go Gb 4753 E X Wer sein Krenz nicht frägt und Mir nicht nachfolgt, der kann mein Junger nicht sein. ( Luk. 14, 27.) X BEYON cts Der hl. Alonfus. Der heilige Aloysius als Vorbild und Patron der christlichen Jugend. Ein Buch der Erbauung und der Andacht. Gingerichtet nach den Bedürfnissen der in der Welt lebenden christlichen Jugend von F. Mennel, Priester und Repetent am Konvikt zu Rottweil. Achtzehnte Auflage. Mit Bischöflicher Genehmigung. Einsiedeln, New- York und Cincinnati, 1869. Druck und Verlag von Gebr. Karl und Nikolaus Benziger. رشد Gb 4753 де „ O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! Denn unsterblich ist sein Andenfen, und bei Gott und Menschen ist es anerfannt. Ist es gegenwärtig, so ahmet man es nach; entzieht es sich den Augen, so sehnet man sich nach ihm, und ewig triumphirt es mit der Siegestrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Neinigkeit davon." Buch der Weisheit 4, 1. 2. „ welch große Glorie besigt Aloysius im Himmel! Ich wollte, daß ich die ganze Welt durcheilen und laut verkünden könnte: Aloysius ist ein großer Heiliger! Ich wünschte einem Jeden feinen Glanz zeigen zu können, damit Gott in ihm gepriesen würde!" Worte der heiligen Magdalena von Pazzis in einer Entzückung. Univ.- Bibl. Giessen Gelobt sei Jesus Christus! Es gibt, mein lieber Leser, freilich schon mehrere Büchlein, welche zur Verehrung und Nachfolge des heiligen Aloysius von Gonzaga ermuntern und anleiten; und der Segen, den sie verbreiten, ist nicht unbedeutend. Aber es schien mir doch keines von den bei uns bekannten und verbreiteten gehörig den Bedürfnissen zu entsprechen, wie ichy sie bei der nach Vollkommenheit strebenden Jugend, und insbeson IV Vorwort. dere bei den studierenden Jünglingen außerhalb der Klöster vielfach kennen gelernt habe. Denn die einen jener Büchlein enthalten bloß eine Lebensbeschreibung des Heiligen, die andern nur verschiedene Gebete und Betrachtungen; einige enthalten zwar Beides, aber gar zu spärlich. Ich glaubte deßhalb einem wahren Bedürfnisse abzuhelfen und den Segen, welchen die eifrige Verehrung des heiligen Aloysius unter der christlichen Jugend verbreiten kann, zu vermehren, wenn ich aus den vorhandenen Büchern das Beste sammle, und mit einer ausführlichen Lebensbeschreibung des Heiligen eine reichliche Auswahl von Ge Vorwort. beten und Betrachtungen für den täglichen Gebrauch der Verehrer desselben verbinde. In gleicher Meinung und Absicht habe ich in kurzen Lehren eine Anweisung beigefügt, nach welchen Grundsätzen fromme Christen ihr Leben, und wie sie insbesondere noch ihr gewöhnliches Tagewerk heiligen und ihr ganzes Leben zu einem ununterbrochenen Gottesdienste machen können und sollen. Den Mittelpunkt des Ganzen bildet das Aloysianische Bündniß, die Aloysianische Sodalität. Zu solchen Bündnissen die mannigfachen Gefahren ausgesetzte Jugend zu ermuntern und anzuleiten, und dabei ihr als geist VI Vorwort. licher W eiser und Rathgeber zu dienen, ist gerade der Hauptzweck dieses Buches, das den heiligen Aloysius als Vorbild darstellt, als Patron anempfiehlt, und zu seiner Verehrung die nöthigen Gebete und Lehren darbietet. Möchte dieses Buch unter dem Schuße dieses englischen Jünglings der lieben katholischen Jugend zu reichlichem Segen gereichen! dieß wünscht von Herzen Am Feste des heiligen Aloysius von Gonzaga. Der Verfasser. Erster Theil. Lebensbeschreibung des heili gen Aloysius, oder Aloysius als Vorbild der christlicher Jugend. I. Abtheilung. Aloysius in der Welt. 1. Rapitel. Geburt des heiligen Aloysius. Der heilige Aloysius, diese herrliche Zierde des Hauses Gonzaga, wurde in der Diözese Brescia geboren, auf dem Schlosse zu Castiglione, der Hauptstadt der Markgrafschaft scines Baters. Die Eltern des Heiligen standen in hohem Ansehen wegen des Adels ihres Geschlechtes wie auch wegen des Segens ihrer zeitlichen Güter, aber noch mehr und allgemeiner waren sie geachtet wegen ihrer christlichen Tugenden. Dies gilt besonders vou 8 Kap. 1. Geburt des Hl. Aloyfius. seiner Mutter, Donna Martha von Tana, welche Hofdame der Königin Isabella von Spanien war. Als solche lehrte sie Don Ferdinand, Markgraf von Castiglione, fennen, indem er am Hofe Philipps II. des Königs und Gemahls der Isabella, sich aufhielt. Bewogen durch die vortrefflichen Eigenschaften der edlen Jungfrau, entschloß er sich, nach reiflicher Ueberlegung und eifrigem Ge bete, fie zur Ehe zu begehren. Er erhielt ihr Jawork, und auch die königlichen Majestäten ertheilten die gewünschte Zustimmung. Sie empfiengen darauf zu Madrid an der Stufe des Altars zum heiligen Johannes dem Täufer vor der Kirche den Segen über ihre eheliche Verbindung. Der Markgraf erhielt auch die Erlaubniß, seine Gemahlin nach Italien zu begleiten, um fie dort in seine Besizungen zu führen. Die Markgrafschaft Castiglione lag nämlich in der Lombarde zwischen Verona, Mantua, Brescia, am GardaSee. Die fromme Markgräfin fühlte sich glücklich, von der lästigen und gefährlichen Umgebung des Hofes frei zu sein, und diente in ihrer Ehe Gott so eifrig, als sie es längst gewünscht und sich vorgenommen hatte. Wäh rend sie nun ihr erstes Kind unterm Herzen trug, wurde sie mehr und mehr von dem Berlangen erfüllt, einen Sohn zu bekommen, der Gott im geistlichen Stande diente. Sie lehte inständig zu Gott um diese Gnade, und fand auch vollkommene Erhörung. Denn sie Geburt des Hl. Aloysius. wurde Mutter eines Sohnes, der dem Rechte der Erstgeburt und der Markgrafschaft entsagte, in den Orden der Jesuiten trat und das wunderbar heilige Leben führte, welches hier beschrieben werden soll. Gott bewies ein so großes Wohlgefallen an dem Wunsche der edeln Frau, daß er den heiligen Aloysius eher befizen wollte, bevor er recht zur Welt ge= boren war. Als nämlich die Zeit der Geburt nahete, kam die Mutter sammt ihrem Kinde in die größte Lebensgefahr, so daß die Aerzte keine Hülfe mehr wußten und sie bereits aufgaben. Da nahm die gläubige Christin, wohl sehend, daß jede menschliche Hülfe ihr versage, vertrauensvoll ihre Zuflucht zur göttlichen. Sie wandte sich an die glorreiche Gottes Mutter und empfahl ihr inbrünstig sich selbst und ihr Kind, mit dem Gelübde, 3 wenn die Gefahr glücklich vorübergehe, zum heiligen Hause von Loreto zu wallfahren und auch das Kind dahin mitzunehmen, falls es die Geburt überleben würde." Raum hatte sie das Gelübde gemacht, da hob sich die Gefahr, und sie gebar einen Sohn. Weil die Aerzte aber meinten, das Kind könne unmöglich am Leben erhalten werden, so tauste es die Hebamme, sobald sie nur konnte, bevor es recht zur Welt geboren war. Beide Leben aber wurden gerettet durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau, und der Sohn wurde So, bevor er recht zur Welt geboren war, schon durch die Gnade der heiligen Latife für 10 Kap. 1. Geburt des Hl. Aloystus. Gott wiedergeboren. Es geschah dieß an einem Freitage, den 9. März 1568, als Pius V., auf dem päpstlichen Stuhle saß. Das Kind lag nun eine ganze Stunde lang so unbe weglich da, daß man kaum unterscheiden konnte, ob es todt oder lebendig sei. Endlich wachte es wie aus einem tiefen Schlafe auf und gab einige Seufzer von sich, blieb dann aber still und weinte nicht mehr, wie es sonst bei Kindern gewöhnlich vorkommt. Dieß dürfte vielleicht als ein Vorzeichen feiner natürlichen Sanftmuth angesehen werden. Die feierlichen Zeremonien der heiligen Taufe wurden erst später, am 22. April in der Kirche zu den heiligen Nazarius und Celsus nachgeholt, wobei das Kind den Namen„ Aloyfius" erhielt. In dem Kirchenbuche, wo seine Taufe eingetragen wurde, finden sich auch einige Worte frommen Wunsches beigefügt, die in der Folge so vollkommen in Erfüllung gegangen sind; sielauten: ,, Sei glücklich! sei Gott wohlgefällig! lebe zum Wohle der Menschen!" 2. Kapitel. Erziehung des heiligen Aloysius bis in sein siebentes Jahr. Aloysius wurde nun von seiner zartesten Jugend an mit der größten Sorgfalt und dem heiligsten Eifer erzogen, wie es die ausge= zeichnete Frömmigkeit der Mutter nicht anders erwarten ließ. Längst gieng, wie schon be it Erziehung des Hl. Aloysius zc. merkt, all ihr Flehen dahin, Gott möchte ihr einen Sohn schenken, der in ein Kloster treten würde. Jept, da ihre Bitten erhört zu werden begannen, bezeichnete sie das Knäblein öfters mit dem heiligen Kreuze, und weihte es Gott und der jungfräulichen Mutter, als deren Geschenk sie es auch betrachtete. Sie bat Gott auch oft um die Gnade, daß ihr Sohn doch niemals durch ein Laster seine Unschuld beflecken möge. Die Sorgfalt der Mütter für ihre Kinder ist um so lobwürdiger, je mehr sie nicht so fast darauf sehen, große Schäße ihnen zu hinterlassen, als vielmehr eine gute Erziehung hnen zu geben. Dieß erkannte die fromme Markgräfin wohl. Daher lehrte sie den Knaben, als er kaum die ersten Worte stammeln konnte, das heilige Kreuzzeichen machen und die heiligsten Namen Jesus und Maria häufig ehrerbietig aussprechen, und das Bater unser und den englischen Gruß beten. Auch die übrigen Personen, die des Dienstes wegen in der Umgebung und Nähe des Kindes fich aufhielten, mußten dasselbe thun. Auf diese Weise wuchs Aloysius, so zu sagen, im Schooße der Frömmigkeit auf, und wurde von zartester Kindheit an zur Heiligkeit angeleitet. Gobald er daher ein wenig laufen konnte, kroch er im Hause umher, um sich in einen Winkel zu verbergen und dort zu beten. So fand man ihn oft nach langem Suchen in einer abgelegenen Ecke oder hinter einem Holzhau 12 Kap. 2. Erziehung des Hl. Aloysius fen in Andacht versunken. Außer dieser Liebe zu häufigem und innigem Gebete, welches das rechte Lob der Jugend und die Milch ist, wodurch die Unschuld genährt wird, hatte Aloysius auch schon ein besonders tiefes Mitleiden mit den Armen, so daß er keinen ohne Almosen gehen lassen konnte. Diese seine Neigungen waren gute Vorzeichen und ließen wohl hoffen, daß er einst eine große christliche Vollkommenheit erlangen werde. Die gute Martha nahm mit heiliger Freude wahr, daß ihr Sohn zunahm wie an Alter so an Eifer und Frömmigkeit. Aber des Vaters Ansichten stimmten damit nicht ganz überein. Er war nämlich ein Kriegsmann und hatte sich in Diensten des Königs von Spanien viel Ruhm erworben. Er wollte deßhalb den Aloysius, damit er ihm im Amte dereinst nachfolgen konnte, mit den Kriegsfünsten baldmöglichst bekannt machen. Darum ließ er ihm, kaum vier Jahre alt, eine seiner Größe und Stärke angemessene Rüstung machen. Darauf nahm er ihn mit nach Cremona, wo er eine Heerschau zu halten hatte. Da mußte er jedesmal in seiner Rüstung, mit einem leichten Panzer angethan und einen kleinen Spieß in der Hand, vor den Schlachtlinien erscheinen. Wie nun Kinder überhaupt Alles, was sie Andere thun sehen, gerne nachahmen, so hatte auch Aloysius an jenen Uebungen bald Freude, und suchte sie nachzumachen. Bei solchen Versuchen lief er mehrmals bis in sein siebentes Jahr. 13 große Gefahr. So verbrannte er sich einmal stark das Gesicht, als er eine Flinte abschieBen wollte. Ein andermal wäre er fast unter das Rad ciner Kanone gekommen. Er hatte den Soldaten, während sie Mittagsruhe hielten, Pulver aus den Patrontaschen genommen, ganz allein eine Kanone geladen und losgebrannt. Bei ihrem Zurückpraller hätte sie ihn beinahe getroffen und zermalmt. Aloysius erzählte dieß später häufig aus Dankbarkeit für die besondere Sorgfalt, womit Gott ihn beschützt und erhalten hatte. Der Markgraf hatte nun vor, mit den Truppen nach Turin abzugehen und schickte darum Aloysius nách Caftiglione zurück. Da bemerkte man aber, daß er unter den Soldaten böse Redensarten angenommen hatte. Als sein Erzieher jedoch ihm dieß verwies, leistete er alsbald so vollkommen Folge, daß er seitdem nie mehr ein unehrbares oder unanständiges Wort aussprach. Er bereute vielmehr jene Worte fein ganzes Leben lang bitterlich, obgleich er sie nur nachgesprochen hatte, ohne ihre Bedeutung zu verstehen. Als Aloysius sein siebentes Jahr erreicht hatte, wandte er sich so ganz zu Gott und weihte sich Ihm dergestalt, daß er nachher diese Zeit die Zeit seiner Bekehrung zu nennen pflegte. Und wenn er von den ihm gewordenen groBen Wohlthaten Gottes redete, so zählte er unter die größten diese, daß er im Alter von sieben Jahren von der Welt zu Gott sich be 14 Rap. 2. Erziehung des hl. Aloysius zc. fehrt habe. Der fromme und gelchrte Kardinal Bellarmin, der Aloysius genau kannte, sagt gleichfalls, daß er vom siebenten Jahre an ein ganz heiliges Leben geführt habe. All sein Trost und seine Freude schien im Gebete zu liegen, dem er cifrigst oblag. Seine AnSacht schweiste nicht im Ungewissen herum, er hatte seine bestimmten Stunden zum Gebete. Wenn er des Morgens aufstand, begann er den Tag, indem er sich mit dem heiligen Kreuze bezeichnete. Unter Gebet kleidete er sich an, und zwar auf so sittsame Weise, daß weder er selbst noch sein Bediente irgend einen Theil des Leibes entblößt sah. Darauf verrichtete er sein Morgengebet und zwar immer knieend auf bloßer Erde vor einem Bildnisse des Gefreuzigten, ebenso sein Abendgebet. Ferner betete er die sieben Bußpfalmen und die Tagzeiten der seligsten Jungfrau Maria. Dieß unterließ er fortan feinen Tag, obgleich er einmal 18 Monate am Wechselfieber zu leiden hatte und man ihn deßhalb oft zu Abkürzung oder zeitweiliger Ausseßung seiner heiligen Uebungen bereden wollte. Das sind die Grundzüge jenes herrlichen geistigen Gebäudes, das Aloysius schon in seinem 7ten Jahre zu errichten begann. Freude an Werken der Barmherzigkeit, Bereitwilligkeit gegen die Mahnungen Gottes, und Eifer im Gebeteder fruchtbarsten Mutter aller Tugenden- welch wichtige Vorzeichen und glückliche Anfänge für die spätere Heiligkeit des Jünglings! Der hl. Aloyfius an den Hören zc. 3. Kapitel. Der heilige Aloyfius an den Höfen zu Flo. renz und Mantua. 15 Der Markgraf Ferdinand von Gonzaga hielt sich nach dem Feldzug gegen Tunis gegen zwei Monate lang am spanischen Hofe auf. Hierauf kehrte er nach Castiglione zurück, fand aber den Aloysius nicht mehr so militärisch gesinnt, wie früher, sondern vielmehr still und mit Uebungen der Andacht und Frömmigkeit beschäftiget. Uebrigens freute er sich über die glückliche Ausbildung seines Cherafters und hoffte, daß er einst die Stüte feines Hauses sein werde. Aloysius, besorgt für Vervollkommnung seiner Seele, entschloß sich indeß, seine Gesinnungen und Absichten der Mutter zu eröffnen, da sie sich vor ihm einmal geäußert hatte, sie müßte sich glücklich schäßen, wenn einer ihrer Söhne Gott im geistlichen Stande dienen würde. Er sagte daher eines Tages, als er mit ihr allein war: ,, Mutter, Sie wünschten, einen Sohn im Kloster zu sehen; ich glaube, daß Gott Ihnen diesen Wunsch erfüllen wird." Später fügte er noch bestimmter bei: ich glaube, daß ich dazu bestimmt bin." Die Mutter bielt nicht so viel darauf, weil Aloysius der Erstgeberne war; wegen seiner großen Frömmigkeit jedoch war sie der Ansicht, Gott habe mit dem Kinde besondere Absichten, deshalb stimmte se ihm bei. 16 Kap. 3. Der hl. Aloysius an den Höfen Der Markgraf wollte nichts versäumen, um Aloysius für seinen vermeintlichen Beruf zu bilden. Er entfernte ihn deßhalb zum großen Schmerz der Mutter aus dem elter= Lichen Hause, und brachte ihn nebst seinem jüngern Bruder Rudolf nach Florenz im Anfange des Sommers 1577. Er sollte dort am Hofe des Großherzogs von Toskana sowohl die italienische als lateinische Sprache recht erlernen und auch jenen edeln Anstand sich aneignen, der für Prinzen sich so wohl schicket. Er wohnte jedoch nicht im Palaste des Großherzogs, wie dieser wünschte, sondern nach Änordnung des Vaters in einem mehr abgelegenen Hause, wo er ungestörter dem Studium und Gebete obliegen konnte. Hier machte er nun, von der Hand Gottes noch viel stärker ergriffen als bisher, große Fortschritte im geistlichen Leben, so daß er nachher Florenz gerne die Mutter seiner Frömmigkeit nannte. Zwei Umstände hatten hierauf besondern Einfluß: einmal die vielen Andachtsübunger, die in Florenz stattfanden bei einem Bilde, das die Verkündigung Mariä darstellte; sodann ein Büchlein über die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes, verfaßt von einem Vater der Gesellschaft Jesu, Namens Kaspar Loarte. Er las oft darin mit wahrer Herzenswonne, und fühlte sich eines Tages so sehr von dem Wunsche beseelt, etwas der seligsten Jungfrau Wohlgefälliges zu thun, daß er auf den Gedanken kam, es möchte - zu Florenz und Mantua. 17 wohl das Beste sein, wenn er zu Ehren ihret unbefleckten Reinigkeit beständige jungfräuliche Keuschheit gelobte und ihr aufopferte. Er ließ es auch nicht lange anstehen, diesen heiligen Gedanken auszuführen, sondern gieng vielmehr, nach sorgfältiger Ueberlegung und Vorbereitung, hin, und machte in der Kirche vor jenem Bilde Mariä das Gelübde der steten Keuschheit. Er hielt dieses Versprechen auch während des ganzen Lebens mit der gewisfenhaftesten Treue und Vollkommenheit so daß er kurz vor seinem Tode versichern konnte, er habe nie eine unreine Regung oder Erapfindung verspürt, noch einen Gedanken oder Vorstellung gehabt, die seinem Gelübde zuwider gewesen wären. Er verdankte diese außerordentliche Gnade ganz sicher dem besondern Schutze der seligsten Jungfrau Maria, der zu lieb und zu Ehren er das Gelübde abgelegt hatte. Denn wenn die Gleichheit der Sitten die Wurzel und das Band der Freundschaft und Liebe ist, was liegt uns näher als der Gedanke, daß die reinste der Jungfrauen vor allen wieder keusche Seelen liebe und beschüße? Deßhalb erfreute Aloysius sich auch stets eines besondern Wohlwollens und Schutzes Mariens. Aber er that auch seinerseits so viel er nur konnte, um jene kostbare Gabe der Unschuld ganz unversehrt zu bewahren. Er war nämlich sehr streng in Bewachung seiner äußern Sinne. Seine Ohren öffnete er behutsam nur reinen ehrbaren Ge2 18 Kap. 3. Der hl. Aloystus an den Höfen sprächen; seine Augen suchte er so sehr von allen reizenden Gegenständen zurückzuhalten, daß er sowohl, wenn er durch die Straßen der Stadt lief, als auch wenn er mit Andern redete, sie bescheiden niedergeschlagen hatte. Er scheute sich, nur irgend einen Theil seines Körpers, z. B. einen Fuß entblößt anzuschauen und ließ sich vor niemanden je anders sehen, als anständig angekleidet. Er vermied immer und überall ganz ängstlich, mit Frauenspersonen zu reden und umzugehen, ja er floh ihre Gegenwart dergestalt, daß wer ihn nicht fannte, glauben mußte, er habe eine natürliche Abneigung gegen sie. Wenn seine Mutter in Castiglione eine Dienerin auf sein Zimmer schickte, um ihr etwas auszurichten, so gieng er an die Thüre und ließ die Dienerin nicht eintreten, sondern hörte. sie mit niedergeschlagenen Augen an, gab ihr turze Antwort und entließ sie wieder. Ja selbst mit seiner Mutter war er nicht gerne allein, sondern suchte, wenn die Anwesenden etwa während seiner Unterredung mit ihr fich entfernten, alsbald auch sich entfernen zu können, und ließ sich von ihr nie an der Hand berühren. So sehr war er besorgt für genaueste Erfüllung seines Gelübdes! Aloysius lebte so gewissenhaft, daß er bei jeder seiner Handlungen genau erforschte, ob an ihr etwas Fehlerhaftes sei; denn es gieng fein ganzes Bestreben dahin, das Böse in der Wurzel zu entdecken und auszurotten. Um zu Florenz und Mantua. 19 dieß desto sicherer zu erreichen, wählte er, wo er immer sich aufhalten mochte, einen bestimmten Geistlichen aus der Gesellschaft Jesu zum geistlichen Bater und Gewissensrath. Diesem war er mit inniger Anhänglichkeit und kindlicher Ehrfurcht zugethan. Ihm deckte er alle Falten seines Gewissens auf, enthüllte ihm ganz aufrichtig alle Gemüthsbewegungen, alle Neigungen seines Herzens und fragte ihn in zweifelhaften Fällen um Rath. Er weihte ihn ein in alle seine frommen Gedanken und innern Erleuchtungen, damit kein Betrug des Teufels sich einschleiche; ja auch alle guten Entschlüsse, alle Abtödtungen offenbarte er seinem Beichtvater, damit dieser ihn gang und gar fenne und durchschaue. Denn er wußte, daß man nirgends mehr eines erfahrnen Führers mehr bedürfe, als auf dem geistlichen Wege, der so vielen Jrrthümern ausgeset und mit so vielen Gefabren und Schwierigfeiten umgeben ist. Zu Florenz wählte er einen Vater aus der Gesellschaft Jesu Namens Delatour( sprich Delatur) zum Gewissensrath, und beichtete öfters als in Castiglione. Vor der Beicht erwog er allemal gewissenhaft alle seine Gedanken, Worte und Werke; dann trat er mit solcher Zerknirschung des Herzens zum Beichtstühle hin, als wenn er alle Menschen an Menge und Größe ihrer Sünden überträfe. Als er einmal eine Lebensbeicht ablegen wollte, wurde er, als er angefangen, von einem solchen Reuteschmerz er- 20 Kap. 3. Der hl. Aloysius an den Höfen griffen, daß er wie ohnmächtig zu Boden sank, und von seinem Hofmeister aufgehoben und nach Hause gebracht werden mußte. Das nächstemal legte er wirklich eine Generalbeicht ab und sagte später oft, daß er dadurch große Beruhigung erlangt habe. Er lernte sich immer genauer kennen und erreichte durch seinen Eifer in kurzer Zeit eine solche Stufe der Vollkommenheit, zu der nur Wenige nach vielen Jahren gelangen. Zuerst bemerkte er an sich, daß er den Funken des Jähzorns noch nicht gänzlich erstickt habe. Er war zwar wohl so weit über sich Herr, daß der Zorn nicht äußerlich bemerkbar wurde- aber fühlte doch eine innerliche Unruhe, die den Frieden seiner Seele störte. Er betrachtete nun, wie schändlich und gefährlich es sei, die Herrschaft über sich so leicht zu verlieren im Jähzorn. Er vermochte durch seinen Eifer bald die Quelle dieses Fehlers zu verstopfen, so daß er, von Natur zwar sehr empfindlich und leicht reizbar, fortan nie mehr die geringste Ungeduld und Aufgeregtheit verspüren ließ. Er fand auch, daß ihm bei der Unterhaltung manchmal Worte entschlüpften, die zwar unbedeutend waren, aber doch die wahre Nächstenliebe verlegen konnten. Um dem nun gründlich abzuhelfen, nahm er sich vor, jedes minder nothwendige Gespräch selbst mit seinen besten Freunden zu vermeiden. Ja er entschloß sich, unerachtet der Unzufriedenheit und des Tadels Einiger- an keinem Spiele, wie zu Florenz und Mantua. 21 sie an Höfen gebräuchlich sind, mehr Theil zu nehmen- was er sein Lebenlang hielt. Gegen seine Vorgesetzten beobachtete er den pünktlichsten Gehorsam, so daß er durchaus nichts unternahm gegen ihren Willen. Wenn sein Bruder Rudolf sich beklagte über die Ermahnungen des Hofmeisters und die Ermahnungen der Lehrer, so ermahnte er ihn liebevoll zu freudigem und vollkommenem Gehorsam gegen sie. Gegen seine Bedienung benahm er sich so schonend und anspruchslos, daß sie selbst in Verlegenheit kamen. Was er immer nöthig haben mochte, nie waren seine Worte noch sein Ton befehlend, sondern er sprach meistens gleichsam bittend: Könnten Sie mir dieses thun? wenn es Ihnen nicht zu viel Mühe macht, wünschte ich dieß. Sind Sie so gut und thun Sie mir dieß! Solche und ähnliche Worte, und die Freundlichkeit, mit der er sie sprach, waren geeignet, Aller Herzen ihm zu gewinnen.. Aloysius war über zwei Jahre in Florenz gewesen; von da mußte er sich im November 1579 eilf Jahre alt- nach dem Willen seines Vaters nach Mantua begeben, an den Hof des Herzogs. Hier konnte der Jüngling die menschliche Größe und Hoheit genau be trachten und gründlicher verachten lernen; und eine Krankheit, die ihm zugestoßen, gab Veranlassung, die letzten Bande zu lösen, die ihn noch an die Welt knüpften. Die Nerzte hatten ihm die Weisung gegeben, durch strenge - 22 Kap. 3. Der bl. Aloysius an den Höfen z Lebensordnung die körperlichen Kräfte und Säfte zu erhalten, deren Veränderung man für den Grund seines Leidens hielt. Aloysius gewöhnte sich nun wirklich an eine so strenge Diät, daß man sich wunderte, wie er nicht daran starb. Er setzte sie ununterbrochen. fort, nicht mehr aus Rücksicht auf Gesundheit, sondern aus Frömmigkeit und heiligem Eifer für die Abtödtung, in der er sich so vervollkommnen konnte, ohne daß es bei Andern Aufsehen machte. Allein so nüßlich diesestrenge Mäßigkeit zu Hebung des Uebels war, so schädlich war sie auch seiner Gesundheit, weil sie seinen Magen so zerrüttete, daß er selbst die nöthigen Speisen nicht mehr zu sich nehmen, noch bei sich behalten und verdauen fonnte. Er wurde nun obwohl bisher blühend und starken Körpers immer magerer und abgezehcter und gerieth in cine Kraftlosigkeit, die ihm sein Lebtag verblieb. Er zog aber aus diesem Zustande auch einen geistigen Gewinn, indem er so mit gutem Grunde von Besuchen, Gesellschaften, Vergnügungen sich zurückziehen konnte. Aloysius faßte, eilf Jabre alt, zu Mantua auch den festen Entschluß, auf das Recht seiner Erstgeburt Verzicht zu leisten und in den geistlichen Stand zu treten, um Gott mit grö Berm Eifer dienen zu können. Ohne ven diesem Vorhaben etwas zu sagen, bat er feinen Vater, er möchte wegen seiner schwächlichen Gesundheit und wegen der Neigung zu Des hl. Aloysius Eifer im Gebet 2c. den Wissenschaften ihn vom Hofe entfernen. Der Markgraf ließ ihn nun auch nach Castiglione zurückkehren in der Hoffnung, das Klima verbunden mit der sorgfältigen Pflege seiner Mutter werde ihm wieder zur Gesundheit verhelfen, wenn er seine strenge Diät aufgebe. Aloysius aber, weniger um die Gesundheit seines Körpers als um die Vollkommenheit seiner Seele besorgt, konnte sich nicht dazu verstehen. Er verband nun vielmehr mit seiner außerordentlichen Enthaltsamfeit eine noch größere Zurückgezogenheit, um mehr Zeit zu haben für seine frommen Uebungen. 23 4. Kapitel. Des heiligen Aloysius Eiser im Gebete und Empfange der heiligen Sakramente. Bisher hatte Aloysius weder eine Anleitung noch eine Uebung im innerlichen Gebete und in der Betrachtung gehabt, sondern verrichtet nur mündliche Gebete. Aber Gott hielt diese unschuldige Seele jener Gnaden für würdig, und wollte selbst ihr Lehrer sein im innerlichen Gebete und in der Betrachtung, was unter allen Uebungen der Frömmigkeit das wichtigste Geschäft ist und der sichere Weg, um in den Besitz der wahren Tugenden zu gelangen. Gott erleuchtete darum den Verstand des Aloysius mit einem Strahle himmlischen Lichtes und lehrte ihn nachdenken und fromme Betrachtungen anstellen über die Gna 24 Rap. 4. Des Hl. Aloysius Eifer im Gebet den und Wunder Gottes. Als er so durch die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters fich Mittel und Wege gegeben sah, um das Verlangen seiner Seele stillen zu können, war er fast den ganzen Tag in Betrachtungen über himmlische Dinge vertieft, und zwar mit solch innerer Wonne, daß er vor großer Lust, die darüber sein Herz erfüllte, fast immer weinen mußte. Deßhalb verließ er sein Zimmer nur wenig, um jene zarten Gefühle der Andacht nicht zu verlieren oder weinend gesehen und gestört zu werden. Seine Dienerschaft, die diesen herzlichen Umgang mit Gott fannten, lauschten oft an der Thüre seines Zimmers und beobachteten durch die Spalten derselben mit Bewunderung, wie er oft Stunden lang vor einem Kruzifiy knieete, bald mit ausge= streckten, bald mit freuzweise über die Brust gelegten Händen, und mit auf das Bild des Erlösers gehefteten Blicken. Bald weinte er bitterlich, so daß man außerhalb das Schluchzen hörte, bald wurde er wieder ruhig, wie in Entzückung gerathen, unbeweglich, einer Statue gleich. Wenn auch zufällig Jemand in's Zimmer trat, oder ein Geräusch entstand, bemerkte er es nicht. Auch andere Augenzeugen, die nicht ins Haus gehörten, haben dieß beobachtet und voll Bewunderung erzählt. Aloysius hatte nur durch Eingebung des heiligen Geistes das innerliche Gebet und die Betrachtung gelernt; aber er wußte noch nicht, eine Ordnung zu halten und den Gegenstand und Empfang der heil. Sakramente. 25 zur Betrachtung passend auszuwählen. Hiezu verhalf ihm ein Büchlein von Petrus Canisius, einem Vater der Gesellschaft Jesu, indem eine Anleitung zu geordneten Betrachtungen gegeben ist. Dieses Büchlein und Briefe von Missiona ren aus Indien waren es eben auch, die den Aloysius nach seiner eigenen Versicherung mit hoher Ehrfurcht gegen diese Gesellschaft erfüllten Denn jenes Büchlein, von einem Jesuiten im wahren Geiste der Frömmigkeit und Gottesfurcht verfaßt, sprach ihn sehr an; die Briefe aber berichteten von jenem großen Werke der Bekehrung Indiens, dem die Väter der Gesellschaft Jesu mit so viel Mühe und Anstrengung zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen sich widmeten. Dieß erweckte in ihm das Verlangen, jene eifrigen Väter so viel möglich nachzuahmen und sein Leben ebenso zum Heile der Seelen zu verwenden. Er wohnte deßhalb an Sonn- und Festtagen mit größter Aufmerksamkeit dem christlichen Unterrichte bei, und bemühte sich dann mit bewunderungswürdigem Eifer andere Kinder im Glauben und in den guten Sitten zu unterweisen. Erfuhr er, daß unter seinen Untergebenen Streit entstanden sei, so suchte er fie zu versöhnen; hörte er Jemanden unanständige oder böse Worte aussprechen, so ermahnte er ihn, das nicht mehr zu thun; wenn er irgend einen schlechten Menschen traf, so that er, was immer in seiner Macht stand, um 26 Kap. 4. Des hl. Aloysius Eifer im Gebet ihn auf bessere Wege zu bringen. In seiner Gegenwart duldete er durchaus feine Belei digung Gottes, und alle seine Gespräche betrafen nur fromme Gegenstände, so daß man ihn seinen Reden nach für einen erfahrnen Mann, und nicht für einen Knaben halten mochte. - Um diese Zeit, im Juli 1580, fam der heis lige Karl Borromäus, Erzbischof von Mailand, als päpstlicher Abgesandter in die Bisthümer seiner Provinz, auch nach Castiglione und nahm seine Wohnung bei dem Erzpriester daselbst. Aloysius- jegt im 13. Jahrebesuchte den berühmten Kirchenfürsten, nicht so fast um der Forderung des Anstandes nachzukommen, als vielmehr um mit einem so erfahrnen Lehrer sich über geistige Dinge und Herzensangelegenheiten besprechen zu können. Der heilige Karl Borromäus nahm ihn mit aller Freundlichkeit auf, und verweilte so lange allein in Unterredung mit ihm, daß die vor der Thüre Wartenden sich sehr darüber wunderten. Er wurde auch Hocherfreut beim Anblicke des Aloysius, dieser zarten und herrlichen Himmelspflanze, die mitten unter den Dornen der fürstlichen Höfe, ohne Zuthun menschlicher Hülfe, allein in Kraft des göttlichen Einflusses so unverdorben herangewachsen und zu solcher Vollkommenheit gelangt war. Der Kardinal fragte unsern Aloysius auch, was er für fromme Uebungen habe, wie viel Zeit er auf das Gebet verwende und Univ.- Bibl. Giessen und Empfang der heil. Sakramente. 27 ob er auch zum Tische des Herrn gehe. Auf die Erwiederung des Jünglings, legteres fei ihm noch nicht gestattet worden, rieth ihm Karl Borromäus, weil er seine englische Heis ligkeit sah und Kenntnisse an ihm bemerkte, die über seine Jahre hinausreichten, nicht blos, er soll jenes göttliche Nahrungsmittel der Frömmigkeit bald empfangen, sondern er soll es auch als eine Schußwehr der Unschuld recht oft mit größter Andacht empfangen. gab ihm auch eine kurze Belehrung über die rechte Art und Weise einer heilsamen Vorbereitung und eines fruchtbaren Empfanges des heiligen Sakramentes und reichte ihn dann bald selbst das anbetungswürdigste Brod der Engel. Mit welch heiligem Eifer, mit welch glühender Liebe, mit welch süßer Andacht wird dieser Engel im Fleische da wohl das erste Mal kommunizirt haben! Von da an empfieng er oft das Brod des Lebens wo möglich alle acht Tage, und sein geistiges Leben bildete fortan nichts anders mehr als eine beständige Danksagung und Vorbereitung für die heilige Kommunion. Am Montag dankte er Gott Vater, am Dienstage dem Sohne und am Mittwoch dem heiligen Geiste für die Gnade des empfangenen Abendmahles; den Donnerstag weihte er wieder dem Vater, den Freitag dem Sohne und den Samstag dem heiligen Geiste, um für das nächste Mal die Gnade eines würdigen Empfanges zu erbitten. Den Tag vor der heiligen Kommunion 28 Kap. 4. Des hl. Aloysius Eifer im Gebet fastete er jedesmal. Außerdem stellte er eine geistige Lesung an, und den häufigsten Gegenstand seiner Rede bildete das allerheiligste Altárssakrament. Unter solchen Gedanken gieng er Abends zu Bett, und sobald er Morgens erwachte, wiederholte er sich dieselden. Dann hielt er eine Stunde lang über das Geheimniß der Liebe eine Betrachtung, prüfte seinen Seelenzustand aufs genaueste und reinigte sich beim Beichtvater von allen entdeckten Flecken seines Lebens, damit der himmlische Gast in seiner Seele ja nichts Mißfälliges antreffe. Nachdem er endlich sein Herz mit vielem Flehen und Seufzen entflammt und alle Seelenkräfte gesammelt hatte, empfieng er das heilige Altarssakrament mit einer solchen Haltung, daß sein Anblick allen Anwesenden zur Erbauung diente. Sie mußten glauben, nicht einen Menschen, sondern einen Engel in menschlicher Gestalt zu sehen, der da ganz von göttlicher Liebe durchglühet ist. Aloysius schien dabei in einem Meere von Seligkeiten zu schwimmen, was sich oft in seinen Augen durch einen Strom von Freudenthränen verrieth. Welch ein Schauspiel für Menschen und Engel ist ein mit Andacht und Inbrunst kommunizirender Jüngling! Hatte Aloysius die heilige Kommunion empfangen, so verrichtete er ebenso andächtig seine Danksagungsgebete und empfahl Gott auf's inständigste seine Unschuld, seinen Fortschritt in den Wissenschaften und Tugenden und Empfang der heil. Sakramente. 29 und die Wahl seines Standes. Hierauf verwendete er nicht blos einige Minuten, sondern 1 bis 2 Stunden und ließ sich durch nichts darin stören oder unterbrechen. Die Süßigkeit des himmlischen Mahles erweckte in seiner Seele einen solchen Hunger darnach, daß er, weil nicht täglich, wie er wünschte, zum Tische des Herrn zugelassen, doch keinen Tag hingchen ließ, an dem er nicht der heiligen Messe beigewohnt und da wenigstens geistig kommunizirt hätte. Aloysius hatte seit jener Unterredung mit dem heiligen Karl Borromäus auch eine große Vorliebe für den römischen Katechismus, den Papst Pius V. nach dem Willen der Tridentinischen Kirchenversammlung hatte herausgeben lassen. Er las auf die Empfehlung des Kardinals hin mit Wohlgefallen und fleißig in jenem Katechismus und ermahnte auch Viele, das Gleiche zu thun. 5. Kapitel. Aloysius entschließt sich, in einen Orden zu treten. Aloysius war von seinem ersten Leiden genesen, blieb aber doch wegen seiner strengen Enthaltsamkeit ungemein schwach. Der Markgraf, der sich in Lasal aufhielt als Statthalter von Montferrat, glaubte, es würbe besser gehen, wenn er den schwachen Aloysius bei sich hätte und seinen Zustand genauer 30 Kap. 5. Der bl. Aloysius entschließt sich, beobachten könnte. Er ließ deßhalb gegen Ende des Jahres 1580 ihn mit seinem Bruder Rudolf zu sich nach Lasal kommen. Auf der Reise dahin kam Aloysius in große Lebensgefahr. Als er nämlich mit seinem Bruder und dem Hofmeister über einen Arm des Ticino( Titschino) fuhr, brach der Wagen inmitten des Flusses, der sehr angeschwollen war durch Regengüsse. Der andere Theil, auf welchem Rudolf war, wurde von den Pferden fortgezogen, die mit Mühe hinaus famen. Der hintere Theil des Wagens aber, wo Aloysius und der Erzieher waren, wurde vom Wasser weit fortgerissen. Aber die göttliche Vorschung leitete es, daß er mitten im Flusse von einem großen Baumstamm aufgehalten wurde, bis ein Reiter kam und den Aloysius und seinen Begleiter auf sein Pferd nahm und an's User brachte. Sie dankten darauf Gott in einer nahen Kirche inbrünstig für die Rettung aus so augenscheinlicher Lebensgefahr. Aloysius brachte in Lasal übersechs Monate zu und machte indessen große Fortschritte wie in den Wissenschaften, so noch mehr im innern geistlichen Leben. Der Markgraf suchte ihn durch Lustbarkeiten und Vergnügungen zu zerstreuen- nie vermochte er von seinen geistigen Uebungen abgehalten zu werden. Seine liebste und beste Erholung suchte und fand er in der Kirche der seligsten Jungfrau daselbst, wo das Volk oft zahlreich sich versammelte und besondere Undachten hielt. in einen Orden zu treten. Daselbst empfieng er auch häufig die heiligen Sakramente. Manchmal besuchte er auch die Kapuziner oder Barnabiten, und hatte an ihrer Unterhaltung solche Freude, daß er sie jedesmal höchst ungern verließ. Seine Neigung und Vorliebe zu den Ordensleuten wurde nebenbei immer stärker, je mehr er sie beobachtete und kennen lernte. So stellte er eines Tages, als er bei den Barnabiten war, sich auch ihre Lebensart und Handlungsweise vor und sprach zu sich selbst: Siehe, Aloysius! wie glücklich das Leben im Kloster ist! Diese Bäter sind von allen Banden der Welt und Fallstricken des Teufels frei und so viele Gelegenheiten zur Sünde sind ihnen fremd! Die fostbare Zeit, welche die Weltmenschen mit Sammeln vergänglicher Schätze und im Genusse trügerischer Freuden vergeuden, benüßen sie dazu, sich unvergängliche Schäße, ewige Güter zu erwerben. Sie sind des Lohnes ihrer Arbeiten gewiß, den der gerechte Richter ihnen geben wird am Tage der Vergeltung! Sie ordnen ihr Leben nach einer vernünftigen Richtschnur und stehen nicht unter der Herrschaft der Begierlichkeit und der Sinne. Sie suchen keine Ehrenstellen, schätzen irdische und vergängliche Güter gering, fennen keinen Ehrgeiz und beneiden Andere nicht um ihr Glück. Sie sind dann auch wahrhaft glücklich im Dienste Gottes. Sie sind immer zufrieden und heiter, und erschrecken weder vor dem Tode noch vor der Hölle- weil sie ein gutes Ge 31 32 Kap. 5. Der hl. Aloyfius entschließt sich wissen haben. Sie beschäftigen sich fortwährend mit frommen Uebungen und stehen in beständigem Verkehr mit Gott. Und das Zeugniß ihrer Unschuld ist der Grund ihrer innern Ruhe und ihres Friedens, die auch auf dem Antlig sich ausprägen. Die wohlbegründete Hoffnung auf die himmlischen Güter, und die einstige Anschauung Gottes, Dem sie jetzt dienen, tröstet sie in Allem, was sie betrüben könnte. Und du, Aloysius! wohin geht dein Streben? Warum liebst du eine solche Lebensweise nicht auch? Warum machest du dich nicht auf einmal los und frei von allen Hindernissen der Ruhe und des Friedens? Warum seßzest du dich nicht für immer in den Stand, Gott vollkommener dienen zu können?" Diese und ähnliche Betrachtungen beschäftigten den heilsbegierigen Jüngling, und machten auch einen solchen Eindruck auf ihn, daß man ihm wohl anmerkte, er habe etwas Wichtiges im Sinne; nur mochte ihn Niemand darüber befragen. Nachdem er oft um Erleuchtung gebetet und insbesondere allemal nach dem Empfange der heiligen Kommunion um jene Gnade geflehet hatte, beschloß er endlich, die Welt ganz zu verlassen, und in einen Orden zu treten, wo er sein Gelübde der Keuschheit vollkommen halten und auch den vollkommenen Gehorsam und die Armuth üben könnte. Weil er aber noch zu jung noch nicht 13 Jahre alt- und darum seinen Borsaß auch nicht ausführen war - in einen Drden zu treten. 33 fonnte, entschied er sich noch für feinen be stimmten Orden und theilte seinen Entschluß auch Niemanden mit. Dagegen führte er aber jetzt schon ein wahrhast flösterliches Leben. Er brachte die meiste Zeit zurückgezogen in sei nem Zimmer zu und verbot sich die Heizung desselben. Wenn er etwa mit Andern in ein geheißtes Zimmer gehen mußte, so suchte er stets jenen Plaß einzunehmen, der die wenigsten Unhänglichkeiten gewährte. Er floh jedes geräuschvolle Vergnügen und vermied auch sorgfältig alle größern Versammlungen und Gesellschaften, Schauspiele und Gastmähler, und ließ selbst durch die Einladung des Baters sich nicht dazu bewegen. Einmal nahm ihn sein Vater mit nach Mila, um ihn da bei der Heerschau der Reiterei zusehen zu lassen. Aloysius konnte dem bestimmten Befehle mitzugehen nicht ausweichen; aber er wählte den unbequemsten Platz zum Zuschauen, schlug seine Augen nieder oder wendete sich ganz hinweg, um vor der Zerstreuung sich zu bewahren. Noch mehr als die Gesellschaften und Zerstreuungen scheute Aloysius den Müßiggang, diese fruchtbare Mutter aller Verirrungen und Laster. Er lag fleißig seinen Studien ob, und las nebenbei mit Freuden in erbauenden Büchern, besonders in den Lebensbeschreibungen der Heiligen. Er ermuthigte sich an ihren herrlichen Vorbildern und ermahnte dann auch Andere zu ihrer Nachahmung. Er 3 34 Kap. 5. Der hl. Aloysius entschließt sich, bewies überhaupt in Allem einen solchen Ernst und Eifer, eine solche Verständigkeit und Weisheit, daß man gestehen mußte, er sei seinem Alter hierin weit voraus geeilt. Manche im Schlosse, die Zeugen seines Lebens waren, wünschten, er möchte weniger strenge leben; aber sie mußten ihn doch bewundern und vermochten nicht, ihn darin zu stören. Als Aloysius mit seinem Vater von Lasal nach Castiglione zurückgekehrt war, fuhr er in seinen strengen Bußübungen fort, und vermehrte sie sogar noch, so daß man in der That sich wundern muß, wie er es auszuhalten vermochte und nicht wieder in Frankheit verfiel. Zu jener großen Enthaltsamkeit hin, die er schon in Mantua Gesundheits halber begonnen und nachher aus religiösem Eifer fortgesetzt hatte, legte er sich nämlich noch mehrere Fasten auf. Gewöhnlich hielt er wöchentlich 3 Fasten: am Samstage zu Ehren Mariä, am Freitage zur Erinnerung an das Leiden Jesu Christi; an diesen beiden Tagen fastete er bei Wasser und Brod. Am Mittwoch fastete er bald bei Wasser und Brod, bald nach dem gewöhnlichen Brauche der katholischen Kirche. Außer diesen 3 Tagen hielt er noch außerordentliche Fasttage, wie gerade ein nahes Fest oder der Eifer seiner Frömmigkeit es verlangte. Aber auch sonst aß er so wenig, daß die, welche seinen Tisch bedienten, erstaunt waren, wie er damit sein Leben fri tu einen Drden zu treten. sten konnte. Neugierige haben mehreremal, ohne daß Aloysius es wußte, das Brod sammt den übrigen Speisen, die demselben vorgelegt wurden, genau gewogen und nachher eidlich angegeben, daß Alles, was Aloysius beim Frühstücke und Mittagemahle zu essen pflegte, keine zwei Loth wog. Daraus muß man sicherlich abnehmen, daß ihm durch göttliche Kraft sein Leben wunderbar erhalten worden sei. 35 Wenn er bisweilen ein ganzes Ei aß, was sehr selten geschah- so glaubte man, er habe reichliche Speise zu sich genommen. Wenn er genöthiget war, größern Mahlzeiten beizuwohnen, so wählt er sich, we möglich, die unschmackhaftesten Theile, kostete nur ein wenig davon und ließ das Uebrige liegen. Mit dieser strengen Enthaltsamkeit verband Aloysius noch andere harte Bußwerke, um sein Fleisch zu freuzigen und abzutödten. So geißelte er sich insbesondere wöchentlich drei Mal bis auf's Blut; und später that er ee noch öfter sogar täglich mehrere Mal. So lange er feine hiezu geeignete Geißel hatte, gebrauchte er Riemen, Stricke und Kettchen dazu, wie er's gerade in die Hände bekam, um seinen unschuldigen Leib zu züchtigen. Dieses Schauspiel erweckte oft bei seinen Bedienten Mitleiden, wenn sie nämlich durch die Rißen der Thüre sahen, wie ihr Herr vor einem Kruzifire kniee und sich grausam geißle, als wäre er der größte Verbrecher. Sie fanden auch nicht selten, wenn sie sein Bett zu- 36 Kap. 5. Der Hl. Aloysius entschließt fich, richteten, unter dem Kopfkissen solche Marterwerkzeuge und blutbespritzte Nachtkleider. Zudem trug er des Tages, weil er kein rauhes Bußgewand hatte, unter seinem Kleide einen Gürtel mit Sporenrädchen auf bloßem Leibe, die schmerzlich in sein Fleisch einstachen. Des Nachts aber legte er oft Brettchen oder sonst Holzstückchen unter das Leintuch, um auch da an das harte Kreuz Christi errinnert zu werden. Als sein Vater von dieser Strenge seines Lebens hörte, zog er sehr gegen Aloysius los, aber er richtete nichts aus. Einmal fagte er zur Mutter:" Dieser Knabe scheint sich noch selbst umbringen zu wollen." Er bezeichnete damit eben etwas stark den außerordentlichen Bußeifer des Jünglings und sagte eigentlich auch nicht ganz Unwahres, indem die freiwilligen Kreuzigungen seines Fleisches ihn nach und nach ganz entkräftet hätten, wenn nicht später im Kloster sein Eifer eingeschränkt worden wäre. Welch' herrliches Beispiel aber von wahrem Eifer im geistigen Leben bietet hiemit nicht Aloysius dar, der ohne menschliche Ermunterung und Anleitung in so zartem Alter und unter den Lustbarkeiten eines so hohen Hauses seinen unschuldigen Leib so hart und streng behandelte! Diesen leiblichen Abtödtungen entsprach ein gleicher Eifer in geistigen Uebungen und besonders im Gebete. Jeden Morgen, sobald er aufgestanden war, brachte er im innerli in einen Orden zu treten. 37 chen Gebete über eine Stunde zu, die er jedoch mehr nach seiner Andacht und Inbrunst als nach der Uhr abmaß. Dann verrichtete er erst die gewöhnlichen mündlichen Gebete. Wenn er konnte, wohnte er mehreren heiligen Messen bei und diente dabei mit besonderer Freude dem Priester am Altare. Bei kirchlichen Andachten und gottesdienstlichen Versammlungen fand er sich höchst fleißig ein und erbaute durch seine Sittsamkeit und Frömmigkeit die Andern. Unter Tags las er viel in guten Büchern und dachte nach über das Gelesene; und sein Geist war stets auf jene Wahrheiten gerichtet, über die er am Morgen nachgedacht hatte, und ließ sich durch keine Geschäfte darin stören. Des Abends brachte er vor dem Schlafengehen wieder 1 bis 2 Stunden im Gebete zu. Hatte er sich aus Bergessenheit eher in's Bett begeben, als er alle seine gewöhnlichen Gebete verrichtet hatte, was nur sehr selten geschah, so sprang er, sobald er dessen sich erinnerte, schnell aus dem Bette und verrichtete die vergessenen Gebete mit aller Andacht. Damit noch nicht zufrieden, stund er manchmal um Mitternacht auf, wenn alle Andern schliefen, knieete im bloßen Hemde mitten im Zimmer nieder und brachte so mehrere Stunden im Gebete zu. Dieß that er nicht bloß im Sommer, sondern auch im Winter, der in der Lombardei streng und kalt ist. Da geschah es dann östers, daß er vor Kälte am ganzen Leibe starr und dem 38 Kap 5. Der hl. Aloysius entschließt sich, Gciste nach wie von den äußern Sinnen entfernt war, und, da der Körper die Kälte nicht mehr aushalten und seine Kniee die Last nicht mehr erträgen konnten, auf den bloßen Boden hinsank. Aber auch so segte er sein Gebet und seine Betrachtungen fort. Durch diese harte Lebensweise und die große Anstrengung, um im Gebete immer gefammelt zu sein, zog sich Aloysius ein Kopfleiden zu, das ihm sein Leben lang blieb und viele Schmerzen bereitete. Aber aus Verlangen, etwas der Dornenkrönung Christi Aehnliches zu leiden, gebrauchte er nicht nur fein Mittel wider jenes Uebel, sondern suchte es auf verschiedene Weise zu bewahren und zu erhöhen, um dadurch beständig an das Leiden Christi erinnert zu werden. Diese Kopfschmerzen waren eines Tages so heftig, daß er sich genöthiget sah, früher als gewöhnlich in's Bett zu gehen. Da erinnerte er sich, daß er die sieben Bußpsalmen noch nicht gebetet habe. Er betete sie im Bette, ward aber vom Schlafe überfallen, als er kaum fertig war, bevor er das Licht ausgelöscht hatte. Dieses ergriff beim Niederbrennen den Vorhang; Aloysius fühlt die Hize und wacht auf der Rauch erstickte ihn beinahe eilt zum Zimmer hinaus und ruft um Hülfe, indeß die Flamme auch das Bett ergreift. Die herbeigeeilten Soldaten warfen die brennenden Theile des Bettes schnell zu den Fenstern hinaus in einen Graben und retteten er - - in einen Orden zu treten. 39 dadurch das Schloß vor einem großen Brande. Aloysius aber erkannte darin stets dankbar die göttliche Vorsehung, welche ihn aus der Gefahr errettet und für den geistlichen Stand erhalten hatte. Da nun Aloysius schon öfters den besondern Schuß Gottes an sich sowohl als auch an seiner Familie erfahren, und in seinen Gebeten und Betrachtungen unabläſſig mit Gott umgieng gewann er ein ganz außerordentliches Vertrauen auf Gott, so daß er bei allen eigenen Erlebnissen und auch bei allen Angelegenheiten seines Vaters ruhig und zufrieden auf seinen Herrn und Gott sich verließ, daß Er ihn beschüßen und leiten werde. Er wurde in seinem Vertrauen auch nicht zu Schanden; denn er konnte seine Freunde versichern, er habe nie eine wichtige oder unbedeutendere Sache Gott empfohlen, die nicht den erwünschten Ausgang genommen hätte, wenn sie gleich sehr schwierig, ja nach der Meinung Anderer fast unausführbar gewesen sei. Außer diesem festen Vertrauen hatte Aloyfius auch eine Erhabenheit und Freiheit des Geistes erlangt, vermöge deren er Alles, was die Erde bietet, verabscheute und für nichts hielt. Wenn er daher in den Palästen der Fürsten die silbernen und goldenen Geräthe, die künstlichen Möbeln und die kostbaren Verzierungen sah und die Complimente und Schmeichcleien der Hofleute hörte, fonnte er sich kaum des Lächelns enthalten so sehr fchien ihm all dieß gering und werthlos! Er 40 Rap. 5. Der bl. Aloyfius entschließt fich sc. konnte sich nicht genug wundern, warum nicht alle Jünglinge in den geistlichen Stand treten wollten, da er ja offenbar für's jetzige wie für'e zukünftige Leben die größten Vortheile gewähre, während die Güter der Welt nichts als Mühen für die Gegenwart und Leiden für die Zukunft verursachen und bald vergehen. So äußerte er sich manchmal gegen seine Mutter und befestigte dadurch in sich selbst den schon gefaßten Entschluß, in ein Kloster zu treten. Aloysius sah aber Alles im Lichte des Glaubens an, und dieser lehrte ihn dann so kindlich einfältige Urtheile fällen, die für ein höheres vollkommenes Leben die allein richtigen find, obwohl sie in der gewöhnlichen Welt, wie sie einmal ist, nicht allgemein werden und gelten können. In seinen Unterhaltungen war Aloysius musterhaft, vorsichtig und erbauend. Er wußte nur über göttliche Dinge zu reden, wie die Fülle seines Herzens es ihm eingab- aber dieß mit einem solchen Ernst und Nachdruck, daß er seine Zuhörer mit Bewunderung erfüllte. Er redete in der Regel nur mit einigen Geistlichen und Mönchen von Castiglione. Sobald er von der Ankunft eines Mönches, besonders eines Benediktiners vom Berge Cas sino hörte, eilte er zu ihm, um über göttliche Dinge zu sprechen. Insbesondere redete er gerne von dem Glücke des Geistlichen und der Mönche, von den Freuden des Himmels und von den Herrlichkeiten Mariä. So er Der Hl. Aloysius entschließt sich zc. 41 sah man auch aus seinen Reden, daß der Geist Gottes ihn erfülle und wahre Frömmigkeit ihm ganz eigen sei. 6. Kapitel. Aloysius entschließt sich, Jesuit zu werden und eröffnet dieß seinen Eltern. Unterdessen war der Herbst 1581 herangekommen." Maria von Desterreich, Tochter Kaiser Karl V. und damals Wittwe Kaisers Maximilians II. kehrte durch Italien zurück zu ihrem Bruder Philipp II. Da erhielt der Markgraf Ferdinand von Philipp den Auftrag, als königlicher Kammerherr die erlauchte Frau auf ihrer Reise zu begleiten. Er that es und nahm seine Gemahlin nebst seinen zwei Söhnen und dem einzigen Töchterchen mit sich. Aloysius war jetzt 13 1/2 Jahr alt. Er ließ auf der Reise durchaus nichts nach in seinem Eifer, und verrichtete immer seine gewöhnlichen Gebete und Betrach tungen. Als er einmal auf dem Meere die Besorgniß äußern hörte, sie könnten von den türkischen Schiffen überfallen und angegriffen werden, sagte er: Wollte Gott, wir bekämen Gelegenheit, als Christen den Martyrtod zu sterben! Am Hofe zu Madrid angekommen, wurden Aloysius und sein Bruder Rudolf alsbald zu Edelknaben des Don Jakob, erstgebornen Prinzen König Philipps, ernannt. Aloysius 42 Kap. 6. Der hl. Aloysius entschließt fich, widmete sich während seines Aufenthaltes am königlichen Hofe, der über zwei Jahre dauerte, den Wissenschaften, insbesondere beschäftigte er sich mit dem Studium der Logik und Mathematik unter der Anleitung eines sehr tüchtigen Lehrers, und genoß auch Unterricht in der Philosophie und Theologie. Durch feinen Eifer, verbunden mit weiser Ordnung, machte er, da ihm auch vortreffliche Geistesgaben mit gesunder Urtheilskraft verlichen waren, schnell glänzende Fortschritte. Er Sewies dieß einmal zu Alfala. Als er sich nämlich in jener Stadt gerade zu einer Zeit aufhielt, wo eine Disputation( Streiteramen) über Theologie stattfand, und zur Theilnahme eingeladen wurde, bekämpfte er als vierzehnjähriger Jüngling mit großer Gewandtheit und tiefem Scharfsinn zu allgemeiner Bewunderung den Saß, daß das Geheimniß der heiligsten Dreieinigkeit mit dem natürlichen Lichte der Vernunft erfannt werden könne. Es war dieß eine Gnade Gottes, welche er durch seine Frömmigkeit sich erworben hatte. Denn es war seine Gewohnheit, die Studien jedesmal damit zu beginnen, daß er vor einem heiligen Bilde, das er auf seinem Studiertisch immer vor Augen hatte, eine gute Meinung machte und ein Gebet vorausschickte. Während des Studierens selbst pflegte er, häufig Seufzer zum Himmel emporzusenden und sich von dort in schwierigen Fällen Licht zu erbitten. In die Schule gieng er erst, nach Jesuit zu werden und eröffnet dieß s. Eltern. 43 dem er das heiligste Altarssakrament in der Kirche angebetet hatte; in der Schule selbst rief er nochmals den heiligen Geist an, und hörte, bei seinen frömmern Mitschülern sißend, mit aller Äufmerksamkeit dem Lehrer zu. Und was er da gehört und gelernt, dafür dankte er nachher Gott von ganzem Herzen und überlegte es bei sich. Wie hätte bei so geordnetem Studium der Erfolg nicht höchst glücklich sein sollen? Aber Aloyfius fand zu Madrid durch seine Geschäfte bei Hof und durch seine Studien sich doch etwas gestört und gehindert im geistigen Leben. Anfänglich schien es sogar, daß er nicht Zeit genug finde zur Verrichtung seiner gewöhnlichen Gebete und zum öftern Empfange der heiligen Sakramente, und beinahe erkaltete er etwas in seinem feurigen Wunsche, die Welt zu verlassen, und in seinem sonstigen Eifer. Doch- mit der Gnade Gottes entschloß er sich, alle menschlichen Rücksichten bei Seite zu sehen und am Hofe ein ebenso strenges und religiöses Leben zu führen als vorher. Er wählte zu seinem Beichtvater den Pater Ferdinand Paterno aus der Gesellschaft Jesu, und fuhr fort, häufig zu beichten und zu kommuniziren, ohne sich darum zu kümmern, was die Leute über ihn sagen würden. Auch sonst lebte Aloysius so tugendhaft wie bisher. Um seine Herzensreinheit auch durch außere Sittsamkeit zu schüßen und zu wah 44 Kap. 6. Der bl. Aloysius entschließt sich ren, gieng er auf den Straßen immer mit niedergeschlagenen Augen, so daß er nach mehrjährigem Aufenthalt in Madrid stets einen Begleiter haben mußte, um nicht zu verirren oder häufig fragen zu müssen. Vornehme Damen, die er manchmal besuchen mußte, grüßte er immer, ohne ihnen je in's Angesicht zu sehen. Aber was noch mehr zu bewundern ist: er begleitete die Kaiserin Maria auf ihrer Reise von Italien nach Spanien, verweilte daselbst fast drei Jahre am föniglichen Hofe, kam täglich mit dem Prinzen Jakob zu ihr und hatte tausenderlei Gelegenheit sie zu sehen und doch hat er nie ihr Angesicht kennen gelernt, wie er selbst versicherte. Seine Gespräche waren auch am Hofe des Königs ernst und gottesfürchtig. Hörte er unehrbare Reden, so überzog sogleich Schamröthe sein Angesicht; er schlug die Augen nieder, that als habe er sie nicht gehört, äußerte sein Mißfallen darüber oder wo er dieß nicht fonnte, entfernte er sich ganz. In Folge davon stand er bei den Uebrigen in so hohem Ansehen, daß sie ihre zu freien Gespräche schon abbrachen, wenn sie ihn nur von weitem kommen sahen. Weil aus seinem Munde kein unschickliches Wort fam, und er ein solches weder im Ernst noch im Scherz ertragen fonnte, fagte man am Hofe allgemein: ,, Der Markgraf von Castiglione( Aloyfius) scheine nicht aus Fleisch und Blut gebildet zu sein!" Jesuit zu werden und eröffnet dieß s. Eltern. 45 Seine Kleider waren sehr einfach und oft o abgetragen, daß nicht bloß sein Vater, sondern noch sein Oheim und seine sonstigen Begleiter sich darüber ärgerten. Er ließ sich jedoch nicht beirren und schob es immer auf, die Kleider anzuzichen, welche ihm auf Anordnung, seines Vaters übergeben wurden; hatte er fie aber ein- oder zweimal getragen, so suchte er Ausflüchte, sich ihrer zu entledigen, und nahm wieder seine alten hervor. Er trug nie irgend einen glänzenden Schmuck, als z. B. eine goldene Ordenskette oder andere am Hofe übliche Auszeichnungen; denn er wolle, sagte er, Gott dienen, und dazu brauche er den eiteln Brunk der Welt nicht. Diese heiligen Gesinnungen und dieser entschiedene Ernst seines ganzen Benchmens zogen ihm mancherlei Unannehmlichkeiten zu, auch von Seite des Vaters. Dieser wollte besonders Anfangs ihm dergleichen Eigenheiten durchaus nicht zulassen, in der Meinung, sie verursachen seinem Hause Unehre und Schande; aber endlich, überwunden von der festen Standhaftigkeit seines Sohnes, konnte er doch seine Verwunderung dem nicht länger versagen, was er höchst ungerne gestattete. Aloysius bekam während seines Aufenthalts in Spanien auch ein Buch von Ludwig von Granada in die Hände, das vom innerlichen Gebete handelte. Er las es mit Eifer und entschloß sich nun, vom Gebete nie eher abzulassen, bevor er eine volle Stunde ohne 46 Kap. 6. Der Hl. Aloysius entschließt sich, Zerstreuung darin zugebracht habe. Er knieete allemal, stüßte sich nicht und begann so seine Betrachtungen. Schlich sich nach einer halben. oder dreiviertel Stunden eine Zerstreuung ein, so sah er diese Zeit als ganz ungültig an, und begann seine Betrachtung von neuem. So verharrte er bisweilen fünf Stunden und noch länger im innerlichen Gebete. Um aber weder von den Seinigen noch von andern Personen gestört oder unterbrochen zu werden, begab er sich meist in eine dunkle Holzkammer und hielt sich sehr gerne da auf, wo es nicht gar bequem war. Die Dienerschaft konnte ihn oft nicht finden, wenn andere vornehme Personen ihn besuchen wollten. Dieß zog ihm natürlich auch wieder Vorwürfe seiner Eltern zu. Allein die Besuche vom Him. mel, die er in jenem Schlupfwinkel erhielt, waren ihm willkommener, als die von der Welt. Darum verschloß er seine Augen solchen menschlichen Rücksichten und wollte lieber ungebildet erscheinen vor der Welt, als we niger eifrig gegen Gott. Als seine Freunde dieß bemerkt hatten, hörten sie auf, ihm dergleichen Höflichkeitsbesuche zu machen, und Aloysius war jetzt frei von unnüßem Zeitvertreib und konnte um so ungestörter seinen Uebungen der Frömmigkeit sich widmen. An der Stelle jener Holzkammer, die ihm ge wöhnlich als Betzimmer diente, soll später eine Kapelle eingerichtet worden sein. Auf die beschriebene Weise hatte Moysius Jesuit zu werden und eröffnet dieß s. Eltern. 47 bereits ein und ein halbes Jahr am königlis chen Hofe in Spanien zugebracht. Da lick ihn der Geist Gottes, der in ihm wohnte und ihn täglich mehr und mehr an sich zog, dentlich erkennen, daß jett die Zeit herannahe, wo er seinen schon in Italien gefaßten und immerfort bewahrten Entschluß, in irgend einen Orden zu treten, ausführen könnte. Es handelte sich aber noch um einen Punkt von höchster Wichtigkeit, nämlich um die Wahl eines bestimmten Ordens unter den vielen bestehenden. Er verdoppelte nun seine inbrünstigen Gebete zu Gott, damit Er ihn in einer so wichtigen Angelegenheit erleuchten und leiten möchte. Inzwischen überdachte er bei sich selbst die Sache mit allem Eifer und nach allen Seiten. Er verspürte unzweideutig in sich eine besondere Neigung zu Abtödtungen und kam daher zuerst auf den Gedanken, in den Orden der unbeschuhten Karmeliten treten zu wollen, weil dieß ein strenger Orden ist. Allein seine Mutter, mit der er darüber redete, fuchte ihn davon abzubringen, indem sie ihm vorstellte, wie schwächlich er sei, und darum weder die bisherige Lebensweise lange mehr fortseßen noch weniger aber einer strengen Ordensregel gehörig nachkommen könne. Er gieng davon ab und hielt es für besser, in ein Kloster zu gehen, wo er der verfällenen Zucht und Ordnung aufhelfen, und da durch Gott und der Kirche einen großen Dienst erweifen konnte. Aber er hielt sich wieder 48 Kap. 6. Der Hl. Aloysius entschließt sich, nicht für fähig genug dazu, und befürchtete, es möchte ihm nicht gelingen, und er sich dann in einem ausgearteten Orden befinden ohne Trost und Hülfe. Deßhalb entschied er fich, einen Orden zu wählen, der genau an seiner Regel halte. Unter den vielen Genos senschaften dieser Art fühlte er nicht so fast für jene eine Neigung, die sich vorzugsweise mit Werken der leiblichen Barmherzigkeit beschäftigen, als vielmehr für jene, die, vom Umgang mit der Welt ganz und gar zurückgezogen, in der Einsamkeit für ihre Seele sorgen, und die Zeit mit Lob- und Preisgesängen Gottes, mit Beten und Betrachten zubringen. Dazu mochte er wohl seinem bisherigen Leben nach die stärkste Neigung und offenbarste Anlage haben. Allein er wollte wiederum doch nicht bloß seine Ruhe, sondern vor Allem die Ehre Gottes befördern und hätte deßhalb die Talente, die Gott ihm zugetheilt, nicht gerne fruchtlos gesehen, statt zum Heile der Seelen angewendet. Zudem hatte er schon gelesen, daß diejenigen Orden bei der Wahl vorzuziehen seien, die mit Unterricht, Bredigten und sonst mit dem Seelenheil der Menschen sich beschäftigen; denn dieser Beruf komme jenem am nächsten, den Jesus Christus, das Vorbild aller Vollkommenheit, hier auf Erden erfüllte. Er zog fich ja nur von Zeit zu Zeit in die Einfamkeil zurück, um zu beten; dann kam er wieder unter die Menschen, sie zu belehren, zu ermah Jesuit zu werden und eröffnet dieß s. Eltern. 49 nen und zu erlösen. Aloysius entschied sich deßhalb endlich dahin, seine Vorliebe für Einsamkeit und geistige Ruhe Gott zum Opfer zu bringen, und in einen Orden zu treten, der ebenso eifrig für das Seelenheil der Nebenmenschen arbeite, als für die eigene Bervollkommnung gehörig Sorge trage. Da fiel seine Wahl nach reiflicher Ueberlegung auf die Gesellschaft Jesu, deren Einrichtungen und Regeln ihm ganz zusagten. Er wollte sich nun aber auch soviel möglich versichern, ob seine Wahl Gottes Wille sei; in dieser Abficht empfieng er nach vielem Gebet und außerordentlicher Vorbereitung an Mariä Himmelfahrt 1583 die heilige Kommunion. Darauf berrichtete er die Danksagung vor einem Ma rienbilde und bat die Himmelskönigin flehentlich, sie möchte ihm die Gnade von Gott erbitten, daß Er ihm seinen Willen kund mache. Und siehe, klar und deutlich vernahm er eine Stimme vom Kreuze herab: ,, Tritt in den Orden der Gesellschaft Jefu und entdecke diesen Entschluß deinem Beichtvater." Was für einen süßen Trost glaubst du wohl, daß Aloysius bei diesen Worten in seiner Seele empfunden? Er fand jetzt keine Ruhe mehr, bis er den heiligen Rath erfüllt hatte. Er gieng noch an demselben Zage zu seinem Beichtvater und erzählte ihm den ganzen Hergang der Sache unter Vergießung reichlicher Freudenthränen. Dabei bat er ihn aufe dringendste, er möchte sich mit den Vorstehern 4 50 Kap. 6. Der Hl. Aloysius entschließt sich, der Gesellschaft darüber besprechen und ver ständigen, damit seine Sehnsucht je eher desto lieber erfüllt werde. Dieser erwiderte, daß nach allen Umständen sein Beruf ein wahrer sei und von Gott komme; daß aber, um ihn in Ausführung zu bringen, die Zustimmung seines Vaters erforderlich sei, ohne welche die Obern ihn nicht aufnehmen würden. Er foll demselben also den Entschluß entdecken, ihn um die Erlaubniß bitten, ihn ausführen zu dürfen. Je feuriger im Herzen des Aloysius die Liebe zum Ordensstande bereits entbrannt war, um so schmerzlicher wurde ihm jede Verzögerung. Er setzte darum noch an demFelben Tage die Mutter von seinem Vorhaber in Kenntniß. Sie wurde darüber mit unaussprechlicher Freude erfüllt, dankte Gott für diese glückliche Eingebung und weihte Ihm ihren Sohn mit willigem Herzen. Sie versprach dem Aloysius, der ihr jetzt um so theurer war, auch dem Bater nach Kräften zuzureden, daß er die Zustimmung gebe. Sie säumte nicht, mit ihrem Gemahl darüber zu reden, und suchte die ersten Regungen seines Unwillens über ein so unerwartetes Ereigniß zu beschwichtigen. Bald darauf begab sich Alloysius selbst zum Vater, und offenbarte ihm mit aller Ehrfurcht und Bescheidenheit, aber auch mit so beredten Worten, als sein Eifer fie ihm eingab, seinen Entschluß, nämlich, daß er die Welt verlassen und Gott Jesuit zu werden und eröffnet dieß s. Eltern. 51 und dem Nächsten in der Gesellschaft Jesu dienen wolle. Da gerieth der Markgraf, der nichts weniger als dieß von seinem geliebten Sohne erwartet und gewünscht hatte, in heftigen Zorn, machte ihm bittere Vorwürfe, verwarf feinen unzeitigen Entschluß, tadelte sein unüberlegtes Verlangen und befahl ihm endlich, aus seinen Augen zu gehen, mit der Drohung, er würde ihm seine Thorbeit mit Schlägen vertreiben, wenn er von seinem Einfall nicht abstehe. Demüthig, aber unerschrocken erwiederte Aloysius: O wie glücklich wäre ich, wenn Gott mich würdigte, aus Liebe zu Ihm und dem heiligen Berufe eine Züchtigung zu leiden!" Alsdann entfernte er sich. Welch verschiedene Wirkungen hatte der Entschluß des Aloysius bei seinen Eltern hervorgebracht! So groß die Freude der frommen, für himmlische Dinge begeisterten Mutso groß war der Unwille des Baters, der noch zu viel auf irdischen Glanz und weltliches Ansehen hielt. ter war 7. Rapitel. Aloysius hat viele Hindernisse seines Entschlusses zu überwinden. Der Markgraf ward von großem Schmerz erfüllt und kam fast außer sich durch einen so schweren Schlag, der ihn betroffen durch den Entschluß feines Sohnes Weil er ver 52 Kap. 7. Aloysius bat viele Hindernisse muthete, Aloysius sei durch vieles Zureden und Aufmunterung des Beichtvaters dazu gekommen, ließ er in seinen Reden seinen ganzen unwillen gegen denfelben aus. Alser sich nach einigen Tagen endlich ein wenig beruhiget hatte, ließ er den Beichtvater rufen und machte ihm bittere Vorwürfe, daß er gerade seinen erstgebornen Sohn, auf dem alle Hoffnungen seines Hauses ruhten, zu solchem Entschluß geleitet habe. Der Pater antwortete ruhig der Wahrheit gemäß, daß Aloysius erst vor einigen Tagen zu ihm gekommen sei, um von seinem Entschlusse zu reden, den er schon lange vorher gefaßt ge habt habe ohne Zureden oder Aufmuntern irgend eines Menschen. Das werde Aloysius selbst bezeugen können. Der Pater theilte auch noch die Worte mit, die er zu Aloysius gesprochen bei der Eröffnung seines Entschlußses und fügte bei, es sei aus seiner Lebensweise längst erklärlich und zu erwarten gewese: t, daß er einmal einen solchen Entschluß fassen werde. Der Markgraf war dadurch etwas besänftiget worden, wandte sich gegen Aloysius, der im Zimmer zugegen war, und wollte ihm zeigen, daß es besser gewesen wäre, wenn er nur einen andern Orden gewählt hätte, weil er in der Gesellschaft Jesu keine hohen Würden erlangen könne, die seinem Hause Ehre machen würden. Das ist es gerade, was ich wollte," erwiederte Aloysius, indem seines Entschlusses zu überwinden. 