen genießen, den Deine Milde uns geschenket hat; daß wir bei jedem frohen Genusse Deiner Gaben dankbar zu Dir, dem Geber alles Guten, aufblicken; daß wir, gleich wie Du uns segnest und uns giebst, wieder segnen und gerne geben und mittheilen dem ärmeren Bruder; daß wir durch den rechten Gebrauch zeitlicher Güter uns theilhaftig und würdig machen des ewigen und unvergänglichen Gutes durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen. Gebet nach einer spärlichen Ernte. Anbetungswürdigster! Du bist Schöpfer, Erhalter und Regierer des Weltalls, Du bist unser Vater und weißt am Besten, was Deinen Kindern auf Erden nöthig ist. Du sorgteſt für uns, ehe wir waren, und begegnetest unseren Bedürfnissen, ehe wir sie kannten, ehe wir um Nahrung zu Dir flehen konnten. Nach 349 Deinem unerforschlichen Rathschluffe aber theilest Du die Gaben aus, wie es Deiner Weisheit gefällt, und entziehest uns oft zeitliche Güter, um uns ewige zu geben. Unerforschlicher Gott! nicht so reichlich, als Du es schon so oft gethan, hast Du uns in diesem Jahre mit Fruchtbarkeit gesegnet; weniger hat uns Deine Hand gereicht, als unsere Sinne begehrten. Aber wir klagen und murren nicht gegen Deine heiligen Anordnungen, sondern vertrauen Deiner göttlichen Vorsehung. Du bist und bleibest unser Vater. Denn der die Blumen des Feldes kleidet und die Vögel des Himmels ernähret, wird auch seiner Kinder nicht vergessen. Und so danken wir Dir, Allgütiger! auch für das Wenige, was wir aus Deiner Vaterhand empfingen; auch dieses Wenige ist ein unverdientes Geschenk Deiner Güte, und wird mit Deinem Segen hinreichen, uns und die Unserigen zu erhalten. Möchten wir, o Herr! diese Gaben unter Deinem Schuße in Zufriedenheit, genießen und mit denselben treu haushalten, damit wir verdienen, einst über Mehreres gesetzt zu werden, durch Jesum Christum, unseren Herrn. Amen. 350 Gebet nach Mißwachs und Hagelschlag. Wie schwer lastet Deine allmächtige, aber gerechte Hand auf uns, o mein Gott und Herr! Wir haben gesäet, aber nicht geerntet; wir haben gepflanzt, aber Du hast das Gedeihen nicht gegeben. Sollten wir deßhalb irre werden an Deiner Vatergüte oder an Deiner Allmacht, sollen wir deßhalb murren, weil Du dieses Mal Deine gnädige Hand nicht aufgethan hast, um uns zu segnen? Davor bewahre uns Deine Gnade! Segnest Du uns, so sey gepriesen: entziehest Du uns Deinen Segen, so sey gleichfalls gepriesen, denn was Du thust, das ist wohlgethan. Hast Du doch von Ewigkeit her erkannt und beschlossen, was das Beste ist zum Heile Aller; hast Du doch von jeher durch Deine Vorsehung den Grund gelegt zu allen Ereignissen, die nicht von unserem freien Willen abhängen, uns zur Freude oder zur Betrübniß! Und nicht auch hier solltest Du allwissend, allweise, allmächtig und allliebend gewesen sein? Da kein Sperling ohne Dein Vorwissen vom Dache fällt und alle Haare unseres Hauptes gezählet sind, so hättest Du auch diese Drangsal von uns abwenden können, wäre es nach Deiner unendlichen Weisheit und Liebe zu unserem Heile gewesen. Also wollen wir Alles aus Deiner Hand empfangen, es mag erfreuen oder betrüben. Groß ist die Noth, aber wir sehen nun, daß wir ohne Dich Nichts vermögen! groß ist 351 die Entbehrung, aber wir erkennen um so empfindlicher, wie demjenigen zu Muthe ist, der entbehren muß; traurig ist der Verlust, aber wir gewahren. nun, daß alles Irdische ungewiß, nichtig und vergänglich ist. Groß ist aber auch das Mitleid, denn wir lernen die Tugend der Barmherzigkeit höher schäßen, und lassen ab von unserer Härte; und unaussprechlich groß ist der Trost, den wir aus Deiner heiligen Öffenbarung schöpfen, daß Du, Gott der Strafen, auch ein Gott der gütigen Vorsehung bist. Was blieb uns nun übrig, wenn wir nicht diesen Glauben hätten? Wir würden verschmachten in Mangel und Kümmerniß, ja trosilos verzweifeln. So aber hat uns nur irdischer Verlust getroffen, um uns geistig reich zu machen, und wir küssen Deine strafende Hand, die uns heilbringend wird, und bitten Dich um Deinen Segen, er mag betrüben oder erfreuen, durch Deinen Sohn, Jesum Christum, unseren Herrn. Amen. Gebet im Herbste. Ewiger, unveränderlicher Gott! der Du nie alterst und wechselst, sondern bleibst wie Du bist, zu Dir blicken wir empor aus dem Unbestande der Erde. Umgeben von Bildern des Dahinwelkens und Absterbens vergegenwärtigt sich uns der ernste Gedanke, daß auch wir einst hinsin 352 fen werden zu einer langen Ruhe, aus welcher kein irdischer Morgen uns wieder erwecken wird. Rings um uns her übt die Zeit ihre unwiderstehliche Herrschaft aus, in den herbstlichen Fluren wohnt der Odem des Todes. Alles erinnert uns jetzt an die Stunde, der wir mit jedem Augenblicke unseres Lebens näher schreiten; der Stunde, wo unsere Lebenskraft erlöschen wird, und wir von Allem, was uns hienieden lieb und theuer ist, scheiden müssen. Mächtig ergreift uns der Gedanke, daß auch uns, so wie allem Leben auf Erden, das Loos des Todes fiel. Aber mitten unter den welkenden Fluren fühlen wir unsere Menschen- und Christenwürde, und vom Grabe erhebt sich unser Blick über die vergängliche Erde zu Dir, der unserem Geiste ein höheres Ziel gesteckt hat. Der Gerechte ist dem fruchtvollen Baume gleich, und seine Blätter verwelken nicht; seiner wartet nicht Vernichtung und Auflösung; sein edlerer, besserer Theil bleibt, lebt fort und schwingt sich auf in eine bessere Welt. ODu, den unser Auge nicht sieht, dem aber unser Herz mit heißer Liebe entgegenschlägt, heiliger, gütiger Gott! Preis für diese selige, durch die Auferweckung Deines Sohnes, unseres Heilandes Jesu Christi, so herrlich bestä tigte Hoffnung! Sie belebe uns mit heiligem Eifer für das Wahre und Gute; sie lehre uns jeden Tag weise auskaufen und wohl anwenden; sie waffne uns im Kampfe mit Welt und Sünde, und flöße uns Frieden und Trost in das 353 Herz unter den Bürden der Zeit! Nur der Gerechte ist im Tode getrost, nur ihm winkt jenseits des Grabes das Morgenroth der Vollendung; nur ihm folgen seine Werke zum Segen nach! Heiliger, Gerechter! dieser Gedanke schwebe stets vor unserer Seele und lehre uns die höhere himmlische Weisheit, die nur nach dem trachtet, was ewig bleibt und ewigen Frieden beut. Diesem Ziele wollen wir, geſtärkt durch Deine Kraft, stets nachstreben, und unsere Sorgfalt auf solche Güter richten, die der Sturm des Todes nicht verwehen und der Strom der Zeit nicht entführen kann! Dann nahe sich früher oder später die letzte Stunde unseres Erdenlebens, sie wird uns nicht unbereitet treffen; wir werden vielmehr voll gläubigen Vertrauens auf Jesum, den Urheber unserer seligen Unsterblichkeit, durch die dunkle Pforte des Todes eingehen in das Land des Lichtes und der ewigen Freude. Amen. Flatt. Gebet im Winter. Wie gut ist Gott, der mich nun von den Wohlthaten dieses Jahres leben läßt! Wie gnädig sorget Deine Vorsehung, Vater im Himmel! in dieser rauhen Zeit für Alles, was lebt Alle Geschöpfe loben den Herrn, denn er ist weise und gütig! Ich denke an Dich, Vater! und danke Dir, so oft ich mein Brod esse. Alles mit Gott 23 354 Erbarme Dich der Armen, die Mangel an Brod und Kleidern haben; öffne mein Herz dem Mitleid, damit ich ihnen gerne Gutes thue. Wie glücklich bin ich, der ich Andern Gutes thun und mir dadurch Freunde für die Ewigkeit sammeln kann! Habe ich aber das Brod, welches ich begehre, verdient und rechtmäßig erworben? Der Müßiggänger hat kein Recht zu essen und darf nicht hoffen, sein Brod im Reiche Gottes zu genießen. Was thue ich für den Himmel? Darf ich hoffen, dort von meinen guten Werken auszuruhen? Welche Werke werden mit mir vor Gericht stehen? Darf ich mit Ruhe auf dieses Jahr zurücksehen? Wehe mir, wenn mein Leben ein beständiger Winter, das ist, Müßiggang war! Jch will meinen Tod vor Augen haben und so leben, als müßte ich täglich sterben. Die Natur ruhet, nachdem sie gute Früchte gebracht hat; in ihrem Schooße liegen die abgestorbenen Samenkörner und warten auf die Zeit ihres Hervorgehens. So werde ich nur dann sicher im Grabé ruhen und den Tag meiner Auferstehung erwarten, wenn mein Leben wohlthätig und ein wahrer Gottesdienst war Die Sonne wird die Samenkörner beleben, und Jesu herrliche Wiederkunft wird mich aus dem Grabe erwecken. Was wäre ich ohne diese Hoffnung? Willkommen sey mir, lieber Jesus! Deine Lehre, die mich mit Troft und Freude erfüllet! In diesem Glauben will ich leben und sterben. Bewahre mich, o Gott! 355 vor Kälte und Lauigkeit gegen Dich. Erwärme mein Herz für das Gute mit dem Sonnenblicke Deiner Gnade. Bewahre mich vor Verblendung des Verstandes, denn diese Finsterniß ist mir wahrhaft gefährlich. Bewahre mich vor dem Reize des Bösen, denn ich bin schwach, und die Lust der Sünde ist meiner Tugend gefährlicher, als das Eis meinem Fuße. Bewahre mich vor dem Sturme des Zornes und aller Leidenschaften; lehre mich Sanftmuth und Demuth, damit ich Ruhe finde für meine Seele. Laß mit der Sonne Deine Gnade nicht von uns weichen, sondern bleibe bei uns, lieber Herr! wie Du es versprochen hast. Laß mich nie Theil nehmen am sittlichen Verderben, weil es Finsterniß und Kälte gegen Dich verbreitet und das Elend wie ein Feuer unterhält. Wehe dem, der zum Verderben und Elende beiträgt! Verzeihe, ach verzeihe mir, barmherziger Vater! die Sünden dieses Jahres! Läsfest Du mich das neue Jahr erleben, so will ich auch ein neuer Mensch werden, damit ich Dein Wohlgefallen habe, der Du mein Gott und Vater bist. Ich bete Dich demüthigst an, der Du lebest und regierest mit Deinem Sohne und dem heiligen Geiste in Ewigkeit. Amen. 356 Gebete in Leiden, Trübsalen und Nöthen. Gebet für Leidende. Herr, da Du mir weltliche Freude und Lust entziehest, und da ich ohne Trost nicht leben kann, so bringe mir jenen himmlischen Trost, auf daß ich Leid und Schmerz geduldig ertragen möge. Laß mich jene Süßigkeit kosten, welche Du denen vorbehalten hast, die Dich lieb haben. Stephanus empfand sie, als er geſteinigt ward; Agatha, als sie zu ihren Banden wie zu einer Hochzeit eilte; die Apostel, da sie sich der Schläge freuten, Paulus, da er sprach, er rühme sich am liebsten seiner Schwachheit. O was will ich noch sagen? warum sollte ich irdische Lust noch suchen? Genug, daß Du mein versöhnter Vater bist, o Herr! genug wenn sich Friede und Gerechtigkeit unter den Leiden dieser Zeit in meiner