Gb 3687 Elisabeth Fliege. و في مصر F HALL SCETT S. Franciscus Seraphicus; Verlag von J. Schnell in Warendorf., Druokerei von Hüffer Schütte& C in Münster Normalbuch für die Brüder und Schwestern des dritten Ordens des h. Franciscus. Pon einem Priester des Franciscaner- Ordens der sächsischen Provinz vom h. Kreuze. ( Ausgabe in Taschenformat.) ( Auch als Zugabe zu dem größern Gebetbuche:„ Der Weg zum himmlischen Jerusalem" zu gebrauchen.) Mit Erlaubniß der Obern. Warendorf. Druck und Verlag von J. Schnell. t GB 36 37 Approbation. Zum Druck des ,, Normalbuchs für die Brüder und Schwestern des dritten Ordens des h. Franciscus" wird hierdurch von Ordinariatswegen die Genehmigung ertheilt. Münster, den 13. März 1866. Bischöfliches General- Vikariat. Brinkmann. Licentia A. R. P. Ministri Provincialis. Consentio, ut opusculum, cui titulus: Normalbuch für die Brüder und Schwestern des dritten Ordens& c. iterato praelo subjiciatur. Datum in Conventu nostro Warendorpiensi die 17. Septembris 1869. F. Gregorius Janknecht, Prov. Saxoniae S. Crucis FF. Min. Recoll. Minister Provincialis. Univ.- Bibl. Giessen Vorrede. Das Normalbuch für die Brüder und Schwestern. des drittens Ordens" erscheint hier in einer neuen Auflage, oder vielmehr in einer ganz neuen Bearbeitung. Damit nämlich der im Titel angedeutete Zweck erreicht werde, und das Büchlein geeignet sei, den Mitgliedern des Ordens in Wahrheit eine Norm und Richtschnur für ihren innern und äußern Wandel zu bieten, schien es unerläßlich, daß dasselbe über den Geist und die Verpflichtungen des Ordens Belehrungen enthielte, die bei aller Kürze mehr in das Einzelne eingingen, als in den frühern Auflagen geschehen ist. Als Anhang wurden nur die nöthigsten Gebete beigegeben, da ein vollständiges, für die Mitglieder des dritten Ordens geeignetes Gebetbuch in demselben Format beim Verleger des Normalbuchs unter dem Titel:, Weg zum himmlischen Jerusalem" erschienen ist. Möchte denn Gottes Segen das Büchlein auch in dieser neuen Bearbeitung begleiten, damit der wahre Geist des dritten Ordens, den so viele Heilige durch den Glanz ihrer Tugenden, so viele Edele durch den Ruhm ihres Geschlechtes geziert haben, sich immer mehr ausbreite und auch in unsern Tagen in seinen Gliedern wieder zahlreiche Blüthen wahrer Tugend und Vollkommenheit hervorbringe zur Ehre Gottes und seiner heiligen Kirche. Vorrede zur zweiten Auflage. In dieser neuen Auflage ist das vierte Kapitel der dritten Abtheilung, welches von den Ablässen des dritten Ordens handelt, gänzlich umgearbeitet und zwar nach den neuesten und sichersten Quellen. Nur diejenigen Ablässe sind in das Verzeichniß aufgenommen, die ganz unzweifelhaft vom h. Stuhle verliehen sind. Auch die vierte Abtheilung ist wesentlich verändert und verbessert. Sie enthält jetzt einen vollständigen Kalender der Heiligen und Seligen aller drei Orden des H. Franciscus mit kurzen Lebensbeschreibungen derjenigen, welche dem dritten Orden angehören. Alles zu größerer Ehre Gottes. Erste Abtheilung. Bemerkungen über den dritten Orden im Allgemeinen. 1. Kapitel. Die Entstehung und der Zweck des dritten Ordens. Wunderbar waltet der h. Geist in der heiligen Kirche: er schafft allen so verschiedenartig hervortretenden geistigen Bedürfnissen sowohl der einzelnen Menschen wie ganzer Völker in und durch die Kirche genügende Abhülfe, er baut gegen alle Verirrungen der Menschen einen Damm und tritt ihnen dadurch entgegen, daß gerade die Wahrheiten und Tugenden, welche den herrschenden Irrthümern und Lastern entgegengesetzt sind, der Welt gleichsam in strahlendem Lichte vorgehalten werden. In schlimmen Zeiten erweckt nämlich der Geist Gottes heilige Männer und Frauen, die in ihrem Innern alle jene Gaben und Gnaden, die der Welt nöthig sind, gleichsam sammeln und dadurch in Gott die Kraft bekommen, durch Beispiel und Wort einen neuen und bessern Geist gleichsam ein göttliches Heilmittel der der Kirche zu ergießen. in die kranken Glie— Das sehen wir besonders in der Geschichte des 13. Jahrhunderts. Die Kirche hatte damals wohl große Reichthümer und viele Macht, aber doch war ihr Zustand in mancher Beziehung traurig und ihre t t 2 Lage sehr gefährlich. Die Frömmigkeit und christliche Liebe war erfaltet; Sittenlosigkeit und arge Mißbräuche in allen Ständen waren eingewurzelt; gefährliche Keßereien, eingehüllt in den Schafspelz äußerer Strenge und Abtödtung, verbreiteten sich fast über ganz Europa, und was das Schlimmste war, das Salz der Erde war vielfach schaal geworden, und allen Anstrengungen der damaligen, sonst sehr ausgezeichneten Päpste gelang es nicht, das Uebel bis auf die Wurzel auszurotten. Da erweckte Gott zwei große Männer und gab ihnen Kraft, die Sünder zur Buße zu rufen, die Keßer wieder in die Kirche zu führen und die Guten zu bestärken und zu gemeinsamer Thätigkeit zu vereinigen. Sie ergossen ihren Geist über viele Jünger und brachten durch Stiftung neuer Orden und Genossenschaften neues Leben in die Völker. Es sind dies die beiden innigst befreundeten Heiligen, der H. Dominikus und der h. Vater Franciscus. Der h. Vater Franciscus hatte schon zwei Orden, den ersten für das männliche Geschlecht unter dem Namen der Minderbrüder, den zweiten für die Klosterfrauen unter Führung der h. Clara gestiftet und wünschte fortan nur ein einsames, der Buße und dem Gebete geweihtes Leben zu führen. Um aber den Willen Gottes zu erkennen, nahm er demüthig seine Zuflucht zu dem Gebete anderer Freunde Gottes, namentlich der h. Jungfrau Clara und seiner Jünger, der frommen Brüder Silvester, Leo und Massäus. Diese nun erklärten einstimmig, es sei nicht der Wille Gottes, daß er die übrige Zeit seines Lebens in Einsamkeit und frommer Beschauung zubringe, er solle vielmehr den Menschen mit Wort und Werk die Buße zur Vergebung der Sünden predigen. - 3 Da kam über ihn der Geist Gottes, und er„ erhob sich wie eine Feuerflamme und sein Wort brannte wie eine Fackel."( Eccl. 48, 1.) Sofort machte er sich auf, eilte, begleitet von den Brüdern Angelus und Massäus, in die Ortschaften des Thales von Spoleto und predigte wie ein zweiter Johannes Baptista mit unbeschreiblichem Eifer die Buße. Es war im Jahre 1221 nach Christi Geburt. In dem Flecken Carnerio begann er seine Mission, und kaum erscholl die Stimme des h. Bußpredigers, so kam ein wunderbarer Geist über die ganze Umgegend. Alle Herzen würden ergriffen, Alle wollten dem Heilande und seinem Diener Franciscus auf dem Wege des Kreuzes nachfolgen. Die religiöse Bewegung wuchs über alles Maaß. Jung und Alt, Mann und Frau wollten Haus und Hof verlassen, sich der Welt freuzigen und in den Ordensstand treten. So sehr der h. Vater über den Eifer seiner Zuhörer erfreut war, so klar war es ihm, daß derselbe müßte gemäßigt werden. Er ermahnte sie, ruhig zu Hause zu bleiben und ihre Geschäfte zu besorgen; dagegen machte er ihnen das Versprechen, er wolle ihnen bald eine solche Anleitung und Regel geben, daß sie dem neuen Geiste der Buße und Frömmigkeit genügen und ihr Seelenheil wirken kfönnten, ohne die Welt zu verlassen. Sie sollten mitten in der Welt, und selbst in den Banden des Ehestandes, an dem Verdienſte, an der Sicherheit und dem Frieden des klösterlichen Lebens theilnehmen. In der That erfüllte er dieses Versprechen und verfaßte nicht lange darauf die Regel des dritten Ordens von der Buße. Das war ein neuer Gedanke, den der h. Geist diesem apostolischen Manne eingegeben hatte. Da die ganze Welt nicht in's Kloster gehen kann, so sollte der 1* 4- Geist des Klosterlebens in die Welt hinausgehen und dort eine heilige Genossenschaft gründen, die beseelt wäre von dem nämlichen Geiste der Buße, der Weltverachtung, des Gebetes und der wahren Liebe Got' tes und des Nächsten, kurz von demselben lebendigen Streben nach Vollkommenheit, das in einem guten Kloster herrschen soll. Dabei sollen die natürlichen und bürgerlichen Bande der christlichen Familie und Gemeinde nicht aufgelöset, sondern bloß geheiligt werden. Jeder soll bleiben in dem Berufe und Geschäfte, zu dem die göttliche Vorsehung ihn berufen hat. Die Hausväter und Hausmütter, die Söhne und Töchter, die Dienstboten und Arbeiter sollen allen ihren Standespflichten genügen; sie sollen zwar nicht von der Welt, aber in der Welt sein, als das Salz der Welt. Freilich sollte schon jeder Christ von diesem Eifer ergriffen sein und in dieser Weise seine Pflichten erfüllen. Wirklich bekundeten die meisten Christen der apostolischen Zeit zum Erstaunen der ungläubigen Welt den wahren Geist Jesu Christi, nämlich die Verachtung der Welt, die Liebe Gottes über Alles, gegenseitige Liebe, Geduld und Freude im Leiden und ein heldenmüthiges Ringen nach immer größerer Vollkommenheit. Sie lebten in der Welt, aber ihr Wandel war im Himmel. Es ist aber nicht zu läugnen, daß dieſes schöne Streben unter den Dornen irdischer Sorgen und Geschäfte sehr leicht erstickt wird; und wirklich, seitdem ganze Völker in die Kirche eingegangen sind, ist die Mehrzahl der Christen sehr weit von dieser Stufe des christlichen Strebens entfernt. Die große Masse hält sich nicht einmal von Todsünden frei und will doch nichts wissen von Buße. Selbst unter den Besseren gibt es nur Wenige, die nicht dem Geiste dieser Welt in vielen Stücken nachgeben, nur Wenige, die —— den kostbaren Schatz der Gnade mit der gehörigen Sorgfalt bewahren, auf dem Wege der Buße und Verläugnung ihrer Selbst der Welt absterben und zur wahren Freiheit der Kinder Gottes gelangen. Und wer auch in der Welt nach diesem Ziele ringt,( und das sollte doch jeder thun, der es mit sich selbst gut meint) der findet zu seinem Schmerze, daß er mit seinem Streben meistens allein also hülflos daſteht. Noch schlimmer! in tausend Weisen tritt der Geist der Welt dem Jünger Christi, der gerne unbedingt der Leitung des h. Geistes sich hingeben möchte, hindernd in den Weg: er lockt durch vergängliche Lust und Pracht auf die Wege der Sünde, er spottet über die Uebungen der Frömmigkeit, er schmeichelt allen bösen Neigungen, und nur zu oft droht er mit harter Verfolgung und weiß die Schwachen mit falscher Furcht zu lähmen. Es ist somit nicht zu verwundern, daß, sobald das Christenthum sich über die ganze Welt ausdehnte und dadurch auch die Welt unter die Christen eindrang, Tausende das Bedürfniß fühlten, aus der ansteckenden Weltluft sich zu entfernen und in Einöden und Wüsteneien, oder hinter den Klostermauern die Freiheit der Kinder Gottes zu suchen. Nun will aber Gott doch nicht, daß alle Kinder Gottes auch dem Leibe nach sich absondern sollen von den Kindern der Welt. Die göttliche Vorsehung hält ja die Meisten in den weltlichen Verhältnissen fest und will doch, daß sie geistig ausscheiden aus der Welt und vollkommen werden, wie der Vater im Himmel vollkommen ist. — Eben diese auserwählten Seelen, die in der Welt leben, hatte der H. Vater im Auge, als er den dritten Orden stiftete. Um sie möglichst zu sichern vor den gefährlichen Einflüssen der Welt, in der sie leben - - 6 müssen, will er sie insoweit von den Kindern dieser Welt ausscheiden, daß die größten Gefahren für das Seelenheil vermieden werden. Darum verbietet er ihnen die Eitelkeit in der Kleidung, die Theilnahme an lärmenden und gefährlichen Luftbarkeiten und jede Ungerechtigkeit; ja sie sollen schon beim Eintritt in den Orden ihr Testament machen, und dann sich als Um sie ferner in ihrem todt für die Welt erachten. höheren Streben zu kräftigen, vereint er sie zu einem in brüderlicher und schwesterlicher Liebe starken Bunde. In demselben soll die Schwäche des Vereinzelten Halt und Festigkeit gewinnen durch das Beispiel, die Belehrung und das Gebet gleichgesinnter Seelen; zugleich soll der Gehorsam gegen besondere Obere die gefährliche Macht des Eigenwillens brechen und dem ganzen Leben einen höheren Werth geben. Auch werden die Uebungen der Haupttugenden des Christen durch genaue Vorschriften der Regel festgesetzt: nämlich, die Uebung der Abtödtung und Buße, der Andacht und des Gebetes, der thätigen Liebe gegen Arme und Bedrängte, besonders gegen die kranken und verstorbenen Mitglieder des Ordens. — Alle Grundsätze und Uebungen, die in der Regel enthalten sind, verstoßen nicht nur durchaus nicht gegen den Geist echter Frömmigkeit und christlicher Klugheit, sondern sie sind bei aller Einfachheit mit wunderbarer Weisheit so den Verhältnissen angepaßt, daß, wer wahre Buße wirken und sein Heil sicher stellen will, in demselben ein kräftiges Mittel gegen den Rückfall und große Hülfe zum Fortschritt in der Tugend finden muß. Alles ist aus dem reichen Schatze der Kirche geschöpft und darum weit entfernt von falscher Frömmigkeit, Uebertreibung oder Fanatismus. C 7- II. Kapitel. Kurze Geschichte des dritten Ordens. Der Erste, den der h. Vater Franciscus in den dritten Orden aufgenommen hat, war der sel. Ludhesius mit seiner Frau Bonadonna. Derselbe war ein Kaufmann und lebte zu Poggibonzi in Toskana, ganz ergeben den Werken der Andacht und der. Nächstenliebe. Dem Beispiele dieser frommen Eheleute folgte bald eine große Menge nach; und als der Papst Honorius III. die Regel im Jahre 1221 bestätigt hatte, breitete sich der Orden in kurzer Zeit so sehr aus, daß es fast keine Stadt, zuerst in Italien, dann in Frankreich, Spanien, Deutschland und den andern christlichen Ländern gab, in der nicht eine kleinere oder größere Gemeinde von Tertiariern sich gebildet hatte. Der in der Christenheit neu angefachte Geist der Frömmigkeit fand in dem dritten Orden das leichteſte Mittel, die Buße der Heiligen auch in der Welt nachzuahmen. Durch diesen neuen Orden konnte ja jedes Haus ein Kloster, jedes Zimmer eine Zelle werden; Jeder konnte in seinem Stande bleiben und doch in den Ordensstand treten. Darum kamen denn auch aus jedem Stande Schaaren von eifrigen Christen und umgürteten sich mit dem Stricke der Buße: Soldaten und Priester, Bauersleute und Fürsten, Jungfrauen, Wittwen, Frauen, Jünglinge und Greise. Unter diesen sind sehr Viele, die durch ihre Stellung oder Begabung den ersten Rang in der menschlichen Gesellschaft einnahmen. Bloß die Congregation von Madrid zählte im Jahre 1689 an 25,000 Mitglieder, darunter Viele aus den höchsten Ständen. Auch in die neuentdeckten Länder- nach Amerika, Indien und bis Japan verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten dieser heilige Verein. Von den drei und zwanzig Kin― 8 dern des h. Franciscus, die in Japan gemartert und kürzlich heilig gesprochen sind, waren siebenzehn aus dem dritten Orden. In Westindien zählte man in Jahre 1686 an 118,000 Mitglieder des dritten Ordens. - Noch mehr als durch die Zahl seiner Mitglieder leuchtete der dritte Orden durch die vielen Heiligen, die er der Kirche geschenkt hat. Die erste Deutsche, die in den dritten Orden getreten ist, war eine große Heilige, die liebe heilige Elisabeth von Ungarn, Landgräfin von Thüringen. Der heil. Ludwig von Frankreich, der h. Ferdinand von Castilien, die h. Margaretha von Cortona, die h. Rosa von Viterbo und unzählige Andere werden wegen ihrer Heiligkeit seit Jahrhunderten bewundert und verehrt. Darum haben auch die Oberhirten der Kirche, die Päpste, den dritten Orden nicht nur approbirt und gelobt, sondern in feierlicher Weise gegen ungerechte Angriffe vertheidigt und mit vielen Ablässen und Gnaden überhäuft. Von dem Papste Honorius III. bis auf unsern glorreich regierenden Papst, Pius IX., der selbst ein Mitglied des dritten Ordens ist, haben fast alle Päpste mit wahrhaft väterlicher Liebe diesen Orden umfaßt und denselben als ein vorzügliches Mittel, die Buße und die Frömmigkeit unter den Christen wach zu halten, empfohlen. Wenigstens dreißig Päpste und zwei allgemeine Kirchenversammlungen, die von Vienne im Jahre 1311 und die 5. Lateranensische ( 1512-1517), haben denselben approbirt und belobt. Der Papst Nikolaus IV. hat im Jahre 1289 zu der vom h. Vater Franciscus verfaßten Regel noch einige Zusäße gemacht; er hat nämlich das ganze 1. Kapital und im 16. und 19. Kapitel einige Worte hinzugefügt und dann die so gefaßte Regel noch einmal feierlich approbirt. - 9 Wie alles Gute in der Welt von dem Feinde des Guten angefeindet und bekämpft wird, so hat auch der dritte Orden durch das Feuer des Widerspruchs und der Verläumdung müssen geprüft werden. Dies war besonders im 14. Jahrhunderte der Fall. Schwärmerische Sekten, unter verschiedenen Namen; ſtifteten damals, irregeleitet vom Geiste der Lüge und der Finsterniß, großes Verderben an. Sie gaben sich für heilige, vollkommene Christen aus und bekleideten sich mit dem Schafspelze strenger Buße und Armuth, aber statt sich selber zu richten, richteten sie einen Richterstuhl auf gegen Andere, besonders gegen die Vorsteher der Kirche, und erhoben sich in teuflischem Stolze über Alle, die ihnen nicht anhingen. Und da der Stolz keinen Gehorsam kennt, so empörten sie sich gegen die Vorschriften ihrer kirchlichen Obern, verwarfen die heiligsten Lehren der Kirche, und fielen endlich wie es dem Stolze immer geht- in die Abgründe der gräulichsten Laster. Da diese Sekten vielfach unter dem Namen des dritten Ordens auftraten, so gab die äußere Aehnlichkeit Vielen Gelegenheit, auch den dritten Orden zu schmähen, zu verläumden und als kezzerisch zu verfolgen. Doch der Papst Clemens V. nahm sich des Ordens im Jahre 1308 fräftig an, und gab dessen Regel neu heraus; auch der Papst Johannes XXII. erließ im Jahre 1309 an die ganze Kirche eine Bulle, in der dieser fromme Verein gerechtfertigt und vertheidigt wurde. Sehr merkwürdig ist es, daß sich aus dem dritten Orden des H. Franciscus im Laufe der Zeit viele neue klösterliche Gemeinden und Orden gebildet haben. Viele Mitglieder desselben, fortschreitend von Tugend zu Tugend, fühlten den Drang, sich Gott - 10- - durch die drei Gelübde der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams noch vollständiger zu opfern. Wenn mehrere Gleichgesinnte sich fanden, so führten sie ein gemeinschaftliches Leben und bildeten eine kleine Gemeinde mit flösterlicher Zucht. Die meisten dieser klösterlichen Gemeinden widmeten sich den Werken der christlichen Nächstenliebe, besonders der Krankenpflege und der Erziehung der Jugend. Schon die h. Elisabeth von Thüringen legte die drei Gelübde öffentlich ab; sie wird darum auch von den Klosterfrauen des dritten Ordens als Stifterin verehrt. Manche dieser klösterlichen Gemeinden beiderlei Geschlechtes sind von der Kirche approbirt und zu eigentlichen Orden mit feierlichen oder einfachen Gelübden erhoben worden, und man nennt sie zum Unterschiede von den in der Welt lebenden Tertiariern, regulirte Tertiarier." Die erste dieser von der Kirche approbirten Congregationen ist von der seligen Angelina, einer Gräfin Marsciani, im Jahre 1397 zu Foligno in Italien gegründet. Wie alle menschlichen Einrichtungen, so war und ist auch der dritte Orden den Einflüssen der Zeit unterworfen; bald blühte er durch wahre Frömmigkeit und Tugend, und dann gewann er auch an Ausdehnung und Einfluß; bald ergriff die allgemeine Erschlaffung des religiösen und sittlichen Lebens auch seine Mitglieder. Obwohl auch dann noch viele fromme Seelen in demselben Gott treu dienten, so verlor sich doch bei andern Mitgliedern der wahre Geist, der Geist der Buße, des Gebetes und der Demuth; man begnügte sich mit den äußerlichen Gebräuchen des Ordens, ohne nach wahrer Tugend zu streben, und verlor sich in Lauheit und Weltfinn, oder in eine falsche Frömmigkeit, die den Schein, aber nicht das - - 11 - Wesen der Tugend hat. In demselben Maaße, wie der Geist und der Eifer im Orden abnahm und die Zucht verfiel, sank auch das Ansehen, der Einfluß und die Ausdehnung des Ordens. In der Zeit seiner Blüthe rechneten Päpste und Bischöfe, Kaiser und Kaiserinnen es sich zur Ehre, das Bußkleid des h. Franciscus zu tragen. Sechs Päpste waren Tertiarier, nämlich Gregor IX., Gregor X., Martin V., Innocenz XII., Clemens XII., und auch der jezzt glorreich regierende Papst Pius IX. ist als Erzbischof von Spoleto in dem armen, vom h. Franciscus selbst erbauten Klösterchen Monteluco bei Spoleto eingekleidet worden. Die Zahl der Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe, die in dem dritten Orden gelebt haben, ist überaus groß. Unter den hohen Personen weltlichen Standes zählt man zehn Kaiser, fünfzig Könige und Fürsten und viele andere berühmte Männer, z. B. Christoph Columbus, der Entdecker America's, Dante, der größte aller christlichen Dichter, und der berühmte Künstler Michael Angelo. Es ist unberechbar, wie viele gute Werke im Laufe der Jahrhunderte durch den dritten Orden veranlaßt, wie viele Seelen zu wahrer Buße bekehrt, oder in derselben bestärkt worden, wie weit durch ihn die Uebung der christlichen Tugenden und der Gebrauch der H. Sakramente verbreitet, furz wie viel durch ihn für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen geschehen ist. Möchte Gott geben, daß auch in unsern Tagen der neu erwachte Geist in dem Orden wachse und gedeihe und jene Frucht des Geistes bringe, welche der Apostel mit den Worten beschreibt: Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Milde, Güte, Langmuth, Sanftmuth, Treue, 12 - Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Keuschheit."( Gal. V. 22, 23.)- Dann wird das im Innern der Ordensmitglieder strahlende Licht von selbst nach Außen leuchten, und die Menschen werden ihre guten Werke sehen und den Vater preisen, der im Himmel ist."( Matth. V., 16.) III.& apitel. Die Vortheile und geistlichen Gnaden, die der dritte Drden seinen Mitgliedern bietet. Zuerst ist zu bemerken, daß der dritte Orden mehr ist als eine gewöhnliche Bruderschaft. Dies spricht der Papstst Benedikt XIII. mit flaren Worten aus in der Constitution, Paterna Sedis, vom 10. Decbr. 1725. Er nennt ihn einen eigentlichen Orden, ganz verschieden von den Bruderschaften." Eine Bruderschaft hat auch wohl gewisse Statuten, die den Zweck haben, unter den Mitgliedern derselben eine gewisse Gleichförmigkeit in Bezug auf die Uebung einiger guten Werke einzuführen, der dritte Orden aber hat eine Regel, die das ganze Leben der Tertiarier ordnen soll; um in eine Bruderschaft einzutreten, braucht man bloß seinen Namen von einem Bevollmächtigten in das Verzeichniß eintragen zu lassen; beim dritten Orden aber muß man, ähnlich wie bei vollständigen Orden, ein Probejahr bestehen und dann nach einer bestimmten Formel die Profession ablegen. In derselben verspricht man dem allmächtigen Gott, der seligsten Jungfrau und den Heiligen Gottes, die Regel des dritten Ordens im ganzen Leben zu halten, die Gebote Gottes zu beobachten und für die Uebertretungen die von den Ordensobern auferlegte Buße zu —- 13 erfüllen. Erst durch diese Profession wird man vollständig dem Orden einverleibt. Nun sagt freilich die Regel Kap. 20., daß man durch dieses in der Profession abgelegte Versprechen keineswegs unter Todsünde( und, wie andere Päpste erklärt haben, auch nicht unter läßlicher Sünde) verpflichtet sei, die Gebote der Regel zu beobachten, aber sie sezt hinzu:„, Doch soll Jeder mit williger Demuth die Buße annehmen und treu verrichten." Somit verpflichtet man sich unter Sünde eigentlich nicht zu der Beobachtung der Regel an und für sich, wohl aber wenigstens bedingter Weise zur Annahme der etwa aufgelegten Strafe und Buße. Demnach ist die Profession mehr als ein bloß ausgesprochener Vorsatz, sie ist wenigstens ein bedingtes Gelübde, das in der mildesten Form die Gewissen zur Uebung der Tugend anhält, ohne die Uebertreter gleich mit Sünden zu beschweren. Mit Recht heißt darum dieser Verein ein Orden und nicht eine Bruderschaft, obwohl die Mitglieder die drei evangelischen Räthe nicht geloben, wie in den regulirten Orden geschieht. Die Vortheile und Gnaden, die der eifrige Christ durch den dritten Orden gewinnen kann, sind in Kurzem folgende: 1. Durch den Eintritt in den dritten Orden bricht man mit der Welt und ihren Grundsäßen und erklärt vor Gott und der Welt, daß man seine Hoffnung seßt nicht auf die, wie Staub, vorüberwirbelnden Güter und Genüsse dieser Welt, sondern auf das heilige Kreuz, das die Seele auf dem Wege der Buße hinführen soll zu dem Besiße des überirdischen, unvergänglichen Gutes. Wer nämlich mitten in einer Welt lebt, die keine Buße, sondern nur Genuß im Auge hat, ja die nicht einmal das Wort„ Buße“ hören - 14 will, der muß doch wohl dieser Welt gegenüber seinen Standpunkt recht bestimmt und fest einnehmen, oder vielmehr nach der Mahnung des Apostels( II. Cor. VI., 17.) geistig„ herausgehen aus der Mitte derselben." Ein solcher Schritt erleuchtet die Augen des Geistes, hebt das Herz über Welt und Menschen und befestigt den Willen in dem Entschlusse, dem gekreuzigten Erlöser zu folgen,„ der uns ein Beispiel hinterlassen, auf daß wir nachfolgen sollen seinen Fußstapfen."( I. Petr. II., 21.) Dazu kommt, daß die Regel die Mitglieder des Ordens zu einer beharrlichen Uebung guter Werke und zu einer vernünftigen Ordnung in derselben anhält. Fällt dieser äußere Antrieb weg, dann fallen, wie die Erfahrung bezeugt, auch gleich viele guten Werke aus, oder wenigstens die feste Ordnung derselben; heute thut man zu viel, morgen zu wenig, und findet häufig Gründe genug, nichts zu thun. Denn der Eigenwille ist unbeständig, ohne Ordnung, ohne Beharrlichkeit, und was das Schlimmste ist, ohne Verdienst. Die Erfüllung der Ordensregel aber hat das unermeßliche Verdienst des Gehorsams. 2. Durch den Eintritt in den Orden wird man ein wahres Kind des h. Franciscus: man kämpft unter seiner Fahne und hat sich des besondern Schußes und der mächtigen Fürbitte dieses von Gott so außerordentlich begnadigten Heiligen zu erfreuen. Auch all' die vielen und großen Heiligen des seraphischen Ordens werden vom Himmel aus als mächtige Fürbitter und Patronen den hier kämpfenden Seelen beistehen. 3. Wer in den Orden tritt, kommt dadurch in eine Art von geistlicher Gütergemeinschaft mit allen — 15- drei Orden des H. Vaters Franciscus. Wie die große Gemeinschaft der Heiligen alle Glieder der Kirche zu einem wunderbaren Leibe vereinigt und Gebete und Genugthuungen des einen Gliedes dem andern in etwa zuwendet, fo besteht auch in der großen Familie des H. Franciscus eine specielle Gemeinschaft der Heiligen, die viele Gnaden und die Nachlassung mancher zeitlichen Strafen vermittelt. Sie bewirkt, daß die Bußwerke und Leiden, die Meßopfer, Gebete und guten Werke, die auf der ganzen Welt von den Kindern des h. Franciscus geschehen, in etwa auf jedes Glied des Ordens überströmen, demselben manche Gnaden und Nachlaß mancher zeitlichen Sündenstrafen verschaffen, und zwar in dem Maaße, als man Liebe zum Orden und ein reines empfängliches Herz hat. 4. Die Schrift sagt: ,, Wehe dem, der allein ist; denn, wenn er fällt, so hat er Niemanden, der ihn aufrichtet."( Pred. VI., 10.) Durch Anschließen an einen Verein, der so viele wahrhaft fromme Christen umfaßt, bekommt die schwache Seele Halt und Stüße; sie wird gekräftigt durch das Gebet, durch das Beispiel und auch durch Ermahnungen und Zurechtweisungen, die sie von den Obern und Mitgliedern des Ordens empfängt. Dazu kommt, daß die gemeinsame Uebung des Gebetes und aller guten Werke bei Gott mehr Kraft hat, als wenn man dieselben allein verrichtet. Sagt doch der Herr:" Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."( Matth. 18, 20.) 1 5. Endlich sind den Mitgliedern des Ordens außerordentlich viele Ablässe von der Kirche verliehen. So hat man Gelegenheit, nicht nur sich selbst die künftigen Peinen des Fegfeuers zu mildern, sondern auch den armen Seelen, die jetzt darin leiden, zu helfen. 16 Und wie leicht ist es, aus diesen Gnadenschäßen der Kirche zu schöpfen! Bedächte man doch, wie viel besser es ist, jezzt im Orden Buße zu wirken, als die Buße aufzusparen für das Fegfeuer, wo Alles bis auf den letzten Heller in schweren Peinen muß bezahlt werden. 10 6. Endlich wird wohl Jeder zugeben, daß man jedenfalls ruhiger sterben, auch sicherer, schneller und höher hinauf in den Himmel kommen wird, wenn man mit reiner Meinung dem h. Franciscus auf dem Wege der Buße gefolgt ist, als wenn man der Welt oder seinen eigenen Ansichten nachgegangen ist. Und das ist am Ende doch der Punkt, der bei allen unsern Plänen und Entschlüssen den Ausschlag geben muß. Nur ein ganz ungläubiger Mensch kann sagen, man könne in Bezug auf sein Seelenheil zu viel thun. Nein! kein Opfer für den Himmel ist zu groß; und das Opfer, das der dritte Orden auflegt, ist gewiß nur ein kleines Opfer und ist ebenso gewiß ein Opfer für den Himmel. Wer es mit liebendem Herzen bringt, der wird dereinst hören: ,, Wohlan, du guter und getreuer Knecht! weil du über Weniges getreu gewesen bist, so will ich dich über Vieles sezen; geh ein in die Freude deines Herrn!"( Matth. 25, 21.) IV. Kapitel. Bedeutung des Ordens für unsere Beit. Daß der dritte Orden in den vergangenen Jahrhunderten schöne Früchte gebracht habe, kann kein gläubiger Christ verkennen. Manche aber meinen, derselbe passe nicht mehr für unsere Tage. 17- Diese Behauptung ist wirklich sonderbar. Warum sollte ein Verein frommer Christen zur Uebung der Buße und der christlichen Tugenden bloß für die früheren Zeiten, nicht für unsere Tage passen? Etwa darum, weil die Buße früher nöthig gewesen, in unseren gebildeten Zeiten aber überflüssig geworden? Oder darum, weil die Art der Tugend sich verändert hat, so daß wir jetzt eine andere Buße, eine Buße, die dem Fleische und der Welt gefällt, üben könnten? Beide Annahmen sind gleich unsinnig. Zuvörderst ist die Ulebung der Buße für alle Menschen und Stände, für alle Länder und Zeiten ,, Thuet nicht bloß nüßlich, sondern nothwendig. Buße, denn das Himmelreich ist nahe;"( Matth. III., 2.) so ruft der Geist Gottes in der Kirche bis zur Stunde, wo Christus kommt, zu richten die Lebendigen und die Todten. Und Christus selbst hat gesagt:„ Wenn ihr nicht Buße thut, werdet ihr alle zu Grunde gehen."( Luk. XIII. 3.) Ja, je weniger unsere Zeit von Buße hören will, je mehr sie zunimmt in Genußsucht und Gewinnsucht, Ehrsucht und Selbstsucht, desto nothwendiger ist ihr die Uebung derselben. Mit schrecklicher Macht greift jader Unglaube und die Sittenlosigkeit immer weiter um sich. In manchen Gegenden sind ganze Massen des Volkes in religiöser und sittlicher Hinsicht so verwildert, daß die Art schon an die Wurzel gelegt iſt. Je größer der Umfang des Uebels geworden, desto nothwendiger ist die Anwendung des Heilmittels, und das Heilmittel fann nur etwas sein, was der verkehrten Richtung entgegenwirkt und entgegengeſetzt ist. Daß nun der dritte Orden in seiner ganzen Richtung den Grundübeln unserer Zeit entgegengesett ist, zeigt ein Blick auf unsere Zeit und auf den Or2 - 18- den. Es genüge hier die Andeutungen zu wiederholen, die ein frommer Mann der neueren Zeit gemacht hat.*) a.„ Eine Hauptquelle des moralischen Verderbens in unserer Zeit ist der Unglaube, gewöhnlich entsprungen aus der Unkenntniß der heil. Religion, da man den ordentlichen Religionsvorträgen beizuwohnen und die h. Sakramente zu empfangen, vernachlässigt.- Der dritte Orden aber dringt vor Allem in seiner Regel auf den wahren Glauben und auf öftern Empfang der h. Sakramente und führt auch durch außerordentlichen, speciellen Unterricht, der den Mitgliedern ertheilt wird, zu besserer Kenntniß der H. Religion. b. Eine zweite Quelle ist der Mangel der häuslichen Zucht und des religiösen Familienlebens; daher das sich selbst Ueberlassensein junger Leute, die ohne Beaufsichtigung, ohne Leitung nach ihren jugendlichen Lüsten ein ungebundenes, zügelloses Leben führen, von keinem Gehorsam wissen wollen, jeder Ordnung feind sind. Der dritte Orden sammelt nun die Zerstreuten in einen Verein, beaufsichtigt, überwacht sie nicht blos im Gotteshause, sondern auch in ihrem ganzen Umgange und Wandel, rügt ihre Fehler, sowohl in den öftern Beichten, als außer denselben, unterwirft sie einem liebevollen, weisen Gehorsam unter geistlichen Obern, welche die Mitglieder zu einem geordneten und daher auch arbeitsamen und tugendhaften Leben anleiten. e. Eine dritte Quelle ist die materielle Richtung unserer Zeit, vermöge welcher so Viele nur auf Erwerb und zeitliche Wohlfahrt denken, als ob der *) Seraphischer Sternenhimmel, von Michael Singel. 19 Mensch nur für diese Erde lebte.- Der dritte Orden, obwohl er den Menschen in der Welt leben und wirken läßt, erinnert ihn, daß der Mensch doch auch für eine andere bessere Welt bestimmt sei, daß man die Arbeit durch Gebet heiligen, und die irdischen Güter auf solche Weise erwerben und gebrauchen müsse, daß man die himmlischen Güter darüber nicht verscherze. d. Eine vierte Quelle ist der zu große Hang zu sinnlichen Unterhaltungen und Ergößzungen, die der leidenschaftlichen, unerfahrenen Jugend so verderblich sind, ja auch das Glück der Eheleute und ganzer Familien untergraben und die Menschheit zur Unzucht, Unmäßigkeit u. s. w. verleiten. Die Folgen davon sind: Zerrüttung der Gesundheit, Entnervung, Der Verarmung, Ueberdruß des Lebens u. s. w.- dritte Orden lehrt nun durch leichte Bußübungen eine weise Beschränkung der Sinnenlust und Vergnügungssucht, befördert die Freude in Gott, die Freude in der Unschuld und Reinheit des Gewissens und treuen Pflichterfüllung, leitet zur Abtödtung und Selbstbeherrschung an, ohne die der Mensch auf dieser Erde nimmer mehr zufrieden und glücklich sein kann. Denn wer nicht lernt sich etwas zu versagen, sondern wer Alles, was das Auge verlangt, was das Herz gelüftet, haben will und haben muß, wie kanu ein solcher bleibend zufrieden sein?" Man kann zweitens auch nicht sagen, daß die Art und Weise, wie der dritte Orden seine Mitglieder zur Buße anleitet, nicht mehr für uns passe. Die menschliche Natur und die christliche Tugend ist im Wesentlichen immer dieselbe; darum muß jene immer mit denselben Mitteln unterjocht und dieſe mit denselben Mitteln erworben werden. Man lese auf2* — - 20- merksam die Regel des dritten Ordens und man wird finden, daß sie allgemein gültige Lehren und Gebote des christlichen Lebens enthält. Nur die eine oder andere Vorschrift bezieht sich auf damalige Verhältnisse und diese Nebensachen sind schon längst abgeändert. Der ganze Geist der Regel aber kommt darauf hinaus, möglichst vollkommene Christen in der Welt zu bilden. Der dritte Orden will nur erneuern das Leben der ersten Christen, die laut der Geschichte mitten in der Welt geistlich lebten, Streitigkeiten und Prozesse flohen, lieber Unrecht litten, als Unrecht thaten, ihre Angelegenheiten durch Friedensrichter schlichteten, den Armen von ihrem Ueberfluß mittheilten und durch gegenseitige Liebe Ein Herz und Eine Seele waren. Aehnliches will der h. Franciscus. Darum fordert er, daß die Brüder und Schwestern das unrecht erworbene Gut zurückstellen, sich mit ihren Feinden versöhnen, ihre Mißhelligkeiten friedlich schlichten und alle Werke der Nächstenliebe üben sollen. Sie sollen dieselben durch zeitweilige Gaben unterstützen, die Kranken besuchen und pflegen, die Todten christlich bestatten, die Unwissenden belehren, die Verirrten auf den rechten Weg zurückführen. Ich frage nun- ist dies nicht mehr für unsere Zeit? Aber, sagt man: ,, Viele Mitglieder des dritten Ordens sind doch gar nicht so beschaffen. Es sind bloße Frömmler und Betschwestern, voll von Eigensinn und geistlichem Stolz." Es ist freilich zu beklagen, daß man diesen Vorwurf nicht ganz allgemein zurückweisen kann, und daß ein falscher Geist den guan einzelnen Orten ten Samen bei Manchen erstickt hat. Indeß der billig Denkende muß zugeben, daß der obige Vorwurf nur die Personen und zwar nur einzelne Personen, — - — - 21 nicht aber die Sache trifft. Die Person kann voll Fehler und Mängel, und dabei die Sache sehr gut sein. Sind ja auch die meisten Christen sehr unvollkommen und Viele gar böse; die christliche Religion aber ist lauter Vollkommenheit und Licht, und kein Schatten ist an ihr. Jene Fehler der Mitglieder des dritten Ordens kommen theils aus der Armseligkeit der menschlichen Natur theils aus Mangel an gehöriger Belehrung und Leitung. Gar Manche, die darüber in Spott sich auslassen und den Splitter suchen im Auge des Nächsten, vergessen den Balken im eigenen Auge. Sicherlich wäre es besser, statt zu lästern, sich an das Wort des Apostels zu erinnern:„ Brüder, wenn auch ein Mensch von irgend einer Sünde übereilt worden ist, so unterweiset einen solchen, ihr, die ihr geistlich seid, im Geiste der Sanftmuth, und habe Acht auf dich selbst, damit nicht auch du versucht werdest."( Gal. VI., 1.) Jedenfalls steht es einem katholischen Christen nicht zu, ein Institut zu lästern, das von so vielen erleuchteten Oberhirten der Kirche gebilligt, empfohlen und gegen alle Angriffe vertheidigt ist. Wir wollen hier nur das anführen, was der Papst Gregor IX. in einem apostolischen Schreiben sagt: - 1. Wer sich immer erdreisten sollte, auf Abschaffung oder Auflösung des dritten Ordens anzutragen, seinem kirchlichen Bestehen entgegen zu arbeiten oder ihn zu verachten und sich äußern würde, daß dieser vom H. Franciscus für Ledige und Verheirathete, für Weltliche und Geistliche eingesetzte Orden von der Buße nicht gut und nüßlich sei, der falle in die Ungnade des allmächtigen Gottes und seiner heiligen Apostel Petrus und Paulus. - 22 2. Wer da sagen wird, daß in der Professionsformel dieses dritten Ordens jene Worte: Ich verspreche die Gebote des göttlichen Gesetzes zu beobachten," nicht am rechten Orte, oder daß sie überflüsſig und gefährlich seien und nicht gebraucht werden sollen, der falle in den nämlichen Bann. 3. Wer immer, wenn er gleich den dritten Orden nicht herabsetzt und von demselben nichts Schlechtes und Nachtheiliges spricht, durch Zureden Jemanden hindern will, seinen Wunsch und sein Verlangen zu erfüllen, der fündigt schwer, so daß er dem heiligen Gerichte übergeben zu werden verdient, weil er dadurch ein großes Gut und einen großen geistlichen Vortheil für dessen Seele hintertreibt. Statt also Andere durch Spottreden von dem Eintritt in den dritten Orden abzuhalten, sollte Jeder vielmehr sich selbst ernstlich erforschen, ob er auf dem schmalen Wege der Buße zum Himmel wandelt oder die kostbare und so kurze Lebenszeit vertändelt und für seine Seele verliert. Und wenn ihm das Gewissen vorwirft, daß er bisher wenig Gutes und viel Böses ausgefäet hat für die Ewigkeit, dann verstopfe er seine Ohren nicht vor der Stimme Christi, der in seinem Herzen ruft:„ Steh auf, der du schläfft und erstehe von den Todten; denn die Art ist schon gelegt an die Wurzel des Baumes. Ein jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen. Bringe also würdige Früchte der Buße."( Eph. V. 14. und Luk. III.) Wer diese Stimme Gottes höret und Gelegenheit und Kräfte besitzt, wenigstens die wesentlichsten Pflichten des dritten Orden zu erfüllen, der achte nicht auf Fleisch und Blut, auf Stolz und Trägheit, auf Welt und Teufel, sondern folge dem Beispiele von Millionen frommer Christen aller Stände, die seit Jahrhunderten im dritten Orden des H. Franciscus den Weg zum Himmet gefunden haben. 23 Ja, unsterbliche Seele in sterblichem Fleische! erwede deinen Glauben und wirf einen Blick auf das, was dir bevorsteht, auf den doppelten Abgrund, dem du mit reißender Schnelligkeit zueileſt, auf das Grab, das deinen Leib, auf die Ewigkeit, die deine Seele verschlingen wird. Nur ein Schritt und vielleicht nicht einmal ein Schritt trennt dich von beiden. Du siehst, wie alle Tage deine Bekannten, deine Freunde und Geliebten, einer nach dem andern — verschwinden in diesem doppelten Abgrunde leugne und nimmer wiederkehren! Und du selbst, es, wenn du kannst du selbst wirst ebendahin hinabfahren, in kurzer Frist, an dem Tage und zu der Stunde, wo du es am wenigsten denkst! O, wer diesen erschütternden Blick auf Grab und Ewigkeit thut und dann zurückblickt auf die Welt, dem wird das Auge des Geistes sich aufthun; er wird die wahre Gestalt der Welt erkennen und sagen mit dem Propheten Jeremias( IV., 23.) Jch blicke an die Erde, und siehe, sie ist wüst und nichts." Eitelkeit über Eitelkeit und Alles ist Eitelkeit außer Gott dienen und lieben; was nicht ewig ist, das ist nichts! — - Erwecke deinen Glauben und wende auch deine Augen auf Christus, den Gekreuzigten, wie Er für dich das allerschwerste Kreuz getragen und den bittersten Tod gelitten hat, nicht aus Zwang, sondern aus Liebe. Dann höre die Einladung, die Er an dich richtet: Komme zu mir, der du mühselig und beladen bist, ich will dich erquicken; nimm mein Joch auf dich und verleugne dich selbſt, nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach. Denn - 24 - mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht."( Math. IX. ut. XVI.) Sieh! das Joch Christi auf sich nehmen, Gottes Gebote halten, sein Kreuz tragen, Christo nachfolgen, das ist's, was die Seele lernen und üben soll im dritten Orden des H. Franciscus. Wenn du, o christliche Seele, diesen Weg um Christi willen erwählest und auf demselben verharreſt, so wird die Zeit kommen, wo du Gott ewig danken wirst, daß Er unter zahllosen andern Gnaden auch diese dir gegeben hat: ein Kind des seraphischen Vaters Franciscus zu sein. Bweite Abtheilung. Die Regel, nebst den nöthigen Erklärungen. I. Die Regel des h. Vaters Franciscus für die Brüder und Schwestern des dritten Ördens. Vorbemerkung. Es folgt hier in getreuer Uebersetzung die Regel des dritten Ordens, in der Form, wie sie der Papst Nicolaus IV. im Jahre 1289 bestätigt hat. Einige Vorschriften derselben sind durch die veränderten Zeitumstände und durch Dispensation des h. Stuhles abgeschafft oder verändert worden. Die näheren Bemerkungen darüber finden sich in der nach jedem Kapitel folgenden Erklärung. Bulle des Papstes Nicolaus IV. über die Regel des dritten Ordens. Nicolaus, Bischof, Diener der Diener Gottes, wünscht den in Christo geliebten Kindern, den Brüdern und Schwestern des Ordens der Minderbrüder von der Buße, sowohl den gegenwärtigen als den zukünftigen, Heil und Apostolischen Segen. Auf dem Berge des katholischen Glaubens ist, wie alle wissen, gegründet das starke Fundament der christlichen Religion, das keine Stürme je erschüttern, keine Fluthen je wankend machen werden. In diesem Glauben, den die römische Kirche hält und erhält, sind die heidnischen Völker von den Jüngern Christi, die in echter Frömmigkeit und brennendem Liebeseifer das Evangelium predigten, unterrichtet worden; - 26- dieser Glaube ist der rechte und wahre, und Niemand wird den Augen Gottes wohlgefällig und findet Gnade, wenn er nicht an diesem Glauben Theil nimmt. Dieser Glaube bereitet den Weg zum Heile und verheißt die Belohnungen und Freuden der ewigen Seligkeit. Darum hat der glorreiche Bekenner Christi, der h. Franciscus, der Stifter dieses Ordens, der mit Lehre und Beispiel den Weg, zum Herrn emporzusteigen, gezeigt hat, seine Kinder eben in der Reinheit des Glaubens unterrichtet und hat gewollt, sie sollten denselben bekennen, standhaft festhalten, in Wort und That erfüllen und so auf dem Wege dieses Glaubens zu ihrem Heile wandeln, daß sie, wenn der Kerker dieses Leibes sich öffnet, für würdig befunden werden, in den Besitz der ewigen Seligkeit zu gelangen. Indem wir nun diesen Orden mit entsprechenden Gnadenerweisungen begünstigen wollen und auf dessen Verbreitung wohlwollend bedacht sind, machen wir folgende Verordnungen. — Erstes Kapitel. Von der Art und Weise, diejenigen zu prüfen, die in den dritten Orden eintreten wollen. 1. Alle, die zur Beobachtung dieser Lebensweise angenommen werden, sollen vor ihrer Aufnahme fleißig befragt werden in Betreff des fatholischen Glaubens und des Gehorsams gegen die Kirche; und wenn man erkennt, daß sie diesen Glauben standhaft bekennen und als wahr annehmen, dürfen sie aufgenommen werden. 2. Es ist demnach vor Allem darauf zu sehen, daß in diesen Orden keine Ketzer oder der Keßerei Verdächtige, auch keine in bösem Rufe stehende Personen aufgenommen werden. Univ.- Bibl. Giessen 27 3. Sollte es sich aber ergeben, daß ein Solcher durch ein Versehen aufgenommen wäre, so soll man ihn sogleich den Inquisitoren der Häresie zur Bestrafung anzeigen. Erklärung. 1. Wer Unkraut säet unter den Weizen, der verdirbt die ganze Ernte. Darum verordnet das erste Kapitel, daß diejenigen, welche sich zur Aufnahme in den dritten Örden melden, sollen geprüft werden, damit nur guter Samen auf den Acker des Ordens gesäet werde. Diese Prüfung soll sich erstrecken über zwei Punkte: über den Glauben und über den guten Ruf derer, die eintreten wollen. 2. Was den Glauben betrifft, so werden ausgeschlossen alle Ketzer, alle die der Ketzerei verdächtig sind, alle die sich in Ungehorsam gegen die kirchlichen Obern erheben. Es sind daher für den Orden nur jene Christen tauglich, welche in den Wahrheiten des Glaubens unterrichtet und fest entschlossen sind, nach den Vorschriften des Glaubens ihr Leben einzurichten. Mit Recht sieht der Orden bei der Aufnahme vor allem auf den Glauben. Denn der Glaube ist das Fundament und die Wurzel der christlichen Tugend; fehlt das Fundament, oder ist es schwach, so kann man niemals ein festes Gebäude aufführen; ist die Wurzel faul, so wird der ganze Baum bald vertrocknen und verfaulen; ist der Glaube nicht fest, entwickelt und lebendig, so kann die Seele kein Gott wohlgefälliges Leben führen. Denn der Herr spricht: ,, Mein Gerechter lebt aus dem Glauben."( Hebr. 10, 38.) 3. Aus dieser Vorschrift der Regel sollen die Tertiarier lernen, dem h. Bater Franciscus, diesem Helden des christlichen Glaubens, in seinem Eifer für den Glauben nachzufolgen. Sie sollen Gott eifrig bitten, daß er ihnen und allen Menschen das Licht des Glaubens gebe und vermehre; denn der Glaube ist eine Gabe Gottes; sie sollen durch Anhörung der Predigt und der christlichen Lehre und durch Lesung guter Bücher den Glauben immer mehr in sich befestigen und entwickeln, und vor allem sollen sie sich bemühen, den Glauben lebendig, d. h. durch die Liebe beseelt und durch gute Werke fruchtbar zu machen. Auch sollen sie sich nicht scheuen, ihren Glauben standhaft zu bekennen vor aller Welt, selbst — 28 wenn sie dadurch Spott und Verfolgung von Seiten ungläubiger oder leichtsinniger Menschen zu leiden hätten. 4. Ferner soll die Prüfung sich erstrecken über den guten Ruf dessen, der sich zur Aufnahme meldet.- 8 versteht sich von selbst, daß Leute, die durch irgend ein Verbrechen, durch Ausschweifungen und Leidenschaften ihren guten Namen verloren haben, nicht können aufgenommen werden, es sei denn, daß sie durch längere, aufrichtige Buße ihren guten Namen bei der Welt wieder erlangt hätten. Außerdem schließen alte Ordensstatuten auch solche von der Aufnahme aus, die durch ihr Gewerbe oder ihre Beschäftigung in den Augen der Welt eine Art Ehrlosigkeit haben, so wie auch diejenigen, die sich nicht auf anständige Weise ernähren können, damit auf diese Weise auch das äußere Ansehen des Ordens erhalten werde. Sie fordern auch, daß nur diejenigen, die als gut und tugendhaft gelten, aufgenommen werden. Leichtsinnige und flatterhaste, schmähsüchtige, flatschhafte und unverträgliche Personen passen durchaus nicht für den Orden. Auch ist es durchaus nicht rathsam, ganz junge Personen, besonders des weiblichen Geschlechtes, anzunehmen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Meisten hinterher von dem ersten Eifer wieder ablassen und oft großes Aergerniß geben. Nur unzweifelhafte Zeichen einer besondern Tugend und Characterfestigkeit und eine außergewöhnlichen Berufes können eine Ausnahme rechtfertigen. Endlich müssen auch diejenigen nicht aufgenommen werden, welche durch ihre Verhältnisse so behindert sind, daß sie voraussichtlich von der Regel nur sehr wenig halten können. 5. Die Tertiarier sollen aus dieser Vorschrift der Regel lernen, welche Fehler sie besonders zu meiden haben, damit der Orden nicht durch ihre Schuld bemakelt werde. Sie sollen sich bestreben, durch wahre Demuth, aufrichtige Liebe, treue Erfüllung ihrer Standespflichten, überhaupt durch Gewissenhaftigkeit und echte Frömmigkeit nach dem Beispiele des göttlichen Heilandes jederzeit zuzunehmen an Gnade bei Gott und den Menschen. Es ist noch zu bemerken, daß die vorgeschriebene Prüfung dann wegfallen kann, wenn man schon anderweitig die Ueberzeugung hat, daß die aufzunehmende Person alle erforderlichen Eigenschaften besitzt. 6. Wenn Jemand, der schon aufgenommen ist. in Ketzerei gefallen wäre oder grobe Aergernisse gäbe, so will die Regel, - 29 daß er den Inquisitoren angezeigt werde. Diese Vorschrift bezieht sich auf eine firchliche Einrichtung, die in unsern Zeiten und Gegenden nicht besteht, nämlich auf das sogenannte Glaubensgericht. Käme ein derartiger Fall jetzt vor, so müßte, wer darum weiß, zuerst den irrenden Bruder zurechtweisen und belehren, wenn Hoffnung da ist, daß die brüderliche Zurechtweisung fruchten würde. Wenn man aber von dieser Ermahnung keinen Nutzen hofft, oder der Versuch fehlgeschlagen ist, so zeige man den Ordensobern oder den betreffenden Seelsorgern das Aergerniß an, damit diese die nöthigen Schritte thun können. Zweites Kapitel. Wie man diejenigen aufnehmen soll, welche in den Orden eintreten wollen. 1. Wenn Jemand in diese Bruderschaft eintreten will, so sollen die Minister, die zur Aufnahme Solcher beordnet sind, fleißig nachforschen nach seinem Stande und Amte und Verhältnissen; sie sollen ihm auch die Verpflichtungen der Regel vorhalten, insbesondere die Schuldigkeit, ungerechtes Gut zu erstatten. Ist dieß geschehen, und verlangt er diesen h. Stand anzunehmen, dann mag er in vorgeschriebener Weise eingekleidet werden. Besitzt er fremdes Gut, so soll er sorgen, daß es alsbald entweder mit baarem Gelde oder durch ein gesichertes Unterpfand erstattet werde; lebt er mit Jemandem in Uneinigkeit, so soll er sich mit demselben aussöhnen. 2. Ist er allen diesen Verpflichtungen nachgekommen, und das Jahr seines Novitiates zu Ende, dann soll er, wenn er nach dem Rathe einiger erfahrener Brüder für tauglich gehalten wird, zur Profeß aufgenommen werden auf folgende Weise: Er verspreche, alle Gebote Gottes zu halten und gebührender Weise für die Uebertretungen der Regel genug zu thun, wenn er nach dem - 30 - Willen des Visitators dazu aufgefordert wird. Dieses Versprechen soll alsdann von einer im öffentlichen Amte stehenden Person angeschrieben werden. Auf keine andere Weise soll Jemand von den Ministern aufgenommen werden, es sei denn, daß es diesen nach reiflicher Erwägung rathsam erscheinen würde, mit Rücksicht auf den Stand der Person und ihr inständiges Anhalten, anders zu verfahren. 3. Ferner verordnen und bestimmen wir, daß diejenigen, welche in diesen Orden eingetreten sind, nicht mehr in die Welt zurückkehren; jedoch können sie frei zu einem andern approbirten Orden übergehen. Den verheiratheten Frauen aber soll die Aufnahme in diese Gesellschaft nur mit Erlaubniß und Bewilligung ihrer Männer gewährt werden. Erklärung. 1. Nach der Bestimmung vieler Päpste,( vergleiche beſonders die Constitution von Benedikt XIII. Paterna Sedis) ist der dritte Orden der Leitung der Obern des ersten Ordens ausschließlich unterworfen. Nur diese haben die Vollmacht, neue Mitglieder in den dritten Orden aufzunehmen. Jedoch können auch Priester, die dem Franciscaner- Orden nicht angehören, von den General- und Provinzial- Ministern dieses Ordens dazu bevollmächtigt werden. Die vom Papste approbirten Generalstatuten des dritten Ordens bestimmen indeß, daß solche delegirte Priester Professen des dritten Ordens sein sollen. 2. Wenn es in der Regel heißt, daß die Minister oder Vorsteher die Aufzunehmenden prüfen sollen, so ist zu bemerken, daß auch die aus den Tertiariern gewählten Vorsteher und Vorsteherinnen sich nach dem Stande, den Verhältnissen und den Eigenschaften derer, die sich melden, erkundigen und das Ergebniß dem Regelpater mittheilen sollen. 3. Niemand ist vom Orden ausgeschlossen, er sei geistlichen oder weltlichen, ehelichen oder ledigen Standes, vorausgesetzt, daß er die im ersten Kapitel angegebenen Eigenschaften hat. Doch macht die Regel aus naheliegenden Grün — - 31 den die Einschränkung, daß verheirathete Frauen nur mit Erlaubniß ihrer Ehemänner sollen aufgenommen werden. Die Klugheit gebietet außerdem noch, daß Kinder im jugendlichen Alter nicht ohne Erlaubniß der Eltern aufgenommen werden, wenn nicht etwa ganz besondere Umstände obwalteten. 4. Ferner müssen die Vorsteher den Aufzunehmenden vorher alle Pflichten und Beschwerden des Ordens mittheilen, damit diese sich prüfen können, ob sie auch Kräfte und guten Willen besitzen, das angefangene Werk auszuführen, und nicht etwa später den Vorwurf verdienen: Dieser Mensch fing an zu bauen, und konnte es nicht vollenden." ( Luc. 14, 30.) Insbesondere sollen ihnen die Vorsteher mittheilen, daß sie sich verpflichten: a. die Gebote Gottes treulich zu halten. b. die vorgeschriebenen Gebete und Fasten zu verrichten, wenn dieselben ihnen nicht in andere gute Werke umgeändert werden. c. gegen Arme und Kranke Barmherzigkeit zu üben. d. die für die Uebertretung der Regel auferlegte Buße zu verrichten. e. den Ordensobern zu gehorchen. 5. Wer den festen Willen hat, sich diesen Gesetzen zu unterwerfen, der muß außerdem noch belehrt werden, daß er vor seinem Eintritte folgende drei Stücke zu leisten hat: a. Alles unrecht erworbene Gut zurückzuerstatten. b. Seine Schulden zu bezahlen, oder durch Unterpfand seine Gläubiger zufrieden zu stellen. c. Mit dem Nächsten sich zu versöhnen, wenn er mit Jemand Feindschaft hat. 6. Alle diese Vorschriften stützen sich auf klare Gebote des h. Evangelium8. Niemand kann ja ein Kind Gottes sein, wenn er nicht die Gerechtigkeit und die Liebe übt: die Gerechtigkeit dadurch, daß er Jedem das Seinige gibt; die Liebe dadurch, daß er auch erlittenes Unrecht um Christi willen von Herzen verzeiht. In Bezug auf diesen letzten Punkt soll jeder beherzigen das Wort des Herrn: Wenn du deine Gabe zu dem Altare bringst und dich daselbst erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß dort deine Gabe vor dem Altare und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe." ( Matth. V., 23, 24.) — 32 7. Es ist sehr anzurathen, daß, wer eintreten will, zuvor einige Tage sich möglichst von irdischen Sorgen und Zerstreuungen zurückziehe und durch Betrachtung der ewigen Wahrheiten und durch andächtiges Gebet den alten sündigen Menschen ausziehe und den neuen Menschen anziehe, der nach Christus geschaffen ist in Gerechtigkeit und Wahrheit." Wer noch keine gute Generalbeichte abgelegt hat, der durchforsche die Falten seines Gewissens und versöhne sich durch eine gültige Beichte mit Gott. Ein guter Anfang hilft zum guten Fortgange. 8. Während des Probejahres sollen die Obern und Vorsteher fleißig auf den Rovizen achten und ihn in aller Tugend zu fördern suchen. Auch der Noviz soll sich ernstlich prüfen und sich bestreben, die Gnade des Berufes nicht wieder zu verlieren. Beträgt sich derselbe nicht gut, ist er träge in Erfüllung seiner Pflichten, ungehorsam, eigensinnig und leichtsinnig, so hüte man sich, ihn zur Profession aufzunehmen; sonst wird er sich selbst nicht nützen und dem Orden nur schaden. 9. Erst nach vollendetem Probejahre kann die Profession geschehen. Ausgenommen ist nur der Fall, daß der Noviz während des Probejahres in eine gefährliche Krankheit fiele. Dann fann er auf dem Todesbette zur Profession zugelassen werden und dadurch die Gnaden der Profession und namentlich den mit derselben verbundenen vollkommenen Ablaß gewinnen. 10. Die Profession und Einkleidung soll in der Weise vorgenommen werden, wie es dies Büchlein näher angibt, und zwar öffentlich, wenn es der Regelpater nicht anders für gut findet. Es wäre zu wünschen, daß Alle sich über die Schwachheit der Menschenfurcht hinwegsetzten, unbekümmert, ob die Welt mit Spott und übler Nachrede es ihnen vergelte, daß sie sich dem Dienste Christi auf besondere Weise widmen wollen. Sie sollten sich erinnern an die Worte des Herrn: ,, Wenn die Welt euch hasset, so wisset, daß sie mich zuvor gehasset hat."( Joa. 15, 18;) und„ Wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird auch der Menschensohn sich schämen, wenn er tommen wird in seiner Herrlichkeit."( Luc. 9, 26.) Sicher ist, wer Gott eifrig dienen will, der kann ebenso wenig den Beifall der Welt finden, als der Apostel Paulus, der von fich sagte:„ Wenn ich noch den Menschen gefiele, so wäre ich Christi Diener nicht."( Gal. I, 10.) 33 11. Obwohl die Regel sagt, daß der Aft der Profession von einer in öffentlichem Umte stehenden Person sollte geschrieben werden, so genügt doch nach dem jetzigen Gebrauche, daß der Name des Bruders oder der Schwester in das Verzeichniß der Tertiarier eingetragen, und ihnen von dem Regelpater das mit dem Ordensfiegel beglaubigte Zeugniß ausgestellt werde. 12. Endlich verbietet die Regel, den Orden nach der Profession jemals wieder zu verlassen, ausgenommen, wenn man in einen regulirten Orden tritt. Der Grund ist derselbe, den der h. Vater Franciscus in der Regel des ersten Drdens angegeben hat: denn nach dem h. Evangelium, ist Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und wieder rückwärts schaut, tauglich zum Reiche Gottes."( Luc. IX. 62.) Drittes Kapitel. Von der Form und Beschaffenheit der Kleider. Die Brüder dieser Bruderschaft sollen sich mit Tuch bekleiden, welches sowohl dem Preise als der Farbe nach schlecht und nicht ganz weiß oder schwarz iſt, außer es würde Jemand nach Ort- und Zeitverhältnissen von den Visitatoren nach dem Rathe der Disfreten wegen rechtmäßiger und offenbarer Ursache dispensirt. Die Mäntel und Pelze ferner sollen sie tragen ohne Kragen, offen geschnitten oder geschlossen, doch nicht offen gelassen, sondern zugeknöpft, wie es die Ehrbarkeit fordert, auch die Aermel seien geschlossen. Die Schwestern sollen sich mit einem Mantel und einem Rocke von ebendemselben geringen Tuche kleiden, oder sollen wenigstens unter dem Mantel ein Kleid von weißer oder schwarzer Farbe, oder ein langes Gewand aus Hanf oder Leinen ohne Falten tragen; jedoch in Bezug auf den geringen Werth des Tuches und das Pelzwerk kann mit Rücksicht auf Stand und Landessitte dispensirt werden. Seidene Schnüre sollen fie nicht gebrauchen. Sowohl die 3 34 Brüder als Schwestern sollen als Pelzwerk nur Häute von Lämmern und mur Taschen von Leder, auch keine aus Seide verfertigten Schuhriemen haben und allen sonstigen eitlen, weltlichen Putz nach der Mahnung des Apostelfürsten Petrus ablegen. - Erklärung. 1. Der h. Vater Franciscus hat in diesem Kapitel den Brüdern und Schwestern eine bestimmte, damals bei gemeinen Leuten übliche Form der Kleider vorgeschrieben, zugleich aber den Obern die Vollmacht gegeben, hierin zu dispensiren. In den ersten Jahrhunderten wurde diese Weise, sich zu kleiden, auch wirklich im wörtlichen Sinne beobachtet. Später indeß fanden die Obern es für gut, die Erlaubniß, diese unterscheidende Art von Kleidern zu tragen, einzuschränken. Nur Wenige, denen schriftlich diese Erlaubniß gegeben war, trugen dieses Kleid öffentlich; die andern trugen ein kleineres aschgraues Kleid mit der Chorde unter ehrbaren weltlichen Kleidern. 2. Nach dem jetzt bestehenden und von mehreren Päpsten bestätigten Gebrauche können die Tertiarier die landesübliche, ehrbare Tracht- Jeder nach seinem Stande beibehalten, wenn sie nur ein wenigstens eine Spanne langes, aschgraues oder auch braunes Skapulier von Wolle und einen Stridgürtel mit einfachen Knoten unter den gewöhnlichen Kleidern tragen. 3. Doch fordert der Geist der Regel, daß in ihren Kleidern nicht nur nichts der christlichen Sittsamkeit und Bescheidenheit zuwiderlaufe, sondern daß auch die heut zu Tage alle Grenzen überschreitende Kleiderpracht und Eitelkeit vermieden werde. Kleiderpracht stimmt nicht mit dem Bußleben. Und wenn die Tertiarier das Andenken an die Schmach des Erlösers, der mit dem Purpurmantel und dem weißen Kleide verhöhnt worden, ihrem Herzen tief eingeprägt haben, dann werden sie sich lieber etwas unter ihrem Stande kleiden, als darüber hinausgehen. Sie sollen also stets vor Augen haben die Worte, welche der Fürst der Apostel an die Frauen richtet:„ Ihr Schmuck sei nicht der äußere, im Haargeflechte, in Goldgehängen oder in gesuchtem Anzuge, sondern der verborgene Herzens mensch in der Unvergänglichkeit eines stillen 35 und sanften Geistes, der vor Gott hohen Werth hat."( I. Petr. 3, 3-4.) 4. Doch ist auch von der andern Seite zu bemerken, daß sie alles merklich Sonderbare und Auffallende in ihrer Kleidung vermeiden und sich hüten sollen vor dem Geiste jener verborgenen Hoffart, die gerade durch eine auffallend schlechte Kleidung die Augen der Leute auf sich ziehen und mit dem Anschein der Demuth und Weltverachtung prunken möchte. Wer, wie eine h. Elisabeth und fast alle Heiligen, aus wirklicher Demuth, um von den Menschen verachtet zu werden, schlechte Kleider wählt, der ist allerdings zu loben und zu bewundern; wer aber dasselbe thut, um die Ehre zu haben, als eine geistliche, der Welt abgestorbene Person zu gelten, der nährt mit seinen schlechten Kleidern nur die schändlichste Art von Stolz: den geistlichen Stolz. Eine einfache, demüthige Kleidung ist gut, aber bei weiten nicht das Wesen des dritten Ördens. Dieses liegt im, innern Herzens menschen": in den Tugenden aufrichtiger Buße, wahrer Demuth, echter Frömmigkeit und inniger Liebe zu Gott und den Menschen. ― Viertes Kapitel. Von den Gastmählern und Komödien. Die Betheiligung an üppigen Schmausereien, an Schauspielen, an Tänzen oder Bällen soll den Brüdern und Schwestern durchaus untersagt sein. Sie sollen kein Geld ausgeben für Schauspiele und eitle Schaulust; sie sollen au auch nicht geſtatten, daß die Ihrigen etwas zu dergleichen beitragen. Erklärung. 1. Den Mitgliedern des dritten Ordens ist eine anständige Erholung oder die Theilnahme an ehrbaren Familienfeften nicht verboten, wohl aber der Besuch üppiger Gastmähler und aller Tanzlustbarkeiten und Schauspiele. 2. Die Gründe dieses Verbotes sind für jeden, der ein frommes Leben führen will, offenbar. Der Verlust der kostbaren Zeit, der Fall in viele läßliche Sünden, die Gefahr, selbst in Todsünden zu fallen, knüpfen sich fast nothwendig 3* 36- an diese eitlen Weltfreuden. Mit Recht fagt der h. Petrus Chrysologus: ,, Wer hier lachen will mit dem Satan, der kann dereinst sich nicht freuen mit Christo." 3. Die Tertiarier sollen sich also erinnern, daß sie nicht bloß dem Satan, sondern auch aller seiner Pracht, das heißzt, besonders den gefährlichen Lustbarkeiten und Gelegenheiten zur Sünde abgesagt haben. Das wird ihnen nicht schwer werden, wenn sie in ihren Herzen die Liebe zu Christus tragen und täglich im Gebete vertraulichen Umgang haben mit der göttlichen Weisheit"; denn der Umgang mit ihr hat nichts Bitteres und ihre Gesellschaft nichts Widriges, sondern Lust und Freude."( Weish. VIII., 16.) Wer die süße Speise der göttlichen Liebe ver= kostet, der erachtet mit dem Apostel Paulus alle Lust, die ihm die Welt bietet, für Gassenkoth. Fünftes Kapitel. Vom Fasten und von der Abstinenz. 1. Von Fleischspeisen sollen sie sich am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag enthalten, es sei denn, daß Krankheit oder Schwäche das Gegentheil rathsam mache. Die zu Ader Gelassenen können drei Tage lang Fleischspeisen genießen, auch den Reisenden sollen dieselben nicht vorenthalten werden. An den hohen Festen, an welchen nach uraltem Gebrauche der Kirche die übrigen Christen Fleisch essen, können auch die Brüder und Schwestern frei davon genießen. Auch können sie an den Tagen, welche keine Fasttage sind, Käse und Eier essen, ebenso dürfen sie bei andern Ordensleuten in deren Klöstern und Häusern nehmen, was ihnen vorgesetzt wird; doch sollen sie sich mit zwei Mahlzeiten begnügen, wenn sie nicht schwach, frank oder auf der Reise sind. Die Gesunden sollen im Essen und Trinken die Mäßigfeit beobachten, eingedenk des Wortes: Hütet euch, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fraß und 37 Völlerei.( Luc. 21, 34.)- Vor dem Mittag- und Abendessen sollen sie wenigstens einmal das Vater unser beten, desgleichen nach gehaltener Mahlzeit ein Deo gratias hinzufügend; und wenn sie es vergessen haben, sollen sie drei Vater unser dafür beten. — 2. An allen Freitagen des Jahres sollen sie fasten, es sei denn, daß sie wegen Krankheit oder sonst rechtmäßig entschuldigt wären, oder daß der H. Weihnachtstag auf einen Freitag fiele. Von Allerheiligen bis Ostern sollen sie alle Mittwoche und Freitage fasten; auch alle andern von der Kirche gebotenen Fasttage sollen sie beobachten. Täglich sollen sie das Fasten beobachten vom Feste des H. Martinus bis Weihnachten und von dem Sonntag Quinquagesima an bis Ostern, die Sonntage ausgenommen, falls nicht eine Krankfheit oder eine andere Nothwendigkeit sie davon befreit. 3. Die Frauen, welche gesegneten Leibes sind, mögen bis zur Zeit ihrer Reinigung von allen förperlichen Abtödtungen sich enthalten. Desgleichen können die Arbeiter von Ostern bis zum Feste des h. Martinus, wenn sie wollen, dreimal des Tages essen, und wenn sie bei fremden Leuten arbeiten, können sie von allen Speisen essen, die ihnen vorgesetzt werden, mit Ausnahme der Freitage und Samstage, an welchen allgemeine Abstinenz vorgeschrieben iſt. Erklärung. 1. Der h. Vater Franciscus wußte, daß man nicht nach dem Geiste leben fann, wenn man den Uebermuth des Fleisches nicht bezwingt; er wußte was der h. Ambrosius sagt: Das Fasten ist die Schule der Enthaltsamkeit und der jungfräulichen Züchtigkeit. Das Fasten demüthigt den Geist, bezähmt das sich empörende Fleisch, ordnet die Tugend, reinigt die Seelen, erweicht und befähigt zum Wohlthun, macht sanft und gelinde, entflammt die heilige Liebe, schmückt - 38 das Greifenalter und die feurige Jugend." Darum schreibt er den Tertiariern außer den allgemeinen Kirchenfasten noch besondere Abstinenztage und Fasttage vor. Bloße Abstinenztage sind solche, an denen man sich nur von einer gewissen Art von Speise, nämlich in Deutschland nur vonFleischspeisen, zu enthalten hat, wobei eine mehrmalige Sättigung gestattet ist. Die eigentlichen Fasttage gestatten nur eine einmalige Sättigung und des Abends eine sogenannte Collation. Der Genuß von Getränken, als Thee, Kaffee, Bier, bricht nich das Fasten. 