53 ich diesen Orden wählte, um allem Ehrgeize für immer Thor und Thüre zu verschließen. Wenn ich Würden und Ehrenstellen gewünscht hätte, so würde ich die Markgrafschaft behalten, die mir Gott als dem Erstgebornen geschenkt hat, und nicht Gewisses um Ungewisses hingeben." Der Markgraf ergab sich noch nicht; er hatte keine Ruhe und versuchte Alles, um seinen Sohn von seinem Vorhaben abzubringen. Da jene ersten Drohungen gar nichts gmüßt hatten, so nahm er seine Zuflucht zu neuen Vorstellungen und Schmeicheleien. Er stellte ihm seine schwache Gesundheit vor Augen; er erinnerte ihn an den Zwang, der bei dem strengen Gehorsam stattfinde; er führte ihm zu Gemüth die Erwartung der Verwandten, das reiche Erbe, die Gunst des Kaisers, all' die glänzenden Ausfichten. Er ermahnte ihn, er möge sich seines betrübten Vaters erbarmen, dem er ja aus göttlicher Anordnung gehorsamen müsse. Er könne ja in der Welt auch viel Gutes thun und dadurch sein Heil wirken. er Aber Aloysius hatte taube Ohren antwortete mit Thränen, womit er die Blindheit seines Vaters beweinte, der sich kein Gewissen daraus machte, ihm statt den Himmel die Erde anzubieten. Endlich unterbrach er sein Schluchzen und sagte zu seinem Vater:„ Ich bekenne es, lieber Vater! daß ich in Ihrer Gewalt bin. Verfügen Sie über mich nach Belieben. Aber daß muß ich Ihnen sagen, - 54 Kap. 7. Aloysius hat viele Hindernisse daß ich von Gott in die Gesellschaft Jesu berufen bin. Widerseßen Sie sich nun hierin, so widerstreben sie dem Willen Gottes!" So und ähnlich antwortete Aloysius weise und bescheiden allemal seinem Vater, so daß er nichts dawider zu sagen wußte. Die feste Beharrlichkeit des Aloysius bei seinem gefaßten Entschluß und die Erwägung der Umstände und Gründe, welche ihn zu demselben geführt hatten, erweckten endlich im Markgrafen den Gedanken, daß die Sache doch wichtig und der gewählte Beruf göttlich eingegeben sei. In dieser Absicht bestärkte ihn auch noch der unschuldige und heilige Lebenswandel des Sohnes. Allein er konnte sich dennoch nicht entschließen, ihm die erbetene Erlaubniß zu ertheilen, sondern gab sich der thörichten Hoffnung hin, durch Zähigkeit und Verzögerung könnte Aloysius vielleicht in seinem Vorhaben schwankend werden oder es aufgeben. Unterdessen nahm er zu verschiedenen Personen und Mitteln seine Zuflucht, um den leidigen Entschluß durch sie zu nichte zu machen. Zuerst mußte der Pater Franz Gonzaga, Ordensgeneral der Franziskaner, ein Verwandter und guter Freund des Markgrafen, als er gerade auf einer Visitationsreise nach Spanien gekommen war, den Beruf des Aloysius prüfen. Er that es mit allem Eifer und größter Aufmerksamkeit zwei Stunden lang, worauf er den- Markgrafen versicherte, daß der Beruf seines Sohnes obne seines Entschlusses zu überwinden. 55 allen Zweifel von Gott eingegeben sei. Als er nun doch angegangen wurde, dem Moyfius davon abzurathen, entschuldigte er sich, weil ein solches Geschäft sich weder für seinen Stand schicke, noch sein Gewissen es erlaube. Aloysius merkte nun wohl, daß sein Vater ihn immer mit schönen Bersprechungen hinhalte, und suchte dem einmal ein Ende zu machen. Der Prinz Don Jakob war gestorben und er konnte sich jetzt ganz vom Hofe entfernen. Als die Trauer für Jakob vorüber war, gieng er einmal mit seinem Bruder Rudolf zu den Jesuiten. Da die Zeit zur Rückkehr gekommen war, sagte er zu sei nem Bruder und dem Gefolge, sie möchten nur allein nach Hause gehen, er werde hier bleiben. Ihr Bitten blieb ohne Erfolg fie kehrten zurück und erzählten zu Hause, was geschehen war. Der Markgraf befahl nun, daß Aloysius in's Schloß zurückkommen soll. Der heldenmüthige Jüngling gab zur Antwort, daß das, was früher oder später doch geschehen müsse, ebenso leicht gleich heute vollbracht werden könne. Da seine Bestimmung ihn dahin ziehe, wo er sei, so bitte er, daß derselben keine weitere Hindernisse in den Weg gelegt werden möchten." Der Markgraf meinte jedoch, durch einen solchen Ausgang der Sache werde seine Ehre verlegt und der ganze Hof würde davon reden, weßhalb sein Sohn durchaus zurückkommen müsse. Hierauf gehorchte Alloysius. Nun drang der Markgraf auf's - 56 Kap. 7. Aloysius hat viele Hindernisse neue in genannten Pater Franz Gonzaga, daß er seinen Sohn wenigstens dazu bewegen möchte, nicht in Spanien in den Orden zu treten, sondern erst in Italien, wohin er zurückzukehren bereit war. Dort werde er ihne keine Hindernisse mehr in den Weg legen. Aloysius weigerte sich nicht, dem Vater hierin zu willfahren, in der Hoffnung, daß er ihm die Zustimmung gebe, so bald sie nach Italien gekommen wären. Aber Gottes Vorsebung hatte auch in Italien für ihn noch einen harten Kampf zugelassen. Er fehrte mit seinen Eltern und in Begleitung des genannten Franziskaner- Generals, der seine Rundreise in Spanien vollendet hatte, auf einem großen Seeschiff nach Italien zurück und landete daselbst im Juli 1584, jetzt 16 Jahre und 4 Monate alt. Er erwartete nun mit Bestimmtheit, daß sein Vater das gegebene Wort halten und die gewünschte Erlaubniß ertheilen werde. Doch der Vater wünschte, daß er zuerst mit Rudolf bei allen italienischen Grafen und Fürsten Besuche machen solle. Er hatte dabei die fistige Absicht, es möchte durch solche Zerstreuung sein Eifer erfalten oder beim Anblick so großer Pracht der Fürsten in ihm eine größere Neigung dazu entstehen. Doch der Mensch denkt's- Gott lenkt's gerade das Gegentheil geschah. Aloysius gehorchte und besuchte des Anstandes halber verschiedene Höfe. Aber statt wankend zu - seines Entschlusses zu überwinden. 57 werden in seinem Bochaben, Jesuit zu wer den, wurde er vielmehr noch darin bestärkt, da er die an den Höfen herrschende Eitelkeit sah. Sein Bruder Rudolf reiste mit dem seiner Geburt angemessenen Glanze; und auch er sollte ein künstlich und reichlich mit Goldstoff verziertes Gewand gebrauchen und mit fürstlichem Prunke sich zeigen. Aber er bediente sich jenes Kleides nur einmal, da er der Infantin von Spanien, der Gemahlin des Herzogs von Savoyen, seine Aufwartung machte; fonst trug er ein einfaches schwarzes Kleid. Auf der ganzen Reise unterließ er nie seine Fasten und Gebete. Wann sie in einem Quartier angekommen waren, so begab er sich allein in ein Zimmer und sah sich nach einem Kruzisir um. War keines da, so zeichnete er alsbald eines auf Papier, vor dem er mehrere Stunden im Gebete ver=harrte. Wenn in Städten, durch die ste reisten, ein Kloster oder Haus der Gesellschaft Jesu sich befand, so war es nach dem pflichtmäßigen Besuch sein Erstes, in die Kirche zu gehen und das allerheiligste Sakrament anzubeten, und dann unterhielt er sich mit den Vätern, so viel es die Zeit erlaubte. Beim Besuche des Herzogs von Savoyen trugen sich in Turin zwei merkwürdige Begebenheiten zu. Er wohnte bei seinem Better Don Hieronymus von Novara; während er sich da mit mehreren jungen Herren unterhielt, erlaubte sich ein alter Edelmann ven fast 70 Jahren 58 Kap. 7. Aloysius hat viele Hindernisse einige unanständige Worte. Alcysius verwies ihm dieß ernstlich und sprach: ,, Schämen Sie sich nicht, ein Mann von Stand und in Ihrem Alter, mit jungen Edelleuten solche Reden zu führen? Das heißt ihnen Aergerniß und ein böses Beispiel geben. Sagt ja der heilige Paulus: Böse Reden verderben gute Sitten." Darauf nahm er ein frommes Buch und zog sich von ihnen zurück in ein anderes Zimmer. Der Alte ward dadurch heilsam beschämt, die Andern nicht wenig erbaut. Ebenso bewunderungswürdig war sein Verhalten in einem andern Fall. Als er während seines Aufenthaltes zu Turin vor Herkules Tani, dem Bruder seiner Mutter, nach Quiers eingeladen wurde, um daselbst seine Verwandten zu besuchen, begab er sich mit seinem Bruder Rudolf dahin, um dem Oheim zu willfahren. Dieser veranstaltete nun ein großes Gastmahl, wozu Musik und Tanzbelustigung den Schluß bilden sollten. Er lud auch viele vornehme Herren und Frauenzimmer dazu ein, in der Meinung und Hoffnung, nirgends würden fromme Entschlüffe eher entleiden und religiöse Lauigkeit und Gleichgültigkeit leichter eintreten, als bei Tanz und andern weltlichen Luftbarkeiten. Aloysius sträubte sich anfangs aus allen Kräften, dabei zu erscheinen und ließ sich erst durch die Versicherung, daß das Fest nur feinem und seines Bruders Besuch zu Ehren veranstaltet worden sei, bewegen, an demsel seines Entschlusses zu überwinden. 59 ben Theil zu nehmen, jedoch bloß unter der Bedingung, nicht tanzen zu müssen. Er erschien nun beim Gastmahl als ein Muster der Mäßigkeit und Eingezogenheit. Als aber bald eine der Edelfrauen zu ihm hintrat und ihn zum Tanze einlud, suchte Aloysius sein Heil in der Flucht, entfernte sich sogleich aus dem Sacle, ohne ein Wort zu sagen, und kehrie nicht wieder zurück. Sein Oheim bemerkte es und eilte ihm nach, und fand ihn nach langem Suchen in einer Bedientenstube, wo er in einem Winkel zwischen dem Bette und der Wand auf den Knieen liegend betete. Hiedurch gerührt und mit Bewunderung erfüllt, wagte der Oheim nicht. ihn zu stören. Als Aloysius die verschiedenen Besuche nach dem Wunsche des Markgrafen gemacht hatte, fehrte er nach Gastiglione zurück, in der zuversichtlichen Erwartung, sein Vater werde das gegebene Versprechen jetzt erfüllen und ihm die gewünschte Erlaubniß, in den Orden zu treten, ertheilen. Allein wie sehr täuschte er sich! Sein Vater hatte seine Gesinnung wieder ganz geändert; er wollte kein Wort mehr davon hören und gab sich alle Mühe, den Aloysius von jenem Gedanken abzubringen. Darin waren ihm auch mehrere Verwandte und Freunde behilflich. So schickte der Herzog von Mantua einen sehr beredten Bischof zu ihm mit dem Antrag, er möchte, wenn ihm das Leben in der Welt nicht ge 60 Kap. 7. Aloysius hat viele Hindernisse fiele, in der Kirche ein seiner Geburt angemessenes Amt suchen; er könne ja als Weltgeistlicher mehr für die Ehre Gottes und das Heil der Menschen wirken, wofür der ausgezeichnete Kardinal Karl Borromäus den sprechendsten Beweis liefere. Er( der Herzog) würde ihm zu dergleichen geistlichen Würden behülflich sein. Als der Bischof seinen Auftrag mit allem Eifer ausgerichtet hatte, bat ihn Aloysius, dem Herzog seinen Dank zu überbringen für die stets erwiesene Güte und für das auch in den gemeldeten Vorschlägen bekundete Wohlwollen. Da er jedoch auf Alles, wozu ihm der Einfluß seiner Familie verhelfen könnte, verzichtet habe, so könne er dieß gütige Anerbieten des Herzogs nicht annehmen: Gottes Ehre sei Alles, was er in diesem Leben wünsche. Ein anderer Verwandter stellte ihm vor, wenn er sich der Welt entziehen wolle, soll er einen andern Orden wählen als die Gesellschaft Jesu, da ja ihre Mitglieder beständig in der Welt seien. Aber er entgegnete, daß sie doch im Gegensatz zur Welt wahre Armuth üben, indem Reiner etwas besige oder sein Eigenthum heißen könne, und daß fie auf die Würden und Ehrenstellen, welche die Welt liebe, Berzicht leisten. Zudem würde er mit Christus außer der Welt leben, wenn er in der Welt nichts anders mehr suche, als das Heil der Seelen. Auch ein Erzpriester von Castiglione redete ihm ernstlich zu, von seines Entschlusses zu überwinden. 61 seinem Entschluß abzustehen und die Markgrafschaft zu übernehmen. Aloysius wußte aber sein Beharren auf dem Entschluß so trefflich zu begründen, daß jener, von der Göttlichkeit seines Berufes innigft überzeugt, beim Vater fortan für ihn sprach. Allein der Markgraf ergab sich noch nicht, sondern ließ auch durch einen berühmten Prediger den Aloysius angreifen und bestürmen. Der Priester erwies, wie er nachher selbst sagte, dem Jüngling den schlechten Dienst, weil er es dem Vater nicht versagen konnte; er vermochte ihn aber nicht zum Wanken zu bringen so fest stand sein Entschluß, so göttlich war sein Beruf. Doch der Vater gab seine Hoffnung noch nicht auf; vielmehr meinte er, sein Sohn werde durch so viele Angriffe und Plagereien etwas wankender und nachgiebiger geworden sein. Um sich davon zu überzeugen, ließ er ihn eines Tages, als er wegen Podagra das Bett hüten mußte, zu sich kommen und fragte, welches jetzt seine Gesinnung sei? Aloysius antwortete cinfach und bescheiden, daß er Gott im Jesuitenorden dienen wolle. Bei dieser Antwort wurde der Vater ungemein zornig, und mit wilder Miene und beißenden Worten jagte er den Sohn fort und gebot ihm, nicht mehr unter seine Augen zu kommen. Aloysius verstand dieß als einen Befehl, aus dem Hause zu gehen, und begab sich in ein etwa eine Stunde von Castiglione entferntes Franziskanerkloster. Er bezog 62 Kap. 7. Aloyslus hat biele SHindernisse daselbst ein Zimmer, das der Markgraf für sich und seine Kinder zur Erholung hatte einrichten lassen. Er ließ sich Bett und Bücher dahin bringen und begann ein ganz zurückgezogenes Leben zu führen. Er geißelte sich öfters des Tages und brachte fast die ganze Zeit mit Beten zu, worin er oft inbrünstig flehte, Gott möchte ihn zu seinem Dienste gelangen lassen. Niemand wagte unterdessen mit dem Markgrafen, der immer noch krank im Bette lag, darüber zu sprechen, um ihn nicht in Aufregung zu bringen. Aber nach einigen Tagen fragte er selbst, was Aloysius mache. Als er erfahren, wo er sich befinde, ließ er ihn zurückrufen und gab ihm danv auf's neue einen sehr derben Verweis, als hätte er das Haus verlassen in der bösen Absicht, ihm, dem Vater, einen rechten Verdruß zu machen. Aloysius blieb ruhig und antwortete in aller Bescheidenheit, daß er nur deßhalb aus dem Hause gegangen sei, um seine Befehle ganz pünktlich zu erfüllen. Der Markgraf mochte jedoch nicht auf seine Worte achten, sondern fuhr fort mit seinen Versuchen und hieß ihn unter Drohungen auf sein Zimmer gehen. Der Sohn verneigte sich in findlicher Ehrfurcht und sprach: Ich will gehorchen und gehen. Als er nun in seinem Zimmer war, verschloß er die Thüre, warf sich vor einem Kruzifir auf die Kniee nieder und begann hef tig zu weinen, und bat Gott inständig um Kraft und Ausdauer in seinen Kämpfen; seines Entschlusses zu überwinden. 63 dann zog er seine Kleider aus und nahm eine lange, peinliche Geißlung vor. Indessen war der Markgraf ganz unruhig, denn die natürliche Liebe und das Gewissen kämpften in ihm mit einander. Er wollte nämlich einerseits Gottes Willen nicht widerstehen- anderseits aber konnte er es nicht über's Herz bringen, einen so zärtlich geliebten Sohn zu verlieren. Er befahl nun, aus Besorgniß, er möchte durch seinen harten Verweis den Aloysius tief betrübt haben, dem Erzieher, er solle nachsehen, was er mache. Dieser gieng hin und vernahm von einem Kammerdiener, daß Aloyfius sich auf seinem Zimmer eingeschlossen habe und Niemanden sehen wolle. Der Erzieher sagte, daß er auf Befehl des Martgrafen nach ihm sehen müsse; er machte darum in die Thüre ein kleines Loch, und sab durch dasselbe zu seinem größten Erstaunen den Aloysius, wie er entblößt auf den bloBen Knieen vor einem Kruzifix lag, weinte und sich unbarmherzig geißelte. Tief ergriffen und innigst gerührt über solchem Unblicke, fehrte der Erzieher zum Markgrafen zurück mit Thränen in den Augen und sprach:„ Ach, gnädiger Herr! wenn Sie Zeuge gewesen wären von dem, was Ihr Sohn that, so würden Sie ihn gewiß nicht mehr länger von dem frommen Vorhaben, Ordensgeistlicher zu werden, abhalten."- Schnell fragte der Marks graf: Was haben Sie denn gesehen?"" Ich habe Ihren Sohn Dinge thun sehen," erwies 64 Kap. 7. Aloysius pat viele Hindernisse derte der Hofmeister, die selbst die härtesten Herzen rühren und ergreifen würden;" darauf erzählte er, was er durch die Deffnung in der Thüre mit eigenen Augen geschauet hatte. Der Markgraf hörte nicht ohne Rührung zu und konnte es kaum recht glauben. Des andern Tages hieß er wieder einen Diener Acht geben auf Aloysius, und ließ sich dann in einem Seffel vor die Thüre desselben hintragen. Da sah er nun durch jene Deffnung, die der Erzieher Tags zuvor in die Thüre gemacht hatte, feinen Sohn auf dem Boden knieen, heftig weinen und sich fürchtbar geißeln. Bei diesem Anblicke war der Markgraf fo tief gerührt, daß er ganz betroffen lange Zeit wie außer sich war. Endlich ließ er die Thüre öffnen und trat mit seiner Gemahlin ein; sie fanden den Fußboden an der Stelle, wo er auf den Knieen gelegen, mit Blutstropfen befleckt und mit Thränen befeuchtet. Durch diese Erfahrung und die inständigen Bitten, die Aloysius immer erneuerte, ließ er sich endlich bewegen, ihm die sehnlichst gewünschte Erlaubniß zu geben. Er schrieb nun an seinen Better Scipio Gonzaga, den nachmaligen Kardinal, er möchte beim General der Jesuiten, Pater Claudius Aquaviva, für Aloysius wegen seiner Aufnahme in den Orden anfragen. kam von Rom bald eine günstige Antwort. Diese Nachricht von der Zulassung machte die Freude des Aloysius vollkommen. Er schrieb Es setnes Entschlusses zu überwinden. 65 sogleich selbst an den hochw. General und dankte ihm für die erwiesene Gnade auf kindlich fromme Weise. Der fromme Aquavive wurde von seinem Briefe innig gerührt und antwortete ihm, daß er ihn sehnlichst erwarte und freudig aufnehmen werde." Aloysius hätte nun sogleich an den längst ersehnten Ort nämlich nach Rom in's Jesuitenkloster eilen mögen. Allein bereits war ihm vom Kaiser die Markgrafschaft zugesichert worden. Da er nun wieder darauf verzichten wollte, mußten zuvor die nothwendigen Urkunden ausgefertigt und vom Kaiser genehmigt werden. Er drängte, daß dieses Geschäft schleunigst, und unter welchen Bedingungen man immer wolle, bereinigt werde. Was dem Markgrafen gutdünke, sei ihm recht, wenn er nur bald von allen weltlichen Dingen los werde und in's Kloster komme. Der Vater wünschte, die Markgrafschaft möchte auf Rudolf, seinen zweiten Sohn übergehen, und dahin lautete auch die Urkunde mit des Aloyfius freudiger Zustimmung. In derselben verzichtete er auf alle irdischen Schätze und das Recht, solche zu erwerben, auf alle Aemter und Würden, auf die Markgrafschaft und alle damit verbundenen Titel und Abzeichen und trug dieß auf seinen Bruder Rudolf über. Als ein Freund zu ihm sagte, sein Bruder Rudolf dürfe sich wohl über seine Übdankung freuen, erwiederte er, sein Bruder könne über die Erlangung der Erbschaft keine Mennel. Alots. 5 - 66 Kap. 8. Aloyflus besorgt zu Mailand größere Freude haben als er selbst empfinde über die Entsagung derselben. Die Urkunde wurde darauf an den kaiser.. lichen Hof geschickt, um sie vom Kaiser bestätigen zu lassen; denn ohne seine Zustimmung fonnten leine solche Veränderungen vorgenommen werden mit der Markgrafschaft, da sie ein kaiserliches Lehen war. 3. Kapitel. Aloysius besorgt zu Mailand für feinen Vater ein Geschäft. Während man auf die Bestätigung genannter Urkunde durch den Kaiser wartete, schickte der Markgraf den Alloysius nach Mailand. Er hatte dort einige wichtige Geschäfte zu besorgen, und wußte nun, da er selbst durch Krankheit verhindert war, dazu feine geeig netere Person zu wählen, als den Aloysius, auf dessen Klugheit und Geschicklichkeit er sich verlassen konnte. Aloysius gehorchte willig und reiste nach Mailand ab. Dort mußte er sich 8 bis 9 Monate lang der Geschäfte halber aufhalten. Er führte aber die schwierigen Unterhandlungen und ordnete die verwickelten Angelegenheiten mit solcher Umsicht und Gewandtheit, daß Alles ganz nach Wunsch des Vaters ausfiel. Aloysius benußte diese Zeit auch sonst noch vortrefflich. Wie er früher in Spanien Logit studiert hatte, suchte er hier Kenntnisse in der für seinen Bater ein Geschäft. 67 Physik zu erwerben. Er fand sich zu diesem Zwecke alle Morgen im Collegium der Jefuiten ein, und wenn er durch seine Geschäfte an einer Vorlesung verhindert wurde, ließ er sie nachschreiben und studierte sie dann für sich. Er versäumte teine akademische Disputation, vertheidigte dabei Thesen( Säße) und bekämpfte sie nach der gewöhnlichen Ordnung, wie die übrigen Schüler, weil er keine Auszeichnung wollte. Obgleich er in allen seinen Reden ungemeinen Scharfsinn bewies, sprach er doch sehr bescheiden und so bedachtsam, daß kein Wort mehr, als nöthig war, von ihm vernommen wurde. Nebst der Physik studierte Aloysius in demselben Collegium auch noch Mathematik. Da wurde nichts diftiert; um aber doch nichts zu vergessen, diktierte er allemal, sobald er nach Hause kam, das Gehörte einem Diener, der es nachschreiben mußte. Er begab sich höchst artig und be scheiden in's Collegium, fast immer zu Fuß, obgleich es ziemlich weit entfernt war und sein Stand es anders erwarten ließ. Er trug nur ein einfaches schwarzes Oberkleid, feinen Degen, und sprach mit seinen Begleitern sehr wenig. Während seines ganzen Aufenthaltes in Mailand pflog er nur wissenschaftliche oder erbauliche Unterhaltungen. Er besuchte oft die Ordenegeistlichen und die Studierenden, selbst auch die Laienbrüder und besonders den Pförtner. Da war es ihm dann eine besondere Freude, wenn dieser Jemanden rufen mußte, 68 Kap. 8. Aloysius besorgt zc. nach dem man fragte, und ihm die Schlüssel der Thüre überließ. Aloysius betrachtete sich, als gehöre er jetzt schon zur Gesellschaft. In den Fastnachtstagen, wo die Welt den Lustbarkeiten nachjagte, begab er sich zu den Jesuiten in ihr Collegium, und genoß da in den Unterhaltungen mit den Vätern eine Freude, wie sie keine Bergnügungen der Welt geben können. Zu dieser Zeit fand auch ein glänzendes Turnier statt, wozu der junge Adel in der prachtvollsten Ausrüstung sich einfand. Diese Gelegenheit benutzte auch Aloysius, aber nur um zu zeigen, wie er die Eitelkeiten der Welt verachte. Er bestieg nämlich einen alten kleinen Maulesel, obgleich er sehr schöne Pferde hatte, und ritt nun blos von zwei Dienern begleitet in der Stadt umher und zwar durch die besuchtesten Straßen, und setzte sich so dem Spotte der Welt aus, ohne darauf zu achten.. Seine Spaziergänge bestanden größtentheils in den häufigen Besuchen jener Kirchen, in denen die allerfeligste Jungfrau besonders verehrt wurde. Jeden Sonn- und Festtag empfieng er nach seiner frühern Uebung das heilige Übendmahl in einer Kirche der Jesuiten, wo er sich so ehrerbietig und andächtig verhielt, daß Andere schon bei seinem bloBen Anblicke sehr erbaut und innig gerührt wurden. Er versäumte auch keine Predigt und verweilte freudig und so oft und lange in der Kirche, als er nur konnte. Aloysius hat neue Hindernisse 2c. 9. Kapitel. Aloyfius hat neue Hindernisse zu überwinden. Es war unterdessen die Antwort mit der Genehmigung der obengenannten Urkunde vom Raiser angekommen, deßhalb hoffte Aloysius, der bereits in sein achtzehntes Jahr getreten war, sein Vater werde ihn bald von Mailand nach Castiglione zurückrufen, so daß er dann endlich einmal in's Kloster geben könnte. Aber wie ward er abermals getäuscht! Ein neuer Sturm schien ihn vom Ziele seiner Wünsche und Hoffnungen wieder weit zurückzuschleudern. Der Markgraf hatte nämlich immer noch die verkehrte Meinung, Aloysius werde sowohl durch die bisherige Verzögerung, als auch durch den vielfach erfahrnen Widerstand ermüdet, und durch die Liebe zur Familie in seinen Entschlüssen wankend geworden sein. Er entschloß sich darum nach Mailand zu reisen, um dort selbst und durch Andere zu erforschen, ob es wirklich der Wille Gottes sei, daß sein Sohn unerschütterlich in seinem Entschlusse verharre. So hatte seine blinde Baterliebe ihn des gegebenen Wortes und alles Frühern vergessen lassen! 69 Ünerwartet für Aloysius kam der Markgraf in Mailand an; noch mehr aber befremdete ihn die Frage, wie er jegt entschlossen sei. Er erklärte bestimmt, daß er noch ganz die frühere Gesinnung habe, worauf der Bater seine unzufriedenheit und seinen Schmerz ihm 70 Kap. 9. Aloystus hat neue zu erkennen gab. Er suchte ihn auf freundliche, zärtliche Weise davon abwendig zu machen. Er stellte ihm vor, er werde doch nicht so wenig christlichen Sinn haben und Gott beleidigen wollen durch Nichtachtung auf seinen väterlichen Wunsch; er solle sich wohl prüfen, ob nicht mehr Eigenliebe als göttliche Bestimmung in seinem Vorhaben sei. Er stellte ihm ferner vor, daß sein Eintritt in den Orden unfehlbar den Verfall seines Hauses zur Folge habe; daß er bei einem so festen Charakter, wie der seinige fei, sich nicht in der Welt verlieren werde, son= dern auch da leicht ein frommes Leben führen, insbesondere die ihm von Gott anvertrauten Unterthanen durch ein gutes Beispiel zur Frömmigkeit anleiten und auf diese Weise auch sicher in den Himmel kommen könne. Er erinnerte ihn an die Liebe und Achtung, die man ihm allgemein erweise, und an den sehnlichsten Wunsch der Unterthanen, unter seiner Herrschaft zu leben. Er machte ihn aufmerksam auf die große Lebhaftigkeit und Unerfahrenheit seines jüngern Bruders, dem er die Herrschaft übergeben müsse, da er ungeachtet seines Verstandes weniger zum Regieren geeignet sei als er. Endlich sprach er noch: Du siehst mich kränklich und viel leidend an dem Ulebel, das mich zuletzt aufreibt. In diesem Zustande, wo ich nur mit aller Schonung und Sorgfalt mein Leben erhalten kann, sollte ich vor Allem von den Sorgen 11 Hindernisse zu überwinden. Diesen und Aeußerungen des und Mühen meines Amtes befreit sein. Diese Bürde könntest du mir abnehmen. Wenn du aber in's Kloster gehst und mich verläsfest, können leicht wichtige Geschäfte kommen, denen ich nicht mehr vorzustehen vermag. Von Kummer und Schmerz darniedergebeugt, werde ich dann unterliegen, und du wirst eine der Ursachen meines Todes sein." vielen andern ähnlichen Schmerzens folgte ein Strom von Thränen. Welch eine furchtbare Prüfung für den frommen Sohn! Doch die Gnade siegte in Aloyfius über die Natur. Er dankte dem Vater herzlich für die Liebe und Zärtlichkeit, die er gegen ihn beweise, und sagte, daß er darüber nachgedacht habe, was die Pflicht des findlichen Gehorsams von ihm fordere. Wenn er sich darum nicht von Gott selbst zu einem andern Stande berufen fühlte, so würde er es allerdings für Sünde balten müssen, wollte er sich den Wünschen eines Vaters widersehen, dem er nach Gott am meisten Dank schuldig ſei. Da er aber nicht aus Eigenliebe oder Eigensinn, sondern allein aus Gehorsam gegen Gott, der ihn zu seinem Dieu.. herufe, auf seinem Vorhaben beharre, so dürre ce wohl zuversichtlich hoffen, daß der allmächtige und allweise Gott alle Dinge zum wahren Wohle seines Hauses leiten werde, denn von der göttlichen Güte müsse man das erwarten. Der Markgraf erkannte nun wohl, daß Moyfus des festen Glaubens lebe, von Gott 72 Kap. 9. Aloysius hat neue in den Orden berufen zu sein, und daß seine Berufswahl sich nur auf diese Ueberzeugung stüße. Darum wandte er alle Mühe an, ihn von derselben abzubringen. Er suchte dieß zu erreichen durch verschiedene weltliche und geistliche Personen, denen er austrug, den Beruf seines Sohnes genau zu prüfen. Sie thaten es, und zwar ein Jeder sein Möglichstes, um dem Markgrafen sich gefällig zu erweisen. Aber wenn sie auch die Unannehmlichkeiten und Beschwerden des Standes, in den er sich begeben wollte, noch so stark ausmalten, so ließ er sich doch nicht abschrecken. Sie mußten vielmehr seine Standhaftigkeit bewundern, und die deutlichste Ueberzeugung gewinnen von der göttlichen Berufung des Aloysius. Da der Markgraf immer nur solche seinen Absichten gerade entgegengesepte Berichte vernahm, beschloß er einen letzten Versuch. Er begab sich zu den Jesuiten und ließ den Pater Gagliardi rufen, der allgemein sehr geachtet war. Er trug ihm die Absicht seines Sohnes vor, und bemerkte, daß ihm diese Angelegenheit von der größten Wichtigkeit sei, weil es sich eben darum handle, seinen ältesten Sohn, den trefflichen Aloysius zum Opfer zu bringen; er werde jedoch sich ganz nach seiner Entscheidung richten: nur um Gines bitte er ihn, er möchte den Aloysius in seiner Gegenwart über seinen Beruf befragen und ihm Alles, insbesondere die Beschwerden deffelben mit allem möglichem Ernste vorstellen, wo Hindernisse zu überwinden. 73 abges durch er etwa von seinem Vorhaben bracht werden könnte. Nach diesem legten Versuche wolle er dann gewiß in das Begehren seines Sohnes einwilligen. Der Pater unterzog sich diesem Geschäfte aus Gefälligkeit gegen den Markgrafen und fragte den Aloyfius über eine Stunde lang sehr genau aus; er machte ihm gewichtige Einwendungen und suchte auf jede Weise deutlich herauszubringen, von welchem Geiste er beseelt sei und ob sein Beruf von Gott komme. Er sprach von den Schwierigkeiten dieses Standes so beredt, als wäre er tief überzeugt von dem, was er vorbrachte. Doch Aloysius faßte Muth und antwortete dem ehrwürdigen Greife auf eine höchst verständige Weise, und hielt ihm so schlagende Gründe entgegen, daß Pater Gagliardi nicht allein von seinen Antworten sehr erbaut, sondern auch erfreut war, bei einem Jünglinge eine solche Standhaftigkeit in seinem Berufe zu treffen. Er sagte in dieser feiner großen Verwunderung zu Moysius: Sie haben vollkommen Recht; es verhält sich Alles so, wie Sie sagen, und ich bin der Richtigkeit Ihrer Antworten eben so überzeugt als erfreut." Dadurch wurde Aloysius ganz beruhigt, weil er sah, daß dieser Pater der Gesellschaft Jesu der gleichen Ansicht sei wie er. Nun erklärte auch der Markgraf sich überzeugt, daß des Aloysius Beruf von Gott komme, weßhalb er nicht mehr hinderlich sein wolle. Er erzählte dem Pater die ganze Le Kap. 10. Aloystus kehrt bensweise seines Sohnes, und reiste dann bald nach Eastiglione zurück. Aloysius sollte noch ein Geschäft in Mailand besorgen und dann auch nach Castiglione zurückkehren, um die Entsagung auf die Markgrafschaft zu vollziehen. Er becilte sich, so schnell als möglich damit fertig zu werden, um die Welt verlassen zu können. 74 10. Kapitel. Aloysius kehrt nach Castiglione zurück. Der glückliche Jüngling rüstete sich nun zur Rückkehr nach Castiglione. Doch ahnend und fürchtend, es möchten dort ihm neue Hindernisse in den Weg gelegt werden, schrieb er von Mailand aus an den General der Jesuiten und bat ihn, ob er nicht, wenn sein Vater daß gegebene Versprechen nicht sofort erfülle, ohne seine Erlaubniß in irgend ein Kloster der Gesellschaft Jesu entfliehen dürfte, da ja Alle hinlänglich überzeugt sein konnten, daß sein Beruf von Gott komme. Der Pater General hatte zwar großes Mitleiden mit ihm und hätte ihn gerne je bälder desto lieber unter den Seinigen gesehen; aber er ermahnte ihn doch in seiner frommen Weisheit, daß er ohne besondere Erlaubniß des Markgrafen sich nicht entfernen solle, weil er dadurch mehr beitrage zur Ehre Gottes, zu feinem eigenen Heile und zum Besten der Ge fellschaft Jesu. nach Castiglione zurück. 75 Aloysius unterwarf sich ergeben dem Willen des Generals, obgleich er zuvor das Gegentheil gewünscht hatte. Er trat seine Heimreise an und nahm den Weg über Mantua, um da an den geistlichen Uebungen( Exercitien) des heiligen Ignatius Theil zu nehmen, sowohl um sich in seinem Entschlusse zu befestigen als auch um neue Kraft und Gnade zu erlangen für etwaige neue Kämpfe. Er machte jene Ulebungen im Collegium der Jesuiten mit. In demselben Jahre 1585 waren aus Japan und den entferntesten Gegenden Asiens Gesandte nach Rom gekommen, um dem Stuhle Petri und dem Statthalter Christi in Namen ihres Fürsten und der Gläubigen jener Länder ihre Treue, Gehorsam und ihre innige Verehrung zu bezeugen. Als sie bei Papst Gregor XIII. ihre Aufträge ausgerichtet hatten, besuchten fie auf der Rückreise Loreto und kamen nach Mantua im Juli. Sie wurden vom Herzog freudig empfangen und mit glänzenden Festlichkeiten geehrt, woran die Einwohner der ganzen Umgegend den lebhaftesten Antheil nahmen. Nur Aloysius fand an dergleichen Dingen kein Vergnügen, und verblieb ruhig in seiner Einsamkeit. Ja er verließ unerachtet der großen Hiße seine kleine Zelle drei Wochen lang nicht, und widmete fast alle Zeit dem Gebete oder der Lesung eines erbauenden Buches. Er aß auch so wenig, daß man sagen fonnte, er effe nichts, und sich verwundern mußte, wie er 76 Kap. 10. Aloyfius fehrt nur sein Leben erhalten könne. Ein sehr ge lehrter und erfahrner Jesuit, Pater Anton Valentino hielt mit ihm diese ersten geistigen Uebungen. Aloysius legte da auch mit außerordentlicher Reue und Andacht eine Generalbeicht ab. Während diesen Uebungen wur den ihm die Regeln und Institutionen der Gesellschaft Jefu zu lesen gegeben. Er prüfte sie genau und aufmerksam, und sagte, daß davon nichts in ihm ein Bedenken errege. Beim Abreisen bat er um eine Abschrift der Betrachtungen über das Leiden unsers Herrn Jesu Christi, um sich darin von Zeit zu Zeit zu erbauen. Sobald Aloysius nach Castiglione heimgefommen war, dachte er schon darauf, sobald als möglich in's Kloster zu ziehen. Doch sagte er einige Tage noch nichts davon, aus Schonung für den Bater. Er lebte indessen so fromm und gewissenhaft, daß er sowohl die Bewunderung des Hofes, als die Verehrung des Volkes sich erwarb. Wann er ausgieng, hatte er seine Augen bescheiden niedergeschlagen und erhob sie nur, so Jemand ihn grüßte, was er freundlich erwiederte. In der Kirche war für ihn und seinen Bruder gewöhnlich ein Knicebänkchen bereit, doch benüßte er es nie, sondern ließ es seinem Bruder allein. Er war vielmehr gewohnt, auf den Boden niederzuknicen, wo es immer war, und blieb so oft stundenlang. Bevor er die heilige Messe anhörte, verrichtete er die täg nach Castiglione zurück. 77 lichen Stundengebete aus dem Brevier oder sonst ein geeignetes Vorbereitungsgebet. An Sonn- und Feiertagen verweilte er nach Empfang der heiligen Kommunion so lange im Danksagungsgebete, daß sein Bruder oft sich entfernte, um spazieren zu gehen, und bei der Rückkehr ihn immer noch im Gebete fand. In der Vesper, der er fleißig beiwohnte, sah man ihn nie sißen, sondern immer knieen. Im Schlosse verrichtete er seine gewöhnlichen Kafteiungen und Uebungen und blieb die meiste Zeit allein auf seinem Zimmer. Bisweilen vergiengen mehrere Tage, ohne daß er einige Worte redete; überhaupt redete er so wenig, daß er nachher im Kloster versichern konnte, er spreche da in einem Tage mehr als vorher in einem ganzen Monat; und doch hielt er im Kloster daß übliche Stillschweigen ganz genau, und unterbrach es nie, außer wenn die Obern mit ihm redeten, um ihn von seinem anhaltenden Gebete ein wenig abzubringen zur Erholung. Seine förperlichen Bußübungen steigerte und vermehrte er zu Castiglione noch, so daß er ganz entkräftet und abgezehrt wurde. Er gieng in diesem seinem Eifer zu weit, weil er meinte, dazu stark genug zu sein, und weil er ohne einen geistigen Führer ganz dem Antriebe feines liebeglühenden Herzens folgte. Vielleicht ließ Gott dieß Uebermaaß seines Bußeifers auch zu, um den Vater dadurch endlich zum Nachgeben zu bewegen; denn die fromme 78 Kap. 10. Aloystus kehrr zc. Mutter benußte diese furchtbare Strenge des Aloysius, um für ihn vom Markgrafen die Erlaubniß zu erlangen. Wenn du ihn noch länger aufhältst," sprach sie zum Vater, so wird er sicher eines frühen Todes sterben, denn er kann unmöglich bei der Lebensweise, die er jetzt führt, lange bestehen. Im Kloster dagegen würden die Obern schon für ihn forgen; sie würden seinen Eifer wohl zu mäBigen wissen und er würde ihnen gehorsam sich unterwerfen." Diese Worte der Mutter waren ganz verständig und erwiesen sich nachher auch als vollkommen wahr, indem Aloyfius selbst gestand, das Kloster sei nicht blos für seine Seele selbst eine glückliche Zufluchtsstätte gewesen, sondern habe auch durch die sorgfältige Liebe der Obern viel beigetragen zur Erhaltung der körperlichen Gesundheit. Während den letzten Tagen, die Aloysius in Castiglione verlebte, war er hauptsächlich bemüht, seine jüngern Brüder zur Frömmigkeit zu ermahnen und anzuleiten. Die meiste Sorgfalt und Zärtlichkeit erwies er dabei dem jüngsten unter ihnen, Franz, vielleicht, weil sein kindliches Alter ihn für Unterweisungen empfänglicher machte; oder auch, weil er eine besonders fromme Anlage und richtige Urtheilskraft besaß und Aloysius ahnete, welche Ehre er einst sei ner Familie machen werde. Die Ermah nungen und Belehrungen des Aloysius waren auch gewiß nicht vergeblich geblieben, Aloyfius erlangt endlich zc. 79 da er schon lange durch sein Leben und Beispiel ihre Wahrheit bewiesen und dargestellt hatte. 11. Kapitel. Aloysius erlangt endlich die Erlaubniß, in's Kloster zu gehen. Es waren bereits mehrere Tage vorübergegangen, seitdem Aloysius in Castiglione war; aber über die allerwichtigste Angelegenheit hatte der Markgraf noch kein Wort verlauten lassen. So sehr nun der edle Sohn seinem Vater zu schonen wünschte, so vermochte er doch nicht mehr, länger seine heißeste Sehnsucht in seinem Innern zu verschließen, sondern er gab dem Drange seines Herzens nach und nahm sich vor, mit dem Markgrafen darüber zu reden. Er deutete ihm also auf die bescheidenste und vorsichtigste Weise an, daß er die Zeit nahe glaube, wo seine Wünsche in Erfüllung gehen werden. Aber wie betroffen war er, als der Markgraf plöglich eine ernste und hohe Miene machte und sprach: Du irrest dich, mein Sohn, wenn du meinst, ich stimme deiner Wahl bei. An eine solche Entscheidung kann man denken, wenn du einmal fünfundzwanzig Jahre alt bist. Du fannst zwar dessenungeachtet jeßt abreisen, es steht dir frei; allein mein Sohn bist du dann nicht mehr." Diefe Erklärung überraschte und betäubte den Aloysius um so mehr, als ibm feine Beit 11 Kap. 11. Aloyfius erlangt endlich gelassen wurde, mit dem Pater General darüber sich zu berathen. Er mußte bald einen Entschluß fassen, und sah sich darum gendthigt, irgend einen Vermittlungsvorschlag anzunehmen. Er wollte sich dazu verstehen, noch eine bestimmte Zeit zu warten mit der Ausführung seines Vorhabens, unter der Bedingung jedoch, daß er inzwischen in Rom leben dürfe, und dem Pater General die Verficherung ertheilt werde, man wolle ihm nach dieser legten Prüfung keine Hindernisse mehr bereiten. Der Markgraf verwarf diesen Vorschlag mit Unwillen, da er seiner Absicht gerade entgegen sei. Jeßt erklärte Aloysius, von beiligem Eifer erfüllt, geradezu, daß ihn nichts verpflichte in der Welt zu bleiben, und daß er, wenn nach Verlauf dieser bestimmten Zeit der Pater General sich nicht bewegen lasse, ihn aufzunehmen, er lieber verlassen in der Welt umherirren wolle, als die zeitlichen Güter genießen, in deren Besitz zu verbleiben nicht der Wille Gottes sei. Diese mit einem ungewöhnlichen Freimuthe gesprochenen Worte fielen dem Markgrafen auf. Er wurde nachdenkend und mußte sich selbst gestehen, daß er überzeugt sei von der gerechten Sache und überwunden von der Beharrlichkeit des Aloysius; zudem ürchtete er, ihn auf's höchste zu betrüben oder zu einem Entschlusse zu treis ben, der ihm noch mehr mißfallen könnte. So willigte er dann ein in das Verlangen des Sohnes. Dieser schrieb nun sogleich an 80 1 die Erlaubniß, in's Kloster zu gehen. 81 den Bater General und erklärte ihm, aus welchen Gründen er diesen Entschluß gefaßt und dem Vater mitgetheilt habe. Am Ende des Briefes zeigte er noch, wie viele Leiden er durch die Verzögerung der Erfüllung seines liebsten Erdenwunsches auf sich nehme. Aloysius brachte diesen und die folgenden Tage sehr traurig zu. Er beweinte es bitter, in einer so vornehmen Familie geboren und gerade der älteste Sohn zu sein, und wünschte zu jenen Kindern von niederer Geburt zu gehören, die solche Hindernisse nicht haben, wenn sie in einen Orden treten wollen. Doch fein Gebet wurde erhört und seine Traurigkeit in Freude verwandelt, indem die Hindernisse auf einmal wie verschwanden. Als er nämlich eines Tages über 4 Stunden andächtig gebetet und inbrünstig gefleht hatte, Gott möchte die Zeit abkürzen, in der er Ihm nicht ganz und gar dienen könnte, fühlte er sich plößlich angetrieben, zu seinem Vater zu gehen, der heftig an der Gicht leidend im Bette lag, um noch einen letzten Versuch zu machen. Er hielt die innere Anregung für eine Eingebung Gottes und gieng darum eilends in's Zimmer des Markgrafen und sprach eben so zuversichtlich als bescheiden: Bater, ich überlasse mich Ihnen ganz machen Sie mit mir, was Sie wollen; aber ich betheure vor Ihnen, daß ich zur Gesellschaft Jefu berufen bin, und wenn Sie fich meinem Berufe widerfeßen, so widersetzen 6 - 82 kap. 11. Aloysius erlangt endlich zc. Sie sich dem Willen Gottes." Hierauf ent fernte er sich, ohne auf eine Antwort zu warten. Das machte einen neuen tiefen Eindruck auf den Markgrafen. Wenn er überlegte, welchen Widerstand er bisher dem Berufe seines Sohnes entgegengesetzt hatte, konnte er sich der Besorgniß nicht erwehren, er möchte Gott beleidiget haben. Anderntheils fam es ihn auch wieder sehr hart an, einen Sohn wie Aloysius war, zum Opfer bringen zu sollen. Dieser Gedanke erschütterte ihn so sehr, daß er viele Thränen vergoß und heftig schluchzte und seufzte. Nachher ließ er Aloystus rufen und sprach zu ihm: Mein Sohn, du hast meinem Herzen eine tiefe Wunde geschlagen! ich liebe dich• und liebte dich immer deiner Tugenden wegen. Ich setzte auf dich alle meine Hoffnungen und die unsers Hauses. Da du aber sagst, Gott rufe dich anderswohin, so will ich dir nicht länger widerstehen. Gehe hin, lieber Sohn, wohin du Verlangen hast; ich will dir meinen Segen geben und beten, daß du glücklich seiest." Wer konnte glücklicher sein als Aloysius war, da er dieß hörte! Er vereinigte seine Thränen mit denen des Vaters aber es waren dieß nicht Thränen der Trauer, sondern der Freude. Um dem Bater den Schmerz nicht zu vergrößern, dankte er ihm kurz für seine Gnade und zog sich schnell in sein Zimmer zurück. Hier, wo er sich von Niemanden beobachtet sah, fiel 1 83 Aloysius empfängt das Ordenskleid. er auf die Kniee nieder und dankte von ganzem Herzen Gott für die erlangte Erlaubniß, und weihte sich Ihm zum beständigen Opfer. 12. Kapitel. Aloysius empfängt das Ordenskleid. 11 Die Kunde von dem für Aloysius so freudenreichen Ereignisse verbreitete sich schnell in Castiglione und verursachte da Trauer und Klagen. Denn seine künftigen Unterthanen verloren ihn höchst ungern und bezeugten ihren Schmerz durch reichliche Thränen. Wo er immer fortan sich sehen ließ, versammelten sich die Leute, um ihn zu sehen und zu grüBen. Die Personen, welche im Schlosse Zutritt hatten, sprachen oft mit Thränen in den Augen zu ihm: Ach gnädiger Herr Aloyfius, warum verlassen Sie uns? Gott hat Ihnen eine so schöne Herrschaft geschenkt, und die Untergebenen find Ihnen so zugethan und hangen Ihnen nicht blos mit einer gewöhnlichen Liebe an, wie sie Jedem die Natur gegen seinen Fürsten einflößt, sondern sie sind Ihnen mit einer ganz besondern Neigung er geben, wie Kinder ihrem Vater. Wir haben immer unsere schönsten Hoffnungen auf Sie gesetzt und jetzt, da wir über die nahe Erfüllung derselben uns freuen wollten, verlassen Sie uns!" Und Aloyfius lächelte freundlich über folche Klagen und sagte:„ Ich gestehe Univ.- Bibl. Giessen. 84 Kap. 12. Aloysius empfängt euch offen, daß ich mit der irdischen Herrliche keit mich nicht begnüge- ich strebe nach der Himmelskrone. Es ist für die Großen dieser Welt sehr schwer, unter Reichthum und Macht ihr ewiges Heil zu wirken. Man kann nicht zwei Herren dienen, Gott und der Welt. Ich will meine Seele in Sicherheit bringen; thut auch ihr desgleichen!" Aloysius wünschte nun sehnlichst, recht bald aus dem väterlichen Hause scheiden zu können; allein er mußte es noch einige Wochen aufschieben, bis die Mutter von einem Besuche bei der Herzogin von Savoyen zurückkam und die nächsten Berwandteu des Hauses Gonzaga in Mantua versammelt waren. Dahin begab sich auch Aloysius und die ganze Familie. Hier verzichtete Aloysius am 2. November 1585 im Schlosse St. Sebastian, das dem Markgrafen gehörte, vor einer zahlreichen Versammlung von Fürsten, auf die Welt und all ihre Herrlichkeit. Während die Urkunde laut verlesen wurde, konnte der Markgraf seinen Thränen kaum ein Maaß sepen; Aloysius aber, der sich endlich am Ziele seiner Wünsche sah, war voll Freude. Aus seinem Angesichte leuchtete solche Heiterkeit, daß ein Verwandter sagte, er habe ihn nie fröhlicher gesehen. Sobald die Verhandlung über die Entsagung beendigt war, begab sich Aloysius, nun frei von allem Irdischen, auf sein Zimmer, verweilte mehrere Stunden im Gebete und dankte Gott, daß Er thn endlich des herrlichen Glückes das Ordenskleid. 85 der Armuth theilhaftig gemacht habe. Er empfand fortwährend solch geistlichen Trost und so außerordentliche innere Wonne, daß er sagte, er habe an diesem Tage eine der besondern geistigen Heimsuchungen von der Güte Gottes empfangen. Nachdem er Gott so gedankt und durch Gebet sich vorbereitet hatte, ließ er einen sehr frommen Priester, der ihn von Castiglione nach Mantua begleitet hatte, zu sich rufen und bat ihn, ein Jesuitengewand für ihn zu benediziren. Hernach legte er seine gewöhnliche Kleidung ab, zog das Jesuitenkleid an und gieng damit in den Saal, wo die Seinigen und die Verwandten versammelt waren. Bei diesem Anblicke wurden Alle bis zu Thränen gerührt; insbesondere konnte der Markgraf während des ganzen Mahles fich ihrer nicht erwehren. Aloysius glaubte, diese Gelegenheit benüßen zu sollen und sprach, eben so bescheiden als ergreifend, über die Gefahren des Heiles, denen besonders die Hohen in der Welt ausgesetzt sind und über die Eitelkeit der irdischen Güter. Alle hörten ihm aufmerksam zu und erinnerten sich nachher oft mit Freuden an seine begeisterten Worte. 13. Kapitel. Aloysius begibt sich nach Rom in's Noviziat. Aller zeitlichen Sorgen entledigi und von der Last der Markgrafschaft befreit, schickte fich Aloysius sogleich an, nach Rom in's Noviziat 86 Stap. 13. Aloystus begibt sich zu gehen, was schon seit Jahren das Ziel feiner Wünsche war. Gleich am 3. November nahm er Abschied vom Herzog von Mantua und vom ganzen Hofe. Am Abende desselben Tages warf er sich seinem Vater und seiner Mutter flehend zu Füßen, um den elterlichen Segen zu empfangen. Wer vermöchte es zu sagen, wie viele Thränen hier beide Eltern vergossen haben, im Schmerze sich beugend über die Schulter des Erstgebornen! Der Vater hätte wenigstens nicht betrübter sein können, wenn man ihm die Hälfte des Herzens genommen hätte. Die Mutter hatte zwar immer gewünscht, daß einer ihrer Söhne im Ordensstande Gott dienen möchte, und hatte auch diese Wünsche des Aloysius beim Vater stets unterstüßt; aber dennoch fiel es ihr schmerzlich, als dieser Sohn, welchen sie wie einen Engel liebte und verehrte, ihr wirklich entrissen werden sollte. Bei allen Seufzern und Wehklagen von Seiten seiner Eltern blieb Aloysius standhaft und voll Heiterkeit; aus seinem Antlig strahlte die reinste, heiligste Freude, und er ermahnte Alle, sie sollen ihre Thränen trocknen und sich beruhigen. Das Gleiche wiederholte sich, als er am andern Morgen abreiste, noch auf rührendere Weise- er aber blieb ebenso heiter und standhaft, denn sein Herz war von Gott gestärkt und von höhern, himmlischen Gefühlen erfüllt. Er schlug mit dem vom Markgrafen ihm beigegebenen Geleite feinen nach Rom in's Noviziat. 87 Weg nach Rom über Loreto ein, sowohl um diesen heiligen Ort einmal zu besuchen, als auch um das Gelübde zu erfüllen, das die Mutter bei seiner Geburt gemacht hatte. Man kann sich keine Vorstellung von dem himmlis schen Troste machen, den Aloysius zu Loreto empfieng. Unzählige Freudenthränen beneßten seine Wangen, als er in jener Kirche nachdachte über die unendliche Wohlthat, welche dem menschlichen Geschlechte dadurch zu Theil geworden ist, daß Gott zu den Menschen sich herabgelassen hat. Er verharrte mehrere Stunden im Gebete und es schien, als könne er seinen Gefühlen kein Ziel mehr seßen. Er würde sich von dieser Kirche, die ihn sehr zur Andacht stimmte, gar nicht mehr getrennt haben, hätte ihn die Liebe zu seinem heiligen Berufe nicht getrieben, weiter zu reisen. In der Stadt verbreitete sich schnell das Gerücht von seiner hohen Geburt und von der Ursache, weßhalb er nach Rom reise. Jedermann verwunderte sich und wurde sehr erbaut, daß ein so junger und vornehmer Mann sich, unerachtet vieler Hindernisse, entschlossen habe, in einem niedern und armen Stande gu leben, während sonst Alles nach Reichthümern und Würden strebt. De andern Morgens wohnte er der heiligen Messe bei und empfieng die heilige Kommunion. Als er dann noch einige Zeit im Gebete zugebracht, reiste er ab, Rom zu. Seine ganze Reife glich mehr einer Wallfahrt als einer Kap. 13. Aloyfius begibt sich Reise. Er hielt sich genau an eine strenge Tagesordnung. Nach dem Aufstehen brachte er eine Viertelstunde in mündlichem Gebete zu, sobann verrichtete er den passenden Theil der kirchlichen Tagzeiten und das Gebet für Reifenve, worauf er sich auf den Weg begab. Er ritt die meiste Zeit mehrere tausend Schritte von seiner Begleitung voraus, um seinen täglichen Gebeten und gewöhnlichen Betrachtungen ungestörter obliegen zu können. So gab er sich selbst auf dem Wege mehr den gottseligen Uebungen hin, als es Andere zu Hause in ihrem Zimmer thun. Wenn es Zeit war zum Anhalten, so nahm er etwas Nahrung zu sich, betete die Vesper und Complet und bestieg dann wieder sein Pferd. Seine Unterhaltung bezog sich meistens auf die Abtödtung oder auf die Bekehrung der Völker Indiens. Wenn er des Abends in einem Gasthause einkehrte, wählte er, während der Zubereitung des färglichen Mahles, ein einfames Zimmer und sah sich um, ob er nicht ein Kruzifip finde, vor dem er beten könnte. Fand er keines, so zeichnete er wieder wie gewöhnlich mit einer Kohle ein Kreuz auf ein Papier, knieete davor nieder und verrichtete seine Gebete und Betrachtungen. Gieng man zu Bette, so ließ er sich dieses, wiewohl es in der kalten Jahreszeit war, niemals wärmen, auch gestattete er nicht, daß Andere ihm die Kleider ausziehen halfen. Er schlief allein in einem Zimmer, um sowohl der täg88 nach Rom in's Noviztat. 89 lichen Geißelung, als den Reue- und Bußseufzern, welche ihm seine Liebe zu Gott häufig auspreßte, desto ungestörter obliegen zu können. Kam er in eine Stadt, wo die Gesellschaft Jesu ein Haus hatte, so gieng er zuerst in ihr Kloster, um in der Kirche desfelben das allerheiligste Altarssakrament anzubeten; dann begrüßte er die Väter und unterhielt sich mit ihnen über geistliche Dinge. Sonst ließ er sich nirgends durch Einladungen oder Festlichkeiten der Fürsten aufhalten, sondern eilte nach dem heißersehnten Rom. Daselbst angekommen, gieng er zuerst zu seinem Better, Scipio von Gonzaga, Patriarch von Jerusalem, und begab sich nach kurzer Erholung in das Haus der Gesellschaft Jesu. Er traf daselbst den General, Pater Claudius Aquaviva im Garten, fiel ihm zu Füßen und bat, ex möchte ihn in die Zahl seiner Untergebenen und Söhne, d. h. in die Geselischaft Jesu aufnehmen. Dies that er mitsolcher Demuth und Innigkeit, daß er sich kaum mehr von der Erde aufheben lassen wollte. Der General nahm ihn liebreich auf und befahl ihm, er soll auch bei den Kardinälen die üblichen Begrüßungen abstatten und dann wieder zu ihm kommen. Er gehorchte und wurde von den hohen Brälaten freundlich bewillkommt und belobt wegen seines frommen Vorhabens. Sie stellten ihn auch dem Papste Sixtus V. vor. Aloysius füßte dem heiliaen Vater voll Ehrerbietung 80 Kap. 13. Aloysius begibt sich den Fuß und überreichte ihm ein Schreiben vom Markgrafen. Der Papst war sichtlich erfreut beim Anblicke dieses eifrigen Jünglings und redete viel mit ihm über sein Vorhaben, in den Orden zu treten. Er fragte ihn auch, ob er die Schwierigkeiten dieses Ordens kenne und ob er Alles reiflich erwogen habe. Als er erwiederte, daß ihm Alles bekannt sei und daß er Alles genau überlegt habe, lobte der heilige Vater sein frommes Vorhaben, gabihm den erbetenen Segen und entließ ihn mit der Versicherung seines besondern Wohlwollens. Darauf besuchte er die sieben berühmtesten Kirchen Roms. Mit unglaublicher Ündacht verweilte er an diesen heiligen Orten, und flehte mit Inbrunst um den Beistand Gottes und die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria. Am Sonntage begab er sich in das Profeßhaus, um die heilige Messe anzuhören und das heilige Liebesmahl zu empfangen; dann wurde er vom Pater General zum Mittagessen mit den andern Klosterbrüdern eingeladen. Hier gab er einen. glänzenden Beweis davon, wie gering in sei nen Augen die hinfälligen Güter seien. Denn als derjenige, der nach der Regel des Ordens während der Mahlzeit vorlas, zu schweigen geheißen worden, jollte Aloysius über die leppigkeit einen Vortrag halten. Er that es und zwar mit solchem Eifer und Ernst, daß seine Bescheidenheit, seine gefällige Sprache und die Kraft seiner Rede Alle in große Ver nach Rom in's Noviziat. 91 wunderung setzte. Er sprach eben aus der Fülle seines Herzens, da er in Wort und That gegen die Eitelkeit des Hoflebens, gegen die Schädlichkeit der finnlichen Vergnügungen, und gegen die oft mit so großen Sorgen und vielen Gefahren verbundenen Reichthümer mit edler Freimüthigkeit sich erklärt hatte. Am folgenden Montag, den 25. Novem ber, am Feste der heiligen Katharina, begab sich Aloysius, siebenzehn Jahre und acht Monate alt, nach dem Quirinal und trat daselbst sein Noviziat an. Scipio von Gonzaga begleitete ihn dahin und reichte ihm während der heiligen Messe, die er für ihn las, die heilige Kommunion. Aloysius verabschiedete nun das vom Vater mitgegebene Geleite, und ließ diesem sagen, daß er, Aloysius, von diesem Augenblicke an das väterliche Haus, die Welt und den Stand, den er verlassen habe, ganz vergessen müsse. Seinem Bruder Rudolf ließ er die Worte sagen: Wer Gott fürchtet, thut Gutes." Hierauf entließ er sie, die mit bittern Thränen über den Verlust eines so guten Herrn abreisten. Aloysius dankte auch seinem Better Scipio von Gonzaga und Allen, die ihm Dienste erwiesen hatten, zwar einfach, aber so rührend, daß sie sich der Thränen nicht enthalten fonnten und Scipio zu den Vätern beim Weggehen sagte: Heute haben Sie einen Engel vom Himmel unter sich aufgenommen. 92 Kap. 13. Aloystus begibt sich zc. Aloysius wurde vom Vorsteher der Novizen in die Zelle geführt, worin er einige Tage der Einsamkeit widmen sollte diese übliche Zurückgezogenheit bildet die erste Probe. In diese Zelle eingetreten, meinte er im Paradiese zu sein und sprach zu sich:„ Da ist meine Ruhe ewiglich; hier will ich wohnlich weilen, denn sie habe ich erwählet." Sobald er allein war, warf er sich auf die Kniee nieder, weinte Freudenthränen und dankte Gott, der ihn aus Aegypten in's gelobte Land geführt, wo er Ueberfluß habe an Milch und Honig des himmlischen Trostes. Er opferte und weihte sich Gott und bat flehentlich um die Gnade, würdig im Hause Gottes zu wohnen, in seinem Dienste zu leben und zu sterben.- Das Jahresgedächtniß seines Eintrittes in's Klofter feierte Aloyfius fein Lebenlang mit besonderer Andacht, und behielt zur besondern Schuppatronin die heilige Jungfrau und Martyrin Katharina, an deren Tag er in's Noviziat eingetreten war. - II. Abtheilung. Aloysius im Kloster. 93 14. Kapitel. Aloyfius beginnt sein noviziat mit großem Eifer. Der engelgleiche Jüngling sette im Kloster der ausgezeichneten Frömmigkeit, die er in der Welt so glücklich angestrebt, die Krone der Vollendung auf. Im Verkehr mit der Welt hatte er eine gründliche Verachtung der irdischen Freuden und Eitelkeiten bewiesen und eine Strenge gegen sich selbst ausgeübt, die nur im Uebermaaß seines Eifers ihre Erklärung findet. Was ihm bei diesem siegreichen Heldenkampfe mit der Welt und sich selbst Muth, Kraft und Ausdauer verlich, was die Flamme der Alles überwindenden Liebe Gottes nährte und erhielt, war seine wunderbare Sammlung und Andacht im Gebete. Es konnte nun freilich den Anschein haben, als wäre dieses in der Welt so glänzende Licht durch seinen Eintritt in's Kloster verdunkelt oder unter den Scheffel gestellt worden; allein wenn es auch durch die klösterlichen Mauern und die Ordnung des Ordens der Außenwelt entzogen wurde, so verlor es doch nur seinen 94 Rap. 14. Aloysius beginnt sein Nobtziat blendenden Glanz und wurde nur um so reiner und himmlischer. Die väterliche Sorgfalt seiner Obern mäßigte seine außerordentliche Strenge und Härte gegen sich selbst, und zu großen, die Aufmerksamkeit der Welt erregenden Handlungen, hatte er während seiner kurzen Lebenszeit im Orden keine Gelegenheit. Allein seinem ganzen Thun und Lassen ward der Stempel der christlichen Vollkommenheit aufgedrückt, und alle seine Werke, auch die unbedeutendsten, hatten einen höhern Werth, weil Alles durch den geistlichen Gehorsam geheiligt und der Ehre Gottes geweiht wurde. In den Regeln des Ordens und den Worten seiner Vorgesetzten vernahm er fortan deutlich den ausgesprochenen Willen Gottes, ohne zu irren oder sich zu täuschen und diesen Willen Gottes in Allem genau und freudig zu thun und an sich geschehen zu lassen, war das Ziel seines Lebens und Strebens im Orden. Alles nur zur größern Ehre Gottes! L Gleich bei seinem Eintritt in das Noviziat zeichnete er sich aus durch demüthige Unterwürfigkeit und gewissenhafte Pünktlichkeit. Denn obgleich er eines Fürsten Sohn war, und zudem einen zarten und schwachen Körperbau hatte, unterwarf er sich doch ganz und gar seinen Vorgesetzten und verrichtete alle Dienstobliegenheiten eben so willig und genau wie die andern Novizen. Es betrübte ihn, wenn man in irgend etwas aus Scho mit großem Eifer. 95 nung mit ihm eine Ausnahme machen wollte; ja er verrichtete die niedrigsten und gemeinsten Geschäfte eines Dieners mit besonderer Freude und zwar so, als hätte er jein Le benlang nichts anders gethan, als gedient. Dabei hatte er die erleuchtete Ueberzengung, daß man in seinem Stande auch die kleinsten und unbedeutendsten Pflichten genau und sorgfältig erfüllen müsse. Auf solche Weise legte er während seines Noviziats den Grund zu allen Tugenden und zu jener Vollkommenheit, durch die er die Bewunderung der Nachwelt wurde. Er brachte die erste Probezeit in beständiger Geistessammlung zu und in feligem innern Frieden. Weil ihm ein Unwohlsein zustieß, vielleicht wegen der Veränderung der Luft und Nahrung, oder auch wegen den ununterbrochenen Buğübungen, hielten die Obern für gut, diese erste Probe abzukürzen, was um so leichter geschehen konnte, als er schon an ein zurückgezogenes Leben gewöhnt war und bereits vor wenigen Monaten in Mantua geistliche Uebungen gehalten und die Regeln und Constitutionen gelesen hatte. Von seinem Berufe zu diesem Stande war man ohnedieß genugsam überzeugt durch seine vielen und schweren Kämpfe, die er in dieser Hinficht so herrlich bestanden hatte; neue Proben waren deßhalb nicht nöthig. Es ist eine durch unzählige Fälle bestätigte Wahrheit, daß Gott seine treuen eifrigen Diener, besonders wenn sie schon auf dem 96 Kap. 14. Aloysius beginnt sein Noviztat zc. Wege der Frömmigkeit oder Vollkommenheit fortschreiten, nicht selten auf eine harte Probe stellt, indem er ihnen fast allen geistigen Trost entzieht, den er ihnen sonst in reichlicher Fülle zu Theil werden ließ. Dieser gewöhnlichen und in der Regel nothwendigen Führung Gottes wurde auch Aloysius theilhaftig. Er verfiel nämlich in eine große Betrübniß der Seele, die ihm jene Wonne und geistige Freude entzog, die er zuvor genossen. Er trauerte und klagte, daß er Gott verloren habe; jedoch wenn er zum eifrigen Gebete seine Zuflucht nahm, ließ der gütige Vater im Himmel die Traurigkeit verschwinden und Kraft und Muth ihm zuströmen. Gott verbarg sich vor seinem Diener, damit er gesucht werde und wieder geliebter erscheine; Er prüfte ihn, um ihn in seiner Treue zu bewähren und dann mit neuen Gnaden der Seelenruhe und Zufriedenheit ihn zu beleben. Eines Tages setzte ihm der böse Geist sogar in den Kopf, er tauge nicht zur Gesellschaft Jesu; aber Aloysius merkte die Versuchung, ließ sich nicht entmuthigen und schlug den quälenden Gedanken so eifrig aus, daß er in furzer Zeit von ihm frei war. Außer diesen zwei Prüfungen hatte Aloysius während seines Noviziats keine mehr zu bestehen, sicherlich, weil er von der Welt schon so vollkommen sich losgemacht hatte und alle Ereignisse im Leben als göttliche Fügungen ansah, die man ruhig annehmen und sogar freudig begrüßen müsſe. Fromme Ergebung des Aloysius 2c. 97 Eis. Rapiter. 15. Fromme Ergebung des Aloysius bei der Nachricht vom Tode seines Vaters. Aloysius hatte eine so zärtliche Liebe zu seinem Vater, daß er oft sagte, er habe außer Gott in der Welt nichts Theureres, als seinen Vater. Etwa zwei Monate nach seinem Eintritt in den Orden starb derselbe. Als aber Aloysius die Nachricht von diesem Todesfall erhielt, war er wie immer, wenn er den Wechsel menschlicher Schicksale erfuhr, ruhig und ergeben in Gottes weisen Rathschluß. Er schrieb noch an demselben Tage an seine Mutter und begann den Brief mit den Wor ten:„ Ich danke dem Herrn, daß ich jetzt freier und wahrer sagen kann: Vater unser, der du bist in dem Himmel!" Dieß fiel mun sehr auf, besonders Jenen, die seine kindliche Liebe gegen den Vater kannten. Er versicherte aber einen Freund, daß ihm der Tod seines Baters gewiß sehr schmerzlich gewesen wäre, wenn er ihn nur so für sich betrachtet und dabei nicht vielmehr den Willen Gottes vor Augen gehabt hätte; allein da er von der Baterhand Gottes verhängt worden, so könne er fich nicht über das betrüben, was einmal göttlicher Wille sei. Er erkannte auch in dem erst jetzt erfolgten Tode seines Vaters einen besondern Erweis der Liebe Gottes. Denn wäre der Markgraf zwei oder drei Monate früher gestorben, so würden seine Unter7 98 Kap. 15. Fromme Ergebung des Aloysius thanen wohl alles Mögliche aufgeboten haben, damit Aloysius die Herrschaft übernehme, und der General der Jesuiten hätte ihn vielleicht nicht einmal in den Orden aufgenommen, um nicht der Markgrafschaft ein so tüchtiges Oberhaupt zu entziehen; und wenn Aloysius selbst Anstand genommen hätte, die Herrschaft seinem noch jungen und unerfahrnen Bruder zu überlassen, wer weiß, ob er in der Folge noch an die Ausführung seines Vorhabens gedacht hätte? Gott wollte aber die Angelegenheit seines Berufes zuerst in's Reine bringen, bevor er seinen Vater von dieser Erde abrief. - Ebenso erwies Gott seine besondere Gnade auch dem Markgrafen noch vor seinem Tode. Sein Streben war bisher leider allzusehr auf Erlangung weltlicher Macht und Würden sowohl für sich, als für seine Familie gerichtet gewesen. Aber mit dem Eintritt des Aloysius in den Orden veränderte er sich so ganz, daß er von dieser Zeit an ganz fromm und gottesfürchtig unter den Seinen wandelte. Er entsagte dem Spiele gänzlich, das er bisher leidenschaftlich geliebt hatte. Da er wegen seiner Kränklichkeit das Bett hüten mußte, ließ er sich jeden Abend ein von Aloysius zurückgelassenes Kruzifir bringen, und betete dann die Bußpfalmen nebst Litanei, wobei die Markgräfin und ihr Sohn antworteten. Er vergoß dabei reichliche Thränen und bekundete seine tiefe Rührung auch bei der Nachricht vom Tode s. Baters. 99 durch vieles Seufzen und Schluchzen. Am Schlusse des Gebetes nahm er allemal das Kruzifir in die Hand, klopfte an seine Brust und sprach: O Herr, erbarme Dich meiner! ich habe gesündiget, erbarme Dich meiner! Von seinem häufigen Weinen sagte er, daß Aloysius durch sein Gebet ihm diese Gnabe erlangt habe. Er legte auch mit größter Gewissenhaftigkeit und tiefster Reue eine Generalbeicht ab und verharrte in diesem Eifer bis an sein Ende. Seine Krankheit hatte sich inzwischen von Tag zu Tag sichtbar verschlimmert, weßhalb er sich nach Mailand bringen ließ, wo er von der medizinischen Facultät Hülfe, oder doch wenigstens Linderung zu finden hoffte. Über Alles war vergebens, er lebte nur noch wenige Tage. Der Pater Franz von Gonzaga, der damals gerade auch in Mailand sich aufhielt, gieng eines Abends zum Markgrafen, ihm sein nahes Ende anzudeuten. Dieser verstand es gleich und bat den Better um einen Beichtvater aus seinem Orden. Denselben Abend noch kam einer, welchem der Markgraf reumüthig beichtete. Um Morgen traf er in einem Testamente seine letzten Willensbestimmungen und tröstete dann seine Familie nebst den andern Anwesenden, die Alle in Thränen zerflossen. Er ermahnte sie, nicht zu weinen, sondern sich zu freuen, daß Gott ihm Zeit und Gnade geschenkt, sich recht vorzubereiten auf den Lod. So gefaßt und 100 Kap. 16. Aloystus Eifer in der Abtödtung ergeben starb er den 13. Februar 1586, und würde zu Mantua in der Kirche zum heiligen Franz beigesetzt. Die Nachricht von diesen nähern Umständen des schönen Todes gereichte dem Aloysius zu großem Troste. 16. Kapitel. Aloysius Eiser in der Abtödtung während des Noviziats. Aloysius sagte oft, er habe unter Anderm von seinem Vater auch die gute Lehre erhalten, daß jeder Ehrenmann die Pflichten seines Standes, den er gewählt, mit der gewissenhaftesten Treue erfüllen müsse. Sein Vater habe dieß in zeitlichen Dingen genau gehalten; darum müsse er gewiß billig noch mehr sich dessen befleißen, wenn es sich um göttliche Dinge handle. Dem entsprach auch vollkommen sein Verhalten; denn er strebte aus allen Kräften nach jenen Tugenden, die seinem Stande besonders angemessen und ent sprechend waren. Hier nur Einiges, was Jedermann an ihm bewunderte. Um sich von der Welt, der er den Rücken geboten, loszumachen, begann er nach seinem Eintritt in's Noviziat mit dem, was am tiefsten zu gehen und am theuersten zu sein pflegt, mit seinen Eltern. Den Gedanken an sie unterdrückte er so vollständig, daß er sie ganz vergessen zu haben schien. Als man ihn daher einmal fragte, wie viel er wohl noch während des Noviziats. 101 Brüder habe, mußte er sie zuvor heimlich zählen, bevor er genügende Auskunft geben konnte. Als er ein andermal gefragt würde, ob ihn der Gedanke an seine Eltern nicht bisweilen wehmüthig stimme, sagte er nein, weil er nie an sie denke, außer wenn er sie gemeinschaftlich im Gebet Gott empfehle. Er war nämlich durch Gottes Gnade so sehr Herr seiner Gedanken geworden, daß er nie an etwas dachte, an was er nicht denken wollte. Er bewachte aber auch seine Sinne sehr sorgfältig, und suchte alles Sinnliche abzutödten. So lange er im Orden war, hat er nie eine wohlriechende Blume zu sich genommen oder sonst seinen Geruch ergößt. Wenn er in die Hospitäler gieng, die Kranken zu bedienen, so that er dieß gewöhnlich zuerst bei denen, die mit den eckelhaftesten Krankheiten behaftet waren und ertrug alle widerlichen Unannehmlichkeiten mit der größten Freundlichkeit. Er übte die körperliche Abtödtung durch häufige Geißelung, durch Fasten bei Wasser und Brod und noch durch manche andere Bußübungen - all' das hielt er jedoch für zu wenig. Die Obern konnten ihm wegen seiner körperlichen Schwäche nicht alle Bitten in dieser Beziehung gewähren, worüber allein er hie und da etwas unruhig oder unzufrieden wurde, weil er sich für zu gut gehalten glaubte. Er gestand einem der Väter, daß er im Orden weniger Bußübungen verrichte, als er früher im väterlichen Haufe verrichtet habe: er tröste 102 Kap. 16. Aloysius Eifer in der Abtödtung fich nur mit dem Gedanken, daß das Kloster wie ein Schiff sei, in welchem Jene, die aus Gehorsam sich ruhig verhalten, ebenso gut gerettet werden als Jene, die aus Gehorsam fehr thätig sind. Er bat einmal am Vorabend eines hohen Festes den Vorsteher der Novizen um die Erlaubniß, bei Wasser und Brod fasten zu dürfen. Der Vorsteher erlaubte es; da er jedoch bemerkte, daß Aloyfius faft gar nichts gegessen hatte, rief er ihn nach der Mahlzeit zurück und hieß ihn zur Tafel der Andern gehen, um gehörig zu eñen. Aloysius gehorchte und nahm es ganz ruhig hin, als Einer nachher scherzend zu ihm sagte:" So läßt sich's machen, Bruder Aloysius; in der That eine treffliche Erfindung, bei der ersten Tafel wenig effen, bet der zweiten aber um so mehr!" Wenn man Tagesneuigkeiten oder unnüße Dinge erzählte, so suchte er wo möglich das Gespräch auf etwas anderes zu lenken; wenn aber die Personen, mit denen er redete, durch ihr Alter oder ihre hohe Stellung' besondere Achtung verdienten, schwieg er ganz still, so daß man leicht merken konnte, er höre dem Gespräch nicht gerne zu. Wie er früher schon seine Augen streng im Baume hielt, so wachte er jetzt noch sorgfäl tiger über dieselben und brachte es in dieser Tugend zu hoher Vollkommenheit. Er bewachte seine Sinne so sorgfältig, daß es fchien, er höre und sehe nichts von dem Welt während des Noviziats. 