Seele küssen. Amen. Gerfon. Gebet in Leiden und Trübsal. mein Gott! zu wem soll ich mich kehren im Kreuz, als zu Dir, liebreichster Vater? Du bist mitleidig und gnädig, ein Vater der Barmherzigkeit und ein Gott alles Trostes; ein Gott, der verwundet und verbindet, der 357 zerschlägt und dessen Hand wieder heilet! Aus der Tiefe meines Herzens rufe ich, o Herr, zu Dir: die Angst meines Herzens ist groß, sieh an meinen Jammer, führe mich aus meinen Nöthen, tröste und stärke meine betrübte Seele! Du hast gesprochen: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und Du sollst mich preisen! Darum erhebe ich meine Seele zu Dir; ach neige Deine Ohren und höre, thue Die auf Deine Augen und siehe mich an. Tage des Herzeleids haben mich ergriffen, Du speisest mich mit Thränenbrod. Daher, o Herr! gieb Gnade, daß ich wohl bedenke, wie Du es selber seyest, der dieses Alles über mich gebracht; daß ich die Hand auf den Mund lege und nicht wider Dich murre. Deffne mir die Augen, um zu sehen, wie vielfältig ich solche Strafe verschuldet habe, und wie ich aller Deiner Gnade unwürdig sey. Ach Herr! Deine Liebe ist es, welche mir dieses Alles zuführet. Denn während Du mich so züchtigest, erzeigest Du Dich gegen mich als einen liebreichen Bater. Du erkennest meine Verderbniß, die Härtigkeit meines Herzens, die Widerspenſtigkeit meines Willens; ja, Du weißt, welch großes Uebel mich überfallen würde, wenn ich mir selbst überlassen bliebe. Deine Weisheit, o Herr! ist es, nach welcher Du mich so aufweckest. Ich weiß, daß Du nur mein Bestes suchest und mich darum züchtigest, um nicht mit den Gottlosen zu Grunde zu gehen. Lehre, o Herr! mich selber richten, meine 358 Wege ausforschen, meine Sünden erkennen und mich vor Dir demüthigen. Stärke mich, einen Sieg nach dem andern über mich selbst zu erlangen, damit ich sagen möge: ,, Gelobet sey der Herr, der mich in die Schule des Kreuzes geführet, es ist mir gut gewesen, daß er mich gezüchtiget hat; o wie heilsam ist die Frucht, welche aus so bitterer Wurzel hervorgewachsen ist!" Lehre mich, o Herr! Geduld, daß ich mit heiliger Gelassenheit Deinem Willen folge. Und wenn endlich dieser Sturm vorüber seyn wird, so bewahre mich vor aller Sicherheit und SorgLosigkeit. Mache mich bereit zu neuen Proben, daß ich immerdar gerüstet sey zu Allem, was Du mir nach Deinem Willen zuschickest; erwartend jenes bessere Scben, wo alle Trübsal cin Ende nehmen, wo alle Thränen von meinen Augen abgewischt, all' mein Seufzen und Klagen in Frohlocken, ja all' mein kurzes Leiden in ewige Freude verwandelt werden. Ach Herr! erhöre meine Bitte um Dessen willen, in welchem all' Dein Wohlgefallen ruhet, um Jesu, des Gerechten willen. Amen. Georg Joachim Zollikofer. Gebet um Geduld im Kreuze. Gott aller Geduld und alles Trostes! ich suche Dich in meiner Trübsal und rufe ängstlich: Erhöre und tröste mich! Du willst, daß ich dem 359 Ebenbilde Deines Sohnes gleich seyn soll. Du hast mir befohlen, mich selbst zu verläugnen, Christi Kreuz auf mich zu nehmen und ihm nachzufolgen, und das Sterben des Herrn Jesu und seine Malzeichen an meinem Leibe zu tragen. Es dünket mich aber die Züchtigung, nun sie da ist, nicht Freude, sondern Traurigkeit zu seyn. Nichte deßwegen mein Herz zu Deiner Liebe und zur Geduld Jesu Christi. Gieb einen gnädigen Regen, und erquicke Dein dürres Erbe, daß ich meine Lust an Deiner Gnade habe und reichlich getröstet werde durch Christum. Laß Line Kraft in mir Schwachen mächtig seyn, und meine Seele sen in der Stille getrost und unverzagt. Laß die Versuchung ein Ende nehmen, und nach dem Ungewitter die Sonne wieder scheinen. Laß mich beständig bleiben in Deiner Furcht, und Dir all' mein Lebenlang danken, bis ich endlich fröhlich werde, und Dir, meinem Gott, die Ehre gebe, da Du alle Thränen wirst abwischen von meinen Augen. Gelobet feyst Du und hochgeehret ewiglich. Amen. 3. Lasſenius. Gebet in allgemeinen Nöthen. Du Richter alles Fleisches, der Du nicht nach dem Ansehen richtest, sondern das Herz ansiehest: gieb uns durch Deinen heiligen Geist ein Herz, das uns selbst freiwillig richtet, damit 360 wir nicht von Dir gerichtet werden. Siehe, wir bringen unsere Klage und Noth vor Dich, weil uns die dringende Gefahr antreibt, vor Dir niederzufallen mit Beten und Flehen. Darum erwecke uns aus dem tiefen Schlafe der Sicherheit und Unachtsamkeit, damit wir uns nicht mehr verfündigen. Ach, räche nicht die Untreue und Falschheit des menschlichen Herzens, sondern gedenke der tiefen Verderbniß, und erlöse uns durch wahren Glauben von dem Uebel der Sünden und der Strafen. Beweise also an Deinen Geschöpfen, anstatt des gedrohten Unterganges, Deine große Geduld und Erbarmung, auf daß wir Vertrauen zu Dir schöpfen, uns in der Noth an Dich halten, und nach der Noth Dir beständig anhangen. Ja, was weder Geseß noch Tod und Strafe können, das thue Du selbst an uns und sende Deinen Sohn kräftiglich in unsere Herzen, um die wahre Versöhnung, Reinigung und Erleuchtung in uns zu wirken. Jesu Christe! verwandle Du den Tod in den Sieg, vertreibe die Finsterniß und Verführung der Vernunft zu bösen Werken, und schenke uns das helle Licht Deiner Wahrheit, daß wir darinnen wirken mögen. Laß keinen um Linderung der Strafen bitten, daß er wieder in Weltlust, Geiz oder anderen Sünden leben könne, sondern komme durch Deine Gnade unserer Ohnmacht zuvor, und führe uns aus der Sünde in Dein Reich ein, darinnen wir die wahre Gerechtigkeit, Ruhe und Seligkeit stets 361 finden. Ergreife die Deinigen bei der Hand des Glaubens, reiße sie aus der Gefahr, und lasse sie Deine Kraft genießen. Den Blöden und Schwachen aber sende Rettung, daß sie in der Noth nicht verzagen, und den Trostlosen komme zu Hülfe, daß sie ihr Elend überwinden. Segne uns die jetzige Gefahr zur rechten Buße und leite die Feinde Deines Wortes zur redlichen Umkehr, daß ihr Gewissen aufwache und sie die Zeit der Gnaden recht anwenden! Mache allen fleischlichen Trost, hinter welchen sich Manche verstecken möchten, zu nichte, und lehre uns die Zeit der Buße benüßen, denn Deiner Hand können wir doch nicht entgehen. Verlasse auch, o Vater! an den heimgefuchten Orten kein wahres Glied Christi im Tode, sondern bezeichne die, welche Du erkauft hast, mit Deinem heiligen Zeichen, damit sie erhalten werden zur Seligkeit. Obgleich Manche Dir bisher wenig gedienet und gehorsam waren, so lehre uns in der Anfechtung um so mehr auf Dein Wort merken, Deine Stimme im Gewissen wahrnehmen, und so unser Heil begierig suchen. So laß denn Alle Gnade finden, die im Namen Jesu zu Dir kommen. Ach, erhalte uns diesen Glauben, um unser Vertrauen nicht wegzuwerfen, wenn die Noth noch näher treten sollte. Sey gnädig dem armen Volke, schone Deiner Geschöpfe, die Du ja nicht hassen kannst. Gieb Allen Buße und Vergebung der Sünden, erhöre die Seelen, die mit dem Tode ringen, und zeige Dich ihnen 362 barmherzig und freundlich. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet! Amen. G. Arnold. Gebet in Kriegsnoth. Gott! Du bist auch dann noch ein Vater Deiner Kinder, wenn Du schwere Trübsal über sie verhängest; bist heilig und gerecht in allen Deinen Wegen, gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, ein Trost der Traurigen und eine Hülfe der Schwachen: unsere Zuversicht und Stärke, ein Herr, der vom Tode errettet. Zu Dir flehen wir, so wie alle unsere Mitmenschen, über welche Du nach Deinem unerforschlichen Rathe den Jammer des Krieges verbreitet hast. Dich beten wir in unserer Noth als einen Vater an, der seine Kinder mit Maßen züchtiget, dessen Treue groß ist am Tage der Leiden wie an den Tagen der Freude, in den Stürmen des Krieges, wie im Sonnenschein des Friedens; dessen Weisheit Alles zum Besten lenket, und aus der Traurigkeit Freude, aus dem Verluste Gewinn und aus dem Tode Leben zu schaffen vermag. Wir demüthigen uns unter Deine gewaltige, aber weise und liebevolle Hand. Wir unterwerfen uns Deiner väterlichen Züchtigung. Ach, er 363 barme Dich unser nach Deiner großen Güte! Siehe in Gnaden herab auf dieses Land, dem Du bisher so gnädig gewesen bist. Erleichtere, und mildere nach Deiner großen Barmherzigkeit die schweren Drangsale des Krieges. Laß die Seufzer der Gedrückten und Leidenden, der Armen und Elenden Erhörung bei Dir finden. Schenke denen, die für unser Vaterland kämpfen, Muth in ihrem Berufe, Schutz in Gefahren, Sieg im Streite und vor Allem Vertrauen auf Dich und Deine Hülfe. Begegne dem Geiste der Zwietracht unter den Völkern und laß bald wieder Friede, Ruhe, Sicherheit und Ordnung zurückkehren. Nimm uns, unsern Ort und unser ganzes Land in Deinen mächtigen Schuß. Erhalte unser Herz nur bei dem Einen, daß wir Deinen Namen fürchten, Dir kindlich vertrauen. Dich in unserer Noth suchen, und durch Deine Züchtigung uns zu ernster Buße erwecken lassen. Dein Rath ist wunderbar, aber Du führest Alles herrlich hinaus. Stärke unseren Glauben; Herr, unsere Seele harret auf Dich; Du bist unsere Hülfe und unser Schild! Amen. 364 Gebete für Kranke und Sterbende. Tägliches Vorbereitungsgebet auf den Tod. 1. Ach lieber Gott und Herr! ich lebe, aber ich weiß nicht, wie lange. Ich muß sterben und weiß nicht, wann? Du, mein himmlischer Vater, weißt es! Wohlan, soll dieser Tag der letzte meines Lebens seyn, Herr! Dein Wille geschehe, er allein ist der beste: mache mich bereit, im wahren Glauben an Christum, meinen Erlöser, zu leben und zu sterben. Gewähre mir, lieber Gott! nur diese Bitte, daß ich nicht plößlich in meinen Sünden sterbe und verderbe. Gieb mir aufrichtige Erkenntniß, Reue und Leid über meine begangenen Sünden, und stelle sie mir noch in diesem Leben vor die Augen, und nicht erst am jüngsten Tage, um dort zu Schanden zu werden. Verleihe mir noch so viel Zeit zur Reue und Buße, daß ich meine Uebertretung von Herzen erkennen und Vergebung und Trost aus Deinem seligmachenden Worte erlangen möge. Ach barmherziger Vater! verlaß mich nicht und nimm Deinen heiligen Geist nicht. von mir. Mein Herz und meine Zuversicht ist Dir, o Gott! wohl bekannt; in derselben erhalte mich zum ewigen Leben. Laß mich sterben, wann 365 Du willst, nur verleihe mir ein sanftes und durch Christi theures Blut seliges Ende. Amen. B. Schmolte. 