2. Zu bemerken istt, daß der Papst Clemens VII.( Ad uberus frustus) die Regel in Bezug auf die Fast- und Abstinenztage etwas gemildert hat. Er hat nämlich das Abstinenzgebot am Montage ganz aufgehoben, so daß also die Tertiarier nur am Mittwoch und Samstag und( wie alle Christen) am Freitag von Fleischspeisen sich enthalten müſsen. Auch hat er verordnet, daß die Martinifaften, die bis Weihnachten dauern, nicht mehr, wie früher, am Martinifeste, sondern am ersten Adventssonntage anfangen sollen. 3. Außer den allgemeinen Kirchenfasten sind also von den Mitgliedern des dritten Ordens folgende Abstinenz- und Fasttage zu beobachten. a. Bloße Abstinenztage: 1. Alle Mittwochen und Samstage des ganzen Jahres. Der Genuß des Fleisches ist dann nicht gestattet, ausgenommen, wenn ein hoher Feiertag auf diese Tage fällt, z. B. Weihnachten, das h. Dreikönigfest, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen. Dagegen ist an denselben mehrmalen Sättigung erlaubt, wenn sonst von der Kirche oder Regel das Fasten nicht vorgeschrieben ist. 2. Alle Sonntage der h. Adventszeit. b. Eigentliche Fast- und Abstinenztage: 1. Alle Freitage des ganzen Jahres, wenn nicht das h. Weihnachtsfest auf diesen Tag fällt. In diesem Falle dürfen sie auch Fleisch essen. 2. Alle Mittwochen von Allerheiligen bis Ostern. 3. Alle Wochentage vom ersten Advendtsson ntage bis Weihnachten. 4. Der Montag und Dienstag vor Aschermittwoch. Dieses hat der h. Bater angeordnet theils, damit die Tertiarier sich vor den alsdann leider so gewöhnlichen Ausschweifungen besser hüten können, theils, damit sie Gott 39 dem Herrn einen kleinen Ersatz leisten für die schrecklichen Sünden, die in diesen Tagen zum Himmel schreien. Von dieser Vorschrift des Fastens und nach Umständen auch der Abstinenz sind schon nach dem Wortlaut der Regel befreit, die Reisenden, die Schwachen und Kranken, die gesegneten oder säugenden Frauen, ferner die sich zur Ader gelassen haben und die wegen ihrer Arbeit die Fasten gar nicht oder nicht gut halten können. Ebenso können, wenigstens nach dem Geiste der Regel, an den Abstinenztagen die Hausmütter, die Kinder, die Dienstboten, welche nach der Gewohnheit des Hauses keine Fastenspeisen bekommen, Fleisch essen. Die Statuten des Ordens, welche auf einem Generalfapitel entworfen und von den Päpsten In nocenz XI. und XII. bestätigt sind, nehmen auch noch jene aus, welche wegen Armuth keine hinreichende Fastenspeisen haben. Ueberdies können nach dem 18. Kapitel die Ordensobern auch noch in andern Fällen aus vernünftigen Gründen dispensiren. 4. Sehr wichtig ist die Warnung des h. Vaters Franciscus vor dem Laster der Unmäßigkeit. ,, Hütet euch, sagt er mit den Worten Christi, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Völlerei und Trunkenheit."( Luc. 21, 34.) Eine stets beobachtete, geregelte Mäßigkeit ist nämlich noch nothwendiger zum Fortschritte im geistlichen Leben, als zeitweiliges Fasten, und der h. Philippus Neri pflegte mit Recht zu sagen: Die Abtödtung der Eßluft ist das A B C des geistlichen Lebens." 5. Damit endlich das Fasten nicht bloß den Leib schwäche, sondern auch die Seele stärke und die Gnade Gottes vermehre, sollen die Brüder und Schwestern nach der Mahnung der h. Väter noch mehr bemüht sein, der Seele die Befriedigung der Leidenschaften, als dem Leibe die Speise zu entziehen. ,, Denn", sagt der h Leo, ,, nicht in der bloßen Enthaltung von Speise liegt die Hauptsache des Fastens, auch bringt es keine Frucht, dem Leibe die Speise zu entziehen, wenn nicht der Geist von der Sünde abgewendet wird." Also auch dem vorwitzigen Auge, der geschwätzigen Zunge, dem neugierigen Ohre, dem störrigen Eigenwillen, dem trägen, eitlen, selbstgefälligen Herzen lege man strenges Fasten auf. 6. Endlich müssen die Tertiarier bei der Beobachtung ihrer Regel- Fasten vor allem auf die gute Meinung sehen: sie sollen in der Absicht fasten, entweder um Buße zu thun für ihre früheren Sünden, oder um für sich und Andere - 40 eine besondere Gnade von Gott zu erlangen, oder, was noch vollkommener ist, um durch Kreuzigung des Fleisches ihrent gekreuzigten Heilande gleichförmiger zu werden. Sechstes Kapitel. Wie oft sie im Jahre beichten und communiciren sollen. Alle Brüder und Schwestern sollen nicht unterlassen, dreimal im Jahre, zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten, ihre Sünden zu beichten und das hochwürdige Sakrament des Altars zu empfangen, sich mit dem Nächsten zu versöhnen und das fremde Gut zurückzuerstatten. Erklärung. 1. Der h. Vater Franciscus hat nur an den drei Hauptfesten des Herrn die allgemeine Communion vorgeschrieben, theils, weil zu seiner Zeit die häufige Communion nicht so gebräuchlich war, theils, weil er in diesem Punkte mit derselben Vorsicht verfahren wollte, wie die h. Kirche, die ja allen Gläubigen nur für einmal im Jahre die h. Communion als Pflicht vorschreibt, obwohl sie zu einer häufigeren anräth und ermahnt. Eine häufigere Communion wünschte der h. Vater Franciscus ohne Zweifel, aber er glaubte dieselbe der Frömmigkeit der einzelnen Mitglieder und dem Urtheile der Beichtväter anheimgeben zu müssen. 2. Doch haben die schon genannten Ordensstatuten noch mehrere allgemeine Communiontage hinzugefügt, nämlich das Fest des h. Vaters Franciscus, den Allerseelentag und das Fest des Hauptpatrones des Ordens. Auch wird jedem Einzelnen die h. Communion empfohlen an den Festen des Herrn, der allerseligsten Jungfrau Maria, der Apostel und der Heiligen des ersten und dritten Ordens. Für die übrigen Tage sollen sie sich unbedingt richten nach dem Urtheile ihrer Beichtväter. Diese werden den Geist der Beichtkinder, welche oft communiciren wollen, sorgfältig prüfen und an ihnen die Früchte der Communion, d. h. den Fortschritt in der Tugend, beobachten und darnach entscheiden, ob die oftmalige Communion ihnen zu gestatten oder zu versagen sei. Denn wo kein - 41 - - innerliches Leben und wahres Streben nach Vollkommenheit ist, gereicht dieselbe Christo nicht zur Ehre, andern nicht zur Erbauung und dem Empfänger gar nicht oder nur zu geringem geistlichen Nutzen. Das gilt besonders von jenen weiblichen Personen, die ihre Berufspflichten vernachlässigen, die wenig auf die Besserung des Lebens und Abtödtung ihrer Leidenschaften bedacht sind und auf die Vorbereitung zu den h. Sakramenten nur geringen Fleiß verwenden. Solche setzen nicht selten ihre ganze Vollkommenheit darin, daß fie oft und lange beichten und häufig communiciren, und zwar thun sie dieses zuweilen nur aus dem Grunde, weil Andere es auch thun. Die Folge dieser leichtsinnigen, wenn nicht ungültigen Beichten und dieser lauen, wenn nicht unwürdigen Communionen ist dann keine andere, als daß in solchen scheinfrommen Seelen die geistige Blindheit zunimmt, die Selbstüberschätzung und Eitelkeit genährt wird und nur Kälte und Gleichgültigkeit gegen das h. Sakrament im Herzen zurückbleibt. 3. Darum mögen Alle beherzigen die Worte eines bekannten Schriftstellers:*) ,, Sowie die Gesundheit nicht im oftmaligen Genusse der Speise besteht, sondern darin, daß uns die Nahrung gedeiht, ebenso besteht das heilige Leben nicht bloß im oftmaligen Empfange der h. Communion, sondern darin, daß man die h. Communion gut benutze. Darum setzt der h. Augustin, nachdem er gesagt hat:„ Nimm täglich dies Brod, welches dir nüßen fann," uns diese Worte hinzu:„ Lebe aber auf solche Weise, daß du verdienest, es täglich zu empfangen." Dann wird ihnen die häufige Communion das Brod des Lebens werden in Kraft dessen fie, wie Elias, ,, wandeln durch die Wüste dieses Lebens bis zum Berge Gottes Horeb,"( III. B. d. Könige 19, 8.) das heißt, bis zu einer hohen Stufe der Gnade im Leben und der Glorie in der Ewigkeit. Siebentes Kapitel. Daß die Brüder feine gefährlichen Waffen tragen sollen. Die Brüder sollen keine gefährlichen Waffen tragen, außer zur Vertheidigung der Kirche, des fatho*) Humberts Gedanken. - 42 - lischen Glaubens oder auch ihres Vaterlandes, oder mit Erlaubniß ihrer Vorgesetzten. Erklärung. 1. Dieses Verbot hat in unsern Zeiten und besonders in unserm Vaterlande wenig Bedeutung, da das Tragen von Waffen ohnehin nicht im Gebrauche ist, wie es zur Zeit des h. Franciscus der Fall war. Damals gab diese Sitte zu Ausbrüchen der Rache und blutigen Kämpfen um so mehr Anlaß, als der Charakter jener Zeit zu wilder Gewaltthätigkeit hinneigte. Der h. Vater gab aber dieses Verbot, damit seine Kinder um so sicherer die Sanftmuth Jesu Christi nachahmten; denn rohe Gewalt, Rache, Zank und Streit sind unvereinbar mit dem Geiste Jesu Christi, der, wie David von ihm geweisfagt hat, ,, hinwegnimmt die Kriege bis zum Ende der Erde, den Bogen zertrümmert und die Waffen zerschlägt und die Schilde mit Feuer verbrennt."( Ps. 45, 10.) 2. Wenngleich nach dem Gesagten der Wortlaut dieses Kapitels für das Leben der Mitglieder des dritten Ordens in unserer Zeit kaum eine Bedeutung hat, so enhält dasselbe dennoch nach seinem geistigen Sinne für sie die eindringliche Mahnung, sich in ihrem ganzen Wandel der christlichen Sanftmuth und Geduld mit Eifer zu befleißigen. Denn nach dem Zengniß der h. Schrift ist die Zunge des Menschen auch eine Waffe, noch gefährlicher und verderblicher als Dolch und Schwert. Dieses nimmer müde Uebel voll tödlichen Giftes," wie der h. Jacobus fie nennt, sollen sie daher vor allem sorgfältig unter Schloß und Riegel bewahren, d. h. durch fortwährende Wachsamkeit und Abtödtung im Baume halten, und ihre Zunge, mit der fie Gott loben und so oft den Leib des Herrn berühren, niemals entweihen durch ärgerliche und anstößige Reden, durch Rechthaberei und Bänkerei, durch Ohrenblasen und Klatschen, durch Ehrabschneidung und Verläumdung; vielmehr sei es ihr Bestreben, durch zuvorkommende Freundlichkeit, durch Sanftmuth und Nachgiebigkeit die Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist, zu erhalten, und so viel an ihnen, mit Jedem in Frieden zu leben. Dann gilt auch für sie das Wort des Herrn: Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen." ( Matth. 5, 4.) - 43 — Achtes Kapitel. Wie sie ihre Tageszeiten beten sollen. Täglich sollen die Tertiarier die sieben kirchlichen Tageszeiten beten, nämlich die Metten und Laudes, die Prim, die Terz, die Sext, die Non, die Vesper und die Complet. Die Clerifer, welche den Psalter beten können, sollen für die Prim den Psalm: Deus in nomine tuo etc. und: Beati immaculati bis Legem pone etc. und zu den andern Tagzeiten sollen sie den Psalm weiter beten mit dem Gloria Patri, wie es beim firchlichen Officium Gebrauch und Vorschrift ist. Wenn sie dem Chore nicht beiwohnen, sollen sie für die Matutin die Psalmen beten, welche andere Clerifer beten, oder wie man sie in der Kathedralkirche betet. Jene, die des Lesens nicht kundig sind, sollen für die Metten zwölf Vater unser und für jede andere Tagzeit sieben Vater unser mit dem Ehre sei dem Vater" beten. Auch sollen sie beim Anfang der Prim und am Ende der Complet den Glauben beten und einmal des Tages den Pfalm Miserere, wenn sie ihn beten können. Haben die Brüder zu der bestimmten Zeit nicht gebetet, so sollen sie zur Buße drei Vater unser beten. Die Kranken sind zum Beten der Tagzeiten nicht verpflichtet, wenn sie es nicht wollen. In der St. Martinsfaste, sowie in der Faste vor Ostern sollen die Tertiarier sich befleißigen, den Metten in ihren Pfarrkirchen beizuwohnen, es sei denn, daß sie aus wichtigen Ursachen davon entschuldigt wären. Erklärung. 1. Sowie die Priester und Cleriter nach der von der Kirche festgesetzten Ordnung siebenmal im Tage Gott das Opfer der Anbetung, des Dantes, der Versöhnung und 44 Bitte darbringen sollen, indem sie die kirchlichen Tagzeiten oder das sogenannte Brevier beten, so sollen auch die Tertiarier ihr Gebet mit dem allgemeinen Gebete der Kirche vereinigen, in der Meinung, Gott zu ehren, und Gnade und Erbarmung auf sich und die ganze Welt herabzuflehen. 2. Wer aus Pflicht oder Andacht das Brevier betet, der braucht bei den Suffragien der Vesper und Laudes nur die Commemoration des h. Vaters Franciscus hinzuzufügen und nach der Complet ein De profundis mit der Oration: Deus veniae largitor, etc. Auch wird bemerkt, daß sich die dem dritten Orden angehörenden Priester zur Persolvirung des göttlichen Officiums des Brevieres und Direktoriums des Franciskanerordens bedienen dürfen( Ex concessione Innoc. XI. et Pauli V. et S. R. C. 7. Aug. 1694), ausgenommen diejenigen, welche zu dem Chore einer andern Kirche besonders verbunden sind. — — 3. Wer die kleinen Tagzeiten der Mutter Gottes betet, thut der Regel genug, wenn er nur einige beliebige Gebete, z. B. den 4. und 6. Buspsalm für die Seelen der verstorbenen Mitbrüder und für die Verstorbenen im Allgemeinen hinzufügt. 4. Obwohl die Regel nur das„ Vater unser" und„ Ehre sei dem Vater" vorschreibt, so ist es doch uralter Gebrauch, jedem Vater unser" das ,, Gegrüßet seist du, Maria", hinzuzufügen. Für die Metten und Laudes muß man zwölf, für Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Complet, je sieben Vater unser beten, auch bei der Prim und Complet das apostolische Glaubensbekenntniß, und bei der Complet noch den vierten Bußpsalm hinzufügen. 5. Was die Zeit, wann die Gebete zu verrichten sind, betrifft, so fönnen die zwölf Vater unser der Metten und Laudes schon am Vorabende für den folgenden Tag gebetet werden. Die Prim, Terz, Sext und Non sollen, wo möglich, vor Mittag und die Vesper und Complet nach Mittag gebetet werden. In der Fastenzeit kann man die Versper schon vor dem Mittagsessen beten. Vernünftige Gründe gestatten, daß man von dieser Ordnung abweiche. 6. Krankheit oder ganz dringende Berufsarbeiten entbinden von der Pflicht, die Tagzeiten zu beten. Auch können die Vorgesetzten darin dispensiren, oder für kürzere oder auch längere Zeit weniger lange Gebete auflegen. 7. Die oft genannten Statuten rathen auch noch, wo möglich, täglich den Rosenkranz zu beten. - 45 Neuntes Kapitel. Daß die Brüder und Schwestern ihr Testament machen sollen. Diejenigen, denen es von Rechtswegen zulässig in ist, sollen innerhalb drei Monate nach Aufnahme den Orden ihr Testament machen und über ihr Vermögen verfügen, damit Niemand aus ihnen ohne Testament sterbe. Erklärung. 1. Verschiedene wichtige Gründe bewogen den h. Vater, die Vorschrift zu geben, daß die Tertiarier innerhalb der drei ersten Monate nach ihrem Eintritt in den Orden ihr Testament machen sollen, natürlich nur dann, wenn ihnen bereits das Recht, über ihr Vermögen zu verfügen, zusteht. Der liebevolle Heilige wollte hiermit den ärgerlichen Streitigkeiten, Processen, langdauernden Feindschaften vorbeugen, die gewöhnlich die Herzen der nächsten Verwandten entzweien, wenn Semand ohne Testament stirbt, oder auf dem Todes= bette übereilt ein Testament macht. Er wollte ferner, daß die über eine Ewigkeit entscheidende Todesstunde nicht etwa von weltlichen Geschäften zum Nachtheile der Seele in Anspruch genommen werde; er wollte endlich, daß die weltlichen Geschäfte gleich geordnet würden, damit die Tertiarier, wenn sie sich dem Dienste Gottes ergeben, nicht mehr in unnütze, weltliche Händel sich zu mischen hätten, sondern in als der Welt lebten, als lebten sie nicht mehr in ihr, hätten sie durch den Tod schon alles Eigenthum verloren, oder ständen wenigstens im Begriffe Alles zu verlieren. Vor Abfassung des Testamentes soll man verständige und gewissenhafte Leute zu Rathe ziehen und bei den einzelnen Bestimmungen vor allem die Pflichten der Gerechtigkeit und Liebe berücksichtigen. Es mag aber hier die Bemerkung nicht überflüssig sein, daß den Tertiariern die volle Freiheit bleibt, das in den drei ersten Monaten nach ihrem Eintritt in den Orden gemachte Testament zu jeder Zeit abzuändern. 2. Sie sollen auch aus dieser Regel lernen, wie sehr sie nach dem Geiste ihres Ordens alle Habsucht, allen Geiz und alle Anhänglichkeit an die Güter der Erde ablegen müssen. Dem Geiste und Herzen nach müssen sie nichts haben, 46 sondern, wie der Habsüchtige sich abmüht um Geld und Gut, so müssen sie ringen nach der ersten der acht Seligkeiten: " Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich"( Matth. V., 3). Denn diese Armuth ist ein Schatz, der so hoch steht über allen Schätzen der Erde, als der Himmel die Erde und die Ewigkeit die Zeit überragt. 3. Um die unordentliche Liebe zu irdischen Gütern in sich zu ersticken, sollen sie sich oft an das Wehe erinnern, das der Herr über die Reichen gerufen hat, d. h. über solche, deren Herz und Geist voll ist von Liebe zu jenen irdischen Reichthümern, die von Rost und Motten verzehrt werden, sowie an die Worte des h. Apostels Paulus: ,, Die reich werden. wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke des Teufels und in viele unnütze und schädliche Begierden, welche die Menschen in Untergang und Verderben stürzen."( I. Thimoth. 6, 9.) Zehntes Kapitel. Wie Friede und Einigkeit unter den Brüdern und Andern herzustellen ist. Um den Frieden unter den Brüdern und Schwestern, oder auch Auswärtigen, die in Uneinigkeit gerathen sind, herzustellen, soll das geschehen, was den Ministern gut scheint, auch soll, wenn es nöthig ist, hierüber der Rath des Diöcesanbischofs eingeholt wverden. Erklärung. 1. Unser Heiland sagt:„ Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden."( Matth. V.) Dazu bemerkt der h. Gregorius: Wenn die Friedfertigen Kinder Gottes sind, so sind ohne Zweifel die Friedensstörer Kinder des Satans. Nichts ist kostbarer vor Gott, als die brüderliche Liebe, nichts ist auch dem Teufel angenehmer, als Uneinigkeit und Zwiespalt." Für die Bewahrung und Herstellung des Friedens arbeiten, heißt also für Christus arbeiten; Zwiespalt und Unfrieden ausjäen oder befördern, heißt dem Satan dienen. Wehe denen, die Uneinigkeit und Streitigkeiten im Hause, im Orden oder in der Pfarre anstiften oder befördern. Sie lassen sich vom Teufel leiten, häufig ohne es zu wissen; denn der Fürst der Finsterniß kommt oft als Engel des Lichtes: unter dem 47- Scheine des Eifers und der Ehre Gottes säet er das Unkraut der Bitterfeit, der Spaltungen und Streitigkeiten, und dann wird jeder gute Samen, den Gott gefäet hat, erstickt. 2. Es ist also durchaus nothwendig, daß die Brüder und Schwestern die erste und wesentlichste Regel jedes religiösen Vereins, die Regel, welche Christus selbst angegeben hat, nie aus den Augen lassen:„ Dieses ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe."( Joh. 15, 12.) Ja, Christus wird sie nicht als Christen ansehen, wenn sie dieses Gebot nicht erfüllen. Denn daran werden Alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr euch lieb habt unter einander."( Joh. 13, 35.) Damit nun diese Liebe und Einigkeit im Orden bleibe und wachse, muß Jeder wachen erstens über sein Betragen und seine Worte, daß er niemanden Anstoß oder Anlaß zu Streitigkeiten gebe; zweitens über sein Herz, auf daß dort keine Würzel der Bitterkeit aufwachse und hinderlich sei;" ( Hebr. 12, 15.) das heißt, keine Abneigung und Feindschaft sich einniste. Der Apostel fordert vielmehr die geduldigste Liebe: Ziehet nun an, als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Güte, Demuth, Sanftmuth, Geduld; ertraget einander und verzeihet einander, wenn Jemand Klagen hat wider den Andern. Wie der Herr euch verziehen hat, so auch ihr;"( Koloff. 3, 12, 13.) drittens müssen Alle als Kinder des Friedens bemüht sein, die Uneinigkeiten und Feindschaften, die sie zwischen Ändern sehen, mit Liebe und Sanftmuth beizulegen, oder durch Andere beilegen zu lassen, wenigstens mit ihrem Gebete dazu behülslich sein. Elftes Kapitel. Was zu thun ist, wenn sie in ihren Rechten und Privilegien gehindert werden. Wenn es sich zutrüge, daß die Brüder und Schwestern dieses Ordens von den Vorgesetzten der Gemeinden oder Ortschaften, wo sie wohnen, wider ihre Rechte und Privilegien gewaltsamer Weise beläftigt werden, sollen die Vorsteher zum Bischofe - 48 oder Ordinarius des Ortes ihre Zuflucht nehmen und nach dessen Rathe sich richten und verfahren. Erklärung. 1. Wenn die Brüder und Schwestern des Ordens von den Menschen verfolgt werden, so ist das Erste, was sie zu thun haben, die Uebung der Geduld und der Feindesliebe. Sie müssen sich bestreben nach dem Beispiele ihres Erlösers„ Böses nicht mit Bösem, sondern mit Gutem zu vergelten" und den Gegner nicht mit Vorwürfen und Klagen und Streiten, sondern im Guten zu besiegen."( Röm. 12, 21.) Darum müssen sie sich erinnern, daß, Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen" fein Unglüd, sondern eine der acht Seligkeiten ist, der das Himmelreich verheißen wird.( Matth. 5, 10.) Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse mit Unwahrheit wider euch reden, um meinetwillen. Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel."( Matth. 5, 11-12.) Ja, wenn es ihnen Ernst mit ihrer Frömmigkeit ist, so müssen sie von vornherein nicht Lob und Ehre bei den Menschen, sondern Verachtung, Widerspruch und Verfolgung erwarten. Denn der Apostel Paulus sagt: Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden Verfolgung erleiden."( II. Tim. 3, 12.) Es steht darum einem Mitgliede dieses Ordens von der Buße sehr übel, wenn dasselbe über jede kleine Verachtung und Verfolgung gleich außer sich geräth und klagt, als wenn ihm himmelschreiendes Unrecht gewirst du schehen wäre. Schweige, dulde, bete," dann unfehlbar im Guten das Böse besiegen zu seiner Zeit. Ich setze noch hinzu: Danke Gott und deinem Gegner, denn das ist Gnade, wenn Jemand aus Gewissenhaftigkeit um Gottes Willen Widerwärtigkeiten erträgt und mit Unrecht leidet."( I. Petr. 2, 19.) Zwölftes Kapitel. Daß sie soviel als möglich von öffentlichen Eidschwüren sich enthalten sollen. Alle sollen sich von öffentlichen Eidschwüren enthalten, wenn nicht die Nothwendigkeit dazu zwingt, 49 — d. h. in den Fällen, in denen der h. Stuhl es gestattet, z. B. zur Erhaltung des Friedens, zur Rechtfertigung ihres Glaubens, zur Aufdeckung einer Verläumdung, zur Bekräftigung eines Zeugnisses oder zur Autorisirung eines Kauf- und Schenkungsaktes. Auch in ihren gewöhnlichen Gesprächen sollen sie sich des Schwörens möglichst enthalten. Sollte aber Einer von ihnen aus Unbedachtsamkeit( was denen, die viel reden, leicht widerfährt) geschworen haben, so soll er am Abende desselben Tages bei der Gewissenserforschung als Buße für diesen unbesonnenen Schwur drei Vater unser beten. Auch vergesse man nicht sein Hausgesinde zum Dienste Gottes anzuhalten. Erklärung. 1. Christus der Herr sagte einst zu seinen Jüngern: ,, Ich aber fage euch, ihr sollt gar nicht schwören. Eure Rede soll sein: Ja, ja, nein, nein; was darüber ist, ist vom Bösen."( Matth. 5, 34, 37.) Es will daher der h. Stifter, daß die Brüder und Schwestern dieses Ordens in ihrem ganzen Handel und Wandel eine solche Liebe zur Wahrheit, Gerechtigkeit und Treue an den Tag legen, daß Jedermann ihren Behauptungen und Versprechungen auf das bloße Wort hin Glauben schenkt. Sie sollen daher sich des Eidschwures nur bedienen, wenn sie von der rechtmäßigen geistlichen oder weltlichen Obrigkeit dazu aufgefordert werden. Die Ablegung des Eides in solchen und andern wichtigen Fällen steht auch nicht in Widerspruch mit dem obigen Verbote des Herrn. In ihren gewöhnlichen Reden aber müssen sich die Mitglieder des dritten Ordens vor der so allgemein verbreiteten bösen Gewohnheit des Schwörens mit aller Sorgfalt hüten; und wenn sie sich bei der täglichen Gewissenserforschung zu Abend erinnern, daß sie hierin aus Gewohnheit oder auch aus linbedachtsamkeit gefehlt haben, so sollen sie sich selbst eine Buße auflegen und zu diesem Ende dreimal das Gebet des Herrn verrichten. - 2. Auch sei hier bemerkt, daß sich die Mitglieder dieses Ordens gleichfalls vor der beinahe eben so schändlichen und 4 - 50 - mit dem Schwören in naher Verbindung stehenden Gewohnheit des Fluchens hüten müssen. Denn äußerst roh und anstößig erscheint es, wenn Personen, die in besonderer Weise sich zur Beobachtung der göttlichen Gebote verflichtet haben, noch so wenig Selbstüberwindung zeigen, daß sie bei jeder Gelegenheit in entehrende Fluch- und Scheltworte ausbrechen. 3. Endlich ersieht man aus diesem Kapitel der Regel, daß der h. Vater Franciscus bei allen Mitgliedern des dritten Ordens die tägliche Gewissenserforschung voraussetzt. Dieselbe ist auch in der That nach der Meinung aller Geisteslehrer eines der wichtigsten Mittel zur christlichen Vollkommenheit und der leichteste und sicherste Weg, sich selbst kennen zu lernen. Diese Kenntniß seiner selbst und seiner Fehler ist aber der erste Schritt zur Besserung und somit das eigentliche Fundament der Vollkommenheit. Soll aber die Gewissenserforschung den vollen Nutzen bringen, so muß man dieselbe nicht bloß anwenden, um alle Fehler, in die man während des Tages gefallen ist, kennen zu lernen und zu bereuen, sondern auch dazu benutzen, um einen bestimmten Fehler, in den man am öftersten fällt, z. B. Ungehorsam, Naschen, Schwätzen, Lügen u. s. w. mit Gottes Gnade immer mehr abzulegen. Dreizehutes Kapitel. Von der Anhörung der h. Messe und wie ſie ihre Versammlungen halten sollen. 1. Alle gesunden Brüder und Schwestern, wo immer sie wohnen mögen, sollen jeden Tag, wenn es füglich geschehen kann, der h. Messe beiwohnen. Jeden Monat sollen sie sich in der Kirche oder an einem vom Regelvorsteher bestimmten Orte versammeln, um daselbst der feierlichen H. Messe beizuwohnen. 2. Jeder soll alsdann dem dazu verordneten Einnehmer einen Groschen gewöhnlicher, gangbarer Münze geben. Dieser soll das gesammelte Geld nach dem Rathe der Vorsteher unter die armen und kranfen Brüder und Schwestern, sowie auch an andere Dürftige, die nicht das Nöthige haben, um nach dem - . 51 Tode anständig begraben zu werden, gleichmäßig vertheilen. Ferner sollen sie vom besagten Gelde etwas der Kirche oder dem Orte der Versammlung geben. 3. Sie sollen dafür sorgen, daß sie einen frommen Geistlichen haben, der ihnen das Wort Gottes vorträgt und sie zur Buße und zur Uebung der Werke der Barmherzigkeit aneifert. Während der h. Messe und der Predigt sollen sie das Stillschweigen beobachten und auf das Gebet und die Predigt aufmerksam sein, es sei denn, daß der gemeine Nußen der Bruderschaft Jemanden daran hindert. Erklärung. 1. Wer Zeit und Gelegenheit hat, die h. Messe täglich zu hören, der soll es nicht versäumen, dieser heiligsten Handlung unserer Religion mit aller ihm möglichen äußeren Ehrerbietigkeit und inneren Andacht beizuwohnen. Keine Zeit ist so günstig, das Geschäft unseres Heiles mit Gott zu verhandeln, als wenn Christus auf dem Altare als unser Hohepriester den Vater für uns anbetet, Shm dankt, Ihn versöhnt, Ihn für uns bittet. Wir müssen dann unsere Gebete und Opfer mit dem Gebete und Opfer Christi ver= einigen und gleichsam mit dem Herzen und Munde Christi dem dreieinigen Gott jene Anbetung, Danksagung, Abbitte und Bitte därbringen, die ihm gebühren. Und was wir dann mit Christo, unserm Haupte und Mittler, also in Seinem Namen, thun und beten, das dringt durch die Wolken bis zum Throne Gottes, wie der Herr sagt: Wahrlich, wahrlich ich sage euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird er es euch geben."( Joh. 16, 23.) 2. Wer durch seine Standespflichten, durch Kränklichkeit oder andere Hindernisse abgehalten wird, täglich leiblich bei der h. Messe gegenwärtig zu sein, der gehe wenigstens ein in den Tempel seines Herzens und vereinige sich dort in Glaube und Liebe mit den Gläubigen, mit dem Priester und mit Chrifto selbst, um geistlicher Weise an der Darbringung des Opfers Theil zu nehmen. Gott, der Herzen und Nieren durchforscht, und von dem dich feine Zeit 4* 52 und kein Raum trennt, wird deinen guten Willen und die liebevolle Begierde annehmen und dich der Früchte der heil. Messe theilhaftig machen. 3. Auch wünscht der h. Franciscus, daß an den Orten, wo eine hinreichende Zahl von Tertiariern besteht und die Verhältnisse es gestatten, alle Monate eine Versammlung gehalten werde. Der Zweck derselben ist, einander zu erbauen, den Eifer wieder anzufachen und die brüderliche und schwesterliche Liebe zu üben. Deshalb will die Negel, daß Alle bei diesen Versammlungen zusammen beten, das Wort Gottes anhören und auch ein kleines Almosen geben. Diese Gaben sollen verwendet werden zur Unterstützung der armen Brüder und Schwestern, zunächst des dritten Ordens, ferner für die Seelenruhe der Abgestorbenen und endlich auch theilweise als Opfer an die Kirche, wo sie ihre Andacht halten. Das Nähere über die Weise, diese Versammlungen zu halten, folgt unten, Nr. 2 dieser Abtheilung. Vierzehntes Kapitel. Von den Kranken und Abgestorbenen. 1. Wenn Jemand aus den Brüdern oder Schwestern frank wird, dann sollen auf Ersuchen des Kranken die Vorsteher in eigener Person oder durch Andere ihn wenigstens einmal in der Woche besuchen, liebreich ermahnen und für die Spendung des Bußsakramentes nach bestem Ermessen Sorge tragen, und wenn er bedürftig ist, ihm aus den Almosen der Bruderschaft das Nöthige zukommen lassen. 2. Sobald der Kranke gestorben ist, soll man es allen Brüdern und Schwestern, die sich an dem Orte befinden, anzeigen, auf daß sie persönlich dem Leichenbegängniß beiwohnen, und sie sollen vor Beendigung der h. Messe und der Beerdigung des Leichnams sich nicht entfernen. Dasselbe ist auch rücksichtlich der kranken und verstorbenen Schwestern zu beobachten. Jeder soll darauf denken, seiner Verpflichtung für die Seelenruhe des Verstorbenen in 53 nerhalb acht Tagen nach seinem Hinscheiden zu genügen; und zwar sollen die Priester eine h. Messe lesen; die anderen sollen fünfzig Psalmen, wenn sie lesen können, oder wenn sie des Lesens unkundig sind, fünfzig Vater unser beten und eben so oft „ Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen." Ferner sollen sie jedes Jahr für die lebenden und abgestorbenen Brüder und Schwestern drei H. Messen lesen lassen. Diejenigen, welche den Psalter lesen können, sollen denselben alle Jahre einmal beten, und die nicht lesen können, sollen hundert ,, Vater unser" und eben so oft:, Herr, gib ihnen die ewige Ruhe 2c." in dieser Meinung beten. Erklärung. 1. Die Regel will, daß Alle die chriftliche Liebe ganz besonders gegen franke Mitglieder des Ordens üben und denselben die leibliche und geistliche Hülfe, deren sie bedürfen, leisten sollen. Sie verpflichtet zu diesem Liebeswerke freilich zunächst nur die Vorsteher und Obern, es ist aber kein Zweifel, daß auch die andern Brüder und Schwestern, besonders diejenigen, welche in der Nähe des Kranken wohnen, daran Theil nehmen sollen. Dies wäre um so mehr der Fall, wenn der Kranke nicht die gehörige Hülfe und Pflege hätte. 2. Die Krankenbesuche sollen aber vorzüglich den Zweck haben, den Seelen der Leidenden zu nützen. Man soll sie also erstens trösten besonders dadurch, daß man hinweiset auf das Beispiel des gekreuzigten Heilandes, auf das große Verdienst der Geduld im Leiden und auf die unermeßlichen Freuden des Himmels, die denen zu Theil werden, die, mit Christo gekreuzigt, als wahre Kinder des h. Franciscus dieses mühselige Leben beschließen. Man soll sie zweitens, wenn es nöthig ist, ermahnen zur Uebung der Geduld und der gänzlichen Ergebung in den heiligen Willen Gottes. Man soll auch drittens Sorge tragen, daß sie zeitig mit den h. Sterbefatramenten versehen werden und endlich besonders in der letzten Stunde mit verdoppeltem Gebete ihnen zu Hülfe kommen, auf daß Gott ihnen in dieser entscheidenden Stunde beistehe und nach ihrem Hinscheiden ein gnä 54- diger Richter werde. Auch trage man Sorge, daß der Sterbende das Ordensskapulier mit dem Gürtel trage, oder, wo dies nicht angeht, bei sich habe, damit er den Ablaß gewinnen könne, der vom heiligen Stuhle denjenigen verliehen ist, die im Ordenskleide sterben oder sich begraben lassen. 3. Was die Regel den Tertiariern vorschreibt, wenn Einer aus den Brüdern oder Schwestern gestorben ist, bedarf keiner Erklärung. Nur ist zur bemerken, daß sie statt der 50 Pfalmen oder 50 Vater unser, die sie für jede abgeschiedene Seele der Gemeinde innerhalb 8 Tage verrichten müssen, auch das fogenannte Officium der Verstorbenen beten können. Auch können sie statt des ganzen. Psalters oder der 100 Vater unser mit ,, Herr, gib ihnen die ewige Ruhe," die einmal im Jahre gebetet werden müssen, eine heilige Messe lesen lassen. 4. Uebrigens müssen sie nicht vergessen, daß es ein heiliger und heilsamer Gedanke ist, für die Verstorbenen zu beten,( II. Machab. 12.) und daß die Stunde kommen wird, wo ihnen selbst mit dem Maße Barmherzigkeit oder Strenge wird eingemessen werden, wie sie selbst im Leben gegen die armen Seelen Barmherzigkeit und Liebe, oder Härte und Kälte ausgemessen haben.( Matth. 7, 2.) - Fünfzehntes Kapitel. Von den Vorgesetzten. Jedes Mitglied soll bereit sein, die ihm übertragenen Aemter, welche in der Regel vorfommen, andächtig anzunehmen und treu zu verwalten. Doch soll jedes Amt ihm nur auf eine gewisse Zeit übertragen, und kein Vorsteher auf Lebenszeit gewählt werden, sondern sein Amt soll nur von bestimmter Dauer sein. Erklärung. 1. Die Regel setzt voraus, daß der Orden gewisse Vorsteher und Verwalter anderer Aemter haben müsse, damit Ordnung und Zucht bestehen könne; aber nähere Bestinimungen hierüber enthält sie nicht. An den meisten Orten wird nur ein Vorsteher resp. Vorsteherin gewählt. Die Regel sagt 55 - nur, daß Jeder die ihm übertragenen Aemter andächtig annehmen und getreu verwalten soll. Sie sollen dieselben annehmen, wenn Gottes Vorsehung sie ihnen auflegt, aber sie nicht suchen, oder gar fordern, als wenn sie die geeignetsten Personen wären. Diese Anmaßung und Hoffart fönnte nur ihnen und den Andern schaden. Sie sollten sie annehmen andächtig, d. h. nicht um ihrer eigeneu Ehre, sondern um Gottes willen, in der Absicht nämlich, Gottes Willen zu erfüllen und seine Ehre zu befördern. 2. Sie sollen auch das übernommene Amt treu verwalten und immer das gemeinsame Beste des Ordens nach Kräften befördern. Dabei dürfen die Vorsteher und Vorsteherinnen nicht vergessen, daß ihr Amt nicht im Befehlen und Gebieten bestehe, sondern darin, daß sie in brüderlicher und schwesterlicher Liebe die übrigen Mitglieder zur Haltung der Regel ermahnen, und wenn's nöthig ist, unterrichten, auch sie auf ihre Fehler aufmerksam machen, und zwar zuerst im Geheimen, und wenn dieses nicht hilft, den Regelpater davon in Kenntniß setzen. Auch müssen sie über den Lebenswandel derer, die sich zum Eintritt in den Orden melden, oder im Probejahr sind, nachforschen, damit keine Unwürdige dem Orden einverleibt werden. Ebenso liegt es ihnen ob, die gemeinsamen Almosen getreu zu verwalten und in der Weise, die unten in den nach der Regel folgent= den ,, Besonderen Bemerkungen" angegeben ist, von Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft abzulegen, auch sich der Kranken, der Nothleidenden und Betrübten mit Rath und That anzunehmen. Vor allem ist es nöthig, daß sie ein gutes Beispiel geben in Wort und Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Keuschheit."( 1. Thimoth. 4, 12.) Sechszehntes Kapitel. Von der Visitation der Brüder und der Bestrafung der Fehlenden. 1. Die Vorsteher sollen alle Brüder und Schwestern einer Stadt oder eines Ortes in einem Kloster, oder, wo ein solches nicht ist, in einer Kirche zur gewöhnlichen Visitation versammeln. Sie sollen nämlich einen Priester aus einem approbirten Orden als Visitator haben, der ihnen für die begangenen Fehler 56 eine heilsame Buße auflege, und kein Anderer foll dieses Amt der Visitation ausüben können. Da aber der h. Franciscus der Stifter dieses Ordens ist, ſo rathen wir, zu diesem Amte eines Visitators einen Priester aus dem Orden der mindern Brüder zu nehmen, den die Custoden oder Guardiäne des Ordens auf Ersuchen dazu bestimmen werden. In keinem Falle soll jedoch ein Laie das Amt eines Visitators vertreten. 2. Diese Visitation soll einmal des Jahres stattfinden, wenn nicht die Nothwendigkeit sie mehrmal erfordert. Fehlende und Ungehorsame sollen dreimal ermahnt werden; wenn sie unverbesserlich erfunden werden, sollen sie nach dem Rathe der Diskreten aus dem Orden ausgeschlossen werden. Erklärung. 1. Der h. Vater Franciscus erklärt ausdrücklich, daß die Brüder und Schwestern außer ihrem Vorsteher oder Vorsteherin noch einem Priester und zwar einen Ordenspriester, als Visitator( Aufseher) haben sollen. Papst Nikolaus IV. hat hierzu den jetzt in die Regel aufgenommenen Zusatz gemacht, daß dieser Visitator( Regelpater) aus dem Orden der Minderbrüder möchte genommen werden; und um manchen Unordnungen abzuhelfen, hat Innocenz I. im Jahre 1246 dieses ausdrücklich vorgeschrieben und den Ordensobern der Minderbrüder die Verwaltung des dritten Ordens übertragen. Die Generäle und Provinziale dieses Ordens haben demnach die Vollmacht, in eigener Person oder durch andere Priester die Brüder und Schwestern zu visitiren, und das, was zum Besten des Ordens dienlich ist, anzuordnen. Nur sie haben das Recht, die Visitatoren( oder Regelpater) zu ernennen. 2. Dieser Regelpater hat die unmittelbare Aufsicht über die Vorsteher und Vorsteherinnen seines Bezirks, er hält die Versammlungen, leitet die Wahlen zu den Aemtern, nimmt die Einkleidung und Profession vor, legt für die Fehler eine heilsame Buße auf, gibt die Generalabsolution und kann auch mit dem Rathe der Vorsteher die Unverbesser - 57 lichen ausschließen. Er hat auch das Recht, in den Vorschriften der Regel nach den Umständen zu dispensiren, und soll überhaupt es sich angelegen sein lassen, die Ordnung, die Eintracht und den Geist der wahren Frömmigkeit bei den Mitgliedern des Ordens im Allgemeinen und bei den Einzelnen zu befördern. - 3. Insbesondere will die Regel, daß der Regelpater die ihm anvertrauten Ordensgemeinden wenigstens einmal im Jahre besuche, damit die Angelegenheiten des Ordens geordnet und die Wünsche, Klagen und Bitten der einzelnen Brüder und Schwestern können berücksichtigt werden. Diejenigen, welche wenig erbaulich oder gar ärgerlich leben, sollen mit Liebe und Ernst ermahnt werden. Wenn der Fehler zum Aergernisse der Welt und zum Schaden des Ordens gereicht, und nach dreimaliger Ermahnung und Zurechtweisung keine Besserung erfolgt, so bleibt nichts übrig, als den Irrenden in einer Versammlung öffentlich von dem Orden auszuschließen. Die Ausgestoßenen verlieren alle Gnaden und Rechte des Ordens und sollen nie wieder aufgenommen werden. Siebenzehntes Kapitel. Von Verhütung der Zwietracht unter den Brüdern und mit Andern. Die Brüder und Schwestern sollen soviel als möglich alle Zänkereien und Streitigkeiten unter sich und mit Andern vermeiden. Wenn aber etwa solche unter ihnen entständen, so sollen sie sich befleißigen, dieselben in Frieden beizulegen; wenn aber dies nicht gelingt, sollen sie vor jenen verantwortlich sein, denen von Rechtswegen die Entscheidung zuſteht. Erklärung. 1. In Bezug auf Zänkereien, Händel und Proceffe gibt der göttliche Heiland den Rath, lieber jedes Opfer zu bringen, als sich in dergleichen einzulassen. Wenn Jemand dich auf die rechte Wange schlägt," heißt es bei Matth. V., 39-40., ,, fo reich ihm auch die andere dar; und will Jemand mit dir vor Gericht streiten und dir deinen Rock nehmen, so laß ihm auch den Mantel." Doch will Christus Univ.- Bibl. Giessen - 58 mit diesen Worten keineswegs die gemäßigte Nothwehr als Sünde verbieten, und darum erlaubt auch die Regel im äußersten Nothfalle, die streitige Sache dem Spruche des Gerichtes zu übergeben. Doch sollen sie vorher dem Gegner den Vorschlag machen, entweder einen billigen Vergleich einzugehen, oder die Entscheidung einem erfahrenen und rechtschaffenen Manne zu überlassen. 2. Noch mehr müssen Processe vermieden werden, wenn die Brüder und Schwestern unter einander Händel haben. Hier gelten gewiß die Worte des Apostels Paulus: ,, Schon das ist ein Fehler bei euch, daß ihr Streitigkeiten unter einander habet. Warum leidet ihr nicht lieber Unrecht? warum lasset ihr euch nicht lieber übervortheilen?"( I. Cor. IV., 7.) Kommen doch solche leidige Streitigkeiten vor, so sollen sie sich an die Vorgesetzten des Ordens wenden und von ihnen in der Stille und Güte die Sache abmachen lassen. Achtzehntes Kapitel. Wie und von Welchen in der Abstinenz dispensirt werden kann. Von den Dispensen. Die gewöhnlichen Vorsteher oder der Regelpater können die Brüder und Schwestern von der Abstinenz, den Fasten und andern Strengheiten dispensiren, wenn rechtmäßige Gründe da sind, und sie es für angemessen erachten. Erklärung. 1. Unter den gewöhnlichen Vorstehern sind nach den mehrmal genannten Ordensstatuten die Provinziäle und Guardiäne der Franciscanerklöster zu verstehen, zu denen die Gemeinden des dritten Ordens gehören. Diesen und dem Regelpater gibt die Regel die Gewalt, in den Strengheiten der Regel, besonders in den Fasten und der Abstinenz zu dispensiren, oder sie in andere Werke( z. B. Anhörung der heiligen Messe, Almosengeben, Verrichtung von Liebeswerken,) umzuändern. Denn die äußeren Abtödtungen machen nicht das Wesen des Ordens aus, und so gut und nützlich sie auch an sich sind, so gilt doch von ihnen in Vergleich zu 59 der Uebung der innern Tugenden das Wort des Apostels Paulus: Die leibliche Uebung hat wenig Nutzen; die Gottfeligkeit aber ist zu Allem nützlich und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens."( I. Timoth. 4, 9.) 2. Da der h. Ordensstifter an zwei Stellen( Kap. II. und XVIII.) dent Obern die Gewalt, zu dispensiren, gibt, so ist es klar, daß auch solche in den Orden können aufgenommen werden, die einige Gebote der Regel nicht zu halten im Stande sind, wenn sie nur die Substanz der Regel halten können und wollen; wenn sie nämlich entschlossen sind, die Gebote Gottes zu beobachten, nach der christlichen Vollkommenheit zu streben und den Geist des Gebetes und der Buße in sich zu nähren. Jedoch muß im Allgemeinen als Regel gelten, daß nur folche zum dritten Orden zugelassen werden, welche voraussichtlich die Vorschriften desselben zu halten vermögen. 3. Es wird indeß nicht überflüssig sein, die Tertiarier zu ermahnen, daß sie diese Milde der Regel nicht mißbrauchen und nicht der Trägheit und Uleppigkeit des Fleisches volle Freiheit gestatten. Nur die Schwäche ihrer Kräfte oder andere vernünftige Gründe, nicht die Laune und Sinnlichkeit sollen ihnen Anlaß geben, eine Dispense nachzusuchen. Neunzehntes Kapitel. Daß dem Visitator die öffentlichen Fehler und Vergehungen sollen angezeigt werden. Die Vorsteher haben die öffentlichen Fehler und Uebertretungen der Regel dem Visitator zur Bestrafung anzuzeigen. Wenn aber Jemand unverbesserlich erfunden würde, so soll er, nachdem er zur gehörigen Zeit von dem Vorsteher dreimal ermahnt worden, und der Rath einiger Diskreten eingeholt ist, dem Visitator angezeigt werden, damit er aus dem Orden und der Gesellschaft der andern Brüder ausgeschlossen werde. Diese Ausschließung soll, damit sie Allen bekannt werde, in der nächsten Versammlung öffentlich verkündigt werden. Dieses Kapitel ist so klar, daß es feiner Auslegung bedarf. - 60 - Zwanzigstes Kapitel. Daß die Regel Riemanden unter einer Todsünde verpflichtet. Ulebrigens wollen wir nicht, daß die Brüder eures Ordens unter einer Todsünde zu irgend einem der oben angeführten Stücke verpflichtet seien, insofern dieselben nicht schon durch die allgemeinen Gebote der Kirche und Gottes pflichtmäßig sind. Doch soll Jeder mit williger Demuth die Buße annehmen und treu verrichten, die ihm für die Uebertretungen der Regel aufgelegt iſt. Erklärung. 1. Zu diesem Kapitel hat Papst Leo X. noch die Erklärung hinzugefügt, daß die Vorschriften der Regel auch nicht unter einer läßlichen Sünde verpflichten, wenn dieselben nicht schon von einem andern menschlichen oder göttlichen Gebote als Pflicht aufgelegt wären.( Constit. 42. Inter cetera.) Dieser letzte Zusatz ist zu merken. Denn Manches in der Regel ist schon von Gott allen Menschen unter Sünde geboten, und auch das, was an sich keine Pflicht ist, kann unter gewissen Umständen zuweilen pflichtmäßig werden, so daß die Unterlaffung oder Uebertretung eine Sünde wird. Das wäre z. B. der Fall, wenn man durch Uebertretung der Regel großes Aergerniß gäbe und so die Liebe verletzte. 2. Man sieht aus diesem Kapitel, wie süß das Joch des dritten Ordens, und wie seine Bürde leicht zu tragen ist. Wenn man die Regel getreu hält, so hat man das große Verdienst des Gehorsams, und wenn man, durch vernünftige Ursachen verhindert, dieselbe nicht hält, so hat man doch keine Sünde begangen. Wer also nur etwas guten Willen hat, der kann diesen Weg der Buße, den der h. Vater Franciscus allen denen, die in der Welt leben müssen, gezeigt hat, mit leichtigkeit und großer Seelenruhe wandeln, und gewiß, ,, wer ausharret auf demselben, der wird selig werden." ( Matth. 10, 22.) Darum, geliebte Brüder und Schwestern, liebet und haltet eure Regel, fie ist für euch der kürzeste, leichteste und sicherste Weg zum Himmel! 61 Und Alle, welche immer dieser Regel folgen werden, Friede über sie und Barmherzigkeit." ( Galat. 6, 16.) ― Schluß der Bulle. Es soll nun durchaus keinem Menschen erlaubt sein, diesen Brief unserer Bestätigung zu schwächen oder sich vermessentlich demselben zu widersetzen. Wer sich aber dessen unterstehen wird, soll wissen, daß er in die Ungnade des allmächtigen Gottes und der h. Apostel Petrus und Paulus fallen werde. Gegeben zu Rieti den 17. August, im zweiten Jahre unseres Pontificates.( 1289.) II. Besondere Bemerkungen in Betreff der Leitung des dritten Ordens für die sächsische Provinz vom heiligen Kreuze. 1. Regelpater. 1. Ueber die Vollmacht und das Amt des Regelpaters vergl. S. 30 Nro. 1 und S. 56 Nro. 2 u. 3. 2. An diesen Regelpater hat sich, wer in den dritten Orden aufgenommen zu werden wünscht, zu wenden, versehen mit zwei Zeugnissen, nämlich von dem Vorsteher oder der Vorsteherin, und von dem Pfarrer, welcher in demselben erklärt, daß der fittliche und religiöse Wandel des Aufzunehmenden ihn für den Orden geeignet mache und daß seiner Aufnahme nichts im Wege stehe. 3. Der Regelpater hat alsdann den Postulanten zum Probekleide des Ordens zuzulassen, er soll jedoch die Einkleidung, wo möglich, in der Hauptversammlung vornehmen. - 62 —— 4. Bei der Einkleidung theilt der Regelpater dem Postulanten mit, daß derselbe über ein Jahr zur Profession könne zugelassen werden, wenn kein Hinderniß eintrete; daß er aber einen Monat vorher sich wieder anzumelden habe und wiederum von dem Vorsteher und Pfarrer ein Zeugniß beibringen müſſe, in welchem gesagt wird, es stehe seiner Profession nichts im Wege. 5. Jeder Regelpater wird zwei Verzeichnisse der von ihm geleiteten Tertiarier führen; in das eine sollen die Namen der Novizen, in das andere die Namen der Professen eingetragen werden. Die Namen der Letzteren sind jährlich an das nächste Franciscanerkloster zu übersenden. 6. Das Amt des Regelpaters dauert für gewöhnlich nur drei Jahre, und soll er daher nach dieser Frist die Erneuerung seiner Vollmacht bei dem zeitigen Provinzial des Franciscaner- Ordens nachsuchen. 2. Vorsteher und Vorsteherin. 1. Wo sich zwanzig Mitglieder des dritten Ordens befinden, soll der nächste Regelpater für die männlichen Mitglieder einen Vorsteher, für die weiblichen eine Vorsteherin ernennen. 2. Es sollen zu diesem Amte nur diejenigen genommen werden, welche wenigstens 5 Jahre im Orden einen musterhaften Wandel geführt haben und das Vertrauen ihrer Mitbrüder und Mitschwestern befißen. 3. Die Vorsteher sollen: a. diejenigen, welche in den Orden einzutreten wünschen, über die S. 31 Nr. 4 und 5 ausführlich angegebenen Punkte unterrichten und vor allem gewissenhafte Erkundigungen einziehen, ob die sich Meldenden in ihrer Gemeinde eines guten Rufes sich - 63 — erfreuen, wie seither ihr Betragen gegen die Eltern, die Herrschaften und ihre Familie gewesen ist, und insbesondere, ob dieselben ihren Seelsorgern Grund zur Klage gegeben haben, endlich auch, ob sie die Mittel besitzen, sich anständig zu ernähren. b. ein Buch haben, in dem sie das bei den Versammlungen von den Mitgliedern gegebene Almosen aufzeichnen und über die Verwendung derselben Rechnung führen. c. über den Wandel der Mitglieder ihres Bezirkes, namentlich der Novizen, sorgfältig wachen und die Fehlenden, wenn sie nach vorhergegangener Ermahnung sich nicht bessern, dem Regelpater anzeigen. d. die kranken, betrübten und leidenden Brüder und Schwestern besuchen und dafür Sorge tragen, daß sie auch von Andern besucht und getröstet werden, sowie daß ihnen die nöthige Hülfe verschafft und daß, wenn sie gestorben sind, ihr Tod dem Regelpater angezeigt werde. e. Alljährlich muß der Vorsteher oder die Vorsteherin den beiden ältesten Mitgliedern genaue und gewissenhafte Rechnung ablegen über Einnahme und Ausgabe der Almosen. Die Rechnung, von allen dreien unterschrieben, wird dem Regelpater eingehändigt. 3. Die Versammlungen der Tertiarier und die Generalabsolution. 1. Nach dem 13. Kapitel der Regel sollte alle Monat eine Versammlung der Tertiarier gehalten werden. Weil aber die Umstände dieses oft nicht gestatten, so wird hiermit bestimmt, daß wenigstens viermal im Jahre eine Hauptversammlung gehalten werde. Ort und Zeit derselben bestimmt der Regel - 64- — pater. Die Mitglieder des Ordens sollen sich bestreben, diesen Versammlungen fleißig beizuwohnen. 2. Zur Bewahrung der Einheit in der Leitung ist es rathsam, daß diejenigen, welche in nicht zu großer Entfernung von einem Franciscanerkloster wohnen, wenigstens einmal im Jahre den Hauptversammlungen in der Klosterkirche beiwohnen. 3. Bei diesen Hauptversammlungen wird auch die General- Absolution ertheilt, und so sollen sich Alle, die derselben beiwohnen, durch den Empfang der H. Sakramente der Buße und des Altars darauf vorbereiten. 4. Bei derselben sollen die Brüder und Schwestern des Ordens an den Vorsteher, oder die Vorsteherin, ein Almosen geben für die kranken und armen Mitglieder der Genossenschaft, für ein Seelenamt, das jährlich für die verstorbenen Brüder und Schwestern gehalten wird, und zur Bestreitung anderer kleiner Ausgaben. 5. Auf den Hauptversammlungen können die fehlenden, nach dreimaliger Warnung hartnäckig gebliebenen Mitglieder vom Verbande des Ordens ausgeschlossen werden. 6. Auch werden die Namen der seit der letzten Versammlung verstorbenen Mitglieder mitgetheilt und dem Gebete der Brüder und Schwestern empfohlen. Doch soll der Vorsteher oder die Vorsteherin gleich nach dem Tode eines Bruders oder einer Schwester, wie vorhergesagt, dem Regelpater davon die Anzeige machen; dieser wird dann die Todtenzettel an die einzelnen Klöster und Versammlungen besorgen. 7. Nachdem die Namen der feit der letzten Versammlung verstorbenen Mitglieder publicirt worden sind, sollen die Todtenzettel an einem dazu im Versammlungsorte bestimmten Plaße angeheftet werden. Der Wortlaut dieser Todtenzettel ist, wie folgt: 65 Jesus! Maria! Franciscus! ܀ Im Jahre des Heiles... den... ist zu... mit den hh. Sakramenten wohl versehen, gottselig im Herrn entschlafen unser in Chrifto vielgeliebter Mitbruder( unsere in Chrifto vielgeliebte Mitschwester) N. N., nachdem er( sie) dem göttlichen Heilande in dem dritten Orden des h. Franciscus in das... Jahr treulich gedient hat; seines( ihres) Alters im ... Jahre. Für diese Seele begehren wir demüthig um Gottes willen Ihr andächtiges Gebet und h. Meßopfer, bereit, den Ihrigen ein Gleiches zu leisten, wenn wir darum ersucht werden. R. I. P. ܀ III. Einkleidung, Profeßablegung, Hauptversammlung und Generalabsolution. 1. Einkleidung. Die Einfleidung geschieht in folgender Weise: Der Regelpater gibt dem Einzukleidenden ein Kreuz in die rechte Hand und spricht: ,, Qui vult venire post Wer mir nachfolgen will, me, abneget semetipsum, der verleugne sich selbst, tollat crucem suam et nehme sein Kreuz auf sich sequatur me." und folge mir nach. In die linke Hand gibt er ihm eine brennende Kerze mit den Worten: Eine brennende Leuchte , Sit lucerna ardens in manibus tuis, ut abjicias sei in deinen Händen, auf opera tenebrarum et in- daß du ablegest die Werke duaris arma lucis, in no- der Finsterniß und anlegeſt mine patris et filii et die Waffen des Lichtes, im spiritus sancti. Amen." Namen des Vaters u. s. w. Hierauf fragt er den Einzukleidenden: Was ist Ihr Begehren? 5 66 Der Einzukleidende antwortet: ,, Ehrwürdiger Vater! ich begehre um der Liebe Gottes und unsers Herrn Jesu Christi willen das Probekleid des dritten Ordens des heil. Franciscus, damit ich Gott desto besser durch Haltung der Regel und der h. Gebote Gottes dienen könne." Hierauf hält der Regelpater eine kleine Anrede und fragt dann: Sind Sie noch beständig in ihrem Vorsatze?" Man antwortet: " Ja, ehrwürdiger Vater!" Alsdann sagt der Pater: " 1 So wollen wir- und alle Anwesenden Gott für Sie bitten, daß er Ihnen seine Gnade zu diesem heil. Werke verleihen wolle." Alsdann knieet er vor dem Altare nieder und betet die folgende Litanei, bei der die Anwesenden andächtig antworten: Litaniae. Kyrie eleison! Christe eleison! Kyrie eleison! Christe audi nos! Christe exaudi nos! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Pater de coelis Deus, Gott Vater vom Himmel, miserere nobis! erbarme dich unſer! Fili, Redemptor mundi Gott Sohn, Erlöser der Deus, Welt, Spiritus, sancte Deus, Gott heiliger Geist, Sancta Trinitas, unus Heilige Dreifaltigkeit, ein Deus, einiger Gott, Sancta Maria, ora pro Heilige Maria, bitte für nobis! uns! Sancta Dei Genitrix, Heilige Gottesgebärerin, Sancta Virgo Virginum, 5. Jungfrau aller Jungfrauen, - 67 Sancte Michael, ora etc. Heiliger Michael, bitte 2c. Omnes sancti beatorum Alle heiligen Chöre der Spirituum Ordines, seligen Geister, bittet für orate pro nobis! uns! 1 Sancte Joannes Bapti- Heiliger Johannes der Täusta, ora pro nobis! fer, bitte für uns! Omnes sancti Patriarchæ Alle heiligen Patriarchen et Prophetae, orate etc. Sancte Petre, ora etc. Sancte Paule, Sancte Joannes, und Propheten, bittet 2c. Heiliger Petrus, bitte 2c. Heiliger Paulus, Heiliger Johannes, Omnes sancti Apostoli et Alle heiligen Apostel und Evangelistae, orate etc. Evangelisten, bittet 2c. Sancte Stephane, ora etc. S. Stephanus, bitte 2c. Sancte Laurenti, Heiliger Laurentius, Omnes sancti Martyres, Alle heiligen Martyrer, orate pro nobis! bittet für uns! Sancte Bonaventura, Sancte Bernardine, Sancte Ludovice, Sancte Elzeari, Sancte Gregori, ora etc. Heiliger Gregorius, bitte 2c. Sancte Martine, Heiliger Martinus, Sancte Pater Francisce, Heiliger Vater Franciscus, Sancte Antoni, Heiliger Antonius, Heiliger Bonaventura, Heiliger Bernardinus, Heiliger Ludovicus, Heiliger Elzearius, Heiliger Ivo, Sancte Ivo, Omnes sancti Confesso- Alle heiligen Bekenner, bitres, orate pro nobis! tet für uns! Sancta Maria Magdalena, ora pro nobis! Sancta Agnes, Sancta Clara, Sancta Elisabeth, Heilige Maria Magdalena, bitte für uns! Heilige Agnes, Heilige Clara, Heilige Elisabeth, 5* - Sancta Ursula cum Sodalibus tuis, orate etc. Omnes sanctae Virgines et Viduae, orate etc. Omne sancti et sanctae Dei, orate etc. Propitius esto, parce nobis, Domine! Ab omni immunditia mentis et corporis, libera nos, Domine! - - 68 Ab omni peccato, A damnatione perpetua, Ab omni malo, - -- Per mysterium sanctae Incarnationis, Passionis, Resurrectionis et Ascensionis tuae, Peccatores, te rogamus, audi nos! Ut pacem et tranquillitatem nobis dones, Ut hune famulum tuum( hos famulos tuos) ( hanc famulam tuam)( has famulas tuas) in vera castitate perseverare facias, Ut ei( eis) virtutem verae humilitatis et obedientiae donare digneris, Ut eum( eam) in tuo sancto servitio perseverare facias, Ut ei( eis) augmentum fidei, spei et charitatis donare digneris, Ut omnibus fidelibus defunctis requiem aeternam donare digneris, Fili Dei, Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, nobis, Domine! Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, - — parce exaudi nos, Domine! Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis, Domine! Kyrie eleison! Christe eleison!- Kyrie eleison! Pater noster etc. V. Et ne nos inducas in tentationem, - Te rogamus, audi nos! 14 1Heilige Ursula mit deinen Genosfinnen, bittet 2c. Alle heiligen Jungfrauen und Wittwen, bittet 2c. Alle Heiligen Gottes, bittet 2c. Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Von aller Unreinigkeit des Geistes und des Leibes, befreie uns, o Herr! Von aller Sünde, Von der ewigen Verdammniß, Von allem Uebel, - 69 Durch das Geheimniß deiner h. Menschwerdung, des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt, Wir Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns Frieden und Ruhe schenktest, Daß du diesen deinen Diener( diese deine Dienerin) in wahrer Keuschheit beharren lasseſt, Daß du ihm( ihr) die Tugend wahrer Demuth und des Gehorsams verleihen wolleſt, Daß du ihn( sie) in deinem heiligen Dienste beharren lasseſt, Daß du ihm( ihr) Vermehrung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe schenken wollest, Daß du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, - Du Sohn Gottes, O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, den der Welt, O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünerhöre uns, o Herr! das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser!-Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. P. Und führe uns nicht in Versuchung, - Wir bitten dich, erhöre uns! - 70- - B. Sed libera nos a malo. V. Salvum( salvam) fac servum tuum( ancillam tuam), R. Deus meus sperantem in te. V. Mitte ei auxilium de Sancto, R.Et de Sion tuere eum( eam). V. Nihil proficiat inimicus in eo( ea), R. Et filius iniquitatis non apponat nocere ei. V. Esto ei Domine turris fortitudinis, R. A facie inimici. V. Domine exaudi orationem meam, R. Et clamor meus ad te veniat. V. Dominus vobiscum, B. Et cum spiritu tuo. Oremus. Deus, qui per coaeternum tibi Filium cuncta creasti, quique hunc mundum peccatis inveteratum per mysterium Incarnationis eius renovare dignatus es, te supplices exoramus, ut ejusdem Filii tui Domini nostri Jesu Christi clementia super hunc famulum tuum( hanc famulam tuam) respicere digneris, quatenus spiritu mentis suae renovatus( renovata), veterem hominem cum actibus suis exuat et novum, qui secundum Deum creatus est, induere mereatur. Per eundem Christum Dominum nostrum. R. Amen. Darauf steht der Pater auf und betet Folgendes zur Segnung des Kleides und der Chorde: V. Adiutorium nostrum in nomine Domini, B. Qui fecit coelum et terram. V. Sit nomen Domini benedictum, B. Ex hoc nunc et usque in saeculum. - - 71- - A. Sondern erlöse uns von dem Uebel. P. Mache selig deinen Diener( Dienerin), A. Der auf dich hoffet, mein Gott. P. Sende ihm( ihr) Hülfe von dem Heiligthum, A. Und von Sion beschüßze ihn( sie). P. Nichts vermöge der Feind wider ihn( sie), A. Und der Sohn der Bosheit wage nicht ihm( ihr) zu schaden. P. Sei ihm( ihr), Herr, ein Thurm der Stärke, A. Vor dem Angesichte des Feindes. P. Herr, erhöre mein Gebet, A. Und mein Rufen komme zu dir. P. Der Herr sei mit euch, A. Und mit deinem Geiste. Laßt uns beten. Gott, der du durch deinen ewigen Sohn Alles erschaffen hast, und der du diese in Sünden veraltete Welt durch das Geheimniß seiner Menschwerdung zu erneuern dich gewürdigt hast, wir bitten dich demüthig, daß du durch die Milde eben dieses deines Sohnes, unseres Herrn Jesu Christe, auf diesen deinen Diener( Dienerin) herabsehen wolleſt, auf daß er( sie) im Geiste seines( ihres) Gemüthes erneuert, den alten Menschen mit seinen Werken ausziehe und den neuen, der nach Gott geschaffen ist, anzuziehen verdiene, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Darauf steht der Pater auf und betet Folgendes zur Segnung des Kleides und der Chorde: P. Unsere Hülfe ist im Namen des Herrn, A. Der Himmel und Erde gemacht hat. P. Der Name des Herrn sei gebenedeit, A. Von nun an bis in Ewigkeit. 72- V. Domine exaudi orationem meam, B. Et clamor meus ad te veniat. V. Dominus vobiscum, R. Et cum spiritu tuo. - Oremus. Domine Jesu Christe, qui tegumen nostrae mortalitatis induere dignatus es, quique gloriosum Confessorem tuum B. P. nostrum Franciscum tres ordines instituere salubriter instigasti, ac operis tui Vicarios, summos Ecclesiae tuae Pontifices, ipsos approbare fecisti, immensam clementiae tuae largitatem suppliciter exoramus, ut haec indumenta, quae ad propriae mortificationis et humilitatis iuvamen, ac pro valida contra saeculum, carnem et daemonem armatura instituta sunt, bene+ dicere digneris, ut hic famulus tuus( haec famula tua) N. N. ea devote recipiens, te intra se taliter induat, ut sicut honestam humilemque vitam indumenta ipsa praetendunt, sic etiam, quolibet vitio subacto, veraciter corde ore ac opere vivere mereatur, ut a te nullis tentationibus separetur. Qui vivis et regnas in saecula saeculorum. B. Amen. Benedictio Chordae. Omnipotens et misericors Deus, qui peccatoribus misericordiam tuam poscentibus thesauros pietatis tuae per poenitentiam aperis, maiestatem tuam suppliciter exoramus, ut funem istum, in tuae passionis memoriale dispositum, benedicere digneris: ut famulus tuus N.( famula tua), qui( quae) in poenitentiae signum eo praecingitur, benedictionis tuae largitatem misericorditer consequatur. Qui vivis etc. 73 P. Herr, erhöre mein Gebet, A. Und mein Rufen komme zu dir. P. Der Herr sei mit euch, A. Und mit deinem Geiste. 1 Laßt uns beten. O Herr Jesu Christi, der du das Kleid unserer Sterblichkeit anzuziehen dich gewürdigt haft und deinem glorreichen Bekenner, unserm seligen Vater Franciscus, drei Orden zu stiften heilsam eingeflößt haft, auch diese von deinen Stellvertretern, den Oberhirten deiner Kirche, haft bestätigen lassen, wir flehen den unermeßlichen Reichthum deiner Milde demüthig an, daß du diese Kleider, welche angeordnet sind als Hilfsmittel der eigenen Verleugnung und Demuth und als kräftige Waffen gegen die Welt, das Fleisch und den Satan, segnen wollest; auf daß dieser dein Diener( diese deine Dienerin) N. N., der( die) sie andächtig empfängt, dich in seinem( ihrem) Herzen so anziehen möge, daß er( sie) jeden Fehler ausrotte und in Gedanken, Worten und Werken wirklich das fromme und demüthige Leben, welches diese Kleider andeuten, zu führen verdiene; der du lebst und regierest Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Segnung der Chorde. Allmächtiger und barmherziger Gott, der du den Sündern, die deine Barmherzigkeit anflehen, die Schätze deiner Milde durch die Buße aufthust, wir bitten flehentlich deine Majestät, daß du diesen Gürtel, der zum Andenken deines Leidens angefertigt ist, segnen wolleft: auf daß dein Diener N.( deine Dienerin), welcher( welche) zum Zeichen der Buße mit demselben umgürtet wird, die Fülle deines Segens barmherzig erlangen möge. Der du lebſt zc, - 74- - Post benedictionem aspergitur vestis et chorda aqua benedicta, deinde exuendo pallium dicat: Exuat te Dominus veterem hominem cum actibus suis et induat te novum, qui secundum Deum creatus est. Amen. Cum induit Scapulare, dicat: Induat te Dominus indumento salutis et circumdet te vestimento iustitiae: tolle iugum Domini suave super te, ut invenias requiem animae tuae. Per Christum Dominum nostrum. B. Amen. Dein cingat eum( eam) fune benedicto dicens: Praecingat te Dominus, charissime frater ( charissima soror), cingulo huius Ordinis, ad invocationem Sanctissimi nominis sui et Beatissimi Patris nostri Francisci, ut possis recordari vinculorum et passionis Domini nostri Jesu Christi et fervere ad opera poenitentiae et charitatis. Qui vivit et regnat in saecula saeculorum. Amen. Hierauf gibt der Regelpater dem Eingekleideten einen Ordens- Namen, indem er spricht: ,, Impono tibi nomen N. N." Zur Mitte des Altars hingewendet, fährt derselbe dann fort: V. Dominus vobiscum, B. Et cum spiritu tuo. Oremus. Domine Jesu Christe, qui dixisti: Iugum meum suave est et onus meum leve, praesta quaesumus, ut famulus tuus( famula tua) sic 75- Nach der Segnung der Chorde wird das Kleid und die Chorde mit Weihwasser besprengt; darauf betet der Pater, während er die Einzukleidenden den Mantel oder das Obertuch ablegen läßt: - Der Herr ziehe dir aus den alten Menschen mit seinen Werken und ziehe dir an den neuen, welcher nach Gott geschaffen ist. Amen. Beim Anlegen des Scapuliers betet er: Es ziehe dir der Herr an das Kleid des Heiles und lege dir um das Gewand der Gerechtigkeit; nimm auf dich das süße Joch des Herrn, damit du Ruhe findest für deine Seele. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Darauf umgürtet der Priester ihn( sie) mit der geweihten Chorde und sagt: Der Herr umgürte dich, lieber Bruder( liebe Schwester,) mit dem Gürtel dieses Ordens unter Anrufung seines hochheiligen Namens und unsers seligen Vaters Franciscus, auf daß du dich erinnern könnest der Bande und des Leidens unsers Herrn Jesu Christi und eifrig seist zu den Werken der Buße und der Liebe. Der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Hierauf giebt der Regelpater dem Eingekleideten einen Ordens- Namen, indem er spricht: Ich gebe dir den Namen N. N." Zur Mitte des Altars hingewendet, fährt derselbe dann fort: P. Der Herr sei mit euch, A. Und mit deinem Geiste. Laßt uns beten. Herr Jesu Christe, der du gesagt hast: Mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht, verleihe, wir bitten dich, daß dein Diener( deine Dienerin) - 76- illud portare valeat in perpetuum, ut intercedente Beato Patre nostro Francisco tuam gratiam in praesenti et gloriam in futuro consequi mereatur. Qui vivis et regnas in saecula saeculorum. R. Amen. His dictis Pater genuflexus inchoat sequentem hymnum: Veni creator Spiritus, Mentes tuorum visita, Imple superna gratia, Quae tu creasti pectora. Qui diceris Paraclitus, Altissimi donum Dei, Fons vivus, ignis, charitas, Et spiritualis unctio. Tu septiformis munere, Digitus paternae dexterae, Tu rite promissum Patris, Sermone ditans guttura. Accende lumen sensibus, Infunde amorem cordibus, Infirma nostri corporis, Virtute firmans perpeti. Hostem repellas longius, Pacemque dones protinus, Ductore sic te praevio, Vitemus omne noxium. Per te sciamus da Patrem, Noscamus atque Filium, Teque utriusque Spiritum Credamus omni tempore. Deo Patri sit gloria, Et Filio, qui a mortuis Surrexit, ac Paraclito, In saeculorum saecula. Amen. 77 sie beständig so tragen möge, daß er( sie) auf die Fürbitte unsers h. Vaters Franciscus deine Gnade in diesem und die Herrlichkeit im zukünftigen Leben erlangen möge. Der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Darauf betet der Pater knieend folgenden Lobgesang: Komm, heil'ger Geist, fehr bei uns ein, Besuch das Herz der Kinder dein, Erfüll uns all mit deiner Gnad, Die deine Macht erschaffen hat. Der du der Tröster wirst genannt, Vom höchsten Gott ein Gnadenpfand, Ein Lebensbrunn, Licht, Lieb' und Glut, Der Seele Salbung, höchstes Gut. O Schatz, der siebenfältig ziert, Finger Gottes, der uns führt, Geschenk, vom Vater zugesagt, Du, der die Zungen reden macht. Entzünd' in uns des Lichtes Schein, Gieß Lieb' in uns're Herzen ein, Stärk' unseres Leib's Gebrechlichkeit, Mit deiner Gnad' zu jeder Zeit. Treib weit von uns des Feind's Gewalt, In deinem Frieden uns erhalt, Daß wir, geführt von deinem Licht, In Sünd und Leid verfallen nicht. Den rechten Glauben uns bewahr, Daß wir bekennen immerdar Des Sohnes und des Vaters Majestät, Und dich, der aus von beiden geht. Dem Vater Lob im höchsten Thron, Und seinem auferstandnen Sohn, Dem Tröster auch der Christenheit Jetzt und in alle Ewigkeit. - 78 V. Emitte Spiritum tuum et creabuntur, B. Et renovabis faciem terrae. V. In conceptione tua Virgo immaculata fuisti, B. Ora pro nobis Patrem, cuius Filium peperisti. V. Signasti, Domine, servum tuum Franciscum, B. Signis redemptionis nostrae. V. Ora pro nobis, beata Elisabeth, R. Ut digni efficiamur promissionibus Christi. Oremus. Deus, qui corda fidelium sancti Spiritus illustratione docuisti, da nobis in eodem Spiritu recta sapere et de eius semper consolatione gaudere. Deus, qui per immaculatam Virginis conceptionem dignum Filio tuo habitaculum praeparasti, quaesumus, ut, qui ex morte eiusdem Filii tui praevisa eam ab omni labe praeservasti, nos quoque mundos eius intercessione ad te pervenire concedas. Domine Jesu Christi, qui frigescente mundo ad inflammandum corda nostra tui amoris igne, in carne beatissimi Patris nostri Francisci passionis tuae sacra stigmata renovasti: concede propitius, ut eius meritis et precibus crucem iugiter feramus et dignos fructus poenitentiae faciamus. Tuorum corda fidelium, Deus miserator, illustra et beatae Elisabeth precibus gloriosis fac nos prospera mundi despicere et coelesti semper consolatione gaudere. Per Christum Dominum nostrum. B. Amen, - 79 P. Sende deinen Geist, und sie werden erschaffen, A. Und du wirst erneuern das Antlitz der Erde. P. In deiner Empfängniß, Jungfrau, bist du unbefleckt gewesen, A. Bitte für uns den Vater, dessen Sohn dut geboren hast. P. Gezeichnet, Herr, hast du deinen Diener Franciscus, A. Mit dem Zeichen unserer Erlösung. P. Bitte für uns, heilige Elisabeth, A. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Laßt uns beten! Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des h. Geistes gelehret hast, gib, daß wir in demselben Geiste, was recht ist, verstehen und seiner Tröstungen uns immer erfreuen. Gott, der du durch die unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau deinem Sohne eine würdige Wohnung bereitet hast, wir bitten dich, daß du, der du sie vor aller Makel wegen des vorhergesehenen Todes deines Sohnes bewahrt hast, auf ihre Fürbitte auch uns ohne Flecken zu dir gelangen lassen wollest. Herr Jesu Christe, der du, als die Welt erkaltet war, an dem Leibe unsers sel. Vaters Franciscus die h. Wundmale deines Leidens erneuert haſt, um unsere Herzen mit dem Feuer deiner Liebe zu entflammen, gib gnädig, daß wir durch seine Verdienste und Fürbitte das Kreuz beständig tragen und würdige Früchte der Buße wirken mögen. Barmherziger Gott, erleuchte die Herzen deiner Gläubigen und auf die glorreichen Fürbitten der h. Elisabeth laß uns die Freuden der Welt verschmähen und uns der himmlischen Tröstung immer erfreuen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. - 80 Zum Schlusse wendet sich der Regelpater zu dem Novizen und zu den Anwesenden und gibt ihnen den Segen mit den Worten: Benedictio Dei omni- Der Segen des allmächpotentis, Patris et Filii et tigen Gottes, des Vaters Spiritus sancti, descen- und des Sohnes und des dat super vos et maneat h. Geistes komme über euch semper. Amen. und bleibe bei euch immer. Amen. — Darnach wird der Taufname sowie der Ordensname des Eingekleideten, das Alter, der Geburtstag und der Tag der Einkleidung in das Novizenbuch eingetragen. 2. Die Profeßablegung. An dem zur Profeßablegung bestimmten Tage knieet der Noviz oder die Novizin nieder; er hält in der rechten Hand ein Kreuz, in der linken eine brennende Kerze, die ihm mit denselben Worten, wie bei der Einkleidung, überreicht werden. Der Pater fragt dann den Novizen: ,, Was ist Ihr Begehren?" Dieser antwortet: „ Ehrwürdiger Vater, vielgeliebte Brüder und Schwestern! ich begehre und bitte um der Liebe Gottes und Jesu Christi willen zu der Profession des dritten Ordens unsers h. seraphischen Vaters Franciscus zugelassen zu werden, damit ich desto besser Buße wirken, mein Leben bessern und die Seligkeit desto sicherer erlangen möge." Darauf hält der Pater eine Ermahnung und fragt dann: Sind Sie noch beständig in Ihrem heiligen Vorhaben?" Der Noviz antwortet: „ Ja, ehrwürdiger Vater!" Alsdann wird die Litanei gebetet, wie oben in der Einfleidung angegeben ist. Nach der Litanei steht der Pater auf, wendet sich um und spricht: - 81 V. Adiutorium nostrum 3. Unsere Hülfe ist im Nain nomine Domini, B. Qui fecit coelum et A. — terram. V. Domine exaudi ora- B. tionem meam, — men des Herrn, Der Himmel und Erde gemacht hat. Herr, erhöremein Gebet, B. Et clamor meus ad A. Und mein Rufen komme te veniat. zu dir. V. Dominus vobiscum, P. Der Herr sei mit euch, B. Et cum spiritu tuo. A. Und mit deinem Geiste. Oremus. Laßt uns beten. Deus, qui ex abundan- Gott, der du aus dem tia tuae pietatis et gratiae Reichthum deiner Erbarrevelare dignatus es hu- mung und Gnade dich gemilibus iugum tuum su- würdiget haft, den Demiave et onus tuum leve: thigen dein süßes Joch und bene+ dic, quaesumus, deine leichte Bürde zu offenhoc genus vestimenti et baren: segne, wir bitten dich, praestare digneris ei, qui diese Art Kleidung, und würillo uti desiderat, ut a te dige dich, demjenigen, weldiscere mereatur mitischer sich derselben zu bedieesse et humilis corde: nen wünscht, zu verleihen, sicque in hac vita re- daß er von dir lerne, sanftquiem animae suae in- müthig und demüthig von veniens, in coelesti patria Herzen zu sein, und daß er so te revelata facie videre in diesem Leben Ruhe finde mereatur. Qui cum Patre für seine Seele und im himmet Spiritu sancto vivis lischen Vaterlande dich von et regnas in saecula sae- Angesicht zu Angesicht zu culorum. Amen. schauen verdienen möge. Der du mit dem Vater und dem h. Geiste lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. 6 - 82 Dein benedicit chordam: Oremus. Deus, qui ut servum solveres, Filium tuum funibus ligari voluisti, bene+ dic, quaesumus, funem istum et concede, ut famulus tuus( famula tua), qui( quae) eo velut ligamine poenitentiali cingitur, vinculorum eiusdem Filii tui Domini nostri Jesu Christi memor existat et in Ordine, quem hodie profitetur, salubriter perseveret et tuis cum effectu semper obsequiis se obligatum ( tam) esse cognoscat. Per eundem Christum Dominum nostram. R. Amen. Mox aspergit aqua benedicta scapulare et chordam. Dein induendo scapulare dicit: Induat te Dominus indumento salutis et circumdet te vestimento iustitiae; tolle iugum Domini suave super te, ut invenias requiem animae tuae. B. Amen. Oremus. Maiestatem tuam, Domine, suppliciter exoramus, ut famulum tuum, fratrem nostrum( famulam tuam, sororem nostram), cui Religionis nostrae vestem imposuimus, digneris inter discipulos tuos virtute ex alto induere, iustitiae lorica munire et salutis protegere vestimento, ut intercedente B. P. Francisco sub humilitatis veste tibi perseveranter deserviens, ad stolam immortalitatis et gloriae mereatur pervenire. Qui vivis et regnas in saecula saeculorum. R. Amen. 83 Dann segnet der Pater die Chorde: Laßt uns beten. Gott, der du, um den Sklaven zu befreien, deinen Sohn mit Stricken hast binden lassen, segne, wir bitten dich, diese Chorde und gib, daß dein Diener( deine Dienerin), der( die) mit derselben, als mit einem Bußgürtel, umgürtet wird, der Bande eben dieses deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, eingedenk sei und in dem Orden, für den er( ſie) heute Profession ablegt, zu seinem( ihrem) Heile verharre und mit heiliger Wirkung erkenne, daß er( sie) immer an deinen Dienst gebunden sei. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. - Darauf besprengt der Pater das Skapulier und die Chorde mit Weihwasser. Während der Anlegung des Stapuliers sagt er: Es ziehe dir der Herr an das Kleid des Heiles und lege dir um das Gewand der Gerechtigkeit; nimm auf dich das süße Joch des Herrn, damit du Ruhe findest für deine Seele. Amen. Laßt uns beten. Deine Majestät, o Herr, flehen wir demüthigst an, du wollest dich würdigen, deinen Diener, unsern Bruder( deine Dienerin, unsere Schwester), dem( der) wir das Kleid unsers Ordens angelegt haben, unter deinen Jüngern mit der Kraft aus der Höhe auszurüsten, mit dem Panzer der Gerechtigkeit zu beschirmen und mit dem Gewande des Heils zu beschützen, daß er( sie) auf die Fürbitte des h. Vaters Franciscus im Kleide der Demuth dir beständig diene und das Kleid der Unsterblichkeit und Glorie zu erhalten verdienen möge. Der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. 6* - 84 Praecingendo chordam Praecingat te Domi- Es umgürte dich der Herr nus cingulo fidei et donet mit dem Gürtel des Glautibi virtutem castitatis, bens und schenke dir die Tuextinguat in te humorem gend der Keuschheit, lösche libidinis, ut iugiter ma- in dir aus die sinnliche Lust, neat in te memoria vin- und es bleibe in dir bestänculorum Domini nostri dig das Andenken an die Jesu Christi, Bande unsers Herrn Jesu B. Amen. Christi. Amen. dicit: — Wenn der Pater die Chorde umlegt, spricht er: Oremus. Laßt uns beten. Deus, qui B. Petro Gott, der du dem h. ApoApostolo, significans, qua stel Petrus angedeutet haſt, morte esset clarificaturus durch welchen Tod er Gott Deum, praedixisti, per ali- verherrlichen würde, und um in senectute ipsum ihm vorhergesagt hast, daß fore cingendum: famu- er durch einen Andern in lum tuum, fratrem no- seinem Alter würde umgürstrum( famulam tuam, so- tet werden: umgürte du rorem nostram) cingulo deinen Diener, unsern Brunostræ Fraternitatis præ- der,( deine Dienerin, unſere cinge et tui nominis metu Schwester) mit dem Gürtel ac salutari chorda amoris unserer Bruderschaft und tui cor eius constringe, mit der Furcht deines Naut tua opitulante gratia mens; fessele mit dem heila vinculis peccatorum ab- famen Bande deiner Liebe solutus( absoluta) tuoque sein( ihr) Herz, daß er( sie) mit vinetus( vincta) servitio, der Hülfe deiner Gnade von in Ordinis, quem assumit, den Banden der Sünde gelöobservantia usque in fi- set und an deinen Dienst gebunden, in der Haltung des Ordens, in den er( sie) ein 85 nem iugiter perseveret. tritt, bis ans Ende bestänQui vivis et regnas Deus dig verharren möge. Der du in saecula saeculorum. Iebst und regierst Gott von R. Amen. Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Darnach legt der( die) zur Profession Auszunehmende knieend beide Hände zusammen, welche der Pater mit der Stola umwickelt; dann spricht jener( jene) folgende Worte mit lauter Stimme: ( Professionsformel.) Ich Bruder N.( Schwester N.) verspreche Gott dem allmächtigen, der seligsten Jungfrau Maria, unserm heiligen Vater Franciscus, allen Heiligen Gottes und Euch, ehrwürdiger Vater, die ganze Zeit meines Lebens die Gebote Gottes zu halten und die Regel des dritten Ordens des heiligen Vaters Franciscus, welche Papst Nikolaus IV. bestätigt hat, zu beobachten, oder für die Uebertretungen und Vernachlässigungen dieser Regel nach der Bestimmung und dem Gutachten meiner Ordensobern, wenn ich dazu aufgefordert werde, genugzuthun. Darauf spricht der Pater: Und ich, an Statt Gottes, verspreche dir, wenn du dieses halten wirst, das ewige Leben. Im Namen des Vaters † und des Sohnes und des H. Geistes.- A. Amen. Dann kniet der Pater nieder vor dem Altare und fängt an das Veni Creator( siehe Seite 76) zu singen oder zu beten, welches die Tertiarier dann fortsetzen. Darauf singt( betet) der Pater folgende Versikeln und Collecten: - 86- V. Confirma hoc, Deus, R. Quod operatus es in nobis. V. In conceptione tua, Virgo, immaculata fuisti, B. Ora pro nobis Patrem, cuius Filium peperisti. V. Signasti, Domine, Servum tuum Franciscum, B. Signis redemptionis nostrae. V. Ora pro nobis, beata Elisabeth, B. Ut digni efficiamur promissionibus Christi. Oremus. Deus, qui corda fidelium sancti Spiritus illustratione docuisti, da nobis in eodem Spiritu recta sapere et de eius semper consolatione gaudere. Deus, qui per immaculatam Virginis conceptionem dignum Filio tuo habitaculum praeparasti; quaesumus, ut qui ex morte eiusdem Filii tui praevisa eam ab omni labe praeservasti, nos quoque mundos ejus intercessione ad te pervenire concedas. Deus, qui Ecclesiam tuam beati P. Francisci meritis coetu novae prolis amplificas, tribue nobis ex eius imitatione terrena despicere et coelestium donorum semper participatione gaudere. Tuorum corda fidelium, Deus miserator, illustra et sanctae Elisabeth precibus gloriosis fac nos prospera mundi despicere et coelesti semper consolatione gaudere. - - 87- B. Befestige das, o Gott, A. Was du gewirkt hast in uns. P. In deiner Empfängniß, o Jungfrau, bist du unbefleckt gewesen. A. Bitte für uns den Vater, dessen Sohn du geboren hast. P. Gezeichnet, Herr, hast du deinen Diener Franciscus, A. Mit dem Zeichen unserer Erlösung. Bitte für uns, heilige Elisabeth! A. Auf das wir würdig werden der Verheißungen Christi. Laßt uns beten. O Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des h. Geistes gelehrt hast, gib, daß wir in demselben Geiste, was recht ist, verstehen und uns seiner Tröstung immer erfreuen mögen. Gott, der du durch die unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau deinem Sohne eine würdige Wohnung bereitet hast, wir bitten dich, daß du, der du wegen des vorhergesehenen Todes deines Sohnes sie vor aller Makel bewahrt hast, auf ihre Fürbitte auch uns ohne Flecken zu dir gelangen lassen wollest. Gott, der du deine Kirche durch die Verdienste des h. Vaters Franciscus mit einer neuen Genoffenschaft bereicherst, laß uns ihm nachahmen, das Irdische verachten und der Theilnahme an den himmlischen Gütern uns immer erfreuen. Barmherziger Gott, erleuchte die Herzen deiner Gläubigen und auf die glorreichen Fürbitten der h. Elisabeth laß uns die Freuden der Welt verschmähen und uns der himmlischen Tröstung immer erfreuen. 88 - Deus, qui a saeculi Gott, der du diejenigen, vanitate aversos ad bra- welche von der Eitelkeit der vium supernae vocatio- Welt sich abwenden, entnis accendis, pectoribus flammest, die Krone der nostris purifiandis illa- himmlischen Berufung zu bere et gratiam nobis, erringen, komm herab in qua in te perseveremus, unsere Herzen, sie zu reiinfunde, ut protectionis nigen, und ergieße in uns tuae muniti praesidiis, die Gnade, durch die wir in quod te donante pro- dir verharren, damit wir, misimus, impleamus, et geschirmt durch die Hut deinostrae professionis se- ner Beschüßung, das, was ctatores effecti, ad ea, wir mit deiner Gnade verquae perseverantibus in sprochen haben, erfüllen, und te promittere dignatus unserer Profession eifrig es, pertingamus. Per nachfommend, die VerheiChristum Dominum no- ßungen, welche du den Bestrum. harrlichen gegeben haft, erhalten mögen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. R. Amen. Darauf wird der Name des Aufgenommenen, fein Alter, sein Geburtsort und der Tag der Aufnahme in das Profeffenbuch eingetragen und dem Aufgenommenen eine Bescheinigung seiner Aufnahme überreicht in folgender Form: J. M. J. F. Ego infra scriptus hisce fidem facio ac testor, me N. N. ex N. ad professionem tertii Ordinis S. P. N. Francisci rite admisisse die... mensis.. anni... Datum... die... mensis... anni.... N. N. 89 Danksagungsgebet nach abgelegter Profession. O gütigster und barmherziger Gott! wie kann ich dir genug danken, daß du mir die Gefahren und Thorheiten der unordentlichen Weltfreuden zu erkennen gegeben und mich zum heil. dritten Orden des heiligen Vaters Franciscus, in welchem ich so viele Gnadenmittel finde, berufen hast! O, ich danke dir von ganzem Herzen, daß du mich aus den Sünden der bösen Welt und ihrer Eitelkeit hinausgeführt und in eine dir so wohlgefällige Gesellschaft aufgenommen hast, in der ich mein Heil viel leichter und sicherer wirken kann. Entzünde nun, o Gott! mein Herz immer mehr mit dem Feuer deiner Liebe, damit ich auch nichts so sehr suche, als dir durch treue Beobachtung deiner Gebote und der Ordensregel stets wohlgefällig zu sein. Bewahre mich, daß ich nicht wieder zurückkehre und statt dir, der Welt wieder diene. Erhalte mich in deiner Gnade und gib mir Eifer zur Tugend, damit ich dir immer mit keuschem Leibe dienen und mit reinem Herzen gefallen möge. Amen. Es ist sehr nützlich das bei der Profeßablegung gemachte Versprechen oft und besonders jährlich( am 16. April) zu erneuern. man kann sich dabei folgenden Gebetes bedienen: Gebet bei Erneuerung der Profession. Allmächtiger, ewiger Gott! ich sage dir von Herzen Dank für die so große Gnade und Barmherzigkeit, mit der du mein Herz von der Eitelkeit dieser Welt abgezogen und mich in diesen heiligen dritten Orden der Büßenden hast lassen aufgenommen werden. Sieh, o mein höchstes Gut, ich erneuere an diesem Tage und in dieser Stunde meine heilige Profession und sage dir innigen Dank, daß du mich in diesem dir Univ.- Bibl. Giessen 90- wohlgefälligen Orden haft leben laffen. Von Grund meines Herzens reuet und schmerzt es mich, daß ich diese Gnade bis jetzt noch so wenig erkannt und fie so wenig benutzt habe. Ich verwerfe und verfluche jetzt alle meine Lauigkeiten und Nachlässigkeiten, die ich mir jemals in diesem heiligen Ordensstande und besonders dadurch habe zu Schulden kommen lassen, daß ich nach der christlichen Vollkommenheit, zu der meine heilige Regel mir so viele Anleitung gibt, noch so wenig strebte. Ich bitte dich aber inniglich, gütigster Jeſu, laß es mich nicht entgelten, sondern verleihe mir deine göttliche Gnade, daß ich dir von nun an treuer diene, als bisher. Wenn ich mich zu deinem Dienste im dritten Orden noch nicht verbunden hätte, dann verbände ich mich jetzt dazu, und opfere mich jetzt wiederum so auf, wie ich es am ersten Tage meiner Profession gethan habe. Ich opfere mich dir, o Jesu, ganz auf, in Vereinigung mit der hochheiligsten Aufopferung, mit der du dich vom ersten Augenblicke deiner Menschwerdung an bis zum Tode am Kreuze deinem himmlischen Vater für mich aufgeopfert hast. Ich verspreche demnach der allerheiligsten Dreifaltigkeit, der hochgebenedeiten, jungfräulichen Mutter Maria, dem heiligen Vater Franciscus und allen lieben Heiligen Gottes, die übrige Zeit meines Lebens die Gebote Gottes und die dritte Regel, von der Buße genannt, treu und pünktlich zu halten und für die Uebertretungen, welche ich gegen die Regel und Satzungen des Ordens etwa begehen möchte, die dafür aufgelegte Buße gerne zu übernehmen. Du aber, barmherziger Jesu, der du mir das Wollen gegeben hast, gib mir auch das Vollbringen. Regiere mich, leite mich, und laß doch nicht - 91 zu, daß ich je mir und meiner Gemächlichkeit zu Liebe freiwillig die Regel übertrete; gib mir die Gnade, daß ich von nun an mein übriges Leben in deinem Dienste verharre, und nachdem ich die Pilgerschaft dieses zeitlichen Lebens beendet habe, ohne Mafel vor deinem heiligsten Angesichte zu erscheinen würdig sein möge. Amen. 14 3. Die Abhaltung der Hauptversammlungen und die Ertheilung der General- Absolution. Gewöhnlich werden diese Versammlungen des Nachmittags gehalten und zwar so früh, daß die entfernter Wohnenden Abends wieder zu Hause sein fönnen. Zu der bestimmten Stunde geht der Regelpater in Rochet und Stola zum Hochaltar, stimmt das Veni Creator an( Seite 76), das bis zum Ende gesungen wird und schließt mit der Versikel und dem Responsorium: V. Emitte Spiritum tu- P. Sende deinen Geist und um et creabuntur, B. Et renovabis faciem 2. terrae. sie werden erschaffen, Und du wirst erneuern das Antlißz der Erde. Oremus. Laßt uns beten. Deus, qui corda fide- Gott, der du die Herlium sancti Spiritus illu- zen der Gläubigen durch stratione docuisti, da no- die Erleuchtung des h. Geibis in eodem Spiritu recta stes gelehrt hast, gib, daß sapere et de eius sem- wir in demselbem Geiste, per consolatione gau- was recht ist, verstehen, und dere. Per Christum Do- seiner Tröstung uns imminum nostrum. R. Amen. mer erfreuen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Darnach geht der Regelpater zur Kanzel und hält eine kleine Anrede. Nach derselben verkündet er die Namen der seit der letzten Versammlung verstorbenen Mitglieder, -92 — den Tag der nächsten Versammlung und betet für die Verstorbenen drei Vater unser"," Herr, gib ihnen die ewige Ruhe 2c." Dann geht er zurück zum Altare und nimmt die etwa stattfindenden Einkleidungen und Profeßablegungen vor. Wenn diese ausfallen, dann betet er mit den Anwesenden die unten folgende Litanei von allen Heiligen aus den drei Orden des h. Franciscus. Darauf legt er für die Uebertretungen der Regel und Statuten eine Buße auf und schließt auch, wenn es nöthig ist, die Unverbesserlichen aus.( Das Letztere fann nach dem Ermessen des Regelpaters auch nicht öffentlich geschehen.) Dann ertheilt er den Tertiariern auf folgende Weise die Generalabsolution. Die Tertiarier knieen nieder und beten, wie folgt: Deffentliches Sündenbekenntniß. Ich armer, fündiger Mensch widerfage dem bösen Feinde, allen seinen Eingebungen, Rath und That. Ich glaube an Gott den Vater, an Gott den Sohn und an Gott den h. Geist.- Ich glaube gänzlich Alles, was die allgemeine christtatholische Kirche zu glauben vorstellt. Mit diesem heiligen katholischen Glauben bekenne ich Gott dem Allmächtigen, Maria, seiner hochwürdigen Mutter und allen lieben Heiligen alle meine Sünden und Uebertretungen, und gebe mich schuldig, daß ich von meinen findlichen Tagen an bis auf diese Stunde oft und viel gesündigt habe mit Gedanken, Worten und Werken und durch Unterlassungen schuldiger guter Werke, wie denn solches alles geschehen ist, heimlich oder öffentlich, wissentlich oder unwissentlich, wider die zehn Gebote Gottes, in den sieben Hauptsünden, an den fünf Sinnen meines Leibes, wider Gott, wider meinen Nächsten und wider das Heil meiner armen Seele. Solche und alle meine Sünden sind mir leid und reuen mich von Grund meines Herzens, weil ich Gott, das höchste - 93 Gut, dadurch beleidigt habe. Darum bitte ich demüthig dich, unendlich barmherziger Gott, du wolleſt mir deine göttliche Gnade verleihen und mein Leben fristen, bis ich alle meine Sünden beichten und büßen, endlich deine göttliche Huld mir erwerben und zur ewigen Freude und Seligkeit gelangen möge. Deshalb schlage ich an mein fündiges Herz und spreche mit dem öffentlichen Sünder: Herr, sei mir armen Sünder gnädig! Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Hierauf spricht der Priester die Generalabsolution. Absolutio generalis pro - Tertiariis. Misereatur vestri( tui) omnipotens Deus, et dimissis peccatis vestris( tuis) perducat vos( te) ad vitam aeternam. Amen. Indulgentiam, absolutionem et remissionem peccatorum vestrorum( tuorum) tribuat vobis ( tibi) omnipotens et misericors Dominus, Amen. Dominus noster Jesus Christus per merita suae sacratissimae Passionis vos( te) absolvat et gratiam suam vobis( tibi) infundat copiosam. Et ego auctoritate ipsius ac beatorum Apostolorum Petri et Pauli et Summorum Pontificum, mihi in hac parte commissa et vobis( tibi) concessa, absolvo vos( te) ab omni vinculo excommunicationis maioris vel minoris, ab omnibus censuris et poenis ecclesiasticis, si quas per delictum incurristis( incurristi), et restituo vos( te) Sacramentis ecclesiae et unioni ac participationi fidelium. Item eadem auctoritate, quantum ad praesens forum spectat, absolvo vos( te) ab omnibus - - 94 peccatis vestris( tuis) contra Deum, proximum, et animam vestram( tuam) scienter, malitiose, vel ignoranter commissis et concedo vobis( tibi) indulgentiam plenariam omnium peccatorum confessorum et oblitorum. Denique relaxo vobis( tibi) omnes poenas purgatorii, quas ob peccata commissa meruistis ( meruisti), et restituo vos( te) innocentiae, in qua eratis( eras), quando baptizati( baptizatus, baptizata) fuistis( fuisti), in nomine Patris et Filii et Spiritus sancti. Amen. Hiernach spreche jeder in der Stille für sich: Gott! ich danke dir für die große Gnade, die du mir jetzt wieder erwiesen hast; gib, daß ich dir nun immer recht treu bleibe und dich nimmermehr durch eine Sünde beleidige; durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Heiland. Amen. Hierauf betet der Pater mit den Anwesenden 3 Vater unser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater 2c. zum h. Vater Franciscus um das Gedeihen aller drei Orden und schließt die Andacht mit dem Segen. Nach der Andacht entrichten die Mitglieder an den Vorsteher, oder wenn keiner da ist, an die Vorsteherin, das gewöhnliche freiwillige Almosen. Dritte Abtheilung. Belehrungen. Obwohl die h. Regel, wenn sie gehörig verstanden wird, den Weg zum Himmel deutlich genug zeigt, so möchten doch einige nähere Belehrungen darüber, wie die Brüder und Schwestern des Ordens in ihrem Stande Gott wohlgefällig leben können, nicht überflüssig sein. Erstes Sapitel. Welche Fehler die Brüder und Schwestern des dritten Drdens mit besonderem Fleiße meiden müssen. Der heil. Geist sagt: ,, Ein weises und verständiges Herz wird sich von Sünden enthalten und in den Werten der Gerechtigkeit Fortschritte machen." ( Eccl. 3, 32.) So müssen denn auch die Brüder und Schwestern, als wahre Kinder des Lichtes, es sich zur Lebensaufgabe machen, jeden Tag zu kämpfen gegen alle ihre Fehler und sich zu üben in jeder Tugend. Nur durch diesen bis zum Ende des Lebens fortgesetzten Kampf, nur dadurch, daß sie niemals Frieden schließen mit dem kleinsten ihrer Fehler, können sie die Reinheit des Herzens und die Fülle der Tugenden gewinnen. Einen solchen Krieg gegen die Sünde werden sie aber nur dann führen, wenn sie, erleuchtet vom Glauben, jede Sünde, sie sei groß oder klein, als das größte Uebel und schwerste Unglück ansehen, verabscheuen und hassen. Dieser Haß der Sünde entspringt aber aus der heiligen und lebendigen Furcht Gottes, die darum auch der Anfang der Weisheit heißt. Der gläubige Blick auf Gott und auf uns selbst erzeugt diese h. Furcht. Denn wie können - 96- - wir Sünder an die unendliche Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes und an die Unreinigkeit unserer Seele denken, ohne daß wir mit Adam sagen:„ Ich fürchte mich, weil ich nackt bin," d. h. von allem Gute entblößt? Ja! Fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leib tödten, aber die Seele nicht tödten können; sondern fürchtet vielmehr denjenigen, der Leib und Seele in's Verderben der Hölle stürzen fann."( Matth. 10, 28.)- Wie können wir ferner denken an die unendliche Güte, Schönheit und Liebenswürdigkeit unseres Vaters, ohne daß die Liebe sich in uns entzünde, und unser Herz mit einer heiligen, eben aus dieser Liebe entspringenden Furcht erschüttere? Denn wir beleidigten und beleidigen ihn so oft und müssen fürchten, durch unsere Schuld ihn sogar ewig zu verlieren. Ja, wer Gott kennt, der muß ihn fürchten, aber nicht bloß fürchten, sondern auch auf ihn hoffen, und nicht bloß fürchten und hoffen, sondern auch lieben und aus Liebe stets mit Herz und Mund wiederholen: ,, O Vater, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden, wie von den Engeln, so auch von mir, wie im Großen, so auch im Kleinen; Alles, nur teine Sünde." Es kommt nun aber leicht, daß der Mensch, während er einige Fehler sorgfältig meidet, andere vielleicht noch schlimmere übersieht, weil sie nicht so offen und grob hervortreten. Die Folge davon ist, daß er bei vieler Arbeit doch nichts gewinnt, ja oft immer weiter vom rechten Wege abkommt. Die Erfahrung hat nun gezeigt, daß die folgenden sieben Fehler von manchen Seelen, die doch fromm sein wollen, zu ihrem großen Schaden gar nicht oder doch nicht genug beachtet und gemieden werden. Um so mehr müssen die Brüder und Schwestern wachen, beten und kämpfen, daß sie sich nicht in einer oder in mehreren von diesen sieben Schlingen des Satans fangen lassen. §. 1. Die erste Schlinge des Teufels ist die falsche Frömmigkeit. Jede Tugend fann von einer Scheintugend nachgeäfft werden, und so steht auch neben der wahren Heiligkeit und Frömmigkeit die Scheinheiligkeit und Frömmelei. Und da der Satan am gefährlichsten ist, wenn er fommt, nicht als Satan gefleidet, sondern als Lichtengel verkleidet, so muß sich Jeder mit ganz besonderer Sorgfalt vor diesem leeren Schein 97 der Frömmigkeit hüten und nach der Mahunng des Apostels nicht jedem Geiste glauben, sondern die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind."( 1. Joh. 4, 1.) Dies ist um so mehr nöthig, weil die ausgeartete Frömmigkeit nicht nur an dem, der sie hat, wie ein Krebs alles Gute zerfrißt, sondern auch Sie bringt viel Unheil bei andern anzurichten pflegt. nämlich auch die echte Frömmigkeit in Verruf, nicht nur bei bösen, sondern auch bei schwachen oder unverständigen Christen, die Wahres vom Falschen, den guten Gebrauch von dem Mißbrauch einer Sache nicht unterscheiden können oder wollen. Doch ist die Unterscheidung der echten und unechten Frömmigkeit nicht eben schwer, da sie beide bei aller äußerlichen Nehnlichkeit innerlich himmelweit auseinandergehen. Die Kennzeichen der falschen Frömmigkeit sind hauptsächlich folgende drei: - - 1. Sie ist verkehrt in ihrer Absicht. Sie schaut nicht nach der Ewigkeit und sucht nicht, was droben ist," Gottes Ehre nämlich und das Heil der Seele, sondern sie schaut nach unten und möchte hier auf Erden den Lohn ihrer Frömmigkeit gewinnen. Mit andern Worten, nicht ein himmlischer Stern- Gottes Ehre und Wille- leitet sie auf der Reise durch's Leben, sondern ein Irrlicht- die Befriedigung ihrer Eigenliebe. Denn die Eigenliebe probirt es manchmal auch mit der Tugend, nicht um der Tugend willen, sondern um zeitliche Ehre, zeitlichen Genuß, zeitliche Vortheile aus der llebung der Tugend zu ziehen. Die Eitelkeit, die Sinnlichkeit, die Habsucht kann den Mantel der Religion umhängen, zur Kirche gehen, die h. Sakramente empfangen und Gebete verrichten. Um von gröblich sündhaften Absichten zu schweigen, es ist gewiß, daß bei Manchen sich oft fleinliche, nur rein menschliche und eitle Absichten einschleichen und festsetzen und alle guten Werke verderben. Die wahre Tugend ist demüthig und verachtet sich selbst; die falsche ist ein eitles Geschöpf, sie besteht sich gern im Spiegel der Selbstgefälligkeit und thut Vieles, nur um sich selbst ein gutes Zeugniß geben zu können. " 1 Die wahre Tugend hütet sich, daß sie ihre Gerechtigkeit nicht übe vor den Menschen, damit sie von ihnen gesehen werde"( Matth. VI. 1.); die falsche will aber vor allem den Menschen gefallen, will mehr fromm scheinen, als fromm sein; es ist ihr unerträglich, daß Andere für frömmer und besser gelten; und wenn Andere vorgezogen 7 - 98 werden, so meint sie, ihr geschehe großes Unrecht. Darum stößt sie, nach dem Ausdrucke Christi, gern in die Posaune, wenn sie gute Werke verrichtet, wie die Heuchler in den Synagogen und auf der Gaffe thun, damit sie von den Menschen gepriesen werden; wahrlich ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin."( Math. VI. 2.) Sie spricht gerne von ihren guten Werken und hört noch lieber, daß Andere lobend davon sprechen. Die wahre Tugend ist forgfältig, ihre Fehler zu bessern, nicht aber ängstlich, sie zu verbergen; sie will ja nicht besser scheinen, als sie ist; denn sie weiß: fromm sein und auch scheinen, ist schon gut, aber gefährlich; fromm scheinen und nicht sein, ist Lüge und Heuchelei; fromm sein und nicht scheinen, ist das Sicherste und wäre an und für sich vorzuziehen, soweit es ohne Aergerniß und ohne Verletzung der Liebe und der Pflicht des guten Beispiels geschehen kann. Dagegen ist die falsche Andacht stets ängstlich bemüht, ihre Fehler vor den Augen der Menschen zu verhüllen und manchmal selbst im Richterstuhle der Buße zu bemänteln oder gar zu verschweigen; ja, sie hat eine größere Pein darüber, daß sie den Schein der Tugend, als daß sie die Tugend selbst verliert. Kurz, bei der falschen Frömmigkeit hat das Auge der Menschen eine weit größere Kraft und Wirkung, als das alldurchschauende Auge Gottes; daher kommt es, daß solche Menschen, wie der Apostel sagt, den Schein der Frömmigkeit haben, aber die Kraft derselben verläugnen."( II. Tim. 3, 5.)- Dieses zeigt sich besonders darin, daß fie, statt über ihre eigenen Fehler zu wachen, stets neugierig das Thun und Lassen Anderer beobachten, streng beurtheilen und lieblos bekritteln; daß sie die eigenen Fehler mit stets bereitliegenden Gründen entschuldigen, statt sie zu bereuen und zu bessern, die Fehler Anderer aber mit ganz anderem Maße messen und auf's Schlimmste auslegen: daß sie sehr empfindlich und böse werden, wenn man an ihnen auch nur Geringes zut tadeln findet, dagegen mit fröhlicher Miene und redseligem Munde die großen und kleinen Fehler Anderer durchklatschen. Natürlich, wo keine reine Meinung ist, da kann feine wahre Tugend sein, da müssen alle Fehler sich von selbst einstellen. Denn der Herr sagt: ,, Wenn dein Auge schalkhaft ist, so wird dein ganzer Leib finster sein,"( Math. VI., 23.) d. h. wenn die Absicht deines Herzens statt nach oben, vielmehr nach den Gütern, Ehren und Genüssen der Welt 99 gerichtet ist, dann werden alle deine Gedanken, Wünsche, Worte und Werke, selbst die an sich heiligsten, finster und unfruchtbar werden. 2. Sie ist schlecht geordnet in ihren Uebungen. a) Die wahre Tugend setzt oben an das, was von der Pflicht geboten ist, nämlich die Erfüllung der Gebote Gottes und der Standespflichten, und bemüht sich erst dann, so viel diese Pflichten und ihre Kräfte gestatten, auch das zu thun, was blos als nützlich augerathen wird. Die falsche Tugend macht es meistens umgefehrt; was sie gern thut, dabei findet sie kein Ende; die lästige Erfüllung der Standespflichten und der Gebote Gottes aber wird versäumt; zufrieden ist man mit sich, aber unzufrieden mit seinen Verhältnissen und mit den Personen, mit denen man umgehen muß; eifrig ist man in freiwillig gewählten Andachtsübungen, träge in der Arbeit und in der Abtödtung der Leidenschaften; ängstlich über unwesentliche Kleinigkeiten, verstockt bei wichtigen Verletzungen der Hauptpflichten, ähnlich wie die Pharisäer, denen der Herr vorwirft:„ Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, die ihr den Zehnten gebet von Krausemünze, Anis und Kümmel( d. h. in nicht ge= botenen Dingen Alles mit ängstlicher Genauigkeit nehmet); aber das Wichtigere des Gesetzes, die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit und den Glauben vernachlässiget. Dieses sollet ihr thun und jenes nicht unterlassen."( Matth. 23, 23.) b) Die wahre Tugend zieht die inneren Uebungen der Tugend dem äußeren Gebrauche der Tugendmittel vor; denn sie weiß, daß das Ziel aller Gebote ist, die Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben."( I. Tim. I., 5.) Dagegen die Frömmelei hängt sich vorzüglich oder gar ausschließlich an Aeußerlichkeiten, als da sind fromme Mienen, Reden und Kleider,( also an Dinge, die höchstens das Kleid der Frömmigkeit, aber nicht die Frömmigkeit selbst sind,) oder doch an äußere Uebungen: Kirchenbesuch, Fasten, mündliche Gebete und Empfang der h. Sakramente, Uebungen, die gut und nützlich, ja auch nothwendig zur Frömmigkeit sind, aber nicht das Wesen derselben ausmachen, denn sie sind Weg und Mittel, um zur Tugend zu gelangen, aber nicht Ziel und Zweck, nicht die Tugend selbst. Auch die Eigenliebe kann die äußeren Uebungen der Tugend nachäffen und thut das sehr gern; aber das Herz zu reinigen und zu bessern versäumt sie; denn sie läßt den Stolz, Zorn und Neid, 7* - 100 die Empfindlichkeit, Neugierde, Schwabhaftigkeit und andere Laster ruhig im Herzen wohnen und herrschen, wie der Herr sagt:„ Ihr Pharisäer reinigt wohl das Auswärtige des Bechers und der Schüssel, euer Jnwendiges aber ist voll Raub und Ungerechtigkeit."( Lucas XI., 39.) Eine folche Tugend ist aber nur eine taube Nuß ohne Kern. c) Die wahre Frömmigkeit zieht das Gewöhnliche dem Auffallenden vor, und verdeckt sorgfältig Alles, was über das gewöhnliche, von der Kirche allen Gläubigen empfohlene Maß der religiösen Uebungen hinausgeht. Die falsche Frömmigkeit aber macht es häufig umgekehrt. Sie macht sich gern breit mit ungewöhnlich langen Gebeten, häufigen Communionen, strengen Bußwerken u. s. w., bloß weil dies die Augen der Menschen auf sich zieht. Möchte man bedenken das schreckliche Wort des Herrn: Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, die ihr übertünchten Gräbern gleichet, die von Außen zwar schön in die Augen fallen, inwendig aber mit Todtengebeinen und allem Unrath angefüllt sind."( Matth. 23, 27.) d) Die echte Tugend folgt lieber dem Urtheile und Willen eines Andern, als dem eigenen; die falsche weiß Alles besser: Niemand ist ihr flug und weise genug, sie meint sich selber den besten Rath geben zu können, fie folgt schwer dem Gehorsam ihrer Vorgesetzten und auch ihres Seelenführers, namentlich, wenn derselbe ihren Fehlern entgegentritt. Denn der Weg des Thoren ist der rechte in seinen Augen; wer aber weise ist, hört auf Rath."( Sprüchw. 12, 15.) 3. Die falsche Frömmigkeit ist kleinmüthig und wankelmüthig in Prüfungen und Leiden. Versuchungen und Prüfungen müssen kommen über den Menschen. ,, Selig der Mann, der die Versuchung erträgt, denn wenn er wird bewährt sein, so wird er die Krone des Lebens erhalten."( Jacob. 1, 2.) Die ächte Tugend bleibt starfmüthig bei allen äußern Verfolgungen, standhaft bei Widersprüchen, ruhig und großmüthig bei innern Leiden und Versuchungen, gottergeben in allen Schlägen des Schicksals. Sie schaut zum Krenze und sagt: ,, Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und das genügt mir." Die Scheintugend handelt ganz anders. Findet sie Widerspruch, oder Verfolgung von der Welt, so wird sie entweder kleinmüthig oder erbittert; empfängt sie Lob 1 - - 101 - von ihr, so wird sie aufgeblasen; kommen innere Leident und Versuchungen, so verliert sie gleich den Muth und überläßt sich ihren Gefühlen; prüft Gott sie mit der Ruthe der Züchtigungen, so wird sie ungeduldig, unterläßt aus Verdrießlichkeit die bisher verrichteten guten Werke, ja sie läßt sich zuweilen zu Lästerungen gegen Gott und zu gänzlicher Verzweiflung fortreißen. Das ist ein kleines Bild der falschen Frömmigkeit. So häßlich und verderblich dieselbe, so himmlisch schön und kostbar ist die echte Frömmigkeit, diese Tochter der Gnade, dieser Sproß des Glaubens, diese sichere und einzige Leiter zum Himmel! Nur ein unwissender Schwachkopf oder böswilliger Sünder kann beide mit einander verwechseln und die echte Gottesfürcht verachten und lästern mit Vorwürfen, die bloß das Zerrbild derselben treffen.- Nun prüfet und unterscheidet die Geister,- nämlich die wahre und die falsche Tugend und dann hasset und fliehet die Frömmelei, aber liebet, suchet und übet die wahre Frömmigkeit; denn die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüße; sie hat die Verheißung des gegenwärtigen und zukünftigen Lebens."( I. Tim. IV., 8.) §. 2. Die zweite Schlinge ist die Tauigkeit. Dieser Schlinge zu entgehen, ist sehr schwer, und oft hat das schleichende Ulebel der Lauigkeit sich festgesetzt, ehe man es bemerkt. Die Lauigkeit wirkt in geistlicher Hinsicht ähnlich, wie die Schwindsucht wirkt auf den Leib. Sie zehrt allmählig die Kräfte des Geistes auf; sie nimmt den Appetit, d. h. das Verlangen und Streben nach Tugend und Vollkommenheit, sie macht uns matt, dann ohnmächtig und führt endlich in das Grab der Todsünde. In diesem Sinne sagt der Herr: ,, Weil du lau bist, und weder falt noch warm, werde ich anfangen, dich auszuspeien aus meinem Munde."( Offenb. III., 16.) Der Ursprung und die Entwickelung dieser geistigen Krankheit pflegt dieser zu sein. Einige Zeit nach der Befehrung schwindet meistens der erste lebhafte Eifer und die fühlbare Kraft der Gnade. Das Gebet wird dürre und beschwerlich, man fühlt keinen Trost beim Empfange der h. Sakramente, die Versuchungen wachsen, die Neigung zum Bösen ist stark, der Zug zum Guten schwach; der Verstand wird finster, das Herz falt und der Wille schwankend. Wer - - 102- in diesem Zustande nicht fest steht im Glauben und in der Hoffnung und in seinen religiösen Uebungen treu und standhaft fortfährt- dessen Geist wird allmählig verdunkelt: die Welt mit ihren Gütern, Ehren und Freuden erscheint ihm wieder so groß und schön und liebenswürdig, die Ewigkeit mit ihren Freuden und Beinen verschwindet in der Ferne; das Laster verliert in den verfinsterten Augen seine Häßlichkeit, die Tugend ihre Schönheit, und zuletzt meint man, es sei Thorheit, sich so viel Gewalt anzuthun, und die Klugheit fordere, daß man nicht zu viel thue für den Himmel. Dann steigt diese Krankheit vom Kopfe in das Herz: dasselbe verliebt sich von neuem in die Bequemlichkeiten, Genüsse und Ehren des sinnlichen Lebens; es will nicht mehr seinen bösen Neigungen Gewalt anthun, sondern läßt sich gehen, so viel als es geschehen kann, ohne in offenbare Todsünde zu fallen. Natürlich tritt dann diese Krankheit auch äußerlich im ganzen Wandel hervor. Die Gnadenmittel, besonders das Gebet, die Abtödtung und den Empfang der h. Sakramente, übt man anfangs oberflächlich und schlecht, hierauf unterläßt man sie oft und zuletzt ganz und gar. Aus den läßlichen, besonders den Lieblings- Sünden, macht man sich gar kein Gewissen mehr und begeht sie wissentlich, so oft als Anlaß dazu da ist, ja man liebt und vertheidigt fie sorgfältig gegen Jedermann, und hegt und pflegt sie, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihren Flügeln. Diesen Weg geht man so fort, bis man ganz gefühülos und abgestumpft wird gegen die Einsprechungen der Gnade, geschlagen mit Blindheit und Herzenshärte. Und ehe man es dachte, und vielleicht ohne es zu merken, liegt man im Abgrunde der Todsünde, vielleicht sogar der ewigen Unbußfertigkeit. Darum, laue Seele: ,, stehe auf, die du schläfst," und um dieser schrecklichen Schlinge zu entgehen, höre, was der himmlische Arzt dir sagt: Bedenke, aus welchem Stande du herabgefallen bist, und thue Buße und thue die ersten Werke; wo nicht, so werde ich dir kommen und deinen Leuchter von seinem Orte bewegen, wenn du nicht Buße thust."( Offenb. II., 5.) - Das heißt: erkenne zuerst den traurigen Zustand deiner Seele; dann thue dir Gewalt an und suche deine frühern Uebungen wieder gut zu verrichten und fürchte, fürchte, Gott möge dich etwa von seinem Antlitze verwerfen. — 103 ― §. 3. Die dritte Schlinge ist die Eitelkeit oder Gefallsucht. Ueber diese Schlinge sagt ein erfahrener Geistesmann: Die Liebe zu der eigenen Ehre ist ein Wurm, der bei frommen Personen, die noch unvollkommen sind, fast alle guten Werke zernagt; denn sie suchen meistens bei Allem, was sie thun, die Hochschätzung ihrer Person. Und so wie der Geist des Teufels, der Welt und des Fleisches die eigentlichen Sclaven des Lasters in die Verdammniß stürzt, ebenso ist bei denjenigen, die fromm sein wollen, dieser menschliche Geist der Eitelkeit der Grund ihres Unterganges.( Scaramelli, Unterscheidung der Geister, C. 15.) Um diesen Wurm der Eitelkeit in sich zu zerstören, müssen die Brüder und Schwestern viel beten, daß Gott einen Strahl seines Lichtes in ihre Seele sende, auf daß sie innerlich ganz durchdrungen werden von folgenden Wahrheiten: Erstens: Ich verdiene gar keine Ehre von den Menschen, wohl aber jede Schmach und Verachtung. Dieses werden sie einsehen, wenn sie im Lichte des Glaubens unterscheiden, was in ihnen Gott gehört, und was ihnen selbst gehört. Sie werden dann sagen mit dem h. Hugo, Bischof von Grenoble: ,, Das Gute in mir ist nicht ganz gut, und ist nicht mein; das Böse aber in mir ist ganz böse und ganz mein." Wenn also alles Gute Gott gehört, und alles Böse auf unserer eigenen Rechnung steht, dann müssen wir auch Gott geben, was Gottes ist: Ehre, Preis und Dank; dann müssen wir für uns behalten, was uns zukommt. Verdemüthigung, Berachtung und Beschämung. Die Ehre, die Gott allein gebührt, für sich nehmen wollen, ist Diebstahl und Raub, ist ein Verbrechen gegen die höchste Majestät. Zweitens: Die Ehre bei den Menschen ist ein Schatten, der vorüberfliegt; ihm nachjagen ist Kinderspiel; sie ist eine Frucht, die nicht nährt, sondern vergiftet; denn die Hoffart ist der Anfang aller Sünde; wer darin verharret, wird mit Fluch überhäuft und zuletzt gestürzt."( Eccl. 10, 15.) Drittens: Je mehr falsche Ehre ich bei den Menschen suche, desto mehr wahre Ehre verliere ich bei Gott, wie der Herr sagt, was hoch ist vor den Menschen, das ist Und Gott ein Gräuel vor Gott."( Luc. 16, 15.) 104 widersteht den Hoffärtigen, den Demüthigen gibt er seine Gnade."( Jacob. 4, 6.) — - Durchdrungen von diesen Wahrheiten muß die Seele fich fest vornehmen: Erstens, nie zu prahlen mit dem, was sie ist oder hat oder thut; ja ohne Noth nicht einmal ein Wort davon zu sprechen. Zweitens, niemals freiwillig etwas zu sagen oder zu thun oder zu unterlassen, in der Absicht, die Augen der Menschen auf sich zu ziehen. Drittens, wenn sie gelobt wird, dieses süße Gift nie in ihr Herz aufzunehmen, wenn es auch in die Ohren dringt, sondern das gleich anftauchende Wohlgefallen der Natur zu unterdrücken, indem sie sich in ihr nichts zurückzieht und denkt: Die so reden, fennen mich nicht; ,, Nicht mir, nicht mir, sondern deinem Namen gib die Ehre."( Ps. 113, 9.) Viertens, wenn sie getadelt oder verachtet wird, muß sie sich Gewalt anthun, um den Aerger und Zorn zu unter= drücken und ruhig zu bleiben. Um das zu fönnen, muß sie gleich zu sich selber sagen: Mit allem Rechte habe ich dieſe Verachtung verdient, und Christus hat viel größere mit Unrecht erduldet. Fünftens, stets muß sie Gott bitten, daß er ihr Licht gebe, sich selbst in Wahrheit zu erkennen, und guten Willen, jede Berdemüthigung zu ertragen, feft überzeugt, daß diese nöthig ist, wenn wir die Demuth gewinnen wollen. So lieb müssen wir nämlich unsere Seele haben, daß wir lieber die Bitterfeit der Verdemüthigung erdulden, als im Herzen die Hoffart stecken lassen. Denn die Hoffart lag nie in deinem Sinne oder deinem Worte herrichen; denn in ihr hat alles Verderben seinen Anfang genommen." ( Tob. 4, 14.) §. 4. Die vierte Schlinge ist die Bequemlichkeit und Weichlichkeit des Fleisches. Wohlriechende Blumen wachsen nicht auf sumpfigem Boden, und die Weisheit wird nicht gefunden im Lande derer, die wollüstig leben."( Job 28, 13.) Wer die Vollkommenheit will, der soll vor Augen haben die Worte des Concils von Trient: das Leben des Christen muß eine ununterbrochene Buße sein;" der muß den natürlichen Neigungen des Fleisches oft weh thun und dem Apostel Paulus nachahmen, 105 — der von sich sagt: ,, Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Knechtschaft, damit ich nicht etwa, wo ich andern gepredigt habe, selbst verworfen werde."( I. Cor. IX., 27.) Darum müssen die Brüder und Schwestern Erstens, sorgfältig den Müssiggang fliehen, denn er lehrt viel Böses,"( Eccli. 33, 29.) und ist des Teufels Ruhekissen. Die erste und nothwendigste Abtödtung des Leibes ist diese, daß man ihn zwingt, das Joch fleißiger Arbeit zu tragen; man soll ihm nur die Ruhe und Erholung gönnen, welche die Vernunft für seine Schwachheit und Gebrechlichkeit fordert. Bei der Arbeit aber müssen sie sich hüten, durch Ulebermaß oder durch zu große Zerstreuung den Geist der Andacht zu ersticken. Zweitens müssen sie in Speise und Trank, in Schlaf und Erholung alles Ulebermaß und alle Ueppigkeit vermeiden und sich gewöhnen, bei der Befriedigung der wirklichen Bedürfnisse nicht die Lust der Sinne, sondern die Erfüllung des göttlichen Willens zu beabsichtigen. Unmäßigkeit und Leckerhaftigkeit läßt den Geist verhungern und verderben: denn wer seinen Knecht( sein Fleisch) von Jugend auf verzärtelt, der wird ihn darnach widerspenstig finden."( Sprüchw. 29, 21.) — Drittens, noch mehr müssen sie sinnliche Zuneigungen, leidenschaftliche Freundschaften und gefährliche Vertraulichteiten wie eine Pest fliehen. Denn hinter diesen verlockenden Blumen lauert die giftigste und gefährlichste Schlange; und wer mit der Gefahr spielt, wird in ihr umfommen. Was die heilige Reinigkeit betrifft, so dürfen sie nicht vergessen, einerseits, daß das Fleisch ihr größter Feind ist, und anderseits, daß es dereinst auferstehen und wie ein heller Stern am Throne Gottes leuchten soll: Darum hütet euer Fleisch wie einen Tempel Gottes," so der heil. Bischos und Martyrer Ignatius. Viertens, die Beschwerden und Mühen, welche mit der Erfüllung ihrer Standespflichten und der Uebung der Tugend verbunden sind, müssen sie um Christi willen mit Muth und Freudigfeit zu ertragen suchen. Zwei Blicke werden ihnen dazu den Willen und die Kraft geben: Der Blick zum Himmel, denn er sagt ihnen dasselbe, was der fromme Tobias seinem Sohne sagte: Wir sind Kinder der Heiligen und erwarten jenes Leben, das Gott denen geben wird, die ihren Glauben nie von ihm gewendet haben;" ( Tob. II., 18.) Der Blick auf das Crucifig, denn - 106 - er sagt ihnen die beschämenden Worte: Wenn Du arm bist, so war Christus noch ärmer; wenn Du schlecht gekleidet bist, so war er ganz entblößt; wenn Du fasten mußt, so hat er in der Todesnoth nicht einmal einen Tropfen Wasser gehabt; wenn Dein Kreuz Dich drückt, so war das seinige noch schwerer; bist Du verachtet, so ist er geworden der Letzte der Menschen, ja ein Wurm und kein Mensch. Doch alle guten Vorsätze werden nicht genügen, den gefährlichen und mächtigen Feind der Sinnlichkeit zu überwinden, wenn sie nicht mit dem weisen Manne viel und innig beten: ,, Herr, Vater und Gott meines Lebens, nimm von mir des Leibes Begierlichkeit; laß mich nicht ergriffen werden von fleischlichen Lüsten und in ein unverschämtes und albernes Leben nicht verfallen."( Eccli. 23, 4, 6.) - §. 5. Die fünfte Schlinge ist die Neugierde und Geschwätigkeit. Diese beiden Fehler sind unzertrennliche Gefährten, sind aber auch gleich schlimme Feinde des geistlichen Lebens. Die Neugierde füllt den Kopf mit unzähligen unnützen und zerstreuenden Gedanken und das Herz mit Versuchungen aller Art und tödtet dadurch die Andacht. Die geschwätzige Zunge dagegen läßt unablässig eine Fluth unbesonnener, manche Tugenden verletzender Worte ausströmen und befleckt dadurch die Seele mit Sünden. Denn wer viele Worte macht, verletzt seine Seele"( Eccli. 20, 8.). Er verletzt sie mit unnützen, Zeit und Sammlung raubenden Worten; er verletzt sie mit eitlen, ruhmsüchtigen und prahlerischen Reden von vermeintlichen, löblichen Thaten und Eigenschaften; er verletzt sie mit harten, spöttischen, oft groben Reden gegen den nächsten, und am allermeisten mit Tadeln und Lästern über den Nächsten; er verletzt sie endlich durch Reden gegen die Wahrheit und Aufrichtigkeit. Und wenn der Mund auch nur Scherz- und Nothlügen spricht, so ist es doch für eine Ordensperson schrecklich, dies erste Kennzeichen und Stammwappen des Teufels an sich zu tragen, der ein Lügner war von Anbeginn und ein Lügner bleibt in Ewigkeit. ,, Ein arger Schandfleck an dem Menschen ist die Lüge, aber im Munde der Zuchtlosen ist sie beständig."( Eccli. 20, 26.) Um diesen Schlingen zu entgehen, muß man den Grundsatz unverbrüchlich festhalten, sich niemals mit dem Thun t - 107- — und Treiben fremder Personen zu beschäftigen, nie den Tagesneuigkeiten aus Neugierde nachzuforschen, und wenn sie uns zu Ohren kommen, kein Wort darüber zu verlieren. Jedoch werden alle Vorsätze, die Zunge zu zähmen, wenig nützen, sondern sie wird ihren gewohnten Gang gehen, wenn wir nicht das Herz bessern. Denn erst das Herz setzt die Zunge in Bewegung und nur aus des Herzens Fülle redet der Mund. So lange also die Eitelkeit, der Born, die Rechthaberei und Flatterhaftigkeit, so lange die Hochschätzung seiner Selbst und die Verachtung Anderer, die Liebe zum eigenen Fleische und eigenen Willen und die Strenge und Härte gegen Andere, so lange die Gleichgültigkeit gegen Gott und die Liebe zu den Weltfreuden unbezwungen im Herzen leben, so lange wird kein Mensch die Zunge zähmen"( Jacob. III., 8.); und sie wird ihrerseits fortfahren, das Feuer aller jener Leidenschaften stets wieder anzublasen. " 1 Es ist also nöthig, über Herz und Zunge zugleich zu wachen und alle Tage und alle Stunden den Vorsatz zu erneuern, wenig zu sprechen und das Wenige nur nach der Wahrheit und Liebe. Die vorkommenden Fehler muß man gleich bereuen und sich dafür eine kleine Buße, z. B. ein ,, Vater unser," auflegen. Endlich muß man häufig be= denken das so wahre und scharfe Wort: 11 Wenn Jemand ein Gottesfürchtiger zu sein. wähnet und seine Zunge nicht im Zanme hält, sondern sein Herz täuschet, dessen Religion ist eitel.( Sacob. I., 26.) §. 6. Die sechste Schlinge ist die Härte gegen den Nächsten. Das Grundgesetz im Reiche Gottes ist die Liebe Gottes und des Nächsten, und das Grundgesetz in dem Reiche der Welt ist die Eigenliebe. Die wahre Liebe macht das Herz des Menschen strenge gegen sich selbst, dagegen sanft, milde und opferwillig gegen den Nächsten. Die Eigenliebe umgekehrt verfährt mehr als zart mit sich selbst, aber kalt und hart mit Andern. Die wahre Liebe ist geduldig, ist gütig; die Liebe beneidet nicht, sie handelt nicht unbescheiden, sie ist nicht aufgeblasen, sie ist nicht ehrgeizig, sie sucht nicht das Ihrige, sie läßt sich nicht erbittern, sie denkt nichts Arges, fie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, hat aber Freude — 108 - an der Wahrheit; fie erträgt Alles, fie glaubt Alles, fie hofft Alles, sie duldet Alles."( I. Cor. 13, 4-7.) Die Eigenliebe dagegen sucht in Allem sich selbst, das heißt, die Befriedigung ihrer Neigungen; darum behandelt sie strenge oder gleichgültig die Untergebenen und verachtet die Geringeren; sie vergißt nie Beleidigungen und ist rachsüchtig, unerbittlich gegen die Feinde; sie ist kalt und hart gegen die Armen und fennt gar keine Sorge und Liebe für die Seelen Anderer. Sie hat tein Herz, fremden Schmerz mitzufühlen, kein Ohr, geduldig fremde Klage anzuhören, keine Zunge, Trost und Rath, Belehrung und Ermahnung zu spenden, sie hat keine Hand und keinen Fuß, Hülfe zu leisten, und endlich kein Vermögen, Andere aus dem Elende zu retten, sondern sinnt bloß darauf, sich selbst das Leben angenehm zu machen. Diese Härte und Lieblosigkeit gegen Andere ist aber durch Gottes Gericht die größte Grausamkeit gegen die eigene Seele; lieblos gegen Andere, bist du dein eigener Todfeind. Denn unbeugsam richtet sich Gott nach dem gerechten Gesetze, daß er dich behandelt, wie du den Nächsten behandelst. Mensch," sagt der h. Petrus Chrysologus, du selbst bestimmst dir das Maß der Barmherzigkeit Gottes; übe so viel Liebe gegen den Nächsten, wie du sie( von Gott) suchest für dich; gib den Armen, daß du dir selber gebeft." Der göttliche Heiland sagt: ,, Vergebet und euch wird vergeben werden; gebet und euch wird ge= geben werden; denn mit demselben Maße, womit ihr ausmesset, wird euch wieder eingemessen werden."( Luc. 6, 38.) Wer es also gut mit sich selber meint, der muß alle Mühe anwenden, nicht lieblos zu sein in seinen Urtheilen, in seinen Neden und in seinem ganzen Betragen, sondern mit Herz, Mund und Hand die Liebe täglich zu üben. Um diese Gnade zu bekommen, muß man Erstens, viel um die Liebe beten. Sie ist ein Geschenk Gottes und von unermeßlichem Werthe. Denn hast du die Liebe, so bist du reich genug; hast du sie nicht, so bist du arm und elend. 3weitens, muß man im Lichte des Glaubens in jedem Menschen Jesum Christum selbst betrachten. Christus betheuert ja: ,, Wahrlich sage ich euch, was ihr Einem dieser meiner geringsten Brüder gethan( oder nicht gethan) habt, - 109 das habt ihr mir gethan( oder nicht gethan.)" Matth. 25, 40 und 45. Drittens, muß man in der Hoffnung zum Himmel blicken, daß Gott uns alle Liebe und Geduld, die wir gegen den nächsten üben, in der Ewigkeit mit unvergänglichen Schätzen bezahlen wird.„ Sei barmherzig, so wirst du wie ein gehorsamer Sohn des Allerhöchsten sein, und er wird sich deiner mehr erbarmen, als eine Mutter." ( Eccli. 4, 10, 11.) Viertens, muß man in Liebe hinblicken auf Christus selbst und aus dieser Liebe die Kraft nehmen, alle Menschen mit Liebe zu umfassen. Denn wir haben das Gebot von Gott, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe"( I. Joan. 4.); ja, wenn wir den Nächsten lieben, so lieben wir Christus, und was wir den Nächsten unbillig abschlagen, das schlagen wir Christus ab. Fünftens, was die Ulebung der Liebe betrifft, muß man bedenken, daß die wahre Liebe in drei Stücken sich zeigt. Sie ist 1. milde im Urtheile über Andere. ,, Nichtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet, verdammet nicht, und ihr werdet nicht verdammet werden."( Luc. 6, 3.) Am allerschlimmsten ist das Richten und Tadeln über die Vorgesetzten. Je mehr dieses Laster jetzt in der Welt herrscht, desto mehr sollen die Kinder des h. Franciscus sich, statt fremde Fehler zu richten, mit der Besserung ihrer eigenen Fehler beschäftigen und das Urtheil über die geistliche und weltliche Obrigkeit dem Nichterstuhle des Allerhöchsten überlassen. " 1 2. thätig und opferwillig. Meine Kindlein, Laffet uns nicht mit Worten noch mit der Zunge lieben, sondern in der That und Wahrheit."( I. Joh. 3, 18.) 3. geduldig in Ertragung der Beleidigungen und Fehler Anderer.„ Einer trage des Andern Last, und so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."( Gal. 6, 2.) §. 7. Die siebente Schlinge ist das Selbstvertrauen. Diese Schlinge ist die feinste unter allen, und wir bedürfen viel Licht von Gott, wenn wir ihr entgehen wollen. Der uns angeborne Stolz verblendet unsere Augen, daß wir meinen, auf eigenen Füßen stehen zu können, und nicht sehen, daß wir ein Nichts, ein Abgrund der Schwäche und zu allem Bösen fähig und geneigt sind. Manche sind ganz — 110 voll von Selbstvertrauen und wissen es nicht. Das sieht man klar, sobald sie in einen unerwarteten Fehler fallen. Sie werden sofort unruhig und verwirrt; denn sie hätten gar nicht gedacht, daß sie so etwas thun könnten, - ein Zeichen, daß sie ihre Kraft überschätzten und sich selbst nicht kannten;- sie werden auch dabei klein müthig und halb verzweifelt, als wenn ihnen nun doch Alles nichts mehr helfen könnte,- ein Zeichen, daß sie Gott noch weniger kennen, als sich selbst, und auf seine Kraft und Hülfe gar nicht bauen. Offenbar stammt solche Verwirrung und Verzweiflung aus Selbstvertrauen und verborgenem Stolze. Denn wie der Demüthige an sich verzweifelt, aber fest vertrauend sich stützt auf Gott, so stützt sich der Stolze auf sich selbst. Bricht nun diese Stütze, dann verzweifelt er unbilliger Weise noch mehr an Gott, als an sich selbst. Wer demnach meint, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle."( I. Cor. 10, 12.) Dazu ist aber nöthig, daß wir nicht bloß vor unsere Füße sehen, d. h. uns keiner Gelegenheit zur Sünde freiwillig aussetzen, sondern auch in uns und über uns blicken. In uns, um unsere Ohnmacht zu sehen,, daß wir nicht tüchtig sind, durch uns selbst etwas zu denken, wie aus eigener Kraft;"( II. Cor. 3, 5.) - über uns, um Gottes Kraft zu erkennen, und daß ,, unsere Tüchtigkeit ist aus Gott, der mächtig ist, uns stehend zu erhalten."( Röm. 14, 4.) Um dieses Mißtrauen auf uns und Vertrauen auf Gott als festes Fundament aller Tugend immer tiefer in die Seele zu legen, sollen wit Erstens, beides inständig von Gott erflehen. Zweitens, häufig erwägen sowohl unsere eigene Ohnmacht, die groß ist nach unserer eigenen Erfahrung, aber noch größer in der Wirklichkeit, als auch die Macht, Weisheit, Güte und Treue Gottes, die helfen kann, helfen will und helfen wird. Drittens, wenn wir in einen Fehler gefallen sind, so müssen wir den Fehler gleichsam als Spiegel gebrauchen, um einen Blick zu thun in den finstern Abgrund unserer Schwäche und Verkehrtheit, und dabei einen kräftigen Akt der Verachtung unserer selbst und unserer eigenen Kraft erwecken. Auch müssen wir den Fehler gleich bereuen und Gott danken, daß wir durch Gottes Gnade nicht noch Schlimmeres gethan haben. Hierauf sollen wir einen Aft des 111 festesten Vertrauens erwecken, daß Gott uns nicht nur verzeihen, sondern auch vor neuen Fällen bewahren wolle. Viertens, soll man vor der Verrichtung seiner Werke oder bei dem Kampfe gegen die Versuchung gleich zu dieser Waffe, nämlich dem Gedanken an unsere Schwäche und an die Kraft der Gnade seine Zuflucht nehmen. Das geschieht dadurch, daß man zu sich selbst sagt: Ich bin so schwach, daß ich nichts Gutes zu Stande bringen werde; und dann zu Gott sagt: Du bist so groß und mächtig, daß ich in dir, der du mich stärkest, Alles kann! ,, Siehe, mein Gott ist mein Helfer und auf ihn will ich hoffen."( Pf. 17, 3.) — - Zweites Kapitel. In welchen Tugenden die Brüder und Schwestern sich eifrig üben sollen. Der fürzlich selig gesprochene Benedikt Labre pflegte zu sagen: ,, Wir alle sind in dieser Welt Pilger im Thränenthale; lasset uns denn immer recht wandeln auf dem sichern Wege der Religion, und zwar in Glaube, Hoffnung, Liebe, in Demuth, Gebet, Geduld, und christlicher Abtödtung; dann werden wir gelangen zum himmlischen Vaterlande." In der That, nur die Uebung christlicher Tugenden bildet die Leiter, die uns emporsteigen läßt über die Sterne zum Throne Gottes. Die christliche Tutgend ist im Grunde nur eine einzige, sie hat aber verschiedene, enge mit einander verbundene Arten der Uebung. Unter allen verschiedenen Tugenden sollen die Tertiarier besonders folgende sieben eifrig üben, damit sie durch dieselben, als auf sieben Stufen zum Himmel emporsteigen. §. 1. Die erste Stufe ist die Uebung eines kräftigen Verlangens nach Vollkommenheit. ,, Der Anfang der Weisheit ist eine ganz aufrichtige Begierde nach Zucht."( Weis. 6, 78.) Wer also keine ganz aufrichtige Begierde nach Zucht hat, das heißt, wer nicht fest entschlossen ist, Allem zu entsagen, Alles zu leiden, 112- Alles zu thun, was nöthig ist, dem Gesetze Chrifti fich ganz zu unterwerfen, der wird nie die wahre Weisheit und Tugend erlangen. Wer dagegen diesen Willen hat, der wird von Christus selig gepriesen: Selig sind, die hungern und dursten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.( Matth. V., 6.) Sa wir werden sicher hier mit der Fülle aller Tugenden und dereinst mit der Fülle der himmlischen Wonne und Glorie gesättigt werden, wenn wir bis zum Tode ein aufrichtiges Verlangen und Streben, Christo zu gefallen und Ihn zu gewinnen, in uns lebendig erhalten. Darum müssen die Tertiarier stets von neuem ihrem Geiste den Grundsatz vorhalten: Kein Opfer ist für Gott zu groß," und in ihrem Herzen den Willensaft erwecken: ,, Ich erachte alles für Gassenkoth, um Christum zu gewinnen."( Phil. III. 8.) Auf daß in ihrer Seele dieses Licht und diese Willensrichtung kräftig bleibe, sollen sie oft erwägen folgende Worte des h. Vater Franciscus: - " O geliebteste Brüder und in Ewigkeit gefegnete Kinder! höret mich, höret die Stimme eures Vaters: Großes haben wir versprochen; Größeres ist uns versprochen worden; Laßt uns unser Versprechen halten und seufzen nach dem Versprochenen. Die Luft ist kurz, die Strafe ewig; Gering das Leiden, unendlich die Glorie; Viele sind berufen, Wenige auserwählt; Alles wird vergolten. Amen!" „ Brüder, laßt uns Gutes wirken, so lange wir Zeit haben."( Gal. VI., 10.) §. 2. Die zweite Stufe ist die Uebung der Abtödtung. Der h. Ignatius sagt in seinem Buche der geistlichen Uebungen: Jeder soll die fefte Uleberzeugung haben, daß er in dem Maße Fortschritte im geistlichen Leben machen werde, als er sich abwendet von der Liebe zu sich selbst und von der Neigung zu Bequemlichkeit und eigenem Nutzen." Der Grund hiervon ist dieser: Der gefallene Mensch kann Gott nicht lieben, ohne das der verdorbenen Natur anklebende Böse zu hassen; er fann seinen Willen mit dem göttlichen Willen nicht vereinigen, ohne die verkehrten Begierden der Natur abzutödten. Nicht hohe, schöne Gedanken, nicht 113 zärtliche Gefühle und süße Worte führen uns zu Christus, sondern wenn ihr mit dem Geiste die Werke des Fleisches ertödtet, werdet ihr leben."( Römer 8, 13.) Der Heiland selbst erklärt uns so oft und so eindringlich die Nothwendigkeit der Abtödtung; unter Anderem sagt er: ,, Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenforn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viele Frucht! Wer seine Seele liebt, der wird sie verlieren, und wer seine Seele in dieser Welt hasset, der wird sie zum ewigen Leben bewahren."