103 lichen, und sei, während er mit dem Leibe auf der Erde verweile, mit dem Geiste im Himmel. Die Novizen giengen gewöhnlich alle Jahre einigemal auf ein bestimmtes Landgut zur Erholung, und Aloysius war bereits mehrmals dahin mitgegangen. Sie wurden nun einmal auf ein anderes Landgut geschickt. Da fragten Einige auf der Heimkehr den Aloysius, welches von beiden Landgütern ihm am besten gefallen habe. Er war über diese Frage nicht wenig erstaunt, weil er bisher geglaubt hatte, er sei auf dem gewöhnlichen Landgute gewesen, obgleich der Weg zu beiden ganz verschieden war. Doch erinnerte er sich, daß er diesesmal eine Kapelle gefunden habe, was sonst nicht der Fall gewesen. Er hatte schon ungefähr drei Monate lang mit den Ändern im Speisesaal gegessen, und mußte sich doch den Plaß des Rektors zeigen lassen, als er ein dort liegen gebliebenes Buch holen sollte. Ein andermal erzählte er seinem Novizenmeister, er habe zwei oder dreimal seine Augen herumschweifen lassen, um zu sehen, was Einer neben ihm thue; er fühle sich dadurch beunruhiget, weil er fürchte, dieß aus Neugierde und Vorwiß gethan zu haben. Am merkwürdigsten ist aber noch sein Geständniß, daß dieß die erste Unruhe des Gewissens sei, nämlich wegen ausschweifendem Blicke, seit seinem Eintritt in den Orden. Unter den Speisen machte er keinen Unterschied, er aß jede Speise gleich gern und be 104 Rap. 16. loyfius Eifer in der Abtödtung merkte gar nicht, ob sie gut oder schlecht zubereitet sei. Er wählte, wo möglich, für sich das Unansehnlichere, Geringere, und fuchte während des Essens seinen Geist mit Höherem zu beschäftigen, durch Aufmerken auf das, was allemal vorgelesen wurde wäh rend der Mahlzeit, oder durch Nachdenken über fromme Dinge. Des Morgens betrachtete er täglich die letzten Lebensstunden unsers Heilandes am Kreuze, und des Abends die Einsegung des heiligen Abendmahles. Das Stillschweigen beobachtete er auf's genaueste, nicht bloß zur gebotenen Zeit, sondern auch wenn es erlaubt war zu reden. Ja, wenn man nicht wüßte, wie ein gefährliches Glied die Zunge ist, und wie viel Unheil durch Worte schon angerichtet wurde, so könnte man seine Vorsicht im Reden für allzugroß halten. Er wiederholte oft die Worte des Psalmisten: Sebze, Herr, eine Wache an meinen Mund, und eine Thür an meine Lippen ringsum!" und im Gespräche mit Andern pflegte er zu sagen: Wer in keinem Worte fehlt, der ist ein vollkommener Mann." Aloysius liebte das Stillschweigen aber nicht bloß deßwegen so sehr, weil er im Reden Gott zu beleidigen fürchtete, sondern auch, um desto mehr mit seinem Schöpfer versammelt zu sein. Darum nahm er z. B. einmal ein frommes Buch mit, als er einen der Väter beim Aus gehen begleiten mußte, und las während der ganzen Zeit, ohne nur ein Wort zu sprechen. 11 während des Noviziats. 105 Auch in den Erholungsstunden, Mittags und Abends, wo es erlaubt war, sich zu unterhalten, redete er nicht viel und hörte manchmal plößlich auf, weil ihm Bedenken kamen, ob es nicht besser sei, es nicht zu sagen. So viel er aber mit Ändern redete, redete er nur von Gott und göttlichen Dingen. Hinsichtlich der Kleidung machte man ihm die größte Freude, wenn er die abgenußtesten tragen dürfte. Er war dabei jedoch frei auch von dem leisesten Gedanken der Eigenliebe, als wollte er nur bei Andern in besondern Ruf gelangen; denn er machte die Sache Lange zum Gegenstand seines redlichsten Nachdenkens und versicherte, daß er diese Regungen der Eigenliebe mit der Gnade Gottes gänzlich überwunden habe. Er war auch insbesondere beslissen, sich in Abtödtungen des Ehrgefühls zu üben, weil er diese noch für nüßlicher und nothwendiger hielt als die harten, körperlichen Bußübungen. Er hatte, es durch beständige Üebung bereits so weit gebracht, daß er keinen Widerwillen mehr empfand bei Ausübung derselben sowohl in als außer dem Hause. So bat er seine Vorgeseßten oft um die Erlaubniß, mit zerrissenen Kleidern und einem Quersack über den Schultern in die Stadt zu dürfen, um Almosen zu sammeln. Wenn man ihn fragte, ob er dabei keine Scham und feinen innern Widerwillen fühle, so sagte er: Nein, weil mir das Beispiel Christi ver 106 Rap. 16. Aloysius Eiser in der Abtödtung Augen schwebt und ich an das Verdienst und die Bergeltung erlittener Schmach denke: deßhalb freue ich mich vielmehr darüber. Ja, ich weiß nicht, wie darin eine Abtödtung liegen soll; denn entweder kennen mich Jene, die mich so sehen, oder sie kennen mich nicht. Kennen sie mich nicht, so brauche ich mich wenig um ihr Urtheil zu kümmern; kennen sie mich aber, so dient es ihnen nur zur Erbauung und ich verliere nichts in ihrer Achtung. Da ist die Gefahr der Eitelkeit für mich größer als die Abtödtung; denn arm sein nicht zufolge der Geburt, sondern aus Wahl und Liebe zu Gott, gilt auch vor der Welt als etwas Ehrenhaftes." Er hatte die größte Freude, wenn er von seinen lieben Obern den Auftrag oder die Erlaubniß erhielt, in die Stadt zu gehen, um dort auf den Straßen und an öffentlichen Pläßen die Armen und Unwissenden in der christlichen Lehre zu unterweisen. Er that dieß mit solchem Eifer und solcher Geduld und Freundlichkeit, daß man bei seinem bloßen Anblicke erbaut wurde. Bei dieser Ges legenheit brachte er öfters durch seine Bemühungen verhärtete Sünder dahin, daß sie wieder in sich giengen und beichteten. Aloysius entschuldigte sich nie, wenn auch die Obern etwa nicht recht unterrichtet waren und ihm so unverschuldete Borwürfe machten. Es war ihm vielmehr willkommen, wenn er so gedemüthigt und getadelt wurde ohne seine während des Noviziats. 107 Schuld. Der Vorsteher der Novizen stellte ihn einmal besonders auf die Probe. Er machte ihn nämlich auf einige Tage zum Gehülfen des Tafeldeckers und trag ihm auf, den Speisesaal zuzurichten und zu reinigen. Dem Tafeldecker hatte er aber zuvor gesagt, er Solle Alles, was Aloysius thue, tadeln und für ungeschickt ausgeben. Der Tafeldecker handelte genau nach dem Wunsche des Vorstehers, vermochte aber den Aloysius nicht zu veranlassen, daß er sich entschuldigte oder rechtfertigte, bbgleich er Alles mit der größten Achtsamkeit verrichtete. Der Tafeldecker staunte über diese Demuth und Geduld des Aloysius. Noch lieber war es diesem, wenn ihm Tadel und Vorhalten über seine Fehler vor Andern gemacht wurden, weil er dabei sich recht demüthigen konnte. Aloysius war in seinem Noviziate so von Herzen gut, so ganz Meister über seine Gefühle, so der Abtödtung beflissen, so gewisfenheft in Beobachtung auch der unbedeutendsten Ordensregeln, so demüthig und bescheiden von ganzem Herzen, so freundlich und gütig gegen Jedermann, so gehorsam und ehrerbietig gegen seine Vorgesetzten, so fromm und eifrig für das Seelenheil- kurz, so voll kommen in Ausübung aller Tugenden, daß der Pater Rektor zum Patriarchen von Jerusalem, Franz von Gonzaga, bei einem Besuche wohl sagen konnte:„ Ich kann Ihnen von Aloysius nichts Anderes sagen, als daß 166 stap. 17. Aloysius als Ministrant wir Alle an einem solchen Beispiele noch viel zu lernen haben." Die Novizen betrachteten ihn auch wirklich wie einen Heiligen, und suchten Gegenstände zu bekommen, die früher von ihm gebraucht oder doch berührt worden waren. So brachte man ein Buch, die Marianischen Tagzeiten enthaltend, das er zu Hause noch benutzt hatte, nach Sicilien, um es aufzubewahren. Ebenso hob man das Brevier, das er mit in's Kloster gebracht hatte, gleichsam wie eine theure Reliquie auf. Daraus ist ersichtlich, daß er schon im Noviziat zu hohem Rufe der Vollkommenheit und Heiligkeit gelangt war. 17. Rapitel. Aloyfius als Ministrant im Profeßhause und seine besondere Verehrung des heiligen Altarssakramentes. Die Novizen wurden in der Regel nach einigen Monaten ihres Noviziats in das Profeßhaus geschickt, um dort mehrere Wochen lang den Priestern bei der heiligen Messe zu dienen zu ministriren. Sie hatten eine besondere Wohnung und hielten gewöhnlich ihre Uebungen des Noviziate wie zuvor. Einer unter ihnen war Aufseher und hatte die andern von ihren Pflichten und Obliegenheiten in Kenntniß zu sehen. Der Pater Vorsteher des Hauses war ihr Beichtvater und Novizenmeister. Aloysius wurde nun vom Vater - unds. Verehrung des hr. Altarssakramentes. 109 Rektor nach 3 Monaten auch in's Profeßhaus geschickt, was ihm sehr lieb war. Denn er hoffte von der Erfahrung und dem schönen Beispiele der alten Väter für seine Vervollkommnung Bieles gewinnen zu können. Sodann fand dort seine besondere Andacht zum heiligen Altarssakrament mehr Befriedigung. Er hatte nämlich schon im väterlichen Hause mit größter Freude bei der heiligen Messe dem Priester gedient, und war jetzt um so glücklicher, als er sich bewußt war, jenen frommen Dienst nicht mehr bloß aus eigener Andacht, sondern aus Pflicht zu verrichten. Seine besondere Andacht zum allerheiligsten Altarssakramente erweckte in ihm die frömmsten und erhabensten Gedanken und pflanzte sie ihm bei jeder heiligen Kommunion noch tiefer in's Herz, so daß seine Andacht immer größer wurde, mit der er sich zum Empfange seines lieben Heilandes vorbereitete. Die eine heilige Kommunion diente ihm zur Vorbereifung auf die folgende. Die sechs Werktage der Woche weihte er der heiligsten Dreieinigkeit, so daß er an den ersten drei Gott dankie für die im heiligsten Altarssakramente empfangenen Wohlthaten, und in den letzten drei um die Gnade flehte, am Sonntage dasselbe recht würdig empfangen zu können. Ueberdieß gieng er jeden Tag zur bestimmten Stunde in die Kirche und verweilte längere Zeit in Anbetung vor dem heiligsten Altarssakramente. Den Tag vor der heiligen Kommunion sprach 110 ap. 17. Aloyfius als Ministrant er nur von diesem göttlichen Geheimnisse, und zwar mit solchem Eifer und auf so erbauliche Weise, daß mehrere Priester der Gesellschaft Jesu Sonnabends Gelegenheit suchten, wäh rend der Erholungszeit mit ihm sich unterhalten zu können; und sie versicherten oft, daß sie nie die heilige Messe andächtiger ges lesen hätten als allemal am Sonntage darauf. Auch viele andere Personen machten die Erfahrung, daß die von Herzen gehende Unterhaltung des Aloysius über das heilige Altarssakrament sie angreife und zur Andacht stimme. Wenn er Samstag Abends schlafen gieng, war seine Seele ganz erfüllt mit dem Gedanken an die heilige Kommunion, und Sonntags beim Erwachen beschäftigte sich sein erster Gedanke wieder mit derselben. Nach längerer Betrachtung darüber hörte er mit den Andern andächtig die heilige Messe an und verbarg sich dann nach Empfang der heiligen Kommunion sogleich an einen einfamen Ort, wo man ihn ziemlich lang wie besinnungslos sehen konnte; dieß war cine Folge der innigsten Liebe und der himmlischen Gefühle, die seine Seele da erfüllten. Den übrigen Theil des Morgens brachte er in gänzlichem Stillschweigen zu, betete eifrig und las Einiges aus erbauenden Büchern.- Dieſe seine besondere Andacht zum heiligsten Altarsfakramente war, bald bekannt geworden, 10 daß Jeder, der sein Porträt wünschte, auf den Gedanken kam, ihn gerade in Anbetung und j. Berehrung des Hl. Altarssakramentes. 111 des allerheiligsten Geheimnisses begriffen, abe bilden zu lassen. In dem Profeßhause war damale der Pater Hieronymus Piatti, Vorsteher und somit auch Novizenmeister, ein Mann von größtem Ansehen im Orden durch seine Tugenden und Kenntnisse, und auch sonst bekannt durch seine gelehrten Werke. Er leitete die Novizen mit bewunderungswürdiger Gewandtheit an, sich von der Welt und ihren Bestrebungen frei zu machen, den Körper abzutödten, das Herz von allen bösen Neigungen zu reinigen und zu heiligen. Er übernahm die Leitung des Aloysius mit besonderer Freude, weil er schon im voraus eine sehr vortheilhafte Meinung von ihm hatte. Als er aber sein Inneres näher kennen gelernt und darin eine so hohe Vollkommenheit gefunden hatte, hielt er ihn für einen großen Heiligen. Dieß bekannte er, so oft sich Gelegenheit darbot. Dieß Zeugniß gab er ihm insbesondere einmal, da er mit einem Pater vom himmlischen Vaterlande sprach und zeigte, daß die Bewohner desselben in den Willen Gottes ergeben seien und nichts lieben und wollen, als was Gott liebt und will. Es scheint mir," fügte er dann hinzu, daß wir ein wahres Muster hievon an unserm Aloysius haben. Die Heiligen des Himmels sind gewiß beschäftigt, seine Seele mit himmlischen Gaben und überschwänglichen Gnaden zu schmücken- ja ich glaube, fie wetteifern, ihm immer und mehr die Segnun 112 Kap. 18. Aloysius sonstiges Verhalten gen Gottes zuzuführen so sehr ist er von Gott begnadigt und mit Tugenden ausgestattet!" Ein andermal, als er auf des Aloysius seltene Tugenden zu sprechen kam, sagte er: „ Es ist befremdend, daß er bei solcher Heiligkeit nicht schon im Leben Wunder wirtt." 11 18. Kapitel. Aloysius sonstiges Verhalten im Profeßhause. Aloysius verblieb viel länger im Profeßhause, als es bei den Novizen sonst üblich war, zeichnete sich aber auch durch sein Verhalten vor allen andern aus. Er gieng jeden Morgen nach Beendigung seines Gebetes in die Sakristet und verließ dieselbe nicht mehr, bevor er bei fünf oder sechs heiligen Messen dem Priester gedient hatte. Gegen seine Mitbrüder und besonders gegen zwei, die ihm schwächer schienen als die andern, war er so gefällig, daß er den Borsteher ersuchte, sie ihrer Gesundheit halber schonen und nicht bei so vielen heiligen Messen dienen lassen zu wollen. In der Zwischenzeit von einer hei ligen Messe zur andern beobachtete er tiefes Stillschweigen, zog sich auf die Seite zurück, stellte Betrachtungen an, verrichtete Gebete zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria oder las in einem geistlichen Buche. Wenn er den Sakristan,( Meßmer) etwas fragte, that er es mit der größten Artigkeit und Bescheidenheit und mit solcher Ehrfurcht, daß es diesen im Profeßhause. fast in Verlegenheit brachte. Den Anordnungen und Befehlen desselben, sowie seiner Gehülfen gehorchte er so, als hätte der Herr selbst es befohlen. Am Grünendonnerstage trug ihm der Sakristan auf, beim heiligen Grabe zu bleiben und für die Lichter zu sorgen. Es kamen nun Viele hinzu, um die schönen Verzierungen des Altars zu betrachten und einer der Novizen fragte ihn, wie sie ihm gefallen? Aloysius antwortete, er könne es nicht sagen, da er sie nicht angeschaut habe( obgleich er schon mehrere Stunden dort geweilt halte); denn der Sakristan habe ihm ein bestimmtes Geschäft aufgegeben, weshalb er sich mit etwas Anderem zu zerstreuen für unrecht halte. 113 Noch auffallender und vollkommener war seine Unterwerfung und Ehrerbietung gegen den Mitbruder, der die Aufsicht führte unter den Novizen im Profeßhause. Wenn derselbe an ihm vorübergieng, stand er auf, nahm feine Kopfbedeckung ab und bezeugte ihm seine Verehrung. Dieß gieng so weit, daß der Aufseher den Öbern davon berichten zu müssen glaubte, der dann dem Aloysius befahl, die Ehrenbezeugungen zu mäßigen, was er darauf auch that. Dieser pünftliche Gehorsam und diese tiefe Ehrfurcht des Aloysius gegen seine Vorgesetzten war nicht übertrieben oder erkünstelt, sondern aufrichtig und natür lich, weil er von Herzen demüthig war, und die Personen, deren Willen er vollzog, nicht 8 114 Rap. 18. Alloysius sonstiges Verhalten als seine Mitbrüder ansah, sondern als solche, die durch ihre Befehle gegen ihn die Stelle Gottes vertraten, der den Menschen seinen Willen am verständlichsten durch den Mund der Vorgesetzten zu erkennen gibt. Er wußte eben wohl, daß man viel größeres Verdienst habe, wenn man gehorsam den Willen eines Andern Gott zulieb erfüllt, als wenn man seinem eigenen Willen folgt. Dieß war jedoch nicht so fast der Beweggrund seines Verhaltens, als vielmehr, wie er selbst sagte, der erfreuliche Gedanke, daß der Herr es sei, welcher ihm durch die Vorgesetzten befehle, und daß er das Vergnügen habe, dem höchsten und besten Könige selbst zu gehorchen. Aloysius freute sich besonders, den untergeordneten Aufsehern Gehorsam und Achtung erweisen zu können. Nach gewöhnlicher menschlicher Anschauungsweise," sagte er, fällt es uns schwer, solchen Personen willig zu gehorchen, die uns an Fähigkeiten, Geburt oder an andern Vorzügen nachstehen; es kömmt uns hart an, auch da Gott ergeben zu sein, wo wir diese Ergebenheit durch Unterwürfigfeit unter Menschen zeigen müssen; allein ernster und in christlichem Lichte betrachtet fann es für uns nur erhebend und anziehend sein, da solcher Gehorsam um so verdienstlicher ist, je weniger wir durch menschliche Rücksichten oder den Einfluß und das Ansehen des Be fehlenden dazu bestimmt werden." Wenn die heiligen Messen alle zu Ende im Profeßbause. 115 waren, mußten einzelne novizen in der Kirche helfen oder den Andern im Speisesaale etwas vorlesen, wie die Reihe fie gerade traf. Alopfius unterzog sich diesen Geschäften so eifrig und demüthig als nur irgend ein anderer Novize, und nahm jeden vom Novizenvorsteher absichtlich übertriebenen Tadel willig und bescheiden an, ohne sich rechtfertigen zu wollen. Der Pater Hieronymus Piatti hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß Aloysius, weil er bei den Betrachtungen und im Gebete außerordentlich ergriffen wurde, etwas mehr Zeit zur Erholung nöthig habe als die andern. Deshalb gab er ihm die Weisung, nach dem Essen nicht bloß eine Stunde der Erholung zu widmen, wie es Alle thaten, sondern noch eine halbe Stunde weiter mit denen, die an der zweiten Tafel gegessen hatten, während er zu der ersten Tafel gehörte. Aloysius gehorchte. Als ihn aber der Pater Minister noch bei der Erholung der zweiten Abtheilung traf, legte er ihm, weil er von dem Befehle des Pater Piatti nichts wußte, eine öffentliche Strafe im Speisesaale auf für Uebertres tung einer Hausregel. Aloysius erduldete die Strafe ohne sich zu entschuldigen, oder von dem Befehle des Pater Piatti etwas zu sagen. Dann blieb er aber dem Befehle gemäß wies der bei der zweiten Erholung. Der Pater Minister bemerkte es und belegte ihn mit einer zweiten Strafe. Auch ohne etwas zu sagen. diese bestand Aloysius Da ließ ihn der Bater 116 Rap. 18. Aloysius sonstiges Verhalten Piatti zu sich rufen und sagte ihm, daß er den Andern zum Aergerniß gereiche, weil er für denselben Fehler schon zweimal Strafe bekommen habe; er fragte ihn auch, warum er dem Pater Minister von der erhaltenen Erlaubniß nichts gesagt habe. Aloysius ant wortete, daß ihm allerdings eingefallen sei, er könnte, wenn er schweige, Aergerniß geben; aber er habe befürchtet, es möchte dieß eine Eingebung der Eigenliebe sein, die der Strafe entgehen wolle: darum habe er sich entschlossen, zu schweigen und die Strafe zu erleiden. Er werde nun dem Pater Minister, wenn derselbe ihm wieder eine Strafe aufergen wolle, von dem erhaltenen Befehle etwas sagen, um durch das Schweigen kein Aergerniß mehr zu geben. Es geschah auch mehreremal, daß die Fehler Anderer ihm irrthümlich zugerechnet wurden- er verrichtete aber, ohne ein Wort zu sagen, die Bußen dafür, wie wenn er schuldig gewesen wäre. Es würde auch gar nie bekannt geworden sein, wenn nicht die Schuldigen, von seiner Demuth und Ergebung gerührt, sich selbst angeklagt hätten. Die Novizen mußten die Väter oft in die Gefängnisse und Hospitäler begleiten. Wähe rend die Väter die Beichte der Kranken und Gefangenen anhörten, erklärten die Novizen Andern den Katechismus und bereiteten sie zur heiligen Beichte vor. Diejenigen, welche nicht ausgiengen, mußten die Zimmer reinis gen oder andere häusliche Geschäfte verrichten. im Proseshause. Eines Tages mußte nun Aloysius auch andern Novizen Wäsche zusammenlegen. fiel ihm auf einmal ein, daß er an diesem Tage gegen seine Gewohnheit noch gar nichts in den Schriften des heiligen Bernhard gelesen habe. Er wollte sogleich gehen und etwas lesen, und er hätte auch wohl auf einige Zeit wie die Andern von der Arbeit sich entfernen können. Doch er that es nicht, sondern sprach zu sich selbst: Wenn du in den Schriften des heiligen Bernhard lesen wirst, was wird er dich anders lehren, als Gehorsam? Stelle dir also vor, als habest du in denselben gelesen, und thue, was dir der Gehorsam jezt zur Pflicht macht." 117 mit Da Aloysius zeigte sich während seines ganzen Aufenthaltes im Profeßhaufe in Allem so ge wissenhaft und vollkommen, daß Alle mit besonderer Liebe ihm zugethan waren und ihn wie einen Heiligen betrachteten. Nach Verlauf von zwei Monaten wurde er wieder in das Novizenhaus zurückberufen. 19. Kapitel. Aloysius erreicht im Noviziate eine bewunde rungswürdige Vollkommenheit, besonders durch frommen Gebetseifer. Sobald Aloysius in das Noviziat zurückgekehrt war, suchte er dem Vorsteher genaue Rechenschaft abzulegen von Allem, was unterdessen in seinem Herzen vorgegangen war, 118 Kap. 19. Aloysius erreicht im Noviziate und ihm seinen ganzen Seelenzustand deutlich darzustellen. Alsdann war er bemüht, mit noch größerer Sorgfalt und bewunderungs würdigem Eifer alle Novizenübungen zu verrichten. Eines Tages kam er zum Vorsteher, um über einige Zweisel sich Raths zu erholen. Diese bestanden darin, daß er bei der genauesten Selbstprüfung nichts an sich fand, was ein Anfang von Schwachheitssünden sein, oder zu solchen führen könnte. Er wurde darüber sehr unruhig, weil er meinte, es habe dieß seinen Grund in einer mangelhaften Selbsterkenntniß, und er sei in einer geistigen Berblendung befangen. Von dieser hatte er schon gehört und gelesen, daß sie die Seele in die größte Gefahr des Heiles bringe. Diese Reinheit des Gewissens war aber bei ihm offenbar eine Wirkung der mannigfachen Gnaden, deren er theilhaftig geworden. Dazu trug noch das Seinige bei, sein unermüdlicher Fleiß, den er schon von Kindheit an auf Abtödtung aller Leidenschaften verwendete, und feine Uebung, gegen alles Irdische unempfindlich zu bleiben. Von Natur war er zwar lebhaft und heftig allein durch beständige Uebung, durch geistige und körperliche Übtödtung und durch Gebet hatte er es zu jener bewunderungswürdigen Ruhe und zu einer gewissen Empfindungslosigkeit gebracht. Bei gewöhnlichen Unterhaltungen oder wichtigern Gesprächen bewies er die edelste Be- eine bewunderungswürdige Bollkommenheit. 119 scheidenheit und Demuth. Er suchte nicht besonders Andere für seine Meinung zu gewinnen, sondern sprach sie einfach und ruhig aus, ohne sie zu vertheidigen, wenn man ihr widersprach. Er gab der Wahrheit auf deutliche aber milde Weise das Zeugniß und begnügte sich damit; wenn man mit Gegenreden ihn bestürmen wollte, so schwieg er, als habe man mit ihm gar nicht geredet. Er kannte wohl die Gefährlichkeit der Wünsche des Herzens, die wie Wellen den schönen Wasserspiegel beunruhigen und trüben; darum suchte er von all' diesen Wünschen frei zu werden, sobald sie nur im geringsten den Frieden seiner Seele stören und ihn beunruhigen konnten. Auf diese Weise erfreute er sich eines Friedens und einer Ruhe, die ihm gleichsam zur zweiten Natur- unzerstörbar geworden waren. Das Fundament zu diesem unerschütterlichen Seelenfrieden legte er einmal dadurch, daß er alle seine Handlungen in der Gegenwart Gottes vollbrachte, nach bestem Wissen und Gewissen; insbesondere aber auch dadurch, daß er unablässig im Gebete sich mit Gott vereinigte. Denn das Gebet ist gleichsam das Band, welches die Menschen an Gott fnüpft; es ist gleichsam der Kanal, durch den Gottes Gnade- fromme Eingebungen und höhere Kraft auf die Menschen herabströmen- und nur wenn und so lange der Mensch in diesem Wechselverkehr mit Gott steht, an ihm hängt und von ihm 120 Rap. 19. Aloyfius erreicht im Noviztate regiert und gestärkt wird, kann er über sich selbst vollkommen den Sieg erlangen und wahren Frieden haben. Aloysius wußte dieß nicht bloß, sondern handelte auch darnach. Lesen und Betrachten war ihm von jeher sein liebstes Geschäft und seine größte Freude. Im Noviziate suchte er es noch regelmäßiger und ersprießlicher zu thun. Abends vor dem Schlafengehen verwendete er eine halbviertel Stunde dazu, den Gegenstand der Betrachtung für den folgenden Tag zu wählen und zu ordnen. Am Morgen war er schon angekleidet und bereit, ehe man das Zeichen zum Gebete gab. Unterdessen sammelte er sich dann, entfernte jeden andern Gedanken aus dem Sinne und bereitete so seine Seele zum Gebete vor. Denn eine Seele, die bei der Betrachtung noch an irgend einem andern Gegenstande hängt, kann, wie er oft sagte, nicht recht aufmerksam sein auf das, was sie betrachtet, noch die Eindrücke deutlich in sich aufnehmen, welche durch die Betrachtung hervorgebracht werden sollen. Um zu zeigen, wie nothwendig eine rechte Vorbereitung und Sammlung des Geistes sei, wenn die Betrachtung ersprießlich sein soll, gebrauchte er gewöhnlich folgendes Gleichniß: Ein vom Winde in Bewegung gesetztes Waſser zeigt das Bild eines Menschen, der darin sich betrachtet, nicht deutlich und vollkommen, weil die Wellen es immer unterbrechen und verunstalten. Man sieht blos einzelne Theile, krumm, verdreht und gebrochen, als wären eine bewunderungswürdige Vollkommenheit. 121 fie voneinander getrennt. Ebenso verhält es sich mit der Seele, wenn sie bei der Betrachtung von andern Gedanken oder Gemüthsbewegungen beunruhiget ist. Sie vermag nicht die volle Wahrheit, Wichtigkeit und Bedeutung dessen zu erkennen, was sie betrachtet, noch viel weniger das Bild Gottes feine Eingebungen, Rührungen und Tröstungen lebhaft und vollkommen zu vernehmen." Wenn das Zeichen zum Gebete gegeben war, fnicete er in tiefster Ehrfurcht nieder und begann in Gottes Namen die Betrachtung. Er suchte tief in die zum Gegenstande der Betrachtung gewählte Wahrheit einzudringen so daß er durch die große Anstrengung seiner Seelenkräfte nicht selten körperlich so entkräftet wurde, daß er faum mehr aufstehen konnte. Bisweilen kam er auf einige Zeit so außer sich, daß er nicht wußte wo er war; dieß geschah iusbesondere dann, wenn er irgend eine göttliche Eigenschaft betrachtete, wie z. B. Gottes unendliche Güte, Heiligkeit zc. - Während des Gebetes vergoß er oft häufige Thränen, so daß die Obern verschiedene Mittel anwenden zu müffen glaubten, um es zu verhindern; denn sie besorgten mit Recht, es möchten seine Augen durch das viele Weinen geschwächt werden. Dagegen war er von Zerstreuungen im Gebete fast ganz frei. Was das heißen wolle und wie eine seltene Gabe es sei, kann Jedermann am besten daraus abe nehmen, wie leicht und oft er selbst im Gebete 122 Kap. 19. Aloysius erreicht im Noviziate zerstreut und gestört wird. Diese Gabe er langte er durch seine unausgeseßte Uebung im Beten und Betrachten. Er bekam dadurch seine Vorstellungskraft so in seine Gewalt, daß sie ihm nur die erwünschten Gedanken vorführte. Seine Gedanken waren aber auch so ganz und gar auf das Gebet gerichtet, daß er nicht wahrnahm, was um ihn hei vorgieng oder gesprochen wurde. So bemerkte er z. B. nie den Besuch, der während des Morgengebetes in allen Zimmern von einem Obern gemacht wurde, um zu sehen, ob die Zeit dazu auch redlich benutzt werde. Daß er fast von aller Zerstreuung während des Gebetes frei war, gestand er einmal selbst. Die Novizen mußten nämlich alle sechs Monate dem Obern genaue Rechenschaft ablegen über ihren ganzen Seelenzustand, nicht bloß über die Gebrechen und Schwächen, sondern auch über die Tugenden und Gnaden. Daraus lernte der Obere die Untergebenen recht kennen und konnte ihnen sodann die heilsamsten Belehrungen und Warnungen ertheilen, die so nothwendig sind auf dem gefahrvollen Wege zur christlichen Vollkommenheit. Als nun Aloysius so mit seinen Obern über die Herzensangelegenheit sich besprach, fragte ihn derselbe, ob er während des Gebetes oft zerstreut sei; worauf die Antwort lautete, daß alle Zerstreuungen während der sechs Monate nicht die Zeit eines Ave Maria" ausfüllten. In feinen mündlichen Gebeten hatte er etwas 11 eine bewunderungswürdige Vollkommenheit. 123 mehr Schwierigkeiten zu überwinden, weil er manchmal in den tiefen Sinn der Gebete und besonders der Psalmen nicht so schnell einzudringen verurochte. Bald jedoch empfand er auch hiebei geistige Erhebung und Rührung, so daß er von der Gewalt der Gefühle oft beinahe nicht mehr laut fortbeten konnte. Eine der liebsten Andachtsübungen war ihm die Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi. Jeden Mittag erinnerte er sich an dasselbe, begab sich im Geiste unter das Kreuz des Erlösers und verrichtete ein kurzes Gebet, aber mit solcher Innigkeit, daß sich ihm in diesen Augenblicken Alles vergegenwärtigte, was am Charfreitag geschehen war. Auch zu den heiligen Engeln und vor allen zum heiligen Schußengel hatte er eine besondere Andacht; sie zu verehren, ihnen zu danken und sie anzurufen um ihren Schuß, war ihm ein wahrer Trost. Wenn man sich nun all' des Gesagten erinnert, so muß man gewiß aus vollster Ueberzeugung bekennen: das ganze Leben des Aloysius im Kloster war ein ununterbrochenes Gebet. Denn durch seine außerordentliche Weltverachtung und Selbstverläugnung, sowie durch seine mehrjährige ülebung im Beten und Betrachten, hatte er es dahin gebracht, daß bei Allem, was er immer thun mochte, sein Augenmerk mehr auf das Innere, Geistige gerichtet war, als auf das Aeußere, Welt liche. Ja, er machte beinahe keinen Gebrauch 124 kap. 19. Aloysius erreicht im Noviziate - von seinen äußern Sinnen, wie z. B. von seinen Augen, um zu sehen, von seinen Ohren, um zu hören so sehr war er in seinem Innern versammelt. Wenn er auch genöthigt war, äußere Handlungen zu verrichten, die er als Pflichten genau erfüllte, so war er doch den ganzen Tag bei seinen Beschäftigungen in Gott vertieft und wurde durch das Neußere derselben nicht leicht darin gestört. Er sagte eines Tages sogar, daß er ebensoviel Mühe habe, seine Gedanken von Gott abzuwenden, als Andere anwenden müs sen, um sie zu Gott zu erheben, und es komme ihm schwerer vor, seine Gedanken von Gott abzuwenden, als ununterbrochen mit Gott sich zu beschäftigen. Manchmal wurde er mitten in seinen wirklichen Beschäftigungen von einer wunderbaren frommen Begeisterung erfüllt, die hie und da über eine Stunde lang seine Seele so hinriß und tief durchdrang, daß sie selbst im Körper sich ausprägte. Er wurde dann ganz verklärt zu einem Bilde himmlischer Liebe, und in seinem Angesichte war das Feuer wahrnehmbar, das sein Herz entflammte. Vor lauter innerer Wonne vergaß er für seinen Leib zu sorgen, der deßhalb täglich abgezehrter und schwächer wurde, während seine Kopfschmerzen immer zunahmen. Die Obern saben wohl ein, daß Aloysius bei so großer geistiger Anstrengung und förperlicher Entsagung nicht lange leben könne; darum untersagten sie ihm das Fasten, die eine bewunderungswürdige Vollkommenheit. 125 Geißelung und andere körperliche Abtödtungen, und verlängerten seine Schlafzeit. Für feine Gebete gestatteten sie ihm nur je eine halbe Stunde, und untersagten ihm oft dieselben ganz, selbst die öftern Herzenserbebungen, indem sie ihm erklärten, daß ér, je weniger er bete, um so mehr Gehorsam übe, und dieser das beste Gebet, das Gott wohlgefälligste Opfer des Herzens sei. Nebstdem trugen sie ihm mehr äußerliche Geschäfte auf, so daß ihm weniger Zeit zu den gewöhnlichen Andachtsübungen übrig blieb. Sie belehrten ihn auch, daß er um der Ehre Gottes willen verpflichtet sei, sich zu mäßigen und seine Gesundheit zu erhalten; und er ließ sich durch ihre Worte leicht dazu bestimmen, weil er sehr gerne gehorsam war und sich durch nichts aus seiner Seelenruhe bringen ließ. Nur Eines machte ihm Sorge: nämlich wie er es machen müsse, um dem Befehle der Obern nachzukommen und seine Gedanken von der Betrachtung göttlicher Dinge abzulenken. Dennt wie der Stein eben nach dem Mittelpunkt der Erde fällt, so fand seine Seele die natürliche Ruhe nur in Gott, weßhalb sie dahin als nach ihrem Mittelpunkte zurückkehrte, wenn sie auch absichtlich und mit Mühe davon abgezogen und entfernt worden war. So hart es ihn aber auch ankam, nicht in Gebet und Betrachtungen sich zu versenken, so bemühte er sich doch redlich und eifrig, dem Willen der Obern zu entsprechen. Er besuchte 126 Kap. 20. Aloysius nimmt sich den Vorsteher deßhalb häufig das allerheiligste Altarssaframent, aber entfernte sich allemal gleich wieder, wenn er knieend einige Augenblicke gebetet hatte. Doch je mehr Aloysius aus Gehorsam der gnadenvollen Nähe Gottes entfliehen wollte, um so mehr zog ihn Gott an sich und überhäufte ihn mit Wonne und himmlischem Troste. Welch ein bewunderungswürdiges Vorbild bietet der fromme Aloysius hier dar, dem die Gabe der Andacht in solcher Fülle zu Theil geworden war! Es gereichte dadurch die ganze Zeit seines Noviziats, das bis zu Ende Oktober 1586 dauerte, allen seinen Mitbrüdern zur Bewunderung und Erbauung, indem sie gerne mit ihm umgiengen und von seinem Beispiele mächtig zum Guten angetrieben wurden. 20. Kapitel. Aloysius nimmt sich den tugendhaften Vorsteher der Novizen zum Vorbilde. Aloysius hatte zum Novizenmeister und Rektor den Pater Johann Pescatori von Novara, einen Mann von großer Heiligkeit und feltener Vollkommenheit. Er übte sich unaufbörlich in strenger Enthaltjamfeit und vielem Fasten, trug rauhe Bußkleider und geißelte ich öffers. Er that all' dieß zwar so geheim als möglich, konnte es aber doch vor seinen Böglingen nicht ganz verborgen halten, weil fie stets thre Blicke auf ihn gerichtet hatten, um ihn zu beobachten und ihn nachzuahmen. der Rovizen zum Vorbilde. 127 Auf seinem Angesichte ruhte eine liebliche Heiterkeit, eine anziehende Freundlichkeit und heilige Anmuth, so daß ein Betrübter ihn nur anzusehen brauchte, um beruhigt und getröstet zu werden. Man bemerkte an ihm nie eine Veränderung, mochte Trauriges oder Erfreuliches ihm begegnen; ebensowenig konnte man an ihm eine Spur von Ungeduld oder Laune entdecken, denn er hatte alle seine Neigungen und Begierden vollkommen bezähmt und unterworfen, so daß ein unverwüstlicher Friede seine Seele erfüllte. Die Eigenliebe hatte er bis auf die Wurzel ausgerottet und betrachtete sich selbst mit aufrichtiger Geringschäßung; allen seinen Handlungen drückte er den Stempel der Demuth und Bescheidenheit auf; in seinen Gesprächen vorsichtig, redete er wenig, und jedenfalls kein Wort, das nicht zweckmäßig und erbauend gewesen wäre. Seine Unterhaltung war angenehm und freundlich, ohne die Gränzen der klösterlichen Eingezogenheit zu überschreiten. Seine Wohlthätigkeit gegen verschämte Arme war so groß, daß er manchmal seine eigenen Kleider hinschenkte. In seinem Amte wußte er Strenge nüßlich mit Nachsicht zu verbinden, und seine Würde gerade durch Herablassung und Demuth zu erhöhen. Er liebte alle seine Novizen aufrichtig und war väterlich für sie besorgt. Ihre Mängel trug er mit Geduld und Langmuth, bis er sie nach und nach zur größern Vollkommenbeit 128 Kap. 20. Aloysius nimmt sich 2c. herangebildet hatte. Wegen ihren Fehlern ließ er sie durchaus feinen Widerwillen, keine Abneigung oder Kälte fühlen; er faßte nicht gleich eine üble Meinung von ihnen; sondern hatte aus Liebe Mitleiden mit ihren Schwächen. Er ermahnte sie mit Milde und Güte, und bisweilen sogar mit freundlicher Miene, um dadurch die Ermahnung noch zu mildern; er tröstete sie, sprach ihnen Muth zu und ließ sie nicht eher von sich, als bis er die Ueberzeugung erlangt hatte, daß sie beruhigter gehen. Er nahm die gehörige Rücksicht auf die besondere geistige und körperliche Beschaffenheit eines Jeden und leitete sie auf die ihnen angemessene Weise. Im Ganzen truch tete er darnach, in allen eine wahre Selbstverläugnang zu begründen, und sie zu einem bescheidenen, gehorsamen Leben zu befähigen. Er war allen ohne Unterschied so von Herzen zugethan, daß Jeder glauben konnte, er erfahre am meisten Liebe und Wohlwollen von ihm. Daher liebten ihn auch alle novizen auf's innigste und eilten immer vertrauensvoll zu ihm, so oft sie irgend einen Anstand hatten. Er lehrte sie das geistige Leben nicht bloß in Worten, sondern auch durch sein Beispiel, und darum erfreute er sich eines so guten Erfolges. Die allgemeine Achtung und hohe Verehrung gegen ihn wurde dadurch noch erhöhet, daß man mehrere Wunder erzählte, die er schon zu Lebzeiten verrichtet habe. Diesen Mann liebte und ehrte auch Aloysius Aloyfius in Neapel. 129 gar sehr, nicht bloß, weil er als sein Oberer Gottes Stelle vertrat, fondern auch wegen seinen außerordentlichen Tugenden, die er nachzuahmen trachtete. Deshalb achtete er genau auf Alles, was er that und sagte. Er hatte das vollkommenste zutrauen zu ihm und offenbarte ihm fein ganzes Inneres, um von ihm genau belehrt und sicher geleitet zu wer den. Leider starb der fromme Pater zu frühe, sonst hätte er über Aloysius, den er auch besonders lieb hatte, uns noch Manches mittheilen können, das jetzt aber verborgen ge blieben ist. 21. Kapitel. Aloysius in Neapel. Der Pater Pescatori wurde im Herbste des Jahres 1586 nach Neapel geschickt, um durch diese Luftveränderung seine leidende Gesundheit wieder herzustellen. Bei seiner Abreise wurden ihm vom General drei Novizen mitgegeben, die einer Luftveränderung ebenfalls nöthig hatten. Unter diesen war auch Aloysius; als er es vernahm, wurde er ziemlich unrubig, weil er fürchtete, er möchte diese Anordnung des Pater General selbst veranlaßt haben, indem er einige Tage vorher zum Pater Pescatori, der ihn fragte, ob er nicht die Reise nach Neapel mitmachen möchte, gesagt hatte, er würde sehr gerne mitgehen. Der Bater General hatte ihn aber bloß GesundViennel. Alois. 9 130 Kap. 21. Aloysius in Neapel. heitshalber zur Reise bestimmt durchaus nicht um seinen Willen zu erfüllen. Allein Aloysius bereute jene Neußerung und nahm sich vor, in Zukunft weder Neigung noch Abneigung zu äußern, sondern immer zu sa gen, er werde sich nach dem Willen der Übern richten. - Da er nun einmal die Reise mitmachen mußte, so freute er sich sehr, mit dem Rektor Pater Pescatori reisen zu dürfen, und er suchte soviel möglich für seine Vervollkommnung Nußen daraus zu ziehen. Während die andern zwei zusammen etwas voraus waren, befand er sich immer beim Pater Rektor, betete mit ihm die priesterlichen Tagzeiten und hörte seinen Belehrungen über das geistliche Leben zu, woraus er mehr gelernt zu haben versicherte, als während mehreren Monaten im Noviziate. Gegen seine Gefährten war er freundlich und dienstfertig, erwies ihnen besondere Aufmerksamkeit und Liebe und suchte das Bessere und Bequemere ihnen überall zuzuwenden. Am fünften Tage nach der Abreise, am 1. November kamen sie glücklich in Neapel an. Die Studien begannen gerade wieder im Collegium der Jesuiten und Aloysius mußte nun, nach einer kurzen Erholung von der Reise, den Unterricht in der Metaphysik besuchen. Der Pater Rektor daselbst war besonSers eifrig in Abtödtungen und körperlichen Bußübungen und ließ darum den Aloysius Aloysius in Neapel. 131 viel freier nach seiner Neigung hiefür handeln, als es in Rom der Fall gewesen. Darüber war Aloysius sehr erfreut; sonst aber suchte er unerkannt zu bleiben und in stiller Verborgenheit zu leben. So hielt er seine Abkunst so viel möglich geheim und unterhielt sich am liebsten mit den untergeordnetsten Priestern des Collegiums. Die Obern wünschten, daß die andern Novizen von dem herrlichen guten Beiſpiele des Aloysius Nußen ziehen könnten; deßhalb mußte er im größten Zimmer des Novizenhauses wohnen. Weil er aber an Schlaflofigkeit litt, war jenes Bimmer für ihn gerade am ungeeignetsten, indem die andern am Morgen früher aufstanden und ihn gerade in seinem besten Schlummer störten. Man wice ihm daher ein anderes Zimmer an, wo er ganz allein war und die für seine Gesundheit so nöthige Ruhe ungestörter genießen konnte. Allein sonderbarer Weise war wieder etwas Wichtigeres übersehen worden. Das Zimmer befand sich gerade unter einem großen Saale, der zum Durchgang diente, und war eben deßwegen noch mehr dem Geräusche und der Unruhe ausgesetzt als das erstere. Aloysius freute sich darüber und dankte Gott, der ihm wieder eine Gelegenheit verschafft habe, ihm etwas aufzuopfern. Es schien auch in der That so, als ob Gott es so haben wollte; denn unerachtet der großen Sorgfalt, welche die Obern für Aloysius hatten, kamen doc 132 Kap. 21. Ulovflus in Neapel. mehrmals Dinge vor, die nur durch eine besondere Fügung Gottes geschehen konnten, um Aloysius mehrfach zu prüfen und in allen Stücken zu vervollkommnen. So gab man ihm z. B. ein so abgetragenes und abgeschossenes Kleid zum Ausgehen, wie nie ein Anderer schon Anstandshalber eines hätte tragen dürfen. Die Novizen wurden den Winter hindurch auch bei schlimmer Witterung nach Tisch in das Profeßhaus geschickt, um die Besper zu singen. Wenn's jedoch besonders ungünstige Witterung war, durften die Schwächlichern und Kränklichern zu Hause bleiben. An Aloyfius dachte der Öbere aber nie, obwohl er dieser Rücksicht am meisten bedurft hätte. In dem Hause der Gesellschaft Jesu zu Neapel trug man für die Kranken mehr Sorge als irgendwo; und doch ließ man den Aloysius, da er an der Gesichtsrose krank darnieder lag und sogar in Todesgefahr sich befand, eine Nacht ohne Decke. In dieser Krankheit gab Aloysius viele rührende Beweise einer unerschütterlichen heldenmüthigen Geduld. Troßz seinen unausgeseßten großen Schmerzen war er stets heitern Aussehens und sprach voll Ergebung und ohne alle Klage mit denen, die ihn besuchten. Es stellte sich nun immer unzweifelhafter heraus, daß die Luft in Ne apel seine Kopfschmerzen nur vermehrte, statt linderte; deßhalb wurde er vom General nach Rom zurückgerufen im Mai 1587. Aloysius im römischen Collegium. 133 22. Kapitel. Aloysius im römischen Collegium. Die Rückkehr des Aloysius nach Rom vers ursachte daselbst eine allgemeine Freude, besonders bei denen, die ihr Noviziat mit ihm bestanden hatten. Er selbst war nicht weniger erfreut, weil er seine Studien in Rom, an der besten Universität und am Wohnsize des Ordensgenerals fortsegen konnte. Er fieng an, mit größtem Eifer denselben obzuliegen und machte auch so herrliche Fortschritte, daß er nach sechs Monaten schon vor einer großen und gelehrten Versammlung eine öffentliche Disputation glänzend bestand. Merkwürdig ist dabei, daß er vorher ängstlich und zweifelhaft war, ob er gut, oder zu seiner Demüthigung schlecht antworten und sich vertheidigen solle. Nur die triftigen Gründe, die ein angesehener Professor ihm vorstellte, bewogen ihn, nach bestem Wissen zu disputiren, wodurch er allgemeine Bewunderung erregte. Als er die allgemeinen Vorstudien der Philosophie vollendet hatte, widmete er sich dem Studium der Theologie. Er hatte zu Professoren Männer von großer Gelehrtheit, achtete fie aber auch sehr. Er sprach nur mit Achtung und Lob von ihnen, und tadelte niemals etwas an denselben. Er sah es als seine Pflicht an, sich ganz in ihre Handlungsweise zu fügen, und alles nur zu sei nem Nußen und Besten auszulegen und an 134 Kap. 22. Aloysius im römischen Collegium. zuwenden. Er wußte als ein frommer Schüler fie immer zu vertheidigen, ließ sich aber nie von Vorliebe für irgend Einen beherrschen. Aloysius besaß einen scharfen durchdringenden Verstand, und verband damit ein gesundes richtiges Urtheil. Er suchte seine Talente anzuwenden und auszubilden durch einen so großen Eifer, als immer seine Kränklichkeit und Schwäche es zulicßen. Nie fieng er zu studieren an, ohne vorher gebetet zu haben. Von der meistens schädlichen Gewohnheit, viele Bücher zu lesen und mancherlei Werke zu studieren, wollte er nichts wissen; er dachte um so mehr und tiefer über das von seinen Lehrern Vorgetragene nach, und hatte außerdem nur die Schriften des heiligen Thomas von Aquin zum besondern Studium auserwählt. Er las sonst nie Bücher über den Gegenstand seines Studiums ohne ausdrückliche Weisung seiner Lehrer, so daß er z. B. einmal, als ihm ein Professor eine Stelle in cinem Buche zum Lesen zeigte, er nicht umzuschlagen und das Kapitel ganz auszulesen wagte, weil er nicht ausdrücklich geheißen wurde. Wenn er etwas nicht verstand oder Zweifel hatte, schrieb er sie auf und fragte die Lehrer zur gelegenen Zeit um Auskunft darüber. Mußte er an wissenschaftlichen Streitgesprächen Theil nehmen, so gieng er sogleich auf die schwierigsten Punkte ein, aber mit aller Bescheidenheit; er ließ sich nie verwirren, gönnte aber auch dem Gegner Zeit, sich Aloysius tm römischen Collegium. 135 ganz auszusprechen; er wurde nie heftig und erlaubte sich auch nicht ein verlegendes Wort. Gieng er in die Schule oder aus derselben nach Hause, so besuchte er das allerheiligste Altarssaframent. Bereitwillig lieh er Andern feine Hefte und wartete geduldig, wenn sie ihm auch nicht bald wieder zurückgegeben wurden; ja er hatte große Freude, wenn er Einem einen Dienst erweisen konnte, und bat fogar seine Obern, einem Mitbruder ein wichtiges Buch, sein einziges außer der Bibel, den Thomas von Aquin, andauernd leihen zu dürfen. Gegen sich selbst war er dagegen streng und wollte sich keine Erleichterung vergönnen, indem er etwa Einiges für sich schreiben licß; noch viel weniger belästigte er Andere. Dieser fromme Jüngling machte Allen, die ihn mür sahen, Freude. Sein Anblick war wohlthuend, sein Neußeres stimmte zur Andacht und Zerknirschung des Herzens, und seine Nähe machte die Andern behutsam und freundlich so daß an ihm recht eigentlich das Wort des Psalmisten sich bewährte:„ Die Dich fürchten, o Herr! werden mich sehen und mit Freude erfüllt werden." - 23. Kapitel. Aloysius legt die Ordensgelübde ab und empfängt die niedern Weihen. Nach zweijährigem Noviziate Legte Aloysius am 25. November 1587 in Gegenwart meß 136 Kap. 23. Aloystus legt die Ordensgelübde ab. rerer Personen das dreifache Ordensgelübde der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Er vollzog diese wichtige Handlung am Feste der heiligen Katharina in der Kapelle des römischen Jesuiten- Collegiums und war sichtlich erfüllt von geistigem Troste; denn endlich war sein sehnlichster Wunsch vollkommen erfüllt- er war ein Ordensbruder und mit Gott durch besondere Bande verbunden. Am 25. Februar 1588 wurde in der Kirche des heiligen Johannes von Lateran jene einfache aber ergreifende und bedeutungsvolle Ceremonie an ihm vollzogen, welche die Thüre zu den Weihen genannt wird. Er erhielt die Consur, das„ Krönungszeichen des kommenden Reiches Christi", das„ Merkmal der christlichen Freiheit", den geistlichen Ehrenfranz", das„ königliche" Ehrenzeichen des Priesterthums.""*) Einige Tage darauf empfieng er die niedern Weihen, ebenfalls in der Kirche zum heiligen Ichannes von Lateran. Er hielt sich von *) Es werden vom Bischofe oder Abt oder General dem, der Priester werden will, in Kreuz zesform an vier Stellen des Hauptes einige Haare abgeschnitten, während er spricht: Der Herr ist der Antheil meines Erbes und meines Kelches. Du bist es, der mir meine Erbschaft wieder geben wird." Dann wird auf der Mitte des Hauptes das Haar weggeschnitten im Umfange einer großen Hostie. Aloysius tiefe Demutb. 137 nun an beständig im römischen Collegium auf und vollendete daselbst sein Leben, das durch wahre Heldentugenden ausgezeichnet war und wohl verdient, näher kennen gelernt zu werden. schimb 24. Kapitel. biliog sour Aloysius tiefe Demuth. Wenn der Friede und das Glück im Herzen wieder erblühen, wenn das Reich Gottes wieder zu uns kommen soll, so muß vor Allem die Quelle verstopft werden, aus der sich von Anbeginn her aller Unfriede und alles Unheil ergossen hat. Die Rettung muß dort beginnen, wo das Verderben angefangen hat. Und dieser Anfang war der Hochmuth; womit also alles wahre Heil beginnen muß, ist die Demuth. Demuth muß das Erste und Tiefste im menschlichen Herzen sein, wenn es mit Gott vereint werden will; Demuth ist das Fundament der christlichen Frömmigkeit. Sie ist der Probestein jeder Tugend, und der Gipfel der Vollkommenheit. In dieser höchsten aller Tugenden gab Christus das herrlichste Beispiel, indem Er, obwohl Gottes Sohn, Sich Selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm, und dem Aermsten und Niedrigsten gleich wurde. Dieses Vorbild hatte Aloysius stets vor Augen und erreichte es durch Gottes Gnade auch in hohem Grade. Ob er gleich immerfort viele und große Gaben von Gott empfieng, so rühmte er sich dersel 138 Kap. 24. Aloysius tiefe Demuth. ben doch nie im mindesten, sondern war tief durchdrungen von des Apostels Wort: Wir find unnüße Knechte." Er hatte über diese Tugend auch Mehreres niedergeschrieben, das nach seinem Tode unter seinen Papieren gefunden wurde. Er sagt darin unter Anderm: Der böse Feind bereitet dir um so zahlreithere Kämpfe des Stolzes vor und der Selbstliebe, je mehr dieß die schwächste Seite deiner Seele ist; deßhalb ist es nothwendig, daß du alle Kräfte aufbietest, um durch innere und äußerliche Geringschätzung deiner selbst- durch Uebung wahrer Demuth- jenem Feinde zu widerstehen. Dazu werden besondere Regeln, die unser Herr Selbst vorgeschrieben und die Erfahrung bewährt hat, dir von größtem Nußen sein. 1. Um wahre Demuth zu erlangen, müssen wir vor Allem bedenken, daß diese Tugend, obwohl sie allen Menschen nothwendig ist zu ihrer Vervollkommnung, dennoch keine Frucht dieser Welt ist. Sie wird nicht durch menschliches Bemühen hervorgebracht, sondern muß vom Himmel erfleht werden, von wo alles Gute kömmt. Es muß daher der Stolze sich selbst verläugnen und die unendliche Majestät Gottes um Demuth bitten, und zwar durch die Verdienste Jesu Christi, der die Herrlichkeit beim Vater verließ und Sich erniedrigte zu uns Menschen. 2. Es ist gut und nüßlich, sich an die Fürbitte der Heiligen zu wenden, insbesondere Aloysius tiefe Demuth. 139 derer, die sich in dieser Tugend am meisten ausgezeichnet haben. Denn wie sie gewürdiget wurden, auf Erden diese Tugend in so hohem Grade zu besigen, so dürfen sie auch im Himmel gewiß sein, in ihrer Fürbitte um dieselbe erfreut zu werden. Es ist bekannt, daß hienieden schon Jeder darin, wo er sich auszeichnet, auch Andern zu nüßen und zu helfen sich bestrebt. Noch vielmehr sind aber gewiß die Heiligen bemüht, Jenen, die der nämlichen Tugenden sich befleißen, worin sie selbst sich einstens ausgezeichnet hatten, auf ganz besondere Weise behülflich zu sein, wenn fie ihrer Fürbitte sich empfehlen. Darum nimm deine Zuflucht zuerst und vertrauensvoll zur seligsten Jungfrau Maria, die in ihrer Demuth sprach: Sich, ich bin eine Magd des Herrn." Dann rufe den heiligen Apostel Petrus an, der zu Jesus sagte:„ Herr, gehe von mir hinweg, denn ich bin ein Sünder!" und den heiligen Paulus, der, ob er gleich bis in den dritten Himmel verzuckt wurde, doch eine so niedrige Meinung von sich hatte, daß er schrieb: Jesus ist gekommen zur Errettung der Sünder, unter denen ich der größte bin." Aloysius war, wie man aus den angeführten, von ihm selbst niedergeschriebenen Bemerkungen absieht, der Demuth von ganzem Herzen zugethan. Er bewies aber auch durch Wort und That, daß diese Tugend das Fundament seiner Frömmigkeit war. Niemals that oder redete er etwas, das auch nur ent 140 Kap. 24. Aloyslus tiefe Demuth. fernt zu seinem Lobe hätte verstanden werden können. Mit aller Sorgfalt hielt er seine frühere Stellung in der Welt, seine Geburt und Ansehen, seine Talente und Alles geheim, was ihm Ehre und Bewunderung hätte verschaffen können. Er vermied alle Auszeich nung und erröthete bei jedem Lobspruche. Man konnte ihm feine größere Unannehmlichkeit bereiten, als wenn man in seiner Gegenwart mit Anerkennung von dem Hause Gonzaga oder von seinen natürlichen Gaben und Eigenschaften sprach. Obgleich er sonst bei Allem vollkommene Gleichmuth bewahrte, so war er doch bei dergleichen Anlässen für ein Mißvergnügen empfänglich, und er bedauerte darum oft, von einer so vornehmen Familie abzustammen. Insbesondere war es ihm auch sehr lästig, wenn man ihn wegen seinen Reden und Vorträgen oder sonstigen Kenntnissen ehrte und lobte, weil er sich dessen aufrichtig nicht würdig hielt. In seinen Gesprächen gab er Jedem gerne nach und richtete sich freudig nach dem Willen oder der Bequemlichkeit Anderer. Wenn er auch mit untergeordneteren Personen ausgieng, so ließ er ihnen doch den Ehrenplat- voraus oder zur Rechten mehrmals that er dieß sogar, als er mit dem Koch des römischen Collegiums ausgieng. Er wußte allemal so viel Gründe vorzubringen, daß seine Begleiter, obgleich ungern, doch seinem Wunsche nachgaben. Die Obern verboten es ihm aber, Aloyfius tiefe Demuth. 141 weil er seine geistliche Würde höher achten müsse als seine Demuth. Beim Tische nahm er am liebsten den Platz dessen ein, der ges rade in der Kirche helfen mußte, und wußte die Obern zu überzeugen, daß er nicht am Tische der Genesenden zu essen brauche, wo zu man ihn anhalten wollte. Er sagte: er habe nur die Pflicht zu leben wie die andern Brüder, und kenne darum keine Besorgniß wegen Krankheit, die ihn bei Erfüllung der obliegenden Pflichten treffen könnte. Es wohnten in dem römischen Collegium ungefähr 200 Personen, weßhalb nicht alle, sondern nur die Obern, Priester und Profefforen besondere Zimmer hatten. Dem Aloyfius wollte man jedoch wegen seiner schwächlichen Gesundheit ein eigenes Zimmer anweisen; allein er stellte den Obern sehr überzeugend vor, daß es besser sein würde, wenn man ihn wie die Uebrigen behandle. Es wurde ihm willfahren; dagegen sah er andere Wünsche abgeschlagen. So hätte er gerne eine Stelle als Präfekt am Seminar gehabt, weil man da in beständiger Unterwürfigkeit leben muß, und sehr vielen Unannehmlichkeiten ausgesetzt ist. Er trachtete auch, nach Beendigung seiner Studien, eine Lehrerstelle an der untersten Klasse zu erhalten, um Gelegenheit zu bekommen, sowohl manche junge Pflanze zur Tugend und Frömmigkeit heranziehen helfen, als auch beständig in der Des muth sich üben zu können durch die niedere 442 Kap. 24. Aloysius tiefe Demuth. Stelle, die er einnehmen würde. Keines wurde ihm gewährt, weil die Obern dazu ihn für zu wenig gesund hielten. Im Hause befand sich keine so gemeine und niedrige Beschäftigung, der er sich nicht freudig unterzogen hätte. Am Montag und Dienstag halfen gewöhnlich Einige um die Zeit des Effens in der Küche; sie hatten hauptsächlich die Schüsseln, die aus dem Speisesaal kamen, zu reinigen und das Uebriggebliebene an die Armen zu vertheilen. Wenn nun Aloysius dieß Geschäft erhielt er bat oft darum- so verrichtete er es ebenso gut als freudig. Auch sonst verrichtete er alle Tage nach den Lehrstunden irgend eine kleine gemeine Arbeit, indem er z. B. sein oder ein anderes Zimmer, oder einen Gang 2c. reinigte. Lange Zeit besorgte er sogar die Lampen des Hauses. Obgleich nun diese und ähnliche in dem Hause übliche Dinge gerade nichts Staunenswerthes an sich haben, so sind sie doch sehr beachtenswerth geworden, durch die vollkommene Art und Weise, wie Aloysius sie verrichtete, und durch die heilige Gesinnung, welche er dabei hatte.. - 25. Kapitel. Aloysius geistlicher Gehorsam. Wenn die Demuth jene Tugend genannt werden kann, kraft deren man sich von sich selbst losmacht und dem eigenen Willen abstirbt, so ist der Gehorsam die Tugend, Aloysius geistlicher Gehorsam. 143 mit der man sich Gott hingibt und seinem Willen unterwirft. Zur wahren Demuth muß daher gleichsam als Ergänjung kindlicher Gehorsam hinzukommen. Das war nun bei Aloysius in schönster Weise der Fall. Sein Gehorsam hatte sogar eine solche Stufe der Bollkommenheit erreicht, daß er sich nicht erinnerte, den Willen der Obern je übertreten zu haben, außer wenn er hie und da gegen das Verbot zu lange in seinen Andachtsübungen verweilte und sich gleichsam vor Inbrunst vergaß was jedoch in Folge seiner großen Achtsamkeit ihm selten begegnete. Er suchte auch in diesem ihm schwierigsten Punkte vollkommen dem Willen der Obern nachzukommen und vermied deßhalb sorgsam die Gelegenheiten, wo er zu sehr in die Betrachtung sich vertiefen und von der Andacht hingerissen werden konnte, so daß er über die gestattete Zeit darin verweilen würde. Immer und in allen Fällen stimmte nicht bloß sein Wille, sondern auch seine Meinung und sein Urtheil mit dem der Obern überein. Niemals fragte oder hatte er auch nur ein Verlangen nach dem Warum eines Befehles. Es genügte ihm, zu wissen, daß es ein Befehl des Obern sei, und eben deßhalb stimmte er ihm sogleich bei und erfüllte ihn. Zu solch pünktlichem und vollständigem Gehorsam brachte er es, weil er alle seine Obern als Stellvertreter Gottes betrachtete.„ Die Menschen sind offenbar verpflichtet ,,, sagte er," Gott dem Unsichte - 144 Stap. 25. Aloysius geistlicher Gehorsam. baren zu gehorchen. Da sie nun seine Be fehle nicht unmittelbar von Ihm empfangen fönnen, fo fest Er auf Erden die Vorgesetzten als seine Stellvertreter ein und als Lehrer und Verkünder seiner Gebote. Durch fie thut Er uns seinen Willen kund und will darum auch, daß wir sie hören und ihnen folgen, wie wenn Er es Selbst wäre." Aus dieser feiner Ueberzeugung gieng auch hervor, daß er mit Ehrerbietung und Achtung, mit Wil ligkeit und Freude alle Befehle aller seiner Obern aufnahm und vollführte. Mochte der Auftrag von einem gelehrten oder unwissenden, von einem heiligen oder unvollkommenen, von einem dazu befugten oder nicht befugten Vorgeseßten kommen- Allen leistete er gleichen Gehorsam, weil er in Jedem den Stellvertreter Gottes erblickte. Jemanden aber zu gehorchen aus einem andern als übernatürlichen Grunde, hielt er für Unverstand und Geistesschwäche. Ferner trug er sogar Bedenken, ob die Obern, wenn sie wegen der Schwäche und Unvollkommenheit Einzelner für ihre Befehle menschliche Gründe angaben, den Untergebenen nicht schaden möchten. Die Vorgesetzten sollten nach seiner Ansicht und seines Herzens Wunsch stets ganz unabhängig handeln und bei allen ihren Unternehmungen keinen andern Beweggrund walten lassen, als den: Alles zur größern Ehre Gottes." Sie brauchten bloß zu sagen: Es verlangt es nach unserer Ueberzeugung der Dienst Gottes und Aloysius geistlicher Gehorsam. 145 feine Ehre, daß du dorthin gehest, dieses Geschäft verrichtest- gehe also mit dem Segen Gottes! Wenn die Vorgesetzten so handeln, sagte Aloysius, zeigen sie zu ihren Untergebenen das Zutrauen, daß sie gute, gehorsame Christen seien. Sie gewöhnen diefelben dadurch auch zu pünktlichem Gehorsam und geben ihnen Gelegenheit, bei ihrem Gehorsam mehr Verdienst zu haben, welches dagegen geringer ist, wenn man durch menschliche, natürliche Gründe überzeugt und bewogen gehorsam ist Weil er seinen Willen so ganz zum Opfer gebracht hatte, so lohnte ihm dieß Gott auf eine eigene Weise. Es traf sich nämlich, durch das Walten der göttlichen Vorschung, daß Aloysius oft gerade das befohlen wurde, was er aus Andacht oder Eingebung Gottes gewünscht hätte oder doch sehr gerne thun wollte. So hieß ihn der Obere einmal die sieben Kirchen Roms besuchen, ganz gegen den allgemeinen Gebrauch, aber zur Erfüllung eines stillen Wunsches des Aloysius, der daraus mit Freude wahrnahm, daß Gott auch in kleinen Dingen um ihn besorgt sei. Hatte er das Unglück, je einen Verweis von seinen Obern zu bekommen, so hörte er ihn mit unbedecktem Haupte und niedergeschlagenen Augen an, und nahm das Gesagte tief zu Herzen. Als ihm einmal ein Verweis gegeben wurde, weil er mehrmal, in Andacht versunken die ihm vorgeschriebene Zeit überschritten hatte, wurde er davon so ergriffen, 10 146 Kap. 25. Aloysius geistlicher Gehorsam. daß er in Ohnmacht fiel. Kaum wieder zu sich selbst gekommen, warf er sich auf die Kniee nieder und bat mit Thränen in den Augen so demüthig um Verzeihung, daß man ihn wieder aufzustehen nöthigen mußte. Mit solchem willigen und pünktlichen Gehorsam beobachtete Aloysius auch alle Regeln feines Standes und Hauses. Er hielt auch die kleinsten so gewissenhaft, als mache er sich durch Uebertretung derselben eines groben und schweren Verbrechens schuldig. Bon ihrer Beobachtung ließ er sich durch Niemanden abwendig machen. Dieß bewies er z. B., als er eines Tages einen Verwandten besuchte. Als dieser ihn zum Mittagessen zurückhalten wollte, sagte Aloysius zu demselben, obgleich er Kardinal war, er fönne die Einladung nicht annehmen, weil es wider die Regel sei. Ein andermal bat ihn sein Zimmergenosse um einen Bogen Papier zu einem Briefe. Weil aber die Regel alles Leihen oder Weggeben ohne Erlaubniß verbietet, gab Alloysius feine Antwort, gleich als habe er die Frage nicht gehört, gieng aber sogleich zum Obern und bat um die Erlaubniß, das gewünschte Papier hingeben zu dürfen. Hierauf fehrte er in sein Zimmer zurück und sagte zu seinem Mitbruder:„ Ich glaube, du hast mich um Papier gebeten- hier hast du eines."" Bei solchem Eifer und solcher Entschie denheit ist es begreiflich, daß er z. B. zwei sehr schwere Regeln gar nie übertrat fo - Aloysius heilige Armuth. 147 lange er im Orden lebte nämlich die Regel des Stillschweigens und die, lateinisch zu reden. - 26. Kapitel. Aloyfius heilige Armuth. Der eifrige Jüngling hatte schon, so lange er noch in der Welt war, keine Freude an zeitlichen Gütern und Eitelkeiten, sondern wählte wo er konnte das Geringere, und erschien stets so einfach als möglich. Als er aber in die Gesellschaft Jesu eingetreten war und sich in dem wahren Hause der christlichen Armuth wie er zu sagen pflegte - be entlefand, suchte er sich von gar Allem zu digen und vollkommen arm zu sein. Von nichts, was sein besonderes Eigenthum hätte heißen können, wollte er mehr etwas wissen. Er trug keine andere Kleidungsstücke, als der Gesellschaft gehörige; eigene Bücher zu seinem besondern Gebrauch nahm er feine an; keine Uhr, fein nicht gerade nothwendiges Geräth hatte er in seinem Zimmer; er besaß auch keinen werthvollen Rosenkranz und gab gerne den Andern, was er zur Andacht Dienliches besaß. Er hatte keine werthvolle und schön verzierte Gemälde, sondern begnügte sich mit gewöhnlichen Bildern, die er in seinem Zimmer hatte. Es befanden sich aber daselbst nur zwei ganz einfache Kupferstiche, die er auf die Bitten und Vorstellungen seiner Mit- 148 tap. 26. loysius Henige Armuth. brüder mit Erlaubniß der Obern annahm. Sie stellten den heiligen Thomas von Aquin und die heilige Katharina vor, die er beide besonders verehrte, weil er die Schriften jenes gelehrten Heiligen studierte und am Festtage der heiligen Märtyrin in's Kloster getreten war. Er wollte sogar im Brevier keine Bilder haben, die man sonst als Zeichen einzulegen pflegt. Es geschah oft, daß Andere aus Achtung ihm religiöse Gegenstände anboten und beinahe aufdringen wollten; aber er suchte die Annahme wo möglich auf eine höfliche Weise abzulehnen; mußte er aber befürchten, das durch die Personen zu betrüben, die ihm etwas verehren wollten, so nahm er ihre Geschenke an, übergab sie aber sogleich den Obern oder bat sie um die Erlaubniß, bei der ersten besten Gelegenheit frei über dieselben verfügen zu dürfen. Gar nichts Zeitliches zu besigen, ebenso wenig etwas zu wünschen, und überhaupt von allem Irdischen frei und ledig zu sein das war seine einzige Freude. Und diese seine Freude an der vollkommenen christlichen Armuth war größer, als die Freude irgend eines Weltmenschen sein kann über alle Schäße der Erde. - Auch in der Kleidung bewies er seine wahre, innerliche Armuth- die Armuth im Geiste. Denn mochten die Kleider, die man ihm gab, zu kurz oder zu lang, zu weit oder zu eng ſein, er sagte nie etwas deßhalb. Wenn der Aloyfius heilige Armuth. " 1 Schneider irgend ein neues Kleidungsstück brachte und fragte, ob es recht sei, sagte Aloysius, der nie darauf achtete:„ Es scheint, daß es wohl zu gut ist." Wenn man ihn frei wählen ließ, nahm er stets das mindeste und hatte eine besondere Freude darüber. Er wollte hiedurch einer Regel des Hauses vollkommen Genüge leisten, die also lautet: „ Jeder soll die Ueberzeugung haben, daß unter allen Dingen des Hauses die geringsten ihm gegeben seien zur größern Abtödfung und zum Nußen seiner Seele." Er sagte darüber gleichsam zur Erklärung: Wie ein Bettler, wenn er um Almosen bittet, wohl denkt, man werde ihm zu seiner Bedeckung nicht die besten, sondern die schlechtesten Kleidungsstücke geben; so sollen auch die, welche wirklich das Gelübde der Armuth abgelegt haben, glauben und erwarten, daß ihnen nur das Geringste gegeben werde." Was er hiemit aussprach, erfüllte er in der That auch auf's vollkommenste; denn er lebte im Kloster so anspruchslos und genügsam, wie es kaum ein Armer gethan hätte, den man von der Straße in's Haus aufgenommen. Er machte auf gar nichts Anspruch, sondern sah Alles als besondere Begünstigung an, und drückte durch diese innere Armuth der äußern den Stempel der Vollkommenheit auf. 149 150 Kap. 27. Aloystus englische Reinigkeit 27. Kapitel. Alloysius englische Reinigkeit und sein großer Bußeifer. Es ist früher schon erzählt worden, auf welch vollkommene Weise der fromme Jüng ling sich in der Tugend der Keuschheit ausgezeichnet habe. Auch fortan war dieselbe in höchstem Grade ihm eigen. Niemals verletzte er diese höchste Gabe des Leibes und der Seele auch nur im mindesten. Er war gleichsam aus dem Fleische herausgetreten und über die menschliche Natur hinausgeschritten; denn, obwohl in seinem Körper verweilend und von gebrechlichem Fleische umgeben, fühlte er den Stachel des Fleisches doch nicht. Er war in der That durch seine reinste Jungfräulichkeit ein Engel im Fleische und hatte fraft seiner mackellosesten Reinigkeit hienieden schon das himmlische Bürgerrecht, das sonst nach Ablegung der irdischen Hülle den Heiligen erst im Himmel zu Theil wird. Wie er einst an den Höfen der Vornehmen und im Umgang mit vielerlei Menschen, umgeben von Lustbarkeiten und Gefahren verschiedener Art, nie die heilige Scham verletzt, sondern wie eine Rose mitten unter den Dornen blühte, so leuchtete er jegt im Kloster Allen vor durch den Glarz seiner Reinigkeit, und erschloß sich dem Lichte der himmlischen Gnade wie eine herrliche Lilie im Garten Gottes. Wer immer ihn näher fennen lernte und besonders in die Tiefe fei und sein großer Baßeifer. 151 nes Herzens zu blicken Gelegenheit hatte, mußte sich freudig der Worte der Weisheit erinnern:„ wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze!"( Weis. 4, 1.) Wie Aloysius durch seine englische Reinigkeit die Verehrung und Liebe Aller sich erwarb, so wurde Jedermann von seinem heiligen Bußeifer mit Staunen und Bewunderung erfüllt. Er war so streng und unermüdlich in körperlichen Bußübungen und Abtödtungen, daß er sicherlich sein Leben verkürzt hätte, wenn ihm von den Obern nicht Mäßigung anbefohlen worden wäre. Hie und da machten ihm Einige, die seine schwächliche Gesundheit kannten und Mitleiden mit ihm hatten, Vorwürfe und äußerten ihr Befremden darüber, daß er sich nicht scheue, den Obern beständig durch Bitten um Auferlegung oder Gestattung von Bußwerken lästig zu sein. Er sagte ihnen aber ganz bescheiden und sanft: er kenne feinen schwächlichen Körperbau wohl, fühle aber doch eine ganz besondere Neigung zu dergleichen Bußübungen und glaube deßhalb, daß die Obern, die all' dieß gut wüßten, ihm nur das gestatten, was Gottes Wille ist, das andere aber abschlagen. Bisweilen habe er allerdings schon um solches gebeten, wovon er wohl eingesehen, daß es ihm versagt würde; aber er habe denn doch den guten Willen und das erfahrene Hinderniß Gott zum Opfer bringen können, und selbst Nußen daraus gezogen durch die Demüthigung, sowohl da er abge 152 Kap. 27. Aloyfius englische Reinigkeit wiesen worden, als auch von Manchen verkannt werde, die ihn für unbescheiden halten. Einmal drückte Jemand dem Aloysius sein Befremden darüber aus, daß er auf die Worte der frommen und ehrwürdigen Bäter so wenig halte, die ihn so oft zur Mäßigung in sei nen Bußwerken und andern frommen Uebungen ermahnt hatten. Da antwortete Aloysius ohne alle Umschweife offen und bescheiden und sagte: Zweierlei Personen rathen mis dieß: die Einen führen ein so heiliges und vollkommenes Leben, daß ich gerne gar Alles an ihnen nachahmen möchte, und darum habe ich auch schon mehrmals den Entschluß gefaßt, ihrem Rathe zu folgen; allein da sie ihn selbst nicht beobachten, so dachte ich, es sei noch besser, ihrem Beispiele zu folgen als ihrem Rathe, den sie mir aus zu großem Mitleiden und aus Liebe geben. Die Andern befolgen allerdings den Rath, den sie mir ertheilen, weil sie eben diesen Bußübungen nicht sehr zugethan sind; aber ich will doch lieber das Beispiel der Erstern als der Lezztern nachahmen:" zudem zweifle er sehr, ob die menschliche Natur ohne Abtödtung und Bußübungen längere Zeit in gutem Zustande sich erhalten könne, oder nicht vielmehr von ihrer geistigen Erhebung herabsinken würde. Oft verglich er sich mit einem frummgebos genen Eisen und sagte, deßhalb sei er auch in's Kloster gegangen, um es durch den Hammer der Buße und Abtödtung wieder gerade und sein großer Bußeifer. 