2. Herr! lehre mich, daß es ein Ende mit mir nehmen wird, daß mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meiner Tage sind nur noch wenige und mein Leben ist nichts mehr. Deine Weisheit hat mir ein Ziel geseßt, das werde ich nicht überschreiten. Wie könnte ich mich der Sicherheit überlassen, da der nächste Augenblick nicht mehr in meiner Gewalt stehet, um mich zur Unsterblichkeit ernstlich vorzubereiten! Mache also, o Gott! den Gedanken an den Tod recht lebendig in meiner Seele und bewahre mich vor Uebertretung Deiner Gebote. Ich bin ein Gast auf Erden und habe hier feine bleibende Stätte. Du hast mich aber nicht allein für dieses Leben geschaffen, sondern zur Ewigkeit bestimmt. Deine Güte schenkte uns den eingeborenen Sohn, der uns durch seinen Tod die Hoffnung des ewigen Lebens erwarb. Nichts soll mir also mehr am Herzen liegen, als die beständige Vorbereitung auf jene selige Unsterblichkeit, die Du mir in Christo Jesu verheißen hast. Bei den flüchtigen Tagen meiner irdischen Wallfahrt soll es täglich mein wichtigstes Geschäft seyn, mich vor Deinen Augen, Allwissen 366 der! aufrichtig zu untersuchen, ob ich auf dem rechten Wege bin, oder ob ich den Weg, der den verderbten sinnlichen Lüsten schmeichelt, erwählet habe. Lehre mich meine Tage sorgfältig berechnen, um zu sehen, wie viel ich Gutes versäumet und wie ich die kurze Gnadenzeit anwende, um noch Gutes zu schaffen. Verleihe, daß ich in Gleichgültigkeit gegen die Welt, meine Begierden von dem Jrdischen immer mehr zurückziehe, und darnach trachte, was meinen Geist zufrieden und glücklich macht. D welche Ruhe giebt mir die frühzeitige Bekanntschaft mit dem Tode! Diese Bekanntschaft wird mein Gewissen unverleßt bewahren und mich mit weiser Vorsicht in dieser Welt wandeln lehren, wo meiner Tugend allenthalben gefährliche Verführungen drohen. Großer Gott, in dessen Händen meine Lebenszeit stehet, Du erfreuest und tröstest meine Seele durch den großen Gedanken ihrer Unsterblichkeit. Erwecke und stärke sie, so zu denken und zu handeln, wie sie bei dem Abschiede aus der Welt wünschen wird, gehandelt zu haben. Heilige mich in Deiner Wahrheit, Dein Wort ist Wahrheit! Amen. Rosenmüller. Tägliches Gebet eines Kranken. 1. lieber Gott und Vater! Du hast über mich eine Zeit der Leiden hereinbrechen lassen. Ich 367 danke Dir, mein Gott! für die Erkenntniß, daß des Kreuzes Weg der Himmelsweg sey, und daß Du auch in Krankheiten unserer Seele Gutes thust. Ich sehe wohl, mein Gott! daß Du mich von der Welt trennen, sie mir bitter und den Himmel süße machen willst; daß ich soll verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, um züchtig, gerecht und gottselig zu leben in dieser Welt; daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben, um durch eine herzliche Buße mich zu Dir zu bekehren. Denn wenn uns wohl ist und wir von keiner Trübsal wissen, so dünket uns leicht, wir seyen nur in der Welt, um irdisch Gut zu sammeln, mit der Welt zu sündigen und uns in ihre Weise zu schicken. Aber weil dieß für unsere Seele das Verderben und die ewige Verdammniß seyn würde, so pflegst Du nach Deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein Gott! es scheinet Du wollest jeßt auch mit mir allein sprechen und mir sagen: ,, hüte dich vor der Welt Sünden, Verführungen, Bosheiten und Gewohnheiten, und bereue die begangenen Sünden durch Veränderung deines Sinnes, welches da sey der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille!" Nun, mein Gott! das will ich auch thun. Wirst Du mir die Gesundheit wieder schenken, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine alten, bösen Gewohnheiten ablegen, alle Gelegenheiten 368 zur Sünde fliehen und ein neuer Mensch werden. Denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. O Herr! vollbringe das gute Werk, welches Du in mir angefangen hast, zu Deiner Ehre und zu meiner Seele Heil; mache meine Seele gesund und gieb, daß ich in wahrer Buße und lebendigem Glauben mich vor Dir demüthige, in den Wunden Jesu Hülfe, Rath, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Amen. Joh. Fr. Start. 2. Es hat Dir gefallen, mein Schöpfer und Vater! mich mit Krankheit heimzusuchen. Meine Kraft hat mich verlassen, mein Odem ist schwach, meine Munterfeit dahin; Mattigkeit und Schmerzen haben meine Glieder befallen, und mein natürliches Leben ist nahe dem Grabe. O Du, der Du gesagt hast: ,, Ich bin der Herr, Dein Gott," zu Dir nehme meine Zuflucht, auf Dich sebe ich auch in dieser Prüfung mein Vertrauen. Vor allen Dingen bitte ich Dich, daß Du Dich gnädig meiner Seele annehmen, mir um Christi willen alle meine Sünden vergeben, und mir Hoffnung und Glaubensfreudigkeit im Tode schenfen wollest. Laß die Krankheit meines Leibes zur Gesundheit meiner Seele gereichen. Heilige Deine väterliche Züchtigung zur Genesung mei 369 nes Geistes, daß das Gefühl meiner Schwachheit den Glauben an Dich stärke und meine Buße aufrichtig und ernsthaft mache. Sey mir nicht schrecklich, o mein Gott! in diesem Leiden, sondern laß die Gebeine, die Du zerschlagen hast, Freude und Wonne fühlen. Ach, wen habe ich im Himmel und auf Erden, als Dich, der mir helfen, mich stärken und beruhigen könnte? O mein Vater! Du hast mir diese Last auferleget, hilf mir, sie auch tragen. Lindere meine Schmerzen; erquicke meine matte Seele mit Deinem himmlischen Troste; schenke mir christliche Geduld und Gelassenheit; läutere meinen Glauben in der Hiße der Trübsal und segne den Gebrauch der Arzneimittel zur Wiederherstellung meiner verlorenen Gesundheit. Herr! Du Allmächtiger! bei Dir ist kein Ding unmöglich. Wenn Du willst, kannst Du mich wieder gesund machen. Bin ich noch nicht bereit zum Sterben, noch nicht reif für die Ewigkeit: o so verlängere noch meine Gnadenzeit; reiß mich nicht weg aus dem Lande der Lebendigen, sondern stärke mich noch ferner durch Deinen Geist, daß ich künftig als ein fruchtbarer Baum Dir wohlgefällige Früchte tragen möge. Ja, Herr! ich gelobe es, daß ich mit Leib und Seele mich Dir heiligen will, so Du mich wieder aufkommen lässest. Sollte aber in Deinem heiligen Rathe mein Ende beschlossen seyn, so bitte ich Dich flehentlich um die Gnade, selig zu sterben. Ach nur selig, was die Krankheit auch immer Alles mit Gott! 24 370 für einen Ausgang nehmen wird, sie mag zum Leben oder zum Tode seyn: laß sie nur zu Deiner Ehre und zu meinem wahren Besten dienen. Vater! nicht mein, sondern Dein Wille geschehe! Herr! Dir lebe ich, Herr! Dir sterbe ich! Herr! Dein bin ich todt und lebendig! Amen. Dr. Joh. Gottl. Burckhard. Gebet um Wiederherstellung der Gesundheit. Herr Jesu Christe! Du einziger Arzt und Meister, der in den Tagen der Wallfahrt auf Erden die Kranken, die Rath, Trost und Hülfe suchten, mit einem Worte gesund gemacht hast: fiehe, hier liege ich Kranker auf dem Schmerzenslager und weiß keine andere Hülfe im Himmel und auf Erden, als nur allein bei Dir! Du biſt mein einziger Trost, meine einzige Zuflucht, darum rufe ich Dich an von Grund meines Herzens: O Herr Jesu! Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Denn so Du willst, kannst Du mich gesund machen. O Herr Jesu! sprich nur ein Wort, so werde ich gesund. Der Du alle Schmerzen auf Dich geladen und alle unsere Krankheiten getragen hast, erbarme Dich meiner, lindere die Schmerzen, strecke Deine Gnadenhand über mich aus, daß ich mich Deinem Willen geduldig unterwerfe und mich auf Deine Allmacht mit wahrem Glauben verlasse. Sey und 371 bleibe mein Jesus und Heiland, dann werde ich geheilet. Erhöre mich, Herr! so ist mir an Leib und Seele geholfen, denn Du bist mein Gott. Amen. K. Neumann. Morgengebete für Kranke. 1. Jesu Christi, des Gekreuzigten Schwachheit sen heute und allezeit meine Stärke; sein Kreuz und Leiden sey mein Sieg; Jesu Christi Versöhnung durch sein Blut sey meiner Seele Heilung, Jesu Tod sey mir das Leben, seine Erlösung meine Seligkeit. Amen. Herr, Du Vater des Lebens! dessen Güte und Barmherzigkeit alle Morgen neu ist, sey gelobet und gepriesen, daß Du mich Kranken in dieser Nacht so gnädig bewahret und erhalten hast. Noch kann ich das Licht schauen im Lande der Lebendigen und Deine über mich erneuerte Güte preisen. Sollte aber dieser Tag mein lezzter auf Erden seyn, ach, so bewahre doch in meinem Herzen das Licht des Glaubens, und laß Jesum Christum, das ewige Licht, mit seiner Gnade mir leuchten bis an's Ende, daß ich selig einschlafen möge in seiner seligmachenden Erkenntniß. Nun, Herr! Dein Wille geschehe! Nimm Dich meiner Seele treulich an, daß sie nicht verderbe. Amen. Mein Gott und Vater, erbarme Dich über mich! Mein treuer Heiland, 372 Herr Jesu! erbarme Dich meiner! O heiliger Geist! Du Tröster in aller Noth, erbarme Dich über mich, und gieb mir Deinen Frieden! Amen. G. Arnold. 2. Noch läsfest Du, Herr! mich leben. Deine Morgensonne leuchtet mir wieder und bringt mir, wenn auch nicht Freude, doch Milderung der Schmerzen. Wie lange wird die Nacht einem Kranken, der sie unter Schmerzen durchwachen muß, wie umdüstert sie seine Seele, wie sehnet er sich nach dem Anbruch des Tages! Darum danke ich Dir, mein Gott! für den neuen Tag, danke Dir für die Sonne, die auch einen Lichtstrahl in meine Seele senkt, und beginne den neuen Tag mit der Hoffnung, vielleicht heute weniger zu leiden und vielleicht der gewünschten Genesung näher zu kommen. Gott! Du kannst helfen, stärken und vom Tode erretten! Ist es Dein heiliger Wille, daß ich genesen soll, so sey Du gelobet; ich will das neugeschenkte Leben wohl anwenden, ich will sorgfältig und gewissenhaft Alles meiden, was sündlich und unrecht ist, ich will mit Eifer, Fleiß und Treue thun, was Dein Gebot, was die Pflicht von mir fordern. 