b. 2618 do C ge XXVIII Psal ert Leichen Vers SHUT ann Friederich Starck, evangeliſcher Prediger und Consiflorialis C zu Frankfurt am Main.. Johann Friedrich Starck's gewes. evangel Prediger und Consistorialraths zu Frankfurt am Main tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen. Enthaltend: Aufmunterungen, Gebete und Lieder zum Gebrauche gesunder, betrübter, kranker und sterbender Christen. Mit der Lebensbeschreibung des sel. Verfaffers von M. Johann Jakob Starck, Dormale Prediger an der Hauptkirche zu St. Katharinen in Frankfurt am Main. Fünfundvierzigste einzig rechtmäßige Original- Ausgabe. Frankfurt am Main, Christian Winter, vormals H. L. Brönner's Verlag. Alle anderwärts erschienenen Ausgaben dieses Buches sind, ohne Ausnahme, unerlaubte, verwerfliche Nachdrücke, von denen schon in der Vorrede§. 4. die Rede ist.. In demselben Verlage erschien auch das größere Andachtsbuch des sel. Starck unter dem Titel: Joh. Friedr. Starck's Morgen- und Abendandachten frommer Christen auf alle Tage im Jahr, wie solche aus der Quelle des göttlichen Wortes fließen. Neunte Auflage Preis Rthlr. 1. Geb. Rthlr. 1. 10 Sgr. In jeder Buchhandlurs ab t Univ.- Bibl. Giessen Vorrede des Herrn M. Johann Jacob Starck, zu der von ihm revidirten Ausgabe vom Jahr 1776. §. 1. Es erscheint dieses tägliche Handbuch meines seligen Vaters jeht zum erstenmal in einem neuen Verlage und zugleich auch in einer neuen Gestalt. Die hiesige berühmte Brönnerische Buchhandlung, welche sich beeifert, nicht die Welt mit unnüßen und schädlichen Büchern zu belästigen, sondern derselben vielmehr gute und brauchbare Schriften zu liefern, hat den Verlag dieses Buches auf eine rechtmäßige Weise an sich gebracht, und auf eine gleiche Art mich ersuchet, es auf's neue ganz durchzusehen und ihm mit Veränderungen und Zusäßzen da zu Hülfe zu kommen wo es etwa derselben bedürfe. Mit Freuden habe ich dieses Kuftrag übernommen und besorgt; und da mir nun noch einige Blåter zu einer Vorrede übrig gelassen worden, so roill ich dieselben dazu anwenden, daß ich nicht nur die Geschichte dieses Gebetbuchs kürzlich erzähle, sondern auch dasjenige anzeige, was ich bei der gegenwärtigen Ausgabe desselben gethan habe, und dabei die Gründe bemerke, warum solches geschehen ist. §. 2. Es ist allerdings eine bewunderungswürdige Güte von Gott, daß sich dieses Handbuch meines seligen Vaters, der nun schon Borrede. über zwanzig Jahre vor dem Throne des Lammes pranget, so lange erhalten hat, und noch immer begierig gesucht, und mit Nußen und Segen gebraucht wird. Es sind beinahe fünfzig Jahre verflossen, daß es in der Welt ist, und doch hat es seine Liebe, seine Achtung, sein Ansehen noch nicht verloren. Es sind viel tausend Eremplare von demselben in allen Theilen Europens, ja gar in der ganzen Welt, und doch wird es noch tåglich begehrt. Es hat manche widrige Schicksale erfahren müssen, und doch hat es dieselben besieget. Sollte nicht die allwaltende gütige Vorsehung des Hochsten hierbei geschäftig gewesen seyn? Sollte nicht dem Herrn der Heerschaaren der Segen allein zu verdanken seyn, welchen er auf die Arbeiten eines feiner getreuen Knechte gelegt hat? Leser, der du mit mir jetzt gleiche Empfindungen in deiner Seele verspůrest, preise mit mir in der Stille die Güte des Herrn, die so wunderbar und groß ist. Rufe ihn mit mir demüthig an, daß er noch ferner den Gebrauch dieses Buchs segnen, und alle die, welche sich desfelben bedienen, mit dem Geist der Gnade und des Gebets erfüllen wolle, damit sie immer heilige Hände zu ihm aufheben, und im Geist und in der Wahrheit beten mågen! §. 3. Im Jahr 1728 kam dieses Buch zum erstenmale heraus; sein Format war Duodez; sein Inhalt füllte ein Alphabet. So blieb es bis zur vierten rechtmäßigen Auflage. Bei derselben wurde es von meinem seligen Vater selbst stark vermehret; anstatt daß vorhin nur ein Morgen- und ein Abendgebet in diesem Buche stand, so wurde demselben nunmehr auf einen jeglichen Tag in der Woche ein Morgen- und Abendgebet einverleibet; es wurden zwischen dieselben andere Aufmunterungen und Gebete eingerückt. Und da um diese Zeit manche Lånder mit allerlei Landplagen heimgesucht wurden, so wurden auch diesem Buch Gebete in Theurung, Pest und Kriegszeiten beigefügt. Nicht weniger kamen auch die Undachten auf die hohen Feste des Jahres dazu, um es der Christenheit im Borrede. mer brauchbarer und nüßlicher zu machen. In dieser Gestalt blieb es bis zu dem Tod seines verklårten Verfaffers. Wie oft es nachmals noch sen aufgelegt worden, kann ich zwar nicht bestimmen, weil mir die nöthigen Nachrichten dazu mangeln; aber so viel habe ich doch aus einer Vorrede ersehen, daß es bereits vor dem Jahre 1757 zum achtenmal rechtmåßiger Weise sey aufgelegt worden; und seitdem ist dessen Auflage auch schon wieder verschiedenemal wiederholt worden. Im Jahr 1757 habe ich es felbst herausgegeben und mit Morgen- und Abendgebeten auf die hohen Jahresfeste vermehret. Im Jahr 1768 wurde abermals eine Vermehrung desselben von mir verlangt, welche auch durch die Lebensbeschreibung meines sel. Baters geliefert wurde. Und von 1770 ist wohl die neueste und letzte Ausgabe dieses beliebten Handbuchs, welcher nun die gegenwärtige folget, von welcher gar bald mit Mehrerem soll geredet werden. S. 4. Der strafbare und unrechtmäßige Nachdruck dieses Buchs, welcher in verschiedenen Landen und Gegenden Deutschlands, der allerhöchsten Privilegien ohnerachtet, vielfåltig geschehen. ist es, von welchem ich auch noch ein Paar Worte reden muß. Es ist hier der Ort gar nicht, gegen die Ungerechtigkeit und Schåndlichkeit des Nachdrucks der Bücher zu eifern, und ich enthalte mich auch dessen gar gerne. Aber das kann mir doch nicht verdacht werden, dessen kann ich mich doch nicht enthalten, daß ich die Ehre meines theuren Vaters rette, defsen Name bei den falschen Nachdruckern ist mißbrauchet, ja dfters mißhandelt worden. Gewinnsüchtige Verleger haben dieses gethan. Einige haben dieses Buch ohne ihren Namen, andere aber unter demselben in den Druck gegeben. Von der ersteren Art des Nachdrucks liegen zwei Ausgaben vor mir, eine von 1751, die andere aber von 1755, welche beide unter dem Titel: Frankfurt und Leipzig, herausgekommen, und deßwegen schåndlich sind, weil sie dadurch die Gestalt der Borrede. rechtmäßigen Ausgaben angenommen und den offenbaren Schaden des rechten Verlegers gesucht haben. Als wirkliche Nachdrucker haben sich in den Jahren 1750, 1766, 1767 und andern genennet: ein Hutter in Schaffhausen, ein Betulius* in Stuttgart, und wo ich nicht ganz irre, ein Hechtel in Goslar. Der eine hat dem Handbuch Wettergebete, der andere hat demselben andere Gebete angehänget, die meinem Vater gar nicht eigen sind, und mit seiner vorzüglichen Gebetgabe, welche ihm Gott geschenkt hatte, gar nicht übereinkommen. Ist das nicht schåndlich? Ist das nicht den Namen eines rechtschaffenen Mannes mißbraucht? Ist das nicht Betrug? Am allerårgsten aber hat es gemacht Johann Rudolph Imhof in Basel. Der hat ein recht gutes Gebetbuch herausgegeben, unter dem Titel: Himmlisches Vergnügen in Gott. Demselben hat er das ganze Handbuch meines Vaters einverleibt, und doch seiner im geringsten nicht gedacht. Mel und Schmolke sind darinnen genennet, aber Starck kommt niemals vor. Ist das nicht für meinen Vater nachtheilig? Er darf wohl einem Mel und Schmolke an der Seite stehen. Und wenn Mel und Schmolke noch lebten, so würden sie sich gewiß eines Johann Friedrich Starcks nicht schämen. Wie viel Unlauterkeit ist demnach nicht bei diesem Verfahren! Man will das Handbuch unterdrücken. Man will es ohne Starcks Namen ausbreiten. Man verleitet Andere, das Buch doppelt zu kaufen, einmal unter Starcks Namen, einmal ohne denselben. Und wie soll man dieses Unternehmen wohl nennen? Ich will ihm keinen Namen geben, sondern nur den sämmtlichen Nachdruckern dieses Buchs sagen, daß sie sich und die Welt betrügen, wenn sie vorgeben, daß sie solchen Nachdruck zur Beförderung der Gottseligkeit übernommen hätten; denn ihr Gewissen wird ihnen sagen, daß nur Gewinn, schåndlicher Gewinn die Triebfeder davon gewesen sey. O! daß sie doch lernen möchten, den besten und größten Gewinn zu suchen! Das ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist und låffet sich begnügen. iest 3. F. Steinkopt. VI * Borrede. §. 5. Nun komme ich auf dasjenige, was ich bei der gegenwär tigen Ausgabe dieses Handbuchs gethan und warum ich es gethan habe. Zuerst habe ich es auf das genaueste durchgesehen, von feinen alten Druckfehlern, so viel mdglich, gereiniget, unbekannte Worte mit bekannten verwechselt, und die manchmal zu gedrångte Schreibart meines Vaters etwas fließender und verständlicher zu machen gesuchet. Hernach habe ich demselben eine andre Einrichtung gegeben, um Alles, was darinnen enthalten war, in eine bessere und natürliche Ordnung zu bringen. Endlich habe ich auch da noch Zusäße hinzu gethan, wo sie mir ndthig zu seyn dünkten. Nunmehr bestehet dieses Handbuch also aus fünf Abschnitten, da es sonsten nur in vier Theile abgetheilt war. Der bequemere Gebrauch desselben hat diese Veränderung erfordert; denn da sonst Manches zerstreut war, das doch zusammen gehöret, so kann man es nunmehr am rechten Ort bei einander finden. Im ersten Abschnitt stehen Morgen-, Mittags- und Abendandachten. Dagegen wird wohl mit Grund nichts können eingewendet werden, da ein jeder Christ nicht nur des Morgens und Abends mit seinem Gott sich unterreden, sondern auch zwischen der Zeit sich durch's Gebet erquicken und stärken soll, ja, da von dem Daniel bekannt ist, daß er des Tages dreimal auf seine Kniee gefallen ist und zu ihm gebetet hat, und daß David selbst sagt: Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören, Pf. 55, V. 18. Hierauf folgen gleich die Festbetrachtungen, weil dieselben zu seiner Zeit, ebenso wie die täglichen Andachten, müssen angestellt werden. Diesen sind beigefüget andere Gebete um geistliche und leibliche Wohlthaten, um deren Ertheilung die Chris sten in gesunden Tagen ihren Gott anzurufen haben. Der andere Abschnitt liefert die Gebete für Betrübte und Traurige. Der dritte Abschnitt ist dem Gebrauch der Kranken gewidmet. Der vierte Abschnitt fasset Andachten und Erweckungen für Vorrede. die Sterbenden, und welche um dieselben sind, in sich, und der letzte Abschnitt enthält Gebete auf besondere Vorfallenheiten. Bei diesem lehten Abschnitt ist wohl das Meiste von mir hinzugethan worden; worinnen dasselbe bestehe, kann man am besten aus dem dieser Vorrede beigefügten Inhalt des Handbuchs ersehen, wenn man denselben mit dem Inhalt der vorigen Ausgaben desselben vergleicht. Und so hoffe ich, daß dieses Buch unter dem Segen Gottes noch mit vielem Nuhen gebraucht werden könne. Der Herr gebe es in Gnaden! Uebrigens habe ich mich beslissen, in meinen beigefügten Gebeten und neu verfertigten Liedern die Schreib- und Denkungsart meines seligen Vaters so viel nachzuahmen, als in meinen Kräften gestanden hat, damit dieses beliebte Gebetbuch solches noch ferner bleiben möge; ja damit demselben an seiner vorigen Vollständigkeit nichts mangeln möge, so füge ich auch dieser Vorrede annoch die kurze Lebensbeschreibung bei, welche bei den vorhergehenden Ausgaben dieses Buchs von dessen Verleger gütigst ist aufgenommen worden. VIE S. 6. Es haben zwar schon zwei berühmte Månner vor mir die Lebensbeschreibung meines sel. Vaters der Welt geliefert, nåmlich der dazumal lebende königl. dänische Etatsrath, Herr Johann Jacob von Moser, in seinem Beitrag zu einem Lericon der jetzt lebenden Theologen, S. 985 u. f., und der selige Giesener Professor, Herr Dr. Ernst Friedrich Neubauer, in seiner Nachricht von jetzt lebenden Theologen in und um Deutschland, im zweiten Theile Seite 884-898. Da aber diese Schriften nicht in Jedermanns Hånden, auch die darin enthaltenen Nachrichten noch ziemlich unvollständig sind, so wird es mir vergönnt seyn, dieselben zu ergänzen, und den Freunden dieses Handbuchs in dem Folgenden eine umståndliche Lebensbeschreibung des sel. Verfassers desselben mitzutheilen, welche nun auch sogleich folgen soll. des feel. Verfassers. S. 7. Johann Friedrich Starck ist geboren worden im Jahr 1680 den 10. October in der freien Reichs- Stadt Hildesheim. Sein sel. Vater war Herr Joh. Dyer Starck, Bürger und Bäckermeister zu Frankfurt am Main, welcher aber nachher Kriegsdienste erwählet und nach gethanen verschiedenen Feldzügen und bekleideten Kriegschargen, unter dem damaligen kaiserl. General- Lieutenant, Grafen von Montecuculi, endlich in besagtem Hildesheim die dritte StadtgarnisonsCompagnie, als Stadtfähndrich commandirt hat. Seine Mutter aber war Frau Catharina, weil. Herrn Johannes Nanstadts, Bürger und Bäckermeisters zu Frankfurt am Main, eheliche Tochter. IX S. 8. Sein erster Anblick der Welt war elend, schmerzhaft und gefährlich, denn, da seine sel. Mutter wenige Tage vor seiner Geburt einen schweren Fall gethan, so befand es sich, daß, da er ans Licht gekommen, sein rechter Fuß ganz verrenket und aus dem Gewerbe gebogen war, daher seine lieben und über diesen Zufall bekümmerten Eltern, nachdem sie ihn durch die heilige Taufe in die Arme der göttlichen Barmherzigkeit legen lassen, eifrig Sorge trugen; seine geraden Glieder, unter dem Beistand des Höchsten, durch die Hand eines geschickten Chirurgi, wieder herzustellen, welche auch die Güte des Herrn dermaßen gesegnet hat, daß in wenigen Jahren der verrenkte und ge= schwächte Fuß völlig wieder in Ordnung gebracht wurde, so daß man ihm im zehnten Jahr nichts mehr ansehen, auch im Gehen nichts mehr von der vorigen Schwachheit bemerken konnte. §. 9. Seine Eltern freueten sich zwar darüber, und lobten Gott, der ihm sein Leben so wunderbar erhalten hatte, sie waren aber nachher mehr darauf bedacht, daß sie ihn, bei zunehmen Lebensbeschreibung den Jahren, wollten ein Handwerk lernen lassen, als dem Studieren widmen. Allein ein heimlicher Trieb zu dem Studieren und ein unermüdetes Verlangen, in die lateinische Schule zu gehen, ånderte ihren Vorsatz, und überzeugte sie, daß Gott ihn zu etwas Höherem bestimmt habe. Sie thaten ihn daher in das Gymnasium Andreanum zu Hildesheim, barin er sogleich in die fünfte Klasse geseßt wurde, weil er schon durch eigenen Fleiß die Anfangsgründe der lateinischen Sprache für sich erlernet hatte. Hier wurde er durch den treuen Unterricht des Herrn Director Los und des Herrn Rektor Boså, unter dem göttlichen Segen, in Sprachen und Wissenschaften so weit gebracht, daß er bei dem Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts tüchtig war, die hohen Schulen zu besuchen. X S. 10. Die Universität Helmstädt, welche seinem Vaterlande am nächsten lag, wurde von seinen Eltern erwählet, daß er allda seine Studien fortsetzen sollte. Da aber seine nächsten Anverwandten zu Frankfurt am Main, nåmlich Herr M. Johann Balthasar Starck und Herr Johann Balthasar Ritter, der ältere, beide evangelische Prediger daselbst, deren College er nachher noch in dem Frankfurtischen Ministerium geworden ist, ihn gern in der Nähe bei sich haben wollten, um ihm mit Rath und That an die Hand gehen zu können, so wurde die benachbarte Universität Gießen vorgeschlagen und erwählet, welche er denn auch im Jahr 1702 bezog. Hier genoß er das Glück, rechtschaffene, gottesfürchtige und damals berühmte Lehrer zu hören, unter deren Anleitung er denn Gelegenheit fand, etwas Gründliches zu erlernen. In der Weltweisheit hatte er die Herren Professoren Rüdiger und Lange zu Lehrern, in der hebräischen und chaldaischer Sprache unterwies ihn Herr M. Bürcklin, und in der Gottesgelahrtheit und deren verschiedenen Theilen wurde er sowohl von Herrn D. Johann Heinrich May, als auch von des feel. Berfaffers. Herrn D. Joh. Ernst Gerhard unterrichtet, unter welchem letzteren er denn auch, bei dem Beschluß seiner akademischen Studien, im Jahr 1706 den 3. November eine selbst verfertigte Dissertation, über eine damals sehr bekannte Controvers, vertheidigte, welche unter dem Titel: Discussio jactitati salutaris fundamenti in Papatu adhuc integri, heraus kam, und von dem Herrn Präsidenten mit einer schönen Vorrede begleitet wurde. Uebrigens hat er sich in Gießen auch hauptsächlich im Disputiren geübt, und mit großem Nußen die Erbauungsstunden besucht, welche Herr D. May und Herr Professor Lange wöchentlich abwechselnd gehalten haben. XI S. 11. Sein Vorhaben war, hierauf nach Straßburg zu gehen," und allda seine Studien noch weiter fortzusetzen; allein seine Unverwandten hielten es für besser, daß er nach Frankfurt komme, und sich als einen, wiewohl außerhalb geborenen Bürgerssohn, darstellte, und zeigte, was er auf niedern und hohen Schulen gelernt habe. Dieser Rath war der beste; er wurde befolgt, und von dem gütigen Gott mit reichem Segen gekrdnet. Denn gleich nach seiner Ankunft in Frankfurt bot ihm Herr Steiß, Bürger und Gastwirth zu Sachsenhausen, gegen Information seiner Kinder, freien Tisch und Wohnung an, welches er auch mit Dank und Freuden annahm. Ein Jahr hernach nahm ihn Herr Bartholomäus von Barkhausen, des Raths dahier, zum Informator seiner Herren Söhne in sein Haus. Ein hochverehrliches Ministerium gab ihm auch, auf sein gebührendes Ansuchen, die Erlaubniß, auf den zur hiesigen Stadt gehörigen Dorfschaften und hernach in der Stadt selbst, zu predigen, nachdem er vorher von dem sel. Herrn D. Arculario und zwei andern Herrn Ministerialen, über sein elaborirtes theologisches Specimen war eraminirt worden. Im Jahr 1707, im Monat April, wurde er unter die Zahl der Candidaten, welche im Armen- und Wais Lebensbeschreibung fenhaus predigten, aufgenommen, und wartete dabei seinen Studien und Privatinformationen, welche er von Zeit zu Zeit in den angesehensten Häusern der Stadt erhielt, mit alter Trene und Sorgfalt ab. Er gedachte dabei in der Stille seinem Gott und Nächsten zu dienen und sein Glück zu erwarten. Allein die göttliche Güte sing mit ihm, um sich recht herrlich zu erzeigen, eine ganz andere und neue Periode an. XII S. 12. Denn nachdem die evangelischen Kaufleute in Lyon von der Republik Genf die Erlaubniß erhalten, in einem großen Saal nicht allein predigen zu lassen, sondern auch einen Prediger zu bestellen, um ihre Andacht zu gewissen Zeiten daselbst halten zu können, so wurde er an Herrn M. SJohann Michael Geisens, nachherigen deutsch- französischen Predigere zu Frankfurt, Stelle, als Helfer, doch ohne vorgegangene Ordination, dahin berufen. Er nahm diesen Wink seines Gottes mit Freuden an, und übergab sich gånzlich seiner heiligen väterlichen Führung. Nach genommenem Abschied im löbl. Urmen- und Waisenhause, darin ihm jedoch die Herren Pfleger seine Stelle aufbehielten, trat er im October, unter göttlichem Geleit, die Reise nach Genf an, und hatte unter= weges Gelegenheit, Stuttgart, Schaffhausen, Bern und Laufanne zu besehen, und sich an diesen Orten nützliche Bekanntschaften zu machen. Er ging zu Morges zu Schiff, und kam nach ausgestandenem Sturm auf dem Genfer See, wobet die Barke mit allen Personen und Waaren beinahe verunglückt wåre, den 17. November 1709 glücklich bei der Gemeine an, welcher er, wenige Tage darauf, von ihrem ordentlichen Prediger, Herrn M. Schulge, vorgestellt wurde. §. 13. Bu Genf stand er zwei Jahre und vier Monate als deutScher Nachmittagsprediger, und hatte dabei die erwünschte XII des seel. Verfassers. Gelegenheit, die französische Sprache so vollkommen zu erlernen, daß er nach seiner Zurückkunft in Frankfurt in beiden Sprachen, in der französischen und deutschen, das Wort des Herrn verkündigen konnte. Während seinem Aufenthalt in Genf erlangte er auch genaue Bekanntschaft mit den berühmten Theologen der daselbst blühenden Akademie, den Herren Turretin, Pictet, Legers und andern, so daß er nicht nur zu ihren vortrefflichen Bibliotheken einen freien Zutritt hatte, sondern auch allen academischen Acten beiwohnen durfte. Als unterdessen der obgedachte Herr M. Schulße mit Tod abging, hielt er demselben die Leichenpredigt, und gedachte nun ganz in Genf zu verbleiben, da ihm die damals allda anwesenden Fremden und andere gute Freunde nicht nur dazu riethen, sondern auch viele Hoffnung machten. Allein die Güte seines Gottes hatte ein ganz anderes über ihn beschlossen; denn weil die Patrone der Gemeine der Universität Leipzig aufgetragen hatten, ihnen einen Prediger vorzuschlagen, so wurde dazu von dorten aus Herr M. Graf ernannt; nach dessen Ankunft und Erwählung eines andern Helfers, that er darauf im Jahr 1711 den 12. Februar seine Abschiedspredigt, und rüstete sich zu seiner Abreise von Genf. S. 14. Weil er nun damals so nahe an den Grånzen Frankreichs sich befand, so nahm er sich mit Gott vor, eine Reise durch dieses Königreich zu thun, um sich in der französischen Sprache noch mehr zu üben und vollkommener zu machen. Unter eifriger Anrufung Gottes trat er darauf seine vorgenommene Reise, nachdem er vorher zu Genf die Bücher, Kirchensachen und Almosen dem neuen Herrn Pastor ausgeliefert hatte, nach Lyon an, und wurde allda von den Herren Vorstehern seiner vorigen Gemeine gütig und liebreich aufgenommen, auch von ihnen gendthigt, einige Zeit sich bei ihnen aufzuhalhalten, um die Merkwürdigkeiten ihrer Stadt, sonderlich die dafige vortreffliche Bibliothek zu besehen. Auf Anrathen seiner Lebensbeschreibung Lyoner Gonner und Freunde reisete er in die Provinzen, und ging über Nevers auf der Loire nach Blois und von da nach Orleans, und nachdem er sich an beiden Orten eine Zeitlang verweilet hatte, begab er sich nach Paris, woselbst er unter der Protection der königlich schwedischen Gesandtschaft den Sommer über verblieb, auch durch deren Vorschub die Freiheit erlangte, die dortige weltberühmte königliche Bibliothek nach Gefallen zu besuchen. Uebrigens hörte er auch zu Paris fleißig die berühmtesten französischen Redner, wohnte den Disputationen in der Sorbonne bei, und besah alles Merkwürdige, was in dieser Stadt, in den Palästen und herumliegenden Lustschlössern, Versailles, St. Denis, St. Germain, und andern Orten zu bemerken war. XIV §. 15. Während dieser Zeit geschah es, daß Kaiser Joseph der Erste, glorwürdigsten Andenkens, mit Tod abging, und die durchlauchtigsten Kurfürsten sich zur Wahl eines neuen Oberhaupts des Deutschen Reichs anschickten. Dieses bewog ihn, seinen Aufenthalt zu Paris abzubrechen, um solche Solennitåten in Frankfurt mit anzusehen. Er begab sich deßwegen zu Ende des Sommers auf die Rückreise, durch Champagne, Burgund, Lothringen, über Nancy nach Straßburg. Da bekam er Bekanntschaft mit den damals berühmten Gottesgelehrten, den Herrn DD. Wagner, Pfeffinger und Barth, aus deren Umgang er viel Gutes und Erbauliches erlernte. Nachdem er sich aber von ihnen beurlaubet, und die französische Armee bei Stolhofen, die deutsche aber bei Mukkensturm glücklich passiret hatte, kam er über Heidelberg wiederum, unter dem göttlichen Geleite, gesund und wohl in Frankfurt an. S. 16. Gottes Güte, welche sich ihm in der Fremde reichlich erzeigt hatte, ließ ihn nun auch bald in Frankfurt neue und des seel. Verfassers. recht herrliche Proben sehen. Denn kaum hatte er seine in dem löblichen Armen- und Waisenhause aufbehaltene Stelle ( S. 12.) wieder angetreten, so nahm ihn Herr Johann Christoph von Ochsenstein, hochansehnlicher Stadt- und Gerichtsschultheiß allhier, zum Informator seiner Herren Söhne in sein Haus, wo er auch bis zu seiner Beförderung ins Predigtamt, nåmlich bis ins Jahr 1715 verblieben ist. XV S. 17. = In besagtem Jahre wurde er von einem hochwürdigen Ministerium, nebst zwei Landpredigern und eben so vielen Candidaten, Einem Hochedlen und Hochweisen Rath vorgeschlagen, um durch eins von diesen Subjecten eine erledigte Predigerstelle zu besetzen, da es denn unter der Lenkung des Höchsten geschah, daß er nach abgelegter Probepredigt, über Ezech. 33, 11, den 24. October sogleich zum Stadtprediger nach Sachsenhausen erwählt und bestellt wurde. Acht Jahre lang bekleidete er dieses Amt mit Nuken und Segen daselbst. Darauf kam er nach Frankfurt, allwo er stufenweise mancherlei Predigten zu verrichten hatte, als die Sonntagnachmittags-, die Samstags und endlich die Montagspredigt zu den Barfüßern. Diese lettere verrichtete er sechszehn Jahre nach einander, binnen welcher Zeit er den Propheten Jeremiam, von Anfang bis auf das 33. Cap. erklärte. Jm Jahr 1729 bekam er zu der Montagspredigt noch die Donnerstagspredigt im Hospital, welche er auch sechs Jahre dabei behalten, und in folcher Zeit fünf Maleficanten zum Tode bereitet und zur Gerichtsstätte begleitet hat. Als er nun nach und nach unter die åltesten Glieder des Ministeriums kam, und nun, der Ordnung nach, wöchentlich eine Predigt verrichten sollte, so verließ er die Hospitalpredigt und behielt allein die montågige bis auf das Jahr 1742. In diesem Jahr wurde ihm nicht nur die Sonntagspredigt im Hospital aufgetragen, welche er auch bis an sein seliges Ende mit vieler Munterkeit verfah, sondern er wurde auch den 23. October besagten Jah XIV Lebensbeschreibung res zum Consistorialrath erwählet, und noch selbigen Tages nach abgelegtem gewöhnlichen Eid, ins Consistorium intro duciret. XVI §. 18. Im Jahr 1717 den 2. Februar verheirathete er sich mi Jungfer Catharina, Herrn Johann Martin Reuß Bürgers und Handelsmanns dahier, ehelichen Tochter, mi welcher er sieben Kinder erzeuget hat, von welchen aber nu zwei Söhne von ihm zurückgelassen worden, nämlich Her Joh. Martin Starck, beider Rechte Doctor und Advocal ordin. dahier, und M. Joh. Jacob Starck, Prediger z St. Catharinen hieselbst. S. 19. Was seine letzte Krankheit anlangt, so hat der hiesige be rühmte Practicus, Herr D. Müller, welcher ihm in dersel ben, nebst dem nunmehr verklärten Herrn Hofrath Burg grave, mit vieler Treue und Sorgfalt beigestanden, folgende umståndlichen Bericht einzuhändigen die Gütigkeit gehabt: So stark die Kräfte der Seele bei Ihro Hochehrwürder dem wohlseligen Herrn Pfarrer Starck, auch in dem hohe Alter geblieben, eben so vermögend befanden sich sonst die des Leibes und der Gesundheit. Ja wenn auch lettere etwa Widriges bisweilen empfinden mußten, so erlitt derselbige do solches mit besonderer Geduld und Standhaftigkeit. Allein d widrigen Anfälle kamen in dem vorigen 1755sten Jahre vi heftiger, und wurde der Wohlselige zweimal, nämlich in de Monat Juli und November, von einer heftigen Lungenen zündung überfallen und hart darnieder gelegt. Und wie die Krankheit gewöhnlich etwas Widriges hinterläßt, so empfan der Wohlfelige seit der Zeit einen stårkern Husten mit viele tuswurf; auch bemerkte man widernatürliche Triebe nach de opfe und hierdurch öftere Anfälle von einem Schnupfe ich ordßere Anhäufung von zåhen schleimigen Feuchtigkeite des feel. Berfassers. praesidio D. Jo. Ernest. Gerhardi clo lo ccvi. habita. 4. XIX II. Das von Gott gerufene und auf Fürbitte des Propheten gestillte Feuer aus Amos 7, 4-6. 1719. 8. III. Hirtenruf an ein Schäflein, welches sich von Kirche und Abendmahl absondert. 1720. 8.*) IV. Die andåchtige Seele im Beichtstuhl. 1723. 12. V. D. Phil. Jac. Speners Catechismustabellen in Frage und Antwort zergliedert. 1725. 8. VI. D. Phil. Jac. Speners Ausübung des Christenthums, mehrentheils aus seinen Schriften genommen, 1726. 8., zu welchem in den folgenden Jahren noch drei 3ugaben gekommen sind. VII. Tágliches Handbuch für Gesunde, Betrübte, Kranke und Sterbende. 1728. 12. VIII. Tågliches Gebetbüchlein für Schwangere, Gebärende, Kindbetterinnen, als der fünfte Theil des täglichen Handbuchs. 1731. 12. u. 1765. 8. IX. Erweckende Reden zur Frömmigkeit. 1730. 8. X. Vier Predigten, bei Gelegenheit des Jubelfestes 1730. 8., nebst einem kurzen Unterricht von Verfertigung, Berlesung und Uebergebung der Augsburgischen Con-/ fession, 12., welches letztere zehnmal gedruckt worden.. . XI. Wohlgemeinter Hirtenruf an die Schäflein, welche sich von der öffentlichen Kirchenversammlung absondern. 1730. *) Was diese Schrift für Bewegungen verursachet habe, was für Gegens schriften darwider herausgekommen seyen, und wie die andern Schrif ten meines fel. Baters von gleichem Inhalt auf einander gefolgt sind, davon kann man nachlesen des Herrn Kirchenrath Walchs Eins leitung in die Religionsstreitigkeiten der Evangelisch- Lutherischen Kirche, Vter Theil, S. 1078-1085. ** 1 Lebensbeschreibung XII. Commentarius in Prophetam Ezechielem. 1731. in 4. XX XIII. Vermahnung zur Prüfung seiner selbst, als eine Rettung des Hirtenrufs. 1731. 8. XIV. Gründliche Belehrung für Kinder Gottes, warum sie fleißig zur Kirche und zum heiligen Abendmahl sich halten sollen. 1732. 12. XV. Warnung vor Absonderung von Kirche und heiligem Abendmahl und Anmahnung, in den Glaubenslehren von der Kindertaufe, von Christo 2c. an Gottes Wort sich zu halten. 1733. 4. XVI. Ungrund der Absonderung, entgegengesetzt den Gründen der Absonderung, welche in dem 6ten Theil der geistlichen Fama angeführet werden, ingleichen Untwort auf die Correspondenz aus Wünschengrund 2c. 1733. 4. XVII. Segensworte für Scheltworte, 4. XVIII. D. p. 3. Speners Singschule, das ist, dessen Catechismustabellen in Verse gebracht. 1733. 8. XIX. Praxis catechetica. 1733. 8. XX. Frankfurtische Passionsandachten. 1734. 8. XXI. Das wahre Neue der Seele, eine Predigt nach ge schehener Reparation der Hauptkirche zu den Barfüßern. 1736. 8. XXII. Das zweifache Morgen- und Abendopfer frommer Christen, ein Gebetbuch auf den Reisen und zu Haus. 1737. 12. XXIII. Kurze Erörterung der Frage: Ob nicht ein Prediger verbunden sey, mit seinen Beichtkindern und Zuhdrern, die es verlangen, in seinem Hause Unterredungen zu halten? 1738. 8. des seel. Verfassers. XXIV. Das Abendmahl des Herrn, oder 24 Predigten vom heiligen Abendmahl. 1740. 4. XXI XXV. Die zum Lobe Gottes erweckte Seele, bei dem erschienenen 60ften Geburtstag, oder Predigt über seinen Leichentert. 1740. 8. XXVI. Sonn- und Festtagsandachten über die ordentlichen Sonn- und Festtags- Evangelia. 1741. 8. XXVII. Gottgeheiligtes Herz und Leben eines wahren Chris sten, oder Lebensregeln, wie die wahre innerliche Herzensfrdmmigkeit sich äußerlich in Worten und Werken offenbaren müsse. 2 Theile. 1746. 8. XXVIII. Morgen- und Abendandachten auf alle Tage im Jahr. 1750. 8. XXIX. Erklärung der Geschichte des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi. 1751. 8. XXX. Neue Gesånge. 8. XXXI. Sonn- und Festtangsandachten über die ordentlichen Sonn- und Festtagsepisteln. 1753. 8. XXXII. userlesene Festpredigten über wichtige Stellen der heiligen Schrift Alten und Neuen Bundes, gesammelt und mit nöthigen Registern herausgegeben von M. Joh. Jac. Starck. 1754. 8. XXXIII. Sammtliche, noch nie gedruckte Lieder. 1767. 8. §. 22. Ich schließe diese Vorrede mit der Ermahnung eines geheiligten Pauli, Ebr. 13, 7: Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben, welcher Ende schauet an, und folget ihrem Glauben nach; und mit dem herzlichen Wunsch, daß Alle, welche sich dieses Gebetbuchs bedienen, jederzeit mit Stårkung und Trost mdgen erfüllet, und Lebensbeschreibung des seel. Verfassers. unter dem Beten von dem Gott aller Gnaden einer gnädis gen Erhörung gewürdiget werden, um Jesu Christi willen. Amen. XXII Geschrieben beim Anfang der Frankfurter Herbst- Messe, im Jahr 1776. M. Johann Jacob Starck, Pastor an der Hauptkirche zu St. Catharinen dahier. Inhalt des täglichen Handbuch 8. 3. Erster Abschnitt. Zum Gebrauch der Gesunden. Erster Theil. Morgen-, Mittag- und Abend- Andachten. Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst, oder VorSabbath Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag Morgengebet am Sonntag Der gläubige Christ bringet den Sonntag andächtig hin Der gläubige Christ erwäget den dreifachen Sabbath Abendgebet am Sonntag Der gläubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Wort Morgengebet am Montag Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung zum Abendgebet am Montag Abendgebet am Montag Morgengebet am Dienstag Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt ♦ Seite Morgengebet am Donnsterag Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen Abendgebet am Donnerstag Morgengebet am Freitag 179261 25 31 33 38 40 42 44 Abendgebet am Dienstag 49 Morgengebet am Mittwoch 51 Der glaub. Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen 54 Abendgebet am Mittwoch 59 12 18 21 61 63 67 70 XXIV Inhalt. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist Abendgebet am Freitag. Morgengebet am Sonnabend Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche Abendgebet am Sonnabend Zweiter Theil. Fest- Andachten. 1. Auf Udvent. Morgengebet Betrachtung, Gebet und Gesang Abendgebet 2. Kuf Weihnachten. Morgengebet Betrachtung, Gebet und Gesang Abendgebet 3. Uuf Neu- Jahr. Morgengebet beim Schluß des Jahres Betrachtung, Gebet und Gesang Abendgebet Morgengebet bei dem Anfang des Jahres Betrachtung, Gebet und Gefang Abendgebet 4. Auf die Fastenzeit. Morgengebet Betrachtung, Gebet und Gesang Abendgebet Betrachtung, Gebet und Gesang auf den Char- Freitag 5. Uuf Ostern. Morgengebet Betrachtung, Gebet und Gefang Abendgebet 6. Auf Himmelfahrt. Morgengebet Betrachtung, Gebet und Gesang Abendgebet Seite 72 77 79 82 86 89 91 97 100 103 109 112 115 121 124 127 133 136 140 146 150 157 ♦ . 161 167171 175 181 Inhalt. 7. Auf Pfingsten. Morgengebet Betrachtung, Gebet und Gesang Abendgebet 8. Auf das Fest der heiligen Dreieinigkeit. Morgengebet Betrachtung, Gebet und Gesang Abendgebet 9. Auf das Michaelis fest. Betrachtung, Gebet und Gesang • Der glaubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren Dritter Theil. Gebet um allerlei geiftliche und leibliche Wohlthaten. Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Der gläubige Chrift danket Gott für seine Gesundheit Der glaubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiren Der gläubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge entzündet werden Der glaubige Chrift bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen Der gläubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sey Geite Der gläubige Christ bittet um Demuth Der gläubige Christ bittet um Sanftmuth Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes Der gläubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit Der gläubige Christ beichtet, und bittet Gott seine Sünden ab Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls Der glaubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde XXV ♦ 185 189 195 199 202 209 212 219 224 229 233 238 243 248 252 257 263 268 273 277 283 289 294 298 XXVI Inhalt. Der gläubige Christ bittet um ein unverlegtes Gewissen Gläubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebet vor Fromme Kinder beten für ihre Eltern Zweiter Abschnitt. 3um Gebrauch der Betrübten. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes Der Betrübte tröftet sich der Hülfe Gottes Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Der Betrübte erwåget die göttlichen Verheißungen Der Betrübte erwåget die Absicht Gottes im Kreuz Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal ◆ 321 325 329 334 338 343 347 351 Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes 356 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus 360 Dritter Abschnitt. 3um Gebrauch der Kranken. Morgengebet eines Kranken. Abendgebet eines Kranken Der Kranke bittet Gott um Geduld Der Kranke bittet um Gottes Beistand ◆ ◆ ◆ Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens Der Betrübte klaget über fündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken ♦ Seite 303 308 314 ♦ Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sey Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes zu leben und zu sterben ♦ Der Krante erkennet, daß das Kreuz und die Trübsal von Gott kommt 367 373 377 389 394 398 404 408 413 417 Der Kranke erkennet den Nugen der Krankheit 421 Der Kranke segzet sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht 426 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes 430 Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes 435 Inhalt. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls Der Kranke bittet Gott um Bergebung der Sünden. Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen Der Kranke erinnert sich seines Todes Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung Der gläubige Christ danket Gott wegen wiedererlangter Gesundheit → Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, welche krank gewesen und gesund geworden sind. Vierter Abschnitt. Zum Gebrauch der Sterbenden und derer, welche um dieselben find. Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen Der Sterbende befiehlt sich Gott Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an Der Sterbende erwåget die Verheißungen Gottes Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben Der Sterbende bittet um ein seliges Ende Gebet der Umstehenden für Sterbende → . 466 470 475 480 ♦ → Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen können Seufzer und Gebete eines Sterbenden aus dem Gesang: Wenn mein Stündlein vorhanden ist ◆ XXVII Buruf der Umstehenden an den Sterbenden Segenswunsch für einen Sterbenden Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden ist. Seite 440 444 448 452 457 462 485 492 499 504 509 514 518 523 527 531 536 540 545 548 570 586 586 XXVIH Inhalt. Fünfter Abschnitt. Gebete bei besondern Gelegenheiten. Der gläubige Christ lobet Gott an dem wiederum erlebten Geburtstage 588 594 Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter.. 601 Der gläubige Christ danket Gott, wenn das Gewitter vorüber ist 2.608 Der gläubige Christ betet zu Gott, wenn er sich auf eine Reise begibt Der gläubige Christ betet zu Gott, wenn er sich in fremden Landen aufhält Der gläubige Christ betet zu Gott, wenn er in der Fremde Frank liegt. Der gläubige Christ danket Gott, wenn er von der Reife glücklich nach Hause kommt Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten Der gläubige Christ danket Gott nach erlangtem Frieden Der gläubige Christ betet in Theurung und Hungersnoth Der gläubige Christ betet in Pestzeiten Der gläubige Christ betet, wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. ♦ Der gläubige Christ betet, wenn er durch das Feuer ist beSchädiget worden Der gläubige Christ danket Gott, wenn das Feuer glücklich gelöscht ist Der glaubige Christ betet zu Gott bei anhaltender nasser Witterung Der gläubige Christ betet zu Gott bei anhaltender Hiße und Dürre → ♦ ◆ Seite 617 622 627 632 637 643 647 652 657 666 671 678 686 Register der Gesänge. A. Ach! daß sich doch Gottes Liebe Ach! geh' nicht in's Gericht Uch Herr! stärke meinen Glauben Ach! komm' doch mein Herze. Uch mein Gott! hilf mir doch. Ach! wie lang soll ich noch kämpfen Uch! wo ist nun mein Gott Aufgelöset bald zu werden Das Pfingstfest freuet mich Demuth ist die schönste Tugend Der Engel goldnes Heer Der Fried' ist nun geschlossen Der Sonntag ist des Herren Tag Die Ernt' ist nun geschehen. Die Nacht ist nun vergangen. Dieß ist der liebe Tag. Du hast, o großer Gott! Du willst, o lieber Christ! dich dieser Welt S. Einar otteskind zu seyn C zicht der Sabbath an 3. steht in deinen Händen Es stirbt mein liebster Freund ♦ ♦ Seite 242 280 256 76 470 402 324 544 194 262 217 646 16 600 11 592 313 57 421 21 631 145 XXX Register der Gesänge. Geht dir's wohl nach deinem Leiden Gerechter Gott! laß dich erbitten Gottes Liebe, Gnad' und Güte Gott Lob! das neue Jahr tritt ein Gott! wir hören deine Stimme H.* atipose Hat dir dein Gott ein Kreuz Hat mich Gott denn gar verlassen Hier ist gut seyn. Hier ist Imanuel 4 Ich armer Sünder komme wieder Ich beuge mich vor deinem Thron. Ich bin getauft, ich steh' im Bunde Ich freue mich auf meinen Tod Ich gebe mich in Gottes Willen Ich glaub' an Gott, von dem wir Ich klage dir, o Gott!. Ich lege mich in Jesu Wunden Ich trage mein Kreuz nicht alleine Ich sterbe gern ♦ Ich will anjetzo mich Ich will die neue Woch' • Ich liege hier vor dir. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe Ich will, o großer Gott! Ich will von der Welt ausgehen Ich will, was Jesus will Jesus bleibet meine Freude Jesus fähret auf gen Himmel Jesus lebt, deß freu' ich mich. Ihr Todten stehet auf. Ihr Waisen weinet nicht Ihr Wittwen seyd getroft Ich will Jedermann verzeihen Ich will mich nach der Ruh' umsehen Ich will mit frohem Muth ◆ → ♦ ♦ 451 636 434 535 346 7 208 384 24 ♦ ♦ Seite 228 665 272 132 606 ♦ 443 333 522 96 385 484 474 526 447 37 508 397 539 319 292 416 66 180 3. 2.61 Register der Gesänge. In Gott bin ich immer fröhlich Ist denn die Liebe gar Ist Gott für mich Ist mein Gewissen frei. K. Kommt, laßt uns Christi Todestag Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen Kreuz und Leiden führt zu Gott L. Lasset doch den weisen Gott Laßt uns den Herrn hoch preisen M. Mein allergrößter Fleiß auf Erden. Mein Gott, ich habe noch das Leben Mein Gott, ich bin von Haus gegangen Mein Gott, ich bin in fremden Landen Mein Gott, laß mich den Wunsch Mein Gott, verlaß mich nicht Mein Gott, verzieh' doch nicht Mein Jefu, sey gepreiset Mein Stündlein nahet sich herzu Mein Vater, denk' an mich Mich soll kein Kreuz von Gott Mit den scharfen Theurungsruthen. ♦ N. Nun der Himmel bleibt verschlossen. Nun die Woche ist verflossen. Nun ist meine Seel' gespeiset O allerliebstes Seelenpfand!. O Jesu! meiner Seele Licht. O! welch ein Freudenfest • ● • XXXI ● Seite 251 247 439 307 156 425 670 430 677 302 517 . 621 .626 298 407 350 288 512 223 328 650 . 6.95 85 461 . 457 286 108 XXXII Register der Gesänge. Schauet doch das bittre Leiden Sieh doch! wie mein Feind mich Sieh! es ist alles mein Sieh! es ist Gottes Segen Soll der Himmel allzeit weinen Soll ohne Heiligung 11. Unter meinem Schmerz und Weinen V. Bater! gib mir auch die Gabe Vorüber ist die Noth W. Wann kommt mein Jesus doch Wann wird Gottes Stunde kommen Wann wird mich mein Gott erhören Was für Jammer, was für Schrecken Was große Angst und Herzeleid Was soll ich Sünder nun anfangen Weicht, weichet nun von mir. Welche süße Himmelsfreude Wer da will als ein frommer Christ Wer Gottes Wort anhört Wer in Kreuz und Trübfal stecket Wer nicht wieder ist geboren Wie ist mein Herz erfreut Wie kann ich dich genugsam preifen Wie lieblich ist dein Wort Wie sind wir so gar Nichts Wohl dem, der Gott vertraut Seite 145 267 276 599 ● . 684 233 393 237 616 359 342 355 641 656 282 387 530 479 30 465 48 -120 490 6 411 337 1 1r Abschn. Jetu Werlt du nicht daß dich Gottes Gute zur Buhe letter Rom.2. tulelt mu thinter due Ichen Watter 13.0 Bilt du gelund von Lerb und fröhlich von Gemüthe Sofuch der Seelen Herl und meikie Gottes Gute Erster Abschnitt. Erster Theil. Morgen-, Mittag- und Abend- Andachten für Gesunde. Vor- Sabbath. Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. Aufmunterung. Psalm 27, V. 4. Eins bitte ich vom Herrn, das hatte ich gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn, und seinen Tempel zu besuchen. Es hat der weise Gott, fogleich nach dem Sündenfall, dem ersten Menschen, dem Adam, die Opfer angewiesen, welche seine Kinder, Cain und Abel, von ihm wiederum empfangen, indem von dieser beiden Opfer im 1. Buch Mos. 4, V. 3. 4. ausdrückliche Meldung geschiehet. Diese Opfer geschahen nicht stillschweigend, sondern dabei bekannten die Opfernden ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben, bezeugten ihren Glauben an den künftigen Messias, Jesum Christum, der auch 1 Der gläubige Christ bereitet sich würde sein Blut für die Menschen vergießen, wie das Opferthier; ja, fie lobten bei solchen Opfern Gott für die empfangenen Wohlthaten, und predigten auch von dem Namen des Herrn. Hiezu war der siebente Tag bestimmt, als welchen Gott selbst zur Ruhe geheiliget hatte, da er in sechs Tagen die Welt erschaffen und am siebenten ruhete. Diese Art des Gottesdienstes ist immer von den Erzvåtern beibehalten worden, bis Gott in der Wüste die Hütte des Stifts aufrichten ließ, nach deren Muster Salomo hernach den Tempel bauete. Im neuen Testament feiern die Christen Gott, dem Herrn, auch einen Tag, nåmlich den Sonntag, als an welchem Tage Christus ist auferstanden und der heilige Geist ausgegossen worden. Wann nun solcher Tag herbeikommt, so soll ein gläubiger Christ 1) des Sonnabends in Zeiten Feierabend, sein Gemüth von irdischen Sachen frei machen, und seine Arbeit niederlegen. 2) Er soll sich auf den bevorstehenden Sonntag bereiten mit Beten, und Gott loben für die vielen Wohlthaten, welche er die Woche über empfangen. 3) Er soll dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man des Sonntags erklåret, in der Bibel aufschlagen und darüber eine Betrachtung anstellen, und sich also zu andächtiger Anhörung des göttlichen Worts bereiten. 4) Soll er in Zeiten sich mit solchen guten zum Gottesdienst. Gedanken zur Ruhe legen, damit er am Sonntage desto früher und munterer bei dem Gottesdienst erscheinen könne. Gebet. 3 Gnådiger und barmherziger Gott! ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, daß du mich die vergangenen sechs Tage so gnädiglich erhalten, und die Arbeit meiner Hände so reichlich geſegnet hast. Du hast meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen; dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte! weichet von mir, thr Sorgen! jett baue ich in meinem Herzen Gott einen Tempel auf, es soll ein Bethaus werden, darin ich meinem Gott allein dienen will. Ich vergesse, was dahinten ist, ich lege meine Arbeitslasten und Handthierungen nieder, und richte meinen Sinn allein zum Himmel, zu Gott, um mich in ihm zu erfreuen. Oder unaussprechlichen Liebe des großen Gottes, welcher den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat! Diese Ruhe ist ein Angedenken der Ruhe im Paradicse, da wir ohne mühsame Arbeit allezeit Gott zu dienen und zu loben wären beschäftigt gewesen. Diese Ruhe ist ein Bild der künftigen Univ. Bibl. Giessen 1* Der gläubige Christ bereitet sich Himmelsruhe, denn es ist den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben angehen wird; da werden sie von aller Arbeit, von Leiden und Schmerzen, und von Sünden befreiet seyn. Ach gnädiger Gott! laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hinbringen. Bewahre mich vor bösen Gesellschaften, daß nicht etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, und hilf, daß ich seinen Lockungen nicht folgen möge. Behüte mich, daß ich den heiligen Tag, den du zu meiner Erbauung im Christenthum, zu deinem Lob und Dienst verordnet hast, nicht möge in Müßiggang, Faulheit, Ueppigkeit, Lustbarkeit und Sünden hinbringen, und dadurch meiner Seele den größten Schaden zufügen! Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich den ganzen Tag, von dem Morgen bis auf den Abend, dir aufopfere, und zu deinem Dienst anwende. Wecke mich frühe auf, daß ich mit den Ersten, zum Lob, zum Gebet und zum Gesang bei dem Gottesdienst erscheinen möge. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdischen Sorgen in dasselbe einschleichen, und so sich ja einige melden, daß ich sie durch deine Kraft vertreibe; oder so der Satan mir einen bösen Nachbar schicken wollte, der ein irdisches Geschwäß in deinem Hause 4 zum Gottesdienst. anfangen wollte, so verleihe mir Stärke, daß ich ihm kein Gehör geben, sondern mit meiner Aufmerksamkeit ihn zu deinem Dienst erwecken und aufmuntern möge. Wenn dein Wort geprediget wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen, und als einen theuern Schah darin verwahren möge. Hilf, daß ich an diesem Sonntag auch in meinem Christenthum mich erbaue und in Erkenntniß der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich andere, heilige, bekehre und zu einem neuen Menschen mache, auf daß ich, wie an Jahren, also auch an dem inwendigen. Menschen, an Glauben und Frömmigkeit wachsen, und eine neue Creatur, ja ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jefu werden möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endigen, das Gelernte behutsamlich bewahren, und den Tag mit Gebet und Lobgesängen beschließen. Ach! laß mich allezeit des angehörten Worts eingedenk verbleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und thun, und also beweisen möge, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thâter des Wortes sey. So laß mich einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude, zu dem ewigen Sabbath, durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. 6 Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. Ich will in's Gotteshaus mit Gottes Kindern gehen, ich will in reinem Schmuck vor seinem Altar stehen; mein Herz soll höchst vergnügt in seinem Wollen ruh'n, der Leib foll Nichts als Noth- und Liebeswerke thun. Komm' heute in mein Herz, du König aller Frommen! laß mit dir Segen, Heil und Seelenfrieden kommen; die Sonne deiner Gnad' kehr' heute bet mir ein, so wird mir dieser Tag ein rechter Sonntag sein. Amen. e fan g. McL. O Gett, du frommer Gott. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringet lauter Freude, Es ist mein größter Trost Und meiner Seelen Beide; Es ist mein liebster Schatz, Den ich auf Erden hab', Der mich erquicken soll, Bis man mich trågt in's Grab. 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget, Und mich bestraft, wann sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaub' nach diesem Wort, Und leb' nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht Auch an den Freudenort. 3. Er ist mein Honigseim, Womit ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterkeit In meinem Herzen habe; Wie süß ist's meiner Seel', Wenn sie in Trübsal steckt, Wenn ihr des Trostes Quell Im Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schaß, Groß über alle Schäße, Daran ich mich allein In Noth und Tod ergöße; Den Schaß raubt mir kein Feind Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt In meinem Herzen ist.. 5. Pflegt Gold und Silber gleich Ein Eitler zu erwählen, Viel lieber ist dein Wort Der gottgelaß'nen Seelen; Wenn man dein Wort und Gold Ihr stellet vor's Gesicht, So greift sie nach dem Wort, Und acht't des Goldes nicht. 6. Rathsleute suchen die, So da im 3weifel stehen; Dies 7 Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag. felben sind dein Wort, Dahin pfleg' ich zu gehen; Frag' ich: was thu' ich jetzt, Geht's übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort, Was ich erwählen soll. 7. Nach diesem Lebenswort Will ich nun einhergehen, Es soll mein Leitstern seyn, Sieh! darnach will ich sehen; Wozu es mich anweist, Das thu' ich ungescheut, Und meid' mit allem Fleiß Das, was es mir verbeut. 8. Ach! nimm doch nicht hinweg das Wort von meinem Munde, Ach! laß es seyn mein Trost Bis in die Todesstunde; Wann sich mein Mund zuschleußt, Nimmt keine Speis' mehr ein, So laß dein liebes Wort Der Seelen Speise seyn. 9. So hab' ich Unterricht, Dieweil ich werde leben, Ich hab' auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben, Und was dein Wort verspricht In dieser Gnadenzeit, Sieh'! das erlang' ich dort In jener Herrlichkeit. Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag. Psalm 5, V. 2. 3. Herr! höre mein Wort, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Unser ganzes Leben soll billig nichts Anderes als Beten und Danken seyn, nämlich daß wir alle Tage Gott in unserm Gebet anrufen um seinen Segen, Hülfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches erlanget, daß wir ihm herzlich dafür danken. Darum, gläubiger Christ! wenn du des Morgens erwachest von deinem Schlaf, so hebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen auf gen Himmel, denke nicht gleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, Etwas zu erjagen, sondern falle erst nieder Morgengebet am Sonntag. auf deine Kniee, danke Gott, und empfiehl dich seinem gnådigen Schuh. Denke nicht, du versäumtest zu viel, wenn du solltest eine halbe Stunde des Morgens zum Gebet, mit Lesung eines Capitels aus der Bibel oder aus andern geistreichen Schriften, anwenden. O nein, die auf's Gebet gewendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde seyn. Darum, wenn du erwachest, und des Morgens gesund aufstehest, so gedenke 1) wie viele fromme Christen, welche vielleicht frommer find, als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber haft dergleichen diesesmal nicht empfunden. Gedenke 2) wie Andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal gerathen sind, dir aber fehlet Nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, daß du an demselben dich weder an ihm noch an deinem Nachsten versündigen mögest. Bitte Gott 4) er wolle den Tag über dich begleiten, bewahren, und in deinen Geschäften und Berufswegen fegnen. Ja 5) übergib dich Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn denken, und Morgengebet am Sonntag. mit Wissen und Willen ihn nicht beleidigen mögest; und alsdann zweifle nicht, der Herr wird dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören, und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen, was dir an Leib und Seele wird müßlich und selig seyn. Morgengebet am Sonntag. Herr, fruh wollest du meine Stimme hören, früh will ich mich zu dir schicken und darauf merken, gnådiger Gott! Du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre; wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden, wer sollte dich nicht ehren, o liebreicher Vater! Ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demüthigem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen, und deine Güte und Treue wiederum an mir hast neu werden lassen. Begleite und beschüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag sonderlich einen Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele seyn. Du hast nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, daß du dein Werk in mir haben mögest. O darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich Schäße möge sammeln, welche mich in Roth und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rost fressen, da die Diebe nicht nach Morgengebet am Sonntag. graben noch stehlen. Ich freue mich deß, das mir verheißen ist, daß wir werden hinauf in das Haus des Herrn gehen, und meine Füße stehen sollen in deinen Thoren, Jerusalem. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gern, daß ich im Hause des Herrnbleibenmöge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste und seinen Tempel zu besuchen. Mein Gott! das soll heute meine Lust seyn, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lob- und Danklieder anzuſtimmen, eifrig zu beten, und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer seyn, sondern ein Thåter des Worts werden. Deffne mir das Herz wie der Lydia, daß ich den Samen des Worts mit Freuden aufnehme; schließe hernach mein Herz zu, daß mir ihn der Satan nicht wiederum raube. Laß mich heute in meinem Christenthum, in der Erkenntniß Jesu Christi, im Glauben, in der Liebe, in der Verläugnung meiner selbst, im Absterben der Welt, einen festen Grund legen, auf daß ich die ganze künftige Woche daran denke, es ausübe, und davon gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, daß, wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schicket, ich nicht die Stunden der Welt überLaffe, welche dir geheiliget sind, oder daß ich 10 Morgengebet am Sonntag. 11 nicht ihrer fündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zu Ehren hinbringen soll, aufopfere, und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche über noch drücken könnte. Ach! laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, mein Hören, mein Lesen und Singen dir gefallen. Sey du selber, o Jesu! mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen; ja, wohne du durch den Glauben in mir, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereiniget werde. Heiliger Geist, du Himmelslehrer, mächtiger Tröster und Bekehrer, ach! laß meines Herzens Schrein ewig deine Wohnung seyn. Amen. Morgengefang. Mel. Wach' auf, mein Herz, und singe zc. 1. Die Nacht ist nun vergangen, Drum will ich gleich anfangen, Mit Singen und mit Beten Vor Gottes Thron zu treten. 2. Gleichwie die Mütter pflegen Die Kinder sanft zu legen, Nach ihnen oft zu sehen, Und um ihr Bett zu stehen: 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben, Ich hab' in Schuß und Segen In seinem Schooß gelegen. 4. Mein Herze und Gemüthe Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten In seinem Schutz erhalten. 6. Laßt uns den Tag hinbringen Mit Loben, Beten, Sina gen, In Glaub' und Liebe stehen, und keine Sünd' begehen. 7. Erheben sich die Glieder, O Gott! so kommt auch wieder Die Unruh', Kreuz und Sorgen Schon an dem frühen Morgen. Der gläubige Christ bringet 8. Ach! hilf mir Alles tragen, Wend' ab des Kreuzes Plagen, Und laß nach Angst und Weinen Die Freudensonne scheinen. 12 9. Leit' mich auf guten Wegen, Und gib mir deinen Segen, Auf daß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 10. Du woll'st mein Herz regieren, Mit Gottesfurcht auszieren, Daß ich mich dir ergebe, Und dir zu Ehren lebe. 11. Ach Gott! erhdr' mein Flehen, und laß' die Bitt' ge= schehen, So will ich deinen Namen Von Herzen preisen. Amen. Der gläubige Christ bringet den Sonntag andächtig hin. 2 ufmunterung. Psalm 84, 2. 1. 2. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Borhöfen des Herrn, und Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Unter andern herrlichen Wohlthaten, welche Gott dem Menschen erwiesen, ist auch diese, daß er ihm einen Ruhetag in der Woche bestimmet, an welchem er von aller Arbeit, Last und Bemühung soll befreiet seyn, ja, daß auch Gott auf diesen Tag einen besondern Segen geleget hat, welches Segens denn alle diejenigen theilhaftig werden, die ihn andächtig hinbringen. Ist nun dieses eine Wohlthat, so soll ein wahrer Christ sich hüten 1) daß er diesen Tag nicht mit Faulheit und Müßiggang hinbringe; denn so feiern Pferde und Schsen und andere Lastthiere den Sonntag. 2) Er soll sich hüten, daß er diesen Tag nicht an 13 den Sonntag andächtig hin. wende zu Fressen, Saufen und Ueppigkeit; denn was alle Tage Sünde ist, daß ist des Sonntags doppelt Sünde. 3) Soll er sich hüten, daß er nicht den Sonntag mit Arbeit entheilige, mit irdischen Geschäften, als Spazierenfahren, Schulden eintreiben, Rechnung durchgehen, Arbeitsleute bestellen; denn alle dergleichen Bemühungen zerstreuen das Gemüth. Hiezu ist zu rechnen, wenn man des Sonntags gern Gastereien anstellet, zu Gafte gehet, oder ſpielet, tanzet, lustige Gesellschaft besuchet; dieses Alles verhindert die Seele an ihrer Erbauung, an der Ruhe in Gott, an dem Wachsthum im Chriftenthum, und ist ganz wider den Endzweck des Sabbaths, und die solches thun, sind noch keine Kinder Gottes, sondern Maulchristen, welchen, wie sie sagen, kein Sag so lang wird, als der Sonntag. Ein wahrer Christ weiß diesen Tag besser anzuwenden, nåmlich zur Ehre Gottes und seiner Seele Besten. 1) Zur Ehre Gottes, mit Beten, Loben, Singen, Betrachtung der Güte und Wohlthaten Gottes, die er die vergangene Woche über und die ganze Zeit seines Lebens empfangen hat. 2) Zu seiner Seele Besten, daß er den Tag widme zum Anhören göttlichen Worts, damit er in der Erkenntniß Gottes und in seinem Christenthum zunehmen möge. 3) Dieses Alles aber soll er thun nicht etwa eine oder eine halbe Stunde, sondern Der gläubige Christ bringet den ganzen Tag; denn das dritte Gebot redet von dem ganzen, und nicht von dem halben Tage. Uch gewiß, an der andächtigen Feier des Sonntags liegt viel, daran hångt ein großer Segen! Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen drücket? Die Alten haben gesagt: Wie man höret Gottes Wort, so gehet auch die Nahrung fort. 4) Hat man Gottes Wort gehöret, so behalte man es in einem feinen, guten Herzen, man lebe darnach, man bringe die Lebensregeln sogleich in die Uebung, und sammle sich dabei einen Vorrath an Trostlehren und Machtsprüchen, deren man sich in Noth und Tod bedienen könne. 14 Gebet. Dieß ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasset uns freuen und fröhlich darinnen seyn! Heut ist des Herrn Tag, und der mir von Gott geschenkte Ruhetag, derohalben will ich ihn zu Gottes Ehren mit Danken und Beten zubringen. Ich danke dir, o Gott! für deine vielfältigen Gaben, die du an diesem Tag mir ertheilet: auf einen Sonntag ist Jesus, mein Heiland, aus dem Grabe auferstanden, und der heilige Geist über die Apostel ausgegoffen worden; darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist, und der Mittheilung des heiligen Geistes, welcher in den Sonntag andächtig hin. der heiligen Taufe reichlich über mich ist ausgegossen worden. Ich danke dir für dein heiliges, reines Wort, so du an diesem Tage läſfest predigen, zum Unterricht und zur Erbauung meiner Seele. Jch danke dir für alle leibliche und geistliche Wohlthaten, die ich Zeit meines Lebens von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du mich von Jugend auf geleitet, geführet, erhalten, und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele gethan haft. O wer kann doch deine Wohlthaten alle nennen, die da unzählig sind! Nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bettag ſeyn. Ich bitte dich, mein Gott und Vater! laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen. Behüte mich vor Verführungen, eiteln Gedanken und bösen Gesellschaften. Ach! daß alle meine Adern Zungen, und meine Blutstropfen Stimmen wåren, dich, o dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, zu loben und zu preisen. Ach! daß keine Stunde verginge, in welcher ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegele in meinem Herzen das gehörte Wort, daß ich daran fleißig gedenke, und darnach mein Leben und meinen Wandel einrichte. Und da ich nun eine Woche alter geworden bin, so gib, daß ich in deiner Erkenntniß, in Liebe und Frömmigkeit zunehmen und an dem inwendigen Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gib mir deinen heiligen 15 Der gläubige Christ bringet Geist, der mich die künftige Woche und die ganze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gib deinen Segen zu meinen Arbeiten und Verrichtungen, und laß mich in deiner Gnade meine übrigen Tage und Jahre ferner erleben, bis ich endlich werde dahin gelangen, da ich mit Danken und Beten dir einen ewigen Sabbath im Himmel feiern kann. Heut ist des Herren Ruhetag, vergesset aller Sorg' und Plag', verhindert euch mit Arbeit nicht, kommt vor des Höchsten Angesicht. Halleluja. 16 Sonntags- Gesang. Mel. Allein Gott in der Höh' sey Ehr'. 1. Der Sonntag ist des Herren Tag, Den låßt uns Gott erleben, Damit ein Jeder ruhen mag, Dazu ist er gegeben; Uch! bringet doch denselben hin, Daß Seele, Herz, Gemüth und Sinn Gen Himmel sich erheben. 2. Den Tag hat Gott zur Ruh' und Rast Und seinem Dienst geweihet, Und ihn von aller Arbeitslast Aus großer Gnad' befreiet; Hie soll von allem seinem Thun Der Herr und das Gesinde ruh'n, Und sich in Gott erbauen. 3. Berflucht ist, der ein Werk vornimmt, Das Gott nicht selbst erlaubet, Und diese Zeit, die Gott bestimmt, Mit Arbeit ihm so raubet. Wer Wollust, Wucher, Sünden sucht, Der ist und bleibt von Gott verflucht, Und wird ohn' Segen bleiben. 4. Dieß aber soll man eifrig thun, Man soll den Tag hinbringen, Weil unsre Seel' in Gott soll ruh'n, Mit Lesen, Beten, Singen; Man höre fleißig Gottes Wort An dem von ihm bestimmten Ort, Und diene Gott von Herzen. 5. Am meisten denk' an Gottes Macht, Wenn Sch dein ben Sonntag audächtig hin. 17 Aug' umschauet, Wie er die Schöpfung hat vollbracht, Da er die Welt gebauet, Mit Wolken sie schön eingehüllt, Mit reichen Gaben angefüllt, Zu Nuß und Freud' der Frommen. 6. Betrachte, wie auch Jesus Christ Un diesem Tag erstanden, Und aus dem Grab gegangen ist, Nachdem die Todesbanden Darinnen waren abgelegt; Wohl dem, der glaubig das erwågt, Und Jesum dafür preiset. 7. Der heil'ge Geist ist sichtbarlich Am Sonntag ausgegossen; O Reichthum, welcher gnådiglich Auf uns auch kommt geflossen. Denn dieses Geistes Kraft und Licht Bersaget uns der Höchste nicht, Zum Glauben uns zu bringen. 8. An diesem Tage sollst auch du Dich deiner Tauf' erfreuen, Und in der stillen Seelenruh' Den Bund mit Gott erneuen; Und denk' daran die ganze Woch', Ja auch, so lang du lebest noch, Erfreu' dich deiner Taufe. 9. Hierbei erwäge allezeit, Was Gott dir hat gegeben, Wie er nach seiner Gütigkeit Erhålt annoch dein Leben; Wie er dich schüßzet und ernährt, Wie dich sein heilig Wort noch lehrt Und zu dem Himmel führet. 10. Du sollst in deinem Christenthum An diesem Tag zunehmen, Und dich zu deines Gottes Ruhm Der Frömmigkeit nicht schämen; Du sollst in Gottes Tempel steh'n, Wenn Undere der Sünd' nachgeh'n, Und sein Wort fleißig lesen. 11. Dem Wort gib in dem Herzen Plaß, Und zeig' es in den Früchten, Und sammle in dir einen Schatz, Der dich wohl kann aufrichten In Traurigkeit, in Angst und Noth, In Krankheit, Trůbsal und im Tod, Ja auf dem Sterbebette. 12. So wird dir Gott auch gnádig seyn, Es stellet sich der Segen, Uch! glaub' es, bei dir reichlich ein Auf allen deinen Wegen; Und so wirst du beglücket steh'n, Und als ein Gotteskind eingeh'n 3ur wahren Sabbathsruhe. 2 18 Der gläubige Christ erwäget den dreifachen Sabbath. ufmunterung. Hebr. 4, V. 9. 11. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So lasset uns nun Fleiß thun, einzugehen zu dieser Ruhe, daß unser keiner dahinten bleibe. 2 Wenn ein wahrer Christ den Sonntag Gott wohlgefällig hinbringen will, so hat er sich dabei zu erinnern, daß ein dreifacher Sabbath zu feiern ist: 1) ein wöchentlicher Sabbath, wenn er den Sonntag anwendet zur Betrachtung der Wohlthaten, so er von Gott empfangen. Er muß aber 2) auch feiern einen täglichen oder geistlichen Sabbath, welcher nicht darin bestehet, daß man gar die Arbeit unterlassen und immerdar müßig gehen solle, sondern durch den tåglichen Sabbath wird verstanden, wenn der Mensch feiert von Sunden, das heißt so viel, wie er des Sonntags ruhet von der Handarbeit, so feiert er alle Tage von Ueppigkeit und Bosheit; er hútet sich, daß er nichts Böses rede wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses thue, entweder allein oder in Gesellschaft anderer Leute, daß er sich auch durch Andere nicht lasse verführen, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt halte. Wie er nun dieses meidet, also befleißiget er sich unter seiner Arbeit, öfters an Gott zu gedenken, zu Gott zu seufzen, und ihn um seines heiligen Geistes Regierung und Der gläubige Christ erwäget den dreifachen Sabbath. 19 Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geistliche und tågliche Sabbath, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun hat den wöchentlichen andachtig, und diesen täglichen Sabbath eifrig gefeiert, der kann versichert seyn, er werde 3) auch den ewigen Sabbath im ewigen Leben feiern, welcher darin bestehet, daß die Gläubigen und auserwählten Kinder Gottes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübsal, von aller Sünde befreiet, Gott schauen von Angeficht zu Angesicht, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Aufhören dienen. S ein heiliger und herrlicher Sabbath, der niemals wird gestört werden! Dahin werden nur die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe Jesut werden verharren bis in den Tod. Sebet. Heiliger und barmherziger Gott! da ich nun an diesem Tage den Sabbath und Nubetag begehe, daran ich nach deiner heiligen Verordnung von aller meiner Wochenarbeit befreiet bin, damit ich mich aus deinem Wort erbauen und in dir erfreuen könne: ach! so verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich in wahrer Andacht, mit Anhörung, Lesung und Betrachtung deines heiligen göttlichen Wortes ihn hinbringen, dagegen aber alle sündliche Zerstreuungen, Ueppigkeiten, böse Gesellschaf2* Der gläubige Christ erwäget ten und Sünden meiden möge. Auch erinnere ich mich bei diesem wöchentlichen Sabbath des täglichen geistlichen Sabbaths, darin ich von Sünden ruhen und ablassen, und dir meinen Leib und meine Seele, wie auch mein ganzes Leben, heiligen soll. Nun, mein Gott! das soll hinführo, durch deine Gnade, meine tägliche Arbeit seyn, daß ich thue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüste und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott! gib, daß dieser geistliche und tågliche Sabbath meines Herzens niemals möge verstöret werden. Bete du in meinem Herzen, singe in meinem Herzen, lehre in meinem Herzen, so ist mein Herz dein geheiligter Tempel. Wenn ich denn nun nach deinem Rath meines Lebens Tage, und zugleich auch diesen geistlichen Sabbath werde geendiget haben, so führe mich, o Gott! ein zu dem himmlischen ewigen Sabbath, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen himmlischen Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubinen anstimmen. Ach mein Gott! laß mich dereinst zu solcher Seligkeit gelangen. Da wird seyn das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, stehen da vor Gottes Thron; da 20 den dreifachen Sabbath. die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. 21 Gesang. MeL O Gott, du frommer Gott, 2c. 1. Es bricht der Sabbath an, Der Tag, den fromme Seelen, Um mit Gott umzugeh'n, 3u ihrer Ruh' erwählen; Der Tag, der heilig ist, Den Gott selbst hat gemacht, Der wird von ihnen auch Erbaulich hingebracht. 2. Un diesem pflegen sie ganz früh vor Gott zu treten; Sie bringen ihn auch hin Mit Lesen, Singen, Beten; Ihr Herz ist von der Erd' Allein zu Gott gericht't, Es freuet sich in ihm und seinem Gnadenlicht. 3. Ein Sabbath wird darauf, Wenn dieser nun vergangen, Als welcher geistlich heißt, Von ihnen angefangen, Da sie von Sund' und Schand' Und von der Bosheit ruh'n, Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, thun. 4. Der Sabbath hört nicht auf, Er daur't durch's ganze Leben, Indem sie alle Stund' Ihr Herz zu Gott erheben; Des Herzens Harfe spielt, Die Zunge lobet Gott, Und dieser Sabbath währt Sogar bis in den Tod. 5. Der ew'ge Sabbath wird Nach diesem erst angehen, Dort in der Seligkeit, Woselbst die Frommen stehen, In grosem Glanz und Licht, Wie Sonnen angekleid't, Wo Ruhe, Fried' und Freud' Sie labt in Ewigkeit. 6. Wohlan, wer einstens will Zu dieser Ruh' gelangen, Der muß den Sabbath hie, Wie sich's gebührt, anfangen; Er sey und bleibe fromm, Und nehm' im Glauben zu, So kommt er nach dem Tod Zur wahren Sabbathsruh'. Abendgebet am Sonntag. Herr! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. O du Abendgebet am Sonntag. lebendiger, allmächtiger Gott! wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast; du hast meine Seele gespeiset mit dem Brod des Lebens, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigseim. Ach! laß dein Wort Zeit meines Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, daß ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diefen Abend erreicht habe. Ich bin nicht werth aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan hast. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt, o mein Schuß! mir zur Seite, habe Acht auf mich, und schließ' mich in deinen Schuh ein; laß mich beståndig ein Licht in dem Herrn seyn, und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß. Laß dein Wort, das ich gehöret und gelernet, inskünftige in mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, in der Gottesfurcht, im Absterben der Welt und in 22 Abendgebet am Sonntag. einer heiligen Uebergabe an dich wahrnehmen möge. Sey mein Schirm und Schatten wider die Hiße und Anfechtung und wider die feurigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuer und Wassersnoth und alles Unglück von mir und den Meinigen ab, und laß alle Betrübte, Kranke und Sterbende deine reiche Gnade genießen; so soll morgen früh unser Aller Mund deines Ruhmes voll seyn, und wir wollen erzählen, was du uns Gutes an Leib und Seele gethan hast. Verzeihe mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedienet, wie ich billig gefollt, und nimm deßwegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche Alles neu an mir seyn, schenke mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und fliehen, damit Jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Hilf, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um den Leib bekümmert sey. Ich sehe mich, mein Gott! nach meiner Ruhestatt um; ich erinnere mich dabei an meine Grabstätte, darin ich ruhen werde, bis du mich an dem fro23 Abendgebet am Sonntag. hen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, in deine Kammer zur Ruhe; du aber, meine Seele, in die Wunden Jesu. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken, in dir schlaf ich sanft und wohl; gib mir heilige Gedanken, und bin ich gleich Schlafes voll, so laß doch den Geist in mir zu dir wachen für und für, bis die Morgenroth' angehet, und man von dem Bett aufstehet. Amen. 24 Abendgesang am Sonntag. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich lege mich in Jesu Wunden, Wenn ich mich leg' zu meiner Ruh'; Ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Da Jesus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehn, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel' allein Mit meinem Gott beschäftigt seyn. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt, Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil sich mit Gott das Auge schließt; Ich bin, mein Gott, weil du bei mir, Wenn ich erwach', auch noch bei dir. 4. Ach Gott! wend' alle Angst und Schmerzen In Gnaden diese Nacht von mir, Ach! wirke stets in meinem Herzen, Ich such' die Hülf allein bei dir; Laß Unglück, Schrecken, Noth und Pein, O Gott! von mir entfernet seyn. 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonsten zugehört, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß Alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wieder aufersteh', Ich Ulles unverlehet seh'. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben, Und immer um mein Der gläubige Chrift danket Gott nach angeh. göttl. Wort. Bette steh'n, Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen seh'n; So schlaf' ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Ich fürchte nicht des Satans Schrecken, Noch seiner Rotte Macht und List, Weil Gott mich selber will bedecken, Und weil mein Jesus bei mir ist; Darf Satan mir kein Licht austhun, So muß er mich auch lassen ruh'n. 8. Es geh'n zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht; Mein Mund bricht aus in Freudenlieder Bei eingebroch'ner finstrer Nacht; Ich steh' mit Jesu wieder auf, Und so vollführ' ich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl des Tags als auch bei Nacht, Hierit, o treuer Gott! ergeben, Ach! hab' du selber auf mich Acht. Ach! laß mich dir empfohlen seyn; Denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib' ich denn in Jesu Wunden; Und schlafe in denselben ein; Auch in den letzten Todesstunden Werd' ich da wohl verwahret seyn; Darinnen will ich aufersteh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. 25 Der gläubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Wort. Aufmunterung. Jac. 1, V. 22. Seyd Thäter des Wortes und nicht Hörer allein, damit ihr euch nicht selbst betrüget. Wie alle göttliche Wohlthaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, also geschieht es auch von ihnen in Absicht auf die Anhörung des göttlichen Wortes, und sie sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. Weltkinder bilden sich ein, 1) der Sonntag sey zu ihrer Ueppigkeit und Lustbar Der gläubige Christ danket Gott keit eingesetzt, da sie von der Arbeit frei, ihrem Fleische sollen Vergnügen machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, wenn sie noch viel thun, auf eine ceremonienmäßige Weise des Morgens zu dem Gottesdienst, Nachmittags aber zur Lust, auf die Jagd, zum Spiel, zum fündlichen Vergnügen, da sie einen Spaziergang vornehmen, und hernach, wo nicht berauscht, doch mit eiteln Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Thorheiten nach Hause kommen. 3) Weltkinder achten das gepredigte Wort nicht, und wenn man sie Montags fragen sollte, was ihnen ihr Kirchengang genußet, was sie gehöret, was sie gelernet, so wissen fie Nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, daß sie nicht glauben und selig werden, Luc. 8, V. 12. 4) Und wenn sie ja noch Etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in die Uebung. Wahre Kinder Gottes aber, wie sie den Sonntag mit Gott und mit Gebet angefangen haben, 1) hören auch mit Andacht das Wort Gottes an. 2) Das Gehörte wiederholen sie zu Hause, schreiben es auf, und freuen sich darüber als über einen großen Schaß. 3) Sie denken die ganze Woche daran, und trachten, es in Uebung zu bringen. Es hatte im alten Testament der Herr die Thiere zum Opfer erwählet, welche wiederkäueten, und die Seelen sind ihm auch 26 nach angehörtem göttlichen Wort. die liebsten, welche das gehörte oder gelesene Wort wiederkäuen, erwägen und aus demselben immer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen, und sich also damit zum ewigen Leben erbauen. 27 Gebe t. O du gnadenreicher Gott! wie kann ich dir genugsam danken, wie kann ich genugsam dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag haft erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehöret und vernommen habe, wie ich soll recht glauben, fromm leben, und dereinst selig sterben? Du haft mir laffen kund werden, was dein gnädiger Wille an mich sey, du hast mich lassen lehren, was ich soll meiden, und was ich soll thun. Ach ja! du läsfest dich nicht unbezeuget, damit Niemand eine Entschuldigung habe. Du gibst uns dein heiliges Wort und die heiligen Sacramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unserm Heil gebrauchen sollen; dein heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach barmherziger Gott! bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thåter des Wortes sey. Was hilft mir alles Hören, wenn ich nicht darnach thue? Darum versiegele, o Gott, ſelbsten in mir, was ich gehört und gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thåtig und kräftig. Ach du Thürhüter! schleuß Der gläubige Christ danket Gott doch mein Herz so bald zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in daſſelbige gegangen ist, damit es der Satan mir nicht raube, und ich leer wieder nach Hause gehen müsse. Sib, daß ich mich spiegele an dem Erempel so vieler tausend Menschen, die zwar dein Wort, o Gott, anhören, aber sich nicht bekehren und frömmer werden, noch die Bosheiten, Unarten und sündlichen Gewohnheiten ablegen, sondern vielmehr boshafter und frecher werden und bleiben. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen, da sie des Herrn Willen gehört, gewußt, und doch nicht darnach gethan haben? Ach mein Gott! laß mich diese Woche nun frömmer und gottseliger werden; gib, daß ich das gehörte Wort tåglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, darüber mich erfreue, und allezeit darnach thue. Habe ich aus deinem heiligen Wort vernommen, ich solle sanftmüthig, demüthig und barmherzig seyn: ach! so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit daran mich erinnere, und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feinde liebe, mich selbst verläugne, und den Armen und Elenden Gutes thue. Habe ich gehöret, ich solle gegen meine bösen Lüste und Gedanken streiten, mich verlåugnen, den alten Menschen ablegen, hinge28 nach angehörtem göttlichen Wort. gen den neuen anziehen, züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gib mir Kraft und Stärke, daß ich mich darin täglich üben und es vollbringen möge; und ob es zwar gleich im Anfang in großer Schwachheit geschiehet, daß ich doch fortfahre in der Heiligung, und mich je mehr und mehr reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach! laß mich mit deinem heiligen Wort umgehen, wie die Weltkinder mit ihren irdischen Schäßen, welche sie einschließen und wohl bewahren; ebenso gib mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, theuren Glaubenslehren, kräftigen Vermahnungen zur Heiligung des Lebens, als einen lieben und werthen Schaß in meinem Herzen bewahren, ja auch tåglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz, in Trubsal, in Krankheit, ja in dem Sterben, daraus einen Trostspruch nach dem andern hervorlangen könne. Ja, mein Gott! laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit und Frömmigkeit, Gottesfurcht, Erkenntniß deincs Willens und Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott, wir danken dir, daß du uns dein Wort gegeben; gib uns Gnade, daß auch wir nach demselben heilig leben; du woll'st selbst den Glauben stårken, daß er thätig sey in Werken. Höchster Gott, ach! sey gepreist, der du lehrst, was wir thun 29 30 Der gläubige Christ danket Gott nach ang. göttl. Wort. sollen; schenk' uns deinen guten Geist, gib uns auch ein eifrig Wollen; laß es ferner wohl gelingen, gib zum Wollen das Vollbringen. Amen. Gefang. Mel O Gott. du( rommer Gott. 1. Wer Gottes Wort anhört, Der soll auch darnach leben, Und also seinem Gott Sein Ohr und Herze geben; Viel hdren hilset nichts, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man vor wie nach Die frechen Sünden treibt. 2. Hörst du aus Gottes Wort Die wahre Buße lehren, So thu' auch wahre Buß', Fang' an dich zu bekehren, Und werd' ein neuer Mensch; Ach! bleib' nicht, wer du bist; Ja, ånd're dich bei Zeit, Und werd' ein frommer Christ. 3. Hörst du, man solle sich Den Bösen nicht gleich stellen, So sollst du dich auch nicht zu ihrer Rott' gesellen; Was böse Menschen thun, Das thué du doch nicht, Sey fromm und wandle stets vor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß Jesus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll Und alle Sünden hassen, So folg' auch ihm doch nach, Bestreb' dich immerdar, Daß du gesinnet seyst, Wie Jesus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Chrift Nicht nach dem Fleische leben, So lasse dieses Wort Dir stets vor Augen schweben; Folg' deinem Herzen nicht, und steh' auf deiner Hut, Vollbringe nicht, wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, Gottfelig, züchtig wandeln, Und niemals wider Gott und sein Gewissen handeln: So folge dieser Stimm', Verlaß' die Sündenbahn, und fang' durch Gottes Kraft ein neues Leben an. 7. Hörst du, man solle stets Den Nächsten herzlich lieben, Und das, was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm ausüben: So lieb' ihn wie dich selbst, Berfolg' und haß' ihn nicht, Und so vollbring' an ihm Die anbefohl'ne Pflicht. Morgengebet am Montag. 8. Ja, was du Gutes hörst, Das von dir soll geschehen, Das muß auch alsobald In die Erfüllung gehen; So hast du recht gehört, So hast du Trost und Freud', Und gehst durch Jesu Blut Dereinst zur Seligkeit. 9. Mein Gott! verleih' mir Gnad', Daß ich die Himmelslehren Mdg' immerdar mit Fleiß Zu meinem Nußen hören, Daß ich, was ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu', Und also hie und dort Gelang' zu meiner Ruh'. 31 Morgengebet am Montag. Laß mich früh hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich; thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, gütiger und allein weiser Gott! der du den Himmel erschaffen, und die Erde gegründet, und verordnet hast, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finsterniß, und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquikken mögen: ich lobe und preise dich für deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnädiglich erhöret, mich die vergangene Nacht vor Krankheit und anderm Uebel behütet, und das Meinige mit deinem Schuh umgeben hast. Herr, groß sind deine Werke, die du an dem Menschen thust, deine Güte reichet, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Ich schlief, und du wachtest; ich war im Schlafe den Todten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wieder sehen Morgengebet am Montag. lassen. Ach mein Gott! sey auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und Tróster, meine Zuflucht und mein Erbarmer; laß deine Augen über mich offen seyn, daß ich unter deinem Geleite unverlegt in meinem Beruf ein- und ausgehen, und den Abend nach deinem Willen wiederum unbeschädigt erreichen möge. Mein Gott, laß deinen Segen überall mit und bei mir seyn; was ich in deinem Namen anfange, dazu gib selber Rath und That, und laß mich niemals Etwas wollen, das du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlichte auch das Licht des heiligen Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in Furcht, Liebe und Gehorsam gegen dich hinbringe. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir; laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich sündige, und wenn man mich zum Sündigen verleiten will, so laß ihn mich erinnern, und durch seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an, Herr Jesu, kleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hånde, Herr Jesu, wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandele im Rath der Gott32 Morgengebet am Montag. 33 losen, noch sige, da die Spotter sigen, als welcher Freundschaft deine Feindschaft ist; so ich will der Welt Freund seyn, und mit ihnen ihre sündliche und alte Gewohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach mein Gott! drücke in mein Herz die Worte: Wandele vor mir und sey fromm. O wie Viele fangen eine Woche an, aber sie vollenden sie nicht, und sind am Ende derselben krank oder schon begraben! Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche Niemand dich schauen wird; laß mich gottseliger Worte, unstråflichen Wandels und heiliger Gedanken mich befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade und in deinen Wunden, o Jesu! erfunden werde. Die Gnade des Va= ters erhalte mich, die Liebe des Sohnes heilige mich, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Mit Segen mich beschütte, mein Herz sey deine Hütte, dein Wort sey meine Speise, bis ich gen Himmel reise. Amen. Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Coloff. 3, 2. 17. Alles, was ihr thut mit Worten oder Werken, das thut Alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Hat man Ursache zu beten und zu flehen, 3 Der gläubige Christ bittet um Segen wenn ein Tag anbricht, wie viel mehr soll ein gläubiger Christ sein Herz und seine Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will? Wie viele Menschen haben den Sonntag als den ersten Tag in der Woche gesund erlebet, und sind den Sonnabend darauf schon begraben gewesen? Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber che sie solche geendet, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, mit tausend Thrånen und Hånderingen beschlossen haben? Nun, mein lieber Christ, das kann dir und mir auch widerfahren; darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott sich wenden. Es soll aber ein gläubiger Christ 1) Gott anrufen um seinen heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle heiligen und ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verlegen, den Nächsten betrüben, und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. 2) Er soll die Woche über des Gebets und des Gottesdienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirchen und Betstunden fleißig besuche. 3) Und weil es nicht liegt an unserem Nennen und Laufen zur Arbeit, so soll er sonderlich Gott um seinen Segen anrufen, aber auch mitten unter der Arbeit 34 im Anfang der Woche. an Gott gedenken, und mit Gebet die Arbeit anfangen, mitteln und vollenden. 4) Er soll behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben, und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleicht, bis endlich dic letzte Todes- oder Sterbewoche kommt, da unsere Seele soll vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schuß vollenden; und sollte er es ihm auch eine Kreuzwoche werden lassen, so wird er doch darin sein Helfer, Retter und Beistand seyn und bleiben. 35 Gebe t. du liebreicher und barmherziger Gott! Ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an; ich weiß aber nicht, was mir darin widerfahren wird. Wie viel Uebels und Un= glücks kann uns in einem Tag begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche! Darum komme ich gleich im Anfange derselben zu dir, und empfehle mich dir ganz und gar. Ach mein Gott! gib mir deinen heiligen Geist, der mich heilige, leite und regiere, und meinem Geist das Zeugniß gebe, daß ich ein Kind Gottes sey. Segne mich diese Woche, segne meinen Ausgang und Eingang, segne meine Berufsarbeit und Geschäfte, segne meine Schritte und Tritte. Sch hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen 3* 36 Der gläubige Christ bittet um Segen und Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitest, so irre ich nicht; wenn du mich hältst, so falle ich nicht; darum laß deine Treue und Güte mich allewege behüten. Segne auch Alles, was mein ist, und laß es unter deinem Segen blühen. Ach mein Gott und treuer Vater! schüße und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück, laß mich bei Tag und Nacht in deinem Schuß und in deiner Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um, wie das Haus Hiobs; laß um mich und um das Meinige deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, so groß er auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nicht unerhört von dem Chron deiner Gnade weggehen. Bewahre mich vor schweren Sunden; weise mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, damit ich nicht aus deiner Gnade falle, sondern darin beståndig bleibe bis in den Tod. Gib, daß ich diese Woche möge frömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntniß und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, so auch an dem inwendigen Menschen wachsen, und in meinem Glauben darreichen möge Tugend, und in der Tu im Anfang der Woche. gend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit, wenn nun die legte Lebenswoche einbricht, ich deiner Gnade móge versichert seyn. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen heiligen Geist, daß ich Alles unter deinem mächtigen Beistand ausstehen und überwinden könne. Sey du selbst mein Helfer und Erretter in und aus aller Noth. Nun, ich befehle mich mit Leib und Seele und Allem, was ich habe, in deinen gnådigen Vaterschuß, wie auch alle fromme Christen. Darauf so sprech' ich Amen, und zweifle nicht daran, und geh' in Gottes Namen die vorgeschrieb'ne Bahn; ich streck aus meine Hand, greif an das Werk mit Freuden, das er mir will bescheiden in meinem Beruf und Stand. Amen. 37 S ef an g. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will die neue Woch' Mit dir, o Gott! anheben, Du woll'st mir deinen Geist und deinen Segen geben; Im Anfang steh' mir bei, Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sen mit dir. 2. Ohn' deinen Segen kann, Mein Vater! Nichts gedeihen, Drum wir, o Segens- Gott! Um Segen zu dir schreien; Ach! komme selbst zu uns, Und greif das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja, es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen, Und mit Bekümmerniß An seine Arbeit gehen, Wenn du nicht Aufmunterung zum Abendgebet selbst mitgehst, Und stehest mit dabei, Daß Anfang und auch End' Von dir gesegnet sey. 38 4. Drum komm', o Gott! zu mir, Und gib mir deinen Segen; Denselben wollest du In meine Arbeit legen; Ach! segne all mein Thun, Uch! segne meine Tritt', Und theile gnädiglich Mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit Die ganze Woch' hinbringen; Laß meine Arbeit seyn, Dich loben, beten, singen; Bewahre mich vor Sund' Und grober Missethat, Und wenn ich Buße thu', So schenk' mir deine Gnad." 6. Mein Gott! begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch' Ein Kreuz mir auferlegen, So beut mir deine Hand, Und steh' mir kräftig bei, Ja trage selbsten mit, Daß mir's erträglich sey. 7. Nun, was du Gutes wirst Mir diese Woch' erweisen, Dafür soll dich, mein Gott, Mein Mund und Herze preisen; Ach! laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen seyn, Bis ich durch Jesu Blut Geh' zu der Freude ein. Aufmunterung zum Abendgebet am Montag. Psalm 4, B. 9. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du allein, Herr, hilsst mir, daß ich sicher wohne. Ist die Dankbarkeit eine schöne Tugend, welche Gott und Menschen wohlgefällt, ſo soll auch ein gläubiger Christ derselben eingedenk seyn, wenn ihn Gott einen Tag hat überleben und den Abend erreichen lassen. Es. ist zu beklagen, daß viele Menschen Tage, Wochen, Monate, ja ganze Jahre hinbringen, ohne zu erkennen, was Gott an ihnen gethan hat. Sie genießen von Gott Schuß, 39 am Montag. Beistand, Hülfe, und danken ihm nicht einmal dafür, sondern meinen, es müßte so seyn, sie müßten gesund, glücklich und im Wohlseyn ihre Zeit hinbringen, Gott müßte also sie erhalten, und es ihnen lassen wohl ergehen. Darum, o gläubiger Chrift! sondere dich ab von solchen undankbaren Seelen. Hast du den Tag unter dem Schuh und Beistand Gottes glücklich zurückgelegt, fångt die Sonne an unterzugehen, und will es nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und mit Beten. 1) Danke Gott, daß er dich den Tag über vor Unglück bewahret, und denke, wie viele Menschen vielleicht den Tag, an welchem dich kein Leiden berühret, in das größte Unglück gekommen, ihre Gesundheit verloren, des Abends krank und in großen Schmerzen auf ihr Bette sind gelegt worden, da sie den Morgen noch frisch und gesund waren; ja wie Viele sind in einem Tage arm geworden durch Feuer und Unglück, die am Morgen noch Nichts davon wußten. 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Reden und deine Thaten; hast du den Tag über Etwas geredet wider Gott und den Nachsten, hast du Etwas vollbracht, das wider dein Gewissen und Christenthum ist, o alsdann bleibe auf, und bitte es Gott ab, che du schlafen geheft. 3) Gedenke, vielleicht wird in die Abendgebet am Montag. ser Nacht Gott deine Seele von dir fordern, o darum mache Frieden mit deinem Gott, ehe du die Augen schließest. 4) Bitte Gott um Schuß und um seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück von dir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlaf erwachest, so denke an Gott; danke Ihm, so schläfst du in seinen Armen und unter der heiligen Engel Schuß sanft und selig. 40 Abendgebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. O du ewiger und allmächtiger Gott! dieses sind meine Abendgedanken, da ich mich zur Ruhe begeben will. O wie soll ich dir genugsam danken, daß du mich aus- und einbegleitet hast, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen? Du hast mich gespeiset und getrånket, du hast mich getröstet und erquicket, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohlthaten sind lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe aufmuntern; darum ſo lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herru, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Vergib mir, o Herr! vergib mir aus Gnade, wenn ich heute das Vor Abendgebet am Montag. bild meines Jesu nicht vor Augen gehabt, und deine Gebote aus den Augen gesehet, hingegen nach der Welt und mit der Welt gelebet, und meinen Begierden freien Lauf gelaſsen habe; wärest du nicht ein langmüthiger Gott, ja der Vater der Barmherzigkeit, so lebte ich nicht mehr, indem kein Mensch so lange zusehen könnte, wie du mir Zeit zur Buße und Umkehr gegeben hast. Ach Herr! ich schuldige mich und thue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden, wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr; ich gelobe dir hiermit an, in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Uebel; drücke mir selbsten, wenn ich einschlafe, die Augen zu, mein Jesu! aber drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, daß ich deiner nicht vergesse. Meine Seele mit Begier traume stets, o Gott! von dir, daß ich fest an dir stets bleibe, und auch schlafend dein verbleibe. Sey mein Licht in der Finsterniß, mein Helfer in der Noth; mein Herz hålt dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antlig. Ich weiß nirgend hin, als zu dir, o allmächtiger Gott! Mein Vater ist Univ.- Bibl. Giessen 41 42 Morgengebet am Dienstag. bei mir, warum ſollt' ich mich fürchten, wenn ich schon einsam liege und schlafe? Mein Jesus, meiner Seele Licht, ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht schließet. Der heilige Geist ist bei mir, der erhält das Zeugniß in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes sey, ob ich schon von mir selbst Nichts weiß. Bin ich also in den Schuß des dreieinigen Gottes eingeschlossen, so schlafe ich sicher, wie Jacob; ich schlafe getrost, wie ein Kind an seiner Mutter Brust; ich schlafe beschüßt, wie Petrus. Gedenke, Herr, doch auch an mich in dieser schwarzen Nacht, und schenk mir gnädiglich den Schutz von deiner Wacht. Drauf schließ' ich meine Augen zu, und schlafe fröhlich ein; mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh', wer wollte traurig sein? Amen. Morgengebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfft, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott! dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich an diesem Morgen wiederum gesund von meinem Lager haft aufstehen lassen, und meinen Leib vor Schaden, und meine Seele vor Sünden bewahret. Wie groß ist deine Güte, Herr! daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen, und unter demselben ſo mächtiglich bewahrt wer Morgengebet am Dienstag. den! Ich schaue nach der Finsterniß wiederum das Sonnenlicht; gib mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Licht wandele und alle Werke der Finsterniß fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedienet, und meinen Mund, meine Glieder und Sinne nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten gerichtet habe, wovon ich dereinsten vor deinem Gerichte eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz zu deinem Dienst auf mit Leib und Seele; laß mich Nichts wollen, Nichts vornehmen und gedenken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiligt sein. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, darin ich als dein Kind in deinem Arm gelegen, nun wiederum von Neuem lebe, so weiß ich nir-. gend hin, als zu dir; ich klopfe an deine Gnadenthür, ich wende mich wieder zu der Segensquelle, aus welcher ich nehme einen Segen nach dem andern, eine Hülfe nach der andern; denn was du, Herr, segnest, das ist gesegnet ewiglich; wenn du deine Hand aufthust, so wird Alles gesättiget mit Wohlgefallen. Gib mir guten Rath, wenn ich Rath bedarf; richte meine Anschläge und mein Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß 43 44 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. ich diesen Tag meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, Herr, mein Gott! so schweige mir nicht, auf daß nicht, wo du schweigest, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem Heiligthum. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kranken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Ja, richt' mein ganzes Leben allein nach deinem Sinn, und wenn ich es soll geben in's Todes Nachen hin, wenn's hie mit mir wird aus, so laß mich selig sterben, und nach dem Tod ererben des ew'gen Lebens Haus. Amen. Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. 2 ufmunterung. 1. Petri 1, 2. 3. 4. Gelobet sey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergånglichen und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig können glückſelig machen. Ist nun Etwas, dessen sich ein Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. 45 Gläubiger rühmen, und darüber er sich freuen kann, so ist's gewiß die Wiedergeburt, so ist's gewiß diejenige Wohlthat, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlanget: 1) die Kindschaft bei Gott. Gott ist unser Vater, der uns als seine Kinder ernähren, bewahren, versorgen und nicht lassen will. Wir haben empfangen 2) die Gerechtigkeit Jesu Christi; Alles, was Jesus hat durch sein Leiden und Sterben erworben, das ist uns in der heiligen Taufe geschenket und zu eigen gegeben worden. Ja wir sind in ihn gepflanzet, er ist der Weinstock, wir sind die Reben, durch ihn erlangen wir neue Stärke zum Guten, Licht, Weisheit und Gnade. 3) Uns ist ertheilet die Inwohnung des heiligen Geistes, der will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsre Zunge und unsern Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche inwohnende Kraft des heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wachsen im Glauben, in der Frömmigkeit und in der Gottesfurcht, wie ein neugebornes Kind an Kräften und Jahren zunimmt. 4) Wir erlangen auch die ewige Seligkeit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Herrlichkeit sollen Theil haben. Wer dieses erwåget, der muß sich billig herzlich in Gott er 46 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. freuen. Aber er sehe sich auch vor, 1) daß er die empfangene Gnade nicht wiederum verliere; 2) daß er würdiglich wandele in seinem Beruf; 3) daß er die Welt nicht wiederum lieb gewinne, oder mit Unwiedergeborenen und Weltkindern vorsäglich fündige, und sich ihnen gleich stelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sey, wie ein liebes Kind, daß er dem Herrn Jesu nachfolge, daß er des heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist er gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade, Hülfe und Beistand wird genießen hier in der Zeit und auch dorten in der Ewigkeit. Gebe t. Großer Gott und liebster Vater! wie kann ich genugsam deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so berzlich angenommen hast, daß sie nicht verdürbe! O welche Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgetheilet, da du mich zu deinem Kinde angenommen hast! Rühmen Menschen ihre Glückseligkeit gar sehr, welche sie durch ihre hohe Geburt, durch Besignehmung hoher Ehrenstellen, durch großen Reichthum und durch ansehnliche Güter erlangt haben: fiehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Er Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. 47 ben, nåmlich. Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir auch zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschüßen, ja er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch große Freudigkeit im Sterben; darum wird er mich als sein Kind erquicken, laben, trösten, und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gib mir, o liebster Bater! deinen heiligen Geist, der mich an diese Herrlichkeit fleißig erinnere. Ich bin noch in der Welt, und lebe unter den Menschenkindern. Ach! bewahre mich, daß ich weder mit den Weltkindern fündige und Böses thue, noch mich ihnen sonst auf gefährliche Weise gleichstelle. Sehe ich Jemand Böses thun, höre ich etwas Böses reden, so laß mich gedenken, ich sey ein Gotteskind, dem solche Laster und Sünden nicht anstehen. Laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindesrecht und Kindestheil an Gott und an dem Himmel nicht feil ist, um deiner Lustbarkeit, Eitelkeit und Gewohnheiten zu genießen. Mein Jesu! du weißt, daß ich dich lieb habe und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht allezeit und 48 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. in der That so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach! nimm doch meinen Willen gnådig an; und also laß mich mein Leben in Glauben und Frömmigkeit, in Heiligkeit, Reinigkeit und kindlicher Demuth führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich wie dein Kind leben und sterben, und wie dein Kind zur Himmelsfreude gelangen möge. Ich habe Jesum angezogen schon långst in meiner heil'gen Tauf, auch bist du mir daher gewogen, hast mich zum Kind genommen auf; mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gefang. Mel. Jesu, der du meine Seele. 1. Wer nicht wieder ist geboren Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort beweist; Denn es muß allhier auf Erden Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Herrlichkeit. 2. Es muß die Geburt geschehen Durch die Tauf' und Gottes Wort; Wird man dem nicht widerstehen, Stößet man die Gnad' nicht fort, So wird man gar bald empfinden, Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt Gott in's Herzenshaus, So treibt er die Sünd' hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben, Gott, der werthe heil'ge Geist, Der fångt an ein neues Leben, Das die Laster aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit, Muß die Welt und Sünd' verachten, Wachsen in Abendgebet am Dienstag. der Frömmigkeit; Er muß gånzlich unterlassen und von Grund der Seele hassen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, Beten, Gott zu Ehren, Ist des neuen Menschen Sinn, Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuzieh'n; Gottes Willen zu verrichten, Ist des neuen Menschen Dichten; Also wird er gånzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr sey. 49 6. Also muß in dir vorgehen Eine Herzensänderung, Also muß man an dir sehen Eine Lebensheiligung; So muß Herz, Sinn und Gebärden Ganz an dir erneuert werden, Daß sie Glaub' und Lieb' auszier', Daß sie Gottes Geist regier'. 7. Ach mein Gott! hie fall' ich nieder, Förd're in mir dieſes Werk, Mend're Sinnen, Herz und Glieder, Gib mir deines Geistes Stark', Daß ich ja nicht werd' verloren, Sondern wieder sey geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr', Und dich liebe mehr und mehr. 8. Laß mich auch in diesem Stande Immer bleiben, o mein Gott! Bis daß meine Lebensbande Einst zerreißen durch den Tod; Daß mich Nichts von dir abtreibe, Und du mein, ich dein verbleibe; Alsdann geh' ich aus der Zeit In die frohe Seligkeit. Abendgebet am Dienstag. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen thun? Also spreche ich jego, o du gnädiger und liebreicher Gott! in dieser Abendstunde, und sage dir demüthigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schuß, deiner liebreichen Fürsorge, gnådigen Führung und unter deinem reichen Segen haft zurücklegen lassen. Herr! deine Güte ist groß, und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der Herr ist 4 Abendgebet am Dienstag. nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, er höret ihr Schreien, und hilft ihnen. Ach mein Gott! wie geschwind geht doch ein Tag dahin; wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind verfließen unsere Jahre. Darum lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat, und daß ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie Nichts vor dir. Wir müssen Alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, daß ein Jeder empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sey Gutes oder Böses. Darum richte ich mich selbst und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? hast du auch etwas Gutes gedacht? ist Gott heute mit dir vereinigt geblieben, oder hast du ihn mit vorsäßlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet? hast du gesprochen, was ehrbar, was keusch, was wohl lautet? ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet wor den, oder bist du von Narrentheidungen und schandbaren Worten übergeflossen? Wo seyd ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübet, ihr Hånde? Was habt ihr gehöret, ihr Ohren? Ihr Augen, wornach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein 50 Morgengebet am Mittwoch. Herz? Ach mein Gott! wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, o wie werde ich bestehen? Ach Herr! nimm weg mit dem abweichenden Tage meine Uebertretungen. S Jesu! tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. O heiliger Geist! versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, daß ich nicht, wenn diese Nacht die lette seyn sollte, verloren werde. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott! freigesprochen, so schlafe ich mit Freuden ein, und hüte mich morgen mit größerem Fleiß vor allem dem, was dich betrüben kann. Mein Vater! deine Liebe decke mich und die Meinigen; mein Jesu! in deinen Wunden ruhe ich sanft und wohl; o heiliger Geist! thue du den letzten Seufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände Gottes empfehle. Bin ich gleich von dir gewichen, stell' ich mich doch wieder ein, hat mich doch dein Sohn verglichen durch sein' Angst und Todespein; ich verläugne nicht die Schuld, aber deine Gnad' und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich stets in mir empfinde. Amen. 51 Morgengebet am Mittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir. O gnädiger und liebreicher Gott, mein Fels, Morgengebet am Mittwoch, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schuß! ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Throne deiner Gnaden, und danke dir, daß du die vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret hast. Gelobet sey der Herr tåglich, und gelobet sein heiliger Name ewiglich. Mein Gott! du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten und meine Seele dir zum Eigenthum und zur Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, willst auch nicht, daß ich verloren werde, sondern daß ich mich bekehre und lebe; o so laß mich diesen Tag auch dazu anwenden, daß ich schaffe selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt; laß auch die übrigen drei unter deinem Schuß und deiner Gnade, nach deinem Wohlgefallen, mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandele, so erquicke mich; wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte und hilf mir. Ach mein Mittler Jesu! bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Noth und Tod laufen, und von dir Hülfe erlangen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider 52 53 Morgengebet am Mittwoch. mich seyn? Laß mich, o allerliebster Heiland! heute in deine heiligen Fußstapfen treten, und wandeln, wie du gewandelt hast; so werde ich den Verführungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzens leicht entfliehen. Sey bei mir auf meinen Berufswegen; ich spreche mit völligem Glauben: Herr, ich laffe dich nicht, du segnest mich denn. Segne mich im Schlaf und Wachen, segne meinen Schritt und Tritt, segne mich in allen Sachen, their' mir deinen Segen mit; geſegnet laß mich seyn von dir, und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir richten, und wenn es sich in der Weltlust und in den Weltsünden verwickeln und belustigen will, so gib mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Vater! in deine Liebe, mein Jesu! in deine Wunden einsenke, daß es sich nicht aus deiner Gemeinschaft verirre, und an dem Abend noch darinnen gefunden werde. Steht mir heute ein Kampf bevor, so bilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde an, so stårke mich, daß ich es durch. deinen Geist abweise. Laß auch die Meinen dir befohlen seyn, und laß allen Betrübten und Kranken mitten in ihrem Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich, o Herr! und leite meinen Gang nach deinem Wort; Der gläubige Christ bittet, sey und bleibe du auch heute mein Beschüßer und mein Hort; nirgends als bei dir allein kann ich recht bewahret seyn. Amen. 54 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Röm. 12, V. 2. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sey der gute, der wohlgefällige, und der vollkommene GottesWille. Wenn ein gläubiger Christ erwåget, daß die Weltliebe ist wie das Unkraut, das von selbsten in der Seele wächst, hingegen die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott wie eine schöne wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß und Mühe erst muß dahin geseget und wohl bewahret werden, so kann er daraus erkennen, was man für Sorge und Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß Welt in ihm und außer ihm sey. Welt in ihm sind die bösen Lüste, Tücke, Begierden und Gedanken seines Herzens. Welt außer ihm sind der bösen Menschen Erempel, Lockungen und Verführungen. 2) Diesen allen aber muß ein wahrer Christ widerstehen, den aufsteigenden Lüften und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Reizungen durch Vermeidung der Weltgesellschaften, Gewohnheiten, Manieren und Lebensarten. 55 Gott wolle ihn von der Welt abzichen. 3) Weil nun dieses nicht stehet in unsern eignen Kräften, so muß er Gott um Hülfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Dieses Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen, einsperren und mit Niemand reden und umgehen wolle, sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindern nicht sündige, und ihre bösen Werke und Thaten nicht nachthue. Denn wenn wir mit gar keinen Gottlosen umgehen sollten, so müßten wir, nach Pauli Ausspruch, die Welt raumen. Wir sollen in der Welt seyn, wie Joseph in Aegypten, Loth in Sodom, Daniel und seine Gesellen in Babel, welche alle der Städte und Leute Sünden nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht etwa nur zum Schein, auf etliche Tage geschehen, wenn man will zur Beichte und zu dem heiligen Abendmahl gehen, sondern diese Arbeit soll beständig seyn; ist die Welt aus dem Herzen heraus, so gehet Jesus ein. Gebet. Barmherziger Gott, du Liebhaber der Menschen, wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns hast bei unsern vielen Fehlern und Schwachheiten, und strafest uns nicht auf frischer That, und wie wir es verdienen! Ach! du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst Der gläubige Christ bittet, kenne und das Verderbniß meines Herzens einsehe. Jch fühle Welt in mir und Welt außer mir. Ich finde Welt in mir, námlich böse Gelüste meines Herzens, sündliche Neigungen und Triebe zum Bösen. Ich finde Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sündenexempeln und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach leider! mein natürlich unartiges Herz hat viel mehr Lust und Freude daran, als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführet werden soll. Ach wehe mir, daß ich so lange, so oft und so viel mich durch die Welt habe reizen und verführen lassen! Ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, wenn ich an die Thorheiten meiner jungen Jahre gedenke, da ich leider! ach leider! der Welt mehr gedienet, als dir, meinem Gott, der Welt mehr zu Gefallen gethan, als dir, der Welt mehr angehangen, als dir, aber auch damit dich beleidiget, mein Gewissen verlehet und dich zum Zorn gereizet habe. Siehe da, mein Gott! ich kehre um und thue Buße im Staub und in der Asche. Ach ziehe mich selbst von der Welt ab, mein Gott! damit du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein heiliger Geist heilige mich durch und durch, und vertreibe die Welt aus mir; stelle mir vor das klägliche Ende der Weltkinder, damit ich dich liebe Gott wolle ihn von der Welt abziehen. und nicht die Welt; daß ich dir folge, und nicht der Welt; daß ich dich höre, und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit. der Welt von Neuem laufen und fündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht, und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienst erschaffen hast, daß ich den neuen Menschen soll tåglich anziehen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gib, daß ich beständig verachte die vergängliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Weltlust und Weltfreude lauter Angst, Zerstreuung, ein böses Gewissen und das Seelenverderben folget. Reiße aus meinem Herzen, was noch Welt und Weltliebe heißet, und pflanze deine heilige Furcht in mich. Du Schöpfer aller Dinge, du våterliche Kraft, regierst von End' zu Ende, kräftig aus eigner Macht; das Herz uns zu dir wende, und kehr' ab unsre Sinne, daß sie nicht irren von dir. Amen. Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott, zc. 1. Du willst, o lieber Christ, Dich dieser Welt gleich stellen, Und zu den Sündern dich Und ihrer Lust gesellen, Und meinest, das sey recht; Allein ich sage nein, Ein wahrer Christ muß nicht Ein solches Weltkind seyn. 2. Du meinst, es stünde nicht, Ganz sonderlich zu wandeln, 58 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen Behutsam, fromm und still In seinem Thun zu handeln; Du schámest dich zu seyn Ein solcher Sonderling, Und sprichst, man lach' dich aus, Und halte dich gering. 3. Allein d'ran kehr' dich nicht; Wo Gottes Wort hinzielet, Was Gott in seinem Wort Mit Ernst dir anbefiehlet, Sieh, darnach richte dich, Und lasse Welt seyn Welt; Sie sage, was sie will, Thu' du, was Gott gefällt. 4. Denn saget Gott nicht selbst: Ihr sollet heilig leben, Wie ich auch heilig bin, Ihr sollt euch mir ergeben! Und stellet Christus nicht Sich selbst zum Vorbild dar, Daß wir gesinnet sey'n, Wie er gesinnet war? 5. Die Frommen haben nie Das Böse ausgeübet, Den Bd. sen nie zu Lieb' Den lieben Gott betrübet; Nun also mach' es auch, Halt' deine Seele rein, Leb' heilig und gerecht, Denn also muß es seyn. 6. Sieh, Noah lebte nicht, Wie andre Menschen lebten, Es waren acht, die sich Recht fromm zu seyn bestrebten; Uch denke, denke d'ran, Wenn du die Bösen siehst; Wie wohl, wenn du mit Fleiß Die Sündenwege fliehst! 7. Sedenke, was that Loth In jenen Sodomslanden, Darins nen sich kaum vier, Die Gott recht liebten, fanden? Er wurde zwar gequält, Und fündigte doch nicht; Sein Herz und Wandel war Allein zu Gott gericht't. 8. Wie? hat denn Joseph auch Egyptens Sünd' getrieben? Ist auch nicht Daniel In Babel fromm geblieben? So mache du es auch, Ob man schon wenig find't, Die da von Herzen fromm Und Christi Jünger sind. 9. Du mußt nicht mit der Welt Zu ihren Sünden gehen, Du mußt in Gottes Furcht und seiner Liebe stehen; Und thut es keiner nicht, So thue es allein, So wirst du deinem Gott Recht angenehm stets seyn. 10. Ach Gott! erinn're mich An diese Lebenspflichten, Ich will mich gern nach dir und deinem Willen richten. Ich sage hiemit ab Der Welt und Sündenfreud', und bleibe dir getreu In Zeit und Ewigkeit. Abendgebet am Mittwoch. Ich liege und schlafe, und erwache, denn der Herr erhålt mich. O du heiliger, gütiger und allein weiser Gott! du hast mich heute diesen vergangenen Tag abermal erfahren lassen, daß du der rechte Vater bist über Alles, was Kinder heißet im Himmel und auf Erden; du hast nach deiner unendlichen Güte für mich geforget, daß es mir nicht gemangelt hat an- irgend einem Gute. Ach Herr! ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du mir erweisest. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er tåglich an mir thut, der ich nur Staub und Asche bin? Verschmähe nicht das demüthige Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergib mir, o gnådiger Gott, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich begangen habe. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern alle böse Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, dieselben morgen und Zeit meines Lebens hasse und lasse, daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, und ihn nimmer wieder anziehe. Laß mich die bevorstehende Nacht sammt allen meinen Anverwandten und Hausgenossen unter dem Schuß deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich, aber laß, o Jesu! du Sonne der Gerechtigkeit, Abendgebet am Mittwoch. deinen Glanz immer in meinem Herzen leuchten. Erfülle mich im Schlaf mit guten Bewegungen, auf daß, wenn ich erwache, dein Name und Gedächtniß immer in meinem Herzen sey, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnådigen Führung auf meinem Lager beischlaflosen Nächten reden und denken, und dadurch alle unnüße Sorgen und fündliche Gedanken vertreiben möge. Erneuere im Schlaf meine Kräfte, daß ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wachet ein Hirt bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele befohlen seyn. So du aber zur Prüfung meines Glaubens, meiner Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über mich verhången wolltest, so denke, mein Gott! daß ich dein Kind sey, daß ich ohne dich Nichts vermag, und daß es dir, als meinem Vater, zukomme, Errettung und Hülfe aus deinem Heiligthum zu senden. In Traurigkeit erfreue mich, im Elend erquicke mich; wenn ich verlaffen bin, so nimm dich meiner herzlich an. Laß deine Allgegenwart und dein allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden abhalten. Ich hebe auch bei der anbrechenden Nacht meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Herr, es ist von meinem Leben wiederum ein 60 61 Morgengebet am Donnerstag. Tag dahin; lehre mich nun Achtung geben, ob ich fromm gewesen bin; zeige mir auch ſelbsten an, so ich was nicht recht gethan, und hilf jett in allen Sachen guten Feierabend machen. Amen. Morgengebet am Donnerstag. Herr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. O du gnådiger und barmherziger Gott! ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so våterlich ernähret und bewahret hast, sondern daß du auch diese vergangene Nacht mein Schuß und Beistand gewesen bist, also daß ich zu deinem Lob wiederum gesund von meinem Lager aufstehen und das angenehme Tageslicht anschauen kann. O du Liebhaber des Lebens, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Ich wußte im Schlaf von mir selbsten Nichts, aber dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret; du hast mich und mein Haus mit deiner Engelwache umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück beschädigen konnte. Du hast mich durch eine sanfte Ruhe erquicket, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete haben entbehren müssen, da ich wohl eben so viel, ja noch mehr Züchtigung verdienet als Morgengebet am Donnerstag. sie, indem ich dir für die unsäglichen Wohlthaten, so ich Zeit meines Lebens empfangen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, mein Schöpfer und Erhalter! erfordert håtte, nämlich durch ein immerwährendes Lob und demüthigen Dank. Nun, ich will heute anfangen, durch deine Gnade zu ersehen, was ich durch meine Schuld versäumt habe. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen und mich dir zu eigen zu geben. Ich habe mir vorgeseßt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten, oder mit Narrentheidungen und sündlichen unnüßen Worten eine schwere Rechenschaft auf mich laden. Ich will meinem Fuß wehren alle sündlichen Wege; mein Auge soll nicht schauen nach mir verbotenen Dingen und Personen; ich will meine Hände nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit, und mein Ohr abwenden von loser Lehre und bösem Geschwätz, als welches gute Sitten verderbt. Hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott! zu deinem Dienst ergeben; ach! wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade. Laß mich diesen Tag immer mit frommen Leuten umgehen, und so ich ja Berufs halber und unverhofft zu Bósen komme, so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden, Thaten und Befleckungen. Segne meine Arbeit, daß 62 Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. ich dieselbe mit kindlicher Zuversicht auf deine Fürsorge freudig und getrost verrichten, und deinen Segen aller Orten, empfinden möge. Nun, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat; der segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis in die frohe Ewigkeit. Meinen Ausgang segne, Gott, meinen Eingang gleichermaßen, fegne auch mein täglich Brod, segne all mein Thun und Lassen, segne mich mit sel'gem Sterben, und mach' mich zum Himmelserben. Amen. 63 Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. 2 ufmunterung. Matth. 16, V. 24. Will mir Jemand nachfolgen, der verläugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Herr, siehe, ob ich auf bösen Wegen bin; so soll ein glaubiger Christ tåglich seufzen, nach Psalm 139, V.24. Fraget ein behutsamer Wandersmann fleißig nach dem Wege, so foll ein Gläubiger sich fleißig des Himmelsweges erkundigen. Es sind viele Verführer ausgegangen, spricht Johannes, darum ſoll ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführet werde. Ein gläubiger Christ folget demnach 1) nicht nach den Weltkindern, die ihn wollen mitnehmen zu ihren lustigen Der gläubige Christ und sündlichen Gesellschaften; dadurch würde er seine Seele in allzu große Gefahr sehen; viel weniger folget er dem Trieb seines bösen Herzens, sondern er denket allezeit, so ihm Etwas in die Gedanken kommt: ist das auch recht? Er folget auch nicht dem Satan und seinen Reizungen nach, sondern er folget nach 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellet, was er glauben, was er thun und unterlassen soll; das ist seine Lebensregel, was die nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen Abscheu. Er folget sonderlich nach 3) dem Herrn Jesu, der uns ein Vorbild gelassen hat, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; die Fußstapfen Jesu aber sind Demuth, Gehorfam, Geduld, Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit, als welche Tugenden er bei seinem Wandel auf Erden uns zum Muster hat ausgeübet. Hierin bestehet die heilige und wahre Nachfolge. Er folget 4) auch nach dem Erempel frommer Christen; siehet er an frommen Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit gegen Gott, Mildthätigkeit gegen die Armen, und andere Tugenden, so trachtet er auch, solche nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beståndig bleiben bis in den Tod, so wird an folchen Seelen auch erfüllet werden, was JoHannes faget, Offenb. 14, V. 4. Sie folger: dem Lamm nach in das ewige Leben. 64 will Jesu nachfolgen.de* 0. Sebe t. Ach mein Gott und Herr! mein einziges Verlangen ist, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese, die Auserwählten im Himmel gehen dem Lamme nach, wo es hingehet; aber ich erkenne auch woht, daß derjenige, welcher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlichkeit, ihm auch muß nachfolgen in dieser Zeit, dieweil er noch in der Welt lebet. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert; ich sehe viele Vorgånger, und weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Satan ladet mich zwar ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen, die Welt stellet mir ihr Erempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor Augen; allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen, nåmlich zur Hölle und Verdammniß. O darum will ich dir, o Jesu! nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir nachfolgen in Glauben, Liebe, Demuth, Gehorsam, Frömmigkeit und Kenschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen. Dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Erempel Fesu meinen himmlischen Bater lieben, ehren und seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach 5 05 Der gläubige Christ will Jesu nachfolgen. seinem Erempel meinen Nächsten lieben, und ihm Gutes thun. Ich will nach seinem Erempel meinen Feinden gerne verzeihen. Ich will nach seinem Erempel demüthig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demithig. Nun, dieß ist mein heiliges Vorhaben, dazu wollest du mir Kraft verleihen. Ach! erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bosen Weltkinder Gebärden, Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke: Wo gehest du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu Jesu und zu der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich selbsten frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg? Gib, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich seyn soll, und wer ich bin. Ich soll seyn ein Kind Gottes, ein Nachfolger Jesu; ich soll mich von der Welt unbefleckt erhalten. Hilf, daß ich in dieser Nachfolge und in diesem Sinn beständig verharre bis in den Tod. Ich folge Jesu nach, in Gottesfurcht und Glauben, in wahrer Frömmigkeit, die soll mir Niemand rauben; in Demuth folg' ich ihm, werd' ich ihm folgen schwach, so starkt mich seine Hand, ich folge Jeſu nach. Amen. 66 sang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Jefus bleibet meine Freude, Ob schon in der Welt Nichts bleibt, Er ist meiner Seele Weide, Vondem mich nichte Ird'sches treibt; Such' ich Freud' in diesem Leben, Kann mit Abendgebet am Donnerstag. folche Jesus geben; Drum soll Jesus nur allein Meiner Seele Freude seyn. 67 2. Jesus bleibet meine Sonne, Ob die Sonne untergeht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Ob schon Alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne wieder scheinen, D! so stehet's um mich wohl, Und ich bin Vergnügens voll. 3. Jesus bleibet unter Freunden Dennoch stets mein bester Freund, Leb' ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbunden, Und ich hab' an ihm gefunden, Was ich in der Welt nicht find', Ja an keines Menschen Kind. 4. Jesus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Vergnůgen fehlt, Mein Vergnügen ist sein Fügen, Mich vergnügt, was er erwählt; Drum sprech' ich: Mir soll in Allem, Nur was dir gefällt, gefallen; Mein Vergnügen ist dein Will', Deinem Willen halt' ich still. 5. Jesus bleibet mein Ergoßen, Sonsten acht' ich keine Lust, Außer ihm und seinen Schäßen Ist mir sonst kein Schak bewußt; Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Ist mein Jesus nur allein, Soll's auch dort im Himmel seyn. 6. Drum will ich an Jesu hangen, Wo ich gehe, wo ich steh', Denn dieß ist nur mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh'; Was kann mich von Jesu scheiden? Keine Trübsal und kein Leiden! Ich folg', ob ich gleich bin schwach, Jesu, Gottes Lamme, nach. 7. Wählt, ihr Menschen, o! erwählet Mit mir dieses höchste Gut; Wenn's euch gleich an Vielem fehlet, So habt einen guten Muth; Suchet Jesum, halt't ihn feste, Dieses ist das Allerbeste; So habt ihr in aller Noth Hülfe, und auch Trost im Tod. Abendgebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, rede ich von 5* Abendgebet am Donnerstag. dir. O reicher und liebreicher Gott und Vater! hier komme ich abermal mit vielen Wohlthaten von dir überhäufet und begnadiget in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O wie gnådig hast du mich angesehen, und wie ein Vater über sein Kind, dich über mich erbarmet, daß ich den Abend unbeschädigt erlebet habe; deine Langmuth hat meiner geschonet, daß du mich nicht nach Verdienst gestrafet hast. Ach! verzeihe mir alle Uebertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidiget habe. Ich sollte stärker werden, wider die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andachtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel; aber wer kann merken, wie oft er fehle? verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch inskünftige mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidiget habe. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, Herr! wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott, ach! schließe du selbst die Thüre hinter mir zu, wie an dem Kasten Noah's, daß kein Wasser der Trübfal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in ihren Schuß nehmen, daß meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen ins Bette auch gedenken, wie ich 68 69 Abendgebet am Donnerstag. dereinst werde mit Erde zugedecket, aber am jüngsten Tage wieder auferwecket werden. Laß mich alle Tage also hinbringen und schließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens trösten könne, auf daß ich bereit sey, zu welcher Stunde du kommen wirst, mich heimzuführen. Wie ich liege und schlafe, und doch noch Athem hole, o Jesu! so sey auch im Schlafe mit mir vereiniget. O dreieiniger Gott! unter deinem Schirm und Schild kann mich weder Noth noch Tod verlegen, oder mir schaden. Deine Liebe und Schuß, o Vater! deine Wunden, o Jesu! dein Beistand, o werther heiliger Geist! sind die Wagenburg, darin ruhe ich sanft, und liege darin wohl verwahret; davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schuhes genießen, wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlaf meine Kraft, und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht morgen wieder erblicken. Herr! laß mich ruhig schlafen ein, hilf, daß mich Nichts erschrecke, und wenn die rechte Zeit wird seyn, alsdann mich wieder wecke, daß ich an meine Arbeit tret', wenn ich zuvor hab' durch's Gebet dir meine Werk' befohlen. Verschmäh, o Gott, mein Vater! nicht mein Seufzen, Bitt' und Flehen; laß mich dich, Jesu! wahres Licht, auch in dem Finstern ſehen; o heil'ger Geist! am Morgengebet am Freitag. legten End' mit deinem Trost dich zu mir wend', daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. Morgengebet am Freitag. 70 Mein Herz ist bereit, Gott! mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Gnådiger und liebreicher Gott! mein Vater, Erlöser und Heiligmacher! ich hebe in dieser Morgenstunde mein Herz und meine Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majeståt, von welchem mir Zeit meines Lebens, und auch die vergangene Nacht, gar viele Wohlthaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stårke, mein Schuß, mein Erretter, meine Burg, mein Nothhelfer, mein Trost, mein Schirm, ja mein Alles gewesen. Aller dieser Wohlthaten, mein Gott und Herr! erkenne ich mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsterniß an mich gedacht, und als mich die dunkeln Schatten umgaben, hast du meinen Leib und meine Seele vor Schaden und Gefahr våterlich behütet. Darum preise ich dich, und lobsinge deinem Namen. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Sey, o liebreicher Gott! auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rath, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich Nichts nach Himmel und Erde. Gib mir heute und allezeit ein, was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre 71 Morgengebet am Freitag. mich, was ich thun soll, daß ich nichts Böses thue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herz klopfen, wenn sich meine Gedanken von dir verirren wollen. Laß mich, o Jesu! dein blutiges Bild, wie du an einem Freitag, zur Zeit deines bittern Leidens, hast blutigen Schweiß für mich am Delberg geschwißet, blutig bist in dem Richthaus gegeißelt, und blutig an's Kreuz angenagelt worden, vor Augen sehen, wenn Fleisch und Blut fündliche Lüste in mir erregen. Zeigt sich heute außer mir vielleicht Gelegenheit zur Sünde, darein mein Herz willigen wollte, so zeige mir eben dieß blutige Bild, daß dadurch alle Lust zur Sünde in mir erlöschet, ertödtet und vertrieben werde. Also wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden Zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe, und in dem neuen Wesen des Geistes wandele. Gedenke auch im Leiblichen an mich und segne mich. Laß mich alles Irdische als ein vergångliches Gut ansehen, daß ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, so stårke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgib auch mich und die Meinigen mit deinem Schuß, wie das Haus Hiob's; bewahre mich, wie den Jacob; habe Acht auf mich, wie 72 Der gläubige Christ bittet auf Eliam, daß ich unter deinem Schuß den Abend wiederum fröhlich erlebe. Laß vor mich nicht kommen eine traurige Botschaft, sondern laß mich hören Freude und Wonne. Meinen Leib und meine Seele, sammt dem Willen und Verstand, großer Gott! ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr' und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigenthum. Amen. Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. 2 ufmunterung. Psalm 51, V. 12. 13. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Um den heiligen Geist zu bitten, ist die allernothwendigste und seligste Bitte. Der heilige Geist ist nicht mit unter den Gaben, die uns Gott gibt ohne unser Gebet, wie das tågliche Brod, sondern derselbe wird nur denen gegeben, die ihn darum bitten, wie Christus spricht Luc. 11. Derohalben ist 1) der heilige Geist eine Gabe, die nur denen wird gegeben, die sich wollen heiligen, reinigen und von ihm regieren lassen. 2) Um den heiligen Geist bitten, ist höchst nothwendig; denn in diesem Leben haben wir vonnöthen einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster, und das ist der heilige Geist, der führet uns in alle 73 um den heiligen Geist. Wahrheit, er lehret uns Jesum Christum erkennen, er erkläret ihn uns, er tröstet uns in allerlei Leiden und Trübsal, ja in der Stunde des Todes. 3) Um den heiligen Geist sollen bitten Alte und Junge, Große und Kleine, die Eltern für sich und ihre Kinder, denn der heilige Geist ist das Pfand unsers Erbes; wer hier den heiligen Geist nicht hat in seinem Herzen, der kann auch dorten nicht selig werden. 4) Derohalben sind das die unglückseligsten Menschen, die ohne den heiligen Geist sind; die können nicht fromm werden, noch fromm leben, sondern fündigen und fallen, weil sie ohne diesen Regierer und Führer sind; ja wer will sie auf ihrem Todbette trösten, und in der letzten Noth erquicken? 5) Hat uns Gott aber den heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich stoßen durch muthwillige Sünden und ein gottloses Leben, sondern tåglich seufzen: Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! 6) Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott und in dem Stande der Seligkeit. bet. e Großer Gott, heiliger Vater! siehe, ich armes Kind komme zu dir, und bitte dich um eine nothwendige Gabe, um den heiligen Geist, welchen du hast gnådiglich verheißen Allen zu geben, die dich darum anrufen. Darum sende ihn von oben herab, aus deiner Der gläubige Chrift bittet heiligen Wohnung, in mein Herz, daß er sey mein Führer, der mich leite nach deinem Rath, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach! ich sehe so viele Irrwege und Sündenwege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich theils mit freundlichen, theils mit Schmåhworten reizen, ich sollte mit ihnen fündigen und Böses thun. Ach Gott! leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt mit ihren Sünden will gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben und in die Verdammniß führet. Ach! gib mir deinen heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue in Traurigkeit; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Creatur und einen neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sey ein Kind Gottes; den Geist, das Pfand meines himmlischen Erbes. S werther heiliger Geist, ach heilige mich! du siehest ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünden ist, daher denn lauter unheilige Gedanken, Worte und Werke entstehen; aber du siehest auch, wie ich durch deine Gnade davor einen herzlichen Abscheu 74 um den heiligen Geist. habe. Ach! es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübet und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit ergebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung; du sollst seyn meiner Seele Seele, meines Lebens Kraft, meines Herzens Trost, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, meines Gedächtnisfes Schaß, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens. Ach! heilige mich durch und durch, damit mein Geist sammt Seele und Leib mögen unstråflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel, und wohne darinnen. Mache meine Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit, daß ich damit nicht möge vorsäglich und muthwillig fündigen. Mache mein Herz zu einem lebendigen Opfer, das Gott angenehm sey. Du heiliges Feuer, brenne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüste und Begierden, daß ich auch die Kräfte meines Leibes zu deiner Ehre gebrauche. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führest. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost benehmen will, daß ich sey ein Kind Gottes, ach! so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, und daß 75 76 Der gläubige Christ bittet um den heiligen Geist. Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben. Sey und bleibe du der beständige Einwohner und Herr in meinem Herzen; gib Zeugniß meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sey. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe und Beistand verschwindet, mit dem Trost, daß ich werde der Herrlichkeit theilhaftig werden, die mein Jesus durch sein Leiden und Ster= ben mir erworben hat. Bater! gib mir auch die Gabe, die du Alle bitten heißt, daß ich sie empfind' und habe, gib mir deinen heil'gen Geist; denn ich habe groß Verlangen, dieſe Gabe zu empfangen; ach! erhöre meine Bitt', theile deinen Geist mir mit. Amen. Gefang. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren. 1. Uch komm' doch in mein Herze, O werther heil'ger Geist! Sey meiner Seele Kerze, Die sie zum Himmel weist, Und mach' sie neu und rein; Ich habe groß Verlangen, O Geist! dich zu empfangen, Ach! kehre bei mir ein. 2. Komm, gib mir neue Stårke In meinem Christenthum, Und heil'ge meine Werke Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach! mache mich ganz neu, Daß ich stets bet' und singe, Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig sey. 3. Komm, heil'ge meinen Willen, Und reiß' ihn von der Welt, Damit ich mog' erfüllen, Was dir, mein Gott, gefällt; Ich geb' mich gånzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja, ånd're Herz und Leben, und heil'ge gånzlich mich, Heb' auf das Widerstreben, Daß Alles richte sich Allein nach Abendgebet am Freitag. deinem Trieb, Daß ich die Sünde hasse, Das Böse unterlaſſe, Und wachs in deiner Lieb'. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist, hinfort, Damit sie nicht ausbrechen In's freche Sündenwort; Sey meiner Zunge Herr, Daß sie Gott lob' und preise, Dem Näch: sten Lieb' erweise, Und dien' zu deiner Ehr'. 6. Ich will von mir ausgehen, Wenn du gehst bei mir ein, Und auf dein Winken sehen, Dir ganz zu Dienste seyn: Du bist's, den ich erwähl', Ich will mich dir ergeben, Du sollst nun seyn mein Leben, Und meiner Seele Seel'. 7. Wenn du nun hast genommen In meinem Herzen Plaß, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du seyn mein Schat, Dieweil ich an dir hab' Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab'. 8. Wird sich mein Leben enden, Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt des Lebens Saft, Daß ich kann nicht mehr beten, So wirst du mich vertreten Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd' erblassen, So sprich den Trost mir zu, Ich seye nicht verlassen, Ich komm' zu meiner Ruh'! Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen, Und seliglich durchdringen Zur Himmelsherrlichkeit. 01 Abendgebet am Freitag. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott, laß auch in diefer bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich her lagern, und mich mit ihrem mächtigen Schuß umgeben; hast du den Engeln des Tags befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so laß fie auch des Nachts, als die Starken Salomonis, 78 Abendgebet am Freitag. um mein Bette stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Jesu, ach! bestreiche du die Pfosten meines Herzens mit deinem heiligen Blut, daß nichts Schädliches sich zu mir nahe; ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hast mich heute begleitet, wo ich mich hingewendet, und in meine Verrichtungen deinen Segen geleget; du hast zu Allem, was ich in deinem Namen angefangen, Glück gegeben. Ach! daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich so großes Uebel thun und wider Gott sündigen? Ach! verzeihe mir aus Gnaden, was ich diesen Tag über Böses vollbracht, geredet, gedacht habe; laß mit dem abgehenden Tag auch meine Sünden und Sündenstrafe verschwinden, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? denn ich weiß gar wohl, daß es also ist, daß ein Mensch nicht gerechtfertigt vor Gott bestehen mag; hat er Lust mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf Tausend nicht Eins antworten. Was ich aber nicht vermag, das will ich mit Jesu Blut bezahlen. Mein Jesus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Himmel ist mein. So erkenne mich doch, mein Huter, mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Gutes gethan; laß mich solche deine Güte zur Buße Morgengebet am Sonnabend. leiten, denn du hast mich je und je geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Laß dein heißes Blut und deine treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, daß ich dich niemals mehr vorsäßlich möge beleidigen, der du so viel Gutes an mir gethan hast. Ich lege mich zur Ruhe nieder, es kann auch diese Nacht meine leßte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde, das stehet allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens; aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater, in deinen Wunden, o Jesu, in deiner Gemeinschaft, o werther heiliger Geist, einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. Ich lege mich in Jesu Wunden, wenn ich mich lege zu der Ruh', ich bleib' im Schlaf mit ihm verbunden, er drücket mir die Augen zu; ich fürchte nicht die finstre Nacht, weil Jesus um mein Bette wacht. Amen. 79 Morgengebet am Sonnabend. Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat und daß ich davon muß. Starker und allmächtiger Gott! dieses sind jeho meine Gedanken am Ende der Woche, da du am legten Tage derselben mich hast gesund von Morgengebet am Sonnabend. meiner Ruhe aufstehen lassen. Ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschüßet, so mächtig bedekket hast, daß keine Gefahr noch Leiden mich hat beunruhigen können. O mein Gott! so wenig die Sterne am Himmel, der Sand am Wasser, die Tropfen im Meer zu zählen sind, so wenig kann ich auch die Wohlthaten namhaft machen, welche ich Zeit meines Lebens, und auch diese Woche über von dir empfangen habe. Du bist diese Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Ungemach von mir abgewiesen. Du sprachst: Mein Kind, nun liege, trop dem, der dich betrüge, schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. Dein Wort, Herr, ist geschehen, ich kann das Licht noch sehen, von Noth bin ich befreiet, dein Schuß hat mich erneuet. Ach! laß mich diesen Tag beständig verläugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und dagegen züchtig, gerecht und gottselig den Tag hinbringen. Laß mich mit meinen Kleidern anziehen herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanftmuth, Demuth und Geduld, hingegen den alten Menschen mit seinen Werken, Ungerechtigkeit, Falschheit, Lügen, Zorn, Zank, Zwietracht, Unreinigkeit und Bosheit ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir Nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwi80 Morgengebet am Sonnabend. 