153 zu machen. Er gab wohl zu, daß die christliche Vollkommenheit vorzugsweise im Innern bestehe, weßhalb man mehr den Willen, als den Leib zu bezähmen bemüht sein müsse; allein er achtete eben doch dafür, daß jenes Eine zu thun sei, das Andere aber nicht unterlassen werden dürfe. So haben es auch die Heiligen gemacht und besonders der heilige Ignatius aus der Gesellschaft Jesu, der in den Vorschriften für die Ordensbrüder nichts Bestimmtes angeordnet habe über die Abstinenzen, Fasten, Abtödtungen und förperlichen Bußübungen, weil er dafür hielt, daß sie diesen Uebungen aus eigenem Antriebe nachkommen würden, und eher zurückgehalten als aufgemuntert zu werden brauchten. Wenn die Obern dem eifrigen Jünglinge irgend eine körperliche Bußübung und Abtödtung versagten, so verrichtete er dafür ein innerliches Gebet oder besuchte das allerheiligste Altarssakrament, oder suchte auf irgend eine andere weniger anstrengende Weise ein Werk der Buße zu verrichten. Da ihm die Obern die Bußkleider, die Geißelung und strenges Faften im Allgemeinen nicht gestatteten, so suchte er andere Abtödtungen zu üben, die seiner schwächlichen Gesundheit und dem Willen seiner Vorgeseßten entsprachen. Auffallend konnte es nun wohl scheinen, daß der strenge Jüngling auf Abtödtung seiner Leidenschaften nicht so viel Aufmerksamkeit verwendete, als man erwarten mochte. Allein 154 Kap. 27. Aloysius englische Reinigkeit zc. das scheint nur so, weil er seine Leidenschaften so gänzlich unterdrückt und vernichtet hatte, daß er gleichsam gar keine mehr hatte und darum keine besondere Sorgfalt zu ihrer Beherrschung anzuwenden brauchte. Uebrigens wachte er dennoch mit der größten Alengstlichkeit auch über die leisesten Regungen seines Innern was aber äußerlich nicht so bemerkbar war. Wenn er etwa wahrnahm, einen Fehler begangen zu haben, so betrübte er sich nicht übermäßig, demüthigte sich aber sogleich in der Gegenwart Gottes und bat kindlich flehend die göttliche Barmherzigkeit um Verzeihung; damit verband er den Entschluß, alsbald darüber sich anzuklagen, und den Vorsaß, denselben Feh ler mit der Gnade Gottes nicht mehr zu begehen Hierauf beruhigte er sich. Aloysius hatte dieses gottgefällige Mittel zur Vollkommenheit und gegen die List Satans von seinem Novizenmeister gelernt und durch die Anwendung als heilsam erfunden.„ O Herr! Du siehst, wie gebrechlich und elend ich bin und wie leicht ich falle. Verzeihe mir, o Herr! und verleihe mir die Gnade, nicht mehr zu fehlen." Das waren meistens seine Worte nach einem etwaigen Fehltritte. Allzugroße Betrübniß und kleinmüthige Zaghaftigkeit wegen eines Fehlers hielt er mit Recht für ein Zeichen des Mangels an Selbstkenntniß und an Demuth; denn Jeder, der sich selbst fennt, muß wissen, daß er ein gebrechliches, sünd- Aloysius Nächstenliebe. 155 haftes Geschöpf ist, und darf darum sich nicht überschäßen oder für unfehlbar halten. Ganz besondere Aufmerksamkeit verwendete Aloysius auch noch darauf, den Ursprung und die Quelle seiner Gedanken und Wünsche auf zusuchen, um diese nach der Beschaffenheit jener ficher beurtheilen zu können. Daher kam es denn, daß er in seinen Beichten ganz deutlich und bestimmt die verschiedene Schwere seiner Sünden anzugeben wußte und höchst selten im Zweifel war, ob dieß oder jenes wirklich mangelhaft oder fündhaft sei. 28. Kapitel. Aloysius Nächstenliebe. Wahre Gottesliebe kann nicht bestehen ohne wahre Nächstenliebe; und wer für sein eigenes Seelenheil aufrichtig besorgt ist, kann unmöglich gleichgültig sein gegen Andere, besonders Unglückliche. Dieß zeigte sich auch an Aloystus. Er hätte gerne Allen Alles werden mögen. Darum war es insbesondere sein heiBester Wunsch, in den Spitälern den Kranken" dienen, ihre Betten machen, ihre Zimmer reinigen, ihnen Speise und Arzneien reichen, ste zur Geduld und Buße ermahnen zu können. Er suchte deßhalb um die unbeschränkte Erlaubniß nach, alle Strankenzimmer besuchen zu dürsen, und bewies nun den größten Eifer und die beispielloseste Pünktlichkeit in Erfüllung dieser Liebespflichten; er war unermüdlich in 156 Kap. 28. Aloysius Nächstenliebe. ihrer leiblichen Abwartung und benußte dazu auch jene Zeit, in der ihm wegen seinen Kopfschmerzen von den Obern das Studieren untersagt war. Noch größere Sorgfalt verwendete er auf ihre geistige Pflege. Es war früher schon im väterlichen Hause und auch im Kloster immer noch sein Lieblingswunsch), als Missionär nach Indien zu gehen. Da er die Unmöglichkeit aber wohl einsah, so suchte er wenigstens in seinem Hause den Ordensbrüdern so nüglich als möglich zu werden. Sein herrliches Beispiel jeder Tugend leuchtete den Andern vor und war die lauteste, eindringlichste Predigt. Zudem entschloß er fich, mit der Obern Erlaubniß, in den Erholungsstunden Mittags und Abends nur von geistlichen Dingen zu reden, und dadurch alle unnügen Gespräche zu verdrängen. Er gewann einige Mitbrüder für seine Ansichten und führte mit ihnen, die dazu bereit waren, sein Vorhaben genau aus. Wenn er Jesuiten traf, die jünger als er waren, so redete er sie freundlich an und begann mit ihnen ein erbauliches Gespräch, das fie gerne fortführten, weil sie bald merkten, wie nüßlich dieß ihnen sei. Kam er zu Priestern oder sonst erfahrnen Personen, so bat er sie über irgend einen geistigen und religiösen Bunkt um Rath und Auskunft, und wußte von da aus die Unterhaltung auf Gott hinzulenken. Mit Eifer und Geschick suchte er immer und überall die weltlichen Unterredungen Aloysius Nächstenliebe. 157 durch geistliche zu verdrängen, so daß Jedermann, der ihn kommen sah, schon wußte, daß er von nichts Anderm sprechen werde, als von Gott und geistlichen Dingen; und wenn die Unterhaltung etwa zufällig von etwas Anderm handelte, wurde sie jedesmal sogleich abgebrochen, um ihn zufrieden zu stellen. Gelbst seine Obern machten es so. Er verstand es ganz besonders, mit den jungen Religiosen fromme Gespräche einzuleiten, und sie, die geistig vorwärts schreiten wollten, anzuziehen und zu gewinnen. Wenn Einer aus dem Noviziate oder anderswoher in das Collegium kam, um zu studieren, so wandte Aloysius Alles an, sowohl selbst als durch einen vertrautern Freund des Neuangekommenen, daß er den Eifer und die gute Gesinnung, die er mitgebracht, auch bewahren möchte. Gleich in den ersten Tagen .suchte er mit ihm umzugehen und vertraut zu werden, und überzeugte ihn von seiner Liebe und Bereitwilligkeit, in jedem guten Streben mit Rath und That ihm behülflich zu sein. Wenn er wahrnahm oder wenigstens vermuthete, daß Einer im Kloster geistiger Hülfe bedürfe, fo ließ er sich's angelegen sein, ihm näher zu kommen, und mehrere Tage, ja Wochen lang die Erholungsstunden mit ihm zuzubringen. Glaubte er dann, ihn bis zu der nöthigen Stufe der Tugend und Vollkommenheit gebracht zu haben, so zog er fich allmählig von ihm zurück. Zuvor ermahnte er ihn aber, in ſeinem Umgange eine gute Aus 158 Kap. 28. Aloysius Nächstenliebe. wahl zu treffen und bezeichnete dazu sogar einige für ihn besonders passende Mitbrüder. Die Andern forderte er auf, bei jeder Gelegenheit sich mit ihm zu unterhalten. Wenn er mit Einem fertig war, begann er das löbliche Geschäft der Rettung mit einem Andern, und zwar mit solchem Erfolge, daß er sogar in den Kältesten ein himmlisches Feuer anzufachen und heiligen Eifer im Collegium zu verbreiten wußte. Es waren in demselben mehr als 200 Personen, die in den Erholungsstunden in kleinere Parthien sich sonderten und die Erholung zu geistlichen Zusammenkünften umgestalteten, in denen viel Gutes gewirft wurde. Man theilte sich da gegenseitig die geistigen Erfahrungen mit und die im Gebete gewonnenen Erkenntnisse, so daß Jeder an dem Guten des Andern Theil nahm. Dieß geschah stets so bescheiden und liebevoll, daß zuleßt Keiner mehr nach der Erholung hätte auf sein Zimmer gehen mögen, ohne von Gott und religiösen Dingen gesprochen zu haben. Solche Gespräche führten sie auch auf Spaziergängen, wo sie zu zwei oder je vier und vier zusammengiengen. Zur Zeit der Herbstferien, in den Monaten September und Oktober wurden die Studierenden nach Frascati geschickt zur Erholung. Da nahm nun der Eine immer mit Erlaubniß der Obern- die Nachfolge Christi von Thomas von Kempis mit, der Andere - Moysius Nächstenliebe. die Lebensbeschreibung des heiligen Franzis kus, des heiligen Ignatius oder der heiligen Katharina von Siena; Andere die Jahrbücher des Dominikaner- oder Franziskanerordens, oder die Selbstbekenntnisse des heiligen Augn= stin, oder die Psalmen, erklärt vom heiligen Bernhard. Solche, die im geistigen Leben weiter fortgeschritten waren, lasen die Lebensbeschreibung der seligen Katharina von Genua. Mit diesen Büchern versehen giengen sie zwei oder drei miteinander- aus und erzählten sich beim Spaßierengehen von den Früchten ihres Lesens. Bisweilen versammelten sich ihrer zehn bis zwölf auf einer freien Anhöhe des nahe liegenden Waldes und hielten da gemeinsame geistliche Unterredungen mit solcher heiligen Freude und Begeisterung, daß man fie für Engel des Himmels hätte halten können. Auf diese Weise dienten die Ferien zu Frascati zur Erholung und Stärkung des Geistes nicht weniger als des Leibes. Der Urheber und Mittelpunkt jenes bewunderungewürdigen Wetteifers war Aloysius, den auch Alle liebten, aufsuchten und anhörten. Was ihn besonders liebenswürdig machte, war, daß er sich mit Klugheit in Ort und Zeit zu schicken, und, ob auch ernst in Wort und That, doch sanft, liebreich und freundlich mit Jedermann zu sprechen wußte; ja bisweilen flocht er sogar Wißiges und Launiges in seine Rede, oder erzählte irgend eine unterhaltende Geschichte immer aber innerhalb - 159 - 160 Kap. 29. Aloystus als Friedensstifter. der Gränzen der klösterlichen Bescheidenheit. - Auf die angegebene Weise verlebte Aloysius die ersten 30 Monate im römischen Collegium. 29. Kapitel. Aloysius als Friedensstifter. Um jene Zeit bekam nun Aloysius ein äußerst schwieriges Vermittlungs- Geschäft. Horattus von Gonzaga, Herr von Solfarino, war kinderlos gestorben, und des Aloysius Bruder Rudolf, Markgraf von Castiglione, wollte als rechtmäßiger Erbe jenes Gut in Besig nehmen; allein der Herzog von Mantua, von Horatius durch Testament damit beschenkt, kam ihm zuvor. Da dieses Besißthum aber ein Reichslehen war, so reiste die Markgräfin von Castiglione nach Prag, um Recht vom Kaiser zu erlangen, der auch wirklich ein günstiges Urtheil sprach; allein damit war der Streit eben noch keineswegs beendigt, vielmehr wurde er immer verwickelter und bedenklicher durch allerlei Zuwüchse. Selbst der Erzherzog Ferdinand, Bruder des Kaisers Maximilians, brachte keine Aussöhnung und Vermittlung zu Stande. Seine Mutter Eleonora und die Markgräfin von Gonzaga, die Mutter Rudolfs, kamen endlich auf den Gedanken, Aloysius rermöchte wohl am besten den ersehnten Frieden wieder herzustellen; denn sie wußten, wie geachtet und geliebt er vom Herzog sei, und welchen Einfluß er auf seinen Aloysius als Friedensstifter. 161 Bruder ausübe, dem er Alles abgetreten hatte. Sie wendete sich also nach Rom ohne Wissen ihrer Söhne an Aloysius und seine Obern. Aloysius hatte aber Abneigung gegen Alles, was ihn an genauer Erfüllung seiner Ordensregel hinderte und hatte Grund zu glauben, er würde nur Zeit und Mühe nußlos verlieren; deßhalb wollte er sich nicht gerne dazu verstehen. Er empfahl die Sache im Gebete Gott an und er holte sich Raths bei seinem Beichtvater. Dieser bat Gott ebenfalls um Erleuchtung und sagte dann zu Aloysius folgende merkwürdige Worte: ,, Gehe, Aloysius, Ich glaube, daß dieß zur Ehre Gottes gereichen wird." Auf diesen Bescheid hin entschloß sich Aloysius, ohne Bedenken und einzig das zu thun, was der General ihn heiße. Als er bald darauf sein zweites Jahr des Studiums der Theologie beendigt und sich mit seinen Mitschülern in die Ferien nach Frascati begeben hatte, brachte ih sein Beichtvater vom Pater General einen Befehl, des Inhalts, sogleich nach Rom zurückzukehren und von dort nach Mantua und Castiglione zu reisen. Nach einer Viertelstunde war er schon reisefertig und eilte wohlgemuth nach Rom; dort nahm er bald vom Pater General und von den verwandten Kardinälen Abschied. Bei Einem fant er in Ohnmacht und mußte auf in Bett hingelegt werden. Als er wieder zu ich selbst gebracht war, wurde er zu größerer Schonung für seine Gesundheit ermahnt und 11 162 Stap. 29. Aloysius als Friedensstifter. verpflichtet, in diesem Stücke ganz dem besonnenen und klugen Mitbruder zu gehorchen, der ihm als Begleiter auf der Reise war beigesellet worden. Am 12. September 1589 reiste er von Rom ab, und verrichtete auf der ganzen Reise alle feine gewöhnlichen- mündlichen wie innerlichen Gebete, und unterhielt sich mit seinen andern ungebildeten Begleitern über fromme und geistliche Dinge. Es machte ihm große Freude, Florenz wieder zu sehen, wo sein religiöser Eifer sich zuerst recht entwickelt hatte. Nach kurzem Aufenthalt sette er seine Reiſe fort, und wurde beinahe überall mit Freundlichkeit und Achtung behandelt. Nur in einer Herberge zwischen Bologna und Mantua war dieß weniger der Fall, indem der Gastwirth ihnen ein Zimmer anwies mit nur einem Bett. Sein Reisegefährte stellte dem Wirthe vor, daß Mönche nicht zu zwei in Einem Bette schlafen, und bat deshalb um ein zweites Allein der Gastwirth wollte sich eben nicht dazu verstehen, da er die übrigen Betten für Personen höheren Standes, die noch kommen fönnten, behalten müsse. Darüber ward der Reisegefährte unzufrieden und meinte, Ordenspersonen verdienen auch einige Achtung. Aloysius aber bat ihn, er soll von seinem Verlangen abstehen und sich nicht länger deßhalb beunruhigen. Da können wir ja die Armuth üben," sagte er zu ihm, ,, und wenn man uns unserm Stande gemäß als Arme be Aloysius als Friedensstifter. 163 handelt, so dürfen wir es nicht übel nehmen." Weil denselben Abend Niemand mehr kam, so erhielten sie doch noch ein Bett, wie es zu wünschen war. In Mantua angekommen, besuchte er zuerst die fromme Eleonora, Erzherzogin von Destreich, die schon hoch betagt war, und jetzt von der Kirche unter die Heiligen gezählt wird. Sie war sehr erfreut, Aloysius wieder zu sehen, und unterhielt sich mit ihm auf's erbaulichste. Von da reiste er nach Castiglione, wo er von seinem Bruder rührend empfangen und allgemein hoch in Ehren gehalten wurde, so daß er darüber sehr betrübt wurde. Seine Mutter empfieng ihn mehr wie etwas Heiliges, denn als ihren Sohn; sie wagte nicht ihn zu umarmen oder zu küssen, wie das mütterliche Herz ihr eingab, sondern sie ließ ihre Ehrfurcht über die Liebe siegen und empfieng ihn auf den Knieen. Dieß darf um so weniger befremden, als sie Aloysius noch als Kind schon wie einen Heiligen achtete und ihn gewöhnlich nur meinen Engel" nannte. Er brachte seine Zeit fast immer bei der Mutter zu, wobei sein Reisegefährte stets zugegen sein mußte. Sein Aufenthalt in Castiglione dauerte mehrere Tage, um sich genau zu unterrichten über die einzelnen Bunkte und Umstände des obwaltenden Streites. Unterdessen gereichte er allgemein zur Erbauung. Er gieng immer zu Fuß aus und machte keinen Gebrauch von 164 Kap. 29. Aloysius als Friedensftifter. dem Gefährt, das ihm Mutter und Bruder zur Verfügung gestellt hatten. Um die vielen Begrüßungen zu erwiedern, mußte er den Hut beständig in der Hand halten. Mit Jedermann ohne Unterschied des Standes gieng er um und zwar so bescheiden und freundlich, als wenn er der Geringste unter Allen wäre. Er verlangte von Niemanden, auch nicht von Angehörigen des Hauses, irgend einen Dienst, sondern wandte sich an seinen Gefährten, wenn er je etwas gan; nothwendig brauchte; denn er lebte so einfach, wie kaum ein um Gottes willen beherbergter Pilgrim. Selten verlangte er etwas, sondern wartete, bis ihm dasselbe angeboten wurde. Als nun der Winter kam, follte er auch eine andere Kleidung haben, wollte sie jedoch nicht von den Seinigen annehmen, sondern meldete schriftlich dem Pater Rektor des Collegiums von Brescia sein und seines Begleiters Bedürfniß, worauf er die nöthigen Kleidungsstücke bald erhielt und zwar schon gebrauchte, weil er keine neuen wollte. Wenn er mit seinem Bruder, dem Markgrafen, sprechen wollte, so wartete er wie die Andern im BVorzimmer auf die Stunde der Audienz und erlaubte nicht, daß er vorber angemeldet werde. War er bei seinem Bruder zu Tisch, so ließ er sich wie die Andern bedienen und wollte kein Aufsehen machen; bei seiner Mutter aber nahm er sich mehr Freiheit, da sie selbst nur das wollte, was ihm lieb war. Beim Essen wollte er Aloysius als Friedensstifter. 185 da nicht bedient werden, und ließ darum gleich anfangs Wein und Wasser vor sich hinstellen, wie es im Kloster üblich war, und achtete im Uebrigen gar wenig auf die Speisen. Wenn seine Mutter zu ihm sagte, nimm dieß oder das, so nahm er es und dankte- verkostete es aber nicht. Nachher sagte er dann manchmal zu seinem Begleiter:„ Owie wohl ist uns in unserm Kloster! an unsern einfachen gemeinen Speisen finde ich in der That mehr Geschmack, als an allen noch so delikaten, die man uns hier aufträgt." Er ließ beim Aus- und Ankleiden niemals sich helfen, er richtete sein Bett immer selbst zu und half seinem Gefährten nach, das seinige zu machen. Alle Zeit, welche seine Geschäfte übrig ließen, brachte er mit Beten zu verhältnißmäßig nur wenig unterhielt er sich mit seiner Mutter. Bei seinen Geschäften und auf seinen häufigeren Reisen, die er nach Brescia, Mantua und andern Orten machen mußte, diente ihm Alles dazu, sein Herz zu Gott zu erheben und fromme Betrachtungen anzustellen. Wo er hinkam, erregte er durch seine erhabenen Tugenden Bewunderung und Hochachtung gegen ihn und verbreitete Eifer und neues geistiges Leben. Als Aloysius hinlänglich über die näheren Umstände seiner Angelegenheiten unterrichtet war, begab er sich nach Mantua, um mit dem Herzog eine Verständigung zu Stande zu bringen. Bevor er jedoch mit den Menschen 166 Kap. 29. Aloystus als Friedensstifter. zu unterhandeln begann, hatte er die Sache schon in Gottes Gegenwart überdacht und Ihm anempfohlen, der die Herzen der Menschen leitet wie Wasserbäche. Und er hatte auch wirklich von Gottes Güte die Einsicht und den Segen dazu erlangt, wie der Erfolg bald bewies. Denn bei der ersten Unterredung mit dem Herzog, die etwa anderthalb Stunden dauerte, legte er den ganzen Streit bei und erlangte Alles, was er nur wünschen konnte. Obgleich der Herzog sehr aufgebracht war durch die bösen Nachrichten, die er über den Markgrafen erhalten hatte; obgleich er Aloysius als Bruder des Markgrafen der Partheilichkeit hätte zeihen und sonst Vorwände genug finden können, um das zu verweigern, was Aloysius verlangte; so ließ er sich doch durch dessen Aufrichtigkeit, heilige Absicht und Frömmigkeit einnehmen, daß er ihm zu thun versprach, was er wünsche. Einige Personen suchten die Aussöhnung zu hintertreiben oder hinauszuschieben; eine angesehene Person rieth dem Herzog, er soll die Aussöhnung erst später vollziehen, damit es scheine, er habe sich dazu verstanden aus Achtung gegen mehrere Fürsten, die ihm dazu riethen, nicht bloß dem Aloysius zu Gefallen. Der Herzog wollte aber Alles bald in Ordnung bringen, wie er sagte, und zwar bloß um des Aloysius willen, ohne welchen er sich hiezu nie würde verstanden haben. Aloysius nahm eine Abschrift von den Klagepunkten, die man gegen den Mark Aloysius als Friedensstifter. 167 grafen vorgebracht hatte, und kehrte damit nach Castiglione zurück. Der Markgraf rechtfertigte sich nun schriftlich Punkt für Punkt, von Aloysius unterstützt. Diese Rechtfertigung wurde nun von Aloysius selbst nach Mantua überbracht, und befriedigte den Herzog vollkommen. Da holte Aloysius seinen Bruder, den Markgrafen von Castiglione nach Mantua zum Herzog, der ihn mit Wohlwollen empfieng, zur Tafel einlud und den ganzen Tag mit ihm zubrachte. Darauf übergab der Herzog das Schloß und die Herrschaft von Solfarino dem Markgrafen, wo durch der Zwiespalt gehoben und die Freundschaft erneuert wurde. Nachdem Aloysius dieses wichtige Geschäft für die Welt glücklich vollbracht hatte, führte er noch ein anderes für den Himmel aus, das nicht weniger wichtig war. Sein Bruder Rudolf hatte sich schon vor einem Jahre verheirathet mit einem sehr reichen, aber nicht ebenbürtigen Fräulein. Allein damit die Heirath seiner Mutter und mehr noch seinem Oheim, Alphons von Gonzaga, unbekannt bleibe, hatte der Markgraf im Stillen beim Bischof um Dispens des öffentlichen Aufgebotes nachgesucht und ganz im Geheimen vom Pfarrer in Castiglione sich trauen lassen, vor den nöthigen Zeugen in der Schloßkapelle. Dieses Geheimhalten der Heirath veranlaßte natürlich nicht geringes Aergerniß und die schlimmsten Urtheile über das fittliche Verhalten 168 Kap. 29. Aloyfius als Friedensstifter. des Markgrafen. Aloysius war nun innerlich sehr beruhigt darüber, weil er sah, daß sein Bruder jedenfalls nicht in der furchtbaren Sünde lebte, wie die Leute meinten, welte nicht wußten, daß er kirchlich getraut war. Aber er war damit doch noch nicht zufrieden, sondern suchte den Markgrafen zu bestimmen, seine Heirath bekannt zu machen, um dadurch ein Aergerniß zu beendigen, wodurch Gott beleidiget, und er und seine Gattin vor der Welt entehrt würden. Der Markgraf versprach, dieß zu thun und Aloysius übernahm es, die Sache den nächsten Verwandten mit zutheilen und ihn mit denselben auszusöhnen. Aloysius erhielt auf alle seine Briefe an die Verwandten sehr befriedigende Antworten. Die Mutter nahm auf die Bitte des Markgrafen seine Gattin freundlich wie eine Tochter auf. Selbst der Oheim, Alphons von Gonzaga, der seine einzige Tochter eben mit seinem Neffen Rudolf gerne verehlicht hätte, gab sich darein. So ward von Aloysius dem Nergerniß ein Ende gemacht und der Friede erhalten. Er beschloß seine heilige Wirksamkeit in Castiglione mit einer Predigt, die er auf dringendes Bitten am Sonnabend vor Quinquagefima in einer Kirche hielt. Er ermahnte in derselben zum Empfange des heiligen Abendmahles und machte auf die zahllosen Zuhörer einen solchen Eindruck, daß alle Beichtväter bis spät in die Nacht hinein beichthören mußten. Am andern Morgen sah man die Mutter des Aloysius im Collegium zu Mailand. 169 Aloysius, seinen Bruder Rudolf und dessen Gattin an der Spitze der frommen Schaar, die über 600 Personen stark, zur heiligen kommunion kam. Nachdem Aloysius nun die Angelegenheiten seiner Familie glücklich geordnet hatte, reiste er den 12. März 1590 nach Mailand ab, wo er nicht geringeren Nußen ſtiftete. 30. Kapitel. Aloysius im Collegium zu Mailand. Aloysius war am 9. März in sein 23. Lebensjahr getreten, hielt sich im Collegium zu Mailand ungefähr zwei Monate auf und sette daselbst das Studium der Theologie fort, und diente, wie früher schon, dem ganzen Collegium zur Erbauung. Als er daselbst angekommen war, rief er aus:„ O welchen Trost gewährt es mir, daß ich wieder in ein Haus des Ordens eingetreten bin! denn mein Zustand ist jest dem eines frierenden Menschen ähnlich, der in ein warmes Bett gebracht wird. Es ist mir nämlich, als ob ich solchen Frost empfinde, wenn ich außer unsern Häusern bin, und eine so wohlthuende Wärme, wenn ich wieder in dieselben hineinkomme." Wie das Feuer eben immer erwärmet, das Licht immer hell macht und der Balsam Wohlgeruch verbreitet, so war es auch nicht anders möglich, als daß Aloysius durch seine liebevollen Worte ein himmlisches Feuer in den 170 Kap. 30. Aloysius im Collegium Herzen entzündete, durch seinen heiligen Wandel Allen vorleuchtete und durch seine hoher Tugenden Achtung und Wohlgefallen an der Frömmigkeit verbreitete. Es schien, als wolle er jeßt wieder hereinbringen, was er zu Castiglione an Abtödtungen und Bußübungen zu verrichten gehindert war. Mit wahrer Herzensfreude übte er, wo immer möglich, die Armuth und Demuth. Hatte er unter Tags einige Augenblicke frei, so half er mit Erlaubniß der Obern in der Küche und im Speisesaale. Um auch da durch Alles an Gott und seine Heiligen erinnert und erbaut zu werden, legte er den Tischen verschiedene Namen bei. So nannte er den Tisch, an welchem der Obere saß, den Tisch des Herrn, den nächsten den Tisch der seligsten Jungfrau Maria, die andern die der heiligen Apostel, Martyrer, Bekenner, Jungfrauen 2c. Wenn er dann den Tisch decken half, sagte er zum Gehülfen: Komm, wir wollen den Tisch des Herrn decken 2c. Das Besteck gehört auf den Tisch der seligsten Jungfrau 2c. 2c." Bei diesen Geschäften war er dann so freudig und eifrig, als wenn er den Herrn selbst bedienen würde. Mit besonderer Freude unterhielt er fich gerade mit den Niedrigsten und Einfältigsten, weil er da am freiesten über Gott und aus der Tiefe seines Herzens reden konnte. Auch war er stets bereit, Allen behülflich zu sein zum Wachsthum in der Frömmigkeit. Einst kam Einer aus dem Collegium seufzend zu Mailand. 171 zu ihm mit der Bitte um geistige Hülfe, da er sich sehr unvollkommen finde. Aloysius führte, um ihn zu trösten, die Worte des Psalmisten an:„ Deine Augen haben meine Unvollkommenheiten gesehen, doch in deinem Buche werden Alle aufgezeichnet werden." Er wollte ihm damit zu verstehen geben, daß wir bei Wahrnehmung unserer Unvollkommenheiten und Mängel wohl uns betrüben, aber doch auch wieder trösten sollen durch den Gedanken, daß wir dennoch von Gott in das Buch des Lebens eingetragen sind; denn Er kennt unsere Unvollkommenheit wohl und sieht sie uns barmherzig nach, um uns nicht zu verdammen, sondern nur zu demüthigen und eben damit in der Frömmigkeit weiter zu bringen. Obige Worte, von Aloysius in heiligem Eifer und mit Freundlichkeit gesprochen, gewährten dem Mitbruder heilsame Belehrung und großen Trost. 11 Ein andermal fragte ihn Einer, ob es schwer sei, daß ein Großer von den Eitelkeiten und Freuden der Welt sich losmache. Ganz unmöglich ist es," antwortete Aloysius ,,, wenn nicht unser Herr Jesus mit diesem Großen es macht wie mit dem Blindgebornen, dessen Augen Er mit Koth bestrich." Er gab damit dem Bruder zu verstehen, daß Gott selbst solchen Großen eine Geringschäßung der Welt einflössen müsfe, welche jene Dinge geringer achtet als Koth dann werden ihnen die Augen erst aufgehen, so daß sie sich davon loszumachen vermögen. 172 Kap. 30. Aloysius im Collegium Es war üblich, daß während den Fastnachtstagen cinige junge Jesuiten auf den öffentlichen Pläßen predigten. Aloysius wurde Einem derselben als Begleiter beigegeben. Da rief er nun voll Eifer das Volk zusammen und bat die Vorübergehenden, die Predigt des jungen Mönches anzuhören; und seine Demuth, Bescheidenheit und Freundlichkeit bewirkten auch, daß Unzählige seinen Wunsch erfüllten. Eines Tages sammelte er, mit einem abgetragenen, zerrissenen Kleide angethan, in der Stadt herum Almosen. Eine vornehme Dame, die ihm bei diesem Geschäfte begegnete, fragte ihn, ob er aus dem Collegium sei, in welchem auch ein gewisser Pater N. sich befinde, den sie sehr gut kenne. Als er nun diese Frage bejaht hatte, fügte die Dame gar mitleidig hirzu:, der arme Pater! wo hat er sich hinbegeben!" Hievon nahm Aloysius Anlaß, diese Person eines Besseren zu belchren. Er erklärte ihr, daß dieser Pater sich sehr glücklich schäße da zu sein, wo er sich hinbegeben; er erfreue sich auch der besten Gesundheit und befinde sich keineswegs in einem todtenähnlichen Zustande wie sie meine. Er suchte ihr auch noch begreiflich zu machen, daß sie weit mehr zu beklagen sei, als jener Bater, weil sie in der Welt leben müsse und so stets in Gefahr sei, ihre Seele auf ewig zu verlieren, indem sie den Forderungen der Eitelkeit nachkomme, wie es ihr Neußeres zu Mailand. 173 zeige. Diese Worte machten einen solchen Eindruck auf die Dame, daß sie fortan viel sittsamer und zurückgezogener lebte. Unter den Geschäften, die er zur Uebung der Demuth besonders gerne verrichtete, war auch das, die Spinnengewebe von den Wänden des Collegiums abzukehren. Er that es immer freudig und mit Sorgfalt; vorzüglich gerne und fleißig fand er sich jedoch mit dem Besen ein, um diese seine Arbeit zu verrichten, wenn er einen Rathsherrn oder sonst eine hohe Person auf den Gallerien spazieren gehen sah, um von ihnen gering geachtet zu werden. Er hatte dieß sich so sehr zur Gewohnheit gemacht, daß die Patres, sobald sie ihn mit dem Besen gehen sahen, schliessen konnten, daß ein hoher Fremder da sei. Dieser heilige Jüngling, mit so vielen Tugenden ausgeschmückt, die in der tiefsten Demuth wurzelten, war in der That längst eine reife Frucht für den Himmel. Das unschuldige, engelreine Leben, das er bisher unter den Menschen geführt hatte, machte ihn würdig, bei den Heiligen zu wohnen. Der Herr gab ihm jetzt auch Winke, daß Er ihn bald zu sich rufen werde, um ihn der Šeligkeit theilhaftig zu machen, deren er würdig geworden war. Als er nämlich eines Morgens betete und in tiefe Betrachtung versunken war, wurde ihm vom Herrn die innere Erleuchtung zu Theil, daß er nur noch furze Zeit auf Erden leben werde und das letzte noch übrige 174 Rap. 31. Aloysius vervollkommnet sich Jahr ganz von der Außenwelt sich lossagen und noch eifriger in allen Tugenden sein solle. Aloysius ließ sich dieß nun auch sehr ange legen sein, redete jedoch von der Voraussas gung nur mit einigen Personen in Rom. 31. Kapitel. Aloysius vervollkommnet sich noch mehr in Rom. Aloysius wünschte von Mailand nach Rom zurückzukehren, wo er das Klosterleben begonnen und viele geistige Freunde hatte. Über aus Besorgniß, gegen den vollkommenen Gleichmuth bei allen Anordnungen der Obern sich zu verfehlen, gab er seinen Wunsch nicht kund. Doch der Herr sorgte in seiner Weisheit und Güte, daß die Brüder, welche im römischen Collegium die Rückkehr des Aloyfius erwarteten, getröstet wurden. Da er nämlich die Angelegenheiten, die er in Mailand zu besorgen gehabt, berichtiget hatte und der Winter bereits nicht mehr so streng war; da zudem der Pater Rektor seine Rückkehr wünschte, damit er auf die zahlreiche Jugend des Collegiums heilsam einwirken möchte, so entschloß sich der Pater General, ihn nach Rom zurückzurufen. Aloysius trat Anfangs Mai 1590 seine Reise an in Gesellschaft von mehreren Jefuiten, und beobachtete auf dem Wege dieselbe Lebensordnung wie früher. noch mehr in Rom. 175 Als er auf seiner Reise nach Siena tam, wünschte er schr, in der Kapelle zu kommuni ziren, wo vorher das Zimmer der heiligen Katharina von Siena gewesen war. Er diente daselbst einem Pater bei der heiligen Messe, und durfte wirklich auch das heilige Abendmahl empfangen, was ihn mit der tiefsten Rührung und innigsten Freude erfüllte. Darauf wurde er gebeten, an die jüngern Mitglieder der Bruderschaft der heiligen Jungfrau eine fromme Rede zu halten. Er nahm den Auftrag an, bereitete sich vor dem Allerheiligsten auf seine Rede vor, gieng dann auf sein Zimmer, schrieb seine Gedanken nieder und sprach darauf mit solcher Würde und Kraft zu diesen Jünglingen, daß in vielen der Wunsch rege wurde, die Welt zu verlassen und in's Kloster zu gehen. Nicht wenige erbaten sich auch Abschriften von dieser Rede. Endlich kam Aloysius in Rom an; er wurde im Gollegium mit großer Freude empfangen; Nue wollten ihn sehen, sprechen und in seinem Umgange sich erbauen. Sein Leben war bereits so vollkommen und heilig, daß es mehr dem Himmel als der Erde angehörte; doch war er damit noch nicht zufrieden, sondern war bedacht, es noch mehr zu verklären. Deßhalb sagte er, nach Rom zurückgekehrt: Ich habe meine Todten schon beerdiget, ich brauche nicht mehr daran zu denken; es ist aun Zeit, daß wir an das andere Leben denfen." Er gieng nun bald nach seiner Ankunit 176 Kap. 31. Aloysius vervollkommnet fich im Collegium zum Pater Rektor, und übergab ihm alle seine geistlichen und theologischen Schriften. Darunter befanden sich auch vorzügliche von ihm aufgeschriebene Betrachtungen über die Werke des heiligen Thomas. Befragt, warum er sich seiner eigenen Schriften entledige, fagte er, weil er über sie- als seine eigene Arbeit noch Freude habe, und er auch diese einzige Freude Gott zum Opfer bringen wolle, um wahrhaft von Allem sich losgesagt zu haben. Obgleich er von seinen Vorgesetten wie von allen Ändern geachtet und geliebt wurde, so redete er doch nie davon, ja hatte nicht einmal eine Freude über dergleichen Beweise des Wohlwollens und der Zufriedenheit, sondern hatte es am liebsten, wenn man ihn nicht mehr oder weniger als Andere zu achten schien. - Sein Umgang und seine Unterhaltung wurde allgemein gesucht und als großes Glück angesehen, denn Manche fühlten sich darauf eifriger gestimmt, als wenn sie gebetet hätten. Wenn er sich bei einer frommen Berson allein befand, gegen die er sich offen aussprechen fonnte, so theilte er ihr die himmlischen Emfindungen und Regungen seiner Seele mit, ſo daß, wer das Glück hätte es zu hören, mit Staunen und Bewunderung erfüllt wurde. Benn er über Gott redete oder lesen hörte, wurde seine Seele mächtig ergriffen; die innere ( Slut theitte sich seinem Neußern mit, sein noch mehr in Rom. 177 Angesicht wurde oft ganz entflammt und er konnte kein Wort mehr hervorbringen. Dieß geschah auch einmal besonders auffallend bei Tisch, als über die göttliche Liebe vorgelesen wurde. Es ergriff ihn plößlich jenes ungewöhnliche Feuer, so daß er nicht mehr weiter zu essen im Stande war. Als es die Andern bemerkten, glaubten sie, er befinde sich unwohl und fragten ihn, was ihm fehle. Er konnte nicht antworten und war sehr verlegen, daß sein Zustand bemerkt wurde. Er schlug die Augen nieder und weinte; sein Angesicht war feuerroth und sein Herz pochte so heftig, daß man meinte, es wolle ihm innerlich eine Ader springen. Gegen das Ende der Mahlzeit kam er nach und nach wieder zu sich. In diesem letzten Lebensjahre hatte er sich täglich eine Stunde zur geistlichen Lesung bestimmt, und allemal das Wichtigste daraus aufgeschrieben, um ja recht vielen Nußen davon zu gewinnen. Als er nun im November 1590 das vierte Jahr des Studiums der Theologie begann, mußte er ein eigenes Zimmer beziehen für sich allein; er bat jedoch inständig um eine wüste Stube, die klein, medrig und finster war, deren Fenster auch auf das Dach hinausgieng; ein Bett, ein gewöhnlicher Stuhl und eine Kniebank hatten kaum Plaß, so daß lettere auch als Tisch zum Studieren dienen mußte, und man den Ort cher für ein Gefängniß als für eine Stube ansehen konnte. Als ihn der Rektor in dieser 12 178 Kap. 31. Uloysius vervollkommnet fic: c. Wohnung einmal besuchte, fand er ihn in seinem kleinen Dachstübchen ebenso freudig, als der glücklichste Fürst in seinem Balaste es nur immer sein kann. Aloysius sprach sehr gerne vom Tode. Je länger er lebe, sagte er oft, desto mehr nehme in ihm der Zweifel an seinem Heile zu; er fürchtete, daß, wenn er noch länger lebe, seine Zweifel sich nur vermehren möchten. Denn es könne ihm noch manches Unerwartete begegnen; zudem werde er dann in den Priesterstand eintreten müssen, und davor habe er Furcht und Bangen, wegen den vielen und schweren Pflichten der Priester in Gebet und gottesdienstlichen Verrichtungen, besonders aber wegen der großen Verantwortung, die sie in der Sorge für das Heil der Seelen beim Beichthören, Krankenbesuch, Bredigen und bei Ausspendung der heiligen Sakramente haben. Da er nun in seinem jezzigen Stande dem Allem noch nicht unterworfen sei und deßhalb für sein Heil noch mit größerer Zuversicht hoffen dürfe, so würde er den Tod jetzt freudiger begrüßen, wenn es Gott geftele, ihn abzurufen. Es kam in der That bald eine Gelegenheit, wo er Gott sein Leben zum wohlgefälligen Opfer darbringen konnte. - Aloyfius widmet sich der Krankenpflege. 179 32. Kapitel. Aloysius widmet sich der Krankenpflege. Das Jahr 1591 war für ganz Italien ein hartes und trauriges. Ein drückender Mangel an Lebensmitteln und eine fast allgemeine Hungersnoth hatten eine furchtbare Sterblichkeit verursacht. Diese war in Rom größer als irgendwo, weil aus allen Provinzen eine Menge Menschen dahin strömte, in der Hoffnung, Hülfe zu finden. Die Jesuiten thaten so viel nur in ihren Kräften stand, zur Linderung und Abhülfe des furchtbaren Glendes; ste wandten alle ihre eigenen Mittel an und reichliche Gaben, die sie von Andern erflehten; sie widmeten sich mit aller Hingebung der Krankenpflege in den Hospitälern Roms; ja der Pater General Claudius Aquaviva wollte seine Sorge auch den Aussäßigen zu Theil werden lassen und befahl seinen Untergebenen, auf einige Zeit noch ein besonderes Hospital für sie einzurichten. In dieser schrecklichen Noth und Drangsal bewies Aloysius seine Liebe in ihrer ganzen Macht und Tiefe. Er eilte unermüdlich durch die Straßen mit einem Sache auf den Schultern, um von Vermöglichern Almosen zu sammeln, und sein heiliger Eifer und seine sichtbare Freude ab solchem Liebesdienste öffneten ihm Vieler Herzen und Schäße. Daneben wünschte er die Kranken im Spitale auch selbst zu bedienen. Die Obern wollten ihm Anfangs die Erlaubniß 180 Kap. 32. Aloyfius widmet fich hiezu nicht gerade geben, gestatteten ihm jedoch auf sein dringendes Bitten bisweilen hingehen zu dürfen. Es war nun gleichsam ein heiliger Wetteifer unter den Jesuiten in Verpflegung der Kranken. Aber trotz aller Mühe und Anstrengung, die von ihnen und Andern angewendet wurden, nahm die Sterblichkeit immer noch zu. Es war entseglich, so viele mit dem Tode Ringende im Spitale herumschleichen zu sehen; nicht selten fielen solche auf den Treppen todt nieder, und allmählig verbreiteten sich die übeln Ausdünstungen immer stärker. Aber auch die heldenmüthige Liebe des Aloysius und seiner Gefährten entfaltete sich immer mehr und erregte allgemeine Bewunderung. Sie eilten zum Dienste der Kranfen mit ebenso großer Bereitwilligkeit als edler Aufopferung. Sie entkleideten dieselben, legten fie in's Bett, wuschen ihnen die Füße, reichten ihnen Speise dar, richteten und ordneten ihre Betten, ermahnten sie zur Geduld und trösteten sie, bereiteten sie vor zur heiligen Beicht und stunden ihnen beim Empfang der heiligen Sterbfakramente und selbst im legten Kampfe wie schützende Engel bei. Aloysius suchte sich stets die schlimmsten Kranken aus und konnte sich allemal beinahe nicht von ihnen trennen. Die herrschende Krankheit war sehr anstechend, daher wurden bald mehrere Jesuiten von ihr ergriffen. Der erste, der als Opfer der Krankenpflege. 181 seines Eifers ihr erlag, hieß Bondi. Als Aloysius ihn in den letzten Zügen daliegen sah, sprach er zu einem Mitbruder:„ Uch! wie freudig würde ich mit Bondi einen Tausch machen und statt seiner sterben, wenn Gott mir diese Gnade verleihen wollte!" Bald nachher sagte er auch zum Pater Bellarmin:„ Ich glaube, mein Vater! daß der Tage, welche ich noch zu leben habe, nicht mehr gar viele sind." Auf die Frage, warum er dieß glaube, antwortete er: ,, weil ich eine außerordentliche Sehnsucht habe, zu Gottes Ehre beizutragen und zu arbeiten, und dieser Wunsch so stark wird, daß ich annehmen muß, Gott würde mir diese Gnade nicht verleihen, wollte Er mich nicht bald von dieser Erde abrufen." Nicht lange so wurde Aloysius in seinem Wunsche erhört. - Es wurden immer mehrere, die in den Spitälern dienten, frank, weßhalb die Obern in gerechter Fürsorge dem Aloysius verboten, ferner dahin zu gehen. Auf sein inständiges Bitten wurde ihm jedoch wieder erlaubt, in ein bestimmtes Spital zu gehen, wo gewöhnlich keine ansteckende Kranken aufgenommen wurden. Aber unerachtet dieser Vorsicht wurde er durch einen ansteckenden Äthem eines Kranfen angesteckt, den er noch kurz zuvor in den Armen gehalten hatte. Am 3. März 1591 mußte er sich zu Bett begeben, das er nicht mehr gesund zu verlassen hoffte. Er wünschte vielmehr in heiliger Sehnsucht, die Zeit des 182 Kap. 32. Aloysiuß widmet fich Todes nahe zu sehen und aufgelöst zu werden, um mit Gott sich unzertrennlich zu vereinigen; dabei war er jedoch ganz und gar ergeben in den Willen Gottes, der ganz seinem Wunsche zu entsprechen schien. Denn die bösartige Krankheit, die in einem pestartigen Fieber bestand, machte solche Fortschritte, daß Aloysius am siebenten Tage bereits seinem Ende nahe war. Er wünschte zu beichten und empfieng dann auch die heilige Wegzehrung und letzte Delung aus den Händen des Pater Rektor. Er betete alle Gebete mit innigster Andacht nach; alle Anwesenden aber brachen in Schluchzen und Weinen aus ob dem drohenden Berluste eines so heiligen und geliebten Mitbruders. Noch mehr gerührt und ergriffen wurden die Anwesenden durch seine Erklärung, die er ihnen geben ließ durch den Pater Rektor. Er ließ ihnen bei vollem Bewußtsein sagen, daß er sich nicht im mindesten beunruhigt fühle wegen den verrichteten Bußwerken und Abtödtungen; er bedaure im Gegentheil, daß er nicht noch viel mehrere verrichtet habe, die er hätte thun, und wozu er die Erlaub niß der Obern hätte erhalten können; übrigens habe er dabei immer den Gehorsam beobachtet und nie eigenwillig gehandelt. Er bat dann noch, daß man ihn jetzt geißeln oder doch auf dem Boden liegend sterben lassen möchte, wovon ihm jedoch keines gewährt wurde. Man glaubte nun, er würde an diesem Tage, da er gerade dreiundzwanzig der Krankenpflege. 183 Jahre alt war, sicherlich sterben: allein die große Heftigkeit der Krankheit hatte nachgelassen und eine langwierige Schwindsucht sich eingestellt, die drei Monate lang an ihm zehrte, damit er noch länger sein Tugendbeiſpiel leuchten lassen konnte. Indessen war in Castiglione das Gerücht verbreitet worden, er fei bereits gestorben. Seine Mutter und sein Bruder ließen für ihn ein Seelenamt halten da erfuhren sie erst, daß er noch lebe. Sein Bruder Rudolf war bei letzterer Nachricht so erfreut, daß er eine goldene Kette, die er am Halse trug, zerriß und die Stücke unter die Armen austheilte. Aloysius diente nun in seinen noch übrigen Leidenstagen Allen, die in seiner Nähe waren oder ihn besuchten, zur größten Erbauung. Er bewährte und offenbarte seine vollkommene Abtödtung und Selbstverläugnung auf mancherlei Weise, wovon hier nur einige Beis spiele. Eines Tages hatte der Arzt ihm und einem andern Ordensbruder, der an derselben Krankheit darniederlag, ganz die gleiche Arznei verordnet, die sehr widerlich zum Einnehmen war. Der Undere suchte die Arznei so schnell als möglich zu schlucken, und nahm darauf noch etwas in den Mund, um ihren eckelhaften Geschmack nicht zu empfinden. Über Aloysius schlürfte sie ganz gemächlich ein, wie wenn er das angenehmste Getränk hätte und ließ nicht die geringste Spur von Eckel merken. Er hatte kaum erfahren, daß man sehr 184 Kap. 32. Aloysius widmet sich befürchte, es werde die pestartige Krankheit einen noch bösartigeren, gefährlicheren Chas rafter annehmen, so erbot er sich alsbald die Pestfranken bedienen zu wollen, wenn er genesen sein werde. Als ihn darauf der Pater General besuchte, bat er um die Erlaubniß, es geloben zu dürfen, und legte nach erhaltener Erlaubniß sogleich dieses Gelübde mit sichtbarer Freude ab. Bu gleicher Zeit mit Aloysius lag auch der Pater Ludwig Corbinelli, ein hochbejahrter Mann, auf dem Krankenbett. Beide, obwohl an Alter so verschieden, waren doch durch gleiches Streben und heilige Freundschaft miteinander innig vertraut und besuchten einander oft. Als der Pater immer schwächer wurde und sein Lager nicht mehr verlassen konnte, fühlte er den sehnlichsten Wunsch, vor seinem Tode den Aloysius noch einmal zu sehen. Er bat deßhalb den Krankenwärter, den Aloysius in sein Zimmer holen zu wollen. Seine Bitte ward erfüllt bald wurde Aloysius angekleidet und zum todtkranken Pater gebracht, der ihn, wie einen Heiligen, mit der größten Verehrung und innigsten Freude empfieng. Nachdem sie einige Zeit lang sich gegenseitig getröstet und zur Geduld und Ergebung in Gottes heiligen Willen ermuntert hatten, sprach der alte Pater: Wohlan, lieber Bruder! jetzt sterbe ich gerne und ruhig, wenn ich dich auch nicht mehr sehen sollte; aber ich bitte dich noch um etwas, das du mir nicht ver- 185. der Krankenpflege. sagen darfst: gib mir, bever du weggehst, noch deinen Segen." Aloysius ward darüber sehr betroffen und sagte, daß dieß unpassend wäre; vielmehr möchte er als Greis und Priester ihm dem Jüngling und Laien den Segen ertheilen. Aber der Pater drang auf's Neue in ihn, er möchte in diesen letzten Augenblis den ihn nicht ohne Trost verlassen, und den Krankenwärter bat er, daß er Aloyfius nicht eher aus dem Zimmer trage, als bis er seinen Wunsch erfüllt habe. Aloysius weigerte sich lange, gab zuletzt auf Zureden des Krantenwärters nach, wählte jedoch einen Ausweg, um sowohl den guten Pater nicht zu betrüben, als auch seiner Demuth zu genügen. Er erhob nämlich seine Hand, bezeichnete sich selbst mit dem Segenszeichen des heiligen Kreuzes und sprach: Gott der Herr wolle uns Beide segnen." Dann besprengte er den Pater mit Weihwasser und sagte:„ Mein Vater! Gott unser Herr erfülle Euer Hochwürden mit seiner Gnade und gewähre Ihnen Alles, was Sie zu seiner größern Ehre wünschen. Beten Sie für mich!" Der Pater war nun befriedigt und gefröstet, und Aloysius wurde wieder in sein Zimmer zurückgetragen. Acht Tage darauf, den 1. Junt, am Vorabende des hohen Pfingstfestes starb der gute Pater gegen Mitternacht hin, zwanzig Tage früher als Aloysius. Ihre Zimmer waren weit voneinander und sogar in verschiedenen Gängen des Klosters, so daß Aloyfius in der 186 Kap. 32. Aloysus widmet sich Nacht nichts erfahren konnte von dem einges tretenen Tode des Paters, wohl aber eine dreimalige Erscheinung hatte. Als am Morgen der Krankenwärter wie gewöhnlich in sein Bimmer kam, um die Fenster ein wenig zu öffnen, und ihn fragte, wie er die Nacht zugebracht, antwortete er: ,, Ich habe eine schlimmere Nacht gehabt als gewöhnlich, denn ich wurde fortwährend beunruhigt durch beschwerliche und sonderbare Träume oder Erscheinungen. Ich habe dreimal den Pater Corbinelli voller Angst gesehen; das erstemal sagte er zu mir: Mein Bruder, jeßt ist es Zeit, mich inbrünstig Gott zu empfehlen, auf daß Er mir Geduld und Kraft verleihe in der großen Gefahr, worin ich mich befinde; denn ohne eine besondere Hülfe von Gott fürchte ich nicht genug Stärke und Geduld zu haben. Ich erwachte und dachte bei mir selber: das ist ein Traum ich würde besser thun, wenn ich ruhig schliefe und solche Bilder aus dem Sinne schlüge. Kaum war ich aber wieder eingeschlafen, so erschien mir der Pater zum zweitenmale und bat mich noch dringender, durch eifriges Gebet ihm doch zu helfen, da ihm seine Krankheit fast unerträglich gewor den sei. Ich erwachte wieder, machte mit aufs Neue Vorwürfe wegen meinen Träumereien und nahm mir vor, am Morgen um eine Strafe zu bitten, weil ich den Befehl des Arztes und des Obern, nämlich für's Schlafen beforgt zu sein vernachlässigt - - der Krankenpflege. 187 hatte. Allein als ich wieder einschlafen wollte, erschien mir der Pater zum drittenmale und sprach: Lieber Bruder! jetzt stehe ich am Biele dieses Lebens, bitte Gott, daß mein Uebergang glücklich sei und daß seine Barmherzigkeit mich in die ewige Glückseligkeit aufnehmen wolle, wo ich nicht vergessen werde, für dich zu beten." Hierauf erwachte ich vollständig, war aber so aufgeregt, daß es nun ein die ganze Nacht nicht mehr möglich war, Auge zu schließen; ich mußte eben immer über diese wunderbaren Erscheinungen nachdenken. Der Krankenwärter schien wenig auf die Erzählung des Aloyfius zu achten, noch vielweniger ließ er eine Spur der Verwunderung merken, sondern suchte ihn aufzuheitern und sagte, dieß seien eben Träume und Bater Corbinelli befinde sich wohl, er soll nur noch ein wenig ausruhen und schlafen. Aloysius erwiederte nichts; aber bald nachher gab er zu erkennen, er wisse gewiß, nicht bloß daß der Pater gestorben, sondern auch daß er im Himmel sei. Er sagte nämlich zu seinem Beichtvater Bater Bellarmin mit fester 3uversicht: Die Seele dieses Paters ist nur durch das Fegfeuer hindurchgegangen." Wenn nun Aloysius, der überhaupt vorsichtig war im Urtheilen über zweifelhafte Dinge, und wo möglich noch mehr seinem Beichtvater gegenüber wenn er sø bestimmt sich aussprach, muß er von Gott eine sichere Eingebung hierüber empfangen haben. 188 Kap. 33. Zwei Briefe von Aloysius Während seiner langen Krankheit zeigte er nie auch nur die geringste Spur von Ungeduld weder in Geberden noch in Worten; er flagte bei all seinen Schmerzen, welche die Krankheit mit sich brachte, nie über ihre Stärke, noch gab er je ein Zeichen der Unjufriedenheit mit der Pflege und Abwart; stets ruhig und geduldig leistete er in Allem den pünktlichsten Gehorsam gegen die Anordnungen der Obern, Aerzte und Krankenwärter. Er gab ein herrliches Beispiel von wahrer vollkommener Geduld in schweren Krankheiten. - 33. Kapitel. Zwei Briefe von Aloysius an seine Mutter. Wenn überhaupt die letzten Worte und Handlungen edler Personen besonders anziehend und wichtig find als der getreueste Aus druck ihres Wesens, so gilt dieß gewiß in höchstem Grade von zwei Briefen, welche von Aloysius in seiner Krankheit an seine Mutter geschrieben, ein herrliches Zeugniß darbieten für sein auch in den menschlich tiefsten Bezie hingen himmlisch verklärtes Herz. Als er sich inzwischen einige Tage wieder besser befand, schrieb er an die Markgräfin, seine Mutter, einen findlich frommen Brief. Er tröstete und ermahnte sie zur Geduld in allen Widerwärtigkeiten und sagte unter Anderm auch: Vor einem Monat war ich nahe daran, vom Herrn die köstlichste Gnade zu an seine Mutter. 189 empfangen, nämlich, wie ich hoffte, in der Liebe des Herrn sterben zu fönnen; bereits hatte ich mich auf den glücklichen Augenblick durch die heilige Wegzehrung und die letzte Delung gestärkt. Aber die Krankheit gieng in ein schleichendes Fieber über; wie lange es an mir zehren werde, wissen die Aerzte selbst nicht. Sie lassen es sich alle sehr angelegen sein, mir meine körperliche Gesundheit wieder herzustellen; aber ich – ach ich denke mit Freuden daran, daß mir der Herr eine noch weit köstlichere Gabe zu Theil werden lassen will. So bleibe ich zufrieden und lebe der Hoffnung, daß es dem Herrn in wenigen Monaten gefallen werde, mich aus dieser Welt der Todten in jene der Lebendigen zu versegen, und mich von der Gesellschaft der Menschen in die der Engel und Seligen, und von der Umgebung der irdischen Dinge zur Anschauung Gottes, des höchsten Gutes, zu rufen. Dieß fann Ihnen den besten Trost gewähren, da Sie mich lieben und mein Bestes wünschen. Ich bitte Sie, meiner im Gebete eingedenk zu sein, daß ich von Gott möge für würdig erachtet werden, nach der kurzen Zeit, welche ich noch auf dem wogenden Deere dieser Welt zuzubringen habe, durch die Verdienste seines eingebornen Sohnes und die Fürbitte seiner heiligen Mutter, angethan mit dem Kleide der Unschuld, in das Land der Verheißung eingehen zu dürfen, um mich ewig in Gott zu erfreuen." 190 Kap. 33. 3wei Briefe von Aloysius Einen zweiten eben so findlich ehrfurchts vollen als tief christlichen Brief schrieb er seiner Mutter, als er durch eine besondere Of fenbarung Gottes die Zeit seines Todes genau. erfahren hatte. Er tröstete die Markgräfin auf folgende Weise: Die Gnade und der Trost des heiligen Geistes wolle stets mit Ihnen sein. Ihr Brief hat mich noch lebend im Reiche der Todten angetroffen, aber doch nahe beim Scheiden von hier, um dann Gott nie mehr zu verlassen im Reiche der Lebendigen. Ich glaubte in dieser Stunde den Riesenschritt schon gethan zu haben; aber die Heftigkeit des Fiebers hatte sich etwas vermindert und ich erlebte glücklich den Himmelfahrtstag. Seit dieser Zeit hat das Fieber in Folge einer geringen Verkältung wieder zugenommen; und ich hoffe demgemäß bald zum himmlischen Vater zu gelangen, bei dem ich vollkommene und bleibende Ruhe haben werde. Wenn nach dem Worte des Apostels Paulus die Liebe mit den Trauernden trauert und mit den Fröhlichen fröhlich ist, so werden Sie, theuerste Mutter, den süßesten Trost in der Gnade finden, die Sie mir zu Theil werden sehen, indem der Herr mich zu wahrem Glücke führt und mich versichert, daß ich es nie mehr verlieren werde. Ich gestehe Ihnen, daß ich mich in die Betrachtung der ewigen Gütc versenfe wie in ein grundloses Meer. Die göttliche Liebe ruft mich nach einer ganz geringen Mühseligkeit zu einer an seine Mutter. 191 unendlichen Ruhe ab und zum Genuffe einer unbeschreiblichen Freude, die ich so wenig verdient habe; sie verspricht mir sogar die Vergeltung der wenigen Thränen, die ich vergossen habe. Machen Sie sich deßhalb ja feines Undanfes schuldig für diese große Barmherzigkeit! dieß würde aber geschehen, wenn Sie mich, Ihren Sohn, als todt beweinen wollten, während er doch leben soll in der Gegenwart Gottes, und Ihnen durch seine Gebete mehr nüßen kann als hienieden. Unsere Trennung wird nicht lange dauern; im Himmel werden wir uns wiedersehen und vereinigt werden, um uns nie mehr zu trennen. In unserm Erlöser werden wir uns freuen, ihn loben aus allen Kräften und ohne Aufhören preisen seine Barmherzigkeit. Ich schreibe Ihnen dieß mit dem besondern Wunsche, daß Sie, theuerste Mutter, und die ganze Familie meinen Tod als eine große Gnade anſehen möchten. Ihr mütterlicher Segen begleite und führe mich auf der gefährlichen Üeberfahrt über das Meer dieser Welt, damit ich glücklich anlange im Hafen meiner Sehnsucht und meiner Hoffnungen. Ich schreibe Ihnen dieß um so freudiger, als ich keinen bessern Beweis meiner Liebe und schuldigen Ehrfurcht gegen Sie kenne. Ich ende mit der demüthigen Bitte um Ihren Segen. Rom, den 10. Juni 1591. Ihr im Herrn Jesu gehorsamster Sohn Aloysius Gonzaga." 192 Kap. 34. Aloysius Borbereitung z. Tode. 34. Rapitel. Aloyfius Vorbereitung zum Tode. Aloysius hatte stets seine größte Freude an heiligen Gesprächen und frommen Unterhaltungen gehabt; von dem Tage an aber, da er krank sich niederlegen mußte, bis zu seinem Tode, wollte er durchaus feine andere Unterredungen mehr als über Gott und das ewige Leben, ein Wunsch, den man ihm gerne erfüllte. Wenn Jemand etwa zufällig auf etwas Anderes zu sprechen kam, so schien Aloysius gar keinen Antheil daran zu nehmen; war die Rede aber wieder von religiösen Dingen, so nahm er Theil an dem Gespräch und gab sein Wohlgefallen daran zu erkennen. Er meinte keineswegs, das Gespräche über gleichgültige Dinge, wenn sie bei gewöhnlichen Unterhaltungen mit Verstand vorkommen, einem christlichen Leben zuwider wären; nur hielt er es in seiner Lage für angemessener, daß alle seine Gespräche nur geistlichen Inhalts seien. Bisweilen ließ er sich seine Kleider geben, stand auf und schleppte sich mühsam an einen Tisch, auf dem ein Kruzifix stand; er nahm es in die Hände, umarmte und küßte es oft mit großer Inbrunst und tiefer Verehrung. Ebenso mächte er es mit Bildern der seligsten Jungfrau und der heiligen Katharina von Siena und anderer Heiligen. Als nun der Krankenwärter eines Tages zu ihm sagte, er Aloyfius Vorbereitung zum Tode. 193 brauche nicht selbst aufzustehen und sich umher zu bemühen, er wolle ihm das Kruzifir und die Bilder an's Bett bringen, so antwortete Aloysius: ,, Nein, lieber Bruder, nein! das sind meine Stationen." Er fuhr dann auch damit fort, so lange er aufstehen konnte. Ja wenn er unter Tags allein und die Thüre des Zimmers verschlossen war, stand er auf, schlich hinter das Bett, betete da zwischen dem Bett und der Wand auf den Knieen liegend und begab sich, sobald er ein Geräusch bemerkte, eilig wieder in's Bett zurück. Det Krankenwärter bemerkte wohl sein Aufstehen, wußte jedoch nicht, warum es geschehe, bis er ihn endlich einmal auf den Knieen liegend antraf. Er verbot es ihm, und Aloysius, verlegen, so beobachtet worden zu sein, that es fortan nicht mehr. Besonders gern unterhielt sich Aloysius mit seinem Beichtvater Bellarmin über geistliche Dinge. Bei einem solchen Gespräche fragte er ihn auch einmal, ob er glaube, daß eine Seele in den Himmel gelangen könne, ohne durch das Fegfeuer hindurchgehen zu müssen? Der Pater antwortete:" Ja wohl, und fügte noch bei: ich hoffe, du selbst werdest eine von jenen glücklichen Seelen sein; denn da Gott dir schon so viele Gnaden erwiesen hat, be sonders auch die, von jeder Todsünde frei zu bleiben, so glaube sicher, Er werde dir auch noch die Gnade schenken, unmittelbar in den Himmel aufgenommen zu werden." Aloysius Diennel. Mopslus. 13 194 Kap. 34. Wloysius Vorbereitung z. Tode. wurde durch diese Antwort merkwürdiger Weise mit einer so großen Freude erfüllt, daß er, nachdem der Pater sich entfernt hatte, in eine Efstase verfiel, worin er die Herrlichkeit des himmlischen Jerusalems schaute, und die ganze Nacht mit unaussprechlichen Tröstungen erfreut wurde. In dieser Entrückung wurde ihm wahrscheinlich auch der Tag seines Todes bestimmt geoffenbaret; denn gleich nachher verficherte er mehreren Personen, daß er am letzten Tage der heiligen Frohnleichnamsoktav sterben werde, was denn auch wirklich geschah. Der Vorsteher der Krankenwärter kam nach einigen Tagen auch, ihn zu besuchen und äußerte seine Ansicht dahin, daß er wohl nur noch wenige Tage des Lebens zu erwarten habe. Darüber war Aloysius hoch erfreut und sagte zu einem Mitbruder: Du weißt gewiß noch nicht die gute Nachricht, die ich empfangen habe: Ich werde in acht Tagen sterben; hilf mir jetzt, ich bitte dich, das Te Deum beten, um Gott für diese Gnade zu danken." In diesen letzten acht Tagen verrichtete er noch besondere Andachtsübungen. So ersuchte er einen Pater, alle Tage um 3 Uhr zu ihm zu kommen und die sieben Bußpfalmen mitzubeten. Der Pater kam gerne und sie waren allemal gegen eine Stunde allein beieinander. Aloysius ließ dann ein Kruzifir auf sein Bett hinstellen und der Pater betete, náhe bei seinem Bette knieend, langsam die Psalmen laut Aloyfius Vorbereitung zum Tode. 195 por; von Zeit zu Zeit hielt er ein wenig inne, und Aloysius vertiefte sich, die Augen auf das Kruzifir geheftet, mit der größten Aufmerksamkeit in die Betrachtung der heiligen Worte, die vorgesprochen wurden. Dit brachen Beide in reichliche Thränen der Rührung aus. Außerdem ließ er sich unter Tags ein Stück aus erbauenden Büchern vorlesen. - Als die Nachricht von seinem nahen Tod, den er selbst vorhergesagt, mehr und mehr sich verbreitete, suchte Jedermann einen günstigen Augenblick, um ihn allein treffen und sich in sein Gebet empfehlen zu können. Er nahm alle diese Aufträge für den Himmel liebevoll an und versprach, sie gewiß zu erfüllen so zuversichtlich glaubte er, gleich in den Himmel eingehen zu können. Er sprach auch nit Mehreren von seinem Tode, wie man dom Auszug aus einem Zimmer in ein anderes redet. Gegen das Ende der Oktav war Aloysius fast ununterbrochen in Betrachtungen vertieft; nur bisweilen sprach er einige fromme Worte und andächtige Stoßgebete. In den letzten drei Tagen empfieng er von einem Pater ein bronzenes Kruzifir, und hielt es unablässig an seine Brust bis zum letzten Athemzuge. Er legte zu wiederholtenmalen das Glaubensbekenntniß ab und erweckte ein großes Berlangen nach der Vereinigung mit Gott, indem er oft sprach:„ Ich wünsche auf gelöst zu werden und mit Christus zu sein. Kap. 35. Aloysius seliger Tod. 35. Kapitel. Aloystus seliger Tod. Endlich war der letzte Tag der Frohnleichnamsoktav angebrochen, ohne daß übrigens besondere Zeichen eines nahen Todes sich eingestellt hatten. Als daher am Morgen Mehrere ihn besuchten, sagte ein Pater: Bruder Aloysius, du sagtest, daß du in dieser Octav sterben würdest; heute ist schon der lette Tag, und es scheint mir, als befindest du dich bes ser, und als dürften wir hoffen, du werdest noch länger bei uns bleiben." Aloysius aber entgegnete ruhig: Der Tag ist noch nicht bes endet." Gegen Ändere sprach er sich noch bestimmter aus: Diese Nacht werde ich sterben." Den Morgen brachte er mit Beten zu, und empfieng den apostolischen Segen und einen vollkommenen Ablaß von Papst Gregor XIV., der zufällig von seiner gefährlichen Krankheit gehört hatte. Gegen Mittag bat er inständig, die heilige Wegzehrung ihm noch einmal reichen zu wollen. Die KranFenwärter hielten ihn aber nicht für so gefährlich, und thaten nichts hicfür. Aloysius wiederholte seine Bitte, und ergab sich dann gelassen in Gottes Willen. Gegen Abend kam ein ihm näher bekannter Bater, den er nun ersuchte, er möchte doch den Pater Rektor dazu bewegen, daß ihm die heilige Wegzebrung gereicht werde. Es geschah. Sener Bater betete die Litanei vom allerbeiligsten Altars 196 Aloyfius jeliger Tod. 197 fakrament, worauf Aloysius allemal ganz vernehmlich antwortete. Darauf brachte der Pater Rektor die heilige Wegzehrung. Voll heiliger Freude und inniger Andacht, die ihn gleichsam verklärten, empfieng er das heilige Abendmahl, in dem festen Glauben, bald seinen Herrn im Himmel von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Alle, die zugegen waren, wurden bis zu Thränen gerührt; er umarmte sie darauf ganz freundlich und heiter, wie Einer, der in ein fernes Land verreiset. Wie rührend war dieses Abschiednehmen! Keiner wollte ihn verlassen; Jeder empfahl sich ihm noch dringend, und er versprach, im andern Leben ihrer zu gedenken. Einem besonders vertrauten Freunde, der sich ihm auch so empfahl und um Verzeihung bat, wenn er durch seine Unvollkommenheiten ihn je zuweilen beleidiget habe, antwortete Aloyfius mit großer Freundlichkeit, er würde dieß auch ohne seine Bitte gethan haben; denn wenn er ihn auf Erden geliebt habe, werde er ihn noch vielmehr lieben im Himmel, wo die Liebe bei weitem vollkommener sei. Abends etwa um 7 Uhr, kam ein anderer rtrauter Freund, ihn zu besuchen; er setzte sich zum Bette hin und hielt mit der Hand dem Aloyfius längere Zeit das Haupt etwas vorwärts, Damit er desto bequemer ein kleines Kruzifir auf dem Bette betrachten und vor ihm die Ablaßgebete der Sterbenden verrichten konnte. Da nahm Aloysius sein leinenes Käppchen 198 Kap. 35. Aloyfius jeliger Tod. vom Kopfe; der Pater meinte, es sei dieß eine Folge des Ringens mit dem Tode gewesen und setzte es ihm deßhalb wieder auf, ohne etwas zu sagen. Als Aloysius aber es sogleich wieder abnahm, sagte er zu ihm: Bruder Aloysius, laß dein Käppchen auf dem Kopfe, damit die Nachtluft dir nicht schade." Dieser schaute auf das Kreuz hin und bemerkte: ,, Als Jesus starb, hatte er auch nichts auf dem Haupte." Als es inzwischen Nacht geworden und das Zimmer noch voll theilnehmender Brüder war, hieß der Pater Rektor, der selbst den Tod noch nicht so nahe glaubte, Alle sich zur Ruhe zu begeben, und gewährte ihre Bitten nicht, da bleiben zu dürfen. Nur zwei Patres sollten beim Kranken bleiben. Trauernd und weinend entfernte sich nun der Eine und der Andere- bis jene zwei und der Beichtvater allein da waren. Nachdem sie die Gebete der Sterbenden auf seinen Wunsch hin gebetet hatten, entfernte sich auch noch der Beichtvater. Aloysius war ganz mit Gott beschäf tigt und sagte öfters: In deine Hände empfehle ich meinen Geist." Die Patres beteten fort, besprengten ihn von Zeit zu Zeit mit Weihwasser und reichten ihm das Kruzifir zum Küssen hin. Als es endlich zum harten Kampfe kam, verrieth seine Todtenblässe und der starke Schweiß seine großen Leiden. In dieser Lage bat er mit schwacher Stimme, ihn ein wenig anders zu legen, da er schon seit Aloysius selger Tod. 199 drei Tagen auf Einer Stelle lag. Sie wagten aber nicht, ihn umzuwenden, weil sie befürchteten, er möchte ihnen in den Händen bleiben und glaubten, dieß Begehren sei mehr ein Zeichen der Schwäche als ein gefühlter Wunsch. Sie suchten ihn deßhalb zu beruhigen und erinnerten ihn an die harte Lagerstätte, welche Jesus Christus gehabt unter den furchtbarsten Leiden. Darnach wandte er seine Augen auf das Kruzifir und gab durch Zeichen zu verstehen, daß er gerne noch mehr leiden wollte aus Liebe zu Gott, und war zufrieden. Endlich wurde ihm eine geweihte brennende Serze in die Hände gegeben als Zeichen der Beharrlichkeit im lebendigen Glanben; er hielt sie fest, nahm noch einmal alle Kraft zusammen, um den allerheiligsten Namen Jesu auszusprechen, und sein Geist verließ die irdische Hülle, um in die Hand des Schöpfers zurückzukehren- es war zwischen 2-3 Uhr Morgens. So ward auch sein Wunsch erfüllt, entweder in der Frohnleichnamsoktav oder an einem Freitage sterben zu dürfen; er starb da, wo die Oktav aufhörte und der Freitag bereits begann- in der Nacht vom 20. 21. Juni 1591, in einem Alter von dreiundzwanzig Jahren, drei Monaten und eilf Tagen. - - 200 Kap. 36. Aloystus Leiche und Beisezung. 36. Kapitel. Aloyflus Leiche und Beiseßung. Moysius hatte kurz vor seinem Scheiden den beiden Patres, die bei ihm wachten, verfpevajen, für sie beten zu wollen, so lange fie nowy auf Erden verweilen würden. Sie saben die Anordnung, daß gerade sie dem Aloysius beim Sterben beistehen durften, als eine große Gnade an, erfuhren aber auch bald erfreuliche Wirkungen seiner Fürbitte. Denn dem Einen wurde ein überaus beseligender Seelenfrieden zu Theil, der Andere fühlte sich zu außerordentlicher Andacht und inniger Reue gestimmt, so daß er ein ganz neues Leben anfieng nach dem frühern Räthe des heiligen Aloysius. Sogleich nach dem Verscheiden gieng ein Bater, einigen vertrautern Freunden zu melden, daß unser Engel sich in den Himmel erhoben habe. Diese standen schnell auf und eilten in sein Zimmer, sowohl um seiner Fürs bitte sich zu empfehlen, als auch um jene Gebete zu verrichten, um die er sie vor seinem Tode noch ersucht hatte. Nachdem am Morgen den 21. Juni das Zeichen zum Aufstehen gegeben worden war, wurde das Zimmer, wo die heilige Leiche lag, alsbald zu klein, um Alle zu fassen, die hinein wollten, um für ihn zu beten, und fast noch mehr um Reliquien von ihm zu erhalten, z. B. Haare, Kleidungsstücke, Federn, Schriften. Sein ent Aloyfius Leiche und Beisegung. 