373 Da aber selbst der Gesunde es als möglich denken muß, daß jeder Tag der letzte seines Lebens sen, um wie viel mehr muß es der Kranke? Und wenn Du mich nun heute von dieser Erde abrufen wolltest, bin ich wohl so vorbereitet, Deinem Rufe ohne ängstliche Furcht und mit Glauben und Hoffnung folgen zu können? Erhalte mir Deinen Geist, damit ich mich prüfe, gieb dem Herzen Kraft und Stärke, damit ich heute noch thue, was ich pflichtmäßig thun sollte, und was vielleicht morgen zu spät seyn würde. Kann ich irgend ein begangenes Unrecht noch vergüten? Kann ich mit voller Zustimmung meines Herzens beten: Vergieb, o Gott! mir meine Schuld, wie auch ich vergeben will denen, die mich beleidigt haben?" Sollte ich wohl in Rücksicht der Meinigen und meines irdischen Nachlasses noch Etwas nach Recht, Billigkeit und Liebe berichtigen, ordnen und verfügen? Gott! laß mich eilen, das zu thun, was ungethan mich noch in der Todesstunde beunruhigen könnte! Soll ich, mein Gott! noch länger leiden und vielleicht noch manchen bitteren Kelch der Schmerzen trinken, so sey Deine Kraft in dem Schwachen mächtig, um mit meinem Heilande und Erlöser zu beten: ,, Vater! willst Du, so nimm diesen Kelch von mir; aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Bewahre mich vor Ungeduld, Unfreundlichkeit und mürrischem Unmuth, womit so mancher 374 Kranke sich selbst sein Leiden, und denen, die ihn warten und pflegen, jede Dienstleistung erschweret. Laß mich festhalten an dem Glauben, daß Du auch der Leidenden Vater bist, daß Schmerz und Leiden Mittel sind, die Du zur Beförderung des wahren Wohles unserer unsterblichen Seele anwendest; daß ohne Deinen Willen uns nichts begegnen kann; daß denen, die Dich lieben, Alles, auch die größten Uebel des Lebens, zum Besten dienen müssen und dieser Zeit Leiden nicht werth sind der Herrlichkeit, die einst an uns offenbaret werden soll. Und kommt der letzte Abend meines Erdenlebens, dann leuchte dem scheidenden Geiste die Sonne ewiger Herrlichkeit; dann erblicke er den, der für uns gestorben und auferstanden ist von den Todten, und uns die trostreiche Verheißung gegeben hat: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben!" Wirke, o Gott! mit Deinem heiligen Geiste, in mir, daß ich in diesem Glauben leben, dulden und sterben möge! Amen. Gottfr. Demme. 375 Abendgebete für Kranke. 1. Gott der Vater, der mich erschaffen hat, bewahre mich; Jesus Christus, der mich erlöset hat, segne und erhalte mich; Gott, der heilige Geist, der mich geheiliget hat, stärke und tröste mich in dieser Nacht. Der treue, barmherzige Gott helfe mir und erlöse mich von allem Uebel, und leite mich zum ewigen Leben. Amen. Deinem Namen, mein treuer Gott und Heiland! sage ich von Herzen Lob und Dank, daß Du mir diesen Tag haft überwinden helfen und daß Deine Kraft in mir Schwachen mächtig war. Aber siehe, hier liege ich noch unter Deiner Ruthe und seufze zu Dir: Ach Herr, mein Gott! siehe doch an meinen Jammer und mein Elend und vergieb mir alle meine Sünden! Dir befehle ich meinen hinfälligen Leib und meine so theuer erkaufte Seele. Laß meinen Leib ruhen, die Seele aber stets zu Dir wachen, damit ich Deine herrliche Ankunft mit Verlangen erwarte, und stärke mich auch im Glauben und in der Geduld also, daß ich vor Dir bestehen und das himmlische Erbe durch Deine Gnade erlangen möge. Dazu hilf mir, mein Heiland und Erlöser, um Deines bitteren Leidens und Sterbens willen. Amen. G. Arnold. 376 2. Lieber himmlischer Vater, der Du zu jeder Zeit uns Deine Gnade erfahren läsfest, Dir danke ich von Herzen, daß Du auch heute mir durchgeholfen und Deine Hand nicht von mir abgezogen hast. Ich bin ja Deiner Wohlthaten nicht werth und hätte mit meinen vielen Sünden längst verdient, von Dir verstoßen und verworfen zu werden. Aber um Jesu willen hast Du mich bis hicher getragen und rufest mich noch immer zur Buße und auf den Weg des Lebens. Auch die Krankheit, die Du mir zugeschickt haft, ist ein solcher Ruf zur Seligkeit. Darum preise ich Dich für Alles, was Du an mir thust. Denen, die Dich lieben, müssen ja alle Dinge zum Besten dienen. Gieb nur, daß ich Dich recht von Herzen liebe und mich Deinem Willen völlig unterwerfe. Mache mir Alles zum Segen, was Du mich erfahren lässest, auch das Bitterste und Unangenehmste. Die bitterste Arznei hilft ja oft am schnellsten zur Gesundheit. So segne mir auch diese Krankheit zur Erneuerung und Stärkung meines Geistes, daß sie mich einführe in Dich, und daß ich in Dir, nicht mehr in der Welt meine Freude und Hoffnung finde. O treue Liebe, laß mich nur ganz in Dir ruhen; auch in dieser Nacht erquicke mich durch Deine seligmachende Nähe und wache über mir mit Dei 377 nem allmächtigen Schuße, daß mir nichts Böses widerfahre und meine Krankheit sich nicht verschlimmere. Schenke mir einen stärkenden und erquickenden Schlaf und laß mich ruhen unter dem Schatten Deiner Flügel. In Deine Hände befehle ich meinen Geist. Amen. S. E. Kapff. Fürbitte für einen Kranken. Vater, wir flehen zu Dir für ihn( sie), der ( die) unserem Herzen so werth und theuer ist. Ach! kann es nach Deiner höheren Weisheit, die das Wohl jedes Einzelnen umfaßt, die am Besten weiß, was Jedem wahrhaftig gut und heilsam iſt, kann es nach Deiner höchsten Weisheit und Güte geschehen: so laß ihn( sie) genesen, so erhalte uns ihn( sie), den( die) wir so innig lieben! Wir unterwerfen uns Deinem heiligen Willen in Demuth, doch mit der Thräne im Auge und mit banger Besorgniß. Du verzeihest gewiß die Thränen der besorgten, trauernden Liebe; Thränen wie sie selbst Dein Sohn Jesus geweint hat. Es ist ja dem menschlichen Herzen unmöglich, an Trennung von innig Geliebten ohne das schmerzlichste Gefühl zu denken. Ach, möchtest Du unsere Besorgniß und Traurigfeit durch Erfüllung unserer sehnlichsten Wünsche, durch Erhörung unserer herzlichsten Gebete in Freude verwandeln. Wo Menschen nicht helfen 378 können, kannſt Du noch helfen und retten und oft ist, wo die Noth am größten, Deine Hülfe am nächsten. Dein heiliges Wort sagt uns: ,, Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen." Vater, wir rufen Dich an: Ist es möglich, so laß uns den bittern Kelch der schmerzlichen Trennung nicht trinken, gieb vielmehr, daß wir für Rettung und Erhaltung Dich preisen und Dir danken können. Mildere, o Gott! die Schmerzen des von uns geliebten Kranken; wirke durch Deinen Geist tröstend, beruhigend und stärkend. Und soll, o Gott, Herr über Leben und Tod! soll nach dem Rathe Deiner weisen Vorsehung seine( ihre) Todesstunde herannahen: ach! so mache sie ihm( ihr) sanft und selig. Stärke dann mit Kraft aus der Höhe den Scheidenden und uns, die Zurückbleibenden. Laß ihn( sie) und uns im Geiste hinüberblicken in die ewigen Wohnungen, wohin diejenigen, die vor uns sterben, vorangehen, und wohin wir ihnen folgen werden. Laß ihn( sie) und uns festhalten im Glauben an unseren Erlöser und Heiland, der dem Tode die Macht genommen und ein unvergängliches Wesen an's Licht gebracht hat. In solchem Glauben laß uns leben, dulden und ſterben. Amen. Dr.§. Chr. G. Demme. 379 Gebet der Eltern bei gefährlicher Krankheit eines Kindes. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! Du siehest, welch ein Jammer jetzt unser Herz erfüllet. Wie ist die Freude an unserem Kinde in so schwere Sorge, in so schmerzliche Trauer verwandelt worden! Da liegt es vor unseren Augen und jeder Zug seines Gesichtes bricht unser Herz. Wir möchten gerne helfen und können doch nicht. Ach, daß Du Dich erbarmtest, allmächtiger Helfer! bei Dir ist ja kein Ding unmöglich. Wenn Du gebieteſt, so muß die Krankheit weichen; wenn es Dir gefällt, so werden wir die süße, ach! die heiß ersehnte Freude genießen, unser liebes Kind genesen zu sehen. Doch es ist Dein, und Du, sein rechter Vater, hast daran ein größeres Recht als wir. Willst Du es nehmen, so werden wir wohl schmerzlich weinen, aber murren, nein, das wollen wir nicht, und Du wirst uns Gnade geben, Dir mit willigem, ergebungsvollem Herzen dieses Opfer zu bringen. Wir sehen ja mit unseren blöden Augen nur, was vor uns liegt. Du aber, Allwissender! siehst die fernste Zukunft wie die Gegenwart, und wir trauen es Deiner weisen Vaterliebe zu, daß Du nur des Kindes und unser eigenes wahres Heil zur Absicht hast. Willst Du demnach die junge Pflanze jetzt schon in Dein himmlisches Paradies ver 380 seßen, so tröste uns der Gedanke: dort ist sie bewahret vor den Sünden, die sie hier zerknicken könnten. Darum stellen wir Alles in Deinen heiligen Willen. Wenn es Dir aber gefiele, unser Flehen in Gnaden zu hören und uns des Kindes Leben zu schenken, so laß es uns immerdar betrachten als einen lebendigen Zeugen Deiner Macht und Gnade; auch schenke uns Kraft und Weisheit, es für Dich und Dein himmlisches Reich zu erziehen. Und endlich laß uns Alle wieder beisammen wohnen in dem himmlischen Reiche unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, da wo kein Žeid, kein Schmerz, kein Tod mehr unsere Freude stört, wo wir in vollkommener Seligkeit Dich ewig loben und preisen. Amen. Flatt. Fürbitte für einen kranken Ghegatten. Herr! erbarme Dich unser, daß mir Beide gesund mögen unfer Alter erlangen." Tob. 8, 10. Sütiger Gott! barmherziger Vater! es hat Dir nach Deinem weisen Rathe und Willen gefallen, meinem lieben Chegatten eine schwere Krankheit aufzulegen. Ach, wie blutet mir das Herz, wenn ich ihn matt und entkräftet auf dem Schmerzenslager und in seinen Leiden jammern hören muß! Wie gerne wollte ich einen Theil seiner Plagen auf mich nehmen, wie 381 gerne wollte ich Alles anwenden, was in meinen Kräften stehet, wenn ich ihn nur zu retten fähig wäre! Ich denke mit Entseßen daran, was mir bevorstünde, wenn ich diesen meinen so theuern Gatten, und in ihm meinen Versorger, Ernährer und Beschüßer ( in ihr meine beste Freundin und Gefährtin) verlieren sollte! Welche schreckliche Last der Sorgen und des Kummers würde dann auf mich fallen! Wie traurig würden mir( und meinen Kindern) die künftigen Lebenstage ohne einen so treuen Beistand verfließen! Ach! ist es nicht wider Deinen heiligen und guten Willen, so verschone mich mit dieser schweren Last! Erbarme Dich vielmehr meines kranken Gatten und hilf ihm von seinem gefährlichen Krankenlager bald wieder auf, da ja Leben und Gesundheit allein in Deiner Hand stehen. Erleichtere ihm seine Leiden; flöße ihm Geduld und Gelassenheit ein; stärke mich, ihm treulich beizustehen, segne die angewandten Arzneimittel, und laß ihn bald, mit neuen Kräften begabt, zu seinen Geschäften wieder tüchtig seyn, damit wir Dir für Deine Hülfe recht freudig danken können. Solltest Du beschlossen haben, ihn und mich mit ihm länger leiden zu lassen, so verleihe uns Beiden Trost und Standhaftigfeit; so gieb uns immer stärkeres Vertrauen zu Deiner Vaterliebe und Fürsorge, und laß dieses Leiden zu unserem Besten dienen. Wäre es aber Dein Wille, daß er von dieser Krank 382 heit weggerafft werden soll, so mache ihm seinen Abschied aus der Welt und seinen legten Kampf erträglich. Gieb, daß er in wahrer Buße und im Glauben an Jesum sanft und selig einschlafe und zur ewigen Freude eingehe. Verlasse aber auch alsdann mich( und meine Kinder) nicht, sondern sen selbst( ihr Vater und Versorger) mein Freund und Wohlthäter, und beruhige mich mit Deinem göttlichen Troste. Vielleicht läsfest Du o himmlischer Vater! diese traurigen Besorgnisse nicht in Erfüllung gehen und schenfest mir meinen lieben Gatten( meine geliebte Gattin) bald ganz gefund wieder. O wie würde sich alsdann unser Flehen und Jammern in Dankgebete und Lobgesänge für Deine erbarmende Hülfe und Errettung verwandeln! Mache es, o treuer Vater! wie es Dir gefällt, und wie es uns heilsam und gut ist, um Jesu Christi willen! Amen. Ries. Dankgebete nach wiedererlangter esundheit. 1. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der Dir alle deine Sünden vergiebt und heilet alle deine Gebrechen! Gott! von unendlicher Erbarmung, der Du gnädig bist Allen, die auf Dich trauen, 383 auch ich weiß es jetzt aus eigener Erfahrung, daß Du mit Deiner Hülfe nahe bist denen, die Dich mit Ernst anrufen. Denn als ich in meiner Noth zu Dir rief, da erhörtest Du mich und halfest mir von meiner Krankheit, so daß ich Dir jeßt mit fröhlichem Herzen dafür danten kann. O daß doch die Erinnerung an die Umstände, in denen ich mich befunden habe, einen tiefen Eindruck auf mein Gemüth machen und mich ermuntern möchte, alles dasjenige ernstlich zu meiden, was mich von Neuem auf das Krankenbett werfen und in die Gefahr des Todes bringen könnte. Vornehmlich aber gieb, Du Erhalter meines Lebens! daß ich in Erfüllung aller meiner Pflichten eifrig und treu sey, damit bei einer fünftigen Krankheit keine Verdammung meines Gewissens das Gefühl meiner Schmerzen vermehren und mir meinen Zustand noch beschwerlicher machen möge. Wie unglücklich würde ich seyn, wenn mich bei einem verlegten Gewissen über lang oder kurz noch eine heftigere Krankheit überfiele, und ich dann gleich Anfangs außer Stand gesetzt würde, für das, was zum Frieden meiner Seele dienet, zu sorgen! Laß mich also keine Zeit verlieren, meine Seligkeit zu schaffen, sondern allen Fleiß anwenden, meinen Beruf zum ewigen Leben festzuhalten, damit ich immer bereit sey, und, wenn mich der Tod überrascht, mir der Eingang in jenes bessere und vollkommenere Leben nicht verschlossen seyn möge. 384 Du schenkest mir noch Zeit zur Besserung; gieb mir denn auch ein Herz, das bemühet sey, sich zu bessern. Lehre mich bedenken, daß ich nicht nur sterben muß, sondern auch plößlich sterben kann; und daß, wenn es nicht diese Krankheit war, es eine andere seyn wird, die meinem Leben ein Ende macht; damit ich bei Zeiten das thue, was ich dann zu spät wünschen würde, gethan zu haben. Laß keine Sünde über mich herrschen, keine Versuchung mich überwinden, oder mich die theuern Pflichten, welche ich Dir und meinem Erlöser schuldig bin, leichtsinnig vergessen! Wirke in mir nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen des Guten nach Deinem Wohlgefallen. Mache mich mit jedem Tage zu Deinem, ewigen, himmlischen Reiche geschickter, und wenn Du mich endlich durch den Tod erlösen wirst, so führe meine Seele in das bessere Leben ein, wo kein Schmerz und kein Tod mehr seyn werden. Amen. M. G. H. Rosenmüller. 2. Du allmächtiger und gnädiger Gott! ich trete vor Dein allerheiligstes Angesicht und danke Dir von Grund meiner Seele, daß Du mich von meinem Krankenbette wiederum aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Stunden voll Angst, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, in welcher ich schwebte. 385 Aber siehe, Deine mächtige Hand hat mich gnädig und hülfreich bewahret, Du hast mich wieder auf die Füße gestellet, daß ich aus- und eingehen kann. Deine Gnade hat meine Klage in Freude verwandelt. Herr, Herr! Du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich; Deine Liebe und Barmherzigkeit haben mir bis hieher geholfen. Denn das weiß ich, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn Du, o Gott! hast nicht Lust an unserem Verderben; nach dem Ungewitter läsfest Du die Sonne wieder scheinen, nach dem Weinen überschüttest Du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden; daher will ich mein Lebenlang denken an die Angst meiner Seele; aber ich will auch rühmen, o allmächtiger Gott! was Du an mir gethan hast. Du hast meine Schmerzen gelindert, Du hast mir Stärke gegeben, das Leiden zu überwinden; Du hast mir nach mühevollen und elenden Nächten Erquickungstage bescheeret und Dich meiner Trübsal wie ein Vater erbarmet. Darum lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was er Dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir Alle, die ihr jemals in Nöthen, Krankheit und Leiden gewesen seyd, den Herrn und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir riefen zu dem Herrn, half er uns aus allen Nöthen. Die den Alles mit Gott! 25 386 Herrn in ihrem Elend im Glauben ansehen und zu ihm beten, deren Angesicht wird nicht zu Schanden; er lässet sie nicht betrübt von seinem Throne weggehen, sondern erbarmet sich ihrer gnädiglich. Ach mein Gott! laß dieſe mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen seyn. Nun weiß ich, daß Du ein mächtiger Gott bist, daß Du kannst die Todten lebendig, Kranke gesund, die Schwachen stark, und Be= trübte fröhlich machen. War ich dem Tode nahe, so hat Deine Güte diesmal mein Leben erhalten. Darum, mein Gott! habe ich mir fest vorgenommen, die mir gefchenkte Gesundheit, das auf's Neue mir verliehene Leben und die Jahre, die ich nach Deinem Willen noch in der Welt bleiben soll, zu Deinen Ehren anzuwenden, und in der wahren Frömmigkeit zuzubringen; ach! ich habe in meinen Schmerzen erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslast nicht abnehmen konnten, sondern wenn Du mir nicht geholfen hättest, ich in meinem Elende vergangen wäre. Darum will ich nicht mehr nach eitlen Dingen trachten, sondern meine Freude an Dir haben; ich will der Welt Gesellschaft meiden und mich halten zu Deinem Altare, da man höret die Stimme des Dankes, und da man erzählet alle Deine Wunder. Ich will verläugnen das ungöttliche Wesen und 387 die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit ich bereit sey, zur ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen, wenn einst meine Todesstunde kommen wird. Joh. Friedr. Starf. Gewiffensprüfung auf dem Krankenbette. Erforsche mich, Gott! und erfahre mein Herz, prüfe und zeige mir, wie ich's meine, und laß mich ungeheuchelt vor Dir mein Wesen untersuchen und mich zu Dir bekehren, denn ich möchte vielleicht Deinem Gerichte nahe seyn. Habe ich etwa meine Buße aufgeschoben bis jetzt, und mich nicht gebessert, um noch sündigen zu können? Habe ich bei gesunden Tagen die Sünde verlassen, ehe ich sie nun wegen Schwachheit des Leibes verlassen muß? Glaube ich wohl jetzt erst unter Schmerzen fromm zu werden? Gedenke ich Dir nur aus Heuchelei jetzt gute Worte zu geben, weil mich die Welt und das Zeitliche, ja der Leib selbst verlassen wollen? Ist meine Gottesfurcht, mein Kirchen-, Beicht- und Abendmahlgehen Heuchelei oder Ernst gewesen? Wie habe ich gebetet, was habe ich gesuchet, worauf ging mein Streben in dieser Welt? Habe ich etwa Dir, o mein Schöpfer und Heiland! während meiner Lebenszeit den Rücken gewendet und meiner ar 388 men Seele meist vergessen? Und suchet nun meine listige Natur mit Heuchelei nur Andere zu befriedigen, sich nur bußfertig und fromm zu stellen, damit ich vielleicht für selig gehalten und gepriesen werde? Oder kann ich es ertragen, wenn mir meine Sünden vorgehalten werden? Bin ich willig, sie zu gestehen, zu hassen und zu verlassen? Unterwerfe ich mich von Herzen Deinem heiligen Urtheile, oder hält mich wohl gar die Heimliche Hoffnung eines längeren Lebens von ernster Besserung ab? Wünsche ich länger zu leben nur aus Liebe zur Welt und Eitelkeit, oder aus innigem Verlangen, Zeit zur Buße und Besserung, zur Reinigung meines Herzens und zur Ersegung des Versäumten zu haben? Suche ich meine Seligkeit mit Furcht und Zittern zu erlangen, oder halte ich ein paar Seufzer für hinreichend zur Besserung? Ist mein Glaube rechtschaffen und vom heiligen Geiste gewirket, oder ist er ein menschlicher Wahn, der des Herzens Grund nimmer berühret? Mißbrauche ich Christi Verdienst, und will ich nicht Buße thun? Verlasse ich mich auf Menschen und deren Beifall, oder auf Dein untrüglich Wort und auf Deine Vorschrift zu meiner Seligkeit? Halte ich die Befehrung für ein Menschenwerk, das ich selbst mir geben könne, oder für Dein Werk, das Du nach Deinem Wohlgefallen wirken willst, nicht wenn ich will? Habe ich also mein Heil vergessen und aufgeschoben bis jetzt, da mir die 389 Krankheit nun genug zu thun macht? O wie habe ich mich selbst verführet, fälschlich getröstet, und mich vom Glauben und einer seligen Vorbereitung abgehalten! Ach, ich bitte Dich, o Gott! um Deiner Barmherzigkeit willen, gieb mir Alles zu erkennen, was mein Gewissen rege macht und beschämt, damit ich mich nicht selbst betrüge. Laß mich lieber hier selbst richten, damit ich nicht von Dir gerichtet werde. Gieb mir vielmehr Zeit und Ernst zur Buße, um mich zu bekehren, weil es noch heute heißt, denn morgen möchte vielleicht kein Wiederkehren seyn. Dann werde ich im Leben und Sterben getrost seyn, und den Tod nicht fürchten, wenn ich nur Dein Kind und reines Herzens geworden bin. Ach siehe, ich stehe vor der Pforte der Ewigkeit und erwarte Dein Urtheil. Jch bin gegen Dich undankbar gewesen und habe Deines Geistes Regung wenig geachtet. O hätte ich nur noch ein solches Herz, welches sich ganz von Dir erneuern und reinigen ließe! Segne daher meine Schmerzen zur wahren Besserung. Gieb mir Kraft, ein neuer Mensch zu werden, der nach Dir geschaffen sey; denn so ich nicht von Neuem geboren werde, kann ich Dein Reich nicht schauen. Darum sende Dein Licht und Deinen Geist, der mich in Deine Ewigkeit einführe, durch das Leiden und Sterben Deines lieben Sohnes in Kraft des heiligen Geistes, dem ich 390 mich nun ergebe zu meinem zeitlichen und ewigen Besten. Amen. G. Arnold. Gebet des Kranken vor der Communion. Liebster Jesu! ich bin Willens, das von Dir eingesetzte Liebesmahl jeßt, da ich auf dem Krankenbette darnieder liege, zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt scheiden werde. Damit ich aber nicht ohne Dich vor dem Gerichte Gottes erscheine, so will ich, weil ich noch lebe, mich von Neuem mit Dir vereinigen, auf daß Du in mir und ich in Dir sey und bleibe. Du bist ja nahe den Elenden, Du erfreuest die Betrübten, Du hilfst Denen, die ein bedrängtes Gemüth haben; so laß auch jetzt mein Herz erfreuet und meine Seele durch diese himmlische Speise und Trank erquickt werden. Ich will jetzt Deinen Tod verkündigen, und mich erinnern an Dein Leiden und Sterben, an Deine Wunden und Schmerzen, an Deine Marter und Bein, an Deinen Kreuzestod und an Alles, was Du für mich gethan; an die Einsetzung Deines heiligen Abendmahles, in welchem Du mich speisest und tränkest zum ewigen Leben. Ich glaube Deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaftigen Gottes; ich glaube, im heiligen Abendmahle Deinen wah 391 ren Leib und Dein wahres Blut zu empfangen. Nun diese himmlische Speise, dieser himmlische Trank soll mich stärken im Glauben, daß ich mit Gott versöhnet; sollen mich trösten daß ich nicht verloren sey; sondern das ewige Leben habe; sollen mich versichern, daß ich in Deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünden erlange und mit Dir vereinigt sey, der Du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünden. Diese himmlische Speise, dieser himmlische Trank sollen mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nämlich an die ewige Freude und Herrlichkeit, zu welcher Du mich nach dem Tode führen wirst. O, Jesu, heilige und reinige mich, damit ich mich, mit Dir auf ewig verbinden möge! O meiner Seele Hort, speise mich mit dem Brode des Lebens, erquicke mich mit Deinem heiligen Blute! Alsdann kann mich die Sünde nicht verklagen noch verdammen, ich habe ein vollkommen Lösegeld, welches Du am Stamme des Kreuzes für mich bezahlet hast; dadurch bin ich gerecht, dadurch bin ich selig. Amen. Gebet nach der Communion. Mein Jesu! mich hat herzlich verlangt das heilige Abendmahl zu empfangen, bevor ich ſterbe. Dieses Verlangen ist jett erfüllet worden; 392 Du hast mich gespeiset und getränket mit Deinem heiligen Leib und Blut; dafür preise ich Dich von Grund meines Herzens. Meine Seele ist nun genesen, nachdem ich mit Jesu vereiniget bin; ja ich will nun gerne sterben, nachdem ich, o Jesu! zu der innigsten Gemeinschaft mit Dir gelanget bin. Herr! nun läsfest Du Deinen Diener im Frieden fahren, denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen, O Jesu! lebe in mir, schenke mir einen gelassenen Muth, christliche Zufriedenheit und eine Dir ganz ergebene Seele. Erhalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, und laß Dein liebliches Andenken immer in mir sein. Willst Du mich, o Gott! mun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe Dein Wille. Ich weiß, die Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor Dich zu treten; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenket, und wenn ich in diesem Schmucke und Ehrenkleide zu Dir, mein Gott! komme, so wirst Du mich von dem Gerichte lossprechen. Nun ich gerecht worden bin durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott, durch unseren Herrn Jesum Christum. Durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zu Gottes Gnadenthron geöffnet. Ich weiß, Jeſus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade und in dem Frieden Gottes; ich bin des Beistandes 393 des heiligen Geistes versichert. So bin und sterbe ich selig, so gehe ich selig aus der Welt So ist denn und werde ewiglich selig seyn. mein Wunsch erfüllet, daß meine Speise vor dem Scheiden das heilige Abendmahl sey. Verleihe mir, daß mein letztes Wort auf Erden auf Jesus, und meine letzten Gedanken auf Jesu Blut, Tod, Leiden und Sterben und auf sein heiliges Verdienst gerichtet seyen; so weiß ich, daß ich fröhlich und selig sterben werde. Ist Gott für uns, wer mag wider uns seyn? Ja, wer will mich scheiden von der Liebe Jesu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringet zu der Gemeinschaft der Heiligen und Auserwählten! Amen. — Gebet und Abschiedsworte eines Sterbenden. Im Vorgefühle der herannahenden Stunde des Todes nehme ich Abschied von allen meinen Angehörigen, Verwandten und Freunden; ich befehle sie, großer Gott! in Deinen Schuß, in Deine Liebe und Gnade. Thue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe und Wohlthaten, weil ich ihnen nicht Alles vergelten konnte. Ich verlasse meine Freunde, Verwandte und Bekannte, aber Du, o großer Gott! wolleft sie nicht verlassen; erhalte sie in Deiner Furcht, im Glauben und Frömmigkeit, damit wir uns einander 394 im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Gläubigen und Kinder Gottes wieder zusammen kommen. Diejenigen aber, o getreuer Gott! die ich hinterlasse und denen mein Scheiden von dieser Welt betrübt und schmerzlich seyn wird, stärke mit Deiner Kraft und Deinem Segen. Der Herr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen, er segne euch an Leib und Seele, er sey euer Vater, Versorger und Pfleger, er nehme euch in seinen Schuß, er gebe euch nach seiner väterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen und bewahre euch vor allem Uebel. Nur fürchtet Gott und seyd fromm, ſebet euer Vertrauen auf ihn und wisset, er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig seyn. Wendet euch nicht von ihm ab durch Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seyd ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des ewigen Lebens geben. Lasset nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und ge= horchet ihm. Ja, der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euren Ausgang und Eingang, daß ihr seyn und bleiben möget die Gesegneten des Herrn. O großer Gott! ich habe sie gesegnet! laß sie auch gesegnet bleiben. Und nun, o dreieiniger Gott! nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu seyn. Herr Jesu! Dir lebe ich, Dir sterbe ich, Dein - 395 bin ich todt und lebendig. Mache mich und die Meinigen, o Jesu! emig selig! Amen. Joh. Friedr. Stark. Ein anderes Gebet eines Sterbenden. mein himmlischer Vater und Gott, und Vater unseres Herrn Jesu Christi, Du Gott alles Trostes! ich danke Dir, daß Du mir Deinen lieben Sohn Jesum Christum geoffenbaret hast, an den ich glaube, den ich bekenne, den ich geliebet und dem ich gelebet habe. Ich bitte Dich, mein Herr Jesu Christe! laß Dir meine Seele befohlen seyn. O himmlischer Vater! obschon ich diesen Leib verlassen muß und aus diesem Leben hinweggerissen werde, so weiß ich doch, daß ich bei Dir ewig bleiben werde, und daß mich Niemand aus Deinen Händen reißen kann. In Deine Hände befehle ich meinen Geist; Du hast mich erlöset, treuer Gott! Amen. Dr. Martin Luther. ww Fürbitte für einen Sterbenden. Heiliger, barmherziger Vater! siehe in Gnaden an unseren Miterlösten, der mit dem Tode ringet. Erbarme Dich seiner in der letzten Angst. Erbarme Dich seiner im Gerichte. Wir empfehlen Dir seine Seele, die Du zum ewigen Leben 396 erschaffen hast; erlöse sie von allem Uebel und nimm sie auf in Deine Hände. Göttlicher Erlöser! Jesus Christus! auch für diesen Sterbenden hast Du Dein Blut vergossen, auch für ihn die heißen Todeskämpfe gekämpft! Stehe ihm bei in seiner lebten Noth! Du hast seine unsterbliche Seele erlöset zum ewigen Leben. Rufe den scheidenden Geist in die Heimath zu Dir, auf daß er Deine Herrlichkeit schaue! Heiliger Geist, göttlicher Tröster! sey Licht, Trost und Kraft diesem Sterbenden, dessen Auge jetzt bricht. Stärke ihn in seinem letten Kampfe! hilf ihm hindurchdringen durch die enge Pforte zum ewigen Leben. Bringe seine Seele zum ewigen Frieden! Amen. Gebete und Seufzer einem Sterbenden vorzufprechen. Ach barmherziger, gütiger Gott! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde! O mein Gott! Du warest ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand, ach bleibe es auch jetzt. O Jesu! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. Dheiliger Geist! stärke mich, erhalte mich im festen Glauben bis an's Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben, ihm 397 lebe ich, ihm sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Amen. O Du heiliger, dreieiniger Gott! nimm jetzt meine Seele auf in Dein himmlisches Gnadenreich. Ach komm, Herr Jesu! ich warte auf Dich, ach führe mich ein zu Deiner Freude. Herr Gott Vater, was Du hast erschaffen, Herr Gott Sohn, was Du hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was Du hast geheiliget, das befehle ich Dir in Deine Hände, Deinem heiligen Namen sey Lob und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Amen. Joh. Fr. Starf. O Vater! ich befehle meinen Geist in Deine Hände; Du hast mich erlöset und wirst mich auch jetzt erlösen, o Herr, Du getreuer Gott. Amen. Ach Herr! erlöse mich von allem geistlichen und leiblichen Uebel, und hilf mir zu Deinem himmlischen Reiche. Amen. Herr Jesu! Dein bitteres Leiden und Sterben komme mir zu Hülfe in meiner Todesnoth und vor Deinem Gerichte! Amen. Herr! ich warte auf Dein Heil, das Du mir durch Christum erworben hast: führe mich nach Deinem Wort in's rechte Vaterland. Amen. Herr Jesu! Dein heiliger Tod sey mein Leben. Amen. 398 Herr mein Heiland! schaffe mit mir, wie es Dir gefällt! nur mache mich Deinem Vater zu einem wohlgefälligen Opfer in Zeit und Ewigkeit. Ich bin Dein und Du hast mich theuer erkauft. So sey auch von mir gepriesen im Leben und im Tode. Amen. O erlöse mich, mein Heiland! von meinem Leiden; doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst. Amen. G. Arnold. Gebet der Nahestehenden nach erfolgter Auflösung. 1. heiliger und gerechter Gott! so hat es Dir gefallen, diesen vor unseren Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen zu nehmen. Ach! laß uns an diesem Tode lernen, daß wir auch sterben und die Welt verlassen müssen, und bereite uns dazu bei zeiten durch wahre Buße, durch lebendigen Glauben und durch Vermeidung der Welt Eitelkeit und Sünde. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Troste und Freude, und erfülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die Du den Gläubigen in Deinem heiligen Worte zugesagt haft. Dem Leibe gönne in der Erde eine sanfte Ruhe bis an den jüngsten Tag, 399 wo Du Leib und Seele wiederum vereinigen und zu Deiner Herrlichkeit einführen wirst; damit der Mensch, der Dir hier gedienet, dort mit himmlischer Freude erfüllet werde. Tröste die durch diesen Tod Betrübten, und sey und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand; verlasse sie nicht, sondern gebe ihnen Deine Güte, Gnade, Liebe Trost und Hülfe reichlich zu genießen, bis Du auch sie wirft einst fröhlich und selig sterben lassen. Ach erhöre uns! um Deiner Barmherzigkeit willen. Amen. Joh. Fr. Start. 2. So ruhet sie nun, diese abgeschiedene Seele, von aller ihrer Arbeit. In Deinen Händen, o Gott! ruhet sie, und ihre Werke folgen ihr nach. Vollbracht ist ihr Leiden, vollendet ihr Kampf, überwunden sind die Schrecken des Todes. Sie ist nun in der Ewigkeit, und dieser todte Leichnam wird dereinst durch Deinen Sohn in ein neues Leben gerufen werden. Gelobet seyst Du, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! für alle Barmherzigkeit, die Du an diesem Entschlafenen während seines ganzen Lebens und in seinen letzten Stunden gethan hast. Dank, ewiger Dank sey Dir, daß Du ihm mit Deines Geistes Kraft beigestanden und ihm den Todeskampf erleichtert hast! Laß ihn nun das Ende des Glaubens, welches ist der Seelen Se 400 ligkeit davon bringen! er ist im Frieden; wir aber, ach, wir sind in Thränen! Allbarmherziger! gieb uns Trost, den Schmerz dieser Trennung zu ertragen! Tröste unsere tiefgebeugten, bekümmerten Herzen durch den Glauben an Deine Weisheit und Vatergüte, und durch die Hoffnung eines seligen Wiederfindens, Deine Gnade wache auch über uns, wie sie über dem nun selig Vollendeten gewaltet hat. Wir werden ihm Alle früher oder später nachfolgen. Ach lehre uns bedenken, daß auch wir sterben müssen! Hilf uns alle Gefahren, Leiden und Versuchungen, die uns umgeben, glücklich überwinden und einst den Gnadenlohn erlangen, den Du allen frommen Christen verheißen hast. Dir sey Lob, Preis und Ehre in Ewigkeit! Amen. M. G. H. Rosenmüller. Das Vaterunser. Vater unser in dem Himmel. 1. Mein Gott, Dich rufe ich als Vater an, der Du allein hast Macht und Seligkeit, der Du der König bist aller Könige und der Herr aller Herrscher, der Du allein Unsterblichkeit hast und im unerforschlichen Lichte wohnest, das der Mensch nie sieht, noch sehen kann! Du schufest Alles, was ich sehe und 401 nicht sehe, nicht als ob Du sein bedürftest, sondern daß Du es theilhaftig machest Deiner Güte. In Dir selber bist Du, aus Dir selber bist Du selig, und Deine Seligkeit kann Dir nicht mehren noch mindern irgend etwas außer Dir. Vater! Du kannst Alles, der Du Alles aus Nichts gemacht, das in Nichts wieder verschwände, wenn es nicht gehalten würde von Deiner Hand. Allweiser! Nichts ist unsichtba vor Dir; offen und bloß liegt Alles vor Deinen Augen. Was da gut ist, das will ausströmen seine Güte; so gut bist Du, der Du, was Du bist, ganz in Dir selber bist, daß Du vor Liebes- und Gütefülle aus Dir heraustrittst, durch Alles ausgegossen, über Alles gebreitet mit Deiner Vorsehung. Ganz was Du, bist, bist Du im Ganzen Deiner Welt, ganz so in jedem ihrer Theile. Du bist größer als unsere Erkenntniß, und ist kein Gott außer Dir! Gott bist Du als Vater, Gott als Sohn und Gott als heiliger Geist. Drei Personen, doch drei Wesen nicht, nicht drei Herren, noch drei Götter; ein Herr, ein Gott, ein Wesen, eine Herrlichkeit. Und Herr, mein Gott, was bin ich, der aus Nichts Erschaffene? Staub und Asche bin ich, der ich lebe und doch todt bin in der Nacht meiner Unwissenheit, von Sünden voll, deren mehr sind, als die Haare meines Hauptes. Herr, mein Gott, wer bin ich denn? der ich ein Wurm nur bin vor Dir, dem Allmächtigen, Wundervollen, Unerforschlichen. Wer Alles mit Gott! 26 402 bin ich, daß ich es wage, Dich meinen Vater zu nennen und mich Dein Kind? Ich wagte es nicht, hättest Du es mir nicht geboten. O Du Freund der Menschen, wie groß ist Deine Güte, daß Du der Vater der Sünder genannt seyn willst! Du guter Vater, so sehr hast Du uns geliebet, daß Du Deinen eingeborenen Sohn dahin gabst, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Herr, mein Gott, vergieb es mir, wenn ich es wage, Dich anzurufen als meinen Vater, ich thue es ja nicht aus Vermessenheit, ich thue es nur Deiner liebevollen Güte wegen. Groß muß es seyn, das Vertrauen, mit dem wir Dir entgegen gehen und Dich anbeten sollen, den wir in unseres Flehens Beginn schon Vater nennen dürfen. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht liebe? Was ist's, das der Sohn nicht vom Vater erlangte? Ich schaue auf Dein unsägliches Erbarmen, und vertraue froh, das von Dir zu erlangen, um was ich flehe für meiner Brüder Heil, o Vater, der Du nicht nur mein, der Du unser Vater bist. Zu Dir komme ich mit Zuversicht; nicht Kleines nur, Großes, die höchste aller Gaben hoffe ich von Dir zu erlangen, wenn ich nicht nur für mich, wenn ich auch für Eltern, Verwandte und Vertraute, für Freunde und Feinde bete. Wohl weiß ich es, Herr, mein Gott, allmächtiger Vater, daß Du selber überall biſt, 403 wie Du Alles selbst ohne Mittelwesen schufest und allem beistehest, es zu erhalten, damit es nicht wieder in Nichts zerrinne. Alles siehest Du, der Du allenthalben bist, und Nichts kann Deinem Auge entgehen; die Finsterniß kann Dich nicht decken, denn die Nacht wird Licht um Dich. Alles durchdringt Deine Kraft und wirkt Alles, der Du Alles lenkest mit Deiner Macht. Nirgends denn brauche ich Dich zu suchen, als nur allein in meinem Herzen. Denn wo soll ich hingehen vor Deinem Geiste, und wo soll ich hinfliehen vor Deinem Angesichte? Führe ich gen Himmel, so bist Du da, bettete ich mich in die Hölle, siehe, so bist Du auch da. Herr, mein Gott, warum sprach ich denn: der Du im Himmel bist! Bist Du denn nicht auch auf Erden? Im Himmel sind die Engel und Seligen, in denen Du viel herrlicher bist, als in den übrigen Wesen, die, verglichen mit Ihnen, wie Nichts sind. Auch Deine Heiligen sind der Himmel, erhoben über Alles, was von dieser Welt ist. Rein, voll Einfalt, im nie entweihten Lichte, im Himmel ist ihr Wandel immerdar. Du bist in ihnen durch Deine Gnade, ohne die Alles in dieser Welt Nichts ist. In diesem Himmel bist Du nach Deiner Güte und Freundlichkeit, und Du gebeutst uns, wir sollen dorthin unseren Geist erheben, sollen mäßigen alle irdischen Triebe und nichts Jrdisches wünschen auf Erden, da Du ja dennoch im Himmel bist und nicht auf Erden. Der 404 Himmel ist Dein Stuhl, die Erde nur Deiner Füße Schemel. Dieses Kleine nicht, das Höchste sollen wir von Dir erflehen, das Du droben bereitet hast denen, die Dich lieben. Geheiliget werde Dein Name. Wie Dein Name, so werde Dein Lob erkannt und geliebt, gepriesen und erhoben, verherrlicht und verkündigt überall. Denn Du bist's allein! Du allein bist mächtig! Du allein bist weise und gütig! Geheiligt und gepriesen bist nur Du allein von Ewigkeit zu Ewigkeit. Vor Dir ist keine Kreatur löblich, keine gut noch heilig; denn vor Dir und mit Dir verglichen, ist die Welt Nichts und sind die Sterne nimmer rein. Du bist das Licht, in Dir ist keine Finsterniß; dunkel ist alles Licht vor dem Deinen. Zu Dir flehen wir, dem guten, dem heiligen Vater, daß Dein Name geheiliget und geachtet werde; daß der Name Deiner Majestät, Weisheit und Güte, Deiner Gerechtigkeit und Deiner Erbarmung gefürchtet und geliebt werde von allen in der Welt, daß im Namen Jesu, der da ist in Herrlichkeit des Vaters, sich alle Kniee beugen sollen im Himmel und auf Erden, und jede Zunge bekenne, daß Du Gott im Vater seyest und im Sohne und im Geiste; ein wahrhaftiger Gott, unsichtbar, unveränderlich und unerforschlich. Was 405 sollen wir loben die Menschen? Welchen Namen sollen wir preisen? Warum loben die Menschen den Staub und die Asche? Was sollen wir die Menschen zu Göttern machen und segnen? Was thaten sie Großes vor Dir? Haft Du nicht, Herr, Alles in ihnen gethan? Sey Du denn gepriesen allein, und es werde Dein Name geheiliget auf Erden überall, weil Du allein bist, wundervoll in Deinen Werken und wundervoll in Deinen Heiligen! Geheiliget werde Dein Name in allen Ländern des Erdkreises, weil Deines Namens Unkenntniß die Ursache alles Uebels ist. Wer ist's, der Deine Herrlichkeit erkennt, und Dich nicht fürchtet? Deine Weisheit und Dich nicht ehret? Deine Güte und Dich nicht liebt? Wer ist's, der da glaubt an Deinen Sohn, den Gekreuzigten, und nicht sein Kreuz auf sich nimmt und ihm nachfolgt? So gieße Deines Namens Erkenntniß und Liebe aus über alle Völker der Erde, die da allzumal ohne Dich untergehen; gieße ihn aus, Deinen heiligen Namen, daß sie zu Dir zurückkehren und Dich lieben; daß Du in ihnen verherrlicht werdest, und Dich verklärst in aller Welt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Dein Reich komme! Jeige uns Dein Antlik, und so komme uns Dein Reich. Wer Dein Angesicht schauet, der besitzt Alles; denn das ist das ewige Le 406 ben, daß wir Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Was sollte der nicht haben, der Gott hat, den Alles Habenden? Was sollte der nicht besitzen, der da besißet den Allbesitzenden? Was der nicht sehen, der Gott, den Allsehenden, siehet? Wer Dich siehet, der herrschet mit Dir und besitzt Dein Reich in alle Ewigkeit. So komme denn Dein Reich zu uns! Ach bald, ja bald komme es uns, die wir die Fremdlinge sind in diesem Thale des Jammers, von Todesschmerz und Höllennoth umgeben, da wir nicht meiden können die Sünde, da wir tragen der Leiden endlose Last, und nicht Einer glücklich ist, er sey arm oder reich, weise oder thöricht. denn hier ist überall nur Arbeit und Seelennoth. Wir sehen es dem Thale des Jammers an, daß es nicht unser Erbe ist, daß wir unser Reich anderswo zu suchen haben. Fremdlinge denn sind wir, wie alle unsere Väter, und flehen zu Dir, o Vater, daß Du das Reich uns bescheidest, welches von Dir bereitet ist von dem Anfang der Welt; daß wir befreiet werden von dieser argen Zeit, daß wir mit Dir und Deinen Heiligen leben im Frieden Deiner Ewigkeit! Dein Wille geschehe im Himmel, wie auf Erden. Dem Frommen gehet das Licht auf in der 407 Finsterniß, und fromm ist, der Deinen Willen thut, und den kann Niemand thun, es werde ihm denn gegeben von Dir! So geschehe Dein Wille! Gieb uns, daß wir durch Deine Gnade Deinen Willen thun auf Erden, wie er im Himmel zu Deinem Ruhme geschieht von Deinen Seligen! Gedenke