( Joh. 12, 24, 25.) Diese Abtödtung muß beginnen mit den Sinnen. So gierig die Natur hafcht nach der Luft, die sie mit den fünf Sinnen einsaugen kann, so sehr verabscheut und flieht die Gnade Sinnengenuß. Die abgetödtete Seele entzieht darum dem Auge, dem Ohre, dem Gaumen und dem Gefühle nicht nur alle sündhafte und gefährliche, sondern auch alle überflüssige und eitle Befriedigung; ja sogar in erlaubten Dingen gestattet sie denselben keineswegs volle Freiheit, sondern entzieht ihnen häufig das, was sie gern haben, um es Christo zum Opfer zu bringen. Das, was zur Erhaltung der Gesundheit nöthig oder nützlich ist, gestattet die Abtödtung, aber nach einer geregelten Ordnung, und sie tödtet auch hierbei die Sinnlichkeit insoweit ab, daß sie bei der Befriedigung dieser leiblichen Bedürfnisse nicht die Lust zur Absicht hat, sondern die Erfüllung des göttlichen Willens. Eingedenk der Worte des Apostels: Die Christo angehören, haben ihr Fleisch sammt seinen Begierden gekreuzigt" ( Gal. V., 24.), üben sich eifrige Christen auch in Bußwerten, die dem Fleische wehe thun, als da sind, Fasten, hartes Lager, Geißeln u. s. w. In rechtem Geiste und vernünftigem Maße angewendet, sind diese Bußübungen sehr heilsam. Doch darf weder der Körper bedeutend geschwächt, noch der schwache Geist überladen, noch die Selbstgefälligkeit dadurch genährt werden. Darum soll man alle diese Uebungen dem Ürtheile des Beichtvaters unterwerfen und sie außerdem mit dem Geiste der inneren Tugenden, besonders der Buße, der Gottesverehrung, der Hoffnung und Liebe beseelen. Dies geschieht dadurch, daß man dieselben nur in der ausdrücklichen Absicht verrichtet, seine Sünden abzubüßen, der göttlichen Majestät ein Opfer zu bringen, oder Gnade von Gott für sich und Andere zu erlangen oder, was am vollkommensten ist, um den h. Willen Gottes zu erfüllen. 8 114 Hauptsächlich aber muß die Abtödtung darauf gerichtet sein, die Leidenschaften und unordentlichen Neigungen zu unterdrücken; find diese nicht abgetödtet, so halten sie die Seele in fteter Unruhe und lassen keine Tugend feste Wurzeln fassen. Stets wechselnde Gefühle der Liebe oder des Hasses, des Verlangens oder des Abscheues, ungezügelter Fröhlichkeit oder niederdrückender Traurigkeit, ferner heftig aufwallende Regungen bald des Zornes, bald der Furcht, bald der Hoffnung, bald der Verzweiflung werden alle Augenblicke die Seele verwirren und oft in Sünde stürzen, wenn man nicht forgfältig sein Herz bewacht und alle Regungen der Leidenschaften in den Schranken der Vernunft hält. Die allgemeine Regel ist diese: wenn uns die Leidenschaft angreift mit lockenden Lüsten, so müssen wir dem Kampfe möglichst ausweichen und den reizenden Gegenstand, die Anlässe und Gelegenheiten fliehen; wenn sie uns aber angreift mit unangenehmen Gefühlen, als da sind, Furcht, Trauer, Zorn, Abneigung, dann müssen wir dem Feinde geradezu die Stirne bieten, ihn angreifen und das Gegentheil thun von dem, wozu er uns antreibt. Das gilt besonders bei der Ungeduld und der Abneigung gegen Andere. - - Am schwierigsten ist endlich die Abtödtung des Eigenfinnes und Eigenwillens. Der stolze Geist vergöttert sein eigenes Ürtheil: er will mehr wissen, als er weiß und wissen kann; er glaubt seinen eigenen thörichten Einfällen, so oft sie ihn auch schon betrogen haben, aber den Ansichten Anderer, auch seiner Obern, unterwirft er sich nur schwer oder gar nicht; er hält sich für flug und weise und zur Strafe seines Stolzes verliert er jedes höhere Licht und wird zum Thoren; er thut alles ohne Rath nach eigenem Kopfe, und führt als Blinder sich selbst in die Grube. Dieses Uebel ist sehr schwer zu heilen, eben weil der Krante seine Wunde nicht fennt. Man muß viel beten, um diesen Fehler nur zu erfennen; auch muß man oft erwägen, daß Niemand auf der Welt uns so oft belogen und betrogen hat, als unser eigenes Urtheil; und doch sollten wir fortfahren, diesem so oft auf der Lüge ertappten Betrüger gleich Glauben zu schenken? Ferner muß man täglich sich vornehmen, alle rechthaberischen Reden und Wortstreitigkeiten zu meiden; endlich soll man in seinem ganzen geistlichen Leben nichts ohne den Rath seines Seelenführers thun, nach der Mahnung des h. Geistes: ,, Mein Sohn, thue nichts ohne Nath, so wirst du nach der That nichts zu bereuen haben."( Eccl. 32, 24.) - 115 Der stolze Wille oder Eigenwille bedarf auch um so mehr der steten Abtödtung, weil er die Wurzel aller anderen Fehler und die schmutzige Quelle aller Sünden ist. Auch alles zeitliche Unglück und selbst die Hölle stammt von dem Eigenwillen. ,, Der Eigenwille" sagt der h. Bernhard, „ höre auf, und die Hölle wird aufhören." Der Eigenwille verfehrt die dritte Bitte im Vater unser und fordert mein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden." Gott und Menschen sollen sich ihm fügen; was er wünscht,- das muß geschehen; was er befiehlt- dem muß Jeder gehorchen; und selbst wenn er etwas Gutes will, so will er es nicht aus dem Beweggrunde einer Tugend, nicht, weil der allerhöchste Wille es will, sondern einzig darum, weil er es will, als wenn der eigenwillige Mensch der Mittelpunkt, um den das Uebrige fich drehen müßte, und das höchste Wesen wäre, nach dem Alle sich zu richten hätten. Dieses teuflische Lafter muß man in sich durchaus ertödten, um der Gefahr der Verdamm= niß zu entgehen. Zu dem Zwecke muß man 1. Tief den Grundsatz des h. Hieronymus sich einprägen: So viel du dem Eigenwillen entziehst, so viel gibst du der Tugend." Unter allen Tugenden muß man also den Gehorsam am meisten lieben und üben. Dieser ist der Probeftein der wahren Tugend; dagegen ist Eigensinn und Ungehorsam gegen die Vorgesetzten der Familie, der Kirche und des Staates an einer Ordensperson ein wahrer Schandfleck und verderblicher Krebsschaden. 2. Wenn Wünsche in uns aufsteigen, so muß man dieselben sorgfältig untersuchen, die verkehrten, eitlen oder unnüßen muß man ganz unterdrücken und diejenigen, welche auf gute Dinge gehen, dem göttlichen Willen unterwerfen. Wir wollen dahin streben, mit dem h. Franz von Sales fagen zu können: Ich wünsche nur wenige Dinge, und die wenigen wünsche ich sehr wenig." Je mehr Wünsche wir haben, und je heftiger sie sind, desto unruhiger und unglücklicher sind wir. 3. Bei allen seinen Wünschen muß man den Beweggrund derselben untersuchen. Kommt derselbe nicht aus irgend einer Tugend, sondern aus blos irdischen oder gar verkehrten Neigungen, dann bete man nur gleich mit dem weisen Manne: Herr, Vater und Gott meines Lebens, wende von mir alle( böse) Begierde."( Eccli. 23, 5.) 4. Zwinge den Willen oft, das zu wollen, was der Natur mißfällt. Dies lehrt uns der h. Johannes vom 8* 116 Kreuze( Aufsteigung zum Berge Karmel, B. I., C. 13.): ,, Bemühe dich, deinen Willen hinzuwenden nicht zu dem Leichteren, sondern zu dem Schwereren, nicht zu dem mehr Wohlschmeckenden und Süßen, sondern zu dem, was nicht schmeckt, nicht zu dem, was Tröstung, sondern was Mißfallen bringt, nicht zur Ruhe, sondern zur Beschwerde, nicht zu dem Mehr, sondern zu dem Weniger, nicht zu erhabenen und geschätzten Dingen, sondern zu demüthigen und verachteten, nicht dahin, irgend etwas zu verlangen, sondern Nichts zu wollen." §. 3. Die dritte Stufe ist die Ulebung der Demuth. Die Demuth ist ein von Gott verliehenes Licht. In demselben erkennt die Seele, was sie ist, nämlich daß sie voll von Elend und aller Verachtung werth ist. Zugleich wird der Wille von diesem Lichte ergriffen und in die Stimmung gebracht, sich selbst zu verachten und sich auch von Anderen bereitwillig verachten zu lassen. Diese Tugend ist so nothwendig, daß Christus von ihr sagt: ,, Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen"( Matth. 18, 3.); ste ist so wahr und gerecht, daß sie allein Gott gibt, was Gottes ist, und dem Menschen, was des Menschen ist; sie iſt so schwer, daß man ohne eine besondere Gnade sie nicht üben kann, und daß Christus selbst in ihr unser Lehrmeister hat werden müssen:„ Lernet von mir, denn ich bin demüthig und sanftmüthig von Herzen."( Matth. 11, 29.) Endlich ist fie so stark und kräftig, daß sie als das Fundament alle anderen Tugenden trägt und alle Gnaden vom Himmel herabruft. Um diese Tugend zu erlangen, sind drei Stücke nöthig: 1. Viel zu beten, daß Gott einen Strahl seines Lichtes in die Seele fallen lasse, damit dieselbe erkenne, was sie von Gott hat, und was sie von sich hat, damit sie Gott lobe und ihm danke für seine Gaben und sich selbst verachte und demüthige wegen ihres Nichts, ihrer Armuth und unerschwinglichen Sündenschuld. 2. Viel sich selbst zu betrachten, aber im Spiegel des Glaubens. Dann wirst du, o christliche Seele, einen vierfachen Abgrund immer klarer und mit wachsendem Schauder in dir erkennen, nämlich a. den Abgrund deines Nichts. Dieser ist in dir so schwarz und bodenlos, daß, wenn Gott aus deinem Leibe und deiner Seele zurücknähme, was Sein ist, von dir nichts bleiben würde, als die gräuliche Finsterniß deiner Sünden. - 117 b. Den Abgrund deiner Schwäche. Dieser ist auch so bodenlos, daß du, wenn Gott seine stüßende und schirmende Hand von dir zurückzöge und dich den Versuchungen der Welt, des Fleisches und des Satans überließe, gleich fallen würdest; und zwar ist keine Sünde so schändlich und unmenschlich, daß du dieselbe dann nicht thuen könntest, ja auf Anstiften des Teufels sorgar thun würdest. c. Den Abgrund deiner Undankbarkeit und Untreue durch schlechte Benutzung der verliehenen Gnaden. Dieser ist auch so unergründlich, daß dein Gewissen dir sagt, du verdienest wohl, daß Gott wirklich dich dir selbst überließe. In der That, er könnte es, ohne seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu verletzen. d. Den Abgrund deiner wirklichen Sünden. Wenn du in deinem Leben auch nur Eine Todsünde begangen hast, so ist diese Sünde ein so schwarzer, bodenloser Abgrund, daß nur die Hölle oder das Blut Christi ihn ausfüllen kann! Und was denkst du bon dir, wenn du vielè Todsünden be= gangen hast? Wenn du so diese vier Abgründe in dir betrachtet hast, dann kannst du folgende Akte erwecken: Zuerst stelle dich in deiner ganzen Nacktheit und Armuth vor Gottes Auge hin, entkleide dich geistiger Weise alles Guten, das du oder andere Menschen an dir finden, und bekenne, daß dieses nicht dir, sondern Gott gehört. Sprich dann mit dem Propheten: Ich bin elend und arm, Gott hilf mir; mein Helfer und Erlöser bist Du, Herr säume nicht.( Ps. 69, 6.) Dann wirf einen Blick auf einen fünften Abgrund, der nicht in dir, sondern über dir in Christus ist, nämlich auf den Abgrund der unendlichen Güte und Barmherzigkeit Gottes. Bete denselben an und staune, mit welch' unermeßlicher Liebe Er Sich zu deinem Elende herabgeneigt hat und mit Seiner Allmacht den Abgrund deines Nichts, mit Seiner Gnade den Abgrund deiner Schwäche, mit Seiner Langmuth den Abgrund deiner Undankbarkeit und mit Seinem Blute den Abgrund deiner Sünden ausgefüllt hat. Hierauf bitte um Verzeihung, daß du so oft Diebstahl an der göttlichen Ehre begangen hast, indem du dir jenes Gute zuschriebst und dafür Ehre bei den Menschen suchtest, das doch Gott allein zugehörte und zukam. Ersetze Ihm diesen Diebstahl aus den überfließenden Verdiensten des heiligsten Herzens Jefu. Bekenne auch vor dem ganzen 118 Himmel, daß du ein unnützer Knecht( Magd) Gottes feieft, unwürdig der göttlichen Gnade und menschlicher Ehre, würdig, mit Verachtung, Schmach und Schande bedeckt zu werden, und nimm dir vor, bei vorkommenden Gelegenheiten alle Verdemüthigungen aus Gottes Hand bereitwillig anzunehmen. Da dies aber deinem Stolze ganz unmöglich ist, so wende dich voll Vertrauen zu Christus und„ befiehl dem Herrn deinen Weg und hoffe auf Ihn; Er wird's schon machen".( Pf. 36. 5.) 3. Täglich und eifrig sich in Akten der Demuth üben. Durch Gebet und Betrachtung zieht man die Gnade der Demuth herab; sie wird uns aber erst eigen durch die Uebung der Demuth. Denn der h. Bernhard sagt: ,, Die Demüthigung ist der Weg zur Demuth, wie die Uebung der Geduld zum Frieden; wenn du dich nicht demüthigen kannst, dann kannst du nicht zur Demuth gelangen." Darum: „ Je größer du bist, desto mehr demüthige du dich in allen Dingen, so wirst du bei Gott Gnade finden."( Eccli. 3, 20.) In allen Dingen demüthige dich," also in Gedanken, Worten und in Werken, vor Gott, vor dir selbst und vor dem Nachsten. Gelegenheiten dazu bieten sich alle Tage gar oft. Zu den nützlichsten innern und äußern Demüthigungen gehören folgende Ulebungen: a. Rufe dir oft zu die Worte des Apostels: ,, Was hast du, o Mensch, das du nicht empfangen hast; und wenn du es empfangen hast, was rühmst du dich, als habest du es nicht empfangen."( 1. Cor. 4, 7.) Dann danke Gott für Alles, was du bist und hast, und fürchte, du möchtest in dir die Gaben Gottes verschleudern und mißbrauchen. b. Halte dir oft dein leibliches und geistiges Elend vor Augen und bekenne du seiest würdig, daß Gott dir alle leiblichen und geistigen Güter wieder nehme. Staune darüber, daß andere Menschen dich achten und so gut behandeln, wo du Gott so wenig achtest und schlecht behandelst. Verabscheue deine frühere und jetzige Blindheit, die macht, daß du dich felbst aufblähest und meinest, etwas zu sein, wo du nichts bist. Präge dir tief den Grundsatz ein: Wer mich lobt, der täuscht sich oder mich, denn Gott gebührt die Ehre, mir die Schande. c. Verachte Niemand, als dich selbst. Ziehe dich keinem Menschen vor, sondern halte dich für undankbarer gegen Gott und schlechter, als alle Andern; bekenne auch, daß Andere dir mit Recht können vorgezogen werden, ja, daß du ver — 119 dienest, von Allen vergessen, verachtet und mit Schande überhäuft zu werden. d. In Worten demüthige dich dadurch, daß du ohne Noch nicht von dir redest;- daß du deine Fehler nicht entschuidigest, wenn es nicht etwa die Liebe oder eine andere vernimftige Ursache erfordert,- daß du über Leiden und Unrecht dich nicht beklageft; daß du, statt dich in Wortstreit einzulassen, lieber nachgibst und schweigst, auch wo du Recht zu haber meinst;- daß du immer milde und sanft mit Andern redest; und endlich daß du niemals den Nächsten richtest noch seine Fehler lieblos tadelst, sondern vielmehr, wo möglich, entschuldigst. e. In Werken demüthige dich dadurch, daß du die Chren und das Lob der Menschen fliehest, dich mit demüthigen und geringen Werken gerne beschäftigst, auch mit armen und verachteten Personen freundlich umgehest;- daß du Zurechtweisung und Belehrung auch von solchen, die dazu das Recht nicht haben, annimmst;- daß du fremden Rath suchest und befolgest; daß du deinen Vorgesetzten von Herzen gehorchest; daß du deinem Seelenführer dein ganzes Herz aufdeckeft;- und was das Wichtigste von Allem ist, daß du die innern und äußeren Verdemüthigungen, Verachtungen und Verfolgungen, die Gott über dich kommen läßt, bereitwillig und mit Ruhe erduldest und auch die Fehler derer, mit denen du umgehen mußt, mit Geduld und Nachsicht erträgst. Ja wir sollten auch nach dem höchsten Grade der Demuth verlangen und streben, und dieser besteht darin, daß man an Schmach und Verachtung sogar sein Gefallen und seine Freude hat und sie wie einen Schatz liebt und sucht. Dies Wunder der Grade bewundern wir an den heiligen Aposteln und allen Heiligen. Gebe uns denn Gott, daß wir als Richtschnur unseres Lebens nehmen die Worte des Apostels: ,, Alle aber begegnet einander in Demuth; denn Gott widersteht den Hoffärtigen, den Demüthigen aber gibt er Gnade. Demüthiget euch also unter der gewaltigen Hand Gottes, daß er euch erhöhe zur Zeit der Heimsuchung."( 1. Pet. 5, 5-6.) — §. 4. Die vierte Stufe ist die Uebung des Glaubens. Mein Gerechter lebt aus dem Glauben; wenn er sich entzieht, wird er mir nicht gefallen."( Heb. 10, 38.) Wer also vor Gott gerecht werden will, der darf sich nicht leiten - 120 lassen von den Grundsätzen der Welt, denn die lehrer nur, wie man gut durch die Welt, nicht aber, wie mat in den Himmel fommt;- auch nicht von den Gefüg= len und Neigungen des Herzens, denn diese klammern sich nur an den Augenblick und sind unbeständig, wie das Wetter;- auch endlich nicht bloß von dem Lichte der menschlichen Bernunft, denn dasselbe reicht nicht weit über die Erde und kann der Seele nicht ein sicherer und fester Anker sein, der bis in das Innere des Vorhangs( bis in Gott) hineingeht."( Heb. 6, 19.) Der wahrhaft Gerechte läßt sich leiten von dem göttlichen Lichte des Glaubens, und in diesem Lichte erkennt er die Dinge so, wie sie in den Augen Gottes sind; er schätzt und liebt und sucht, was Gott schätzt und liebt und will; er verachtet, haßt und flieht, was in Gottes Augen verächtlich, abscheulich und zu meiden ist. Dieses von Gott stammende und durch die Lehre der Kirche uns mitgetheilte Licht lehrt uns nicht nur viele Wahrheiten, von denen wir sonst nichts wissen würden, sondern zeigt uns auch die Dinge, die wir durch unsere Vernunft fennen, in einer ganz anderen Gestalt. Der Gläubige erkennt, daß der Reichthum der Erde nur Staub, die Ehre nur flüchtiger Rauch und die Sinnenlust nur eine Seifenblase ist, die zerplatt, wenn man sie greifen will, daß mithin ein großer Thor ist, wer diesen Dingen so nachjagt, daß er darüber die ewigen Güter, Ehren und Freuden des Himmels im Leben vergißt und in der Ewigkeit verliert. Der Gläubige sieht ein, es sei besser für ihn, ein armer Lazarus zu sein um Christi willen, als mit dem reichen Prasser in Purpur und köstlicher Leinwand sich zu kleiden, alle Tage herrliche Mahlzeiten zu halten und dann in der Hölle begraben zu werden. Er sieht, es sei besser, Unrecht leiden, als Unrecht thun; besser gehorchen, als befehlen; besser, sich demüthigen mit dem Zöllner, als sich erheben mit dem Pharisäer; besser, hier unten zu sitzen als der Letzte, als oben an und der Erste zu sein in seinen Augen und in den blinden Augen der Welt. Er weiß, daß ein gutes Werk, eine Abtödtung und Verdemüthigung süßer und werthwoller ist, als eine reich besetzte Tafel; daß die Luft in der Sünde kurz, die Bitterfeit derselben lang und die Strafe ewig ist. Im Glauben sieht er das irdische Leben an, nicht als ein Kinderspiel, sondern als eine furchtbar ernste und wichtige Sache; im Glauben sucht er nur Einen Schatz auf Erden, nämlich die christliche Tugend, einen Schatz, den die Welt nicht kennt, oder verachtet und 121 mit Füßen tritt. Er hält dafür, reich genug sei, wer nur die Liebe Gottes hat, und wäre er auch ein Bettler; dagegen hält er für arm und elend, wer immer diesen Schatz nicht im Herzen trägt, besäße er auch Millionen. Er sagt mit der h. Schrift: ,, wer Sünde thut, der ist ein Feind seiner Seele." Kurz, er sieht Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit, Tugend und Laster in dem Lichte, das der Erlöser ausströmen ließ, als er die Worte sprach: ,, Was nützt es dem Menschen, wenn er auch die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schaden litte?"( Matth. 16, 26.) - Wer nun pilgert durch die Wüste dieses Lebens, der wird sich unfehlbar verirren und nie in das gelobte Land kommen, wenn er nicht über allen Widerspruch der Sinne, über alles Einreden der Vernunft und alle Zuflüsterung des Satans sich erhebt und hinschaut auf die Wolken- und Feuersäule des Glaubens. Von dieser muß er gläubig sich leiten lassen in glücklichen Tagen und finsteren Nächten. Das meint der Apostel, wenn er uns ermahnt, auf das göttliche Wort zut achten, ,, als auf ein Licht, das da scheint an einem dunkelen Orte, bis der Tag anbricht und der Morgenstern( Christus) aufgeht in eurem Herzen."( II. Pet. I., 19.) Ein Diener Christi soll darum sich in folgenden Akten fleißig üben: 1. Er soll Gott von Herzen danken für das Licht des Glaubens;, Saget Dank Gott dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat, Theil zu nehmen am Erbe der Heiligen im Lichte"( Coloff. I., 12.); zugleich soll er nicht ablassen, um Vermehrung des Glaubens zu beten: ,, Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben; Herr, vermehre in mir den Glauben." 2. Er soll recht oft den Glauben kräftig erwecken, besonders bei Versuchungen gegen diese Tugend, und dann mit dem Apostel Paulus wiederholen( II. Tim. I., 12.): Ich weiß, wem ich glaube," ich glaube nicht mir, nicht einem Menschen, nicht einem Engel, sondern dem Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit." Er ist die untrügliche Wahrheit, und er spricht zu mir durch den Mund seiner h. Kirche. 3. Es ist nützlich, oft zu betheuern, daß man Gut und Blut tausendmal lieber verlieren wolle, als den Glauben verleugnen; auch soll man beten für diejenigen, die das Licht des Glaubens nicht haben. 4. Man muß den Schatz des Glaubens nicht vergraben; denn ,, er ist ein unendlicher Schatz den Menschen, und wer - 122 ihn benutzt, wird theilhaftig der Freundschaft Gottes."( Weish. 7, 14.) Man soll diesen Schatz der Wahrheit benutzen und darum besonders bei folgenden Gelegenheiten den Glauben üben: a. Beim Gebete. Je lebendiger der Glaube, desto besser ist das Gebet. Man beginne deshalb nie das Gebet ohne einen recht lebendigen Akt des Glaubens an die Allgegenwart Gottes. b. Bei dem Empfange der h. Sakramente. Je gläubiger das Auge ist, desto mehr Ehrfurcht und Andacht hat das Herz bei diesen Geheimniſsen. c. In der Stunde der Versuchung. Jede Versuchung kommt daher, daß die Einbildungskraft den Geist in Finsterniß einhüllt und den Willen verlockt, Schein und Lüge statt Wahrheit zu wählen. Jede Versuchung wird überwunden, wenn man dem Lügenbild die Leuchte des Glaubens ins Gesicht hält, das heißt, dem Geiste vorhält, was der Katechismus von der Sünde sagt. Darum, widerstehet der Bersuchung tapfer im Glauben."( I. Petr. V., 8.) d. Bei inneren und äußeren Leiden und Widerwärtigkeiten. Ein ungläubiger Mensch hält Kreuz und Leiden für das größte Unglück und lästert und tobt dabei; der gläubige Christ aber versteht die Worte des Apoftelfürsten: ,, Geliebteste, laßt euch die Feuerprobe, die euch zur Prüfung widerfährt, nicht befremden, als widerfahre euch etwas Seltsames, sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, damit ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit euch freuen und frohlocken könnt."( I. Petr. 4, 12-13.) Die Brüder und Schwestern sollen also einen ganz be sonderen Fleiß darauf verwenden, daß in ihnen, als echten Kindern der h. Kirche, der Glaube recht rein, stark und lebendig sei. Dann werden sie sicher die ewige Krone gewinnen. Denn das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube."( I. Joh. V., 4.) §. 5. Die fünfte Stufe ist die Uebung der Hoffnung. Die h. Hoffnung richtet das Herz des Menschen von der Erde empor und befestigt es in Gott. Dies geschieht dadurch, daß sie uns ein heißes Verlangen einflößt, Gott als unser höchstes Gut und unsere einzige Seligkeit zu gewinnen, und zugleich ein festes Vertrauen gibt, daß Gott selbst uns die nöthigen Mittel geben werde, dieses unser höchstes Glück zu erreichen: daß er nämlich unsere Gebete erhören, 1 - 123 - unsere Sünden verzeihen, in unsern Versuchungen uns beistehen und uns seine Gnaden im Leben und die Glorie in der Ewigkeit geben werde. Die Ulebung dieser Tugend ist durchaus nothwendig zur Seligkeit, geschweige zur Vollkommenheit, und es ist zu bedauern, daß sie auch von fromm sein wollenden Seelen so wenig und so schlecht gelibt wird. Aus ihr schöpft die Seele jene Stärke, die sie in den Versuchungen und Leiden aufrecht hält, so daß sie mit dem Pfalmisten sagen kann:„ Auf den Herrn hoffend, werde ich nicht wanken."( Ps. 25, 1.) Unsere Hoffnung stützt sich auf den göttlichen Willen, der bereit ist, uns selig zu machen und zu helfen. Auf diesem göttlichen Willen steht die Hoffnung fest, wie auf einem Felsen und läßt von der Seite keine Furcht zu. Denn Gott will uns helfen; sein Herz ist die Liebe; ,, Er, der selbst seines eingeborenen Sohnes nicht geschont hat, sondern Ihn für uns alle hingegeben hat, wie sollte Er uns nicht Alles mit ihm geschenkt haben."( Röm. 8, 32.) Er weiß unsere Noth; denn sein Auge ist die Allwissenheit, und„ Alles ist ja bloß und aufgedeckt vor seinen Augen." Er kann uns helfen; sein Arm ist die Allmacht, und wenn Gott für uns ist, wer wird dann gegen uns sein."( Röm. 8, 31.) Er wird uns helfen; sein Wort ist die ewige Treue, und sein Wort ist uns tausendmal gegeben und durch Christi Blut verpfändet. So fest und begründet nun auch unser Vertrauen und unsere Hoffnung auf Gott ist, ebenso begründet ist das Mißtrauen auf uns selbst und die eigene Kraft; der Gedanke an unsere Schwäche und Unbeständigkeit läßt somit eine h. Furcht nicht bloß zu, sondern fordert sie sogar. Und wirklich, wenn unsere Schwäche sich selbst überlassen bliebe, so würden wir sicher fallen, und es bliebe uns nichts, als die Verzweiflung. Doch auch der schwächste Wille wird feststehen wie ein Fels, sobald er sich stützt auf Gott,„ denn Gott ist mächtig, ihn stehend zu erhalten."( Nöm. 14, 4.) Ja, die hoffende Seele blickt um so mehr vertrauend zum Vater empor, je mehr sie in sich und um sich und unter sich nichts als Abgründe des Verderbens erblickt; auf den Allmächtigen sich stützend, sagt sie: Wenn Gott für mich ist, wer wird dann gegen mich sein." Gott ist aber für mich und Warum bist du traurig meine Seele und was verwirrst du mich. Spera in Deo, hoffe auf Gott!"( Pf. 42, 5.) mit mir. Ja, hoffe auf Gott, das ist das geheimnißvolle Mittel, den schwachen Willen stark, den unbeständigen beständig und - 124 deft Gewinn des Himmels sicher zu machen. Denn die Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden"( Röm. V., 5.) und, Niemand hat gehofft auf den Herrn und ist zu Schanden geworden."( Eccli II., 11.) — Weder die früher begangenen Sünden, seien sie auch zahllos wie der Sand am Meere und schwer wie der Erdball und schwarz wie die Hölle, noch die gegenwärtige Schwäche, und sei sie auch angefochten von den wüthendsten Leidenschaften, noch alle im Leben und Tode uns drohende Gefahren dürfen diese Hoffnung in uns ersticken, oder auch nur schwächen, vorausgesetzt, daß wir die rettende Hand Gottes durch treue Anwendung der Gnadenmittel ergreifen wollen. Darum sagt der h. Johannes: ,, wenn uns unser Herz nicht bestraft( d. h. unser Gewissen uns nichts vorwirft), dann haben wir Zuversicht zu Gott."( I. Joh. 3, 21.) Denn wenn wir auch nichts können aus uns, so können wir ,, Alles in dem, der uns stärkt." Der Diener Christi soll also viel beten, daß Gott ihm doch einen hohen Grad dieser Tugend gebe; er soll oft die Beweggründe der Hoffnung betrachten; er soll traurige und kleinmüthige Stimmungen seiner Seele, die fürwahr nicht aus der Demuth, sondern aus dem Stolze hervorgehen, gleich unterdrücken; er soll täglich sich in Akten dieser Tugend üben, und zwar besonders dann, wenn äußere und innere Leiden kommen, wenn große Finsterniß des Geistes und schwere Versuchungen seine ganze Kraft gleichsam erdrücken und jeden Strahl der Hoffnung nehmen wollen. Gerade dann ist es Zeit, mit Abraham, wider die Hoffnung an die Hoffnung zu glauben"( Röm. 4, 18.) und mit$ ob zu sagen: Und wenn er mich tödtete, so will ich auf Ihn hoffen, und Er wird mein Erlöser sein.( Job 23, 25.) §. 6. Die sechste Stufe ist die Uebung der Liebe. Der h. Augustinus sagt: ,, Alle Christen bezeichnen sich mit dem Zeichen des h. Kreuzes, alle antworten Amen, alle singen Alleluja, alle sind getauft und gehen in die Kirche; aber das eigentliche unterscheidende Merkmal zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels liegt einzig - in der Liebe. Wer die Liebe hat, ist aus Gott geboren, und so lange er dieses Samenkorn bewahrt, so lange fündigt er nicht und wird nicht getrennt von Gott." Was das Gold ist unter den Metallen, was die Sonne ist unter 125 den Sternen, das ist diese Königin der Tugenden unter allen andern Tugenden. In ihr liegt aller Reichthum, alle Ehre, alle Freude, alle Stärke, alle Vollkommenheit, alles wahre Leben der Seele in Zeit und Ewigkeit! Darum, rathe ich dir," so spricht der Herr, ,, bon mir Gold( das Gold der Liebe) zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest."( Offenb. III. 18.) Diese Liebe unterscheidet sich von dem liebenden Verlangen der Hoffnung; denn die Hoffnung schließt sich an Gott an, weil er uns so gut ist, weil all' unser Heil und Glück in Ihm liegt und von Ihm kommt; die Liebe dagegen gibt und schenkt sich Gott, weil Gott an sich das höchste, liebenswürdigste Gut ist und wegen seiner selbst und aller seiner Werke unsere ganze Liebe verdient. Wer Gott nicht liebt, der kennt Gott nicht"( I. Joh. 4, 8.); seine Augen sind blind, darum ist sein Herz falt; denn wenn er Gott kännte, dann müßte er Ihn lieben; er sähe ja alsdann, daß Gott allein alle Liebe verdient. Er sähe, Gott ist das reinste, schönste, vollkommenste, unvergängliche Licht, und kein Schatten der Finsterniß ist in Shm. Er sähe auch, Gott ist die unbegreiflichste Liebe: Er ist uns zuvorgekommen mit einer ewigen, unverdienten, uneigennüßigen Liebe, Er hat Himmel und Erde in Bewegung gesetzt und sich selbst ganz geopfert, um unsere Liebe zu gewinnen. Diese echte Gottesliebe äußert sich in vier Akten: 1. Durch Wohlgefallen und Freude an der unendlichen Schönheit, Vollkommenheit, Glorie und Seligkeit Gottes. Hierbei richtet die Seele ihren Blick auf Gott und sagt: Wer ist dir ähnlich, so herrlich in Heiligkeit, so furchtbar und preiswürdig, so wunderthätig.( Erod. 15, 11.) Wann werde ich aus der Finsterniß zum Lichte kommen und Dich sehen, wie Du bist." Diese Art von Liebe werden wir erst im Himmel, wenn wir Gott von Angesicht zu Angesicht schauen, recht üben und darin unsere ewige Entzückung finden. Einstweilen fönnen wir Gott jenes Wohlgefallen, jene Freude und Anbetung, die alle Seligen und Engel an Gott haben, für unsere Kälte aufopfern und dabei beten, wie der Herr es uns gelehrt hat, zu uns komme dein Reich." Es ist auch gewiß, daß wir um so mehr den Vorgeschmack der himmlischen Liebe empfinden werden, je mehr die Reinigkeit des Herzens in uns wächst. 126 2. Durch Wohlwollen und hingebende Freundesliebe. Dies geschieht dadurch, daß wir Gott von ganzem Herzen alle seine unendlichen Güter gönnen und wünschen, auch verlangen und arbeiten, daß seine größere Ehre immer mehr in uns und in allen Kreaturen sich ausbreite. Da unser Herz auch hierin eng und kalt ist, so sollen wir alle Kreaturen einladen, Gott zu loben und zu verherrlichen, und voll Verlangen stets wiederholen: ,, Geheiliget werde dein Name." 3. Durch Unterwerfung und Hingabe unseres Willens. Diese Liebe zieht Gott und Gottes Willen, im Kleinen wie im Großen, in Schmerz und in Freude, im Handeln und im Leiden unbedingt allen anderen geschaffenen Gütern und allen Wünschen des Herzens vor. Sie versenkt den armseligen, blinden und verkehrten menschlichen Willen ganz in den unermeßlichen, von Güte, Licht und Liebe über= strömenden Ocean des göttlichen Willens und seufzet und betet und ringt mit Herz, Mund und Hand nach diesem einen Ziele:, Herr, nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden." Und dies thut sie nicht so sehr mit Worten und mit der Zunge, als im Werke und in der Wahrheit( I. Joh. 3, 18.); d. h., sie bestrebt sich, auf das Pünktlichste die Gebote Gottes und der Kirche, sowie die besonderen Standespflichten zu erfüllen, den Vorgesetzten zu gehorchen, ja überhaupt lieber den Willen eines andern als den eigenen zu thun und endlich alle Leiden und Kreuze von Gott anzunehmen und für Gott zu tragen. 4. Durch Erwedung vollkommener Reue über unsere Sünden. Diese Art der Liebesübung paßt nur für unsere Pilgerschaft durch den Staub der Erde und ist hier sehr nüßlich, ja nothwendig. Alle Tage, und oft im Tage, müssen wir sprechen: Vergib uns unsere Schuld! ach, daß ich Dich, meinen besten Vater, meinen größten Wohlthäter, meinen liebreichsten Erlöser, Dich höchstes Gut in meiner Blindheit wieder verachtet und beleidigt habe." Wenn wir uns fleißig in diesen Akten der Liebe üben und die Gnadenmittel der Kirche recht gebrauchen, so wird Christus das Feuer der Liebe in unseren Herzen immer stärker entzünden. Doch ist zu merken, daß die vollkommene Liebe nicht in zärtlichen Gefühlen, nicht in erhabenen Beschauungen und Aufschwingungen des Herzens besteht, sondern in einem festen Willen, der Gott um Gottes Willen alle Neigungen 127 opfert und sich selbst, seinen eigenen Vortheil, seine Ruhe und Freude ganz bei Seite setzt. Ja es ist gewiß, daß die wahre Liebe nur auf dem Calvarienberge, nicht auf dem Thabor zur Vollkommenheit heranwächst. Sie mag thren Anfang nehmen können in Wonne und Seligkeit, aber groß wird sie nur in innern und äußern Leiden. In Tagen des Lichtes und der Wonne kann sie sich wohl durch süße Liebesworte äußern, aber als treue Braut des Gekreuzigten bewährt sie sich nur unter- dem Kreuze. Nach dieser starken Liebe zu streben, müssen wir uns stets von neuem anspornen und kein Opfer scheuen, sie zu gewinnen, auf daß wir noch vor unserem Tode sagen können mit Paulus: ,, Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst? oder Hunger? oder Blöße? oder Gefahr? oder Verfolgung oder das Schwert?- Ich bin versichert, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Stärke, weder Höhe noch Tiefe, noch ein anderes Geschöpf es vermag, uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unserem Herrn."( Röm. VIII., 35-39.) §. 7. Die siebente Stufe ist die Uebung der Geduld. Das Erbtheil, welches Christus seinen Kindern hinterlassen hat, ist ein doppeltes: für die Ewigkeit die Krone des Himmels, für die zeitliche Pilgerschaft- das Kreuz; und zwar können wir in der Ewigkeit aus den Händen Christi die Krone nicht empfangen, wenn wir jetzt aus seinen Händen das Kreuz nicht annehmen. Denn nur, wenn wir mit ihm leiden, werden wir mit ihm herrschen," ( II. Tim. II., 12.) und durch viele Trübsale müssen wir eingehen in das Reich Gottes."( Apostelg. 14, 21.) Leiden ist aber der Natur sehr bitter und schwer. Darum ,, ist Geduld auch nothwendig, daß ihr den Willen Gottes erfüllend, die Verheißung erlanget."( Hebr. 10, 36.) Die Geduld ist Herzensfriede im Leiden. Man muß diesen Frieden bewahren in allen Leiden, sie mögen drücken den Leib oder die Seele, fie mögen verschuldet sein oder unverschuldet, sie mögen verursacht sein von unsern Nebenmenschen, oder von uns selbst, oder vom Teufel, oder unmittelbar von Gottes Hand uns aufgelegt werden. Woher auch immer das Kreuz kommt, so lange wir es ohne Sünde nicht abschütteln fönnen, so lange legt Gottes heiliger Wille es uns auf. Dieser - 128 Friede im Leiden entspringt daraus, daß die Seele in Glaube, Hoffnung und Liebe, gleichsam mit geschlossenen Augen, dem heiligen göttlichen Willen sich hingibt und auf Leben und Tod sich der Führung der göttlichen Vorsehung überläßt. Der wahre Christ glaubt nämlich fest, daß Alles gut geht und zu seinem wahren Heile ausschlägt, wenn nur Gottes Wille geschieht. Wie das Kind von der Mutter, so hofft und erwartet er von Gott alles Gute; denn er hält sich an das Wort des Apostels: ,, Alle eure Sorgen werfet auf Ihn, denn Er sorgt für euch( I. Petr. 5, 7.)" Er liebt endlich den Willen Gottes mehr, als sich selbst, und darum küßt er die Hand des Vaters, die ihn schlägt, und freut sich, daß er seinen eigenen Willen dem Allerhöchsten gleichsam zum Opfer bringen kann. Dazu ist aber große Gnade Gottes erforderlich, und die können wir. nur durch eifriges Gebet herabflehen. Kommt dann die Stunde des Leidens, so muß man als Regel die Worte des h. Geistes befolgen: Alles, was dir widerfährt, nimm an und harre aus im Schmerze und in deiner Demuth übe Geduld; denn Gold und Silber wird durch's Feuer geprüft, die Lieblinge Gottes aber im Ofen der Demüthigung." ( Eccli. II. 4, 5.) Nach diesen Worten muß man also - 1. gleich im Anfange des Leidens mit Starkmuth„ anDies nehmen Alles, was Einem widerfährt." Annehmen ist aber nur möglich, wenn man gläubig die Augen emporrichtet zu Gott. Thust du das, dann wirst du finden, daß dies Kreuz fommt von der Hand des besten Vaters, unseres Vaters, der im Himmel ist. Dann wirst du auch gleich das Herz bereit machen, den vom Himmel kommenden Gast, das h. Kreuz nämlich, aufzunehmen, und wirst sagen:„ heiliges Kreuz, sei mir gegrüßt, du bringst mir nur Gutes, du tilgest meine Sünden, du reinigest, erleuchtest und entflammest mein Herz, und wenn du mir auch nichts als Pein brächtest, so nehme ich dich doch willig auf; denn nicht mein Wille, sondern der Wille des Vaters im Himmel geschehe." 2. Während der Dauer des Leidens, harre aus im Schmerze und übe in der Demuth Geduld," d. h. übe die Standhaftigkeit und die Demuth. Die Standhaftigkeit übe dadurch, daß du immer von neuem deinen Willen in den heiligen Willen Gottes gibst und wiederholst: Herr, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe." Ein Blick 129 auf Christi Kreuz und auf die schöne Krone des Himmels wird dich stärken; auch kannst du dich trösten mit den Wor= ten der h. Theresia: ,, Alles geht vorüber; Gott allein genügt; mit der Geduld besiegt man Alles." Die Demuth übe, indem du fest glaubst, daß du durch deine Sünden noch viel schwerere Leiden, ja selbst die ewige Hölle verdient hast. Es sei also ferne von dir, in unnütze und ungeduldige Klagen über Menschen oder über Gottes Anordnungen auszubrechen, sondern erhebe deine Augen und dein Herz zu dem unschuldig gekreuzigten Heilande und verliere den Muth nicht, wenn die Eigenliebe sich auch gegen das Kreuz empören will. Laß dann nicht ab vom Gebete, bis dein Wille sich wieder beugt unter die göttliche Anordnung. Wenn Gott dir diese Gnade gibt, so wirst du in der Geduld deine Seele retten;" und deine gegenwärtige Trübfal, die augenblicklich und leicht ist, wird bewirken eine überschwängliche, ewige, Alles überwiegende Herrlichkeit."( II. Cor. 4, 17.) Denn das Kreuz, mit Liebe getragen, wird deine Seele emportragen über die Himmel zum Throne Gottes. So denn freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, damit ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit euch freuen und frohlocken fönnet."( I. Petr. 4, 13.) - Drittes Kapitel. Welche Gnadenmittel die Brüder und Schwestern gebranchen sollen. Wer die genannten Fehler meiden und die Zugend üben will, der bedarf dazu vieler Gnaden. Gott ist bereit, dieselben zu geben, aber Er will, daß wir durch eifrigen Gebrauch der von Ihm verordneten Gnadenmittel sie uns aueignen. Beharrlichkeit und Fleiß in den Uebungen der Andacht sind also nöthig, wenn die Brüder und Schwestern im Guten Fortschritte machen und selig werden wollen. Die wichtigsten Gnadenmittel find folgende: §. 1. Der häufige und andächtige Empfang der heil. Sakramente der Buße und des Altars. Dieses Gnadenmittel, recht angewendet, ist fräftiger, als alle andern zusammen. Was man nun thun muß, um diese 9 Univ.- Bibl. Giessen - 130 h. Sakramente würdig zu empfangen, das lehrt der Katechismus. Die folgenden Bemerkungen sollen nur auf einige Fehler aufmerksam machen, die sich leicht einschleichen könnten. — 1. Man kann das h. Bußsakrament nicht gültig empfangen, wenn man sich nicht über eine wirklich begangene Sünde anklagt und darüber vor der Beichte einen Akt wahrer, übernatürlicher Reue und den Vorsatz erweckt hat, gegen die begangenen Fehler mit allem Ernste zu kämpfen. Wer also nur über Unvollkommenheiten sich anklagt, oder die läßlichen Sünden, die er beichtet, nicht in besagter Weise bereuet, der beichtet ungültig, und das ist an sich eine schwere Sünde. Die Brüder und Schwestern müssen sich also hüten, aus der Beichte eine bloße Gewohnheitsübung zu machen, und darum hauptsächlich sich bestreben, das, was sie beichten, recht zu bereuen. Sie brauchen nicht ängstlich darüber zu sein, daß sie eine läßliche Sünde vielleicht nicht erkennen oder vergessen haben, denn das hindert nicht die Gültigkeit und den Nutzen der Beichte, wohl aber sollen sie, bevor sie in den Beichtstuhl treten, sich über ihre Reue und den Vorsatz ernstlich erforschen. Sind sie in Zweifel, ob sie über die kleineren Fehler, die sie nach der letzten Beichte begangen haben, genügende Neue haben, dann sollen sie die Neue über eine früther schon gebeichtete Sünde oder die gegen ein bestimmtes Gebot früher begangenen Sünden von neuem erwecken und auch darüber sich furz anklagen. Denn die reuige Anklage über eine auch schon gebeichtete und vergebene Sünde genügt, das h. Sakrament gültig und zum Heile der Seele zu empfangen. Ueberhaupt aber müssen sie im h. Bußsakramente nicht bloß Vergebung der schon begangenen Sünden, sondern auch das wirksame Mittel suchen, durch die Kraft der sakramentalen Gnade ihre Fehler für die Zukunft zu bessern. Sie sollen die Kraft des heil. Sakramentes besonders gegen ihre Lieblingsfehler und Hauptleidenschaften richten, darum jedesmal einen kräftigen Vorsatz gegen dieselben fassen und auch den Beichtvater bitten, ihnen die wirksamsten Mittel zur Besserung derselben anzugeben. 2. Da in dem heil. Bußsakramente Christus selbst durch seinen Diener die Sünden nachläßt und gleichsam sein kostbarstes Blut über die Seele ausgießt, um dieselbe zu reinigen und zu heiligen, so muß ihnen der Beichtstuhl eine überaus heilige, ja furchtbare Stätte sein. Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort wo du stehst, ist heilig," sprach der Herr zu Moses aus dem brennenden Dornbusche. Wo Christi Blut im Sakramente fließt, da ist mehr, als der brennende Dorn 131 busch. Ausziehen müssen sie also die Schuhe menschlicher Gefühle, Neigungen und Reden, wenn sie knien zu den Füßen Christi, der in und durch seinen Diener die Wunden ihrer Seele heilen will. Heilung und Leitung ihrer Seele sollen fie suchen im Beichtstuhle, nicht bloß menschlichen Trost, oder gar Unterhaltung und Befriedigung der Neugierde oder anderer natürlichen Neigungen. Deshalb müssen sie alle Schwätzereien und unnützen Reden im Beichtstühle meiden, -follen vielmehr dem Beichtvater mit kurzen Worten ihre Sünden bekennen, oder auch ihre Versuchungen und Leiden mittheilen, in der Absicht, Belehrungen und Rath von ihm zu erhalten. 10 Was sie dann im Beichtstuhle mit Christus verhandelt, was sie gesagt oder gehört haben, darüber sollen sie vor Andern das strengste Stillschweigen halten. Nur Menschen, die gar keine Ehrfurcht vor dem h. Sakramente haben und ibre unabgetödteten Leidenschaften bis an die heiligste Stätte bringen, können die Beichten zum Gegenstande ihrer geschwätzigen Unterhaltungen machen und gleichsam den Beichtstuhl aus der gottgeweihten Kirche auf den lärmenden Marktplatz tragen. 3. Uebrigens ist es von der größten Wichtigkeit, daß die Brüder und Schwestern sich der geistigen Leitung eines erfahrenen und frommen Beichtbaters unterwerfen. Sie sollen denselben ihre Sünden, Unvollkommenheiten, Versuchungen und Antriebe zum Guten aufrichtig mittheilen und seinen Ermahnungen und Zurechtweisungen kindlich folgen, gleich als wenn Christus durch ihn sie belehre oder tadle. Dabei müssen sie sich vor zwei Versuchungen hüten. Die erste ist diese, daß sie in den Augen ihres Beichtbaters besfer erscheinen wollen als sie sind; denn dies Stolz würde sie allmälig auf Abwege, oder gar zu ungültigen Beichten und unwürdigen Communionen bringen; die zweite ist, daß sie in ihrem Herzen eine bloß natürliche und finnliche Zuneigung gegen den Beichtvater aufkommen lassen und unterhalten. 4. Was die hh. Communionen betrifft, so hängt die Frucht derselben vorzugsweise von der Vorbereitung und Danksagung ab, weshalb die in der Erklärung der Regel gegebenen Bemerkungen von den Brüdern und Schwestern wohl zu beachten sind. Nicht Tröstungen und fühlbare Andacht soll man bei derselben suchen, sondern Nahrung der Seele, Stärke gegen die Versuchungen, Feuer der heiligen Liebe, innige 9* - 132 Vereinigung seines Willens mit dem göttlichen. Nach der h. Communion soll man sich Christo mit Leib und Seele hingeben, wie ja auch Christus sich uns mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit im heiligsten Sakrament hingibt; das heißt, man soll seinen Willen dem Heilande vollständig unterwerfen, man soll sich vornehmen, auch die fleinste Sünde aus Liebe zu Christus zu hassen und zu fliehen, und sich bereit erklären, alle Krankheiten, alle Verluste, alle Beschimpfungen, alle leiblichen und geistichen Lei-. den, die Gott über uns kommen läßt, anzunehmen, und mit seiner Gnade für Ihn zu tragen. §. 2. Die andächtige Anhörung der h. Messe. Unermeßlich und unerschöpflich sind die Gnadenschätze der h. Messe. Deshalb fordert auch die Regel im 13. Kapitel, daß alle Brüder und Schwestern derselben, wo möglich, täglich andächtig beiwohnen sollen. Außer dem, was in der Erklärung des 13. Kapitels hierüber gesagt ist, wird noch bemerkt, daß es sehr nützlich ist, bei der h. Messe das Leiden Christi zu betrachten, entweder in rein innerlichem Gebete, oder mit Hülfe eines Buches, welches eine Meßandacht mit Gebeten und Betrachtungen vom Leiden Christi enthält. §. 3. Das Gebet. a. Das mündliche Gebet. Jeder Christ weiß, daß die Gnade und Hülfe Gottes den Menschen nothwendig ist zur Seligkeit, und daß für die Erwachsenen nach Gottes Anordnung das Gebet nothwendig ist, um diese Gnade zu erlangen. Besonders nothwendig ist das Gebet in der Stunde der Versuchung. Wer dann nicht betet, der wird nicht lange frei von schwerer Sünde bleiben; deßhalb ermahnt der Heiland Alle: Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet."( Matth. 26, 41.) Außerdem müssen die Brüder und Schwestern mit besonderem Fleiße das Morgen-, Abend- und Ordensgebet berrichten. Sie sollen sich gewöhnen, zu einer bestimmten Stunde regelmäßig am Morgen aufzustehen und des Abends zur Ruhe zu gehen. Sobald sie des Morgens erwachen, müssen sie ihre ersten Gedanken zu Gott emporrichten und sich mit dem Zeichen des h. Kreuzes bezeichnen. Wenn sie aufgestanden und angekleidet sind, dann müssen sie nieder - 133 knieen und wenigstens ein kurzes Morgengebet verrichtet. In demselben soll man Gott anbeten und danken, die drei göttlichen Tugenden erwecken und sich der jungfräulichen Mutter, dem h. Schutzengel und den hh. Patronen empfehlen. Vor allem aber muß man einen festen Vorsatz fassen, nicht nur jede freiwillige Sünde zu meiden und namentlich gegen die Gewohnheitsfünden zu kämpfen, sondern auch mit allem Ernste in den christlichen Tugenden sich zu üben, besonders in jenen, ohne welche man in seinem Stande nicht vollkommen leben kann. Und zwar muß man Alles, was man den Tag über thun oder leiden wird, und Leib und Seele dem Herrn aufopfern, in der reinen Meinung, die göttliche Majestät damit zu ehren und Ihren Willen zu erfüllen. Beim Abendgebete müssen sie die Gewissenserforschung nicht versäumen und dabei hauptsächlich darauf achten, die Hauptneigungen und Lieblingsfehler zu erkennen und wahrhaft zu bereuen, mit einem festen Vorsatze, gegen diesen Feind ihrer Seele künftig sorgfältiger zu kämpfen. Wenn sie sich zur Ruhe begeben, so sollen sie der Gegenwart Gottes gedenken und sich bemühen, mit guten Gedanken einzuschlafen. Es ist auch sehr nützlich, die Akte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der Reue nochmals zu erwecken und dabei zu betheuern, in diesem Glauben und in dieser Liebe leben und sterben zu wollen, dann seine Seele dem lieben Gott zu empfehlen, als müsse man diese Nacht sterben, indem man dabei dreimal spricht: In deine Hände, o Herr, empfehle ich meine Seele;" endlich auch den 6. Bußpsalm: Aus der Tiefe rufe ich, o Herr, zu dir 2c. für die armen Seelen zu beten. Erwacht man des Nachts, so richte man gleich sein Herz mit einigen Seufzern oder Schußgebetlein zu Gott empor. Ueber das Ordensgebet ist das Nöthigste in der Erklärung des 8. Kapitels gesagt. Die Art und Weise, wie sie dasselbe zu Ehren des Leidens Christi beten können, ist enthalten in der 5. Abtheilung. b. Das innerliche oder betrachtende Gebet. Wollen wir uns nicht der Gefahr aussetzen, das münd= liche Gebet zu unterlassen, oder doch nachlässig und ohne Andacht zu verrichten, so müssen wir mit dem mündlichen Gebete das innerliche oder das betrachtende Gebet verbinden. Und aus diesem Grunde allein schon ist die Uebung des 134 betrachtenden Gebetes ein so nützliches und werthvolles Mittel, um in der Gnade zu beharren und in der Tugend zu wachsen. Das betrachtende Gebet ist aber auch ein Licht für unsern Geist und eine Flamme für unser Herz; ohne dasselbe wandelt man im Dunkeln und bleibt falt und gefühllos. Ja, es ist gar nicht möglich, daß der Geist und das Herz von den Wahrheiten des Glaubens erleuchtet, erwärmt und gestärkt werde, wenn der Mensch sich nicht innerlich mit diesen Wahrheiten beschäftigt, also eine Art innerlichen Gebetes übt. Wer Gott und göttliche Dinge nie erwägt und im Herzen verkostet, der hat keinen Sinn und Geschmack dafür, und bald wird seine Seele öde und wüste, wie der Prophet sagt:„ Das ganze Land ist öde und wüste, weil Niemand nachdenkt im Herzen."( Jer. 12, 11.) Wer dagegen das von Gott uns verliehene Pfund der ewigen Wahrheiten nicht müßig vergräbt, sondern benutzt und besonders die vier letzten Dinge und das Leiden Christi fleißig betrachtet, der wird schwerlich in eine Todsünde fallen und gewiß nicht in ihr beharren. Er wird entweder die Betrachtung, oder die Sünde aufgeben. Denn Sünde und betrachtendes Gebet vertragen sich nicht mit einander. ,, Denk an deine letzten Dinge und du wirst in Ewigkeit nicht fündigen."( Eccli. 7. 40.) - Das betrachtende Gebet kann auf verschiedene Weise geübt werden. Einige machen es so: sie verrichten die gleich unten angegebenen Vorbereitungsübungen und lesen dann etwas aus einem Betrachtungs- oder Gebetbuche. Dann schließen fie das Buch, denken über das Gelesene nach, wenden es auf sich an, fassen einen Vorsatz und reden mit Christus in ihrem Herzen, so gut und so lange sie es fönnen. Finden sie in dem Gelesenen keine Nahrung mehr, so öffnen sie das Buch von neuem und verfahren wieder in derselben Weise. So hat es die h. Theresia viele Jahre gemacht, bis Gott ihr die Gnade einer vollkommeneren, ja überaus erhabenen Gebetsweise gab. Die gewöhnliche Art der Betrachtung, welche die Geisteslehrer angeben, ist aber diese. Man liest schon vor der Betrachtung, ja wenn es geht, schon am Abende vorher die Betrachtungspunkte und denkt etwas darüber nach, wie man dieselben auf sich anwenden und welchen Nutzen man daraus ziehen könnte. Die Betrachtung selbst hält man an einem möglichst einsamen Orte, entweder in der Kirche, oder in seinem Zimmer 135 vor dem Crucifixe. Wer aber wegen Geschäfte feine freie Zeit hat, der kann auch selbst bei der Arbeit oder beim Gehen, zu Hause oder auf dem Felde, seinen Geist und sein Herz mit den ewigen Wahrheiten beschäftigen. Denn wer Gott von ganzem Herzen sucht, der findet Ihn auch überall und zu jeder Zeit. Man unterscheidet bei der Betrachtung drei Theile: die Vorbereitung, die Betrachtung selbst, und den Schluß. 1. Die Vorbereitung. Diese umfaßt drei Stücke. a) Erwecke knieend recht lebendig den Glauben an die Gegenwart Gottes. Erinnere dich, daß Gott dich nicht nur sieht, sondern daß Er dir näher ist, als das Kleid, das du trägst, daß Er in dir ist, daß du in Ihm lebst, und du vor seinem Throne stehst, wie der Knecht vor seinem Herrn, der Verbrecher vor seinem Richter, das Kind vor seinem Vater. Zugleich bete Shn an mit allen Chören der Engel und Heiligen. b) Erwecke recht innig einen Akt der Neue über deine Sünden. c) Flehe recht inständig um Erleuchtung des Verstandes und Anregung des Willens und rufe auch deine h. Patronen und deinen h. Schutzengel um ihre Fürbitte an. 2. Die eigentliche Betrachtung. Man fängt dieselbe damit an, sich kurz an das zu erinnern, was man ge= lesen hat. Dann denkt man über den Betrachtungspunkt mit dem Verstande nach; man erweckt einen Aft des Glaubens an die Wahrheit dieser Lehre und erwägt, wie nothwendig, wie erhaben und wie schön dieselbe ist, und was zu thun sie uns antreibt. Die Hauptsache ist aber, daß man dieselbe auf sich anwendet, oder was dasselbe ist, sein Leben mit den Anforderungen dieser Wahrheit vergleicht. Dies geschieht dadurch, daß man folgende Fragen an sich stellt und beantwortet: a) Wenn dies so ist, was muß ich dann thun? b) Wie habe ich in der Vergangenheit so schlecht danach gelebt? c) Wie schlecht auch jetzt noch? d) Was muß und will ich denn künftig thun? e) Wie muß ich es anfangen, daß es besser werde? f) Welche Hindernisse fliehen? g) Welche Mittel anwenden? Wer wenig hierüber nachdenken kann, der bitte statt dessen Gott, daß Er doch diese Wahrheit tief seiner Seele einpräge und ihm Gnade gebe, besser danach zu leben. Die Hauptsache beim innerlichen Gebete geschieht nämlich nicht - 136 mit dem Kopfe, sondern mit dem Herzen, d. h. mit Aften des Willens. Der Wille hat drei Dinge zu thun: a) Affekte, Anmuthungen oder Tugendakte zu erweden. Wenn der Geist nämlich die erhabenen Wahrheiten der Religion betrachtet und dann einen Blick auf sich felbst wirst, so entzündet dieser Blick im Herzen das Feuer verschiedener Anmuthungen. Die wichtigsten sind: Beschämung über unsere Undankbarkeit, Reue über unsere Sünden, Dank und Lob Gottes, Furcht, Demuth, Bewunderung, Hoffnung, Liebe und gänzliche Hingabe an Gott. b) Vorsätze der Besserung des Lebens zu fassen, und zwar solche Vorsätze, die für uns passen und die man gleich ausführen kann. Dieselben müssen hauptsächlich dahin gerichtet sein, daß man seine Standespflichten besser erfülle, sein Kreuz geduldiger trage, die gute Meinung und die Gegenwart Gottes eifriger erneuere, gegen die Versuchungen standhafter kämpfe, endlich daß man diesen oder jenen Fehler mit aller Sorgfalt verbessere, diese oder jene Tugend eifriger übe, gegen diese oder jene Person, die einem zuwider ist, besondere Sanftmuth und Liebe bezeige, in diesem oder jenem Punkte sich abtödte, diesen oder jenen Sinn sorgfältiger bewache, diese oder jene gefährliche Gelegenheit meide. c) Bitten Gott vorzutragen. Dies ist vielleicht, wie das Leichteste, so auch das Nützlichste bei der Betrachtung. Bitte um Licht, dich und Gott zu erkennen, bitte um wahre Reue und Verzeihung deiner Sünden, bitte um Beistand in deinen Versuchungen, um Besserung des Lebens, um Ausrottung dieses oder jenes Fehlers, um Vermehrung des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Demuth u. s. w., bitte besonders um eine selige Todesstunde und um die Gnade der endlichen Beharrlichkeit, bitte für dich, deine Angehörigen, die Kirche, die Sünder, die armen Seelen und für alle Menschen. Belebe diese Bitten, indem du Gott die Beweggründe, dich zu erhören, gleichsam vorhältst. Zeige Shm deine große Armuth und Noth und alle Wunden deiner Seele; mache es vor Ihm, wie es die Bettler vor ihren Wohlthätern machen, die oft ihr Elend sogar größer vorstellen, als es ist, um Mitleid zu erwecken. Zeige Ihm das Blut und die Wunden Christi und flehe, wie es die Kirche thut, durch Christum den Vater um Erbarmung an. Beschwöre Gott bei seinem Vaterherzen, bei seiner - 137 — Liebe und Güte, bei der Wahrheit seiner VerheiBungen, und hoffe nur feft: Wer anklopft, dem wird aufgethan;" sowie umgekehrt; Ihr erhaltet nicht, weil ihr nicht bittet."( Soh. 4, 2.) 3. Der Schluß. In demselben danke Gott für die bei der Betrachtung dir verliehenen Gnaden, opfere Ihm nochmals deine guten Vorsätze, und zu seinen Füßzen hingeworfen, rede Ihn mit kindlichem Herzen an und flehe, daß Er durch die heiligsten Namen Jesu und Maria deine Vorsätze segnen wolle. Endlich bete ein Vater unser und Gegrüßet seist du Maria. Zu bemerken ist noch, daß man nicht den Muth verlieren darf, wenn man von Dürre und Finsterniß und zerstreuenden Gedanken geplagt wird. Man unterlasse darum keineswegs die Betrachtung, noch kürze man sie ab; sondern ersetze durch Akte der Verdemüthigung und Ergebung und durch kurze Schußgebetlein das, was an fühlbarer Andacht mangelt. Ein solches Gebet in Finsterniß des Geistes, ist beschwerlich, aber Gott auch überaus wohlgefällig. Wer kein Betrachtungsbuch hat, kann sich aus dem Leiden Christi einige Punkte zur Betrachtung wählen, z. B. die vierzehn Stationen, die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes. Auch die Philothea des h. Franz von Sales, die Nachfolge Christi und vor allem die sonntäglichen Evangelien, enthalten den schönsten Stoff zum betrachtenden Gebete. Auch die in diesem Buche enthaltenen Regeln sammt der Erklärung, sowie das erste und zweite Kapitel dieser Abtheilung können zu demselben Zwecke dienen. §. 4. Die fromme Lesung erbaulicher Bücher. Der Acker muß mit gutem Samen besäet werden, auf daß er gute Früchte bringe, und das Herz muß den Samen göttlicher Wahrheiten aufnehmen, damit es reich werde an Frucht guter Gedanken und Entschlüsse. Durch Anhörung des göttlichen Wortes und Lesung guter Bücher empfängt der Herzensacker den himmlischen Samen. Wer also die nöthige Zeit hat, der versäume nicht, täglich wenigstens eine Viertelstunde der Lesung frommer Bücher zu widmen. Man soll aber diese Lesung nicht aus Neugierde vornehmen, sondern in der Absicht, den Geist zu belehren und das Herz zum Guten anzuregen. Auch nützt es wenig, viele Bücher und hastig zu lesen; man lese lieber wenig mit Bedacht und mit - 138 Anwendung des Gelesenen auf sich. Auch erhebe man vor und bei dem Lesen das Herz zu Gott, daß Er das nöthige Licht mittheile, die göttlichen Dinge immer besser zu erkennen. Unter den Erbauungsbüchern sind besonders zu empfehlen: die Nachfolge Christi des gottseligen Thomas von Kempen, der geistliche Kampf von Scupuli, die Philothea und die übrigen Schriften des h. Franz von Sales, die Schriften des h. Liguori, de8 gottseligen Ludwig von Granada und des ehrwürdigen Blosius. Ueberaus erbaulich, belehrend und anregend sind auch die Lebensbeschreibungen.der Heiligen. Viertes Kapitel. Welche Ablässe dem dritten Orden verliehen sind. Die Kirche hat von Christus die Gewalt bekommen, Ablässe zu ertheilen, d. h. aus dem Schatze der Genugthuung Christi und seiner Heiligen den Nachlaß auch der zeitlichen Sündenstrafen zu gewähren. Sie fordert freilich alle ihre Kinder auf, durch würdige Früchte der Buße die Strafen, welche nach Vergebung der Schuld noch übrig bleiben, selbst abzutragen; da sie aber weiß, daß dieses den wenigsten Christen vollständig gelingt, so ersetzt sie im Namen Christi, oder wie der Apostel Paulus( II. Cor. 2. 10.) sagt: in der Person Christi," aus ihrem Schatze von Genugthuungen das, was der gute, aber schwache Wille ihrer Kinder nicht genug abbüßen kann. Die Ablässe können meistens auch den armen Seelen zu-= gewendet werden. Die Kirche opfert dann Gott den Schatz der Genugthuung Christi und der Heiligen auf, mit der Bitte, die Leiden der armen Seelen zu lindern. Nächst dem h. Meßopfer ist nichts so kräftig, den armen Seelen Erleichterung zu verschaffen und ihre Peinen abzukürzen, als die Ablässe der H. Kirche. Und da die Leiden dieser Gott so theueren Seelen unaussprechlich sind, so ist es ein überaus verdienstliches und Gott wohlgefälliges Liebeswert, den armen Seelen hülfreich die Hand zu reichen und recht viele Abläsſe und andere gute Werke für sie aufzuopfern. Um einen Ablaß, sei er vollkommen oder unvollkommen, zu gewinnen, muß man — 139 1 1. im Stande der heiligmachenden Gnade, d. h. zum mindesten frei von jeder schweren Sünde sein. Denn so lange die Schuld der Todsünde in der Seele ist, läßt Gott weder die ewige noch die zeitliche Strafe nach. Noch mehr. Selbst eine läßliche Sünde, an der unser Wille mit unordentlicher Neigung hängt, ist ein Hinderniß, den vollkommenen Ablaß auch vollkommen zu gewinnen, d. h. die läßliche Sünde macht, daß nicht die ganze zeitliche Strafe, die auf uns lastet, nachgelassen werde. Der gerechte Gott hat es nämlich so geordnet, daß nur insoweit die Strafe nachgelassen wird, als der Sünder die. Schuld wahrhaft verabscheut und tilgt. Damit ist nun nicht gesagt, daß die Anhänglichkeit an eine läßliche Sünde jede Gewinnung des vollkommenen Ablasses verhindere; man wird denselben aber nur unvollkommen, das heißt, theilweise, gewinnen können; wenigstens wird für die nicht bereute Sünde auch die zeitliche Strafe nicht nachgelassen werden. 2. Man muß die Werke, welche zur Gewinnung des Ablasses vorgeschrieben sind, pünktlich verrichten. Zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses ist in der Regel vorgeschrieben der würdige Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares in einer beliebigen Kirche und die Verrichtung der Ablaßgebete in der Kirche, wo der Ablaß zu gewinnen ist. Die Ablaßgebete verrichtet man in der Meinung der Kirche, nämlich für die Erhöhung der Kirche, die Ausrottung der Ketzereien und für den Frieden und die Einigkeit unter den christlichen Fürsten. Bestimmte Gebete find dabei nicht vorgeschrieben, und die gewöhnliche Meinung ist, daß 5 Vater unser, andächtig gebetet, genügen. Zu bemerken ist, daß die Personen, welche alle Woche zu beichten pflegen, mit dieser einen Beichte alle Ablässe, welche in die Woche fallen, gewinnen können, wenn sie nur die übrigen Bedingungen bei jedem einzelnen vollkommenen Ablaß erfüllen. Die Päpste haben nun den Mitgliedern des dritten Ordens außerordentlich viele Ablässe verliehen, die vollständig aufzuzählen kaum möglich ist. Pius IX. hat nämlich alle, die Ablässe, Privilegien und Communicationen," welche Papst Benedikt XIII. in der Constitution: Paterna Sedis vom 10. Dezember 1725, so wie in der andern: Singularis devotio vom 5. Juli 1726 den Tertiarien gewährt hatte, und die von den folgenden Päpsten Clemens XII. und Benedikt XIV. wieder waren - 140 aufgehoben worden, durch wiederholte Erlasse von neuem gegeben. So in dem Breve: Supremi Apostolatus officium, 7. Juli 1848 und in dem Defrete: ,, Ord. Min. Observ." vom 14. April 1856 cf. Decreta authentica S. C. J. von Prinzivalli. Romae 1862 pag. 574. Nun hatte aber Benedikt XIII. in den genannten Constitutionen alle von früheren Päpsten dem dritten Orden verliehenen Gnaden und Abläſse, mochten sie demselben gegeben sein entweder direkt oder durch Communication mit andern Orden, entweder vor oder nach Paul V.( der viele Ablässe cassirt hatte)- wieder approbirt, bestätigt und von neuem verliehen, wobei er namentlich alle von Clemens V., Sixtus IV., Leo X., Clemens VII., Paul V., Innocenz XI. und XII. den Tertiariern bewilligten Erlasse anführt. So haben die Tertiarier, mögen sie nun in der Welt ohne Gelübde leben, oder in Klöstern und Congregationen ein gemeinsames Leben führen, nicht bloß alle die Ablässe, welche ihnen unmittelbar verliehen sind, sondern auch alle diejenigen, welche dem ersten und zweiten Orden des h. Franciscus, dem der Dominikaner, Augustinianer, Carmeliten und andern Mendikanten, so wie den Erzbruderschaften vom Strickgürtel des b. Franciscus und der Gonfaloniere zu Rom eigen sind. ( Benedift XIII. Const. Paterna Sedis Apost.) Und nach Clemens VII( Ad uberes. 6. März 1526.) haben auch die Häuser, Klöster und Kirchen aller Tertiarier alle Privilegien und Ablässe des ersten und zweiten Ordens und aller Mendikanten, welcher Art sie auch seien und zwar vollständig ( non solum ad instar, sed aeque principaliter absque ulla penitus differentia.) Doch haben sie nicht Antheil an den Ablässen der Bruderschaften mit Ausnahme der beiden oben genannten. Man hat die vielen Ablässe des dritten Ordens in mehreren Verzeichnissen zusammengestellt, die von der Congregation der Ablässe zu Rom approbirt sind. Wir legen das zuletzt ( am 27. October 1862) als authentisch erklärte der folgenden Zusammenstellung zu Grunde. Dieses Verzeichniß findet man veröffentlicht in der französischen Erklärung der Regel von P. Léon Bolbec 1865 und in dem gründlichen Werke: Regula tertii Ordinis des P. Antonius a Cipressa, Romae 1865. Der letztgenannte Verfasser weiset aber nach, daß von den 47 vollkommenen Ablässen, die Pius IX. verliehen und die in dem Verzeichniß angeführt werden, 23 bloß auf 10 Jahre, nämlich bis zum Jahre 1868 gegeben sind, und daß es zweifel- - - 141 haft ist, ob die andern 24 für ewige Zeiten verliehen sind.- Um nun nicht in Gefahr zu kommen, zweifelhafte Abläsſe als sichere zu verbreiten, haben wir diese in dem folgenden Verzeichnisse( n. B.) gar nicht angeführt, so wie noch einige andere, die nach den Bemerkungen desselben Schriftstellers zweifelhaft scheinen konnten. Der leichtern Uebersicht wegen sind fast alle Citate ausgelassen; man findet dieselben ausführlich in dem Werke des P. Antonius a Cipressa. Auch ist aus demselben Grunde hie und da die Reihenfolge etwas verändert. A. Vollkommene Ablässe, die den Personen des dritten Ordens verliehen sind, wenn sie die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllen: 1. Am Tage der Einkleidung, wenn sie die h. Sakramente der Buße und des Altars empfangen und in irgend einer Kirche nach der Meinung des h. Vaters beten. 2. Am Tage der Profeßablegung unter denselben Bedingungen. 3. Am 25. und 50. Jahrestage der Profeßablegung unter denselben Bedingungen. 4. So oft sie den Rosenkranz unseres Herrn beten. Dieser besteht aus 33 Vater unser mit Gegrüßet seist du Maria zur Erinnerung an die 33 Jahre, die Christus auf Erden gewesen ist. Wer durch Krankheit oder Alter verhindert wird, diesen Rosenkranz zu beten, kann diesen und die beiden folgenden Ablässe gewinnen, wenn er irgend einen Psalm oder Kirchengesang zu Ehren Christi oder seiner h. Mutter betet. 5. So oft sie den Rosenkranz von den 7 Freuden Marias beten. Dieser Rosenkranz besteht aus sieben Gesetzen, also aus sieben Vater unser und Ehre sei dem Vater und siebenzig Ave Maria. Vorher betet man den Glauben, das Vater unser und Ave Maria für den Papst und fügt noch zwei andere Ave Maria hinzu. Die sieben Geheimnisse der Freuden Maria's sind folgende: 1. Die Freude der allerfeligsten Jungfrau bei der Verkündigung; 2. bei der Heimsuchung Elisabeth's; 3. bei der Geburt des göttlichen Sohnes; 4. bei der Anbetung der h. drei Könige; 5. bei der Wiederfindung Jesu im Tempel; 6. bei der glorreichen Auferstehung; 7. bei der Himmelfahrt und Krönung der allerfeligsten Jungfrau als Königin des Himmels. Es ist nicht nöthig diese Geheim - - 142 nisse grade in bestimmten Worten auszudrücken, oder bei allen zehn Ave Maria zu wiederholen. Man kann entweder vor dem Vater unser jedes Gesetz sagen: mit Dank gegen Gott erinnere ich mich der Freuden, die du, allerfeligste Jungfrau Maria, bei der Empfängniß deines Sohnes( bei der Heimsuchung, Geburt u. s. w.) empfunden haft;" oder bei jedem Ave Maria eine der sieben Freuden erwähnen. Die Formeln wären dann folgende: I. Den du Jungfrau vom h. Geiste empfangen hast; Il. Den du Jungfrau bei der Heimsuchung zu Elisabeth getragen haft; III. Den du Jungfrau geboren hast; IV. Den du Jungfrau den h. drei Königen zur Anbetung dargereicht hast; V. Den du im Tempel wiedergefunden hast; VI. Den du Jungfrau bei seiner Auferstehung wiedergesehen haft; VII. Der dich Jungfrau in den Himmel aufgenommen und als Königin des Himmels gekrönt hat. Zur Gewinnung dieses Ablasses ist nicht erforderlich, daß man einen besonders geweihten Rosenkranz habe oder die h. Sakramente empfange. Dieser Ablaß gilt aber nur für die Mitglieder der Orden des h. Franciscus. 