81 der seyn könne. Mein Jesu, der du bist das A und das O, der Anfang und das Ende, ich habe nun abermal durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebet, laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der lette Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage so anfangen, mitteln und vollenden, daß ich in den legten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen dürfe, daß ich gelebet habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen, behüte meinen Ausgang und Eingang, ſegne meine Arbeit, stehe mir in allen Fällen bei, und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Zerreiße das Sündenregister, welches ich diese Woche hindurch zusammengebracht, und streiche es mit deinem Blute aus. Laß mich die neue Woche behutsamer, frömmer, aufrichtiger und dir gefälliger werden. Ich freue mich schon auf den morgenden Sonntag, da ich soll ruhen von aller meiner Arbeit, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung, Heiligung und Bekehrung in mir haben mögest. Darum, o heiliger Geist! kehr' bei mir ein, und laß mich deine Wohnung seyn, o komm'! du Herzenssonne; o Himmelslicht! laß deinen Schein bei mir und in mir kräftig seyn, zu steter Freud' und Wonne. Laß mich durch dich fromm zu leben jegt anheben, und mit Beten oft deßhalben vor dich treten. Amen. 6 82 Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche. Aufmunterung. Psalm 116, V. 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten, die er an mir thut? Es gehet ein Tag und eine Woche unsers Lebens nach einander dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen näher zu unserm Tode; unterdessen ist doch der gütige Gott so barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes thut an Leib und Seele, und unser Herz erfüllet mit Speise und Freude. Das sollen auch die Gedanken seyn eines gläubigen Christen am Ende der Woche. 1) Er danket Gott für den Segen, den er empfangen, für den Schuß, darunter er die Woche glücklich hingebracht, für die Hülfe, die er erlanget hat, wenn er Gott mit seinem Gebet angeflehet. Höret er, daß Andere die Woche über in Unglück gerathen, betrübet worden, gefallen sind, Schaden gelitten, von ihrem Elende und Jammer nicht befreiet worden sind, so hat er Mitleiden mit ihnen, und rühmet Gottes Gute, die ihn mit dergleichen Leiden verschonet hat. 2) Ein gläubiger Christ erwåget, daß Gott durch solche beharrliche Beweisung der Güte ihn zur Buße leite; darum bereuet er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht, und läßt also den legten Der gläubige Chrift danket Gott am Ende der Woche. 83 Tag der Woche seinen Versöhnungs-, Bet-, Buß- und Danktag seyn. 3) Er bittet auch um fernern Schuß, Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche. Er empfiehlt sich Gott und seiner Gnade. 4) Er erwåget, daß also alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird. Darauf bereitet er sich in wahrem Glauben an Jesum Christum, mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heilige Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf Gott schauet, als von welchem alle gute Gaben von oben herab kommen, daß er fich der göttlichen Gnade überläßt, in der Liebe Jesu bleibet, und also im Stande ist, nach Gottes Willen selig zu leben und zu sterben, wenn sein Sterbestündlein vorhanden ist. Gebet. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der Herr geholfen. Also spreche ich billig, mein Gott und Herr! da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebt habe. Herr! wie theuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du beschirmest sie, du erhältst sie, du bewahrest sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach mein Gott! du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet, du hast mich ge6* Der gläubige Christ danket Gott sund erhalten, hast mich gesegnet, begleitet, bewahret, an Leib und Seele mir viel Gutes gethan, haft auch die Meinigen deines Schuzzes und deiner Gnade genießen lassen. Nun das hat Gott gethan, das ist Gottes Werk, daß ich diese Woche so glücklich hingebracht habe. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ach ja! wie Viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie Viele haben eine betrübte Trauer- und Kreuzwoche gehabt, aber mich hast du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie Viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schuß unverlegt geblieben! Dafür sey hochgeliebet, hochgelobet und hochgepriesen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schuß und deine Gnade, habe Dank für deine Liebe und deinen måchtigen Beistand, habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hast. Uch mein Gott! verzeihe mir auch aus Gnade, was ich in dieser Woche unrecht gethan habe. Ach! es ist mir leid, es reuet mich, ich betrübe mich darüber, und bitte um Barmherzigkeit und Vergebung meiner begangenen Sünden, um der blutigen Wunden Jesu Chrifti willen; um deren willen schone, und nicht nach Wer84 85 am Ende der Woche. ken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen all mein Leben lang. Sey Lob und Preis mit Ehren dem Vater, Sohn und heil'gen Geist, der woll' in uns vermehren, was er aus Gnaden uns verheißt, daß wir ihm fest vertrauen, uns ganz verlassen auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, daß unser Herz, Muth und Sinn ihm immer fest anhangen; drauf singen wir zur Stund': Umen, wir werden's erlangen, glauben wir aus Herzensgrund. Amen. n g. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele! so bedenke dich, Was du Gutes hast genossen, Da dein Gott so mildiglich Aufgethan die Vaterhand, Und viel Gut's dir zugewandt, Und anjetzt in großem Segen Dich sie läßt zurückelegen. 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich ausgestreut, Und die auf dein Bitten haben Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen kann, Wie viel Gott ihm Gut's gethan? Schau', wie Gottes Brünnlein fließen, Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise seine große Gute Nun bei diesem Wochenschluß, Und ermunt're dein Gemüthe, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohlthat stehst, Und noch täglich mehr empfäh'st; Ist doch keine Stund' vergangen, Da du nicht hast Gut's empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Alle deine Sündenschuld, Und aus Gnaden dir verleihe Ferner seine Baterhuld; Sprich: Mein Vater, sieh' nicht an, Was ich Böses hab' gethan, Laß 86 Abendgebet am Sonnabend. die Sünd' und Straf der Sünden Auch mit dieser Woch' verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad' auch spüren, Wenn die neue Woch? anbricht; Uch! du wollest selbst mich führen, O du, meiner Seele Licht! Leib und Seel' und was ist mein, Laß dir stets empfohlen seyn, Deine Gnad' laß' bei mir bleiben, Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt' auch mit der neuen Wochen Meine letzte Woch' und Tag Seyn zugleich mit angebrochen, Oder daß mich Kreuz und Plag' Jeht empfindlich treffen soll, Ach! so mache Alles wohl; Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. Abendgebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandele, ſso ist der Herr mein Licht. O du liebreicher und gnådiger Gott! jeho endiget sich der Tag, und zugleich auch die Woche; aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel fallen, aber deine Gnade weichet nicht von deinen Kindern. Nun diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche überleben lassen; was ich im Anfange der Woche nicht wußte, das weiß ich nun, nåmlich, daß ich gesund derselben Ende erreichen sollte. Deiner Bohlthaten sind diese Woche über viel gewesen, du hast mein Gebet erhöret, mich behütet, mir guten Rath mitgetheilet, mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und Segens- Gaben von dir empfangen habe, ja keine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohl 87 Abendgebet am Sonnabend. thaten auf mich gefloffen sind. Jego habe ich, was ich im Anfange gewünschet. Oder großen Gnade, Liebe und Barmherzigkeit! Ich gedenke aber heute, am Schluß der Woche, auch an meine Sünden; viel sind meiner Uebertretungen gewesen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Thun und Lassen vollbracht, daß ich nicht so treulich für meine Seele geforget, nicht so viele Stunden dir gewidmet, als ich billig hatte thun sollen. Ach Herr, Herr! vergib mir diese Sünden; ach Herr Jesu! durchstreiche mit deinem heiligen Blut die ganze SündenHandschrift dieser Woche, daß sie mir auf ewig verziehen und vergeben bleiben mögen. Herr! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sey auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her, laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Hilf, daß ich alle meine Sorgen auf dich werfe, und unter deiner Fürsorge, mein Vater, sanft ruhe. Ich bin nun eine Woche älter, und auch einen Schritt näher zur Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche hernach die lange Ewigkeit folgen soll; darum hilf, daß ich alle künftige Wochen, Tage und Stunden also anwende, damit ich vor deinem Anblick nicht Abendgebet am Sonnabend. erschrecken dürfe. Hilf, daß ich mein Herz alle Tage da hinein schicke, wo ich ewig zu seyn wünsche. Hier bin ich ein Pilgrim, der nur sein Nachtlager auf Erden hat; aber im Himmel ist mein Vaterland und meine ewige Wohnung, wo du alle Thränen von den Augen der Deinen abwischen, ihnen die herrlichen Güter deines Haufes austheilen, und sie mit ewiger Freude ergößen wirst. Hiemit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke; ich bereite mich auf den morgenden Sonntag, den ich mit Beten, Singen und Betrachtung deines heiligen Wortes hinbringen will. Gib mir dazu deines heiligen Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder von Menschen, noch von meinem eigenen Herzen möge verhindert werden. Weicht nichtige Gedanken hin, stört nicht der Andacht Lauf; ich baue jeßt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. Amen. 88 Des ersten Abschnitts zweiter Theil. Fest- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur heiligen Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Morgen gebet. Erfreut und entzückt über deine segensvolle Zukunft ins Fleisch, verlasse ich anjeho mein Lager, und hebe meine Hände auf zu dir, o eingeborner Gottes- Sohn! von welchem mir alle Hülfe kommt. Du besuchest nicht nur die Welt, um sie zu erretten und selig zu machen, sondern du kommst auch mir zu gut und zu meinem Besten auf die Erde, damit auch ich in dir leben und volles Genügen haben könne. Wie sollte ich mich daher nicht freuen? Warum ſollte ich nicht fröhlich seyn? Erscheinest du nun, o Jesu! mir zu gut in der Gestalt des sündlichen Fleisches, kommst du um meinetwillen in die Welt: ach! so komme auch zu mir und in mein Herz. Heilige es durch und durch. Bereite es dir selbst so zu, daß du in demselben deine Wohnung aufschlagen kannst. Stårke meinen Glauben, und erfülle mich mit deiner Liebe, daß ich dich der Welt, ihren Lu 90 Morgengebet. sten und allem Andern vorziehe. Will daher die Welt mit ihren Sünden, als Hochmuth, Stolz, Zorn, Ruhmredigkeit und andern Werken des Fleisches kommen und sagen: In diesem Herzen wollen wir wohnen, hier wollen wir herrschen, hier wollen wir uns niederlassen: so laß mich in deiner Kraft ihnen Widerstand thun, und getroft entgegenrufen: Weicht von mir, ihr Sünden! gehe zurücke, Welt! hier ist des Herrn Tempel! hinaus, hinaus mit euch! ich habe keinen Plag, ich habe keinen Raum für euch, ihr könnt bei mir euern Sig nicht aufschlagen; mein Jesus ist bei mir, dem hab' ich mich allein und zwar ganz ergeben, der soll mich beherrschen, dessen Eigenthum will ich in Zeit und Ewigkeit bleiben. O wie selig werde ich alsdann nicht seyn, wenn du dich bei mir aufhältst, und ich mit dir die Welt und alle Feinde meiner Seele überwinden kann! Du bist, o mein Heiland! in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen; ach! darum nimm dich auch meiner an, und komme in meine Seele. Du hast dir zwar dieselbe schon lange, und ehe ich noch geboren war, zu deinem Aufenthalt erwählet, und auch in der heiligen Taufe dazu bereitet, da du mich mit deinem theuern Blut von allen Befleckungen des Fleisches gewaschen und gereiniget; allein ich bin von dir gewichen, ich habe mich mit muthwilligen Sünden wieder verunreiniget, ich habe Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Christi. 91 dich mit meinem gottlosen Wesen von mir getrieben. Nun aber stelle ich mich wieder ein. Jeht öffne ich dir wieder die Thür meines Herzens. Jeht verlanget mich recht ernstlich nach dir. Wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet, so dürstet meine Seele nach dir, o mein Gott und Heiland! Ach darum laß dich bewegen, und kehre bei mir ein. Ich schwöre dir eine ewige Treue zu. Vereinige dich derowegen mit mir, damit uns Nichts möge von einander scheiden. Dein Geist verbinde sich von nun an mit dem meinigen, und leite mich allezeit auf ebener Bahn, damit ich immerdar dir folgen und anhangen, und auch durch dich dereinst ewig selig werden möge. Führ' stets mein Herz und Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich mög' Alles meiden, was mich und dich kann scheiden, und ich an deinem Leibe ein Gliedmaß ewig bleibe. Amen. Aufmunterung. 3ach. 9, V. 9. Du, Tochter Zions, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalems, jauchze. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Ist eine Zeit, welche Gott ergebene Seelen gern mit Andacht hinbringen, so sind es gewiß die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohlthaten Gottes erwåget. Ob nun gleich die meisten sogenannten Christen die heiligen Festzeiten theils in leppigkeit und Der andächtige Chrift betrachtet Wollust, theils in Stolz und Kleiderpracht, theils mit Müßiggang und unartigem Geschwäh lassen vorbeigehen, und daher die Liebe und Gnade des Allerhöchsten wenig zu Herzen nehmen, sich auch in ihrem Christenthum wenig erbauen; so ist hingegen ein gläubiges Kind Gottes viel anders gesinnet, denn dasselbe freuet sich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um Alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Gute ihm geschenket. 2) In der heiligen Adventszeit betrachtet es die Liebe des himmlischen Vaters, der seines einzigen Sohnes nicht verschonet hat, sondern ihn in die Welt gesandt zum Leiden und zum Sterben, aber auch um den Menschen die Seligkeit zu erwerben. 3) Es siehet an die brünstige Liebe Jesu, welcher sich in unser armes Fleisch und Blut verkleidet, damit er uns wieder zum Himmel und zur Seligkeit bringen möge. 4) Es preiset die Gnade des heiligen Geistes, welcher die geschenkten Wohlthaten den glâubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellet, zueignet, und solche ebenso empfinden låsset, als ob sie heute erst wären geschehen. Daher låst es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebetes seyn, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, mit Anstimmung der Festlieder und mit einem stillen und gottseligen Wandel anfångt und vollendet. 92 die Unfunft Chrifti. Gebet. 93 O du gnadenreicher Jesu! der du bist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schuß und durch deine Gnade abermal haft erleben lassen. Ach! gib deines heiligen Geistes Kraft, daß ich fie möge in deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der du bist gewesen, ehe noch der Welt Grund geleget war, du bist ins Fleisch gekommen und ein wahrer Mensch geworden, daß du uns möchtest glücklich und selig machen. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen, darum kommst du zu uns auf Erden, auf daß du uns Alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Fremde, ja Gefangene und Gottes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft ſoll Alles wieder gut gemacht werden. O große Gnade! o unaussprechliche Liebe! um deinetwillen, o Jesu! sollen die Fremden Freunde, die Gefangenen Erlöfete, die Feinde Gottes Geliebte, die Sünder Kinder und die Gefallenen wieder aufgerichtet werden. O heilige Ankunft! durch die wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren Der andächtige Christ betrachtet sollen angethan werden. Denn das ist je ge wißlich wahr, und ein theures werthes Wort, daß Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster Jesu! mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gib mir zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich möge dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Herzen behalten und annehmen; im Glauben, in deiner Erkenntniß und Liebe, auch in diesen heiligen Tagen wachsen, und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als da sind Keuschheit, Demuth, Sanftmuth, Gehorsam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir möge eine selige und heilsame Ankunft seyn. Ach! bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: Er kam in sein Eigenthum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ach Herr Jesu! ich nehme dich auf im Glauben, ich liebe dich, ich ehre dich, ich folge dir. Komm' herein, du Gesegneter des Herrn; warum stehest du draußen? ich habe mein Herz dir durch deine Gnade bereitet. Komme in mein Herz, ich will dich als meinen einigen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben fassen, und dein Verdienst und deine Gerechtigkeit mir zueignen. Komme in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltliche Eitelkeiten, Lustbarkeiten, ja Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein 94 die Anfunft Christi. meiner Seele Einwohner und meines Herzens Beherrscher seyest. Ach! wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich, und suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen; denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich seyn? O Jesu! du kamst als ein König; ach! Herrsche hinfüro in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr darinnen herrschen könne. Du kamst als ein Gerechter; ach! mache mich gerecht, und schenke mir das Kleid deiner Gerechtigkeit. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit geschmücket. Du kamst arm, daß du mich mögest reich machen an meiner Seele, reich im Glauben und auch an himmlischen Gütern. Du kamst demüthig; ach! mache mich demüthig, daß ich von dir lerne Demuth und Sanftmuth, und dieselbe in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren! ziehe auch in die Thore meines Herzens ein; siehe, ich thue ſie dir durch deine Kraft weit auf; regiere mich hinfüro mit deinem heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und dein Tempel beståndig, bis an mein seliges Ende, bleiben möge. Mein Herz will dich empfangen gern, du Got95 Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Chrifti. tes- Sohn, du Davidsstern, du wahrer Weibessaamen; du Schiloh, Heiland, Hirt und Heil, mein Bruder, Gnadenthron und Theil, komm' in des Herren Namen. Komm', König, Friedefürst und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, du licht und Troft der Heiden; o Seligmacher, Hülf' und Schuß, Bersöhner, Rath, Prophet und Trug, zeuch in mein Herz mit Freuden. Amen. 96 Gefang. Mel O Gott, du frommer Gott! 1. Hier ist Imanuel! So laßt uns jeho sagen, Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen; Hier ist Imanuel! Der uns die Gnade bringt, Und dem die Christenheit Das Hosianna singt. 2. Hier ist Imanuel! Den hat uns Gott gesendet, Und mit demselbigen Sein Herz zu uns gewendet; Hier ist Imanuel! Ach seht! wie Gott uns liebt, Da er zu unserm Heil Sein liebstes Kind uns gibt. 3. Hier ist Imanuel! Der Fluch kann uns nicht schaden, Das Opferlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Imanuel! Wir sind von Strafen frei, Es fället uns kein Fall, Wie groß er immer sey. 4. Hier ist Imanuel! Die Sünd' ist uns vergeben, Gott schenkt uns Gnad' um Gnad', Wir sollen ewig leben; Hier ist Imanuel! Gott will uns gnädig seyn, Es macht uns Jesu Blut Von unsern Sünden rein. 5. Hier ist Imanuel! Kein Unfall kann uns todten, Sieh'! Jesus ist bei uns In allen unsern Ndthen; Hier ist Imanuel! Erschreckt uns Angst und Noth, So hilft uns gnädig aus Der wahre Mensch und Gott. 6. Hier ist Imanuel! Laßt uns die Sünde hassen, Und alle Lieb' der Welt Aus Lieb' zu ihm verlassen; Hier ist Abendgebet. Imanuel! Der Seelen Trost und Licht, Den fasse Jedermann In Glaubens- Zuversicht. 7. Hier ist Smanuel! Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Imanuel! Deß freut sich Leib und Seel', Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Imanuel! 97 Abendgebet. Wie hat der Herr die Leute so lieb? So muß ich billig verwunderungsvoll, o liebreicher und liebenswürdiger Gott! an dem Schluß dieses Tages meine erfreute Seele fragen. Von deiner unermeßlichen Liebe, welche du gegen die armen Menschen hegeft, bin ich nicht allein durch unzählige Wohlthaten, welche du mir und Andern an Seele und Leib erwiesen, überzeugt worden, sondern auch daraus erkenne ich dieselbe besonders, daß du deines eingeborenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für alle verlorenen Kinder Adams, und also auch für mich dahin gegeben hast. Welch eine ausnehmende Probe der Liebe haft du dadurch gegen mich an den Tag geleget, da du diesen deinen eingeborenen, geliebten und einigen Sohn um meinetwillen haft lassen Mensch werden, damit er als ein solcher Marter, Geißeln, Ruthen, ja selbst den Lod ausstehen und dadurch deiner beleidigten Gerechtigkeit genugthun, mich erlösen, gerecht und selig machen könnte! Wenn ein Großer dieser Welt seinen schönsten Ring, seine kost7 Univ. Sibl. Giessen Abendgebet. barsten Juwelen, sein edelstes Kleinod anwendete, um einen der elendesten Menschen aus seinem Jammer zu erretten und ihn glücklich zu machen, so würde man solches als den höchsten Grad der Menschenliebe bewundern und aller Orten rühmen; wenn ein König einen seiner Prinzen in die Gefangenschaft gåbe, um dadurch einen andern geringeren Gefangenen von Ketten und Banden loszumachen, so würde man die Liebe eines solchen Monarchen gegen seine Unterthanen nicht genugsam erheben und preisen können. Und doch ist dieses Alles Nichts gegen die Liebe, welche du den Menschenkindern erzeigest, da du deinen geliebtesten Sohn sich in ihr Fleisch und Blut einhüllen und in der Fülle der Zeit als Mensch in die Welt hast kommen lassen. Ein von seinem Elend Befreiter kann seinem großen Wohlthäter, wenn er in gute Umstånde kommt, noch mancherlei müßliche Dienste leisten und dadurch die ihm erzeigten Gutthaten einigermaßen belohnen; und Einer, welcher durch die Gute seines Königs aus harten Fesseln errettet worden, kann in seiner erlangten Freiheit demselben nüglich werden, und dadurch den über den Verlust seines Sohnes empfundenen Schmerz versüßen. Ich aber und meine Brüder nach dem Fleisch können dir nicht vergelten, was du an uns gethan haft; wir haben Nichts, das wir dir wieder geben können, 98 Abendgebet. wir sind nicht vermögend, unsere Errettung von unserm größten Verderben, in welchem wir von Natur lagen, und unsere Befreiung von den Stricken des Todes, in welche wir verwickelt waren, welche uns durch die Menschwerdung deines Sohnes zu Theil geworden, mit Etwas zu vergüten. Deine Liebe übertrifft Alles; sie ist höher denn alle Vernunft. Nichts, als ein demüthiger Dank, Nichts, als ein herzliches Loben und Preisen bleibet uns übrig, das wir dir als ein Zeichen unserer gerührten Herzen darbringen können. Hochgelobet sey daher von mir dein heiliger Name für die unendlichen Liebeserweisungen, welche du gegen mich bei der Sendung deines Sohnes in die Welt geoffenbaret hast. Ach! laß mich dadurch ermuntert werden, dich wieder von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften zu lieben. Gib mir selbst das Vermögen, nach deinem Willen zu leben und dir anzuhangen. Ziehe mein Herz von der Liebe zur Welt, zur Eitelkeit und zu Sünden ab, und entzünde in demselben das Feuer der göttlichen Liebe, damit ich dir immer wohlgefallen und vor dir bestehen könne. Laß mich in deiner Liebe und Erkenntniß zunehmen, daß ich im Glauben bleibe, und diene im Geist so, daß ich hier deine Süßigkeit im Herzen schmecken und stets nach dir dürsten möge. Amen. 7* 99 Morgengebet. Der andächtige Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt Jesu Christi. Morgengebet. 100 In dir, mein Gott und Heiland! freuet sich anjego mein Geist, da ich vom Schlafe erwache und an deine heilige Empfångniß und Geburt denke. Das kündlich- große Geheimniß: Gott ist geoffenbaret im Fleisch! kann zwar mein endlicher und schwacher Verstand nicht begreifen und erkennen, dennoch aber ergöget sich meine Seele bei der Erwägung deffelben, weil dein Wort, welches Wahrheit ist und nicht trügen kann, mich versichert, daß solches gewiß geschehen, und auch nicht undeutlich entdecket, auf was Art und Weise es zugegangen sey, wiewoht auch hierbei meine Bernunft schweigen muß, weil sie vor diesen Dingen einen Vorhang erblicket, welchen sie nicht durchschauen kann, und welchen ihr erst die Ewigkeit wird aufziehen müssen. Dein geoffenbartes Wort beschreibet deine Empfängniß und Geburt recht reizend, wenn der Engel, welcher der Maria dieselbe ankündigte, zu ihr saget: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. In dieser Abschilderung finde ich Gründe genug zur Freude, und werde daher ganz von derselben belebet, wenn ich sie mit Andacht erwäge. Ich stelle mir alsdann vor, wie der heilige Geist, als ein allweiser Morgengebet. und allmächtiger Werkmeister, zu Maria sich genahet, den Bau, welchen deine Gottheit einnehmen sollte, von allen Sünden gereiniget, und denselben mit seinen allerheiligsten Gaben erfüllet; ich stelle mir vor, wie du darauf, du Kraft des Allerhöchsten! der du heißest wunderbar, Rath, Kraft, Held, ewiger Vater, Friede- Fürst, diesen geheiligten Bau eingenommen, mit deiner Gottheit vereiniget, und dieser angenommenen menschlichen Natur alle deine göttlichen Eigenschaften und Hohheiten mitgetheilet haft; ich stelle mir vor, wie du eben hierdurch, da du, wie die Kinder Fleisch und Blut haben, deffelben bist theilhaftig worden, unsere menschliche Natur geheiliget und uns vor deinem himmlischen Bater angenehm gemacht hast. Und welche Ströme des Vergnügens müssen nicht auf mich fließen, wenn ich alles dieses in einer heiligen Stille, bei meinem Erwachen, erwäge? O mein Jesu! der du durch deine Menschwerdung mein Bruder geworden bist, wie reich, wie glücklich machst du mich nicht? In dir habe ich nun Alles. Durch dich kann ich Alles erlangen. Mit dir kann ich Alles übernehmen und ausrichten. In keiner Trúbsal will ich nunmehr verzagen, sondern in derselben mich zu dir wenden und vertrauungsvoll sagen: Jesu, mein Bruder, hilf mir! Keine Noth und kein Elend soll mich nun kleinmüthig machen, 101 Morgengebet. sondern ich will mich darin festiglich auf dich verlassen, weil du mein Bruder bist, und als ein solcher mich liebest, und dich meiner gewiß erbarmen wirst. In deiner Menschwerdung hast du, o mein Jesu! meine Natur angenommen, und dadurch dich mit mir vereiniget; mache mich daher auch deiner göttlichen Natur theilhaftig, daß ich ein göttliches Leben führen und mich der Kraft und Regierung deines Geistes gånzlich unterwerfen möge. Laß mich jederzeit die hohe Verwandtschaft, in welcher ich mit dir stehe, von Sünden und von der Gemeinschaft der Welt abhalten, damit ich nichts vollbringe, was dich beleidigen könnte. Laß mich deine Freundschaft höher schäßen als Alles, was auf Erden ist. Laß mich dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit mein Leben lang. Laß mich dich beständig lieben, als welches besser ist denn Alles, damit ich im Leben und Sterben, in Zeit und Ewigkeit in deiner Gemeinschaft möge erfunden werden. S mein Bruder! o mein Auserwählter! welche Freude wird das nicht seyn, wenn ich dich, den ich schon hienieden herzlich lieb gehabt habe, in der ewigen Freude, in deiner Krone und Majestät erblicken und auf ewig mit dir werde verbunden werden? Ich freue mich darauf im Geiste; mein Herz ist darüber fröhlich. Und warum sollte ich mich auch nicht freuen, da ich in der Hoffnung bereits selig 102 Der andächtige Chrift betrachtet die Geburt Jesu Christi. 103 und im Himmel bei Jesu, meinem Bruder, bin? Wie bin ich doch so herzlich froh, daß mein Schatz ist das A und O, der Anfang und das Ende! Er wird mich doch zu seinem Preis aufnehmen in das Paradeis, deß klopf ich in die Hände. Amen, Amen! komm', du schöne Freudenkrone, bleib' nicht lange, deiner wart' ich mit Verlangen. Amen. Aufmunterung. Galater 4, V. 4. 5. Da die Zeit erfüllet war, fandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen Freude im dem ganzen Königreich, wel. chem zum Trofte er geboren ist: so kann Christi Jesu Geburt nicht anders, als allen Menschen erfreulich seyn. Die Engel freuen sich in den Lüften, und verkündigen eine große Freude den Menschen, warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen? Und zwar 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher seines Sohnes nicht hat verschonet, sondern ihn für uns dahin gegeben. 2) Ueber die Freundlichkeit Jesu, daß er sich nicht weigert, ob er schon Gott und Gottes Sohn ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen, und ein kleines Kind zu werden. Es verwundern sich 3) Gläubige in einer glaubigen Stille über den heilsamen Rath Got Der andächtige Chrift betrachtet tes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn sollte anstatt der Menschen leiden, und sie mit Gott versöhnen. Sie verwundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch seine Feinde waren, Róm. 5, V. 10, anbietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst bedürftig waren. Daher 5) danken sie ihm desto herzlicher dafür, nachdem der Rath Gottes von unserer Seligkeit ihnen kund geworden, begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, daß sie Jesu im Glauben und in einem gottseligen und frommen Wandel folgen. Derowegen ihnen auch die heiligen Weihnachtstage Bet-, Freuden- und Danktage werden. 104 S e b e t. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, lafset uns uns freuen und fröhlich darinnen seyn. O Herr, hilf! o. Herr, laß wohl gelingen! Gelobet sey der da kommt im Namen des Herrn! Auf, meine Seele, und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und zu deiner Erbauung an, und sprich: O du heilige Dreieinigkeit! Bater, Sohn und heiliger Geist! ach! daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rühmen könnte! Gott ist die Liebe; dieses erkennet mein Herz und Gemüthe an diesem 105 die Geburt Jesu Chrifti. heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel ausgefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, daran kein Engel noch Mensch håtte denken können, daß nämlich die mittelste Person in der Gottheit sollte ein Mensch werden, um dadurch die menschliche Natur wiederum zu heiligen und zu reinigen. O du holdseliger Jesu! dir sey ewig Lob und Dank gesagt für deine Menschwerdung und Geburt; du wirst ein Menschenkind, damit wir möchten Gotteskinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht erhöhet, du hast sie mit deiner Gottheit vereiniget, und sie in den Rath der heiligen Dreieinigkeit gebracht. O Liebe! o Gnade! So gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereiniget ist, so gewiß ist zwischen Gott und den Menschen eine ewige Freundschaft, ewige Versöhnung, ewiger Friede und ewige Liebe gestiftet. Wann uns Gott in seinem Sohne ansiehet, so kann er nicht anders, als uns gnädig seyn; bat er dieses Geliebten nicht geschonet, sondern ihn für uns Alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Frieden, Leben und Seligkeit. O der großen Liebe Jesu! der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Geburt heiligte; er hat zugenommen an Alter und Weißheit, damit er unsere Jugend heiligte. Sey will Der andächtige Christ betrachtet kommen, du edler Gast, die Sünder nicht verſchmåhet hast, du kommst ins Elend her zu mir, wie soll ich's immer danken dir? O mein liebster Seelenfreund! mein Bruder! ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen. Erretter in Trúbsal, einen Seligmacher, wann mich meine Sünde ångstet, einen Beistand in Nöthen, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führet, die Wahrheit, die mich lehret, das Leben, das mich lebendig machet. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig machet, mein Hoherpriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missethaten, ein vollkommenes Lösegeld für meine Uebertretung. I werther heiliger Geist! wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Trost, diese Freude, dieses Heil abermal verkündigen låssest. Sch freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Feste, und sage: Mein Jesus ist mein, sein Verdienst ist mein, sein Himmel ist mein; das Kind ist mir! mir! mir! geboren; der Sohn ist auch mir! mir! mir! gegeben; er hat auch mir! mir! mir! die Gnade Gottes, die Kind-. schaft bei ihm und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, erworben und geschenket. O Jesu! den ich im Geist in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich biſt du, wie freundlich bist du! Ach! verleihe mir 106 die Geburt Jefu Chrifti. Gnade, daß ich dein nimmermehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, im Munde und vor Augen habe. O mein Heil! heilige mich; ich ergebe mich dir mit Allem, was ich bin und habe; ach mein Brautigam! umfahe mich, dir will ich leben, dir will ich dienen, aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach! laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung seyn in Zeit und Ewigkeit. Schließe mich in deine Liebe, und behalte mich darin, daß ich in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und der Seele Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein Jesus ist Mensch geboren; wann ich nun an ihn glaube, so soll ich nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in Jesu bin, und weil Jesus in mir lebt. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben; nicht die Anklage des Gewissens wegen meiner Sünden, hier ist mein Fürsprecher, Jesus. Darum sag' an, mein Herzensbräutigam, mein' Hoffnung, Freud' und Leben, mein edler Zweig aus Jakobs Stamm, was soll ich dir doch geben? Ach! nimm von mir Leib, Seel' und Geist, ia Alles, was Mensch ist und heißt; ich will mich ganz verschreiben, dir ewig treu zu bleiben. Amen. 107 108 Der andächtige Christ betrachtet die Geburt Jesu Christi. Gesan g. MeL O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. O welch ein Freudenfest, O welche frohe Stunden, Da Jesus, Gottes Sohn, In Windeln wird gefunden! Es ist mein ganzes Herz Auf dieses Kind gericht't, Und meine Andacht geht Von seiner Krippe nicht. 2. O Lieb'! o große Lieb'! Wer da mit mir bedenket, Daß Gott uns seinen Sohn Zum Leben hat geschenket. O große Vaterlieb'! Der uns so hoch geacht't, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 3.D Treue! Jesus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd', genommen. Er kommt und bringet uns Zur Kron', zur Herrlichkeit, Zum Erbtheil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud'. 4. O große Gnad'! es kann Ein Jeder Gnad' erlangen, Wer diesem Jesu wird In Glaub' und Lieb' anhangen; Gnade! die uns Trost Und wahres Leben gibt! Seht! dieser Gnad' genießt, Wer Jesum herzlich liebt. 5. O Freud'! denn unsre Sünd' Sind insgesammt vergeben, Vergeben in der Zeit, Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich willig ein, Will unser Låsegeld Und Seligmacher seyn. 6. O Trost! so sind wir denn Mit Gott ganz ausgesdhnet, Wer glaubt, wird nicht verdammt, Vielmehr durch ihn gekrdnet; Des Herren Jesu Blut, Tod und Gerechtigkeit Ist unser schönster Schmuck Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein Jesu! du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gotteskind Soll hier und dorten werden; Du kommst und nimmst auf dich All meine Sündenschuld, Hinzegen schenkst du mir Des Vaters Lieb' und Huld. 8. Du kommst und willst mir auch In Heiligung vorgehen, Wie ich soll heilig seyn, Das soll ich an dir sehen; Wohlan, ich folge nach, Mein Jesus nur allein Soll, weil ich leben werd', Mein Licht, mein Führer seyn. 9. Derhalben knie' ich hier Vor deiner Krippe nieder, Ich Abendgebet. stimm' mit Freuden an Die frohen Weihnachtslieder; Nimm an den Lobgesang, Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund, Nichts Bess'res geben kann. 2 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach! laß mich neue Gnad' Bei deiner Krippe finden; Mein Jesu! ich bin dein, Ach! sey und bleibe mein, Und laß mich nimmermehr Bon dir geschieden seyn. 109 Abendgebet. Mein Jesu! mein Smanuel! mein König und mein Blutsfreund! ich liege noch im Geist vor deiner Krippe und betrachte deine heilige Menschwerdung. Und wie kann ich auch diesen Tag, welchen der Herr gemacht hat, beffer beschließen und zu einem süßen und erquickenden Schlaf mich vorbereiten, als durch solche Betrachtungen? Ich erkenne dich, Mensch gewordener Heiland! für den wahren Messias, für den aus dem Stamme Davids entsproffenen Erlöser der Welt, an welchem Alles ist erfüllet worden, was die Propheten von ihm geweisfaget haben. Du bist zu der Zeit, an dem Orte, aus dem Geschlechte und von derjenigen Mutter geboren worden, welche dein himmlischer Vater schon in den Tagen des alten Bundes durch seine Boten hat bestimmen, anzeigen und kund machen lassen; wie sollte ich dich daher nicht für den rechten Heiland der Welt erkennen, und mich über deine Offenbarung im Fleisch nicht inniglich freuen? Was der alten Våter Schaar Abendgebet. höchster Wunsch und Sehnen war, und was sie geprophezeiht, ist erfüllt in Herrlichkeit. Mein Herz hüpfet deßwegen vor Freude, wenn ich hieran gedenke und erwäge, wie unendlich viel Gutes mir dadurch zugewachsen ist. Du bist der hohe und erhabene Gott, welcher gewesen, ehe denn die Berge waren und die Erde und die Welt geschaffen worden, und welcher auch bleiben wird, wenn schon Alles wird zu Trümmern gegangen seyn; du bist der ewige Jehova, das 2 und das O, der Anfang und das Ende, der da ist, der da war und der da kommt; und dennoch verschmähest du nicht das menschliche Geschlecht, und wirst zum Heil desselben der Allerniedrigste, Verachtetste und Unwertheste. O der großen Gnade und Liebe! wie glücklich bin ich nicht, daß ich an dir einen solchen Erlöser in der Krippe liegen sehe. Ach! laß mich von derselben nicht ohne Erweckung meiner Seele weggehen, sondern laß Alles, was ich bei deiner menschlichen Geburt bei erke, zu meiner Heiligung und zur Stärkung meines Glaubens Etwas beitragen. Du wirst in der Nacht geboren; hilf, daß ich alle Sündenfinsternisse flichen und stets, als am Tage, in deinem Lichte wandeln möge! Du stelltest dich auf der Erde ein, da Alles stille und in Ruhe war; ach! laß mich in dir zu einer wahren Stille des Herzens gelangen und alles Weltgetümmel vermeiden, 110 Abendgebet. damit du auch in solcher Stille bei mir einkehren könnest! Ich treffe dich, o mein Smanuel! da ich dich im Geiste begierig suche, in einer Herberge an; ach! gib mir Gnade, daß ich die Welt als eine Herberge möge ansehen, darinnen ich nur wenig Jahre und Stunden meinen Aufenthalt habe, damit ich mein Herz bei Zeiten dahin schicke, wo ich ewig zu seyn wünsche, und so zu deiner Ruhe einzugehen nicht versäume, oder dahinten bleibe. Du låssest dich in einem finstern Stall, an einem unbequemen Orte, zur Welt bringen; ach hilf! daß ich allen Gemächlichkeiten entfage, und in dieser Welt mit Allem zufrieden sey, was mir deine Güte zuweiset und in welche Umstånde sie mich verseßt. Du liegest in einer Krippe, in Windeln eingewickelt; ach! hülle dich auch in mein Herz ein, und laß dasselbe deine Wohnung seyn. Wie glücklich werde ich nicht seyn, wenn du in Gnaden alle diese meine herzlichen Wünsche erfüllest? Sch zweifle nicht, daß du mich erhörest. Ich glaube festiglich, daß du wirst mein Verlangen stillen. Ganz beruhiget und zufrieden lege ich mich deßwegen anjeßt zu Bett, und schlafe in deinen Armen ein, und seufze: Du aber, zartes Jesulein! kehr' auch bei mir zur Herberg' ein, erleuchte das Gemüthe, daß Glaub' und Lieb sich täglich üb; Herr, gib's durch deine Güte! Amen. 111 112 Der andächtige Christ betet und danket Gott am Schluß des Jahres. Morgengebet. Herr, mein Gott und Vater aller Güte! da ich nunmehr meine Augen aufthue, so erblicke ich des Tages Licht zum legtenmal in einem Jahre, in welchem ich ganz deutlich erfahren habe, daß du bist gnådig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue. Kein Tag, ja keine Stunde dieses zu Ende laufenden Jahres ist verflossen, in welcher du nicht eine, wo nicht alle, dieser deiner Eigenschaften an mir geoffenbaret hast. Gnådig hast du dich gegen mich erwiesen, da du mir ohne all mein Verdienst und Würdigkeit so viel Gutes erzeiget, indem du mich geſpeiſet, getrånket, ernähret und mir keinen Mangel gelassen an irgend einem Guten. Gnådig hast du dich gegen mich erwiesen, da du mir, wenn ich zu dir rief, um meines Erlösers willen, meine Sünden und Missethaten vergabest. Gnådig hast du dich erwiesen, da du alle Strafen, welche ich mit meinen Bosheiten, Uebertretungen und Sünden wohl verdienet und auf mich geladen hatte, von mir weggenommen, sie nicht an mir vollzogen, sondern statt derselben mir Heil und Segen haft zuflieBen lassen. So gnådig du nun gegen mich gewesen bist, so barmherzig hast du dich auch erzeiget. Keine Notb, kein Elend, keine Trübsa! Morgengebet. durfte mich treffen und heimsuchen, so brach dein zärtliches Vaterherz vor Erbarmen, und du hattest Mitleiden mit mir. Kaum war meine Noth am größten, so warst du mir auch am nächsten. Kaum überfiel mich eine Traurigkeit, so fingst du schon an, dieselbe in Freude zu verwandeln. Kaum schrie ich zu dir, so erhörtest du mich, ja, ehe ich noch öfters rief, antwortetest du mir. O des barmherzigen Gottes! welcher mich auch in diesem Jahre mit Geduld und Langmuth getragen hat. Wenn ich in Schwachheit verfiel, so übersaheft du solche. Wenn ich mich aus Uebereilung an dir verfündigte, so schenktest du mir die gemachte Schuld. Wenn ich von dir wich und mich wieder bußfertig einstellte, so nahmst du mich auf. Welch einen Reichthum deiner Geduld und Langmuth hast du mir dadurch nicht gezeiget! Und ebenso hast du auch durch dein Verhalten gegen mich bezeigt, daß du von großer Gûte seyest. Vermittelst derselben hast du meinen Odem bewahret, mein Leben gefristet und mich gesund erhalten, daß ich mun vor vielen Andern deine Liebe rühmen und zu deinem Preise sagen kann, du habest Alles wohl gemacht, und Alles, Alles recht bedacht. Deine große Treue ist eine wichtige Ursache dieses deines Bezeigens gegen mich. Nach derfelben erfüllest du alle Verheißungen, welche du gethan haft, und hältst deine 8 113 Morgengebet. Zusagen gewiß. Nach derselben ist mir derohalben so viel Gutes zugeflossen, daß ich es nicht all erzählen kann. Wie kann ich dir nun, o mein Gott! vergelten all das Gute, so du an mir gethan hast? Ich bin viel zu unvermögend hierzu. Darum nimm für diesesmal mein schwaches Lallen, statt eines Lob- und Dankopfers, in Gnaden an. Dank sey dir gefaget für alle Treue; Dank für alle Güte; Dank für alle Geduld; Dank für alle Barmherzigkeit; Dank für alle Gnade! Erweise dich fernerhin gegen mich, wie du dich bisher erwiesen hast. Laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen, daß ich an demselben sowohl, als auch in alle Ewigkeit deinen Namen loben und preisen moge. O! daß ich tausend zungen håtte und einen tauſendfachen Mund, so stimmt' ich damit in die Wette, vom allertiefsten Herzensgrund, ein Loblied nach dem andern an, von dem, was Gott an mir gethan. Ich will von seiner Güte singen, so lange sich die Zunge regt; ich will ihm Freudenopfer bringen, so lange sich mein Herz bewegt; ja wenn der Mund wird kraftlos seyn, so stimm' ich doch mit Seufzern ein. Ach! nimm dies arme Lob auf Erden, mein Gott! in allen Gnaden hin; im Himmel soll es bes ser werden, wenn ich ein schöner Engel bin; da sing' ich dir im höhern Chor viel tausend Halleluja vor. Halleluja! Amen. 114 Der andächtige Christ betet, und danket Gott am Schluß des J. 115 Aufmunterung. Psalm 103, V. 1. 2. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott erfreuen, wenn er sie eine Woche oder einen Monat glücklich zurücklegen låßt, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr durchlebt haben? Ach! wie viel Leiden kann uns in einem Tage begegnen, und wie viel mehr in einem ganzen Jahre! Wenn ein andächtiger Christ den Schluß des Jahres erblicket, so hebet er Hånde, Herz und Mund zum Himmel auf, und schließet es mit Loben, Danken und Beten, und zwar ist es ihm nicht genug, daß er etwa nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank! das Jahr ist auch vorbei; sondern 1) danket er Gott, daß er ihm das Jahr hindurch sein heiliges Wort zur Seelen- Heiligung hat predigen und den Weg zum Himmel weisen lassen, wie auch daß er ihm durch das heilige Abendmahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Hervorbringung der Glaubensfrüchte verliehen. 2) Er fraget sich, ob er auch das Jahr über frömmer geworden, wie alt er nun an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sey, da er nach der 8* Der andächtige Christ betet, und danket alten fündlichen Geburt abermal ein Jahr zurückgeleget hat. Er bittet 3) Gott auch herzlich und inbrünstig um Vergebung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er preiset Gott sodann für die empfangenen vielen leiblichen Wohlthaten, daß er ihn ernähret, versorget, beschüßet, errettet, erhalten, gesegnet, bewahret und begleitet. 5) Hat ihm Gott Krankheit, Leid und Trubsal zugeschicket, aber ihn auch wieder davon befreiet, so soll er insonderheit ihm dafür danken, und sich am Ende des Jahres so viel möglich erinnern, was in jeder Woche oder in jedem Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sey, auf daß also die letzten Tage des Jahres ihm Lob-, Bet-, Dank- und Bußtage werden mögen, dabei er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahre anflehet. 116 Gebe t. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir gethan? Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! D du dreieiniger Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist! also spricht meine in deiner Gnade sich erfreuende Seele, da ich nun abermal unter deinem Schuß und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott! wie theuer ist deine Güte, daß Men Gott am Schluß des Jahres. 117 schenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du trànkest sie mit Wollust, als mit einem Strom; denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Mein Gott! der Tage im Jahre sind viele, aber deiner Wohlthaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahre kann man zählen, aber deine Wohlthaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heiliges Wort haft lauter und rein predigen, und darin den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen Heil anweisen lassen. Ach! versiegle Alles, was ich gehöret habe, in meinem Herzen, und gib mir deinen heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich oftmal in dem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut gespeiset und getrånket hast; ach! laß es mir zu meiner Glaubensstårkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir oftmal die Sünde vergeben und die verdienten Strafen von mir abgewendet hast; ach! gib mir Kraft, daß ich mich in dem nächsten Jahre davor hûte, und sie nicht wiederum vorsäßlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung bescheeret, mir Gesundheit verliehen, das Unglück, so mir Der andächtige Chrift betet, und danket drohete, von mir abgewendet, mein Kreuz erleichtert, und in meinem Elend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet, wie einen Apfel im Auge, du hast mich beschirmet vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in Noth mich erhöret, und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron dringen laffen. Du haſt in meiner Trubsal mir Hülfe gesendet vom Heiligthum, und mich gestärket aus Zion. Du Hast deinen Segen über mich ausgeschüttet, du hast dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du liebreicher Vater hast mich, dein Kind, an deiner Hand geführet; du mächtiger König hast mich, deinen Unterthan, wider meine Feinde beschüßet; du getreuer Hirt hast mich, dein Schäflein, auf grüner Aue geweidet; du hast mich lebendig erhalten, da jene in die Hölle fuhren; deine Güte und Treue hat mich vom Anfang des Jahres bis an das Ende allewege begleitet. Deine Weisheit hat mich geleitet, deine Liebe hat mich bedecket, deine Hülfe hat mich erfreuet, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Baterhand hat mir Alles gegeben, dein allsehendes Auge hat Acht auf mich gehabt, und meinen Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein Uebels begegnete. Darum, ach! sehet und schmecket doch, wie freundlich der 118 Gott am Schluß des Jahres. Herr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele gethan hat! Hast du mich zwar zuweilen große und viele Angst erfahren lassen, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich zuweilen viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergößet. War mir oftmals Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hülfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach mein Gott! verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach! alle Sunden, die ich in diesem Jahre gethan habe. Ach! strafe mich deßwegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um Jesu willen. Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Uebertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Herr, Herr! so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demüthig an, bleibe auch mein Schuß und gnädiger Gott in dem neuen Jahre, halte deine Hand über mich, und laß mich deinem Schuß, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen seyn. Sey Lob und Ehr' dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt; gebt unferm Gott die Ehre! Umen. 119 120 Der andächtige Christ betet, und danket Gott am Schluß des I. n J. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedenket, Wie viel mir Gottes Hand In diesem Jahr geschenket, Wie er mich hat versorgt Und våterlich bewahrt, Und mich gesund und wohl Bis diese Stund' verspart! 2. Wie kann ich solche Gnad', Mein Vater! g'nugsam preisen? Ach! kdnnt' mein froher Geist Recht dankbar sich erweisen! O! daß doch all mein Blut Wie eine Zunge wår', Und jeder Aderschlag Erhübe deine Chr'. 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget, Und deines Segens Strom Mir reichlich zugeneiget; Un Nothdurft, Speis und Trank Hat's niemals mir gefehlt; Doch sind die Sterne eh' Als deine Güt' gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge, Und vor dir, treuer Gott! Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines Jesu Sinn! 5. Denn, ach! die Sündenlast liegt mir auf meinem Herzen, Ach! die genoss'ne Lust Bringt jetzo bitt're Schmerzen; Daß ich gesündigt hab', Ach leider! tausendmal, Was sag' ich tausendmal? So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein Gott! Dieselbe mir verzeihen, Und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad' verleihen; Nimm weg die Schuld und Straf', Vertilg' sie ganz und gar, Und straf' deßwegen nicht Mich in dem neuen Jahr. 7. Ich will mich dir hiermit Zum Eigenthum ergeben, Die Seele sammt dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben; Ach! schleuß die Meinigen In deine Vorsicht ein, Und lasse, was ich hab', Dir auch empfohlen seyn. 8. Beschüßze ferner mich, Und gib mir deinen Segen, Erhalte, was ich hab', Sey bei mir, und hingegen Wend' ab des Unglücks Sturm, Und bleibe stets mein Gott, Zugleich hab' Acht auf mich Im Leben, Noth und Tod. 9. So will ich denn das Jahr Mit dir, mein Gott, bes 121 Abendgebet. schließen; Ach laß im neuen auch Mich deiner Huld genießen! Und sollt' dasselbige Vielleicht das. lehte seyn, So führ' mich durch den Tod Zur Himmelsfreude ein. Abendgebet. Anjezo beuge ich zum legten Male in diesem Jahre vor dir meine Kniee, o mein Gott und Erbarmer! und suche Nichts als deine Gnade und deinen Frieden. Ich weiß, daß ich dich vielfåltig in den verfloffenen zwölf Monaten erzürnet und betrübet habe; ich weiß, daß ich oftmals deine Gebote übertreten und felten den Weg gewandelt bin, den ich hätte wandeln sollen; ich weiß, daß ich mit diesem meinem Ungehorsam deinen Zorn, deine Ungnade und die gerechtesten Strafen verdienet habe; ich weiß aber auch, daß du um Jesu willen bußfertige Sünder zu Gnaden annimmst, und ihnen Missethaten, Uebertretungen und Sünden vergibst. Und eben deßwegen werfe ich mich vor deinem Chrone nieder und rufe um Gnade. Ach Herr! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Gehe nicht mit mir ins Gericht, denn ich kann so wenig wie Andere vor dir bestehen. Verzeihe mir daher alle meine Fehler, auch die verborgenen. Habe ich dein geoffenbartes Wort, welches mich unterweiset zur Seligkeit, in diesem Jahre nicht mit ſol 122 Abendgebet. cher Andacht und Aufmerksamkeit angehöret, wie ich billig håtte thun sollen, so vergib mir solche Unachtsamkeit, und laß mich hinfüro aus einem Hörer einen Thåter deines Wortes werden. Habe ich dich und meinen Nächsten nicht so geliebet, wie es mir zugekommen, so dampfe in mir allen Kaltsinn, und entzünde in meiner Seele das Feuer deiner göttlichen Liebe, damit ich dich von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüthe und aus allen Kräften, meinen Nächsten aber wie mich selbst, lieben möge. Habe ich in meinem Amt, Stand und Verrichtungen nicht die gehörige Treue beobachtet, so verzeihe mir es aus großem Erbarmen, und laß mich inskünftige mit dem Pfund, welches du mir anvertrauet, besser wuchern, damit ich stets als ein guter Haushalter erfunden werde und mit meiner Rechnung bestehen möge. Bei dir, o mein Gott! ist die Vergebung, darum suche ich dieselbe auch bei dir. Tilge bei dem Schluß dieses Jahres mein Schuldregister, welches groß genug ist, mit dem theuern Blute meines Heilandes, welches ich im Glauben ergreife. Laß meine Sünden wie einen Nebel vor deinen Augen vorübergehen. Nimm sie weg von mir, und gedenke derselben nimmermehr, damit ich nicht als ein Schuldner in dem neuen Jahre vor dir erscheinen möge. Nimm mich auch noch in dieser Nacht in deinen Gna Abendgebet. 123 denschuß, und sey eine feurige Mauer um mich her, daß mich kein Unglück treffen könne. Soll aber diese Nacht die letzte seyn in diesem Jammerthal, so nimm mich, Herr, in Himmel ein, in deinen Freudensaal; denn also leb' und sterb' ich dir, o starker Zebaoth! im Tod und Leben hilf du mir aus aller Angst und Noth. Soll ich aber nach deinem Rath mein Leben höher bringen, und wenn ich erwache, in ein neues Jahr treten, so gehe mit deiner Güte mit mir in dasselbe; leite mich in deinen Wegen; mache mich recht fromm; führe mich auf ebener Bahn, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, damit ich dir von nun an leben, dienen und gehorchen möge. Ja, mein Gott! das Eine bitte ich nur noch, ehe ich einschlafe, von dir, das wollest du mir geben, nåmlich von nun an und im neuen Jahre nach deinem Willen einen neuen Sinn und Geist, der, was dein Befehl mich heißt, mich lehr' unverrückt erfüllen, daß mein Geist, sammt Seel' und Leib, deines Geistes Wohnung bleib'. O du großer Gott! erhöre, was dein Kind gebeten hat; Jeſu! den ich stets verehre, bleibe doch mein Schuß und Rath; und o Hort, du werther Geist! der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein ſehnlich Flehen; Amen, ja, es soll geschehen. Amen. 124 Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen Jahres. Morgen gebet. Was soll ich mir nun von dir, o mein Gott und Vater! ausbitten, da ich in den ersten Stunden dieses Jahres, welches mich deine Gute hat erleben lassen, vor deinem Throne betend erscheine? Dreierlei bitte ich von dir in kindlichem Vertrauen, und hoffe, du werdest mir keines versagen. Das Erste ist: daß du mich in diesem Jahre mit deiner starken und machtigen Hand beschützen, bedecken und erhalten wollest. So lange wir Menschen hienieden auf Erden wallen, so lange find wir vielen Veränderungen und Gefährlichkeiten unterworfen, welche uns leichtlich verderben und aufreiben können, wo wir nicht von einer göttlichen Macht bewahret und errettet werden. Will mich daher Unglück von mancherlei Art heimsuchen, so wende solches in Gnaden von mir ab. Drohet mir allerlei Gefahr, so nimm mich unter deine Flügel, daß sie mich nicht treffen kann. Will Kreuz, Trubsal und Noth bei mir einkehren, so sey du mein Schuß, welcher mich davor behüte und bewahre. Soll ich aber nach deinem Willen manches Leiden dieser Zeit erfahren, ach! so laß mich solches in Geduld ertragen, als eine Züchtigung von dir annehmen, und meinen Willen dem deinigen unterwerfen. Stehe Morgengebet. mir auch in der Stunde der Angst bei, und laß mich nicht kleinmüthig werden. Zeige mir endlich auch bald deine Hülfe, und laß mich meine Lust an deiner Gnade sehen. Das Andere, welches ich demüthigst von dir begehre, ist dieses: daß du Jesum allezeit wollest in meinem Herzen wohnen lassen. Mein Heiland hat sich dasselbe bei meiner Taufe zu seinem Tempel bereitet, er hat es als seine Wohnung eingenommen, und sich mit mir, ehe ich ihn noch recht kannte, vereiniget; ja, ob ich gleich durch meine Sünden ihn von mir getrieben und seine Gemeinschaft verscherzet habe, so ist er doch wieder bei mir eingekehret, da ich in wahrer Buße seine Vereinigung verlangte und suchte. Ach! darum laß dieses vortreffliche Kleinod nie von mir genommen werden. Stärke meinen Glauben an seinen Namen. Laß mich meinen Jesum über Alles lieben und schätzen. Laß mich in deiner Kraft seine geheiligten Fußstapfen betreten, und immer so gesinnet seyn, wie er war, damit ich mit ihm allezeit auf das Genaueste verbunden bleiben, und um deßwillen dir wohlgefallen möge. Endlich ersuche ich dich in der tiefsten Beugung meines Herzens, du wollest deine heiligen Engel in diesem Jahre um mich seyn und mich auf allen meinen Wegen begleiten lassen. Du sendest ja diese dienstbaren Geister aus zum Dienst de125 126 Morgengebet. rer, die da ererben sollen die Seligkeit; du willst auch, daß Niemand verloren gehe, sondern Alle sollen das ewige Leben ererben, und mithin gehöre ich auch unter diejenigen, welche sich des gesegneten Dienstes jener vollkommenen Geister, welche immerdar um deinen Thron stehen, getrösten können, und aus eben dieser Ursache verlange ich von dir flehentlich die Gesellschaft deiner Engel. Thue ihnen Befehl, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Laß sie sich um mich her lagern und eine Wagenburg um mich schlagen, damit nichts Böses zu mir kann, und auch der Satan, wenn er sich in einen Engel des Lichts verstellet, nicht vermögend sey, mir zu schaden und mich zu überwältigen. Laß mich stets daran gedenken, daß deine Engel bei mir seyen, damit ich mich vor Sünden hüte und mich auf ebener Bahn leiten lasse. Wirst du mir, o mein Gott und Vater! diese meine dreifache Bitte gewähren, so werde ich in diesem Jahre unverlegt bleiben, so wird es ein Jahr geben, von welchem ich werde sagen müssen: Es hat mir gefallen; so werde ich alle Tage in demselben Proben deiner Gnade, Liebe und Erbarmung erblicken. Meine Seele wird alsdann mit Licht, Kraft und Stärke erfüllt bleiben; ich werde im Glauben und in der Heiligung zunehmen, und meinem Beruf gefund nachgehen können. Wenn du mir Der andächtige Christ betet bei dem Unf. des neuen Jahres. 127 also verleihest, was ich anjezo gebeten habe, so habe ich Alles, was mich im Leiblichen und Geistigen glückselig machen kann. Da du nun Nichts als die wahre Glückseligkeit deiner vernünftigen Geschöpfe verlangest, ſo schenke mir in Gnaden das Gebetene zum neuen Jahre. Erhöre mich, da ich zum erstenmal in diesem Jahre zu dir schreie. Gib mir, was ich in Demuth begehret habe, und sey mir gnådig, so will ich allezeit dich mit fröhlichem Munde preisen und erzählen, was du an mir gethan hast. Dieß Alles woll'st du geben, o meines Lebens Leben! mir und der Christenschaar zum sel'gen neuen Jahr. Amen. Aufmunterung. Psalm 90, V. 17. Der Herr, unser Gott, sey uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern! Obgleich oftmal vorwigige, aber auch kleinmüthige Gemüther bei dem Anfang des Jahres gerne wissen möchten, ob ihnen das Jahr werde glücklich seyn, so stehet es doch nicht in eines Menschen Macht, solches Jemanden kund zu thun; denn zukünftige Dinge weiß der Herr allein. Daher ist dieses Allen und Jeden zu rathen, welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist, daß sie 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen, daß sie die Güte des Höchsten prci 128 Der andächtige Christ betet sen, der fie unter so vielen Sturmwinden des Leidens, unter so vielen Fluthen der Trübfal dennoch glücklich ein neues Jahr hat antreten lassen. Und gewiß, hat ein Schiff großes Glück, das durch Sturm und Wellen durchkömmt, so hat man auch Gott auf den Knieen zu danken, wenn er uns ein Jahr glücklich und gesund hat erleben lassen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Gûte des Allerhöchsten sie ferner beschüßen, regieren und erhalten wolle. Verlaß' mich auch in diesem Jahre nicht, sprechen sie, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Sie befehlen Gott ihren Leib, ihre Seele und Alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschuß. 3) Sie befleißigen sich auch in dem neuen Jahre, andächtiger und frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr möge in die neue Geburt gehören. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren prangen, und sind doch dabei irdisch gesinnt und der Welt ergeben, die haben keinen größern Ruhm, als ein alter Jude oder Heide, der sie vielleicht an Jahren übertrifft. Denn die Frömmigkeit, als welche eine Frucht des Glaubens und der inwohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei dem Anfang des Jahres vor, Gottes Wort bei dem Anfang des Jahres. 129 fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren und darnach ihr Leben einzurichten. Gebe t. Herr! Herr! barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem ist keine Veranderung noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß! siehe, ich habe unter deinem Schuß abermal ein neues Jahr angetreten; Herr! wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du machest fie trunken von den reichen Gütern deines Hauses; Gottes Brünnlein hat Wasser die Fülle. Dieses Alles habe ich, mein Gott und Vater! das vorige Jahr wohl erfahren, darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen anfangen. Herr! frühe, sogleich bei dem Eintritt des Jahres, wollest du meine Stimme hören; frühe, in den ersten Stunden desselben, wollest du darauf merken. Ach Herr! ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahre begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viele, das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche die Menschen treffen können, sind unzählig. Darum komme ich zu dir, o starker und liebreicher Gott! und will mich gleich im Anfang deiner Gnade und Treue befehlen. Ach! da Alles neu wird, das Land will von Neuem grü Der andächtige Christ betet nen, die Sonne höher steigen, Alles wird mit neuen Kräften belebet; so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mich neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnådigen Baterschuß; bewahre sie vor Sünden, daß ich sie nicht vorsäßlich und muthwillig damit beflecke. Herr Jesu! heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blute. Gott heiliger Geist! wohne in ihr, laß sie deinen Tempel seyn. O wie ein gesegnetes Jahr wird mir dieses seyn, wenn ich, o himmlischer Vater, in deiner Gnade bleibe, und als dein Kind lebe! O wie glücklich werde ich seyn, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o Jesu, werde stehen! O wie schön werde ich geschmükket einhergehen, wenn du, werther heiliger Geist, in mir wohnen und mich regieren wirst! Ist des Königs Tochter herrlich geschmücket inwendig, so werde ich in diesem Schmuck dir auch gefallen. Und weil du mir bisher Leben und Gesundheit als eine edle Gabe verliehen hast, so wollest du dieselbe mir auch in diesem Jahre, wenn es dein våterlicher Wille und meiner Seele heilsam ist, gnädiglich erhalten, damit ich dadurch zu deinem Dienst und zur Verrichtung meines Berufs desto tüchtiger seyn möge. Sollte es aber deinem heiligen Rath gefallen, mich mit Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht von mir, und wenn ich Pein leide, so lindre 130 131 bei dem Anfang des Jahres. mir solche, und laß auch deine Erquickstunde erscheinen, da du mir Alles wieder abnimmst. Halte deine Hand, Herr, mein Gott! über die Meinigen und über alles das Meine; sey eine feurige Mauer um Alles her, wie um Elisa; bewahre uns rings umber, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines heiligen Geistes, daß ich dieses Jahr recht fromm und ein wahres Kind Gottes werde, daß ich sey ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Thâter des Worts. Hilf, daß in dem neuen Jahre es von meiner Seele Zustand heißen möge: Das Alte ist vergangen, es ist Alles neu geworden; daß sich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, ein neuer Trieb, mich mit dir zu vereinigen und in dieser Vereinigung zu verbleiben. Ach! heilige mich durch und durch, daß mein Geist, sammt Seele und Leib, mögen unstråflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Gib mir einen neuen Eifer in meinem Christenthum, in dem Guten zu wachsen und zuzunehmen. Segne meinen Beruf und meine Arbeit, segne meinen Ausgang und Eingang, gib mir, was deine Segenshand mir bestimmet hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang dieses Jahres bedenken, daß auch dereinst das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereit halten, in Buße und 9* 132 Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des Jahres. Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Lenden gegürtet seyn lassen, dich, o mein Brautigam und gnädiger Gott! mit Freuden zu empfangen, und zu deinem, mir von Unbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach! gib mir nach deinem Willen einen neuen Sinn und Geist, der, was dein Befehl uns heißt, mich lehr' unverrückt erfüllen, daß mein Geist, sammt Seel' und Leib, deines Geistes Wohnung bleib'. Jesu, laß mich fröhlich enden dieses angefang'ne Jahr; trage mich auf deinen Händen, stehe bei mir in Gefahr. Ach! hilf mir in aller Noth, auch verlaß mich nicht im Tod. Freudig will ich dich umfassen, wann ich muß die Welt verlassen. Amen. Gefan g. Mel. Allein Gott in der Höh' sey Ehr'. 1. Gott Lob! das neue Jahr tritt ein, Es ist schon angehoben; Ach! könnt' ich doch recht dankbar seyn, Und Gott vollkommen loben! Ich schenk' mich dir, Ach! schenk' dich mir, Mein Gott, mein Licht und Lebenszier, Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih' mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel regiere, Der mich mit Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere, Der mich erfülle jederzeit Mit Hoffnung, Lieb' und Heiligkeit, Und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich an Glaubensfreudigkeit In diesem Jahr zunehmen, Und durch den siegesvollen Streit Des Fleisches Lüste zähmen, Auf daß ich bleibe fromm hinfort, 3u aller. Zeit, an allem Ort, Und bleibe mein Regierer. 4. Ach großer Gott! verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete, Wend' nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Abendgebet. 138 Glauben bete; Ach hör', erhöre meine Bitt'! Ach theil' mir deine Hülfe mit, Und bleibe mein Erbarmer! 5. Ich bitt' noch mehr, o Gott! von dir: Ach! gib mir deinen Segen, Den wolle deine Liebe mir In meinem Thun beilegen; Ach liebster Bater! segne mich, Mein Auge schaue nur auf dich, Ach! bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen, Es ist ja deiner Weisheit Licht Mein Zustand nicht verborgen; Drum sorg' für mich auch dieses Jahr, Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Versorger. 7. Sollt' mich auch treffen Kreuz und Leid, So biet' mir deine Hände, Verleih' die Hülfesstund' bei Zeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach! gib mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Huld, Und bleibe mein Erretter. 8. Ja, trdste mich zur Leidenszeit, Und laß mich bald empfinden Der Kinder Gottes Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; O Gott des Trostes! wende nicht Von mir dein Licht und Angesicht, und bleibe stets mein Trdster. 9. Soll auch dieß Jahr das letzte seyn, Das ich noch soll erleben, So führe mich zur Freude ein; Da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Krone nach dem Kampf und Streit, Ja Herrlichkeit und Wonne. Abendgebet. Großer und erhabener Gott! meine auf dich gesetzte Hoffnung ist an dem ersten Tage dieses Jahres nicht zu Schanden geworden. Ich habe an demselben sehr viele Proben deiner Güte und Liebe verspüret. Du haft mir ein fröhliches Herz verliehen; du hast mir dein Wort verkündigen lassen; du hast mich mit vielem Guten gesättiget und überhäufet. Lob, Preis und Dank sey dir dafür gesagt Abendgebet. von ganzem Herzen. Hast du nun in Gnaden bis hierher mein Gebet erhöret, so vernimm auch jetzt mein Schreien, da ich mich zur Ruhe begeben will. Bei dem Anbruch dieses Jahres und Tages habe ich mir deine Huld, deinen Segen, deine Gnade ausgebeten; nun will ich auch noch für Andere eine demüthige Fürbitte einlegen, da es mir nach deinem Befehl zukommt, Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung zu thun für alle Menschen. Die, welche du zu Königen auf Erden gesetzet, und mit Kronen gezieret hast, laß in einem ununterbrochenen Wohlergehen ihr Scepter führen. Von ihrem Wohlseyn hånget ihrer Unterthanen wahres Wohl ab; auf ihrer Gesundheit ruhet derselben Glück; auf ihre Sorgfalt und weisen Anschläge gründet sich derselben Ruhe. Kröne derowegen Alle, welche dein Bild an sich tragen und deine Diener sind, mit langem Leben, und laß sie bis in die spätesten Zeiten grünen und bluhen. Laß sie aber auch immerdar bedenken, weswegen sie von dir über Andere zu Hauptern gesehet sind, damit sie die Gerechtigkeit handhaben, das Gute belohnen und das Böse bestrafen mögen, auf daß Alle, so unter ihrer Herrschaft stehen, ein geruhiges und stilles Leben in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit führen können. Diejenigen, welche du ausgesendet hast, das Evangelium des Friedens 134 Abendgebet. zu verkündigen, rüste aus mit den reichen Gaben deines Geistes; gib ihnen Kraft und Starke, ihr wichtiges Amt verwalten zu können; laß sie beståndig mit Freuden zu deinem Lobe den Mund aufthun; gib, daß sie Keines schonen, sondern frei und ungescheuet einem Jeden die Wahrheit sagen, damit durch ihren Dienst dein Reich auf Erden immer mehr und mehr ausgebreitet und dir eine Gemeinde gesammelt werde, welche sich stets deiner Gnade getrösten könne. Die ganze Christenheit laß dir auch in diesem Jahre anbefohlen seyn. Verfahre mit Allen und Jeden als ein liebreicher und durch Christum versöhnter Vater; thue ihnen als deinen Kindern Gutes; segne ihre Nahrung, ihr Gewerb und ihre Handthierung; wende alles Ungemach von ihnen, und sey beståndig ihre Sonne und ihr Schild. Und wenn du dich so Aller im Leiblichen angenommen, so erweise dich ihnen auch im Geistigen gnädig und gütig. Die Sünder laß durch deine Güte zur Buße geleitet werden, auf daß sich die Engel im Himmel über sie freuen mögen. Die Begnadigten stårke, gründe und befestige im Guten, damit ihnen durch Nichts ihre Beilage und Krone könne geraubet werden. Alle Betrübte und Elende erfreue. Alle Kranke und Schwache stårke und heile. Alle Verlassene tröste und erquicke. Aller Menschen erbarme dich. Dieß 185 Morgengebet. ist, o Vater der Barmherzigkeit! meine Fürbitte, welche ich bei dir einlege; erhöre sie in Gnaden, und sprich dazu Ja und Amen, so wird dieses Jahr Allen und auch mir recht gesegnet seyn. Segne uns daher so, unser Gott, auf den wir hoffen, segne uns so im Geistigen und Leiblichen, bis wir dereinst in der Ewigkeit ohne Aufhören Segen von deiner Hand einernten und die herrlichen Güter deines Hauses in Besig nehmen können. In zuversichtlichem Vertrauen auf die gewisse Erhörung dieser Bitte schließe ich meine Augen, und seufze noch einschlafend in meinem und aller Mitchristen Namen: Unsern Eingang in dieses Jahr segne Gott, unsern Ausgang gleichermaßen; segne unser täglich Brod; segne unser Thun und Lassen; segne uns mit sel'gem Sterben, und mach' uns zu Himmelserben. Amen. 136 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden Jesu Christi bei dem Anfang der heiligen Fastenzeit. Morgengebet. Jesu! deine Passion will ich jest bedenken, wollst mir von des Himmels Chron dazu Andacht schenken; in dem Bilde jetzt erschein', Jesu! meinem Herzen, wie du einst, mein Heil zu seyn, littest große Schmerzen. Also flehe ich dich, leidender Heiland! billig um deinen gnadenvollen Beistand demüthigst an, da ich 137 Morgengebet. dich im Geiste sehe nach derjenigen Stadt wallen, in welcher schon das strengste Todesurtheil auf dich wartet, und wo dir die erbittertsten Feinde, welche dir ohne Ursache gram sind, mit Freuden entgegensehen. Die gegenwärtige Zeit, welche mich deine unendliche Güte anjeßt abermals hat erleben lasſen, erinnert mich an dein bitteres Leiden, welches du nach dem Rathschluß deines himmlischen Vaters willig übernommen, um als das Lamm Gottes die Sünden der ganzen Welt zu tragen und für dieselben genug zu thun. Kein Bruder konnte den andern erlósen, noch mit Gott Jemand versöhnen; es kostete zu viel, ihre Seelen zu erlösen, daß er es mußte lassen anstehen ewiglich; darum erbarmtest du dich über die, deren Fleisch und Blut du in der Fülle der Zeit angenommen, und suchtest durch eine blutige Versöhnung ihnen den Frieden wieder zu verschaffen, welchen sie durch ihre Sünden nicht nur gebrochen, sondern auch verloren hatten. Durch deine Kraft mußt du mich tüchtig machen, wenn ich diese wichtige Sache mit Frucht und Segen betrachten soll, denn ohne dich kann ich nichts thun. Erleuchte derowegen meinen Verstand, daß ich in deinem Lichte die Größe deiner Liebe und Erbarmung erkennen und zu dem dir gebührenden Danke ermuntert werden möge; heilige aber auch Morgengebet. meinen Willen, daß er die mir durch deinen Tod erworbenen Wohlthaten annehme und zu meinem Besten anwende. Du hast mich geliebet, ehe ich dich noch kannte. Du haſt dich für mich dahin gegeben, da ich noch nichts von dir wußte. Du hast Schmach, Spott, Schande und mancherlei Leiden ausgestanden, um mich glücklich zu machen. Für mich, für mich, mir zum Besten hast du alles dieses gethan. Sollte ich dir derohalben nicht singen? Sollte ich dich dafür nicht loben und preisen? Ja! tausend tausendmal sey dir, liebster Jesu, Dank dafür! Tausendmal sey dir gesungen, liebster Jesu! Preis und Ruhm, daß du Höll' und Tod bezwungen; nun ich bin dein Eigenthum, und du meine Freud' und Wonne, möcht' ich dich, o schönste Sonne! bald in deiner Krone seh'n; komm', dein Leiden ist gescheh'n! O ja, komm' zu mir, treuer Seelenfreund! und verbinde dich mit mir. Du bist für Alle und also auch für mich gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort sich nicht selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Komm' derowegen in meine Seele und belebe dieselbe. Laß mich immerdar erwågen, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. Laß mich stets eingedenk seyn, daß du den schmählichsten Tod hast ausstehen müssen, um mich von dem ewigen Tod zu befreien. Laß es mir wie 188 Morgengebet. einen Denkzettel allezeit vor meinen Augen schweben, daß du dein Leben hast verlieren müssen, weil ich mir und der Welt bis hieher gelebet habe; laß mich auch dadurch bewogen werden, dir zu leben und dir nachzufolgen. Ziehe mich selbst als einen Brand aus dem Feuer, damit dein Leiden an mir nicht möge vergebens seyn. Von nun an laß mich deinen Jünger werden, welchen Nichts, Nichts von dir scheiden könne. Schenke mir derowegen deinen Geist, welcher in dieser heiligen Passionszeit alles das mir möge zueignen, was ich in derselben von deinem bittern Leiden und Sterben höre und vernehme. Gib mir Gnade, in diesen Tagen mich immer mit dir zu beschäftigen, an dir mich zu ergößen, und dadurch mir einen ewig bleibenden Segen zu verschaffen. Will die Welt mich zu Ueppigkeit und Wohlleben verleiten, will der Satan durch allerlei Zerstreuungen mich stören und zerrütten, will mein verderbtes Fleisch und Blut mich zum Bösen reizen und locken, so laß mich an dein Leiden denken und allen diesen Verführungen fest im Glauben widerstehen, damit sie mich nicht gewinnen und überwinden mögen. Hilf, daß ich dich allezeit möge im Gedächtniß halten, mich dadurch von Sünden abhalten lassen, und endlich wegen meiner Treue mit dir in diejenige Herrlichkeit eingehen, zu welcher du mir 139 Der andächtige Chrift betrachtet durch dein Leiden und Sterben den Eingang verschaffet hast. Herr! laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier, daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. Amen. Aufmunterung. 2. Cor. 5, V. 10. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit besonderer Betrachtung des Leidens Jesu haben hingebracht, welches bis auf diesen Tag noch die Weise aller wahren Kinder Gottes ist. Ob nun aber gleich der Satan die Weltkinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Saufen, Maskeraden, Fressen, Ueppigkeiten und Gottlosigkeiten anfangen, damit sie bezeugen, sie fragen Nichts nach dem gekreuzigten Herrn Jesus, und treten sein Blut mit Füßen; ſo find doch wahre Kinder Gottes anders gesinnet, und haben davor einen Gräuel. 1) Sie fangen diese Zeit nicht allein mit Beten und Singen an, sondern entschlagen sich auch, so viel möglich, aller irdischen Dinge, damit sie allein an dem Blute Jesu ihre Freude haben das Leiden Jefu Chrifti. können. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden Jesu vor Augen; Jesum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Nichthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, und sprechen bei jeder Betrachtung: Für mich, das ist Alles für mich geschehen! 3) Wie sie nun diese heilige Betrachtung zu Hause und in der Kirche anstellen, so begnügen sie sich auch nicht mit der äußerlichen Historie, und lassen zugleich mit der Fastenzeit ihre Andacht verschwinden, sondern wie sie Zeit ihres Lebens und auch im Sterben sich der Wunden Jesu getrösten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens im Gedächtniß den gekreuzigten und auferstandenen Jesum. Dieses Andenken 4) treibt sie an zur Kreuzigung ihrer Lüste und Begierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf dieser Welt, oder vorsäßlich sündigen, sondern der Sünde immer mehr absterben, und geistiger Weise auferstehen. Dieser Fleiß, Verlangen und Wunsch wird 5) von Gott zu ihres Lebens Heiligung geſegnet werden. 141 Gebe t. Ach Jesu! mein Jesu! wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittern Leiden mir erwiesen hast! Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der Herr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde gethan hat; und siehe! du Der andächtige Christ betrachtet ergibst dich in den allerschmählichsten Tod und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. O wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trågt meine Unheiligkeit, der Fromme trågt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden aufgeleget, damit mir deine Gerechtigkeit geschenket würde. Mein Jeſu! an deinem Leiden kann ich sehen den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Gräuel der Sünden, die Strafe der Sünden. Denn hat Gott, um fremder Missethaten und um zugerechneter Sünden willen, dich unschuldiges Lamm so erbärmlich am Selberg selbst gemartert, und durch deiner Feinde Hände so jåmmerlich zurichten lassen, wie hart werden denn dermaleinst die gestraft werden, welche durch solches Leiden sich nicht zum Glauben, zur Buße und zur Lebensheiligung bewegen lassen? Mein Jesu! ich trete jeßzt zu dir, und schaue dein Leiden gläubig an. Du gehest in den Garten Gethsemane, und schwißest blutigen Schweiß! ach! für mich, damit ich von der Gewalt des Satans befreiet würde. Du wirst vor Gericht geführet, verklaget und zum Tode verdammet! ach! für mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht werde gestellet 142 das Leiden Jesu Christi. werden, möge losgesprochen werden. Du hast vor Gericht lauter Anklåger, aber keinen Fürsprecher! ach! für mich, damit, wenn mich meine Sünden und mein Gewissen anklagen, du mein Fürsprecher seyn mögest. Du wirst gegeißelt, und dein Leib fließet mit Blut, die Pflüger ziehen ihre Furchen lang auf deinem Rücken! ach! für mich, damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführet! ach! für mich, damit mein Todesgang mir heilsam und ein Durchgang zum Himmel, ja ein Hingang zum Vater sey. Du wirst gekreuziget! ach! für mich, du Lamm Gottes hast alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuz! ach! für mich, daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben! ach! für mich, damit du mein Grab heiligen mögest. Ist das nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Friede håtte und davon befreiet würde. Nun will ich dieß Leiden mir vor Augen sehen, mich stets daran ergößen, ich sey auch, wo ich sey. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel' sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruh'n. War Ifrael von aller Schuld und Strafe frei, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte, und 143 Der andächtige Christ betrachtet dessen heißes Blut vergießen sah, so weiß ich auch, weil du, o Jesu! du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes, für mich geschlachtet bist, und dein heißes Blut reichlich für mich vergossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden und mit Gott versöhnet bin. Dein Blut ist das rechte Opferblut, das Versöhnungsblut, das Reinigungsblut, das Besprengungsblut. O mein Jesu! an deine ausgestandene Marter und an dein vergoffenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich will zur Sünde verleiten; deine blutige Gestalt am Delberg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösen Erempel mich ihr gleich zu stellen reizen will. In deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen angstet; ja in meiner Todesstunde will ich von Nichts als von dir, o Jesu! wissen; dein heiliger Jesusname soll mein legtes Wort, deine blutige Gestalt mein legter Gedanke seyn, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mein letter Seufzer im Sterben seyn, daß ich damit dir sage: Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist. In solcher meiner legten Stunde, o Jesu! sey mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand; und erschein' mir alsdann zum Bilde, zum 144 das Leiden Jesu Christi. Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde dich blutetest zu todt. Da will ich nach dir blicken, da will ich Glaubens voll dich fest an mein Herz drücken; wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gefa n g. Mel O Gott, du frommer Gott 2c. 145 1. Es stirbt mein liebster Freund, Mein Jesus, ach! mein Leben! Sieh'! er ist schon erblaßt, Der Geist ist aufgegeben; Er neiget nun sein Haupt Am hohen Kreuzesstamm, Er sinket in den Tod, Mein Seelenbräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, Daß ich nicht möge sterben, Daß ich errettet werd' Vom ewigen Verderben. Ach ja! er stirbt für mich, Für meine Sünd' und Schuld, Befreit mich von der Straf' Und bringt mir Gottes Huld. 3. Es stirbt mein liebster Freund! Und dennoch nicht mein Lieben! Mein Jesus bleibet tief In meine Seel' geschrieben. Ich lieb' ihn, weil ich leb', Und lieb' ihn auch im Tod, Ich lieb' ihn in dem Kreuz Und aller meiner Noth. 4. Ich will mit meinem Freund Auch noch zu Grabe gehen. Und wie man ihn einsenkt, Mit Glaubensaugen sehen. Mein Freund, hier ist mein Herz, Da senke dich hinein, Das soll dein Eigenthun Und deine Ruhstatt seyn. 5. Ich will mein Herze dir Hiemit zu eigen schenken, Ich will bis in den Tod Un deinen Tod gedenken; Ach! lebe, weil ich leb', Mein Seelenfreund, in mir, Und sterb' ich dermaleinst, So sterb' ich, Jesu! dir. und Jesus in seinem Blute. stuft wordi Gefang. bart Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bittre Leiden, Welches Jesus muß aussteh'n, Wie die Juden und die Heiden Grausamlich mit ihm umgeh'n; Kommt und schaut die Marter an, Ob sie euch 10 Abendgebet. bewegen kann, Ob vielleicht euch dieser Schmerz Rühren mdg' das harte Herz. 146 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig seyn; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wuth, Schauet das vergoß'ne Blut, Ob's euch könnt' zurücke ziehen, Daß ihr mdgt die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreuzesstamm, Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das Gotteslamm, Wie sein heißes Blut noch fließt, Und wie es die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken Und zur Buße mocht' erwecken. 4. Jesu, liebster Jesu! schreibe Dieses Alles in mein Herz, Daß ich eingedenk verbleibe, Wie dein Leiden, wie dein Schmerz, Wie dein Sterben, wie dein Blut Kommt mir Armen noch zu gut, Daß ich mdge daraus sehen, Was auf Sünd' für Straf ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich steh', Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh', Blutig auf der Lagerstått', Blutig auf dem Sterbebett', Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. 6. Jesu, stell' dein Blut und Wunden Immer vor mein Ungesicht, In den Wunden hab' ich funden Gnade, Leben, Trost und Licht; Deine Marter, Tod und Pein Soll im Tod mein Labsal seyn, Und so lang' ich werde leben, Soll es mit vor Augen schweben. Abendgebet. O mein Jesu! mein König und mein Haupt! ehe ich meine ermüdeten Glieder zu ihrer Ruhe niederlege und einschlafe, muß ich mich noch mit dir unterreden und mich dir anbefehlen. Die Betrachtung deines Leidens, welche ich Abendgebet. heute angestellt, hat bei mir die süßesten Empfindungen erwecket; laß mich daher auch in denselben sanft einschlummern und noch dein Andenken mir fruchtbar seyn. Durch dein Leiden, liebster Jesu! bast du geheiliget all das Leiden, das deinen Gliedern, und mithin auch mir, widerfahren kann und soll. Zittern und Zagen hast du empfunden, ja du haſt auch erfahren, wie es Einem zu Muthe sey, wenn man ganz verlassen ist; und dieses deßwegen, damit, wenn ich in dergleichen Umstånde gerathe, ich durch dich aus denselben möge errettet werden. Sey du mir daher in solchen Stunden nicht grausam, du mein Beistand in der Noth! wenn ich rufe, so schweige nicht. Ich erschrecke, wenn du thust, als hörtest du mich nicht. Trauern und Zagen überfällt mich, wenn du dich verbirgst und dich stellest, als kenntest du mich nicht, als ginge ich dich nichts an. Zittern und Angst/ finden sich bei mir ein, wenn du mich entweder in meinem leiblichen Kreuz oder in meinem geistigen Anliegen fast abweisen willst, als ob ich bei dir Nichts zu sagen hätte. Verbirg dich derhalben nicht vor mir, o du Gnadensonne! Erwecke meinen Glauben zu solcher finstern Zeit, daß ich mich an deine Verheißungen und Liebe festiglich halte, und zuversichtlich hoffe, du werdest meine Klage verwandeln in Reigen, du werdest mir mei10* 147 Abendgebet. nen Sack ausziehen und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Ach ja, mein Jesu! sprich in meinem Leiden meiner Seele freundlich zu. Verlaß mich nicht; thue deine Hand nicht weg von mir. Zeige mir deine liebliche Gestalt, wie auch dein Leiden ein herrliches Ende genommen, und laß mich auf deine Güte und Barmherzigkeit fest trauen. Laß mich auch in meinem Leiden dir ähnlich werden und deinem Vorbilde nachfolgen. Willig laß mich Alles übernehmen, was die ewig weise Vorficht über mich verhängt und mir zu tragen auferlegen wird. Geduldig laß mich seyn, wenn die Trübsal wie ein Strom mir entgegen kommt. Mit Gelassenheit laß mich Alles ertragen, was mir zustóßt, und laß mich allezeit so gesinnet seyn, wie du, o Jesu! auch warst. In meinem Anliegen laß mich dir keine Zeit noch Stunde vorschreiben, wann du mir helfen sollft, sondern stets mit dir sagen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Laß mich so nach deinem Beispiel in meinen Trauerstunden mich aufführen, damit ich auch dereinst mit dir zur ewigen Freude eingehen könne. Laß mich an dich gedenken, so wird mein Trauern bald verschwinden, denn dein Gedächtniß, Jesu! machet, daß mein traurig Herze lachet. Stelle dein blutiges Bild vor meine Augen immerdar, so werde ich nie ohne Trost seyn, sondern mit demselben auf 148 Abendgebet. 300 ONS d un pil das kräftigste erquicket und gelabet werden. Stehe mir auch in dieser Nacht zur Seite, und laß mich, wenn ich morgen, und so oft es etwa noch geschieht, erwache, in deinem Bilde satt werden. Stårke mich so immerfort mit deiner Hand, bis endlich mein Ende kommt. Und wenn dann dasselbe erscheinet, wenn der Tod sich anmeldet, so laß mich getroft meiner Veränderung entgegensehen und selig einschlafen. Nimm alsdann meinen Geist in deine Hände, laß mir dein Leiden vor Augen schweben, mich aus demselben Trost, Kraft, Stårke und Labsal in überschwänglichem Maaße schöpfen. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du selbst herfür; wenn mir am allerbångsten wird um das Herze seyn, so reiß' mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Pein. Erschein' mir dann zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich seh'n dein Bilde in deiner Kreuzesnoth; da will ich nach dir blicken, da will ich Glaubens voll dich fest an mein Herz drücken, so sterb' ich ja recht wohl. Amen. sin g Jag drie ading is someon mod mis 3 mrdon don mallin sinir son imam s12 mit 149 la artst sum Giessen 150 Der andächtige Christ erwäget den Todestag Jesu oder den Charfreitag. Aufmunterung. Jesaja 57, V. 1. Der Gerechte kommet um, und Niemand ist, der es zu Herzen nehme, und heilige Leute werden aufgerafft, und Niemand achtet darauf. Obgleich der Char- oder stille Freitag, welcher der eigentliche Leidens- und Todestag unsers hochgelobten Jesu ist, auch von den Weltkindern aus äußerlicher Scham und Furcht vor Menschen stille hingebracht wird; so haben doch wahre Kinder Gottes sich diesen Tag zu ihrer besonderen Andacht erwählet. Sie erwägen an demselben das Leiden Jesu 1) als ein aus Liebe über sich genommenes Leiden. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maaßen, die dich gebracht auf diese Marterstraßen! Liebe drang Jesum, daß er Mensch wurde; Liebe bewog ihn, daß er sich für uns dahingab, und am Kreuze starb. 2) Als ein unschuldiges Leiden. Man soll nicht meinen, als ob der Heiland im geringsten Etwas gethan, das der Strafe werth gewesen sey, denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesondert; er hat auch keine Sünde gethan, ist auch kein Betrug in ſeinem Munde erfunden worden. Also war es ein von Seiten Jesu unverdientes Leiden, aber um unsertwillen nahm er es willig auf sich. Es war 3) ein von seinem himmlischen Der andächtige Chrift erwäget den Todestag Jesu Chrifti. 151 Vater zugeschicktes und bestimmtes Leiden; denn weil er nach dem wohlbedachten Rathe Gottes gelitten, Ap. Gesch. 2, V. 23, so wußte Jesus auch, was ihm begegnen sollte. Aber damit sind die Juden nicht entschuldiget, als ob sie Gottes Willen hätten vollbringen müssen; denn Gott håtte seinen Sohn vollends zu Tode martern können, wie er auch schon im blutigen Schweiße auf der Erde lag; er hat sich aber der Juden Eigenwillen und Bosheit dazu bedienet, deren Absicht nicht war, Gottes Willen zu erfüllen, sondern ihre Bosheit und ihren Muthwillen an Christo auszuüben. Wie auch Josephs Brüder ihn nicht verkauft haben, ihren Bruder zum großen Herrn zu machen, sondern sie gedachten es bis mit ihm zu machen, Gott aber dachte anders, 1. B. Mos. 50, V. 20. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlet hat. Dieses Alles ziehet eine gläubige Seele in Betrachtung, und läßt es sich einen Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde und einen Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen seyn.spisd Geb e t. O du liebreicher und holdseliger Jesu! ich komme jetzt zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu erwägen. Ach! laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit 1523 Der andächtige Christ erwäget aittbloimp allem Ernst zu meiden die fündliche Begier, daß mir's nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm! du hast gelitten, daß dir alle meine, ja aller Menschen Sünden, Schulden, Missethaten, Ungerechtigkeiten und Bosheiten aufgebürdet und zugerechnet würden, so, daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder, ja als die Sünde selbst angesehen wurdest. Waren aber, du unbeflecktes Lamm! unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen, wie die Wasserfluthen; da kam Verachtung, Schmåhung und Låsterung während deines prophetischen Lehramtes über dich, aber in deinem Leiden wurde Alles verdoppelt; da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammen zum Tode, daß du mußtest vor zwei Gerichten erscheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und von beiden zum Tode verdammet werden, sondern nachdem der Stab über dich gebrochen und das Todesurtheil gesprochen war, mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeiſselt, zerrissen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder, ob ein Schmerz jemals gewesen sey, als unsers Jesu Schmerzen? Sein Haupt wurde mit Dornen gekronet, sein Leib mit Blut bedecket und durch den Todestag Jefu Chrifti. die scharfen, mit eisernen Haken verwickelten Geißeln wund geschlagen; am Kreuze wurden Hände und Füße durchnagelt, die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm nnd kein Mensch. Nicht allein aber war sein heiliger Leib also erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele betrübet war bis in den Tod; die Zornfluthen sammt der Höllenangst griffen ihn dermaßen an, daß er am Kreuze schrie: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? worauf endlich der Tod felbst folgte. Erwürgtes Lamm! das hast du Alles mir zu gut, mir zum Besten, zu meinem Trost, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden. Denn so nicht wäre gekommen Christus in die Welt, und hätte an sich genommen unsere arme Gestalt, und wäre für unsere Sünden gestorben williglich, so hätten mir müssen verdammet seyn ewiglich. Nun aber, wenn ich an dich glaube, und dein heilig Blut in Glaubenszuversicht mir zueigne, ſo bin ich nicht verdammt, ich bin durch dich ſelig; wenn ich dir im heiligen Wandel folge, und rechte Glaubensfrüchte bringe, so bin ich nicht verloren, sondern werde durch dich das ewige Leben haben. O mein Jesu! laß dein 153 Der andächtige Christ erwäget bitter Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen seyn, daß ich mich dessen triste, dadurch fromm, dadurch gerecht, aber auch dadurch selig werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein blutig Bild vor Augen stehe. Laß dein Leiden, dein Blut, deine Bunden auf meine Hand, ja in mein Herz eingeschrieben stehen, daß bei jedem Odemzug Nichts als Jesu Leiden, Jesu Tod, Jesu Blut in meinem Gedanken sey, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiliget, gewaschen und gereiniget werde. Mein Jesu! wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreuet, tröstet, erwecket und erbauet, also thun solches auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach! auch für mich hast du gebetet: Vergib ihnen! Vergib dieser Seele, was sie wider dich gethan hat! Für mich hast du geschrieen: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? daß ich niemals, nicht im Kreuze, nicht in Nöthen, nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig, verlassen würde. Für mich hast du gesagt: Mich durstet! Uch gib, daß ich im Glauben dich wiederum umfassen, nach dir dürsten, und nach dir, wie ein Hirsch nach frischem Wasser, verlangen, in deiner Liebe mich ergößen und erquicken möge. Für mich hast du geſorget, da du sprachest zu Johanne: Das ist deine Mut154 den Todestag Jefu Chrifti. 155 ter. Wenn ich auch unter dem Kreuz oder in Trúbsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner Herzlich annehmen, dich meiner erbarmen, für mich sorgen, mir helfen und gnådig seyn. Ach! laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradieſse seyn. Versichere mich dessen in gesunden Tagen, rufe mir es zu auf meinem Sterbebette, laß es an mir erfüllet werden nach meinem Tode. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht! Nun ist Alles gethan, was ich hätte thun sollen, nun ist Alles gelitten, was ich hatte leiden sollen. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Kleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir im Sterben ein Trostund Freudenwort werden: Bater! in deine Hånde befehle ich meinen Geist; so will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir hast vorgesprochen. Wann endlich ich soll gehen ein zu deines Reiches Freuden, so soll dein Blut mein Purpur seyn, ich will mich darein kleiden; es foll seyn meines Hauptes Kron', mit welcher ich will vor dem Thron des ew'gen Vaters stehen, und dir, dem ich hier anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut zu deiner Rechten gehen. Amen. 156 Der andächtige Christ erwäget den Todestag Jefu Chrifti. Gefang. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du zc. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mdg' anheben Das Freudenleben. 1 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben, Und theilet Allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir der Sünden Liebe fliehen, Uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt, und trågt, seht doch! die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zum Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergdge, Die Kron' aufseße. 5. Er stirbt, o sehet! wie sein Blut noch fließet, Das er als das Versöhnungsblut vergießet; Dies Blut wird uns verfüßtes Labsal geben Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach schau't! sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh' gefunden; Nun kann ich, da die Freistatt stehet offen, Ja Gnade hoffen. 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Urme fassen, Mich nicht verlassen. 8. Mein Jesu! wärst du nicht also gestorben, So wåren wir an Leib und Seel' verdorben; Nun aber kann mich Niemand mehr verdammen Zu Höllenflammen. 9. Im Sterben schenkst du mir das Freudenleben, Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben; Wer an dich glaubt, und der da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o Jesu, fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen; Von deiner Liebe foll mich gar nichts scheiden, Kein Tod noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen Zur Gab' und Opfer, wie Dankbare pflegen; Bespreng's mit deinem Blut, und mach' es reine, Denn es ist deine. Morgengebet. 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach! laß mich deinen guten Geist regieren; Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende In deine Hände! 157 Der andächtige Christ freuet sich über die Auferstehung Jesu Christi. Morgengebet. Da ich, mein Jesu! anjeho meine Augen öffne und den hellen Tag erblicke, so fange ich gleichsam wieder von Neuem an zu leben, indem ich in einem sanften Schlafe, welchen du mir diese Nacht in deinen Armen vergönnt hast, wie im Tode gewesen bin. Ich lebe aber jetzt erst recht, da du lebest und vom Tod erstanden bist. Dadurch hast du mir diese Glückseligkeit verschafft, daß ich in dir Leben und volles Genügen haben kann. Ach! laß mich dieses Glückes, welches mir durch deine Lebendigwerdung zuwächst, recht genießen. Laß dieses edle Leben in dir bei mir herrlich offenbar werden und ausbrechen, daß ich es nicht allein empfinde, sondern daß ich es auch Andere an mir sehen und wahrnehmen lasse. Siehet man es in dem Reiche der Natur augenscheinlich, wenn der Saft und das Leben in die Bäume getreten ist, wie viel mehr muß in dem Reich der Gnaden dein heiliges Leben kund werden, wenn es in der Seele seinen Anfang genommen hat. Da ich nun auch desselben durch deine Auferstehung bin theil Morgengebet. haftig worden, so laß es mich in deiner Kraft offenbaren und vor aller Welt zeigen. Laß mich dieses Leben offenbaren gegen Gott, daß ich fleißig an ihn gedenke, mit ihm ausund eingehe, und Alles mit ihm anfange und verrichte; daß ich sodann mich nicht schäme, von ihm zu reden, ihn als meinen besten und liebsten Freund überall zu rühmen, und seine Güte aller Orten zu preisen. Bewahre mich aber auch, daß solches nicht geschehe aus falscher Absicht und eitler Ehre, sondern aus inniger Liebe zu ihm und zur Verherrlichung seines heiligen Namens. Laß sich weiter dein Leben in mir offenbaren gegen den Nächsten, daß ich mich seiner annehme, und mich mit ihm unterrede von dem Zustand seiner Seele, mich mit ihm an dir ergöße, und meine Zeit dir heilige, nimmermehr aber sie mit unnüzzem Geschwäß und mit sündlichen Belustigungen hinbringe. Gib mir dabei aus deiner unerschöpflichen Fülle die Kraft, daß ich nicht gleich von meinem Nächsten übel urtheile, wenn er Etwas thut und verrichtet, was mir nicht gut zu seyn scheinet; daß ich nicht seiner Unwissenheit Alles zuschreibe, daß ich nicht meines Vorgesetten Verfahren tadle, oder ihm lauter Leichtgläubigkeit beimesse, sondern daß ich mit Bescheidenheit von Jedermann rede und spreche, damit ich auch dadurch beweise, daß dein Geist in mir wohne und mich 158 Morgengebet. belebe. Wenn ich mit Andern von dir rede, so laß solches jederzeit in der tiefsten Ehrfurcht geschehen, und laß mir dabei nie in den Sinn kommen, dadurch das zu suchen, daß ich meine Weisheit mehr an den Tag lege, als daß ich dich ehre. Endlich laß sich dein Leben in mir offenbaren in denjenigen Pflichten, welche ich gegen mich selbst zu beobachten habe. Laß mich gern in deiner Gesellschaft und Vereinigung bleiben, mich an dir immerdar erfreuen, und unermüdet darnach trachten, daß ich mit dir in eine genauere Bekanntschaft komme und einen vertrautern Umgang erlange. Hierdurch mache ich mich zeitlich und ewig glücklich. Dafür auf das eifrigste zu sorgen, bin ich sehr stark verbunden. Hilf mir derhalben, auferstandener Heiland! selbst, daß ich das, was ich habe, halten und daß mir Niemand meine Krone, welche ich schon in glaubiger Hoffnung besige, rauben möge. Niemals und auf keine Weise laß mich dich verlassen. Weder Hohes noch Tiefes, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch eine andere Creatur laß mich scheiden von deiner Liebe, von deiner Gemeinschaft, von der Vereinigung mit dir. Deine Gnadengaben, welche du mir, weil ich in dir bin, mittheilest und schenkest, laß mich nicht allein hochachten und 159 Morgengebet. über Alles schätzen, sondern auch recht wohl anwenden, damit ich immer die süßesten Früchte davon einernten kann. Wenn dann mein Herz in deiner Liebe brennet, wenn meine Erkenntniß zunimmt und wächst, so laß mich in diesem Wachsthum beständig fortfahren, und auch daran unermüdet arbeiten, daß ich Andere von dem Irrthum ihres Weges bekehren und ihren Seelen vom Tode helfen möge. Schenkest du mir, o mein Heiland! wie ich zu deiner Gute zuversicht: lich hoffe, diese erbetene Gnade, daß ich in dir lebe, und solches erlangte Leben in meinem Wandel überall zeige und entdecke, o! so laß mich nicht wieder einschlafen und sterben, sondern von nun an auferstehen und in dem neuen Leben beståndig fortwandeln und gute Früchte bringen, bis du mich zu seiner Zeit zu dem ewigen Leben bringen und in dasselbe einführen wirst. O Jesu! laß mich aufersteh'n im Geist, und mit dir leben, bis du mich selig wirst erhöh'n und mir die Krone geben, die mir ist nach dieser Zeit bereit im Reich der Herrlichkeit. Herr! hör', und laß mein Fleh'n geschehen. Amen. 80 Copris te Der andächtige Christ freuet sich über die Aufersteh. Christi. 161 Aufmunterung. Offenb. Joh. 1, V. 18. Ich bin der Lebendige, ich war todt, und siehe, ich bin lebendig vor Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüffel der Hölle und des Todes. Es ist die heilige Osterzeit eine Freudenzeit aller Kinder Gottes, als welche sich in ihrem auferstandenen Jesu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung; denn nachdem Jesus von den Todten auferstanden, welcher sich als der Bürge, für uns genug zu thun, dargestellet hatte, so ist die Bezahlung völlig geschehen; Gott ist versöhnet, er hat den Tod seines Sohnes für unsern Zod angenommen und uns um seinetwillen das Leben geschenket. Es freuen sich glaubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugen und Zeugnisse von der Auferstehung ihres Jesu. Ist es nicht ein herrliches Zeugniß, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1 Cor. 15, V. 5, daß er sonderlich mit seinen Jüngern geredet, gegessen, Ap. Gesch. 10, V. 41, sich von ihnen berühren und angreifen lassen, Joh. 20, V. 25; 1. Joh. 1, V. 1; welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Ja, der Unglaube wird durch einen jeden Gläubigen annoch besieget; weil Jesus in uns lebet, nach Gal. 2, V. 20, so muß er ja auferstanden seyn und 11 Der andächtige Christ freuet sich leben. Sie freuen sich 3) weil ihnen ist versiegelt und versichert die gnådige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott, daß sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wiederum zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung Jesu auch im Tode und Sterben sie erquicken werde; Jesus hat ihren Tod im Sterben versüßet und ihr Grab geheiliget, und sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Derohalben 5) bringen sie die heiligen Östertage, wie die übrigen Feste, in Herzensandacht, mit Gebet, Singen und Betrachtungen der Wohlthaten Gottes hin, und befleißigen sich 6) geistiger Weise alle Tage aufzustehen und ihr Sundengrab, das ist ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden, zu verlassen, hingegen im Glauben und in der Heiligung ihr übriges Leben dem Herrn zu Ehren hinzubringen. Gebe t. 162 Man singet mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten; die Rechte des Herrn ist erhöhet, die Rechte des Herrn behålt den Sieg. Auferstandener Jesu, mächtiger Siegesfürst, Jesu Christe, Ueberwinder des Todes, starker Simson! aus deiner Auferstehung entstehet jegt in meinem Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses heilige Fest begehe, und sage mit gebeugtem Knie und über die Auferstehung Chrifti. 163 gefalteten Händen: Gott sey Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn, Jeſum Christum! Jesus ist auferstanden von den Todten, das ist eine fröhliche Botschaft. Der Bürge ist aus dem Kerker des Grabes losgelassen, darum muß die Sünde getilget, Gott versöhnet und die Schuld bezahlet seyn. Wer will nun verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher sihet zur rechten Hand Gottes und vertritt uns. Jesus hat dem Tode die Macht genommen, und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. O Jesu, liebster Freund! deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich sage an diesem Feste: Jesu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen, denn durch Christi Blut und Wunden, durch seine Auferstehung habe ich Vergebung aller meiner Sünden, so viel, so groß und schwer sie immer sind. Hier ist ein vollgültiges Lösegeld, eine vollkommene Erlösung; an Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlin11* Der andächtige Christ freuet sich gen; wird er mich verklagen, so bittet Jesus für mich und schenket mir seine Gerechtigkeit, darin ich vor Gott gerecht und selig bin. Die Hölle erschrecket mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle; wer nun an ihn glaubet, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag! o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert und die Seligkeit bestätiget ist! Sesus lebet, und ich werde auch leben, hier im Glauben mit ihm vereiniget, und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen Jesu erfreute Seele spricht ferner: Jesu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen, wie alle Menschen, sondern ich werde auferstehen als ein Kind Gottes, als ein Miterbe Jesu Christi, kraft seines Verdienstes und seiner Genugthuung. Darum fürchte ich mich vor dem Grabe nicht; ich sehe es an als eine Ruhekammer, als der Mutter Schooß, als den Ort meiner Ruhe, wo mich mein Heiland wird schlafen lassen, bis er sprechen wird: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vor das Gericht. O der großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben! Auferstandener Jesu! wie kann ich genugsam deine Gnade und Barmherzigkeit ausbreiten, rühmen und prei164 über die Auferstehung Christi. 165 sen? O Liebe, die mir das Leben und die Seligkeit schenket! Nun ist Alles wieder gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. Ach! mein Heiland, deine Auferstehung soll mir auch einen kräftigen Trost in meinem Leiden geben. Du lagst verschlossen im Grabe, aber du gingst herrlich hervor; also wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hülf- und Erquickungssonne wird mir wieder scheinen. O Jesu! du bliebest nur drei Tage im Grabe; also ist nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt; auf die mühsamen Leidensjahre kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du standest auf und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Någelmale waren nicht mehr blutig oder schmerzhaft, sondern glänzend wie die Sonne; so wird mein Leib auch herrlich und verklärt werden, wann du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen, und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedienet und dir geheiliget gewesen find, werden auch des Himmels- Glanzes theilhaftig und verherrlichet werden. Ja weil du, o Jesu! lebst, so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschüßen, in Traurigkeit erfreuen, im Tode erquicken, im Grabe bewahren und 166 Der andachtige Chrift freuet sich über die Aufersteh. Chrifti. dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone des Lebens, die auch mir verheißen ist, zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? ich weiß, daß er mich herzlich liebt; ob mir gleich alle Welt stirbt ab, genug, wenn ich nur Jesum hab'. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; sterb' ich, so nimmt er mich zu sich; wo er jetzt lebt, da komm' ich hin, weil ich ein Glied seines Leibes bin. Amen. Gefa n g. Mel. Jesu, meine Zuversicht 2c. 1. Jesus lebt! deß freu' ich mich, Er ist von dem Tod erstanden; Er hat aus dem Grabe sich Und von allen Todesbanden Als ein starker Held befreit; O der großen Herrlichkeit! 2. Jesus lebt! er ist nicht todt, Lasset seine Feinde toben, Er ist außer Angst und Noth, Lasset uns den Herren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. Jesus lebt! denn er hat sich Gar von Vielen lassen sehen, Darum glaub' ich festiglich, Und darf nicht im Zweifel stehen. Mir schad't nicht der Apfelbiß, Denn mein Jesus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht In den Tod geleget nieder! Er starb zu der Leidenszeit, Und stund auf in Herrlichkeit. 5. Weil er unsern Geist belebt, Muß er ja seyn auferstanden, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sündesbanden Durch sein Leben völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. 6. Nun will ich das Freudenfest Mit Gebet und Dank hinbringen, Und dem, der das Grab verläßt, Lauter Freudenlieder fingen; Jesus, Jesus soll allein In dem Mund und Herzen seyn. 167 Abendgebet. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd' in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich stråflich an mir hab', Liegt bedeckt in Jesu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin Vor des Grabes finst'rer Erden, Weil ich ganz versichert bin, Ich werd' auferwecket werden; Deckt mich nur mit Erde zu, Hier ist meines Schlafes Ruh'. 9. Weil mein liebster Jesus lebt, Werd' ich Hülfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt, Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein Jesus schüßzet mich, Jesus hilft mir gnädiglich. 10. Jesus lebt! der wird mich nicht In der Angst und Noth verlassen, Auch nicht wenn mein Angesicht In dem Tode wird erblassen; Alsdann führt mich seine Hand In mein. wahres Vaterland. 11. Jesus lebt! dieß Wort soll seyn Auch mein Labsal in dem Sterben, Das versüßt die Todespein, Und befreit mich vom Verderben; Nach dem Tod' werd' ich aufsteh'n, und zur Lammeshochzeit geh'n.. 2 bendgebet. Lebendiger Heiland! Herr Jesu Christ! bleibe bei mir, da es will Abend werden und der Tag anfängt sich zu neigen. Du hast mir viele Gnade erwiesen, da du mich nicht nur das erfreuliche Fest deiner siegreichen Auferstehung von den Todten abermals in Gesundheit hast erleben lassen, wofür ich dir unendlich verbunden bin, sondern da du mir auch heute aus deinem wiedererlangten Leben überschwånglichen Trost haft verkündigen und zueignen lassen. Weiche nunmehr nicht von mir mit deinen Liebeserweisungen, bleibe mit deiner Abendgebet. Gnade bei mir, und höre noch meinem Beten zu, mit welchem ich mich vor meinem Einschlafen zu dir nahe. Ich habe bei dem ersten Anblick dieses Tages, da ich an deine segensvolle Lebendigwerdung gedachte, dich darum inbrünstig angerufen, daß du dein Leben an mir überall offenbaren mögest. Bin ich vielleicht noch nicht in solchen Umständen, daß du mir diese gethane Bitte gewähren kannst, o! so versehe mich selbst in dieselben, damit ich der begehrten Glückseligkeit theilhaftig werden möge. So lange ich noch todt in Sünden und nicht geistiger Weise aufgestanden bin, so lange kann ich nicht mit dir leben, so lange kann sich nicht das neue Leben, das von dir herkommt, an mir außern und of fenbaren. Entdecke mir derhalben selbst den wahren Zustand meiner Seele, und bringe mich dahin, daß ich in Zeit und Ewigkeit dein eigen seyn moge. Rufe mir kräftig zu: Wache auf, der du schläfest, und stehe auf von den Todten, so werde ich dich erleuchten! Laß mich diese deine Stimme hören, vernehmen und mich aufmachen, daß ich zu dir komme und mich deinen Gnadenarbeiten unterwerfe. Wirke in mir alsdann selbst die geistige Auferstehung, daß ich nicht langer in meinen Sünden liegen bleibe. Ich kann dieses nicht aus eigenen Kräften bewerkstelligen; denn ob ich gleich eifrig lese, was mich erbauen 168 169 Abendgebet. kann, ob ich gleich Andere fleißig höre, welche mir den Weg dazu weisen und zeigen, so kann ich es doch nicht dahin bringen, daß ich ein anderer Mensch werde, und in dir lebe; das ist allein dein Werk, das mußt du thun, du mußt bei mir wirken beide das Wollen und das Vollbringen. Ach! darum erweise dich mit deiner Gnade an mir wirksam, und erwecke mich von dem Sündenschlaf, der mich bis hieher umnebelt und gefesselt hat. Laß mich alle Menschenfurcht hintansehen und mit aller Begierde dich suchen. Laß mich durch eine innerliche Verläugnung aller Gemächlichkeit und allem dem, was mich hindern kann, zu dir zu kommen, absagen, damit ich nur in dir das wahre und rechte Leben erlangen und haben möge. Wie du zu deiner Auferstehung dadurch dich hast tüchtig gemacht, daß du dein edles Leben aus der Macht des Todes wieder genommen, so laß mich auch etwas Neues in mir verspüren. Gib meinem Verstand ein größeres Licht, dich und die Wege, welche ich wandeln soll, zu erkennen. Verleihe meinem Willen ein größeres Vermögen, das zu thun, was dir gefällt. Schenke meinem Herzen eine bessere und lautrere Absicht in dem, was ich thue und verrichte, damit ich es allein zu deinem Preis und zu deiner Ehre vornehme. Begabe meine Gemüthskräfte mit einem willigen Ge Abendgebet. horsam, mich nach dir zu richten und so wie du gesinnet zu seyn. Wirst du, o mein Heiland! dieses thun, so werde ich bald aufstehen und mich als einen neuen Menschen zeigen können. Weil du aber auch nach deiner gesegneten Auferstehung nicht allein deinen heiligen Leib verklåret, sondern auch von der Stunde an, in welcher du dein Grab verlassen, einen ganz andern limgang, eine andere Lebensart erwählet hast, als du vor deinem Tode hattest und führtest, so laß mich, wenn ich mit dir geistiger Weise aufgestanden bin, diese geistige Auferstehung, dieses erlangte neue Leben an mir spüren und wahrnehmen; laß es auch Andere an mir vermerken und erkennen, daß Jedermann an meinen gottseligen Reden, an meinem unstråflichen Wandel, an meinen heiligen, dir wohlgefälligen Werken sehe, daß ich nicht mehr sey Finsterniß, sondern ein Licht in dem Herrn, daß ich sey berufen worden, und nach diesem Beruf übergegangen von der Finsterniß zu deinem wunderbaren Lichte. Laß mich von nun an verläugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und hingegen forthin züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. Laß mich ausgehen aus der Welt und nur allein dir leben, auf daß du immerdar in mir wohnen und wandeln mögest. Bewahre mich, Herr Jesu, daß ich, wenn du mich einmal er170 Morgengebet. wecket hast, nicht wieder einschlafe. Halte meine Augen beståndig offen, daß sie stets wachen, damit ich mein neues geistiges Leben nicht wieder verliere, sondern von einer Klarheit zu der andern, von einer Erkenntniß zu der andern gelange, bis ich dereinst auf ewig mit dir verbunden werden und leben möge. Ich geb' dir, o Imanuel! in deine Hånde Leib und Seel'; du bist mein Schuß auf Erden, mein einiger Trost, der mich erlöst; nichts Lieber's mag mir werden. Laß mich mit dir zu Grabe geh'n, mit dir auch wieder aufersteh'n, den Lüsten stets zu steuern; daß nach der Zeit in höchster Freud' ich dort mög' Ostern feiern. Amen. 171 Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi. Morgen gebet. Ewiger Hoherpriester! verklårter Jeſu! du bist heilig, unbefleckt und von allen Sündern abgesondert, und fährest nach vollzogener Genugthuung in die Höhe, ja über aller Himmel Himmel, und bereitest deinen Erlöfeten die Ståtte, an welche sie, wenn sie den Lauf vollendet und Glauben gehalten, kommen sollen; du bittest für sie und wirst sie auch einstens zu dir sammeln, damit sie ewig da sind, wo du bist. Ich gehöre auch unter diejenigen, welche du mit deinem theuern 172 Morgengebet. Blut erkaufet und erlöset hast, indem du dasselbe für Alle vergossen und aus deiner eröffneten Seite haft fließen lassen. O! wie freue ich mich daher über deine siegreiche Himmelfahrt, da du mir durch dieselbe auch den Weg bahnest und den Ort zeigest, an welchen ich kommen soll, wenn ich als dein Diener aus diesem Leben scheide. O! wie sehr ergöße ich mich, da ich anjeßt erwache und im Geiste die Heerschaaren des Himmels singen und ausrufen höre: Halleluja! denn der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen. Das dienet mir zu einem Vorbild, wie ich dereinstens ewig mit jenen vollkommenen Geistern dir zu Ehren werde Lob- und Danklieder anstimmen, wenn ich nach einem feligen Code werde in jenes Freudenreich eingehen, wohin du mir, durch deine Auffahrt zu deinem und meinem Vater, zu deinem und meinem Gott den Weg gemacht und bereitet hast. Da mir aber, o Fürst des Lebens! deine Himmelfahrt Nichts helfen kann, wenn ich in meiner Sündenhöhle liegen bleibe; da mir dein davongetragener Sieg über Lod, Sünde und Hölle Nichts nüßen kann, wenn ich nicht auch gegen diese Feinde meiner Seele streite; da ich nicht zu deiner himmlischen Herrlichkeit, zu welcher du durch dein Auffahren in die Höhe eingegangen bist, gelangen kann, wenn ich nicht auch himmlisch 173 Morgengebet. gesinnet werde: so gib mir Kraft und Gnade, o liebster Heiland, daß ich auch in das neue geistige Leben trete und himmlisch gesinnet werde. Entzünde zu dem Ende in mir ein herzliches Verlangen, die Gnadenschåße recht zu erkennen, welche du mir durch dein Leiden und Sterben, durch deine Himmelfahrt und durch dein Sißen zur Rechten deines himmlischen Vaters erworben hast, und welche ich in der göttlichen Offenbarung beschrieben finde, auf daß ich dadurch möge ermuntert werden, dich innig zu lieben und allem Andern vorzuziehen. Laß mich sodann, wenn ich erkannt habe die Herrlichkeit, die Gerechtigkeit, den Frieden und die Gnade, so du mir erworben, emsig darnach trachten, in deine wahre innere Gemeinschaft einzudringen. Das laß geschehen durch einen lebendigen Glauben, welcher mich in deine Wunden, dich in mein Herz trågt, und mich mit dir so genau verbindet, daß ich in dir lebe und du in mir. Das las auch geschehen durch einen beständigen Umgang mit dir, durch ein anhaltendes und eifriges Gebet und durch ein unermüdetes Undenken an dich, damit mein Herz immer da sey, wo mein Schaß ist. Behüte mich, daß ich mich nicht von diesen himmlischen Gesinnungen durch die Lust zur Welt abhalten lasse. Bewahre mich, daß ich nie trachte nach irdischen Dingen, welche meinen Morgengebet. Geist beschweren und mit Centnerlast zur Erde ziehen, zur Himmelfahrt aber mich untüchtig machen. Laß mich derhalben mein Herz allezeit dahin schicken, wo ich ewig zu seyn wünsche, und nur aus Begierde, nahe bei dir zu seyn, verlangen, aufgelöst zu werden. So führe mich an deiner Seite, so lange ich noch in diesem Jammerthal mich nach deinem Rath aufhalten muß; und so nimm mich denn auch, wenn ich meine Augen geschlossen und meinen Geist in deine Hände zurückgegeben habe, zu dir in den Himmel auf. Wie schön, wie lieblich, wie herrlich, wie ruhig werde ich alsdann bei dir seyn! Jch freue mich schon auf das, was ich noch seyn werde. Ich hoffe getrost, ewig mit dir zu leben. Laß derowegen meine Hoffnung nicht zu Schanden werden, sondern gib, daß ich nach meinem Verlangen heute noch in den erwünschten Gnadenstand trete, darinnen beharre und beständig bleibe, auf daß ich, wenn ich sterbe, dein Angesicht sehe, und wenn ich wieder erwache, in deinem Bilde satt werde, und dann nimmermehr von deiner Seite komme. Ach Herr! laß diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, daß mit dem wahren Glauben ich mög' meine Nachfahrt zieren, und dann einmal, wann dir's gefällt, mit Freuden scheiden aus der Welt. Herr! höre dieß mein Flehen. Wann soll es doch geschehen? Wann kommt die liebe 174 Der andachtige Chrift betrachtet die Himmelfahrt Jesu Christi. 175 Zeit, daß ich Gott werde sehen in seiner Herrlichkeit? O Tag! wann wirst du seyn, daß wir den Heiland grüßen, daß wir den Heiland küssen? Komm', stelle dich bald ein! Amen! Ja! es geschehe also! Amen. Aufmunterung. Joh. 20, B. 17. Ich fahre auf zu meinem Vater und zu euerm Vater, zu meinem Gott und zu euerm Gott. Die Betrachtung der Himmelfahrt Jeſu, unsers Heilandes, kann nicht anders, als einer gläubigen Seele sehr tröstlich und erbaulich seyn. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil nun der Siegesfürst wiederum dahin kehret, nåmlich in den Himmel, von wo er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, dazu er gesandt war. Sein Lauf kam( in seiner Empfängniß und Geburt) vom Vater her, und kehrte( in seiner Himmelfahrt) wieder zum Vater, nachdem er den Menschenkindern Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit erworben hatte. 2) Eine gläubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Ståtte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Es haben weder Fromme noch Gottlose eine beståndige Wohnung auf Erden. Die Frommen verlangen es nicht, weil sie etwas Besseres wissen, und die Gottlosen, ob sie es gleich verlangen, erlangen es nicht; Der andächtige Christ betrachtet denn dem Menschen ist gesegt, einmal zu sterben, hernach das Gericht. Ist nun aber keine beständige Wohnung der Wenschen allhier auf Erden, so schicken die Frommen ihr Herz dahin, wo sie ewig wünschen zu seyn. Ja sie erinnern sich 3) tåglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie das Alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, sie ihre Stätte in der Herrlichkeit bereitet finden mögen, so halten sie 4) fleiBig eine geistige Himmelfahrt; sie verlassen die Erde mit ihren Gedanken, und sind des Himmels eingedenk; sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe, und hangen Jesu im Glauben an. Sie verlassen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und der Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: Da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. 176 Gebe t. Gott fåhret auf mit Jauchzen, und der Herr mit heller Posaune; lobsinget Gott, lobsinget unserm König! Also besinge ich, mein Jesu! großer Siegesfürst! deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu die Himmelfahrt Jefu Chrifti. 177 deiner Herrlichkeit eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde, nåmlich der Teufel, die Welt, die Sünde und der Tod, unter deinen Füßen, du hast uns davon befreiet. Nachdem du gemacht hast die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Himmel gesehet zur Rechten der Majestät Gottes. Mein Jesu! dieses Alles ist mir gar tröftlich, darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. So erfreulich mir deine Ankunft auf Erden war, so tröstlich ist mir deine Himmelfahrt. Du sigest zur Rechten Gottes und vertrittst uns; derhalben wenn ich bete, so bete ich nicht allein, dein Geist betet in mir, und du bittest für mich; dadurch wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnådiglich erhöret werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke: Ich gehe hin, euch die Ståtte zu bereiten, auf daß ihr seyd, wo ich bin. Dieses erquicket meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Ståtte bereitet hast, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehre gekrönet, und haft auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren, als ein gerechter Richter geben wirst denen, die deine Erscheinung lieb haben. Du hast dein Reich eingenommen und herrscheft über Himmel ✓ 12 178 Der andächtige Christ betrachtet und Erde, im Reiche der Natur, der Gnaden und der Herrlichkeit; du wirst auch zu mir und allen Gläubigen dermaleinst sagen: Kommet her, ihr Gesegneten, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du haft Gaben empfangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie uns, deinen Brüdern und Gläubigen, aus theilest. Ach mein Jesu! gib mir eine zwiefache Gabe, der ich zwiefache Kraft und dop pelten Trost vonnöthen habe. Gib mir deinen heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmuth, Demuth, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden und dereinst des Himmels Glanz und die ewige Seligkeit. Beil du nun bist als das Haupt erhöhet, so wirst du mich, als dein Glied, auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebet, so werde ich auch ewiglich bei dir seyn. O! welcher Trost, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland feinen Gläubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißet: wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn! Ach mein Jesu! laß mich seyn, wo du bist, ziehe mich zu dir, da du zur Rechten Gottes erhöhet bist, bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten, laß mich deine Herrlichkeit sehen, welche du deinen Gläubigen bereitet haſt. Ob du aber gleich durch deine Auffahrt in die Himmelfahrt Jesu Christi. 179 die Höhe, o mein liebster Seelenfreund! deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hast, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise, kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen, ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth, du errettest mich aus Gefahr, du erquickest mich im Leiden, du tröstest mich in Traurigkeit, du schüßest mich in aller Widerwärtigkeit. Darum bin ich gutes Muths, der Herr Jesus ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen thun? Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich dereinst sehen und mich mit unaussprechlicher Freude in dir erfreuen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tage, wenn ich von den Todten auferstehen werde. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen und meine künftige Wohnung, meine künftige Krone, meine bleibende Ståtte, mein weißes Kleid mit Glaubensaugen beschauen; ich will auch die Welt, so lange ich in der Welt bin, verlassen mit meinem Herzen, mit meiner Liebe, mit meinem Leben; ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, als welche mich an dieser 12* 180 Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt Jefu Chrifti. Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, dieweil ich lebe, dem Herrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich in dem Herrn. Ich fahre hin zu Jesu Christ, und werd' den Arm ausstrecken; ich schlafe ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken; denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthúr aufthun, mich führ'n zum ewigen Leben. Amen. Die geistliche Himmelfahrt. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Jesus fähret auf gen Himmel Und verläßt den Thránenbach, Und ich folg' durch's Weltgetümmel Meinem liebsten Jesu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag' bei ihm zu seyn. 2. Ich verlasse diese Erden, Ob ich gleich auf Erden leb'; Es soll mir nichts Liebers werden, Darnach ich am meisten streb', Als im gläubigen Verlangen Meinen Jesum zu umfangen, Und im Geiste allezeit Anzuseh'n die Herrlichkeit. 3. Ich fahr' auf zu meiner Liebe; Erd', ich liebe dich nicht mehr, Weil ich in der Lieb' mich übe, So ist Jesus mein Begehr; Hoffart, Eitelkeit der Erde, Wollust, Pracht und Weltgeberde Acht' ich meiner Lieb' nicht werth, Als die Jesum nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmelsfreud'; Weltlust kann es nicht mehr binden, Es schmeckt beff're Süßigkeit; Es beschauet schon die Krone, Die der Herr zum Gnadenlohne Sammt dem schönen Ehrenkleid Mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich hie noch leben Und umher auf Abendgebet. Erden geh'n, Ja noch unter Menschen schweben; Aber doch soll man nicht seh'n, Daß ich lieb' die Sünd' und Schanden, Ihren Lauf und Sündenbanden; Ja, ich dring' mich nicht dazu, Weil sie stdren meine Ruh'. 181 6. Meine Seele und Gedanken Sind schon långst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun Nichts mehr ergößen, Als nur diese Himmelsreif, Droben bei den Himmelsschäßzen Bin ich, die ich kenn' und weiß; Meine Ruhe, Freud' und Sonne, Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren Alle Tag' und alle Stund', Spar' ich nicht zu spåten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein! dieß thu' ich schon bei Zeiten, Will mich also recht bereiten, Damit, wenn mein End' da ist, Ich hinfahr' zu Jesu Christ. 9. Also werd' ich Nichts verlieren, Tråget man mich gleich ins Grab, Jesus wird mich herrlich zieren, Welchen ich im Glauben hab'; Sterb' ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den mein Heil mir hat bereit't Dorten in der Ewigkeit. 10. Drum sey frdhlich, meine Seele, Heb' empor dein Augenlicht; Diese Erd' ist eine Höhle, Da dir wenig Gut's geschicht; Schwing' dich durch die Andachtsflügel Zu dem goldnen Sternenhügel, Wo dir stehet långst bereit Tausendfache Herrlichkeit. Abendgebet. Lebendiger und erhöheter Heiland! du bist in die Höhe gefahren und hast dich auch nach deiner Menschheit gesezet zur Rechten der Majestät Gottes. Du hast dadurch, so wie 182 Abendgebet. durch deine gesegnete Menschwerdung meine Natur geadelt und mir das Recht zum Himmel verschafft. Lob, Preis und Dank sey dir dafür gesagt. Laß aber auch an mir die Absicht deiner Himmelfahrt erreicht werden. Sie gehet dahin, daß da, wo du bist, auch alle Gläubigen ewig seyn sollen, daß sie sollen eins seyn mit dir, wie du mit deinem Vater nun eins bist.! wie wird mein Geist mit Freuden erfüllet, wenn ich hieran gedenke! Ach! laß diese Freude mich nicht vergebens empfinden, sondern mich zum vollen Genuß derselben auf ewig gelangen. Laß mich, mein Erbarmer! schon in dieser Zeit zu der Glückseligkeit kommen, daß ich mit dir eins sey, daß ich wie ein Glied an dir, als an meinem Haupte, hangen und nimmermehr von dir geschieden werden, sondern in dir Kraft, Stärke und Wachsthum zu allem Guten erlangen möge, damit ich ewig bei dir bleiben könne. Laß mich zu dem Ende von nun an mit dir und allen deinen Gläubigen eins seyn in Ansehung der herrlichen Güter, welche du uns durch dein Leiden und Sterben erworben hast, damit ich derselben mit ihnen theilhaftig werde, und dadurch deinen Frieden, Vergebung der Sunden, Gerechtigkeit, Zugang zu dem Gnadenstuhl und Versicherung des ewigen Lebens erlange und davontrage. Laß mich mit dir und mit allen Gläubigen eins Abendgebet. 183 seyn im Geist, daß dein Geist, nicht aber der Weltgeist, mich leite, erleuchte, heilige, regiere, verklåre und verbinde, daß ich durch diesen Geist sey in dir und mit dir, ja dein Eigenthum, wie du mit deinem Vater in einem Geist und Leben verbunden bist. Laß mich mit allen Gläubigen eins seyn in der Liebe, daß ich sie mit einer aufrichtigen und beständigen Liebe umfasse und ihnen Alles gönne, gebe und wünsche, was ich wollte, daß mir geschehe. Eifrig und beståndig laß meine Liebe gegen sie brennen, weil die wahre Liebe das Band der Vollkommenheit ist, in welchem alle einem Christen anståndige Tugenden zusammen kommen, und vermittelst welcher sie ausgeübt werden können. Wie du mit deinem Vater in einer unaussprechlichen Liebe verbunden bist, so laß mich mit dir und demselben eins seyn, daß ich dich, und den, der dich gesandt hat, recht innig lieben und deßwegen dir und ihm meinen Willen, meinen Verstand, mein Verlangen und mein ganzes Leben aufopfern möge. Erlange ich von dir, erhöheter Heiland! diese Gnade, o! so bin ich während meiner Wallfahrt hier auf Erden und auch nach Vollendung derselben wahrhaft glückselig. Bin ich durch deinen Geist zur Einigkeit mit dir gekommen, so bist du mein und ich bin dein, so kann ich deines Beistandes, deiner Huld, deiner 184 Abendgebet. Liebe, deines Segens immerdar mich sicher getrösten; ich kann mich stets auf dich verlassen, ich darf keine Noth fürchten, ich kann alles Gute von dir hoffen. Ist das nicht eine beneidenswürdige Glückseligkeit, zu welcher ich durch dich und in dir gelange? Sie höret aber nicht auf, wenn ich zu leben aufhöre, sondern alsdann steiget sie auf höhere Stufen, sie kommt zu einer größeren Vollkommenheit. Wenn ich meine Augen in deinen Armen, in welchen du mich als dein Eigenthum beständig hältst, werde geschlossen und meinen Geist aufgegeben haben, so wirst du ihn verklären und mit dir in deine Herrlichkeit nehmen; denn låsset auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Du wirst mich auf ewig mit dir vereinigen und an deiner Seite Freude, Wonne und liebliches Wesen ewiglich genießen lassen. Du wirst mir die Stätte einräumen, welche du mir durch deinen Tod und durch deine Himmelfahrt in dem Reiche deines und meines Vaters bereitet hast, und mich in die ewigen Wohnungen des Friedens einführen. O! welche Seligkeiten stehen mir also nicht bevor, wenn ich einmal mit dir eins geworden bin, wie du mit dem Vater eins bist? Welches Glück wartet nicht hier und dort auf mich, wenn ich zu deiner Gemeinschaft gelanget bin? Jch freue mich schon auf diesen beglück 185 Morgengebet. ten Gnadenstand. Ach! laß meine Freude nicht vergebens seyn, sondern bringe mich zu demselben in diesem Leben, damit ich hier den Vorschmack des Himmels genießen, dort aber in der Ewigkeit nebst allen Gläubigen mit dir und deinem Vater und dem heiligen Geiste in alle ewige Ewigkeiten verbunden und vereiniget bleiben möge. Ja, versichere mich noch vor meinem Einschlafen durch deinen Geist der gewissen Erhörung meines Gebets, und laß dasselbe nicht ohne Frucht zu dir gekommen seyn, auf daß ich von nun an mit dir eins werden und unaufhörlich bleiben móge. Zeuch mich mit deinem Liebesband, mit deiner Augen Winken; ergreife mich mit deiner Hand, und laß mich ja nicht sinken, vielmehr in schnellem Glaubensflug stets folgen deinem Liebeszug. Zeuch mich hinauf, und fahre du in meine Seel' hernieder; gib mir in deinem Herzen Ruh', und nimm auch du hinwieder in meinem Herzen Raum und Plaß; ja! Amen! o mein Herzensschaß! Amen. Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. Morgengebet. Geist der Gnade! der du von Ewigkeit her von dem Vater und Sohn ausgegangen, nach der siegreichen Himmelfahrt meines Morgengebet. Jesu aber sichtbarlich über die Apostel ausgegossen worden bist, dessen ich mich an dem heutigen Tage mit Freuden erinnere, und zwar in der Absicht, damit sie zu Führung ihres Amtes tüchtig gemacht werden möchten: kehre auch in meiner Seele ein, damit dieselbe zu einem Tempel des lebendigen Gottes durch dich zubereitet und zur Erlangung des ewigen Lebens, zu welchem ich erschaffen und durch meinen Heiland erkauft worden bin, fåbig gemacht werde. Du bist das Pfand unserer Kindschaft und unseres Erbes; darum komme auch zu mir, und versichere mich, daß ich ein Kind Gottes sey und zum Erbtheil der Heiligen im Licht ein gegründetes Recht habe. Auf daß ich mich aber hierin nicht betrüge, noch mir vergebens damit schmeichle, so laß mich deine heiligen Wirkungen und die Kennzeichen deiner Einwohnung und Gegenwart empfinden. Bringe mich in die wahre Stille meines Herzens und Gemüths, daß ich an dem Getümmel der Welt und an ihren sündlichen Unruhen keinen Gefallen habe, davor fliehe, und allein in dir und mit dir mich ergöße. Kehre aus meinem Herzen heraus alle Unreinigkeiten, Bosheiten und Sünden, auf daß ich jährlich, wöchentlich, ja täglich reiner werde. Räume das Böse immer mehr und mehr von mir weg, daß ich mit Andern überzeugt werde, es sey anders 186 Morgengebet. 187 und besser mit mir geworden. Heilige mich durch und durch, weil ich sonst den Herrn nicht schauen kann. Zünde auch in mir das wahre Licht an, das mir noch fehlet, daß ich in deiner Erkenntniß wachse, ein Verlangen habe, die Wege des Himmels einzusehen, und allen Fleiß anwende, dieselben zu betreten und darauf zu laufen, ohne müde zu werden. Mein Elend, mein Verderben, meine Noth, worin ich mich befinde, laß mich recht lebendig erkennen, damit ich dadurch zur wahren Demuth des Herzens möge geleitet werden. Laß mich auch die Hohheit und Herrlichkeit einsehen, zu welcher ich durch deine gnadenreiche Einwohnung gelange, damit ich zu einer größern Liebe gegen dich gebracht werde. Durch die Liebe laß mich dir gehorsam werden; in der Liebe laß mich dir folgen und dir mein Herz zum Bearbeiten übergeben. Arbeitest du an mir, so gib, daß ich dir nie widerstrebe, daß ich mich durch dich von allem Bösen abhalten und zu allem Guten antreiben lasse. Deinen Rührungen laß mich allezeit folgen; deine Regungen laß mich immerdar merken und ihnen nachgehen. Durch dich laß mich mein Leben lang auf ebener Bahn geführet werden, so werde ich auf der Straße, welche da heißet die richtige, fort und fort wandeln und zum Himmel gehen. Hast du aber, o werther heiliger Geist! also an mir 188 Morgengebet. gearbeitet, hast du dich bei mir wirksam erwiesen, und ich bin dir treu geblieben, und nie von dir und vor dir geflohen, so laß mich auch, wie die Boten Jesu, nachdem du auf ihnen geruhet, mit neuen Zungen reden, auf, daß Jedermann höre, die alten, sündlichen, unanständigen und einem Christen nicht ge- k ziemenden Worte feyen nun ferne von meinem Munde gethan, auf daß Alle, so mit mir umgehen, sehen, ich sey ein anderer Mensch geworden, auf daß ein Jeder an mir merke, weß Geistes Kind ich sey. Heilige mich dann mehr und mehr, durch und durch, auf daß mein Geist und mein Leib immerdar dein Tempel sey und bleibe. Laß mich so hier in der Zeit zur gewissen Versicherung meiner Seligkeit und zum Besitz der Gerechtigkeit Jesu, des göttlichen, durch ihn erworbenen Friedens und der Freude in dir gelangen, dort aber zur Erlangung eines unvergånglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbes, welches mir aufbehalten wird im Himmel, einer herrlichen Krone, eines schönen weißen Kleides kommen, und dich mit dem Vater und Sohn unaufhörlich loben und preisen. Ich finge dir Halleluja! Ach! werde meinem Herzen nah! Bereite mich hier in der Zeit auf jene frohe Ewigkeit. Halleluja! Halleluja! Der andächtige Chrift erwäget die Ausgießung des heil. Geistes. 180 2 ufmunterung. Luc. 11, V. 13. So ihr, die ihr arg seyd, könnet euern Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten? Es hat die erbarmende Liebe Gottes nicht allein uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und Jesus hat uns mit seinem heiligen Blute erkauft, sondern der heilige Geist, als die allerherrlichste, nothwendigste und seligste Gabe, will uns auch in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der heilige Geist 1) die allerherrlichste Gabe; denn was könnte Gott mehr und größer an uns thun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mittheilet? Es war der ewigen Liebe Gottes nicht genug, daß die heiligen Engel, die Wächter, neben, um und bei uns seyn und uns auf allen unsern Wegen behüten sollen, sondern der heilige Geist sollte auch in uns wohnen, damit Leib und Seele recht bewahret und erhalten würden. Der heilige Geist ist auch 2) die allernothwendigste Gabe. Wir können ohne Reichthum, großen Ehrenstand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den heiligen Geist können wir weder hier noch in der Ewigkeit wahrhaft glücklich seyn. Daher ist er auch 3) die allerseligste Gabe. Er ist das Pfand unseres Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, durch welches wir versichert 190 Der andächtige Chrift erwäget werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens sind. Er ist uns höchst nothwendig in Traurigkeit, Trubsal und Anfechtung; denn da vergewissert er uns, daß wir dennoch in der Gnade stehen; er vertritt uns, wenn wir zum Gebet unvermogend sind, bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. 4) Diese herrliche, nothwendige und selige Gabe will Gott Allen geben, die ihn nur darum bitten; diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber diese Gaben wird Gott Niemand versagen. 5) Ein andächtiger Christ såubert sein Herz von der Welt- und Sundenliebe, damit der gute und reine Geist in ihm Wohnung nehmen könne. sid 1pm angelied 150 jod Gebet Ich will Waffer gießen auf die Durstigen und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie die Weiden an den Wasserbåchen. Ach liebster Jesu! diese gnådige Verheißung bast du an dem heiligen Pfingstfeste erfüllet, da du über die Apostel deinen Geist reichlich ausgegossen und sie damit zu dem Werke tüchtig gemacht hast, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. Treuer Heiland! theile 191 die Ausgießung des heiligen Geistes. mir auch diese Gabe mit, gib mir auch dieſe herrliche Gabe. O du werther heiliger Geist! gieße dich in reichem Maaße über mich aus, der du in Feuerflammen dich über den Aposteln geoffenbaret hast! Erleuchte mich zum ewigen Leben, erleuchte meinen Verstand, daß ich Jesum Christum erkennen möge; heilige meinen Willen, daß ich Nichts begehre und wünsche, als nur was dir gefällt. Burden die Apostel, o du Geist der Stärke! durch dich angethan mit Kraft aus der Höhe: so stårke meinen Glauben, gib mir Muth und Kraft, in deinen Wegen einherzugehen, die Welt zu besiegen, den Sünden zu widersteben, und als ein wahres Kind Gottes zu leben. O du gnädiger Regen! mache mich fruchtbar zu allen guten Werken, erquicke mich in der Hiße der Anfechtung, und gib, daß ich viele Glaubens- und Lebensfrüchte bringen möge. Du Geist der Gnade und des Gebets! versiegle in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes stehe. Ach! bete auch in mir und mit mir, ja lehre mich recht andachtig beten, ermuntere mich zur Andacht und zum Lobe Gottes. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit! daß ich wissen und thun möge, was Gott gefällt. Ruhe auf mir, o Geist des Verstandes! daß ich wandele in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen Der andächtige Christ erwäget fürchte. Behüte meinen Verstand vor Irrthum, vertreibe daraus alle Finsterniß der Unwissenheit und Eigenliebe, hingegen zünde in mir an das Licht deiner Erkenntniß, daß ich in deiner Liebe und Erkenntniß möge täglich zunehmen. Ruhe auf mir, o du Geist der Furcht des Herrn! pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nimmermehr mit Wissen und Willen fündige. Ruhe auf mir, o du Geist der Liebe, und reiße allen Zorn, Eigensinn, Neid, Bosheit und Rachgier aus meinem Herzen! Sey mein Tröster. in Kreuz und Tribsal, wenn die Fluthen mich ersäufen wollen und die Wellen über mir zusammenschlagen. Sey meine Stärke! wenn ich schwach bin, hilf mir die Lüste des Fleisches dampfen, hingegen laß in mir wachsen Glaube, Liebe, Demuth, Hoffnung und Geduld. Sey mein Führer, der mich allezeit leitet auf ebener Bahn, daß ich nicht anstoße, falle oder thue wider Gottes Gebot. Sey mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite, und Jefum in mir verklåre. O du reines Wasser! wasche mich, gib daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft Jesum in der That einen Herrn heißen möge, nämlich meinen Jesum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und meiner Seligkeit. Siehe, o du Licht meiner Seele! 192 193 die Ausgießung des heiligen Geistes. wie ich in der Welt mit so vielen Verführungen umgeben bin, denn es sind viele Verführer ausgegangen; darum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche, zeige mir den Weg, darauf ich wandeln soll, denn mich verlanget nach dir. Wenn ich mich führen will, so irre ich, wenn du mich aber führest, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werther heiliger Geist! bisher betrübet, so trage ich darüber herzlich Leid; siehe, mein Herz steht dir offen, ach! kehre in daffelbe mit deinen reichen Gnadengaben ein, erfülle es mit allen christlichen Tugenden, befestige mich, gründe mich, und erhalte in mir das gute Berk, das du in mir angefangen hast. Ach! schaffe in mir ein reines Herz! tilge aus demselben alle Unarten, alle böse Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünde. Nimm weg das steinerne Herz, und gib mir ein geheiligtes und durch deine Gnade geändertes Herz. Wohne in mir, und laß es deinen Tempel und Wohnung seyn. So habe ich das Pfand meines Erbes und der Kindschaft, und so weiß ich auch gewiß, daß ich werde ewig selig werden. Bleibe auch, o heiliger Geist, bei mir in aller Noth und im Sterben; schreie alsdann in mir das Abba lieber Vater! gib mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vorschmack der ewigen Freude, wo ich nach dem Kampf zur Krone, und nach dem 13 194 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des heil. Geistes. Leiden zur Freude gelangen werde. Heil'ger Geist, du Kraft der Frommen! kehre bei mir Armen ein, und sey tausendmal willkommen, laß mich deinen Tempel seyn; reinige du selbst das Haus meines Herzens, wirf hinaus Alles, was da mich kann scheiden von den süßen Himmelsfreuden. Schmůücke mich mit deinen Gaben, mache mich neu, rein und schön, laß mich wahre Liebe haben, und in deiner Gnade steh'n. Gib mir einen starken Muth, hilf mir zwingen Fleisch und Blut, lehre mich vor Gott hintreten, und im Geist und Wahrheit beten. Amen. Gesang. MeL O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil Jesus seine Gaben In reichem Maaß austheilt, Die wünscht mein Herz zu haben. Mein Jesu! schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir Und zu dem Himmel weist. 