201 U feelter Leib wurde hierauf in die Hauskapelle gebracht und den ganzen Morgen dort gelase sen. Unablässig kamen Viele, ihn zu sehen, ihn aus Berehrung zu umarmen und den Heiligen, wie sie ihn nannten, zu küssen. Bei Allen, die im Collegium waren, machte sein Tod einen unbeschreiblichen Eindruck; fie redeten von nichts als von seinen Tugenden und seiner Heiligkeit, indem der Eine dieß, der Andere wieder etwas anderes von ihm erzählte; ihr Gefühl sagte ihnen nur zu deutlich, welch eines werthen Freundes, welch eines heiligen Umganges sie in der vergangenen Nacht bezaubt worden seien. Abends um 6 Uhr wurde der Leichnam aus der Hauskapelle in den großen Saal gebracht, wo alle Patres und Brüder versammelt waren. Obgleich Aloysius erst die niedern Weihen erhalten hatte, so küßten ihm doch Alle - auch die Priester- aus Verehrung die Hand, was sonst nur bei Priestern üblich war. Hierauf wurde die Leiche in die Kirche des Collegiums gestellt, und die Tagzeiten für die Verstorbenen gebetet. Der Zudrang des Volkes und das Streben nach Reliquien wurden so übermäßig, daß an der Leiche von den Kleidern Stücke und zwei Gelenke des Eleinen Fingers weggeschnitten wurden und die Patres die Kirche schließen mußten. Als die Leiche des Aloysius nun beigefest werden sollte, waren die angesehenster Patres des Collegiums der Ansicht, man sollte ihn 202 Kap. 36. Aloyfias Zeiche und Beisepung. in ein abgesondertes Grab legen, weil sie hofften, Gott werde ihn, da er besonders heilig gelebt, nach diesem Leben vor der Welt um so mehr verherrlichen, je mehr er im Leben verborgen zu bleiben sich bemüht hatte. Der Körper wurde daher- mit Zustimmung des Generals gegen den gewöhnlichen Brauch in einen Sarg gebracht und in die Kreuzkapelle zur linken Seite des Collegiums beigesetzt. Die Verehrung gegen den Seligen war damals schon sehr groß, indem fortwährend Viele sein Grab besuchten und seiner Fürbitte sich empfahlen. Nach sieben Jahren wurden seine Gebeine, aus Besorgniß, daß sie später mit andern vermischt begraben werden möchten, auf Befehl des Generals Aquaviva in einen kleinen Garg gebracht und am 22. Juni 1598 eingemauert. Da der Herr bereits seinen Diener durch Wunder zu verherrlichen begon nen hatte, wurden die kostbaren Reliquien am 1. Juli 1602 in einem bleiernen Kästchen unter dem Altar des heiligen Sebastian aufbewahrt, in derselben Collegiumskirche( zu Maria Verkündigung). Es war dieß zwar heimlich geschehen, aber man wußte doch den Ort bald; der Ruf von der Heiligkeit des Moysius verbreitete sich mehr und mehr in alle Welttheile, und die Wunder auf seine Fürbitte vermehrten sich, so daß neununddreißig Jahre nach seinem ode bereits ihm zu Ehren eine Kapelle zu Rom erbaut wurde, mobin - Einige Wunder, die Gott a. s. Fürbitte gewirkt. 203 auch seine Reliquien- das Haupt allein war 1605 an die Kirche des Collegiums zu Castiglione abgegeben worden gebracht wurden, den 15. Juni 1620. - 37. Rapitel. Einige Wunder, die Gott auf seine Fürbitte gewirkt. Ein schönes und bedeutendes Zeugniß für die Tugendhaftigkeit und Heiligkeit des Aloyfius liegt ohne Zweifel in der großen Achtung und Verehrung, die ihm schon zu Lebzeiten von allen Seiten her ohne Ausnahme zu Theil wurden. Viele pflegten ihn den Unschuldigen, Heiligen, Engel zu heißen. Dieser Ueberzeugung stimmten auch die frömmsten und gelehrtesten Männer bei; so sagte z. B. ein ausgezeichneter Pater, Namens Hieronymus Piatti, er wundere sich nur, daß Äloysius nicht schon in seinem Leben viele und auffallende Wunder verrichtet habe. Nach seinem Tode wurde jene hohe Achtung und Verehrung von vielen Seiten her in Briefen an die Mutter kundgegeben und der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich schnell immer weiter, um so mehr, als Gott seinen Diener bald durch viele Wunder verherrlichte. Das erste Wunder, das durch den Heiligen von Gott erwirkt wurde, war ein Werk der findlichen Liebe und Dankbarkeit gegen seine Mutter. Als nämlich im Jahre 1593 der 204 Kap. 37. Einige Wunder, Markgraf Rudolf gestorben war, brach in Castiglione ein Aufstand aus gegen das Haus von Gonzaga. Dieß gieng der Markgräfin, Mutter des Aloysius, so sehr zu Herzen, daß sie gefährlich krank wurde. Sie war dem Tode nahe gekommen, ja sie hatte die heiligen Sterbfakramente empfangen und lag bereits in den letzten Zügen, als ihr Aloysius, ganz verklärt und von wunderbarem Glanze umgeben, erschien. Sie brach, tief ergriffen von dieser tröstlichen Erscheinung, in einen Strom von Freudenthränen aus und erhielt nun auch die Zusicherung, daß sie bald genesen und die Lage ihrer noch lebenden Söhne sich zum Bessern wenden werde. Beides gieng in nicht gar langer Zeit in Erfüllung. Ein anderes Bunder geschah durch Aloysius an Markus Anton Gussano. Dieser vornehme Venezianer war zu Padua in die Gesellschaft Jesu eingetreten und erkrankte im zweiten Jahre seines Noviziats im Herbst 1603 an einem bösartigen mit der Rose verbundenen Fieber. Nach wenigen Wochen schwoll ihm die Zunge auf und füllte sich sein Mund mit einer unreinen Flüssigkeit, die sich an die Zähne anlegte, das Sprechen hinderte und das Deffnen des Mundes beinahe unmöglich machte. Manchmal war er nicht mehr bei sich und die Aerzte gaben ihn bereits auf. Da tauchte in Mehreren der Gedanke auf, der Kranke sollte dem heiligen Aloysius, den er sehr verehrte, ein Gelübde ablegen. Sie die Gott auf seine Fürbitte gewirkt. 205 sprachen mit dem Pater Rektor davon und dieser ließ eine gewisse Reliquie des heiligen Aloysius dem Kranken bringen und ihn ermahnen, daß er nach Empfang der heiligen Wegzehrung etwa eine Wallfahrt nach Loreto zu Ehren des Heiligen geleben soll. Der Kranke nahm die Reliquie freudig und küßte fie ehrerbietig und machte das Gelübde in dem festen Glauben, daß dieß sein einziges Rettungsmittel sei, und empfahl sich inbrunstig. der Fürbitte des Heiligen. Von diesem Augenblicke an besserte sich sein Zustand sichts bar, und die Nacht gieng so gut vorüber, daß am Morgen die Aerzte ihn außer aller Gefahr erklärten. Der Hergang dieser wunderbaren Genesung wurde durch den Bischof von Padua gerichtlich aufgenommen, und zum Danke wurde ein hierauf bezügliches Gemälde an's Grab des Heiligen geschickt. Zwei junge männer, die sehr gefährlich frank waren und furchtbare Nierenschmerzen litten, erlangten durch die Fürbitte des hei ligen Aloysius, den sie vertrauensvoll anriefen, ihre Gesundheit wieder. Angelina von Brescia, 21 Jahre alt, hatte außerordentlich böse Füße. Der rechte Fuß war mit Wunden bedeckt, und am Knie des linfen Fußes hatte sie eine große Geschwulst, so daß sie nur mit Hülfe zweier Krücken sich mühsam ein wenig umher schleppen fonnte. In diesem traurigen Zustande befand sie sich bereits zwei und ein halbes Jahr lang. Da 206 Kap. 37. Einige Wunder, kam das Jahrgedächtniß des heiligen Aloystus, an welchem Tage sie sich nach dem Rathe eines vornehmen Herrn in die Jesuitenkirche führen ließ. An der Thüre daselbst angelangt, vermochte sie nicht mehr weiter zu kommen und sank auf die Kniee nieder. Gegen das Bild des heiligen Aloysius hingewendet, betete fie fünf Vater unser und fünf Ave Maria, und bat ihn inständig, ihr die Genesung von Gott erflehen zu wollen; sie versprach ihm zugleich, wenn sie genesen würde, ihre beiden Krücken neben seinem Bilde befestigen zu wollen, da sie aus Armuth nichts Anderes geben könne. Darauf bemühte sie sich wie der nach Hause. In der Nacht darauf schlos sen sich die Wunden und die Geschwulst am linken Knie nahm ab, so daß sie am Morgen sich schon gang ordentlich befand und nur noch eine Krücke nöthig hatte. Nach drei Tagen konnte sie auch diese entbehren und in furzer Zeit war sie so vollkommen hergestellt, daß der rechte Fuß, welcher eingeschrumpft war, die gleiche Länge des linken wieder hatte. Zum Zeichen ihrer Dankbarkeit ließ sie nach ihrem Versprechen ihre zwei Krücken in der Kirche des Collegiums der Jefuiten neben dem Bilde des Heiligen befestigen. In Venedig erfuhr ein junges Mädchen, das am Krebse litt, die Kraft der Fürbitte des heiligen Aloysius. Die Aerzte erkannten als das einzige noch anwendbare Mittel eine Operation. Das Mädchen rief Abends zu die Gott auf seine Fürbitte gewirkt. 207 vor den heiligen Aloysius um seine Fürsprache an und machte ein frommes Gelübde. Als nun am folgenden Tage die Operation stattfinden sollte, war das Mädchen schon volltommen gesund. Wunderbare Hülfe durch den heiligen Aloyftus erlangte auch Wolfgang von Asch, aus Landshut. Er hatte in München im Collegium der Jesuiten studiert und daselbst im Herbst 1617 durch Verkältung sich ein Augenleiden zugezogen, so daß er seine Studien unterbrechen und ärztliche Hülfe suchen mußte. Alles half nichts- er erblindete. Dazu bekam er noch ein heftiges anhaltendes Kopfweh, welches ihm das Gedächtniß so schwächte, daß er seine täglichen Gebete nicht einmal mehr recht verrichten fonnte. Je weniger menschliche Hülfe anschlug, um so mehr nahm er Zuflucht zur göttlichen. Darum rief er insbesondere am Feste Maria Verkündigung die feligste Jungfrau an. Nach wenigen Tagen glaubte er vier Jesuiten zu sehen: den heiligen Ignatius, den heiligen Franziskus Xaverius, den heiligen Aloysius Gonzaga und Stanislaus. Er sah sie so, wie sie in der Jefuitenkirche zu München abgebildet waren und hoffte von Einem derselben ganz zuversichtlich Hülfe zu erlangen. Und als sein Vertrauen durch einen Pater Professor auf Aloysius gelenkt worden, erhielt er in der That durch die Fürbitte dess selben fast plößlich sein Augenlicht wieder und ebenso sein Gedächtntß, und zwar in dem 208 Kap. 37. Einige Wunder, Maaß, daß er nicht mehr vergaß, was er einmal recht durchgelesen hatte. Aus Dankbarkeit besuchte Wolfgang dreimal das Grab des heiligen Aloysius zu Rom. Das erstemal wurde er aus den Händen von sechs Räubern befreit durch einen Mönch, der plößlich bei ihm erschienen war, jene ernst angesehen und gefragt hatte: Seid ihr auch Christen?" worauf sie bestürzt davon flohen. Bum drittenmal machte er jene Wallfahrt in Folge eines Gelübdes. Um jene Zeit hatten nämlich die Heere Gustav Adolphs, des berüchtigten Schwedenkönigs, Deutschland und insbesondere auch die Heimath Wolfgangs verheert und ihn unter den Geißeln aus Landshut gefangen nach Augsburg geführt. Dafelbst schmachtete er gegen drei Jahre lang und war durch die schlechte Behandlung der Feinde so herabgekommen, daß er dem Tode nahe stand; ja man hielt ihn einige Zeit lang schon für todt und bereitete schon Alles zu seiner Beerdigung vor. Da erschien ihm der heilige Aloysius und tröstete ihn, und nachdem er das Gelübde jener dritten Reise nach Rom gemacht hatte, nahm die Krankheit so sichtlich ab, daß er am folgenden Morgen, vollfommen genesen, aufstehen und herumgehen konnte. Der Arzt kam, um sich davon zu überzeugen und sprach zu ihm: Bei Ihnen wird die Heilkunde sammt den Aerzten zu Schanden, denn wir hielten Sie für todt." Er, der protestantische Arzt, gub sogar ein " 1 die Gott auf seine Fürbitte gewirkt. 209 schriftliches Zeugniß, daß hier ein Wunder der göttlichen Allmacht geschehen fei. Die kräftige Fürbitte des heiligen Aloyfius erfuhr ferner auf vielfache Weise eine besondere Verehrerin desselben, Henriette Altiffimi, eine Wittwe aus Tivoli. Sie hielt sich lange Zeit in Rom auf und wurde durch die Lebensbeschreibung des Heiligen so begeistert, daß sie wie außer sich seufzte:, seliger Aloysius! o seliger Aloysius!" Als sie nun im Jahre 1606 sehr frank wurde, und weder Hände noch Füße rühren konnte, ließ sie sich am 1. August zum Grabe des Heiligen tragen, wo sie inbrünstig seine Hülfe anrief und Erhörung fand, so daß sie gefund nach Hause gehen konnte. Im Jahre 1608 den 1. November erschien ihr der Heilige um 6 Uhr. Morgens und rief sie mit Namen. Er machte ihr Vorwürfe, daß sie noch schlafe und die Engel nicht höre, welche mit allen Auserwählten im Himmel Gott lobpreisen und singen: Heilig, heilig, heilig!- Sie stand sogleich auf, Gott zu lobpreisen, und war fortan viel fleißiger. Im Udvent 1610 hörte sie in der Kirche das Evangelium vom leßten Gerichte verlesen und wurde von dieser furchtbar ernsten Wahrheit so sehr erschreckt, daß sie den Herrn bat, er möchte sie doch in diesem Leben einen Theil dessen abbüßen lassen, was sie im andern für ihre Sünden zu leiden haben würde. Da empfand sie alsbald große Schmerzen an der Seite, im Magen, auf 14 - 210 Kap. 37. Einige Wunder, dem Herzen und am Kopfe. Ihr Heilmittel, das sie dagegen anwendete, bestand in dem Gedanken, daß sie gewiß noch mehr im Fegfeuer zu leiden haben würde, und daß der Sohn Gottes noch viel mehr für sie gelitten habe. Die Schmerzen vergrößerten sich aber immer mehr, so daß sie genöthigt wurde, das Bett zu hüten. Dessen ungeachtet wendete sie keine ärztlichen Mittel an, sondern nahm ihre Zuflucht nur zu ihrem heiligen Beschüßer, und bald hörten alle ihre Schmerzen auf. Im Oftober 1611 begab sich Henriette nach der heiligen Kommunion zum Grabe des heiligen Aloysius und bat ihn, ihr jene Reue wieder zu erlangen, die sie bei der ersten heiligen Kommunion gehabt hatte. Augenblicklich empfand sie solchen Reueschmerz, daß sie glaubte, das Herz wolle ihr zerspringen. Ihre Augen wurden zu zwei Thränenquellen und ihre Zernirschung erpreßte ihrem Innern den Seufzer: Es ist genug, es ist genug!" Sie vernahm aber zur Antwort, daß es noch nicht genug sei; worauf ihre Thränen und Schmerzen sich fortwährend vermehrten, bis sie in eine Ohnmacht sant, aus der sie erst nach einiger Zeit- jedoch frei von Schmerzen wieder erwachte. Außerdem erlangte fie sowohl für sich als auch für Andere von der Fürbitte des heiligen Aloysius noch viele andere Gnaden. 11 Die Tochter des Grafen Pompejus Camillo von Montevecchio erkrankte den 14. Juni 1725 die Gott auf seine Fürbitte gewirft. 211 gefährlich im Kloster der Karmeliterinnen zu Fano, wo sie aufgenommen zu werden wünschte. Die Krankheit begann mit heftigem Fieber und mit Kopfschmerzen, worauf starke Krämpfe folgten. Sie mußte beständig auf dem Rücken liegen und schien mehrmals, von Gemüthsunruhe und Schlaflosigkeit entfräftet, dem gewaltigen Fieber erliegen zu wollen. Sie wurde nun von ihren Eltern nach Hause geholt, um bessere Pflege zu genießen. Allein das Uebel verschlimmerte sich immer mehr und wurde bis zum 20. August durch innerliche Halsgeschwüre lebensgefährlich. Es wurde deßhalb der Rektor des dortigen Jesuitencollegiums gerufen, damit er das Mädchen Tode vorbereiten möchte. Sobald er zur Kranfen gefommen war, ermahnte er sie dringend, dem Schuße des heiligen Aloysius sich anempfehlen zu wollen, den Gott gewiß durch neue Wunder verherrlichen werde. Er hatte auch eine Reliquié vom Heiligen mitgebracht und überließ sie der Kranken. Diese hatte sogleich Sutrauen gewonnen zum heiligen Aloysius und empfahl fich nun unablässig seinem Schuße. Ihre Krankheit wurde jedoch immer bedenklicher und am 24. August galt sie bereits als unrettbar verloren. Sie konnte gar nichts genießen; auch nur ein Tropfen irgend eines Getränkes verursachte ihr die schmerzlichsten Anfälle. Man war sehr in Sorgen wegen des heiligen Abendmahles, das man ihr reichen wollte. Man versuchte es zuerst mit einem 212 Kap. 37. Einige Wunder, kleinen ungeweihten Stückchen, das sie aber nicht hinunterbrachte wegen der Trockenheit und Verschwellung des Schlundes. - Der Pater Rektor redete mit ihr vom nahen Tode und ermahnte sie zu innerlicher Vorbereitung dazu und Ergebung in den Willen Gottes. Sie war ganz ruhig und zufrie= den glaubte jedoch trotz ihrer Lage nicht an die Nähe ihres Todes, denn sie hoffte zuversichtlich, ihre Gesundheit wieder zu bekommen durch den heiligen Aloysius, der ihr Schuppatron gewesen von ihrer Jugend an. Um 1 Uhr Nachmittags wurde sie auffallend schwach und verlor das Gehör wie auch das Gefühl; fie athmete nur sehr schwer. Es wurde sogleich nach dem Arzte geschickt, der aber zu verstehen gab, daß kein menschliches Mittel mehr helfen könne, vielmehr der Tod unvermeidlich sei. Man betete bereits die Sterbgebete für sie und wartete auf ihr Ende da machte sie plößlich mit der rechten Hand einige Bewegungen, was die Anwesenden für ein Zeichen des Todeskampfes bielten. Als sie jedoch bald darauf die Bewegung wiederholte, nahm der Bater Rektor die Reliquie des heiligen Aloysius und sagte zu der Kranfen: Wollen Sie die Reliquie des seligen Aloysius?"- Sie konnte nicht gleich ant worten, wurde jedoch plößlich gesund. Sie hatte von all' dem Beten und Vorlesen nichts gehört; wohl aber bei der letzten Frage des Paters Rektors den Namen„ Aloysius" vers " 1 die Gott auf seine Fürbitte gewirft. 213 11 standen, wobei sie zugleich die Worte vernahm: Aloysius hat deine Genesung erlangt." In demselben Augenblicke fühlte sie sich vollkommen genesen, küßte die Reliquie mit Innigkeit und bekam wieder ein gesundes Aussehen. Sie bekannte dem Geistlichen und dem Arzte, daß sie keine Schmerzen mehr empfinde und durch Aloysius Fürbitte die Gesundheit erhalten habe. Alle, die zugegen waren, stimmten ein in den Lob- und Dankgesang das Te Deum für diese große wunderbare Hülfe. Sie konnte aufstehen, sich selbst ankleiden und war ganz hergestellt. Des andern Tages gieng sie dann zu Fuß in die Jesuitenfirche, wo sie die heiligen Šaframente der Buße und des Altars empfieng. -- - 38. Kapitel. Heiligsprechung des Aloysius. Durch die angeführten und viele andere Wunder wurde die Verehrung des Aloysius immer stärker und allgemeiner. Eine feiers liche und öffentliche Verchrung wurde ihm zuerst von den Dominikanern bereitet zu Brescia. Der Pater Sylvester Ugolotti, der den Aloysius von Kindheit auf gekannt und von den vielen Wundern auf seine Fürbitte gehört hatte, befand sich im Jahre 1604 in Brescia, und veranstaltete mit Erlaubniß des Bischofs für dieses Jahr eine Gedächtnißfeier des heiligen Aloysius. Die zahlreiche Jugend 214 Rap. 38. Heiligsprechung des Aloystus. der Stadt trug mit heiligem Wetteifer ihr Möglichstes bei zur Ausschmückung der Kirche und zur Verherrlichung des Tages. Es wurde eine erbauende Predigt über das Leben des seligen Aloysius gehalten und Nachmittags vieles Schöne und Belehrende über denselben der versammelten Jugend vorgelesen. Aloysius wurde sogar zum Schutzpatron der Stadt er wählt. Es geschah dieß, bevor er von Papst Paul V. selig gesprochen wurde. Damals war dazu bloß eine bischöfliche Erlaubniß nothwendig. Erst später wurde verboten, Personen, die im Rufe der Heiligkeit gestorben, kirchlich zu verehren, bevor sie vom Papste dessen für würdig erklärt worden sind. Derselbe Pater Ugolotti veranstaltete einige Wochen später den 28. Juli ein gleiches Fest in Castiglione, der Vaterstadt des Heiligen. In der geschmackvoll verzierten Kirche befand sich eine Abbildung des Aloysius, vor der Ünzählige ihre Andacht entzündeten und ihre Verehrung bezeugten. Ein Bater Dominikaner hielt in Gegenwart der Mutter des Verehrten eine so rührende Predigt, daß fast Alle, früher dem Aloysius unterthan, in Thränen zerflossen. Welche Früchte diese Verehrung getragen, ersieht man wohl am besten aus der einzigen Bemerkung, daß in selbigem Jahre noch das Bild mit 400 Votivtafeln umgeben wurde. Im Jahre 1605 hatte ein deutscher Kar dinal, ehemaliger Mitschüler des Aloysius, Heiligsprechung des Aloysius. 215 am 21. Auguft bei Papst Paul V. eine Au dienz und äußerte sich dahin, daß er höchst ungern nach Deutschland zurückkehre, ohne daß Aloysius selig gesprochen würde, und seine Verehrung gestattet worden wäre. Der Papst, schon längst für den Engel im Fleische günstig gestimmt, gewährte dem Kardinal seine Bitte. Dieser begab sich sogleich in die Kirche zum Grabe und ließ über demselben ein Gemälde aufstellen, das den Aloysius mit Glorie umgeben darstellte, und folgende Inschrift hatte:, Seliger Aloysius von Gonzaga, Mitglied der Gesellschaft Jesu." Darauf feierte der Kardinal die heilige Messe daselbst, der alle Patres des römischen Collegiums beiwohnten zur Danksagung für die Seligsprechung des Aloysius und für die ertheilte Erlaubniß, ihm öffentliche Verehrung erweisen zu dürfen. Die Nachricht hievon verbreitete sich schnell in weitern Kreisen, so daß man im folgenden Jahre am 21. Juni seinen Gedächtnißtag in Padua, Parma, Modena, Cremona, Florenz und an mehreren andern Orten, besonders in Castiglione höchst feierlich begieng. Mit der größten Pracht wurde das Fest zu Rom in der Kirche des römischen Collegiums gefeiert während acht Tagen. Papst Paul V. ließ hierauf das Leben des Aloysius genau durchsehen und prüfen, und die dazu bestimmten Kardinäle legten am 25. September 1605 einen Bericht vor, der dahin lautete, daß der engelreine Jüngling Aloysius 216 Rap. 38. Heiligsprechung des Aloysius. von Gonzaga, in Ansehung seiner großen Heiligkeit und den einunddreißig wunderbaren protocollarisch beglaubigten Genefungen nicht nur der Selig-, sondern auch der Heiligsprechung würdig sei. Der heilige Bater gab diesem Bericht seine Zustimmung und ließ hierüber am 19. Oktober desselben Jahres ein Breve ergehen, das Aloysius felig sprach, was vorher bloß mündlich geschehen war, und eine von Pater Cepari verfaßte Lebensbeschrei bung desselben zu drucken gestattete. Diese in italienischer Sprache geschriebene Lebensbe schreibung wurde bald in verschiedene Sprachen übersetzt und trug sehr viel bei zur Ausbreitung seiner Verehrung. Viele Städte folgten dem Beispiele Mantuas und wählten den seligen Aloysius zu ihrem Schußpatron. Ihm zu Ehren wurden Kapellen erbaut und Bruderschaften und Vereine unter seinem Schuße errichtet. Darunter ist besonders merkwürdig ein Verein von Jungfrauen, von drei Nichten des Seligen gegründet. Diese drei Jungfrauen, Töchter des Markgrafen Rudolf von Gonzaga, zogen sich am 21. Juni 1608 mit noch gehn andern Jungfrauen von der Welt zurück, um miteinander unter der Leitung des Pater Cepari ein frommes christliches Leben zu führen, und stellten sich unter den besondern Schutz des seligen Aloyfius von Gonzaga. Sie strebten mit heiligem Eifer, feine Tugenden nachzuahmen und wurden allgemein geachtet als ehrwürdige Jungfrauen Heiligsprechung des Aloysius. 217 Unterdessen wurde seit der Seligsprechung des Aloysius die Untersuchung und Prüfung über sein Leben von der Congregation für die heiligen Gebräuche einem Vereine von in der christlichen Lehre und dem kirchlichen Rechte bewanderten Männern- eifrig fortgeseßt and endlich am 10. November 1612 ein ausführlicher Bericht vom Kardinal Capponi dem Papste vorgelegt, der also schloß:„ Ich glaube in dieser Angelegenheit alle zur Heiligsprechung des seligen Aloysius erforderlichen Bedingungen zu finden, und halte es für angemessen, daß man an seinem Gedächtnißtage ihm zu Ehren besondere Gebete und die heilige Messe Gott darbringen dürfe." Dieser Ansicht waren auch alle andern Glieder der heiligen Congregation und bezeugten es durch ihre Unterschrift zu obigem Bericht. Allein der Papst wollte alle mögliche Vorsicht anwenden und die Sache zuerst selbst auch noch prüfen, bevor er etwas beschließe. die Aften daher der römischen Rota höchsten kirchlichen Gerichtshof- zur Prüfung übergeben. Nach fünf Jahren entschied derselbe, daß der Papst den seligen Aloysius unter die Zahl der kirchlich anerkannten Heiligen aufnehmen könne, zur größern Ehre Gottes und zur Verherrlichung seiner heiligen Kirche. Hterauf verlangte der Papst noch einmal das Urtheil der Congregation für die heiligen Gebräuche, und gestattete endlich 1621, daß man die priesterlichen Tagzeiten beten und Er ließ dem - - 2.001 218 Kap. 38. Heiligsprechung des Aloyfius. die heilige Messe vom heiligen Aloysius feiern dürfé in den züm Hause Gonzaga gehörigen Besigungen und in einigen Kirchen der Jeſuitencollegien. Papst Gregor XV. ertheilte diese Erlaubniß allen Jesuiten. Die wirkliche, feierliche Heiligsprechung des seligen Aloysius wurde durch den häufigen, schnellen Wechsel der Personen auf dem römischen Stuhle und durch mancherlei andere Umstände mehr als hundert Jahre hinausgezogen, was jedoch der Ausbreitung seiner Verehrung nicht hinderlich war. So wurde auch zu Rom ihm zu Ehren ein eigener Altar errichtet. Der Kardinal Ludwig Ludovisi ließ nämlich beim römischen Collegium eine majestätische dem heiligen Ignatius geweihte Kirche erbauen, deren Grundstein am 2. August 1626 gelegt wurde. Im linken Schiffe ungefähr wo Aloysius gewohnt hatte und gestorben war- wurde ihm zu Ehren ein herrlicher Altar errichtet, auf welchem im Jahre 1700 an seinem Gedächt nißtag zum erstenmal das heilige Meßopfer dargebracht wurde. - Inzwischen waren sehr viele Bittschriften und Vorstellungen von Kaisern und Königen, von Einzelnen und Gemeinden, von Geistlichen und Weltlichen an den heiligen Stuhl gerichtet worden, um die Heiligsprechung des seligen Aloysius zu bewirken. Papst Clemens X. verordnete zu Ehren des Seligen, daß sein Name in das romische Martyrologium- Verzeichniß der beiligen Martyrer aufgenommen Bulle der Heiligsprechung des Aloysius. 219 werde, wodurch seine Berehrung bedeutend erhöhet und verbreitet wurde, so daß Papst Clemens XI. 1700 mit Recht sagen konnte, der heilige Stuhl würde durch Erlassung einer Heiligsprechungsbulle nicht so fast seine Heiligkeit öffentlich und allgemein bekannt machen, als vielmehr im Einverständniß mit der ganzen katholischen Kirche und in Kraft des allgemeinen Rufes nur erklären, daß er schon heilig gesprochen sei. Die Sache der Untersuchung wegen der Heiligsprechung gedich jedoch erst unter Papst Benedikt XIII. bis zur Entscheidung, der dann auch nach vielem Fasten und Beten die Heiligsprechungsbulle erließ. 39. Kapitel. Bulle der Heiligsprechung des Aloysius. Papst Paul V. seligen Andenkens, hatte im Jahre 1605 den ehrwürdigen Diener Gottes, Aloyfius von Gonzaga, Mitglied der Gesellschaft Jesu, selig gesprochen. Die Angelegenheit seiner Heiligsprechung wurde der heiligen Congregation für die Gebräuche übertragen, welche seine Tugenden und Wunder prüfte und bestätigte, sowohl den 10. November 1612 auf den Bericht des Kardinals Capponi, als am 31. März 1618 auf einen Bericht, den der höchste Gerichtshof auf Anordnung Papst Pauls V. verfertigt und der Congregation für die Gebräuche übergeben 220 kap. 39. Buue der Heiligsprechung hatte, die damals in diesen Sachen die no thigen Dekrete ausfertigte. Da diese Angelegenheit 1722 in Folge eines Auftrages von Papst Innozenz XIII., seligen Andenkens, wieder aufgenommen wurde, und der Kardinal Fabroni am 18. August 1725 fragte, ob die Tugenden und Wunder des Seligen schon hinreichend geprüft und bestätigt seien, so daß fie zum Behuf der Heiligsprechung nicht mehr untersucht und bestätigt zu werden brauchten, so gab die heilige Congregation den Bescheid, daß dieß hinreichend geschehen sei und erklärte noch am 24. November 1725, daß die bestätigten Wunder dieselben seien, welche durch den Kardinal Capponi 1612 angeführt und nachher geprüft worden sind, und es blieb nun nichts Anders übrig, als die Frage zu stellen, ob zu der feierlichen Heiligsprechung sofort geschritten werden könne. Unser heilige Bater Benedikt bestätigte die dießfallsigen Dekrete. Die Untersuchungen und ihr Erfolg wurden in einer Generalversammlung in Beisein Sr. Heiligkeit vorgetragen und die Ueberzeugung wurde ausgesprochen, daß man zur feierlichen Heiligsprechung fortschreiten könne. Unser heilige Vater nahm nach vernommener Ansicht der Versammlung seine Zuflucht zu Gott, um bei Fasten und Beten noch einige Zeit die Sache reiflich zu überlegen, bevor er etwas entschied. Endlich am beutigen Tage, als am Gedächtnißtage der heiligen Taufe, in welcher der Selige das weiße Kleid der Un des Aloyfius. 221 schuld empfieng, das er so rein und makellos vor dem Richterstuhle Gottes niedergelegt hat, brachte Se. Heiligkeit das heilige Meßopfer dar mit großer Feierlichkeit in der Kirche des heiligen Johannes von Lateran und berief hierauf den Erzbischof von Theodosien, Pros per Lambertini und mich unterzeichneten Sefretär der genannten Congregation in seinen Palast und befahl, dieses Defret der Heiligsprechung des seligen Aloysius von Gonzaga auszufertigen und zu veröffentlichen, was hiemit geschehen soll, damit zur größern Ehre Gettes und zur Verherrlichung seiner katholischen Kirche und zur Ehre der berühmten Gesellschaft Jesu, zur Verehrung und Nachahmung aller Gläubigen und insbejondere der Jugend dieser durch die Unschuld seines Lebens, wie auch durch Verachtung aller zeitlichen Ehren rühmlichst bekannte Jüngling als Vorbild aufgestellt werde, mit welchem Ehrentitel schon Papst Clemens X. 1671 den seligen Aloysius von Gonzaga im römischen Martyrerverzeichniß aufgeführt hat. Am 20. April 1726. Kardinal Paolucci, Präfekt. M. Tedeschi, Erzbischof von Apamea Sekretär der Congregation der heiligen Gebräuche. ( L. S.) 1 Kap. 40. Schluß. 40. Kapitel. Schluß. Die übliche Ceremonie der Heiligsprechung wurde vorgenommen am 31. December 1726 in der Kirche des Vatikan. Am 22. November 1729 gab Papst Benedikt XIII. den heiligen Aloysius der Jugend zum Schutzpatron, und verlieh Jedem einen vollkommenen Ablaß, der nach würdigem Empfange der heiligen Sakramente der Buße und deß Altars an seinem Altare eine besondere Andacht verrichtet. Am 21. December 1737 verlieh Papst Clemens XII. einen vollkommenen Ablaß Allen, die an sechs Sonntagen vor oder auch nach dem Feste des heiligen Aloysius( den 21. Juni,) nacheinander, wahrhaft bußfertig die heiligen Sakramente der Buße und des Altars empfangen und diese Tage durch fromme Betrachtungen, eifrige Gebete und andere Uebungen der christlichen Liebe und Frömmigkeit zur Verherrlichung Gottes und Ehre des heiligen Aloysius feiern. Da man unter Benedikt XIV. den Zweifel aufstellte, ob der Ablaß nur für die sechs Sonntage zusammen oder für jeden Sonntag besonders sei, so erklärte dieser Papst, man solle denselben auf jeden Sonntag besonders ausdehnen. Dieses Dekret ist vom 7. Januar 1740. 222 Auf die Vorstellungen, welche man demfelben Papste wegen der gleichzeitigen Feier Schluß. 223 des Gedächtnißtages dieses Heiligen in mehreren Kirchen einer und derselben Stadt, was nicht immer den 21. Juni Statt haben könne, machte, antwortete Se. Heiligkeit, daß man, um die Verehrung dieses Heiligen zu vermehren, sich nur an jedem Orte mit den Obern zu verständigen habe, um zu diesem Zwecke verschiedene Tage anzugeben, und daß an dem von dem Bischof bestimmten Tage die Tageszeiten und die Messe des Heiligen zu singen seien, wobei auch die Ablässe gewonnen werden können. Dieses Dekret ist vom 22. April 1752. Endlich kam Papst Clemens XIII. am 21. Juni 1762 in das römische Collegium, feierte hier das heilige Meßopfer am Altare des heiligen Aloysius von Gonzaga, und erklärte nach der Messe für immer alle Priester, welche auf demselben Altare Messe lesen würden, besonderer Ablässe theilhaftig; wodurch die allgemeine Verehrung und der Andrang von Priestern, welche an diesem Orte, wo die Ueberreste dieses Engels ruhen, das heilige Mesopfer darbringen wollten, sehr zunahm. Die Verehrung des heiligen Aloysius breitete sich fortan immer noch mehr aus und brachte allenthalben die herrlichsten Früchte der Gnade und der Frömmigkeit hervor. Geängstigte Gewissen wurden beruhiget, von Versuchungen geplagte Gemüther davon befreit, oder doch so gestärkt, daß sie dieselben siegreich überwanden; Standeswahlen wurden 224 Kap. 40. Schluß. glücklich getroffen, böse Gewohnheiten abge legt, Laster ausgerottet, hartnäctige Sünder zur Buße gebracht, die Unschuldigen erhalten, die Gerechten in der Tugend gefördert. Wie man so in allen Anliegen des Herzens und Gefahren der Seele die Hülfe des Heiligen erfuhr, so erfreute man sich nicht weniger seincs mächtigen Beistandes in manigfaltigen Leiden des Leibes.- Laß dich, lieber Leser, durch die Geschichte des wunderbar heiligen Lebens und durch das Beispiel unzähliger frommer Christen bewegen zu einer besondern Verehrung und Erwählung des heiligen Aloystus zum Schußpatron- und du wirst die segensreiche Kraft seiner Fürbitte freudig erfahren was Gott geben wolle! Seine heilige Teele bete für uns im Himmel, während wir hienieden seine kostbaren Ueberreste verchren. Möge es dem Herrn gefallen, uns durch seine Verdienste eine solche Fülle der Gnaden und Segnungen zu gewähren, auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi, dem mit dem Vater und dem heiligen Geiste Preis und Ehre sei von Ewigkeit u Ewigkeit! Amen. Bweiter Theil. Verehrung des heil. Aloysius, rder Der heilige Aloysius als Patron der christlichen Jugend. I. Andachten zur Verehrung des heiligen Aloysius. Das Aloysianische Bündniß, oder die Aloysius- Sodalität. Belehrung. Die Verehrung des heiligen Moysius ist eines der kräftigsten Mittel, um besonders unter der christlichen Jugend Sittsamkeit und Herzensreinigkeit zu erhalten. Deßhalb hat auch die Kirche diesen Heiligen als den besondern Patron der Jugend aufgestellt. Wegen den vielen Gnaden und Wohlthaten, die der heilige Aloysius seinen Verehrern von Gott erhalten hat, sind schon früher an manchen 15 226 Belebrung. Orten Personen beiderlei Geschlechts in Bündnisfe zusammengetreten. Dabei hatten sie keine andere Absicht, als durch gemeinsamen Eifer und vercinte Kraft die Ehre des Heiligen zu befördern, seine Pflegkinder im Guten zu erhalten und zu begeistern, damit sie dem heiligen Aloysius in der Frömmigkeit, besonders in der Unschuld und Buße nachfolgen und durch Uebung guter Werke auch den armen Seelen im Fegfeuer hülfreich werden möchten. Die Päpste haben diese Berehrung des Heiligen durch Verleihung mehrfacher Ablässe den Gläubigen empfohlen. So hat Papst Clemens XII. allen Denjenigen, wel te an dem Festtage des heiligen Aloysius oder sechs Sonntage nacheinander zur Verehrung des Heili gen würdig beichten und kommuniziren und ihr Gebet nach der Meinung der Kirche verrichten, jedesmal einen vollkommenen Ablaß verliehen. Ebenso Papst Clemens XIII. den 9. Mai 1763 dem Bündnisse zu Augsburg in der Kirche bei St. Salvator. Wenn dir darum die Bewahrung deines eigenen Herzens von aller Unlauterfeit und das Wohl deiner jungen Freunde angelegen ist, o so tritt in ein solches aloysianisches Bündniß, oder, wenn dieß nicht möglich, verehre den heiligen Aloyfius doch sonst wie die Mitglieder jenes Bündnisses, und ermahne Andere zu dem Gleichen. Sagungen. Sagungen. 1) Die Mitglieder des aloysianischen Bündnisses haben mit ihrem Eintritt in dasselbe den Zweck und die Absicht und verpflichten sich darauf( jedoch nicht unter einer Sünde, wenn sie darin nachlässig sein sollten), daß fie Gott in allen Dingen getreu und eifrig dienen, und darum dem ausgezeichneten Tugendbeispiele des heiligen Aloysius, vorzüglich seiner englischen Reinigkeit und seinem Gebetseifer, nach Kräften nachfolgen wollen. Um dieß zu erreichen, sollen folgende Mittel angeordnet werden: 227 2) An dem Tage des Eintritts soll jedes Mitglied reumüthig beichten und das allerheiligste Altarssakrament andächtig empfangen, sodann vor einem Altare, oder doch vor einem Bilde des heiligen Aloyfius das folgende Bündnißgebet mit Andacht verrichten. Die heiligen Sakramente soll man da mit noch größerm Eifer als je bisher empfangen, und wo möglich eine Lebensbeicht ablegen. 3) Täglich soll jedes Mitglied ein Vater unser und Gegrüßt seist du Maria beten zur Ehre des heiligen Aloysius, um die verlangten Gnaden zu erhalten; auch in der Frühe einige gute Berke des beginnenden Tages für die Lebendigen oder Abgestorbenen aufopfern. Auch das Bündnißgebet täglich zu beten, ist heilsam. 4) Am Feste des heiligen Aloysius oder 228 Sapungen. am Sonntage vor- oder nachher soll jedes Mitglied nach verrichteter heiliger Beicht und Kommunion das gemachte Bündniß erneuern. 5) Um diese Zeit soll auch jedes Mitglied die sechs aloysianischen Sonntage feiern durch Bornahme der angegebenen Betrachtungen und wenigstens Einmal die heiligen Sakramente empfangen. 6) Jedes Mitglied soll von diesem Heiligen etwas bei sich tragen, z. B. ein Denkzeichen, einen Rosenkranz, ein Bild; damit es dadurch zur Zeit der Anfechtung, Gefahr zc. 26. zur Verchrung und zum Vertrauen auf den Heiligen ermuntert werde. 7) Die Mitglieder sollen mit Eifer die Verehrung dieses Heiligen verbreiten, z. B. seine Tugenden und sein Leben Andern bekannt machen; die Wunder, die auf seine Fürbitte geschehen sind, erzählen, und Andere zum Eintritt in's gleiche Bündniß ermuntern; Kine dern, denen sie Taufpathe werden, seinen Namen geben lassen 2c. 2c. 8) Jährlich sollen zwei heilige Messen ge lesen( von geistlichen Mitgliedern) oder an gehört werden( von nicht geistlichen Mitglie dern) für alle lebendigen und verstorbenen Mitglieder des Bündnisses. 9) Alle sollen sich vor unehrbaren und gefährlichen Gesprächen, Büchern, Zusammenkünften, Scherzen, Spielen zc. 2c. forgfältig hüten, und Andere nach Möglichkeit davon abhalten. Saßungen. 229 10) Die Mitglieder sollen öfters den Vors faß erneuern, die standesmäßige Keuschheit zu bewahren, und jene Gelegenheiten, in denen fie in Gefahr kommen könnten, mit aller Behutsamkeit fliehen. 11) Die Mitglieder sollen insbesondere seine kindliche Verehrung der allerfeligsten Jungfrau Maria nachahmen, und daher den englischen Gruß stets mit besonderer Andacht beten. 12) Jedes Mitglied soll diese Sagungen nach bestem Wissen und Sinnen zu halten sich befleißen, und sie darum öfters wieder lesen und sich über ihre Beobachtung prüfen, das mit es der gemeinschaftlichen Berdienste und Wohlthaten dieses heilsamen Bündnisses um so gewisser und vollkommener theilhaftig werde. 13) Wer das tägliche Ablaßgebet Seite 308 nach wenigstens erweckter Reue mit Andacht betet, nebst einem Vater unser und Gegrüßt feist ic., gewinnt ein Mal des Tages einen Ablaß von 100 Tagen, der auch den Seelen im Fegfeuer kann zugewendet werden. ( Pius VII. 1802.) 14) Wer an sechs Sonntagen, unmittelbar vor oder auch nach dem Feste des heiligen Aloysius un unterbrochen nacheinander jedesmal die heiligen Sakramente der Buße und des Altars wurdig empfängt und einige fromme Uebungen oder gute Werke zu dessen Chre verrichtet, gewinnt an jedem dieser Sonntage einen vollkommenen Ablaß. Eben desselben Ablasses wird Jeder theilhaftig, der 230 Bündnißgebet. am Feste des Heiligen selbst die heiligen Sakramente empfängt, für das Wohl der heiligen Kirche betet, und der Feier des Festes beiwohnt.( Clemens XII. 1739 und 1740.) pidin ope Hallo Bündnißgebet. Heiliger Aloysius, engelreiner Jüngling! ich erwähle dich heute zu meinem besonderen Patron und Vorbild der Reinigkeit, und nehme mir fräftig vor, niemals wider diese Tugend zu handeln in Gedanken, Worten und Werken oder bösen Beispielen. Ich will auch zu diesem Zwecke alle bösen Gelegenheiten und Zusammenkünfte meiden, und nach Kräften Andere davon abhalten. Nimm mich auf zu deinem beständigen Pflegkinde, warne und beschüße mich in allen Gefahren, verlaß mich in feiner Anfechtung, besonders aber stehe mit bei in der Stunde des Todes. Amen. Gebet, um den heiligen Aloysius zum Patron zu erwählen. Heiliger Alcysius, Muster und Vorbild wahrer Reinigkeit und eines gottgefälligen Lebens! mit inniger und ehrfurchtsvoller Ergebenheit und mit heißem Verlangen, deiner Ünschuld und Keuschheit nachzufolgen, erwähle ich dich zu meinem besondern Schußheiliger und Fürsprecher bei Gott.- Siehe, ich bin fest entschlossen, deinem schönen Wandel auf Erden als meinem erhabenen Vorbilde nachjuleben und nie in eine Sünde bedachtsam Gebet, um den heil. Moyfius 2c. 231 einzuwilligen. Vorzüglich aber nehme ich mir vor, nie mit einem Gedanken, Worte oder Werke etwas zu thun oder zuzulaffen, das der Keuschheit zuwider wäre.- Ich bitte dich deßhalb vertrauensvoll, o unschuldiger Jüngling, heiliger Aloystus! du wollest mich zu deinem Schußkinde annehmen und mir in allen Gefahren und Versuchungen dieses Lebens beistehen. Bitte also für mich, daß ich überall in der Furcht des Herrn wandle, meine Sinne in strenger Zucht bewahre, nie etwas Unanständiges begehe, rede oder denke, alle Anfechtungen zur Sünde muthig bekämpfe, die Reinigkeit des Herzens sorgfältig pflege und zu immer höherer Vollkommenheit und innigerer Liebe Gottes gelange. Laß dir meinen Leib und meine Seele, mein Leben und meinen Tod, sammt allen meinen geistlichen und leiblichen Anliegen und Nöthen empfohlen sein. Laß nicht ab, bei Gott Fürsprache einzules gen, bis meine Seele dahin gekommen ist, wo ich dich in deiner Seligkeit finden und die Krone der Unsterblichkeit empfangen werde, um mit dir den barmherzigen Gott in alle Ewigkeit zu lieben und anzubeten. Ich bitte dich darum durch deine inbrünstige Liebe zu Gott, zu Jesus dem Gekreuzigten und zu dem hochheiligen Altarssakramente; endlich durch jene zärtliche und eifrige Liebe, die du zu Maria, der jungfräulichen Mutter und für das Seelenheil aller Menschen im Herzen getragen und im Leben bewiesen hast. Amen.. 232 Gebet zum heil. Aloysius xc. Gebet zum heiligen Aloysius, um eine Gott wohlgefällige Standeswahl. Unschuldiger Jüngling, engelreiner AloyFus! der du dich in deinem sterblichen Leben durch immerwährendes Streben nach Vollkem menheit zu einem so hohen Grade von Heiligkeit erschwungen hast; der du besonders durch die Demuth, mit welcher du den Glanz deiner Tugenden zu verbergen suchtest, verdient hast, von dem Herrn nicht nur im Him mel mit Herrlichkeit gekrönet, sondern auch auf der Welt durch so viele Wunder und außerordentliche auf deine Fürbitte erhaltene Gnaden verherrlichet zu werden: siehe, ich werfe mich zu deinen Füßen, und bitte dich von ganzem Herzen: erflehe mir von Gott, dem Vater des Lichts, die so nothwendige Erleuchtung in dem wichtigen Geschäfte meiner Standeswahl. Stehe mir bei in dieser, für mein ganzes Leben und selbst für die Ewigkeit entscheidenden Angelegenheit; zeige mir den Weg, den ich nach dem Willen Gottes einschlagen soll, auf daß ich glücklich das Ziel erreiche, wozu ich erschaffen bin, die Tugend und ewige Seligkeit, damit ich mit dir mich einst im Himmel ewig erfreuen möge! Amen. Gebet, um den heil. Aloysius 2c. 233 Gebet, um dem heiligen Aloysius seine Hul. digung darzubringen. Englischer Jüngling, liebenswürdiger und mächtiger Fürsprecher Aloysius! ich dein unwürdiger Berchrer erkenne den hohen Werth deiner Tugenden bei Gott und betrachte ehrfurchtsvoll den Glanz deiner Berherrlichung. Ich freue mich, daß du im Himmel so erböhet worden bist, wie es deinen großen Verdiensten angemessen ist, und daß dein Name jeden Tag auf Erden geehrt und verherrlichet wird. Ich benedeie tausend und tausend Mal die heilige Dreieinigkeit, welche deine Seele mit einer so fleckenlosen Unschuld geschmückt, und sie mit so vielen andern heldenmüthigen Tugenden begabt hat. Ich danke dem ewigen Vater, daß er an dir ein so ausgezeichnetes Wohlgefallen findet; ich danke dem Sohne, daß er dich für einen in seinem Blute Reingewaschenen anerkennt; ich danke dem heiligen Geiste, daß er deinem Herzen so viel von seiner Liebe mittheilte. Ich bitte dich flehentlich bei so vielen übernatürlichen Gaben, womit dich Gott bereicherte; bei der Unschuld und Buße, wodurch du dich auszeichnetest; bei der Liebe, die du auf Erden zu Gott trugest und bei dem Uebermaaße von Herrlichkeit, welche du jest im Himmel genießest ich bitte dich flehentlich, du wolleft mir eine wahre Zertnirschung über meine Sünden, und eine von jeder Makel freie Herzensrein 234 Bitte um die Gnade zc. heit bei Gott erlangen. Ich bitte dich, du wollest bei all meinem Thun und Lassen, im Leben und Sterben mein Beschüßer sein und insbesondere diese Gnade durch deine Fürsprache mir erwirken( nenne eine besondere Gnade.) Antiphon. Heil dir, du guter und getreuer Knecht, weil du aber Weniges getreu gewesen bist, will Ich dich über Bieles seßen; gehe ein in die Freude deines Herrn. V. Den Gerechten führt der Herr gerade Wege, R. Und zeigt ihm das Reich Gottes. Lasset uns beten. D Gott! Du Geber himmlischer Güter, der Du bei dem englischen Jünglinge Aloysius eine bewunderungswürdige Unschuld mit strenger Bußfertigkeit vereiniget haft: verleihe durch seine Berdienste und Fürbitte, daß ich, wenn nicht im Stande, seine Unschuld zu erreichen, doch seine Bußfertigkeit nachahme; durch Jefum Christum, unsern Herrn. Amen. Bitte um die Gnade, dem heiligen Aloysius nachzufolgen. Wir bitten Dich, o Herr! erwecke in uns den Geist, mit welchem der heilige Aloysius Dir gedient hat; damit wir mit demselben erfüllt das lieben, was er geliebt, und im Werke ausüben, was er in Wort und Beispiel gelehrt hat; durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. 235 Empfehlung in den Schup 2c. Empfehlung in den Schuß des heiligen Alcyfius. Gonzaga, laß mich Gnade finden! O nimm dich deines Pflegkinds an; Bewahre mich vor allen Sünden Und führe mich der Tugend Bahn. Nach deinem Beispiel will ich leben, Die Welt verachten sei mir Ruhm; Ich will mich gänzlich Gott ergeben, Ihm schenk ich mich zum Eigenthum. Ich will für meine Sünden büßen, Und tilgen meine Sündenschuld;" Die Reuethränen sollen fließen, Und mir erwerben Gottes Huld. Ich will mit dir Maria lieben, Und Jesus, ihren lieben Sohn; Beseele mich mit gleichen Trieben, Erwirb mir eine gleiche Kron. Amen. Lobgefang zu Ehren des heiligen Aloyfus. 1. Dich, Aloysius, will ich preisen, Ogroßer Fürst im Himmelreich! Der kann dir würdig Ehr' erweisen? Du warst an Unschuld Engeln gleich Die ganze Erde muß sich freuen Und dich frohlockend benedeien, Weil du ihr treuer Helfer bist, Wenn sie in Angst und Nöthen ist. 236 Lobgesang zu Ehren des heil. Aloyslus. 2. Der Höchste hatte dich erforen, Daß du nur Ihm sollst eigen sein; Du hast die Unschuld nie verloren, Du bliebst von Sünden allzeit rein. Du flohst schon in den ersten Jahren Mit größter Sorgfalt die Gefahren; Nie reizte dich die Eitelkeit, Nur Gott war deine ganze Freud'! 3. Du hast die ganze Welt verachtet, Weil ihre Freuden eitel find; Nach höhern Gütern haft getrachtet, Wo man die Ruh' der Seele find't. Beim Beten hast du Rub' gefunden, Da flossen dir so manche Stunden Wie Augenblicke schnell dahin; Da war in Gott vertieft dein Sinn. 4. Am Kreuze Jefum zu betrachten, Ihn anzubeten am Altar, Und ihm dein reines Herz zu schlachten- Dieß brachtest Ihm zum Opfer dar. Mir Jesu auch Maria ehren Und überall ihr Lob vermehren, War dein Bestreben jederzeit, Und deines Herzens größte Freud'. Litanei zum Heil. Aloysius. 5. Doch seht! wie dieser Engel büßet, Wie er voll Liebe und voll Reu', Mit Thränen auch das Blut vergießet, Obwohl er ist von Sünden frei. Auch ich, als Sünder, ich muß büßen Und waschen meiner Sünden Schuld 237 Durch Thränen, die aus Trauer fließen, Und mir erwerben Gottes Huld. Amen. Litanci zum heiligen Aloysius. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Buter vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Heilige Maria, bitt für uns! Heiliger Aloysius,**) Heiliger Aloysius, unser besonderer Schußpatron, Der du durch die heilige Taufe eher dem Himmel als der Erde geboren worden, Der du von Gott zu einer außerordentlichen Heiligkeit bist erwählt worden, *) Erbarme Dich unser! Bitt für uns! 238 Litanet zum heil. Aloyfius. Der du von Gott mit vorzüglichen Gnaden ausgerüstet und gezieret worden,*) Der du die Gnade der Taufe und Unschuld bis in den Tod unverleßt dir bewahret, Der du, um die Unschuld zu erhalten, selbst den Schatten einer Sünde geflohen, Der du die äußern Sinne mit größter Behutfamkeit bewahrt Der du dein Fleisch durch die strengste Abtödtung bezähmt und gefreuziget, Der du im Geiste der Bußfertigkeit alle Widerwärtigkeiten geduldig ertragen, Der du dein Leben in der strengsten Buße beschlossen, Der du deinen Beruf mit heldenmüthiger Standhaftigkeit erfüllet, Der du die Welt und alle ihre Güter großmüthig verachtet Der du die Schmach des Kreuzes dem Glanze der Kronen vorgezogen, Der du dein größtes Vergnügen in dem Ge bete und der Betrachtung göttlicher Dinge gefunden Du Beispiel der englischen Reinigkeit, Du Büßer ohne Sünde, Du Wunder der Abtödtung, Du Spiegel der Zucht und Ehrbarkeit, Du wahrer Diener Gottes, Du andächtiger Verehrer des heiligsten Hers zens Jesu, *) Bitt für uns! Litanei zum heil. Aloyfius. 239 Du zärtlichster Liebhaber Jesu des Gefreuzigten,*) Du inbrünstiger Anbeter des heiligsten Altarssakraments, Du getreuestes Pflegkind Maria, Du Engel im Fleische, Du Lilie der Keuschheit, Du Eiferer im Beruf, Du unblutiger Martyrer der Liebe Gottes, Du demüthiger Nachfolger Jesu, Du Freund der Armen, Du Helfer der Kranken, Du liebreicher Tröster der Kleinmüthigen, Du fichere Zuflucht der Bedrängten, Du mächtiger Fürsprecher der Büßenden, Du sorgfältiger Beschüßer der Unschuld und Reinigkeit, Du großer Liebhaber der jungfräulichen Reinigkeit, Du besonderer Patron der christlichen Jugend, Du leuchtendes Vorbild der studierenden Jünglinge, Du weiser Rathgeber in Erwählung des Standes, Du träftiger Fürbitter aller dich Anrufenden, Heiliger Aloysius, unser auserwählter Patron, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du in uns eine heilige Furcht vor aller Sünde erweckest und erhaltest, wir bitten dich, erhöre uns! *) Bitt für uns! 240 Litanei zum heil. Aloysius. Daß du uns den Geist der Buße und Abtödtung erbittest,*) Daß du uns die Gnade erflehen wolleft, unser Gemüth stets von dem Irdischen abzuziehen und zum Himmlischen zu erheben, Daß du uns zum innerlichen Gebete und zur Betrachtung anleiten wollest, Daß du uns ein kindliches und liebevolles Vertrauen zu Maria erlangen wollest, Daß du in uns eine innige Berehrung zum Herzen Jesu einflößen wollest, Daß du uns die Gnade erwerben wollest, mit inniger Theilnahme das Leiden Jesu zu beherzigen, Daß du uns die Gnade erbitten wollest, und eifrig vorzubereiten auf die heil. Kommunion, Daß du uns begleiten wollest zum andächtigen Empfange des heiligsten Sakramentes, Daß du uns die Gnade einer standesgemäßen Keuschheit erwerben wollest, Daß du uns in allen Tugenden befördern wolleft, Daß du eine vollkommene Liebe Gottes in unsern Herzen entzünden wollest, Daß du uns die Beharrlichkeit im Guten bis an's Ende erhalten und uns im Tode beistehen wollest, D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone und, o Herr! *) Wir bitten dich, erhöre uns! Litanet zum heil. Aloysius. 241 D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Herr. D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! V. Bitt für uns, o heiliger Aloysius! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, barmherziger Gott! der Du die Schäße deiner Gnade und Barmherzigkeit so reichlich über den, heiligen Aloysius ausges gossen, daß er sich mitten in der Welt von aller Eitelkeit frei erhalten und nur nach dem Himmlischen sich gesehnt hat; der Du ihn auch durch eine wunderbare Unschuld in Reinigkeit den Engeln fast gleich gemacht hast: wir bitten Dich demüthig durch seine großen Verdienste, Du wollest auch uns barmherzig die Gnade verleihen, daß wir nach seinem Beispiele von allen Gefahren der sündhaften Welt befreit, Dir jest unter den Menschen vollkommen dienen, und einst dort mit den Engeln in deiner Anscheuung uns ewig erfreuen und Dich loben und preisen mögen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 16 242 Tagzetten Tagzeiten zu Ehren des heiligen Aloysius. Zur Metten.*) Vater unser. Gegrüßt seist du Maria. Ich glaube an Gott Vater. Jesus, der Bräutigam jungfräulicher Seelen, entzünde unsere Herzen mit seiner heiligen Liebe. V. Herr, eröffne meine Lippen, R. So wird mein Mund dein Lob verkünden. V. D Gott, hab' Acht auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfange, so jetzt und allzeit und in alle Ewigkeit. Amen. Lobgesang. Die Unschuld des heiligen Aloyfius. Gonzaga! dich hat Gott erforen, Daß du nur Ihm sollst eigen sein; Du wurdest als ein Licht geboren, Von Sünden durch die Taufe rein. Die Weltpracht hat dich nie gerühret; Nie hat die schnöde Eitelkeit Dein reines Herz durch List verführet; Nur Gott allein war deine Freud'. *) Um Vorabend oder am Morgen in aller Frühe zu beten. zu Ehren des beil. Aloystus. Der Höchste zierte dich mit Gnaden, Und machte dich fast Engeln gleich; Du bliebest treu auf seinen Pfaden, Und glänzest jetzt im Himmelreich. Antiphon. O glorreicher Jüngling! unter dessen Schutz alle Völker frohlocken; du folgest, angethan mit dem Gewande der Unschuld, dem Lamme, wohin es gehet. V. Der Herr hat ihn vom Mutterleibe an berufen, R. Und ihn zum Werkzeuge auserwählet von Ewigkeit. 243 Lasset uns beten. O Gott! Du Ausspender der himmlischen Gaben, der Du in dem heiligen Aloysius eine so bewunderungswürdige Unschuld bewahrt haft: verleihe gnädig, daß Alle, die seine Fürbitte anrufen, mit gleichem Eifer für die Unschuld und inneren Frieden erfüllt werden; durch unsern Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem heiligen Geiste zc. Zur Prim.*) V. O Gott, habe Acht auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater zc. *) Beim Beginn des Tages. - in der ersten Stunde 244 Tagzeiten Lobgesang. Aloysius heilig als Kind. Noch in der Blüth' der ersten Jugend Erzeugt' dies Gott geweihte Kind Die schönsten Früchte reifer Tugend, Die sonst im Alter selten sind. Nur Gott zu leben, Ihm zu dienen, Gewährte seinem Herzen Lust, Und Liebe, wie den Seraphinen, Zu Gott, erfüllte seine Brust. Ich bitt', erwirb mir gleiche Triebe, Gonzaga, leite meinen Sinn; Entzünde mich mit gleicher Liebe, Zieh' mich zu gleichen Freuden hin! Antiphon. Gott liebte ihn und hatte an ihm sein Wohlgefallen, weil er von Jugend auf in feinem heiligen Gefeße wandelte; deßwegen ließ Er auch seine Gnade und Barmherzigkeit an ihm so sichtbar werden. V. Er hat seinen Lauf bald vollendet; R. Aber mit Heiligkeit und Weisheit viele Jahre erfüllet. Lasset uns beten. D Gott! der Du den heiligen Aloyfius, deinen Diener, schon in seinen findlichen Jahren von der Eitelkeit der Welt entfernt und zu Ehren des Heil. Aloysius. 245 in kurzer Zeit zur höchsten Stufe der Vollkommenheit geführt hast; verleihe uns um seiner Verdienste und Fürbitte willen, daß wir die Eitelkeit der Welt ebenso verachten wie er, und durch dieselben Tugenden Dir wohlgefallen mögen; durch unsern Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem heiligen Geiste zc. Zur Terz.*) V. O Gott, habe Acht auf meine Hülfe! B. Herr, eile mir zu helfen! Die Ehre sei dem Vater zc. Lobgesang. Seine Verehrung des Leidens Chrifti. Gonzaga weint aus Lieb' und Schmerzen, Wenn er am Kreuze Jesum sicht; Die Liebe flammt in seinem Herzen, Wenn er in Jesu Wunden flicht. In diesen Wunden will er leben, Da hält er sich mit Wonne auf; Da kann er sich der Lieb' ergeben, Denn Liebe ist sein Lebenslauf. D drücke jene süßen Wunden Des Mitleids über Jesu Pein Die Liebe, welche du empfunden, Auch meinem alten Herzen ein. *) Um die dritte Stunde des Tages, etwa um 6 Uhr. 246 Tagzeiten Antiphon. Nehmet euere Zuflucht in Jesu heilige Wunden und seid ohne Furcht: ihr werdet da Stärke finden und mit Freuden aus der Gnadenquelle des göttlichen Heilandes Wasser des Lebens schöpfen. V. Kommt und trinkt von diesem lebendigen Wasser, R. Und thr werdet in Ewigkeit keinen Durst mehr leiden. Lasset uns beten. Erhöre, o Herr! gnädig unser flehentliches Gebet, das wir zum Gedächtniß deines Dieners Aloysius verrichten, damit uns die Gnade jener innigen Berehrung des Gekreuzigten, die uns noch so sehr mangelt, durch seine Fürbitte zu Theil werde, und dieser göttliche Erlöser seinen Dienern zu Hülfe kommen möge, die er mit seinem kostbaren Blute erlöset hat; der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Zur Sext.*) V. Gott, merke auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Die Ehre sei dem Bater 2c. *) Um die sechste Stunde des Tages, etwa um 9 Uhr. 247 zu Ehren des heil Aloysius. Lobgesang. Eeine Andacht zum heiligen Altarssakramente. Gonzaga wird von Lieb' entzündet, Sobald er nahet dem Altar, Auf dem er seinen Jesum findet, Der uns zur Speis sich reichet dar. Der Glaube lebt in seinem Herzen, Er betet Gott voll Ehrfurcht an; Er brennt von Liebe und von Schmerzen, Daß er nicht noch mehr lieben kann. O könnt' ich, Jesu, Dich so lieben, Wie Dich Gonzaga hat geliebt! Daß ich nicht glüh' von gleichen Trieben, Dies, Jesu! macht mein Herz betrübt. Antiphon. Ich habe für euch ein Opfer geschlachtet, Wein gemischt und den Tisch zubereitet: so kommet denn, esfet mein Brod und trinket den Wein, den Sch für euch gemischt habe. V. Rommet Alle, die ihr Hunger und Durst babet, R. Und ihr werdet erquickt und gesättiget werden. Lasset uns beten. Verleihe uns, o Golt! durch die Fürbitte des heiligen Aloysius, daß wir in gleicher Liebe und Anbetung deines göttlichen Sohnes im heiligen Altarssakrament ihm vürdig nach 248 Tagzeiten folgen und uns der Früchte dieses heiligen Mahles theilhaftig machen mögen; durch ebendenselben Herrn Jesum Christum zc. Zur Non.*) V. D Gott, habe Acht auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Die Ehre sei dem Vater zc. Lobgesang. Seine Andacht zum Herzen Jesu. D Jesu Herz! du wählst das Leiden, Und büßest unsrer Sünden Schuld; Uns bist du eine Quell' der Freuden, Voll Liebe, Langmuth und Geduld. Gonzaga war Dir ganz ergeben, Er war von deiner Liebe wund; Dich loben, lieben war ihm Leben, Er that dein Lob auch Ändern kund. Ich will nun meine Sünd' verfluchen, Dann schließt mich dieses Herz auch ein; Ich will sonst keine Freud' mehr suchen; Da soll mein Trost, mein Alles sein. - Antiphon. Rommel zu mir und höret Mich an, so wird euere Seele leben. Ich will ein ewiges *) Um die neunte Stunde des Tages, etwa um 12 Uhr. zu Ehren des beil. Aloysius. 249 Bündniß mit euch machen und euch in meinem Herzen tragen. V. Barmherzig ist der Herr und von gro= ßer Huld. R. Er schonet Allen, die zu Ihm ihre Zuflucht nehmen. Lasset uns beten. D Gott! der Du siehst, wie sündhaft und gebrechlich wir sind, laß uns nach dem Beispiele deines Dieners Aloysius und durch seine Fürbitte in dem Herzen deines lieben Sohnes, unsers Herrn und Heilandes, Trost und Hülfe in allen Nöthen dieses Lebens finden. Wir bitten Dich darum durch ebendenselben Jefum Christum, der mit Dir und dem heiligen Geiste 2c. Zur Vesper.*) V. D Gott, habe Acht auf meine Hülfe! R. Herr, eile mir zu helfen! Die Ehre sei dem Vater zc. Lobgesang. Seine Liebe zu Maria. Maria, reiner Augen Weide, War deiner Geistesblicke Band, Maria, reiner Herzen Freude, War deiner Liebe Unterpfand. *) Nachmittags oder gegen Abend. 250 Tagzeiten Zur Mutter hast du sie gewählet, Und sie erkannte dich als Sohn; Die Lieb' zu ihr hat dich beseelet, Die Gegenliebe war dein Lohn. Ach bitt, Gonzaga! für mich Armen, Daß mir Maria gnädig sei; Daß sie sich meiner woll' erbarmen, Ich bleib' bis in den Tod ihr treu. Antiphon. Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Furcht Gottes und der heiligen Erkenntniß V. Kommet, ihr Kinder und höret mich: glückselig sind die, die meine Wege bewahren. R. Wer mich findet, findet das Leben und schöpfet das Heil von dem Herrn. Lasset uns beten. O Gott! der Du deinen auserwählten Diener Moysius mit besonderer Liebe und Verehrung gegen die seligste Jungfrau und Mutter Maria erfüllet und dadurch ihres mächtigen Schußes und Beistandes theilhaftig gemacht hast; gib, daß wir durch gleiche Liebe und Verehrung ihrer treuen Mutterschaft uns erfreuen; daß sie erhöre das Flehen unserer Herzen, in den zahllosen Gefahren, denen wir außgeund feßt sind, uns beistehen möge; durch Jesum Christum, deinen Sohn, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. 251 zu Ehren des heil. Aloysius. Zur Complet.*) V. Bekehre uns zu Dir, o Gott unser Helfer, R. Und wende ab von uns deinen Zorn. V. D Gott, habe Acht auf meine Hülfe! Ry. Herr, eile mir zu helfen! Die Ehre sei dem Vater zc. Lobgesang. Aloysius Bußeifer. Gonzaga floh die kleinsten Sünden, Er lebte gleich den Engeln keusch; An ihm war keine Schuld zu finden, Er war ein Engel in dem Fleisch. Doch sieh, wie dieser Engel büßet, Wie er, obgleich von Sünden frei, Nicht Thränen bloß, selbst Blut vergießet, Und fast vergeht vor Schmerz und Neu'! Ach! ich verdien' der Hölle Qualen; Gonzaga! ich muß Büßer sein; Damit ich meine Schuld kann zahlen, So flöß' mir Reu' und Liebe ein. Antiphon. Wer seine Seele unordentlich liebt, wird fie verlieren; und wer seine Seele auf dieser Welt baßt, bewahrt sie für das ewige Leben. *) Am Schlusse des Tages beim Zunachten oder vor dem Schlafengehen. 252 Rurger Unterricht V. Lasset uns mit ihm leiden, B. Damit wir auch mit ihm verberrlichet werden. Lasset uns beten. D Gott! Du Ausspender der himmlischen Gaben, der Du in dem englischen Jüngling Aloysius mit einer so bewunderungswürdigen Unschuld eine eben so große Bußfertigkeit ver einiget hast; verleihe uns durch seine Fürbitte und Verdienste die Gnade, daß wir, die wir ihm in der Unschuld nicht nachgefolgt find, ihm in der Bußfertigkeit nachfolgen mögen; durch unsern Herrn Jesum Christum, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Kurzer Unterricht über die Aloysi: Andacht. Kaum ist jemals in der katholischen Kirche ein Heiliger mehr und mit größerer Frucht verehrt worden, als der heilige Aloyfius. Der heilige Bater Benedikt XIII., der ihn 1729 heilig sprach, stellt ihn den Gläubigen und besonders der Jugend als ein Beispiel der Unschuld und der Heiligkeit vor. Clemens XII. verlich 1739 zum Nußen und zur Aufmunterung aller wahren Verehrer dieses englischen Jünglinges einen vollkommenen Ablaß allen Denjenigen, welche am Festtage über die Aloysi- Andacht. 253 jeinen Altar oder einen andern zu seiner Ehre besuchen; wie auch denen, welche sechs Sonntage vor dem Feste des heiligen Aloysius oder sechs andere Sonntage auf einander mit bußfertigem Herzen kommuniziren und diese Tage mit Gebet, Betrachtung und andern guten Werfen zu Ehren des Heiligen zubringen würden. Im Jahre darauf ward dieses bestätiget, mit der Erklärung, daß dieser Ablaß auf einen jeden der sechs Sonntage gegeben sei. Diese Andacht besteht also darin, daß man sich den heiligen Aloysius zu seinem Vorbilde und zu seinem Fürbitter erwählt. Zur Erinnerung der sechs Jahre, welche er im Ordensstande zugebracht, nimmt man sich vor, sechs auf einander folgende Sonntage besonders heilig zuzubringen. An diesen dankt man Gott für die außerordentlichen Gnaden, welche Er diesem Heiligen ertheilte; denkt darauf, wie man in seinem Stande dessen Beispiel am besten nachfolgen könne; hält demüthig um dessen kräftige Fürbitte an, um entweder die Unschuld und jungfräuliche Reinigkeit unverfehrt zu bewahren oder dieselbe durch eine wahre Buße ersetzen zu können. In dieser Absicht soll man diese Tage mit vorzüglichem Fleiße durch Anhörung der heiligen Messe, des vor- und nachmittägigen Unterrichts, durch Abbetung des heiligen Rosenkranzés, durch eine erbauliche Lesung, durch Krankenbeſuche oder andere Werke der christlichen Liebe zu heiligen trachten. Welches Alles zu Ehren 254 Kurzer Unterricht zc. des heiligen Aloysius gethan werden und zu einer desto würdigenn heiligen Kommunion behülflich sein kann. Zur Gewinnung des Ablasses ist einzig nothwendig, daß man an diesen sechs Sonntagen in obgesagter Meinung würdig kommunizire und wie bei jedem vollkommenen Ablasse, nach der Absicht der katholischen Kirche ein beliebiges Gebet oder eine beliebige Andachtsübung verrichte. Obgleich die Beicht nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist, so wird man doch, wenn man auch sicher im Stande der Gnade zu sein glaubte, durch die Beicht sich desto würdiger zur heiligen Kommunion vorbereiten. Jedenfalls soll man sich dem Gutbefinden seieelsorgers oder seines Beichtoaters überlassen; sowie man auch nicht ohne dessen Rath weder diese noch andere Andachten unrernehmen soll. Die Betrachtungen und Borschriften, welche man in diesem oder andern Aloysibüchlein findet, find nur eine beliebige Anleitung, um diese Andacht desto besser und fruchtbarer zu machen; sie sind aber nicht absolut nothwendig. Wer übrigens durch diese Andacht seine Berufspflichten vernachlässigen, oder daneben böse Bekanntschaften unterhalten, gefährliche Gelegenheiten zu besuchen fortfahren, seinem Eigenfinne frei nachleben, nur geistliche Tröstungen suchen, oder gar seine Lasterhaftigkeit vermänteln wollte, der würde statt des Segens durch Andacht, den Fluch Gottes auf fich 255 Gebet an iedem Morgen 2c. herabziehen. Wer aber sich ernstlich bemüht, durch Demuth, Furcht Gottes, Gehorsam, Geduld, Frömmigkeit, Reinigkeit und vorzüglich durch eine brünstige Liebe zu Gott, dem schönen Beispiele des heiligen Aloysius nachzufolgen, und sich beeifert, mit einem bußfertigen Herzen diese Andacht zu machen, der wird einen erstaunlichen Nußen daraus ziehen und an diesem großen Heiligen einen freuen Beschüßer und mächtigen Fürbitter finden. Denn unbeschreiblich viele und große Gnaden hat Gott schon den wahren Berehrern dieses englischen Jünglings ausgespendet. O folge du ihm nach, und dann vertraue fest auf ihn! Gebet an jedem Morgen der sechs aloyfianis schen Sonntage, als gute Meinung. Allmächtiger, ewiger Gott! sieh ich erscheine vor deinem göttlichen Angesichte, Dir die Andacht, welche ich heute verrichten will, aufzuopfern: zur größern Ehre deines heiligen Namens, zum Preis und zur Verherrlichung des allerheiligsten Altarssaframentes und des liebenswürdigsten Herzens Jesu, zum Andenken an das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, zur Verehrung der unbefleckten und allzeit reinsten Jungfrau und Himmelskönigin Maria, wie auch deines getreuen Dieners, meines liebsten Fürsprechers und Beschüßzers, des heis ligen Aloysius, welchen du mit so vielen Gnaden geziert und durch unzählige Wunder verherrlichet hast. Nimm diese Andacht zu 256 Gebet an jedem Abend gleich auf als ein Dankopfer für alle Gnaden, welche du dem heiligen Aloysius und auf seine Fürbitte zahllosen Verehrern desselben erwiesen hast. Ich hoffe auch, o allgütiger und barmherziger Gott! Du werdest mir nicht versagen, was Dufo Vielen gewährt hast, und mir auf die Fürbitte des heiligen Aloysius die Gnade.... ertheilen, um die ich Dich vertrauensvoll anflehe. Du aber, oglorwürdiger und mächtiger Fürsprecher bei Gott, heiliger Aloysius! erlange mir die Gnade, daß ich heute meinem Gott auf's eifrigste diene, und jene Werke, die ich zu deiner Verehrung verrichten will, besonders die heilige Kommunion, nach deinem Beispiele auch auf vollkommene Weise vollbringen möge. Opfere du dieselben dem lieben Gott auf und tragé Jhm mein Anliegen und meine Bitten vor, nämlich. wenn sie, .... wie ich hoffe, zur größern Ehre Gottes und zum Heile meiner Seele gereichen. Vorzüg lich bitte ich auch um eine glückselige Sterbstunde für mich und für alle Andern, besonders für Jene, welche heute noch sterben werden; ich befehle sie durch dich in die Hände des himmlischen Baters und in das heiligste Herz Jesu, meines gekreuzigten Heilandes, und unter den Schuß der schmerzhaften Mutter Maria. A. Gebet an jedem Abend der sechs aloysianischen Sonntage, als Aufopferung. Allmächtiger, ewiger Gott! ich werfe mich vertrauensvoll vor dem Throne deiner göttli der sechs aloysianischen Sonntage. 257 chen Majestät nieder, und bete Dich in tiefster Demuth an; ich sage Dir Dank von ganzem Herzen für alle Gnaden, welche Du mir in meinem ganzen Leben, besonders aber heute so gnädig verliehen hast; ich opfere Dir meine heutige Andachtsübung in tiefster Demuth auf und bitte: nimm sie gnädig an, o Herr! amint den übrigen guten Werken, welche ich zu deiner größern Ehre, zum Lobe der unbefleckten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, zur Berehrung des heiligen Aloysius und aller Engel und Heiligen verrichtet habe. Ich bitte Dich nochmals durch das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, durch sein für unser Heil vergossenes kostbares Blut, durch die Verdienste und die Fürbitte der allerfelig Jungfrau Maria, des heiligen Aloysius und aller Heiligen: verleihe allen Sündern die Gnade einer wahren Buße und Bekehrung, den Seelen des Fegfeuers die ewige Ruhe, mir aber die Gnade, diesem Heiligen in seinen Tugenden, besonders in der Reinigkeit und Bußfertigkeit allzeit nachzufolgen und auch das zu erlangen, was ich durch diese Andacht so inständig begehre, wenn es je zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele gereicht. Sollte aber meine Bitte nicht recht und gut sein, so erleuchte, leite und regiere mich, damit alle meine Werke nur nach deinem heiligsten Willen eingerichtet werden; durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. " Mennel Alois. 