6. So oft sie das Todtenofficium, oder die 7 Bußpsalmen oder die 15 Gradualpsalmen für die Verstorbenen beten. 7. Wenn sie fünf Gesetze des gewöhnlichen Rosenkranzes und dazu fünf Vater unser, Gegrüßet seist du Maria, und Ehre sei dem Vater vor dem h. Sakramente, oder im Falle sie das nicht können, an jedem beliebigen Orte vor einem Crucifire andächtig beten, können sie einmal im Tage einen vollkommenen Ablaß gewinnen und ihn auch den armen Seelen bittweise zuwenden. 8. Wenn sie im Stande der Gnade 6 Vater unser, Gegrüßet seist du Maria, und Ehre sei dem Vater nach der Meinung des h. Vaters und für das Gedeihen der Kirche beten, fönnen sie die vollkommenen und unvollkomm= nen Ablässe aller Kirchen und heiligen Orte von Rom, Jerusalem, Portiuncula und Compostella gewinnen ohne weitere Bedingungen und zwar an jedem Orte und so oft im Tage, als sie diese Gebete verrichten. Diese überaus zahlreichen Ablässe, darunter viele bollkommene kann man den armen Seelen zuwenden( cf. Prinzivalli. Decreta authentica: Append. pag. 92.) 9. Wer in den Kirchen des Ordens oder der Versammlung 6 Bater unser, Ave Maria, sammt Ehre sei dem Bater nach der Meinung des Papstes betet, fann an den im römischen Missale angegebenen Tagen des Monats die über 143 aus zahlreichen Ablässe der sogenannten Römischen Stationen gewinnen. Diese Ablässe sind nach Maurel( No. 93) folgende: Am 1. Januar, dem Feste der Beschneidung des Herrn: Ablaß von 30 Jahren und 30 Quadragenen. Am 6. Januar, Erscheinung des Herrn: Ablaß von 30 Jahren und 30 Quadragenen. An den Sonntagen Septuagesima, Sexagefima, Quinquagesima: 30 Jahre und 30 Quadragenen. Am Aschermittwoch und vierten Sonntag in der Fastenzeit: 15 Jahre und 15 Quadragenen. Ablaß Am Palmsonntage: 25 Jahre und 25 Quadragenen. Am grünen Donnerstage: vollkommener unter der Bedingung der Beichte und Communion. Am Charfreitage und Charsamstage: 30 Jahre und 30 Quadragenen. An allen andern Sonn- und Wochentagen der Fastenzeit: 10 Jahre und 10 Quadragenen. Am Ostersonntage: Vollkommener Ablaß.( Beicht und Communion.) Am zweiten und dritten Ofterfeiertage und an allen Tagen der Octav, den Sonntag Quasi modo mit einbegriffen: 30 Jahre und 30 Quadragenen. Am 25. April, dem Feste des h. Evangelisten Markus: Desgleichen. An den drei Bitttagen: Desgleichen. Auf Christi Himmelfahrt: Vollkommener Ablaß. ( Beicht und Communion.) Am Vorabende vor Pfingsten: 10 Jahre und 10 Quadragenen. Am Pfingstsonntage und an allen Tagen der Octav: 30 Jahre und 30 Quadragenen. An den drei Quatembertagen des September, Mittwoch, Freitag und Samstag: 10 Jahre und 10 Quadragenen. Am ersten, zweiten und vierten Sonntag im Advent: 10 Jahre und 10 Quadragenen. Am dritten Sonntage: 15 Jahre und 15 Quadragenen. An den Quatembertagen im Dezember: 10 Jahre und 10 Quadragenen. Am Vorabende von Weihnachten, in der h. Nacht und bei der zweiten h. Messe: 15 Jahre und 15 Quadragenen. Am Weihnachtstage: Vollkommener Ablaß.( Beicht und Communion.) — 144 Am 26. Dezember, dem Feste des heiligen Stephanus: 30 Jahre und 30 Quadragenen. Am 27. Dezember, dem Feste des heiligen Evangelisten Johannes: Desgleichen. Am 28. Dezember, dem Feste der unschuldigen Kinder: Desgleichen. 10. An allen Sonn- und Festtagen des Herrn und der h. Jungfrau Maria können sie einen vollkommnen Ablaß für die Verstorbenen gewinnen, wenn sie die h. Sakramente der Buße und des Altars empfangen und in einer Kirche die Ablaßgebete verrichten. 11. Jedesmal, wenn sie die h. Communion würdig empfangen und die Ablaßgebete verrichten. 12. Wer täglich eine halbe Stunde, oder wenigstens eine Viertelstunde dem betrachtenden Gebete widmet, kann alle Monate einen vollkommnen Ablaß gewinnen an dem Tage, wo er die h. Sakramente empfängt und in einer Kirche das Ablaßgebet verrichtet. 13. Denselben Ablaß können sie unter denselben Bedingungen gewinnen, an dem Tage, wo sie der monatlichen Versammlung beiwohnen, oder falls sie hieran verhindert find, das Uebrige thun, was sie können. 14. Wer von ihnen acht Tage die geistlichen Uebungen hält und die h. Sakramente empfängt, hat einen vollkommnen Ablaß. 15. Ebenso die Priester des dritten Ordens an dem Tage, wo sie die erste h. Messe lesen, und auch die Tertiarier, welche derselben beiwohnen und communiziren. 16. Desgleichen am Titularfeste jeder Kirche oder Kapelle der drei Orden, wenn sie die h. Saframente empfangen und daselbst die Ablaßgebete verrichten. 17. Vollkommener Ablaß in der Sterbestunde, wenn sie den h. Namen Jesu mit Mund und Herzen, oder wenigstens im Herzen, falls sie es mit dem Munde nicht mehr können, reumüthig anrufen. 18. In der Todesstunde können sie auch durch Empfang der Generalabsolution von einem dazu bevollmächtigten Priester vollkommnen Ablaß gewinnen. 19. Ebenso wenn sie sterbend das Ordenskleid tragen, oder wenigstens auf dem Bette haben und begehren, damit begraben zu werden. Selbst Solche, die dem Orden nicht angehören, können unter derselben Bedingung den Ablaß gewinnen. - 145 — 20. Die Priester des dritten Ordens, welche eine H. Meffe celebriren für ihre verstorbenen Eltern oder Verwandten oder für ein Mitglied des dritten Ordens, können der Seele einen vollkommnen Ablaß fürbittweise zuwenden und sie, wenn es Gott gefällt, aus dem Fegfeuer erlösen. 21. Viermal im Jahre an einem beliebigen Tage können fie die Generalabsolution mit dem päpstlichen Se- Außergen von einem bevollmächtigten Priester empfangen. dem noch einmal im Leben und einmal auf dem Todesbette. - - 22. Auch können sie die Generalabsolution ohne päpstlichen Segen noch an 26 verschiedenen Tagen des Jahres privatim bei der Beichte empfangen: nämlich an den sieben Hauptfesten sowohl des Herrn als seiner h. Mutter und an den Festen der Apostel Petrus und Paulus, des h. Vaters Franciscus, der h. Clara, der h. Jungfrau und Martyrin Catharina. Aller Heiligen und an allen Tagen der Charwoche ( wie dies in dem unter B folgenden Verzeichniß angemerkt ist). Anmerkung über die Generalabsolution. Die Generalabsolution ist keineswegs eine sakramentale Lossprechung von der Schuld gebeichteter oder nicht gebeichteter Sünden, sondern sie ist die Lossprechung von zeitlichen Strafen der Sünden. Zunächst ist sie die Lossprechung von gewissen ( geheimen) Kirchenstrafen, nämlich der Ercommunikation, Suspension, Irregularität, Interdikt, und in sofern sie im Beichtstuhle ertheilt wird, ist sie, wie Viele lehren, verbunden mit der Vollmacht, von den meisten vorbehaltenen Sünden loszusprechen; dann enthält sie auch die Lossprechung von der Uebertretung der Ordensregel und Unterlassung der Bußen und Tageszeiten, insoweit nämlich ein Ordensoberer außerhalb des Bußsakramentes davon lossprechen kann. Endlich enthält die Generalabsolution, wenn sie vollkommen ist, die Lossprechung des reumüthigen Sünders von aller zeitlichen Strafe, die er Gott für die schon vergebene Schuld noch abzutragen hat oder was dasselbe ist, sie ist mit einem vollkommnen Ablaß verbunden. Das ist ohne Zweifel der Fall bei den n. 21 angeführten Absolutionen. Ob aber alle unter n. 22 genannten Absolutionen mit einem vollkommnen Ablaß verbunden sind, darüber sind schon lange verschiedene Meinungen aufgestellt.- Nach einer Erklärung der h. Congregation vom 12. März 1855 haben die von Leo X. gewährten Abfolutionen noch Geltung mit Ausnahme des vollkommnen Ablasses für die Lebenden." Ob nun alle noch 10 - - 146 - die vollkommnen Ablässe für die Verstorbenen haben, wie Ferraris( v. Jndulg. Art. V. n. 69) und Viele andere meinen, fönnen wir nicht entscheiden; der genannte P. Antonius a Cipressa spricht sich entschieden dagegen aus.( Regula pag. 167 u. 168. nota.) B. Vollkommene Ablässe, welche den Kirchen der drei Orden des h. Franciscus verliehen sind. Vorbemerkung. An den Orten, wo sich keine Kirche oder Kapelle eines der drei Orden des h. Franciscus findet, fönnen die Tertiarier durch den Besuch jeder beliebigen Kirche oder öffentlichen Kapelle, dieselben Ablässe gewinnen, welche den Ordenskirchen verliehen sind.( Pius IX. Exponendum curavit. 4. August 1857.) Ferner können Diejenigen, welche wegen Krankheit oder wegen anderer rechtmäßigen Verhinderung gar keine Kirche besuchen können, alle Ablässe gewinnen, wenn sie nur die anderen vorgeschriebenen Werke verrichten.( Elemens XIV. In iis 11. December 1772 cf. Antonius a Cipressa. Regula tertii Ordinis pag. 162.) Diejenigen Tage, an welchen auch dem Orden nicht Angehörige in unsern Franciscanerkirchen einen vollkommnen Ablaß gewinnen können, sind mit einem † bezeichnet. Im Januar. Den 1. Beschneidung unsers Herrn Jesu Christi. Generalabsolution.( Siehe Anmerkung S. 145.) - Den 6. Die Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi. Generalabsolution. Am zweiten Sonntag nach Epiphanie( Pius VI. 27. Juni 1781. cf. Antonius a Cipressa pag. 179.)- Den 16. † Der h. Berardus und seine Gefährten, die ersten Marthrer des Seraphischen Ordens. Den 30. Die h. Hyacintha Mariscotti, Jungfrau aus dem 3. Orden.- Den 31. † Die sel. Ludovica Albertoni, Wittwe aus dem 3. Orden. - Februar. Den 1. Der fel. Andreas aus dem gräflichen Geschlecht von Segni, Bekenner des 1. Ordens.— Den 2. Mariä Lichtmeß. Generalabsolution.- Den 4. Der h. Joseph von Leonissa, Bekenner des Kapuziner- Ordens. Den 5. † Der h. Petrus Baptista und seine Gefährten, aus dem 1. und 3. Orden, Martyrer von Japan.- Den 22.+ Die h. Margaretha von Cortona, Büßerin aus dem 3. Orden. März. Den 5.+ Der h. Johannes Joseph vom Kreuze, Bekenner des 1. Ordens.- Den 6.+ Die h. Coleta, Jung- - - frau aus dem 2. Orden. Den 9.+ Die h. Catharina von Bologna, Jungfrau aus dem 2. Orden.- Den 25. Den 30. Die Mariä Verkündigung. Generalabsolution. sel. Angela von Foligno, Wittwe aus dem 3. Orden. April. Den 3. Der h. Benedictus von St. Philadelpho, Befenner des 1. Ordens.- Den 4. Der h. Isidorus, Bischof und Kirchenlehrer( Pius VII. 17. November 1807.)- Den 16. Der h. Erzengel Raphael. Vollkommner Ablaß für alle Tertiarier, welche ihr Gelübde erneuern und die h. Saframente empfangen.- Den 17. Der h. Fidelis von Sigmaringen, Betenner des Kapuziner- Ordens. - Mai. Den 3. † Kreuzerfindung( nur für die Klöster der Sächsischen Ordensprovinz vom h. Kreuze).- Den 13.+ Der h. Petrus Regalatus, Bekenner des 1. Ordens. Den 17.+ - Den Der h. Paschalis Baylon, Bekenner des 1. Drdens. 18. Der h. Felix von Cantalizio, Bekenner des KapuzinerOrdens. Den 20.+ Der h. Bernardinus von Siena, Befenner des 1. Ordens. Den 23. Der sel. Crispinus vont Viterbo, Betenner des Kapuziner- Ordens. Juni. Den 13.+ Der h. Antonius von Padua, Bekenner des 1. Orden8. Den 19.+ Die sel. Michelina, Wittwe aus dem 3. Orden.- 29. Die hh. Apostel Petrus und Paulus. Generalabsolution. Juli. Den 2. Mariä Heimsuchung, Generalabsolution. Den 7. Der sel. Laurentius von Brindisi, Bekenner des Kapuziner- Ordens.- Den 9.+ Der h. Nicolaus und seine Gefährten, Märtyrer von Gorcum des 1. Ordens. Den 14. Der h. Bonaventura, Bekenner und Kirchenlehrer des 1. Ordens.- Den 24. † Der h. Franciscus Solanus, Betenner des 1. Ordens. August. Den 2.+ Einweihung der Kirche unserer lieben Frau von den Engeln, oder Portiuncula. Wer die h. Sakramente empfangen hat, kann an diesem Tage so oft einen vollkommnen Ablaß gewinnen, als er die Kirche besucht und etwas nach der Meinung der Kirche betet. - 147 — - - - - — - Den 12. t Die h. Clara, Jungfrau und erste Abtiffin des 2. Ordens. Den 15, Mariä Himmelfahrt. Generalabsolution. - Den 16. Der h. Rochus, Bekenner des 3. Ordens.( Pius VI. 10. März 1781.)- Den 19. † Der h. Ludovicus, Bischof von Toulouse, des 1. Ordens.- Den 25. † Der h. Ludovicus, König von Frankreich, Bekenner und besonderer Patron der Brüder des 3. Ordens. 10* September. Den 4. † Die h. Nosa von Viterbo, Jungfrau aus dem 3. Orden.-- Den 8. Mariä Geburt. Generalabsolution.-Den 11. Der fel. Bernardus von Ophida, Betenner des Kapuziner- Ordens.- Den 14.+ Kreuzerhöhung ( nur für die Klöster der Sächsischen Ordensprovinz.)- Den 17.+ Die Gedächtnißfeier der Eindrückung der Wundmale des h. Franciscus.- Den 18. Der h. Joseph von Cupertino, Bekenner des 1. Ordens( Conventual).- Den 24. † Der h. Pacificus von St. Severino, Bekenner des 1. Ordens. - - October. Den 4. † Der h. Vater Franciscus, Bekenner, Stifter dreier Orden. Generalabſolution.- Den 5. Die Commemoration der verstorbenen Brüder und Schwestern der drei Orden.( Pius IX. 30. September 1852.)- Den 6. † Die h. Francisca von den 5 Wunden, Jungfrau aus dem 3.Orden. Den 12. Der h. Seraphinus von Monte Granario, Betenner des Kapuziner- Ordens.- Den 13.+ Der h. Daniel und seine Gefährten, Martyrer des 1. Ordens.- Den 19. Der h. Petrus von Alkantara, Bekenner des 1. Ordens.- Den 23. † Der h. Johannes von Capistrano, Befenner des 1. Ordens.- Den 26. Der sel. Bonaventura von Potenza, des 1. Ordens( Conventual). Den 30. Der fel. Angelus von Acrio, Bekenner des Kapuziner- Ordens. November. Den 1. Das Fest aller Heiligen. Generalabfolution. Den 12. Der h. Didacus, Befenner des 1. Ordens. Den 19. † Die h. Elisabeth von Ungarn, Wittwe und besondere Patronin der Schwestern des 3. Ordens. Den 21. Mariä Opferung. Generalabsolution.- Den 26. † Der h. Leonardus von Porto Maurizio, Bekenner des 1. Ordens. Den 28. Der h. Jakobus von der Mart, Bekenner des 1. Ordens. Den 29. † Das Fest Aller Heiligen der drei Orden des h. Franciscus. - - 148 - - December. Den 8.+ Das Fest der unbefleckten Empfängniß der Allerh. Jungfrau Maria, Patronin des ganzen Seraphischen Ordens.( Siehe auch unter C. n. 11.)- Den 25. Die Geburt unsers Herrn Jesu Christi. Generalabsolution.( Vergleiche unter C. n. 12.) Außerdem sind noch folgende Ablässe zu beachten: 1. An allen Dienstagen des ganzen Jahres kann man in den Kloster Kirchen der Sächsischen Ordensprovinz einen vollkommenen Ablaß gewinnen, wenn man die h. Satramente empfängt und vor dem ausgesetzten hochwürdigsten Gute sechs Vater unser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater 149 — nebst dem Glauben nach der Meinung der Kirche betet.( Clemens XIII., Breve vom 28. März 1763.) 2. Wer andächtig den Kreuzweg hält, wo immer derselbe kanonisch errichtet ist, kann alle Ablässe gewinnen, die den Gläubigen, welche persönlich die heiligen Orte von Jerusalem besuchen, verliehen sind; dieselben können auch den Verstorbenen zugewendet werden. Diese Ablässe sind sehr zahlreich, theils vollkommene, theils unvollkommene.( Innocenz XI., Snnocenz XII., Benedict XIII., Clemens XII., Benedict XIV.) Es wird weiter nichts erfordert, als daß man im Stande der Gnade ist, und daß man, von einer Station zur andern gehend, eine kurze Zeit andächtig das betreffende Geheimniß des Leidens Christi betrachtet oder wenigstens mit andächtigem Hinblick auf den leidenden Heiland bei jeder Station etwas betet. C. Die vorzüglichsten unvollkommnen Ablässe. 1. Vierzig Tage für den Besuch des Allerh. Sakramentes. 2. Hundert Tage für den, der eine Viertelstunde dem betrachtenden Gebete obliegt. 3. Hundert Tage für den, der dem göttlichen Officium oder der h. Messe in den Ordenskirchen beiwohnt. 4. Hundert Tage, wenn man den Versammlungen der Tertiarier beiwohnt. 5. Denselben Ablaß gewinnt man, wenn man öffentlichen Processionen beiwohnt oder das h. Sakrament zu den Kranken begleitet. 6. Ebenso, wer Arme beherbergt, Streitende versöhnt, Verirrte auf den Weg des Heils zurückführt, Unwissende in der Religion unterrichtet oder was immer für ein Werk der Liebe und Barmherzigkeit übt- besonders Kranke besucht, oder Andere den Katechismus lehrt. 7. Fünfhundert sechszig Tage, wenn man bei den monatlichen Versammlungen der Erklärung der Regel beiwohnt. 8. Sieben Jahre und eben so viele Quadragenen an den Festen der Wundmale des h. Vaters Franciscus, des h. Königs Ludwig, der h. Elisabeth von Portugal, der h. Margaretha von Cortona und noch an andern 12 Tagen des Jahres, die von den Obern bezeichnet werden, wenn man die h. Sakramente empfängt und in einer Kirche nach der Meinung des Papstes betet. — - 150 9. Alle Christgläubigen, die in den Ordenskirchen an dent Festen Frohnleichnam und Unbeflecte Empfängniß und während der beiden Octaven dem Chorgebet und der h. Messe beiwohnen, können, wenn sie gebeichtet haben, folgende Ablässe gewinnen. Am Festtage: 400 Tage für die Metten, ebensoviel für die h. Messe und auch für die Vespern; für die h. Communion 200 Tage; für jede kleine Tageszeit 160 Tage; - während der Octav für die genannten Uebungen 200 Tage. 10. An allen Freitagen der Fasten, 7 Jahre und 7 Quadragenen und an einem derselben vollkommenen Ablaß, wenn sie beichten, die h. Communion empfangen und eine Kirche besuchen und dort die Ablaßgebete verrichten. 11. Wer den neuntägigen Andachten vor den Festen der Unbefleckten Empfängniß, des h. Vaters Franciscus, und des h. Antonius beiwohnt, fann täglich 100 Tage Ablaß gewinnen und an einem der 9 Tage vollkommnen Ablaß, wenn er die h. Saframente empfängt und die Ablaßgebete verrichtet. 12. Sieben Jahre und sieben Quadragenen an jedem Tage der neuntägigen Vorbereitung auf das h. Weihnachtsfest, außerdem noch ein vollkommener Ablaß an dem ersten und letzten Tage der Novene. - Das unerschöpfliche Gnadenmeer der Abläffe, die dem dritten Orden verliehen sind, soll die Mitglieder aneifern, nach immer größerer Reinheit des Herzens zu streben, und die zur Gewinnung der Ablässe vorgeschriebenen guten Werke fleißig zu verrichten, damit sie sowohl ihre eigenen Schulden noch in diesem Leben abtragen, als auch den armen Seelen im Reinigungsorte zu Hülfe kommen. Und da sie außer den genannten Ablässen noch viele andere gewinnen können, die theils den Ordensleuten theils allen Christgläubigen verliehen sind fo.ist es rathsam, daß sie jeden Morgen bei ihrem Gebete die Meinung machen, alle die Ablässe zu gewinnen, die an die guten Werke geknüpft sind, welche sie im Tage verrichten werden. Vierte Abtheilung. Die Heiligen und Seligen der drei Orden des h. Franciscus. Nach dem Sprachgebrauche der Kirche unterscheidet man zwischen Heiligen und Seligen. Heilige nennt man diejenigen, deren öffentliche Verehrung von der Kirche allen Gläubigen nicht nur gestattet, sondern empfohlen und im firchlichen Gottesdienste nach Umständen sogar vorgeschrieben ist. Selige nennt man diejenigen, deren öffentliche Verehrung nur in einem Theile der Kirche, z. B. in einem einzelnen Bisthum oder Orden gestattet ist. So hat auch der dritte Orden außer den Heiligen viele Selige, deren Fest im Breviergebete und bei der h. Messe nur im Orden des heil. Franciscus und meistens auch in dem Bisthum, wo sie geboren und gestorben sind, gefeiert wird. Außer diesen Dienern Gottes, für deren heiliges Leben und seliges Ende wir ein ausdrückliches Zeugniß der Kirche haben, sind noch viele Mitglieder des dritten Ordens im Rufe der Heiligkeit gestorben und haben an den Orten, wo sie lebten, eine uralte und noch fortdauernde öffentliche Verehrung gehabt, die von den Bischöfen der Diöcese gutgeheißen ist. Der h. Stuhl hat diese lokale Verehrung entweder geduldet, oder auch wohl ausdrücklich gutgeheißen, aber noch nicht für den ganzen Orden des h. Franciscus erlaubt und approbirt. Damit nun das Andenken an diese großen Diener Gottes auch unter uns fortlebe, haben wir in dem unten folgenden Kalender von den Tertiariern, die in der Welt lebten und eine uralte Verehrung haben, die uns bekannt gewordenen Namen mit einigen kurzen Nachrichten über ihr Leben angeführt, doch ohne Kirchengebet. Zugleich erklären wir, gemäß der Bestimmung des Papstes Urban VIII., daß wir, wenn wir diesen Dienern Gottes den Titel ,, Selig" beilegen, damit der noch nicht erfolgten Entscheidung der Kirche durchaus nicht vorgreifen wollen. 152 - Es scheint angemessen, daß wir dem Verzeichniß der heiligen und seligen Kinder des h. Franciscus eine kurze Lebensbeschreibung des gemeinsamen Baters vorausschicken. Der h. Vater Franciscus, Bekenner, Stifter dreier Drden. ( 4. October.) Das Leben des seraphischen Ordensstifters ist so voll der wunderbarsten Gnaden Gottes, daß Niemand die Einzelheiten lesen kann, ohne mit dem Heilande auszurufen: Ich preise Dich, Vater, Herr Himmels und der Erde, daß Du dieses vor den Weisen und Klugen verborgen, den Kleinen aber geoffenbaret hast."( Matth. 11, 25.) Der Heilige ist geboren zu Assist in Italien, im Jahre 1182. Sein Vater, ein wohlhabender Kaufmann, erzog ihn für den Handel, und so ging auch die erste Richtung des Jünglings mehr auf die Welt, als auf Gott. Franciscus glänzte unter seinen jugendlichen Freunden durch Geist und Liebenswürdigkeit, doch ohne etwas Anderes zu suchen, als anständigen Genuß des Lebens und Ehre bei der Welt. Nur zwei schöne Tugenden übte er von Jugend auf, die Keuschheit und die Barmherzigkeit gegen die Armen. Nie schlug er einem Armen die Gabe ab, besonders wenn derselbe sie um der Liebe Gottes willen erbat. Gott aber hatte ihn zu höheren Dingen berufen und bereitete ihn darauf vor durch schwere Prüfungen. Der heitere Lebensgenuß wurde ihm verbittert zuerst dadurch, daß er ein Jahr als Kriegsgefangener in Perugia weilen mußte, dann dadurch, daß eine schwere Krankheit ihn lange ans Bett feſselte. Dabei wirkte in seinem Innern die Gnade des h. Geistes mit stufenweise wachsender Kraft; das Irrlicht der weltlichen Freuden verschwand allmählig aus seinen Augen, eine neue Sonne ging ihm auf und ergoß in seinen Geist so helles Licht und in sein Herz eine solche Liebesgluth, daß er nichts mehr dachte, nichts mehr wollte, als das Eine: ,, Mein Gott und mein Alles." Dies geschah im Jahre 1205, als er 23 Jahre alt war. Er floh jetzt den Tumult des weltlichen Lebens, gab Alles den Armen, widmete sich der Pflege der Aussätzigen und rang Tag und Nacht im Gebete mit Gott, unt Verzeihung seiner Sünden und die Gnade zu erflehen, Ihn allein zu lieben. Eine Erscheinung des Gefreuzigten eröffnete ihm das Geheimniß des Kreuzes - 153 - und ließ ihn die Worte des Heilandes verstehen: Wer mir nachfolgen will, der verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Mit wunderbarem Muthe ergriff er jetzt das Kreuz der vollständigsten Abtödtung und Selbstüberwindung; und als die Welt bald sich gegen ihn erhob und ihn wie einen Thoren verspottete und ihn mit Koth und Steinen bewarf, als sein eigener Vater ihn auf offenem Markte mißhandelte, dann einsperrte und endlich die Verzichtleistung auf das väterliche Vermögen verlangte, da zeigte er, daß er schon die Freiheit der Kinder Gottes errungen hatte und Alles für Koth erachtete, um Christum zu gewinnen". Alles, was er hatte, sogar seine Kleider, gab er seinem habgierigen Vater hin und sagte ihm in sanftem Tone: Bisher habe ich dich meinen Vater auf Erden genannt, nun aber kann ich mit Recht sagen: ,, Vater, der du bist im Himmel." Sein Vater nahm die Kleider, aber mitleidige Menschen schenkten ihm den abgenutzten Rock eines Knechtes; er zeichnete mit Kalk das Zeichen des heil. Kreuzes darauf und zog sich froh in die Einsamkeit zurück. Von nun an ergriff ihn ganz der Geist Gottes und führte ihn von Tugend zu Tugend zu einer solchen Höhe der Vollkommenheit, daß er mehr einem Seraph im Fleische als einem Menschen glich. Die innere Stimme Gottes rief ihn zuerst zu einer mehr äußeren Arbeit: auf göttlichen Befehl stellte er nämlich drei verfallene kleine Kirchen wieder her. Das war ein Vorbild seines künftigen Wirkens; in dem Bau der drei Kirchen sollte dargestellt werden der Aufbau der geistigen Kirchen seiner drei Orden. Als er einst in der h. Messe den Befehl Christi an seine Jünger lesen hörte: sie sollten nicht Gold noch Silber besiten, kein Geld im Gürtel, keine Reisetasche, nicht zwei Röcke und keine Schuhe tragen, da fühlte er, daß er dieses wörtlich auf sich anwenden müßte; er warf Schuhe, Stab, Geld weg und umgürtete seinen groben Leibrock mit einem Stricke, unendlich reich und selig, weil er die Welt unter den Füßen und Christus im Herzen hatte. Getrieben vom Geiste Gottes fing er an, die Buße zu predigen, mit einfachen, aber großartigen und wunderbar fräftigen Worten. Der Herr gebe euch den Frieden," so fing er seine Rede gewöhnlich an, und dann ergoß er seinen Geist wie ein brennendes Feuer, leuchtend und entzündend, in die zerknirschten Herzen seiner Zuhörer. - 154 - Bald schlossen sich ihm Genossen an: Bernard von Quintavalle, ein angesehener Bürger von Assisi, war der erste; ein Priester, namens Sylvester, der zweite; Aegidius der dritte, und in kurzer Zeit hatte er 12 Jünger um sich. In größter Armuth, aber reich an Liebe und Gnade, lebten fie in einer elenden Hütte von Rivotorto, eine halbe Stunde von Assist. Kurz darauf sandte er seine Kinder nach allen Weltgegenden aus, die Buße zu predigen. Auf Antrieb Gottes schrieb er eine Regel für seine neue Genossenschaft und ging dann mit seinen Brüdern nach Rom, um dieselbe vom Papste Innocenz III. bestätigen zu lassen. Gott stand ihn so wunderbar bei, daß er alle Schwierigkeiten überwand und eine mündliche Bestätigung erhielt( 1209). Von nun an trat er auf wie ein Herold Gottes, wie eine Erscheinung aus der andern Welt." Wohin er kam, da ergriff eine wundervolle Bewegung die Herzen, und sehr Viele schlossen sich ihm an. Edle und Gemeine, Geistliche und Laten reihten sich als Streiter Christi unter die Fahne des h. Kreuzes. Bald zählte er seine Brüder zu Tausenden und konnte nicht nur in alle christlichen Länder, sondern auch unter die Türken gottbegeisterte Prediger senden und überall arme Klöster der Minderbrüder gründen. Auch eine edle Jungfrau von Assisi, mit Namen Clara, wurde durch sein Beispiel und Wort zu der Liebe des Gefrenzigten wundersam entzündet. Sie verließ Welt und Familie und weihte sich dem Heilande in Armuth, Keuschheit und Gehorsam. Mit ihrer Schwester Agnes bildete sie den Grundstein für ein neues geistliches Gebäude, für den zweiten Orden der armen Frauen, die später von ihrer Stifterin den Namen Clarissen bekommen haben.- Wie der Heilige den dritten Orden der Büßenden geſtiftet hat, das ist im ersten Kapitel der ersten Abtheilung schon erzählt. Getrieben von der Gluth der Liebe, wollte der h. Franciscus auch den Ungläubigen das Evangelium predigen und hoffte dabei die Martyrerkrone, den Gegenstand seiner heißesten Wünsche, zu erringen. Sm Jahre 1219 gelang es ihm endlich, im gelobten Lande und in Egypten den Türken und selbst ihrem Sultan Christum predigen zu können. Doch sein sehnlichster Wunsch, den blutigen Martertod für Christus zu sterben, ging nicht in Erfüllung, weil Gott ihn bestimmt hatte, in besonders wundervoller Weise ein Martyrer der Liebe zu werden. Dem Willen Gottes folgend, fehrte er nach Italien zurück. Hier empfing er im Jahre 1221 von 155 Christo dem Herrn selbst, auf die Fürbitte seiner heiligsten Mutter, den weltberühmten Ablaß von Portiuncula. Seine große Andacht zum Geheimnisse der Menschwerdung und seine findliche Einfalt gaben ihm im Jahre 1223 den Gedanken ein, das h. Weihnachtsfest in einer neuen Weise zu feiern, die den Anlaß zu der Sitte gegeben hat, die sogenannten Krippchen zu bauen. - Wenden wir uns nun, bevor wir den heiligen Vater sein gnaden- und wundervolles Leben beschließen sehen, zu der Betrachtung seiner Tugenden und zwar jener drei, welche in seinem Leben ganz besonders hervorleuchteten. Die erste ist seine Liebe zur Armuth. Kein habfüchtiger Mensch ist so begierig nach Geld, wie der Heilige es war nach der evangelischen Perle der Armuth. Aus Liebe zur h. Armuth entblößte er fich von Allem, was nicht unbedingt zum Leben nothwendig war, und wenn er einen Menschen sah, der noch ärmer gekleidet war als er, so empfand er einen heiligen Neid und pflegte betrübt zu seinem Begleiter zu sagen: Die Noth dieses Menschen flößt mir eine große Ehrfurcht ein; wir haben die Armuth, als einen großen Reichthum erwählt, und siehe! an diesem erglänzt sie mehr als an uns." Das arme Leben Jesu auf das Vollkommenste nachzubilden, war sein glühendes Verlangen und stets flehte er zu Christus mit heißzen Thränen: ,, Ach mein gütiger Jesus Christus, erbarme dich meiner und der Armuth, denn ich bin vor Liebe zu ihr ganz frank und kann ohne sie nicht ruhen; ich begehre, daß diese Armuth mein und der Meinigen ewiges Eigenthum sei, o ärmster Jesus, und daß wir um deines Namens willen nichts Eigenes unter dem Himmel besitzen, sondern so lange das elende Fleisch lebt, von den Gütern Anderer mit dürftigem Gebrauche erhalten werden." Er pries die Armuth als seine Herrin, als seine Braut, als den Weg des Heiles, als die Nährmutter der Demuth, die Wurzel der Vollkommenheit und den verborgenen Schatz des evangelischen Ackers, um dessentwillen wir Alles verkaufen und verachten sollen. - Ebenso staunenswerth war seine Demuth. Wie er sich selbst für den berächtlichsten Menschen und größten Sünder hielt, so wollte er auch von aller Welt verachtet und mit Füßen getreten werden. Vor allem Volke pflegte er seine Mängel zu bekennen, und oft befahl er einem Bruder, ihn auszuschelten und mit Schmähungen zu überhäufen. Einst fragte der Bruder Maßsäus den Mann Gottes: ,, Woher 156 kommt es doch, daß die Leute dir schaarenweise zulaufen, um dich zu sehen, zu hören und dir zu gehorchen, da du doch weder edel noch gelehrt, weder schön noch klug bist?" Der Heilige fiel ganz gerührt auf seine Kniee, hob Augen und Hände zum Himmel, dankte und lobte Gott und sprach dann: Willst du wissen, woher dieses kommt? das weiß der, welcher alle Herzen fennt, und daß solches nicht um meinetwillen geschieht. Dies kommt her aus den Augen des allerhöchsten Gottes, die überall die Guten und Bösen anschauen. Denn diese Augen haben unter allen bösen Menschen keinen gröBeren Sünder und keinen unweiseren Menschen gesehen, als mich. Weil aber Gott beschlossen hat, ein wunderbares Werk auf Erden zu vollführen und er keinen Untauglicheren finden konnte, so hat er mich geringen Sünder dazu erwählt. Wäre es durch Weise und Gelehrte geschehen, so erschiene es den Menschen nicht wunderbar, darum wirfte es Gott durch mich armen thörichten Menschen, damit sich auch die Weisen verwundern möchten." - So arm er war im Geiste, so reich war er im Herzen, reich an Liebe. Uleber die Liebe zu Gott, die das Herz dieses Seraph's ganz in Gott verzückte, sagt der h. Bonaventura: Wie eine glühende Kohle schien er ganz verzehrt von der Flamme der göttlichen Liebe. Wenn er von der Liebe Gottes hörte, ward sein Herz sofort ergriffen und flammte auf, als würde die innerste Saite seines Herzens angeschlagen. Alles regte ihn an zur Liebe. Jm Schönen betrachte er den Schönsten, er ging dem Geliebten nach auf allen Spuren, die Er den Geschöpfen eingedrückt hat; von Allem machte er sich eine Leiter, auf welcher er emporstieg, um Den zu erreichen, der unendlich begehrenswerth ist. Denn von unerhörter Andacht beseelt, schöpfte er aus allen Kreaturen, als aus fließenden Bächlein, jene Güte des Schöpfes, aller Dinge Ursprung, und als vernähme er die himmlische Harmonie der Wesen, lud er alle Geschöpfe, wie der h. Sänger David, freundlich ein zum Lobe Gottes." Diese Liebesgluth hatte seine Seele so gänzlich in Christus umgewandelt, daß es Gott gefiel, auch seinem Leibe die Wundmale Christi einzuprägen. Dies geschah zwei Jahre vor seinem Tode, gegen das Fest von Kreuzerhöhung, und zwar auf dem Berge Alverna in Toskana. Er hatte sich auf diesen Berg begeben und sich nach seiner Gewohnheit 40 Tage von allem Umgange mit den Menschen zurückgezogen, um in strengstem Faften und beharrlichem Gebete für Gott und mit Gott allein zu leben. Eines Tages, als 157 er im andächtigsten Gebete war, erschien ihm ein Seraph in Gestalt des Gefreuzigten; seine Seele ward durchflammt von seraphischer Gluth und äußerlich sein Leib mit den Wundmaten Christi bezeichnet. Seine Hände und Füße waren wie mit Nägeln durchbohrt, so daß ihre Köpfe am innern Theile der Hände und am äußern der Füße rund und schwärzlich hervorstanden, während die Spitzen an der entgegenge= setzten Seite verlängert, gekrümmt und wie umgeschlagen, aus dem Fleische hervorragten. Die rechte Seite war wie mit einer Lanze durchbohrt; oft drang Blut aus der Wunde und befleckte die Kleider. Zwei Jahre trug er diese schmerzlichen Liebesmale an seinem Leibe, noch dazu gequält von den heftigsten Krankheiten und halb erblindet von den Thränen, die er unaufhörlich über die Liebe Gottes vergoß. Da er nicht mehr gehen konnte, ließ er sich auf einem Esel durch Städte und Landschaften führen, um alle Herzen für Christus zu entflammen. Zu den Brüdern sagte er:, Brüder! lasset uns anfangen, dem Herrn, unserm Gott zu dienen; denn bis jetzt haben wir noch wenig Fortschritte gemacht." Endlich verzehrt von Schmerz und Liebe, ließ er sich zum Klöster= lein Maria von den Engeln( Portiuncula) bringen, um dort seinen Bruder( so nannte er den Tod) zu erwarten. Er richtete die letzten rührenden Ermahnungen an die Brüder, ließ sich entkleidet auf die Erde legen, den Blick gen Himmel gerichtet, mit der rechten Hand die Seitenwunde bedeckend. Voll Jubel stimmte er die letzte Strophe des von ihm ge= dichteten Sonnengefanges an: ,, Gepriesen sei mein Herr, um unserer Schwester willen, des leiblichen Todes u. s. w.," be= tete dann mit gebrochener Stimme den 141. Pfalm, und bei den Worten: Führe aus dem Kerker meine Seele, damit ich preise deinen Namen; die Gerechten warten mein, bis du mir vergiltst," gab er seine in Licht und Liebe verklärte Seele zurück in die Hände seines Schöpfers. Es war der 4. October 1226. Unzählig sind die Wunder, die Gott vor und nach seinem Tode durch ihn gewirkt hat. Papst Gre= gor IV. sprach ihn schon im Jahre 1228 heilig und erbaute ihm zu Ehren eine prachtvolle Kirche, in welche sein Leib 1230 übertragen wurde. Man wußte übrigens später nicht genau die Stätte, wo sein h. Leib ruhete, bis man denselben nach vielen Nachforschungen, am 12. December 1818, unter dem Hauptaltar dieser Kirche entdeckte. Alle, welche Kinder dieses seraphischen Heiligen sein wollen, mögen sich noch folgende Sprüche des h. Vaters einprägen: - 158 ,, Viele Menschen fasten, beten und thun ihrem Leibe wehe; aber ein einziges Wort beleidigt oder beunruhigt ſie." " Der wahrhaft Arme im Geiste haßt sich selbst und liebt auch die, welche ihm auf die Wange schlagen." So viel Demuth und Geduld man bei Lästerungen und Verfolgungen zeigt, so viel hat man und nicht mehr." So viel der Mensch in den Augen Gottes ist, so viel ist er und nicht mehr." ,, Niemand halte sich für einen Diener Gottes, ehe er durch Versuchungen und Leiden siegreich hindurchgegangen ist." " So groß ist das Gut, nach dem ich trachte, daß für Lust ich jeden Schmerz erachte." Kirchengebet. Gott, der Du durch die Verdienste unseres feligen Vaters Franciscus deine Kirche durch geistliche Geburt neuer Kinder erweiterst, verleihe uns nach seinem Beispiele das Irdische zu verachten und an den himmlischen Gütern in Freude Antheil zu haben. Durch unsern Herrn u. s. w. Kalender der Heiligen und Seligen des Seraphischen Ordens, mit einer kurzen Lebensbeschreibung Derjenigen, die dem dritten Orden angehören. Januar. Den 16. Der h. Berardus und seine Gefährten Petrus, Otho, Adjutus und Accursius, aus dem 1. Orden. Die ersten Martyrer des seraphischen Ordens. Den 22. Die sel. Johanna von der h. Maria, aus dem 3. Orden. Sie starb reich an Tugenden zu Bagni in Toscana 1360. Nach ihrem Tode geschahen viele Wunder, ihr Fest wird jährlich in der Pfarrkirche von Bagni feierlich begangen. Den 28. Der fel. Mathäus von Girgenti, Bischof, aus dem 1. Orden. Den 30. Die h. Hyacintha Mariscotti, Jungfrau, aus dem 3. Drden. Die h. Hyacintha, Tochter eines römischen Fürsten, trat schon in ihrer Jugend in ein Kloster des dritten Ördens. 159 Ihr Wandel stimmte aber schlecht mit ihrem Berufe; fie gab vielmehr durch ihr laues und weltliches Leben nicht geringes Aergerniß. Eine strenge Zurechtweisung ihres Beichtvaters brachte sie zur Erkenntniß ihres traurigen Seelenzustandes, und sie begann auf der Stelle mit unbeschreiblicher Selbstüberwindung ihren Leidenschaften den Krieg anzukündigen und ein Leben der strengsten Buße zu führen. Sie fing die Buße an mit einem Akte der Demuth, der ihrem von Natur sehr stolzen Charakter überaus schwer fiel. Mit einem Stricke um den Hals fnieete sie nämlich in der Mitte des gemeinsamen Speisesaales und bat ihre Mitschwestern um Verzeihung wegen aller Aergernisse, die sie ihnen gegeben hatte. Sie entsagte dann den überflüssigen Sachen, die sie zum Gebrauche hatte, und legte eine reumüthige Generalbeichte ab. Viele Jahre führte sie unter unsäglichen Kämpfen und Leiden ein Leben der strengsten inneren und äußeren Buße. Ohne Trost und fühlbare Andacht in ihren Gebeten, angefochten von den heftigsten Versuchungen gegen fast alle Tugenden, ließ sie niemals in ihren Ulebungen nach, sondern verdoppelte ihren Eifer nach dem Maße der Schwierigkeiten, die sich ihr entgegenstellten. So wurde sie bald ein Spiegel aller Tugenden und auch mit wunderbaren Gnadengaben ausgezeichnet. Sm Jahre 1640 entschlief sie im Herrn, 55 Jahre alt. Pius VII. hat sie 1807 in die Zahl der Heiligen versetzt. Christliche Seele, bist du bisher der h. Hyacintha in der Lauheit gefolgt, dann folge ihr auch in der Buße! - - Kirchengebet. Gott, der Du die selige Jungfrau Hyacintha zu einem Opfer steter Abtödtung und Liebe gemacht, hast, verleihe uns durch ihr Beispiel und ihre Fürbitte, daß wir unsere Sünden beweinen und Dich immer lieben mögen, durch unsern Herrn u. s. w. Den 31. Die sel. Ludovica Albertonia, Wittwe, aus dem 3. Orden. Geboren zu Rom 1474 aus einer reichen und edlen Familie, war sie in der Jugend das Muster einer christlichen Jungfrau und im Ehestande, in den fie nur auf den Wunsch 160 ihrer Eltern getreten war, ein Vorbild für alle Frauen. In ihrem 33. Jahre wurde sie Wittwe und führte von da bis zu ihrem Tode ein überaus vollkommenes Leben. Strenge Bußübungen, ununterbrochene Betrachtung des Leidens Christi, bei der sie so viel Thränen vergoß, daß sie faft erblindete, unermüdlicher Seeleneifer und grenzenlose Liebe gegen die Armen waren die Tugenden, in denen sie sich besonders auszeichnete. Die Liebe Chrifti drängte sie so sehr, daß sie ihr ganzes großes Vermögen für Nothleidende hingab und sich freute, mit Christus arm zu sein. Mit den Worten: ,, Herr, in deine Hände empfehle ich meinen Geist," ging sie ein in das bessere Leben, im Jahre 1533. In Dir, o Gott, finde ich Alles; was will ich denn außer Dir suchen? - —— Kirchengebet. Gott, der Du in deiner Barmherzigkeit der seligen Ludovica unter andern vortrefflichen Gaben eine besondere und wahrhaft einzige Liebe zu den Armen Christi gegeben hast, gib uns, deinen Dienern, auf ihre verdienstvolle Fürbitte die Gnade, daß wir Dich aus ganzem Herzen über Alles zu lieben vermögen. Durch denselben Herrn u. s. w. Februar. Den 1. Der sel. Andreas aus dem gräflichen Geschlechte Segni, Bekenner des 1. Ordens. Den 3. Der sel. Odoricus von Portunaone, Bekenner des 1. Drdens. Den 4. Der h. Joseph von Leonissa, Bekenner des 1. Ordens.( Kupuziner.) An demselben Tage. Die fel. Elisabeth Amerina, Jungfrau, aus dem 3. Orden. Sie starb 23 Jahre alt zu Palermo 1498, wo ihr Feft mit Erlaubniß Clemens VIII. jährlich gefeiert wird. Die ehrw. Pasqualina, Gefährtin der sel. Angela von Foligno, durch Tugenden und Wundergabe berühmt; fie starb 1313 zu Foligno, wo ihr Feft gefeiert wird. - 161 Den 5. Die h. Martyrer von Japan, aus dem 1. und 3. Drden. Unter den 26 Martyrern von Japan, die Papst Pius IX. am 8. Juni des Jahres 1862 heilig gesprochen hat, sind siebenzehn Mitglieder des dritten Ordens. Von den übrigen gehören drei der Gesellschaft Jesu, sechs aber dem ersten Orden des h. Franciscus an. Unter ihnen leuchtete der h. Petrus Baptista gleichsam als Auführer der Krieger Christi besonders hervor. Die siebenzehu Tertiarier waren alle in Japan geboren, von dem H. Petrus Baptista und seinen Brüdern zum Glauben bekehrt und in den dritten Orden aufgenommen. Sie hießen: 1. Paulus Susuqui, aus Quarri, Dolmetscher und Krankenwärter. 2. Gabriel von Duisto, 19 Jahre alt, Katechet und Kirchendiener. 3. Johannes Quizuya, aus Meato, Seidenweber. 4. Thomas Danchi, aus Meato, Apotheker und Katechet. 5. Franciscus aus Meato, Arzt, 46 Jahre alt; er war Katechet und Verfasser mehrerer Schriften zur Vertheidigung des Glaubens. 6. Thomas Cosaqui, 15 Jahre alt, Mesdiener. 7. Michael Cosaqui, Vater des Thomas. 8. Joachim Saquijor, aus Ojaca, 40 Jahre alt, Diener der Franciscaner. 9. Bonaventura aus Meako, der als Kind getauft war, aber nach dem Tode seiner Eltern Bonze wurde; nachher wurde er von den Franciscanern wieder bekehrt. 10. Leo Carazuma, war Bonze gewesen, aber seit 8 Jahren Christ; damals war er erster Dolmetscher und eifriger Katechet und Krankenwärter. 11. Paulus Yvaniqui Ibarchi, Bruder des Vorigen. 12. Ludovicus Jbarchi, Neffe des Vorigen, 12 Jahre alt, erst seit einigen Wochen getauft. Meßdiener. 13. Antonius, 13 Jahre alt, Meßdiener des h. Petrus. 14. Cosmas Raquisa, Katechet. 15. Mathias aus Mealo. Als die Schergen einen der Hausgenossen der Franciscaner, mit Namen Mathias, vergebens suchten, fam er freiwillig und sagte:„ Da ist Mathias! ich bin freilich nicht derjenige, den ihr suchet, doch 11 - 162 14 bin ich Chrift und ein Freund dieser Väter." So wurde auch er verhaftet und bekam die Martyrkrone. 16. Petrus Sequerein. 17. Franciscus Fahelante. Die beiden letzteren wurden erst später, als sie im Auftrage der Christen die h. Martyrer auf ihrer Reise nach Nangajaki begleiteten und in ihren Nöthen unterstützten, gefangen genommen und gleichfalls verurtheilt. Diese h. Martyrer mit ihren neun Gefährten sind die ersten Blutzeugen, welche in Japan ihr Leben für die wahre Religion hingegeben haben. Sie wurden von dem Tyrannen Taikosama um des Glaubens willen gefangen genommen, und nachdem sie schon viele Schmach und Schmerzen ausge= standen hatten, am 5. Februar 1597 auf einen kleinen Hügel vor der Stadt Nangajati geführt, um gefreuzigt zu werden. Zum Erstaunen war die große Freude, mit der alle zur Marter und zum Tode gingen, namentlich war es unbeschreiblich rührend, als der zwölfjährige Ludovicus mit heiliger Ungeduld ausrief: ,, wo ist denn mein Kreuz;" dann auf dasselbe zulief und es umarmte. Als die h. Martyrer, an die Kreuze gefesselt, in die Höhe gehoben wurden, hörte man aus ihrem Munde nichts als heilige Lobgesänge, feurige Gebete und gegenseitige Ermunterungen. Doch die Henker begannen bald ihre blutige Arbeit; sie durchbohrten mit zwei Lanzenstichen die Seiten der Streiter Christi, und die glücklichen Blutzeugen hatten den Kampf vollendet und die Krone errungen. O Christ, bitte Gott, daß auch du lernest, kein Opfer für die Tugend, für die Wahrheit, für Christus zu scheuen. Kirchengebet. Herr Jesus Christus, der Du in dem Blute der H. Martyrer Petrus Baptista und ihrer Gefährten die Erstlinge des Glaubens bei dem Volke von Japan geweiht hast, daß sie durch den Kreuzestod Dir ähnlich würden, verleihe, wir bitten Dich, daß wir sie andächtig verehren und durch ihre Beispiele angespornt werden. Der Du lebest u. s. w. Den 6. Die sel. Francisca, Jungfrau, aus dem 3. Orden. Sie starb im Rufe der Heiligkeit 1360 zu Gubbio in Umbrien, wo sie auch verehrt wird. - 163 Den 7. Der fel. Antonius von Stronconio, Bekenner des 1. Ordens. Den 13. Die sel. Viridiana, Jungfrau, aus dem 3. Drden. Diese an Tugenden und Verdiensten reiche Jungfrau war in Toscana geboren und hatte von Kindheit an ein überaus busßfertiges Leben geführt. Sie verdiente deßhalb von dem h. Vater Franciscus selbst in den Orden der Buße, und zwar als eines der ersten Mitglieder, aufgenommen zu werden. Sie setzte ihr heiliges Leben bis zum Jahre 1242 fort und soll in wunderbarer Weise, nämlich knieend, mit aufgerichtetem Körper und in Kreuzform ausgestreckten Armen, im Herrn entschlafen sein. Halte dich an Jesus im Leben und im Tode; dann wirft du in ihm mehr finden, als du ahnest oder wünschest. Kirchengebet. Gott, der Du in deiner Dienerin Viridiana mit der Blüthe der Jungfräulichkeit wunderbare Früchte der Buße verbunden hast, verleihe uns, wir bitten Dich, daß wir durch ihre Verdienste und Fürbitte, gereinigt durch Thränen der Buße, ohne Makel vor deinem Angesichte zu erscheinen verdienen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 16. Die fel. Philippa Mareri, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 19. Der h. Conradus von Piacenza, Bekenner des 3. Ordens. Der h. Conradus wurde geboren 1290 zu Piacenza in Italien und stammte aus einem edlen Geschlechte. Merf= würdig ist die Veranlassung, durch die Gott ihn von einem gewöhnlichen christlichen Leben zur Vollkommenheit berief. Er war ein großer Freund der Jagd und zündete einmal im Walde ein Feuer an, um das versteckte Wild aufzutreiben. Gegen seine Absicht entstand durch die Gewalt des Windes ein großer Waldbrand. In aller Stille schlich sich Conrad in die Stadt, um dem Verdachte zu entgehen, 11* 164- daß er diesen großen Schaden angerichtet habe. Wirklich wurde ein unschuldiger, armer Mensch statt seiner ergriffen, und nach damaliger Sitte gefoltert. Die heftigen Schmerzen expreßten ihm das unwahre Geständniß, er sei der Urheber dieser Brandstiftung; und so wurde er zum Tode verurtheilt. Doch da ließ das Gewissen dem wahren Thäter keine Ruhe. Um den unschuldigen Menschen zu retten, befannte er freiwillig vor der Obrigkeit seine Schuld, verkaufte sogleich seine Güter und ersetzte den angestifteten Schaden. Dieser scheinbare Unglücksfall ist sein größtes Glück gewesen. Von Gott erleuchtet, entschloß er sich, der nichtigen und gefährlichen Welt ganz zu entsagen. Seine gute Frau war mit ihm einverstanden und trat in ein Kloster der heil. Clara; er selbst ließ sich im Jahre 1315 in den dritten Orden aufnehmen, pilgerte zu den Gräbern der Apostel nach Rom, diente eine Zeitlang den armen Kranken in einem Spitale und lebte den übrigen Theil seines Lebens als Einfiedler in Sicilien. Bewunderungswürdig war seine Ausdauer im Gebete und seine Strenge in der Abtödtung. Geschmückt mit allen Tugenden und mit der Gabe der Wunder und Weisfagung, starb er im Jahre 1351. Urban VIII. erlaubte im Jahre 1625 sein Fest überall zu feiern. Christliche Seele, vergleiche die Güter der Welt mit denen des Himmels, und du wirst sagen müssen, was nicht ewig ist, das ist nichts." Kirchengebet. Versöhnt durch die Buße des sel. Conradus verleihe uns, o Herr, daß wir ihm nachfolgen in der steten Kreuzigung des Fleisches und so abwaschen die Makeln unserer Sünden. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 21. Die h. Angela Merici, Jungfrau, aus dem 3. Orden und Stifterin der Ursulinerinnen. Die h. Angela war 1473 zu Desenzano in Oberitalien von angesehenen und frommen Eltern geboren. Uebungen der Andacht und Buße waren von den Kinderjahren an ihre Lieblingsbeschäftigung; dabei vergaß sie nicht, sich in alleu Werken der Liebe gegen den Nächsten zu üben. Noch - 165 jung trat sie in den dritten Orden und beschäftigte sich dann besonders mit dem Unterrichte und der Erziehung von Kindern ihres Geschlechtes. Ihre glühende Andacht zum leidenden Heilande trieb sie an, die h. Orte Palästinas zu besuchen. Da aber Gott wollte, daß sie die h. Orte mehr innerlich im Geiste verehren, als mit leiblichen Augen schauen sollte, nahm Er ihr auf der Hinreise das Augenlicht, und erst auf der Rückreise bekam sie dasselbe wieder. - Sie fehrte nach Brescia zurück und mußte, so wollte e8 Gott hier eine neue, der Kirche überaus nützliche Or= densgenossenschaft gründen, die den Zweck hat, den Unterricht und die Erziehung junger Mädchen zu übernehmen. Im Jahre 1535 fing sie mit zwölf Gefährtinnen dieses h. Werk an, unter dem Schutze und Namen der h. Ursula. Sie setzte ihr mehr engliiches, als menschliches Leben mit stets wachsender Vollkommenheit fort bis zu ihrem seligen Tode, der im Jahre 1540 erfolgte. - Sie ist heilig gesprochen von Pius VII. 1807. Christliche Seele! Bewahre die Reinheit deiner Seele, wie die h. Angela, durch Einsamkeit, Abtödtung, Demuth und Gebet. Kirchengebet. Gott, der Du durch die h. Angela einen neuen Verein gottgeweihter Jungfrauen in deiner Kirche hast aufblühen lassen, verleihe uns auf ihre Fürbitte, in der Weise der Engel zu leben, allem Jrdischen zu entsagen und dadurch die ewige Freude zu verdienen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 22. Die h. Margarita von Cortona, Bükerin, aus dem 3. Brden. Diese große Büßerin wurde im Jahre 1249 zu Alviano in Toscana geboren. Die vielen natürlichen Gaben, die Gott ihr verliehen hatte, wurden ihr ein Stein des Anstoßes; sie entfloh heimlich aus dem väterlichen Hause und lebte 9 Jahre in einem sündhaften Verhältnisse mit einem Edelmanne. Endlich trennte die Hand Gottes, was die Sünde verbunden hatte; ihr Verführer wurde ermordet, und sie selbst fand seinen schon halb vermoderten Leichnam. — 166 - Dieser schreckliche Anblick erschütterte und erleuchtete ihren Geist: Wo ist seine Seele?" so tönte es in ihrem Innern und aus ihrem Munde. Diese inhaltsschwere Frage durchschnitt ihr Herz; der heftigste Reueschmerz erwachte in ihr und zugleich das Vertrauen: für mich ist noch Gnade möglich." Buße, und zwar die strengste Buße, zu wirken, das war von diesem Augenblicke bis zu ihrem Tode ihr unerschütterlicher Vorsatz. Sie kehrt zu ihrem Vater nach Hause zurück und bittet knieend und laut weinend um Verzeihung und Wiederaufnahme in's Haus. Ihr Vater wurde gerührt, aber ihre Stiefmutter stieß sie, als einen Schandfleck der Familie, aus dem Hause. Doch Gott erbarmte sich ihrer und führte sie nach der Stadt Cortona. Dort legte sie unter bitteren Thränen ihre Beichte ab und bat um Aufnahme in den dritten Orden der Büßenden; doch diese Gnade erhielt sie erst, nachdem sie eine dreijährige Prüfung bestanden hatte. Erstaunlich sind die Uebungen der Demuth, der Buße und des Gebetes, die sie von ihrer Bekehrung an bis zu ihrem Tode standhaft fortsetzte, obwohl der böse Geist sie mit den schwersten Verfolgungen verfolgte. Sie wohnte in einer engen Zelle, die sie nur aus Gehorsam verließ; ihre Nahrung war etwas Brod mit Wasser, ihr Bett der Fußboden, ein Stein ihr Kopfkissen. Tag und Nacht lag sie auf ihren Knieen vor dem Trucifixe, das Leiden Christi betrachtend und ihre Sünden beweinend. Sie gelangte zu einer wahrhaft wunderbaren Vollkommenheit, Erleuchtung und Reinheit, so daß Gott nicht nur viele und große Wunder durch sie gewirkt, sondern auch nach ihrem Tode ihren Leib bis zur Stunde unverwesen erhalten hat. Sie starb im zwanzigsten Jahre nach ihrer Bekehrung 1297. Bedenke das Wort dieser h. Büßerin: ,, Mein Leib war so heldenmüthig bei allen sündhaften Ausschweifungen, wie follte er nun bei den Werken der Buße zärtlich und schwach sein? Er flagte nie, wenn er ganze Nächte bei Schwelgereien und Lustbarkeiten wachen mußte und jetzt sollte er beim Gebete unterliegen?" Kirchengebet. Gott, der Du deine Dienerin Margarita von der Straße des Verderbens auf den Weg des Heiles voll Erbarmen zurückgeführt hast, sei auch uns - - 167 - barmherzig und verleihe uns, daß wir, die wir uns nicht geschämt haben, ihr zu folgen in ihrer Verirrung, jetzt unsern Ruhm darin suchen, mit allem Eifer ihre Buße nachzuahmen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 25. Der sel. Sebastianus von Aparisio, Bekenner des 1. Ordens. Den 27. Die fel. Eustochium von Messina, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 28. Der sel. Thomas von Cora, Bekenner des 1. Ordens. März. Den 1. Die fel. Matthia von Nazaräis, Jungfrau, aus dem 2. Orden. An demselben Tage. Die fel. Bonavita, Jungfrau, aus dem 3. Orden. Sie starb 1375 zu Lugo Tardoti in der Nomagna, reich an Tugenden und Wundergaben und wird noch jetzt in dieser Stadt sehr verehrt. Den 3. Der sel. Bernardus von Corleone, Bekenner des 1. Ordens.( Kapuziner.) Den 5. Der h. Johannes Joseph vom Kreuze, Bekenner des 1. Ordens. Den 6. Die h. Coleta, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 9. Die h. Catharina von Bologna, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 10. Die sel. Christina oder Christiana, Jungfrau, aus dem 3. Orden. Sie führte ein mehr englisches als menschliches Leben, reich an außerordentlichen himmlischen Gaben und Tugenden und starb 1310 zu Santa Croce in Toscana, wo sie mit Erlaubniß des h. Stuhles öffentlich verehrt wird. Den 11. Die h. Francisca Romana, Wittwe, aus dem 3. Drden. Diese große Heilige stammte aus einer der vornehmsten Familien Roms und führte im Ehestande ein wunderbar heiliges Leben. Nach dem Tode ihres Mannes gelobte sie die Regel des 3. Ordens, stiftete aber eine besondere Congregation mit der Regel des h. Benedift, weshalb sie gewöhnlich nicht zu den Heiligen des 3. Ordens gerechnet wird. Sie starb den 9. März 1440, im 56. Jahre ihres Lebens. 168 Kirchengebet. Gott, der Du der seligen Francisca unter andern Gnadengaben einen innigen Verkehr mit ihrem H. Schutzengel gegeben hast, verleihe, wir bitten Dich, daß wir durch die Hülfe ihrer Fürbitte in die Gesellschaft der H. Engel gelangen mögen. Durch unsern Herrn u. s. w. — — Den 13. Der sel. Rogerius von Todi, Bekenner des 1. Ordens. Den 14. Der fel. Petrus von Treja, Bekenner des 1. Ordens. Den 15. Das Gedächtnißfest aller Heiligen, deren Reliquien in den Kirchen der drei Orden verehrt werden. Den 16. Der sel. Petrus von Siena, Sekenner des 3. Drdens.. Dieser Selige, ein Kammmacher aus Siena und Mitglied des dritten Ordens, gab nach dem Tode seiner Frau, da er keine Kinder hatte, sein ganzes Vermögen den Armen und verbrachte sein Leben in der strengsten Buße und dem erhabensten Gebete. Er gelangte zu solcher Reinheit der Seele und Vollkommenheit der Liebe, daß Gott ihm außerordentliche Gnadengaben mittheilte. Er war so erleuchtet in göttlichen Dingen und hatte auch die Gabe des Nathes in so hohem Maße, daß selbst die höchsten Staatsbeamten in schwierigen Fällen sich bei ihm Rath einzuholen pflegten. Das Stillschweigen übte er so strenge, daß kein unnützes Wort über seine Lippen fam. Er starb im Jahre 1289. Rede wenig und bringe kein Wort hervor, ohne es vorher geprüft und auf der Wage der Liebe und Klugheit gewogen zu haben. Kirchengebet. Unterdrücke, wir bitten Dich, o Herr, den Stolz unsers Herzens durch den Geist der h. Demuth, der Du mit himmlischen Erleuchtungen die Demuth des seligen Petrus, deines Bekenners, wunderbar erhöhet haft. Durch unsern Herrn u. s. w. - - 169 - Den 18. Der fel. Salvator von Horta, Bekenner des Ordens. 1. Den 20. Der fel. Johannes von Parma, Bekenner des 1. Ordens. Den 22. Der sel. Benvenutus von Osimo, Bischof, des 1. Ordens. Den 26. Der sel. Rizzerius von Modena, Bekenner des 1. Orden8. Den 27. Der sel. Peregrinus von Fallerone, Bekenner des 1. Ordens. Den 28. Der sel. Marcus von Montegallo, Bekenner des 1. Ordens. Den 29. Die sel. Paula Gambara Costa, Wittwe, aus dem 3. Drden. Die sel. Paula Gambara, aus einem adligen Geschlechte zu Brescia geboren, war mit dem Grafen Ludwig Costa vermählt. Sie nahm das Kleid des dritten Ordens, trat alle Luft und Ehre der Welt mit Füßen und widmete sich den Werken der Frömmigkeit und der mildreichsten Nächstenliebe. Gott wollte sie auch zu einem Spiegel der Geduld machen und prüfte sie durch viele Verfolgungen von Seiten ihrer Familie und durch viele Krankheiten des Leibes. Sie bewahrte in allen Kreuzen den Frieden, indem sie die Versuchungen durch Gebet und Betrachtung, besonders durch die zärtlichste Andacht zu dem leidenden Heilande und seiner reinsten Mutter, überwand. Gott rief sie zu sich im Jahre 1505. Wer dem Kreuze entfliehen will, dem geht es auf dem Fuße nach; wer ihm im Namen Christi entgegengeht, findet faum etwas zu leiden. Kirchengebet. Herr Jesu Christe, der Du die selige Paula auf dem Wege der Heiligkeit durch die Nachahmung deines Kreuzes zur Vollkommenheit geführt hast, gib uns, daß wir durch ihre Verdienste und nach ihren Beispielen die Mühsale dieses Lebens so erdulden, daß wir in der Stunde unsers Hinscheidens dein Kreuz umarmen und dadurch getröstet werden. Der Du lebest u. s. w. 170 — Den 30. Die sel. Angela von Foligno, Wittwe, aus dem 3. Drden. Die Selige stammte aus einem edlen Geschlechte der Stadt Foligno in Italien. Die ersten Jahre ihres Ehestandes lebte sie mehr für die Welt als für Gott. Der gute Hirte ging aber ihrer Seele nach und führte sie durch viele Stufen allmählig zu einer englischen Vollkommenheit. Zuerst gab Er ihr die Erkenntniß ihrer Sünden und zerknirschte durch Furcht und Scham ihr noch weltliches Herz. Dann gab Er ihr eine vollkommene Neue und Beichte und entzündete in ihr das Feuer der Liebe, so daß sie aus allen Kräften suchte den Weg des Kreuzes, der allein zur Vollkommenheit führt. Gott nahm ihr nun Alles, was sie an die Erde hätte fesseln kön= nen; denn in furzer Zeit starben ihre Mutter, ihr Mann und alle ihre Kinder. Jetzt vertheilte sie ihr Vermögen unter die Armen, und der Herr gab ihr, gleichsam als Lohn, das Verständniß seines bittern Leidens und die Liebe zu der Armuth, der Schmach und den Schmerzen, als den drei theuersten Gefährten des irdischen Lebens Christi. Sie bestand glorreich die fürchterlichsten Versuchungen besonders der Unlauterkeit und Verzweiflung und empfing dann wunderbare Erleuchtungen und Offenbarungen, die sie in einem noch vorhandenen, sehr lehrreichen Buche hat niederschreiben lassen. In den schmerzlichsten Krankheiten dankte sie Gott für diese Beweise seiner Liebe", so nannte sie nämlich die Schmerzen. Auf dem Sterbebette sagte sie zu den andern Ordensschwestern, die sich ihr, wie Kinder der Mutter, auf's engste angeschlossen hatten: ,, Als Testament empfehle ich euch die Liebe untereinander und eine tiefe Demuth. Urtheilet über keinen Menschen, wenn ihr auch wissen solltet, daß er eine schwere Sünde begangen habe; verabscheuet die Sünde, und liebet den Menschen." Sie entschlief sanft im Jahre 1309. Du sprichst zwar, ich bin reich und begütert, und bedarf keines Dinges, und weißt nicht, daß du elend und erbärmlich bist und arm und blind und nackt."( Offenb. 3, 17.) " 1 Kirchengebet. Gott, Du Süßigkeit der Herzen und Licht der Seligen, der Du die selige Angela, deine Dienerin, mit wunderbarer Betrachtung der himmlischen Dinge erquickt hast, verleihe, daß wir durch ihre Verdienste 171 und Fürbitten Dich so auf Erden erkennen, daß wir in der Offenbarung deiner Glorie uns erfreuen mögen im Himmel. Durch unsern Herrn u. s. w. - Den 31. Der fel. Marcus Fantuzzi von Bologna, Bekenner des 1. Ordens. A prit. Den 3. Der h. Benedictus von Philadelpho, Bekenner des 1. Ordens. Den 6. Der sel. Bentivolius von Boni, Bekenner des 1. Ordens. Den 7. Die sel. Antonia von Florenz, Wittwe, aus dem 2. Orden. Den 8. Der fel. Julianus vom h. Augustinus, Befenner des 1. Ordens. Den 12. Der sel. Angelus von Claviosa, Bekenner des 1. Ordens. Den 18. Der fel. Andreas Hibernon, Bekenner des 1. Ordens. An demselben Tage. Der sel. Jacobus Oldi, von Lodi, Bekenner des 3. Drdens. Er lebte anfangs im Ehestande ziemlich weltlich, bekehrte sich später bei dem Tode eines lieben Freundes und trat mit seiner Mutter und Frau in den dritten Orden. Nach dem Tode der letzteren wurde er Priester und übte die größten Tugenden, besonders in der Pflege der Kranken und Sterbenden. Er starb 1404 und wird in der Diöcese Lodi öffentlich verehrt. Den 19. Der sel. Conradus von Ascoli, Bekenner des 1. Orden8. Den 21. Der fel. Johannes von Masfacio, Bekenner des 3. Ordens. Er lebte als Eremit in strengster Buße und war berühmt durch viele Wunder. Er starb 1399 und wird noch jetzt als Patron von Massacio verehrt. An demselben Tage. Der sel. Johannes der Kleine, Bekenner des 3. Ordens, wegen großer Tugenden und Wunder verehrt. Den 23. Der sel. Aegidius von Assisi, Bekenner des 1. Ordens. 172- Den 23. Die sel. Johanna von Signa, Jungfrau, aus dem 3. Drden. - Diese Selige war in einem Dorfe nahe bei Florenz von armen Eltern geboren. Schon als Kind mußte sie in den Bergen die Heerden hüten und wuchs fast ohne Erziehung auf. Doch der h. Geist ersetzte diesen Mangel durch außerordentliche Gnaden und gab ihr solche Reinheit, Einfalt und Glauben, daß sie schon in der Jugend die auffallendsten Wunder wirkte. Sie trat in den dritten Orden und lebte dann, nach einer damals nicht seltenen Lebensweise, in einer Höhle als eine eingeschlossene Jungfrau", bewunderungswürdig in der llebung aller Tugenden. Man berichtet viele und große Wunder, durch die Gott den einfältigen, demüthigen Glauben seiner Dienerin belohnt hat. Sie ging, 63 Jahre alt, im Jahre 1307 in's bessere Leben. Fliehe die Vertraulichkeit mit der Welt; deine Freude sei es, in der Einsamkeit mit Christus umzugehen. Kirchengebet. Gott, Du Freund und Beschüßer findlich einfältiger Seelen, der Du vor Zeiten die Geburt deines Sohnes den Hirten offenbaret und in der seligen Johanna ein neues Beispiel unschuldigen Hirtenlebens gegeben hast, gib durch ihre Fürbitte uns, deinen Dienern, daß wir ihre Herzenseinfalt und Unschuld erstreben mögen. Durch denselben u. s. w. Den 24. Der h. Fidelis von Sigmaringen, Bekenner des 1. Ordens.( Kapuziner.) Den 27. Der sel. Jacobus von Bitecto, Bekenner des 1. Ordens. Den 27. Die fsel. Johanna Maria von Maille, Wittwe, aus dem 3. Drden. Diese heilige Wittwe, geboren 1331 zu St. Quentin in Frankreich, ist unserer h. Elisabeth von Thüringen nicht unähnlich. Sie stamimte aus hochedlem Geschlechte und offenbarte schon in den Jahren der Kindheit die Vorzeichen einer ungewöhnlichen Heiligkeit. Schon früh hatte sie das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt und erst, als sie die Offenbarung - 173 bekommen hatte, daß sie im Ehestande die jungfräuliche Reinigkeit bewahren würde, gab sie dem Drängen ihrer Eltern nach und vermählte sich mit dem Grafen Robert von Silli. Durch Gottes besondere Gnade brachte sie ihren Gemahl dahin, 16 Jahre, nämlich bis zu seinem Tode, mit ihr in englischer Keuschheit zu leben. Große Prüfungen ertrug sie mit heldenmüthiger Geduld. Nach dem Tode ihres Gemahls trat sie in den dritten Orden, dessen Kleid sie öffentlich trug. Ihr ganzes Vermögen gab sie den Armen und übte eine solche Strenge der Buße, daß nur die Gnade Gottes ihr dazu die nöthige Kraft geben konnte. Sie starb gottselig am 28. März 1413. Viele Jahre nach ihrem Tode fand man ihren Leib noch unverwesen. Pius IX. hat die Berehrung, welche sie seit Jahrhunderten genossen hatte, approbirt. - Kirchengebet. Herr Jesus Christus, Du Liebhaber der Demuth und Liebe, der Du die sel. Johanna Maria mit deiner Liebe entzündet, mit himmlischen Gaben überhäuft und zur Verachtung des irdischen Glückes angeleitet hast, gib, daß wir ihr, welche wir festlich verehren, in der Demuth, der Liebe und Weltverachtung nachfolgen. Der Du lebest u. s. w. Den 28. Der sel. Tuchesius oder Lucius, Bekenner des 3. Drdens. Der sel. Lucius ist der erste, den der h. Vater Franciscus in den dritten Orden aufgenommen hat. ein Kaufmann zu Poggibonzi in Toscana. Viele Jahre war er ganz verwickelt in das Streben und Treiben der Welt, später aber, von Gott erleuchtet, ergab er sich dem Gebete und den Werken christlicher Liebe und brachte auch seine Frau Bonadonna, die sehr an dem Irdischen hing, dahin, mit ihm in guten Werken zu wetteifern. Als der h. Vater Franciscus nach Poggibonzi kam, gingen beide zu ihm und baten ihn, daß er ihnen doch den rechten Weg zum Himmel zeigen möchte. Dieser erklärte ihnen sein Vorhaben, einen neuen Orden für Weltleute zu stiften und nahm im Jahre 1221 beide in denselben auf. Der Selige machte nach seinem Ein 174 tritte in den Orden in allen Tugenden die größten Fortschritte und starb im Rufe der Heiligkeit, im Jahre 1242. Was wirst du in der Todesstunde wünschen gethan zu haben? Thue jetzt, was du dann vergebens gethan zu haben wünschen wirst. — - Kirchengebet. Erbarmungsreicher Gott, der Du den seligen Luchesius zur Buße berufen und in Verdienſten der Frömmigkeit und Barmherzigkeit hast glänzen lassen, verleihe uns, daß wir durch seine Fürbitte und nach seinem Beispiele würdige Früchte der Buße bringen und durch Werke der Frömmigkeit und Liebe Verzeihung von Dir erlangen. Durch unsern Herrn ut. s. w. M a i. Den 1. Der sel. Vivaldus oder Ubaldus aus St. Geminiano in Toscana, Bekenner des 3. Drdens. Er verlebte seine letzten Jahre als Eremit in einem hohlen Kastanienbaume, wachend, fastend und betend. Man fand ihn nach dem Tode in knieender Stellung, als wenn er betete. Er ruhet unter dem Hochaltar der Pfarrkirche, wo er noch verehrt wird. Den 13. Der h. Petrus Regalatus, Bekenner des 1. Drdens. An demselben Tage. Der sel. Antonius aus Ungarn, Bekenner des 3. Ordens. Er fam 1350 nach Rom, um das Jubiläum zu gewinnen, blieb dann in einem Spitale zu Foligno, wo er sich dem Dienste der Kranken und Armen mit heldenmüthiger Geduld und Liebe widmete, bis er 1398 starb. Seine Verehrung dauert bis auf den heutigen Tag. Den 14. Der sel. Franciscus von Fabriano, Bekenner des 1. Orden8. Den 15. Der fel. Benvenutus von Recanati, Bekenner des 1. Orden8. Den 17. Der h. Paschalis Bailon, Bekenner des 1. Orden?. Den 18. Der h. Felix von Catalizio, Bekenner des 1. Ordens.