2. Ich irre allzusehr, Wo mich dein Geist nicht führet, Und mein Herz angstet sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan! so leite mich, Mein Licht! auf ebner Bahn, Daß ich in deinem Licht Zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb' in Finsterniß, Wo mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret Und neue Lebenskraft In meinem Geist entzund't, Noch meine Glaubensmacht Auf Jesum Christum gründ't. 4. Ich kann mich selber nicht In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Noth am größten; Darum so stehe mir Mit deinem Troste bei, Daß ich ein Gottes Kind Auch in dem Leiden sey. 5. Wie kann ich mich, mein Gott! In Glaub' und Lieb' 195 Abendgebet. erhalten? Es würden diese bald Ohn' deinen Geist erkalten; Darum so gib mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich', Bis ich nach meinem Kampf Des Lebens Kron' erreich'. 6. Mein Jesu! gib mir doch, Was ich dich hab' gebeten; Laß deinen guten Geist Jm Beten mich vertreten, Daß ich in Frommigkeit Bring' meine Tage hin, Und richte meinen Lauf Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach! dein Geist helfe mir Mein Fleisch und Blut be= zwingen, Daß ich in seiner Kraft Mdg' gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünde ab, Wenn ich den guten Geist Zu meinem Führer hab'. 8. Du sollst, o werther Geist! In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht! Zu allem Guten treiben; Ach! bleib' du allezeit Vereiniget mit mir, Laß mich geschmücket seyn Durch dich, mit dir, in dir. 9. Und wird mein Wanderstab Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit Mir Trost und Muth zuſprechen. Ich geh' durch Jesu Blut Alsdann zur Freude ein, Und werde schön verklárt In Jesu Armen seyn. Abendgebet. Reiner Geist des Herrn Herrn, komm' mit lieblichem Gebraus, bei mir Armen einzukehren, hier in meines Herzens Haus; o mein Perlein! meine Kron'! komm' vom Vater und dem Sohn zu mir, deinem armen Kinde, mich mit deiner Brunst entzünde. Gib den Vater mir zu kennen und den Sohn, den er gesandt, mach' dein süßes Liebebrennen mir im Innern recht bekannt; mach' mich heilig, rein und klar, stell' mich bald vollendet dar, mit der goldnen Perlenkrone, vor dem Vater und dem Sohne. So muß ich mir noch, 13* 190 Abendgebet. du höchster Tröster in aller Noth! du werther heiliger Geist! deine gnadenreiche Einwohnung und deine himmlischen Gaben ausbitten, ehe ich mich zu meiner Ruhe begebe, weil ich heute überzeugt worden bin, wie gern du eine Hütte Gottes unter den Menschen aufrichtest und zubereitest. Mache auch mein Herz, welches mit Sehnsucht darnach verlanget, dazu; verklåre zu dem Ende Jeſum in meiner Seele, damit ich ihn lieb gewinne und aufnehme, und dadurch Macht erlange, ein Kind Gottes und ein Tempel desselben zu werden. Verkläre ihn in mir nach seiner Person, nach seinen Wohlthaten und nach der mir erworbenen Gnade, auf daß ich ihn als meinen einigen Erlöser annehmen und in ſeinem Namen Vergebung der Sünden suchen und finden möge. Verkläre ihn in mir nach seinen Tugenden und nach seinem auf Erden geführten Wandel, in welchem er mir ein Vorbild gelassen, welchem ich nachfolgen soll, damit seine Klarheit, seine Demuth, seine Sanftmuth, seine Heiligkeit, seine Keuschheit, ſeine Liebe, seine Aufrichtigkeit und seine Wahrheit sich in mir spiegeln, in meinem Herzen wie ein helles Licht leuchten und in meinem ganzen Leben sich offenbaren. Verklåre ihn in mir nach seiner Majestät und Herrlichkeit, welche er in dem Stande der Erniedrigung zu meinem Besten abgeleget, Abendgebet. 197 nach dem vollendeten Werk der Erlösung aber wieder angenommen hat, und nun in derselben zur Rechten seines himmlischen Vaters sißet, auf daß ich ihn als meinen einigen Mittler zwischen Gott und mir verehre, anbete und ihm diene. Verklärest du Jesum in mir so, so werde ich durch den Glauben mit ihm verbunden, durch seine Gemeinschaft seinem Bilde ähnlich gemacht und durch seine. Nachfolge in das Jerusalem, das droben ist, geleitet werden. Geist der Gnade! hilf mir zu dieser Seligkeit. Ohne dich kann ich Nichts thun; ohne dich kann ich Jesum nicht meinen Herrn nennen. Ach! darum wirke in mir den wahren, lebendigen Glauben; wirke und vollbringe in mir Alles, was dazu nöthig ist, daß Christus in mir eine Gestalt gewinne und ich sein eigen werde; höre mein Seufzen, vernimm mein Flehen, nimm mein Gebet an, und laß mir die verlangte Gnade widerfahren. Hast du solches gethan, hast du Jesum in mir verklåret, so laß mich auch von ihm zeugen, wie seine Apostel von ihm gezeuget haben, nachdem du in reichem Maaße über sie ausgegossen warest. Laß mich von ihm zeugen in meinem ganzen Leben, daß ich nach seinem Wort und nach seinem Willen gehorfam lebe, wandele und mich aufführe. Laß mich von ihm zeugen in meinem Herzen, daß ich ihn für den wahren Messias und für Abendgebet. den wahrhaftigen Gott erkenne, ihm diene und an ihn glaube. Laß mich von ihm zeugen mit meinem Munde, daß ich ihn sowohl in der Stille, als auch öffentlich lobe und preise, und ihn immerdar bekenne, damit er mich wiederum vor seinem himmlischen Vater bekennen möge. Laß mich von meinem Jesu auch zeugen in meinem Leiden, daßß ich in demselben getrost sev, auf ihn fest hoffe, ihm vertraue und gelassen seine Hülfe erwarte. Endlich laß mich auch von ihm zeugen in dem Tode, daß ich ihm bis in denselben getreu verbleibe und im Glauben die Krone des Lebens von seiner Hand hoffe. Låsfest du mich auf diese Weise beständig von meinem Heiland zeugen, so wird er dereinst auch von mir zeugen und mir einen weißen Stein beilegen. Und wie glücklich, wie selig bin ich nicht alsdann! Geiſst Jesu! hilf mir dazu; ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden; ich übergebe mich dir. Ach! leite mich zum Himmel und laß mich nie auf Abwege geleitet werden. Schmücke mich mit deinen Gaben, mache mich neu, rein und schön, laß mich wahre Liebe haben, und in deiner Gnade steh'n; gib mir einen starken Muth, heilige mein Fleisch und Blut, lehre mich vor Gott hintreten, und im Geist und Wahrheit beten. So will ich mich dir ergeben, dir zu Ehren soll mein Sinn dem, was himmlisch ist, nach198 Morgengebet. 199 streben, bis ich werde kommen hin, wo mit Vater und dem Sohn dich im höchsten Himmelsthron ich erheben kann und preisen mit den süßen Engels- Weisen. Amen. Der andächtige Christ erwäget das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit, Morgen ge bet. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Mit diesen Worten lobe ich billig, da ich anjego vom Schlafe erwache, deinen großen Namen, anbetungswürdiger Gott! der du dich als einig im Wesen, aber verschieden in Personen gezeiget und offenbaret hast. Der heutige Tag, welchen mich deine Güte abermals hat erleben lassen, veranlasset mich, dieses große und gottselige Geheimniß in Erwägung zu ziehen und zu meinem Nußen anzuwenden. Ach! gib Gnade, daß ich meinen Vorsatz erreiche; erweise dich gegen mich als meinen Gott, damit ich dadurch möge ermuntert und bewogen werden, mich als dein gehorsames Geschöpf zu bezeigen. Bater der Barmherzigkeit! deine Hand hat mich gebildet, deine Macht hat mich bereitet, da ich noch im Mutterleibe war, und mich an des Tages Licht gebracht; deine Treue bewahret meinen Odem und fristet mir mein Leben. Ach! höre nicht auf, treu gegen mich zu seyn, sondern beweise dich immerfort als Morgengebet. einen liebreichen Vater gegen mich. Laß mich aber auch mit dir wie ein Kind in Demuth und Ehrfurcht umgehen, und so durch deine Gute zu dem höchsten Grade der Vollkommenheit gelangen. Eingeborener Sohn des Höchsten, Herr Jesu Christ! Mittler, Heiland und Seligmacher! höre nicht auf, dein Verdienst und Blut deinem Vater vorzuzeigen, wenn er mich nach seinem gerechten Zorn wegen meiner Uebertretungen, Miſsethaten und Sünden verdammen, verwerfen und von sich stoßen will; höre nicht auf, ewiger Hoberpriester! für mich zu beten und mich mit deinem himmlischen Segen zu beglücken; hore auch nicht auf, an mir zu arbeiten; werde nicht müde, mich zu deiner Gnade zu rufen, sondern wirke so lange bei mir, bis du eine Gestalt in mir gewinnest und in meiner Seele wohnest. Laß keinen von deinen Erlöseten verloren gehen, und also auch mich leben und in dir volles Genügen haben und genießen. Geist der Gnade! erbarme dich über mich und sey mir mit deinen Gaben nicht ferne. Wenn ich betrübt bin, so tröfte und erquicke meine arme Seele. Wenn ich strauchle, so erhalte mich und richte mich wieder auf. Wenn ich irre, so weise mich zurecht und führe mich auf ebener Bahn. Wenn ich bete, so bete du mit mir; lehre mich alsdann, was und wie ich beten soll, und gib meinen schwachen Worten 200 201 Morgengebet. und Seufzern Kraft, daß sie meinen Vater im Himmel bewegen, ihm ins Herz dringen und mir Hülfe von ihm verschaffen mögen. O dreieiniger Gott! beweise dich also gegen mich, so will ich deinen Namen loben, deine Ehre ausbreiten, nach deinem Willen leben, und endlich mit Freuden, wenn du mich rufen wirst, aus dieser jammervollen Welt gehen und von deiner Barmherzigkeit einen Gnadenlohn für meine Treue erwarten. Will meine verderbte Vernunft bei mir allerlei Zweifel erregen, als ob du, o du verborgener Gott! der du in einem Lichte wohnest, zu welchem Niemand kommen kann, nicht könnest eins im Wesen und mannichfaltig in Personen seyn: so laß mich dieselbe unter den Gehorsam des Glaubens gefangen nehmen und ihren Einredungen nicht Gehör geben. Stärke meinen Glauben an dich und laß mich an deinen Offenbarungen und Zeugnissen so fest halten, daß auch die Pforten der Hölle nicht können vermögend seyn, mich zu überwältigen oder mir meinen Glauben zu rauben. Will auch mein tråges Fleisch und Blut nicht gerne dir folgen und nach deinem Willen leben, so schenke mir Kraft und Vermögen aus deiner unerschöpflichen Gottesfülle, mich dir zu unterwerfen und in meinem ganzen Leben gehorsam zu werden. Laß mich meinen Glauben in Werken zeigen, Der andächtige Christ erwäget und in demselben darreichen Geduld, und in der Geduld Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Måßigkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe. So laß mich in Heiligkeit und Gerechtigkeit hier vor dir wandeln und endlich vom Glauben zum Schauen übergehen. Dann will ich dich, wenn ich dich sehen werde von Angesicht zu Ängesicht, ewiglich mit allen Auserwählten loben, wie ich schon jetzt damit den Anfang mache und mit gerührtem Herzen sage: Gelobet sey der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den Alles lobet, was in allen Lüften schwebet; gelobet fey der Herr, deß Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn, und Gott der werthe Geist, dem ich das Heilig jegt mit Freuden lasse klingen, und mit der Engel Schaar will Heilig, Heilig singen; den herzlich lobt und preist die ganze Christenheit; gelobet sey mein Gott in alle Ewigkeit. Amen! HalleLuja! Amen. 202 Aufmunterung. 1. Joh. 5, V. 7. Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Bater, das Wort und ber heilige Geist, und diese Drei sind Eins. Wenn eine gläubige Seele das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit in heilige Betrachtung ziehen will, so muß sie es machen, wie Einer, welcher von der Sonne Licht und das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. Nußen haben und sich dessen bedienen will. Schauet er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er sieht lauter Finsternis, ja Nichts; hält er aber die Augen niedergeschlagen, gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so sieht er viel, ja er sieht Alles, was er sehen soll. Das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit ist 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß; sie kann das nicht begreifen, ein Wesen und drei Personen. Daher Viele an dieser Glaubenslehre sich gestoßen haben, und es bis auf diesen Tag noch mit den Juden halten. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich beschriebenes Geheimniß; davon reden die herrlichsten Sprüche des alten und neuen Testamentes. Am Jordan, als Christus getauft wurde, waren drei Personen zu schauen, Matth. 3, V. 17. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich beschrieben vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubet ein andächtiger Christ, bis er dereinst in dem ewigen Leben zu dem Schauen gelangen wird. Unterdessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzensdemuth an. Er preiset seinen Schöpfer für alle Wohlthaten, die er ihm an Leib und Seele gethan. Er danket seinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der Sünde, vom Teufel und von der 203 Der andächtige Christ erwäget Hölle Gewalt befreiet. Er ergibt seinem Heiligmacher sein Herz und ganzes Leben, befleißiget sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er dermaleinst wird herrlich sehen, was er hier geglaubet hat. Denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. 201 Gebe t. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Also, o du dreieiniger Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist! stimme ich anjego mit allen Seraphinen und Cherubinen ein Loblied an, deine Hohheit, Majestät und Herrlichkeit zu besingen. O du einiges, unerforschliches und unbegreifliches Wesen! mein Glaube hält sich fest, einig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, worin du dich mir herrlich geoffenbaret hast. Das ist das ewige Leben, daß sie dich, Bater, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! der du dich als ein Vater mir kund gethan hast. Du hast nicht allein Jesum Christum, deinen einigen Sohn, von Ewigkeit her gezeuget, sondern du bist auch der rechte Vater über Alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden. Ach! du hast bisher als ein gnådiger und das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. liebreicher Vater auch mich ernähret, verſorget, bewahret und erhalten, ja du ernährest, versorgest und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater! nimm dich doch meiner als deines Kindes herzlich und våterlich an. Herr Jesu, Sohn Gottes, ich habe dich aus deinem heiligen Wort erkennen lernen als die andere Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigkeit her gezeuget, Gott von Gott, Licht von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise entsproffen. Ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur an sich genommen hat, um mich und alle Menschen zu erlösen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. O darum freue ich mich in dir und bete dich an! Du bist meine Gerechtigkeit, mein Erldser, Fürsprecher, Hoherpriester, Gnadenthron, Mittler, Imanuel, Seligmacher und Hirt in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünden dahin gegeben hat; dein Blut ist die Reinigung meiner Missethaten; durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig, hier zeitlich und dort ewig. O du werther heiliger Geist! du hast dich in deinem Worte mir geoffenbaret als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgehet, ein Geist des 205 Der andächtige Christ erwäget Vaters und des Sohnes, gleichen Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit. Du hast mich auch wiedergeboren in der heiligen Taufe; durch dich bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist. Du bist mein Heiligmacher, der mich noch erleuchtet, heiliget und im rechten Glauben erjålt. Du tröstest mich in allem Leiden, du erfreuest mich in Traurigkeit, und erquickest mich in Trübsal. O du Geist der Gnade und des Gebetes! versiegle in mir den Trost, daß ich in Gnaden bin; gib Zeugniß meinem Geiste, daß ich ein Kind Gottes sey. Erwecke mich zum Gebet, gib mir Andacht im Gebet, gib mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommt, laßt uns beten und knieen und niederfallen vor dem Herrn, dem dreieinigen Gott, der uns gemacht hat; denn wir sind sein Volk und Schafe seiner Weide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm find alle Dinge; ihm sey Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Der Vater ist von Niemand weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren; der Sohn ist von dem Vater nicht gemacht, noch geschaffen, sondern geboren; der heilige Geist ist vom Vater und Sohn nicht gemacht, noch geschaffen, noch geboren, sondern ausgegangen. Unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die legte, keine 206 207 das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit. die größte, keine die kleinste, sondern sie sind alle drei gleich. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott, und find doch nicht drei Götter, sondern es ist Ein Gott! Der Vater ist der Herr, der Sohn ist der Herr, der heilige Geist ist der Herr, und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist Ein Herr! O du dreieiniger Gott und Herr! laß mich in dieser Erkenntniß immer wachsen und zunehmen, und gib, daß ich Dich im Glauben ergreife und an deinem heiligen Wort als an meiner Glaubens- und Lebensregel festhalte, und was ich nicht begreifen kann, dennoch von Herzen glaube, bis ich von dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater! decke mich mit deinen Gnadenflügeln und segne mich. O Jesu! wasche mich mit deinem heiligen Blute, und segne mich; mache mich gerecht und ewig selig. Herr Gott heiliger Geist! erleuchte mich, und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandle und in deinem Lichte droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. Glauben muß man hier und trauen, was Gott von sich selber sagt; dort hebterstlich an das Schauen, Glaube fragt nicht, Zweifel fragt. Bin ich dort getaufet worden auf Gott Vater, Sohn und Geist, sein Wort mich zum Jordan weist, da aus offnen Himmelspforten Gottes Stimm' von 208 Der andächtige Christ erwäget das Geheimniß der h. Dreieinigkeit. Jesu zeugt, und der Geist hernieder fleugt. Amen. Gefang. Mel. Dreieinigkeit, der Gottheit zc. 1. Ich glaub' an Gott, von dem wir Alle lesen, Daß er schon sey von Ewigkeit gewesen, und der hernach die Welt erschaffen hat, Ein großer Gott von Majeståt und Rath. 2. Wer diesen Gott mit Namen recht will kennen, Soll Vater, Sohn und heil'gen Geist ihn nennen; Dieß ist sein Nam', dabei die Christenheit Ihn kennt und nennt, jetzt und in Ewigkeit. 3. Vom Vater ist das, was da ist, geflossen, Vom Vater ist der Sohn allein entsprossen, Der heil'ge Geist geht aus von beiden gleich, Kuch gleich an Macht und Ehr' im Freudenreich. 4. Der Vater hat der Welt das Seyn gegeben, Des Sohnes Blut hat uns gebracht das Leben, Der heil'ge Geist erleuchtet und bekehrt, Und also wird das Gnadenreich vermehrt. 5. Die Dreie sind auf einem Thron erhoben, Gleich ewig, groß, allmachtig, gleich zu loben; Die Majeståt ist ihnen alls gemein, Gott ist und war und wird auch ewig seyn. 6. 3war die Vernunft, weil hier kein Grund zu finden, Will oftmals sich zu rechnen unterwinden, Wie eins sey drei; doch wer da widerspricht, Der glaubet Gott und seinem Worte nicht. 7. Ein wahrer Christ glaubt's fest von Herzensgrunde, Bekennet's auch ohn' Zweifel mit dem Munde; Weil Gott sich selbst hat also kund gethan, So glaubet er, was er nicht fassen kann. 8. Des Vaters Lieb' hat er schon oft empfunden; Er findet Trost in Jesu Blut und Wunden; Wenn Gottes Geist ihn treibet, lehrt und rührt, So folgt er gern, weil er wird wohl geführt. 9. Und hiebei ruht sein Glaube und Gemüthe, Und preiset Abendgebet. stets des Allerhd hsten Güte, Verharret auch in wahrer Frommigkeit, Bis er Gott schaut in Frieden nach dem Streit. 10. Mein Vater! laß mich deine Gnad' empfinden; Mein Jesu! mach' mich rein von allen Sünden; Gott heil'ger Geist! ach! nimm mein Herze ein; Dreiein'ger Gott! ich bin dein, du bist mein. 209 Abendgebet. Heiliger dreieiniger Gott! voll Freude und Vergnügen trete ich nochmals vor deinen Thron, ehe ich zu meiner Ruheståtte eile, weil ich heute die fröhliche Botschaft vernommen habe und von derselben überzeuget worden bin, daß du in die Herzen derer, welche dich lieben, kommest und in ihnen wohnest. Das halte ich für die allergrößte Herrlichkeit, deren nur ein vernünftiges Geschöpf von dir fähig ist, und darüber ist meine Seele vergnügt und hüpfet vor Freude. Die Welt urtheilet zwar anders und meinet, das seyen unglückselige Menschen, welche ihr Herz dir zur Wohnung einräumten, indem sie nicht allein aller Weltlust sich entschlagen, sondern auch immer im Streit und Kampf stehen müßten, damit keine Sünde, auch nicht die geringste, eine Herrschaft über sie gewinne. Ich aber weiß und bin überzeugt, daß es die Gerechten gut haben, daß ihnen eine große Herrlichkeit und Seligkeit bereitet ist. Ich sehne mich daher nach deiner Einwohnung, und trage nach derselben ein inniges Verlan14 Abendgebet. gen. Komm', o dreieiniger Gott! komm' in meine Seele, und wohne in mir. Belebe und beherrsche mich. Mache mich ganz neu. Laß mich nicht mehr mir selbst leben, sondern dem, der für mich gestorben und auferstanden ist. Ich weiß, daß diese deine Einwohnung keine bloße Einbildung sey, wofür es die verkehrte Welt zu halten pflegt; sie ist auch keine bloße Mittheilung deiner Gaben, noch viel weniger eine Bergötterung, sondern du kommst selbst deinem Wesen nach zu uns, nicht wie du bei allen Gottlosen bist, sondern durch deine besondere Gnade, da wir so genau mit dir verbunden werden, wie die Rebe mit dem Weinstock, das Haupt mit den Gliedern und die Seele mit dem Leibe verbunden ist. Oder unaussprechlichen Gnade! Wie hoch adelst du, o Gott, die Deinen, daß sie deines Geistes und deiner Kraft sollen theilhaftig werden! Zichst du also ein in meine Seele, so lebe ich nicht mehr, sondern du lebest in mir, du redest aus mir, du wandelst in mir, du wirkest in mir Alles. Laß mich derowegen in deiner Kraft beståndig einhergehen, damit es immer von mir heiße: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen! wisset ihr nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Hieraus entstehet meine wahre Glückseligkeit, auf welche ich mich von Herzen freue und die ich sehnlich wünsche. Ein helles Licht gehet nun in mir 210 Abendgebet. auf, darin ich meine Sünden und deine Gnade sehe, und dadurch ermuntert werde, jene zu fliehen und diese zu suchen. Neues Leben kommt mit dir in mich. Nun bin ich nicht mehr ohnmächtig, daß mich eine jede Sünde könne hinreißen, sondern ich vermag Alles durch dich, der du mich mächtig machest. Nun habe ich Trost in allem Leiden, in allen Zufällen, bei allem Anliegen. Wie glücklich bin ich also nicht hier in der Zeit? Und wie felig werde ich nicht auch seyn in der Ewigkeit, wenn ich in derselben in deiner Gemeinschaft bleiben und dich sehen werde, wie du bist? Ach! hilf mir hierzu in Gnaden! Laß mich noch heute in diesen beglückten Stand treten, in demselben verbleiben und wachsen, und dich niemalen wieder von mir treiben, sondern mit dir vereiniget seyn, bis ich ewig in der Ewigkeit dich schauen kann. Ich bitte dich demüthiglich, daß es ja mög' durchdringen, was ich mit Seufzen jetzt vor dich in Demuth thue bringen; und wenn die letzte Stund' da ist, so hilf, daß ich auf Jesum Christ getroft und selig sterbe. Gott Vater, Sohn und heil ger Geist, für alle Gnad' und Gute sey immerdar von mir gepreist mit freudigem Gemüthe. Des Himmels Heer dein Lob erklingt, und Heilig, Heilig, Heilig fingt; das thu' auch ich auf Erden. Amen. 211 11* 212 Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfeste den Schuß der heiligen Engel. 2 ufmunterung. Hebr. 1, 2. 14. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Es sind die heiligen Engel von Gott erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, als welche allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Wenn ein großer König seine Leibwache und Aufwärter einem Andern zum Dienst bestellete, so wäre es Liebe und Gnade. Daher 1) danket ein gläubiger Christ für diese besondere Gnade, daß Gott nicht allein sich selbst den Menschenkindern mit allen seinen Gütern und Gaben zum Genuß, auch Jesum Chriftum zum Heil der Seelen, den heiligen Geist zum Tröster und Führer, sondern auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenket hat. 2) Zu dem Ende treibet er dieselben durch muthwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreuet dieselben vielmehr durch seine Buße und durch einen gottseligen Wandel. 3) Er trachtet auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, Gott tåglich zu loben, zu preisen, ihm zu danken, und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. Wer allhier ein Teufel auf Erden, ich will sagen ein widerspenstiger, halsstarriger, unbekehrter Mensch und frecher Sun Der andächtige Christ betrachtet den Schuß der heil. Engel. 213 der bis in den Tod bleibet, der kann nach seinem Tode den Engeln nimmermehr gleich werden. 4) Ein gläubiger Christ befleißiget sich demnach nach der dritten Bitte, Gottes Willen zu thun auf Erden, wie er geschiehet im Himmel, wo nicht mit gleicher Vollkom. menheit, jedoch mit gleicher Willigkeit und Aufrichtigkeit. 5) Die Engel betet ein Gläubiger nicht an, als welche Ehre nur dem Herrn der Engel, aber nicht den Mitknechten gebühret, Offenb. Joh. 19, V. 10. 6) In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfürcht beharret ein gläubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von Gott gebotenen Wegen ihn werden vor unglück behúten, sondern daßß sie auch bei seinem Tode um sein Bette stehen, und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schooß begleiten werden. Gebe t. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott, wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schuß und Beistand bestellet hast! Herr! Herr! was ist der Mensch, daß du sein gedenkest und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst, und ihn so hoch achtest? Ist es eine hohe Ehre, wenn ein König 214 Der andächtige Christ betrachtet seine Leibwache und Aufwärter einem geringen Mann mitgibt, die ihm müssen zur Seite stehen: o wie viel größere Herrlichkeit ist das, daß die heiligen Engel zum Schuh und zur Begleitung uns armen Menschen dienen müssen! O du Gott der Liebe! du hast nach deiner unsaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbare Creaturen, Himmel, Erde, Sonne, Luft, Meer, alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Creaturen, die heiligen Engel, zum Dienst verordnet, damit uns ja kein Uebel widerfahren möge. Du weißt, liebreicher Vater! wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind; darum hast du ihnen Wächter bestellet, die um sie Tag und Nacht wachen und alles Uebel abwenden sollen. Du weißt, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Gläubigen um sich haben: den Fürsten der Finsterniß, den Satan und sein Heer; darum hast du ihnen auch starke Helden zugegeben, die jenen widerstehen und deine Geliebten bewahren sollen. Ach mein Gott! wenn eine Woche, ein Monat, ja ein Jahr nach dem andern vorübergehet, darin meine gefunden, graden Glieder unverlegt, mein Haus und Habe unversehrt ja meine Tritte ohne Fall und Anstoß bleiben, indem kein Unglück sich zu mir nahet: sollte ich solches nicht den Schutz der heiligen Engel. deiner Vatertreue, Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich also erhalten und behütet haft? O wie viel Gefahr haft du durch den mächtigen Schuß deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt! Nun, mein Gott! dafür sey hochgeliebet und hochgelobet von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, liebreicher Bater! befiehl deinem Engel ferner, daß er komme und mich, dein Eigenthum, bewache. Laß deinen Engel Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jacob, welchem die Heere Gottes begegneten und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevorstand. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher, wie das Haus Hiobs; laß fie bei mir seyn in Nöthen, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Mannern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und tåglich Brod behüten, wie der Engel dem Elia Brod und Wasser brachte; ja laß sie sich um mich her lagern, mir aushelfen und mich begleiten auf den Reisen, wie Tobia. Ach, du gütiger Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich diese deine heiligen Geschöpfe nicht moge mit meinen Sünden betrüben, oder mit meinem ruchlosen Leben von mir 215 Der andächtige Christ betrachtet treiben, daß sie von ferne stehen und vor meiner Bosheit weichen müssen. Gib, daß ich den Engeln in diesem Leben schon möge gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis, damit ich auch den Engeln gleich werden möge in der frohen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel, soll hinfüro mir immer in den Ohren und in dem Herzen erklingen. Mein Gott! laß auch deine heiligen Engel bei mir bleiben im Sterben, damit sie alsdann meine Seele in Abrahams Schooß tragen und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich daselbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit ſeyn, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majeståt erfreuen, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth! anstimmen, und dich, wie für alle, also auch für diese Wohlthat ewig loben und preifen. Gott, aller Geister Geist, Herr aller Seraphinen, der seine Diener heißt uns Menschen zu bedienen, Hert Zebaoth! nur dir gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, so laß sie uns begleiten; wenn wir entschlafen seyn, so stelle uns zur Seiten die Wache deines Throns, die Starken Salamons. Schaff', daß sie überall die Hand uns unterlegen, und laß uns keinen Fall aus ihrem Schooß bewegen; ihr Lager schließ' uns 216 ben Schu der heiligen Engel. 217 ein, wann wir belagert seyn. Wann wir, des Eiteln los, die Sterbelieder singen, laß uns in Abrahams Schooß durch durch diese Tråger bringen; mach' uns in deinem Reich den Engeln selbsten gleich. Amen. G e fan g. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Der Engel goldnes Heer, Die immer vor Gott stehen, Und seine Majeståt In hellem Glanze sehen, Die werden táglich noch 3u unserm Dienst gesandt, Und was uns schaden kann, Wird durch sie abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns Auf allen unsern Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wann wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehen sie mit aus, und kehret man zurück, So geh'n sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch andre Feinde wüthen, So sind die Engel da, Die unsern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr Auge schlummert nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab Von unsern Lebenstagen, So werden sie die Seel' Ins Freudenleben tragen; Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Troste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben, Und, wie wir schuldig sind, Nach Gottes Willen leben. Ach ja, wir sind gewiß, Daß man da Engel find't, Wo Fromme durch Gebet Und Lieb' verbunden sind. 6. Uch Gott! wir danken dir Für alle deine Gaben, Und daß wir auch von dir Zum Schuß die Engel haben; Die Helden send' uns auch In aller Angst und Noth, Ach! laß sie bei uns seyn Im Leben und im Tod, 7. Verleih' mir deine Gnad', Daß ich annoch auf Erden Mit stetem Lob und Preis Den Engeln gleich mog' werden, 218 Der andächtige Christ betrachtet den Schutz der heil. Engel. Und deinen Willen thun, Damit nach dieser Zeit Ich bleib' den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm In Ewigkeit erklingen, Da will ich hocherfreut Das dreimal Heilig singen Mit aller Engel Chor, Der Auserwählten Schaar; Dies ist des Herzens Wunsch, Amen! er werde wahr. Des ersten Abschnitts dritter Theil. Gebete um allerlei geistige und leibliche Wohlthaten. Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistigen und ewigen Segen. 2 uf munterun g. Psalm 67, V. 7. 8. Es segne uns Gott, unser Gott. Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn. Ein jeder Mensch betet und bittet Etwas von Gott; dabei aber soll ein Zeder wohl erwagen, wie er betet und was er bittet. Ach! der Meisten Gebet geht nur auf das Irdische und Vergångliche, welches sie aber oft zu ihrem Schaden sich erbitten. Ein gläubiger Christ bittet 1) um leibliche Dinge, um Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung der Gefahr, Hülfe in Noth, Beistand im Leiden, Errettung aus Unglück; und dergleichen Gebet kann Gott wohl leiden, weil er dieses Alles uns in seinem heiligen Wort verheißen Der gläubige Chrift bittet hat. Aber der gläubige Christ bleibet nicht dabei stehen; dieses ist das Geringste, weil es ihm Gott ohne sein Bitten zuweilen zufallen låsset. Er bittet 2) sonderlich um geiſtige Dinge, um den heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem heiligen Geist, Römer 14, V. 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachsthum in dem Guten, Heiligung und um die Gaben des heiligen Geistes; dieses ist das Bornehmste, was er von Gott bitten und erlangen kann, und wenn ihm solches wird verliehen, so hält er es für seinen größten Reichthum. Ein gläubiger Christ bittet 3) auch um ewige Dinge, nåmlich um ein solches Ende, um einen fröhlichen Abschied aus diesem Leben, um den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, damit er da Gottes Angesicht schauen und mit weißen Kleidern angethan sich nach dem Kampfe ewiglich in ihm erfreuen könne. Also muß ein Glaubiger beten sonderlich um geiſtige und himmlische Güter, wenn er recht und Gott wohlgefällig beten will. Dabei muß er sich aber 4) eines unstråflichen, christlichen Wandels befleißigen, damit er auch so lebe, daß ihm Gott die geistigen und himmliſchen Güter mittheilen könne, welche ein nicht wiedergeborner und böser Mensch nicht empfangen kann. 220 um zeitlichen, geistigen und ewigen Segen. Gebe t. 221 O du reicher und gnådiger Gott! wie groß und herrlich, wie reich und mächtig bist du! Du hast Alles, und kannst auch Alles geben. Siehe, ich dein Kind, ich komme zu dir, und bitte dich um deine Gaben. Du weißt, daß ich Nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde; daher Alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir; denn alle gute Gaben und alle vollkommene Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch! das du nicht empfangen hast? Ach mein Gott und Bater! mache mich sonderlich an meiner Seele reich, gib mir deinen heiligen Geist, gib mir ein frommes Herz, bekehre mich, erleuchte mich, damit ich ein neuer Mensch und ein wahrer Christ werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, daß ich die böse Lust bezwinge, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und meine Seele dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sey. Siehe, mein Gott, wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unterworfen bin; darum leite du mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführet werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an Der gläubige Christ bittet dem Leibe meines Jesu und eine neue Creatur sey, so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnådiger Gott und Vater! für mich in dem Irdischen; du weißt, was ich bedarf, du fiehest, was mir fehlet; aber gib mir Nichts nach meinem, sondern Alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach! so gib mir einen gesunden Leib, zu desto glücklicherer Verrichtung meines Berufes. Gib mir Nahrung und Kleidung, weil du weißt, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen, behüte mich vor Unglück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du Herr segnest, das ist geſegnet ewigkich. Du hast mich in die Welt gesett, so wirst du mich auch wohl ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe all mein Anliegen und alle meine Sorgen auf dich. Ach Gott! sorge für dein Kind, erhalte dein Kind, und laß mich deine Batertreue und Gnade hinfort reichlich genießen. Weil du mich aber, o großer Gott und Bater! nicht blos um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hast, so hoffe ich auch noch auf größere Gûter; denn hätte ich Nichts von dir zu erwarten, als was ich hierzu empfangen habe, so wäre ich der elendeste Mensch; darum, mein Vater! gib mir auch die himmlischen Güter; erhalte mich im Glauben bis an mein letztes 222 um zeitlichen, geistigen und ewigen Segen. und seliges Ende; laß mich an meinem Ende auf Christi Tod abscheiden; die Seele nimm hinauf zu dir, zu deinen Freuden. Gib mir auch, wenn es dein heiliger Wille ist, ein vernünftiges Ende, und bringe mich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu der Schaar der Auserwählten in den Himmel, daß ich mit ihnen gekrönet, verklåret, mit weißen Kleidern gezieret, dein heiliges Angesicht schauen und mich in dir ewiglich erfreuen möge. Ach, mein Gott! höre die Stimme meines Flehens, und verweigere nicht, was mein Mund bittet. Gib mir von den irdischen Dingen so viel, als dir gefällig und mir heilsam und selig ist, aber in geistigen und himmlischen Dingen gib mir ein reiches Maaß deiner Gnade, und bringe mich als ein Kind dermaleinst zu der Versammlung der Heiligen im Licht, daß ich hier im Glauben und in der Liebe, und dort in der Ewigkeit mit dir vereiniget bleibe. Indessen meinen Ausgang fegne, o Gott, meinen Eingang gleichermaßen, segne auch mein täglich Brod, segne all mein Thun und Lassen, segne mich mit sel'gem Sterben, und mach' mich zum Himmels- Erben. Amen. 223 Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2. 1. Mein Vater, denk' an mich! Ach! gib mir deinen Segen, Und thu' jett auch an mir, Wie treue Váter pflegen; Gib, 224 Der gläubige Chrift danket Gott was ich nöthig hab', Und was mir nüglich ist; Ich schau allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach! gib mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben, Und wirst du mir durch ihn Ein frommes Herz auch geben, So bin ich reich genug, So bin ich recht beglückt, Weil mich dein guter Geist Mit seinem Gaben schmückt. 3. Gib mir mein tåglich Brod, Gesundheit auch deßgleichen, Laß deinen Segen nicht Von meiner Arbeit weichen; Wend' alles Unglück ab, Begleit' mich aus und ein, Und laß bei Tag und Nacht Mich dir befohlen seyn. 4. Laß mich in Jesu Christ Hier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut Die Seligkeit ererben; Laß mich vor deinem Thron In weißen Kleidern steh'n, Und, Herr! dein Angesicht Mit allen Frommen seh'n. 5. Mein Gott! erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd' noch meine Lust 2n deiner Gnade schauen; Mein Herze, Geist und Sinn Sey dir allein geweiht; Mein Segen, Freud' und Schatz Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan! ich bin erhårt, Gott wird's aus Gnaden geben, Drum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben: Mein Vater! schenke mir, Dieweil ich leb' auf Erd', Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd'. Der gläubige Chrift danket Gott für seine Gesundheit. 21 fmunterung. Sirach 30, 2. 14. 15. 16. Es ist besser, Einer sey arm und dabei frisch und gefund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch seyn, ist besser denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser denn groß Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gefunden Leibe, und keine Freude ist der Herzensfreude gleich. Gleichwie Gott den Menschen unterschiedliche Gaben austheilet, geistige und leibliche, für seine Gesundheit. 225 so mag man wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten mitrechnen die Gesundheit. Ein gesunder Mensch ist ein glücklicher Mensch, wenn er dabei fromm ist; er ist aber auch der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Daß ein gesunder Mensch glückselig sey, sehen wir daher, weil er kann Gott und ſeinem Nächsten ungehindert dienen, seinen Beruf abwarten, und viel Gutes verrichten. Ist aber der Mensch nicht fromm bei seiner Gesundheit, so mißbrauchet er diese edle Gabe auf das Entseglichste zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O! wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, mit der Zunge, mit den Augen und mit seinem Leib nicht so viele Sünden ausübete; daher auch auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder dereinst eine schwere Verantwortung und Strafe folgen wird. Ein wahrer Christ erkennet die edle Wohlthat der Gesundheit, und zwar 1) wenn er seine gefunden Glieder ansichet, so danket er Gott dafür. 2) Er wendet seine Gesundheit an, Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Christenthum zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) seinen Beruf treulich und aufrichtig zu vollbringen. 5) Er erkennet, daß 15 226 Der gläubige Christ danket Gott die Gesundheit kein ewig und beståndig Gut sey, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lahmigkeit der Glieder und ein ungesunder Leib einfinden könne; 6) er mißbrauchet derhalben in geſunden Tagen seine Gesundheit nicht zu Muthwillen, Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheiten und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht sage: Das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit; wie denn also Gott manchem gefunden, aber unbåndigen Menschen Zaum und Gebiß durch Zuschikkung eines ungesunden Leibes muß anlegen, damit er aufhöre zu sündigen. 7) Ein frommer Christ betet auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsamlich angewendet. Gebe t. O du gnädiger und barmherziger Gott! wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweisest, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und in deiner Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen låsfest! Nun, mein Gott, ich erkenne, daß dieses eine der guten Gaben ist, welche von dir, o Bater des Lichts! von oben herab kommen. Herr! Herr! wer bin ich, daß du 227 für seine Gesundheit. mir solche Barmherzigkeit widerfahren läſsest! Sehe ich doch tåglich vor meinen Augen Menschen, die krånklich, elend und schwach find! Höre ich doch Viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind als ich, und viel andächtiger beten als ich; mir aber gibst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach Herr! ich bin allzugering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan haft und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott! daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffahrt und Frechheit, sondern gib mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntern zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich inskünftige und Zeit meines Lebens meine Gesundheit anwende zu deinem Lob und deiner Ehre, zu Nuh meines Nächsten und zur Vollbringung der Geschäfte meines Berufs. Erhalte mir nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und grade Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen und in deinem Tempel Lob- und Danklieder anstimmen könne. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich meine gefunden Glieder heilige zu deinem Dienst, und meinen gesunden Verstand zum 15* 4 228 Der gläubige Chrift danket Gott für seine Gesundheit. Wachsthum in deiner Erkenntniß. O mein Gott! gib mir Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gefund sey im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trubsal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, fröhlich in der Hoffnung, und getrost im Tode. Ach! heilige mich, segne mich; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O Gott, du frommer Gott, du Brunnquell aller Gaben, ohn' den Nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben; gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein' unverlehte Seel' und rein Gewissen bleib'. Amen. ( S e fan g. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Geht dir's wohl nach deinem Leiden, Und hast Glück auf dieser Erd', So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trohig werd'; Denk' in deinem Glück und Prangen, Wie dir's ehmals ist ergangen; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 2. Bist du nun gesund und stehest, Denk' auch an das Krankenbett; Wenn du fröhlich einhergehest, Denk' auch an die Lagerstått'; Bist du wiederum genesen, Denke, daß du frank gewesen; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 3. Blüht dir Freud' und lauter Glücke, Stehet's um dich wohl jetund, Denk' bisweilen auch zurücke, Wie es doch vor diesem stund, Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schätzen, Denke dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergdhen, Daß es vordem nicht Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. 229 so war; Selig, wer die Demuth liebet, Wenn ihm Gott viel Güter giebet; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn da ein Armer steht, Denk': so bin ich auch gestanden, In dergleichen Trübsalsbanden; Denk' in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergang'ne Zeit. 6. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demuthsschranken, Führen dich zur Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebest. Bleib' in deinen Augen klein, So wird Gott dir gnådig seyn. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Hebr. 12, 3. 14. Jaget nach dem Frieden unter einander und der Heiligung, ohne welche wird Niemand den Herrn sehen. Wenn sich ein gläubiger Christ in seinem natürlichen Verderben ansiehet, so erinnert er sich, 1) daß er sich selbst nicht heiligen kann, sondern daß das ein Werk Gottes ist; 2) derohalben braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenket an seine heilige Taufe, darin der heilige Geist über ihn ausgegossen worden und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forschet fleißig nach, ob er diesen guten Geist in den erwachsenen Jahren nicht durch muthwillige Sünden wiederum vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abendmahl eine Der gläubige Chrift bittet, Speise der Heiligung ist; darum trachtet er, wenn er dasselbe empfähet, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder mögen geheiliget werden. Gottes Wort höret er andachtig, schreibet und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung zunehmen möge. 3) Denn es soll die Heiligung geschehen sowohl an der Seele, als an dem Leibe, durch Gottes Kraft und des heiligen Geistes Wirkung. Ist die Seele geheiliget, so muß das ganze Leben in der wahren Heiligung geführet, so müssen alle Gedanken, Worte und Werke nach derselben gebildet werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst in dem Alter oder auf dem Todbette, sondern dieweil man noch beten und die Mittel der Heiligung mit gutem Verstand gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, wenn man ohngefähr bei Weltkindern sich findet; da sollen wir in Gebården, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der heilige Geist unsern Mund und das ganze Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Lichte gelangen. e bet. 230 O du heiliger Geist! ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme er Gott wolle sein Herz heiligen. 231 klinget: Shr sollt heilig seyn, denn ich bin heilig; und wiederum: Ohne die Heiligung wird Niemand den Herrn schauen. Wenn ich dieses erwäge, und dagegen halte mein unheiliges Herz, meine unheiligen Gedanken, unheiligen Worte, unheiligen Werke, so gerathe ich oftmals in große Angst, und ich schame mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, da ich leider! nach dem Trieb meines Herzens und nach der Gewohnheit der Weltmenschen mit gesündiget, und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidiget habe. Ach! soll Niemand dein Antlig schauen ohne die Heiligung, o wie Wenige werden dann selig werden, o wie Viele werden verdammt werden! Denn hilf, Herr! die Heiligen haben abgenommen. O darum, du heiliger Gott! gib mir dieses Alles wohl zu erkennen, damit ich mich möge hinfort der wahren Heiligung inwendig und auswendig befleißigen. O Jesu! heilige mich durch deine Gerechtigkeit, durch dein Verdienst und Blut: ach! schenke mir von Natur Unheiligem deine Heiligkeit, auf daß ich darin, als in meinem schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen und bestehen könne! Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Gedanken möge umgehen. Heilige meinen Mund, daß er nichts Unanständiges, Unchristliches 232 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. und Böses möge reden. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wolle und vollbringe, was dir gefällig ist. O heiliger Gott! ziehe mich ab von der Welt, vereinige mich mit dir, damit ich in mir durch deinen heiligen Geist das Zeugniß habe, daß ich als ein Kind Gottes neu geboren sey und in der Gnade stehe. Laß aber auch diese Heiligung wahrhaftig seyn, damit ich nicht etwa nur heilig sey und der Heiligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, sondern daß ich auch möge heilig seyn und mich der Heiligung bestreben an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, auch wenn ich gar unter Weltkindern und in ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich dann als ein Kind Gottes möge reden, leben und thun, und in folchem seligen Stande bleiben bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in ewigen Freudenlicht. Du bist heilig, laß mich werden rein und heilig immer mehr; tödt' die Glieder, die auf Erden widerstreben deiner Ehr'; laß mich in dem neuen Leben wachsen, und stets dahin streben, daß die Seel' mit Gottes Bild auf das Neue werd' erfüllt. Amen. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und teiten. 233 sang. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Soll ohne Heiligung Den Herren Niemand schauen, Und ausgeschlossen seyn Von jenen Himmelsauen, So tracht' ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mdg' Zur wahren Heiligkeit. 2. Doch mich zu heiligen, Erfordert hohe Kräfte, Das kommet Gott nur zu, Denn das ist sein Geschäfte; Drum bringe mich, o Gott! Zur wahren Heiligung, Ach! wirke du in mir Des Herzens Nenderung. 3. Ach! heilige mein Herz, Gib heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken. Ach! laffe Herz und Geist Beståndig heilig seyn, Mach' es von schndder Lust, Von Sünd' und Bosheit rein. 4. Ach! heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie nur allein Zu deinem Dienst anwende; Herz, Glieder, Mund und Hånd'. Sind ja dein Eigenthum, Drum brauch' ich sie allein Zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott! heil'ge mich, Ja heil'ge Seel' und Leben, Als welche ich hiemit Dir will zu eigen geben; Hilf, daß ich also leb' Und thue wie ein Christ, In welchem Jesus lebt und der in Gnaden ist. 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinst auch sterben, Laß mich durch Christi Blut Das Freudenreich ererben Mit allen Heiligen; Da werd' ich ewig rein, Im schönsten Priesterschmuck Von dir gezieret seyn. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunter un g. Psalm 86, V. 11. Weife mir, Herr, deine Wege, daß ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Es ist dieses Leben nichts anderes, als ein Der gläubige Christ bittet, Weg; wenn wir geboren werden, so treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so höret mit dem Leben der Weg auf, und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was wir für einen Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir einen guten Weg, den Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endiget sich derselbe in des Himmels Herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg, den Weg des Unglaubens, der Bosheit, der Gottlosigkeit, so endiget er sich bei der Hölle, in der ewigen Verdammniß. Wenn das ein Christ erwäget, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg und den breiten Höllenweg; aber er soll mit allem Fleiß auf dem Himmelsweg einhergehen. 2) Damit er aber darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle. 3) Bittet er Gott um sein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht viel neben oder um sich sehen, wie andere Weltmenschen leben, und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen und folgen, so höret Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja er weichet gar von ihm. 4) Wie nun ein Wandersmann einen Geleitsmann vonnöthen hat, der ihm den rechten Weg weise, also bedarf auch ein gläubiger 234 235 Gott wolle ihn regieren und leiten. Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hierzu aber gehöret die Einwohnung des heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seyd, und der Geist Gottes in euch wohnet? 1. Cor. 3, V. 16. Hat man diesen treuen Geleitsmann in sich und bei sich, so wird er auch die Gedanken, die Zunge, die Sinne und Begierden regieren. 5) Dieser heiligen Regierung widersetzet sich der gläubige Christ nicht, er widerstrebet auch dem heiligen Geist nicht, sondern låsset sich führen, ermuntern und leiten, und ist versichert, daß er wird wohl geführet werden, hier zeitlich, und dort ewiglich. O selige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat! Gebe t. Herr! du erforschest mich und kennest mich; du verstehest alle meine Wege. Ach! du siehest und weißt auch wohl, mein lieber Gott! wie ich ein herzlich Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen, und also zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen, und wovon Jesus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider! erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Wege und Vorhaben abführet. Bald verführet mich mein eignes Herz durch böses Gelüsten, bald reizet mich die Welt mit ihrem Der gläubige Christ bittet, bösen Erempel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und Herrn, ich verlege mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich mich von dir. O darum bitte ich dich, ach! leite und führe mich nach deinem Rath. Du hast ja gesagt: ich will dich mit meinen Augen leiten; Herr, hier bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott! der du haft dein Volk trockenes Fußes durch das rothe Meer, und unverletzt durch die Wüste in das gelobte Land geführet. Ach! führe mich durch die Gefahren dieses Lebens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverleßten Gewissen in das ewige Leben. Ich ergebe dir Herz, Mund, Glieder und mein ganzes Leben. Regiere mein Herz, und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glieder, daß ich mit meinen Hånden nicht möge nach verbotenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sünden- und Höllenwegen gehen. Regiere meinen Mund und meine Zunge, daß sie weder Flüche, noch schandbare, unchristliche und unanständige Worte vorbringen. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an nimmermehr muthwillig wider dich sündigen, damit ich ein rechter und frommer Christ heißen und 236 Gott wolle ihn regieren und leiten. 237 auch seyn möge. Ach! laß nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachheit widerstrebe, und überlaß mich nicht meinem eigenen Willen oder meiner Führung; denn wenn ich mich führe, so werde ich verführt. Gib mir eine heilige Behutsamkeit in allem meinem Thun, und schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich mich nach dir, nach deinem Wort und meines Jesu Erempel allein richten möge. Ja leite mich nach deinen Augen, und richt' mein ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn; und wenn ich es soll geben ins Todes Rachen hin, wenn's hier mit mir wird aus, so laß mich fröhlich sterben, und nach dem Tod ererben des ew'gen Lebens Haus. Amen. ef a n g. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Bater! gib mir auch die Gabe, Die du Alle bitten heißt; O wie wohl, wenn ich sie habe! Gib mir deinen guten Geist. Bater! ich hab' groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach! erhöre meine Bitt', Theile deinen Geist mir mit. 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich leb' hier in der Zeit, Wie ich mich recht soll bekehren, Und wie ich in Frömmigkeit Soll beständig einhergehen, Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist, und sich gründ't auf Jesum Christ. 3. Es soll dieser Geist mich führen Alle Zeit auf ebner Bahn, Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Boses hab' gethan. Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach' Folgen diesem Führer nach. Der gläubige Christ bittet 4. Es soll dieser Geist mich trösten In dem Kreuz und Traurigkeit; Wenn die Noth am allergrößten, So darf ich zu keiner Zeit, In den Angst- und Trauertagen Und im Leidenssturm verzagen, Weil der Geist mir 3eugniß gibt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 5. Und dieweil ich muß empfinden Oft zwiefachen Widerstand, Den ich kaum kann überwinden, So woll' deine VaterHand Mir den Geist auch zwiefach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Mige stark im Glauben seyn Und von groben Fehlern rein. 238 6. Werther Geist vom Himmels- Throne, Gleicher Gott von Ewigkeit Mit dem Vater und dem Sohne, Komm' zu mir, ich bin bereit; Meine Seele, Geist und Leben Will ich dir zur Wohnung geben, Komm', ach komm' und nimm es ein, Laß es deinen Tempel seyn! 7. Ach! bewahre mich vor Sünden, Ach! laß meine Zuversicht Sich auf Jesum Christum gründen, Werther Geist, verlaß' mich nicht! Ach! durch deine Liebestriebe Stårke mich in Glaub' und Liebe, Führe mich durch diese Zeit In die frohe Seligkeit. Der gläubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge angezündet werden. Aufmunterung. 1. Joh. 4, V. 16. 19. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. Gott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Gläubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Die Liebe ist das Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nachsten Herz auf's Genaueste mit einander ver 239 um die wahre Liebe zu Gott. bindet. Ein gläubiger Christ bittet demnach 1) Gott, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen, und dieselbe in ihm ausgießen wolle; denn auch diese Gabe gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, wodurch Gottes Liebe in ihm kann angefangen und vermehrt werden, nåmlich die andachtige Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes und den würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. 3) Stehet er in der Liebe Gottes, so muß er solche auch beweisen in einem heiligen christlichen Wandel, in anståndigen Reden, in Gott wohlgefälligen Werken; denn die Liebe ist gleich einem Feuer, welches Flammen und Rauch nicht kann verbergen. 4) Er muß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht wie Demas die Welt wieder lieb gewinne; denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters; derohalben muß er aus Liebe zu Gott Welt und Weltfreundschaft und Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod, und also in der Liebe Gottes sterben. 6) Diese Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren. Man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja vierzig Jahre der Lust und Liebe der Welt hingebracht, aber Der gläubige Chrift bittet darüber die Liebe Gottes vergessen hat, welches cin Christ, wenn ihm Gott die Augen aufgethan, mit desto mehr inbrünstiger, heftiger und beständiger Liebe ersehen, und in solcher Liebe beharren soll bis in den Tod. Gebe t. 240 O du liebreicher, gnådiger Gott! du bist allein liebenswürdig; dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kråften lieben. Ach! ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübniß meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem treuen Schöpfer und liebreichen Bater, zu Jesu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu dem heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbfünde in mir erloschen, sondern wie ich auch deiner rufenden und wirkenden Gnade und dem Trieb des heiligen Geistes nicht allzeit Plaß gegeben, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, åndere doch mein Herz, reiße aus demselben alle Weltund Sündenliebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; denn so Jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Bertilge aus mir alle Liebe zur Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigem Leben, dazu ich leider! von Natur geneigt bin, um die wahre Liebe zu Gott. 211 und zünde durch deinen heiligen Geist in mir an eine reine, wahre Liebe zu dir, daß ich dich, als das höchste Gut, um dein selbst willen allein lieben und alle Eitelkeiten fliehen möge. Denn will ich ein rechtes Kind Gottes seyn, so muß die Sünden-, Welt- und Eigenliebe zum Herzen hinaus, und du mußt über Alles allein geliebet werden. Darum komme ich, mein Gott, zu dir, und bitte dich, ach! gib mir deinen heiligen Geist, der dieſe edle, nothwendige und christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge; in dessen Kraft will ich dich, meinen Gott, von Herzen und beständig lieben; meine Seele soll an dich denken, mein Mund soll von dir reden, du sollst mir lieber seyn, als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und alle Herrlichkeit, ja als alle Menschen. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu fündigen, aus Liebe zu dir will ich mich aller fündlichen Personen und Gesellschaft entschlagen, aus Liebe zu dir will ich anfangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Wink und Willen mein Leben einrichten; dich will ich ehren und fürchten, dir will ich dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott! entzünde diese Liebe in meinem Herzen je mehr und mehr, daß ich dich nicht nur einige Tage, Wochen und Jahre lieben, sondern daß sie immer zunehmen und bis an mein 16 Der gläubige Christ bittet seliges Ende dauern möge. Gib mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen Etwas leiden ſoll, und stärke mich alsdann durch deinen måchtigen Beistand. Also laß mich in Liebe mit dir vereiniget seyn in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott! ja dich um deinetwillen; Nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott, soll meine Liebe stillen; und sollt' kein Höll und Himmel seyn, das mich zur Liebe triebe, so wärest du mir g'mug allein, warum ich dich nur liebe. Amen. 242 S ef a n g. Me L. Wlle Menschen müssen sterben 2c. 1. Ach! daß sich doch Gottes Liebe Zief ergòffe in mein Herz! Ach! daß sie doch immer triebe Meine Seele himmelwarts! Ach! daß doch all mein Beginnen, Uch! daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesammt, Wår' durch Gottes Lieb' entflammt. 2. Ach! daß diese Liebe risfe Aus mir alle Lieb' der Welt! Ach! daß ich mich stets beflisse, Das zu thun, was Gott gefällt, Und aus Lieb' ihn nicht betrübte, Nie, was ihm mißfällt, ausübte, Daß die Welt mir bitter wär', Und Gott füßer mehr und mehr. 3. Ach! daß diese Lieb' mich bråchte Zur Vereinigung mit Gott, Daß ich stets an ihn gedächte, Unverrückt bis in den Tod, Daß kein Augenblick verfldsse, Da ich nicht der Lieb' gendsse, Daß ich ihm mit Lieb' nachging', Und mit Liebe ihn umfing'. 4. O du Liebe! so ergieße Dich in mein Herz tief hinein, Daß ich dadurch ganz zerfließe, Und dein eigen mdge seyn, Daß ich in der Liebe stehe, Wo ich sitze, schlaf und gehe, Dir zu Liebe Alles thu', Und aus Liebe in dir ruh'. 5. Laß mich in der Lieb' auch sterben, Wenn ich gehe aus um wahre Liebe des Nächsten. der Zeit, Führe mich als deinen Erben In die frohe Ewigteit; Diese Lieb' laß mich genießen, Bis ich werd' die Augen schließen, Und geh'n zu den Freuden ein, Wo wird lauter Liebe seyn. 243 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. 2 ufmunterung. 1. Joh. 4, V. 20. 21. So Jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dieß Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, auch seinen Bruder liebe. Ein neu Gebot geb' ich euch, daß ihr euch unter einander liebet; dabei wird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seyd, so ihr Liebe unter einander habt. Also beschreibet Christus das Kennzeichen seiner wahren Junger und Jüngerinnen, Joh. 13, V. 34, nåmlich daß man sie daran erkennen sollte, wenn sie würden ihren Nächsten lieben. Es soll Niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er schon seinen Nächsten haffet, o nein! Es ist aber unser Nächster 1) unser Freund, Wohlthäter und Verwandter; wenn man nun solche liebet, so ist das zwar unsere Schuldigkeit, es ist aber noch keine ausnehmende Christen- Tugend, denn die ungläubigen Heiden lieben auch ihre Freunde, Gutthåter und Anverwandte, die ihnen nichts zuwider thun. Es ist unser Nåch16* 244 Der gläubige Christ bittet ster 2) auch unser Nachbar, Mitbürger und Fremder, auch der uns neidet, vervortheilet und haffet. Bei der letzten Art der Nächsten soll man die Liebe am meisten blicken lassen, und zwar so, 1) daß man ihnen nicht allein nichts Böses wünsche, sie nicht schelte, ihnen nicht Böses mit Bösem vergelte, sondern vielmehr alles Gute gönne, Liebe und Freundschaft erweise, und sie liebe als sich selbst. 2) Gegen die Feinde soll man Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verbannen, dagegen mit Worten und Werken beweisen, daß man ohne Groll und Haß, ein liebreiches Herz zu ihnen trage, und thue in der That und Wahrheit, was Christus sagt: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, so werdet ihr Kinder seyn eures Vaters im Himmel. Math. 5, V. 44. 45. Geb e t. Ach du liebreicher Gott! der du uns herzlich liebest, und aus solcher Liebe uns an Leib und Seele viel Gutes thust, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsern Nächsten mit gleicher Liebe umfassen sollen; ach! ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächsten sich noch nicht recht hat wollen bringen lassen. Ich sollte meinen Nächsten nach dei um wahre Liebe des Nächsten. nem Gebot lieben als mich selbst; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen gibst, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre; ich sollte meinen Feind, der mich hasfet, schmähet, verfolget, drůcket, herzlich lieben, für ihn beten, ihm Gutes wünschen, ja ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du allwissender Gott siehest und weißt, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernet ist, wie ich leider! wenn du meinem Nächsten wohlthust, ihm Glück, Ehre und Wohlthaten darreichst, mir aber nicht, daruber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott! wie das Beten für meine Feinde so tråge und gering ist, daß ich sie in meinem Gebet entweder vergeffe, oder so ich ja ihrer gedenke, weil dein Geist mich oft an diese Schuldigkeit erinnert, daß es doch leider! mit wenigen Worten geschiehet. Ach mein Gott und Vater! ich erkenne daraus das Elend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen Jefu bin, in welchem ich billig seyn sollte, als welche man daran erkennet, daß sie Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohlthäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach! åndere 245 Der gläubige Chrift bittet doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten so herzlich und aufrichtig lieben möge, als mich selbst. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächsten gern mit Freuden das gönne, was du ihm gibst, und nicht deßwegen betrübt drein sehe, wenn du mich diesesmal nicht mit gleicher Wohlthat erfreuest. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, und im Herzen doch ihm feind sey, wie Judas ihn küsse, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, Schmåhung und Unrecht erfahren, so gib mir Kraft, daß ich es mit Sanftmuth überwinde, nicht Böses mit Bösem oder Scheltworte mit Scheltworten vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute anwünsche. Herr, mein Gott! du siehest, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und unter deinem Beistand wird es mir möglich werden. Gib, daß ich allezeit deine vollkommene Liebe, o himmlischer Bater! ansehe, da du uns Menschen, als wir noch deine Feinde waren, geliebet hast. Gib, daß ich mir immer vorstelle die Liebe meines Jesu, der für seine Feinde gebetet und ihnen Gutes gethan hat. Schreibe mir in mein Herz 246 um wahre Liebe des Nächsten. die erbarmende Liebe des heiligen Geistes, welcher nicht müde wird, an meinem widerspenstigen Herzen zu arbeiten und anzuklopfen, damit ich dadurch zu einer wahren Liebe gegen meinen Nächsten bewogen werde, und also das Zeugniß erlange, ich sey ein wahrer Jünger Jesu. Laß mich an Andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jedermann, ohn' Eigennuß und Heuchelschein, und wie du mir's erwiesen, aus reiner Lieb' allein. Amen. 247 S ef an g. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwunden, Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern seyn, Warum ist Falschheitstück' Bei ihnen so gemein? 2. Ach! in der letzten Zeit Wird alle Lieb' erkalten, Und gar geringe seyn Bei Jungen und bei Alten. Ist diese Zeit schon da, So machet euch bereit 3um lieben jüngsten Tag Und zu der Ewigkeit. 3. Wo findet man jetzt Lieb', Wo sind die Liebesproben? Die Liebeswerke sind Fast gånzlich aufgehoben; Wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu'? Regiert die Falschheit nicht Und lauter Heuchelei? 4. Die Liebe ist hinweg, Man findet kein Vertrauen, Man darf auf Keines Wort Unjetzo fast mehr bauen; Ganz anders denkt das Herz, Ganz anders spricht der Mund, Und schöne Worte geh'n Doch nicht aus Herzensgrund. 5. O falsche, bdse Welt! Gott kennet deine Stücke, Du bist voll Haß und List, Boll Bosheit und voll Tücke; Du hast die Liebe nicht, Und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe seyn. Der gläubige Chrift erkennet, 6. Allein, wer keine Lieb' Will an dem Nächsten üben, Der kann von Herzensgrund Auch seinen Gott nicht lieben; Drum glaube nur gewiß, Der ist kein Gotteskind, Bei dem man lauter Haß Und keine Liebe find't. 7. Mein Gott! verleih' mir Gnad,' Daß ich in Lieb' umfassen und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feindschaft hassen; Ach! mache selbst mein Herz Bon aller Bosheit rein, Daß ich auch in der Lieb' Môg' Christi Jünger seyn. 8. Laß deine Lieb' zu mir Bor meinen Augen stehen, Und laß mich ihrer Spur Mit allem Fleiß nachgehen, Ja, daß ich mich betracht' Und selbst an mir nehm' ab, Wie es in jedem Fall Mein Nächster gerne hab'. 9. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu' und Liebe, In meinem Herzen seyn, Damit ich Lieb' ausübe; Gib mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sey, Voll Liebe, ohne List, Und ohn' Betrügerei. 10. So leb' ich als dein Kind, Und werd' dahin gelangen, Wo alle Gläubige In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit, Und nie aufhören wird In alle Ewigkeit. 248 Der gläubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sey. Aufmunterung. Psalm 73, V. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Seele und Leib verschmachtet, fo bist du doch, Gott! allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Das höchste Gut zu haben und zu besigen, ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; allein darin haben die Meisten gefehlet, daß sie nicht gewußt, welches das allerhöchste und allerbeste Gut sey. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen daß Gott allein das höchste Gut sey. seyn, und muß uns im Leiden und Tode, in Glück und Unglück aufrichten und trösten können. Nach dieser Beschreibung ist das allerhöchste Gut 1) nicht Reichthum, welchen Viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten; denn der verläßt uns im Tode, und kann alsdann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glückseligkeit ist auch das höchste Gut nicht, denn wie oft fällt der Geehrte in Berachtung und Schande, und wie oft wird nicht die Glückseligkeit in Jammer und Elend verwandelt? 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor andern irdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Derohalben suchet ein gläubiger Christ sich ein wahres, beståndiges Gut, welches aber 4) allein Gott ist. Hat er Gott, so hat er Alles, die größte Ehre, den größten Reichthum, die größte Weisheit, und zwar in Zeit und Ewigkeit. Gott erfreuet den Menchen in glücklichen Tagen, erhålt ihn in Kreuz und Trübsal, erquicket ihn im Tode, bleibet mit ihm vereiniget in Ewigkeit. Zu diesem Gut können wir gelangen 5) durch das Gebet, durch andächtige Anhörung des göttlichen Wortes, durch fleißige Betrachtung desselben und durch den Beistand des heiligen Geistes; nur muß man zusehen, 6) daß man Gott nicht wieder von sich stoße, und die 249 Der gläubige Chrift erkennet, Weltliebe, Eitelkeit und sündliche Luft sein höchstes Gut seyn lasse. Gebet. 250 O du gnadenreicher Gott! wie bist du doch so herrlich, so schón, so vollkommen! Wer dich hat, der hat Alles, der weiß Alles, der kann Alles, ja der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach! schreibe doch diese Erkenntniß tief in mein Herz hinein, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach! bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Thorheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichthum besigen, oder großes Vergnügen und große Herrlichkeit erlangen, so hätten fie das höchste Gut; allein weit gefehlet! diese Güter verlassen die Menschen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der leßten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackend und bloß, ja ohne Gott. O! darum gib, daß ich das wahre Gut von dem vergånglichen wohl unterscheide. O du dreieiniger Gott! du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut; du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen; o so vereinige dich denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit! Sind alle irdische Dinge den Feinden, Motten und dem Rost unterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück sie zernich daß Gott allein das höchste Gut sey. ten, so bleibet mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit dem gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reise, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein Gott! wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichthum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. O! darum lebe in mir, wohne in mir, bleibe bei mir, so habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen Beistand in Nöthen, den größten Reichthum in Armuth, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja die allersüßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltkinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich Gott doch nicht; dieses höchste Gut behalte ich im Abscheiden aus der Welt, ja es wird mir alsdann noch vollkommener, noch trefflicher, noch herrlicher, mit völligem Glanz, zu unaussprechlichem Genuß geschenket werden. Ach Herr! wenn ich nur dich hab', dann so sag' ich Allem ab; legt man mich gleich in das Grab, ach Herr! wenn ich nur dich hab'. Amen. 251 Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. In Gott bin ich immer fröhlich, In Gott hab' ich lauter Freud', In Gott bin ich reich und felig, Gott ist selbst die Der gläubige Christ bittet Gott Seligkeit. Darum laß die Welt vergehen, Laß die Ungewitter wehen, Bleibet nur der Höchste mein, So kann ich vergnüget seyn. 2. In Gott hab' ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt, Der den Himmel mir beschieden, Ist mein Jesus, der mich krönt; Drum kann ich in Frieden sterben, Und in Fried' den Himmel erben, Fried' in dieser Lebenszeit, Fried' in alle Ewigkeit. 252 3. In Gott kann ich sicher rasten, Er ist meiner Seele Ruh', Zu Gott, wie zu Noah's Kasten, Eil' ich wie das Taublein zu; Ruh' im Leben, Ruh' im Herzen, Ruh' in Trubsal, Ruh' in Schmerzen, Ruh' in Leiden, Ruh' in Noth, Ruh' im Grabe, Ruh' im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schätzen, Welche keine Zeit verstreut, Freud', Vergnügen und Ergdhen Und des Trostes Süßigkeit Wird mir schon von Gott gegeben, Schauet doch! in diesem Leben; Wie wird's nicht mit vollem Schein Herrlich in dem Himmel seyn? 5. Drum will ich in Gott verbleiben, Er ist meiner Seele Bier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier, Und bin auch mit Gott verbunden In den letzten Todesstunden; Mein Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. Röm. 10, V. 19. So du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sey, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Herr! stärke uns den Glauben. Luc. 15, V. 5. So unglückselig ein ungläubiger Mensch ist, so glückselig ist die Seele, die im Glauben um Erhaltung des Glaubens. und in der wahren Erkenntniß Gottes, Jesu Christi und ihres Heils stehet. Denn ein Ungläubiger ist gleich einem Gemach, darin kein Licht ist, darin es finster und unangenehm ist; aber eine gläubige Seele ist gleich einem Gemach, darin es hell ist, und darin ein Licht scheinet, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern Gott ist es, der ihn in uns anzündet, entweder in der heiligen Taufe, wenn der heilige Geist wird reichlich über uns ausgegoffen, oder durch das Wort Gottes, dadurch der Mensch anfangs eine Erkenntniß und Wissenschaft seines Heils erlanget, durch Gottes Kraft dem Wort Beifall gibt, es für eine göttliche Wahrheit in seinem Herzen hålt, sodann in fester Zuversicht Gott faffet, sich Jesum Christum und sein heiliges Verdienst zueignet, und nach diesem Wort zu glauben, zu leben und zu sterben sich mit Gott entschließet. Derowegen soll ein glaubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben und zur Erkenntniß Jesu Christi gebracht, und dadurch vor Juden, Türken und Heiden glücklich gemacht hat. 2) Er soll sich seines Taufbundes und der darin erlang. ten Herrlichkeit erinnern, und den mit Gott gemachten Bund nicht muthwillig übertre ten. 3) Er soll Gottes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und 253 Der gläubige Chrift bittet Gott mehr erleuchtet werden, und zu großerer Erkenntniß gelangen möge. 4) Was er höret und lieset, soll er in Uebung bringen, und seinen Glauben in den Werken zeigen. DaHero 5) es einem wahren Christen nicht soll genug seyn, zu sagen: Ich glaube, sondern er soll auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmuth und dergleichen, in seinem ganzen Leben hervorleuchten lassen. Er soll auch nicht etwa nur eine Zeit lang glauben, sondern im Glauben Gott getreu verbleiben bis in den Tod. So kann er sich auch getrösten, daß er werde den Lohn seines Glaubens davontragen, nåmlich der Seele Seligkeit. Geb 254 t. O du gnadenreicher Gott! welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntniß meines Heils gebracht hast. Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist Jesus Christus, mit seinem Verdienst, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nåmlich das Wort Gottes und die heiligen Sacramente. Dieses Alles weiß ich nicht nur, sondern gebe auch dem Allen Beifall, ja ich sehe darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht, und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben. Durch diesen Glauben und Erkenntniß bin ich unterschieden von unglau am Erhaltung des Glaubens. 255 bigen Juden, Türken und Heiden. Ach du gnadenreicher Gott! verleihe mir deinen heiligen Geist, daß er diese Erkenntniß in mir lebendig mache. Selig seyd ihr, so ihr es wisset, aber selig seyd ihr, wenn ihr es auch thut. Gib mir Kraft, daß mein Glaube nicht ein todter, unfruchtbarer Scheinglaube, sondern ein lebendiger Glaube werde. Weil ich Jesum Christum als meinen Heiland kenne, so will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben als die ganze Welt, ihm auch allein dienen, und nicht vollbringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böse Welt mich anreizet; außer ihm soll mir auf Erden Nichts sonst lieber werden. Erkenne ich die Mittel der Seligkeit, so will ich sie auch unter deinem Beistand zu meiner Seligkeit anwenden; dein Wort will ich andächtig hören und darnach leben; was das Wort verbietet, will ich fliehen und meiden, hingegen die Pflichten und Tugenden, die es mir anbefiehlt, in deiner Kraft durch des heiligen Geistes Beistand zu vollbringen trachten. Das heilige Abendmahl soll mich heiligen durch und durch; ich will es oft zur Stårkung meines Glaubens und zu meiner Seligkeit, als eine Speise der Heiligung, mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach mein Gott! vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und den Gehorsam, 256 Der glaubige Christ bittet um Erhaltung des Glaubens. daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottesfürchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ möge leben, und als ein wahrer und frommer Christ dermaleinst felig sterben. Herr, ich glaube, bilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht; du, du kannst mich stärker machen, wenn mich Sünd' und Tod anficht; deiner Gute will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen dich, Herr Jesu, nach dem Streit, in der süßen Ewigkeit. Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben zc. 1. Uch Herr! stårke meinen Glauben, Ach! mein Glaube wird gar schwach, Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hülf läßt finden, So will fast mein Glaub' verschwinden; Wo ist doch mein Herr und Gott? Sprech' ich jetzt in meiner Noth. 2. Wo sind seine Allmachtsproben, Wo ist seine Vaterhand, Welche Andre freudig loben? Bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet? Weiß er nicht, wie's um mich stehet? Ist mein Leiden ihm zu groß, Daß er mich läßt hülfelos? 3. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen! Ja, ich glaube festiglich, Daß du Alles wohl kannst machen, Drum so komm' und stårke mich. Herr! ich glaub', daß du noch lebest, Und stets um und bei mir schwebest, Daß dein Auge auf mich fieht, Ob die Hülfe schon verzieht. 4, Herr ich glaube, daß mich Armen Jesus auch erlöset hat, Daß er sich will mein erbarmen, Daß ich bin in deiner Gnad', Daß mein Jesus in den Leiden Nimmer werde von Der gläubige Chrift bittet um Demuth. mir scheiden; Nur mein Herz empfind't es nicht, Weil mir Stárk' und Trost gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde, Stärke mich doch fort und fort, Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus beinem Wort; Lehre mich dir fest vertrauen, Und auf die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir gibst, Ob du schon die Hülf' aufschiebst. 257 6, Ja, laß deinen Geist mich trdsten, Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Noth am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du doch an mich gedenkest, Und mir deine Hülfe schenkest, Wenn da kommt die Stund' und Zeit, Die zur Hülfe ist bereit. Der gläubige Christ bittet um Demuth. Aufmunterung. 1. Petri 5, V. 5. 6. Haltet fest an der Demuth, denn Gott widerstrebet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Unter den Sünden, dawider ein gläubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmuth des Herzens, welcher hernach in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur, nach dem Sündenfall, aber demüthig missen wir werden, durch die Gnade. Wer nicht demüthig wird, kann Gott nicht gefallen, und auch nicht Christi Jünger seyn. Wenn nun dieses ein gläubiger Christ erwäget, so bittet er Gott um ein demüthiges Herz. 1) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch! was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nåmlich Gottes Wort halten, Liebe 17 Der gläubige Christ bittet üben und demüthig seyn vor deinem Gott. Micha 6, V. 8. Er wird gegen Gott aber demüthig werden, wenn er bedenket Gottes Hohheit, Majestät und Herrlichkeit, wie ihn alle Engel und Seraphinen, Cherubinen und alle Auserwählte anbeten und preisen, und hingegen auch erwåget, wie er ein armer Wurm und Made, ja nichts als ein elender Mensch ist, den Gott in einem Augenblick verderben kann. Es wird ein gläubiger Christ demüthig werden 2) gegen den Nächsten, wenn er sich gering gegen ihn achtet, und gedenket, wie sein Nächster vielleicht viel frömmer, andächtiger, und daher Gott angenehmer sey, als er; wie er mit ihm habe Ein Wort, Eine Taufe, Ein heilig Abendmahl, Einen Himmel, ja daß er im Grabe, wie der årmste Bettler, wird verfaulen und zu Asche werden. Es wird ein gläubiger Christ auch demüthig werden 3) gegen sich selbst, wenn er erwåget, daß er Alles, was er hat, alle Gaben, Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen, nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm Alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Er stelle sich, damit er auf keinerlei Weise stolz werde, fleißig vor das Erempel des demüthigen Jesu, der sich unter Gott und alle Creaturen ernied258 um Demuth. rigte, und uns zurufet: Lernet von mir, ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig. e be t. 259 Großer, heiliger und barmherziger Gott! der du bist der Hohe und Erhabene, vor dessen Thron Cherubinen, Seraphinen und alle Auserwählte in Demuth ihr Untlig bedecken, ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigner Ehre und zum Hochmuth, mich über Alles zu erheben, geneigt bin. Gs. hat durch den Sundenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche ein Anfang aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oftmals vergesse, daß. ich Staub, Erde und Asche bin. Ach mein Gott! gib mir doch ein demüthiges Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und Alles habe, damit ich mich unter deine gewaltige Hand demůthigen, und nicht freventlich dich mit Worten, Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majeſtát erkennen, daß ich von mir Nichts habe, als Sünde, Tod und Berdammniß, was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches Alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit Nichts prange, sondern Alles als dein Geschenk und deine Gabe ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich über die Menge der Wohlthaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre 17* Der gläubige Chrift bittet Demuth in mein Herz, daß ich dir gehorche, dich fürchten, dich ehren, die dienen, dich anbeten und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demuth gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen haben, aber daß du auf die demüthigen Seelen dein Licht, deinen Trost, deine Gnade und Güte hast reichlich fließen lassen. Wende von mir ab hoffårtige Gedanken, gib daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewahre mich vor Ehrgeiz und Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächsten entspringet. Drücke in mein Herz das Bild meines demithigen Heilandes, der sich unter Engel und Menschen erniedriget hat, welcher auch mir zurufet: Lerne von mir, denn ich bin von Herzen demüthig; daß diese Stimme alle Augenblicke, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge. Ist mein Nachster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehret, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben und dazu berufen habest, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgonnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Ach, mein Gott! hilf, daß ich umkehre, und 200 um Demuth. 261 werde wie die Kinder, die Nichts von sich machen, daß ich Nichts in meinen Augen werde. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte; und von Niemanden Ehre begehre, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gib mir in wahrer Demuth des Herzens zu erkennen, daß Alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich Nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demuth in Friede und Einigkeit mit Jedermann zu leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demüthigen Jesu seyn, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmuth war des Satans Sünde; davor bewahre mich in Gnaden. Und so es dir ja gefallen sollte, mein Gott! mich in Spott und Verachtung fallen zu lassen, daß mich mein Feind schmähet, und der Verachter mich mit Füßen tritt, so gib mir Kraft und Stärke, daß ich Alles mit Demuth, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demüthigung und desto größern Behutſamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. Ach Herr! Herr! verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen måchtigen Beistand dieses Alles zu vollbringen. Selig sind, die Demuth haben, und sind allzeit arm im Geist, rühmen sich gar keiner Gaben, daß Gott werd' allein Der gläubige Christ bittet um Demuth. gepreist, danken dem auch für und für, denn das Himmelreich ist ihr; Gott wird dort zu Ehren sehen, die sich selbst gering hier scházzen. Amen. 262 Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben zc. 1. Demuth ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr', Denn sie zieret unsre Jugend, Und das Alter noch viel mehr; Pflegen sie nicht auch zu loben, Die zu großem Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld, Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe, Jesus war demüthig, Er erhob sich selbsten nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, Wie uns Gottes Wort bes richt't; Ja, man fand in seinem Leben Gar kein Prangen und Erheben; Drum spricht er zu mir und dir: Lernet Demuth doch von mir. 3. Wer der Demuth ist beslissen, Jst bei Jedermann beliebt, Wer da Nichts will seyn und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre gibt; Demuth hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen allen, Die auf Gottes Wegen geh'n, Und in Jesu Liebe steh'n. 4. Demuth machet nicht verächtlich, Wie die stolze Welt ausschreit, Wenn sie frech und unbedächtlich Die Demüthigen anspeit. Stolze můssen selbst gestehen, Wenn sie Fromme um sich sehen, Daß doch Demuth edler ist, Als ein frecher, stolzer Christ. 5. Demuth bringet großen Segen, Und erlanget Gottes Gnad', An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Seel' geschmüůcket, Und in seinem Thun beglücket; Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 6. Diese edle Demuthsgaben, So da sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Christ auch haben, Welcher sie von Herzen sucht; Wo der Glaub' wird angezündet, Da ist Demuth auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demuth, Lieb Kommt aus Gottes Geistes- Trieb. 203 Der glaubige Chrift bittet um Sanftmuth. 7. Ich will auch demüthig werden, Demuth macht das Herze rein, Es soll Demuth in Gebården, Demuth soll im Herzen seyn, Demuth gegen meine Freunde, Demuth gegen meine Feinde, Demuth gegen meinen Gott, Demuth auch in Kreuz und Spott. 8. Auf die Demuth folget Wonne, Gottes Gnad' hier in der Zeit, Und dort bei der Freudensonne Friede, Licht und Herrlichkeit; Da wird Demuth herrlich prangen, Und die Ehrenkron' erlangen; Was man hier gering geacht't, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der gläubige Christ bittet um Sanftmuth. Aufmunterung. 1. Petri 2, V. 21. 22. 23. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litt; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Wenn ein Mensch in seinem Christenthum und in seiner Bekehrung einen guten Anfang gemacht hat, daß er sich von außerlichen groben Sünden gereiniget, als da sind: Fluchen, Entheiligung des Sabbaths, Ueppigkeit, Leichtfertigkeit, Ungerechtigkeit, Spielen, Welt- Gesellschaften, so muß er bedacht seyn, auch das Inwendige zu reinigen, sonderlich von Stoly, Neid, Zorn, Haß und Rachgier, und sich mit Gebet der Sanftmuth befleißigen. Diese bestehet darin, 1) daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht wieder ſchelte, wenn man gescholten wird, nicht aus Haß, Zorn, Rachgier dem Nächsten drohe. Der gläubige Christ bittet 2) Ob wir sanftmüthig sind, und diese edle Tugend besigen, können wir nicht eher wissen, bis uns ein Feind angreift, der uns nach Ehre, Gut und Namen trachtet; denn wer da gleich im Zorn entbrennet, fluchet, schilt, drohet, bei dem wohnet der sanftmüthige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider die Sanftmuth, Schuß gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief, und sich in des Kaisers Schuß begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Ap. Gesch. 25, V. 11. 4) Es stehet wahren Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Thiere sich in Grimm und Bitterkeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drücket, will Gott eine Probe unsers Glaubens sehen, und uns zur Erkenntniß der vorhergegangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgepreffet haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmuth sind: im Herzen verzeihen, für die Feinde beten, Matth. 5, V. 44, ihnen Gutes wünschen, alles Gute thun, alles Gute gönnen, nicht alle Scheltworte hören, nicht Alles beantworten, und zur Versöhnung willig seyn. 204 Gebe t. Odu liebreicher Gott, der du die Liebe um Sanftmuth. selbst bist, und willst deine Liebe in unsere Herzen ausgießen durch den heiligen Geist, ach! ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oftmal gar widerspenstig und unbåndig ist. Es sollte in demselben Demuth, Liebe, Sanftmuth und Gelassenheit seyn, zur Zeit, wenn mich mein Feind drånget, verfolget und hasset; aber ach! ich finde leider! anstatt dieser christlichen und nothwendigen Tugenden Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wieder zu schelten den, der mich schilt, Böses zu vergelten dem, der mir Ünrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott! aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches thun, nicht sollen ins Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sey der Kinder Gottes und der wahren Christen Art, ach! so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, als welcher rachgierig, boshaft und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott! und gib mir deinen heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Erempel meines Jesu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Fein265 Der gläubige Christ bittet den drohete, daß er sich an ihnen künftig rächen wollte, da er litt, stellte aber vielmehr Alles dem heim, der da recht richtet. Ach! gib mir auch einen solchen stillen, sanftmüthigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalten, und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lassen, sondern, ehe es noch Nacht wird, ehe ich noch einschlafe, meinen Widersachern von Herzen verzeihen möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge seyn wie ein Tauber, der nicht höret, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut zur Zeit, wenn mich mein Feind schmähet. Hingegen gib Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl gehet, daß ich ihm alles Gute wünsche, gönne, ja ihm gerne helfe und wohl thue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Worten, noch Gebärden und Werken spüren lasse, sondern wie gegen Jedermann, also auch gegen meine Feinde, in dem Herzen sey mitleidig, mit Worten freundlich und aufrichtig, mit Gebården holdselig, auch mit Werken wohlthätig, damit durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert und all mein Gottesdienst und Andacht nicht verwerflich werde. Gib, daß ich von Herzen verzeihe und vergebe meinen Schuldigern, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Misse266 um Sanftmuth. thaten verzeihen sollst, daß ich nicht täglich wider mich selbst beten móge. Laß auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmüthigen verheißen hast. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besißen. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch deinen Geist die wider diese Tugend aufsteigende Lust, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleinst durch deine Gnade auch in die Heimath des Friedens verseßt werde. O Seele! schaue Jesum an, hier kannst du recht erkennen, was wahre Demuth heißen kann, und was wir Sanftmuth nennen; er stellet sich zum Muster dar; wie Jesus nun gesinnet war, so sey auch du gesinnet. Das Böse sucht' er alsobald mit Gutem zu vergelten; man hörte, wenn die Welt ihn schalt, ihn niemals wieder schelten. Er gibt es seinem Vater hin, so sanft ist deines Jesu Sinn; so sey auch dugesinnet. Amen. 267 í an g. Mel. Uch! was soll ich Sünder machen zc. 1. Sieh' doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott! ach! hdre doch! Großer Gott! du lebst ja noch! Sieh', wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit, Und mich fast aus 3orn anspeit. 2. Hdre, Herr, ach hdr' sein Schelten! Aber ach! verleih' mir Gnad', Daß ich niemals in der That, Noch mit Worten mog' vergelten, Was er wider mich ausübt, Und mich auf das Blut betrübt. Der gläubige Chrift erkennet 3. Gib, daß ich nicht wieder hasse, Daß ich schweige, wenn er schilt, Und für Gutes Bds vergilt, Daß ich in Geduld mich faffe, Und ertrage als ein Christ, Was dem Fleisch beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn mdge segnen, Wenn er mir auf's schlimmste flucht, Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mdg' begegnen Mit gelaff'nem stillem Muth, Ob er mir gleich Unrecht thut. 5. Lasse mich auf Jesum sehen, Der da gar nicht wieder schalt, Noch mit Bösem Bds vergalt, Und darinnen ihm nachgehen, Daß ich als ein Gotteskind Stets mit Sanftmuth überwind'. 268 6. Ach! laß deinen Geist mich stårken, Wenn mein Feind mir sebzet zu, Daß ich ihm da Gutes thu', Daß in meinen Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, 3ern, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhdren, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, du wollest ihn bekehren, Daß der werd' hinfort mein Freund, Welcher war mein årgster Feind. 8. Ach! du wollest ihm verzeihen, Was er wider mich gethan, Rechne doch es ihm nicht an! Und du woll'st uns Gnad' verleihen, Daß wir leben nach dem Streit Stets in Fried' und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben, Daß wir sterben als versöhnt, Und mit Deiner Gnad' gekrönt, Laß uns beid' den Himmel erben, zu der Lammeshochzeit geh'n, Und dein Antlig ewig seh'n. Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes. 2 ufmunterung. of Ein Sint Klagt. Jer. 3, V. 22. 23. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber die immerwährende Güte Gottes. währet in Ewigkeit, wie David im 136. Pf. denn seine Güte währet ewiglich, bei allen Versen wiederholet. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für es forget, es verpfleget und erziehet; so thut auch Gott an uns Menschen. Dieses erkennet nun ein glåubiger Christ, und zwar 1) daß es eine unverdiente Güte ist. Ach! das haben wir nicht um Gott verdienet; wollte er nach unserm Verdienst mit uns handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken. 2) Es ist eine uns nothwendige Güte; wäre Gott nicht so gutig und barmherzig, so můßten wir verschmachten und vergehen, und würden nicht einen Tag, ja nicht eine Stunde leben. Denn wie ohne die Luft keine Creatur leben kann, also können die Menschen auch nicht bestehen ohne die Güte Gottes. Ja, was das Meiste, es ist 3) eine immerwährende Güte; wenn ein gläubiger Christ sein ganzes Leben ansiehet, von seiner Geburt an, in seiner Kindheit, Jugend und den fortwachsenden Jahren, so ist es lauter Güte Gottes. Was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirket; was wir besigen im Leiblichen, das hat uns Gottes Gute gegeben. Ja, was noch mehr zu verwundern, es ist 4) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen; auch über sie låsset Gott seine Sonne 269 Der gläubige Christ erkennet scheinen, er gibt ihnen Nahrung und Kleidung; nur der Einwohnung des heiligen Geistes werden sie nicht theilhaftig, weil sie ihr Herz davor zuschließen. Ein gläubiger Christ låsset sich aber durch Gottes Gute auch zur Buße, zur Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er also auch derselben genießen wird bis in den Tod, ja in alle Ewigkeit. 270 e bet. Gott, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du trånkest fie mit Wollust als mit einem Strom. Nun, solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott! sie ist bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja alle Jahre neu gewesen. Deine Güte hat mich, da ich geboren war, wie eine Pflegmutter auf die Arme genommen und hat mich erzogen. Deine Güte hat mich in der Zugend an der Hand geführet, und aller Orten begleitet. Deine Gute hat in den erwachsenen Jahren mich versorget, erhalten, ernähret, und mir viel Gutes bescheret. Ja, deine Güte hat bis auf diesen Tag und diese Stunde, da ich vor dir stehe, über mir geschwebet, deine Leuchte hat über mir geschienen, und mich mit Segen, Gnade und Trost erfüllet. Diese deine. Gute hat mich oftmals bewahret vor Ungluck die immerwährende Güte Gottes. und Schaden, deine Güte und Treue hat mich alle Wege behütet, und ist mit mir aus- und eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren moge. Diese deine Güte hat auch meine Seele mit himmlischem Lichte ausgeschmücket, durch dein Wort mich erleuchtet, durch den heiligen Geist mich geheiliget, und zu deiner wahren, lebendigen Erkenntniß gebracht. Ach mein Gott! laß deine Güte ferner über mir walten, und verlaß mich nicht im Alter, wann ich grau werde; laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schooß, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich in Betrachtung der empfangenen Wohlthaten dir mein Herz zur Wohnung und meine Seele zum Eigenthum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit vielleicht fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wiederum auf den Weg der Buße und des Friedens, und laß mich deine Gnade genießen, hier zeitlich und dort ewig. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir, und lobe dich von Grund meiner Seele. Nicht allein lobe ich dich allhier, dieweil ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott, auch preisen dort in alle Ewigkeit. Drum, o meine Liebe, die ich oft betrübe hier 271 272 Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes. in dieser Welt, dir dankt mein Gemüthe wegen deiner Güte, die mich noch erhält, die mir oft, gar unverhofft, hat geholfen in den Klagen, Noth, Leid, Angst und Zagen. Amen. Gefa n g. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele! c. 1. Gottes Liebe, Gnad' und Güte Werden alle Morgen neu, Das erkennet mein Gemüthe, Und auch seine Batertreu'; Gott hat viel an mir gethan, Mehr als ich aussprechen kann, Ich hab' alle Tag' und Stunden Gottes Treu' und Güt' empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Leben, Nahrung, Segen, Wohlergeh'n Reichlich mir aus Gnad' gegeben, Sondern er låßt mich auch seh'n, Wie es seiner Güt' gefällt, Daß er Alles noch erhält; Ja, mit jedem frühen Morgen Hebt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Liebe Und die wahre Seelenfreud', Seines Geistes süße Triebe Zu der wahren Frömmigkeit, Trost, wenn mich ein Leiden quålt, Hülf', wenn mich ein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt' hab' ich erfahren In dem ganzen Lebenslauf, und in diesen spåten Jahren Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich Morgens früh aufsteh', Und des Abends schlafen geh', Låßt sie mir's an meiner Seelen Nie an etwas Gutem fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Hdchsten Dank erweisen In der frohen Ewigkeit. Ach, mein Gott! ich bitte dich, Lasse deiner Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd' die Augen schließen. 273 Der gläubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Auf mu n teru n g. 1. Joh. 3, V. 2. 3. Meine Lieben, wir sind nun Kinder Gottes, und ist noch nicht erschienen, was wir seyn werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich seyn werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein Jeglicher, der solche Hoffnung hat, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist. Ein jeglicher wahrer Christ soll dreierlei täglich, ja stundlich erwägen: wer er sey, nåmlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe, nämlich einen Vater, einen Wohlthäter und den allerbesten Freund; und was er von Gott noch zu gewarten habe, nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stårken, und Haß und Verachtung gegen die Welt und alles sündliche Leben erwecken. Denn 1) große Herrlichkeiten haben die Gläubigen schon hier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude der Seele, Ruhe in Gott; gegen diese Herrlichkeit ist Silber, Gold, Geld und auch eine königliche Krone für Nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeiten haben sie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gesellschaft der heiligen Engel 18 274 Der gläubige Christ erwäget und Auserwählten, die Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlseyn, und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein gläubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei vorfallenden Trubsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinst alles Leiden in ewiges Jauchzen verwandelt werden. Sonderlich aber soll er 4) diese Herrlichkeiten nicht verscherzen durch ein sündliches Weltleben, sondern gedenken, er sey zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibet er im Glauben und in der Lebens- Heiligkeit, siehet das Irdische an als etwas Vergängliches, das er verlassen muß, hingegen schicket er sein Herz oft dahin, wo er ewig wünscht zu seyn. Gebet. Wie gnådig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott! daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, da er gefallen war, wiederum eine große Herrlichkeit zugesaget hast Allen, welche da werden die Gnade annehmen und im Glauben und heis ligen Leben dem Trieb deines heiligen Geistes folgen! Denn solche wiedergeborene und geheiligte Seelen können sich trösten, sie ha ben in dieser Zeit schon eine große Herrlichkeit, nåmlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit Christi, die Einwohnung des hei die fünftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 275 ligen Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allezeit getrost in ihrem Gebet treten, und von der sie in Nöthen Hülfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere kommen nach dieser Zeit; denn wenn die Seele vom Leib geschieden ist, so soll sie sogleich gelangen zum Anschauen deines Angesichts, sie soll deinen Heiligen zugesellet und mit himmlischer Freude erfüllet werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen, da soll er verklåret werden und leuchten wie die Sonne. Ach mein Gott! verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichkeit möge allezeit vor Augen haben, wie ich im Sterben recht werde anfangen zu leben, wie im Tode mein Elend, nicht aber mein Leben in dir ein Ende nehmen werde, und daß ich alsdann aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Trübsal zur Freude, aus der Angst zur Bonne, aus der Traurigkeit und dem Jammerthal zum Troft gelangen soll. Ach! erhalte mich im Glauben und in der Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, gedenke, wer ich sey, nåmlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge lieb haben, und darüber des Himmels Herrlichkeit versäumen. Hilf, daß 18* 276 Der gläub. Christ erwäget die künft. Herrlichkeit d. Kind. Gottes. ich, wie die Läufer, so in den Schranken liefen, aufmerksam waren auf alle Tritte, damit sie das Kleinod erlangten, auch möge vorsichtig wandeln, und nicht als ein Unweifer, sondern als ein Weiser, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit fagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden von Würmern wird verzehrt, doch auferweckt soll werden, durch Christum neu verklärt, wird leuchten als die Sonne, und leben ohn' alle Noth, in himmlischer Freud' und Wonne; was schad't mir dann der Tod? Amen. Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott!* 1. Sieh! es ist alles mein, 3um Eigenthum gegeben, Was Gott nur ist und hat, Ja schon in diesem Leben Ist es schon Alles mein, Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Ueberfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, Weil seine Batertreue, Verpflegung, Lieb' und Schuß Wird alle Morgen neue. Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost In aller meiner Noth. 3. Und Jesus ist auch mein, Sollt' ich mich nicht erfreuen? Was darf ich Noth und Tod, Das Grab und Erde scheuen? Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ib. 277 Sein Blut, Gerechtigkeit und sein Verdienst ist mein, Soll ich deßwegen nicht Von Herzen fröhlich seyn? 4. Der heil'ge Geist ist mein, Denn der hat mich geschmücket Mit Glauben, Licht und Kraft, In ihm leb' ich beglücket In diesem Thránen- Thal; Mein Jesus schenket mir Dieß Pfand der Seligkeit Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erworben Mein Jesus, da er ist Am Kreuz für mich gestorben. Ich leb' nun oder sterb', So weiß ich wohl, wohin, Weil ich durch Jesu Blut Ein Himmelserbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schäßen Denn diese Schåbe sind's, Die mich allein ergößen; Ja selig bin ich schon In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab' Von jener Herrlichkeit. 7. Doch droben wird mein Heil In vollem Glanz anheben, In Frieden, Trost und Ruh', In jenem Freudenteben, Da werd' ich herrlich seyn, In froher Himmelspracht, Und werd' da ewig seyn, Wohin ich stets gedacht. Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. 2 u f munterung. Psalm 51, 2. 3. 4. Gott, fey mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meiner Sünde. Einen gnädigen Gott zu haben, ist wohl der seligste Stand eines Christen. Zwar meinet die Welt, Reichthum haben, geehrt seyn, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glückseligkeit; aber sie betrüget sich, das Alles muß vergehen, und bringet oftmals ein böses Gewissen, schwere Berantwortung und einen unseligen Zod. Gläubige Christen un Der gläubige Chrift beichtet tersuchen derhalben 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn sie zur Beichte gehen, so denken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben; sie bereuen sie, sie trauern darüber, und nehmen ihre Zuflucht zu der Barmherzigkeit Gottes und zu den blutigen Wunden Jesu, und flehen demüthig um Gnade. Hat Gott ihnen mun Vergebung der Sünden durch den Mund seines Dieners widerfahren lassen, so trösten sie fich dessen, trachten aber 3) einen gnådigen Gott zu behalten, indem sie sich von dem heiligen Geist regieren lassen; sie befleißigen sich eines christlichen Lebens, und beweisen solches auch in Neden, Worten und Werken, fliehen die Laster und vorigen sündlichen Gewohnheiten; alsdann wissen sie, daß sie im Leben und Sterben einen gnådigen Gott haben werden. Gebe t. Heiliger, dreieiniger Gott, Bater, Sohn und heiliger Geist! ich armer Sünder komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich herzlich und demüthig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach, mein Gott! ich erkenne, daß ich dich leider! vielfältig erzürnet habe mit vielen bösen Gedanken, Vorten und Werken. Herr, Herr, das betrübet mich, und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum 278 und bittet Gott seine Sünden ab. 279 Schäflein deiner Weide und zum Glied an deinem Leibe, darum ich deine Stimme allein hören und dir gehorsamen sollte. Ja ich sollte als dein Eigenthum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach! was soll ich sagen? ich habe mehr die Stimme der Welt und meines Fleisches, als deine Stimme gehöret, und habe vielfältig gethan, was dir zuwider ist. Oder Blindheit meines Herzens! Ö der Thorheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wider mich, und meiner Sünden sind mehr, als des Sandes am Meere. Ach! nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich. Ach, mein Vater! rechne mir nicht zu, was ich Zeit meines Lebens Böses gethan, sondern rechne mir zu, was Jesus Christus, mein Heiland, für mich gethan; ich ergreife sein für mich vergossenes Blut in wahrem Glauben, ich eigne sein Verdienst mir zu, und spreche: Ach! um Jesu willen sey mir armen Sünder gnädig. Ich will hinfort ein neues und frommes Leben anfangen, und wider dich, o dreieiniger Gott! nicht mehr muthwillig und vorsäßlich sündigen. O Jesu voller Gnad'! auf dein Gebot und Rath kommt mein betrübt Gemüthe zu deiner gro Der gläubige Christ beichtet ßen Güte; laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch' ab. all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr'r nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke. Amen. 280 Gefang. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ach! geh' nicht in's Gericht Mit deinem armen Kinde, Ach, Bater! schone doch, Hilf, daß ich Gnade finde; Hab' ich gesündiget Und Uebels oft gethan, Uch! ach! nimm doch dein Kind In Gnaden wieder an. 2. Ich beuge meine Knie', Und meine Augen weinen, Daß ich so gar befleckt Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach Vater! sieh nicht an Die große Missethat, Ach! ich verhehl' sie nicht, Ich bitte dich um Gnad'. 3. O wehe! daß ich hab', O Bater! dein vergessen, Und bei der Sünder Schwarm Mit Lust und Freud' gesessen; O wehe! daß die Sünd' Mich hat ganz blind gemacht, Und dadurch meine Seel' In diesen Stand gebracht. 4. Ach! laß in Jesu Blut Mich Gnade, Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm, Durch ihn getilgt, verschwinden; Schau' mich in Jesu an, Und schenk' mir deine Huld, Vergib mir meine Sünd', Erlaß mir alle Schuld. 5. O werther guter Geist! Der du mir Kraft gegeben Zur Buß' und Besserung, Ach! and're ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott dien' nun immerdar, Wie ich ein Sundenknecht Mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad' Der Sündenlust absterben, Ich will durch Jesu Blut Die Seligkeit ererben. So lang' der Athem noch Bei mir geht aus und ein, So lang' soll Herz und Geist Nur dir gewidmet seyn. und bittet Gott seine Sünden ab. Ein anderes Beichtgebet. Herr, allwissender Gott! vor dem Nichts verborgen ist, du fiehest Alles, was wir Menschen thun, und hörest, was wir reden. Ach! ach! wenn ich daran gedenke, so muß ich mich schämen, daß ich so viel Böses geredet, gedacht und begangen habe. Ach! wie viel Bôses hast du von mir bisher gehöret und gesehen, darum du wohl Ursache hättest, mich als ein ungehorsames Kind ewiglich zu verstoßen und gar in die Hölle zu stürzen! Aber fiche! ich komme in der Gnadenzeit, ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, und spreche: Gott sey mir Sünder gnädig. Ach! strafe mich nicht in deinem Grimm, wie ich es wohl verdienet habe. Gedenke nicht der Sunden meiner Jugend und meiner Uebertretung, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ja, um Jesu Blutes und Todes willen, erbarme dich über mich. Herr! Herr! gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, du wirst nicht ewiglich zürnen, sondern dich meiner wieder in Gnaden erbarmen. Ach! handle nicht mit mir nach meinen Sünden, und vergilt mir nicht nach meiner Missethat. Ach Gott! du bast gesagt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ach! erbarme dich auch über mich, erzürnter Gott! siehe mich nicht an in meinen Sünden, 281 282 Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. sondern siehe mich an in Jesu, deinem Sohn, meinem einzigen Heiland, Mittler und Seligmacher! Um seines vergoffenen Blutes willen erbarme dich über mich! um seiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich! um seiner vollgültigen Gerechtigkeit willen, die ich im wahren Glauben ergreife, erbarme dich über mich! Laß mich den Trost in meinem Herzen empfinden, mir seyen meine Sünden vergeben, ich sey durch Jeſum, meinen Heiland, mit dir versöhnet. Ich will durch deines heiligen Geistes Kraft mein Leben åndern, mir deine allerheiligste Gegenwart vorstellen, und denken: Ich geh', steh', und was ich immer thu', so stehest du da, und siehst mir zu. Laß solche Gedanken nimmer aus meinem Herzen kommen. Ich komme jegt zu dir allhier in meiner Noth geschritten, und will dich mit gebeugtem Knie von ganzem Herzen bitten, vergib mir doch genådiglich, was ich mein' Tage wider dich auf Erden hab' begangen. O Herr, mein Gott! vergib mir's doch, um deines Namens willen, und thu' in mir das schwere Joch der Uebertretung stillen, daß sich mein Herz zufrieden geb', und dir hinfort zu Ehren leb', in kindlichem Gehorsam. Amen. Gesan g. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir aufwacht? Uch! ach! was hab' ich doch begangen, Daß Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heil. Abendmahls. 283 ich hab' meinen Gott veracht't? Gerechter Gott, verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir ins Gericht! 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg der Seligkeit; Ich hab' mich aber nicht bekehret In meiner großen Sicherheit. Gerechter Gott, verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir ins Gericht! 3. Erzurnter Gott! verzeih' mir Armen, Verzeih' mir meine schwere Schuld; Ach! schenke mir durch dein Erbarmen, Um Jesu willen, Gnad' und Huld. Gerechter Gott, verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir ins Gericht! 4. Ich fliehe hin zu Jesu Wunden, Als welcher mich erldset hat; Wo alle Sünder Gnad' gefunden, Da hoff' und such' ich auch Genad'. Gerechter Gott, verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir ins Gericht! 5. Ich åndre nun mein bdses Leben, und fang' ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott, ergeben, Und nicht mehr thun, was ich gethan. Gerechter Gott, verstoß' mich nicht, Ach! geh' nicht mit mir ins Gericht! Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 2 ufmunter un g. 1. Cor. 11, V. 26. So oft ihr von diesem Brod esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Unter andere Stärkungen des Glaubens, der Liebe gegen Gott und den Nächsten, gehöret auch das heilige Abendmahl, als in welchem sich Jesus will mit unsern Seelen vereinigen, darin wohnen, dieselben regieren, heiligen und in der Frömmigkeit erhalten bis ans Ende. Dieses heilige Abendmahl 284 Der gläubige Christ betet 1) verachtet und versäumt ein gläubiger Christ nicht, wie die Weltkinder pflegen, welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Rachgier, Hochmuth und Wohlleben so zerstreuet sind, daß sie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) Es gehet ein glâubiger Christ auch nicht aus Gewohnheit zum heiligen Abendmahl, sondern er kommet dazu mit einem demuthigen, andachtigen und glaubigen Herzen, welches da ist voll guten Vorsages, in der Liebe Jesu und in Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahl sich seinem Gott ganz ergebe, kraft dieser Seelenspeise alle Tage frommer, andächtiger und eifriger werde in seinem Christenthum und in der Ausübung christlicher Tugenden, ja seinem Gott im Glauben und in der Frömmigkeit treu verbleibe bis in den Tod. Sebet. Mein Jesu! wie kann ich genugsam deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod gegeben, sondern daß du mir auch deinen heiligen Leib und dein theures Blut zu einer Seelenspeise in dem heiligen Abendmahl verordnet hast? O Liebe! dein Tod bringet mir das Leben, und dein Leib und Blut stårket und erquicket mich zum ewigen Leben. Dadurch bleibe ich bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 285 in dir und du in mir, du lebest in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke; daher kann mich meine Sünde nicht schrekken, und Satan kann mich nicht verdammen, denn in deinem Gnadenmahl empfange ich das Lösegeld für meine Sünde. Hier empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin gegeben, hier empfange ich das Blut, das für mich ist vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilget worden. So gewiß ich nun dasselbe empfange, so gewiß bin ich mit Gott versöhnet, und habe Vergebung aller meiner Sünden. Du haft in der heiligen Taufe, als in dem ersten Sakrament, ſo ich empfangen, mir den heiligen Geist zum Pfand, und das neue Leben gegeben, dadurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. In dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sakrament, gibst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, dadurch du das geistliche Leben in mir willst erhalten und stårken. Ach mein Gott! heilige meine Seele, stårke meinen Glauben, reinige mein Herz, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Gib, daß meine Gedanken allezeit mögen bei dir seyn; vertreibe aus meinem Herzen alle sündliche Einfälle und Begierden und Alles, was mich in meiner An Der gläubige Christ betet dacht hindern kann, damit du in mir beharren könnest, und ich in dir seyn und bleiben möge in alle Ewigkeit. Jesu, wahres Brod des Lebens, hilf, daß ich ja nicht vergebens, oder mir vielleicht zum Schaden komm' zu deinem Mahl der Gnaden. Laß mich durch dieß Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie hier auf Erden, mög' ein Gast im Himmel werden. Amen. 286 Gesang. mel. Ullein Gott in der Höh' sey Ehr'. 1. O Jesu! meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab' vor deinem Angesicht Dein Liebesmah empfangen; Ach! wohne doch hinfort in mir, Damit ich möge stets vor dir In wahrem Glauben prangen. 2. O Liebe! die du mich so liebst, Und schenkst mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise gibst, Ach! daß ich ewig bliebe Mit dir, o Lebenslicht, vereint, Und durch dein theures Blut gereint, Daß mich Nichts von dir treibe! 3. Der Vater hat mir heut geschenkt Den Frieden unsrer Seelen; Ich bin gespeiset und getrånkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in Jefu bin, So ist die Sündenangst dahin, Und kann mich nicht mehr quälen. 4. Mein Jesus hat mein Herz erfüllt Mit seiner süßen Freude; Mein Hunger ist durch ihn gestillt Auf dieser Seelenweide. Dein Leib, o Jesu! und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der heil'ge Geist gibt mir dabei Den Trost, der mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sey, Dieweil der Bund erneuet; Ja, daß ich bin ein Gotteskind, Das bei Gott Trost und Gnade find't, Das kein' Ungnad' mehr scheuet. 6. Gott Lob! der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb' und Gnad' Mir Armen zu 287 bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. erweisen; Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit, Mit stetem Lobe preisen. Ein anderes Gebet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. O Jesu! da ich anjego dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut in die Welt gekommen bist, daß du mich möchtest zum Erben des ewigen Lebens machen. Ich denke an deine Marter, Pein und Wunden, wodurch meine Sünden und Strafen sind von mir genommen und deine Gerechtigkeit mir ist geschenket worden. Ich denke an deinen Tod und an deine Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit ist mitgetheilet worden. Ich weiß, o Jesu! um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und die Himmelsfreude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu! bin, und du in mir bleibest. Ach! so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe und regiere darinnen, laß mich dein Eigenthum seyn in Zeit und Ewigkeit. Dein heiliger Leib speise mich, dein heiliges Blut trånke und erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schaß nimmermehr wieder verliere, sondern daß du, mein Jefu, hinfort in mir leben, regieren und wohnen mö 288 Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heil. Abendmahls. gest. Mußte dorten das Manna in ein rein Gefäß geleget werden, ach! so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses Seelenpfand würdig empfangen und beståndig zu meines Glaubens Stärkung, meines Lebens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O werther heiliger Geist! erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wiederum muthwillig sündige und aus der Gnade falle, damit das Lette mit mir nicht ärger werde, denn das Erste; sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in der Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit, möge davontragen. Jesus sey mein Speis' und Trank, Jesus sey mein Lobgesang, Jesus sey mein ganzes All, Jesus sey mein Freudenschall. Endlich laß, o höchstes Gut, Jesu! laß dein theures Blut, deine Wunden, deine Pein, meinen Trost im Tode seyn. Amen. Gefa n g. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c. 1. Mein Jesu, sey gepreiset, Daß du mich hast gespeiset Mit dieser Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seele Leben, Ist mir jetund gegeben, Dein Blut hab' ich genossen, Das du für mich vergossen. Der gläubige Chrift bittet, Gott wolle ihm Kraft geben. 289 3. Weil Jesus zu mir kommen, Und mein Herz eingenommen, So ist er nun der meine, Und ich bin auch der seine. 4. In Jesu bin ich fröhlich, In Jesu bin ich selig; Er wird mir Gnad' erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein Jesu! Seel' und Leben Will ich dir ganz ergeben, Ach! mach's mit mir in Allen Nach deinem Wohlgefallen. 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht verlassen; Es soll kein Kreuz und Leiden Mich nun von Jesu scheiden. 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich, deinen Erben, Hinauf zur Freud' und Wonne, Wo du bist Licht und Sonne. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunter un g. Röm. 6, V. 12. 13. Lasset die Sünde nicht herrschen in euerm sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten. Ach! begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die aus den Todten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Uebertretung des göttlichen Gesetzes; ſie ist das Unrecht. Nun aber will ein glaubiger Christ nicht gern von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten und Unrecht thun, sondern sein Verlangen ist, daß Jesus in ihm lebe, und daß der heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit ſo vollkommen ins Werk richten kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf bestehet darin: 1) Der gläubige Christ weiß, 19 Der gläubige Christ bittet, daß, wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde, nåmlich mit Vorsaß und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wissentlich und vorsäßlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er wollte auch gern sein ganzes Herz mit Seele, Geist und Leben seinem Gott heiligen, hingeben und weihen, so bekümmert ihn oft ein einziges sündliches Wort, das er geredet, es betrübet ihn ein aufsteigender, böser, sündlicher Gedanke, und so er in der That Gott oder den Nächsten beleidiget hat, ſo seufzet er darüber. In diesem Kampf 3) nimmt er seine Zuflucht zu Jesu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen, die Sünde und Welt überwinden. 4) Soll er nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine aufsteigenden Lüste und Gedanken desto mehr Acht haben, auch die Orte und Personen meiden, dadurch er in Sünden, kann gestürzt werden. So kann er auch 5) versichert seyn, weil er in einer heiligen Verfaffung stehet, und Verlangen hat, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; Jesus werde feine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja das herzliche Verlangen ihm lasfen wohlgefallen. 290 291 Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Gebe t. Starker und allmächtiger Gott! der du Alles weißt, was in dem Menschen ist, ach! du siehest, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde; ich wollte gern von Herzen fromm seyn und bleiben, dich nicht mehr erzurnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen allein vollbringen; aber ich fühle ein ander Geseß in meinen Gliedern, das da widerstrebet dem Geset in meinem Gemüthe. Wenn ich meine, ich stünde nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oftmals erfahren, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigner Wille, eigne Ehre, Neid und Widerwillen gegen den Nächsten zeigen, daß sündliche Gedanken sich in meinem Herzen einfinden, ja, daß ich fündige mit unbedachtsamen Worten und unanständigen Werken. Ach! ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin; reinige du mich, Herr, so werde ich rein. Ich erkenne in deinem Licht und durch deine Gnade, daß Sünde thun ein großes Uebel, mein Verderben und meine Plage sey, wovon ich gern frei werden wollte, daher ich dawider in deiner Kraft kampfe, und doch zuweilen überwunden werde. Allein eben dieser elende Zustand betrübet mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine From19* Der gläubige Christ bittet, migkeit keinen Bestand hat? Du siehest ja, mein Gott, wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräften; darum komme ich zu dir, und bitte dich, gib mir Kraft, der Sünde zu widerstreben; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen, und mein Herz veinigen, laß ihn mich erinnern, wenn ich zornig, rachgierig, hochmuthig werden will, daß er mir alsdann zurufe und spreche: Denke, du bist ein Christ, denke, du bist ein Kind Gottes, oder willst ein Kind Gottes seyn; damit ich möge sanftmüthig, demüthig und fromm werden. Herr, du hast mir das Wollen gegeben, gib mir auch das Vollbringen. Stärke mich an dem inwendigen Menschen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablegen und über sie herrschen möge. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. Nun, ich vermag Alles durch den, der mich mächtig machet, Christus! Ach! hilf mir, mein Gott! und gib, daß ich sey von Herzen fromm, damit mein ganzes Christenthum aufrichtig und rechtschaffen sey, nicht Augendienst und Heuchelei. Amen. 292 Gefa n g. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich leb' noch in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen Was auf's höchste 293 Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. mir mißfällt, Nämlich Frechheit, Hoffahrt, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu', Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich hassen Durch des heil'gen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft't; Gott will ich mein Herz ergeben, und in ihm beståndig leben, Mein Herz soll sein eigen seyn, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd' ich zwar wohl müssen bleiben In der Welt noch sine Zeit, So will ich doch nicht mittreiben Ihre Weis und Sündenfreud'; Ich will immer seyn beflissen, Daß ich hab' ein gut Gewissen, Daß es hier bleibt unbefleckt, Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet Jesus ein; Was von Welt geleeret stehet, Wird mit Gott erfüllet feyn; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel' doch himmlisch werden; So ist meinem Leben wohl, Und die Seel' ist freudenvoll. 5. Ach, mein Gott! verleih' aus Gnaden, Daß ich ja geh' aus bei Zeit, Damit ich nicht leide Schaden An der Seele Seligkeit; Wer der Welt Gewohnheit liebet, Und den Ausgang stets aufschiebet, Den erhascht zuletzt der Tod, Und er stirbt dann ohne Gott. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, Sondre du mich felbsten ab, Eh' der Tod mich heißet ziehen Aus dem Leben in das Grab; Ja, ich will der Welt absterben, Und entgehen dem Verderben, So komm' ich in's Himmelszelt, Wenn ich ausgeh' aus der Welt. 294 Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. 2ufmunterung. Róm. 12, V. 1. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey; welches sey euer vernünftiger Gottesdienst. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes sind. Dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst, und Alles, was wir haben, Gott auch wiederum aufopfern. Die Opfer des Alten Testaments, daran Gott sollte einen Wohlgefallen haben, mußten 1) freiwillige Opfer seyn. Der Mensch muß nicht in der Welt fromm leben aus Furcht vor der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist sein Opfer ein gezwungenes Opfer; ja wenn auch keine Hölle wäre, so wird ein wahrer Christ doch aus Liebe sich Gott zum Eigenthum ergeben. 2) Die Opfer mußten Gott ganz, mit Kopf, Eingeweiden und Schenkeln, und nicht halb gebracht werden; derhalben sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften ihn lieben und uns ihm ergeben; ein halbes, getheiltes Herz und Opfer verwirft Gott. 3) Die Opfer mußten unbefleckt seyn, darum man kein Lahmes und Blindes Gott bringen durfte. Der gläubige Chrift will sich Gott zum Opfer geben. 295 Wir sollen uns deßwegen húten, daß wir die Seele und den Leib nicht beflecken; denn eine mit Sünden und Schandthaten verunreinigte Seele mag Gott nicht in seine heiligen Hände und in seinen Himmel aufnehmen. 4) Gott hat sonderlich ein Belieben getragen an Opfern, welche noch jung waren, an jährigen, zweijährigen Lammern, uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht sollen warten bis in das hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in blühender Jugend, Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht wieder austauschen oder wegnehmen; so soll auch ein Christ in seinem guten Vorhaben, sich Gott zum Eigenthum zu übergeben, beståndig seyn. Gebe t. Herr! Herr Gott! der du deinem Volk Ifrael befohlen, dir tåglich Opfer zu bringen, welche dir mußten ganz geheiliget und übergeben werden, siehe, ich bringe dir mein gläubiges und bußfertiges Herz, das wirst du nicht verachten. Du hast mich, o himmlischer Vater! erschaffen, daß ich soll seyn dein Eigenthum. Du hast mich, o liebster Jesu! erlöset mit deinem Blut, daß ich in deinem Reich soll leben, und dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Du hast mich, o werther heiliger Geist! geheiliget, daß ich soll seyn Der gläubige Christ will sich deine Wohnung, und daß Christus in mir lebe. O! darum will ich mich dir auch wieder ganz und gar aufopfern und ergeben. Ich opfere dir auf meinen Willen; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir auf meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen, und ihn niemals mehr zu schandbaren Worten und Narrentheidung mißbrauchen. Ich opfere dir auf mein Herz, das erfülle mit einem lebendigen Glauben, mit deiner Gnade, mit deiner Liebe, mit einer wahren Frommigkeit. Mußte von allen Opfern dir das Fett sonderlich geopfert werden, ja würde ohne dasselbe kein Opfer dir angenehm gewesen seyn, so laß dir auch meine Gabe gefallen. Ist solche ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach! so wasche es mit dem Blute Jesu Chrifti, welches ich in wahrem Glauben annehme; reinige du es selbst durch deinen heiligen Geist, heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regierest und herrschest. Sch opfere dir auf mein Leben; das will ich nach deinem heiligen Wort und nach dem guten Trieb des heiligen Geistes führen. Ich opfere dir auf meine Glieder; hilf, daß sie mögen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie dir mögen ge296 297 Gott zum Opfer geben. heiliget bleiben. Wie das Geopferte mit Niemand mehr Gemeinschaft haben durfte, so will ich mich auch gerne von der Welt absondern und von ihrer Gesellschaft wegbleiben. Ja ich will mich dir aufopfern, dieweil ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette; denn da möchte es etwa zu spåt seyn. Ach Herr! der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend, haft Opfer angenommen, siehe auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich dir es etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe, habe ich die Morgen- und Jugendzeit versäumet, so wirst du doch deßwegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe dir es im Glauben, wie Abel; ach! schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit! Ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigenthum verbleiben. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, Niemand kann uns scheiden; ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben; du bist mein, weil ich dich fasse, und dich nicht, o mein Licht! aus dem Herzen lasse; laß mich, laß mich hingelangen, wo du mich, und ich dich, lieblich werd' umfangen. Amen. Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen, Und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 2. Gib, daß ich Jesu Blut und Wunden Ergreif in wahrer Zuversicht, Und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß verlischt mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 3. Und daß ich mog' die Sünde meiden Bei jeglicher Gelegenheit, Und Alles, was da mich kann scheiden Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wieder mein Gewissen handle, Und nicht versäum' die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb' auf Erd', Daß ich hier fromm, dort selig werd'. 5. So kann ich endlich selig sterben, Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hier schon im Vorschmack hab'. Hilf', daß ich also leb' auf Erd', daß ich hier fromm, dort selig werd'. 298 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Psalm 37, V. 37. Aufmunterung. Bleibe fromm, und halte dich recht, denn solchen wird's zuleht wohl gehen. Nächst dem Glauben ist die Frömmigkeit eine der herrlichsten Tugenden, nicht allein weil sie eine Frucht des Glaubens ist, sondern auch weil sie des Menschen Seele, Leib und Ehre vor Sünden und Schanden bewahret. Dieſe Tugend ist eine Zierrath der Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Jugend, und stehet dem Alter auch wohl an. Gott selbst ermahnet den in die Fremde reisenden Abraham dazu: Wandele vor mir und sey fromm, Genes. 17, B. 1. Zur Frömmigkeit aber ist nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn die findet man auch bei den Heiden; sondern sie muß entstehen aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes und aus dem innern Grund der Seele. 2) Zu solcher Frömmigkeit gehöret nicht allein die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott und den Nächsten, sondern auch eine Unstråflichkeit im Leben, daß man sich unanståndiger- Neden und unchristlicher Werke enthalte; denn wo sich diese noch bei einem Menschen finden, da kann man nicht sagen, daß er fromm sey. 3) Diese Frömmigkeit soll auch beständig seyn bis ans Ende. Es ist nicht genug, zwei oder drei Tage fromm seyn, wenn man will zum heiligen Abendmahl gehen, sondern hier muß Hiobs Entschluß gelten: Bis mein Ende kommt, will ich nicht mehr weichen von meiner Frömmigkeit, Hiob 27, V. 5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirkt wird, so hat sie auch die herrlichsten und schönsten Verheißungen, nämlich dieſes und des zukünftigen Lebens. 299 e b e t. Heiliger Gott! ach! ich weiß fast nicht, ob 800 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und mein sündliches Wesen bedenke. Du rufest auch mir zu: Wandele vor mir und sey fromm, und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja, bleibe fromm, und halte dich recht, denn solchen wird's zuleht wohl gehen. Aber ach! meine Frömmigkeit ist leider! noch nicht weit gekommen; ich bin leider! in die Welt, in das Weltwesen, in die Weltgewohnheiten, Welteitelkeiten bisher geflochten gewesen; wo aber die Welt eingehet, da gehet Christus aus, und wo die Weltliebe sich befindet, da höret die Frömmigkeit auf. Weil ich aber in solchem verderbten Zustande dir nicht gefallen kann, indem nur die Gläubigen und Frommen dir angenehm sind, ach! so gib mir ein frommes Herz. Hilf, daß ich fey von Herzen fromm, damit mein ganzes Christenthum aufrichtig und rechtschaffen sey, nicht Augendienst und Heuchelei. Verleihe mir Gnade, daß ich mich möge einer wahren Frömmigkeit befleißigen, nicht etwa nur zum Schein und äußerlich, sondern daß meine Frömmigkeit moge im Herzen anfangen, daß ich dich über Alles liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe, ja daß ich allezeit, wie ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen siehet, ob sie es auch erlauben, so auch möge erst in Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 301 dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Christen anstehe. Ist so mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede; ja meine Werke und Thaten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein Gott! ich habe diesen Entschluß in deinem Namen gefasset, gib mir dazu Gnade, Kraft, Stárke und Barmherzigkeit. Habe ich in den verflossenen Jahren nicht nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Christi willen. Was ich aus Unverstand oder Blindheit verfáumet, will ich nun mit desto größerem Eifer ersetzen, und in Zukunft nicht nach der Menschen Lüsten, sondern nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott, von Herzen und im ganzen Leben fromm werden und fromm bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinst auch selig sterben könne. Dazu gib mir deines heiligen Geistes Kraft von oben herab, um Jesu Christi willen. Gib mir ein frommes Herz, du Geber aller Gaben, das soll mein Reichthum seyn, den ich begehr' zu haben, das soll seyn meine Zierd', mein Ruhm und schönste Pracht, denn fromm seyn wird bei Gott und Engeln hoch geacht't. Amen. Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Gefan g. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden Soll künftighin darin besteh'n, Daß ich von Herzen fromm mög' werden, Und auf den Himmelswegen geh'n; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 302 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde, Fst dieses nicht ein großes Glück? Drum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Haffe, Neid und Tück'; Denn Gott weiß wohl, was sie anficht, Der treue Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrůcket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie heraus gerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit; Ihr Trauern wird in Freud' verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Der Zutritt stehet ihnen frei; Nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei; Gott weichet von den Frommen nicht, Der Herr ist selbst ihr Heil und Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Trost und Freud', Sie werden großen Segen finden Nach ausgestand'nem Herzeleid; Gott wirft in's Feuer solche Ruth', Die seinen Kindern wehe thut. 6. Die Frommen können sich getrösten, Daß keine Noth sie stürzen wird; Ist gleich die Noth am allergrößten, So bleibt doch Gott ihr Schuß und Hirt; O Schäflein! habe guten Muth, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann, Drum wissen sie sich wohl zu fassen, Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: Nun ist das Unglück da, So sprechen sie: Und. Gott ist nah. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, 213 welcher ihrer sich annimmt; Ihr Seufzen ist ihm unverborgen, Drum hat er schon die Stund' bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt, Und sie mit Trost und Freud' erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf Der gläubige Christ bittet um ein unverlegtes Gewissen. 308 Jesum Christ, Sie werden Kron' und Himmel erben, Der ihnen långst bereitet ist; Sie sind schon felig in der Zeit, Und kommen dort zur Herrlichkeit. Der gläubige Christ bittet um ein unverlettes Gewissen. Aufmunterung. 2. Cor. 1, V. 12. Unser Ruhm ist ber, námlich das Zeugniß- unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. Die meisten Menschen tragen Sorge für ihren Leib, denselben gesund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; aber ach! daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten! Das Gewissen ist 1) gleich dem Auge, welches kein Stäublein leiden kann; es ist eines bösen Menschen Anklåger, Zeuge und Nichter; ja das Andenken der Sünde bleibet im Gewissen, wie Narben im Gesicht. 2) Um jungsten Tage werden Gott und das Gewissen die Zeugen seyn, dawider man Nichts wird einwenden können, derhalben auch das Gericht bald wird geschehen seyn, weil man diesen beiden Zeugen nicht widersprechen kann. Ein glaubiger Christ wird ein unverlegtes Gewiſsen behalten, 3) wenn er fleißig Gottes Wort höret und lieset, und darnach sein Le 304 Der gläubige Christ bittet ben einrichtet, und in Allem, was er sich vornimmt zu reden und zu thun, gedenket, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Worte erlaubet; wenn er ferner 4) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet; denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgehet, leicht gebrannt oder geneßt wird, also wird das Gewissen bei gewissenlosen Leuten leichtlich verlehet. 5) Sonderlich wird das Gewissen bewahret durch ein andachtiges, eifriges Gebet und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen Gottes, als vor dessen Augen wir immer wandeln. Gebet. Herr, mein Gott! wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest! Du gibst uns Leben und Gesundheit, und lässest es uns wohl ergehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach mein Gott! dieses Alles sind deine Geschenke und Gaben; aber sie werden uns wie ein bitterer Wermuth werden, wenn in dem gesunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein rein und unverlegt Gewissen ist. Darum, o mein Gott! erbarme dich über mich, und erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verlege. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn in dasselbe nur das geringste Staublein kömmt, so ist es unruhig, es thránet, es wird roth, und man kann es nicht recht aufthun; so ge um ein unverletztes Gewissen. het es auch mit dem Gewissen: hat man wider daffelbe Etwas vollbracht, so wir des unruhig, es verklaget, verdammet, und wenn es recht aufwacht, so getrauet man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach mein Gott! ich möchte gern eine unverlegte Seele und ein rein Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o! darum regiere mich durch deinen heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach! wie ist ein gut Gewissen ein so edles Kleinod und sanftes Kissen! Wer will mich verklagen, wenn mich mein Gewissen losspricht? Denn so uns unser Herz nicht verdammet, so haben wir Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Wer kann mich betrüben, wenn mich mein Gewissen erfreuet? Wer kann mich ångsten und Frånken, wenn mich mein Gewissen tröstet und aufrichtet? O mein Gott! laß mich diesen Schaß wohl bewahren. Hilf mir, daß ich niemals Etwas reden möge, das mir eine Gewissensangst verursachen könne. Hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden, oder in eine böse That einwillige, dadurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben oder auf dem Todbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken könnte. Ach! bewahre mich vor dem Beißen des Gewissens und vor 20 305 Der gläubige Chrift bittet Gewissensangst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich aller Orten christlich und behutsam aufführe. Gib, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart, vor dir Bdses zu thun mich scheue, und gedenke, du seyst ein Herzenskündiger, als vor welchem Nichts verborgen ist; und da ich mich nicht kann vor meinem Gewissen verbergen, sondern dessen Bestrafung, wenn ich Böses thue, so bald fühlen muß, daß ich mich noch weniger vor dir, o allsehender und allwissender Gott! werde verbergen können. Gib, daß ich aufsehe auf Jesum, meinen Heiland, und dessen heiligen Fußstapfen folge. Gib, daß ich dein Wort, als meine Glaubensregel, nimmer laffe von meinem Munde kommen, daß ich durch Verläugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort auch seyn meine Lebensregel, damit ich nicht vorsäßlich dawider fündige, sondern mich in allem meinem Thun darnach richte. Ach Herr Jesu! reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blute, verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke mir die stille wahre Herzens- und Gewissensruhe. Ach! dein heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverlegt, und deine Wohnung in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott, du frommer Gott! du Brunnquell aller Ga306 807 um ein unverlettes Gewiffen. ben, ohn' den Nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben, gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein' unverleßte Secl' und rein Gewissen bleib'. Amen. Gefan g. Mel. O Gott, du frommer Gott! xc. 1. Ist mein Gewissen frei, Was frag' ich nach den Leuten, Die all mein Thun verdrießt, Die Alles übel deuten, Was nur von mir geschieht? Im Himmel ist, der zeugt Von allem meinem Thun, Und der gewiß nicht leugt. 2. Ist mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was ihnen nur beliebt; Was darf ich darnach fragen, Was man mir falsch aufbürd't, Und von mir übel spricht? Denn mein Gott siehet wohl, Wie unrecht mir geschicht. 3. Ist mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden, Ob man mich schon verdammt; Bin ich bei Gott in Gnaden, Was frag' ich nach der Welt? Mein Richter ist ja Gott, Drum ficht mich gar nicht an Der frechen Feinde Spott. 4. Ist mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten, Und darf vor meinen Gott Mit Freudigkeit hintreten; Gott sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weiß, daß ich nicht bin Mit dieser Sünd' befleckt. 5. Ist mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen, Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen. Ihr Tadeler gedenkt, Gott kennet euch und mich, Drum sprecht hinfüro nicht Von mir so freventlich. 6. Mein Gott, du weißt, daß ich nicht hab' die That begangen, Von wegen dieser Sünd' Kann meine Unschuld prangen; Mein Herz ist unbefleckt, Die Hände sind auch rein, Und kein Gewissenswurm Kann mir beschwerlich seyn. 7. Verleihe mir Geduld, Daß ich es kann ausstehen, Wenn man läßt über mich Ein schnddes Urtheil gehen; Ach! rechne Keinem doch Die Missethaten zu, Und gib mir Freudigkeit Und innre Seelenruh'. 20* 308 Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. Aufmunterun g. Jesaia 8, V. 18. Siehe, hier bin ich, und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat, und ist keines von ihnen verloren. Joh. 17, V. 12. Ist Etwas, was frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder find theure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, 1) so tragen sie dieselben Gott fleißig im Gebet vor, ehe sie geboren werden, und hernach kommen sie niemals vor Gott, sie bringen ihr Kind mit. Es bitten aber fromme Eltern absonderlich, daß Gott ihren Kindern gebe ein frommes Herz und den heiligen Geist, der sie heilige, regiere, führe, als welches der wahre Grund ihrer Glückseligkeit ist, gegen welchen Reichthum, Geschicklichkeit, Klugheit nichts zu achten sind. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehöret, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf, sondern daß sie dieselben unterrichten lassen in der Erkenntniß Gottes, sie zum Gebet und christlichen Wandel anhalten, ihnen keine Erlaub Gläubige Eltern tragen ihre Kinder Gott im Gebet vor. 309 niß geben, in fündlicher, eitler Menschen Gesellschaft zu gehen; denn, wenn sie das erlauben, so ist ihr Gebet vergebens, ja sie spotten Gott mit ihrem Gebet. 3) Die versäumte Kinderzucht bringet den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrloseten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringet auch den Eltern Schmach und Schande, indem sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande haben werden, bisweilen in ihrem Leben, doch gewiß nach ihrem Tode. Die versäumte Kinderzucht bringet auch Gottes Zorn auf die Eltern, wie zu sehen 1. Sam. 2, V. 29. Cap. 4, V. 18. 4) Nachlässige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zárteln ihnen keine Wohlthat erwiesen. Gebe t. Herr, allmächtiger Gott! du Vater der Barmherzigkeit, du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe und preise. Diese meine Kinder aber sehe ich an als theure Pfänder, die du mir anvertrauet hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich ſehe sie an als Seelen, die Jesus mit seinem heiligen Blute erkaufet, die der heilige Geist in der heiligen Taufe geheiliget, und welche du zu deinen Kindern angenommen haft; Gläubige Eltern tragen ihre Kinder darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagest zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, so soll deine Seele anstatt seiner Seele seyn. Darum, o Bater aller Gnaden! komme ich zu dir, und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will thun, was ich kann, ich will sie zu deiner Ehre erziehen, sie vermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten; aber ach, Herr! Herr! thue du dabei das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe und sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit geleget; siehe! solches thue ich auch jezo in meinem Gebet. Ach! segne meine Kinder, begleite meine Kinder, wenn sie aus- und eingehen, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nicht beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Gib ihnen ein gläubiges, demüthiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie, wie das Kind Jesus, zunehmen an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild Jesu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen Gott und ein unverlegtes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach! laß meine Kinder seyn in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christenthum wohl gegründet, im 310 Gott im Gebet vor. 311 Glauben beståndig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig, damit sie Niemand mit ihrem Reden und Thun ein Aergerniß geben, und dadurch ein schweres Gericht sich zuziehen. Bewahre sie vor Verführung und böser Gefellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie gedenken, du seyst bei ihnen, zu Hause, in der Fremde, in der Kammer, bei Tage, bei Nacht, in der Gesellschaft und in der Einsamkeit. Dein Engel begleite fie, wenn sie aus- und eingehen, dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschaften und in der Fremde sind. Gib ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobia; führe sie durch dieselben aus der Gefahr, wie den Lot, und laß fie der Engel Schuß und Wacht genießen, wie den Jacob. Sollte dir es aber gefallen, mir auch ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch ihre Krankheit, oder durch ihr Absterben, oder durch sonst ein Unglück, das ich an ihnen sehen müsse, so verleihe mir in solchem Leiden Geduld, daß ich gedenke, wie ohne dich Nichts geschieht, und daß die Kinder eher dein gewesen sind, als sie mein geworden, und daß du auch freie Macht hast, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Lod zu dir zie Gläubige Eltern tragen ihre Kinder hen, daß ich auch an ihnen die Vergånglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und da durch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben, als das wahre und vollkommenste Gut, so erhalte mich auf diesem Dornenweg in feftem Vertrauen und in der Hoffnung auf deine Allmacht, daß du Alles, auch meiner Kinder Kreuz, enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen deinen Segen, versorge fie, pflege fie, gib ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen; sey ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit, und ihr Rathgeber, wenn sie gutes Raths bedürftig sind. Gib meinen Kindern eine fromme Seele, gesunden Leib, guten Verstand, und laß sie vor dir leben, damit sie dich allezeit ehren und preisen. Pflanze in ihre Herzen die wahre Frömmigkeit, erhalte fie in deinem Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen haben möge. Ach Gott! erhöre mein Gebet, und gedenke, es sind ja sowohl deine, als meine Kinder; darum wollest du auch mein Seufzen für sie vor dem Thron deiner Gnade erhören. Bewahre mich, o Gott! daß ich keine Schande von meinen Kindern haben möge, weder bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem Tode. Laß mich am jimngsten Lage mit allen meinen Kindern zu deiner Nechten stehen, und zu deinem Preise 312 Gott im Gebet vor. 313 sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott! und die Kinder, die du mir gegeben haft; ich habe deren keins verloren. Ja, mein Gott! verleihe mir Gnade, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie alle mit mir, und ich mit ihnen, zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott! segne meine Kinder, nimm dich ihrer treulich an, thu' an ihnen auch nicht minder, als du haft an mir gethan; ſegne ihren Schritt und Tritt, theil' den Segen ihnen mit, laß es ihnen wohlergehen, sie in deiner Gnade stehen. Amen. Gefa n g. Mel D Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Du hast, o großer Gott! Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst sie auch Im Wohlseyn und bei'm Leben; Uch! dafür dank' ich dir, Als eine liebe Gab', Die ich von deiner Hand, Mein Gott! empfangen hab'. 2. Seh' ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß sie sind alle mein, Weil sie sich von mir nennen; Jedoch sie sind auch dein, Drum komm' ich jetzt zu dir, Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 3. Ach! pflanz' die Gottesfurcht In ihrer aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Erfülle ihren Geist Mit wahrer Fröhlichkeit, Mit Keuschheit, Glaub' und Lieb' Und mit Zufriedenheit. Av 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen; Schenk' ihnen Kraft und Stårk', Gib Weisheit und Verstand, Und führ' sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Thun Des Glaubens Früchte spüren; Gib ihnen Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Jacobs Glück Und Josephs Frömmigkeit, Tobiá folgsam Herz Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr Auf bösen Wegen gehen; Wend' ihre Augen ab Von Sünd' und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel' Vor Stolz und Sicherheit. 314 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß sie deine Furcht Und Gegenwart verspüren, Und hab' selbst Acht auf sie, Bewahre ihren Tritt, Begleite sie, und geh', Wo sie hingeh'n, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund, Und zeigen sich Gefahren, Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren Der Engel goldnes Heer, Und immer auf sie seh'n, Daß sie in deiner Gnad' Und mildem Segen steh'n. 0 9. Und noch Eins bitt' ich dich, Das wollest du mir geben: Laß mich ja nimmermehr Un ihnen Schand' erleben, Auch nicht nach meinem Tod. Ach Gott! erhdre mich, Verleihe solches mir und ihnen våterlich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vor dir verklärt Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab', Die Kinder, die ich långst Von dir empfangen hab'.. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Eph. 6, V. 1. 2. 3. Ihr Kinder, send gehorsam euern Eltern in dem Herrn, denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot, das Verheißung hat, auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. + Unter andere schwere Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehöret auch diese, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern verfündigen. Obgleich 315 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Eltern von der ersten Stunde der Geburt an mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist es ihnen doch am empfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaft gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, als in welchen sie billig ihnen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Gesundheit, Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten. Fromme Kinder sollen 2) ihre Eltern lieben, denselben gerne aufwarten, zu ihrem Dienst willig und hurtig seyn, und ihrer pflegen, wenn sie krank sind. Fromme Kinder sollen 3) ihren Eltern gehorchen, daß sie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widerbellen oder widersprechen, wenn sie ihnen Etwas heißen und befehlen; auch wenn sie sich verheirathen wollen, sollen sie ohne der Eltern Wissen und Willen sich nicht heimlich verbinden, als welches lauter Fluch und Unglück nach sich ziehet. Fromme Kinder sollen 4) ihre Eltern ehren im Herzen, daß sie erkennen, Gott habe die Eltern an seine Statt geseget, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern Alles gibt; sie sollen sich auch ehrerbietig mit Worten und Werken gegen sie erzeigen, sie nicht anfahren, ihnen nicht unfreundliche und harte Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Worte geben, auch ihrer Eltern Ehre und guten Namen vertheidigen. 5) Es sollen fromme Kinder gedenken, daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen gethan haben. Gedenke, wie sauer du deiner Mutter geworden bist, und mit was für Mühe und Arbeit dich dein Vater erzogen und ernåhret hat. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder sind rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohlgehen kann, wo sie nicht die Sünden und Bosheiten, so sie an ihren Eltern begangen, vor ihrem Tode durch eine herzliche und währe Buße mit tausend Chránen bereuen. 316 Gebet. Ach du gnådiger und barmherziger Gott! ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in diese Welt hast lassen geboren werden. Das ist die erste Wohlthat, die du mir erwiesen haft. Wären meine Eltern Juden, Türken und Heiden gewesen, so wäre ich so verstockt, so ungläubig und ohne deine Erkenntniß, wie sie. War meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt, daß ich, o mein himmlischer Vater! durch die heilige Taufe in deine Arme geleget würde, darin du mir den heiligen Geist zum Pfande meiner Kindschaft und meines himmlischen Erbes gegeben hast, so laß auch diesen guten Geist mich immerdar 317 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in Acht nehmen. Ich liege jeßt mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht, und bitte dich: ach! laß meine Eltern gesund, bewahre sie vor Unglück, segne ihre Nahrung, ihre Arbeit und ihren Beruf, gib ihnen langes Leben, vergilt ihnen die mir erwiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geistigen und himmlischen Gaben. Gib mir, o himmlischer Vater! ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gib, daß ich mir immer vor Augen stelle das Erempel meines Jesu, der dir, seinem himmlischen Vater, nicht allein gehorsam war, sondern auch seinem Pflegevater, dem Joseph, und seiner Mutter, der Maria; damit ich mit meinem kindlichen Gehorsam meinen Eltern zu aker Zeit, und auch in ihrem Alter, lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch Ungehorsam und Widerspenstigkeit den Fluch und Unsegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedrohet ist, sondern daß es mir möge hier zeitlich und dort ewig wohlgehen. Gib mir ein ehrerbietig Herz gegen sie, daß ich sie weder mit Worten noch Werken erzúrne, daß ich in Demuth ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch 318 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen, bosen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten, und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch auf sich ziehen, und alles Segens, den du frommen und guten Kindern verheißen hast, auf ewig werden beraubet werden. Gib mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht versündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden bin, und mit wie vieler Mühe ich erzogen bin; damit ich mit dankbarem Herzen un emüthe solches Zeit meines Lebens erfene, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen Kinderjahren meinen Eltern Etwas zuwider gethan, das bitte ich hiermit dir, o Gott! und meinen Eltern in Demuth ab, und verspreche, daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehorsam und einer christlichen Aufführung zu erfreuen. Verleihe mir deinen heiligen Geist, daß ich im Glauben, in Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes gebühret, möge wandeln, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Du sollst chren und gehorsam seyn dem Vater und der Mutter Fromme Kinder beten für ihre Eltern. dein; wird deine Hand sie treulich laben, so wirst du langes Leben haben. Amen. 319 Gefa n 9. Mel D Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ich will, o großer Gott! Vor deinen Thron jetzt treten, Und als ein frommes Kind Für meine Eltern beten; Der du die Kinder pflegst In Gnaden anzuseh'n, Ach! laß auch meine Bitt' Und Herzenswunsch gescheh'n. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Ch' ich geboren war; Und weil ich bin entsprossen Von Christen, so bin ich Durch sie zur Lauf gebracht, Darin ich einen Bund Mit dir, o Gott! gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb' Zur Schule lassen gehen, Und mich in meinem Thun Auf Jesum heißen sehen; Ihr Herz war immerdar, Bei Tag und auch bei Nacht, Mit immer regem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb' Sie wieder herzlich lieben, Laß ihre Liebe mir In's Herz stets seyn geschrieben, Damit ich dankbar sey, So viel ich immer kann, Und bleib' stets eingedenk, Was sie an mir gethan. 5. Ach! laß sie viele Jahr' Zu meinem Trost erleben, Und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben; Erhalte sie, o Gott! Auf lange, spåte Jahr', Damit ich sie noch seh' In ihrem grauen Haar. 6. Ach! schenke ihnen doch, O Vater! deinen Segen, Laß deinen Segen seyn Auf allen ihren Wegen; Erhalte, was du gibst, Und was du hast bescheert, Das segne, daß es werd Durch deine Gnad' vermehrt. 7. Gib mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rath Die Sünde mdge fliehen, Daß ich gehorsam sey Ohn' allen Widerspruch, Und ferne von mir bleib' Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud' Und keine Schand' erleben, Ach! laß mir deine Furcht, Mein Gott! vor Augen schweben; Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Schenk' mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde scheu', Und bleibe dir, o Gott! In Glaub' und Liebe treu. 320 9. Laß mich an jenem Tag auch meine Eltern sehen In großer Herrlichkeit Zu deiner Rechten stehen, Und laß mich auch daselbst, Durch Jefu Blut so rein, Mit Himmelsglanz geschmückt, Bei meinen Eltern seyn. 795 2r Abschn. Seele Clann tröstest du mich? Ps: 119, ..... Pinor Jeitts Furchte dich nicht ich bin ben Ift deme Seele betrubt to lehau den Himmel an Gott itt der helfen will, und dir auchhelfenkann, Des täglichen Handbuchs zweiter Abschnitt. Zum Gebrauch der Betrübten. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. 2 ufmunterung. Jefaia 41, V. 10. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Ist Etwas, welches eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es gewiß die Allmacht Gottes; denn diese ist der Betrübten Anker, daran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen: 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich; es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten, keine Last ſo schwer, er kann sie abnehmen, kein Unglück so heftig, er kann es wenden. 2) Soll der Betrübte. bedenken, daß Andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie dennoch Gott daraus errettet hat. Er soll daher mit Freuden sprechen: Ach Gott! du bist noch heute so reich, als du gewesen ewiglich, mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollen Betrübte sich erinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und derowegen 21 822 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. den Muth nicht sinken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie, wodurch, und auf welche Weise ihnen könne geholfen werden; denn das Alles soll man der göttlichen Weisheit, Gute und Treue überlassen. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der Herr, und meine Wege sind nicht eure Wege, Jes. 55, V. 8. Diese Betrachtung soll einer betrübten Seele Vertrauen und Hoffnung stårken, weil sie weiß, Gott könne und wolle ihr helfen. Sie soll derohalben stille seyn, hoffen, beten, Gott vertrauen, die Trübfal mit Geduld ertragen, und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben, und sagen: Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Pf. 121, V. 1. Gebe t. O du gütiger und freundlicher Gott! du weißt und siehest, wie mein Herz betrübet ist; es liegt auf demselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann, eine harte Last, die ich kaum tragen kann. Darum komme ich zu dir, o allmächtiger Gott! ich schütte mein Herz aus vor dir, der du meine Zuversicht bist, ich werfe mein Anliegen von mir auf dich, und bitte dich, du wollest mich verforgen, mich erretten, mir beistehen. Das von Bellen herumgeworfene Schifflein hält sich an den Anker, und ich halte mich an dich, lebendiger und starker Gott; das gejagte Wild Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. 323 eilet zu den Bergen, und ich hebe meine Augen auf zu dir, o mein Fels, mein Erretter und mächtiger Schußherr! Ich will nicht verzagen, ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist, du kannst helfen, dir ist Nichts unmöglich; darum, Herr, hilf mir, so ist mir geholfen, sprich nur ein Wort, so weichet meine Bekümmerniß, so erlange ich Hülfe. Ach mein Gott! ich weiß, du bist barmherzig, darum erbarme dich jetzt auch über mich Elenden; du weißt meinen Schmerz, erkennest mein Herz, hast du mir's aufgeleget, so hilf mir's auch ertragen. Ich weiß, du bist ein weiser Gott, du wirst Mittel und Wege wissen, die mir jegt unbekannt sind. Ach! zeige mir ein Trostbrunnlein, wie dort der weinenden Hagar, sage mir Hülfe zu, wie ehemals der betrübten Wittwe, bilf mir, wie dort dem verlassenen Elisa, und beweise deine große Güte an mir, wie an dem gefangenen Petro. Laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir aufgehen, dadurch du mich versicherst: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen; ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer Gott, der noch keinen verlassen hat, darum wirst du mich auch nicht verlasfen. O! siehe, Herr, mein Gott, wie hier eine 21* 324 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. elende und hülflose Seele vor deinem Gnadenthron lieget, fende mir Hülfe vom Heiligthum, und stärke mich aus Zion. Herr, ich laffe dich nicht, du segnest mich denn. Mein Gott und Vater, wenn du mir nicht hilfst, wer soll mir denn helfen? Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, da hast du mich in die Arme deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen, und bisher darin getragen, ach! darum laß mich auch jetzt darin Hülfe finden. Ich schreie dir so lange nach, bis du sprichst: Dir geschehe, wie du willst. Ach Gott! erhör' mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, du weißt mein'n Schmerz, erkennst mein Herz, hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gefan g. Mel D Gott, du frommer Gott! xc. 1. Ach! wo ist nun mein Gott? So muß ich jeho fragen, Weil ich von Nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen seyn. 2. Ach! wo ist nun mein Gott? Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir seyn Und mich der Noth entreißen; Warum verzieht er denn, Verbirgt sein Angesicht, als wår' er nicht mein Gott, Als kennt' er mich jetzt nicht? 3. Ach! wo ist nun mein Gott In diesen meinen Ndthen, Diz an das Leben geh'n, Und mich fast wollen tddten? Zwat seine Ullmacht ist Mir allzuwohl bekannt, Und doch empfind' ich nicht Die starke Helfershand. 4. Ach! wo ist nun mein Gott, Will er sich nicht erbar Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. men? Sieht er nicht meine Noth? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja! ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit Mich einst erfreuen wird; Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübst du dich, Mein Herz! mit solchen Fragen? Gott lebet ja annoch; Was willst du immer klagen? Der dich mit seiner Hülf Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's mir, auch diesesmal. 6. Es hat ja Gott noch nie In Ndthen dein vergeffen, Warum willst du dich jetzt So ångstigen und pressen? Gott sieht dein Leiden wohl, Und läßt es so gescheh'n, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben seh'n. 7. Berzage nicht an Gott! Willst du den nicht mehr kennen, Der doch dein Vater ist, und den du pflegst zu nennen Den allerbesten Freund? Drum stell' dein Trauern ein, Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vater seyn. 825 8. Mein Gott! ich hoff' auf dich, Ach! laß die Stunde kommen, Da meine große Last Wird endlich abgenommen; Indessen steh' mir bei Und hilf mir snådiglich; Ach Gott! erbarme dich, Ach Gott! erhdre mich. Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Jefaia 54, V. 7. 8. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig von dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Einer betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, im Kreuz und Leiden nichts Erfreulicheres vorkommen und gesagt werden, als dieses: daß sie dennoch von Gott geliebt werde. Im schweren Kreuz ist dieses der erste Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Gedanke, der uns vom Satan und unsrem Fleische beigebracht wird: Gott ist dein Feind, er liebet dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmermehr also betrüben und sein Gnaden- Angesicht vor dir verbergen. Allein diesem Gedanken soll ein Betrübter kein Gehör geben, sondern ihm entgegensezzen die ewige Liebe Gottes, welcher seine Kinder nicht verläßt, und sich erinnern: 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben, und doch ein Kind Gottes zu seyn, wohl könne bei einander stehen; denn Christus, der geliebte Sohn Gottes, hatte Trübsal genug, und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein Betrübter erwågen, daß Gott dennoch denjenigen liebe, den er in große Traurigkeit, in Anfechtung und Kreuz låsset gerathen. Ein Vater bleibet ein Vater, ob er dem Kind liebkoset, oder ob er es mit der Ruthe züchtiget. Dazu kommt 3) daß solches Kreuz nicht wird der betrübten Seele zugeschicket aus Zorn, auch nicht zu ihrem Verderben oder Schaden, sondern daß fie Gottes Güte, Allmacht, Treue und Weisheit desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe Bottes ist unter dem Kreuz sehr beschäftiget, sie erhält den Betrübten, bewahret ihn, stårket ihn, segnet ihn, er wird zuweilen wunderbar erquicket und erfreuet, die Last wird erleichtert; welches Alles Proben der Liebe Gottes sind. 326 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Sebet. Der Herr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter. Also seufze ich, mein Gott! in meiner jegigen Betrübniß und Angst der Seele. Ach Herr! Herr! du weißt ja wohl, wie wehe mir ums Herz ist, wie voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich diese Noth nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehest. Ach! verbirg doch dein Angesicht nicht langer vor mir; mir ist angst, lindere es mir. Du hast mir von Jugend auf viel Liebes und Gutes erwiesen, ach! mit solcher Liebe umfaſse mich auch jetzt in der Betrübniß meiner Seele. Ein Schäflein fliehet, wenn es gejaget wird, zu seinem Hirten; ein Kind, wenn es geånstiget wird, gehet zu seinem Vater: darum komme ich auch, mein Hirte und mein Vater, zu dir. O großer Gott! du hast mir deinen Beistand versprochen: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stårke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, o großer Gott! jetzt habe ich Hülfe vonnöthen, jetzt stehe bei mir, jeßt weiche nicht von mir, jegt verlasse mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht verlassen, deine Liebe ist so innig, daß du dich 327 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. meiner erbarmen mußt. Du hast mich immerdar geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Umfasse mich jetzt mit deinen Liebesarmen, erhalte mich, daß ich nicht sinke, erquicke mich in meinem Leiden, laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Ziehe mir aus den Sack, und umgürte mich mit Freuden, und laß meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Beweise auch an mir, was Andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O du Gott der Liebe! versiegle den Trost in meinem Herzen, du habest mein nicht vergeſ sen, so wenig ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater! siehe, dein Kind ist betrübt; erfreue es, es ist voller Angst, erbarme dich und hilf ihm. Ich will, dieweil ich lebe noch, das Kreuz dir fröhlich tragen nach; mein Gott, mach' mich dazu bereit, es dient zum Besten allezeit. Amen. 328 G e sang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, Und wår' es noch so schwer und groß; Mein Vater! du wirst bei mir bleiben, Ach! nimm mich auf in deinen Schooß, In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaff ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in Gottes Hånden, Was mich betrübt und heftig quålt; Ich weiß, er kann es leichtlich wenden, Weil Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. es ihm nicht an Mitteln fehlt; In Trubsal, Kreuz und aller Noth Verlaff ich mich auf meinen Gott. 329 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen; Wo Kreuz ist, da ist Gott nicht weit; Er wird mir seine Hand darreichen, Der Vater hilft zur rechten Zeit; Jn Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlass ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immerdar, Er macht daraus oft grüne Mayen, Was eine scharfe Ruthe war; In Trůbsal, Kreuz und aller Noth Verlas ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wenn Gottes Stund' wird schlagen, So höret auch mein Elend auf; Indessen will ich's willig tragen: Gott hemmt der wilden Wellen Lauf; In Tribsal, Kreuz und aller Noth Verlass ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird sein Kind erhören, Drum halt' ich ihm im Glauben still, Er wird mir meine Bitt' gewähren, Das ich ihm ewig danken will; In Trůbsal, Kreuz und aller Noth Berlaff ich mich auf meinen Gott. Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Psalm 121, V. 1. 2. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Keine Hülfe zu haben in seinem Leiden und Elend, ist wohl betrübter, als das Leiden selbst. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) Gott kann ihnen helfen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich; Nichts ist ihm zu schwer, und Nichts zu groß, er kann helfen in Allem und aus Allem. Betrübte sollen 2) gedenken, Gott will ihnen auch helfen, in Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Kraft der herrlichen Verheißungen, er wolle bei ihnen seyn in der Noth, er wolle sie heraus reißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen. Betrübte sollen 3) erwägen die Erempel Anderer, welchen Gott schon geholfen. Ach! Andere sind vielleicht ärmer, unglückseliger, trauriger, verlassener und elender gewesen, als sie, und doch hat solchen Elenden der Herr geholfen; warum wollte man denn seine Hoffnung fahren lassen? Auf solche Hülfe sollen Betrübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten, und festiglich glauben, die Hülfe bleibt nicht aus; denn was der Herr zusagt, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser seyn, und ob dein Herz spricht lauter Nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen sie sich erinnern, Gott könne thun über Alles, was wir bitten und verstehen, er werde ihr Helfer, ihr Vater, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beistand selbst seyn. Haben sie dann Gott, so haben sie Alles. Ja sie sollen auch 6) ihrer Taurigkeit Zeit lassen, denn das iſt auch eine Wohlthat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unser Leiden lindert. 830 Gebe t. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach! wo soll ich mich anders hinwenden, an wen soll ich anders denken in dem Leiden und Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. 331 Kummer meines Herzens, als nur an dich, mein Gott? Ach! du hast mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht weggehen lassen, o! darum hóre auch jegt mein Gebet, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott! und wenn ich rufe, so schweige mir nicht, sondern erhöre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden, so ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du, Herr! Herr! tödtest, und machest lebendig, du führest in die Hölle, und wieder heraus. Du, Herr, machest arm und machest reich, du erniedrigest und erhöhest. Du erhebest den Dürftigen aus dem Staub, und erhöhest den Armen aus der Niedrigkeit; darum spreche ich im Glauben: Herr, hilf mir! ach! du kannst helfen, du bist ja ein allmächtiger Gott; du willst helfen, denn du hast es mir verheißen. Vater, willst du dein Kind verlassen? Mein Vater, kannst du das Geschrei deines Kindes ertragen, daß du ihm nicht zu Hülfe kommst? Du hast gesagt: Ehe sie rufen, will ich antworten, und wenn sie noch reden, will ich hören; mein Herz bricht mir gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. Ach! erhöre mich nun auch, hóre das Geschrei meines Herzens und das wehmüthige Klagen meines Mundes. Jedoch, mein Vater, ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, Der Betrübte tröftet sich der Hülfe Gottes. darum will ich dir auch nicht Zeit und Stunde vorschreiben, wann du helfen sollst; ich will gern auf deine Hülfsstunde warten, stårke mich indessen durch deinen heiligen Geist, stårke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen, gib mir Geduld und Kräfte, mein Leiden zu tragen, und laß mich endlich die Zeit erblicken, da du mich mit deiner Gnade erfreuest. Ach mein Vater! du hast noch keinen verlassen, verlaß auch mich nicht; du hast Betrübte allezeit erfreuet, erfreue auch mich; du hast den Elenden geholfen, hilf auch mir; wann, wie und wo du willst, das Alles sey deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiermit ganzlich anheimgestellet. So sey denn wieder zufrieden, meine Seele! was betrübst du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Herr Jesu Christ, groß ist die Noth, worinnen ich muß stecken, ach! hilf, mein allerliebster Gott! schlaf' nicht, laß dich erwekken. Niemand ist, der mir helfen kann, kein' Creatur nimmt sich mein an; ich darf's auch Niemand klagen. Herr Jesu Christ, o Gottes Sohn, zu dir steht mein Vertrauen, du biſt der rechte Gnadenthron, wer nur auf dich thut bauen, dem stehst du bei in aller Noth, hilfft ihm im Leben und im Tod, darauf ich mich verlasse. Amen. 332 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. garant Gefa n g. Mel. Bion klagt mit Ungst und Schmerzen. 333 1. Hat mich Gott denn gar verlassen Jeht in meiner Traurigkeit? Ich weiß keinen Trost zu fassen In dem, bittern Kreuz und Leid; Ach! wo ist doch nun mein Gott In der großen Angst und Noth? Ach! wo soll ich ihn doch finden, Da die Noth nicht will verschwinden? 2. Willst du meiner nicht gedenken? Denk' doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden mich versenken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such', Ist ja Nichts als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen, So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch, was will ich mich betrüben? Ich weiß, Gott verläßt mich nicht, Er will meinen Glauben üben, Und auch meine Zuversicht; Scheint er fern von mir zu seyn, So gedenkt er dennoch mein, Seine Lieb' kann mich nicht hassen, Noch mich in der Noth verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Gehet es gleich wunderlich, Meine Noth will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Noth ist ihm bekannt, Und mir seine starke Hand; Diese kann mein Leiden wenden, Und mir seine Hülfe senden. 5. Ich will Gott im Glauben fassen, Wie es Glaubigen gebührt, Ich will nimmer von ihm lassen, Es ist gut, wie er mich führt; Fühl' ich gleich die scharfe Ruth', Sind doch diese Wege gut, Die mein Vater mit mir gehet, Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut, Da mein Leid wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut; Vielleicht ist die Stunde nah, Ja vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: Du bist erhöret, Dir ist deine Bitt' gewähret. 7. Sey getrost, o meine Seele! Fasse dich in deinem Gott, Sage, klage und empfehle Ihm allein nur deine Noth; Sonsten schweige gänzlich still, Es geschehe Gottes Will', Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit erquicken. 334 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Psalm 103, V. 8. 9. 13. Barmherzig und gnådig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich 3orn halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu thun zu haben! Allein ein betrübtes Kind Gottes soll versichert seyn, 1) daß sein getreuer Gott im Himmel wisse all sein Leiden, Elend und Kreuz, wie groß und schwer es sey, wie lang es daure, und wie empfindlich es der Seele falle; nicht allein weiß es Gott, sondern 2) er erbarmet sich auch des Elenden; dieses sehen wir an der betrübten Wittwe zu Nain und an allen Kranken und Elenden, denen er von freien Stücken entgegen gegangen ist, und ihnen geholfen hat. So sprach er von dem Volk: Mich jammert des Volks; und von Zion heißet es: Darum bricht mir mein Herz gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. In Betrachtung dessen, daß Gott also barmherzig ist, und Barmherzigkeit ausübet, soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott ſeine Zuflucht nehmen; denn die Betrübten sollen getröstet werden. 4) Gott erweiset aber seine Barmherzigkeit gegen die Elenden, theils, wenn er ihnen gibt Freudigkeit und Der Betrübte tröstet sich der Barmaherzigkeit Gottes. 335 getrosten Muth, theils, wenn er in ihrem Leiden sie erhält, und ihnen Stärke gibt, daß sie es ausstehen und tragen können, theils aber auch, wenn er es gar von ihnen nimmt. Erbarmet sich ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten auch nicht ohne Barmherzigkeit in seinem Elend verderben laſſen. Gebe t. O du allliebender Gott! dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird; siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schütte meinen großen Kummer und betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammerstand und großes Elend, das mich leider! betroffen hat; meine Seele ist betrübet, mein Geist ist geångstiget, und Leiden hat mich umgeben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern, aber ich finde keine. Menschen wollen sich theils meiner nicht annehmen, theils wissen sie meine Noth nicht, theils mag ich es ihnen auch nicht offenbaren; aber dir, o Gott! Klage ich es mit betrübtem Herzen; ich weiß, du bist barmherzig, und läsfest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Wittwe, die da weinete um ihr Kind; es jammerte dich des Volks, welches Nichts zu effen hatte, und dein Jammer war mit dem Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Erbarmen und Helfen verknüpfet. O! darum komme ich zu dir, und spreche: Ach! erbarme dich über mich! Uch Gott! ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen hast, darum spreche ich: Ach mein Bater! erbarme dich deines armen und verlassenen Kindes. Mein Jesu! ich bin ja mit deinem heiligen Blut erkauft; ich bin doch dein ererbtes Gut, erkauft mit deinem theuern Blut, darum wirst du dich deines Eigenthums erbarmen. D du werther und heiliger Geist! lege das Zeugniß in meine Seele, daß ich bei allen meinen Leiden dennoch ein Kind Gottes sey, und wenn ich im Beten matt werde, und fast nicht mehr beten kann, so schreie du doch in mir das Abba, lieber Vater! Siehe, ich sinke, ach! reiche mir deine Hand; Herr, hilf mir, Herr, stehe mir bei! Herr! Herr! laß deine Barmherzigkeit groß an mir werden, und gib mir Freudigkeit des Herzens; ja schreibe und rufe stets in meine Seele die Worte: Du bist nicht verlaffen; ich will mich dein erbarmen; ich bin bei dir in der Noth; ich will dich heraus reißen und zu Ehren bringen. Ach Herr! nach deiner groBen Barmherzigkeit stärke meinen Glauben, erhalte mich in meinem Elend, gib mir alle 336 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. 337 Tage neue Kräfte und neues Vermögen, daß mein Glaube nicht möge aufhören, daß meine Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du sprichst: Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind? ich denke wohl daran, was ich ihm geredet habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß. Denke auch an mich, du hast mir auch Gnade zugesagt, ich bin auch dein Kind, erbarme dich meiner auch. Du hast mich ja noch niemals verlassen, ach! so verlaß mich jegt auch nicht; hilf deinem Kinde, das zu deiner Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach! in seinem Vaterherzen ist er schon auf Hülf' bedacht, meine Trubsal, Angst und Schmerzen, und was mich sonst traurig macht, wird sich alsdann bald abwenden, wenn er mir wird Hülfe senden; drum, mein. Bater, komm' zu mir, Herz und Auge thrånt nach dir. Amen. Gefa n g. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Wohl dem, der Gott vertraut In allen seinen Sachen, Und Alles dem heimstellt, Der es weiß wohl zu machen; Wohl dem, der da sein Haupt Nur legt in Gottes Schooß, Der wird ganz ruhig seyn, Und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Uls welchem Nichts unmöglich, Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unverzüglich; Was uns dunkt allzu schwer, Das ist bei ihm gar leicht, Weil alle Noth von uns, Wenn er's befiehlet, weicht. 22 338 Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. 3. Wohl dem, der Gott vertraut! Kannst du kein Mittel finden, Und meinest, deine Noth Wår' nicht zu überwinden: So trau' dem weisen Gott, Der alle Hülfe hat, Bei dem ist Rath und That, Wenn du bist ohne Rath. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, Denn seine Liebesproben Muß jede Creatur Mit frohem Munde loben; Der jeder Creatur Die Nahrung reichlich gibt, Der forget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut, Und nicht den Menschenkindern; Die sind gar oftmals falsch, Und suchen zu verhindern Das, was uns nůßlich ist; Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und versteh'n, So helfen sie doch nicht. 6. Drum will ich immerdar Dir, meinem Gott, vertrauen, Auf deine Baterhand In meiner Trübsal schauen; Uch Gott! ich komm' zu dir, Ach! sorge du für mich, Ach! nimm dich meiner an, Und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan, ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt; Jch bleib' darauf bestehen, Daß Gott den nicht verläßt, Der fest stets auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. Psalm 91, V. 14-16. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Na men, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn heraus reißen und zu Ehren machen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. So sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschläget, so herrlich richten die göttlichen Gngdenverheißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübter bedenken, 1) alle göttliche Verhei Bungen gehen auch ihn an; man soll sich nicht Der Beübte erwäget die göttlichen Verheißungen. 839 einbilden, als ob die Verheißungen nur Mose, David und denen gegeben sind, die dazumal lebten; nein, sie zielen auch auf uns, denn so spricht Paulus, Róm. 15, V. 14: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Ferner soll er 2) bedenken, alle göttliche Verheißungen werden erfüllet werden zu der Zeit, die Gott hat bestimmt; darum soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern mit Demuth und im Glauben die Hülfe erwarten. 3) Soll ein Betrübter bedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hülfe, Erlösung, Errettung, Befreiung von allem Uebel bisweilen auch in diesem Leben erfüllet werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreuet, Elende errettet, Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott seine VerheiBungen erst in dem ewigen Leben erfüllet, als wo dann alle Verheißungen Gottes- in ihre vollkommene Erfüllung gehen werden. In Betrachtung dessen soll 4) ein Betrübter stille seyn, und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so viel Tausenden schon erfüllet hat. Gebet. Herr, mein Gott! mein Herz hålt dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr! dein Untliß. Ich 22* 340 Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. weiß in meiner Bekümmernis nirgends Trost und Rath zu finden, als bei dir; bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath zu jeder Zeit gefunden hat. Sonderlich suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen; darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligthum, ich suche in deinem heiligen Worte ein stårkendes Manna für meine hungrige Seele und ein lebendiges Wasser für meine matte Seele. Du hast gesagt: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Ach Herr! die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Du bast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Du hast gesagt: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach Herr! so crbarme dich doch meiner, ach! weiche nicht von mir! verwirf mich nicht von deinem Angesicht; dein freudiger Geist erhalte mich. O mein Herr und Gott! ich weiß, du wirst deine Zusage und Wahrheit treulich halten im Himmel; wird dein Wort nicht mein Trost seyn, so muß ich vergehen in meinem Elend. Aber habe ich schon viel Bekümmernisse in meinem Herzen, so erquicken doch deine Tró Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. 341 stungen meine Seele. Dein heiliges Wort stellet dich mir vor als einen måchtigen Gott, als einen liebreichen Bater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand, als einen gewissen Erretter; darauf verlasse ich mich, deß tröste ich mich. Mein Herz ist getroft und unverzagt, und harret des Herrn. Darum sey wieder zufrieden, meine Seele, der Herr verstößet nicht ewiglich; er betrübet wohl, aber er erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübst du dich demnach, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern; meine Seele wartet auf den Herrn, bis er uns grådig werde. Erfreue meine betrübte Seele, stårke meine abgemattete Seele, halte meine sinkende Seele, richte auf meine niedergeschlagene Seele, tröste meine traurige Seele. Fasse mich in deine Arme, und erquicke mich; verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Ich sehne mich nach dir, meine Seele verlanget nach dir, und seufzet: Wann tröstest du mich? Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es mag ihn Nichts gereuen, er wendet alles Leid; ihm sey es heimgestellt, mein Leib, mein' Seel', mein Leben, und was er mir gegeben; er mach's, wie's ihm gefällt. Amen. Der Betrübte erweget die göttlichen Verheißungen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben ze. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen? Ach! wann kommet doch die Zeit? Uch! wann wird mir abgenommen Meine Klage, Kreuz und Leid? Seufz' ich doch darnach von Herzen, Wart' ich doch darauf mit Schmerzen, Es spricht oft mein matter Mund: Ach! wann schläget Gottes Stund'? 2. Ach! ich zähle Tag' und Stunden, Und fast jeden Glokkenschlag, Bis ich habe Hülf' gefunden; In der Nacht, wie an dem Tag, Sprech' ich oftmals selbst mit Weinen: Ach! wann wird die Stund' erscheinen, Die zur Hülfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 3. Doch ich will dir Nichts vorschreiben, Es geschehe, Herr! dein Will'; Ich will immer treu dir bleiben, Dir halt' ich geduldig still; Willst du mit der Stund' verziehen, Will ich drum nicht von dir fliehen, Sondern rufe mit Gewalt: Ach! kommt deine Stunde bald? 342 4. Ach! laß deine Stund' anbrechen, Deine Stund', o lieber Gott; Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf meine Noth. Nach dem Seufzen, nach dem Schreien Laß mir Hülfe angedeihen; Alle Noth bricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater! hör' mein Flehen, Sieh', es betet Herz und Mund, Laß mich bald erfreuet sehen Der erwünschten Hülfe Stund'; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken. Ach, mein Vater! hôre mich, Hdre mich doch gnådiglich! 343 Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. Aufmunterung. Hebr. 12, V. 11. Alle Trübfal, wenn sie da ist, dünket sie uns nicht Freude; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Wenn ein Kind die Züchtigungen seines Vaters empfindet, so weinet es und meinet, es geschehe ihm gar wehe; ist es daher ein Wunder, wenn Betrübte oftmals nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuz schicken sollen? Ein Betrübter soll aber erwågen: 1) Gott will uns durch das Kreuz nicht ins Verderben bringen, sondern daraus erretten. Wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet, oder beißende Sachen auflegt, so will er sie heilen und reinigen; und durch Trübsal will uns Gott von der Welt ab und zu sich ziehen. 2) Siehet Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Creaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, daß wir ihn allein lieben und unsere Freude an ihm haben sollen. Ja, wenn er siehet, daß wir durch beständige Glückseligkeit, Ruhe und anhaltendes Wohlergehen sollen tråg zum Gebet und in unserm Christenthum nachlässig werden, so laßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wieder nach ihm verlangen, und in seiner Liebe und Erkenntniß zu wachsen Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. trachten. Bei diesem Allem aber bleibet er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und gütiger Gott, der uns herzlich liebet. 341 Gebe t. Mein Gott! der du mich jetzt in so große Traurigkeit und Betrübniß segest, daß mein Herz geångstet, mein Mund voll Seufzen, und mein Auge voll Thränen ist; ach! ich weiß nicht, wo ich mich hinwenden soll! War ich nicht glückselig? war ich nicht fein stille? hatte ich nicht Ruhe? woher kommt solche Unruhe? Ach! mein Jammer ist groß; aber ich will darum nicht von dir flichen, mein Hirte! Hast du mich durch diesen harten Schlag niedergeschlagen, ach! so richte mich wieder auf mit deinem kräftigen Wort, damit ich möge erwägen, warum du mir dieses Elend zugeschicket hast. Ich weiß ganz gewiß, daß dieses Kreuz mich hat betroffen nicht zu meinem Verderben, oder daß es mir an meiner Seele soll Schaden bringen; o nein, du Liebhaber des Lebens, mein Vater! das ist dein Vorhaben nicht, mich zu verderben und deinen Zorn an mir auszuüben, sondern indem du mich in ſolchen traurigen Zustand segest, willst du prüfen meine Liebe, ob ich dich auch sowohl in guten als in bösen Tagen lieben will. Du willst prüfen meinen Glauben, ob ich auch glaube, du seyst ein allmächtiger, wei fer und barmherziger Gott, der mich aus die Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. 345 sem Elende erretten und in demselben erhalten könne. Du willst prüfen meine Geduld, ob ich dir zu Ehren dieses Kreuz gern tragen will. Du willst prüfen mein Vertrauen, ob ich dir über Alles vertrauen, und auf dich, auf deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit bauen will. Du willst prüfen meine Hoffnung, ob ich hoffen will, wo Nichts zu hoffen scheint, und deinem Wort und Verheißen Glauben beimessen. Ja, mein gnådiger Gott und Bater, du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüsten, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir wenden und zu dir halten soll. Du nimmst mir, was mich erfreuet, daß ich allein meine Freude an dir haben soll, du nimmst mir das, was mich vergnüget, damit ich dich, als mein höchstes und liebstes Gut, hochachten soll. Wohlan, mein lieber Gott, ich will so werden, wie du mich haben willst, ich will das tragen, was du mir auflegst; gib mir deinen heiligen Geist, der mir dazu Kraft, Stårke und Vermögen mittheile. Ohne dich ist mir's unmöglich auszustehen, aber durch deinen Geist und gnådigen Beistand kann ich überwinden. Ich will auch gern geduldig seyn und dir stille halten, es währe so lang als es wolle. Ich will mich auch der Welt und weltlichen Gesellschaften entschlagen, und dir allein anhangen, daß ich ein Geist mit dir werde; so wird dieses Kreuz 346 Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. mich reinigen und meiner Seele gar nüglich seyn. Die Hülfe wird schon anbrechen zu rechter Zeit. Gott wird mich nicht verlassen, ob ich verlassen bin, in Gott will ich mich fassen, mein Herz, Gemüth und Sinn soll treulich an ihm halten und ihm vertrauen fest, und den nur lassen walten, der niemals mich verläßt. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich anficht, Mein Jesus kann den Jammer stillen, Ob man mir alle Hülf' abspricht, Und ob mir gleich es wehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut.. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die anfangs gehen bitter ein, Und gleichwohl großen Nußen bringen, Wenn sie nur ausgestanden seyn; Fühl' ich gleich oft die scharfe Ruth', So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß seyn, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott kennet mich, Und daß mich seine Weisheit ziehet Ganz von der Welt, allein zu sich; Empfind' ich gleich die Unglücksfluth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb', So will mich Gott demüthig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb'; Ich achte nicht der Feinde Wuth, Vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich Nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich sagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; 3war krånkt es heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. 6. Und muß ich oftmals auch empfinden Anfechtung, Angst, und Traurigkeit, So hilft mir's Gott doch überwinden, Und schenkt mir süße Seelenfreud'; Drum hab' ich einen frohen Muth, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 347 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 7. Ich sehe wohl aus allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von Gott will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Hdllengluth, Drum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. pebr. 10, V. 35. 36. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch Noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut und die Verheißung empfahet. Geduld ist eine Frucht des Geistes, sie kommt von Gott, und der muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und heftiger beten, je heftiger sein Leiden ansehet, wie dorten von Chrifto ftehet: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Deßhalb soll der Betrübte erwägen: 1) das sey Geduld, wenn der Mensch stille unter seinem Kreuz bleibet, und sich in den Willen Gottes ergibt; er weiß, daß seine Trübsal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott im Kreuz doch herzlich liebe, und daß er darum nicht habe aufgehöret, Vater zu seyn, ob er ihn gleich mit Kreuz beleget hat. Darum 2) murret ein Betrübter nicht wider Gott, ob es gleich lang und schwer ist, sondern saget: Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun; du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch die heftigen Schmerzen, durch das vielfältige Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Leiden kleinmüthig werden wollen, so muß er Gott um Stårke anrufen. Gott aber stårket Betrübte, theils, wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen gibt, es werde das Kreuz bald aufhören, theils, er wolle sie nicht verlaffen, theils auch, wenn er einige Hülfe und Linderung ihnen widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wiederum stark werden in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Vor Ungeduld soll sich ja ein Mensch hüten, denn Gott hat uns verheißen, er wolle uns helfen das Kreuz tragen, aber nicht die Ungeduld, weil dieselbe nicht von Gott, sondern von unserm Fleisch und Blut herkommt; die Geduld bringt eine rechte Stille des Herzens und des Gemüths. 348 G e be t. Herr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ach, mein Gott! mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend und Jammer ist dir wohl bekannt. Dieses ist mein Trost, daß ich weiß, es kommt von geliebten Händen, ich habe es mir nicht selbst gemacht, sondern du hast es mir aufgelegt; hast du mir's aber aufgelegt, so hilf mir's tragen. Und weil die Geduld auch gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach! so verleihe mir dieselbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkest, Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. wenn du mir hilfft und beistehest, so kann ich Alles, so vermag ich Alles, so wird es mir nicht schwer werden. Ich vermag Alles durch den, der mich machtig machet, Christus. Greife mich auch nicht zu heftig an, damit ich's kann ausstehen. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stårke die müden Hånde, erhalte die wankenden Kniee, sage zu meinem verzagten Herzen: Dein Gott ist König, dein Jesus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du mir hilfst, so ist mir geholfen, darum hilf mir, o mein Heil! um deines Namens willen; zu dir habe ich Zuflucht. Stelle doch meiner Seele vor, es sey dein heiliger Wille, daß ich also leiden und mein Kreuz tragen solle; daß ich mich dann mit Freuden entschließe, und sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübniß dennoch liebest, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit, und nicht ewig dauern werde, ja, daß dieser Zeit Leiden nicht werth sey der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seyst, daß dieses Kreuz nicht sey ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade; überzeuge mich, es werde mein Nußen seyn, indem ich dadurch zu dir gezogen werde. Stelle meiner Seele vor das Erempel der Geduld 349 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. meines lieben Heilandes Jesu Christi, der Alles geduldig auf sich nahm, und wie ein Lamm seinen Mund nicht aufthat. Gib, daß ich ihm in solcher Stille und Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gib, daß ich mitdulde und mitleide, damit ich auch mitgekrönet und zur Herrlichkeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reissen, meinen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gib mir neue Kräfte und neuen Muth, wenn ich einen Sturm ausstehen muß oder ausgestanden habe. Ja stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen, und dein kräftiger Beistand gewiß erquicken werde. Du bist mein Fels, meine Burg, mein Hort, mein Schild, meine Kraft, sagt mir dein Wort, meine Hülf', mein Heil, mein Leben, mein starker Gott in aller Noth; wer mag dir widerstreben? Amen. S e fan 8. Mel O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Mein Gott! verzieh' doch nicht, Ach sieh', wie ich muß weinen; Wann willst du, o mein Licht! Zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause hab' ich Kreuz, Und geh' ich schon oft aus, So geht mein Leiden mit, Und kommt mit mir nach Haus. 2. 3war hoff' ich alle Tag': Sieh', heute wird es besser; Allein das Leiden wird Fast alle Tage größer; Ich werde schwach und matt, Mein Herze ist beklemmt, Es ist mein Angesicht Mit Thränen überschweramt. 350 3. Durch's lange Leiden will Auch die Geduld verschwinden, Weil sich die Linderung So gar nicht will einfinden; Ich Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. 351 warte von dem Tag Bis auf die stille Nacht, und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun långer noch, Mein Gott! die Hülf' verziehen, Wie wird es mir ergeh'n? Ach! wo soll ich hinflichen? Ach Gott! verzieh' doch nicht, Uch, eile bald herbei! Ach, Herr! wann machst du mich Von meinen Banden frei? 5. Die Hülfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen, Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden. Ach! wende dich zu mir, Komm' und errette mich, Erleicht're mir mein Kreuz, Ach Gott, erbarme dich! 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir es hilfft tragen; Ich will, wenn du mit trågst, Von keinem Leiden sagen; Denn trågst du nur mit mir, So trågst du das Gewicht, Ich habe zwar das Kreuz, Und fühl' die Last doch nicht. 7. Ach ja! mein Herr und Gott! Laß mich die Stund' erblicken, Da du nach meinem Leid Mich endlich wirst erquicken; Ach! schenke mir dereinst Die lang erwünschte Stund', Darnach das Herze seufzt Und der betrübte Mund. 8. Willst du mir diese Gnad', O großer Gott! erweisen, So will ich, weil ich leb', Dafür dich herzlich preisen; Mein Freudenwort soll seyn Nach ausgestand'ner Noth: Wie gnddig ist doch Gott, Der Herr Herr Zebaoth! Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. 2ufmunterung. Jesaia 48, V. 14. 17. Ich winselte wie ein Kranich und wie eine Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen. Herr! ich leide Noth, lindre mir's. Siche, um Trost war mir sehr bange, du aber hast dich meiner Secle herzlich angenommen, daß sie nicht ver dürbe, denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Gott hat seinen Kindern in ihrem Leiden eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem oder in dem ewigen Le 352 Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübfal. ben; es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um die Gewährung derselben auch in diesem Leben anzuflehen, doch also, daß sie dabei sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Deßwegen 1) wenn sie empfinden ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterkeit und Langwierigkeit, dürfen sie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn so machte es ja Christus, unser Heiland, selbst ,. welcher um Wegnehmung des bittern Kelchs seinen himmlischen Bater anflehete; hiermit legen Betrübte ihr Vertrauen und Zuversicht. zu der Allmacht Gottes an den Tag. Jedoch 2) soll diese Bitte um Abnehmung des Kreuzes mit einer gelassenen Ergebung in den Willen Gottes verknüpft seyn; besser ist's, wir tragen das von Gott geschickte Kreuz willig, als daß er es uns wegen unsers Murrens abnimmt, und im Zorn ein schwereres zuschickt. Diese Bitte um Abnehmung der Trubsal soll 3) auch eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir Gott desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oftmals zerstreuet, niederschlägt und zu heiligen Uebungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt seyn aus Ungeduld, oder um der Welt Lust und Freude wieder zu genießen, so siehet man ja leicht, daß Gott ein solch Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel und irdisch Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübfal. 353 gefinnet, fo låßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es als ein heiliges Feuer diese Stoppeln und Unreinigkeiten ausgebrannt hat. e bet. O du gnadenreicher Gott! der du die Betrübten und Elenden ansiehest, und dich erbarmest aller deiner Werke, ach! siche, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe allhier vor der Thür deiner Gnade, und flehe dich um Hülfe an. Du weißt ja, wie du mich betrübet hast, du weißt, wie du mich angegriffen haft, aber du weißt auch wohl, daß es mir Niemand kann abnehmen, denn du allein. Die Baterhand, die mich verwundet, die muß mich heilen; der mich getödtet, muß mich wieder lebendig machen; ja, der mich in die Hölle geführet hat, muß mich wieder heraus führen. Ach darum, du gnadenreicher Gott! komme ich zu dir, und spreche: Herr, hilf mir! ach erbarme dich meiner! Dein Zorn währet einen Augenblick, und du hast Lust zum Leben, aber dein Augenblick währet mir fast zu lange. Barmherziger Gott! der du in deinem Wort so liebreich deinen Kindern erlaubet hast, dich zu bitten: Bittet, so werdet ihr nehmen; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan: ach! laß auch mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Nimm meine Trubsal von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Ich will 23 854 Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübfal. dir nicht Zeit und Stunde, Art und Weise vorschreiben, sondern deine Hülfe mit Geduld erwarten. Ach! laß mich doch eine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur ein Stück und Theil desselben von mir. Du willst dich vor deinen Gläubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen, und sie mit großer Barmherzigkeit wieder sammeln. Ach Gott! wie lange willst du mein so gar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Ist's denn ganz und gar aus mit deiner Güte, und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß du noch mein Vater seyst, der sich über mich erbarmen wolle; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sey. Ach wie lang'! ach lange! ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. Dir ist ja Nichts unmöglich, Herr Zebaoth ist dein Name, groß von Rath, und mächtig von That. Du bist der Trost Israels und der Nothhelfer, darum verlaß mich nicht, hilf mir, errette mich, und sey mir gnådig; erquicke mich nun wieder, nachdem du mich so lange geplaget hast, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden habe, und thue nicht die Hand von mir ab, Gott mein Heil! Ist aber deine Hülfsstunde noch nicht da, so stárke mich inwendig, und gib mir solche Kraft, daß ich es dir zu Ehren ferner tragen Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübfal. 355 könne; denn wenn du, o lieber Vater, mit mir trågst, oder mir es linderst, wenn ich in deiner Kraft einhergehe, so will ich es auch für ein Abnehmen halten, darüber mich freuen und dir danken. Willst du mir es aber in diesem Leben gar nicht abnehmen, sondern ist es dein heiliger Rath, daß ich es bis in den Tod tragen soll, nun so geschehe auch darin dein Wille; nur laß mich nicht über mein Vermogen versuchet werden, und versüße mir alle Bitterkeit und Tribsal mit dem Genuß deiner Liebe, mit deinem kråftigen Beistand und mit einem erquickenden Vorgeschmack des Himmels. Soll ich noch mehr um deinetwillen leiden, so steh' mir, Herr, durch deine Kraft zur Seiten; beschüße mich stets gnådiglich, hilf meine Widersacher all bestreiten. Amen. Gefang. Met. Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Wann wird mich mein Gott erhåren? Ach! wie lang' verzicht er doch? Will er sich nicht zu mir kehren, Wegzuthun das schwere Joch? Ach! ich muß ja fast vergehen, Wenn er mich nicht will ansehen; Nimmt sich Gott nicht meiner an, Ach! so ist's um mich gethan. 2. Hat mir's Gott ja doch versprochen, Daß er mich erhdren woll', Wenn die Stund' ist angebrochen, Die mir Hülfe bringen soll; Bei dem Wort will ich ihn fassen, Und darauf mich fest verlassen; Was er mir verheißen hat, Kann er leis sten in der That. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, BVater! auf dein Kind, Ich will immer vor ihn treten, Wie die, so verlassen 356 Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, Aller Orten ihm nachgehen, Ihm schick' ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hülf und Ruh'. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethſemane, Långer auf die Hülfe warten, So will ich in Uch und Wch Nicht an Gottes Hülf verzagen, Und mein Kreuz ges duldig tragen; Seh' ich meinen Jesum hier In dem Garten doch bei mir. 5. Nun wohlan! ich bin vergnüget, Geh' es, wie es gehen foll, Wie es mein Gott mit mir füget, So thut er der Seele wohl. Endlich werd' ich noch lobsingen, Und ihm meine Opfer bringen, Ja erzählen Jedermann, Was er an mir hat gethan. Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. klagt Jer. 3, V. 31. Der Herr verstößet nicht ewiglich, sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte; denn er plaget und betrübet die Menschen nicht von Herzen. Alle Trúbsal wird leicht, wenn man hoffet, es werde bald besser werden; eine beschwerliche Reise wird kurz, wenn sie bald zurückgelegt ist. Hierbei soll ein Betrübter sich vorstellen: 1) daß sein Elend gewiß ein Ende nehmen werde und vielleicht noch in diesem Leben, wie Gott also Davids Flucht, Hiskid Krankheit, Hiobs Elend, der Wittwe Thrdnen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben zum Besten gewendet hat. Am allergewissesten aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und wenden in dem Tode; denn Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 357 da soll ihnen die Krone, ein weißes Kleid, die Himmelsfreude zu Theil werden, da will er abwischen alle Thränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, wenn er durch das Leiden betrübet wird, daß seine Seele dadurch wird erbauet; denn nun hat er erkannt Gottes Allmacht, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit; durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist sein Vertrauen aufgerichtet und sein Glaube gestärket worden; und wenn auch durch das Kreuz die Weltliebe in ihm ist getilget, daß er nun frommer, andächtiger, christlicher, demüthiger und sanftmüthiger ist geworden, so hat er gewiß einen großen Nußen von seinem Kreuze. So bleibet der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag sich enden entweder hier in der Zeit, oder erst dort in der Ewigkeit. e b e t. Ach du großer Gott! wie ist doch mein Leiden so schwer und groß! wie du selbst weißt, ein jeder Tag hat seine eigene Plage, und eine jede Stunde fast ihr eigenes Leiden; aber doch soll mein Glaube, meine Hoffnung und mein Vertrauen deswegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübfal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, nåmlich zu dir, dem allmächtigen, gütigen und barmherzigen Gott. Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal 358 Der Betrübte erwåget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. mich erfreuen, ja nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du hast versprochen, daß du die Mühseligen und Beladenen erquicken wolleft: nun, ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung; ach! gib mir, wenn es zu deiner Ehre und zu meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch, und was mein Mund bittet, denn du bist meine Zuversicht, Herr! Herr! von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann Alles ändern. Ach! so andere, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zustand; erquicke mich, erfreue, erhöre mich. Daraus will ich erkennen deine große Allmacht, daß du aus den schwersten und größten Leiden erretten kannst. Daraus will ich erkennen deine große Güte, nach welcher du dich als ein Vater über mich erbarmet hast. Außer dieser Trübsal hätte ich vielleicht in meinem Christenthum so viel nicht gelernet, als ich nun durch diese Leiden darin bin unterrichtet worden. Nun sehe ich deinen heiligen Rath, du hast mich demüthig, sanftmuthig und fromm machen wollen, du hast mich wollen zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben, und meine Hoffnung allein auf dich setzen soll, und da nun dieses ausgerichtet ist, so nimmst du meine Trúbsal wieder von mir, und läsfest mein Gemüthe, das vorher ganz unruhig war, wiederum stille, Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes, 350 gelassen und zufrieden werden. O welche herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen! o welcher große Nußen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu verfertigen. Meine Chrånen sollen auch ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Dornen, die mich stechen, sollen Rosen tragen; nach meinem Kampf soll der Sieg, nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Wie herrlich wird dermaleinst am jungsten Tage die Erlösung seyn, wenn ich da von allem Uebel befreiet in das himmlische Freudenleben eingehen werde! Sst dieses denn das erstemal, daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual, bisher gehabt auf Erden? Wir sind ja wohl und hoch gekrånkt, und doch hat Gott uns drauf geschenkt ein Stündlein voller Freuden. Amen. e fan g. Mel D Gott, du frommer Gott! zc. 1. Wann kommt mein Jesus doch? Will er mich gar vers laffen? Mein Heil! wann werd' ich dich zu meinem Trost umfassen? Ach! wenn mein Seelenfreund So ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir seine Hand darreicht? 2. Wann kommt mein Jesus doch? Sieh', Andre find bes 360 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. glücket, Sie steh'n in Herrlichkeit, Mit Wohlergeh'n geschmücket; Nur ich muß traurig geh'n, Ja ich muß ganz allein In meinem Jammerstand Von Gott verlassen seyn. 3. Es will mir die Geduld In meinem Kreuz verschwinden, Weil ich dich Jesum fast Weiß nirgend mehr zu finden; Wo ich mich nur hinwend', Sieh', da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif, Sieh', da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein Jesus doch? Ach! höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein Jesus, sagen? O Jesu! komm' doch bald, Die Zeit wird mir zu lang, O Jesu! komm' doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein Jesus kommet bald, O Seele, sey doch stille, Und stell' dein Trauern ein, Es ist fo Gottes Wille; Weil Jesus sich nicht zeigt, So schmeckst du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelenfreud'. 6. Dein Jesus kommet bald, Du liegst in seinen Armen; Sey freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen; Er sieht dein Leiden wohl, Sieh' da, in kurzer Zeit Erquickt er deinen Geist Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein Jesus kommet bald, Er wird dich nicht verlassen, Denn du bist ja sein Kind; Wie könnt' er dich denn hafsen? Schau' doch auf Andre nicht, Die da beglücket steh'n, Bald wird dir auch dein Licht Nach trüber Nacht aufgeh'n. 8. Dein Jesus kommet bald, Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Auf's freundlichste umfahen. Uuf, Seele! sey getrost, Dein Heiland ist dir nah; Nun ist bein Wunsch erfüllt: Dein Jesus ist schon da. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. 2. B. Mos. 22, V. 22. 23. Ihr sollt keine Wittwen und Waisen beleidigen; wirst du sie belei digen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. Ich bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 361 trågt, und mein Mann ist gestorben. Alſo beschreibet das kluge Weib von Thekoa eine Wittwe, 2 Sam. 14, V. 5. Es ist der Wittwenstand 1) ein Trauerstand, indem ein Weib ihres Ehemannes Hülfe, Rath, Trost, Gegenwart und Freundlichkeit muß entbehren, welches auch reichen Wittwen gar empfindlich ist; armen Wittwen thut es desto weher, weil ihnen diejenige Person durch den Tod ist geraubt worden, welche sie und ihre Kinder ernähret und durch Gottes Segen versorget hat. Es ist der Wittwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oftmals unchristliche Leute an Wittwen Gewalt üben, ihnen das Ihrige nehmen, sie drücken, verachten und ihnen Unrecht thun. Es ist aber der Wittwenstand 3) ein von Gott beschüßter Stand. Gott hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Wittwen und Waisen beleidigen sollen, und hat gedrohet, wenn man ihnen Unrecht thun würde, so wolle er es rächen. Gott hat verheißen, er wolle der Wittwen Mann, ihr Helfer und Richter seyn, der sich ihrer annehmen und ihre Sachen ausführen und befördern wolle. Ja er hat ihnen seinen besondern Segen und Beistand, wie auch seine besondere Hülfe und Gnade zugesaget. In dessen Betrachtung sollen fromme Bittwen 1) nicht an Gott verzagen; denn ist ihr Mann gestorben, so ist Gott nicht gestorben. 2) Sie sollen dieses anneh 362 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. men als eine Prüfung ihres Vertrauens und ihrer Hoffnung auf Gott. Es soll Niemand an einer Creatur hangen, oder sich auf dieselbe verlassen; wenn nun manches Weib meinet, es kónne sie und ihre Kinder Niemand ernähren, als ihr Mann, so machet sie aus demselben einen Abgott, darum fie Gott von dieser Sünde will frei machen und ihr zeigen, daß er sie und ihre Kinder auch ohne Mann erhalten und ernähren könne. Darum sollen christliche Wittwen 3) im Gebet anhalten, nicht argwöhnisch seyn, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott sie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. Gebe t. O du barmherziger und gnådiger Gott! der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlas senen und Elenden, ach! es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rath gefallen, mich in den betrübten Wittwenstand zu sehen. Meine Sonne ist am hellen Mittage untergegangen, und die Krone meines Hauses ist gefallen; ich bin ein Weib, das Leid trågt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rath und That suchen? Ach mein Gott! ich komme zu dir, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollet mein Antlig suchen; darum suche Betrübte Wittwen schutten ihr Herz vor Gott aus. 363 ich auch, Herr, dein Antlig. Du hast in deinem heiligen Wort verheißen, du wollest seyn der Wittwen Richter und der Waisen Vater: Ich, der Herr, bin dein Mann, Gott Israels ist mein Name. Ach! so sey auch jeßt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinigen Vater. Siehe an meine Thränen, wie sie die Wangen herab fließen, und laß sie zur gnådigen Erhörung gen Himmel steigen; siehe an mein Seufzen, und erbarme dich meiner, Gib mir recht zu erkennen, daß ich dennoch von dir nicht verlassen bin, ob ich gleich ohne Mann leben muß, und daß du, o du ewiger und unsterblicher Gott, nicht gestorben bist, sondern ewiglich lebest, obgleich mein Mann begraben liegt. Ach! es scheint, daß du dadurch mich willst von allen Creaturen abziehen, daß ich dir allein vertrauen und auf dich allein meine Hoffnung segen soll. Mein Gott und Bater, ich glaube von Herzen, daß du mich und die Meinigen ohne Mann schüßen, ohne Mannernähren, ohne Mann versorgen kannst; stårke diesen meinen Glauben nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Herr! thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohlgehe, führe mich, wie Naemi, versorge mich, wie die Ruth, ſegne meinen Selkrug, wie den der Wittwe in Israel, laß das Mehl und den Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe zu Sa 864 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. repta, wische meine Thránen ab, und sprich zu mir: Weine nicht! wie du zu der Wittwe, in Nain sprachst. Ach Herr! bescheere mir mein tågliches Auskommen, segne meinen Aus und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinigen nach deiner Verheißung. Ich sehe alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger Gott, dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bist weise genug, mich zu erhalten; du bist mäch tig genug, mich zu schüßen; du bist reich ge nug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig genug, mir Alles zu geben, was ich vonnöthen habe; du bist allgegenwär tig genug, in allen Nöthen mir beizustehen, mir zu helfen und mich zu erretten. Verlåsset sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen, vertrauet ein Kranker dem Arzt seinen Leib und sein Leben an, warum sollte ich dir, o allmächtiger und weiser Gott! nicht vertrauen und mich auf dich verlassen? Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen; Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o Herr, ach! nimm mich auf. Siehe, um Trost ist mir gar bange, du aber hast dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; ich habe viel Bekummernisse in meinem Herzen, aber deine Trostungen und gnädigen Verheißungen ergößen meine Seele. Sib, daß Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 365 ich diesen einsamen Stand im Glauben und in Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, an dir mich ergöße, Niemanden ein Aergerniß gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, aus der Trubsal erlöset, und nach der Zuchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott! Gnade nach dem Leiden, Hülfe nach der Betrübniß, Freude nach dem Weinen, Trofst nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden, und gib mir Huld und Gnade bei Jedermann. Erhöre mein Gebet, gib mir deinen Segen, führe mich an deiner Hand, sorge für mich und die Meinigen nach deiner gnädigen Verheißung. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, darum wirst du auch jetzt mein Schirm und Schatten seyn, mich behüten und mir Gutes thun, bis du mich wirst zu der Herrlichkeit bringen, da ich mit fröhlichem Munde in Ewigkeit dich loben werde. Wittwen find in Gottes Armen, Baisen sind in Gottes Schooß, ihrer will er sich erbarmen, wär' die Noth auch noch so groß; denn ein ungerechter Mann tastet Gottes Auge an, der die Waisen nie erquicket, und der Wittwen Herzen drükket. Wenn sie bleiben in den Schranken, darin sie Gott hat gestellt, und von ihm auch niemals wanken, weil er sich zu ihnen hält, sollen sie im Himmelsschloß werden allen 366 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Kummer los; da soll nicht mehr, wie auf Erden, Wittwennoth gehöret werden. Amen. S e n g. Mel O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ihr Wittwen, seyd getrost, Laßt ab von euerm Weinen, Es will der starke Gott Zu euerm Trost erscheinen; Er ist der Wittwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht, und setzt auf dieses Wort All' eure Zuversicht. 2. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch nicht verlassen; Wenn ihr zu finken scheint, So will er euch umfassen; Der Herr Herr Zebaoth, Der Herr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich eurer an. 3. Der Herr ist euer Mann, Er wird euch schon versorgen; Ist euer Angstgeschrei Dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quâlt, Er aber ist der Herr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der Herr ist euer Mann, Der wird sich schon erbarmen, Er hdret eure Stimm', Er trågt euch in den Armen; Er will deß, der euch krånkt, Ein strenger Richter seyn, Drum stellt das Ach und Weh Und bittre Weinen ein. 5. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr vonndthen habt In euerm ganzen Leben; Gott, der nach seinem Rath Zu Wittwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil Und Unterhalt bedacht. 6. Der Herr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Noth am größten; Er wischt die Thrånen ab, Dnum sprecht: Du bist mein Gott, Mein Gott! ach! steh' mir bei In aller meiner Noth. 7. Der Herr ist euer Mann, Drum sollt ihr ihm vertrauen, Und eure Zuversicht Auf diesen Felsen bauen; Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch seh'n, Wie es in diesem Stand' Euch wird nach Wunsche geh'n. 8. Nur dienet euerm Gott Mit Singen, Danken, Beten; Kommt jede Stund' und Tag Vor seinen Thron getreten, Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. 367 Und flagt ihm eure Noth; Bleibt in der Frömmigkeit, Und steht im Glauben fest, Und in 3ufriedenheit. 9. Gott! frommer Wittwen Gott, Und Vater frommer Waisen! Du wollest gnådiglich Sie schützen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgend hin, Denn nur zu dir allein, Drum wollest du ihr Gott Und treuer Vater seyn. 10. Versorg' der Wittwen Haus, Die Waisen woll'st du leiten; Ach Vater! schau', wie sie 3u dir die Hånd' ausbreiten; Ach! hör' doch ihre Stimm', Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen Gott Und frommer Wittwen Mann. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. Aufmunterung. Psalm 27, B. 10. Mein Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf. Ist ein betrübter Stand, so ist's gewiß der Stand der Waisen, der Stand, wenn Kinder, von Vater und Mutter verlassen, unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen oder aufhalten müssen. So betrübt aber der Stand ist, so wirket er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen von Vater und Mutter verlassene Kinder gedenken, ob sie gleich keine Eltern haben auf Erden, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben, als welcher ihr Vater in der heiligen Taufe geworden ist. Dieſer himmlische Vater stirbt nicht, er ist reich, er hat Alles, was wir bedürfen; er ist mächtig, er kann Alles geben; er ist ein weiser Gott, 368 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. der Alles wunderlich und herrlich auszuführen weiß. Es sollen 2) fromme Waisen bedenken, daß Gott oftmals mit Fleiß den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja sie zu Ehren bringen und reichlich segnen könne, wie er davon schon viel tausend Erempel uns vor Augen gestellet hat, die mit fröhlichem Munde sagen, wie Jacob: Ich hatte Nichts denn diesen Stab, da ich über den Jordan ging. Von Haus nahm ich zum Wanderstab die Armuth und mein Leben, drum Alles, was ich jego hab', das hat mir Gott gegeben. 3) Es sollen aber auch Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen Jedermann demüthig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andåchtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in all ihrem Thun aufrichtig seyn, sonderlich aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, noch thun wider Gottes Gebot. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie Gott gewiß nicht verlassen, er wird sie wunderlich, doch herrlich führen, daß sie Gottes Allmacht und Güte Zeit ihres Lebens werden rühmen können. Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. Gebe t. Ach du gnådiger, barmherziger Gott und Vater! ich armes, verlassenes Kind werfe mich allhier nieder vor deinem erhabenen Thron, und bitte dich in Demuth und von Herzen: nimm dich meiner als ein Vater an. Ach! es hat dir nach deinem weisen Nath gefallen, mich meiner Eltern Fürsorge und Pflege zu berauben; ach! wo soll ich nun hin? Ich bin eine Waise geworden, und habe keinen Vater mehr; wer will sich jetzt meiner annehmen? Derowegen, liebreicher Gott und Vater! komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich mein; auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe, du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Siehe, mein Vater und Muter verlassen mich, aber ach Herr! Herr! nimm du mich auf. Ach mein Gott! du gibst ja Speise den Vögeln, die auf freiem Felde fliegen, du kleidest die Blumen, du versorgest das Wild im Walde; ach! so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen, dich meiner erbarmen und mir gnädig seyn; mein Auge sehnet sich nach dir, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O! wie viele Erempel steben mir vor Augen von solchen Kindern, 24 369 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. welchen du Vater und Mutter hast lassen sterben, sie aber dennoch herrlich geführet, verforget und ernähret. Uch Gott! der du Mosen aus dem Wasser hast gezogen, schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast wollen über mich zusammen schlagen. Ach Herr Jesu! der du der Kinder dich haft treulich angenommen und sie gesegnet, ach! segne mich auch, nimm mich in die Arme deiner Barmherzigkeit, trage mich, und bewahre mich vor Unglück. Ach du werther heiliger Geist! der du die Gläubigen führest, wie die Jugend, führe mich auch. Weise mir, Herr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ach du dreieiniger Gott! sey mein Erhalter, der mich schüßet, mein Helfer, der mir beistehet, mein Geleitsmann, wenn ich aus- oder einreise. Ach! beschere mir gute Freunde, wo ich ein- und ausgehe, erwecke mir Gönner und Gutthåter, die sich meines Elendes erbarmen, laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllet seyn; thue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade, bewahre sie vor Unglück, und vergilt ihnen mit zeitlichem, geistigem und himmlischem Segen, was sie Gutes an mir thun. Gib mir ein demüthiges und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, Bosheit und fündliche Unarten mich 370 Berlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. der Gunst und Wohlthaten meiner Gönner nicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armuth dich möge verläugnen, oder vom Glauben abfallen, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntniß und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich allzeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu muthwilligen Sünden verführet werde. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit gerathen, und behüte mich vor verkehrtem Herzen. Odu gnådiger Gott und Bater! schrecke mich ab von der Gottlosen Wegen; warne mich, wenn ich sündigen will; erinnere mich, wenn ich des Bösen mich will gelüsten lassen; halte mich, wenn ich falle, hole mich herum, wenn ich irren will; stårke mich, wenn ich schwach bin; mache mich gesund, wenn ich krank bin. S treuer Gott und Vater! ich ergebe mich dir ganz und gar, ach! laß meinen Aus- und Eingang dir befohlen seyn. O! wie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohl thust! Meine Zunge soll sagen: Das hat Gott gethan; Gott hat mich gesegnet, erhalten, begleitet, geführet, versorget, ja ich will Jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen mich erwiesen hast. Ach Herr! Herr! höre das Gebet der verlassenen Waise, höre die Stimme deines Kindes; du bist mein Vater in der heili24* 371 Verlaffene Waisen Flagen Gott ihre Noth. gen Taufe geworden, in deine Arme haben mich meine Eltern nach meiner leiblichen Geburt geleget; ach! du bist ein reicher und unsterblicher Bater, ein weiser und liebreicher Vater, ach! darum sey deinem Kinde gnädig. Ich weiß, du kannst mir helfen, und willst mir helfen, ach Herr! so hilf mir um deiner Gute willen, daß ich einmal zu deinem Preiſe sagen kann: Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Denn, weil du mein Gott und Bater bist, dein Kind wirst du verlassen nicht, du väterliches Herz, ich bin ein armer Erdenklos, auf Erden weiß ich keinen Trost. Amen. 372 e fang. Mel O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ihr Waisen, weinet nicht! Wie? wollt ihr euch nicht fassen? Berlasset euch auf Gott, Der wird euch nicht verlassen; Sind gleich die Eltern todt, So lebet dennoch Gott, Dieweil Gott aber lebt, So habt ihr keine Noth. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesammt Beschützen, kleiden, speisen; Dem übergebet euch, Der nimmt sich eurer an, Seht! Gott ist euer Schuß Und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon versor gen, Er kennet eure Noth, Die ist ihm unverborgen; Ob ihr schon wenig habt, Der Vorrath ist sehr klein, So will Gott euer Gott Und treuer Pfleger seyn. 4. Habt einen guten Muth, Gott hat es ja verheißen, Daß er Verlassene Aus Trubsal wolle reißen; Das gehet euch auch an, Jhr werdet gar bald seh'n, Das Wort wird auch an euch Schon in Erfüllung geh'n. Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens. 373 5. Ja glaubet, bleibet fromm, Und geht auf Gottes Wes gen, Erwartet mit Geduld Den euch verheiß'nen Segen, Und weichet nicht von Gott, Vertraut ihm allezeit, So blühet euer Glück In Zeit und Ewigkeit. Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens. Aufmunterung. Jesaia 42, V. 3. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen. Herr, stårke uns den Glauben, Luc. 17, B. 5. Ist Etwas, das eine gläubige Seele schrekken kann, so ist's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer, lebendiger Glaube sey, daher denn der Zweifel entstehet, ob sie auch werde selig werden. Solchen geängsteten Seelen dienet zum Trost, 1) daß ein im Namen Jesu, auf sein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet, und ein schwacher Glaube ebensowohl ein wahrer und seligmachender Glaube sey, als der starke; ein kleines Kind ist ja ebensowohl ein Mensch, als ein großer, starker Mann. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirkung des heiligen Geistes ist; ein Gottloser begehret nicht zu glauben. 3) Der schwache Glaube ergreifet Jesum, sein heiliges Verdienst und seine Wunden, wie der starke 374 Der Betrübte klaget über die Schwachheit feines Glaubens. Glaube; wenn man einem Kinde und einem starken Mann, jedem einen Goldgulden in die Hand gibt, so hat Einer so viel als der Andere. 4) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen, weil er ja kein Licht des Nachts auslöschen kann. 5) Ob die Glaubensfreudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Funklein unter der Asche da ist, ob man es schon nicht siehet. 6) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß wider die Sünde, daher auch die Früchte des Glaubens entstehen, Galat. 5, V. 22.: Liebe, Demuth, Sanftmuth, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geångstete Seelen fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu thun. Wo diese sich aber an einem Menschen finden, da ist der Glaube und heilige Geist, denn es sind nicht Früchte des Fleisches, Gal. 5, V. 19., sondern des Glaubens und des heiligen Geistes; denn der Glaube und heilige Geist sind unzertrennlich. 7) Gebet, Lesen in der heiligen Schrift, Geduld, Harren auf Gott, stårken den Glauben. 8) Der Glaube ist eine Gabe Gottes, Gott wird aber nicht mehr von dir fordern, als er dir gegeben hat. 9) Christus ist auch für die Schwachgläubigen gestorben, und be tet für sie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du schon das nicht glauben kannst, ſo Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens.. 375 ist's doch wahr, weil es die heilige Schrift faget. Gebe t. Ach du gnadenreicher Gott! ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig macht, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen kann. Weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden wollte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen so gar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zunde in meinem Geiste an das Licht des wahren Glaubens, dadurch ich dich als den einigen wahren Gott recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbaret hast, und daß ich deinem geoffenbarten Wort möge von Herzen glauben, und deine Verheißungen von deiner Gnade und der Vergebung der Sünden, die mir durch Jesum erworben worden, mit festem Vertrauen und ungezweifelter Zuversicht möge annehmen. Denn mich dünket zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren. Dieses klage ich dir, mein Gott! darum, weil ich weiß, daß alle gute Gaben und alle vollkommene Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht Jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach! so bitte ich dich, stårke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht 376 Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens. zerbrechen, noch das glimmende Töchtlein auslöschen. Mein Gott! schreibe diesen Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, das Blut und den Tod Jesu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieiniger Gott! nämlich an dich, o himmlischer Vater, als unsern Schöpfer, an dich, o Jesu, als unsern einigen Erlöser und Seligmacher, an dich, o heiliger Geist, als unsern Heiligmacher und Tröster, hålt, auch ein Glaube sey, der dir gefalle, und auch selig mache. Gib mir auch die Empfindung des Glaubens durch eine innerliche Freudigkeit im Gebet, durch einen kräftigen Trost und durch eine freudige Hoffnung zu schmecken, wenn es also dein heiliger Wille ist. Ach mein Jesu! bitte auch für mich, wie du für Petrum gebeten hast, daß mein Glaube nicht aufhöre; verfiegle in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft, und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sey; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle, um deiner heiligen Fürbitte willen; daß dein Blut mich auch angehe, und daß ich dadurch gerecht und selig werden soll. Und du, werther heiliger Geist, wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens; treibe mich, heilige mich, regiere mich, ja wohne in mir, und gib das Zeugniß meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sey. Gelobet sey Der Betrübte klaget über fündliche, böse Gedanken. 877 dein heiliger Name, daß ich in mir einen Abscheu finde, Sünde zu thun, daß ich darwider seufze, und mit Gebet kämpfe, hingegen ein herzliches Verlangen habe, dir allein zu leben, zu dienen und zu gehorchen, woraus ich sehe, daß du dennoch in mir wohnest. Mehre und erhalte in mir diese Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage süßer und erquickender. Wirst du dieses mir, o dreieiniger Gott! verleihen, so will ich gern mit meinem schwachen Glauben zufrieden seyn. O mein Gott! vor den ich trete jeßt in meiner großen Noth, höre, wie ich sehnlich bete, laß mich werden nicht zu Spott; mach' zu nicht des Teufels Werk, meinen schwachen Glauben stårk', daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. Amen. Eine andere Klage über Anfechtung. Der Betrübte klaget über fündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. Aufmunterung. 2. Corinther 12, V. 7. 8. 9. Des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlägt, dafür ich dreimal den Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Betrübt ist es, einen Kranken klagen zu hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes; aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über 378 Der Betrübte klaget über fündliche, böse Gedanken. sündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dienet zum Trost: 1) Geistliche Anfechtungen, Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, als nach dessen Willen sie dieses leiden müssen; ohne Gottes Willen kann nicht ein Haar von ihrem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen dergleichen Seelenangst widerfahren? 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die bösen und abscheulichen Gedanken, und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch, und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrekken, ist ein Kennzeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen, und daher nicht leiden können, daß dergleichen böse Dinge in ihren Herzen aufsteigen. 4) Dieser Schrecken, diese Angst über die låsterlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß Jesus und der heilige Geist noch im Herzen wohnen; wåre Satan darinnen( wie die Angefochtenen meinen), so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Solche låsterliche Gedanken rechnet Gott den Seelen der Frommen nicht zu, a) weil sie wider ihren Willen entstehen, b) weil sie darüber seufzen, c) weil sie daran keinen Gefallen haben, d) weil sie einen Angstschweiß empfinden, wenn sie kommen, und e) weil sie ihnen widerstehen. 6) Anfechtung ist kein Kennzeichen des Zorns, sondern Der Betrübte klaget über fündliche, böse Gedanken. 379 der Gnade Gottes; solche Seelen haben doch einen gnädigen Gott, wie an Hiob zu sehen ist; Gott ist nicht von ihnen gewichen, er ist noch im Herzen, aber er verbirgt sich vor ihnen. 7) Die Seele stehet im Leiden, und nicht im Thun, wenn die Gedanken kommen, wie ein Haus, in das man Feuerkugeln wirft; darum soll er nur ſeinen Mund zuhalten, und die bösen Gedanken in Worten nicht aussprechen, auch nicht leicht unverständigen erzählen, damit er nicht Jemand årgere. 8) Er soll immer widersprechen und sagen: Es ist nicht wahr, ich bin nicht verdammt. Satan ist verdammt, ich bin erlöset; das böse Wort ist nicht mein Wort, ich billige es nicht; weg aus meinem Herzen! Ich bin Gottes, Gott ist mein; wer ist, der uns scheide? 9) Durch låsterliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesen des Wortes Gottes abhalten lassen, sondern man soll vielmehr oft beten und lesen. 10) Weil solche Seelen sagen, sie wollten lieber auf Dornen gehen, am Leibe Schmerzen leiden, als solche Gedanken haben, ja weil sie sich auch vor Sünden und bösen Werken hüten, so ist's ja eine unwidersprechliche Probe, daß der Glaube, Jesus, der heilige Geist, ja die ganze heilige Dreieinigkeit noch im Herzen ist. 11) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten, noch an Gott denken, so ist ihre Klage schon ein Ge 380 Der Betrübte klaget über fündliche, böse Gedanken. bet, und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen; denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade, ja sie beten durch ihr Winseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und kräftigsten. 12) Ob sie sich gleich einbilden, sie erzurnen Gott in allen Dingen, was sie thun, so nimmt's ihnen Gott nicht übel auf, er siehet ihren Willen und ihr Verlangen an; sie meinen, sie wären die Allerentferntesten von Gott, und sind ihm die Nächsten; sie meinen, sie waren die Bösesten, und sind ihm die Treuesten; sie meinen, sie wären die Verstofsenen, und sind Gott die Liebsten. 13) Sie sollen geduldig ausharren, denn man hat kein Beispiel, daß Gott solche Seelen habe verlassen; denn er erfreuet, erquicket und tröstet sie wieder; doch muß hier die Zeit erwartet werden, wie man eine Krankheit muß austoben lassen; mit der Zeit wird es sich schon nach und nach verlieren, geringer werden, und endlich nachlassen; so haben es bisher die Frommen erfahren. 14) Diese Anfechtungen machen den Menschen demüthig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses thun oder reden mag; ja diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, von Lauigkeit im Gebet und in Anhörung des göttlichen Wortes reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nußen? 15) Diese Der Betrübte klaget über fündliche, böse Gedanken. 381 Gründe soll man einen nach dem andern betrachten, oder sich von Freunden Gottes weiter auslegen lassen, und dabei leibliche Arzenei gebrauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gårten oder auf's Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde immer um sich haben, ausgenommen wenn man beten will. Mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen, ist auch erbaulich. Man lese auch fleißig das 8. Capitel an die Römer, ingleichen den 27. und 88.Psalm. Sebet. Ach du heiliger Gott! der du wohnest unter dem Lob Israels, und welchen alle heilige Engel und Auserwählte ohne Unterlaß loben und preisen; ich betrübte Seele klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lobe gewaltig verhindert werde durch die bösen und lästerlichen Gedanken, welche in meinem Herzen so oft, ja fast tåglich aufsteigen. Du allwissender Gott weißt ja wohl, daß sie mich wie fliegende Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ångsten; aber du weißt auch, daß ich darüber erschrecke und bitterlich weine, wenn ich solche feurige Pfeile empfinden muß. Ach mein Gott! rechne mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschieht; du siehest, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich dawider seufze, wie ich davor einen Abscheu habe, und 382 Der Betrübte klaget über fündliche, böse Gedanken. sie gern aus dem Herzen vertreiben wollte. Ach Herr! laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ich will den Kelch gern trinken, den du mir, o lieber Vater! eingeschenkt haft. Laß es nur nicht einen Kelch des Zorns, sondern deiner Gnade seyn. Ach! sey mir gnädig, denn ich bin schwach. O! wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Ach verstoße mich deßwegen nicht, weil ich es nicht ändern kann, sondern ich muß das leiden; aber deine Rechte, du Allerhöchster! kann Alles åndern. Erquicke mich, du dreieiniger Gott, und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart and reichen Trost wieder empfinden, ja gib mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte, und damit ich mich aufrichte und ritterlich wehre. Soll mein Jammer lange währen, ach! so gib mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gib Zeugniß meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sey. Nun, mein Gott! ich will auch diese Anfechtung gern leiden, weil ich weiß, daß du sie mir nicht zu meinem Verderben, sondern zu meiner Erweckung in dem Guten, zu meiner Reinigung von Sunden, bösen Unarten und weltlichen Gewohn 383 Der Betrübte klaget über fündliche, böfe Gedanken. heiten, und zur Heiligung meines Lebens zugeschickt haft. Sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Kommt er doch von geliebten Händen; dieses Feuer soll die bösen Lüste und den alten Menschen aus meinem Herzen ausbrennen, und es dir, o großer Gott! zu einem Tempel und zur Wohnung heiligen. Daher spreche ich auch mitten in meiner Angst: Du bist doch mein Vater, mein Erretter, mein Helfer und mein treuer Beistand. Ach! sende deines heiligen Geistes Kraft in mein Herz, die mir helfe kämpfen und überwinden. Du hast gesagt: Es sollen nicht zu Schanden werden, die auf mich harren. Herr! auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit, eilend hilf mir. Sey. mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest; um deines Namens willen wolleft du mich leiten und führen. Du hast gesagt, deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach Herr! Herr! laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach! mein Bater, laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnimmst; stårke mich, hilf mir, bewahre mein Herz wie mit einer Mauer, umgib es wie das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Gedanken nicht mehr hinein kommen, ja daß ich sie durch Klagen wegen läßterlicher Gedanken. deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott! du wirst mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen; lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu seiner Zeit ganz davon befreien wirst. Jesu, du Brunn aller Gnaden, der du Niemand von dir stößt, der mit Schwachheit ist beladen, sondern Allen Trost einflößt: sollt' ihr Glaube noch so klein, als ein kleines Senfkorn seyn, woll'st du sie doch würdig schäßen, große Berge zu versehen. Laß mich Gnade vor dir finden, der ich bin voll Traurigkeit; hilf du mir selbst überwinden, so oft ich muß in den Streit; meinen Glauben tåglich mehr', deines Geistes Schwert verehr', damit ich den Feind kann schlagen, alle Pfeile von mir jagen. Amen. 384 Klagen wegen lästerlicher Gedanken. Gefang. Mel D Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ich klage dir, o Gott! Mit hochbetrübter Seele, Wie scharfer Pfeile Sturm Mich so entseglich quâle; Ach! bdse Låsterung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ångstet mich. 2. Ach! wo soll ich doch hin? Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht! Uch Gott! dir will ich's klagen; Du kennst des Herzens Grund, Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm In lauter Jammer bin. 3. Ach! war' ich doch, mein Gott! Der Pfeile überhoben, Ich qual' und mart're mich, Wenn sie so grausam toben, Ach! Gebet gegen låsterliche Gedanken. 385 wenn mein Herz dann nur an dich, mein Gott! gedenkt, So wird's im Augenblick In Lästerung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort Im Herzen mir verkehret, Ja man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfähret, Ich höre and're Wort', Als ich im Herzen hab', Und diese große Qual Frißt mir das Herz fast ab. 5. Ach! schaue meine Noth, Bald will mich der verdammen, Der selbst verdammet liegt Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil: Gott wüßte Nichts von mir, Ich wåre, o mein Gott! Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja! die Låsterung Mischt sich zu allen Dingen, In Alles, was ich thu', In Lesen, Beten, Singen; Was ich zu deiner Ehr' Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht' ich es nur meines Unflahts voll. 7. Ich kann der Låsterwort' Sogleich mich nicht entschlagen, Ich muß sie oft gar lang' Ohn' meinen Willen tragen. Ach! rechne mir nicht zu Das, was ich leiden muß, Und dem ich widersprech'; Ich leid' es mit Verdruß. 8. Mein Gott, dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hinkehre; Ich schreie tausendmal: Mein Gott! ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Låsterung vorspricht. och Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gefan g. Mel O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ich liege hier vor dir Mit höchst betrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott! Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind' In mir ohn' Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Auge thrånennaß. 2. Ach Gott! ich leide dies Nach deinem Vaterwillen, Ich weiß, du kannst die Angst 3u seiner Zeit schon stillen; Ach! ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigenthum, Du bist mein Gott und Herr, Mein Freund, mein Trost, mein Ruhm. 3. Ach! die Anfechtung ist Ein Zeichen deiner Gnaden, 25 Gebet gegen läfterliche Gedanken. Sie bessert Seel' und Geist Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sund' und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott Und wehrt der Sicherheit. - 4. Gefällt es aber dir, Mein Herz ganz rein zu machen Durch scharfes Feuer, das Gleichsam aus Satans Rachen Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib' ich doch bei dir, Ach! stehe mir nur bei, Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja! ich merke wohl, Ich bin vielmehr im Leiden, Ich treibe nicht das Werk, Das ich gern wollte meiden; Ach! ich verschlosse gern Des matten Herzens Haus, Und trieb' die Låsterung, Wenn's möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer, der annoch In meiner Seele quillet, Der Streit, den ich empfind', Wird er schon nicht gefstillet, Ja, der vielmehr anhålt, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieh', der versichert mich, Daß Jesus in mir lebt. 386 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich mich fast scheu', Vor dich, o Gott! zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dies mein Angstgeschrei Vor deinem Gnadenthron Ein eifrig Beten sey. 8. Ach Gott! die Noth ist groß, Doch dir nicht vorzuschreiben Die Zeit und Stund' der Hülf'; So will ich gern noch bleiben In diesem Kampf und Sturm, Gib mir nur Kraft dazu, Und schenk' mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh'. 9. Will auch die Låsterung Zu keiner Zeit mehr schonen, So willst du doch, o Gott! In dem Betrübten wohnen; Ach! wohn' jetzt auch in mir, Und rufe mir auch zu: Sieh' da, ich bin bei dir, Du Hochbetrübter du! 10. Laß meinen Glauben nicht, O Seelenfreund! aufhören, Ach! laß den Låstergeist Die Andacht nicht mehr stören; Beig mir nach meiner Angst Dein gnådig Angesicht, Und nach der Finsterniß Ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach! großer, starker Gott! Ach stårke meinen Glauben, Damit der Satan nic Denselben könne rauben, Versichere du mich, Du seyst mein Herr und Gott, Mein Vater, der mich liebt, Mein Helfer in der Noth. Troft gegen lästerliche Gedanken. 12. Und weil du Niemand hast In Anfechtung verlassen, So will ich deine Gnad' Mit frohem Muth umfassen; Ach! sende mir doch bald Die rechte Hülfezeit, Da sich in Trost und Freud' Verkehrt die Traurigkeit. 387 13. Sieh' an die Jammerklag', Die Thránen meiner Wangen, Ich schrei' dir immer nach, Bis ich werd' Hülf erlangen; Und schweigest du gleich still, So schrei' ich doch zu dir, Und sprech' ohn' Unterlaß: Mein Gott! ach! hilf doch mir 14. Mein Gott! erbarme dich, Sieh' an mein bitt'res Weinen, Ach! laß dein Guadenlicht In meiner Seele scheinen; Ach Gott! erquicke mich, Und gib mir Freudigkeit, Ach! gib mir Trost und Sieg Nach diesem Kampf und Streit. Trost gegen lästerliche Gedanken. Gefa n g. In voriger Melodie. 1. Weicht, weichet nur von mir, Ihr sündlichen Gedanken, Ich bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht wanken; Ich acht' nun euer nicht Und eurer Låsterung, Ihr dienet mir vielmehr 3ur Seelenreinigung. 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschichet, Ja, was mein Will' nicht ist, Und was mein Herze flichet, Und davor Abscheu hat; Gott kennet meinen Sinn, Daß ich hier nicht im Thun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Låsterung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufz' auch immerdar Mit hochbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir, In's Herz kommt sie ja nicht, Dawider streit' ich oft, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft Ich nur noch widerspreche, Und jeden Låsterpfeil Durch seinen Geist zerbreche, So schad't der Pfeil mir nicht; Mein Jesus ist doch mein, In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. 3war fühle ich Und giftig böse Wort oftmals, Wie Satans Engel schläget, Mir an mein Herz geleget; Doch was 25* Trost gegen lästerliche Gedanken. kann ich dazu, Daß ich geschlagen werd', Weil ohne Schlag' zu seyn Das matte Herz begehrt? 6. Gott sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu seiner Zeit Mich schon davon befreien; Weil ich für solche Wort' Hab' Schrecken, Furcht und Scheu, So schenkt mir Gott die Schuld Auf meine Buß' und Reu'. 7. Ja, tobet immerhin, Ihr lasterhaften Worte, Ja, tobet, wie ihr wollt, In mir an jedem Orte; Gott ist dennoch mein Freund, Ich acht' doch euer nicht, Mein Jesus ist mein Trost Und meiner Seele Licht. 388 8. Ihr habet mich von ihm Bisher noch nicht vertrieben, Ihr könnet es auch nicht, Ihn will ich ewig lieben; Weil's nicht mein Wille ist, Daß ihr im Herzen seyd, So bleib' ich Gottes Kind In meinem Herzeleid. 9. Ach ja! ich werde schon Euch einst noch überwinden, Ich werde Ruh' und Trost In Jesu Wunden finden; Ich seh' den Himmel schon Mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin gethan. 3r Abschn. Ich will dich nicht verlaßen noch von dir weichen. Jes: 1 Seele Rach die Here verlanget mich. Am drankenbette ſteht dein Selus dich zu trölten, Das glaube wenn die Koth der leheintam allergröften. Des täglichen Handbuchs dritter Abschnitt. Zum Gebrauch der Kranken. Morgengebet eines Kranken. Aufmunterung. Psalm 55, V. 17. 18. Ich will zu Gott rufen, und der Herr wird mir helfen. Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und schreien, so wird er meine Stimme hören. Obgleich Gott einen Menschen låßt krank werden, so soll er darum doch nicht das Gebet einstellen, sondern desto eifriger beten; ja, je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll auch das Gebet werden, wie auch Christus that, wie Lucas bezeuget, Cap. 22, V. 44.: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Gott Jemanden auf das Krankenbette niedergelegt, so soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich sein Herz zu Gott erheben, und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht ihm geleisteten Schuh. Ist die Nacht betrübt und unruhig gewesen, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist die Nacht aber ruhig und erträglich gewesen, so ſoll er ihm dafür danken. Hat er also sein Morgengebet eines Kranken. Herz am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er 2) sein Gebet vor ihn bringen, und sich den Tag über in seinen Schuß und in seine Obhut empfehlen, fleißig an Gott denken, und geduldig leiden, was er ihm zuschicket. Er soll sich dabei 3) erinnern, daß Jesus auch bei ihm an seinem Krankenbette sey, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja, daß er ihn will da lehren und unterrichten. Vielleicht ist der Kranke in gesunden Tagen kein fleißiger Kirchengånger oder kein andächtiger Beter gewesen; diesen Fehler will ihm Gott vorstellen, daß er nun desto andächtiger beten lerne, und sehe, wie es ihm an Trost und Erbauung mangele, weil er in guten Tagen keinen Vorrath und guten Schaß an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Gottes und seines Worts gewesen, so will ihm Gott Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in die Ulebung soll bringen, was er von der Geduld, vom Vertrauen auf Gott, von der Gelassenheit und von der Ergebung in den Willen Gottes gehöret hat. 390 Gebet. O du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich komme anjetzt, da der Tag angebrochen, vor deinen allerhetligsten Thron, und danke dir, daß du mich diesen Tag wiederum hast erleben lassen. Du 301 Morgengebet eines Kranken. weißt, Herr! wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht habe; dennoch kann ich nicht genug deine Güte preisen, daß du das Licht der Sonne mich hast wieder sehen, und alle Schmerzen sammt allem Ungemach glücklich vorübergehen lassen. O du Gott der Liebe! ich danke dir für deine Liebe; o du starker Gott! ich danke dir für deinen Schuß und Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewachet, deine Hand hat mich bedecket, deine Gnade hat mich erhalten. O mein Gott! die Sonne gehet wieder auf, ach! laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen. Gib mir mit diesem Tage neue Kräfte, neue Gnade und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. Herr, mein Gott! es hat dir gefallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen; wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt; vielleicht willst du mich dadurch absondern von meinen gewohnten Sünden und von meiner ordentlichen Arbeit, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mógest, wie ich soll für meine Seele sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedienet, dich geehret, dir gehorchet habe, daß ich darüber mich betrübe, mich vor dir schäme, und wahre Buße thue, auch mit dir einen Bund mache, und also schaffe mit Furcht und Zittern, ſelig zu werden. Gib, daß ich, o Sesu! den ganzen 392 Morgengebet eines Kranken. Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, an dein Blut und an deinen Tod denken, und das wahre Heil und ewige Wohlseyn meiner Seele betrachten. Gib mir, mein Gott! einen schönen Trostspruch nach dem andern in mein Herz, der deiner Vaterliebe mich versichere, deine Gnade mir versiegele, und deiner baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vor geschwinden Zufällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunden und allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stårke mich durch deinen heiligen Geist in meiner Schwachheit; willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden lassen empfinden, so bleibe nur bei mir und weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und Alles mit Gelassenheit und stillem Muth annehmen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind, du kannst mein Leben mir erhalten, und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen, und deine Barmherzigkeit Herzlich preisen, für Alles, was du an mir gethan hast. Meinen Leib und meine Seele, sammt den Sinnen und Verstand, großer Gott! ich dir befehle unter deine starke Hand; Herr, mein Schild, mein' Ehr' und Ruhm, nimm Morgengebet eines Kranken. 393 mich auf, dein Eigenthum. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende, und mich halt' in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh' führe nach dem Himmel zu. Amen. efan g. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele! 2c. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh' ich jetzt die Sonne scheinen, Welche Alles munter macht; Darum fang' ich fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann, Diesen Tag mit Beten, Singen und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, Herr! das ist dein Will' und Rath, Welcher mir, als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat. Nun, ich nehm' es gern auf mich, Ja ich trag' es williglich; Was du pflegest aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad' und Segen. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad' erhålt, Laß mich auch das End' erlangen, Wenn es dir, mein Gott, gefällt; Lindre meinen Schmerz und Noth, Ach, mein Bater. Herr und Gott! Jesu, meiner Seele Sonne, Schenke mir heut Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Will' geschehen, Herr! dein Wille nur allein; Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden seyn; Ich will leben, wenn's dein Will', Auch im Leiden halt' ich still'; Ich will mich zum Tod und Leben Dir hiermit, mein Gott! ergeben. 5. Segne meine Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr, Laß dieselben mir gedeihen, Herr! zu deines Namens Ehr'; Hör' in Gnaden mein Gebet, Wenn ich gläubig vor dich tret', Daß ich dich im Glauben fasse, Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß mir's besser wieder werd'; Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd': Herr! das überlass ich dir, Wie du willst, Abendgebet eines Kranten. geschehe mir; Dein bin ich mit Leib und Seele, Du bist's, dem ich mich befehle. 394 Abendgebet eines Kranken. Aufmunterung. Psalm 77, B. 2. 3. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott, zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den Herrn, meine Hand ist des Nachts ausgereckt, und läßt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübet bin, so denke ich an Gott, wenn mein Herz in Nengsten ist, so rede ich. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwäget, welche ihm sowohl bei Tag, als auch des Nachts begegnen können, so soll er ja wohl niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn mit Leib und Seele dem mächtigen Schuß des gnädigen Gottes befohlen. Sonderlich soll das ein Kranker thun. Hat ihm Gott auf seinem Krankenbette einen Tag herumgeholfen, so soll er 1) Gott für ſeinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arzenei gesegnet, hat er das Ungemach den Tag über leidlich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen; dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an Gott versündiget hat. Kommt nun die Nacht herbei, wovor sich Kranke sonderlich zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle alles Unglück, alle gefährlichen Zufälle und Schmerzen in Gnaden von Abendgebet eines Kranken. ihm abwenden. Hat er sich also mit Leib und Seele Gott befohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreieinige Gott werde auch des Nachts sein Licht und seine Lebenskraft seyn, er werde an seinem Bette stehen, sein pflegen und hüten, er werde um Jesu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnådig seyn; sollte ihm auch in der Nacht das Todesstündlein bescheret seyn, so wird der dreieinige Gott alsdann mit seiner Gnadengegenwart ihn umfassen, und seine Seele durch die heiligen Engel in den Himmel lassen begleiten. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe und Gnade übergeben. Sebe t. 395 Ach du barmherziger Gott! ich habe nun wiederum einen Tag überlebet; Herr! Herr! du hast nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sey deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Sonderlich preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag über meine Schmerzen und Krankheit mir haft tragen helfen. Ach Herr! du legst eine Last auf, aber du hilfft sie auch tragen; wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübet wohl, aber er erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnådig, gütig und freundlich allen denen, 396 Abendgebet eines Kranken. die ihn anrufen. Er höret das Schreien der Elenden, und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach großer Gott! die Nacht bricht herein, und es will Abend werden; darum wende ich mich zu dir mit meinem Gebet, und spreche: Mein Vater! ach bleibe bei mir, und weiche diese Nacht nicht von mir, ja befiehl deinem Engel, daß er komm', und uns bewach', dein Eigenthum, gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vor'm Satan haben Ruh', so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns seyn; o heilige Dreieinigkeit! wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir ab alle gefährlichen und plößlichen Zufälle, lindere meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach himmlischer Vater! bleibe doch bei deinem kranken Kinde; denn wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O Jesu! die Sonne gehet unter und weichet von uns, aber du, Sonne der Gerechtigkeit! weiche nicht von mir. O mein Jesu! fasse mich diese Nacht in deine Arme, deine Linke liege unter meinem Haupt, und deine Nechte decke mich. Gib, daß ich mit dir einschlafe, und im Schlafe an deinem vergossenen Blute mich ergöße, deiner Wunden mich Abendgebet eines Kranken. erfreue, und darin Trost, Vergebung der Sünden und Erquickung für meine Seele finde. O du werther heiliger Geist! es gehet Jedermann von mir, außer Wenigen; aber ach! du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei mir, stårke mich, erhalte mich in wahrem Glauben und in christlicher Geduld. I du heilige Dreieinigkeit! nimm mich auf in deinen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mir, und sey mir gnådig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Sollt' diese Nacht die lehte seyn in diesem Jammerthal, so nimm mich, Herr, zum Himmel ein, in deinen Freu' densaal. Und also leb' und sterb' ich dir, o starker Zebaoth, im Tod und Leben hilf du mir aus aller Angst und Noth. Amen. Gefang. 397 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich will mich nach der Ruh' umsehen, Weil mich die Krankheit můd' gemacht, Ich will mit Jesu schlafen gehen, Der selbst bei allen Kranken wacht; Ich denk' dabei an meinen Gott, Ja auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; Doch wenn ich Jesum bei mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf' ich aller Sorgen los, Und ruhe sanft in seinem Schooß. 3. Wenn ich mich deck, denk' ich, die Erde Wird einstens decken also mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab' ich, o Jesu! dich, So ruh' ich wohl in meinem Bett', Und auch wohl in der Grabesstått'. Der Kranke bittet Gott um Geduld. 4. Ich denk', wenn ich das Licht austhue, Weil man des Nachts Nichts hat zu seh'n, So wird auch, wenn ich komm' zur Ruhe, Mein Lebenslicht geschwind ausgeh'n; Doch Jesus, meiner Seele Licht, Verlischt in meinem Herzen nicht. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einstens aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide, Und gehe in des Grabes Haus; Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen, Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich mög' der Ruh' genießen, Und mich kein frecher Feind berühr': So schließt mein Auge zu der Ruh' Mein liebster Jesus selbsten zu. 7. Ich werd' auch aus dem Bett' aufstehen, Wenn nun die Morgenrdth' anbricht, Und freudig aus dem Grabe gehen, Wenn Jesus, meiner Seele Licht, Mich auferweckt zur Herrlichkeit, Und führet mich zur Himmelsfreud'. 8. Dies sind die seligen Gedanken, Sich'! damit schlaf ich fröhlich ein, Mein Herz soll nicht von Jesu wanken, Ich will im Schlaf auch bei ihm seyn; O süßer Schlaf, o helle Nacht, honds Da Jesus in dem Herzen wacht! 398 Der Kranke bittet Gott um Geduld. 2ufmunterung. Psalm 43, 2. 12. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hülfe und mein Gott ist. Geduld ist euch noth, daß ihr den Willen Gottes thuet, und die Berheißung empfahet. So sagt Paulus Hebr. 10, V. 36. Und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig und eigenwillig, sondern geduldig und gelassen seyn. Zur Geduld Der Kranke bittet Gott um Geduld. aber soll besonders einen Kranken bewegen 1) Christi Erempel, welcher unter den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern war wie ein Lamm. Wenn wir daher ihm wollen gleich werden in der Herrlichkeit, so müssen wir auch, wie er, geduldig leiden. Der Kranke soll 2) bedenken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sey; denn kann kein Sperling auf die Erde, ja kein Haar von unserm Haupte fallen ohne Gottes Willen, wie viel weniger kann uns eine solche schwere Last und Krankheit aufgelegt werden ohne Gott? Zur Geduld soll ihn 3) bewegen die göttliche Liebe und Allmacht; was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen; wenn er ein Wort spricht, so werden die Kranken wieder gesund. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte; darum soll er, anstatt der Ungeduld, vielmehr in wahrer Buße und Glauben sich vor Gott demüthigen, und ihn um Gnade anflehen. 5) Soll der Kranke bedenken, Ungeduld macht das Kreuz nicht leichter, sondern schwerer; ja Gott hat verheißen, er wolle unser Kreuz uns tragen helfen, das er uns aufgeleget; aber die Ungeduld zu tragen, hat er uns nicht verheißen, weil sie nicht von ihm, sondern von uns kommt. 390 P Der Kranke bittet Gott um Geduld. Gebe t. Barmherziger Gott, gnådiger Vater! siehe, ich armer Mensch liege allhier auf meinem Krankenbette, und kann nicht auskommen; aber zu dir komme ich, und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach! es hat dir gefallen, mit diesem Leiden mich väterlich zu belegen, und anstatt der bisher genossenen Gesundheit mir diese Krankheit zuzuschicken. Nain, mein Gott und Vater! es geschehe dein Wille, gib mir Geduld, daß ich Alles tragen möge ohne Murren und ohne Widersprechen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollte ich jetzt auch nicht Etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich Gutes von dir empfangen, haft du mich in gesunden Tagen oft erquicket und erfreuet, so will ich auch die Krankheits- und Leidenstage durch deine Kraft mit Geduld annehmen, und mich in Demuth erinnern, wie ich viele gute und gesunde Stunden in meinem Leben genossen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie Nichts und wenig zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott, daß du liebreich und gnådig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Ver400 Der Kranke bittet Gott um Geduld. suchung ein Ende gewinne, daß ihr's könnet ertragen. Mein Gott, du weißt auch wohl mein Vermögen und meine Schwachheit, daher wirst du mein Leiden nach meinen Kräften schon einrichten. Siehe an dein schwaches und krankes Kind, und handle mit mir nach deiner Baterliebe. Ich weigere mich nicht, zu leiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinest, weil das Leiden mir soll zu meiner Heiligung dienen. Mein Gott! hier bin ich, mache es mit mir, wie du willst, gib mir deinen heiligen Rath recht zu erkennen, daß diese Krankheit soll ein Feuer seyn, welches die Unreinigkeiten, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen, und mich reinigen soll; wie es soll seyn eine Bußglocke, die mich aufwecke, an meine Sünden zu denken, um dieselben herzlich zu bereuen; eine Betglocke, daß ich um Jesu willen, um seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Uebertretungen suche; ja, eine Stimme, die mir zurufe: Bestelle dein Haus; gedenke an deinen Tod und an dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit. Bohlan! so mache mich fertig und bereit, wie du mich haben willst dort in der Ewigkeit. Denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige und über alle Maaßen wichtige Herrlichkeit folgen ſoll. Darum sey stille, meine Seele! was betrübest du dich, und bist so unruhig in mir? 26 401 Der Kranke bittet Gott um Geduld. Harre auf Gott, ja harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichtes Hülfe und mein Gott ist. Was willst du dich betrüben, o meine liebe Seel'! du sollst den einzig lieben, der heißt Imanuel; vertraue ihm allein, er wird gut Alles machen, und fördern deine Sachen, wie dir's wird selig seyn. Denn Gott verlåsset Keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Sei nen, die ihm vertrauen fest; scheint dir's auch wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Amen. 402 ( Sefan g. Mel 3ion klagt mit Angst und Schmerzen. Seele 1. Ach! wie lang' soll ich noch kämpfen? Ach! wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dampfen? Ach! wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Kron' und Sieg? Ach! ich werde unter: liegen, Ach! ich werde doch nicht siegen. Gott. 2. Kampfe nur getroft, o Seele! Kámpfe, ich will bei dir fenn, Fürchte dich nitt, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein; Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir, Du sollst meine Hülf empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. 3. Aber ach! es währt zu lange, Meine Kräfte sind dahin, Ach! es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin; Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Der Kranke bittet Gott um Geduld. Weh und Ach! Herz und Mund kann nicht mehr beten, Uch! wer will mich doch erretten? 408 Gott. 4. Beißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stårker machen, Ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan, ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen, Und mitnichten unterliegen. Seele. 5. Ach! mein Leiden, das ich trage, Ist sehr groß und allzuschwer, Meine Trůbsal, Ungst und Plage Häuft sich immer mehr und mehr, Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Noth aussprechen? Ach! das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. 6. Sei getrost in deinem Glauben, Dessen Tocht verlischet nicht! Kein Feind soll denselben rauben, Denk' nicht, daß das Rohr zerbricht; Wäre es auch noch so schwach, Sieh', ich führe deine Sach', Ich will deine Feind' vertreiben, Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. 7. O mein Gott! in deiner Stårke Hab' ich einen guten Muth, Ich kenn' deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut; Nun wchlan, so steh' mir bei, Daß ich überzeuget sey, Daß du werdest mich erretten, Und auf meine Seite treten. 8. Sich', die Kron' ist aufgestecket, Eil', vollende deinen Lauf! Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh', der Himmel steht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud' In der frohen Ewigkeit; Weiße Kleider, Licht und Krone Wird dem Kämpfer dort zum Lohne. TESTOST Gott und Seele. 9. S. Nunmehr hab' ich überwunden Alle Noth wit mei Der Kranke bittet um Gottes Beistand. nem Gott. G. Und ich bleib' mit dir verbunden In und nach der Todesnoth. S. Und wo führest du mich hin, Wenn ich nun gestorben bin? G. In den Himmel zu der Wonne, Wo ich selbsten bin die Sonne. 404 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Psalm 54, V. 6. Siehe, Gott stehet bei mir, der Herr erhält meine Seele. In Leidens- und Unglücksfällen einen gu ten Freund und Beistand haben, ist gar ein großer Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Freund und Beistand hat, der zu ihm sprache: Wie geht es dir? so wissen wir Christen doch gewiß, daß Gott wird aller Elenden Beistand seyn. Denn 1) Gott hat allen seinen Kindern Hülfe und Gnade verheißen; darum soll ein Kranker nicht verzagen, wenn er siehet, daß ihn Jedermann verläßt, daß Niemand sich seiner annimmt, und fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen, und zu rechter Zeit ihm Hülfe und Rettung leisten. Hat 2) auch ein Kranker gute Freunde und Mittel, damit er sich helfen kann, und will doch Nichts anſchlagen, so soll er deßwegen nicht kleinmuthig werden, oder an der göttlichen Verheißung zweifeln, sondern gewiß seyn, Gott werde in allen trüben Trauerstunden mit ſeinem Beistande nahe bei ihm seyn. 3) Dieser Bei Der Kranke bittet um Gottes Beistand. stand wird gespüret entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte gibt, auch das schwerste Leiden auszustehen. Ja, Gott ist treu, er ist oft nahe bei uns, wenn wir meinen, er sey weit von uns entfernet. Ge bet. 405 O du treuer Gott! du siehest, wie ich jetzt in einem elenden und betrübten Stande mich befinde; meine Kräfte nehmen ab, meine Gestalt verschwindet, und des Kreuzes Last drukket mich immer heftiger. Herr! Herr Gott! der du hörest mein Flehen, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir, und verlaß mich nicht. Ich halte dir vor deine Verheißungen, da du mich versicherst: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, und erhalte dich, und helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wiederum: Ich will dich nicht lassen, noch versäumen. Nun, mein Gott! auf dieses dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nöthig, ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibest und es mir tragen hilfft. Die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Gedenke, daß ich aus Erde gemacht bin; ach! wie bald ist diese irdische Hülle meines Leibes zerbrochen, wie bald versinke ich, Der Kranke bittet um Gottes Beistand. wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ist's um mich gethan, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Vaterhand mich nicht hältst, und nach deiner Barmherzigkeit und gnädigen Verheißung mir nicht beisteheft! Dein Beistand ist mir sehr tröstlich, denn bist du, mein Gott! bei mir, so fürchte ich mich nicht. Ist mir's tröstlich, wenn meiner guten Freunde etliche sowohl des Tages um mich stehen, als auch des Nachts bei mir wachen, o wie viel tröstlicher ist es mir, wenn du, mein Gott, bei mir bist! Menschen können mich wohl bedauern und beklagen, aber wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Ärzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindern, und meine Angst stillen. O! darum verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Weichet eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein Gott, auch nicht von mir weichen. Laß mich deine gnådige Gegenwart empfinden durch eine innere Freude, durch einen kräftigen Trostspruch, durch einen süßen Gedanken, und tröste mich also in meinem Leiden, wie Einen seine Mutter tröstet. Ach, mein Gott! stårke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, hilf mir siegen und überwinden; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn 406 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. ich schwach bin; ich vermag Alles durch den, der mich mächtig machet, Christus. Herzlich lieb habe ich dich, o Herr! ich bitte, du wollest seyn von mir nicht fern mit deiner Hülfe und Gnade; die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himmel und Erde frage ich nicht, wenn ich nur dich kann haben; und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, so bist du doch mein' Zuversicht, mein Theil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöft; Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! in Schanden laß mich nimmermehr. Amen. 407 Gesang. Mel O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Mein Gott, verlaß mich nicht! So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd' errettet sehen; Ich kenn' dein Vaterherz: Wenn der Betrübte schreit, So bleibest du von ihm Mit deiner Hülf nicht weit. 2. Mein Gott, verlaß mich nicht! Ohn' dich bin ich verlassen, und weiß auf dieser Erd' Sonst keinen Trost zu fassen; Ach! wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Uch! eile doch herbei, Du, meine Zuversicht! 3. Mein Gott! verlaß mich nicht In diesen meinen Nöthen, Du wirst, mein Helfer, nicht Mich in denselben tödten; Die Noth ist jetzt so groß, Erbarmer! komm' herbei, Und mach' in Gnaden mich Von diesen Banden frei. 4. Mein Gott! verlaß mich nicht In diesen großen Schmerzen, Ich schrei', mein Gott! zu dir Uus fast zerbrochnem Hers zen; Du weißt und siehest wohl, Wie weh mir jeto ist, Und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott! verlaß mich nicht, Ach! hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater! doch Mich deine Hand empfinden; 408 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sey. Erscheine mir, mein Heil! So schreiet Herz und Mund, Ach! eile doch herbei Mit deiner Hülfestund'. 6. Ich will für diese Gnad' Dich, weil ich lebe, preisen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen Mit Ruhm und Lobgesang, Und sagen Jedermann: Ach! preiset Gott mit mir, Der mir viel Gut's gethan. Jorn Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sey. Aufmunterung. 012 Hiob 14, 2. 1. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit, und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume, und fällt ab, fliehet wie ein Schatten, und bleibet nicht. Obgleich alle Menschen sterblich sind, obgleich auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so denken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, sonderlich wenn sie gesund sind, und wenn es ihnen wohl gehet; darum muß sie Gott zuweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschiehet durch Krankheit; denn wenn er die Gesunden låsset schwach, die schönen Rosen welk, die Niesen durch die Krankheit matt werden, da merken sie erst ihre Vergånglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen deßhalb 1) alle Tage an ihre Sterblichkeit denken, und sich derselben erinnern, wenn sie ihre Kleider austhun und ihr Schlafgeråth anlegen, und alsdann in ihrem Herzen denken: So werde ich nach meinem Tode auch entkleidet, und mit meinem Tod Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sey. 409 tengewand umhüllet werden. Låßt Gott aber einen Menschen krank werden, so soll man sich wiederum seinen bevorstehenden Tod vorstellen. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meinet, wenn man an den Tod nicht dachte, so stürbe man nicht, denn man mag daran denken, oder nicht, so kommt unser Ende, wann es Gott gefällt; wer sich aber zum seligen Tod bereitet, der stirbst desto seliger. Es soll sich der Mensch 2) auch seiner Sterblichkeit erinnern, wenn er an seine verstorbenen Vorfahren und Freunde denket, und glauben, die Reihe werde ihn auch einmal treffen. Selig ist deßhalb, wer 3) in Betrachtung der Sterblichkeit im Glauben Jeſum Christum ergreifet, und in einem christlichen und frommen Leben verharret bis in den Tod; der wird, wenn er stirbt, nicht sterben, sondern um Jesu willen zur Seelen- Seligkeit eingehen. Gebet. Mein Gott! es hat dir nach deinem heiligen Rath und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen, und dadurch nicht allein mich von meinen Geschäften, von meinen Sünden und sündlichen Gewohnheiten abzusondern und zur wahren Buße aufzumuntern, sondern mich auch an meinen Tod zu erinnern, daß ich ein sterblicher Mensch sey. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei 410 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sey. dir, und mein Leben ist wie Nichts vor dir; ach! wie gar Nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Mein Gott! sind Krankheiten Vorboten des Todes, so erinnere ich mich gar wohl, daß ich ein Mensch und sterblich bin. Ich bin Erde, und muß wieder zur Erde werden. Darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schooß der Mutter an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen geseht ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht, derhalben ich auch oft in gefunden Tagen gebetet habe: Ach Herr! lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und daß mein Leben ein Ziel hat, und ich da von muß. Ich weiß auch, daß ich Alles muß verlassen, meine Habe und Gut, Ehre und Glück und was ich in der Welt befize. Ich habe hier keine bleibende Ståtte, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskias, willst du mir dabei wie ihm zurufen: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben, und nicht lebendig bleiben; so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende denke; daß ich mir vorstelle: Siehe da, dieses ist vielleicht mein letztes Lager und mein leßtes Jahr, diese Krankheit zeiget vielleicht an, daß die Lebenstage, die du auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit Der Stranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sey. 411 ich möge mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens mich zum feligen Sterben bereiten. Ja stelle mir vor, mein Gott! daß ich deßwegen nicht sterben muß, wenn ich mich schon zum seligen Sterben schicke, sondern daß ich dadurch von Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, Geist und Seele dir geheiliget werde; ja, daß du eben deßwegen die Kranheit mir geschickt habest, daß ich mich also prüfen, untersuchen, bekehren, bereiten, der Welt absterben und in dir leben soll. Siehe, mein Gott! hier bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich zuvor recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich möge in deiner Gnade stehen und selig sterben. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt, er mach's mit mir, wie's ihm gefällt; soll ich allhier nicht langer leben, ich will nicht widerstreben, und ſeinem Willen mich ergeben. Mein' Zeit und Stund' ist, wann Gott will, ich schreib' ihm nicht vor Maaß noch Ziel, und seinem Willen nur allein, ohn' Heuchelschein, will ich stets treu ergeben seyn. Amen. n g. Mel. O Gott, du frommer Gott! zc. 1. Wie sind wir so gar nichts! Wer dieses wird betrachten, Der wird nur Gott allein, Der Alles ist, hochachten; Denn wer sein lauter Nichts Beleucht't in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demüthig also spricht: 2. Ich bin nichts, denn von Gott Empfing ich Leib und 412 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sey. Leben, Das hat er mir und nicht Ich selber mir gegeben; Vorher war ich ja Nichts, Bis jene Schöpfershand Mich machte, da ward ich Den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe Nichts von mir, Denn nackend bin ich kommen; Wie konnte aus dem Nichts Was werden mitgenommen? Von Gott kommt Alles her, Es ist auch alles sein, Ich hab' Nichts ohne Gott, Ohn' ihn ist gar Nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst; Von Gott ist mir entzündet Des wahren Glaubens Licht, Und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir sein Licht Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht Und ohne Weisheit seyn. 5. Ich kann Nichts von mir selbst; Von Gott hab' ich die Kräfte, Er gibt mir Muth und Stårk', Erhält die Lebenssåfte; Durch ihn kann ich allein Mich regen, hören, sehen, Trug' mich nicht seine Hand, So würd' ich bald vergehen. 6. So bin ich ja gar Nichts; Doch das soll mich fromm machen, Ich will die stolze Welt In ihrem Nichts verlachen, Die sich gar viel einbild't, Und auf ein Nichts verläßt, Und meinet, daß ihr Nichts Doch sey das Allerbest'. 7. Gott ist das Allerbest', Sein Alles soll vor Allen Mir, der ich gar nichts bin, Auf ewig wohlgefallen. Du einig Alles, gib, Daß ich auch jeden Tag Dein Alles und mein Nichts Mit Ernst erwägen mag. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich ers heben? Kannst du auch Etwas seyn, Das Gott dir nicht gege ben? Wer da will Etwas seyn, Der wird zu Nichts gemacht, Wer aber Nichts will seyn, Der wird emporgebracht. 9. Fahr' hin, o Welt! fahr' hin, Dein Nichts kann nicht ergößen, Wer dich für Etwas hålt, Der weiß nichts hoch zu schätzen; Mein Alles ist mein Gott, Dem leb' und sterbe ich, und bin durch ihn beglückt Und selig ewiglich. 413 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Matth. 