17 258 Betrachtungen und Gebete Betrachtungen und Gebete auf die sechs aloys. Sonntage, welche dem Feste des heiligen Aloysius( 21. Juni) vorhergehen oder nachfolgen. Erster Sonntag. Aloysius, ein Vorbild wahrer Neue. Seine Reue ist bewunderungswürdig: 1) Weil seine Fehler so unbedeu tend waren. Der Anfang eines wahrhaft christlichen und vollkommen tugendhaften Lebens ist ein zerknirschtes Herz. Diese Zerknirschung war beim heiligen Aloysius ganz außerordentlich, während er beinahe ohne Fehler war. Er ließ sich deren nur zwei zu Schulden fommen, die zudem so unbedeutend waren, daß man wohl zweifeln darf, ob fie auch nur sündhaft gewesen. Als er nämlich, ungefähr fünf Jahre alt, von seinem Vater zum Heere mitgenommen wurde, nahm er den Soldaten ein wenig Pulver, um damit zu schießen. Auch führte er damals einige unanständige Worte im Munde, die er von den Soldaten gehört hatte, aber nicht verstand. Diese Verfehlungen beweinte Aloysius nun sein ganzes Leben lang und nannte sich den größten Sünder. Uns dagegen scheint jede Schuld klein und macht uns wenig Sorge, weil eben von verblendeten und verstockten auf die sechs aloys. Sonntage. 259 Sündern eine Beleidigung gegen Gott, der Verlust des Himmels und die ewige Berdammniß nicht hoch angeschlagen werden. Wir machen es mit unsern Sünden, wie man es mit unangenehmen Speisen macht, die man schnell verschlingt und so wenig als möglich mit den Zähnen zermalmet, um den Gaumen nicht zu belästigen.„ Der Mund der Gottlosen verschlingt die Bosheit."( Sprüchw. 19, 28.) Betrachte nun ernstlich und aufmerksam die Zahl und Größe deiner Sünden, dann wird es dir nicht schwer fallen, eine wahre Zerknirschung darüber zu empfinden. 2) Weil sie so tief und schmerzlich war. Der heilige Aloysius empfand über seine so geringen Fehler eine überaus bittere Reue. Als er das erste Mal eine Generalbeicht zu Florenz ablegte, verfiel er in ein solches Weinen und Zittern, und in einen falten Schweiß, daß er ohnmächtig neben seinem Beichtvater niedersank und an selbigem Tage die Beicht nicht mehr verrichten konnte. Auch in den folgenden Jahren erinnerte er fich nie an seine Fehler ohne die bittersten Thränen. Wir dagegen fühlen nichts von einem solchen Reueschmerz, wie er für eine durch jede Sünde Gott zugefügte unendliche Beleidigung billig erwartet werden darf; wir sind vielmehr hartherzig genug, einen zur Buße höchst nothwendigen Reueschmerz geflissentlich zu vermeiden. Solltest du nicht über solche Kälte Tag und Nacht weinen? Scheint es dir noch etwas 260 Betrachtungen und Gebete Geringes zu sein, daß du gesündiget haft? Wahrlich, wer die Sünde wenig beweint, der kennt auch nur wenig dieses Uebel, das bis an's Ende des Lebens in der That das einzige wahre und größte Uebel ist. Darum bemühe dich nicht bloß, eine zur Beicht genügende Zerknirschung zu erwecken, sondern strebe sie so viel möglich zu vermehren. Verdemüthige dich tief in deinem Herzen.""( Eccl. 7, 19.) Sie wird dessen ungeachtet stets geringer sein, als deine Sündenschuld. 11 3) Weil sie ununterbrochen fort dauerte. Der heilige Aloysius ließ nicht nach, immer dieselben Sünden zu bereuen. Er pflegte während seines ganzen Lebens oft die Worte unter Thränen zu wiederholen: Die Gerichte Gottes sind ein tiefer Abgrund! Wer weiß, ob Er mir meine Sünden verziehen hat!" Er fürchtete immer, einer von denen zu sein, welche Gott um ihrer Sünden willen mit Recht verlassen könnte. Wir aber haben gerade um so weniger eine ähnliche Furcht, je nothwendiger sie für uns wäre; denn wenn Niemand sicher weiß, ob er in den Augen Gottes ein Kind des Wohlgefallens oder des Bornes ist, so weiß es derjenige noch wenis ger, welcher seine Sünden nicht recht bereut hat. Daher ist die Zerknirschung gut für die Bergangenheit( weil sie uns Hoffnung auf Berzeihung unserer Sünden gewährt), Gott den von Herzen Reumüthigen ihre Sünden vergibt"( Psalm 146, 3.); sie ist gut da auf die sechs aloys. Sonntage. 261 für die Gegenwart, denn sie ist eine Speise und ein Trank der Seele, wodurch sie gestärkt und neu belebt wird, wie der Psalmist sagt: Du wirst uns mit dem Brode der Thränen speisen und uns mit häufigen Zähren tränfen"( Pf. 79, 6.); sie ist gut für die Zukunft, weil sie uns reichlichen Beistand der Gnade Gottes erwirbt; denn Gott Selbst spricht durch seinen Propheten: Wen werde Ich gnädig ansehen als den Armen, der ein reumüthiges und zerknirschtes Herz hat?" ( Ifai. 66, 2.) Mache dich also innig vertraut mit einem so heilsamen Schmerzen. Die Bitterfeit der Thränen wird deine Seele heilen und stärken, während die falsche Süßigkeit der Sünde nur den Geschmack am Heiligen und Göttlichen verdirbt und die Secle entkräftet. Gebet. O mein bewunderungswürdiger Fürsprecher, heiliger Aloysius! der du so wenig zu beweis nen hattest und doch fortwährend bittere Reuethränen vergossest; siehe zu deinen Füßen eine Seele, die so viel zu beweinen hat, aber so wenig Reue empfindet! Verleihe ein wenig von deiner Zerknirschung meinem gefühllosen Herzen, damit es einmal den Stachel des Reueschmerzens empfinde und zerknirscht werde. Ich bin dieser deiner Güte freilich nicht werth; aber thue es um des beleidigten Gottes wit len, der als Genugthuung wenigstens eine 262 Betrachtungen und Gebete rechte Reue von mir fordert. Erwirb mir auch die Gnade, daß ich immer meine Sünden vor Augen habe und daß mein Herz stets von einer schmerzlichen Reue über dieselben durchdrungen sei. Dann kann ich der tröstlichen Hoffnung einer gnädigen Verzeihung mich hingeben; denn ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wirst Du, o Gott! nicht verschmähen. Amen. Grundsätze und Tugendübungen des heili gen Aloysius. 1) Je länger man auf dieser Erde lebt, desto mehr bekommt man Ursache, wegen der ewigen Seligkeit in Sorge zu sein. Halte dich daher nie des Himmels versichert, sondern strebe fortwährend mit Furcht und Zittern nach demselben. Gehöre nicht zu denen, von welchen der heilige Geist tadelnd fagt: Es gibt Gottlose, die so sicher leben, als hätten sie die Thaten der Gerechten gethan."( Eccl. 8, 14.) 2) Es ist zu fürchten, daß die Engel, welche jegt unsere Fürsprecher bei Gott find, am Tage des Gerichtes unsere Ankläger sein werden. Fürchtest auch du dieß? wohlan, prüfe wie der Heilige jeden Abend dein Gewissen; und um es ja recht genau zu nehmen, lade deinen Schußengel dazu ein, den treuen Zeugen alles dessen, was du den Tag über getban, ge auf die sechs aloys. Sonntage, 263 sprochen oder gedacht hast. In seiner Gegenwart mache mit Gott deine Rechnung und föhne dich aus, indem du in Reue seufzest: Wasche mich mehr und mehr von meiner Gottlosigkeit, und reinige mich von meinen Sünden."( Ps. 50, 4.) 3) Wer in eine wenn auch leichte Sünde gefallen ist, stehe schnell wieder auf, und wende sich sogleich an Gott, Thn um Verzeihung zu bitten und um die Gnade, nicht mehr in diefelbe zu fallen. Wenn Jemand in den Roth gefallen ist, steht er gewiß schnell auf, reiniget sich und ist darauf bedacht, in Zukunft vorsichtiger zu sein. Maché es auch so und zwar gleich heute! denn der Gerechte fällt des Tages siebenmal und stehet wieder auf: aber die Gottlosen beharren im Bösen( Sprüchw. 24, 16.) und gehen darin zu Grunde." Beispiel. Der heilige Aloysius hat der großen Dies nerin Gottes Henriette Altissimi zu Tivoli unter zahllosen Gnaden auch die einer wunderbaren Reue und Zerknirschung erlangt. Als sie einst vor seinem Altare sich zur heiligen Kommunion vorbereitete und der zahllosen Thränen gedachte, welche der Heilige beim Empfange der heiligen Kommunion immer vergessen hatte, bat sie ihn inständig, er möchte ihr auch einen Theil jener Reue zukom: ren 264 Betrachtungen und Gebete lassen, die er bei der ersten heiligen Kommunion empfunden habe. Ihre Bitte wurde bald so vollständig erhört, daß es schien, das Herz wolle ihr vor innerem Schmerzen zerspringen. In Thränen zerfließend rief sie nun:„ Es ist genug, lieber Heiliger! es ist genug!" wor= auf dieser erwiederte, daß diese Reue für ihre Sünden noch nicht genüge, und den Schmerz noch vermehrte, bis sie ohnmächtig zu Boden sant. Sie kam nachher wieder zu sich selbst und erholte sich aber die Gabe der Thränen dauerte fort, so daß sie wegen der Menge derselben heftige Augenleiden bekam. Der heilige Aloysius erschien ihr, um sie darüber zu trösten und zu ermuthigen, nicht von ihrer Neue abzulassen. Unter den heftigen Schmerzen der Augen und eines Fiebers zeigte er ihr die Peinen, welche die Seelen der Auserwählten im Fegfeuer und die Verdammten in der Hölle leiden müssen.„ Siehe," sprach er, was diese wegen ihren Sünden leiden: wie wenig leidest du dagegen?" und Henriette hatte fortan ein großes Berlangen nach Leiden, um dadurch für ihre Sünden einige Genugthuung zu leisten. - auf die sechs aloyf. Scantage. 265 3 weiter Sonntag. Aloysius, ein Muster der Strenge. Der heilige Aloysius war erfüllt vom Geiste heiliger Strenge: 1) In der Welt. Schmal ist der Weg, der zum Leben führt, und die auf ihm wandeln wollen, müffen ihren Leib in Unterwürfigkeit erhalten durch christliche Strenge. Der adelige Aloysius lernte diesen Geist christlicher Strenge vom heiligen Geiste schon als Kind fogar am fürstlichen Hofe. Er fasteiete sein unschuldiges Fleisch durch beständiges Fasten, wobei er seine Nahrung auf ungemein wenig beschränkte; er geißelte sich auch bis auf's Blut, und verbarg unter dem Leintuche Holzstückchen und unter dem Kleide rauhe eiserne Kettchen, um im Schlafe und im Wachen seinen Leib zu züchtigen. Was können wir einem so strengen Büßer gegenüber aufweisen? Welche Entschuldigungen haben wir für unsere Weichlichkeit? Sind unsere Kräfte schwächer, ist unsere körperliche Beschaffenheit zarter und gebrechlicher? sind wir jünger an JahDu sagst vielleicht, du könnest aber keine besondere Strenge aushalten. Aber sage auch wenn der Eigennuß, oder die Eitelkett, oder die Sinnlichkeit, oder die Genußsucht, oder irgend eine andere Leidenschaft Forderungen machen; ist dir dann eine Mühe zu schwer, ein Opfer zu groß? Gott julieb etwas ren? - Betrachtungen und Gebete aushalten, ist dir fast eine unbekannte Sache. Es erneuert sich an dir gewissermaaßen jenes Wunder mit dem Manna in der Wüste, freilich in ganz entgegengesettem Sinne. Jenes Himmelsbrod blieb im Feuer unversehrt, zerschmolz aber vor schwachen Sonnenstrahlen. So kannst du um deines Leibes willen so viele und große Unannehmlichkeiten ertragen, aber nur wenig aushalten für das Heil deiner Seele. Aber eine heilige Strenge gegen sich üben, ist stets ein sicheres Zeichen einer auserwählten Seele. Die, welche Christi sind, haben ihr Fleisch gekreuziget sammt den Lastern und Gelüsten."( Galat. 5, 24.) 2) In seinem Ordensleben. Dieselbe, ja noch eine größere Strenge beobachtete der heilige Aloysius in seinem Ordensleben. Er that nichts, ohne es durch irgend eine Abtödtung zu versüßen. Außer dem Fasten, der Disziplin 2c. suchte er im Stehen, Sißen, Gehen, kurz in Allem Beschwerden und Unannehmlichkeiten zu übernehmen und sagte denen, die sich darüber wunderten, daß er bei den strengsten Bußübungen sich am glücklichsten und zufriedensten fühle. Die Bußübungen kommen euch nur hart vor," erwiederte er allemal, ,, weil ihr vielleicht weniger daran gewöhnt seid. Durch öftere Uebung werden sie leicht und sogar angenehm." Ist uns etwa unbekannt, daß der Leib schon sei ner Natur nach als der geringere, vergängliche Theil der Seele unterthan sein 266 - auf die sechs aloys. Sonntage. 267 soll? Wenn man ihm aber die Zügel so ganz frei läßt, so wird er unbändig werden und herrschen wollen. Die rechte Art und Weise, ihn zu bezähmen, ist die der Heiligen: strenge Behandlung. Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in die Dienstbarkeit," sagt der Apostel Paulus.( Korinther 9, 27.) G4 genügt nicht, ihn etwa einmal gezüchtiget zu haben oder ihn in Zukunft züchtigen zu wollen, sondern man muß ihn fortwährend in der Zucht halten und in der Unterwürfigkeit unter die Seele, und die Züchtigung nicht verschieben, bis es vielleicht zu spät ist. Empfindest du nicht den Stachel des Fleisches um so mehr, je zärtlicher du es pflegest? Wenn du die Ruthe sparest, trifft die Strafe dich selbst. 3) Auf seinem Todbette. Damit ja Niemand glauben könnte, der heilige Aloysius werde nach einem so bußfertigen Leben auf dem Todbette es bereut haben, daß er durch seine Abtödtungen sich etwa das Leben vertürzt habe, hat der bewunderungswürdige Jüngling nach dem Empfange der heiligen Sterbfaframente feierlich versichert: er fühle nicht nur keine Gewissensunruhe darüber, sondern es reue ihn vielmehr, daß er andere Bußübungen unterlassen habe, die er vielleicht bätte verrichten können." Mit Thränen bat er daher seinen Obern, er möchte ihn vor dem Tode noch recht geißeln lassen. Da ihm dieß nicht gewährt wurde, so flehte er um die Erlaubniß, wenigstens auf bloßer Erde 268 Betrachtungen und Gebete sterben zu dürfen, wie es einem wahren Junger Christi und Büßer gezieme. Dieß ist der Geist der christlichen Strenge! Wie unbeschreiblich groß erscheint hingegen unsere Weichlichkeit! und doch wird wer seine Seele rettet, sie verlieren wer seinen Leib zärtlich schonet, beim Tode es bereuen. - Wie beruhigend und tröstlich wird es dagegen auf dem Todbette für dich sein, wenn du dein Fleisch, das in Bälde den Würmern zur Speise dienet, beherrscht und durch Bußwerke abgetödtet hast? Wehe euch," sagt der Herr ,, die ihr gesättiget seid, denn ihr werdet hungern; wehe euch, die ihr jetzt lachet, denn ihr werdet trauern und weinen." ( Lufas 6, 25.) Gebet. O mein unschuldigster und bußfertigster Fürsprecher Aloysius! wie sehr werde ich beschämt, wenn ich sehe, wie ernst und hart du gegen dich selbst gewesen, während ich, obwohl der Buße vielmehr bedürftig, ven deiner heiligen Strenge so weit entfernt bin! Du handeltest wahrhaft weise, der du dein Fleisch freuzigtest; aber wie thöricht bin ich, daß ich meiner Weichlichkeit allzusehr nachgebe! Erlange mir einen heiligen Haß gegen mich selbst, damit ich nicht in blinder Nachficht gegen mein Fleisch den breiten Weg des Berderbens betrete, sondern muthig den dor nigen Pfad der Tugend wandle. Lehre mich auf die sechs aloy1. Sonntage. 269 immer mehr erkennen, daß ich selbst mein größter und gefährlichster Feind bin, und erbitte mir zugleich die Kraft, daß ich mich auch als solchen behandle, und nach deinem Vorbilde unablässig gegen mich selbst streite und alle unordentlichen Begierden und sinnlichen Gelüste bekämpfe im Namen Jesu, dem ich leben und sterben will. Amen. Grundsätze und Tugendübungen des heiligen Aloysius. 1) Noch nie hat Jemand eine hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht, ohne daß er seinen Leib gezüchtiget und so in Unterwürfigkeit erhalten hätte. Uebe darum auch die körperliche Abtödtung und sei nach dem Beispiele aller Heiligen überzeugt, daß die Gnade Gottes bet einem weichlichen Leben nicht lange bewahrt werden kann. Nur wenn du deinen Leib dir unterthan gemacht und gedemüthiget hast, kann dein Geist zu Höherem sich emporschwingen. 2) Die Abtödtungen und Züchtigungen des Leibes dürfen nicht auf das Alter verschoben werden, wo die Kräfte für dieselben nicht mehr aus reichen. Die Sinnlichkeit weiß immer einen Vorwand oder eine Entschuldigung, um irgend eine Bußübung zu unterlassen oder zu verschieben; aber die Abtödtungen sind in jenem Alter nothwendig, in dem die Leidenschaften 270 Betrachtungen und Gebete sich regen und die Seele Schaden leidet, wenn das Fleisch nicht bezähmt wird. Sei darum hier mißtrauisch und laß dich nicht betrügen, fondern verdopple die Bußübungen gerade zur Zeit der Bersuchung. Widerstehet dem Teufel, so wird er von euch fliehen."( Jafob. 4, 7.) 3) Dem, der uns große Strenge gegen unsern Leib abrathet, müssen wir sagen, daß uns Gott den Leib zur Hut übergeben hat, als einen Stlaven, der oft gegen seinen Herrn wis derspenstig ist. Verrichte also deine Bußwerfe, weil Gott es zu deinem Seelenheile und zu seiner Ehre haben will. Durch diese heilige Gesinnung und wahrhaft christliche Absicht verleihest du denselben einen hohen Werth und ein großes Verdienst. Ein zerknirschtes Herz ist Gott ein wohlgefälliges Opfer."( Ps. 50, 19.) Beiſpiel. Viele Christen wurden von dem erhabenen Beispiele der außerordentlichen Strenge des heiligen Aloysius mächtig zu seiner Nachfolge angetrieben. Unter diesen empfand einmal ein Jüngling am Feste des Heiligen eine außerordentliche lebhafte Begierde, die Welt zu berlassen und in ein Kloster sich zurückzuziehen. Sehr wichtige Gründe hielten ihn nun zwar von der Ausführung seines Vorhabens ab; allein er fieng jegt zu Hause an, den Buß auf die sechs aloys. Sonntage. 271 gürtel beständig zu tragen und andere harte Bußwerke mit solchem Eiser auszuüben, daß sein Beichtvater ihn fortwährend zurückhalten mußte, damit er nicht in's Uebermaaß gerathe. Solche strenge Bußwerke sind auch sehr nüßlich, um durch die Fürbitte des Heiligen Aloysius irgend eine Gnade zu erlangen. So lebte ein Mensch viele Jahre in den schändlichsten Lastern. Sie eckelten ihn bereits selbst an, und er wünschte, von dem ungeheuren Drucke der Sünde frei zu werden aber cr hatte keinen Muth und keine Kraft dazu und die Bande der Verworfenheit schienen unauflöslich. Nach jeder Beicht war er wieder der alte Sünder und keine Mittel fruchteten etwas. Endlich gab ihm der Beichtbater den Rath, er solle zum engelreinen heiligen Aloysius die Zuflucht nehmen und um seiner Fürbitte theilhaftig zu werden, sechs Mal recht fasten. Der Büßer that es, machte, vor dem litare des heiligen Aloysius betend, das Gelübde jener Fasten, und erhielt die gewünschte Gnade, ehe er noch das Gelübde ganz gelöst hatte. Er fühlte auf einmal sein Herz ganz verändert: er sah die ganze Schändlichkeit und Abschenlichkeit seiner Sünden ein und ward vou innigstem Schmerzen über dieselben durchdrungen. Boll Abscheu gegen sie entschloß er sich ernstlich, sie ganz und auf einmal zu meiden und hatte ein durch Gott bewirktes und auf seine Gnade gegründetes Vertrauen, nicht mehr in diefelben zurückzufallen. Und - 272 Betrachtungen und Gebete in der That war er von da an ganz geheilt -in Versuchungen siegte er durch Anrufung des Namens des heiligen Aloysius, der für ihn ein Name der Heiligung wurde. Dritter Sonntag. Aloysins, ein Muster der Keuschheit. Der heilige Aloysius ist ausgezeichnet durch feine Keuschheit, denn: 1) Sie war eine unbefleckte. Was die Keuschheit betrifft, so kann man wohl sagen, der heilige Aloysius habe in dieser Tugend die höchste Bollkommenheit erreicht. Er war so fleckenlos, daß seine Hausgenossen sowohl als Fremde ihn nur den Engel im Fleische oder den englischen Jüngling nannten, ein Titel, den nachher sogar der Papst bestätigte. Wie sorgen wir dafür, einen solchen Ehrentitel vor Gott zu verdienen? Richte nur einen betrachtenden Blick auf dich selbst, ob du ernstlich eine so schöne Tugend zu bewahren suchest. Oder achtest du vielleicht in diesem Stücke nur auf schwere auffallende Verfeh lungen? Siche, die Keuschheit ist ein äußerst feiner Spiegel, der durch jeden Flecken entstellt wird. Prüfe deine Gedanken, Empfindungen, Worte und Handlungen, und täusche dich ja nicht selbst, denn Gott durchschaut die geheimsten Falten deines Herzens und ver auf die sechs aloys. Sonntage. 273 abscheut jede Mackel der Unlauterkeit.„ Selig, die eines reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen."( Matth. 5, 8.) 2) Sie war eine außerordentliche. Der heilige Aloysius gelobte zu Florenz noch als Knabe seine Jungfräulichkeit Mariä, der Königin der Jungfrauen. Zum Lohne dafür ward ihm aber auch durch Marias Fürbitte der Vorzug zu Theil, daß er weder den Stachel des Fleisches je empfand, noch irgend einen unreinen Gedanken hatte. Wenn uns dieser Vorzug fehlt, dürfen wir uns feinen Vorwurf machen, daß es unsere Schuld sei? haben wir so frühzeitig und muthig Mariä unsere Keuschheit gelobt? Wähle auch du die heilige Jungfrau zur Beschüßérin deiner Reinigkeit sie liebt vor allem die keuschen Seelen. Habe aber zugleich auch eine hohe Achtung vor dieser Tugend, und bewahre sie recht gewissenhaft. Ihr Werth ist so groß, daß er erst im Himmel völlig erkannt werden kann; sie ist so schön und vortrefflich, daß sie uns den Engeln gleich macht. Die Keusch heit macht Engel, und wer sie bewahrt, ist ein Engel, wer sie aber verloren hat, wird ein Teufel," sagt der heilige Hieronymus. 3) Er bewahrte sie sehr genau. Der heilige Aloysius achtete und schäßte die Reinigkeit als die kostbarste Perle im christlichen Tugendkranz; eben deßhalb suchte er sie auch mit der größten Sorgfalt zu bewahren. Um den feindlichen Räuber nicht einzulassen, hielt 18 - 274 Betrachtungen und Gebete er immer die Pforten seiner Sinne und Ge fühle verschlossen. Er schlug seine Augen immer züchtig nieder und sah Frauenspersonen nie fest in's Angesicht. Er flot gefährliche Gelegenheiten, wie z. B. Tanz, und gab so genau auf alle seine Schritte Acht, wie Jemand, der auf einem schlüpfrigen Wege einen kostbaren Schaß in einem zerbrechlichen Gefäße trägt. Haben auch wir gleiche Sorge und Wachsamkeit bisher angewendet für unverletzte Bewahrung jenes kostbaren Gutes? Mit welcher Sorgfalt wachest du über die Reinigkeit deines Leibes und deiner Seele? Du hast gewiß Ursache genug, auf der Hut zu sein. Wenn du deine Gedanken und Blicke herumschweifen lässest, und deine Worte nicht abwägest auf der Goldwage der Unschuld, so bist du sehr in Gefahr, auszugleiten auf der Tugendbahn, zu fallen und jenen fostbaren Schatz zu verlieren. Denn in scheinbar Unvedeutendem fängt der Feind an, dich unachtsam und gleichgültig zu machen, weil er wohl weiß, daß du dann leicht zum Fall zu bringen bist. Suche darum vor diesem Feinde dein Heil in der Flucht, vor jeder auch der unbedeutendsten Gelegenheit. Gebet. Englischer Jüngling, reinster Heiliger, du mein mächtiger Fürsprecher Aloysius! Wie lieblich ist der niemals getrübte, noch auch auf die sechs aloys. Sonntage. 273 nur von geringstem Berdachte geschwächte Glanz deiner außerordentlichen Keuschheit! Wie beschämt werde ich aber vor dem Schimmer einer To reinen Lilie, da ich durch meine Sünden so befleckt vor dir erscheine! Ich bereue sie aber bitter;- bitte für mich um Gnade und Erbarmung, und erlange mir von Gott durch Maria, daß ich alles unreine in meinen Gedanken, Wünschen und Empfindungen vermeide. Ich will jede Befleckung dieser Tugend hassen und verabscheuen, und der Reinigkeit des Herzens aus Kräften mich befleißen. Schenke mir zur Ausführung dieses Entschlusses deinen Beistand, o heiliger Aloyfius! Amen. - Grundsätze und Tugendübungen des heili. gen Aloyfius. 1) Die Stärke des Christen entspringt aus der heiligen Furcht Gottes; denn wer Gott fürchtet, hat nichts anderes zu fürchten. Habe also Gott immer vor Augen, du magst allein oder bei Undern sein; dann kann dir keine Versuchung etwas anhaben. Wie sollte ich ein so großes Uebel thun und fündigen wider meinen Gott?"( 1. Mos. 39, 9.) Wenn du bei jeder Gefahr und Versuchung so mit dem keuschen Joseph sprichst, kannst du mit dem heiligen Aloysius des Sieges dich erfreuen. 2) Es ist eine sehr gefährliche Sache, 276 Betrachtungen und Gebete einer besonders großen Liebe zu einem Geschöpfe ergeben zu sein. Hüte dich vor einer solchen Gefahr dadurch, daß du deine Neigungen mäßigest und streng überwachest. Prüfe jeden Tag dein Herz, ob du es nicht auf einem unerlaubten Verlangen ertappest, und ob es nicht eine unordentliche Neigung gegen ein Geschöpf habe. Sollte dieß der Fall sein, so bring diese sogleich Gott zum Opfer dar, der dein Herz allein besigen will. Du sollst den Herrn deinen Gott fürchten und Ihm allein dienen."( Mos. 10, 20.) 3) Manche leben ohne geistigen Eifer für die Reinigkeit und ohne Bezähmung ihrer Sinnlichkeit, weil sie Feinde des Gebetes find. Stelle jeden Tag eine kurze Betrachtung an über die Heiligkeit und Liebe, oder über eine andere Eigenschaft Gottes, und erhebe dein Herz im Gebet zum Himmel empor. Denn wer Gott und die Ewigkeit vor Augen hat, kann an den flüchtigen und täglichen Lüsten kein Wohlgefallen mehr haben, sondern wird nach edlern Freuden streben. Beispiel. Der heilige Aloysius hat schon bei unzähligen Verehrern sich als ganz besondern Beschüßer der Reinigkeit erwiesen. So wurde einmal ein junger Edelmann, der gegen un reine Bersuchungen furchtbar zu kämpfen hatte, auf die sechs aloys. Conntage. 277 durch die Fürbitte des heiligen Aloysius, den er vertrauensvoll darum angerufen, ganz und gar davon befreit. Er ließ zum Danke dafür beim Grabe des Heiligen eine Votivtafel aufhängen, welche den Aloysius darstellte, wie er vom Himmel herab auf seinen Verehrer Lilien streut, und die Inschrift hat:„ Er hat meine Lenden mit Stärke umgürtet und meine Arme gestärkt." um In Polen lebte ein frommer, tugendhafter Drdensmann. Zu seiner Prüfung und Bewährung ließ nun Gott die heftigsten Versuchungen gegen die Reinigkeit über hn kommen Er bot in seiner Bedrängniß alle kräfte auf und wendete alle dienlichen Mittel an, die Versuchungen zu überwinden und zu beendigen: er kasteiete sein Fleisch mit Fasten und Geißeln, und betete ohne Unterlaß. Da all dieß nicht helfen wollte, warf er sich oft zur Erde nieder, beneßte sie mit seinen Thränen und rief so stundenlarg, auf seinem Angesichte liegend, Gottes Barmherzigkeit an. Allein statt daß es ihm leichter geworden wäre, wurde er von dem Versucher ungeachtet seiner so standhaften Gegenwehr mit immer neuen und noch heftigeren Angriffen bestürmt, so daß er endlich auch noch vom Geiste der Gotteslästerung überfallen wurde, indem es ihm oft vorkam, Gott und die Heiligen hören thr nicht oder kümmern sich doch nicht um ihn. Dieser furchtbare Streit hatte bereits ein und ein halbes Jahr gedauert; do kam der Beicht 278 Betrachtungen und Gebere vater dieses Unglücklichen auf den Gedanken, ihm die Wahl des heiligen Aloysius als besondern Patron anzurathen, weil dieser englische Jüngling durch eine besondere Gnade auch von allen unfreiwilligen Gedanken wider die Reinigkeit bewahrt worden war. Er gab ihm dann noch eine Reliquie des Heiligen zum Anhängen mit der Weisung, sie beim ersten Anfall einer Versuchung an's Herz zu drücken und seinen Schußheiligen anzurufen. Und welch ein glücklicher Versuch! Kaum hatte der bedrängte Ordensmann die Reliquie flehend an die Brust gedrückt, so hörte alle Beunruhigung seines Herzens auf, und nach so langer Finsterniß erschien seiner Seele wieder das hellste Licht und eine ungestörte Ruhe und dauerhafte Heiterfeit, so daß er zu Ehren seines glorreichen Beschüßers eidlich versicherte, von jenem Augenblicke an nicht nur von allen unreinen Versuchungen verschont geblieben, sondern auch von aller Furcht vor dergleichen befreit gewesen zu sein. Es schien sonach in der That, als ob der schwere Kampf nur deßwegen so lange gedauert habe, damit die wunderbare Hülfe, welche der heilige Aloysius zur Bewahrung der Reuschheit leistet, desto augenfälliger und offenfundiger werde. auf die sechs alovs. Sonntage. 279 Vierter Sonntag. Moyfius, ein Vorbild der Seelenreinheit. Der heilige Aloysius zeigte seine große Seelenreinheit: 1) Durch die Losmachung von der Welt. Zur Reinheit des Geistes erhebt man sich auf zwei Stufen. Die erste besteht darin, daß wir unsere Gedanken und Begierden von dem Schmuße der Welt und von der Anhänglichkeit an ihre Güter frei machen; die zweite darin, daß wir diese Gedanken und Empfindungen mit Gott, der unerschöpflicher Quelle der Reinheit, vereinigen. Jenen ersten Grad hatte der heilige Aloysius offenbar erreicht, da er sich ja völlig von der Welt losgemacht hatte. Kein irdishes Gut stand be: ihm in Achtung, und er hatte Bedauern mit den Großen und Reichen dieser Welt, die über den hinfälligen Gütern der Erde ihr ewiges Heil versäumen und vergessen. Am Hofe erschien er in geringen Kleidern und stattete in denselben auch bei vornehmen Personen seine Besuche ab. Schon der Gedanke an's Irdische war ihm zuwider; seine Gedanken und Wünsche waren stets über die Erde erhaben, sein Wandel war im Himmel. Wenn du die Güter dieser Welt allzusehr liebst, so kommt dieß daher, weil dein Herz noch an der Erde hängt; es neigt fich deshalb so sehr nach ihr, weil 280 Betrachtungen und Gebete es eben von ihrer Schwere angezogen wird Wie lange ist noch schwer euer Herz? warum liebet ihr die Eitelkeit und suchet die Lüge?" ( Ps. 4, 3.) Verdienen diese vergänglichen und dem Heile der Seele gefährlichen Güter wohl auch unsere Liebe? Eitelkeit sind sie und verführerischer Trug. 2) Durch seine Verzichtleistung auf die Welt. Der heilige Aloysius legte seine Lostrennung von der Welt noch deutlicher an den Tag, indem er gänzlich auf dieselbe verzichtete und sie verließ. Er bat die heilige Jungfrau um Rath bei der Wahl seines Berufes und wurde von ihr am Gedächtnistage ihrer Himmelfahrt durch eine vernehmliche Stimme aufgefordert, in die Gesellschaft ihres Sohnes zu treten. Um diesen Auftrag ausführen zu können, mußte er drei Jahre mit seinem Vater hartnäckig kämpfen, der es nicht zugeben wollte, und hatte eine Menge großer Hindernisse zu überwinden, bis er endlich der gräflichen Würde zu Gunsten seines Bruders entsagen und freudig vom Hofe in ein Ordenshaus fliehen konnte, wo er frohlockend aus rief: Das ist meine Ruhe ewiglich: da will ich wohnen, denn ich habe sie erforen." ( f. 131, 14.) Bist du auch so gehorsam gegen Gott, wenn Er dich zu einem tugendhaften Leben mahnt und auffordert? Segest du auch deine zeitlichen Vortheile und Interessen dem Willen Gottes nach? Wie einen Jeden Gott berufen hat, so wandle er."( Korinth. 7, 17.) auf die sechs aloys. Sonntage. 281 3) Durch seine innige Vereinigung mit Gott. Die Seelenreinheit des heiligen Aloysius hat ihre bewunderungswürdige Vollkommenheit erhalten in seiner innigen Vereinigung mit Gott. Gott ist ein lebendiges Feuer, das alle Schlacken verzehrt. Diesem Feuer war der heilige Aloysius stets nahe. Schon als Kind dachte er immer unter Thränen an Gott, und sein Herz war mit Liebe zu Ihm erfüllt. Jeden Augenblick seiner Lebenstage wendete er zu frommen Betrachtungen an und nie gab er sich einer Zerstreuung hin. Zu seiner außerordentlichen Sammlung des Geistes brachte er es durch Uebung und anhaltendes Gebet. So sollst auch du durch das Feuer der göttlichen Liebe dein Herz reinigen und mehr und mehr in die Erkenntniß der ewigen Wahrheiten einzudringen suchen. Das kann dir nur gelingen durch öftere crnstliche Betrachtung derselben unter vielem Gebet. Darum sprich jeden Morgen mit dem Psalmisten: Des Morgens will ich vor Dir stehen und betrachten: denn Du bist kein Gott, der Unrecht liebt."( ₁. 5, 5.) 11 Gebet. Mein heiliger Fürsprecher Aloysius! wenn mich dein reines Auge erblickt, wie sehr mußt du dich wundern, daß ich dir so unähnlich bin! Du hast dich von der Welt losgemacht, ich hänge noch an ihr. Du hast dich mit 282 Betrachtungen und Gebete Gott vereinigt, mein Herz ist ferne von Ihm. Ach, wie beschämt werde ich darüber! Meine Seele denkt gar wenig an ihren Schöpfer und Herrn, so daß mir des Propheten Vorwurf gilt: Du vergaßest Gott, deinen Erlöser, und gedachtest nicht deines starken Helfers."( Jsai. 17, 10.) Erlange mir die Gnade, daß ich auch an jener Vereinigung mit Gott theilnehme, wodurch du dich so sehr ausgezeichnet hast. Bewirke, daß ich stets an das Ewige denke und zu Denen gehöre, die nicht von irdischen Absichten, sondern von dem lebendigen Lichte des Glaubens sich leiten lassen. Amen. Grundsäße und Tugendübungen des heilis gen Aloyfius. 1) Alle christliche Vollkommenheit wird durch das Gebet erlangt; wer nicht betet, kann nie vollkommen werden. Diese Ueberzeugung hatten alle Heiligen. Jeden Tag sollst du eine bestimmte Zeit haben für das Gebet, welches die Speise der Seele ist. Willst du an der Seele gesund und stark bleiben, so versäume nie, mit Gebet sie zu erquicken. 2) In einem trüben oder sturmbe wegten Wasser kann die Sonne sic nicht abspiegeln; so drücken sich auch in einer lasterhaften oder von Leidenschaften bewegten Seele keine Bilder bimmlischer Dinge ein. Sammle, che du auf die sechs aloys. Sonntage. 283 betest, deine zerstreuten Gedanken, und lenke sie auf das, was vor Allem Noth thut. Bereite dein Herz, ehe du betest, und sei nicht wie Einer, der Gott versucht."( Sir. 1, 12.) 3) Wer seine Seele auf das himmlische Reich richtet, verachtet die izd schen Herrschaften. Die irdischen Kronen und kostbaren Gewänder sind eigentlich nur Komödiantenkleider, die man früher oder später ablegen muß. Wenn du nach irgend einem irdischen Gut Verlangen hast, so vergleiche es mit den ewigen Gütern und frage dich: welchen Werth hat es? ,, Was nicht ewig währt, ist für nichts zu achten." Beispiel. Unter den vielen Fällen, in denen der hei lize Aloyfius seinen Verehrern, besonders Jünglingen, zu besonderer Losschälung von der Welt und zu hoher Reinheit der Seele verhalf, verdient folgende Begebenheit vorzügliche Beachtung. Es lebte zu Parma eine Weibsperson, die sich einem schändlichen Umgange mit Leib und Seele ganz und gar hingegeben hatte. Nach Gottes barmherziger Fügung hórte sie einst gerade in guter Stunde einen eifrigen Prediger, dessen ernste Worte einen solchen Eindruck auf sie machten, daß sie sich entschloß, gerade ihm zu beichten. Aber Muth und Kraft fehlten ihr, die mächtigen Fesseln des Lasters zu zerbrechen. Der Betrachtungen und Gebete Beichtvater gab sich alle Mühe, sie von ihren Banden zu befreien; er belehrte und ermahnte fie, schob ihr die Lossprechung von einer Woche auf die andere hinaus und rieth ihr verschies dene Hülfsmittel an. Da all' dieß nichts half, sagte er einmal zu ihr:" Gehet zum Altare des englischen Jünglings Aloysius und bitte ihn, daß er, der ein so reines Herz hatte, Eurem so verwüsteten Herzen ein wenig von seiner Reinigkeit mittheilen wolle. Versprechet, wenn Ihr diese Gnade erlangen würdet, zur Dankbarkeit für die erhaltene Reinigkeit ein filbernes Herz bei seinem Altare zu opfern, und am Borabende seines Festes zu fasten." Die Unglückliche gieng auf den Vorschlag ein, konnte aber vor Seufzen und Weinen kaum ihr Gelübde ablegen, so schwer fiel es ihr und so stark mußte sie sich Gewalt anthun. Allein kaum hatte sie ihr Gebet vollendet und das Gelübde abgelegt, so lehrte fie voll Verwunderung zum Beichtvater zurück und erzählte ihm, wie es ihr am Altare vorgekom men, als ob das Herz im Leibe verändert und ihre Neigungen plößlich umgewandelt worden feien, so daß sie jetzt nur noch mit Schrecken und Abschen an jenen Menschen denken könne, dem sie zuvor mit unsinniger Liebe ergeben gewesen. Boll unbeschreiblicher Freude hieng sie zum Zeichen ihres Dankes die Votivtafel am Altare auf und entsagte nun der Welt gänzlich. Sie begann ein stilles, zurückgezogenes Leben und fasteiete sich mit Fasten und 284 auf die sechs aloyf. Sonntage. 285 Bußkleidern, lag eifrig dem Gebete ob und ließ sich weder durch Schmeicheleien noch durch Drohungen von ihrem frommen Wandel abbringen. So brachte sie sechs Monate zu, worauf sie bei Gelegenheit eines Jubiläums eine Generalbeicht ablegte und zwar so eifrig und reumüthig, daß sie sehnlichst wünschte in diesem Seelenzustande sterben zu können, weil sie sich des Himmels fast für versichert hielt. In dieser Absicht bat sie ihren Beichtvater, er möchte eine heilige Messe zu Ehren ihres Patrons Gott aufopfern, um jene neue Gnade durch ihn zu erlangen. Da nun die heilige Messe gelesen wurde, war sie zu Hause und bat gerade um dieselbe Gnade. Am Ende der heiligen Messe wurde sie von einer Krankheit überfallen. Sie verlangte alsbald die heiligen Sterbfakramente zu empfangen, ob gleich die Aerzte versichert hatten, daß die Krankheit nicht gefährlich sei; darauf ließ sie ihre Mutter und alle Hausgenossen zu sich rufen, bat fie um Verzeihung wegen ihrer Fehler und nahm rührenden Abschied. Nach wenigen Tagen starb sie unter frommen Gesprächen über Gott und den Himmel. Ihr Leichnam wurde in der Kirche ausgestellt, worauf Viele der Anverwandten hingiengen, um das Kruzifir in ihren Händen zu küssen. Auch ihr früherer, noch verblendeter Buhler kam und wollte sie nach dem Tode noch einmal küssen. Aber wie wunderbar! als er sich nahete, spie ihm der Leichnam faules Blut 286 Betrachtungen und Gebete in's Angesicht und trieb ihn so mit Schande von sich hinweg. Es machte dieß ein gewaltiges Aufsehen unter allen Anwesenden, ins besondere bei Jenen, die von den früheren Verhältnissen wußten. Sie erkannten, daß durch den heiligen Aloysius zwei Wunder gewirkt worden seien, indem er das Herz der Büßerin in ihrem Leben von dem Schmuße der Sünde reinigte und nach dem Tode ihren Leichnam von aller Verunreinigung beschüßte. Fünfter Sonntag. Aloysius, ein Vorbild der Nächsten liebe. Der heilige Aloysius zeichnete sich aus durch wahre Nächstenliebe, denn: 1) Er hatte eine geduldige Liebe. Wer nicht auch die Unvollkommenheiten seines Nebenmenschen ertragen kann, liebt ihn auch nicht. Denn der heilige Paulus sagt von jener Liebe, daß fie Alles duldet.( 1. Korinth. 13, 7.) Der heilige Aloysius war nun wirklich so geduldig, daß er ruhig, ja sogar freudig Schmähungen und andere Beleidigungen hinnahm. Man darf aber durchaus nicht glauben, als sei er von Natur faltblütig und unempfindlich gewesen; im Gegentheil, er hatte ein sehr lebhaftes Temperament, aber er unterdrückte von Jugend an alle Regungen des auf die sechs alovs. Sonntage. 287 Bornes sogleich, und hatte darum später nie die geringste Anwandlung desselben zu bereuen. Die wahre Nächstenliebe liebt nämlich die Andern nicht um ihrer Vorzüge und natürlichen Gaben willen, sondern weil es Gott gebietet; fie heftet deßhalb ihre Blicke nur auf Gott und sieht so über die mit dem Schleier der Liebe bedeckten Fehler des Nächsten hinweg. Vor Allem liebet euch stets unter einander:" denn die Liebe bedecket die Menge der Sünden."( 1. Petr. 4, 8.) Nach diesem untrüglichen Kennzeichen prüfe und beurtheile deine Nächstenliebe. 2) Er hatte eine erfindungsreiche Liebe. Die Liebe ist gütig und denkt auf das Glück und die Freude des Nächsten; sie ist dem Feuer gleich, das stets wirksam ist. Der heilige Aloysius ließ nie eine Gelegenheit vorbei, Andere zu erfreuen und ihnen zu nüßen, so weit er immer konnte. Er hatte das tiefste Mitgefühl für fremdes Unglück, besonders wenn es die Seele betraf. Noch als fürstlicher Prinz gieng er in die Kirchen, um das gemeine Volk in der christlichen Religion zu belehren und in seinen Sitten zu bessern. In den Orden eingetreten, wandelte er in Rom umher und unterrichtete die ärmsten Bettler und führte sie mit sich zum heiligen Saframente der Buße. Weil er nichts Größeres thun konnte, so bemühte er sich doch auf die ihm mögliche Weise durch Unterhaltung und Belehrung zu nüßen. Wie viele Wohlthaten 288 Betrachtungen und Gebete könntest auch du deinem Nebenmenschen erweisen, schon durch Belehrung und gutes Beispiel! Dadurch kannst du dir unvergängliche Schäße sammeln. Du eignest dir die Verdienste des Blutes Jesu Christi an, wenn du es bei Andern heilbringend machest. Dadurch wird deine Seele mit der schönsten Tugend, mit der Liebe, geziert! Warum aber findest du keine Mittel und Wege, Andern nüßlich zu werden?- weil die Liebe dir fehlt. 3) Er hatte eine großmüthige Liebe. Die Nächstenliebe gieng beim heiligen Aloye fius bis zu jenem heldenmüthigen Grade, daß er sich nicht scheute, sogar das Leben für die Nebenmenschen zu opfern. So pflegte er bei einer ansteckenden Krankheit zu Rom mit größtem Eifer die Unglücklichen, so daß manche Andere durch seine Hingebung und Unerschrockenheit beschämt und von gleichem Eifer erfüllt wurden. Er wählte für sich immer die eckelhaftesten Kranken und erwies ihnen alle auch die niedrigsten Dienste voll Freude, zog sich dadurch aber auch in kurzer Zeit dieselbe Krantheit zu, die ihn langsam aufzehrte. Der Nähe des Todes gewiß, sang er das Te Deum, und übergab sodann ruhig und heiter seinen Geist in die Hände Jesu, des Gefreuzigten. Welch' schöner Tod! Solltest du nicht aus tiefstem Herzensgrunde ausrufen: Meine Seele sterbe den Tod des Gerechten!"( 3. Mof. 28, 10.) Glaubst du aber, durch dein bisheriges Leben cinen seligen Tod zu erlangen? Siehe, jetzt auf die sechs aloys. Sonntage. 289 ist die Zeit der Aussaat mit dem Tode kommt die Zeit der Ernte. Suche darum, Gutes zu säen, denn was der Mensch säet, wird er auch ernten.""( Gal. 6, 8.) " 1 Gebet. - Mein liebevollster Fürsprecher Aloysius! weil die Liebe, welche hier auf Erden entsteht, im Himmel bleibt und vollkommen wird, so darf ich hoffen, du werdest vom Himmel herab auch mich, dein Pflegkind, mit deiner Liebe umfassen, wie du auf Erden Alle in deinem Herzen umfasset hast. Ich wende mich deßhalb voll Vertrauen zu dir, o bester Patron! damit du mir einen Funken wahrer Liebe zu meinem Nebenmenschen mittheilen wollest. Ich bin zwar ein Christ, weiß aber die Mitbrüder nicht zu lieben, wie Christus es lehrt und Gott es will, sondern folge so oft nur meie nen Neigungen und Leidenschaften. Ordne in mir diese unordentliche Liebe und bitte für mich, daß Gott in mir das Feuer wahrer Nächstenliebe entzünde, von der dein Herz entflammt war. Jch verlange, dir, o mein liebevollster Fürsprecher Aloysius! in dieser Tugend getreu nachzufolgen. Erlange mir die Gnade, daß meine Handlungen und mein ganzes Leben durch die Liebe geheiliget werden, damit der Uebergang in die Ewigkeit für mich ein seliger sei, nicht zum Verderben, sondern zum Heile. Amen. 19 Betrachtungen und Gebete Grundsätze und Tugendübungen des heili gen Aloysius. 290 1) Man muß seinen Nebenmenschen nie geringer schäßen als sich selbst; dagegen das Betragen Anderer wo möglich gut aufnehmen. Fliche einen solchen Hochmuth, der sich für besser hält als Andere. Ueber deine Fehler bist du gewiß, nicht aber über die Fehler der Nebenmenschen: Die Liebe denkt nichts Arges.( I. Korinth. 13,5). Erweise dich vielmehr in allen Dingen als Diener Gottes durch große Geduld in Trübsalen und Schlägen.( II. Korinth. 6, 4.) 2) Wer sich nicht um das Seelenheil des Nächsten bekümmert, der liebt auch Gott nicht; denn er sucht nicht die Verbreitung der göttlichen Ehre. Benüge wenigstens in dem täglichen Umgange jede Gelegenheit, mit Verachtung von den Lastern und mit Anerkennung von den Tugenden zu sprechen. Es schickt sich ja für Jeden, von seinem Gewerbe zu sprechen; warum sollte der Christ nicht auch für die Tugend und gegen das Laster das Wort ergreifen? Ich will die Ungerechten deine Wege lehren" ( Ps. 50, 15.), spricht, wer Gott liebt und den Nächsten. 3) Von gleichgültigen Dingen, die Gott nicht mißfallen, darf man wohl reden, außer wenn man den Tod herannahen fühlt; denn dann muß man auf die jechs aloy). Sonntage. 291 alles 3rdische vergessen. Wenn du daher Kranke befucheft, so rede als Christ mit ihnen auf eine ihrem Zustande angemessene Weise. Stelle dich als tröstender Engel an'e Krankenbett, der von der Erde hinweg zu Christus dem Gekreuzigten hinauf weist, aus dessen Wunden Schmerz und Liebe, Hoffnung und Leben in die Seele des Leidenden strömet. Zur Zeit der Krankheit zeige deinen Wandel."( Sir. 18, 21.) Beiſpiel. Der heilige Aloysius sorgte auch vom Himmel aus voll Liebe für die armen Menschen auf Erden. So half er im Jahre 1653 einem bedrängten Schneider in Neapel. Dieser sollte eine Schuld von 40 fl. bezahlen, bermoare aber bis auf die bestimme zeit das Geld nicht zusammenzubringen. Traurig und voll Sorgen gieng er nun am Feste des heiligen Aloysius zufällig an der Kirche des Jésuitencollegiums vorbei und erblickte über der Thüre desselben das Bild des heiligen Aloysius. Er hatte bisher weder von dem Leben noch auch nur von dem Namen des Heiligen etwas gehört, betrachtete jedoch das Bild aufmerksam, und sprach voll Wehmuth bei sich selbst:„ D goldener Jüngling, was würdest du wohl von deinem Vermögen verlieren, wenn du meine Schuld bezahltest?" Am andern Tage erfuhr er auf dem Wege dahin, wo er seine Schuld 292 Betrachtungen und Gebete bezahlen sollte, daß sie schon entrichtet wor den sei von einem jungen unbekannten Jefuiten. Nun fragte er voll Dankbarkeit nach dem Namen des Heiligen, dessen Bild er angeredet hatte, und verehrte ihn fortan sehr eifrig. Dafür wurde er später vom heiligen Aloysius, der ihm im Chorkleide erschien, von einer drohenden Gefahr seiner Seele gewarnt und gerettet, in die er unbesonnen sich begeben hatte, um verborgene Schäße zu bekommen, wie der Verführer ihm vorgelogen. Hier sagte der heilige Aloysius ihm auch, daß er früher die Schuld für ihn bezahlt habe. Die Liebe des heiligen Aloysius macht ihn zu einem schüßenden Engel der Menschen. Sechster Sonntag. Aloysius, ein Vorbild der Liebe zu Gott. Der heilige Aloysius leuchtete hierin hervor: 1) Durch seine Liebe der göttlichen Güte um ihrer selbst willen. Wie der heilige Aloysius in den übrigen Tugenden ein großer Held war, so glich er in der Liebe einem Seraph. Er war so erfüllt von dieser himmlischen Flamme, daß ihm schon beim leisesten Gedanken an die göttliche Güte das Herz erglühte. Wenn er öder Andere davon redeten, zeigte sich das heilige Feuer alsbald auf die sechs aloys. Sonntage. 293 in seinem Angesichte und sein Herz fieng an zu schlagen, als ob es zerspringen wollte. Es griff diese Liebe ihn zu sehr an, so daß er nach dem Befehle seiner Obern solcher Betrachtungen sich enthalten sollte und daher oft flehte: Weiche von mir, o Herr! weiche von mir!"-Dagegen dir kommt die Liebe zu Gott so schwer vor, obgleich Er so liebenswürdig ist, und seine Güte schon so oft gegen dich bewiesen hat. Warum liebst du das vollkommenste Wesen und deinen Wohlthäter so wenig? ist dein Herz etwa vor Liebe zu dem Bergänglichen zu sehr erfüllt? O ewige Schönheit, so uralt und doch immer so neu! wie spät habe ich dich erkannt! wie spät habe ich dich geliebt!"( Heiliger Augustin.) 2) Durch seine Liebe der göttlichen Güte in Jesu, dem Gekreuzigten. Die Güte Gottes zeigt sich besonders im Kreuztode Christi. Durch den Anblick des Gekreuzigten entflammte der heilige Aloysius seine Liebe zu Gott. Er dachte oft an die Schmerzen und Wunden des Heilandes und wünschte dann ebenfalls Schmach und Bein zu erleiden, um seinem verachteten und gemarterten Herrn ähnlich zu werden; und die Betrachtung der Leiden des Gekreuzigten versüßte ihm seine eigenen Schmerzen. Mache du nun auch den Vorsaß, oft an Jesum den gekreuzigten Erlöser zu denken, und gehorsam Ihm nachzufolgen. Dieß verlangt seine Liebe zu dir und deine Dankbarkeit für Alles, so Er für dich gelitten 11 - 294 Gebete und Betrachtungen hat. Wenn Jemand nicht lieb hat unsern Herrn Jesum Christum, der sei ausgeschlossen." ( 1. Korinth. 16, 22.) 3) Durch seine Liebe der göttlichen Güte im allerheiligsten Altarssafras mente. In der Feier des heiligen Abendmahles hat sich die Güte und Liebe des Herrn auf die erhabenste und vollkommenste Weise geoffenbaret, indem Jesus da Sich Selbst den Seinigen schenket. Der heilige Aloysius em pfieng dann auch jenes heilige Sakrament schon zum ersten Mal mit der tiefsten Ehrfurcht und innigsten Andacht aus der Hand des heiligen Karl Borromäus. Drei Tage hatte er sich darauf vorbereitet und drei Tage dauerten nachher seine Dankgebete, und er zerfloß während derselben in Thränen der Dankbarkeit und Liebe. Wenn du einen Funken der Liebe zu Gott in dir trägst, so mußt du es zeigen beweisen beim Empfange des heiligen Abendmahles. Denn du kannst den Herrn unmöglich lieben, wenn du Ihn nicht mit Andacht und Inbrunst empfängst und in dein Herz aufnimmst unter eifrigen Uebungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, des Reueschmerzens und der gänzlichen Hingabe und Aufopferung in seinen heiligen Willen. Kannst du mit diesen Uebungen noch nicht recht umgehen, so bitte Ihn selbst, daß Er sie dich lehren wolle. Tretet hin zu Ihm, so werdet ihr erleuchtet."( Pf. 33, 6.) - auf die sechs aloys. Sonntage. 295 Gebet. O großer Heiliger und mächtiger Fürsprecher Aloysius! wie sehr wünschte ich ein Herz wie dein wunderbares Herz war, das nur durch Liebe zu seinem Gott lebte! Wem anders als dir, du Seraph der inbrünstigsten Liebe! sollte ich mein faltes und gefühlloses Herz darbringen, damit du ihm ein wenig von deinem heiligen Feuer mittheilest und es das höchste Gut lieben lehrest! Ich erkenne wohl, daß ich meinen Herrn nicht so liebe, wie Er es verdienet; dagegen die geringsten Geschöpfe lieber habe, als meinen Schöpfer, meinen Erlöser und liebenswürdigsten Vater. Ich schäme mich deßhalb und bitte dich bei der Liebe, welche du zu Ihm getragen hast, du wollest in mir wahre Liebe zu Gott entzünden und mir die Gnade erlangen, in dieser Liebe zu leben und zu sterben. Amen. Grundsätze und Tugendübungen des heili gen Aloyfius. 1) Wer einmal erfahren hat, wie süß es ist, mit Gott vereinigt zu sein, Ihm zu dienen und Ihn zu lieben, kann eine so angenehme Uebung nicht mehr unterlassen. Berkoste auch du diese Süßigkeit. Verrichte jeden Tag einige Uebungen der Liebe zu Gott, z. B. beim Besuche der heiligen Messe, beim Anblicke des Strus 296 Betrachtungen und Gebete zifires 2c. Eine einzige reicht hin, die Seele von vielen Mackeln zu reinigen. 2) Es ist ein Zeichen der Liebe zu Gott, wenn man Ihn so innig zu lieben wünscht, als es die liebenswürdigste Majestät verdient; und wenn man darüber betrübt ist, daß die Liebe zu Jhm nicht groß genug sei. Wenn du feine rechte Liebe zu Gott fühlst, so drücke wenigstens das Verlangen aus, Ihn recht zu lieben, und habe einen bittern Schmerz, daß du Ihn nicht inbrünstig genug liebest. Ein solcher Schmerz und ein solches Verlangen werden dich nach und nach zu der wahren Liebe führen. 3) Man liebt Gott nicht aufrichtig, wenn man nicht fortwährend darnach dürstet, um Seinetwillen jedes Leiden zu erdulden. Freue dich über jede Noth, die dir Gott fendet, und über jede Beschwerde, die du in seinem Dienste zu erleiden hast; denn dadurch prüft Er deine Liebe. Der Herr euer Gott prüfet euch, damit offenkar werde, ob ihr Ihn liebet oder nicht." ( 5. Mof. 13, 3.) Beispiel, Im Jahre 1634 erkrankte ein junger Geistlicher aus der Gesellschaft Jesu, Joseph Spinelli genannt, im Collegium zu Pavia, wo er Philosophie studierte. Er fiel oft in solche auf die sechs aloys. Sonntage. 297 Dhnmacht, daß er kaum wieder zu Sinnen gebracht werden konnte; zulegt wurde er ganz gelähmt und verlor auch noch die Sprache. Dem Tode nahe gekommen, machte er dem heiligen Aloysius, den er immer verehrt hatte, ein Gelübde, zu fasten. Alsbeld fühlte er in sich eine heftige Begierde, sich ganz Gott zu weihen und zu opfern. Am 11. Februar erschien ihm der Heilige, während er inbrünstig betete, und kündete ihm an, daß er noch eine große Reise zu machen habe. In der andern Nacht darauf erschien ihm der heilige Aloysius wieder und sagte, daß er aus gerechtem Urtheile Gottes sein Lebenlang hätte sprachlos bleiben sollen; durch seine Fürbitte erlange er jetzt die Sprache wieder, folle sie darum aber auch nur zur Ehre Gottes anwenden; jetzt müsse auch der Anfang seines Heiles und der klösterlichen Bollkommenheit gemacht werden. Zudem mußte der Kranke geloben, täglich eine Viertelstunde und an den Kommuniontagen eine halbe Stunde länger zu beten. Dann zeichnete der heilige Aloysins auf seine Lippen das heilige Krenz, worauf er ungehindert reden und die Erscheinungen erzählen konnte. Am 16. Februar erschien ihm der heilige Aloysius noch einmal und berührte seine Füße, Hände und Lenden, worauf er gesund aufstehen konnte. Aloysius verlangte von ihm nichts anderes, als daß er einen Monat lang an den geistlichen Uebungen des heiligen Ignatius Theil nihmen und 298 Am Feste sich der Frömmigkeit befleißen solle. Spinelli, so wunderbar gerettet und geheilt, erglühete nun immer mehr von heiligem Eifer, wurde Missionär und beschloß sein apostolisches Leben wie ein Heiliger. Am Feste des heiligen Aloysius Gonzaga. Die Herrlichkeit des heiligen Aloysius im Himmel: 11 1) Nach dem Maaße seiner Unschuld. Den ersten und vorzüglichsten Anspruch auf die Herrlichkeit des Himmels hat die Unschuld. Wer wird steigen auf den Berg des Herrn? oder wer wird stehen an seinem heiligen Örte?" so fragt der Prophet und gibt gleich die Untwort darauf:" Der, welcher unschuldige Hände und ein reines Herz hat."( Ps. 23, 3.) Betrachte nur die Hände, d. h. die Werke des heiligen Aloystus, sodann sein Herz, d. H. seine Gesinnung und seine Neigungen- und staune über seine Unschuld, nach der du seine Glorie ermessen kannst. Welche Schuldlosigfeit in allen seinen Handlungen! nicht einmal eine läßliche Sünde läßt sich sicher bei ihm entdecken. Welche Herzensreinheit! von dem ersten Erwachen seiner Vernunft an liebte er Gott von ganzer Seele. Nun denke dir, welch' eine überschwängliche Glorie einer so des heiligen Aloysius. 299 mackellosen Unschuld im Himmel zu Theil werden mußte! Glücklich, ja überglücklich, wer mit dem heiligen Aloysius sagen kann, er habe nie gegen Gott hierin sich etwas zu Schulden kommen lassen. Wenn du aber das weiße Kleid der Unschuld befleckt hast, wasche und reinige es wenigstens mit den Thränen eines kräftigen Reueschmerzens. 2) Nach dem Maaße seiner Buße. Wenn der Glanz der Unschuld getrübt ist, muß man durch strenge Buße sich bemühen, ihn wieder herzustellen. Die Unschuld des heiligen Aloysius blieb fleckenlos und doch übte er die strengste Buße. Wenn nun im Himmel cin jedes Haar, das um Gottes willen verloren geht ihm zulieb geopfert, gezählt wird, wie vielmehr die Blutstropfen, die der heilige Aloysius durch die täglichen Geißlungen Gott weihete! wie herrlich wird sein nächtliches Beten, sein strenges Fasten, und jede Abtödtung seines keuschen Leibes belohnt wor= den sein! Führe auch du im Hinblicke auf den Himmel ein Leben der Abtödtung; denn unserer kurzen Leiden hienieden wartet jenſeits eine herrliche Belohnung. Unsere gegenwär tige Trübsál, die augenblicklich und leicht ist, bewirkt eine überschwängliche, ewige, Alles überwiegende Herrlichkeit in uns."( 2. Korinther 4, 17.) 3) Nach dem Maaße seiner Liebe. Die Liebe ist gleichsam die Seele der guten Werke, die ihnen Leben und Schönheit, Werth - 300 Am Feste und Verdienstlichkeit verleiht. Darum richtet sich die Herrlichkeit auch nach der Größe der Liebe. Der heilige Aloysius hat nun vom ersten Gebrauch seiner Vernunft an bis zum Tode Gott innigst geliebt ,, unbekümmert um alle irdischen Güter; darum erfreuet er sich jetzt im Himmel der ganzen Fülle der Herrlichkeit und Glorie. Fasse auch du den Entschluß, deinen Gott auf immer, aus ganzem Herzen und mit allen Kräften über Alles zu lieben führe es aus- und du wirst auch solcher Glorie theilhaftig werden.. Gebet. Liebevoller und glorreicher Fürsprecher Aloyfius! Wie herrlich strahlest du, angethan mit dem glänzenden Gewande der Unschuld, geschmückt mit der Krone der Gerechtigkeit, sigend auf dem Throne der Herrlichkeit, herrschend mit dem Scepter der Liebe! Heil dir, mein mächtiger Patron! Tausendmal lobe und preise ich die heiligste Dreieinigkeit, welche dich zu so hohen Ehren erhoben, um deine mackellose Unschuld, deine strenge Buße und vollkommene Liebe zu belohnen. Blicke vom Himmel herab auf mich, deinen Diener, der ich von deiner Fürsprache jene Tugenden und Güter erwarte, die mir besonders mangeln.„ Reiche dem Armen deine Hand, damit dein Segen vollkommen werde." Strecke deinen Arm über mich aus und führe mich auf deinen Pfaden zum Herra! des heiligen Aloysius. 301 Erwirb mir die Gnade, daß ich ein wahrhaft tugendhaftes Leben beginne und mich nicht abhalten lasse durch die Schwierigkeiten, welche mir dabei aufstoßen werden. O wenn ich doch einmal mich recht fest entschließen könnte, dit wahrhaft nachzuahmen! O wenn ich doch fortan um nichts anderes mich kümmerte, als um Gott und seine Gnade dann würde ich sicher einst in den Himmel kommen, wo ich dir, lieber Fürsprecher! inbrünstig danken und mit dir Gott preisen und anbeten wollte in alle Ewigkeit. Amen. - Grundsätze und Zugendübungen des heiligen Aloysius. 1) Die Heiligen finden Wohlgefällen daran, wenn wir ihre Tugenden nachahmen. Wenn wir von Gott eine Tugend zu erhalten wünschen, sol len wir zu jenen Heiligen unsere Zuflucht nehmen, die in dieser Tugend während ihres Lebens sich ausgezeichnet haben.( Die Heiligen sind wie die Sonne, die mit ihren Strahlen erleuchten und erwärmen, wo immer ihnen ein Herz geöffnet wird.) Nimm dir daher vor, die eine oder andere Tugend des heiligen Aloysius, die du besonders nöthig hast, nachzuahmen. Wende dich an ihn, damit er dich darin unterrichte. 2) Man muß sich bemühen, ein Gott, nicht den Menschen wohlgefälliges 302 Am Feste des Heiligen Aloysius. Leben zu führen; denn die Menschen suchen den Schatz der Verdienste zu rauben. Wenn du in guten Werken standhaft sein willst, so verrichte sie nicht den Menschen, sondern Gott zu lieb. Gott an hangen ist gut; und glückselig, der seine Hoffnung auf seinen Gott segt! 3) Ehre, Macht und Reichthum gereichen Dem zu größerem Troste, der Gott zu lieb darauf verzichtet, als Dem, der sie erwirbt. Der Weise ladet von der Bürde ab, die er hat, ladet sich aber keine auf, die er nicht hat. Heil dir, wenn du einmal jedes Gut der Erde als eine große Last erkennest, die dich vom Himme abzieht. Um zu dieser Weisheit zu gelangen, mußt du die Dinge nicht nach ihrem Namen, sondern nach ihrem Wesen messen.„ Heil dem Volke, dessen der Herr sein Gott ist!" ( Pf. 143, 15.) Morgengebet. 303 II. Tägliche Andachten für die Verehrung des heiligen Aloysius. Gebet beim Weihwasser nehmen. Heiliger, allmächtiger Gott, Bater †, Sohn + und heiliger+ Geist! bewahre mich vor den Nachstellungen des bösen Feindes, vor allem Uebel des Leibes und der Seele, besonders aber vor der Sünde, und reinige mich von allen ihren Flecken. Besprenge mich, o Herr! so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als der Schnee. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie sie war im Anfange, so jezzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen. Morgengebet. Anbetung. Mein Gott und Herr! zu Dir erwache ich, und die Erstlinge meiner Empfindungen, Gedanken und Werke sollen Dir geweihet und geheiliget sein! du anbetungswürdigste Majestät! Ein Gott in drei Personen! ich werfe mich vor 304 Morgengebet. Dir im Staube nieder und bete Dich in tiefster Demuth an; ich vereinige meine schwache Andacht mit den Verdiensten Jesu Christi, mit den Gebeten der allerseligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, insbesondere des englischen Jünglings Aloysius, und nehme mir ernstlich vor, heute und alle Tage meines Lebens Dir treulich zu dienen und Dich nach Kräften zu verherrlichen. Danksagung. Ich danke Dir wieder von Herzen für alle Wohithaten, die Du mir so reichlich erwiesen hast; besonders dafür, daß Du mir das Leben gegeben und bisher gnädig erhalten; daß Du mich haft erlöset werden lassen durch das kostbare Blut deines lieben Sohnes; daß Du mich in der heiligen Taufe wieder geboren und zum Kinde der katholischen Kirche gemacht; auch daß Du mich diese Nacht bewahret East vor allen Gefahren des Leibes und der Seele. Aufopferung. O mein Gott! Du hast mich aus Liebe erschaffen, und fristest mir das Leben zu deiner Ehre. Jeden Augenblick bin ich schuldig, Dir zu dienen und mein ganzes Herz zu schenken. Ich opfere und übergebe mich Dir nun ohne allen Vorbehalt; ich widersage aufs Neue dem bösen Feinde, feiner Hoffart und allen Morgengebet. 305 feinen Werken; ich widersage allen Empfindungen, Gedanken, Worten und Werken, die Dir an mir mißfallen könnten; nur zu deiner Ehre will ich anwenden meinen Verstand, meinen Willen, mein Gedächtniß- alle Kräfte meines Leibes und meiner Seele. In Vereinigung mit den Verdiensten meines Jesu und aller seiner Auserwählten opfere ich Dir Alles auf, was ich heute Gutes denken, reden, thun und Böses meiden oder leiden werde. Alles soll geschehen zu deiner größern Ehre und zum Heile meiner armen Seele. Bitte. Nimm, o bester Bater! diese meine gute Meinung wohlgefällig an, und segne meinen Entschluß mit deiner Gnade, damit ich ihn treulich ausführen möge. Ohne deinen Beistand vermag ich armes sündhaftes Geschöpf nichts Verdienstliches zu vollbringen: aber ich vertraue auf deine Güte und Barmherzigkeit, daß Du mich bewahrest vor den Sünden und Ungerechtigkeiten, in die meine Leidenschaften und bösen Gewohnheiten mich leider schon so oft hingezogen haben. Verleihe mir auch die Kraft, daß ich alle Leiden, welche Du heute und die übrige Zeit meines Lebens noch über mich schicken oder zulassen wirst, mit stiller Geduld und aus Liebe zu Dir ertrage und so ein wahrer Jünger meines gekreuzigten Heilandes werde. 20 306 Morgengebet. Anrufung Marias. Heilige Jungfrau Maria, Mutter Gottes, du Zuflucht der armen Sünder! ich übergebe mich mit kindlichem Vertrauen in die mütterlichen Arme deiner Liebe und Barmherzigkeit. Nimm mich auf in deinen besondern Schuzz gegen die Feinde meines Heiles, und sei mit mir in den Gefahren, welchen ich immerdar ausgesetzt bin. Erlange mir auch die Gnade, deine Tugenden eifrig nachzuahmen, und dadurch deinem göttlichen Sohne immer wohlgefälliger zu werden. Zum heiligen Schußengel. Heiliger Schußengel, du liebenswürdiger Freund! vertheidige und beschütze mich gegen die Nachstellungen des bösen Feindes; erinnere mich oft an die Allgegenwart Gottes, ordne meine Gedanken, Worte und Handlungen, und trage mein Gebet und meine guten Werke vor den Thron des Allerhöchsten! Zum Namenspatron und heiligen Aloyfius. Heiliger Namenspatron, und du mein besonderer Freund und Fürsprecher, heiliger Aloysius! bittet und streitet für mich, damit ich lebe, wie ihr gelebt, hier auf Erden Gott redlich diene, wie ihr Ihm gedient, und einstens mit euch Ihn preisen und verherrlichen könne in Ewigkeit. Morgengebet. Empfehlung in Gottes Schuß. D Herr, allmächtiger Gott! der Du mich den heutigen Tag haft erleben lassen, bewahre mich nun auch in deiner Kraft, daß ich zu keiner Sünde hinneige, sondern daß ich alle meine Gedanken, Worte und Werke zu erfüllen trachte, wie es recht ist vor Dir. Es beherrsche und lenke mich die Allmacht des Vaters; es erleuchte mich die Weisheit des Sohnes; es erfülle mich die Liebe des heiligen Geistes. Der Friede unsers Herrn Jesu Christi, die Kraft seines allerheiligsten Leidens und Sterbens, das Zeichen des heiligen Kreuzes, die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau und aller Heiligen seien immerdar zwischen mir und den Feinden meiner Seele, jetzt und in der Stunde meines Todes. 307 Jesus von Nazareth, der König der Juden: dieser glorreiche Litel bewahre mich vor allem Uebel Leibes und der Seele. Im Namen des+ Baters, des † Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Anrufung des heiligen Geistes. Komm, heiliger Geist! erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Fener deiner göttlichen Liebe, der Du die Völker aller Zungen in der Einigkeit des Glaubens vereiniget hast. 308 Tägliches Ablaßgebet zum heil. Aloysius. D Gött! der Du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehrt hast; gib, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und uns seines Trostes allzeit erfreuen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Tägliches Ablaßgebet zum heiligen Aloysius. O heiliger Aloysius! der du mit einer englischen Reinigkeit geziert bist; ich dein unwürdiger Verehrer, übergebe deinem Schuße die Reinigkeit meines Leibes und meiner Seele, und bitte dich durch deine englische Reinigkeit, mich dem unbefleckten Lamme Jesus Christus und seiner allerheiligsten Mutter, der Jungfrau aller Jungfrauen, zu empfehlen und mich vor jeder schweren Sünde zu bewahren. Gestatte nicht, daß ich mich mit dem geringsten Flecken der Unreinigkeit bemackle; sondern wenn du mich je in einer Versuchung siehst, oder in einer Gefahr zu sündigen, fo entferne von meinem Herzen alle unreinen Gedanken und Neigungen. Erwecke alsdann in mir den Gedanken an die Ewigkeit und meinen gefreuzigten Jesus; drücke das Gefühl der Furcht Gottes tief in mein Herz ein, und entzünde in mir die göttliche Liebe, damit ich dich auf Erden nachahme und einst im Himmel mit dir zum Genusfe Gottes gelangen möge. Amen. Sehnsucht nach der geistlichen Geburt 2c. 309 Sehnsucht nach der geistlichen Geburt Jesu im Herzen des Christen. Von Angelus Silesius- wie auch die folgenden Gebete in Versen.*) 1. Geh auf, Du meines Herzens Morgenstern, Und werde mir zur Sonne; Geh auf, und sei nunmehr nicht fern, Du wahre Seelenwonne! Erleuchte mich Ganz inniglich, Daß ich in deinem Lichte Noch diesen Tag Beschauen mag Dein liebstes Angesichte! 2. Ich wünsche nichts, als Dich zu seh'n, Hab' auch sonst kein Verlangen. Ach, ach, wann wird es doch gescheh'n, Daß ich Dich werd' umfangen! Du bist das Licht, Das mein Gesicht Alleine kann beglüken; Du bist der Strahl, Der allzumal Mein Herze kann erquicken. *) Diese heiligen Lieder von einem deutschen Dichter, der schon 1677 gestorben ist, geben der heiligen Liebe zu Jesus den innigsten und findlichsten Ausdruck; daher mehrere derselben hier aufgenommen wurden. 310 Berachtung der Welt, Erwählung Jesu. 3. Wo bist Du, schönster Bräutigam, Dauserkorner Knabe! Wo bist Du, süßes Gotteslamm, Daß ich mit Dir mich labe! Komm doch geschwind, Du Jungfrau Kind, Komm, komm, eh' ich vergehe! Mein Geist und Sinn, Der fällt schon hin, Schau, wie so schlecht ich stehe! 4. Der Leib wird matt, die Seel' ist schwach, Die Augen steh'n voll Thränen; Der Mund verblaßt, rust ach und ach, Das Herz ist voller Sehnen. D Jesu mein, Der Du allein Mich herzlich kannst erquicken, Verzieh doch nicht, Mit deinem Licht Mich gnädig anzublicken! Verachtung der Welt, Erwählung Jesu 1. Fahr' hin, du schnöde Welt, Mit deinem Gut und Geld; Fahr' hin mit deinem Brangen Und den geschmückten Wangen; Verachtung der Welt, Erwählung Jesu. 311 Du wirst mit deinen Tücken Mich nun nicht mehr berücken: Jesus Christus soll allein Meiner Seele Vorbild sein. 2. Dein Ruhm ist wie ein Schaum, Und deine Pracht ein Traum, Und deine Herrlichkeiten Verbleichen mit den Zeiten. Fahr' hin, ich mag nicht haben, Was nur kann zeitlich laben: Jesus Christus foll allein Meiner Seele Liebstes sein. 3. Wer dir zu viel getraut, Hat auf den Sand gebaut;. Wer dir sich hat ergeben, Verdirbt mit Leib und Leben. D'rum will ich dich verlassen, Und nimmermehr umfassen: Jesus Christus foll allein Meiner Seele Bräut'gam sein. 4. Ich schätze deine Lust So viel als Koth und Wust; Und alle deine Freude Vergleich ich Trau'r und Leide; D'rum will ich auch nicht lieben, Was mich nur kann betrüben. Jesus Christus soll allein Ewig meine Liebe sein. Versprechen, Jefum zu lieben. Versprechen, Jesum zu lieben bis in den Tod. 1. Ich will Dich lieben, meine Stärfe, Ich will Dich lieben, meine Zier, Ich will Dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier: Ich will Dich lieben, schönstes Licht! Bis mir das Herze bricht. 