( Kapuziner.) CA 175 — Den 19. Der h. Ivo, Bekenner des 3. Ordens. Der h. Ivo, geboren 1253 von adeligen Eltern, die in der Bretagne lebten, strebte von Kindheit an nach der Heiligkeit, und obwohl er sich dem Studium der Wissenschaften mit dem größten Erfolge widmete, zeichnete er sich doch noch mehr aus durch die Wissenschaft der Heiligen, worin er alle seine Mitschüler übertraf. Nachdem er Doctor im geistlichen und weltlichen Rechte geworden, wählte er den geistlichen Stand und widmete sich nun ganz der Ehre Gottes und dem Nutzen und Heile des Nächsten. Als geistlicher Richter angestellt, sprach er Allen Recht ohne Rücksicht der Person, und zugleich nahm er sich der Armen, die Rechtshändel hatten, aus christlicher Liebe an und vertheidigte unentgeltlich ihre gerechte Sache. Sein Bischof übertrug ihm eine große Pfarrei, und er verwaltete sie als ein heiliger Pfarrer. Er war ein Vater der Armen, ein Tröster der Betrübten, ein kluger Rathgeber in allen Angelegenheiten, ein überaus eifriger und vortrefflicher Prediger und erbaute noch mehr durch seine glühende Andacht, besonders zu dem h. Altarssakramente. Er trat in den dritten. Orden und führte, um Christo ähnlich zu werden, ein so abgetödtetes, bußfertiges Leben, daß er sich nur kurze Zeit dem Schlafe überließ, und zwar angekleidet, auf einer Matte, ein Buch statt des Kissens un= ter dem Kopfe. Trotz seiner Körperschwäche setzte er seine Amtsverrichtungen fast bis zum letzten Tage fort. Er predigte am Vorabende von Christi Himmelfahrt, las, von zwei Personen unterstützt, die h. Messe, hörte Jeden an, der ihn zu sprechen wünschte, und legte sich dann auf sein elendes Lager. Nachdem er die heil. Sakramente empfangen hatte, redete er nur noch mit Gott; er brannte vor Sehnsucht, aufgelöset zu werden und bei Chriftus zu sein und starb am Sonntage in der Octav von Christi Himmelfahrt, 19. Mai 1302. Clemens VI. versetzte ihn 1327 in die Zahl der Heiligen. Christliche Seele, nach dem Beispiele des h. Ivo„ hilf deinem Nächsten nach deinem Vermögen"; und präge dir den Spruch des Heiligen ein: Jeder Christ, und besonders ein Priester, muß ein lebendiges Bild von Christus sein." Kirchengebet. Gott, der Du den seligen Ivo, deinen Bekenner, durch fromme Werke, Zeichen und Tugenden in 176 deiner Kirche haft leuchten lassen, gib, wir bitten Dich, daß wir durch seine Verdienste und Fürbitten deine Wohlthaten empfangen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 20. Der h. Bernardinus von Siena, Bekenner des 1. Ordens. Den 22. Die sel. Humiliana, Wwe., aus dem 3. Orden. Die selige Humiliana, aus einem edlen Geschlechte zu Florenz geboren, wurde in ihrem 16. Jahre von ihrem Vater wider ihren Willen an einen geizigen Mann verheirathet. In ihrem Ehestande setzte sie ihr frommes, wohlthätiges Leben fort, bis ihr Mann nach fünf Jahren starb. Ihre Verwandten wollten durchaus, daß sie sich wieder verehlichte, sie aber trat in den dritten Orden, bezog einen einsamen Thurm, der ihrem Vater gehörte, und verharrte im Gebete, das sie nur mit Werken der Liebe gegen den Nächsten unterbrach. Als man sie einst fragte, was ihr am meisten zum Fortgange im geistlichen Leben genützt hätte, antwortete sie: Die den Armen geleistete hülfreiche Liebe und die eigene Verachtung, indem ich mich selbst für die armseligste und unwürdigste halte." Sie hatte in ihrer einsamen Zelle viele Erleuchtungen und Offenbarungen, aber auch fürchterliche Verfolgungen von Seiten der Menschen und des bösen Feindes. Im Jahre 1246 verschied sie, 26 Jahre alt, und Gott ver= herrlichte sie mit vielen Wundern. Bist Du nicht im Stande, deinem Nächsten mit Rath und That beizustehen, so hilf ihm wenigstens durch Fürbitte bei Gott. Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott, Wonne der Herzen und Lohn der Seligen, der Du die selige Humiliana mit deiner Liebe entzündet und mit der süßesten Wonne der Betrachtung erfüllt hast, verleihe gnädig, daß wir durch ihre Verdienste und Nachahmung Dir stets anhangen und deine erhabene Schönheit ewig anzuschauen verdienen mögen. Durch unsern Herrn u. s. w. — 177 — Den 23. Der sel. Crispinus, Bekenner aus dem 1. Orden.( Kapuziner.) Den 25. Die Ulebertragung des Leibes des h. Baters Franciscus. Den 29. Der sel. Herculanus von Plagario, Bekenner des 1. Ordens. Den 30. Der sel. Johannes von Prado, Martyrer des 1. Ordens. Den 30. Der h. König Ferdinandus, Bekenner des 3. Ordens. Ferdinand III. oder der Heilige, König von Leon und Kastilien in Spanien, ist einer der besten Fürsten und tapfer= sten Kriegshelden, von denen die Geschichte uns erzählt, und zugleich ein großer Heiliger. Nie hat er sein Schwert gezogen gegen Christen, aber beinahe sein ganzes Leben Krieg geführt gegen die Mauren oder Muhamedaner, die seit Jahrhunderten Spanien erobert und die Christen unterdrückt hatten. Mit Gottes sichtbarer Hülfe gelang es ihm, sein Vaterland den Ungläubigen zum größten Theile wieder zu entreißen. Er hielt unter seinen Soldaten die strengste Zucht, Sittlichkeit und Religiösität aufrecht und brachte vor der Schlacht ganze Nächte im Gebete zu, um den Sieg zu Gottes Ehre vom Himmel zu erflehent. Selbst gegen die Feinde und Ungläubigen übte er solche Gerechtigkeit und Menschlichkeit, daß sie seinen Edelmuth ebenso hoch schätzten, wie sie seine Tapferkeit fürchteten. Strenge gegen sich, milde gegen Andere, keusch als Jüngling, treu als Gatte, freigebig und mildthätig, opferte er sein ganzes Leben dem zeitlichen und ewigen Wohle seiner Unterthanen. Er führte den Franciscaner- und Dominicanerorden in sein Reich ein und trat selbst in den dritten Orden des h. Franciscus. In seiner letzten Krankheit legte er eine Generalbeichte ab, und als man ihm die h. Wegzehrung brachte, warf er sich aus seinem Bette auf die Kniee und klagte sich, einen Strict um den Hals und ein Kreuz in der Hand, unter vielen Thränen öffentlich über seine Fehler an; dann empfing er mit der zärtlichsten Andacht die h. Wegzehrung. Er starb am 30. Mai 1252, im 53. Jahre seines heiligen Lebens und im 35. seiner segensreichen Regierung. Clemens X. setzte seinen Namen in die Zahl der Heiligen. 12 - - 178 Bedenke, christliche Seele, der höchste Titel auf Erden ist nicht, daß man ein König, sondern in Wahrheit einer Diener Christi heiße. Kirchengebet. Gott, der Du dem seligen Ferdinandus, deinem Bekenner, gegeben hast, deine Schlachten zu schlagen und die Feinde des Glaubens zu überwinden, gib, daß wir, gestärkt durch seine Fürbitte von den Feinden der Seele und des Leibes befreit werden, durch unsern Herrn u. s. w. Den 31. Der sel. Gerardus, Bekenner des 3. Ordens. Dieser Selige stammt aus einem Dorfe in der Nähe von Florenz. Er machte als Bediente eines Johanniter- Ritters zweimal einen Kreuzzug gegen die Türken mit und bestand auf der Reise und im h. Lande viele Gefahren. Hierbei zeigte er ganz außergewöhnliche Tugenden. Er wurde deßhalb als dienender Bruder in den Ritterorden der Johanniter aufgenommen. Später kehrte er nach Stalien zurück und empfing vom heiligen Vater Franciscus das Bußkleid des dritten Ordens. Er zog sich nun als Eremit in die Einsamkeit zurück, und führte dort in der Uebung der erhabensten Tugenden ein himmlisches Leben. Er starb gottselig im Jahre 1242 und wurde von Gott durch viele Wunder vor und nach seinem Tode verherrlicht. Wenn es dir schwer fällt, ein verborgenes und bußfertiges Leben zu führen, so bedenke, daß dem nichts zu schwer ist, der Alles aus Liebe zu Gott thut. Kirchengebet. Gott, der Du den seligen Gerardus, deinen Bekenner, durch stetes Andenken an das Leiden deines Sohnes mit erhabener Beschauung und Bußfertigkeit geschmückt hast, gib uns deinen Dienern, daß wir seinen Fußstapfen folgen und den Lohn der Erlösung erlangen mögen. Durch denselben Herrn u. s. w. 179 Juni. Den 1. Der fel. Jacobus von Strepa, Erzbischof, Befenner des 1. Ordens. An demselben Tage. Der sel. Pelingottus von Urbino, Bekenner des 3. Ordens. Er führte im Hause seiner Eltern ein strenges Bußleben, bis er 1304 starb. Seine sterblichen Reste ruhen dort unter dem Hochalter der Kirche des h. Franciscus. Den 2. Die sel. Baptista Varani, Jungfrau, aus dem 2. Orden. - Den 3. Der fel. Andreas von Spello, Bekenner des 1. Ordens. Den 5. Der sel. Pacificus von Ceredano, Bekenner des 1. Ordens. Den 7. Die sel. Stephanus und Raimundus und ihre Gefährten, Diartyrer des 1. Ordens. Den 12. Der sel. Guido von Cortona, Bekenner des 1. Ordens. Den 13. Der h. Antonius von Padua, Bekenner des 1. Ordens. Den 19. Die sel. Michelina, Ww., aus dem 3. Orden. Früh verheirathet, verlor diese edle Dame nach acht Jahren ihren Gemahl und ihren einzigen Sohn. Sie nahm diesen harten Schlag an aus der Haud Gottes und wuchs dadurch in allen Tugenden. Nachdem sie in den dritten Orden getreten war, gab sie ihr Vermögen den Armen und fing ein sehr strenges Bußleben an. Das zog ihr große Verfolgungen von Seiten ihrer Verwandten zu und gab ihr Gelegenheit, auch die Geduld und Sanftmuth zu üben. Wahrhaft heroisch war ihr Seeleneifer und ihre Liebe in der Pflege der Kranfen und Unterstützung der Armen. Jhre Liebe zum leidenden Heiland bewog sie, in das h. Land zu reisen, und riß sie an der Stätte, wo Christus gekreuzigt ist, zu solcher Andacht hin, daß sie vor den Augen der Anwesenden in Entzückung gerieth. Als sie wieder zu sich gekommen war, fing sie an, mit so glühenden Worten von den Leiden des Herrn zu reden, daß alle Anwesenden zu Thränen gerührt wurden. In die Heimath zurückgekehrt, setzte sie ihr heiliges Leben fort und starb gottselig, 56 Jahre alt, im Jahre 1356. Siehe oft deinen gekreuzigten Heiland an und frage dich: ,, Was denkt mein Heiland von mir?" 12* - 180 - Kirchengebet. Gott, der du die selige Michelina von irdischen Neigungen befreit und zu deiner Liebe durch wunderbare Fügung erhoben hast, gib uns, wir bitten Dich, daß wir durch ihre Verdienste und Nachahmung, gelöset von den Banden verderblicher Leidenschaften, in Freiheit des Geistes das Dir Wohlgefällige ausführen mögen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 27. Der sel. Benvenutus von Gubbio, Bekenner des 1. Ordens. Den 29. Der sel. Petrus von Gualdo, Bekenner des 3. Ordens. Er führte als Einsiedler ein Leben strengster Buße und steten Gebetes, bis er 1367 starb. Mehrere Tertiarier schlossen sich ihm, als ihrem Meister auf dem Wege der Vollkommenheit, innig an, besonders der ebenfalls im Rufe der Heiligkeit gestorbene sel. Thomas von Nocera. Juli. Den 4. Das Fest der Weihe aller Kirchen der drei Orden des h. Franciscus. Den 5. Der sel. Archangelus von Calataphimo, Betenner des 1. Ordens. Den 7. Der sel. Laurentius von Brindisi, Bekenner des 1. Ordens.( Kapuziner.) Den 8. Die h. Elisabeth von Portugal, Wittwe, aus dem 3. Drden. Diese Heilige, eine Tochter des Königs Peter III. von Aragonien und eine Verwandte der h. Elisabeth von Ungarn, wurde im Jahre 1271 geboren und noch sehr jung mit Dionysius, dem Könige von Portugal, vermählt. Mehr, als durch die Krone, glänzte sie durch Gottseligkeit, Mildthätigkeit, Abtödtung und besonders durch zwei seltene Tugenden. Zuerst nämlich ist zu bewundern ihre Geduld im Ehestande. Ihr Gemahl hatte manche gute Eigenschaften, aber er führte ein ausschweifendes Leben. Das schwere Kreuz, das die Heilige durch die Untreue ihres Gemahls zu tragen hatte, nahm sie mit unerhörter Geduld und Liebe auf sich, und dadurch, so wie durch ihre Gebete, erwarb sie - 181 - dem Könige die Gnade wahrer Bekehrung und Buße. Dann war sie so überaus friedfertig und hatte eine solche Neigung und Gabe, Frieden unter Uneinigen zu stiften, daß sie ihr ganzes Leben lang die Versöhnerin und Friedensstifterin war, nicht nur zwischen den Fürsten und Königen, sondern auch in den niederen Ständen. Als ihr Gemahl 1325 gestorben war, nahm sie das Kleid des dritten Ordens und zog sich in ein Kloster der h. Clara zurück, eifrig beschäftigt mit Werken der Andacht und Nächstenliebe. Um Frieden zu stiften zwischen ihren Sohne und Schwiegersohne, die einander bekriegen wollten, unternahm sie in der größten Sommerhitze trotz ihrer körperlichen Schwäche eine beschwerliche Reise. Es gelang ihr, den Frieden wieder herzustellen; sie selbst aber wurde ein Opfer der Liebe. In Folge der Anstrengungen wurde sie frank und ging ein in das Land des Friedens, am 4. Juli 1336. Sie ist heilig gesprochen von Urban VIII. im Jahre 1625. Liebe den Frieden wie diese Königin; bedenke: ,, Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt." Kirchengebet. 11 Gütigster Gott, der Du die Königin Elisabeth unter andern herrlichen Gaben mit der Auszeichnung geschmückt hast, daß sie die Kriegswuth beschwichtigte, verleihe uns auf ihre Fürbitte, daß wir im sterblichen Leben den demüthig erflehten Frieden finden und dann zu den ewigen Freuden gelangen mögen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 9. Der H. Nicolaus Pit mit seinen 10 Gefährten, Marthrer von Gorcum, aus dem 1. Orden. Den 14. Der H. Bonaventura, Bischof und Kirchenlehrer, aus dem 1. Orden. Den 15. Die fel. Angelina von Marsciano, Wittwe, aus dem 3. Drden. Die Selige stammt aus einem gräflichen Geschlechte Umbriens, einer Provinz des Kirchenstaates, und zeichnete sich von ihrer frühesten Kindheit durch eine englische Frömmigfeit aus. Sie hatte beschlossen, ihre Keuschheit Christo zu 182- weihen, wurde aber in ihrem 15. Jahre von ihrem Vater zum Ehestande mehr gezwungen, als überredet. Gottes Gnade half ihr, den Gemahl zu bestimmen, daß er mit ihr in jungfräulicher Keuschheit lebte. Nachdem derselbe schon nach 2 Jahren gestorben war, trat sie in den dritten Orden und überließ sich mit voller Freiheit allen Werken der Frömmigkeit und Nächstenliebe. Sie hatte einen außergewöhnlichen Seeleneifer und bewog viele Jungfrauen, selbst aus den ersten Familien, daß sie Gott die keuschheit gelobien und in den dritten Orden traten. Dies zog ihr die bittersten Feindschaften und Verfolgungen zu, die so weit gingen, daß der König von Neapel sie sogar zum Feuertode verurtheilen wollte. Doch Gott errettete sie durch ein doppeltes Wunder: sie erwedte einen todten Knaben zum Leben und trug in ihrem Kleide glühende Kohlen zum Könige, indem sie sich bereit ertlärte, sich verbrennen zu lassen, wenn er sie schuldig fände Der König entsetzte sich und erklärte sie für unschuldig; doch verbannte er sie später aus seinem Königreiche. Sie ging nun zuerst nach Assisi, dann nach Foligno und gründete dort auf göttliche Einsprechung das erste Kloster, in welchem die Schwestern nach der Regel des dritten Ordens, aber mit den drei Ordensgelübden, lebten. Sie selbst er= richtete nach dem Muster dieses Klosters an verschiedenen Orten noch neunzehn andere, und nach ihrem Tode breitete sich diese klösterliche Genossenschaft fast über alle christlichen Länder aus. Im Jahre 1435 fiel sie, 58 Jahre alt, in eine schwere Krankheit; als sie die h. Sterbefatramente mit größter Andacht empfangen hatte, gerieth sie in eine Entzückung und gab, wie im süßen Schlafe, ihre Seele zurück in die Hände des himmlischen Bräutigams. — Je mehr Widerwärtigkeiten dich überfallen, desto vertrauensvoller und enger schließe dich an Christus an; dann wird eher Himmel und Erde vergehen, als daß Gott dich ohne Trost und Hülfe lasse. Kirchengebet. Gott, der Du die selige Angelina mit der Gabe vorzüglicher Demuth und Liebe geschmückt und durch sie deine Kirche in einem neuen fruchtbaren Sprosse hast wachsen lassen, verleihe uns gnädig, daß wir 183 ihrem Beispiele folgen und so die ewigen Freuden erlangen. Durch unsern Herrn u. f. w. Den 18. Der sel. Simon von Lipnica, Bekenner des 1. Ordens. - — Den 19. Der fel. Johannes von Dukla, Bekenner des 1. Ordens. Den 24. Der h. Franciscus Solanus, Apostel von Südamerica, Bekenner des 1. Ordens. Den 27. Die sel. Cunigunda, Jungfrau, aus dem 2. Orden. An demselben Tage. Der sel. Nevolus aus einer Stadt der Romagna. In einer schweren Krankheit bekehrte er sich, führte ein Leben der strengsten Buße, diente mit aufopfernder Liebe den Armen und Kranken und machte zur Buße für seine Sünden viele sehr beschwerliche Wallfahrten, bis er selig im Herrn starb 1280. August. Den 2. Die Kircheweihe unserer lieben Frau von den Engeln, oder der kleinen Kirche Portiuncula bei Assisi. Den 4. Das Fest des h. Patriarchen Dominicus, innigen Freundes des h. Vaters Franciscus. An demselben Tage. Der sel. Ciccus oder Franciscus von Pesaro, Bekenner des 3. Ordens. In der Blüthe der Jugend gab er Alles den Armen und führte als Einsiedler 50 Jahre bis 1350 ein heiliges Leben. Sein Leib ruht unter einem Altare der Kathedrale von Pesaro, berühmt durch Wunder; die uralte Verehrung desselben ist von Pius IX. am 31. März 1859 bestätigt. Den 12. Die h. Clara von Assisi, erste geistliche Tochter des h. Franciscus, Mutter des zweiten Ordens. Den 13. Der sel. Petrus von Molleano, Bekenner des 1. Ordens. Den 14. Der sel. Sanctes von Montefabro, Belenner des 1. Ordens. Den 16. Der h. Rochus, Bekenner des 3. Drdens. Demuth und Liebe sind der besondere Charakter der christlichen Vollkommenheit. Beide Tugenden strahlen wunderbar in dem Leben des h. Rochus. Er stammte aus einer edlen Familie zu Montpellier in Frankreich und kam schon mit zwanzig Jahren durch den Tod seiner Eltern in den Besitz eines großen Vermögens. Aus Liebe zu Gott - 184. - und dem Nächsten entfagte er den irdischen Gütern zu Gunsten der Armen; aus Demuth kleidete er sich in ein armes Pilgerkleid und wanderte, den Menschen unbekannt, nach Rom. Es war gerade in Italien eine schreckliche Best ausgebrochen; da trieb die Liebe den Heiligen, den beschwerlichen und gefährlichen Dienst der Pestkranten während einiger Jahre zu übernehmen, bis er selbst von der Serche ergriffen wurde. Von allen Menschen verlassen, fand er nur bei Gott wunderbare Hülfe. In ärmlichem Gewande und von Niemand erkannt, kehrte er in die Heimath zurück und fand Gelegenheit, in höchster Weise die Demuth zu üben. Sein eigener Oheim hielt ihn für einen Fremden, und zwar für einen Spion. Auf Befehl desselben wurde er in einen Kerker geworfen und sehr schlecht behandelt. So ahmte er das verachtete, arme schmerzvolle Leben Jesu, des Sohnes Gottes, nach, ohne mit einem Worte sich zu vertheidigen, oder sich zu erkennen zu geben. Aber während sein Leib im Kerker schmachtete, stieg seine Seele in Gebet und Betrachtung auf zu den Chören der Engel. Nach fünfjähriger Gefangenschaft starb er gottselig, im Jahre 1327. Nun wurde seine Person und seine Heiligkeit erkannt und um so mehr geehrt, je mehr er im Leben alle irdische Ehre verachtet hatte. Auf der ganzen Welt wird er als Patron gegen die Pest verehrt, und zahllose Kirchen, Kapellen und Bruderschaften sind ihm zu Ehren errichtet. Papst Urban VIII. hat diese schon damals durch die ganze Kirche verbreitete Verehrung des Heiligen bestätigt. Fürchte nicht an dieser oder jener Krankheit zu sterben, fürchte nur böse zu sterben. Kirchengebet. Gott, der Du dem seligen Rochus durch einen Engel, der ihm ein Täfelchen brachte, das Versprechen gegeben hast, wer ihn anriefe, sollte nie von der Qual der Pest verlegt werden, wir bitten Dich, verleihe, daß wir, die wir ihn andächtig verehren, durch seine Verdienste und Fürbitte von der tödtlichen Pest des Leibes und der Seele befreit werden. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 19. Der H. Ludovicus, Bischof von Toulouse, Bekenner des 1. Ordens. - 185 Den 21. Der sel. Petrus von Colle, Bekenner des 3. Ordens. Er wurde von dem h. Vater Franciscus in den dritten Orden aufgenommen und lebte als Einsiedler in der Nähe von Poggi Bonizi in Toscana, reich an Gnade und Tugend. Er starb 1244; sein Fest wird am genannten Orte jährlich gefeiert. - Den 25. Der h. Ludovicus, König von Frankreich, Bekenner und Patron des dritten Ordens. Der h. Ludwig wurde geboren am 25. April 1215. Seine Mutter, die fromme Königin Blanca, erzog ihn mit außerordentlicher Sorgfalt, und zwar noch mehr für die Krone des Himmels, als für die der Erde. Um sein findliches Herz mit großem Haß gegen die Sünde zu erfüllen, sprach sie oft zu ihm: ,, Mein Sohn, so sehr ich dich liebe, so wollte ich doch lieber sehen, daß du vor meinen Augen stürbest, als daß du mit einer einzigen Todsünde Gott beleidigtest." So guter Same fiel auch auf einen überaus guten Boden. Der h. Ludwig führte von Kindheit an ein so reines christliches Leben, daß er niemals eine Todsünde soll begangen haben. Schon in seinem zwölften Jahre wurde er nach dem Tode seines Vaters zum Könige gesalbt und übernahm in seinem 21. Sahre allein die Regierung des Reiches. So gefährlich für ein junges Herz auch der Glanz des Thrones, die leppigkeit der Welt, die Unabhängigkeit des Willens natürlicher Weise sein mußten, er überwand diese Versuchung: er ließ seine Augen nicht blenden von dem Schimmer irdischer Güter; denn sein Geist schaute unabläßig auf die Krone der Ewigkeit. Er war ein Spiegel der Keuschheit, ein Vater der Armen, ein musterhafter Gatte und Hausvater und als Landesfürst fo ausgezeichnet, daß man an ihm sehen konnte, wie, die Gottseligkeit zu allen Dingen gut ist." Zwei Tugenden strahlten besonders an ihm hervor und verdienen, daß wir sie eifrig nachahmen, Eifer für die heil. Religion und Standhaftigkeit im Unglück. Gottes Ehre und Gottes Dienst stand ihm in allen Dingen oben an. Nach diesem Grundsate richtete er sich in seinem Privatleben und verwaltete er sein Reich. Religion, Gerechtigkeit und Friede hielt er streng aufrecht im Reiche und gewann dadurch ein solches Ansehen und solche Liebe — 186- — nicht nur in seinem eigenen Lande, sondern auch bei fremden Fürsten, daß Alle ihn in ihren Streitigkeiten gern zum Schiedsrichter wählten. Zweimal unternahm er einen Feldzug gegen die Muselmänner, um den bedrängten Christen des Morgenlandes beizustehen und das heilige Land den Feinden Christi zu entreißen. Der erste Kreuzzug geschah im Jahre 1248. Mit dem größten Heldenmuthe schlug der König das feindliche Heer und er= oberte die Festung Damiette in Aegypten. Bald aber wurde sein Herr von einer tödtlichen Seuche ergriffen, endlich geschlagen, und der König selbst gerieth in Gefangenschaft. In dieser schrecklichen Lage zeigte er durch eine übernatürliche Standhaftigkeit und Ruhe die ganze Größe seiner Seele und seiner Heiligkeit. Unbillige Bedingungen wies er entschieden zurück; mit dem Tode bedroht, antwortete er: „ Ich will lieber als guter Christ sterben, als in der Ungnade Gottes, seiner h. Mutter und seiner Heiligen leben." Statt im Vertrauen auf Gott zu wanken, hielt er sich um so fester an Gott, je mehr Grund zu verzweifeln da zu sein schien. Wie er innerlich diesen harten Schlag aufgenommen hat, offenbarte er später mit den Worten: ,, Glücklicher bin ich, daß ich allen Verlust, alle Mühen und Leiden des Kreuzzuges mit Ergebung in Gottes Willen erduldet habe, als wenn ich die ganze Welt meinen Gesetzen unterworfen hätte." Nachdem er seine Freiheit wieder erlangt hatte, besuchte er zuerst mit der größten Andacht die durch Christi Leben geheiligten Stätten Palästina's, ordnete dann auf's Beste die Angelegenheit seines Staates und unternahm 1270 einen zweiten Kreuzzug gegen Tunis. Doch von neuem wüthete die Pest in dem Heere und ergriff auch den Heiligen. Er empfing die h. Sakramente, gab seinem Sohne und Nachfolger mündlich und schriftlich die herrlichsten Belehrungen und Ermahnungen und brannte vor Verlangen nach dem Himmel. Seine letzten Seufzer waren: ,, Gib, o Herr, daß wir der Welt Glück verachten und nichts von ihren Widerwärtigkeiten fürchten. Ich werde in dein Haus eingehen und Dich, meinen Gott, in deinem h. Tempel anbeten." Er starb den 25. August 1270, 65 Sahre alt, und wurde im Jahre 1305 vom Papste Bonifacius VIII. heilig gesprochen. In den Tagen des Unglücks soll der Christ mit diesem b. Könige sagen: ,, Kein zeitlicher Verlust soll mir die Treue rauben, die ich meinem Gott schuldig bin." - - 187 — Kirchengebet. Gott, der Du deinen Bekenner, den seligen Ludovicus, von dem irdischen Reiche zu der Glorie des himmlischen Reiches hinüber geführt hast, verleihe uns, wir bitten Dich, durch seine Verdienſte und Fürbitte theilhaftig zu werden des Königs der Könige, Jesu Christi, deines Sohnes, der mit dir lebt u. s. w. Den 27. Der sel. Thimotheus von Monticulo, Bekenner des 1. Ordens. September. Den 1. Die fel. Ssabella, Jungfraut, aus dem 2. Orden. Den 3. Die seligen Johannes und Petrus, Martyrer des 1. Ordens. Den 4. Die h. Rosa von Viterbo, Jungfrau, aus dem 3. Drden. Wunderbar ist Gott in dieser Heiligen. Schon in ihrer Kindheit gab er ihr die ungewöhnlichsten Tugenden und Gnaden und bediente sich ihrer als eines Werkzeuges, die Sünder und Ungläubigen zu bekehren. Zehn Jahre alt, predigte sie auf dem Markte der Stadt mit Kraft von oben gegen das Schisma, das der Kaiser Friedrich II. hervorgerufen hatte, und führte viele Abtrünnige wieder zur Kirche und viele Sünder zur Buße. Sie wurde deßhalb von den Anhängern des Kaisers aus der Stadt verbannt und sehr verfolgt. Das Brevier erzählt von ihr, daß fie, um ein ungläubiges Weib zu bekehren, in ein großes Feuer gegangen und in demselben drei Stunden unverletzt geblieben sei. Sie nahm das Bußkleid des dritten Ordens an, wünschte aber sehr in das Clarissenkloster zu Viterbo zu treten. Als die Nonnen ihr die Aufnahme verweigerten, sprach fie lächelnd: Ihr wollt mich lebendig in eure Gesellschaft nicht aufnehmen, es wird aber die Zeit kommen, daß ihr mich todt bei euch zu haben wünschen werdet." Die strengste Abtödtung und stetes Gebet übend, lebte sie in einem ferferartigen Raume ihres elterlichen Hauses und starb 18 Jahre alt, im Jahre 1251. Gleich nach ihrem Tode leuchtete sie mit vielen Wunderzeichen, und als der Papst Alexander IV. nach Viterbo fam, erschien sie ihm mehrmal im Traume und trug ihm - 188 auf, ihren Leib ausgraben und in die Kirche des Clarissenflosters übertragen zu lassen. Diese Erhebung und Uebertragung des h. Leibes geschah in Gegenwart des Papstes, 30 Monate nach ihrem Tode. Obwohl der h. Leib in feuchter Erde begraben gewesen, fand man ihn ganz unversehrt, und so ist er noch bis auf den heutigen Tag. Christliche Seele, du hast einen Gott, der viel größer und besser ist, als du Ihn dir vorstellest, eifere dich also an, Ihm besser zu dienen, als du bisher gethan haft. Kirchengebet. Gott, der Du die sel. Rosa in die Schaar deiner heil. Jungfrauen aufzunchmen Dich gewürdiget hast, verleihe uns, wir bitten Dich, daß wir durch ihre Gebete und Verdienste von allen Sünden gereinigt werden und die Gesellschaft deiner Majeſtät ewig genießen mögen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 5. Der sel. Gentilis von Mathelica, Martyrer des 1. Ordens. Den 6. Der fel. Vincentius von Aquila, Bekenner des 1. Ordens. Den 9. Die fel. Seraphina, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 11. Der sel. Bernardns von Ophyda, Bekenner des 1. Ordens.( Capuziner.) Den 12. Der sel. Apollinaris und 39 Gefährten, Martyrer von Japan, aus dem 1. u. 3. Ørden. Außer den Martyrern von Japan, deren Fest am 5. Februar gefeiert wird, haben in diesem Lande nach Unzählige die Palme des Martyrertodes errungen. Papst Pius IX. hat an dem Octavtage von Peter und Paul des Jahres 1867 nicht weniger als 205 von diesen selig gesprochen. Unter diesen sind 40 aus der Familie des h. Franciscus, nämlich 18 aus dem ersten und 22 aus dem dritten Orden, darunter drei Schwestern. Die Namen der Mitglieder des dritten Ordens find folgende: Der sel. Leo von Eazuma, und die 80jährige Wittwe Lucia Freitas, beide lebendig verbrannt( 10. September 1623.) Die sel. Franciscus vom h. Bonaventura und Paulus von der h. Clara, lebendig verbrannt( 12. September 1623.) Der sel. Ludovicucus Baba, lebendig verbrannt( 25. August 1624.) Am - 189 — — 17. August 1627 wurden Casparus Waz und Franciscus Cufioie lebendig verbrannt, und sechs andere enthauptet, nämlich die sel. Maria Waz, Thomas Wo, Lucas Chiemon, Ludovicus Matzuo, Martinus Gomez, Michael Chizaiemon.- Am 8. September 1628 starben theils in den Flammen, theils unter dem Schwerte der sel. Johannes Thomati mit seinen 4 Söhnen, Dominicus, Michael, Thomas und Paulus, von denen der älteste 16, der jüngste 7 Jahre alt waren; ferner der sel. Ludovicus Nifaci mit seinen zwei Kindern Franciscus und Dominicus, der erste 5, der andere 2 Jahre alt; endlich der sel. Matthäus Alvarez. Am 3. September 1632 starb in den Flammen der sel. Hieronimus vom Kreuze, Weltpriester, aber Mitglied des 3. Ordens. Alle diese sel. Martyrer des 3. Ordens waren Japanesen. O welche Qualen haben die h. Martyrer erduldet, um sicher zur Palme des Martyrerthums zu gelangen! Kirchengebet. Verleihe uns, wir bitten Dich, allmächtiger Gott, daß wir, aufgeweckt durch das Beispiel deiner fel. Martyrer Apollinaris und seiner Gefährten, lieber alle Ulebel in dieser Welt als an der Seele Schaden leiden. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 13. Die sel. Veronica Ginliani, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 15.' Der sel. Thomas von Vallemacinaja in Umbrien. Von Jugend auf die Welt fliehend, lebte er als Einsiedler auf einem Berge unter der Leitung des sel. Petrus von Gualdo( 29. Juni); später durchwanderte er, die Buße predigend, fast ganz Italien und starb 1361, berühmt durch viele Wunder. Sein Fest wird in Foligno am 19. November gefeiert, an welchem Tage nämlich sein Leib erhoben und unverwesen gefunden wurde. Den 17. Die Einprägung der Wundmale in den Leib des h. Vaters Franciscus. Den 18. Der h Joseph von Cupertino, Befenner des 1. Ordens( Conventual). Den 19. Die Auffindung des( unverwesenen) Leibes der h. Clara. . 190 Den 24. Der h. Pacificus v. St. Severino, Bekenner des 1. Ordens. Den 26. Die sel. Lucia von Calatajereno, Jungfrau, aus dem 3. Drden. Diese Selige, geboren von vornehmen Eltern zu Calatajerone in Sicilien, diente Gott von Kindheit an. Als sie dreizehn Jahr alt war, übergab sie sich ganz der Leitung einer im Rufe der Heiligkeit stehenden Schwester des dritten Ordens. Sie folgte derselben nach Salerno und ahmte alle ihre Tugenden auf das vollkommenste nach. Nach dem Tode derselben setzte sie ihr heiliges Leben in einem Kloster derselben Stadt fort, bis der Herr sie im Jahre 1400 zu sich rief. Entsage in allen Dingen, so viel du kannst, deinem eigenen Willen, so wirst du die große Kunst lernen, allezeit den Willen Gottes zu thun. Kirchengebet. Verleihe uns, wir bitten Dich, allmächtiger Gott, auf die Fürbitte deiner seligen Jungfrau Lucia, daß wir ihren Beispielen folgen, Dir mit keuschem Leibe dienen und mit reinem Herzen gefallen mögen. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 27. Der h. Elzearius, Graf von Ariano, Bekenner des 3. Drdens. Der h. Elzearius, Graf von Ariano, geboren auf dem Schlosse Anfois in der Provence, war von Kindheit an ausgezeichnet durch Frömmigkeit und Liebe zu den Armen. Noch sehr jung wurde er mit der seligen Delphina verheirathet; aber die Liebe Gottes brannte so mächtig in ihren Herzen, daß sie mit beiderseitiger Zustimmung die jungfräuliche Keuschheit unverletzt zu halten sich entschlossen. Wirklich lebten sie bis zum Tode zusammen wie Bruder und Schwester, oder vielmehr wie zwei Engel. Strenge Abtödtung, stetes Gebet und die Ulebung aller Tugenden hielten ihre Seelen so mit Gott vereinigt, daß man an ihnen das Wort des Apostels erfüllt sah: ,, Euer Wandel sei im Himmel." Dabei vernachläßigte der Heilige keineswegs seine zeitlichen Geschäfte und Pflichten. Er war tapfer im Kriege, thätig und weise im Frieden und — 191 hielt seine Hausgenossen zu einem so vollkommenen Leben an, daß sein Haus mehr einem heiligen Kloster, als einem Schlosse glich. Seine Liebe zu den Armen war so groß, daß er in den Spitälern die Kranken pflegte und oft ihre ekelhaften Geschwüre küßte; seine Geduld und Gelassenheit bei den schwersten Beleidigungen setzte Alle in Erstaunen. Woher er dieselbe bekommen habe, zeigen folgende Worte von ihm: Wenn man mich beschimpft, und die Ungeduld sich in mir regt, so denke ich an Jesum Christum, den Gekreuzigten, und sage zu mir: kann ich das, was ich leide, mit deni vergleichen, was Jesus Christus für mich hat leiden wollen?" In seiner letzten Krankheit legte er eine Generalbeichte ab, empfing mit der rührendsten Andacht die h. Sakramente und starb gottselig am 27. September 1323, etwa 30 Jahre alt. Er ist heilig gesprochen von Georg XI. 1329. Merke dir den Spruch des h. Elzearius: Nie soll in meiner Familie der Friede gestört werden; wo der Friede herrscht, da wohnt Gott." Kirchengebet. Gott, der Du den heiligen Elzearius unter andern herrlichen Tugenden mit jungfräulicher Keuschheit im Ehestande geschmückt hast, verleihe gnädig, daß wir, die sein Andenken verehren auf Erden, seine selige Gesellschaft glücklich erlangen im Himmel. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 28. Der sel. Bernardinus von Feltria, Bekenner des 1. Ordens. October. Den 1. Die fel. Ludovica von Savoien, Wittwe, aus dem 2. Orden. Den 4. Das Fest des h. Vaters Franciscus( Seite 152.) Den 5. Der sel. Johannes von Pinna, Bekenner des 1. Ordens. Den 6. Die h. Maria Francisca von den fünf Wunden Jesu Christi, Jungfrau, aus dem 3. Drden. Maria Francisca, geboren zu Neapel am 25. März 1715, ist ein wahres Wunder der Gnade und eine schöne Blüthe der Kirche des achtzehnten Jahrhunderts. In dem 192 - Alter, wo andere Kinder noch keinen Verstand zeigen, betrachtete sie schon in vollkommener Weise das Leiden Christi und hatte einen wahren Hunger nach dem Brode der Engel. Sieben Jahre alt, zeigte sie eine solche Reife des Verstandes und der Tugend, daß man sie zur ersten h. Communion zuließ. Als sie 16 Jahre alt war, widerstand sie heldenmüthig ihren Verwandten, die sie zu einer vortheilhaften Heirath zwingen wollten, und trat mit Erlaubniß ihres Vaters in den dritten Orden, indem sie zugleich die drei Gelübde ablegte und öffentlich das Ordenskleid trug, wie damals in Italien einigen Tertiariern von den Bischöfen erlaubt wurde. Nun begann fie ein Leben von solcher Vollkommenheit, daß es mehr für Engel als für Menschen zu passen schien. Ihre Nahrung war ein wenig Brod mit Wermuth, ihr Gebet fast ununterbrochen bei Tage und Nacht; ihre Geduld, ihre Nächstenliebe, ihr Keuschheit, ihre häufigen Entzückungen zeigten, wie mächtig die Kraft des heiligen Geistes in ihr wirkte. Sie starb gottselig am 6. October 1791 und ist von Gregor XVI. im Jahre 1843 selig und von Pius IX. 29. Juni 1867 heilig gesprochen. Verrichte jede h. Beichte und Communion, als ob sie die letzte wäre. Kirchengebet. Herr Jesu, der Du die selige Maria Francisca unter andern Gnadengaben in der Verachtung der Welt bewunderungswürdig gemacht hast, wir bitten Dich durch ihre Verdienste und Fürbitte, verleihe uns, das Irdische zu verachten und das Himmlische stets zu suchen. Der du lebst u. s. w. Den 8. Die h. Brigitta, Wittwe, aus dem 3. Orden. Sie stammte aus einer königlichen Familie Schwedens und führte schon im Ehestande als Tertiarierin ein heiliges Leben. Als ihr Mann in den Cisterienserorden getreten und bald darauf gestorben war, brachte sie ihr Leben in freiwilliger Armuth, steter Buße und höchster Beschauung zu. Weltbekannt sind ihre Offenbarungen, deren Veröffentlichung die Kirche nach strenger Prüfung zur Erbauung der Gläubigen geſtattet hat. Sie gründete einen besondern Orden, der zugleich Männer und Frauen umfaßte, und starb in einem Clarissenkloster zu Rom, 23. Juli 1373. 193 „ Ein Tropfen Galle und Esfig in der Liebe Jefu Chrifti hat mehr Süßigkeit, als alle Blumen der Welt." Kirchengebet. Herr, unser Gott, der Du der feligen Brigitta durch deinen eingebornen Sohn himmlische Geheimnisse offenbaret hast, gib durch ihre fromme Fürbitte uns, deinen Dienern, daß wir in der Offenbarung deiner ewigen Glorie uns freuen und frohlocken. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 10. Der sel. Galeotus Robertus, Bekenner des 3. Ordens. Er stammte aus der berühmten Familie Malatesta zu Rimini, führte von Jugend auf ein Leben der Buße und des Gebetes und entschloß sich, genöthigt von seinen Verwandten, nur höchst ungern, in den Ehestand zu treten. Im Jahre 1430 nahm er das Bußfleid des dritten Ordens und starb 1432, im Leben und nach dem Tode zu Nimini als Heiliger verehrt. Den 12. Der sel. Seraphinus von Montegranario, Bekenner des 1. Ordens.( Kapuziner.) Den 13. Der fel. Daniel und seine 6 Gefährten, Marthrer des 1. Ordens. Den 19. Der h. Petrus von Alcantara, Bekenner des 1. Drdens. Den 22. Der fel. Ladislaus von Gielniow, Bekenner des 1. Ordens. Den 23. Der H. Johannes von Capistrano, Bekenner des 1. Ordens. Den 27. Der sel. Franciscus von Calderola, Bekenner des 1. Ordens. Den 29. Die sel. Paula von Mantua, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 30. Der sel. Bonaventura von Potenza, Bekenner des 1. Ordens.( Conventual.) An demselben Tage, der sel. Liberatus von Lauro, Bekenner des 1. Ordens. Desgleichen, der sel. Angelus von Acrio, Bekenner des 1. Ordens.( Kapuziner.) Den 31. Der sel. Thomas von Florenz, Bekenner des 1. Ordens. 13 194 November. Den 4. Die sel. Helena Anselmini aus Padua, Jungfrau, aus dem 2. Örden. Den 5. Der fel. Rainerius, Bekenner des 1. Ordens. Den 7. Der sel. Bernardinus von Fossa, Bekenner des 1. Ordens. Den 12. Der h. Didacus, Bekenner des 1. Ordens. Den 14. Der sel. Gabriel aus dem gräflichen Hause Ferretti, Bekenner des 1. Ordens. Den 16. Die sel. Agnes von Assisi, Schwester der h. Clara, Jungfraut, aus dem 2. Orden. Den 17. Die sel. Salomea, Herzogin von Polen, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 19. Die h. Elisabeth von Thüringen aus dem königlichen Geschlechte von Ungarn, Wittwe, Patronin des 3. Drdens. Die h. Elisabeth, eine Tochter des Königs Andreas von Ungarn, wurde im Jahre 1207 geboren. Da sie schon als Kind dem Landgrafen von Thüringen und Hessen, Ludwig, zur Ehe versprochen war, wurde sie im fünften Jahre ihres Alters an den Hof des Landgrafen zu Eisenach gebracht und dort erzogen. Verachtung der weltlichen Eitelkeiten, innige Frömmigkeit und besonders eine überaus große Liebe und Mildthätigkeit gegen arme und leidende Menschen glänzten an ihr von den frühesten Jahren, und da sie in der Uebung dieser Tugenden das gewöhnliche Maaß überschritt, so fehlte es ihr schon in der Jugendzeit nicht an Verfolgungen. Schon im Jahre 1220 vermählte sie sich mit dem frommen, ihrer würdigen Ludwig und setzte im Ehestande ihren gottseligen und demüthigen Wandel fort; ihre Liebeswerke aber nahmen außerordentlich zu. Sie speisete täglich 900 Arme, bediente mit eigenen Händen in dem von ihr erbauten Spitale die Kranken und pflegte mit mehr als mütterlicher Liebe selbst die von ekelhaftem Aussage entstellten Menschen, deren bloße Nähe schon von Jedermann geflohen wurde. Da man ihr diese Dienste als unanständig für eine Fürstin auslegte, sagte sie: Was euch unanständig vorkommt, dient dazu, meine Fehler zu reinigen." Gott fand sie würdig und stark genug den bittersten Leidenstelch zu trinken, und bald folgten einander Schlag 195 auf Schlag schwere Kreuze, bis ihre Seele ganz der Welt und die Welt ihr gekreuzigt war. Jm siebenten Jahre ihres überaus glücklichen, mit drei Kindern gesegneten Ehestandes starb auf einem Kreuzzuge ihr noch jugendlicher Gemahl, den fie unaussprechlich liebte. Wie sehr auch dieser Schlag ihr zartfühlendes Herz zerschmetterte, so faßte sie sich doch wieder und betete zu Gott: Du weißt, o Gott, daß ich auf dieser Welt nichts mehr geliebt habe, als meinen Gemahl, nicht nur weil er mein Gemahl war, sondern weil er auch Dich von Herzen liebte. Da es aber Dir gefiel, ihn zu Dir zu nehmen, so bin ich mit Deiner Fügung zufrieden, und wenn ich ihn mit einem ,, Vater unser" gegen deinen Willen wieder zum Leben erwecken könnte, so würde ich es nicht beten. Nur bitte ich Dich, gib ihm die ewige Ruhe, mir aber die Gnade, Dir bis an mein Lebensende vollkommen zu dienen. Weil er gestorben ist, so will auch ich von diesem Augenblicke mir selbst und der eitlen Welt abfterben." 116 Ein neues Kreuz fam über sie. Ihre Schwäger tlagten sie an als Verschwenderin, beraubten sie aller ihrer Güter und verjagten die junge Fürstin mit ihren Kindern und zwei Dienerinnen aus dem Schlosse. Sie hatten dabei die unmenschliche Gransamkeit, den Unterthanen zu verbieten, ihr Obdach zu geben. So irrte diese edle Fürstin, die Mutter der Armen, mit ihren Kindlein, in kaltem, stürmischem Wetter umher, abgewiesen von allen Thüren, ja mit Spott und Hohn überhäuft. In einem elenden Stalle fand sie endlich ein dürftiges Obdach. Doch da trocknete Gott ihre Thränen und zeigte ihr wie auch Christus, zurückgewiesen von den Thüren Bethlehems, in einem Stalle seine Herberge genommen hat; fie begab sich um Mitternacht in die Kirche des von ihr ge= gründeten Franciscanerklosters und ließ die Brüder ein Te Deum fingen zum Danke, daß Gott ihr die unverdiente Gnade gegeben habe, an der Armuth und Schmach des Erlösers Theil zu nehmen. Sie gerieth in solche Armuth, daß sie ihren Unterhalt mit Handarbeit und Almosenbegehren gewinnen mußte. Dazu kam noch Berachtung und Schmach von Seiten solcher, welche sie früher mit Wohlthaten überhäuft hatte. Von einer unverschämten Bettlerin wurde sie einst öffentlich in eine fothige Pfütze gestoßen und dabei auf das Gemeinste ausgeschimpft und verspottet. Doch alle Bitterfeiten fonnten die süße Milde ihres Herzens nicht verbittern, alle Wasser der Leiden das göttliche Feuer der Liebe nicht auslöschen. 13* 196 Gott nahm sich endlich seiner treuen Dienerin an. Durch Vermittlung ihrer Verwandten und der Freunde ihres verstorbenen Gemahles fam sie wieder in den Besitz ihrer Rechte und Güter; ja es wurde ihr sogar die Ehe mit dem deutschen Kaiser Friedrich II. angetragen. Sie aber dachte nur daran, die Welt mit Füßen zu treten und die Krone des Himmels zu gewinnen. Sie vertheilte vollständig ihre Güter unter die Armen und zog sich nach Marburg zurück, wo sie in einem schlechten Häuschen für Gott und für die Hülse der Armen lebte. Sie bediente die Kranken und spann flei= Big, um etwas zu gewinnen, was sie den Armen geben könnte. Schon bei Lebzeiten ihres Gemahls war sie in den dritten Orden getreten; nun aber legte sie an einem Charfreitage öffentlich vor dem Altare die Gelübde der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Unter Leitung ihres überaus strengen Beichtvaters, des gelehrten und ehrwürdigen Conrad von Marburg brachte sie einige Jahre in staunenswerthen Uebungen der Geduld, der Demuth und Weltverachtung, sowie der höchsten Gottes- und Nächstenliebe zu, bis sie im 24. Lebensjahre( 1231) freudig zu ihrem himmlischen Bräutigam hinüberging. Gott wirkte zu ihrer Verherrlichung viele Wunder, und Gregor IX. versetzte sie schon vier Jahre nach ihrem Tode unter die Zahl der Heiligen.*) O Christ! sprich mit der h. Elisabeth: Ich will der Welt und ihren Eitelkeiten todt sein, und auch die Welt soll mir todt sein." Kirchengebet. Erleuchte, barmherziger Gott, deiner Gläubigen Herzen, und auf die glorreiche Fürbitte der seligen Elisabeth mache, daß wir der Welt Glück verachten und uns des himmlischen Trostes allezeit erfreuen mögen. Durch Jesum Christum unsern Herrn u. s. w. Der sel. Vitalis von Bastia bei Assisi, Bekenner des 3. Ordens. Er lebte als Einsiedler in der Nähe von Assisi, und sein Fest wird in der Diöcese Assisi am 22. Septbr. gefeiert. Den 26. Der h. Leonardus von Porto Maurizio, Befenner des 1. Ordens. *) Wer ausführlicher das erbauliche Leben dieser Heiligen kennen lernen will, dem empfehlen wir das schöne Buch: Die h. Elisabeth, von Alban Stolz. — 197 Den 27. Die sel. Delphina, Jungfrau, aus dem 3. Drden. Von dieser jungfräulichen Gemahlin des h. Elzearius ist schon in dem Leben dieses Heiligen Erwähnung geschehen ( den 27. Sept.). Nach dem Tode ihres h. Gemahles lebte sie noch viele Jahre als ein Spiegel aller Tugenden, bis der Herr fie im Jahre 1360 zu sich rief. Leide mit Geduld, streite mit Demuth und liebe aus reinem Herzen, so wirst du sicher die Krone erlangen. Kirchengebet. Gott, der Du die selige Delphina, deine Dienerin, unter andern herrlichen Tugenden, mit jungfräulicher Keuschheit im Ehestande geschmückt hast, verleihe gnädig, daß wir, die wir ihr Andenken feierlich begehen auf Erden, ihre selige Gesellschaft glücklich erreichen im Himmel. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 28. Der h. Jacobus von der Mark Ankona, Befenner des 1. Drdens. An demselben Tage. Der sel. Raimundus Lullus, Martyrer des 3. Ordens. Der fel. Raimundus, aus einem adeligen Geschlechte der Balearischen Inseln, wurde im Jahre 1236 geboren. Bis zu seinen reiferen Jahren lebte er nur für die Luft und Ehre der Welt. Durch einen eigenthümlichen Vorfall ließ ihn Gott die Eitelkeit der Welt erkennen, und sofort wendete sich sein hochstrebender Geist mit aller Kraft der Liebe Jesu Chrifti zu. Er trat in den dritten Orden und lebte neun Jahre in der Einsamkeit, dann trieb ihn sein Seeleneifer, sich ganz der Bekehrung der ungläubigen Muhamedaner zu widmen. Mit unglaublicher Standhaftigkeit und rastloser Thätigkeit arbeitete er 40 Jahre an der Verwirklichung seines Planes, an vielen Orten Seminarien zu errichten, in denen Missionäre zur Bekehrung der Ungläubigen gebildet würden. Er selbst reisete zweimal nach Afrika und predigte den Muhamedanern das h. Evangelium. Das erste Mal wurde er mit Mühe dem Tode entrissen, das zweite Mal aber wurde er gesteinigt und erlangte die Martyrerkrone, im Jahre 1315. - 198 Wer Christum wahrhaft lieben will, muß sein finnliches Leben gering achten. Kirchengebet, Gott, der Du deinen Blutzeugen, den seligen Raimundus, mit Seeleneifer und unermüdlichem Streben, den Glauben zu verbreiten, geschmückt hast, verleihe uns, deinen Dienern, daß wir durch seine Fürbitte den Glauben, den wir von deiner Gnade empfangen haben, bis zum Tode treu bewahren. Durch unsern Herrn u. s. w. Den 29. Das Feft aller Heiligen der drei Orden des h. Franciscus. December. Den 5. Die selige Elisabeth, die Gute, Jungfrau, aus dem 3. Drden. Elisabeth Achlin, wegen ihres heiligen Lebens gewöhnlich„ die Gute" genannt, wurde geboren im Jahre 1386 in Waldsee bei Constanz. Wunderbare Einfalt und Seelenreinheit machten fie fähig, besondere Gaben des h. Geistes zu empfangen. Auf den Rath ihres Beichtbaters trat sie in den dritten Orden und bald darauf in das neuentstandene Kloster Reuthe desselben Ordens. Von da an lebte sie nur mehr in ihrem gefreuzigten Erlöser; seine Wunden, seine Schmerzen, seine Liebe betrachtete sie nicht bloß, sondern fühlte sie in ihrer Seele und auch in ihrem Leibe. Ihre Seele war ganz Liebe, Demuth und Friede, aber ihr Leib litt nicht nur die schrecklichsten Krankheiten, sondern auch die Schmerzen der Wunden Christi. Dazu hatte sie bittere Verfolgungen und Schmähungen von den Menschen zu erdulden. Alles diente nur dazu, ihre Seele noch enger mit Christus zu vereinigen und ihre Krone noch schöner zu machen. In den letzten Jahren ihres Lebens konnte sie außer der h. Communion durchaus feine Speise mehr genießen. In ihrer letzten Krankheit bat sie ihren Beichtbater, er möchte doch nichts von den ihr verliehenen Gnaden offenbaren; denn sie sei nichts als eine Sünderin, und die Beispiele — - 199 Christi, seiner h. Mutter und der Heiligen genügten den Christen zur Nachahmung. Sie ließ das Leiden Christi vorlesen und bei den Worten und er gab den Geist auf" verschied sie im Herrn, im Jahre 1420. Wer sich selbst sucht, der verliert Gott und zugleich sich selbst; wer Gott sucht, und sich vergißt, der findet nicht nur Gott, sondern in Gott auch sich selbst. Kirchengebet. Laß wachsen in uns, o Herr, das Mitleiden mit dem Leiden deines eingebornen Sohnes, und das Andenken daran möge dadurch, daß wir die selige Jungfrau Elisabeth nachahmen, stets in unsern Herzen zunehmen. Durch denselben u. s. w. Den 8. Das Fest der Unbefleckten Empfängniß der Jungfrau Maria, die unter diesem Titel die Hauptpatronin des Seraphischen Ordens ist. Den 12. Die Auffindung des Leibes unsers h. Vaters Franciscus. Den 13. Der sel. Bartholus, Bekenner des 3. Ordens. Geboren zu St. Germiniano in Toscana, führte er von Kindheit an ein heil. Leben und wurde später Priester und Tertiar. Nachdem er mehrere Jahre in wunderbarer Heiligkeit zugebracht hatte, erschieft ihm Christus in Gestalt eines Aussätzigen und bereitete ihn vor auf das bevorstehende schwere Kreuz, durch welches er sollte noch mehr geheiligt werden. Zwanzig Jahre nämlich mußte er an einer schrecklichen Krankheit leiden, bis er 1300 starb, glorreich durch viele Wunder im Leben und nach dem Tode. Der sel. Miro. Bekenner des 3. Ordens. Er starb gegen 1381 bei Sori in der Lombardei. Alle seine Güter hatte er den Armen gegeben und bis in sein vier und vierzigstes Jahr theils als Pilger, theils als Eremit ein sehr bußfertiges Leben geführt. Der sel. Johannes, genannt vom Frieden, Bekenner des 3. Ordens. Nachdem er als Soldat den größten Lebensgefahren ausgesetzt gewesen, begab er sich in den besseren Dienst Jesu Christi, verwandelte sein Haus in ein Spital und diente mit seiner Frau in aller Demuth und Liebe den armen Kranken, Auch stiftete er eine Bruderschaft, um den - - 200 Armen, besonders den verschämten Hausarmen zu helfen. Die uralte Verehrung dieses Geligen ist( 10. September 1857) von der H. Congregation der Riten approbirt. Den 17. Die sel. Margarita Columna, Jungfrau, aus dem 2. Orden. Den 19. Der sel. Conradus von Offida, Bekenner des 1. Ordens. Den 23. Der sel. Nicolaus Factor, Bekenner des 1. Ordens. Schlußbemerkung. Außer den genannten Heiligen und Seligen hat der Orden des h. Franciscus noch andere, fast unzählbare Brüder und Schwestern, die sich durch außerordentliche Tugenden und Gnadengaben ausgezeichnet haben und im Rufe der Heiligkeit gestorben sind. Da aber die Kirche das Urtheil über die Heiligkeit derselben noch nicht gefällt hat, ſo dürfen sie öffentlich nicht verehrt werden. Doch ist es nicht verboten, daß Jeder für sich sie verehre und sich ihrer Fürbitte empfehle. Nähere Nachrichten über das Leben der Diener und Dienerinnen Gottes, die dem dritten Orden angehören, findet man in mehreren Werken, besonders dem ,, Seraphischen Sternenhimmel" von Michael Singel. Fünfte Abtheilung. Ordensgebete. Was die pflichtmäßigen täglichen Ordensgebete betrifft, so ist das Nähere enthalten im 8. Kapitel der Regel und in der Erklärung desselben( S. 43). Ueber die Gebete für die Verstorbenen siehe 14. Kapitel( S. 52). I. Für die Priester. Es ist allen Priestern, die dem dritten Orden angehören, gestattet, das Brevier des Franciscanerordens zu beten. ( Vergl. Erklärung zum 8. Kapitel S. 44.) Beten sie ein anderes Brevier, so genügen sie dem, was der dritte Orden verlangt, wenn sie nur den Commemorationen der Laudes und Vesper die unten folgende vom h. Franciscus beifügen und nach der Complet die Commemoration pro defunctis beten. Commemoratio de sancto Francisco. 1. Ad Laudes. Antiphona. Sancte Francisce propera, veni pater, accelera ad populum qui premitur et teritur sub onere, palea, luto, latere, et sepulto Aegyptio sub sabulo, nos libera, carnis extincto vitio. V. Ora pro nobis, beate pater Francisce! R. Ut digni efficiamur promissionibus Christi. Oremus. Deus, qui ecclesiam tuam beati P. N. Francisci meritis foetu novae prolis amplificas, tribue nobis ex ejus imitatione terrena despicere et coelestium donorum semper partici — 202 patione gaudere. Per Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum, qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus sancti Deus, per omnia saecula saeculorum. Amen. 2. Ad Vesperas. Antiphona. Salve, sancte pater, patriae lux, forma Minorum, virtutis speculum, recti via, regula morum, carnis ab exilio due nos ad regna polorum. V. Ora pro nobis, beate pater Francisce! R. Ut digni efficiamur promissionibus Christi. ( Oratio ut in Laudibus.) Commemoratio pro defunctis. Post Completorium. Ps. 129. De profundis... ( In fine psalmi:) Requiem aeternam dona eis Domine, Et lux perpetua luceat eis. ( Deinde:) V. A porta inferi, R. Erue Domine animas eorum. V. Requiescant in pace. B. Amen. V. Domine exaudi orationem meam. R. Et clamor meus ad te veniat. V. Dominus vobiscum, R. Et cum spiritu tuo. Oremus. Deus, veniae lagitor et humanae salutis amator, quaesumus clementiam tuam, ut nostrae congregationis fratres, propinquos et benefactores, qui ex hoc saeculo transierunt, beata Maria semper virgine intercedente cum omnibus sanctis tuis, ad perpetuae beatitudinis consortium 203 pervenire concedas, qui vivis et regnas in saecula saeculorum. Amen. V. Requiem aeternam dona eis Domine, B. Et lux perpetua luceat eis. V. Requiescant in pace. R. Amen. II. Für diejenigen, welche nicht Priester find. Diese können entweder die im 8. Kapitel der Regel angegebenen Vater unser oder die kleinen Tagzeiten der Mutter Gottes beten. Wenn sie die Vater unser beten, so ist es nützlich, mit der Abbetung derselben die Betrachtung des bittern Leidens zu verbinden. Bei den Metten und Laudes betrachten sie die Betrübniß und das Gebet Jefu am Oelberge, auch die Gefangennehmung und die schreckliche Mißhandlung des Herrn während der Nacht; bei der Prim das ungerechte Gericht über ihn, bei der Terz die Geißelung und Dornenfrönung; bei der Sext die Kreuzigung; bei der Non den Tod und die Eröffnung der Seite; bei der Vesper die Abnehmung vom Kreuze; bei der Complet das Begräbniß des heiligsten Leibes. Um die Andacht zu befördern, folgt hier das Vorbereitungsgebet, welches die Priester vor dem Breviergebet zu sprechen pflegen, und dann ein turzes Gebet, das man vor jeder Tageszeit beten kann, um sich die Betrachtung des Leidens Christi zu erleichtern. — Vorbereitungsgebet, welches die Kirche vor Abbetung ihrer Tageszeiten spricht. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Herr, eröffne meinen Mund, zu loben deinen heiligen Namen: reinige mein Herz von allen eiteln, bösen und zerstreuenden Gedanken; erleuchte meinen Verstand und erwecke meinen Willen, damit ich würdig, aufmerksam und andächtig diese Tagzeiten vor dem Angesichte deiner göttlichen Majestät zu beten und erhört zu werden verdiene. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 204 Herr Jesus! in Vereinigung mit jener göttlichen Meinung, mit der Du selbst hier auf Erden gebetet und Gott das Lob gesprochen hast, will auch ich dieses Gebet verrichten. - Gebet zu der Mette und den Laudes. O Herr Jesus Christus! durch die Liebe, mit welcher Du die Deinigen bis ans Ende geliebt, durch den blutigen Angstschweiß, den Du am Delberge für mich geschwißet, und durch alle deine Schmach und Schmerzen, die Du gelitten hast, da Du von dem gottlosen Jünger Judas verkauft, von den Juden hart gebunden, wie ein Uebelthäter gefänglich weggeführt, vor Annas und Kaiphas verhöhnt und die ganze Nacht hindurch mißhandelt wurdest, bitte ich Dich, löse auf die Bande meiner Sünden und verbinde mich durch die innigste Liebe mit Dir, damit ich Dich nimmermehr durch eine Sünde beleidige und in Ewigkeit nicht mehr von Dir getrennt werde, der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste als wahrer Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - Herr, thue auf meine Lippen, und mein Mund wird dein Lob verkündigen. Gott, merk' auf mein Gebet! Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem h. Geiste! wie im Anfange so auch jetzt und allezeit und ewig! Amen. Nun bete man die 12 Vater unser und Ehre sei dem Vater 2c. und dann den Glauben: Ich glaube an Gott den Vater zc. - Zu der Prim. O Herr Jesus Christus, Du himmlischer Richter, der Du um die erste Stunde des Tages dem Richter Pilatus als ein Uebelthäter bist vorgestellt, von falschen Zeugen angeklagt und beschuldigt worden: sei mir Sünder gnädig und hilf mir, daß ich einst in deinem Gerichte nicht mit den Gottlosen zu den ewigen Peinen verdammt, sondern - 205 mit allen deinen treuen Dienern zu Dir in die ewigen Freuden möge aufgenommen werden, der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O Gott, merk' auf mein Gebet! Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei deur Vater und dem Sohne ic.- 7 Vater unser und 7 Ehre sei dem Vater 2c. Zu der Terz. O Herr Jesus Christus, der Du um die dritte Stunde des Tages grausam gegeißelt und mit Dornen schmerzlich bist gekrönt worden: verleihe uns, deinen Dienern und Dienerinnen, daß wir unsere Leiber und bösen Begierden durch freiwillige Abtödtung züchtigen, auf daß wir für unsere Sünden genug thun und unter Dir, unserem mit Dornen gefrönten Haupte, würdige Glieder sein mögen; der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste wahrer Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gott, merk' auf mein Gebet! Herr, eile mir zu helfen! - Ehre sei dem Vater und dem Sohne 2c.- 7 Vater unser und 7 Ehre sei dem Vater 2c. Zu der Sert. O Herr Jesus Christus, der Du um die sechste Stunde an Händen und Füßen mit groben Nägeln durchbohrt, an das Kreuz geheftet und mit demselben erhöht worden bist, und so die Schuld unserer ewigen Verdammung getilgt haft: verleihe, daß wir durch herzliche Liebe stets an Dich geheftet, frei von allen Sünden, beständig Dir dienen, dein schmerzliches Leiden oft mit dankbarer Liebe in unsern Herzen erwägen und so uns der Verdienste deines Leidens und Todes theilhaftig machen; der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste 2c. - O Gott, merk' auf mein Gebet! Herr, eile mir zu helfen! 7 Vater unser Ehre sei dem Vater und dem Sohne 2c.- und 7 Ehre sei dem Vater 2c. 206 Zu der Non. O Herr Jesus Christus, der Du um die neunte Stunde, nachdem Du alles zu unserer Erlösung Erforderliche vollbracht hattest, deinen Geist in die Hände deines himmlischen Vaters empfehlend, aus Liebe für uns am Kreuze gestorben bist, und so dem in der Sünde gestorbenen menschlichen Geschlechte das Leben der Seele wiedergegeben haft: verleihe gnädig, daß wir Dir zu Liebe unsern bösen Neigungen ganz absterben und von nun an Dir, der Du für uns gestorben bist, ewig leben mögen; der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste 2c. O Gott, merk auf mein Gebet! Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater und dem Sohne sc.- 7 Vater unser und 7 Ehre sei dem Vater 2c. -- Zu der Vesper. O Herr Jesus Christus, der Du zur Vesperzeit, nachdem Du aus Liebe für uns am Kreuze gestorben warst, von demselben bist abgenommen und in ein neues Grab gelegt worden: verleihe mir gnädig, daß ich kein Leiden, das mir von deiner Weisheit und Güte auferlegt wird, jemals mit Murren und Ungeduld von mir zu schieben suche, und im Tode davon befreit, zu Dir in die ewigen Freuden möge aufgenommen werden; der Du mit dem Vater und dem heil. Geiste 2c. O Gott, merk' auf mein Gebet! Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater und dem Sohne 2c.-7 Bater unser und 7 Ehre sei dem Vater 2c. Zu der Complet. O Herr Jesus Christus, der Du zur Abendstunde von deinen Leiden im Grabe geruhet hast und von deiner heiligsten und betrübteſten Mutter und andern frommen Freunden bist schmerzlich beweint worden: wir bitten Dich, gib uns Gnade, unsere Sünden als die Ursache deines Leidens und Todes oft mit wahren Bußthränen zu beweinen und deine Liebe und deine Leiden als die - 207 Mittel unserer Erlösung recht tief in unsern Herzen zu erwägen, auf daß wir nie wieder etwas begehen, was Dich, o Jesus! von Neuem kreuzige, nämlich eine schwere Sünde. Der Du mit dem Vater und dem h. Geiste wahrer Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bekehre uns, o Gott, unser Heiland und wende die wohlverdienten Strafen gnädig von uns ab! O Gott, merk' auf mein Gebet! Herr, eile mir zu helfen! -Ehre sei dem Vater und dem Sohne zc.- 7 Bater unser und 7 Ehre sei dem Vater 2c. Ich glaube an Gott den Vater 2c. und der vierte Buspsalm, wenn man ihn nicht schon gebetet hat. Wer Zeit hat, und sich durch deutlichere Erinnerung an das Leiden Jesu mehr erbauen will, der setze bei Abbetung der Tagzeiten folgende gute Meinungen hinzu. Vorzüg= lich an Sonn- und Feiertagen wird Mancher hierzu Zeit finden.- Man lasse die gute Meinung vor dem Gebete einer jeden Tagzeit hergehen. Gute Meinung. Vor der Mette S. 204. Herr Jesus Christus, diese für die Mette vorgeschriebenen 12 Vater unser 2c. will ich beten zur Ehre des innigsten Gebetes, das Du am Oelberge zu deinem himmlischen Vater verrichtet hast, wie auch zur Verehrung des blutigen Angstschweißes, den Du für mich geschwißet, und aller Schmach und Pein, die Du in deiner Gefangennehmung und Hinführung in die Stadt Jerusalem, bei der Vorstellung vor Annas und Kaiphas und die ganze Nacht hindurch gelitten haſt. Auch um Dir den schuldigen Dank abzustatten für meine Erschaffung und Erlösung, um alle zur Seligkeit nöthigen und nüßlichen Gnaden für mich und meine Mitbrüder und Mitschwestern und für alle Menschen zu erlangen; vorzüglich, daß wir deinen - 208 heiligsten Willen allezeit erkennen und nach demselben leben mögen, gleichwie Du Dich am Delberge in den Willen deines himmlischen Vaters ergeben hast. Auch opfere ich Dir dieses Gebet auf zur Genugthuung für meine Sündenstrafen und um Erleuchtung und Bekehrung für alle in schweren Sünden vom bösen Feinde gefangene und verstrickte Sünder, wie auch zum Troste und zur baldigen Erlösung der leidenden Seelen im Fegfeuer, besonders jener meiner Mitbrüder und Mitschwestern und meiner Verwandten. Vor der Prim S. 204. O liebevoller Heiland der Welt! dieses mein Gebet will ich zur Ehre der Schmach und Schmerzen verrichten, die Du in der Frühe des Tages für mich bei der gefänglichen Hinund Herführung von einem Richter zum andern, zum Pilatus und Herodes, und durch die vielen falschen Anklagen und Verspottungen gelitten hast. Auch opfere ich es Dir auf, um wahre Lebensbesserung für mich und meine Nebenmenschen zu erflehen, auch daß Du die katholische Kirche erhöhen, besonders daß Du ihre geistlichen Vorsteher durch deinen h. Geist erleuchten und heiligen wollest, damit sie ihren Schäflein mit Wort und Beispiel zum Guten vorgehen, sie auf dem Tugendwege bewahren und zu Dir führen. Vor der Terz S. 205. Herr Jesu, Du König des Himmels und der Erde! dieses mein Gebet will ich zur Verehrung deiner grausamen Geißelung, schmerzlichen Krönung und ungerechten Todesverurtheilung verrichten. Auch opfere ich es Dir auf, um Dir den schuldigen Dank zu sagen für alle mir und meinen Mitmenschen erwiesenen Gnaden und Wohlthaten, be 209 - sonders für den Beruf zum wahren katholischen Glauben und für die vielen guten Einsprechungen und Erleuchtungen deines h. Geistes; auch um wahre Demuth und Keuschheit für mich, für alle Ordensbrüder und Schwestern und für alle Menschen zu erlangen. Vor der Sert S. 205. O mein Jesus! diese Tagzeit will ich beten zur Ehre deiner mühsamen Kreuztragung und der vielen grausamen Stöße und Schläge, die Du unter dem Kreuze auf dem Wege zum Calvarienberge meinetwegen erduldet hast, und besonders zur Ehre deiner grausamen und schmerzlichen Kreuzigung. Auch opfere ich sie Dir auf, um Geduld in Leiden und Widerwärtigkeiten für mich und für alle betrübte, mit Leiden und Verfolgungen beschwerte Christgläubigen zu erflehen, daß Du uns alle stärken und trösten wollest, Alles Dir zu Liebe und zur Tilgung unserer Sündenstrafen mit freudiger Ergebung zu ertragen. Vor der Non S. 206. O leidender, liebevoller Heiland! dieses Gebet will ich verrichten zur Ehre aller Schmerzen und der großen Angst, die Du in den drei Stunden, da Du am Kreuze hingst, für mich gelitten hast, und deines bittersten Todes; wie auch zur Ehre deiner schmerzvollen Mutter, die unter deinem Kreuze stand. Auch opfere ich es Dir auf um Erlangung einer glückseligen Todesstunde für mich und alle Christgläubigen, besonders für alle Mitbrüder und Mitschwestern unseres Ordens und für Alle, die heute von hier scheiden. Vor der Vesper S. 206. O mein Erlöser! dieses Gebet will ich verrichten, um Dir für alle 14 - 210 Leiden, die Du für uns erduldet hast, Dank zu sagen, und die Abnehmung deines heiligsten Leichnams vom Kreuze zu verehren; wie auch, daß Du uns wahre Nächsten- und besonders Feindesliebe geben, auch alle Seelengefahren, schwere Krankheiten und Unglücksfälle gnädig von uns abwenden wollest. Vor der Complet S. 206. O mein Jesus! diesen Schluß meiner Tagzeiten will ich beten zur Verehrung und zum Andenken deines kläglichen Begräbnisses, da Du von deiner schmerzhaften Mutter, dem heiligen Johannes, der frommen Magdalena und andern Freunden zum Grabe begleitet und bitterlich beweint wurdest. Auch opfere ich Dir dieses Gebet auf zur Verehrung aller Schmerzen, die deine jungfräuliche Mutter bei deinen Leiden empfunden hat, wie auch um die Gnade zu empfangen, Dich oft und allezeit recht würdig durch die h. Communion in mein Herz aufzunehmen; dann auch für das Heil Aller, die für mich beten, für meine Wohlthäter und Freunde, um sowohl für mich als für sie die Beharrlichkeit im Guten zu erlangen. Der vierte Buspsalm.( Pf. 50.) Empfindungen Davids und sein Gebet um Nachlassung der Sünden, mit dem Vorsatze wahrer Besserung. Erbarme Dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit: Und nach der Menge deiner Erbarmnisse tilge meine Missethat. Mehr und mehr wasche mich von meiner Ungerechtigkeit: und von meiner Sünde reinige mich. Denn meine Missethat erkenne ich: und meine Sünde ist vor mir allezeit. - 211 Dir allein hab' ich gesündiget und Böses vor Dir gethan: auf daß Du gerecht erfunden werdest in deinen Worten, und den Sieg erhaltest, wenn man über Dich urtheilt. Denn siehe, in Ungerechtigkeit bin ich empfangen: in Sünden hat mich empfangen meine Mutter. Siehe, die Wahrheit hast Du geliebet: die heimlichen und die verborgenen Dinge deiner Weisheit mir geoffenbart. Besprenge mich mit Hysop, so werde ich gereinigt: wasche mich, so werde ich weißer als der Schnee. Gib meinem Gehör Freude und Wonne, so werden frohlocken die gedemüthigten Gebeine. Wende ab dein Angesicht von meinen Sünden: und alle meine Missethaten tilge. Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott: und den rechten Geist erneuere in meinem Innern. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte: und deinen h. Geist nimm nicht von mir. Gib mir wieder die Freude deines Heiles: und mit dem fürstlichen Geiste befestige mich. So will ich lehren die Ungerechten deine Wege: und die Gottlosen werden sich zu dir bekehren. Erlöse mich von den Blutschulden, Gott, Du Gott meines Heiles; so wird mit Freuden meine Zunge deine Gerechtigkeit preisen. Herr, öffne meine Lippen: und mein Mund wird verkündigen dein Lob. Denn wenn Du Opfer gewollt hättest, würd' ich ja freilich sie gegeben haben: an Brandopfern wirst Du kein Gefallen haben. Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist: ein zerfnirschtes und gedemüthigtes Herz wirst Du, o Gott, nicht verachten. 14* - 212 Thue, Herr, Gnaden nach deinem guten Willen an Sion: damit die Mauern Jerusalems erbaut werden. Dann wirst Du annehmen das Opfer der Gerechtigkeit, Gaben und Brandopfer: dann wird man Kälber auf deinen Altar legen. Ehre sei dem Vater zc. Der sechste Bukpsalm.( Ps. 129.) Bußgesinnungen eines Sünders, der die Billigkeit seiner Sündenstrafen erfennt, und von Gottes Barmherzigkeit Verzeihung hofft. Aus den Tiefen rufe ich zu Dir, o Herr! Herr, erhöre meine Stimme. Laß Acht haben dein Ohr auf die Stimme meines Flehens! Wenn Du Acht haben wolltest auf die Missethaten, Herr, wer könnte dann bestehen, o Herr? Aber bei Dir ist Versöhnung: und um deines Gesetes willen harre ich auf Dich, o Herr! Meine Seele harret auf sein Wort, meine Seele hofft auf den Herrn. Von der Morgenwache bis in die Nacht hoffe Israel auf den Herrn. Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit, und bei Ihm ist überreiche Erlösung. Und Er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. Ehre sei dem Vater zc. Schlußgebet. Mit folgendem Gebete schließt die Kirche ihre Tagzeiten, und Papst Leo X. hat allen denen, die es reumüthig und andächtig sprechen, einen Ablaß von den Mängeln und Feh — 213 — lern verliehen, welche sie vielleicht etwa bei Abbetung der Tagzeiten aus menschlicher Schwachheit begangen haben. Der allerheiligsten und unzertheilbaren Dreifaltigkeit, der Menschheit unsers gekreuzigten Herrn Jesu Christi, der allerseligsten, glorwürdigsten, allzeit jungfräulichen und fruchtbaren reinen Mutter Maria, den sämmtlichen Schaaren aller Heiligen sei ewig Lob, Ehre, Preis und Verherrlichung von allen Geschöpfen auf dem ganzen Erdkreis, uns verleihe der Herr Verzeihung unserer Sünden und ewiges Leben. Amen. Heilig ist die seligste Jungfrau Maria, welche des ewigen Vaters Sohn geboren hat. Heilig und gepriesen ist sie, die Jesus, unsern Erlöser, gepflegt und genährt hat. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du, Maria 2c. Vater, der Du Alles, auch mich, mit Liebe umfasfest, o ersetze Du in deiner unendlich huldvollen Barmherzigkeit durch die Verdienste Jesu, deines Sohnes, Alles, was meinerseits bei diesem meinen Gebete mangelhaft geschehen ist. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Die kleinen Tagzeiten unserer lieben Frau. Vorbereitungsgebet( siehe Seite 202). Bur Mette. Gegrüßet seist du Maria 2c. V. Herr, eröffne meine Lippen! B. Und mein Mund wird dein Lob verkündigen. V. O Gott, habe Acht auf meine Hülfe! B. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Alleluja! Anmert. Vom Sonntage Septuagesima bis Ostern wird anstatt Alleluja gesagt: ,, Lob sei Dir, o Herr, Du König der ewigen Glorie!" Und so bei allen übrigen Tagzeiten. 214 Invitatorium oder Einladung zum Lobe Gottes. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir. Psalm 94. Kommet, lasset uns frohlocken dem Herrn: jubeln Gott, unserm Heilande; lasset uns frühzeitig mit Danksagung vor sein Angesicht fommen und mit Psalmen Ihm jubeln! Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir. Denn ein großer Gott ist der Herr, und ein großer König über alle Götter, weil der Herr nimmer verstoßen wird sein Volk; denn in seiner Hand sind alle Grenzen der Erde, und die Höhen der Berge erschauet Er. Der Herr ist mit dir. Und sein ist das Meer; denn Er hat es gemacht und das Trockene haben gebildet seine Hände. Kommet, lasset uns anbeten und niederfallen vor Gott, und weinen vor dem Herrn, der uns gemacht hat; denn Er ist der Herr, unser Gott; wir aber sind sein Volk und Schafe seiner Weide. Gegrüßet seist du, Maria zc. Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht, wie bei der Reizung am Tage der Versuchung in der Wüste, wo Mich versuchten eure Väter, Mich prüften und doch sahen meine Werke. Der Herr ist mit dir. Vierzig Jahre war Ich nahe diesem Geschlechte und sprach: Immer irren fie im Herzen, und sie erkennen nicht meine Wege, so daß ich schwur in meinem Zorne: Sie sollen nicht eingehen in meine Ruhe. Gegrüßet seist du, Maria 2c. Ehre sei dem Vater 2c. Der Herr ist mit dir. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden. Der Herr ist mit dir. - 215 Tobgesang. Vor dem der Himmel und die Welt Im Staub anbetend niederfällt, Den Weltbeherrscher, hehr und groß, Trägst, Jungfrau, du in deinem Schooß. Vor dem sich Mond und Sonne neigt, Dem Alles dienstbar sich erzeigt, Den schließ'st du, Jungfrau keusch und rein, Vom Geiste überschattet, ein. Der große Schöpfer, der die Welt Umfassend an den Fingern hält, War, uns durch seine Huld geschenkt, In deinem Leibe eingeschränkt. Du, die der Engel selig preis't, Umschattet von dem heil'gen Geist, Du bist beglückt die den gebar, Der aller Welt Verlangen war. Dir, Jesu, bringen Preis wir dar, Dir, den die Jungfrau uns gebar, Den mit dem Vater und dem Geist, Was Dasein hat, allewig preis't. * Die drei folgenden Psalmen nebst den dazu gehörenden Antiphonen werden am Sonntage, Montage und Donnerstage zur Mette gebetet. Antiph. Du bist gebenedeit. Psalm 8. Herr, unser Herr! wie wunderbar ist dein Name auf der ganzen Erde; denn deine Herrlichkeit ist erhöhet über die Himmel. Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge haft Du vollkommenes Lob bereitet um deiner Feinde willen, um den Feind und den Rachgierigen zu stürzen. Denn schau' ich deine Himmel an, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die Du gegründet: Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest, oder der Menschensohn, daß Du ihn heimsuchest? Du haft ihn nur wenig unter die Engel erniedrigt, mit Herrlichkeit und Ehre ihn gekrönt. Und ihn gesetzet über die Werke deiner Hände. - 216 Alles hast Du seinen Füßen unterworfen, Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die Thiere des Feldes; Die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, welche die Wege des Meeres durchwandeln. Herr, unser Herr, wie wunderbar ist dein Name auf der ganzen Erde! Ehre sei dem Vater 2c. Antiph. Du bist gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Antiph. Wie eine auserlesene Myrrhe. Psalm 18. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände. Ein Tag bringt dem andern das Wort herfür, und eine Nacht meldet der andern die Kunde. Es ist keine Sprache, es ist kein Wort, deren Stimme man nicht hörte. Ueber die ganze Erde gehet aus ihr Schall, und bis an die Enden des Erdkreises ihr Wort. In der Sonne hat Er seine Wohnung gesetzt: und sie gehet hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer, frohTocket wie ein Riese, zu laufen den Weg. Vom äußersten Himmel ist ihr Ausgang und ihre Rückfehr am Neußersten desselben: und es ist Niemand, der sich bergen kann vor ihrer Hitze. Das Gesetz des Herrn ist unbefleckt und bekehrt die Seelen: das Zeugniß des Herrn ist getreu und gibt Weisheit den Kleinen. Die Rechte des Herrn sind gerade und erfreuen die Herzen: das Gebot des Herrn ist hell und erleuchtet die Augen. Die Furcht des Herrn ist heilig und dauert in Ewigfeit: die Gerichte des Herrn sind wahrhaft, gerechtfertigt in sich selber. Wünschenswerther sind sie als Gold und viel Edelgestein und süßer als Honig und Honigseim. Dein Knecht bewahrt sie auch, in ihrer Beobachtung ist vielfache Vergeltung.Aber die Sünden, wer merket fie? Von meinen verborgenen Sünden reinige mich. Und vor den fremden schone deinen Knecht. Wenn sie über mich nicht herrschen, dann werde ich unbefleckt sein und gereinigt werden von der größten Sünde. - 217 Und es werden Dir wohlgefallen die Worte meines Mundes, und das Sinnen meines Herzens wird in deiner Gegenwart sein allezeit. Herr, Du bist mein Helfer und mein Erlöser. Ehre sei dem Vater 2c. Antiph. Wie eine auserlesene Myrrhe hast du einen lieblichen Geruch gegeben, o h. Gottesgebärerin! Antiph. Vor der Ruhestätte. Pfalm 23. Des Herrn ist die Erde und was sie erfüllt: der Erdkreis und Alle, die darauf wohnen. Denn Er hat ihn auf Meere gegründet: und auf Strömen ihn bereitet. Wer wird hinaufsteigen den Berg des Herrn?- oder wer wird stehen an seinem heiligen Orte? Wer unschuldig an Händen und rein von Herzen, seine Seele nicht gebraucht zum Eitlen, und nicht fälschlich schwöret seinem Nächsten: Der wird Segen vom Herrn erlangen und Barmherzigfeit von Gott, seinem Heilande. Das ist das Geschlecht, das nach Ihm verlanget, die da verlangen nach dem Angesichte des Gottes Jacobs. Hebet eure Thore, ihr Fürsten; erhebet euch, ihr ewigen Thore, daß einziehe der König der Herrlichkeit. Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der Herr, der starke und mächtige, der Herr, mächtig im Kriege. Hebet eure Thore, ihr Fürsten; erhebet euch, ihr ewigen Thore, daß einziehe der König der Herrlichkeit. Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerschaaren, dieser ist der König der Herrlichkeit!- Ehre sei 2c. Antiph. Vor der Ruhestätte dieser Jungfrau laſſet uns süße Jubellieder singen. V. Anmuth ist ausgegossen über deine Lippen. B. Darum hat dich Gott gesegnet in Ewigkeit. Vater unser. Absolution. Durch die Fürbitte und Verdienste der allerfeligsten und unbefleckten Jungfrau Maria und aller Heiligen führe uns der Herr in das himmlische Reich. R. Amen. Herr, segne deinen Diener! Segnung. Mit ihrem milden Kinde segne uns die Jungfrau Maria.- P. Amen. - 218 - Die folgenden drei Lektionen werden gelesen das ganze Jahr hindurch, die Adventszeit ausgenommen. Erste Tektion. Eccl. 24, 11-14. Bei Allen sah ich mich um, wo ich wohnen könnte, da wollte ich bleiben unter dem Erbe des Herrn. Dann gebot mir der Schöpfer aller Dinge, der mich erschuf, der in meiner Hütte wohnte, und sprach zu mir: In Jacob sollst du wohnen und in Israel dein Erbtheil haben und in meinen Auserwählten Wurzel schlagen.- Du aber, o Herr, erbarme Dich unser!- B. Gott sei Dank. Responsorium. Heilige und unbefleckte Jungfrau! ich weiß nicht, mit welchen Lobeserhebungen ich dich würdig preisen soll! Denn du hast in deinem Schooße getragen denjenigen, welchen die Himmel nicht fassen können. V. Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. B. Denn du haft in deinem Schooße 2c.( bis zum V.) Herr, segne deinen Diener! Segnung. Die Jungfrau aller Jungfrauen werde selbst unsere Fürsprecherin bei dem Herrn. B.Amen. 3 weite Tektion. V. 15-17. Und so bekam ich eine feste Wohnung auf Sion, in der heiligen Stadt einen Ruheort, und so herrschte ich zu Jerusalem; ich faßte Wurzel bei einem geehrten Volke; bei dem Antheile meines Gottes, der sein Erbe ist, in der Gemeinde der Heiligen ist mein Aufenthalt.- Du aber, o Herr, erbarme Dich unser!- B. Gott sei Dank! Responsorium. Selig bist du, o Jungfrau Maria! die du den Herrn, den Schöpfer der Welt, getragen haft. Ihn gebarst du, der dich erschuf, und verbleibest Jungfrau ewiglich. V. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir. B. Shn gebarst du zc.( bis zum V.) V. Ehre sei dem Vater 2c. B. Ihn gebarst du 2c.( bis zum V.) ( Das Ehre sei" mit dem B. wird in dem zweiten Responsorium immer gesagt, wenn nachher auf die dritte Lektion das Te Deum folgt. Diejes aber wird ausgelassen -- 219 vom Sonntage Septuagesima bis Ostern und im Advent; zu andern Zeiten kann das Te Deum nach Belieben gesprochen werden. Wenn dasselbe ausbleibt, wird im zweiten Responsorium kein ,, Ehre sei" gesagt, weil nach der dritten Lektion ein Nesp. gesetzt wird, worin dasselbe vorkommt. Im Falle das Te Deum genommen wird, bleibt das Responsorium bei der dritten Lesung aus.) Herr, segne deinen Diener! Segnung. Durch seine jungfräuliche Mutter verleihe uns der Herr Heil und Frieden..- R. Amen. Dritte Lektion. Ich wuchs wie eine Ceder auf dem Libanon und wie eine Cypresse auf dem Berge Sion; ich wuchs wie eine Palme zu Cades, und wie eine Rosenstaude zu Jericho; ich wuchs wie ein schöner Delbaum auf dem Felde und wie ein Ahorn am Wasser auf den Plätzen. Ich gab einen Geruch von mir wie Zimmet und wohlriechender Balsam; ich gab einen lieblichen Geruch wie die auserlesenste Dyrrhe.- Du aber, o Herr, erbarme Dich unser!- B. Gott sei Dank! Anmerk. Hier folgt das Te Deum oder der Ambrostanische Lobgesang Seite 224. Im Falle dieser ausgelassen wird, folgt folgendes Responsorium. Glückselig bist du wahrlich, o Jungfrau Maria! und würdig alles Lobes im höchsten Grade; denn aus dir ist uns aufgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott. V. Bitte für das Volk, stehe bei den Dienern des Altars, flehe für das gottgeweihte Frauengeschlecht und laß Alle deine Hülfe erfahren, die dein heiliges Andenken verehren. R. Denn aus dir ist uns aufgegangen 2c.( bis zum V.) V. Ehre sei dem Vater 2c. B. Christus, unser Gott. * Folgende drei Psalmen mit den Antiphonen werden am Dienstage und Freitage gebetet. Antiph. In deiner Zierde. Pfalm 44. Es quillt mein Herz von guter Rede; ich singe mein Lied für den König. Meine Zunge ist die Feder eines Schreibers, der schnell schreibet. - 220 Schön von Gestalt bist du vor den Menschenkindern, Anmuth ist ausgegossen über deine Lippen, darum hat dich Gott gesegnet in Ewigkeit. Gürte dein Schwert um deine Hüfte Allmächtiger! In deiner Zierde und deiner Schönheit beginne, im Glücke fahre fort und herrsche um der Wahrheit und Sanftmuth und Gerechtigkeit willen; so wird dich wunderbar führen deine Rechte. Deine Pfeile sind scharf, daß Völker unter dir fallen: sie gehen ins Herz der Feinde des Königs. Dein Thron, o Gott, stehet immer und ewig: ein Scepter der Gerechtigkeit ist der Scepter deines Reiches. Du liebest Gerechtigkeit und hasfest das Unrecht; darum hat Dich, o Gott, dein Gott mit Freude gesalbet mehr als deine Genossen. Myrrhe und Aloe und Casia ist in deinen Kleidern aus elfenbeinernen Häusern: damit haben dich erlustiget die Töchter der Könige in deiner Herrlichkeit. Die Königin steht zu deiner Rechten im goldenen Kleide, im bunten Gewande. Höre, Tochter, und schaue und neige dein Ohr: und vergiß deines Volkes und des Hauses deines Vaters! So wird der König nach deiner Schönheit verlangen: denn Er ist der Herr, dein Gott, und man wird ihn anbeten. Die Töchter von Tyrus, alle Reichen des Voltes werden mit Geschenken dein Angesicht anflehen. Alle Herrlichkeit der Tochter des Königs ist inwendig, mit Gold verbrämt, bunt ihr Gewand. Hinter ihr her werden Jungfrauen zu dem Könige geführt, ihre Nächsten werden zu dir gebracht, herzugebracht unter Freude und Frohlocken, hineingeführt in den Tempel des Königs. Anstatt deiner Väter werden dir Söhne geboren: du wirst sie zu Fürsten setzen auf der ganzen Erde. Sie werden deines Namens gedenken von Geschlecht zu Geschlecht; darum werden dich preisen die Völker in Ewigkeit, immer und ewig.- Ehre sei dem Vater 2c. Antiph. In deiner Zierde und in deiner Schönheit beginne, im Glücke fahre fort und herrsche. Antiph. Gott hilft ihr durch seinen Anblick. O 221 - Pfalm 45. Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein Helfer in Trübsalen, die uns sehr hart getroffen. Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde sich bewegte, und die Berge versetzt würden mitten ins Meer. Mögen rauschen und wallen seine Wasser, und die Berge erbeben vor seiner Gewalt. Des Stromes Anlauf erfreuet die Stadt Gottes, der Allerhöchste heiliget seine Wohnung. Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken: früh am Morgen hilft ihr Gott. Es tobten die Völker, und wankten die Reiche: da gab Er seine Stimme, und die Erde erbebte. Der Herr der heerschaaren ist mit uns: unsere Zuflucht der Gott Jacobs. Kommet und schautet die Werke des Herrn, welche Wunder Er gewirket auf Erden, der da wegnimmt die Kriege bis ans Ende der Erde, den Bogen zertrümmert und die Waffen zerschlägt und die Schilde mit Feuer verbrennt. Seid still und schauet; denn Ich bin Gott, will erhöhet sein unter den Völkern, und erhöhet auf Erden. Der Herr der Heerschaaren ist mit uns: unsere Zuflucht ist der Gott Jacobs.- Ehre sei dem Vater 2c. Antiph. Gott hilft ihr durch seinen Anblick; Gott ist in ihrer Mitte; sie wird nicht wanken. Antiph. Wie Frohlockende sind Alle. Pfalm 86. Seine Grundfesten sind auf heiligen Bergen: es liebet der Herr die Thore Sions über alle Hütten Jacobs. Herrliches wird von dir gesagt, o Stadt Gottes! Ich will Rahabs gedenken und Babylons, daß sie mich erkennen. Siehe, der Fremdling und der Tyrier und das Volk der Aethiopier, die sind daſelbst. Wird man nicht zu Sion sagen: Mann für Mann ist darin geboren, und Er selbst hat sie gegründet, der Allmächtige? Der Herr erzählt es im Verzeichnisse der Völker und Fürsten derer, die darin sind. Wie Frohlockende sind Alle, die in dir wohnen. Ehre 2c. Antiph. Wie Frohlockende sind Alle, die bei dir wohnen, heilige Gottesgebärerin! - 222 - V. Anmuth ist ausgegoffen über deine Lippen. B. Darum hat dich Gott gesegnet in Ewigkeit.- Vater unser. ( Die Absolution, die Segnungen und Lektionen 2c. wie vorher, S. 218.) * Die folgenden drei Psalmen mit den Antiphonen werden am Mittwoch und Samstag gebetet. Antiph. Erfreue dich. P[ alm 95. Singet dem Herrn ein neues Lied: singet dem Herrn, alle Lande! Singet dem Herrn, und benedeiet seinen Namen: vertündet von Tag zu Tag sein Heil! Verkündet unter den Völkern seine Herrlichkeit, unter allen Nationen seine Wunder! Denn groß ist der Herr und sehr lobenswerth, ist furchtbar über alle Götter. Denn alle Götter der Heiden sind böse Geister; der Herr aber hat die Himmel gemacht. Bekenntniß und Schönheit ist vor seinem Angesichte: Heiligkeit und Herrlichkeit ist in seinem Heiligthume. Bringet dem Herrn, ihr Länder der Heiden, bringet dem Herrn Preis und Ehre! Preis bringet dem Herrn, seinem Namen: bringet her Opfer, und gehet ein in seine Vorhöfe! Betet den Herrn an in seinem heiligen Vorhofe: es zittere alle Welt vor seinem Angesichte. Saget unter den Heiden, daß der Herr regieret: denn Er hat zurecht gemacht den Erdkreis, der nicht wanken wird; Er richtet die Völker mit Gerechtigkeit. Es freue sich der Himmel und frohlocke die Erde: es bewege sich das Meer und was es erfüllet. Es freue sich die Flur und Alles, was darauf ist: es sollen dann jauchzen alle Bäume der Wälder vor dem Angefichte des Herrn, weil Er fommt, zu richten die Erde. Er wird richten den Erdkreis mit Gerechtigkeit und die Völker in seiner Wahrheit.- Ehre sei dem Vater zc. Antiph. Erfreue dich, Jungfrau Maria! sämmtliche Ketzereien auf der ganzen Welt hast du allein getilgt. Antiph. Laß mich dich loben. C 223 — Psalm 96. Der Herr regieret, darum frohlocke die Erde: und es sollen sich freuen die vielen Inseln. Gewölk und Finsterniß ist um Ihn her: auf Recht und Gerechtigkeit ist zugerichtet sein Stuhl. Feuer geht vor Ihm her und verzehret ringsum seine Feinde. Seine Blitze beleuchten den Erdkreis: Er sieht's, und es zittert die Erde. Die Berge zerfließen wie Wachs vor dem Angesichte des Herrn, vor dem Angesichte des Herrn die ganze Erde. Die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit, und alle Völfer schauen seine Herrlichkeit. Zu Schanden werden Alle, die Bilder anbeten und ihrer Gößen sich rühmen. Betet Ihn an, ihr alle seine Engel. Es hört's und freuet sich Sion, und die Töchter Juda's frohlocken um deiner Gerichte willen, Herr! Denn Du, Herr, bist der Höchste über die ganze Erde, überaus erhaben über alle Götter. Hasset das Böse, die ihr liebet den Herrn: Der Herr bewahret die Seelen seiner Heiligen, aus der Hand des Sünders errettet Er fie. — Ein Licht ist aufgegangen den Gerechten, und denen, die aufrichtigen Herzens sind, Freude. Freuet euch im Herrn, ihr Gerechte, und preiset das Andenken seiner Heiligung. Ehre sei dem Vater 2c. Antiph. Laß mich dich loben, hochheilige Jungfrau! gib mir Kraft wider deine Feinde. Antiph. Nach der Geburt Christi. Im Advent und am Feste der Verkündigung Mariä wird gebetet folgende Antiph. Der Engel des Herrn. Psalm 97. Singet dem Herrn ein neues Lied: denn Er hat Wunder gethan. Es hat ihm geholfen seine Rechte und sein heiliger Arm. Der Herr hat kund gethan sein Heil, im Angesichte der Völker geoffenbaret seine Gerechtigkeit. Er gedachte seiner Barmherzigkeit und seiner Wahrheit für das Haus Israel. Alle Grenzen der Erde schauen das Heil unsers Gottes. - 224 Jubelt Gott, alle Lande: singet und frohlocket und lobfinget! Lobsinget dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe mit Psalmengesang unterm Schalle der Trompeten und Hörner. Jubelt im Angesichte des Königs, des Herrn: es rege sich das Meer, und was es erfüllet, der Erdkreis und die darauf wohnen. Die Ströme flatschen in die Hände, allzumal frohlocken die Berge vor dem Angesichte des Herrn; denn Er kommt, zu richten die Erde. Er wird richten den Erdkreis mit Gerechtigkeit und die Völker mit Billigkeit.-Ehre sei dem Vater zc. Antiph. Nach der Geburt bist du eine unbefleckte Jungfrau geblieben; Mutter Gottes, bitte für uns! Im Advent und am Feste der Verkündigung Mariä: Antiph. Der Engel des Herrn hat Maria die Botschaft gebracht, und sie hat empfangen vom h. Geiste. Alleluja! V. Anmuth ist ausgegossen über deine Lippen. B. Darum hat dich Gott gesegnet in Ewigkeit.- Vater unser. ( Die Absolution, die Segnungen und Lektionen 2c. wie vorher, S. 217.) Te Deum laudamus.( Der Ambrosianische Lobgesang.) O Gott! Dich loben wir; Dich, den Herrn bekennen wir. Dich, den ewigen Vater, verehrt der ganze Erdkreis. Dir lobsingen alle Engel; Dir alle Himmel und alle Kräfte. Dir fingen alle Cherubim und Seraphim mit unaufhörlicher Stimme: Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll der Herrlichkeit deiner Majestät. Dich lobt der glorwürdige Chor der Apostel; Dich preis't die ruhmvolle Schaar der Propheten; Dich erhebt das schimmernde Heer der Martyrer; Dich bekennt die heilige Kirche durch die ganze Welt; Dich, den Vater unermeßlicher Herrlichkeit; Deinen anbetungswürdigen, wahren und einzigen Sohn; Auch den heiligen Geist, den Tröster. Christus, Du König der Herrlichkeit! Du bist der ewige Sohn des Vaters. 225 Um den Menschen zu erlösen, hast Du den Schooß der Jungfrau nicht gescheut. Du hast des Todes Stachel überwunden und den Gläutbigen die Reiche der Himmel eröffnet. Du sitzest zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit des Vaters. Wir glauben, daß Du wiederkommen wirst als Richter. Zu Dir flehen wir also: Komm deinen Dienern zu Hülfe, die Du mit deinem kostbaren Blute erlöset haſt. Laß unsere Namen in der Zahl deiner Heiligen dort im Lande der ewigen Herrlichkeit genannt werden. Hilf, Herr, deinem Volke und segne dein Erbe; Und regiere sie und erhöhe fie ewiglich. Täglich wollen wir Dich preisen, Und deinen Namen loben ewiglich. Erhalte uns, o Herr, unbefleckt von Sünde diesen Tag hindurch. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser! Deine Barmherzigkeit, o Herr, sei über uns, gleichwie wir auf Dich hoffen. Auf Dich, o Herr, hoffe ich; laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Am Advent und am Feste der Verkündigung Mariä werden statt der Seite 218 u. ff. angeführten Lektion folgende gesprochen.- Die Absolution bleibt dieselbe. Herr, segne deinen Diener! Segnung. Die Jungfrau mit ihrem lieben Kinde wolle uns segnen. R. Amen. ― Erste Lektion. Luk. 1, 26-29. Der Engel Gabriel ward von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die mit einem Manne aus dem Hause Davids verlobt war, welcher Joseph hieß, und der Name der Jungfrau war Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern! Du aber, o Herr, erbarme Dich unfer! R. Gott sei Dank! Respons. Der Engel Gabriel ward gesandt zu der Jungfrau Maria, die mit Joseph verlobt war, und verkündigte ihr das Wort, und die Jungfrau erschrať vor dem Lichte. Fürchte dich nicht, Maria! denn du hast Gnade 15 - 226 gefunden bei Gott. Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, und er wird der Sohn des Allerhöchsten genannt werden. - V. Gott der Herr wird Ihm den Thron seines Vaters David geben, und Er wird herrschen im Hause Jakobs ewiglich und seines Reiches wird kein Ende sein. R. Siehe, du wirst empfangen 2c.( bis zum V.) Herr, segne deinen Diener! Segnung. Die Jungfrau aller Jungfrauen werde selbst unsere Fürsprecherin bei dem Herrn. R. Amen. - 3weite Lektion. V. 29-31. Da sie dies hörte, erschrak sie über seine Rede und dachte nach, was das für ein Gruß sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Siehe, du wirst empfangen in deinem Leibe und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden: Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen im Hause Jakobs ewiglich, und seines Reiches wird fein Ende sein. Du aber, o Herr, erbarme Dich unser!- R. Gott sei Dank! Respons. Gegrüßet seist du, Daria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir!- Der heilige Geist wird über dich fommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Gottes Sohn genannt werden. V. Wie wird dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne? und der Engel antwortete und sprach zu ihr: R. Der heilige Geist wird über dich kommen 2c.( bis zum V.) Herr, segne deinen Diener! Segnung. Durch seine jungfräuliche Mutter verleihe uns der Herr Heil und Frieden.- R. Amen. Dritte Tektion. V. 34-38. Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dieses geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum 227 wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden. Und sieh, Elisabeth, deine Verwandte, auch diese hat einen Sohn in ihrem Alter empfangen, und sie, die unfruchtbar heißt, geht nun schon im sechstent Monate; denn bei Gott ist fein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Sieh, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte.- Du aber, o Herr, erbarme Dich unser!- R. Gott sei Dank! Respons. Empfange das Wort, o Jungfrau Maria! welches dir von Gott durch den Engel verfündet worden: du wirst empfangen und einen Sohn gebären, der da zugleich Gott und Mensch ist, damit du die Gebenedeite unter allen Weibern genannt werdest. V. Ja, du wirst einen Sohn gebären, aber deine Jungfräulichkeit nicht verlieren; du wirst empfangen, aber auch als Mutter immerdar unbefleckt bleiben. R. Damit du die Gebenedeite 2c.( bis zum V.) V. Ehre sei bem Vater 2c. R. Damit du die Gebenedeite 2c. Bu den Laudes. V. O Gott, merke auf meine Hülfe! R. Ehre sei dem Vater zc. Alleluja! oder: Lob sei dir 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Maria ist aufgenommen worden in den Himmel. ( Im Advent:) 1 Antiph. Der Engel Gabriel. ( Nach dem Advent bis Maria Lichtmeß:) Antiph. O wunderbarliches Geheimniß. Psalm 92. Der Herr regieret, hat Zierde sich angethan: der Herr hat mit Macht sich angethan und sich umgürtet; denn Er gründete den Umkreis der Erde, der nie wanket. Dein Thron ist gegründet seitdem: von Ewigkeit bist Du. Es erheben sich die Ströme, o Herr, es erheben die Ströme ihre Stimme, es erheben die Ströme ihre Wellen. Im Brausen vieler Wasser; wunderbar ist der Aufruhr des Meeres; wunderbar der Herr in der Höhe. Deine Zeugnisse sind überaus glaubwürdig geworden; deinem Hause ziemet Heiligkeit, o Herr, auf ewige Zeiten. Ehre sei dem Vater zc. 15* - 228 ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Maria ist aufgenommen worden in den Himmel; es freuen sich die Engel, lobend preisen fie Gott. ( Im Advent:) Antiph. Der Engel Gabriel ward gesandt zu Maria, der Jungfrau, die mit Joseph verlobt war. ( Nach dem Advent bis Mariä Lichtmeß:) Antiph. O wunderbarliches Geheimniß! der Schöpfer des menschlichen Geschlechts hat einen beseelten Leib angenommen und wollte von einer Jungfrau geboren werden. Er ist als Mensch ohne Matel empfangen worden und hat uns seine Gottheit mitgetheilt. ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph Maria, die Jungfrau. ( Im Advent:) Antiph. Gegrüßet seist du, Maria. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Da du auf eine wunderbarliche Weise. Psalm 99. Jubelt Gott, alle Lande; dienet Gott dem Herrn mit Freuden: kommet bor sein Angesicht mit Jubel. Wisset, daß der Herr, Er, Gott ist; Er hat uns gemacht, und nicht wir uns selbst: wir sind sein Volt und die Schäflein seiner Weide. Gehet ein mit Bekenntniß in seine Thore, in seine Vorhöfe, mit Lobgesängen; bekennet Jhn, Lobet seinen Namen. Denn lieblich ist der Herr: seine Barmherzigkeit währet ewig, und von Geschlecht zu Geschlecht seine Wahrheit. Ehre sei 2c. — ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Maria, die Jungfrau, ist aufgenommen wor den in die himmlische Ruhestätte, wo der König der Könige auf einem Sternenthrone sitzt. ( Im Advent:) Antiph. Gegrüßet seist du, Maria! voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Da du auf eine wunderbarliche Weise aus einer Jungfrau geboren wurdest, so ist die Schrift erfüllet worden: Wie der Thau auf das Feld, so bist du herabgestie 229 gen, um das menschliche Geschlecht selig zu machen. Wir loben Dich, unser Gott! ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Nach dem Geruche deiner Salbungen laufen wir. ( Im Advent:) Antiph. Fürchte dich nicht, Maria! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. An dem Dornenstrauche, den Moises unverbrannt sah. Psalm 62. O Gott, mein Gott! früh wache ich zu Dir; meine Seele durftet nach Dir, gar sehr nach Dir mein Fleisch. Im wüsten, weglosen, wasserlosen Lande, so erschien ich vor Dir wie im Heiligthume, deine Kraft und deine Herrlichkeit zu schauen. Denn besser ist deine Barmherzigkeit, als Leben: meine Lippen wollen Dich loben. So will ich Dich preisen in meinem Leben: und in deinem Namen aufheben meine Hände. Wie von Mark und Fett laß satt werden meine Seele, daß mit jubelnden Lippen Dich lobe mein Mund. Gedenke ich deiner auf meinem Lager, so sinne ich über Dich noch am Morgen. Denn Du bist mein Helfer, und im Schatten deiner Flügel will ich jubeln. Es hängt meine Seele an Dir: mich nahm auf deine Rechte. Sie aber suchen vergebens meine Seele, fahren hinunter in die Tiefen der Erde; Werden hingegeben dem Schwerte, eine Beute der Füchse; aber der König wird sich freuen in Gott; gepriesen sei ein Jeglicher, so bei Ihm schwöret: denn verstopfet wird deren Mund, die Böses reden. Psalm 66. Gott erbarme sich unser und segne uns, Lasse leuchten sein Angesicht über uns und erbarme sich unser. Damit wir auf Erden deinen Weg erkennen, unter allen Völkern dein Heil. 230 1 Es sollen Dich preisen die Völker, o Gott! Dich sollen preisen alle Völker. Es sollen sich freuen und jubeln die Völker: denn Du richtest die Völker in Gerechtigkeit und lenkest die Heiden auf Erden. Es sollen Dich preisen die Völker, o Gott! Dich sollen preisen alle Völker. Die Erde wird geben ihre Frucht. Es segne uns Gott, unser Gott; es segne uns Gott, und es follen ihn fürchten alle Enden der Erde.- Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Nach dem Geruche deiner Salbungen laufen wir; die zarten Jungfrauen lieben dich überaus innig. ( Im Advent:) Antiph. Fürchte dich nicht, Maria! denn du hast Gnade gefunden vor Gott; siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären. Alleluja! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. An dem Dornenstrauche, den Moises unverbrannt sah, erkannten wir deine unversehrt erhaltene, preiswürdige Jungfrauschaft. Heilige Gottesgebärerin, bitte für ung! ( Von Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Gesegnet bist du, o Tochter! ( Im Advent:) Antiph. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben. ( Nach Advent:) Antiph. Die Wurzel Jesse. Lobgefang der drei Knaben.( Dan. 3.) Preiset den Herrn, ihr alle Werke des Herrn: lobet und erhebet Ihn über Alles in Ewigkeit. Preiset den Herrn, ihr Engel des Herru: preiset, ihr Himmel, den Herrn. Preiset, ihr alle Wasser über dem Himmel, den Herrn: preiset, ihr alle Kräfte des Herrn, den Herrn. Sonne und Mond, preiset den Herrn: Sterne des Himmels, preiset den Herrn. Regen und Thau, preiset alle den Herrn: alle Winde Gottes, preiset den Herrn. 231 Feuer und Hitze, preiset den Herrn: Kälte und Hitze, preiset den Herrn. Thau und Reif, preiset den Herrn: Frost und Kälte, preiset den Herrn. Eis und Schnee, preiset den Herrn: Nacht und Tag, preiset den Herrn. Licht und Finsterniß, preiset den Herrn: Blitz und Wolken, preiset den Herrn. Die Erde lobe den Herrn: sie lobe und erhebe Ihn über Alles in Ewigkeit. Berge und Hügel, preiset den Herrn: Alles, was auf Erden grünet, lobe den Herrn. Ihr Brunnen, preiset den Herrn: Meere und Flüsse, preiset den Herrn. Ihr Wallfische und Alles, was sich in den Waffern regt, preiset den Herrn: all' ihr Bögel des Himmels, preiset den Herrn. All' ihr wilden und zahmen Thiere, preiset den Herrn: ihr Menschenkinder, preiset den Herrn. Ifrael preise den Herrn: es lobe und preise Ihn über Alles in Ewigkeit. Ihr Priester des Herrn, preiset den Herrn: ihr Diener des Herrn, preiset den Herrn. Ihr Geister und Seelen der Gerechten, preiset den Herrn: ihr Heilige und von Herzen Demüthige, preiset den Herrn. Ananias, Azarias, Misael, preiset den Herrn: lobet und erhebet Ihn über Alles in Ewigkeit. Lasset uns preisen den Vater und den Sohn mit dem heiligen Geist; lasset uns Ihn loben und hoch erheben in Ewigkeit. Gepriesen seist Du am Firmamente des Himmels; der Du lobwürdig, hochherrlich und hochpreiswürdig bist in Ewigkeit. ( Von Lichtmeß bis Advent:) Gesegnet bist du, o Tochter, von dem Herrn, denn durch dich ward uns die Furcht des Lebens zu Theil. Antiph. ( Im Advent:) Antiph. Gott der Herr wird Ihm den Thron seines Vaters David geben, und Er wird herrschen ewiglich. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Die Wurzel Jesse hat gegrünt; es ist ein Stern aus Jakob aufgegangen; die Jungfrau hat geboren den Heiland; Dich loben wir, o unser Gott! 232 ( Von Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Schön bist du. — ( Im Advent:) Antiph. Sieh', ich bin eine Magd des Herrn. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Sieh', Maria hat uns geboren den Erlöser. Psalm 148. Lobet den Herrn vom Himmel her: Lobet Ihn in den Höhen! Lobet Ihn, alle seine Engel: lobet Ihn, all' seine Heere! Lobet Jhn, Sonne und Mond: lobet Ihn, alle leuchtende Sterne! Lobet Ihn, Himmel der Himmel, und alle Wasser, die über dem Himmel sind! Sie sollen loben den Namen des Herrn: denn Er sprach, und sie sind geworden; Er befahl, und sie wurden geschaffen. Er stellte sie fest auf immer und ewig: ein Gebot hat Er gegeben, und es wird nicht vergehen. Lobet den Herrn auf der Erde, ihr Ungeheuer und alle Tiefen! Feuer, Hagel, Schnee, Eis, Sturmwind, die sein Wort ausrichten. Ihr Berge und alle Hügel, ihr Fruchtbäume und alle Cedern. Ihr wilden Thiere und alles Vieh, ihr Schlangen und gefiederte Vögel. Ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde. Jünglinge und Jungfrauen, Jung und Alt, lobet den Namen des Herrn; denn erhaben ist sein Name allein. Sein Lob ist über Himmel, und Er erhöhet das Horn seines Volkes. Lob ziemet allen seinen Heiligen, den Söhnen Israels, dem Volke, das ihm nahe ist. Psalm 149. Singet dem Herrn ein neues Lied: sein Lob sei in der Gemeinde der Heiligen. Es freue sich Ifrael in seinem Schöpfer: die Kinder Israels sollen frohlocken in ihrem Könige, 233 I Sie sollen loben seinen Namen in Chören, mit Paufen und Harfen Ihm Lob singen. Denn der Herr hat Wohlgefallen an seinem Volke, und erhöhet die Sanftmüthigen zum Heile. Es frohlocken die Heiligen in ihrer Herrlichkeit; sie freuen sich auf ihren Lagern. Lobeserhebungen Gottes sind in der Kehle und zweischneidige Schwerter in ihren Händen. Um Rache zu üben unter den Völkern, Strafe an den Nationen. Um ihre Könige zu binden mit Ketten, ihre Edeln mit eisernen Banden. Um ihnen zu thun nach dem geschriebenen Rechte. Das bringt Ehre allen seinen Heiligen. Psalm 150. Lobet den Herrn in seinen Heiligen; lobet Ihn in der Beste seiner Kraft. Lobet Ihn in seinen Kräften: lobet Ihn nach seiner vielfältigen Größe. Lobet Ihn mit Posaunenschall: lobet Jhn mit Harfen und Zithern. Lobet Ihn mit Paufen und Chören: Lobet Jhn mit Saiten und Pfeifen. Lobet Ihn mit Zimbeln, die gut flingen: lobet Ihn mit Freudenzimbeln. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!. Ehre sei dem Vater 2c. - ( Von Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Schön bist du und lieblich, o Tochter Jerusalems! furchtbar, wie ein geordnetes Kriegsheer. ( Im Advent:) Antiph. Sieh', ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte. — ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Sieh'. Maria hat uns geboren den Heiland, von welchem Johannes das Zeugniß gab, da er sprach: Sehet, das Lamm Gottes; sehet, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt. Alleluja. Kapitel.( Hohes Lied Salomons 6, 8.) Es sahen sie die Töchter Sions und priesen sie überaus selig, und die Königinnen lobten sie. R. Gott sei Dank. 234 ( Im Advent:) Kapitel.( Isai. 11.) Und ein Reis wird heraufkommen aus der Wurzel Jesse, und eine Blume wird aufgehen aus seiner Wurzel, und der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen. R. Gott sei Dank. Tobgesang. Jungfrau, der Jungfrauen Lust,- erhöhet in dem Himmelszelt! Du nährtest einst an deiner Brust- als kleines Kind den Herrn der Welt. Was Eva einst für uns verlor, das stellte her dein göttlich Kind:- Du öffnest uns des Himmels Thor, für die Büßer Freuden sind. Du bist das Thor zum höchsten Thron,- des Himmels glänzend Heiligthum;-o fingt der Jungfrau heil'gem Sohn, erlös'te Völker, Preis und Ruhm. Dir, Jefu Chrifte, bringen wir,- Dir, den Maria uns gebar, Dir, Vater! und, o Geist! auch Dir- den wärmsten Dank der Seele dar. V. Du bist gebenedeit unter den Weibern, R. Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. O heilige Gottesgebärerin. ( Im Advent:) - Antiph. Der heilige Geist. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Ein wunderbarliches Geheimniß. * Zur Ofterzeit bis zum Feste der h. Dreifaltigkeit sprich: Antiph. Himmelskönigin, dich freue. Tobgesang des Bacharias.( Luk. ( Luk. 1, 68 2c.) Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels: denn Er hat sein Volk heimgesucht und ihm Erlösung verschafft. Ein Horn des Heils hat Er uns aufgerichtet in dem Hause Davids, seines Knechtes; Wie Er es durch den Mund seiner heiligen Propheten zu allen Zeiten verheißen hat: Uns zu erlösen von unsern Feinden und aus der Hand Aller, die uns hassen; An unsern Vätern Barmherzigkeit zu thun und eingedenk zu sein seines heiligen Bundes, 235 Des Eides, den Er unserm Vater Abraham geschworen hat, uns zu verleihen: Daß wir, aus der Hand unsrer Feinde erlöset, furchtlos Ihm dienen, In Heiligkeit und Gerechtigkeit, vor Ihm alle Tage unseres Lebens. Und du, Kind, wirst ein Prophet des Allerhöchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesichte des Herrn hergehen, um Shm den Weg zu bereiten: Um sein Volk zur Erkenntniß des Heils zu führen, zur Vergebung ihrer Sünden: Durch die innigste Barmherzigkeit unsers Gottes, in welcher uns heimgesucht hat der Aufgang aus der Höhe: Um denen zu leuchten, die in der Finsterniß und im Todesschatten sitzen, und unsere Füße auf den Weg des Friedens zu leiten. Ehre sei dem Vater zc. ( Von Lichtmeß bis Advent:) Antiph. O heilige Gottesgebärerin Maria! ewige Jungfrau, ein Tempel des Herrn, eine Wohnung des h. Geistes, du haft allein vorzugsweise unserm Herrn Jesu Christo gefallen: bitte für das Volt, sei eine Mittlerin für die Briesterschaft, und eine Fürsprecherin des frommen Frauengeschlechtes. ( Im Advent:) Antiph. Der h. Geist wird über dich kommen, o Maria! fürchte dich nicht, du wirst in deinem Schooße den Sohn Gottes empfangen. Alleluja! ( Nach Advent bis Lichtmes:) Antiph. Ein wunderbarliches Geheimniß wird heute offenbar: die Natur wird erneuert: Gott ist Mensch geworden. Was Er war, ist Er geblieben; was Er nicht war, hat Er angenommen, ohne Vermischung, ohne Zertheilung zu erleiden. Zur Osterzeit und bis zum Feste der h. Dreifaltigkeit sprich: Antiph. Himmelskönigin, dich freue! Alleluja! Den du trugst, du Vielgetreue! Alleluja! Siegreich stand er auf vom Tod! Alleluja! Bitte mild für uns bei Gott! Alleluja! V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! 236 ( Vor und im Advent:) Gebet. Gott! der Du gewollt haft, daß dein ewiges Wort auf die Ankündigung des Engels aus dem Leibe der allerfeligsten Jungfrau Maria Fleisch annehme; verleihe unserm demüthigen Gebete, daß wir, die wir sie wahrhaft für eine Gebärerin Gottes halten, auch durch ihre Fürbitte Hülfe erlangen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn.- R. Amen. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Gebet. Gott! der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit Mariä dem menschlichen Geschlechte das Geschenk des ewigen Heiles gegeben hast: wir bitten Dich, gib uns, daß wir ihre Fürbitte erfahren, die wir durch sie gewürdigt wurden, den Urheber unsers Lebens zu erhalten, unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit Dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, gleicher Gott in alle Ewigkeit.- R. Amen. ( Vor und nach dem Advent zu den Heiligen:) Antiph. Alle Heiligen Gottes! würdiget euch, für uns und aller Menschen Heil zu bitten. V. Erfreuet euch im Herrn und frohlocket, ihr Gerechten! R. Und rühmet euch alle, die ihr aufrichtig seid von Herzen. Gebet. Beschütze dein Volk, o Gott! und erhalte es in deinem immerwährenden Schußze; denn es hoffet auf die Fürbitte deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus und der übrigen Apostel. Wir bitten Dich, o Herr! daß alle deine Heiligen uns überall beistehen, damit wir ihren Schutz erfahren, da wir sie wegen ihrer Verdienste verehren. Deinen Frieden verleihe uns und wende ab von deiner Kirche alles Böse. Richte unsern Willen und unser Thun und Lassen, wie auch den Willen und das Thun und Lassen aller deiner Diener auf den Weg des Heils.. Belohne unsere Gutthäter mit der ewigen Seligkeit und gib allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes, gleicher Gott in alle Ewigkeit.- R. Amen. V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und mein Rufen komme zu Dir! V. Lasset uns preisen den Herrn! R. Gott sei Dank! 237 V. Die Seelen der Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden.- R. Amen. - ( Im Advent zu den Heiligen:) Antiph. Siehe, der Herr wird kommen und alle seine Heiligen mit ihm, und es wird an jenem Tage ein großes Licht aufgehen. Alleluja! V. Siehe, der Herr wird auf einer hellen Wolfe erscheinen. R. Und mit ihm Tausende der Heiligen. Gebet. Herr! wir bitten Dich, reinige durch deine Heimsuchung unser Gewissen, damit Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr, wenn er mit allen Heiligen kommt, eine würdige Wohnung in uns finde. Der da lebt und regiert mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott in alle Ewigkeit.- R. Amen. V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! V. Lasset uns den Herrn loben! R. Gott sei Dank! V. Die Seelen der Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. R. Amen. * Willst du hier oder nach einer der folgenden Tagzeiten aufhören zu beten, so sprich knieend( aber zur österlichen Zeit und an den Sonntagen stehend) Folgendes: Vater unser 2c. Dann: V. Der Herr gebe uns seinen Frieden, R. Und das ewige Leben. Amen. * Sprich hierauf eine von den auf S. 258 folgenden Antiphonen für die verschiedenen Zeiten des Jahres" nach Unterschied der Jahreszeit. Bur Prim. Gegrüßet seist du, Maria zc. V. O Gott, merte auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Alleluja!( oder: Lob sei dir 2c.) - Tobgesang. Gedenk, daß Du, der einst mit Macht- die ganze Welt hervorgebracht, im Leib der Jungfrau Fleisch annahmst, - durch sie als Heiland zu uns kamst. - - 238 O Mutter der Barmherzigkeit,- durch die Gott Gnade uns verleiht, mach' uns von unsern Feinden frei, steh' im Todeskampf uns bei. und Dir, Jesu, bringen Preis wir dar, Dir, den die Jungfrau uns gebar,- den mit dem Vater und dem Geist, was Dasein hat, allewig preis't. Amen. — ( Von Maria Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Maria ift aufgenommen worden in den Himmel. ( Im Advent:) Antiph. Der Engel Gabriel. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. O wunderbarliches Geheimniß. Psalm 53. Gott, in deinem Namen errette mich: und in deiner Kraft schaffe mir Recht. Gott, erhöre mein Gebet: nimm zu Ohren die Worte meines Mundes. Denn Fremde haben sich erhoben wider mich, und Starke haben meiner Seele nachgestrebt und Gott nicht vor Augen gehabt. Denn siehe, Gott stehet mir bei, und der Herr nimmt auf meine Seele. Wende ab das Böse auf meine Feinde und in deiner Wahrheit zerstöre sie. So will ich Dir freiwillig opfern und deinen Namen. preisen, Herr! denn er ist gut. Denn aus aller Drangsal hast Du mich errettet: und über meine Feinde hat weggeschaut mein Auge. Ehre sei dem Vater 2c. Psalm 84. Du hast gesegnet, o Herr, dein Land, hast weggenommen die Gefangenschaft Jakobs. Nachgelassen die Missethat deines Volkes, bedecket alle ihre Sünden. Gemildert allen deinen Zorn, Dich weggewandt von dem Zorne deines Grimmes. Bekehre uns, unser Heiland, und wende ab deinen Zorn von uns. - 239 Wirst Du denn ewiglich zürnen über uns, oder ausdehnen deinen Zorn von Geschlecht zu Geschlecht? Gott, wenn Du Dich herkehrest, belebest Du uns, und dein Volk wird sich freuen in Dir. Zeige uns, Herr, deine Barmherzigkeit, und dein Heil gib uns. Ich will hören, was in mir redet Gott der Herr. Er redet Frieden über sein Volk und über seine Heiligen und über die, so fich wenden zu ihrem Herzen. Ja, nahe ist sein Heil denen, die ihn fürchten, damit die Herrlichkeit wohne in unserm Lande. Barmherzigkeit und Wahrheit begegnen sich, Gerechtigkeit und Friede küssen sich. Die Wahrheit sprosset aus der Erde hervor: und die Gerechtigkeit schauet vom Himmel herab. Denn Gültigkeit gibt der Herr: und unsere Erde gibt ihre Frucht. - Gerechtigkeit wandelt vor ihm, und schreitet fort auf ihrem Weg. Ehre sei dem Vater zc. Pfalm 116. Lobet den Herrn, alle Völker, lobet ihn alle Nationen. Denn es ist bestätigt über uns seine Barmherzigkeit, und die Wahrheit des Herrn bleibet in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Maria Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Maria ist aufgenommen worden in den Himmel: es freuen sich die Engel, lobend preisen sie Gott. ( Im Advent:) Antiph. Der Engel Gabriel ward gesandt zu Maria, der Jungfrau, die mit Joseph verlobt war. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. O wunderbarliches Geheimniß! der Schöpfer des menschlichen Geschlechts hat einen beseelten Leib angenommen, und wollte von einer Jungfrau geboren werden. Er ist als Mensch ohne alle Makel empfangen worden und hat uns seine Gottheit mitgetheilt. ( Vor und nach dem Advent bis Lichtmeß:) Kapitel.( Hohel. 6.) Wer ist die, welche wie die aufsteigende Morgenröthe hervorkommt, schön wie der Mond, auserforen wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnetes Kriegsheer? R. Gott sei Dank! ( Im Advent:) Kapitel.( Isai. 7.) Sieh, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen wird man Emmanuel nennen. Butter und Honig wird er essen, damit er das Böse verwerfen und das Gute wählen lerne. R. Gott sei Dant! ser! 240 V. Würdige mich, zu loben dich, o heilige Jungfrau! R. Gib mir Kraft und Stärke wider deine Feinde. Herr, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unHerr, erbarme Dich unser! V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und mein Rufen komme zu Dir! - ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Gebet. Gott, der Du den keuschen Leib der seligsten Jungfrau Maria zu deiner Wohnung zu erwählen Dich ge würdigt hast: wir bitten Dich, verleihe, daß wir ihr Gedächtniß mit Freuden begehen und durch ihren Schutz bewahrt werden. Der Du lebest und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, gleicher Gott in alle Ewigkeit. R. Amen. ( Im Advent:) Gebet. Laudes. Seite 236.) Gott, der Du gewollt hast 2c.( wie nach den ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Gebet. Gott, der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit zc.( wie nach den Laudes. Seite 236.) V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! V. Lasset uns den Herrn loben! R. Gott sei Dank! - V. Die Seelen der Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. R. Amen. — Bur Terz. Gegrüßet seist du, Maria 2c. V. O Gott, merke auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater zc. Alleluja! Oder: Lob sei dir 2c. 241 Lobgesang. Gedenk', daß du 2c.( wie bei der Prim. Seite 237.) ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Maria, die Jungfrau. ( Im Advent:) Antiph. Gegrüßet seist du, Maria. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Da Du auf eine wunderbarliche Weise geboren wurdest. Psalm 119. Zu dem Herrn rufe ich, wenn ich in Trübfal bin, und Er erhört mich. Herr, erlöse meine Seele von ungerechten Lippen und von trügerischen Zungen. Was gibt man dir oder was ist dein Lohn für eine trügerische Zunge? Scharfe Pfeile eines Gewaltigen und brennende Kohlen. Wehe mir, daß meine Pilgerfahrt so lange dauert, daß ich wohne unter den Einwohnern Cedars. Lange ist meine Seele ein Fremdling gewesen. Mit denen, die den Frieden hassen, bin ich friedlich; wenn ich mit ihnen rede, erheben sie Streit wider mich ohne Ursache. Ehre sei dem Vater 2c. Pfalm 120. Ich hebe meine Augen zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe ist von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er läßt nicht wanken deinen Fuß, er schläft nicht, der dich behütet. Sieh, er schlummert und schläft nicht, der Israel behütet. Der Herr behütet dich, der Herr ist dein Schirm über deine rechte Hand. Des Tages wird die Sonne dich nicht brennen, noch der Mond des Nachts. Der Herr behütet dich vor allem Bösen, der Herr behütet deine Seele. Der Herr behütet deinen Eingang und deinen Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater zc. 16 — 242 - Psalm 121. Ich freue mich, wenn man mir sagt: Lasset uns gehen zum Hause des Herrn. Es stehen unsere Füße in deinen Vorhöfen, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut wie eine Stadt, die sich zur Gemeinschaft zusammenfügt. Da wallen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn, nach dem Zeugnisse Jsraels, den Namen des Herrn zu loben. Denn da stehen die Stühle zum Gericht, die Stühle über das Haus Davids. Wünschet Jerusalem, was zum Frieden ist: Ueberfluß sei denen, die dich lieben. Es werde Friede in deiner Kraft und Ueberfluß in deinen Thürmen. Um meiner Brüder und meiner Nächsten willen wünsche ich dir Frieden. Um des Hauses des Herrn unsers Gottes willen wünsche ich dir Gutes.- Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Maria, die Jungfrau, ist aufgenommen worden in die himmlische Ruhestätte, wo der König der Könige auf einem Sternenthrone sitzet. ( Im Advent:). Antiph. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Weibern. Alleluja! ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Da Du auf wunderbarliche Weise geboren wurdest aus einer Jungfrau, so ist die Schrift erfüllt worden: Wie der Thau auf das Feld, so bist Du herabgestiegen, um das menschliche Geschlecht selig zu machen. Wir loben Dich, unser Gott! Kapitel.( Eccl. 24.) Und so bekam ich eine feste Wohnnng auf Sion, in der heiligen Stadt einen Ruheort, und so herrschte ich in Jerusalem.- R. Gott sei Dant! ( Im Advent:) Kapitel.( Isai. 7.) Und ein Reis wird herkommen aus der Wurzel Jeffe, und eine Blume aufgehen aus seiner Wurzel, und der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen. R. Gott sei Dank! fer! V. Die Gnade ist ausgegoffen auf deinen Lippen. R. Darum hat dich Gott ewiglich gesegnet. Herr, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unHerr, erbarme Dich unser! 243 ( Im Advent:) Gebet. V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! ( Vor und nach dem Advent:) Gebet. Gott! der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236). - Landes, Seite 236). Gott, der Du gewollt haft 2c.( wie nach den V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! V. Lasset uns den Herrn loben! R. Gott sei Dank! V. Die Seelen der Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. R. Amen. - Bur Sert. Gegrüßet seist du, Maria, 2c. V. Gott, merte auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Alleluja! Oder: Lob sei dir zc. Lobgesang. Gedenk', daß Du 2c.( wie bei der Prim, Seite 237.) ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Nach dem Geruche. ( Jm Advent:) Antiph. Fürchte dich nicht, Maria! ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. An dem Dornbusche, den Moises unverbrannt sah. Psalm 122. Zu Dir erheb' ich meine Augen, der Du wohnest im Himmel. Siehe, wie der Knechte Augen auf ihrer Herrn Hände, wie der Magd Augen auf ihrer Gebieterin Hände: also 16* 244 - schauen unsere Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis Er sich unser erbarmet. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser: denn wir sind übervoll von Verachtung. Uebervoll ist unsere Seele: zur Schmach sind wir den Reichen, und zur Verachtung den Stolzen. Ehre sei dem Vater zc. Psalm 123. Wäre nicht der Herr bei uns gewesen, so sage nun, 3frael: wäre nicht der Herr bei uns gewesen, als die Menschen sich wider uns erhoben. Vielleicht hätten sie uns lebendig verschlungen, da ihr Zorn wider uns entbrannte. Vielleicht hätte uns das Wasser verschlungen. Da unsere Seele durch einen Strom gegangen, wäre sie vielleicht durch unerträgliche Wasser gegangen. Gebenedeit sei der Herr, der uns nicht zum Raube gab ihren Zähnen. — Unsere Seele ist entronnen, wie ein Vogel dem Stricke der Jäger: der Strick ist zerrissen, und wir wurden erlös't. Unsere Hülfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ehre sei dem Vater zc. Psalm 124. Die auf den Herrn vertrauen, sind wie der Berg Sion; es wanket nicht in Ewigkeit, wer wohnt zu Serusalem. Ringsherum sind Berge, und der Herr rings um sein Volk, von nun an bis in Ewigkeit. Denn der Herr wird nicht liegen lassen die Zuchtruthe der Sünder über dem Loose der Gerechten, auf daß nicht die Gerechten ihre Hände ausstrecken zum Unrecht. Thue Gutes, Herr, den Guten, und denen, die aufrichtigen Herzens sind. Aber die abweichen auf verkehrte Wege, wird der Herr hinführen mit den Uebelthätern. Friede sei über Israel. Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Nach dem Geruche deiner Salbungen laufen wir; die zarten Jungfrauen lieben dich überaus innig. ( Im Advent:) Antiph. Fürchte dich nicht, Maria! denn du haft Gnade gefunden bei Gott: siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären. Alleluja! 245 ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. An dem Dornenbusche, den Moises unverbrannt sah, erkannten wir deine unversehrt erhaltene Jungfrauschaft. Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns! Kapitel.( Eccl. 24.) Ich faßte Wurzel bei einem geehrten Volfe, bei dem Antheile meines Gottes, der sein Erbe ist; in der Gemeinde der Heiligen ist mein Aufenthalt. R. Gott sei Dank! ( Im Advent:) Kapitel.( Luc. 1.) Gott der Herr wird Ihm den Thron seines Vaters David geben, und Er wird herrschen im Hause Jakobs ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein. R. Gott sei Dank! ser! V. Du bist gebenedeit unter den Weibern, R. Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Herr, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unHerr, erbarme Dich unser! V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! 1 ( Im Advent:) Gebet. Laudes, Seite 236.) ( Von Maria Lichtmeß bis zum Advent:) Gebet. Barmherziger Gott, fomm unserer Schwachheit zu Hülfe, damit wir durch die Fürbitte der h. Gottesgebärerin von unsern Sünden aufstehen, die wir ihr Gedächt= niß feiern. Durch ebendenselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit Dir lebt und regiert in Einigfeit des heil. Geistes, gleicher Gott in alle Ewigkeit. R. Amen. - Gott, der Du gewollt haft zc.( wie nach den R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! V. Lasset uns den Herrn loben! R. Gott sei Dank! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Gebet. Gott, der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236). V. Herr, erhöre mein Gebet! 246 V. Die Seelen der Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. R. Amen. - Zur Non. Gegrüßet seist du, Maria 2c. V. O Gott, merte auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater zc. Alleluja! Oder: Lob sei dir zc. Lobgesang. Gedenk', daß du 2c.( wie bei der Prim, Seite 237). ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Schön bist du. ( Jm Advent:) Antiph. Sieh', ich bin eine Magd des Herrn. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Sieh', Maria hat uns geboren den Erlöser. Pfalm 125. Als der Herr die Gefangenschaft Sions wendete, waren wir gleich denen, die Trost haben. Da war unser Mund voll der Freude und unsere Zunge voll des Jubels; da sprach man unter den Heiden: Großes hat an ihnen der Herr gethan! Ja, Großes hat an uns der Herr gethan: wir sind fröhlich geworden. Wende, o Herr, unsere Gefangenschaft wie einen Bach im Mittagslande. Die mit Thränen säen, werden ernten mit Frohlocken. Sie gehen und weinen und streuen ihren Samen; aber sie kommen mit Jubel und tragen ihre Garben.- Ehre sei 2c. Pfalm 126. Wenn der Herr das Haus nicht bauet, so arbeiten die Bauleute umsonst: wenn der Herr die Stadt nicht behütet, so wachet der Hüter umsonst. Vergeblich stehet ihr vor Tage auf: stehet immer auf, nachdem ihr geseffen seid, die ihr effet das Brod der Schmerzen! Während er Schlaf gibt seinen Geliebten. Siehe, da erben sie Kinder von dem Herrn: ihr Lohn ist Leibesfrucht. - 247 - Wie Pfeile in der Hand eines Starken: also sind die Kinder der Vertriebenen. Glückselig der Mann, der sein Verlangen an ihnen erfüllt steht: er wird nicht zu Schanden, wenn er mit seinen Feinden im Thore spricht.- Ehre sei dem Vater 2c. Psalm 127. Glückselig Alle, die den Herrn fürchten, die da wandeln auf seinen Wegen. Denn von der Arbeit deiner Hände wirst du essen: Heil dir, es wird dir gut gehen! Dein Weib ist wie ein fruchtbarer Weinstock an den Wänden deines Hauses: deine Kinder wie Delpflanzen um deinen Tisch her. Siehe, also wird der Mann gefegnet, der den Herrn fürchtet. Der Herr segne dich aus Sion und lasse dich sehen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens. Und lasse dich sehen die Kinder deiner Kinder und Frieden über Israel. Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Schön bist du und lieblich, o Tochter Jerusalems! furchtbar wie ein geordnetes Kriegsheer. ( Im Advent:) Antiph. Sieh', ich bin eine Magd des Herrn: mir geschehe nach deinem Worte. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Sieh', Maria hat uns geboren den Heiland, von dem Johannes das Zeugniß gab, da er sprach: Sehet das Lamm Gottes! sehet, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt. Alleluja! ( Vor und nach Advent:) Kapitel.( Eccl. 42.) Auf den Plätzen gab ich einen Geruch von mir wie Zimmet und wohlriechender Balsam; ich gab einen lieblichen Geruch wie die auserlesenste Myrrhe. R. Gott sei Dank! ( Im Advent:) Kapitel.( Isai. 7.) Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und seinen Namen wird man Emmanuel nennen. Butter und Honig wird er essen, da mit er das Böse verwerfen und das Gute erwählen lerne. R. Gott sei Dank. - ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) V. Unverletzt ist deine Jungfrauschaft auch nach der Geburt geblieben. R. O Gottesgebärerin, bitte für uns! Herr, erbarme dich unser!- Christe, erbarme Dich unHerr, erbarme Dich unser! ser! - 248 V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, verzeihe deinen Dienern ihre Sünden, damit wir durch die Fürbitte der Gebärerin deines Sohnes, unsers Herrn, selig werden: die wir mit unsern Werken Dir nicht gefallen können. Durch ebendenselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, welcher mit Dir 2c. R. Amen. 11 ( Im Advent:) V. Der Engel des Herrn hat Maria die Botschaft gebracht, R. Und sie hat empfangen vom heil. Geiste. unser! - Herr, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich Herr, erbarme Dich unser! — V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! Gebet. Gott, der Du gewollt hast 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236.) ( Nach Advent bis Lichtmeß:) V. Unverletzt ist deine Jungfrauschaft auch nach der Geburt geblieben.- R. O Gottesgebärerin, bitte für uns! Herr, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! Gebet. Gott, der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236.) V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! V. Laffet uns den Herrn Loben!- R. Gott sei Dank! V. Die Seelen der Christgläubigen ruhen durch die BarmR. Amen. herzigkeit Gottes im Frieden. - Zur Vesper. Gegrüßet seist du, Maria 2c. V. OGott, merke auf meine Hülfe! - 249 R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Alleluja! Oder: Lob sei dir 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Da der König saß. ( Im Advent:) Antiph. Der Engel Gabriel. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. O wunderbarliches Geheimniß. Psalm 109. Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Den Scepter deiner Macht wird der Herr ausgehen lassen aus Sion. Herrsche inmitten deiner Feinde. Bei Dir ist die Herrschaft am Tage deiner Kraft im Glanze der Heiligen: aus dem Innern erzeugte ich Dich vor dem Morgensterne. Der Herr hat geschworen und es wird Ihn nicht gereuen: Du bist der Priester ewiglich nach der Ordnung Melchisedechs. Der Herr zu deiner Rechten wird Könige zerschmettern am Tage seines Zornes. Er wird richten die Völker, große Niederlage anrichten, zerschmettern die Häupter in vielen Landen. Aus dem Bache am Wege wird er trinken, darum wird Er emporheben das Haupt. Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Da der König faß auf seinem Throne, hat meine Narde einen lieblichen Geruch gegeben. - ( Im Advent:) Antiph. Der Engel Gabriel ist gesandt worden zu der Jungfran Maria, die mit Joseph verlobt war. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. O wunderbarliches Geheimniß! der Schöpfer des menschlichen Geschlechts hat einen beseelten Leib angenommen und wollte von einer Jungfrau geboren werden. Er ist als Mensch ohne Makel empfangen worden und hat uns seine Gottheit mitgetheilt. ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Seine linke Hand. 250 ( Im Advent:) Antiph. Gegrüßet seist du, Maria! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Da du auf eine wunderbare Weise geboren wurdest. Pfalm 112. Lobet den Herrn, ihr Diener, lobet den Namen des Herrn. Der Name des Herrn sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit. Bom Aufgang der Sonne bis zum Untergang sei gelobet der Name des Herrn! Hoch über alle Völker ist der Herr, und über die Himmel seine Herrlichkeit. Wer ist wie der Herr unser Gott, der in der Höhe wohnet? Der auf das Niedrige schauet im Himmel und auf Erden. Der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und aus dem Rothe erhöhet den Armen. Daß Er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes. Der die Unfruchtbare wohnen läßt im Hause als fröhliche Mutter von Kindern. Ehre sei dem Vater 2c. — ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Seine linke Hand ist unter meinem Haupte, und seine Rechte wird mich umfangen. ( Jm Advent:) Antiph. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern. Alleluja! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Da du auf eine wunderbarliche Weise geboren wurdeft aus einer Jungfrau, da ist die Schrift erfüllet worden: Wie der Thau auf das Feld, so bist Du herabgestiegen, um das menschliche Geschlecht selig zu machen. Wir loben Dich, unser Gott! ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Ich bin schwarz. ( Im Advent:) Antiph. Fürchte dich nicht, Maria! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. An dem Dornbusche, den Moises underbrannt sah. - 251 Psalm 121. Ich freue mich, wenn man mir sagt: Lasset uns gehen zum Hause des Herrn 2c.( Seite 242.) - ( Von Mariä Lichtmeß bis Advent:) Antiph. Ich bin schwarz, aber schön, ihr Töchter Jerusalems! Darum hat der König mich geliebt und eingeführt in sein Gemach. ( Im Advent:) Antiph. Fürchte dich nicht, Maria! denn du hast Gnade gefunden bei Gott; siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären. Alleluja! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. An dem Dornbusche, den Moises unverbrannt sah, erkennen wir deine unversehrt erhaltene, preiswürdige Jungfrauschaft. Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns! ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Der Winter ist nun vorbei. ( Im Advent:) Antiph. Gott der Herr wird Ihm den Thron seines Baters David geben. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Die Wurzel Jesse. ( Im Advent:) Antiph. Psalm 126. Wenn der Herr das Haus nicht bauet, so arbeiten die Bauleute umsonst 2c.( Seite 246.) ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Der Winter ist nun vorbei, der Regen hat aufgehört und sich verzogen; steh' auf, meine Freundin, und tomm! Gott der Herr wird ihm den Thron seines Baters David geben, und er wird herrschen ewiglich. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Die Wurzel Jesse hat gegrünt: es ist ein Stern aus Jacob aufgegangen, eine Jungfrau hat den Heiland geboren. Wir loben Dich, unser Gott! ( Von Maria Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Schön bist du. 252 ( Im Advent:) Antiph. Siehe, ich bin eine Magd des Herrn. ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Sieh, Maria hat uns geboren. Pfalm 147. Lobe, Jerusalem, den Herrn, lobe, Sion, deinen Gott! Denn Er hat die Riegel deiner Thore befestigt, deine Kinder in dir gesegnet. Er machte friedlich deine Grenzen und sättigt dich mit dem Marke des Weizens. Er sendet aus sein Wort auf der Erde; schnell läuft seine Rede. Er gibt Schnee wie Wolle, streuet Nebel wie Asche. Er wirst seine Schlossen wie Bissen; wer kann bestehen vor seinem Froste. Er sendet sein Wort und schmelzet sie; es wehet sein Hauch und es fließen die Waffer. Er verkündet Jakob sein Wort, seine Rechte und Satzungen Israel. Nicht also that Er allen Völkern und offenbaret ihnen nicht seine Rechte.-Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Schön bist du und lieblich in deiner Anmuth, heilige Gottesgebärerin! ( Im Advent:) Antiph. Siehe, ich bin eine Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Siehe, Maria hat uns geboren den Heiland, von welchem Johannes das Zeugniß gab, da er sprach: Sehet, das Lamm Gottes! sehet, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. Alleluja! ( Vor und nach dem Advent:) Kapitel.( Eccl. 24.) Im Anfange und vor aller Zeit ward ich erschaffen und werde bis in alle Ewigkeit nicht aufhören; in der heiligen Wohnung diente ich vor Ihm. R. Gott sei Dank! ( Im Advent:) Kapitel.