26, V. 39. Und Jesus ging ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Gottes Wille ist allezeit der beste; solches pflegen wir wohl zu sagen, aber wenn man sich Gottes Willen einig und allein unterwerfen soll, und sich das lassen gefallen, was unserm Willen zuwider ist, da empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein Kranker demnach, welchen Gott auf sein Krankenbette niedergelegt hat, soll 1) bedenken, daß es also Gottes Willen sey, daß er in solchem Zustande sich befinde; darum soll er sich- huten vor Ungeduld, denn sonst würde er anzeigen, daß er mit Gottes Willen nicht zufrieden sey. Er soll 2) aufsehen auf das Erempel Jesu Christi, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Solche Gelassenheit und Ergebung in den Willen Gottes gefällt Gott wohl, und ist ein Zeichen der Kinder Gottes. Sa 3) wenn man auch beständig Gottes Willen widerstreben wollte, so wird es doch Nichts helfen; hat Gott beschlossen, daß das Lager soll das letzte seyn, so wird man es durch Wi Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes derwillen nicht abwenden, sondern des Herrn Rath und Wille wird doch an uns erfüllet werden. Darum 4) ist dieses das Allerbeste, daß ein Kranker fage: Siehe, Herr! hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt; ich will långer leben, wenn du willst, ich will auch gerne sterben, wenn du willst. 414 bid saffed ad Gebet. O du gnådiger, gütiger und barmherziger Gott! ich komme anjeßt mit meinem Gebet und Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron, ob ich schon dem Leibe nach auf meinem Krankenbette bleiben muß. Ich sehe, o liebster Gott! es ist dein heiliger Wille, daß ich soll krank liegen, und eine Zeit lang der edeln Gabe der Gesundheit entbehren. Wohlan, ist es dein Wille, so soll es auch mein Wille seyn; gefällt es dir, mir soll es auch gefallen; dein Wille und mein Wille soll nur Ein Wille seyn. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch sterben, wann du willst. Nach deinem Willen bin ich lange gesund gewesen, nach deinem Willen will ich auch nun krank seyn, so lange du erkennen wirst, daß es meiner Seele nüglich und gut seyn wird. Ja, mein Gott! wenn ich könnte wider deinen Willen gefund werden, so wollte ich es doch nicht thun, sondern ich will lieber auf meinem Krankenbette deinen gnädigen Rathschluß vollbringen. Darum will ich in diesem Zu zu leben und zu sterben. stand mit meinem Jesu sprechen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Und wiederum: Des Herrn Wille geschehe! Soll ich noch långer auf der Welt leben, so will ich dich noch långer loben, ja die Jahre, die du mir schenken, und mich långer leben lassen wirst, die will ich zu deiner Ehre und in der wahren Frömmigkeit hinbringen. Gefällt dir es aber, daß ich von diesem Lager nicht aufkommen, daß ich an dieser Krankheit sterben soll, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Jch weiß, daß ich diese Hütte des Leibes einmal ablegen muß, aber ich weiß auch, daß du deinen Gläubigen hast einen Bau bereitet, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Sm Himmel ist mein Erbtheil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen, und der Kinder Gottes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Ursache, um Verlångerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir doch auch hart an, ob es nicht besser wäre, aufgelöset und bei Christo zu seyn, meinen Jesum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, da ich ihn doch noch nicht gesehen. Darum, mein Gott! überlasse ich dir Alles, dur weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, der Herr thue mit mir, was ihm wohlgefällt. Herr, wie du willst, so schick's 415 416 Der Stranke ergibt sich dem Willen Gottes zu leben und zu sterben. mit mir, im Leben und im Sterben; allein zu dir steht mein' Begier, laß mich doch nicht verderben; erhalt' mich nur in deiner Huld, sonst wie du willst; gib mir Geduld, dein Will' der ist der beste. Amen. ($ efang. Mel O Gott, du frommer Gott! 2c. Sem 1. Ich will, was Jesus will, Das soll mein Wahlspruch werden, Den wiederhol' ich stets, Dieweil ich leb' auf Erden; Mein Will' ist gar verkehrt, Und trifft das Beste nicht, Drum soll er nur allein Auf Jesum seyn gericht't. 2. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll leben, Wohlan, ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben; Ich bin in seiner Hand, Ihm leb' und sterbe ich, Er führ' und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll leiden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin bereit zu beiden; Geht Jesus nur voran, So geh' ich gerne mit, Denn seine Gegenwart Versüßt die sauren Tritt'. 31/101 4. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll weinen, Wohlan, ich will es auch, Er wird schon lassen scheinen Die Sonne nach dem Leid; Denn seine Gütigkeit Wischt alle Thrånen ab, Und hilft zur rechten Zeit. 5. Ich will, was Jesus will; Will er, daß mich soll plagen Die Bosheit meiner Feind', Die mir in's Untlig schlagen, Wohlan, ich will es auch, Er gebe mir nur Muth, Und sein Geist stårke mich, Wenn man mir Unrecht thut. 6. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich verlassen Von Jedermann soll seyn, Ja, daß man mich soll haffen, Wohlan, ich will es auch; Verläßt er mich nur nicht, So acht' ich's nicht, daß mir Der Menschen Hülf' gebricht. 7. Ich will, was Jesus will; Soll ich dereinst krank werden, Wohlan, ich will es auch, Ich bin ja Staub und Erden; Der Kranke erkennet, daß das Kreuz von Gott kommt. 417 Wie bald zerbricht ein Glas! Ihm ist ja Alles leicht, Weil auf sein Wort so bald Die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was Jesus will; Will er, daß ich soll sterben, Wohlan, ich will es auch, Durch ihn werd' ich ererben Das mir versproch'ne Reich, Ich geh' zur Erbschaft ein, und bleib' im Vaterland, Wo ich soll ewig seyn. Der Kranke erkennet, daß das Kreuz und die Trúbsal von Gott kommt. Aufmunterung. 1. Sam. 2, B. 6. Der Herr tödtet, und machet lebendig, führet in die Hölle und wieder heraus. Gott ist die Liebe, der die Menschen Herzlich liebet. Liebesproben von ihm erhalten gläubige Christen alle Tage durch den gnádigen Beistand und durch die Wohlthaten, welche sie von seiner Hand empfangen; sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist Gott aber die Liebe, so gibt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellet: 1) Meine Trúbsal kommt nicht her von einem Feind, der mich hasset, sondern von einem Gott, der mich liebet; sie kommt her von einem Vater, der mir von Jugend auf in vielerlei Gefährlichkeit und Zufällen schon Hülfe erwiesen hat. Stehet dieses in der Seele fest, so fließet daraus 2) ein herrlicher Trost: Der Vater meinet es nicht übel mit seinem Kinde, der treue Menschenfreund hat 27 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz auch in dem zugeschickten Leiden ein liebreiches Herz behalten. Hierauf soll sich 3) ein Kranker in Gott fassen, und fleißig zu Gott rufen und beten; er soll sein krankes Haupt in den Schooß Gottes niederlegen, mit Freuden und gutem Muth den Himmel ansehen, und denken: Der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Sonderlich soll er 4) sich nicht lassen irre machen seiner Krankheit Heftigkeit, seine großen Schmerzen und die anscheinende Gefahr; denn hier stehet abermal der Trost feft: Gott leget uns eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen; wir haben einen Gott, der hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet. Ps. 68, V. 21. Gebet. 418 Herr Gott, barmherzig, geduldig und von großer Gute und Treue, der du vergibst Misſethat, Uebertretung und Sünde, der du deinen Zorn nicht ewiglich hältst, sondern siehest an die Elenden, und richtest auf, die niedergeschlagenen Herzens sind, siehe, ich armer Mensch liege allhier vor dir, und bitte: Ach! schaue auf mich von deinem hohen Thron, und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und meine Zrubsal von dir komme; deine Hand schlägt, aber sie heilet auch, sie verwundet, aber sie verbindet auch; wenn aber meine Krankheit vom Himmel 419 und die Trübfal von Gott kommt. kommt, so schaue ich auch wicderum gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehen empfangen, sollte ich denn nicht auch die Krankheit annehmen? Haben wir Gutes von Gott empfangen, sollten wir das Böse nicht auch von ihm annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bisweilen in voller Blüthe, herrlich mit Blättern und Früchten gezieret, die Sonne bestrahlet und erwärmet sie, allein im Winter sehen sie todt und erstorben aus, mússen Sturm und Frost leiden, und dieses Alles kommt von dir, o Gott! O! darum will ich auch bedenken, daß dieses die Zeit meines Leidens und meiner Trubsal sey, die du mir Zu= gedacht und bestimmt hast. Ja, wie du weißt, wo ein Stern stehet, ob er hoch oder niedrig stehet an dem großen Himmel, also weißt du auch, wie es um mich jetzt stehet. Du weißt, wie schwer ich trage, dir ist bewußt, wie lange ich leide, dir ist auch bekannt, wie viel ich Kräfte habe, das Alles auszustehen. O darum, lieber Gott! lege auf, so viel du willst, nur gib mir Kraft und Stårke, daß ich's auch tragen könne. Ich weiß, ohne deinen Willen kann nicht ein Haar von meinem Haupte fallen, wie viel weniger kann ich ohne denselben krank wer27* 420 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz von Gott kommt. den? Fållt kein Sperling auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Ungemach und Krankheiten unterworfen seyn, ja gar sterben ohne deinen Rath und Willen? Kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; kommt es von meinem Vater, so kommt es von geliebten Händen und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater! doch mit Maßen, daß du mich nicht gar aufreibest. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder; verbirgst du dein Angeficht, so laß es auch wieder leuchten; laß leuchten dein Angesicht, so genese ich. Ich will gern in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdienet habe; denn sein Zorn währet einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben; er wird sich über Zion erbarmen, und seinem Kinde gnädig seyn. Ohne deinen Willen kann mir Nichts begegnen, du kannst verfluchen, und auch wieder segnen; bin ich dein Kind, und hab's verdient, gib warmen Sonnenschein nach trübem Regen. Ich weiß, daß du mich ja noch nie vergessen, warum sollt' ich mein Herz mit Leid jegt pressen? In meiner Noth denk' ich an Gott, er wird die Angst nach meinen Kräften messen. Amen. Der Krante erkennet den Nugen der Krankheit. Gefang. Mel D Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ein Gotteskind zu seyn, Und doch mit Kreuz gedrücket, Kann wohl zusammen steh'n; Es bleibet doch geschmücket Inwendig an der Seel' Mit Glaub' und Frömmigkeit, Ob's gleich auswendig steht In lauter Kreuz und Leid. 421 2. Wer hier die Dornen trågt, Wird dorten Kronen tragen, Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort von Freuden sagen; Du bleibst ein Gotteskind Auch mitten in der Noth, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt von Gott. 3. Sieh', Jesus, Gottes Sohn, Trug eine Dornenkrone, Und blieb doch Gottes Sohn, Er litt vom Spott und Hohne, Und blieb bei Gott geehrt; Drum reimet sich's gar wohl, Zu seyn ein Gotteskind, Und doch des Leidens voll. 4. Bleib' deinem Gott getreu Im Glauben und Vertrauen, So wirst du seine Hülf Gar bald mit Freuden schauen; Und sollst du in der Welt In lauter Trúbsal seyn, Was schadt's? wenn du am End' Nur gehst zum Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Obschon die scharfen Ruthen Die Augen machen naß Und auch das Herz oft bluten. Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht, Und in der größten Noth Zu seinem Vater flieht. 6. Drum sey getrost in Gott, Die Stunde wird bald kommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen; Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gotteskind. Der Kranke erkennet den Nußen der Krankheit. Aufmunterung. Joh. 11, V. 4. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werde. Daß Krankheiten großen Nußen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben, denn 422 Der Stranke erkennet den Nugen der Krankheit. er spricht: Der Leib wird nicht allein abgemattet, schwach gemacht, und kommt in Lodesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, so mit der Krankheit verknüpfet sind. Allein dem Allen ohngeachtet bringet die Krankheit Nugen, bisweilen selbst dem Leibe, indem dadurch öfters die Unreinigkeiten der Natur verzehrt werden, und nachher die Gesundheit desto dauerhafter wird. Sonderlich aber bringet Krankheit der Seele einen herrlichen Nußen, denn 1) dadurch holet Gott manchen Menschen zurück von seinen Sundenwegen; wie mancher Sünder gehet in seiner Frechheit dahin, achtet weder Gott noch sein Wort, häufet Sünden auf Sünden? Solchen aber reißet Gott gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, durch Schmerzen und Leiden, daß er nüchtern werde aus des Satans Stricken. Es bringet auch Krankheit 2) den Frommen Nußen, denn sie lernen daraus erkennen Gottes Allmacht, Gute, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit, welches Alles sie vorher wohl gewußt und geglaubet, aber nunmehr erst recht erfahren haben. Nach der Krankheit wird auch 3) bei frommen Seelen eine größere Liebe zu Gott, mehr Eifer im Gebet, eine größere Aufrichtigkeit in dem Christenthum verspüret. Man lernet sich Gott ergeben, den Tod vorstellen, zum seligen Ab Der Kranke erkennet den Nugen der Krankheit. sterben bereiten, an den Himmel fleißig denken, ja seine Seele in Gottes Hånde empfehlen. Wenn dieses ein Kranker bedenket, so wird er mit Gott auch in der Krankheit wohl zufrieden seyn. 423 e bet. Olieber Gott und Vater! ich sehe und merke wohl, welches dein heiliger Rath über mich sey, nåmlich daß dieses mein Leidensjahr, meine Leidenswoche, ja meine Leidenszeit seyn. soll, darin die Glückssonne eine Zeit lang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächt und die Leibeskräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein Gott! daß du mich, ehe du mich also heimgesuchet, vorher deine Wege hast erkennen lassen, nämlich daß der Kreuzesweg auch ein Himmelsweg sey, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes thuest. Ich sehe wohl, mein Gott! daß du mich von der Welt willst abziehen, du willst mir die Welt bitter und den Himmel süß machen, daß ich soll verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Luste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt; daß ich ſoll forschen und untersuchen mein Leben, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren. Freilich, wenn uns wohl ist, und wir von keiner Trubsal wissen, so dünket uns, wir seyen nur in der Welt, daß wir irdisches Gut ſammeln, oder aber, daß wir mit der Welt Der Krante erkennet den Nugen der Krankheit. scherzen, sündigen, Gesellschaft machen, Gesellschaft halten, uns in ihre Weise, Wege und Sitten schicken sollen; aber weil das unserer Seele Verderben und ewige Verdammniß würde seyn, so pflegst du nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu führen, um allein mit uns zu sprechen. Ach mein Gott! es scheint, du wollest mit mir jetzt auch allein sprechen, und mir sagen, ich soll mich vorsehen vor der Welt Sünden, Verführung, Bosheiten, Gewohnheiten; du willst mir einreden, ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich soll mich der Welt nicht mehr gleich stellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches da sey der gute und wohlgefällige, ja der vollkommene Gotteswille. Nun, mein Gott! dieses will ich auch thun; wirst du mich lassen gesund werden, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine vorigen bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und mit welchen ich gesündiget, meiden, und dann ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters; wenn du nun gesehen, mein Gott! daß ich auch in meinem Christenthum bin tråg, im Gebet nachlässig, hingegen zur Sunde willig und die Weltlust zu genießen fertig gewesen, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu denken und vom Sündenschlaf aufzustehen. Wache 425 Der Krante erkennet den Nußen der Krankheit. auf, der du schläfft, sprichst du zu mir, ich will dich reinigen von dem vorigen Unflath. Ja ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit willst an meinen Tod und an das Ende meines Lebens erinnern, daß ich, wenn ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf dieſe Weise heimgesuchet hättest. Nun, Herr! so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen hast, zu deiner Ehre und meiner Seele Heil; mache durch diese bittere Arznei meine Seele gesund. Heile durch diese scharfen Schnitte und Schmerzen der Sünde Wunden. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab, und gib, daß ich in wahrer Buße und in lebendigem Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige, in den Wunden Jesu Hülfe, Rath, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach' mir nur immer süß den Himmel, und gallenbitter diese Welt, daß mir in diesem Weltgetümmel die Ewigkeit sey vorgestellt; mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gefang. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. Jest G 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich anficht, Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; Will mein Gott mich gleich betrüben, 420 Der Kranke seget fein Vertrauen auf die göttliche Ullmacht. Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Noth. in die 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd' soll fliehen, Und nicht meine Seligkeit Mög' durch eigne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung seyn. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe, Und vermeid' den Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne, Und mich von der Welt entferne; Hier seh' ich, wie Gottes Treu' Alle Morgen werde neu. 4. Jesu, schließ' in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laß in meinen Jammerstunden Darin ihre Wohnung seyn; Es sey Seele, Leib und Leben, Treuer Vater! dir ergeben, Schütze, stärk', erquicke mich In dem Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl' in deine Hände, Liebster Jesu! meinen Geist, Stårke mich bis an mein Ende, Bis des Lebens Band zerreißt; Dann laß mich mit Freuden schauen Fene schönen Himmelsauen, Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seele Seligkeit. Der Kranke sebet sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung. Pfalm 30, V. 3. 4. Herr, mein Gott! da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Herr! du hast meine Seele aus der Hölle geführet, du hast mich lebendig behalten vor denen, die in die Grube fuhren. Nichts ist erfreuender und tröstlicher in gefährlichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem man sagen kann: Ich weiß, der kann mir helfen, und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von Der Krante setzet sein Vertrauen auf die göttliche Ullmacht. 427 keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Die Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen 1) an dem Erempel Anderer; denn wenn er höret, lieset oder weiß, wie Gott Todte lebendig gemacht, auch Todtkranken wieder aufgeholfen, so kann er festiglich schließen: Der allmächtige Gott, der dazumal geholfen, der lebet noch. Es kann sich ein Kranker 2) vorstellen die unumschränkte Macht des großen Gottes, welche größer ist als die Macht aller Könige in der Welt, ja aller Menschen; darum, was uns Menschen unmöglich ist, das ist Gott möglich, was uns zu schwer ist, das ist Gott gar leicht. 3) Soll ein Kranker bedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen, er kann auch das geringste Kräutlein oder Arznei segnen, daß es muß das Uebel der Krankheit heben und die Gesundheit befördern. Wenn dieses ein Kranker erwåget, so soll er 4) fein stille seyn in Gott, anhalten im Gebet, und Gottes Hülfsstunde erwarten. Nicht weniger soll er 5) die Arznei und Hülfsmittel gebrauchen, die ihm von christlichen Personen vorgeschrieben werden, sich aber dabei vor allen abergläubischen Dingen, als vor Segensprecherei und Gaukelei húten, und versichert seyn, der Allmächtige könne und werde gewiß helfen, wenn seine Stunde wird gekommen seyn. 428 Der Krante seget fein Vertrauen auf bie göttliche Allmacht. e bet. Ach mein Herr und mein Gott! du siehest, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen da ist; meine Krankheit weichet nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein leßtes Lager seyn soll. Dieses stelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wann es dir gefällt. Meine Tage sind einer Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Hånden, du hast mir ein Ziel geseßt, das werde ich nicht übergehen. Du hast auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war. Dennoch lasse ich deßwegen den Muth nicht fallen, sondern ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom Herrn. Ich weiß, daß du bist ein allmächtiger Gott, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, aber daß du durch deine Allmacht auch Todte erwecken, die allergefährlichsten Kranken wieder gesund machen, und das größte Elend und Leiden lindern und aufheben kannst. Ach ja, des Herrn Hand ist nicht verkürzet, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja er kann überschwanglich thun, über Alles, was wir wissen und verstehen. Er kann erretten Alle, die zu ihm treten. Derhalben schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich, auf schwache Mens Der Kranke sehet sein Vertrauen auf die göttliche Ullmacht. 429 schen, nicht auf mich, denn ich bin krank und elend, sondern über mich, zu dir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche auch jetzt mit dem glaubigen Hauptmann: Herr! sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund; ja, sprich ein Wort, so werde ich leben, ich werde von allen meinen Leiden befreiet werden. Ich weiß, bei dem Herrn ist kein Ding unmöglich. Herr! deine Allmacht hat kein Ende, wo ist ein solther Gott, wie du bist? Mein Gott! der du den kranken Hiskias gesund gemacht, das kranke Weib von ihrem elenden Zustande errettet, den Gichtbrüchigen geheilet, den Jungling erwecket haft, siehe mich auch in Gnaden an, du måchtiger Schußherr deiner Gläubigen! hilf mir auch, erbarme dich meiner auch, thue ein Zeichen an mir, daß es mir wohl gehe. Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verziehe nicht. Mache jedoch Alles so, wie es dir wohlgefällt; ich weiß, du kannst es thun, nach deiner Almacht, und wirst es auch thun, nach deiner Güte, wenn es meiner Seele müglich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott trau' ich in Angst und Noth, er kann mich allzeit retten aus Trubsal, Angst und Nöthen; mein Unglück kann er wenden, es steht in seinen Hånden. Amen. 430 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Gefa ngun bin nob Mel. Schwing' dich auf zu deinem Gott. deals 1. Lasset doch den weisen Gott Alle Sachen machen, Ueberlaffet eure Noth, Kümmerniß und Plagen Seiner Weisheit; er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo und wie er soll Euch in Noth beistehen. 102. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er thu' und lasse; Er fångt ja nicht heute an, Erst für euch zu sorgen, Dem Gott, der euch helfen kann, Ist gar Nichts verborgen. 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht, wie er's soll anfan. gen, Wie es werde ausgericht't, Daß ihr mög't gelangen Zu dem rechten Zweck und Ziel; Folget seinen Wegen, Haltet seiner Führung still, Und erwart't den Segen. 4. Was der weise Vater thut Ueberall auf Erden, Dab muß uns gewißlich gut Und recht heilsam werden; But Und Gingen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie nach unserm Licht Anders gehen sollten. 5. O du weiser Gott! dir sey Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's, wie dir's gefället; Mach' es mit mir wunderlich Hier auf dieser Erden, Lieber Vater! führe mich, Laß mich selig werden. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. 1. Petri 3, V. 21. Die heilige Taufe ist nicht das Abthun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewiffens mit Gott. Ist in Ansehung Gottes ein Name tröst lich, so ist es gewiß der Name Vater, und ist in Ansehung des Menschen eine Herrlichkeit groß, so ist es gewiß diese: ein Kind Got tes zu seyn. Wie nun dieses erfreuen kann in dem ganzen Leben, so kann es auch trösten in 431 Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Krankheit. Diesen Trost soll ein Kranker nicht aus seinem Herzen lassen. Er sou bedenken: 1) Gott ist ein allmächtiger Vater, dem Nichts unmöglich ist. 2, Gott ist ein treuer Vater, der es gut mit seinen Kindern meint. 3) Gott ist ein weiser Vater, der auch das bitttere Kreuz seinen Kindern kann zu einer heilsamen Arznei machen. 4) Gott ist ein gütiger und liebreicher Bater, der betrůbet, aber sich auch wieder erbarmet. Wenn dieses der Kranke erwåget, so kann er fich herzlich erfreuen. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes aber ist ein christlicher Kranker gelanget durch die heilige Taufe, da er hat einen Bund mit dem dreieinigen Gott gemacht. Dieses nun soll ihn aufrichten und fröhlich machen, allein er soll auch 1) fein als ein Kind Alles, was ihm widerfährt, des himmlischen Vaters Willen und Rath überlaffen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in gefunden Tagen den himmlischen Vater erzurnet, und wie ein Weltkind gelebet, so soll er es ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten, und eine wahre Lebensänderung sich vornehmen, und gewiß glauben, Gott werde sich auch über sein krankes Kind erbarmen. Gebet. bin Herr Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. fiehe, ich, dein Kind, bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer mehr finde; ich sehe hin und her, und frage nach Hülfe, aber Niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmüthig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen, und dem meine Noth klagen. Eilet in der Noth das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu seinem Vater, der Unterthan zu seinem König, o mein Kónig! o mein Bater! o mein Hirte! so komme ich auch zu dir. Odu dreieiniger Gott! gedenke doch, daß ich dein Kind bin, daß ich getauft bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe. In diesem Bunde hast du mir zugesagt, du wollest mein Vater seyn, du wollest als ein Vater für mich sorgen, mir helfen, und wie ein Vater an mir thun. Jesus hat mich mit seinem heiligen Blut abgewaschen, und mir den Rock seiner vollkommenen Gerechtigkeit geschenket. Der heilige Geist hat sich reichlich über mich ausgegossen, und schreiet noch in meinem Herzen das Abba, lieber Vater, und gibt Zeugniß meinem Geist, daß ich Gottes Kind sey. O dreieiniger Gott! fiehe, hier kommt ein armes Kind zu dir; mein Vater und meine Mutter verlassen mich, meine Lieben und Freunde können mir nicht helfen; darum, o mein himmlischer Vater! nimm du mich auf. Erbarmte 432 Der Kranke erinnert sich seines Kaufbundes. 438 sich der Hauptmann über seinen Knecht, der todtkrank war, bemühte er sich ihm zu helfen, ach, mein Vater! so erbarme dich meiner auch, und hilf mir. Ging der Vater, dessen Tochter in den legten Zügen lag, Jesu nach, und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komme, und mache sie lebendig! so gehe ich auch, mein Gott und Vater! dir nach, und sage: Ist's dein Wille, ist es mir heilsam, so mache mich gesund, und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Vater, ein weiser Vater, ein gnädiger und liebreicher Bater; wo soll das Kind anders hin in seiner Noth, als zu seinem Vater? Herr Gott, Bater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten: ach! erbarme dich auch über mich. Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewichen, so stelle ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlorenen Sohne Hülfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben iegt zu dir komme, und spreche: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Wenn du willst Sünde zurechnen, Herr! wer wird bestehen? In solchem Vertrauen, mein 28 Der Kranke erinnert sich seines Kaufbundes. Bater! warte ich auf deine Hülfe. Ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes seyn, krank und elend, und mit vielerlei Kreuz beleget seyn, wohl könne bei einander stehen, darum auch Satan mich so bald nicht in meiner kindlichen Zuversicht irre machen soll; allein laß mich auch bald dein våterliches Herz erblicken, daß du meiner nicht vergessen habest; laß mich deine Vaterhand empfinden. Betrübtes Herz, o sey zufrieden, ob dich schon endlos Kummer plagt; der Himmel bleibt dir doch beschieden, den dir dein Jesus zugesagt; stellt sich schon Noth und Krankheit ein, ſo will doch Gott dein Vater seyn. Amen. 320 434 S e fang. Mel. Ber nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich bin getauft, ich steh' im Bunde Durch meine Tauf mit meinem Gott, So sprach ich stets mit meinem Munde, In Kreuz, in Trúbsal, Angst und Noth; Ich bin getauft, deß freu' ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Ich bin getauft, ich hab' empfangen Das allerschönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen, Allhier und in der Herrlichkeit; Jch bin mit Jesu Blut erkauft, Und ich bin auch damit getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben 3u gleicher Zeit der heil'ge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sey ewig Gott gepreist; O Bierde! welche große Pracht, Die mich gerecht und selig macht! 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Bater wird mich ewig lieben, Und seinem Kinde gnädig seyn; Es ist mein Name Gott be kannt, Mein Name steht in seiner Hand. Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten d. dreiein. Gottes. 435 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind, Ich weiß, ich bleib' bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hülfe find'; Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: Hier bin ich. 6. Ich bin getauft, Nichts kann mir fehlen, Dieweil mein Bater an mich denkt; Wer kann die Wohlthat all erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher Herr, Der giebt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde weichet, Ich steh' nun unter Gottes Schuß, Der seinem Kind die Hand darreichet; Was acht' ich eure Macht und Truß? Tast't ihr ein Gotteskind nicht an, Und glaubt, daß Gott es schůzen kann. 8. Ich bin getauft, und bin zufrieden Mit meines Vaters Lieb' und Treu", Ich werde von ihm nie geschieden, Mein Liebestrieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater schickt und fügt, So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 9. Ich bin getauft; ob ich gleich sterbe, Was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab'; Nach meinem Tod ist mir bereit't Des Himmels Freud', das Feierkleid. Der Kranke gründet sich auf die Wohlthaten des dreieinigen Gottes. 2 ufmunterung. 2. Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und wird mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich. Welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und in ihrer Krankheit niemals an Troft fehlen, wenn sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu thun haben. Sie sind Kinder Gottes, darum sollen sie glauben, der 28* Der Kranke gründet sich auf die dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in ihrer Jugend geführet, in den folgenden Jahren ernähret, und bis daher väterlich erhalten hat; sollte Gott seine Geschöpfe und das Werk seiner Hände verlassen? Verbergen kann er sich wohl, aber verlassen will er sein Geschöpf nicht. 2) Jhr Erlöser, Jesus Christus, wird sie auch nicht verlassen; denn der da hat für fie Marter, Pein und Lod gelitten, der sein heiliges Blut für sie hat vergoffen, sollte der sie in der Krankheit ohne Hülfe laffen? O nein! seine Liebe ist zu brünstig. 3) Jhr Heiligmacher, der werthe heilige Geist, wird sie auch nicht verlassen; der wird alsdann fie trósten, erquicken, erfreuen, und ihnen Zeugniß geben, daß sie Gottes Kinder sind, obgleich ihre Krankheit, Leiden und Schmerzen anhalten. Wenn ein Kranker diesen dreifachen Trost im Herzen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen, und fest glauben, seine Hülfe sey nicht mehr ferne. Doch aber 4) muß er dabei abbitten Alles, was er dem dreieinigen Gott in gesunden Tagen zuwider gethan hat, und in solchem guten Vertrauen die gnädige Hülfe geduldig und glaubig erwarten. 436 Gebet. O du heiliger dreieiniger Gott! obschon ich 437 Wohlthaten des dreieinigen Gottes. mich jetzt schwach befinde an meinem Leibe, so will ich doch deßwegen nicht schwach werden in meinem Glauben und Vertrauen zu dir; denn die auf den Herrn hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Länge und die Last meiner anhaltenden Krankheit bisweilen mich kleingläubig machen; allein ich ermuntere mich gleich wieder durch deinen heiligen Geist, und sonderlich auch damit, daß ich mir die von dir schon långst empfangenen Wohlthaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, du mein Schöpfer, der du mich aus Nichts erschaffen, und bis auf diese Stunde erhalten hast? Ist denn des Herrn Hand verkürzet? nein! die Hand, die mich bisher geleitet, geführet, gestärket und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Du hast mich je und je geliebet, und durch deine Güte bisher geführet. Liebe ist es, daß du mir haft so lange Zeit Gesundheit geschenket. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Umstände von mir abgewendet. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag Gnade, ja so viele Gnade und Barmherzigkeit hast widerfahren lassen; darum übergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Solltest du mich verlassen, mein Erlöser! der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöset hast? Hast du meiner Seele dich herzlich Der Kranke grundet sich auf die angenommen, daß sie nicht verdürbe, o! so wirst du auch meinem armen und Franken Leibe Hülfe lassen angedeihen. Hat mich deine Liebe vom Fluch und Tod, ja aus der Hölle erlöset, so kann sie auch in meiner Krankheit mir bald helfen. O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trågt, erbarme dich meiner in meinem gegenwärtigen Leiden! Solltest du mich verlassen, o mein Heiligmacher! der du Leib und Seele geheiliget, sie in der heiligen Taufe dir zum Tempel geweihet, und darinnen bisher gewohnet haft? Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja mein Tröster bleiben, und mir auch jetzt Zeugniß geben, daß ich ein Kind Gottes sey, ob ich gleich mit Leiden und Trubsal umgeben bin. Darum will ich gutes Muthes seyn in meinen Schmerzen und Leiden, und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen; der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigenthum, Bruder und Miterben erwählet; der heilige Geist hat dich seines süßen Trostes und seiner seligen Einwohnung versichert; darum ist Alles dein, die Gnade Gottes ist dein, das Verdienst und die Gerechtigkeit Jesu ist dein, der kraftige Trost des heiligen Geistes ist dein, ja der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist dein. O! weil denn dem also ist, so will ich mich um meinen kranken Leib nicht 438 Bohithaten des dreieinigen Gottes. 439 bekümmern, sondern mein Anliegen auf den Herrn werfen, und dem Gott vertrauen, der mir so viel Gutes erwiesen hat. Ach mein Va= ter! ich verlasse mich auf dich. O Jesu! zu dir fliehe ich. O heiliger Geist! dir ergebe ich mich. Herr Gott Vater, was du haft erschaffen, Herr Gott Sohn, was du hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hånde; deinem heiligen Namen sey Lob, Ehre und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Gott wird den nicht verlassen, der ihm vertraut allzeit, ob ihn schon Viele haffen, geschieht ihm doch kein Leid; Gott will die Seinen schüßen, zulegt erheben hoch, und geben, was ihn'n müzet, hier zeitlich und auch dort. Amen. n g. Me L. Wer nur den lieben Gott låßt walten. 1. Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich, Und hab' im Leiden guten Muth, Auch in dem Tode bin ich selig Durch Gottes Gnad' und Jesu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, Drum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht; Ist mir das Kreuz gleich schwer und bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei, und macht mich von der Trübsal frei. 3. Ist Gott für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Baterhand mich deckt; Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Freud' verkehrt zu seiner Zeit. 4. Ist Gott für mich in meinen Ndthen, Wenn nun der harte Kampf angeht, So werden sie mich doch nicht tödten, Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Der hilft mir stets aus aller Noth. 440 5. Ist Gott für mich im Mißgeschicke, Das unverhofft mich überfällt, So weich' ich dennoch nicht zurücke, Weil seine Hand mich treulich hålt; Gott ist für mich im Sturm und Wind, Und wachet treulich für sein Kind. 6. Ift Gott für mich, so wird sich enden Der Jammer, der mich heftig plagt, Mein Gott wird sich von mir nicht wenden, Die Hülfe bleibt mig unversagt; Gott ist für mich, getrost, mein Geist! Gott ist es, der mein Beistand heißt. 7. Ist Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So hdret auf mein Kampf und Streit, Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenkron' und Seligkeit; Gott ist für mich, wenn's Herz mir bricht, Und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Psalm 39, V. 10. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun, du wirst's wohl machen. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlig vor mir? So seufzen oft fromme bettlågerige Christen in ihren Krankheiten, nach Pf. 13, V. 1. Gottes Stunde bleibet ihnen oftmals allzu lange aus. Wenn sie viele Lage, Wochen und Monate zurůckbleibet, alsdann gehet es bei Vielen nicht ohne Murren ab. Allein so weit soll es ein frommer Kranker niemals kommen lassen, sondern er soll bedenken: 1) Gott vergißt und verläßt uns nicht in dem Leiden, in der Trübsal und Krankheit, denn Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 441 das wäre wider seine Verheißung;-ob er zwar verziehet, so harre sein, er thut auch das zu unserer Seele Bestem. 2) Sollte in dem langen Ausbleiben der Hülfe Gottes das Kreuz auch schwerer werden, so soll doch deßwegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Wieget man dem Kranken seine Arznei ab, zählet man die bittern Tropfen, die man ihm gibt, so sollen wir glauben, daß auch all unser Kreuz sey abgewogen und abgemessen; denn Gott ist treu, der uns nicht låst versuchen über unser Vermögen. Derohalben 3) ist das Leiden schwer, ist es vielerlei, währet es lang, so soll es deßwegen doch unser Vertrauen nicht aufheben, sondern man soll unter stets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hülfsstunde erwarten. e b e t. O du heiliger und weiser Gott! ich sehe jeht deinen heiligen Rath und Willen an mir, daß ich soll diese Zeit und Wochen, und so lange es dir gefällt, auf meinem Bette, in meinem Hause zubringen. Wohlan, ich wi derspreche deinem heiligen Willen nicht, ich will nicht wider dich murren, sondern ſagen: Siehe, hier bin ich, der Herr mache es mit mir, wie es ihm wohlgefällt! Sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben 442 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. hat? mein Vater wird mir für Arznei nicht Gift einschenken. Ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesündiget. Auch das bittere Leiden kann meiner Seele nicht anders denn heilsam seyn, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abscheu hat. Du bist mein Vater und Gott gewesen von Jugend auf, so wirst du es jetzt in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange also liegen und leiden, mein Gott! mache es doch nicht zu lange, sondern gib mir zuweilen eine Erquickungsstunde, darin du mich von meinen Schmerzen befreiest, und mein Leiden linderst. Soll ich viel leiden, so gib mir auch viele Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann; greif' mich nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe, du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl noch Stein, wie bald gehet ein Wind herein, so fall' ich hin und sterbe. Ach! mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja trage mich, und nimm mich in deinen Ärm und Schooß. Soll mein Leiden schwerer werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit deiner Gnadenhülfe und deinem Beistand von mir; soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur deinen Trost empfinden, daß du dennoch mein Gott, mein Vater und mein Freund seyst. Ich weiß wohl, Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 443 wenn du deinen Kindern Leiden schickest, so willst du sie nicht verderben, sondern nur zu dir ziehen. So ziehe mich denn, mein Gott! durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott, ob du mich gleich läsfest also leiden, so will ich deßwegen nicht von dir fliehen; mein Hirte! führest du mich den Weg durch Dornen, die meinen Leib und meine Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Dornen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebet, da du mir gabst Gesundheit, Glückseligkeit, und da du mir es ließest wohl ergehen; darum will ich dich auch lieben in Krankheiten, in Leiden und Schmerzen; ich weiß, du kannst mir helfen, und wirst mir helfen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergößt, sollt' ich jetzt nicht auch Etwas tragen? Fromm ist Gott, und schärft mit MaBen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Amen. S e fang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden, Und fließt mit Thränen dein Gesicht, So sey mit deinem Gott zufrieden, Und murre ja dawider nicht; Faff deine Seele in Geduld, Und troste dich des Hdchsten Huld. 2. Sieh'! der Gott, der dich krank kann machen, Und wirft dich auf das Sterbebett', Dem sind es ja gar leichte Sachen, 444 Der Kranke schicket sich zum Genuß des heil. Abendmahls. Daß er dich wiederum errett'; Er machet krank, er macht ge sund In dieser und in jener Stund'. 3. Ach! murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll' dein treuer Beistand seyn, Und dich aus allen Nöthen reißen; Sieh'! dieses trifft auch jetzo ein; Vertraue Gott! es kommt die Zeit, Vielleicht ist seine Hülf nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben, und sagen: Siehe! hier bin ich, Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlass ich gånzlich mich; Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater! wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren tråget, Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe auf ihn leget, Dem ist die Hülfe schon bestimmt, Der wird erquickt hier in der Zeit, Und dorten auch in Ewigkeit. Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. 2 ufmunterung. 1. Cor. 11, V. 28. Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brod, und trinke von diesem Kelch. Es soll billig ein jeder Christ also leben, daß er alle Augenblicke selig sterben könne. Soll nun also ein gesunder Mensch sich aufführen, wie viel mehr ein Kranker. Ein Kranker thut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine Sünden denke, und spreche: Ich denke heute an meine Sünden; denn weil um der Sünde willen Krankheit und Leiden kommt, und wer sich an seinem Schöpfer versündiget, oft durch Krankheit bestraft wird, so muß auch der Der Kranke schicket fich zum Genuß des heil. Abendmahls. 445 Kranke auf die Versöhnung mit Gott bedacht feyn. 2) Diese Versöhnung aber geschiehet, wenn der Kranke mit Weinen und im Glauben Gott um Vergebung seiner Sünden anflehet, und bußfertig das heilige Abendmahl empfängt. 3) Denn man soll sich nicht einbilden, man stürbe, wenn man das heilige Abendmahl genießet auf dem Krankenbette; es ist ja keine Speise zum Tode, sondern zum Leben und zu der Seele Seligkeit. Dabei ist 4) zu erinnern, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge siget, bis Verstand und Kräfte weg sind, sondern man soll bald und bei Zeiten dazu thun, dieweil man noch seinen Verstand hat, dieweil man noch beten und sich mit Gott versöhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott wenden von Grund seiner Seele, so wird er um Christi Jesu willen in ihm leben und Gnade erlangen. Gebe t. Herr, Herr Gott, barmherzig, gütig und von großer Treue! ich armer Mensch habe mir vorgenommen, mich mit dir zu versöhnen, meine Sünden dir herzlich abzubitten, die ich Zeit meines Lebens begangen; ich will in den Wunden meines Jesu Gnade und Vergebung der Sünden suchen, und also zu einem ſeligen Abschied von dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott! mich auf die 446 Der Kranke schicket sich zum Genuß des heil. Abendmahls. ses Krankenbette zu legen; weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen, oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen, und das Uebrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe, weil ich mich noch besinnen kann, wann ich gesündiget, wie oft ich gesündiget, und wie schwer ich gesündiget; ich will dich um Verzeihung bitten, da ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemüthskräfte sich verlieren werden, da ich weder beten, noch an dich denken kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, der stirbt deßwegen nicht früher noch spåter, sondern er verschaffet vielmehr sich damit den größten Nugen; nämlich diesen, daß, wenn er gefund wird, er sich vor den Sünden hute, die er auf seinem Krankenbette erkennet und bereuet hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sey, er sterbe wohl und bereitet. Dieses sind meine Gedanken, mein Gott! ich will nach erlangter Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen, und sodann geduldig, freudig und gläubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deßwegen falle ich in der Angst meines Herzens vor dir nieder, und spreche: Ach! sey deinem Kinde Der Kranke schicket sich zum Genuß des heil. Abendmahls. 447 gnådig; ach! rechne mir nicht zu die Sünden meiner Jugend und die Thorheiten meiner jungen Jahre. Ach Herr! sey gnådig meiner Missethat, die da groß ist, um Jesu, meines Heilandes willen. Ach mein Gott! gib Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stårke mich zu diesem Werke, daß ich es zu deinen Ehren und zu meinem Heil vollbringen möge. Ich komme mit gebeugtem Sinn in meiner Noth geschritten, und wend' mich, Vater! zu dir hin, von Herzen dich zu bitten: Verzeih' mir's doch genådiglich, was ich mein Lebtag wider dich auf Erden hab' begangen. Amen. Gefan g. Mel. O Gott, du frommer Gott!* c. 1. Ich will anjego mich Zum Liebesmahle nahen, Und Jesu Leib und Blut Zu meinem Trost empfahen; Uch, mein Gott! stårke mich, Ach! weiche nicht von mir, Daß ich in Andachts- Trieb Vereinigt bleib' mit dir. 2. Vertreibe doch von mir Die sündlichen Gedanken, Und lasse deinen Geist Von meinem Geist nicht wanken; Verbind', mein Jesu! dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb' genieß', Darnach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eiteles Jetzt meine Andacht stdren; Ach! laß mich Freud' und Wonn' In meiner Seele hdren; Ach) Jesu! steh' mir bei, Ach! bitte du für mich), Bring' mein Gebet vor Gott, Und hilf mir gnådiglich. 4. Ach! heilige mein Herz, Ach! heilige die Sinne, Mein Jesu! Nimm sie ein, Und wohne selbst darinne; Ach! mach' sie allesammt Recht heilig, schön und rein, Und laß sie immerdar Dein Haus und Wohnung seyn. 5. Erweck zugleich in mir Die wahre Seelenstille, Daraus bie Seelenfreud' Und wahre Undacht quille, Darin ich schmet 448 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Shinden, ken mdg', Herr! deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Trost, Und wahre Seelenfreud'. 6. Hab' ich dann deinen Leib Wahrhaftig nun genoffen, Hat auch dein theures Blut, Das du für mich vergossen, Mich abermals erquickt, So bleib' du auch in mir, Damit ich, weil 150 ich leb', Auch leb', mein Heil! in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, Die in mir angefangen, 3um größern Licht und Glanz Von Tag zu Tag gelangen; Du, Sündenlust, geh' aus, Mein Jesus gehet ein, Er nimmt den Leib und Seel' zu seinem Tempel ein. dim qusdeg dog Der Kranke bittet Gott um Bergebung der Sünden. Aufmunterung. Hiob 42, V. 6. Ich schuldige mich, und thue Buße im Staub und in der Asche. Es ist ein feiner und löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abende vor Gott sich stellen und überlegen, was sie des Tags über geredet, gedacht oder gethan, und also ihn um Verzeihung der begangenen Sunden anrufen, und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie viel mehr soll es ein Kranker nicht versäumen? Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, einer Woche, oder eines Monats, sondern seines ganzen Lebens; er soll sich fragen, wie er seine gefunden Tage angewendet, ob er sie zur Ehre Gottes, zum Nußen des Nächsten hingebracht? Er soll untersuchen, wo, wie oft und wie schwer er in gesunden Tagen gesün 449 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. diget habe? Weil man nun auf dem Krankenbette mehr Zeit hat, so soll diese Untersu-. chung desto ernstlicher geschehen. 2) Soll ein Kranker nach der Untersuchung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen, sonderlich weil er nicht weiß, wie nahe oder ferne es sey, daß er vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen soll. 3) Kommt man auf dem Krankenbette zur Erkenntniß seiner Sünden, so soll ein Kranker für die Krankheit Gott danken, der ihm die Augen geöffnet, daß er sein Elend erkannt, und Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wåre. 4) Doch muß man auch, was man in der Krankheit verspricht, in gesunden Tagen treulich halten, auf daß treulosen Versprechern nicht etwas Wergeres widerfahre. ($ 5 e be t. Ach du gnådiger und liebreicher Vater! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, mich mit dir zu versöhnen, dich um Gnade und Vergebung meiner Sünden zu bitten, und sodann auf meinem Krankenbette das heilige Abendmahl zu empfangen. Ich will es bei Zeiten thun, da ich noch meinen völligen Verstand habe. Ich lebe, und weiß nicht, wie lange, ich muß sterben, und weiß nicht wann; darum komme ich anjeşt vor deinen Gnadenthron, und bitte dich demüthig um 29 Der Krante bittet Gott um Bergebung der Sünden. Vergebung aller Sünden, die ich Zeit meines Lebens begangen. Mein Gott! ich muß gestehen, daß ich dich bisher vielfältig erzurnet. Ich habe leider! meine gesunden Tage nicht allemal angewendet zu deiner Ehre, zum Got tesdienst, zum Wachsthum in meinem Christenthum und zur Frömmigkeit, darum du auch Ursache hast, mich mit Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe, und den Mißbrauch meiner Gesundheit, nebst den übrigen Sünden, bereuen möge. Verzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebet und nicht from mer gelebet habe, als leider! geschehen. Ach Gott! gedenke nicht der Sünden meiner Ju gend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Gute willen. D! wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstuhl soll Rechenschaft geben von einem jeglichen unnüßen Wort, das ich geredet habe. O! wie werde ich mit meinen Gedanken vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist? Und soll ich von meinem ganzen Leben, von allen meinen Werken und Thaten Rechenschaft geben: ach! wer kann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in gläubiger Zuversicht auf Jesum Christum, meinen Herrn und Heiland, und bete: Ach! um seiner Wunden willen erbarme dich über mich, um seines vergosfenen Blutes millen vergib mir alle meine 450 451 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Sünden, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! Ich schame mich, mein Gott! die Augen vor dir aufzuheben, ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden; ach! hatte ich es doch nicht gethan, ach! hätte ich doch frömmer und christlicher gelebet. Darum gelobe ich dir, o Gott! ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden inskünftige leben läsfest, zu deiner Ehre im Glauben und in der wahren Frömmigkeit hinbringen, und sie als ein Geschenk, als einen Zusaß zu meinem Leben annehmen, und all mein Leben lang denken an diese Krankheit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach Herr! sey deinem Kinde gnådig, und tilge alle meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Jesu voller Gnad'! auf dein Gebot und Rath kommt mein betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte; laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch' ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr nicht mehr gedenke, in's Meer sie tief versenke. Amen. Gesang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich armer Sünder komme wieder, Ich lehre um vom 89* 452 Der Kranke betet vor dem Genuß des heil. Abendmahls. Sündenpfad, Ich fall' in tiefster Demuth nieder, Und bitte herzlich dich um Gnad'; Ach Gott! denk' nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 2. Nun seh' ich erst, was ich begangen, Ich fühl' der Sünde Angst und Pein, Ach! laß mich wieder Gnad' erlangen, Ach! laß mich nicht verloren seyn: Ach Gott! denk' nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 3. Uch! ich betrübe mich von Herzen, Ach! sieh' an dein verirrtes Kind, Das da mit Thránen, Reu' und Schmerzen Bei dir sich wiederum einsind't; Ach Gott! denk' nicht, was ich gethan, Ach! nimm mich armen Sünder an. 4. Ach Jesu! deine rothen Wunden Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden Bergebung, Fried' und Seligkeit; Ach! denk' doch nicht, was ich gethan, Uch! nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein ander Leben führen, Ach! schenk' mir deines Geistes Gab', Ein Jeder soll nun seh'n und spüren, Daß ich mich ganz geåndert hab'; Ach Gott! denk' nicht, was ich gethan, Uch! nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Joh. 6, 2. 54. 55. Wer mein Fleisch isset, und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Das heilige Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen, soll sich ein jeder wahre Christ befleißigen; solches kann nun ein Kranker sonderlich thun, wenn er sich vorher recht prüfet. Denn 1) er ist alsdann von allen Hindernissen befreiet, wodurch sonsten bei der öf Der Kranke betet vor dem Genuß des heil. Abendmahls. 453 fentlichen Gemeine die Andacht bisweilen gestöret wird; er kann alsdann in Andacht unverhindert beharren, wenn ihn Gott vor Schmerzen und Empfindungen der Krankheit bewahret. 2) Das heilige Abendmahl zu Haus zu empfangen, soll sich Niemand ein Gewissen machen, weil wir wissen, daß Jesus aller Orten und alle Tage mit seiner Gnade Gegenwart bei den Gläubigen zu seyn verheißen hat. 3) Ein Kranker soll auch zu der Zeit bedenken: vielleicht ist dieses das letztemal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und deßhalb mit einem desto festern Entschluß, im Glauben und in der Frömmigkeit zu verharren, sich vornehmen. 4) Haben Fromme gewünschet, daß ihr lehtes Wort Jeſus, ihre legte Speise das heilige Abendmahl und ihr letter Gedanke der am Kreuz hangende blutige Jesus seyn möge, wie soll sich denn nicht ein Kranker freuen, wenn er des einen Stücks auf seinem Krankenbette theilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde? 5) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es höchst unrecht, und ein Aberglaube. Gebet. Liebster Jesu! ich bin Willens, anjeßt das von dir eingesetzte Liebesmahl, da ich auf mei 454 Der Krante betet vor bem Genuß des heil. Abendmahls. nem Krankenbette darnieder liege, zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gerichte Gottes erscheinen moge, so will ich noch, dieweil ich lebe, mich von Neuem mit dir vereinigen, auf daß du in mir, und ich in dir sey und verbleibe. Ich will anjetzt das heilige Abendmahl zu Hause empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit deiner Gnade mich erfreuen und erquicken werdest. Ach liebster Seelenfreund! du bist ja nahe bei den Elenden, du erfreuest die Betrübten, du hilfft denen, die ein bedrångtes Gemüth haben; so laß auch jeßt mein Herz erfreuet, und meine Seele durch diese himmlische Speise, durch diesen himmlischen Trank erquicket werden. Ich habe zwar bei gefunden Tagen dasselbe auch mit der Gemeine empfangen, aber leider! nicht allemal mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit, wie es wohl billig håtte seyn sollen, weil der Menschen Vielheit, Eitelkeit und mein lüsternes Auge viele Verhinderungen verursachen; nun aber soll Niemand meine Andacht stören, da ich in meiner Einsamkeit mich mit dir verloben und vereinigen will. O liebster Jesu! da ich also in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will, und ich sonst keine Verhinderungen habe, ach! so steure den Schmerzen und der Krankheit, und gib Der Kranke betet vor dem Genuß des heil. Abendmahls. 455 mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört könne mein Vorhaben vollbringen. Ich verkündige anjeßt deinen Tod, und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und Schmerzen, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzestod und an Alles, was du für mich gethan haft; ich denke daran, und danke dir auch dafür, und spreche: Nun ich danke dir von Herzen, Jesu! für gesammte Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Lod; für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Klagen, für deine Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar seyn. Ich erinnere mich auch an die Einsegung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und trånkest zum ewigen Leben; ich glaube deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaftigen Gottes; ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahl empfange deinen wahren Leib und dein wahres Blut; nämlich also: wenn ich das gesegnete Brod empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise, o Jesu! deinen wahren Leib, und wenn ich den gesegneten Kelch empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise dein wahres Blut. Nun, diese himmlische Speise, dieser himmlische Trank soll mich stärken im Glauben, daß ich mit Gott versöhnet sey; diese himmlische Speise und 456 Der Krante betet vor dem Genuß des heil. Abendmahls. Trank soll mich trösten, daß ich nicht verlo: ren sey, sondern das ewige Leben habe; diese himmlische Speise und Trank soll mich verfichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünde habe, und mit dir vereiniget bin, der du bist die Versöhnung für unsere Sünden, ja für der ganzen Welt Sünden. Diese himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nåmlich an die ewige Freude und Herrlichkeit, wozu du mich nach meinem Tode führen wirst. O Jesu! meiner Seele Brautigam, heilige und reinige mich, damit ich als deine Braut mich mit dir auf ewig verloben und vertrauen möge. O meiner Seele Hirte! führe dein Schäflein auf grüner Aue, ſpeiſe mich mit dem Brod des Lebens, erquicke mich mit deinem heiligen Blut. Alsdann kann der Satan mir nicht schaden, die Sünde mich nicht verklagen, und auch nicht verdammen; hier habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünden, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlet hast, dadurch bin ich gerecht, dadurch bin ich selig. Ach! wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund! nach deiner Güte, ach! wie pfleg' ich oft mit Chránen mich nach dieser Kost zu sehnen; ach! wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trank des Lebensfürsten, wünsche stets, daß mein Gebeine sich durch Gott mit Gott vereine. Amen. Der Kranke betet nach dem Genuß des heil. Abendmahls. 457 e fan 9. Mel Ullein Gott in der Höh' sey Ehr'. 1. O allerliebstes Seelenpfand, Dem Nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand Mir jetzt wird dargereichet! Der Seele allerhöchstes Gut, Des Herren Jesu Leib und Blut, Will ich jebund empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich, Doch damit diese Liebe Recht herrlich offenbare sich, Und mir vor Augen bliebe, So gibt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sey Und ewig bleiben wolle. 3. Dies Pfand versichert mich aufs Neu', Daß alle Sünd' vergeben, und daß mir Gott genådig sey, Daß ich hinfort soll leben In seiner Liebe, Huld und Gnad', Die er mir jetzt versiegelt hat Durch diese Seelenspeise. 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll aufer= stehen Am jüngsten Tage seliglich, Und zu der Freud' eingehen; Weil ich dies Pfand empfangen hab', So bleib' ich nicht in meinem Grab', Wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank, der mich gespeist Und herrlich hat getränket, Der solche Gnade mir erweist, Und selbsten sich mir schenket; Dem schenk' ich mich hinwiederum, Und bleibe nun sein Eigenthum Im Tod und auch im Leben. 6. Herr Jesu! dir, dir leb' nun ich, Dir, dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nimmst auch mich Nun an zu deinem Erben, 3um Erben hier in dieser Zeit, 3um Erben dort in Ewigkeit; So sterb' ich ja mit Freuden. Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Xufmunterun g. Galat. 2, V. 20. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir; denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für mich dargegeben. Gleichwie ein wahrer Christ allezeit Gott 458 Der Kranke betet nach dem Genuß des heil. Abendmahls. herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfangen, wie viel mehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstand hat genießen können. Hierbei aber ist zu erinnern, 1) daß man sich nicht einbilde, auf das heilige Abendmahl åndere es sich mit dem Kranken; ja es åndert sich mit seinem Seelenzustand, wenn er es würdig empfangen, nämlich er erlanget Vergebung der Sünden und Frieden mit Gott, er gelanget in die genaue Gemeinschaft mit Jesu; daß aber das heilige Abendmahl eine Beränderung verursache in der Krankheit, dazu ist es nicht eingeſegt, davon haben wir auch keine Verheissung. Darum 2) soll es auch kein Kranker empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben solle, weil dieses ein Mißbrauch ist, sondern er soll es gebrauchen zur Stärkung des Glaubens, zur Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seele Seligkeit. Hat er es also empfangen in der Ordnung, wie es Christus eingesegt, so hat er 3) Gott dafür zu preisen, und mit stillem Herzen und gläubiger Seele sich Gott zu ergeben. Wenn man im Kriege das Beste in Sicherheit gebracht, so ist man zufrieden; unsere Seele ist das Beste, haben wir diese durch wahre Buße und Vereinigung mit Jesu Christo in die Hände Gottes emp Der Kranke betet nach dem Genuß des heil. Abendmahls. 459 pfohlen, so sind wir versichert, Gott werde es auch wohl mit dem Leibe machen. Sebe t. Mein Jesu! mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe denn ich sterbe. Nun, dieses Verlangen ist mir jeßt erfüllet und gestillet worden; du hast mich gespeiset und getrånket mit deinem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Ich liege hier auf meinem Bette, davon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, aber darauf ich auch sterben kann, wenn es dein heiliger Wille also ist; darum habe ich mich bereitet, meine Seele ist nun genesen, nachdem ich mit Jesu vereiniget bin; ja ich will nun gerne sterben, nachdem ich, o Jesu! zu der genauesten Gemeinschaft mit dir gelanget bin. Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Herr! nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O Jesu! lebe in mir, schenke mir einen gelassenen Muth, christliche zufriedenheit und eine dir ganz ergebene Seele. Erhalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen seyn. Willst du mich, o Gott! nun durch den Tod von diesem Leben abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist 460 Der Kranke betet nach dem Genuß des hel. Abendmahls. mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenket; wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dich, o Gott! komme, so wirst du mich um derselben willen vor dem Gericht frei und los sprechen. Nun ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum; durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zu dem Gnadenthron eröff net. Ich weiß, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes, in dem Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistandes des heiligen Geistes. So bin ich selig, so sterbe ich ſelig, so gehe ich selig aus der Welt, und werde auch ewig selig seyn. Dies ist eine große Wohlthat, die du mir, o Gott! an meiner Seele erzeiget hast, daß ich jetzt bei gutem Verstande dieses himmlische Liebesmahl mit Jesu habe halten können; diese himmlische Speise und Trank stårke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllet, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl seyn. Verleihe mir auch, daß mein letztes Wort, das ich auf der Welt rede, möge Jesus, und meine legten Gedanken, die ich babe, auf Jesu Blut, Tod, Leiden Der Kranke betet nach dem Genuß des heil. Abendmahls. 461 und Sterben, und auf sein heiliges Verdienst gerichtet seyn; so weiß ich, daß ich fröhlich und selig leben und sterben werde. Ist Gott für uns, wer mag wider uns seyn? Ja, wer will mich scheiden von der Liebe Jesu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringet zu der Gemeinschaft der Heiligen und Auserwählten. Sey Lob und Preis mit Ehren dem Vater, Sohn und heil'gen Geist, der woll' in uns vermehren, was er aus Gnaden uns verheißt; daß wir ihm fest vertrauen, uns ganz verlassen auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, daß unser Muth und Sinn ihm fest stets mög' anhangen; drauf singen wir zur Stund', Amen, wir werden's erlangen, glauben wir von Herzensgrund. Amen. Gefa n g. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele! 1. Nun ist meine Seel' gespeiset, Dafür sey mein Gott gepreiset; Mit der Speis ist mir gegeben Gnade, Segen, Licht und Leben; Jesus hat sich ihr geschenket, Sie hat sich in ihn versenket, Sie hat seine Lieb' empfunden, der süßen Freudenstunden! 2. Dieses war auch mein Verlangen, Jesum selig zu empfangen; Nun empfind' ich Ruh' und Frieden, Jesu Reich ist mir beschieden; Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein Jesus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen, Und die Wohnung da genommen! 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren, Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen Sollen stets in allen Dingen, Was mein Jesus will, vollbringen; Ich will nichts mehr thun und denken, Ich will Jesu ganz mich schenken. Der Krante betet, wenn er Arznei gebrauchet. 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich, weil ich leb' auf Erden, Daß mein Geist, sammt Seel' und Leibe, Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen, Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich wie ein wahrer Rebe In ihm wie ein Weinstock lebe. 462 5. Jesus, Jesus soll mich stårken, Daß in meinem Thun und Werken Ich beförd're seine Ehre, Sonsten aber Nichts begehre, Und dem Bdsen widerstehe, Jm Gehorsam ihm nach. gehe. Jesu! ach laß mir's gelingen, Mich viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach! laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebensbande, Ach! laß mich in solchem Leben Meinen Geist dereinf aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest seyn mit dir verbunden; Also kann ich selig sterben, Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. Xufmunterung. Jac. 5, B. 14. 15. It Jemand krank, der rufe zu sich die Weltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten, und lasse sich falben mit Del im Na men des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kran ken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten, und so er Sünde gethan hat, wird sie ihm vergeben seyn. Ein andächtiges Gebet ist allezeit nöthig in gesunden Tagen; warum sollte es ein Kranker vergessen, sonderlich wenn er Arznei gebraucht? Was die Arznei und deren Gebrauch anlanget, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten, und nicht denken: wenn ich gesund werden soll, so kann mich Gott ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen. Nein! also soll man nicht den Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. 463 ken, denn das heißet Gott versuchen; Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen; was uns Gott nicht verheißen hat, das können wir auch nicht von ihm fordern. Welche die Arznei verachten, und also sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht allein auf den Arzt und die Arznei sehen, sondern auf Gott; wie denn unter die Sünden des Königs Assa auch dieses gezählet wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Aerzte gesuchet, und ihnen mehr denn Gott vertrauet habe, nach 2. Chron. 16, V. 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen, mit seinem Munde und Herzen soll er beten, und mit festem Vertrauen auf Gottes Hülfe die Arznei ergreifen, und sie also gebrauchen; auf solche Weise weiß er, daß sie ihm wird geſegnet seyn. Gebe t. O du großer Gott! du siehest den Zustand, darin ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen; du siehest in die verborgensten Winkel, du siehest auch auf mein Krankenbette, und weißt, wie mir anjetzt zu Muthe ist. Ach mein Gott! ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen, meine einzige Hoffnung aber stehet auf dich, denn du bist der Herr, unser Arzt. Jedoch weil du låsfest Kräuter aus der Erde Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. wachsen, und die Arzneimittel selbst erschaffen haft, welche da sollen zur Gesundheit der Menschen dienen, so will ich anjeßt dergleichen unter herzlicher Anrufung deines Namens und mit Gebet auch zu mir nehmen; ach! lege du selber den Segen hinein. Zwar weiß ich wohl, daß du ohne Arznei helfen und gesund machen kannst; denn wenn du nur ein Wort sprichst, so wird der Kranke gesund, und wenn du nur winkest, so muß die Krankheit weichen; allein weil du uns haft auch die Mittel zu gebrauchen befohlen, so will ich in dieser Ordnung mich derselben bedienen, und bitte dich, o großer Gott! segne die Arznei, die ich jetzt in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange; laß sie mir gedeihen zur Erstattung und Wiedererlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung in meiner Schwachheit. Sprichst du deinen Segen dazu, so mag auch das geringste Krautlein mir helfen, ja Kraut und Pflaster hilft und heilet, wenn dein Segenswort dabei ist. Ich nehme die Arznei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubet hast, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand fasse; ich seufze zu dir vor dem Gebrauch, in dem Gebrauch und 464 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. 465 nach dem Gebrauch. Wenn du sie nun mir anschlagen låsfest, so werde ich wieder genesen, denn meine Lage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja Nichts gedeihen, darum ich, o Segens- Gott, um Segen zu dir schreie; was du, Herr! segnest, das ist gesegnet ewiglich. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses Mittel dir herzlich danken, aber auch bedenken, daß mich nicht Kraut und Pflaster, sondern deine Gnade erhalten, und deine Hand geheilet hat, und will mit Hiskia dein Lob bei Jedermann ausbreiten. Hor', ach! hör mein seufzend Schreien, o du allgut'ges Vaterherz! woll'st alle Sünden mir verzeihen, und lindern meinen großen Schmerz; erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer! über mich. Amen. Gefan g. Mel. 3ion klagt mit Ungst und Schmerzen. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stecket, Schau' den Himmel fleißig an, Wer den bittern Kreuzkelch schmecket, Welchen Niemand trinken kann, Denke doch deßwegen nicht, Als ob Gott sein Angesicht Von ihm håtte gar gewendet, Wenn er nicht die Hülf' gleich sendet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen, Daß die Stund' schon ist bestimmt, Da Gott, wie die Båter pflegen, Unsern Kreuzeskelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht, Und ein frohes End' erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden Preise Gott mit Herzensfreuden. 3. Auch die bittern Arzeneien Nimmt ein Frommer frdhlich ein, Und weiß. daß sie ihm gedeihen Und ganz heilsam 30 466 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. werden seyn; Eifrig beten und dabei Seufzen, wenn die Arzenei Man will zu dem Munde bringen, Wird zu vielem Heil ges lingen. 4. Großer Gott! an deinem Segen, Sprech' ich jetzt mit Herz und Mund, Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd' gesund; Lege deine Kraft hinein, Ach! laß sie gesegnet feyn, Laß die Krankheit bald verschwinden, Und mich Stárk und Lind'rung finden. Nghet 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Leben steht bei dir; Soll ich annoch långer leben, Wie du willst, geschche mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Baterherz, Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich vom Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 85Xufmunterung. Hiob 16, V. 6. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse ich es anstehen, so gehet er nicht von mir. Die Krankheiten und Zustände des Leibes, in welche Gott einen Menschen gerathen låsset, sind nicht einerlei: Etlichen schickt Gott eine Krankheit zu, dabei ihnen kein Glied, ja kein Finger wehe thut, Etliche aber werden mit grausamen Schmerzen heimgeſuchet, wie solches die Erfahrung lehret. Dieses soll uns erinnern: 1) wenn man beten, Gott erkennen und sich mit Gott versöhnen will, daß man es fein in Zeiten thue, und nicht warte, bis man krank wird, wie Sirach sagt: Spare deine Buße nicht, bis du krank wirst. Denn wie will man in solchen heftigen Schmerzen Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 467 beten, an Gott denken, sich mit Gott versöhnen? solches leiden die großen Schmerzen nicht. Wird aber ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er 2) deßwegen nicht wider Gott murren, sondern Alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 3) darf er wohl um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden gethan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Noth, warum nicht ein Kind Gottes? In den großen Schmerzen aber soll er 4) denken an seine große Sünde, die er Zeit Lebens begangen, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch denken an Gottes große Barmherzigkeit und an seine große Allmacht, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 5) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lange beten, so seufze er zu Gott, und wisse, daß solche kurze Herzensseufzer nicht werden unerhört bleiben. 6) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. b e t. Herr! höre mein Gebet, vernimm mein Fleben, mein König und mein Gott! denn ich will vor dir beten. Ach! ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meiner Leibesschwachheit in Gnaden ansehen, und meine Schmerzen und mein großes Leiden lindern. Du hast ja verheißen. du wollest uns nicht 30* 468 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. lassen versuchen über unser Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen. Ach! siehe, mein Gott, die Last wird mir fast zu schwer, die Schmerzen nehmen überhand, mein Leib ist matt, meine Kräfte haben abgenommen, meine Zunge klebet an dem Gaumen, meine Gebeine sind verbrannt, wie ein Brand, das Gesicht vergehet mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Verziehe nicht, mein Gott! du erkennest, wie wehe mir ist. Du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nächte schon sind viele geworden, du hast selbst gehört mein Aechzen, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Elend und in meinen Schmerzen? Ach! wo soll ich hin? wo weiß ich hin? wo kann ich hin? als nur zu dir allein, dem Herrn, meinem Gott! Wenn ich allen Menschen meine Noth klagte, würden sie wohl mit mir Mitleiden haben, aber mich doch nicht erretten. Darum komme ich zu dir, ich weiß, du kannst mir helfen, es stehet bei dir, sprich nur ein Wort, so werde ich leben. Oliebster Jesu! der du dem tobenden Meer haft befohlen, sich zu legen, ach! ach! befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gichtbrüchigen mit einem Worte geheilet hast, laß auch deine Barmher Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 469 zigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten und so Vieles ausgestanden habe. Ach! komme zu mir mit deiner Hülfe, ehe mich der Schmerz gar aufreibet. Und soll ich ja nach deinem Rath noch långer Schmerzen leiden, so laß mich doch in deiner Gnad' als wie ein Schäflein weiden, daß ich im Glauben und Geduld erwarte meines Vaters Huld, die meine Schmerzen stillet. Ach! lege deine Gnadenhand auf mich, so werde ich gesund und von Schmerzen befreiet. Aus der Tiefe rufe ich, Herr! zu dir, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hülfe, von einer Morgenwache bis zur andern; denn ich weiß, bei dem Herrn findet man Hülfe. Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen, errette mich, und vergib mir meine Sünde um deiner Gute willen; doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Soll ich Schmerzen noch långer tragen, so geschehe dein Wille; gib mir nur Kräfte, daß ich es ausstehen könne. Gib mir, mein Gott! zuweilen einen Rasttag, da ich mich wieder erquicke, oder doch eine Stunde, darin ich mich erhole. Unsere Trübsal ist zeitlich und leicht, darum mache du mir meine Schmerzen leichter, und befreie mich endlich davon. Ach Gott! erhör' mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. nicht gar verzagen; du weißt mein'n Schmerz, erkennst mein Herz, hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gesang. el. Ø Gott, Mel. O Gott, du frommer Sett! zc. 1. Ach mein Gott! hilf mir doch, Du siehest, wie mir's gehet, Ach! dir ist wohl bewußt, Wie schlecht es um mich stehet; Du weißt ja meinen Schmerz Mehr, als ich sagen kann, Drum hilf mir gnådiglich, Sonst ist's um mich gethan. 470 2. Uch mein Gott! hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen, Ach! laß mich deine Hülf Mit Freuden bald recht schauen; Du bist's, der Hülfe leist't, Ja du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald Zu meiner Hülfe ein. 3. Ach mein Gott! hilf mir doch, Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad' Und Hülfe willst entziehen? ( Sewiß, ich weiche nicht, Ich lasse nicht von dir, Bis du mir hilfest aus Und nimmst die Noth von mir. 4. Ach mein Gott! hilf mir doch, Ich weiß, du kannst mich retten, Drum wollest du es thun In diesen meinen Nöthen; Du kannst es, du bist Gott, Dem Nichts unmöglich ist, De willst es, weil du auch Zugleich mein Vater bist. 5. Ach mein Gott! hilf mir doch, Daß ich dein Lob erhes ben Und dich auch preisen mög', Dieweil ich werde leben, Und fagen allezeit: Getrost! Gott lebet noch, Und währt es noch so lang', Sieh', mein Gott hilft mir doch Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. Aufmunterung. Jefaia 48, V. 14. 15. 16. Bion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein ver gessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß ſie sich nicht erbarme úser den Sohn ihres Leibes? Und ob sie dessels ben vergåße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Verursachet es bei einem Armen eine große Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. Freude, einen reichen Wohlthäter zu haben, bei Verlassenen, einen starken Beistand zu finden, so kann auch ein Kranker große Freudigkeit haben in seiner Krankheit und in seinem Leiden, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hierbei aber soll er merken, 1) daß ein Verzug der Hülfe nicht ein Verlassen sey; denn manche Kranke, wenn Gott nicht gleich und nach ihrer Rechnung bald hilft, so schreien und sprechen fie, Gott habe sie verlassen. Allein so soll man nicht denken; Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht in jeder Frist, bilft er doch, wenn's nöthig ist. Es soll ein Kranker 2) bedenken, Gott habe seine Hülfsstunde bestimmt, in welcher er helfen will, doch bis dieselbe anbricht, soll er geduldig warten. Er soll 3) bedenken, ob er in gesunden Tagen auch nicht Gott verlassen habe; was wäre es denn Wunder, wenn ihn solches Gott jegt empfinden ließe? Hieran aber will ihn Gott erinnern durch den Verzug der versprochenen Hülfe. Darum bleibe der Kranke 4) dabei, daß er im Glauben sage: Gott kann mich nicht verlassen, ich bin sein Kind; Gott will mich nicht verlassen, er hat mir's verheißen; Gott wird mich nicht verlassen, er hat mir vor diesem schon oftmals geholfen. Wird er sich also in Gott fassen, so wird er den Verzug der Hülfe in Geduld leiden, und endlich Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. herrlich sehen, daß er von Gott nicht sey verlassen worden. 472 Geb of. O du allerliebster Gott und Vater, der du mich je und je geliebet, und aus großer Liebe zu dir gezogen! Siehe, ich armer Kranker komme zu dir, und bitte dich demüthig, du wollest mich jetzt nicht verlassen in meiner Leibesschwachheit. Du weißt ja, mein Gott! daß ohne dich mir nicht kann geholfen werden. Du bist der Machtige in Jacob, der Schuß Ifracls, die Zuflucht der Betrübten, der Helfer der Elenden, der Beistand in der Noth. Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; er wird sich aufmachen, und über Zion sich erbarmen, er wird mich in Gnaden ansehen. Menschen sprechen: Ich kann euch nicht helfen; und so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich nicht von dir verlassen bin; denn Gott verläßt ja Reinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest; låßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden schon lange währet. Am Ábend denke ich: Morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; ja in der Nacht rufe ich oft: Húter, ist die Nacht schier hin? Meine Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. 478 Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird; ach! laß mich doch die Last nicht gar erdrücken, nimm weg den Stein, der auf mir lieget, die Ruthe, die mich schläget, die Schmerzen, die mich plagen. Du kennest ja meine schwachen Kräfte wohl, wie viel ich ausstehen kann. Mein Gott! verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden gar mannichfaltig ist; es scheinet, als ob sich die Trübsal nicht verringere, sondern vielmehr vermehre. Wo soll ich denn hin, wenn du mich verlassen willst? Willst du mir nicht helfen, so kann mir keine Creatur helfen; willst du mich verlassen, so bin und bleibe ich ohne Hülfe. Allein ich weiß, du verläsfest mich nicht, ich halte dir vor deine Verheißung, da du gesprochen: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Die auf den Herrn harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Israel hat es versprochen, er wird seinem Volke Kraft geben, und den Elenden, der keinen Helfer hat, erretten, und den Seelen der Armen gnädig seyn. Nun, auf dein Wort traue ich, und hoffe, du wirst deine Zusage treulich halten im Himmel. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein theures Blut; ich bin dein Eigenthum, Der Kranke feufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. darum wirst und kannst du mich, dein Kind und Eigenthum, nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen; du hast mich noch nie verlassen in meinen Leiden und Trubsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsal über meinem Haupte zusammenschlugen: so wirst du es dießmal auch nicht thun. Darauf gebe ich mich zufrieden, darauf verlasse ich mich, und bin gutes Muths, und sage: Herr, ich lasse dich nicht, du helfest mir denn, auf eine solche Art und Weise, als es dir gefällt. Wo soll ich mich denn wenden hin? zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Nath allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Christ. Amen. Gefa g. Mel. Wer nur ben lieben Gott läßt walten. 1. Ich trage mein Kreuz nicht alleine, Mein Jesus tråget es mit mir, Im Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet mir bei für und für; Ich trage mein Kreuz nicht allein, Dieß soll mir Trost und Zuflucht seyn. 2. Den Beistand hat er mir versprochen, Und auch die Hülf' zu seiner Zeit; Wenn nun die Stund' ist angebrochen, So weichet auch mein Herzeleid; Drum wird mein Glaube nies mals klein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 3. Sich', Gott ist es, durch dessen Gnade Ich bis auf dies sen Tag noch steh', Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich vor großem Schmerz oft wein', Doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun, ich will es geduldig tragen, Und währte es gleich Der Krante erinnert sich seines Todes. 475 noch so lang'; Sollt' ich an Gottes Hülf verzagen? Um Hülfe ist mir gar nicht bang; Gott stellt sich bald zur Hülfe ein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein treuer Gott! dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht, Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hülsesstund' anbricht; Laß mich im Kreuze nicht allein, Du bist ja mein, und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. 2. Tim. 4, V. 6. 7. 8. Die Zeit meines Abscheidens ist vorbanden; ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glaus ben gehalten. Hinfort ist mir beigeleget die Krone der Gerechtigs feit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern Allen, die seine Ers scheinung lieb haben. Sich seines Todes erinnern, ist 1) eine nüßliche Sache, denn dadurch ziehet man sein Herz von der Eitelkeit und von den Sünden ab, man siehet Alles, was irdisch ist, als Dinge an, die man nicht kann mit in den Himmel nehmen, die man nicht kann behalten, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern, ist auch 2) eine nothwendige Sache, denn welche da meinen, der Tod sey noch weit von ihnen entfernet, die werden oft frech, üppig, boshaft, vertiefen sich in die Welt, und stellen sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod von ohngefähr, so gehen sie gewiß verloren. Sich des Todes erinnern, ist 3) gar heilsam, 476 Der Kranke erinnert sich seines Todes. denn wer, ehe er stirbt, sich sein Ende fleißig vorstellet, der stirbt nicht, wenn er stirbt, und dem kommt der Tod nicht erschrecklich vor; denn der Tod der Gläubigen ist nichts Anderes, als ein Hingang zum Vater und ein süßer Schlaf. Wer fürchtet sich aber wohl, zum Vater oder zu Bette zu gehen? Man soll aber 4) nicht denken, daß das ein Zeichen zum Tode sey, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bestellet, sein Testament machet, und sich zum seligen Sterben bereit hålt; o nein! darum stirbt Niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott seines Lebens Ziel bestimmet hat. Man soll 5) auch sich seine Todesstunde nicht so gar grausam und schrecklich vorstellen, wie manche Kranke thun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar gesagt, der Tod sey das Schrecklichste unter allen schrecklichen Dingen, Christen aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen Jesu, in der Gemeinschaft des heiligen Geistes; was ist daran schrecklich? ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Freude? Gebet. 3d Herr! es ist genug, nimm meine Seele hin. So seufze ich zu dir, mein Gott! da ich in meiner großen Schwachheit, die immer gróßer wird, wohl merke, daß meines Lebens Ziel da ist. Ich begehre, aufgelöset und bei Christo Der Kranke erinnert sich seines Todes. 477 zu seyn. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht, ich habe bei gesunden Tagen oft daran gedacht, darum kommt es mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Taublein des Noah mit Freuden zu dem Kasten kehrete, wie ein Fremder mit Verlangen nach seinem Vaterlande eilet: also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pilgerschaft in das himmlische Freudenland, da nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines Jesu folgen wird. Ich weiß, daß der Tod einem gläubigen Christen ein sanfter Schlaf ist, und ein Durchgang in das ewige Leben. Böse Menschen und Weltkinder mögen sich vor dem Tode fürchten, denn sie haben keinen gnädigen Gott, sie stehen nicht in der Gemeinschaft mit Jesu Christo, und haben ihr Herz Gott, dem heiligen Geiste nicht zur Wohnung übergeben; allein ich fürchte mich nicht zu sterben, weil ich dessen Alles versichert bin. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Gott ist mein Vater, Jesus mein Fürsprecher, der heilige Geist mein Führer und Tröster; zu dem komme ich, zu dem gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Meiner Seele Bräutigam wird mich, seine Braut, wohl empfangen. Wenn Der Kranke erinnert sich seines Tobes. mein Jesus von seinem bevorstehenden Tode redete, so sprach er: Jch gehe zum Vater. Ja, liebster Jesu! ich will dir auch so nachsprechen: Wenn ich sterbe, gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, zur Seligkeit. Was soll ich mich fürchten zu sterben? Jesus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienst ist mein, der Himmel ist mein, warum soll ich nicht fröhlich seyn? Der Leib kommt in die Erde, aber die Scele fähret zu Gott; fie gehet aus der Welt in den Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus dem Trauern in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Wonne, zur Sonne, zum ewigen Vergnügen. Sche ich doch schon, wie die Engel um mein Bette stehen, und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen. Sche ich doch, wie Jesus seine Arme ausbreitet, und mich als sein Kind empfangen will; wie so viel tausend Gläubige mich aufnehmen wollen. Darum bin ich getrost; ich vergesse, was dahinten ist, nåmlich die Erde und alles Irdische, was ich auf Erden habe, und strecke mich nach dem, das da vornen ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir 478 Der Kranke erinnert sich seines Todes. beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Wie wohl wird mir seyn, wenn ich aufgelöset bin! wie selig werde ich seyn, wenn ich in Jesu Armen bin! wie vergnügt werde ich seyn, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben bin durchgedrungen! Kann uns doch der Tod nicht tödten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöthen, schleußt das Thor der bittern Leiden, und macht Bahn, daß man kann geh'n zu ew'gen Freuden. Amen. Gefang. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 470 1. Wer da will als ein frommer Christ Nach Gettes Wils len sterben, Durch Christi Blut versichert ist, Den Himmel zu ererben, Der kämpfe und bereite sich, Damit er alsdann seligs lich Von hinnen mdg' abscheiden. 2. Vor Allem fall' er Gott zu Fuß, Beweine feine Sünden, Er thu' in Zeiten wahre Buß', Daß er mdg' Gnade finden, Er hasse jede bdse That, Und was er sonst begangen hat In feinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an Jesum Christ, Und flich' zu desſen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd' entbunden Von aller Ungerechtigkeit, Und nehm' dieß Blut zum Eterbekleid In seinen Todesstunden. 4. Er führ' sodann in Frdmmigkeit Ein Gott gefällig Leben, Hab' Goit im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von Gott abwend', Und bleibe fromm bis an sein End', Wie Gott es hat befohlen. 5. Er fliehe dabei allermeist Die schndden Sündenwege, Und was da sonst von Gott abreißt; Er steh' nicht auf dem 480 Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. Stege, Auf welchem freche Menschen sind, Er leb' auch als ein Gotteskind, Und meide, was Gott hasset. 6. Er halte stets mit Beten an In den gesunden Tagen, So Er bete, weil er beten kann, Die Noth Gott vorzutragen; wird Gott das Gebet anseh'n, Wenn seine Lippen starrend steh'n, Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit Mit seinem Feind verföhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterkeit Hat pflegen zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab', Eh' man ihn tråget in das Grab, Und er den Feind verlasse. 8. Er klebe nicht an dieser Erd' Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist unsrer Lieb' nicht werth, Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlassen soll; Hingegen thut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. 9. Mein Gott! verleih' mir deine Gnad', Daß ich die Welt nichts achte, Und gerne folge deinem Rath, Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir gefällt, Ich wohl bereitet aus der Welt 3um Himmel mög' eingehen. Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. Aufmunterung. Joh. 11, V. 25. Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stirbt. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Wer als ein Christ sein Grab ansiehet, der wird davor nicht erschrecken, so finster es auch immer seyn mag: denn 1) es ist eine Ruhekammer, wo wir von allen Schmerzen, von allem Jammer, Kummer und Herzeleid søllen befreiet werden; wird aber der Frommen Leib ohne Schmerzen schlafen und ruhen, so wird 2) die Seele einer himmlischen und un Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. 481 endlichen Freude genießen; denn der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rühret sie an; Trost, Freude und Wonne wird stets um sie seyn. Der Leib foll 3) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun ausgeruhet haben, sollen am jungsten Tage herrlich wieder auferstehen, leuchten wie die Sonne, und mit der Seele wiederum vereiniget werden. Wollte man 4) einwenden: Ich muß aber die lieben Meinigen und mein Hab und Gut auf Erden verlassen, so soll man bedenken, daß im Himmel ein allgemeines Wiedersehen wird seyn. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nimmermehr von ihnen wieder geschieden werden. Was die leiblichen Güter anlanget, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Wenn dieses Alles von einem Kranken erwogen wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht schrecklich vorkommen. Gebe t. Gnådiger und barmherziger Gott! siehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben; ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viet Trubfal und Leiden zur Ruhe bringen. Denn nach dem Abschied aus diesem Leben muß mich all mein Leiden, Trúbsal, Kreuz 31 482 Der Stranke betrachtet Grab und Auferstehung. und Unruhe verlassen; ich gelange zur Ruhe, zur Freude, ich werde ergößet, erquicket, erfreuet, nachdem ich in der Welt so viele trube Stunden und traurige Nächte gehabt habe. Vor dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird seyn meine Schlafkammer; mein Elend, meine Krankheit und mein Leiden kommt nicht mit mir in's Grab, das. muß draußen bleiben. D stiller Ort! o angenehme Ruheståtte! wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib in deinen Schooß geleget werden? Das Grab hat mir Jesus selbst geheiliget, er hat mir es zur Nuheståtte gemacht; als er nach ausgestandenen Leiden darein geleget wurde, hörten seine Schmerzen und all sein Jammer auf. So hat der Herr auch meinem Leibe eine Ruhekammer bereitet in der Erde, und der Seele einen Erquickungsort im Himmel. Suchen Menschen schöne Häuser, weiche Betten zur Ruhe, so sind sie mit meinem Grab nicht zu vergleichen; aus einem schönen Hause kann man durch Feuer, Feinde und andere Zufälle gejagt werden, in meinem Grabe aber wird mich Niemand stóren. Jesus wird meine Gebeine bewahren, daß deren nicht eines wird verloren gehen, ja er wird auch meine vermoderten Gebeine wieder zusammenbringen. Im weichen Bette muß Mancher Schmerzen und Ungemach ausstehen, aber in meinem Grabe 483 Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. wird kein Unglück sich zu mir nahen, und kein Schmerz wird mich rühren. So ist das Grab ein von allen Leiden und Schmerzen befreites Bette; sobald Jemand dahinein gelegt wird, so höret sein Schmerz und Ungemach auf. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? ich werde ja nicht darin bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder auferwecken. Wer an mich glaubet, spricht mein Jesus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So soll mein Grab denn nur ein kurzer Aufenthalt seyn, darin mein Leib wird schlafen, bis Jesus kommen wird und sprechen: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vor's Gericht! Es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gråbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes, und werden hervorgehen; wenn ich nun diese Stimme hören werde, so werde ich auch auferstehen aus meinem Grabe, mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereiniget, mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlichet werden, ich werde leuchten wie die Sonne, ja alle Schwachheit um und an wird von mir seyn abgethan. Grünet das Waizenkorn wieder hervor, wenn es in der Erde erstorben zu seyn scheinet, so werden auch meine Gebeine wieder versammelt, mit Adern zusammengebunden und mit Haut 31* C Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. überzogen werden. Es wird gesået verweslich, und wird auferstehen unverweslich; es wird gesået in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gefået ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein mit geistlichen und himmlischen Eigenschaften begabter Leib. Was hier krånkelt, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; irdisch werd' ich ausgeså't, himmlisch werd' ich auferstehen. Weil du vom Tod erstanden bist, werd' ich im Grab nicht bleiben; mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Todesfurcht kann sie vertreiben; denn wo du bist, da komm' ich hin, daß ich stets bei dir leb' und bin, drum fahr' ich hin mit Freuden. Zu dir will ich, o Jesu Christ! stets meinen Arm ausstrecken; ich schlafe ein, und ruhe fein, kein Mensch wird mich aufwekken; denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthür aufthun, mich führ'n zum ew'gen Leben. Amen. 481 Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da wahre Ruhe habe Nach ausgestandnem Beh' und Ach! Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, Darein mein Leib mit Freuden zicht, Weil in derselben aller Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg' und Der glaub. Chrift danket Gott wegen wieder erlangt. Gesundheit. 485 Kummerniß von mir, Und lässet mich da fanfte raften; O großer Gott! deß dank' ich dir; Auch von der Sünden Ungst und Pein Werd' ich im Grab' befreiet seyn. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, Jesus deckt mich selbsten zu; Es ist die beste Ruheståtte, Da Niemand storet meine Ruh'; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel ist bei Gott freudenvoll. 5. Drum bleibt im Grab und Jesu Wunden Mein Leib und Seele wohl verwahrt, Sie haben darin Schuß gefunden, Wo sie zur Herrlichkeit verspart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum verein'gen wird. 6. schönes Grab! o kühle Erde! O schwarze Gruft! doch sanfter Schooß! Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiden, Trúbsal, Unglück los. Herr! meinen Geist befehl' ich dir, Die Ruh' gönn' meinem Leibe hier. Der gläubige Christ danket Gott wegen wieder erlangter Gesundheit. Aufmunter un g. Joh. 5, V. 14. Siehe zu, du bist gesund geworden, fündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Wergeres widerfahre. Daß die meisten Kranken gerne beten, ist gewiß, und daß die meisten mit dem Munde Gott viel versprechen, wie sie, wenn sie Gott låst gefund werden, wollen neue Creaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleißige Kirchengånger, und von Leben, Herzen und Sitten ganz neu werden, ist auch gewiß. Aber daß dieses Versprechen die allerwenigsten halten, lehret leider! die tägliche Erfahrung, indem sie nach erlangter Gesundheit wieder so 486 SUPE Der gläubige Chrift danket Gott eitel, boshaft, unbåndig, unartig und frech werden, wie sie vorher gewesen, wenn sie nur nicht schlimmer werden. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbette befreiet hat, 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes Macht ihn auf einmal auf's Bette hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet und ihn von der Todesgefahr gnådig befreiet habe. 2) Es soll ein solcher Kranker, der nun wieder gesund geworden ist, sein auf dem Sterbebette gethanes Gelübde bezahlen, und sein Verspre chen halten, darum, weil er es Gott und nicht Menschen gethan hat. Denn es ist besser, Nichts versprechen, als das Versprechen nicht halten. 3) Hat er wieder, wie Hiskias, neue Kräfte erlanget, so soll er nicht allein zu Hause auf seinen Knieen dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, sondern auch in das Haus Gottes eilen, und daselbst vor Gottes Angesicht sich niederwerfen, auch Undern dadurch Gelegenheit geben, die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Todes- und Lebensgefahr fleißig erwågen, und dem allmächtigen dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottfeliges Leben führen, ja also im Glauben und gottseligen Wandel verharren, daß er hinfort, wenn Gott etwa mit der Todesstunde kom wegen wieder erlangter Gesundheit. 487 men sollte, möge zum seligen Sterben und fröhlichen Ausgang aus diesem Leben bereit seyn. Sebe t. O du allmächtiger und gnädiger Gott! ich trete jegt allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Krankenbette wiederum aufgerichtet hast. Ich denke noch an die Angststunden, an das beschwerliche Leiden, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, darin ich lag und schwebte. Aber siehe! deine mächtige Hand hat mich gnådig von meinem Lager aufgerichtet, du hast mich wieder auf meine Füße gestellet, daß ich ausund eingehen kann. Deine Gnade hat mein Klagen verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freuden gegurtet. Herr! Herr! du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bis hierher geholfen. Denn das weiß ich fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getrostet, und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o Gott! hast nicht Lust an unserm Verderben; nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch 488 Der gläubige Chrift danket Gott in meiner Krankheit empfunden; daher will ich mein Leben lang denken an die Angst meiner Seele, aber ich will auch rühmen, o allmächtiger Gott! vor der großen Gemeine, was du an mir gethan hast. Du hast die Arznei gesegnet, du hast meine Schmerzen gelindert, du hast mir Stårke gegeben, das Leiden zu überwinden, du hast nach den mühsamen und elenden Nächten mir Erquickungstage bescheret, und dich meiner in meiner Trubsal wie ein Vater erbarmet. Darum lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich will den Herr loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn; meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß es die Elenden und andere Kranken hören und sich freuen. Preiset mit mir, ihr, die ihr jemals, wie ich, in Nöthen, Krankheiten und Leiden gewesen seyd, den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörete der Herr, und half uns aus allen unsern Nöthen. Die den Herrn in ihrem Elend im Glauben ansehen, und mit Gebet anrufen, deren Angesichts wird nicht zu Schanden; er låsset sie nicht betrübt von seinem Thron weggehen, sondern er erbarmet sich ihrer gnädiglich. Uch mein Gott! laß diese mir erwiesene Gnade und wegen wieder erlangter Gesundheit. Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen seyn. Nun weiß ich, und habe es erfähren, daß du ein måchtiger Gott bist, daß du kannst die Todten lebendig, die Kranken gesund, die Schwachen stark, und die Betrübten fröhlich machen. War ich dem Tode nahe, so hat deine Güte diesesmal mein Leben noch erhalten. Darum, mein Gott! habe ich mir durch deine Gnade fest vorgenommen, die mir geschenkte Gesundheit, das auf's Neue mir verliehene Leben und die Jahre, die ich nach deinem Rath in der Welt noch bleiben soll, zu deiner Ehre anzuwenden und in der wahren Frömmigkeit zuzubringen. Ach! ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslast mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elend vergangen; darum will ich hinfort nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, sondern meine Freude an dir haben; ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden, und mich halten zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankes, und da man erzählet alle deine Wunder; ich will, da mir diese besondere Gnade erschienen ist, verläugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit 1 489 Der gläubige Chrift danket Gott ich wie die klugen Jungfrauen bereit sey, wenn du mit meiner Todesstunde und mit dem Ende meines Lebens kommen wirst, zu der Hochzeit des Lammes, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmerniß, mein Gott! in meinem Herzen, doch deine Tröstung war gewiß die Arznei meiner Schmerzen. Imanuel! Trost Israel! je mehr du mich verlegtest, je mehr du mich ergößest. Ich hatte viel Bekümmerniß, wenn ich den Tod bedachte, da mir das finstre Grab gewiß nicht kleines Grauen machte. Imanuel! Trost Israel! weil du den Tod geschmecket, hat er mich nicht geschrecket. So hatt' ich viel Bekümmerniß, du aber viel mehr Liebe; dein Trost war mir so engelsüß, daß er die Angst vertriebe. Imanuel! Trost Israel! kannst du mich hier so trösten, dort ist der Trost am größten. Amen. 490 efan g. Mel. Wie soll ich dich empfangen? 1. Wie kann ich dich genugsam preisen, Herr! deine Wunderthat, und tiefsten Dank erweisen Für deine Lieb' und Gnad', Weil das, was mich gedrůcket, mein Leiden, ist dahin, Und da ich hoch beglücket Vom Tod errettet bin? 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hülf erblickt, Das Leben ist erneuet, Die Seel' ist auch erquickt; Ja Sinne und Gemüthe, Und was nur ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater! für und für. 3. Drum soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder sins gen kann, Und dankbar sich erzeigen Dem, der mir Gut's ges wegen wieder erlangter Gesundheit. than; Mein Herz stimmt ein mit Freuden, Und rühmet überall, Wie Gott in meinem Leiden Geholfen diesesmal. 491 4. Ich sahe mich verlassen, Und du erhobest mich; Wie kann ich's g'nugsam fassen, Daß du so gnådiglich Von allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt, Mich våterlich entbunden Durch deine starke Hand? 5. Ich konnte mir nicht rathen, Ich war von Hülfe bloß, Doch sah ich Wunderthaten, Da du in deinen Schooß Mich als ein Vater legtest, Und hieltest dich zu mir, Ja wie dein Kind mich pflegtest, Und sprachst: Ich bin bei dir. 6. Ja wohl! ich hab' empfunden, Daß du an mich gedacht, Denn ich hab' überwunden Durch deines Armes Macht; Ach ja! ich bin genesen, Lobt Gottes Herrlichkeit! Ich bin in Noth gewesen, Und nun daraus befreit. 7. Herr! ich hab' recht gesehen, Was du an mir gethan, Ich will es gern gestehen, und sagen Jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich Alles neigt, Sich hat an diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach! ternet Gott vertrauen Die ihr in Ndthen send, Denn an mir könnt ihr schauen, Wie seine Gütigkeit Kann alles Unglück wenden, Das euer Herz beschwert, Und euch die Hülfe senden, So wie ihr fie begehrt. 9. Mein Gott! ich werf mich nieder Vor deinem Thron allhier, Und singe Freudenlieder Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freudenstund'.. 10. Dieweil ich werde leben, Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir gethan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Dein Sorgen und dein Führen Bergess ich nimmermehr. Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, welche krank gewesen und gesund geworden sind. Psalm 30, 2. 3. 492 Herr, mein Gott! da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Gelobet sey der Herr! denn er hat eine wunderliche Güte an mir bewiesen. Ich habe dir, Gott! gelobet, daß ich dir danken will, denn du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten, daß ich wandeln kann vor dir im Lichte der Lebendigen. Ich rief zum Herrn in meiner Noth: Ach Gott! erhör' mein Schreien; da half mein Helfer mir vom Tod, und ließ mir Trost gedeihen; deß dank', ach Gott! deß dank' ich dir, ach! danket, danket Gott mit mir, gebt unserm Gott die Ehre! 1. B. Mos. 32, 2. 10. Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte gethan hast. Ach ja, mein Gott! nur Erbarmen und Liebe ist es von dir, daß du mich von meinen Schmerzen und Ndthen erldset hast. Ich bin aller solcher Wohlthaten ganz unwürdig. Deine Treue hat sich bei mir recht verherrlicht, da du dich meiner so herzlich angenommen, und mit mir so gehandelt, wie du mir verheißen hast. Laß mir dieses niemals aus dem Sinne kommen. Laß mich dadurch stets erwecket werden, gegen dich Liebe und Treue zu beweisen mein Leben lang, damit ich dir als dein Knecht diene nach deinem Wohlgefallen, und endlich auch als ein frommer und treuer Knecht den frdhlichen Zuruf hören mdge: Gehe ein zu deines Herrn Freude! i Bater! du hast mir erzeiget lauter Gnad' und Gütigkeit, und du hast zu mir geneiget, Jesu! deine Freundlichkeit; und durch dich, o Geist der Gnaden! werd' ich stets noch eingelas den. Tausend-, tausendmal sey dir, großer König! Dank dafür. Tausendmal sei dir gesungen, Herr, mein Gott! Preis, Lob und Dank, daß es mir bisher gelungen; ach! laß meines welche frank gewesen und gesund geworden sind. 493 Lebens Gang ferner doch durch Jesum leiten, nur geh'n auf die Ewigkeiten; da will ich, Herr! für und für, ewig, ewig danken dir. piob 23, 2. 28. 29. Er hat meine Seele erldset, daß sie nicht führe in's Vers derben, sondern daß mein Leben das Licht sähe; siehe, das Alles thut Gott zwei- oder dreimal mit einem Jeglichen, daß er seine Seele herumhole aus dem Verderben, und erleuchte ihn mit dem Lichte der Lebendigen. Herr Jesu! du hast dich gegen mich als einen rechten Erlöser und Erretter bewiesen, daß du nicht nur meine Seele erhalten, sondern auch meinen Leib bewahret hast, da nur ein Schritt, ja nur ein Haar mir zwischen Tod und Leben war. Uch! erlöse mich noch ferner von allem geistlichen und leiblichen Verderben. Erldse mich von der Hand aller meiner Feinde. Erldse mich besonders von der Herrschaft der Sünde. Verleihe mir Gnade, daß ich ein Licht in dem Herrn werden und als ein Kind des Lichtes wandeln mdge. Laß mich dir dienen ohne Furcht mein Leben lang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Gib mir Kraft, Glauben und gutes Gewissen zu bewahren bis an mein Ende. Was noch hinterstelliger Zeit im Fleische ist, das laß mich leben nicht der Mens schen Lüften, sondern deinem Willen, damit ich so ewiglich dein bleiben möge. Ach! führ' mein Herz und Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich môg' Alles meiden, was mich und dich kann scheiden, daß ich an deinem Leibe ein Gliedmaß ewig bleibe. Joh. 11, V. 4. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes. Das habe ich erfahren, mein Heiland! daß auch an mir geschehen ist, was du ehedem von deinem kranken Freunde Lazarus gesagt hast. Meine überstandene Krankheit war nicht zum Tode, denn du hast mich recht herrlich von dersel. ben befreiet. Dir gebührt dafür allein die Ehre! Laß denn auch meine Genesung allein zu deiner Verherrlichung gereichen. Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, Gib mir ein neues Herz und einen neuen Sinn. Laß mich aller Orten verkündigen, was du Großes an mir gethan haft. Verleihe mir Kraft, dir allein zu Ehren zu leben und dich ohne Unterlaß an meinem Leibe und in meinem Geiste zu preisen. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott! von nun an ehren; man soll, o Gott! den Lobgefang an allen Orten hören; mein ganzes Herz ermuntert sich, mein Geist und Leib erfreuen fich; gebt unserm Gott die Ehre! 494 Joh. 5, V. 24. Siehe zu, du bist gesund geworden, sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre. Dieser Ermahnung, o Herr Jesu! laß mich allezeit einges denk seyn. Eine wohlverdiente Strafe meiner Sünden hast du von mir genommen, da du mich von meiner erduldeten Krankheit errettet hast. Es ist dir etwas Leichtes, mich noch härter heimzusuchen, wenn ich mich nicht bessere. Es kann mir leicht etwas Nergeres widerfahren, wenn ich auf's Neue in die Sünde willige und thue wider Gottes Gebot. Davor bes wahre mich doch gnädiglich. Behüte mich, daß ich forthin nicht mehr vorsäßlich sündige, sondern vor dir wandle und fromm bleibe. Ach! erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Zucht, Ehr' und Treu' verleih' mir, Herr! und Lieb' zu deinen Worten; behûte mich vor fremder Lehr', und gib mir hier und dorten, was dient zu meiner Seligkeit, wend' ab all Ungerechtigkeit in meinem ganzen Leben. Sirach 30, 23. 14. 15. 16. Es ist besser, Einer sey arm und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund; gesund und frisch seyn, ist besser denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn großes Gut. Es ist kein Reichthum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude ist des Herzens Freude gleich. Mein Gott! das hast du mich durch meine letzte Krankheit gelehret. Da habe ich erfahren, wie Gut und Geld, wie welche frank gewesen und gefund geworden sind. 495 Wohlergehen und Glück so nichtig seyen, und wie man das Alles nicht brauchen könne, wenn man der Gesundheit entbehren muß, ja, daß man diese edle Gabe sich durch all sein Vermogen nicht verschaffen könne. Dank sey dir gesagt für diese heilsame Lehre. Mache mich nun auch tüchtig, derselben zu folgen. Bewahre mich, daß ich das Irdische nicht lieb gewinne, oder es höher achte, als es zu achten ist. Stårke mich, die Gesundheit als eine theure Gabe recht hoch zu achten, sie mit allem Fleiß zu bewahren, und Alles zu meiden, womit ich mich um dieselbe bringen könnte. O Gott! du frommer Gott! du Brunnquell guter Gaben, ohn' den Nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben; gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein' unbefleckte Seel' und rein Gewissen bleib'. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauern Tritt hindurch in's Alter dringen: so gib Geduld, vor Sünd' und Schanden mich bewahr', auf daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar. Psalm 119, V. 106. Ich schwöre und will es halten, daß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit bewahren will. Oft habe ich in der vorigen Krankheit an die Besserung meines Lebens gedacht, oft habe ich dir, o Gott! dieselbe auch angelobet; nun erneuere ich meine Zusage. Erinnere mich selbst fleißig daran, daß ich nie vergesse, dir mein Gelübde zu bezahlen. Schenke mir dazu die Kraft deines Geistes. Mache durch ihn aus mir einen solchen Menschen, der forthin in deinen Wegen wandele, deine Gebote halte und darnach thue. Recht und Gerechtigkeit laß mich behüten auf allen meinen Wegen. Züchtig, gerecht und gottselig laß mich leben in dieser Welt bis an mein Ende, damit ich so selbst erfahre, wie die Gottseligkeit sey zu allen Dingen nütze und die Verheißung habe dieses und des zukünftigen Lebens. Wie will ich mich doch künftighin allein darauf befleißen, daß all mein Leben, Thun und Sinn dir angenehm mdg 496 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, heißen! Der Bund, der in der Tauf gemacht, der dich mir hat zum Freund gebracht, sey wiederum erneuert! Ich will dir jetzt mit Mund und Hand die Treu' auf's Neu' versprehen; allein, weil dir doch wohl bekannt, wie gar leicht ich lann brechen, so steh' du meiner Schwachheit bei, hilf, daß dein Freund ich allzeit sey, so wie du bist der meine. Psalm 37, V. 37. Bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohlgehen. Bester Vater in dem Himmel! diesen deinen treuen Zuruf laß mir immer im Herzen seyn und vor meinen Ohren erschallen. Mache mich auch tüchtig, demselben mit aller Treue zu folgen. Mache mich recht fromm. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Verleihe mir immer mehr Kraft, der Heiligung nachzujagen und deinen Willen zu vollbringen. Stårke mich, im Glauben, in der Liebe, in der Frömmigkeit immer mehr zu wachsen und zuzunehmen, und laß mir es dann wohlgehen, so lange ich noch lebe auf Erden. Mein Gott! gib mir in deinem Lichte mein großes Elend zu versteh'n, laß mich vor deinem Angesichte in wahrer Herzens demuth geh'n; ich bin ja nichts als Staub und Koth, du bist der Herr, Herr Zebaoth. Drum laß mich immer vor dir wandeln, ach! gib mir Kräfte, fromm zu seyn, so kann ich immer heilig handeln, so trifft die Hoffnung richtig ein, daß du mein Gott und Vater bist, und mir ein Erb' im Himmel ist. Hiob 5, V. 17. 18. 19. Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet, darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht; denn er verlehet und verbindet, er zerschmeißet und seine Hand heilet; aus sechs Trubsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren. Wie wahrhaftig ist doch dein Wort, o mein Gott! denn mir ist es ebenso gegangen, wie dort geschrieben stehet; du welche frank gewesen und gefund geworden sind. hast mich verletzet und auch verbunden, du hast mich geschlagen und auch geheilet, du hast mich schon aus viel und mancherlei Trübsal errettet. Gelobet sey dafür dein heiliger Name. Vielleicht aber stehet mir bald wieder eine Trůbsal bevor; das weißt du am besten. Nun, wenn sie kommen soll, so gib, daß ich recht willig und bereit dazu sey. Laß mich da auf dein Wort fest vertrauen. Laß mich da eingedenk seyn, wie oft du schon herrlich geholfen. Laß auch da mein Vertrauen und meine Hoffnung kindlich auf dich sehen und so warten, bis du mir wieder hilfst. Laß mich dann auch unter der Züchtigung schmekken und sehen, wie gut du es mit mir meinest, und wie denen, die dich lieben, alle Dinge zum Besten dienen. O! laß mich dies im Glauben fassen, und mich mit starker Zuversicht auf deine Bundestreu' verlassen, wenn Alles wankt, so wankt sie nicht; mit Reu' und Demuth such' ich dich, gib mir den Troft: Gott ist für mich. Lobsingend will ich dich erheben, mich ewig deiner Gnade freu'n, und deinem Dienst mein ganzes Leben in kindlichem Gehorsam weih'n; daß, Herr! bei dir stets Gnade sey, das mach' in deiner Furcht mich treu. 497 Rim. 6, V. 11. Also auch ihr haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seyd, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. Mein Gott! du hast mir mein Leben gefristet und es mir auf's Neue geschenket. Dir gehört es daher auch allein an. Erwecke mich stets, es dir auch allein zu widmen. Laß mich der Sünde täglich absterben und der Gerechtigkeit leben. Laß mich dir zu Ehren leben, und all mein Thun und Lassen nach deinem Willen einrichten. Laß mich in Christo Jesu, meinem Herrn, dir immer angenehm seyn. Erneuere mich noch immer durch deine Gnade, und mache mich zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir gefällig sey. Erhalte mich auch so in deiner Gemeinschaft bis an mein Ende, damit mich Nichts wieder aus deiner Hand reißen mdge. Dies wirke, Gott! dein Geist in mir, ich habe kein Ber32 498 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, welche krank ic. mögen, die Sünd' und Alles, Gott! was dir verhaßt ist, abzulegen; hier ist mein Herz, nimm mich ganz hin, und gib mir einen neuen Sinn, damit ich dir gefalle. So werd' ich, der ich finster war, ein Licht in deinem Lichte; besteh' einst mit der kleinen Schaar der Frommen im Gerichte; frohlocke dann, und lobe dich, daß deine Gnad' und Treue mich gerecht und selig machte. bun 4r Absch. italus Rommet her the Gelegneten internes Vaters Math Sterihen von aller threr Arbeit Apoc. 1413 Wie wohl tit mernem Leib nach ausgehandnen Leiden, Wie wohl ili meiner Seel in jenen himmelsfreuden. Des tåglichen Handbuch s vierter Abschnitt. Zum Gebrauch der Sterbenden und derer, welche um dieselben sind. Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. Xufmunterung. 2. Cor. 5, V. 10. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein Jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibesleben, es sey Gutes oder Böses. So wir uns selbsten richten, so werden wir nicht gerichtet, ist Pauli Ermahnung 1 Cor. 11, V. 31.; und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben untersuchet, sich verklaget, um Jesu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnådig seyn; denn wer seine Missethat bekennet und låsset, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses nun soll auch ein Sterbender thun; er soll bedenken: 1) er muß einmal vor das Gericht, denn dem Menschen ist gesegt, einmal zu sterben, und hernach das Gericht; dieses geschiehet nun gleich nach dem Tode, da muß die Seele alsobald vor Gott erscheinen. Hat nun der Mensch, dieweil er 32* 500 Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. auf der Welt gewesen, geglaubet und fromm gelebet, so kommt er nicht ins Gericht, sondern weil die Sünden auf Erden um des Blutes Jesu willen vergeben sind, so wird ihrer im Himmel auch nicht mehr gedacht werden, sondern sie werden vergeben bleiben. Ein Gottloser aber muß ins Gericht, weil er ohne die Versöhnung mit Gott gestorben ist. Derhalben thut ein Sterbender 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit Gott versöhnet, Gott um des Blutes Jesu willen um Vergebung bittet, und also Gnade erlanget; so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, schleunig oder langsam, so wird Gott seine Seele zu Gnaden aufnehmen, und am jungsten Gerichte wird er als ein um Jesu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. ( S e be t. Ich weiß, mein Gott! daß dem Menschen gesegt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht; deßwegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, dieweil ich lebe, und will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter Gott! weil ich nicht weiß, wie lange es noch dahin ist, daß ich von der Welt soll abscheiden, siehe, so komme ich allhier vor dein Gericht, und klage mich selbst an. Ach! ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote, und auch oftmals wissentlich, übertreten, ich habe dich nicht geliebet von Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. 501 ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften, ich bin nicht den Fußstapfen meines Jesu allezeit nachgefolget, noch habe ich mich von dem heiligen Geist stets führen lassen, wie ich billig båtte thun sollen. Ich denke, daß ich dein Kind bin in der heiligen Taufe geworden, aber daß ich nicht allemal wie ein Kind Gottes gelebet, daß ich in der Beichte und bei dem Genuß des heiligen Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten, und mich wiederum der Welt gleichgestellet habe. Herr! ich hab' nicht recht gehandelt, ja mich drückt der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget haft; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. O gnädiger Gott! der du verheißen hast, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe: siehe, ich komme jeßt, da mein Verstand noch vollkommen ist, ich mich auch noch wohl besinnen kann, und will Frieden mit dir machen. Ach! ich bereue meine Sünden, falle vor deinem Richterstuhl nieder, und spreche: Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über mich! Ich fliche, o Vater! zu deiner großen Barmherzigkeit, und spreche: Ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, 502 Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; aber ach! sey deinem Kinde gnådig, und verstoße mich um meiner Uebertretung willen nicht. Ich fliehe zu dir, o Jesu! mein Fürsprecher, ach! bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Denn ob Jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist; der ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünden; ach! um deines Blutes willen verzeihe mir meine Missethaten, um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden. Gott! sey mir gnädig nach deiner Güte, und tilgemeine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. O du werther heiliger Geist! zu dir fliehe ich, ach! schaffe ein neues Herz in mir, heilige und reinige es, gib mir das Zeugniß, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sey. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vorsatz, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in kindlichem Gehorsam. Ach! wirke in mir heilige Gedanken, andachtige Seufzer, liebliche Codesbetrachtungen; verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels und der künftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: Sey getrost, mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben. Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. 503 Alsdann fürchte ich mich nicht zu sterben, weil ich weiß, daß die hier vergebenen Sünden auch im Himmel vergeben sind. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich, laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals unrecht gethan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Mein Jesu! wenn ich vor Gericht soll treten, da man nicht entfliehen kann, ach! so wollest du mich retten, und dich meiner nehmen an; du allein, Herr! kannst es wehren, daß ich nicht den Fluch darf hören: Shr, zu meiner linken Hand, seyd von mir noch nie erkannt. Amen. S e sang. Met. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ihr Todten, stehet auf! So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen; Wie dieser Stimme Schall Der Frommen Schaar ergött, So wird der Bösen Rott' Dadurch in Furcht gesetzt. 2. Ihr Todten, stehet auf! Ihr habt nun ausgeschlafen; Ihr Frommen, kommt herbei, Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte! gehet ein Zur Freud' und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid, Die Ehrenkron' bereit. 3. Ihr Todten, stehet auf! Eilt, gehet aus der Erden; Ihr Bösen, ihr sollt jetzt Zur Holl' gestoßen werden; Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual Nun eure Wohnung seyn. 4. Ihr Todten, stehet auf! Seht, hier sind eure Glieder, Haut, Augen, Füß' und Händ', Die nehmet jeho wieder; Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit, Womit ihr Sünd' gethan, Dem ist die Straf bereit. 504 Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. 5. Ihr Todten, stehet auf! Euch, Fromme, soll umgeben Ein heller Sonnenglanz, Ihr sollt nun ewig leben; Die Seele kehre sich Nun ihrem Leibe zu, Und hab', mit ihm verknüpft, Vergnügte Himmelsruh'. 6. Ihr Todten, stehet auf! Ach möcht' dieß Wort erschallen In aller Sünder Herz! So würden sie nicht fallen In schwere Missethat; Denn wem das Herz nun bricht, Und liebet Jesum nicht, Der kommet ins Gericht. 7. Ihr Todten, stehet auf! Das soll mich nicht erschrecken, Die Stimme wird den Leib Zum Leben auferwecken; Ich werde schön verklärt Zum Freudenreich eingeh'n, Und, Herr! dein Angesicht Mit allen Frommen seh'n. 8. Im Glauben will ich dir, O Seelenfreund! anhangen, Durch deines Geistes Gnad' Recht fromm zu seyn anfangen, Damit, wenn auf dein Wort Die Todten aufersteh'n, Ich mdg', von dir verklårt, Zur Seligkeit eingeh'n. Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. Matth. 6, V. 14. 15. So ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himm lischer Vater auch vergeben. Wo ihr aber den Menschen ihre Feb ler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. Zu der wahren Vorbereitung zu einem ſeligen Sterben gehöret auch die Versöhnung mit dem Nächsten; diese Versöhnung nun soll ein Sterbender nicht lange aufschieben, sondern sie in Zeiten, da sein Verstand noch vollkommen ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten ist viel zuwider gethan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. 505 und Beleidiger mit ins Grab nehme, sondern es ihnen von Herzen verzeihe, und, so es möglich, mit Wohlthaten oder durch gute Freunde ihnen kund thue, daß er ihnen verziehen habe. Wenn er aber 2) andern Leuten Verdruß angethan und sie beleidiget hat, so soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen versöhnet, ja er soll sich nicht schämen, sie vor sein Sterbebette kommen zu lassen, und sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung zu bitten, oder wenn sie abwesend sind, es ihnen schriftlich abzubitten, oder wenn sie todt sind, Gott um Verzeihung deßwegen anzuflehen. Hierbei soll man auch das Gestohlene und Entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entrissene ihm oder seinen Erben wiedergeben, weil die Sünde nicht kann vergeben werden, wenn das Entwendete und Gestohlene, oder der Werth desselben nicht erstattet wird. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden antreiben sowohl die christliche Schuldigkeit, als auch der göttliche Befehl und die Bedrohung, Matth. 6, V. 8., und er soll wissen, daß er, wenn er nicht verzeihen will, bei Gott auch nimmermehr Gnade erlangen werde. Wie du mit deinem Feinde umgehest, so wird Gott mit dir umgehen. Gebet. Mein Gott! ich lebe, und weiß nicht, wie lange; ich muß sterben, und weiß nicht. wann; 506 Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem verföhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genennet das Haus des Friedens, in welches keine unversöhnliche, rachgierige und mit Zorn und Haß angefüllte Seelen eingelassen, sondern wovon sie zurückgestoßen werden; darum will ich mein Herz von allem zorn und von aller Feindschaft reinigen, ich will gern verzeihen, und um Verzeihung bitten, damit mich Gott, um Jesu willen, als einen Verföhnlichen zu Gnaden aufnehme. Ach! ich bin noch auf dem Wege zur Ewigkeit, darum will ich alle Feindschaft ablegen, in der gewissen Zuversicht, wie ich von Herzen verzeihe, also wirst auch du mir verzeihen. Darum verzeihe ich hiermit, und von Grund meiner Seele, allen meinen Feinden, Widerwärtigen und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Gebärden beleidiget haben; ich verzeihe und vergebe es ihnen, nicht allein mit dem Munde, sondern auch vor Gottes Angesicht und von Herzen; ich will nun und nimmermehr wieder daran denken, ich will es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen, und Gutes thun, wo und wann ich nur kann; ja ich bitte Gott, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern laffen wohlergehen, zeitlich und ewiglich. Wie Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. 507 ich nun von Herzen verzeihe und verziehen habe Allen, die mich jemals erzúrnet, oder mir Etwas zuwider, zum Schaden, oder zum Verdruß gethan haben: also bitte ich auch hiermit um Verzeihung alle diejenigen, denen ich jemals zu nahe geredet, denen ich Etwas zuwider gethan, oder Schaden und Verdruß zugefüget habe; ach! verzeihet es mir, ihr lieben Freunde, um der Liebe Jesu willen! traget keinen Haß wider mich, ich erkenne, daß ich euch zu viel gethan habe, ich bitte euch hiermit um Verzeihung von Herzen, mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hier vor meinem Sterbebette Alle sehen, so wollte ich es euch auch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott! verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, er sey wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissentlich habe zu Leid gethan; ach! vergib es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Hiermit lege ich alle Feindschaft aus meinem Herzen nieder. Ich will mich nicht rächen, und nicht mehr an das erlittene Unrecht denken. Ach! gedenke nicht meiner Sünden und Missethat. Ach mein himmlischer Vater! erbarme dich über mich. O mein Jesu! wasche mich von Sünden rein, und bitte für mich. O du heiliger Geist! heilige mein Herz, und reinige es von aller Untugend. So sterbe ich Der Sterbende verzeihet und bittet um Berzeihung. fröhlich, so sterbe ich selig. Verleih', daß ich aus Herzensgrund meinen Feinden mög' vergeben, verzeih' mir auch zu dieser Stund', schaff' mir ein neues Leben; laß dein Wort meine Speise seyn, um meine Seel' zu náhren, und zu wehren dem Unglück, das vielleicht mich, eh' ich erwacht, erreicht. Amen. Gefang. 508 Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele! 2c. 1. Ich will Jedermann verzeihen, Der da mich beleidigt hat; Ach Gott! laß mir angedeihen Diese unverdiente Gnad', Daß ich, dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find'; Ich verzeih' von Herzensgrunde, Und versprech' es mit dem Munde. 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Ist, mein Vater! dieß allein, Daß ich mög' mit allen denen Völlig ausgesöhnet seyn, Die mir sind von Herzen feind, Ich hingegen bleib' ihr Freund; Wüßten sie doch, wie's mich krånke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 3. Ach! verzeiht mir, liebsten Freunde! Wenn ich euch erzurnet hab', Bleibet doch nicht meine Feinde; Seht! ich schicke mich zum Grab; Ach! hab' ich mit Werk und Wort Euch be trübet da und dort, Ach! das wollen wir aufheben, Ach! ihr wollet's mir vergeben. 4. Ich will nicht mehr daran denken, Was ihr wider mich gethan, Laßt es uns einander schenken, Nehmet meine Abbitt' an; Denkt, ach! denket nimmer nicht, Was ich Böses angericht't; Alles sey hiermit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer Gott! da dieß geschchen, Komm' ich nun verföhnt zu dir, Ach! laß mich dein Antlik sehen, Großer Gott! verzeih' auch mir; Nimm weg meine Sündenschuld, Schenk mir deine Lieb' und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. Der Sterbende nimmt Abschied und gibt d. Seinigen d. Segen. 509 6. Nun ist meine Seele stille, Dieweil ich versöhnet bin, Es geschehe Gottes Wille, Dem geb' ich mich gånzlich hin; Fried' mit Menschen, Fried' mit Gott, Das versüßt die Todesaoth, Also kann man selig sterben, Und entgehen dem Verderben. Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den son no Seinigen den Segen. Aufmunterung. Apoft. Gesch. 20, B. 32. Nun, lieben Brüder! ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen, und zu geben das Erbe unter Allen, die geheiliget werden. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen, und ihren Kindern, wenn sie deren haben, den Segen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaac, Jacob, Cobia, Christo Jesu und Undern klar sehen. Solcher Segen nun 1) ist nicht vergebens, denn weil es ein Abschieds- Gebet ist, so der Sterbende für die Seinen thut, so wird es auch, wenn es aus dem Glauben kommt, und im Namen Chriſti geschiehet, nicht unerhöret bleiben. 2) Die legten Worte des Sterbenden pflegen auch bei den Hinterbliebenen nicht ohne Nachdruck zu seyn, daher eine Vermahnung eines sterbenden Vaters, einer abscheidenden Mutter, oder eines Freundes nicht so bald vergessen wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüth hängen bleibet. Wie es lóblich ist, wenn 510 Der Sterbende nimmt Abschied ein Sterbender mit Beten, Segnen und Gutes- Wünschen von der Welt Abschied nimmt, so soll er sich 3) auch hüten, daß er Niemanden Böses wünsche, weil das eine Art von Rache seyn würde, welche keinem Christen geziemet. Kinder sollen 4) ermahnet seyn, daß fie die Eltern bei gesunden Tagen nicht betrüben, ihnen kein Herzeleid machen, und da durch verursachen, daß die Eltern ihnen eben keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück in Unglück verwandelt. Fromme christliche Eltern aber geben auch ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. 11700 e bet. TEwiger, gütiger und großer Gott! ich weiß nicht, wie nahe meines Lebens Ende etwa fein möchte, und wann du über mich gebieten, und mich von der Welt abfordern werdest; darum will ich mich in Zeiten zu meinem Sterben schicken, sonderlich aber auch mit Beten und Singen mich zu dir wenden, als welches mich in meiner Schwachheit am meisten ergößen und stårken kann. Denn wenn ich in Nöthen bet' und sing', so wird mein Herz recht guter Ding', denn Gottes Geist bezeugt dabei, daß dieß des Lebens Vorschmack sey. So will ich mich denn auch zu dem künftigen Leben bereiten, und Alles noch besorgen, was ich in diesem Leben zu besorgen habe. Ich nehme und gibt den Seinigen den Segen. demnach Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohlthätern und Freunden; ich befehle sie dir, o großer Gott! in deinen Schuß, in deine Liebe und Gnade; thue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe und Gutthaten, und da ich ihnen nicht Alles vergelten kann, so wollest du an meiner Statt hinfort ihr reicher Vergelter seyn. Ich verlasse meine Freunde, Verwandten und Bekannten, aber du, o großer Gott! wolleft sie nicht verlassen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und in der Frömmigkeit, damit wir uns einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Gläubigen und Kinder Gottes wieder zusammenkommen. Diejenigen aber, o treuer Gott! die ich hinterlasse, und welchen mein Abschied von der Welt wird betrübt und schmerzlich seyn, die überschütte mit deinem reichen Segen. Der Herrssegne euch, ihr meine geliebten Angehörigen, er segne euch an Leib und Seele, er sey hinfort euer Bater, Versorger und Pfleger, er nehme euch in seinen Schuß, er beschere euch nach seiner våterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen, und bewahre euch vor allem Uebel. Nun fürchtet hinfort Gott, und feyd fromm, seget euer Vertrauen auf Ihn, und wisset, Er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig seyn. Wendet euch nicht von 511. Der Sterbende nimmt Abschieb Ihm ab durch Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seyd Ihm treu bis in den Tod, so wird Er euch die Krone des Lebens geben. Lasset nicht von Gott; so wird Er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet Ihm. Ja, der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euern Ausgang und Eingang, daß ihr seyn und bleiben möget die Gesegneten des Herrn. O großer Gott! ich habe sie gesegnet, laß sie auch geſegnet bleiben. Und hiermit lege ich mich in deine Arme, o dreieiniger Gott! nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu seyn. Herr Jesu! dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. All', die ich hinterlass', versorge, schüß' und liebe, und gib, daß mich im Tod Nichts hindre, noch betrübe; erhalt' mich bei Verstand und einem frischen Muth, daß mitten im Gebet ich sterb' auf Jesu Blut. Ich weiß, durch's Lammes Blut werd' ich schon überwinden, und einen gudd'gen Gott im Tod und Leben finden; ich halte mich an Gott um meines Jesu Blut, ich weiß, Gott macht es schon mit meinem Ende gut. Amen. 512 Gefa n g. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Mein Stündlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Um hinzugeh'n zu meiner Ruh' Nach vielem Schmerz und Leiden; Ich schicke mich zu meinem Tod, Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig weiden. und gibt den Seinigen den Segen. 2. Uch Gott! es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang' gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet; ch! tilge meiner Sünden Heer, Gedenk derselben nimmermehr, Und was ich ausgeübet. 3. Ich eigne mir zu Jesum Christ, Sein Blut, Verdienst und Wunden, Der meiner Seele Zuflucht ist, Mit dem bleib' ich verbunden; O Jesu! Jesur! ich bin dein, Ach! laß mich auch dein eigen seyn In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell' ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen, Ich theil' hiermit den Segen aus, Vom Grunde meiner Seelen; Gott woll' den Meinigen beisteh'n, Er laff es ihnen wohlergeh'n, Und nie an Hülfe fehlen. 513 5. Also will ich zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn Jesus ist mein Leben; Sieh', ich bin hier, Ach! nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib In sanfter Ruhe decken, Woselbsten er verwahret bleibt, Bis ihn Gott wird erwecken; Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zum Grab gebracht, Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel' empfehl ich dir In deine tiefen Bunden, O Jesu! Jesu! bleib' bei mir n meinen Todesstunden; O Jesu! ach! verlaß mich nicht, Bis daß ich hab' dein Angesicht Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und so das schöne Feierkleid Durch Jesum Christum erben; Ich leb' und sterb' auch als ein Christ, Der da bei Gott in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. 9. Und hiermit schlafe ich sanft ein, Wann sich mein Leben endet, Mein Jesus wird auch bei mir seyn, Der sich schon zu mir wendet. Fahr' hin, mein Geist! zu deinem Gott, Fahr' hin zur Freude nach der Noth, Mein Lauf ist nun vollendet. 36 514 Der Sterbende befiehlt sich Gott. Aufmunterung. Psalm 31, V. 6. In deine Hände befehl' ich meinen Geist, du hast mich erlöset, Herr! du getreuer Gott. Bater! in deine Hände befehl' ich meinen Geist. Luc. 23, V. 46. Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch vielerlei zu befehlen und anzuordnen. Sie wollen ihr Haus bestellen, und vergeſsen darüber das Beste, nåmlich ihre Seele. Das aber ist von ihnen sehr unweislich und ungerecht gehandelt. Vielmehr soll 1) ein jeder rechtschaffener Christ täglich, wenn er sich des Abends schlafen leget, oder am Morgen aufstehet, seine Seele sammt dem Leib in Gottes Schuß befehlen, und das billig, weil er nicht weiß, was Gott am Tage oder in der Nacht über ihn gebieten werde. Chun aber das fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) Sterbende thun. Sie haben vor sich das Erempel ihres Heilandes; als der sterben wollte, so sprach er: Bater, in deine Hände befehl' ich meinen Geist! So machte es Stephanus, als er unter dem Steinigen seufzete: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Diese Sorge ist Gott angenehm, dadurch leget der Mensch seinen Glauben und sein Vertrauen zu Gott an den Tag. Dieses aber ist auch 3) höchst nöthig; man siehet an Sterbenden ſo vielerlei Veränderungen und Zufälle; wie wohl ist's dann gethan, wenn man bei 0! 515 Der Sterbende befiehlt sich Gott. gutem Verstande Gott seine Seele anbefiehlet, und das Beste in gute Verwahrung bringet, im Uebrigen aber sich Gottes Willen zu leben und zu stérben überläßt. Ist so Alles bestellt, so stirbt man selig! Gebe t. Barmherziger und liebreicher Gott! der du die Menschen läsfest sterben, und sprichst: Kommt wieder, ihr Menschenkinder! der du deine Geliebten durch den Tod zu dir ziehest, und sie der Herrlichkeit theilhaftig machest, die uns Jesus mit seinem bittern Leiden und Sterben erworben hat; ich sehe, daß meine Schwachheit eine laut redende Stimme wird, die mir zurufet: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben; mache dich bereit, dem Brautigam entgegen zu gehen, halte deine Glaubenslampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein sich wird herbei nahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele mit allen ihren Kräften dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen weltlichen Dingen leer stehen, treibe hinaus alle weltliche, sündliche und böse Gedanken, daß ich mich allein an dir ergöße, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit mir vorstelle, und die Freude der Auserwählten, die auch meiner wartet, unaufhörlich betrachte. Erfülle mein Herz mit deinem heiligen Geist, damit er gute Bewegungen ist 33* 516 Der Sterbende befiehlt sich Gott. mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächtniß behalte Jesum Christum, sein vergossenes Blut und seinen Tod mir allezeit vor Augen stellend. Wenn nun die Todesstunde herbei kommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtungen, vor schweren Gedanken, vor großen Schmerzen und vor unanständigen Gebården. Laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, bis mir der Odem ausgehet, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir finge, rede und bete; und so mir ja die Sprache entfallen sollte, daß ich in meinem Herzen deine Lieblichkeit genießen, und deine allerheiligste Gegenwart empfinden möge. Gib mir durch deine Gnade Freudigkeit im Sterben, laß mich alsdann einen Blick thun in die frohe Seligkeit, gib mir in der Todesstunde etliche Tropfen zu schmecken von den himmlischen Süßigkeiten, damit ich voll Freuden und Trost möge von hinnen scheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verlåsset, ach! nimm sie alsdann in deine Hånde. Bater! in deine Hände befehle ich meine Seele! ja, Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit, und führe sie zur Himmelsfreude ein, wie eine Braut zur Hochzeitsfreude, wie ein Kind zum Erbe, bis sie an dem lieben jungsten Tage wiederum wird mit dem Leibe vereiniget werden. Ja ich be Der Sterbende befiehlt fich Gott. fehle dir auch meinen Leib in der kühlen Erde; verleihe demselben eine sanfte Ruhe, bis die legte Posaune erklingen und rufen wird: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vor Gericht! und laß mich dann um Jesu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, so verleih' mir, Herr! durch deine Gnad', daß es gescheh' mit Freuden; mein'n Leib und Seel' befehl' ich dir, o Herr! ein sel'ges End' gib mir, durch Jesum Christum. Amen. 517 ( 5 e fan g. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bitt' ich noch um diese Gnad': Wann nun mein letztes End' anbricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch und kann noch beten, Drum bet ich' auch, und komm' zu dir; Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so g'nuget mir, Und wann der Tod am Herzen sticht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 3. Wann meine Todesstund' erscheinet, Ich werde nach und nach gar blaß, Wann Jeder bei mir klagt und weinet, Ich lieg' im Todesschweiße naß, Wann sich entfärbet mein Gesicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 4. Wann mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht mehr weiß, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren, Damit ich Jesum hab' im Sinn; Und so mich meine Sünd' anficht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 5. Wann sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, So laß mir diesen Trost zufließen: 518 Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. Ich geb' dir, was du hast begehrt; Wann meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 6. Wann das Gesicht mir wird vergehen Zuleßt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen, Und zeig' mir deine Herrlichkeit; Auch wann verlischt mein Augenlicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 7. Kann ich nun weder seh'n noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, Herr! deinen Geist mich lehren, Und stårk' den Glauben mehr und mehr; Ja, wann ich nun foll vor's Gericht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 8. Und lieg' ich dann auch ganz erstarret, So laß mich dir empfohlen seyn, Und wann man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein; Wann dieses Alles nun geschicht, Alsdann, mein Gott! verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden, Und mit dem Todtenkleid umhüllt, So laß die Seele geh'n in Frieden Dahin, wo mich nur Freud' erfüllt; Da laß mich seh'n dein Angesicht, Im hellsten Glanz und schönsten Licht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau' im Grabe auch auf mich, Laß mich die sanfte Ruhe haben; Hab' ich nur, schönster Jesu! dich, Dann bleibt der Leib mit Erd' bedeckt, Bis deine Hand ihn auferweckt. 