312 2. Ich will Dich lieben, o mein Leben! Als meinen allerbesten Freund, Ich will Dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheini; Ich will Dich lieben, Gottes Lamm, Als meinen Bräutigam. 3. Ach, daß ich Dich so spät erfennet, Du hochgelobte Schönheit Du! Und Dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh'! Es ist mir leid, ich bin betrübt, Daß ich so spät geliebt. 4. Ich lief verirret und verblendet, Ich suchte Dich, und fand Dich nicht; Ich hatte mich von Dir gewendet, Und liebte das geschaffne Licht; Nun aber ist's durch Dich gescheh'z. Daß ich Dich hab' ersch'n! Preis der Mutter des erwählten Bräutigams. 313 5. Erhalte mich auf deinen Stegen, Und laß mich nicht mehr irre geh'n; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille steh'n: Erleucht mir Leib und Seele ganz, Du stärker Himmelsglanz! 6. Ich will Dich lieben, meine Krone, Ich will Dich lieben, meinen Gott, Ich will Dich lieben ohne Lohne, Auch in der allergrößten Noth; Ich will Dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht! Preis der Mutter des erwählten Bräuti gams der Seele. 1. Reinste Jungfrau, die vor allen Gott dem Vater wohlgefallen, Deren Keuschheit seinen Sohn Hat gelockt vom Himmelsthron; Reinste Jungfrau, dir zu Ehren Laß ich meine Stimme hören. 2. Dich, Maria, will ich preisen, Dir, o Jungfrau! Dienst erweisen Dich, du schönster Morgenstern, Will ich rühmen weit und fern; Denn durch dich ist uns gegeben Jesus, unser Heil und Leben. 314 Bitte zu Jesus in Stunden der Trockenheit. 3. Kommt, ihr Töchter und Jungfrauen, Eine Königin zu schauen, Die Ihm Gott hat Selbst vertraut, Seine Tochter, Mutter, Braut: Schaut die Fürstin, die Er liebet, Der Er gänzlich Sich ergibet! 4. Königin der Seraphinen, Oberste der Cherubinen, Herzogin der Martyrer, Fürstin aller Beichtiger, Aller Heil'gen und Jungfrauen, Die dem Lamme sich vertrauen! 5. D Maria voller Gnade, Hilf, daß mir der Feind nicht schade, Daß ich möge nach der Zeit In der ew'gen Seligkeit, du Krone der Jungfrauen, Dich und deinen Sohn anschauen! Bitte zu Jesus in Stunden der Trockenheit. 1. Wo willst Du hin, weil's Abend ist, Geliebter Pilgrim Jesus Christ? Ei bleib doch hier, und rast in mir. Ich laß Dich nicht, Du ew'ges Licht! Ich schrei Dir nach mit tausend Ach; Ach bleib doch hier, mein Leben! Ich will Dir Herberg geben. Hülferuf zu Jesus in Versuchungen. 315 2. Die Sonne hat sich schon gesenkt, Die Nacht ist da, die mich bedrängt: Komm doch herein, mein Freudenschein! Zünd' an mein Herz, wie eine Kerz, Erleucht es ganz mit deinem Glanz, Daß ich Dich mag erkennen, Und durch und durch entbrennen! 3. Wenn Du bei mir bleibst, werther Gast, So werd' ich ledig meiner Last; Du brichst mir Band und Hungersnoth, Du treibest weg die Eitelkeit, Du zeigst mir an die rechte Bahn, Du machst, daß meine Sinnen Die Wahrheit finden können. 4. Ich lasse Dich nicht, liebster Freund! Bis daß die Sonne wieder scheint: Gib mir Geduld, und sei mir hold, Du kannst nicht fort aus diesem Ort; Mein Herze wacht, hat Deiner Ucht, Ich will Dich fest umfassen, Und nicht entweichen lassen. Hülferuf zu Jesus in Bersuchungen. 1. Erbarm' Dich mein, o Jesus Christ! Der Du für mich gestorben bist: Sieh' an mein' Angst und große Noth; Errette mich, Du treuer Gott! 316 Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. 2. Schau, was ich leide von dem Feind, Der mich mit Macht zu fällen meint; Er stellt mir nach und ficht mich an, So viel er immer weiß und kann. 3. Ach laß ihm doch, mein Gott, nicht zu, Daß er mir einen Schaden thu'! Steur' ihm mit deiner starken Hand, Und mache seine List bekannt. 4. Ich flieh' zu Dir, mein Felsenstein, Wie ein verfolgtes Täubelein: Ich setz mich in dein Herzens Riß, Da bin ich sicher und gewiß. Eebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. O mein Gott und Heiland, der Du für mich am Kreuze gestorben bist! ich werfe mich zu deinen Füßen nieder und übergebe meine Seele in deine Hände, jetzt und in der Stunde meines Sterbens. Lasse, ach lasse mich doch in jenem letzten Streite nicht unterliegen! Dein kostbares Blut, deine heiligen Wunden, dein verehrungswürdiges Kreuz sind meine Zuflucht und Stärke wider alle Versuchungen. Gib mir, o Jesu! durch die Kraft deines heiligen Blutes eine wahre, vollkommene Reue über alle meine Sünden: verleihe mir eine aufrich Gebet zu Ehren des Leidens Jesu Chrifti. 317 tige kindliche Liebe zu Dir, auf daß meine Seele, von allen Makeln gereiniget, in deiner göttlichen Glorie einst sich ewig zu freuen verdiene. Amen. Gebet zu Ehren des Leidens Jesu Christi. Sei gegrüßt, o Haupt des Herrn, unsers Erlösers, für uns mit Dornen gekrönt und mit einem Rohre geschlagen! Sei gegrüßt, o glänzendes Angesicht unsers Heilandes, für uns verspieen und mißhandelt! Seid gegrüßt, ihr freundlichen Augen des Herrn Jesu Christi, für uns in Thränen gebadet! Sei gegrüßt, du lieblicher, honigsüßer Mund des Herrn Jesu Christi, für uns mit Galle und Effig getränkt! Seid gegrüßt, ihr geduldigen Ohren des Herrn Jesu Christi, für uns mit Schmähworten betrübt! Sei gegrüßt, du demüthiger Nacken Jesu Christi, für uns gegeißelt! Seid gegrüßt, ihr verehrungswürdigen Hände und Arme Jesu Christi, für uns am Kreuze ausgespannt! Sei gegrüßt, du sanfteste Brust Jesu Christi, für uns auf's Bitterste gefränkt! Sei gegrüßt, du glorreiche Seite des Herrn, für uns mit einer Lanze durchstochen! Seid gegrüßt, ihr heiligen Knice des Herrn, für uns im Gebete gebeugt! Seid gegrüßt, ihr ehrwürdigen Füße des Herrn Jesu Christi, für uns mit Nägeln durchbohrt! Sei gegrüßt, o Leib des Herrn, für uns am Kreuze aufgehangen, verwundet, gestorben! Sei gegrüßt, du koste 318 Bitte am Keuschheit. bares Blut, für uns aus dem Leibe des Herrn geflossen! Set gegrüßt, Du heiligste Seele unfers Herrn Jesu Christi, für uns am Kreuze in die Hände des Vaters empfohlen! Ebenso empfehle ich Dir heute und alle Tage, meine Seele, meinen Leib und mein Leben, alle Gedanken, Worte und Werke, alle Verwandten und Wohlthäter, Freunde und Feinde, auf daß Du uns schüßest, befreiest und bewahrest vor allen Anfechtungen unserer sichtbaren und unsichtbaren Feinde, jeßt und allzeit. Amen. Bitte um Keuschheit. 1. Ich wollte, daß mein Herz und Sinn So keusch, wie deine, möchten blüh'n; Ich wollte, daß mein Fleisch und Blut Wie deines wär', o keusches Gut! 2. Ich weiß, daß Du, o keuscher Gast, Dein Lusthaus in der Keuschheit hast; Ich weiß, daß Dir mit keuschen Herzen Beliebt zu spielen und zu scherzen. 3. Du bist der Keuschen Bräutigam, Der Keuschheit Ursprung, Wurzel, Stamm, Du gibst und säest keuschen Ruth, Wer Dir nur folgt auf frischem Pfad. Bitte um die Gabe der Reinigkeit. 319 4. So säe denn auch keusche Lust In mein Gemüth und meine Brust; Vertreib aus meinem Fleisch und Blut All's, was zur Sünde reizen thut. 5. Zieh mich mit deiner Keuschheit an, Verhüll' mich mit der Keuschheit Fahn; Daß ich, Du Keuscher! frisch und frei Dein keuscher Tempel ewig sei. Bitte um die Gabe der Reinigkeit. Entzünde, o Herr! mit dem Feuer des ligen Geistes mein Herz und meine Nieren, damit ich, von den Flammen der göttlichen Liebe entflammt, gleich dem heiligen Aloysius, diesem Engel im Fleische, Dir mit feuschem Leibe dienen, und mit reinem Herzen wohlgefallen möge. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet um Bewahrung der inngfräulichen Keuschheit. Mein Herr und mein Gott! ich erscheine vor deinem heiligen Angesichte, Dich um deinen Beistand und um jene Gaben zu bitten, deren ich in meinem Alter und Stande bedarf. Ich verlange nicht vergängliche Güter und Vorzüge, die der Eitelkeit schmeicheln, der Tugend 320 Gebet um Bewahrung aber meistens gefährlich sind; nein- ich bitte Dich nur um ein reines, unschuldiges Herz. Das soll mein größtes Gut, meine liebste Zierde, meine Schönheit Ehre sein! Laß mich lieber Alles, als dieses kostbare Kleinod, verlieren, das, einmal verloren, auf immer dahin ist. Ich lebe in einer Welt voll Gefahren. Rüste mich aus mit Wachsamkeit und Klugheit. Mache mich mißtrauisch gegen mein Herz und aufmerksam auf seine geheimsten Regungen! Laß mich über meine Reden und Blicke recht sorgfältig wachen, damit ich dem Nächsten nie Anlaß gebe, unanständig von mir zu denken oder gar meiner Keuschheit nachzustellen. Laß überhaupt in meinem ganzen Betragen Sittsamkeit und Zucht herrschen, damit ich meine Verehrung für diese Tugend und meinen Abschen vor dem Zaster öffentlich zeige. Verleihe mir eine edle Würde und jenen heiligen Ernst der Unschuld, die selbst ihre Feinde mit Ehrfurcht erfüllt, sie beschämt und auf bessere Gedanken bringt. Bewahre mich vor jenen Hauptfeinden der jungfräulichen Reinigkeit, vor der Eitelkeit und Gefallsucht. Bewahre mein Herz vor Stolz und Leichtsinn, verhülle meine Augen vor den Trugbildern der Sinnlichkeit, und verschließe meine Ohren der Stimme der Schmeichelei und den Reizungen der Verführung. Schenke mir Demuth und Bescheidenheit, und erwecke in mir einen Abschen gegen Alles, was mich vor mir selbst und vor deinen Augen — der jungfräulichen Keuschheit. 321 schamroth machen würde. Laß mich meinen Leib stets als einen Tempel des heiligen Geistes betrachten und in Ehren halten, und stärke mich in der Stunde der Versuchung mit dem Gedanken, daß Du, mein Richter, mich sichst, daß meine Schande einst offenbar und die augenblickliche Lust mir zur Quelle der Thränen und Leiden, ja ewiger Vorwürfe und Strafen werden würde. Vor Allem aber, o mein Gott! präge deine Furcht und Liebe in mein Herz; erhalte die Glut der Andacht in meinem Gemüthe, und verherrliche deine Macht an dem schwachen Geschöpfe. O mein Jesus! Du hast meine Seele in deinem Blute gewaschen: und ich sollte sie leichtsinnig verunreinigen können! Du hiengst voll Schmerzen und Wunden am Kreuze zur Büßung meiner Sünden: und ich sollte den Reizungen meiner Sinnlichkeit folgen! Ich bin dein so theuer erkauftes Eigenthum: und ich sollte auch wieder der Sünde mich preisgeben! O mein Jesus! Dir opfere ich mich ganz; bewahre mich vor aller Entheiligung meines Herzens und Leibes! Reinste Jungfrau und mächtige Fürsprecherin bei Gott! dein Vorbild schwebe mir immer vor Augen! Unterstüße meinen Eifer in Nachahmung deiner himmlischen Reinigkeit durch deine Fürbitte! Heiliger Schußengel! leite mich auf dem gefahrvollen Pfade, ohne von meiner Seite Mennel Alots 21 322 Gebet zum Hl. Aloysius in leiblichen 2c. zu weichen. Erbitte mir die Gnade bei Gott, daß ich unter deinem Schuße dem Verderben ficher entgehen und die Krone der Unsterblichkeit erlange durch Jesum Christum, deinen und meinen Herrn, der hochgelobt sei in alle Ewigkeit. Amen. Gebet zum heiligen Aloyfius in leiblichen und geistigen Anliegen. Heiliger Aloysius, englischer Jüngling! du Spiegel der Unschuld und Reinigkeit, du mächtiger Fürsprecher bei Gott, besonders in Erhaltung des Augenlichtes, in Bewahrung der Keuschheit und heiligmachenden Gnade, auch in Erlangung einer wahren Reue und aufrichtigen Befehrung sogar der größten Sünder, wenn sie mit Vertrauen zu dir ihre Zuflucht nehmen; sei auch mein Fürsprecher und stärke mir die Augen des Leibes, erleuchte zugleich aber auch die Augen meines Geistes, und kräftige mein Gedächtniß, meinen Willen und Verstand in allem Guten; erhalte mich in beständigem Fortschritte in allen Tugenden, besonders in dieser erwecke in mir eine wahre Andacht zu Jesus dem Gekreuzigten und dem allerheiligsten Altarssakramente; vermehre in mir die kindliche Liebe zu deiner und meiner Mutter Maria; vertilge in mir alle böse Begierlichkeit und halte die unreinen Versuchungen von mir ab; beschüße mich wider alle Gefahren der verführerischen Welt, und Gebet zum hl. Aloysius um Fortgang zc. 323 wider alle Anfälle des bösen Feindes; erhalte mir die Gnade, daß ich Gott niemals schwer beleidige; treibe mich zu allem Guten an, damit ich in der heiligen Furcht und Liebe Gottes und in Ausübung der Tugenden bis an's Ende meines Lebens verharre, und alsdann mit dir und allen Außerwählten in der ewigen Glückseligkeit mich erfreuen möge; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet zum heiligen Aloysins um Fortgang in den Wissenschaften. Wir bitten Dich, o Herr! gib uns, die wir auf die milde Fürbitte des heiligen Aloyfius hoffen, die Kraft des heiligen Geistes, die unsere Herzen reinige und unsern Verstand erleuchte, damit wir mit einem reinen und vom himmlischen Lichte erfüllten Gemüthe, die zeitlichen Wissenschaften unsers Berufes lernen und begreifen, ohne die Wissenschaft der Heiligen jemals außer Acht zu lassen. Wir flehen darum, o Gott! durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Tugendgebet des Papstes Clemens XI. Ich glaube an Dich, o mein Gott! vermehre meinen Glauben; ich hoffe auf Dich, befestige meine Hoffnung; ich liebe Dich, entzünde immer mehr deine heilige Liebe in meinem Herzen; es reuet mich, gesündiget zu 324 Tugendgebet haben, vergrößere noch meinen Schmerz und Abschen vor der Sünde! Ich bete Dich an als meinen Urheber; ich verlange nach Dir als nach meinem legten Ziele; ich danic Dir als meinem größten Wohlthäter, ich rufe Dich an als meinen höchsten Beschützer. Mein Gott! regiere mein Herz mit deiner Weisheit, umgib es mit deiner Gerechtigkeit, tröste es mit deiner Barmherzigkeit, schüße es mit deiner Allmacht. Ich will ganz Dir angehören, wie ich es in der heiligen Taufe versprochen habe, und ich entfage ebenso dem Teufel und allen seinen Werken, der Welt und ihrer Eitelkeit, dem Fleische und seinen Lüsten, jeder Spaltung und Irrlehre. Ich weihe Dir meine Gedanken, meine Worte und Werke, meine Freuden und Leiden, und ich will in Zukunft nur an Dich denken, von Dir reden, nach deinem Willen handeln, in Dir mich freuen und für Dich dulden. D Herr! ich will Älles, was Du willst, weil Du willst, wie Du willst und so lange Du willst. Ich bitte Dich, erleuchte meinen Verstand, bessere mein Herz, heilige meinen Leib und meine Seele. Mein Gott! rege mich an, meine begangenen Sünden zu beweinen, die gegenwärtigen Gefahren zu überwinden, gegen die zukünftigen Versuchungen mich zu waffnen, meine Leidenschaften zu zügeln und die mir nothwendigen Tugenden zu üben. Erfülle mein Herz mit Dankbarkeit gegen des Papstes Clemens. 325 deine Liebe, mit Abscheu gegen meine Sünden, mit Liebe zum Nächsten und mit Verachtung der Welt. Verleihe, o Herr! daß ich gehorsam gegen meine Borgesetten, mild gegen meine Untergebenen, treu gegen meine Freunde und schonend gegen meine Feinde sei. Hilf mir siegen über alle unerlaubten Lüste durch Abtödtung, über die Habsucht durch Barmherzigkeit, über den Zorn durch Geduld, über die Lauheit durch Eifer. Mache mich, o mein Gott! flug in meinen Unternehmungen, muthig in den Gefahren, demüthig im Wohiergehen, entschlossen und getrost im Unglücke. Laß mich stets meine Gebete mit Andacht verrichten, meine Nahrung mit Mäßigkeit genießen, meine Geschäfte mit Genauigkeit vollführen und meine Entschlüsse mit Standhaftigkeit ausführen. O Herr! verleihe mir ein gutes Gewissen, ein bescheidenes Neußere, einen erbaulichen Wandel und ein wohlgeordnetes Leben. Bewirke, daß ich stets strebe, meine verdorbene Natur zu bezähmen, deinen Gnaden zu entsprechen, dein Gesetz zu beobachten und mein Heil zu wirken. Mein Gott! laß mich erkennen die Richtigkeit der Erde und den Werth des Himmels, die Kürze der Zeit und die unermeßliche Dauer der Ewigkeit. Gib, daß ich mich zum Tode wohl bereite, mich vor dem Gerichte fürchte, der Hölle entgehe und die Glückseligkeit des Himmels erlange durch die Verdienste meines Heilandes. Amen. 326 Gebet um chriftliche Vollkommenheit. Gebet um christliche Vollkommenheit. ( Vom heiligen Themas von Aquin.) Verleihe mir, o mein Gott! daß ich allzeit vor deinem Angesichte wandle, gehorsam sei ohne Widerspruch, arm im Geiste ohne niedrige Gefinnung, keusch ohne Flecken, gedule dig ohne Murren, demüthig ohne Verstellung, fröhlich ohne Ausgelassenheit, traurig ohne Kleinmuth, furchtsam ohne Verzagtheit, wahrhaftig ohne Ausnahme. Gib, daß ich das Gute thue ohne Hochmuth, den nächsten belehre und ermahne ohne Anmaßung, durch Wort und Beispiel ihn erbaue ohne Scheinheiligkeit. Schenke mir, o Herr! einen Verstand, der Dich erkenne, einen Eifer, der Dich suche, eine Weisheit, die Dich finde, einen Wandel, der Dir gefalle, eine Beharrlichkeit, welche auf Dich vertraue, eine Zuversicht, die ende lich bei meinem Hinscheiden Dich umfange. Möge ich den Leiden deines Sohnes mich anschließen durch wahre Buße, für deine Wohlthaten hienieden durch gute Anwendung dankbar sein und deine Freuden einst im himmlischen Baterlande genießen in ewiger Herrlichkeit; durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Vittgebet des heil. Bernhard zu Maria. 327 Bittgebet des heiligen Bernhard zu Maria. ( Memorare.) Gedenke, o mildeste Jungfrau Maria, wie von Ewigkeit her nicht erhört worden, daß Jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehte, von dir verlassen worden sei. Von solchem Zutrauen beseelt, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Maria! Jungfrau über alle Jungfrauen, und Mutter Jesu Christi! zu dir komme ich, zu dir eile ich, vor dir stehe ich wegen meinen Sünden seufzend und zitternd da. D Herrscherin der Welt, Mutter des ewigen Wortes! wolle doch nicht meine Worte verschmähen, sondern höre fie gnädig an und erhöre mich Armseligen, der ich aus diesem Thale der Thränen zu dir um Hülfe rufe. Stehe mir bei in allen meinen Nöthen, ießt und allzeit, besonders aber in der Stunde des Todes; o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. Gebet, wenn die Stunde schlägt. Herr! lehre mich bedenken die Kürze der Beit und die Vergänglichkeit alles Irdischen. Verleihe mir Weisheit in Benüßung der Zeit und eine glückselige Sterbftunde. Amen. Gebet am Donnerstag zc. Gebet am Donnerstag, wenn man die Todesangst läutet. 328 O Herr Jesus Christus! der Du im Garten wegen meiner und der ganzen Welt Sünden so große Angst gelitten hast, daß der blutige Schweiß über dein heiliges Angesicht geronnen ist; erbarme Dich meiner und laß dein bitteres Leiden und Sterben an mir armen Sünder nicht verloren gehen! D Jesus! der Du mit findlicher Ergebung am Delberge betetest: , Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschche!" Gib, daß auch ich in jeder Trübsal, Angst und Noth mich ganz und gar dem göttlichen Willen unterwerfe und von deinem heiligen Engel gestärkt werde. Verleihe mir auch die Gnade, daß ich in meinem Gebete nie etwas anderes verlange, als was meinem himmlischen Vater wohlgefällig ist, und von deiner Liebe niemals geschieden werde. Amen. Gebet am Freitage, wenn man die Scheidung läutet. Es sind Finsternisse entstanden, als die Juden den Herrn Jefum Christum gefreuziget hatten, und um die neunte Stunde rief der Herr Jesus mit lauter Stimme: ,, Mein Gott, mein Gott! warum hast Du Mich verlassen?" Und mit geneigtem Haupte gab Er seinen Geist auf. Deßwegen, o Herr Jesus Christus! beten wir Dich an und loben Dich, denn durch dein Gebet am Freitag 2c. 329 heiliges Kreuz und unschuldiges Sterben hast Du die ganze Welt erlöset. Herr Jesus Christus! durch die Bitterkeit deines heiligen Leidens, das Du um unsertwillen am Kreuze vollbracht hast, besonders in der Stunde, da deine heilige Seele von deinem Leibe geschieden ist, bitte ich Dich, Du wollest Dich über meine arme Seele erbarmen, wenn sie vom Leibe scheiden wird, damit dein Kreuz und Leiden an mir und andern Sündern nicht verloren gehe. D Herr Jesus! Dir lebe ich, Dir sterbe ich, Dein bin ich todt und lebendig! Amen. Schußgebetlein. 1) In Zweifeln und Rathlosigkeit: Herr, was willst Du, daß ich thun soll? ( Apostg. 9, 6.) Rede, Herr! denn dein Knecht höret.( 1. Könige, 3, 10.)- Thu mir fund den Weg, darauf ich wandeln soll, denn zu Dir erhob ich meine Seele! ( B₁. 142, 8.)- Lehre mich thun nach deinem Willen, denn mein Gott bist Du: dein guter Geist führe mich auf der rechten Bahn.( Ps. 142, 10.) 2) In Leiden: Herr, eile mir zu helfen! ( P. 69, 2.)- Der Herr hat's befchlen; und wer ist, der sagen dürfte: warum hat Er's gethan?( 2. Könige, 16, 10.)- Soll ich den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?( Joh. 18 11.) - Schußgebetlein. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Wie es dem Herrn gefallen hat, so ist's geschehen! der Name des Herrn sei gebenedeit!( Job 1, 21.)- Gott ist unfre Zuflucht und Stärke; ein Helfer in der Trübsal, die uns hart getroffen hat; darum fürchte dir nicht.( Ps. 45, 1.) Ich bin arm und elend: Gott, hilf mir! - Mein Helfer und Erlöser bist Du: Herr! säume nicht.( P. 69, 6.) 3) In Versuchungen: Wie soll ich ein so großes Uebel thun und fündigen gegen meinen Gott!( Genef. 39, 9.)330 I Stärke mich, o Herr! in dieser Stunde. ( Judith 13, 9.) Erbarme Dich meiner, o Herr! denn ich bin schwach.( Pf. 6, 3.) Mein Gott, erleuchte meine Finsternis; denn durch Dich werde ich entrissen der Versuchung.( f. 17, 30.)- Ich vermag Alles in Dem, der mich stärft.( Philipp. 4, 13.)- Verstoß mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!( Pf. 50.)- Mein Herz ist bereit, o Gott! mein Herz ist bereit.( Pf. 56, 8. Jesus, laß mich nicht fallen! 4) Bei der Arbeit. Ich will Alles anfangen und vollenden in deinem Namen, o Herr! Alles, weil und wie Du willst! Nimm Alles von mir, was Dir mißfällt, und gib mir Alles, was mich Dir wohlgefällig macht! O wäre ich doch, wie ich vor Dir, Heiligster, sein sollte!- Ehre sei Gott in - - - Schußgebetlein. 331 -- der Höhe! Unsere Hülfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat! Alles zur größeren Ehre Gottes! Herr mein Gott! in Ewigkeit will ich Dich loben! Der Name des Herrn sei gebenedeit, von nun an bis in Ewigkeit!- Nicht uns, o Herr! nicht uns, sondern deinem Namen gib die Ehre!- Gott, Du allein bist der Herr, Dir allein will ich dienen! - - Lieber Jesus, sei mit mir! Leib und Seele schenk' ich Dir. Lieber Jesus, sei mit mir! 110 - Diesen Tag- oder Stunde, diese Nacht, diesen Gang, diese Arbeit, diese Ruhe, dies Gebet- Herr, opfere ich Dir!-( So sprichst und thust du mit wenigen Worten recht Vieles.) Bestrebe dich mehr und mehr, Alles aus reiner Absicht und in heiliger Gesinnung zu thun die Liebe Gottes erfülle dein Herz, erleuchte deinen Verstand und führe alle deine Werke aus, denn sie ist das Band der Vollkommenheit. 332 Beichtgebete. - Beichtgebete. Vor der Beicht. Gebet um den göttlichen Beistand einer würdigen Beicht. Mein Herr und mein Gott! Du rufest mir liebevoll mahnend zu ich erkenne deine Stimme ich will Dir folgen und stille stehen auf meiner Wanderschaft, ich will Abrechnung mit mir halten und sehen, wohin ich gekommen sei.- Über ach! beim ersten ernsten Nachdenken erkenne ich schon, daß es mit mir nicht besser steht, als mit jenem verlornen Sohne, der in fremdem Lande in die Dienste eines harten Herrn gekommen war, und in Noth und Elend schmachten mußte. Ja ich habe mich auch so undankbar und thöricht von Dir entfernt, und bin in die Knechtschaft der Sünde gerathen, so daß ich deine Liebe und Gnade verloren und aus der Sünde nur Gewissensbisse und Unfrieden gewonnen habe. Dich will mich aufmachen und zu Dir, meinem Vater, zurückkehren; ich will reumüthig bekennen: ich habe gesündiget vor dem Himmel und vor Dir, ich bin nicht mehr werth, dein Sohn zu heißen, halte mich nue wie einen deiner Knechte. Ich komme zu Dir, o Jesus! wie der Zöllner Zachäus von Jericho; Vor der Beicht. 333 ich bekenne mein Unrecht und bin fest entschlossen, jeden Nachtheil, den ich deiner Ehre, dem Wohle des Nächsten oder mir selbst zugefügt habe, nach Kräften zu verbessern; denn was würde es mir nüßen, wenn ich die ganze Welt gewinnen, meine Seele aber ewig verlieren würde? Ich werfe mich zu deinen Füßen nieder, o barmherziger Heiland! und möchte gerne wie die Büßerin Magdalena mit ganzen Strömen von Reuetbränen meine Verirrungen und Sünden beweinen. Ich will nicht aufhören zu flehen, noch weichen von deinem Angesichte, bis ich die süßen Trostworte vernehme: Deine Sünden sind dir nachgelassen! O wunderbare Barmherzigkeit meines Gottes! Du Selbst, o unendliche Majestät! die ich durch so vielfachen Undant, so große Trägheit und so mancherlei Sünden beleidigt habe, drängest mein verwundetes und unruhiges Herz, zu Dir zu kommen, daß ich mit Dir mich aussöhne und den Kuß des Friedens von Dir empfange. O Quelle aller Erbarmungen, sende das Licht deines heiligen Geistes über mich aus und erleuchte alle Tiefen und Falten meines sündlichen Herzens, daß ich meine vielfache Untreue gegen Dich, meinen liebevollen Herrn und Vater, recht erkenne, sie schmerzlich bereue und in der Versöhnungsquelle der Buße abwasche, damit ich das Brod des ewigen Lebens mit reinem Gewissen empfange, und, wenn diese Beicht die letzte meines Lebens fein sollte, in deinem Frieden von hier scheide. Beichtgebete. Komm, o heiliger Geist! und erleuchte mich, damit ich meine Sünden recht erkennen, sie dann von Herzen bereuen, aufrichtig beichten und mich vollkommen bessern möge. Amen. 334 ( Erforsche nun dein Gewissen ernstlich und aufmerksam, merke dir von den schwerern Sünden die Zahl und Umstände und frage dich auch, ob du seit der letzten Beicht besser oder schlimmer geworden, und welches deine Lieblingssünde sei.) Reue und Leid über die begangenen Sünden. 1. Ach weh, ach weh, wo soll ich hin, Vor meinen großen Sünden? Wo wird mein Geist und todter Sinn Das Leben wieder finden? Wer gibt mir eine Thränenfluth, Daß ich mein Leid beweine? Wer stärkt mein Herz mit Tugendgluth, Und macht mich wieder reine? 2. Ich hab' des Schöpfers schönstes Bild, Mein' arme Seel beflecket, Und seiner Gleichniß beßten Schild In Koth und Schlamm gestecket! Ich hab' mich vor der Herrlichkeit In Schmach und Spott gefället! Ach weh, ach weh, o Herzeleid Daß ich mich so entstellet! Vor der Beicht. 3. Ich hab' dem Herrn der Herrlichkeit Sehr lau und kalt gedienet, Und Ihm durch meine ganze Zeit Mit schlechter Treu gegrünet! Ich hab' nicht Acht auf Ihn gehabt, Nicht wie den Herrn geehret; Noch auch, mit dem Er mich begabt, Sein schönes Pfund vermehret! 4. Ich hab', wie ein verstocktes Kind, Den Vater, ach! verlassen; Und bin gerennet wild und blind Auf meiner Bosheit Gassen. Ich habe meine Pflicht und Schuld Ihm leider nicht erzeiget; Noch vor der väterlichen Huld Mich nach Gebühr geneiget. 5. Ich habe meinem besten Freund Die Freundschaft aufgesaget, Und Ihn, wie treu Er's auch gemeint, Von mir hinweg gejaget! Ich habe mich zum Feind gewend't Und bin sein Sklave worden, Zum Feind, der mich doch hat behend Auf ewig wollen morden. 335 Beichtgebete. 6. O tausend Weh! o todte Lust, Wie hast du mich vernichtet! DEitelkeit, o Sündenwust! Wie bin ich zugerichtet! Du, du, o Sünd, o Seelentod! Hast mich mir selbst genommen; Durch dich bin ich um Vater, Gott, Herrn, Freund und Bräut'gam kommen! 336 7. Ach, ist auch irgend eine Bein, Die meiner gleich zu schätzen? Kann auch ein einz'ges Üebel sein, Das neben mein's zu setzen? Gott ist für mich aus bloßer Huld Um Kreuzes Stamm gestorben; Und ich hab mich aus eigner Schuld Doch wiederum verdorben. 8. Wem soll ich nun mein Herzeleid Und großen Jammer sagen? Wem soll ich meine Traurigkeit Und ew'gen Schaden klagen? Ich, ich bin selbst mein Seelengift, Mein Tod, mein Feind gewesen; Ich hab' mir selbst, was mich jett trifft, Das Ucbel auscrlesen. Vor der Beicht. 9. O ewige Güte, großer Gott! Zu Dir wend ich mich wieder; Dir flag ich meines Herzens Noth, Bor Dir werf ich mich nieder. Dir ruf ich zu, Dich schrei ich an Um Nachlaß meiner Sünden; Du bist's allein, der helfen kann, Und mich vom Tod entbinden. 10. Es ist mir leid, ich bin nicht werth, Dein Antliß zu erblicken; Ich bin nicht werth, daß mich die Erd' Erduld auf ihrem Rücken: Jedoch vergib, schrei ich zu Dir, Vergib, o große Güte! Vergib, vergib, vergib es mir, O gnädiges Gemüthe! 11. Schau an, schau deinen eig'nen Sohn, Der liebend hergekommen, Und unsre Pein, der Sünde Lohn, Voll Gnad' auf Sich genommen; Schau, wie Er an des Kreuzes Stamm Für mich ist angeschlagen, Und als ein treuer Bräutigam So iebreich Sich läßt plagen! 22 337 Beichtgebete. 12. Was willst du mehr? die Sünd' ist hin, Die Schulden sind bezahlet; Berändert ist mein Herz und Sinn, 338 Sein Blut hat mich bemalet: Ich bin sein Freund, ich bin sein Kind, Ich bin nun neu geboren; Es sauset nun sein Geistes Wind In meines Herzens Ohren. 13. Hinfüro will ich nimmermehr Aus deinen Wegen schreiten, Ich werde deines Namens Ehr' Durch alle Welt verbreiten. Ich will Dich lieben mehr als mich, Ich will mein Leib und Leben Zu deinem Lobe williglich, So oft Du willst, hingeben. Reue und Leid, nebst Vorsay. Bater, bester Vater! was soll ich Dir sagen? Verstummen muß ich Sünder bei dem Anblicke meiner Vergehungen, die ich troß den ernstlichsten Versprechungen, die ich Dir gemacht, abermals so undankbar und vorsätze lich begangen habe. Erbarme Dich meiner, deines armen Geschöpfes, und gib meinen Augen Thränen, daß ich meine Untreue gegen Dich bitterlich beweine erfülle meine Seele Vor der Beicht. 339 mit tiefem Schmerz über alle Sünden, wo durch ich Dich, o ewige Vollkommenheit, be leidiget, das Blut meines licben Jesus verunehrt und deinen heiligen Geist in mir betrübt habe! Ich bekenne meine große Schuld, und bin bereit, vor dem Priester, deinem Stellvertreter, in Demuth aufrichtig mich anzuklagen und Alles zu thun, was Du durch den Mund des Beichtvaters mir befiehlst. Zur Genugthuung für alle mir bewußten und unbewußten Sünden meines Lebens und zum Erfaß für meine sehr mangelhafte und unvollkommene Reue opfere ich deiner göttlichen Majestät die Seufzer, Thränen und das Blut meines Herrn Jesus Christus auf, welche Er in seinem bittern Leiden und Sterben für alle meine Sünden am Kreuze vergoffen hat. Erbarme Dich meiner um Jesu willen, und schenke mir durch die Fürbitte deines heiligen Dieners Aloyfius eine immer tiefere Reue über meine Sünden und einen immer größern Abscheu vor denselben. Siehe, o Gott! in deiner Huld auf mich herab und segne diesen abermaligen festen Vorsatz, den ich in deiner allerheiligsten Ges genwart faffe: ich will deine göttliche Liebe nie mehr durch irgend eine Sünde beleidigen, vielmehr Alles sorgfältig und ernstlich meiden, was immer deiner unendlichen Heiligkeit und Reinigkeit mißfallen könnte. Laß, o himmlischer Bater! nicht zu, daß ich je wieder durch eine Sünde von Dir getrennt werde; 340 Beichtgebete. laß lieber alle Leiden über mich kommen, oder nimm mich eher hinweg aus diesem sündlichen Leben, wenn Du in deiner Allwissenheit voraussiehst, daß ich Dich wiederum beleidigen werde. Amen. Gebet. O mein Gott! durchdrungen von bitterer Reue, beseelt von dem ernstlichen Vorsatz der der Besserung und erfüllt von Sehnsucht und Zuversicht, von Dir Gnade und Verzeihung zu erlangen, gehe ich nun hin, vor deinem Stellvertreter meine Sünden ganz so zu bekennen, wie mein Gewissen sie mir vorbält und ich sie vor Dir dem Allwissenden Selbst schon bekannt habe. Gib mir Demuth, daß ich im Gefühle eines armen Sünders die Worte des Priesters willig und gelehrig vernehme, und sprich durch ihn zu meiner trauernden Seele die Worte des himmlischen Tros stes: ,, Deine Sünden sind dir vergeben:" Heiliger Aloysius! der du auf dem Wege der Buße und Besserung einen so hohen Grad von Gottseligkeit und Vollkommenheit erreicht haft; bitt für mich bei Gott, daß auch meine Buße und Besserung der Anfang eines Lebenswandels werden, der von Tugend zu Tugend fortschreitet und zu dir in den Himmel führt. ( Im Beichtstuhle sprich knieend, während der Beichtvater den Segen gibt:) Der Herr sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen, damit ich alle meine Sünden Nach der Beicht. 341 recht un vollständig beichte- im Namen des+ Baters, des † Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Nach der Beicht. Gebet. Anbetung, Preis und Dank sei Dir, o Gott der Güte und Barmherzigkeit! Du hast meine Reue nicht verschmäht, sondern mit Baterliebe mich wieder zum Kinde angenommen und durch das heilige Sakrament der Buße mir alle meine Sünden nachgelassen. O, meine begnadigte Seele, lobe den Herrn, und Alles, was in mir ist, preise seinen heiligen Namen! Wie liebreich hast Du m meinen Verirrungen mir nachgesehen, und meine Trägheit und Undankbarkeit mir verziehen! wie väterlich hast Du zur Umkehr mich eingeladen und das frühere Kleid deiner Kindschaft mir wieder geschenkt! Du bist die Liebe, und Dich erbarmen und beseligen ist deine Freude! lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht alle seine Wohlthaten! Ja Du bist langmüthig, o Gott, und von großer Erbarmung; Du bist gnädig und zürnest nicht immer! Du hast meine Missethaten mir vergeben und geheilet meine Schwachheiten! Du hast mein Leben vom Untergange errettet und mich mit Guade und Erbarmen gekrönt! Wie ein Vater fich seines Kindes erbarmet, so hast Du Dich meiner erbarmet und nicht - 342 Beichtgebete. nach meinen Sünden mit mir gehandelt, sondern Gnade über Gerechtigkeit ergehen lassen! Gepriesen sei deine Güte, die mich wieder so unaussprechlich glücklich gemacht hat. Ich danke Dir aus ganzer Seele und aus allen Kräften und vereinige meinen Dank mit dem Danke, den alle beiligen Büßer Dir dargebracht haben für deine unendliche Barmherzigkeit. Du siehst, o Gott! in mein Herz und weißt, daß es mir heiliger Ernst ist, wenn ich Dir wahre Besserung verspreche und gelobe, Dir allzeit treu zu dienen, Dich zu lieben und deine Gebote zu halten. Du sollst fortan der Gott meines Herzens, der König meiner Seele sein! Ich will Dich ewig lieben, und so gut es mir möglich ist, durch meinen Eifer, durch wahre Rechtschaffenheit, durch findlichen Gehorsam, durch immerwährendes Andenken an deine heilige Gegenwart, durch fromme Ergebenheit in deinen heiligen Willen, durch sorgfältige Wachsamkeit über mich und meine Sinne, und durch treue Erfüllung aller meiner Pflichten das ersegen, was ich durch meine bisherige große Nachlässigkeit und Un dankbarkeit versäumt und gefehlt habe. Komm, o- Gott! meiner Schwachheit zu Hülfe und unterstüße mich im Kampfe gegen die Sünde, rüste mich aus mit deiner Straft, daß ich Gewalt anwende, das Himmelreich an mich zu reißen, und erhebe meine Seele, daß ich Das suche und nach Dem trachte, was droben ist: gib mir, ich bitte Dich, gib mir Standhaftig Nach der Beicht. 343 feit im Guten, damit ich in treuer Liebe Dir ewig dienen möge. Amen. Bu einiger Genugthuung für meine vielen Dir zugefügten Beleidigungen will ich nun die vom Priester mir auferlegte Buße verrichten. Damit aber diese verhältnißmäßig geringe und zudem noch unvollkommen vollbrachte Buße vor Dir einen Werth habe, vereinige ich sie mit dem Gebete, dem eifrigen Fasten und Wachen, den Thränen und allen Genugthuungen, welche Dir dein geliebter Sohn, Jesus Christus, auf Erden aufgeopfert hat. Gib mir die Gnade, daß ich meine Buße mit Eifer und Andacht zu deinem Wohlgefallen verrichten möge. Allerreinste Jungfrau, schmerzhafte Mutter! heiliger Schußengel! und ihr alle heiligen Büßer! schenket mir eure reumüthigen Zähren und Seufzer. Bittet für mich um die Beständigkeit in dem Guten: erhaltet mir die Gnade, daß ich jetzt als ein Kind Gottes fromm leben, und endlich auch gut sterben fönne! Amen. ( Verrichte nun deine Buße genau nach der Vorschrift des Beichtvaters.) 344 Kommuniongebete. Kommuniongebete. Vor der heiligen Kommunion. Kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken! So rufest Du mir zu. Du ladest mich, o süßester Jesus! zu deinem königlichen Gastmahle ein und eilest, Dich Selber mir zur Speise zu geben. Gerne will ich erscheinen an deinem heiligen Tische- aber entzünde in mir doch zuvor das Feuer heiliger Andacht, auf daß ich würdig hinzutrete und mit Segen von dem Brode des Lebens genieße. Dieses wunderbare Geheimniß deines heiligen Fleisches und Blutes ist freilich zu er haben, als daß ich es mit meinem Verstande zu begreifen vermöchte; aber ich weiß, daß das Wort, welches zu Kana Wasser in Wein verwandelte, eben so gut Wein in sein Blut umwandeln kann; und der seine Gottheit unter die Knechtsgestalt verbarg, kann auch unter die Gestalt des Brodes seinen Leib verhüllen. Das Auge meines Geistes, erleuchtet vem Lichte des Glaubens, schauet unter der unansehnlichen Gestalt Den, vor welchem die Engel anbelend niederfallen, und durch Den Alles gemacht worden, was da lebt und existirt. Ich sehe in diesem Geheimnisse die Erfüllung jenes Wortes, das mein Heiland zu seinen Jängern sprach:„ Ich bin der wahre Wein Vor der heiligen Kommunion. 345 stock, und ihr seid die Rebzweige. Ohne Mich könnet ihr nichts( Gutes) thun." Ja hier kann ich mit Dir vereiniget werden, o mein Jesus! kann Dich Selbst in mich aufnehmen, und aus deinem heiligen Fleisch und Blut Kraft und Leben ziehen, um gute Früchte zu bringen für's ewige Leben. Glaube. Ich folge deiner liebevollen Einladung mit festem Glauben, daß Du in diesem allerhöchsten Geheimnisse deines Leibes und Blutes wirklich, wahrhaft und wesentlich zugegen bist. Hier ist dein glorreicher Leib, o Jesus! der für uns am Kreuze gehangen, im Grabe gelegen, auferstanden ist, und nun herrlich im Himmel thronet; hier ist dein Blut, das Du am Kreuze vergoffen für die Sünden der Welt; hier ist deine Seele, voll Gnade und Weisheit; hier ist deine Gottheit, das allmächtige Wort; hier ist auch der Vater und der heilige Geist, die mit Dir deiner Gotte heit nach Eines sind. Dieß heilige Gastmaht ist wahrhaftig der Inbegriff aller deiner Wunso glaube ich und will mi deiner Gnade also glauben bis in den Tod. Der Hoffnung. 3m Vertrauen auf deine große Güte und Barmherzigkeit, o Herr! komme ich als ein Kranker zu meinem Heilande; als ein Armer zum Könige des Himmels; als ein Kommaniongebete, Hungernder und Dürstender zur Quelle des Lebens; als ein schwaches Geschöpf zum allmächtigen Schöpfer. Auf den unendlichen Werth deines Blutes und die Kraft dieses heiligen Mahles ist all' meine Zuversicht gegründet. Erbarme Dich meiner, mache mich durch diese Speise der Engel gesund und stark, daß ich nicht mehr wanke und ermatte auf dem Wege des Guten. 346 Liebe. Die Liebe hat Dich, o Jesu! bewogen, ansere menschliche Natur anzunehmen; aber noch wunderbarer zeigt sich deine Liebe darin, daß Du vor deiner Rückkehr zum Vater deinen Leib und dein Blut uns zur Speise und zum Trant hinterlassen hast. Du reichest hier die ganze Fülle deiner Güte und Gnade uns dar, damit wir aus allen Kräften Dich zu lieben trachten. D höchstes Gut, das auf dieser Erde zu finden ist! Du ziehest alle Kräfte meiner Seele himmelwärts, indem Du Dich Selbst mir schenkest, und meine Seele mit Dir Selbst nährest, um sie Dir eigen zu machen, ganz in Dich aufzunehmen und nach Dir umzuwandeln. heilige Nahrung, fache in meinem Herzen die himmlische Flamme der Liebe an, damit sie alles Unheilige und Irdische in mir verzehre, und mich zu einem reinen Tempel mache, in dem Du allein thronest und herr Vor der heiligen Kommunion. 347 schest. Ach, könnte ich Dich so lieben, wie ich sollte und wie Du es verdienest! Ich schenke Dir aus Liebe Alles, was ich bin und habe, insbesondere mein Herz, und verspreche auch, das Kreuz, so Du mir auflegen willst, geduldig, ja freudig Dir nachzutragen. Reue. Leider war ich bisher oft recht undankbar und böse gegen Dich, indem ich deine Güte und Liebe verachtet, ja mit vielen Beleidigungen vergolten habe. Es reuet mich sehr und ist mir leid von ganzem Herzen, daß ich Dir, der Du in diesem heiligen Sakramente so barmherzig und freundlich mir begegnest, so wenig Gegenliebe geschenkt habe. Ich liege jetzt auf den Knieen vor deiner Majestät, um Dich anzubeten, der Du unter der nämlichen Gestalt des Brodes verborgen bist als mein Schöpfer und Erlöser, mein König und Richter. Aber wie rarf ich aufblicken zu Dir, da ich ein armes, unlauteres Geschöpf bin, der Welt und ihrer Eitelkeit anhangend, innerlich voll verkehrter Neigungen und Leidenschaften! Ach, ich bin nicht würdig, daß Du, mein Heiland, zu mir kömmst und in meinem Herzen Wohnung nimmst! Bitte. Doch, mein Jesus! Alles, was ich wünsche, wornach ich mich sehne, bist nur Du! Meine 348 Kommuniongebete. Seele verlangt nach Dir; wende dein Angesicht nicht ab von mir und zögere nicht mehr länger mit deiner lieben Einkehr! Komm, o göttlicher Arzt! nimm meine Krankheiten hinweg, heile allen Aussatz der Sünde, und laß mich erfahren, daß Du durch die wunderbare Arznei des Himmels eine Gesundheit verleihest, durch welche die Seele zu einer Jugend und himmlischen Schönheit erneuert wird. Amen. Gebet. 1. Jefu, ew'ge Sonne! Aller Engel Wonne! Was für Freude muß es sein, Wenn Du kommst in's Herz hinein! 2. Du erleucht'st die Blinden, Machst die Nacht verschwinden, Bringest dem Gewissen Ruh', Gibst ihm wahren Trost dazu. 3. Die betrübte Seele Jauchzt in ihrer Höhle; Denn Du tränfft sie wie ein Strom, Macht sie heilig, satt und fromm. Vor der heiligen Kommunion. 4. Alle Kräft' und Sinne Werden Deiner inne; Auf die Glieder hüpfen schier Aus Frohlocken über Dir. 5. Deine Liebesküsse Sind ganz zuckersüße; Dein Geruch ist gänzlich gleich Gott und seinem Himmelreich. 6. Säum' doch nicht mehr lange, Denn mir ist schon bange; Und mein Herz erwartet Dich, Dir zu leben ewiglich. 7. Alle deine Gaben, Können mich zwar laben; Aber keine, Jesu Christ, Lieblich, wie Dr Selber bist! 349 1. Auf, auf, mein Herz, und du, o meine Seele! Ermuntre dich in meines Leibes Höhle: Du sollst den Herrn der Herrlichkeit empfangen, Und in dir selbst zu seinem Kuß gelangen. Kommuniongebete. 2. Wirf alles das, was irdisch, auf die Seiten, Und thu' nur Ihm dich würdig zubereiten: Sei rein, geschmücket und gezieret, Wie's einer Braut des Gottessohns gebühret. 3. Er kommt und will dir seine Lieb' beweisen, Und dich, sein Kind, mit seinen Leibe speisen; 350 Er will dir von der Lebensquelle schenken, Und dich vollauf mit seinem Blute' tränken. 4. Ogroße Gnad und unerhörte Liebe! Damit Er ganz dein Leibeseigner bliebe Und dir dadurch ertheilete sein Leben, hat Er Sich Selbst zur Speise wollen geben. 5. D'rum geh heraus mit feurigen Begierden, Und nimm Ihn auf mit jungfräulichen Zierden; Berschließ Ihn ganz in deinem keuschen Herzen, Und flag Ihm da die heil'gen Liebesschmerzen Vor der heiligen Kommunion. 351 6. Wirst du das thun, und deine lautern Sinne Zu seiner Ehr' in Demuth halten inne; So wirst du Ihn als seine Braut genießen, Und Er wird dich auch als dein Bräut'gam küssen. Zum heiligen Aloysius. O heiliger Aloysius! der du gleich einem Seraph in inniger Liebe zu dem allerheiligsten Sakramente des Altars dich verzehrtest; siehe die Stunde ist herangekommen, da ich bei diesem himmlischen Gastmahle erscheinen soll. Aber ich bin von allen Tugenden und Ver diensten entblöst; darum nehme ich vertrauensvoll meine Zuflucht zu dir und bitte demüthigst, du wollest mein Herz würdig vorbereiten und mit den Tugenden eines lebendiger Glaubens, einer festen Hoffnung, einer inbrünstigen Liebe, einer tiefen Demuth und eines unersättlichen Verlangens nach Jesus, meine Seele ausstatten, damit ich Gnade finde bei Ihm, und auf's innigste mit Ihm vereiniget werde. Ach könnte ich meinen Heiland so lieben, wie du Jhn geliebt hast! könnte ich mit fol cher Herzensreinigkeit Ihn empfangen, mit welcher du Ihn stets empfangen hast! Stehe mir bei, du liebeglühender Heiliger! und begleite mich jetzt zum Tische des Herrn, das 352 Kommuniongebete. mit Jesus um deinez Berdienste und Fürbitten willen Sich über mich erbarme, und mir Gnade erweise. Jesus, Du Lamm Gottes, erbarme Dich meiner! D Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!( Dreimal.) Nun gebe langsam, mit gesenktem Blicke und aufgehobenen Händen zum Tische des Herrn, wo du in Ehrfurcht vor deinem Gott auf die Kniee niederfinkest und mit Sehnsucht und Liebe deinen Erlöser in's Herz aufnimmst, worauf du sogleich still die Worte des Priesters nachbeten sollst: Der Leib des Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nach der heiligen Kommunion. ( Verweile ein wenig in heiliger Ruhe wid Stille und rede zu deinem Jesus, wie das Herz cs dir eingibt, alsdann erst bete:) Lobpreisung und Dank. Nun bist Du, mein Jesus! wirklich zu mir gekommen- ich habe Dich in meinem Herzen! O lobet den Herrn, alle Geschöpfe, lobet und preiset Ihn mit mir in Ewigkeit! Ihr Cherubim und Seraphim, ihr seligen Geister alle, ihr feuschen Jungfrauen und heldenmüthigen Bekenner, ihr heiligen Apostel und glorreichen Martyrer, vreiset und verherrlichet den Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit! A Nach der heiligen Kommunion. 353 O Jesus, mein Gott! Du lebest nun in mir und ich in Dir! wie soll ich die Wohlthat deiner barmherzigen Heimsuchung vergelten, da Du mit allen Reichthümern deiner Barmherzigkeit in meiner Seele einkehrtest und deine unendlichen Verdienste ihr dergestalt schenktest, daß sie dadurch des Himmels würdig wird! Wie wunderbar ist doch deine Güte! wo finde ich Worte, um Dir dafür den innigsten Dank meines Herzens auszudrücken! was vermag ich armes, elendes Geschöpf für eine so unschäßbare Gabe zum Ersaß zu bieten? O göttliche Speise, wodurch die Menschenkinder zu Kindern Gottes werden und wodurch wir uns selbst abgetödtet werden, damit Gott in uns lebe! o liebliches Brod des Himmels, das meine Seele nähret und meinen Geist stärkt, meine Begierlichkeit dämpft und den eigenen Willen ertödtet, damit Gottes heiliger Wille in mir herrschend werde! wodurch. habe ich Dich also zu genicßen verdienet? Wenn Elisabeth einstens ausrief: Woher geschieht mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir fömmt?" Wie soll ich, großer Sünder, sprechen, da mein Gott und Herr Selbst zu mir kommen und in meinem Herzen Wohnung nehmen wollte? O wenn alle Menschen im Himmel und auf Erden sich mit mir vereinigen, dennoch vermag ich Dir für diese Gnade nicht würdig genug zu danken. Nur anbeten kann ich Dich in meiner Niedrigkeit, und deine Güte aller Welt verkündigen. An23 11 354 Kommuniongebete. betung, Lob und Preis sei Dir, König der ewigen Herrlichkeit! Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da tõmmt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Hochgelobt und angebetet sei das allerheiligste Sakrament von nun an bis in Ewigfeit. Amen. Bitte. O geliebtes, aus Liebe verwundetes Herz Jesu! ergieße deine heilige keusche Liebe jetzt in mein Herz, daß ich Dich über Alles um Deinetwillen, und den Nächsten um Deinetwillen liebe wie mich selbst, und aus Liebe ju Dir in Unschuld und Reinigkeit auf dem Pfade der Frömmigkeit wandle. Glorreiches Fleisch Iesu Christi! kräftige mein gebrechliches, immer zum Bösen reizendes Fletsch, bewahre es vor der Fäulniß der Sünde und tilge alle verkehrten Neigungen desselben aus. Reinige, lieber Jesus! durch das unschuldige Blut, das deinen heiligen Händen und Füßen entfloffen ist, alle meine Werke, damit ich immer unschuldige Hände zu Dir erhebe und vor jedem Fehltritte bewahrt bleibe. Tilge durch die Berspeiungen, Faustschläge und alle Mißhandlungen, welche Du in deinem heiligen Angesichte erduldet hast, alle Sünden meines Mundes und meiner Augen, und heilige sie, damit sie vor allem Bösen sich schließen, und Nach der heiligen Kommunion 355 nur zu deiner Ehre sich öffnen. Tilge durch den Spott und Hohn, die Du erduldet, alle Sünden des Hochmuths und der Eitelkeit, und pflanze in mein Herz wahre Demuth; damit ich alle Hoffart, eitle Ziererei und Ge fallsucht als eine große, gefährliche und sündhafte Blindheit und Thorheit verabscheue und als wahrer Jünger des Kreuzes Dir zu ge fallen trachte. Amen. Aufopferung. D Jefu, Du Opfer der Liebe! Du hast Dich nun in diesem heiligen Sakramente ganz hingegeben; siehe, auch ich will mich Dir ganz übergeben. Nimm mich als dein Eigenthum auf, und leite und lenke mich ganz nach deinem Wohlgefallen. Ich bringe Dir alle Kräfte meines Leibes und meiner Seele, mein Herz und meinen Willen zum Opfer, aber es ist alles, was ich habe. Du wirst daher, so bitte und hoffe ich, mein Opfer nicht verschmähen, sondern gnädig annehmen um jenes vollkommenen Brandopfers willen, das Du Selbst auf dem Altare des Kreuzes dem himmlischen Bater für mich dargebracht hast. Schirme mich, o Jesus! da ich Dir fortan angehören will, schirme mich mit deiner starken Hand, daß der böse Feind nichts über mich vermöge und ich in heiliger Trene Dir lebe und sterbe. Amen. Kommuniongebete. Gebet. 1. Du Wunderbrod, Du wahrer Gott! Wer kann die Lieb' ermessen, Daß Du Dich hier Selbst gibest mir Mit Leib und Seel zu essen! 356 2. Kein Cherubim, kein Seraphim Kann jé dazu gelangen; Und ich hab' Dich wahrhaftiglich Mit meinem Mund empfangen. 3. D große Gnad! o Wunderthat! O Neigung, hochzuschäten! Was bin denn ich, daß Du, Herr, DichBei mir denkst zu ergößen? 4. Du hast mich zwar geschaffen gar Zu deinem Ebenbilde: Doch weiß ich nicht, wie's mir geschieht, Daß ich Dich seh' so milde. 5. D Jesu Christ, wie groß Du bist, So groß sind auch die Flammen, Die deine Lieb' aus heißem Trieb Schlägt über mich zusammen. Nach der heiligen Kommunion. 6. Ich sag' Dir Dank mit Lobgesang, Ich preise deine Güte, Für solche Huld ohn' alle Schuld, Du liebliches Gemüthe! 7. Ich ruf Dich an, so sehr ich kann, Geber und auch Gabe! Gib mir, daß ich Dich würdiglich In meinem Herzen habe. 357 Aufopferung. O Herr! ich opfere Dir auf alle meine guten Werke, so wenig und unvollkommen sie auch immer sein mögen, damit Du sie verbesserest und heiligest; damit Du sie Dir angenehm und wohlgefällig machest und immer zum Bessern förderest, und damit Du mich faulen und unnügen Knecht zu einem glück lichen und seligen Ziele führest. ( Es können hier noch die Gebete Seite 316, 317, 318, 319, 323 und 326 verrichtet werden.) 358 Meßgebete. Meßgebete. Vorbereitungsgebet. O mein gütigster Herr und Gott! voll Demuth und Ehrfurcht werfe ich mich vor deinem heiligen Altare nieder und bitte Dich aus ganzem Herzen um die Gnade, diesem hochheiligen Öpfer, das Dir durch die Hände des Priesters unblutiger Weise wird dargebracht werden, mit wahrer Andacht zu deiner Ehre und meinem Heile beiwohnen zu können. Ich möchte Dir nun, o himmlischer Vater! diese Erniedrigung deines geliebten Sohnes unter Brods- und Weinsgestalt, und alle andern Werke der Liebe, die Er in seinem Leben verrichtet, und alle Schmerzen, die Er um der Sünden willen erduldet, aufopfern zur Anbetung deiner unendlichen Majestät, zum Danke für die zahllosen Wohlthaten, zur Abbitte wegen meiner vielen Sünden, und um die Gnade zu erlangen, von jetzt an Dir eifriger zu dienen und insbesondere diesem heiligen Geheimnisse mit innigerer Theilnahme beizuwohnen. Heiliger Aloysius! stehe fürbittend und schüßend in dieser hochwichtigen Andachtsstunde mir zur Seite. Amen. 359 Meßgebete. Zum Staffelgebet. Darf ich es wagen, vor deinem heiligen Altare zu erscheinen, o Gott! der Du Herz und Nieren durchforschest und meine große Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit genau fennest? Ach, Heiligster! verstoß mich nicht von deinem Angesichte, sondern siehe mit Barmherzigkeit auf dein Kind, das vor Dir in Demuth und Reue seine Schuld, seine große Schuld bekennt und gerne, wie dein Liebling Aloysius, Buße thun will. Nimm zur Genug thuung für alle meine Sünden die Leiden und das kostbare Blut deines Sohnes Jesu Christi, die Thränen und Schmerzen der allerfeligsten Jungfrau Maria, die Seufzer und Bußwerfe des heiligen Aloyfius und aller deiner Aus erwählten gnädig an, und sei mir armen Sünder gnädig! D Herr, himmlischer Vater, erbarme Dich meiner! D Christus, göttlicher Erlöser, erbarme Dich meiner! D Herr, göttlicher heiliger Geist, erbarme Dich meiner! Zum Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eince quter Willens find! Ich lebe und preise Dich, is bete Dich an und sage Dix Dank von gansem Herzen für deine unendliche Liebe, die 360 Meßgebete. Du an mir und allen Menschen erwiesen hast durch die Dahingabe deines Eingebornen Sohnes. Dir allein gebührt alle Ehre und Anbetung, König des Himmels, allmächtiger Gott Jesus Christus, Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich meiner und erhöre mein Flehen, der Du sigest zur Rechten des Vaters. Dir sei mit dem Vater in Einigkeit des hetligen Geistes Lob, Preis und Anbetung in Ewigkeit. Amen. Zum Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott! erhöre gnädig mein Gebet, das ich in Vereinigung mit der ganzen katholischen Kirche Dir darbringe für den Papst, deinen sichtbaren Stellvertreter, für alle Bischöfe und Priester, insbesondere auch für meinen Beichtvater, meine Vorgeichten und Lehrer, meine Eltern, Geschwister. Wohlthäter, für Freunde und Feinde. Vermehre unsern Glauben, befestige unsere Hoffnung und entzünde in uns das Feuer der heiligen Liebe; leite und regiere uns mit deiner Gnade bei all' unserm Thun und Lassen nach deinem heiligen Wohlgefallen, damit wir vor jeder Sünde bewahrt und in allen Tugenden vollkommen werden, und einst auch dorthin gelangen, wo wir Dich mit dem englisden Patrone in ewiger Seligkeit loben ind preisen fönnen. Amen. 361 Meßgebete. Zur Epistel und zum Evangelium. Dank sei Dir, o himmlischer Vater! daß Du mich nach deinem Ebenbilde erschaffen und gütig am Leben erhalten hast; Dank sei Dir, o Sohn Gottes! daß Du die Herrlichkeit beim Vater verlassen hast und mein Bruder, Lehrer und Erlöser geworden bist; Dant Dir, Gott heiliger Geist! daß Du mich geheiliget im heiligen Sakramente, mir schon so oft heilige Gedanken und Entschlüsse eingegeben, und mein Herz mit Sehnsucht und Verlanger nach Jesus und seinem Reiche erfüllt haft. Laß, o dreieiniger Gott! mich immer mehr und mehr die frohe Botschaft deiner Liebe und meiner Erlösung verstehen und mir zu Nußen machen, auf daß ich hienicden ein. ein würlebendiges Glied am Leibe Jesu diges Kind der katholischen Kirche werde und jenseits die verheißene Krone der Herrlichkeit erlangen möge. Ich will vor Niemanden und niemals mich meines Glaubens schämen, viel mehr freudig das Zeichen des Kreuzes an meiner Stirne tragen und Dich, o Jesus! den Gekreuzigten, unerschrocken mit dem Munde bekennen, ja alle Gedanken, Worte und Werke, mein Blut und Leben deinem Dienste weihen. Dieß verspreche ich, indem ich Stirne, Mund und Herz mit deinem Siegeszeichen bezeichnet und mich erhoben habe, um bereitwillig Dir nachzufolgen. Hilf mir, heiliger Geist! meinen heiligen Glauben auf den ich getauft worden, nach 362 Meßgebete. dem ich leben und in dem ich sterben will, im Herzen recht erneuern und mit dem Munde würdig bekennen. Ich glaube an Gott Bater, den allmäche tigen Schöpfer 2c. Zur Opferung. Siehe, o Gott! gnädig auf dieses heilige Opfer herab, welches der Priester auf dem Altare Dir darbringt. Laß es sammt meis nem Leibe und meiner Seele, und Allem, was ich bin und habe, Dir wohlgefällig sein in Vereinigung mit jenem blutigen Opfer, welches dein lieber Sohn am Kreuze vollbracht hat. Jch bin freilich wegen meiner vielen Sünden, Unvollkommenheiten und Nachläffigkeiten in deinem heiligen Dienste nicht würdig, vor Dir zu erscheinen; aber ich möchte eben durch dieses heilige Opfer Dir vollkommene Genugthuung leisten, und Dich Sitten, mich von allen Sünden und Mackeln zu befreien, damit ich unschuldige Hände und ein reines Herz zu Dir erheben und der Früchte dieses heiligen Opfers theilhaftig werden möge. So nimm denn, o heilige Dreieinigkeit! bieses Opfer gnädig an zum Andenken des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi, zur Ghre der allerseligsten Jungfrau Maria, der heiligen Apestel, Martyrer, Bekenner, Jungfrauen und aller Heiligen, damit es ihnen Meßgebete. 363 zur Verherrlichung, uns aber zum Heile geceiche und sie im Himmel für uns fürbitten, deren Andenken wir auf Erden feierlich begehen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Bur Präsation. Mein Gott und Herr Himmels und der Erde! ich will mein Herz zu Dir erheben, und Dich loben und preisen aus ganzer Seele und aus allen Kräften; denn Du bist es würdig und verdienst es unendlich mehr, als ich es vermag. Helfet mir, ihr Engel und himmlischen Heerschaaren, ihr Heiligen und seligen Geister alle; helfet mir, Himmel und Erde, Gott zu ehren und zu verherrlichen, und ohne End Ihm zu lobsingen: Heilig, heilig, heis lig bist Du, o Herr! Gott der Heerschaaren, Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichfeit! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie sie war im Anfange, so jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. 3ur stillen Messe. D Bater der Erbarmungen, Gott alles Trostes! wir bitten Dich flehentlich durch Jesus Christus, deinen Sohn, daß Du um dieses bochheiligen Opfers willen deiner heiligen Kirche Frieden und Eintracht verleihen, tem avestolifchen Oberhirten, Papst N., un 364 Meßgebete. ferm Bischofe N. und allen Priestern deinen heiligen Geist mittheilen und sie in ihrem Wirken mit Segen erfreuen wollest. Deßgleichen bitten wir Dich für alle Vorgesetzten und Untergebene, für Kranke und Leidende, für alle Gläubigen; éndlich auch für alle Ungläubigen und Irrgläubigen, daß Du sie jum wahren Glauben bekehrest. Wahrer Hohepriester und Erlöser der Welt, Jesus Christus! der Du dein kostbares Blut auf dem Altare des Kreuzes als ein wahres Sühnopfer für unsere Sünden dem himmlischen Vater dargebracht hast, sei gepriesen tausendmal! Jesus, Sohn des lebendigen Gottes, der Du im allerheiligsten Altarssaframent deinen Leib und dein Blut als ein immerwährendes Unterpfand deiner Liebe, als ein Andenken an deinen blutigen Versöhnungstod und als eine geistige Nahrung zum ewigen Leben hinterlassen hast, sei gepriesen aus allen unsern Kräften! Jesus, Du Mittler zwischen Gott und den Menschen, und OpferLamm für die Sünden der Welt! Sei gepriesen von der ganzen streitenden, leidenden und triumphierenden Kirche; der Du das Opfer, welches auf dem Altare der Priester darbringt. eingesetzt haft und in deiner Kirche bis an's Ende der Welt feiern läsfest. Erfülle mich nun und alle Anwesenden ganz mit deiner allerheiligsten Gegenwart, damit wir unbegweifelt glauben, was wir nicht sehen, und voll Inbrunst anbeten, was wir im Glauben schauen. Amen 365 Meßgebete. Zur Wandlung. O Jesus, mein Herr und Gott! ich glaube und bekenne, daß Du unter der Gestalt des Brodes dort auf dem Altare wahrhaft, wirklich und wesentlich zugegen bist, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele! Ich bete Dich an aus ganzem Herzen und möchte Dich gerne so anbeten und verehren, wie die allerseligste Jungfrau, die Weisen an der Krippe und der heilige Aloysius Dich verehrt und angebetet haben. Vermehre meinen Glauben und entzünde in mir die heilige Liebe. O Jesus, Dir lebe ich! o Jesus, Dir sterbe ich! o Jesus, Dein bin ich tedt und lebendig! Amen. O Sesus, mein Heiland und Seligmacher! Du hast dein Blut vergossen, um mich von meinen Sünden zu reinigen und meinen Schuldbrief auszulöschen. Laß jeßt den Werth deinee kostbaren Blutes auf's Neue mir zu gut lommen und wasche mich immer mehr von atten meinen Sünden. D Jefus, fei mir guädig! Sefus, fei mir barmherzig! o Jesus, verzeibe mir alle meine Sünden! Amen. Nach der Wandlung. Siehe, o bimmlisher Bater! von deinem Seiltatbume auf diese hochheilige Opfergabe herab, da dein geiiebter Sohn, Jesus Chritud, Sich Selbst Dir aufopfert. Siehe, die 366 Meßgebete. Stimme seines Blutes ruft vom Kreuze zu Dir um Versöhnung. Wende dein Angesicht hinweg von unsern Sünden, hin nach deinem lieben Sohne, der Dir gehorsam ward bis zum Tode am Kreuze. Wir opfern Dir daher, o Gott! seine Verdienste auf, die Er uns schenkt; wir opfern Dir Jesum Christum Selbst in seinem Leiden und Sterben auf, und seßen unfer ganzes Bertrauen auf diese Opfergabe von unendlichem Werthe; laß uns durch dieses Opfer theilhaftig werden aller Gnaden und himmlischen Segnungen. Gedenke auch um des in den Tod Dahingegebenen willen aller leidenden Seelen der verstorbenen Christgläubigen, insbesondere em pfehle ich deiner Barmherzigkeit meine Eltern, Wohlthäter, Freunde und Bekannten, für die ich zu beten schuldig bin; laß fie Alle im Frieden ruhen und bald deiner Anschaunng F erfreuen. Amen. 3um Pater noster. Ich will nun, o Gott! von meinem lieben Heilande, detnem eingebornen Sohne, ermahnt und nach seiner Anleitung mit dem Priester beten: Bater unser, der Du bist in dem Himmel," ziehe auch mein, deines lauen Kindes, Herz zu Dir hinauf, damit ich, von deiner Herrlichkeit und Liebe angezogen, niemals Dich verlasse, sondern tren Meßgebete. 367 Dir anhange und aus allen Kräften: beståndig darnach strebe, daß geheiliget werde dein Name! Mache, daß alle Völker Dich immer mehr erkennen, ehren und anbeten, und alle Geschlechter deinen heiligen Namen loben und preisen. Dein Reich komme zu uns: laß das Reich der ewigen Wahrheit und des seligen Friedens immer weiter unter uns verbreitet und in unsern Herzen befestiget werden, domit wir durch deine Gnade und Barmherzigfeit in jenes ewig glückselige Reich gelangen, zu dem Du uns erschaffen und berufen hast. Wir wollen mit den Engeln und seligen Geis stern im Himmel deine heiligen Gebote genau in Allem voll Freude beobachten. Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden: Gib uns heute unser tägliches Brod. Du weißt es ja am besten, was wir nöthig haben: sorge für unsern Leib und unsere Seele; ins besondere stärke und erquicke auch uns mit dem Brode der Engel auf der Reise zum ewigen Leben. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern: nimm uns wieder zur Gnade an nach deiner großen Barmherzigkeit; es reut uné von ganzem Herzen, daß wir Dich beleidiget haben; aus Liebe zu Dir verzeihen wir aufe richtig Allen, die uns gefränkt und betrübt 368 Meßgebete. haben. Bewahre uns vor gefährlichen Vere suchungen, in denen wir unterliegen würden. Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von allem Uebel: flöße uns deine heilige Furcht ein, damit wir jede Sünde als das größte Uebel hassen und fliehen, und befreie uns einstens von dem ewigen Uebel. Amen. So möge es geschehen! Vor und bei der heiligen Kommunion. D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser! Verzeihe uns alle Sünden, mit denen wir Dich so oft und schwer beleidiget haben; erlöse uns von den bösen Neigungen und Leidenschaften, die noch in unserm Herzen sich regen, und schenke uns deinen Frieden und ziehe alle unsere Gedanken und Anmuthungen zu Dir, damit wir fortan mur Dich lieben, nur Dir leben. D Herr Jesus Christus! Du Sohn des lebendigen Gottes, Du liebenswürdigster Heiland! ich bitte Dich um all deiner Liebe willen, die Du in deinem Leben, Leiden und Sterben uns erwiesen hast, nimm von mir Alles hinweg, was deinen Augen mißfällt, und gib mir Alles, was Dir wohlgefällt, auf daß ich würdig werde, ein Tempel deiner Huld und Majestät zu sein. Weine Seele sehnt sich nach deiner Einkehr, wie der Hirsch nach der Wasserquelle lehzet, schmachtet Meßgebete. 369 fie darnach, mit deinem kostbaren Fleische und Blute gesättiget zu werden. Du Brod des Himmels, Du Speise der Engel, Du Erquickung frommer Seelen! ich kann leider an deinem foniglichen Gastmahle nicht wirklich Theil nehmen laß doch die Kraft und Wirkung davon meiner armen Seele zukommen! Ja fomme, mein Herr und Gott! komme mit deiner Gnade und Liebe in mein Herz, zu mir reumüthigen Sünder. D Jesus! ich glaube an Dich als den Sohn des lebendigen Gottes! O Jesus! auf Dich sehe ich mein ganzes Vertrauen; Dir überlasse ich mich ganz und gar- denn Du bist der gute Hirt meiner Seele. O Jesus! ich liebe Dich von ganzem Herzen und aus allen Kräften Du bist ja das allerliebenswürdigste Gut! Komm doch, und alle meine Gedanken, Worte und Werke sollen Dir unterworfen und nach deinem heiligen Willen eingerichtet sein. Leite, regiere und beherrsche mich ganz! Entzünde mein Herz mit brennender Liebe zu Dir! Bleibe bei mir und entferne Dich nicht meh aus meiner Seele! - Möchte doch mein armes Herz ein vollkom menes Brandopfer deiner Liebe werden unt immerdar zur Ehre und zum Ruhme deiner Majestät brennen! Vor und bei dem Segen. Barmherziger Bater! Du willst nicht den Tod des Sündere, sondern daß er sich befehre 24 370 Meßgebete. und lebe! Siehe darum gnädig Alle an, die heute diesem hochheiligen Opfer beigewohnt haben, und erwecke in ihnen wahre Reue und heiligen Bußsinn; führe alle Irrenden und Sünder zur Umkehr und zur Besserung ihres Lebens, vermehre in allen Kindern deiner heiligen Kirche den Glauben, die Hoffnung und die Liebe, damit sie fromm leben, getrost sterben und Dich mit allen Auserwählten ewig loben und preisen. Es segne uns Gott der Vater, es bewahre uns Gott der Sohn, es erleuchte uns Gott der heilige Geist. Es stärke uns die Kraft des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi, und behüte uns vor aller Sünde und von allen Uebeln des Leibes und der Seele. Amen. Zum Schlusse. D himmlischer Vater! zum Danke für alle die zahllosen Wohlthaten, womit Du mich bisher überhäufest hast, zur Sühne für die vielfältigen Sünden, wodurch ich Dich schon o oft beleidiget habe, und zu deiner Ehre and meinem Heile opfere ich Dir diese heilige Messe demüthig auf und alle andern heiligen Messen, die in der ganzen Welt heute geleſen werden. Ich gehe nun hinweg ven diesem heiligen Altare; aber nicht ohne Dich, o mein Jesus, mein Trost, mein Glück, mein höchstes Seclengut! Ich empfehle mich in dein liebevolled 371 Meßgebete. Herz und in deine heiligen fünf Wunden ,eben so alle meine Freunde, Wohlthäter und Bekannten und Alle, welche gegen mich feindselig find. Entziehe uns deine Liebe nicht, sondern wandle uns durch dieselbe immer mehr zu Menschen um, die Dir ähnlich sind, damit nicht mehr wir leben, sondern Du in uns lebest und uns zu allem Guten anleitest. heiliger Aloysius! bitte auch du für mich Gott, daß Er mir die Gnaden, die mir die Verdienste des Opfertodes Jesu erworben haben, angedeihen lasse; verleihe durch deine Fürsprache, daß ich, deinem Tugendbeispiele gemäß, den Tag hindurch ein versammeltes, innerliches Leben führen, in den Zerstreuungen meiner Geschäfte meinen Gott doch nie aus dem Herzen und Gedächtnisse verlieren möchte, und die Wirkung seiner Segnungen durch sündhafte Anmuthungen, Begierden und Werke nicht verhindere, und derselben unwürdig werde, sondern daß ich Ihn, wo ich immer sein, und was ich thun mag, vor Augen gegenwärtig halte, und im Glauben, in dec Hoffnung und Liebe anbete. Amen. - 372 Vespergebete. Bespergebete. Mein Gott, hilf mir beten! Herr, eile, mir beizuftehen! Ehre sei dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfange, so jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. Anbetung und Danksagung. Dreieiniger Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist! Du bist mein letztes Ziel und Ende! Jch bete Dich an in tiefster Ehrfurcht und aus innerstem Herzen; ich preise Dich mit allen Menschen auf Erden, die deinen heiligen Namen kennen und ehren. Tief durchdrungen von den unzählbaren und unermeslichen Wohlthaten, die Du mir seit dem ersten. Augenblicke meines Lebens bis auf diese Stunde erwiesen hast, sage ich Dir Dank aus allen meinen Kräften. Jch danke Dir, himmlischer Bater! daß Du mich nach deinem Ebenbilde erschaffen hast, und noch erhältst, damit ich Dich sammt dem Sohne und heiligen Geiste hier erkenne und liebe, dort aber in Ewigkeit anschaue und mit allen Engeln lobpreise. Ich danke Dir, ewiger Sohn Gottes! daß Du aus Liebe zu mir die menschliche Natur angenommen, dein heiliges Blut für mich vergessen und den bittersten Tod Vespergebete. 