durch uns, Deine Kinder, zu thun, was da wohlgefällig ist vor Dir. O Du seliges Licht, läutere unsere Herzen, daß wir völlig auswerfen alle Eigenliebe und allen Eigenwillen, und ganz der Deine in uns geschehe und der unsere untergehe. Vollkommen laß es geschehen, daß Nichts des unsern mehr in uns sey und uns in Allem Dein Wille besize. Vater, reinige unsere Gemüther, bis wir nichts Irdisches mehr lieben, unser Fleisch unterjochen und den Ruhm der Welt von uns ausschließen, bis wir vollkommen Dich erkennen, den Alles in Allem Wirkenden, vor dem wir Nichts sind, Nichts können und Nichts wissen, bis wir gering sind in unsern Augen und völlig Dich lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüthe und in allen unsern Kräften, und wie uns selbst unsern Nächsten; denn in diesem Gebot sind das Gesetz und die Propheten. Gieb uns heute unser täglich Brod! Wir sind nicht tüchtig, Etwas zu denken aus uns selber; Du, Vater, mußt den Kind 408 lein für all' ihr Leibliches und Geistiges forgen, damit wir Deine huldreiche Gnade erlangen, mehren und erhalten! Gieb uns denn heute das Brod Deines Wortes und Sakramentes. Deffne uns die Augen, daß wir sehen, was geschrieben steht in Deinen Propheten und Evangelisten. Du hast den Schlüssel jeder Schrift; Du schließest zu und Niemand thut auf; Du thust auf und Niemand schließzet zu. Laß uns in Demuth und in Andacht gehen zu dem wunderreichen Gnadengut des köstlichen Leibes und Blutes Deines eingeborenen Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi. Laß uns wachsen in der Kraft dieser Speise von Tugend zu Tugend, daß wir erreichen Dein himmlisches Reich. Solche Speisen bereite uns, aber auch Geschmack und Gaumen und Zunge für sie. Täglich bereite uns das, daß wir nicht umkommen auf dem Wege; denn wir sind so hinfällig und sterben gar bald, wenn wir nicht täglich ge= speist werden. Auch den leiblichen Bedarf gieb uns, so lange wir Pilger sind in diesem Leben. Nicht Reichthum, Ehre noch Gewalt suchen wir, das Nöthige nur, damit wir unangefochten Dir dienen, nicht stolz uns aufblähen im Reichthum, nicht von Sorgen für den morgenden Tag verschlungen werden in der Armuth. Gieb uns Nahrung vom Erwerb unserer Hände; wir wollen Dein Brod nicht essen im Müßiggang. - 409 Vergieb uns unsere Schuld, wie wir unsern Schuldigern vergeben. Wir sind Deine Schuldner so vielfach; denn wer kann die Sünden zählen, die wir thun, und wer könnte ertragen, was wir täglich begehen? Wie ein besudelt Kleid ist all unsere Gerechtigkeit, und keine Zahl ist unserer bösen Gedanken. Was kann ich von unsern Reden sagen, da die vollkommensten Männer selbst ihre Zunge kaum zu zügeln wissen? Ohne Maaß sind unsere Uebelthaten; kaum thun wir jemals etwas Gutes; ja wenn wir genau prüfen, so sind wir nicht die Errichter, sondern die Zerstörer Deiner Werke. Wie des Meeres Sand sind unsere Unterlassungssünden. Mit welcher Stirne wagten wir vor Dein Angesicht zu treten, hättest Du uns nicht Vertrauen erweckt durch den Tod Deines Sohnes, der uns geliebet hat, und rein gewaschen von unseren Sünden mit seinem Blute? O wie reich ist Deine Güte! Ueber unsere Sünden geht sie unendlich, die da Barmherzigkeit und nicht Opfer will. Ein Opfer vor Dir ist das zerknirschte Herz; das wirst Du, Gott, nicht verachten. Wer kann vor Dir bestehen, wenn Du Uebertretungen zurechnest? Aber vertrauend flehen wir vor Dir; denn Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden. Siehe in Deines Sohnes Antlig, o Vater, o Schirmer, und vergieb uns! Vergieb uns, wie wir vergeben. Wir wollen 410 den Beleidigern so weit vergeben, daß wir ihnen nicht nur kein Böses thun, sondern Gutes, wo es sich ziemt und wir es vermögen. So, Vater, vergieb Du uns, strafe nicht unsere Missethat, erbarmend tilge sie und gewähre uns alle künftigen Güter, daß wir doppelt von Deiner Hand empfangen für die Sünden alle, die wir gethan! Führe uns nicht in Versuchung. Fler beharret bis ans Ende, der wird selig: wer aber nicht beharret, der wird verloren gehen. Wer könnte bis an's Ende beharren ohne Dich, da die ganze Welt voll Schlingen ist, und wir in Finsterniß wandeln und Feinde haben, die nimmer schlafen Tag und Nacht! Vollende, Vater, was Du begonnen hast; laß Dein Erbarmen uns begleiten all unser Leben lang, laß uns in der Länge unserer Tage wohnen in Deinem Hause! Wende Dein Angesicht nicht von uus, und vergelte uns nicht nach unserer Missethat. Sey unser Helfer, unser Heil, daß wir in Geduld unsere Seelen besitzen. Wenn Du vergiebst, so vergieb uns so, daß Du nicht wieder uns in Versuchung fallen läsfest, die wir nimmer bestehen könnten und der wir beistimmten zu unserem Tode. Erlöse uns von dem debel. Ob wir gleich leiden müssen für Deinen Namen, und wünschen müssen, für seinen Ruhm 411 mit Deinem Sohn gekreuzigt zu werden, befreie uns dennoch von der täglichen Drangsal, ehe sie unser Gewissen verwundet! Wer kann ohne Deine Gnade ohne Sünde bleiben in seiner Anfechtung? Hast nicht Du den Märtyrern Sieg verliehen? Mußten nicht alle bekennen: ,, wo der Herr nicht bei uns wäre, wenn die Menschen sich wider uns segten, so ersäufte uns das Wasser und Ströme giengen über unsere Seele! Unsere Hülfe steht im Namen des Herrn!" Erlöse uns vom Uebel, o Vater, nicht als ob es nicht kommen sollte, sondern damit es uns nicht in Sünden stürze! So folgen wir mit unserem Kreuze Jesu nach, der versucht ward allenthalben, gleich wie wir, doch ohne Sünde; der vom Leidensbach am Wege trank, und dann hoch empor sein Haupt hob. Durch Jefum Chriftum unsern Herrn. Bu gabst ihn uns, damit du mit ihm uns Alles gebest. Wie Du durch ihn Alles geschaffen, so willst Du durch ihn Alles erneuern im Himmel und auf Erden. Ja lieber Vater, wie Du durch ihn uns neu erschaffen zu unbeflecktem und unverwüstlichem Heil, das im Himmel bewahret ist Denen, die geschrieben stehen im Buche des Lebens! 412 Amen. $ o o geschehe denn, Herr, wonach wir uns sehnen, damit wir nicht fruchtlos vom Gebete Deines lieben Sohnes gehen, der mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebet und regieret immer und ewiglich! Amen. Hier. Savonarela. 2. Du hast Deine Säulen Dir aufgebaut Und Deine Tempel gegründet; Wohin mein gläubiges Auge schaut, Dich, Herr und Vater es findet. Deine ewige, herrliche Gottesmacht Verkündet der Morgenröthe Pracht, Erzählen die tausend Gestirne der Nacht; Und alles Leben liegt vor Dir, Und alles Leben ruft zu Dir: Vater unser, der Du bist im Himmel! Und liebevoll Dein Auge schaut, Was Deiner Allmacht Wink begonnen, Und milder Segen nieder thaut, Und fröhlich wandeln alle Sonnen! Herr! Herr! das Herz, das Dich erkennt, Erwacht vom Kummer und vom Grame, Es jauchzet die Lippe, die Vater Dich nennt: Geheiliget werde Dein Name! Der Du die ewige Liebe bist, Und dessen Gnade kein Mensch ermißt, 413 Wie selig ist Dein Thron! Der Friede schwingt die Palmen, Es singt die Freude Psalmen, Die Freiheit tönt im Jubelton: Herr! Herr! in Deinem Gottesreich Ist Alles recht, ist Alles gleich! zu uns komme Dein Reich! Kommt, Engel, aus den heil'gen Höhen, Steigt nieder zu der armen Erde! Kommt, Himmelsblumen auszusäen, Daß diese Welt ein Garten Gottes werde! O ewige Weisheit, unendliche Kraft, Du bist's, die Alles wirket und schafft; Dein Weg ist Nacht; geheimnißvoll Der Pfad, den Jeder wandeln soll. Doch in Deine Nähe Führst Du Alle, daß sie heilig werden. Dein Wille geschehe, Wie im Himmel, also auch auf Erden! Laß Aehren reifen im Sonnenstrahl, Die Frucht erglänz' im grünen Laube, Es weide die Heerd' im stillen Thal, Und auf den Bergen röthe sich die Traube, Und Alles genieße mit Dank und Freude! Unser täglich Brod gieb uns heute! Der Du, von reinen Geistern umgeben, Niederblickst auf das sündige Leben, Erbarme Dich unser! Schwachheit ist des Menschen Loos, Deine Gnad' ist grenzenlos, Dein Erbarmen unermeßlich; 414 Zeig' uns, Vater, Deine Huld In dem armen Leben, Und vergieb uns uns're Schuld, So wie wir vergeben! Herr! Herr! uns're Zuversicht, Starker Held, verlaß uns nicht! Hebe die Blicke, die freien Gedanken, Ueber der Endlichkeit enge Schranken, Hoch empor über Grab und Tod! in Wir hoffen, wir warten auf's Morgenroth; Wir sehnen uns Alle nach Deinem Licht, Nach Deinem hochheiligen Angesicht! Führe uns nicht in Versuchung, Sondern erlöse uns von dem Uebel! Denn Du bist Herr und Du bist Gott, Unser Vater! Und Dein ist das Reich, Und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Mahlmann. 3. Vater, den uns Jesus offenbaret, Den der Geist mit hoher Andacht nennt, Vater, den kein Himmel von der Erde, Keine Welt von seinen Kindern trennt. Hochgelobet sey Dein großer Name, Angebetet Deine Herrlichkeit; Heilig ehre Dich der Mensch in Staube, Von der Wiege bis zur Ewigkeit! 415 Dein Reich komme! Jenes Reich des Friedens, Das durch Weisheit und durch Liebe blüht; Jenes Reich, das Jesus Christus baute, Das die Menschen für den Himmel zieht! Es gescheh' Dein Wille hier auf Erden Wie in jenem lichten Geisterreich; Und die Wahrheit und die Tugend mache Alle Menschen Deinen Engeln gleich! Gieb uns, ewig große Freudenquelle Gieb uns, was wir brauchen in der Noth; Ach, wir bitten nicht um Gold und Schäße, Gieb uns, Herr Zufriedenheit und Brod! Wenn wir auf dem Pfad der Tugend straucheln, Herr, vergieb uns uns're Missethat, So wie wir auch gern verzeihen wollen, Wenn der Nächste uns gekränket hat. Leite uns in jeder Prüfungsstunde Wo die Tugend mit dem Laster ringt; Laß uns auf die Himmelskrone blicken, Wenn die Erde unser Herz umschlingt! So erlöse uns von allem Ulebel Das den Geist und unser Herz bedroht; Gram und Reue werden dann verschwinden, Und wir trogen jeder Lebensnoth! DO Dein, Herr, ist das Reich der Macht und Stärke, Ewig währet Teine Herrlichkeit! Alle Himmel rühmen Deine Ehre, Und Dein Tempel ist die Ewigkeit! Ende. 416 3m gleichen Berlage find folgende gute und empfehlenswerthe Bücher erschienen: Fénélon, F., Perlen chriftlicher Weisheit. Aus desſen religiösen Schriften gesammelt von Dr. A. Gebaner. brosch. Preis 15 kr. oder 5 Sgr. In eleg. Leinwandbande 40 fr. oder 12 Sgr. Gebauer, Dr. A., Sine veste Burg ist unser Soft! Vollständiges Hausbuch zur täglichen Erbauung in Liedern, Gebeten, Betrachtungen und Predigten für Gläubige in der Gemeinde Chrifti. 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