11. Ja, laß mich fröhlich auferstehen An jenem Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verklåret sehen, Den ich allhier getragen hab'; Auf daß ich ganz mit Seel' und Leib Dein Eigenthum auf ewig bleib'. Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung Aufmunterung. post. Gesch. 7, V. 55. Stephanus aber voll heiligen Geistes sah auf gen Himmel, und fah die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe! ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. 519 einer gläubigen Seele seyn, als an Gott und an den Himmel zu denken. Im Himmel ist ihre Wohnung, ihr Vaterland, ihr Trost, ihr Erbe, ihre Krone, ihre Herrlichkeit, ihr Verlangen, ihre Freude. Ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also seyn mit einem Gläubigen, wie vielmehr mit einem Sterbenden? Bei den Sterbenden finden sich allerlei traurige Dinge ein: die finstre Erde, der Abschied von den Ihrigen, der Umstehenden Thränen, die legte Todesangst und dergleichen. Allein dieß Alles kann verfüßet werden, wenn der Sterbende sein Herz schickt dahinein, wo er ewig wünscht zu seyn. 1) Der finstern Erde soll er entgegensegen die Herrlichkeit des Himmels, wo Alles wird mit Licht erfüllet seyn. 2) Thut der Abschied wehe, so soll er denken an die Cherubinen, Seraphinen, heiligen Engel und Auserwählten im Himmel, bei welchen und um welche er in Ewigkeit seyn wird. 3) Siehet er die Seinigen weinen, so soll er sich erinnern der ewigen Freude, Bonne und Glückseligkeit, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, woſelbst kein Ach und Weh und keine Thränen mehr seyn werden. Ja 4) die Todesnoth soll ihm keinen Schrecken bringen, weil er in den Armen Jesu und in der Gemeinschaft des heiligen Geistes stirbt. Wer also Himmelsge Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. danken hat, sich die Krone, das weiße Kleid und die Herrlichkeit des Himmels vorstellet, dem wird sein Sterbebette zum Paradies werden. 520 e b e O du gnådiger Gott! wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Menschen! Nicht allein thust du uns Gutes, du hilfst uns, erhõrest uns, erbarmest dich über uns, überschüttest uns mit vielen Wohlthaten, dieweil wir leben, sondern hast uns auch viele und herrliche Güter in dem Himmel aufgehoben; denn im Himmel sollen wir haben, o Gott! wie große Gaben. Deshalb stelle ich mir schon im Glauben vor deine große Majestät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohnest, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel und Auserwählte, nämlich alle Frommen, die jemals auf Erden gelebet haben, vor deinem Thron stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig! dir zu Ehren anstimmen. Ja, ich stelle mir vor, wie ich auch bald werde unter ihnen stehen, wenn ich nun sanft und selig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen, und mit einem weißen Kleide werde angethan seyn, ja, wie ich werde selbsten leuchten wie die Sonne. O Herrlichkeit! o Seligkeit! o Glückseligkeit! die mir der Vater aller Gnaden und Barm Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. 521 herzigkeit um Jesu willen mittheilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thür zu solcher Herrlichkeit aufthun wird. Kann ein irdischer König seinen Palast so herrlich ausschmücken lassen, daß man sich darüber verwundert, und sich nicht satt sehen kann, wie groß und herrlich wird nicht die Pracht des himmlischen Königs und der Glanz des unendlichen Gottes seyn? Deßhalb will ich gern sterben und die Erde verlaffen; ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn da ist meine ewige Wohnung, hier haben wir doch keine bleibende Ståtte. Diese Wohnung hat mir Jesus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an ihn gelangen. Schaue ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, woselbst alle fromme Christen und Glaubige versammelt sind. Dieweil ich auf der Welt bin, bin ich wie ein Pilgrim und Wandersmann, der immerfort reiset; aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelanget bin, alsdann komme ich zur Ruhe, zum Frieden und zu meinem ewigen Wohlseyn. Ich sehe den Himmel an mit Freuden, und denke, da ist mein Erbe; habe ich hier ein großes Erbe auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unbeflecktes Erbe aufbehalten. Ich denke, der Himmel ist das Pa 522 Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. radies, darin Gott die Gläubigen ergößen wird, gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten war. Ich will, mein Gott! wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenland zu dem Salomo, sagen: O mein Gott! o mein Jesu! mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt, du hast mehr Herrlichkeit und Gutes, denn das Gerücht ist, das ich von dir gehöret habe. Komm', o Tod! du SchlafesBruder, komm' und führe mich mit fort, löse meines Schiffleins Ruder, bringe mich in sichern Port; es mag, wer da will, dich scheuen, du kannst mich vielmehr erfreuen, denn durch dich komm' ich hinein zu dem lieben Jesu mein. Amen. ef a n g. Mel. Bion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hier ist gut seyn! also sagen Dorten in der Himmelsfreud', Die da Kron' und Palmen tragen, Ungekleid't mit Herrlichkeit; O wie ist uns hier so wohl! Wir find alles Trostes voll, Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. 2. Hier ist gut seyn, denn wir sehen Nunmehr Gott von Angesicht, Wir sind selig, weil wir stehen In dem größten Glanz und Licht; Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll; Klarheit hat uns ganz umgeben Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut seyn, wir genießen Lauter Wonne, lauter Freud', Hier an diesem Orte fließen Ströme voller Süßigkeit; Hier weiß man von keiner Klag', Nichts von Trubsal, Angst Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. 523 und Plag'; Unser Antlitz ist voll Wonne, Und es leuchtet wie die Sonne. 4. Hier ist gut seyn, denn hier schweben Bieler tausend Engel Heer', Als bei welchen wir nun leben In der größten Zier und Ehr'; Hier erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schaar; 3u den Engeln, zu den Frommen Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun ich will im Glauben bleiben, Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich Nichts abtreiben, Weil ich leb' hier in der Zeit; So werd' ich: Hier ist gut seyn! Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestand'nen Leiden Gehen auf den Himmelsweiden. Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. Aufmunterung. Matth. 25, V. 34. Kommt her, ihr Gesegneten meines Baters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Sterbende haben Labsal und Erquickung vonnöthen, wie am Leibe, also auch an der Seele. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gold und Geld, nicht Ehre und weltliche Pracht, sondern das Wort Gottes, davon David sagt: Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trostsprüche sammeln, und in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnoth einen reichen Vorrath haben möge. Sonderlich aber soll ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift finden, von göttlicher Hülfe, Beistand, Ge Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. genwart und Gnade. 2) Soll er auch solche Trostsprüche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm rede, und ihm die Verheißungen allein gebe; denn Gott redet in der heiligen Schrift mit Allen und einem Jeden insonderheit. Hat er nun solche Verheißungen vor sich, so soll er 3) sich darauf verlassen und nicht zweifeln, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; thut er es nicht gleich in einem Augenblick, in einer Stunde, verzieht der Herr die Verheißung, so wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit wahr machen. Sebe t. 524 Du gnadenreicher Gott! wie süß sind die Verheißungen, die du mir in deinem Worte gethan haft, wenn du sprichst: Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen; und wiederum: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; und ferner, wenn mein Jesus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn; in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, ich will wieder kommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seyd, wo ich bin; ja, wenn ich versichert werde, Jesus bete für mich, und sey mein Fürsprecher, und daß der heilige Geist mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. O du gnådiger Gott! erfülle anjeßt alle diese Verheißungen an mir. Ach! die Der Sterbende erwåget die Berheißungen Gottes. 525 Roth wird immer größer, ach! sey und bleibe a bei mir in meiner letzten Noth. Ach! verlaß mich jetzt nicht, stehe bei mir, o Jesu! laß mich gelangen zu der Herrlichkeit, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet haft; o Jeſu! sey jegt mein Fürsprecher; ach! bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach du werther heiliger Geist! stehe mir bei in meiner Schwachheit, und gib mir Kraft und Stärke. Stehet mir ein schwerer Kampf vor, so hilf mir siegen und überwinden. Habe ich einen hohen Berg zu steigen, so verleihe mir Stärke. Stehet mir noch eine harte Stunde vor, so hilf mir aus derselben. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, ſo vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern, ja bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun, du gnadenreicher Gott! ich halte mich an deine Verheißungen, und glaube, du werdest sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir, an mir Elenden, erfüllen. Ich glaube deinem Worte, ich traue auf dein Wort, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr! dein Antlig. Ach! dein Wort ist mir in meinem Leben immer Trost und Freude gewesen, ach! laß es jetzt in meinem Tode auch mein Labsal und meine Erquickung seyn. Kommt die Zeit, da mir um Trost gar bange wird, so nimm dich 1 526 Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. meiner Seele herzlich an. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß anbricht, erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden, tröste mich, wenn Hören und Sehen mir vergehen; o du dreieiniger Gott! alsdann laß in meinem Herzen mich hören Freude und Wonne, ein Jubelund Freudengeschrei, als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit. D du großer Gott! erhöre, was dein Kind gebeten hat; Jeſu! den ich stets verehre, bleibe ja mein Schuß und Rath, und mein Hort, du werther Geist! der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein sehnlich Flehen; Amen, ia, es soll geschehen. Amen. Gefa n g. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich sterbe gern, warum sollt' ich mich vor dem Grabe scheuen? Mein Glaube pfleget oftmals sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Mich droben in der Ewigkeit Gar herrlich wird verneuen. 2. Ich sterbe gern, denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben, Für Trübsal, Jammer, Angst und Noth Wird Gott mir Freude geben; Das Thränenmaaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen seyn In solchem Freudenleben. 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd' Dereinsten auferstehen, Und herrlich aus der finstern Erd' Und meinem Grabe gehen; Ich werd', verklärt in Glanz und Licht, Des Allerhöchsten Angesicht Mit Lust und Freude sehen. 4. Ich sterbe gern, dieß bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen zu Gott, an jenen Freudenort, Zur schönsten Schaar der Frommen. Ach! wann bricht an die Freudenzeit, Daß ich zur Himmelsherrlichkeit Auch werde aufgenommen? 527 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. Aufmunterung. Offenb. Joh. 7, V. 9. 10. Darnach sah ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern und Sprachen, vor dem Stuhl stehend; und vor dem Lamm, angethan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Hånden, schrieen mit großer Stimme, und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl sizet, unserm Gott und dem Lamm! Was könnte sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die Himmelsfreude und Himmelsgesellschaft denket, welcher Gedanke den Frommen schon auf Erden oft ergößet? Denn ein Sterbender soll 1) was er auf Erden siehet, anschauen als Dinge, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Betrachtungen haben, und fleiBig denken an die zukünftige Himmelsfreude, wie er nach dem Abschied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versegt werden, wo lauter Sonne, Friede, Freude, Trost und Herrlichkeit ist, wo anstatt des Leidens und der Schmerzen ein ewiges Ergößen ihn erfreuen wird. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen anstellen über die himmlische Gesellschaft, wie er mun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen Gottes, und kommen zu so viel tausend Engeln und Auserwählten. Wenn also ein Sterbender diese himmlische Gesell 528 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. schaft und seine künftige Glückseligkeit sich vorstellet, so wird ihm sein Leiden versüßet und die Stunde kurz werden, ja er wird dadurch heilige Bewegungen in seiner Seele empfinden. Gebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen; ach! wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen, und vor deinem Chron mit allen Engeln und Auserwählten stehen werde? O! welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn ich von diesem Leibe geschieden und selig verstorben bin, weil ich in die Häuser des Friedens werde versehet, mit Schmuck und Ehren gekrönet, und des himmlischen Glanzes theilhaftig werden! O welche Herrlichkeit und Freude wartet auf mich! Ich werde schauen den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht; was ich hier geglaubet, werde ich dort schauen, was ich hier nicht begreifen konnte, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen; da werde ich völlig durchstrahlet, durchleuchtet und mit himmlischem Licht erfüllet seyn. Welche Freude aber wird das seyn, den großen majeståtischen Gott in seiner Herrlichkeit zu erblicken! Darum seufze ich, und bete mit Verlangen: Wie der Hirsch schreict nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. 529 Gott! zu dir; meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Ungesicht schaue? Das ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hier geglaubet, und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen; mein Leiden wird in Freuden, mein Weinen in Jauchzen, meine Trübfal in Wonne, mein Elend in Ergößen, mein Jammer in Trost und mein Herzeleid in lauter Herrlichkeit verwandelt werden. Im Himmel werde ich auch in einer freudenreichen und seligen Gemeinschaft leben; hier bin ich unter Menschen, ja ich habe unter Freunden und Feinden müssen mein Leben hinbringen; allein in der Herrlichkeit werde ich antreffen so viel tausend heilige Engel, welche in großem Glanz und Licht um Gottes Chron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth! anstimmen. Ich werde da antreffen alle Fromme und Auserwählte, die vom Anfang der Welt her gelebet haben. Ich werde antreffen meine Liebsten und Freunde, die vor mir gestorben sind, mit denen werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewig leben. O wie wohl wird alsdann meiner Seele seyn! Alsdann werde ich nach dem Verlangen zum Umfangen kommen, ich werde bei 34 530 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und Gesellschaft. dem Herrn seyn allewege, da wird mich keine Trubsal mehr anrühren; und dieses wird nicht etwa nur eine Stunde oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig, ohne Aufhören. Nichts soll mir den Glauben aus dem Herzen rauben, Jesus stårket ihn; endlich wird's auch werden, daß ich von der Erden kann gen Himmel zieh'n; gern, ach gern will ich dem Herrn heute noch mit Freuden sterben und sein Heil ererben. Amen. e í a n g. Mel. Alle Menschen müssen sterben zc. 1. Welche süße Himmelsfreude, Welche große Herrlichkeit, O! welch práchtiges Gebäude Ist den Frommen zubereit't In den schönen Himmelsauen, Die sie einstens sollen schauen; Uch! mein Geist ist ganz entzückt, Wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Biser hin, Da wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Hier ist Gott selbst Licht und Sonne, Hier ist gut seyn, hier ist Wonne, Hier genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Da låst Gott sich selber sehen, Den kein Uug auf Erden sieht, In dem Sehen wird entstehen Trost, Bergnügen, Freude, Fried'; In dem Schauen ist Erfreuen, Das ergdhet stets von Neuem; Aug' und Seel' wird nimmer satt, Das hier voll' Vergnügen hat. 4. Ja in diesem Freudenleben, An dem freudenvollen Ort, Sicht man viele Engel schweben, Die um Gott sind hier und dort, Die im schönen Glanze prangen, und des Höchsten Lob anfangen; Ich stimm' auch mit ihnen, ein, Wann ich werd' bei ihnen seyn.. 5. Da find't man der Frommen Schaaren Voller Pracht Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreiein. Gottes. 531 und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren, Und in tausend Herzeleid, Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes Thron, Schön geziert mit ihrer Kron'. 6. Unablässig Gott zu loben, Ist der Frommen Werk allhier; Von den Seiten und von oben Glänzet Alles wie Saphir; Die man hier betrübt verlassen, Kann man freudig dort umfassen, Da, da ist das Wiederseh'n, Das da ewig wird besteh'n. 7. Auf! auf! lasset uns bestreben, Die wir noch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben Kommen in des Himmels Zelt; Laßt im Glauben uns fest stehen, Und auf Gottes Wegen gehen, Und ergreifen Jesum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. retne soistur 8. O mein Gott! laß mich gelangen Auch zu dieser Herrlichkeit, Uch! verzeih', was ich begangen Meine ganze Lebenszeit; Kleide mich mit reiner Seide, Führ' mich zu der Himmelsweide, Da ich mit der Frommen Schaar Dich will loben immerdar. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Hohe eied Sal. 2, V. 5. 6. Er erqnidet mich mit Blumen, seine Linke lieget unter meinem Haupt, und seine Rechte herzet mich. Die Gegenwart Gottes im Leiden kann nicht anders als einer Seele süß und tröstlich seyn. Gott aber ist nicht allein nahe bei allen Creaturen, sondern er ist auch mit ſeiner besonderen Gegenwart nahe bei den Gläubigen, im Leben und auch im Sterben. O! sollte Gott den Frommen die Augen öffnen, wie dorten 31* 532 Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreiein. Gottes. dem Knaben Elisä! O! was würden sie um ihr Bette für eine heilige Gesellschaft sehen! so viel heilige Engel, die sich schon freuen, daß sie wiederum eine Seele zur Herrlichkeit begleiten sollen, wie auch oftmal fromme Sterbende gerühmet und gesagt: O! wie hell ist es um mein Bette! Sehet ihr dorten nicht das weiße Licht? welches gewiß heilige Engel werden gewesen seyn. Sonderlich aber ist eine gläubige Seele versichert von des dreieinigen Gottes Beistand. 1) Der himmlische Vater wird an seine Batertreue denken und seinem Kinde beistehen. 2) Jesus wird die durch sein Blut erkauften Seelen in dem letten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der heilige Geift wird auch durch seinen kräftigen Trost als dann sie erquicken. Vergehet gleich Hören und Sehen, vergehen alle Sinne, so weiß doch ein Sterbender, daß die Berheißung: Ich bin bei ihm in der Noth, auch jest in der Todesnoth werde an ihm erfüllet werden. O! wohl dem, welchen Gott dieses Alles in seinem Sterben empfinden låßt! Gebet. Komm', Herr Jesu! so spreche ich jetzt mit der geistlichen Braut; ja komm', und nimm meine Seele hin! Ich habe schon deine Süßsigkeit geschmecket, darum verlanget und dürftet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreiein. Gottes. 533 ich sterbe in der Liebe des himmlischen Baters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorget, ernähret, geleitet und geführet, sollte der jegzt, da mein Lebensende herannahet, von mir weichen? Onein! er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem kranken Kinde, und hilft ihm, so viel er kann, wie viel mehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen Beistandes meines himmlischen Baters trösten? Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe ertheilen, das mir Jesus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, das Er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Sterben kommt mir nicht schrecklich vor, ich sterbe in der Vereinigung mit Jesu Christo; diese Gemeinschaft habe ich im Glauben hier angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leibe Jesu Christi, davon er das Haupt ist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern gehet, so weiß auch mein Jesus, wie es jetzt um mich stehet. Ich bin in Ihm und Er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende, so wird Er auch bei mir seyn in dem Sterben. Gleichwie er die Seinigen geliebet hat bis an's Ende, da Er sich für sie in den Tod gegeben, also liebet 534 Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreiein. Getted Er sie auch, wenn sie sterben wollen. Wenn ich also in meines Jesu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle Todes- Bitterkeit durch seinen Tod hat weggenommen. Hier hat mein Jesus mich schon angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet, dorten wird er mir das weiße Kleid der Ehren und Herrlichkeit anlegen. Mein Seelenbrautigam führet mich zur Hochzeit, mein Seelenfreund macht mich seiner Herrlichkeit theilhaftig. Mein Herr erfüllet an mir, was er gesagt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. Der Tod ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des heiligen Geistes, der hat sich mein Herz zum Tempel geheiliget in meinem Leben, der wird auch mit mir vereiniget bleiben im Tode. Der mich so oft in meiner Trubsal getröstet, im Leiden erfreuet, im Elend erquicket, im Kreuz erhalten, der wird mich in der letzten Stunde auch nicht verlassen, sondern Zeugniß geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sey. Sollte mir auch die Sprache entfallen, daß ich nicht mehr beten kann, so wird er mich bei Gott vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Ja, weil er ist das Pfand unseres Erbes, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sey, und zu dessen völligem Befig eingehen werde. Der Vater reichet mir die Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreiein. Gottes. 535 Krone dar; Jesus führet mich an der Hand zur Freude; der heilige Geist zieret mich mit Licht und Wonne; die heiligen Engel freuen sich über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben; alle Auserwählte und Fromme empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib, deß tröst' ich mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib' in Todesnoth und Schmerzen; denn wo du bist, da komm' ich hin, daß ich stets bei dir leb' und bin, drum fahr' ich hin mit Freuden. Amen. Gefan g. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und lass mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd' ich ewig schauen Von Angesicht zu Angesicht, Beglånzet mit dem Freudenlicht, In jenen Himmelsauen. 2. Ich komm' alsdann zu Jesu Christ, Den werd' ich bei mir sehen, Der hier mein Trost und Freude ist, zu dem will ich dort gehen; Zu dir, o Jesu, Gotteslamm! Und, wie die Braut dem Bråutigam, 3u deiner Rechten stehen. 3. Der Engel ungezählte Schaar Sind die, so mich empfangen, Ich werd' mit ihnen immerdar In größter Klarheit prangen; Hier werd' ich in dem Freudenreich Seyn schönen Seraphinen gleich, Und dieß ist mein Verlangen. 4. Ach ja! im Himmel treff ich an Viel Tausende von Frommen, Mit weißen Kleidern angethan, Die da sind aufgenommen, Nach ausgestandnem Kreuz und Leid, Zu solcher großen Herrlichkeit, zu denen werd' ich kommen. 5. O Freud'! o Trost! der da mein Herz Wird ewiglich umgeben! Denn da ist keine Angst, kein Schmerz Und kein betrübtes Leben; Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit. Erquickung, Ruhe, Fried' und Freud' Wird ich da recht anheben. Der Sterbende will auf Jefum Chriftum sterben. 6. Alsdann wird mir seyn ewig wohl, Wenn ich hab' überwunden; Wie werd' ich seyn des Trostes voll, Wenn mein Leid ist verschwunden! D Freudenstunde, brich doch an, Daß ich zu Jesu kommen kann, und bleib' mit ihm verbunden. 536 Der Sterbende will auf Jesum Christum sterben. Aufmunterung. Apost. Gesch. 7, V. 58. Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Es klagen Sterbende oftmals, wie sie mit allerlei Gedanken so viel zu thun haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, thut ein Gläubiger wohl, 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung vorstellet Jesum am Kreuz, und dabei diese frommen Gedanken hat: Jesu Wunden find für mich geschlagen, sie sollen auch in meinem Tode meine einzige Zuflucht seyn. Jesu Blut ist auch für mich vergossen, dieses Blut wascht und heiliget mich auch. Jesu ausgeſpannte Arme wollen auch mich umfaſsen und in den Himmel ziehen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir möge versüßet, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführet werden. Solche und dergleichen Gedanken werden die irdischen Gedanken vertreiben, und das Gemüth ganz ruhig und still und das Herz freudig machen. Bei diesen Betrachtungen soll der glaubige Christ 2) auch alle seine Zuverficht auf diesen Heiland der Welt sehen; er Der Sterbende will auf Jefum Chriftum fterben. 537 soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, damit vor Gott treten und sagen: Ach! um meines Jesu Gerechtigkeit, Blutes, Todes und Verdienstes willen sey mir gnådig, darauf lebe ich und sterbe ich, und dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. O Jesu, liebster Heiland! wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, indem die Vorboten des Todes sich immer mehr und mehr bei mir einstellen, und mir verkündigen, daß meines Lebens Ende gar nahe sey, so wende ich mich einzig und allein zu dir, und spreche: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. O mein Erlöser! du hast mich erlöset von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blut, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben. Ach! laß mir dieses Blut jetzt zu Statten kommen, daß ich durch dasselbe gerecht vor deinem Richterstuhl bestehen könne. Will mich Satan verklagen, so zeige ich ihm deine blutigen Wunden; wollen mich meine Sünden verdammen, so ergreife ich das gegebene Lösegeld für meine Sünden, dein heiliges Blut. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher. Ach! so mache mich denn selig, vergib mir meine Sünden, schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit, führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Der Sterbende will auf Jesum Chriftum sterben. Leben, darum werde ich nicht sterben, obschon mein Leben aufhöret, weil ich in dir, und du in mir lebest. Dieses Leben wird jetzt vollkommen werden, da ich ewig bei dir und mit dir leben werde, weil mich weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges von dir trennen kann. Du bist der Weg, ach! führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. Du bist die Wahrheit, ach! du hast bisher alle deine Gnadenverheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch diese, da du mir verheißen: Wo ich bin, da foll mein Diener auch seyn; wenn ich erhöhet werde von der Erde, will ich sie Alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. Herr! laß deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt haft. Ach! ziehe mich zu dir, zu dem völligen Genuß deiner himmlischen Güter. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuze für mich gestorben, wie du dein heilig Blut vergossen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen. Ach! dein heiliges Blut wasche und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamm des Kreuzes hat schlachten lassen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnet. Du bist mein Hoherpriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft; der Friedefürst, der mich in die Häuser des 538 Der Sterbende will auf Jefum Chriftum fterben. 539 Friedens aufnimmt. O Jesu! ich komme zu dir, darum fasse und halte ich dich im Glauben, und spreche: Meinen Jesum laff ich nicht, weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, seinem Willen nachzuleben; er ist meines Lebens Licht, meinen Sesum laff' ich nicht. Ja, an Jesum will ich jetzt allein denken, der soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Bonne, mein Tichten und Trachten, mein Denken und Ueberlegen, mein Alles seyn. Weg, ihr eiteln Gedanken, an Jesu Verdienst und vergossenem Blut will ich mich ergößen, seine heiligen Wunden will ich mir vorstellen, seines bittern Leidens will ich mich trösten, und mein lettes Wort foll Jesus seyn, ja mein letter Gedanke soll Jesus, Jesus seyn. Erschein' du mir zum Bilde in meiner letzten Noth, wie du, Herr Christ! so milde dich blutetest zu todt; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken; wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Ich will mit frohem Muth In Jesu Wunden eilen, Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen; Ach! öffne mir dein Herz Und nimm dein Küchlein ein, Hier soll mein Aufenthalt Und wahre Wohnung seyn. 2. Ich will mich glaubensvoll In diese Wunden senken, Ich will an Jesu Blut Und sein Verdienst nur denken; Sein Blut ergreif' ich jetzt In voller Zuversicht, und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. Der Sterbende bittet um ein feliges Ende. 3. O Blut! o heißes Blut! Das immer annoch fließet Auf jedes gldub'ge Herz, Das immer noch genießet Der, welcher Buße thut; O Blut! o heißes Blut! Ich eigne dich mir zu, O allerhöchstes Gut! 4. Ich ruhe hier getrost In diesen offnen Wunden, Ich bleibe nun mit dir, O Jesu! fest verbunden; Kein Schmerz, kein Leid, kein' Freud Reißt mich nurmehr von dir, Ich lasse nicht von dir, Ach! lasse nicht von mir. 5. Sieh', ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, Bis ich darinnen werd' Des Glaubens Ziel erreichen, Ver. gebung, Fried' und Freud', Der Seelen Seligkeit; Zieh' mei nen Geist nach dir Durch die gespalt'ne Seit'. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben, Und in denselbigen Der Seele Heil erwerben; Und schlaf ich glaubensvoll In Jesu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel' Gar wohl verwahret seyn. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. 1. B. d. Kön. 19, V. 4. Es ift genug, so nimm nun, Herr! meine Seele; ich bin nicht besser, denn meine Båter. Wenn im alten Testament Jemand Gott dem Herrn eine Gabe brachte, so mußte es kein gezwungenes, sondern ein freiwilliges Opfer seyn. So ist es auch mit unserm Sterben: es muß ein Mensch nicht sterben mit Verdruß, nicht gezwungen, nicht mit Murren und Widerwillen, sondern es soll 1) ein Mensch in gesunden Tagen sich bekannt machen die Herrlichkeit, die uns in jenem Leben bereitet ist, die Güter, die Krone, das weiße Kleid, Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. die Freude, die wir nach dem Tod erlangen sollen. Man soll 2) auch sich bekannt machen den Weg, der zu dieser Herrlichkeit führet, welcher ist Jesus Christus, daß man im Glauben und in einem heiligen Leben beharre, bis in den Tod. Kommt denn nun die Stunde heran, die Gott zum Abschied bestimmet, so soll man 3) mit Freuden seine Augen aufheben gen Himmel, und Gott um ein seliges Ende anflehen; dieses kann also geschehen, wenn man dem dreieinigen Gott seinen Leib und seine Seele empfiehlet, Jesum Christum immer im Gedächtniß behält, andächtig betet, und so auf sein Stündlein wartet; dabei man auch Gott anrufen kann, er wolle ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende verleihen. Sollten auch zuweilen einige unanständige Gebården mit unterlaufen, so wird es doch den Umstehenden empfindlicher als dem Sterbenden seyn, welcher unterdessen in der süßen Gemeinschaft mit seinem Jesu bleibet. 541 Gebe 1. Barmherziger, gnädiger Gott! ich merke, daß die Zeit meines Abschieds vorhanden ist, daß ich soll in Frieden hinfahren, und zur Ruhe mich niederlegen; mein Gesicht vergehet mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheinet, es wird bald anders mit mir werden; darum komme ich zu dir, und thue mein legtes Gebet, welches darin bestehet: Mein Leib und Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Seel' befehl' ich dir, o Herr! ein sel'ges End' gib mir, um Jesu Christi willen. Herr Gott, Himmlischer Vater! der du mich erschaffen, bisher versorget und erhalten hast, ach! nimm meine Seele in Gnaden an. O Jesu! der du mich mit deinem Blut erlöset und abgewaschen hast, ach! laß mich im wahren Glauben auf dein Verdienst und Blut jeszt selig sterben. Ach Herr Jesu! in deine Hände befehle ich meinen Geist. O werther heiliger Geist! mein Tröster und Beistand, ach! verlaß mich jegt nicht, gib mir Freudigkeit und Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sey, ja bete in mir und mit mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern. Siehe, ich bin bereit, die Erde zu verlassen, und sehne mich allein nach dir, und bei dir, o dreieiniger Gott! zu seyn. Hatte Israel ein Erlaßjahr, da es aus der Knechtschaft wieder zu seiner Freiheit und zu seinem Eigenthum kam, ach mein Gott! wenn ich selig sterbe, so gehet mein Erlaßjahr an, daß ich von allem Sündendienst, von aller Kreuześlaft befreiet, zu der vollkommenen Freiheit der Kinder Gottes in dem ewigen Leben gelangen soll. O mein Jesu! öffne mir die Himmelsthur, begleite und führe mich zu dem ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Uch mein Gott! gib mir ein vernünftiges Ende, daß ich möge meinen Verstand bis an den 542 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. legten Augenblick meines Lebens behalten. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtniß behalte Jesum Christum, und so ja meine Augen früh brechen sollten, so erquicke mich inwendig in meiner Seele mit deinem himmliſchem Trost und Licht. Laß Jesum immerdar vor meiner Seele Augen stehen; gib, daß ich mich über sein Blut erfreue, in seine offene Seite mich verberge, seines Verdienstes mich tröste, und seine Gerechtigkeit in wahrem Glauben ergreife. Gib mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes Ende. Behüte mich vor Ungebården, Anfechtungen und zerstreuenden Vorstellungen. Laß mein Herz, welches deine Wohnung hier gewesen, fein sanft gebrochen werden. Ach! laß mich in deinem Arm sanft verscheiden. Ach! gib mir auch ein seliges Ende, daß ich möge dein heiliges Angesicht bald mit Freuden erblicken. O dreieiniger Gott! segne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der Herr segne mich und behüte mich! der Herr lasse sein Antlit leuchten über mir, und sey mir gnådig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließe ich meine Augen zu, und befchle mich Gott und seiner 543 Der Sterbende bittet um ein ſeliges Ende. Gnade. Ich sage Amen drauf in meines Jesu Namen; es fage gleichfalls auch der Herr mein Gott nun Amen; ich rufe stets allhier: Dreiein'ger Gott! komm' du; ach! sage: Sey getrost, mein Kind, komm' zu der Ruh'. Amen. e fang. Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. 1. Aufgeldset bald zu werden Wünschet mein erfreuter Geist, Ich verlasse bald die Erden, Weil mein Jesus mich schon speist Mit des Himmels Süßigkeiten, und verbleibet mir zur Seiten; Wenn ich Jesum bei mir hab', Fürcht' ich nicht das finstre Grab. 2. Brecht, ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon Jesum finde Mit hellglanzendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf dem schönen Himmelsstege Ist mein Auge Jesus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 3. Und du, rother Mund, erblasse, Ja, ihr Lippen schließt euch zu, Weil ich meinen Jesum fasse, komme zu der Himmelsruh'. Jesus wird mich schon vertreten, Er wird kraftig für mich beten; Jesus, Jesus ist mein Mund In der letzten Todesstund'. 4. Ja, ihr Ohren mdgt euch schließen, Ich brauch' euer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Darauf ich mit Freuden hör'. Ich seh' schon die Freudensonne, Mein Ohr höret Freud' und Wonne; Was ist das für ein Gesang? Ist es nicht ein Engelklang? 5. Du, mein Herz, zerspring' mit Freuden, Edles Leben fahre hin; Mich wird nichts von Jesu scheiden, Weil ich ja in ihm nur bin; Jesum hab' ich schon gefunden, und ich bleib' mit ihm verbunden; Wenn das Herz in Stücken bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 6. Ja, ihr fast erstarrten Glieder Durch den kalten Todesschweiß, Legt euch nur in's Grab jest nieder, Weil ich schon Gebet der Umstebenben für Sterbende. versichert weiß, Jesus wird das Grab aufdecken, Und ench wieder auferwecken, Und euch schön mit Glanz verneut Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergebne Seele, Dich empfehl' ich meinem Gott, Geh' nun aus des Leibes Höhle, Geh' aus aller Angst und Noth; Geh' zur Freude nach dem Klagen, Geh' zur Wonne nach den Plagen, Geh' zur Himmelsfreude ein, D! wie wohl wird dir da seyn! 345 Gebet der Umstehenden für Sterbende. O du heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! du erhörest Gebet, darum kommet alles Fleisch zu dir; siehe, wir kommen jegt auch zu dir, und tragen dir in unserm Gebet diesen Sterbenden vor. Herr Gott, Vater im Himmel! erbarme dich über ihn; du hast ihn erschaffen zu deinem Ebenbild, er ist deine Creatur, er ist auch dein Kind, welches du in der heiligen Taufe zu Gnaden aufgenommen hast, ach! darum erbarme dich über ihn; siehe, dein Kind ist krank, siehe, dein Kind will sterben, ach! laß es anjetzt sein Kindestheil erlangen, nåmlich das Erbe im Himmel, der Seele Seligkeit; vergib ihm alle seine Sünden, die er Zeit seines Lebens wider dich gethan, und siehe ihn in Gnaden an. Herr Gott, Sohn, der Welt Heiland! erbarme Dich über diesen Sterbenden; du haft ihn mit deinem heiligen Blut erlöſet ,. du bist auch für ihn gestorben, ach! darum rechne ihm seine Sünden nicht zu, sondern 35 Gebet der Umstehenden für Sterbende. rechne ihm zu deine Gerechtigkeit und dein Verdienst, wasche ihn mit deinem heiligen Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn jeßt als einen durch dein Blut Gereinigten vor dem Thron Gottes erscheinen. Herr Gott, heiliger Geist! erbarme dich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glauben, gib Zeugniß seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sey, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen; heilige ihn, stårke ihn, und begleite ihn zum ewigen Leben. O du heilige Dreieinigkeit! nimm dieſen Sterbenden zu Gnaden an, ges denke nicht der Sünden seiner Jugend und ſeiner Uebertretung, gedenke aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Nimm seine Seele in deine Hände, und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jegt ersterbenden Leib am jungsten Tage fröhlich und herrlich. Verleihe ihm indessen die sanfte Ruhe in der kühlen Erde, bis sich in der allgemeinen Auferstehung Leib und Seele wieder mit einander vereinigen und zur Himmelswonne eingehen werden. Indessen, Herr! Herr! da seine Noth und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht aus dem Sinne kommen das Andenken des gekreuzigten Jesu; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Schein in seiner Seele aufgehen; ja, o Jesu! du rechter Morgen546 Gebet der Umstehenden für Sterbende. stern, erleuchte ihn zum ewigen Leben. Wann er uns nicht mehr sehen kann, so gib, daß er dich, o dreieiniger Gott! beständig im Glauben sehe, bis er dich schauen wird von Angesicht zu Angesicht. Ach! wenn nun sein Mund sich schließet, daß er nicht mehr beten kann, so bitte du für ihn, o Jesu! sey sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Bater, hilf ihm kämpfen und überwinden, und laß auch die Seufzer seines Herzens dir angenehm seyn. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach! stårke ihn, und sey sein Beistand. O dreieiniger Gott! bleibe du bei ihm, und erhalte ihn im Glauben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich vollenden wird. Herr Gott, Vater! was du hast erschaffen, Herr Gott, Sohn! was du hast erlöset, Herr Gott, heiliger Geist! was du haft geheiliget, das befehlen wir dir in deine Hände; deinem Namen fey Lob, Ehre und Preis, jest und in Ewigkeit! Vollende, Bater! seinen Lauf, nimm ihn zu deinem Frieden auf; verwirf ihn, wenn sein Herz nun bricht, verwirf ihn nicht, Herr! Herr! vor deinem Angesicht. Amen. 35* 547 548 Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umste henden den Sterbenden vorsprechen können*). Jesaia 49, V. 14. 15. 16. Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen; kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? und ob sie desselben vergåße, so will ich doch dein nicht vergessen; siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet. Ja, Gott verläßt nicht Einen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest; läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach barmherziger, gütiger Gott! hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde. O mein Gott! du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach! bleibe es auch anjegt. O Jesu! bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. O werther heiliger Geist! stårke mich, erhalte mich im festen Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf Jesu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Psalm 42, V. 1. 2 Wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott! zu dir; meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Wann wird es doch geschehen, wann kommt die liebe Zeit, daß wir Gott werden sehen in seiner Herrlichkeit? O Tag, wann wirst du seyn, daß wir den Heiland grüßen, daß wir den Heiland küssen? Komm', stelle dich bald ein. Jesu! du Licht meiner Seele, wenn meine Augen wollen ") Frorume Christen thun auch wohl, wenn sie selbige bei gesunden Tagen fich bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Geher vergehen sollte, sich selbst in Gott ermuntern können. Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden den zc. 549 dunkel werden, so laß in meiner Secle aufgehen die himmlische Klarheit. Beiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen; zeige mir alsdann deine Gestalt, und laß mich sehen dein Bild, wie du dich am Kreuz zu todt geblutet hast. Ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich doch kein Unglück, denn mein Jesus ist bei mir. Ja, mein Jesu! bleibe bei mir, stårke mich im Glauben, und laß mich dein Eigenthum seyn, hier zeitlich und dort ewiglich. Psalm 40, B. 18. Ich bin arm und elend, der Herr aber forget für mich; du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott! verzeuch nicht. Wo soll ich mich denn wenden hin? zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn, bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rath allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, der sich verläßt auf Jesum Christ. Ja, mein Jesu! auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele; ach! komme, und spanne mich aus, bringe meinen matten Leib zur Ruhe, und meine Seele nimm auf zu deiner ewigen Himmelsfreude. Ach! hdre, o Jesu! mein schwaches Seufzen. Sen mein Beistand in der Noth; du mein Seligmacher und Erretter, errette mich, ldse mich auf, und mache mich selig. Gib dem Satan keine Macht über mich. Thue mir jetzt die Thür auf zum Himmel und zum ewigen Leben. Ach! komme doch bald, erldse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich! Jefaia 41, B. 10. Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stårke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. D Herr Christ, du Morgenstern, der du ewiglich aufgehst, fey doch jetzt von mir nicht fern, weil dein Blut mich hat erIdst; hilf, daß ich mit Fried' und Freud' môg' von hinnen fahren heut; ach! sey du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse. O Jesu! mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Seufzer, Sprüche und Gebete, Vater, der du zu seiner Rechten sikest und vertrittst uns, ach! bitte auch für mich armen Sünder, jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, du werther heiliger Geist! du Tröster in aller Noth, bleibe bei mir mit deinem Trost, bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starken Beistand, mein Vater ist bei mir, mein Jesus ist bei mir, der heilige Geist ist bei mir, ja auch die Engel sind bei mir; so will ich mit Freuden sterben. 550 Psalm 73, V. 23. 24. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand; du leitest mich nach deinem Rath, und nimmst mich endlich mit Ehren an. Hilf, daß ich ja nicht wanke von dir, Herr Jesu Christ! den schwachen Glauben stårke in mir zu aller Frist; hilf ritterlich mir ringen, ach! habe auf mich Acht, bis ich mag frdhlich singen: Ich hab's mit Gott vollbracht. Durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber Herr Gott! Ich weiche nicht von dir, ach! bleibe du auch bei mir; o Jesu! wenn mein Kampf angehet, so hilf mir ringen, so hilf mir siegen und überwinden; wenn die Angst meines Herzens groß wird, so führe mich aus meinen Ndthen. Ich bin ja dein Eigenthum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. Matth. 25, V. 23. Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel seßen; gehe ein zu deines Herrn Freude. Nun ich warte mit Verlangen auf den süßen Augenblick, wann du kommst, mich zu empfangen, komm', und weiche nicht zurück; nimm mich auf zu deinen Frommen, komm', ich heiße bich willkommen, komm', ach komm', o Gottes Lamm! nimm mich) auf, mein Brautigam! 551 den Sterbenden vorzusprechen. Jesu! dir will ich in deiner Kraft und durch deines Geistes Beistand treu verbleiben bis an den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund! ich fliehe nicht von dir, mein Hirte! ich lasse dich nicht, mein Seelenbräutigam! außer dir kann mich Nichts ergdhen. Führe mich, o liebster Freund! aus dem Elende zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. piob 19, V. 25. 26. 27. Ich weiß, daß mein Erldser lebet, und er wird mich her. nach aus der Erde auferwecken, und ich werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen; denselben werde ich mir sehen, meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, dem hab' ich mich ergeben, mit Freud' fahr' ich dahin; mit Freud' fahr' ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme, und ewig bei ihm sey. Ja, hiermit ergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott! in deinen Schuß und Gnade; meine theuer erkaufte Seele bes fehle ich dir; ich sterbe und werde auch wieder auferstehen; ich sterbe und werde ewig leben in der Himmelsfreude. D dreieiniger Gott! bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, vers kürze meine Schmerzen, versüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem innerlichen Trost deines heiligen Geistes, denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst Jesu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein Freuden- Angesicht schauen in der ewigen Himmelsfreude. Psalm 17, B. 15. Ich will schauen dein Angesicht in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ach! ich habe schon erblicket diese große Herrlichkeit, jego werd' ich schön geschmücket mit dem weißen Himmelskleid; mit der güldnen Ehrenkrone steh' ich da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Ach, mein Jesu! freudig ist meine Seele, wenn sie an Seufzer, Sprüche und Gebete, deine Herrlichkeit und an die Freude denket, die du mir be reitet hast. Ich verlasse gern die Welt, weil ich zu meinem Jesu komme, zu meinem Seelenbrautigam; o wie wohl, o wie selig werde ich seyn! wenn er meine Seele als seine Braut wird zur Hochzeit einführen, mir das weiße Kleid anlegen, mir die Krone aufsetzen, und mich ewig, nach so vies len ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Trůbsalen erquicken. 552 Buch der Weisheit 3, 2. 1. 2. 3. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rühret sie an; von den Unverständigen werden sie ans gesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben, aber sie sind im Frieden. Freu' dich sehr, o meine Seele! und vergiß all' Noth und Qual, weil dich Christus nun, dein Heiland, ruft aus diesem Jammerthal; aus Trůbsal und großem Leid sollst du fahren in die Freud', die kein Ohr jemals gehöret, die in Ewigkeit auch währet. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elende zu Gott, aus der Last zur Lust, aus der Angst zum Frieden, aus der Eitelkeit zur Seligkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leid zur Freude, darum freuet sich meine Seele. O mein Gott! hier bin ich, so nimm meine Seele hin, mache sie herrs lich, mache sie selig. Mein Jesu! ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und Leben ungeschieden seyn. 2. Cor. 5, V. 1. Wir wissen, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott gebauet, ein Haus nicht mit Hånden gemacht, das ewig ist im Himmel. Da wird seyn das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmelsglang umgeben, stehen dort vor Gots tes Thron, da die Seraphinen prangen, und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geift. den Sterbenden vorzusprechen. Ach lieber Herr Jesu! versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dieß Haus und dieß mein Sterbebette verlassen werde. Welch ein herrliches Haus, welch eine Freudenståtte hast du mir bereitet! da ist keine Angst, kein Jammer und Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit, Wonne, Sonne. Ach, wåren wir da! Weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich anhangen, auf deine Gnade verlasse ich mich, in deine Wunden verberge ich mich, auf deinen Tod sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig.com Jesaias 35, V. 10. Die Erldseten des Herrn werden wieder kommen, und gen 3ion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte seyn, Freude und Wonne wird sie ergreifen, und Schmerzen und Seufzen wird weg müssen. Nun es wird annoch geschehen, daß ich auch nach kurzer Beit meinen Heiland werde sehen in der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Noth, Müh' und Furcht, zuletzt der Tod, aber dort ist allezeit Friede, Freud' und Seligkeit. Gedenke, o Jesu! ich bin durch dein Blut erldset, laß mich auch bald in dein himmlisches 3ion kommen. Ich habe hier lange genug das Thränenbrod gegessen, ach! laß mich bald das süße Engel- und Himmelsbrod kosten. Seufzen und Schmerzen sind hier meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach! laß mich hdren Freude und Wonne, laß meine Secle einen Blick in deine Herrlichkeit thun, erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. 2. Tim. 4, V. 7. 8. 553 Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigeleget die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die seine Erscheinung lieb haben. Jesu! hilf siegen, und laß mir's gelingen, daß ich die Seufzer, Sprüche und Gebete, Beichen des Sieges erlang'; so will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesu, mein Heiland! mit frohem Gesang; wie wird dein Name da werden gepriesen, wo du, o Held! dich so mächtig erwiesen. O Jesu! hilf mir glücklich überwinden, wenn nun der letzte Kampf angehet; stehe mir bei, so wird es mir leicht werden; stårke mich, wenn ich kraftlos bin, mein Helfer, hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stårke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden; halte mich Elenden in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folget die Krone, auf den Streit der Sieg. O! wie herrlich werde ich gezieret und von dir gekrdnet werden nach meinem Tod! Zeige mir die Krone, die du mir beigeleget hast, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. 554 Offenb. Joh. 2, V. 10. Cap. 3, M. 5. Sen getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben; wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angethan werden. Schaut mich in meinem Kranze, darin ein Sieger prangt, beschaut mich in dem Glanze, den meine Seel' erlangt; ich trag' die Himmelskrone, ich glånz' in Himmelspracht, damit von Gottes Sohne ich gnädig ward bedacht. Von meines Jesu Liebe will ich nimmermehr lassen, ich habe ihn geliebet in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in meinen Tod. O Jesu! um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe; dir will ich treu verbleiben im Glauben bis in den Tod, dir ewig treu sterben. Jesus in meis nem Herzen, Christus in meinem Sinn, in Jesu Namen schlaf ich ein. Ndm. 8, V. 38, 39. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges, noch Bukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch eine andere den Sterbenden vorzusprechen. 555 Creatur, mag mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Jesum, Jesum will ich lieben, hier und dort in Ewigkeit, sollten mich gleich hier betrüben aller Jammer, alles Leid; was frag' ich nach Holl' und Tod? Jesus hilft mir aus der Noth, der wird mich zur Freude führen, wo die Seinen jubiliren. Ja, das ist mein Schluß, meinen Jesum lasse ich nicht. Ich bleibe im Glauben, ich halte mich an ihn, der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von Jesu nicht; Jesus ist mein, ich bin sein, ich lege mich in meines Jesu Arme, darin will ich selig leben und sterben; o! wie wohl! o! wie wohl! Jac. 1, v. 12. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Herzlich thut mich verlangen nach einem sel'gen End', weil ich hier bin umfangen mit Trübsal und Elend; ich hab' Lust abzuscheiden von dieser bdsen Welt, sehn' mich nach HimmelsFreuden, o Jesu! komm' nun bald. Ach ja, o Jesu! komme zu mir, ach! komme doch bald, ohne Aufenthalt, und nimm mich hin in Frieden; gib mir Geduld und Stärke, ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib, meine Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O Jesu! hilf mir durch deine große Gnade und Barnherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. Herr Gott! der du bist unsre Zuflucht für und für, sey jetzt auch meine 3uflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. O! wie verlanget mich, Gottes Angesicht zu sehen, bei den Engeln und Auserwählten zu seyn, in himmlis schem Glanz und Klarheit einherzugehen. A Seufzer, Sprüche und Gebete, Pfalm 31, V. 6. In deine Hände befehle ich meinen Geist, du haft mich erldset, Herr, du treuer Gott! 356 Gleichwie sich fein ein Vogelein in hohle Baum' verstecket, wenn's trub hergeht, die Luft unståt Menschen und Vieh erschrecket: also, Herr Christ! mein' Zuflucht ist die Höhle deis ner Wunden; wann Sund' und Tod mich bracht' in Noth, hab' ich mich drein gefunden. Darin ich bleib', ob Seel' und Leib hier von einander scheiden, so werd' ich dort bei dir, mein Hort, seyn in ewigen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger Gott! zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Wunden Jesu Christi, zu der Gültigkeit des heiligen Geistes. Diesem dreieinigen Gott befehle ich meinen Leib und Seele. Ach! nimm dein Täublein auf, ich komm' in vollem Lauf. Breit' aus die Flügel beide, o Jesu! meine Freude, und nimm dein Küchlein ein; will Sa tan mich verschlingen, so laß die Engel singen: Dieß Kind foll unverleget seyn. Hebr. 12, B. 22. 23. Ihr seyd kommen zu dem Berg 3ion, zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge vieler tausend Engel; und zu der Gemeine der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über Alle, und zu den Geistern der vollkomme. nen Gerechten. Mein Gott! ich bin bereit, zum Himmel einzugehen, und in verklärtem Glanz vor deinem Thron zu stehen; was sol ich auf der Welt in Trübsal långer thun? ach! hole mich zu dir, dort kann ich sicher ruh'n. Herr! eile mit mir fort, hier wird mir gar zu lange, den Himmel wünsch' ich mir, daß mich die Freud' umfange, da ich dich schauen kann in alle Ewigkeit; ach! eile bald mit mir, mein Gott! ich bin bereit. Mein Jesu! wie herrlich wird der Anblick seyn, wann ich werde dich in deiner Herrlichkeit und alle Engel und Außer den Sterbenden vorzufprechen. wählte in dem Himmel antreffen. Nun, darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde, und komme zur Herrlichkeit, ich verlasse das Elend, und komme zur Freude, ich verlasse die Menschen, und komme zu den heiligen Engeln. Hebr. 13, V. 8. 557 Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. Ich rühme mich immer der blutigen Wunden, die Jesus an Hånden und Füßen empfunden; drein will ich mich hüllen, recht christlich zu leben, wer wollte um Jesum nicht immerdar schweben? Wenn Auge und Herz nun im Tode sich neigen, so will ich noch sterbend mit Seufzen bezeugen, daß Jesus, nur Jesus, mein Jesus soll heißen, von welchem mich Satans Macht niemals soll reißen. Nun, mein Heiland! dabei laß mich unverrückt verbleiben. Die Süßigkeit deines Jesu- Namens laß meine matte Seele empfinden und erquicken. Die Kraft deines vollgültigen Verjöhnungstodes laß mir im Sterben und vor dem Gerichte Gottes zu Statten kommen, daß ich so in dir mdg' bier gerecht und rein, und auch dorten ewig selig seyn. Joh. 10, V. 27. 28. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Ich bin ein Glied von deinem Leib', deß tröst' ich mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib' in Todesnoth und Schmerzen; denn wo du bist, da komm' ich hin, daß ich stets bei dir leb' und bin, drum fahr' ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte Jesu! bringe mich, dein armes Schaflein, nun zur Himmelsfreude, laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen, du bist mächtiger und stärker als der Satan; dein bin ich, und dein will ich auch bleiben. Satan hat kein Theil und Recht an mir, aber dein Eigenthum bin Seufzer, Sprüche und Gebete, ich gewesen, und will es auch ewig seyn. Ach! nimm meine Scele wie ein mattes Schäflein in deine Arme, und bringe sie zur ewigen Wonne. O wie wohl! o wie selig! wenn ich bei meinem Jefu bin. 558 Offenb. Joh. 14, 2. 13. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nan an, ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Drum laff ich billig dieß allein, o Jesu! meine Sorge seyn, daß ich dich herzlich liebe; daß ich in dem, was dir ge fällt, und mir dein klares Wort vorhålt, aus Liebe mich stets übe; bis ich endlich werd' abscheiden, und mit Freuden zu dir kommen, aller Trübsal ganz entnommen. Da werd' ich deine Süßigkeit, das himmlisch Manna, allezeit in reiner Liebe schmecken, und seh'n dein liebreich Angesicht mit unverwandtem Augenlicht, ohn' alle Furcht und Schrecken; reichlich werd' ich seyn erquicket, und geschmücket vor dem Throne mit der schö nen Himmelskrone. Ach Herr! sprich meiner Seele den Trost ein: ich werde in dir sterben. O Jesu! du hast in mir gelebet, und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, in deinen Wunden, in deiner Gnade; laß meinen Jammer und Kummer, meine Schmerzen und Leiden aufhdren, hingegen bringe mich zum ewigen seligen Leben, da werde ich ruhen von mei ner Arbeit, von meinen Leiden und Schmerzen. O Jesu! höre mich, ja komme, Herr Jesu! 2. Tim. 4, V. 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sey Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Gott Lob! die Stund' ist kommen, da ich werd' aufgenommen ins schöne Paradeis; ihr Freunde sollt nicht kla gen, mit Freuden sollt ihr fagen: Dem Höchsten sey Lob, Ehr' und Preis! Gott eilet mit den Seinen, läßt sie nicht lange weinen in diesem Thrånenthal; ein schnell und felig ben Sterbenden vorzusprechen. Sterben heißt schnell und glücklich erben des schönen Himmels Ehrenfaal. 550 O großer Gott! denke jetzt in Gnaden an mich, und ers barme dich; ach! gib mir ein vernünftiges, stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erldsungstag, und meine Todesstunde ist die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach! erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens, laß mich freudig anhdren den Trost, der mir vorgesprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und meine Hoffnung bezeugen könne, und so erldse mich durch ein seliges Ende von allem Uebel. Matth. 25, V. 34. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Unbeginn der Welt. Im Himmel ist gut wohnen, wo mit dem Ehrenkleid mein Jesus wird belohnen der Frommen Herzeleid; da glångt der Leib und funkelt, gleichwie ein Edelstein, das Licht wird nicht verdunkelt; im Himmel ist gut seyn. Ach mein Jesu! laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: Komme her, du Gesegnete! ja laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit eingeführet wers den. Indessen fasse ich dich im Glauben, und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Jesaias 61, V. 10. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist frdhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. O Jerusalem, du Schone! ach wie helle glänzest du! ach wie lieblich Lobgetdne hört man da in sanfter Ruh'! O der großen Freud' und Wonne! jeßo gehet auf die Sonne, jego gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude, das weiße Ehrenkleid versüßet mit alle Bitterfeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, Jes 560 Seufzer, Sprüche und Gebete, fus ist bei mir, der tröstet mich, der erhält mich. Uch mein Gott! lege mir an das himmlische Freudenkleid, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet haft. Deine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, und darum weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, ja ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten; wie schön werde ich da ge: zieret stehen vor dir! Joh. 3, V. 16. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebors nen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht vers loren werden, sondern das ewige Leben haben. Herr! ich glaube, hilf mir Schwachen, laß mich ja verzagen nicht, du nur kannst mich stårker machen, wenn mich Sünd' und Tod ansicht; deiner Güte will ich trauen, bis ich fröhlich werde schauen dich, Herr Jesu! nach dem Streit, in der frohen Ewigkeit. Ach liebster Gott und Vater! laß mich jetzt auf Jesum Christum sanft und selig von hinnen scheiden; ich weiß, du hast mich auch geliebet, und mir deinen Sohn gegeben; ich habe auch an ihn geglaubet, und will in solchem Glauben an ihn beharren bis an den letzten Augenblick meines Lebens. Uch! versichere mich durch deinen heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stårke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich hier geglaubet, mdge schauen in dem ewigen Leben. Uch Jesu! stehe mir bei, ach! verlaß mich nicht. 1. Petri 1, BV. 18. 19. Wisset, daß ihr nicht mit vergånglichem Silber oder Gold erldset seyd von eurem eiteln Wandel nach våterlicher Weise, sondern mit dem theuern Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Herr Jesu Christ! dein theures Blut ist meiner Seele hochstes Gut; das stårkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein. Herr Jesu! in der letzten Noth, wenn den Sterbenden vorzufprechen. mich schreckt Teufel, Höll' und Tod, so laß ja dieß mein Labsal seyn, dein Blut macht mich von Sünden rein. Ich komme jetzt, o großer Gott! vor dich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Jesu Christi, die ich mir in seinem Blut zugeeignet habe. O du Lamm Gottes! das du trågst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner. Ach gerechter Gott! siehe nicht an meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines Jesu Gerechtigkeit und Heiligkeit; dieselbe ergreife ich, in seine Wunden verberge ich mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um deßwillen sen mir gnädig und barmherzig. 561 U post. Gesch. 4, V. 12. Es ist in keinem Andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werden, denn allein in dem Namen Jesu. Jesus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn, er hat mir das Heil erworben, drum fahr' ich mit Freuden hin, hier aus diesem Weltgetümmel, in den schönen Gotteshimmel, schaue solche Freude an, die kein Mensch beschreiben kann. Jesu! mein einziges Heil und meine Zuflucht, ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach! erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße Jesus- Name und das Andenken seines vergossenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen und in meinen Gedanken bleiben. Herr Jesu! dir lebe ich, Herr Jesu! dir sterbe ich, Herr Jesu! dein bin ich todt und lebendig. Amen. 1. Joh. 2, V. 1. 2. Ob Jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist, und der ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unsern, sondern für der ganzen Welt Sünden. So fahr' ich hin zu Jesu Christ, und will den Arm ausstrecken, so schlaf' ich ein, und ruhe sein, kein Mensch kann 36 Seufzer, Sprüche und Gebete, mich aufwecken; denn Jesus Christus, Gottes Sohn, der wird die Himmelsthur aufthun, mich führen zum ewigen Leben. O großer Gott! die Zeit kommt herbei, daß ich soll abscheiden aus der Welt, und vor dein Gericht treten; ach himmlischer Vater! erbarme dich über mich, und nimm mich als dein Kind, das du erschaffen und geliebt hast, in Gnaden auf. O Jesu! bitte für mich, du bist mein Mittler, Fürsprecher und Seligmacher. Nimm weg meine Sünden, kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. O werther heiliger Geist! wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringest zu der ewigen Himmelswohnung. Joh. 5, V. 24. 562 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort höret, und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wenn ich nun soll sterben, und mein Fleisch verderben, da verlaß mich nicht; tritt mir an die Seite, hilf, daß ich so streite, daß ich ins Gericht ja nicht komm', erhalte mich fromm, daß ich in dem Freudenleben um dich mdge schweben. Diese Verheißung erfülle auch an mir, mein Heiland! in Gnaden. Vor das Grricht laß mich kommen und da um deinetwillen Barmherzigkeit erlangen. Ins Gericht aber laß mich nicht kommen, und mich nichts von dem Urtheil des Todes hören. Erhalte mich im Glauben an dich bis ans Ende, daß auch bei mir sey des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit. Hebr. 4, V. 12. So lasset uns hinzutreten zu dem Gnadenthron, daß wir Barmherzigkeit erlangen zur Zeit, wenn uns Hülfe noth ist. Stárk' mich mit deinem Freudengeist, heil' mich mit deinen L Wunden, wasch' mich mit deinem Todesschweiß in meinen letzten Stunden, und nimm mich einst, wenn dir's gefällt, im wahren Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten. Ach ja! um Jesu willen werde ich Barmherzigkeit erlangen. Herr Gott, Vater im Himmel, erbarme dich über mich; den Sterbenden vorzufprechen. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich; Herr Gott, heiliger Geist, erbarme dich über mich, und sey mir gnädig und barmherzig! Amen. 503 2. Cor. 5, V. 21. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Jesu! du hast weggenommen meine Sünden durch dein Blut, laß es, o Erldser! kommen meiner Seligkeit zu gut, und dieweil du, so zerschlagen, hast die Schuld am Kreuz getragen, ach! so sprich mich endlich frei, daß ich ganz dein eigen sey. Jesu! du hast meine Sünden weggenommen, und hast mir deine Gerechtigkeit geschenket; was mein ist, meine Sünden und Schulden, sind dir aufgeleget, und was dein ist, deine Gerechtigkeit, ist mir geschenket; deß freue ich mich, deß tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott besteh'n, wann ich zum Himmel werd' eingeh'n. In Jesu bin ich gerecht, in ihm bin ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine Gerechtigkeit, o! darin kann ich fröhlich sterben und Gott ans genehm seyn. Offenb. Joh. 21, V. 4. In dem neuen Jerusalem wird Gott abwischen alle Thrånen von der Gläubigen Augen, und der Tod wird nicht mehr seyn, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr seyn. O wie selig seyd ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! ihr seyd entgangen aller Noth, die uns noch hält gefangen. Christus wischt euch ab alle eure Thránen, ihr habt schon, wornach wir uns noch sehnen; euch wird gesungen, was durch keines Menschen Ohr allhier gedrungen. Komm', o Jesu! komm', mich auszuspannen, lds' mich auf, und führ' mich bald von dannen; bei dir, o Sonne! ift der frommen Seelen Freud' und Wonne. Seufzer, Sprüche und Gebete, Uch Jesu! ich freue mich auf die Stunde, da ich werde dein Freuden- Angesicht mit verklärten Augen sehen. Da wird mein Leib leuchten wie die Sonne, und meine Augen werden nicht mehr von Thránen naß sondern voll Licht und Glang seyn; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich nur noch wie in einer Herberge, bei dir aber bin ich in meinem rechten und ewigen Vaterlande. 564 1. Joh. 1, V. 7. So wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. Wann endlich ich soll gehen ein zu deines Reiches Freuden, so soll dein Blut mein Purpur seyn, ich will mich darin kleiden; es soll seyn meines Hauptes Kron', mit welcher ich will vor dem Thron des ew'gen Baters stehen, und dir, dem ich hier anvertraut, als eine wohlgeschmückte Braut zu deiner Rechten stehen. 12 Hind bim dil In der Gemeinschaft meines Jesu bin ich, darin lebe und sterbe ich; o Jesu! du in mir, und ich in dir. Es ist nichts Berdammliches an mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Nun gehe ich zur Herrlichkeit ein, Jesu Blut heiliget, kleidet, zieret und macht mich rein. D himmlischer Vater! siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darin komme ich zu dir. hliadn 3oh. 1, B. 29. jun minn qnd Siche, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trågt. O Lamm Gottes, unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allezeit erfunden geduldig, wiewohl du warst vers achtet; alle Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarm' dich unser, o Jesu! Christus, du Lamm Gottes, der du trågest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christus, du Lamm Gottes, der du trågest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Chris stus, du Lamm Gottes, der du trågest die Sünde der Welt, verleihe mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden. den Sterbenden vorzusprechen. Luca 2, B. 29. 30. Herr! nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. 505 Jesu! du Herzog der Friedens- Heerschaaren, o Konig in Salem, ach! zich' mich nach dir, laß mich den Friedensbund treulich bewahren, im Wege des Friedens dir folgen allhier; ach! laß deinen Geist kräftig mich regieren, und dir nach im Frieden zum Vater hinführen. Ja, der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, der bewahre auch mein Herz und meine Sinne in Christo Jesu, zum ewigen Leben. Da sind die Friedenshäuser, da heißt's: Victoria! da trågt man Siegesreiser; ach! wär' ich nur schon da! Joh. 17, V. 24. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seyen, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Ist's nun dein Will', so stell' dich ein, mich selig zu verseten, ach! ewiglich bei dir zu seyn, kann meine Seel' ergdzen! Erdffne dich, du Himmelssaal, damit ich nach der Noth und Qual zu meinem Jesu komme. O! welch eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das seyn, wenn ich zu dir, o Jesu! kommen, und dich von Ungesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hier schon geliebet, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich mich dann in unaussprechlicher Freude ergdien, wenn ich nun hinkomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten! O wie groß ist deine Herrlichkeit! ich habe davon hier in diesem Leben nicht die Hälfte gehöret, was ich mit Augen dorten bei dir sehen werde. Ach! ziehe mich zu dir, und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Rom. 14, V. 7. 8. Unser keiner lebt ihm selber, unser keiner stirbt ihm selber; leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben Seufzer, Sprüche und Gebete, wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. 566 Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! ich bitt', du wollest seyn von mir nicht fern mit deiner Hülf' und Gnade; die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Himmel und Erde frag' ich nicht, wenn ich nur dich kann haben; und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, bist du doch meine Zuversicht, mein Theil und meines Herzens Trost, der mich durch sein Blut hat erlöst; Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr! in Schanden laß mich nimmermehr. O großer Gott! ich bin dein geworden in der heiligen Taufe, ich bin dein geblieben durch den Glauben, laß mich jest im Sterben auch dein Eigenthum seyn. O Jesu Christ, Gottes Sohn, der du für mich hast genug gethan, ach! schließ' mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. Amen. 2. Tim. 2, V. 8. Halte im Gedächtniß Jesum Christum, der auferstanden ist von den Todten. Erschein' du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ! so milde dich blutetest zu todt; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken; wer so stirbt, der stirbt wohl. Jesus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; ach ja, o Jesu! ich halte jetzt im Gedächtniß deine Marter und Pein, dein vergossenes Blut, deine heiligen Wunden. Jesu! ich umfasse dich, an mein Herz drück' ich dich, ach! weiche nicht von mir, mich verlangt nach dir, o mein Heiland! wär' ich bei dir! Luca 23, V. 42. 43. Herr! gedenke mein, wenn du in dein Reich kommest. Jesus antwortete ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. Auf, auf, mein Geist! ermunt're dich bei allem deinem schweren Leide; o! glaube Jesu sicherlich, dieß ist der nächste den Sterbenden vorzusprechen. Weg zur Freude. Ergib in kindlicher Geduld dich deines Baters Lieb' und Huld, er wird in seinen treuen Hånden dich unaussprechlich schon vollenden, und ehe du dich's wirst vers. seh'n, wirst du verklårt dort oben steh'n. 567 Mein Jesu! mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach! nimm meine durch dein theures Blut erkaufte Seele auf in deine heiligen Hände. Ach! laß sie dir befohlen seyn, laß sie zur Freude in das Paradies eingehen. Ich spreche auch mit dem gläubigen Sünder: Herr Jesu! denke mein! denke, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigenthum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit seyn. 1. Tim. 1, V. 15. Das ist je gewißlich wahr, und ein theures, werthes Wort, daß Jesus Christus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Ich bin gewiß in meinem Glauben, als der mich Christo einverleibt; wer kann mir dieses Kleinod rauben, das mir sein Blut und Tod verschreibt? Sein theures Wort bekräftigt dieß, drum sagt mein Glaub':$ d, bin gewiß. Ich bin gewiß in meinem Sterben, daß mich der Tod nicht tödten kann, nach ihm macht mich mein Gott zum Erben von dem beglückten Canaan; ein ander Leben folgt auf dieß, mein Jesus lebt: Ich bin gewiß. Ich bin gewiß, so soll es heißen, bis aus dem Glauben Schauen wird; es soll mich Nichts von Jesu reißen, ich bin sein Schaf, er ist mein Hirt; in Ewigkeit folgt hier kein Riß, die Losung bleibt: Ich bin gewiß! Herr, ich warte auf dein Heil! Jesus macht die Sünder selig, er macht mich auch selig. Jesus nimmt die Sünder an, er nimmt mich auch an. Ich bin meines Jesu eigen, und bleibe sein eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, und sehe. wie Jesus mich zu sich rufet. Psalm 73, V. 25. 26. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so Seufzer, Sprüche und Gebere, bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. O 568 Wann ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wann ich den Tod soll leiden, so tritt du selbst herfür, wann mir am allerbångsten wird um das Herze seyn, so reiß' mich aus den lengsten kraft deiner Angst und Pein. O Jesu! mein Leben endet sich, ach! nimm mich auf zu dir. Mein Hirte! nimm dein Schäflein, mein Bräutigam! nimm deine Braut, mein Vater! nimm auf dein Kind, mein Jesu! nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich, und so schließe ich meine Augen zu. Offenb. Joh. 7, V. 9. 14. Darnach sahe ich, und siehe, eine große Schaar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Heiden und Völkern, vor dem Thron stehend und vor dem Lamm, mit weißen Kleidern angethan, und Palmen in ihren Hånden. Und er sprach zu mir: Die sind's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider hell gemacht in dem Blute des Lammes. Wer sind die vor Gottes Throne? was ist das für eine Schaar, welche zieret eine Krone, glånzend gleich den Sternen klar, singen Halleluja all, loben Gott mit großem Schall? O wie groß wird seyn die Wonne! wann wir werden allermeist schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und heiligen Geist; großer Gott! dir sey bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Uch mein Jesu! ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst geben. Ich wasche indessen meine Seele in deinem heiligen Blute, ich eigne es mir zu; ach! nimm mich um desselben willen auf in dein ewiges Freudenleben. Luca 23, V. 26. Vater, in deine Hånde befehle ich meinen Geist! Herr Jesu! nimm meinen Geist auf! Ap. Gesch. 7, V. 59. Herr! meinen Geift befehl' ich dir, mein Gott! mein Gott! den Sterbenden vorzusprechen. weich' nicht von mir, nimm mich in deine Hånde, o wahrer Gott! aus aller Noth, hilf mir am letzten Ende. O mein Jesu! so bete ich jetzt auch mit dir. Dein letztes Wort am Kreuz soll auch mein letztes Wort in meinem Leben seyn. Herr Jesu! dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. 569 O! wollte Gott, daß ich mein End' wie Jesus mdcht' erreichen, und meinen Geist in Gottes Hånd' und treuen Schooß bald neigen; ach laß, mein Hort! dein letztes Wort mein letztes Wort auch werden, so werde ich höchst selig geh'n zum Vater von der Erden. d 2. Petri 3, V. 13. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. O Gottes Stadt! o wahres Licht! o Wohnung aller Freuden! wann schau' ich Gottes Angesicht? wann endet sich mein Leiden? wann schmeck' ich seine große Güt'? o Lieb'! es bren= net mein Gemüth, ich lieg' und seufze mit Begier, o Jesu! Seelenfreund, hol' mich zu dir. O Gott! wie selig werd' ich seyn, wenn ich aus diesem Leben zu dir geh' in dein Reich nun ein, das du mir dort wirst geben. Ach Herr! wird dann der Tag bald kommen, daß ich zu dir werd' aufgenommen? Ach Herr! wann kommt die Stund' heran, daß ich in 3ion jauchzen kann? O du heiliger dreieiniger Gott! nimm jeßt meine Seele auf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komme, Herr Jesu! ich warte auf dich, ach! führe mich ein zu deiner Freude. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn! was du hast erldset, Herr Gott heiliger Geist! was du hast geheis liget, das befehle ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sey Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit! Amen. Offenb. Joh. 22, V. 12. Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir. Was hält dich doch zurücke? mein liebster Seelen- Hort! wo sind denn dein: Blicke? wo bleibt dein theures Wort, das Seufzer und Gebete eines Sterbenden. mir und andern Frommen stets in den Ohren schallt, daß du bald wollest kommen? so komm', Herr Jesu! bald! Du Treufter aller Treuen, mein Schat, vergiß mein nicht! laß dich den Bund nicht reuen, den du hast aufgericht't; ich bin ja die Geliebte, nach der dein Blut so wallt; ach! rette die Betrübte, Herr Jesu, komm' doch bald! nun eile mit der Krone, die deine Huld gemacht, befördre mich zum Throne, den du mir zuges dacht; wo frohes Jubelsingen und Jauchzen widerhallt, wo lauter Engel springen; Herr Jesu, komm' doch bald! Ja komm', Herr Jesu! Amen! komm', komm', verzieh' doch nicht, und denk' an deinen Namen, und was dein Wort verspricht; ich seufze, weil ich lebe, und weil die Zunge lallt, bis ich den Geist aufgebe: Herr Jesu, komm' doch bald! 570 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Aus dem Gesang: Wann mein Stündlein vorhanden ist. 1. Wann mein Stündlein vorhanden istAch mein Jesu! das weißt du am besten, mein letztes Sterbftündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum lehre mich, daß mein Leben ein 3iet hat, und ich davon muß. Erhalte mich im Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden, o Jesu! alle meine Hoffnung setze. Uch! in der letzten Lebensstunde bewahre mich vor Anfechtung, laß deine Linke unter meinem Haupte seyn, und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbstündlein durch den Trost des heiligen Geistes, und laß mich hören Freude und Wonne. Bleibe bei mir, wenn mein Ende kommt, Und ich soll fahren meine Straße. Ach ja, mein Jesu! ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du, o Jesu! bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater; wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu dir, meinem Jesu, kommer Seufzer und Gebete eines Sterbenden. foll! da werde ich Friede, Freude, Trost, Bonne, Sonne, ein herrliches Kleid, eine schöne Krone antreffen. O wie wohl wird mir da seyn! da wird all mein Jammer und Elend auf hdren, und ich werde zur Ruhe, zur Freude und zur Seligkeit gelangen. Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sey bei mir, o Jesu! treibe von mir meiner Seele Feinde, schenke mir hingegen des Glaubens Freudigkeit und deines Trofstes Süßigkeit, und damit ich diese Todesfahrt mit Freuden selig antreten und vollbringen mdge, So geleit' du mich, Herr Jesu Christ! Ach ja, o Jesu! begleite mich aus diesem zeitlichen Leben in das ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du, o Jesu! mein Licht bist. Stehe bei mir an meinem Sterbebette, und nimm meine Seele auf, wann sie von dem Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meiner Seele Augen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich bringest zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln, und zu der Schaar der Auserwählten. Ja, begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters, als dein Eigenthum, damit ich daselbst Gnade erlange, und als ein Erbè der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus der Welt stehe bei mir, und Mit Hilf mich nicht verlasse. 571 Ach! es kann mir in meinem Sterbstündlein Niemand helfen, als nur du, o Jesu! allein. Hilf mir, und stårke meinen Glauben, hilf mir, und gib Zeugniß meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sey, und jetzt, als ein Kind Gottes, das ewige Erbe empfangen werde. Ja, verlaß mich nicht, wann ich im Tod erblasse und die Todesfarbe anziehe. Verlaß mich nicht, wann mir die Augen brechen, alsdann sey du und bleibe das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wann mir das Gehdr vergehet, alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wann mir die Sprache vergehet, und ich nicht mehr beten kann, alsdann Senfzer und Gebete eines Sterbenden. bitte für mich, o Jesu! und, o heiliger Geist! bete in mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wann ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude, ach! nimm 572. Meine Seele an meinem leßten End' In deinen Schutz und Gnade auf. Icsu! du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft; ach! wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefäls liges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines natürlichen Lebens, ach! so gib mir ein vernünftiges Ende, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich möge mein Herz, Auge und Gemüth zu dir richten, und beten, so lange die Zunge lallen kann, seufzen, so lange der Athem in mir ist, ja daß ich den Zuspruch der Umstehenden mit Freuden und zu meinem Trost vernehmen kann; gib mir ein fröhliches Ende, wenn es dir gefällt, daß ich möge deiner Gemeinschaft, o Jesu! im Sterben genießen, die Süßigkeit deiner Einwohnung empfinden, und durch den Trost des heiligen Geistes erquicket werden. Gib mir auch ein seliges Ende, daß ich im Glauben sanft und selig einschlafe, und mit dir vereiniget bleibe, vor dem Tode, in dem Tode, und nach dem Tode. Damit das möge geschehen, so übergebe ich dir meine Seele, und Befehl' sie, Herr! in deine Hånd'. O wie wohl wird sie darin verwahret seyn! Siehe, ich habe dir meine Seele alle Tage anbefohlen, so soll auch jetzt dieß mein Gebet seyn: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Mein Jesu! du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blut erldset von der Sünde, von der Gewalt des Teufels, darum befehle ich sie dir, sie ist dein Eigenthum, und soll auch dein bleiben in Ewigkeit. Nimm sie auf zu deiner ewigen Himmelsfreude, zur Bonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl seyn. Deine Hände sind mächtige Hande, Niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, die hat kein Theil an mir, nicht der Satan, den hast du ja überwunden. Deine Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Hände sind treue Hånde, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben seyn, denn 573 Du wirst sie wohl bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an den lieben jüngsten Tag, da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder vereinigen, und sodann Leib und Seele die Himmelsfreude genießen lassen. Indeß, Herr Jesu! erfreue, tröste und erquicke meine Seele in deiner Herrlichkeit. Verleihe mir nach dem Glauben das Schauen, nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elend die Erquickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet hast. 2. Meine Sünd' mich werden krånken sehr Ach ja, mein Jesu! ich denke heute an meine Sünde, ich denke daran, und ist mir herzlich leid, daß ich dich die Zeit meines Lebens, so lange, so oft und so vielfältig erzürnet habe, mit Gedanken, Worten und Werken. Ach! ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erldser und Heiligmacher beteidiget habe, ach! hatte ich es doch nicht gethan! und wenn ich es noch zu thun håtte, so wollte ich es auch nimmermehr vollbringen. Aber, o Jesu! durch dein unschuldig Blut, die schöne rothe Fluth, wasch' ab all' meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde, und ihr'e nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief vera senke. Ach mein Jesu! wenn meine Sünden vor mein Krans kenbette treten, mich ångstigen und verklagen wollen, so tritt, o Jesu! zu meiner Seite, und zeige mir deine heiligen Wunden, und durchstreiche mit deinem heiligen Blute das Sündenregister, und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem heiligen Geist. Nun, dessen tröste ich mich, wenn — Mein Gewissen wird mich) nagen. Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich muß Seufzer und Gebete eines Sterbenden. über meine Sünden ausstehen. O Sünde! wie bitter bist du auf dem Todbette, wie machst du so angst und bange! Aber ach! mein Jesu! ich bitte um Gnade, ach! verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Leben lang wider dich auf Erden habe begangen. O Jesu! um deines vergossenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Uebertretungen, um deiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich. Um deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. Gott! sey mir gnådig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meinen Sünden. So wird mein Gewissen befriediget und mein Herz beruhiget werden. Ach! ich läugne nicht meine Missethaten und Sünden, ich bekenne vor dem allwissenden Gott, daß ihrer gar viel sind. Denn ihrer ist viel wie Sand am Meer. Ist des Sandes am Meer viel, noch viel mehr sind meine Sünden; viel habe ich gesündiget mit Gedanken, viel habe ich gesündiget mit meinen Worten und unnüßen Reden; viel habe ich gesündiget mit meinen Werken und Thaten, von Jugend auf bis auf diese Stunde. So du nun, Herr! willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schåmen; soll ich für ein jegliches unnützes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren! willst du mich richten, und mir geben nach meinen Werken, o! wie wird es mir ergehen? Ach! was soll ich Sünder machen? ach! was soll ich fangen an? mein Gewissen klagt mich an! Doch will ich nicht verzagen. 574 Und warum sollte ich verzagen? der himmlische Vater wird ja sein armes bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen; Jesus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem Himmlischen Vater. Wer will die Auss erwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht; wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben Seufzer und Gebete eines Sterbenden. ist, ja vielmehr der auferwecket ist, welcher sißt zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der heilige Geist wird mein Beistand bleiben, auch in meiner Todesnoth, und mir Zeugniß geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sey, daß meine Sünden mir um Jesu willen sollen vergeben seyn, daß die Barmherzigkeit Gottes mich in die Arme fassen wird. O! darum, so oft mich Satan, meine Sünden und mein Gewissen ångstigen und kränken will, so sollst du, o Jesu! meiner Seele Zuflucht und mein Trost seyn. Gedenken will ich an deinen Tod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o Jesu! am Kreuz, wie du für mich gestorben, wie du für mich dein Blut vergossen hast, und sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trågt. O Lamm Gottes unschuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allezeit gefunden geduldig, wiewohl du warst verachtet, all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarme dich meiner, o Jesu! Dein Tod bringt mir das Leben, weil du für mich gestorben, so soll ich nicht des ewigen Todes sterben und verdammer werden, sondern durch dich das Leben haben. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. So soll nun immer in meinem Herzen seyn Jesu bitteres Leiden und sein vergossenes Blut, ja, Herr Jesu! deine Wunden roth 575 Laß mir jetzt in mein Herz eingeschrieben seyn. Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden, in dieselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie sich fein ein Vdgelein in hohle Bäum' verstecket, wenn's trůb' hergeht, die Luft unftát Menschen und Vieh erschrecket: also, Herr Christ! meine Buflucht ist die Höhle deiner Wunden, wenn Súnd' und Tod mich bracht' in Noth, hab' ich mich drein gefunden. In deine heilige Wunden verberge ich mich, und will darin selig leben und sterben, darin ist meine Seele wohl aufgehoben. Floß Seufzer und Gebete eines Sterbenden. aus deinen heiligen Wunden Wasser und Blut, so ist mir das durch die Reinigung von meinen Sünden und die Versöhnung mit Gott versichert worden. Jesu Blut, Tod und Wunden sollen meine letzten Gedanken, und Jesus, Jesus, Jesus mein letztes Wort seyn. O Jesus Christus, Gottes Sohn! der du für mich so viel gethan, ach! schließ' mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. Ja, Herr Jesu! deine Wunden 576 Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließet man meinen Leib in den Sarg ein, so will ich meine Seele in die Wunden Jesu einschließen. Darin wird sie erhalten werden, da kann sie der Satan nicht rauben, daraus kann sie kein Seelenfeind vertreiben, in diesen Wunden ruhet sie, und wird gebracht zu der Schaar der Frommen. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib. D! welcher große Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich bin ein Glied an deinem heiligen Leibe! In der heiligen Taufe bin ich neu geboren und wiedergeboren worden, da bin ich geworden ein Glied der Christlichen Kirche, deren Haupt Jesus ist; ist aber Jesus mein Haupt, und ich sein Glied, so weiß ich auch, daß ich da seyn werde, wo mein Jesus ist. Jesus aber ist in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen; låsset auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Ja, mein Jesus wird mich auch nach sich ziehen in sein ewiges himmlisches Freudenreich. Er hat verheißen: Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie Alle nach mir ziehen. O Jesu! du bist ja erhöhet zur Rechten deines himmlischen Vaters; ziehe mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude! Ach ja, du wirst mich als dein Kind theilhaftig machen deiner Herrlichkeit. Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Deß tröst' ich mich von Herzen. Ein herrlicher Trost! wenn das Haupt die Krone trägt, so freuen sich alle Glieder, und weil mein Jesus mit Schmuck und Ehren gekrönet ist, so werde ich nach dem Kampf den Sieg auch empfahen, ein herrliches Kleid, und eine schöne Krone von der Hand des Herrn. Das ist ein gewisser Trost; denn weil ich Gottes Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja Gottes Erbe, und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen, und zur Herrlichkeit soll erhoben werden. O! sollte ich denn nicht gern sterben, nicht gern mit leiden und mit dulden, damit ich auch mit herrschen und mit leben moge? Das soll auch mein beståndiger Trost seyn. Jesus, mein Haupt, wird mich, sein Glied, herrlich machen, Jesus, mein Heiland, wird mich selig machen; darum sage ich auch: Mein Jesu! Von dir ich ungeschieden bleib'! Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch Niemand von Jesu trennen; ich bin gewiß daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Hohes noch Liefes mich scheiden soll von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu, unferm Herrn. Ja Nichts, Nichts soll mich von Jesu scheiden. Kein Kreuz und Krankheit, darin will ich beständig aushalten; kein Kampf noch Angst meiner Seele, darin wird mir mein Jesus beistehen und mir überwinden helfen; ja auch der Tod nicht, sondern der wird mir die Thür aufthun, daß ich zu Jesu eingehe. Ich will von Jesu ungeschieden bleiben im Leben, Leiden und Sterben; Leib und Seele mdgen sich scheis den, aber Jesus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; muß ich scheiden aus der Welt und von meinen Freunden, von Jesu aber doch nimmermehr. O Jesu! ich habe dich allezeit in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich im wahren Glauben festhalten, bis du mich bringest zu deiner himmlischen Herrlichkeit. Jesus ist mein, und ich bin meines Jesu allezeit, auch 577 37 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. In Todesnoth und Schmerzen. Ist die Todesnoth eine große Noth, so ist sie mir doch keine Noth, weil Jesus bei mir ist. Ja, mein Jesu! willst du in dieser Noth von mir weichen? o du treuer Seelenfreund! das wirst du nimmer thun. Du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth; so erfülle jetzt auch deine Gnadenverheißung. Ist die Todesnoth die letzte Noth, so wirst du sie, mein Heiland! mit deiner Gegenwart versüßen. Erschein' du mir zum Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ! so milde, dich blutetest zu todt; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken, und will sagen: Herr Jesu! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn; Herr Jesu! dir lebe ich, Herr Jesu! dir sterbe ich, Herr Jesu! dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn 578 Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir. Ja, mein Jesu! ich will gern sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in die Herrlichkeit kommen werde. Ich will im Glauben sterben, und mich auf dein Verdienst, Blut und Tod verlassen. Ich sterbe fröhlich und selig, denn ich sterbe dir, aus Verlangen nach dir, ich sterbe als dein Kind, welches du bisher hast geleitet; ich sterbe als dein Schäflein, welches Niemand aus deiner Hand reißen kann; ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet ist. Denn Ein ewiges Leben hast du mir Ja dort bereitet; denn im Himmel bei dir, in der Freude, wird kein Ach und Weh, keine Krankheit noch Schmerz, kein Leiden und Tod mehr seyn, sondern Freude, Trost, Friede, Erquickung, Süßigkeit, Klarheit und Herrlichkeit, und dieses Leben in Herrlichkeit soll ewig seyn, es soll nimmermehr aufhdren. O Jesu! wie freue ich mich auf dieses Leben, auf diese Herrlichkeit! Habe ich hier gehabt wenig gute Tage, und mein täglich Brod ist gewesen Mühe und Klage, so werde ich hin Seufzer und Gebete eines Sterbenden. gegen in dem Himmel haben lauter gute Tage, Freudentage, Erquickungstage. Da wird alles Trauern und Beinen ewig weg seyn. Da wird mein Heiland abwischen alle Thránen von meinen Augen. O felige Stunde, wann ich zu dieser Freude gelangen werde! und daß ich auch dazu gelangen werde, weiß ich gewiß, denn dieß Freudenleben hast du mir Durch deinen Tod erworben. 579 Du bist, o Lamm Gottes! für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde. Für mich bist du verspottet, gekreuziget und getddtet; dein Tod meinen Tod versüßet, es kommt Alles mir zu gut; dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen; tausend, tauſendmal sey dir, liebster Jesu! Dank dafür. Dein Tod ist auch mir zu gut geschehen, dadurch bin ich mit Gott versöhnet, dadurch habe ich Friede, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und der Seele Seligkeit erlanget. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. D! darum sey getrost, meine Seele, und schaue mit Freuden gen Himmel. Jesus hat dir den Himmel erworben, und dir daſselbst eine Ståtte bereitet. Er spricht: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. O wohlan! habe ich denn hier keine bleibende Stätte, endiget sich mein Leben, bricht mein Herz, scheidet sich Leib und Seele, so weiß ich schon, wohin: zu Jesu, zu Jesu, meinem Heiland. Denn ich weiß, wann dieses Haus meiner irdischen Hütte des Leibes durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbauet, ein Haus, das nicht mit Hånden gemacht ist, das ewig ist, im Himmel, und dieses hat mir mein Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Ted erstanden bist, Ist es ein herrlicher Trost, den mir Gottes Wort gibt: wenn ich schon sterbe, soll ich doch wieder auferstehen. Objchon mein Leib wird schwach und matt in die Erde geleget, ob er gleich darin wird zu Staub und Asche werden, so wird er doch nicht 37* Seufzer und Gebete eines Sterbenden. im Grabe bleiben, sondern herrlich wieder auferstehen; er soll leuchten wie die Sonne, in des Vaters Reich, er soll verklåret, verherrlichet und mit weißen Kleidern angethan werden. Ist das nicht ein großer Trost für mich? und der entsteht daher, weil mein Jesus vom Tode auferstanden ist. Er ist für mich am Stamm des Kreuzes gestorben, als das unschuldige Lamm Gottes, er ist auch begraben worden, er ist aber wiederum siegreich am dritten Tage auferstanden; Jesus ist erstanden, ich werde auch auferstehen; Jesus lebet, ich soll auch leben. Freude! o Trost! sterbe ich gleich, und mein Leib wird in die Erde geleget, er soll wiederum hervorkommen, mit Unsterblichkeit und Herrlichkeit angethan. Jesus ist nicht im Grabe geblieben, so auch Werd' ich im Grab nicht bleiben. 580 Jesus wird mir mein Leben wiedergeben, und auch meine Glieder, Leib und Seele, die durch den Tod getrennet waren, werden in der seligen Auferstehung wieder vereiniget werden. O! darum leget meinen Leib nur hin in das Grab, ich bleibe doch nicht darin, da ist meine Schlafkammer, da will ich sanft schlafen, bis mich Jesus wird erwecken. Da ist mein Ruhebette, nach so vielem Wachen, schweren Leiden, Schmerzen und Ungenach werde ich nun zur Ruhe kommen. In meinem Grab decket Jesus mich mit seinen Gnadenflügeln, er bewahret meine Gebeine, bis er sie wird wieder vereinigen, mir meis ner Augen Licht, Haupt und Hände, ja alle Glieder wiedergeben. So wenig das Grab meinen Jesum hat halten können, so wenig wird es mich auch halten, wann die letzte Posaune erklingt, welche auch durch die Gråber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, dieweil mein Leib da ruhet von aller Sorge, von aller Arbeit, von allen Schmerzen, und meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott erquicket und getröstet werden. Ja, mein Heiland! nicht allein erfreuet mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch Mein höchster Trost deine Auffahrt ist. Als Jesus von den Todten erstanden war, so fuhr er auf Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 581 gen Himmel, und ging ein in seine Herrlichkeit. Siehe, mein Jesus ist vorangegangen, ich folge nach, ich werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem Herrn in den Wolken entgegengerůcket werden, da dann Leib und Seele mit einander sollen zu ihres Herrn Freude eingehen. Ach mein Jesu! stelle mir diese herrliche Himmelfahrt fleißig vor, daß ich mich deren möge bei meinem Absterben getrdsten; da erinnere mich, daß ich nicht kann gen Himmel fahren, ehe ich dieß Sterbliche abgelegt habe und entkleidet worden bin. Das soll nun auch mein höchster und lieblichster Trost in meinem Sterben bleiben: Jesus lebt, ich werde auch leben; Jesus ist gen Himmel gefahren, ich werde ihm auch nachfahren; Jesus ist in die Herrlichkeit eingegangen, und ich werde auch bei meinem Eingang in den Himmel derselben theilhaftig werden; was kann mir denn nun süßer und angenehmer seyn, als meines Jesu und meine zukünftige Himmelfahrt? Todesfurcht kann sie vertreiben. Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor, denn meine Seele gehet aus der irdischen, zerbrechlichen Hütte, und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut, zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu Jesu, meiner Seele Brautigăm; sollte ich mich da denn fürchten? Ich gelange zur Herrlichkeit, zum ewigen Licht, zur ewigen Freude, zur Krone und zum weißen Kleid; das macht mir aber keine Furcht, sondern Trost und Freude. Ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur, meine Seele verlieret ihr Kreuz, und erlanget die himmlischen Güter, sie verlåsset die Menschen, und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja, mein Jesu! was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinis gung mit dir; Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Denn wo du bist, da komm' ich hin. D! welcher Trost ist das; nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich gen Himmel fahren, und bei meinem Jesu in seiner Herrlichkeit seyn: das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem Herrn. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch seyn. O! welche Freude wird das seyn, wenn mich Jesus in seine Arme fassen und zu der Herrlichkeit einführen wird. O mein Heiland! wann kommt denn die Stunde der feligen Vereinigung und Heimführung? Nicht allein hast du mich von der Verdammniß und aus der Hölle Rachen befreiet, nicht allein hast du der Seele Seligkeit mir erworben, nicht allein bist du vorangegangen, und hast mir die Ståtte bereitet, sondern du willst mich auch zu dir aufnehmen, wie du allen deinen Kindern verheißest: Ich will euch zu mir nchmen, auf daß ihr seyd, wo ich bin. O wohlan, so bin ich wohl, wenn ich bin, wo Jesus ist, und dieses dient zu meinem Trost, 582 SEXT Daß ich stets bei dir leb' und bin. Darum wird er mich zu sich nehmen, daß ich bei ihm leben soll in ewiger Freude, daß ich genießen soll der himmlischen Herrlichkeit; nun soll ich meines himmlischen Vaters Wohnung ererben, aller himmlischen Güter theilhaftig werden, nun hat meine Wallfahrt ein Ende, und ich bin daheim. Ja, auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen und sein Untlig schauen, welches Anschauen die allerunaussprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben, und durch ihn ewiglich erquicket werden, und weil ich davon überzeugt bin, Drum fahr' ich hin mit Freuden. Warum wollte ich nicht mit Freuden sterben? Mit Fried' und Freud' ich fahr' dahin, nach Gottes Willen, getrost ist mit mein Herz und Sinn, sanft und stille, wie Gott mir verheißen hat, der Tod ist mein Schlaf worden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sünden um Jesu Blutes und Todes Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 583 willen vergeben sind. Ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferwecket werden. Ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten, und zu meinem Jesu kommen; darum mit Freuden fahr' ich von dannen, zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme, und ewig bei ihm sey. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus dem Jammerthal in den Freudensaal; denn aus Trůbsal und großem Leid soll ich fahren in die Freud', die kein Ohr je hat gehöret, die in Ewigkeit auch währet. 5. So fahr' ich hin zu Jesu Christ. Spricht mein Heiland: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu euerm Vater, zu meinem Gott und zu euerm Gott; so spreche ich auch in meinem Sterben: Ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himmlischen Bater, zu meinem Jesu, zu dem heiligen Geist, und also zu dem dreieinigen Gott, zu meinem Imanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja zu meinem Erldser fahre ich erldsete Secle hin. 3u meinem Seligmacher fahre ich, der wird mich in den Himmel führen, und als eine durch sein Blut gereinigte Seele zu Gnaden annehmen. Und ach! wie verlanget mich, Jesum zu sehen in seiner Herrlichkeit; Jesum, den ich nie gesehen, und doch lieb habe, zu umfassen. Darum Meine Arme thu' ich ausstrecken. Ich strecke meine Arme aus nach meinem Jefu, ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten, und nimmermehr zu lassen. Ich umfasse Jesum schon im Glauben, ich halte ihn, ich lasse ihn nicht, bis er mich führet in seines Vaters Haus, zur Seligkeit. Ich strecke meine Arme aus, und rufe: Ja, tomme, Herr Jesu! Ich erinnere mich anjetzt, wie mein Jesus am Stamm des Kreuzes seine beiden Arme ausgestrecket hat, und also gestorben ist, als ob er mich umarmen wollte; so Seufzer und Gebete eines Sterbenden. will ich jetzt auch sterben, mit ausgebreiteten Armen Jesum zu umfassen. O mein Seelenbräutigam! umfasse mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O! welcher selige Eintritt wird das seyn, wann ich werde also von Jesu begleitet und geführet in den Himmel eingehen! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben; denn wann ich sterbe, 584 So schlaf' ich ein, und ruhe fein. Wenn ich in den Armen Jesu ruhe, so schlafe ich sanft. Jesus in meinem Herzen, Jesus in meinem Sinn, in Gottes Namen schlafe ich ein. O Jesu! mache mir mein letztes Ende und weinen Tod zu einem süßen und sanften Schlaf, daß ich sanft und still im Glauben und in deiner Liebe verscheide. Laß auch meinen Leib in der kühlen Erde sanft schlafen, bis an den lieben jüngsten Tag. Schläft nun mein Leib, so ruhet auch die Seele in der ewigen Freude und Seligkeit. O! eine süße Ruhe, die Niemand verstdren kann. Ich ruhe von meinem Kreuz, ich ruhe von allem Jammer, von Trauern und Betrübniß, ich ruhe von allen Schmerzen. O eine selige, himmlische und stolze Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte ich denn nicht sanft schlafen und ruhen in den Armen meines Jesu? daraus Kein Mensch wird mich auferwecken. Todte erwecken, ist ein Werk Gottes, darum auch kein Mensch für sich selbst die Kraft hat, Todte zu erwecken. Aber du, mein Jesu! du bist ein wahrer Gott, die Todten aus den Gråbern herauszurufen; denn deine Stimme wird durch die Erde in die Gråber dringen, und die Todten werden auferstehen. O Jesu! so erwecke denn meinen Leib am frohen jungsten Tage zum ewigen Leben, damit der Leib, der dir hier gedienet, auch mdge verherrlichet werden. Ich weiß, daß mein ErIdser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken, und ich werde mit dieser meiner Haut umgeben werden, und 585 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. werde in meinem Fleische Gott sehen; meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland thun; Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Also lege ich nochmals vor meinem Tode mein Glaubensbekenntniß von Jesu ab. Er ist Jesus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er ist auch Christus, der verheißene Gesalbte; ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja Gott selbst. Auf diesen Jesum Christum will ich jetzt frdhlich und selig sterben; das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht mich rein von allen Sünden. Nun derselbe 1 Wird mir die Himmelsthür aufthun. Ach mein Jesu! wenn meine Lebensthür sich schließet, so thue mir auf die Himmelsthür. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht, ich habe auch durch den Glauben in der Lebens- Heiligkeit nach dem Himmel getrachtet; darum, o Jesu! thu' mir die Himmelsthür weit auf, wenn ich beschließ' meinen Lebenslauf. O Jesu! öffne mir die Himmelsthår, und sprich: Ei! du fromme und getreue Seele, gehe ein zu deines Herrn Freude. Komme her, du gefegnete, ererbe das Reich, das dir bereitet ist von Unbeginn der Welt. O! wie selig werde ich seyn, wenn du wirst mit solchen süßen Worten Mich führen zum ewigen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führet, so führe mich, o Jesu! in das ewige Leben, zum Leben, das nies mals aufhdret, zur Herrlichkeit, die du mir hast erworben, zur Freude, die in Ewigkeit soll währen; so sterbe ich fröhlich. Nun bin ich bei Jefu, er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben versetzet in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich von dem Glauben zum Schauen gelanget. Meinen lieben Gott von Angesicht werd' ich anschauen, bran zweifle 586 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. ich nicht, in ewiger Freud' und Herrlichkeit, die mir bereit; dir sey Lob, Preis in Ewigkeit! Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. Haltet im Gedächtniß Jesum Christum, gedenket an sein bitter Leiden und Sterben. Trdstet euch der Liebe des himmlischen Vaters, der euch in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen, und euch jetzt als ein Kind in die ewige Herrlichkeit will aufnehmen. Trdstet euch der blutigen Wunden Jesu Christi, die er sich auch für eure Sünden hat schlagen lassen. Trdstet euch seines heiligen Blutes, das er auch für eure Sünden vergossen. Tröstet euch des Beistandes des heiligen Geistes, der euch geheiliget hat. Auf diesen dreieinigen Gott lebet und sterbet selig. Amen. Segenswunsch über einen Sterbenden. Fahre hin, du durch Jesum Christum theuer erkaufte Seele! Fahre hin zu deinem lieben Gott und Vater in Jesu Christo, der dich geschaffen und geliebet hat, den du kindlich gefürchtet, und dem du vertrauet hast. Fahre hin zu dem Herrn Jesu, deinem theuersten und treuesten Hirten und Erldser, der dich als sein Schäflein mit seinem Blut erkauft, an welchen du dich im Glauben gehalten hast. Fahre hin zu dem Tröster, dem heiligen Geist, der dich geheiliget und zu seinem Tempel und Wohnung erkoren hat. Fahre hin aus der Eitelkeit in die Ewigkeit. Fahre hin aus dieser Pilgrimschaft ins himmlische Vaterland. Fahre hin aus dem Leid in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen Gott; der segne deinen Ausgang und Eingang, und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin, und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Unbeginn der Welt. Der Herr segne dich, und behûte dich; der Herr erleuchte sein Angesicht über dir, und sen dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden! Amen. Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden. 587 Gebet der Umstehenden, wann der Sterbende verschieden. O du heiliger und gerechter Gott! so hat es dir gefallen, diesen vor unsern Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach! laß uns an diesem Tode lernen, daß wir auch einmal also sterben und die Welt verlassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Eitelkeiten und Sünden der Welt dazu bereiten mögen. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude, und er fülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Gldubigen in deinem heiligen Wort gethan; dem Leibe gönne in der Erde eine sanfte und füße Ruhe, bis an den lieben jüngsten Tag, da du alsdann Leib und Seele wiederum vereinigen und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der hier gedienet, dort mdge mit himmlischer Freude erfüllet werden. Troste auch die durch diesen Tod Betrübten, und sey und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand. Verlaß sie nicht, und thue nicht von ihnen die Hand ab, sondern laß sie deiner Güte, Gnade, Liebe, und Hülfe reichlich genießen, bis du sie auch wirst dermaleinst fröhlich und selig sterben lassen. Ach! erhére uns um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. are Cum nos 202 Des täglichen Handbuchs fünfter Abschnitt. Gebete bei besondern Gelegenheiten. Der gläubige Christ lobet Gott an dem wiederum erlebten Geburtstag. Auf mun ter un g. Psalm 116, V. 12. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir thut? Geburtstage, an welchen wir das Licht dieser Welt erblicket, sollen billig Lob- und Danktage seyn, welche wir mit Singen und Beten, mit innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen, sonderlich wenn wir erwägen die großen und vielen Wohlthaten, welche wir Zeit Lebens, bis hieher, von der treuen Hand Gottes empfangen haben, daß er uns in der Kindheit, in der Jugend, bis auf dieſe Stunde auf den Armen getragen hat. Allein daran denken die wenigsten Menschen. Arme und Geringe achten den Tag nicht viel. An Höfen wird zwar des Tages gedacht, und er wird gefeiert, aber wie? Mit kostbaren Mahlzeiten, mit Tanzen und Springen, welches wohl kein Lob- und Danktag, noch ein Gott wohlgefälliger Tag kann genennet werden. Der gläubige Christ lobet Gott an dem Geburtstage. 589 Wahre Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Gute, 1) daß er sie von christlichen Eltern hat lassen geboren werden, welche sie zur Erkenntniß des Heils in Jesu Christo gebracht haben; 2) daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben, welches eine große, aber unerkannte Wohlthat Gottes ist; 3) daß er sie vor Unglück bewahret, aus Gefahr errettet, und bis hieher erhalten hat. Sie bitten Gott zugleich 4) demüthig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in kindlichem Gehorsam und Frömmigkeit hinzubringen. Sie trösten sich auch, 5) wenn sie also im Glauben und in der Liebe verharren, daß Gott ferner seine Gnadenflügel über sie ausbreiten werde. Sie erinnern sich endlich, 6) daß dieses wohl die legte Feier des Geburtstags auf Erden könne gewesen seyn. Gebe t.. Ewiger, gütiger und barmherziger Gott! ich habe heute durch deine Gnade wiederum meinen Geburtstag erlebet, an welchem du mich nicht allein an das Tageslicht gebracht, sondern auch nachher durch die heilige Taufe zu deinem Kinde auf- und angenommen hast. Durch die erstere Wohlthat bin ich ein Mensch und dein Geschöpf, durch die andere aber bin ich dein Kind und dein Erbe geworden. Darum Der gläubige Christ lobet Gott soll dieser Tag mein Lob-, Bet- und Danktag seyn. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Scele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir den Hern, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott! daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, mit wohlgestaltetem Leibe, welches eine große Wohlthat ist, sondern auch von christlichen Eltern haft lafsen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß, o dreieiniger Gott! von Jugend auf angeführet haben? Håttest du mich von Juden, Türken und Heiden lassen entsprießen, so wäre ich vielleicht so blind und so verstockt, wie sie. Nun aber kenne ich dich, und liebe dich, und habe in dir der Seele Leben und Seligkeit. Bin ich denn nun in deinen Armen auferzogen worden, so hast du mich in den folgenden Jahren geleitet, begleitet, haft mir Nahrung und Kleidung gegeben, und mich bis diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach mein Gott! ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Kommt her, höret zu, ich will erzählen, was der Herr an meinem Leibe und an meiner Secle gethan hat. Aber ach! ich kann es nicht 590 an dem wiederum erlebten Geburtstage. 591 Alles erzählen; es möchte eher Jemand die Sterne am Himmel zählen, als die Gnadengaben, die ich von dir, Herr! empfangen habe. Aus wie viel Gefahren hast du mich errettet! wie viel Unglück hast du von mir abgewendet! Dein Geist hat mich gelehret, regieret, geführet, und wann ich fündigen wollte, mich innerlich bestrafet und zurückgezogen. Werden nun meiner Jahre viele, mein Gott! find deiner Wohlthaten viele, so gedenke ich heute auch an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach! verzeihe mir dieselben um Jesu willen, tilge sie mit seinem heiligen Blute, und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir auf deinem Buch angeschrieben hast, in wahrer Gottesfurcht und Frommigkeit hinbringen möge, auf daß dir all mein Thun und Leben wohlgefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel gesehet hast, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht selbst abkürze durch Horn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Frevelthaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schuh glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergång Der gläubige Christ lobet Gott liche das ewige und himmlische Leben um Jesu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Lob und Dank feiern, und singe jegt: Nun lob', mein' Seel'! den Herren, was in mir ist, den Namen sein; sein' Wohlthat thut er mehren, vergiß es nicht, o Herze mein! hat dir deine Sünde vergeben, und heilet deine Schwachheit groß, errettet dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schooß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der König schafft Recht, behütet, die leiden in seinem Reich. Amen. 502 Lob- und Danklied am Geburtstage. Mel. O Gott, du frommer Gott! 2c. 1. Dieß ist der liebe Tag, Den hat mir Gott geschenket, Daran mein froher Geist Mit tausend Lust gedenket, Was seine Treu' und Güt' Bisher an mir gethan, Drum stimm' ich ihm zu Lob Ein Herzens- Danklied an. 2. Dieß ist der Tag, da ich Bin in die Welt gekommen, Und bin in meiner Tauf zu Gnaden angenommen, Da mich mein Jesus hat Durch sein Blut rein gemacht, und mich zu seinem Licht Durch seinen Geist gebracht. 3. Ich habe klein und arm Das Sonnenlicht erblicket, Ganz nackend, ohne Kleid; Doch Gott hat schön geschmücket Den Leib und auch die Seel'. Ich habe Nichts von mir, Was ich nun bin und hab', Das kommt allein von dir. 4. Du reicher, guter Gott! O wie viel Gnadengaben Haft du mir mitgetheilt, Die mich erfreuet haben; Gesundheit, Glück und Heil, Des heil'gen Geistes Licht, Ergötzt mich alle Tag'; Uch! ich weiß Alles nicht. an dem wiederum erlebten Geburtstag. 5. Ja, ich weiß Alles nicht, Mir wird's an Worten fehlen, Wenn ich der Gnaden Füll' Und Menge wollt' erzählen. Drum sprech' ich: Ruhm und Preis Sey Gott, auch Dank und Ehr'; Der Wohlthat ist viel mehr, Als Sandes an dem Meer. 593 6. Auf! jauchze heut' mein Herz, Laß auch die Stimm' erklingen, Ich will dir, treuer Gott! Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt, Und meinen Geist erquickt, Und mich bis diese Stund' Mit seinen Gaben schmückt. 7. Du wollest auch zugleich, O Vater! mir vergeben, Womit ich dich betrübt In meinem ganzen Leben; Ldsch' aus mit Christi Blut Die Schuld und Missethat, Womit dich Herz und Mund Und That erzirnet hat 8. Ich will durch deine Hand Hinfort nicht von dir weichen. Laß mich des Lebens Ziel In dieser Welt erreichen, Das du bestimmet hast, Daß ich in Frdmmigkeit Hinbringe, dir zum Preis, Die ganze Lebenszeit. 9. Das Ende meiner Tag' Verbleibet mir verborgen, Drum will ich allermeist Für meine Seele sorgen. Mein Herze liebet dich Bis an das Lebensziel; Es mdgen meiner Jahr' Seyn wenig oder viel'. 10. Indessen leg' ich mich In meines Jesu Wunden, Ich hab' in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; Das theure Jesusblut Macht mich von Sünden rein, Ich bleibe, weil ich leb', Und auch im Tode sein. 11. So oft ich diesen Tag Werd' wiederum erleben, So will ich Herz und Mund Zu dir, o Gott! erheben. So fang' ich jedes Jahr Als neu geboren an. Ach! es ist lauter Gnad', Was du an mir gethan. 12. Ich feire diesen Tag Mit innigstem Bergnügen, Und will vor deinem Thron Gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, Ein jedes Trdpflein Blut Soll rühmen, was an mir Dein treues Lieben thut. 13. Nun, ich befehle dir, Bis an mein letztes Ende, Mein'n Leib und meine Seel' In deine Vaterhånde. Bleib' doch mein 38 Der andächtige Christ danket Gott Lebenslicht, Mein Trdster, Helfer, Stab, Bis ich in dir, durch dich Den Lauf vollendet hab'. 14. Und weil ich weiß, daß ich nicht werde ewig leben, So wollest du aus Gnad' Den Himmel mir dort geben; So bin ich reich genug, und glücklich g'nug auf Erd', Wenn ich bei dir, o Gott! Im Himmel leben werd'. 594 Der andachtige Chrift danket Gott nach eingesammelter Ernte. Aufmunterung. of. 2, B. 8. 9. 5 Sie will nicht wissen, daß ich's sey, der ihr gibt Korn, Most und Del, uud ihr viel Gold und Silber gegeben habe, das sie haben dem Baal zu Ehren gebracht. Darum will ich mein Korn und Most wieder zu mir nehmen zu feiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Schaam bedeckt. Ist eine in aller Menschen Augen fallende herrliche und große Wohlthat zu finden, so ist es unstreitig die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat des Winters in der Erde bewahret, in den Sommertagen sie låsset blühen, wachsen und Frucht bringen; wenn er Hagel, Wetterschläge und Sturmwinde abwendet, und durch seinen Segen Scheuern und Keller füllet. Aber ist auch eine vor der Welt geringe und verachtete Wohlthat, dafür man Gott am wenigsten danket, so ist es eben diese Ernte; denn da meinen die undankbaren Menschen, es mußte so seyn, es müßte nach dem Lauf der Natur Alles wachsen, dabei habe Gott Nichts gethan; deßwegen der erzürnte Gott oftmals aus gerechtem Gerichte 595 nach eingesammelter Ernte. låsset Mißwachs entstehen, damit Jedermann erkenne, daß das Land Nichts geben könne, wenn der Herr nicht gibt, und daß Nichts wachsen könne ohne seinen Segen. Ein glaubiger Christ ist anders gesinnet. Wenn er die vollen Aehren in der Ernte und die mit Trauben beschütteten Weinstöcke erblicket, so hebet er 1) seine Augen auf gen Himmel, und preiset den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, als der aus einem Korn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köstliche Frucht hervorbringet. Er rühmet 2) die göttliche Fürsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spatregen zu seiner Zeit gegeben, Donnerwetter, Durre, Hagelsteine und Ueberschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Ernte behütet hat. Wenn er nun die Zeit erlebet, daß die scharfe Sichel das Korn niederleget, wenn er es siehet in die Scheunen fahren, wenn er siehet in der Kelter die Trauben zerquetschen, so nimmt er 3) alle diese Gaben mit gerührtem Herzen und dankbaren Händen an. Er gebraucht auch dieselben 4) und nimmt sie zu sich mit Danksagung. Er erkennet, daß Gott ihn nähre, versorge, erhalte. Ja er låsset sich 5) durch Gottes Gute zur Buße leiten. Danket man einem Wohlthåter, und erzürnet ihn nicht, der uns ctwa ein Kleid, oder Etwas zu unserm 38* Der andächtige Christ danket Gott Unterhalt gibt, warum soll man den größten Wohlthäter nicht loben, der uns Alles gibt? 596 Dnd din Ge bet. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Also spreche ich, mein Gott! da ich wiederum die gesegnete Erntezeit erlebet habe. O du gnadenreicher Gott, wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest! Du hast das Erdreich gegründet auf seinen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schäße geleget, dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unserer Lebensunterhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Sonderlich hast du, o liebreicher Vater! dieses Jahr gekrönet mit deinem Gut, deine Fußstapfen triefen noch vom Fett, du haft gefeuchtet die Berge von oben her, du hast das Land voll Früchte gemacht, die du schaffest. Du hast lassen Gras wachsen für das Vieh, und Saat zum Nuß der Menschen, daß du Brod aus der Erde bringest. Ach treuer Bater! du hast dieses Jahr wiederum uns, deinen, wiewohl undankbaren Kindern Speise und Trank geschenket, du haft unsere Ernte behütet, der Himmel hat die Erde erhöret, und die Erde hat Korn und Most getragen; du hast uns gegeben Frühregen und Spatregen zu rechter Zeit, daher haben unsere Felder geblühet, und den von nach eingesammelter Ernte. dir aus ihnen uns entspringenden Segen dargereichet. Unsere Båume haben allerlei schöne und liebliche Früchte durch deine Gnade gegeben, und der Weinstock hat uns erfreuet. Liebreicher Gott und Vater! du hast das Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedecket, du hast die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß Alles zur Zeitigung ist gekommen, du haft Alles bewahret vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Ueberschwemmung; wann wir schliefen, so wachtest du, du warst unserer Felder Hüter und Schußherr. Herr! deine Werke sind groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Creaturen, Menschen und Vieh, warten auf dich, daß du ihnen gebest Speise zu seiner Zeit; wann du ihnen gibst, so sammeln sie, und wann du deine Hand aufthust, so werden sie mit Gütern gesättiget. Ja, wohl hast du, o reicher Gott! uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet. Nun, dafür danken wir dir von Grund unserer Seele. Kommet, lasset uns beten und knieen und niederfallen, lasset uns mit Danken kommen in sein Haus, und mit Frohlokken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan, ja, der Herr hat Großes an uns gethan, deß sind wir fröhlich. Uch Herr! Herr! laß uns diese deine verliehenen Gaben und 597 Der andächtige Chrift danket Gott Wohlthaten nicht. mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue erkennen. Ach Gott! wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, ach! so entziehe uns deßwegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Bater! der du uns je und je geliebet, und auch durch diese leiblichen Wohlthaten zu dir ziehest, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem herrlichen Geschenk den Wohlthäter erkennen sollen, hilf, daß uns deine Gute möge zur Buße leiten, daß wir, wann wir deine Gaben auf dem Tische vor uns sehen, in den Händen haben und in den Mund nehmen, allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir, o du Brunnquell alles Segens! Und wie du durch diese Gaben unsern Leib erhältst, ach! so laß uns auch an dem inwendigen Menschen, an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen, und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir dermaleinst zum Genuß der himmlischen Güter in dem ewigen Leben durch Jesum Christum werden aufgenommen werden. Gottes Brünnlein hat getrånket und gefeuchtet unser Land, was geschadet und gekrånket, hat Gott måchtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnen598 599 nach eingesammelter Ernte. schein haben müssen kräftig seyn, daß die Erde Frucht gegeben, zu erhalten unser Leben. Weil denn, eh' wir es vermeinen, auch die Ernte dieser Welt endlich wird gewiß erscheinen, da zu schicken hat bestellt Jesus seine Engelein, ei! so laß uns Waizen seyn, den sie bei viel Jubiliren zu des Himmels Freude führen. Amen. Gefang. Mel. Nun lob' mein' Seel' den Herren. 1. Sich'! es ist Gottes Segen Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deßwegen Auf Gottes Lob nicht seyn bedacht? Gott hat das Jahr gesegnet Mit seinem großen Gut, Und auf uns ist geregnet Des Segens reiche Fluth; Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben Aus seiner Baterhand! 2. Die Felder, Gårten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut; O Schdpfer! sey gepriesen, Du, du hast sie so schôn gebaut; Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns verehret In Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, große Gottesgnad'! Jst ihr'r viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt, das Vich zugleich, Kann nun gespeiset werden, So ist von Segen Alles reich; Des weisen Schöpfers Güte Gibt jedem seine Speis, Darum soll das Gemüthe Ausbreiten Gottes Preis; So vielen Creaturen Zu schaffen Unterhalt, Das sind wahrhafte Spuren Der göttlichen Gewalt. 4. Ach! laßt uns diesen Segen Und das von Gott ge= schenkte Gut In Undank nicht anlegen, Zur Wollust, Sanfen, Uebermuth; Gott kann ihn wieder nehmen Durch Fluch und bdse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Hånden, und bleibe noch darein, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig seyn. 600 Der andächtige Chrift danket Gott nach eingesammelter Ernte. 5. Drum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir sind beschenkt; Gleich wie sich zu der Erden Das Haupt der vollen Nehren senkt, So lasset uns in Stille, In Demuth, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle In dieser Gnadenzeit. Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund Die große Gnad' erheben Zu jeder Zeit und Stund'. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben Die Gläubigen in Ewigkeit, Was in dem Freudenleben Für reichen Ueberfluß Uns Gott wird ewig geben 3um seligen Genuß; Das lasset uns erwågen Hinfüro spåt und früh, Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh'. Ein Anderes.. Mel. Zieh' ein zu deinen Thoren. 1. Die Ernt' ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht, Wir können Alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht; Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret, Hat wiederum bescheret, Was uns dies Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: Das hat Gott gethan! Ein Jeder schau' darunter Die schönen Gaben an, Und laßt uns fröhlich seyn; Ja, lobt den, der uns liebet, Und sammelt, was er giebet, Mit Herzensfreuden ein. 3. Der Himmel hat erhdret Die Erd' zu seiner Zeit, Kein Unglück hat gestdret Des Feldes Fruchtbarkeit; Der Regen macht' es weich, Die Sonnenwärme spielte, Des Höchsten Hand erhielte, Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Creaturen ist nun gewachsen Speis; Der weiſe Schöpfer hat Der Creatur das Leben Und auch die Speif gegeben Aus lauter Lieb' und Gnad'. 5. Wie fromme Våter pflegen, Für's Haus besorgt zu seyn, So hast du auch den Segen Gelegt in Zukunft ein; Du bist die reiche Quell', Daraus viel Gaben fließen, und welche sich ergießen Auf unser Leib und Seel'. 6. Doch wenn wir dich verlassen, und, wenn wir haben Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 601 satt, Mit diesen Gaben praffen, Die man in Hånden hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrath zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllest uns die Hånde, O Gott! mit Ueberfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt, Und daß wir in dem Essen Des Gebers nicht vergessen, Der Alles reichlich gibt. 8. Gleichwie die Sichel fållet Der hohen Aehren Pracht, Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nehmt ein Beispiel ab: Es wird der Tod uns fållen, Und einstens zugesellen Den Stillen in dem Grab, 9. Ach! zieh' uns von der Erden Durch diese Gab' zu dir, Auf daß wir himmlisch werden Und bleiben für und für; So danken wir dir heut' Für das, was wir empfangen, Und was noch zu erlangen, Erwarten wir mit Freud'. Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. Aufmunterung. Psalm 18, V. 12. 13. 14. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze, dicke Wolken, darin er verborgen war. Bom Glanz von ihm trenneten sich die Wolken mit Hagel und Blizen. Und der Herr donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus, mit Hagel und Bligen. Zu den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose Weltkinder pflegen geschreckt und zum Gebet erweckt zu werden, gehören auch Gewitter, wenn Gott ein schweres, mit Donner und Blizen vermischtes Ungewitter aufsteigen låsset; denn da will der freche Mund sogleich beten, nicht aus Liebe zu Gott, denn warum bat er es vorher nicht gethan? sondern aus 602 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. Furcht vor der Strafe. Gläubige Christen erkennen zwar 1) daß Donner und Blig von natürlichen Ursachen entstehen, aber auch 2) daß dieselben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Creaturen wider die bosen Menschen waffnen kann, also ist's ihm auch leicht, durch den Donner Menschen und Vieh zu schlagen, und durch sein Blißen Hauser, Flecken und Städte anzuzünden. Daher sollen 3) fromme Christen von dem gräulichen Fluch, da man mit Wetter und Donner fluchet, sich enthalten; hingegen 4) bei entsteHendem Gewitter nicht kleinmüthig werden, erschrecken und vor Angst verzagen wollen, welches ein Zeichen eines schlechten Vertrauens zu Gott ist; sondern 5) sich erinnern, daß Gott den Blizz und Donner in seinen Hånden hat, und daß er sie wohl' werde schüßen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wåren. 6) Sie sollen sich aber alsdann desto mehr mit Gebet zu Gott wenden, und daraus ihr nichts und Gottes Alles erkennen, wie Gott ein måchtiger Gott sey, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verderben könnte, und demnach 7) sich vor dem majeståtischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein wenn es donnert, sondern auch wenn die Sonne scheinet, und sich hüten, ihn mit Worten und Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 603 Werken zu beleidigen, sonderlich aber also leben, daß man eines gnädigen Gottes sich versichern könne zu allen Zeiten, und auch wenn er uns wollte in einem Wetter von der Welt nehmen. Gebet. O du starker und allmächtiger Gott! ich höre deine Stimme in den Wolken, ich sehe deine Blige leuchten, und vernehme, wie dein Donner brüllet und schläget. Stark ist dein Arm, und groß ist deine Gewalt, und wenn du wolltest, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick, fammt allen Creaturen zu Boden schlagen. Aber, ach Herr! Herr! gedenke an deine Barmherzigkeit und Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Üebertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ach! strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demuth meines Herzens, daß ich wohl verdienet håtte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verdürbest und zerschmettertest. Aber ach! du langmüthiger Gott! verschone meiner bei diesem Gewitter. Gott! sey mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; ach! es reuet mich, und ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidiget, 604 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnet habe; ach! ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Uebertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater! daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Nöthen und Alengsten anders hin, als zu ihrem Vater? Darum komme ich auch zu dir, o mein Vater! und bitte dich, sey mir, deinem Kinde, gnådig! Ach Bater! schüße mich, bedecke mich, bewahre mich; unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, verbirg mich heimlich in deinem Gezelt, stelle deiner Engel Wacht um mich her, daß mich kein Unglück rühre, kein Strahl verleße, und kein Schlag treffc. Ach Herr Jesu, du Sohn Gottes! mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland, sey nicht fern von mir, denn Angst ist nahe; ach! eile zu mir, sey mir ein starker Schuß, verlaß mich nicht, und thue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Siehe, ich stehe von allen Creaturen und Menschen verlassen, aber ach! verlaß du mich nicht, erbarme dich mein, und errctte mich. Ich halte mich an dich, o Jesu! ich verberge mich in deine heiligen Wunden, ich schreie mit den Jüngern: Herr! hilf uns, wir verderben. D du werther heiliger Geist! erwecke mein Herz zu Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Gewitter möge erwecket und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich hin Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 605 fort Acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägest, daß ich Buße thun, mich bekehren und von allen Sünden ablassen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in ihren sündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleich stelle. O du heilige Dreieinigkeit! erbarme dich über mich und alle fromme Christen, bedecke mit deiner allmächtigen Hand meinen Leib und mein Leben, mein Haus und Hof, bewahre die Früchte auf dem Felde, laß den Blig nicht mein Haus anzünden, oder deine Donnerschläge mich verlegen; sey du mein Beistand in der Noth, denn Menschenhülfe ist kein Nüge. Uch du måchtiger Schuhherr deiner Kinder! schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schuß und Schirm sicher wohnen. Von deinem Conner regen sich die Berge, und die Erde erzittert: wie sollte ich armer Erdenwurm denn nicht vor dir erbeben? Laß mich daraus erkennen die Vergånglichkeit der Welt, wie Alles, was wir sehen, dereinst im Feuer vergehen wird, damit ich mich in Fleischeslust, Augenluft und hoffärtiges Leben nicht möge verlieben, und dich damit zum Zorn reizen. Ach Herr! bewahre mich vor einem bösen schnellen Tod, laß dieses Gewitter glücklich und ohne Schaden vorübergehen. Ach Herr! wer ist dir gleich? der du so majestátisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch 606 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. ſo barmherzig und gnådig bist, der du uns weckest und deckest; ach! verschone meiner, und laß mich auch diesesmal Gnade und Errettung finden. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! sey uns gnädig, verschone unser, lieber Herr Gott! sey uns gnådig, hilf uns, lieber Herr Gott! Vor Feuer- und Wassersnoth behüte uns, lieber Herr Gott! Vor einem bösen schnellen Tod behüte uns, lieber Herr Gott! Schlag' nicht bei uns ein, frommer Gott! sieh' an des Herren Jesu Tod; befiehl dem Blite, daß er nicht ein Unglück hier bei uns anricht'. Du heilige Dreieinigkeit, nimm Leib und Seel' in deine Hut, bewahr' auch Häuser, Hab' und Gut. Verschon' uns, lieber Herr und Gott! und wende von uns diese Noth; so wollen wir zu aller Zeit stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. ING INVITdy e fa MeL Uch! was soll ich Sünder machen? zc. 1. Gott! wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobi und brüllt, Und mit Schrecken uns erfüllt; Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd' und Luft erregst, Und uns zu der Buß' bewegst. 2. Hdren wir den Donner knallen, Wie er graufamlich herfährt, Und fast Stadt und Land umkehrt, Wie so harte Schlüge fallen: So erzittert und erbebt Alles, was auf Erden lebt. n 9. 3. Ja, wir sehen deine Blitze, Wie das Feuer auf uns schießt, Und gleich Strömen uns umfließt, So daß wir ers Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 607 schrocken sitzen, Und uns fürchten, ob du nicht Uns willst fordern vor Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter Kommen wir zu dir, o Gott! Ach! hilf uns in dieser Noth! O du Helfer und Erretter, Großer Gott! erbarme dich, Sieh' uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen, Niemand ist, der uns beschüßt, Da es also schrecklich blist; Alles muß zu Grunde gehen, Wo du uns nicht selbsten deckst, Und die Hand der Hülf ausstreckst, 6. Gott! wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht, Die oft wird gering geacht't! Deine großen Allmächtswerke Zeigen Blitz und Donnerstrahl, Großer Gott! jegt überall. 7. Treuer Bater! schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut, Schüß' uns vor des Wetters Wuth, Schau' auf uns von deinem Throne; Treuer Vater! steh' uns bei, Mach)' uns von der Strafe frei. 8. Wenn wir dich nicht wollen hdren, Alsdann schickst du in das Land Unglück, Wetter, Fluch und Brand, Daß sie Stadt und Land verstdren, Jedermann zur 3üchtigung Und zur Lebensbesserung. 9. Ach! sieh' nicht an unsre Sünden, Die ein Jeder hat gethan, Ach! nimm uns in Gnaden an. Laß den Blit doch nicht anzünden Unsre Häuser, Hab' und Gut, Wend' ab Feuer und Wasserfluth. 10. Ach! wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie dein Donner schrecklich knallt; Ach! in solchen Ungewittern Uebest du oft Etraf und Recht Ueber einen bdsen Knecht. 11. Ach! du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schlåget ein, Wo wir jetzt versammelt seyn; Ach! willst du uns denn hinraffen? Bater der Barmherzigkeit! Schon' uns doch zu dieser Zeit. 12. Siche nicht an unsre Sünden, Siehe doch an Jesuma Der gläubige Chrift danket Gott, Christ, Der für uns gestorben ist; Um deßwillen laß uns finden Hülf', Errettung, Trost und Gnad', Die er uns erworben hat. 13. Ach Herr! hilf uns, wir verderben, Ach Herr! hilf, verlaß uns nicht; D Gott! unsre Zuversicht! Laß uns nicht in Sünden sterben; Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlor'n. 608 14. Ach, du großer Gott! behüte Menschen, Viehe, Feld und Land Vor Verwüstung, Fluth und Brand; Herr! nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorübergeh'n, Und uns deine Hülfe seh'n. 15. Ach! bedecke unsre Früchte, Decke unsre ganze Stadt, Und das, was ein Jeder hat, Mach' es nicht im Zorn zu nichte; Du bist, der uns helfen kann, Ach Herr! nimm dich unser an. 16. Ach Herr! hör' uns doch in Gnaden, Theil uns deinen. Segen mit, ch! erhdre unsre Bitt'; Laß das Wetter uns nicht schaden; Ach! wir fallen dir zu Fuß, Sieh' an unsre wahre Buß'. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns anjetzt befreist, Daß du unser Gott noch seyst, Und dich unsern Vater nennen, Welcher seiner Kinder schont, Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wundermacht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen, Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Der gläubige Christ danket Gott, wenn das Gewitter vorüber ist. 20 ufmunterun g. Hiob 37, V. 5. Gott donnert mit seinem Donner gräulich, und thut große Dinge, und wird doch nicht erkannt. Gleichwie alle Werke des Herrn, die er vor den Augen der Menschen thut, ungemein groß sind, und gleichwie ein Jeder, der ihrer achtet, wenn das Gewitter vorüber ist. seine Lust, seine Freude, sein Vergnügen daran haben kann: also findet sich solches auch besonders, wenn man den Donner gehörig betrachtet. Entſtehet gleich derselbe aus natürlichen Ursachen, so ist er doch immer in der Hand Gottes. Gott donnert mit seinem Donner. Er regieret die mit Dünsten und Feuer geschwangerten Wolken. Er leitet dieſelben nach seinem Wohlgefallen. Er brauchet sie, wozu er will, und låsset sie das ausrichten, was ihm wohlgefällt. Sein Donner ist daher immer furchtbar. Wenn schon die Menschen, vermittelst der Kunst, Blig und Wetter zu veranstalten wissen, so kommt es doch lange nicht demjenigen bei, was Gott durch den Donner verursachet. Furchtbar und schrecklich ist der Anblick und die Anhörung desselben. Die Menschen erschrecken. Das unvernünftige Vich zittert und heulet. Alles, was Odem hat, geräth in Angst und Furcht. Was beweiset wohl Gott dadurch anders, als seine große Macht und Herrlichkeit, nach welcher er Alles kann in Bewegung segen, sobald er nur seine Stimme, durch das Getöse in den Wolken, auf Erden hören låsset? Es thut aber Gott durch den Donner noch mehr. Er thut große Dinge, welche bald zum Schaden, bald zum Nußen der Menschen ausschlagen; zum Schaden, wenn der Donner starke Bäume zersplittert, wenn er Häuser anzündet, wenn 39 609 Der gläubige Chrift danket Gott, er Menschen oder Thiere erschlägt und tödtet; zum Nugen, wenn er durch seine Erschütterung die schädlichen Dünste aus der Erde hervorbringet, wenn er die Luft reiniget, wenn er die Fruchtbarkeit des Erdbodens befördert. Bezeuget das nicht wiederum, daß das ein großer und herrlicher Gott seyn müsse, der auf eine solche unbegreifliche Weise so große Dinge thun kann? Billig sollte dieses alle Menschen, die solche Thaten des Herrn öfters ſehen, zur lebendigen Erkenntniß und zur demüthigsten Verehrung desselben ermuntern. Dem ohnerachtet aber unterbleibet solches vielfältig, Gott thut durch seinen Donner große Dinge, und wird doch nicht erkannt. So lange die meisten Menschen das Prasseln des Gewitters hören, so sind sie zaghaft und niedergeschlagen, sobald aber dasselbe vorüber ist, so ist auch bei ihnen Alles vorüber, so wird Alles vergessen, so ist es nicht anders, als ob sie die Stimme des Herrn nicht gehöret, als ob sie nicht gehöret hätten, was er Großes an ihnen gethan habe. Hat das Wetter Schaden gethan, so bezeugen sie ein flüchtiges Mitleiden und Bedauern gegen die, welche es betroffen hat. Ift es aber glücklich vorübergegangen, so kommt solches gar nicht in Anschlag und Rechnung; und so bleibet ihnen Gott immer unbekannt. O! der harten Herzen, welche sich nicht wollen erweichen lassen! 