( 3fai. 11.) Es wird ein Zweig ausgehen aus der Wurzel Jesse, und eine Blume wird aus seiner Wurzel - 253 aufsprossen, und der Geist des Herrn wird auf Ihm ruhen. R. Gott sei Dank! - Tobgesang. Meerstern, ich dich grüße,- Mutter Gottes süße,- allzeit Jungfrau reine, Himmelspfort' alleine. lösche Heva's Sünde. Nimm den Gruß zur Stunde von des Engels Munde, uns in Frieden gründe, Sündenschuld laß schwinden, bringe Licht den Blinden, alles Bös' abfehre,- alles Gut' begehre. Mutter, dich erzeige,- unser Flehen steige auf zum Sohne, deiner Erben Krone. Die du Gott gefallen, Jungfrau sanft vor Allen, schuldlos laß auf Erden,- sanft und keusch uns werden. durch dich Gib ein reines Leben, mach' den Weg uns eben, daß in Himmelshöhen froh wir Jesum sehen. Vater, ich Dich ehre, dein Lob, Sohn, ich mehre, beider Geist ich preise, drei auf gleiche Weise. V. Die Lieblichkeit ist ausgegossen auf deinen Lippen. R. Darum hat dich Gott gesegnet in Ewigkeit. - - - - - — - 11 —- - ( Von Maria Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. O heilige Mutter! - - - - ( Im Advent:) Antiph. Der heilige Geist. ( 3ur österlichen Zeit bis zum Feste der h. Dreifaltigkeit:) Antiph. Das ist ein großes Geheimniß der Erbschaft. ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Himmelstönigin, dich freue! Alleluja! Lobgesang der allerseligsten Jungfrau Maria.( Luk. 1.) Hoch preiset meine Seele den Herrn: und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande. Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd: siehe, von nun an werden mich selig preifen alle Geschlechter. Denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig und dessen Name heilig ist. Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. Er übt Macht mit seinem Arm; zerstreuet, die da stolz find in ihres Herzens Sinne. 254 Die Gewaltigen stürzt Er vom Throne und erhöhet die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt Er mit Gütern, die Reichen läßt Er leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, seines Knechtes, eingedenk seiner Barmherzigkeit: Wie Er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen ewiglich.- Ehre sei dem Vater 2c. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. O heilige Mutter und unbefleckte Jungfrau, o glorreiche Königin der Welt, bitte den Herrn für uns! ( Im Advent:) Antiph. Der heilige Geist wird über dich kommen, o Maria! fürchte dich nicht, du wirst in deinem Schooße den Sohn Gottes empfangen. Alleluja! ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Das ist ein großes Geheimniß der Erbschaft; zum Tempel Gottes ward der Schooß derjenigen, die keinen Mann erkannte; nicht befleckt ward der Herr, da er Fleisch aus ihr aunahm; alle Völker werden kommen und sagen: ,, Ehre sei Dir, o Herr!" ( Zur österlichen Zeit bis zum Feste der h. Dreifaltigkeit:) Antiph. Himmelskönigin, dich freue! Alleluja! Siegreich stand Den du trugst du Vielgetreue! Alleluja! Er auf vom Tod! Alleluja!- Bitte mild für uns bei Gott! Alleluja! Christe, erbarme Dich Herr, erbarme Dich unser! unser!- Herr, erbarme Dich unser! V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! ( Von Maria Lichtmeß bis zum Advent:) Gebet. O Herr, unser Gott! wir bitten Dich, verleihe uns, deinen Dienern, daß wir uns einer immerwährenden Gesundheit der Seele und des Leibes erfreuen und durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria von gegenwärtiger Trübsal erlöset und der ewigen Freude theilhaftig werden - R. Amen. mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. ( Im Advent:) Gebet. Gott, der Du gewollt haft 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236). - 255 - ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Gebet. Gott, der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236). Anmert. Hier folgen die Antiphonen, V. und Gebete zu den Heiligen sowohl vor und nach dem Advent, als im Advent.( Siehe am Ende der Laudes, Seite 236.)* Bur Complet. Gegrüßet seist du, Maria 2c. V. Befehre uns, o Gott, unser Heil! R. Und wende ab deinen Zorn von uns! V. O Gott, merke auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Alleluja! Oder: Lob sei dir zc. Psalm 126. Oft drängten sie mich von meiner Jugend auf, so fage nun Israel. Oft drängten sie mich von meiner Jugend auf: aber fie konnten mir nicht an. Auf meinem Rücken schmiedeten die Sünder, machten's lang mit ihrer Bosheit. Aber der Herr war gerecht, zerhieb der Sünder Nacken. Es sollen sich schämen und zurückweichen Alle, die Sion Haffen. Sie sollen werden wie das Gras auf den Dächern, das weltet, ehe man's ausreißt. Mit dem der Schnitter nicht füllet seine Hand, noch der Garbenbinder seinen Schoo Und wo die Vorübergehenden nicht sagen: Der Segen des Herrn sei über euch, wir segnen euch im Namen des Herrn. Ehre sei dem Vater 2c. Psalm 129. Aus den Tiefen rufe ich zu Dir, o Herr! Herr, erhöre meine Stimme, laß Acht haben dein Ohr auf die Stimme meines Flehens. Wenn Du Acht haben wolltest auf die Missethaten, Herr, wer könnte dann bestehen, o Herr? Aber bei Dir ist Versöhnung; um deines Gesetzes willen harre ich auf Dich, o Herr! Meine Seele harret auf sein Wort. 256 Meine Seele hoffet auf den Herrn. Von der Morgenwache bis in die Nacht hoffe Israel auf den Herrn. Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit, und bei Ihm ist überreiche Erlösung. Und Er wird Sirael erlösen von allen seinen Sünden. Ehre sei dem Vater zc. Psalm 130. Herr, mein Herz ist nicht aufgeblasen, und meine Augen blicken nicht hoch: ich wandle auch nicht in großen wunderlichen Dingen, die mir zu hoch sind. Wenn ich nicht demüthig gesinnt war, sondern erhoben habe meine Seele. Gleich einem entwöhnten Kinde an seiner Mutter ist meiner Seele Loos. Es hoffe Israel auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater 2c. Lobgesang. Gedenke, daß du 2c.( wie oben bei der Prim, Seite 237). ( Vor und nach dem Advent:) Kapitel.( Eccl. 24.) Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Furcht, der Erkenntniß und der heiligen Hoffnung. - R. Gott sei Dank! V. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. ( Im Advent:) Kapitel.( Sf. 7.) Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und seinen Namen wird man Emmanuel nennen. Butter und Honig wird Er effen, damit Er das Böse verwerfen und das Gute wählen lerne. R. Gott sei Dank! V. Der Engel des Herrn hat Maria die Botschaft gebracht. R. Und sie hat empfangen vom heiligen Geiste. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Unter deinen Schutz. ( Im Advent:) Antiph. Der heilige Geist. 257 ( Nach dem Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Das ist ein großes Geheimniß der Erbschaft. ( Zur österlichen Zeit bis zum Feste der h. Dreifaltigkeit:) Antiph. Himmelskönigin, dich freue! 1 Tobgefang Simeons.( Luk. 2.) Nun laß, Herr! deinen Diener nach deinem Worte in Frieden fahren; Denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das Du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völfer. Als ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.- Ehre sei dem Vater zc. ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Antiph. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns allezeit von aller Gefährlichkeit, du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! ( Im Advent:) Antiph. Der heil. Geist wird über dich kommen. O Maria, fürchte dich nicht! Du wirst in deinem Schooße den Sohn Gottes empfangen. Alleluja! ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Antiph. Das ist ein großes Geheimniß der Erbschaft! Zum Tempel Gottes mard der Schooß derjenigen, die keinen Mann erkannte; nicht befleckt ward der Herr, da Er Fleisch aus ihr annahm. Alle Völker werden kommen und sagen: Ehre sei Dir, o Herr! ( Zur österlichen Zeit bis zum Feste der h. Dreifaltigkeit:) Antiph. Himmelskönigin, dich freue 2c.( wie in der Vesper, Seite 254.) — Herr, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! - ( Von Mariä Lichtmeß bis zum Advent:) Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! verleihe, daß die glorreiche Fürbitte der allerseligsten und lobwürdigsten Jungfrau Maria uns beschütze und zum ewigen Leben führe. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, welcher mit Dir und dem heil. Geiste gleicher Gott lebt und regiert von R. Amen. Ewigkeit zu Ewigkeit. 17 ( Im Advent:) Gebet. Laudes, Seite 236.) - 258 Gott, der Du gewollt haft zc.( wie nach den ( Nach Advent bis Lichtmeß:) Gebet. Gott, der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236.) V. Herr, erhöre mein Gebet! R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen! V. Lasset uns den Herrn loben! R. Gott sei Dank! Segen. Es segne und bewahre uns der allmächtige Herr, der Vater und der Sohn und der h. Geist.- R. Amen. - Antiphone n. Anmerk. Nach vollendetem Chorgebete pflegt die Kirche allezeit eine Antiphon von unserer lieben Frau zu beten, und zwar zu verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres eine andere, wie folgt: Von dem ersten Adventssonntage in der ersten Vesper bis Maria Lichtmeß die Antiphon: Alma redemptoris. O du gnadenreiche Mutter des Erlösers! du bist die offene Pforte des Himmels und der Stern des Meeres! Gib Stütze dem fallenden Volke, das sich zu erheben begehrt, du, die dit zur Verwunderung der Natur haft geboren deinen heiligen Schöpfer. O Jungfrau vor und nach der Geburt! empfange den Gruß von Gabriel, dem heil. Erzengel, und erbarme dich über uns arme Sünder! V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft; R. Und sie hat empfangen vom heiligen Geiste. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr, ergieße deine Gnade in unsere Herzen, auf daß wir, die wir durch die Verkündigung des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Glorie der Auferstehung geführt werden. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. V. Die göttliche Hülfe bleibe allezeit bei uns!- R. Amen. Vom h. Christabend an wird folgender Vers nebst Gebet gesprochen: 259 V. Nach der Geburt bist du eine unversehrte Jungfrau geblieben. R. Du Gottesgebärerin, bitte für uns! Gebet. Gott, der Du durch die jungfräuliche Fruchtbarkeit 2c.( wie nach den Laudes, Seite 236.) V. Die göttliche Hülfe bleibe allezeit bei uns!- R. Amen. Vom heiligen Lichtmestage an, nach der Complet, bis auf den heiligen Grünendonnerstag ausschließlich bete man folgende Antiphon: Ave regina coelorum, Gegrüßet seist du, o kKönigin, der Welt und Engel Herrscherin!- Gegrüßt feist du, o Himmelsthor,- daraus uns kommt das Licht hervor. Frohlock', o Frau, in deinem Reich, nichts find't man deiner Schönheit gleich. Sei uns gegrüßt, der Schönheit Bild!- Bei deinem Sohne sei uns mild! - - - V. Würdige mich, zu loben dich, o heil. Jungfrau! R. Gib mir Kraft und Stärke wider deine Feinde. Gebet. Barmherziger Gott! fomm unserer Schwachheit zu Hülfe, auf daß wir, die wir das Andenken der heiligen Gottesgebärerin feiern, durch Hülfe ihrer Fürbitte von unseren Sünden aufstehen mögen, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. V. Die göttliche Hülfe bleibe allezeit bei uns!- R. Amen. Vom heiligen Osterabend an, nach der Complet, bis auf den heiligen Dreifaltigkeits- Sonntag wird gebetet: Antiphon: Regina coeli etc. Himmelskönigin, dich freue! Alleluja!- Den du trugst, du Vielgetreue! Alleluja! Siegreich stand Er auf vom Tod! Alleluja!- Bitte mild für uns zu Gott! Alleluja! V. Freue dich und frohlocke, o Jungfrau Maria! Alleluja! R. Denn der Herr ist wahrhaft auferstanden! Alleluja! Gebet. Gott! der Du durch die Auferstehung deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, die Welt zu erfreuen Dich gewürdigt haft; wir bitten Dich, verleihe, daß wir durch die heiligste Jungfrau Maria, seine Gebärerin, zu den Freuden des ewigen Lebens gelangen, durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. V. Die göttliche Hülfe bleibe allezeit bei uns!- R. Amen. Von der Vesper des Vorabends der hochheiligen Dreifaltigkeit an bis zum ersten Advents- Sonntage betet man folgende 17* 260 Antiphon: Salve Regina. Gegrüßet seist du, Königin, Mutter der Barmherzigkeit, das Leben, die Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir schreien wir elende Kinder Evä; zu dir seufzen wir Weinende und Trauernde in diesem Thal der Zähren. Eja, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V. Bitte für uns, o heil. Gottesgebärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der glorwürdigen Jungfrau und Mutter Maria durch Mitwirkung des heiligen Geistes zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes zubereitet bast; gib uns, die wir mit Freuden ihre Gedächtnißfeier begeben, daß wir durch ihre milde Fürbitte von allen bevorstehenden Uebeln und vom ewigen Tode erlöset werden. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. V. Die göttliche Hülfe bleibe allezeit bei uns!- R. Amen. Endlich beschließt die katholische Kirche jederzeit das Gebet der Tagzeiten mit folgender Aufopferung. Der allerheiligsten und ungetheilten Dreieinigkeit, der Menschheit unsers gekreuzigten Herrn Jesu Christi, der fruchtbaren Unversehrtheit der seligften und glorwürdigsten, allezeit jungfräulichen Maria und allen Heiligen insgesammt sei in alle Ewigkeit Lob und Ehre, Macht und Verherrlichung von allen Kreaturen, und uns Verzeihung aller Sünden durch die endlosen Ewigkeiten. Amen. Selig ist der Leib der Jungfrau Maria, welcher den Sohn des ewigen Vaters getragen hat. Und selig sind die Brüste, die Christum den Herrn gefängt haben.- Vater unser und Ave Maria. Papst Leo verleiht denen, die ihre Tagzeiten mit dieser angeführten Aufopferung beschließen, die Nachlassung aller Mängel und Gebrechen, welche aus menschlicher Schwachheit während Abbetung derselben begangen werden. Anhang. Tägliche Andachts übungen. ( Vom H. Alphons Maria von Liguori.) Morgengebet. So wie wir aufstehen, machen wir das heil. Kreuzzeichen und sagen: Mein Gott! ich bete Dich an, ich liebe Dich von ganzem Herzen. Ich danke Dir für alle Wohlthaten, die Du mir erwiesen, und besonders dafür, daß Du mich dieſe Nacht so gnädig behütet hast. Alles, was ich heute thun oder leiden werde, opfere ich Dir auf, ich vereinige alle meine Handlungen und meine Leiden mit dem Leiden Jesu und Mariens und mache die Meinung, alle Ablässe, deren ich theilhaftig werden kann, gewinnen zu wollen. Ich nehme mir vor, die Sünde zu fliehen( wir müssen hier unsern Vorsatz auf den Fehler richten, in den wir am häufigsten fallen); und ich bitte Dich, mir um Jesu willen die Gnade der Beharrlichkeit zu verleihen. Ich nehme mir besonders vor, in allen Widerwärtigkeiten mich in deinen heiligen Willen zu fügen und zu sprechen: Herr, dein Wille geschehe. O mein Jesus! trage Du mich heute in deinen Händen; heiligste Jungfrau Maria, lasse mich Zu - - 262 flucht unter deinem Schußmantel finden; und Du, himmlischer Vater! hilf mir, aus Liebe zu Jesus und zu Maria. Mein Schutzengel, meine heiligen Fürsprecher! stehet mir bei. Hierauf betet man: Ein Vater unser", ein ,, Gegrüßet seist du Maria" und ein ,, Ich glaube", nebst drei ,, Gegrüßet feift du" zur allerreinsten Jungfrau Maria. Abendgebete. ( Ehe wir schlafen gehen, müssen wir unser Gewissen erforschen. Wir müssen zuerst Gott für alle Wohlthaten, die Er uns erwiesen hat, danken, und darauf alle unsere Handlungen, die wir den Tag über verrichtet haben, alle unsere Gedanken und Worte ins Gedächtniß zurückrufen, alle begangenen Fehler bereuen und folgende Tugendübungen verrichten:) Uebung des Glaubens. Mein Gott, Du bist die unfehlbare Wahrheit; ich glaube Alles, was die heilige Kirche mir zu glauben befiehlt, weil Du es ihr geoffenbaret hast und dein Wort untrüglich ist. Ich glaube, daß Du mein Gott bist, der Schöpfer Himmels und der Erde, daß Du die Gerechten im Himmel belohnest, und daß Du die Bösen ewig in der Hölle bestrafeſt. Ich glaube, daß Du eins in der Wesenheit und dreifach in den Personen bist: der Vater, der Sohn und der heil. Geist. Ich glaube die Menschwerdung und den Tod Jesu Christi, ich glaube endlich Alles, was die heilige Kirche glaubet; ich danke Dir, daß Du mich zum Christenthum berufen haft und betheuere, in diesem h. Glauben leben und sterben zu wollen. Uebung der Hoffnung. Mein Gott, ich verlange nach Dir, meiner einzig wahren Glückseligkeit für Zeit und Ewigkeit; ich hoffe voll Vertrauen auf die Erfüllung deiner Ver 263- heißungen, weil Du mächtig, getreu und barmherzig bist; ich hoffe, um der Verdienste Jesu willen, die Vergebung meiner Sünden, die endliche Beharrlichkeit und die ewige Seligkeit. Uebung der Liebe und Reue. Weil Du die unendliche Güte, und weil Du einer unendlichen Liebe würdig bist, o mein Gott, so liebe ich Dich von ganzem Herzen und über Alles, ich liebe auch aus Liebe zu Dir meinen Nächsten. Ich bereue von ganzem Herzen alle meine Sünden, weil ich Dich dadurch beleidigt habe, o unendliche Güte! sie schmerzen mich mehr als jedes andere Ulebel. Mit deiner Gnade, um die ich jetzt und für immer bitte, nehme ich mir fest vor, lieber zu sterben, als Dich je wieder zu beleidigen. Ich nehme mir auch vor, die heiligen Sakramente im Leben und im Sterben zu empfangen. Vom Papst Benedikt XVI. sind 7 Jahre Ablaß denen verliehen, die diese llebungen machen; wer sie täglich macht, kann auch im Anfang des Monats, wenn er beichtet und kommunizirt, einen vollkommenen Ablaß gewinnen. Meß= Andacht zu Ehren des Leidens und Sterbens unsers Herrn Jesu Christi. Vorbereitungsgebet. unendlich heiliger Gott! ich armer Sünder erscheine vor deinem Altare, an welchem Jesus, mein Erlöser, deiner Majestät als Opfer sich darbringt. Sein kostbares Blut ruft hier um Vergebung für meine großen und vielen Sünden. Tilge also durch die Verdienste deines göttlichen Sohnes meine Schuld, damit ich mit reinem Herzen diesem heiligsten Opfer beiwohnen könne, - - 264 — In Vereinigung mit dem Priester opfere ich dieſe H. Messe Dir auf zur Anbetung und Verherrlichung deines heiligsten Namens, zur Erinnerung und Danksagung für das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi und zur Genugthuung für alle meine Sünden. Lasse mir durch dieses kostbare Opfer auch die Gnade zu Theil werden, daß ich Alles aus Liebe zu meinem Erlöser thue und leide, und durch die Kraft seines Leidens gestärkt, eines seligen Todes sterbe. O Mutter der Schmerzen! die du unter dem Kreuze deines Sohnes gestanden und mit Ihm das blutige Opfer dem himmlischen Vater für uns aufgeopfert hast, erbitte mir die Gnade, daß ich das Leiden Jesu Christi andächtig betrachte und der Verdienste des unblutigen Opfers theilhaftig werde. Amen. Vom Anfange der h. Messe bis zum Gloria. ( Des Erlösers Trauer, Gebet und Blutschweiß am Delberg.) O schmerzlich leidender Jesus! in welche Betrübniß haben Dich meine Sünden versenkt! Ach, um der Verdienste der Schmerzen willen, die Du in jenen leidensvollen Stunden am Delberge ausgestanden hast, verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden und einen Haß wider dieselben, daß ich nie mehr eine Sünde begehe. O bis zur Erde gebeugter Jesus! meine Sünden haben Dich zu Boden geworfen; ach, es reuet mich, daß ich Dich jemals beleidigt habe. Opfere deinem himmlischen Vater zur Sühnung meiner Sünden dein Gebet und deinen Blutschweiß auf; reinige meine Seele in deinem kostbaren Blute, damit ich vor deinem Angesichte würdig erscheine, und stärke mich, daß ich im Gebete nicht ermüde und dessen, was Du für mich gelitten, niemals vergesse. 1 265 O göttlicher Erlöser! verleihe mir vollkommene Ergebung in deinen heiligsten Willen bei allen Leiden und Trübsalen, daß ich sie mit friedlichem Gemüthe annehme und in Vereinigung mit deinem Leiden starkmüthig ertrage. Ich verlange nicht, daß Du mich vor Leiden bewahrest, denn ich weiß, was für Strafen ich meiner Sünden wegen verdiente, ja ich bitte Dich, o Herr! strafe mich hier, nur schone meiner in der Ewigkeit. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Dom Gloria bis zum Evangelium ( Verrath und Mißhandlungen, die an unserm Erlöser bei der Gefangennehmung und bei Kaiphas verübt wurden.) Ehre und Lob sei Dir, o sanftmüthigster Jesus! Du hast Dich der göttlichen Gerechtigkeit als Sühnopfer für meine Sünden angeboten, darum hast Du auch keiner Schmach und Bein geachtet. Jch bete Dich an und benedeie Dich, ich danke Dir für dein großes Leiden. Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme Dich meiner; nimm an mein Gebet und erlöse meine Seele von allen Banden böser Begierden, daß ich nicht neuerdings an Dir zum Verräther werde. Gedenke, o Jesus! der Betrübniß und des Schauders, so Du ertragen, als deine Feinde wie grimmige Löwen Dich umringten, mit Stricken banden und mit Faustschlägen verwundeten. Durch diese Qualen und durch diese Lästerungen, womit deine Feinde Dich bedrängten, erlöse mich, Herr Jesu! von allen meinen sichtbaren und unsichtbaren Feinden und lasse mich unter deinem Schußze zum ewigen Heile gelangen. O Gott, der Du deinen Eingebornen zum Erlöser der Welt bestimmt, durch Ihn den Tod überwunden 266 - und uns dadurch erbarmungsvoll zum Leben erneuert hast, verleihe, daß wir dieser Wohlthaten eingedenk, Dir mit beharrlicher Liebe anhängen, und die Frucht dieser Erlösung zu empfangen verdienen. Vom Evangelium bis zum Offertorium. ( Verachtung Jesu wegen des Evangeliums, das Er geprediget, und Unbilden, die Er vor den Richterstühlen des Pilatus und Herodes erlitt.) O Jesus, Du ewige Wahrheit! Du hast die Ehre deines himmlischen Vaters mit der Gefahr des Todes bekannt, gib auch mir Stärke, daß ich deine und deines Vaters Ehre in keiner Gelegenheit verletze, sondern dieselbe durch Wort und Werk zu befördern trachte. Meine Seele, o Herr! verlangt den Weg deiner Gebote zu gehen, lenke meine Schritte nach deinen Worten, und lehre mich deinen Willen vollziehen, der mir durch dein h. Evangelium kund wird. Du bist in die Welt gekommen, der Wahrheit Zeugniß zu geben; gib, daß ich diese Wahrheiten gläubig annehme und mich nicht schäme, sie vor der Welt zu bekennen. Verzeih' mir, daß ich mich von deiner Weisheit abgewendet und zur Weisheit der Welt, die vor Dir Thorheit ist, hingewendet habe. Strafe mich nicht dafür durch Entziehung deiner Erleuchtungen. Höre nicht auf, zu meinem Herzen zu reden; ich bin bereit für Dich Alles zu thun, und verlange keine andere Weisheit, als Dich, meinen Erlöser, zu erkennen und zu lieben. - 267 Vom Offertorium bis zum Sanctus. ( Geißelung, Dornenkrönung und Verurtheilung Jesu Chrifti zum Tode.) Oliebreichster Erlöser! gedenke der zahllosen Wunden, die deinen reinsten Leib bedeckten und ihn mit deinem heiligsten Blute färbten, als Du vom Haupte bis zur Fußsohle grausam gegeißelt wurdest; um dieser Wunden willen rette mich aus allen Gefahren und Versuchungen zur Sünde und laffe nie zu, daß mein Herz jemals durch eine Unlauterkeit befleckt werde. Dir, o König der Glorie, gebührt auch die Krone der Glorie, und ach! wie furchtbar wurde dein Haupt mit Dornen verwundet. Drücke alles, was Du für die Sünden meiner Weichlichkeit und Hoffart gelitten hast, tief meinem Gedächtnisse ein, damit ich in Liebe und Dankbarkeit gegen Dich bis zum Ende verharre. Okönnte ich Dir jetzt mit der Opfergabe, die der Priester segnet, auch ein reines und treues Herz zum Opfer bringen! Aber wie tief fühle ich mich beschämt, da ich mich unter einem mit Dornen gekrönten Haupte als ein so weichliches und hoffärtiges Glied erkennen muß! Doch im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit opfere ich Dir ein reuiges und zerknirschtes Herz auf, mit dem festen Entschlusſe, fortan nicht mehr zu sündigen, sondern nur nach deinem Wohlgefallen zu wandeln. Lasse mich durch das Opfer, das Du am Altare deinem himmlischen Vater darbringst, Verzeihung meiner Sünden finden. Ich bitte Dich, verwundeter Jesus, einst mein Richter! ich bitte Dich durch das Todesurtheil, das von ungerechten Richtern über Dich ergangen ist, erbarme Dich meiner in meiner letzten Stunde, wenn mein Gemüth bedränget und mein Geist darnieder 268 gebeugt sein wird. Stärke meine Seele in ihrem Todesstreite und lasse sie von allen Sünden rein zur Glorie deiner Anschauung gelangen. Vom Sanctus bis zur Wandlung. ( Des Erlösers Kreuztragung und Kreuzigung.) Ognadenreiches Kreuz! sei vielmals gegrüßet, du hast deinen Werth und Glanz von dem Blute meines Erlösers empfangen; ich verehre dich, umfange dich und lege dich freudig auf meine Schultern. Durch deine Gnade, o Jesus! hoffe ich, jedes Kreuz, mit dem deine Barmherzigkeit mich beschenkt, gern und willig zu tragen. O süßes Kreuz! sei mir eine schützende Waffe gegen alle sichtbaren und unsichtbaren Feinde; zu dir will ich in jeder Traurigkeit meine Zuflucht nehmen als zu dem Baume des Lebens; unter deinem Schatten will ich mein bedrängtes Herz erquicken und mit deiner Frucht meine ermattete Seele stärken. O gesegnetes Kreuz! an dir hat der göttliche Erlöser die Gerechtigkeit Gottes mit uns armen Sündern ausgesöhnt und uns den Zutritt zum Himmel eröffnet. Gleichwie du dem reuigen Schächer eine Leiter zum Himmel geworden, so laß auch mich im Leben, wie im Sterben, deine blutigen Sprossen ergreifen, damit ich auf denselben zu den Freuden des Paradieses gelange. Gefreuzigter Jesus! ziehe mein Herz zu Dir, daß es Dich liebe, entzünde in demselben das Feuer der Liebe, von dem Du willst, das es in allen Herzen brenne. Hefte es an dein Kreuz mit den Nägeln der heiligen Furcht, des Gehorsams und der göttlichen Liebe. Sezze dein Kreuz, wie ein Siegel auf meine Seele, ja pflanze es in die Mitte mei 269 nes Herzens, daß ich, deines Leidens stets eingedent, in Liebe und Leiden mein Leben vollbringe. Amen. Bur Wandlung. ( Der Erlöser am Kreuze erhöhet.) Bei Erhebung der heil. Hostie. Ich bete Dich an, mein Heiland und Erlöser, o Jesu, meine Hoffnung und Zuflucht! der Du am Stamme des heiligen Kreuzes Dich deinem himmlischen Vater geopfert hast. Mache mich theilhaftig deines Leidens, deines wahren Leibes und Blutes, jetzt und in der Stunde meines Todes. Amen. Bei Erhebung des heil. Kelches. Ich bete Dich an, o wahres und lebendiges Blut, das aus den Wunden meines Erlösers geflossen, und bitte Dich, reinige mich von allen meinen Sünden, heile und stärke meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nach der Wandlung bis zum Pater noster. ( Des Erlösers Leiden während der drei Stunden am Kreuze.) O mein Jesus! der Du für mich in Finsterniß und Todesangst am Kreuze drei Stunden lang schwebteſt, siehe auf mich mit jener Liebe herab, mit welcher Du in deinen Todesschmerzen meiner gedachteſt. Verzeihe mir meine Undankbarkeit, in der ich deines bittern Leidens so selten eingedenk war. Ich danke Dir für deine große und zarte Liebe, welche deine Wunden und dein heiliges Blut mir verkünden. Durch deine Kreuzesqualen, welche Du in der schauerlichen Finsterniß ausgestanden, erlöse mich von den Qualen der ewigen Finsternisse. Erbarme Dich meiner und aller mit Sünde Beladenen und verleihe allen gläubigen Seelen, den Lebendigen..., wie 270 den Abgeschiedenen... Gnade, Verzeihung und das ewige Leben. Am Kreuze verlassener Jesus! deine Leiden sind meine Zuflucht und Hoffnung, ich erschrecke nicht mehr wegen der Menge meiner Sünden, wenn ich an deine Todesqual denke; denn Du littest nur darum diese Peinen, um mich vom ewigen Tode zu retten. Deine Wunden und dein Blut versichern mich, daß Du mir verzeihest, wenn ich Dich nur liebe. Liebe meines Herzens, ich liebe Dich. Dom Pater nofter bis zur Kommunion. ( Des Erlösers steben Worte am Kreuze.) Göttlicher Erlöser! der Du am Kreuze gerufen: Vater! verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun; verzeihe auch mir meine Sünden, und gib mir ein versöhnliches Herz, daß ich um deiner Liebe willen allen Beleidigern verzeihe. Göttlicher Erlöser! der Du am Kreuze zu dem büßenden Schächer gesprochen: Heute wirst du bei Mir im Paradiese sein; laß auch mich diese trostvolle Stimme in der Stunde meines Todes vernehmen. Göttlicher Erlöser! der Du am Kreuze zu deiner betrübtesten Mutter gesagt: Weib, siehe deinen Sohn, und zu Johannes: Siehe deine Mutter; ich bitte Dich um findliches Vertrauen und zarte Andacht zu deiner schmerzhaften Mutter, die Du auch mir beim Kreuze zu einer Mutter gegeben hast. Göttlicher Erlöser! der Du am Kreuze geklagt hast: Mein Gott! Mein Gott! warum hast Du Mich verlassen? stehe mir bei in allen Nöthen und Ge fahren der Seele, besonders, wenn mich Alles verläßt in der Stunde des Todes. 271 Göttlicher Erlöser! der Du am Kreuze gerufen: Mich dürstet! entzünde in mir das Verlangen nach Dir, dem lebendigen Quell aller Gnaden. Verleihe, daß meine letzte Labung dein Fleisch und Blut im heiligsten Sakramente sei. Göttlicher Erlöser! der Du am Kreuze ausgerufen: Es ist vollbracht! hilf mir Alles nach deinem heiligsten Willen vollbringen, damit ich am Ende meiner irdischen Laufbahn getröstet aus diesem Le ben scheide. Göttlicher Erlöser! der Du am Kreuze mit sterbenden Lippen gesprochen: Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist; gib mir die Gnade, daß meine letzten Worte seien: Jesus, Maria und Joseph! meine letzten Seufzer: O Jesus! Dir lebe ich, o Jesus! Dir sterbe ich, o Jesus! in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Amen. Von der Kommunion bis zum Schlusse. ( Des Erlösers Begräbniß.) Mache mein Herz, o Jesus! zu einem würdigen Grabe für deinen verherrlichten Leib, der hier auf dem Altare wahrhaftig und lebendig zugegen ist. Befreie es von allen irdischen Neigungen, damit es rein sei gleich deinem Grabe, darin noch Niemand gelegt ward. Du gehest zum Andenken deines Begräbnisses in das Herz des Priesters ein; komm mit deiner Gnade, o geliebter Erlöser, auch in mein Herz, an dessen Thüre Du so oft geklopfet hast; ich will es Dir nicht länger verschließen. Laß mein Herz deine Ruhestätte sein, daß es, mit Dir vereint, nicht sich oder der Welt, sondern nur Dir lebe, der Du demselben wahres Leben erworben hast. - 272- - Ertheile meinem Herzen die Fülle deines Gnadensegens, daß es frei von irdischen Dingen nur nach dem strebe, was droben ist, wo Du sißest zur Rechten deines himmlischen Vaters. Gestatte mir, mein Erlöser, zu jeder Zeit Zutritt zu deinen heiligen fünf Wunden, und in diesen Wunden bewahre mich; aus diesen Wunden nähre mich, durch diese Wunden heilige mich, aus diesen Wunden lasse mich nicht scheiden, bis ich in denselben meinen Geist in deine heiligsten Hände übergebe. O Maria, Mutter meines Erlösers! gedenke der Schmerzen, die du empfunden, als dein Sohn vom Kreuze herab in deinen Schooß gelegt wurde; durch diese Schmerzen flehe ich zu dir, vereinige meine Gebete und Seufzer mit deinen Thränen und Seufzern und bringe sie als ein angenehmes Opfer vor den Thron der heiligsten Dreieinigkeit. Amen. Beichtgebete. Vorbereitung zur heiligen Beichte. Ehe wir beichten, müssen wir Gott bitten, daß Er uns erleuchte, damit wir die Sünden, die wir begangen haben, erkennen und aufrichtig beichten: wir können deshalb folgendes Gebet verrichten: Vor der heiligen Beichte. Oheiliger Gott! der Du allezeit bereit bist, die Sünder in Gnaden anzunehmen und sie zu verschonen, blicke barmherzig auf meine arme Seele, die nach so vielfachen Beleidigungen wiederum zu Dir zurückkehrt, um durch dein heiliges Sakrament Verzeihung zu erlangen. Verleihe mir hierzu die nothwendige Vorbereitung; erleuchte meinen Verstand, damit ich alle meine Sünden erkenne; erweiche mein 273 Herz, damit ich sie wahrhaft bereue und leite meine Zunge, damit ich alle recht beichten und dadurch Verzeihung erlangen möge; lasse nicht zu, daß meine Eigenliebe mich verblende! Heilige Maria, Mutter der Gnaden und Zuflucht der armen Sünder! bitte du jetzt für mich, damit ich diese heilige Beichte wohl verrichte und durch dieselbe Verzeihung und die Gnade erlange, mein Leben zu bessern. Erforsche dein Gewissen. ( Hierauf erwecke Reue und Leid und verrichte folgendes Gebet:) Du siehst zu deinen Füßen, o unendlich großer Gott! den Verräther, der Dich so oft beleidigt hat, der Dich aber jetzt demüthig um Verzeihung bittet. Ein Herz, das sich vor Dir demüthigt, verwirfst Du nicht. Ich danke Dir, daß Du mich bis heute erwartet, und daß Du mich nicht im Stande der Sünde haft sterben lassen. Um der Verdienste Jesu Chriſti willen hoffe ich, daß Du, o mein Gott! weil Du mich bis jetzt geduldig ertragen hast, mir in dieser Beichte alle Sünden vergeben werdest, die ich je begangen habe. Ich bereue meine Sünden, o mein Gott! es thut mir sehr leid, daß ich sie begangen habe, weil ich deshalb die Hölle verdient und den Himmel verloren habe: aber ich bereue sie nicht nur deshalb, weil ich dadurch ewige Strafen verdient habe, nein, ich bereue sie, weil ich Dich, die unendliche Güte, dadurch beleidigt habe. Ich liebe Dich, o mein höchstes Gut! und weil ich Dich liebe, so bereue ich alle Beleidigungen, die ich Dir zugefügt habe. Ich habe Dich verlassen, ich habe Dir nicht die Ehre, die Dir zukommt, erwiesen, ich habe deine 18 274 Gnade, deine Freundschaft verachtet, ich habe Dich, o Herr! freiwillig verloren. Vergib mir, um Jeſu willen, alle meine Sünden, ich bereue sie von ganzem Herzen, ich verabscheue sie; ich bereue nicht nur die Todsünden, die ich begangen, sondern auch alle läßlichen Sünden, weil ich Dich auch durch dieſe beleidigt habe.. Ich nehme mir vor, Dich in Zukunft nicht mehr freiwillig zu beleidigen. Ja, mein Gott! ich will lieber sterben, als je wieder fündigen. Wenn du eine Sünde beichtest, in die du häufig fällst, so mußt du den festen Entschluß fassen, sie nicht wieder zu begehen, du mußt alsdann versprechen, die böse Gelegenheit zu vermeiden, und deinen Beichtvater bitten, dir die kräftigsten Mittel zu deiner Besserung anzuweisen. Nach der heiligen Beichte. mein liebenswürdigster Jesus! wie großen Dank bin ich Dir schuldig! ich hoffe, daß Du um der Verdienste deines Blutes willen mir meine Sünden vergeben hast. Ich danke Dir deshalb von ganzem Herzen, ich brenne vor Begierde, im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch deine Barmherzigkeit zu preisen. Bis jetzt, o mein Gott! habe ich Dich oft verloren, aber in der Folge will ich Dich nicht wieder verlieren; ich will mein Leben ändern, Du verdienst alle meine Liebe, ich will Dich wahrhaft lieben, ich will nicht wieder von Dir getrennt werden, ich habe Dir versprochen, lieber zu sterben, als Dich zu beleidigen, ich erneuere jetzt mein Versprechen, und ich will es halten. Ich verspreche Dir, die Gelegenheit zur Sünde zu vermeiden, und dazu folgendes Mittel anzuwenden( hier nennt man das Mittel), um nicht wieder zu fündigen. Aber Du kennst meine Schwäche, v mein Gott! Gib mir die Gnade, Dir treu zu 275 bleiben bis zu meinem Tode, und hilf mir jedesmal, wenn ich versucht werde, daß ich zu Dir meine Zuflucht nehme. Hilf mir, o Maria! du bist die Mutter der Beharrlichkeit, auf dich seze ich alle meine Hoffnung. - Kommunion- Andacht. Vor der heiligen Kommunion. O mein geliebter Jesus! wahrer Sohn Gottes, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze in einem Meere von Schmerzen und Verachtung gestorben bist! ich glaube fest, daß Du im allerheiligsten Altarssakramente gegenwärtig bist; ich bin bereit, für diesen meinen Glauben mein Leben zum Opfer darzubringen. O mein geliebter Heiland! ich hoffe von deiner Güte, daß Du um der Verdienste Deines für mich vergoffenen Blutes willen noch diesen Morgen, da Du mich besuchen willst, mein Herz mit deiner heiligen Liebe entzünden und mir alle jene Gnaden verleihen werdest, deren ich bedarf, um Dir treu und gehorsam zu bleiben bis zu meinem Tode. O mein Gott! einziger und wahrhafter Geliebter meiner Seele, was hättest Du mehr thun können, um mich zu bewegen, Dich zu lieben? O mein Jesus! es genügte Dir nicht für mich zu sterben, Du hast überdies noch dies heilige Sakrament einsetzen, Du hast meine Speise werden wollen, um Dich ganz und gar mir zu schenken, um Dich auf's Innigste mit einem so elenden und undankbaren Geschöpfe, als ich es bin, zu vereinigen. Du selbst ladest mich sogar ein, Dich zu empfangen, Du selbst wünschest nichts inniger, als daß ich mich mit Dir vereinige. O unendliche Liebe! ein Gott will sich mir ganz 18* 276 und gar schenken. O mein Gott, o liebenswürdiges, unendliches Gut, der Du eine unendliche Liebe verdienst, ich liebe Dich über Alles, ich liebe Dich von ganzem Herzen, ich liebe Dich mehr, als mich selbst, ich liebe Dich mehr, als mein Leben; ich liebe Dich, weil Du es verdienst, ich liebe Dich, um Dir zu gefallen, denn Du wünscheft ja so sehr meine Liebe. Verlaßt mich denn also, ihr irdischen Neigungen, Dir, mein Jesus, Dir, o mein höchstes Gut, mein Alles, Dir allein will ich all' meine Liebe schenken. Du willst Dich heute ganz und gar mir schenken; siehe, auch ich schenke mich Dir ganz und gar. Erlaube, daß ich Dich liebe, denn siehe, ich wünsche nichts anderes, als Dich allein, ich will nichts, als was Dir gefällt. Ich liebe Dich, mein Heiland, ich vereinige meine schwache Liebe mit der Liebe, die alle Engel und Heiligen, die Maria, deine göttliche Mutter, die der ewige Vater zu Dir trägt. O könnte ich Dich doch von Allen geliebt sehen! O könnte ich bewirken, daß alle Menschen Dich liebten, könnte ich machen, daß Alle dich liebten, wie Du es verdienst! - Siehe, mein Jesus, ich nahe mich Dir, um mich mit deinem heiligen Fleische zu nähren. Aber ach, mein Gott, wer bin ich, und wer bist Du? Du bist ein Gott von unendlicher Güte, und ich, ich bin ein elender Wurm, der ich mit so vielen Sünden beladen bin, durch welche ich Dich so oft aus meinem Herzen vertrieben habe. O mein Gott! ich bin nicht würdig, mich in deiner Gegenwart zu befinden, ich verdiente die ganze Ewigkeit hindurch fern und verlassen von Dir in der Hölle zu brennen. Aber Du, o mein Gott, weil Du die unendliche Güte bist, rufest mich zu Dir, damit ich Dich in meinem Her 277 zen empfange. Siehe, ich komme, ich komme ganz demüthig und beschämt wegen der vielen Beleidigungen, die ich Dir zugefügt habe, aber zugleich voll Vertrauen auf deine Barmherzigkeit und auf deine Liebe. Owie leid thut es mir, mein liebenswürdiger Heiland, daß ich Dich sonst so oft beleidigt habe! Du hast dein Leben für mich aufopfern wollen, und ich, ich habe so oft deine Gnade und deine Liebe beleidigt und habe Dich um ein Nichts verlassen. Ich bereue mehr, als jedes andere Uebel, alle Beleidigungen, die ich Dir zugefügt habe, sie mögen groß oder gering gewesen sein, weil ich Dich, unendliche Güte, dadurch beleidigt habe; sie mißfallen mir von ganzem Herzen. Ich hoffe, Du werdest mir schon vergeben haben; sollte dies aber nicht der Fall sein, mein Jesus, o so verzeihe mir, ehe ich Dich in meinem Herzen empfange. Da Du in kurzer Zeit in meinem Herzen wohnen willst, so bitte ich Dich, Du wollest mich zuvor in deine Gnade aufnehmen. Komme, o mein Jesus, komme in mein Herz, das nach Dir verlangt. O mein einziges, mein unendliches Gut! mein Leben, meine Liebe, mein Alles, ich möchte Dich heute Morgen mit derselben Liebe empfangen, mit der Dich jene Seelen empfangen haben, die Dich am meisten geliebt; ich möchte Dich empfangen, wie deine heil. Mutter Maria, ich vereinige diese meine heutige Kommunion mit ihrer Kommunion. O allerseligste Jungfrau, meine liebe Mutter Maria! gib du selbst mir heute deinen lieben Sohn, denn siehe, aus deinen Händen will ich Ihn empfangen. Sage du Jhm, daß ich dein Diener bin, denn alsdann wird Er mich heute, da Er zu mir kommt, mit desto größerer Liebe an sein Herz drücken. 278 Nach der heiligen Kommunion. Siehe, mein Jesus, schon bist Du zu mir gekommen, Du befindest Dich schon in meinem Herzen, Du bist schon ganz mein Eigenthum geworden! Ich begrüße Dich, mein geliebter Heiland. Ich bete Dich an, ich werfe mich vor Dir auf die Kniee, ich umarme Dich, ich drücke Dich an mein Herz, ich danke Dir, daß Du in mein unreines Herz hast einkehren wollen. Maria, o ihr meine heiligen Fürsprecher, mein heiliger Schußengel! danket Jesu statt meiner. Weil Du denn also, mein göttlicher König! mich so liebevoll hast besuchen wollen, so schenke ich Dir meinen Willen, meine Freiheit, ganz mich selbſt. Du hast Dich ganz mir geschenkt, auch ich schenke mich Dir ganz und gar; in der Folge will ich nicht mehr mir selbst angehören, nein, von heute an will ich dein, ganz dein sein. Ich will, daß meine Seele ganz Dir angehöre, daß mein Leib, daß all' meine Fähigkeiten, meine Sinne, daß alle nur Dir dienen, nur Dir zu gefallen suchen. Dir, o mein Jesus! weihe ich alle meine Gedanken, meine Wünsche, meine. Neigungen, mein ganzes Leben. Ich habe Dich lange genug beleidigt, o mein Jesus! Die übrigen Tage meines Lebens will ich ganz dazu anwenden, Dich zu lieben, da Du mich so innig geliebt haſt. Nimm, o Gott meines Herzens! nimm das Opfer an, welches ein armer Sünder Dir heute darbringt, der nichts anders wünscht, als Dich zu lieben und Dir zu gefallen. Mache mit mir und verfüge über mich und über alles, was mein ist, wie es Dir gefällt. Möge deine Liebe in meinem Herzen alle Neigungen zerstören, die Dir nicht gefallen, damit ich ganz Dir angehöre und nur lebe, um Dir zu gefallen. - 279 Ich bitte Dich nicht, o mein Jesus! um die Güter dieser Welt, ich bitte Dich nur, Du wollest mir, um der Verdienste deines heiligen Leidens willen, einen fortwährenden Schmerz über meine Sünden verleihen. Erleuchte Du mich, damit ich die Eitelfeit der Güter dieser Welt erkenne, damit ich erkenne, wie sehr Du es verdienst, von uns geliebt zu werden. Mache, daß ich mich von aller Anhänglichkeit an irdische Dinge losreiße, und knüpfe mich an deine heilige Liebe, damit mein Wille von heute an nichts anderes verlange und wünsche, als was Du selbst willst. Gib mir Geduld und Ergebung, wenn ich arm oder krank bin, oder wenn mir sonst etwas zustößt, was meiner Eigenliebe mißfällt. Mache, daß ich recht sanftmüthig werde gegen diejenigen, die mich verachten. Gib mir einen seligen Tod, gib mir deine heilige Liebe. Aber vor allem bitte ich Dich, Du wollest mir die Beharrlichkeit in deiner Gnade bis an meinen Tod verleihen. Lasse es nicht zu, daß ich mich jemals wieder von Dir trenne. O mein süßester Jesus! erlaube nicht, daß ich jemals wieder von Dir getrennt werde. Zugleich bitte ich Dich auch um die Gnade, daß ich in allen Versuchungen zu Dir, o mein Jesus! meine Zuflucht nehme, und daß ich Dich um Hülfe anrufe; ich bitte Dich um die Gnade, daß ich Dich immer um die Gnade der Beharrlichkeit bitte. - ewiger Vater! dein lieber Sohn Jesus hat mir versprochen, daß Du mir Alles geben wollest, worum ich Dich in seinem Namen bitten würde: Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird Er es euch geben.( Joh. 16.) Im Namen und um der Verdienste deines lieben Sohnes willen, bitte ich denn - 280 also um deine Liebe und um die endliche Beharrlichkeit, damit ich Dich eines Tages im Himmel aus allen meinen Kräften lieben und die ganze Ewigkeit hindurch deine Barmherzigkeit verkündigen könne, nachdem ich sicher bin, mich nie wieder von Dir trennen zu können. O allerseligste Jungfrau Maria, meine Hoffnung, erlange du mir diese Gnade, um welche ich dich bitte; mache auch, daß ich dich innigst liebe, meine große Königin, und daß ich mich in all' meiner Noth dir anempfehle. Titanei von allen Heiligen aus den drei Orden des h. Franciscus. Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! - Herr, erbarme Dich unser! Christe, höre uns!- Christe, erhöre uns! - Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heilige Engel und Erzengel, Alle heilige Chöre der seligen Geister, Heiliger Johannes der Täuser, Heiliger Joseph, Alle heilige Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jacobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Bitte - bittet- für uns! Heiliger Jacobus, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Matthias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lucas, Heiliger Marcus, - 281- - Alle heilige Apostel und Evangelisten, Alle heilige Jünger des Herrn, Alle heilige Unschuldige, Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Heiliger Vinzentius, Heiliger Fabianus und Sebastianus, Heiliger Johannes und Paulus, Heiliger Cosmas und Damianus, Heiliger Gervasius und Protasius, Heiliger Bernardus, Heiliger Petrus, Heiliger Accurfius, Heiliger Adjutus, Heiliger Otto, Heiliger Daniel, Heiliger Angelus, Heiliger Samuel, Heiliger Donulus, Heiliger Leo, Heiliger Hugolinus, Heiliger Nicolaus, Heiliger Fidelis, Heiliger Petrus Baptisca mit deinen Gefährten, Martyrer in Japan, Heiliger Nicolaus mit deinen Gefährten, Mart. von Gorcum, Alle heilige Martyrer, Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius Heiliger Ambrofius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Bovabentura, Bitte- bittet für uns! Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Heiliger Ludovicus, Heiliger Benvenutus, Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, Alle heilige Lehrer, Heiliger Antonius, Heiliger Benedictus, Heiliger Bernardus, Heiliger Dominicus, 282 Heiliger Vater Franciscus, Heiliger Antonius von Padua, Heiliger Bernardinus, Heiliger Johannes von Capistrano, Heiliger Jacobus von der Mark, Heiliger Petrus von Alkantara, Heiliger Franciscus Solanus, Heiliger Petrus Regalatus, Heiliger Didacus, Heiliger Paschalis, Heiliger Benedictus, Heiliger Pacificus, Heiliger Johannes Josephus, Heiliger Leonardus von Portu Maurizio, Heiliger Felix, Heiliger Joseph von Leonissa, Heiliger Seraphinus, Heiliger Joseph von Cupertino, Heiliger Ferdinandus, Heiliger Ludovicus, Heiliger Ivo, Heiliger Elzearius, Heiliger Rochus, Heiliger Conradus, Alle heilige Priester und Leviten, Alle heilige Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Heilige Catharina, Heilige Clara, Bitte- bittet für uns! - - Heilige Agnes von Assist, Heilige Catharina von Bologna, Heilige Coleta, Heilige Veronika, Heilige Rosa von Viterbo, Heilige Hyacintha, Heilige Angela, Heilige Francisca von den fünf Wunden, Heilige Anastasia, Heilige Elisabeth von Ungarn, Heilige Elisabeth von Portugal, Heilige Margarita von Cortona, 283 Alle heilige Jungfrauen und Wittwen, Alle Heilige der drei Orden des h. Franciscus, Alle Heilige Gottes, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, Von allem Uebel, erhöre uns, o Herr! - Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Vom jähen und unversehenen Tode, - Von den Nachstellungen des Teufels, Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, Vom Geiste der Unlauterkeit, Von Blitz und Ungewitter, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des h. Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest, - Bitte Daß Du deine h. Kirche regieren und erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! bittet - für uns! wir bitten Dich, erhöre uns! wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur wahren Buße führen wollest,- wir bitten Dich, erhöre uns! Erlöse uns, o Herr! - 284 Daß Du den apostolischen Hirten und alle Stände der Kirche in deiner h. Religion erhalten wollest, Daß Du die Feinde der h. Kirche demüthigen wolleft, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht geben wolleft, Daß Du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einigfeit verleihen wollest, Daß Du uns selbst in deinem h. Dienste erhalten wollest, Daß Du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebest, Daß Du unsere Wohlthäter mit ewigen Gütern belohnest, Daß Du unsere und unserer Brüder, Verwandten und Wohlthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahrest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß Du allen abgestorbenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns erhören wollest, Sohn Gottes, O Du Lamm Gotte8 2c.- verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes zc. erhöre uns, o Herr! Du Lamm Gottes 2c.- erbarme Dich unser, o Herr! Christe, höre uns!- Christe, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser!- Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Gegrüßet. Wir bitten Dich, erhöre uns! - - Vater unser. V. Bittet für uns, alle heilige und selige Diener und Dienerinnen Gottes aus den drei heiligen Orden des h. Franciscus. R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, Allmächtiger, ewiger Gott, der Du deine Kirche durch mancherlei Verdienste der Heiligen allezeit erleuchtest, beschirmst und erhältst, verleihe gnädig, daß wir durch die Fürbitte unsers h. Vaters Franciscus und der ihm folgenden Heiligen hier von aller Schuld und Strafe gereinigt werden und in der Ewigkeit die himmlische Glorie genießen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn, der mit Dir und dem H. Geiste gleicher Gott lebt und regiert in die Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen. 285 INRI Tak Der heilige Kreuzweg, wie er in Rom gewöhnlich gehalten wird. Vor jeder Station: V. Wir beten Dich an, o Herr Jesu Chrifti! und sagen Dir Dant. R. Denn durch dein heil. Kreuz hast Du die Welt erlös't. Nach jeder Station:, Barmherzigfeit, mein Jesus."( Ablaß von 100 Tagen, so oft man es spricht; Pius IX., Dekret vom 23. September 1856.) O füßes Herz Mariä, sei meine Rettung!"( Ablaß von 300 Tagen; Pius IX., Dekret vom 30. September 1852.) Erste Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. O Jesu! durch dieses ungerechte Todesurtheil, das ich schon so vielmal durch meine Sünden unterschrieben habe, befreie mich von dem schon so oft verdienten Urtheil des ewigen Todes.- Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus!- süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Bweite Station. Jesus nimmt das Kreuz auf sich. O Jesu! der Du willig das schwere, durch meine Sünden Dir zugerichtete Kreuz auf Dich genommen hast, gib, daß ich die Schwere meiner Missethaten erkenne und sie bis zum Ende meines Lebens beweine. Vater unser 2c. 286 - Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! - Dritte Station. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuze. Die schwere Last meiner Sünden hat Dich, o Jesu! unter dem Kreuze zu Boden gedrückt. Ich hasse und verabscheue alle Sünden, bitte um Verzeihung und will mit deiner Gnade sie nicht mehr begehen. Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus!- süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Vierte Station. Jesus begegnet seiner betrübten Mutter. O betrübtester Jesu! o betrübteste Mutter! wenn ich bis dahin durch meine Sünden die Ursache eurer Schmerzen gewesen bin, so soll es künftig nicht mehr geschehen. Mit eurem Beistande werde ich euch lieben und euch getreu sein bis zum Tode. Vater unser 2c. - Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Fünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jesu das Kreuz tragen. O Jesu! wie glücklich ist Simon, daß er Dir helfen kann, das Kreuz zu tragen! Wie glücklich wäre auch ich, wenn ich fünftig Dir helfen würde das Kreuz zu tragen durch Geduld in allem, was mir zustößt! O Jesu! gib deine Gnade dazu. Vater unser 2c. - Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! 287 Sechste Station. Jesus nimmt von Veronika das Schweißtuch an. Jesu! der Du Dich gewürdiget hast, dein heiligstes Angesicht in den Hauptschleier der Veronika einzudrücken, o drücke doch tief in meine Seele das Andenken an dein bitteres Leiden und Sterben! Vater unser 2c. - Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Siebente Station. Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuze. Meine wiederholten Sünden machen, daß Du wiederum unter dem Kreuze fällst. O geliebtester Jesus! hilf mir doch die Mittel gebrauchen, die mich vor dem Rückfalle in die Sünde bewahren. Vater unser 2c. - Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! - Achte Station. Jesus tröstet die Frauen von Jerusalem. O Jesu! Du tröstest die über dein Leiden betrübten Frauen von Jerusalem. Tröste auch meine Seele mit deiner Barmherzigkeit, ich vertraue auf sie und will sie mir zu Nußen machen. Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Neunte Station. Jesus fällt das dritte Mal unter dem Kreuze. Wegen des Uebermaßes der ausgestandenen Peinen fällst Du, o Jesus! das dritte Mal unter der Last des Kreuzes. O mache, daß ich nicht mehr in - 288 die Sünden zurückfalle! O ja, mein Jesus! lieber sterben, als wieder sündigen. Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus! O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! - - — Behnte Station. Jesus wird seiner Kleider beraubt, mit Essig und Galle getränkt. O Jesu! der Du deiner Kleider beraubt und mit Essig und Galle bist getränkt worden, befreie mich doch von aller Neigung zum Zeitlichen, und mache, daß ich alles verabscheue, was nach der Welt iſt, oder was zur Sünde führt.- Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz. Mariä, sei meine Rettung! — Eilfte Station. Jesus wird an das Kreuz genagelt. Durch jene grausamen Schmerzen, die Du empfandest, als man die Nägel durch deine heiligen Hände und Füße schlug; mache, o Jesu! daß ich mein Fleisch allezeit durch eine christliche Abtödtung kreuzige. Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus!- O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Zwölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. O Jesu! der Du nach einer dreistündigen schmerzlichen Todesangst am Kreuze gestorben bist: o laß mich eher sterben, als in eine Sünde fallen, laß mich Dich lieben und Dir treu dienen. Vater unser 2c. O süßes Herz Barmherzigkeit, mein Jesus! Mariä, sei meine Rettung! — - - - 289 — Dreizehnte Station. Jesus wird in den Schooß seiner jungfräulichen Mutter gelegt. O schmerzhafte Mutter! welch ein Schwert durchdrang dein Herz, als du deinen geliebten Jesus entseelt in deinem Schooße hieltest. Ach! erbitte mir die Gnade, die Sünde als die Ursache seines Todes und deiner Schmerzen zu verabscheuen, bußfertig zu leben und heilig in deinem Schooße zu sterben. Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus!- süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Dierzehnte Station. Jesus wird in's Grab gelegt. Ich will, o Jesu! Allem absterben und nur Dir leben. So lange ich hier noch leben muß, will ich in und mit Dir leben, um ewig im Himmel in Dir zu leben und die Früchte deines bittern Leidens und Sterbens dort ewig zu genießen. Vater unser 2c. Barmherzigkeit, mein Jesus! O süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! - - — Gebet. Laß uns, barmherziger Gott! das Leiden unsers Erlösers in dankbarem Andenken halten und um seiner heißen Bein willen die Lüste der Welt meiden, unser Kreuz willig tragen, in aller Heiligung zunehmen, bis wir als Angehörige des himmlischen Reiches Dir unaufhörliches Lob und ewige Anbetung bringen können, in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen. 19 - 290 - Gesänge. Lied vom heiligen Antonius. 1. Lob sei dem Vater und dem Sohn' Auf Erden bis zum Himmelsthron'; Lob, Dank und Ehr' dem heil'gen Geist! Anton in euch sich selig preis't. 2. Nun zitt're Fürst der finstern Macht! Bebt Zweifler vor der Wunder Macht! Anton zeigt durch ein stummes Thier Die Gegenwart des Herrn allhier. 3. Einst rief man dich, o Wundermann! Als Retter der Bedrängten an; Du riefst den Todten aus dem Grab', Der von der Unschuld Zeugniß gab. 4. Schnell, wie durch eines Engels Hand, Wardst du geführt in fremdes Land, Und rettetest aus ihrer Noth Die Unschuld von dem nahen Tod. 5. Mit welcher Weisheit sprachst du nicht Einst öffentlich aus heil'ger Schrift! Daß selbst der Papst erstaunt bekannt', Und dich die Bundesarche nannt'. 6. Auf deine Fürbitt' weichet schnell Tod, Krankheit, Kummer, Satan, Höll'; Sa oft schaffst du im Augenblick Das, was verloren ist, zurück. 7. Wer ist, der deine Hülfe sucht Und reuevoll die Sünd verflucht, Der nicht bei dir, Anton! geschwind Troft, Hülfe und Errettung find't? 8. Du starbft, und deine Sterbestund' Macht unbewußt die Unschuld fund. Sie weinten laut und riefen dann: Verschieden ist der heil'ge Mann! 9. Schon längst zu Asche aufgelös't War deine Hülle und verwes't, Als staunend man am Grabe stand Und deine Zunge lebend fand. - 291. 10. Bonaventura rief entzückt: O dreimal sel'ge, hoch beglückt! Er sprach's und nahm die Zunge,- sieh! In heil'ger Ehrfurcht küßt er fie! 11. Nun liebe Christen, alt und jung, Bewahret doch stets eure Zung'! Und sprecht nicht alles, was ihr denkt, Wenn ihr dadurch den Nächsten fränkt. 12. Nie setzet des Verläumders Zahn An des Mitchristen Namen an; Nein, nur zu Gottes Ehr' allein Muß uns're Zunge.thätig sein. Am Feste Portiunkula. 1. Sel'ge Stadt, Gesicht des Friedens, Herrliches Jerusalem! Hoch erhebst du dich; die Steine Sind lebendig, die dich bau'n: Gott hat sie gewählt, geglättet Und an ihren Ort gefügt. 2. Jedes Thor, unnennbar glänzend, Ist aus einem Edelstein, Und die Mauer, ganz von Golde, Strahlt mit Perlen reich besetzt, Und der Eckstein, Jesus Christus, Stützt das Fundament der Stadt. 3. Das erwürgte Lamm als Sonne Prangt in ihr als Tempel- Gott, Und die reinen, sel'gen Geister Preisen hier im Wettgefang Ihn, den Einen, dreimal Heil'gen, Der da sein wird, ist und war. 4. Sieh, nach allen Seiten offen Steh'n die Thore dieser Stadt: Wer da wünscht, zu kommen und der Mauer einverleibt zu sein, Muß, geprüft in vielen Mühen, Durch des Meisters Hände geh'n. 19* - 292 - - 5. Ew'ges Lob dem ew'gen Vater, Ewiges zugleich dem Sohn! Ihm, der beide treu verknüpfet, Ew'ges Lob dem heil'gen Geist, Dessen Salbung uns zu Tempeln, Die da leben, täglich weiht! Am Feste des h. Franciscus. ( Proles de coelo.) 1. Geschenkt vom Himmel tritt hervor, dit neuen Wunderthaten hehr, Ein Held, der schließt des Himmels Thor Den Blinden auf, die irrten sehr. 2. Mit trock'nem Fuß geht er durch's Meer, Und ob er gleich viel Güter hat, Schätzt er sich doch nur glücklich mehr In Armuth, Schmerz und Ungemach. 3. Hinauf zum Berg des wahren Licht's Geht er mit der Apostel Schaar, Da nimmt zur heil'gen Pflicht er sich's, Die Armuth Christi zu bewahr'n. 4. Bau hier drei Tabernakel hin, Ruft er mit Simon, Jonas Sohn. Es hat auch stets begleitet ihn, Des Felsen Nam' und auch sein Lohn. 5. Gesetz, Propheten, Gnadenhauch Franciscus stets gehorsam't gern. Auch führt er ein als heil'gen Brauch Das Fest unsers dreiein'gen Herrn. 6. Drei Tempel baut er, zwar von Stein, Christo, dem Herrn, dem er zum Ruhm In mancher Christenseel' auch fein Erbaute ein schön Heiligthum. 7. Franciscus, Bater, suche heim Und wed' vom Todesschlafe auf Die Kinder Evä, die sind dein, Und end'ge glücklich ihren Lauf. - 293 - An Bußztagen. Der vierte Buspfal m. Erbarme Dich meiner, o Gott 2c.( siehe Seite 210.) Chrifti Mutter stand in Schmerzen. Stabat Mater. 1. Christi Mutter stand in Schmerzen Bei dem Kreuz mit schwerem Herzen, Da ihr Sohn in Qualen hing: Durch ihr Herz von Leid umfangen, Unter Seufzen, Angst und Bangen, Tief das Schwert der Schmerzen ging. 2. Wie betrübt und voll von Leide Ist die Hochgebenedeite Um den eingebornen Sohn; Wie sie zittert, wie sie zaget, Tief erschüttert ihn beklaget, Da er trägt so bittern Hohn. 3. Wessen Herz durchdräng' kein Wehe, Wenn er Christi Mutter sähe In dem Meer der Bitterfeit? Könnte Jemand nicht bedauern Dieser treuen Mutter Trauern, Die ganz theilt des Sohnes Leid? 4. Ach, sie sah, wie er muß dulden, Wie für seines Volkes Schulden Qual und Marter Ihn zerreißt; Sah den lieben Sohn verlassen, Trostberaubt am Kreuz erblassen, Wie Er aufgibt seinen Geist. 5.- O du Mutter, Born der Liebe, Gib, daß ich mich tief betrübe, Ganz empfinde deinen Schmerz! Mach, daß in mir glüh' und flamme Liebe zu dem Gotteslamme, Daß Ihm doch gefall' mein Herz! — 294 - 6. Heil'ge Mutter, hör' die Bitte, Bis in meines Herzens Mitte Präge Christi Wunden ein! Und der Leiden und der Plagen, Die dein Sohn für mich ertragen, Laß auch mich theilhaftig sein! 7. Möcht' ich wahrhaft mit dir weinen, Mich mit Christi Schmerz vereinen, Also lang mein Leben währt! Bei dem Kreuz mit dir zu weilen, Willig all dein Leid zu theilen Sehnsuchtsvoll mein Herz begehrt. 8. Jungfrau, du der Jungfrau'n Krone, Meiner Bitte gib zum Lohne, Daß mit dir ich trag' dein Weh, Daß ich Christi Kreuz und Leiden, Seine Schmach, sein bitt'res Scheiden Im Gedächtniß oft begeh'! 9. Wollst mich in dein Leid versenken, Aus des Kreuzes Kelch mich tränken Ob der Lieb' zu deinem Sohn: Daß mich heil'ger Schmerz entzünde, Schutz bei dir die Seele finde Vor des Sohnes Richterthron. 10. Gib, daß Christi Kreuz mich stütze, Vor Gefahr sein Tod mich schütze, Gnad' aus seinen Wunden sprieß', Daß, wenn einst mein Leib wird sterben, Meine Seele dann mög' erben Jenes Lebens Paradies. Vorrede. Erste Abtheilung. Bemerkungen über den dritten Orden im Allgemeinen. II. III. IV. I. Kapitel. Die Entstehung und der Zweck des dritten Ordens Kurze Geschichte des dritten Ordens Die Vortheile und geistlichen Gnaden, die der dritte Orden seinen Mitgliedern bietet 12 Bedeutung des Ordens für unsere Zeit. 16 Zweite Abtheilung. 2. လီ Inhalt. 1. Die Regel des h. Vaters Franciscus für die Brüder und Schwestern des dritten Ordens. 1. Kapitel. Von der Art und Weise, diejenigen zu prüfen, die in den dritten Orden eintreten wollen 26 Wie man diejenigen aufnehmen soll, welche in den Orden eintreten wollen 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. " P " Die Regel nebst den nöthigen Erklärungen. Seite 1 7 . 25 Von der Form und Beschaffenheit der Kleider 33 Von den Gastmählern und Komödien Vom Fasten und von der Abstinenz Wie oft fie im Jahre beichten und kommuniziren sollen.. Daß die Brüder keine gefährlichen Waffen tragen sollen Wie sie ihre Tageszeiten beten sollen Daß die Brüder und Schwestern ihr Testament machen sollen. ● ● ● Wie Friede und Einigkeit unter den Brüdern und Andern herzustellen ist Was zu thun ist, wenn sie in ihren Rechten und Privilegien gehindert werden 25 26 29 33 35 36 40 41 3 ♦ 43 .. 46 45 47 14. 15. 16. 17. 18. 19. Seite 12. Kapitel. Daß sie soviel als möglich von öffentlichen 13. Eidschwüren sich enthalten sollen.. 48 Von der Anhörung der h. Messe und wie sie ihre Versammlungen halten sollen. Von den Kranken und Abgestorbenen. Von den Vorgesetzten Von der Visitation der Brüder und der Bestrafung der Fehlenden. . 20. - " 296 50 52 54 55 Von Verhütung der Zwietracht unter den Brüdern und mit Andern . 57 Wie und von Welchen in der Abstinenz dispensirt werden kann 58 Daß dem Visitator die öffentlichen Fehler und Bergehungen sollen angezeigt werden. 59 Daß die Regel Niemanden unter einer Todsünde verpflichtet 2. .. 60 Besondere Bemerkungen in Betreff der Leitung des dritten Ordens für die Sächsische Provinz vom heil. kreuze. .. 2. Vorsteher und Vorsteherin 1. Regelpater 3. Die Versammlungen der Tertiarier und die Generalabsolution. 3. Einkleidung, Profeßablegung, Hauptversammlung und General- Abſolution. . 61 . 62 63 1. Einkleidung . 65 2. Die Profeßablegung . 80 3. Die Abhaltung der Hauptversammlungen und die Ertheilung der General- Absolution . Dritte Abtheilung. Belehrungen. 1. Kapitel. Welche Fehler die Brüder und Schwestern des dritten Ordens mit besonderem Fleiße meiden müssen. 1. Die falsche Frömmigkeit 2. Die Lauigkeit 3. Die Eitelfeit oder Gefallsucht. 91 95 . 96 . 101 . 103 4. Die Bequemlichkeit und Weichlichkeit des Fleisches 104 5. Die Neugierde und Geschwätzigkeit .. 106 ― 6. Die Härte gegen den Nächsten 7. Das Selbstvertrauen. . 2. Kapitel. In welchen Tugenden die Brüder und Schwestern sich eifrig üben sollen . 1. Kräftiges Verlangen nach Vollkommenheit 2. Abtödtung 3. Demuth 4. Glaube 5. Hoffnung 6. Liebe 7. Geduld 3. Kapitel. Welche Gnadenmittel die Brüder und Schwe♦ - 297 ● ♦ ♦ stern gebrauchen sollen ● 1. Empfang der h. Sakramente der Buße und des Altars 2. Anhörung der h. Messe 3. Das Gebet, a) mündliches b) innerliches 111 111 . 112 116 119 122 124 127 129 129 132 132 133 137 138 ♦ ● 4. Die Lesung erbaulicher Bücher 4. Kapitel. Welche Ablässe dem dritten Orden verlie● Fünfte Abtheilung. Drdensgebete. I. Für die Priester II. Für diejenigen, welche nicht Priester find hen sind.. ● 141 A. Bollkommene Ablässe, die den Personen des dritten Ordens verliehen sind, wenn sie die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllen.. B. Vollkommene Ablässe, welche den Kirchen der drei Orden des h. Franciscus verliehen sind 146 C. Die vorzüglichsten unvollkommenen Ablässe 149 Vierte Abtheilung. Kurze Lebensbeschreibung der Heiligen und Seligen des dritten Drdens. Vorbereitung Der heil. Vater Franciscus, Bekenner, Stifter dreier Orden. Kalender der Heiligen und Seligen des Seraphischen Ordens Schlußbemerkung Seite 107 109 151 . 152 ♦ 158 200 . 201 203 Vorbereitungsgebet Gute Meinung Der vierte Bußpfalm Der sechste Bußpsalm - 298 Schlußgebet Die kleinen Tagzeiten unserer lieben Frau Anhang. Tägliche Andachtsübungen. Morgengebet Abendgebete Meßandacht zu Ehren des Leidens und Sterbens unsers Herrn Jesu Christi Beichtgebete — Communion- Andacht Litanei von allen Heiligen aus den drei Orden des heil. Franciscus . Der h. Kreuzweg, wie er in Rom gewöhnlich gehalten wird Lied vom heiligen Antonius Am Feste Portiuntula Gefänge. ♦ Am Feste des heiligen Franciscus Der vierte Bußpsalm Christi Mutter stand in Schmerzen ♦ Seite 203 207 210 212 212 213 261 262 263 272 275 280 285 290 291 292 293 293 Im Verlage von J. Schnell in Warendorf sind ferner erschienen: Der Weg zum himmlischen Jerusalem. Ein vollständiges Gebet- und Erbauungsbuch. 428 Seiten. gr. 8º. 1,80 Mt. Ausgabe in Taschenformat. Tagzeiten, die kirchlichen, für die gr. 8⁰. - Ausgabe in Taschenformat. 0,15 Mt. Tagzeiten, die kleinen, unserer lieben Frau und von der unbefleckten Empfängniß. 0,20 Mt. Formulare zu Todtenzetteln. Unter 500 die 100 Stück 1 Mt., jedes folgende 100 0,80 Mt. Einschreibe- Testimonien. Auf Francisci- Bilder gedruckt die 100 Stück 6 Mt. Auf weißes Papier gedruckt, unter 500 die 100 Stück 1 Mt., jedes folgende 100 0,80 Mt. Heiliger Antonius von Padua, bitte für uns! Ein Erbauungsbuch für alle frommen Verehrer des heil. Antonius. 1,20 Mt. geb. in Halbled. 1,50 Mt. Geschichte der Martyrer von Gorcum. geh. 2 Mk., herabgesetzter Preis 1 Mt. Gebetzettel in 75 verschiedenen Sorten à 100 Stück 0,60 M.; in Parthien billiger. Einschreibezettel zu verschiedenen Bruderschaften. — ?? 1,50 Mt. Verstorbenen. 0,10 Mt. - Inches 1 Centimetres Blue 2 1 3 4 Cyan 21 5 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 () 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8