373 gelitten hast, um mich vom ewigen Tode zu befreien und mit deinem Vater auszuföhnen. Ich danke Dir, heiliger Geist! daß Du durch die heilige Taufe meine Seele geheiliget und zu deiner Wohnung geweiht, und seither schon so oft deine Gnade, deine Kraft und deinen Frieden mir verlichen hast. Wie kann ich Dir dafür, allerheiligste Dreieinigkeit! würdigen Dank erstatten? Ich will Dich loben, Herr! von meinem ganzen Herzen, im Rathe and in der Versammlung der Gerechten. Groß sind die Werke des Herrn, ausgesucht nach allem seinem Wohlgefallen. Lieblich und herrlich ist sein Werk, und seine Gerechtigkeit bleibet in Ewigkeit. Ein Gedächtniß stiftete Er in seinen Wundern, der gnädige und barmherzige Herr. Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht. Getreu find alle seine Gebote, bestätiget auf immer und ewig. Erlösung sendete Er seinem Volke, beschloß auf ewig seinen Bund; hetlig und schrecklich ist sein Name. Sein Lob bleibet immer und ewig."( Ps. 110.) Die Ehre sei dem Vater 2c. Liebe Gottes. O meine füße Liebe, mein einziges Gut und höchstes Verlangen meiner Seele! wie ist es doch möglich, daß es ein vernünftiges Geschöpf gebe, das Dich nicht liebt? Ich liebe Dich, o mein Gott! von ganzem Herzen 374 Vespergebete. Ich und aus allen Kräften; darum freue ich mich auch über deine Glorie und Majestät. gäbe gern Alles, was ich bin und habe alle Kräfte des Leibes und der Seele, mein Hab und Gut, ja Gesundheit und Leben gäbe ich freudig hin, wenn ich deine Ehre dadurch befördern und deine Liebe mir sichérn könnte. Denn wo im Himmel und auf Erden gibt es etwas Schöneres, als Dich, den Urquell alles Schönen; wo gibt es ein vollkommeneres Gut als Dich, den Inbegriff alles Guten; wo finde ich wohl größere Weißheit und untrüglichere Wahrheit als in Dir, von Dem alle Weisheit und Wahrheit ihren Ursprung hat? Wie sollte ich darum Dich nicht mehr lieben als die ganze Welt, da ich in Dir gar Alles, ohne Dich aber gar nichts befize! Entzünde, o Gott! dieses heilige Feuer, das nie erlischt, auch in meinem Herzen, damit ich ganz Dich allein in Allem und über Alles liebe.„ Lobet den Herrn, ihr Diener! Lobet den Namen des Herrn! denn hoch über alle Völker ist der Herr, und über die Himmel seine Herrlichkeit. Wer ist wie der Herr, unser Gott, der in der Höhe wohnet, der auf das Niedrige schauet im Himmel und auf Erden?"( Pf. 112.) Wie vielfältig ist deine Barmherzigkeit, o Gott! und die Menschenkinder hoffen unter dem Schatten deiner Flügel! Sie werden trunken werden vom Ueberflusse deines Hauses ( von himmlischen Freuden) und mit dem - - Vespergebete. 375 Strome deiner Wonne wirst Du fie tränken. Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte schauen wir das Licht." ( Pf. 35.) Die Ehre sei dem Vater 2c. Lobpreisung der Allmacht Gottes. Wer gleicht Dir, o Herr! an Macht und Herrlichkeit? Alles hast Du nach deinem Willen gemacht im Himmel und auf Erden. dein Gebot gehet die Sonne auf, und Sterne schimmern, weil Du es willst. sprichst, und das Meer wirft schäumend seine Fluthen umher; Du gebietest, und der Sturmwind wird ruhig. Du deckest den Himmel mit finsterm Gewölfe, und die Stimme dei ner Größe läßt sich hören in dem furchtbaren Donner. Dein Anblick erschüttert die Berge, und die Felsen bersten auf dein Geheiß. Von Dir, in Dir und durch Dich ist Ales: ewig ist deine Macht, sie beherrschet die ganze Natur und wirkt unzählige Wunder. Deinem Zorne kann niemand widerstehen; unter Dir beugen sich alle Mächte der Welt; die Säulen des Himmels erzittern auf deinen Wink. Darum neiget in Demuth eure Häupter, ihr Mächtigen der Erde, und dienet dem Mächtigen im Himmel mit Furcht und Zittern, ihr Menschenfinder alle! Anerkennet seine höchste Macht und sprechet: Dir, o Gott, Dir allein gebühret Ehre, Furcht und Anbetung! Auf die Du Bespergebete. Herr, mein Gott! Dein Name ist der Allmächtige. Dein ist die Erde und aller Könige Herr bist Du die ganze Welt ist vor Dir wie ein Stäublein auf der Wage und wie ein Tropfen des Morgenthaues auf der Wiese. Du spannest die Himmel wie Decken über die Erde, und befiehlst nur- und Alles steht da. Alle Völker sind vor Dir, als ob fie nicht wären; wie eitles Nichts erscheinen fie. Nach deinem Willen erheben sich zahlreiche Geschlechter; und auf dein Gebot verschwinden Nationen von der Erde. Du allein bist der Schöpfer und der Herr darum froblocket nur Dir mein Herz, und meine Seele freuet fich, einen so mächtigen Gott anbeten zu dürfen. Ferr! Du bist meine Stärke, auf die ich baue und deren ich mich rühme; Du bist mein Gott; denn dein Name ist der Allmächtige. Amen. 376 - Lobpreisung der göttlichen Vorsehung. Deine Borsehung, o Gott! leitet alle Dinge. Du gibst der Erde Sonnenschein und Regen, damit sie Kräuter und Bäume hervorbringe ohne Zahl. Du weisest den Thieren des Feldes ihre Nahrung an, lassfest die jungen Raben ihre Speise finden. Du öffnest deine milde Hand, und erfüllest Alles, was da lebt, mit Segen. Um wie viel mehr wirst du der Menschen Dich annehmen, die Du nach dei Vefpergebete. 377 Du und nem Bilde erschaffen hast! Du haft alle Haare unsers Hauptes gezählt, und ohne deinen heiligen Willen fällt keines zu Boden. bewahrest uns wie deinen Augapfel, schenfest uns den Odem, und Alles, was wir sind und haben; denn nur durch Dich leben wir und bewegen wir uns. Du nährest, bester Vater! die Vögel in der Luft, die nicht säen und ärndten und nicht in die Scheune sammeln: wirst Du uns wohl die Nahrung versagen, oder warum sollten wir ängstlich wegen Kleidung und Obdach besorgt sein? Sind ja die Lilien des Feldes schöner gekleidet als Salomon in all seiner Pracht gekleidet war! Wozu würden all unsere Sorgen auch nüßen? Wer von uns kann durch sein Nachsinnen auch nur einen Zoll an seiner Lebensgröße hinzufügen? Werfet, ihr Menschenkinder, werfet all' cure Sorgen auf een Herrn. Saget nicht ängstlich: was werden wir essen, was trinken, woraus uns bekleiden? solche Surgen machen sich die Heiden, die nichts wissen von dem allwissenden, allgütigen, allmächtigen und unendlich weisen Gott und Vater. Wir aber glauben an den wahren Gott, den liebevollen Vater, der wohl weiß, was wir bedürfen und Alles so leitet, wie es uns gut und heilsam ist. " Seine Weisheit wirket von einem Ende zum ändern mächtig fort, und ordnet Alles lieblich an." Darum wollen wir auf Ihn vertrauen, und zuerst nach dem Reiche Gottes 378 und seiner Gerechtigkeit trachten, so wird das Uebrige uns als Zugabe werden. Ja, meines Herzens Gott und mein Theil ist Gott in Ewigkeit.( Pf. 72, 26.) Wer unter dem Schuße des Allerhöchsten wohnet, bleibet unter'm Schirme des Gottes des Himmels. Er wird sagen zu dem Herrn: Du bist's, der mich aufnimmt, meine Zuflucht, mein Gott, auf Dich hoffe ich!"( Ps. 90, 1. 2.) Lobgesang Mariä. ( Magnificat.) Hoch preiset meine Seele den Herrn, und froh jauchzet mein Geist in Gott meinem Netter. Denn gnädig sah Er herab auf die Niedrigkeit seiner Magd. Siehe, von nun an werden alle Geschlechter mich selig preisen. Denn Großes hat an mir gethan der Machtige, dessen Name heilig ist. Seine Barmherzigkeit ergehet von Geschlecht zu Geschlecht über Jene, so Ihn fürchten. Er zeigt die Macht seines Armes; Er zerstäubt die Stolzen im Dunkel ihres Herzens. Er stürzt die Mächtigen vom Throne und hebt empor die Niedrigen. Die Dürftigen erfüllt Er mit Gütern, die Reichen weiset Er leer zurück. Er hat Sich Israels, seines Kindes, ange= nommen, cingedenk seiner Barmherzigkeit, wie Er zu unsern Vätern gesprochen, zu Abraham und seinen Nachkommen, auf ewig. Vespergebete. 379 Vespergebete. Die Ehre sei dem Vater 2c. V. Herr! erhöre mein Gebet: R. Und laß mein Flehen zu Dir kommen. Lobgesang zu Ehren des heiligen Aloyfius. Dich, Aloyfius, will ich preifen 2c.( Siehe Seite 235.) Lasset uns beten. O Gott! der Du Denen, die Dich lieben, unsichtbare Güter bestimmt bast; gieße deine Liebe in unsere Herzen, auf daß wir, da wir Dich in allen Dingen und über Alles lieben, deinen Verheißungen, welche unsere Wünsche übertreffen, theilhaftig werden; durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit Dir und mit dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. V. Herr! erhöre mein Gebet: R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. V. Lasset uns den Herrn preisen, R. Und Gott Dank sagen. V. Die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. R. Amen. ( Bete still ein Vater unser.) V. Der Herr schenke uns seinen Frieden; Hy. Und das ewige Leben. Amen. Vespergebete. Salve Regina. Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit! Du unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir, verwiesene Kinder Evas; zu dir seufzen wir, traurend und weinend in diesem Thale der Thränen. Eya, unsere Fürsprecherin, so wende denn deine barmherzigen Augen zu uns, und zeige uns nach diesem Elende, Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! 380 V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi! Lasset uns beten. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria, durch die Mitwirkung des heiligen Geistes zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes zubereitet hast; verleihe uns, die wir mit Freuden ihr Andenken begehen, daß wir durch ihre Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode befreit werden: durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. V. Die Gnade Gottes sei und bleibe bet uns allzeit. R. Amen. Abendgebete. Abendgebete. 381 Im Namen des und des heiligen Vaters, des+ Sohnes Geistes. Amen. Nun ist wieder ein Tag meines Lebens, den Du mir, o Gott! geschenkt haft, seinem Ende nahe. Was ist billiger, als daß ich mich am Schlusse desselben noch einmal vor deiner göttlichen Majestät in heiliger Ehrfurcht niederwerfe, um Dich anzubeten, und meinen Glauben, meine Hoffnung und Liebe Dir zu bezeigen! Dank. O wie viel Gutes habe ich, gütigster Va= ter, schon von Dir bis auf den heutigen Tag empfangen! Du hast mir das Leben geschenkt, und ehe ich war, schon meiner gedacht. Du haft mir Jesum, deinen lieben Sohn, zum Erlöser, seine heiligste Mutter zur Fürsprecherin gegeben; Du hast mich im Bade der heiligen Taufe durch die Gnade deines göttlichen Geistes wiedergeboren und zu einem Kinde der wahren heiligen fatholischen Kirche gemacht. Dazu hast Du täglich und auch heute wieder mich mit vielerlei und unzähligen Wohlthaten überhäuft. Ich danke Dir dafür von ganzem Herzen und will immerdar mich dankbar erweisen. Aber, o mein Gott! 382 Abendgebete. wie sehr habe ich heute deine Liebe mit Undank vergolten, Dich vergessen, ja wie so oft bee leidiget! Heiliger Geist, Du ewiger Ursprung alles Lichtes, laß mich in diesen heiligen Augenblicken alle meine Sünden recht erkennen in ihrer Abscheulichkeit, und wahre tiefe Reue darüber empfinden! ( Erforsche nun das Gewissen.) Reue. Am Morgen habe ich Dir, mein Gott! versprochen, den mir geschenkten Tag nur zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele anwenden zu wollen; aber ich habe schon wieder nicht Wort gehalten. Ich habe leider meine Pflichten nicht gewissenhaft erfüllt, den bösen Begierden und Versuchungen oft nachgegeben und im Guten wenig Anstrengung und Entschiedenheit bewiesen. Ich bekenne meine Schuld, meine sehr große Schuld und spreche mit dem öffentlichen Sünder: O Herr! fei mir armen Sünder gnädig! verzeihe meiner Ungerechtigkeit und handle in dieser Nacht mit mir nicht nach meinem Verdienste und deiner strengen Gerechtigkeit, sondern nach deiner unendlichen Barmherzigkeit! Die drei göttlichen Tugenden. Glaube. Mein Gott und Herr! ich glaube Alles, was deine heilige katholische Kirche aus dei Abendgebete. 333 nem göttlichen Wort uns vorträgt zu glauben. Ich glaube es fest und beharrlich bis in den Tod, allein deßwegen weil deine göttliche untrügliche Wahrheit es deiner heiligen unfehlbaren Kirche geoffenbaret hat. Ich lebe im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich dahin gegeben hat.( Gal. 2.) Hoffnung. Mein Gott und liebster Bater! Mit ganz ficherm Vertrauen hoffe ich von Dir durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi und durch meine Mitwirkung mit der Gnade alles Gute des Leibes und der Seele. Besonders hoffe ich, Dich als mein Ziel und Ende in der ewigen Seligkeit zu genießen; auch alle Mittel dazu, als die heiligmachende Gnade, die Sündenvergebung, die Beharrlichkeit im Guten. Das hoffe ich fest und beständig, weil Du getreu bist im Verheißen, allmächtig im Wirken, barmherzig im Geben und Vergeben. Die Hoffnung macht nicht zu Schanden. ( Römer 5.) Liebe. O mein Gott! Du bist unser höchstes, unendlich liebenswürdigstes Gut. Deßwegen liebe ich Dich aus ganzem Herzen, aus allen 384 Abendgebete. Kräften. Ich liebe auch aus Liebe zu Dir alle Freunde und Feinde. Aus Liebe zu Dir will ich deine heiligen Gebote erfüllen, alles Kreuz geduldig ertragen, die Sünde meiden, mein Amt und meinen Stand gebührend halten. O mein Gott und Alles! Herr, Du weißt, daß ich Dich liebe!( Joh. 21, 17.) Verschmähe nicht mein Gebet und meine Huldigung, die ich in dieser Abendstunde aus redlichem Herzen Dir darbringe. Ich will fortan nur Dir dienen, und durch keine Sünde mehr Dih beleidigen; insbesondere verspreche ich Dir, den morgigen Tag, den ich mit deiner Gnade zu erleben hoffe, ganz nach deinem Wohlgefallen und zum Heile meiner Seele hinbringen zu wollen. Amen. Bitten. Da ich mich nun zur Ruhe legen will, o mein Gott! so bitte ich Dich, laß mich in deinem Frieden sanft und ruhig schlafen. In deine Hände, o Herr! empfehle ich meinen Leib und meine Seele- bewahre mich diese Nacht vor allem Uebel. Laß mir die Ruhe das sein, was sie nach deiner weisen Anordnung sein soll: eine Erholung für den Müden und eine Wiederherstellung der erschöpften Kräfte. Bewahre mich vor unreinen Gedanfen, Begierden und Träumen. Wache Du mit deiner Huld über mir, während ich bewußt und hülflos schlummere, und laß mich Abendgebete. 385 am Morgen zeitig, gesund, froh und heiter zu deinem Dienste wieder erwachen. D guter Vater! wie Viele von meinen Brüdern wer= den diese Nacht nicht ruhen können! Mancher Arme wird in Kummer und Sorgen die Nacht schlaflos zubringen; mancher Kranke wird auf dem Schmerzenslager weinen und die Hände ringen; mancher Sterbende wird einen Harten Kampf zu bestehen haben. Erbarme Dich, o Gott der Liebe! aller deiner Kinder und stehe ihnen hülfreich bei. Sollte es dein Wille sein, daß auch ich mich jetzt niederlege, um nicht mehr hienieden aufzustehen, so laß mich einen gnädigen Richter an Dir finden. Gis, daß der Tod mich reumüthig und gebessert finde, damit er für mich der Uebergang sei in das bessere Leben, welches Du denen bereitet hast, die Dich lieben. Besuche, o Herr! diese Wohnung und vertreibe von ihr alle Nachstellungen des Feindes. Laß hier herrschen Gottesfurcht und Frömmigkeit, Demuth und Friede, heiligen Eifer und mackellose Keuschheit. Laß deine heiligen Engel hier wohnen, und dein Segen fei immer über uns. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Anrufung der Heiligen. Hochgebenedeite Mutter meines Erlösers, mein heiliger Schußengel, heiliger Namenspatron und du, engelreiner Moysius! bittet Mennel. Aloyfius. 25 386 Abendgebete. für mich armen Sünder und bewahret mich vor allem Uebel, jeßt und in der Stunde meines Todes. Amen. Für die armen Seelen. Gott der Barmherzigkeit! sei auch gnädig den abgestorbenen Christgläubigen, die deiner Anſschauung noch nicht sich erfreuen! Erhöre mein und ihr Gebet; laß ihr Verlangen nach Dir erfüllt werden und führe alle, vorzüglich die, für welche ich zu beten schuldig bin, bald in die ewige Ruhe und himmlische Freude. Amen. Nachtsegen. Im Namen meines gefreuzigten Herrn Jesus Christus begebe ich mich nun zur Ruhe, derselbe wolle mich segnen, regieren, beschützen und zum ewigen Leben führen! Amen. Im Namen des+ Baters, des+ Sohnes und des heiligen † Geistes. Amen. Kreuzwegandacht. 387 Kreuzwegandacht. Durch Besuchung des heiligen Kreuzweges kann man alle jene Ablässe gewinnen, welche die Päpste den Christgläubigen verleihen, die persönlich die heiligen Stätten zu Jerusalem besuchen; welche Ablässe fürbittweise auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden können. Benedikt XIII., 3. März 1726. Vorbereitungsgebet. In aufrichtiger Reue und mit einem bußfertigen Herzen will ich jetzt im Geiste den Kreuzweg betreten, den Du, mein göttlicher Heiland, einst für mich gewandert bist, um dein bitteres Leiden und Sterben zu betrachten, und zu erwägen, wie sehr Du mich geliebet hast, wie Vieles Dich meine Sünden gekostet, wie sehr ich diese verabscheuen, und Dich dagegen lieben, Dir danken soll. O mein gefreuzigter Jesus! hilf mir mit deiner Gnade, bewahre meine Sinne vor Zerstreuung, und feßle meine Seele durch die aufmerksame Betrachtung dieser großen Geheimnisse. Ziche, o Herr! wie Du es verheißen, wenn Du erhöhet sein werdest, wollest Du Alles an Dich ziehen," ziehe auch mein Herz und meine Liebe ganz zu Dir, da ja die Liebe zu mir Dich an's Kreuz gehef= tet hat. Amen. 388 Kreuzwegandacht. Die vierzehn Stationen des Leidens Christi. Erste Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus! und sagen Dir Dank: R. Weil Du durch dein heiliges Kreuz die Welt erlöset hast. Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen Jesus, nach blutiger Geißlung und Krönung mit Dornen, verurtheilt, und wie gelassen der Heiland dieses Todesurtheil annimmt, damit du von dem Urtheile des ewigen Lodes befreit würdest. O Jesu, ich danke Dir für diese große Liebe und bitte Dich, nimm das Urtheil des ewigen Todes, welches ich durch meine Sünden verdient habe, zurück, damit ich würdig werde, das ewige Leben zu besigen! W. Gefreuzigter Herr Jesus Christus! B. Erbarme Dich unser! 3weite Station. Jesus wird mit dem Kreuze beladen. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus das Kreuz, das deine vielen Sünden so schwer gemacht haben, auf seine Schultern nimmt. Kreuzwegandacht. 389 O Jesu, gib mir die Gnade, daß ich dein Kreuz durch neue Sünden nicht noch schwerer mache und daß ich das meinige, alle Trübsale und Widerwärtigkeiten, mit aufrichtigem Bußgeiste willig und muthig trage! W. Gefreuzigter Herr 2c. Dritte Station. Jesus fällt das erste Mal. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus die Last, womit Er beladen war, nicht mehr tragen konnte, und, von Ermattung und Schmerz niedergedrückt, unter dem Kreuze fiel. Jesu, meine Vergebungen sind die Ursache deines Falles! Verleihe mir die Gnade, daß ich deinen Schmerz durch den Rückfall in die Sünde nicht wieder erneuere. W. Gefreuzigter 2c. Vierte Station. Jesus begegnet seiner heiligen Mutter. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, welcher Schmerz das Herz Jesu zerriß, als Er Maria sah, und das Herz Maria's, als Jesus ihr begegnete. Deine Sünden sind die Ursache der gegenseitigen Betrübniß des Sohnes und der Mutter 330 Kreuzwegandacht. D Jesu, erwecke in mir durch die Fürbitte Maria's einen lebhaften Schmerz über meine Sünden, damit ich sie mein ganzes Leber hindurch beweine, und in der Stunde meines Todes Gnade vor Dir finde! #. Gefreuzigter 2c. Fünfte Station. Simon hilft Jesu das Kreuz tragen. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie die Juden beim Anblicke der großen Schwäche Jesu, aus Furcht, Er möchte auf dem Wege zum Kalvarienberge den Geist aufgeben, Šimon von Chrene nöthigen, dem Herrn das Kreuz tragen zu helfen. D Jesu, mir steht es zu, das Kreuz zu tragen, weil ich gesündiget habe! Mache, daß ich Dich wenigstens auf dem Kreuzwege begleite und das Kreuz der Widerwärtigkeiten aus Liebe zu Dir geduldig ertrage. X. Gefreuzigter 2c. Sechste Station. Veronika reicht Jesu das Schweißtuch. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie diese heilige Frau sich bes müht, Jesu Leiden zu lindern, und wie da gegen Jesus sie belohnt, indem Er in diek 391 Kreuzwegandacht. Schweißtuch das Bildniß seines allerheiligsten Angesichtes abdrückt. Jesu, verleihe mir die Gnade, meine Seele von allen Flecken zu reinigen! Drücke dein heiliges Leiden so tief in meinen Geist und in mein Herz ein, daß ich dasselbe nimmer vergesse. V. Gefreuzigter 2c. Siebente Station. Jesus fällt zum zweiten Male. W. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die Leiden, welche Jesus bei diesem zweiten Falle empfindet. Du verursachest fie Ihm durch deine öftern Rückfälle in die Sünde. O Jefu, wie beschämt stehe ich vor Dir! Gib mir die Gnade, von meinen Sünden so aufzustehen, daß ich nie wieder in dieselben zurückfalle. V. Gefreuzigter 2c. Achte Station. Jesus begegnet den weinenden Frauen. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus diese Frauen ermahnet, fie sollen nicht über Ihn, sondern über sich selbst weinen; um dich zu belchren, daß 392 Kreuzwegandacht. du mehr über deine Sünden, als über seine Leiden weinen sollst. O Jesu, gib mir Thränen einer wahren Reue, damit das Mitleid, welches ich über deine Schmerzen trage, mir verdienstlich werde! V. Gefreuzigter 2c. Neunte Station. Jesus fällt zum dritten Male. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus zum dritten Male eben so schmerzlich als die beiden ersten Male fällt. Daran ist deine Verstocktheit, aus der du stets in neue Sünden fällst, Schuld. Jesu, ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu machen, um Dir bei deinen Leiden Linderung zu verschaffen! Stärke mich in meinem Entschlusse und mache ihn durch deine Gnade wirksam. V. Gefreuzigter 2c. Zehnte Station. Jesus wird entkleidet und mit Galle getränket. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die Beschämung, die Jesus ausstand, da man Ihn durch die Entkleidung entblößte, und die Bitterfeit, die Er empfand, Kreuzwegandacht. 393 da man Ihm Wein, mit Myrrhe und Galle gemischt, darreichte. So büßte Er deine Unverschämtheit und Sinnlichkeit. Jesu, ich bereue die sündhaften Freuden, die ich mir erlaubt und die Unmäßigkeit, der ich mich ergeben habe! Ich faffe den festen Entschluß, mit deinem Beistande mein zukünftiges Leben in Sittsamkeit und Mäßigung zuzubringen. V. Gefreuzigter 2c. Eilfte Station. Jesus wird an's Kreuz genagelt. V. Wir beten Dich an ac. Betrachte die außerordentlichen Schmerzen, welche Jesus erlitt, als die Juden seinen vom Blute schon ganz triefenden Leib auf dem Kreuze ausstreckten und mittels der Durchbohrung seiner heiligsten Hände und Füße mit. Nägeln darauf befestigten. Jesu, hefte meinen widerspänstigen Willen an dein Kreuz! Ich nehme mir ernstlich vor, Dich nicht mehr zu beleidigen und aus Liebe zu Dir Alles zu leiden. 7. Gefreuzigter 2c. 394 Kreuzwegandacht. Zwölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, daß dein Erlöser nach einer breistündigen Todesangst am Kreuze verschied, um dein Heil zu wirken. O Jesu, nachdem Du dein Leben hingegeben hast für mich, so ist es wohl billig, daß ich den Rest des meinigen für Dich verwende! Dieß ist mein fester Vorsaß. Nur um die Gnade, denselben in's Werk zu sehen, bitte ich Dich durch die Verdienste deines heiligen Todes. W. Gefreuzigter 2c. Dreizehnte Station. Der Leichnam Christi wird vom Kreuze her, abgenommen. W. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die Betrübniß der Mutter Jeju, als sie den Leichnam ihres göttlichen Sohnes erblaßt, mit Blut überronnen und des Lebens beraubt, in ihren jungfräulichen Schooß nahm. Oheiligste Jungfrau, erbitte mir die Gnade, daß ich Jesum nicht mehr durch neue Sünden kreuzige, sondern Ihn durch Uebung hristlicher Tugenden in mir stets lebendig abpräge! #. Gefreuzigter 2c. Kreuzwegandacht. 395 Vierzehnte Station. Der Leichnam Jefu wird in's Grab gelegt. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie der heilige Leichnam Jesu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab, welches für Ihn bereitet worden war, gelegt wurde. D Jesu, ich danke Dir für Alles, was Du gelitten hast, um mich zu erlösen, und bitte Dich, gib, daß ich mich vorbereite durch das heilige Abendmahl, den Leib, den Du für mich hingegeben hast, würdig zu empfangen, und schlage deine Wohnung für immer in meiner Seele auf!- *. Gefreuzigter 2c. Schluß des heiligen Kreuzweges. Erbarme Dich unser, o Herr! erbarme Dich unser! Gott, der Du die Fahne des Kreuzes durch das kostbare Blut deines Leidens hast heiligen wollen, wir bitten Dich, verleihe, daß wir Alle, die wir uns über die Verherrlichung deines heiligen Kreuzes erfreuen, ebenso auch deines Schußzes allzeit genießen; durch unsern Herrn, Jesum Christum. Amen. Laß uns, barmherziger Gott! das Leiden unsers Erlösers in dankbarem Andenken halten, und um seines schmerzhaften Todes willen die Lüste der Welt meiden, unser Kreuz willig tragen, in aller Heiligung zunehmen, bie 396 Kreuzwegandacht. wir als Angehörige des himmlischen Reiches Dir unaufhörliches Lob und ewige Anbetung bringen können; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Mich dürstet nach deiner Barmherzigkeit!* diese will ich in deinen heiligen fünf Wunden suchen, aus welchen alles Gute geflossen ist. Ach mein Gott, mein Gott! verlaß mich nicht in der schreckvollen Stunde des Todes, in welcher für mich Alles wird vollbracht sein. Daher empfehle ich von nun an und bis dahin, und übergebe meinen Geist in deine Hände; schließe denselben ganz in die Wunden deines Herzens ein, in welchem alle Schäße der Gnaden und der Erbarmungen find. Amen. O Maria, Königin der Martyrer und Helferin der Christen, bitte für uns, jetzt und in der Stunde unsers Todes! Amen. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Fromme Fürbitten für Lebende. 397 Fromme Fürbitten für Lebende. Gebet für die ganze Christenheit, Allmächtiger, ewiger Gott, Herr, himmlischer Vater! siehe an mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit unseren Jammer, Elend und unsere Noth; erbarme Dich über alle Christgläubigen, für welche dein eingeborner Sohn, unser liebe Herr und Heiland Jesus Christus in die Hände der Sünder freiwillig gekommen ist, und sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat. Durch diesen Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater, die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörung, Kriegsrüstungen, Theurung, Krankheiten und betrübte, armselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten und Regenten, damit sie Alles befördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile, zum allgemeinen Frieden und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! rechte Vereinigung im Glauben, ohne Spaltung und Trennung. Bekehre unsere Herzen zur wahren Buße und Besserung des Lebens. Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe. Gib uns Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, da 398 Fromme Fürbitten für Lebende. mit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig seien. Wir bitten auch, o Gott! wie Du willst, daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle Betrübten und Elenden, für Lebendige und Abgestorbene. Dir, o Herr! sei empfohlen all unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns deine Gnade hier genießen und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude Dich loben und preisen mögen. Das verleihe uns, Herr, himmlischer Vater! Durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, der mit Dir und dem heiligen Geiste als gleicher Gott lebt und r.gieret in Ewigkeit. Amen. Gebet für den Papst. O Jesus Christus, Du höchster Hirt und Bischof der wahren Gläubigen! fieh gnädig herab auf unsern heiligen Vater in Rom, den Du über die ganze Kirche zum Oberhirten gestellt und ihm den Befehl gegeben hast, alle deine Schafe und Lämmer zu weiden. Gib, daß er sein Hirtenamt getreu verwalte und die heilige Kirche glorreich regiere. Segne, stärke und unterstüße ihn mit der Fülle deiner Gnaden in Allem, was er zu deines Namens Ehre und zum Heile der Seelen unternimmt, leidet und thut. Schüße ihn vor den Nach Fromme Fürbitten für Lebende. 399 stellungen seiner Feinde und mache alle ihre Arglist und Bosheit zu Schanden. Beglücke ihn, so viel es nach deiner weisen Güte geschehen kann, mit Gesundheit und Wohlergehen und laß ihn einst seinen glorreichen Vorgängern selig und in deinem Frieden beigezählt werden. Amen. Gebet für den Bischof. Jesus, Fürst der Hirten, Hirt und Bischof unserer Seelen! gib dem Bischof unsers Kirchensprengels alle jene Tugenden, die zu seiner und unserer Heiligung nothwendig sind. Laß ihn über sich selbst und über die ganze Heerde, über die ihn dein heiliger Geist gesept hat, wachen. Sei Du ihm selbst zum Muster, nach welchem er sich bilde, damit auch wir uns nach ihm bilden können. Erfülle ihn ganz mit deinem Geiste; gib ihm Glauben, Liebe, Weisheit und Kraft; schicke ihm treue Mitarbeiter in dem wichtigen Geschäfte der Leitung unserer Seelen, mache ihn zu einem Hirten nach deinem Herzen, der nur für sein Amt lebt, der nichts hofft und nichts fürchtet, als Dich, damit, wenn Du kommen wirst, die Hirten und ihre Heerden zu richten, wir seine Krone und seine Freude seien, er aber die unerwelkliche Krone des ewigen Lebens erlange. Amen. 400 Fromme Fürbitten für Lebende. Gebet für die Eltern. Vater im Himmel! der Du mir Vater und Mutter auf Erden gegeben hast, daß sie deine Stelle bei mir vertreten und mich zu deinem Kinde erziehen sollen, gib, daß ich meine Eltern findlich liebe, aufrichtig ehre und ihnen willig und freudig gehorsame. Gib Gnade, daß ich ihre Ermahnungen und Zurechtweisungen ohne Murren annehme und befolge; daß ich sie nicht betrübe durch Ungehorsam, ihnen keine Schande mache durch einen bösen Wandel; gib Gnade, daß ich ihre Sorge für mich erleichtere, ihren Kummer lindere, ihnen die Laft ihres Alters erträglich mache und sie im Leiden unterstüße. Gib, daß ich in ihnen deine Würde erkenne und ihnen diene wie Dir, meinem Gott und Herrn, und also jenen Lohn, der den gehorsamen Kindern verheißen ist, empfange. Segne meine Eltern mit Weisheit, Verstand, Rath, daß sie Alles nach deinem Willen rorkehren, und mir dasfelbe zu meinem zeitlichen und ewigen Glück gereiche; erfülle sie mit Frömmigkeit und Gottesfurcht, daß sie selbst dein Bild an sich tragen, damit ich nur Gutes und was Dir gefällt, von ihnen höre und sehe. Erhalte sie in Gesundheit; gib uns das tägliche Brod, und laß uns allesammt einst an deinem Tische im Himmel uns ewig freuen. Amen. Fromme Fürbitten für Lebende. 401 Gebet für Verwandte und Freunde. Jesus Christus! in Vereinigung der Liebe und Treue, mit welcher Du am lezten Abendmahle deine Jünger und Gläubigen dem himmlischen Vater anbefohlen und für sie gebeten hast, daß Er sie vor dem Uebel bewahren wolle, bitte ich ganz inbrünstig für alle meine Blutsfreunde, Gutthäter und Anbefohlene, daß Du sie vor allem Uebel bewahren und in deiner Gnade erhalten wollest. Alle ihre Bedürfnisse trage ich Dir vor und all ihr Kreuz und Elend opfere ich Dir. Du mein Gott, weißt am besten, was sie selig macht und ihnen an zeitlichen und geistlichen Dingen nothwendig ist. Dieses Alles stelle ich Dir vor deine göttlichen Augen, und bitte Dich aus wahrer christlicher Liebe, Du wolleft ihnen ihre zeitliche Nahrung bescheeren, in ihren Betrübnissen sie trösten und in ihrem legten Ende ihnen zu Hülfe kommen. Amen. Gebet für alle Menschen. Mein Gott! nicht für mich allein rufe ich deine Milde an, sondern für alle Menschen flehe ich zu Dir. Erzeige uns Allen deine Varmherzigkeit. Befestige die Gläubigen in der Anhänglichkeit an Dich und erleuchte die Ungläubigen, daß sie Dich erkennen; laß die Frommen täglich im Guten wachsen, und verleihe den Sündern die Gnade, daß sie sich zu Mennel. Aloysius. 26 402 Fromme Fürbitten für Lebende. Dir belehren. Erfülle die Vorsteher der Kirche mit Weisheit und Eifer, und laß sie den Gläubigen in allem Guten voranleuchten; dem gläus bigen Volke aber flöße Liebe zur Kirche ein, daß sie ihr aufrichtig ergeben seien und mit treuer Gewissenhaftigkeit ihren Geboten und Verordnungen nachkommen. Verleihe den Fürsten und Obrigkeiten ein Herz nach deinem Willen, daß sie die Guten schüßen und die Lasterhaften bestrafen und allzeit deine Ehre befördern; die Unterthanen aber erhalte in den Banden der Treue und des Gehorsams, daß sie, nachdem sie Dir gegeben haben, was Dein ist, auch der Obrigkeit, welche deine Stellvertreterin ist, willig geben, was ihr gebührt. Erleichtere den Eltern die Erziehung ihrer Kinder und unterstüße sie in der Last der häuslichen Sorgen; die Kinder aber mach' empfänglich für alles Gute, daß sie das Beispiel des göttlichen Jesustindes nachahmen und täglich zunehmen wie an Alter, so auch an Liebenswürdigkeit vor Gott und den Menschen. Sei mit den Herrschaften und Vorgesetzten, daß sie ihre Dienstboten und Untergebenen mit christlicher Liebe behandeln, aber auch gewissenhaft über ihr Seelenheil wachen; den Dienstboten und Untergebenen aber hilf, daß sie willig und gehorsam, treu und aufrichtig, fleißig und arbeitsam und mit ihrem Stande zufrieden seien. Mäßige die Freude der Glücklichen und Wohlhabenden, daß sie sich nicht überheben und ausschweifend werden, und Fromme Fürbitten für Lebende. 403 tröste die Armen und Betrübten, daß sie gegen deine allzeit weisen Anordnungen nicht murren, sondern mit kindlicher Ergebung deine heiligen Schickungen anbeten. Ertheile weisen Rath den Zweifelnden; zünde an das Licht der wahren Erkenntniß den Unwissenden; führe die Irrenden anf die rechte Bahn zurück; erfülle die Schwachen mit frischer Kraft; flöß Muth ein den ängstlichen Seelen und Vertrauen den zaghaften Herzen. Verleihe Geduld den Kranken, daß sie in ihren Leiden so lange mit Ergebung ausharren, als es dein heiliger Wille ist, und stehe bei den Sterbenden, daß sie es glücklich vollenden. Erbarme Dich, o Herr, über alle Menschen, laß fie Alle ihr Ziel erreichen, und einstens zur ewigen Ruhe in deinem Reiche gelangen. Heilige Jungfrau und Mutter Gottes Maria! bitte für mich und Alle, für welche ich jetzt mein Gebet vor Gott ausgegossen habe, daß Er uns um deiner Verdienste und der Verdienste deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus willen, gnädig all dasjenige gewähret, um was ich zu Ihm flehte! Amen. 404 Meßandacht für die Abgestorbenen. Meßandacht für die Abge= storbenen. ( Seelen oder Todtenmesse.) ( Insbesondere am Allerseelentage, oder bei einem Seelenamte zu gebrauchen.) Vom Anfange der heiligen Messe bis zur Epistel. Vor deiner unendlichen Majestät, o ewiger Bater! Enice ich hier, und wohne diesem heiligsten Meßopfer bei, insbesondere auch in der Absicht, durch dasselbe Dich für die Seelen anzuflehen, die im Reinigungsorte für ihre Sünden noch Strafen leiden, in der glühendsten Liebessehnsucht nach der Anschauung deines Angesichtes. Heiliger, unendlich Heiliger, erbarme Dich ihrer! Ewiger Vater! sie sind durch die heiligmachende Gnade, mit der Du sie hienicden wegen der Verdienste deines Sohnes Jesus Christus geschmückt hast, deine Kinder; erbarme Dich ihrer! Ewiger Vater! wir flehen zu Dir durch deinen Sohn, unsern Erlöser, erbarme Dich ihrer! Sohn des ewigen Vaters, erbarme Dich tbrer! fie find Glieder deiner Kirche, die dein Meßandacht für die Abgestorbenen. 405 filtlicher Leib ist; Du bist das Haupt dieser Glieder; erbarme Dich ihrer! wir flehen zu Dir durch deine heiligsten Leiden, durch deinen heiligsten Tod; wir flehen zu Dir für sie durch das unblutige Opfer, das Du Selbst hier auf dem Altare nun bald sein wirst. Heiliger Geist! Du hast die Seelen, die jenseits im Reinigungsorte sind, hienieden geheiliget, und die Liebe in sie ausgegossen. Erbarme Dich ihrer; sie sind dein Tempel; führe sie ein in den Wonnejubel der Anschauung der ewigen unendlichen Schönheit und Heiligkeit, die Du bist und der Vater und der Sohn. Wir bitten Dich durch dieß unendliche heilige Meßopfer. Zur Epistel. Der heilige Apostel und Evangelist Johannes hörte auf der Insel Patmos eine Stimme aus dem Himmel, welche zu ihm sprach: Selig sind die Todten von nun an, welche in dem Herrn sterben."- Und Johannes feßt diesen Worten bei: Ja, spricht der Geist, damit sie von ihren Werken ausruhen; denn ihre Werke folgen ihnen nach." - 11 Oheiliger Geist! laß die Seelen, die in Dir gestorben sind und im Vater und im Sohne, die aber noch leiden müssen für ihre Sünden, eingehen in die ewige, unaussprechliche Seligkeit. Meßandacht für die Abgestorbenen. 3um Evangelium. Wahrlich, wahrlich, fag' Ich euch, wer mein Wort hört, und Dem glaubt, der Mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und fommt nicht in's Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben übergegangen!" „ Wahrlich, wahrlich, sag' Ich euch, es kommt die Stunde, und sie ist schon da, daß die Todten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden! und die sie hören, werden leben! Denn gleichwie der Vater das Leben in Sich Selbst hat, so hat Er auch dem Sohne gegeben, das Leben in Sich Selbst zu haben; und Er hat Ihm Macht gegeben, auch Gericht zu halten, weil Er der Menschensohn ist. 406 Verwundert euch nicht darüber; denn es kommt die Stunde, in der Alle, welche in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichtes." ( Johannes 5, 24-29.) Lob sei Dir, Christus! Bei der Opferung des Brodes und des Weines. Himmlischer Vater! wir epfern Dir für die Seelen, die jenseits noch im Reinigungsorte sind, alle unsere Verdienste auf; da nun aber Meßandacht für die Abgestorbenen. 407 diese unsere Verdienste allzu gering sind, opfern wir Dir für die Seelen im Reinigungsorte die Verdienste deiner verklärten Heiligen, und insbesondere die Verdienste der allerseligsten Jungfrau Maria auf. Wir opfern Dir auf für die Seelen die Verdienste Jefu Christi, die allein unendlich behen Werthes sind, da sie sind die Verdienste deines eigenen Sohnes, an welchem Du dein unendliches Wohlgefallen hast. In Vereinigung mit den Verdiensten der Heiligen und mit den Verdiensten Jesu Christi opfern wir Dir, o himmlischer Bater! unsere Herzen auf. Dnimm sie gnädigst an, und mache Du, daß Dir unsere Herzen stets aufgeopfert bleiben! Mache, daß unsere Herzen Dir immer vollkommener geopfert seien durch die Liebe aus allen Kräften. Dann ist unser Gebet und all unser Thun und Leiden immer auch wirksamer für die Seelen im Reinigungsorte, für welche wir es immer wieder Dir aufopfern. Bur Präfation. Hocherfreut, daß dein Sohn, o ewiger Vater! gekommen ist, die Welt selig zu machen, erheben wir unsere Herzen zu Dir, um dankbar Dich dafür zu preisen, daß Du deinen Sohn gesandt, und Ihm den Auftrag gegeben haft, was Er sagen und was Er reden solle. Mit vereinigten Stimmen Loben 408 Meßandacht für die Abgestorbenen. wir Dich und danken Dir innigst, daß dein Auftrag das ewige Leben ist. Mit unseren Lobpreisungen und Danksagungen verbinden wir die kindlichsten Fürbitten für die Seelen, die sich jenseits nach der Herrlichkeit des ewigen Lebens sehnen, in der sie mit allen Heiligen und Engeln unaufhörlich rufen werden: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren!" Vom Sanktus bis zur Wandlung. Die Seelen im Reinigungsorte, für welche wir zu Dir, o himmlischer Vater! durch dieß heiligste Mesopfer flehen, find ihres ewigen Heiles und ihrer künftigen Herrlichkeit ficher; aber ach, wir, die wir noch auf Erden pilgern, sind unsers ewigen Heiles und unserer fünftigen Herrlichkeit nicht sicher. Wir sollen aber auf Dich, der Du in Erfüllung deiner Berheißungen unendlich getreu bist, fest hoffen. In dieser festen Hoffnung bitten wir Dich, gieße deine Gnaden über uns aus, auf daß wir auf unserer Pilgerschaft nur dein Reich suchen, und nach der Gerechtigkeit, wie Du sie von uns forderst, immer eifriger streben. Diese unsere Bitte läsfest Du nicht une erhört, da Du unsere Hoffnung auf Dich nicht zu Schanden werden läsfest. Ihr Heiligen Gottes! bittet durch dieß heiligste Meßopfer den ewigen Vater für die Seelen im Reinigungsorte; bittet Ihn durch Meßandacht für die Abgestorbenen. 409 dieß heiligste Meßopfer auch für uns, die wir noch auf Erden pilgern. Erbittet uns von dem ewigen Vater lebendigen Glauben, feste Hoffnung, inbrünstige Liebe. Bei der Wandlung. O Jesus! Dich, der Du nun zugegen bist unter Brodesgestalt mit deiner Gottheit und Menschheit, bete ich an, und bitte Dich für die Seelen im Fegfeuer, denen Du der Gegenstand des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe bist. O Jesus! Dich, der Du nun zugegen bist unter Weinesgestalt mit deiner Gottheit und Menschheit, bete ich an. Dich, das hochheiligste unblutige Opfer auf dem Altare hier, opfere ich deinem himmlischen Vater für jene Seelen auf, die im Reinigungsorte sind, und für mich und für uns Alle, die wir noch hienieden pilgern. Nach der Wandlung bis zur heiligen Kommunion. Dich, o Jesus! als das unendlich hochwerthe unblutige Anbetungsopfer, opfere ich deinem ewigen Vater für die Seelen im Fegfener auf, zum Ersazze für alle Versäumnisse und Fehler, deren sie sich auf Erden in Betreff der Anbetung Deiner schuldig gemacht haben. Dich, o Jesus! als das unendlich hoch 410 Meßandacht für die Abgestorbenen. werthe unblutige Dankopfer, opfere ich deinem ewigen Vater auf für die Seelen im Fegfeuer, zum Ersaße für alle Mängel ihres Dankes, den sie deinem ewigen Vater, Dir und dem heiligen Geiste für die übernatürlichen Gnaden und für die natürlichen Gaben abzustatten hatten. Dich, o Jesus! als das unendlich hochwerthe unblutige Genugthuungsopfer, opfere ich deinem ewigen Vater für die Seelen im Fegfeuer auf, zur Genugthuung für alle ihre Sünden, für die sie auf Erden nicht genügende Buße gethan haben. Ich bitte Dich, o Jesus! durch Dich Selbst als das unblutige Opfer auf dem Altare hier, sage zu deinem himmlischen Bater die Worte, die Du einst auf Erden gesprochen hast: Bater, Ich will, daß Diejenigen, welche Du Mir gegeben hast, wo Ich bin, bei Mir seien, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen, welche Du Mir, weil Du Mich geliebt hast, schon vor Anbeginn der Welt gegeben hast. Bei der Kommunion. D könnte ich jetzt Dich, geliebtester Jesus, empfangen im heiligsten Sakramente, wie Dich da der Priester empfängt! Innig sei dieß mein Verlangen! Die wirkliche Kommunion des Priesters, und diese meine geistliche Kommunion opfere ich Dir, o Jesus! für die Seelen im Fegfeuer auf, insbesondere zum Meßandacht für die Abgestorbenen. 411 Ersatz für alle Nachlässigkeit, Dich im Altarssakramente oft zu empfangen, und für alle Lauigkeit im Empfange desselben, deren sie sich mögen schuldig gemacht haben. O Jesus! sei in mir, auf daß durch Dich all mein Gebet und alle meine guten Werke und all meine Geduld in Leiden ich auf desto wirksamere Weise für die Seelen im Fegfeuer täglich aufopfern kann. Gebet nach der Kommunion. " 1 Himmlischer Vater! gib uns die Gnade, daß wir befolgen die Ermahnung deines Sohnes: So lange ihr das Licht habet, glaubet an das Licht, auf daß ihr Kinder des Lichtes seid." Und den Seelen im Fegfeuer laß unsere Gebete, die wir bei dem heiligsten Meßopfer für sie vor deiner Majestät ausgegossen haben, ersprießlich sein. Sie waren auf Erden Kinder des Lichtes; o laß sie emporschweben zur Anschauung des unendlichen Lichtes, das Du bist! Wir bitten Dich durch deinen Sohn, Jesus Christus, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Unter dem lepten Evangelium. Wie freuen sich die Seelen im Fegfeuer schon jetzt, daß sie auf Erden an Dich, o Jefus der Du bist das Licht vom Lichte, 412 Das ,, De profundis." der wahre Gott vom wahren Gott, geglaubt haben! Wie freuen sie sich, daß sie unfehlbar Dich, das Licht des Himmels und der Erde, ewig schauen werden! D mache ihre Freude bald voll durch die selige Anschauung Deiner, der Du bist das wahre Licht! Amen. Das ,, De profundis." Tief gebeugt rufen Dir, o Herr! die Seelen aus dem Orte ihrer Reinigung zu. Neige mild dein Ohr, o Herr! zu dem Flehen ihres Geistes. Wenn Du die Sünden zurechnen willst, o Herr! wer wird sich vor Dir rechtfertigen können? vergeben; Nur bei Dir stehet es zu nur Du fannst retten und befreien. Herr! sie sehen deiner Hülfe entgegen; Du verheißest sie; sie trauen auf dein Wort. Sehnlicher als auf den Morgen, warten sie auf deine Hülfe. Gott, lasse sie nicht umsonst Hoffen! Du bist ja gütig und rettest so gerne. Von der Strafe und den Beinen ihrer Sünden wirst Du, o Herr! sie befreien. V. Aus dem Orte der Reinigung: R. Erlöje, o Herr! die Seelen der( des) Abgestorbenen! Das„ De profundis." V. Lasse sie( ihn) ruhen im Frieden! R. Amen. V. Herr! erhöre mein Gebet: R. Und mein Rufen lasse zu Dir kommen. 413 Gebet. O gütiger, barmherziger Gott! erhöre mein flehentliches Gebet, und schenke durch deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit den Seelen der Abgestorbenen milde Nachlassung aller Vergehungen und Missethaten, wodurch sie die Strenge deiner göttlichen Gerechtigkeit und die Strafen in jener Welt verdient haben. Lasse sie vor deinem göttlichen Richterstuhle Gnade und Barmherzigkeit finden, und durch die unendlichen Verdienste unsers Erlösers die ewige Ruhe und die Seligkeit er langen! Amen. Litanei für die Abgestorbenen. Herr, erbarme Dich ihrer! Christus, erbarme Dich ihrer! Herr, erbarme Dich ihrer! Gott Vater vom Himmel, der Du sie erschaffen hast, erbarme Dich ihrer! Gott Sohn, der Du sie erlöset hast, erbarme Dich ihrer! Gott heiliger Geist, der Du sie geheiliget haft, erbarme Dich ihrer! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich ihrer! 414 Litanei für die Abgestorbenen. Heilige Maria, bitte für sie! Heilige Gottesgebärerin, bitte für sie! Alle heiligen Chöre der Engel, bittet für sie! Alle heiligen Patriarchen und Propheten,*) Alle heiligen Apostel und Evangelisten, Alle heiligen Jünger des Herrn, Alle heiligen Martyrer und Bekenner, Alle heiligen Jungfrauen und Wittfrauen, Alle heiligen Büßer und Büßerinnen, Alle Heiligen und Auserwählten Gottes, Sei ihnen gnädig! verschone sie, o Herr! Sei ihnen gnädig! erlöse sie, o Herr! Von allem Uebel,**) Von aller Sünde und Strafe, Von dem nagenden Wurm des Gewissens, Von den grausamen Flammen, Von der schrecklichen Finsterniß, Von der traurigen Verlassenheit, erlöse sie, D Herr! Von allen Leiden und Schmerzen, Durch deine heilige Menschwerdung, Durch deinen allersüßesten Namen, Durch deinen vollkommenen Gehorsam, Durch dein bitteres Leiden und Sterben, Durch deine Auferstehung von den Todten, Durch deine glorreiche Himmelfahrt, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! *) Bittet für sie! *) Erlöse sie, o Herr! Litanei für die Abgestorbenen. 415 Daß Du den leidenden Seelen im Fegfeuer Nachlassung ihrer Sünden ertheilen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du ihre Schmerzen lindern wollest,*) Daß Du sie in ihren Leiden mit himmlischem Troste erquicken wollest, Daß Du ihre Seufzer erhören wollest, Daß Du ihre Bußzeit abkürzen wollest, Daß Du unsern verstorbenen Eltern, Verwandten und Wohlthätern die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du insbesondere jener Seelen Dich erbarmen wollest, deren Leiden wir mitverschuldet haben, Daß Du fie Alle, gereinigt und geheiligt, in dein Reich aufnehmen und mit ewiger Herrlichkeit krönen wollest, Daß das Andenken an die leidenden Seelen uns vor aller Sünde bewahren möge, Daß Du einst uns mit ihnen zur glorreichen Auferstehung und zum ewigen Leben führen wollest, D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; gib ihnen die ewige Ruhe! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; gib ihnen die ewige Ruhe! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt; gib ihnen die ewige Ruhe! *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 416 Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gebete für die Abgestorbenen. Herr, erbarme Dich ihrer! Christus, erbarme Dich ihrer! Herr, erbarme Dich ihrer! Vater unser 2c. Gegrüßt 2c. Gebet. O Gott! der Du auf das demuthsvolle und herzliche Gebet deiner Kinder gütige Rücksicht nimmst: erhöre nach deiner Milde unser Flehen, welches wir für unsere Eltern, Brüder, und Schwestern, Verwandten und Wohlthäter, für unsere Freunde und Feinde, für alle Pfarrgenossen zu Dir abschicken. Verleihe ihnen Vergebung und Nachlaß ihrer Sünden und Strafen, damit sie rein vor deinem heiligen Angesichte erscheinen und der Seligkeit der Verklärten im Himmel würdig und theilhaftig werden. Durch Christus, unsern Herrn. A. Gebete zu den Blutvergießungen Christi für die armen Seelen. 1. O Jesus, unser Herr und Gott! ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches Du am Vorabende deines Todes im Delgarten geschwißt hast, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstor benen Gläubigen, insbesondere diejenige, deren am wenigsten auf Erden gedacht wird, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, Gebete für die Abgestorbenen. 417 damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt 2c. 2. O Jesus, unser Schuß und Heil, ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches Du bei deiner grausamen Geißelung vergossen hast, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller abgestorbenen Gläubigen, insbesondere diejenige, welche in ihrer Befreiung am nächsten ist, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt 2c. 3. Jesus, unser Erlöser und Seligmacher, ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches Du bei deiner Krönung vergossen hast, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller abgestorbenen Gläubigen, insbesondere diejenige, die noch am längsten zu leiden hat, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt 2c. 4. O Jesus, Du Freude unseres Herzens, ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches Du bei deiner grausamen Kreuzigung vergossen hast, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstorbenen Gläubigen, insbesondere diejenige, welche sich die meisten Verdienste auf Erden erworben hat, und nimm sie auf in das Reich deiner Mennel. Aloysius. 27 418 Gebete für die Abgestorbenen. Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 5. O Jesus, Du unser einzige Mittler und Fürsprecher beim Vater, ich bitte Dich durch das kostbarste Blut, welches aus deiner gebenedeiten Seitenwunde und aus deinem liebenden Herzen geflossen ist, erlöse aus den Qualen des Reinigungsortes die Seelen aller verstorbenen Gläubigen, insbesondere diejeni ge, welche deiner jungfräulichen Mutter am meisten ergeben war, und nimm sie auf in das Reich deiner Glorie, damit sie dort Dich lobe, preise und verherrliche in Ewigkeit. A. Vater unser 2c. Gegrüßt 2c. Gebet für verstorbene Eltern. O Gott! der Du selbst es uns befehlen wolltest, daß wir unsern Vater und unsere Mutter ehren sollen; ich bitte demüthig, Du wollest Dich der abgeschiedenen Seelen meines Vaters und meiner Mutter erbarmen, und ihnen gnädig alle ihre Sünden, besonders diejenigen, in welche sie um meinetwillen gefallen sind, nachlassen und mir die Gnade verleihen, daß ich sie in der Freude des himmlischen Glanzes wieder sehen möge. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Gebete für die Abgestorbenen. 419 Gebet für verstorbene Geschwister. Himmlischer Vater! Du hast meine lieben Geschwister hinübergeholt in die Ewigkeit. Ich bete deinen heiligsten Willen an. Wenn sie aber noch nicht vor deinem allerheiligsten Angesichte erscheinen dürften, so bitte ich deine göttliche Barmherzigkeit, Du wollest sie bald, recht bald aufnehmen in dein Reich der ewigen Glückseligteit, auf daß sie mit allen lieben Engeln und auserwählten Heiligen Dich, die unendliche, allervollkommenste Schönheit anschauen und in ewiger Wonne Dich anbeten, loben und preisen mögen. Ich bitte Dich, o himmlischer Vater! durch die unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes, der uns, seinen Brüdern und Schwestern, mit seinem tostbaren Blute die ewige Seligkeit erkauft hat. Amen. Gebet für verstorbene Verwandte, Freunde und Wohlthäter, D Gott! der Du Allen Verzeihung verleihest und niemals aufhörest, die Menschen mitlei dig zu lieben, wir flehen deine Güte demüthig an: daß Du durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria und aller deiner Heiligen die Seelen unserer Mitbrüder( Mitschwestern) Verwandten und Wohlthäter, welche von diee ser Welt abgeschieden sind, zur Gemeinschaft der ewigen. Seligkeit gnädig aufnehmen wolleft; durch Christus, unsern Herrn. Amen 420 Gebete für die Abgestorbenen. Gebet für Alle, welche auf dem Gottesacter ruhen. O Gott! der Du den Christgläubigen, deren Leichname hier begraben sind, den Trost geschenkt hast, daß ihre Asche in der geweihten Ruhestätte die fünftige Auferstehung erwarten kann: ich bitte Dich um Erbarmen für Alle, mögen sie im Leben meine Freunde oder Feinde gewesen sein; ich bitte Dich insbesonders für die, für welche ich zu beten vor Allem verpflichtet bin, für meine Eltern, Verwandten und Wohlthäter; ich bitte Dich auch vorzüglich für jene, welchen ich etwa im Leben Veranlassung zu einer Sünde war, und die vielleicht um dieser willen noch zu leiden haben. O barmherziger Vater im Himmel! erhöre mein flehentliches Bitten und schenke durch deine unendliche Liebe den Seelen der Abgestorbenen Nachlassung aller Vergehen, wodurch sie der Strenge deiner Gerechtigkeit verfallen und in die Strafen des Reinigungsortes verstoßen worden sind. Laß sie Gnade und Barmherzigkeit finden und verleihe ihnen durch die unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes die ewige Ruhe und Seligkeit. Amen. Am Begräbnistage. Allmächtiger Gott! der Du aus Dir immer zum Erbarmen und Schonen bereit bist: wir flehen Dich demüthig an für die Seele deines Dieners( Dienerin) n. N., welche Du Gebete für die Abgestorbenen. 421 von dieser Sterblichkeit hinweggenommen hast, daß Du sie nicht in die Hände des bösen Feindes übergebest, sie auch nicht für ewig verwerfest, sondern von heiligen Engeln aufnehmen und in das Paradies einführen lasſest, damit sie deßwegen, weil sie auf Dich gehoffet und an Dich geglaubt hat, nicht die Peinen der Hölle ausstehen müsse, sondern das ewige Leben erlangen möge. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit Dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet am Allerseelentage. Vater im Himmel, für die Aermsten flehe ich deine Barmherzigkeit an, für die leidenden Seelen im Fegfeuer. Sie haben auf Erden an Dich geglaubt, sind nach deinen Vorschriften gewandelt und in deiner Gnade gestorben; aber sie haben auch oft deine Wege verlassen, und obschon sie von ihrem Falle wieder aufstunden, haben sie doch für ihre Sünden deiner Gerechtigkeit keine hinreichende Buße geleistet. Dafür leiden sie nun unaussprechliche Qualen. Liebevolljter Heiland, erbarme Dich ihrer. Sie sind ja deine Erlösten; Du hast im Leben ihnen so viele Huld und Gnade erwiesen. Du hast sie oft so gnädig auf ihren Abwegen aufgesucht; Du hast ihnen so oft Verzeihung angedeihen lassen: sei doch jetzt gegen sie nicht härter. Sieh, wie sie jetzt die Sünde haffen und verab 422 Gebete für die Abgestorbenen. scheuen; wie sie nach Dir verlangen; wie sie nach Dir seufzen und ihre Hände nach deinen Umarmungen ausstrecken. O stoße sie doch nicht länger mehr zurück. Diese wahrhaft armen Seelen können sich selbst nicht mehr helfen; denn der Tag ist für sie vorüber, und die Nacht, in welcher Niemand mehr wirken kann, ist hereingebrochen. Darum erhebe ich meine demüthige Stimme und flehe für sie die Menge deiner Erbarmungen an. O Vater im Himmel, laß ihnen Gnade angedeihen; zum Ersaße, was sie an deine Gerechtigkeit noch schulden, opfere ich Dir auf das Leiden und Sterben deines geliebtesten Sohnes, und Alles, was Er für unsere Erlösung gethan hat. Erweise ihnen, o gnädigster Vater, im Hinblick auf diese unendlichen Verdienste Barmherzigkeit. Mach' ihren Strafen ein Ende; löse die Bande, womit sie noch umschlungen sind; öffne ihnen das Thor ihres Gefängnisses und führe sie ein in den Kreis deiner Auserwählten, damit sie dort in alle Ewigkeit Dich loben und preisen mögen. Amen. Allgemeine christliche Lebensregeln. 423 Allgemeine christliche Lebensregeln im Geiste des hl. Aloysius. 1) Sei im Umgange freundlich und liebevoll. Sei aber auch flug und vor sichtig. 2) Liebe eine gute Gesellschaft, fliehe aber den schlechten Umgang. U 3) Rede wenig, denn im Vielreden ist Sünde." Wenn du aber redest, so rede die Wahrheit. 4) Gehorche freudig und genau um Gottes willen. 5) Sei mäßig im Essen und Trinken. 6) Suche wenige Erholungen und wähle nur ganz ehrbare und nüßliche. 7) Arbeite freudig und fleißig, weil Gott es will. Denn der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen," und , wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." 8) In allen Anliegen nimm zuerst und am meisten deine Zuflucht zum Gebet; denn viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten." 9) Sei dankbar gegen Gott und die Menschen in Allem. Undant haßt die ganze Welt." H 10) Laß nicht ab, Gutes zu thun; denn dieß gefällt Gott, und Er wird es einst ewig belohnen. 11) Suche stets zu leben im Frieden mit Gott durch findlichen Gehorsam, mit dir 424 Allgemeine christliche Lebensregeln. selbst durch Bewahrung eines guten Gewissens, und mit dem Nächsten durch Beschei denheit, Sanftmuth und Geduld. 12) Thue Alles zur Ehre Gottes, weil und wie Er es will. 13) Segze all' deine Ehre in wahre Demuth; laß die Hoffart niemals in deinem Sinn oder in deinen Worten herrschen. 14) Sei wachsam, damit du nicht deines töstlichen Schatzes beraubt wirst- der Unschuld des Herzens und des Wohlgefallens Gottes. 15) Hüte dich vor aller Sünde und halte keine Sünde für gering. 16) Damit du aber von Sünden frei bleiben mögest, so bewahre deine Sinne. 17) Meide alle Gelegenheiten zur Sünde und widerstehe sogleich den ersten Anreizungen zu derselben. 18) Dente in allen Versuchungen zur Sünde an Gott und erinnere dich, daß sein allsehendes Auge über dich wacht. 19) Hast du das Umglück gehabt, eine Sünde zu begehen, so erwecke sogleich Reue und Leid und mache auf's Neue den ernstlihen Vorsaß, sie nicht mehr zu begehen. Bist du in eine schwer e Sünde gefallen, so säume ja nicht, recht bald im heiligen Bußfakramente Verzeihung derselben zu erlangen. 20) Erwede oft ein lebendiges Verlangen nach Vollkommenheit, und laß es nie Allgemeine christliche Lebensregeln. 425 ersterben; denn ein solches kräftiges Verlangen ist schon die erste Stufe der Vollkommenheit. 21) Lies darum oft aufmerksam erbauende und belehrende gute Bücher, in denen die Schönheit der Tugend, das Glück der Frömmigkeit und die Wonne der Seligkeit dargestellt ist. Insbesondere lies fleißig die Lebensbeschreibungen der Heiligen. 22) Das Leiden Christi soll der liebste Gegenstand deiner Betrachtungen sein, und sein Kreuz soll das Holz sein, wodurch das Feuer deiner heiligen Liebe immer unterhalten wird, indem es die Abscheulichkeit der Sünde und die Güte Gottes dir zugleich vor Augen stellt. 23) Verachte das Jrdische und Vergäng liche und bedenke, daß du zu höheren Dingen geboren bist. 24) Die Ewigkeit- das soll deine große Angelegenheit sein, auf die Alles hinzielen muß. 25) Bedenke oft: durch den Tod geht man in die Ewigkeit ein in eine glückliche oder unglückliche; im Sterben tauscht man für die Zeit eine Ewigkeit ein. - 26) Du stirbst nur einmal; mit diesem Einen Tod fällt das Loos auf ewig gut oder böse. Wie wichtig ist es also, recht sterben zu lernen? 27) Darum sei bemüht, durch ein gutes Leben dich auf einen guten Tod vorzubereiten. 28) Der Tod kann alle Augenblicke - 426 Allgemeine christliche Lebensregeln. dich abrufen. Fange alsogleich heute an, ganz gut zu leben. 29) Es darf dich wohl Mühe kosten; denn nur die Gewalt brauchen, reißen das Himmelreich an sich, und die ewige Glückseligkeit ist gewiß auch einige mühselige Augenblicke werth. Es kostet Mühe, heilig zu leben; aber wie süß ist es, selig zu sterben!" 11 30) Wenn die Welt, die Jeſum gekreuziget und seine Jünger grausam verfolgt hat, dich liebt und dir schmeichelt, so erschrecke und denke, daß du bei Christus nicht wohl daran seiest. 31) Wenn du ein Christ sein willst, wirst du freilich der Welt nicht gefallen; wenn du aber den Himmel jenseits willst, kannst du ihn hienieden nicht auch schon haben. 32) Bloß der Kreuzweg ist der königliche Weg und führt zur Krone der Herrlichkeit in den Himmel. - 33) Halte es nicht mit dem großen Haufen; denn der Weg, welchen Christus gezeigt hat, ist schmal und die Pforte eng"— da gehen also nicht Viele. - 34) Schußgebetlein habe auf deiner Wanderschaft stets in Bereitschaft. Es sind dieß kurze Seufzer und Erhebungen des Herzens zu Gott, oder Liebesflammen, um das Herz zu erwärmen; die Gesinnung zu läutern und Gottes Gnade und Wohlgefallen zu erbitten. Vorwort Inhaltsverzeichniß. Seite. III Erster Theil. Cebensbeschreibung des heil. Aloyfius, oder Aloyfius als Vorbild der christl. Jugend. I. Abtheilung. Aloysius in der Welt. 1. Kapitel. Geburt des heil. Aloysius 2. Kapitel. Erziehung des heil. Aloysius bis in fein siebentes Jahr 3. Kapitel. Der heilige Aloysius an den Höfen von Florenz und Mantua.. 4. Kapitel. Des heil. Aloysius Eifer im Gebet und Empfang der Hl. Sakramente 5. Kapitel. Aloysius entschließt sich, in einen Orden zu treten 11. Kapitel. Aloysius erlangt endlich die Erlaubniß, in's Kloster zu gehen 12. Kapitel. Aloysius empfängt das Ordenskleid. 7 29 6. Kapitel. Aloysius entschließt sich, Jeſuit zu werden u. eröffnet dieß seinen Eltern 41 7. Kapitel. Aloysius hat viele Hindernisse seines Entschlusses zu überwinden 8. Kapitel. Aloysius besorgt zu Mailand für seinen Vater ein Geschäft. 51 66 9. Kapitel. Aloysius hat neue Hindernisse zu überwinden 69 10. Kapitel. Aloysius kehrt nach Caftiglione zurück.. 74 79 83 ◆ 10 15 23 428 Inhaltsverzeichniß. 13. Kapitel, Aloysius begibt sich nach Rom in's noviziat.. II. Abtheilung. Aloysius im Kloster. 19. Kapitel. Aloysius erreicht im Noviziate eine Vollkommenheit, besonders durch frommen Gebetseifer. 20. Kapitel. Aloysius nimmt sich den tugendhaften Vorsteher der Novizen zum Vorbilde 21. Kapitel. Aloysius in Neapel 22. Kapitel. Aloysius im röm. Collegium 23. Kapitel. Aloysius legt die Ordensgelübde ab und empfängt die niederen Weihen. 24. Kapitel. Aloysius tiefe Demuth 25. Kapitel. Sein geistlicher Gehorsam 26. Kapitel. 27. Kapitel. Seite. 14. Kapitel. Aloysius beginnt sein Noviziat mit großem Eifer 15. Kapitel. Fromme Ergebung des Aloysius bei der Nachricht vom Tode seines Vaters 97 16. Kapitel. Aloysius Eifer in der Abtöd= tung während des Noviziats... 100 17. Kapitel. Aloysius als Ministrant im Profeßhause und seine besondere Verehrung des heil. Altarssakramentes. 108 18. Kapitel. Sein sonstiges Verhalten im Profeßhause 112 Seine heilige Armuth Seine englische Reinigkeit 85 93 117 126 129 133 135 137 142 147 und sein großer Bußeifer 150 28. Kapitel. Seine thätige Nächstenliebe 155 29. Kapitel. Aloysius als Friedensstifter 160 Inhaltsverzeichniß. 30. Kapitel. Aloysius im Collegium zu Mailand 31. Kapitel. Aloysius vervollkommnet sich noch mehr in Rom. 32. Kapitel. Aloysius widmet sich der Krankenpflege. 33. Kapitel. Zwei Briefe von Aloysius an seine Mutter 34. Kapitel. Seine Vorbereitung zum Tode 35. Kapitel. Sein seliger Tod . 36. Kapitel. Seine Leiche und Beisetzung 37. Kapitel. Einige Wunder, die Gott auf seine Fürbitte gewirkt 38. Kapitel. Heiligsprechung des Aloysius 39. Kapitel. Bulle der Heiligsprechung des Aloysius 40. Kapitel. Schluß. Belehrung Satzungen. ♦ 429 Seite. Zweiter Theil. Verehrung des heil. Aloysius, oder der heil. Aloyfius als patron der chriftl. Jugend. ♦ 169 174 179 188 192 196 200 I. Andachten zur Verehrung des hl. Aloysius. Das aleyfianische Bündniß, oder die Aloyfins- Sodalität. Bündnißgebet.. Gebet, um den heil. Aloysius zum Patron zu erwählen Gebet zum heil. Aloysius, um eine Gott wohlgefällige Standeswahl. Gebet, um dem heil. Aloysius seine Huldigung darzubringen 203 213 219 222 225 225 227 230 230 232 233 Inhaltsverzeichniß. Bitte um die Gnade, dem heil. Aloysius nachzufolgen. 430 234 235 235 237 242 Tagzeiten zu Ehren des heil. Aloysius Kurzer Unterricht über die Aloysi- Andacht 252 Gebet an jedem Morgen der sechs aloysianischen Sonntage als gute Meinung 255 Gebet an jedem Abend der sechs aloysianischen Sonntage als Aufopferung. 256 Betrachtungen und Gebete auf die sechs aloysianischen Sonntage. 258 Erster Sonntag. Aloysius, ein Vorbild wahrer Neue 258 Zweiter Sonntag. Aloysius, ein Muster der Strenge 264 272 279 286 Sechster Sonntag. Aloysius, ein Vorbild der Liebe zu Gott. 292 Am Feste des Heil. Aloysius Gonzaga 298 Empfehlung in den Schutz des hl. Aloysius Lobgesang zu Ehren des heil. Aloysius Litanei zum heil. Aloysius. Dritter Sonntag. Aloysius, ein Muster der Keuschheit. Vierter Sonntag. Aloysius, ein Vorbild der Seelenreinheit. Fünfter Sonntag. Aloysius, ein Vorbild der Nächstenliebe Ceite. II. Tägliche Andachten für die Verehrung des heiligen Aloysius. Gebet beim Weihwasser nehmen Morgengebete. Tägliches Ablaßgebet zum heil. Aloysius Sehnsucht nach der geistlichen Geburt Jesu im Herzen des Christen. 303 303 308 309 Inhaltsverzeichniß. 431 Seite. Verachtung der Welt, Erwählung Jesu. 310 Versprechen, Jesum zu lieben bis in den Tod 312 Preis der Mutter des erwählten Bräutigams der Seele. Bitte zu Jesus in Stunden der Trockenheit Hülferuf zu Jesus in Versuchungen. Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten Gebet zu Ehren des Leidens Jesu Christi Bitte um Keuschheit Bitte um die Gabe der Reinigkeit Gebet um Bewahrung der Keuschheit Gebet zum heil. Aloysius in allen Anliegen Gebet zum Hl. Aloysius um Fortgang in den Wissenschaften Tugendgebet des Papstes Clemens XI. Gebet um christliche Vollkommenheit. Bittgebet des Heil. Bernhard Gebet, wenn die Stunde schlägt Gebet am Donnerstag Gebet am Freitag. Schußgebetlein Beichtgebete. Vor der Beicht Nach der Beicht. Kommuniongebete ◆ Vor der heil. Kommunion Nach der heil. Kommunion Meßgebete. Vorbereitungsgebet Zur Opferung Zur Wandlung Zur Kommunion Vespergebete Magnifikat Salve Regina ◆ + 313 314 315 316 317 318 319 319 322 323 323 326 327 327 328 328 329 332 332 341 344 344 352 358 358 362 365 368 372 378 380 432 Inhaltsverzeichniß. Abendgebete. Die drei göttlichen Tugenden Nachtsegen.. Kreuzwegandacht. Fromme Fürbitten für Lebende. Gebet für die ganze Christenheit Gebet für den Papst Gebet für den Bischof Gebet für die Eltern Gebet für Verwandte und Freunde Bei der Opferung Bei der Wandlung Bei der Kommunion Gebet für alle Menschen.. Meßandacht für die Abgestorbenen ● . + ♦ Das De profundis" Litanei für die Abgestorbenen Gebete zu den Blutvergießungen Christi für die armen Seelen Gebet für verstorbene Eltern Gebet für verstorbene Geschwister Gebet für verstorb. Verwandte, Freunde und Wohlthäter Gebet für Alle, welche auf dem Gottesacker ruhen. Am Begräbnißtage. Gebet am Allerſeelentage. Seite. 381 382 386 387 397 397 398 399 400 401 401 404 406 409 410 412 413 416 418 419 419 420 420 421 III. Lehren im Geiste des heil. Aloysius. Allgemeine christliche Lebensregeln... JOOGUIBER OCE O) OXCO COVER) 90 Inches 1 Centimetres Blue 2 3 1 Cyan 4 2 6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red +4 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8