610 wenn das Gewitter vorüber ift. 611 D! der stråflichen Unempfindlichkeit! O! der schåndlichen Undankbarkeit! Wahre Christen hüten sich davor mit aller Sorgfalt. Sie sehen und betrachten mit Aufmerksamkeit die Werke der Natur, und lassen sich dadurch zu ihrem Schöpfer leiten. Das thun sie auch besonders, wenn der Gott der Ehren im Himmel donnert. Sehen sie ein Wetter aufsteigen, so bewundern sie die Majestát, die Größe und die Herrlichkeit dessen, der solches veranstaltet. Hören sie den Donner über ihrem Haupte hinrollen, sehen sie die Blizze um sich leuchten, so ergeben sie sich gelassen und getrost in die Hand des Herrn, in welcher sie immer sind, und erwarten in kindlicher Zuversicht von derselben alles Gute. Ist das Wetter glücklich vorüber, so erkennen sie, was Gott an ihnen gethan habe; sie danken ihm dafür; sie loben und preisen seine Güte und Treue mit Herz, Mund und Händen. Und das führet sie zu Gott, und bringet ihnen nichts als Heil und Segen. Dessen versichert sie der Wahrhaftige selbsten, da er spricht: Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg, daß ich ihm zeige mein Heil. # sto@ do28 30 Greab edt. Gebet.t Auch mich verlanget nach deinem Heil, o du Gott meines Heils! Deßwegen nahe ich mich anjeßt zu deinem Gnadenthrone, um die mein schuldiges Lob- und Dankopfer darzu39* Der gläubige Christ danfet Gott, bringen, da du mich aus Noth, Schrecken und Gefahr so gnådiglich errettet hast. Mir war bange, da ich deine mächtige Stimme in den Lüften hörete, weil ich nicht wußte, was du mit derselben ausführen würdest. Ich nahm zu dir im Gebet meine Zuflucht, und empfahl mich und alles das Meine deiner våterlichen Fürsorge, und du verwarfest mich nicht, sondern hast dich meiner recht herzlich angenommen, und in der That gezeiget, daß du sehr gern hilfft. Wie leicht hätten deine Blige können unsere Häuser und Wälder anzünden? Wie leicht hätte dein Donner können unsere Feldfrüchte zerschlagen? Wie leicht hatte das Ungestům können unsere Güter und Habseligkeit verzehren und gänzlich zernichten? Wie leicht hättest du können ein Adama aus uns machen und uns wie Zeboim zurichten? Und das hättest du mit Recht thun können, wenn du nach unsern Sünden mit uns hättest handeln und uns nach unsern Misſethaten vergelten wollen, was wir damit verdienet haben. Aber das hast du nicht gethan. Du hast in Liebe an uns gedacht. Du hast Gnade für Recht ergehen lassen. Du hast uns mit Strafen verschonet, und dafür mit Wohlthaten überhäufet. Deine Güte ist es, o Gott! daß wir unter dem Schatten deiner Flügel trauen und nun wieder sicher wohnen können. Deine Güte ist es, daß es nicht mit uns aus ist, und 612 wenn das Gewitter vorüber ist. 613 deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Das erkennet meine Seele wohl. Gerührt, gebeugt und voller Dank komme ich daher vor dich, und sage: Du, Herr! hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Bringet her dem Herrn Ehre und Macht. Betet ihn an im heiligen Schmuck. Es fürchte ihn alle Welt! Jauchzet dem Herrn alle Welt, singet, rühmet und lobet. Lasset uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Lobe den Herrn auch du, meine Seele! und vergiß nimmermehr, was er auch jest Großes an dir gethan hat. Nun habe ich gesehen, wie du, o starker und allmächtiger Gott! das schwere und fürchterliche Wetter so bald, ſo gnådig abgewendet, und es ohne Schaden hast lassen vorübergehen; ach! erwecke mich dadurch, daß ich in allen Nöthen, die mich noch treffen können, fest auf dich trauen und auf deine Güte hoffen möge. Ich sehe nun wieder einen heitern Himmel; ach! laß mich auch forthin immer schmecken und sehen, wie freundlich du seyft. Ich habe nun deine Größe und Herrlichkeit auf's Neue erkannt; ach! laß mich dieses dazu ermuntern, daß ich dich allezeit kindlich fürchten, herzlich lieben, demüthig verehren, und so vor dir wandeln möge, wie es dir gefällig ist. Ich habe nun deine wohlthätige Hand auf's Neue empfunden; ach! 614 Der gläubige Chrißt danket Gott, laß mich, die Meinen und alle Menschen derselben noch ferner empfohlen seyn. Sollte etwa das von uns weggezogene Gewitter an andern Orten Schaden und Unglück angerichtet haben, ach! so erbarme dich der Beschädigten in Gnaden. Regiere sie, daß sie deine Hand erkennen, die sie geschlagen hat, und sich unter dieselbe demüthigen. Tröste und erquicke fie selbsten. Erseße ihnen wieder den Verlust, den sie erlitten haben, mit anderm Segen. Laß sie bald hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Laß aber auch mich die Gaben und Güter, welche du mir erhalten und gleichsam auf's Neue geschenket hast, recht treulich und wohl verwalten, anwenden und brauchen. Laß mich mein täglich Brod mit Danksagung empfangen. Laß mich mit meinen Gütern als ein treuer Haushalter umgehen. Gib, daß ich sie nie mißbrauchen und zur Wollust und Ueppigkeit anwenden, sondern daß ich sie jederzeit zu deiner Ehre, zu meinem Nußen und zum Besten meines Nebenmenschen gebrauchen, und so dereinst mit meiner Rechnung freudig vor dir bestehen möge. Nimm auch in Zukunft alles das Meinige in deinen gnädigen Schuß, und bewahre es vor allem Verderben. Und sollte ja noch manches Wetter kommen, das mir den Untergang drohete, ach! so laß mich unverzagt auf deine Gnade trauen und 37dod stig wenn das Gewitter borüber fft. dubig G 615 recht zuversichtlich auf deine Güte hoffen. Laß mich da erfahren, daß der gewiß nicht zu Schanden wird, der nur dein harret. Ja, sollte es gar dein Wille seyn, mich einmal durch ein Gewitter heimzusuchen und arm zu machen: ach! so mache mich vorher erst an der Seele recht reich, damit, wenn ich Alles verliere, ich doch dich und deine Gemeinschaft und den Himmel behalte. Und wenn ich nur den Himmel krieg', so hab' ich Alles zur Genüg'! Uch mein Vater! ach mein Heiland! ach mein Tröster! der du im Himmel wohnest, und mir von dannen unter dem verzogenen Wetter Schuß, Beistand und Hülfe verliehen hast, bringe mich doch auch zu dir in den Himmel, daß ich dich da von Angesicht zu Angesicht schauen, und dir ewig Lob und Dank sagen könne. Lehre mich durch dein Wort den rechten Weg wandeln. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen. Führe du mich selbst auf der ebenen Bahn. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Laß mich im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung treu bleiben, und von meiner Frömmigkeit nicht ablassen, bis mein Ende kommt, damit, wenn der Herr Jesus an jenem grossen Tage des Gerichts mit Feuerflammen, im Donner und Bliz wird offenbar werden, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen und seinem Evangelio nicht gehorsam 616 Der gläub. Chrift banket Gott, wenn das Gewitter vorüber ift. sind, ich nicht erschrecken, sondern mit Freuden mein Haupt aufheben und mit ihm zum ewigen Leben eingehen möge. Ach! laß mich ja nicht aus der Acht, wenn uns dein jüngster Tag erscheinet, der Tag, da vor Gericht ge bracht auch das, so man hier nicht gemeinet; laß mich zu deiner Rechten stehen, und zu des Lammes Hochzeit gehen; mein Jesu! dann hab' Ucht auf mich, so will ich ewig preisen dich. Amen. Geian g. MeL Auf meinen lieben Gott. 1. Vorüber ist die Noth! Gelobet sey mein Gott! Der es so hat gewendet, und seine Hülf gesendet, Daß ich in keinen Schaden Und Jammer bin gerathen. 2. Was ist wohl hieran Schuld? Nichts, als des Baters Huld, Nichts, als des Heilands Beten Und seines Geist's Vertreten; Das war's, was mich beschirmte, Da Bliz und Wetter stürmte. 3. Wie groß ist deine Treu'! Du stundest mir da bei, Da deine Donner krachten, Und mich recht furchtsam machten, Da mein Gut und mein Leben War mit Gefahr umgeben. 4. Du rettest wunderlich! Dafür ich preise dich, und bitte deine Güte, Daß sie mich stets behüte, Wenn ja in manchen Ndthen Es scheint, du woll'st mich tddten. 5. Ach! da vergiß mein nicht! Laß mich dein Angesicht Viels mehr mit Freuden schauen, Auf deine Lieb' fest trauen, Und nicht verlassen werden, So lang' ich leb' auf Erden. 6. Ja, gib mir deinen Geist! Das bitt' ich allermeist, Daß er mich stets regiere, Daß er mich stets so führe, Daß ich nicht darf erschrecken, Wenn du mich wirst aufwecken. 7. Wenn da die letzt' Posaun' Erklingt, daß ich erstaun", Der gläubige Christ betet zu Gott x. 617 So laß mich auferstehen, 3u dir in Himmel gehen; Da will ich deinen Namen Noch ewig preisen. Amen. Der gläubige Christ betet zu Gott, wenn er sich von Pause auf eine Reise begibt. Aufmunterung. Pfalm 121, B.5-8. Der Herr behütet dich, der Herr ist dein Schatten über deiner rech ten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der Herr behütet dich vor allem Uebel, er bes hütet deine Seele. Der Herr behütet deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit. Von Haufe zu reisen, können einen glàubigen Christen vielerlei Ursachen antreiben: theils die Berufsgeschäfte, theils die Liebe des Nächsten, theils der Zustand der Gesundheit; denn Ueppigkeits- und Wollustreisen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, warum ein gläubiger Christ eine Zeit lang sein Haus und das Seinige verlassen muß, so soll er solche Reise 1) mit Gebet antreten, und denken, wenn er von Hause reiset, daß Gott aller Orten bei ihm in fremden Landen sey, der Alles siehet und höret; daher er sich auch selbst, als vor Gottes Angesicht, ehrbar, züchtig, fromm und christlich aufführen soll. 2) Soll ein gläubiger Christ sich Gottes Schuß und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gesunden und graden Glie 618 Der gläubige Christ betet zu Gott, dern wiederum nach Hause bringen wolle. Denn gewiß, auf der Reise sind Viele um Leib, Leben, Gesundheit und in Unglück gekommen. 3) Soll er auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter befehlen, daß er durch seine heiligen Engel Alles in seine heilige Bewahrung nehmen, vor Feuer, Wasferfluth und Unglück indessen bewahren wolle. 4) Soll er bitten, daß Gott ihn alle das Seine und die Seinigen unverlegt und gesund wieder wolle antreffen lassen. aid no un mo0.2009 malo manis momse bet. 9un@ no Gnådiger und barmherziger Gott! ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, auf einige Zeit mich von den Meinigen und von meinem Hause zu entfernen, darum komme ich zu dir, und bitte dich: Ach! segne meinen Aus- und Eingang; in deinem Namen will ich die Reise antreten, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten, und unter deinem Schuß wollest du mich wiederum nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schuß umgeben, wie den Jacob, laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulo, laß deiner Engel Schaar mit mir aus- und heimreisen, wie mit Joseph und Maria und dem Kindlein Jesu, damit ich von allem Unglück, von Dieben, Mördern und anderm Schaden befreiet bleibe. Ach! du Hüter Israels, der du weder schläfst noch schlummerst, sey wenn er sich auf eine Reise begibt. 619 bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Elisa, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spåt, in Wåldern und Feldern, mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israels mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet hast. Begleite mich, wenn ich reise; bleibe bei mir, wenn ich ruhe; wache für mich, wenn ich schlafe; ja Herr! Herr! habe Acht auf mich, wo ich mich hinwende, und laß mich deiner heiligen Obhut empfohlen seyn. Gib, daß mir alle Tage, ja alle Stunden in meinen Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reise gabst, als er von Hause reisen sollte: Wandle vor mir, und sey fromm; auf daß ich deine allerheiligste Gegenwart in der Fremde möge vor Augen haben. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Hause und auf der Reise mich nicht lasse des Bösen gelüsten; behüte mich vor Vollerei, Ueppigkeit, Frechheit, Bosheit, Gleichstellung der Welt, Ausübung der Sünden und Schande. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause kehren moge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen; wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüfte entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Hilf, daß ich bedenke, du hörest Alles, was ich rede, Der glånbige Christ betet zu Gott, du siehest Alles, was ich thue, und wo ich gehe, stehe, und was ich immer thue, daß du da stehest, und hörest, und siehest mir zu, auf daß ich nicht wider dich fündige, und deinen Zorn und Ungnade auf mich ziehe. Ich befehle dir alle das Meine, das ich zu Hause hinterlasse; bewahre dasselbe vor Dieben, vor Feuer- und Wassersnoth, und laß mich Alles unverstöret und unversehret wiederum antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach mein Gott! ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen, wende alle Gefahr, allen Schaden, alles Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab, laß mich sie gesund wiedersehen, sey ihr Schußherr, erhalte fie, begleite sie, bewahre sie, und laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft; sondern laß sie vor dir leben und deines Schußes und deiner Gnade genießen. Laß mich auch zu seiner Zeit glücklich wieder nach Hause kommen, und unter deinem Schuß die Meinigen gesund wiederfinden. Ach Herr Jesu! der du unter der Gestalt eines Wandersmannes mit zween Jungern gereiset bist, sey auch bei mir auf meiner Reise, und erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gib mir fromme Gefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten und sündlichen Neden uns nicht an dir versündigen, sondern an dich denken, und in deiner allerheiligsten Ge620 wenn er sich auf eine Reise begibt. genwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wundern, von deiner Treue und Wahrheit halten mögen. Ach mein Gott! in deinem Namen habe ich die Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinen dafür herzlich loben und preisen mein Leben lang. Sende deinen Engel vor mir her, den Weg für mich zu bereiten; befiehl, daß er dem Satan wehre und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr! in deinen Schuß, daß ihre List, Gewalt und Truß mir nimmer könne schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, die mich wünschen bald zu seh'n, laß auf fie, als auf die Deinen, deine Gnadenaugen seh'n; führe sie doch allermeist, großer Gott! durch deinen Geist, daß sie nimmermehr gerathen in Gefahr und Missethaten. Amen. 621 Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich bin von Haus gegangen, Durch deinen Beistand bin ich hier; Mit dir hab' ich es angefangen, Ach! weiche auch hier nicht von mir. O treuer Wächter Israel! Dir, dir befehl' ich Leib und Seel'. 2. Ich will hier meine Zeit zubringen Zu deiner Ehr' und deinem Ruhm, Mit Bitten, Flehen, Darken, Singen, Als dein geliebtes Eigenthum; Begleite mich, wenn ich ausgeh', Bewahr' mich, wo ich bin und stch'. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln, In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir seh', Und nicht auf bösen Wegen geh'. Gebet Eines, der sich 4. Laß in dem Reden mich erwägen, Du, lieber Bater! hdrest zu, Und daß auf allen meinen Wegen Du Ulles fichest, was ich thu'. Ach! bring' mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seyest, wo ich bin. Huset 5. Ach lasse, großer Gott! den Meinen, Du kennest sie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnadensonne scheinen, Theil' ihnen deinen Segen aus; Uch! laß es ihnen wohlergeh'n, Laß mich sie fröhlich wiederseh'n. dilgred Juind 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken, Und wend auch alles Unglück ab; Dein Gnadenflügel woll' bedecken, Die ich zurückgelassen hab'; Uch treuer Bater! sie sind dein, Ach! laß sie dir befohlen seyn. topod mollo on 970901 HD 17. Uch wache, treuer Menschenhüter! Durch deiner guten Engel Wacht Auch über meine Hab' und Güter, Und habe fleißig darauf Acht. Wend' Unglück, Wasserfluth und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit! Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Güt', zu seiner Zeit; Indessen, Herr! beschütze mich Vor allem Unglück våterlich. and 011 9. Erhdre mein Gebet und Flehen, Ach! theil' mir deinen Segen mit; Ach! laß doch meine Bitt' geschehen, Behüte meine Schritt und Tritt'; So will ich mit der Frommen Schaar Dich preisen jeht und immerdar.nomiske.1 -1129; id ci pid onollise 622 10 ungropeus ès chi m] do u C Sms Td e b e t chi Idaise aid viC Eines, der sich in fremden Låndern aufhält. Entfernt von meinen Freunden und Bekannten befinde ich mich nun in der Fremde, wo ich noch sehr wenige Menschen kenne. Aber dich kenne ich doch, o Jesu! du Sohn des Allerhöchsten, als meinen Imanucl, als meinen Bruder, als meinen besten Freund. in fremben Ländern aufhält. Darum wende ich mich auch zu dir, und bitte dich demüthiglich, du wollest dich meiner annehmen und mich nicht verlassen, bis ich wieder zurück in meine Heimath gekommen, ja bis ich zu dir in dein himmlisches Reich gelanget bin. Du hast den Deinen die tröstliche Versicherung ertheilet: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Ach! erfülle dieselbe auch an mir, und laß mich deine Gnadengegenwart zu allen Zeiten und an allen Orten verspüren. Du hast selbst unsere Reisen geheiliget, da du in deiner Jugend Jerusalem und andere Orte besuchet, da du während deines Lehramtes das Jüdische Land durchwandert, da du umhergezogen bist, und hast wohlgethan und gesund gemacht Alle, die vom Teufel überwältiget waren. Ach! laß mich daran stets denken, und nach deinem Beispiel in der Fremde Nichts thun, als was gut, was löblich ist und was wohl lautet. Du hast dich auch nach deiner Auferstehung zu deinen Jüngern auf dem Wege nach Emaus gefellet, und bist auf ihre Bitte bei ihnen geblieben. Ach! so bleibe denn auch bei mir, und weiche nicht von mir. Bleibe mein Gefährte, mein Schuß, mein Beistand, mein Nathgeber, mein Führer und mein Erretter. Ach Herr Jesu! laß mich in allen Fällen empfinben, daß du mir nahe seyst. Bewahre mich vor bösen Gesellschaften, und so ich ja in solche 623 Gebet Eines, der siche gerathe, so stårke mich, daß ich nicht mitfündige und mich zum Bösen verführen lasse. Gib mir Kraft, allen Reizungen und Verführungen zur Sünde zu widerstehen, und ein reines Gewissen zu bewahren. Erwecke mir treue und gute Freunde, mit welchen ich vertraut umgehen könne, und laß mich ihres Umgangs mit Nußen und Segen genießen. Nimm mich nach Seele und Leib in deinen Schuß, und gib mir nicht nur einen gefunden Leib, sondern auch dieses, daß darin eine unbefleckte Seele und ein reines Gewissen bleibe. Schenke mir durch deinen Geist die Genügsamkeit des Moses, die Keuschheit Josephs, die Gottseligkeit Samuels und die Maßigkeit Daniels. Erfülle meinen Verstand mit Klugheit, daß ich in allem meinem Thun rechtschaffen handle. Neige meinen Willen zur Tugend, daß ich mich in derselben übe, damit ich in der Fremde einen guten Namen mir erwerbe und behalte, damit ich ein gutes Zeugniß mit nach Hause nchmen, und mich besonders deines Wohlgefallens erfreuen könne. Zahme meine Leidenschaft, daß ich nicht in Streit und Verdruß gerathe, sondern die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens treulich bewahre. Stärke mich besonders, mein Heiland! daß ich dich vor der Welt mit Mund und Herz, mit Worten und Werken bekennen und verherrlichen möge. Und sollte ich ja um meines 024 in fremben Låndern aufhält. Glaubens willen angefochten werden, so verleihe mir die Gnade, daß ich allezeit bereit sey, Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die in mir ist, und daß ich mich auf keinerlei Weise zum Abfall, zum Verläugnen deiner Lehre, oder zur Untreue gegen dich verleiten laffe. Laß dein Wort allezeit meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege seyn. Dann kann ich unstråflich wandeln und immer vor dir bestehen. Erhalte auch, o mein Erbarmer! mich bei Gesundheit und beim Leben. Laß mich von den Meinigen nichts als Gutes hören. Segne meine Geschäfte, um deren willen ich mich hier aufhalte, und laß all mein Unternehmen wohlgelingen. Und wenn ich dann meinen Endzweck erreicht habe, so bringe mich wieder vergnügt und beglückt zu den Meinigen zurück; so will ich dir meine Gelübde bezahlen, und dich für alle mir erzeigte Liebe und Treue ohne Aufhören loben und preisen. Laß mich aber bei meiner Zurückkunft in mein Haus stets bedenken, daß ich sey beides, dein Pilgrim und dein Bürger, und deßwegen stets so wandle, daß ich meine Wallfahrt auf Erden mit dir glücklich fortsegen und vollenden, und dann auch zu dir in mein rechtes und himmlisches Vaterland kommen, und da in deiner Gemeinschaft leben möge ewiglich. Jesu! du wirst Alles machen, wie es gut, und nüßlich ist, ich ergeb' 40 625 626 Gebet Eines, der sich in fremden Ländern aufhält. dir meine Sachen, der du Herr und Mittler bist; forge du für mich allein, ich will dir gehorsam seyn, und wie du mich führest, gehen, was du willst, muß doch geschehen. Amen. irgin s efan g. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott! ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus; Wer gehet mir allhier zu Handen? Wer hilfet mir in Ndthen aus? Mein Gott, o meine Zuversicht! Berlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen, Auf meiner guten Freunde Rath, Mit dir hab' ich es angefangen, Und sprech' deßhalben früh und spat: Bleib' in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein Gott! von dir. 3. Beschere mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich kehre ein, und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad' gewogen seyn; Du bist mein Freund, dich halte ich, Auch in der Fremde lieb' ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, Die Glieder, Kräfte, und Gesicht; Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht; Gedenk', daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd' sich krank befind't. 5. Behüte mich vor Sund' und Schande, Bewahre mein Gewissen rein, Und laß mir auch in fremdem Lande, Herr! deine Furcht vor Augen seyn, Daß ich gedenk', dein Angesicht Sieht, was im fremden Land geschicht. 6. Gib, daß ich freche Sünder hasfe, Und flieh' die Häufer, wo sie sind, Und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand' und Sünd'! Gib, daß ich denke für und für, Ich wandle in der Fremd' vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe In der erkannten Glaubenslehr', Daß mich Nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichthum, Wollust, Glück und Ehr'; Wer dich verläugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. Gebet Eines, der in der Fremde krank liegt. 627 8. Gib mir, mein Gott! auch deinen Segen, Beschere mir mein täglich Brod; Sey stets bei mir auf meinen Wegen, Und sey mein Beistand in der Noth; Laß mich in deinem Segen steh'n, Uch Bater! laß mir's wohlergeh'n. 9. Ach! fegne mich im Schlaf und Wachen, Ach! segne meinen Schritt und Tritt, Ach! segne mich in allen Sachen, Ach! theil' mir deinen Segen mit; Gib mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet sey. 10. Du wollest dieß Gebet erhdren Nach deiner großen Gütigkeit, Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit Mit Freuden sagen Jedermann, Was du mir Gutes hast gethan. S e b e t Eines, der in der Fremde krank darnieder liegt. . Wie gar wunderbar sind deine Wege, welche du, unendlich großer Gott! mit den Menschen gehest, wie gar unbegreiflich sind die Schickungen und Führungen, welche du mit ihnen vornimmst! So muß ich anjeßt sagen, da ich zu dir komme, ob ich gleich auf dem Krankenbette liege. Da ich von Hause wegreisete, war ich frisch und gesund, und nun bin ich krank und elend. Da ich unterwegs war, und hier anlangte, war ich stark und kraftig, und nun bin ich matt und schwach. So kann es vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war. Ach, mein Gott! laß mir dieses recht zu meinem Besten dienen. Laß mich daraus erkennen, wie nichtig und vergånglich das Leben, das Glück und der Wohlstand der Menschen hienieden auf Er40* Gebet Eines, der in der Fremde krant liegt. den ist, daß ich nie darauf baue, daß ich nie mein Herz daran hànge, sondern am meisten nach dem ringe und trachte, was ewig und unvergånglich ist. Lehre mich bedenken, daß ich sterben muß, auf daß ich klug werde. Lehre mich einsehen, daß mein Leben ein Ziel habe, und ich davon muß. Ich muß es zwar bekennen und gestehen, daß mich dieses besonders schmerzet, daß ich nun von den Meinigen entfernet bin, daß ich ihren Umgang und Zuspruch nicht genießen kann, und daß ich nicht weiß, ob ich ihr Angesicht wiedersehen werde. Deßwegen aber will ich doch nicht kleinmüthig werden, sondern auf dich, mein Vater! hoffen, der du auch in der Fremde bei mir bist, der du auch da für mich sorgest, und mich gewiß nicht aus der Acht lassen wirst. Ich lege mich daher ganz getrost in deine Arme hin, und sage: Mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Nimm dich vor allen Dingen meiner Seele herzlich an, daß sie nicht verderbe. Bekehre du mich, so werde ich bekehret. Heile du mich, so werde ich geheilet. Hilf du mir, so wird mir geholfen. Vergib mir in Gnaden alle meine Sünden, mit welchen ich dich jemals beleidiget und betrübet habe. Bergib mir dieselben um deines Sohnes, um meines Versöhners, um Jesu Christi willen. Stårke meinen Glauben auf seinen Namen, und laß mich in demselben stets zu dir beten und die 628 Gebet Eines, der in der Fremde krank liegt. Hülfe suchen, die mir nöthig ist. Bearbeite mein Herz recht kräftig durch deinen Geist, und bilde mich so in der Zeit, wie du mich haben willst in der Ewigkeit. Gib meinem Geist durch denfelben das Zeugniß, daß ich ein Kind der Gnade und ein Erbe des ewigen Lebens sey. Verleihe mir die nöthige Geduld, daß ich nicht gegen dich murre, daß ich mich nicht gegen dich auflehne, sondern Alles gelassen annehme und ertrage, was du mir auflegest. Du bist es ja, o Herr! der du den Müden Kraft gibst, und den Unvermögenden Stärke genug verleihest; darum thue es auch an mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Soll ich viele Schmerzen leiden, ſo laß mich bedenken, daß dieselben noch viel geringer sind, als ich mit meinen Sünden verdienet habe. Soll ich lange leiden, so laß mich dir auch stille halten, und von einer Morgenwache bis zu der andern auf deine Hülfs- und Errettungsstunde warten. Und wenn diese kommt, so laß mich meine Lust an deiner Gnade sehen. Mache es übrigens mit mir, wie es dir wohlgefällt. Dein Bille ist der beste. Ueberzeuge mich davon in meinem Herzen. Lehre mich mit meinem Heilande beten: Bater! ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Jft's möglich, gefällt es dir, so laß mich genesen. Segne dann die 629 Gebet Eines, der in der Fremde krank liegt. Arzneimittel, die ich gebrauche, und laß mich von Tag zu Tag zu neuen Kräften kommen. Vergilt auch denen ihre Treue und Sorgfalt, welche sich meiner als eines Fremdlings annehmen, und sey dafür ihr Schild und ihr sehr großer Lohn. Gefällt es dir aber nicht, mich aufkommen zu lassen, willst du, daß ich in einem fremden Lande mein Grab finden soll, nun, so verleihe mir Kraft, daß ich auch da meinen Willen in deinen guten und gnådigen Willen gånzlich ergeben möge. Laß mich dann bedenken, daß die Erde überall dein sey, und daß du auch hier meine vermoderten Gebeine finden und wieder lebendig machen kannst. Nimm dann meine abwesenden Freunde und Verwandten in deinen Schuß. Segne sie im Geistlichen und im Leiblichen. Führe sie durch deinen Geist auf ebener Bahn, daß wir dort in der frohen Ewigkeit wieder zusammenkommen und dich da gemeinschaftlich loben und preisen mögen. Nun, Herr! ich hoffe auf dich, und glaube fest, du wirst Alles wohl machen. Meine Zuversicht ist allein auf dich gerichtet, darum fage ich auch voll Vertrauen: Hab' Acht auf mich, da ich bin krank, da die Gesundheit ist verschwunden, daß ich recht freudig und mit Dank mich leg' in meines Jesu Wunden; laß mich nicht ungeduldig werden, und denken, daß ich Staub und Erden; und wenn 630 Gebet Eines, der in der Fremde krank liegt. 631 die Schmerzen mehren sich, mein Vater! so hab' Acht auf mich. Hab' endlich denn auch Acht auf mich, wenn ich der Welt Valet soll geben, daß ich im Glauben halte dich, bis ich komm' in ein andres Leben, da mir das frohe Glaubensende ertheilen werden deine Hände, daß ich bei dir leb' ewiglich; mein Vater! so hab' Acht auf mich. Amen. Gefa n 9. Mel. Uch Herr! mich armen Sünder. 1. Es steht in deinen Händen, Herr! meine Lebenszeit, Das Leben wird sich enden, Wann kommt die Ewigkeit; Die Ewigkeit bringt Freuden Dem, welcher Sesum liebt; Die Ewigkeit bringt Leiden Dem, der ihn hat betrübt. 2. Wie lang' ich werde leben, Das steht allein bei dir, Drum muß ich immer schweben In Sorgen für und für, Ob sey mein Ende nahe, Ob es noch weit zurück, Und ob sich bald anfahe Der letzte Augenblick. 3. Doch die Furcht muß verschwinden, Wenn ich in wahrer Buß' Bereue meine Sünden, Und falle dir zu Fuß; Wenn ich in Jesu Wunden Schließ' meine Seele ein, So wird zu allen Stunden Mein Ende selig seyn. 4. Und also will ich's machen, Ich liege hier vor dir; Reiß' mich aus Satans Rachen, Und schenk' dich selbsten mir; Dein Blut wasch' mich von Sünden, Das rothe Lösegeld, So werd' ich Gnade finden, Wann ich geh' aus der Welt. 5. Laß dann mein Ende kommen, Ich werd' durch Jesu Blut Zu Gnaden angenommen, Das gibt mir Trost und Muth; Ich weiß, ich werde sterben, Ich weiß auch, daß ich werd' Die Seligkeit ererben, Wenn ich verlass' die Erd'. 6. Dann komm' ich nicht alleine, Wann ich verschieden bin, Mein Jesu! ich bin deine, Ach! nimm die Seele hin, Und Danksagung, wenn Einer von der Reise bleib' mit mir verbunden, Ach! weiche nicht von mir, Daß nach den Todesstunden Ich ewig sey bei dir. 7. Wie kann mich dann erschrecken Der Tod, die Ewigkeit? Weil Jesus wird erwecken Den Leib zu seiner Zeit. Der hat Ruh' in dem Grabe, Die Seel' ist freudenvoll; Dieweil ich Jesum habe, So ist mir ewig wohl. 632 Danksagung, wenn Einer nach vollendeter Reise wieder glücklich ist nach Hause gekommen. e be t. Herr! Herr Gott! gnådig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du überschwänglich thun kannst über Alles, was wir bitten und verstehen, der du Gnade und Huld reichlich erzeigest denen, die dich fürchten und in deinen Wegen wandeln; siehe, ich trete jetzt zum erstenmal wieder in meiner eigenen Wohnung vor dein allerheiligstes Angesicht, nachdem ich unter deinem Beistand die in deinem Namen unternommene Reise glücklich vollendet habe. Ich habe gelobet, daß ich dir dafür danken will, und nun will ich dir auch dieses mein Gelübde bezahlen. Ach! erhebe mein Herz zu dir in feuriger Andacht und Inbrunst, und neige deine Shren zu meinem Schreien, mein König und mein Gott! Ich kann nicht bergen, daß ich viele Bekümmernisse in meinem Herzen hatte, da ich von Hause wegreisete, daß mir fast bange war, wenn ich an die mannichfaltigen Gefährlichkeiten dachte, welchen die Reisen wieder glücklich nach Hause gekommen ist. 633 den öfters ausgesetzet sind. Und wie leicht hätte nicht auch mich solch Ungemach treffen können! Wie leicht hätten mich Mörder und Räuber überfallen, bestehlen und tödten können! Wie leicht hätte ich können in Unglück kommen und meine graden Glieder verlieren! Wie leicht hätte mich Krankheit, Schmerz und Tod können dahinreißen und an meinen Verrichtungen verhindern! Wie leicht hätte nicht mein Haus und Hof, mein Gut und Vermögen in meiner Abwesenheit Schaden leiden können! Aber das Alles ist nicht geschehen. Von dem Allem ist mir nichts begegnet. Das habe ich einzig und allein deinem mächtigen Schuß, deiner våterlichen Fürsorge, deinem kräftigen Beistand und deiner treuen Begleitung zu verdanken. Dir, dir sey auch allein dafür Lob, Ruhm, Ehre und Preis! Nicht allein aber hast du mich auf meiner vollbrachten Reise so gnådig vor allem Unfall und vor aller Widerwärtigkeit bewahret, sondern du hast mir auch noch während derselben unendlich viel Gutes erwiesen. Du hast mich gesund erhalten; du haft mir treue Reisegefährten geschenket; du haft mir aller Orten gute Freunde erwecket; du hast meine Geschäfte gesegnet; du hast alles das Meine in deinen Schuß genommen, daß ich es unversehrt wieder angetroffen; du hast die Meinigen in erwünschtem Danksagung, wenn Einer von der Reife Wohlseyn erhalten, und mich wieder freudig und vergnügt zu ihnen kommen lassen. Ach! wie ist deine Barmherzigkeit so groß! Wie sind deiner Wohlthaten so viele! Wie unermeßlich ist der Reichthum deiner Gnade und Liebe! Wie soll, wie kann ich dir doch vergelten alles das Gute, das du mir erzeiget hast? Ach! das bin ich nicht vermögend; dazu bin ich zu schwach und zu ohnmächtig. Ich danke dir dafür mit Herz, Mund und Hånden. Ich fage mit gerührter Seele: Tausend, tausendmal sey dir, großer König! Dank dafür. Laß dir doch dieses schwache Dankopfer, um des vollkommenen Versöhnopfers Jesu willen, in Gnaden wohlgefallen. Ach! nimm dieß arme Lob auf Erden, mein Gott! in allen Gnaden hin, im Himmel soll es besser werden, wenn ich einmal ein Engel bin; da sing' ich dir im höhern Chor viel tausend Halleluja vor. Da ich aber nunmehr, mein Gott! wieder bei den Meinigen bin, so laß mich auch mit ihnen noch ferner deiner Huld und Gnade genießen. Erwecke mich, ihnen öfters zu erzählen, was du auf meiner Reise Großes an mir gethan haft, damit sie auch dadurch zu deinem Preis, zur Bewunderung deiner Treue und Liebe, zum kindlichen Vertrauen auf dich mögen ermuntert werden. Laß mich mit ihnen in Ruhe, in Frieden, in wahrer zufriedenheit leben, so lange ich noch bei ihnen bin, und 634 wieder glücklich nach Hause gekommen ist. immer nur darauf sehen, daß wir dir dienen mögen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Laß mich den Segen, den du mir durch meine Reise zugewendet hast, nun auch wohl anwenden, und ihn allezeit mit Danksagung ansehen und gebrauchen. Laß mich überhaupt meine ganze folgende Lebenszeit nicht anders als wie eine Reise nach der Ewigkeit betrachten. Laß mich deßwegen dieselbe, in deines guten Geistes Kraft, in Gottesfurcht, in Frömmigkeit und in deinem Dienste hinbringen. Laß mich die Wallfahrt nach meinem himmlischen Vaterland unverdrosfen fortsegen, und Alles glücklich überwinden, was mir in den Weg kommt. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet habe, so nimm mich auf in dein ewiges, himmlisches Reich, und bringe mich zu der Ruhe, welche du deinem Volke in jener Welt bestimmt und bereitet hast. Da will ich dich erst recht loben und preisen. Da will ich dich verherrlichen. Da will ich ewig rühmen, daß dein Herz treu sey. Tausendmal sey dir gefungen, Herr, mein Gott! Preis, Lob und Dank, daß es mir bisher gelungen; ach! laß meines Lebens Gang ferner doch durch Jesu Leiten mir geh'n auf die Ewigkeiten; da will ich, Herr! für und für, ewig, ewig danken dir. Amen. 635 636 Danksagung, wenn Einer von der Reise n. e fang. Mel. Sey Bob und Ehr' dem höchsten Gut. 1. Ich beuge mich vor deinem Thron, O Gott voll Gnad; und Liebe! Und bitte dich durch deinen Sohn Um deines Geistes Triebe, Daß mir ein dankbar Lied geling', Daß ich mit Mund und Herzen sing': Der Herr sey hochgelobet! 2. Viel Gutes und Barmherzigkeit Hast du mir stets er: zeiget, Mit lauter Lieb' und Gütigkeit hat sich dein Herz geneiget 3u mir auf der vollbrachten Reis, Drum sag' ich auch zu deinem Preis: Der Herr sey hochgelobet! 3. Vor Unglück, Schaden und Gefahr Hast du mich selbst geschüket, Und deiner guten Engel Schaar Hat mir allweg genübet; Sie hat all' Uebel abgewandt, Bis ich erreicht mein Vaterland; Der Herr sey hochgelobet! 4. Wie reichlich hat dein Segen mich auch in der Fremd' beschenket! Wie gütig, ja wie våterlich Hast du mein Thun gelenket! Du gabst zu allem meinem Werk Die noth'ge Weisheit, Kraft und Stårk'; Der Herr sey hochgelobet! 5. Die Meinen treff' ich wieder an In Glück und Wohlergehen, Du, du hast ihnen wohlgethan, Mehr als wir selbst verstehen; Sehr groß ist deine Batertreu', Die bei uns alle Morgen neu; Der Herr sey hochgelobet! 6. Drum dank' ich dir mit Mund und Herz Für alle diese Gnade! Wend' ferner von mir Leid und Schmerz, Und was mir sonsten schade; Wo ich nun gehe aus und ein, Da laß mich dir befohlen seyn; Der Herr sey hochgelobet! 7. Besonders gib mir deinen Geist, Der mich zum Himmel leite, Und laß mich, wie du selbst verheiß't, Da steh'n an deiner Seite; So bin ich dein in dieser Zeit, So sing' ich dir in Ewigkeit: Der Herr sey hochgelobet! stund 637 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. Xufmunterung. Klagh Jer. 1, B. 10. Uch Herr! siehe doch, wie bange mir ist, daß mir's im Leibe wehe thut; mein Herz wallet mir in meinem Leibe. Denn ich bin hoch betrübt, draußen hat mich das Schwert, und im Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Im 2. Cap. V. 4: Der Herr hat seinen Bogen gespannet, wie ein Feind. V. 5: Er hat vertilget alle Paläste. V. 21: Es lagen in den Gassen Knaben und Alte, meine Jungfrauen und Jünglinge sind durch's Schwert gefallen. Die drei Landplagen, womit der erzürnte Gott ganze Lånder und Städte verheeret und wüste machet, sind Krieg, Hunger und Pestilenz, Jer. 19, V. 17, welche Gott auch David vorlegte, 1 Chron. 22, V. 12. Krieg ist eine schwere Strafe, denn wenn Gott seinen Schuß einem Lande entziehet, so machet sich der Feind alsbald auf. Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung strafet, sind unterschiedlich: 1) Ungehorsam, Jes. 1, B. 19. 20. 2) Wenn man nur nach ſeinen eigenen Lüften lebet, die Furcht Gottes aus den Augen seget, B. d. Nicht. 4, V. 1. C. 6, V.1.3) Verachtung des göttlichen Wortes, wenn man es entweder gar nicht höret, oder doch nicht darnach lebet, 3. B. Mos. 26, V. 17. 4) Abgötterei, Richt. 2, V.12--14, es mag auf eine grobe oder subtile Weise geschehen, dahin die Ueppigkeiten, Harereien, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Wittwen, Beraubung der Armen gehdret. Wenn Gott aber dem Schwert rufet, Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. und den Frieden wegnimmt, Jer. 15, V. 6, so nimmt er auch die Kraft des Schwertes weg, Pf. 89, V. 44, daß viel Volks und ein groß Kriegsheer keine Siege erhålt; daher entstehet, daß sie müssen fliehen vor ihren Feinden, Pf. 44, V. 11, darauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes und endlich Jammer und Elend folget. 638 Gebe t. Erzurnter Gott! wir kommen allhier mit geångstigtem Herzen und mit gebeugten Knieen vor dein allerheiligstes Angesicht, und bejammern das große Elend, worin wir durch unsere großen Sünden und deinen gerechten Zorn gekommen sind. Herr! Herr! wir wohnten unter deinem Schuße sicher, uns durfte kein Schwert schrecken, da du unserer Feinde Feind und unserer Widerwärtigen Biderwärtiger warest; wir gingen ruhig zu unsern Thoren aus und ein, und genossen die Früchte des Landes ungestört; aber nun, o großer Gott! hast du deinen Schuß und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht, er hat das Schwert gezücket, er drohet, mit Verbrennen und Plündern die Städte zu verderben und unser Land einzunehmen. Was wollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir die Strafe und Ruthe der Züchtigung långst verdienet haben; wir haben leider! des Frie Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. 639 dens und der guten Zeit mißbraucht; da wir follten uns erbauen, und in deiner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam seyn, so ist bei uns leider! Entheiligung des Sabbaths, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bošheit, mit den abscheulichsten Lastern im Schwange gegangen. Wir schämen uns, erzurnter Gott! unfere Gräuel alle zu erzählen, die ohnedem in den Himmel schreien. Ach barmherziger Gott! gedenke doch nicht unserer Missethaten, deren so viele sind, wie des Sandes am Meere, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Gute willen. Wir liegen hier vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine Gnade und Barmherzigkeit; wir haben gesündigt, Unrecht gethan, find gottlos gewesen, abtrünnig geworden, und von deinen Geboten gewichen. Ach! strafe uns nicht nach deinem Zorn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Wir flichen zu dem Gnadenthrone, zu Jefu Christo, unserm einigen Helfer und Fürbitter. Ach! siehe an sein Blut und seine Wunden. O Erbarmer! erbarme dich über uns; willst du nach unsern Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, verschlingen, verbrennen, überwältigen, und es wird kein Erretter da seyn. Måchtiger Schußherr der Elen Der gläubige Chrift betet in Kriegszeiten. den! stehe auf, daß nicht Menschen die Oberhand kriegen. Du kannst uns rüsten mit Stårke zum Streit, du kannst unter uns werfen, die sich wider uns sehen. Auf dich stehet all unser Vertrauen und alle unsere Hoffnung in dieser großen Noth. Wenn Menschen wider dich wüthen, so legest du Ehre ein. Ach Gott! wie lange soll der Widerwärtige schmähen, und der Feind deinen Namen låstern, als ob uns Niemand aus seiner Hand erretten könnte? Errette uns, Gott unsers Heils! und vergib uns unsere Sünden, um deines Namens willen. Nimm dem Feinde den Muth, vertreibe ihn, und wache über unser ganzes Land, über unsere Häuser und über unsere Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen, und wende die Gefahr, darin wir schweben. Herr! dir gebühret die Ehre, daß du Schwerter zerbrichst, Spieße zerschlågst, und Wagen mit Feuer verbrennest. Erhöre das Schreien, o liebreicher Gott! derer, die jest in Gefahr stecken, und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden und ausstehen. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, Kinder und Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges ein baldiges Ende, und erhöre unser Gebet, um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. O 640 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. 641 großer Gott, voll Treu'! weil vor dir Niemand gilt, als dein Sohn Jesus Christ, der deinen Zorn gestillt, so sieh' doch an die Wunden sein, die große Angst und bitt're Pein, um dessen willen schone, und nicht nach Werken lohne. Amen. Gefa n g. Mel. Ach! Was soll ich Sünder machen, ic. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnoth, Die uns jetzt, erzürnter Gott! Soll vom Sundenschlaf aufwecken! Angst und Noth vermehren sich, Großer Gott! erbarme dich. 2. Ach! das Schwert ist scharf geweßet, Welches uns erwürgen soll, Ja der Feind ist 3ornes voll, Der sich schon das Ziel gesetzet, Wie durch seine große Macht Alles werde umgebracht. 3. Stádt' und Länder steh'n verstdret, Es vergießet Menschenblut Diese scharfe Kriegesfluth; Man erstaunet, wenn man hdret, Wie die Unbarmherzigkeit Denen Alt' und Jungen draut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, Alles weicht, Wer nur fliehen kann, der fleucht; Sogar die verborg'ne Kammer, Thaler, Wälder, Wüstenei Ist von Feindesfurcht nicht frei. 5. Hdre, wie die Armen weinen, Wenn man ihnen Alles nimmt, Und zur Knechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuerflammren scheinen; Man verheert, zerreißt, verbrennt, Daß man kaum den Ort noch kennt. 6. O! der schrecklichen Gerichte, Welche jetzt dein Zorn ausübt Gegen die, so dich betrübt! Alles macht der Feind zu nichte, Wenn du nicht, o Gott! aufwachst, Und zur Hülfe. dich aufmachst. 7. Ach! wir fallen dir zu Fuße, Nett' uns doch aus dieser M Der glaubige Christ betet in Kriegszeiten. Noth, Mächtiger Herr Zebaoth! Uch! wir thun von Herzen Buße; Schone, lieber Vater! schon', Sieh' uns an in deinem Sohn. 642 8. Dessen Blut sieh' an in Gnaden, Tilg' damit die Missethat, Welche dich erzürnet hat. Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gib ihm nimmermehr den Sieg, Großer Gott! in diesem Krieg. 9. Ach! zerbrich des Feindes Waffen, Und nimm ihm den stolzen Muth, Råche das vergoß'ne Blut, Nimm weg die verdienten Strafen; Baue, was da liegt verheert, Richt' auf, was ist umgekehrt. 10. Baß den Feind bald von uns ziehen, Schleuß des Jammers Pforte zu, Schenk' uns nach der Trübsal Ruh'; Laß den edeln Frieden blühen, Bringe das verwüst'te Land Wiederum in gutem Stand. 11. So soll, Herr! dein Lob erklingen, Es soll sagen Jedermann: Sehet! das hat Gott gethan; Und wir wollen frdhlich singen: Lobet Gottes Güt' und Gnad', Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja, wir wollen hinfort leben In der wahren Frömmigkeit, Und dir jetzt und allezeit Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bitt'rem Schrei'n Unser Herz voll Rühmenë seyn. 643 Der gläubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterun g. Psalm 46, V. 9-12. Kommet her, und schauet an die Werke des Herrn, der auf Erden folch Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlågt, Wagen mit Feuer verbrennet. Seyd stille und erkennet, daß ich Gott bin; ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Er den. Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jacob ist unser Schuß, Sela. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen, als diese: Es ist Friede! Da kommen die Geflüchteten wieder in ihre Häuser, die Berjagten haben Hoffnung, wieder zu dem Shrigen zu kommen, das Land erholet sich und grünet vor Freuden, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein gläubiger Christ erkennet, daß diese Gabe von oben herab komme, darum stimmt ſein Herz und Mund zusammen. Er lobet Gott, 1) daß er dem Zerstören, Rauben, Plundern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht, und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreiet sind. Er danket Gott, 2) daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschützet, und nicht zum Raub in die Hände der Feinde gegeben hat. Er erkennet, 3) wie der edle Friede sey gleich einer Sonne, die Alles aufrichtet, gleich einem Thau, der 41* Der gläubige Christ lobet und danket Alles erquicket. Er bittet Gott, 4) er wolle den Frieden lassen dauerhaft werden, und allen Friedensstörern selbst wehren. Er wendet 5) die Friedenszeit an, nicht zur Ueppigkeit und Wollust, sondern dazu, in seinem Christenthum zuzunehmen, und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Gebe t. 644 Herr! Herr! gnådig, barmherzig und von großer Güte, du hast aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserm Lande weggenommen, weil wir die guten Tage und den Frieden mißbraucht haben, weshalb ein blutiger Krieg entstanden; du hast die Feinde uns zur Strafe gerufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren, und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun wohl verdienet, daß dieser Krieg uns gar verderbet håtte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, du hast den Königen und kriegenden Theilen Gedanken des Friedens gegeben, dafür wir dir herzlich und mit Freuden danken. Die Könige der Heerschaaren sind eins worden, das Schwert muß auf deinen Befehl wiederum in die Scheide fahren, die Geflüchteten kommen wieder, und wir können aus unsern Thoren wiederum ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise, Jerusalem! den Herrn, lobe, Zion! deinen Gott nach erlangtem Frieden. Gott, denn er macht fest die Riegel deiner Thore, und segnet deine Kinder drinnen, er schaffet deinen Grenzen Frieden. Welch ein herrliches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreuet! Du erneuerst uns heute die gnådige Verheißung: Ihr sollt sicher in euerm Lande wohnen, ich will Frieden geben euerm Lande, daß ihr schlafet und Niemand euch schrecke, und soll kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach Herr! erhalte diesen Frieden beständig zu unsern Zeiten, erhebe über uns dein Anlig, und gib uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk geleget hast. Laß unsern Frieden seyn wie einen Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibet und quillet; denn du allein hältst Frieden nach deiner gewissen Zusage. Laß Gerechtigkeit und Frieden sich immer kussen, und Gerechtigkeit vom Himmel schauen. Gib uns deinen heiligen Geist, daß wir den edeln Frieden nicht mißbrauchen zur Ueppigkeit, Vollerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen, und in der Furcht des Herrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land, habe allezeit Gedanken des Friedens über uns. Laß uns am Ende unserer Tage in Frieden fahren, und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. Herr Gott! dich loben wir für deine großen Gna645 646 Der gläubige Christ lobet und danket Gott ic. den, daß du das ganze Land von Kriegeslaft entladen, daß du uns blühen läßt des goldnen Friedens Zier; drum jauchze alles Volk: Herr Gott! dich loben wir. Amen. ($ e fa n g. Mel. Nun lob' mein' Seel' den Herren. 1. Der Fried' ist nun geschlossen, Gott hat uns gnådiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen, Kein Land und Stadt wird mehr zerstört; Das Schwert ist eingestecket, Die Bogen losgemacht, Kein Feind, der uns erschrecket, Da uns der Friede lacht; Darum soll heut' vor Allen, Nach dieser Kriegesnoth, Ein Freudenlied erschallen Dem Herrn Herrn Zebaoth. 2. O Friede! theure Gabe, O edles Kleinod, das du bist, Dadurch nun unsre Habe Von Neuem unser worden ist, Da Gott dich uns gegeben, So gibt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh' in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüther zum Frieden sind geneigt, Der treue Menschenhůter Hat uns die Gnad' erzeigt. 3. Die helle Friedensfonne Beleucht't die Lånder weit und breit, Sie bringet Heil und Wonne, Darum ist Jedermann. erfreut; Der Ackermann kehrt wieder Zu seinem Ackerbau, Der Hirte spielet Lieder Auf seiner grünen Au'; Die Schaflein weiden stille, Weil sie kein Feind mehr schreckt, Und nun die Segensfülle Das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert Das Alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Thal erzittert, und gleichsam von der Stelle weicht: Der Friede pflegt zu heilen Das, was da liegt verheert, Und Samen auszutheilen Dem, was da ist zerstört; Mit Lust sieht man nun bauen Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu thauen, Was unserm Geist ges fällt. 5. Laß diesen Frieden dauern, O treuer Vater! lange Zeit, Daß wir in unsern Mauern Nicht mehr erfahren Kriess Der gläubige Christ betet in Theurung und Hungersnoth. 647 und Streit; Ach! habe stets Gedanken Des Friedens uns zu gut, Und halte in den Schranken Der Menschen Uebermuth; Nimm wegen unsrer Sünden Uns nur den Frieden nicht, Und laß uns Gnade finden, Wann sonst dein Born anbricht. 6. Wir wollen nun vermeiden, Da du uns diesen Frieden schenkst, Was dich und uns kann scheiden, O Gott! und gnådig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben und allein Das Herze zu dir kehren, Und also dankbar seyn; Wir wollen stets bekriegen Der Sünden Lasterheer, Und alle Lust besiegen Zu unsers Gottes Chr'. 7. Und da in diesen Tagen Der edle Friede also blüht, So laßt uns Alle sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt'; Der hat dem Krieg gesteuert, Seht! das ist Gottes That Den Frieden uns erneuert, O unverdiente Gnad'! Laßt Freudenlieder klingen Dem Herrn Herrn Bebaoth, Und laßt uns Alle singen: Nun danket alle Gott! Der gläubige Christ betet, wenn Gott mit Theurung und Hungersnoth das Land heimsuchet. Aufmunterung. Ezech. 4, 2. 16. Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrath des Brods zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brod essen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maaß mit Kummer trinken. Werden zahme und wilde Chiere mit Hunger gezüchtiget, daß sie etwas lernen oder ihre wilde Art verlassen müssen, so pfleget Gott eben solchen Zaum und Gebiß den Menschen in's Maul zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott locket sie lange mit Wohlthaten, um sie damit zu sich zu ziehen; wenn sie aber durch solche Güte sich nicht lassen zur Der gläubige Chrift betet Buße leiten, so schicket er Hunger in's Land, entweder durch Mißwachs oder durch Krieg, oder durch Theurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brod wegnimmt, daß man iſfet und nicht satt wird. Diese Strafe kommt gemeiniglich: 1) wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten, und nur auf Wohlleben bedacht sind, Jes.5, V. 13; 2) wenn man fromme Leute und die Knechte Gottes verfolget, Jer. 11, V. 22; 3) die Stimme der falschen Propheten gern höret, Jer. 14,2.15.16; 4) halsstarrig ist, Jer. 24, V. 10; 5) ungehorsam bleibet, Ezech. 4, B. 16; oder 6) wenn man Gewalt gegen Geringe verübt, 2. Sam. 21, V. 1.2. Diese Hungersnoth bringet mit sich Armuth, Elend, Verschmachten, daß Eltern ihre Kinder und andere Dinge vor Hunger effen. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amos 8, V. 11, so ist der Hunger unaussprechlich. 648 e bet. Gerechter Gott! der du einem Jeden gibst nach seinen Werken, und läsfest Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses thun: wir kommen allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schämen uns, daß wir uns dermaßen an dir verfündiget, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich hast du uns in den vorigen Jahren gespeiset! wir haben Brod in Theurung und Hungersnoth. die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben hätten uns sollen als Liebesseile zu dir, dem reichen Geber, ziehen, und zur Buße locken. Aber wie schåndlich sind diese Güter zur Völlerei, zum Wohlleben und Ueberfluß mißbrauchet worden, so, daß die Creatur selbst über uns hat geseufzet, daß sie von den undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Hånden ist empfangen worden! Was ist's denn Wunder, daß ein fruchtbar Land Nichts trågt, um der Sünde willen derer, die darin wohnen? Du strafest uns mit Theurung, Mangel, Durre, daß die Erde ihre Früchte kårglich gibt, daher die Theurung das Land drücket. Herr! höre das Schreien der Armen, die um Brod bitten und nicht fatt werden. Nimm doch zu Herzen das Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllet. Es scheint, du habest den Segen von unserer Speise genommen; wir essen, und werden nicht satt, wir nehmen viel Speise zu uns, und verschmachten fast vor Hunger, und das Vieh, die unvernünftige Creatur, rufet um Futter zu ihrem Schöpfer. Ach Herr! Herr! gnådig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen hast. Deine 649 Der gläubige Chrift betet Brünnlein haben Wasser die Fülle, darum suche das Land heim, und wässere es; laß den Himmel die Erde erhören, und erhöre du uns selbst von deinem Heiligthum. Laß die Theurung aufhören, wende dich wieder in Gnaden zu uns, sättige die Hungrigen, erfreue die Armen, segne unser weniges Brod, so wir nach dem Gewicht und mit Kummer tåglich zu uns nehmen. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brod leben können, sondern am meisten von dem Segenswort, das aus deinem Munde gehet, und dadurch du Kraft in unsere Speise legest. Laß das Feld bald mit Früchten wieder erfüllet werden, vermehre das wenige Mehl, wie das der Wittwe zu Sarepta, laß den geringen Vorrath genug seyn zur Erhaltung Vieler. Laß indessen dein Wort unsere Speise allewege seyn, uns damit zu nähren, denn das ist unfers Herzens Trost, unser Honig und Honigseim; wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Leben lang. Ach Herr! sieh' an die große Noth, entzieh' uns nicht das liebe Brod, schütt' deinen Segen aus; du bist ja unsre Zuversicht, drum bitten wir: Verstoß' uns nicht! Amen. 650 Gefa n 9. Mel. Bion klagt mit Angst und Schmerzen. 1.Mit den scharfen Theurungsruthen Machst du, o er= zürnter Gott! Unser hartes Herze bluten. Ach die bitt're 651 in Theurung und Hungersnoth. Hungersnoth Drohet uns den Untergang, Sie macht unsrer Seele bang, Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Noth erleben. 2. Es ist fast nicht auszusprechen, Wie der Mangel Alles drückt; Es möcht' dem sein Herze brechen, Der die Thränenfluth erblickt, Welche diese Noth auspreßt, Darin Gott uns sinken låßt; Schau', Erbarmer! auf die Armen, Vater! denk' an dein Erbarmen. 3. Mangel drůcket Groß' und Kleine, Unser Vorrath ist dahin, Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel! ruft der Arme aus, Mangel ist in's Reichen Haus, Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns Nichts ist übrig blieben. 4. Uch! das machen unsre Sünden, Diese steigen himmelan, Daß man keine Hülf' kann finden, Die dem Mangel steuern kann; Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben Müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern: Ach, wir sind ja noch nicht satt! Auf dem Feld und in den Kammern Liegen Viel' vor Hunger matt; Dort sieht man viel' Arme steh'n, Die um Brod und Hülfe fleh'n, Ja man hört das Vieh auch brüllen, Das will seinen Hunger stillen. 6. Herr! du hast hinweggenommen Deinen Segen von dem Brod, Und ach! daher ist gekommen Diese Theurung, diese Noth; Unsre Speise fåttigt nicht, Welch ein schreckliches Ge-, richt! Hunger bleibt auch in dem Essen, und der Speis ist bald vergessen. 7. Herr! wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last, Gib uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hast; Laß die Necker wieder blüh'n Nach dem Såen und Bemüh'n, Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brod gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater! ſo Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. verstoß' uns nicht; Dieses wahre Lebensbrod Stärke uns in dieser Noth; Auf den fetten Seelenweiden Ist leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine Segenss fluth Diese Theurungsnoth verschwinden, So wird Alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund Alle Tag' und alle Stund' Sprechen: Gott hat Brod und Leben uns aus Gnaden wieder geben. 652 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Aufmunterung. 5. B. Mos. 28, 2. 15.21.22. Wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, nicht gehorchen wirst, so werden alle diese Flüche über dich kommen. Der Herr wird dir die Sterbedrüse anhången, bis er dich vertilge; der Herr wird dich schlagen mit Geschwulst, Fieber, Higze, Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. Wenn über die, welche Böses thun, Zorn, Trübsal und Angst soll kommen, Nóm. 2, V. 8. 9, fo gehören zu solcher Angst allerdings ansteckende Krankheiten und die Pest. Diese Plage kommt mehrentheils: 1) wenn die Menschen dem Worte der Warnung und Vermahnung keinen Glauben beimessen, 4. B. Mos. 14, V. 12; 2) wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dienet, Jer. 14, B. 12; 3) Gott gar durch Ungehorsam aus den Augen seget, Jer. 24, B. 10; C. 27, V. 9; 4) die Diener Gottes verachtet, Jer. 29, V. 17; 5) wenn das Volk frech und unbåndig wird, Ezech. 14, V. 19; 6) wenn Hurerei und Mord im Schwange gehet, Ezech. Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. 33, V. 26. 27; 7) wenn keine Bußvermahnungen mehr angenommen werden, Amos 4, V. 10; 8) um Ehebruchs willen, 4. B. Mos. 25, V. 9; 9) um Gotteslästerung willen, 2. B. d. Kón. 19, V. 35; 10) um Hochmuths willen, 2. Sam. 24, B. 15, auch um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe einreißet, da ist nothwendig, daß man Buße thue, weil doch der Herr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt, derhalben auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählete. 653 Gebe t. Starker und allmächtiger Gott! groß ist dein Zorn gegen die muthwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohlthaten nicht lassen zur Buße leiten; du handelst eine Zeit lang mit den Menschenkindern als wie ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Verschonen zu sich locket, nachmals aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, so beweisest du dich als ein strenger Nichter. Dieses erfahren wir jeßt auch, gerechter Gott! wir hören, daß an vielen Örten sich eine ansteckende Seuche hervorthue, welche viele tausend Menschen dahinraffet, so daß fast in jedem Hause Todte sind, und sich nicht Hånde genug finden, sie zu begraben. Das macht dein Zorn, daß sie so verderben, und dein Grimm, daß sie so plöglich da 654 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. hin müssen. Haben wir nicht hohe Ursache, zu befürchten, du werdest das um fich reißende Uebel auch in unsere Grånzen und in unsere Stadt schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott! gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor Andern sind, welche du diese scharfe Ruthe låsfest empfinden, wir müssen vielmehr bekennen, daß wir werth sind, alle also umzukommen, wie jene. Es findet sich bei uns Šicherheit, Verachtung deines heiligen Worts, Halsstarrigkeit, Ueppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, Wollust, Stolz, ja es ist fast keine Furcht Gottes im Lande; die Heiligen haben abgenommen, und der Gläubigen sind wenige unter den Menschen. Willst du nun Sünde zurechnen, Herr! wer wird vor dir bestehen? Uch Herr, Herr! wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlig suchen; darum suchen wir auch, Herr! dein Antlig; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre, und lebe; darum schuldigen wir uns, und thun Buße im Staub und in der Asche. Sieh' nicht an unsre Sunden groß, sprich uns derselben aus Gnaden los, steh' uns in unserm Elend bei, und mach' uns aller Strafen frei. Wir haben gesündiget mit unsern Våtern, wir haben nicht recht gehandelt, und sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führet, daß er ablasse, und sage, es sey genug. Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Laß uns leben, so wollen wir deinen Namen rühmen. Sind wir keiner Gnade werth, so sind wir ihrer doch bedürftig; sind wir Alle Kinder des Todes, so hast du doch den Bußfertigen verheißen, du wollest Gnade für Recht ergehen lassen. O! so schenke uns deine Gnade und das Leben, um Jesu, unsers einigen Mittlers und Fürsprechers willen; erbarme dich, erbarme dich, Gott, unser Erbarmer! über uns, sey uns gnådig, verschone uns, lieber Herr! sey uns gnådig, bilf uns, lieber Herr Gott! Erbarme dich der Armen und Elenden, welche durch die heftige Seuche find angegriffen, und die Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubet, und von allen Menschen verlassen sind; stehe ihnen mit Trost bei, und dein Geist gebe Zeugniß ihrem Geist, daß sie Kinder Gottes sind, ob fie gleich an dieser Plage sterben müßten. Ach Herr! erhöre unser Gebet, schüße unser Vaterland, so wollen wir sagen: Der Herr hat Großes an uns gethan; ja, du kannst erretten Alle, die zu dir treten. Ach Herr Gott! durch die Treue dein mit Trost und Rettung uns erschein', beweis an uns dein' große Gnad', und straf' uns nicht auf frischer That; wohn' uns mit deiner Güte bei, dein Zorn und Grimm fern von uns sey. Amen. 655 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Gefan 9. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Was große Angst und Herzeleid Läßt uns Gott jegt erleben, Da wir in dieser Jammerzeit In Todesndthen schweben, und fast, o schreckliches Gericht! Vor des Würgengels Angesicht Erzittern und erbeben! 2. In mancher Stadt, in manchem Land Hört man von lauter Leichen, Kaum liegt der Eine in dem Sand, Muß dieser auch erbleichen; Die Todten liegen überall, Von Alten, Jungen, ihre Zahl ist fast nicht zu erreichen. 3. Dort stirbt ein Armer und verschmacht't, Das Haus ist schon beschrieen, Ein Jeder ist darauf bedacht, Der Seuch' sich zu entziehen; Ein Andrer stirbt aus Hungersnoth, Ohn' alle Pfleg', und kann dem Tod Unmöglich mehr entfliehen. 4. Gerechter Gott! dieß låsfest du Uns hören und fast sehen, Und sprichst dabei: Kommt, sehet zu! So soll es euch auch gehen, Wenn ihr von eurer Missethat, Die mich zum 3orn gereizet hat, Nicht werdet bald abstehen. 5. Ach ja! die große Sicherheit Kann Niemand fast beschreiben, Man weiß von keiner Frömmigkeit, Ein Jeder läßt sich treiben Von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung Gottes, Heuchelei, Und also will man bleiben. 6. Willst du nach unserm Sündenmaaß Die scharfe Ruthe binden, Und unsre Bosheit, Neid und Haß Sammt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch' und Pest, Davon du uns viel håren läßt, Ach! wer wird Gnade finden? 7. Gott! wir fallen dir zu Fuß, Uch Bater! schone, schone! Wir thun mit Thränen herzlich Buß' Vor deinem Gnadenthrone; Gedenke nicht, was wir gethan, Und sieh' uns doch in Gnaden an In Christo, deinem Sohne. 656 8. In Jesu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen, Wir bringen hier sein Blut vor dir, Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig seyn, Dieß heiße Blut kann doch allein Des Bornes Fluthen stillen. 9. Verleih' uns doch gesunde Luft, Und schenk' uns noc Der glaub. Christ betet, wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. 657 das Leben, Vertreib' der gift'gen Pesten Duft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herz, Geist und der Mund Dir Lob und Ruhm zu aller Stund' Mit tausend Dank erheben. Der gläubige Christ betet, wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. 2 ufmunterung. Amos 7, V. 4. 5. 6. Siehe, der Herr Herr rief dem Feuer, damit zu strafen, das sollte eine große Tiefe verzehren, und fraß schon einen Theil dahin; da sprach ich: Uch Herr, Herr! laß ab! wer will Jacob wieder aufhelfen? denn er ist ja geringe. Da reuete den Herrn das auch, und der Herr Herr sprach: Es soll auch nicht geschehen. Aus dieser Schriftstelle ersehen und lernen wir besonders dreierlei. Zuerst dieses, daß Gott immer sein Werk dabei habe, wenn er Unglücksfälle über die Menschen kommen und vornehmlich eine Feuersbrust ausbrechen läsfet. Deßwegen sagt der Prophet: Der Herr Herr rief dem Feuer. Gott rufet dem Feuer, und sendet es den Menschen unmittelbar, wenn er seine Bliße auslåsset, daß sie Wålder und Häuser anzünden. Mittelbar aber rufet er dem Feuer, wenn er zulåsset, daß es entweder Bösewichter anlegen, oder daß es aus Unvorsichtigkeit und Nachlässigkeit der Menschen entsteht. Wenn daher ein Christ höret, daß Feuer ausgegangen sey an dem Orte, an welchem er wohnet, so denket er: Das ist kein blinder Zufall, sondern das hat Gott gethan; denn ist auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht thue? Er er42 Der gläubige Christ betet, innert sich, daß er auch unter der gewaltigen Hand Gottes stehe, die ihn bei dieser Gelegenheit ebenfalls heimsuchen könne. Er beuget sich vor Gott, und flehet ihn um Schuß und Beistand an. Er empfiehlt sich kindlich seiner Gnade, in der festen Zuversicht, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge müssen zum Besten dienen. Wir erkennen aus der angezogenen Schriftstelle weiter, daß Gott das Feuer öfters zur Züchtigung und Bestrafung der Menschen brauche. Denn der Prophet sagt: Er rief dem Feuer, damit zu strafen, das sollte eine große Tiefe verzehren, und fraß schon einen Theil dahin. Gott strafet die Sünden der Menschen. Und die muß er bestrafen, sowohl wegen seiner Heiligkeit, nach welcher er denselben gram und feind ist, als auch wegen seiner Gerechtigkeit, nach welcher er die Drohungen erfüllen muß, mit welchen er die Ungehorsamen und Boshaften heimzusuchen und zu züchtigen in ſeinem heiligen Worte erklåret. Es strafet auch Gott die Menschen wirklich wegen ihrer Sünden manchmal mit besondern, manchmal mit allgemeinen Plagen. Mit besondern Plagen thut er es, wenn er sie mit Kreuz und Krankheit beleget, wenn er ihnen seinen Segen entziehet, wenn er sie mancherlei Elend empfinden låsſet. Da müssen sie inne werden und erfahren, was das heiße, den Herrn verlas658 659 wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. sen, und sich nicht fürchten vor seinem Gott. Wenn aber dieses nicht fruchten will, so sendet auch Gott zuweilen allgemeine Plagen, durch welche er seinen Zorn über die Sünder äußert. Dazu brauchet er denn auch manchmal das Feuer, und låsset durch dasselbe aller Orten Schrecken ausbreiten und öfters große Verwüstungen anrichten. Vornehmlich bestrafet Gott auf folche Art theils die Entheiligung des Sabbaths, wenn man denselben nicht zu seinem Dienst, sondern zur Arbeit und zu sündlichen Ergöglichkeiten anwendet, wie solches Jeremias, C. 17, V. 27, ausdrücklich bezeuget; theils den Undank für die von ihm empfangenen großen und unzähligen Wohlthaten, wie wir davon ein deutliches Beispiel 4. B. Mos. 11, V. 1 aufgezeichnet finden; theils aber die beharrliche Ünbußfertigkeit, wie wir aus demjenigen ersehen, was nach 1. B. Mos. 19 mit den Städten Sodom und Gomorra geschehen ist. Ein Christ muß sich deßwegen vor diesen Sünden mit besonderm Fleiß hüten, damit er nicht durch dieselben den Feuereifer Gottes über sich und über seine Brüder errege. Und wenn er von einem entstandenen Feuer höret, so muß er es als ein wohlverdientes göttliches Strafgericht betrachten. Er muß an seine Sünden denken, und Gott in die Zuchtruthe fallen, damit sie nicht auch ibn treffe. Er muß sich 42* Der gläubige Christ betet, durch das Feuer zur Buße, zur Besserung, zu Angelobung und Leistung eines neuen Gehorsams erwecken lassen. Endlich ersehen wir aus der oben bemerkten Schriftstelle, daß Gott durch ein ernstliches und eifriges Gebet könne bewogen werden, seinen Zorn fahren zu lassen und ihn wieder in Gnade zu verwandeln. Denn der Prophet sagt: Da sprach ich: Ach Herr, Herr! laß ab! wer will Jacob wieder aufhelfen? denn er ist ja geringe; da reuete den Herrn das auch, und der Herr Herr sprach: Es soll auch nicht geschehen. So wurde also Gott durch die demüthige Fürbitte des Propheten für sein Volk gegen dasselbe wieder geneigt, daß er die Gedanken des Zorns in Gedanken des Friedens verwandelte, daß er sich seiner erbarmte, daß er aufhörte, es mit Feuer zu strafen. Und so vermag das Gebet des Gerechten noch immer sehr viel, wenn es ernstlich ist. Zu demselben muß daher ein glaubiger Christ bei entstandener Feuersnoth hauptsächlich seine Zuflucht nehmen. Er. muß sich und das Seine der Aufsicht und Beschüßung Gottes empfehlen. Er muß treulich für die bitten, welche das Unglück entweder trifft, oder welchen es doch nahe ist. Er muß glaubig, brunstig, anhaltend seufzen: Ach Herr! laß ab zu zürnen und zu strafen, denn wer kann uns sonst aufhel660 wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. fen? Dann wird er auch gewiß Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden, auf die Zeit, da ihm Hülfe Noth ist. Gebe t. Herr, Herr! du bist ein unendlich gütiger und freundlicher, aber auch ein erschrecklicher Gott, wenn du zürnest und den Menschen deine Ungnade in deinen Gerichten zu erkennen gibst. Jeht erblicke ich nicht dein freundliches Angesicht, das ich so oft und vielfåltig sonst gesehen habe. Jegt sehe ich, daß du zúrnest, und wer kann vor deinem Zorn bestehen und gegen deinen Grimm sich schüßen? Von allen Seiten her höre ich jetzt Lärmen, Schreien, Jammern und Wehklagen. Mein Herz bebet. Meine Kraft hat mich verlassen. Meine Seele ist sehr erschrocken. Es ist ein Feuer ausgegangen, welches ohne deinen Willen und ohne deine Zulassung nicht hätte geschehen können. Ich weiß zwar noch nicht die eigentliche Ursache, welche diesen plößlichen Brand veranlasset hat. Aber das weiß ich doch gewiß, daß daran vornehmlich Schuld sind meine und meiner Mitbrüder Missethaten und Sünden. Die sind vor dich gekommen; die haben deiner Langmuth, mit welcher du uns so lange getragen hast, Grenzen gesehet, daß du uns einmal strafen und zeigen mußt, du feyst nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefalle, wer bös sey u.nd bos bleibe, der bleibe 661 Der gläubige Christ betet, nicht vor dir. Ach ja, Herr, Herr! wir sind Sünder, große Sünder, die deinen Zorn verdienet haben. Wir verhehlen unsere Missethaten nicht. Wir bekennen es, wir haben gesündiget im Himmel und vor dir, und sind nicht werth, daß wir deine Kinder heißen. Wir sehen nun deinen Feuereifer vor uns, und erkennen, daß du uns Alle in wenigen Augenblicken aufreiben und verderben könnest. Aber ach, ach Herr! thue doch solches nicht. Laß ab von deiner Ungnade. Gedenke mitten in deinem Zorn an deine große Barmherzigkeit, welche du verheißen haft denen, die dein Angesicht suchen. Gedenke doch nicht allein an unsere Sünden, sondern auch, und noch viel mehr, an das theure und vollgültige Versöhnopfer deines Sohnes, unsers Heilandes Jesu Christi. Um seinetwillen schone, und nicht nach Werken lohne. Lösche ab in dem Lamme deines Grimmes Flamme. Gott Vater, denk' an Christi Cod, sieh' an sein' heil'ge Wunden roth, die sind ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; deß trösten wir uns allezeit, und hoffen auf Barmherzigkeit. Nun, darauf hoffe auch ich besonders in der gegenwärtigen Noth und Gefahr, und wende mich deßwegen zu dir, als meinem einigen Beistand und Erretter. Sch empfehle zuvörderst mich, die Meinigen, mein Haus, meine Güter und Alles, was ich als Gaben 662 663 wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. von deiner Hand besige, deiner gnädigen Fürsorge und Sbhut. Wehre den Flammen, daß sie nicht zu weit greifen; laß sie verlöschen, ehe sie zu meiner Hütte sich nahen können. Stárke mich im Glauben, im Vertrauen und im Hoffen auf deine Güte, daß ich nicht möge kleinmüthig werden, wenn auch die Gefahr nåher kommen sollte. Gib mir Weisheit und Verstand, mich alsdann so zu betragen, wie es zu deiner Ehre und zu meinem Besten gereichet. Laß Alles am Ende glücklich vorübergehen, so will ich deinen Namen loben, und ohne Aufhören rühmen, was du auch diesesmal Großes an mir gethan hast. Erbarme dich auch derer, o du gnadenvoller Gott! welche jeßt sehen müssen, daß die Flammen ihre Häuser und Güter verwüsten und verzehren. Erfülle ihr Herz mit Muth und Trost, daß sie auf dich hoffen. Sey du ihr starker Schild und ihr machtiger Beistand in der großen Noth, welche sie getroffen hat, und errette sie gnådiglich. Nicht weniger nimm dich auch derer an, welche der Gefahr nahe find. Gebiete den Flammen, daß sie zu withen aufhören und ihre Wohnung nicht angreifen. Sprich nur ein Wort, so wird es geschehen. Gedenke an deine theure Zusage, die du gethan hast, da du gesprochen: So du in's Feuer gehest, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht anzünden; denn ich 664 Der gläubige Christ betet, bin der Herr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland. Gedenke daran, und thue es nach deiner großen Barmherzigkeit. Segne dabei die guten Anstalten, welche zur Dámpfung des Feuers gemacht werden, und laß dieselben die erwünschtesten Wirkungen haben. Erfülle alle die, welche den Nothleidenden beispringen, mit wahrer Liebe, mit zártlichem Mitleiden und mit deiner Furcht, damit sie ihnen redlich beistehen und helfen. Und sollten sich Bösewichter einfinden, welche an das Rauben und Stehlen denken, so rühre ihr Herz kraftig, daß sie von ihrem bösen Borsag ablassen, und die Betrübten nicht noch mehr betrüben und beschädigen. Mache unserer Noth bald ein Ende. Laß wieder Ruhe und Stille in unsere Mauern kommen. Ldsche die lodernden Flammen selbst aus, und laß sie nicht wieder ausbrechen. Laß uns aber auch durch dieses dein über uns verhängtes Strafgericht gedemüthiget, gebessert und dahin gebracht werden, daß wir uns forthin fürchten vor deinem Zorn, und nicht mehr vorsäßlich wider deine Gebote thun, sondern vielmehr unser Leben lang vor dir wandeln in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Erhöre dieß mein und aller anderen frommen Christen Gebet gnädig, und sende uns deine Hülfe, so wollen wir dich für dieſe und alle andere große Wohlthaten loben und wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. preisen, hier zeitlich und dort ewiglich. Herr Gott Vater, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heiliger Geist, erbarme dich über uns! sey uns gnådig, verschone uns, lieber Herr Gott! sey uns gnädig, hilf uns, lieber Herr Gott! Amen. Gefang. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Gerechter Gott! laß dich erbitten In der entstand'nen Feuersnoth, Uch Jesu! tritt selbst in die Mitten, Versöhn' durch deinen bittern Tod Des Höchsten Zorn und unsre Sünd', So dieses Feuer angezünd't. 2. Wir haben diese schweren Plagen, Ach, leider! långstens wohl verschuld't; Du hast jedennoch uns getragen Mit Vatertreu' und mit Geduld, Und uns mit deiner starken Hand Bisher errettet aus dem Brand. 665 3. Ach! hätten wir's doch recht erkennet, Wann du uns oft gewarnet hast, Wann anderswo dein Zorn gebrennet, Mit Hunger, Pest und Kriegeslast, Und hätten solche fremde Pein Uns lassen eine Warnung seyn. 4. Ach großer Gott! wir fallen nieder Mit Reu' vor deinem Angesicht, Und suchen deine Gnade wieder, Ach! geh' nicht mit uns in's Gericht; Laß uns die jetzt empfund'ne Noth Recht bessern, lieber Herr und Gott! 5. Gib neue Herzen, neue Sinnen, Verleih' uns deinen guten Geist, Daß der in unserem Beginnen Uns immer deine Wege weist; Erhalt' uns stets in deiner Huld, Und wenn wir fehlen, hab' Geduld. 6. Bewahr' uns ferner vor dem Schrecken, Den du uns jetzt gesendet zu, Gib, daß uns dieser mög' erwecken, In dir zu suchen unsre Ruh' Für Seel' und Leib in dieser Zeit, Durch wahre Buß' und Frömmigkeit. 066 Gebet derjenigen, welche durch das Feuer haben Schaden gelitten. 2ufmunterung. Hiob 1, V. 21. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sen gelobet! Vortreffliche Worte! in welche der fromme Hiob ist ausgebrochen, da ihm mancherlei unangenehme Nachrichten hinterbracht wurden, von den Unglücksfällen, welche seine Kinder und seine irdischen Güter betroffen hatten. Unter solchen Nachrichten lautete auch eine also: Das Feuer Gottes fiel vom Himmel, und verbrannte Schafe und Knaben, und verzehrete sie, Auch diese fürchterliche Botschaft erschreckte ihn nicht, oder brachte ihn aus seiner Fassung. Bortreffliches Beispiel für Christen, welche durch Feuersnoth in gleiche Umstånde versetzt werden, daß sie an ihren Gütern und an ihrem Vermögen Schaden leiden. Denn daß die Christen sich an dem Muster der Gottseligen und Frommen ſpiegeln und ihnen nachfolgen sollen, das lehret sie nicht nur Sirach, da er ihnen Cap. 11, V. 10 zurufet: Sehet an die Erempel der Alten, und merket sie; sondern auch Paulus, da er Róm. 15, V. 4 schreibt: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Wenn also Christen nach Der gläubige Christ betet, wenn er durch das Feuer zc. 667 dem verborgenen und gerechten Rathschluß Gottes so heimgesuchet werden, daß sie von dem Ihrigen Vieles einbüßen und verlieren, so müssen sie sich fassen und sich beeifern, nach dem Beispiel Hiobs ihr Verhalten einzurichten. Dieser fromme Mann nahm nicht nur Alles gelassen von der Hand des Herrn an, sondern er überließ sich auch getroft seiner Führung und seinem Willen. Auf solche Weise müssen es wahre Christen auch machen, und deßwegen folgende Pflichten beobachten. Ihre erste Pflicht ist, daß sie nicht glauben, als ob fie von Gott verlassen wären, sondern daß sie sich in kindlicher Demuth zu ihm nahen, und ihn um andern und neuen Segen anrufen. Ihre andere Pflicht ist, daß sie nicht kleinmüthig werden, wenn sie nun einen geringeren Borrath als sonsten vor sich sehen, fondern alsdann fleißiger beten und arbeiten, und dabei gewiß glauben, daß ihnen Gott das Verlorene reichlich wieder ersetzen könne. Ihre dritte Pflicht ist, daß sie fest auf Gott trauen, und sich versichert halten, daß er tausend Mittel in Hånden habe, ihnen den erlittenen Schaden zu erseßen, und daß er auch solches gewiß nach seiner großen Treue thun werde, wenn er nur bei ihnen seine liebevollen Absichten erreichet habe. Verhalten sich die durch den Brand beschädigten Christen auf diese Art, so werden sie unfehlbar auch 668 Der gläubige Christ betet, wenn er inne werden und erfahren, daß es Gott ein Leichtes sey, sie wieder zu segnen und reich zu machen, daß er ihre Dürftigkeit wieder werde wegnehmen, daß er so mit ihnen handeln werde, daß sie zulegt zu seinem Preis mit gerührtem Herzen müssen sagen: Der Name des Herrn sey gelobet! Gebe t. Herr, allmächtiger Gott! wie gar schrecklich ist es doch, in deine Hände zu fallen, wie gar unertråglich ist dein Zorn, wenn du denselben über die Menschen ausläsfest! Das haben wir jeßt erfahren, da du uns nicht nur mit Feuer heimgesuchet, sondern auch durch die Flammen einen großen Theil dessen wieder genommen hast, was uns dein Segen vorher bescheret hatte. Wir gestehen es frei, daß wir solche Strafen mit unsern Sünden gar wohl verdienet haben. Wir bekennen dir unsere Sünden, und verhehlen unsere Missethat nicht. Sind wir doch mit deinen Gaben nicht immer so treu umgegangen, wie wir billig geføllt. Sind wir doch manchmal ungerechte Haushalter gewesen. Sind wir dir doch vielleicht mehr als zehntausend Pfund schuldig. Kein Wunder also, daß du uns in deinem gerechten Zorn gezüchtiget und also gestrafet hast. Ach! daß wir so sehr gesündiget, ach! daß wir deine göttliche Majestät so gröblich beleidiget haben! Wir fallen dir zu Fuß, und 669 durch das Feuer hat Schaden gelitten. bitten demüthiglich um Gnade. Wir schuldigen uns, und thun Buße im Staub und in der Asche. Wir suchen dein Angesicht, ach! laß uns doch um Jesu Christi willen Gnade vor demselben finden. Merke auf uns und erhöre uns, wie wir so kläglich weinen und zagen. Strafe uns nicht mehr in deinem Zorn, und züchtige uns nicht mehr in deinem Grimm. Sey uns vielmehr gnådig, denn wir sind schwach. Heile uns, Herr! denn unsere Gebeine sind erschrocken. Sey uns gnådig nach deiner Güte, und tilge alle unsere Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Gehe nicht weiter in's Gericht mit deinen Knechten, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Bedenke, daß wir Staub und Asche sind. Thue ein Zeichen an uns, daß es uns wohlgehe. Tröste uns wieder, nachdem du uns so hart geschlagen, heile uns wieder, nachdem du uns so schwer verwundet hast. Ersege uns wieder durch deinen Segen, was uns die Flammen geraubet und in Asche verwandelt haben. Erwecke mitleidige und gute Herzen, welche uns liebreich beistehen und helfen. Segne unsern Beruf, unsere Arbeit und das Werk unserer Hånde, ja das Werk unserer Hånde wollest du fördern um deines Namens willen. Gutes und Barmherzigkeit laß uns folgen all unser Leben lang, und uns nimmermehr erfahren, daß du mit 670 Der gläubige Christ betet, wenn er durch das Feuer ic. uns zürnest. Mache uns recht vorsichtig, daß wir Feuer und Licht niemals verwahrlosen, und dadurch weder uns noch unsere Nachbarn in Schrecken und Schaden bringen. Vor allen Dingen aber mache uns recht fromm. Gib, daß das erduldete Kreuz und Leiden uns möge zu dir führen und bei dir erhalten bis an unser Ende. Schenke uns Kraft, alle Sünden zu meiden, und in einem neuen Leben vor dir zu wandeln. Laß uns den neuen Segen, den du uns schenkest, recht wohl anwenden, und so gebrauchen, daß wir immer mit unserer Rechnung vor dir bestehen können. Leite uns durch deinen Geist allezeit auf ebener Bahn, und führe uns endlich aus Gnade in dein himmlisches Reich, das du von Anbeginn bereitet hast denen, die dich lieben. Amen! es geschehe, Amen! Gott versiegle dieß in mir, auf daß ich in Jesu Namen so den Glaubenskampf ausführ'; er verleihe Kraft und Stärk', und regiere selbst das Werk, daß ich wache, bet' und ringe, und also zum Himmel dringe. Amen. ef a n g. Mel. Schwing' dich auf zu deinem Gott. 1. Kreuz und Leiden führt zu Gott, Deß will ich mich trdsten Nach erlittner Feuersnoth, Da die Angst am großten. Gott, der meint es dennoch gut, Da er mich erhalten, Darum hab' ich guten Muth, Und lass' ihn nur walten. 2. Drückt das Kreuz mich noch so sehr, Gott kann es bald wenden, Ist die Last auch noch so schwer, Kann er Hülfe Der gläubige Christ danket Gott nach der Feuersbrunst. 671 fenden; Seine Ullmacht, seine Gnad' Haben keine Schranken, Dafür will ich früh und spat Ihm von Herzen danken. 3. In dem Elend kann ich wohl Meine Ohnmacht sehen, Und wer mir da helfen soll; 3u wem soll ich gehen? Ich kann weder Hilf noch Rath Bei mir selbsten finden, Doch weiß ich, daß Gottes Gnad' Mich kann leicht entbinden. 4. Ach mein Gott! ich ruf zu dir, Lindre meine Leiden, Eile, komm' und schenke mir Nach der Trübsal Freuden; Ich vertraue dir allein, Laff' nicht ab mit Flehen, Bis du mir wirst gnädig seyn, Und mir selbst beistehen. 5. Es soll keine Trübsal doch Mich von dir abscheiden, Denn ich weiß, du lebest noch, Und stehst mir zur Seiten; Wenn mich alle Welt verläßt, Will ich dir doch trauen, Mein Glaub' hält sich an dich fest, Bis ich dich werd' schauen. Der gläubige Christ danket Gott, wenn die Feuersbrunst glücklich vorüber ist. Aufmunte rung. Röm. 12, V. 13. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Eine Ermahnung, welche den Christen die Theilnehmung an allem dem, was ihren Nebenmenschen begegnet, auf das ernstlichste empfiehlet; eine Ermahnung, welcher sie zu aller Zeit eingedenk seyn, und welche sie alsdann besonders befolgen sollen, wenn sie sehen, daß ihre Brüder mit Feuer und andern Unglücksfällen Heimgesucht werden, und dabei ihr Brod mit Chránen essen, und ihren Trank mit Weinen mischen. Bemerken sie dieses, so müssen sie mit ihnen weinen, und ihren Schmerz mit ihnen theilen, als einen Schmerz, den sie auch Der gläubige Chrift danket Gutt, empfinden, da sie mit ihnen Glieder an Einem Leibe sind. Sehen sie aber, daß ihre Nächsten sich erholen, und nach überstandener Angst wieder fröhlich werden, so müssen sie mit ihnen sich vereinigen, und dem zu Ehren Freudenlieder anstimmen, der so herrlich geholfen und Alles so wohl gemacht hat. Wahre Christen müssen zuvörderst bei entstandener und wieder gedämpfter Feuersbrunst ihre Theilnehmung an ihres Nächsten Schicksal dadurch beweisen, daß sie über das Unglück, das ihn betroffen, sich nicht freuen, daß sie ihm dasselbe nicht gönnen, daß sie nicht in ihrem Herzen sagen: Da, da, das sehen wir gerne. Denn das zeuget von Bosheit, Schalkheit und Lieblosigkeit, welche Christen nicht geziemet. Vielmehr müssen sie bedenken, daß das Feuer eben sowohl bei ihnen als bei An-> dern håtte ausgehen, daß es sie eben sowohl wie Andere båtte beschädigen und arm machen können, und daher so daran Theil nehmen, als ob es ihnen selbst begegnet wäre, und aus wehmüthigem Herzen mit ihnen klagen und weinen. Wahre Christen müssen sich dabei weiter alles lieblosen Richtens enthalten, daß sie die durch den Brand Beschådigten nicht gleich für große Sünder erklären, daß sie sich nicht für frömmer und besser als jene halten, daß sie nicht das Unglück, das sie betroffen, für gerechte Strafen ihrer 672 wenn die Feuersbrunst vorüber ift. Bosheit ausschreien, sondern dabei vielmehr ihre Hand auf den Mund legen und in der Stille sagen: Der Herr hat's gethan, und wer ist je sein Rathgeber gewesen? Wahre Christen, welche vom Feuer Nichts erlitten haben, müssen gegen die Abgebrannten noch weit mehr ein wahres Mitleiden beweisen und auBern. Solches müssen sie so thun, daß sie ihnen Alles wieder zurückgeben, was sie ihnen etwa in der Feuersgefahr hatten anvertraut, und davon nicht das Geringste zurückhalten, denn das ist gestohlen und die Betrübten noch mehr betrübt, welches unverantwortlich ist. Solches müssen sie auch endlich noch so thun, daß sie, wenn jene eine Beisteuer von ihnen begehren, ihnen gerne, willig, reichlich und nach ihrem Vermögen geben, ebenso, wie sie wünschen, daß es ihr Nächster in ähnlichen Fallen gegen sie thun môge. So weinen sie mit den Weinenden, und nehmen Theil an ihrem Jammer und Elend. So müssen aber auch wahre Christen sich freuen mit den Fröhlichen. Wenn sie sehen, daß ihre beschädigten Brüder sich ermuntern, ihr Herz zu Gott erheben und ihm danken, daß er doch in der Noth ihres Angesichts Hülfe und ihr Gott gewesen ist, so müssen sie sich mit ihnen im Geiste verbinden, mit ihnen Gott loben und preisen, und ihm von Herzen eben sowohl dafür Dank opfern, daß er ihren Brüdern wie43 673 674 Der gläubige Chrift danket Gott, der geholfen, als auch dafür, daß er sie beschüzzet, beschirmet und unbeschädiget gelassen hat. Thun wahre Christen dieses, so thun sie ihre Pflicht, und das bringet ihnen lauter Segen und Heil. Gott hat an ihnen ein gnådiges Wohlgefallen. Er nimmt sie in seinen Schuß. Er wird an sie in allen ferneren Nöthen denken, und sie aus denselben herausreißen. Er wird sie immerdar schmecken und sehen lassen, wie freundlich er sey. Gebet. So hast du denn nunmehr, o heiliger und gerechter Gott! ein Gericht an uns hinausgeführet, mit welchem du uns haft strafen, züchtigen und bessern wollen. Du hast uns zwar dabei ein Hartes erzeiget, aber du haft doch auch Größes an uns gethan, daß wir sagen müssen: Der Herr ist gerecht, und seine Gerichte sind auch gerecht. Ich zittere noch, wenn ich an das Schreien, an das Winseln, an das Heulen und Weinen denke, welches noch vor Kurzem von allen Seiten her meine Ohren erfüllet hat. Jch kann mich noch nicht recht fassen, wenn ich mich erinnere, wie viele Eltern, wie viele Kinder, wie viele Unmůndige und Säuglinge, wie viele Schwangere und Säugerinnen, wie viele Kranke und Sterbende in der größten Gefahr gewesen sind, von den Flammen verzehrt zu werden, wie sie in solcher Noth zu dir geschrieen ha wenn die Feuersbrunst vorüber ist. ben, und wie viele Tausende hätten unglücklich werden können. Du hast zwar Viele durch das Feuer um das Ihrige kommen und arm werden lassen, aber du hast doch auch mitten im Zorne noch an deine Gnade gedacht. Du hast dem Feuer geboten, stille zu stehen und nicht weiter um sich zu greifen. Du hast das Seufzender Elenden erhöret und dein gnädiges Angesicht wieder zu uns gewendet, daß die wüthende Flamme nicht Alles verzehret hat. Welch eine Gnade und Güte! dafür sey hochgelobet und gepriesen. Besonders aber sey dir auch Lob und Dank gesagt für die vorzügliche Barmherzigkeit, welche du mir Armen bei dieser Gelegenheit erzeiget hast. Ich bin nicht besser als meine Brüder; ich habe gleiche Strafe verdienet. Aber du hast mich in Gnaden verschonet. Du hast mir unter der Noth Muth und Trost verliehen; du hast das Feuer von meiner Hütte abgehalten; du hast mich, die Meinigen, meine Güter und mein Vermögen ganz unversehrt gelassen. Ach! wie soll ich dich doch dafür genugsam loben? Tausendmal, tausendmal sey dir, großer König, Dank dafür! O! daß ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund, ich stimmte damit um die Wette, aus allertiefstem Herzensgrund, ein Loblied nach dem andern an, von dem, was du an mir gethan. Da aber mein Vermögen 43* 675 Der gläubige Christ danket Gott, viel zu schwach und gering ist, dir, o Gott! so zu danken, wie es die Größe deiner mir erwiesenen Güte und Huld erfordert, so nimm meinen Willen für die That an, und laß dir mein armes Lallen in Gnaden wohlgefallen. Verleihe mir dabei Kraft und Stärke, daß ich dir mein ganzes folgendes Leben zum Dankopfer widmen und darbringen, daß ich die Sünde ernstlich meiden, daß ich der Heiligung eifrig nachjagen, daß ich dir unverrückt anhangen und treulich dienen möge bis an mein seliges Ende. So erbarme dich meiner um Jesu Christi willen, und erhalte mich in deiner Gnade, daß ich dieselbe genießen könne, hier zeitlich und dort ewiglich. Nimm dich aber auch besonders derer an, welche die gedampfte Feuersbrunst betroffen hat. Richte du sie selbst auf mit deinem göttlichen Troste, und laß sie deinen heiligen Willen erkennen. Gib ihnen Geduld in ihrer Trubsal, und laß sie in wahrer Gelassenheit nur an dir und deiner Gnade hangen. Erseße ihnen den erlittenen Verlust mit deinem Segen, und verleihe ihnen Gnade, daß sie deine våterliche Liebe, Güte und Treue an sich erkennen, und dich dafür ohne Aufhören loben und preisen. Nun, Herr, unser Gott! sey uns Allen in Zukunft gnådig und barmherzig. Nimm uns in deinen Schuß und Schirm. Bewahre uns vor aller ferneren Feuersgefahr. Gedenke an uns 676 wenn die Feuersbrunst vorüber ist. 677 allezeit in Gnaden. Thue uns wohl nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Thue uns wohl bis an das Ende unserer Tage, so wollen wir dir opfern die Farren unserer Lippen, wie wir solches auch jest thun, da wir auf unsere Kniee fallen und sagen: Herr Gott! dich loben wir, daß du uns zwar gestrafet, jedoch in deinem Zorn nicht gar haft weggeraffet; es hat die Vaterhand uns deine Gnadenthür jetzt wieder aufgethan; Herr Gott! wir danken dir. Herr Gott! wir danken dir, du Ifraelis Hüter, daß du uns våterlich die Kirch', die Stadt, die Güter bisher erhalten hast; gib ferner Gnad' allhier, daß auch die Nachwelt sing': Herr Gott! wir danken dir! Amen. Gefan g. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herrn zc. 1. Laßt uns den Herrn hoch preisen, Und ihm den Dank erweisen, Den er von uns begehret, Da er der Noth gewehret. 2. Wie schreckten uns die Flammen! Wie liefen wir zufammen! Wie wallten uns're Herzen Vor Furcht, vor Angst, vor Schmerzen! 3. Das Alles ist geendet, Da du uns, Gott! gesendet Dein' Hülf', die uns war nahe, Eh' man es sich versahe. 4. Dank, Dank sey deiner Güte! Erfüll' nun das Gemüthe Mit Freuden nach dem Weinen, Laß uns dein Licht stets scheinen. 5. Dein Licht in deinem Worte Laß doch an unserm Orte So leuchten, daß wir Blinden Den Weg zum Himmel finden. 6. Laß uns dein Licht umstrahlen, Wenn Dunkelheit, wenn Qualen Uns noch so heftig schrecken, Und deinen Zorn entdecken. Der gläubige Christ betet zu Gott 7. Dann laß uns deutlich sehen, Daß du uns wirst beistehen; Dann laß uns auf dich trauen, Bis wir dich ewig schauen. 8. Und dann laß uns ohn' Ende, Wenn wir in deine Hånde Hier Leib und Seel' ergeben, In Freude bei dir leben. 678 Der gläubige Christ betet zu Gott bei anhaltender nasser Witterung. Aufmunterung. fod the 1. B. Mos. 6, V. 17. Siehe, ich will cine Sündfluth mit Wasser kommen lassen auf Er den, zu verderben alles Fleisch, darin ein lebendiger Odem ist unter dem Himmel; Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. Auf diese Weise erklärte sich Gott ehedem gegen den frommen Noah, und entdeckte ihm damit ein schweres Strafgericht, welches er Willens sey, über die fündige Welt zu verhangen. Gott lehret ihn damit zuvörderst, daß die kommende Wasserfluth allein von ihm und von seiner Weisheit und macht abhange, indem er ſagt: Ich will Wasser kommen lassen auf Erden. Er zeiget ihm damit weiter, daß er solches im Zorn, um der Sünden der Menschen willen thun wolle, indem er es ausdrücklich eine Sündfluth nennet. Er bemerket auch endlich noch, daß er solche zur Bestrafung, zum Berderben der Sünder senden und ge brauchen wolle, indem er spricht: zu verderben alles Fleisch, darin ein lebendiger Odem ist unter dem Himmel; Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. Dieses Alles traf auch rich bei anhaltender nasser Witterung. tig ein. Es kam die Sundfluth; die Wasser wuchsen; alles Fleisch wurde verderbt; was einen lebendigen Odem hatte und nicht mit dem Noah in den Kasten gegangen war, das starb. Dieses überzeuget uns sowohl von der Wahrhaftigkeit Gottes, nach welcher er alle seine Zusagen, sowohl seine Verheißungen, als auch seine Drohungen, auf das Genaueste erfüllet, als auch von seiner Gerechtigkeit, nach welcher er die Sünden und Uebertretungen der Menschen zwar lange mit Geduld trägt und übersiehet, aber sie am Ende doch in seinem Zorn heimsuchet und strafet, wenn sie nicht davon ablassen und rechtschaffene Buße thun. Und obgleich Gott verheißen hat, daß er die Welt nicht mehr mit einer allgemeinen Ueberschwemmung züchtigen und sie darin vertilgen wolle, ob es gleich dabei gewiß und ewig bleibet, so läßt doch Gott noch manchmal zur Demüthigung und Erweckung der fündigen Menschen Wasserfluthen, starke Wassergüsse und eine anhaltende nasse Witterung kommen, daß der Regen anhålt und nicht aufhören will, vom Himmel herabzufallen. Wenn nun wahre Christen dergleichen Vorfallenheiten wahrnehmen, so erinnern sie sich dabei zuerst, daß sie von Gott kommen, daß sie unter seiner weisen Regierung geschehen, und geben sich deßwegen getrost in seine Hände, in der festen Zuversicht, daß er doch 679 Der gläubige Christ betet zu Gott Alles wohl machen werde. Wahre Christen bedenken weiter bei solchen Vorfallenheiten, daß Gott über ihre Sünden, über ihren Ungehorsam zurne. Deßwegen kehren sie in sich, und suchen ihr böses Wesen und Leben zu erkennen, zu bereuen, und in wahrer Buße bei ihm, um Jesu Christi willen, Gnade und Vergebung zu erlangen. Wahre Christen erwågen auch noch endlich bei solchen Vorfallenheiten, daß sie gar leicht zu ihrem Verderben gereichen können. Sie sind dabei nicht gleichgültig, sondern überdenken mit Aufmerksamkeit, was Gott an ihnen thun könne. Und da sehen sie gar bald, wenn die naffe Witterung zu lange anhalten würde, wie gar leicht alsdann der Erdboden zu sehr erweichet, die Früchte des Feldes verfaulen, die Gewächse verderben, den Menschen und dem Vieh die Nahrung und das Futter entzogen, und dadurch Mangel, Theurung, Hunger, Krankheit und endlich eine allgemeine Noth erregt werden könne. Dieß treibet sie zu Gott, daß sie sich ihm empfehlen, daß sie zu ihm schreien und rufen in ihrer Noth, daß sie ihn um die Abwendung des ihnen drohenden Strafgerichts anflehen, daß sie bei ihm kindlich und glaubig die Errettung und Hilfe suchen, welche ihnen zu solcher Zeit besonders nöthig ist. Wenn sie dieses thun, so wird ihnen Gott wieder sein Herz zuwenden, und so gnådig 680 bei anhaltender nasser Witterung. 681 werden, als er vorher zornig gewesen. Er wird sich ihrer erbarmen und ihnen fruchtbare Zeiten schenken, daß ihre Herzen erfüllet werden mit Speise und Freude. Ge b Großer und majestátischer Gott! der du den Himmel ausgebreitet, die Erde gegründet und Alles erschaffen hast, was da lebet, webet und ist; wir sehen es mit unsern Augen, daß du Alles regierest und Alles schaffest, was du nur willst. Wie bald kannst du nicht die Gestalt der Erde verändern! Wie bald kannst du ihr nicht ihre Schönheit und Zierde nehmen! Wie bald kannst du uns nicht wieder das Gute und den Segen entziehen, den du uns vor Kurzem gezeiget hattest! Das erfahren wir jetzt besonders, da du die Fenster des Himmels haft aufgethan, und ohne Aufhören den Regen herabfallen låsfest. Alles ist traurig und betrübt; Alles erreget einen fürchterlichen Anblick; die Sonne entziehet uns ihren erwärmenden und erquickenden Schein; das Auge und Herz wird niedergeschlagen, da es Nichts als schwere und trübe Wolken erblicket; das Erdreich ist mit Waſser bedecket; das Gras und die Früchte des Feldes sind der Fäulniß nahe; die Flüsse schwellen und drohen mit Ueberschwemmung; die Wege werden uubrauchbar, und hindern vielleicht Handel und Gewerbe; und wer weiß, 682 Der gläubige Christ betet zu Gott was noch für Schaden und Verlust aus dieser Noth, die uns jetzt getroffen hat, entstehen kann. Ach Herr, Herr! siehe doch an diesen unsern Jammer, und erbarme dich über uns gnådiglich. Du zeigest uns jezt gar deutlich, daß du über uns zurnest. Und wir erkennen es auch gar wohl, daß wir mit unsern Sunden, mit unserm Ungehorsam, mit unsrer Untreue und Widerspenstigkeit diesen deinen Zorn erreget haben. Ja, ja, wir sind Sunder, große Sünder, und mangeln gånzlich des Ruhms, den wir vor dir haben sollen. Wir haben gesündiget im Himmel und vor dir, und sind nicht werth, daß wir deine Kinder heißen. Wir haben's verdienet, recht wohl verdienet, daß du uns deinen Segen entziehest und dafür deine Ungnade empfinden läsfest. Wir bekennen dir deßwegen unsere Sünden, und verhehlen unsere Missethaten nicht. Wir demüthigen uns vor dir in wahrer Buße, und bitten dich um Erbarmung und Gnade. Ach! so erbarme dich denn wieder über uns, nachdem du uns so empfindlich geschlagen und betrübet hast. Gedenke an uns und segne uns. Gedenke unserer im Besten. Gedenke, daß wir nur Staub und Asche sind. Gedenke an die vollkommene Versöhnung Jesu, und laß um derselben willen auch nunmehr bei uns Gnade für Recht ergehen. Du hast ja verheißen, so lange die Erde stehe, solle nicht aufhören Sa bei anhaltender nasser Witterung. men und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hiße, Tag und Nacht. Du hast ja zugesagt, du wollest fåttigen Alles, was da lebet auf Erden, mit Wohlgefallen. Du hast ja die theure Zusage gethan, daß du die Erde und ihre Bewohner nicht mehr mit Wasser vertilgen und ausrotten wollest. Ach! daran gedenke doch auch jest. Ach! das erfülle doch auch an uns, o du Gott voller Gnade und Wahrheit! Thue die Fenster des Himmels zu, und gebiete dem Regen, daß er aufhöre, auf uns zu fallen. Heitere den trüben Himmel auf, und laß uns das schöne Sonnenlicht wieder leuchten. Trockne und erwärme damit die allzu feuchte Erde. Gib dem Gras und allem Gewächse ein neues Leben. Bringe Alles wieder hervor und zu seiner Zeitigung und Reife, damit wir zu seiner Zeit den nöthigen Vorrath an Korn, Most und Oel, und Allem dem, was zu unserer Erhaltung nöthig ist, mit Freuden einsammeln können. Verleihe uns ferner ein fruchtbares und gedeihliches Wetter. Bewahre uns vor Hagel und Ungewitter. Schenke Frühregen und Spatregen zu seiner Zeit, und laß die liebe Sonne das Land immer wieder erquicken, wenn du es gewässert hast, daß so das Gras wachse für das Vieh und die Saat zum Nußen der Menschen. Laß uns aber auch alsdann deine Gaben, die du uns so wunderbarlich erhalten 683 684 Der gläubige Chrift betet zu Gott und so gnådig bescheret hast, mit Danksagung empfangen, und nimmermehr vergessen, was du Großes an uns gethan hast. Erweiche besonders noch unsere harte Herzen durch die uns erzeigte Güte und Treue, daß wir uns redlich bessern, alle wissentliche Sünden meiden, der Frömmigkeit und Tugend nachjagen, und bis an unser Ende vor dir wandeln, wie es dir gefällig ist. Und dann nimm uns auch, nach bewiesener Treue, in Gnaden auf in dein ewiges, himmlisches Reich. Da wollen wir dir weit vollkommener danken für alle uns erzeigte Wohlthaten, als wir hier in der Schwachheit thun konnten. Da wollen wir, wenn Alles wird wohl klingen, dir ewig Lob und Dank singen. Heilig, heilig, heilig werde, Gott! dein Name stets genannt, denn der Himmel und die Erde machen deinen Ruhm bekannt; deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Pracht hat doch nirgend ihres Gleichen; Gott! wer kann dein Lob erreichen? Amen. Gefang. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele! zc. 1. Soll der Himmel allzeit weinen? Soll er stets bedecket steh'n? Soll uns keine Sonn' mehr scheinen? Soll man sie nicht wiederseh'n? Willst du denn, erzürnter Gott! Nicht ans sehen uns're Noth? Siehe, durch des Regens Triefen Schwel len auf fast alle Tiefen. 2. Alles stehet überschwemmet, Alles faulet auf dem Feld, Nichts ist, das den Regen hemmet, Der da tåglich häufig bei anhaltender nasser Witterung. 685 fällt; uns're Früchte zeit'gen nicht, Weil es an der Wärm' gebricht; Was sich nach der Sonne sehnet, Steht mit Regenthau bethrånet. 3. Alles trauert, was man siehet, Ist mit Wasser angefüllt, Da die Sonn' sich uns entziehet, Ist der Himmel ganz verhüllt; Ach! es ist uns angst und bang, Ein Tag scheint uns Wochen lang, Weil so viele Tag' vergehen, Daß wir keine Sonne sehen. 4. Ach! der Himmel will uns lehren, Wie wir gar verstocket sind, Daß man sich nicht will bekehren, Daß bei uns kein' Statt mehr find't, Wenn man rufet: Thut doch Buß'! Geht und fallet Gott zu Fuß! Drum will uns die Fluth ersaufen, Wenn wir unsre Sünden håufen. 5. Ach! es will der Himmel weinen, Weil Niemand die Sünd' beweint; Wer ist doch von Groß und Kleinen, Der es jetzt mit Gott recht meint? Wo ist Buße, Frömmigkeit, Wahre Lebensheiligkeit? Drum kann, ob wir heftig schreien, Keine Hülf' uns angedeihen. 6. Ach Gott! thu' dich doch erbarmen, Halte doch den Regen ein; Hdre das Geschrei der Armen, Gib uns warmen Sonnenschein; Sieh', wir kommen in der Zeit, Unfre Sünden sind uns leid, Und daß wir zu unserm Schaden Solche Straf auf uns geladen. 7. Schenk' uns doch die Sonne wieder, Ach Gott! so soll unser Mund Singen Dank und Freudenlieder; Denk' doch an den Gnadenbund, Den der Regenbogen weist, Und uns deine Gnad' verheißt; Laß uns sehen aufgerichtet, Was der Regen hat vernichtet, 38. Laß die Wárme doch erquicken, Was die rauhe Regenluft Wollte auf dem Feld ersticken Durch den kalten, nassen Duft; Ach, du großer Gott! gebeut, Daß da, wenn du willst, noch heut' Von dem blauen Himmelsfaale Uns die liebe Sonn' bestrahle. 9. Wenn du dieß Gebet erhdrest, Und uns schenkst der Sonne Glanz; Wenn du wiederum beschereft, Was da schien Der gläubige Christ betet zu Gott verdorben ganz: Wollen wir zu aller Zeit Preifen deine Gütigkeit, Daß du Sonne, Licht und Leben Wiederum uns hast gegeben. 686 Der gläubige Christ betet zu Gott bei anhaltender Hiße und Dürre. Aufmunterung. Sac. 1,3. 17. 18. Elias war ein Mensch gleichwie wir, und er betete ein Gebet, daß es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monden, und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. Die eigentliche Absicht, in welcher uns der heilige Apostel Jacobus dieses Beiſpiel des Propheten Elias vor Augen stellet, ging keinesweges dahin, um uns zu lehren, als ob es blos in dem Willen und in der Macht dieses Propheten gestanden habe, dem Lande den Regen zu verschaffen und zu entziehen, sondern vielmehr dahin, um uns zu zeigen, daß ein gläubiges, rechtschaffenes und Gott wohlgefälliges Gebet eine gar große Kraft habe und sehr Vieles ausrichten könne, und damit seinen kurz vorher gethanen Ausspruch: Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist, noch mehr zu bestätigen und außer allem Zweifel zu sehen. Daraus erkennen wir denn folgende drei Wahrheiten. Die erste Wahrheit: Gott allein ist der Herr des Regens, oder derjenige, welcher die Macht hat, den Menschen den Regen entweder zu senden, bei anhaltender Hitze und Dürre. oder aber auch vorzuenthalten, und in dessen Willen es allein stehet, den Himmel aufzuthun oder ihn verschlossen zu halten. Dieſe Macht kommt Gott nicht allein zu als dem Herrn der Natur, als dem Schöpfer, Erhalter und Versorger der Welt, der Alles thun kann nach ſeinem Wohlgefallen, und Alles in seiner Hand hat, sondern sie wird ihm auch in ſeinem heiligen Worte vorzüglich und allein zugeeignet. Denn so sagt unter andern der Prophet Jeremias, Cap. 14, V. 22.: Es ist ja doch unter der Heiden Gögen keiner, der Regen könnte geben, so kann der Himmel auch nicht regnen; du bist ja doch der Herr, unser Gott, auf den wir hoffen, denn du kannst ſolches Alles thun. Von ihm kommt also die Befeuchtung und Austrocknung der Erde, die Nässe und die Durre her. Zu ihm wendet sich auch Elias vornehmlich mit seinem Gebet. Seine Hand, seinen Rath muß man daher allezeit erkennen und in Demuth verehren, wenn man siehet, was auf Erden geschiehet. Nicht der Natur, nicht dem Schicksal darf es also der Christ zuschreiben, wenn der Regen kommt und wenn derselbe ausbleibet, sondern dem Herrn der Natur; die Mitwirkung und Regierung Gottes muß er dabei erkennen und sich derselben gånzlich unterwerfen. Die andere Wahrheit: Es ist eine große Gnade von Gott, wenn er den Regen zur rechten Zeit sendet; 687 Der gläubige Chrift betet zu Gott wenn er aber solches unterlåsset, so ist es von ihm eine schwere Strafe. In beiderlei Rückficht betete Elias zu Gott. Zuerst betete er, daß der Regen ausbliebe und das Volk wegen seiner Sünden bestrafet würde. Hernach aber betete er, daß Gott seine Strafe wegnehmen, seinen Zorn wieder in Gnade verwandeln und das ausgetrocknete Land wieder mit dem Negen erquicken wolle. Und in der That ist die Verleihung des Regens eine große Gnade von Gott. Das Erdreich wird dadurch erweichet und zur Hervorbringung seiner Frucht tüchtig gemacht. Der in der Erde liegende Same wird zum Aufgehen bereitet und zum Keimen gebracht. Felder und Wälder werden gestärket. Menschen und Thiere werden erquicket. Die ganze Natur wird belebet und in ihrer Pracht erhalten. Wer muß also nicht den Regen für eine rechte Gnadenwohlthat erkennen, welche Gott den Menschen erzeiget? Deßwegen verheißet auch der Herr dieselbe vornehmlich den Menschen alsdann, wenn sie würden in seinen Wegen wandeln, seine Ge-, bote halten und darnach thun. Denn so sagt er ausdrücklich 5. B. Mos. 11, V. 13, 14, 15 ,: Werdet ihr meine Gebote hören, die ich euch heute gebiete, daß ihr den Herrn, euern Gott, liebet und ihm dienet von ganzem Herzen und von ganzer Seele, so will ich euerm Land Regen geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spat688 bei anhaltender Hibe und Dürre. 089 regen, daß du einsammlest dein Getreide, deinen Most und dein Del, und will deinem Vieh Gras geben auf dem Felde, daß ihr effet und satt werdet. Gleichwie es aber auf diese Weise eine große Gnade von Gott ist, wenn er dem Lande den nöthigen Regen gibt, also ist es auch im Gegentheil eine große und schwere Strafe, wenn er denselben zurückhålt, und das Land mit Dürre, Trocknung und Hiße beleget. Diese Strafe låffet Gott über die Menschen kommen, wenn sie an ihm sündigen und nicht in seinen Geboten wandeln. So gerecht diese Strafe ist, so hart, so empfindlich ist sie auch. Denn wie jammerlich und erbärmlich stehet es nicht allenthalben, wo der Regen fehlet, wo Hitze und Dürre drücket? Die Erde springt von einander, und hat keine Kraft, ihre Gewächse zu liefern. Die Wiesen werden den Einöden gleich; die Bäume verwelken; die Früchte fallen ab; das Vieh dürstet; der Mensch schmachtet; Theurung, Mangel, Krankheiten und Seuchen können leicht entstehen; das ganze Land ist mitten im Sommer gleichsam mit einem Todtenkleide angezogen. Trauriger Anblick! empfindliche Strafe! Siehet man daher dieselbe vor sich, fühlet man sie, so muß man dabei nicht gleichgültig bleiben, sondern vielmehr in sich gehen, seine Verfündigungen erkennen, und mit einem gedemüthigten und bußfertigen Herzen die 44 Der glaubige Christ betet zu Gott Versöhnung derselben in Christo Jesu bei Gott suchen, und ihn mit zerknirschtem Geist um die Linderung und Abwendung seiner gerechten Strafen anrufen. Die dritte Wahrheit: Ein rechtschaffenes und Gott wohlgefälliges Gebet ist das sicherste Mittel, vermittelft dessen man von Gott alles Gute, und auch das erlangen kann, daß er seine Strafe abnehme, und das verdorrete Land mit einem gnädigen Regen säuge und erquicke. Das ersehen wir aus dem Beispiel des Elias. Dieser war zwar ein Prophet des Herrn, aber doch übrigens ein Mensch, ein sündiger, ein sterblicher, ein ohnmächtiger und schwacher Mensch, gleichwie wir. Er betete, und Gott gab ihm, was er bat. Er betete nach dem Willen und Wohlgefallen Gottes, und er wurde erhöret. Gleiches Glück können auch wir genießen. Gleichen Segen können auch wir erlangen; denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person. Wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Wer zu ihm betet nach seinem Willen, den erhöret er. Wenn daher wahre Christen sehen, daß Gott seine Hand zur Strafe über sie habe ausgestrecket, daß er ihnen den Regen entziehe, daß er sie mit Hiße und Dürre plage, so müssen sie zum Gebet ihre Zuflucht nehmen, und dasselbe nur so verrichten, daß es vor Gott kommen und bei ihm einen süßen Geruch erwecken könne. Sie müssen so beten, 690 bet anhaltender Hitze und Dürre. 091 daß sie ihre Sünden aufrichtig bekennen; so beten, daß sie deren Vergebung in Christo Jesu gläubig suchen; so beten, daß sie dabei im mindesten nicht zweifeln; so beten, daß sie nicht nachlassen, sondern damit anhalten, bis * hnen die verlangte Hülfe ist zu Theil worden. Dann können sie versichert seyn, daß sie Gott erhören und ihnen das geben wird, was ihr Herz begehret. Dann werden sie bald die Erfüllung ihres Verlangens vor sich sehen; denn der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Ernst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er höret ihr Schreien und hilft ihnen. Se b e t. Nun, so hilf uns denn auch, o Herr, unser Gott! der du bist gnådig, barmherzig, geduldig und von großer Gute und Treue, in der großen Noth, in welcher wir uns jego zu dir nahen und dich um deine Barmherzigkeit anrufen; hilf uns in der großen Noth, welche uns nunmehr betroffen hat; hilf uns, und errette uns wieder aus derselben gnädiglich. Du hast ehedem deinem Volke gedrohet, wenn es deiner Stimme nicht gehorchen, wenn es nach deinen Geboten und Rechten nicht thun würde, so wollest du den Himmel über seinem Haupte ehern und die Erde unter seinen Füßen eisern machen, so wollest du seinem Lande Staub und Asche für Regen geben, so wollest 44* 692 Der gläubige Chrift betet zu Gott du es also strafen, bis es vertilget würde. Diese gerechte und schreckliche Drohung fångst du nun auch bei uns an zu erfüllen. Du hast uns schon eine Zeit lang mit einer anhaltenden Hiße und mit einer Alles auszehrenden Dürre heimgeſuchet. Du haft schon eine geraume Zeit den Himmel wirklich vor uns verschlossen, und den Wolken geboten, daß sie entweder von uns fliehen, oder uns doch keinen Regen geben sollten. Es scheinet in der That, als ob der Himmel über uns ehern und die Erde unter uns eisern geworden sey. Ach! wie traurig und erbärmlich sieht es deßwegen auf den Feldern und Wiesen, auf den Bergen und in den Thälern, in den Frucht- und Weingårten, ja allenthalben aus! Die Erde sperret ihren Mund auf und seufzet um Erquickung. Menschen und Thiere lechzen vor großer Hiße; die Bäume verdorren. Das Gras verwelket; die Früchte können nirgend wachsen und zu ihrer Zeitigung kommen; es mangelt dem Vieh an Futter, und unsere Flüsse, Bache und Brunnen müssen endlich vertrocknen, daß wir an Wasser Mangel haben. Und welche traurige Folgen können nicht noch daraus entstehen? Ach Herr, Herr! siehe doch darein, und mache dieser unserer Noth ein Ende. Wir müssen es allerdings vor deinem heiligen Angesicht bekennen, daß wir wegen unsers beständigen Ungehorsams gegen deine bei anhaltender Hige und Dürre. Gebote, daß wir wegen des schåndlichen Undanks gegen deine vielen Wohlthaten, daß wir wegen des großen Mißbrauchs des Guten, das du uns erzeigest, dergleichen schwere Strafen gar wohl verdienet haben. Ja, wir müssen gestehen, daß du gar nicht unrecht hättest, wenn du wegen unserer vielfältigen Missethaten uns mit noch weit hårteren Strafen belegtest. Aber, o Vater der Barmherzigkeit! fiehe, wir fallen dir gebeugt und gedemüthigt zu Fuße, und bitten dich, vergib uns doch unsere großen Sünden, und wende dein gnådiges Angesicht doch wieder zu uns. Erbarme dich über uns, und wende doch diese schwere Plage endlich von uns ab. Du bist es ja, der du uns Menschen viel Gutes thust, du bist es, der du uns vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gibst, und unsere Herzen erfüllest mit Speise und Freude; du feuchtest die Berge von oben her, und machest das Land voll Früchte, die du schaffest; du låſſest Gras wachsen für das Vieh und Saat zum Nußen der Menschen, daß du Brod aus der Erde bringest; Aller Augen warten deßwegen auf dich, daß du ihnen Speise gebeft zu seiner Zeit. Ach! so denke denn auch jetzt an uns um deines Namens willen, und erquicke uns mit einem fruchtbaren und durchdringenden Regen. O du allmächtiger Schöpfer und Erhalter aller Dinge! thue doch die Fen603 Der gläubige Christ betet zu Gott ster des Himmels auf, suche das Land, das nach deiner Güte lechzet, einmal wieder heim, und wässere es, daß die Früchte auf den Aekkern und in den Obst- und Weingarten zu ihrer Reife kommen, daß die Gewächse in den Feldern aufwachsen, daß das Gras auf den Wiesen hervorkomme, daß Menschen und Vieh allenthalben wieder Nahrung und Unterhalt finden mögen. Sind wir gleich, o Gott! ungehorsame Kinder bis hierher gewesen, so sind wir doch noch durch Christum deine verföhnten Kinder; und daher rufen wir dich um ſeinetwillen demüthig an, du wollest unser Seufzen und Flehen in dieser so dringenden und anhaltenden Noth gnådig erhören, und Alles, was da lebt, mit Wasser von oben herab fröhlich machen. Behüte auch ferner unser Land und unsere Wohnung vor ansteckenden Seuchen, vor Feuer, vor Theurung und vor andern wohlverdienten Plagen. Laß uns die jetzt empfundene Strafe dazu dienen, daß wir uns forthin bessern, und von Herzen zu dir bekehren. Gib deinen Geist zu dem Ende in unser Herz, daß er ganz andere Leute aus uns mache, námlich solche Leute, die in deinen Wegen treulich wandeln, deine Gebote halten und darnach thun. Heilige du uns selbst durch ihn durch und durch, daß unser Geist, sammt der Seele und dem Leibe, mögen unstråflich bewahret werden bis 694 695 bei anhaltender Hitze und Dürre. auf den Tag Jesu Christi. Nun, Herr, unser Gott! wir hoffen auf deine Güte, ach! laß uns vor dir leben und deinen Ruhm verkündigen. Erhöre unser Gebet, so wollen wir dir für deine Gnade herzlich dankbar seyn, und deinen Namen hoch preisen, so lange wir leben, hier zeitlich und dort ewiglich. Erhöre uns, lieber Vater in dem Himmel! denn du bist doch unser Gott. Erhöre uns nach deiner unermeßlichen Treue, nach welcher du uns Beistand und Hülfe in aller Noth hast zugesagt. Erhöre uns um dein selbst willen. Amen, Amen, das ist, es werde wahr, du wollest es erfüllen, erhör' und hilf uns immerdar, um Jesu Christi willen; denn dein, o Herr! ist allezeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Reich, die Macht, die Ehre! Amen. e fang.mbhupae die on Mel. Bion klagt mit Ungst und Schmerzen. 1. Nun der Himmel bleibt verschlossen Lange Zeit, o gros Ber Gott! Weil kein Regen sich ergossen, Häufet sich auch unsre Noth; Man sieht Alles traurig steh'n, Und nach frischem Wasser geh'n; Menschen, Vieh, Laub, Gras und Nehren Deinen Regen- Thau begehren. 2. Bater! gib uns deinen Segen; Willst du nicht mehr Vater seyn? Bater! gib uns einen Regen, Sonst dringt bei uns Theurung ein; Sieh', die Erd' thut auf den Mund, Schreiet dich an alle Stund', Alles Laub will fast erblassen, Wenn du nicht willst regnen lassen. 3. Es verwelken alle Früchte, Das Getreid' steht fast vers dürrt; Was sonst blühte, wird zu nichte, Weil es keinen Saft 696 Der gläub. Christ betet zu Gott bei anhaltender Hige u. Dürre. verspürt; Alles wird ron Hig' verbrennt, Daß man es fast gar nicht kennt; Das Wild sucht auch vor Ermatten Aller Orten kühle Schatten. 4. 3war wir haben's wohl verdienet, Daß der Himmel ehern ist, Daß auch unser Feld nicht grünet, Weil du annoch zornig bist Ueber uns, die früh und spat Håufen unsre Missethat; Weil wir harte Herzen haben, Soll uns auch kein Regen laben. 5. Weil wir nicht die Sünde fliehen, Wenig achten Gots tes Wort, Muß der Regen sich verziehen, Fern von unserm Land und Ort; Andre seh'n im Ueberfluß Deines Regens Segens- Guß, Nur auf unsre dürren Auen Willst du nicht in Gnaden schauen. 6. Ach! wir fallen vor dir nieder, Bitten dich um Gnad' und Huld; Ach! wir kehren heute wieder, Weinen über unsre Schuld; Ach! vergib uns gnådiglich, Womit wir erzürnet dich; Ach! wir wollen unser Leben Dir zu deinem Dienst ergeben.. 7. Ach! erbarme dich in Gnaden Ueber uns und unser Land, Laß uns doch nicht ferner schaden Der erhitzten Sonne Brand; Schließ' den Himmel wieder auf, Laß dem Regen. freien Lauf; Laß den Regen uns erblicken, Menschen, Vieh und Feld erquicken. 8. Wirst du dieß Gebet erhören, O du großer SegensGott! Und uns unsre Bitt' gewähren, Wenden diese große Noth, Daß du seyst mit uns versühnt, Daß das Feld auf's Neue grunt, Wollen wir zu allen Zeiten Deine Gnad' und Lieb' ausbreiten. Sma Gebetbuch für Schwangere, Gebårende, Kindbetterinnen und Unfruchtbare, enthaltend Morgen-, Abend- und Trostgebete sammt Aufmunterungen und Gesängen, wie auch Sprüche und Seufzer in Nöthen zu sprechen und vorzusprechen. Als sechster und siebenter Abschnitt des täglichen Handbuchs. Aufs Neue durchgesehen und herau egegeben. voll M. Johann Jakob Starck, vormals Prediger an der Hauptkirche zu St. Katharinen in Frankfurt am Main. Sechsundvierzigste einzig rechtmäßige Original- Ausgabe. Frankfurt am Main, Christian Winter, vormals H. 2. Brönner's Verlag. Vorwort. Was der treue und liebreiche Gott allen Gläubigen verheißt: Schuß, Beistand, Sorge und Erhörung des Gebets, dessen haben sich vornehmlich fromme und christlich lebende Ehefrauen zu gewärtigen, wenn der Herr sie segnet, daß sie fruchtbare Mütter werden. Es bleibet fest, was David sagt: Leibesfrucht ist ein Geschenk; und dafür nehmen es auch fromme Eheweiber an, wie man an Sara, Rebecca, Rahel und andern heiligen Frauen wahrnehmen kann, welche, wenn Gott sie gesegnet, ihn dafür von Herzen gepriesen haben. Merken gottselige Ehefrauen den ihnen beschiedenen Segen, so regt sich in ihrem Herzen der heiße Wunsch, das Verborgene möge glücklich und wohlgestalt an das Tageslicht kommen. Sie werfen aber in frommem Sinu ihre Augen auf den Herrn, des festen Vertrauens, der allmächtige und gütige Schöpfer werde ihr Gebet erhören. Und je näher ihre Zeit kommt, um so eifriger flehen sie zu dem, der Alles vermag, und warten seiner väterlichen Hülfe. Erhört nun der Herr ihr vertrauendes Gebet, und sehen sie ihr Kind gesund ins Leben getreten, so rühmt Herz und Mund des treuen Gottes gnädige Leitung. In dem gegenwärtigen Buche finden undächtige Ehefrauen zureichende und gewiß erwünschte Anweisung, wie sie sowohl während der Schwangerschaft als bei und nach der Entbindung in wahrhaft christlichem Geist sich zu verhalten haben. Möge der treue Gott alle fromme Gemüther, die in demüthiger Hin gebung seine allumfassende Gnade anrufen, mit segenreicher Erhörung erfreuen! Gebet. Jesu! der du durch deine heilige Geburt unsere sündliche geheiliget haft, stehe mit deiner mächtigen Gnade allen denen bei, welche dich in ihren Nöthen anrufen. Hilf ihnen, erquicke sie, tröste sie, erfreue sie. Nahe dich zu ihnen, weil Menschenhülfe zu schwach ist. Schaue, wie ihr Herz nach dir seufzet, ihr Mund bebet und ihre Augen sich zu deinem Heiligthum richten. Sprich ihnen innerlich Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir. So wird dein Ruhm erklingen, daß sie sagen: Der Herr hat Großes an uns gegethan, deß sind wir fröhlich, der Name des Herrn sey gelobet jegzt und in Ewigkeit. Amen. dos Se Andachten für Schwangere. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ein jeglicher wahrer Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit geht, sich dem Schuß und der Gnade Gottes empfehlen, und darum bitten, daß Gott seinen Leib und seine Seele in seiner gnädigen Obhut erhalten wolle. Gewiß, es ist eine große Wohlthat Gottes, wenn der Mensch des Morgens gesund aufsteht, unter dem Beistande des Höchsten den Tag gesund hinbringt, und des Abends sich wieder gesund in sein Bette niederlegen kann. Daß dieses eine besondere göttliche Wohlthat sey, sieht man daher, weil mancher Mensch einen unglücklichen Tag hat, an welchem er am Morgen gesund ist, des Abends sich krank, lahm, verwundet, oder mit verleßten Gliedern sich zu Bette muß bringen lassen. Soll aber ein jeder Mensch sich also in die Obhut Gottes empfehlen, wie vielmehr sollen es Schwangere thun? Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen: 1) er wolle sie den Tag über in heiligen und guten Gedanken erhalten, damit sie an Gott denken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben, und mit ihm umgehen mögen. Sie sollen Gott auch 2) ihr Leben und ihre Glieder befehlen, daß er wolle ihren Tritt bewahren, und sie vor gefährlichen Fällen und anderem Unglück behüten. Sie sollen auch 3) ihre Frucht in die heilige Obsicht Gottes fleißig empfehlen, daß sie möge wachsen, gestärket, wohl gebildet, und mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllet werden. Sonderlich aber sollen sie 4) den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht Alles so genau suchen, oder sich über Alles erzürnen, damit sie nicht durch ihren Eigensinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfand, Unglück, Krankheit oder gar den Tod zuziehen. Werden sie sich also der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Trost, daß Gott seinem Engel befehlen wird, daß er sie behüte auf allen ihren Wegen. 1* 4 Die Schwangere verrichtet Morgengebet. Herr Gott Vater! was du hast erschaffen, Herr Gott Sohn. was du hast erlöset, Herr Gott heiliger Geist! was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sey Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt in dieser MorgenKunde und in alle Ewigkeit. Amen. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott, der du selbst bist das Licht, bei welchem ist kein Wechsel des Lichtes und der Finsterniß, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieser finstern Nacht so gnädig bewahret, und mich dieses fröhliche Morgenlicht wiederum hast erleben lassen. O du licht meiner Seele! gib auch diesen Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, in meinem Vertrauen und in der Hoffnung möge gestärket werden. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich denken, in dir mich erfreuen, und deiner Gnade mich getrösten möge. Gib, daß ich an diesem Tage nicht vorsäßlich wider dich sündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder Gottes dir diene und vor dir wandele. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart vor Augen, daß du allezeit um und bei mir seyest, Alles hörest, was ich rede, Alles siehest, was ich thue, damit ich dadurch möge desto mehr aufgemuntert werden, in der Heiligung fort zufahren, und dich nicht zu beleidigen. Ich befehle dir auch meinen Leib und mein Leben, meinen Gang, meine. Schritte und Tritte. Du hast mich anjetzt, o du Gott aller Güte und Gnade! in einen besondern Zustand gesetzet, darin ich auch deines besondern Schutzes und Beistandes benöthiget bin; darum bitte und flehe ich demüthiglich, o du Schußzherr deiner Kinder, be hüte meinen Ausgang und Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deinen Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern, und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre mich, stärke mich, erhalte mich. Vertreibe von mir Alles, was mir schädlich ist. Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich dann den Abend wiederum unter deinem Schuße erleben, wo ich dir fröhlich danken will für alle Wohlthaten, die du mir an Leib und Seele so gnädiglich erwiesen hast. Nun, der Herr segne mich und behüte mich! der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mich und sey mir gnädig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. 5 ihr Morgengebet. Die Gnade des Vaters schüße mich! die Liebe Jesu decke mich! und des heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt und allezeit! Ach, segne mich im Schlaf und Wachen! Ach, segne meinen Schritt und Tritt! Ach, segne mich in allen Sachen, und theil' mir deinen Segen mit; laß mich gesegnet seyn von dir, und nimm den Segen nicht von mir. Amen. Gebet. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele. 1. Ich erblick' die helle Sonne, Nachdem nun die Nacht ist hin; Ich erblick' auch meine Wonne, Jesus ist mir schon im Sinn; Mit ihm hab' ich hingebracht Die vergang'ne finstre Nacht, Mit ihm bin ich aufgewachet, Welches mich vergnüget machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen Mit dir, Jesu, meine Freud'! Beten, loben, danken, fingen Soll seyn meine Arbeit heut'. Jesus, meine Bierd' und Ruhm, Meiner Seele Eigenthum, Kommet nicht aus meiner Seelen, Dem will ich mich anempfehlen. 3. Ach regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab! Ach behüte meine Schritte, Stärke die verborg'ne Gab'! Ich befehl' dem meine Frucht, Welchen meine Seele sucht. Ach Herr! laß sie vor dir leben, Du woll'st ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bey; Deinen Engel woll'st du senden, Daß er immer bei mir sey; Wann ich gleite, halte mich; Sieh, ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren Wollest du mich, Herr, bewahren. 5. Laffe seyn mein Herze stille, Ohne Born und Bitterkeit, Daß mein Geist, Gemüth und Wille Bleibe in der Frömmigkeit. Jesu, o mein Trost und Schild! Laß dein lieblich Jesusbild Immer mir vor Augen schweben In dem, was ich will anheben. adr. J/ bm 6. Jesus bleibt mir in Gedanken, Jesus schwebt in meinem Sinn, Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein, auch wo ich bin. Meinen Jesum lass' ich nicht; Jesus, meiner Seele Licht, Ist bei mir auf meinen Wegen Und ertheilet mir den Segen. 7. Hat dann, Jesu, dein Begleiten Meinen Schritt und Tritt bewacht, So will ich die Händ' ausbreiten Auch bei angebroch'ner Nacht; Ich will danken deiner Treu', Welche alle Morgen neu, Und mit Beten, Danken, Flehen, Mit dir auch zu Bette gehen. 6 Die Schwangere verrichtet Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. Dwelch eine große Wohlthat ist es, wenn Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben lässet, wenn er bei dem Nieders legen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welche herrliche Ruhe ist das, wenn man in Frieden mit Gott, in Frieden mit seinem Gewissen, in leiblichem Frieden und Vergnügen sich zu Bette begibt; da kann der Mensch zum Lob des dreieinigen Gottes sagen: Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Schläft er also dann mit dankbarem Herzen und mit einem Gott lobenden Munde ein, so wird die übrige Nachtruhe auch von Gott gesegnet seyn. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, ihre Augen und ihren Mund zu Gott erheben, wenn sie nun den Tag glücklich vollbracht haben. Sie sollen Gott danken für ihre Er haltung, für seinen Schuß, für seine Gnade, und sich seiner Liebe und Barmherzigkeit empfehlen. Ist die Nacht, wie man spricht, teines Menschen Freund, wie viel weniger der Schwangeren. Sie sollen demnach Gott anrufen, er wolle abwenden 1) allerlei Schrecken und Unglück, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangeren öfters in die größte Gefahr können gesetzt werden; er wolle sie 2) vor Krankheit und Schmerzen behüten; er wolle 3) seine Segensflügel über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet seyn lassen. Bricht darauf wieder der frühe Morgen an, so sollen sie 4) mit Lob vor Gott erscheinen, und mit David sagen: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. ol Abendgebet. = Gnädiger, liebreicher und barmherziger Gott! ich erscheine allhier vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröhlichem Herzen. Herr! wie theuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen; ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus und eingegangen, unter demselben bin ich bewahret worden, kein Unfall hat mich gerühret, sondern ich habe nunmehr den Abend gesund erreichet. Gelobet sey die Liebe des himmlischen Vaters, der mich als sein Kind auf feinen Armen getragen hat. Geløbet sey Jesus Christus, mein Heiland, der mich an seiner Hand geleitet hat, daß mich kein 7 ihr Abendgebet. Unfall hat stürzen können. Gelobet sey Gott der heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist, bleibe auch diese Nacht bei mir. Breite deine Güte, Herr, Herr! über die, die dich fennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall, laß mich im Schlaf immer mit dir umgehen, damit, wenn ich erwache, ich annoch bei dir sey. Siehe, ich weiß keinen Helfer, denn nur allein dich, du Gott Ifraels. Laß deinen Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir, und dem, was du mir aus Gnaden verliehen, Nichts schädlich seyn könne. Treibe aus meinem Herzen alle unnöthige Sorgen, böse Gedanken und falsche Einbildungen; treibe von meinem Bette und von meinem Hause Alles, was mir Unglück bringen kann. So lege ich mich denn in dem Namen meines Gottes nieder, ich schlafe in den Armen meines Jesu, seine Linke ist unter meinem Haupt, und seine Rechte decket mich. Odu mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, sey und bleibe bei mir. Du dreieiniger Gott bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja mir grauet vor Nichts, weil Gott bei mir ist, ich fürchte mich nicht, weil ich Jesum bei mir habe. Ist's finster um mich, Jesus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der heilige Geist ist mein Trost und Beistand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schutz vorüber gehen, daß ich errettet, beglücket, bewahret, erhalten die liebe Sonne erblicken möge; da soll mein Mund dich mit Freuden loben, und dir danken für Alles, was du Gutes an mir gethan hast. So oft die Nacht die Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen; so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dieß seyn mein VerTangen, daß ich mit lautem Schall mög' rufen überall: O Jesu, Jesu! du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. So will ich denn nun schlafen ein, Jesu, in deinen Armen, dein' Aufsicht soll die Decke seyn, mein Lager dein Erbarmen, mein Kissen deine Brust, mein Traum die süße Lust, die aus dem Wort des Lebens fließt, und deinen Geist ins Herz mir gießt. Amen. Gesang. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 1. Sieh', die Soun' will von uns gehen, Jesus geht doch nicht von mir; In der Nacht will er auch stehen Bei mir, an dem Bett allhier. O! wie Tägliche Betrachtung einer Schwangern. wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht Jesu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Darum will ich mich ergeben, Jesu, deiner Treu' und Gnad'. Ach! erhalte mir mein Leben, Und was mir geschentet hat Deine gnadenreiche Hand; Du kennst das verborg'ne Pfand; Auf das laß den Segen fließen, Und mich deinen Schuß genießen. 3. Sieh', hier bin ich, Menschenhüter, Ach behüt' mich vor Gefahr! Schüß' die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immerdar. Wann ich schlaf', so mache du, Decke du mich selbsten zu; Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen. 4. Ich leg' mich in Jesu Armen, Ich leg' mich in Jesu Schooß. O wie groß ist sein Erbarmen! Seine Lieb' und Treu' ist groß. Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb verläßt mich nicht. So bin ich mit Licht umgeben, Wann ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun mit Jefu will ich schließen Meine müden Augen zu! Jefu, ach! laß mich genießen Eine sanft' und süße Ruh; Segne mich auch und mein Kind, Und auch die, so um mich sind; Vor Angst, Schrecken und Gefahren Wollest du uns, Herr, bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wann ich ausgeschlafen hab'; Laß mich einstens fröhlich sehen Die annoch verborg'ne Gab'; Wann ich geh' aus oder ein, Laß mich dir befohlen seyn; Laß kein Unglück, Herr! aus Gnaden mir und meinem Kinde schaden. 7. Ich leg' mich mit Jesu nieder, Mit ihm steh' ich wieder auf, Und sing' alsdann Freudentieder, Und vollführe meinen Lauf. Jesu, ich befehl' mich dir, Jesu weiche nicht von mir, So sprech' ich in Jesu Namen Nach dem Beten fröhlich Amen. Tägliche Betrachtung einer Schwangern. SES Wenn Gott eine Ehefrau den Ehesegen empfinden lässet, so soll sie sich herzlich darüber erfreuen und Gott dafür danken. Aber sie soll sich auch vorstellen, 1) daß in diesem Stand sich viele Schmerzen, viel Ungemach, viele Beschwerlichkeiten einfinden, davon sie vorher im ledigen Stand Nichts gewußt und Nichts empfunden hat. Die Schmerzen aber sind von Gott dem weiblichen Geschlechte nach dem Sündenfall auferlegt, nach 1. B. Mof. 3, 16., da es heißt: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wann du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. Kommen aber die Schmerzen also von Gott, so sollen fie 2) bedenken, daß Gott ein gnädiger Gott ist, der Tägliche Betrachtung einer Schwangern. ihnen dieselben lindern wird, ein mächtiger Gott, der sie ihnen wieder abnehmen kann; ja, weil denen, die Gott lieben, alle Dinge müssen zum Besten dienen, so werden auch diese Beschwerlichkeiten, welche die Schwangerschaft mit sich bringt, auch den Schwangern zu vieler Erbauung und Üebung im Christenthum gereichen; sie können dabei lernen Gottes Weisheit, Güte, Allmacht, Hülfe und Segen, welches Alles sie außer diesem Stand unmöglich hätten wissen können. Kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall, so sollen sie 3) sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sey, der sie als seine Kinder nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihnen werde Kraft geben, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen so schwer vorkommen, daß sie meinen, sie könnten es nicht ausstehen, so sollen sie sich erinnern, daß bei Gott Nichts una möglich ist, und wenn er nur ein Wort spricht, so müssen sich legen die stolzen Wellen des Leidens und der Beschwerlichkeit. 4) Sollten aber die Schmerzen lange anhalten, so soll doch ihr Vertrauen darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern sie sollen bedenken, Gott habe die Stunde schon bes stimmt, da er wieder helfen will. Er spricht oft zu uns, wie zu Maria, seiner Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen; derhalben muß man auch den Verzug der göttlichen Hülfe im Glauben und mit Geduld ertragen, und sich auf die göttliche Verheißung verlassen, wenn er spricht: Sch will dich nicht serlassen noch versäumen. Sprecht ihr: Aber es lassen Viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so ant worte ich: Gott hat einem Jeden seine Todesstunde bestimmt. Wissen nun Schwangere Erempel der Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so sehen sie auch viele Erempel derer, welche glücklich entbunden, und fröhliche Kindermütter geworden sind, ja deren Anzahl ist ungemein größer, die der Herr nach Wunsch erlöset und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in dem Stand gestorben sind. Wenn nun aber gegen hundert kaum Eine gestorben ist, und neun und neunzig fröhlich geboren haben, so ist das wider den Glauben und wider die Liebe zu Gott, sich allezeit das Aergste oder das Schlimmste vorstellen wollen; das ist ein Mißtrauen gegen Gott, und eine Tägliche Betrachtung einer Schwangern. schwere Stinde, wenn man an Gott verzweifeln wollte und sagen: Ob Gott gleich so vielen Hunderten, ja Tausenden geholfen, so wird er mir doch nicht helfen! Wer hat euch das gesagt? Wer hat euch dieß Mißtrauen in den Sinn gepflanzet? Kennet ihr vielleicht Gottes Güte und Allmacht nicht? Darum fehret es vielmehr um und saget: Der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, der wird mir auch helfen und mir auch beistehen; und darauf verlasset euch von Grund eurer Seele, widersprecht allen zweifelhaften Gedanken, und schauet hingegen auf die mächtige und starke Hand Gottes. Gesetzt aber, es hätte Gott einer Schwangern ihr Ende des Lebens in der Schwangerschaft und Geburt bestimmt, so stirbt sie doch selig, denn sie stirbt in ihrem Beruf! Gleichwie es ein seliger Tod wäre, wenn eine fromme Seele über dem Gebet, ein Prediger auf der Kanzel, ein Mensch in Austheilung der Almosen, ein König auf seinem Thron, da er den Armen Recht spricht, stürbe: also ist auch ein seliger Tod, wenn eine Ehefrau in ihrer Schwangerschaft und Geburt ihren Geist aufgeben sollte, denn sie stirbt in ihrem Beruf, in einem Gott wohlgefälligen Stande; der Tod solcher gottseligen Ehefrauen ist werth geachtet vor dem Herrn, und er wird sie mit Wonne nach so vielen Leiden und Schmerzen in der ewigen Himmelsfreude sättigen und erquicken. Wie man aber selig stirbt, und wann man selig sterben soll, das Alles sollen wir der göttlichen Weisheit überlassen; wenn ich nur selig werde, wenn ich nur in den Himmel komme, so soll eine glaubige Seele sagen, so mag es der Herr machen und schicken, auf was für einem Weg, oder in was für einer Stunde er immer wolle. Jedoch sollen sich Schwangere auch fein fassen, daß sie nicht durch Zorn und Eigensinn sich selbst den Tod zuziehen; denn weil ihnen in dem Stande Alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer auf sich Acht geben. Es ist an vielen schwangern Weibern gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu schelten, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornig, boshaftig und empfindlich sind; alle Tritte und Schritte, so die Ihrigen thun, sind ihnen nicht recht, sie ers zürnen sich über Alles, keine Speise, kein Wort, kein Stuhl ist ihnen recht. Da sollen sie sich nun mäßigen und wider diese Unart beten; denn wenn sie durch dergleichen Zorn und Verbitterungen sich die Galle rege machen, daß daraus gefährliche Schwachheiten, hiszige Fieber, Friesel und dergleichen tödtliche Krankheiten entstehen, so müssen sie nicht sagen, das hat Gott gethan, sondern das haben sie selbst gethan, und ihre Schwangers 10 Tägliche Betrachtung einer Schwangern. 11 schaft bringt sie nicht ums Leben, sondern ihr böser Sinn, ihr Zorn und Eigensinn. Sa ich gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem verbitterten Geblüt wächst, zunimmt und geboren wird, ob sie nicht Schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die ein so widerspenstig Gemüth haben, wie die Mütter in der Schwangers schaft gehabt haben. Deshalb soll hier eine christliche Ehefrau sich selbst überwinden und in Gott fassen, und sich nicht den Tod und eine böse Geburt durch ihre Schuld herbeiziehen. Werden sie Gott darum anrufen, so wird der, von dem alle gute Gaben von oben herab kommen, auch diese Gnade ihnen nicht versagen; ja alsdann können sie sich im Leben und Sterben eines gnädigen Gottes getrösten. Und weil auch christliche Ehefrauen gern in solchem Stande zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie alsdann um desto mehr sich selbst und ihre Frucht dem Herrn Jesu zu übergeben, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung, sammt der Zucht, zu bleiben. Gebet. Heiliger, gütiger und barmherziger Gott! ich komme zu dir, Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung vor dich zu bringen. Du hast, o großer Gott! mir einen Ehesegen anjetzt ertheilet, dafür ich dir vom Grunde meines Herzens danke, und dich bitte, gönne mir auch zu seiner Zeit einen fröhlichen Anblick desselben. Weil du aber, o gerechter Gott! auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach gelegt hast, so nehme ich dieselben unter deinem Beistand auch willig auf. Kommen demnach betrübte Stunden, schmerzhafte Lage, schlaflose Nächte, Herr, mein Gott, so weiche nicht von mir; ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all mein Leiden lindern, du bleibst auch mitten in den Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothhelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnädiger Gott; der du sie mir verordnet und aufgeleget, haft auch die Kraft und Stärke, sie zu mäßigen. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja fast unerträglich wer den, so will ich doch darum nicht verzagen, sonderrn mich erinnern, daß du getreuer Gott mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ich es ertragen könne. Wenn ich feufze: Ach wie lang, wie lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! so gedenke doch an deine Hülfesstunde, und 12 Tägliche Betrachtung einer Schwangern. laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott! deine Allmacht vor Augen, ja schreibe sie mir in mein Herz hinein, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa Andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krankheiten ausstehen, ja gar in der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann mir beständig in meinem Gemüth und in meinen Gedanken eingeschrieben bleiben, wie des Jahrs über so viel hundert Schwangere glücklich entbunden, die wenigsten aber von dir in der Geburt von der Welt abgefordert werden. Darum will ich auch deiner Allmacht trauen, und flehe dich demüthig an, laß mich eine fröhliche Kindermutter werden. Hilf mir in der Geburtsstunde, und erfreue mich mit einem gesunden und wohlgestalteten Kinde. Solltest du aber be schlossen haben, mir in diesem Stande mein Lebensende zu bescheren, Herr! so geschehe dein Wille! Ich weiß, ich sterbe alsdann in meinem Beruf, ich sterbe in deiner Gnade, ich sterbe in deinen Armen, ich sterbe als dein Kind, ich sterbe selig und du wirst mich zu der ewigen Freude und Seligkeit einführen. Gib mir aber, o mein Gott, indessen deinen heiligen Geist, der mich immer bei guten Gedanken erhalte; gib mir einen stillen und sanften Muth, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod verursache; gib, daß ich meinen Zorn mäßigen, und also mich nicht selbst um das Leben bringen möge. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des Gemüths ausgerüstet werden; laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Nun Herr, mein Gott, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach! erhöre mich nach deiner Güte, errette mich nach deiner Verheißung, erbarme dich meiner nach deiner Treue, hilf mir nach deiner Liebe, erfreue mich nach deiner Gnade. Ich weiß, du hast mein noch nie vergessen, daß ich mir sollte vor Leid mein Herz so pressen. Mitten in der Noth denk' ich an Gott, er wird den Schmerz nach meinen Kräften messen; daß ich durch deinen Geist mög' überwinden, und mich allzeit in deinem Haus einfinden zum Preis und Dank, mit Lobges fang; zu ewiger Liebe wirst du mich verbinden. Amen. # pe 13 Tägliche Betrachtung einer Schwangern. Gesang. Gottseliger Umgang einer gläubigen Seele mit Gott. Mel. Zion tlagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ich will stets mit Gott umgehen, Ich will immer bei ihm seyn. Auf ihn will ich fleißig sehen, Wann ich ausgeh' oder ein; Ohne ihn geh' ich nicht aus Er ist auch bei mir zu Haus; Ich kann nicht mehr ohn' ihn leben, Nachdem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll an ihn gedenken, Gott ist's, der mein Herz erfüllt; Ich will es in ihm versenken, Es soll seyn mit Gott umhüllt. Seht, ich denke nun nicht mehr; Gott ist der Gedanken Herr; Gott ist Alles mir in Allen, Ohn' ihn kann mir nichts gefallen. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen, Gott im Herzen, Gott im Mund; Mein Mund soll von dem ausbrechen, Was mir liegt im Herzensgrund. Was mein Mund nur immer spricht, Ist zu Gottes Ruhm gericht't; Gott im Herzen, Gott in Worten, Von Gott sprech ich aller Orten. 4. Mein Aug' soll stets nach ihm schauen, Denn Gott find' ich übers all, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Thränenthal. Wo mein Auge blicket hin, Da ist Gott in meinem Sinn; Mich dünkt, daß er vor mir stehe, Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit, in Geschäften Ist mein Herz ohn' Jesum nicht; Arbeit' ich aus allen Kräften, Bleibt mir Gott doch vor Gesicht. So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein Gott nicht von mir weicht. Ohne Gott kann ich nichts machen, Er muß seyn bei allen Sachen. 6. E' ich, so will ich empfangen Von ihm alle meine Speis'; Trink' ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines Gottes Preis Dieses Alles mir gedeih', Und daß er stets bei mir sey, Und mir Speis' und Trank darreiche, Und auch da nicht von mir weiche. 7. Will ich mich zu Bette legen, Wann ich bin der Arbeit los, Co. ertheilt er mir den Segen, Und ich ruh' in seinem Schoos; Ich schlaf in ihm ruhig ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah' zu mir machet, Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, Steh' ich mit Gott wieder aut; Mein Verlangen, Sehnen, Sorgen Ist, daß ich den Lebenslauf Mit Gott führ', und daß kein Tritt, Ja kein Wort, noch That und Schritt Seye meinem Gott zuwider, Bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Von Gott kann mich nicht abtreiben Etend, Jammer, Kreuz und Leid; Dieser Umgang soll auch bleiben Hier und dort in Ewigkeit. Leiden scheid't mich nicht von Gott, Keine Trübsal Angst und Noth, Weil mich Gott nicht kann verlassen, So lang' ich ihn werd' umfassen. Die Schwangere erwäget 10. Mein Umgang wird nicht zerrissen, Wann zerreißt das Lebens: band; Warum sollt' ich das nicht wissen? Hat er doch in seine Hand Mich gezeichnet, daß er mich Will erhalten väterlich, Ja mir auch nach diesem Leben Dort die Himmelskrone geben. 11. Ich werd' auch mit ihm umgehen, Wann ich dort im Himmels= glanz Werd' vor seinem Throne stehen, Und von ihm durchstrahlet ganz, Werde gleich den Engeln seyn, Ganz verktäret, hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne Leuchten wie die güldne Sonne, 14 iam Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gletchwie Gott den Ehestand selbsten hat eingesetzet, und durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, daher er auch zu unsern ersten Eltern in dem Paradiese sprach: Seid fruchtbar und mehret euch; also hat auch eine gottselige Ehefrau sich in Gott zu erfreuen, wenn sie solche Fruchtbarkeit vermerket. Sie soll dabei gedenken: 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, welche Gabe er Etlichen gibt, Andern aber versaget, damit die Menschen nicht möchten Etwas ihrer Kraft zuschreiben. Sobald nun eine Ehefrau solchen Segen Gottes verspüret, soll sie 2) bedenken, Gott habe in Gnaden an fie gedacht, wie dorten es von Sara und Rahel heißt: Und der Herr gedachte an Sara, der Herr gedachte an Rahel. Hicrauf soll sie sich 3) zufrieden geben, Gott danken, und glauben, ihr gegenwärtiger Stand sei von Gott, der habe ihr diesen Segen ertheilet; sie soll sich erinnern, wenn sie aus oder eingehet, so gehet sie unter dem Schuß und Geleite Gottes; Gottes heilige Engel haben eine besondere Aufsicht auf sie. Finden sich aber Schmerzen uud Beschwerlichkeiten ein, so soll sie 4) bedenken, daß Gott sie zu diesem Stande geordnet habe, aber daß er darum sie nicht verlassen wolle; sondern daß sie desto mehr ihr Vertrauen auf ihn setzen soll, da sie dann empfinden wird, wie der Herr Alles herrlich machen werde. Sie soll zu dem Ende 5) im Gebet auhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe Jesu und wahren Frömmigkeit verharren, und versichert seyn, sie stehe in einem seligen und Gott wohlgefälligen Zustand, darin sie sich des Beistandes und der ihren Gott wohlgefälligen Stand. Hülfe Gottes getrösten könne, und was sie nach Gottes Willen in solchem Stande bitten werde, das werde Gott ihr auch nach seiner Barmherzigkeit gnädiglich geben und verleihen. 15 Sebet. du liebreicher Gott und Vater! wie kann ich genugsam deine Vatertreue erkennen, Loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und gesehet hast! Herr, du hast in Gnaden an mich gedacht, und mich dieser Gabe und Frucht des Ehestandes theilhaftig gemacht. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingeseßet sey. Du weißt, Herr, daß ich keines Mannes begehret. habe aus Leichtfertigkeit, daß ich meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzuchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu nehmen habe ich gewilliget in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zu Ehren. Da du denn auch in Gnaden an mich gedacht, und die Frucht des Leibes mir bescheret hast, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand an. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren, sey in demselben mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre, und meine Seufzer lasse vor den Thron der Gnade kommen. Sey in diesem Stande mein Geleitsmann, der mich schüßze, begleite und bewahre. Sey in diesem Stande mein Trost, wenn ich betrübt werde, und gib mir deinen Freudengeist, der mir allezeit Zeugniß gebe, daß ich dein Kind sey. Sey in diesem Stande meine Zuflucht, da ich mein Herz ausschütte, die mich erfreue, wann ich betrübt bin, die mich erquicke, wann ich matt bin. Sey in diesem Stande mein Helfer, der mich versichere: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich heraus reißen. Sey in diesem Stande mein Beistand, wann sich etwa Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichfeiten einfinden sollten. Sey in diesem Stande mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande löse, mich fröhlich entbinde, und mich erfreue. Sey in diesem Stande, o du himmlischer Vater! meine Stärke; ach! trage, erhalte, stärke und erquicke mich. Sey in diesem Stande, o Jesu! mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete, und mein schwaches, und zuweilen unter vielen Schmer zen abgeschicktes Gebet vor Gott bringe. Sey in diesem Stande mein Tröster, o Gott, heiliger Geist! der mich versichere, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes sey, und der mich 16 Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hülfe gewiß mache. Ja du dreieiniger Gott! sei mit mir in diesem Stande, so werde ich wohl beglücket, beschüßet, bewahret und errettet werden. Herr Jesu! leite meinen Gang, daß ich forthin mein Lebenlang nach deinem Willen walle. Behüte du mir Seel' und Leib, mich selbst in deine Hände schreib', auf daß ich ja nicht falle. Ach gib Antrieb, deine Wunden alle Stunden zu betrachten, und die Welt für Nichts zu achten. Amen. Gesang. Mel. Allein Gott in der Höh' sey Ehr'. 1. Wie hat der große Gott doch mich In Gnaden angesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein gläubig Flehen! So daß mein höchst erfreut Gemüth Erkennet seine Wundergüt'; Dafür sey Gott gepriesen. 2. It's nicht mein Schöpfer, der da hat Mir Leib und Seel' gegeben, Und fristet mir aus lauter Gnad' Das mir geschenkte Leben? Ja, was ich hab' in dieser Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit; Dafür sey Gott gepriesen. 3. Es hat mich Jesu theures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und dieses allerhöchste Gut Will mich noch stets erquicken. Ja, dieses Blut das macht mich rein, Darinnen werd' ich selig seyn; Dafür sey Gott gepriesen. 4. Es wird mir auch der heil'ge Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weist, Mich führt im ganzen Leben; Er weiht mein Herz zu seinem Haus, und treibet alle Sünd' hinaus; Dafür fey Gott gepriesen. 5. Er theilet ferner mir auch mit Den längst erwünschten Segen, Er segnet meine Schritt' und Tritt' In allen meinen Wegen. Ja, was ich mit Gott immer thu', Da fließet lauter Segen zu; Dafür sey Gott ge= priesen. 6. Soll Leiden, Angst und Schmerzenswuth Auf mich auch einst lose gehen, So will er in der Trübsalsfluth mir doch zur Seite stehen. Er hilft, wenn Niemand helfen kann, Er ist mein Trost und Helfersmann; Dafür sey Gott gepriesen. 7. Ach! wie hat er so väterlich Bishero mich geleitet, Und seine Gnade über mich Wie Flügel ausgebreitet. So leb' ich denn in seiner Hut, Er schenket mir getrosten Muth; Dafür sey Gott geprieſen. 8. Doch wie kann nur mein schwacher Mund Die Wohlthat hererzählen? Viel Gutes thut er jede Stund' Dem Leibe und der Seelen. Er liebet, führet, leitet mich, Ja er versorgt mich mildiglich; Dafür sey Gott gepriesen. Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. 17 9. Und was für große Herrlichkeit Will er mir dorten geben, Daß ich ' n jener Himmelsfreud' Bei ihm soll ewig leben! Drum, wenn ich sterb', so sterb' ich nicht, Ich komm' zu Gott, zur Freud', zum Licht; Dafür sey Gott gepriesen. Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Obgleich die meisten Menschen meinen, daß Kinder eine Naturgabe wären, so lehret doch die heilige Schrift uns ein Anderes, wenn sie spricht: Siehe Leibesfrucht ist ein Geschenk. Daher auch gläubige Eheleute diese Gabe unter andern Gaben von Gott zu erbitten haben. Was Huren und andere ungläubige Personen anlanget, so erlangen sie zwar diese Gabe, weil Gott der Natur ihren Lauf läßt, indem sie nicht zur Ehre Gottes Kinder zeugen, sondern nur ihre sündliche Brunst löschen wollen; bei gläubigen und frommen Eheleuten aber ist es anders, die nehmen die Kinder als eine Gabe Gottes dankbarlich an. Wenn dann nun eine gottselige Ehefrau die Fruchtbarkeit merket, so soll sie 1) Gott dafür danken, und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr nun auch ertheilet. Hierauf soll sie 2) behutsam wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanft muth und christlicher Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige Arbeit, unbedächtliches Reichen, vorwißiges Tragen und Heben, boshaften Zorn und andere Frechheiten geschehen kann. 3) Soll sie sodann, wenn sie merket, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen, und ihn anrufen, er wolle sie selbsten bilden, erhalten, stärken, bewahren, und zu seiner Zeit fröhlich an das Licht bringen. Sie soll 4) wider die Beschwerlichkeiten ihres Standes nicht nur nicht murren, sondern auch nicht hißig, zornig und rachgierig ges gen ihren Ehemann, gegen ihr Gesinde und andere Personen seyn, als welches schon ein Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit, und folglich ein Undank seyn würde, welchen gewiß Gott siehet, erkennet und merket, und solche Personen es kann entgelten lassen. Gebet. Herr, allmächtiger Gott! der du bist ein Gott des Lebens, der uns Allen Odem und Leben gibt, der du den Ehestand mit 2 Die Schwangere danket Gott Früchten des Leibes gesegnet bast; ich danke dir, daß du auch an mich gedacht, und mich dieses Segens in meinem Ehestande theilhaftig gemacht hast. Du mächtiger Herr haft mir eine gröBere Wohlthat erwiesen, als Andern, welche nach dieser Gabe feufzen und sie nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir gethan hast. Ich befehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück und was sonsten das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Wirke in mir eine christliche Behutsamkeit im Gehen und Arbeiten, damit ich nicht selbsten das verderbe, was deine Hand verliehen hat. Herr! wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderbarlich bildest; wie groß ist deine Allmacht, daß du sie selbsten an's Licht bringest; wie groß ist deine Güte, daß du auf solche Weise das mensch liche Geschlecht erhältst und mehrest! Ich danke dir, mein Gott, daß du mich auch zu einem Werkzeug dieses deines herrlichen Werkes bestimmt, und mich durch deinen göttlichen Segen fruchts bar gemacht hast. Ach! führe das angefangene Werk durch deine Gnade herrlich hinaus; erhalte, was du hast gegeben; stärke, was du hast verliehen; bewahre, was du hast geschenket. Laß mich meine Zeit glücklich unter deinem Schuß hinbringen. Laß vor meine Augen kein Ungeheuer, und vor meine Ohren keine entseßliche Botschaft kommen; und so ja nach deinem Rath dergleichen mir widerfahren sollte, so erhalte meine Frucht durch deine allmächtige Hand. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Kindermutter werden, und das Verborgene mit Freuden erblicken. Herr! laß deine Güte und Treue mich alle Wege bes gleiten, behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchele, meine Glie der, daß deren keines zerbrochen, und meinen Leib, daß er nicht beschädiget werde. Erhalte die geschenkte Gabe, und laß sie dir empfohlen seyn. Indessen aber will ich auf deine Hülfe schauen; ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den Herrn loben allezeit, sein Lob soll immerbar in meinem Munde seyn. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem Herrn danken für all das Gute, das er an mir gethan. Lobe den Herrn, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel die Ströme der Liebe geregnet; denke daran, was der Allmöchtige gethan, der dir mit Gnade begegnet. Amen. 18 für ihre Fruchtbarkeit. 19 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich danke dir, mein Gott, Für eine jede Gabe, Die ich nun lebens. fang Von dir empfangen habe. Nimm an den heißen Dank Für deine große Gnad', Die deine Vaterhand Mir dargereichet hat. 2. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mich haft erhöret, Und was mein Herz gewünscht, Aus Gnaden mir bescheret. Ach! ach! erhalte doch Das anvertraute Pfand, Das ich empfangen hab' Von deiner Segens: hand. 3. Ich danke dir, mein Gott, Daß du in meinem Leben, Mit großer Mitte mir Viel Gutes haft gegeben. Ach! tausend, tausend Dank, Hab' Dant, Herr Bebaoth! Für alle deine Gnad', Ich danke dir, mein Gott. 4. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mir beigestanden In manchem schweren Leid, In schweren Trübfalsbanden. Ach! bleibe stets bei mir, Wenn sich die Noth einstellt; Du bist es, der mich stärkt, Du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke bir, mein Gett, Daß du hast abgewendet So manches bitt're Kreuz, Und mir die Hülf' gesendet, Die Hülf', so abgewandt Die Augst, so ich grscheut, Und mich nach Angst und Weh Mit reichem Trost erfreut. 6. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mich nie verlassen, Auch nicht verlassen wirst, Co lang' ich werde hassen Der Sünden Wust und Gräu'l; Sich, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will Hier und dort ewiglich. 7. Ach bleibe doch mein Gott, Ach bleibe meine Stärke, Mein Helfer, Schuß und Rath, Damit ich Hülfe merke, Wann nun die Noth einbricht; Ach steh' mir fräitig bei, Daß ich zu aller Zeit Von dir geschüzet sey. 8. Ach bleibe toch, mein Gott, hilf, daß ich überwinde, und in der Trübfalsstund' Die Hülfe bei dir finde. So soll mein froher Mund Nach ausgestand'ner Noth Etets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein Gott. Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Wenn eine gettselige Ebefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merket, so bat sie, nebst ihrer Berufsarbeit, sonderlich dieses zu thun: 1) Coll sie sich Gott fleißig alle Tage und Stunden empfehlen, da, er sie wolle begleiten, stärken und behüten. 2) Soll 2* Die Schwangere empfiehlt Gott sich sie auch ihre Frucht Gott fleißig empfehlen, und ihm in ihrem ( Sebet treulich vortragen. Denn das ist der Unterschied unter christlichen Ehefrauen und Ungläubigen, unter gottseligen Weibern und leichtfertigen Huren: Ungläubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, thun ihr wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottselige Ehes frauen aber sind anders gesinnet, sie beten niemals, sie tragen denn ihr Kind Gott mit vor; sie rufen ihn an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es bei Leben erhalten und gesund lassen geboren werden. Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten Alles, worin sie nach der Geburt kann eingewickelt werden. Ja, sie tragen nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch; Gott an, daß er ihre Frucht nach der leiblichen Ges burt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. 20 Gebet. Oheiliger Vater und Schöpfer aller Menschen! siehe, ich komme vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich demüthiglich um eine Gnade. Du hast, o großer Gott! nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen; aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Wie viele Mütter haben Kinder empfangen, aber nicht geboren? Wie viele haben sich einer lebendigen Frucht erfreuet, und haben sie nicht erlanget? Darum, ach! Herr, Herr! vor dir stehet alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht vers borgen. Herr, Herr! was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ich befehle deinem väterlichen Gnadenschutz mich ganz und gar. Herr, hab' Acht auf mich bei Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wann ich ausgehe, behüte mich, wann ich auf der Gasfe bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Haus. Laß meine Seele stille und vergnügt seyn. Laß sie allezeit mit dir umgehen, in dir sich erfreuen, an dir sich ergößen. Laß mein Herz eine Wohnung Jesu und einen Tempel des heiligen Geistes seyn, daß Jesus in mir lebe, in mir wandele, mich regiere und heilige. Wende ab von mir alle Verdrießlichkeiten, Zorn und Schrecken; ungestaltete Menschen laß nicht vor meine Augen kommen, und so es doch geschehen sollte, so bewahre meine Frucht. Laß dein Auf sehen meinen Odem, mein Leben, meine Schritte und Tritte bewahren. Der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun und ihre Frucht. 21 an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich aus und ein. Im Namen des dreieinigen Gottes lege ich mich schlafen und stebe auf. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich an meine Arbeit. D du dreieiniger Gott! bewahre, behüte und schütze mich durch deine Kraft, trage mich auf den Händen, behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Uebels widerfahre; so will ich dir dafür danken, und dich loben Zeit meines Lebens. Ich befehle dir aber auch, o dreieiniger Gott, meine Frucht, die ich trage. Herr! ich bete für sie, ich trage sie dir vor, ach! erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja um Jesu willen. Ach! gib meinem Kinde deinen heiligen Geist! Laß es auch im Verborgenen mit deiner himmlischen Kraft, wie dorten Johannem, den Täufer, erfüllet werden. Gib ihm eine feine Seele und ein frommes Herz, damit es dich Zeit Lebens fürchten und lieben möge. Gib ihm aber auch gesunde und gerade Glieder, einen gesunden Leib, gute Leibesund Gemüthsgaben. Hast du es aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Gemüthsgaben begnadiget, so lasse es nach seiner leiblichen Geburt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Du hast ja, o Jesu! gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes. Du hast die Kinder auf deine Arme genommen und sie gesegnet. Nimm mein Kind auch zu seiner Zeit in deine heiligen Arme, und segne es auch! Schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich deinen heiligen Geist, heilige und erneuere es zum ewigen Leben, mache daraus ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm und es mit mir dereinst der ewigen Seligkeit möge theila haftig werden. Meine Hoffnung stehet feste auf den Herren, meis nen Gott; Er ist mir der Allerbeste, der mir beisteht in der Noth Er allein soll es seyn, den ich stets von Herzen mein'. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich empfehlen, Dem Helfer, der mir hilft Am Leib und an der Seelen. Er ist mein Fels, mein Hort, Mein' Burg und Zuversicht, Mein starker, treuer Gott; Mein Gott verläßt mich nicht. 2. Ich weiche nicht von Gott; Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß er mit Geduld Mein Herze auszuschmücken. Auch in dem größe ten Leid Will ich beständig seyn. Kommt Kreuz, so dring' ich fest 3u meinem Jesu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott, Auch in den größten Nöthen, Ob sle Die Schwangere erinnert sich so heftig seyn, Als wollten se mich tödten; Alsdann schrei' ich um Hülf: Verlaß mich nicht, mein Gott! Ach komm'! ach rette mich Aus aller Angst und Noth! 4. Ich weiche nicht von Gott, Ihm will ich treu verbleiben, Mich soll kein Ungemach Von seiner Liebe treiben; Ach ja, du treuer Gott! Ich weiche nicht von dir, Ach bleib' du auch bei mir, Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott, Denn warum sollt' ich weichen? Pflegt er nicht allezeit Mir seine Hand zu reichen, Die Hand, die mich erhält, Die Hand, die mich befreit, Die Hand, die mich erquickt Und mir hilft allezeit? 6. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht in Leidensstunden; Denn ich hab immerdar Rath, Heil und Trost empfunden; Die Rettung stellt fich ein, Die Stunde geht vorbei, Daraus erkenn' ich ja, Daß mein Gott bei mir sen. 22 7. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht, wenn ich soll sterben; Ich werde nach dem Tod Die Eeligkeit ererben. Drum leb' und sterb' ich ihm, Ich dien' ihm in der Zeit, Und bleib' mit ihm vereint Dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. So betrübt zuweilen und schmerzhaft der Schwangeren Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für dieselben, da er ihnen seinen Beistand in der Noth zugesagt, und ihnen verheißen, er wolle sie nicht verlassen, noch versäumen, wolle ihnen helfen, sie erretten, sie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kraft- und Machtsprüche mehr sind. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau 1) sich bekannt machen, und sich deren getrösten. Sie soll sich 2) erinnern, daß die Verheißungen Gottes alle Menschen angehen, daher auch sie getrost sich darauf verlassen kann. Ob aber gleich die erwünschte Hülfe, die versprochene Errettung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheinet, wann sie dieselbe verlanget und von nöthen hat, so soll sie darum 3) nicht verzagen, oder meinen, die Verheißung sey aus, und werde gar nicht erfüllet werden; sondern 4) auf die Verbeißung Gottes fest bauen, welcher, 23 der göttlichen Verheißungen. wenn seine Hülfsstunden erscheinen, auch was er zusagt, treulich halten wird. Indessen aber 5) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freuden und zum Ruhm des Allerhöchs sten sagen wird: Bis hieher hat mir der Herr geholfen, der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Gebet. Mein Gott! mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlig suchen; darum suche ich auch, Herr, dein Antliß. Du weißt, mein Gott, daß ich ohne dich Nichts bin, Nichts kann und vermag; wer kann meine Bande lösen, außer du? wer kann mir helfen, als nur du allein? Darum komme ich zu dir, und halte mich an dein Wort der Verheißung. Du sprichst, du wolleft die Deinen nicht verlassen, ach! verlaß mich nicht! Du wollest bei ihnen seyn in der Noth, ach! meine Noth rücket heran, bleibe bei mir! Du wollest den Deinen helfen, ach! hilf mir! Du wollest fie stärken, ach! stärke mich! Du wollest sie heraus reißen, ach! reiß' mich heraus! Herr, ich weiß in meinem Zustand nirgend hin, als nur zu dir allein. Ich habe viele Sorgen, Bekümmernisffe und Nengsten in meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergößen meine Seele, und dein Wort der Berheißung richtet mich auf. Weil ich denn weiß, daß du der Schußherr deiner Gläubigen, der Helfer der Verlassenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hülflosen bist, so bin ich darüber gutes Muths, und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten; wenn mein Schmerz und die Angst meines Herzens groß wird, da will ich seufzen: Herr, ich lasse dich nicht, du fegnest mich denn. Verzie hest du mit der Hülfe, so erscheinet sie endlich doch zum Trost der Elenden, und du hilfst ihnen herrlich. Du, Herr, legst eine Last auf, aber hilfft sie auch tragen; darum wenn du meine Last mir tragen hilfst, so wird sie mir nicht schwer werden. Du bist meine Zuversicht gewesen, da ich noch an meiner Mutter Brüsten lag; darum sollst du auch meine Zuflucht bleiben, Zeit meines Lebens und in allen Zufällen. Gott ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hülfe in den Nöthen, die mich getroffen haben; darum fürchte ich mich nicht, und warum sollte ich mich fürchten? Ist doch der Herr bei mir. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem follte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getrost an meine bes vorstehende Arbeit gehen, unter Gottes Beistand will ich arbeiten, Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. aber auch glücklich überwinden. O du gnädiger Gott! stärke meis nen Glauben, befestige meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich, vor allem Unfall beschirmet, fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und singen, dir vertrauend, bis ich, fröhlich entbunden, dir in dem Tempel, und Zeit meines Lebens für deine Wohlthat in meinem Herzen Lob und Preis opfern werde. Amen, ja, das will ich glauben, denn hier hab' ich Gottes Wort, das soll mir kein Unfall rauben; ich will immer fort und fort mich auf diesen Grund verlassen und den Hoffnungsanker fassen mit der starken Glaubenshand, auch in diesem meinem Stand. Amen. 24 Gesang. Mel. Ach Herr! mich armen Sünder. 1. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich schon elend bin; In Gott will ich mich fassen; Mein Herz, Gemüth und Sinn Soll sich nur an ihm halten, Und ihm vertrauen fest, Ja, Jesum lassen walten, Der mich doch nie verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen; Was er mir zugesagt, Darauf will ich fest bauen, Mit ihm sey es gewagt! Er wird sein Wort erfüllen, Das mir die Hülf' verspricht, Und meine Schmerzen stillen, Wann seine Stuud' anbricht. 3. 3war däucht es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt; Dennoch ist mir nicht bange, Weil Gott mir nicht ausbleibt. Er weiß gar wohl die Stunde, Die er zur Hülf' bestimmt, Und wo er aus dem Grunde Das Leiden von mir nimmt. 4. Gott kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja sein Kind; Er kann ja die nicht hassen, Die da sein eigen sind. Sollt' er des Kindes Thränen Ohn' Hütfe stets ansehn, Und sollt' mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen geh'n? 5. Gott hat mich nie verlassen Die ganze Lebenszeit, Ob ich schon ohne Maßen Trug Angst und Herzeleid. Sollt' er denn nun anheben, Da ich der Hülf' begehr', Und sie mir gar nicht geben? Das glaub' ich nimmermehr. HTAS 6. Vielmehr will ich Gott trauen, denn er ist fromm und gut, Auf seine Hülfe schauen Mit recht getroftem Muth. Die Stunde wird schon kommen; Alsdann, wann die anbricht, Wird mein Kreuz abgenommen, Denn Gott verläßt mich nicht. 25 Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängniß, die Erhaltung, den Wachsthum und die Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Allmacht nicht genug preisen. Ohne Gottes Allmacht kann kein Kind auf die Welt geboren werden, und wenn eines geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Gläubigen Augen. Wenn denn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf diese Allmacht ihres Gottes sich verlassen; so viel sie Kinder geboren siehet, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vorstellen. Wie nun die allmächtige Hand Gottes Andern geholfen, so kann sie sich auch 2) getrösten, daß Gott ihr helfen werde. Sie soll 3) wenn sich Kleinmüthigkeit etwa einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist kein Ding unmöglich, Luc. 1, 2. 37. Ist nun Gott kein Ding unmöglich, so kann eine Schwangere sich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. Sollten sich 4) Umstände einstellen, die bei Andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch alle gefährliche Wunden heilen, alle schwere Lasten abnehmen, alle betrübte Zufälle abwenden. Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmächtige Hand unsichtbar auch da, die Alles regieret, und durch dessen Kraft Alles glücklich von Statten gehen wird. Gebet. Mein Gott! wie freuet sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht denke, an deine allmächtigen Hände, die Alles heben, Alles tragen, und aus Allem erretten. Sehe ich mich in meinem gegen. wärtigen Stande an, so muß deine Allmacht Alles allein thun; deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll; deine Allmacht muß meine Beschwerlichkeiten lindern; ja, deine Allmacht muß in meinen bevorstehenden Nöthen Alles allein verrichten. Gedenke ich meiner Frucht, so muß abermal deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und an's Ta geslicht bringen. Dieses ist nun mein größter Trost jetzt und Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger Gott; bin ich schwach, du bist stark; bin ich elend, du bist allmächtig; bin ich ohnmächtig, du vermagst Alles. Diesen Trost soll mir Niemand rauben, Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. Gott kann mir helfen, und Gott will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tod errettet. Ist Gott allmächtig, so kann mir kein Leid widerfahren. Ist Gott allmächtig, so werde ich herrlich errettet werden. Darum, o allmächtiger Gott! befehle ich mich dir ganz und gar; wache über mich, erhalte mich, stärke mich. Deine Allmacht erhalte mich in meiner Schwangerschaft; deine Allmacht laffe mich glücklich meine Zeit erreichen; deine Allmacht stärke mich, wenn meine Gebårstunde herannahet; deine Allmacht stehe mir bei, wenn sie nun da ist; deine Allmacht sey im Anfang, Mittel und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde; deine Allmacht entbinde mich fröhlich, und laß mich einen erwünschten Anblick erleben. Ich will mich demnach nicht fürchten, es gehe, wie es will, ich habe ja einen allmächtigen Gott; ich will nicht verzagen, wann die Noth groß wird, ich habe einen allmächtigen Gott; ich will gutes Muths seyn, wann ich arbeiten soll, denn ich habe einen allmächtigen Gott! Ich will in meinen Nöthen schreien und seufzen: D du allmächtiger Gott, hilf mir! Ich verlasse mich auf dich, ich hoffe auf dich, dein Kind wartet auf deine Hülfsstunde. Eile auch, barmherziger Vater! mit deiner Allmacht zu mir, laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Deine Allmacht treibe von mir alle Gefahr; deine Allmacht ers balte meine Frucht; deine Allmacht gebe mir Kraft; ja deine Allmacht erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung; so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen, und sagen: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Ich rief zum Herrn in meiner Noth: Ach Gott! erhör' mein Schreien; da half mein Helfer mir vom Tod, und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank', ach Gott! drum dant' ich dir; ach! danket, danket Gott mit mir, gebt unserm Gott die Ehre! Amen. 26 Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Wir haben einen Gott, Der hilft zu allen Beiten, Wenn wir mit Ungemach Und Trübsal müffen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid, Sind viele Schmerzen da, So ist auch Gott nicht weit, Und seine Hülf ist nah. 2. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Nöthen, Die können nimmermehr Weil Gott mir hilft, mich tödten; Und wären sie so groß, 27 Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Daß man's nicht glauben kann, Nõch größer ist doch Gott, Der nimmt fich meiner an. 3. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Leiden, und ist das Leis den hart, So soll's mich doch nicht scheiden Von meinem lieben Gott; Dem ist ja Alles leicht, So leicht, daß auf ein Wort Das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, Der hilft und hört den Armen, Der Herzlich zu ihm schreit, Er wird sich sein erbarmen; Die Armen siehet Gott, Er hört, er sieht, er gibt Zur Beit, wenn mir's ist nu, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft! sollt' man auch sprechen: Hier ist die Hülf' gar aus; Alsdann will ich ausbrechen Und sagen: hier ist Gott! Ist der kein Helfer mehr? Ach ja! er hilft gewiß 3u feines Namens Chr'. 6. Wir haben einen Gott, Der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich fröhlich jego fagen: Mein Gott und Helfer lebt, Auf den verlaß' ich mich, Aus allem Kreuz und Leid Hilft er mir gnädiglich. 7. Wir haben einen Gott, Der hilft, dieß soll verbleiben Mein Trost, dieweil ich teb', Ja dieses will ich schreiben Tief in mein Herz hinein; Empfind'ich manche Noth, So sprech' ich auch getrost: Wir haben einen Gott! Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Aufmunterung. Wenn hülfsbedürftige Personen große Gefahren, viclerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeit vor sich sehen, so sind sie doch gutes Muthes, wenn sie Jemanden haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last erleichtern, und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun dieses ist auch der Trost aller Schwangern. Hören sie 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagen sie: Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. Empfinden sie 2) vielerlei Leiden, so sprechen sie zu Gott: Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gett, verzieh' nicht! Wird ihre Last ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich 3) der Herr leget eine Last auf, aber er hilft auch tragen. Fürchten sie sich nun 4) vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der Herr werde ihre Arbeit beglücken und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches Schwangern nicht einen guten Mutb machen Y Die Schwangere tröstet sich sonderlich da sich Gott in der heiligen Schrift einen Helfer nennet? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß und recht geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen und können nicht, aber Gott kann und will helfen; derohalben, ob's schon noch so traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen in das Herz geschrieben bleiben: Der Herr ist mein Helfer. 28 Gebet. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Ja, mein Gott! das ist mein Trost in meinem gegenwärtigen Zustand, daß du meines Angesichts Hülfe seyn werdest. Sst mein Ans gesicht blaß vor Furcht, du kannst alle Furcht durch deine herrs liche Hülfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Thränen, du kannst sie abwischen, wenn du mit deiner gnädigen Hülfe erscheinst. Darum will ich mich auf dich verlassen, und alle dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, entgegensetzen diesen Trost: Gott ist mein Helfer, und wird mein Helfer seyn und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott! eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei, wenn mir Hülfe noth ist; Herr, ich warte auf dein Heil und auf deine Hülfe; ich verlasse mich auf deine Hülfe; wenn du mir nicht hilfft, so bin ich verloren. Wird mein Leiden groß, Herr, so weiche mit deiner gnädigen Hülfe nicht von mir. Erscheinet meine Gebärstunde, so erscheine auch mit deiner Hülfe. Du bist meine einige Zuflucht, mein Gott und Beistand, ich weiß ja feinen andern. Willst du mir nicht helfen, wer kann mich erretten? Hilf mir, o du Gott meines Heils, wann ich bete, und erhöre mich; hilf mir, wann es gefährlich aussiehet; hilf mir, wann meine Stunde kommt; alsdann will ich in freudigem Vertrauen mit meinem Jesu seufzen: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Hab' ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freude verkehret werden. O wie herrlich hast du Andern geholfen! ach! so hilf mir auch! du bist ja noch eben der starke, gnädige und allmächtige Gott, der du vormals gewesen bist. Herr, ich halte an mit Beten, wie das Cananäische Weib, und sage: Herr, hilf mir! ja, ich gehe nicht von dir, ich lasse nicht ab, bis du mich mit deiner Hülfe ers freuet und mir geholfen hast. Komm', ach Vater der Gna den und Barmherzigkeit! und hilf deinem Kinde, welchem 29 der göttlichen Hülfe. ohne dich nicht kann geholfen werden. Komm', o Jesu, du Heiland aller Menschen! und hilf mir, bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm' und hilf mir, o werther heis liger Geist! und versiegle mir den Trost, daß meine Hülfsstunde bald anbrechen werde. Dreieiniger Gott! zu dir fliehe ich, auf dich verlaß' ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hülfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Noth, reiß' mich aus der Noth, da ich dir dann mit fröhlichem Munde danken will. Indessen: Frisch auf, mein Herz! verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rath, Hülfe will er theilen mit, er ist ein Schuß der Armen; im Vollgenuß und Ueberfluß kann man nicht allzeit sitzen; wer Gott vertraut, hat wohl gebaut, den will er ewig schützen. Ja, ich will meine Zuversicht auf dich beständig setzen; du wirst, wann mir's an Trost gebricht, mit Hülfe mich ergößen. Indessen will ich stille seyn, bis sich die Hülfe stellet ein, und deinen Namen preisen. Amen. Gebet. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott ist ja bei mir, Drum muß die Furcht verschwinden, Weit sich in Noth und Tod Gott will bei mir einfinden Mit seiner Hülf' und Treu', Mit Beistand Trost und Rath, Wie auch sein theures Wort Mir fest versprochen hat. 2. Mein Gott ist ja bei mir; Kommt schon ein Kreuz gegangen, So will ich es mit Gott Ohn' alle Furcht empfangen. Kommt Kreuz, so kommt auch Gott; Kommt auch Kreuz nicht allein, Und ist es mancherlei, So will Gott bei mir seyn. 3. Mein Gott ist ja bei mir; muß ich die Trübsal schmecken, So will er mich dadurch Zu seiner Lieb' erwecken. Stellt sich die Trübsal ein, Alsdann empfeht' ich mich Des Allerhöchsten Schuß, Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, Und sollten Unglücksfluthen Gar über mich ergeh'n, So ist es mir zum Guten. Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein Gott bei mir ist, Und wär' es noch so groß. 5. Mein Gott ist ja bei mir; Will auch die Nacht eindringen, Bis fich die Hülf' einstellt, So will ich hoffen, singen, Und mich voll Zuvers sicht Empfehlen Gottes Treu', Der Treu', die Tag und Nacht, Ja alle Stund ist neu. Andacht bei herannahender Gebärstunde. 6. Mein Gott ist ja bei mir; Mich kann der Tod nicht tödten, Des Höchsten Hülfe steht mir bei in allen Nöthen. Mein Gott weicht nicht von mir, Mein Gott verläßt mich nicht, Mein Gott, mein Trost und Heil, Gott meine Zuversicht. 7. Mein Gott ist ja bei mir; Weg alle Furcht vor'm Grabe! Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe habe Vor aller Angst und Qual; Es bringt mir süße Ruh', Denn Gott, der bei mir ist, Deckt mich selbst sanft dort zu. 30 8. Mein Gott ist ja bei mir; Gott wird mir schon erscheinen 3um Trost, zur Hülf', zum Heit, Nach meinem bittern Weinen. Mein Herz, v sey getrost, Und hoffe für und für, Und sprich mit frohem Muth: Mein Gott ist ja bei mir! Andachten für Gebärende. Andacht bei herannahender Gebärstunde. Aufmunterung. Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie würden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kindergebären könnten die Seligkeiten erwerben, denn die Seligkeit hat allein Christus Jesus durch sein Leiden und Sterben erworben; sondern er gibt ihnen vielmehr damit den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen Schmerzen müßten Kinder gebären, so hätten sie dennoch einen gnädigen und versöhnlichen Gott, und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, so könnten und sollten sie dennoch selig werden, wenn sie nur blieben im Glauben, in der Liebe und Heiligung, sammt der Zucht. Von ihnen wird daher erfordert: 1) daß sie im Glauben bleiben, daß sie ihr Vertrauen, wenn die Gebärstunde herankommt, nicht wegwerfen, nicht wider Gott murs ren, sondern im Glauben, in der Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart herginge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und an die göttliche Allmacht erinnern. 2) Collen sie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben, und auch alsdann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab' ich dich, den Herrn; du wollest seyn von mir nicht fern mit deiner Hülf und Gnade. Sie sollen bleis ben in der Liebe gegen den Nächsten, daß sie vorher sich mit 31. Andacht bei herannaheuder Gebärstunde. Gott und dem Nächsten versöhnen, wie denn auch gottselige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gern das heilige Abendmahl empfangen, um dadurch sich Gott zu heiligen und auf zuopfern. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufügen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht um das Leben bringen, sondern dem guten Rath und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wenn aber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen und nicht thun wollen, was ihnen Gott auferlegt, und was sie zu thun schuldig sind, wovon auch Kaiserinnen, Kö niginnen und Fürstinnen nicht frei sind, und eben wie andere Weiber sich verhalten müssen: so werden sie Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen werden, daß sie ihnen durch Faulheit ihr Leben genommen, und sie also vor der Geburt getödtet haben. Endlich sollen sie auch 3) bleis ben in der Heiligung sammt der Zucht, daß sie ein heilig, züchtig und christlich Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten, und in solcher Heiligung ihre Gebärstunde erwarten. Gebet. Herr, allmächtiger Gott! getreuer, lieber Vater! es kommt nunmehro meine Gebärstunde immer näher und näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hülf' und Gnade. Jch nahe mich zu dir mit meinem Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach! nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Güte und Barmherzigkeit. Komm' zu mir und bleibe bei mir, in, unter und nach der Geburt. Wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den mächtigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gib mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sey, und alle Furcht fahren lasse, daß ich getrost mich möge bezeigen, getrost stehen, getrost niedersegen oder liegen, und mich trösten, weil du bei mir bist; so wird Alles glücklich von Statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir Alles leicht werden; ist der Herr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Gib aber auch, lieber Gott! denen, die mit mir umgehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüg Andacht bei herannahender Gebärstunde. lich Alles anordnen, mir nicht zu wenig und zu viel thun; segne ihr Beginnen und beglücke ihr Vornehmen, daß sie mit mir, und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. Verleihe mir, daß ich gu tem Rath folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch weder mir selbst schaden, noch auch meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen, und mir eine so schwere Verantwortung verursachen möge. Höre, ach! gnädiger Gott! mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilf mir bald und hilf mir glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, und eine erfreute Kindermutter werden. Siehe, Herr, hier bin ich; mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Verlaß mich nicht und thue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil; bleibe bei mir in der äußersten Noth, und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde; meine Hoffnung, daß ich sie nicht lasse sinken. Nun ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der himmlische Vater segne, behüte und erhalte mich. Jesus Christus sey bei mir, stärke und erquicke mich, und der heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugniß meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sey. Die Liebe des Vaters decke mich, die Gnade des Sohnes erquicke mich, der Beistand des heiligen Geistes erfreue mich. Treulich will ich Gott bitten, zum Beistand nehmen ihn; der für mein Heil gestritten, zu Jesu will ich flieh'n. Gott kann dem Weh gebieten, und mir Geduld verleih'n. Er wird mich wohl behüten, und mein Nothhelfer seyn. Amen. 32 Gesang. Mel. Zion flagt mit Angst und Schmerzen.d 1. Ach! hilf mir aus dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit! So schrei' ich mit Herz und Munde Jeht in dieser Leidenszeit. Ach! ich wende mich zu dir, Großer Gott, ach! hilf du mir; Laß mich doch bald Hülfe finden Durch ein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's gescheh'n; Wirst du deine Hülfe senden, So wird's mir nach Wunsche geh'n. Komm', mein Gott, und lös' das Band, Reich mir deine Vaterhand; Herr! hilf mir in meinen Nöthen, Du allein kannst mich ervetten. 3. Herr, du hast es ja verheißen, Daß du wollest bei mir seyn, Und aus aller Noth mich reißen; Hilf mir, Herr, denn ich bin dein. Helfer, hilf jetzt gnädiglich, Großer Gott, erbarme dich; Höre, rette, komm' und eile, Und doch länger nicht verweile. Andacht bei herannahender Gebärstunde. 4. 3war will ich dir nicht vorschreiben Deiner Hülfe Stund' und Beit; Ich will doch geduldig bleiben In des Leidens Bitterkeit. Gib mir jetzo Kraft und Stärk' Hier zu diesem schweren Werk; Ach! hilf selbsten mir arbeiten, Und weich' nicht von meiner Seiten. 33 5. Herr, ich will dir fest vertrauen, Drückt es mich auch noch so lang, Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang. Sieh, ich sehne mich nach dir, Vater, Vater, hilf doch mir; Hilf, o Bater! deinem Kinde, Hilf, mein Vater, doch geschwinde.. 6. Ach mein Gott! hör' meine Bitte, Deffne was verschlossen ist, Tritt jeht selber in die Mitte, Weil du doch der Helfer bist. Leg' du selber Hand mit an, Die hand, die mir helfen kann. Sieh, wie ich dich fest umfasse, Und mich ganz auf dich verlasse. 7. In Gott hab ich Kraft und Stärke, In Gott hab' ich guten Muth; Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hülfe ruht. Gottes Hülfe ist schon nah, Wenn er spricht, so steht es da; Mein Muth ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O wie will ich Gott dann preisen, Wann ich nun entbunden bin! Wie will ich ihm Dank erweisen! Mein Gemüthe, Geist und Sinn, Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hülfesstund' Immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad' und Ruhm erheben. Aufmunterung. Trost bei herannahender Geburt. Es pflegen sich gottselige Ehefrauen oftmals zu ängstigen, und Unerfahrene zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist; aber warum wollet ihr erschrecken, ihr habt ja Gott bei euch? Der Gott, der euch hat die Schmerzen aufgeleget, der will sie auch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit eurer Geburt: 1) Gott ist ein guter und gnädiger Gott, er meinet es nicht bös mit euch, denn denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen; weil er ein gnädiger Gott ist, so wird er euch Gnade erzeigen, und euer Elend und euern Jammer ansehen. Er ist 2) getreu, er weiß eure Kräfte und Vermögen besser als ihr selbst; Gott ist getreu, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. 3) Gott ist barmherzig; er wird sich auch über euch, wie ein Vater über seine Kinder erbarmen. 4) Gott 3 OV 34 Trost bei perannahender Geburt. ist stark; was ihr nicht vermöget, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig; sehet nicht an eure geringe Kraft und Stärke, sondern Gottes Macht; ihr sollt es auch nicht thun, sondern Gott will Alles thun, und eure Hände, Arme und Glieder stärken, wie David Gott allen Ruhm beileget und spricht: Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen, auf dich bin ich geworfen. Erinnert euch: 5) eure Schmerzen währen nicht lange, nicht Jahr und Tag, wie Da vid's Elend, und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde, und so sich's ja länger verziehen sollte, so sprecht in kindlichem Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht, und wieder bis zum Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht und sorgen. Sehet, dieses laffet euern Trost seyn bei eurer Geburt. Seufzer vor der Geburt. Herr, allmächtiger Gott! wenn ich nun merke, daß meine Stunde bald einbrechen wird, da ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir, und bitte dich, ach! weiche nicht von mir; ach! bleibe bei mir, gib mir Kraft zu gebären, und entbinde mich gnädiglich, lindere die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlechte dufgeleget hast. Doch da du sie der Eva und ihren Töchtern aufgeleget, zur Zeit, da du sie wieder begnadiget, und Jesum, den Weibes- Samen und Versöhner der Menschen, verheißen hattest, so sehe ich die bevorstehenden Schmerzen an, nicht als eine Strafe eines zornigen Richters, sondern vielmehr als eine Züchtigung eines liebreichen und versöhnten Vaters, welche ein Andenken des Sündenfalls seyn sollen, aber auch eine Erinnerung, daß ich durch Jesum Christum mit Gott versöhnet bin. O darum, starker und allmächtiger Gott! hilf mir kräftig; meine Hülfe stehet bei dir; nach dir, Herr, verlanget mich; mein Gott, ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden: eile, mir beizustehen, Herr, meine Hülfe! Jesu! der du bist Mensch geboren, worden, um deiner heiligen Geburt und Menschwerdung willen, erbarme dich über mich, hilf mir aus dieser Stunde, und erhalte mich. O werther heiliger Geist! bleibe in meinem Herzen, und schreie das Abba, lieber Vater; gib Zeugniß meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind Gottes sey. Odu heilige Dreieinigkeit! hilf mir, und erbarme dich über mich. Amen. Troft bei herannahender Geburt. Ein Anderes. 35 du liebreicher Gott, der du uns Menschen herzlich liebest, und sonderlich in unsern Leiden und Schwachheiten uns beizuste. hen verheißen hast, du weißt ja den Stand, darin ich stehe, du siehest auch, wozu ich mich bereite, und was ich jetzt vorhabe; o darum stehet alle meine Hoffnung zu dir. O du starfer Gott, der du den verlassenen Hirschen im wilden Walde, ohne menschliche Hülfe, wenn sie im Schnee und Frost ihre Jungen haben, beistehest, ach! laß dir auch meine Leibesfrucht anbefohlen seyn, und segne die Hände, die zu der Geburt sich darbieten; leiste du mir selber die beste Hülfe, und entbinde mich gnädiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißung verlasse ich mich, und greife an das Werk mit Freuden, wozu mich Gott hat beschieden, in meinem Beruf und Stand. Ich will getrost seyn und auf deine Hülfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung und nach deinem Willen gern leiden, was du mir aufs legest, sen du mir nur nicht fern, Herr, Herr, meine Zuversicht in der Noth. Sey und bleibe meines verschlossenen Pfandes gnädiger Gott, erhalte, o Herr, was deine Hände bereitet haben. Deffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur, und wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise du an mir deine Macht und wunderbare Güte. Eey mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig, stärke mich an meinem Geist und Leibe, lindere und erleichtere mir deine Schmerzen, und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken; lege sie lebendig in meine Arme und Hände; so will ich mit ausgerecktex Armen und gefaltenen Händen dir tob sagen, und was du mir gegeben, als ein Opfer und als dein Kind, in der heiligen Laufe dir wiedergeben. Sollte aber in deinem heiligen Rath fiber mich beschlossen seyn, daß ich über dieser Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille; du bist mein Gott, mein Herr, mein Vater, ich deine Kreatur, deine Magd, dein Kind; mache es mit mir, wie dir es wohlgefällt, ich aber bin bereit zum Leben und Tod, und wenn du gleich mich tödten wolltest, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuvers sicht. Sch lieg' im Streit und widerstreb', hilf, o Herr Christ! 3* TA Seufzer bei und unter der Geburt. mir Schwachen; in deiner Gnad' allein ich leb', du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung, Herr, so wehr', heiß' deine Hand mich fassen. Der Gottesfürchtigen Begehr zu thun wirst du nicht lassen. Amen. 36 Seufzer bei und unter der Geburt. Herr, Herr, groß von Rath, und mächtig von That, siehe, hier bin ich und seufze allein nach deiner Hülfe. Hier kann kein Mensch helfen, nur du allein. Sch erkenne zu deinem Preis, daß die Geburt eines Menschen ein Wunderwerk ist, welches du allein befördern mußt, und stehet in keines Menschen Macht, ein Kind zur Welt zu bringen. Derhalben flehe ich dich, o allmächtiger Nothhelfer! demüthig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißt ja meine Schmerzen, weil du selbst sie mir aufgelegt hast; ich sitze oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir bekannt, denn du, Herr, bist um mich. Du siehest auch meine Thränen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht, du kannst überschwänglich thun, über Alles, was wir wissen und verstehen; keine Noth ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe, deine mächtigen Hände haben mein Kind bereitet, sie haben es mit Fleisch und Haut angezogen, Leben und Wohlthat hast du ihm schon lange erwiesen, und durch dein Aufsehen sein Daseyn bewahret. Darum bringe es auch an's Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. Herr, Herr, der du so viel Tausenden geholfen haft an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch helfen; ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich heraus reißen, ich will dich nicht verlassen noch versäument. Laß mich dabei das Meine getreulich thun, damit ich auch ein gut Gewissen behalte; du aber stärke mich Schwache. Betrübtes Herz, sey wohlgemuth, warum willst du verzagen? Es wird noch Alles werden gut, und all dein Schmerz und Klagen wird sich in lauter Fröhlichkeit verwandeln in gar kurzer Zeit; das wirst du wohl erfahren. Amen. Ein Anderes. Ach gnädiger und barmherziger Gott! du hast gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich 37 Seufzer bei und unter der Geburt. preisen. Auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir, Abba, mein Vater! ich schreie zu dir in meiner Noth, ach! höre doch meine Stimme, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin; ach! laß mich doch nicht über mein Vermögen Schmerzen empfinden; Herr, wenn ich Noth leide, so lindre sie. Jesu, du Sohn David's, erbarme dich mein! durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber Herr Gott! stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich. Heiliger Geist, du Tröster in aller Noth, sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht bes ten kann, o Jesu! so bitte du für mich; o werther heiliger Geist! so vertritt du mich bei Gott mit unaussprechlichen Eeufzern. dreieiniger Gott! reiche mir und meinem Kinde deine Hand, die wir unser Herz und unsere Hände zu dir ausstrecken. Laß uns nicht verderben, noch Schaden leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht; nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm erschallen weit, ich) will's auch hernach erweisen, und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes, als dein Geschöpf, in dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte sie gnädiglich durch deine Kraft; hilf, daß ich an ihr Nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröhlich erblicken möge. Herr Gott, Bater im Himmel! erbarme dich über mich; Herr Gott, Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich; Herr Gott, heiliger Geist, erbarnie dich über mich)! Amen. Ein Anderes. Gnädiger und starker Gott, es ist die Stunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmet hast, darum wende ich michy zu dir und schreie: Vater, hilf mir aus dieser Stunde. In deis nem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden. Herr, mein Schöpfer, stehe mir bei und stärke mich. Jesu, du Sohn Gottes, der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir, und erquicke mich. Ach! umfasse mich mit deinen Armen, und halte mich. O werther heiliger Geist! gib mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk, erbarme dich meiner, und erfreue mich. du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und heiliger Geist! eile, mir beizustehen. Stehe auf, Herr, und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe, du kamm Gottes, der du trägst die Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen. Sünden der Welt, erbarme dich über mich. Christe, du kamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt, verleihe mir Frieden! Amen. 38 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen. Pfalm 146. V. 18. 19. Der Herr ist nahe Allen, die ihn anrufen, Allen, die ihn mit Erust anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihri Schreien und hilft ihnen. Ich wende mich von allen Dingen, Uyd fehre mich zu Jesu Christ; Ich weiß, es wird mir bald gelingen, Weil Jesus nahe bei mir ist; Mein Hoffen ist auf ihn gericht't, Ich halte ihn, und laß ihn nicht. Ich will, wie Jacob, mit ihm ringen, Ich bete, weil er helfen kann; Ich will ihm meine Lieder bringen, Ich greife es mit Jesu an; Ich rufe: Herr, ich laß' dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach, mein Jesu! sey jetzt nahe bei mir, und bleibe bei mir, bis du mir geholfen haft; ach! thue doch, was ich begehre, ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Wort verheißen hast, nämlich deine Hülfe. Psalm 43. V. 12. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Was kränkst du dich, o arme Seel? Sey still und laß das Wanken; Gott, meine Burg, zum Trost ich wäht', Und werde ihm noch danken. Geduld im Leid nur kurze Zeit! Auf Regen scheint die Sonne, Auf Angst kommt Freud' und Wonne. Ach, mein Jesu! ich warte auf dein Heit, ich harre auf deine Hülfe; ach! laß fie mir bald erscheinen, du allein bist meine Hoffnung; ach! erhöre mich, ach! erfreue mich, ach! entbinde mich, so will ich dir banken ewiglich. Jesaja 54. V. 6. 7. 8. Der Herr hat dich lassen im Geschrei seyn, daß du seyest wie ein ver= laffen und von Herzen betrübt Weib. Ich habe dich einen Augenblick verlaffen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Borns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der Herr, dein Erldser. Sprüche, Seufzer und Gebete Ach Jesu! hilf mir doch; Auf dir steht mein Vertrauen, Ach! laß mich deinen Trost Mit Freuden bald anschauen. Du bist's, der Hülfe schenkt, Ja du bist's ganz allein; Drum stelle ich dich doch bald zu meiner Hülfe ein. Ach mein Gott! erbarm' dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein Gott. D barmherziger Gott! meine Augen schauen auf gen Himmel nud sehnen sich nach deiner Hülfe. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir, deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Uch Herr! wie lang, wie lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir. 39 Jesaja 59. V. 3. Siehe, des Herrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne! Gottes Hände sind ohn' Ende, sein Vermögen hat kein Ziel; ist's beschwerlich, scheint's gefährlich, deinem Gott ist nichts zu viel! Ich weiß, mein Gott! daß dir Nichts unmöglich ist, darum vertraue ich auf dich. Herr, recke deine Hand zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petro. Deine Hand kaun helfen aus allen, in allen und von allen Nöthen. Ach Herr! schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. Psalm 91. V. 24. 25. 26. Er begehret mein, so will ich ihm aushelfen; er tennet meinen Namen, darum will ich ihn schüßen; er rufet mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn heraus reißen und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben, und will ihm zeigen mein Heil. Herr Jesu Christ, groß ist die Noth, Darin ich mich befinde; Hilf väterlich, o guter Gott! Hilf deinem schwachen Kinde; Kein Mensch ist, der mir helfen kann, Und Niemand nimmt sich meiner an, Ohn' dich bin ich verlassen. Ach mein Jesu, weil mir Niemand helfen kann, als du, so eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei. Siehe, ich bin jetzt in der Noth, ach! reiß mich nach deiner Verheißung heraus; ich begehre dein, hilf mir aus; mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlig suchen, darum suche ich auch, Herr, dein Antlig. Jesaja 54. V. 10. Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Guade foll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Was ich nicht kann, das gib du mir, O höchstes Gut der Frommen! Gib, daß mir nicht des Glaubens Bier Durch Trübsal werd' entnommen; in Nöthen zu sprechen. Erhalte mich, o starker Hort, Befeft'ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor murren. O Jesu! nimm deine Guade und deinen heiligen Geist nicht von mir ach, weiche nicht von mir, stärke mich zu dem Werke, und in dem Werke, mit welchem ich jetzt beschäftiget bin. Denke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht. Kraft dieses Bundes bist du mein Vater und ich dein Kind; ach, mein Vater! denk an dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes, 40 Psalm 103. V. 13.Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Vater über die, so ihn fürchten. Weil du mein Gott und Vater bist, dein Kind wirst du verlassen nicht, du väterliches Herz; ich bin ein armer Erdenklos, auf Erden weiß ich keinen Trost. Ach mein gnädiger Gott und Vater! ich weiß kteinen Trost und keine Hülfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir: Darum schreie ich zu dir: ach, hilf mir, mein Vater! erbarme dich über mich, mein Vater! ach! laß dein Vaterherz erweichen, damit ich bald möge erfreuet werden; ach, du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen thue es doch. Tob. 3. V. 21. 22. 23. Das weiß ich fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du hast nicht Lust an unserm Verderben, denn nach dem Ungewitter läsfest du die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden; deinem Namen sey Ehre und Lob, du Gott Jsraels, Es hat kein Unglück je so lang gewähret, Es hat doch endlich wieder aufgehöret; Reich' mir deine Händ', Und mach's ein End', Auf dieser Erd' Mein Herz sonst Nichts begehrt. Ach Gott! laß mich nach meinen Schmerzen und Nöthen bald auch deine Hülfe sehen; du bist ja der Nothhelfer und starke Held, der allein helfen kann; erlöse mich, und laß mich Gnade finden, gehe nicht vorüber vor deiner Magd; du hast Lust zum Leben, darum erhalte mir und meis nem Kinde das Leben; laß uns beide vor dir leben, daß wir deinen Namen preisen. inbin Psalm 71. B. 1 und 3. Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit, und hilf mir aus, neige deine in Nöthen zu sprechen. Ohren zu mir, und hilf mir. Sey mir ein starker Hort, dahin ich ims mer fliehen möge, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. 41 Herr Jesu Christ, ich schrei' zu dir Aus hochbetrübter Seele; Dein' Aumacht laß erscheinen mir, Daß mich's nicht länger quäle; Viel größer ist ja Noth und Schmerz, So anficht und betrübt mein Herz, Als daß ich's kann erzählen. Ach Herr! mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt. Herr, Herr! je mehr die Noth groß wird, desto eifriger will ich um Hülfe rufen; ich will es in meinen Nöthen machen, wie mein Jesus, welcher, da er mit dem Tode rang, heftiger betete. Psalm 130. V. 6. Meine Seele wartet auf den Herrn, von einer Morgenwache bis zur andern. Und ob es währt bis in die Nacht, Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Nicht zweifeln, noch viel sorgen. Mein Gott, das ist und soll auch mein fester Entschluß bleiben, ich will nicht an deiner Hülfe zweifeln, wenn es auch noch so lange währete; wollte der Herr sich ein wenig vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen, und mir gnädig seyn Jesaja 38. V. 14. Ich winselte wie ein Kranich und wie eine Schwalbe, und girrete wie eine Taube, meine Augen wollten mir brechen. Herr, ich leide Noth, lindere sie. D! wie will ich noch reden, das er mir zugesagt hat, und thut's auch! Aus der Tiefe rufe ich, Will sonst Niemand hören mich, Ach, so hor', o Jesu mein! Du wirst ja der Helfer seyn. Die Antwort des Herrn Jesu. In der Höh' erhör' ich dich; Drückt der Schmerz dich jämmerlich Macht die Noth dem Herzen bang, Meine Hülfe säumt nicht lang. Ach Jesu! alle meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer; ach! thue, wie du mir zugesagt hast. Mit dir hab' ich das Werk angefangen, ach! gib du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kinde, laß uns einander fröhlich erblicken, und vor dir leben. Herr, erbarme dich über uns. Psalm 25. V. 15. 16. 17. 18. Meine Augen sehen stets zu dem Herrn, denn er rd meinen Fuß aus dem Neze ziehen. Wende dich zu mir, und sey mir gnädig, denn ich Sprüche, Seufzer und Gebete bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen, siehe an meinen Jammer und mein Elend, und vergib mir alle meine Sünden.. Laß mich wiederum empfinden, Mein Gott! deinen Frendenschein, Hilf mich dieser Last entbinden, Bindre dieser Schmerzen Pein; Wirst du mich nicht bald erquicken, Wird die Last mich niederdrücken. Ist mein Seufe zen denn vergebens, Wird mein Beten nicht erhört? Soll ich denn, o Hort des Lebens! Bleiben nimmerdar beschwert? Laß den Schmerz vors übergehen, und mich deine Hülfe sehen. Herr Jesu, ich wende mich im Glauben zu dir, ach! komme zu mir, fiehe, wie mir so wehe ist, stärke meinen Glauben, erhalte meine Zuvers sicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Uch, tritt du selbst mir zur Seite; Herr, höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach! ist's bald Zeit, daß ich durch deine Hülfe erfreuet werde? 42 • Offenb. Joh. 22. V. 20. Siehe, ich fomme bald. Ja komm', Herr Jesu! Herr, wenn du mir nicht helfen wirst, So ist's mit mir verloren; Du bist allein der Lebensfürst, Der uns zu gut geboren. Komm', Jesu, fomm, ach fomm' zu mir! Denn siehe, Herr! die Noth ist hier, Du wirst mich nicht verlassen. Ach mein Jesu! das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommest. Ach! komm' und entbinde mich, komm' und ers freue mich, komm' und errette mich, komm', laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. Pfalm 39. V. 8. 13. Nun Herr, weß soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meine Thränen. Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, Daß ich mir sollte vor Leid mein Herz so pressen; In meiner Noth Dent' ich an Gott, Er wird das Kreuz nach meinen Kräften messen. Herr Jesu! eile zu mir; hilf mir, Gott, mein Helfer, so ist mir ge: holfen. Ich weiß sonst keinen Rath in dieser Angst und Noth, drum flehe ich zu dir, ach komm'! ach komm' ach hilf du mir Jesaja 40. V. 29. 31. Der Herr Herr gibt den Müden Kraft, und stärket die Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, trigen neue Kraft, daß fie auffahren mit Flügeln, wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß fie wandeln und nicht müde werden. in Nöthen zu sprechen. 43 Herr Jesu Christe, Gottes Sohn, 3u dir steht mein Vertranen, Du bist der rechte Gnadenthron; Wer nur auf dich thut bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hitsst ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich vertaffe. Ach Herr, mein Gott! gib mir auch neue Kraft, verleihe mir Muth, Kraft und Stärke deines heiligen Geistes; ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen, aber in meines Gottes Stärke vermag ich Alles. Herr Herr, stärke mich auch diesesmat, mein Gort, hilf fröhlich überwinden. Der Name des Herrn sey gelobet. Psalm 94. V. 17. 19. Wo der Herr mir nicht hälfe, so täge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmerniß in meinem Herzen, aber deine Tröftungen ergößten meine Seele. Meine Hülfe kommt vom Herrn, Also will ich mich getrösten; Wenn die Hülfe scheinet fern, Und die Noth am allergrößten, Wann kein Mensch mir helfen kann, So schau' ich den Himmel an. Herr, allmächtiger Gott, von dem alle Hülfe kommt, so auf Erden geschiehet, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Noth. Auf deinen Befehl rufe ich und sage: Herr, hilf mir, Herr, erbarme dich, nimm weg die Bekümmerniß und die Sorgen meiner Seele, schenke mir, was ich hoffe, gib mir, was ich bitte. Herr, es stehet in deinen Händen. Röm. 5. V. 3. 4. 5. Wir rühmen uns der Trübfal, dieweil wir wissen, daß Trübsat Geduld bringet, Geduld aber bringet Erfahrung, Erfahrung bringet Hoffnung, Hoffnung aber läsfet nicht zu Schanden werden. Wer hofft in Gott und dem vertraut, Der wird nimmer zu Schanden, Und wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm schon kommt zu Handen Biel Unfall hie, Hab' ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich vers läßt Auf Jesum feft; Er hilft seinen Gläubigen allen. Ach Herr! hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit, ich warte auf deine Hülfe, ich hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die stehet bei dir; sich an mich betrübtes Weib, und erfreue mich wieder, laß deine Stunde anbrechen, damit ich mit fröhlichem Mande dir dans ten möge. Sir. 35. V. 21. Das Gebet der Elenden dringt durch die Wolken, und lässet nicht ab, bis es hinzu komme, und höret nicht auf, bis der Herr drein sehe. Sprüche, Seufzer und Gebete Ach Gott! erhör' mein Seufzen und mein Klagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; Du weißt den Schmerz, Erkennst mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Pflanz' nur Geduld durch deinen Geist ins Herz, Und laß mich allzeit schanen himmelwärts, 3u deiner Seit Wend' ab mein Leid; Durch Mark und Bein dringt mir der große Schmerz. Herr, allmächtiger Gott, der du der Elenden Seufzen nicht verschmä= hest, der du der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtest, siehe an unser Gebet, welches wir dir in unserer Noth vortragen, und erhöre uns gnädiglich.. 44 Psalm 55. V. 2. 3. Gott, erhöre mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen, merke auf mich, und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und seufze. Furcht und Bittern ist mir angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Hoff", o du arme Seele! Hoff und sey unverzagt; Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn' der schöne sten Freud'. Ach Herr Herr! du kannst helfen, denn du bist ein allmächtiger Gott; du willst helfen, du bist ja mein liebreicher Gott und Vater; ach! darum so erhöre mich, laß leuchten dein Antlitz, so genese ich. 2 Cor. 6. V. 2. Gott spricht: Ich habe dich zur angenehmen Beit erhöret, und habe dir am Tage des Heits geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Seit, jetzt ist der Tag des Heils. Wenn Trost und Hülf ermangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt der Hülfe Ueberfluß, der Schöpfer selbst, und neiget Die Vater: augen denen zu, Die sonsten nirgends finden Nuh'; Gebt unserm Gott die Ehre! Ach Herr! ist deine Stunde noch nicht gekommen? Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt meiner nicht, seine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig; ach! um aller deiner Güte willen errette mich. Ach wie lang, wie lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Psalm 119. V. 169. 174. Herr, laß mein Flehen vor dich kommen, errette mich nach deinem Wort. Herr, mich verlanget nach deinem Heit, und ich habe Lust an deinem Gefeße; laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Rechte mir helfen. 45 in Nöthen zu sprechen. Db sich's anticß', als wollt er nicht, So laß dich gar nicht schrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken; sein Wort laß dir gewisser seyn, Und ob dein Herz spräch lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen. Herr, mein Gott, ich will jetzt durch all mein Elend und meine Schmerzen hindurch nur allein auf dich sehen, ich will nicht sehen neben und um mich, denn da find' ich schwache Menschen, sondern über mich, gen Himmel, auf dich, o allmächtiger Gott! Ach! laß deine Gnade mir berstehen und deinen Arm mir aushelfen, hilf du mir, o Gott meines Heils! so ist mir geholfen. Jer. 31. V. 13. Ich will ihr Tranern in Freude verkehren, und sie trösten, und fle erfreuen in ihrer Betrübniß. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn, Und thun an feinem Theite, Als hätt' in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und sollst du für und für In Angst und Nöthen schweben, So frag' er nichts nach dir. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm tren verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mindsten gläubst; Er wird dein Herz erlösen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen Bisher getragen hast. Ach mein Gott!" entbinde mich auch von meiner Last, verzeuch coch nicht länger mit deiner Hütfe, verkehre mein Trauern in Freude, und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübniß. Bei Gott ist mein Heil! meine Ehre, meine 3uversicht ist auf Gott. Psalm 121. V. 1. 2. Ich bebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe fommt, meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er bleibt Denn Gott verläßt ja Keinen, der sich auf ihn verläßt. getren den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's au wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Herr, dreieiniger Gott! ich habe alle meine Hoffnung auf dich gestellt, nach dir sehne ich mich. Herr Gott Vater, erbarme dich mein und meines Kindes! Herr Jesu, stärke mich, und stehe mir bei! O heiliger Geist! erquicte mich mit dem Trost, daß ich bald erfreuet, entbunden, erquicket, bald Hülfe erlangen werde. Dreieiniger Gott! erbarme dich mein. OVA Sprüche, Seufzer und Gebete Habatul 2. V. 3. Die Weisfagung( die Verheißung der göttlichen Hülfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an den Tag kommen, und nicht außen bleiben; ob sie aber verzeucht, so harre ihrer; sie wird gewißlich kommen, und nicht ausbleiben. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich auf rechten Straßen, Und trägt mich für und für; Er reicht mir seine Hand, den Abend wie den Morgen, Und wird mich wohl versorgen, Wo ich auch wohn' im Land. Ach ja, mein Gott! ich lasse dich nicht, du fegnest mich und helfest mir denn.. Laß doch auch den Bezug deiner Hülfe die fröhliche Hülfsstunde anbrechen. Indessen will ich anhalten mit Seufzen und Beten, und sagen: Herr Jesu, hilf siegen! Herr Jefu, hitf ringen! Meine Entbindung, mein Leben und meine Hülfe schet in deinen Händen. 46 Psalm 13. V. 1. 2. 3. Herr, wie lange willst du mein so gar vergessen, wie lang verbirgst du dein Antliß vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich angsten in meinem Herzen täglich? Schaue doch, und erhöre mich. Ach! wann wirst du dich erbarmen Ueber meine schwere Pein? Wann wirst du mir gnädig seyn? Ach! mann wirst du mich umarmen? Ach mein Gott! wie lang, wie lang, Soll mir seyn so angst und bang? Ach mein gnädiger und barmherziger Gott! da deine Hülfe verzieht, ist mir angst, aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater und ich dein Kind. Ach! verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir. Sprich nur ein Wort, so werde ich genesen; denn wenn du sprichst, ſo geschieht's, und wenn du gebeutst, so steht's da. Herr, erhöre mich gnädiglich. Jer. 17. V. 13. 14. 17. Herr, du bist meine Hoffnung. Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, so ist mir geholfen, denn du bist mein Ruhm. Sey du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Wo soll ich mich denn wenden hin? 3u dir, Herr Jesu, steht mein Sinn; Bei dir mein Herz Trost, Hülf' und Rath Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf Jesum Christ. O mein Jesu! alle meine Hoffnung stehet jetzt zu dir und zu deiner Allmacht; hilf mir, mein Heiland, bald, wenn es dein heiliger Wille ist; hilf mir, daß ich mich über deine Hülfe freuen kann. O wie will ic deinen Namen rühmen und dir lobsingen, wenn du mich herrlich erlöset hast! Meine Zuversicht Erde gemacht hat. 47 in Nöthen zu sprechen. stehet im Namen des Herrn, der Himmel und Psalm 31. V. 6. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist, und mein Herz freut sich, daß du so gern hilfft; ich will dem Herrn singen, daß er so wohl an mir thut. Bin ich zu schwach, laß deine Treu' mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdrossen sey Bum Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herze hofft und gläubt, Und im Gebet beständig bleibt, So lang ist's unbezwungen. Du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund! mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlit suchen; darum such' ich auch, Herr, dein Antliß; ich weiß, du kannst helfen, und hilfft auch gern, darum hoffe ich auf dich, ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott! laß es jetzt Beit seyn. Herr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen stehet meine Hoffnung auf dich fest. Klagl. Jer. 3. V. 18. 19. 20. 21. Mein Vermögen ist dahin, aber meine Hoffnung stehet auf den Herrn, Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermuth und Galle getränket bin. Du wirst ja daran gedenken, meine Seele sagt mir es. Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Wollte mich der Herr auch födten, Lässet ihn mein Herz doch nicht; Er hilft mir aus allen Nöthen, Er bewahrt mein Lebenslicht; Ob er sich schon anders stellt, Und bei sich verborgen hält, Der mir Leib und Seel' geschenket, Der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja! mein Gott denket an mich, darum spreche ich: Der Herr denkt an mich und segnet mich, er lässet sein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft zu gebären, so habe ich doch bei und in Gott Kraft und Stärke. Jch werde doch meine Lust an deiner Hülfe sehen. Pfalm 71. V. 20. 21. TE Du läsfest mich erfahren viel und große Angst, und machest mich wieder lebendig, und holest mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf; du machest mich groß und tröstest mich wieder. O Bater, sieh mich gnädig an, Damit ich nicht vergehe;; Du weißt wohl, was ich tragen kann,( Wie's um mein Leben stehe; Auf dich, o Helfer, nur allein Kann stets mein Trost gerichtet seyn, Ohn' dich bin ich verloren Sprüche, Seufzer und Gebete Ach Gott! willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach! so greif mich nur nicht zu heftig an; du weißt mein Vermögen, meine Kraft ist dir nicht verborgen. O! darum erquicke mich; wanu ich sinke, so hebe mich, wann ich ohnmächtig werde, so labe mich, wann ich müde werde, so stärke mich: Herr, Gott meines Lebens, erhalte mir und meinem Kinde das Leben, dafür soll dein Name ewiglich gerühmet und gepriesen werden. 48 Jasaja 12. V. 2. 4. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott ist meine Stärke und mein Psalm, und ward mein Heil. Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen; solches sey kundin allen Landen. Und weil ich ja nach deinem Rath Hier soll ein wenig leiden, So laß mich auch in deiner Gnad' Als wie ein Schäflein weiden; Daß ich im Glauben die Geduld, Und durch Geduld die edle Huld Nach schwerer Noth erhalte. Ach ja, mein Gott! das ist mein Trost, daß mein Leiden endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird, darum weil du meine Stärke, mein Nothhelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung. Darum will ich stille seyn und hoffen, durch Stilleseyn und Hoffen werde ich stark seyn. Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christum. Psalm 22. V. 13. 16. Sey nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe, und es ist hier kein Helfer; meine Kräfte sind vertrocknet, und meine 3unge klebet an mei= nem Gaumen. Hast du denn, Jesu, dein Angesicht gänzlich verborgen, Daß ich die Stunden der Nächte muß warten bis Morgen? Wie hast du doch, Mußt du Süßester, können annoch bringen die traurigen Sorgen? denn, Liebste, dich also von Herzen betrüben, Daß ich ein wenig zu lange bin außen geblieben? Weißt du denn nicht, wie dir mein Herz es verspricht, Dich stets und ewig zu lieben? Ja, deine Liebe und Treue, mein Jesu, ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht; du hast mich je und je geliebet, und kraft deiner Liebe mir oftmal geholfen und mich errettet; darum hoffe ich, du werdest auch diesesmal mich erquicken. Obgleich meine Noth groß ist, meine Hülfe noch fern scheinet, und von Mattigkeit meine 3unge am Gaumen klebt, so ist doch in dem Allen mein Herz auf dich gerichtet, du wirst mich doch noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das alaub' ich, das weiß ich; ach Herr! stärke mir Glauben und Zuversicht. - in Nöthen zu sprechen. Klagl. Jer. 3. V. 22. 23. Die Güte des Herrn ist's, daß wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Trene ist groß. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Sollt' es gleich bisweilen scheinen, Als ob Gott verlaß' die Seinen, Nun so weiß und glaub' ich dieß: Gott hilft endlich noch gewiß. Hülfe, die er aufgeschoben, Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, mann's nöthig ist. Ach mein gnädiger Gott, deine Güte ist bei mir nicht nur alle Mor gen, sondern alle Augenblicke neu, du stärkest und erhältst mich augens blicklich. Wie könnte ich ohne dich dieses Alles verrichten, dein Aufsehen bewahret meinen Odem, du stärkest Haupt und Hände. Darum bin ich nicht verlassen, Gott weichet nicht von mir, und ich weiche auch nicht von Gott. Darum wird auch meine Hülfsstunde bald hereinbrechen, weil ich den bei mir habe, von dem alle Hülfe kommt. 49 Psalm 4. V. 1. 4. 1119171 Erhöre mich, wann ich rufe, Gott, meine Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst; sey mir gnädig, und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der Herr seine Heiligen wunderlich führet; der Herr höret, wann ich ihn anrufe. Sey getren in deinem Hoffen; Hilft gleich Gott nicht, wie du willst, Bald hat er den Weg getroffen, Da dein Wünschen du erfüllst. Drum getreu, getreu aushalten Mußt du deinem lieben Gott; Jhn mußt du nur lassen walten, Nimmer wird sein Wort zu Spott; Rufe nur, er ist schon hier, Sein Herz bricht ihm gegen dir! Rufe nur, Gott ist vorhanden, Hoffnung machet nicht zu Schanden. Ach mein Gott! ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich dir vertrauen in meiner schweren Zeit; wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getreu aushalten. Führest du mich wunderlich, so führe mich nur selig; ich weiß, du bist und stehest neben mir, ob du gleich dich mit deiner Hülfe noch nicht offenbarest; ich spreche indessen im Glauben: Eir mir beizustehen, Herr, meine Hülfe!! Klagl. Jer. 3. V. 25. 26. Der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. Es ist ein köstlich Ding, geduldig seyn, und auf die Hülfe des Herrn hoffen. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn Stets Mitleid mit mir haben, Und mich, wie ich's bedürftig bin, Mit Gnad' und Hülfe laben. Ach! 4 DIA Sprüche, Seufzer und Gebete stärke meine schwache Hand, Ach! heil und bring' in bessern Stand Das Straucheln meiner Füße. Ja, mein Gott, auf dich harret meine Seele, und mein Vertrauen wanket nicht. Du freundlicher Jesu, erquicke mich mit deiner Freundliche keit in meinen Nöthen, richte auf die wankenden Füße, stärke die matten Hände; ich hoffe auf deine Güte, ich warte auf dein Heil, ich tröste mich deiner Guade! D du Gott aller Gnaden; der du uns tröstest in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. 50 Psalm 17. V. 6. 7. 8. Ich rufe zu dir, daß du, Gott, wollest mich erhören; neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede. Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen. Behüte mich wie deinen Augapfet im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Beuch mich, zeuch mich mit den Armen Deiner großen Freundlichkeit; Jesu Christe, dein Erbarmen Helfe meiner Blödigkeit. Wirst du mich nicht zu dir ziehen, Ach! so muß ich von dir fliehen. 3euch mich mit den Liebesfeilen, 3euch mich kråftig, o mein Gott! Ach! wie lang willst du verweilen, Starker Gott, Herr Bebaoth? Doch ich hoff' in allen Nöthen, Wenn du mich gleich wolltest tödten. Ach Herr! bewahre vor Unglück mich und mein Kind, bedecke uns beide mit deinen Gnadenflügeln, höre mein Seufzen und hilf mir. Werden die Nöthen noch heftiger, so laß auch kräftigere Hülfe erscheinen; ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheinet, als ob du mich tödten wolltest. D! deine Hand ist nicht verkürzt, ich sehe nicht auf mein Unvermögen, sondern auf dich gnädigen, starken und barmherzigen Gott. Hiob 5. V. 19. Gott verletzet und verbindet, er zerbricht und seine Hand heilet. Aus sechs Trübfalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Unglück rühren. Bald wird mir Hülfe werden; Was soll der feige Muth? Nachdem ich, was auf Erden, Erlitten, wird es gut. Dann werd' ich fröhlich fingen; Auf Gott hab' ich gebaut, Drum muß es mir gelingen; Wohl dem, der Gott vertraut. Ach Gott! die vorige so oftmal mir geleistete Hülfe macht mir Muth, daß du auch diesesmal werdest mein Gott, Erretter und Beistand seyn. Du bist ja noch so stark, als du vormals gewesen; hast du so Vielen geholfen, so beweise auch an mir deine Güte; so soll nach der Hülfe mein Mund voll Rühmens seyn, und ich will sagen: Das hat Gott gethan, der Name des Herrn sey gelobet! in Nöthen zu sprechen. 5. B. Mof. 4. V. 31 Der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott, er wird dich nicht laffen noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. Jesu, mein Erretter, siche, Wie oft ich in Nöthen bin; Ach! du bist's, zu dem ich fliehe, Sonsten weiß ich nirgends hin; Darum fürcht ich keine Noth, Keine Echmerzen, Krenz und Tod; Aus den größten Leidenstetten Weiß mein Jesu mich zu retten. 51 Ach mein Vater! gedenke an den Bund, den du mit mir in der heili. gen Taufe gemacht hast, gedenke, daß du mein Vater bist, und ich dein Kind. Jesu, gedenke daran, daß du mich gewaschen und gereiniget hast mit deinem heiligen Blute; zu dir flieh' ich, und flehe dich um Hülfe in meinen Nöthen an, ach errette mich! ach erquicke mich! ach erfreue mich! Klagt. Jer. 3. 3. 31. 32. 33. Der Herr verstößet nicht ewiglich, er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Nicht beß're Treu' auf Erden ist, Denn nur bei dir, Herr Jesu Chrift; Ich weiß, daß du mich nicht verläßt, Dein Trostwort bleibt mir ewig fest; Du bist mein rechter, treuer Hirt, De: ewig mich behüten wird. Ach ja! mein Hirt wird sein Schäßlein, und mein Vater sein Kind nicht verlassen; hast du mich betrübet, mein Gott, ach! so erfreue mich auch wieder, hast du mir den Segen gegeben, so laß mich ihn auch erblik: ken; lege mein Kind, o Jesu! mir lebendig in meine Arme, ich will es dir durch die heilige Taufe wieder in deine Liebesarme legen, und dir wiedergeben, was du mir geschenket hast; ist es mein nach der Natur und leiblichen Geburt, so soll es dein werden nach der Wiedergeburt. ( En) Psalm 68. V. 20. 21. Gelobet sey der Herr täglich! Gott legt uns eine Laft auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Schickt mir Gott ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt' ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. Herr, du hast diese Last mir aufgelegt! ach! nimm fie mir auch wieder ab; du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Gläubigen. O! wie leicht ist es dir, mich zu entbinden, die Bande zu lösen, die Thür aufzuthun; bei dir ist nichts unmöglich, laß mich in diesem Bertrauen auf dich bestäus big bis zur Stunde meiner Erlösung verharren. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen. Psalm 50. V. 15. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du solst mich preisen. Ach Herr, wie reichlich tröstest du, Die gänzlich sind verlassen! Die Guadenthür ist nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen; Sie spricht: Es ist nun All's verlor'n, Da doch das Kreuz hat neu gebor'n, Die deis ner Hülfe warten. 52 Ach mein Gott! ich warte auf deine Hülfe, ich bin ohne dich gänzlich verlassen, darum rufe ich dich an in meiner Noth, errette mich, erhöre mich, erbarme dich, ach! tröste mich mit deiner Hülfe, und der freudige Geist erhalte mich. Psalm 30. V. 9. Ich will rufen, Herv, zu dir, dem Herrn will ich flehen. Herr, höre und sey mir gnädig, Herr, sey mein Helfer. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wann es nützlich sey; Wenn er uns nur hat treu erfunden, Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh' wir's uns verseh'n, Und läsfet uns viel Guts geschehn. Ach ja, Herr Jesu! laß deine Hülföstunde bald erscheinen, deiner wart' ich mit Verlangen. Indessen will ich seufzen und flehen, du wirst mich erhören, und mir nach deiner Verheißung aushelfen. Psalm 109. V. 21. 26. Herr, Herr, sey du mit mir um deines Namens willen, denn deine Gnade ist mein Trost, errette mich. Stehe mir bei, Herr, mein Gott! hilf mir nach deiner Gnade. Auf meinen lieben Gott Trau ich in Angst und Noth; Er kann mich allzeit retten Aus Trübsal, Angst und Nöthen; Mein Unglück kann er wenden, Es steht in seinen Händen. Dieß ist mein Trost in allen meinen Leiden, daß Gott bei mir ist, der mächtige Schuzherr seiner Kinder. Dem empfehle ich mich, der wird's wohl machen. Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Gebete und Seufzer bei Sterbenden nachzus schlagen. Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung. 53 Andachten für Wöchnerinnen. Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. te ,, Ein Weib, wenn sie das Kind zur Welt geboren hat, dens fet nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist"; also sagt der Mund der Wahrheit, Christus( Joh. 16. 3. 21.). Dieses läßt auch Gott gotts felige Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Ents bindung alles Trauern unterlassen und Gott hoch preisen. Sie sollen Gott preisen 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie gestehen. müssen, daß ohne Gottes besondere Hülfe all ihr Bemühen wäre vergebens gewesen. Sie sollen 2) Gettes Gnade rühmen, daß er il re Geburtsschmerzen abgekürzet und gelindert hat. Sie sollen 3) Gett danken, daß er sie ihr Kind mit Freuden hat erblicken lassen, oder so es ja todt wäre, daß es Gott zur ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen, und ihm nach seiner Barmherzigkeit für das irdische Leben das himmlische Freuden leben gegeben habe. Sie sollen 4) die ihnen von Gott geschenkte Druhe durch Vorwiß oder Geiz, oder unnöthiges Umhergehen und Bemühungen nicht brechen, sondern dieselbe genießen und annehmen. Denn wenn manche Kindbetterinnen in den ihnen von Gott bestimmten Ruhetagen sich oftmals wollen groß machen mit Aus- und Eingehen, so fallen sie in gefährliche Krankheiten, be kommen beschwerliche Leibesschäden, unglückliche Zufälle, und dann mögen sie es sich selbst und ihrem Vorwitz zuschreiben, und den Schaden tragen, daß sie haben weiser seyn wollen, als Gott, der ihnen eine Ruhe geordnet, und für nöthig erachtet hat, sie aber dieselbe für unnöthig gehalten und verachtet haben. Daher auch die Ehemänner ihre Eheweiber in solcher Ruhe nicht stören, sondern Gottes Ordnung, welcher den Sechswöchnerinnen befoh len, 3. B. Mos. 12, daheim zu bleiben und sich zu erholen, treus lich nachkommen, und sie zu keiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbett zu verlassen nöthigen sollen. Auch sollen die Wöchnerinnen 5) Gott täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem llebel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe in fleißigem Gebet Gott empfehlen. Endlich Die Wöchnerin danket Gott sollen sie 6) auch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchengang wolle halten lassen. miund 54 Gebet. Allmächtiger, großer und starker Gott, ich erscheine allhier mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohlthat, damit du mich begnadiget hast. Ich preise dich, daß du meine Geburtsschmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden, und in der Geburt deine Hand über mich gehalten hast. Herr, wie groß ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke! Du hieltest mich, da ich sinken wollte, du erquicktest mich, wenn ich schwach und ohumächtig werden wollte, du stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja, du hast Alles herrlich ausgeführet, mein Kind mir geschenket, mein Leben mir erhalten, alles Unglück abgewendet, und mich nun nach Wunsch erfreuet. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Gelobet sey der Herr, denn er hat erhöret die Stimme meines Flehens; der Herr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hoffet mein Herz; mir ist geholfen, mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Liede. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich; so saget, die ihr erlöset seyd durch den Herrn, denn seine Güte währet ewiglich; die er aus Noth erlöset hat, und die zum Herrn riefen in ihrer Noth, und die er errettete aus ihren engsten, die sollen dem Herrn danken um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern, und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein Gott, ich erzähle heute dein Werk mit Freuden, und sage: Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthat, die er an mir gethan hat? Ach, mein Gott! laß auch ferner deine Barmherzigkeit an mir groß werden, beschüßte, stärke und erhalte mich auch in diesem meinem Wochenbette. Ach! bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und sonstigen gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlorenen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. O du Gott aller Gnade und Barmherzigkeit! breite deine Gnadenflügel aus über mein Haus, bewahre es vor Feuer- und Wassersnoth, über mein Wochenbette, und laß mich darin gesund für ihre glückliche Entbindung. Mein meine Zeit im Gebet und in deiner Furcht hinbringen. Kind aber wollest du zu deinem Preis und zu deinem Ruhm erhalten, und mir Gnade verleihen, daß ich dereinst mit erneuerten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchengang halten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun dan fet alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden, der uns von Mutter Leib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut, und jetzo noch gethan. Amen. 55 Gesang. Mel. Nun freut euch lieben Christen g'mein. 1. Gelobet sev der große Gott, Der Hülfe mir gesendet, Der meine große Angst und Noth Hat gnädig abgewendet, Der mein betrübt Ges schrei erhört, Und meine Bitte mir gewährt. Lobt seine Gnad' und Güte! 2. Er ist in dieser Leidenszeit Mein Beistand recht gewesen, Durch feine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach! sehet Gottes Wuns der an, Wie er so herrlich helfen kann. Lobt seine Gnad' und Güte! 3. Wie war mir doch so angst und bang! Doch wurd' ich nicht verlassen; Es däuchte mir die Zeit zu lang, Als wir in Nöthen saßen; Nun ist verkehrt die Noth in Freud', Die Traurigkeit in Süßigkeit. Lobt seine Gnad' und Güte! 4. Ja, seine starke Gotteshand Hab' ich jetzt recht gespüret; Als Menschenhülfe gar verschwand, Hat Gott das Werk geführet. Schnell fand sich seine Hülfe ein, Und tränkte mich mit Freudenwein. Lobt seine Gnad' und Güte! 5. Darum will ich zu keiner Beit, D großer Gott! vergessen, Daß ich in meiner Angst und Leid In deinem Schooß geseffen; Ich saß in deinem Schooße wohl, Und war auf dich Vertrauens voll. Lobt seine Gnad' und Güte! 6. Gott sey gelobet und gepreist! Die Roth ist nun verschwunden; Der alle Bande leicht zerreißt, Der hat mich auch entbunden. O großer Gott! ich danke dir; So danket, danket Gott mit mir. Lobt seine Gnad' und Güte! 7. Ja, ich will nun mit Lob und Preis Die Beit mit Gott hinbringen, Hinfüro auch mit allem Fleiß Die große Gnad' besingen. Ich till ihn loben, wo ich geh', Ich will ihn loben, wo ich steh'. Lobt seine Gnad' und Güte! Die Wöchnerin betet 8. D großer Gott! ich danke dir Für dein getreues Lieben, Daß du so gnädiglich bei mir In meiner Noth geblieben, Und nunmehr mich da von befreit! Dir sey Lob, Preis in Ewigkeit, Lobt seine Gnad' und Güte! 56 Die Wöchnerin betet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Soll beten und Gott anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen seyn, wie viel mehr soll eine Sechswöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen; sonderlich, da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes empfohlen hat, so kann sie auch desto getroster auf die göttliche Hülfe sich verlassen. Es soll demnach eine Sechswöchnerin am Morgen Gott danken 1) für die verliehene Nachtruhe, und wenn dieselbe ohne zurückgebliebene Schmerzen vollbracht ist, soll sie 2) sich und ihr Kind Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, segnen und bewahren wolle. Sie soll auch 3) mit guten Gedanken den Tag hinbringen, und die bestimmte Ruhe mit Danksagung genießen. Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, so soll sie 4) dieselben mit Geduld ertragen, und glauben, daß der Gott, der so herrlich sie aus den Nöthen gerissen, das übrige Wehe auch in Gnaden abwenden werde. Gebet. O du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, meinen Mund und meine Hände, und danke dir für den gnädigen Schuß, den du mir diese Nacht geleistet hast. Dein Engel hat um mein Bette gewacht, daß mich kein Unfall gerühret; du hast mich und mein Kind bewahret, und mich diesen Morgen fröhlich wieder die liebe Sonne erblicken lassen. Herr, Herr, wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neu ist! Deine Gnade hat mich die Nacht umgeben, dein Schuß ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädiget bin erhalten worden. Nun, das hat Gott gethan, das ist ein Werk seiner Liebe und Treue. Darum auf, mein Geist und meine Seelę! und lobe den Herrn, der dir so viel Gutes gethan hat. Herr, Herr, du bist immerdar und auch diese Nacht mein Beistand ihr Morgengebet. gewesen, du hast deine Hand über mich gehalten, ich habe erfahren, wie gnädig, wie stark, wie allmächtig, wie liebreich und gütig du seyest. Herr, Herr, ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes gethan hast. Ich will den Herrn loben alles zeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn, meine Seele soll sich rühmen des Herrn, daß die Elenden es hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Furcht; da ich Elende rief, hörete der Herr, und half mir aus allen meinen Nöthen. Darum soll auch mein Mund voll Rühmens seyn, und mein Herz soll ihm danken, ja ich will mit gefaltenen Händen seine Gnade preisen. Aber ach! Herr, Herr! laß mich auch diesen Tag deinem gnädigen Vaterschuß befohlen seyn. Ich befehle dir meinen Leib und meine Seele; ach! bewahre meine Seele und mein Gemüth vor schweren Gedanken, Angst und Betrübniß, laß hingegen deinen heiligen Geist in meinem Herzen wohnen, dasselbe heiligen, mit himmlischem Trost und mit Freude erfüllen, damit ich den Tag in deiner Furcht, mit innerlichem Seelenvergnügen in der Liebe Jesu und in kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leibe wieder die verlorenen Kräfte, vermehre sie alle Tage, und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, Zufälle, Krankheiten und alles Unglück, und lindere das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit noch auflegen wirst; erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es wachsen und gedeihen zu deinem Preis. Nun, dreieiniger Gott, ich befehle mich dir ganz und gar. Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! sey mir und meinem Kinde gnädig, vergib mir meine Sünden, segne mich und bewahre mich vor allem Uebel. Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! sey mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein Jesus, mein Seligmacher, und laß deine Gnade, wie einen kühlen Thau, diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke mich und erhalte mich. Herr Gott, heiliger Geist, erbarme dich über mich! bete in mir, und gib Zeugniß meinem Geiste, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sey. Nun, der Herr segne mich und behüte mich; der Herr erleuchte sein Angesicht über mich, und sey mir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, der bewahre mein Herz, Seele und Sinn, in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. 57 OVA Die Wöcnerin betet Gesang. Met. Wach' auf, mein Herz, und singe. 1. Die Nacht ist nun verschwunden, Es hat sich eingefunden Das Licht, der Tag, die Sonne, Und Jesus, meine Wonne. 58 2. Mein Jesus war mir nahe, Als ich die Sonn' nicht sahe; Er ist mir noch zugegen, Und gibt mir seinen Segen. 3. Ich bin beschützt geblieben, Das Unglück ist vertrieben, Ich habe fanft geschlafen Bei seiner Engel Waffen. 4. Kein Leid hat mich verlehet, Sein Trost hat mich ergözet, Mich hat kein traurig Schrecken Vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen So gnä: dig abgewendet, Und deine Hülf' gesendet. 6. Ich lag in deinen Armen, Ich schlief, und dein Erbarmen Läßt jeto mich auch sehen Ein neues Wohtergehen. 7. Wie kann ich g'nugsam preifen, Wie foll ich Dank erweisen Dem, der mir heil und Leben Bis hieher hat gegeben? 8. Der Tag hat angefangen; Mein Jesu, mein Verlangen, Laß mich in deinem Segen Ihn auch zurücke legen. 9. Kommt Kreuz, so komm' geschwinde, Hilf mir und meinem Kinde, Laß beide uns gedeihen, Und uns in dir erfreuen. 10. O Jefu, meine Freude! O meiner Seele Weide! Laß mich in allen Dingen Mit dir den Tag hinbringen. 11. Wenn ich will vor dich treten, Ach! so erhör' mein Beten, Regiere meine Sinnen, Beglücke mein Beginnen. 12. Ach stärke meine Glieder, Gib mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen, Und deinen Altar sehen. 13. Bewahre mich vor Sünden, Und laß mich Gnad' empfinden, Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. 14. Zu jeder Tagesstunde Will ich mit Herz und Munde, Mit dankbarem Gemüthe Erzählen deine Güte, 15. Ist nun der Tag verflossen, Darin ich hab' genossen Den Schuß, ber mich umgeben, und mir erhält mein Leben; 16. So will ich dir lobsingen, Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen Von Herzen preisen. Amen. Die Wöchnerin betet ihr Abendgebet. Aufmunterung. Als dorten die zween Jünger Jesum den Tag über bei sich ges habt hatten, so wollten sie ihn auch nicht am Abend von sich ihr Abendgebet. lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Luc. 14. Also soll auch eine Wöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und bes schließen, und die besondere Gnadengegenwart ihres Gottes sich zum Schuß in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie Gott danken, daß er den Tag über sie vor Schmerzen und Zufäl len, und ihr Kind vor Unruhe bewahret. Sollte aber Gott ihr nach seinem Rath noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie 2) ihn preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe ausstehen können, und den Abend erlebet habe. Hierauf soll sie 3) sich und ihr Kind dem Schuß des dreieinigen Gottes in der bevorstehenden Nacht empfehlen. Gewiß, sind alle Unglücksfälle uns Menschen gefährlich und betrübt, und verursachen Schrecken, wie viel mehr einer Wöchnerin, welche unvermögend ist, einer Gefahr zu entlaufen, und zu schwach, vielerlei Leiden auszustehen. Sie soll sodann 4) nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen und in dem Schooß ihres lieben Gottes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott denken, sich in ihm erfreuen und sich ihm ergeben. 59 Gebet. Herr, allmächtiger Gott! wie soll ich dir genugsam danken für deine Liebe und Treue, die du mir heute erwiesen hast? Jch habe auch diesen Tag unter deinem Schutz glücklich hingebracht, ich habe den Abend fröhlich erlebet, die Schmerzen und Beschwerlichkeiten meines Standes hast du mir helfen tragen und überwinden, du hast mich beschüßzet und bewahret, du bist mein und meines Kindes gnädiger Vater, Schußgott und Beistand gewesen. Herr, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freude gegürtet, auf daß dir lobsinge meine Ehre, und nicht stille werde. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedecket, ach! so breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus, behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden Alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gethan habe. Ich will mich mun legen, o Gott aller Gnade und Barmherzigkeit! in deine Arme, und will sprechen: Jch liege 60 Die Wöchnerin betet und schlafe ganz mit Frieden, denn du allein, Herr, hilfst mir daß ich sicher wohne. Befiehl dem Engel, daß er komm' und mich bewach', dein Eigenthum; gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vor'm Satan haben Ruh'; so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns seyn. Ja, o großer Gott! in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schliesen; ach! wache du selbst um mein Bette, und treibe zurück Alles, was meine Ruhe stören kann. Ob aber mein Leib schläft, so soll doch mein Geist immerdar zu dir wachen und bei dir seyn und in dir sein Vergnügen haben. Herr Gott Vater, laß mir dein Vaterherz diese Nacht offen stehen, damit ich im Schlafe an deiner Allmacht, Güte, Liebe und Barmherzigkeit mich erfreuen möge. Herr Jesu, du Licht meiner Seele, umleuchte mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht, daß ich deiner Wunden, deines Bluts mich trösten, dein lieblich Jesusbild in meinem Herzen bewahren und damit einschlafen möge. O werther heiliger Geist, erwecke in mir auch heilige Begierden und Verlangen, singe und bete in meinem Herzen, und versiegle mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sey. O du dreieiniger Gott! laß mich also in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß, wann ich erwache, ich annoch bei dir sey. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, da ich alsdann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohlthaten loben und preisen will. Die Gnade des Vaters schüße mich, die Liebe Jesu decke mich, und der Beistand des werthen heiligen Geistes stärke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein Jesu, bei mir bleibe; o Seelenlicht! der Sünden Nacht vertreibe; geh' auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, er leuchte mich, ach Herr! denn es ist Zeit. Du schlummerst nicht, wann meine Glieder schlafen, ach! laß die Seel' im Schlaf auch Gutes schaffen; o Lebenssonn', erquicke meinen Sinn; ichy laß' dich nicht, da nun der Tag ist hin. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Herr Jesu, wahres. Licht, Der Tag ist nun vergangen, Es ist nun eingestellt Der goldnen Conne Prangen; Herr Jesu, wah: res Licht, Ach weiche nicht von mir! Laß mich vereinigt seyn Auch diese Nacht mit dir. 2. Dir leb' ich, weil ich leb', Hast du mir doch mein Leben Sammt deines Segens Strom Aus großer Huld gegeben; Dir leb' ich, Seelena ihr Abendgebet. freund, Dir leb' ich nur allein, Mein Herz und Seele soll, Herr! deine Wohnung seyn. 3. Herr Jesu, gib mir auch In dieser Nacht den Segen; Ach! decke du mich zu, Ich will zur Ruh' mich legen. Herr Jesu; bleib' bei mir, Nunmehr, sieh', es wird Nacht, hab' du auf Seel' und Leib, Meir Heiland, gnädig Acht. 4. Dir sterb' ich williglich, Wenn ich dereinst soll sterben, Denn du hast mich gemacht 3u deinem Himmelserben; Dir sterb' ich jeden Tag, Und sterb' den Sünden ab; Im Sterben leb' ich dir, Weil ich dich, Jesu, hab'. 61 5. Dein bin ich Tag und Nacht; Des Tags wirst du mich leiten, ach! weich' des Nachts auch nicht, Mein Gott, von meinen Seiten. Dein bin ich allezeit, Gesund, krank und betrübt; Ich weiß in jedem Stand, Daß mich mein Jesus liebt. 6. Todt und im Grabe seyn, Pflegt Andre zu erschrecken, Doch aus dem Grab und Tod Wird Jesus mich erwecken; Todt und begraben seyn Ruft uns das Bette zu, Doch Jesus weckt mich auf Von Tod und Schlafesruh'. 7. Lebendig werd' ich auch Aus meinem Bett aufstehen. Und nach genoß'ner Ruh Das Licht der Sonne sehen; Lebendig bringt mich auch Mein Jesus aus dem Grab, Nachdem in seinem Arm Ich ausgeschlafen hab'.. 8. Amen, erhöre mich, Und laß mich süß einschlafen, Wend' alles Unglück ab Durch deiner Engel Waffen; Amen, nimm auf dein Kind, Mit Jefu schlaf' ich ein, Mein Jesus soll im Schlaf In meinem Herzen seyn. Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor. Aufmunterung Wenn Gott den Eltern Kinder gegeben hat, so gehet nicht allein die Sorge für sie an, sondern es findet sich auch bei ihnen eine Liebe zu der Kinder zeitlichem und ewigem Heil und ein Verlangen nach ihrer Wohlfahrt; dieses Alles aber muß mit Gebet von Gott erhalten werden, weil es mit gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts. Es soll demnach 1) eine fromme Mutter ihr neugebores nes Kind Gott demüthig empfehlen, und ihn bitten, daß er es wolle zur heiligen Taufe gelangen lassen, und in derselben in seine Arme als sein Kind, und zu seiner Pflege, Fürsorge, Liebe und Gnade aufnehmen. Läsfet es Gott an Jahren zunehmen, Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor. so muß es 2) in das Abend- und Morgengebet, ja auch in die täglichen Seufzer eingeschlossen werden, daß Gott es wolle mit seinem heiligen Geist regieren, ihm ein frommes Herz verleihen, gute Gesundheit, Wachsthum und Gedeihen geben, seine geraden Glieder erhalten, und es vor Ungluck und Schaden bewah ren. Das Gebet und die Sorgen frommer Eltern nehmen 3) mit zunehmenden Jahren zu, daß ihre Kinder mögen in der christlichen Lehre unterrichtet, gegründet, und zu der Erkenntniß Jesu Christi gebracht werden, welchen Schaß ihren Kindern mitzutheilen sie weder Unkosten, noch Mühe, noch Fleiß sparen sollen. Gehen sie in die Fremde, oder kommen unter die Weltfinder in den spätern Jahren, so nehmen die Sorgen der Eltern zu, aber es muß auch da 4) desto eifriger gebetet werden; da machen es fromme Eltern wie Hiob, welcher alle Abend ein Opfer für seine Kinder brachte, um Gott anzurufen, er wolle seinen Kindern gnädig seyn, und ihnen ihre Sünden vergeben. Es rufen fromme Eltern Gott an, er wolle ihre Kinder vor Verführung bewahren, er wolle sie in keine schweren Sünden und Schanden fallen lassen, er wolle sie durch seinen guten Geist auf ebener Bahn leiten, und es ihnen lassen zeitlich und ewig wohlergehen. Sie haben auch 5) das Vertrauen zu Gott, wenn sie an guter Zucht, Vermahnung in dem Herrn, vernünf tiger Erziehung Nichts haben mangeln lassen, daß er ihr Gebet auch wird erhören, und so ja die Kinder eine Zeit lang irre gehen sollten, daß er sie nach seiner Weisheit wieder herum zu holen wissen werde. Dabei sie dann 6) das Kinderkreuz, so ihnen Gott nach seinem wunderbaren Rath aufleget, mit Ges duld und Vertrauen auf seine Gnade ertragen sollen, bis er auch dasselbe lindern, oder nach seiner Barmherzigkeit wieder nach ſeiner wegnehmen wird. 62 Gebet. Wenn das Kind zur Taufe gelangt. O du gnädiger und barmherziger Gott, der du der rechte Bater bist über Alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden, siehe, ich komme zu dir, in wahrer Demuth meines Herzens, und trage dir mein neugeborenes Kind vor. Barmherziger Gott, nimm doch den von dir geschenkten Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an; ach! laß es dein Kind werden und bleiben, beschirme und erhalte es. Du tst, o Jesſu! Gebet, wenn das Kind zur heiligen Taufe gelangt. gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; siehe, ich bringe dir auch an diesem Tage mein Kind, gib ihm deinen heiligen Geist, der es durch Wasser und Geist wiedergebäre, der es heilige, regiere und sein Herz mit Glauben und himmlischem Licht erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre, und verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum Preis erziehen könne. Ach mein Gott! hiermit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigenthum, ich lege es, o himmlischer Vater! in die Arme deiner Barmherzigkeit, ach! versorge und beschüßze es. Ich übergebe es dir, o Jesu! wasche es mit deinem heiligen Blute, verbirg es in deinen Wunden wider alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o Gott heiliger Geist! zu deiner Pflege, ach! heilige es durch und durch, damit sein Geist sammt Seele und Leib möge unsträflich behalten werden bis auf den Tag Jesu Christi. Laß diesen Tag seyn meines Kindes Bundes, Segens- und Wiedergeburts- Tag, und gib, daß es dessen allezeit eingedenk bleiben, und ich daran es oft erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals wieder brechen, und aus dem Stand der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heiligung beharren bis an sein Ende, da du es wirst als dein Kind und Erbe zur ewigen Freude aufnehmen. Du Volk, das du getaufet bist, und deinen Gott auch kennest, auch nach dem Namen Jesu Christ dich und die Deinen nennest, nimm's wohl in Acht und denke dran, wie viel dir Gutes sey gethan am Tage deiner Taufe. Amen. 63 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. Herr, allmächtiger Gott, Vater aller Gnade und Barmherzigkeit! siehe, du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und preise. Wenn ich aber, mein Gott, meine Kinder ansehe, als theure Pfänder, die du mir anvertrauet, die Jesus mit seinem heiligen Blute erlöset, und die du in der heiligen Taufe zu deinen Kindern angenommen hast, ach! so bin ich bekümmert, daß ich ja keines derselben durch meine Schuld verlieren möge. Du sagest zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht, wo man sein missen wird, soll deine Seele anstatt seiner Seele seyn. Darum, o Vater aller Gnade! komme ich zu dir und trage dir meine Kinder vor; ich will thun, was ich kann, aber thue du das Gebet frommer Eltern. Beste; ach! segne meine Kinder, begleite meine Kinder, wenn sie aus- und eingehen, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie nimmermehr mögen mit schweren Sünden dich beleidigen und betrüben, oder sich Schaden und Schande verursachen. Schreibe meinen Kindern Jesum ins Herz, laß Jesum in ihren Herzen wohnen und ihr Herz heiligen, damit sie nimmermehr einen gnädigen Gott und ein gut Gewissen verlieren mögen. Behüte sie vor Verführung und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie bedenken, du seyest bei ihnen zu Hause, in der Fremde, des Tages und bei Nacht, in der Gesellschaft und Einsamkeit. Dein Engel geleite sie, wenn sie ein- und ausgehen, dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind; gib ihnen allezeit deinen Engel zum Gefährten, wie dem jungen Tobia; führe sie durch deine Engel aus der Gefahr, wie den Lot; laß sie der Engel Schuß genießen, wie Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschik ken, entweder durch Lod, oder Krankheit, oder Unglück meiner Kinder, so gib mir Geduld in solchem Leiden, daß ich bedenke, ohne dich kann nichts geschehen; die Kinder hast du mir gegeben, du hast auch macht, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du mich auch durch meiner Kinder Tod zu dir ziehen, daß ich dadurch dich allein zu lieben soll aufgemuntert werden, so erhalte mich auf diesem Dornenwege doch in Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du, wie Alles, also auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könntest. Ertheile auch im Leiblichen meinen Kindern den Gegen, versorge sie, nähre und pflege sie, gib ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein treuer Vater an ihnen; sey ihr Helfer in Gefahren, ihr Beis stand im Leiden, ihr Rathgeber, wenn sie Raths bedürftig sind, ihr Erhalter im Unglück, ihr Arzt in Krankheit. Gib ihnen eine gute Seele, guten Verstand und gesunden Leib, und laß sie vot dir leben und dich ehren und preisen. Gib ihnen ein gehorsames und demüthiges Herz, laß sie aufwachsen durch deinen Segen, und laß mich an ihnen Trost und Freude erleben. Ach Gott! erhöre mein Gebet, und denke, es sind ja sowohl deine als meine Kinder; darum wollest du auch mein Seufzen für meine Kinder vor den Thron deiner Gnade kommen lassen und es erhören. Laß mich am jüngsten Tag mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preis sagen: Siehe, hie bin ich, mein Gott, und die Kinder, die du mir gegeben hast, ich habe deren 64 65 für ihre Kinder. feines verloren. Sa, mein Gott, verleihe, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie mit mir und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingeben mögen. Ach Gott! segne meine Kinder, nimm dich ihrer treulich an, thu' an ihnen auch nicht minder, als du hast an mir gethan; segne ihren Schritt und Tritt, theil' den Segen ihnen mit, laß es ihnen wohlergehen, sie in deiner Gnade stehen. Amen Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott. 1. Du hast, o großer Gott! Die Kinder mir gegeben, und ihnen väterlich Bisher geschenkt das Leben; Ach! dafür dank' ich dir Als eine liebe Gab', Die ich von deiner Hand, Mein Gott, empfangen hab'. 2. Seh' ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß selbige sind mein, Weil sie sich von mir nennen; Jedoch sie sind auch dein, Drum komm' ich auch zu dir, Und trage dir, o Gott, Jetzt meine Kinder für. 3. Ach! pflanze Gottesfurcht In ihre zarten Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Erfülle doch ihr Herz Mir wahrer Frömmigkeit, Daß sie in deiner Furcht Verharren allezeit. 4. Laß sie in Tugenden Mit jedem Jahr zunehmen, Und zum Gehorsam sich Ohn' Widerspruch bequemen Schenk' ihnen deinen Geist, Gib Weisheit und Verstand, Und führ' sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist Sie allezeit regieren, Mit Demuth, Glaub' und Lieb' Jhr zartes Herz stets zieren; Ach! dein Geift leite fie, Wann sie geh'n aus und ein; Ach! laß an jedem Ort Sie dir befohlen seyn. 6. Wenn sie auch in der Welt Viet Böses werden sehen, So laß fie nimmermehr Auf böse Wege gehen; Wend' ihre Augen ab Von Sünd' und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel' Ver Stotz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will zur Sünde sie verführen, So laß fie deine Furcht Und Gegenwart verspüren; Ja, schrecke sie bald ab, Bes wahre ihren Tritt, Begleite sie und geh', Wo sie hingeh'n, selbst mit. 8. Erhalte fie gefund, Gib ihnen deinen Segen, Nimm sie in deinen Schuh, Führ' sie auf deinen Wegen; Ach! laß es ihnen doch Beständig wohl ergeh'n, Sie stets in deiner Gnad' Und deinem Segen steh'n. 9. Und noch Eins bitt ich dich, Das wollest du mir geben: Laß mich ja nimmermehr Au ihnen Schand' erleben; Auch noch nach meis nem Tod, Ach Gott! erhöre mich, Erbarm' dich meiner doch Und ihrer gnädiglich. 5 Die Sechswöchnerin schicket sich 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vom dir verklärt zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hie bin ich und die Gab', Die Kinder, die ich einft Von dir empfangen hab'. 66 Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchengang. Aufmunterung. Wenn Gott eine Sechswöchnerin gnädiglich ihre sechs Wochen hindurch erhalten, ihre Kräfte wiedergegeben, sie gestärket, sie und ihr Kind vor Unglück bewahret hat, daß sie nun ihren Kirchengang halten kann, so soll ja allerdings ihr Mund voll Rührung seyn, und den allerhöchsten Gott dankbarlich preiſen. und loben. Sie soll 1) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bette gelegt, aber wie Gott ihre Kräfte erneu ert habe, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. Sie soll 2) bedenken, wie andere Sechswöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, nach ihren sechs Wochen ein schweres Lager und Unglück gehabt haben, ja gar gestorben sind, und deßwegen Gott, der sie davor bewahret, mit besondern Lobund Danfliedern erheben und preisen. Wenn sie über das auch ihr Kind frisch und gesund siehet, so hat sie 3) Ursache, die hohe Wohlthat Gottes demüthigst zu erkennen. Jhr Kirchens gang demnach soll 4) geschehen mit Andacht, mit einem danks baren Herzen und lobenden Munde, sie soll sich erfreuen, wenn sie in die Vorhöfe des Herrn tritt, und zu dem Altar sich nahet. Sodann soll sie 5) ihr Gebet, Fürbitte und Danksagung verrichten, Gott loben, sich und ihr Kind befehlen, den Segen empfangen, und hernach der empfangenen Güte Gottes allezeit eingedenk verbleiben. Gebet. Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Wohlthaten, die er an mir gethan hat? Ja, der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich! O du gnädiger und starker Gott! ich will nun wieder meinen ersten Kirchengang halten, dir in deinem Tempel zu danken für deine gnädige Hülfe und für den starken Beistand, den du mir hast erwiesen. Herr Gott! du hast mich glücklich entbunden, mein Leben erhalten, mein Kind mich fröhlich lassen erblicken. Du hast, o gnadenreicher Gott! diese sechs Wochen mich erhalten, vor Unglück bewahret, du hast mir die verlorenen Kräfte wiedergegeben, daß ich nun in gutem Wohlseyn kann zu zu ihrem Kirchengang. 67 deinem Tempel mich nahen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörete mich, und tröstete mich. Der Herr ist meine Macht, mein Psalm und mein Heil. Herr, ich danke dir, daß du mein Leben in der Geburt erhalten; ich danke dir, daß dit mir meine Kräfte wiedergegeben; ich danke dir, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten und dir in deinem Tempel für alle empfangenen Wohlthaten danken kann. Ach Herr! nimm an das schwache Lobopfer meiner Lippen. Ich freue mich, daß mir verheißen ist, daß ich soll in den Tempel gehen und meine Füße stehen sollen in den Choren des geistlichen Jerusalems. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, daß ich in dem Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn. Ach mein Gott! laß diesen Ausgang gesegnet seyn, gib mir mit jedem Tag mehr Kräfte, laß mein Kind wachsen zu deinem Preis. Ich bringe dir an diesem Tage ein Paar Turteltauben, mein dankbar Herz und meinen lobenden Mund, ach! verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Versöhnopfer, Jesu Blut und Tod, in wahrem Glauben, damit reinige mich und wasche mich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich es schon in der heiligen Taufe gethan, ach! sey hinfüro sein Vater, sein Pfleger, sein Schußherr, sein Erhalter und gnädiger Gott. Laß aber auch deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet seyn über mich und mein Kind, laß uns vor dir leben und deinen Namen prei sen. Gib, daß ich dieser Wohlthat allezeit eingedenk seyn und bleiben möge, damit ich im Glauben, in der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharren, und darin auch meine Kinder erziehen möge. Gib mir und meinen Kindern deinen heiligen Geist, der 1 uns erleuchte, heilige, regiere und führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder werden zu deiner Herrlichkeit eingehen, in das neue Jerusalem, wo du selbst Sonne und Licht bist. Ich will, so lang' ich lebe hier, den Herrn lobpreisen für und für; viel Gutes hat er mir gethan, viel mehr als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, und sonderlich zu diesem Mal hat er allein durch seine Hand das Unglück von mir abgewandt. Amen. Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Gott hat mein Gebet erhöret; Also sprech' ich hoch erfreut, Weil er das, was ich begebret, Gnädiglich verliehen heut'; Nun erkennet mein Die gottselige Mutter danket Gott Gemüthe Gottes große Gnad' und Güte, Der betrübt, und doch zuletzt Uns in Freud' und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gebet erhöret; Meine Traurigkeit und Klag' Hat nunmehro aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vernich tet, mir ein Lachen zugerichtet, Und nach der betrübten Nacht Alles voller Lust gemacht. Jaror 3. Gott hat mein Gebet erhöret; Denn als ich in Nöthen schrie, Hat er sich zu mir gekehret, Und gesprochen: Ich bin hie! Ich bin hie, ich will dich retten, Und an deine Seite treten; Dieses ist von Gott gescheh'n, Und ich kann zur Kirche geh'n. 68 4. Gott hat mein Gebet erhöret; Preiset mit mir alle Gott, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was uns ist Noth; Der da liebreich den anslehet, Der im Glauben zu ihm fliehet, Und zu uns in Trübsal spricht: Sey getrost, ich laß' dich nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret; Trau' ihm doch, wer du auch bist; Ich, ich bin es nun gelehret, Daß er unser Helfer ist. Gott kann schüzzen und auch decken, Und zu unsrer Hülf' ausstrecken Seine starke Hülfess hand, Die mein Leiden hat gewandt. 6. Gott hat mein Gebet erhöret; Also sprech' ich, wo ich geh'; Meine Freud' wird stets vermehret, Wenn ich seine Hülf' anseh'. Darum lern' auch Gott vertrauen Und auf seine Hülfe bauen, So wirst du auch, gleich wie ich, Hülf' erlangen gnädiglich. Die gottselige Mutter danket Gott, wann ihr Kind entwöhnet wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, so erneuert sich das Gebet, wann nun das Kind soll entwöhnet werden. Denn das ist eine große Gnade, daß Gott die Milch dem zarten Kinde gedeihen lassen, so, daß es nunmehr gewachsen, stark geworden und an Kräften zugenommen, daß es ohne Milch kann mit Speisen erhalten werden. Darum soll 1) eine gottselige Mutter Gott danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Stärke hat gelangen lassen, daß es nun durch andere Speise sein Leben erhalten kann. Sie soll 2) Gott danken sonderlich, wenn sie ihr Kind selbsten gestillet, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben seinen Segen verliehen, ja dadurch ihr Kind hat gedeihen lassen. Sie soll 3) Gott anrufen, er wolle wann ihr Kind entwöhnet wird. 69 auch dem Kinde nun die Speise segnen, es lassen aufwachsen zu seinen Ehren, und wie es an Jahren zunimmt, auch sein Herz mit den Gaben des heiligen Geistes erfüllen. Und weil auch die Kinder um die Zeit sich zum Alleingehen bequemen, so soll die göttselige Mutter 4) Gott bitten, er wolle ihr Kind selbst führen, durch seinen heiligen Engel bewahren, vor schwerem Fallen behüten, ihm gerade und gesunde Glieder erhalten, und es also in seiner Gnade und unter seinem Schutz von einem Alter zum andern gelangen lassen. Gebet. Barmherziger und gnädiger Gott! wie ist mein Herz erfreuet, daß ich nun auch die Zeit habe erlebet, daß ich mein Kind von der Mutterbrust entwöhnen kann. Oliebreicher Gott! du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, es unter so vielen Zufällen erhalten, ihm sein zartes Leben gefristet, und es nunmehr so weit kommen lassen, daß es zu seiner Erhaltung stärkere Speise bedarf. Gelobet sey deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutterbrust bisher gesegnet hast, daß es zu Kräften gekommen und von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Segen, habe Dank für deinen Schuß, habe Dank für deine Treue und Gnade. O Herr! du thust alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutterbrust Speise und Trank in Milch verwandelst und derselben eine nährende Kraft beilegest, daß die Kinder dadurch gelabet, erquicket und gestärket werden. Ach Gott! hast du nun meinem Kinde die Mutterbrust gedeihen Lassen, ach! so segne ihm auch die übrige Speise und Trank, dazu ich es angewöhnen will; gib, daß es sich dazu williglich bequeme, laß es auch dadurch ferner wachsen, und mit jedem Tag, mit jeder Woche und jedem Jahr an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es will anfangen zu gehen, begleite es durch deinen Engel, halte es, wenn es fallen will, behüte es, wann Gefahr vorhanden ist. Ach, laß dieß mein Kind dir befohlen seyn am Leib und an der Seele, stärke es auch an dem inwendigen Menschen, heilige es durch deinen heiligen Geist, daß es im Gehorsam und in Gottesfurcht sich gern erziehen lasse, nicht widerspenstig sich beweise, sondern als ein frommes Kind gern folge und höre; gib ihm deinen heiligen Geist und ein frommes Herz, damit ich Freude an ihm allhier erleben, und es dermaleinst zur ewigen Himmelsfreude mitnehmen, und mit ihm zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Sehr groß, o Herr, 70 Erinnerung und Trost ist deine Güt', die mich beschüßzet und behüt't; ich will sie rühe men hier auf Erd', so lang ich Odem haben werd'. Amen. Gesang. Mel. O Gott, du frommer Gott! 1. Der Herr, der große Gott, Der seinen reichen Segen Auf mich geschüttet hat, Als einen sanften Regen, Den preis' ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind In allem Wohlergehn Und seinem Frieden sind. 2. Hat großes Ungemach Viel Andere gedrücket, So hat mit seiner Huld Der Höchste uns geschmücket. Die Milch, die süße Speis', O welche große Gnad'! Ist's, welche Gott bisher Dem Kind gesegnet hat. 3. An mir und meinem Kind Sind Wunder viel geschehen; Das muß ich diesen Tag Zu Gottes Preis gestehen. Uns beide schützte er, Er gab uns Kraft und Stärk', Bis er an uns vollbracht Sein großes Wunderwerk. 4. Geth an hat er so viel, Geschenkt so reiche Gaben, Die mich und auch mein Kind Bisher erfreuet haben; Er hilft, bewahrt, er liebt, Hält uns in seiner Hut, Er thut an uns noch mehr, Als sonst ein Vater thut. 5. Deß bin ich fröhlich heut'; Mein Gott! was soll ich sagen? Du hast mein Kind und mich Auf deiner Hand getragen. Ach! segne uns hinfort, Ach sieh! wir sind ja dein, Ach! laß uns deiner Gnad' Allzeit empfohlen seyn. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Ich habe oftmal gottselige Ehefrauen, welche Gott ohne Kinder und Leibeserben dahin gehen lässfet, hören sprechen: daß man wohl Trost, Aufmunterung und Gebete für allerlei Stände des weiblichen Geschlechts, als für Schwangere, Gebärende und Sechswöchnerinnen fände, aber daß man die, welche Gott mit Leibesfrucht nicht erfreuen will, ohne Aufmunterung und Trost ließe. Derohalben ich denn, da ich den Fruchtbaren zum Trost, nach der Gnade meines Gottes, einigen Unterricht ertheilet habe, 71 für Unfruchtbare. auch denen, welche Gott keine Kinder gibt, über ihren Zustand meine Gedanken eröffnen will. Wenn demnach Gott läsfet Eheleute ohne Kinder seyn, daß sie mit Abraham sagen: Herr, was willst du mir geben, ich gehe dahin ohne Kinder? 1. B. Mof. 25, V. 2., so sollen sie 1) bedenken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit können natürlich seyn, bei den beiden Eheleuten; denn wie Gott nicht einerlei Natur allen Menschen gibt, also auch nicht einerlei Fruchtbarkeit. Wenn nun Gott diese Gabe nicht in ihre Natur geleget hat, so sollen sie deßwegen mit ihm zufrieden seyn, und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der sie liebe und ihnen gewogen sey. Hat eine Tulpe schon nicht so viele Blumen als der Rosenstock, so ist sie doch dem Gärtner und Herrn des Gartens ein liebes Gewächs. Wie viel Bäumlein zieren den Garten, und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gern im Garten stehen. Also sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott Einem viel, dem Andern weniger gibt. Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so theilt er aus. Gott hat sich vorbehalten drei Schlüssel: den Schlüssel zum Grabe, denn Niemand kann Todte auferwecken, als Gott; den Schlüssel zum Regen, denn kein Göze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleib, da kann Niemand öffnen, wenn der Herr zuschließet, und Niemand zusſchließen, wenn der Herr öffnet. Ist aber diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung abzulegen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns Gottes, denn daß Gott nicht zornig über sie sey, sollen sie daher abnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht läsfet fehlen; er gibt ihnen leibliche Gaben, Gesundheit, Segen, Nahrung, Wohlergehen, welches er zuweilen denen, die Kinder haben, nicht so reichlich ertheilet, sondern Krankheit, Kinderkrenz und Elend ihnen reichlich zumisset. Gott gibt ferner denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben, als Freude in Gott, Frieden mit Gott, die Gerechtigkeit Jesu Christi, Trost und Wonne; dadurch sie ja abermal überzeuget werden, daß Gott 72 Erinnerung und Trost nicht zornig über sie sey; denn wer unter Gottes Zorn und Ungnade stehet, der muß auch gewiß der himmlischen Gaben entbehren. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute bedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihren Leibesund Gemüthszustand besser erkenne, als sie selbsten. Denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie Gott doch vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, wie auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind der Ehefrau und ihrem Ehemanne viel Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Geber und Gottesdienst verhindern; ja vielleicht würde das Kind zu viel Betrübniß machen, wenn es Gott nach seinem Rathe wieder sterben ließe; darum, weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser fennt, als sie selbsten, so erweiset er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für feine Gnade halten. 5) Sonderlich aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder. Entweder muß die murrende Mutter Leben oder Gesundheit darüber verlieren, oder wenn das nicht geſchieht, so geräth ein solches, im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken; Jammer, Verdruß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Leben lang in Angst, Betrübniß und Traurigkeit feget, welches Früchte ihrer unverständigen Bitte sind. Wie mancher mit Unverstand von Gott erbetene Sohn ist seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden! 6) Es sollen hiebei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli 1. Tim. 2, 2. 15 nicht mißbrauchen, wenn es heißet: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleibet im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung, sammt der Zucht. Denn in dem Spruch saget Paulus nicht, daß die Weiber sollen durch Kinderzeugen selig werden. Denn wir werden durch das Verdienst Jesu Christi und um seines vergossenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig, Röm. 3, V. 28. Röm. 5, V. 1, und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja keine Jungfrau selig werden können, welches wider Gott und sein hei liges Wort ist; sondern Paulus führt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgeleget, darum weil sich das Weib im Para 73 für Unfruchtbare. dies verführen lassen, und die Ulebertretung und Sünde eingeführt hat, daß jedoch Gott in der Geburt ihnen wolle beistehen und durchhelfen; sie sollen doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühlen, nämlich, wenn sie würden in solchem Stande bleiben im Glauben an den Herrn Jesum, in der Liebe gegen Gott und Menschen, in der Heiligung des Lebens und in der Zucht und christlichem Wandel. Derohalben ist dieser Spruch ein Trostspruch in Kindesnöthen und eine Versicherung derer, welche in Kindesnöthen sterben, daß sie der Schmerzen, die wegen der Sünde aufgelegt sind, ungeachtet doch sollen selig werden. aber er zeiget keine Ursache der Seligkeit der Weiber an. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten und im Gebet anhalten. Etliche Bäume tragen gleich das erste Jahr, etliche aber nach Verfluß vieler Jahre. Darum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen; werfet euer Vertrauen( auf Gott) nicht weg, welches eine große Belohnung hat, Hebr. 10, V. 35. Wie nun Gott nicht allen Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohlthaten gibt, sondern dem Einen frühe, dem Andern spät, also auch in diesen Gaben. 8) Hiebei sollen sich Eheleute fleißig hüten vor Mißvergnügen gegen ihre Ehegatten, wenn das Weib die Schuld auf den Mann, oder der Mann auf das Weib schieben wollte; sondern bedenken, daß es Gott sey, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will, 1. Buch Mos. 30, V. 1. Derohalben sie einander doch herzlich lieben und mit Gott zufrieden seyn sollen, weil keines von beiden ohne Gottes Gabe, Segen und Willen Etwas darzu thun kann. Absonderlich sollen sie sich auch vor Argwohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbtheilung fragen und trachten; sondern aufrichtig in der Liebe gegen einander verhars ren, die Ohrenbläser abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal seyn muß, eine Verordnung machen. 9) Lässet Gott es frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da die, so Kinder haben, oft am Gebet, am Gottesdienst und an der Erbauung durch die Kinder gehindert werden, so können sie desto mehr dem Dienst Gottes ungehindert und ungestört abwarten. 10) Schenket Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kin der, so sollen sie desto mehr die Armen sich lassen empfohlen seyn, Erinnerung und Trost frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule halten, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Bater und Mutter preisen, und auch vor Gott rühmen werden: Diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket; Matth. 25. 11) Gott gibt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zuweilen keine Kinder, auch darum, weil er siehet, daß inskünftige schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Land einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen vor dem Unglück wegrafft, und seine lieben Kinder, ehe das Sturmwetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskia verheißen und an dem heiligen Augustino erwiesen, welches allerdings eine große Gnade Gottes ist: so ist's ja eine Wohlthat, wenn Gott keine Kinder gibt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündfluth geschah, nicht erleben und erfahren. 12) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie etwa die Kinder nur als eine Naturgabe ansehen, oder ob sie dieselben als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der That sind, halten. Meinen sie, es sey eine Naturgabe, welche sie selbsten befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen, durch Vorenthaltung des Ehesegens, Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sey, darum will er gebeten seyn. Wenn hier christliche Eheleute mir wollten entgegenseßen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten und doch Kinder zeugen und krigen, so antworte ich: Bei denen lässet Gott der Natur ihren Lauf, zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammenkommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. So sollen es also hier gottselige Eheleute machen, wie dorten Isaac, von dem es heißet: Und Isaac bat den Herrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaac, daß Kinder nicht allezeit eine Naturgabe, sondern eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der Herr ließ sich erbitten, und Rebecca, sein Weib, ward schwanger, 1. B. Mof. 25, V. 21. Dieses Alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen und sich damit gegen alle Ungeduld und Gemüthsunruhe bewahren, und bedenken: ist ihr Haus einsam und ohne Kinder, daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler tausend heiligen Engel seyn werden, mit welchen sie sich in Ewigkeit vor dem Throne des dreieinigen Gottes erfreuen sollen. für Unfruchtbare. Gebet. 75 Herr, Herr, was willst du mir geben? ich gehe dahin ohne Kinder! Ach mein Gott! ich sehe, wie du Andern den Ehesegen mit reichem Maaße zutheilest, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten und nicht gegeben. Herr, Herr, laß mich doch dieses Alles mit christlicher Gelassenheit, als deinen gnädigen Willen, geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächti ger Gott, der du mir leicht Kinder geben und mich fruchtbar machen kannst, wenn du willst. Sch weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebet und seine Gnade mir noch nie versaget hat; darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen, du weißt am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht bescheeret hast. Sollte ich etwa zu schwach in der Geburt, zu trag in der Erziehung der Kinder, oder zu niedergeschlagen im Kinderkreuz seyn, so erkenne ich daraus deine Güte, die meiner schonen und mich nicht über Vermögen versuchen. lassen will. Gibst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß in dir desto mehr mich erfreuen, daß ich dich herzlich liebe, an dir all mein Ergößen und Vergnügen haben möge. Laß mich indessen bleiben im Glauben an dich, dreieinigen Gott, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens, ja laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor Jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein gnädiger Wille über mich sey, dem ich mich denn von Grund meiner Seele ergeben will. Bewahre indessen mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld und Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich ihn dennoch herzlich liebe, ihn als mein Kind halte, ihn lieber habe, wie zehn Söhne oder Töchter. Ist's dein Wille, daß ich eine Zeit lang soll warten, und daß du mich dennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen, und an mich, wie an Hanna, gedenken willst: so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir aber gar keinen Erben geben, Herr! so soll das mein Erbe seyn, daß ich deine Wege halte; Jesus soll meines Herzens Trost und mein Theil seyn. Herr, Herr! es ist dir alles möglich, hast du Sara und Elisabeth über die Zeit der Natur lassen schwanger werden, so ist es dir auch ein Geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. Herr, laß dich erbitten, so will ich für die Gabe dir danken mein Leben lang, und sie dir zum Preis und zur Ehre erziehen; ich will sie dir durch die heilige Taufe wiederschenken. Laß mich Erinnerung und Trost auch nicht scheel sehen, wenn du Andern das Haus voll Kinder gibst, sondern desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern erweisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, Herr, deine Güte sey über uns, wie wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gib mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande; ist mir's nüglich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte, ist's aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich auch dir kein Kind abzwingen, ja ich will wider deinen gnädigen Willen Nichts, und auch keine Kinder haben. Herr, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach! schicke es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gib, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hülfe erzeigen wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen, denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, so hat er schon den Schluß getroffen, er weiß am besten Zeit und Ziel; ich harr' auf ihn, denn so betrügt die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt, wird mir nur geben der allerhöchste Wundergott ein fröbliches Herz, gesundes Leben und was sonst meiner Seele noth; das Uebrige, wie er es fügt, befehl' ich ihm, ich bin vergnügt. Amen. 76 Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Uch Herr! was willst du mir geben, Weil ich ohne Kinder bin? Meine Zeit und auch mein Leben Geht in vielem Kummer hin; Andre muß ich fröhlich sehen, und mit Kindern einhergehen, Aber ich geh' ganz allein, Und muß stets bekümmert seyn. 2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind ze seyn, Mit ihm allezeit zu scherzen, Mit ihm hin und her zu geh'n, Dieses pflegt mich zu ergößen, Und in tausend Freud' zu sehen; Doch die Freude hab' ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht. 3. Warum thust du an mir minder, Als an Andern, lieber Gott? Andre haben viele Kinder, Die kaum haben fäglich Brod. Du gibst mir sonst großen Segen, Aber, ach mein Gott! hingegen Gibst du mir nicht diese Gab', Die ich oft gebeten hab'. 4. Ach mein Gott! ich will nicht fragen, Thue nur, was dir gefällt; Ich will dieses gerne tragen, Alles sey dir heimgestellt. Ach, du weißt ja mein Begehren; Willst du mir's, mein Gott, gewähren, So geschehe, Herr, dein Will'; Deinem Willen halt ich still. 77 für Unfruchtbare. 5. Laß, o Herr! mir deinen Willen Immerdar vor Augen seyn; Deinen Willen lasse stillen, Was da wend't mein Wollen ein; Ja, laß mir, o Gott! in Allem, Was nur dir gefällt, gefallen, Daß ich christlich mich bezeig' Und gelassen stille schweig. 6. Ich will nichts von dir erzwingen, Gib mir ja kein Kind im Zorn; Es möcht' mir sonst Jammer bringen Und mir seyn ein scharfer Dorn, Der mein Leben lang mich steche, Und mir mein Vergnügen breche; Was mich martert, quält und sticht, Lieber Gott, das gib mir nicht. 7. Ich weiß, daß du mich doch liebest, Daß ich steh' in deiner Gnad', Ob du mir schon das nicht giebest, Was mein Herz gebeten hat; Hab' ich dich, o meine Wonne! Mein Gott, meine Freud' und Sonne! So bin ich in dir vergnügt, Wie's dein Wille mit mir fügt. 8. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein an Jefu laben, Dem schenk' ich mein Herz und Lieb'. Jesu! deine Lieb' und Schöne Ist mir lieber als viel Söhne; Wenn ich Jesum bei mir hab', So hab' ich die größte Gab'. 9. Nun, mein Gott, ich bin zufrieden Mit dem mir bestimmten Theil, Welches du mir hast beschieden, Alles dient zu meinem Heil; Darum will ich dir vertrauen Und auf deine Hülfe bauen; Mach' mein Herz vertrauensvoll, Gib mir, was ich haben soll. 10. Indeß will ich Jesum lieben, An ihm haben meine Freud', Mich in Lieb' und Glauben üben, und durch stille Mildigkeit Armen Kindern reichlich geben, Daß fie Gott zu Ehren leben, Ihnen helfen Gott zum Preis Durch mein Wohlthun, Treu' und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein Gott gedenket, Was er mir bestimmet hat? Wer weiß, was er mir noch schenket? Wer weiß, was da seine Gnad' Mir noch zugedacht zu geben? Wer weiß, werd' ich noch erheben Nach der Hülfe Herz und Mund, Wann erscheint die Gnadenstund'? 12. Herr! erhöre dieß mein Flehen, Ach! nimm meine Seuzer an, Laffe meine Bitt' geschehen, Du bist's, der mir helfen kann: Doch laß mich in allen Fällen Alles dir, mein Gott, heimstellen, Daß ich, wie es immer geh', spreche: Herr! dein Will' gescheh'! Ach Herr! was willst du mir geben Ach hilf mir aus dieser Stunde Der Herr, der große Gott Die Nacht ist nun verschwunden. Du hast, o großer Gott! Gelobet sey der große Gott Gott hat mein Gebet erhöret Gott wird mich nicht verlassen Herr Jesu, wahres Licht Ich danke dir, mein Gott Ich erblick' die helle Sonne Register. Gesänge. Ich weiche nicht von Gott. Ich will stets mit Gott umgehen. Mein Gott ist ja bei mir Sieh die Sonn' will von uns gehen Wie hat der große Gott doch mich Wir haben einen Gott, der hilft. Andachten für Schwangere. Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet Tägliche Betrachtung einer Schwangern Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Andachten für Gebärende. Seufzer bei Andacht bei herannahender Gebärstunde Trost bei herannahender Geburt. Seufzer vor der Geburt Ein Anderes unter der Geburt Ein Anderes Ein Anderes Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöthen zu sprechen und vorzusprechen. Andachten für Wöchnerinnen, Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung Die Wöchuerin betet ihr Morgengebet. Die Wöchnerin betet ihr Abendgebet Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor Wenn das Kind zur Taufe gelangt. Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchengang Die gottselige Mutter danket Gott, wann ihr Kind entwöhnet wird Erinnerung und Troft für Unfruchtbare Seite 76 32 70 58 65 67 24 60 19 21 13 29 7 16 26 3 6 8 14 17 19 22 25 27 30 34 35 36 36 37 38 53 56 58 61 62 63 66 68 70 In demselben Verlage sind erschienen: J. P. Fresenius auserlesene heilige Reden über die Sonn- und Festtags- Evangelien durchs ganze Jahr. Auss Neue herausgegeben von Dr. J. F. v. Meyer. Zweite Ausgabe. Gr. 8. Geheftet. Thlr. 1. 16 Sgr. od. fl. 2. 42 fr. J. P. Fresenius, Epistelpredigten, oder auserlesene heilige Neden über die epistolischen Texte. Auf's Neue herausgegeben mit einem Lebensabriß des Verfassers von H. F. Ledderhofe. Gr. 8. Geh. Thlr. 1. 16 Sgr. od. fl. 2. 42 fr. Fresenius war nicht nur ein gründlicher Gottesgelehrter nnd Schriftausleger, sondern seine Predigten zeichnen sich auch besonders durch ihren praktischen Gehalt aus. Es ist nicht eine bodenlose menschliche Moral, die wir hier verkündigen hören, sondern ihr Boden ist das Wort Gottes. Es ist die Moral, die aus dem christlichen Glauben kommt und allein gesegnete Früchte, bringt. Denn welchen Christus verkündigt ist, die haben fortan kein anderes, kein vollständigeres Gefes, als ihn selbst und seine Gnade; und dieses Geseß soll in ihnen leben und wirken, und so der Mensch nicht von außen, sondern von innen aus ein fittliches Wesen werden. vielmehr heilig in all seinem Wandel. Die Tugendlehrer der Selbstgerechtigkeit vergessen, oder wissen nicht, daß der Mensch erst innerlich neu geboren werden muß durch den Glauben, ehe er wahrhaft Gutes thun, ehe er das Geses und den Willen Gottes wirklich erfüllen kann; sie haben die Lehre von der Wiedergeburt weit von sich geschoben, oder auf die äußere Erscheinung beschränkt. Nicht so unser Prediger; er lehrt aus einem Grunde, den Niemand zerstören kann, und der Jeden befestigt, welcher auf ihm ruht, Jesus Christus und dessen Kraft ist sein Ein und Ulles." Joh. Arnd's Techs Bücher vom wahren Christenthum. Nebst dessen Paradiesgärtlein und dem Gericht von dem Leben und Absterben des Verfassers. Herausgegeben von Dr. J. F. v. Meyer. Vierte Auflage. Geh. Thlr. 1.- od. fl. 1. 48 fr. ,, Ueber den Werth des Urnd'schen Werkes hat die Zeit und der Geist Jesu Chrifti, der in ihm und den Gläubigen wohnt, längst entschieden, und es bedarf keiner neuen Lobrede. Möge dieser höchst praktische Wegweiser zur Wiedergeburt und zum ewigen Leben durch gegenwärtige Bearbeitung neue Freunde finden und der Herr solche zum Heil vieler Seelen mit seinem Gegen begleiten." ( Uus dem Vorwort des Herausgebers.) J. F. Starck's Morgen- und Abend- Andachten frommer Christen auf alle Tage im Jahr, wie solche aus der Quelle des göttlichen Wortes fließen. Neunte Auflage. Gr. 8. Geh. Thlr. 1. od. fl. 1. 48 fr. Das lebensfrische, Einzelnen wie Familien seit lange zur Segensquelle gewordene Andachtsbuch von Starck, neben welchem die Kirche nichts Besseres aufzuweisen gat, ist in dieser neuen Uusgabe gewiß Vielen willkommen, zumal Exemplare der älteren ſelten und kostspielig geworden sind." ( Aus einer Recension.) Der Ackerban nach seinen monatlichen Verrichtungen. Ein Leitfaden für die landwirtschaftliche Praris. Von Freiherrn 2. v. Babo. Neue Ausgabe Gr. 8. Geh. Thlr. 1. od. fl. 1. 48 fr. " Mancher alte Landbauer steigt ins Grab und nimmt die gemachten Erfahrungen mit sich hinab. Die Jungen müssen wieder aufs Neue anfangen und sind im Alter oft auch nicht viel weiter gekommen. Da ich nun in einer Lebensperiode stehe, in welcher man nicht wissen kann, wie man plöglich zu jener andern Ernte abberufen wird, zu welcher wir in diesem Leben vor Allem pflügen und fåen sollen; weil ich dabei glaube, manches beobachtet zu haben, worauf die Jungen weiter bauen können, so habe ich mich entschlossen, das Beobachtete für diese in der gegenwärtigen Schrift niederzulegen." ( Aus dem Borwort.) H. 8. Brönner's Druckerei in Frankfurt a. M. انا انا انا انا در Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 ¹6 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 & F B.I.G. Black